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Geschichtsbücher II

 

 

Die Königsbücher:

 

[Das 1. Buch der Könige stellt eine Fortsetzung der beiden Samuelbücher dar. Ursprünglich, in der wechselvollen Geschichte seiner Entstehung mit seinen mehrfachen Überarbeitungen, bilden das 1. und das 2. Buch der Könige eine Einheit. Bei der Beschreibung der Entstehungsgeschichte und seiner theologischen Inhalte ist es daher sinnvoll, die beiden Bücher zusammen zu betrachten.

Die Königszeit dauerte etwa 400 Jahre und begann mit den Königen Saul (um 1020 vCh), David v(on 1008 bis 965 vCh) und Salomo (965 vCh bis etwa  926 vCh). Im Jahr 926 vCh erfolgt die Reichsteilung in Nord- und Südreich (Israel und Juda). Im Jahre 722 vCh geht das Nordreich unter. Das Südreich Juda besteht bis zum König Jojachin, der im Jahr 587 vCh samt Oberschicht nach Babylon ins Exil gehen muß.

Die sich auf das ungeteilte Reich und auf das Reich Juda beziehenden Teile weisen starke Parallelen zur ersten Hälfte des 2. Chronikbuches auf, inhaltlich sind sie aber merklich kritischer.

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, daß das Buch der Könige unterschiedliche Entstehungsstadien durchlief. Die christlichen Exegeten sind sich aber uneins, wie die Bildung des Königsbuches tatsächlich vonstatten ging. Manche Forscher plädieren für ein Schichtenmodell, wonach das Buch in mehreren, zeitlich voneinander entfernten Schichten überarbeitet worden ist. Andere bevorzugen ein Blockmodell, das im Bibeltext verschiedene Redaktionsblöcke ausmachen will. Wieder andere versuchen beide Modelle zu kombinieren oder lehnen beide Modelle ab. Ein grober zeitlicher Rahmen für die Entstehung der Königsbücher ist die Zeit des Exils und die Jahrzehnte danach.

Die Erzählungen des 1. Buches der Könige sind historisch in etwa zwischen den Jahren 960 vCh und 840 vCh einzuordnen. Dabei ist zu bedenken, daß den Historikern als Quelle etwa für die Datierung der Regierungszeiten der Könige selten außerbiblisches Vergleichsmaterial zur Verfügung steht. Einziges Quellenmaterial ist oftmals die Bibel.

Den Redaktoren des Königsbuches, dessen Entstehung um etwa 550 vCh anzunehmen ist, ging es dabei, dies ist zu beachten, in erster Linie um religiöse Botschaften und wenig um die Niederlegung historischer Wahrheiten. Zahlenangaben über das Alter und die Regierungsdaten von Königen sind deshalb kritisch zu betrachten.

Schwerpunkte der Theologie: In den Königsbüchern geht es theologisch um die Einheit und Reinheit des Jahwe-Glaubens. Alle nichtjahwistischen Einflüsse sind dem Jahwe-Kult fernzuhalten, und der Gott Jahwe darf allein im Jerusalemer Tempel verehrt werden. Dies ist für die deuronomistischen Redaktoren des Königbuches auch der Maßstab für die Könige Israels und Judas. Da diese sich neben Jahwe auch anderen Gottheiten (Baal und Aschera) zuwenden, werden sie zumeist verworfen.

Sowohl das Nordreich Israel mit seinen Heiligtümern in Bethel und Dan (die „Sünde Jerobeams“), als auch das Südreich Juda, das neben Jerusalem noch Kultorte an den Höhenheiligtümern kennt, sind dem Untergang geweiht. Über beide Reiche bricht folgerichtig das Gericht herein, und sie gehen unter. Für das Südreich gibt es jedoch Hoffnung, die sich auf das Verhalten der Ideal-Könige David, Hiskia und Josia gründet. Diese konnten zwar das Gericht für Juda nicht abwenden, jedoch durch ihre Treue zu Jerusalem als einzigen Kultort den endgültigen Untergang abwenden].

 

 

 

 

Die Geschichte des Königs Salomo (1. Kön 1 – 11)

[Nach biblischen Überlieferungen herrschte Salomo von etwa 965 vCh bis etwa  926 vCh. Er war der Sohn des Königs David und dessen Nebenfrau Bathseba. Es gelang ihm, das von seinem Vater geschaffene Großreich in wesentlichen Punkten zu erhalten und zu modernisieren. Dazu teilte er das Reich in zwölf Verwaltungsbezirke („Gaue“) ein. Seine Regierungszeit gilt in der Bibel als eine Zeit legendären Friedens und Wohlstandes. Zu Spannungen und der Reichsspaltung nach dem Tod Salomos 926 vCh trug neben den alten Spannungen zwischen den Nord- und Südstämmen vor allem Salomos Politik der Unnachgiebigkeit auch gegenüber den Israeliten bei. So verpflichtete er nicht nur die unterworfenen Stämme zur Fronarbeit, sondern auch sein eigenes Volk].

 

Salomo wird König:

Als der König David alt war und hochbetagt, konnte er nicht mehr warm werden, wenn man ihn auch mit Kleidern bedeckte. Da sprachen seine Großen zu ihm: „Man suche unserem König eine junge Frau, die den König pflege und in seinen Armen schlafe und wärme unseren Herrn!“ Sie suchten ein schönes Mädchen in ganz Israel und fanden Abisag von Sunem und brachten sie dem König. Sie umsorgte den König und diente ihm. Aber der König schlief nicht mit ihr.

Adonia aber, der als nächster nach Absalom geboren war, empörte sich und sprach: „Ich will König werden!“ Er schaffte  sich Wagen und Gespanne an und fünfzig Mann als Leibwächter. Er beriet sich mit Joab und mit Abjathar, die hielten zu Adonia. Aber der Priester Zadok und Benaja und der Prophet Nathan und Simei und Rei und die Helden Davids waren nicht mit Adonia. Als Adonia Schafe und Rinder und gemästetes Vieh opferte bei dem Stein, der neben der Quelle Rogel liegt, lud er alle seine Brüder ein und alle Männer Judas, die dem König dienten. Nur den Propheten Nathan und Benaja und die Helden und seinen Bruder Salomo lud er nicht ein. 

 

 

Da sprach Nathan zu Bathseba, Salomos Mutter: „Hast du nicht gehört, daß Adonia der König geworden ist?  Und unser Herr David weiß nichts davon. Geh zum König David hinein und sprich zu ihm: ‚Hast du mir nicht geschworen: Dein Sohn Salomo soll nach mir König sein? Warum ist denn Adonia König geworden?‘ Während du noch da bist und mit dem König redest, will ich dir nach hineinkommen und deine Worte zu Ende führen!“

Bathseba ging hinein zum König in die Kammer und sprach zu ihm: „Mein Herr, du hast mir  geschworen, daß Salomo König sein soll nach dir. Nun aber ist Adonia der König geworden und hat ein Fest gemacht, aber Salomo nicht eingeladen. Du bist doch der König, die Augen des ganzen Israel sehen auf dich, daß du ihnen mitteilst, wer auf dem Thron des Königs sitzen soll!“

Als sie noch mit dem König redete, kam der Prophet Nathan und sprach: „Mein König, hast du gesagt, Adonia solle nach dir König sein? Sie essen und trinken jetzt und sagen: Es lebe der König Adonia!“ Da schwor der König seiner Frau Bathseba: „So wahr der Herr lebt, ich will heute tun, wie ich dir geschworen habe bei dem Gott Israels, daß dein Sohn Salomo nach mir König sein soll!“

Er sprach: „Ruft mir den Priester Zadok und den Propheten Nathan und Benaja!“ Als sie hineinkamen vor den König, sprach er zu ihnen: „Nehmet mit euch die Großen eures Herrn e und setzt meinen Sohn Salomo auf mein Maultier und führet ihn hinab zur Quelle Gihon. Und der Priester Zadok und der Prophet Nathan ihn dort zum König über Israel salben. Und dann blast mit den Posaunen und sprecht: Es lebe der König Salomo!“

Da gingen hinab der Priester Zadok und der Prophet Nathan und Benaja und die Hilfstruppen und setzten Salomo auf das Maultier des Königs und führten ihn zur Quelle Gihon. Der Priester Zadok nahm das Ölhorn aus dem Zelt und salbte Salomo. Und sie bliesen mit der Posaune, und alles Volk rief: „Es lebe der König Salomo!“ Und alles Volk zog wieder herauf hinter ihm her, und das Volk blies mit Flöten und war sehr fröhlich, so daß die Erde von ihrem Geschrei erbebte.

Adonai hörte es und alle, die er geladen hatte. Joab sprach er: „Was soll das Geschrei und das Getümmel in der Stadt?“ Da kam Jonathan, der Sohn des Priesters Abjathar.  Adonia sprach: Komm herein, denn du bist ein redlicher Mann und bringst gute Botschaft!“ Jonathan antwortete: „Nein, denn unser Herr, der König David, hat Salomo zum König gemacht, er sitzt jetzt auf dem königlichen Thron!“ Da erschraken alle, die bei Adonia eingeladen waren, und jeder ging seinen Weg.

Aber Adonia fürchtete sich vor Salomo und ging hin und faßte an die die Hörner des Altars. Das wurde Salomo gesagt, vor allem daß er sprach: „Der König Salomo schwöre mir heute, daß er mich nicht töte mit dem Schwert!“ Salomo sprach: „Wird er redlich sein, so soll kein Haar von ihm auf die Erde fallen. Wird aber Böses an ihm gefunden, so soll er sterben!“ Der König Salomo sandte Boten hin und ließ ihn vom Altar holen. Als er kam, fiel er vor dem König Salomo nieder. Salomo aber sprach zu ihm: „Gehe in dein Haus!“ (1.Kön 1).

 

Davids Tod:

Als nun die Zeit herbeikam, daß David sterben sollte, sprach er zu seinem Sohn Salomo: „Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost und sei ein Mann und diene dem Herrn, daß du gehst auf seinen Wegen und hältst seine Satzungen, Gebote und Rechte und Ordnungen, wie sie geschrieben stehen im Gesetz des Mose, damit dir alles gelinge, was du tust und wo du dich hin wendest. So wird der Herr sein Wort erfüllen, das er über mich geredet hat und gesagt: Werden deine Söhne auf ihre Wege achten, daß sie vor mir in Treue und von ganzem Herzen und von ganzer Seele leben, so soll es dir niemals fehlen an einem Mann auf dem Thron Israels!“

Dann fügt David hinzu: „Auch weißt du sehr wohl, was mir Joab getan hat, als er die  zwei Feldhauptleute  Abner und Amasa getötet hat und so im Krieg vergossenes Blut im Frieden gerächt und unschuldiges Blut an seinen Gürtel und an seine Schuhe gebracht hat. Tue nach deiner Weisheit, daß du seine grauen Haare nicht in Frieden hinunter zu den Toten bringst.

Aber den Kindern Barsillai sollst du Barmherzigkeit erweisen, daß sie an deinem Tisch essen, denn sie taten wohl an mir, als ich vor deinem Bruder Absalom floh.

Du hast aber auch Simei bei dir, der mir schändlich fluchte zu der Zeit, als ich nach Mahanaim ging. Als er aber mir entgegen kam am Jordan, da schwor ich ihm bei dem Herrn, ich würde ihn nicht töten mit dem Schwert. Du aber laß ihn nicht frei ausgehen, denn du bist ein weiser Mann und wirst wohl wissen, was du ihm tun sollst, daß du seine grauen Haare mit Blut hinunter zu den Toten bringst!“ So entschlief David mit seinen Vätern und wurde begraben in der Stadt Davids. Vierzig Jahre ist David König gewesen über Israel: sieben Jahre war er König in Hebron und dreiunddreißig Jahre in Jerusalem (1. Kön 2,1-11).

 

Salomos erste Maßnahmen:

Salomo saß auf dem Thron seines Vaters David, und seine Herrschaft hatte festen Bestand. Aber Adonia  kam zu Bathseba, der Mutter Salomos. Sie sprach: „Kommst du auch im Frieden?“ Er sprach: „Ja! Ich habe mit dir zu reden!“ Sie sprach: „Sage an!“ Er sprach: „Du weißt, daß ich König war und ganz Israel hatte sich darauf eingerichtet hatte, daß ich König sein sollte. Aber nun hat sich das Königtum gewendet und gehört meinem Bruders. Der Herr hat es ihm gegeben. Nun habe ich eine Bitte an dich. Weise mich nicht ab!“ Sie sprach zu ihm: „Sage an!“

Er sprach: „Rede mit dem König Salomo, denn er wird dich nicht abweisen, daß er mir gebe Abisag von Sunem zur Frau!“ Bathseba sprach: „Gut, ich will mit dem König über dich reden!“ Bathseba kam hinein zum König Salomo, um mit ihm über Adonia zu reden. Der König stand auf und ging ihr entgegen und neigte sich vor ihr und setzte sich auf seinen Thron. Auch der Mutter des Königs wurde ein Thron hingestellt gesetzt, und sie sich setzte an seine rechte Seite. Dann sprach sie: „Ich habe eine kleine Bitte an dich, weise mich nicht ab!“ Der König sprach zu ihr: „Bitte, meine Mutter, ich will dich nicht abweisen!“ Sie sprach: „Gib doch Abisag von Sunem deinem Bruder Adonia zur Frau!“

Da antwortete der König Salomo und sprach zu seiner Mutter: „Warum bittest du für Adonia? Da kannst du doch gleich auch das Königtum für ihn erbitten. Er ist mein älterer Bruder und hat den Priester Abjathar und Joab auf seiner Seite!“ Salomo schwur bei dem Herrn: „Gott tue mir dies und das, diese Bitte soll Adonia sein Leben kosten! So wahr der Herr lebt, der mich bestätigt hat und sitzen lassen auf dem Thron meines Vaters David und der mir ein Haus gemacht hat, wie er zugesagt hat: Heute noch soll Adonia sterben!“ Er sandte Benaja hin, der stieß ihn nieder, daß er starb.

Und zu dem Priester Abjathar sprach der König: „Geh hin nach Anathoth zu deinem Besitz; denn du bist des Todes. Aber ich will dich heute nicht töten, denn du hast die Bundeslade vor meinem Vater David hergetragen und hast alles mit gelitten, was mein Vater gelitten hat!“

So verstieß Salomo den Abjathar, daß er nicht Priester des Herrn sein durfte, damit erfüllt würde des Herrn Wort, das er über di Familie Elis geredet hatte in Silo. Die Kunde davon kam vor Joab. Dieser hatte Adonia angehangen und nicht an Absalom. Da floh Joab das Zelt des Herrn und faßte an die Hörner des Altars.

 

Das wurde dem König Salomo gesagt, daß Joab zum Zelt des Herrn geflohen wäre und jetzt am Altar steht. Da sandte Salomo Benaja hin und sprach: „Geh, stoß ihn nieder!“ Als Benaja zum Zelt des Herrn kam, sprach er zu Joab: „So sagt der König: Geh heraus!“ Er sprach: „Nein, hier will ich sterben!“ Benaja sagte das dem König wieder und sprach: „So hat Joab geredet, und so hat er mir geantwortet!“

Der König sprach zu ihm: „Tu, wie er geredet hat, und stoß ihn nieder und begrabe ihn, damit du das Blut, das Joab ohne Grund vergossen hat, von mir und von der Familie meines Vaters tust. Der Herr lasse das Blut auf sein Haupt kommen, weil er zwei Männer erschlagen hat, die gerechter und besser waren als er. Er hat sie getötet mit dem Schwert, ohne daß mein Vater David davon wußte: Abner, den Feldhauptmann über Israel, und Amasa, den Feldhauptmann über Juda. Ihr Blut komme auf das Haupt Joabs und seiner Nachkommen für immer. Aber David und seine Nachkommen und ihr Thron sollen ewig Frieden haben von dem Herrn!“ Da ging Benaja hinauf und stieß Joab nieder und tötete ihn. Und er wurde begraben in seinem Haus in der Wüste.

Der König setzte Benaja an Joabs Stelle über das Heer, und den Priester Zadok setzte der König an die Stelle Abjathars. Der König sandte auch hin und ließ Simei rufen und sprach zu ihm: „Bau dir ein Haus in Jerusalem und wohne dort und gehe von da nicht heraus, weder hierhin noch dorthin. An dem Tag, an dem du hinausgehen und über den Bach Kidron gehen wirst, mußt du des Todes sterben. Dein Blut komme dann auf deinem Kopf!“ Simei sprach zum König: „Das ist recht so. Wie mein der König geredet hat, so wird dein Diener tun!“ So wohnte Simei eine lange Zeit in Jerusalem.

Aber nach drei Jahren entflohen dem Simei zwei Sklaven und entliefen zu dem König von Gath. Das wurde Simei mitgeteilt: „Siehe, deine Sklaven sind in Gath!“ Da machte sich Simei auf und sattelte seinen Esel und zog hin nach Gath, um seine Sklaven zu suchen. Und als er hinkam, brachte er seine Sklaven von Gath zurück.

Da wurde Salomo angesagt, daß Simei von Jerusalem nach Gath gezogen und wieder gekom­men wäre. Da sandte der König seine Boten hin und ließ Simei rufen und sprach zu ihm: „Habe ich dich nicht schwören lassen bei dem Herrn und dich gewarnt: An dem Tag, an den du die Stadt verläßt und hierhin oder dorthin gehst, sollst du wissen, daß du des Todes sterben mußt? Und du sprachst zu mir: Es ist recht so, ich habe es gehört! Warum hast du denn nicht gehalten den Schwur vor dem Herrn und das Gebot, das ich dir geboten habe? Du weißt all das Böse, dessen dein Herz sich bewußt ist und das du meinem Vater David angetan hast. Nun läßt der Herr das Böse auf dein Haupt kommen. Aber der König Salomo ist gesegnet, und der Thron Davids wird fest stehen vor dem Herrn in Ewigkeit!“ Der König gab Benaja den entsprechenden Befehl und er ging hinaus stieß ihn nieder, so daß er starb. Aber das Königtum wurde bestätigt durch Salomos Hand  (1. Kön 2,12.46)

 

Salomos Heirat  und Gebet um Weisheit:

Salomo verschwägerte sich mit dem König von Ägypten und nahm die Tochter des Pharao zur Frau und brachte sie in die Stadt Davids, bis er sein Haus und des Herrn Haus und die Mauer um Jerusalem her gebaut haben würde. Aber das Volk opferte noch auf den Höhen, denn es war bis damals noch kein Haus gebaut für den Namen des Herrn. Salomo aber hatte den Herrn lieb und lebte nach den Satzungen seines Vaters David, nur daß er auf den Höhen opferte und räucherte. Und der König ging hin nach Gibeon daselbst zu opfern, denn das war die bedeutendste Höhe. Salomo opferte dort tausend Brandopfer auf dem Altar

 

[Der fehlende Tempel in Jerusalem wird hier als Vorwand genommen, um zu erklären, weshalb Salomo noch auf den Höhenheiligtümern der Kanaanäer opferte. Das Heiligtum Israel war doch die Stiftshütte mit der Bundeslade, die in Jerusalem in einem Zelt stand. Dort gab es auch genügend Altäre, um zu opfern. Also wirkte hier die alte Religion nach].

Aber der Herr erschien Salomo in Gibeon im Traum und sprach: „Bitte, was ich dir geben soll!“ Salomo sprach: „Du hast an meinem Vater David große Barmherzigkeit getan. Er hat vor dir gelebt in Wahrheit und Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen, und hast ihm auch die große Barmherzigkeit erwiesen und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Thron sitzen sollte, wie es jetzt auch ist. Nun, Herr, du hast deinen Diener zum König gemacht an der Stelle meines Vaters David Ich bin noch junge, ich weiß weder ein noch aus. Dein Diener steht mit in deinem Volk, das so groß ist, daß das es niemand zählen noch berechnen kann. So wollest du deinem Diener ein gehorsames Herz geben, damit er dein Volk richten möge und verstehen, was gut und böse ist. Denn wer vermag dein mächtiges Volk zu richten?“

Das gefiel dem Herrn gut, daß Salomo um diese Dinge bat. Er sprach zu ihm: „Weil du darum bittest und bittest nicht um langes Leben oder um Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Verstand, zu hören und recht zu richten. So tue ich nach deinen Worten. Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, so daß einer wie du nicht vor dir gewesen ist und nach dir nicht aufkommen wird. Dazu gebe ich dir aber noch, worum du nicht gebeten hast, nämlich Reichtum und Ehre, so daß unter den Königen keiner wie du ist zu deinen Zeiten. Und wenn du in meinen Wegen gehen wirst, daß du hältst meine Satzungen und Gebote, wie dein Vater David gelebt hat, so will ich dir ein langes Leben geben!“

Als Salomo erwachte, da war es nur ein Traum. Er kam nach Jerusalem und trat vor die Bundeslade und opferte Brandopfer und Dankopfer und machte ein großes Mahl allen seine Großen (1. Kön 3,1-15).

 

Das „salomonische Urteil“:

Zu der Zeit kamen zwei Huren zum König und traten vor ihn. Die eine Frau sprach: „Ach, mein Herr, diese Frau und ich wohnten in einem Haus, und ich bekam ein Kind bei ihr im Haus. Drei Tage später bekam sie auch ein Kind. Wir waren beieinander, kein Fremder war mit uns im Haus, nur wir beide. Aber der Sohn dieser Frau starb in der Nacht, denn sie hatte ihn im Schlaf erdrückt. Aber sie stand in der Nacht auf und nahm meinen Sohn von meiner Seite und legte ihn in ihren Arm, und ihren toten Sohn legte sie in meinen Arm. Als ich am Morgen aufstand, meinen Sohn zu stillen, da war er tot. Aber am Morgen sah ich ihn genau an, und siehe, es war nicht mein Sohn, den ich geboren hatte!“ Die andere Frau sprach: „Nein, mein Sohn lebt, und dein Sohn ist tot. Jene aber sprach: Nein dein Sohn ist tot, und mein Sohn lebt!“ So redeten sie vor dem König.

Der König sprach: „Diese spricht: Mein Sohn lebt, und dein Sohn ist tot Jene spricht: Nein, dein Sohn ist tot, doch mein Sohn lebt! Holt mir ein Schwert her!“ Als das Schwert vor den König gebracht wurde, sprach der König: „Teilt das lebendige Kind in zwei Teile und gebt dieser die Hälfte und jener die Hälfte!“

Da entbrannte das mütterliches Herz der Frau, deren Sohn lebte, ihr in Liebe für ihren Sohn und sie sprach zum König: „Ach, mein Herr, gebt ihr das Kind lebendig und tötet es nicht!“ Jene aber sprach: „Es sei weder mein noch dein, laßt es teilen!“  Da antwortete der König: „Gebt dieser das Kind lebendig und tötet es nicht, denn sie ist seine Mutter!“ Ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie fürchteten sich vor dem König, denn sie sahen, daß die Weisheit Gottes in ihm war, Gericht zu halten (1. Kön 3, 16-28).

Salomos Amtsträger:

 So war Salomo König über ganz Israel. Und dies waren seine Großen: Priester war Asarja, der Sohn Zadoks, Schreiber waren Elihoreph und Ahija, Kanzler war Josaphat, Feldhauptmann war Benaja, weitere Priester waren Zadok und Abjathar und Sabud, der Sohn Nathans. Hofmeister war Ahisar und Rentmeister war Adoniram. Asarja, der Sohn Nathans, war der Herr über die zwölf Amtleute, die den König und sein Haus versorgten, und zwar jeder einen Monat im Jahr (die Namen sind ausgelassen). Juda aber und Israel waren zahlreich wie der Sand am Meer, und sie aßen und tranken und waren fröhlich (1. Kön 4,1-20, gekürzt).

 

Salomos Macht und Weisheit:

So war Salomo der Herr über alle Königreiche, vom Euphratstrom bis zum Land der Philister und bis an die Grenze Ägyptens. Die Königreiche brachten ihm ihre Geschenke und dienten ihm sein Leben lang. Der Hofstaat Salomos mußte täglich zur Speisung haben: dreißig Sack feinstes Mehl, sechzig Sack anderes Mehl, zehn gemästete Rinder und zwanzig Rinder von der Weide und hundert Schafe, ohne die Hirsche und Gazellen und Rehe und das gemästete Federvieh.

Salomo hatte Frieden mit allen seinen Untertanen umher, so daß Juda und Israel sicher wohnten, jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, von Dan bis nach Beer-Seba, solange Salomo lebte. Salomo hatte vierzigtausend Gespanne für seine Kriegswaffen und zwölftausend Leute für die Pferde.

Die Amtleute versorgten den König und alles, was zum Tisch des Königs gehörte, jeder in seinem Monat, und sie ließen es an nichts fehlen. Auch Gerste und Stroh für die Pferde brachten sie an den Ort, wo diese waren, jeder nach seiner Ordnung.

Und Gott gab Salomo sehr große Weisheit und Verstand und einen Geist wie Sand am Ufer des Meeres liegt. So war die Weisheit Salomos größer als die Weisheit aller, die im Osten wohnen und als die der Ägypter. Er war weiser als alle Menschen und war berühmt unter allen Völker ringsumher. Er dichtete dreitausend Sprüche und tausendundfünf Lieder. Er dichtete von Bäumen, von der Zeder auf dem Libanon bis an den Ysop, der aus der Wand wächst. Auch dichtete er von Vieh, von Vögeln, von Gewürm und von Fischen. Und aus allen Völkern kam man, zu hören die Weisheit Salomos, auch alle Könige auf der Erde, die von seiner Weisheit gehört hatten (1. Kön 5,1–14).

 

Vorbereitung zum Tempelbau:

Hiram, der König zu Tyrus, sandte seine Botschafter zu Salomo, denn er hatte gehört, daß sie ihn zum König gesalbt hatten an der Stelle seines Vaters, denn Hiram liebte David sein Leben lang. Salomo sandte Boten zu Hiram und ließ ihm sagen: „Du weißt, daß mein Vater David für den Namen des Herrn kein Haus konnte bauen, wegen der Kriege, die er geführt hat. Nun aber hat mir der Herr ringsumher Ruhe gegeben, so daß weder ein Widersacher noch böses Hindernis mehr da ist. Deshalb habe ich gedacht, dem Namen des Herrn ein Haus zu bauen, wie der Herr geredet hat zu meinem Vater David: Dein Sohn soll meinem Namen das Haus bauen. So befiehl nun, daß man mir Zedern aus dem Libanon fälle. Meine Leute sollen mit deinen Leuten zusammenarbeiten. Denn du weißt, daß bei uns niemand ist, der Holz zu hauen versteht  wie die Sidonier!“

Als Hiram die Worte Salomos hörte, freute er sich sehr und sprach: „Gelobt sei der Herr, der David einen weisen Sohn gegeben hat überdies große Volk!“ Hiram ließ Salomo sagen: „Ich habe die Botschaft gehört, die du zu mir gesandt hast. Ich will all deine Wünsche nach Zedern- und Zypressenholz erfüllen. Meine Leute sollen die Stämme vom Libanon hinab bringen ans Meer!“

Dann fuhr er fort: „Ich will sie zu Flößen zusammenlegen lassen und sie  bis an den Ort bringen, den du mir mitteilen wirst. Dort will ich sie zerlegen und du kannst sie dort holen lassen. Aber du sollst mir dafür Speise geben für meinen Hof!“

So gab Hiram das Zedern- und Zypressenholz, wie es Salomo erbeten hatte. Salomo aber gab Hiram jährlich zwanzigtausend Sack Weizen für seinen Hofstaat und zwanzigtausend Eimer gepreßtes Öl. Und es war Friede zwischen Hiram und Salomo, und sie machten beide einen Bund miteinander.

Salomo bestimmte dreißigtausend Fronarbeiter aus ganz Israel und sandte je zehntausend Mann einen Monat auf den Libanon, aber zwei Monate waren sie daheim. Dann bestimmte er siebzigtausend Lastträger und achtzigtausend Steinmetze und dreitausenddreihundert Aufseher über sie. Der König befahl, große und kostbare Steine auszubrechen und zu behauen für die Grundmauern des Hauses des Herrn. Und die Bauleute Salomos und die Bauleute Hirams und die Gebaliter hieben die Steine zurecht und bereiteten Holz und Steine vor, um das Haus zu bauen (1. Kön 5,15–32, leicht gekürzt).

 

Bau des Tempels:

[Der erste feste Tempel (Salomonischer Tempel) wurde mit Hilfe phönizischer Baumeister unter Salomo auf dem Berg Moria in Jerusalem errichtet. Der Baubeginn war im Jahr 957 vCh, die Weihe im Jahr 951 vCh. Der Tempel war ein steinernes Gebäude von 18 Meter Länge sechs Meter Breite und neun Meter Höhe. Er war an drei Seiten mit Seitenzimmern umgeben, die in drei Stockwerken übereinander zur Aufbewahrung der Schätze und Gerätschaften des Tempels dienten].

Im vierhundertachtzigsten Jahr nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, im vierten Jahr des Königtums Salomos, im zweiten Monat, wurde das Haus des Herrn gebaut. Es war 30 Meter lang, 10 Meter breit und 15 Meter hoch. Salomo ließ auch eine Halle vor dem Tempel bauen, 10 Meter lang nach der Breite des Hauses und fünf Meter breit, mit vergitterten Fenstern, und einen Umgang um die ganze Wand des Hauses herum, in den Seitengemächer eingebaut wurden. Die Tür zum unteren Seitenzimmer war der rechten Seite mitten im Haus, wo man auf einer Wendeltreppe hinaufging auf den Mittelgang und vom Mittelgang auf den dritten. Gänge wurden um das ganze Haus herum gebaut, jeweils zweieinhalb Meter  hoch, und mit dem Haus durch Balken von Zedernholz verbunden. Dann wurde das Haus mit Balken und Tafelwerk von Zedern gedeckt. Als das Haus gebaut wurde, waren die Steine bereits ganz zugerichtet, so daß man weder Hammer noch Beil noch irgendein eisernes Werkzeug beim Bauen hörte.

Die Wände des Hauses wurden innen mit Zedernbrettern vom Boden bis an die Decke getäfelt mit gedrehten Knoten und Blumenwerk, so daß man keinen Stein sah. An allen Wänden des Hauses waren Schnitzereien mit Cheruben, Palmen und Blumenwerk. Der Boden des Hauses war mit Zypressenbrettern gedielt und mit goldenen Blechen überzogen. Auch war das ganze Haus innen mit reinem Gold überzogen.

Zehn Meter von der hinteren Seite des Hauses entfernt  wurde eine Wand gebaut aus zedernen Brettern vom Boden bis an die Decke. So entstand innen ein Chorraum für das Allerheiligste, in dem die Bundeslade aufgestellt werden sollte. Darüber standen dann zwei fünf Meter hohe „Cheruben“ aus Ölbaumholz. Der Flügel jedes Cherubs waren zweieinhalb Meter lang, so daß der Flügel des einen Cherub die Wand berührte und der Flügel des anderen die andere Wand.

Vor dem Chorraum stand der Altar, getäfelte mit Zedern. Vor dem Chorraum waren noch einmal goldene Schranken mit zwei Türflügeln aus Ölbaumholz und mit fünfeckigen Pfosten mit Schnitzereien darauf  aus Cheruben, Palmen und Blumenwerk und mit goldenen Blechen überzogen.

Auch am Eingang des Tempels waren viereckige Pfosten aus Ölbaumholz und zwei Türen aus Zypressenholz mit Schnitzwerk darauf, so daß jede Tür zwei Flügel hatte, die sich drehten. Auch ein innerer Vorhof aus drei Schichten behauener Steine und aus einer Schicht aus Zedernbalken wurde gebaut.

Im elften Jahr des Königs Salomo, im achten Monat wurde das Haus vollendet, wie es sein sollte, sodaß sie sieben Jahre daran bauten. Der Herrn sprach: zu Salomo: „So sei es mit dem Haus, das du baust: Wirst du in meinen Geboten leben und nach meinen Satzungen tun und alle meine Gebote halten, so will ich mein Wort an dir wahrmachen, das ich deinem Vater David gegeben habe und will wohnen unter den Israeliten und will mein Volk Israel nicht verlassen (1. Kön 6, leicht gekürzt, Reihenfolge umgestellt).

 

 Salomos Paläste:

 Aber an seinen Königshäusern baute Salomo dreizehn Jahre, bis er sie vollendet hatte. Er ließ das Libanon-Waldhaus bauen, 25 Meter lang, 15 Meter breit und 9 Meter hoch. Auf drei Reihen von Zedernsäulen lag eine Decke von Zedernbalken. Mit Zedern waren auch gedeckt die fünfundvierzig Zimmer auf den Säulen (je fünfzehn in einer Reihe). Das Gebälk lag in drei Reihen, und je drei Fenster waren sich gegenüber. Alle Türen waren in ihren Pfosten viereckig.

Salomo ließ auch eine Säulenhalle bauen, 25 Meter lang und 15 Meter breit, und noch eine Säulenhalle vor diese und mit einem Aufgang davor. Dann ließ er eine Thronhalle bauen, in der man Gericht hielt, und täfelte sie vom Boden bis zur Decke mit Zedern. Dazu kam sein Haus, in dem er wohnte, im anderen Hof, hinten an der Halle, gemacht wie die andern. Dann ließ er noch ein Haus wie diese Halle bauen für seine Frau, die Tochter des Pharao. Der große Hof hatte ringsumher drei Schichten behauene Steine und eine Schicht von Zedernbalken wie auch der innere Hof am Haus des Herrn und die Halle am Haus.

Alles waren kostbare Steine, nach dem Winkeleisen gehauen und mit Sägen geschnitten auf allen Seiten, vom Grund an bis an das Dach und von außen bis zum großen Hof. Die Grundsteine aber waren auch köstliche und große Steine, darauf waren kostbare Steine, nach dem Winkeleisen gehauen, und Zedern (1. Kön 7,1–12, leicht gekürzt).

 

Tempelausstattung:

König Salomo ließ Hiram holen; er war aus dem Stamm Naphtali und sein Vater war aus Tyrus. Er war ein Kupferschmied voller Verstand und Kunst, der alle Kunstwerke für den König Salomo machte. Er machte zwei Kupfersäulen, jede  fast sechs Meter hoch und zwei Kupferknäufe mit Gitterwerk und anderem Zierat oben auf die Säulen. Die Säulen wurden aufgerichtet vor der Halle des Tempels.

Dann machte er ein Meer („ehernes Meer“) mit drei Meter Durchmesser und eineinhalb Meter Höhe mit Knoten rundherum. Es stand auf zwölf Rindern, von denen je zwei nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet waren, so daß alle ihre Hinterteile inwendig waren. Dann machte er auch zehn Gestelle aus Kupfer mit kupfernen Rädern und Trägern an den vier Ecken. In der Mitte war jeweils ein Hals mit Buckeln. Alles war noch reich verziert. Fünf Gestelle kamen an die rechte Seite des Hauses Gottes und die andern fünf an die linke Seite, aber das Meer stellte er rechts vor das Haus nach Süden zu. Hiram machte auch Töpfe, Schaufeln, Becken und vollendete so alle Werke, die der König Salomo am Hause des Herrn machen ließ.

 

 

In einer Gießerei am unteren Jordan ließ der König die Kunstwerke gießen. Alles wurde ins Haus des Herrn gebracht. Und Salomo brachte auch alles hinein, was sein Vater David für Gott bestimmt hatte aus Silber und Gold und die Gefäße, und legte sie in den Schatz des Hauses des Herrn (1. Kön 7,13–51, stark gekürzt).

 

Tempelweihe:

Da versammelte der König Salomo zu sich die Ältesten in Israel, alle Obersten der Stämme und Obersten der Sippen unter den Israeliten nach Jerusalem, um die Bundeslade heraufzubringen aus der Stadt Davids. Es versammelten sich beim König Salomo alle Männer in Israel am Fest im siebenten Monat. Als alle Ältesten Israels kamen, hoben die Priester die Lade des Herrn auf und brachten sie hinauf, dazu die Stiftshütte des und alle Geräte des Heiligtums. König Salomo und die ganze Gemeinde Israel gingen vor der Lade her und opferten Schafe und Rinder.

So brachten die Priester die Bundeslade an ihren Ort, in den Chor des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cheruben. So breiteten die Cheruben die Flügel aus über die Stelle, wo die Lade stand, und bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. Aber die Stangen waren so lang, daß ihre Knäufe gesehen werden konnten  in der Tempelhalle. In der Lade waren nur die zwei steinernen Tafeln, die Mose er hineingelegt hatte am Horeb, die Tafeln des Bundes, den der Herr mit den Israeliten machte, als sie aus Ägypten gezogen waren.

Als aber die Priester aus dem Heiligtum gingen, erfüllte die Wolke das Haus des Herrn, so daß die Priester nicht zum Dienst herantreten konnten wegen der Wolke. Da sprach Salomo: „Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt. Er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. So habe ich nun zur Wohnung ein Haus gebaut dir, einen Sitz, damit du ewig darin wohnst!“

Dann wandte der König sein Angesicht und segnete die ganze Gemeinde Israel und sprach ein großes Dankgebet. Dabei ist ihm aber durchaus bewußt: „Sollte in Wahrheit Gott auf der Erde wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen. Wie sollte es denn dies Haus tun, das ich gebaut habe? Wende dich aber zum Gebet deines Dieners und zu seinem Flehen, Herr, mein Gott, damit du hörest das Lob und Gebet, das dein Diener heute vor dir tut. Laß deine Augen offen stehen über dies Haus Nacht und Tag, über die Stätte, davon du gesagt hast: Mein Name soll da sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Diener an dieser Stätte tut, und wollest erhören das Flehen deines Dieners und deines Volkes Israel, wenn sie hier an dieser Stätte bitten werden und wenn du es hörst in deiner Wohnung im Himmel, dann wollest du uns gnädig sein!“

Als Salomo all dieses Gebet und Flehen vor dem Herrn vollendet hatte, stand er auf vom Altar und hörte auf zu knien und die Hände auszubreiten zum Himmel .Er segnete die ganze Gemeinde Israel mit lauter Stimme und sprach: „Gelobt sei der Herr, der seinem Volk Israel Ruhe gegeben hat, wie er geredet hat. Es ist nicht eins von allen seinen guten Worten dahingefallen aus, die er geredet hat durch seinen Diener Mose. Der Herr, unser Gott, sei mit uns, wie er gewesen ist mit unsern Vätern. Er verlasse uns nicht und ziehe die Hand nicht ab von uns, zu neigen unser Herz zu ihm, daß wir leben in allen seinen Wegen und halten seine Gebote, Satten und Rechte, die er unsern Vätern geboten hat. Mögen diese Worte, die ich vor dem Herr gefleht habe, nahe sein dem Herrn Tag und Nacht, daß er Recht schaffe seinem Diener und seinem Volk Israel alle Tage, damit alle Völker auf der Erde erkennen, daß der Herr Gott ist und keiner mehr!“

 

 

Salomo opferte Dankopfer. So weihten sie das Haus des Herrn ein, der König und alle Israeliten. Am gleichen Tag weihte der König die Mitte des Vorhofs dadurch, daß er Brandopfer, Speisopfer und das Fett der Dankopfer dort darbrachte. Denn der kupferne Altar, der vor dem Herrn stand, war zu klein für all die Brandopfer, Speisopfer und zum Fett der Dankopfer.

Salomo machte zu der Zeit ein Fest und ganz Israel mit ihm, sieben Tage lang. Am achten Tag ließ er das Volk gehen. Und sie segneten den König und gingen hin zu ihren Zelten fröhlich und guten Muts wegen all des Guten, das der Herr an David  und an seinem Volk Israel getan hatte (1. Kön 8,1–66, gekürzt). Gottes Antwort auf Salomos Gebet (1. Kön 9,1–9) ist noch einmal eine Ermahnung an Salomo.

 

Weitere Regierungsmaßnahmen:

Als nun die zwanzig Jahre um waren, in denen Salomo das Haus des Herrn und das Haus des Königs baute, da gab der König Salomo zwanzig Städte im Land Galiläa an König Hiram von Tyrus Aber als Hiram die besichtigt hatte, gefielen sie ihm nicht. Deshalb nennt man dieses Land „Kabul“ bis auf diesen Tag.

Inzwischen war der König von Ägypten  heraufgekommen und hatte Geser gewonnen und mit Feuer verbrannt und die Stadt seiner Tochter, Salomos Frau, zum Geschenk gegeben. Salomo baute sie und andere Städte wieder auf, vor allem die Städte mit Vorratshäusern und alle Städte mit Kriegswagen und Gespannen. Er machte alle Nachkommen der früheren Einwohner des Landes zu Fronarbeitern. Aber von den Israeliten machte er keinen zu Sklaven, sondern ließ sie Kriegsleute und seine Räte und Oberste und Ritter und Hauptleute über seine Wagen und Gespanne sein.

Die Tochter des Pharao zog herauf von der Stadt Davids in ihr Haus, das er für sie gebaut hatte. Salomo ließ auch Schiffe bauen bei Elath am Ufer des Meers im Land der Edomiter.

Hiram sandte dazu Schiffsleute, die auf dem Meer erfahren waren. Die fuhren mit den Leuten Salomos nach Ophir und holten dort vierhundertzwanzig Zentner Gold und brachten es dem König Salomo (1. Kön 9,10–28, gekürzt).

 

Die Königin von Saba:

[Die Königin von Saba ist nach allgemeiner Auffassung eher eine legendäre, denn eine geschichtliche Figur. Sie soll im 10. Jahrhundert vor Christus eine Reise nach Jerusalem unternommen haben, deren älteste schriftliche Erwähnungen in der Bibel zu finden sind. Ihren Herkunftsort muß man in Arabien vermuten, aber auch die früheren äthiopischen Kaiser führten ihre Familie auf die Königin von Saba zurück].

 

Als die Königin von Saba die Kunde von Salomo vernahm, kam sie, um Salomo mit Rätselfragen zu prüfen. Sie kam nach Jerusalem mit einem sehr großen Gefolge,  mit Kamelen, die Gewürze trugen und viel Gold und Edelsteine. Als sie zum König Salomo kam, redete sie ihm alles, was sie sich vorgenommen hatte. Und Salomo gab ihr Antwort auf alles, und es war dem König nichts verborgen, was er ihr nicht hätte sagen können.

Als aber die Königin von Saba alle Weisheit Salomos sah und das Haus, das er gebaut hatte, und die Speisen für seinen Tisch und die Rangordnung für seine Großen und die Bedienung durch seine Leute und ihr Kleidung und seine Mundschenken und seine Brandopfer, die er im Hause des Herrn opferte, geriet sie vor Staunen außer sich.

 

Sie sprach zum König: „Es ist wahr, was ich in meinem Land von deinen Taten und von deiner Weisheit gehört habe. Ich habe es nicht glauben wollen, bis ich gekommen bin und es mit meinen Augen gesehen habe. Aber nicht die Hälfte ist mir gesagt worden. Du hast mehr Weisheit und Güter, als die Kunde sagt, die ich vernommen habe. Glücklich sind deine Männer und die Großen, die allezeit vor dir stehen und deine Weisheit hören. Gelobt sei der Herr, dein Gott, der an dir Wohlgefallen hat, so daß er dich auf den Stuhl Israels gesetzt hat. Weil der Herr Israel liebhat für immer, hat er dich zum König eingesetzt, daß du Recht und Gerechtigkeit übst!“

Sie gab dem König hundertzwanzig Zentner Gold und sehr viel Gewürz und Edelsteine. Es kam nie mehr so viel Gewürz ins Land, als die Königin von Saba dem König Salomo gab. Dazu kamen die Schiffe Hirams, die Gold aus Ophir führten und die auch sehr viel Sandelholz und Edelsteine brachten. Der König ließ Pfeiler aus Sandelholz machen im Hause des Herrn und im Hause des Königs und Harfen und Zithern für die Sänger. Es kam nie mehr so viel Sandelholz ins Land und wurde auch nicht mehr gesehen bis auf diesen Tag. Und der König Salomo gab der Königin von Saba alles, was ihr gefiel und was sie erbat, außer dem, was er ihr von sich aus gab. Und sie wandte sich und zog in ihr Land samt ihrem Gefolge (1.Kön 10,1–13).

 

Salomos Reichtum:

Das Gewicht des  Goldes aber, das in einem Jahr für Salomo einkam, war sechshundertsechsundsechzig Zentner, außer dem, was von den Händlern und dem Gewinn der Kaufleute und von allen Königen Arabiens und von den Statthaltern bekam. König Salomo ließ zweihundert Schilde ausbesten Gold machen und dreihundert kleienSchilde von bestem Gold, je drei Pfund Gold zu einem kleinen Schild. Er brachte sie in das Libanon-Waldhaus.

Der König machte einen großen Thron von Elfenbein und überzog ihn mit dem edelsten Gold. Der Thron hatte sechs Stufen, und hinten am Thron waren Stierköpfe und es waren Lehnen auf beiden Seiten um den Sitz, und zwei Löwen standen an den Lehnen. Zwölf Löwen standen auf den sechs Stufen auf beiden Seiten. So etwas ist nie gemacht in allen Königreichen. Alle Trinkgefäße des Königs Salomo waren golden, und alle Gefäße im Libanon-Waldhaus waren auch aus lauterem Gold, denn das Silber achtete man zu den Zeiten Salomos für nichts.

Die Tarsisschiffe des Königs, die auf dem Meer mit den Schiffen Hirams fuhren, kamen alle drei Jahre und brachten Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen.

So war der König Salomo größer an Reichtum und Weisheit als alle Könige auf Erden. Und alle Welt begehrte Salomo zu sehen, damit sie die Weisheit hörten, die ihm Gott in sein Herz gegeben hatte. Jedermann brachte ihm jährlich Geschenke, silberne und goldene Geräte, Kleider und Waffen, Gewürze, Rosse und Maultier. Und Salomo brachte Wagen und Reiter zusammen, so daß er hatte tausendvierhundert Wagen und zwölftausend Reiter, und er legte sie in die Wagenstädte und zum König nach Jerusalem.

Der König brachte es dahin, daß es in Jerusalem so viel Silber gab wie die Steine, und Zedern­holz so viel wie wilde Feigenbäume im Hügelland. Man brachte dem Salomo auch Pferde aus Ägypten und aus Koe, und die Kaufleute des Königs kauften sie aus Koe zu ihrem Preis. Sie brachten aus Ägypten herauf den Wagen für sechshundert Silberstücke und ein Pferd für hundertfünfzig Silberstücke. Dann führten sie diese wieder aus an alle Könige der Hethiter und an die Könige von Aram (1. Kön 10,14–29)[Die Angaben über den Reichtum Salomos sind sicher übertrieben].

 

 

 

Salomos Vielweiberei und Götzendienst:

Aber der König Salomo liebte viel ausländische Frauen: Die Tochter Pharaos und moabitische, ammonitische, edomitische, sidonische und hethitische Frauen, aus solchen Völkern, von denen der Herr den Israeliten gesagt hatte: „Geht nicht zu ihnen und laßt sie nicht zu euch kommen, denn sie werden gewiß eure Herzen ihren Göttern zuneigen!“ Aber an diesen hing Salomo mit Liebe. Er hatte siebenhundert Frauen und dreihundert Nebenfrauen. Diese verleiteten sein Herz.

Als Salomo alt war, neigten seine Frauen sein Herz den fremden Göttern nach, so daß sein Herz nicht ungeteilt bei dem Herrn war, wie das Herz seines Vaters David. Er tat, was dem Herrn mißfiel. So diente er der Astarte, der Göttin von Sidon, und dem Milkom, dem greulichen Götzen der Ammoniter. Er baute ein Höhenheiligtum  für den Kemosch, den greulichen Götzen der Moabiter, auf dem Berg vor Jerusalem. Und er baute ein Höhenheiligtum für den Moloch, den greulichen Götzen der Ammoniter.

Das tat er für alle seine ausländischen Frauen, die ihren Göttern räucherten und opferten. Der Herr aber wurde zornig über Salomo, weil er sein Herz von dem Gott Israels abgewandt hatte, der ihm zweimal erschienen war und ihm solches geboten hatte, daß er nicht anderen Göttern nachgehen sollte. Er aber hatte nicht gehalten, was ihm der Herr geboten hatte.

Darum sprach der Herr zu Salomo: „Weil das bei dir geschehen ist und du meinen Bund und meine Gebote nicht gehalten hast,  so will ich auch das Königtum von dir reißen und deinem Großen geben. Doch zu deiner Zeit will ich es noch nicht tun um deines Vaters David willen, sondern aus der Hand deines Sohnes will ich es reißen. Doch ich will nicht das ganze Reich abreißen, sondern einen Stamm will ich deinem Sohn geben um Davids willen und um Jerusalems willen, das ich erwählt habe ((1. Kön 11,1-13).

 

Salomos Feinde und Tod:

Der Herr erweckte Salomo einen Widersacher, nämlich den edomitischen Königsohn Hadad,  der mit einigen Männern vor den Kriegern Davids nach Ägypten geflohen war. Der dortige Pharao gab ihm sogar die Schwester seiner Frau. Als Hadad aber hörte, daß David und Joab gestorben waren, kehrte er in sein Land zurück und wurde  König über Edom.

Gott erweckte auch den Widersacher Reson,  der von seinem Herrn Hadadeser, dem König zu Zoba, geflohen war. Er hatte Männer um sich gesammelt und wurde der Hauptmann einer Schar von Kriegern, und er zog nach Damaskus und wurde König von Damaskus. Er war Israels Widersacher, solange Salomo lebte.

Auch Jerobeam, ein Ephraimiter von Zereda, Salomos Vogt, hob auch die Hand auf gegen den König. Das kam so: Als Salomo das Millo baute und dadurch die Lücke in der Davidsstadt verschloß, setzte er Jerobeam ein als Aufseher über die Fronarbeiter aus dem Stamm Joseph. Zu dieser Zeit ging Jerobeam aus von Jerusalem und es traf ihn der Prophet Ahia von Silo auf dem Weg.

Und Ahia faßte den neuen Mantel, den er anhatte, und riß ihn in zwölf Stücke und sprach zu Jerobeam: „Nimm zehn Stücke zu dir! Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Siehe, ich will das Königtum aus der Hand Salomos reißen und dir zehn Stämme geben. Nur noch einen Stamm soll er haben um meines Dieners David willen und um der Stadt Jerusalem willen. Weil er mich verlassen hat und die fremden Götter angebetet hat und nicht gegangen ist auf meinen Wegen. Ich will aber das ganze Reich jetzt noch nicht aus seiner Hand nehmen, sondern ich will ihn Fürst sein lassen sein Leben lang um Davids willen!“

 

Weiter sprach er: „Aber aus der Hand seines Sohnes will ich das Königtum nehmen und will dir zehn Stämme und seinem Sohn nur einen Stamm geben, damit David noch eine Leuchte hat in der Stadt Jerusalem. So will ich nun dich nehmen, daß du regierest über alles, was dein Herz begehrt, und sollst König sein über Israel. Wirst du nun gehorchen allem, was ich dir gebieten werde, und in meinen Wegen gehen und tun, was mir gefällt und meine Rechte und Gebote halten, wie mein Knecht David getan hat: so will ich mit dir sein und dir ein beständiges Haus bauen, wie ich es David gebaut habe, und will dir Israel geben!“

Salomo aber trachtete danach, Jerobeam zu töten. Da machte sich Jerobeam auf und floh nach Ägypten zu dem König von Ägypten, und blieb in Ägypten, bis Salomo starb. Was mehr von Salomo zu sagen ist, und alles, was er getan hat, und seine Weisheit, das ist geschrieben im Buch der Könige. Salomo war vierzig Jahre König in Jerusalem über ganz Israel. Er legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben in der Davidsstadt. Und sein Sohn Rehabeam wurde König an seiner Stelle (1. Kön 11,14–43, gekürzt).

 

 

 

Die Geschichte der Könige Israels (1. Kön 12 – 2. Kön 17)   

 [Die Darstellung der israelitischen und judäischen Könige weist einen gleichförmigen Rahmen auf, der ein Charakteristikum für die Art der Geschichtsschreibung in den Königsbüchern ist. Bei den Königen Israels sieht er so aus:  Einleitung – Synchronische Datierung – Regierungsdauer – Religiöse Beurteilung. Schluß: Quellenlage – Todesnotiz – Bestattung (Bestattungsort) – Nachfolger.

Bei den Königen Judas sieht er so aus:  Einleitung – Synchronische Datierung – Alter bei der Thronbesteigung – Regierungsdauer – Name der Königsmutter – Religiöse Beurteilung. Schluß: Quellenlage – Todesnotiz – Nachfolger. Dieser Rahmen ist als Erzählgerüst um die Beschreibungen der individuellen Taten der Könige gelegt.

 

Zeittafel für einige der Könige des Nordreichs Israel (insgesamt 20):

1. Jerobeam I. ( 926  - 907) 22 Jahre, zwei Jahre Überschneidung mit Nadab

2. Sein Sohn Nadab (zwei Jahre, ein Jahr Überschneidung mit Bascha)

3. Bascha (Baesa): Regierungszeit nicht eindeutig datiert: 900 - 877 oder 909 - 886

4. Sein Sohn Ela (zwei Jahre, ein Jahr Überschneidung mit Omri und Tibni)

5. Simri (7 Tage)

6. Tibni (etwa. 4 Jahre; Gegenkönig zu Omri)

7. Omri: 876 - 869 oder  885  -874

8. Sein Sohn Ahab war von etwa 875 bis 852 König des Nordreiches Israel.

    Er regierte 22 Jahre, zwei Jahre Überschneidung mit  Ahasja, ein Jahr mit Joram.

    Im Jahre 853 vCh Schlacht von Karkar, an der Ahab beteiligt war.

    Er starb im Krieg gegen die Aramäer

 9. Sein Sohn Ahasja: Zwei Jahre, 850 - 849  oder 852 - 851.

 

Zeittafel für einige Könige des Südreiches Juda (insgesamt 20):

1. Rehabeam war von 926 -  910 der erste König des Reiches Juda.

2. Abija: Drei Jahre (ein Jahr Überschneidung mit Asa)

3. Asa: Regierte 41 Jahre non 913 bis 873  (ein Jahr Überschneidung mit Josafat)

 4. Josafat (25 Jahre, vier Jahre Überschneidung mit Joram)

 5. Joram (acht Jahre, ein Jahr Überschneidung mit Ahasja) 849- 842 oder  848 - 841

6. Ahasja (auch Jehoahas genannt) war nur wenige Monate König im Jahr 842 oder 841].

Teilung des Reichs: Rehabeams Torheit und Jerobeams Götzendienst:

Rehabeam zog nach Sichem, denn das ganze Israel war  nach Sichem gekommen, um ihn zum König zu machen. Jerobeam hörte das in Ägypten und sie sandten Boten hin und ließen ihn rufen. Jerobeam und die ganze Gemeinde Israel kamen und redeten mit Rehabeam und sprachen: „Dein Vater hat unser Joch zu hart gemacht. So mache du nun den harten Dienst und das schwere Joch leichter, das er uns aufgelegt hat, so wollen wir dir untertan sein!“ Rehabeam aber sprach zu ihnen: „Geht hin bis zum dritten Tag, dann kommt wieder zu mir!“ Und das Volk ging hin.

König Rehabeam hielt einen Rat mit den Ältesten, die die noch von seinem Vater Salomo da waren,  und sprach: „Wie ratet ihr, daß wir diesem Volk antworten?“

Sie sprachen zu ihm: „Wirst du heute diesem Volk einen Dienst tun und ihnen zu Willen sein und sie erhören und ihnen gute Worte geben, so werden sie dir untertan sein dein Leben lang!“

Aber er ließ den Rat der Ältesten außer acht und hielt einen Rat mit den Jüngeren, die mit ihm aufgewachsen waren und zu ihm standen. Diese sprachen zu ihm: „Du sollst zu dem Volk sa­gen: Mein kleiner Finger soll dicker sein als meines Vaters Lenden. Mein Vater hat ein schweres Joch auf euch geladen. Ich aber will euch noch schwerer machen: Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich will euch mit Skorpionen züchtigen!"

Als  Jerobeam mit dem Volk am dritten Tag zu Rehabeam kam, gab der König dem Volk eine harte Antwort und ließ außer acht den Rat, den ihm die Ältesten gegeben hatten,

und sprach: „Mein Vater hat euer Joch schwer gemacht. Ich aber will des euch noch schwerer  machen: Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich aber will euch mit Skorpionen züchtigen!“ So gehorchte der König dem Volk nicht, denn so war es bestimmt von dem Herrn, damit er sein Wort wahr mache, das er durch Ahia von Silo geredet hatte zu Jerobeam. Als aber Israel sah, daß der König nicht auf sie hören wollte, gab das Volk dem König zur Antwort: „Was haben wir für einen Anteil an David? Auf zu deinen Hütten, Israel! Und sieh nun du nach deinem Haus, David!“ So ging Israel heim.

Rehabeam regierte nur über die Israeliten, die in den Städten Judas wohnten.  Und als der Rehabeam den Fronvogt hin sandte, warf ihn ganz Israel mit Steinen zu Tode. Da stieg König Rehabeam eilends auf einen Wagen, um nach Jerusalem zu fliehen. So fiel Israel ab von der Familie Davids bis auf diesen Tag. Es folgte niemand der Familie Davids als der Stamm Juda allein. Als nun ganz Israel hörte, daß Jerobeam wiedergekommen war, ließen sie ihn rufen zu der ganzen Gemeinde und machten ihn zum König über ganz Israel.

Als Rehabeam nach Jerusalem kam, sammelte er den Stamm Juda und den Stamm Benjamin, hundertundachtzigtausend junge, streitbare Männer, um gegen Israel zu kämpfen und das Königreich wieder an Rehabeam  zu bringen. Da kam Gottes Wort zu Semaja, dem Mann Gottes „Sage Rehabeam und den Stämmen Juda und Benjamin: So spricht der Herr: Ihr sollt nicht hinaufziehen und gegen eure Brüder, die Israeliten, kämpfen. Geht alle wieder heim, denn das alles ist so von mir geschehen!“ Sie gehorchten dem Wort des Herrn und kehrten um, wie der Herr gesagt hatte.

Jerobeam aber baute Sichem auf dem Gebirge Ephraim aus und wohnte dort. Dann aber zog von dort wieder weg und baute Pnuel aus.  Jerobeam aber dachte in seinem Herzen: „Das Königtum wird vielleicht wieder an die Familie Davids fallen. Wenn dies Volk hinaufgeht, um Opfer zu tun im Haus des Herrn in Jerusalem, so wird sich das Herz dieses Volkes wieder wenden zu König Rehabeam, und sie werden mich umbringen und wieder dem König Judas zufallen!“

Der König hielt einen Rat und machte zwei goldenen Kälber und sprach zum Volk: „Es ist zuviel für euch, hinauf nach Jerusalem zu gehen. Seht, hier sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten geführt haben!“ Und er stellte ein  Kalb in Bethel, und das andere gab er nach Dan. Aber das war eine Sünde, denn das Volk ging zum Teil nach Bethel und zum Teil nach Dan.

Jerobeam baute auch ein Höhenheiligtum (in Dan) und bestellte Priester aus dem gewöhnlichen Volk, die nicht von den Leviten waren.

Dann machte er ein Fest am fünfzehnten Tage des achten Monats wie das Fest in Juda und opferte auf dem Altar den Kälbern, die er gemacht hatte. Auch in Bethel bestellte er Priester auf dem Höhenheiligtum, das er gemacht hatte (1. Kön 12, leicht gekürzt)

[Die Kälber waren nicht dazu gedacht, wie die Götzenbilder der anderen Völker angebetet zu werden, sondern sie sollten nur so eine Art Fundament sein, auf denen der Gott Israels unsichtbar stehen konnte. Aber natürlich war auch das eine Vermischung der Religionen und in den Augen der echten Gläubigen ein Götzendienst].

 

[Die Prophetendarstellungen . Die Propheten treten als von Gott gesandte Mahner auf, die König und Volk den rechten Weg weisen. Sie besitzen Wunderkräfte und ihr Wort bewahrheitet sich: Die unterschiedlichen Propheten im Königsbuch sind die von Gott gesandten Mahner, die den Königen den Untergang ihrer Herrschaft und des Landes ankündigen. Die Darstellung ihres Auftretens bzw. ihrer Wirkung unterliegen einer gewissen Gleichförmigkeit, deren vier gestalterische Elemente Wortereignisformel/Botenformel (1), Begründung (2), Drohung (3) und Erfüllung (4) sind. Mit dem Auftreten der Propheten wird theologisch das Funktionieren des göttlichen Wortes in der Geschichte aufgezeigt. Neben Elia und Elia werden in den Königbüchern die folgenden Propheten erwähnt: Ahia von Silo, Semaja, ein ungenannter Prophet (tritt auf gegen den Altar von Bethel),  Zedekia (gegen einen weiteren Propheten Micha ben Jimla) und Jesaja].

 

Ein Prophet verkündet die Strafe für den Götzendienst:

Eines Tages opferte Jerobeam auf dem Altar, den er in Bethel gemacht hatte. Es war bei dem Fest am fünfzehnten Tage des achten Monats, das er sich ausgedacht hatte. Er opferte selbstauf dem Altar und räucherte.

Da kam, ein Mann Gottes von Juda (!) durch das Wort des Herrn nach Bethel. Er rief gegen den Altar im Auftrag des Herrn und sprach: „Altar, Altar! So spricht der Herr: Siehe, es wird ein Sohn dem Hause David geboren werden mit Namen Josia. Der wird auf dir schlachten die Priester der Höhen und wird Menschengebeine auf dir verbrennen!“ Er gab an dem Tag ein Wunderzeichen und sprach: „Das ist das Wunderzeichen dafür, daß der Herr das alles geredet hat: Der Altar wird bersten und die Asche verschüttet werden!“

Als aber der König das Wort von dem Gottesmann hörte, der gegen den Altar in Bethel rief, streckte er seine Hand aus auf dem Altar und sprach: „Greift ihn!“ Aber seine Hand verdorrte, die er gegen ihn ausgestreckt hatte, und er konnte sie nicht wieder zu sich ziehen. Und der Altar riß auseinander und die Asche wurde verschüttet, wie es der Prophet im Auftrag Gottes vorausgesagt hatte. Da sprach der König zu dem Mann Gottes: „Flehe doch deinen Gott an und bitte für mich, daß ich meine Hand wieder zu mir ziehen kann!“ Da bat der Mann Gottes den Herrn, und der König konnte seine Hand wieder zu sich ziehen und sie wurde, wie sie vorher war.

 

 

Der König redete mit dem Mann Gottes: „Komm mit mir heim und stärke dich, ich will dir auch ein Geschenk geben!“ Aber der Mann Gottes sprach zum König: „Wenn du mir auch dein halbes Haus gäbst, so käme ich doch nicht mit dir, denn ich will an diesem Ort kein Brot essen noch Wasser trinken. Denn es ist mir befohlen durch des Herrn Wort: Du sollst kein Brot essen und kein Wasser trinken und nicht wieder den Weg kommen, den du gegangen bist!“ So ging er dann auch einen andern Weg und nicht wieder den Weg, den er nach Bethel gekommen war.

Es wohnte aber ein alter Prophet in Bethel. Zu dem kamen seine Söhne und erzählten ihm alles, was der Mann Gottes getan hatte in Bethel, und die Worte, die er zum König geredet hatte. Der Vater sprach zu ihnen: „Welchen Weg ist er gezogen?“ Seine Söhne zeigten ihm den Weg. Er aber sprach zu seinen Söhnen: „Sattelt mir den Esel!“ Er ritt hinter dem  Mann Gottes her und fand ihn unter einer Eiche sitzen und sprach: „Bist du der Mann Gottes, der von Juda gekommen ist?“ Er sprach:“Ja!“ Er sprach zu ihm: „Komm mit mir heim und iß Brot mit mir!“ Er aber sprach: „Ich kann nicht mit dir umkehren und mit dir kommen. Ich will auch kein Brot essen und kein Wasser trinken mit dir an diesem Ort, denn so ist es mit mir durch das Wort des Herrn gesagt worden!“

Der andere aber sprach zu ihm: „Ich bin auch ein Prophet wie du, und ein Bote Gottes hat mit mir geredet und gesagt: Führe ihn wieder mit dir heim, daß er Brot esse und Wasser trinke!“ Das war aber gelogen. Aber er führte den Mann Gottes wieder zurück, daß er Brot aß und Wasser trank in seinem Haus. Als sie aber zu Tisch saßen, kam das Wort des Herrn zu dem Propheten, der ihn wieder zurückgeführt hatte. Er rief dem Mann Gottes zu, der da von Juda gekommen war, und sprach: „So spricht der Herr: Weil du dem Mund des Herrn ungehorsam gewesen bist und hast das Gebot nicht gehalten, das dir der Herr, dein Gott, geboten hat, sondern bist umgekehrt und hast Brot gegessen und Wasser getrunken, so soll deine Leiche nicht in deiner Väter Grab kommen!“

Nachdem der Mann aus Juda das Brot gegessen und getrunken hatte, sattelte man für ihn den Esel des Propheten, der ihn wieder zurückgeführt hatte. Und als er seines Weges zog, fand ihn ein Löwe und tötete ihn. Seine Leiche blieb auf dem Weg liegen, und der Esel stand neben ihm und der Löwe stand neben der Leiche. Als Leute vorübergingen und das sahen, sagten sie es in der Stadt, in der der alte Prophet wohnte.

Als das der Prophet hörte, der ihn wieder zurückgeführt hatte, zog er mit seinem Esel hin und fand die Leiche auf dem Weg. Der Esel und der Löwe standen neben der Leiche, der Löwe hatte nichts gefressen von der Leiche und auch den Esel nicht zerrissen. Da hob der Prophet die Leiche des Mannes Gottes auf und legte ihn auf den Esel und führte ihn wieder zurück und kam in die Stadt des alten Propheten, um die Totenklage zu halten und in zu begraben. Er legte den Toten in sein eigenes Grab und sie hielten ihm die Totenklage.

Als sie ihn begraben hatten, sprach er zu seinen Söhnen: „Wenn ich sterbe, dann begrabt mich in dem Grab, in dem der Mann Gottes begraben ist. Denn es wird sich erfüllen, was er gerufen hat gegen den Altar in Bethel und gegen alle Höhenheiligtümer, die in den Städten Samarias sind!“

Aber auch nach diesem Geschehen kehrte sich Jerobeam nicht von seinem bösen Weg ab, sondern bestellte wieder Priester für die Höhenheiligtümer aus allem Volk. Wer es wollte, dessen Hand füllte er, und der wurde Priester der Höhen. Dies geriet zur Sünde der Familie Jerobeams, so daß es zugrunde gerichtet und von der Erde vertilgt wurde (1. Kön 13, gekürzt).

 

Reich Israel: Jerobeam Ende:

Eines Tages wurde Abia, der Sohn Jerobeams, krank. Jerobeam sprach zu seiner Frau: „Mache dich auf und verkleide dich, daß niemand merkt, daß du Jerobeams Frau bist. Geh nach Silo. Dort ist der Prophet Ahia, der mit mir zugesagt hat, daß ich König über dies Volk sein sollte. Nimm zehn Brote und Kuchen und einen Krug mit Honig mit dir und geh zu ihm, daß er dir sage, wie es dem Knaben gehen wird!“

Jerobeams Frau tat das und ging hin nach Silo und kam in das Haus Ahias. Dieser aber konnte nicht sehen, denn seine Augen standen starr wegen seines Alters. Aber der Herr sprach zu Ahia: „Siehe, die Frau Jerobeams kommt, um dich wegen ihres Sohns zu befragen, denn er ist krank. So rede nun mit ihr so und so!“

Als sie nun hineinkam, stellte sie sich fremd. Als aber Ahia das Geräusch ihrer Füße hörte, wie sie zur Tür hereinkam, sprach er: „Komm herein, du Frau Jerobeams! Warum stellst du dich so fremd? Ich bin zu dir gesandt als ein harter Bote. Geh hin und sage Jerobeam: So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich erhoben aus dem Volk und zum Fürsten über mein Volk Israel gesetzt und habe das Königtum von der Familie Davids gerissen und dir gegeben. Du aber bist nicht gewesen wie mein Diener David, der meine Gebote hielt und von ganzem Herzen nach meinem Willen lebte, daß er nur tat, was mir wohl gefiel. Du hast mehr Böses getan als alle, die vor dir gewesen sind. Du bist hingegangen und hast dir andere Götter gemacht und gegossene Bilder, um mich zum Zorn zu reizen, und hast mir den Rücken gekehrt!“

Nach dieser Anklage spricht der Prophet die Folgen aus: „Darum siehe, ich will Unheil über die Familie Jerobeams führen und ausrotten von Jerobeam alles, was männlich ist, bis auf den letzten Mann, und will die Nachkommen Jerobeams ausfegen, wie man Unrat ausfegt, bis es ganz mit ihm aus ist. Wer von Jerobeams Angehörigen in der Stadt stirbt, den sollen die Hunde fressen. Wer aber auf dem Felde stirbt, den sollen die Vögel des Himmels fressen, denn der Herr hat es geredet. So mache dich nun auf und gehe heim. Und wenn dein Fuß die Stadt betritt, wird das Kind sterben. Ganz Israel wird ihm die Totenklage halten und sie werden ihn begraben, denn dieser Junge allein wird ein Grab erhalten, weil der Herr in der Familie Jerobeams allein bei ihm etwas Gutes gefunden hat!“

Dann gibt der  Prophet noch den Ausblick: „Der Herr aber wird sich einen neuen König über Israel erwecken, der wird die Familie Jerobeams ausrotten  Der Herr wird auch Israel schlagen, daß es schwankt, wie das Rohr im Wasser bewegt wird, und wird Israel ausreißen aus diesem guten Lande, daß er ihren Vätern gegeben hat, und wird sie zerstreuen jenseits des Euphrat, weil sie sich Ascherabilder gemacht haben, um den Herrn zu erzürnen. Er wird Israel dahingeben um der Sünden Jerobeams willen, der da gesündigt hat und Israel sündigen gemacht hat!“

Die Frau Jerobeams machte sich auf. Als sie auf die Schwelle des Hauses kam, starb der Junge. Sie begruben ihn und ganz Israel hielt die Totenklage, wie es der Herr gesagt hatte. Was noch mehr von Jerobeam zu sagen ist, wie er Krieg geführt und regiert hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. Jerobeam regierte zweiundzwanzig Jahre. Er legte sich zu seinen Vätern, und sein Sohn Nadab wurde König an seiner Stelle (1. Kön 14, 1–20).

 

Rehabeam von Juda:

Rehabeam, der Sohn Salomos, war König in Juda. Einundvierzig Jahre alt war Rehabeam, als er König wurde, und regierte siebzehn Jahre in Jerusalem, in der Stadt, die der Herr erwählt hatte aus allen Stämmen Israels, damit er dort seinem Namen eine Stätte bereite. Seine Mutter hieß Naama und war  eine Ammoniterin.

Aber Juda tat, was dem Herrn mißfiel. Sie reizten ihn mehr, als alles ihn reizte, das ihre Väter getan hatten mit ihren Sünden, die sie taten. Denn auch sie bauten Höhenheiligtümer, Steinmale und Ascherabilder auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen. Es waren auch Tempelhurer im Land. Sie taten alle die Greuel der anderen Völker, die der Herr vor den Israeliten vertrieben hatte.

Aber im fünften Jahr des Königs Rehabeam zog der ägyptische König Schischak herauf gegen Jerusalem und nahm die Schätze aus dem Haus des Herrn und aus dem Haus des Königs und alles, was zu nehmen war, und nahm auch alle goldenen Schilde mit, die Salomo hatte machen lassen. An ihrer Stelle ließ der König Rehabeam kupferne Schilde machen und gab sie unter die Hand der Leibwache, die das Tor hütete am Haus des Königs.  Und so oft der König in das Haus des Herrn ging, trug die Leibwache die Schilde und brachten sie wieder in die Wachstube zurück.

Was aber noch mehr von Rehabeam zu sagen ist und alles was er getan hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. Es war aber Krieg zwischen Rehabeam und Jerobeam ihr Leben lang. Rehabeam legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben mit seinen Vätern in der Davidsstadt. Und sein Sohn Abiam ward König an seiner Stelle (1. Kön 14,21–31).

 

Abija und Asa von Juda:

Im achtzehnten Jahr des Königs Jerobeam wurde Abiam der König in Juda und regierte drei Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Maacha und war eine Tochter Ab­saloms. Er beging alle Sünden seines Vaters. Es war aber Krieg zwischen Abiam und Jerobeam. Was aber noch  mehr von Abiam zu sagen ist und alles, was er getan hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. Abiam legte sich zu seinen Vätern, und sie begruben ihn in der Davidsstadt.

Sein Sohn Asa wurde König an seiner Stelle im zwanzigsten Jahr des Königs Jero­beam von Israel. Er regierte einundvierzig Jahre in Jerusalem. Er  tat was dem Herrn wohl gefiel: Er tat die Tempelhurer aus dem Land und entfernte alle Götzen, die seine Väter gemacht hatten. Das Silber und Gold und die Geräte, die sein Vater und er selbst zum Gottesdienst bestimmt hatten war, brachte er zum Haus des Herrn. Er setzte sogar seine Mutter Maacha ab, weil sie ein Greuelbild der Aschera gemacht hatte, das er dann am Bach Kidron verbrannte. Aber die vielen Höhenheiligtümer entfernte sein Volk nicht. Doch war das Herz Asas ungeteilt bei dem Herrn sein Leben lang.

Es war ein Krieg zwischen Asa und Baesa, dem König Israels, ihr Leben lang. Basea zog herauf gegen Juda und baute Rama aus, damit niemand aus- und einziehen sollte auf Asas Seite. Da nahm Asa alles Silber und Gold, das im Haus des Herrn und im Haus des Königs war, und gab es in die Hände seiner Räte und sandte sie zu Ben­ha­dad, dem König von Syrien, der in Damaskus wohnte, und ließ ihm sagen: „Es besteht doch ein Bündnis zwischen mir und dir und zwischen meinem Vater und deinem Vater. Darum schicke ich dir ein Geschenk, Silber und Gold, damit du das Bünd­nis aufgibst, das du mit dem König Israels hast, damit er von mir abziehe!“

Benhadad hörte auf die Bitte Asas und sandte seine Obersten gegen die Städte Israels und schlug das ganze Land Naphthali. Als das Baesa hörte, ließ er von Rama ab und zog wieder in seine Hauptstadt Thirza. König Asa aber bot ganz Juda auf und sie nahmen die Steine und das Holz von Rama weg und baute damit Geba in Benjamin und Mizpa aus.

Was aber mehr von Asa zu sagen ist und alle seine tapferen Taten und alles, was er getan hat, und die Städte, die er gebaut hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von  Juda. Nur war er in seinem Alter an seinen Füßen krank.

Asa legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben mit seinen Vätern in der Davidsstadt. Sein Sohn, Josaphat wurde König an seiner Stelle (1. Kön 15,1–24, gekürzt).

 

Nadab und Baesa von Israel:

Nadab, der Sohn Jerobeams, wurde König über Israel im zweiten Jahr Asas, des Königs von Juda, und regierte über Israel zwei Jahre. Er tat, was dem Herrn mißfiel, und ging auf dem Weg seines Vaters und in seiner Sünde. Es war aber Krieg zwischen Asa und Baesa ihr Leben lang. Doch Baesa aus dem Stamm Issaschar machte eine Verschwörung gegen Baesa und erschlug ihn, als er eine Stadt der Philister belagerte. Was aber sonst noch mehr von ihm zu sagen ist, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels.

Baesa wurde König an Nadabs Stelle und er schlug die ganze Sippe Jerobeams und ließ nichts übrig, entsprechend dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch seinen Knecht Ahia von Silo Baesa regierte vierundzwanzig Jahre und tat, was dem Herrn miß gefiel, und ging auf dem Weg Jerobeams und in seiner Sünde, durch die er Israel sündigen gemacht hatte.

 Es kam aber das Wort des Herrn zu Jehu gegen Baesa und sprach: „Weil ich dich aus dem Staub erhoben habe und zum Fürsten gemacht habe über mein Volk Israel und du doch gingst auf dem Weg Jerobeams, so will ich Baesa und seine Familie ausrotten wie die Familie Jerobeams. Wer aus der Familie Baesa stirbt in der Stadt, den sollen die Hunde fressen. Wer auf dem Felde stirbt, den sollen die Vögel des Himmels fressen!“

Was aber noch mehr von Baesa zu sagen ist und was er getan hat, und seine tapferen Taten, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. Baesa legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben in Thirza. Und sein Sohn Ela wurde König an seiner Stelle (1.Kön 15,25 - 16,7, leicht gekürzt).

 

Ela, Simri und Omri von Israel:

Im sechsundzwanzigsten Jahr Asas, des Königs von Juda, wurde Ela für zwei Jahre der König über Israel in Thirza. Aber sein Krieger Simri, der Oberste über die Hälfte der Kriegswagen, machte eine Verschwörung gegen ihn. Ela war aber in Thirza, trank und war betrunken im Hause des Hofmeisters. Da kam Simri hinein und schlug ihn tot im siebenundzwanzigsten Jahr Asas, des Königs von Juda, und ward König an seiner Stelle.

Als er König war und auf seinem Thron saß, erschlug er die ganze Familie Baesas, und ließ nichts übrig, was männlich war, dazu seine Verwandten und seine Freunde. So vertilgte Simri die ganze Sippe Baesas nach dem Wort des Herrn, das er über Baesa geredet hatte durch den Propheten Jehu, wegen all der Sünden Baesas und seines Sohnes Ela, die sie taten und durch die sie Israel sündigen machten. Was aber noch mehr von Ela zu sagen ist und alles, was er getan hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels.

Im siebenundzwanzigsten Jahr Asas, des Königs von Juda, wurde Simri sieben Tage König in Thirza. Das Volk aber belagerte eine Philisterstadt. Als aber das Volk im Lager hörte, daß Simri eine Verschwörung gemacht und auch den König erschlagen hatte, machte ganz Israel an diesem Tag den Feldhauptmann Omri zum König über Israel.

Omri zog herauf und das ganze Israel mit ihm und belagerten Thirza. Als aber Simri sah, daß die Stadt eingenommen werden würde, ging er in den Burgturm im Haus des Königs und verbrannte sich mit seiner Familie und starb.

Was aber noch mehr von Simri zu sagen ist und wie er seine Verschwörung machte, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. Damals teilte sich das Volk Israel in zwei Teile: Eine Hälfte hing an Tibni und wählte ihn zum König, die andere Hälfte aber hing Omri an. Aber das Volk, das an Omri hing, ward stärker als das Volk, das an Tibni hing. Und Tibni starb, so wurde Omri der König (1.Kön 16,8–21).

 

Omri von Israel:

Im einunddreißigsten Jahr Asas, des Königs von Juda, wurde Omri für zwölf Jahre der König über Israel. Er regierte sechs Jahre in Thirza. Dann kaufte er den Berg Samaria für zwei Zentner Silber und baute auf den Berg eine Stadt und nannte sie „Samaria“ (nach dem früheren Besitzer Semer). Omri tat, was dem Herrn mißfiel und trieb es ärger als alle, die vor ihm gewesen waren,  und ging auf allen Wegen Jerobeams und in seinen Sünden. Was aber noch mehr von Omri zu sagen ist und alles, was er getan hat, und seine tapferen Taten, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. Omri legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben in Samaria. Und sein Sohn Ahab wurde König an seiner Stelle (1. Kön 16,23–28).

 

Ahab von Israel:

Im achtunddreißigsten Jahr Asas, des Königs von Juda, wurde Ahab der König über Israel, und regierte zweiundzwanzig Jahre in Samaria. Er tat was dem Herrn mißfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren. Es war noch das Geringste, daß er lebte in der Sünde Jerobeams. Er nahm sogar Isebel, die Tochter des Königs zu Sidon, zur Frau und ging hin und diente Baal und betete ihn an und errichtete einen Altar im Tempel Baals, den er in Samaria baute, und machte auch ein Ascherabild. So tat Ahab mehr, den Herrn zu erzürnen, als alle Könige Israels, die vor ihm gewesen waren. Deshalb trat der Prophet Elia gegen ihn auf  (1. Kön16, 29–34).

[Der Nordreichprophet Elia ist während der Zeit der Könige Ahab und Ahasja tätig gewesen, also etwa zwischen 870 und 850 vCh. Er gehört zu den Wanderpropheten, die weder mit einem Heiligtum verbunden sind, noch in einer Prophetengemeinschaft lebte. Es gibt vier Erzählungen mit geschichtlichem Hintergrund: Die Erzählung von Dürre und Regenspenden, vom Gottesurteil auf dem Karmel, vom Justizmord an Naboth und von der versuchten Einführung des absoluten Königtums. Daß Elia mit seinen Ansichten beim Königshaus nicht durchgedrungen ist, zeigt die Erzählung von der Orakelbefragung].

 

Elia am Bach Krith und in Zarpath:

Elia aus Gilead sprach zu Ahab: „So wahr der Herr lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, es sei denn, ich sage es!“ Aber dann kam das Wort des Herrn kam zu ihm: „Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krith, der zum Jordan fließt. Du sollst aus dem Bach trinken. Und ich habe den Raben befohlen, daß sie dich dort versorgen sollen!“

Elia ging hin und tat nach dem Wort des Herrn und setzte sich hin am Bach Krith. Und die Raben brachten ihm das Brot und Fleisch am Morgen und am Abend, und er trank aus dem Bach. Aber nach einiger Zeit vertrocknete der Bach, denn es war kein Regen im Land. Da kam das Wort des Herrn zu Elia: „Mache dich auf und gehe nach Zarpath  bei Sidon und bleibe dort, denn ich habe einer Witwe befohlen, daß sie dich versorge!“

Elia machte sich auf und ging nach Zarpath. Als er an das Tor der Stadt kam, da las eine Witwe dort Holz auf. Er rief ihr zu: „Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, daß ich trinke!“ Als sie aber hinging, rief er ihr nach: „Bringe mir auch einen Bissen Brot mit!“

Die Witwe sprach: „So wahr der Herr, dein Gott, lebt, ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Jetzt habe ich ein oder zwei Stückchen Holz aufgelesen und gehe hinein und will mir und meinem Sohn etwas zu Essen zurichten, damit wir essen und sterben!“

Elia sprach zu ihr: „Fürchte dich nicht! Gehe hin und mache es so, wie du gesagt hast. Doch mache mir zuerst etwas Gebackenes davon und bringe es mir heraus. Dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. Denn also spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf der Erde!“ Sie ging hin und machte, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihre Familie eine Zeitlang. Aber das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug fehlte nichts, nach dem Wort des Herrn, daß er geredet hatte durch Elia.

Danach wurde der Sohn seiner Hauswirtin, krank, und seine Krankheit wurde so schwer, daß kein Atem mehr in ihm blieb. Die Witwe sprach zu Elia: „Was habe ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes? Du  bist zu mir hereingekommen, daß meine Sünde  berücksichtigt wird und mein Sohn getötet wird!“

Elia sprach zu ihr: „Gib mir deinen Sohn her!“ Und er nahm ihn von ihrem Schoß und ging hinauf auf den Dachgarten und legte ihn auf sein Bett und rief den Herrn an: „Herr, mein Gott, tust du auch der Witwe, bei der ich ein Gast bin, so Böses an, daß du ihren Sohn tötetest?“ Dann legte er sich dreimal über das Kind und rief den Herrn an: „Herr, mein Gott, laß das Leben wieder in dieses Kind kommen!“

Der Herr erhörte die Stimme Elias und das Leben des Kindes kam wieder zu ihm und es wurde  lebendig. Elia nahm das Kind und brachte es hinab ins Haus und gab es seiner Mutter und sprach: „Siehe da, dein Sohn lebt!“ Die Frau sprach zu Elia: „Nun erkenne ich, daß du ein Mann Gottes bist, und das Wort des Herrn in deinem Munde ist Wahrheit (1. Kön 17,1–24).

 

Das Gottesurteil auf dem Karmel:

Nach drei Jahren kam das Wort des Herrn zu Elia: „Gehe hin und zeige dich Ahab, denn ich will regnen lassen auf die Erde!“ Elia ging hin, daß er sich Ahab zeigte. Es war aber eine große Hungersnot in Samaria. Ahab rief seinen Hofmeister Obadja und sprach zu ihm: „Zieh durchs Land zu allen Wasserbrunnen und Bächen, ob wir vielleicht Heu finden und die Rosse und Maultiere erhalten können, damit  nicht alles Vieh umkomme!“

Sie teilten sich das Land auf, das sie durchzogen. Als nun Obadja auf dem Weg war, da begegnete ihm Elia. Er erkannte ihn, fiel auf sein Antlitz und sprach: „Bist du nicht mein Herr Elia?“ Elia sprach: „Ja! Gehe hin und sage deinem Herrn: Siehe, Elia ist hier!“

Obadja aber sprach: „Was habe ich gesündigt, daß du deinen Diener in die Hände Ahabs geben willst, daß er mich töte? Es gibt kein Volk noch Königreich, dahin mein Herr nicht Boten gesandt hat, dich zu suchen. Und wenn sie sagten, er sei nicht bei ihnen, nahm er einen Eid von dem Königreich und Volk, daß man dich nicht gefunden hätte. Und du sprichst nun: Gehe hin, sage deinem Herrn: Siehe, Elia ist hier! Wenn ich nun hinginge von dir, so könnte dich der Geist des Herrn entführen und ich wüßte nicht, wohin. Und wenn ich dann käme und sagte es Ahab und er fände dich nicht, so würde er mich töten. Und doch  fürchtet dein Diener den Herrn von seiner Jugend auf. Weißt du nicht, was ich getan habe, als Isebel die Propheten des Herrn erwürgte? Ich habe hundert Propheten des Herrn in Höhlen versteckt und versorgte sie mit Brot und Wasser? Und du sprichst nun: Gehe hin, sage deinem Herrn: Elia ist hier! Er wird mich töten!“

Elia sprach: „So wahr der Herr Zebaoth lebt, vor dem ich stehe: Ich will mich ihm heute zeigen!“ Da ging Obadja hin, Ahab entgegen, und sagte es ihm an. Und Ahab ging hin, Elia entgegen. Als Ahab aber Elia sah, sprach er zu ihm: „Bist du es, der Israel ins Unglück stürzt?“ Elia aber sprach: „Ich stürze Israel nicht ins Unglück, sondern Du und deine Sippe, weil ihr die Gebote des Herrn verlassen habt und folgtet den Baalen nach. Wohlan, so sende nun hin und versammle zu mir das ganze Israel auf den Berg Karmel und die vierhundertfünfzig Propheten Baals, auch die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen!“

Da sandte Ahab Boten hin unter alle Israeliten und versammelte die Propheten auf den Berg Karmel. Da trat Elia zu allem Volk und sprach: „Wie lange hinkt ihr auf beide Seiten? Ist der Herr euer Gott, so folgt ihm nach, Ist es aber Baal, so folgt ihm nach!“ Aber das Volk antwortete ihm nichts.

Da sprach Elia zum Volk: „Ich bin allein übriggeblieben als Prophet des Herrn, aber der Propheten Baals sind vierhundertfünfzig Mann. So gebt uns zwei junge Stiere und laßt sie einen Stier auswählen und ihn zerstückeln und aufs Holz legen, aber  kein Feuer daran legen. Ich will ich den andern Stier nehmen und aufs Holz legen und auch kein Feuer daran legen.  Dann ruft ihr den Namen eures Gottes an, und ich will den Namen des Herrn anrufen. Welcher Gott nun mit Feuer antworten wird, der sei Gott!“ Und das ganze Volk antwortete und sprach: „Das ist recht!“

Elia sprach zu den Propheten Baals: „Wählt ihr den Stier zuerst, denn ihr seid viele. Ruft den Namen eures Gottes an, legt aber kein Feuer daran!“ Sie nahmen den Stier, den man ihnen gab, und richteten alles zu und riefen den Namen Baals an vom Morgen bis zum Mittag und sprachen: „Baal, erhöre uns!“ Aber es kam keine Stimme noch Antwort. Und sie hinkten um den Altar, den sie gemacht hatten.

Als es nun Mittag wurde, spottete Elia über die Baalspropheten: „Ruft laut! Denn er ist ein Gott, der in Gedanken ist oder er hat zu schaffen oder ist über Feld oder schläft vielleicht!“ Sie riefen laut und ritzten sich mit Messern und Spießen nach ihrer Weise, bis ihr Blut herab­floß. Nach dem Mittag waren sie in Ekstase bis um die Zeit, wo man Speisopfer darbringt. Aber da war keine Stimme noch Antwort noch einer, der aufmerkte.

Da sprach Elia zu allem Volk: „Kommt her, alles Volk zu mir!“ Und als alles Volk zu ihm trat, baute er den Altar des Herrn wieder auf, der zerbrochen war, und nahm zwölf Steine nach der Zahl der Stämme der Kinder Jakobs und baute mit den Steinen einen Altar im Namen des Herrn und machte um den Altar her einen zwei Meter breiten Graben. Er richtete das Holz zu und zerstückelte den Stier und legte ihn auf das Holz und sprach: „Holt vier Eimer Wasser und gießt sie auf das Brandopfer und aufs Holz!“ Das mußten sie auch zum zweiten und zum dritten Mal machen. Das Wasser lief um den Altar herum, und der Graben wurde auch voll Wasser.

Als die Zeit war, das Speisopfer zu opfern, trat der Prophet Elia herbei und sprach: „Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, laß heute kund werden, daß du Gott in Israel bist und ich dein Diener, und daß ich das alles nach deinem Wort getan habe! Erhöre mich Herr, erhöre mich, daß dies Volk wisse, daß du Gott bist, und ihr Herz wieder zu dir bekehrst!“

Da fiel das Feuer des Herrn herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser auf in dem Graben. Als alles Volk das sah, fiel es auf sein Angesicht und sprach: „Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott!“ Elia aber sprach zu ihnen: „Greift die Propheten Baals, daß keiner von ihnen entrinne!“ Sie griffen sie und Elia führte sie hinab an den Bach Kison und tötete sie dort.

 

 

Dann sprach Elia zu Ahab: „Zieh hinauf, iß und trink. Denn es rauscht, als wollte es sehr regnen!“ Und als Ahab hinaufzog, zu essen und zu trinken, ging Elia auf den Gipfel des Karmel und bückte sich zur Erde und hielt sein Haupt zwischen seine Knie und sprach zu seinem Diener: „Geh hinauf und schau zum Meer zu!“ Der ging hinauf und schaute und sprach: „Es ist nichts da!“ Elia sprach: „Geh wieder hin - siebenmal!“

Und beim siebentenmal sprach er: „Es geht eine kleine Wolke auf aus dem Meer, so groß wie die  Hand eines Mannes!“ Elia sprach: „Geh hinauf und sage Ahab: Spanne an und fahre hinab, daß dich der Regen nicht aufhält!“ Und ehe man es sich versah, wurde der Himmel schwarz von Wolken und Wind, und es kam ein großer Regen. Ahab aber fuhr und zog nach Jesreel. Und die Hand des Herrn kam über Elia, und er gürtete seine Lenden und lief vor Ahab hin, bis er nach Jesreel kam (1. Kön 18).

 

Elia am Horeb:

Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert getötet hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: „Die Götter sollen mir dies und das, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!“ Da fürchtete sich Elia und lief um sein Leben und kam nach Beer-Seba. Dort ließ er seinen Diener. Er aber ging eine Tagereise weit in die Wüste und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: „Es ist genug, so nimm nun, Herr, mein Leben, ich bin nicht besser als meine Väter!“

Er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Aber ein Bote Gottes  rührte ihn an und sprach zu ihm: „Steh auf und iß!“ Da sah er sich um, und siehe über seinem Kopf lagen ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Der Bote Gottes kam zum zweitenmal wieder und rührte ihn an und sprach: „Steh auf und iß! Denn du hast einen langen Weg vor dir!“ Er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes, den Horeb

Dort kam er in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Da kam das Wort des Herrn zu ihm und sprach: „Was machst du hier, Elia?“ Er sprach: Ich habe geeifert um den Herrn, den Gott Zebaoth. Denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet. Ich bin allein übriggeblieben, und sie trachten danach, mir mein Leben nehmen!“

Gott sprach: „Gehe heraus und tritt auf den Berg vor den Herrn. Und siehe, der Herr wird vorüber gehen!“ Es kam ein großer und starker Wind, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach. Aber der Herr war aber nicht im Wind. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben. Aber der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer. Aber der Herr war nicht im Feuer. Aber nach dem Feuer kam ein stilles und sanftes Sausen.

Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging heraus und trat in den Eingang der Höhle. Da kam eine Stimme zu ihm und sprach: „Was hast du hier zu tun, Elia?“ Er sprach: „Ich habe für den Herrn geeifert, denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert getötet, und ich bin allein übriggeblieben, aber sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen!“

Aber der Herr sprach zu ihm: „Gehe wieder deines Wegs durch die Wüste nach Damaskus und gehe hinein und salbe Hasael zum König über Aram und Jehu zum König über Israel, und Elisa zum Propheten an deiner Stelle. Und es soll geschehen: Wer dem Schwert Hasaels entrinnt, den soll Jehu töten. Und wer dem Schwert Jehus entrinnt, denn soll Elisa töten. Ich will nur siebentausend übriglassen in Israel: Alle, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal, und deren Mund ihn nicht geküßt haben (1. Kön 19,1–18).

[Elia verteidigte die grundlegenden Elemente des Jahwe-Glaubens: Die Anerkennung des alleinigen Herrschaftsanspruchs Jahwes, die Bewahrung der Rechte des Untertanen gegenüber dem König und die Forderung, sich in Sorge um Gesundheit und Leben an Jahwe zu wenden. Um den Glauben und das Staatswesen lebensfähig zu erhalten und zugleich Vermischung der Religionen zu vermeiden, führt er neue Elemente für den Glauben des Volkes Israel ein:

1. Es ist nicht der Gott Baal, der dem Land Regen und Fruchtbarkeit gewährt, sondern Jahwe.

2. Der Mensch begegnet Gott hier nicht mehr in kriegerischen Auseinandersetzungen und auch nicht in furchteinflößenden Naturerscheinungen, sondern in der Stille].

 

Berufung Elisas:

Elia ging fort und fand Elisa, als er pflügte mit zwölf Joch Ochsen vor sich her. Elia ging zu ihm und warf seinen Mantel auf ihn. Elisa verließ die Rinder und lief Elia nach und sprach: „Laß mich meinen Vater und meine Mutter küssen, dann will ich dir nachfolgen!“ Elia sprach zu ihm: „Wohlan, kehre um! Bedenke, was ich dir getan habe!“ Elisa wandte sich ab von ihm und nahm ein Joch Rinder und opferte es und kochte das Fleisch mit dem Holz der Joche und gab es den Leuten zum Essen. Dann machte er sich auf und folgte Elia nach und diente ihm (1. Kön 19,19–21).

[Der Nordreichprophet Elisa hat im Unterschied zu Elia eine Prophetengemeinschaft um sich geschart, mit der er überwiegend an einem Ort wohnte. Er stand dem König sehr nahe und besaß politischen Einfluß, den er beispielsweise zur Hilfe für Notleidende geltend machen konnte].

 

Ahabs Siege über Aram:

Benhadad, der König von Aram, zog herauf mit zweiunddreißig Königen und belagerte Samaria. Ahab muß sich bereit erklären, Silber und Gold und seien Frauen und Kinder herauszugeben. Doch die alle Alten und das Volk wollen nicht, daß der König gehorcht. Auch ein Prophet trat zu Ahab und verheißt ihm, daß Gott den großen  Haufen der Aramäer in seine Hand geben wird. Ahab zog mit den Leuten der Landvögte gegen die Aramäer und schlug sie.

Aber der Prophet trat zum König Israels und sprach zu ihm: „Rüste dich, denn der König von Aram wird in einem Jahr wieder gegen dich ziehen!“ Denn die Großen des Königs von Aram sprachen zu ihm: „Ihre Götter sind Berggötter; darum haben sie uns überwunden. Aber wir mit ihnen auf der Ebene streiten, werden wir sie überwinden!“ Nach einem Jahr zogen die Aramäer über die Ebene Aphek heran. Wieder trat der Prophet auf und sagt: „Weil sie gesagt haben, der Herr sei ein Gott der Berge und nicht der Ebenen, habe ich sie in deine Hand gegeben!“ Am siebenten Tage zogen sie herauf zum Kampf und die Israeliten schlugen hunderttausend Mann Fußvolk der Aramäer an einen Tag. Die Aramäer banden sich sogar Säcke um und bitten um Gnade. Ahab nimmt auch Benhadad auf und läßt ihn auf den Wagen steigen. Dieser gibt ihm die Städte wieder, die sein Vater den Israeliten weggenommen hat und sie schließen ein Bündnis miteinander (1. Kön 20, stark gekürzt).

 

Ahabs Gewalttat an Naboth:

Naboth wohnte in Jesreel und hatte einen Weinberg hatte nahe am dem Palast Ahabs, des Königs in Samaria. Und Ahab redete mit Naboth und sprach: „Gib mir deinen Weinberg. Ich will mir einen Kohlgarten daraus machen, weil er so nahe an meinem Hause liegt. Ich will dir einen besseren Weinberg dafür geben, oder ich will dir Silber dafür geben, soviel er wert ist!“

Aber Naboth sprach zu Ahab: „Das lasse der Herr fern von mir sein, daß ich dir das Erbe meiner Väter geben sollte!“ Da kam Ahab heim voller Unmut und zornig wegen des Wortes, das Naboth zu ihm hatte gesagt hatte. Er legte sich auf sein Bett und wandte sein Antlitz ab und aß nicht mehr.

Da kam seine Frau Isebel zu ihm hinein und redete mit ihm: „Weshalb ißt du nichts?“ Er sprach zu ihr: „Naboth will mir seinen Weinberg nicht geben!“ Da sprach Isebel zu ihm: „Du bist doch König in Israel Stehe auf und iß und sei guten Muts! Ich will dir den Weinberg Naboths verschaffen!“ Sie schrieb Briefe unter Ahabs Namen und versiegelte sie mit seinem Siegel und sandte sie zu den Ältesten und Obersten in der Stadt Naboths. In diesen Briefen schrieb sie: „Laßt ein Fasten ausrufen und setzt Naboth obenan im Volk. Stellt aber zwei ruchlose Kerle auf, die behaupten, Naboth habe Gott und den König gelästert. Dann führt ihn hinaus und steinigt ihn, daß er stirbt!“ So geschah es dann auch, und die Obersten der Stadt  ließen Isebel sagen: „Naboth ist gesteinigt und tot!“ Da sprach sie zu Ahab: „Steh auf und nimm den Weinberg Naboths ein, der sich weigerte, ihn dir für Geld zu geben, denn Naboth ist tot!“ Als Ahab hörte, daß Naboth tot war, stand er auf, um zum Weinberg Naboths hinabzugehen und ihn einzunehmen.

Aber das Wort des Herrn kam zu Elia und sprach: „Mache dich auf und gehe hinab, Ahab, entgegen. Siehe er ist im Weinberg Naboths. Er ist dorthin hinabgegangen, daß er ihn einnehme. Rede mit ihm und sprich: So spricht der Herr: Du hast gemordet und auch fremdes Erbe geraubt. So spricht der Herr: An der Stätte, wo die Hunde das Blut Naboths geleckt haben, sollen Hunde auch dein Blut lecken!“

Ahab sprach zu Elia: „Hast du mich gefunden, mein Feind? „Er aber sprach: „Ja, ich habe dich gefunden, weil du dich verkauft hast, nur Unrecht zu tun vor dem Herrn. Siehe, ich will Unglück über dich bringen und dich vertilgen samt deinen Nachkommen und will von Ahab ausrotten, was männlich ist, bis auf den letzen Mann in Israel. Ich will deine Familie Haus machen wie die Familie Jerobeams und wie die Familie Baesas, weil du mich erzürnt hast und Israel sündigen gemacht hast. Auch über Isebel hat der Herr geredet: „Die Hunde sollen Isebel fressen an der Mauer Jesreels!“

Als aber Ahab solche Worte hörte, zerriß er seine Kleider und legte einen Sack um seinen Leib und fastete und schlief im Sack und ging bedrückt einher. Da kam das Wort des Herrn zu Elia: „Hast du nicht gesehen, wie sich Ahab vor mir gedemütigt hat? Weil er sich nun vor mir gedemütigt hat, will ich das Unheil nicht zu seinen Lebzeiten kommen lassen. Aber zu den Lebzeiten seines Sohnes will ich das Unheil über seine Familie bringen (1. Kön 21, gekürzt).

 

Ahabs Krieg gegen die Aramäer:

Nach drei Jahren zog Josaphat, der König von Juda, zum König von Israel. Dieser fragte ihn, ob er nicht mit in den Krieg ziehen wolle gegen die Aramäer, um Ramoth in Gilead von ihnen zu befreien. Josaphat befragt seine vierhundert Propheten, die ihm zustimmen. Im Nordreich gibt es aber nur noch einen Propheten, nämlich Micha ben Jimla. Ein Bote, der ihn holen soll, sagt gleich zu ihm: Die Reden der anderen Propheten sind einmütig gut für den König. So laß nun auch dein Wort sein wie ihr Wort und rede Gutes!“ Micha sprach: „So wahr der Herr lebt, ich will reden, was der Herr mir sagen wird!“

Als der König ihn fragt, antwortet er: „Ja, zieh hinauf, es soll dir gelingen!“  Der König entgegnete ihm: „Wie oft soll ich dich beschwören, daß du mir im Namen des Herrn nichts anderes sagst als die Wahrheit!“ Micha sprach: „Ich sah ganz Israel zerstreut auf den Bergen wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Und der Herr sprach: Diese haben keinen Herrn,  ein jeder kehre wieder heim im Frieden!“

Da sprach der König Israels zu Josaphat: „Habe ich dir nicht gesagt, daß er mir nichts Gutes weissagt, sondern nur Böses?“ Micha sprach: „Darum höre nun das Wort des Herrn! Ich sah den Herrn sitzen auf seinem Thron und das ganze himmlische Heer neben ihm stehen zu seiner Rechten und Linken. Und der Herr sprach: Wer will Ahab betören, daß er hinaufzieht und in Ramoth in Gilead falle?“ Und einer sagte dies, und der andere das.

Da trat ein Geist vor und trat vor den Herrn und sprach: „Ich will ihn betören. Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein im Mund aller Propheten!“ Der Herr sprach: „Du sollst ihn betören und sollst es ausrichten. Gehe hin und mache es so!“ Der König ließ Micha einsperren bei Wasser und Brot. Micha sagte: „Kommst du mit Frieden wieder, so hat der Herr nicht durch mich geredet!“

So zogen der König Israels und der König Judas hinauf nach Ramoth in Gilead. Und der König Israels sprach zu Josaphat: „Ich will mich verkleiden und in den Kampf ziehen. Du aber habe deine königlichen Kleider an!“ Aber der König von Aram gebot den Obersten über seine Wagen: „Ihr sollt nicht streiten gegen Kleine noch Große, sondern allein gegen den König Israels!“ Als die Obersten der Wagen Josaphat sahen, meinten sie er wäre der König Israels, und wandten sich gegen ihn. Josaphat aber schrie. Als sie sahen, daß er nicht der König Israels war, wandten sie sich von ihm ab.

Ein Mann aber spannte den Bogen und schoß den König Israels zufällig zwischen Panzer und Wehrgehänge. Der sprach zu seinem Wagenlenker: „Wende um und führe mich aus dem Kamp, denn ich bin verwundet!“

Der Kampf nahm immer mehr zu an diesem Tag, und der König blieb auf dem Wagen stehen bis zum Abend. Und das Blut floß von den Wunden mitten in den Wagen. Am Abend starb der König. Als die Sonne unterging, ließ man ausrufen: „Ein jeder gehe in seine Stadt und in sein Land!“ Der König wurde nach Samaria gebracht und sie begruben ihn dort. Und als sie den Wagen wuschen bei dem Teich Samarias, leckten die Hunde sein Blut, nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte. Was noch mehr von Ahab zu sagen ist und alles, was er getan hat, und über das elfenbeinerne Haus und alle Städte, die er bauen ließ, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. So legte sich Ahab zu seinen Vätern, und sein Sohn Ahasja ward König an seiner Stelle.

Josaphat, der Sohn Asas, wurde König über Juda im vierten Jahr Ahabs, des Königs von Israel. Er war fünfunddreißig Jahre alt, als er König ward, und regierte fünfundzwanzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Asuba, eine Tochter Silhis. Er ging auf allen Wegen seines Vaters Asa und wich nicht davon und er tat, was dem Herrn gut gefiel. Doch entfernte er nicht die Höhenheiligtümer, und das Volk opferte und räucherte noch auf den Höhen. Auch tat er aus dem Land die Tempelhurer, die noch übrig waren aus der Zeit seines Vaters Asa. Er hatte Frieden mit dem König Israels. Was aber noch mehr von Josaphat zu sagen ist und seine tapferen Taten, was er getan und wie er gestritten hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Judas.  Josaphat legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben mit seinen Vätern in der Davidsstadt.  Sein Sohn Joram wurde König an seiner Stelle (1. Kön 22,1–51, gekürzt).

 

Ahasja von Israel:

Ahasja, der Sohn Ahabs, wurde König über Israel in Samaria im siebzehnten Jahr Josaphats, des Königs von Juda, und regierte zwei Jahre über Israel .Er tat, was dem Herrn mißfiel, und ging auf dem Weg seines Vaters und seiner Mutter und auf dem Weg Jerobeams und diente Baal und betete ihn an und erzürnte den Gott Israels, wie schon sein Vater tat (1. Kön 22,52–54). 

Eines Tages fiel Ahasja durch das Gitter in seinem Dachgarten in Samaria und wurde krank Er sandte Boten und sprach zu ihnen: „Geht hin und fragt den Baal-Sebub, den Gott von Ekron, ob ich von dieser Krankheit genesen werde!“ Aber der Bote des Herrn redete mit Elia: „Auf und geh den Boten des Königs entgegen und sprich zu ihnen: Ist denn kein Gott in Israel, daß ihr hingeht, um den Baal-Sebub zu fragen? Darum so spricht der Herr: „Du sollst nicht mehr von dem Bett herunter kommen, auf das du dich gelegt hast, sondern sollst des Todes sterben!“ Und Elia ging weg.

Als die Boten wieder zum König kamen, sprach er zu ihnen: „Warum kommt ihr zurück?“

Sie sprachen zu ihm: „Es kam uns ein Mann entgegen und sprach zu uns: Ist denn kein Gott in Israel, daß du den Baal-Sebub befragen willst?“

Er sprach zu ihnen: „Wie sah der Mann aus, der euch begegnete und das zu euch sagte?“ Sie sprachen zu ihm: „Er hatte langes Haar und einen ledernen Gürtel um seine Lenden!“ Der König sprach: „Das war Elia!“

Der König will ihn holen lassen. Aber zweimal fällt Feuer auf die Wächter, die ihn holen sollen. Als aber der dritte Hauptmann vor Elia niederfällt und ihn bittet, geht er mit, zumal der Bote Gottes ihm gesagt hatte, er brauche sich nicht zu fürchten. Aber auch beim König wiederholte er nur, was er schon vorher gesagt hat.

So starb Ahasja nach dem Wort des Herrn, das Elia geredet hatte. Und Joram wurde König an seiner Stelle im zweiten Jahr Jorams, des Sohnes Josaphats, des Königs von Juda, denn er hatte keinen Sohn. Was aber noch mehr von Ahasja zu sagen ist, das er getan hat, siehe, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels (2. Kön 1, stark gekürzt).

 

 

 

 

 

 

2. Buch der Könige

[Ursprünglich bildeten beide Bücher der Könige nur ein Buch. Die Teilung der Bücher mitten in der Geschichte Ahasjas von Israel, ist sachlich nicht gerechtfertigt. Die Teilung in zwei Bücher stammt aus der Tradition der griechischen Bibel (Septuaginta, wo sie wahrscheinlich durch die handhabbare Länge einer Schriftrolle bedingt war (griechische Texte nehmen wesentlich mehr Platz ein als hebräische Texte desselben Inhalts).

Das zweite Buch der Könige setzt die Geschichte der getrennten Reiche Israel und Juda fort. Es kommt erst der Erzählkreis um die Propheten Elia und Elisa, dann das Ende des Reiches Israel (722 vCh), die die Reform des Königs Josia (622 vCh) und das Ende des Reiches Juda (587 vCh) bis zum Fall Jerusalems und der späteren Begnadigung Jojachins].

 

Elias Tod:

Als aber der Herr Elia im Wetter in den Himmel holen wollte, gingen Elia und Elisa von Gilgal weg. Und Elia sprach zu Elisa: „Bleib doch hier; denn der Herr hat mich nach Bethel gesandt!“ Elisa aber sprach: „So wahr der Herr lebt und du lebst, ich verlasse dich nicht!“ Als sie hinab nach Bethel kamen, gingen die Prophetenjünger von Bethel heraus zu Elisa und sprachen zu ihm: „Weißt du auch, daß der Herr heute deinen Herrn von dir nehmen wird?“ Er aber sprach: „Auch ich weiß es wohl. Schweigt nur still!“

Elia sprach zu ihm: „Elisa, bleib doch hier; denn der Herr hat mich nach Jericho gesandt!“ Er aber sprach: „So wahr der Herr lebt und du lebst, ich verlasse dich nicht!“ Und da sie nach Jericho kamen, traten die Prophetenjünger von Jericho waren, zu Elisa und sprachen zu ihm: „Weißt du auch, daß der Herr heute deinen Herrn von dir nehmen wird?“ Er aber sprach: „Auch ich weiß es wohl. Schweigt nur still!“ Da sprach Elia zu ihm: „Bleib doch hier, denn der Herr hat mich an den Jordan gesandt!“ Er aber sprach: „So wahr der Herr lebt und du lebst, ich verlasse dich nicht!“ Und sie gingen beide miteinander. Aber fünfzig Prophetenjünger gingen hin und standen von ferne, aber die Propheten standen am Jordan. Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte ihn zusammen und schlug ins Wasser. Das teilte sich nach beiden Seiten, so daß die beiden trocken hindurch gingen.

Als sie hinüberkamen, sprach Elia zu Elisa: „Bitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde!“ Elisa sprach: „Daß mir zwei Teile von deinem Geist zufallen!“Er sprach: „Du hast ein Scheres gebeten. Doch wenn du mich sehen wirst, wenn ich von dir genommen werde, so wird es geschehen. Wen aber nicht, so wird es nicht sein!“

Und als sie miteinander gingen und redeten, kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die trennten die beiden voneinander. So fuhr Elia fuhr im Wetter in den Himmel.  Elisa aber sah es und schrie: „Vater, mein Vater, du Wagen Israels und sein Gespann! Dann sah er ihn nicht mehr. Da faßte seine Gewänder und zerriß sie in zwei Stücke und hob den Mantel Elias auf, der ihm entfallen war, und kehrte um und trat wieder an das Ufer des Jordan und nahm den Mantel Elias und sprach: „Wo ist nun der Herr, der Gott Elias?“ Er schlug den Mantel ins Wasser. Da teilte es sich nach beiden Seiten, und Elisa ging hindurch.

Als ihn die Prophetenjünger sahen, die gegenüber in Jericho waren, sprachen sie: „Der Geist Elias ruht auf Elisa. Sie gingen ihm entgegen und fielen vor ihm nieder auf die Erde und sprachen zu ihm: „Wir haben hier fünfzig starke Männer, die laß gehen und deinen Herrn suchen. Vielleicht hat ihn der Geist des Herrn genommen und auf irgendeinen Berg oder in irgendein al geworfen!“ Er aber sprach: „Laßt ihn gehen!“

Aber sie nötigten ihn, bis er nachgab und sprach: „Laßt sie hingehen!“ Fünfzig Männer suchten ihn drei Tage, aber sie fanden ihn nicht. Sie kamen wieder zu ihm, als er noch in Jericho war. Er aber sprach zu ihnen: „Sagte ich euch nicht, ihr solltet nicht hingehen?“ (2.Kön 2,1-18, leicht gekürzt).

 

Elisas Taten:

Die Männer der Stadt sprachen zu Elisa: „Siehe, es ist gut wohnen in dieser Stadt, wie mein Herr sieht. Aber das Wasser ist böse und es macht unfruchtbar!“ Er sprach: „Bringt mir eine neue Schale her und tut Salz hinein!“ Sie brachten es ihm. Da ging er hinaus zu der Wasserquelle und warf das Salz hinein und sprach: „So spricht der Herr: Ich habe dies Wasser gesund gemacht. Es soll in Zukunft weder  Tod noch Unfruchtbarkeit daraus kommen!“ So wurde das Wasser gesund bis auf diesen Tag.

Elisa ging hinauf nach Bethel. Und als er auf dem Weg hinan ging, kamen kleine Jungen zur Stadt heraus und spotteten über ihn: „Kahlkopf, komm herauf! Kahlkopf, komm herauf!“ Er wandte sich um, und als er sie sah, fluchte er ihnen im Namen des Herrn. Da kamen zwei Bären aus dem Wald und zerrissen zweiundvierzig von den Kindern. Von da ging Elisa auf den Berg Karmel und kehrte von da nach Samaria zurück (2. Kön 2).

 

 

 

 

Joram von Israel:

Joram, der Sohn Ahabs, wurde König über Israel in Samaria im achtzehnten Jahr Josaphats, des Königs von Juda, und regierte zwölf Jahre. Er tat, was dem Herrn mißfiel. Doch er war nicht wie sein Vater und seine Mutter, denn er entfernte das Steinmal Baals, die sein Vater hatte machen lassen. Aber er blieb hängen an den Sünden Jerobeams und ließ nicht davon ab.

Als Ahab tot war, fiel der Moabiter König ab vom König Israels. Da sandte Joram Boten zu Josaphat und ließ ihm sagen: „Der König der Moabiter ist von mir abgefallen, Komm mit mir, zu kämpfen gegen die Moabiter!“ Josaphat sprach: „Ich will hinaufkommen. Ich bin wie du, und mein Volk wie dein Volk, und meine Rosse wie deine Rosse!“

Sie zogen den Weg durch die Wüste Edom. Als sie sieben Tagereisen gezogen waren, hatte das Heer und das Vieh kein Wasser. Sie wollen Elisa befragen. Der aber sprach zum König Israels: „Was hast du mit mir zu schaffen? Gehe hin zu den Propheten deines Vaters und zu den Propheten deiner Mutter!“Der König Israels sprach zu ihm: „Nicht doch! Denn der Herr hat diese drei Könige hergerufen, um sie in die Hände der Moabiter zu geben!“

Elisa sprach: „So wahr der Herr Zebaoth lebt, vor dem ich stehe: Wenn ich nicht Josaphat ehrte, ich wollte dich nicht ansehen noch achten. So bringet mir nun einen Spielmann!“ Als der Spielmann auf den Saiten spielte, kam die Hand des Herrn auf Elisa und er sprach: „So spricht der Herr: Macht hier und da Gruben in diesem Tal! Denn so spricht der Herr: Ihr werdet keinen Wind noch Regen sehen. Dennoch soll das Tal voll Wasser werden, daß ihr und euer Heer und euer Vieh trinkt. Und das ist noch ein Geringes vor dem Herrn: Er wird auch die Moabiter in eure Hände geben, so daß ihr wüste machen werdet alle festen Städte und alle auserwählten Städte und werdet fällen alle guten Bäume und verstopfen alle Wasserbrunnen und allen guten Acker mit Steinen verderben!“

Am nächsten Morgen aber, zur der Zeit, wenn man Speisopfer opfert, da kam ein Wasser von Edom her und füllte das Land mit Wasser. Als die  Moabiter früh am Morgen sich aufmachten und die Sonne aufging über dem Gewässer, da schien ihnen  das Wasser rot zu sein wie Blut. Sie sprachen: „Es ist Blut! Die Könige haben sich mit dem Schwert umgebracht, und einer wird den andern geschlagen haben. Ha, Moab, mache dich nun auf zur Beute!“

Aber als sie zum Lager Israels kamen, machte sich Israel auf und schlug die Moabiter. Sie kamen hinein und schlugen Moab: Die Städte zerstörten sie. Jeder warf einen Stein auf alle guten Äcker und machte sie voll davon. Sie verstopften die Wasserbrunnen und fällten alle guten Bäume.

Als aber der König der Moabiter sah, daß ihm der Kampf zu stark war, nahm er siebenhundert Mann zu sich, um beim König von Edom durchzubrechen, aber sie konnten nicht. Da nahm er seinen erstgeborenen Sohn  und opferte ihn zum Brandopfer auf der Mauer. Da kam ein großer Zorn über Israel, so daß sie von ihm abzogen und kehrten wieder in ihr Land (2. Kön 3).

 

Jetzt folgen Erzählungen über Elisa, in denen gezeigt werden soll, daß er ähnliche Taten vollbringen konnte wie Elia: Der Ölkrug der Witwe wird gefüllt, ein Kind wird wiederbelegt, vergiftete Speise („der Tod im Topf“) wird wieder genießbar und Hungernde gespeist, Heilung des Aramäers Naeman, Elisa läßt Eisen schwimmen ,er vereitelt die Kriegsabsichten der Aramäer und rettet Samaria (2. Kön,4,1 - 8,7). Schließlich wird noch der Tod Benhadads, der Königs von Aram beschrieben, dessen Sohn Hasael sein Nachfolger wird (2. Kön 8,7-15).

Joram von Juda:

Im fünften Jahr Jorams, des Königs in Israel, wurde Joram, der Sohn Josaphats, König in Juda. Zweiunddreißig Jahre alt war er, als er König wurde. Er regierte acht Jahre in Jerusalem

und ging auf dem Weg der Könige Israels, wie das Haus Ahab tat, denn Ahabs Tochter war sein e Frau. Und er tat, was dem Herrn mißfiel. Aber der Herr wollte Juda nicht verderben um seines Knechtes David willen, wie er ihm verheißen hatte, ihm zu geben eine Leuchte unter seinen Kindern für alle Zeit.

Zu seiner Zeit fielen die Edomiter ab von Juda und setzen einen König über sich ein. Da zog Joram und alle Wagen mit ihm und machte sich in der Nacht auf und schlug die Edomiter, dazu die Obersten über die Wagen, so daß das Volk floh in seine Hütten. Doch blieben die Edomiter abtrünnig von Juda bis auf diesen Tag. Zur selben Zeit fiel auch Libna ab. Was aber noch mehr von Joram zu sagen ist und alle seine tapferen Taten, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. Joram legte sich zu seinen Vätern in der Davidsstadt. Und sein Sohn Ahasja wurde König an seiner Stelle (2.Kön 8,16–24).

 

Ahasja von Juda:

Im zwölften Jahr Jorams, des Königs Israels, wurde Ahasja, der Sohn Jorams, König in Juda. Zweiundzwanzig Jahre alt war Ahasja, als er König wurde, und regierte ein Jahr in Jerusalem. Seine Mutter hieß Athalja, eine Tochter Omris, des Königs Israels. Er ging auf dem Weg des Hauses Ahab und tat, was dem Herrn mißfiel, wie das Haus Ahab, denn er war verwandt mit der Familie Ahabs. Er zog mit Joram, dem Sohn Ahabs, in den Kampf gegen Hasael, den König von Aram nach Ramoth in Gilead. Aber die Aramäer schlugen Joram. Dann kehrte Joram zurück, daß er sich heilen ließ in Jesreel von den Wunden, die ihm die Aramäer geschlagen hatten in  Rama (2. Kön 8,25–29).

 

Jehu von Israel:

Ein  Prophetenjünger Elisas salbt Jehu in Ramoth zum König und gibt ihm den Auftrag, die Familie Ahabs auszurotten. Jehu macht einen Aufstand und tötete Joram im Kampf und wirft seien Leiche auf den Acker Naboths. Erläßt auch Ahasja töten, der bei Joram zu Besuch war. Isebel aber wird aus einem Fenster ihres Palastes gestürzt, daß die Wand und die Pferde mit ihrem Blut besprengt werden. Als man später nach ihr sieht, haben die Hunde ihr Fleisch gefressen. Die Obersten der Stadt Samaria fordert er durch Briefe auf, die siebzig Söhne Ahabs zu töten. So geschieht es auch, und Jehu läßt die siebzig Köpfe an seinem Stadttor ausstellen  und sagt, er sei ja nicht schuld daran, es wurde nur das Wort des Herrn erfüllt. Schließlich läßt er auch alle Großen, die Verwandten Ahabs und seine Priester umbringen. Dazu fährt er selber nach Samaria, und tut so, als wolle er Baal noch besser dienen, damit auch ja alle Priester dazu kommen. Dann läßt er sie von seiner Leibwache nieder machen und zerstört auch alle Ascherabilder und Steinmale. Aber die Stierbilder in Dan und Bethel ließ er stehen und ließ nicht ab von den Sünden Jerobeams. Zu seiner Zeit trennte  auch der König Hasael ganze Teile von Israel ab, besonders im Osten.

 Was aber noch mehr von Jehu zu sagen ist und alle seine tapferen Taten, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. Jehu legte sich zu seinen Vätern, und sie begruben ihn in Samaria. Und sein Sohn Joahas wurde König an seiner Stelle. Er regierte in Samaria achtundzwanzig Jahre über Israel (2.Kön 9 - 10).

 

 

 

Herrschaft der Atalja in Jerusalem:

[Bei der judäischen Königin Atalja fehlt die Rahmenstruktur komplett, wodurch zum Ausdruck gebracht wird, daß ihr die Rechtmäßigkeit ihrer Herrschaft verweigert wird].

Ahasjas Mutter Athalja aber, machte sich nach dem Tod ihres Sohnes auf und brachte alle aus dem königlichen Geschlecht um. Aber Ahasjas Schwester Joscheba nahm Joas, den Sohn Ahasjas, und stahl ihn aus der Mitte der Königskinder, die getötet wurden, und brachte ihn mit seiner Kinderfrau in die Bettenkammer  und sie verbargen ihn vor Athalja, daß er nicht getötet wurde. Er blieb bei Joscheba versteckt im Hause des Herrn sechs Jahre lang. Athalja aber wurde Königin im Lande.

Im siebenten Jahr aber sandte hin Jojada und nahm die Hauptleute der Garde und der Leibwächter und ließ sie zu sich ins Haus des Herrn kommen und machte einen Bund mit ihnen und nahm einen Eid von ihnen im Hause des Herrn und zeigte ihnen den Sohn des Königs und gebot ihnen und sprach: „Ein Drittel von euch, die ihr am Feiertag antretet, sollt wache halten im Haus des Königs, ein Drittel am Tor Sur und ein Drittel hinter dem Haus der Leibwache. So sollte ihr Wache halten rund um das Haus.  Aber die zwei Teile, die am Feiertag abtreten, sollen Wache halten im Hause des Herrn um den König. Ihr sollt euch rings um den König stellen, jeder mit seiner Waffe in der Hand, und wer herein zwischen die Reihen kommt, soll sterben, Und ihr sollt um den König sein, wenn er aus- und eingeht!“

Die Obersten taten alles, was ihnen der Priester Jojada gesagt hatte, und nahmen zu sich die Männer, die am Feiertag antraten und die am Feiertag abtraten und kamen zu dem Priester Jojada. Der Priester gab den Hauptleuten die Spieße und Schilde, die dem König David gehört hatten und in dem Hause des Herrn waren. Und die Leibwächter standen ein jeder mit seiner Waffe in der Hand, von der einen Seite des Tempels im Süden bis zur anderen Seite im Norden, vor dem Altar und dem Tempel, um den König her.

Jojada ließ den Königssohn hervorkommen und setzte ihm eine Krone auf und gab ihm die Ordnung, und sie machten ihn zum König und salbten ihn und schlugen die Hände zusammen und riefen: „Es lebe der König!“

Als Athalja das Geschrei des Volkes hörte, das herbeirief, kam sie zum Volk in das Haus des Herrn und sah, daß der König an der Säule stand, wie es Brauch war, und die Hauptleute und die  Trompeter bei dem König. Alles Volk des Landes war fröhlich, und man blies mit Trompeten. Athalja aber zerriß ihre Kleider und rief: „Aufruhr, Aufruhr!“

Aber der Priester Jojada gebot den Obersten der Hundertschaften: „Führt sie zwischen den Rei­hen hinaus. Und wer ihr folgt, der sterbe durch das Schwert!“ Denn der Priester hatte gesagt, sie sollte nicht im Hause des Herrn getötet werden. Sie legten die Hände an Atalja. Sie ging den Weg, auf dem die Rosse zum Hause des Königs gehen, und wurde dort getötet.

Da machte Jojada einen Bund zwischen dem Herrn und dem König und dem Volk, daß sie das Volk des Herrn sein sollten. Ebenso schloß er auch einen Bund zwischen dem König und dem Volk. Da ging alles Volk des Landes in das Haus Baals und brach seine Altäre ab und zerschlug alle seine Götzenbilder und töteten den Priester Baals vor den Altären. Der Priester Jojada aber bestellte die Wachen im Hause des Herrn.

Dann nahmen die Obersten über die Hundertschaften und die Garde und die Leibwache und alles Volk des Landes, und sie führten den König hinab vom Haus des Herrn und kamen durchs Tor der Leibwache zum Haus des Königs. Er setzte sich auf den Thron. Und alles Volk im Land war fröhlich, aber die Stadt blieb still (2. Kön 10, 1–20).

 

Joas von Juda:

Joas war sieben Jahre alt, als er König wurde und regierte vierzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Zibja von Beer-Seba. Joas tat, was recht war und dem Herrn wohl gefiel, solange ihn der Priester Jojada lehrte. Nur die Höhenheiligtümer wurden nicht entfernt, denn das Volk opferte und räucherte noch auf den Höhen.

Joas sprach zu den Priestern: „Alles für das Heiligtum bestimmte Geld, wie es jeder gibt entsprechend  dem, wie er eingeschätzt wurde, und das jeder freiwillig gibt, das sollen die Priester zu sich nehmen. Davon sollen sie ausbessern, was baufällig ist am Haus, wenn sie merken, daß es baufällig ist.

Als aber die Priester bis ins dreiundzwanzigste Jahr des Königs Joas nicht ausbesserten, was baufällig war am Haus, rief der König Joas den Priester Jojada samt den Priestern und sprach zu ihnen: „Warum bessert ihr nicht aus, was baufällig ist am Haus? So sollt ihr nun nicht mehr das Geld zu euch nehmen, sondern sollte es geben für die Ausbesserung am Haus!“

Die Priester willigten darein, daß sie nicht mehr Geld nähmen vom Volk und auch das Baufällige am Haus nicht mehr auszubessern brauchten.

Der Priester Jojada nahm eine Lade und bohrte oben ein Loch hinein und setzte sie rechts neben den Altar, wo man in das Haus des Herrn geht. Und die Priester, die an der Schwelle wachten, taten alles Geld hinein, das zum Haus des Herrn gebracht wurde. Wenn sie dann sahen, daß viel Geld in der Lade war, kam der Schreiber des Königs herauf mit dem Oberpriester. Sie zählten das Geld und banden es zusammen.

Man übergab das Geld abgezählt den Werkmeistern, die bestellt waren für das Haus des Herrn. Sie gaben es an die Zimmerleute und Bauleute heraus, die da am Hause des Herrn arbeiteten, nämlich an die Maurer und Steinmetzen und die, die Holz und gehauene Stein kaufen sollten und alles, was not war, um am Hause auszubessern. Aber man ließ keine silbernen Schalen, Messer, Becken und Trompeten machen von dem Geld, das zu dem Haus des Herrn gebracht wurde, auch kein goldenes oder silbernes Gerät,    sondern man gab das den Arbeitern, daß sie damit das Baufällige am Haus des Herrn besserten. Auch brauchten die Männer nicht Rechnung zu legen denen man das Geld übergab, sondern sie handelten auf  Treu und Glauben. Aber das Geld von Schuldopfern und Sündopfern wurde nicht zum Haus des Herrn gebracht, denn es gehörte den Priestern.

Zu der Zeit zog Hasael, der König von Aram, herauf und kämpfte gegen Gath und eroberte es. Und las Hasael sich wandte, um nach Jerusalem hinaufzuziehen, nahm Joas alles, was schon seine Vorfahren und er selbst für Gott bestimmt hatten, dazu alles Gold, das man fand im Schatz im Haus des Herrn und im Haus des Königs, und schickte es an Hasael. Da zog er ab von Jerusalem.

Was aber noch mehr von Joas zu sagen ist und alles, was er getan hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. Aber seine Großen empörten sich und machten eine Verschwörung und erschlugen ihn im Haus Millo. Man begrub ihn mit seinen Vätern in der Davidsstadt. Sein Sohn Amazja wurde König an seiner Stelle (2. Kön 11,21 - 12,21, leicht gekürzt).

 

Joahas von Israel:

Im dreiundzwanzigsten Jahr des Joas, des Königs von Juda, wurde Joahas, der Sohn Jehus, König über Israel in Samaria siebzehn Jahre lang. Aber er tat, was dem Herrn mißfiel, und lebte nach den Sünden Jerobeams und ließ nicht davon. Der Zorn des Herrn entbrannte über Israel, und er gab sie die ganze Zeit in die Hand Hasaels, des Königs von Aram, und seine Sohns Benhadads.

Aber Joahas flehte den Herrn an, und der Herr erhörte ihn, denn er sah den Jammer Israels, wie sie der König von Aram bedrängte. r gab Israel einen Retter, der sie aus der Gewalt der Aramäer führte, daß die Israeliten in ihren Häusern wohnen konnten wie zuvor.

 Doch sie ließen nicht ab von der Sünde Jerobeams. Auch blieb das Ascherabild in Samaria stehen. Es waren vom Kriegsvolks des Joahas nicht mehr übriggeblieben als fünfzig Gespannpferde, zehn Wagen und zehntausend Mann Fußvolk, denn der König von Aram hatte sie umgebracht und hatte sie gemacht wie Staub beim Dreschen. Was aber noch mehr von Joahas zu sagen ist und alles, was er getan hat, und seine tapferen Taten, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. Joahas legte sich zu seinen Vätern, und man begrub ihn zu Samaria. Und sein Sohn Joas wurde König an seiner Stelle (2. Kön 13,1–9).

 

Joas von Israel:

Im siebenunddreißigsten Jahr des Joas, des Königs in Juda, wurde Joas, der Sohn des Joahas, König über Israel in Samaria sechzehn Jahre lang. Und er tat, was dem Herrn mißfiel, und ließ nicht ab von allen Sünden Jerobeams,  sondern lebte darin.

Als Elisa an einer Krankheit erkrankte, an der er auch starb, kam Joas zu ihm hinab und weinte vor ihm und sprach: „Mein Vater, mein Vater! Du Wagen Israels und sein Gespann!“

Elisa aber sprach zu ihm: „Nimm Bogen und Pfeile!“ Und als er den Bogen und die Pfeile nahm, sprach er zum König Israels: „Spanne mit deiner Hand den Bogen!“ Und er spannte ihn mit seiner Hand. Und Elisa legte seine Hand auf die Hand des Königs und sprach: „Tu das Fenster auf nach Osten!“ Er machte es auf. Elisa sprach: „Schieß!“ Und er schoß. Elisa aber reif: „Ein Pfeil des Siegs vom Herrn, ein Pfeil des Sieges gegen Aram. Du wirst die Aramäer Dann sprach Elisa: „Nimm die Pfeile!“ Und als er sie nahm, sprach er zum König Israels: „Schlage auf die Erde!“ Und er schlug dreimal und hielt inne.  Da wurde der Mann Gottes zornig auf ihn und sprach: „Hättest du fünf- oder sechsmal geschlagen, so hättest du die Aramäer geschlagen, bis sie aufgerieben worden wären. Nun aber wirst du sie nur dreimal schlagen!“

Als aber Elisa gestorben war und man ihn begraben hatte, fielen im gleichen Jahr streifende Scharen der Moabiter ins Land. Einige Israeliten aber waren dabei, einen Mann zu begraben. Als sie die Krieger sahen, warfen sie den Mann in Elisas Grab. Als er die Gebeine Elisas berührte, wurde er lebendig und trat auf seine Füße. Als Hasael starb, wurde sein Sohn Benhadad der König. Joas aber gewann die Städte zurück aus der Hand Benhadads, die er im Kampf aus der Hand seines Vaters Joahas genommen hatte. Dreimal schlug ihn Joas und gewann so die Städte Israels zurück (2. Kön 13,10-–25).

 

Amazja von Juda:

Im zweiten Jahr des Joas  von Israel wurde Amazja, der Sohn des Joas, König in Juda. Da war er fünfundzwanzig Jahre alt und regierte neunundzwanzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Joaddan von Jerusalem. Er tat, was dem Herrn wohl gefiel, doch nicht wie sein Vorfahre David, sondern wie sein Vater Joas tat er auch. Denn die Höhenheiligtümer wurden nicht entfernt, sondern das Volk opferte und räucherte noch auf den Höhen.

Als er das Königtum fest in der Hand hatte, brachte er die Großen um, die seinen Vater erschlagen hatten. Aber die Söhne der Totschläger tötete er nicht, wie es geschrieben steht im Gesetzbuch des Mose: „Die Kinder sollen nicht um der Väter willen sterben!“

Er schlug auch zehntausend Edomiter im Salztal. Da sandte Amazja seine Boten zu Joas von Israel und ließ ihm sagen: „Komm her, wir wollen uns miteinander messen!“ Aber Joas ließ ihm sagen: „Der Dornstrauch, der im Libanon ist, sandte eine Botschaft zur Zeder im Libanon und ließ ihr sagen: Gib deine Tochter meinem Sohn zur Frau! Aber das Wild auf dem Felde im Libanon lief über den Dornstrauch und zertrat ihn. Du hast die Edomiter geschlagen. Darauf ist dein Herz mächtig stolz. Behalte den Ruhm und bleibe daheim! Warum suchst du dein Unglück, daß du zu Fall kommst und Juda mit dir?“

Aber Amazja hörte nicht darauf. Da zog Joas herauf; und sie maßen sich miteinander in Beth-Schemes in Juda. Aber Juda wurde geschlagen von Israel, so daß jeder in sein Haus floh. Joas nahm Amazja gefangen und kam nach Jerusalem und riß die Mauer Jerusalems von dem Tor Ephraim bis an das Ecktor ein, einhundertzwanzig Meter lang, Er nahm alles Gold und Silber und Gerät, das gefunden wurde im Hause des Herrn und im Schatz des Königshauses, dazu die Geiseln, und zog wieder nach Samaria.

Was aber noch mehr von Joas zu sagen ist, was er getan hat, und seine tapferen Taten, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. Und Joas legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben in Samaria unter den Königen Israels. Und sein Sohn Jerobeam wurde König an seiner Stelle.

Amazja aber lebte nach dem Tod des Joas noch fünfzehn Jahre. Dann machten sie eine Verschwörung gegen ihn in Jerusalem. Er floh nach Lachis. Aber sie gingen ihm nach und töteten in dort. Sie brachten ihn auf Rossen heim und er  wurde begraben in Jerusalem bei seinen Vätern in der Davidsstadt. Was aber noch mehr von Amazja zu sagen ist, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. Das ganze Volk Judas aber nahm Asarja in seinem sechzehnten Jahr und machte ihn zum König an der Stelle seines Vaters Amazja (2. Kön 14,1–22).

 

Jerobeam II. von Israel:

Im fünfzehnten Jahr Amazjas von Juda wurde Jerobeam, der Sohn des Joas, König über Israel einundvierzig Jahre lang. Er tat, was dem Herrn mißfiel, und ließ nicht ab von den Sünden Jerobeams. Er stellte aber das Gebiet Israels wieder her von Hamath an bis an das Salzmeer, nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch seinen Propheten Jona, den Sohn Amitthais. Denn der Herr sah an den bitteren Jammer Israels, daß sie allesamt dahin waren und kein Helfer in Israel war. Und der Herr hatte nicht gesagt, daß er den Namen Israels austilgen wollte unter dem Himmel, und errettete sie durch Jerobeam.

Was aber noch mehr von Jerobeam zu sagen ist und alles, was er getan hat, und seine tapferen Taten, wie er Damaskus und Hamath wieder zu Israel gebracht hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels. Jerobeam legte sich zu seinen Vätern und sein Sohn Sacharja wurde König an seiner Stelle (2. Kön 14,23–29).

 

Asarja von Juda:

Im siebenundzwanzigsten Jahr Jerobeams von Israel wurde Asarja, der Sohn Amazjas, Königs in Juda. Er trägt auch den Namen Usia. Er war sechzehn Jahre als er König wurde, und regierte zweiundfünfzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Jecholja von Jerusalem. Er tat, was dem Herrn wohl gefiel, ganz wie sein Vater Amazja. Nur  die Höhenheiligtümer entfernten sie nicht, denn das Volk opferte und räucherte noch auf den Höhen.

Asarja baute Elath und brachte es wieder an Juda. Abner der Herr aber plagte den König, daß er aussätzig wurde bis an seinen Tod, und wohnte in einem besonderen Hause.

Sein Sohn Jotham aber stand dem königlichen Hof vor und richtete das Volk im Lande. Was aber noch mehr von Asarja zu sagen ist und alles, was er getan hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda.  Asarja legte sich zu seinen Vätern, und man begrub ihn bei seinen Vätern in der Davidsstadt. Und sein Sohn Jotham wurde König an seiner Stelle (2. Kön 15,1–7).

 

Weitere Könige Israels:

Sacharja war sechs Monate König über Israel. Er fiel einer Verschwörung des Schallum zum Opfer, der sich dann selbst zum König machte. Er regierte aber nur einen Monat in Samaria.

Dann wurde er von Menahem ermordet, der den Assyrerkönig mit einer großen Geldzahlung zum Abzug bewegen kann. Er starb eines natürlichen Todes. Sein Sohn  Pekachja wurde für zwei Jahre König. Dann machte sein Ritter Pekah eine Verschwörung, tötete Pekachja und war zwanzig Jahre der König in Samaria. Zu seiner Zeit kam Thiglath-Pileser, der König von Assyrien, und nahm verschiedene Städte ein und das ganze Land Naphthali, und führte Leute weg nach Assyrien. Aber Hosea, der Sohn Elas, machte eine Verschwörung gegen Pekah und schlug ihn tot und wurde König  (2.Kön 15,8-38, stark gekürzt).

 

Jotham von Juda:

Im zweiten Jahr Pekahs, von Israel, wurde König, der Sohn Usias (Asarjas), König in Juda. Er war damals fünfundzwanzig Jahre alt und regierte sechzehn Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Jerusa und war eine Tochter Zadoks. Er tat, was dem Herrn wohl gefiel, ganz wie sein Vater Usia getan hatte, nur die Höhenheiligtümer entfernte er nicht. Er baute das obere Tor am Hause des Herrn. Was aber noch mehr von Jotham zu sagen ist und alles, was er getan hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. Jotham legte sich zu seinen Vätern in der Stadt Davids. Und sein Sohn Ahas wurde König an seiner Stelle (2.Kön 15,32-38, leicht gekürzt).

 

Ahas von Juda:

Im siebzehnten Jahr Pekahs  wurde Ahas, der Sohn Jothams, König in Juda. Er war damals zwanzig Jahre Ahas alt und regierte sechzehn Jahre in Jerusalem. Er tat nicht, was dem Herrn gefiel und brachte Opfer dar und räucherte auf den Höhen und auf den Hügeln und unter allen grünen Bäumen. Damals zogen der aramäische König Rezin und Pekah von Israel hinauf nach Jerusalem und belagerten Ahas. Aber sie konnten Jerusalem nicht gewinnen.

In dieser Zeit brachte Rezin die Stadt Elath wieder an Aram. Da sandte Ahas Boten zu Thiglath-Pileser von Assyrien und ließ ihm sagen: „Ich bin dein Diener. Komm herauf und hilf mir aus der Hand des Königs von Aram und des Königs von Israels die sich gegen mich aufgemacht haben!“

Ahas nahm das Silber und Gold, das im Hause des Herrn und in den Schätzen des Königshauses gefunden wurde, und sandte dem König von Assyrien Geschenke. Der König von Assyrien hörte auch auf ihn und zog herauf nach Damaskus und eroberte und führte die Einwohner weg und tötete Rezin.

Ahas zog Thiglath-Pileser entgegen nach Damaskus. Und als er den Altar in Damaskus sah, sandte er dessen Abbild und Maße zum Priester Uria. Dieser baute einen Altar und machte ihn, wie der König Ahas zu ihm gesandt hatte von Damaskus. Als der König von Damaskus kam und den Altar sah, opferte er darauf und zündete darauf an sein Brandopfer und Speisopfer und goß darauf sein Trankopfer und ließ das Blut der Dank­opfer  auf den Altar sprengen.

Aber den kupfernen Altar, der vor dem Herrn stand, tat er weg, daß er nicht stände zwischen dem Altar und dem Haus des Herrn, sondern setzte ihn an die Seite des neuen Altars gegen Norden.

Und er gebot Uria: „Auf dem großen Altar sollst du anzünden die Brandopfer am Morgen und die Speisopfer am Abend und die Brandopfer des Königs und sein Speisopfer und die Brandopfer alles Volks im Lande samt ihrem Speisopfer und Trankopfer. Und alles Blut der Brandopfer und das Blut aller andern Opfer sollst du darauf sprengen. Und was den kupfernen Altar angeht, da will ich mir noch überlegen, was ich mit dem mache!“  Uria tat alles, was ihn der König Ahas gesagt hatte.

Ahas brach die Leisten an den Gestellen ab und nahm die Kessel von ihnen herunter. Auch das Meer nahm er von den kupfernen Rindern und setzte es auf ein steinernes Pflaster. Er änderte auch dem König von Assyrien zuliebe die bedeckte die Halle, die am Tempel gebaut war, und den äußeren Königseingang am Haus des Herrn.

Was aber noch mehr von Ahas zu sagen ist, was er getan hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. Ahas legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben bei seinen Vätern in der Davidsstadt. Und sein Sohn Hiskia wurde König an seiner Stelle( 2. Kön16, 1–20).

 

Hosea  von Israel:

 Im zwölften Jahr des Ahas von Juda wurde Hosea für neun Jahre der letzte König über Israel.

Er tat, was dem Herrn mißfiel, doch nicht wie die Könige Israels, die vor ihm waren. Gegen ihn zog der assyrische König Salmanasser herauf. Hosea wurde ihm untertan und gab ihm Geschenke. Als aber der König von Assyrien merkte, daß Hosea ein Bündnis suchte

mit dem König von Ägypten, ergriff er ihn und legte ihn ins Gefängnis. Er zog über das ganze Land und nach Samaria und belagerte es drei Jahre. Im neunten Jahr Hoseas eroberte er Samaria und führte Israel weg nach Assyrien und ließ sie wohnen am Fluß Habor in den Städten der Meder (2. Kön 17,1–6).

Als Grund dafür wird noch einmal angeführt, daß sie sich Höhenheiligtümer in allen Städten bauten, von den Wachttürmen bis zu den festen Städten. Sie richteten Säulen auf und Ascherabilder auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen. Sie lebten in allen Sünden Jerobeams, bis der Herr das Volk Israel von seinem Angesicht wegtat, wie er geredet hatte durch alle seine Propheten. So wurde Israel aus seinem Lande weggeführt nach Assyrien bis auf diesen Tag (2. Kön 17,7-23, stark gekürzt).

Der König von Assyrien ließ dann Leute von Babel und anderen Orten kommen. Diese nahmen Samaria ein und wohnten in den Städten Israels. Weil sie aber den Gottesdienst des Landes nicht kannten, ließ der Herr Löwen kommen, die sie töteten. Da ließ der König von Assyrien einen Priester aus den weggeführten Israeliten holen, der sie  die Weise Gottes im Land lehrte

Aber sie machten sich doch ihre eigenen Götter und taten sie in die Häuser auf den Höhen. So fürchteten diese Leute den Herrn, dienten aber auch ihren Göttern. Und so taten auch ihre Kinder und Kindeskinder bis auf diesen Tag (2. Kön 17, 24–41) [Dadurch entstand die Religion der Samaritaner (=Samariter), eine Mischung zwischen dem Glauben an Gott und der Verehrung fremder Götter. Sie lesen die fünf Bücher Mose, hatten dann aber ihr eigenes Heiligtum auf dem Berg Garizim und bestehen als kleine Gruppe bis heute].

 

 

Die Geschichte der Könige Judas (2. Könige 18– 25)

 

Hiskia von Juda:

Im dritten Jahr Hoseas von Israel, wurde  Hiskia, der Sohn Ahas, König in Juda. Er war damals fünfundzwanzig Jahre alt und regierte neunundzwanzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Abi, eine Tochter Sacharjas. Er tat, was dem Herrn wohl gefiel. Er entfernte die Höhenheiligtümer und zerbrach die Steinmale und hieb das Ascherabild um und zerschlug die kupferne Schlange, die Mose gemacht hatte, der die Israeliten bis zu der Zeit geräuchert hatten.

Er vertraute dem Gott Israels, so daß einer wie er unter allen Königen Judas weder vor ihm noch nach ihm gewesen ist.

Er hing dem Herrn an und wich nicht von ihm ab und hielt seine Gebote, die der Herr dem Mose geboten hatte. Der Herr war mit ihm. Und alles, was er sich vornahm, das gelang ihm.

Dazu wurde er abtrünnig vom König von Assyrien und war ihm nicht mehr untertan. Er schlug die Philister bis nach Gaza und ihr Gebiet von den Wachttürmen an bis die festen Städte (2. Kön  18,1–8)

 

Sanherib zieht gegen Jerusalem:

Im vierzehnten Jahr des Königs Hiskia zog der assyrische König Sanherib herauf gegen alle festen Städte Judas und nahm sie ein. Da sandte Hiskia seine Boten zum König von Assyrien nach Lachis und ließ ihm sagen: „Ich habe Unrecht getan. Zieh weg von mir. Was du mir auferlegst, das will ich tragen!“ Da legte er Hiskia, dreihundert Zentner Silber auf und dreißig Zentner Gold auf.   Also gab Hiskia all das Silber, das im Hause des Herrn und in den Schätzen des Königshauses gefunden wurde. Zur selben Zeit zerbrach Hiskia die Türen am Tempel des Herrn und die Goldbleche, die er selbst hatte darüber ziehen lassen, und gab sie dem König von Assyrien.

Aber der König von Assyrien sandte drei Heerführer mit großer Heeresmacht nach Jerusalem. Als sie hinkamen, hielten sie an der Wasserleitung des oberen Teiches und riefen nach dem König. Da kam heraus zu ihnen der Hofmeister Eljakim, der Schreiber Sebna und der Kanzler Joah.

Der Anführer der Assyrer sprach zu ihnen: „Sagt doch dem König Hiskia: So spricht der große König, der König von Assyrien: Was ist das für ein Vertäuen, das du da hast? Meinst du, bloße Worte seien schon Rat und Macht zum Kämpfen? Auf wen verläßt du dich denn, daß du von mir abtrünnig geworden bist? Verläßt du dich auf diesen zerstoßenen Rohrstab, auf Ägyp­ten, der jedem, der sich darauf stützt, in die Hand dringen und sie durchbohren wird? So ist der König von Ägypten für alle, die sich auf ihn verlassen!“

Dann fährt der Sprecher des Königs von Assyrien fort: „Oder wolltet ihr mir sagen: Wir verlassen uns auf den Herrn, unsern Gott! Ist er es denn nicht, dessen Höhenheiligtümer und Altäre Hiskia entfernt hat und zu Juda und zu Jerusalem gesagt hat: Nur vor diesem Altar in Jerusalem sollt ihr anbeten? Wohlan, nimm eine Wette an mit meinem Herrn, dem König von Assyrien: Ich will dir zweitausend Rosse geben, ob du Reiter dazu stellen kannst? Wie willst du denn zurücktreiben auch nur einen der geringsten Untertanen meines Herrn? Und du verläßt dich auf Ägypten um der Wagen und Gespanne willen. Meinst du aber, ich sei ohne euren Herrn heraufgezogen, daß ich diese Stätte verderbe? Euer Herr hat mir befohlen: Ziehe hinauf in dies Land und verderbe es!“

Da sprachen die drei Vertreter Jerusalems: „Rede mit uns auf Aramäisch, denn wir verstehen es. Rede nicht mit uns auf hebräisch vor den Ohren des Volks, das auf der Mauer ist!“

Aber der Assyrer sprach zu ihnen: „Hat mich denn mein Herr zu deinem Herrn oder zu dir gesandt, daß ich solche Worte rede? Hat er mich nicht vielmehr zu den Männern geschickt, die auf der Mauer sitzen, daß sie mit euch ihren eigenen Kot fressen und ihren Harn saufen?“

Dann stand der Assyrer auf und redete mit lauter Stimme auf hebräisch: „Hört das Wort des großen Königs, des Königs von Assyrien! So spricht der König: Laßt euch nicht von Hiskia betrügen, denn er vermag euch nicht zu erretten aus meiner Hand. Und laßt euch von Hiskia nicht vertrösten auf den Herrn, daß er sagt: Der Herr wird uns erretten, und diese Stadt wird nicht in die Hände des Königs von Assyrien gegeben werden. Gehorcht Hiskia nicht! Denn so spricht der König von Assyrien: Schließt Freundschaft mit mir und kommt zu mir heraus, dann soll jedermann von seinem Weinstock und seinem Feigenbaum essen und von seinem Brunnen trinken, bis ich komme und hole euch in ein Land, das eurem Lande gleich ist, in dem Korn, Wein, Brot, Weinberge, Ölbäume und Honig sind. Dann  werdet ihr am Leben bleiben und nicht sterben. Hört nicht auf Hiskia, denn er verführt euch, wenn er spricht: Der Herr wird uns erretten. Haben etwa die Götter der der anderen Völker ihr Land errettet von der Hand des Königs von Assyrien? Wo sind diese Götter? Haben sie auch Samaria errettet von meiner Hand? Wo ist ein Gott, der Jerusalem von meiner Hand erretten sollte?“

Das Volk aber schwieg still und antwortete ihm nichts, denn der König hatte geboten und gesagt: „Antwortet ihm nichts!“ Da kamen die drei Vertreter Jerusalems  mit zerrissenen Kleidern zu Hiskia und sagten ihm an die Worte des Assyrers. Als der König Hiskia das hörte, zerriß er seine Kleider und legte einen Sack an und ging in das Haus des Herrn. Er sandte den Hofmeister Eljakim und den Schreiber Sebna mit den Ältesten der Priester, mit Säcken angetan, zu dem Propheten Jesaja, dem Sohn des Amoz.

Sie sprachen zu ihm: „So sagt Hiskia: Das ist ein Tag der Not, der Strafe und der Schmach - wie wenn Kinder geboren werden sollen, der die Kraft fehlt, sie zu gebären. Vielleicht hört der Herr, dein Gott, alle Worte dieses Assyrers, den seiner gesandt hat, um dem lebendigen Gott Hohn zu sprechen und straft die Worte, die dein Gott, gehört hat: So erhebe dein Gebet für die Übriggebliebenen!“ Jesaja sprach zu ihnen: „ So spricht der Herr: Fürchte dich nicht vor den Worten, die du gehört hast, womit mich die Leute des Königs von Assyrien gelästert haben. Ich will einen Geist über ihn bringen, daß er ein Gerücht hören und wieder in sein Land ziehen wird, und ich will ihn durchs Schwert umbringen in seinem Land!“

Als der assyrische Bote wieder kam, fand er den König von Assyrien gegen Libna kämpfen, denn er hatte gehört, daß er von Lachis abgezogen war. Auch hörte er, daß der König von Äthiopien ausgezogen sei, mit ihm zu kämpfen. Da sandte er noch einmal Boten zu Hiskia und ließ ihm sagen: „Laß dich deinen Gott nicht betrügen, auf den du dich verläßt und sprichst: Jerusalem wird nicht in die Hand des Königs von Assyrien gegeben werden. Du hast gehört, was die Könige von Assyrien allen Ländern getan haben und hast den Bann an ihnen voll­streckt. Und da solltest du errettet werden?“

Als Hiskia den Brief von den Boten empfangen und gelesen hatte, ging er hinauf zum Haus des Herrn und breitete ihn aus vor dem Herrn und betete vor dem Herrn und sprach: „Herr, Gott Israels, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht. Herr, neige deine Ohren und höre, tue deine Augen auf und siehe, und höre die Worte Sanheribs, der her gesandt hat, um Hohn zu sprechen dem lebendigen Gott.

 

Es ist wahr Herr, die Könige von Assyrien haben die Völker mit dem Schwert umgebracht und ihre Länder verwüstet und haben ihre Götter ins Feuer geworfen. Nun aber, Herr, unser Gott, hilf uns aus seiner Hand, damit alle Königreiche auf der Erde erkennen, daß du allein Gott bist!“

Da sandte Jesaja einen Boten zu Hiskia und ließ ihm sagen: „So spricht der Herr, der Gott Israels: Was du zu mir gebetet hast in Bezug auf Sanherib, den König von Assyrien, das habe ich gehört. Der Herr hat so gegen ihn geredet: Die Jungfrau, die Tochter Zion, verachtet und verspottet dich. Die Tochter Jerusalem schüttelt ihr Haupt hinter dir her. Wen hast du gehöhnt und gelästert? Über wen hast du deine Stimme erhoben? Du hast deine Augen erhoben gegen den Heiligen in Israel. Du hast den Herrn durch deine Boten verhöhnt und gesagt: Ich bin mit der Menge meiner Wagen auf die Höhen der Berge gestiegen und auf den innersten Libanon. Ich habe seine hohen Zedern und auserlesenen Zypressen abgehauen bis in den dichtesten Wald. Ich habe gegraben und ausgetrunken die fremden Wasser und werde austrocknen mit meinen Fußsohlen alle Flüsse Ägyptens! Hast du aber nicht gehört, daß ich es lange zuvor bereitet und von Anfang an geplant habe? Nun aber habe ich es dazu kommen lassen, daß du die festen Städte zerstört hast zu wüsten Steinhaufen, und die darin wohnen, wurden ohne Kraft und fürchteten sich und gingen unter. Sie wurden wie das Gras auf dem Feld und wie das grüne Kraut, wie Gras auf den Dächern, das verdorrt, ehe denn es reif wird. Ich weiß von deinem Aufstehen und Sitzen, deinem Aus- und Einziehen und daß du tobst gegen mich. Weil du nun gegen mich tobst und dein Übermut vor meine Ohren gekommen ist, so will ich dir meinen Ring an deine Nase legen und mein Zaumzeug in dein Maul und will dich den Weg wieder zurückführen, auf dem du her gekommen bist!“

Dann fügt Jesaja die Verheißung an: „Und das sei dir, Hiskia, ein Zeichen: In diesem Jahr iß, was von selber wächst, und im andern Jahr, was dann noch wächst. Aber im dritten Jahr sät und erntet ihr wieder und pflanzt Weinberge und eßt ihre Früchte. Und was vom Stamm Juda errettet und übriggeblieben ist, das wird von neuem nach unten Wurzeln schlagen und oben Frucht tragen. Denn von Jerusalem werden ausgehen die Übriggebliebenen und die Erretteten vom Berge Zion. Der Eifer des Herrn Zebaoth wird das alles tun. Darum spricht der Herr über den König von Assyrien: Er soll nicht in diese Stadt kommen und keinen Pfeil hineinschießen und mit keinem Schild davonkommen und soll keinen Wall gegen sie aufschütten, sondern er soll den Weg wieder zurückziehen, den er gekommen ist, und soll nicht in diese Stadt kommen. Der Herr sagt es. Ich will diese Stadt beschirmen, daß ich sie errette um meinetwillen und um Davids willen!“

In dieser Nacht fuhr der Bote des Herrn aus und schlug im Lager der Assyrier hundertfünfundachtzigtausend Mann. Als man sich früh am Morgen aufmachte, da lag alles voller Leichname.  So brach Sanherib auf und zog weg und kehrte um und blieb in Ninive. Und als er seinen Gott anbetete,  erschlugen ihn seine Söhne mit dem Schwert und entrannen ins Land Ararat. Sein Sohn Asar-Haddon wurde König an seiner Stelle  (2. Kön 18,13 – 19,1–37).

 

Hiskias Krankheit:

Zu der Zeit wurde Hiskia todkrank. Der Prophet Jesaja kam zu ihm und sprach zu ihm: So spricht der Herr: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht leben bleiben!“ Hiskia aber wandte sein Antlitz zur Wand und betete zum Herrn: „Ach, Herr, gedenke doch, daß ich vor dir in Treue und mit rechtschaffenem Herzen gelebt habe und getan, was dir wohl gefällt!" Und Hiskia weinte sehr.

 

Als aber Jesaja noch nicht zum mittleren Hof hinausgegangen war, kam des Herrn Wort zu ihm und sprach: „Kehre um und sage Hiskia, dem Fürsten meines Volkes: So spricht der Herr, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Ich will dich gesund machen: Am dritten Tag wirst du hinauf in das Haus des Herrn gehen! Ich will noch fünfzehn Jahre zu deinem Leben hinzutun und dich und diese Stadt erretten vor dem König von Assyrien und diese Stadt beschirmen um meinetwillen und um meines Dieners David willen!“ Jesaja sprach: „Bringt her ein Pflaster von Feigen!“ Und als sie es brachten und es auf das Geschwür legten, da wurde er gesund.

Hiskia aber sprach zu Jesaja: „Was ist das Zeichen, daß mich der Herr gesund machen wird und ich in des Herrn Haus hinaufgehen werde am dritten Tage?“ Jesaja sprach: „Dies Zeichen wirst du vom Herrn haben: Soll der Schatten der Sonnenuhr zehn Striche vorwärts gehen oder zehn Striche zurück gehen?“ Hiskia sprach: Es ist leicht, daß der Schatten zehn Striche vorwärts gehe. Das will ich nicht, sondern daß er zehn Striche zurück gehe!“ Da rief der Prophet den Herrn an. Und der Herr ließ den Schatten an der Sonnenuhr zehn Striche zurück gehen, die er schon vorwärts gegangen war (2. Kön 20,1–11

 

Gesandtschaft aus Babel bei Hiskia:

Zu der Zeit sandte Berodoch-Baladan, der König von Babel, Briefe und Geschenke zu Hiskia, denn er hatte gehört, daß Hiskia krank gewesen war. Hiskia aber freute sich über die Boten und zeigte ihnen das ganze Schatzhaus, Silber, Gold, Gewürze und das beste Öl und das Zeughaus und alles, was an Schätzen vorhanden war. Es war nichts in seinem Haus und in seiner ganzen Herrschaft, das ihnen Hiskia nicht zeigte.

Da kam der Prophet Jesaja zum König Hiskia und sprach zu ihm: „Was haben diese Leute gesagt? Und woher sind sie zu dir gekommen?“ Hiskia sprach: „Sie sind aus fernen Landen zu mir gekommen, von Babel!“ Jesaja sprach: „Was haben sie gesehen in deinem Haus?“ Hiskia sprach: „Sie haben alles gesehen, was in meinem Haus ist, und ist nichts in meinen Schätzen, was ich ihnen nicht gezeigt hätte!“ Da sprach Jesaja zu Hiskia: „Höre des Herrn Wort: „Siehe, es kommt die Zeit, daß alles wird nach Babel weggeführt werden aus deinem Haus und was deine Väter gesammelt haben bis auf diesen Tag,  und es wird nichts übriggelassen werden, spricht der Herr. Und einige deiner Söhne werden sie nehmen, und sie zu Dienern machen im Palast des Königs von Babel!“  Hiskia aber sprach zu Jesaja: „Das Wort ist gut, das der Herr geredet hat! Denn er dachte: Es wird doch Friede und Sicherheit sein zu meinen Zeiten!“

Was noch mehr von Hiskia zu sagen ist und alle seine tapferen Taten und wie er den Teich und die Wasserleitung gebaut, durch die er Wasser in die Stadt geleitet hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. Hiskia legte sich zu seinen Vätern. Sein Sohn Manasse wurde König an seiner Stelle (2. Kön 20, 12–21).

 

Die letzten Könige von Juda:

Manasse regierte fünfundzwanzig Jahre und stellte die Höhenheiligtümer wieder her und baute die Altäre der fremden Götter wieder auf, so daß die Propheten den Unter­gang Jerusalems als Strafe Gottes voraussagen. Sein Sohn Amon regierte zwei Jahre und war nicht besser als sein Vater (2. Kön 21, stark gekürzt).

 

 

 

Erst sein Sohn Josia, der fünfunddreißig Jahre regierte, ging wieder auf allem Weg seines Vaters David und wich nicht, weder zur Rechten noch zur Linken. Er läßt den Tempel wieder ausbessern. Als der Schreiber Saphan das Geld dafür aus dem Spendenkasten holen will, sagt der Hohepriester Hilkia zu ihm: „Ich habe das Gesetzbuch gefunden im Haus des Herrn!“

Als der Schreiber zum König kam sprach er: „Der Priester Hilkia gab mir ein Buch!“ Und Saphan las es dem König vor. Als aber der König die Worte im Gesetzbuch hörte, zerriß er seine Kleider. Er ließ den Herrn befragen zu den Worten in diesem Buch, weil der Grimm des Herrn groß ist, der entbrannt ist, weil die Väter nicht gehorcht haben den Worten dieses Buches und nicht taten, was darin geschrieben ist. Auch die  Prophetin Hulda bekräftigte, daß Gott sein Unheil über die Stadt bringen will. Aber Josia wird gelobt, weil er sein Herz erweicht hat über den Worten, die er gehört hat, und sich gedemütigt hat vor dem Herrn

Der König versammelte um sich alle Ältesten im Haus des Herrn und alle Männer von Juda und alle Einwohner von Jerusalem waren mit ihm. Man las vor ihren Ohren alle Worte aus dem Buch des Bundes, das im Hause des Herrn gefunden worden war. Und der König trat an die Säule und machte einen Bund vor dem Herrn, daß sie leben sollten nach Willen des Herrn und halten seine Gebote, Ordnungen und Rechte von ganzem Herzen und von ganzer Seele.

Alles Volk trat in den Bund ein. Alle Geräte für die fremden Götter und das Aschera­bild wurden aus dem Haus des Herrn entfernt und verbrannt. Die fremden Priester auf den Heiligtümern rundherum wurden abgesetzt. Auch das Heiligtum im Tal Hinnom wurde verunreinigt, daß niemand mehr seinen Sohn oder seine Tochter dem Moloch durchs Feuer gehen lassen konnte. Auch das Stierheiligtum in Bethel und die anderen Heiligtümer in Israel wurden zerstört.

Auch das Passahfast, das man seit der Zeit der Richter nicht mehr gehalten hatte, wurde wieder eingeführt, wie es beschrieben wurde in dem Buch des Bundes. Vor Josia war kein König gewesen, der so von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften sich zum Herrn bekehrte, und auch nach ihm kam keiner wie er auf. Doch kehrte sich der Herr nicht ab von dem Grimm seines großen Zorns, mit dem er über Juda erzürnt war um all der Ärgernisse willen, durch die ihn Manasse erzürnt hatte. Er sprach: „Ich will Juda auch von meinem Angesicht tun, wie ich Israel weggetan habe, und will die Stadt Jerusalem verwerfen, die ich erwählt hatte,  und das Haus, von dem ich gesagt habe: Mein Namen soll dort sein!“

Zu seiner Zeit zog Pharao Necho herauf gegen den König von Assyrien. König Josia zog ihm entgegen. Aber Necho tötete ihn in Megiddo, als er ihn sah. Seine Leute brachten ihn nach Jerusalem und begruben ihn in seinem Grab.

Sein Sohn Joahas regierte drei Monate in Jerusalem. Dann  legte Pharao Necho ihn ins Gefängnis in Ribla im Lande Hamath, daß er nicht regieren sollte in Jerusalem. Schließlich brachte er ihn nach Ägypten, wo er starb. Necho machte Josias Sohn Eljakim zum König und nannte ihn um in „Jojakim“. Er regierte elf Jahre in Jerusalem und mußte dem Pharao viel Tribut zahlen. Er tat, was dem Herrn mißfiel, wie seine Väter getan hatten.

Dann zog herauf Nebukadnezar, der König von Babel. Jojakim unterwarf sich ihm drei Jahre, dann wurde er  abtrünnig von ihm. Da kamen Krieger aus vielen Ländern, um Juda zu verderben, wie der Herr durch die Propheten geredet hatte.

Sein Sohn Jojachin wurde König an seiner Stelle und regierte drei Monate in Jerusalem. Die Babylonier waren inzwischen heraufgezogen und belagerten die Stadt. Jojachin ging heraus zum König von Babel mit seinem Hofstaat und der König von Babel nahm ihn gefangen.

Er nahm von dort heraus alle Schätze im Haus des Herrn und im Haus des Königs und zerschlug alle goldenen Gefäße, die Salomo gemacht hatte im Tempel des Herrn. Der König von Babel führte in einer ersten Verschleppung ganz Jerusalem weg, alle Obersten, alle Kriegsleute, zehntausend Gefangene, und alle Zimmerleute und alle Schmiede und ließ nichts übrig außer dem geringen Volk des Landes. Auch Jojachin hat seinen Hofstaat führte er nach Babel. Dann machte er Matthanja, Jojachins Onkel, zum König an seiner Stelle und wandelte seinen Namen in „Zedekia“. Dieser regierte elf Jahre in Jerusalem und tat, was dem Herrn mißfiel, wie Jojakim getan hatte (2. Kön 21-24).

 

Das Ende des Reiches Juda:

König Zedekia wurde abtrünnig vom König zu Babel. Im neunten Jahr seines Königtums kam Nebukadnezar, der König von Babel, mit aller seiner Heeresmacht gegen Jerusalem. Sie belagerten die Stadt und bauten Bollwerke um sie herum. So wurde die Stadt belagert bis ins elfte Jahr des Königs Zedekia.

Am neunten Tag des vierten Monats wurde der Hunger stark in der Stadt, so daß das Volk nichts zu essen hatte. Da brachen die Feinde in die Stadt. Der König und alle Krieger flohen in der Nacht durch das Tor zwischen den zwei Mauern, auf dem Weg, der zum Garten des Königs geht. Aber die Krieger der Babylonier jagten dem König nach und sie holten ihn ein in der Jordanebene bei Jericho. Alle Krieger, die bei ihm waren, zerstreuten sich. Die Babylonier aber griffen den König und führten ihn hinauf zum König von Babel nach Ribla und sie sprachen das Urteil über ihn. Sie erschlugen die Kinder Zedekias vor seinen Augen und blendeten ihm die Augen und banden ihn mit Ketten und führten ihn nach Babel.

Am siebenten Tag des fünften Monats im neunzehnten Jahr Nebukadnezars kam Nebusaradan, der Hauptmann der Leibwache des Königs von Babel nach Jerusalem und verbrannte das Haus des Herrn und das Haus des Königs und alle Häuser in Jerusalem. Die ganze Heeresmacht der Babylonier zerbrach die Mauer um Jerusalem her. Das Volk aber, das übrig war in der Stadt, und die zum König von Babel abgefallen waren, und die Handwerker führte Nebusaradan weg. Nur von den Geringsten im Land ließ er Weingärtner und Ackerleute zurück.

 Die Babylonier nahmen auch alle Geräte am Hause des Herrn mit und alle Bauteile aus Metall. Der Oberste der Leibwache nahm zwei Priester und die drei Türhüter und sieben führende Leute aus der Stadt und sechzig Mann vom Volk auf dem Land und brachte sie zum König von Babel nach Ribla, der sie totschlagen ließ. So wurde Juda weggeführt aus seinem Land in die zweite Verbannung.

Über das übrige Volk im Land Juda setzte der König von Babylonien den Gedalja als Statthalter ein. Als das die Hauptleute der Krieger das hörten, kamen sie zu Gedalja nach Mizpa. Und Gedalja schwur ihnen und ihren Männern: „Fürchtet euch nicht, den Babyloniern untertan zu sein. Bleibt im Land und seid untertänig dem König von Babel, so wird es euch wohl gehen!“ Aber im siebenten Monat kam Ismael, der aus königlichem Geschlecht stammte, mit zehn Männern. Die schlugen Gedalja tot, dazu die Juden und Babylonier, die bei ihm waren in Mizpa. Da machte sich alles Volk auf nach Ägypten, denn sie fürchteten sich vor den Babyloniern.

Aber im siebenunddreißigsten Jahr, nachdem Jojachin weggeführt worden war, ließ der neue König der Babylonier den König Jojachin wieder aus dem Kerker kommen und redete freundlich mit ihm und setzte Jojachins Thron über die Throne der Könige, die bei ihm waren in Babel. Jojachin legte die Kleidung seiner Gefangenschaft ab  und aß alle Tage bei dem König sein Leben lang. Es wurde ihm ein ständiger Unterhalt bestimmt, den man ihm jeden Tag gab sein ganzes Leben lang (2. Kön 25, gekürzt).

Das erste Buch der Chronik

[Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im kürzeren ersten Teil werden umfangreiche Abstammungs- und Geschlechterlisten der Israeliten und einiger Nachbarvölker gegeben. Der größere zweite Teil des Buches zeigt inhaltlich Parallelen zum 2. Buch Samuel, stellt die Ereignisse aber aus einem etwas anderen Blickwinkel dar. Vor allem wird weniger Wert auf die politischen Ereignisse, dafür mehr Wert auf den Kultus und den Aufbau der israelitischen Gesellschaft des geschilderten Zeitraums gelegt. Die Sicht auf die Führungspersonen ist merklich positiver und unkritischer als in den Samuelbüchern. Wegen der vielen Verweise auf den Tempel wird vermutet, daß der Autor selbst dem Tempelkult nahestand und vielleicht einer der Tempelsänger war].

 

Die Aufgaben der levitischen Torhüter:

Nach den Abstammungslisten von Adam bis Saul (Chron 1 - 2), nach den Söhnen Davids (Chron 3), nach den Nachkommen der Stammväter  des Volkes (Chron 4 -8) und nach den Einwohnern Jerusalems (Chron  9,1-21) werden die Aufgaben der Torhüter beschrieben: David und Samuel setzten zweihundertundzwölf Leviten als Hüter an der Schwelle der Stiftshütte ein. Diese Torwächter waren nach den vier Himmelsrichtungen aufgestellt. Die anderen Leviten aber waren auf ihren Dörfern und mußten zur verordneten Zeit für jeweils sieben Tage hereinkommen, um ihren Dienst zu tun. Die vier obersten Torhüter aber waren immer im Amt. Einige der Leviten waren über die Kammern und Schätze im Hause Gottes eingesetzt. Auch blieben sie über Nacht um das Haus Gottes, denn sie mußten Wache halten und am Morgen die Türen auftun. Einige von ihnen waren eingesetzt über die Geräte für den Dienst, denn sie mußten sie abgezählt heraus- und hineintragen. Einige waren bestellt über die Gefäße und über alle heiligen Geräte, über Mehl, Wein, Öl, Weihrauch und Gewürze. Einige Söhne der Priester machten Salböl aus den Gewürzen. Dem Leviten Matthithja waren die Pfannen anvertraut. Von den Kahathitern waren einige eingesetzt über die Schaubrote, sie herzurichten für alle Feiertage. Auch die Sänger, die Sippenhäupter der Leviten, die in den Kammern keinen Dienst hatten, waren Tag und Nacht in ihrem Amt (Es sollte jetzt ein Liste der Sänger folgen, aber es folgt nur die Sippe Sauls) (1. Chron  9, 22-34).

 

Sauls Untergang und Davids Aufstieg:

Die Geschichte wird fast wörtlich parallel zu 1.Sam 31 erzählt, aber mit dem Schlußsatz: „So starb Saul an seiner Missetat, die er gegen den Herrn getan hatte, weil er das Wort des Herrn nicht hielt und die Totenbeschwörerin befragte. Darum tötete ihn der Herr wandte das Königtum dem David zu (Chron  9,35 - 10,14). Dann wird David zum König gesalbt (fast wörtlich wie 2. Sam 5,1-5) und erobert Jerusalem (fast wörtlich wie 2. Sam 5,6-15, aber mit mehr Einzelheiten). Bei der Aufzählung der Obersten unter den Helden Davids und der Schilderung ihrer Taten ist folgende Begebenheit erwähnt: Drei aus dem dreißig Helden zogen hinab zum Felsen zu David in die Höhle Adullam. David war in der Bergfeste. Die Wache der Philister war damals in Bethlehem. David aber hatte Lust und sprach: „Wer will mir Wasser zu trinken geben aus dem Brunnen am Tor in Bethlehem?“ Da brachen die drei Helden in das Lager der Philister ein und schöpften Wasser aus dem Brunnen in Bethlehem für den Herrn als Trankopfer und sprach: „Das lasse mein Gott fern von mir sein, daß ich so etwas tue und trinke das Blut dieser Männer, die sich der Gefahr ausgesetzt haben, denn sie haben es unter Lebensgefahr hergebracht!“ Die Tötung eines ägyptischen Manns (= Goliath) wird hier dem Helden Benaja zugesprochen (1. Chron 11,10-27). Dann folgt eine Aufzählung, der Männer, die zu David nach Ziklag kamen: Sie kommen aus allen Stämmen Israels und machen David in Hebron zum König (1. Chron 12).

Die Bundeslade kommt nach Jerusalem und Davids Kriege:

Nachdem David die Bundeslade hat holen lassen (1. Chron 13, fast wörtlich aus 2.Sam 6) und  nach der Notiz über die Lieferung von Zedernholz durch den König von Tyrus und nach der Aufzählung der weiteren Söhne Davids wird der Sieg über die Philister geschildert (1. Chron 14, wörtlich aus 2. Sam 5,17-25), aber mit dem Schlußsatz: Davids Name ging aus in alle Lande, und der Herr ließ Furcht vor ihm über alle Völker kommen! Dann wird das Holend er Bundeslade genauer beschrieben, nun  mit dem Schwergewicht auf den Leviten, die allein die Bundeslade tragen dürfen. Sie werden nun namentlich aufgezählt, danach die Sänger aus dem Stamm Levi, die Posaunenbläser und Türhüter. Ein Danklied (entsprechend Psalm 105 und 106 wird angefügt)(1. Chron 15 - 16).

Es folgen die Verheißung des Fortbestands der Familie Davids  (1. Chron 17, fast wörtlich aus 2.Sam 7,1-16), Davids Kriege (1. Chron 18,1-2, Zusammenfassung von 2. Sam 8) und die Angabe, daß Davids Kriegsbeute von ihm für den Tempelbau bestimmt wurde:  David schlug zweiundzwanzigtausend Mann von den Aramäern und setzte Statthalter bei ihnen ein. So wurden die Aramäer dem König David untertan und gaben ihm Tribut. Denn der Herr half David, wo er hin zog. David nahm die goldenen Schilde und brachte sie nach Jerusalem. Auch nahm David aus den Städten Hadadesers sehr viel Kupfer, aus dem Salomo das „kupferne Meer“ und die Säulen und Gefäße aus Kupfer machte. Auch der König von Hamath brachte allerlei goldene, silberne und kupferne Gefäße. Auch diese bestimmte der König David dem Herrn mit dem Silber und Gold, das er den anderen Völkern abgenommen hatte: den Edomitern, Moabitern, Ammonitern, Philistern und Amalekitern (1.Chron 18,2-13).

Dann folgt die Schilderung des Kampfs mit den Ammonitern (1. Chron 19, fast wörtlich aus 2.Sam 10) und die Angabe, daß David sich die Krone der Ammoniter aufsetzte (1.Chron 20,1-3) sowie weitere Kämpfe mit den Philistern, bei denen gesagt wird, daß Elkanan und Jona­than den Goliath getötet hätten (1. Chron 20,4-8, fast wörtlich aus 2.Sam 21,15-21).

Die Erzählung vom Auffinden des Tempelplatzes (1.Chron 21) ist fast wörtlich aus 2. Sam 24 übernommen, aber es wird verdeutlichend gesagt: „Der Satan stand gegen Israel und reizte David, daß er Israel zählen ließe!“ Es wird behauptet, daß Joab die Stämme Levi und Benjamin nicht zählen ließ. Schließlich wird gesagt, daß David an dem neuen Altar geopfert habe und nicht mehr an den vielen Heiligtümern aus der Wüstenzeit

 

David überträgt Salomo den Tempelbau

David sprach: „Hier soll das Haus Gottes des Herrn sein und dies ist der Altar zum Brandopfer Israels. Er ließ versammeln die Fremden versammeln, die im Lande Israel waren, und bestellte Steinmetzen, um Steine zu behauen, damit das Haus Gottes gebaut werden könne. Er schaffte viel Eisen herbei für Nägel an die Türen und für Klammern und so viel Kupfer, daß es nicht zu wiegen war, auch Zedernholz ohne Zahl, denn die von Sidon und Tyrus brachten viel Zedernholz zu David. David aber dachte: „Mein Sohn Salomo ist jung und zart. Das Haus aber, das dem Herrn soll gebaut werden, soll so groß sein, daß sein Name und Ruhm groß werde in allen Landen. Darum will ich ihm einen Vorrat schaffen!“ So legte David viel Vorrat an vor seinem Tod.

Dann rief er seinen Sohn Salomo und trug ihm auf, das Haus des Gottes Israels zu bauen. Er sprach zu ihm: „Mein Sohn, ich hatte im Sinn, dem Namen des Herrn ein Haus zu bauen.  Aber das Wort des Herrn kam zu mir und sprach: Du hast viel Blut vergossen und große Kriege geführt. Darum sollst du meinem Namen nicht ein Haus bauen, weil du vor mir so viel Blut auf die Erde vergossen hast!“

Weiter sprach David: „Der Sohn, der dir geboren werden soll, der wird ein Mann der Ruhe sein, denn ich will ihm Ruhe verschaffen vor allen seinen Feinden umher. Er soll „Salomo“ heißen, denn ich will ihm Frieden und Ruhe geben, solange er lebt. Der soll meinem Namen ein Haus bauen. Er soll mein Sohn sein, und ich will sein Vater sein. Und ich will seinen königlichen Thron über Israel bestätigen in Ewigkeit! So wird nun, mein Sohn, der Herr mit dir sein und es wird dir gelingen, daß du dem Herrn, deinem Gott, ein Haus baust, wie er von dir gesagt hat. Auch wird der Herr dir Klugheit und Verstand geben und wird dich zum König bestellen über Israel, um das Gesetz des Herrn zu halten. Dann aber wirst es dir gelingen, wenn du die Gebote und Rechte befolgst, die der Herr dem Mose für Israel geboten hat. Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und laß dich nicht erschrecken! Sieh,  ich habe mit Mühsal für das Haus des Herrn viel Material und Handwerker herbeigeschafft. So mache dich auf und richte es aus; der Herr wird mit dir sein!“

Und David gebot allen Obersten Israels, daß sie seinem Sohn Salomo helfen sollten. So richten nun euer Herz und eure Seele darauf, den Herrn zu suchen. Und macht euch auf und baut Gott dem Herrn ein Heiligtum, damit man die Bundeslade und die heiligen Gefäße in das Haus bringen kann, das dem Namen des Herrn gebaut werden soll (1. Chron 22, leicht gekürzt).

 

Die Verteilung der Ämter in Israel:

David machte seinen Sohn Salomo zum König über Israel, weil er alt und des lebenssatt war. Er versammelte alle Obersten in Israel und die Priester und Leviten. Und man zählte die Leviten vom Alter von dreißig Jahren an. Es waren achtunddreißigtausend. Vierundzwanzigtausend von ihnen wurden zur Arbeit am Haus des Herrn bestimmt und sechstausend sollten Amtleute und Richter sein, viertausend waren Torhüter und viertausend Sänger des Herrn mit Instrumenten.
David teilte sie alle in Gruppen ein. Es folgen die Namen der Gruppen und Untergruppen. Dann werden die Leviten über zwanzig Jahren gezählt und den Aaroniten unterstellt, um in den Vorhöfen und Kammern zu dienen und zur Reinigung von allerlei Heiligem und als Helfer im Hause Gottes und für das Morgen- und Abendgebet und vor allem für die Speisopfer und Brandopfer  (1. Chron 23, stark gekürzt). Dann werden die Ordnungen der Aaroniten aufgezählt, die 24 Abteilungen der Priester, und die Familien der Leviten (1. Chron 24). Es folgen die 24 Abteilungen der Sänger (1. Chron 25), die Bestellung der Torhüter, die levitischen Schatzmeister, Amtleute und Richter (1. Chron 26). Schließlich kommen noch die Führer der Heeresabteilungen, die Stammesfürsten und die königlichen Beamten (1. Chron 27).

 

David stellt Salomo als seinen Nachfolger vor:

David versammelte alle Obersten Israels nach Jerusalem, nämlich die Fürsten der Stämme und alle anderen Amtsträger und sprach: „Hört mir zu, meine Brüder und mein Volk! Ich hatte mir vorgenommen, ein Haus zu bauen als Ruhestätte für die Bundeslade und als Schemel seiner Füße unsres Gottes. Ich hatte mich angeschickt, das Haus zu bauen. Aber Gott ließ mir sagen: Nicht du sollst meinem Namen ein Haus bauen, denn du bist ein Kriegsmann und hast Blut vergossen. Unter allen seinen Söhnen hat er meinen Sohn Salomo erwählt, daß er sitzen soll auf den Thron des Königreichs über Israel, und er hat zu mir gesagt: Dein Sohn Salomo soll mein Haus und meine Vorhöfe bauen, denn ich habe ihn mir erwählt zum Sohn, und ich will sein Vater sein und will sein Königreich bestätigen in Ewigkeit, wenn er daran festhält, zu tun  nach meinen Geboten und Rechten, wie es heute geschieht!“

 

Dann ermahnt er Salomo: „Du, mein Sohn Salomo, erkenne den Gott deines Vaters und diene ihm mit ganzem Herzen und mit williger Seele. Denn der Herr erforscht alle Herzen und versteht alles Dichten und Trachten der Gedanken. Wirst du ihn suchen, so wirst du ihn finden. Wirst du ihn aber verlassen, so wird er dich verwerfen für ewig. So sieh nun zu, denn der Herr hat dich erwählt, daß du sein Haus baust als Heiligtum. Sei getrost und richte alles aus!“

Und David gab seinem Sohn Salomo einen Entwurf für die Vorhalle und den Bau des Tempels, seine Gemächer und Obergemächer und inneren Kammern und für den Raum des Gnadenthrons. Dazu übergab er Entwürfe für  alles, was ihm durch den Geist in den Sinn gekommen war: für die Vorhöfe am Haus des Herrn und aller Gemächer ringsum, bestimmt für die Schätze im Haus Gottes und für die Schätze der geheiligten Gaben. Er übergab auch Entwürfe für die Ordnungen der Priester und Leviten, und für alle Geschäfte und Geräte des Dienstes im Haus des Herrn. Er setzte fest das Goldgewicht für alle Geräte je nach ihrem Zweck, auch das Gewicht für alles silberne Zeug, für die Leuchter und Lampen, für die Tische der Schaubrote, das Geschirr, den Räucheraltar, den Thronwagen mit den goldenen Gestalten (1. Chron 28, gekürzt).

 

Spenden zum Tempelbau

Der König David sprach zu der ganzen Gemeinde: „Gott hat meinen Sohn Salomo erwählt, der noch jung und zart ist. Das Werk aber ist groß, denn es ist nicht die Wohnung eines Menschen, sondern Gottes des Herrn. Ich aber habe aus allen meinen Kräften herbeigeschafft zum Haus Gottes Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Holz und allerlei Edelsteine. Ich habe eigenes Gut dazugegeben. Wer ist nun willig, seine Hand heute mit einer Gabe für den Herrn zu füllen?

Da waren die Häupter der Sippen, die Fürsten der Stämme Israels, die Obersten über die Tausendschaften  und über Hundertschaften und die Vorsteher über des Königs Besitz willig und gaben zum Dienst im Hause Gottes tausende Zentner Gold Silber, Kupfer, Eisen  und Edelsteine. Das Volk wurde fröhlich, daß sie so willig waren, denn sie gaben es dem Herrn freiwillig von ganzem Herzen. Und auch König David war hoch erfreut und lobte den Herrn und sprach ein Dankgebet (hier ausgelassen). Auch die ganze Gemeinde lobte den Gott ihrer Väter, und sie neigten sich und fielen nieder vor dem Herrn und vor dem König und opferten dem Herrn Opfer (1. Chron 29, gekürzt).

 

Davids Nachfolger und Ende:

So saß Salomo auf dem Thron des Herrn als ein König an seines Vaters Stelle und fand Anerkennung, und ganz Israel ward ihm gehorsam. Alle Obersten und Helden, auch alle Kinder des Königs David stellten sich unter den König Salomo. Der Herr machte Salomo immer größer vor dem Volk Israel und gab ihm ein prächtiges Königreich, wie keiner vor ihm über Israel gehabt hatte. David starb im guten Alter, gesättigt mit Leben, Reichtum und Ehre. Und sein Sohn Salomo ward König an seiner Stelle. Die Geschichten aber des Königs David sind geschrieben in den Geschichten Samuels und in den Geschichten des Propheten Nathan und in den Geschichten des Sehers Gads  (1.Chron 29,23-30, gekürzt).

 

 

 

 

 

 

Das zweite Buch der Chronik

[Das 2. Buch der Chronik ist eine direkte Fortsetzung des 1. Buchs, die wohl nur wegen der Unhandlichkeit allzu langer Schriftrollen vom ersten Buch abgetrennt wurde. Die Handlung des Buches ist größtenteils parallel zum 1. und 2. Buch der Könige, jedoch wird das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Vor allem wird mehr Wert auf den Kultus und die israelitische Gesellschaft gelegt, dafür weniger Wert auf politische Vorgänge. Im Gegensatz zu den Königsbüchern beschränkt sich die Chronik nach der Reichsteilung auf die Vorgänge im Südreich Juda und läßt das Nordreich Israel außen vor. Die Sicht auf das Königtum ist in der Chronik insgesamt positiver als in den sehr kritischen Büchern der Könige].

 

Der Anfang von (2. Chron  1 - 9) stimmt fast wörtlich überein mit den Königsbüchern:

Salomos Gebet um Weisheit (1. Kön 3), Salomos Heeresmacht (1. Kön 10,26-29), Salomos Vertrag mit Hiram  (1. Kön 5,15-32), Bau des Tempels (1. Kön 6), Ausstattung des Tempels  (1. Kön 7, 15-51), Einweihung des Tempels (1. Kön 8, mit einer eigenen Erwähnung der Leviten), Salomos Gebet und Opfer  und Gottes Antwort(1. Kön 6 - 7), Salomos weitere Regierungsmaßnahmen (1. Kön 9,10-28, wieder mit Betonung der Priester und Leviten), Besuch der Königin von Saba (1. Kön 10,1-13), Salomos Reichtum (1. Kön 10,14-29) und Salomos Tod (1. Kön 11,41-43). Nach der Erzählung von der Trennung der beiden Reiche (2. Chronik 10, entsprechend 1. Kön 12,1-24) wird aber nur noch die Geschichte des Südreichs Juda erzählt. Auch der folgende Teil stimmt weitgehend mit den Königsbüchern überein, aber mit bemerkenswerten Ergänzungen und Abweichungen:

 

Rehabeam (parallel sind 1. Kön 14,21-31 und 14,21-31)

Die Priester und Leviten aus ganz Israel hielten sich zu Rehabeam, denn die Leviten verließen ihre Ortschaften und Habe und kamen zu Juda nach Jerusalem. Denn Jerobeam und seine Söhne hatten sie verstoßen und sie durften vor dem Herrn nicht des Priesteramtes ausüben.

Jerobeam bestellte sie zu Priestern für die Höhenheiligtümer und für die Feldgeister und Kälbern, die er machen ließ. Und die den Herrn liebten aus allen Stämmen Israels, kamen nach Jerusalem, daß sie opferten dem Herrn, dem Gott ihrer Väter. So machten sie das Königreich Juda mächtig und stärkten  Rehabeam, (2. Chron 11,13-17)

Als aber das Königtum Rehabeams gefestigt war, verließ er das Gesetz des Herrn und ganz Israel mit ihm. Im fünften Jahr des Königs Rehabeam zog der ägyptische König Schischak herauf gegen Jerusalem mit tausendzweihundert Wagen und mit sechzigtausend Reiter, und das Volk war nicht zu zählen, das mit ihm kam aus Ägypten. Er gewann die festen Städte, die in Juda waren, und kam bis nach Jerusalem.

Da kam der Prophet Semaja zu Rehabeam und zu den Obersten Judas, die sich in Jerusalem versammelt hatten aus Furcht vor Schischak, und sprach zu ihnen: „So spricht der Herr: Ihr habt mich verlassen, darum habe ich euch in Schischaks Hand geben!“

Da demütigten sich die Obersten in Israel mit dem König und sprachen: „Der Herr ist gerecht!“ Als aber der Herr sah, daß sie sich demütigten, kam das Wort des Herrn zu Semaja und sprach: „Sie haben sich gedemütigt. Darum will ich sie nicht verderben, sondern ich will ihnen in Kürze erretten, daß mein Grimm sich nicht durch Schischak. auf Jerusalem ergieße. Doch sollen sie ihm untertan sein, daß sie begreifen, was es heißt, mir zu dienen oder anderen Königreichen (2. Chron 12,1-8).

 

 

Abia (parallel sind 1. Kön 15,1-8):

Es war aber Krieg zwischen Abia und Jerobeam. Abia rüstete sich zum Kampf mit vierhunderttausend starken Kriegern. Jerobeam aber rüstete sich, mit ihm zu kämpfen mit achthunderttausend starken Kriegern.

Abia stellte sich oben auf den Berg Zemaraim auf dem Gebirge Ephraim und sprach: „Hört mir zu, Jerobeam und ganz Israel! Wißt ihr nicht, daß der Herr das Königtum über Israel der Familie Davids auf ewig gegeben hat,  ihm und seinen Söhnen? Aber Jerobeam lehnte sich auf und wurde seinem Herrn abtrünnig. Es schlugen sich auf seine Seite ruchlose Leute und wurden mächtiger als Rehabeam, denn dieser war noch jung und zaghaft, daß er sich nicht gegen sie wehrte. Nun denkt ihr euch zu empören gegen das Königtum des Herrn, das in der Hand der Söhne Davids ist, weil euer ein großer Haufe ist und die goldenen Kälber bei euch habt, die euch Jerobeam zu Göttern gemacht hat. Habt ihr nicht die Priester des Herrn, die Aaroniten und die Leviten verstoßen und euch eigene Priester gemacht wie die Völker in den anderen Ländern? Wer da kam mit einem jungen Stier und sieben Widdern, um sich seine Hand füllen zu lassen, der wurde Priester derer, die nicht Götter sind!“

Dann bekräftigt Abia: „Wir aber sind gewiß: Der Herr ist unser Gott, den wir nicht verlassen haben. Denn die Priester, die dem Herrn dienen, sind die Aaroniten, und die Leviten stehen in ihrem Amt, um dem Herrn alle Morgen und alle Abende Brandopfer darzubringen, dazu das gute Räucherwerk, und Brote aufzulegen auf den Tisch aus reinem Gold, und den goldenen Leuchter mit seinen Lampen alle Abende anzuzünden, denn wir halten die Gebote des Herrn, unsers Gottes. Ihr aber habt ihn verlassen. Siehe, mit uns ist an der Spitze Gott und seine Priester und die Kriegstrompeten, um sie gegen euch zu blasen. Ihr Israeliten, streitet nicht gegen den Herrn, den Gott eurer Väter; denn es wird euch nicht gelingen!“

Aber Jerobeam legte einen Hinterhalt, um ihnen in den Rücken zu fallen käme, sodaß sie vor Juda waren und der Hinterhalt hinter Juda. Als sich nun Juda umwandte, da wurden sie von vorn und hinten angegriffen. Da schrieen sie zu dem Herrn, und die Priester bliesen die Trom­peten, und die Männer von Juda erhoben das Kriegsgeschrei. Als sie aber schrieen, da schlug Gott Jerobeam und das ganze Israel vor Abia und Juda.

Und die Israeliten flohen vor Juda, und Gott gab sie in ihre Hände, so daß Abia mit seinem Volk sie hart schlug tat und es blieben aus Israel fünfhunderttausend auserlesene Leute erschlagen liegen. So wurden die Israeliten gedemütigt zu der Zeit. Aber die Leute aus Juda blieben unverzagt, denn sie verließen sich auf den Herrn, den Gott ihrer Väter. Abia jagte Jerobeam nach und gewann ihm Städte ab, zum Beispiel Bethel mit seinem Umland, so daß Jerobeam keine Macht mehr hatte kam, solange Abia lebte. Und der Herr schlug ihn, daß er starb. Abia aber wurde mächtig. Er nahm vierzig Frauen und hatte zweiundzwanzig Söhne und sechzehn Töchter. Was aber noch von Abia zu sagen ist, sein Leben und sein Tun, das ist geschrieben in der Geschichte des Propheten Iddo (2. Chron 13,3-22).

 

Asa (parallel sind 1. Kön 15,9-12):

Asa baute feste Städte in Juda, weil das Land Ruhe hatte und in diesen Jahren kein Krieg gegen ihn war, denn der Herr hatte ihm Ruhe gegeben. Er sprach zu Juda: „Laßt uns diese Städte bauen und Mauern um sie herum führen mit Türmen, Türen und Riegeln, solange das Land noch unser ist, denn wir haben den Herrn gesucht, und er hat uns Ruhe gegeben ringsumher. So bauten sie, und alles ging glücklich vonstatten.

 

Asa hatte eine Heeresmacht von dreihunderttausend Mann aus Juda, die große Schilde und Spieße trugen, und aus Benjamin zweihundertachtzigtausend Mann, die kleine Schilde trugen und mit dem Bogen schießen konnten. Sie waren alle starke Helden. Es zog aber gegen sie aus Serach, der Äthiopier, mit einer Heeresmacht von  tausendmaltausend, dazu dreihundert Wagen, und sie kamen bis nach Marescha.

Asa zog aus ihnen entgegen, und sie rüsteten sich zum Kampf  im Tal bei Marescha. Asa rief den Herrn an und sprach: „Herr, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen die Starken. Hilf uns, denn wir verlassen uns auf dich, und in deinem Namen sind wir gekommen gegen diese Menge. Herr, du bist unser Gott, gegen dich vermag kein Mensch etwas.  Und der Herr schlug die Äthiopier vor Asa und vor Juda, so daß sie flohen. Asa und seien Leute jagten ihnen nach. Die Äthiopier fielen, daß keiner von ihnen lebendig blieb, sondern sie wurden zerschlagen vor dem Herrn und vor seinem Heer. Juda trug sehr viel Beute davon. Sie schlugen alle Städte in der Umgebung, denn der Schrecken des Herrn kam über sie. Und sie plünderten alle Städte, denn es war viel Beute darin. Auch schlugen sie die Zeltlager der Hirten und führten eine Menge Schafe und Kamele und weg kamen wieder nach Jerusalem (2. Chron 14,5-15).

 

Der Prophet Asarja

Der Geist Gottes kam auf Asarja. Er ging hinaus, Asa entgegen, und sprach zu ihm: „Hört mir zu, Asa und ganz Juda und Benjamin. Der Herr ist mit euch, weil ihr mit ihm seid. Und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen. Werdet ihr aber ihn verlassen, so wird er euch auch verlassen. Lange Zeit war Israel ohne rechten Gott, ohne Priester und ohne Gesetz. Als sie sich aber in ihrer Not zum Herrn bekehren und ihn suchten, ließ er sich von ihnen finden. Zu der Zeit gab es keine Sicherheit für den, der aus- und einging, denn es war eine große Verwirrung bei allen, die in diesen Ländern wohnten. Denn ein Volk zerschlug das andere und eine Stadt die andere, denn Gott erschreckte sie mit Ängsten aller Art.  Ihr aber, seid getrost und laßt eure Hände nicht sinken, denn euer Werk hat seinen Lohn!“

Als aber Asa diese Worte und die Weissagung des Propheten Asarja hörte, wurde er getrost und tat weg die greulichen Götzen aus dem ganzen Lande Juda und Benjamin und aus den Städten, die er auf dem Gebirge Ephraim erobert hatte, und erneuerte den Altar des Herrn, der vor der Vorhalle des Herrn stand. Asa versammelte ganz Juda und Benjamin und alle aus Ephraim, Manasse und Simeon, die bei ihnen wohnten, denn es fiel ihm eine große Menge Menschen aus Israel zu, als sie sahen, daß der Herr mit ihm war.

Sie versammelten sich in Jerusalem im dritten Monat des fünfzehnten Jahres des Königtums Asas und opferten an diesem Tag dem Herrn von der Beute, die sie gebracht hatten, siebenhundert Ochsen und siebentausend Schafe. Und sie schlossen einen Bund den Gott ihrer Väter zu suchen von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Wer aber nicht den Gott Israels, suchen würde, der sollte sterben, klein oder groß, Mann oder Frau. Sie schworen dem Herrn mit lauter Stimme, unter Freudengeschrei und unter Trompeten- und Posaunenschall. Ganz Juda war fröhlich wegen des Schwurs, denn sie hatten von ganzen Herzen geschworen, und suchten Gott mit ganzem Willen, und er ließ sich von ihnen finden. Und der Herr gab ihnen Ruhe ringsumher. Es war kein Streit bis an das fünfunddreißigste Jahr der Herrschaft Asas (2. Chron 15,1 -15 und 19).

 

 

 

 

Asas Abfall und Tod  (parallel in Kön 15,16-24):

Eines Tages kam der Seher Hanan zu Asa und sprach zu ihm: „Weil du dich auf den König von Aram verlassen hast und hast dich nicht auf den Herrn verlassen, darum ist das Heer des Königs von Aram deiner Hand entronnen. Hatten nicht die Äthiopier und Libyer eine große Heeresmacht mit sehr viel Wagen und Reitern? Doch der Herr gab sie in deine Hand, als du dich auf ihn verlassen hast. Denn die Augen des Herrn schauen alle Lande, daß er die stärke, die von ganzem Herzen bei ihm sind. Du hast töricht getan, darum wirst du auch von nun an Kriege haben!“

Aber Asa wurde zornig über den Seher und legte ihn ins Gefängnis, denn er grollte ihm wegen dieser Aussage. Auch unterdrückte er in dieser Zeit einige aus dem Volk. Die vollständigen Geschichten Asas sind geschrieben im Buch von den Königen Judas und Israels. Asa wurde krank an seinen Füßen im neununddreißigsten Jahr seines Königtums. Seine Krankheit nahm sehr zu, aber er suchte auch in seiner Krankheit den Herrn nicht, sondern die Ärzte.

So legte sich Asa zu seinen Vätern und starb im einundvierzigsten Jahr seines Königtums.

Man begrub ihn in seinem Grab, das er sich hatte machen lassen in der Davidsstadt. Sie legten ihn auf sein Lager, das man mit gutem Räucherwerk und allerlei kunstvoll vorbereiteten Gewürzen gefüllt hatte und sie machten ihm einen sehr großen Brand (2. Chron 16,7-14).

 

Josaphat (parallel in 1.Kön 22, 41-51):

Im dritten Jahr seines Königtums sandte Josaphat, der Sohn Asas, seine Fürsten aus, um zu lehren in den Städten Judas, und mit ihnen die Leviten. Sie hatten das Gesetzbuch des Herrn mit sich und zogen umher in allen Städten Judas und lehrten das Volk. Da kam der Schrecken des Herrn über alle Königreiche in den Ländern ringsumher, daß sie nicht kämpften gegen Josaphat. Einige von den Philister brachten sogar  Josaphat Geschenke, und die Araber brachten ihm siebentausendsiebenhundert Widder und siebentausendsiebenhundert Böcke.

So wurde Josaphat immer mächtiger und baute in Juda Burgen und Städte mit Kornkammern. Er hatte viel Vorrat in den Städten Judas und streitbare Männer und streitbare Männer in Jerusalem  (es folgen jetzt die Namen)(2. Chron 17, gekürzt).

Josaphats Verbindung mit Ahab wird dann parallel zu 1. Kön 22 erzählt, allerdings mit der zusätzlichen Angabe, daß Josaphat verschwägerte war mit Ahab (2. Chron 18). Dann wird dargestellt, wie  Josaphat die Rechtsprechung neu ordnet und Richter in allen festen Städten Judas bestellte. Er sprach zu den Richtern: „Sehet zu, was ihr tut! Denn ihr haltet das Gericht nicht im Namen von Menschen, sondern im Namen des Herrn. Und er ist mit euch, wenn ihr Recht sprecht. Darum laßt die Furcht des Herrn bei euch sein und hütet euch und tut das Recht. Denn bei dem Herrn ist kein Unrecht noch Ansehen der Person noch Annehmen von Geschenken!“
Josaphat setzte auch einige aus den Leviten und Priestern und aus den Obersten der Sippen ein über das Gericht des Herrn und über die Streitsachen in Jerusalem und sagte: „Der Oberpriester Amarja  ist über euch in allen Sachen des Herrn, und Sebadja  in allen Sachen des Königs, und als Amtleute habt ihr die Leviten vor euch. Geht unverzagt ans Werk,  und der Herr wird mit dem Guten sein!“ (2. Chron 19).

 

Dann wird der Krieg mit den Moabitern und Ammonitern beschrieben. Josaphat eröffnet den Kampf: „Hört mir zu, Juda und ihr Einwohner zu Jerusalem! Glaubet an den Herrn, euren Gott, so werdet ihr sicher sein. Und glaubt an seine Propheten, so wird es euch gelingen!“

Er bestellte die Sänger dem Herrn, daß sie Lobgesänge singen in heiligem Schmuck und vor den Kriegern her ziehen und singen: „Danket dem Herrn, denn sein Barmherzigkeit währet ewiglich. Als sie anfingen mit Danken und Loben, ließ der Herr einen Hinterhalt kommen über die Ammoniter und Moabiter und sie wurden geschlagen. Danach vereinigte sich Josaphat mit Ahasja, dem König Israels, um Schiffe zu machen, daß sie aufs Meer führen. Aber die Schiffe wurden zerbrochen und konnten nicht aufs Meer fahren (2. Chron 20, parallel in 1.Kön 22,41-51).

 

Joram von Juda (parallel zu 1.Kön 22,51 7 und 2. Kön 8,16-22):

Joram machte Opferhöhen auf den Bergen in Juda und verleitete die Einwohner Jerusalems zur Abgötterei und verführte Juda. Es kam aber ein Brief zu ihm von dem Propheten Elia mit folgendem Inhalt: „So spricht der Herr, der Gott deines Vaters David: Weil du nicht gegangen bist auf den Wegen deines Vaters Josaphat noch auf den Wegen Asas, des Königs in Juda,  sondern verführtest Juda zur Abgötterei des Hauses Ahab, und hast dazu deine Brüder getötet, wird dich der Herr mit einer großen Plage schlagen: An deinem Volk, an deinen Kindern, an deinen Frauen und an aller deiner Habe. Du aber wirst viel Krankheit haben in deinen Eingeweiden, bis sie über Jahr und Tag vor Krankheit heraustreten!“

Der Herr erweckte gegen Joram den Geist der Philister und Araber. Sie zogen herauf und brachen ein in Juda und führten alle Habe weg, die vorhanden war im Haus des Königs, dazu seine Söhne und seine Frauen, daß ihm kein Sohn übrigblieb, außer Joahas, sein jüngster Sohn. Dazu plagte ihn der Herr in seinen Eingeweiden mit einer solchen Krankheit, die nicht zu heilen war. Nach zwei Jahren traten seine Eingeweide heraus und er starb in schlimmen Schmer­zen. Und man machte keinen Brand ihm zu Ehren, wie man seinen Vätern getan hatte. Zweiunddreißig Jahre alt war er, als er König wurde, und regierte acht Jahre zu Jerusalem und ging unbetrauert dahin. Und sie begruben ihn in der Davidsstadt, aber nicht in den  Gräbern der Könige (2. Chron 21).

Schließlich wird noch Ahasjas Regierung parallel zu 2.Kön 8,25-29 beschrieben (2. Chron 22,1-9). Auch die Zeit des Königs Joas  wird parallel zu 2. Kön 11 -12 beschrieben, aber mit  Betonung der Rolle der Leviten (2. Chron 22,10 - 24,16) und mit zwei Ergänzungen: Sacharja, den Sohn Jojadas, kritisierte die Übertretung der Gebote des Herrn und wurde auf Befehl des Königs gesteinigt. Und über den Tod des Joas wird gesagt, seine Großen hätten ihn erwürgt auf seinem Bett und er sei nicht  in der Gräbern der Könige begraben worden (2. Chron 22,9- 24,27).

 

Die Zeit der Könige Amazja, Usia, Jotham und Ahas wird parallel zu 2. Kön 14 - 16 beschrieben in 2. Chron 25 - 28, jedoch mit weiteren Einzelheiten der Kriegsführung.

 

Hiskia:

Über Hiskia wird mehr erzählt als in  2.Kön 18,1-6: Hiskia tat auf die Türen am Haus des Herrn im ersten Monat des ersten Jahres seines Königtums und besserte sie aus und ließ die Priester und die Leviten kommen und versammelte sie auf dem Platz im Osten und sprach zu ihnen: „Hört mir zu, ihr Leviten! Bereitet euch vor, daß ihr weiht das Haus des Gottes eurer Väter, und tut heraus den Unrat. Denn unsre Väter haben sich versündigt und getan, was dem Herrn mißfällt, und haben ihn verlassen. Sie haben ihr Gesicht von der Wohnung des Herrn abgewandt und ihr den Rücken zugekehrt. Sie haben sogar Türen an der Vorhalle zugeschlossen und die Lampen ausgelöscht und kein Räucherwerk geräuchert und keine Brandopfer mehr vollzogen für den Gott Israels!“

Weiter sprach Hiskia: „Daher ist der Zorn des Herrn über Juda und Jerusalem gekom­men, und er hat sie dahingegeben zum Entsetzen und zum Erschrecken, so daß man sie verspottet, wie ihr mit euren Augen seht. Deshalb sind unsre Väter gefallen durchs Schwert und unsre Söhne, Töchter und Frauen sind weggeführt. Nun habe ich im Sinn, einen Bund zu schließen mit dem Herrn, dem Gott Israels, daß sein Zorn und Grimm sich von uns wende. Seid ihr nicht lässig, denn euch hat der Herr erwählt, daß ihr zum Dienst vor ihm stehen sollt und ihm opfert!“

Die Leviten (die Namen werden aufgezählt) gehen hinein ins Haus des Herrn, um es rein zu machen, so daß es wieder zum Gottesdienst benutzt werden könnte. Die Priester aber gingen ins Innere des Hauses und taten alles Unreine auf den Hof, und die Leviten nahmen es und trugen es hinaus an den Bach Kidron. Dann melden sie dem König Hiskia, daß sie das ganze Haus und die Geräte wieder rein gemacht haben.

Da machte sich auf der König Hiskia und versammelte die Obersten der Stadt und ging hinauf zum Hause des Herrn. Dort opfern die Priester auf dem Altar des Herrn, um ganz Israel wieder rein zu machen. Die Leviten sangen die Lieder Davids und die Trompeten bliesen. Als das Brandopfer ausgerichtet war, beugten der König und alle, die sich bei ihm waren, die Knie und beteten an. Und die Gemeinde brachte Schlachtopfer und Lobopfer herbei, und mancher auch noch freiwillige Brandopfer. Weil aber zu wenig Priester da waren, halfen ihnen die Leviten, bis die Arbeit verrichtet war und bis die Priester sich vorbereitet hatten, denn die Leviten waren williger gewesen, sich vorzubereiten als die Priester. Und Hiskia freute sich mit allem Volk über das, was Gott dem Volk bereitet hatte, denn es war unvermutet schnell gekommen (2. Chron 29,3-36, gekürzt).

 

Dann sandte Hiskia seine Boten zum ganzen Israel und Juda und schrieb Briefe an Ephraim und Manasse, daß sie kämen zum Hause des Herrn nach Jerusalem, wieder das Passahfest zu halten für den Gott Israels: „Ihr Israeliten, bekehrt euch zu dem Herrn, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, so wird er sich zu den Erretteten kehren, die die Könige von Assyrien noch unter euch übriggelassen haben. So seid nun nicht halsstarrig wie eure Väter; sondern gebt eure Hand dem Herrn und kommt zu seinem Heiligtum und dient dem Herrn so wird sich der Grimm seines Zorns von euch wenden!“

Aber nur einige von Asser und Manasse und Sebulon demütigten sich und kamen nach Jerusalem. Aber Gottes Hand kam über Juda, daß er ihnen einerlei Sinn gab, zu tun wie der König und der Obersten geboten hatten nach dem Wort des Herrn. Es kam in Jerusalem ein großes Volk zusammen, um im zweiten Monat das Fest der ungesäuerten Brote zu halten. Dabei schlach­teten sie das Passahlamm am vierzehnten Tage des zweiten Monats. Und die Priester und Leviten brachten die Brandopfer zum Haus des Herrn und stellten sich an ihren Platz.

Die Priester nahmen das Blut aus der Hand der Leviten und sprengten es aus. Die Leviten schlachteten das Passahlamm für alle, die nicht rein waren, damit sie auch für den Herrn vorbereitet würden.

Eine Menge Leute, vor allem von Ephraim, Manasse, Issaschar und Sebulon, hatten sich nicht gereinigt und aßen das Passahlamm nicht so, wie es geschrieben steht. Doch Hiskia betete für sie: „Der Herr, der gütig ist, wolle gnädig sein allen, die ihr Herz darauf richten, Gott zu suchen, auch wenn sie nicht die nötige Reinheit für das Heiligtum haben!“

So hielten die Israeliten, die in Jerusalem versammelt waren, das Fest der ungesäuerten Brote sieben Tage mit großer Freude. Die Leviten und Priester lobten den Herrn alle Tage mit den mächtigen Saitenspielen des Herrn.

Und Hiskia redete herzlich mit allen Leviten, die sich gut auf den Dienste des Herrn eingestellt hatten. Und die Priester und die Leviten standen auf und segneten das Volk, und ihre Stimme wurde erhört, und ihr Gebet kam hinein in Gottes heilige Wohnung im Himmel (2. Chron 30, gekürzt).

 

Als dies alles vollendet war, zogen alle Israeliten hinaus in die Städte Judas und zerbrachen die Steinmale und hieben die Ascherabilder ab und brachen die Höhenheiligtümer und Altäre ab. Hiskia aber stellte die Priester und Leviten nach ihren Ordnungen auf, jeder entsprechend seinem Amt, für die Brandopfer und Dankopfer. Der König gab einen Teil seiner Habe für Brandopfer am Morgen  und am Abend und für Brandopfer am Feiertag und an den Festen, wie es geschrieben steht im Gesetz des Herrn.

Er sprach aber auch zum Volk, das in Jerusalem wohnte, daß sie ihren Teil gäben den Priestern und Leviten, damit diese sich um so besser halten könnten an das Gesetz des Herrn. Die Israeliten und Juda brachten auch den zehnten Teil von den Früchten und Tieren, und die Priester brachten ihn in die Kammern beim Haus des Herrn. So tat Hiskia im ganzen Juda, was gut, recht und wahrhaftig war vor dem Herrn. Und alles, das er anfing für den Dienst des Hauses Gottes, tat er von ganzem Herzen  und es gelang ihm  (2. Chron 31, gekürzt).

 

Bei der Belagerung Jerusalems durch Sanherib (parallel in 2.Kön 18,13-20) wird noch erzählt, daß Hiskia alle Wasserquellen außerhalb der Stadt abdecken ließ, damit die Assyrer kein Wasser finden würden. Er ließ auch alle Mauern wieder aufbauen und sprach seinen Leuten Mut zu: „Seid getrost undfürchtet euch nicht, denn es ist ein Größerer mit uns als mit dem König von Assyrien!“König Hiskia und der Prophet Jesaja beteten und schrieen zum Himmel. Da sandte der Herr einen Boten, der vertilgte alle Gewaltigen des Heeres und Fürsten und Obersten im Lager des Königs von Assyrien, daß er mit Schanden wieder in sein Land zog.

Hiskia hatte sehr großen Reichtum und Ehre und machte sich Schätze von Silber, Gold, Edelsteinen, Gewürzen, Schilden und allerlei kostbare Geräte und Vorratshäuser für den Ertrag an Getreide, Most und Öl und Ställe für allerlei Vieh und Hürden für die Schafe, und er baute sich Städte und hatte Vieh in Mengen, denn Gott gab ihm sehr großes Gut. Er war es auch, der die obere Wasserquelle in Gihon zudecken ließ und leitete sie hinunter westwärts zur Davidsstadt, denn es gelangen Hiskia alle seine Werke (2. Chron 32).

 

Die Zeit der König Manasse und Amon wird dann wieder parallel zu 2. Kön 21,1-26 erzählt (2. Chron 33), ebenso parallel zu 2. Kön 22- 23 die Reformen Josias (2. Chron 34-35), aber am Schluß mit der Bemerkung: Jeremia sang ein Klagelied über Josia, und alle Sänger und Sängerinnen klagten in ihren Klageliedern über Josia bis auf diesen Tag, und da wurde zu einem festen Brauch in Israel. Siehe, diese Lieder sind geschrieben unter den Klageliedern (2. Chron 35,25). Dann geht es weiter mit den Königen Joahas, Jojakim (Zedekia) und Jojachin (2. Chron 36,1-10, parallel zu 2. Kön 23,30. 24,17).

 

Das Ende des Reiches Juda:

Zedekia aber wurde  abtrünnig von Nebukadnezar, dem König zu Babel, obwohl der einen Eid bei Gott von ihm genommen hatte, daß er gehorsam sein wolle. Er wurde halsstarrig und verstockte sein Herz, so daß er sich nicht bekehrte zu dem Herrn, dem Gott Israels.

 Auch alle Obersten Judas und die Priester samt dem Volk versündigten sich noch viel mehr. Mit all den greulichen Sitten der anderen Völker und machten unrein das Haus des Herrn in Jerusalem. Aber der Herr, ihrer Väter Gott, ließ immer wieder gegen sie reden durch seine Boten, denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und mit seiner Wohnung. Aber sie verspotteten die Boten Gottes und verachteten seine Worte und verhöhnten seine Propheten, bis der Grimm des Herrn über sein Volk wuchs und es kein Vergeben mehr gab.

Deshalb  führte er gegen sie heran sie den König der Babylonier und ließ ihre junge Mannschaft mit dem Schwert erschlagen im Hause ihres Heiligtums und verschonte weder die jungen Männer noch die jungen Frauen, weder die Alten noch die Greise: alle gab er sie in seine Hand. Und alle Gefäße und Schätze im Haus Gottes und die Schätze des Königs und seiner Fürsten  ließ er nach Babel führen. Wer vom Schwert übriggeblieben war, den führte er weg nach Babel und sie wurden seine Diener und die Diener seiner Söhne, bis das Königreich der Perser aufkam (2. Chron 36,11-21, teilweise parallel zu 2. Kön 24,18-25, gekürzt).

Das Buch schließt mit einem hoffnungsvollen Ausblick (parallel in Esra 1,1-3): Im ersten Jahr des Cyrus, des Königs in Persien (auch: Kyros) erweckte der Herr den Geist des Cyrus, daß er in seinem ganzen Königreich mündlich und schriftlich ausrufen ließ: „So spricht Cyrus, der König in Persien: Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben. Aber er hat mir auch befohlen, ihm ein Haus zu bauen in Jerusalem in Juda. Wer nun unter euch von seinem Volk ist, mit dem sei der Herr, sein Gott, und er ziehe hinauf!“(2. Chronik 36,22-23).

 

 

Das Buch Esra

[Das Buch Esra bildet zusammen mit dem Buch Nehemia eine Einheit. Beide Bücher behandeln die Ereignisse vom Beginn der Perserzeit über den Wiederaufbau des Tempels, die Errichtung der Stadtmauer um Jerusalem und die Konstituierung der judäischen bzw. jüdischen Kultgemeinschaft. In Neh 8 tritt Esra erneut auf und Neh 8,9 und 12,26 nennen Esra und Nehemia nebeneinander, so daß der Eindruck gleichzeitigen Wirkens entsteht. Sowohl das Handeln Esras als auch Nehemias steht in engem Kontakt zum Persischen Großkönig und wird durch königliche Erlasse legitimiert. Die Abtrennung eines eigenen Buches Nehemia ist motiviert durch die Einleitung Neh 1,1: „Worte Nehemias, des Sohnes Chachaljas...“ und findet sich erstmalig bei Origenes.

Das Buch Esra-Nehemia weist weiterhin starke sachliche und theologische Bezüge zu den Büchern der Chronik auf. Esra-Nehemia kann also als Fortsetzung der Chronikbücher gelesen werden. Auffällig ist dabei, daß die Worte, die sich inhaltlich mit der Verkündigung Deuterojesajas berühren, als Prophetie Jeremias eingeführt werden. Gemeinsam ist weiterhin das Interesse an Stammtafeln, am Kult und am Kultpersonal, an Festen und Gebeten. Diese Beobachtungen führten zur These eines „Chronistischen Geschichtswerkes“.

In neuerer Zeit wird diese These teilweise bestritten. Es ergeben sich mehrere Möglichkeiten:

* Die Bücher bilden ein gemeinsames Werk eines Verfassers.

* Esra-Nehemia sind ein im Vergleich zu Chronik älteres Werk derselben Verfassergruppe.

* Esra-Nehemia sind ein im Vergleich zu Chronik jüngeres Werk derselben Verfassergruppe

* Esra-Nehemia und die Chronikbücher sind zunächst eigenständige Werke, die erst spät auf redaktioneller Ebene miteinander verbunden werden.

Daneben existieren in der griechischen und lateinischen Bibel weitere Bücher, die Esra zugeschrieben werden.

Der Haupttext des Buches ist auf hebräisch geschrieben. Esra 4,8-6,18 und 7,12-26 sind dagegen in aramäischer Sprache geschrieben. Die darin zitierten königlichen Briefe und Erlasse sollen so ein höheres Maß an Echtheit erhalten; trotzdem ist umstritten, ob sie wirklich so geschrieben wurden. Das Aramäisch des Esra-Buches unterscheidet sich von dem des Danielbuches].

 

Serubabel-Erzählung: Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels:

Im ersten Jahr des Cyrus, des Königs in Persien, erweckte der Herr den Geist des Cyrus, daß er in seinem ganzen Königreich mündlich und schriftlich ausrufen ließ: „So spricht Cyrus, der König in Persien: Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben. Aber er hat mir auch befohlen, ihm ein Haus zu bauen in Jerusalem in Juda. Wer nun unter euch von seinem Volk ist, mit dem sei der Herr, sein Gott, und er ziehe hinauf, denn er ist der Gott, der zu Jerusalem ist. Wo auch immer noch einer übrig ist von diesem Volk an allen Orten, dem sollen die Leute seines Orts helfen mit Silber und Gold, Gut und Vieh, außer dem, was sie aus freiem Willen geben zum Hause Gottes zu Jerusalem!“

Da machten sich auf die Obersten der Sippen aus Juda und Benjamin und die Priester und Leviten, alle, deren Geist Gott erweckte, hinaufzuziehen und zu bauen das Haus des Herrn. Alle Nachbarn halfen ihnen mit silbernem und goldenem Geräte, mit Gut und Vieh und Kleinoden, außer dem, was sie freiwillig gaben. Auch der König Cyrus gab heraus die Gefäße des Hauses des Herrn, die Nebukadnezar aus Jerusalem genommen hatte und in das Haus seines Gottes getan hatte [Die Geschenke der Nachbarn sind sicher übetrieben. Die Rückkehr war in Wirklichkeit wohl sehr ärmlich. Aber Cyrus ist bekannt für seine milde Religionspolitik, die natürlich auch dazu diente, die bisher von den Babyloniern unterworfenen Völker ruhig zu stellen].

Es folgt jetzt eine lange Aufzählung der aus dem Exil zurückgekehrten mit der Anzahl der Mitglieder der jeweiligen Gruppe (vgl. Neh 7). Es sollen zweiundvierzigtausenddreihundertundsechzig Personen gewesen sein, dazu noch Helfer, Sänger und viele Tiere. Als einige Oberhäupter der Sippen zum Hause des Herrn in Jerusalem kamen, gaben sie freiwillig zum Haus Gottes, damit man es an seiner früheren Stätte wieder aufbaute. Das Volk aber ging in seine Städte.

Im siebten Monat, als die Israeliten nun in ihren Städten waren, kam das Volk zusammen wie ein Mann in Jerusalem. Und einige Priester bauten den Altar des Gottes Israels an seiner alten Stelle, um Brandopfer darauf zu opfern, wie es geschrieben steht im Gesetz des Mose. Und sie hielten wieder das Laubhütten Fest, wie es geschrieben steht und vollzogen jeden Tag ein Brandopfer und die Opfer an den Festtagen.

Aber der Grund des Tempels war noch nicht gelegt. Sie gaben aber den Steinmetzen und Zimmerleuten aus Sidon und Tyrus schon Geld und Speis und Trank und Öl, damit sie Zedernholz vom Libanon auf dem Meer nach Japho brächten. Im zweiten Jahr nach ihrer Ankunft fingen Serubabel und Jesua an, dazu die übrigen Priester und Leviten, und alle, die aus der Gefangenschaft gekommen waren, die über zwanzig Jahre alten Leviten zu berufen, die Arbeit am Haus des Herrn zu leiten.

Als die Bauleute den Grund legten am Tempel des Herrn, standen die Priester in ihrer Kleidung mit Trompeten und die Leviten mit Zimbeln, um den Herrn zu loben und sangen und lobten und dankten dem Herrn, daß er gütig ist und seine Barmherzigkeit ewig währt  über Israel. Und alles Volk jauchzte laut beim Lobe des Herrn, daß der Grund am Hause des Herrn gelegt war.

Aber viele der alten Priester und Leviten und Obersten der Sippen, die das frühere Haus gesehen hatten, weinten sie laut. Viele aber jauchzten mit Freuden, daß das Geschrei laut erscholl

Als aber die Widersacher Judas und Benjamins hörten, daß die aus der Gefangenschaft Zurückgekehrten dem Gott Israels den Tempel bauten, kamen sie zu Seru­babel und zu den Obersten der Sippen und sprachen zu ihnen: „Wir wollen mit euch bauen, denn wir suchen euren Gott gleichwie ihr, und wir haben ihm geopfert, seit Asar- Haddon uns heraufgebracht hat!“ Aber Serubabel und Jesua und die andern Obersten der Sippen in Israel antworteten ihnen: !„Es steht uns und euch nicht zu, das Haus unseres Gottes zu bauen, sondern wir wollen es allein bauen für den Gott Israels, wie uns Cyrus geboten hat“

Da machte das Volk im Land die Leute Judas mutlos und schreckten sie ab vom Bauen und sie bezahlten Ratgeber gegen sie und verhinderten ihr Vorhaben, solange Cyrus lebte. Sie schrieben eine Anklage gegen die von Juda und Jerusalem zu den Zeiten der nächsten persischen Könige, in denen sie unterstellen, die Stadt werde aus militärischen Gründen so ausgebaut und man werde eines Tags die Steuer an den König von Persien verweigern. In Persien stellten sie auch anhand ihrer Chroniken fest, daß diese Stadt sich von alters her gegen die Könige empört hat. Deshalb sollen die Einwohner des Landes mit Gewalt verhindern, daß die Stadt gebaut wird.

Erst im zweiten Jahr des Königs Darius ging es mit dem Tempelbau weiter. Seru­babel und Jesua fingen an, das Haus Gottes zu Jerusalem weiter zu bauen, und mit ihnen die Propheten Gottes, die sie stärkten. Als Statthalter aus Persien kommen und fragen, wer ihnen das erlaubt habe, bemühen sie sich um eine offizielle Erlaubnis des Königs Darius. Im Schatzhaus soll gesucht werden, ob König Cyrus befohlen habe, das Haus Gottes in Jerusalem zu bauen. Man fand in einer Festung in Medien eine Schriftrolle, in der schon im ersten Jahr des Carus der Bau des Hauses Gottes befohlen wird und ganz genau angegeben wird, wie es aussehen soll und wie groß es sein soll. Deshalb werden die Statthalter angewiesen, die Juden am Haus Gottes arbeiten zu lassen und sie sogar mit Verpflegung unterstützen sollen

So wurde das Haus vollendet am dritten Tag des Monats Adar im sechsten Jahr des Königs Darius. Und die Israeliten, die Priester, die Leviten und die andern ehemaligen Gefangenen hielten Einweihung des Hauses Gotte mit Freuden. Sie opferten und bestellten die Priester und die Leviten nach ihren Ordnungen zum Dienst am Haus Gottes in Jerusalem. Sie feierten das Passahfest am vierzehnten Tage des ersten Monats sieben Tage lang mit Freuden (Esra 1 - 6, zum Teil stark gekürzt).

 

Esra-Erzählung: Zug nach Jerusalem und Bildung der jüdischen Gemeinde

Esra, der Sohn Serajas, zog herauf von Babel. Er war ein geschickter Schriftgelehrter im Gesetz des Mose, und der König gab ihm alles, was er von ihm erbat. Esra richtete sein Herz darauf, das Gesetz des Herrn zu suchen und zu tun, und Gebote und Rechte in Israel zu lehren. Mit ihm kamen einige Priester und der Leviten, Sänger, Torhüter und der Tempeldiener. Ataxerxes, der damalige König von Persien, gab ihm allerhand wertvolle Güter mit, damit nicht ein Zorn komme über das Reich des persischen Königs. Außerdem gibt er den Befehl, daß die Amtsträger am Tempel nicht mit Steuern belegt werden dürfen. Esra soll auch Richter und Rechtspfleger einsetzen nach der Weisheit seines Gottes. Es folgt jetzt ein Verzeichnis der Rückkehrer.

Bei einer Rast stellte Esra fest, daß gar keine Leviten unter ihnen sind. Deshalb schickte er Boten zu einem Gemeindevorsteher, der ihm die benötigten Leute für den Gottesdienst gibt.

Dann wählte Esra („ich“) zwölf der obersten Priester aus, die Gold und Silber und kostbaren Gefäße übernehmen sollen, um sie dann in Jerusalem den Priestern am Haus des Herrn zu übergeben.

Dann taucht das Problem auf,  daß das Volk Israel und die Priester und Leviten nicht völlig abgesondert sind von den anderen Völkern, denn sie haben deren Töchter zu Frauen genommen. und so den „heiligen Samen“ vermischt haben mit den Völkern in den Ländern.  Als Esra das hörte, „zerriß ich mein Kleid und meinen Mantel und raufte mein Haupthaar und meinen Bart und setzte mich bestürzt hin“. Am Abend betet er zu Gott, weil er sich schämt, weil sie in ein unreines Land gekommen sind und die Gebote Gottes verlassen haben. Da versammelte sich eine große Gemeinde um ihn und sie erklärten sich bereit, alle fremden Frauen zu verstoßen.

Da nahm Esra einen Eid von den Obersten der Priester und Leviten und von ganz Israel, daß sie nach diesem Wort tun sollten. Und sie schwören. Alle Männer Judas und Benjamins versammelten sich in Jerusalem in drei Tagen. Es werden Verantwortliche bestimmt, die in den Städten die Ausführung des Beschlusses überwachen sollen. Auch mehrere Priester verstoßen ihre Frauen und geben einen Widder zum Schuldopfer (Es folgt eine lange Aufzählung der betroffenen Familien)(Esra 7-10, stark gekürzt).

 

 

 

 

 

 

 

Das Buch Nehemia

[Das Buch Nehemia wurde historisch teilweise auch als „Zweites Buch Esra“ bezeichnet oder bildete sogar zusammen mit dem Buch Esra ein einziges Buch. Dadurch konnte die Zahl der anerkannten biblischen Bücher auf die Zahl der Buchstaben im hebräischen Alphabet (22) beschränkt werden, was symbolisch wichtig war für die Abgrenzung gegenüber den abgelehnten Büchern.

Laut einigen Autoren ist die Reihenfolge der Ereignisse in den Büchern Esra und Nehemiah teilweise durcheinandergekommen. Auch könnte mit dem „ich“ der beiden Bücher an einigen Stellen der jeweils andere der beiden gemeint sein.

Der Verfasser Nehemia war ein babylonischer Jude. Er wurde im Jahr 444 vCh zum Statthalter von Juda ernannt. Nehemia sorgte dafür, daß die Stadtmauern von Jerusalem wieder aufgebaut wurden und entwarf eine Reform der religiösen Vorschriften. Für die Durchsetzung der Reformen sorgte der Priester Esra. Zentrale Aspekte seiner Reform waren die Einhaltung des Feiertags, das Verbot „fremde“ Frauen zu heiraten und die Erhebung des Zehnten.

Die Zeitspanne (Esra und Nehemia) ging von  538 - 430 vCh (108 Jahre). Es war eine Zeit gewaltiger philosophischer Strömungen und Umbrüche in der Weltgeschichte, die bekannte Denker, Philosophen und Religionsstifter hervorbrachte. Bekannte ungefähre Zeitgenossen waren: Buddha, Konfuzius, Sokrates, Plato, Aristoteles. In diese Reihe paßt Esra gut hinein als Erneuerer und teilweise sogar als Schöpfer des Judentums, wie wir es heute kennen. Die ganze Gesetzgebung von Esra und Nehemia hatte nur das Ziel, das Volk der Juden überleben zu lassen, und sie war, weiß Gott, erfolgreich. Das Buch wird etwa 430–424 vCh  niedergeschrieben worden sein].

 

Im zwanzigsten Jahr des Königs Ataxerxes kam Hanani in die Festung Susa zu seinem Bruder Nehemia.  Er erzählte, daß die Juden in großem Unglück und Schmach sind: Die Mauern Jerusalems sind zerbrochen und seine Tore mit Feuer verbrannt! Als er dem König den Wein reicht, fragt dieser: „Warum siehst du so schlecht aus? Bist du etwa krank?“ Nehemia antwortet: „Sollte ich nicht schlecht aussehen? Die Stadt, in der das Grab meiner Väter ist, liegt wüst, und ihre Tore sind vom Feuer verzehrt! Wenn es dir gefällt, so sende mich nach Juda zu der Stadt des Begräbnisses meiner Väter, daß ich sie wieder aufbaue!“ Er erbittet Geleitbrief und einen Empfehlungsbrief an den Verwalter, daß er ihm Holz gebe.

In Jerusalem sagt er den Priestern, den Ratsherren und den Obersten und den andern, die an dem Werk arbeiteten: „Kommt, laßt uns die Mauern Jerusalems bauen, daß wir nicht mehr eine Schmach seien!“ Er sagte ihnen die Hand Gottes an, die gut über ihm war, dazu die Worte des Königs, die er zu ihm geredet hatte. So wurden ihre Hände gestärkt zum Guten. Einige umliegende Fürsten aber verspotten sie: „Wollt ihr von dem König abfallen?“ Aber Nehemia antwortet ihnen: „Der Gott des Himmels wird es uns gelingen lassen, denn wir, seine Diener, haben uns aufgemacht und bauen. Aber für euch gib es kein Teil noch Recht noch Gedenken in Jerusalem!“

Dann wird beschrieben, welche Gruppe nun welchen Teil der Stadt wieder aufbaut. Aber jetzt verbünden sich wieder die Fürsten der Umgebung, um gegen Jerusalem zu kämpfen. Die Juden wollen schon verzweifeln. Aber als sie sich zum Kampf aufstellen, merken die Feinde, daß ihr Plan bekannt geworden ist und Gott ihren Rat zunichte gemacht hatte. Da kehrten alle wieder zur Mauer zurück, jeder zu seiner Arbeit. Eine Hälfte arbeitete, die  andere hielt Wache. Eine Posaune sollte alle zusammenrufen, wenn Gefahr drohte. Sie blieben jetzt ständig in der Stadt und zogen ihre Kleider nicht mehr aus.

Es erhob sich ein großes Geschrei des einfachen Volks und ihrer Frauen gegen die Juden. Einige sprachen: „Unserer Söhne und Töchter müssen wir verpfänden, um Getreide zu kaufen, damit wir essen und leben!“ Aber einige sprachen: Wir habe auf  unsre Äcker, Weinberge und Häuser Geld aufnehmen müssen, um dem König die Steuern zahlen zu können. Wir sind aber doch wie die anderen unsres Volks von gleichem Fleisch und Blut!“

Da rief Nehemia die Gemeinde zusammen und schalt die Obersten: „Gebt ihnen nun heute wieder ihre Äcker, Weinberge, Ölgärten und Häuser und den Hundertsten am Geld, am Getreide, am Most und am Öl, den ihr von ihnen zu fordern habt! Meine Familie hat ihnen die Schuld erlassen. Gebt ihnen doch auch ihre Äcker und Weinberge, Ölgärten und Häuser wieder!“ Da sprachen sie: „Wir wollen es zurückgeben und wollen nichts von ihnen fordern und wollen tun wie du gesagt hast!“ Die Priester nahmen einen Eid von ihnen, daß sie das tun sollten.

Nehemia war Statthalter im Land Juda vom zwanzigsten Jahr bis in das zweiund­dreißigste Jahr des Königs Ataxerxes, das sind zwölf Jahre. Dabei verzichtete er auf seine Einkünfte als Statthalter, für den früher täglich vierzig Silberstücke vom Volk gefordert wurden. Er verpflegte aber hundertundfünfzig Personen von den führenden Leuten des Volks an seinem Tisch.

Als aber die Feinde erfuhren, daß die Mauer gebaut war und keine Lücke vorhanden war, ließen sie Nehemia sagen: „Laß uns zusammenkommen in den Dörfern in der Ebene!“ Weil sie aber Böses vorhatten, ließ er ihnen sagen: „Ich habe ein großes Werk auszurichten, ich kann nicht hinab kommen!“ Beim fünften Versuch hatte der Bote einem offenen Brief in seiner Hand: „Es wird gesagt, daß ihr abfallen wollt und daß du dich von den Propheten zum König ausrufen lassen willst, weil ihr die Mauer baut!“ Nehemia aber antwortete: „Das hast du dir nur ausgedacht!“ Aber für sich dachte er: Sie wollen uns nur Angst machen, damit wir mit dem Bau aufhören!

Ein Mann rät ihm auch, in den Tempel zu flüchten, damit er nicht getötet wird, aber er will sich allein unter den Schutz Gottes stellen. Die Mauer wird vollendet und die Feinde merken, daß dies Werk von Gott war.

Als nun die Mauer gebaut war, hängte Nehemia die Türen ein und bestellte die Torhüter, Sänger und Leviten. Und befahl seinem Bruder Hanani und dem Burgvogt Hananja, die Tore Jerusalems erst aufzuschließen, wenn die Sonne heiß wird und sie auch bald wieder zu verriegeln. Aus den Bürgern Jerusalems werden Wächter bestellt, die einen bei ihrer Wachmannschaft, die anderen ihrem Haus gegenüber. Die Stadt aber war weit und groß, aber es war wenig Volk darin, und die Häuser waren noch nicht wieder gebaut.

Dann wollte er das Volk aufzeichnen nach Sippen. Dabei fand er das Verzeichnis derer, die zuerst heimgekehrt waren (Es folgt eine lange Aufzählung der Sippenoberhäupter und die Zahl die Mitglieder der Sippe, entsprechend der Aufzählung bei der Verschleppung). Es waren zweiundvierzigtausenddreihundertundsechzig Personen, ohne die Helfer und Sänger und das Vieh. Auch wurde viel Geld gegeben für den Tempelbau und das ganze Volk ließ sich in seinen Städten nieder.

Im siebenten Monat, versammelte sich das ganze Volk auf dem Platz vor dem Wassertor. Der Schriftgelehrte Esra holte das Gesetzbuch des Mose und las daraus von einer hölzernen Kanzel. Als er das Buch aufschlug, stand das Volk auf und alle weinten, als sie die Worte des Gesetzes hörten. Es ging vom Morgen bis zum Mittag. Dann sprach Esra: „Geht hin und eßt und trinkt und sendet denen auch Teile, die nichts für sich vorbereitet haben. denn dieser Tag ist heilig unserm Herrn. Und seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!“

Am anderen Tag ließen sie sich wieder von Esra unterrichten. Da fanden sie geschrieben im Gesetz, daß die Israeliten in Laubhütten wohnen sollten am Fest im siebenten Monat. Da machten sie sich Laubhütten, jeder auf seinem Dach und in den Höfen und auf den Plätzen und im Tempelbereich und wohnten darin. An allen sieben Tagen des Festes wurde im Gesetzbuch Gottes gelesen.

Am vierundzwanzigsten Tage dieses Monats kamen die Juden zusammen mit Fasten, in Säcke gehüllt und mit Erde auf ihnen Köpfen und bekannten ihre Sünden und ihrer Väter Missetaten und sprachen ein großes Bußgebet. Darin blicken sie zurück auf die Geschichte ihres Volks und bekennen: „Du bist gerecht in allem, was du über uns gebracht hast, denn du hast recht getan, wir aber sind gottlos gewesen!“ Sie schließen eine feste Abmachung und lassen sie durch die Fürsten, Leviten und Priester versiegeln (Es folgt die Aufzählung der Versiegler). Sie verpflichten sich, alles Nötige für die Opfer herbeizubringen. Sie wollen den Feiertag einhalten und ein Zehntel ihres Einkommens den Priestern geben.

Durch das Los wird bestimmt, welches Zehntel des Volks in Jerusalem wohnen soll und wer in den anderen Städten (Die Sippen werden jetzt aufgezählt, und dann noch einmal die Priester und die Leviten, die mit Serubabel und Jesua heraufzogen waren und weitere Inhaber von Ämtern, vor allem für die Abgaben an die Priester und Leviten). Die Stadtmauer von Jerusalem wird feierlich eingeweiht).

Nehemia aber war bei alledem nicht in Jerusalem. Erst im zweiunddreißigsten Jahr des Ataxerxes darf er nach Jerusalem ziehen. Dort findet er im Tempel eine Kammer, in der früher die Opfergaben und Geräte aufgehoben wurden, die aber jetzt Tobias innehatte. Er warf allen Hausrat hinaus vor die Kammer und ließ die Kammer reinigen und brachte wieder dahin das Gerät des Hauses Gottes, das Speisopfer und den Weihrauch. Er erfuhr auch, daß Anteile der Leviten nicht eingegangen waren und die Leviten und die Sänger deshalb zu ihren Äckern zurückgegangen waren. Er stellt sie wieder in Dienst und sorgt dafür, daß ihr Anteil wieder eingeht.

Dann setzt er die Beachtung des Feiertags durch, denn vorher arbeiteten sie auf dem Feld oder verkauften ihre Waren am Feiertag. Er ließ einfach die Tore von Jerusalem vor dem Sabbat zuschließen, wenn es dunkel wurde, und setzte Wächter ein, damit niemand eine Last hereinbrächte am Feiertag. Er brachte auch das Volk dazu, die ausländischen Frauen zu verstoßen, deren Kinder schon nicht mehr hebräisch reden konnten.

Am Schluß des Buches heißt es: „So reinigte ich sie von allem Ausländischen und ordnete die Ämter der Priester und Leviten und die Lieferung von Brennholz zu bestimmten Zeiten und die Gabe der ersten Früchte. Gott rechne es mir zum Besten zu!“

 

 

 

Das Buch Esther

[Der Verfasser und seine Lebenszeit sind nicht genau festzustellen. Aus dem Buch Esther selbst geht nur hervor, daß Ahasveros bei seiner Abfassung bereits gestorben war. Nach der jüdischen Überlieferung wurde das Buch um 400 vCh verfaßt. Da sich bei genauer Analyse jedoch zeigt, daß die Kenntnis persischer Verhältnisse im Buch Esther keineswegs so gut ist, wie es zunächst scheint, wird in der heutigen Wissenschaft eine Datierung des Buches Esther in das 3. Jahrhundert vCh vertreten. Dafür spricht außerdem, daß das Thema Judenverfolgungen in der Zeit der Nachfolgekämpfe nach dem Tod Alexanders des Großen aktuell war.

Das Estherbuch in der Septuaginta hat erhebliche Veränderungen und Zusätze zum hebräischen Text, die wohl erst einige Zeit später geschrieben wurden (1. Jahrhundert vor Christus). In der Lutherbibel stehen diese Zusätze als „Stücke zu Esther“ unter den Apokryphen.

Das hebräische Buch Esther hat einen klaren Aufbau und ist literarisch ein geschlossenes Werk. Vertreter der Glaubwürdigkeit des Buches Esther stellen heraus, daß sich manche im Buch beschriebenen Einzelheiten gut in unser historisches Bild vom persischen Königshof fügen (Luxus am Hof, der königliche Wein und das Charakterbild von Ahasveros bzw. Xerxes I. als eigensinnig und leicht beeinflußbar durch Frauen und Günstlinge).

In der modernen historisch-kritischen Bibelwissenschaft gilt das Buch Esther trotzdem als eine Legende. Zum einen beweist eine historisch richtige Hintergrundinformation noch nicht auch die Richtigkeit der eigentlichen Handlung. Außerdem zeigt sich der fiktive Charakter der Esther-Erzählung unter anderen an folgenden Indizien:

* Nach Herodot hatte die Frau des Ahasveros (Xerxes) den Namen Amestris. Von einer Vasti, die dann von einer Esther verdrängt wurde, ist in von der Bibel unabhängigen Quellen nirgends die Rede.

* Persische Könige waren außerdem dazu verpflichtet, ihre Frau aus einer der sieben vornehmen Familien des Reiches auszuwählen. Esther hätte als Jüdin zwar in den königlichen Harem kommen, niemals aber Hauptfrau und Königin werden können.

* Auch ein Großwesir Haman, der dann von einem Mordechai abgelöst wurde, wird in von der Bibel unabhängigen Quellen über das Perserreich nirgends erwähnt.

* Nach Esther 2,6 war Esthers Cousin Mordechai noch bei der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II. nach Persien weggeführt worden. Dies war im Jahr 597 vCh gewesen. Das Buch Esther spielt aber nach eigenen Angaben (Esther 3,7) im zwölften Regierungsjahr des Ahasveros, das heißt im Jahre 474 vCh. Demzufolge hätte Mordechai also bei dem Geschehen im Buch Esther mindestens 125 Jahre alt sein müssen. Und auch Esther – als seine Cousine – hätte dann nicht mehr die herausragend schöne junge Frau sein können, die den König Ahasveros betörte.

* Haman soll den Juden vorgeworfen haben (Esther 3,8), daß die Juden, zerstreut und abgesondert, ihr eigenes Gesetz hätten, das von denen aller anderen Völker verschieden sei. Mit dieser Begründung hätte ihm Ahasveros niemals ein Judenpogrom erlaubt: Einzelvölker innerhalb des persischen Großreiches durften ihre partikularen Gesetze behalten und wurden deswegen eben nicht mit Ausrottung bedroht.

* Daß Ahasveros Esther mehrfach angeboten haben soll, ihr sogar das halbe Perserreich zu schenken (Esther 5,3.6; 7,2) ist ein typisches Märchen-Motiv, historisch aber unglaubwürdig.

* Offizielle Erlasse des Perserreiches waren allein in Aramäisch verfaßt, nicht in allen Sprachen des Reiches, wie in Esther behauptet wird. Außerdem ist es undenkbar, daß solche Erlasse einerseits einen so trivialen Inhalt hatten wie den, daß alle Männer Herr in ihrem Hause sein sollten (Esther 1,22) oder andererseits praktisch auf die offizielle Genehmigung eines Bürgerkriegs im eigenen Reich hinausgelaufen wären (Esther 8,8 – 9,10).

* Außerdem ist auch sonst aus unabhängigen Quellen nichts von einem Bürgerkrieg der persischen Juden gegen ihre Feinde bekannt, bei welchem immerhin 75.000 Feinde des jüdischen Volkes getötet worden sein sollen.

Nach dem Urteil der heutigen historisch-kritischen Forschung steht daher fest, daß die Handlung des Buches Esther nicht historisch sein kann. Das bedeutet in letzter Konsequenz auch, daß das Purimfest nicht auf ein wirkliches Geschehen um Esther, Mordechai und Haman am persischen Hof zurückgehen kann. Vielmehr wird davon ausgegangen, daß Angehörige des Volkes Israel das Purimfest von Nachbarvölkern übernommen hatten (ursprünglich wohl als eine Art Neujahrsfest). Das Buch Esther könnte dann geschrieben worden sein, um für dieses Purimfest eine ausgedachte Verankerung in der jüdischen Geschichte zu finden. Außerdem sollte das Buch Esther den Juden vor allem in der Diaspora Mut machen, daß sie auch weiterhin antisemitische Anfeindungen überstehen würden.

Das Buch Esther ist im Neuen Testament nicht zitiert. Trotzdem ist das Buch Esther ein wichtiges theologisches Buch, so daß heute allgemeine Übereinstimmung über seine Zugehörigkeit zum biblischen Kanon besteht. Das Esther-Motiv kommt häufig in der Kunst vor.  Bekannt ist vor allem Händels erstes englisches Oratorium dieses Namens (1714)].

 

 

Verstoßung der Königin Vasthi:

Ahasveros war König vom Indus bis zum Nil über hundertsiebenundzwanzig Länder und  auf saß seinem Thron in der Festung Susa. Im dritten Jahr seines Königtums machte er bei sich ein Mahl für alle seine Fürsten und Großen, die Heerführer in Persien und Medien, die Edlen  und Obersten in seinen Ländern, daß er sehen ließe den herrlichen Reichtum seines Königtums und die köstliche Pracht seiner Majestät hundertachtzig Tage. Tage lang.

Nach diesen Tagen machte der König sieben Tage lang ein Festmahl für alle in der Festung im Hof des Gartens am Hause des Königs. Da hingen weiße, rote und blaue Tücher, mit leinenen und scharlachroten Schnüren eingefaßt, in silbernen Ringen auf Marmorsäulen. Die Polster waren golden und silbern auf grünem, weißem, gelbem und schwarzen Marmor. Die Getränke trug man auf in goldenen Gefäßen, von denen keins wie das andere war, und königlicher Wein die Menge nach königlicher Art und Weise. Und man schrieb niemand vor, was er trinken sollte, denn der König hatte allen Vorstehern in seinem Palast befohlen, daß jeder sollte tun, wie es ihm wohl gefiel.

Auch die Königin Vasthi machte auch ein Mahl für die Frauen im königlichen Haus. Am siebenten Tage, als der König guter Dinge war vom Wein, befahl er den sieben Kämmerern, daß sie die Königin Vasthi mit der königlichen Krone holten vor den König, um dem Volk und den Fürsten ihre Schönheit zu zeigen, denn sie war sehr schön. Aber die Königin Vasthi wollte nicht kommen.

Da ward der König sehr zornig, und sein Grimm entbrannte in ihm. Er sprach zu den Weisen, die sich auf die Gesetze verstanden: „Was soll ich mit der Königin Vasthi tun, weil sie nicht getan hat, was der König durch seinen Kämmerer befohlen hat?“

Da sprach einer der Ratgeber: „Die Königin Vasthi hat nicht nur den König beleidigt, sondern auch alle Fürsten und alle Völker in allen Landen des Königs Ahasveros. Denn diese Tat wird allen Frauen bekannt werden, daß sie ihre Männer verachten. Auch die Fürstinnen in Persien und Medien auch nun auch so sagen zu allen Fürsten des Königs. Es wird Verachtung und Zorn genug geben. Gefällt es dem König, so lasse man ein königliches Gebot von ihm ausgehen und unter die Gesetz der Perser und Meder aufnehmen, daß Vasthi nicht mehr vor den König Ahasveros kommen darf, und der König ihre königliche Würde einer andern geben soll, die besser ist als sie. Dieser Erlaß des Königs soll in seinem ganzen Reich bekannt werden, damit alle Frauen ihre Männer in Ehren halten!“

Das gefiel dem König und den Fürsten, und der König tat nach dem Wort des Ratgebers.  Da wurden Briefe ausgesandt in alle Länder des Königs, zu jedem Volk  in seiner Sprache, daß ein jeder Mann der Herr in seinem Hause sei (Esth 1,1-22, leicht gekürzt).

 

Esther wird Königin:

Als der Grimm des Königs Ahasveros sich gelegt hatte, dachte er an Vasthi, was sie getan hat­te und was über sie beschlossen war. Da sprachen die Männer des Königs, die ihm dienten: „Man suche dem König junge, schöne Frauen!“ Der König bestellte Männer in allen Landen seines Königreichs, daß sie alle jungen und schöne Frauen zusammenbringen in Susa ins Frau­enhaus unter den Haremsaufseher und daß man ihre Schönheit pflege, und das Mädchen, das  dem König gefällt, soll Königin werden an Vasthis Stelle. Das gefiel dem König, und er tat so.

Es war aber ein jüdischer Mann in der Festung Susa, der hieß Mardochai. Er war mit weggeführt worden von Jerusalem, als König Jechonja von Nebukadnezar weggeführt wurde. Er war der Pflegevater der Esther, einer Tochter seines Onkels, denn sie hatte keinen Vater und keine Mutter mehr. Sie war aber ein schönes und feines Mädchen.

Als nun das Gebot und Gesetz des Königs laut wurde und viele Mädchen zusam­men­gebracht wurden in Susa, wurde auch Esther in den Palast des Königs geholt. Dem Haremsaufseher gefiel das Mädchen und sie fand Gunst bei ihm. Er beeilte sich, ihre Schönheit zu pflegen und ihr genügend Speise zu geben und dazu sieben feine Dienerinnen aus dem Palast des Königs. Er brachte sie mit ihren Dienerinnen an den besten Ort im Frauenhaus.

Aber Esther sagte ihm nichts von ihrer Herkunft, denn Mardochai hatte ihr geboten, sie sollte es nicht sagen. Mardochai kam alle Tage am Hofe am Frauenhaus vorbei, um zu erfahren, ob es Esther gut ginge und was mit ihr geschehen würde. Wenn aber die bestimmte Zeit für jede der jungen Frauen kam, daß sie zum König Ahas­veros kommen sollte, mußte man ihr alles geben, was sie wollte. Und wenn eine am Abend hineinkam zum König, die ging am Morgen von ihm in das andere Frauenhaus zu den Nebenfrauen. Und sie durfte nicht wieder zum König kommen, es sei denn, sie hätte dem König gefallen und er ließ sie mit Namen rufen.

Als nun für Esther die Zeit herankam, daß sie zum König kommen sollte, begehrte sie nichts, las was der Hüter des Frauenhauses sagte. Und Esther fand Gunst bei allen, die sie ansahen. Esther wurde zum König Ahasveros in den königlichen Palast gebracht im zehnten Monat im siebenten Jahr seines Königtums. Und der König gewann Esther lieber als alle Frauen, und sie fand Gnade und Gunst vor ihm vor allen anderen Frauen: Er setzte die königliche Krone auf ihr Haupt und machte sie zur Königin an Vasthis Stelle. Der König machte ein großes Festmahl für alle seine Fürsten und Großen, das Festmahl Esthers, und gewährte den Länder einen Steuererlaß und gab königliche Geschenke aus (Esth (2,1-18).

 

Entdeckung des Mordanschlages gegen Ahasveros:

Als man die anderen Frauen versammelte, um sie in das andere Frauenhaus zu bringen, saß Mardochai am Tor des Königs. Da gerieten zwei Türhüter des Königs in Zorn und trachteten danach, ihre Hände an den König Ahasveros zu legen. Als Mardochai das erfuhr, sagte er es der Königin Esther, und Esther sagte es dem König in Mardochais Namen. Als man nachforschte, wurde es als wahr gefunden, und sie wurden beide an dem Galgen gehängt. Der Vorgang wurde aufgezeichnet in den täglichen Meldungen für den König (Esth 2,19-23).

 

Hamans Erlaß zur Vernichtung der Juden

Nach diesen Geschichten erhob der König Ahasveros den Haman machte ihn groß und setzte seinen Stuhl über alle Fürsten, die bei ihm waren. Alle Großen des Königs, die am Tor waren, beugten die Knie und fielen vor Haman nieder, wie es der König befohlen hatte. Aber Mardochai beugte die Knie nicht und fiel nicht nieder.

Da sprachen die Großen des Königs zu Mardochai: „Warum übertrittst du des Königs Gebot?“ Und als sie das täglich zu ihm sagten und er ihnen nicht gehorchte, sagten sie es Haman, daß sie sähen, ob ein solches Tun Mardochais weiter Bestand würde, denn er hatte ihnen gesagt, daß er ein Jude wäre. Als nun Haman sah, daß Mardochai ihm nicht die Knie beugte noch vor ihm niederfiel, wurde er voll Grimm. Es war ihm zu wenig, daß er nur an Mardochai allein die Hand anlegen sollte, denn sie hatten ihm gesagt, zu welchem Volk dieser Mardochai gehörte. Er trachtete vielmehr danach, das ganze Volk Mardochais, also alle Juden im ganzen Königreich des Ahasveros zu vertilgen.

Im ersten Monat im zwölften Jahr des Königs Ahasveros wurde  das „Pur „geworfen vor Haman. Es wurde also das Los geworfen, von einem Tag auf den andern und von Monat zu Monat bis zum zwölften Monat. Und Haman sprach zum König Ahasveros: „Es gibt da ein Volk, das ist zerstreut in alle Länder deines Königreichs, und ihr Gesetz ist anders als das aller Völker, und tun nicht nach den Gesetzen des Königs. Es gehört sich nicht für den König nicht, sie gewähren zu lassen. Gefällt es dem König, so lasse er schreiben, daß man sie umbringe. Dann will ich zehntausend Zentner Silber abwiegen in die Hand der Amtleute, daß man sie bringt in die Schatzkammer des Königs!“

Da nahm der König seinen Ring von der Hand und gab ihn Haman und sprach zu Haman: „Das Silber sei dir gegeben, dazu das Volk, daß du damit tust, was dir gefällt!“

Da rief man die Schreiber des Königs am dreizehnten Tage des ersten Monats. Sie schreiben, wie Haman befahl, an die Fürsten des Königs und zu den Statthaltern hin und her in den Ländern und zu den Obersten eines jeden Volks in den Ländern hin und her, in der Schrift eines jeden Volks und in ihrer Sprache, im Namen des Königs Ahasveros und mit des Königs Ring versiegelt.

Die Briefe wurden gesandt durch die Läufer in alle Länder des Königs, man solle vertilgen und töten alle Juden, jung und alt, Kinder und Frauen, auf einen Tag, nämlich am dreizehnten Tag des zwölften Monats, und ihr Gut zu rauben. Die Läufer gingen eilend hinaus nach des Königs Wort, und in der Festung Susa wurde das Gebot angeschlagen. Und der König und Haman saßen und tranken. Aber die Stadt Susa ward bestürzt (Esth 3,1-15) [Wenn beim Purimfest die Geschichte von Esther vorgelesen wird, dann brechen die Zuhörer bei Nennung des Namens „Haman“ immer in lautes Spottgelächter aus].

 

Mordechai bewegt Esther zur Fürbitte beim König für ihr Volk: 

Als Mardochai das alles erfuhr, zerriß er seine Gewänder und legte einen Sack an und schüttete Asche auf seinen Kopf und ging hinaus mitten in die Stadt und schrie laut klagend. Er kam bis vor das Tor des Königs. Aber es durfte niemand in des Königs Tor hineingehen, der einen Sack anhatte. Und in allen Ländern, wohin des Königs Wort und Gebot gelangte, war ein großes Klagen unter den Juden, und viele fasteten, weinten trugen Leid und lagen in Sack und Asche.

Da kamen die Dienerinnen Esthers und ihre Kämmerer und erzählten ihr alles. Da erschrak die Königin sehr. Und sie sandte Gewänder, daß Mardochai sie anzöge und den Sack von sich legte. Aber er nahm sie nicht. Da rief Esther einen von den Kämmerern des Königs und gab ihm Befehl an Mardochai, daß sie erführe, was das wäre und warum er so tue. Der Kämmerer befragte Mardochai vor dem Tor des Königs. Dieser sagte ihm alles, was ihm begegnet war, auch von der Summe des Silbers, das Haman versprochen hatte, in die Kammer des Königs zu bringen, um die Juden zu vertilgen. Er gab die Abschrift des Gebots, das in Susa angeschlagen war, sie zu vertilgen, damit er es Esther zeigte und ihr auftrüge, daß sie zum König hineinginge und flehte zu ihm und bei ihm Fürbitte tue um ihr Volk.

Der Kämmerer sagte Esther die Worte Mardochais. Diese wies ihn darauf hin, daß er  sein Leben riskiert, wenn er in den Hof des Königs geht, ohne gerufen zu sein. Mardochai aber ließ  Esther sagen: „Denke nicht, daß du dein Leben errettest, weil du im Hause des Königs bist, du allein von allen Juden. Wenn du in dieser Zeit schweigen wirst, so wird eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden entstehen, und du aber und deine Familie werden umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?“

Esther hieß Mardochai antworten: „Gehe hin und versammle alle Juden, die in Susa vorhanden sind, und fastet für mich, daß ihr an drei Tagen nicht eßt und trinkt, weder Tag noch Nacht. Ich und meine Dienerinnen wollen auch so fasten. Und ich will zum König hineingehen auch gegen das Gebot. Komme ich um, so komme ich um!“ Mardochai ging hin und tat alles, was ihm Esther geboten hatte.

Am dritten Tag zog sich Esther königlich an und trat in den inneren Hof am Haus des Königs. Der König saß auf seinem königlichen Thron. Als er die Königin Esther im Hof stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen. Er streckte das goldene Zepter in seiner Hand auf Esther zu. Da trat Esther herbei und berührte die Spitze des Zepters. Da sprach der König zu ihr: „Was ist dir, Esther? Was forderst du? Auch die Hälfte des Königreichs soll dir gegeben werden!“

Esther sprach: „Gefällt es dem König, so komme der König heute mit Haman zu dem Mahl, das ich zugerichtet habe!“ Der König sprach: „Eilt, holt Haman, damit geschehe, was Esther gesagt hat!“ Als nun der König und Haman zu dem Mahl kamen, das Esther zugerichtet hatte, sprach der König zu Esther, als er Wein getrunken hatte: „Was bittest du, Esther? Es soll dir gegeben werden. Und was forderst du? Auch wenn es die Hälfte des Königreichs wäre, so soll es geschehen!“

Da antwortete Esther: „ Ich wünsche mir nur eins: Habe ich Gnade gefunden vor dem König, und gefällt es dem König, meine Bitte zu erfüllen und zu tun nach meinem Wunsch, so komme der König und Haman zu dem Mahl, das ich für sie zurichten will. Morgen will ich dann tun, was der König gesagt hat!“ (Esth 4,1-5,8).

 

Haman will Mordechai töten lassen:

Haman ging an diesem Tag fröhlich und gutes Muts hinaus. Als er Mardochai am Tor des Königs sah, wie er nicht aufstand und sich nicht vor ihm fürchtete, wurde er voll Zorn über Mardochai. Aber er hielt an sich. Als er heimkam, sandte er hin und ließ seine Freunde und seine Frau holen und zählte ihnen auf die Herrlichkeit seines Reichtums und die Menge seiner Kinder und alles, wie ihn der König so groß gemacht hätte und daß er über die Fürsten und Knechte des Königs eingesetzt worden wäre. Und er sprach: „Die Königin Esther hat niemand kommen lassen mit dem König zum Mahl, außer mir. Ich bin morgen zu ihr eingeladen mit dem König. Aber das alles ist mir nicht genug, solange ich den Juden Mardochai am Königstor sitzen sehe!“

Da sprachen zu ihm seine Frau und alle Freunde: „Man mache einen Galgen, fünfzehn Meter hoch, und morgen sage dem König, daß man Mardochai daran hänge. Dann geh mit dem König fröhlich zum Mahl!“ Das gefiel Haman wohl, und er ließ einen Galgen aufrichten (Esth 5,9-14, leicht gekürzt).

 

Haman muß Mardochai ehren:

In dieser Nacht konnte der König nicht schlafen und ließ sich das Buch mit den täglichen Meldungen bringen. Als sie dem König vorgelesen wurden, fand man darin geschrieben, wie Mardochai gemeldet hatte, daß die zwei Kämmerer des Königs, die an der Schwelle die Wache hatten, getrachtet hätten, die Hand an den König Ahasveros zu legen.

Der König sprach: „Welche Ehre und Würde hat Mardochai dafür empfangen?“ Da sprachen seine Kämmerer: „Er hat nichts bekommen!“ Der König ließ Haman holen und fragte ihn: „Was soll man dem Mann tun, den der König gern ehren will?“ Haman aber dachte in seinem Herzen: „Wen anders sollte der König gern ehren wollen als mich?“ Er sprach zum König: „Dem Mann soll man königliche Gewänder bringen, und ein Roß, darauf der König reitet, und dessen Kopf einen königlichen Schmuck trägt. Man führe ihn auf dem Roß in die Gassen der Stadt und lasse ausrufen vor ihm her: So wird man tun dem Mann, den der König gerne ehren will!“

Der König sprach zu Haman: „Eile und nimm das Gewand und Roß und tu so mit dem Juden Mardochai, der vor dem Tor des Königs sitzt. Und laß nichts fehlen von allem, was du geredet hast!“  Da nahm Haman das Gewand und Roß und zog Mardochai an und führte ihn auf die Gassen der Stadt und rief vor ihm her: „So wird man tun dem Mann, den der König gerne ehren will!“ Mardochai kam wieder an das Tor des Königs.

Haman aber eilte nach Haus, traurig und mit verhülltem Kopf und erzählte seiner Frau und seinen Freunden alles, was ihm begegnet war. Da sprachen zu ihm seine Weisen und seine Frau: „Ist Mardochai vom Volk der Juden, so vermagst du nichts gegen ihn, sondern du wirst vor ihm vollends zu Fall kommen!“ Als sie aber noch mit ihm redeten, kamen die Kämmerer des Königs herbei und trieben Haman, zum Mahl zu kommen, das Esther zugerichtet hatte (Esth 6,1-14, leicht gekürzt).

 

 

 

 

Haman wird gehängt:

Als der König mit Haman zum Mahl kam, das die Königin Esther zugerichtet hatte, sprach der König zu Esther auch am anderen Tag, als er Wein getrunken hatte: „Was bittest du, Königin Esther, daß man es dir gebe? Und was forderst du? Auch das halbe Königreich, es soll geschehen!“

Esther antwortete: „Habe ich Gnade vor dir gefunden und gefällt es dem König, so gib mir mein Leben um meiner Bitte willen und mein Volk um meines Verlangens willen. Denn wir sind verkauft, ich und mein Volk, daß wir vertilgt und getötet werden. Wären wir doch nur zu Sklaven verkauft, so wollte ich schweigen. Denn die Bedrängnis wäre nicht so groß, daß man den König damit belästigen müßte!“

Der König Ahasveros fragte: „Wer ist der, oder wo ist der, der sich in den Sinn hat kommen lassen, so etwas zu tun?“ Esther sprach: „Der Feind und Widersacher ist dieser niederträchtige Haman!“ Haman aber erschrak vor dem König und der Königin. Der König aber stand voller Grimm auf von dem Weingelage und ging in den Garten am Haus. Haman aber stand auf und bat die Königin Esther um sein Leben, denn er sah, daß sein Unglück schon vom König beschlossen war.

Als der König wieder aus dem Garten am Haus in den Saal kam, lag Haman vor dem Lager, auf dem Esther ruhte. Da sprach der König: „Will er auch der Königin Gewalt antun bei mir im Haus?“ Als das Wort aus dem Mund des Königs gekommen war, verhüllten sie Haman das Gesicht.

Einer der Kämmerer sprach: „Das steht doch ein Galgen beim Haus Hamans, fünfzehn Meter hoch, den er für Mardochai aufgerichtet hat, der doch zum Wohl des Königs geredet hat!“ Der König sprach: „Laßt ihn daran hängen!“ Also hängte man Haman an den Galgen, den er für Mardochai gemacht hatte. Da legte sich des Königs Zorn (Esth 7,1-10).

 

Ein neuer Erlaß zugunsten der Juden:

An diesem Tag schenkte der König Ahasveros der Königin Esther das Haus des Judenfeindes Haman, über das Esther nun Mardochai einsetzte. Mardochai wurde vom König empfangen, denn Esther hatte ihm gesagte, daß er ihr Pflegevater sei. Der König tat seinen Fingerreif ab, den er von Haman genommen hatte, und gab ihn Mardochai.

Esther redete weiter vor dem König und fiel ihm zu Füßen und weinte und flehte ihn an, daß er zunichte machte die Bosheit Hamans und seine Anschläge, die er gegen die Juden erdacht hatte. Der König streckte das goldene Zepter gegen Esther aus. Da stand Esther auf und trat vor den König und sprach: „Gefällt es dem König und habe ich Gnade gefunden vor ihm und scheint es dem König recht zu sein und ich gefalle ihm, so möge man die Briefe Hamans widerrufen, die er geschrieben hat, um die Juden umzubringen in allen Landen des Königs. Denn wie kann ich dem Unheil zusehen, das mein Volk treffen würde? Und wie kann ich zusehen, daß mein Volk umkomme?“

Da sprach der König Ahasveros zur Königin Esther und zu Mardochai: „Schreibt ihr nun für die Juden, wie es euch gefällt, in des Königs Namen und versiegelt es mit dem Ring des Königs. Denn die Schriften, die in des Königs Namen geschrieben und mit des Königs Ring versiegelt wurden, durfte niemand widerrufen!“

Er sandte die Briefe durch die reitenden Boten auf jungen Maultieren, darin der König den Juden die Erlaubnis gab, in welchen Städten sie auch waren, sich zu versammeln und ihr Leben zu verteidigen und die anderen Völker, die sie angegriffen hatten, zu vertilgen und zu töten an einem Tag, nämlich am dreizehnten Tage des zwölften Monats.

Eine Abschrift des Schreibens aber sollte als Gesetz erlassen werden in allen Ländern, um allen Völkern zu eröffnen, daß die Juden sich für diesen Tag bereithalten würden, sich zu rächen an ihren Feinden.

Mardochai aber ging hinaus von dem König in königlichen Gewändern, blau und weiß, und mit einer großen goldenen Krone, angetan mit einem Mantel ausLeinen und Purpurwolle. Und die Stadt Susa jauchzte und war fröhlich. Über die Juden aber war Licht und Freude und Wonne und Ehre gekommen. Und in allen Landen und Städten, in die das Wort des Königs gelangte, da war Freude und Wonne unter den Juden, Gastmahl und Festtage, daß viele aus den Völkern im Land zu Juden wurden, denn die Furcht vor den Juden war über sie gekommen (Esth 8, 1-17, gekürzt).

 

Die Juden besiegen und töten ihre Feinde

Im zwölften Monat am dreizehnten Tag, als des Königs Wort und Gebot ausgeführt werden sollte, als die Feinde der Juden hofften, sie zu überwältigen, wandte sich das Blatt und die Juden sollten jetzt ihre Feinde überwältigen. Die Juden versammelten sich in ihren Städten in allen Landen des Königs Ahasveros, daß sie die Hand legten an die, die ihnen übel wollten. Und niemand konnte ihnen widerstehen, denn Furcht vor ihnen war über alle Völker gekommen.

Auch alle Obersten in den Landen und Fürsten und Statthalter und Amtleute des Königs halfen den Juden, denn die Furcht vor Mardochai war über sie gekommen. Denn Mardochai war groß im Haus des Königs, und die Kunde von ihm  erscholl in allen Ländern, wie er immer mächtiger würde. So schlugen die Juden alle ihre Feinde mit dem Schwert und brachten sie um und machten mit ihren Feinden, was sie wollten. In der  Festung Susa töteten die Juden um sie fünfhundert Mann und weitere bekannte Personen (die Namen folgen).

Der König war darüber zunächst etwas erschrocken, denn er fragte: „Was werden sie getan haben in den anderen Ländern?“ Aber als Esther ihn bittet, erlaubt er auch für den nächsten Tag das Töten und verfügt, daß auch die zehn Söhne Hamans aufgehängt werden.

Am nächsten Tag wurden noch einmaldreihundert Mann in Susa umgebracht, aber an ihre Güter legten die Juden ihre Hände nicht. Auch die andern Juden in den Ländern des Königs kamen zusammen, um ihr Leben zu verteidigen und sich Ruhe zu schaffen vor ihren Feinden. Sie töteten fünfundsiebzigtausend Feinde,  aber an ihre Güter legten sie ihre Hände nicht (Esth 9,1-16, gekürzt).

 

Die Stiftung des Purimfestes:

Am vierzehnten Tage des Monats ruhten die Juden aus und machten ihn zum Tag des Festmahls und der Freude.  Nur in Susa feierten sie am fünfzehnten Tag. Aber die Juden, die in den Dörfern und Höfen wohnten, feierten am vierzehnten Tag des Monats und sandten einer dem andern Geschenke.

Und Mardochai schrieb diese Geschichten auf und sandte Schreiben an alle Juden, die in den Landen des Königs Ahasveros waren, daß sie jährlich annähmen und hielten den vierzehnten und fünfzehnten Tag des Monats Adar, als die Tage, an denen die Juden zur Ruhe gekommen waren von ihren Feinden und als den Monat, in dem sich ihre Schmerzen in Freude und ihr Leid in Festtage verwandelt hatten. Er beschrieb noch einmal alles, auch wie sie das Los („Pur“) geworfen hatten, um die Feinde zu erschrecken. Daher nannten sie diese Tage „Purim“ nach dem Namen des Loses.

 

 

Entsprechend allen Worten dieses Briefes und dem, was sie selbst gesehen hatten, beschlossen die Juden das Fest für sich und ihre Nachkommen, daß sie nicht unterlassen wollten, diese zwei Tage jährlich zu halten, wie sie vorgeschrieben und bestimmt waren, daß diese Tage nicht vergessen werden, sondern zu halten seien bei allen Kindeskindern und Familien in allen Ländern und Städten. Es sind die Purimtage, die nicht übergangen werden sollen unter den Juden, und ihr Andenken soll nicht untergehen bei ihren Nachkommen.

Die Königin Esther und Mardochai schrieben mit ganzem Ernst ein zweites Schreiben über das Purimfest, um es zu bestätigen. Man sandte die Schreiben zu allen Juden in den hundertsiebenundzwanzig Ländern des Königreichs des Ahasveros mit Grußworten des Friedens und der Treue, daß sie annähmen die Purimtage auf die bestimmte Zeit, wie sie Mardochai und die Königin Esther bestimmt hatten, und wie sie für sich selbst und ihre Nachkommen die Einsetzung der Fasten und ihrer Klage festgesetzt hatten. Esthers Befehl bestätigte die Einsetzung der Purimtage und alles wurde in ein Buch geschrieben

Aber alle Taten seiner Herrschaft und Macht und die große Herrlichkeit Mardochais, die ihm der König gab, das ist geschrieben in der Chronik der Könige in Medien und Persien.

Denn Mardochai  war der Erste nach dem König Ahasveros und groß unter den Juden und beleibt unter seinem Volk, weil für sein Volk das Gute suchte und redete, für sein ganzes Volk zum Besten diente (Esth 9,17- 10,3, leicht gekürzt).