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Kleine Propheten

 

 

 

Der Prophet Hosea

 

[Hosea  war ein Prophet, der etwa zwischen 750 und 725 vCh im Nordreich Israel wirkte. Das ihm zugeschriebene gleichnamige Buch eröffnet die Reihe der zwölf kleinen Propheten in der   hebräischen Bibel.  Das Buch besteht großenteils aus gesammelten Prophetensprüchen Hoseas ohne Rahmenhandlung. Sie lassen nur zum Teil eine zeitliche oder thematische Anordnung erkennen. Hosea ist der Sohn Beeris, mehr erfährt man nicht über seine Herkunft. Er stammte aber wohl aus dem Nordreich, denn er bezog sich ausschließlich auf dessen Traditionen und trat vor allem in der Hauptstadt Samaria, eventuell auch anderen israelischen Kultorten wie Bethel und Gilgal auf.

Er soll in der Regierungszeit der judäischen Könige von Usia (787-736) bis zu Hiskia (728-700) sowie unter dem israelischen König Jerobeam II. (787-747) gewirkt haben. Diesem war zunächst eine Rückeroberung der an die Aramäer verlorenen Gebiete gelungen. Doch bald darauf wurden Israel und Juda zunehmend von der neuen Großmacht Assyrien bedroht. Im Jahre 722 eroberte deren König Salmanassar V. Samaria und beendete das Königtum des Nordreichs.

Der Textbestand des Buches Hosea gehört zu den am schlechtesten erhaltenen biblischen Büchern. Entsprechend uneinig ist die historisch-kritische Bibelforschung über seine mögliche Herkunft und Überlieferungsgeschichte. Sicher ist, daß ein Teil der hier gesammelten Prophetensprüche auf eine judäische Redaktion in oder nach dem Babylonischen Exil (586-539 vCh) zurückgeht, die Unheilsworte an das Nordreich auf das Südreich bezog und entsprechend ergänzte.  

Dieser Überarbeitung kann jedoch schon eine lange überlieferte Sammlung von Hoseas Prophetie vorgelegen haben, die wahrscheinlich bald nach 722 im Südreich begann. Eventuell wurden dort bereits Heilsansagen unverbunden neben die älteren, echten Unheilworte Hoseas gestellt, da nach 586 auch judäische Prophetie auf diese Weise ergänzt und gedeutet wurde.

 

Theologische Schwerpunkte: Als Prophet des Nordreichs bezog sich Hosea ausschließlich auf dessen Traditionen, vor allem den Auszug aus Ägypten, die Wüstenwanderung und das erste Gebot. Seine Gerichtspredigt war ebenso radikal wie die seines Zeitgenossen Amos. Auch Hosea verlangte soziale Gerechtigkeit und Gesellschaftsveränderung, stellte aber die Kritik am Opferkult und den Priestern in den Vordergrund. Dabei knüpfte er an die ältere vorschriftliche Prophetie Elias an, der auch jede Vereinigung von Baal und Jahwe als tödlichen Abfall ablehnte.

Hosea bezog diese Kritik aber nicht nur auf den neben der Jahwe-Verehrung fortbestehenden Baalskult, sondern auf die traditionellen Tieropfer für Jahwe selber, die Israels Gott wie Baal zum Garanten des Wohlergehens mißbrauchten. Selbst unter dem Vorwand der Jahwe-Verehrung verbarg sich für ihn der „Götzendienst“. Das in Ex 32 als Gotteslästerung verurteilte Stierkalb aus Gold war wahrscheinlich kein Fremdgötterbild, sondern ein aus Kanaan übernommenes Symbol für die von Jahwe erwartete Fruchtbarkeit des Landes, dem Stiere geopfert wurden.

Hosea verwarf im Namen des so angebeteten Gottes den Opferkult überhaupt:  „Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer!“

Dem stand Hoseas politische Kritik in nichts nach. Er bezog sie nicht nur auf gewaltsame Umstürze und schwankende Außenpolitik der Könige Israels, sondern auf das Königtum überhaupt: „All ihre Bosheit fing in Gilgal an, dort lernte ich sie hassen!“ In Gilgal war seinerzeit Saul zum ersten König Israels gewählt worden. Statt einen neuen König wie von Priestern und Propheten erwartet als Heilsbringer zu bejubeln, sah Hosea Thronfolgen und Thronwirren als Zeichen des göttlichen Gerichts: „Ich gab dir einen König in meinem Zorn und nehme ihn dir wieder in meinem Grimm!“

Die in der Abhängigkeit von König- und Priestertum sichtbare Untreue des Volkes führe dessen sicheren Untergang herbei, hebe aber dennoch Gottes Treue zu ihm nicht auf . In den politischen Katastrophen Israels sah Hosea vielmehr Gott wieder so handeln, wie er in Israels Frühzeit an ihm gehandelt hatte: Nur die Rückführung nach „Ägypten“ und in die Wüste, also eine neue Fremdherrschaft, die Israels eigenmächtige Einrichtungen und Führung entmachtete, werde dieses Volk lehren, seiner Berufung zu folgen und allein seinem Gott zu vertrauen.

Gerade diese Fähigkeit zur Reue und zum erneuten Erbarmen gegenüber dem Wankelmut und der Untreue des menschlichen Bundespartners sah Hosea als die unverwechselbare Identität dieses Gottes: „Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch!“

Theologen wie Jürgen Moltmann und Wilfried Härle sehen in dieser prophetischen Theologie vom mitleidenden Schmerz Gottes eine notwendige Korrektur eines einseitigen Gottesbildes, das Gottes Wesen nur als „Liebe“ ohne innere Bewegung, ohne Veränderung und Dramatik bestimmt. Gericht, Zorn, Verstoßung und erneute Annahme der geliebten Menschen seien untrennbare und unausweichliche Teilmomente dieser Liebe und machten ihren Wirklichkeitsgehalt in der Geschichtserfahrung Israels aus.

Anders als bei dem etwa zeitgleich auftretenden Propheten Amos wird von Hosea keine ausdrückliche Berufung berichtet. Seine Prophetie ist überwiegend Kultkritik, verrät genaue Kenntnis der Opferpraxis und stellt die Auszugstradition in den Vordergrund.

Man hat deshalb vermutet, daß Hosea mit oppositionellen Priestern im Nordreich verbunden war, die die Religionsvermischung bekämpften und die ausschließliche Verehrung Jahwes gegen eine ausgleichende, den kanaanäischen Baalskult einbeziehende Religionspolitik der Könige durchzusetzen versuchten („Sünde Jerobeams“).

Hoseas eigene Liebesgeschichte war eine Leidensgeschichte. Er heiratete eine Frau, die ihm immer wieder untreu wurde. Er beschwor sie, sperrte sie sogar ein, um weitere Treffen mit ihren Liebhabern zu verhindern. Er beschimpfte sie als Hure oder versuchte es mit pädagogischen Strafmaßnahmen. Diese katastrophale Ehe, in der der Betrogene trotz ihrer Untreue nicht von seiner Geliebten lassen kann, wurde als Symbol für Israel genommen, dessen Volk mehrere Götter wie eine Hure verehrte. Hoseas Geduld, der weder seine Frau, noch die Hoffnung auf ihre Rückkehr aufgibt, zeugt von einer großen, anrührenden Leidenschaft.

Die beiden widersprüchlichen Eheberichte haben der Auslegung viele Rätsel aufgegeben: Welcher der beiden Berichte ist authentisch? Handelte es sich um dieselbe oder eine neue Ehe? War diese bloß symbolisch zu verstehen oder real? Von einer Scheidung von Gomer wird nichts berichtet. Walther Zimmerli nahm an, daß sie eine Tempelprostituierte war, da Hosea diese Praxis scharf kritisierte und für seine Gerichtspredigt verfolgt wurde. Seine Treue zu der Ehebrecherin drückte aber bereits Jahwes Treue zu Israel gerade in seinem unausweichlichen Gerichtshandeln aus].

 

Hosea Frau und Kinder:

Dies ist das Wort des Herrn, das zu Hosea kam, dem Sohn des Beeris zur Zeit der judäischen Könige Usia, Jotham, Ahas und Hiskia, und zur Zeit Jerobeams, des Königs in Israel. Als der Herr anfing zu reden durch Hosea, sprach er zu ihm: „Gehe hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder, denn das Land läuft vom Herrn weg und der Hurerei nach!“ Und er ging hin und nahm Gomer zur Frau, die wurde schwanger und brachte einen Sohn zur Welt.

Und der Herr sprach zu Hosea: „Nenne ihn Jesreel, denn es ist nur noch eine kleine Zeit, da will ich die Blutschulden von Jesreel heimsuchen an der Familie des Königs Jehu und will mit dem Königreich Israels ein Ende machen. Zur selben Zeit will ich den Bogen Israels zerbrechen im Tal Jesreel!“

Sie wurde erneut schwanger und gebar eine Tochter. Und der Herr sprach zu ihm: „Nenne sie Lo-Ruhama, denn ich will mich nicht mehr über Israel erbarmen, sondern ich will sie wegwerfen!“ [Lo-Ruchama = die Unbegnadigte]. Aber er fuhr fort: „Doch will ich mich erbarmen über Juda und will ihnen helfen durch den Herrn, ihren Gott. Ich will ihnen aber nicht helfen durch Bogen, Schwert, Rüstung,, Roß und Wagen!“

Als sie Lo-Ruhama entwöhnt hatte, wurde sie wieder schwanger und brachte einen Sohn zur Welt. Der Herr sprach: „Nennen ihn Lo-Ammi, denn ihr seid nicht mein Volk, so will ich auch nicht der Eure sein!“ [Lo-Ammi = nicht mein Volk] (Hos 1,1-9).

 

Gottes Treue überwindet Israels Untreue:

Der Herr fuhr fort: „Es wird aber die Zahl Israeliten sein wie der Sand am Meer, den man weder messen noch zählen kann. Und es soll geschehen, anstatt daß man zu ihnen sagt ‚Ihr seid nicht mein Volk‘, wird man zu ihnen ‚O ihr Kinder des lebendigen Gottes‘ sagen!“    Denn es werden die Leute von Juda und die Leute von Israel zusammen kommen und ein gemeinsames Haupt erwählen und aus dem Lande heraufziehen, denn der Tag Jesreels wird ein großer Tag sein.

 

 

Sagt euren Brüdern, sie seien mein Volk, und zu euren Schwestern, sie seien in Gnaden. Fordert von eurer Mutter – sie ist ja nicht meine Frau und ich bin nicht ihr Mann – daß sie die Zeichen ihrer Hurerei von ihrem Angesichte wegtun soll und die Zeichen ihrer Ehebrecherei zwischen ihren Brüsten, damit ich sie nicht nackt ausziehe und hinstelle, wie sie war, da sie geboren ward, und ich sie nicht mache wie eine Wüste und wie dürres Land und sie nicht vor Durst sterben lasse. Ich will mich ihrer Kinder nicht erbarmen, denn sie sind Hurenkinder. Ihre Mutter ist eine Hure, und die sie getragen hat, treibt es schändlich und spricht: „Ich will meinen Liebhabern nachlaufen, die mir mein Brot und Wasser geben, dazu Wolle und Flachs, Öl und Trank.

Darum siehe, ich will ihr den Weg mit Dornen versperren und eine Mauer ziehen, daß sie ihren Pfad nicht finden soll;. Und wenn sie ihren Liebhabern nachläuft und sie nicht einholen kann, und wenn sie nach ihnen sucht und sie nicht finden kann, so wird sie sagen: „Ich will wieder zu meinem früheren Mann gehen, denn damals ging es mir besser als jetzt. Aber sie will nicht erkennen, daß ich es bin, der ihr Korn, Wein und Öl gegeben hat und viel Silber und Gold, das sie haben dem Baal zu Ehren gebraucht haben.

Darum will ich mein Korn und meinen Wein wieder nehmen zu seiner Zeit und ihr meine Wolle und meinen Flachs entreißen, mit denen sie ihre Blöße bedeckt. Dann will ich ihre Schamgegend aufdecken vor den Augen ihrer Liebhaber, und niemand soll sie aus meiner Hand erretten. Ich will ein Ende machen mit allen ihren Freuden, Festen, Neumonden, Feiertagen. Ich will ihre Weinstöcke und Feigenbäume verwildern lassen, weil sie sagt: „Das ist mein Lohn, den mir meine Liebhaber gegeben haben!“Ich will eine Wildnis daraus machen, daß die  Tiere des Feldes sie fressen sollen. So will ich rächen an ihr die Tage der Baalsgötter, denen sie Räucheropfer darbringt und sich mit Stirnreifen und Halsbändern schmückt und läuft ihren Liebhabern nach, mich aber vergißt, spricht der Herr.

Darum will ich sie locken und will sie in die Wüste führen und freundlich mit ihr reden.

Dann will ich ihr von dort her ihre Weinberge geben und das Tal Achor zum Tor der Hoffnung machen Dorthin wird sie willig folgen wie zur Zeit ihrer Jugend, als sie aus Ägypten zog. Dann spricht der Herr, wirst du mich heißen „mein Mann“ und mich nicht mehr „mein Baal“ Denn ich will die Namen der Baalsgötter von ihrem Munde wegtun, daß man nicht mehr an ihre Namen denken soll.

Ich will zur selben Zeit für sie einen Bund schließen mit den Tieren auf dem Feld, mit den Vögeln unter dem Himmel und mit den Würmern im Boden und will Bogen, Schwert und Rüstung im  Land zerbrechen und will sie sicher wohnen lassen. Ich will mich mit dir verloben für alle Ewigkeit, ich will mich mit dir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Barmherzigkeit.  Ja, in Treue will ich mich mit dir verloben und du wirst den Herrn erkennen.  

Zur selben Zeit will ich erhören, ich will den Himmel erhören und der Himmel soll die Erde erhören, und die Erde soll Korn, Wein und Öl erhören, und diese sollen meinen Sohn Jesreel erhören. Und ich will in mir das Land einsäen und mich erbarmen über Lo-Ruhama und will sagen zu Lo-Ammi „Du bist mein Volk“ und er wird sagen: „Du bist mein Gott!“ (Hos 1,10 -  2,25).

 

Gottes Langmut wird sein Volk zurückgewinnen:

[In Kapitel 3 berichtet Hosea, daß er erneut eine untreue Frau heiraten muß, um Gottes Leiden an der Untreue Israels biographisch abzubilden. Diesmal zeugte er keine Kinder mit ihr, sondern lebte enthaltsam, um dem Volk zu zeigen: So werdet auch ihr ohne König, Opferkult und Religion leben, bis Jahwe euch wieder annimmt.

 

Dieser Ausblick auf die Endzeit verrät eine Komposition dieses Hauptteils gegen Ende des Exils, als unter den Exilierten Hoffnungen auf einen Nachkommen Davids keimten, der Israel und Juda wiedervereinen und damit die messianische Heilszeit einläuten würde. Hoseas akute gegenwartsbezogene Unheilsan­sage, die keine Ausflucht mehr ließ, wurde zum Bußruf historisiert, auf den hin vergangenes Geschehen gedeutet wurde, um daraus neue Zukunftsperspektiven zu gewinnen. Hosea weiß sonst nichts vom König David, einem Messias und vom Jerusalemer Tempelkult].

 

Und der Herr sprach zu mir: „Gehe noch einmal hin und werbe um eine liederliche und ehe­brecherische Frau, wie denn der Herr um die Israeliten wirbt, obwohl sie sich doch zu fremden Göttern kehren und Traubenkuchen lieben!“ Ich kaufte sie mir für um fünfzehn Silberstücke und fünfzehn Töpfe Gerste und sprach zu ihr: „Lange Zeit sollst du bleiben, ohne zu huren und ohne einem Mann zu gehören, und auch ich will dich nicht anrühren. Denn lange Zeit werden die Israeliten ohne König und ohne Obere bleiben, ohne Opfer, ohne Steinmal, ohne Priestergewand und ohne Hausgott bleiben. Danach werden sich die Israeliten bekehren und den Herrn, ihren Gott, und ihren König David suchen und werden mit Zittern zu dem Herrn und seiner Gnade kommen in der letzten Zeit (Hos 3).

 

Strafrede gegen die Priester:

[Kapitel 4 bis 14 reihen Gottes- und Prophetenreden aneinander, die einmal das ganze Volk Israel anredet, einmal seine Priester und den König oder sie beschreiben ihre Schuld in der dritten Person. Eine große Anklagerede (Hos 4,1 - 5,7) wie in einem Gerichtsprozeß umreißt die Thematik des ganzen Buches, eingeleitet mit: „Höret, ihr Kinder Israel, Jahwes Wort!“ Sie zählt die Vergehen des Volkes auf: „Denn es ist keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Land, sondern Verfluchen, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen haben überhand genommen, und eine Blutschuld folgt der anderen!“ Maßstab sind hier die Zehn Gebote, wobei der Bruch des ersten. Gebots, Gott allein zu lieben, alle weiteren Rechtsverstöße nach sich zieht. Dies hat tödliche Folgen für alle: „Darum wird das Land verdorren, und alle seine Bewohner werden dahinwelken!“

Die eigentlichen Verderber des Volkes aber sind die amtierenden Priester, die Gottes Tora vergessen und bestechlich sind: Sie nähren sich von den Sündopfern des Volkes und sind gierig nach seiner Schuld. Das schlechte Beispiel ihrer Tempelprostitution - die in kanaanäischen Fruchbarkeitsriten üblich war - stifte die übrige Bevölker­ung zum Abfall von Gott an. Da ihnen das Recht anvertraut sei, muß auf ihren Abfall unweigerlich der Fall aller folgen. Dann wird die Suche nach Gott zu spät kommen].

 

Hört, ihr Israeliten, das Wort des Herrn! Denn der Herr hat Ursache, zu schelten, die im Lande wohnen. Denn es ist keine Treue, keine Liebe  und keine Erkenntnis Gottes im Land, sondern Verfluchen, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen hat überhandgenommen und eine Blutschuld kommt nach der anderen. Darum wird das Land dürre stehen, und alle seine Bewohner werden dahinwelken, auch die Tiere auf dem Feld und die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer werden weggerafft. Doch man soll niemand schelten und nicht zurechtweisen, sondern allein dich, den  Priester, habe ich zu schelten.

Darum sollst du bei Tag fallen und der Prophet soll des Nachts neben dir fallen. Auch deine Mutter will ich dahingeben. Mein Volk ist dahin, weil es ohne Erkenntnis ist. Denn du hast die Erkenntnis verworfen.  Darum will dich auch verwerfen, daß du nicht mehr mein Priester sein sollst. Du vergißt das Gesetz deines Gottes, darum will ich auch deine Kinder vergessen.

Je mehr sie werden, desto mehr sündigen sie gegen mich. Darum will ich ihre Ehre zuschanden machen. Sie nähren sich von den Sündopfern meines Volks und sind begierig nach ihrer Schuld. Darum soll dem Priester gehen wie dem Volk,  denn ich will sein Tun strafen und ihm vergelten, wie er es verdient. Sie werden essen und nicht satt werden, Hurerei treiben und sich nicht vermehren, darum daß sie den Herrn verlassen haben und ihn nicht achten. Hurerei, Wein und Trunk machen toll.

Mein Volk befragt sein Holz, und sein Stab soll ihm antworten.

Der Geist der Hurerei verführt sie, daß sie mit ihrer Hurerei ihrem Gott weglaufen. Oben auf den Bergen opfern sie, und auf den Hügeln räuchern sie, unter den Eichen, Linden und Buchen, denn ihr Schatten erfrischt. Darum werden eure Töchter auch zu Huren und eure Bräute zu Ehebrechrinnen. Ich will es auch nicht wehren, wenn eure Töchter zu Huren und eure Bräute zu Ehebrecherinnen werden, weil ihr selbst abseits geht mit den Huren und opfert mit den Tempeldirnen opfert und so das törichte Volk zu Fall kommt.

Willst du, Israel, schon huren, so soll sich doch Juda nicht auch noch verschulden! Geht nicht hin nach Gilgal und kommt nicht hinauf nach Beth-Aven und schwört nicht: „So wahr der Herr lebt!“ Denn Israel läuft wie eine tolle Kuh. Soll da der Herr sie weiden lassen wie ein Lamm auf freiem Feld? Ephraim hat sich zu den Götzen gesellt, so laß ihn hinfahren.  Sie haben sich in die Schwelgerei und Hurerei ergeben, ihre Schamlosen haben Lust an der Schande. Der Wind mit seinen Flügeln wird sie fassen, und über ihrem Opfer sollen sie zuschanden werden.

So hört nun dies, ihr Priester, und merke auf, Israel, und nimm zu Ohren, du Familie des Königs! Denn euch ist das Recht anvertraut! Ihr aber seid eine Schlinge für Miz­pa geworden und ein ausgespanntes Netz auf dem Berg Tabor und eine tiefe Grube bei Schittim. Darum muß ich sie alle strafen.

Ich kenne Ephraim gut, und Israel ist vor mir nicht verborgen: Ephraim ist nun eine Hure und Israel ist unrein. Ihre bösen Taten lassen es nicht zu, daß sie umkehren zu ihrem Gott, denn sie haben einen Geist der Huren  in ihrem Herzen, und den Herrn kennen sie nicht. Gegen Israel zeugt ihr Hochmut, darum sollen Israel und Ephraim fallen um ihrer Schuld willen, auch Juda soll mit ihnen fallen. Dann werden sie kommen mit ihren Schafen und Rindern, den Herrn zu suchen, aber ihn nicht finden, denn er hat sich von ihnen abgewandt. Sie sind dem Herrn untreu und zeugen fremde Kinder; darum wird sie auch der Neumond fressen samt ihrem Erbteil (Hos 4,1 -5, 7).

 

Der Bruderkrieg zwischen Ephraim und Juda:

[Diese Rede ergänzt die Kultkritik mit scharfer Kritik an Israels Außenpolitik in der Zeit des Bruderkrieges zwischen Israel und Juda. Die illusorischen Bündnisse mit Assyrien bringen keine Sicherheit, und die oberflächliche Bereitschaft des Volkes zur Umkehr, die auf erste demütigende Niederlagen folgte, vergeht wie der Tau am Morgen. Gott bedient sich der Propheten, um Israel durch ihren Mund zu töten, bis sie endlich begreifen: Ich habe Gefallen an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer. Die falsche Diplomatie nach außen war also für Hosea nur Kehrseite einer von Grund auf falschen Religionsausübung im Innern. Nicht nur das Opfern für fremde Götter, sondern das Opfern an den Kultorten Jahwes selber war für ihn die Wurzel allen Übels].

 

Blast die Posaune in Gibea, trompetet in Rama, ruft laut in Beth-Aven: „Man ist hinter dir her, Benjamin!“ Denn Ephraim soll zur Wüste werden zur Zeit, wenn ich sie strafen werde. Davor habe ich die Stämme Israels herzlich gewarnt. Die Oberen von Juda sind denen gleich, die die Grenze verrücken.

Darum will ich meinen Zorn über sie ausschütten wie Wasser. Ephraim leidet Gewalt, zertreten ist das Recht, denn es gefiel ihm, dem Nichtigen nachzulaufen. Ich bin für Ephraim wie eine Motte und dem für Juda wie eine Made. Als aber Ephraim seine Krankheit und Juda seine Wunde fühlte, zog Ephraim hin nach Assyrien und schickte zum König Jareb. Aber der kann euch nicht helfen noch eure Wunde heilen. Denn ich bin für Ephraim wie ein Löwe und für Juda wie ein junger Löwe. Ich zerreiße sie und gehe davon, ich schleppe sie weg, und niemand kann sie retten. Ich will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen. Wenn es ihnen übel geht, so werden sie mich suchen.

Sie werden sagen: „Kommt, wir wollen wieder zum Herrn, denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tag aufrichten, daß wir vor ihm leben werden. Laßt uns darauf achthaben und danach trachten, den Herrn zu erkennen, denn er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte und wird zu uns kommen wie ein Regen, wie ein Spätregen, der das Land feuchtet!“

Was soll ich dir tun, Ephraim? Was soll ich dir tun, Juda? Denn eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie ein Tau, der frühmorgens vergeht. Darum schlage ich drein durch die Propheten und töte sie durch die Rede meines Mundes, daß mein Recht wie das Licht hervorkomme. Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, und an der Erkenntnis Gottes, und nicht am Brandopfer (Hos 5,8 - 6,6).

 

Gegen Israels Könige und ihre Bündnisse:

[Diese Rede greift deshalb erneut die Priester an: Sie seien die Räuber, Mörder und Ehebrecher, die dem König nur nach dem Mund reden, dabei böse Pläne aushecken und den Niedergang des Staates verschulden. Des Königs törichtes Hin- und Herlaufen zwischen den Großmächten ändere nichts an dem Gericht, das allen bevorstehe: Denn das Gerede von Umkehr und die Selbstkasteiung - sie ritzen sich wund um Korn und Wein - sei nichts als Lüge, dahinter verberge sich nur der Wunsch, Gott für eigene Zwecke einzuspannen: Das soll ihnen in Ägypten zum Spott werden].

 

Sie haben den Bund übertreten wie die Stadt Adam, dort wurden sie mir untreu. Gilead ist eine Stadt voller Übeltäter, befleckt von Blutschuld. Die Rotten der Priester sind wie die Räuber, die auf die Leute lauern. Sie  morden auf dem Weg nach Sichem, sie vollbringen Schandtaten. Ich sehe in Israel etwas, davor mir graut, denn da reibt Ephraim Hurerei und Israel macht sich unrein. Aber auch Juda wird noch eine Ernte vor sich haben.

Wenn ich das Geschick meines Volks wenden werde und Israel heilen will, so zeigt sich erst die Sünde Ephraims und die Bosheit Samarias, wie sie Lug und Trug treiben und die Diebe einsteigen und die Räuber auf der Straße plündern. Dennoch wollen sie nicht einsehen, daß ich alle ihre Bosheit merke. Ich sehe aber ihr böses Tun wohl, das sie immer und überall treiben. Sie erfreuen den König mit ihrer Bosheit und die Oberen durch ihre Lügen. Sie sind allesamt Ehebrecher wie ein Backofen, den der Bäcker heizt, wenn er den Teig  ausgeknetet hat und ihn durchsäuern und aufgehen läßt.

Sie sprechen: „Heute ist unsers Königs Fest!“ Da werden die Oberen voll vom Wein, und er zieht er die Spötter zu sich. Denn ihr Herz ist in heißer Glut wie ein Backofen, wenn sie Böses ersinnen. Ihr Grimm schläft die ganze Nacht, aber am Morgen brennt er lichterloh. Allesamt sind sie erhitzt wie ein Backofen, so daß sie ihre Richter fressen werden. Ja, alle ihre Könige fallen, und es ist keiner unter ihnen, der mich anruft.

Ephraim mengt sich unter die Völker, es ist wie ein Kuchen, den niemand umwendet. Fremde fressen seine Kraft, doch er will es nicht merken.

Seine Haare sind schon grau geworden., doch er will es nicht merken. Gegen  Israels zeugt sein Hochmut, dennoch bekehrt es sich nicht zum Herrn, ihrem Gott, es fragt trotz allem nicht nach ihm.

Denn Ephraim ist wie eine törichte Taube, die sich leicht locken läßt. Jetzt rufen sie Ägypten an, dann laufen sie nach Assyrien. Aber indem sie hin und her laufen, will ich mein Netz über sie werfen und sie herunterholen wie die Vögel unter dem Himmel. Ich will sie strafen, wie es ihrer Gemeinde verkündet ist.

Weh ihnen, daß sie von mir weichen! Sie sollen vertilgt werden, denn sie sind abtrünnig geworden von mir! Ich wollte sie wohl erlösen, wenn sie reden Lügen gegen mich.

Auch rufen sie mich nicht von Herzen an, sondern machen ein Geheul auf ihren Lagern. Sie ritzen sich wund um Korn und Wein, aber mir sind sie ungehorsam.

Ich lehre sie Zucht und stärke ihren Arm, aber sie sinnen Böses gegen mich.

Sie bekehren sich, aber nicht recht, sondern sind wie ein schlaffer Bogen. Darum werden ihre Oberen durchs Schwert fallen wegen der Frechheit ihrer Zungen. Das soll ihnen in Ägypten zum Spott werden (Hos 6,7 - 7,16).

 

Israels falscher Gottesdienst:

Stoßt laut in die Posaune! Er kommt über das Haus des Herrn wie ein Adler, weil sie meinen Bund übertreten und sich gegen meine Gebote auflehnen. Wohl schreien sie zu mir: „Du bist mein Gott, wir in Israel kennen dich!“ Doch Israel verwirft das Gute, darum soll der Feind sie verfolgen. Sie machen Könige, aber ohne mich. Und sie setzen Obere ein, und ich darf es nicht wissen. Aus ihrem Silber und Gold machen sie Götzen, damit sie ja bald ausgerottet werden.

Samaria, ich verwerfe dein Kalb. Mein Zorn ist gegen sie entbrannt. Wie lange soll das noch andauern? Die Israeliten können doch nicht ungestraft bleiben. Ein Goldschmied hat

das Kalb gemacht, aber es kann doch kein Gott sein. Darum soll das Kalb Samarias zerpulvert werden [Anspielung auf die Heiligtümer in Bethel und Dan, wo der Gott Israels in Form von goldenen Stieren verehrt wurde, 1. Kön 12,28 und 2. Mose 32].

Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten. Ihre Saat soll nicht aufgehen. Was dennoch aufwächst, bringt kein Mehl geben. Und wenn es etwas bringen würde, sollen Fremde es verschlingen. Israel wird verschlungen, die Völker gehen mit ihnen um wie mit einem Gefäß, das niemand haben will, denn sie laufen nach Assyrien, einsam wir ein Wildesel, und Ephraim gibt den Liebhabern schöne Geschenke.

Auch wenn sie unter den Völker austeilen, will ich sie doch jetzt einsammeln, sie sollen es bald müde werden, König und Obere zu salben. Ephraim hat sich viele Altäre gemacht, aber sie sind ihm zur Sünde geworden. Wenn ich ihm auch noch so viele Gebote auf schreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre.

Wenn sie auch viel opfern und Fleisch herbringen und essen es, so hat doch der Herr keinen Gefallen daran, sondern er will an ihre Schuld denken und ihre Sünden strafen: Sie sollen wieder zurück nach Ägypten! Israel vergißt seinen Schöpfer und baut Paläste, und Juda macht viele feste Städte. Aber ich will Feuer in seine Städte senden, das soll seine Paläste verzehren (Hos 8)..

 

Die Vergeltung ist da:

Du darfst dich nicht freuen, Israel, noch rühmen wie die Völker; denn du läuft mit deiner Hurerei deinen Gott weg und nimmst gern den Hurenlohn auf allen Dreschplätzen. Darum sollen Dreschplatz und Kelter sie nicht nähren, und der Wein soll ihnen fehlen. Sie sollen nicht bleiben im Land des Herrn, sondern Ephraim muß wieder nach Ägypten und muß in Assyrien Unreines essen.

Dort werden sie dem Herrn kein Trankopfer vom Wein bringen und ihre Schlachtopfer werden ihm nicht gefallen. Ihr Brot soll sein wie das Bot der Trauernden, an dem unrein werden alle, die davon essen. Denn ihr Brot müssen sie für sich allein essen, und es soll nicht in des Herrn Haus gebracht werden.

Was wollt ihr dann an den Jahrfesten und an den Feiertagen des Herrn tun? Siehe, sie müssen fort wegen der Verwüstung. Ägypten wird sie sammeln, und Memphis wird sie begraben. Nesseln werden wachsen, wo jetzt ihr kostbares Götzensilber ist, und Dornen in ihren Hütten.

Die Zeit der Strafe ist gekommen, die Zeit der Vergeltung. Dessen wird Israel innewerden. „Ein Narr ist der Prophet und wahnsinnig der Mann des Geistes“. Ja,  um deiner großen Schuld und um der großen Anfeindung willen! Ephraim spähte wohl aus nach meinem Gott. Aber nun stellen sie Fallen auf für den Propheten auf allen seinen Wegen, Anfeindung selbst im Hause seines Gottes. Tief verdorben ist ihr Tun wie in den Tagen von Gibea. Darum wird er ihrer Schuld gedenken und ihre Sünden strafen (Hos 9,1-9).

 

Israels Undank gegen Gottes Wohltaten:

 Ich fand Israel wie Trauben in der Wüste und sah eure Väter wie die ersten Feigen am Feigenbaum. Aber hernach gingen sie zum Baal-Peor und gelobten sich dem schändlichen Abgott und wurden so zum Greuel wie ihre Liebhaber. Darum muß die Herrlichkeit Ephraims wegfliegen wie ein Vogel, daß sie weder schwanger werden sollen noch gebären. Und wenn sie auch ihre Kinder  groß zögen, will ich sie doch kinderlos machen, so daß kein Mensch mehr da ist. Ja, weh ihnen, wenn ich von ihnen gewichen bin!

Als ich Ephraim sah, war es herrlich gepflanzt wie Tyrus. Aber nun muß es seine Kinder herausgeben dem Totschläger.  Herr, gib ihnen – was willst du ihnen aber geben? Gib ihnen unfruchtbare Leiber und versiegende Brüste! All ihre Bosheit geschieht in Gilgal, dort werde ich ihnen feind. So will ich sie um ihres bösen Tuns willen aus meinem Haus stoßen und ihnen keine Liebe mehr erweisen, denn alle ihre Oberen  sind abtrünnig. Ephraim ist geschlagen, seine Wurzel ist verdorrt, so daß sie keine Frucht mehr bringen können. Auch wenn sie gebären würden, will ich doch die ersehnte Frucht ihres Leibes töten. Mein Gott wird sie verwerfen, weil sie ihn nicht hören wollen, und sie müssen unter den Völkern umherirren (Hos 9,10-17).

 

Das Gericht über Königtum und Götzendienst:

Israel ist ein üppig rankender Weinstock, der seine Frucht trägt. Aber je mehr Früchte er hatte, desto mehr Altäre machten sie. Wo das Land am besten war, da richteten sie die schönsten Steinmale auf.  Ihr Herz ist falsch, nun wird sie ihre Schuld treffen. Ihre Altäre sollen zerbrochen und ihre Steinmale zerstört werden. Schon müssen sie sagen: „Wir haben keinen König, denn wir fürchteten den Herrn nicht. Was kann uns der König nun helfen?“ Sie reden und schwören falsch und schließen Bündnisse, und ihr Recht grünt wie giftiges Kraut auf allen Furchen im Feld..

Die Einwohner Samarias sorgen um das Kalb von Beth-Awen. Sein Volk trauert darum, und seine Götzenpfaffen zittern um seine Herrlichkeit, denn sie wird von ihnen weggeführt. Ja, das Kalb wird nach Assyrien gebracht zum Geschenke für den König Jareb. So muß Ephraim zuschanden werden und Israel beschämt sein trotz seiner Klugheit.

Denn der König von Samaria ist dahin wie Schaum auf dem Wasser. Die Höhen von Awen sind verwüstet, auf denen Israel sich versündigte, Disteln und Dornen wachsen auf ihren Altären. Und sie werden sagen: „Ihr Berge bedeckt uns!“ und: „Ihr Hügel, fallt über uns!“

Israel, du hast seit den Tagen Gibeas gesündigt. Dort standen sie gegen mich auf. Sollte darum nicht in Gibea der Krieg über sie kommen wegen der bösen Leute?

Ich werde sie züchtigen nach meinem Willen. Völker sollen über sie versammelt kommen, wenn ich sie strafen werde wegen ihrer zweifachen Sünde. Ephraim war eine junge Kuh, daran gewöhnt, gern zu dreschen. Aber ich habe ihm ein Joch auf seinen schönen Nacken gelegt. Ich will Ephraim einspannen. Juda soll pflügen und Jakob eggen.

Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen läßt. Ihr aber pflügt Böses und erntet Übeltat und eßt Lügenfrüchte. Weil du dich nun verläßt auf deinen Weg und auf die Menge deiner Helden, darum soll sich ein Getümmel erheben in deinem Volk, daß alle deine Festen zerstört werden, so wie Salman damals zerstörte Beth Arbeel im Krieg, als die Mutter zerschmetter wurde samt den Kindern. So soll es euch zu Bethel auch ergehen um eurer großen Bosheit willen. Schon früh am Morgen wird der König Israels untergehen (Hos 10).

 

Gottes heilige Liebe:

Als Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten. Aber wenn man sie jetzt ruft, so wenden sie sich davon und opfern den Baalsgöttern und räuchern den Bildern. Ich lehrte Ephraim gehen und nahm ihn auf meine Arme. Aber sie merkten es nicht, wie ich ihnen half. Ich ließ sie ein menschliches Joch ziehen und in Seilen der Liebe gehen und half ihnen, das Joch auf ihrem Nacken zu tragen und gab ihnen Nahrung, damit sie nicht wieder nach Ägypten zurückkehren sollten. Nun aber muß Assur ihr König sein, denn sie wollen sich nicht bekehren. Darum soll das Schwert über ihre Städte kommen und soll ihre Riegel zerbrechen und fressen um ihres Vorhabens willen. Mein Volk ist müde, sich zu mir zu kehren, und wenn man ihnen predigt, so richtet sich niemand auf.

 

Ein Heilswort:

[In diese Gerichtsreden ist das einzige Heilswort eingebaut: Hos 11,8-11. Manche Ausleger vermuten hier einen ehemaligen Schluß des Buches].

 

Wie kann ich dich preisgeben, Ephraim, und dich ausliefern, Israel? Aber mein Herz ist andern Sinnes, alle meine Barmherzigkeit ist entbrannt. Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn noch Ephraim wieder verderben. Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch und bin der Heilige unter dir; und  will nicht kommen, um zu verheeren. Dann wird man dem Herrn nachfolgen, und er wird brüllen wie ein Löwe. Und wenn er brüllen wird, so werden zittern herbeikommen seine Söhne von Westen her. Auch aus Ägypten kommen sie erschrocken wie die Vögel, und die im Lande Assyrien wie Tauben. Und ich will sie wieder wohnen lassen in ihren Häusern, spricht der Herr (Hos 11).

 

Der Stammvater Jakob als Urbild seines Volks:

[Kapitel 12 - 14 ist eine Art Zusammenfassung der Gerichtsverkündigung des Hosea mit Abschlußcharakter und Einladung zur Umkehr nach dem Fall Samarias. Möglicherweise war das in einem früheren Stadium der Redaktion ein Anhang zu Kapitel 4, eine Art Schlußdiskussion der Anhänger Hoseas].

 

 

In Ephraim ist überall Lüge gegen mich und in Israel falscher Gottesdienst. Aber auch Juda hält nicht fest an Gott und an dem Heiligen, der treu ist. Ephraim weidet Wind und läuft dem Ostwind nach, und täglich vermehrt es die Lüge und Gewalttat. Sie schließen mit Assyrien einen Bund und bringen Öl nach Ägypten.

Darum wird der Herr mit Juda rechten und Jakob strafen nach seinem Wesen und ihm vergelten nach seinem Tun. Er hat schon im Mutterleibe seinen Bruder betrogen und im Mannesalter mit Gott gekämpft. Er kämpfte mit dem Gottesboten  und siegte, er weinte und bat ihn. Dann hat er ihn in Bethel gefunden, und dort mit ihm geredet. So kehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott…. (Hos 12, am Schluß gekürzt).

 

Gottes Gericht über Ephraim:

..…Ich bin aber der Herr, dein Gott, von Ägypten her; und du solltest ja keinen andern Gott kennen als mich und keinen Heiland als allein mich. Ich nahm mich ja deiner an in der Wüste. Aber als sie geweidet wurden, erhob sich ihr Herz; darum vergessen sie mich. So will ich auch für sie werden wie ein Löwe, und wie ein Panther am Weg ich auf sie lauern….

Israel, du bringst dich ins Unglück, denn dein Heil steht allein bei mir. Wo ist dein König, der dir helfen kann in allen deinen Städten? Wo sind deine Richter, von denen du sagtest: Gib mir einen König und Obere? Ich gab dir ein Könige in meinem Zorn, und will ihn dir wegnehmen in meinem Grimm.

Die Schuld Ephraims ist zusammengebunden, und seine Sünde ist sicher verwahrt

Wehen kommen, daß er geboren werden soll, aber er ist ein unverständiges Kind. Wenn die Zeit gekommen ist, so will er den Mutterschoß nicht durchbrechen. Aber ich will sie aus dem Totenreich erlösen und vom Tod erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein, Hölle ich will dir eine Pest sein. Rache kenne ich nicht mehr.

Doch wenn auch Ephraim auch zwischen Brüdern seine Frucht bringt, so wird doch ein Ostwind vom Herrn aus der Wüste herauffahren und seine Quelle versiegt, und er wird rauben seinen Schatz,  alles kostbare Gerät. Samaria wird wüst werden, denn es ist seinem Gott ungehorsam; sie sollen durchs Schwert fallen, und ihre kleinen Kinder zerschmettert und ihre Schwangeren aufgeschlitzt werden (Hos 13,1 - 14,1).

  

Mahnung zur Umkehr und Verheißung des kommenden Heils:

[Hos 14,2-10 ist als Anhang eine Heilsprophetie aus der Exilszeit].

Bekehre dich, Israel, zu dem Herr, deinem Gott; denn du bist gefallen um deiner Schuld willen. Nehmt diese Worte mit euch und bekehrt euch zu dem Herrn und sprecht: „Vergib uns alle Sünde und tue uns wohl, so wollen wir opfern die Frucht unsrer Lippen. Assyrien soll uns nicht helfen. Wir wollen nicht mehr auf Rossen reiten, auch nicht mehr sagen zu den Werken unsrer Hände: „Ihr seid unser Gott!“ Denn bei dir  finden die Waisen Gnade. So will ich ihre Abtrünnigkeit wieder heilen. Gerne will ich sie lieben, denn mein Zorn soll sich von ihnen wenden. Ich will für Israel wie ein Tau sein, daß es blühen soll wie eine Lilie, und seine Wurzeln sollen ausschlagen wie eine Linde, und seine Zweige sich ausbreiten, daß es so schön sei wie ein Ölbaum, und so guten Geruch geben wie die Linde. Und sie sollen wieder unter einem Schatten sitzen. Von Korn sollen sie sich nähren und blühen wie ein Weinstock. Man soll sie rühmen wie den Wein vom Libanon.

Ephraim, was sollen dir weiter die Götzen?  I c h will dich erhören und führen. I c h will sein wie eine grünende Tanne, von m i r erhältst du deine Früchte. Wer ist weise, der dies verstehe, und klug, der dies einsieht? Denn die Wege des Herrn sind richtig, und die Gerechten wandeln darauf. Aber die Übertreter kommen darin zu Fall (Hos 14,2-10).

 

 

Der Prophet Joel

[Das Buch Joel ist eins der Prophetenbücher der Bibel. Es gehört in der hebräischen Bibel zu den zwölf „kleinen“ Propheten, die zu einem Buch zusammengefaßt sind.  Nach dem Buch selbst war Joel (aramäisch „Jahwe ist Gott“) aus Juda der Autor. Verschiedene Wissenschaftler zweifeln die Einheitlichkeit des Buches an und vermuten mindestens zwei verschiedene, unbekannte Verfasser, einen für die Kapitel 1 und 2, und einen für die Kapitel 3 und 4. So gehen viele der liberalen Theologen davon aus, daß die Kapitel 1 und 2 älter sind, als die Kapitel 3 und 4. Natürlich läßt sich auch bei Joel nicht eindeutig beweisen, daß Joel dieses Buch selbst geschrieben hat, oder ob jemand anderes seine Worte aufgeschrieben hat. Allerdings bezweifelt nur ein sehr geringer Teil der Theologen, daß es sich hier nicht um Joels Worte handelt.

Wann Joel lebte und sein Buch verfaßte, ist ungewiß. Manche Exegeten sehen in ihm einen der ältesten Propheten, die im 9. Jahrhundert vCh wirkten, andere einen der jüngsten aus dem 5.  Oder gar 3. Jahrhundert vCh. Damit gehen die Datierungen weiter auseinander als bei jeder anderen Figur der Bibel.

Der Adressat des Joelbuches scheint das Volk Juda zu sein. Dafür würde auch die Tatsache sprechen, daß kein König im Text erwähnt wird, denn wenn man sich der Meinung einer frühen vorexilischen Abfassung anschließt, ist es wahrscheinlich, daß Joel in einer Zeit zum Volk Juda spricht, als Atalja unrechtmäßig auf dem Thron von Juda saß. Auch Young spricht sich dafür aus, daß Joel sich hier hauptsächlich an Juda richtet, auch wenn Joel an drei Stellen den Namen „Israel“ verwendet. Doch an diesen Stellen bleibt ungeklärt, ob er mit diesem Begriff nur das Südreich, nur das Nordreich oder alle zwölf Stämme meint.

Zu der Zeit der angenommenen Abfassung (zwischen 841–835 vCh) war das israelitische Volk bereits fast einhundert Jahre lang in zwei Staaten geteilt. In Israel kam Jehu an die Macht, der die beständigste Dynastie gründete, die das Nordreich haben sollte (841–753). Jehu tötete Ahasja, und Ahasjas Mutter Atalja riß die Macht an sich, indem sie alle möglichen Thronfolger Ahasjas bzw. der davidischen Linie umbringen ließ.

Nur Joas, der noch kein Jahr alt war, blieb verschont, da dessen Tante ihn im Tempel beim Hohepriester Jojada versteckte. Joas stürzte Atalja im Jahre 835 vCh. Er war zu dieser Zeit jedoch noch sehr jung, weshalb der Priester Jojada einen sehr großen Einfluß auf die Regierung ausüben konnte.

Aus der Zeit Ataljas ist nicht allzu viel bekannt, allerdings kann man Rückschlüsse ziehen, wenn man betrachtet, was nach Ataljas Tod in Juda passierte. So wie es scheint, wurden in Juda andere Götter angebetet, vor allem Baal, denn Joas schwor Gott einen Treueeid und ließ die Götterbilder und Altäre zerstören und den Baal-Priester umbringen. Zugleich sorgte er auch dafür, daß der Tempeldienst gemäß dem mosaischen Gesetz wieder hergestellt wurde. Dies ging jedoch recht zögerlich voran, wenn man bedenkt, daß mit der Ausbesserung des Tempels erst ca. 813 vCh begonnen wurde. Hält man sich dieses Tatsachen vor Augen, ist die Annahme des Wirkens Joels vor 835 vCh mehr als wahrscheinlich, da dies genau auf die in Joel geschilderte Situation des Volkes Juda paßt.

Das Thema des Buches Joel läßt sich verhältnismäßig einfach in einem einzigen Satz zusammenfassen: Joel prophezeit Gottes Gericht, das wie eine Heuschreckenplage hereinbricht, und Gottes Gnade, sowohl zu seiner Lebenszeit, als auch in der Zukunft, am Tag des Herrn, dem endgültigen Gericht Gottes].

 

 

Die Heuschreckenplage und der Tag des Herrn:

Dies ist das Wort des Herrn, das Joel erreichte, den Sohn Pethuels: Hört dies, ihr Ältesten, und merkt auf alle Bewohner des Landes, ob solches geschehen sei zu euren Zeiten oder zu eurer Väter Zeiten! Sagt euren Kindern davon und laßt es eure Kinder ihren Kindern sagen und diese wiederum ihren Nachkommen! Was die Raupen übriglassen, das fressen die Heuschrecken, und was die Heuschrecken übriglassen, das fressen die Käfer, und was die Käfer lassen, das fressen die Fliegen. Wacht auf, ihr Trunkenen, und weint und heult, alle Weinsäufer, um den süßen Wein, denn er ist euch vor eurem Mund weggenommen!

Denn es zieht herauf in mein Land ein Volk, mächtig und ohne Zahl. Das hat Zähne wie Löwen und Backenzähne wie Löwinnen. Es verwüstet meinen Weinstock und frißt meinen Feigenbaum kahl, schält ihn ganz und gar ab, daß seine Zweige weiß dastehen. Heule wie eine Jungfrau die Trauer anlegt um ihren Bräutigam! Denn das Speisopfer und Trankopfer gibt es nicht mehr im Hause und die Priester trauern.  

Das Feld ist verwüstet, und der Acker ausgedörrt, das Getreide ist verdorben, der Wein steht jämmerlich und das Öl kläglich. Die Ackerleute sehen traurig drein, und die Weingärtner heulen um den Weizen und die Gerste, weil aus der Ernte auf dem Feld nichts werden kann, weil der Weinstock verdorrt ist und der Feigenbaum verwelkt, auch die Granatbäume, Palmbäume und Apfelbäume, ja alle Bäume auf dem Feld sind verdorrt. So ist die Freude der Menschen zu Jammer geworden.

Umgürtet euch und klagt, ihr Priester! Heult, ihr Diener des Altars! Kommt, behaltet auch im Schlaf das Trauergewand an, ihr Diener meines Gottes! Denn Speisopfer und Trankopfer gibt es nicht mehr im Haus eures Gottes. Sagt ein heiliges Fasten an, ruft die Gemeinde zusammen! Versammelt die Ältesten und alle Bewohner des Landes zum Haus des Herrn, eures Gottes, und schreit zum Herrn! O weh des Tages! Denn der Tag des Herrn ist nahe und kommt wie ein Verderben vom Allmächtigen.

Ist nicht die Speise vor unseren Augen weggenommen und vom Haus unsers Gottes Freude und Wonne?  Der Same ist unter der Erde verfault, die Kornhäuser stehen wüst, die Scheunen zerfallen, denn das Getreide ist verdorben. O wie seufzt das Vieh! Die Rinder sehen kläglich drein, denn sie haben keine Weide, und die Schafe verschmachten. Herr, dich rufe ich an, denn das Feuer hat die Auen in der Steppe verbrannt, und die Flamme hat alle Bäume auf dem Feld angezündet. Es schrieen auch die wilden Tiere zu dir, denn die Wasserbäche sind ausgetrocknet, und das Feuer hat die Auen in der Steppe verbrannt (Joel 1).

 

Das Heuschreckenheer:

Blast mit der Posaune in Zion, ruft laut auf meinem heiligen Berg! Erzittert, alle Bewohner im des Landes! Denn der Tag des Herrn kommt und ist nahe: Ein finstrer Tag, ein dunkler Tag, ein wolkiger Tag, ein nebliger Tag! Wie die Morgenröte sich  ausbreitet über die Berge, so kommt ein großes und mächtiges Volk, wie es früher nicht gewesen ist und auch in Zukunft nicht sein wird.

Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen. Sie sind gestaltet wie Pferde und rennen wie die Rosse. Sie sprengen daher über die Bergen, wie die Wagen rasseln, und wie eine Flamme prasselt im Stroh, wie ein mächtiges Volk, das zum Kampf gerüstet ist. Völker werden sich vor ihm entsetzen, und jedes Angesicht erbleicht.

Sie werden laufen wie Helden und die Mauern ersteigen wie Krieger, ein jeder zieht unentwegt voran und weicht nicht von seiner Richtung. Keiner wird den anderen drängen, sondern ein jeder zieht auf seinem Weg daher. Sie durchbrechen die feindlichen Waffen, und dabei reißt ihr Zug nicht ab.

Sie werden sich auf die Stadt  stürzen und die Mauern erstürmen, in die Häuser steigen sie ein, wie ein Dieb kommen sie durch die Fenster. Vor ihm zittert das ganze Land und bebt der Himmel. Sonne und Mond werden finster, und die Sterne halten ihren Schein zurück. Denn der Herr wird seinen Donner vor seinem Heer erschallen lassen, denn sein Heer ist sehr groß und mächtig und wird seinen Befehl wird ausrichten, Ja, der Tag des Herrn ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen?

Doch auch jetzt noch, spricht der Herr, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider, und bekehrt euch zu dem Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und ihn reut bald die Strafe. Wer weiß, ob es ihn nicht wieder reut und er einen Segen zurückläßt, so daß ihr opfern könnt Speiseopfer und Trankopfer dem Herrn, eurem Gott.

Blast die Posaune in Zion, sagt ein Fasten an, ruft die Gemeinde zusammen! Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, sammelt die Ältesten, bringt zusammen die Kinder und die Säuglinge! Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach. Laßt die Priester weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: Herr, schone dein Volk und laß dein Erbteil nicht zuschanden werden, daß die Andersgläubigen über sie spotten! Warum willst du unter den Völkern sagen lassen: Wo ist nun ihr Gott? (Joel 2,1-17).

 

Gottes Gnadenzusage:

Dann wird der Herr um sein Land eifern und sein Volk verschonen. Und der Herr wird antworten und zu seinem Volk sagen: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl in Fülle schicken, daß ihr genug daran haben sollt, und will euch nicht mehr unter den Völkern zuschanden werden lassen. Ich will den Feind von Norden von euch wegtreiben und ihn in ein dürres und wüstes Land verstoßen, seine Spitze in das östliche Meer und sein Ende in das westliche Meer, er soll verfaulen und stinken; denn er hat Gewaltiges getan.

Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost, denn der Herr kann auch große Dinge tun. Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Feld; denn die Auen in der Steppe sollen grünen und die Bäume ihre Früchte bringen, und die Feigenbäume und Weinstöcke sollen reichlich tragen. Und ihr, Kinder Zions, freut euch und seid fröhlich im Herrn, eurem Gott, der euch gnädigen Regen gibt und euch herab sendet Frühregen und Spätregen wie zuvor, daß die Scheunen voll Korn werden und die Keltern Überfluß von Wein und Öl haben sollen.

Und ich will euch die Jahre erstatten, deren Ertrag die Heuschrecken, Käfer, Fliegen und Raupen gefressen haben, mein großes Heer, das ich unter euch schickte. Ihr sollt genug zu essen haben und den Namen des Herrn, eures Gottes, preisen, der Wunder unter euch getan hat, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden. Und ihr sollt es erfahren, daß ich mitten unter Israel bin und daß ich, der Herr, euer Gott bin und sonst keiner mehr, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden (Joel 218-27).

 

Ausgießung des Heiligen Geistes:

Nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Erscheinungen haben. Auch will ich mich zur selben Zeit über Diener und Dienerinnen meinen Geist ausgießen. Ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf der Erde: Blut, Feuer und Rauchdampf. Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des Herrn kommt.

Und es soll geschehen, wer des Herrn Namen anrufen wird, der soll errettet werden. Denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird Errettung sein, wie der Herr verheißen hat, auch bei den Entronnenen, die der Herr berufen wird (Joel 31-5).

 

Gottes Strafgericht:

Denn siehe, in jenen Tagen und zur selben Zeit, wenn ich das Gefängnis Judas und Jerusalems wenden werde, will ich alle Völker zusammenbringen und will sie in das Tal Josaphat hinab führen und will dort mit ihnen rechten wegen meines Volks und meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Völker zerstreut sind und sich mein Land geteilt haben. Sie haben das Los um mein Volk geworfen und haben die Jungen für eine Hure hingegeben und die Mädchen für Wein verkauft und vertrunken.

Und ihr von Tyrus und Sidon und allen Gebieten der Philister, was habt ihr mit mir zu tun? Wollt ihr es mir heimzahlen? Wohlan, zahlt es mir heim, so will ich es euch eilend und bald wieder vergelten auf euren Kopf. Mein Silber und Gold habt ihr genommen und meine schönen Kleinode in eure Tempel gebracht, dazu auch die Judäer und die Leute in Jerusalem verkauft an die Griechen, um sie weit weg von ihrem Land zu bringen.

Siehe, ich will sie kommen lassen aus dem Ort, wohin ihr sie verkauft habt, und will es euch vergelten auf euren Kopf, und will eure Söhne und Töchter verkaufen in die Hand der Ju­däer. Die sollen sie denen in Saba, einem Volk in fernen Landen, verkaufen, denn der Herr hat es geredet.

Ruft dies aus unter den Völkern. Bereit euch zum heiligen Krieg! Bietet die Starken auf! Laßt herbeikommen und hinaufziehen alle Kriegsleute! Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße! Der Schwache spreche: „Ich bin stark!“ Auf, alle Völker ringsum, kommt und versammelt euch! Dahin führe du hinab, Herr, deine Starken! Die Völker sollen sich aufmachen und heraufkommen zum Tal Josaphat, denn dort will ich sitzen, zu richten alle Völker ringsum. Greift zur Sichel an, denn die Ernte ist reif! Kommt und tretet, denn die Kelter ist voll, und die Kufen laufen über, denn ihre Bosheit ist groß.

Es werden Scharen über Scharen von Menschen sein im Tal der Entscheidung, denn  der Tag des Herrn ist nahe im Tal der Entscheidung. Sonne und Mond werden sich verfinstern, und die Sterne halten ihren Schein zurück. Und der Herr wird aus Zion brüllen und aus Jerusalem seine Stimme lassen hören, daß Himmel und Erde erbeben werden. Aber seinem Volk wird der Herr eine Zuflucht sein und eine Burg den Israeliten.

Und ihr sollt es erfahren, daß ich, der Herr, euer Gott, auf dem Zion auf meinem heiligen Berg wohne. Dann wird Jerusalem heilig sein und kein Fremder wird mehr hindurch ziehen. Zur selben Zeit werden die Berge von süßem Wein triefen und die Hügel von Milch fließen, und alle Bäche in Juda werden voll Wasser sein. Und es wird eine Quelle ausgehen vom Haus des Herrn, die wird das Tal Sittim wässern. Aber Ägypten soll wüst werden und Edom eine Einöde um des Frevels willen an den Judäern, weil sie unschuldiges Blut in ihrem Land vergossen haben.

Aber Juda soll für immer bewohnt werden und Jerusalem für und für. Und ich will ihr Blut nicht ungesühnt lassen. Und der Herr wird wohnen in Zion (Joel 4).

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Amos

 

[Amos war ein sozialkritischer Prophet aus dem Südreich Juda, der im 8. Jahrhundert vCh im Nordreich Israel predigte. Das ihm zugeschriebene Buch gehört zur Reihe der zwölf kleinen Propheten in der hebräischen Bibel. Amos ist der erste der Schriftpropheten, dessen Worte aufgezeichnet und in Buchform überliefert wurden.  Amos war ein  Vieh- und Maulbeerfeigenbaumzüchter. Seine Predigten kritisieren besonders das Verhalten von Großgrundbesitzern gegen abhängig arbeitende Arme. Er selbst berichtet, er habe bei dem Dorf Thekoa (17 Kilometer südlich von Jerusalem) in der benachbarten Wüste Juda Schafe gehütet, als Jahwe ihn von dort „genommen“ und beauftragt habe, im Nordreich sein Wort zu verkünden. Er war also keiner der dort amtierenden Hofpropheten, mit denen er dann in Konflikt geriet, und auch keiner nordisraelischen Opposition verbunden, sondern stand ihnen schon seiner Herkunft nach distanziert gegenüber.

Amos wirkte während der Regierungszeit zweier Könige: von Usia, der das Südreich Juda von 767 bis 740 vCh regierte, und Jerobeam II., der das Nordreich Israel von 781 bis 742 vCh beherrschte. Der Prophet trat wahrscheinlich in der zweiten Regierungshälfte Jerobeams, also 760 bis 750 vCh. Er trat gegen die Korruption der Richter und Priester und die Ausbeutung der Landbevölkerung durch den Königshof und die Oberschicht von Samaria auf. Er gehört mit Hosea, Micha, Obadja und dem ersten Jesaja in die Zeit des 8. Jahrhunderts, als sich eine tiefe politische Krise und Gefährdung der staatlichen Gebilde Israels durch die neue Großmacht Assyrien abzeichnete. Die Assyrer hatten die Aramäer und deren Hauptstadt Damaskus schon unterworfen, unternahmen aber zunächst keine weiteren Versuche, ihren Machtbereich auszudehnen. So konnte das Nordreich unter Jerobeam eine Blütezeit erleben.

Da es die Handelswege zwischen Assur und Ägypten kontrollierte, nahm das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Diesen versuchte Jerobeam offenbar zum Ausbau seiner Macht und seines Verwaltungsapparats zu nutzen. Dazu erlegte er der Landbevölkerung hohe Abgaben auf und eignete dem Königshof zunehmend Ländereien an, die zuvor freien unabhängigen Bauern gehört hatten. Das Bevölkerungswachstum beschleunigte die Entwicklung zu einer sozial zerklüfteten Gesellschaft. Nur eine Minderheit hatte Anteil am Wohlstand, der auf Kosten vor allem von Kleinbauernging, die sich verschulden mußten und dann ihr Land und somit ihre Existenzgrundlage verloren.

Zudem hatte die Urbanisierung zunehmend die bisherigen Sippen- und Stammesstrukturen abgelöst: Die ehemals selbständigen, nun verarmten und landlosen Kleinbauern mußten als Landarbeiter für Großgrundbesitzer und städtische Oberschicht arbeiten. Zu ihr gehörte neben der Königsfamilie vor allem das Priestertum. Auf diese Klassengesellschaft bezog sich die scharfe Kritik der von den Kultorten unabhängigen Prophetie des Amos und späterer Propheten.

 

Kultkritik und Sozialkritik: Die manchmal zu findende Einteilung der Worte des Amos in sozialkritische und kultkritische kann also nur eine operante sein, ist es doch das dem ganzen Volke Israel von Jahwe gegebene Land, für das als Erfüllung der Väterverheißungen in den Kultfeiern gedankt wird – an Kultorten, die als die Symbole der Landnahme und Landgabe als vollzogene Heilsgeschichte gelten und an denen zudem gemäß alter israelitischer Überlieferung Jahwe besonders gegenwärtig war: Wurde Jahwe doch kein „transzendentaler“ Gott im Himmel, sondern als eine alles durchwirkende und so an heiligen Stätten nahezu personal gegenwärtige Macht vorgestellt.

 

Daher scheint es für Amos auch der größte Frevel gewesen zu sein, daß jene, die Jahwes Gebote und die ihnen auferlegte Verpflichtungen mißachteten, die ihre Volksgenossen in die Armut oder Versklavung trieben, indem sie ihnen ihr Land nahmen, sich in Bethel und an anderen Kultstätten trafen, um Jahwe für das dem Volke gegebene Land feierlich zu danken.

Dabei traten die Kritisierten nicht etwa heuchlerisch an den Heiligtümern Jahwe gegenüber, sondern feierten vielmehr ein längst zum hohlen Ritus verkommenes Fest, in dem der innere Widerspruch schon nicht mehr erfahrbar war. Auch Bethel, von dem aus sich das „schwärende Unheil“ über das Land ausbereitete, stand daher letztlich beispielhaft verderbten Kult.

So zeigt diese Position des Amos, daß es weder um eine Kritik des Kultes als solchem, noch um eine Demokratisierung des israelitischen Staatengefüges geht.

Amos kritisiert vielmehr das Vergehen an den in Erwählung, Verheißung und Landgabe liegenden Verpflichtungen, das als „frevlerische (bewußte) Auflehnung“ gegen Jahwe verstanden werden mußte und so den geschauten Untergang des Volkes Israel als Strafe Gottes (oder zumindest als Aufkündigung der Exklusivität der Stellung Israels) erklärte.

 

Theologische Schwerpunkte: Die Prophetie des Amosbuches ist die Botschaft vom kommenden Gott, der die von ihm „gegründete“ Gesellschaft retten will – durch Umkehr oder Gericht. Sein Ziel ist, daß die Menschen die Gaben der Erde und den Ertrag ihrer Arbeit in messianischem Frieden gemeinsam genießen können. So entscheidet sich die „Wahrheit“ des biblischen Gottes an der „Wahrheit“ des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Darum hält das Amosbuch in Kritik und Schau die Vorstellung der biblisch bezeugten Anfänge Israels fest. Denn die Verwirklichung von Recht und Gerechtigkeit ist gelebter Gottesbund.

Wirkung: Die Wirkungsweite der Prophezeiungen erstreckte sich von Dan über Bethel als Mitte Israels bis Beerscheba. Besonders intensivem heimsuchenden Wirken Jahwes sah Amos Bethel und (weniger bedeutend) Gilgal ausgesetzt. In einem zweiten Kreis wurde dann Beerscheba (das judäisch war) und Dan genannt. Einzig Jerusalem schien unter den größeren Heiligtümern des Volkes nicht ausdrücklich bedacht worden zu sein.

Amos trat nach der Überlieferung nur in der Nordreich-Hauptstadt Samaria und danach im Nationalheiligtum Bethel auf, bevor er, vom Oberpriester Amazja dem König Jerobeam II. angezeigt, wieder nach Juda verschwand und anscheinend seine Geschichte aufschrieb. Dieser Weg des Amos von Norden nach Süden spräche für die Annahme, Amos käme aus Galiläa (K. Koch).

Während seines öffentlichen und überlieferten Auftretens grenzte Amos sich mehrfach von den Berufspropheten der Kultstätten ab, die mit ihrer Tätigkeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten hatten. Ein solcher „Prophet“ – oftmals waren mehrere in Gruppen oder einer kultischen Institution zusammengeschlossen – war zur Prophetie wirtschaftlich gezwungen. Amos hingegen bezeichnete sich als einen von Jahwe berufenen Seher mit anderweitig gesichertem Lebensunterhalt.

 

Geschichtlicher Nachtrag: Im Jahr 722 vCh wurde das Nordreich Israel von den Assyrern zerstört: Sie verschleppten große Teile der Bevölkerung. Andere Gruppen flohen aus dem Nordreich ins benachbarte Juda und nach Jerusalem. Sie nahmen vermutlich die aufgeschriebenen Worte des Amos mit und überlieferten sie in Juda weiter, wo sie auf die Theologie der dort entstehenden Bücher des Alten Testaments wirkten, weshalb sich auch noch nachfolgende Generationen durch Amos Worte an den Bund Gottes mit Israel und seine Gerechtigkeit gemahnt sahen.]

Gerichtsworte über Israels Nachbarvölker und Israel ( Kapitel 1 bis 2)

 

[Die Gerichtsworte an die Nachbarvölker betreffen Damaskus (Aram) und das Königshaus Hasaels, Gaza, Tyrus, die Edomiter, Ammoniter, Moabiter und das Südreich Juda. Sie sind alle gleich aufgebaut und ergeben zusammen eine Art Gedicht. Jedes einzelne Gerichtswort besteht aus: Einleitender Botenspruchformel, Unwiderruflichkeitserklärung, Anklage/Schuld­auf­weis, Strafankündigung, abschließender Botenformel.

Es fällt auf, daß die Moabiter nicht wegen eines Vergehens gegen Israel, sondern gegen die Edomiter gerichtet werden sollen: Jahwe ist für Amos Herr der Geschichte aller Völker und gebietet auch ihnen Recht, das heute Völkerrecht genannt wird. Die drei Strophen gegen Tyrus, Edom und Juda wurden erst in der Exilszeit eingefügt. Somit bestand der Völkerspruchzyklus ursprünglich aus fünf Strophen. Der abschließende längere Spruch gegen Israel ist eine Art vorangestellte Zusammenfassung der folgenden ausführlichen Kult- und Sozialkritik gegen das Nordreich. Die daraus folgende Gerichtsankündigung nimmt auf das einleitend erwähnte Erdbeben Bezug und kündet eine vernichtende Fremdmacht an, der niemand der wehrfähigen Israeliten entfliehen werde].

 

Weherufe:

Dies ist es, was Amos, der unter den Schafzüchtern von Thekoa war, gesehen hat in Bezug auf Israel zur Zeit des judäischen Königs Usia und des israelitischen Königs Jerobeam, zwei Jahre vor dem Erdbeben. Und er sprach: Der Herr wird aus Zion brüllen und seine Stimme aus Jerusalem hören lassen, daß die Auen der Hirten vertrocknen werden und der Karmel oben verdorren wird.

o spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von  D a m a s k u s will ich sie nicht schonen, weil sie Gilead mit eisernen Dreschschlitten gedroschen haben. Ich will ein Feuer schicken zur Familie des Königs Hasael, das soll die Paläste Benhadads verzehren.

Ich will die Riegel von Damaskus zerbrechen und die Einwohner aus Bikath-Awen und den, der das Zepter hält, aus Beth-Eden ausrotten, daß das Volk von Aram soll nach Kir weggeführt werden, spricht der Herr.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von G a z a will ich sie nicht schonen, weil sie die Gefangenen alle weggeführt und an Edom ausgeliefert haben, sondern ich will ein Feuer in die Mauern von Gaza schicken, das soll seine Paläste verzehren.

Und ich will die Einwohner von Asdod und den, der das Zepter hält, aus Askalon ausrotten und meine Hand gegen Ekron kehren, und es soll umkommen, was von den Philistern noch übrig ist, spricht der Herr.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von T y r u s will ich sie nicht schonen, weil sie die Gefangenen alle an Edom ausgeliefert haben und nicht an den Bruderbund gedacht haben, sondern ich will ein Feuer in die Mauern von Tyrus schicken, das soll ihre Paläste verzehren.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von E d o m will ich sie nicht schonen, weil sie ihren Bruder mit dem Schwert verfolgt haben und alles Erbarmen von sich getan und haben immerfort wüten in ihrem Zorn und an ihrem Grimm ewig festhalten. Ich will ein Feuer schicken nach Teman, das soll die Paläste von Bozra verzehren.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von  A m m o n will ich sie nicht schonen, weil sie die Schwangeren in Gilead aufgeschlitzt haben, um ihr Gebiet zu erweitern.

Ich will ein Feuer anzünden in den Mauern Rabbas, das soll seine Paläste verzehren, wenn man das Kriegsgeschrei erhebt am Tag der Schlacht, und wenn das Wetter kommt am Tag des Sturms. Da wird dann ihr König samt seinen Oberen gefangen weggeführt werden, spricht der Herr.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von M o a b will ich sie nicht schonen, darum daß sie die Gebeine des Königs von Edom zu Asche verbrannt haben. Ich will ein Feuer schicken nach Moab, das soll die Paläste von Kerijoth verzehren, und Moab soll sterben im Getümmel und Geschrei und Posaunenhall. Ich will den Herrscher unter ihnen ausrotten und alle ihre Oberen samt ihm töten, spricht der Herr.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von J u d a will ich sie nicht schonen, weil sie des Herrn Gesetz verachten und seine Ordnungen nicht halten und sich von ihren Lügengötzen verführen lassen, denen ihre Väter nachgefolgt sind. Ich will ein Feuer nach Juda schicken, das soll die Paläste von Jerusalem verzehren.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von I s r a e l will ich sie nicht schonen, weil sie die Unschuldigen für Geld und die Armen für ein Paar Schuhe verkaufen.

 Sie treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Weg der. Sohn und Vater gehen zur gleichen Hure, um meinen heiligen Namen zu entheiligen.

Und bei allen Altären schlemmen sie auf den gepfändeten Kleidern und trinken Wein vom Geld der Bestraften im Haus ihres Gottes.

Und dabei habe ich den Amoriter vor ihnen her vertilgt, der so hoch war wie die Zedern und so stark wie die Eichen; ich vertilgte oben seine Frucht und unten seine Wurzel. Auch habe ich euch aus Ägypten geführt und vierzig Jahre in der Wüste geleitet, damit ihr das Land der Amoriter besitzen solltet. Ich habe aus euren Söhnen die Propheten erweckt und Gottgeweihte aus euren Jünglingen. „Ist es nicht so, ihr Israeliten?“ spricht der Herr.

Aber ihr gebt den Gottgeweihten Wein zu trinken und gebietet den Propheten und sprecht: „Ihr sollt nicht weissagen!“

Siehe, ich will es unter euch schwanken machen, wie ein Wagen voll Garben schwankt,

 so daß auch der, der schnell ist, nicht entfliehen noch der Starke etwas vermögen soll, und der Mächtige soll nicht sein Leben retten können. Die Bogenschützen sollen nicht standhalten, und wer schnell laufen kann, soll nicht entrinnen, und wer reitet, soll sein Leben nicht retten. Und wer unter den Starken der mannhafteste ist, soll nackt entfliehen müssen an jenem Tag, spricht der Herr (Am 1 -2).

 

Weitere Gerichtsworte an Israel (Kapitel 3,1 bis 6,14 und 8,4-14)

 [Der Hauptteil wird mit einer in der Bibel einzigartigen Haftbarmachung eröffnet: „Aus allen Generationen der Erde habe ich euch allein erkannt, darum werde ich auch an euch heimsuchen alle eure Sünden!“ Israels Erwählung beim Auszug aus Ägypten ist kein Vorzug unter den Völkern und keine Heilsgarantie, sondern begründet Gottes Strafgericht gerade an ihm. In rhetorischen Fragen deutet Am 3,3-8 die Berufungserfahrung des Amos an, die ihn nötigte, Gottes Wort zu verkünden. Darauf folgt die große Anklagerede gegen die Oberschicht in Samaria: Die Ausländer sollen das Unrecht bezeugen, das in Israel geschieht. Sie sammeln Schätze von Frevel und Raub in ihren Palästen. Die kommende Bedrängnis werde sowohl die Kultorte – genannt wird Bethel, später auch Gilgal, Beersheba, Dan – als auch die Winter- und Sommerresidenzen der Königsfamilie zerstören. Er greift die reichen Frauen als „fette Kühe“ an, die sich von Sklaven bedienen lassen und diese schinden. Sarkastisch fordert er das Volk auf, noch mehr Opfer darzubringen und so Schuld auf sich zu häufen.

Denn in all dem frommen Treiben habe es Gottes unübersehbare Warnungen – Hunger, Dürre, Mißernten, Pest, Kriegsniederlagen – mißachtet: „Dennoch kehrt ihr nicht um zu mir!“ Daher solle es sich auf die Begegnung mit dem Schöpfer der Elemente gefaßt machen, den Amos „Jahwe Zebaoth“ nennt].

 

Gott redet durch den Propheten:

Ihr Israeliten hört, was der Herr gegen euch redet, die ich aus Ägypten geführt habe: Aus allen Völkern auf der Erde habe ich allein euch auserwählt, darum will ich auch an euch strafen all eure Sünde. Können etwa zwei miteinander ihren Weg gehen, wenn sie nicht einig untereinander sind? Brüllt etwa ein Löwe im Wald, wenn er keinen Raub hat? Schreit etwa ein junger Löwe aus seiner Höhle, wenn er nichts gefangen hat?  Fällt ein Vogel zur Erde, wenn kein Fangnetz da ist? Oder springt eine Falle auf von der Erde, wenn sie nichts gefangen hat? Bläst man die Posaune in einer Stadt, und das Volk entsetzt sich  nicht? Ist etwa ein Unglück in der Stadt, daß der Herr nicht tut? Gott der Herr tut nichts, er enthülle denn seinen Beschluß den Propheten. Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten? Gott der  Herr redet, wer sollte nicht Prophet werden (Am 3,1-8).

 

Ankündigung des Gerichts über Samaria:

Verkündet in den Palästen von Asdod und in den Palästen im Lande Ägypten und sprecht: Sammelt euch auf den Bergen um Samaria und seht, welch ein großes Zetergeschrei und Unrecht darin ist! Sie achten kein Recht, sie sammeln Schätze von Frevel und Raub in ihren Palästen. Darum spricht Gott der Herr: Man wird dies Land ringsumher bedrängen und dich von deiner Macht herunterreißen und deine Häuser plündern. So spricht der Herr: Wie ein Hirte dem Löwen zwei Beine oder ein Ohrläppchen aus dem Maul reißt, so sollen die Israeliten herausgerissen werden, die in Samaria sitzen in der Ecke des Ruhebettes und auf dem Lager von Damast.

Hört und bezeugt es den Nachkommen Jakobs, spricht der Gott Zebaoth. Zur Zeit, wenn ich die Sünden Israels strafen werde, will ich die Altäre in Bethel vernichten  und die Hörner des Altars abbrechen, daß sie zu Boden fallen sollen, und will Winterhaus und Sommerhaus zerschlagen, und die elfenbeingeschmückten Häuser sollen zugrundegehen und viele Häuser vernichtet werden, spricht der Herr (Am 3).

 

Gegen die Frauen in Samaria:

 Hört dies Wort, ihr fetten Kühe, die ihr auf dem Berg Samarias seid und den Geringen nur Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht zu euren Herrn: „Bringt her, laß uns saufen!“ Gott der Herr hat geschworen bei seiner Heiligkeit: „Siehe, es kommt die Zeit über euch, daß man euch mit Angeln wird herausziehen wird und mit Fischhaken, was von euch übrigbleibt. Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinaus müssen, eine jede vor sich hin, und zum Berg Hermon weggeschleppt werden, spricht der Herr!“ (Am 4,1-3).

 

Gottes Strafen werden mißachtet:

Ja, kommt her nach Bethel und treibt Sünde, und nach Gilgal, um noch viel mehr zu sündigen! Bringt eure Opfer am Morgen und eure Zehnten am dritten Tag, räuchert vom Sauerteig zum Dankopfer und ruft freiwillige Opfer aus und verkündigt sie. Denn so habt ihr es gern, ihr Israeliten, spricht Gott der Herr. Ich will euch auch in allen euren Städten müßige Zähne gegeben und Mangel am Brot an allen euren Orten. Dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

 

Auch habe ich euch den Regen vorenthalten, als noch drei Monate waren bis zur Ernte. Ich ließ regnen über eine Stadt und auf eine andere Stadt ließ ich es nicht regnen. Ein Acker wurde beregnet, und der andere Acker verdorrte, der keinen Regen erhielt. Es zogen zwei, drei Städte zu einer andren Stadt, um Wasser zu  trinken, und konnten nicht genug finden. Dennoch doch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

Ich plagte euch mit dürrer Zeit und mit Getreidebrand, auch fraßen die Raupen alles, was in euren Gärten und Weinbergen, auf euren Feigenbäumen und Ölbäumen wuchs. Doch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr. Ich schickte unter euch die Pest wie in Ägypten, ich tötete eure junge Mannschaft durchs Schwert und ließ eure Pferde gefangen wegführen und ließ den Gestank eures Heerlagers in eure Nasen steigen. Dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr. Ich richtete unter euch Zerstörung an, wie ich Sodom und Gomorra zerstörte, daß ihr wart wie ein Holzscheit, das aus dem Feuer gerissen wird. Doch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

Darum will ich es weiter so mit dir machen, Israel! Weil ich es denn weiter so mit dir machen will, so bereite dich, Israel, und begegne deinem Gott. Denn siehe, er ist es, der die Berge macht und den Wind schafft. Er zeigt dem Menschen, was er im Sinn hat. Er macht die Morgenröte und die Finsternis, er tritt einher auf den Höhen der Erde, er heißt „Herr, Gott Zebaoth“ (Am 4, 4-13).

 

Klagelied über Israel:

Hört, ihr vom Haus Israel, dies Wort, denn ich muß dies Klagelied über euch anstimmen: Die Jungfrau Israel ist gefallen, daß sie nicht wieder aufstehen wird, sie ist zu Boden gestoßen, und niemand ist da, der ihr aufhelfe. Denn so spricht Gott der Herr: Die Stadt, aus der Tausend zum Kampf ausziehen, soll nur Hundert übrig behalten, und die Stadt, aus der Hundert ausziehen, die soll nur Zehn übrig behalten im Haus Israel (Am 5,1-3).

 

Gegen die Unterdrücker im Volk:

Denn so spricht der Herr zum Haus Israel: „Suchet mich, so werdet ihr leben!“ Sucht nicht Bethel und kommet nicht nach Gilgal und geht nicht nach Beerseba. Denn Gilgal wird gefangen weggeführt werden, und Bethel wird zunichte werden. Sucht den Herrn, so werdet ihr leben! Sonst wird er nicht daher fahren über die Nachkommen Josephs wie ein verzehrendes Feuer, das niemand löschen kann in Bethel, über euch, die ihr das Recht in Wermut verkehrt und die Gerechtigkeit zu Boden stoßt.

Er hat das Siebengestirn und den Orion gemacht, der aus der Finsternis den Morgen macht und aus dem Tag die finstere Nacht macht, der dem Wasser im Meer herbeiruft und schüttet es auf den Erdboden. Er läßt über den Starken das Verderben kommen und bringt Verderben über die feste Stadt.

Sie sind dem gram, der sie am Tor zurechtweist, und verabscheuen den,  der ihnen die Wahrheit sagt. Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn, so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Quadersteinen gebaut habt, und den Wein nicht trinken, den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzt habt.

Denn ich kenne eure Freveltaten, die so viele sind, und eure Sünden, die so groß sind, wie ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt. Darum muß der Kluge zur dieser Zeit schweigen, denn es ist eine böse Zeit. Suchet das Gute und nicht das Böse, auf daß ihr leben mögt. So wird der Herr bei euch sein, wie ihr rühmt.

Haßt das Böse und liebt das Gute! Richtet das Recht auf am  Tor! Vielleicht wird der Herr doch gnädig sein gegenüber denen, die von den Nachkommen Josephs übrig bleiben. Darum spricht der Herr, der Gott Zebaoth: Es wird in allen Gassen Wehklagen sein, und auf allen Straßen wird man sagen: „Wehe! Wehe!“ Man wird den Ackermann zum Trauern rufen, und zum Wehklagen, wer die Totenklage erheben kann. In allen Weinbergen wird Wehklagen sein, denn ich will unter euch fahren, spricht der Herr.

Wehe denen, die den Tag des Herrn herbeiwünschen! Was soll er euch bringen? Denn der Tag des Herrn ist Finsternis und nicht Licht. Das ist so wie wenn jemand vor dem Löwen flieht  und ein Bär begegnet ihm. Oder er kommt in ein Haus und lehnt sich mit der Hand an die Wand  und eine Schlange sticht ihn.  Ja, der Tag des Herrn wird finster und nicht licht sein, dunkel und nicht hell (Amos 5,1-20).

 

Der äußerliche Gottesdienst tut es nicht:

Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir gleich Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich keinen Gefallen daran und mag eure fetten Dankopfer nicht ansehen.  Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht werden wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Habt ihr vom Volk Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre lang Schlachtopfer und Speisopfer geopfert? Ihr trugt den Sikkuth, euren König, und Kiun, den Stern eures Gottes, und eure Bilder, die ihr euch selbst gemacht habt.  So will ich euch wegführen lassen bis jenseits von  Damaskus, spricht der Herr, der Gott Zebaoth heißt (Am 5,21-27).

 

Gegen die Selbstsicherheit der Vornehmen:

Weh den Sorglosen in Zion! Weh denen, die voll Zuversicht sind  auf dem Berg Samarias verlassen, den Vornehmen des Erstlings unter den Völkern, zu denen das Volk Israel kommt! Geht hin nach Kalne und schaut. Geht von da nach Hamath, der großen Stadt, und zieht hinab nach dem Gath der Philister! Seid ihr besser als diese Königreiche, ist euer Gebiet größer als das ihre? Ihr meint, vom bösen Tag weit weg zu sein und trachtet immer nach Frevelregiment. Ihr schlaft auf elfenbeinernen Lagern und euch streckt auf euren Ruhebetten. Ihr eßt die Lämmer aus der Herde und die gemästeten Kälber. Ihr spielt auf der Harfe dem Psalter und erdichtet euch Lieder wie David. Ihr trinkt Wein aus Schalen und salbt euch mit dem besten Öl. Aber ihr kümmert euch nicht um den Schaden der Nachkommen Josephs.

Darum sollen sie nun vornean gehen unter denen, die gefangen weggeführt werden, und das Schlemmen der Übermütigen soll aufhören. Denn Gott der Herr hat geschworen bei sich: „Mich verdrießt der Hochmut der Nachkommen Jakobs, und ich bin hasse ihre Paläste. Darum ich will die Stadt übergeben mit allem, was darinnen ist. Und wenn auch zehn Männer in einem Haus übrigbleiben, sollen sie doch sterben!“ Und nimmt dann einen sein Verwandter, der seine Gebeine aus dem Haus tragen und bestatten will, so sagt er zu dem, der drin im Haus ist: „Sind noch mehr da?“

Und der wird antworten: „Sie sind alle dahin!“ Und er wird sagen: „Sei still! Denn man darf des Namens des Herrn nicht nennen. Denn siehe, der Herr hat geboten, daß man die großen Häuser in Trümmer schlagen soll und die kleinen Häuser in Stücke!“  Wer kann mit Rossen auf Felsen rennen oder mit Rindern pflügen? Denn ihr wandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut.

 

 

Ihr freut euch über Lo-Dabar und sprecht: „Haben wir nicht durch unsere Kraft  die Stadt Karnajim genommen?“ Darum will ich über euch vom Volk Israel ein Volk aufstehen lassen, spricht der Herr, der Gott Zebaoth, das soll euch bedrängen von da an, wo man nach Hamath geht, bis an den Bach in der Wüste (Am 6. Hier werden jetzt erst sinngemäß die Verse  8,4-14 eingefügt).

 

Gegen den Wucher der Reichen:

Hört dies, die ihr den Armen unterdrückt und die Elenden im Land zugrunde richtet und sprecht: „Wann will doch die Neumondfeier ein Ende haben, daß wir Getreide verkaufen, und der wöchentliche Feiertag, daß wir Korn feilhalten können und das Maß verringern und den Preis steigern und die Waage fälschen, damit wir die Armen um Geld und die Geringen um ein Paar Schuhe unter uns bringen und Spreu für Korn verkaufen?“

Der Herr hat den Nachkommen Jakobs geschworen: „Niemals werde ich diese ihre Taten vergessen!“ Sollte nicht um solcher Taten willen das ganze Land erbeben müssen und alle Bewohner trauern? Ja, es soll sich heben wie die Wasser des Nils und sich senken wie der Strom Ägyptens.

Zu derselben Zeit, spricht Gott der Herr, will ich die Sonne am Mittag untergehen lassen und das Land am hellen Tag finster werden lassen [Zu Lebzeiten des Amos ereignete sich im Jahre 763 vCh die so genannte „Assyrische Sonnenfinsternis“, die für die Datierung der Ereignisse des Alten Orients von großer Bedeutung ist; sie war auch in Israel nahezu total].

Ich will eure Feiertage in Trauer und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln. Ich will über alle Lenden den Sack bringen und alle Köpfe kahl machen, und will ein Trauern schaffen, wie man trauert über einen einzigen Sohn, und sie sollen ein bitteres Ende nehmen.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der Herr, daß ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn, es zu hören, daß sie hin und her von einem Meer zum andern, vom Norden zum Osten laufen und des Herrn Wort suchen, und doch nicht finden werden.

Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst, die jetzt schwören bei dem Abgott Samarias und sprechen: „So wahr dein Gott lebt, Dan!“ und „So wahr den Gott lebt, Beerseba!“ Denn sie sollen so fallen, daß sie nicht wieder aufstehen können (Am 8,4-14).

 

 

Die Visionen des Amos: Kapitel 7 bis 9

 

Die drei ersten Visionen:

Gott der Herr zeigte ließ mich schauen, und siehe, da stand einer, der machte Heuschrecken zur Zeit, nachdem der König hatte mähen lassen und der zweite Grasschnitt gewachsen war.  Als sie nun alles Gras im Land abfressen wollten, sprach ich: „Ach Herr, sei gnädig! Wer will den Nachkommen Jakobs wieder aufhelfen, denn sie sind ja so schwach?“ Da reute es den Herrn und er sprach: „Wohlan, es soll nicht geschehen!“

Gott der Herr ließ mich schauen, und siehe, Gott der Herr rief dem Feuer, um damit zu strafen. Das verzehrte die große Tiefe und fraß das Ackerland. Da sprach ich: „Ach Herr, laß ab! Wer soll den Nachkommen Jakobs wieder aufhelfen, denn sie sind ja so schwach?“ Da reute den Herrn auch das, und Gott der Herr sprach: „Es soll auch nicht geschehen!“

Er ließ mich abermals schauen, und siehe, der Herr stand auf einer Mauer, die mit einer Bleischnur gerichtet war; und er hatte das Bleilot in seiner Hand. Und der Herr sprach zu mir: „Was siehst du, Amos?“ Ich sprach: „Ein Bleilot!“ Da sprach der Herr zu mir: „Siehe, ich will ein Bleilotlegen an mein Volk Israel und ihm nichts mehr übersehen, sondern die Höhen Isaaks sollen verwüstet und die Heiligtümer Israels zerstört werden, und ich will mit dem Schwert mich über die Familie Jerobeam hermachen (Amos 7,1-9. Die Verse 10-17 wurden sinngemäß hinter Kapitel 9,6 gestellt).

 

Die vierte Vision:

Gott der Herr ließ mich schauen, und siehe, da stand ein Korb mit reifem Obst. Und er sprach: „Was siehst du, Amos?“  Ich aber antwortete: „Einen Korb mit reifem Obst!“ Da sprach der Herr zu mir: „Reif zum Ende ist mein Volk Israel. Ich will ihm nichts mehr übersehen. Und die Lieder im Tempel sollen in ein Heulen verkehrt werden zur selben Zeit, spricht der Herr. Es werden an allen Orten viele Leichen liegen, die man heimlich hinwirft (Am 8,1-3. Die Verse 4-14 wurden sinngemäß hinter Kapitel 6 gestellt).

 

Die letzte Vision:

Ich sah den Herrn auf dem Altar stehen, und er sprach: „Schlage an den Knauf, daß die Pfosten beben und die Trümmer ihnen allen auf den Kopf fallen. Und wer noch übrigbleibt von ihnen, will ich mit dem Schwert töten, daß keiner von ihnen entfliehen noch irgendeiner entkommen soll. Und wenn sie sich auch unten bei den Toten vergrüben, soll sie doch meine Hand von dort holen. Und wenn sie zum Himmel hinaufstiegen, will ich sie doch herunterstoßen. Und wenn sie sich auch versteckten oben auf dem Berg Karmel, will ich sie doch suchen und von dort herab holen. Und wenn sie sich vor meinen Augen verbergen würden auf dem Grund des Meeres, so will ich doch der Meeresschlangen befehlen, die sie dort zu beißen. Und wenn sie vor ihren Feinde gefangen hergingen, so will ich doch dem Schwert befehlen, sie dort zu töten. Denn ich will meine Augen auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten.

Denn Gott, der Herr Zebaoth, ist es, der die Erde anrührt, daß sie bebt und alle Bewohner trauern müssen, und daß sie sich hebt wie die Wasser des Nils und senkt wie der Strom Ägyptens. Er ist es, der seinen Saal in den Himmel baut und seinen Palast über der Erde gründet, der das  Wasser im Meer herbeiruft und schüttet es auf das Erdreich, er heißt Herr!“ (Am 9,1-6).

 

Amos wird aus Bethel ausgewiesen:

Da sandte Amazja, der Priester in Bethel, einen Boten zu dem König Jerobeam und ließ ihm sagen: „Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Volk Israel, das Land kann seine Worte nicht ertragen. Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus diesem Lande gefangen weggeführt werden!“ Und Amazja sprach zu Amos: „Du Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und verdiene dort dein Brot und weissage dort. Und weissage nicht mehr in Bethel, denn das ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs!“

Amos antwortete und sprach zu Amazja: „Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Hirte, der Maulbeeren züchtet. Aber der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel! So höre nun des Herrn Wort. Du sprichst: Weissage nicht gegen Israel und eifere nicht gegen die Nachkommen Isaaks!

 

 

Darum spricht der Herr: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Meßschnur aufgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Land sterben, und Israel soll aus seinem Land vertrieben werden!“ (Am 7,10-17).

 

Gegen den falschen Erwählungsglauben:

[Die Verse Amos 9, 7-10 sind der ursprüngliche Schluß des Amosbuchs. Er greift die Zentralaussage von Am 3,1-2 wieder auf, daß die Erwählungssicherheit nicht als Heilsgarantie mißverstanden werden darf].

„Seid ihr Israeliten mir nicht wie die Afrikaner?“ spricht der Herr. „Habe ich nicht Israel aus Ägypten geführt und die Philister aus Kaphthor und die Aramäer aus Kir? Siehe, die Augen Gottes des Herrn sehen auf das sündige Königreich, daß ich es vom Erdboden vertilge, obwohl  ich die Nachkommen Jakobs nicht ganz und gar vertilgen will, spricht der Herr. Denn siehe, ich will befehlen und das Haus Israel unter allen Völkern schütteln lassen wie man mit einem Sieb schüttelt, und kein Stein zur Erde fällt. Alle Sünder in meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da sagen: Es wird das Unglück nicht so nahe sein noch uns begegnen!“

 

Das künftige Heil des Gottesvolkes:

[Ein Anhang aus der Zeit nach der Verbannung, ein Heilswort für Israel vom Wiederaufbau der zerfallenen Hütte Davids].

Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und das Abgebrochene wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist, damit sie in Besitz nehmen, was von Edom übrig ist und alle Völker, über die mein Namen genannt ist, spricht der Herr, der so etwas tut.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß man zugleich ackern und ernten und zugleich keltern und säen wird. Und die Berge werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein. Denn ich will die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden, daß sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, daß sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen. Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, daß sie nicht mehr aus ihrem Lande ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott (Am 9,11-15).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Obadja

 

[Das Buch Obadja stammt vom gleichnamigen Verfasser, der zu den zwölf kleinen Propheten der hebräischen Bibel. Mit 21 Versen ist es das kürzeste Buch des Alten Testaments. Über den Propheten ist nur bekannt, was sich aus seinem Buch ergibt. Er stammte demnach aus Juda. Sein Name bedeutet „Knecht“ oder „Anbeter Jahwes, des Herrn“.

Es gibt drei Möglichkeiten für die Datierung, die alle nicht bewiesen werden können:

1. Im 1. Buch der Könige wird in Kapitel 18 Obadja als Untertan des Königs Ahabs vorgestellt, der in der phönizischen Königsgattin Isebel eine zu allem entschlossene Gegnerin hat. Weitere Hauptperson mit der Obadja zu tun hat ist der Prophet Elia, der das Volk durch Beauftragung Gottes wieder auf den rechten Glaubensweg bringen soll. Somit fällt die Datierung auf die Zeit des Königs Ahabs zwischen etwa 875 bis etwa 852 vCh.

2. Die historisch-kritische Forschung deutet die Einnahme Jerusalems in Vers 11 auf die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar II., König von Babylon, im Jahr 586 vCh. Dann wäre das Buch entsprechend danach, also vermutlich im babylonischen Exil entstanden.

3. Die dritte Möglichkeit deutet den Vers ebenso historisch-kritisch auf die Eroberung Jerusalems durch Araber und Philister zur Zeit Jorams (851-845 vCh). Dafür spricht, daß Obadja nur Eroberung und Plünderung erwähnt, aber weder Verbannung noch Zerstörung des Tempels. Auch zeigt das Buch Parallelen zu den Prophetien über Edom bei Amos und Jeremia.

Es geht um das drohendes Gericht über Edom (1-9),  Edoms Verhalten gegen Juda (10-16) und die zukünftige Wiederherstellung Israels (17-21). Obadja weist wörtliche Übereinstimmungen mit Jeremia 49 auf, was auf eine literarische Abhängigkeit schließen läßt. Während die Mehrzahl der Ausleger von Obadja als dem Primärtext ausgehen, sehen u.a. A. Meinhold und J. Jeremias Obadja als Fortschreibung von Jeremia an].

 

Dies ist , was Obadja geschaut hat: So spricht Gott der Herr über Edom: „Wir haben vom Herrn eine Botschaft gehört, ein Bote ist unter die Andersgläubigen gesandt: Wohlauf, laßt uns gegen Edom streiten. Siehe, ich habe dich gering gemacht unter und sehr verachtet unter den Völkern. Der Hochmut deines Herzens hat dich betrogen, weil du in den Felsenklüften wohnst, in deinen hohen Schlössern, und sprichst in deinem Herzen: Wer will mich zu Boden stoßen?“

Und der Herr fuhr fort: „Wenn du gleich in die Höhe fahren würdest wie ein Adler und machtest dein Nest zwischen den Sternen, so will ich dich von dort herunterstürzen, spricht der Herr. Wenn Diebe oder Räuber nachts über dich kommen werden, wie sollst du dann zunichte werden! Ja, sie sollen stehlen, bis sie genug haben. Und wenn die Weinleser über dich kommen, so sollen sie dir kein Nachlese übriglassen. Wie sollen sie dann Edom durchsuchen und seine Schätze aufspüren! Alle deine Bundesgenossen werden dich zum Land hinaus stoßen. Die Leute, auf die du deinen Trost setzt, werden dich betrügen und überwältigen. Die dein Brot essen, werden dich verraten, ehe du es merken wirst!“

„Was gilt es?“ spricht der Herr, „ich will zur selben Zeit die Weisen in Edom zunichte machen und die Klugheit auf dem Gebirge Edoms. Und deine Starken sollen verzagen, damit alle auf dem Gebirge Edom ausgerottet werden durch Morden“

Wegen des Frevels willen, den du an deinem Brudervolk Israel begangen hast, sollst du zuschanden werden und für immer  ausgerottet sein.

Zu der Zeit, da du dabei standest und sahst, wie die Fremden sein Heer gefangen wegführten und Ausländer zu seinen Toren einzogen und über Jerusalem das Los warfen, da warst du wie einer von ihnen. Du sollst nicht mehr herabsehen auf deinen Bruder zur Zeit seines Elends und sollst dich nicht freuen über die Judäer zur Zeit ihres Jammers und sollst mit deinem Mund nicht so stolz reden zur Zeit ihrer Angst. Du sollst nicht zum Tor meines Volkes einziehen zur Zeit seines Jammers. Du sollst nicht herabsehen auf sein Unglück zur Zeit seines. Du sollst nicht nach seinem Gut greifen zur Zeit seines Jammers. Du sollst nicht stehen an den Fluchtwegen, um seine Entronnenen zu morden. Du sollst seine Übriggebliebenen nicht verraten zur Zeit der Angst.

Denn der Tag des Herrn ist nahe über alle Andersgläubigen. Wie du getan hast, soll dir wieder geschehen, und wie du es verdient hast, so soll es dir wieder auf deinen Kopf kommen. Denn wie ihr auf meinem heiligen Berge getrunken habt, so sollen alle Andersgläubigen täglich trinken, ja, sie sollen es aussaufen und ausschlürfen und sollen sein, als wären sie nie gewesen.

Aber auf dem Berg Zion werden Errettete sein, und er soll heilig sein, und das Volk Israel soll seine Besitzer besitzen. Das Volk Israel soll ein Feuer werden, aber Edom soll zu Stroh werden. Das werden sie anzünden und verzehren, daß dem Edom nichts übrigbleibt, denn der Herr hat es geredet. Und sie werden das Südland besitzen, das Gebirge Edom, und das Hügelland, das Land der Philister. Ja, sie werden das Feld Ephraims und das Feld Samarias besitzen, und der Stamm Benjamin das Gebirge Gilead.

Und die Weggeführten der Israeliten werden die Städte der Kanaaniter bis zur Stadt Zarpath besitzen, und die Weggeführten aus der Stadt Jerusalem werden die Städte im Südland besitzen. Und es werden die Geretteten vom Berg Zion kommen, um das Gebirge Edoms zu richten, und die Königsherrschaft wird dem Herrn gehören.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Jona

Jonas Berufung:

Das Wort des Herrn erreichte Jona, dem Sohn Amitthais, und sprach: „Mache dich auf und gehe in die große Stadt Ninive und predige gegen sie!  Denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen!“ Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem Herrn nach Tarsis in Spanien fliehen und kam hinab nach Japho. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis wollte fahren, gab er Fährgeld und betrat das Schiff, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren und dem Herrn aus den Augen zu kommen.

Da ließ der Herr einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, daß man meinte, das Schiff würde zerbrechen. Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrieen, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung ins Meer, damit das Schiff leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief.

Da trat der Schiffsherr zu ihm und sprach: „Was schläfst du? Stehe auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns denken, daß wir nicht verderben!“

Und einer sprach zum andern: „Kommt, wir wollen losen, um zu erfahren, wer es ist , wessen dem es uns so übel gehe!“ Und als sie losten, da traf es Jona. Da sprachen sie zu ihm: „Sage uns, warum geht es uns so übel? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du?“ Er sprach zu ihnen: „Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat!“

Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: „Warum hast du denn das getan?“ Denn sie wußten, daß er vor dem Herrn floh, denn er hatte es ihnen gesagt. Da sprachen sie zu ihm: „Was sollen wir denn mit dir tun, daß uns das Meer still werde und von uns ablasse?“ Denn das Meer ging immer ungestümer. Er sprach zu ihnen: „Nehmt mich und werft mich ins Meer, dann wird euch das Meer still werden. Denn ich weiß, daß wegen mir sein so großes Ungewitter über euch kommt!“

Doch die Leute ruderten, daß sie wieder ans Land kämen. Aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an.

 

Da riefen sie zu dem Herrn und sprachen: „Ach Herr, laß uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu! Denn du, Herr, tust, wie es dir gefällt!“ Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. Und die Leute fürchteten den Herr sehr und brachten dem Herrn Opfer und legten Gelübde ab (Jona 1).

 

Jonas Gebet:

Aber der Herr ließ einen großen Fisch kommen, um Jona zu verschlingen. Und Jona war drei Tage und drei Nächte im Leib des Fisches. Er betete zu dem Herrn, seinem Gott, im Leibe des Fisches und sprach: „Ich rief zum Herrn in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme. Du warfst mich in die Tiefe mitten ins Meer, daß die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich. …..

Als meine Seele bei mir verzagte, dachte ich an den Herrn, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Die halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade. Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gelübde will erfüllen dem Herrn, der mir geholfen hat!“ Und der Herr sprach zum Fisch, und der spie Jona aus ans Land (Jona 2, gekürzt).

 

 

 

 

Jonas Predigt in Ninive:

Und das Wort des Herrn erreichte Jona zum zweiten Mal und sprach: „Mache dich auf, gehe in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage!“ Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der Herr gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: „Es sind noch vierzig Tage, dann wird Ninive untergehen!“ Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen, und Groß und Klein zogen Säcke an zum Zeichen ihrer Umkehr.

Als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte einen Sack um sich und setzte sich in die Asche und ließ in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen ausrufen: „Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe irgendeine Nahrung zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen. Sie sollen Säcke um sich hüllen, beide, Menschen und Vieh, und zu Gott rufen mit Macht. Und ein jeder bekehre sich von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände. Wer weiß? Vielleicht reut  Gott es doch und er wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, daß wir nicht verderben!“ Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie sich bekehrten von ihrem bösen Weg, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat es nicht (Jona 3).

 

Jonas Unmut über Gott:

Das aber verdroß Jona sehr, und er wurde zornig und betete zum Herrn und sprach: „Ach Herr, das ist es, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war, weshalb ich auch eilends nach Tarsis fliehen wollte. Denn ich wußte, daß du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und bereust das Unglück, das du ihnen schicken wolltest. So nimm doch nun, Herr, mein Leben von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben!“ Aber der Herr sprach: Meinst du, daß du mit Recht zürnst?“

Jona ging zur Stadt hinaus und ließ sich östlich der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte. Darunter setzte er sich in den Schatten, um zu sehen, was der Stadt widerfahren würde.

Aber Gott der Herr ließ eine Rizinus-Staude über Jona wachsen, daß sie ihm Schatten gäbe über sein Haupt und ihm gegen seinen Unmut helfen sollte. Und Jona freute sich sehr über die Staude.

Aber als die Morgenröte anbrach, ließ Gott einen Wurm kommen, der stach die Staude, daß sie verdorrte. Als aber die Sonne aufgegangen war, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen, und die Sonne stach Jona auf den Kopf, daß er matt wurde. Da wünschte er sich den Tod und sprach: „Ich wollte lieber tot sein als leben!“

Da sprach Gott zu Jona: „Meinst du, daß du mit Recht zürnst wegen der Staude?“ Er sprach: „Mit Recht zürne ich bis an den Tod!“ Aber der Herr sprach: „Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast und den du auch nicht aufgezogen hast, der in einer Nacht wuchs und in einer Nacht verdarb. Und da sollte keinen Jammer empfinden über Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertundzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?“ (Jona 4).

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Micha

 

[Das Buch des Propheten Micha ist eines der prophetischen Bücher der hebräischen Bibel und gehört  zu den zwölf kleinen Propheten. In der griechischen Bibelübersetzung lautet die Namensform „Michäas“. Dies deutet darauf, daß der Name Micha nicht als Kurzform von Michael, sondern von Michaja („Wer ist wie Jahwe?“) gedeutet werden sollte. Er erhielt seine Offenbarungen während der Regierungszeit der Könige Jotam (757-736 vCh), Ahas (735-725 vCh) und Hiskia (725-697 vCh). Er war also ein Zeitgenosse von Jesaja, Amos und Hosea. Mit Moreschet (Micha 1,1 und Jeremia 26,18) ist wahrscheinlich das Dorf in der Nähe von Gat in der judäischen Schefala gemeint.

Michas Anklagen gegen soziale Ungerechtigkeit und religiöse Verderbtheit lassen das Thema des Amos und das seiner Zeitgenossen wieder aufleben. Obwohl er als Prophet angesehen wurde, vermied er diesen Titel, denn er wollte sich stark von den Berufspropheten abgrenzen. Seine Prophezeiungen beklagen insbesondere die gesellschaftlich schlechte Stellung der Kleinbauern und Bürger, die durch den Staat und seinen bürokratischen Apparat unterdrückt wurden, um dessen Unterhalt zu sichern.

Im Buch Jeremia wird bezeugt, daß Michas Wort gehört wurde und seine Botschaft zur Reform Hiskias beigetragen hat und Michas Prophetie und ihre Wirkung wird als Argument gebraucht, um zu verhindern, daß Jeremia wegen einer ähnlichen Prophetie hingerichtet wird. Manche Wissenschaftler gehen von einer nachträglichen Redaktion seines Buches aus. Andere gehen davon aus, daß Micha das Buch selbst geschrieben hat.

Die sprachliche Ähnlichkeit zwischen Micha 4,1-3 und Jesaja 2,2-4 wirft die Frage auf, wer hier wen zitierte. Die Ausleger sind unterschiedlicher Ansicht, ohne klare Antworten auf beiden Seiten. Da die beiden Propheten in unmittelbarer Nähe zueinander lebten und zur gleichen Zeit prophezeiten, ist diese Ähnlichkeit verständlich].

 

Gott erscheint zum Gericht  über Israel und Juda:

[Die Verse 1,1-8 dürften vor der Zerstörung Samarias durch Sargon von Assur (722 vCh) entstanden sein, die Verse 1,9-16 vor dem Einfall Sanheribs von Assur (701 vCh)].

Dies ist das Wort des Herrn, das Micha aus Moreseth erreichte zur Zeit der judäischen Könige Jotham, Ahas und Hiskia, und das Bild, das er geschaut hat über Samaria und Jerusalem.

Hört, alle Völker! Merke auf, Land, und alles, was darinnen ist! Denn Gott der Herr hat mit euch zu reden, ja, der Herr aus seinem heiligen Tempel. Denn siehe, der Herr wird herausgehen aus seiner Wohnung und herabfahren und treten auf die Höhen der Erde, daß die Berge unter ihm schmelzen und die Täler sich spalten, wie Wachs vor dem Feuer zerschmilzt, wie Wasser, das talwärts stürzt.

Das alles wegen der Übertretung und der Sünden Israels. Was ist aber die Übertretung Israels? Ist es nicht Samaria? Was sind aber die Opferhöhen Judas? Ist es nicht Jerusalem? Ich will Samaria zu Steinhaufen im Feld machen, daß man ihr die Weinberge nimmt, und will seine Steine ins Tal schleifen und es bis auf den Grund bloßlegen. Alle seine Götzen sollen zerbrochen und all sein Hurenlohn soll mit Feuer verbrannt werden. Ich will auch alle seine Götzenbilder zerstören, denn sie sind von Hurenlohn zusammengebracht und sollen auch wieder zu Hurenlohn werden.

 

 

Darüber muß ich klagen und heulen, ich muß barfuß und bloß daher gehen. Ich muß klagen wie die Schakale und jammern wie die Strauße. Denn unheilbar ist die Plage des Herrn: Sie kommt bis nach Juda, sein Schlag reicht bis an meines Volkes Tor, bis nach Jerusalem. Verkündet es ja nicht in der Stadt Gath, laßt euer Weinen nicht hören (Es folgen weitere Klagen über judäische Städte)…..(Mi 1, gekürzt).

 

Das Gericht über die habgierigen Reichen:

Weh denen, die Schaden zu tun trachten und gehen mit bösen Gedanken  um auf ihrem Lager, daß sie es früh vollbringen, wenn es licht wird, weil sie die Macht haben. Sie reißen Äcker an sich und nehmen Häuser, wie es sie gelüstet. So treiben sie Gewalt mit jedem Haus und mit jedem Erbe. Darum spricht der Herr: „Siehe, ich ersinne gegen diese Art nur Böses, aus dem ihr euren Hals nicht ziehen und unter dem ihr nicht so stolz daher gehen soll, denn es soll eine böse Zeit sein!“

Zur selben Zeit wird man einen Spruch von euch machen und klagen: „Es ist aus - so wird man sagen -  wir sind vernichtet! Das Land meines Volks kriegt einen fremden Herrn! Wann wird er uns die Äcker wieder zuteilen, die er uns genommen hat?“ Jawohl, ihr werdet keinen Teil behalten in der Gemeinde des Herrn.  „Geifert nicht!“so geifern sie, „Solches soll man nicht predigen. Wir werden nicht so zuschanden werden! Ist denn das Volk Israel verflucht?

Meinst du, der Herr sei schnell zum Zorn? Sollte er solches tun wollen?“ Es ist wahr, meine Reden sind freundlich den Frommen.

Aber ihr steht gegen mein Volk wie ein Feind. Denn wie Leute, die aus dem Kriege kommen, raubt ihr Rock und Mantel, denen die sicher daher gehen. Ihr treibt die Frauen meines Volkes aus ihren lieben Häusern und nehmt von ihren Kindern meinen Schmuck auf immer. Darum macht euch auf! Ihr sollt an dieser Stätte  nicht bleiben Um der Unreinheit willen müssen sie unsanft zerstört werden. Wenn ich ein Irrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollen - das wäre eine Predigt für dieses Volk (Mi 2,1-11).

 

Verheißung des Retters:

„Ich will aber dich, Israel, versammeln ganz und gar und was übrig ist in Israel zusammenbringen. Ich will sie wie Schafe miteinander in einen festen Stall tun und wie eine Herde in ihre Hürden, daß es von Menschen dröhnen soll!“ Es wird ein einer wie ein Leittier vor ihnen heraufziehen: Sie werden durchbrechen und durchs Tor hinausziehen. Und ihr König wird vor ihnen her gehen und der Herr an ihrer Spitze (Mi 2,12-13).

 

Gericht über die führenden Männer in Juda:

Und ich sprach: Höret doch, ihr Häupter des Volkes Israel! Ihr solltet die sein, die das Recht kennen. Aber ihr haßt das Gute und liebet das Arge: Ihr schindet ihnen die Haut ab und das Fleisch von ihren Knochen und freßt das Fleisch meines Volkes. Und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Knochen. Ihr zerlegt sie wie in einen Topf und wie Fleisch in einen Kessel.

Darum, wenn ihr nun zum Herrn schreit, wird er euch nicht erhören, sondern wird sein Angesicht vor euch verbergen zur selben Zeit, wie ihr es mit euren bösen Treiben verdient habt.

So spricht der Herr gegen die Propheten, die mein Volk verführen: Sie predigen, es werde gut  gehen, wenn man ihnen nur zu fressen gibt. Wenn einer ihnen aber nichts ins Maul gibt, dann predigen sie, es werde ein Krieg kommen: „Darum sollt in der Nacht keine Erscheinungen haben und die Finsternis soll ohne Wahrsagen werden!“ Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden. Und die Seher sollen zuschanden und die Wahrsager zu Spott werden, sie müssen alle ihren Bart verhüllen, weil da kein Gotteswort dasein wird. Ich aber bin voll Kraft und Geist des Herrn, voll Rechts und Stärke, daß ich Jakob sein Übertreten und Israel seine Sünden anzeigen darf.

So hört doch dies, ihr Herren im Volk Israel, die ihr das Recht verabscheut und alles krumm macht, was gerade ist, die ihr Zion mit Blut baut und Jerusalem mit Unrecht und euch dennoch  auf den Herrn verlaßt und sprecht: „Ist nicht der Herr unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen!“ Darum wird der Berg Zion wegen euch wie ein Acker gepflügt werden, und Jerusalem wird zum Steinhaufen werden und der Berg des Tempels zu einer Höhe wilden Gestrüpps (Mi 3).

 

Das kommende Friedensreich Gottes:

In den letzten Tagen aber wird der Berg, auf dem das Haus des Herrn ist, fest stehen, höher denn alle Berge, und über die Hügel erhaben sein. Und die Völker werden herbei laufen, und viele Andersgläubige werden hingehen und sagen: „Kommt, laßt uns hinauf zum Berg des Herrn gehen und zum Haus des Gottes Israels, daß er uns lehre seine Wege und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird das Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem.

Er wird unter großen Völkern richten und viele Andersgläubigen zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk gegen das andere ein Schwert erheben und werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des Herrn Zebaoth hat es geredet. Denn ein jedes Volk lebt im Namen seines Gottes,  aber wir führen unser Leben im Namen des Herrn, unsers Gottes, immer und ewig (Mi 4,1-5).

 

Die Begnadigung des zerschlagenen Volkes:

Zur selben Zeit, spricht der Herr, will ich die Lahmen sammeln und zusammenbringen, die ich verstoßen und die ich geplagt habe. Ich will dafür sorgen, daß die Lahmen Erben haben sollen, und will die Verstoßenen zum großen Volk machen. Und der Herr wird König über sie sein auf dem Berg Zion von nun an bis in Ewigkeit. Und du, Turm der Herde, du Feste der Tochter Zion, zu dir wird kommen und wiederkehren die frühere Herrschaft, das Königtum der Tochter Jerusalem.

Warum schreist du denn jetzt so laut? Ist denn kein König bei dir? Oder sind deine Ratgeber alle weg, daß dich die Wehen erfassen wie eine Frau bei der Geburt? Leide doch solch Wehen und stöhne, du Tochter Zion, wie eine in Kindsnöten. Denn du mußt zwar zur Stadt hinaus und auf dem Feld wohnen und nach Babylon kommen. Aber dort wirst du wieder errettet werden, dort wird die der Herr erretten von deinen Feinden.

Nun aber werden sich viele Völker gegen dich zusammenrotten und sprechen: „Sie ist dahingegeben, wir wollen auf Zion herabsehen!“ Aber sie wissen die Gedanken des Herrn nicht und kennen seinen Ratschlag nicht, daß er sie zusammen gebracht hat wie Garben auf dem Dreschplatz. Darum mache dich auf und dresche, du Tochter Zion! Denn ich will dir eiserne Hörner und kupferne Klauen machen, und sollst viel Völker zermalmen; so will ich ihr Gut dem Herrn weihen und ihre Habe dem Herrscher der ganzen Welt. Aber nun zerraufe und zerkratze dich, denn man wird uns belagern und dem Richter Israels mit der Rute auf die Backe schlagen (Mi 4,6-14).

 

 

 

Der künftige Herrscher wird aus Bethlehem kommen:

[Ankündigung eines Gesalbten: Der in Micha 5,2 prophezeite Herrscher ist der in Jesaja 7,14 angekündigte Herrscher und in Jesaja 8,3 der erschienene Sohn des Jesaja. Christliche Quellen beziehen Micha 5,2 jedoch auf die Geburt Jesu].

Und du Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Allerdings läßt er sie plagen bis die geboren hat, die gebären soll. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Israeliten.

Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des Herrn und in der Macht des Namens des Herrn, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen, denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, soweit die Welt ist. Und er wird der Friede sein. Wenn Assyrien in unser Land fällt und in unsre festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten gegen ihn aufstellen, die das Land Assyrien verderben mit dem Schwert und das Land Nimrods mit ihren bloßen Waffen.

So wird er uns vor Assyrien erretten, wenn es in unser Land fallen und in unsre Grenzen brechen wird. Und es werden die Übriggebliebenen aus Jakob unter vielen Völkern sein wie ein Tau vom Herrn, wie Regen aufs Gras, der auf niemand harrt noch auf Menschen wartet. Ja, die Übriggebliebenen aus Israel unter den Andersgläubigen inmitten vieler Völker werden sein wie ein Löwe unter den Tieren im Wald, wie ein junger Löwe unter einer Herde Schafe, dem niemand wehren kann, wenn er einbricht, zertritt und zerreißt. Denn deine Hand wird siegen gegen alle deine Widersacher, daß alle deine Feinde ausgerottet werden.

Zur selben Zeit, spricht der Herr, will ich deine Rosse ausrotten und deine Wagen zunichte ma­chen. Ich will die Städte deines Landes ausrotten und alle deine Festen zerbrechen. Ich will die Zauberei bei dir ausrotten, daß keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen. Ich will deine Götzenbilder und Götzen vor dir ausrotten, daß du nicht mehr deiner Hände Werk anbeten sollst. Ich will deine Ascherabilder ausreißen aus deiner Mitte und deine Städte vertilgen. Und ich will mit Grimm und Zorn Rache üben an allen Völkern, die nicht gehorchen wollen (Mi 5).

 

Der rechte Gottesdienst:

Hört doch, was der Herr sagt: „Mache dich auf und führe deine Sache vor den Bergen und laß die Hügel deine Stimme hören!“ Hört, ihr Berge, wie der Herr rechten will, und merkt auf,  ihr starken Grundfesten der Erde; denn der Herr will mit seinem Volk rechten und mit Israel ins Gericht gehen. „Was habe ich dir getan, mein Volk, und womit habe ich dich beschwert? Das sage mir! Habe ich dich doch aus Ägypten geführt und aus der Sklaverei erlöst und vor dir her gesandt Mose, Aaron und Mirjam!“….

„Womit soll ich mich dem Herrn nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und einjährigen Kälbern? Wird wohl der Herr Gefallen haben an vielen tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Oder soll ich meinen ersten Sohn für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?“  Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott (Mi 6,1-8).

 

 

 

 

 

 

Gegen Lug und Trug in Jerusalem:

Des Herren Stimme ruft über die Stadt: „Hört, ihr Stämme und Ratsleute! Noch immer bleibt unrechtes Gut im Haus des Gottlosen und das verfluchte falsche Maß.  Oder sollte ich die unrechte Waage und falsche Gewichte im Beutel billigen? Ihre Reichen tun viel Unrecht und ihre Einwohner gehen mit Lügen um und haben falsche Zungen in ihrem Hals!“

Darum will ich auch anfangen, dich zu plagen und dich wegen deiner Sünden wüst zu machen. Du sollst essen haben und doch nicht satt werden. Und was du beiseite schaffst, wirst du doch nicht retten, und was du rettest, will ich doch dem Schwert preisgeben. Du sollst säen und nicht ernten, du sollst Öl keltern und dich damit nicht salben, und Wein keltern und nicht trinken.

Denn du hieltest dich an die Weise des Königs Omri und alle Werke der Familie Ahab und folgtest ihrem Rat. Darum will ich dich zur Wüste machen und ihre Einwohner, daß man sie auspfeifen soll; und ihr sollt die Schmach meines Volkes tragen (Mi 6,9-16).

 

Klage über die Verderbnis des Volks:

Ach, es geht mir wie einem, der Obst pflücken will, der im Weinberg die Nachlese hält, wo man aber keine Trauben zum Essen findet; und ich wollte doch gerne die besten Früchte haben. Die frommen Leute sind weg in diesem Land, und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten. Sie lauern alle auf Blut, ein jeder jagt den andern, daß er ihn fange.

Ihre Hände sind geschäftig, Böses zu tun. Der Fürst und der Richter fordern Geschenke. Die Gewaltigen reden nach ihrem Mutwillen, um Schaden zu tun, und drehen es, wie sie wollen.

Der Beste unter ihnen ist wie ein Dornstrauch und der Redlichste wie eine Hecke. Aber es kommt der Tag, den deine Späher geschaut haben. Da sollst du heimgesucht werden, da werden sie dann nicht wissen, wo aus noch ein.

Niemand glaube seinem Nächsten, niemand verlasse sich auf einen Freund. Bewahre die Tür deines Mundes vor der, die in deinen Armen schläft. Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter wiedersetzt sich der Mutter, die Schwiegertochter ist gegen die Schwiegermutter; und die Feinde des Menschen sind sein eigenen Hausgenossen. Ich aber will auf den Herrn schauen und harren auf den Gott meines Heils warten; mein Gott wird mich erhören.

 (Mi 7,1-7).

 

Hoffnung der Gemeinde auf Gottes Hilfe:

Freue dich nicht über mich, meine Feindin! Wenn ich auch darnieder liege, so werde ich wieder aufstehen, und wenn ich im Finstern sitze, so ist doch der Herr mein Licht. Ich will des Herrn Zorn tragen, bis er meine Sache führe und mir Recht verschaffe. Er wird mich ans Licht bringen, daß ich seine Gnade schaue. Meine Feindin wird es sehen müssen und in Schande dastehen, die jetzt zu mir sagt: „Wo ist der Herr, dein Gott?“ Meine Augen werden es sehen, daß sie dann wie Dreck auf der Gasse zertreten wird.

Es kommt die Zeit, da werden deine Mauern gebaut werden, da wird weit werden deine Grenze. Da werden sie von Assyrien und von den Städten Ägyptens zu dir kommen, von Ägypten bis an den Euphrat, von einem Meer zum anderen, von einem Gebirge zum anderen. Denn das Land wird wüst sein wegen ihrer Bewohner, wegen der Frucht ihrer Werke.

 

Du aber weide dein Volk mit deinem Stabe, die Herde deines Erbteils, die da einsam wohnt im Wald, mitten im fruchtbaren Land, laß sie in Basan und Gilead weiden wie in alter Zeit. Laß uns Wunder sehen lassen wie zur Zeit, als du aus Ägypten auszogst, daß es die Andersgläubigen sehen und aller ihrer Macht sich schämen sollen und die Hand auf ihren Mund legen und ihre Ohren zuhalten. Sie sollen Staub lecken wie die Schlangen und wie die Würmer auf der Erde sollen sie zitternd hervorkommen aus ihren Burgen. Sie werden sich fürchten vor dem Herrn, unserm Gott, und vor dir sich entsetzen (Mi 7, 8-17).

 

Lob der Barmherzigkeit Gottes:

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erläßt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von deinem Erbteil, der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig.  Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Israel die Treue halten und Abraham die Gnade erweisen wie du unsern Vätern vor langen Zeiten geschworen hast (Mi 7,18-20).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Nahum

 

[Nahum ist ein Buch der hebräischen Bibel und gehört zu den kleinen Propheten. Der Prophet Nahum stammt aus Elkosch, sein Name bedeutet „Tröster“, bzw. „Jahwe tröstet“. Weiter ist nichts über ihn bekannt. Bei der Suche nach dem Ort Elkosch ist man aufs Raten angewiesen. Möglicherweise ist die Ortsangabe genauso wie der Name symbolisch zu verstehen. Die Herleitung des Namens über die hebräische Wurzel „trösten“ macht es allerdings unwahrscheinlich, daß sich hinter dem Namen auch der des realen Autors verbirgt. Es spricht mehr für eine Auswahl des Namens aus programmatischen Gründen.

Nahum erwähnt die Eroberung von Theben (No-Amon“) im Jahr 663 vCh als Ereignis der Vergangenheit, und die Zerstörung von Ninive im Jahr 612 vCh als Ereignis der Zukunft. Das Buch kann also auf die erste Hälfte des siebten Jahrhunderts eingegrenzt werden, womit Nahum ein Zeitgenosse von Zephanja, Habakuk und Jeremia war.

Das Buch Nahum weist einen vielstufigen Entstehungsprozeß auf, der mit Texten aus der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts. beginnt und erst im 5. oder 4. Jahrhundert endet. Schon die Überschrift deutet auf zwei Bearbeitungsstufen hin:

Der Spruch über Ninive in der ersten Vershälfte bezieht sich auf das zweite und dritte Kapitel des Nahumbuches (Nah 2,2-3,19). Das Hauptthema ist die Gerichtsrede gegen die assyrische Stadt Ninive. An wen sich dieser Textbestand richtet, ist unklar. Nahum 2,4-3,19 ist also der älteste Teil des Buches. Hier finden sich auch Markpunkte zur Datierung.

Der zweite Teil des ersten Verses verweist auf die Aufzeichnung der Schauung des Elko­schi­ters Nahum. Dieser erste Teil des Buches nimmt keinen Bezug auf die Verkündigung gegen Ninive und ist auch sprachlich anders gestaltet und beinhaltet anderweitige  „Schauungen“.

Aber der Inhalt von 1,9-2,3 lenkt auf Juda als Adressat. Weil es darin um Heilsverheißungen geht, wird der Text erst nach der Zerstörung Ninives (612), vermutlich aber erst im Babylonischen Exil (ab 587) hinzugekommen sein. Nach der Exilszeit wurden die beiden Blöcke redaktionell durch kleiner Eingriffe verwoben und um den alphabetisch strukturierten Psalm in Nah 1,2 - 2,1 erweitert].

 

Überschrift:

Dies ist die belastende Weissagung gegen Ninive und das Buch der Weissagung Nahums von Elkosch (Nah 1,1).

 

Ein Psalm: Lobpreis Gottes:

Der Herr ist ein eifernder und vergeltender Gott,

ja, ein Vergelter ist der Herr und zornig.

Der Herr vergilt seinen Widersacher.

Er wird es seinen Feinden nicht vergessen.

Der Herr ist geduldig und von großer Kraft,

vor dem niemand unschuldig ist.

Er ist der Herr, dessen Weg in Wetter und Sturm ist.

Wolken sind der Staub unter seinen Füßen.

Er schilt das Meer und macht es trocken.

Alle Wasser läßt er versiegen….

Die Berge zittern vor ihm, und die Hügel zergehen,

das Erdreich bebt vor ihm, der Erdkreis und alle, die darauf wohnen.

 

Wer kann vor seinem Zorn stehen,

und wer kann vor seinem Grimm bleiben?

Sein Zorn brennt wie Feuer,

und die Felsen zerspringen vor ihm.

Der Herr ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not

und kennt die, die auf ihn trauen.

Er schirmt sie, wenn die Flut überläuft.

Er macht ein Ende mit seinen Widersachern

und seine Feinde verfolgt er mit Finsternis.

Was wollt ihr ersinnen gegen den Herrn?

Er führt doch das Ende herbei.

Es wird das Unglück nicht zweimal kommen.

Denn wenn sie sind wie die Dornen,

die noch ineinander wachsen und im besten Saft sind,

so sollen sie doch verbrannt werden wie dürres Stroh.

Denn von dir, Ninive, ist der gekommen,

der Arges ersann, der Böses gegen den Herrn plante.

Gegen dich hat der Herr geboten,

daß von dir keine Nachkommen mehr bleiben sollen.

Vom Hause deines Gottes will ich ausrotten die Götzen und Bilder;

ein Grab will ich dir machen; denn du bist zunichte geworden.

So spricht der Herr zu Juda:

Sie mögen kommen so gerüstet und mächtig, wie sie wollen,

sie sollen doch umgehauen werden und dahinfahren.

Ich habe dich gedemütigt, aber ich will dich nicht erneut demütigen.

Jetzt will ich sein Joch, das du trägst, zerbrechen und deine Bande zerreißen.

Siehe, auf den Bergen kommen Füße eines guten Boten,

der da Frieden verkündigt!

Feiere deine Feste, Juda, und erfülle deine Gelübde!

Denn es wird der Arge nicht mehr über dich kommen,

er ist ganz ausgerottet  (Nah 1,2 - 2,1).

 

Weissagung der Zerstörung und Plünderung Ninives: (2,2-6)

Ninive, es wird gegen dich heraufziehen, der dich zerstört. Bewahre die Festung! Gib acht auf die Straße, rüste dich aufs beste und stärke dich aufs gewaltigste! ….

Die Schilde seiner Starken sind rot, sein Heeresvolk glänzt wie Purpur, seine Wagen stellt er auf wie leuchtende Fackeln, seine Rosse rasen. Die Wagen rollen auf den Gassen und rasseln auf den Straßen; sie glänzen wie Fackeln und fahren daher wie die Blitze. Aufgeboten werden seine Gewaltigen gedenken, sie stürzen heran auf ihren Wagen, sie eilen zur Mauer und aufgerichtet wird das Schutzdach.

Da werden die Tore an den Wassern geöffnet, und der Palast vergeht in Angst. Die Königin wird gefangen weggeführt werden, und ihre jungen Frauen werden seufzen wie die Tauben und an ihre Brust schlagen. Ninive ist wie ein voller Teich, aber seine Wasser müssen verrinnen. „Steht, steht!“werden sie rufen, aber da wird sich niemand umwenden.

So raubt nun Silber! So raubt Gold! Denn hier ist kein Ende der Schätze und der Menge aller kostbaren Kleinode. Nun muß sie verheert und geplündert werden, so daß die Herzen aller verzagen, die Knie aller schlottern, die Lenden aller zittern und das Angesicht aller bleich wird.

 

Wo ist nun die Wohnung der Löwen und die Höhle der jungen Löwen, wo der Löwe und die Löwin mit den jungen Löwen herumliefen, und niemand wagte  sie zu scheuchen? Der Löwe raubte genug für seine Jungen und würgte es für seine Löwinnen. Seine Höhlen füllte er mit Raub und seine Wohnung mit dem, was er zerrissen hatte. Siehe, ich will an dich, spricht der Herr Zebaoth, und deine Wagen anzünden, und das Schwert soll deine jungen Löwen fressen. Ich will deinem Rauben ein Ende machen auf der Erde, daß man die Stimme deiner Boten nicht mehr hören soll (Nah 2,2-14).

 

Der Untergang Ninives:

Wehe der mörderischen Stadt, die voll Lügen und Räuberei ist und von ihrem Rauben nicht lassen will! Denn da wird man hören die Peitschen knallen klappen und die Räder rasseln und die Rosse jagen und die Wagen rollen. Reiter rücken herauf mit glänzenden Schwertern und blitzenden Spießen. Da liegen viel Erschlagene, eine Unzahl von Leichen, so daß  über sie fallen muß. Das alles wegen der Hurerei der schönen, lieben Hure, die mit Zauberei umgeht, die mit ihrer Hurerei die Völker und mit ihrer Zauberei das Land und die Leute an sich gebracht hat.

Siehe, ich will an dich, spricht der Herr Zebaoth. Ich will dir den Saum deines Gewandes  aufdecken über dein Angesicht und will den Völkern deine Blöße und den Königreichen deine Schande zeigen.  Ich will Unrat auf dich werfen machen und dich schänden und ein Schauspiel aus dir machen, so daß alle, die dich sehen, vor dir fliehen und sagen sollen: „Ninive ist verwüstet. Wer will Mitleid mit ihr haben? Und wo soll ich dir Tröster suchen?“ (Nah 3,1-7)

  

Vergleich mit Theben:

Meinst du, du seist besser als die Stadt Theben, die am Nil lag und vom Wasser umgeben war, deren Mauern und Bollwerk die Wasserfluten waren? Äthopien und Ägypten waren ihre un­ermeßliche Macht, Libyen war ihre Hilfe. Dennoch wurde sie vertrieben und mußte gefangen wegziehen. Ihre Kinder sind auf allen Gassen zerschmettert worden, und um ihre Edlen warf man das Los, und alle ihre Gewaltigen wurden in Ketten und Fesseln gelegt.

Auch du mußt betrunken werden und von Sinnen kommen, auch du mußt Zuflucht suchen vor dem Feind!     Alle deine festen Städte sind wie Feigenbäume mit reifen Feigen. Wenn man sie schüttelt, so fallen sie dem in den Mund, der sie essen will. Siehe, dein Kriegsvolk soll zu Weibern werden, und die Tore deines Landes sollen deinen Feinden geöffnet werden und das Feuer soll deine Riegel verzehren.

Schöpfe dir Wasser, denn du wirst belagert werden! Verstärke dein Bollwerk! Knete den Ton und tritt den Lehm und mache harte Ziegel! Aber das Feuer wir dich fressen und das Schwert töten. Es wird dich fressen, wie Käfer fressen, magst du auch zahlreich werden wie Käfer und wie Heuschrecken (Nah 3,8-15).

 

Das unabwendbare Gericht:

Du hast mehr Händler als Sterne am Himmel sind. Aber nun werden sie ausschlüpfen und  wie Käfer davonfliegen. Deine Wachleute sind so viele wie die Heuschrecken und deine Werber so viele wie die Käfer, die sich an die Zäune lagern an den kalten Tagen. Wenn aber die Sonne aufgeht, fliegen sie davon, daß man nicht weiß, wo sie bleiben. Deine Hirten werden schlafen, o König von Assyrien, deine Mächtigen werden schlummern. Dein Volk wird auf den Bergen zerstreut sein, und niemand wird sie sammeln. Niemand wird deinen Schaden lindern, und deine Wunde wird unheilbar sein. Alle, die das von dir hören, werden in die Hände klatschen, denn über wen ist nicht deine Bosheit ohne Unterlaß ergangen? (Nah 3,16-19).

Der Prophet Habakuk

 

[Habakuk ist ein Buch der hebräischen Bibel und gehört zu den kleinen Propheten. Über Habakuk ist wenig bekannt. Sein Psalm mit Anweisung zu dessen Vortrag könnte darauf hindeuten, daß er levitischer Sänger war. Zur Zeit Habakuks war der Tempel noch vorhanden (2,20). Die Bedrohung durch die wachsende Macht der Chaldäer weist auf das Ende des 7. Jahrhundert hin, also die Zeit der Könige Josia und Jojakim. Damit war Habakuk ein Zeitgenosse Jeremias. Das Buch hat zwei Teile, die erzählenden Kapitel 1 und 2 und einen Psalm (Kapitel 3). Die Erzählung hat die Form eines Dialogs zwischen Habakuk und Gott].

 

Erstes Zwiegespräch mit Gott: Das Gericht kommt

Dies ist die belastende Weissagung, die der Prophet Habakuk gesehen hat: Herr, wie lange soll ich schreien, und du willst mich nicht hören? Wie lange soll ich zu dir rufen „Frevel“, und du willst nicht helfen?  Warum lassest du mich Bosheit sehen und siehst dem Jammer zu? Raub und Frevel sind vor mir, Gewalt geht vor Recht. Darum ist das Gesetz ohnmächtig, und die  rechte Sache kann nie gewinnen. Denn der Gottlose übervorteilt den Gerechten, darum ergehen verkehrte Urteile.

Schaut hin unter die Andersgläubigen, seht und verwundert euch! Denn ich will etwas tun zu euren Zeiten, was ihr nicht glauben werdet, wenn man euch davon sagen wird. Denn siehe, ich will die Chaldäer erwecken, ein grimmiges und schnelles Volk, das hinziehen wird, soweit die Erde ist, um Wohnstätten einzunehmen, die ihm nicht gehören. Grausam und schrecklich ist es. Es gebietet und zwingt, wie es will. Ihre Rosse sind schneller als die Panther und bissiger als die Wölfe am Abend. Ihre Reiter fliegen in großen Scharen von ferne daher, wie die Adler eilen zum Aas.

Sie kommen allesamt, daß sie Schaden tun. Wo sie hin wollen, stürmen sie vorwärts und raffen Gefangene zusammen wie Sand. Sie spotten über die Könige und lachen über die Fürsten werden sie lachen. Alle Festungen werden ihnen ein Scherz sein, denn sie schütten Erde auf und erobern sie. Als dann brausen sie dahin  wie ein Sturm und jagen weiter. Mit alledem machen sie ihre Kraft zu ihrem Gott (Hab 1,1-11).

 

Zweites Zwiegespräch mit Gott: Frage des Propheten nach Gottes Gerechtigkeit

Aber du, Herr, mein Gott, mein Heiliger, der du von Ewigkeit her bist, laß uns nicht sterben, sondern laß sie uns nur eine Strafe sein und laß sie uns nur züchtigen! Deine Augen sind zu rein, als daß du Böses ansehen könntest, und dem Jammer kannst du nicht zusehen. Warum siehst du dann aber den Räubern zu und schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er?

Du läßt es den Menschen gehen wie den Fischen im Meer, wie Würmern, die keinen Herrn haben! Sie ziehen alles mit der Angel heraus und fangen es mit ihrem Netz und sammeln es mit ihrem Garn. Darüber freuen sie sich und sind fröhlich. Darum opfern sie ihrem Netz und räuchern ihrem Garn, weil durch diese ihr Anteil so fett und ihre Speise so üppig geworden ist. Sollen sie darum ihr Netz immerdar auswerfen und nicht aufhören, Völker umzubringen ohne Erbarmen? (Hab 1,12-17).

 

Gottes Antwort an den Propheten:

Hier stehe ich auf meiner Warte und stelle mich auf meinen Turm und  sehe zu, was er mir sagen und antworten werde auf das, was ich ihm vorgehalten habe. Der Herr aber antwortet mir und sprach: Schreib auf, was du geschaut hast, deutlich auf eine Tafel, daß es lesen könne, wer vorüberläuft! Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen.

Wenn sie sich auch hinzieht verzieht, so warte auf sie, sie wird gewiß kommen und nicht ausbleiben. Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben. Der Gerechte aber wird durch seinen Glaubens leben. So wird auch der treulose Tyrann keinen Erfolg haben, der stolze Mann nicht bleiben, der seinen Rachen aufsperrt wie das Reich des Todes und ist wie der Tod, der nicht zu sättigen ist, sondern er rafft an sich alle Andersgläubigen und sammelt zu sich alle Völker (Hab 2,1-5).

 

Weherufe über den Unterdrücker:

Was gilt's aber? Diese alle werden einen Spruch über ihn machen und ein Lied und ein Sprich­wort und werden sagen:  Weh dem, der sein Gut mehrt mit fremden Gut und häuft nur viel Plunder bei sich auf? Wie plötzlich werden aufstehen, die dich beißen, und erwachen, die dich peinigen! Und du mußt ihnen zum Raub werden. Denn du hast viele Völker beraubt. So werden dich wieder berauben alle übrigen Völker, um des Menschenbluts willen und um des Frevels willen, begangen am Lande und in der Stadt und an allen, die darin wohnen.

Weh dem, der unrechten Gewinn macht zum Unglück seines Hauses, auf daß er sein Nest in die Höhe baue, um dem Unfall zu entrinnen! Aber dein Ratschlag wird zur Schande deines Hauses geraten. Denn du hast zu viele Völker zerschlagen und damit gegen dein Leben gesündigt. Denn auch die Steine in der Mauer werden schreien, und die Sparren am Balkenwerk werden ihnen antworten.

Weh dem, der die Stadt mit Blut baut und richtet die Burg mit Unrecht auf! Wird es nicht so vom Herrn Zebaoth geschehen: Woran die Völker sich abgearbeitet haben, muß mit Feuer verbrennen, und wofür die Leute sich müde gemacht haben, das muß verloren sein? Denn die Erde wird voll werden von Erkenntnis der Ehre des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt.

Wehe dem, der seinen Mitmenschen trinken läßt seinen Grimm beimischt und ihn trunken machst, daß er sein Blöße sehe! Du hast dich gesättigt mit Schande und nicht mit Ehre. So trinke du nun auch, daß du taumelst! Denn an dich wird kommen der Kelch in der Rechten des Herrn, und wirst Schande haben statt Ehre. Denn der Frevel, den du am Libanon begangen hast, wird über dich kommen, und die vernichteten Tiere werden dich schrecken wegen des Menschenbluts und wegen des Frevels, begangen am Land und an der Stadt und an allen, die darin wohnen. Was wird dann das Bild helfen, das sein Meister gebildet hat, und das gegossene Bild, das Lügen lehrt? Dennoch verläßt sich sein Meister darauf, auch wenn er nur stumme Götzen macht?

Weh dem, der zum Holz spricht: „Wach auf!“und zum stummen Steine: „Steh auf!“ Wie sollte ein Götze lehren können? Siehe, es ist mit Gold und Silber überzogen und kein Atem  ist in ihm.     20Aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm still alle Welt! (Hab 2,1-20).

 

Ein Psalm Habakuks: 

Dies ist das Gebet des Propheten Habakuk , nach der Art eines Klagelieds:

Herr, ich habe die Kunde von dir gehört, ich habe dein Werk gesehen, Herr!

Mache es  lebendig und laß es kund werden in naher Zeit.

Im Zorn denke an Barmherzigkeit.

Gott kam vom Teman und der Heilige vom Gebirge Pharan.

Der Himmel war voll seines Lobs, und die Erde war voll seiner Ehre.

Sein Glanz war wie ein Licht, Strahlen gingen aus von seinen Händen.

Darin war verborgen seine Macht.

Pest ging vor ihm her, und Seuche folgte, wo er hin trat.

Er stand auf und ließ erbeben die Erde.

Er schaute und ließ erzittern die Andersgläubigen.

Zerschmettert wurden die uralten Berge,

und die uralten Hügel mußten sich bücken,

als er wie früher einher zog….

Du zogst aus, deinem Volk zu helfen, zu helfen deinem Gesalbten.

Du zerschlugst das Dach im Hause des Gottlosen und

hast die Grundfeste entblößt bis an den Fels.

Du durchbohrtest mit seinen Pfeilen sein Haupt,

seine Scharen zerstoben, wie Spreu,

denn ihre Freude war, zu zerstreuen und zu fressen den Elenden im Verborgenen.

Du tratest nieder seine Rosse im Meer, im Schlamm der Wasserfluten.

Weil ich das hörte, bebt mein Leib, meine Lippen zittern von dem Geschrei.

Fäulnis fährt in meine Gebeine, und meine Knie beben.

Aber ich will warten auf die Zeit der Trübsal,

daß sie hinaufziehe über das Volk, das uns angreift.

Da wird der Feigenbaum nicht grünen,

und wird kein Gewächs sein an den Weinstöcken.

Der Ertrag des Ölbaum bleibt aus, und die Äcker bringen keine Nahrung.

Schafe werden aus den Hürden gerissen,

und in den Ställen werden keine Rinder sein.

Aber ich will mich freuen über den Herrn

und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.

Denn der Herr ist meine Kraft.

Er wird meine Füße machen wie Hirschfüße und

wird mich auf meine Höhen führen (Hab 3,1-19).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Zephanja

 

[Zephanja ist ein Buch der hebräischen Bibel und gehört zu den kleinen Propheten. Der Name „Zephanja“ ist die verkürzte Variante der Namensform „Zefanjahu“ und bedeutet als Dankname „Jahwe hat (schützend) geborgen / verborgen“. Vom Autor ist außer seinem Namen Zephanja und seinen Vorfahren über vier Generationen nichts Sicheres bekannt. Bei dem Ur-Urgroßvater Hiskia könnte es sich um den israelischen König Hiskia handeln - das ist zeitlich möglich, aber nicht beweisbar. Es würde aber erklären warum, anders als sonst meist üblich, nicht nur der Vater genannt wurde. Da er „Sohn des Äthiopiers“ genannt wird, kann man annehmen, daß er ein Fremder war und aus einem anderen Land stammte. Nach 1,4 („an diesem Ort“) und den detaillierten Beschreibungen des Ortes dürfte er ein Einwohner Jerusalems gewesen sein oder hat jedenfalls dort gewirkt.

Gemäß 1,1 empfing Zephanja seine Botschaften zur Zeit des jüdischen Königs Josia (639 vCh bis 609 vCh). Dem Inhalt nach entstanden die Prophezeiungen vor Josias Kultreform im Jahr 622 vCh und vor der Zerstörung Ninives im Jahr 612 vCh. Damit ist Zephanja zeitlich zwischen Nahum und Habakuk anzusiedeln].

 

Gericht über die Sünden Judas:

Dies ist das Wort des Herrn, das Zephanja erreichte zur Zeit Josias, des Königs in Juda: Ich will alles vom Erdboden wegraffen, spricht der Herr. Ich will Menschen und Vieh, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer wegraffen. Ich will zu Fall bringen die Gottlosen; ja, ich will die Menschen ausrotten vom Erdboden, spricht der Herr.

Ich will meine Hand ausstrecken gegen Juda und alle, die in Jerusalem wohnen, und will ausrotten von dieser Stätte, was von dem Götzen Baal noch übrig ist, dazu den Namen der Götzenpfaffen und Priester, und die auf den Dächern das Heer des Himmels anbeten und schwören doch bei dem Herrn und zugleich bei dem Götzen Milkom, und die vom Herrn abfallen, und die nach dem Herrn nichts fragen und ihn nicht achten.

Seid stille vor Gott dem Herrn, denn des Herrn Tag ist nahe, denn der Herr hat ein Schlachtopfer zubereitet und seine Gäste dazu eingeladen. Und am Tag des Schlachtopfers des Herrn will ich strafen die Oberen und Söhne des Königs und alle, die ein fremdländisches Kleid tragen. Auch will ich zur selben Zeit die strafen, die über die Schwelle springen, die ihres Herrn Haus füllen mit Rauben und Betrügen.

 Zur selben Zeit wird sich ein lautes Geschrei erheben vom Fischtor her und ein Geheul von der Neustadt und ein großer Jammer von den Hügeln. Heult alle, die ihr in der Mühle wohnt, denn das ganze Krämervolk ist dahin, und alle Geldwechsler sind ausgerottet.

Zur selben Zeit will ich Jerusalem mit Leuchten durchsuchen und will aufschrecken die Leute, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen und sprechen in ihrem Herzen: „Der Herr wird weder Gutes noch Böses tun!“ Ihre Güter sollen zum Raub werden und ihre Häuser verwüstet. Sie werden Häuser bauen, und nicht darin wohnen, sie werden Weinberge pflanzen, und keinen Wein davon trinken.

Der große Tag des Herrn ist nahe, er ist nahe und eilt sehr. Horch, der bittere Tag des Herrn!

Da werden die Starken schreien. Denn dieser Tag ist ein Tag des Grimmes, ein Tag der Trübsal und der Angst, ein Tag des Wetters und des Ungestüms, ein Tag der Finsternis und des Dunkels, ein Tag der Wolken und des Nebels, ein Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und hohen Zinnen.

Ich will die Menschen ängstigen, daß sie umhergehen sollen wie die Blinden, weil sie gegen den Herrn gesündigt haben. Ihr Blut soll vergossen werden, als wäre es Staub, und ihre Eingeweide,  als wären sie Kot. Es wird sie ihr Silber und Gold nicht erretten können am Tag des Zorns des Herrn, sondern das ganze Land soll durch das Feuer seines Grimms verzehrt werden, denn er wird plötzlich ein Ende machen mit allen, die im Land wohnen (Zeph 1) [Der „Tag des Herrn“ ist die hauptsächliche Anregung für die „Dies irae-Sequenz“ des Requiems, der römisch-katholischen Totenmesse].

 

Gericht über die Völker:

Sammelt euch und kommt her, du Volk, das keine Scham kennt, ehe ihr werdet wie Spreu, die vom Wind umher geblasen wird, ehe denn der grimmige Zorn des Herrn über euch kommt, ehe der Tag des Zornes des Herrn über euch kommt. Sucht den Herr, alle ihr Elenden im Lande, die ihr seine Rechte haltet! Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut. Vielleicht könnt ihr euch verbergen am Tag des Zornes des Herrn. Denn Gaza wird verlassen und Askalon verwüstet werden. Asdod soll am Mittag vertrieben und Ekron ausgewurzelt werden.

Weh denen, die am Meer hin wohnen, wehe dem Volk der Krether! Des Herrn Wort wird über euch kommen, du Kanaan, das Land der Philister. Ich will dich umbringen, daß niemand mehr da wohnen soll. Dann sollen am Meer hin nur Hirtenfelder und Schafhürden sein. Das Land am Meer soll den Übriggebliebenen von Juda zuteil werden, daß sie darauf weiden. Und am Abend sollen sie sich in den Häusern von Askalon lagern, wenn sie nun der Herr wieder besucht und ihr Gefängnis gewendet hat.

Ich habe das Schmähen Moabs und das Lästern der Ammoniter gehört, mit dem sie mein Volk geschmäht und gegen sein Land groß getan haben. „Wohlan, so wahr ich lebe!“ spricht der Herr, der Gott Israels: „Moab soll wie Sodom und die Ammoniter wie Gomorra werden, ein Unkrautfeld und eine Salzgrube und eine ewige Wüste. Die Übriggebliebenen meines Volkes sollen sie berauben, und der Rest meines Volks sollen sie beerben!“ Das soll ihnen aber begegnen für ihren Hochmut, weil sie das Volk des Herrn geschmäht und gegen es groß getan haben.

Heilig wird über ihnen der Herr sein, denn er wird alle Götter auf der Erde vertilgen, und sollen ihn anbeten alle Inseln der Andersgläubigen, ein jeder an seiner Stätte. Auch ihr Äthiopier sollt durch mein Schwert erschlagen werden. Der Herr wird seine Hand nach Norden ausstrecken und Assyrien umbringen. Ninive wird er öde machen, dürr wie eine Wüste, daß Herden  sich darin lagern werden, allerlei Tiere des Feldes. Auch Rohrdommeln und Eulen werden wohnen in ihren Säulenknäufen, das Käuzchen wird im Fenstern schreien, und auf der Schwelle der Rabe

Das ist die fröhliche Stadt, die so sicher wohnte und in ihrem Herzen sprach: „Ich bin es, und sonst keine mehr!“ Wie ist sie so wüst geworden, daß die Tiere darin lagern! Wer vorübergeht, pfeift über sie und klatscht in die Hände (Zeph 2).

 

Wehruf und Heil über das gottlose Jerusalem:

Weh der widerspenstigen, befleckten, tyrannischen Stadt! Sie will nicht gehorchen noch sich zurechtweisen lassen, sie will auf den Herrn nicht trauen noch sich zu ihrem Gott halten. Ihre Oberen sind brüllende Löwen und ihre Richter sind Wölfe am Abend, die nichts bis auf den Morgen übriglassen. Ihre Propheten sind leichtfertig und voller Trug. Ihre Priester entweihen das Heiligtum und deuten das Gesetz freventlich. Der Herr handelt gerecht in ihrer Mitte und tut kein Arges. Er bringt alle Morgen sein Recht ans Licht und es bleibt nichts aus. Aber de Frevler kennt keine Scham.

Ich habe Völker ausgerottet, ihre Burgen verwüstet und ihre Grenzen so leer gemacht, daß niemand darauf geht. Ihre Städte sind zerstört, daß niemand mehr darin wohnt. Ich sprach: „Mich sollst du fürchten und dich zurechtweisen lassen!“ - so würde ihre Wohnung nicht ausgerottet und nichts von allem kommen, womit ich sie strafen werde. Aber sie sind von jeher eifrig dabei, alles Böse zu tun.

Darum wartet auf mich, spricht der Herr, bis zu dem Tag, an dem zum letzten Gericht auftrete. Denn mein Beschluß ist es, die Völker zu sammeln und die Königreiche zusammenzubringen, um meinen Zorn über sie auszuschütten, ja, alle Glut meines Grimmes, denn alle Welt soll durch das Feuer meines Eifers verzehrt werden.

 Dann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, daß sie alle sollen den Namen des Herrn anrufen und ihm einträchtig dienen.

Von jenseits der Ströme von Äthiopien wird mein zerstreutes Volk, mir Geschenke bringen. Zur selben Zeit wirst du dich alles deiner Taten nicht mehr zu schämen brauchen, mit denen du gegen mich empört hast. Denn ich will deine stolzen Prahler von dir tun, und du wirst dich nicht mehr hochmütig verhalten auf meinem heiligen Berg. Ich will in dir übrig lassen ein armes und geringes Volk, die werden auf den Namen des Herrn trauen. Und die Übriggebliebenen in Israel werden nichts Böses tun noch Lügen reden, und man wird in ihrem Mund keine betrügerische Zunge finden, sondern sie sollen weiden und lagern ohne alle Furcht.

Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freu dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem! Denn der Herr hat deine Strafe weggenommen und deine Feinde abgewendet. Der Herr, der König Israels, ist bei dir, daß du dich vor keinem Unglück mehr fürchten mußt.

Zur selben Zeit wird man sprechen zu Jerusalem: „Fürchte dich nicht!“und zu Zion: „Laß deine Hände nicht sinken!“ Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dir mit Jauchzen fröhlich sein. Wie an einem festlichen Tag nehme ich von dir hinweg das Unheil, daß du seinetwegen keine Schmach mehr trägst.

Siehe, zur selben Zeit will ich mit all denen ein Ende machen, die dich bedrängen. Ich will den Hinkenden helfen und die Zerstreuten sammeln und will sie zu Lob und Ehren bringen in allen Landen, wo  man sie verachtet. Zur selben Zeit will ich euch heimbringen und euch zur selben Zeit sammeln. Denn ich will euch zu Lob und Ehren bringen unter allen Völkern auf Erden, wenn ich eure Gefangenschaft wenden werde vor euren Augen, spricht der Herr (Zeph 3).

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Haggai

 

[Das Buch Haggai ist ein Buch der hebräischen Bibel und gehört zu den kleinen Propheten. Haggai („der am Festtag Geborene“) wird im Buch Esra erwähnt. Er wirkte zur Zeit der Wiederaufbauarbeiten am Jerusalemer Tempel (29. September bis 13. Dezember 520 vCh), der 587/86 von den Babyloniern zerstört worden war. Sonst ist nichts über ihn bekannt. Vermutlich gehörte er zu den Rückwanderern aus Babylon. Hauptthema des Buches ist der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem nach dem Babylonischen Exil. Seine Prophezeiungen sind auf das Jahr 520 vCh datiert, mit genauen Datumsangaben.

Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation Judas um 519 vCh: Vermutlich gab es eine Koalition, die an Wiedererrichtung des Tempels interessiert war: Einmal die Priester, die durch den Tempelbau wieder Arbeit bekommen konnten, auf der anderen Seite die Realpolitiker um den Statthalter Serubabel, die die von den Persern gewährte  Chance für ihre Restaurationsbestrebungen nutzen wollten. Es gab aber auch gewichtige Gründe, die gegen eine Wiedererrichtung sprachen: Die wirtschaftliche Lage in Juda war wegen einer längeren Dürreperiode katastrophal, auch die Wiedereingliederung der Rückwanderer machte Probleme. Eigentumsansprüche der Rückkehrer mußten teilweise gerichtlich ausgefochten werden, daher kam es zu erheblichen sozialen Spannungen. Die Bevölkerung war vielmehr mit der Sicherung des eigenen Lebensstandards beschäftigt.

Es gab auch theologische Einwände gegen den Tempelbau: In der schwierigen Lage sah man nicht das Zeichen Jahwes zur Wiedererrichtung, sondern schon der Prophet Jeremia hatte davor gewarnt, falsches Vertrauen in den Tempel zu setzen und statt dessen die Verbesserung der sozialen Lage gefordert. Vor allem die prophetisch-deuteronomistischen Gruppen der Daheimgebliebenen wollten sich wohl zuerst sozialen Problemen widmen.

 

Die theologische Initiative Haggais: Zu einem Umschlag der öffentlichen Meinung kam es mit Haggai und Sacharja. Mit realpolitischen Interessen verband sich eine Vorstellung von der Zukunft, die die beiden Propheten in Anknüpfung an die exilische Heilsprophetie einbrachten. Beide leisteten eine enorme Überzeugungsarbeit gegenüber den politischen und priesterlichen Führern und der Bevölkerung und trotz mancher Enttäuschung den Tempelbau durchzuhalten.

Haggai trat in den ersten drei Monaten des Tempelbaus auf  und entstammte wohl den Kreisen der ehemaligen Hofprophetie und bewegt sich in konservativ-nationalen Vorstellungen: Der Tempel war für ihn Garant des Segens, die wirtschaftliche Lage hat ihren Grund im Nichtvorhandensein des Tempels. Verantwortlich für den Tempelbau war für ihn außer der Priesterschaft vor allem der Davidide Serubabel, dem Jahwe unbedingten Beistand zusagte. Haggai verband mit der Vollendung des Tempelbaus eine Wiederherstellung des davidischen Königtums, ein welterschütterndes Eingreifen Jahwes. Gleichzeitig sollte auch die Verwerfung Jojachins paradigmatisch an ihm zurückgenommen werden. Sie erweckten mit dem konkreten Akt des Tempelbaus aber sehr viel weitergehende Hoffnung auf eine Wiederherstellung der alten Verhältnisse, die sich schnell als gefährliche Hoffnung erwiesen.

Die Wiederherstellung des Tempels als prophetisches Projekt: Esra 1-7 stellt es so dar, als wäre der entscheidende Impuls dazu bereits um 538 vCh von Kyros II. ausgegangen. Zwischenzeitlich wurde durch die Historiker der Beweis erbracht, daß die Darstellung in Anbindung an Deuterojesaja eine theologische Erzählung des Chronisten darstellt, der in ausschmückenden Worten Kyros II. überschwänglich sogar als „Gesalbten des Herrn“ betitelte.

Der Wiederaufbau wurde unter Dareios I. und Serubabel sowie Jeschua in Angriff genommen. Die Aktivität ging bei diesem Projekt von den jüdischen Heimkehrern aus, die eine schriftliche Anfrage an den Satrapen Tatnai richteten.

Beim Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels treffen verschiedene Meinungen aufeinander; während Tritojesaja sich als Gegner des Tempelbaus zu erkennen gibt  und Gottes von allem menschlichen Handeln und Planen unabhängige Unabhängigkeit betont, gibt es andere Stimmen, die nicht nur den Tempelbau befürworten, sondern vielmehr noch davon die Wiederbelebung des davidischen Königtums erhofften.

Solche Hoffnungen muß es in der Provinz Juda gegeben haben.

Denn nur so läßt es sich verstehen, weshalb Haggai und Sacharja derart elektrisiert davon waren, daß gerade Serubabel, der Enkel Jojachins, die für den Tempelbau zuständige Person war. Wenn innerhalb der Grund­schicht des Buches Haggai, die in allen Stücken für den Tempelbau wirbt, Serubabel die erneute Erwählung und Rücknahme der Verwerfung seines Großvaters zugesagt wird (Hag 2,23), dann muß auch er sich in der gemeinorientalischen Vorstellung bewegt haben, daß es eine Verbindung zwischen König und Tempel gibt. Für Haggai und Sacharja ist es der Davidide Serubabel, der den Grundstein des Alten Tempels wieder hervorholt!

Auch in Haggai und Sacharja liegt ein prophetischer Aufruf zum Tempelbau vor, der das Chaos bändigen soll,. Bei Haggai tritt an die Stelle der Initiativkette „Gottheit – König – Tempelbau durch das Volk“ die Abfolge „Gott – Prophet – Repräsentanten des Volkes (Serubabel) – Tempelbau durch das Volk“. Dieser Unterschied fällt weniger ins Gewicht, wenn man bedenkt, daß auch die anderen Könige sich verschiedener prophetischer bzw. mantischer (Orakel-) Techniken bedienten! Doch nicht die Repräsentanten des Volkes bedienen sich des Propheten, sondern Jahwe bedient sich durch den Propheten des Volksrepräsentanten und somit des Volks.

Die vier Reden des Buches Haggai sind bis auf den Tag genau datiert und fanden in der zweiten Hälfte des Jahres 520 vCh in Jerusalem statt. Das Datierungssystem dürfte jedoch sekundär in die prophetische Programmschrift Haggais eingebracht worden sein].

 

1. Rede: Aufruf Gottes zum Tempelbau:

Im zweiten Jahr des Königs Darius, im sechsten Monat, am ersten Tage des Monats, erreichte  das Wort des Herrn durch den Propheten Haggai die beiden Oberen der Judäer: Serubabel, den Statthalter in Juda, und Josua, dem Sohn Jozadaks, dem Oberpriester: So spricht der Herr Zebaoth: Dies Volk spricht: „Die Zeit ist noch nicht da, daß man das Haus des Herrn baue!“

Aber des Herrn Wort sprach durch den Propheten Haggai: „Aber eure Zeit ist da, daß ihr in getäfelten Häusern wohnt, und dies Haus muß wüst stehen? Nun, so spricht der Herr Zebaoth: Achtet doch darauf, wie es euch geht! Ihr sät viel, und bringt wenig ein, ihr eßt, und werdet doch nicht satt, ihr trinkt und bleibt doch durstig, ihr kleidet euch und könnt euch doch nicht erwärmen, und wer Geld verdient, der leg es in einen löchrigen Beutel.

So spricht der Herr Zebaoth: Achtet doch darauf, wie es euch geht! Ihr geht hin auf das Gebirge und holt Holz und baut das Haus. Das soll mir angenehm sein, und ich will meine Herrlichkeit aufzeigen, spricht der Herr. Denn ihr erwartet wohl viel, und siehe, es wird wenig. Und wenn ihr es schon heimbringt, so blase ich e s weg.

Warum das? spricht der Herr Zebaoth. Weil m e i n Haus so wüst da steht und jeder nur eilt, für  s e i n  Haus zu sorgen. Darum hat der Himmel über euch den Tau zurückgehalten und das Erdreich sein Gewächs. Und ich habe die Dürre gerufen über Land und Berge, über Korn, Wein, Öl und über alles, was aus der Erde kommt, auch über Mensch und Vieh und über alle Arbeit der Hände.

Da gehorchten Serubabel, Josua und alle übrigen des Volks der Stimme des Herrn, ihres Gottes, und den Worten des Propheten Haggai, wie ihn der Herr gesandt hatte. Und das Volk fürchtete sich vor dem Herrn. Da sprach Haggai, der beauftragt war mit der Botschaft des Herrn an das Volk: „Ich bin mit euch“, spricht der Herr. Und der Herr erweckte den Geist Serubabels und den Geist Josuas und den Geist des ganzen übrigen Volkes, daß sie kamen und arbeiteten am Hause des Herrn Zebaoth, ihres Gottes, am vierundzwanzigsten Tag des sechsten Monats, im zweiten Jahr des Königs Darius.

 (Hag 1).

 

2. Rede: Weissagung von der Herrlichkeit des künftigen Tempels

Am einundzwanzigsten Tag des siebenten Monats sprach des Herrn Wort durch den Propheten Haggai:   Sage zu Serubabel  und zu Josua und zum übrigen Volk: Wer ist unter euch übrig, der das Haus  Gottes in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie seht ihr es nun? Sieht es nicht wie nichts aus? Aber nun Serubabel, sei getrost! spricht der Herr. Sei getrost, Josua! Sei getrost, alles Volk im Lande! spricht der Herr. Und arbeitet! Denn ich bin mit euch, spricht der Herr Zebaoth, nach dem Wort, das ich mit euch zusagte, als ihr aus Ägypten zogt. Und mein Geist soll unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht!

Denn so spricht der Herr Zebaoth: Es ist nur noch ein kleine Weile, dann werde ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene erschüttern. Ja, alle Andersgläubigen will ich erschüttern. Da sollen dann kommen die Kostbarkeiten aller Völker und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der Herr Zebaoth. Denn mein ist Silber und mein ist das Gold, spricht der Herr Zebaoth. Es soll die Herrlichkeit dieses neuen Hauses größer werden, als die des ersten gewesen ist, spricht der Herr Zebaoth. Und ich will Frieden geben an dieser Stätte, spricht der Herr Zebaoth (Hag 2,1-9).

 

3. Rede: Können unheilige Menschen den Tempel bauen?

Am vierundzwanzigsten Tag des neunten Monats, im zweiten Jahr des Darius, erreichte das Wort des Herrn den Propheten Haggai und sprach: So spricht der Herr Zebaoth: Frage die Priester nach dem Gesetz und sprich: „Wenn jemand heiliges Fleisch trüge in einem Zipfel seines Kleides und berührte danach mit seinem Zipfel entweder Brot oder Gekochtes, Wein, Öl oder was es für Speise wäre, würde es dann auch heilig? Und die Priester antworteten und sprachen: „Nein!“ Haggai sprach: „Wo aber jemand durch Berührung eines Toten unrein wäre und  eins davon anrührte, würde es dann auch unrein? Die Priester antworteten und sprachen: „Es würde unrein!“ Da antwortete Haggai: Ebenso ist es mit diesem  Volk und mit diesen Leuten vor mir auch, spricht der Herr, und auch mit allem Werk ihrer Hände und was sie dort opfern, ist unrein (Hag 2,10-14).

 

 Ermutigung zum Weiterbau des Tempels:

Und jetzt achtet doch darauf, wie es euch gehen wird von diesem Tag an und auch in Zukunft! Wie ging es euch denn, bevor ein Stein auf den anderen gelegt wurde am Tempel des Herrn? Wenn einer zum Kornhaufen kam, der zwanzig Zentner haben sollte, so waren kaum zehn da. Kam er zur Kelter und meinte fünfzig Eimer zu schöpfen, so waren kaum zwanzig da. Denn ich plagte euch mit Dürre, Getreidebrand und Hagel in all eurer Arbeit. Dennoch kehrtet ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr. Nun aber achtet doch darauf von diesem Tage an und in Zukunft - vom vierundzwanzigsten Tage des neunten Monats bis an - nämlich vom dem Tag an, da der Tempel gegründet ist!

Achtet darauf, ob noch Same in der Scheune dahinschwindet, und ob der Weinstock, Feigenbaum, Granatbaum und Ölbaum noch nicht tragen! Aber von diesem Tage an will ich Segen geben (Hag 2,15-19).

 

4. Rede: Serubabel ist der Siegelring Gottes:

Und des Herrn Wort sprach zum zweitenmal zu Haggai am vierundzwanzigsten Tage des Monats: Sage Serubabel, dem Statthalter von Juda: Ich will Himmel und Erde erschüttern

und will die Throne der Königreiche umstürzen und die mächtigen Königreiche der Andersgläubigen vertilgen und will die Wagen mitsamt den Wagenlenkern umwerfen. Roß und Reiter sollen fallen, ein jeder durch das Schwert des andern. Zur selben Zeit, spricht der Herr Zebaoth, will ich dich, Serubabel, meinen Diener, nehmen, spricht der Herr, und will dich wie einen Siegelring halten. Denn ich habe dich erwählt, spricht der Herr Zebaoth  (Hag 2,20-23).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Sacharja

 

[Sacharja ist der Name eines Buches der hebräischen Bibel, das zu den kleinen Propheten zählt. Das Buch Sacharja gehört zusammen mit den Büchern Haggai und Maleachi zu den nachexilischen Prophetenbüchern. Es ist Teil des Buchs der zwölf kleinen Propheten. Der Prophet Sacharja hat unbestritten Kapitel 1-8 verfaßt. Sacharja wirkte in der Zeit kurz nach dem babylonischen Exil (wohl ab 520) in Jerusalem und war ein Zeitgenosse des Propheten Haggai. Er kam aus einer Priesterfamilie und war wahrscheinlich selbst Priester. Zur Zeit des Hohepriesters Jojakin war Sacharja das Oberhaupt seiner Familie. Da er 520 ein erwachsener Mann war, wurde er vermutlich im Babylonischen Exil geboren. Sacharja hat die erste Vision im 8. Monat des zweiten Jahres des Königs Darius I., also im Oktober/November 520 vCh, zwei Monate nach dem Auftreten des Propheten Haggai, zur Zeit der Jerusalemer Restaurat­ion. Das Schwergewicht dieses Buches liegt auf dem Zyklus von sieben Visionen im ersten Teil. Der Sinn dieser Visionen bleibt dem Propheten verschlossen, worauf ihm ein Engel im Gespräch die jeweilige Vision erklärt].

 

Die Geschichte der Väter mahnt zur Buße (1,1-6)

Im achten Monat des zweiten Jahres des Königs Darius erreichte das Wort des Herr den Propheten Sacharja und sprach: Der Herr ist zornig gewesen über eure Väter. Aber sprich zum Volk: So spricht der Herr Zebaoth: Kehrt euch zu mir, so will ich mich zu euch kehren! Seid nicht wie eure Väter, denen die früheren Propheten predigten und sprachen: „So spricht der Herr Zebaoth: Kehrt um von euren bösen Wegen und von eurem bösen Taten!“ Aber sie gehorchten nicht und achteten nicht auf mich, spricht der Herr. Wo sind nun eure Väter? Und die Propheten, leben sie noch? Aber haben nicht meine Worte und meine Gebote, die ich durch meine Propheten gab, eure Väter getroffen, daß sie haben müssen umkehren und sagen: „Wie der Herr Zebaoth vorhatte, uns zu tun nach unseren Wegen und Taten, so hat er uns auch getan? (Sach 1,1-6).

 

Erste Vision: Der Mann auf dem roten Pferd:

Am vierundzwanzigsten Tage des elften Monats,  im zweiten Jahr des Königs Darius, er­reichte das Wort des Herrn den Propheten Sacharja und sprach: Ich sah in der Nacht einen Mann, der  auf einem roten Pferd saß, und er hielt zwischen den Myrten im Talgrund, und hinter ihm waren rote, braune und weiße Pferde. Und ich sprach: „Mein Herr, wer sind diese?“ Und der Gottesbote, der mit mir redete, sprach zu mir: „Ich will dir zeigen, wer diese sind!“

 Und der Mann, der zwischen den Myrten hielt, antwortete: „Diese sind es, die der Herr ausgesandt hat, die Lande zu durchziehen!“ Sie aber antworteten dem Boten des Herrn, der zwischen den Myrten hielt, und sprachen: „Wir haben die Erde durchzogen, und siehe, alle Länder liegen ruhig und still!“ Da sprach der Gottesbote: „Herr Zebaoth, wie lange noch  willst du dich nicht erbarmen über Jerusalem und über die Städte Judas, über die du schon siebzig Jahre zornig bist?“ Und der Herr antwortete dem Gottesboten, der mit mir redete, freundliche Worte und tröstliche Worte.

Und der Gottesbote, der mit mir redete, sprach zu mir: „Predige und sprich: So spricht der Herr Zebaoth: Ich eifere für Jerusalem und Zion mit großem Eifer und bin sehr zornig über die stolzen Völker. Denn ich war nur ein wenig zornig, sie aber halfen zum Verderben. Darum so spricht der Herr: Ich will mich wieder zu Jerusalem kehren mit Barmherzigkeit, und mein Haus soll darin wieder aufgebaut werden, spricht der Herr Zebaoth, und die Meßschnur soll über Jerusalem gezogen werden.

Und weiter predige und sprich: So spricht der Herr Zebaoth: Es sollen meine Städte wieder Überfluß haben an Gutem, und der Herr wird Zion wieder trösten und wird Jerusalem wieder erwählen!“ (Sach 1,7-17).

 

Zweite Vision: Die vier Hörner und die vier Schmiede:

Und ich hob meine Augen auf und siehe, da waren vier Hörner. Und ich sprach zu dem Gottesboten, der mit mir redete: „Wer sind diese?“ Er sprach zu mir: „Es sind Hörner, die Juda und Jerusalem zerstreut haben!“ Und der Herr zeigte mir vier Schmiede. Da sprach ich: „Was wollen die machen?“ Er sprach: „Jene sind die Hörner, die Juda so zerstreut haben, daß niemand sein Haupt hat erheben können. Diese aber sind gekommen, je abzuschrecken und die die Hörner der Völker abzuschlagen, die ihr Horn gegen das Land Juda erhoben, um es zu zerstreuen!“ (Sach 2,1-4).

 

Dritte Vision: Der Mann mit der Meßschnur:

Und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, ein Mann hatte eine Meßschnur in der Hand. Und ich sprach: „Wo gehst du hin?“ Er sprach zu mir: „Jerusalem auszumessen und zu sehen, wie lang und weit es werden soll!“ Und siehe, der Gottesbote, der mit mir redete, stand  da, und ein anderer Gottesbote ging heraus, ihm entgegen, und sprach zu ihm: „Lauf hin und sage diesem jungen Mann: Jerusalem soll  ohne Mauern bewohnt werden wegen der großer Menge der Menschen und des Viehs, die darin sein wird. Doch ich will, spricht der Herr, eine feurige Mauer rings um sie her sein und will mich herrlich darin erweisen.

Auf, auf! Flieht aus dem Land des Nordens! spricht der Herr, denn ich habe euch in die vier Winde unter dem Himmel zerstreut. Auf, Zion, die du wohnst bei der Tochter Babel, entrinne! Denn so spricht der Herr Zebaoth über die Völker, die euch beraubt haben: Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an.

Denn siehe, ich will meine Hand über sie schwingen, daß sie sollen eine Beute derer werden sollen, die ihnen haben dienen müssen. Und ihr sollt erkennen, daß mich der Herr Zebaoth gesandt hat. Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.

Es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum Herrn wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. Und du sollst erfahren, daß mich der Herr Zebaoth zu dir gesandt hat. Der Herr wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem Heiligen Land und wird Jerusalem wieder erwählen.  Alles Fleisch sei still vor dem Herrn, denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte (Sach 2,5-17).

 

Vierte Vision: Der wahre Hohepriester:

Er ließ mich sehen den Oberpriester Josua, wie er vor dem Gottesboten stand. Und der Satan stand zu seiner Rechten, um ihn zu verklagen. Und Bote des Herrn sprach zu dem Satan: „Der Herr schelte dich du Satan! Ja, der Herr, der Jerusalem erwählt hat, schelte dich! Ist dieser nicht ein Brandscheit, das aus dem Feuer gerettet ist?“

Josua aber hatte (kultisch) unreine Gewänder an und stand vor dem Gottesboten, der zu denen sprach, die vor ihm standen: „Tut die unreinen Gewänder von ihm! Und er sprach zu ihm: „Siehe, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feiergewänder anziehen!“ Und er sprach: „Setzt ihm einen reinen Kopfbund auf sein Haupt!“ Und sie setzten einen reinen Kopfbund auf sein Haupt und zogen ihm reine Gewänder an, und der Bote des Herrn stand dabei.

Und der Gottesbote bezeugte es Josua und sprach: So spricht der Herr Zebaoth: Wirst du auf meinen Wegen gehen und meinen Dienst recht versehen, so sollst du mein Haus regieren und meine Vorhöfe bewahren. Ich will dir Zugang zu mir geben mit diesen, die hier stehen.

Höre nun, Josua, du und deine Brüder, die vor dir sitzen, sind miteinander ein Zeichen. Denn siehe, ich will meinen Knecht „den Sproß“ kommen lassen. Siehe, auf dem einen Stein, den ich vor Josua hingelegt habe, sind sieben Augen. Siehe, ich will auf ihm eine Inschrift eingraben, spricht der Herr Zebaoth, und will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag. Denn wer immer den Tag des geringen Anfangs verachtet hat, der wird doch mit Freude sehen den Schlußstein in Serubabels Hand. Jene sieben sind die Augen des Herrn, die alle Lande durchziehen. Zu derselben Zeit, spricht der Herr Zebaoth, wird einer den andern einladen unter den Weinstock und unter den Feigenbaum (Sach 3,1-10. Am Schluß wurde der Vers Sach 4,10 sinngemäß hier eingesetzt).

 

Fünfte Vision: Der goldene Leuchter und die zwei Ölbäume:

Und der Gottesbote, der mit mir redete, weckte mich erneut auf und sprach zu mir: „Was siehst du?“ Ich aber sprach: „Ich sehe einen Leuchter stehen, ganz aus Gold, mit einer Schale obendrauf, auf der sieben Lampen sind, und sieben Schnauzen an jeder Lampe, und zwei Ölbäume dabei, einer auf der rechten Seite der der Schale, und einer auf der linken Seite!“ Ich antwortete und sprach zu dem Gottesboten, der mit mir redete: „Mein Herr, was ist das?“

Und der Bote, der mit mir redete, antwortete und sprach zu mir: „Weißt du nicht, was das ist?“ Ich aber sprach: „Nein, mein Herr!“ Und er antwortete und sprach zu mir: „Das ist das Wort des Herrn an Serubabel: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Wer bist du, du großer Berg, der doch vor Serubabel zur Ebene werden muß? Er wird hervorholen den Schlußstein, so daß man rufen wird: Glück zu! Glück zu!“

Und es erreichte mich das Wort des Herrn und sprach: „Die Hände Serubabels haben dies Haus gegründet, seine Hände sollen es auch vollenden, damit ihr erkennt, daß mich der Herr zu euch gesandt hat!“

Und ich fing an und sprach zu ihm: „Was bedeuten die zwei Ölbäume rechts und links von dem Leuchter. Was bedeuten die beiden Zweige der Ölbäume bei den  zwei goldenen Röhren, aus denen das goldene Öl herabfließt?“ Und er sprach weiter zu mir: „Weißt du nicht, was die­se sind?“ Ich aber sprach: „Nein, mein Herr!“ Und er sprach: „Es sind die zwei Gesalbten, die vor dem Herrscher aller Lande stehen!“ (Sach 4,1-14).

 

Sechste Vision: Die fliegende Schriftrolle:

Ich hob meine Augen abermals auf und sah eine fliegende Schriftrolle. Und er sprach zu mir: „Was siehst du?“ Ich aber sprach: „Ich sehe einen fliegende Schriftrolle, die ist zehn Meter lang und fünf Meter breit!“ Und er sprach zu mir: „Das ist der Fluch, der ausgeht über das ganze Land. Denn alle Diebe werden nach dieser Schrift von hier ausgefegt, und alle Meineidigen werden nach dieser Schrift von hier ausgefegt. Ich will ihn ausgehen lassen, daß er kommen soll über das Haus des Diebes und über das Haus dessen, der bei meinem Namen falsch schwört. Er soll in ihrem Haus bleiben und soll es verzehren samt seinem Holz und Steinen (Sach 5,1-4).

 

Siebte Vision: Die Frau in der Tonne:

Und der Gottesbote, der mit mir redete, trat hervor und sprach zu mir: „Hebe deine Augen auf und siehe! Was kommt da hervor?“ Und ich sprach: „Was ist das?“ Er aber sprach: „Es ist eine Tonne, die da hervorkommt!“ Und weiter sprach er: „Das ist die Sünde im ganzen Land!“ Und siehe, es hob sich der Deckel aus Blei, und da war eine Frau, die saß in der Tonne

Er aber sprach: „Das ist die Gottlosigkeit!“ Und er stieß sie in die Tonne und warf den Deckel aus Blei oben auf die Öffnung. Ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, zwei Frauen tra­ten heran und hatten Flügel, die der Wind trieb - es waren aber Flügel wie Storchenflügel - und sie trugen die Tonne zwischen Erde und Himmel. Und ich sprach zu dem Gottesboten, der mit mir redete: „Wo tragen diese die Tonne hin?“ Er aber sprach zu mir: „Daß ihm ein Tempel gebaut werde im Lande Sinear und sie dort aufgestellt werde!“ (Sach 5,5-11).

 

Die achte Vision: Die vier Wagen:

 Und ich hob meine Augen abermals auf und sah vier Wagen, die gingen zwischen den zwei Bergen aus Kupfer hervor. Am ersten Wagen waren rote Rosse, am zweiten Wagen waren schwarze Rosse, am dritten Wagen waren weiße Rosse, am vierten Wagen waren scheckige Rosse, und alle waren sie stark. Und ich sprach zu dem Gottesboten: Mein Herr, wer sind diese?“ Der Gottesbote antwortete mir: „Es sind die vier Winde unter dem Himmel, die hervorkommen, nachdem sie gestanden haben vor dem Herrscher aller Lande. Die roten Rosse ziehen nach Osten, die schwarzen Rosse nach Norden, und die weißen nach Westen und die scheckigen nach Süden. Und die starken wollten sich aufmachen, um die Lande zu durchziehen. Und er sprach: „Geht hin und durchzieht die Lande!“ Und sie durchzogen die Lande.  Und er rief mich an und redete mit mir und sprach: „Siehe, die nach Norden ziehen, lassen meinen Geist ruhen im Land des Nordens!“ (Sach 6,1-8).

 

Die Krönung Josuas:

Und des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Nimm drei Leute von den Weggeführten, die von Babel gekommen sind,  und geh noch an diesem Tag ins Haus Josias. Nimm von ihnen Silber und Gold und mache Kronen und kröne das Haupt des Oberpriesters Josua und sprich zu ihm: „So spricht der Herr Zebaoth: Siehe, es ist ein Mann, der heißt Sproß, denn unter ihm wird es sprossen und er wird den Tempel des Herrn bauen!“

Ja, den Tempel des Herrn wird er bauen und wird herrlich geschmückt sein und wird sitzen und herrschen auf seinem Thron. Und ein Priester wird an seiner rechten Seite sein, und es wird Friede sein zwischen den beiden. Und die Kronen sollen zum Andenken an die drei Männer im Tempel des Herrn bleiben. Und es werden kommen von fern, die am Tempel des Herrn bauen werden. Da werdet ihr erkennen, daß mich der Herr Zebaoth zu euch gesandt hat. Und das soll geschehen, wenn ihr gehorchen werdet der Stimme des Herrn, eures Gottes (Sach 6,9-15).

 

Am Fasten hat Gott keinen Gefallen:

Und es geschah im vierten Jahr des Königs Darius, vierten Tage des neunten Monats, daß des Herrn Wort den Propheten Sacharja erreichte. Das sandte der Ort Bethel eine Gruppe von Leuten, um den Herrn anzuflehen. Sie ließen die Priester und die Propheten fragen: „Müssen wir auch noch im fünften Monat weinen und das Fasten einhalten, wie wir es nun so viele Jahre getan haben?“ Und des Herrn Wort sprach zu mir: „Sage allem Volk im Land und den Priestern und sprich: Als ihr gefastet habt  und Leid trugt im fünften und siebenten Monat diese siebzig Jahre lang, habt ihr da für mich gefastet? Oder wenn ihr eßt oder trinkt, macht ihr das dann nicht für euch selbst?“ (Sach7,1-6).

 

 

 

 

Gottes Gericht über die Unbrüderlichkeit:

Der Herr hat schon durch die früheren Propheten predigen lassen, als Jerusalem noch bewohnt war und Frieden hatte samt seinen Städten ringsum und Leute im Südland und im Hügelland wohnten: „Richtet recht, und ein jeder erweise an seinem Mitmenschen nur Güte und Barmherzigkeit. Tut nicht unrecht den Witwen, Waisen, Fremden und Armen. Und denke keiner gegen seinen Mitmenschen etwas Arges in seinem Herzen!“ Aber sie wollten nicht aufmerken und kehrten mir den Rücken zu und verstockten ihre Ohren, um nicht zu hören, und machten ihre Herzen hart wie ein Diamant, damit sie nicht hörten das Gesetz und die Worte, die der Herr durch seinen Geist sandte durch die früheren Propheten. Daher ist so großer Zorn vom Herrn Zebaoth gekommen. Und es ist so gekommen: „Ebenso wie gepredigt wurde und sie nicht hörten, so wollte ich auch nicht hören, als sie riefen, spricht der Herr Zebaoth. Darum habe ich sie zerstreut unter alle Andersgläubigen, die sie nicht kannten, und das Land hinter ihnen bleib verwüstet, sodaß niemand darin hin und herzog. So haben sie das liebliche Land zur Wüste gemacht!“ (Sach 7,7-14).

 

Das künftige Heil für das Volk Gottes:

Und des Herrn Wort erreichte mich und sprach: So spricht der Herr Zebaoth: „Ich eifere für Zion mit großem Eifer und eifere um seinetwillen in großem Zorn!“ So spricht der Herr: „Ich kehre mich wieder auf den Zion und will in Jerusalem wohnen, daß Jerusalem eine Stadt der Treue heißen soll und der Berg des Herrn Zebaoth ein heiliger Berg!“ So spricht der Herr Zebaoth: „In Zukunft sollen wieder alte Männer und Frauen auf den Plätzen Jerusalems sitzen, jeder mit einem Stock in seiner Hand vor hohem Alter, und die Plätze der Stadt sollen voll sein von Jungen und Mädchen, die auf ihren Gassen spielen!“

So spricht der Herr Zebaoth: „Erscheint dies auch unmöglich vor den Augen derer, die von diesem Volk übrig geblieben sind in dieser Zeit, sollte es darum auch unmöglich erscheinen vor m e i n e n Augen?“ spricht der Herr Zebaoth. So spricht der Herr Zebaoth: „Siehe, ich will mein Volk erlösen aus dem Land im Aufgang und aus dem Land im Niedergang der Sonne. Ich will sie herbeibringen, daß sie in Jerusalem wohnen. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein in Treue und Gerechtigkeit!“

So spricht der Herr Zebaoth: „Stärket eure Hände, die ihr diese Worte hört zu dieser Zeit durch den Mund der Propheten - an dem Tag, als der Grund gelegt wurde zum Haus des Herrn Zebaoth, auf daß der Tempel gebaut würde. Denn vor diesen Tagen war die Arbeit der Menschen vergebens, und auch die Arbeit der Tiere erbrachte nichts. Und vor lauter Feinden war kein Friede für die, die aus und ein zogen, sondern ich ließ alle Menschen aufeinander los, einen jeden gegen seinen Mitmenschen.

Aber nun will ich nicht wie in den früheren Tagen verfahren mit denen, die übrig geblieben sind von diesem Volk, spricht der Herr Zebaoth, sondern sie sollen im Frieden säen. Der Weinstock soll seine Frucht geben und das Land sein Gewächs, und der Himmel soll seinen Tau geben. Und ich will den Übriggebliebenen von diesem Volk das alles zum Besitz geben. Und soll geschehen: Wie ihr von Juda und Israel ein Fluch gewesen seid unter den Andersgläubigen, so will ich euch erlösen, daß ihr ein Segen sein sollt. Fürchtet euch nur nicht und stärkt eure Hände!“ So spricht der Herr Zebaoth: „So wie ich euch zu plagen gedachte, als mich eure Väter erzürnten und es mich nicht reute, so denke ich nun wiederum in diesen Tagen der Stadt Jerusalem und dem Volk Juda wohlzutun. Fürchtet euch nur nicht!“

 

„Das ist es aber, was ihr tun sollt: Rede einer mit dem andern Wahrheit, und richtet recht, und schafft Frieden in euren Toren. Und keiner ersinne Arges in seinem Herzen gegen seinen Nächsten, und liebt nicht falsche Eide! Denn das alles hasse ich!“ spricht der Herr.

Und es erreichte mich des Herrn Wort und sprach zu mir: „So spricht der Herr Zebaoth: Die Fasten des vierten, fünften, siebten und zehnten Monats sollen dem Volk Juda zur Freude und Wonne und zu fröhlichen Festzeiten werden. Doch liebt Wahrheit und Frieden!“ (Sach 8,1-19).

 

Das künftige Heil für die Völker:

So spricht der Herr Zebaoth: „Es werden noch viele Völker kommen und die Bürger vieler Städte. Es werden die Bürger einer Stadt zur andern gehen und sagen: Laßt uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth. Wir selber wollen auch mit euch gehen!“ So werden viele Völker in Scharen kommen, den Herrn Zebaoth in Jerusalem zu suchen und den Herrn anzuflehen. So spricht der Herr Zebaoth: „Zu der Zeit werden zehn Männer aus allen Sprachen der Andersgläubigen einen jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewands ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, daß Gott mit euch ist!“(Sach 8,20-23).

 

[Auf die Wiedergabe der Kapitel 9 bis 14 wird hier verzichtet, weil nicht sicher ist, ob sie auch von Sacharja stammen. Es gibt verschiedene Einordnungen: Entweder traditionell der Prophet Sacharja im 6. Jahrhundert oder ein anderer Verfasser für 9-14 mit Datierung nach 500 vCh. Heute nehmen die meisten Forscher eine Zweiteilung vor: Sacharja 9-11 und 12-14 und gehen in den Datierungen bis in die hellenistische Epoche (4.-3.Jahrhundert vCh).  Es geht um die Bestrafung der Nachbarvölker (9,1-8), die Erlösung Israels (9,9-17), die Samm­lung Israels aus dem Exil (10,1-12), die Bestrafung der treulosen Hirten des Volkes (11,1-17), Jerusalems Not und Errettung (12,1-13,9), der Tag des Herrn (14,1-21).   

Allein die alttestamentliche Prophetie über Jerusalem als Tochter Zion wird hier noch wiedergegeben, weil sie in Matthäus 21,1-11der Hintergrund ist  für den Einzug Jesus in Jerusalem am „Palmsonntag“]: Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin (Sach 9,9).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Prophet Maleachi

 

[Maleachi ist ein Buch der herrischen Bibel, das letzte Buch der kleinen Propheten.  In der katholischen und protestantischen Bibel ist es das letzte Buch des Alten Testaments überhaupt, doch nicht in den Ostkirchen, da dort die kleinen Propheten - entsprechend der Aufstellung der griechischen Bibel - vor den großen Propheten eingeordnet werden. Über den Verfasser ist nichts bekannt. Das hebräische Wort bedeutet „Mein Bote“. Als Personenname ist Maleachi nicht belegt. Traditionell sah die Forschung in Maleachi einen Propheten des 5. oder 4. vorchristlichen Jahrhunderts. Wahrscheinlicher steht hinter dem Buch jedoch keine Einzelgestalt, sondern schriftgelehrte Auslegung. Der Name läßt sich dann als Ableitung aus Mal 2,7 und 3,1 deuten und könnte programmatisch auf Sendung und Amt des Propheten bezogen sein.

Maleachi beschreibt, beklagt und verurteilt die gleichen Probleme, die es schon bei anderen Propheten gegeben hat: ungerechter Umgang mit Geld, geistlicher Verfall und Trägheit, soziale Ungerechtigkeit sowie die Mischehen mit Heiden - vor allem das Vermischen mit den heidnischen Religionen. Wegen des trägen und unehrlichen geistlichen Leben der Juden in der nachexilischen Zeit, ruft Gott durch Maleachi zur Umkehr und zur neuen Hinwendung an Gott auf. Das Buch Maleachi berichtet von dem letzten Werben um sein Volk, bevor der Messias kommen soll. Danach schweigt die Stimme Gottes, die Juden warten bis heute auf den kommenden Messias und auf den in Maleachi vorhergesagten Elia. Für die Christen hat sich in Johannes dem Täufer die Vorhersage des Elia erfüllt. Maleachi 3,3 weist auf Jesus hin, der die Menschen von ihrer Schuld reinigen wird. Es gibt auch einen christlichen Heiligen namens „Malachias“].

 

Gottes Liebe zu Israel:

Dies ist die belastende Weissagung, die der Herr dem Volk Israel ankündigt durch den Propheten Maleachi. „Ich habe euch lieb!“ spricht der Herr. Ihr aber sprecht. „Woran sehen wir, daß du uns liebhast?“ „Ist nicht Esau der Bruder Jakobs?“ spricht der Herr, „und doch habe ich Jakob lieb und hasse Esau und habe sein Gebirge öde gemacht und sein Erbe den Schakalen zur Wüste!“ Und wenn auch  Edom sprechen würde: „Wir sind zerschlagen, aber wir wollen das Zerstörte wieder aufbauen!“ so spricht der Herr Zebaoth: „Werden sie bauen, so will ich abbrechen, und man wird sie nennen „Land des Frevels“ und „Ein Volk, über das der Herr ewig zürnt!“ Das sollen eure Augen sehen, und ihr werdet sagen: „Der Herr ist herrlich über die Grenzen Israels hinaus!“ (Mal 1,1-5).

 

Gegen minderwertige Opfer:

„Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Diener seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?“ spricht der Herr Zebaoth zu euch Priestern, die meinen Namen verachten. Ihr aber sprecht: „Wodurch verachten wir denn deinen Namen?“ -  „Dadurch daß ihr opfert auf meinem Altar unreine Speise!“ Ihr aber sprecht: „Womit opfern wir dir denn Unreines?“ - „Dadurch daß ihr sagt: „Der Tisch des Herrn ist für nichts zu achten! Denn wenn ihr ein blindes Tier opfert, so haltet ihr das nicht für böse. Und wenn ihr ein lahmes oder krankes Tieropfert, so haltet ihr das auch nicht für böse. Bringt es doch eurem Fürsten! Meinst ihr, daß ihr ihm gefallen werdet oder er euch gnädig ansehen werde?“ spricht  der Herr Zebaoth.

„So bittet doch  Gott und seht, ob er uns gnädig sei! Denn meint ihr, nachdem dies von euch geschehen ist, er werde euch gnädig ansehen?“ spricht der Herr Zebaoth.

„Daß doch einer unter euch die Türen zuschlösse, damit ihr nicht umsonst auf meinem Altar Feuer anzündet! Ich habe kein Gefallen an euch“, spricht der Herr Zeba­oth, und das Opfer von euren Händen ist mir nicht angenehm. Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist mein Name herrlich unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht. Denn mein Name ist herrlich unter den Völkern“, spricht der Herr Zebaoth.

„Ihr aber entheiligt ihn damit, daß ihr sagt: Der Tisch des Herr ist unheilig, und sein Opfer ist für nichts zu achten! Und ihr sprecht: Siehe, welch eine Mühsal! und bringt mich in Zorn“, spricht der Herr Zebaoth. „Denn ihr bringt herbei, was geraubt, lahm und krank ist, und bringt es dar zum Opfer. Sollte mir das gefallen von eurer Hand? spricht der Herr. „Verflucht sei der Betrüger, der in seiner Herde ein gutes männliches Tier hat, und gelobt, es dem Herrn zu geben, aber dann ein fehlerhaftes opfert. Denn ich bin ein großer König, spricht der Herr Zebaoth, und mein Name ist gefürchtet unter den Völkern!“ (Mal 1,6-14)

 

Gegen die geistlichen Verfehlungen der Priester

Ihr Priester, dieses Wort gilt euch: „Wenn ihr es nicht hören noch zu Herzen nehmen werdet, daß ihr meinem Namen die Ehre gebt“, spricht der Herr Zebaoth, „so werde ich den Fluch un­ter euch schicken und verfluchen, womit ihr gesegnet seid. Ja verfluchen werde ich euren Segen, weil ihr es nicht zu Herzen nehmen wollt. Siehe, ich will euch den Arm zerbrechen und den Unrat eurer Festopfer euch ins Angesicht werfen, und er soll an euch kleben bleiben. So werdet ihr dann erfahren, daß ich ein solches Wort habe über euch sprechen lassen, damit mein Bund mit dem Stamm Levi  bestehen bleibe“, spricht der Herr Zebaoth.

„Denn mein Bund mit ihm war, daß ich ihm Leben und Frieden gab, und ich gab ihm die Furcht, daß er mich fürchtete und meinen Namen scheute. Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Munde, und es wurde nichts Böses auf seinen Lippen gefunden. Er wandelte vor mir friedlich und aufrichtig und hielt viele Sünden zurück.  Denn die Lippen des Priesters sollen die Lehre bewahren, daß man aus seinem Munde nur Weisung suche, denn er ist ein Bote des Herrn Zebaoth!“

„Ihr aber seid von dem Weg abgewichen und habt viele zu Fall gebracht, durch falsche Weisung und  habt den Bund mit Levi verdorben“, spricht der Herr Zebaoth. „Darum habe auch ich euch verächtlich  und unwert gemacht vor dem ganzen Volk, weil ihr meine Wege nicht haltet und seht die Person an, wenn ihr Weisung gebt!“  (Mal 2,1-9).

 

Verurteilung der Mischehen und Ehescheidungen

Haben nicht alle e i n e n Vater? Hat uns nicht e i n Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern und entheiligen den Bund mit unseren Vätern? Juda ist treulos geworden, und in Israel und in Jerusalem geschehen Greuel. Denn Juda entheiligt, was dem Herrn heilig ist und was er liebhat, und heiratet die Tochter eines fremden Gottes. Aber der Herr wird den, so etwas tut, ausrotten aus den Zelten Israels, auch wenn er noch dem Herrn Zebaoth  seine Opfer bringt.

Weiter tut ihr auch noch das: Ihr bedeckt den Altar des Herrn mit Tränen und Weinen und Seufzen. Aber er mag das Opfer nicht mehr ansehen noch etwas Angenehmes von euren Händen empfangen.  Ihr aber sprecht: Warum das? Weil der Herr der Zeuge war zwischen dir und der Frau deiner Jugend, der du treulos geworden bist, obwohl sie doch deine Gefährtin und die Frau ist, mit der du einen Bund geschlossen hast. Nicht einer hat das getan, in dem noch ein Rest von Geist war. Denn er sucht Nachkommen, die Gott geheiligt sind.

Darum so seht euch vor in eurem Geist und werde keiner treulos der Frau seiner Jugend. Wer ihr aber gram ist und sie verstößt, spricht der Herr, der bedeckt mit Frevel sein Gewand, spricht der Herr Zebaoth. Darum so seht euch vor eurem Geist und brecht nicht die Treue (Mal 2,10-16).

 

Gottes Gericht kommt bald:

Ihr macht den Herrn unwillig durch euer Reden! Ihr aber sprecht: „Womit machen wir ihn unwillig?“ - „Dadurch, daß ihr sprecht: Wer Böses tut, der gefällt dem Herrn, und er hat Freude an ihm! oder : Wo ist der Gott, der da straft? Siehe, ich will euch meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Der Herr wird bald zu seinem Tempel kommen, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er wird kommen!“ spricht der Herr Zebaoth.

Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen. Er wird die Leute des Stammes Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Opfer bringen in Gerechtigkeit, und es wird dem Herrn wohl gefallen das Opfer Judas und Jerusalems wie vormals und vor langen Jahren.

Und ich will zu euch kommen zum Gericht  und will ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen und gegen die, so Gewalt und Unrecht tun an den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth (Mal 2,17 - 3,5).

 

Anklage gegen Israel wegen des Gott vorenthaltenen Zehnten (3,6-12)

Ich, der Herr, wandle mich nicht.  Aber ihr habt nicht aufgehört, Jakobs Nachkommen zu sein. Ihr seid von der Zeit eurer Väter an immer wieder abgewichen von meinen Geboten und habt sie nicht gehalten. So bekehrt euch nun zu mir, so will ich mich auch zu euch bekehren, spricht der Herr Zebaoth. Ihr aber sprecht: „Worin sollen wir uns bekehren?“ Ist es recht, daß ein Mensch Gott betrügt, wie ihr mich betrügt? Ihr aber sprecht: „Womit betrügen wir dich?“ Mit dem  Zehnten und der Opfergabe!

Darum seid ihr auch verflucht, denn ihr betrügt mich allesamt. Bringt mir nur den Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, damit  in meinem Haus Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht die Fenster des Himmels auftun werde und Segen herabschütte in Fülle.

Und ich will um euretwillen den „Fresser“ bedrohen, daß er euch die Frucht auf dem Acker nicht verderben soll und der Weinstock auf dem Feld euch nicht unfruchtbar sei, spricht der Herr Zebaoth. Dann werden euch alle Andersgläubigen glücklich preisen, denn ihr sollt ein herrliches Land sein, spricht der Herr Zebaoth (Mal 3,6-12).

 

Die göttliche Gerechtigkeit wird recht behalten

Ihr redet hart gegen mich, spricht der Herr. Ihr aber sprecht: „Was reden wir gegen dich?“ Ihr sagt: „Es ist umsonst, daß man Gott dient, und was nutzt es, daß wir sein Gebot halten und in Buße umhergehen vor dem Herr Zebaoth? Darum preisen wir die Verächter, denn die Gottlosen gedeihen, und die Gott versuchen, bleiben bewahrt!“ Aber die Gottesfürchtigen trösten sich: „Der Herr merkt und hört es, und es wird vor ihm ein Gedenkbuch geschrieben für die, die den Herrn fürchten und an seinen Namen gedenken!“ „Sie sollen,“ spricht der Herr Zebaoth, „an dem Tag, den ich machen will, mein Eigentum sein. Und ich will ihrer erbarmen, wie ein Mann seines Sohnes erbarmt, der ihm dient. Ihr werdet am Ende doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, und zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient!“ (Mal 3,13-18).

Der Tag des Herrn und sein Vorläufer:

Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen wie Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth, und er wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Und ihr sollt herausgehen und springen wie die Mastkälber. Ihr werdet die Gottlosen zertreten, denn sie sollen Staub unter euren Füßen werden an dem  Tag, den ich machen will, spricht der Herr Zebaoth. Gedenkt an das Gesetz  meines Dieners Mose, das ich ihm befohlen habe auf dem Berg Horeb für ganz Israel, an alle Gebote und Rechte! Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Kinder zu ihren Vätern, auf daß ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage (Mal 3,19-24).

 

 

 

 

Apokryphen

 

Die „Apokryphen“ sind die „verborgenen“ Bücher, die nicht so wertvoll sind wie die Bücher des Alten Testaments und deshalb heute nicht mehr in den Bibelausgaben zu finden sind. Der Begriff wurde im 2. Jahrhundert von christlichen Theologen geprägt und bedeutete anfangs nicht nur „außerkanonisch“, sondern zugleich „häretisch“: Er wertete die ausgegrenzten Schriften als Irrlehre oder Fälschung ab. Er wurde vor allem auf Literatur aus dem Umfeld des Gnostizismus bezogen, die ihre nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Texte mit dem Wort „apokryph“ als „Geheimlehren“ darstellten.

Zuerst hat das Judentum mit der Kanonisierung des Tanach (um 135) eine Reihe von Schriften als außerkanonisch ausgegrenzt. Die protestantischen Kirchen ordnen diese den Apokryphen des Alten Testaments (AT) zu, während die katholische und orthodoxe Kirche einige davon in ihren Kanon aufgenommen haben. Bei den Apokryphen des Neuen Testaments dagegen sind die christlichen Konfessionen weitgehend einig.

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch werden heute allgemein außerkanonische frühchristliche Schriften unter diesen Oberbegriff gestellt, die nicht zu den Schriften der sogenannten Apostolischen Väter gehören. Dieser Begriff wurde im 17. Jahrhundert für frühchristliche Schriften geprägt, von denen man eine Übereinstimmung mit der Lehre der Apostel (zur Mission berufenen Auferstehungszeugen Jesu Christi) annimmt. Einige dieser Schriften sind ebenfalls schon vor 100 entstanden, sind aber keine Evangelien oder Apokalypsen und haben eine andere Funktion für das Christentum: Sie sind lehrhafte, seelsorgerliche Briefe oder kommentieren bereits vorgegebene neutestamentliche Überlieferung. Dabei sind die Grenzen zu den eigentlichen Apokryphen allerdings fließend. Zu diesen zählt man heute auch sogenannte Agrapha: Worte, Dialoge und Episoden von und über Jesus, die sonst in der NT-Überlieferung unbekannt sind und parallel dazu – auch innerhalb von Schriften der Apostolischen Väter – überliefert wurden.

Im Protestantismus werden solche jüdische Schriften zu den Apokryphen gezählt, die auch im Judentum nicht kanonisch sind. Sie sind in der Lutherbibel als „nützliche“, aber nicht „heilige“ Schriften in einem Anhangsteil abgedruckt. In den modernen Ausgaben der Lutherbibel sind sie zum Teil nicht mehr enthalten. Sie enthalten jedoch auch einzelne wertvolle Glaubensaussagen.

Judith

Das Buch Judith wurde wahrscheinlich um 150 vCh auf Hebräisch in Judäa (möglicherweise in Jerusalem) verfaßt. Die schöne und gottesfürchtige Witwe Judith geht unbewaffnet in das Heerlager des nebukadnezarischen Generals Holofernes und enthauptet ihn mit seinem eigenen Schwert. Judith übernimmt indirekt die Rolle des Mose und rettet das Volk Israel. Judiths mutige Tat ist keine Glorifizierung des Mordes oder Krieges, sondern eine gerade den mörderischen Krieg aufs schärfste verurteilende Handlung.

Von seiner Form her kann man es nicht als geschichtlichen Bericht, sondern als einen lehrhaften, weisheitlichen Roman verstehen, denn viele Angaben im Text sind offensichtlich unhistorisch und wären vermutlich auch zeitgenössischen Lesern sofort als solche aufgefallen. So war etwa Nebukadnezar in der Realität (und im Rest der Bibel) König von Babylonien, nicht wie im Buch geschildert von Assyrien. Außerdem gelang ihm die Eroberung Judäas, wie im 2. Buch der Könige geschildert, während diese im Buch Judith scheitert.

 

Verärgert wegen mangelnder Unterstützung in einem – siegreich beendeten – Krieg sendet der assyrische König Nebukadnezar seinen Oberbefehlshaber Holofernes mit einem gewaltigen Heer gegen alle Länder des Westens. Alle Länder sollten erobert und bestraft werden; alle, die Widerstand leisten, sollten schonungslos dem Tod und der Plünderung preisgegeben werden. Holofernes zog verheerend durch einen Teil von Kleinasien und Syrien und kam so auch an die Nordgrenze von Palästina (Kap. 1-3). Die Israeliten trafen nach Anweisung ihres Oberpriesters sogleich Verteidigungsmaßnahmen und sperrten die Bergpässe, wandten sich aber auch mit Buße und Gebet an Gott den Herrn (Kap. 4).

Demgemäß sah sich Holofernes vor der kleinen Bergfestung Betulia, die den Schlüssel zum nördlichen Palästina bildete, aufgehalten. Voll Grimm darüber erkundigte er sich bei den moabitischen und ammonitischen Fürsten in seinem Heer, welches Volk es sei, das ihm so zu widerstehen wage. Die Antwort gab ihm der Ammoniterfürst Achior in einem vollständigen Abriß der jüdischen Geschichte, als deren Resultat er hinstellte, daß die Israeliten unüberwindlich seien, solange sie ihren Gott den Einzigen nicht beleidigten (Kap. 5).

Hiermit zog Achior sich den Unwillen aller assyrischen Großen zu, besonders auch deswegen, weil der assyrische König auf die höchste göttliche Verehrung Anspruch machte und jede fremde Religion vertilgen wollte. Demzufolge ließ Holofernes den Ammoniterfürsten gebunden nach Betulia führen, damit er sich bei der Einnahme der Feste von der Torheit seiner Behauptung und der Allgewalt der Assyrer überzeuge und dann elend mit den Juden zugrunde gehe. Als Achior von den Israeliten aufgenommen wurde, erregte er durch seine Erzählung großen Schrecken. Doch faßten die Israeliten sich wieder im Vertrauen auf den allmächtigen Gott (Kap. 6).

Als aber Holofernes Betulia mit 180.000 Mann einschloß und die Wasserleitung abschnitt, sank den Belagerten der Mut. Als sich die Wasservorräte zu Ende neigten, forderten die Belagerten am 34. Tag der Belagerung den Stadtobersten Usia auf, die Festung zu übergeben. Usia versprach, ihnen nachzugeben, wenn in fünf Tagen keine Rettung kommen werde (Kap. 7).

Von diesem Abkommen hörte die fromme Witwe Judit, die Tochter Meraris von Betulia. Ihr Mann Manasse starb schon Jahre vorher zur Zeit der Gerstenernte an einem Hitzschlag. Sie wird mit folgenden Worten in der Bibel beschrieben: Sie hatte eine schöne Gestalt und ein blühendes Aussehen. Ihr Gatte Manasse hatte ihr Gold und Silber, Knechte und Mägde, Vieh und Felder hinterlassen, die sie in ihrem Besitz hielt. Niemand konnte ihr etwas Böses nachsagen, denn sie war sehr gottesfürchtig. Sie war ganz anderer Ansicht, machte den Ältesten der Stadt Vorhaltungen wegen ihres Mangels an Gottvertrauen und begehrte für sich und ihre Magd freie Passage durch das Stadttor, (Kap. 8).

Nachdem ihr diese zugesagt worden war, warf sie sich in inbrünstigem Gebet vor Gott nieder, um dessen Segen zu ihrem kühnen Plan zu erflehen (Kap. 9). Sie schmückte sich dann aufs herrlichste und ging mit ihrer Magd ins assyrische Lager. Hier angekommen erregte sie durch ihre Schönheit großes Aufsehen und wurde sogleich zu Holofernes geführt (Kap. 10). Es gelang ihr, durch kluge Reden ihn zu berücken (Kap. 11), so daß sie Freiheit erhielt, im assyrischen Lager aus- und einzugehen. Bei einem Mahl dann am 40. Tag der Belagerung, welches ihr zu Ehren gegeben wurde, wurde Holofernes so sehr betrunken, Kap. 12, daß Judit, welche mit ihm allein gelassen worden war, ihm mit seinem eigenen Schwert das Haupt abschlagen konnte. Letzteres brachte sie mit sich zurück nach Betulia zum freudigen Erschrecken aller dort Befindlichen (Kap. 13).

Auf Achior machte dies solchen Eindruck, daß er sich zur jüdischen Religion bekannte. Nach Judits Rat aber machten nun die Belagerten einen Ausfall, und so wurde den Assyrern bekannt, was geschehen war (Kap. 14). Voll Schrecken darüber suchten sie in wilder Flucht ihr Heil, und das ganze Lager wurde eine Beute der Hebräer. Darüber hoch gefeiert (Kap. 15), gab Judit in herrlichem Loblied ihrer Dankbarkeit gegen Gott Ausdruck und zog sich dann wieder in die Stille des Witwenlebens zurück. Solange Judit lebte, und noch lange nach ihrem Tod, war niemand mehr, der Israel erschreckte (Kap. 16).

Die Szene der Enthauptung des Holofernes war ein sehr beliebtes Thema in der abendländischen Kunst und wurde unter anderen von Donatello, Caravaggio, Botticelli, Lucas Cranach, Paolo Veronese, Bartolomeo Manfredi, Peter Paul Rubens und Gustav Klimt dargestellt. Eine ganz besonders wichtige Rolle spielt sie im Werk von Artemisia Gentileschi.

Dramatisch wurde das Thema unter anderen von Friedrich Hebbel verarbeitet, dessen Drama Judith wiederum von Johann Nestroy als Judith und Holofernes parodiert wurde. Der Barockkomponist Alessandro Scarlatti gestaltete den durchaus operngerechten Stoff sogar zweimal als Oratorium („La Giudita“) in seiner römischen Zeit, als dort per päpstlichem Erlaß Opern verboten waren.

 

 

 

 

Weisheit

Das Buch der Weisheit oder auch die Weisheit Salomos apokryphes Buch, das um 50 vCh  auf griechisch in der ägyptischen Diaspora (wahrscheinlich in Alexandria) von einem griechisch sprechenden, hellenistisch geprägten Juden verfaßt wurde. Die auch Zuschreibung zu Salomo (Weish 7,1 - 9,19) ist nur eine literarische Annahme. Von seiner Form her handelt es sich um ein typisches Beispiel der Weisheitsliteratur. Das Buch wurde nicht in die jüdische Bibel aufgenommen, ist aber Teil der griechischen Bibel und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – nicht aber von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen. Es ist vermutlich das jüngste Buch des Alten Testamentes.

Dem Inhalt nach lassen sich im Buch der Weisheit drei Teile unterscheiden: Von Kap. 1-5 wird das Leben im Glauben aufgrund der Vorteile empfohlen, welche es dem Menschen bringt. Der Lohn für die Tugend ist die Weisheit (Kap. 1). Diese erhebt den Gerechten über die Verfolgungen, welche gottlose Menschen, die nur die gegenwärtige, irdische Wirklichkeit sehen, aus Übermut über ihn bringen (Kap. 2). Wieviel glücklicher als der Sünder der Gerechte trotz der irdischen Leiden ist, zeigt das Endschicksal beider, nämlich ihr Tod und das ewige Gericht (Kap. 3 und 4). Zu spät werden die Gottlosen ihre Verblendung einsehen (Kap. 5).

Im zweiten Teil wird hiervon eine besondere Anwendung auf die Regierenden gemacht. Wegen ihrer großen Verantwortlichkeit steht ihnen ein strengeres Gericht bevor. Darum sollen sie sich um die Weisheit bemühen, die ausführlich gekennzeichnet wird. Beispiel dieses Bestrebens ist Salomon, an dem die Weisheit sich so herrlich geoffenbart hat. Er vermag deswegen auch ihr Wesen und ihre Wirkungen am besten zu schildern, und gibt das Gebet als den Weg an, auf dem die Weisheit erlangt wird (Kap. 6 - 9).

Im dritten Teil unterzieht Salomon die Offenbarungsgeschichte, von Adam an, einer eingehenden Betrachtung, in welcher die früheren Belehrungen und Ermahnungen ihre Bestätigung finden. Der Form nach ist diese Betrachtung die Fortsetzung des in Kap. 9 enthaltenen Gebets und ist in eine Anrede an Gott gekleidet. Dem Inhalt nach faßt sie die Geschichte Adams, Noas, Abrahams, Lots, Jakobs, Josefs, Moses' ins Auge (Kap. 10), erstreckt sich dann auf das verschiedene Schicksal Israels und Ägyptens beim Auszug aus Ägypten (Kap. 11), richtet sich auf das Los der Kanaaniter (Kap 12), und bei dieser Gelegenheit auf die Torheit und Verwerflichkeit des Götzendienstes überhaupt (Kap. 13-15), und kehrt dann zur Geschichte der Israeliten in der Wüste zurück (Kap. 16). Es wendet sich dann von neuem zur Betrachtung der ägyptischen Plagen, zunächst der Finsternis (Kap. 17), während der die Israeliten hellen Tag hatten (18, 1-9), dann der Tötung der Erstgeburt (18, 10-25), endlich des Durchzugs durch das Rote Meer und der Vernichtung des ägyptischen Heeres (Kap. 19). Das Ergebnis dieser ganzen Geschichtsbetrachtung ist die Bestätigung dessen, was Salomon zur Empfehlung der Weisheit vorgebracht hatte: In allem hast du, Herr, dein Volk groß gemacht und verherrlicht; du hast es nicht im Stich gelassen, sondern bist ihm immer und überall beigestanden. (19,22)

 

 

 

Tobit

Das Buch Tobit (in der Lutherbibel Tobias) ist wahrscheinlich um 200 vor Christus auf Aramäisch in Palästina oder der ägyptischen Diaspora verfaßt wurde. Von seiner Form her kann man es als eine lehrhafte Novelle einordnen.

Das Buch wurde nicht in die jüdische Bibel aufgenommen, ist aber Teil der griechischen Bibel und wird von Katholiken und Orthodoxen Christen – nicht aber von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen. Nur die griechische Übersetzung ist vollständig erhalten. Im 20.  Jahrhundert wurden aber in den Qumranhöhlen auch aramäische und hebräische Fragmente entdeckt.

Das Buch beginnt damit, daß nach einer kurzen Einleitung Tobit in der Ich-Form seine wechselvolle Lebensgeschichte erzählt. Wie beiläufig wird dabei auch erwähnt, daß er auf einer Reise nach Medien einem gewissen Gabael Geld zur Aufbewahrung übergeben hatte. Deutlich wird in der Erzählung, daß Tobit – anders als andere Israeliten – treu den Geboten Gottes und barmherzig gegenüber seinen Stammes- und Volksgenossen gelebt hat. Unter anderem begräbt er verbotenerweise ermordete Israeliten, und erleidet dafür die Verfolgung durch die Machthaber Ninives. Als er – in Konsequenz seiner Barmherzigkeit – erblindet, muß er sich die Klage seiner Frau anhören. Der Bericht endet mit einem Gebet um Hilfe, in dem Tobit sich nicht auf seine Gerechtigkeit beruft, sondern auch seine Schuld anerkennt.

 

Dann erfolgt ein Schauplatzwechsel. Dort, wo Tobit sein Geld hinterlegt hatte, wird eine Frau – Sara – von den Mägden ihres Vaters beschimpft, weil ein Dämon – Aschmodai – ihre sieben bisherigen Männer alle getötet hat. Kurz erwägt sie, Selbstmord zu begehen, doch dann wendet sie sich statt dessen im Gebet an Gott und bittet ihn, sie sterben zu lassen oder ihr sein Erbarmen zu zeigen. Gott erhört das Gebet der beiden und sendet seinen großen Engel Raphael zur Hilfe.

Gerade an diesem Tag erinnert sich Tobit seines Geldes in Medien und ruft seinen Sohn Tobias, um ihn darüber zu informieren. Da er den Tod erwartet, ermahnt er seinen Sohn, Gott in den Menschen zu dienen und vor allem großzügig zu helfen, wo immer er kann. Unter Raphaels Führung, der sich in Menschengestalt als Begleiter angeboten hat, reist Tobias nach Medien, trifft und heiratet Sara, besiegt Aschmodai und kehrt sicher mit dem Geld seines Vaters und einem Heilmittel für dessen Blindheit zu ihm nach Ninive zurück. Tobit wird geheilt, und Saras Hochzeit mit Tobias wird sieben Tage lang fröhlich gefeiert.

Als Tobit und Tobias Raphael die Hälfte des mitgebrachten Geldes als Lohn auszahlen wollen, offenbart dieser ihnen seine wahre Identität und kehrt zu Gott zurück. Tobit singt einen Lobpreis auf den barmherzigen Gott. Kurz vor seinem Tod ruft Tobit seinen Sohn und rät ihm Ninive zu verlassen und wieder nach Medien zu ziehen, da Ninive zerstört werden wird. Nachdem auch seine Mutter Hanna gestorben ist, bricht Tobias nach Medien auf, und läßt sich bei seinem Schwiegervater nieder. Er wird 127 Jahre alt, und kurz vor seinem Tod erfährt er noch, daß Ninive, so wie es sein Vater vorausgesagt hatte, tatsächlich zerstört wurde. So konnte er sich noch vor seinem Tod über den Fall Ninives freuen.

 

Jesus Sirach

Das Buch Jesus Sirach oder Ecclesiasticus ist ungefähr 180 vCh von dem in Jerusalem lebenden Juden Jesus ben Eleazar ben Sira auf hebräisch verfaßt und später von seinem Enkel in Ägypten ins Griechische übersetzt. Die griechische Übersetzung enthält ein Vorwort dieses Enkels. Es ist möglich, daß das Buch Jesus Sirach von der ägyptischen Lehre des Cheti beeinflußt wurde.

Obwohl das Buch nicht in die hebräische Bibel aufgenommen wurde, wird es im Talmud zitiert, was die Hochschätzung des Buches durch die Rabbinen bezeugt. Es ist Teil der griechischen Bibel und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – jedoch nicht von Protestanten und den meisten freikirchlichen Christen – als Teil der Bibel angesehen. In den Kirchen der Reformation, die das Buch Jesus Sirach unter die Apokryphen rechnen, war das Buch jedoch sehr beliebt und wurde unzählige Male nachgedruckt und in der Spruchunterweisung verwendet. Ecclesiasticus ist nicht zu verwechseln mit Ecclesiastes, einem anderen Namen für das Buch Kohelet (Prediger Salomo).

 

Das Buch ist in seinem ersten Teil eine thematisch geordnete Sammlung von weisheitlichen Sprichworten, in denen der Autor seinen – als jungen Mann vorgestellten – Leser zu einem gottesfürchtigen und gottgefälligen Leben ermahnt. Eingestreut finden sich Passagen, in denen die Weisheit gepriesen und ihr Ursprung erklärt wird, als Höhepunkt ein Loblied der Weisheit auf sich selbst (Kap. 24). Anschließend steht geschrieben, wie man Weisheit erlangt und Böses von Gutem unterscheidet.

Der zweite Teil beginnt mit einem Lob des Schöpfers in der Natur, an den sich das Lob der Väter Israels anschließt – von Henoch bis zu einem Zeitgenossen des Autors, dem Oberpriester Simon. Der zweite Teil bildet auf diese Weise einen hymnischen Abriß der gesamten Heilsgeschichte endend mit der Zeit des Autors. Nach einem ersten Schlußwort folgen zwei Nachträge und ein zweites Schlußwort.

Das Buch Baruch

Das Buch Baruch  ist ein deuterokanonisches bzw. apokryphes Buch des Alten Testaments, das sich in der griechischen Bibel direkt dem Buch des Propheten Jeremia anschloß, in der katholischen Bibel aber nach den Klageliedern steht. Das Buch wurde nicht in den jüdischen Kanon aufgenommen, wird aber von Katholiken und Orthodoxen Christen – nicht dagegen von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen.

Neben dem deuterokanonischen Baruch-Buch werden drei weitere apokryphe Schriften mit dem Namen Baruch in Verbindung gebracht:

  • 2. Baruch, auch syrische Baruch-Apokalypse genannt
  • 3. Baruch, auch griechische Baruch-Apokalypse genannt
  • 4. Baruch, auch Paralipomena Jeremiae genannt, enthält weitere Erzählungen um den Propheten Jeremia

 

Das eigentliche Buch Baruch ist nur auf griechisch überliefert, und sicher nicht von Baruch in der Zeit des Exils verfaßt worden. Der wirkliche Autor und der Entstehungsprozeß ist unbekannt. Wahrscheinlich wurde das Buch im 1. Jahrhundert vor Christus aus drei oder vier Teilen zusammengestellt und mit einem Vorwort und einigen überleitenden Abschnitten versehen. Für 1,15–2,35 wird allgemein ein hebräischer Ursprung aus vormakkabäischer Zeit angenommen, für die anderen Teile – 3,9–4,4 um 200 vor Christus, 4,5–5,9 aus dem 1. Jahrhundert vor Christus – wird von einigen Autoren auch ein griechischer Ursprung vertreten. Auch die Auffassung, daß das ganze Buch ursprünglich auf hebräisch verfaßt wurde, wird von verschiedenen Autoren vertreten.

Das Buch Baruch hat in der katholischen Bibel sechs Kapitel, wobei das letzte davon eine eigene Schrift mit dem Titel Brief des Jeremia ist, die in der Septuaginta nach den Klageliedern folgte und in der lateinischen Übersetzung der Vulgata dem Buch Baruch als Anhang beigefügt wurde. Der Brief des Jeremia liegt ebenfalls nur in Griechisch vor, trägt aber Spuren der Übersetzung und dürfte deshalb auf hebräisch verfaßt worden sein. Eine Anspielung in 2. Makk 2,1-3 und die paläographische Datierung eines griechischen Fragments des Textes in den Funden von Qumran spricht für eine Entstehung spätestens im 2. Jahrhundert vor Christus. Eine Entstehung um 300 vor Christus zu Beginn der hellenistischen Epoche ist wahrscheinlich.

 

Das eigentliche Buch Baruch beginnt mit einer historischen Einführung (1,1-14) in der zunächst (1,1-2) festgestellt wird, daß das Buch vier Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch die Chaldäer in Babel von Baruch (dem Sekretär des Propheten Jeremia) geschrieben wurde und dann (1,3-14), daß es in einer Versammlung vom Ex-König Jojachin und anderen Juden im babylonischen Exil vorgelesen wurde. Die Versammlung reagierte mit Weinen und Gebet und veranstaltete eine Sammlung, und sandte das gesammelte Geld, das Buch und Tempelgeräte, die verschleppt worden waren, die Baruch aber zurückerhalten hatte, nach Jerusalem mit der Bitte um Opfer im Tempel und Gebet.

Der erste Abschnitt des Hauptteils des Buches (1,15–3,8) enthält ein zweifaches Bekenntnis der Sünden, die zum Exil geführt haben (15-2,5; 2,6-13), zusammen mit einem Gebet darum, daß Gott endlich seinem Volk vergeben möge (2,14-3,8):

Während der vorige Abschnitt viel mit dem Buch Daniel gemeinsam hat (vgl. Dan 9,4-19 EU), ähnelt der nächste Abschnitt (3,9–4,4) Abschnitten im Buch Hiob (vgl. Hiob 28,1ff ). Es handelt sich um eine Lobeshymne auf die göttliche Weisheit, die nur im Gesetz, das Israel gegeben wurde, gefunden werden kann. Nur in der Form des Gesetzes ist die Weisheit auf der Erde erschienen und ist für Menschen zugänglich:

Der letzte Abschnitt umfaßt 4,5–5,9 und besteht aus vier Oden, die alle mit der Aufforderung „Hab(t) Vertrauen“ beginnen, und einem Psalm (4,36–5,9), der in großer Nähe zu dem elften der apokryphen bzw. pseudoepigraphischen Psalmen Salomos steht.

 

1. Buch der Makkabäer

Das erste Buch der Makkabäer (abgekürzt 1 Makk) ist ein deuterokanonisches bzw. apokryphes Buch des Alten Testaments, das kurz vor 104 v. Chr. von einem national gesinnten, gesetzestreuen und mit den Makkabäern sympathisierenden Juden auf hebräisch in Palästina verfaßt wurde. Nur seine griechische Übersetzung ist erhalten. Von seiner Form her handelt es sich um ein vorsichtig religiös deutendes, vergleichsweise sachlich erzählendes nationales Geschichtswerk.

Das Buch wurde nicht in den Kanon der hebräischen Bibel (Tanach) aufgenommen, ist aber Teil der Septuaginta und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – nicht aber von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen. Das jüdische Fest Chanukka nimmt auf Ereignisse Bezug, die im ersten und zweiten Buch der Makkabäer geschildert sind (die Altarweihe und die Etablierung eines alljährlichen Gedenkfestes in 1 Makk 4,52-59 EU).

Inhalt: Das Buch erzählt die Geschichte der Unabhängigkeitskämpfe der Juden gegen die hellenistischen Herrscher Syriens, die Seleukiden (175–140 vCh). Die Juden hatten unter der seleu­ki­dischen Herrschaft mancherlei Drangsal zu erleiden. Auslöser der letztendlich erfolgreichen Befreiungskämpfe war der Versuch Antiochos IV. Epiphanes (175–163 vCh), im Land eine kulturelle und insbesondere religiöse Einheit herzustellen. Der Befehl an die Juden, am griechisch-syrischen Kultus teilzunehmen, stieß auf breite Ablehnung und Widerstand; diesem folgte eine harte Verfolgung.

Der Anführer des als Guerillakrieg beginnenden Aufstandes wurde der Priester Mattathias mit seinen Söhnen, die sich als von Gott zu diesem Zweck erkoren ansahen. Unter deren Führung griffen die Aufständischen von verschiedenen Schlupfwinkeln aus die Syrer an, gewannen mehr und mehr Anhang im Volk und eroberten den von den Syrern entweihten Tempel zurück. Den größten Ruhm erwarb sich hierbei des Mattathias Sohn Judas, genannt Makkaba   („Hammer“). Er führte das vom Vater begonnene Werk fort und brachte das ganze Land in seine Gewalt.

Von ihm ging der Name „Makkabäer“ auf das ganze Geschlecht des Mattathias über. Als Judas 160 vCh in einer Schlacht gefallen war, folgte ihm als Anführer sein Bruder Jonatan und diesem Simeon, der das Land vollends befriedete. Diesem übertrugen 140 vCh die Juden aus Dankbarkeit die Krone und das Amt des Oberpriesters. Ihm folgte sein Sohn Johanan (135–106 vCh).

 

Das zweite Buch der Makkabäer:

Das zweite Buch der Makkabäer stellt trotz seines gleichlautenden Namens keine Fortsetzung des ersten Buches dar. Es stammt von einem anderen Autor, behandelt einen Teil der gleichen Ereignisse und enthält zusätzliches Material sowie Korrekturen. In seiner heutigen Fassung  dürfte es erst in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts vor Christus entstanden sein.

Größtenteils handelt es sich bei dem zweiten Buch der Makkabäer nach eigener Angabe um eine griechisch verfaßte, mit einer Einleitung versehene und geringfügig ergänzte Zusammenfassung eines (nicht erhaltenen) fünfbändigen Geschichtswerks des sonst nicht bekannten Autors Jason von Kyrene. Dieser Zusammenfassung wurden in einem späteren Stadium noch zwei ursprünglich hebräisch oder aramäisch verfaßte Briefe vorangestellt.

In diesem Zusammenhang hat wahrscheinlich auch der Hauptteil noch eine Überarbeitung erfahren. Von seiner Form her handelt es sich um hellenistische, religiös gedeutete Geschichtsschreibung.

Auch wenn der Autor der Zusammenfassung kaum als historisch zu wertende Lehrerzählungen, etwa vom Martyrium der sieben Brüder (Kapitel 7)aufgenommen hat und der zweite einleitende Brief (1,10–2,18 ) wie auch der Brief des Antiochus (2 Makk 9,19–27  als Fälschungen gelten, enthält das zweite Buch der Makkabäer viel wertvolles historisches Material, das die Darstellung im ersten Buch der Makkabäer ergänzt und teilweise auch korrigiert, darunter unter anderem der erste einleitende Brief und die Dokumente in 11,16-38.

Das Buch wurde nicht in die jüdische Bibel aufgenommen, ist aber Teil der griechischen Bibel und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – nicht aber von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen. Das in diesem Buch gelehrte „Gebet für die Seelen der Toten“ ist einer der Hauptgründe für die Ablehnung der Apokryphen durch die Protestanten. Bei den weiteren Lehren des Buches, die sonst im Alten Testament nicht oder zumindest nicht direkt erwähnt sind, handelt es sich um Verdienste der Märtyrer, Fürbitte der Heiligen und die Auferstehung der Toten. Im pharisäischen Judentum, und dadurch auch im Christentum, sind alle diese Lehren bedeutsam geworden.

Das Zweite Makkabäerbuch enthält die einzige Stelle der Bibel, die ausdrücklich von einer „Schöpfung aus dem Nichts“ (creatio ex nihilo) spricht. Die Stelle lautet: „Ich bitte dich mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an. Sieh alles, was es da gibt und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts (wörtlich „aus nicht seiendem“) erschaffen und so entstehen auch die Menschen“ (2. Makk 7,28)

Das jüdische Fest Chanukka nimmt auf Ereignisse Bezug, die im ersten und zweiten Buch der Makkabäer geschildert sind – die Altarweihe und die Etablierung eines alljährlichen Gedenkfestes in 10,1–8.

 

Das Buch enthält zunächst (Kapitel 1 und 2) zwei Briefe der Juden in Palästina an ihre Volksgenossen in Ägypten mit der Aufforderung zur Mitfeier des Festes der Tempelweihe. Es folgt eine Einleitung (2. Makk 2,19-32), in der der Verfasser seine Vorgehensweise und Absicht bei der Abfassung seines Werkes, einer Zusammenfassung eines fünfbändigen Geschichtswerkes eines Jason von Kyrene darlegt.

Kapitel 3 bis 7 sind der Vorgeschichte des Aufstands der Makkabäer gewidmet, sie erzählen vom Tempelräuber Heliodor (Makk 3 ), über schlechte Hohepriester (Makk 4 ), die Grausamkeit des Antiochus (Makk 5 ) und seiner Genossen (Makk 6), besonders gegen den greisen Schriftgelehrten Eleasar (Makk 6,18–31) und gegen eine jüdische Mutter mit sieben Söhnen (Makk 7). Im Rest des Buches werden parallel zu Makk 2,42 -7,50 (aber ausführlicher) die Ereignisse des Makkabäeraufstands beginnend mit dem Eingreifen des Judas Makkabäus bis zum Tod des Nikanor dargestellt: die Siege des Judas (Makk 8 ), der Tod des Antiochus (Kap. Makk 9), die Tempelreinigung (Makk 10), der Sieg über den Reichsstatthalter Lysias und Friedensschluß (Makk 11), Siege über Nachbarvölker (Makk 12, der erfolglose Angriff auf Jerusalem des Antiochus Eupator (Makk 13) und Feldzug und Tod des Nikanor (Makk 14 und 15 ).

 

 Zusätze zum Buch Ester

 

Zusätze zum Buch Daniel: Geschichte von Susanna und Daniel, Vom Bel zu Babel, Vom Drachen zu Babel, Das Gebet Asarjas, Der Gesang der drei Männer im Feuerofen, Das Gebet Manasses.