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Bischofsheim

 

Bischofsheim

 

           

Der Name „Bischofsheim“

Nun, niemand weiß es genau. Es haben sich schon viele kluge Leute den Kopf darüber zerbrochen, es sind schon viele Erklärungen abgegeben worden, aber keine ist beweisbar. Bischofsheim nimmt auch in dieser Beziehung eine Ausnahmestellung ein. Wahrscheinlich hat das Dorf früher einmal einen anderen Namen gehabt. Die Endung „heim“ weist jeden-

falls auf eine vorchristliche Gründung hin.

Dörnigheim ist die Wohnstätte eines Turing, Enkheim die eines Enno, Rüdigheim wurde von einem Rudo gegründet, Bockenheim von einem Bocco, Ginnheim von einem Ginno usw. Nur bei Bischofsheim wurde die alte germanische Endung mit der christlichen Amtsbezeichnung

„Bischof“ verbunden: Bischofsheim steht also ganz allein unter den vielen Ortsnamen mit der Endung „-heim“.

Dr. Heinrich Bingemer kommt in seinen Untersuchungen zu folgendem Ergebnis: „Bischofsheim scheint mir jünger als die anderen Siedlungen an dem alten Mainlauf, also Seckbach, Enkheim, Hochstadt, die drei Buchen, Bruchköbel. Es ist übrigens der einzige Ort auf dem Südufer, zudem in Schutzlage durch mancherlei feuchte Niederungen südlich des Dorfes. Vielleicht war es von Mainz aus ins Leben gerufen und trug den Namen des Gründers. Für die Umwohner war es das Heim, das ein Bischof gebaut hatte; der eigentliche Gründername verschwand mit dem Tode des Bischofs gänzlich. Das Dorf kann aber auch sehr wohl einmal an einen verdienten Bischof - es muss nicht einmal ein Mainzer gewesen sein - verliehen worden sein. Er bezog dann auf Lebenszeit die Einkünfte. Nach seinem Ableben fiel die Leihe dann an das Reich zurück. Es scheint demnach erst in der Hausmeierzeit entstanden zu sein (714 bis 751), denn damals begrub man die Toten nicht mehr an den Straßen, sondern auf dem Kirchhof. Wir kennen ja auch nicht den alten Kirchenheiligen. Prothus und Hyacinthus (die Schuztheiligen der Bischofsheimer Kirche) gehören bei uns frühestens ins 11. Jahrhundert. Die Bischofsheimer Kirche ist aber bereits in karolingischer Zeit vorhanden und war zudem Pfarrkirche.“

Vergleicht man die Urkunden, so wird man feststellen, dass beinahe in jeder Urkunde eine andere Schreibweise auftritt. In 38 Urkunden aus der Zeit von 880 bis 1350, die unseren Ortsnamen enthalten, sind allein 28 Schreibweisen vorhanden. Im Frankfurter Stadtarchiv befindet sich eine große Anzahl von Urkunden, in denen der Name Bischofsheim erwähnt wird. Die Urkunden sind fast alle in lateinischer Sprache abgefasst und beinhalten die Schenkungen sowie den Zehnten an des Bartholomäus- und St. Katharinenstift.

Um einmal eine Sprachprobe der deutschen Sprache aus dem ausgehenden Mittelalter zu geben, sei die deutsche Fassung einer auch in lateinischer Sprache vorhandenen Urkunde verzeichnet: 1275 „Wir Philips von Miczenberg - und Werner - unser Bruder - han geteilt die Gerichte und die lude die da horent zu unser burg zu dem Hayn (Dreieichenhain) - Das Dorff langen“ (nicht ganz, sondern einen bestimmten abgegrenzten Teil) - „sal sin unseres egenanten Bruders (sc. Werner) mit Buden und mit luden - Item das dorff hayn (Götzenhain) mit luden - und die lude zu Arheiligen und zu Darmstadt. Item des dorff Merseveld mit den luden, und die lude zu kelsterbach czu Schwemheim (Schwanheim) czu Nyernrode (Niederroden) czu vechenheym unde czu Bergele (Bürgel). Item de dorffe benesheym ane dem rine (in der lateinischen Urkunde des Gudenus - Ginnheim juxta Renum) und bischovesheym by bergen, mit luden und Gerichten und die lude zu Raunheim, zu Ruzelheim (Rüsselsheim), zu Bischofsheim (bei Mainz) und zu Buwensheym (Bauschheim) solltent auch yme zuhoren. Item diese dorffer Trebure, Münster und Werlachen lassen wir ungeteilt. Item das Berichte zu langene ist gemeyn. Item die Kirchsetzen, die weide blibent auch gerneyne.“ (Quelle: Dommerich, Urkundliche Geschichte der allmählichen Vergrößerung der Grafschaft Hanau, Urkunde entnommen aus dem Archiv für Hessische Geschichte VIII. S. 248).

 

Die erste Urkunde

Kaiser Karl der Große regierte von 768 bis 814. In der Regierungszeit seines Enkels Ludwig des Deutschen (843 - 876) fand die Schenkung der Bischofs­heimer Kirche an die Frankfurter königliche Salvatorkapelle statt. Die Urkunde über diese Schenkung von 852 ist nicht mehr vorhanden, aber sie wird in einer spä­teren Urkunde aus dem Jahre 880 erwähnt.

Das bedeutet aber nicht, daß Bischofsheim zu der Zeit, in der die Urkunde ausgestellt wurde, erst entstanden ist; durch diese Urkunde erfährt man nur, daß Bischofsheim um diese Zeit schon bestand.

Man kann annehmen, daß um die in der Urkunde erwähnte Kapelle herum schon damals eine Siedlung war. Die Silbe „-heim“ bedeutet nicht nur das Haus, sondern wird in ihrer Bedeutung unserem Wort „Dorf“ gleichkommen. Ansiedlungen mit der Endung „-heim“ gehören zu der Gruppe von Ortsgründungen, die in die mero­wingische und karolingische Zeit bis zur Einführung des Christentums fallen, also in das fünfte bis achte Jahrhundert.

Es läßt sich aber mit Bestimmtheit sagen, daß eine Dorfanlage schon um 852 bestand, als die Salvator-­Kapelle in Frankfurt geweiht wurde. Bischofsheim liegt als einziges Dorf an dem Südufer des alten Flußlaufes. Vielleicht war es eine Reichsgründung zur Sperrung der alten vorgeschichtlichen Gelnhäuser Straße.

Die erste urkundliche Erwähnung eines Ortes ist für diesen von besonderer Wichtigkeit. Von dieser Urkunde befinden sich zwei Fotokopien im Besitz der Gemeinde, eine dritte Ablichtung zeigt eine interessante Fälschung der Urkunde. Die Original-Urkunde, die in lateinischer Sprache abgefaßt ist, soll wegen ihrer großen Bedeutung hier dem heutigen Sprachgebrauch etwas angepaßt und leicht gekürzt wiedergegeben werden:

 

„Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit! Ludwig, deutscher König durch die Gunst göttlicher Gnade. Wenn wir den gottgeweihten Orten unserer königlichen Herrschaft einen Vorteil verschaffen, dann wird uns dies gewiß zur Ergreifung des ewigen Seelenheils nützlich sein. Deswegen sollen alle unsere Getreuen - sowohl die gegenwärtigen wie die zukünftigen - mit Eifer erfahren, wie mein sehr frommer Vater aus Liebe zum Herrn und zur Vermehrung seines ewigen Heils einige Besitzstücke an das Stift zu Frankfurt übergeben und die Übergabe bestätigt hat.

Es handelt sich um die Kapelle zu Kostheim, das Kloster zu Oberursel, die Kirche auf dem Gut  Stetten, die Kirche zu Florstadt, das Gut  Bürgel  mit der Kirche und den zu ihr gehörenden kirchlichen Abgaben (das Ruotker in Nutzung ­gehabt hat) und die Kirche zu Sprendlingen mit dem zu ihr gehörenden Hofgut, die Kirche zu Bischofsheim mit allen kirchlichen Abgaben („Zehntgefälle“), mit Halbfreien („Hörigen“) und Ländereien, die zu ihr gehören, und was Ruotker in Seckbach besaß, die Kirche zu Schwanheim mit allen kirchlichen Abgaben, mit Hörigen und Ländereien, die zu ihr gehören, und die drei Hufen zu Kelsterbach, die Kapelle zu Nierstein mit allem dazu gehörenden (wie sie Aaron dort in Nutzung hatte) und das Gut Kelkheim mit allem, was zu ihm gehört, die Kapelle zu Bornheim und was Heinrich in Niederkirchen in Nutzung hatte und was Ruotlind an diese Kapelle übergeben hat -  das alles hat er schriftlich bestätigt.

Diese eben erwähnten Besitzstücke („Dinge“) mit allen zu ihnen gehörigen Häusern, Gebäuden, Knechten, Feldern, Äckern, Wiesen, Weiden, Weingärten, Wäldern, gepflegt und ungepflegt, Wässern und Wasserläufen, beweglichen und unbeweglichen, hat mein frommer Vater an das schon genannte Stift in Frankfurt übergeben, damit sie in Zukunft für ewig zur Durchführung des Gottesdienstes dort bleiben ohne Hindernis oder Widerspruch.

Und mein Vater hat festgesetzt, daß am Stift zwölf Geistliche wohnen sollen, um Gott zu dienen. Ausgenommen sind die Priester, die in den dazu gehörenden Orten Dienst tun. Diese Menschen sollen von den oben genannten Besitzstücken ihren nötigen Unterhalt erhalten. Von dem Abt, dem dieses Stift übertragen sein wird, soll niemals die Beteiligung an einem Kriegszug („Heeresfolge“) verlangt werden. Dazu hat mein Vater auch verordnet, daß Abt Williherius, dem dieses Stift übertragen ist, es zu seinen Lebzeiten innehaben soll mit allem, was dazu gehört. Keiner möge es wagen, ihm etwas davon zu entziehen, was er vom König zur Nutzung erhalten hat, was hier beschrieben wurde und was nach Fug und Recht dazu gehört, alle kirchlichen Abgaben oder andere dazu gehörende Dinge.

Der Übergabe durch meinen Vater stimme ich zu.  Daher habe ich diese schriftliche Aufzeichnung meiner Zustimmung anfertigen lassen. Ich verordne hiermit, daß auch in Zukunft ohne Widerspruch bestätigt und bestärkt bleibe, was mein frommer Vater festgesetzt und bestätigt hat.

Und damit diese Beurkundung meiner Bestätigung unverletzlich fest bewahrt und auch in zukünftigen Zeiten von unseren Getreuen bewahrt und be­achtet wird, habe ich sie mit eigener Hand unten bestätigt und befohlen, sie durch den Abdruck meines  Ringes zu besiegeln. Zeichen des Ludwig (M), des gestrengsten Königs. Ich, Kanzler Arnolf, habe es an Stelle des Erzkapellans Luitbert durchgesehen und gezeichnet. Ausgefertigt am 17. November im Jahre der Menschwerdung des Herrn, in der Dreizehnten Kaiserzinszahl, im fünften Jahre der Herrschaft des allerstrengsten Königs Ludwig. Verhandelt zu Frankfurt. In Gottes Namen zum Heile. Amen.“

 

Es handelt sich hier also um die Bestätigungsurkunde einer Schenkung. Ludwig der Deutsche (843 - 876) hatte am 1. September 852 die von ihm ge­stiftete Salvatorkapelle in Frankfurt eingeweiht. (Diese Kapelle wurde 1240 durch die Bartholomäuskirche ersetzt und später zum Dom ausgebaut.)

Da Ludwig die Kapelle gestiftet hatte, blieb sie auch sein Eigentum, ebenso alles, was er den Kirchen und Klöstern schenkte. Die kirchlichen Einrichtungen waren also nur Nutznießer auf bestimmte Zeit. Bei der allgemeinen Rechtsunsicherheit, die damals herrschte, war eine solche Urkunde ein äußerst wichtiges Dokument, daher ist es verständlich, daß man sich die Urkunde nach dem Tode des Ausstellers wieder bestätigen ließ.

 

 

Die geschichtliche Vergangenheit Bischofsheims

Die Vorgeschichte eines Volkes ist die Zeit, aus der keine schriftlichen Quellen vorliegen. Die „Wissenschaft des Spatens“, geologische Erkenntnisse und Warenfunde aus fernen Ländern stehen dem Forscher neben den technischen Möglichkeiten der Neuzeit zur Erkundung weit zurückliegender Zeiten zur Verfügung.

Geschichte ist die Zeit, in der das Volk die Schrift kannte und gebrauchte. Die Schrift ist also der Trennungsstrich zwischen Vorgeschichte und Geschichte. Hieraus ergibt sich, dass die Geschichte der einzelnen Völker zu ganz verschiedenen Zeiten beginnt. In Mesopotamien zum Beispiel war die Schrift schon 2800 vor Christus bekannt, in Deutschland trat sie erst um 500 nach Christus auf.

Bischofsheims Geschichte beginnt mit einer Urkunde aus dem Jahre 880 nach Christus. Hier wird die Gemeinde zum ersten Mal erwähnt. Im Stadtarchiv von Frankfurt sind etwa 60 Urkunden, in denen Bischofsheim erwähnt wird; ebenfalls befinden sich Urkunden über Bischofsheim im Hessischen Staatsarchiv in Marburg. Auch im Archiv des Fürsten von Ysenburg in Birstein sind Urkunden aus der Bischofsheimer Vergangenheit. Im Kloster Arnsberg liegen ebenfalls unseren Ort betreffende Niederschriften.

Die erste urkundliche Erwähnung eines Ortes ist für diesen von besonderer Wichtigkeit. Von dieser Urkunde befinden sich zwei Fotokopien im Besitz der Gemeinde, eine dritte Ablichtung zeigt eine interessante Fälschung der Urkunde. Die Original-Urkunde, die in lateinischer Sprache abgefasst ist, soll wegen ihrer großen Bedeutung hier vollständig in der Übersetzung erscheinen: „Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit! Ludwig, durch die Gunst göttlicher Gnade König. Wenn wir den gottgeweihten Orten unserer königlichen Herrschaft einen Vorteil verschaffen, dann wird dies, das glauben wir gewiss, uns zur Ergreifung des ewigen Seelenheils von Nutzen sein. Deswegen sollen alle unsere Getreuen sowohl die gegenwärtigen wie die zukünftigen mit Eifer erfahren, wie unser sehr frommer Vater aus Liebe zum Herrn und zur Vermehrung seines ewigen Heils einige Dinge aus seinem Eigentum an das Stift zu Frankfurt, das gegründet ist zur Ehre des Heilandes, unseres Herrn Jesu Christi, übergeben und die Übergabe bestätigt hat.

Es ist dies: Die Kapelle zu Kostheim, das Kloster zu Ursel, die Kirche auf dem Gut, das Steifen genannt wird, die Kirche zu Florstadt, das Gut, das Bürgel genannt wird, mit der Kirche und dem zu ihr gehörigen Zehnten, wie es Ruotkerus zu Nießbrauch innegehabt hat, und die Kirche zu Sprendlingen mit der zu ihr gehörigen Hufe, die Kirche zu Bischofsheim mit allen Zehntgefälle, mit Hörigen und Ländereien, die zu ihr gehören, und was Ruotkerus in Seckbach besaß, die Kirche zu Schwanheim mit allen Zehntgefälle, mit Hörigen und Ländereien, die zu ihr gehören, und die drei Hufen zu Kelsterbach, die Kapelle zu Nierstein mit allem dazu gehörenden, wie sie Aaron dort zu Nießbrauch hatte, und das Gut, das Kelkheim genannt wird, mit allen, was zu ihm gehört, die Kapelle zu Bonheim und was Heririh in Niederkirchen zum Nießbrauch innehatte und was Ruotlind an diese Kapelle übergeben hat, das hat er schrift­lich bestätigt. Diese vorgeschriebenen Dinge also in all ihrer Vollständigkeit, das heißt mit allen zu ihnen gehörigen Häusern, Gebäuden, Knechten, Feldern, Äckern, Wiesen, Weiden, Weingärten, Wäldern, gepflegt und ungepflegt, Wässern und Wasserläufen, beweglichen und unbeweglichen, hat unser frommer Vater an das schon genannte Stift übergeben, damit es fortan ewiglich zur Vollbringung des Dienstes an Gott dort verbleibe ohne Hindernis oder Widerspruch. Und er hat festgesetzt, dass an diesem Ort zwölf Geistliche verweilen sollen, um Gott zu dienen, ausgenommen die Priester, die an den dazu gehörigen Orten dienen. Und diese Menschen sollen von den vorgenannten Dingen ihren nötigen Unterhalt haben, und von dem Abte, dem dieses Stift übertragen sein wird, soll niemals die Heeresfolge verlangt werden. Dazu hat er auch verordnet, dass Abt Williherius, dem dieses Stift übertragen ist, es zu seinen Lebzeiten innehaben soll mit allem zu ihm gehörigen, und keiner möge ihn etwas davon zu entfremden wagen, wie er es königlicherseits damals zu Nießbrauch offenbar besessen hat mit allem vorher Beschriebenen und nach Fug und Rechts dazu gehörenden an Zehntgefällen oder anderen dazu gehörigen Dingen. Der väterlichen Übergabe stimmen wir zu, und wir haben daher diese schriftliche Aufzeichnung unserer Zustimmung anfertigen lassen, durch welche wir verordnen, dass, wie unser frommer Vater alles Vorgeschriebene festgesetzt und bestätigt hat, es auch fortan bestätigt und befestigt bleibe ohne Widerspruch.

Und damit diese Beurkundung unserer Bestätigung eine unverletzliche Festigkeit bewahre und auch in zukünftigen Zeiten von unseren Getreuen bewahrt und beachtet wird, haben wir sie mit eigener Hand unten bestätigt und mit unseres Ringes Aufdrückung zu besiegeln befohlen. Zeichen des Ludwig (M), des gestrengsten Königs. Ich, Arnolfus, Kanzler, habe es an dieser Stelle Luitberts, des Erzkapellan, durchgesehen und gekennzeichnet. Gegeben am 17. November im Jahre der Menschwerdung des Herrn, in der Dreizehnten Indiction, im fünften Jahre der Herrschaft des aller- strengsten Königs Ludwig. Verhandelt in Frankfurt. In Gottes Namen zum Heile. Amen.“

Es handelt sich hier also um die Bestätigungsurkunde einer Schenkung. Ludwig der Deutsche (843 bis 876) hatte am 1. September 852 die von ihm gestiftete Salvatorkapelle in Frankfurt eingeweiht. (Diese Kapelle wurde 1240 durch die Bartholomäuskirche ersetzt und später zum Dom ausgebaut). Da Ludwig die Kapelle gestiftet hatte, blieb sie auch sein Eigentum, ebenso alles, was er den Kirchen und Klöstern schenkte. Die kirchlichen Einrichtungen waren also nur Nutznießer auf bestimmte Zeit. Bei der allgemeinen Rechtsunsicherheit, die damals herrschte, war eine solche Urkunde ein äußerst wichtiges Dokument, daher ist es verständlich, dass man sich die Urkunde nach dem Tode des Ausstellers wieder bestätigen ließ. So liegt eine Bestätigung aus dem Jahre 881 vor, ausgestellt am 11.12.881 in Frankfurt. Zu dieser Zeit befand sich der Kaiser in Rom, die Urkunde ist daher eine Fälschung, man hatte auch den im Original nicht enthaltenen Namen des Dorfes Fechenheim in die Urkunde hineingeschmuggelt.

Karl III. bestätigt 882 nochmals die Schenkungsurkunde, von der vier Ausfertigungen gemacht wurden. Zwei blieben in Frankfurt, zwei kamen nach Trier, von wo sie später durch die Revolutionswirren in die National-Bibliothek nach Paris gelangten. Nur ein Teil der Schenkung ist dem Stift zu Frankfurt geblieben, bald machten andere Herren ihre Ansprüche geltend. Über Bischofsheim hat allerdings das Stift zu Frankfurt bis zum Jahre 1803 Patronatsrecht ausgeübt, das heißt, dass unser Ort bis zu diesem Zeitpunkt kirchlich nach Frankfurt gehörte (Auszugsweise nach einem Beitrag von K. D. Burhenne)

 

 

Nachrichten aus den Jahrhunderten

1. September 852

Bischofsheim: Erste schriftliche Erwähnung von Bischofshein nach einer verschollenen Urkunde, die Ludwig der Deutsche der von ihn gestifteten Salvatorkirche in Frankfurt u. a. die Kapelle von Bischofshein schenkt; Erwähnung in der Urkunde von 882. - Chronik Frankfurt: Der Mönch von St. Gallen berichtet nach zeitgenössischen Quellen, daß Ludwig der Deutsche zu Frankfurt und Regensburg neue Kapellen errichten läßt       (oratoria nova admirabili opere constuxit); ... es kann sich nur um die Pfalzkapelle gehandelt haben: „Im Jahre nach der Geburt des Herrn 852 in der 15. Indikation, im Monat September, am 1. dieses Monats, ist diese Kirche (tenplum) von den erlauchten König Ludwig neu erbaut worden und durch Hrabanus, den Bischof der Mainzer Kirche, zu Ehren des Erlösers (salvator), des Herrn Jesus Christus und der heiligen Jungfrau Maria, der heiligen zwölf Apostel, der Märtyrer und Bekenner und heiligen Jungfrauen und aller Heiligen geweiht worden.“

 

880

Erste urkundliche Erwähnung, in der Kaiser Ludwig II. die Schenkung seines Vaters in Jahre 852 an das Frankfurter Stift bestätigt. - Chronik Frankfurt: König Ludwig III. bestätigt die Schenkungen seines Vaters Ludwigs des Deutschen an die königliche Salvator-Kapelle zu Frankfurt: Die Kapelle in Kostheim, das Kloster in Ursel, die Kirchen in Stetten, Florstadt, Biergel, Sprendlingen, B i s c h o f s h e i m, Schwanhein usw. Zwölf Kleriker unter dem Abt Williherius, der vom Heeresdienst befreit ist, gehören den Salvatorstift an.

 

2. Dezember 882

Karl III. bestätigt nochmals die Schenkungsurkunde von 852; Bischofsheim wird „Biscofes­heim“ genannt. - (Zimmermann, Hanau Stadt und Land, 1919) Bischofsheim, Seckbach, Fechenheim, Bürgel genannt in einer Urkunde, in welcher König Karl (der Dicke) bestätigt (zu Frankfurt 2. Dez.), daß sein Vater Ludwig (der Deutsche) an die in Jahre 852 zu Frankfurt zu Ehren des Erlösers erbaute Kapelle (Salvatorkapelle) an 17. Nov. 880 die Kirche Bischofsheim (Biscofeshein) mit allen Zehnten und Gefällen, Knechten und Ländereien, die zu ihr gehören, und was Ruotker in Seckbach (Seckibah) besessen, nämlich 3 Huben mit Weingärten, sowie die Kirche in Fechenheim (Vechenhein; Vach, Fach = eine Vorrichtung zum Fischfang in Hain, hängt zusammen mit fahen oder fangen) nebst der dazu gehörigen Zehnten und Einkünften und jenes Gut, das Pargilla (Bürgel?) genannt wird, mit der Kirche und dem zugehörigen Zehnten, wie es Ruotker zu Nießbrauch inne gehabt hat, geschenkt habe.

Hinweis von Zimmermann auf den Ursprung des Ortes: Der einzige (im Kreis Hanau) auf kirchliche Verhältnisse hinweisende Name („des Bischofs Heim“) beweist immer noch nicht, daß der Ort gerade durch einen Bischof entstanden sein muß.

 

977     Als eine von insgesamt  36 Wildhuben gehört „Biuscovesheim“ zum königlichen Bannforst Dreieich.

1222   Der Frankfurter Probst Philipp von Diez schenkt dem Stiftskapitel in Frankfurt das Patronatsrecht über die Kirche in Bischofsheim

1223   Papst Honorius III. bestätigt die Schenkung von 1222 und nimmt das Frankfurter Stift mit seinen Besitzungen, namentlich der Kapelle zu Bischofsheim, in seinen Schutz

1238   Papst Gregor IX. bestätigt dem Stiuftskapital vonSt. Barthlomäus in Frankfurt den Besitz des Patronatsrechtes

1275   Philipp zu Minczenberg (Münzenberg) teilt mir seinem Bruder Werner „die gerichte und die lude (Leute), die da horent zu unser burg zu dem Hayn (Dreieichenhain)“. Werner bekommt das Dorf „bischovesheym bey bergen“ mit „luden und gerichten“.

1282   Kaiser Rudolf von Habsburg bestätigt den Stiftskapitel von St. Bartholonäus die Schenkung in Bischofsheim

1283   Graf Philipp I. von Falkenstein kauft Besitzrechte an Bischofsheim von den Herren von Hohenfels, Mitbesitzer des Dorfes sind die Herren von Hanau

1291   Streit wegen des Patronatsrechtes, welches durch das Kapitel in Roßdorf zu Gunsten des Salvatorstiftes in Frankfurt entschieden wird

 

1303   Im Weistum zum Bornheimer Berg, zu den Bischofsheim gehört, werden die Landrechte der Grafschaft festgelegt, „mit denen Geistliche, Bürger und andere sich und ihre Landsiedel ungerechten Zwang und Dienst in den Dörfern erwhren sollen“. Das Weistum wird ausgefertigt „unter den edlen Ulrich von Hanau, dem Landvogt des Königs und Herrn Götz Beyer, Ritter und Schultheiß von Frankfurt“.

 

1303

Im Weistum zum Bornheimer Berg, zu dem Bischofsheim gehört, werden die Landrechte der Grafschaft festgelegt, "mit denen Geistliche, Bürger und andere sich und ihre Landsiedel ungerechten Zwang und Dienst in den Dörfern erwhren sollen". Das Weistum wird ausgefertigt "unter dem edlen Ulrich von Hanau, den Landvogt des Königs und Herrn Götz Beyer, Ritter und Schultheiß von Frankfurt"

 

1320

König Ludwig der Bayer verpfändet den Bornheimerberg, d. h. die 19 zu dem Gericht gehörigen Orte (nach Dommerich), an Ulrich II. von Hanau: Bergen, Enkheim (gehörte nach Scharff nicht dazu), Berkershein, B i s c h o f s h e i m, Fechenheim, Gronau, Massenheim, Preungesheim, Seckbach, Bockenhein, Eckenheim, Praunhein (gehörte nach Scharff nicht dazu), Bornheim, Hausen, Oberrad, Vilbel, Offenbach, Nied (wird bei Scharff stattdessen „Nidda“ genannt), Griesheim; Hanau wurde durch die Verpfändung und Belehnung in jahrzehntelangen Zwist mit Frankfurt verwickelt; B i s c h o f s h e i m, Fechenhein, Anteile an Seckbach Praunheim wurden in 15. Jahrhundert von Hanau erworben

 

1351   Kaiser Karl IV. verpfändet Grafschaft und „Centgericht“ Bornheimer Berg an Graf Ulrich III. von Hanau

1400   Die weltlichen Gerichte hatten gegen Geistliche nicht allzu große Macht. Im Jahre 1400 bittet Reinhard und Johann von Hanau die Stadt Frankfurt, doch dafür Sorge zu tragen, daß ihr „Armann“ Bodehenne zu Bischofsheim von dem Johanniterkomtur Matern nicht bedrängt und bei seinen Rechten gelassen werde. Die Stadt Frankfurt verspricht zwar, behülflich sein zu wollen, sagt aber, „nach dem, als nu her Madhern geistlich ist, so truwen wir sin zu disser ziit nit verrer zu dringen.“ (Zimmermann)

1415   Besitzurkunde der Deutsch-Ordens-Connende Frankfurt für eine Hofraithe, die

gegenüber dem Spielhaus (Rathaus) lag

1434   Graf Reinhard II. von Hanau bekommt den Bornheimer Berg von Kaiser Sigismund als Reichslehen

 

1446

Bischofsheim           zwischen Hochstadt und Enkheim. 1446 Donnerstag nach Pfingsten fand daselbst zwischen Henne von Prunheyn, Dietherich Specht von Bubenheym und Petrus Kohe­lingen von des Grafen von Hanau wegen und Ruprecht von Carbin, Christian Gans von Büdingen und Philipps Henne von des Jungherrn von Isenburg wegen ein Übereinkommen statt, dahinlautend, daß die „armen Leute“ zu Bischofsheim von der Atzung befreiet seien, hingegen 40 Gulden, jedem Herrn 20, jährlich auf St. Martinstag geben sollen, so lange bis einer der beiden Teiel diese Übereinkommen wieder aufsagt.

1460

Weisthum („under der linden“) zu Bischofshein; dem Grafen Diether zu Isenburg, Herrn zu Büdingen, werden seine „Rechte in Gericht und Dorfe zu Bischofsheim“ bestätigt; die Rechte gehen in Jahre 1500 auf Hanau über; Bischofsheim ist zu dieser Zeit mit einen Heggraben umgeben

 

1500

Hanau-Münzenberg erwirbt Eigentum, niedere Gerichtsbarkeit und Vogtei von Graf Ludwig II. von Isenburg; Isenburg behält jedoch das Hübnerrecht. - Durch die beiderseitigen Rechte der Grafen von Isenburg und Büdingen und der Grafen von Hanau in Bischofsheim, welche in Jahre 1500 durch Schiedsspruch beigelegt wurden.Isenburg klagte:  „sin gnade habe ein Dorf Bischofsheim genannt, zum Hain in der Dri-Eich gehorig, daselbst gebot, verbot, gericht und alle oberkeit, williches sin fördern und er lenger, dan zu recht gnug, in ubung und bruch also geruig herbracht, werde eine solliche oberkeit durch m. gn. h. von Hanawe zu smelern understanden, als sin genade getruwt onpillich.“ Hanau antwortet:  „daß dem egedachten m. gn. h. von Isenburg in Bischofsheim keiner oberkeit gestanden werde. Wol woge sin gnade etzliche guter, rente, gulte und zinse daselbst haben, aber die oberkeit stehe einer herrschaft von Hanawe zu, dan Bischofsheim si auch der 19 dorf eins an Bornheinerberg gehörig.“ Es wurde entschieden, daß Isenburg an Hanau die Obrigkeit zu Bischofsheim und den Wildbann daselbst abtrete. Ferner die 20 Gulden, die Isenburg als Atzung genommen, Hanau zufallen sollen und Isenburg nur auf den Gütern Atzung zu beanspruchen habe, wo ein von ihm eingesetzter Schultheiß ist. Hanau gab hingegen seine Gerechtsame, die geistliche und weltliche Jurisdiktion zu Offenbach, welcher Ort aus der Münzenberger Erbschaft an Isenburg gekomnen war an letzteres ab und löste das Centgerichtsverhältnis von Offenbach zum Bornheimerberg (Zimmermann)

 

1538

Die Herrschaft Hanau ging mit schärfsten Mitteln gegen die „aufrührerische Sekte der Wiedertäufer“ vor. Zwei Jahre nach der Hinrichtung Jan von Leydens, des „Königs von Sion“, zogen auch in unserer Gegend Anhänger der Wiedertäufersekte predigend umher, über einen solchen, der ein Diener Konrads von Hattstein war, wird von der Hanauischen Regierung gesagt: „Er habe bei Hattstein in einer Steinkaute gepredigt, seinen Glauben bekannt und gesagt, man müsse sich zusammen rottieren und das Evangelium nit den Schwerte verteidigen, er lasse auch seine Kinder nicht taufen, trage keine Wehr und töte keinen Vogel mehr.“ Man scheint den wunderlichen Gesellen, der einen langen Bart trug und sich in der Nähe Hanaus, in Kilianstädten „niederschlug“, nicht ernst genommen zu haben, denn es wird hinzugefügt: „Er redet buchenes Zeug!“ Einige Anhänger und Genossen hatte er aber doch gefunden und zwar in B i s c h o f s h e i m, sie wurden (1544) nach Hanau ins Gefängnis gebracht und die Prediger zu ihnen gelassen, worauf sie dem „wiedertäuferischen Glauben“ entsagten und sich zu bessern versprachen. Daß sie ihr Versprechen nicht hielten und daher des Landes verwiesen wurden, geht aus der durch die Herrschaft erfolgten Beschlagnahme zweier „Wieder­täufer­güter“ zu Bischofsheim hervor. Die Hälfte des Ertrags von dem Verkauf der Güter - es waren zwei Hofraiten nit Haus, Scheune, Stallungen, Weingarten, Kappesgarten und Wiesen, wofür 312 Gulden gelöst wurden - verwendete die Herrschaft 1568 zum Ausbau des Turmes der Marienkirche zu Hanau

 

1555   Conrad Ruel ist erster evangelischer Pfarrer

1538   Das Dorf brennt völlig nieder und wird an anderer Stelle neu aufgebaut. Die Herrschaft Hanau gab „den armen verbrannten Leuten“ Bauholz (nach Zimmermann)

 

 

1549

Wiederholt wurde der Versuch unternonnen, den Fortgang der Reformation in Hanauischen zu hemmen und die von der alten Kirche Losgesagten wieder zurück zu führen. Auf dem Reichstag zu Augsburg hatte der Kaiser alle Stände ermahnt, „Mittel und Wege zu suchen, damit die Ungleichheit der Religion aufgehoben und die Mängel und Gebrechen gebessert werden“ Hierauf entschloß sich im Jahre 1548 der Erzbischof von Mainz, Sebastian von Heusenstamm, „aus Pflicht und unvermeidlicher Not“, eine geistliche Visitation in ganzen Erzbistum vorzunehmen, „um die Mängel zu. erkundigen und zur Besserung zu bringen“. So kam dann 1549 die vom Erzbischof ernannte Kommission in die Grafschaft Hanau. - In der Untergrafschaft fand die Kommission nur noch die Orte Kesselstadt, B i s c h o f s h e i m , Oberissigheim, Rüdigheim und Eichen, sowie das Klösterlein Nauenburg katholisch, die Pfarrer aller andern Orte waren „schismatisch“, Neunheller (Pfarrer in Hanau) sogar „ein Schwär­mer“. Den von der Diözesangwalt erhoffte Erfolg hatte die Visitation nicht gebracht (nach Zimmermann).

 

1564

Vor den Fanauer Landgericht werden „zauberische Weiber aus Bischofsheim“ zum Tode verurteilt. - Die erste bei der Hanauer Kanzlei wegen Zauberei vorgebrachte Anklage erfolgte am 9. März 1564. Ein Einwohner von Bischofshein zeigte damals an, daß ihm seine Milch durch eine Frau verzaubert worden, so daß ein seltsamer Käs, „wie ein Kröß“ daraus entstanden. Die Frau wurde nach Bergen in Haft gebracht und eine umfangreiche Untersuchung in Bischofs­heim angestellt, um zu erfahren, ob noch mehrere zauberische Weiber vorhanden seien. Protokoll vom 7. November: Der Zauberischen halben, so allhie in Haften liegen und bekannt haben, ist bedacht worden, daß die selbigen alle fünf, nämlich Brieckel Mergk, Liesch Anna, Gerlachs Anna, Gotts Elß und Gotts Anna vor das peinlich Halsgericht zum förderlichsten gestellt und angeklagt werden sollen. Doch da sie zum Tode verurteilt, weil Gotts Anna noch jung und verführerischer Weise durch ihre eigene Mutter und Brieckel Mergk durch Eingebung eines Stück Brodes darzu kommen, hat die Obrigkeit auf ihre und anderer von ihretwegen Vorbitte, sie zu begnadigen und etwa eine andere Strafe anthun zu lassen und die andern Zauberischen, da sie beständig auf ihrer Ungicht bleiben, zum Tode verurteilt.

 

1621   Spanische Truppen sind die ersten, die den Ort im 30-jährigen Krieg überfallen und plündern

1635   Spanier und Kaiserliche überfallen das Dorf. Die Einwohner flüchten nach Hanau, nur 136 kehren zurück.

1668   Ein neues Rathaus in der Hintergasse wird eingeweiht

1673   Besetzung durch fremde Truppen in holländischen Krieg zwingen die Bevölkerung erneut zur Flucht

1681   Die Weinleseordnung unterscheidet zwischen Fränkischen Wein (vinun francun) , Hunnischen Wein (vinun hunicum) und Edelwein (Riesling)

11.05. 1695   Blitz schlägt in Kirchturm ein; Gewitter tobt 17 Stunden lang; gewaltige Wassernassen stürzen nieder, Kinzig und Main treten über die Ufer.

1705   Die Kirche bekonnt für ihren Turm eine neue Glocke

1706   Bei einer Einwohnerzahl von 432 Personen werden 21 Kinder getauft

1713   Eine „frey Schul“  wurde geschaffen, deren Kosten sich Gemeinde und Kirche teilten

1743   Im Verlauf des Österreichischen Erbfolgekrieges wird ein Hospital eingerichtet. 326 Menschen müssen in diesem Jahr begraben werden

1759   Bischofsheim ist Truppenaufmarschfeld für die Schlacht bei Bergen im Verlauf des Siebenjährigen Krieges

1764   Erste Erwähnung der Kerb                      

1765   Erste Hebamme

1769   Eva Steinbrinkin ist die erste Auswanderin nach Pennsylvanien/Amerika

1776   Das Schulgehöft in der Breulgasse brennt nieder und wieder aufgebaut

1788   Erwähnung der Totenfrau

1805   Erstmals Pockenschutzimpfung in Bischofshein

1807   Beginn des Kartoffelanbaus in Bischofsheim

1810   Bischofsheim wird Teil des Großherzogtuns Frankfurt; es besitzt 104 Feuerstellen, 647 Seelen und eine reformierte Kirche

1813   Erstmals Anbau von Welschkorn (Mais)

1814   Landsturm wird aufgestellt

1824   Steinbahnen nach Hochstadt, Bergen, RunpenheiM und Mainkur werden angelegt

1826   Erwähnung einer Landgestütkasse

1831   Erste Erwähnung von Chaussee- Geld                                   

1834   Feuerwehr bekommt zwei neue Leitern gestellt

1836   Der Dorfbrunnen wird erneuert

1841   Das „Porte bohr“ wird abgebrochen

1843   Die Gemeinde kauft das Wohnhaus der Heß‘schen Hofreite und baut es zur Schule aus

1847   Auf dem Gelände des heutigen Rathauses wird der Friedhof erweitert

1854   Das Schäfertor wird abgebrochen

1866   Auf dem Rathaus wird eine Isolierstation eingerichtet

1867   Das Breultor wird abgerissen

1869   Die Gemeinde         stellt Bauwilligen Gelände an der rechten Seite des „Vizinalweges“ nach Hochstadt zur Verfügung

um 1870       

Bis zu dieser Zeit standen nur wenige kleine Häuser vor dem Breultor an jeder Seite des Weges. Nach dem deutsch-französischen Krieg belebte sich die Bautätigkeit an dieser Stelle.

1873   Die Gemeinde kauft eine Handdreschmaschine

1875   Auf dem Brunnen wird die erste Straßenlaterne angebracht

1874   Als erster Verein wird der Gesangverein amtlich verzeichnet

1880   Die Geneinde verkauft Baugelände vor den Schäfertor und am Gänssee

1884   Kreuz, Kugel und Hahn auf dem Kirchturm werden erneuert

1885   Die Gemeinde gibt Bauplätze „Am Löwenseeweg“ ab, es dürfte sich um  Grundstücke am heutigen Rumpenheimer Weg gehandel haben (nach Lippert)

1886   Der Haingraben wird als Baugelände an die Anlieger verkauft, ebenfalls die Gräben in den Schäfergärten und ein Bauplatz „Am Schlag“

1886   Gründung der Turnerschaft 1886

 

1890

Der Tiefe See wird für 1.000.- Mark an die Frankfurter Eisgewinnungsgesellschaft verpachtet. Das noch reine Mainwasser wird durch ein unterirdisches Rohr in den Tiefen See gepumpt, wo es in Winter gefriert, zu Blöcken gesägt und in der an der heutigen Taunusstraßegelegenen Eishalle gelagert wird. Im Sommer wird es dann die Frankfurter Wirte und Metzger verkauft. Die Eisgewinnung fand bis 1932 statt.

1893   Das erste Telefon wird installiert

1894   Die Gemeinde erwirbt ein Grundstück auf der Breulwiese zum Bau eines Arzthauses

1895   Lehrer Knöll übernimmt die erste Postagentur

1897   Erstes Waldfest

1899   Ein neues Pfarrhaus wird gebaut

1898   Vertrag über die Eisenbahnhaltestelle im Runpenheimer Weg (gemeint ist „Weg nach Rumpenheim“); Haltepunkt Bischofsheim-Runpenhein an der Bahnstrecke Frankfurt-Hanau eingerichtet

 

 

Der Bischofsheimer Hexenprozess von 1564

Etwa vom Jahre 1540 an war das Hanauer Landgericht wegen der großen Überhandnahme des Hexenunwesens in ein peinliches Halsgericht umgewandelt worden. Die erste Anklage wegen Hexerei vor diesem neuen Gericht erfolgte am 9. März 1564. Ein Einwohner von Bischofsheim zeigte damals an, dass ihm seine Milch durch eine Frau verzaubert worden, so dass ein seltsamer Käs, „wie ein Kröss“ daraus entstanden sei. Die Frau wurde sofort nach Bergen in Haft gebracht und eine umfangreiche Untersuchung in Bischofsheim angestellt. Man wollte gerne erfahren, ob es in Bischofsheim noch mehr solcher zaubrischer Weiber gebe. Obwohl man zunächst die Absicht gehabt hatte, den seltsamen verzauberten Käs in die Hanauer Gerichtskanzlei bringen zu lassen, nahm man nachher von dieser Anordnung doch Abstand. Aus den Hanauer Regierungsakten geht nun nicht klar hervor, welches Ergebnis diese hochnotpeinliche Untersuchung gehabt hat, und ob eine Verurteilung erfolgte. In diesen Akten ist aber auch zu lesen: „Der zaubrischen Weiber aus Bischofsheim halber, die allhei in Haft liegen, ist deren Urgicht (d. h. Aussage) jitzt der Läng nach verlesen worden und befunden, dass dieselbigen ihre Aussage etwas ungleich, eine mehr Personen als die andere anzeigen, obgleich sie doch alle in einem Ort und Tanz beieinander gewesen. Da dieses nicht ein geringes, sondern ein sehr hoch bedenklich Werk und Sache ist, derwegen ist bedacht, dass aus ihren Aussagen ordentliche Fragestücke begriffen und gestellt werden, sie dann darnach jeder besonderen vorgehalten und ihr gründlicher Bericht und Anzeige gehöret und dazu verzeichnet werden soll: alsdann sei zu bedenken, ob jemand einzuziehen, oder was gegen die Verhafteten vorzunehmen sei.“

Einige Wochen später, am 7. November, wurde protokolliert: „Der Zaubrischen halben, so allhier in Haften liegen, und bekannt haben, ist bedacht worden, dass dieselbigen alle fünf, nämlich Brieckel Mergk, Liesch Anna, Gotts Else, Gerlachs Anna und Gotts Anna vor das peinliche Halsgericht zum fürderlichsten gestellt und angeklagt werden sollen. Doch da sie alle zum Tode verurteilt, weil Gotts Anna noch jung und verführerischer Weise durch ihre Mutter und Brieckel Mergk durch Eingebung eines Stückes Brodes dazu kommen, hat die Obrigkeit auf ihre und anderer von ihretwegen Vorbitte, sie zu begnadigen und etwa eine andere Strafe antuen zu lassen, genehmigt, und die anderen Zaubrischen, da sie beständig auf ihre Urgicht bleiben, zum Tode verurteilt. Aldann ist bedacht, dass die weiter angegebenen Zaubrischen alsbald auch griffen und eingezogen werden sollen, um ihnen ihre rechtliche Strafe auch widerfahren zu lassen.“

Am 9. Februar 1565 sollten die genannten fünf Zauberischen vor das peinliche Halsgericht gestellt werden. Das Urteil über die jüngste Zauberin, Gotts Anna, wurde den Schöffen von dem Kammerräten im Namen der hanauischen Vormünder ebenfalls vorgeschrieben. Sie sollte drei Sonntage nacheinander in der Kirche zu Hanau vorgestellt werden, „durch den Pfarrherren der Gemein angezeigt“ und eine „christliche Vermahnung“ erhalten, hiernach, soll sie der Stadt Hanau verwiesen und „doch darauf wiederum in die Grafschaft Hanau verbannt werden“. Der Oberamtmann solle dem Pfarrherrn und Kaplan befehlen, dass diese fleißige zu den armen Weibern gehen und sie fleißig mit Gottes Wort trösten und unterrichten, damit sie ihres begangenen Übels und ihrer Sünden halben Reue und Leid haben mögen.

Zwei andere der Zauberei verdächtige Frauen, die Schwaben Barb und die Schweizerin, sollen inquiriert und „wenn sie beschreit befunden und Indicia vorhanden“, sofort ins Gefängnis gezogen werden. Über das für den 9. Februar festgesetzte Halsgericht und über die sofort zu erfolgende Exekution der vier Unglücklichen ist in den Hanauer Regierungsakten nichts enthalten. Die Exekution hat jedoch sicher zu der festgesetzten Zeit stattgefunden. Von der jüngsten Zauberin, Gotts Anna, erfahren wir zwei Jahre später, am 1. Juli 1567, noch einiges: „Nachdem Gotts Anna beschuldigter Zauberei halber in der Grafschaft verbannt, hierauf, vermöge Neben-Abschieds die Sache dahin bedacht, dass sie einen Flecken in der Herrschaft anzeige, darin sie wohnen solle, soll desselbigen Fleckens Schultheißen derwegen Befehl geschehen. Darauf hat aber ihr Mann angezeigt, dass er und sein Weib nirgend aufgenommen werden, weil keine Dorfschaft sie in ihre Gemeinschaft annehme, so hätten sie sich „uf den Höffen“ vor der Stadt Hanau niedergeschlagen. „Er bittet ihnen zu erlauben, daselbst ein Häuslein zu kaufen und die Wohnung zu gestatten.“ Das wird ihnen erlaubt, jedoch den Förstern befohlen, „ein fleißiges Aufsehen zu haben, wenn gemelte Personen im Wald oder sonsten betreten und sich ungebürlich hielten, anzuzeigen, sie dann aus dem Wald zu weisen.“  (Quelle: Zimmermann, Hanau Stadt und Land, Seite 377/78)

 

Franzosenzeit:

Bischofsheim gehörte im 19. Jahrhundert zum Großherzogtum Frankfurt

Im Jahre 1810 gründete Napoleon das Großherzogtum Frankfurt. Er unterstellte es Karl Theodor von Dalberg, dem letzten Kurfürsten von Mainz, der zugleich Erzbischof war. Dieser nahm nun den Titel eines Fürstprimas an. Das Großherzogtum bestand aus den Städten Frankfurt und Wetzlar sowie den Fürstentümern Hanau, Aschaffenburg und Fulda. Einige verstreut liegende Hanauer Landesteile, z. B. Babenhausen, fielen an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt.

Das Großherzogtum Frankfurt wurde ganz nach französischem Muster eingerichtet, d. h. in Departements, Distriktsmairien und Ortsmairien eingeteilt. Insgesamt gab es vier Departements, die von je einem Präfekten geleitet wurden. Alle ehemaligen Orte des Hanauer Fürstentums bildeten das Departement Hanau, das in neun Distrikte unterteilt war mit je einem Distriktsmaire. Es waren Hanau, Altengronau Bieber, Büchertal, Gelnhausen, Schwarzenfels, Steinau, Windecken und Bergen. Somit gehörte auch Bischofsheirn zu Frankfurt.

Das Großherzogtum erhielt eine repräsentative Verfassung. Neben dem Ministerium stand ein Staatsrat, der auch mit den Aufgaben des Cassationsgerichtes betraut war. Außerdem gab es die Ständeverwaltung von 20 Mitgliedern. Zwölf Männer mussten Grundeigentümer; vier Kaufleute und vier Gelehrte sein. Sie wurden durch ein in jedem Departement bestehendes Wahlkollegium gewählt. Dieses bestand zu 2/3 aus Großgrundbesitzern, zu 1/6 aus reichen Kaufleuten und zu 1/6 aus Gelehrten. Das Amt des Wahlkollegiums galt auf Lebenszeit. Von der Ständeversammlung sollte alljährlich 1/3 der Mitglieder austreten und neu gewählt werden. Der Staatsrat legte die Gesetzesentwürfe vor und die Stände berieten sie. Abänderungsanträge der Stände zu den Gesetzesentwürfen wurden im Staatsrat unter Vorsitz des Großherzogs beraten. Die Stände hatten auch die Rechnungen der Generalkasse und der Minister zu prüfen.

Das Urteil über Dalberg ist schwankend. Er war wohl ein Franzosenfreund, anscheinend auch ein gütiger Herr. Von vielen seiner Untertanen wurde er allerdings als Landesverräter angesehen. Als sein Freund und Gönner Napoleon nach der Schlacht bei Leipzig über Frankfurt floh, hatte Dalberg plötzlich dringend auf seinen Besitzungen am Bodensee zu tun und musste verreisen. Nach Napoleons Willen sollte das Großherzogtum Frankfurt später mit Frankreich vereinigt werden.

Die Gemeinde Bischofsheim bildete innerhalb des Departements Hanau und des Distriktes Bergen eine Munizipalität. Jede Munizipalität wurde von einem Maire (Ortsbürgermeister) geleitet, dem nach den Größenverhältnissen ein oder mehrere Adjunkte für die Gemeinde beigegeben waren. Sodann bestand in jeder Gemeinde noch ein Munizipalrat. Die Verwaltung in den Gemeinden stand dem Maire jedoch allein zu. Die Adjunkte waren seine Ratgeber oder Vertreter im Falle gesetzlicher Verhinderung, Krankheit oder Abwesenheit. Sie vollzogen dessen Aufträge und vertraten in dieser Hinsicht die Stelle der Polizeikommissare in den Gemeinden, wo keine eigenen Polizeibehörden angeordnet waren.

Die Geschäfte des Maire zerfielen in zwei Hauptabteilurgen, in jene der ökonomischen und in jene der Polizeiverwaltung. Um die letztere hatte er sich in den Gemeinden nicht zu kümmern, wo besondere Polizeikommissare angestellt waren. Diese befanden sich aber nur in den Departementshauptstädten und in Wetzlar. In allen Amtsverrichtungen war der Maire der Aufsicht des Präfekten vom Departement und in den Distrikten auch jener der Distrikts-Maire als Mittelbehörde unterworfen. Er besorgte die Verwaltungsgeschäfte mit Genehmigung des Präfekten und erstattete in allen Amtshandlungen, welche dem Präfekten zur Kenntnis kommen mussten, diesem Bericht. War ein Distrikt-Maire dazwischengeschaltet, hatten die Berichte an den Präfekten über diesen zu gehen.

Der Maire sorgte für die Erhaltung des Gemeindevermögens und führte die Aufsicht über dessen Verwaltung nach den vom Präfekten genehmigten Beschlüssen des Munizipalrates. Er betrieb den Eingang aller zu den Gemeinde-Ausgaben bestimmten Einnahmen und bestritt daraus die Ausgaben. Die Gelder nahm er nicht selbst ein, sondern erteilte nur die Anweisung zur Zahlung.

Für die Einnahme selbst waren besondere Verrechner, die Bürgermeister, angestellt. Der Malte schloss die Akkorde zur Vollziehung öffentlicher Arbeiten, diese mussten vom Munizipalrat vorgeschlagen und vom Präfekten genehmigt sein. Er sorgte ferner dafür, dass alle öffentlichen Arbeiten nach Vorschrift geschahen, so wie er für die Unterhaltung aller Gebäude der Gemeinde oder solcher öffentlicher Anstalten, die seiner Verwaltung anvertraut waren, verantwortlich blieb. Alle Zweige der Verwaltung waren ihm übertragen. Er war ganz allein Verwalter; Personal für Registratur und Büro wurden ihm nach Bedarf gestellt.

Der Munizipalrat bestand in Gemeinden unter 2500 Seelen aus acht Mitgliedern. Der Maire war von Rechts wegen dessen Mitglied und führte den Vorsitz. Der Munizipalrat ernannte eines seiner Mitglieder zum Sekretär, in kleinen Gemeinden in der Regel den Schulmeister. War der Maire an einer Sitzung verhindert, so vertrat das älteste Mitglied des Munizipalrates nach Ordnung der Ernennung seine Stelle. Der Munizipalrat versammelte sich in der Regel zweimal im Jahr, vor und nach der Versammlung des Departementsrates. Der Munizipalrat hatte folgende Funktionen: Abhörung der Gemeinderechnung über Einnahmen und Ausgaben, Einwendungen dagegen dem Präfekten vorzulegen; Beratschlagung über die Benutzung der gemeinheitlichen Almenden und des Eigentums Oberhaupt; Sorge für die Bezahlung der Gemeindeschulden; Beratung über die Erhebung von Zulagen und Extrasteuern; Festsetzung und Verteilung der Arbeiten zur Erhaltung des Gemeindeeigentums; Beratung über Vergleiche und Prozesse der Gemeinde.

Der Dorfeber wohnt lange im Backhaus

Würde während des Straßenfestes die Zeit zurückgedreht, liefen die Besucher an einem wichtigen Gebäude des historischen „Bischems“ vorbei: dem Dorfbackhaus. Das an der Straße „Alt Bischofsheim“ 11 gelegene Gebäude ist heute in Privatbesitz, gebacken wird dort immer noch. Im Jahre 1758 war das Backhaus eines der vier gemeindeeigenen Gebäude. Die günstige Pracht von jährlich 20 Gulden hatte einen Haken: der Bäcker musste den Gemeindeeber auf seine Kosten kaufen, unterbringen, füttern und bei Bedarf zu Diensten halten.

Es scheint kein glückliches Los gewesen zu sein, als Bäckermeister in Bischofsheim zu wirken, denn wie den alten Rechnungsbüchern der Gemeinde zu entnehmen ist, wechselten die Pächter der Bischofsheimer Backstube häufig. Zu den Kunden des Backhauses zählte auch die Gemeinde. Zum einen bezahlte sie das bei der viermal jährlich stattfindenden Feier des Heiligen Abendmahls benötigte Brot. Dafür bekam er die Summe von vier Gulden, für die man zu damaligen Zeiten eine ganze Menge Brot kaufen konnte. Zum anderen wurden die bei der jährlichen Schulvisitation benötigten Wecke beim Bäcker gekauft. In Notzeiten erhielt der Bäcker große Mengen an Mehl, um auf Kosten der Gemeinde Brot zu backen.

 

Kirche 

Ob der Chorraum des Gotteshauses auf den Grundmauern der 862 beur­kundeten Kapelle aufgebaut wurde, wird wohl kaum zu klären sein. Auffallend ist nur, daß dieser Chorraum gegenüber dem Kirchenschiff viel zu groß ist. Nach Meinung mancher Kenner soll die Kirche im 13. Jahrhundert erbaut sein. Wahrscheinlich wurde die Kirche aber um 1450 gebaut. Zwei starke Säulen tragen das ganze Kreuzgewölbe des Schiffes. In einem Hanauer Regierungsprotokoll vom 12. November 1569 ist zu lesen, daß Erasmus Steindecker zur  „Vollführung des Kirchturmes noch etwas Geld bedürfe ..“. Ein steinerner Opferstock aus dem Jahre 1686 ist noch vorhanden.

Der Turm hat wie das Schiff im Laufe der Zeiten viel gelitten. Im 4. Februar 1944 brannte der Kirchturm im oberen Teil aus. Das Dach des Kirchenschiffs hatte ein Drittel seiner Schieferdeckung verloren, und so wurden im Laufe des Sommers 1949 verschiedene Reparaturarbeiten an der Kirche durchgeführt. So wurde u.a. das Chordach mit Dachpappe belegt, die durch Bomben beschädigte Südwand repariert und der Kirchturm mit einem Notdach versehen. Im Jahre 1950 wurde das Kircheninnere renoviert. Am 31.12.1952 wurde durch einen Sturm das Notdach vom Turm gerissen. Im Jahre 1953 wird sodann mit dem Ausbau des Turmes be­gonnen.

Im Jahre 1953 erfolgte die Wiederherstellung durch die politische Gemeinde, geldlich stark unterstützt durch die Kirchengemeinde und den Landeskonservator von Hessen. Die Glocken waren in den beiden letzten Weltkriegen eingezogen worden. In 1953 konnten durch Sammlungen in der Gemeinde zu der aus dem Jahre 1714 stammenden Glocke wieder drei neue hinzu­gekauft werden, so daß vom Turm wieder das volle Geläut erschallen kann.

Bei der Ausmalung von 1953 kamen um die Schlußsteine alte Blumenornamente zum Vorschein, auf den Schlußsteinen selbst Bilder von Heiligen und Szenen aus dem Leben Jesu.

Im Jahre 1956 wurde an der Südseite des Gotteshauses ein Gedenk­raum für die Opfer der beiden Weltkriege angebaut.

Der Zustand in der alten Kirche erwies sich als untragbar, und deshalb entschloß man sich zum Umbau und Erweiterung der Kirche. Da die vorhandene gotische Kirche in ihrem Bestand erhalten werden mußte, konnte die Erweiterung deshalb nur in Nord‑Süd‑Richtung erfolgen und die Verbindung mit der alten Kirche durch Öffnen einer Seitenwand des Kirchenschiffs hergestellt werden. Im Erweiterungsbau sind an der Ost‑ und Westseite Emporen eingebaut, wovon die Westempore eine voll der Firma Walcker, Murrhardt, gebaute Orgel aufnimmt. Die Kirche wurde am 30. Juni 1968 in einem Festgottesdienst in Gebrauch genommen.

In Bischofsheim gibt es noch die katholische Kirche „St. Theresia vom Kinde Jesu“, von 1960

 

Der Weinbau in Bischofsheim im Jahre 1681

Auszugsweise nach einer Arbeit von Karl Imand (Fechenheim)

Die Römer brachten den Wein an den Rhein. Der Kaiser Domitian, unter dem der Bau des Limes begonnen wurde, hatte den Weinanbau in Germanien verboten, wahrscheinlich, um den Absatz des römischen Weines nicht zu gefährden. Aber die Alpen waren hoch, und Rom war weit. Man schmuggelte Weinstecklinge nach Germanien und baute Wein an. Die christliche Zeit zwang dazu, auch rechts des Rheines Versuche mit dem Anbau des Weinstockes zu machen, da man den Wein für kirchliche Zwecke brauchte. Zudem waren die Mönche, die ja manches entbehren mussten, immer Freunde des Weines gewesen. So legten fleißige Benediktinermönche Weinberge auf dem Petersberg bei Fulda an, allerdings mit nur mäßigem Erfolg, denn auch reichliche Honigbeigaben konnten die Säure des Trankes nicht vertreiben. So zogen die Fuldaer Mönche an den Rhein, um mit bestem Erfolg edle Tropfen für sich und die erleuchten Klostergäste, für Kaiser und Könige, für Fürsten und Prälaten zu züchten.

Auch unsere engere Heimat eignete sich vorzüglich zum Anbau der Rebe. Der Hang von Seckbach über Bergen, Bischofsheim und Hochstadt war bald ein einziger Weinberg geworden. In Urkunden von 880, 881 und 882 erscheinen Schenkungen auch von Weinbergen an das Salvatorstift in Frankfurt aus den Orten Biscofesheim, Pargila (Bilrgel oder Bergen) Seckibah und Vechenheim. In den Akten des Bartolomäusstiftes zu Frankfurt fand der o. a. Verfasser einen auch für Bischofsheim interessanten Bericht aus dem Jahre 1676:

 

Bericht wegen des Kirschaler Zehends ex relatione deß Gräfl. Hanauische schultheißen zu Thörnichheimb 1676.

1. Kirschal ist ein gewissehs felt zwischen Fechenheitnb, Bischofshe, und Thörnichhe gelegen. Begreift in sich = 300 morgen lands.

2. Diehses landt ist bey 80 fahr lang wüst gelegen undt erst vor 7 fahr auhs gräfl. Hanauischen Befelch auhsgerodt undt gebauet worden. NB. seint vor alterhs Weingarde gewesen.

3. Diehse Acker so anietzo durchgehende mit Korn behsärnet und wohlgebauet solle in 3 terminey gehören, alhs nemblich in der Fechenheimer, Bischofsheimer, undt Thörnickheimer undt ist die terminey mit gewihsen Marksteinen abgetheilt, undt auch alhso in 3 Orthe, alhs nemblich: wahs in Bischofsheimer terminey ligt, dem Kayerserlichen stifft Bartolimäi in Frankfurt, wahs in Fechenheimer terminey dem closter Patershauhsen und was in Thörnickheimer terminey gelegen Ihrer Hochgräfl. Gnaden zu Hanau zehnbar sein.

4. Gleicher gestalt soll es von alterhs mit dem Wein Zehnt gehalten worden sein. Im Mittelalter unterschied man drei Sorten Wein: Fränkischen Wein (vinum francum), Hunnischen Wein (vinum hunicum) und den Edelwein, den Riesling. Der Historiker Kriegk erwähnt in seiner „Geschichte von Frankfurt am Main“ auf Seite 108 in einer Anmerkung den Weinbau in Bischofsheim und führt an: „in Bischofsheim, wo sowohl vinum francum als vinum hunicum gebaut wurde“.

Wein war im Mittelalter Volksgetränk. Zu seinen täglichen Lebensmitteln erhielten auch Knecht und höriger Bauer ihr Quantum Wein. Bei den Gerichtssitzungen erhielten die Schöffen ihren Wein, wie es das alte Bischofsheimer Weisthum ausweist. Bei den vielen frommen Schenkungen und milden Stiftungen des Mittelalters, bei den Seelgereden (Totengedenken) wurde fast immer Wein verabreicht.

So heißt es in einer Urkunde u. a.: „vnd vff den grünen Donnerstag soll der pherner und de altaristen heyschn 12 arme Menschen, vnd sollen die heyßen sitzen off Hn. Heyderichs grab von Rolfhuß, dem got gnade, nach der messen, vnd sollen iedem gebin ein halbyz weyniz vor 12 hellem, vnd ein weckin vor 2 hellem, vnd eyne hering vor 2 hellem, und dem vorg pherner vnd altatristen sol iclichme gefallin eyn halbiz wyniz vor 12 hellem und eyn wecke vor 2 hellem vnd eine kindermeister als he da ist, mit eyn halbiz wyniz vor twilff hellem. Vnd gulde der win me, so sulde man iclichme abrichin noch der anzal um Hn. Heyderichen sele vnd frauwin Margredin sele.“

 

 

Dorfschänke

Schon immer war die „Dorfschänke” ein Treffpunkt für die Bürger, um sich vor allem über die neuesten Nachrichten aus Bischofsheim und später auch aus der gesamten Stadt Maintal auszutauschen. Die Traditionsgaststätte strahlt eine ungebrochen heimelige Atmosphäre aus. Dunkle und warme Hölzer dominieren die Gaststube und das kleine Kolleg. Bis zum heutigen Tag hat sich am Interieur der „Dorfschänke” kaum etwas geändert, wie alte Originalaufnahmen belegen, die Gunter F. Beck wie einen Schatz hütet. Wohltuend hebt sich die Bischofsheimer Gaststätte von manch anderen Restaurants ab, hat sie sich doch ihren eigenen, unverwechselbaren Charme bewahrt, der Urgemütlichkeit ausstrahlt.

Gunter F. Beck hat die „Dorfschänke” 1992 von Margot Höhl gepachtet. Zuvor war er als Vetriebs- und Marketingfachmann tätig. Gegründet wurde die Gaststätte 1906 unter dem Namen „Kaiser Friedrich” und zwar von Margot Höhls Großvater, dem Zimmermann Johann Friedrich Heinrich Reuhl II., den alle nur „Pelz” nannten, weil er stets einen Mantel mit einem echten Pelzkragen trug, was zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch etwas Besonderes war.

Das Haus, in dem sich die „Dorfschänke” befindet, wurde im Jahre 1904 erbaut. Bis 1968 blieb die Gaststätte, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren heutigen Namen erhielt, im Besitz der Familie Reuhl.

Dann jedoch fand sich kein Nachfolger aus der Familie Reuhl und das Gasthaus wurde erstmals verpachtet. Heinz Lück und seine Familie führten die „Dorfschänke“ bis 1982, ehe sie von der Familie Klaus Alten übernommen wurde. Zehn Jahre später folgte dann der letzte Pächterwechsel zu Gunter F. Beck, dem das Traditionshaus längst ans Herz gewachsen ist.

 

Post

Mit dem jetzt begonne­nen Abriß des ehemaligen Postgebäu­des in Alt‑Bischofsheim schwindet auch ein Stück Ortsgeschichte aus dem Bild des Maintaler Stadtteils. Wie vom Ma­gistrat beschlossen und nun auch umge­setzt, muß das wahrscheinlich noch vor dem Ersten Weltkrieg errichtete Gebäude im Zuge der Umgestaltung des Rathausplatzes weichen.  Genaues weiß man bei der Maintaler Stadt­verwaltung nicht und ist auch der Bi­schofsheimer Chronik von Herbert Lippert nicht zu entnehmen.

Bekannt ist der Werdegang des Gebäudes seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Es wurde zunächst als ausgelagerte Depen­dance der Waldschule genutzt, bevor dann im Jahr 1958 die Post dort nach einigen Umbauten Einzug hielt. Später nutzte die Post das Gebäude auch als Fernmeldezen­trum, das erste Obergeschoß wurde teil­weise von der Bischofsheimer Gemeinde­verwaltung belegt. Zuletzt hatte der El­ternverein „Familienzentrum Maintal“ im ersten Obergeschoß sein Domizil, bevor die Eltern vor einigen Jahren ihren jetzi­gen Standort „Am Kreuzstein 57“ bezogen. Obwohl zur Neukonzeption des Rathaus­platzes noch immer nichts konkret ent­schieden ist, war der Abriß der „alten Post“ im Magistrat unstrittig. Eine Sanie­rung des alten, maroden Gebäudes wäre sehr teuer geworden“.

                                                                                                                                

Bischofsheim nach 1945 (Aus der Geschichte der SPD Bischofsheim)

Am 27.3.1945 beschossen amerikanische  Panzer von Rumpenheim aus die Gemeinde Bischofsheim und konzentrierten ihr Feuer auf die Straßenkreuzungen des Ortes. Am 28.3  kamen sie über den Main, wobei sie die von den deutschen Truppen vorgenommene Versenkung der Rumpenheimer Fähre in keiner Weise behinderte.

In einer Art Vorspann zur ersten Sitzung der neugebildeten Legislative, die sich damals Gemeindebeirat nannte, vom 28.7.1945 schrieb der derzeitige Schriftführer Wilhelm Nohr (SPD) in seinem Protokoll:  Nach einem einige Stunden andauernden Gefecht (27.3.45) das unserer Gemeinde außer größeren Gebäudeschäden auch 7 Todesopfer der Bürger und 8 Soldaten der Wehrmacht abver­langte, galt es in erster Linie, die gesamte Bevölkerung vor dem Hungertode zu bewahren...Mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung wurde das ehemalige Mitglied der Sozialdemokre­tischen Partei Deutschlands (nun KPD Mitglied) Philipp Eschmann zum kommissarischen Bürgermeister bestellt.

Es gab kein Reich mehr, kein Land, auch keine Kreisverwaltung. Der kommissarische Bürgermeister war König von Bischofsheim und ganz auf sich allein gestellt, war niemand verantwortlich. Eschmann nahm seine Macht in Anspruch, besonders die im Ort führend gewesenen Nationalsozialisten waren Schikanen ausgesetzt, wofür vielfach in der Bevölkerung Verständnis aufgebracht wurde.

Doch sollte man bei objektiver Betrachtung nicht vergessen, daß der kommissarische Bürgermeister sich nach Kräften bemühte, den Hei­matvertriebenen, den Flüchtlingen aus der SBZ und bedürftigen Alteingesessenen nach Kräften zu helfen bei der Beschaffung von Wohnraum, der Versorgung mit Lebensmitteln und Heizmaterial zu helfen.

Die Verwaltung der Gemeinde lag nach dem Zusammenbruch fest in kommunistischer Hand. Auch der ständige Vertreter des kommissarische Bürgermeisters, Herr Friedrich Kröll, war Kommunist und hat meistens die Gemeinderatsitzungen geleitet, da Herr Eschmann nach Wiesbaden als Referent geholt wurde und sich auch gern als „Herr Ministerialrat“ anreden ließ. Auch die beiden Hilfspolizisten, die Herrn Hans Bachmann und Wilhelm Eschmann, gehörten der KPD an.

Am 21.12.1945 trat als Ordnungsfaktor die neue deutsche Gemeindeordnung in Kraft. Nach einem Sitzungsprotokoll ohne Datum, wahr­scheinlich von einem der letzten Mai- oder ersten Junitage 1945, begann sich das demokratisch-kommunale Leben wieder zu regen.

Ein Gemeindebeirat, der die Aufgaben der früheren Gemeindever­tretung übernehmen solle, wurde gebildet. Ihm gehörten von der SPD an: Ludwig Sorg, Bernhard Heß, Jean Bepperling und Wilhelm Nohr. Von der KPD: Wilhelm Krebs, Wilhelm Eschmann, Hans Bachmann. Die Bürgerlichen waren durch Wilhelm Reuhl vertreten, die Landwirte von Wilhelm Ebert.

Am 28.7.45 wurde dieser Beirat durch zwei weitere Personen ergänzt: Jakob Stork von der SPD und Friedrich Reitz von der KPD kamen hinzu. Der Gemeindediener Schmidt wurde entlassen, wahrscheinlich war er Parteigenosse gewesen, Jakob Urban (KPD) wurde sein Nachfolger.

Am 18.6.45 wurde die aus 4 Personen bestehende Wohnungskommission gebildet und der SPD-Mann Wilhelm Nohr zum Schiedsmann berufen, als Vertreter Bernhard Heß  (SPD) bestimmt.

Am 14.8.45 wurde der antifaschistische Ausschuß gebildet, der aus je 6 Personen der SPD, der KPD und der Bürgerlichen bestand und die Aufgabe der früheren Gemeindevertretung übernehmen sollte. Die Namen dieser Mitglieder sollten in der Sitzung vom 20.8.45 genannt werden, aber von dieser Sitzung liegt kein Protokoll vor. In der Sitzung vom 14.8. wurde auch bekanntgegeben1 daß die Grundschule im Orte am 1.9.45 wieder eröffnet werden sollte. Als mögliche Lehrer schlugen die Verantwortlichen der Gemeinde Frau Schomberg, Herrn Mohn und Herrn Kaiser vor.

Interessant sind auch die in dieser Sitzung bekanntgegebenen Vermögensverhältnisse der Gemeinde. Während man 1939 vor Aus­bruch des Krieges 200.000,-- RM Schulden hatte, bestand das jetzige Vermögen aus 55.688,99 RM und einer Rücklage von 300.000,--Reichsmark. Diese Beträge wurden bei der Währungsreform 1948 restlos annulliert und auch nicht aufgewertet.

Nachdem sich eine kommissarische Kreisverwaltung gebildet hatte, fanden die ersten legalen demokratischen Kommunalwahlen am 27.1.1946 statt. Die Wahl erbrachte 5 Sitze für die SPD, ebenfalls 5 Sitze für die CDU und 2 für die KPD. Diese Wahl hatte für die Stellenbesetzung im Rathaus entscheidende Folgen.

Am 24. März 1946 wählte die Gemeindevertretung den SPD-Mann Herrn Heinrich Kappes zum Bürgermeister. In den Gemeindevorstand kamen Herr Karl Suffner und Wilhelm Reuhl (CDU), Daniel Adami von der SPD und Wilhelm Engelhardt von der KPD. Etwas später erscheint bei den Unterschriften auch der Name von Herrn Wilhelm Lamprecht von der SPD.

In die SPD-Fraktion der Gemeindevertretung zog auch Georg Krieger ein, der später für die Gemeinde eine große Bedeutung erlangen sollte.

Im Jahr 1948 war wieder eine neue Kommunalwahl. Die SPD war mit den Leistungen ihres Genossen, dem Bürgermeister Heinrich Kappes, nicht so recht zufrieden und schlug als ihren neuen Kandidaten Herrn Ludwig Sorg vor, doch wurde der bisherige SPD-Bürgermeister Kappes mit den 5 Stimmen der CDU und den 2 Stimmen der KPD wieder gewählt. Die SPD verließ unter Protest das  Wahllokal, nachdem die erklärt hatte, daß sie nach diesem Vorfall nicht gewillt sei, im Gemeindevorstand mitzuarbeiten. Der neue Gemeindevorstand bestand nun aus dem Bürgermeister Herrn Heinrich Kappes, Herrn Johann Wilhelm Reuhl (CDU) und aus den beiden KPD-Mitgliedern Herrn Friedrich Kröll und Herrn Wilhelm Engelhardt.

Man regierte nun eine geraume Zeit so vor sich hin, bis man nicht mehr so recht weiter konnte und die SPD bat, doch wieder mitzuarbeiten. Das tat die SPD aus Verantwortungsgefühl für die Gemeinde dann schließlich auch.

Parteipolitische Kontroversen traten weder in den Niederschriften des Gemeindevorstandes noch in denen der Gemeindevertretung auf. Fast immer heißt es, daß die Beschlüsse einstimmig gefaßt wurden. Es war die Zeit der furchtbaren Not, in der alle von der Hand in den Mund lebten, die Zeit, die jeden Tag neue Probleme brachte.

Erst kam einmal die Entlassung aller Personen, die etwas mit der NSDAP zu tun gehabt hatten. Die Lehrer, die Polizeibeamten, die Gemeindeangestellten, der Ortsdiener, der Nachtwächter, der Totengräber, der Fleischbeschauer und viele andere wurden aus ihren Ämtern entfernt und durch Leute ersetzt, die das ei­gentlich nicht gelernt hatten. Richter, Staatsanwälte und Lehrer wurden als Waldarbeiter beschäftigt, obwohl sie mit Säge und Axt nicht gut umgehen konnten.

Schwierig war die Holzversorgung. Erst wurde der Bischofsheimer Wald bis an die Grenze des Erträglichen ausgeschlachtet, dann das Holz in der Bulau bei Wolfgang geschlagen und schließlich lieferte der Wald auf der Wegscheide bei Bad Orb den Bischofs­heimern Heiz- und Brennmaterial. Da fast die gesamte deutsche Kohleförderung in früher von der deutsche Wehrmacht besetzte Gebiete ging, mußten Großstädte wie Dörfer mit Holz zum Kochen und Heizen versorgt werden. Die Gemeinde hatte eine starke Mannschaft von Stammarbeitern aufgestellt, um Holz einzuschlagen. Aus jeder Familie mußten arbeitsfähige Männer an bestimmten Tagen mit in den Wald, um beim Holzeinschlag zu helfen. Manchmal machten auch Frauen mit. Kranke, Alte und Antifaschisten waren von dieser Pflicht entbunden, und es gab plötzlich eine große Anzahl von Antifaschisten. Wer nicht kam, sollte auch kein Anrecht auf Holzzuteilung erhalten.

Der Gemeinde wurden jährlich 7.200 Zentner Holz zugeteilt, die auf dem Schulhof beim Rathaus zersägt, abgewogen und an die Zuteilungsberechtigten verkauft wurden. Bei diesen Maßnahmen ging es wohl nicht immer ganz korrekt zu, denn in der Gemeindevertretung wurden Klagen über die Holzversorgung und -einteilung laut. Besonders wurde gerügt, daß die Bauern in ihren Höfen große Holzstapel hätten und trotzdem ihren Anteil von der kargen Versorgung  erhielten.

Im Walde führte Philipp Pohl ein umsichtiges und gerechtes Regiment über die Waldarbeiter.

Einmal mußte wegen einer technischen Störung bei der Bulau auf freier Strecke ein Kohlenzug halten. Obwohl die nächsten Wohnhäuser viele hundert Meter von der Strecke entfernt waren, erschien wie aus dem Boden gestampft bald mehrere Dutzend Kinder, erklommen die Waggons und warfen in fliegender Eile die Kohlen­stücke in den tiefen Schnee. Bald erschien auch ein halbver­hungerter Polizist, sprang mit seiner gezückten Pistole herum und befahl den Kindern den Zug zu verlassen, aber niemand nahm Notiz von ihm. Er schoß auch nicht, wahrscheinlich hatte er überhaupt keine Patronen. Ein Bischofsheimer Bäcker stopfte seinen Holzsack mit Steinkohle voll und schleppte die mehr als 2 Zentner durch tiefen Schnee mehrere hundert Meter bis zum LKW.

Die Gemeindegremien hatten nicht nur Sorgen mit dem Holz. Als der Etat für 1946 aufgestellt werden mußte, saß man rat­los vor den Formularen, bis man sich entschloß, den wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP entlassenen früheren Gemeinderechner Gallus Bergmann herbeizuzitieren, der dann die Ange­legenheit zu aller Zufriedenheit erledigte. Ebenso handhabte man die Aufstellung des Etats für 1947.

Nach dem Kriege waren fast alle Geschäfte geschlossen, da ihre Inhaber in der Partei gewesen waren. Die Anträge auf Wiedereröffnung häuften sich, besonders Anträge auf Genehmigung von Obst- und Gemüsegeschäften wurden häufig gestellt. Oft wurden die Anträge abgewiesen, aber als der Landrat auch die Schließung der Schlosserei Kinkel in der Niedergasse verfügte, protestierten alle Gremien der Gemeinde dagegen und setzten durch, daß der Betrieb erhalten blieb.

Komplizierter zu behandeln waren die Anträge auf Zuteilung von Gartenland. Jedermann versuchte die schmale Ernährungs­basis auf irgend eine Weise zu verbessern. Die Gemeinde schuf kleine Gartenparzellen in der Roten Erde, dem Gebiet der heutigen Schlesischen- und Löwenseestraße. Ausgewiesen wurden auch Gartenstücke südlich der Bahnstrecke nach Frankfurt in dem heutigen Industriegebiet. Ebenfalls in einem abgeholzten Waldstück auf dem heutigen Eugen-Kaiser-Ring.

Die alteingesessenen Einwohner mit Hof- und Stallgebäuden suchten die Ernährungsbasis auf alle denkbare Weise zu ver­bessern. Wo es nur irgend ging, hielt man sich Stallhasen, eine Ziege, ein paar Hühner, einige Gänse oder auch ein Schaf. Mühsam und nicht immer legal wurde das Futter für die Tiere beschafft. Jedes kleinste Stückchen Gartenland wurde genutzt, jeder Quadratmeter Wegegras hatte seinen Pächter.

Schwierig und langwierig war auch die Rückgabe des nun gemeinde-eigenen Landes in der Roten Erde an die früheren Besitzer Der NS-8ürgermeister Lenz hatte geplant, in diese, Gebiet eine neue Siedlung zu errichten und die Besitzer dieses Geländes unter Zwang genötigt, das Areal an die Gemeinde zu verkaufen. Nun erhielten die früheren Eigner ihren Besitz durch einen Beschluß der Gemeindevertretung wieder zurück.

Als die Apathie nach dem Zusammenbruch sich langsam legte und erster Lebenswille die Oberhand gewann, wurden zahlreiche Anträge auf Überlassung von Baugelände gestellt. Der Wert des Geldes wurde zwar künstlich stabil gehalten, inflationäre Preise wie nach dem 1. Weltkriege gab es nicht, aber in Wirklichkeit war das Geld nichts wert, wer wollte damals schon gegen Reichsmark die sichere Kapitalanlage an Grund und Boden verkaufen ?

Große Sorge bereitete der Gemeinde die Wasserversorgung. In dem furchtbaren Dürrejahr 1947 war die Wasserversorgung katastrophal, die Misere wurde noch durch die stark gestiegene Bevölkerung er­heblich verstärkt.

In diesem Jahr hatte auch das Vieh durch den Futtermangel stark zu leiden  Die Stallfütterung wurde weitgehend eingestellt und durch den Weidegang ersetzt. Unkraut, Kartoffelkraut und Schilf­rohr wurden als Futter eingebracht. Aus Futtermangel mußte viel Vieh verkauft werden, aber die Bevölkerung bekam kein bißchen Fleisch mehr.

Die Gemeinde brauchte zusätzlich zu ihrer eigenen Erzeugung. mehrere tausend Zentner Kartoffeln. Hier wurden die Gemeinden Niederdorfelden und Wachenbuchen als Lieferanten zugewiesen, wo die dortigen Ortslandwirte die Angelegenheit örtlich regelten.

Bei den Bauern wurde ein genaues Ablieferungssoll für all ihre Erzeugnisse festgelegt. Wer dieses Soll nicht erfüllte oder gar nichts ablieferte - auch  das gab es - wurde mit hohen Geldstrafen belegt. Es wurden auch Kontrollen durchge­führt durch auswärtige Polizeibeamte, die nach- versteckten Vorräten oder nicht angegebenem Vieh oder Geflügel suchten. Auch Verhaftungen sind vorgekommen.

Natürlich hatten die Bauern genug zu essen und litten keine Nöte. Natürlich schlachteten sie schwarz. Für ihre abgelieferten Erzeugnisse bekamen sie nur reguläre Preise für ein Ei 8  Pfennige, für 1 -Ltr. Milch 18 Pfennige,  für 1 Ztr. Kartoffeln 4,30 RM, für einen Zentner Korn 8- bis- 9 RM, für eine Kuh 400 RM. Aber. für landwirtschaftliche Geräte hatten sie Phantasiepreise zu zahlen, für ein Ackerpferd 20.000 RM. Sie waren also ge­zwungen, mit Naturalien Tauschhandel zu treiben oder Schwarz­marktpreise zu zahlen.

Im Frühsommer 1945 kamen die ersten Transporte der Heimatver­triebenen. Die Aufnahme dieser bettelarmen  und völlig ver­zweifelten Menschen erforderte umfangreiche Maßnahmen. Vorerst brachte man die Vertriebenen in 3 Sammellagern in den Sälen der Gastwirtschaften Fritz Ebert, im „Grünen Baum“ und im „Hessischen Hof“ unter. Es mußten Stroh, Laken  und Decken beschafft werden, Waschgelegenheiten eingerichtet werden. Eine Gemeinschaftsküche wurde eingerichtet, in der das Mittag essen. zubereitet wurde. Alte und Kranke waren zu versorgen, Lebensmittel zu organisieren und vieles andere. Brot und Nährmittel erhielten die Vertriebenen wie jeder andere auch auf Lebensmittelkarten.

Der Kreis- Hanau mußte vorerst 36.000 Heimatvertriebene aufnehmen, nach. Bischofsheim kamen mit dem ersten Transport etwa 600 Leute.

Diese gewaltige Aufgabe findet in den Sitzungsniederschriften der Gemeindegremien eigenartigerweise überhaupt keinen Niederschlag. außer der lapidaren Bemerkung, daß ein Flüchtlingsausschuß gebildet wurde. Dieser Ausschuß bestand aus je einem Herren der SPD, der CDU. und der KPD, denen zur Beratung. Personen aus der Arbeiter­wohlfahrt und dem Deutschen Röten Kreuz zur Verfügung standen.

Der ebenfalls gebildeten Wohnungskommission standen ebenfalls Personen aus der vorher- genannten Organisation zur Verfügung. außerdem wurde dem Ausschuß ein Baufachmannbeigegeben (diese Auskünfte stammen nicht aus den amtlichen Unterlagen, sondern­ von Personen der damaligen Zeit).  Einmal. wird auch erwähnt, daß die Gemeinde regelnd eingreifen mußte, als sich örtliche Schreiner weigerten, den Heimatvertriebenen im Bedarfsfalle einen Sarg zu verkaufen. Im Laufe des Herbstes 1945 wurden die Sammellager allmählich aufgelöst und die Vertriebenen in Wohnungen eingewiesen.

Einige Mutige der Vertriebenen begannen schon recht früh, mit der Planung und Errichtung eines eigenen Hauses. Die Gemeinde stellte Baugelände zur Verfügung, anfangs nahm man

50 Pfennige für einen Quadratmeter. Alle Anträge der Vertriebenen um ein Darlehen von der Gemeinde in Höhe von etwa 1000 oder 1500 RM wurden abgelehnt, dabei schwamm die Gemeinde doch im Geld.

 

Zurück zur SPD! Die erste Zeit nach 1945 ist schwer zu ergründen,­ da alle damals führenden Genossen mittlerweile verstorben sind. Der Ortsvereinsvorsitzende war Ludwig Sorg, auch der Genosse Emil Kraus aus der Friedhofsstraße hatte ebenfalls eine leitende Funktion -wahrscheinlich war er Kassenleiter. Die Sitzungen der Partei fanden im „Kaiser-Friedrich“ statt, der späteren „Dorfschenke“ im Fechenheimer-Weg. Wann und- warum Ludwig Sorg den Vorsitz des Ortsvereins abgegeben hat, konnte nicht mehr festgestellt werden. Sein Nachfolge war Wilhelm Lambrecht, der diesen Vorsitz bis 1962 inne hatte.  Die von ihm- geleiteten Sitzungen waren. farblos und ohne tragende Ideen. Die Zahl der Genossen  betrug damals etwa 80, die allerdings bei wichtigen Tagesordnungspunkten, etwa zur Jahreshauptversammlung, zur Wahl von Delegierten und Kandidaten für das Bürgermeisteramt in großer Zahl erschienen.

Im allgemeinen befaßten sich die Tagesordnungspunkte mit akuten Problemen der damaligen Notzeit. Diese großen Sitzungen fanden entweder im Saal der Gastwirtschaft Fritz Ebert oder bei Wilhelm Keller statt, beide in der Obergasse.

In einer Kampfabstimmung wurde der Genosse Lambrecht 1962 durch den jungen, kämpferischen Genossen Sepp Sigulla abgelöst.

Mit der Kommunalwahl 1952 ging die etwas schläfrige Ägide von Bürgermeister Kappes zu Ende. Dem bisherigen Kandidaten der SPD Ludwig Sorg stand ein Mitbewerber um das Amt des Bürgermeisters in der Person des Genossen Georg Krieger gegen­über. Der Genosse Krieger wurde in einer Kampfabstimmung zum SPD-Kandidaten gewählt und errang bei der Wahl zum Bürger­meister gegen den weiter von CDU und KPD favorisierten bis­herigen Bürgermeister Kappes mit der hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme den Sieg.

Mit dem neuen Bürgermeister zog ein völlig neuer Geist in die Verwaltung der Gemeinde ein. Es begann eine Zeit unerhörter Aktivität, die den Charakter der Gemeinde völlig veränderte. Auf dem Bausektor wurde der Anfang gesetzt mit der Wieder­errichtung des völlig zerstörten Kirchturmes. Ihr folgte die Zeit zahlloser Neubauten in neuen Siedlungsgebieten, die überaus wichtige Gründung der Wohnungsbaugesellschaft, die auf die persönliche Initiative des Bürgermeisters zurückzu­führen ist, eine völlig neue Infrastruktur mit Kanalisation, Straßenbau, Trinkwasserversorgung, Straßenbeleuchtung und unzähligen anderen Maßnahmen, z.B. Schulbauten. Dieses unerhörte Aufblühen der Gemeinde, die die Bevölkerungszahl auf etwa 14.000 Einwohner anwachsen ließ, hätte  sich auch mit einem tatkräftigen Bürgermeister und einer entscheidungs­freudigen SPD-Fraktion nicht in diesem Umfange durchsetzen

lassen, wenn nicht in der Zeit des Wirtschaftswunders der Ballungsraum Frankfurt zu einem Zentrum der Westdeutschen Wirtschaft entwickelt hätte.

Die Maßnahmen der neuen Ortsregierung fanden in der Bevölkerung solchen Widerhall, daß die SPD bei der Kommunalwahl 1964 elf Sitze in der Gemeindevertretung errang (C6U 8) und 1968 die SPD abermals elf Sitze bekam (CDU 5, FDP 2 und NPD 1). Bischofsheim war durch die sozialdemokratische Kommunalpolitik zu einem beachtlichen Ort mit starker Wirtschaftskraft und gesunder finanzieller Basis geworden. Der anfangs recht unbekannte und teilweise abgelehnte Georg Krieger war zum allgemein anerkannten und äußerst populären Politiker geworden, er war „Unser Schorsch“ geworden (Aufzeichnungen von Sepp Sigulla zur Geschichte der SPD nach 1945)

 

 

Bürgermeister Georg Krieger

Bischofsheim viele Bürgermeister gehabt. Niemand wird mehr feststellen können, wie viele es waren und wie sie alle hießen. Verschieden sind auch ihre Titel gewesen. Da gab es jahrhundertelang die Zentgrafen, deren Zuständigkeit sich zwar nicht ganz mit der eines heutigen Bürgermeisters deckte, ihr jedoch vergleichbar war. Dann nannten sich die Dorfoberhäupter Schultheiß oder Heimburge, für kurze Zeit gab es sogar einen Maire, ebenfalls für kurze Zeit einen Schulzen, schließlich ist man doch bei dem „Bürgermeister“ geblieben.

Es sind viele tüchtige Männer unter den Bischofsheimer Bürgermeistern gewesen, Männer, die mit Mut und Energie die Gemeinde sicher führten und in kritischen Situationen einen klaren Kopf behielten.

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Bischofsheim war Georg Krieger. Bürgermeister Krieger hat in einer ungewöhnlichen Zeit Ungewöhnliches geleistet. Am 18. Juli 1908 in dem damals noch zum Kreis Hanau gehörenden Fechenheim als Arbeitersohn geboren, trat er nach Beendigung der Schulzeit eine dreieinhalbjährige Schlosser- und Spenglerlehre an und hat als Handwerker gearbeitet, bis ihn wie hunderttausende andere die beginnende Weltwirtschaftskrise 1928 arbeitslos machte. Seine Befähigung zu manueller Tätigkeit war nicht gerade hochentwickelt, seine größeren Fähigkeiten lagen auf anderem Gebiet. Der junge geistig aufgeschlossene Mann mit Sinn für Humor und Neigung für Musik, Theater und Sport trat schon 1922 in die sozialdemokratische Arbeiterjugend ein und wurde Mitglied der Gewerkschaft, war im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und trat 1927 in die SPD ein. Er war ferner Angehöriger der Eisernen Frönt.

Im Jahre 1920 kam Herr Krieger nach Bischofsheim und trat dem DRK bei, wo er führend mitarbeitete und es als DRK- Mann auch verstanden hat, sich der Eingliederung in irgendeine NS-Organisation zu entziehen. Von 1942 bis 1945 war Herr Krieger Soldat und als Sanitäter zur Kriegsmarine eingezogen. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft kehrte er in die Heimat zurück und stellte sich sofort dem Wiederaufbau zur Verfügung. Er trat dem Bürgerausschuss bei und wurde 1946 nach der ersten demokratischen Wahl Gemeindevertreter. Die SPD wählte den intelligenten und besonnenen Mann zum Sekretär des SPD-Unter­bezir­kes Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern.

Im Jahre 1952 wurde er zum Bürgermeister von Bischofsheim gewählt und hat das Amt bis zur Gründung der Stadt Maintal inne gehabt. Auch nach dem Zusammenschluss war Herr Krieger noch bis zur Kommunalwahl am 27. Oktober 1974 als Erster Staatsbeauftragter für die neue Stadt tätig. Bürgermeister Krieger gehörte von 1952 -1974 dem Kreistag an und war von 1966-1974 Kreistagsvorsitzender. Er bekleidete außerdem eire große Anzahl von Neben- und Ehrenämtern.

Solche Ämtermassierungen können wohl ein Kriterium für einen tüchtigen Mann sein, brauchen aber nicht unbedingt einen „Großen Mann“ zu kennzeichnen. Bürgermeister Krieger war jedoch ein großer Mann, der, obwohl von Haus aus kein gelernter Verwaltungsmann, es doch verstanden hat, der Verwaltung den Stempel seiner Persönlichkeit aufzudrücken und in der turbulenten Zeit der stürmischen Entwicklung dieser Gemeinde die Fäden nicht aus der Hand zu verlieren und mit einem ausgemachten Sinn für das Mögliche, gemeinsam mit einer progressiven Gemeindevertretung, das kleine Bischofsheim nicht nur flächenmäßig groß gemacht, sondern zu einem organisch gesunden Gemeinwesen gestaltet zu haben.

So viele und so hohe Ämter er auch bekleidet hat, er ist nie überheblich oder arrogant geworden und hat sich stets als Sohn des Volkes verstanden. Bürgermeister Krieger hat sich durch seine korrekte und erfolgreiche Amtsführung und durch seine warme Hilfsbereitschaft und menschliche Güte nicht nur Anerkennung, sondern auch tiefes Vertrauen bei allen Schichten der Bischofsheimer Bevölkerung erworben.

 

Für seine überragenden Verdienste wurde der letzte und auch größte Bischofshei­mer Bürgermeister am 14. Juni 1972, anlässlich seines zwanzigjährigen Dienstjubiläums, durch den Hessischen Innenminister Bielefeld mit der Freiherr-vom Stein-Plakette ausgezeichnet. Der Bundespräsident verlieh dem scheidenden Bürgermeister in Anerkennung seiner erfolgreichen Tätigkeit am 28. Juni 1974 das Bundesverdienstkreuz. So eine Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes kann auch ihre Tücken haben. Anfang Februar 1974 reichte der Gemeindevorstand den mit allen nötigen Unterlagen versehenen Antrag auf Verleihung des Bundsverdienstkreuzes an den Bürgermeister Krieger auf dem Dienstwege nach Bonn ein, in der sicheren Hoffnung, dass dieser Vorgang in fünf Monaten abgewickelt werden könne, ohne die zuständigen Behörden all zu sehr in Zeitnot zu bringen.

Aber es rührte sich nichts, und die für den 28. Juni 1974 vorgesehene letzte Gemeindevertretersitzung rückte immer näher. Nervöse Anrufe in Bonn, Wiesbaden und Darmstadt sowie bei dem Bundestagsabgeordneten Gerhard Flämig hatten stets dasselbe Ergebnis: Niemand konnte Auskunft geben! Da kam am Vormittag des 28. Juni der erlösende Anruf aus dem Landratsamt: der Orden ist da!

Der Erste Beigeordnete bat nun, dass der Herr Landrat in der abendlichen Sitzung die Ehrung vornehmen möge, aber der Landrat war zu diesem Zeitpunkt dienstlich verhindert. Auch der Kreisdirektor Lenz und der Jurist des Kreises, Dr. Paul, waren anderweitig dienstlich verpflichtet. Wir sollten uns alles abholen und dem Bürgermeister das Verdienstkreuz durch den Ersten Beigeordneten überreichen lassen. So wurden Urkunde und Orden geholt, bewundert, weggeschlossen und eine Rede zusammengebastelt.

Am Nachmittag dieses Tages kam ein dringender Anruf aus dem Landratsamt: Herr Bürgermeister und der Orden seien umgehend nach Hanau zu bringen, denn die Überreichung einer so hohen Auszeichnung dürfe nicht durch untergeordnete Instanzen erfolgen, sondern müsse mindestens durch einen Landrat vorgenommen werden. So musste leider Bürgermeister Krieger von der als Überraschung geplanten Ehrung in Kenntnis gesetzt werden. Um jedoch wenigstens ein kleines Dekor zu bilden, fuhren zwei Beigeordnete mit, spendeten Beifall und wurden mit einem Glas Sekt belohnt. Abends bei der letzten Gemeindevertretersitzung erhielt der Bürgermeister von den Vertretern aller Parteien anlässlich seiner Auszeichnung einen lebhaften und ehrlich gemeinten Beifall. Georg Krieger ist 1987 gestorben.

 

Nicht nur als Heimatforscher erwarb sich der Jubilar Verdienste um Bischofsheim. Zum 85. Geburtstag von Herbert Lippert  (MTA, 01.08.1989)

Als der „Tagesanzeiger” Ihn vor fünf Jahren ui seinem Achtzigsten würdigte, hatte die Stadt Maintal gerade erst eine Arbeitsgruppe gebildet, um die Hochstädter Chronik zu erstellen. Doch bis heute konnte das Werk noch nicht beendet werden. Und warum nicht? Es fehlte einfach die treibende Kraft, die penibelste Recherche, der Wille und die Verbundenheit mit der Heimat eines Herbert Lippert. Trotz seines hohen Alters war sich der alte Herr nicht zu schade, seine Erfahrung als Chronist einzusetzen und Beiträge für die Hochstädter Chronik zu liefern. So wie er es vor zwei Jahrzehnten tat, als er die Geschichte der Gemeinde Bischofsheim von Grund auf ausarbeitete.

Am 31. Juli 1969 wurde Helmut Lippert pensioniert. 19 Jahre lang war er Lehrer und Rektor an der Waldschule in Bischofsheim. Und darauf legte er besonders großen Wert. Einen höheren sogar als den seiner Tätigkeit als Heimatforscher. „Ich will nicht immer nur als Chronist von Bischofsheim erwähnt werden”, ärgert sich der Jubilar ein wenig. Er hätte es viel lieber, würden ihn die Maintaler Stadtväter als Mitgründer der Bischofsheimer Volksschule zu würdigen wissen. Schließlich war er es, der zwei Jahre nach dem Krieg zusammen mit dem damaligen Bürgermeister von Bischofsheim, Georg Krieger, die neue Schule geplant und ermöglicht hatte. Lippert erinnert sich: „Der arme Bauleiter. Dreimal ließen wir die Fundamente wieder abreißen. Er resignierte schon und wollte uns seine Arbeit überlassen.”

Für Herbert Lippen war Bischofsheim die zweite Heimat. In Ostpommern geboren und aufgewachsen, verschlug es ihn nach dem Krieg eher zufällig an den Untermain. Vom Bauernknecht über den Waldarbeiter und Holzfäller stellte er seine Dienste der Gemeinde zur Verfügung. Zunächst als Lehrer „seiner Schule”, später als Rektor Auf seine pädagogische Arbeit ist er besonders stolz. Trotz seiner Bescheidenheit, wie er selbst sagt, ist er den vielen Ehrungen ein wenig überdrüssig geworden. Er hat doch soviel für Bischofsheim getan. Eben nicht nur die Chronik, die bei solchen Anlässen immer und immer wieder das Thema ist. Nur beiläufig erwähnt er, der erste Maintaler Bürger mit der goldenen Verdienstmedaille gewesen zu sein. Vom Bundesverdienstkreuz ganz zu schweigen.

Auch auf den Journalisten, der nur diese Chronik im Kopf zu haben scheint, ist er etwas, na ja ... „Wie war das denn nun, mit dieser Heimatgeschichte, will dieser junge Schreiber wissen. Herbert Lippen macht den Eindruck, als erzähle er nur widerwillig davon. Jeder fragt schließlich dasselbe. „Gut, spulen wir eben das runter, was es darüber zu sagen gibt.” Das oder so etwas Ähnliches könnte in ihm herumgeistern, als er mir zum ersten, insgesamt wahrscheinlich zum x-ten Mal, seine Geschichte von der Chronik erzählen muß. Erst nach seiner Pensionierung habe er endlich Zeit und Muse gehabt, sein immerwährendes Vorhaben zu verwirklichen. Sechs Jahre lang war er damit beschäftigt. Ein Archiv nach dem anderen mußte durchforstet werden. Doch nicht alle wollten sich in den Dienst seiner ehrenamtlichen und nicht entlohnten Tätigkeit als Heimatforscher stellen. Immer ins Staatsarchiv nach Marburg zu fahren, sei ihm zu lästig und zu zeitaufwendig gewesen. Also mußte er sich an Privatpersonen halten. Auf alteingesessene Bischofsheimer mußte er zurückgreifen. Sie sollten ihm ihr Material, ihre Überlieferungen oder Bilder zur Verfügung stellen.

Die Stadt war nach der Gemeindereform nicht gerade kooperativ gewesen­. Das Rathaus wurde umgebaut, modernisiert. Auf einmal habe er sich im Keller wiedergefunden, als er nach Material forschte. Urkunden der Kirchengemeinde gehörten auch dazu.

Heute hat er noch seinen Archivschrank im Rathaus, hat das Archiv ja auch lange Jahre geleitet. Aber so ganz alleine konnte er sein „Lebenswerk“ nun doch nicht verwirklichen. Er war zwar sein eigener Lektor und Korrekturleser gewesen, aber das Abtippen mit der Schreibmaschine übernahmen dann doch die Sekretärinnen der Stadt. Ebenso der Drucker und Verleger Braun war ihm

sehr behilflich. Man mußte ja 407 Seiten setzen, drucken und binden. Die Auflagestärke weiß Herbert Lippert nicht mehrt. Aber es gibt die Chronik immer noch, obwohl 1975 erschienen. Die Stadt muß ziemlich draufgelegt haben. Ein Buch hat Produktionskosten von 30 bis 40 Mark. „Aber wer”, fragt der alte Herr listig, „wer kauft schon eine Chronik um 40 Mark?” Für zwanzig Mark war es dann schließlich zu haben und die Stadt hatte obendrein noch eine nette Geschenkidee für Jubiläen und Sonstiges.

Ja, mit Leib und Seele war der Rektor a.D. bei der Sache. Aber für eine überarbeitete, zweite Auflage fühlt er sich zu alt. Es tat ihm damals, 1974, offensichtlich weh, diese Gemeindereform. Man wollte eigentlich. unter sich bleiben, alle vier Stadtteile. Lippert spricht von einer Vernunft- ja sogar Mußehe der vier Gemeinden.

Bischofsheim war die finanziell gesündeste der vier. Aber bevor es Frankfurt untergeordnet wurde? Nein! Dann schon lieber Maintal. Mit den anderen verbindet ihn sowieso fast nichts. Gut, Wachenbuchen habe ein paar schöne Speiselokale, aber sonst? Und Hochstadt sei sowieso das Hätschelkind der Stadt. Was da an Sanierung reingesteckt werde. Bischofsheim hätte in den 15 Jahren gerade mal einen Kindergarten in der Schillerstraße bekommen. Etwas grantig scheint Lippert zu werden, wenn er auf die Anfänge Maintals zu sprechen kommt. „Es wird nie den Charakter einer kleinen Stadt bekommen. Es bleiben vier kleine Ortschaften.” Aber inzwischen sieht er auch die Vorteile dieser Gemeindereform. Im großen und ganzen sei Maintal schon großzügiger angelegt.

Da kommt er dann auch von selbst wieder auf sein Werk zu sprechen. Seit der Zusammenführung habe es sowieso nichts Neues, Wissenswertes zu erfassen gegeben. Nur noch Verwaltungskram. Und im übrigen: „Am Anfang hat sich niemand um meine Arbeit gekümmert. Als es dann endlich Konturen annahm, gab es die amtliche Förderung, doch einen Auftrag gab es nie. Es war allein meine Initiative.” Er gibt zu, nach der Pensionierung etwas Ausgleichendes, quasi einen neuen Beruf gesucht zu haben. „Es war auf einmal eine furchtbare Lücke da, die geschlossen werden mußte.

Und fürwahr, für alle die es noch nicht wissen sollten: Seine Chronik fängt tatsächlich in der Steinzeit an. Über die Bronzezeit und die Jungsteinzeit (Erwähnung vorgeschichtlicher Funde) führt seine „Verfolgung” dann schnurstracks zur ersten urkundlichen Berücksichtigung Bischofsheims, anno 880. Hexenprozesse und die Karolingerzeit, Römerstraßen und der Grenzstreit mit Hochstadt, die ersten Versuche im Weinanbau und die Geschichte der „Kerb”. Und natürlich die Kriegszeiten. Der 30jährige Krieg ebenso wie die Auswirkungen der französischen Revolution, das „Dritte Reich” wie die Kaiserzeit. Alles ist dabei. Die Kirche auführlichst, die Post, das Trinkwasser, die Vereine. Das Ordnungswesen und die öffentlichen Bauten. Herbert Lippert kann stolz auf sich und seine Arbeit sein, wenn er nicht so bescheiden wäre.

 

 

Eugen-Kaiser-Ring

Eugen‑Kaiser‑Straße, Eugen‑Kaiser­-Ring, Eugen‑Kaiser‑Schule ‑ im Main‑Kinzig‑Kreis wurden viele öf­fentliche Straßen und Einrichtungen im Verlauf der letzten 50 Jahre nach Eugen Kaiser benannt. In Bischofsheim wurde die Straße am Friedhof mit seinem Namen versehen, durch ihre Eckform und zusam­men mit der Friedhofs‑ und Waldstraße ei­nen „Ring“ bildend, eben „Eugen‑Kaiser­-Ring“. Mit dieser Benennung wird des letz­ten Landrats des Kreises Hanau vor der Machtübernahme durch die Nationalsozia­listen gedacht, der im Zweiten Weltkrieg als KZ‑Häftling in Dachau umkam. Er hat­te sich vor allem um benachteiligte Bevöl­kerungsgruppen verdient gemacht.

Geboren wurde Kaiser am 28. Oktober 1879 in Cleversulzbach bei Heilbronn/Baden­-Württemberg. Sein Vater, Christian Kai­ser, war dort als Gastwirt tätig. Nach der Schulzeit erlernte Eugen Kaiser den Beruf des Gärtners und konnte sich Im Jahre 1906 im Gärtnerverband schon „Gauleiter“ nennen. Damit war er also Leiter eines Landschaftsbezirks. Der Begriff dieses Amts war vor dem Ersten Weltkrieg durchaus gängig in Strukturen diverser Vereinigungen. Einen negativen Beiklang erhielt die Gauleiter‑Stellung erst, als die Nationalsozialisten ihn ab 1925 für ihre Ge­bietsorganisation übernahmen (dritt­höchste Regierungsebene unter dem „Füh­rer“ und der Reichsleitung).

Eugen Kaiser interessierte sich nicht zu­letzt auf Grund seiner Herkunft aus der unteren Mittelschicht für die Belange der Kleinbürger. Kein Wunder also, daß er sich in der Arbeiterbewegung mit enga­gierte. 1907 besuchte er die Gewerkschafts­schule, in der er sich ausgiebig mit Ar­beitsrecht auseinander setzen konnte. Sein Einsatz für die Arbeiterschaft brachte ihm schnell Anerkennung ein, 1910 wurde er in die Position des Arbeitersekretärs in Frankfurt am Main berufen. Zugleich war er Vorsitzender des Bezirksjugend‑Aus­schusses.

Damit präsentierte er sich auch auf der po­litischen Bühne. Von seinen Genossen in der SPD hatte er schon 1909 das Vertrauen ausgesprochen bekommen, bis 1921 den Vorsitz des Frankfurter Stadtverbands in­ne. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er bis zum Ende seines SPD‑Vorsitzes der Stadtverordnetenfraktion an.

Von 1920 bis 1924 war er Mitglied des Reichstages in Berlin, bevor er sich dann völlig auf seine Landratsposition einlas­sen konnte, die er 1922 übernommen hatte: Er entschied die erste Landratswahl im Kreis Hanau für sich. Im Jahr seines Amts­antritts wurde Eugen Kaiser auch die Poli­zeidirektion in Hanau überlassen. Als Landrat machte sich Kaiser stark für so­ziale und wirtschaftliche Einrichtungen, förderte beispielsweise den Neubau von Schulen. Auch in Kreisen seiner politi­schen Gegner erwarb er sich auf diese Weise einen positiven Ruf.

Knapp elf Jahre machte sich Eugen Kaiser als Oberhaupt des Kreises verdient, bevor er dann im Zuge der Machtübertragung an die NSDAP im März 1933 in den einstweiligen Ruhestand ver­setzt wurde. Über die Legitimation der „Gleichschaltung“ übernahmen in allen Kreisen Nationalsozialisten die Leitungs­funktionen.

Damit aber noch nicht genug, blieben die ehemaligen Funktionäre, gerade aus der SPD und der KPD, den Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung, weiter unter strenger Beobachtung und Kontrolle. Eu­gen Kaiser war also gleich mehrfach „vor­belastet“. Die Verordnungen und Verfolgungen betrafen gerade im Laufe des Krie­ges immer größere Bevölkerungsgruppen. Nicht nur Menschen jüdischen Glaubens, auch unliebsame Personen aus Politik, Ge­werbe und Kultur fielen willkürlichen In­haftierungen zum Opfer. Als Generäle um den Oberst Claus Schenk Graf von Stauf­fenberg am 20. Juli 1944 einen Sprengstoff­anschlag auf Adolf Hitler verübten, war der passende Vorwand geliefert, um gleich eine ganze Welle von Arretierungen zu veranlassen. Bei dem Attentat sollte Hitler in seinem Hauptquartier „Wolfsschanze“ nahe Rastenburg während einer Bespre­chung getötet werden. Der Plan schlug fehl, statt dessen war nun der Weg geebnet für die Aktion „Gitter“. Bei dieser Serie von Inhaftierungen waren vor allem Symbolfiguren der SPD, Politiker der Reichs‑ und der Landesebene, die sich vor 1933 kämpferisch mit dem Nazis­mus auseinander gesetzt und vor Hitler ge­warnt hatten sowie Personen, denen auf lokaler Ebene NS‑Abneigung nachgesagt wurde. Hunderte von Menschen wurden in allen Kreisen in Gewahrsam genommen, Eugen Kaiser zählte ebenfalls dazu.

Der Reichsführers der SS, Heinrich Himm­ler, gab am 21. August 1944 den Befehl für den Start von „Gitter“ ‑ doch auch zuvor waren schon unzählige Festnahmen vorge­nommen worden. Für die folgenden sechs Monate sollte sich der Volksgerichtshof mit der Vielzahl an Gefangenen auseinan­der setzen, mehr als 5000 Todesurteile wur­den in dieser Zeit alleine wegen des Atten­tats ausgesprochen, Tausende Zuchthaus­strafen wurden verhängt. Der Volksge­richtshof war ein Sondergericht für „Hoch‑ und Landesverrat“, die Mitglieder wurden von Hitler selbst ernannt, ehren­amtliche Beisitzer stammten allesamt aus den Reihen der NSDAP oder der Wehr­macht. Für Eugen Kaiser lautete das Urteil im August 1944 auf Haft im Konzentrati­onslager Dachau/Bayern. Allerdings drängten die Alliierten in den folgenden Wochen und Monaten an allen Fronten des Deutschen Reiches vor, so daß auch das KZ Dachau fluchtartig verlassen werden mußte. Für die Häftlinge stand aus diesem Grunde ein beschwerlicher Marsch bevor, Ziel waren die bayerischen Berge, in die sich die Nazis mit ihren Inhaftierten zu­rückziehen wollten.

Dem mittlerweile 65‑jährigen Eugen Kai­ser wurde dieser lange Marsch aber zum Verhängnis. Er war den körperlichen Strapazen nicht mehr gewachsen und ver­starb. Als Todesdatum gilt der 4. April 1945.

Nach Kaisers Tod und dem Ende des Zwei­ten Weltkriegs wurden im Main‑Kinzig-­Kreis Straßen nach ihm benannt. Das heu­tige Landratsamt steht ebenfalls in der Eu­gen‑Kaiser‑Straße in Hanau. Die Leitung der Hanauer Eugen‑Kaiser‑Schule nimmt nach eigenen Aussagen die Namensgebung sehr Ernst: „Der Name Eugen‑Kaiser­-Schule verpflichtet zur Wahrnehmung der gesellschaftlichen Aufgaben von Schule, so wie Eugen Kaiser dies vorlebte und schlußendlich dafür mit seinem Leben bezahlte.“

 

 

Zur Herkunftsgeschichte des Bischofsheimer „Ganseweihers“

Wie ein beliebtes Naherholungsgebiet zu seinem Namen kam ‑ Alte Bischofsheimer berichten

Es ist nun wirklich keine weltbewegende Sache, aber sicher doch interessant: Warum heißt das be­liebte Naherholungsgebiet in Bischofs­heim „Gänsseeweiher“? Denn See und Weiher ist ganz offensicht­lich ein doppelt gemoppelter Begriff. Durch einen Leser, darauf aufmerksam geworden, hat sich auch die Spitzmaus ihre Gedanken gemacht und einige Hin­weise von alteingesessenen Bischofshei­mern aufgegriffen. Vor allem Willi Lerch und Dieter Seibel, beides „Bischemer Ur­ge­wächse“, konnten einiges zum Entste­hen dieser eher merkwürdigen Namens­gebung beitragen.

Die damaligen Namen für Straßen wur­den abgeleitet von den umliegenden Flurbezeichnungen. Da es sich vielfach um Feuchtgebiete und kleinere Gewäs­ser handelte, bekamen die Straßen die entsprechenden Namen wie eben „Gäns­seestraße“, „Zimmerseestraße“, „Am tie­fen See“ usw. Mit der Gänsseestraße hat es laut Dieter Seibel noch eine besondere Bewandtnis: „Es gibt zwar einen Hüh­nerweg oder eine Vogelstraße, aber von einer Gänsseestraße hat noch nie je­mand etwas gehört; klingt auch ziemlich merkwürdig“.

So sei eben die Verbindung entstanden zwischen Gänsen und dem See, der aber eigentlich mehr ein Weiher war. Fortan gab es in Bischofsheim die Gänsseestra­ße und ohne groß darüber nachzuden­ken, wurde diese Bezeichnung auch für das Naherholungsgebiet verwendet und an den „See“ einfach noch ein „Weiher“ angehängt ‑ fertig war der Gänsseewei­her.

Aber, räumt Dieter Seibel ein, diese Be­zeichnung ist schlicht falsch. Es muß nach wie vor „Gänse-Weiher“ heißen, so war es auch früher, als das „Suffner‑Träutsche“ als letzte ihre Gänse auf das dortige Sumpfgelände trieb.

An diese Zeit kann sich auch noch gut Willi Lerch erinnern. Auch er bestätigt, daß es sich hier nicht um einen See, son­dern vielmehr uni ein Feuchtgebiet hin­ter dem Friedhof handelte. Als Willi Lerchs 1905 geborene Mutter noch klein war, seien die Gänse noch in dieses Ge­biet getrieben würden, um dort Schne­cken und anderes Getier zu fressen ‑ wie es eben auch das „Suffner‑ Träutsche“ tat. Auch Lerch bestätigt, daß die heuti­ge Gänsseestraße an dieses Feuchtgebiet erinnere.

Der „Gänseweiher“, um bei dieser sinn­volleren Bezeichnung zu bleiben, ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Eine Luftmine habe einen Krater und viele abgeknickte Bäume hinterlassen. Der Krater habe sich mit Grundwasser gefüllt, die Bäume seien schließlich gero­det worden. „Wir haben als Kinder dort noch Brennholz rausgeholt“, erinnert sich Willi Lerch.

Der Uferbereich sei schließlich durch damalige Baggerfirma Kern ‑ sie durfte das Gewässer für den Kiesabbau nutzen ‑ bepflanzt und eine Insel als Nistplatz für Enten und andere Wasservögel geschaffen worden. „So entstand der heutige Anglersee auf dem Gelände des Gänseweihers“, berichtet der Ur‑Bischemer weiter. Als eigentliches Naherholungsgebiet der heutigen Form wurde das Gänseweiher‑Gelände übrigens am 11. Juli 1970 eingeweiht. So können wir uns heute bei gemütlichen Spaziergängen an der herrlichen Natur, an seltenen Pflanzen und Vögeln rund um den Gänseweiher freuen. Schön daß es ihn gibt. Denn solche stille Refugien werden bei uns in Großstadtnähe immer seltener.

 

 

Straßenfest

In die 25. Runde geht das beliebte „Bischemer Straßenfest“ in diesem Jahr. Ins Lehen gerufen wurde die Veranstaltung im Jahre 1980 anläßlich der 1100-Janifeier Bischofsheims. 1974 hatten sich Dörnigheim, Bischofsheim, Hochstadt und Wachenbuchen zur Stadt Maintal zusammengeschlossen. Trotzdem sollten die historischen Feiern auch künftig in jedem Ortsteil abgehalten werden. Das Bischemer Straßenfest mm Jubiläum des jüngsten Stadtteils war das erste große Fest nach der Gebietsreform im Jahre 1974.

Wilfried Krebs erinnert sich noch gut an die Vorbereitungen. Gemeinsam mit ihm als damaligem Hauptamtsleiter hätt­en allen voran seine Mitarbeiterin lrm­hild Bölitz sowie Herbert Lippert (Rek­tor i.R.), Philipp Eibelshäuser und Herbert Begemann vom Amt für Jugend, Kultur und Sport die Fäden in der Hand gehalten.

Auch den Bischemern gilt das Lob Krebs’, wenn er vom ersten Straßenfest berichtet. „Jeder hat etwas gemacht“, betont er immer wieder begeistert. So waren von Schulen über Kindergärten bis hin zu Parteien, Vereinen und Verbänden alle auf den Beinen, um die Jubiläumsfeier zum unvergeßlichen Ereignis werden zu lassen.

Die Teilnehmer hatten nicht nur ihre Stände zu planen, aufzubauen und zu bewirtschaften. Zudem galt es, Mitglie­der zu mobilisieren, die sich in histori­schen Kostümen am Festzug beteilig­ten. Motivwagen wurden in den Hallen des Betriebshofs zusammengezimmert. Kostümproben standen an. Doch der Aufwand lohnte sich.

Am Sonntag, 24. August 1980, schlän­gelte sich ein Festzug mit 50 Gruppen durch den Ort. Präsentiert wurden Bi­schofsheimer Symbole aus den voran­gegangenen Jahrhunderten. Auch Mu­sikzüge und Gäste aus den Gemeinden mit gleichem Namen Bischofsheim bei Zeil am Main, Bischofsheim bei Mainz und Bischofsheim in der Rhön - sowie Maintals Partnergemeinden wa­ren mit von der Partie. , es bildeten sich Freundschaften zwischen Vereinen aus Bischofsheim und den namensgleichen Orten, die noch heute bestehen, erzählt Krebs.

Mit viel Geduld und Akribie hatte Her­bert Lippert Bilder der Vergangenheit zusammengetragen, die im Rahmen einer Bilderausstellung Einblicke in das historische Bischofsheim gaben. Die von den Bürgern zur Verfügung gestell­ten Fotos zeigten unter anderem alte Häuser, Straßenszenen und Momente des alltäglichen Lebens. „Hunderte strömten ins Rathaus“ erläutert Krebs noch heute erfreut über den großen Erfolg der Dokumentation.

Das „Volksfest für alle Bischofshei­mer“, wie er es im Rückblick betitelt, begeisterte Große und Kleine. Gäste aus Nah und Fern folgten der Einladung. „uff de Gass“ zu feiern. So wurde eine weitere Auflage im Jahre 1981 be­schlossen. Bis heute kam es Jahr für Jahr zur Wiederholung. Das beweist, daß sich die gute Beziehung der Bürger zu ihren Vereinen, die der Maintal Ta­gesanzeiger schon bei der Berichter­stattung über die Jubiläumsfeier im Jahre 1980 konstatierte, weiter gefestigt hat.

 

Jahr für Jahr am dritten Augustwochenende wandelt sich „Alt Bischofsheim“ in eine große Feiermeile. Junge und Alte treffen sich zum Feiern „uff de Gass“. Das Straßenfest, so sind sich viele einig, ist aus Bischofsheim nicht mehr weg zudenken. Doch warum wird es eigentlich gefeiert?

Während die Alteingesessenen die Antwort bestens kennen und sich gerne an den Anlaß des ersten Bischemer Straßenfestes erinnern, ist gerade den jüngeren Besuchern und den Gästen aus der Umgebung der Ursprung unbekannt. Daher soll an dieser Stelle noch ein­mal ins Jahr 1980 zurück ge­blickt werden. Damals wurde anläßlich der 1100 Jahrfeier Bischofsheims das erste Stra­ßenfest eingeläutet.

Obwohl sich Dörnigheim, Bi­schofsheim, Hochstadt und Wachenbuchen 1974 zur Stadt Maintal zusammengeschlos­sen hatten, sollten die histori­schen Feiern weiterhin in je­dem Ortsteil abgehalten wer­den. Das „Bischemer Straßen­fest“ zum Jubiläum des jüngs­ten Stadtteils war das erste große Fest nach der Gebietsre­form.

Wilfried Krebs erinnert sich noch gut an die Vorbereitun­gen. Gemeinsam mit ihm als damaligem Hauptamtsleiter hätten allen voran seine Mitar­beiterin Irmhild Bölitz sowie Herbert Lippert, Rektor i.R., Philipp Eibelshäuser und Her­bert Begemann vom Amt für Jugend, Kultur und Sport die Fäden in der Hand gehalten. Auch die „Bischemer“ Bürger hebt Krebs lobend hervor, wenn er vom ersten Straßen­fest berichtet. „Jeder hat etwas gemacht“, betont er immer wieder begeistert. So waren von Schulen über Kindergär­ten bis hin zu Parteien, Verei­nen und Verbänden alle auf den Beinen, um die Jubiläums­feier zum unvergeßlichen Er­eignis werden zu lassen.

Die Teilnehmer hatten nicht nur ihre Stände zu planen, auf­zubauen und zu bewirtschaf­ten. Es galt zudem, Mitglieder zu mobilisieren, die sich in historischen Kostümen am Festzug beteiligten. Eifrig wur­den kreative Motivwagen in den Hallen des Betriebshofs zusammengezimmert. Zahlrei­che Kostümproben standen an. Doch der große Aufwand lohn­te sich. Am Sonntag, 24. Au­gust 1980, schlängelte sich ein Festzug mit 50 Gruppen durch den Ort.

Präsentiert wurden Bischofs­heimer Symbole aus den vorangegangenen Jahrhunderten. Auch Musikzüge und Gäste aus den Gemeinden mit glei­chem Namen ‑ Bischofsheim bei Zeil am Main, Bischofs­heim bei Mainz und Bischofs­heim in der Rhön ‑ sowie Maintals Partnergemeinden waren mit von der Partie. „Es bildeten sich Freundschaften zwischen Vereinen aus Bi­schofsheim und den namens­gleichen Orten, die noch heute bestehen“ erzählt Krebs.

Mit viel Geduld und Akribie hatte Herbert Lippert Bilder der Vergangenheit zusammen­getragen, die im Rahmen einer Bilderausstellung Einblicke in das historische Bischofsheim gaben. Die von den Bürgern zur Verfügung gestellten Fotos zeigten unter anderem alte Häuser, Straßenszenen und Momente des alltäglichen Le­bens. „Hunderte strömten ins Rathaus“, erläutert Krebs, noch heute erfreut über den großen Erfolg der Dokumenta­tion.

Das „Volksfest für alle Bi­schofsheimer“, wie er es im Rückblick betitelt, begeisterte Große und Kleine. Gäste aus nah und fern folgten der Einla­dung, unter freiem Himmel zu feiern. So wurde eine weitere Auflage im Jahre 1981 be­schlossen. Bis heute kam es alljährlich zur Wiederholung. Die Kontinuität beweist, daß sich die gute Beziehung der Bürger zu ihren Vereinen, die der „Maintal Tagesanzeiger“ schon bei der Berichterstat­tung über die Jubiläumsfeier im Jahre 1980 konstatierte, weiter gefestigt hat. Bleibt nun abzuwarten, wie die „Bische­mer“ das 25‑jährige Jubiläum ihres Straßenfestes im kom­menden Jahr begehen werden.

 

Vereine:

Aus dem einstigen Spielmannszug wurde ein zünftiges Blasorchester 28.04.01

Auf sein 50‑jähriges Bestehen kann das Musik‑Corps Bi­schofsheim, das im Juli 1951 als Spiel­mannszug gegründet wurde, im Jahr 2001 zurückblicken. Aus diesem Grund fand am Samstag, dem 28.04.2001, ab 20 Uhr eine Akademische Feier im Bürgerhaus statt, der Sektempfang ging bereits eine Stunde zuvor vonstatten. Die Besucher des Festaktes erwartete eine Reise durch die 50‑jährige Vereinsgeschichte.

Begonnen hat alles im Jahre 1951, als eini­ge Bischofsheimer die Idee hatten, einen Spielmannszug zu gründen. Gesucht wur­den in der damals 3.200 Einwohner zählen­den Gemeinde junge Leute, die sich zu ei­nem Musikverein zusammenschließen wollten. Bis zur Gründungsversammlung am 13. Juli 1951 konnten insgesamt 24 jun­ge Menschen geworben werden, die In­teresse an der Musik hatten. Sie gründeten den Spielmannszug Bischofsheim.

Da der junge Verein über keine finanziel­len Mittel verfügte und die Anschaffung neuer Instrumente daher nicht möglich war, wurden die seit dem Zweiten Welt­krieg lagernden alten Instrumente des frü­heren Spielmannszuges wieder instandge­setzt. Bereits im Dezember des Gründerjahres bestand der Verein aus zehn Pfeifern, elf Trommlern und einem Paukisten. Für die offiziellen Auftritte wurde die An­schaffung einer einheitlichen Kleidung er­forderlich. Bereits 1952 kauften sich die Aktiven weiße Hosen und Hemden, die in der Faschingszeit durch große Hüte er­gänzt wurden. Der Spielmannszug konnte bereits 1952 an Faschingsumzügen teilneh­men.

Seit 1952 fanden sich immer mehr junge Leute; die Freude an der Musik hatten und sich dem Spielmannszug anschlossen. Der erste Maskenball in eigener Regie fand im Februar 1954 statt. Musikalisch konnte sich der Spielmannszug weiter verbessern. Da jedoch in der Vereinskasse „Ebbe“ herrschte, da viel Geld für Notenmaterial und Instrumente benötigt worden war, ent­schloß man sich 1959, das erste Waldfest der Gemeinde Bischofsheim aus der Taufe zu heben. Dieses Waldfest wurde ein voller Erfolg. Noch heute wird es jedes Jahr von den Mitglie­dern und deren Angehörigen sowie Freun­den und Gönnern des Vereins in Eigenre­gie ausgerichtet.

Die freundschaftlichen Kontakte zur Frankfurter Karnevalsgesellschaft „Weiße Mützen“ führten in den ersten Jahren zu großen musikalischen Erfolgen ‑ vor allem in der Karnevalszeit. Man erkannte aber, daß außer Trommeln und Fanfaren auch andere Instrumente nötig waren, um auch anspruchsvollere Notenliteratur darbieten zu können. Diese Erkenntnis führte zur Umstellung vom Spielmannszug zum Blas­orchester im Jahr 1961.

Gleichzeitig wurde auch der Vereinsname von Spielmannszug Bischofsheim in „Mu­sik‑Corps Bischofsheim 1951 e. V.“ geän­dert. Die musikalische Leitung übernahm ab diesem Zeitpunkt der heute Ehrendiri­gent Hans Karl. Erste größere Konzerte fanden statt, so bei­spielsweise im Rosengarten in Mannheim, bei Hessentagen in Kassel, Darmstadt und Friedberg oder auch beim Bundesligaspiel der Frankfurter Eintracht gegen 1860 Mün­chen im Frankfurter Waldstadion. Im Jahr 1969 fand das erst Herbstkonzert statt, das noch heute eines der wichtigsten Aushän­geschilder des Vereins ist und jährlich den musikalischen Stand des Orchesters zum Ausdruck bringt.

Bis Mitte der siebziger Jahre wirkte das Musik‑Corps bei zahlreichen Festzügen in Frankfurt und Umgebung mit. Doch es konnten auch andere Erfolge verbucht werden. Sein Debüt als Kurorchester gab das Musik‑ Corps Bischofsheim 1974 in Bad Mergentheim vor über 3.000 Besuchern und ein Konzert am Frankfurter Flughafen wurde im Radio übertragen. Die mittler­weile professionelle Planung der unter­schiedlichen Veranstaltungen führte zu ei­nem Besucherrekord am Waldfest. An den vier Festtagen konnten mehr als 25.000 Be­sucher gezählt werden.

Das Jahr 1975 brachte einige Veränderun­gen. Die Stadt Maintal wurde gegründet und Bischofsheim wurde zweitgrößter Stadtteil. Im Jahre 1976 feierte der Verein sein 25jähriges Bestehen. Ein Kurkonzert in Bad Vilbel und Aufnahmen des Hessischen Rundfunks im neu gebauten Bürgerhaus 1977 zeigten das hohe musikalische Niveau des Orchesters. Der Aufbau eines Jugend­orchesters wurde beschlossen. Im Jahre 1980 feierte die Gemeinde Bischofsheim ihr 1100jähriges Bestehen. Bei einem großen Umzug durch die Straßen von Bischofs­heim nahmen die Mitglieder als Römer verkleidet mit einem eigenen Wagen teil. Gleichzeitig war es die Geburtsstunde des „Bischemer Straßenfestes“. 30 Jahre Mu­sik‑Corps Bischofsheim hieß es 1981. Zur Saisoneröffnung in der Eissporthalle 1982/83 spielte das Musik‑Corps. Im glei­chen Jahr wurde die Hessische Apfelwein­straße eröffnet. Anläßlich der Eröffnungsfeier gab das Orchester ein Konzert dem Römerberg in Frankfurt.

Zum zehnjährigen Bestehen der S Maintal spielten zum ersten Mal alle Maintaler Blasorchester gemeinsam zu einem Konzert auf. Unter dem Motto „Maintaler Musikanten musizieren“ findet dieses Gemeinschaftskonzert noch heute einmal im Jahr statt. Beim Aktivenausflug des Vereins nach Berlin gab das Orchester ein Konzert an der „Scharfen Lanke“ Wannsee, das teilweise im Radio übertragen wurde.

Auf der Bundesgartenschau 1989 konnte das Orchester einmal mehr sein musikalisches Können unter Beweis stellen und so ließ der nächste Auftritt nicht lange sich warten. Bei den Rollkunstlaufweltmeisterschaften in Hanau spielten die Musiker zur Eröffnung und ernteten viel Applaus. Der Aktivenausflug führte nach Esztergom in Ungarn. Dort wurden freundschaftliche Bande mit der dort ansässigen Musikschule geknüpft.

Im Jahr 1991 beging der Verein sein 40jähriges Bestehen. Bereits im Januar konnte ein Geburtstagskonzert abgehalten werden, dessen Erlös vollständig an die befreundete Musikschule in Esztergom ging. Trotz der in diesem Jahr durch die verschiedenen Feiern knappen Zeit konnten weitere Auftritte angenommen werden, zum Beispiel ein Konzert im Hotel Kempinski in Gravenbruch bei der sogenannten „Schellackparty“, welche gemeinsam Alexander Loulakis, der Frankfurter Neuen Presse und der Bitburger Brauerei als gesellschaftlicher Beitrag für die Freunde alter Melodien und ehemaliger Tops der leichten Muse arrangiert wurde. Hier konnte das Orchester an der Seite von Ossi Trogger, dem sogenannten „Frankphoniker“‑Bariton und dem Orchester‑Chef Sepp Gußmann, dessen bekanntestes Lied  „Rucki‑Zucki“ ist, vollends musikalisch überzeugen.

Im Jahr 1992 ging eine Ära zu Ende. Der jetzige Ehrendirigent Hans Karl verabschiedete sich offiziell beim Herbstkonzert von seiner Laufbahn als musikalischer Leiter des Orchesters. Dies hinterließ Spuren. Der Verein stand nun vor der Aufgabe, einen adäquaten Ersatz zu finden. Die Suche nach einem neuen Dirigenten begann, und der Verein wurde fündig. Die ersten offiziellen Veranstaltungen im Jahre 1993 wurden bereits unter neuer Führung von Martin Schilling geleitet. Beim dritten Internationalen Blasmusikfest der Jugend Europas in Bad Orb konnte das Orchester sein musikalisches Können unter Beweis stellen. Die Unterzeichnung der Urkunde zur Städtepartnerschaft zwischen Maintal und Esztergom in Ungarn wurde musikalisch durch das Musik‑Corps untermalt. Zum 125jährigen Jubiläum der Firma Casella im Jahr 1995 konnten mehrere Konzerte gegeben werden. Helmut Jung übernahm 1997 die Leitung des Orchesters. Es standen 1997 aber auch weitere Veränderungen an. Der Vorstand verjüngte sich enorm. Neuer Erster Vorsitzender wurde Markus Marhauser.

Im Jahr 2001kann das Musik‑Corps Bischofsheim seinen 50. Geburtstag feiern. Das Jubiläumsjahr begeht das Musik-Corps mit einigen Jubiläumsveranstaltungen. Bereits im Januar veranstaltete das Orchester ein Neujahrskonzert, dessen Erlös dem Maintaler Jugend‑ und Familiehilfeverein „Die Welle“ gespendet wurde.

 

Volkschor „Lieder­lust“,

Mit dem Volkschor „Lieder­lust“ beherbergt Maintal ei­nen der traditionsreichsten Gesangvereine des Main‑Kin­zig‑Kreises. Am 1. September 2003 ist es genau 129 Jahre her, daß sich 20 junge Männer zu­sammenschlossen, um regel­mäßig gemeinsam zu singen. Frauen war es zu dieser Zeit nicht gestattet, am Vereinsle­ben teilzunehmen. So sangen bis 1910 nur Männer in den Reihen der „Liederlust“.

Viele Höhen und Tiefen durch­lebte der Chor in der Vergan­genheit. Zweimal unterbra­chen die Weltkriege das rege Vereinsleben. Doch die Freude am Singen ließen sich die Frauen und Männer nicht neh­men. Nach dem Zweiten Welt­krieg wurde kurzzeitig ge­meinsam mit den Mitgliedern des Gesangvereins „Ein­tracht“ musiziert. 150 bis 160 anwesende Sängerinnen und Sänger waren bei den Proben keine Seltenheit.

Besonders stolz kann der Ver­ein darauf sein, drei Dirigen­ten aus den eigenen Reihen ge­zogen zu haben. So übernahm 1880 mit Wilhelm Seip erst­mals ein „Eigengewächs“ das Dirigat. 1953 legte der Vor­stand die musikalische Füh­rung in die Hände des Vizedi­rigenten Friedrich Maier, ebenfalls langjähriger Lieder­lust‑Sänger. Die dritte im Bun­de ist Christa Pfeffer, die den Chor seit 1990 mit Bravour lei­tet.

Die „Liederlust“ verstand es stets, die eigene Freude am Ge­sang auch ihrem Publikum zu vermitteln. So wurde der Volkschor ein beliebter Gesangsverein, der sich überall hören lassen konnte. Vielstim­mig und doch harmonisch prä­sentierte sich das Ensemble bei seinen Auftritten. Der Ter­minkalender der Sängerschar umfaßte neben den wöchentli­chen Proben zahlreiche Kon­zerte, Wertungs‑ und Freund­schaftssingen. Die „Lieder­lust“ stellte sich sogar Sänger­wettstreiten und reihte sich durch ihren hervorragenden Gesang in die Spitzengruppe der Chöre ein. Noch heute sorgt die „Liederlust“ bei Fei­erlichkeiten für feierliche Umrahmung. Durch Kooperation mit anderen

Musikern geben die Sänge­rinnen und Sänger ihren Kon­zerten der neueren Zeit einen besonderen Rahmen. Gemein­same klangvolle Darbietungen mit dem Musik‑Corps Bi­schofsheim, dem Gesangsver­ein Eintracht und dem Mando­linenorchester (früher Zither­- und Mandolinenverein „Edel­weiß“) erfreuen die Zuhörer. Auch beim Adventkonzert der katholischen Kirche St. There­sia und dem „Singen der Main­taler Chöre“, hat die „Lieder­lust“ ihren festen Platz. Mit Volksweisen und bekannten Melodien versüßten die "Bi­schemer" den Bewohnern des Victor‑Gollancz‑Hauses, einem Altenpflegeheim in Frankfurt­-Höchst, bereits manche Weih­nachtsfeier.

Neben dem Gesang wird bei der „Liederlust“ auch die Ge­selligkeit gepflegt. Nicht zu­letzt dem ausgeprägten Ge­meinschaftsgefühl ist es zu verdanken, daß einige Mitglieder der Liederlust seit über 70 Jahren die Treue halten. Je­des Jahr kommt der Verein zu einem feierlichen Familien­abend zusammen.

Bei Ausflügen werden Städte und Regionen erkundet. Am Straßenfest tauscht die Sänger­schar das Notenheft gegen Grillzange und Salatbesteck, um die Festgäste zu bewirten ‑ in diesem Jahr bereits zum 24. Mal. Auch beim Karnevals­-Zug ist die „Liederlust“ jedes Jahr vertreten.

Im Internet ist der Volkschor unter www.liederlust.de zu finden. Wer Interesse hat, mit­zusingen, kann sich unter Te­lefon (0 6109) 6 69 71 mit Peter Buhl, dem Ersten Vorsitzen­den, in Verbindung setzen, oder einfach bei den Proben vorbeischauen, die jeden Frei­tag um 20 Uhr im seitlichen Bau des ehemaligen Rathauses stattfinden. Nur Mut, die „Lie­derlust“ freut sich sehr über neue Stimmen.

 

Eisstockschützen:

Eine Straße eignet sich nur be­dingt zum Eisstockschießen. Wenn allerdings weder ein zu­gefrorener See noch eine künstliche Bahn zu haben sind, dann reicht notfalls auch eine abgesperrte Straße. So war es zumindest in Bischofs­heim. Mitte der 80er Jahre, während der Bauphase am Ortsausgang in Richtung Ro­ter Graben, nutzten die Fans des Eisstocksports den gesperrten Fechenheimer Weg, um ihr Hobby auszuüben. Doch auf dem Asphalt lief der Eisstock nicht immer in der gewünschten Bahn.

So beschloß der Freundes­kreis im November 1988 den Ersten Eisstockschützenverein Maintal‑Bischofsheim aus der Taufe zu heben, um eine richtige Bahn zu bauen. Von der Stadt Maintal bekam der kleine Verein, der heute etwa 45 Mitglieder zählt, die Geneh­migung, innerhalb des Rasen­sportplatzes am Wald zwei Bahnen zu errichten. Seither haben die Sportlerinnen und Sportler eine gute Kunststoff­fläche, auf der sie Sommer wie Winter spielen können.

In Eigenregie wurden zusätz­lich ein kleiner Geräteschup­pen sowie eine Überdachung angelegt, so daß bei schlech­tem Wetter Spielpausen im Trockenen verbracht werden können. „Wenn der Gänssee­weiher zugefroren ist, wird selbstverständlich dort ge­spielt“, berichtet Wilfried Krebs, Schriftführer der Eis­stockschützen. „Doch das“, fügt er bedauernd an, „war in den vergangenen Jahren eher die Seltenheit“

In regelmäßigen Abständen werden Turniere zusammen mit anderen Vereinen oder auch vereinsintern abgehal­ten. Gespielt wird in Mann­schaften zu meist vier Perso­nen. Wer punkten will, muß den Stock so nah als möglich an einem runden Gummi­stück, der sogenannten „Dau­be“ plattieren. Je besser die Teams zielen, desto mehr Punkte erhalten sie.

Großen Wert legen die Eis­stockschützen auf die Gesellig­keit. Der Vergnügungsausschuß ist daher sehr aktiv, um immer wieder gemeinsame Aktivitäten zu organisieren. Zum festen Jahresprogramm zählen die traditionelle Rad­tour am 1. Mai, das Kerbtur­nier die Weihnachtsfeier so­wie das Heringsessen. Seit vie­len Jahren bestehen gute Kon­takte nach Moosburg in Kärn­ten, Moosburg in Bayern und Wülfsrath im Rheinland.

Sorgen machen sich die Sport­ler um den Nachwuchs. Zwar gibt es bei den Eisstockschüt­zen auch einige jungen Mit­glieder, doch mit Blick in die Zukunft zu wenige. Werbeak­tionen blieben bisher ohne den gewünschten Erfolg. Spaß ma­che den Gästen das Spiel, er­läutert Krebs, aber die Kon­kurrenz durch andere Angebo­te sei groß.

Trainiert wird sonntags von 10 bis 12 Uhr oder dienstags und donnerstags zwischen 18.30 und 20.30 Uhr auf der vereins­eigenen Sportanlage am Fe­chenheimer Weg in Bischofs­heim. Im Winter spielen die "Bischemer" einmal pro Wo­che gemeinsam mit anderen Vereinen in der Eissporthalle Frankfurt. Interessenten sind jederzeit willkommen, um Fragen rund um den Sport zu stel­len oder bei einem Probespiel den Spaß am Eisstockschießen zu entdecken.

Beim diesjährigen Straßenfest sind die Eisstockschützen nicht wie gewohnt vor dem Ge­bäude der Frankfurter Volks­bank, sondern auf der gegen­über liegenden Straßenseite vor den Anwesen der Haus­nummern 20 und 22 zu finden. Für Auskünfte rund um den Eisstockschützenverein ste­hen Erwin Henkel, Erster Vor­sitzender ( Telefon 06181- 46107) und Schriftführer Wil­fried Krebs (Rufhummer 06109 - 61157) ‑ zur Verfügung.