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Hohe Straße

 

Hohe Straße (Broschüre des Main-Kinzig-Kreises von 2011)

(unter Verwendung des Materials der Regionalpark Ballungsraum RheinMain GmbH. Zwei Landkarten von 2005 und 2006 und Broschüre des Main-Kinzig-Kreises)

 

Regionalpark:

In der Region entwickeln fast 40 Kommunen mit dem Planungsverband den Regionalpark RheinMain. Das Rückgrat des Regionalparks ist ein Weg, gedacht zum Radfahren, Spazie­rengehen, verbunden mit dem jeweiligen Stadtteil. Es treten Elemente wie: Aussichtspunkte, Haine, kulturhistorische Zeugnisse oder Kunstwerke hinzu. Typische Elemente des Verdichtungsraumes wie Deponien und Verkehrsstraßen werden nicht ausgeklammert, sondern in die Gestaltung einbezogen. Das Gestaltungskonzept ist offen für Menschen, die schöpferische Energien, Phantasien, Träume, Unkonventionelles oder Erstaunliches einbringen - Menschen, die ihre Umgebung nachhaltig mitgestalten wollen. Der Regionalpark soll im Laufe der Zeit das Bild der Menschen von ihrem Lebensraum mitprägen.

Dieses Projekt wird von einem internationalen Team begleitet, das unter dem Titel SAUL „Sustainable and Accessible Urban Landscapes“ (nachhaltige und zugängliche Freiräume) beispielhafte Ansätze für Freiraumplanung in Metropolregionen erarbeitet. Daher finanziert die Europäische Union einen Teil der Investitionen. Finanziert wird das Regionalparkprojekt „Hohe Straße“ außerdem durch das Land Hessen, den Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main und die beteiligten Kommunen.

 

Der Landschaftsplaner:

Die Idee ist sehr gelungen, daß man nicht nur einen Radweg anlegt, sondern auch „Stationen“, die einem als Markierungspunkte in Erinnerung bleiben. Aber die Regionalparkroute wurde von einem Architekten entworfen, der nur Architektur im Auge hatte aber nicht die historischen Sehenswürdigkeiten am Rand (es fehlt zum Beispiel ein Hinweis auf die  „Hirzbacher Kapelle, ältester Sakralbau im Hanauer Land“). Anstatt auf vorhandene historische Sehenswürdigkeiten einzugehen, wurden moderne Installationen aufge­stellt

Die Wegweisung durch entsprechende Schilder ist an manchen Stellen noch mangelhaft.  Im Bereich von Maintal kann man nicht viel falsch machen, aber östlich davon gibt es manche Unsicherheiten über den Streckenverlauf (zum Beispiel an der „Himmelsschaukel“). Man merkt bei der Anbringung der Wegweiser, daß sie von West nach Osten entworfen wurden. Rückwärts hat man nämlich erheblich mehr Schwierigkeiten, die richtige Route zu finden, wenn man die Strecke nicht schon vorher in der anderen Richtung gefahren ist.

Auch wäre es hilfreich, wenn Querwege zu den Ortschaften besser gekennzeichnet wären.

Statt der vielen Informationstafeln zu dem Projekt wären etwas mehr Wegweiser hilfreicher gewesen.

 

Name:

Der Name kommt daher, daß die Straße den Höhenzug von Frankfurt in Richtung Vogelsberg nutzt und damit die häufig überschwemmten Niederungen umging. In der Erdneuzeit (Beginn vor 67 Millionen Jahren) bildete sich im Wesentlichen das Gesicht der heutigen Landschaft. Der Oberrheingraben senkte sich ab und mit ihm die Hanau-Seligenstädter-Senke. Es bildete sich ein Meeresarm, der das Nord- und Südmeer miteinander verband. Danach wurde der Meeresarm aber wieder abgeschnitten, und es lagerten sich gewaltige Kalkbänke ab. Sie haben eine dunkelgraue bis bläulichgrüne Farbe und ziehen sich von Frankfurt über die Hohe Straße bis Windecken und waren früher ganz gut geeignet für Weinbau.

 

Handels- und Heerstraße

Die Region an der Hohen Straße war aufgrund ihrer Fruchtbarkeit schon seit der Jungsteinzeit (etwa 5500 vCh) beliebter Siedlungsplatz. Zahlreiche Funde belegen dies. Später ließen sich Kelten und Germanen hier nieder. Ende des ersten Jahrtunderts nCh bezogen die Römer die Wetterau in ihren Machtbereich ein, den sie mit Hilfe des Limes überwachten. Ab etwa       250 nCh siedelten hier Alamannen, die nach 500 allmählich von den Franken verdrängt wur     den. Seit dem Hochmittelalter konnten dann die   Herren und späteren Grafen von Hanau-Münzen­berg ihre Herrschaft in den Orten an der Hohen Straße ausbilden.

Südhessen mit seinen fruchtbaren Tälern (Wetterau) und den durchgängigen Berglandschaften (Taunus, Westerwald und Vogelsberg) war immer Durchgangsland für Händler, Völker und Heere in West-Ost- und in Süd-Nord-Richtung. Dieser beschrittene Höhenweg war seit jeher eine bedeutende Handelsstraße. Über ihn sind Bernstein- und nordische Bronzearbeiten in das Fuldaer Land gekommen. Und wie diese Straße seit dem frühen Mittelalter den kürzesten Verbindungsweg zwischen den geistlichen und politischen Zentren Mainz, Fulda, Erfurt bildete, so war sie in gleicher Weise seit Beginn der Neuzeit die Haupthandelsverbindung zwischen den großen Messestädten Frankfurt und Leipzig.

Die historische Forschung hat viele alte Fernverbindungen nachgewiesen. Die Hohe Straße wurde seit der jüngeren Steinzeit als Handelsroute genutzt. Sie führte von Frankfurt-Höchst über Bockenheim und Bergen (Kreuzung mit den römischen Straßen Vilbel - Mainkur und Heddernheim - Kesselstadt)  an der Südgrenze der Großen Lohe entlang und dann südlich Kilianstädten zum Wartbaum südlich von Nidderau-Windecken und dann weiter nach Ham­mersbach-Marköbel. An den südöstlichen Vorhöhen des Vogelsberges entlang verlief sie auf der Wasserscheide zwischen Kinzig und Nidder (Marköbel, Reich­los) über die Fulda bei Kämmerzell nach Vacha, dann via Eisenach, Erfurt nach Leipzig. Der Höhenweg zeigte sich gerade dann als vorteilhaft für die Kaufleute mit ihren Fahrwerken, wenn sich die an sich bequemeren Wege im Tal entlang der Flüsse aufgrund von Überschwemmungen als unpassierbar erwiesen.

Das Gebiet entlang der Hohen Straße war nicht nur Durchgangsgebiet für Händler und Pilger, sondern auch für Soldaten. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ist wohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung zwischen Bergen und Marköbel dem Grauen jener Jahre zum Opfer gefallen. Während des Siebenjährigen Krieges kames 1759 bei Bergen zur Schlacht. Auch der Rückzug der Armee Napoleons 1813 wirkte sich verheerend aus. Doch immer wieder haben sich die Menschen in den Dörfern und kleinen Städten aufgerafft und Zerstörtes wieder aufgebaut.

           

Altes Bauernland

Die Region an der Hohen Straße ist altes fruchtbares Bauemland. Mitte des 16. Jahrhunderts beschrieb Essmus Alberus, Reformator, Dichter    und Beobachter seiner Zeit, seine Heimat mit den Worten: „Es ist aber die Wetterau von GOTT reichlich gesegnet, denn da wächst gut Weizen, schöne Roggen, Gersten, Habern, Erbeyßen, Flachs und guter Wein und dess' mehr dann sie bedürfen, können auch die Nachbarn, so in ihrem Lande nicht Getreids genug haben, mit Getreid reichlich versehen.“

Für viele Generationen bedeuteten Ackerbau und Viehzucht die Existenzgrundlage für die Menschen. Dementsprechend haben die Bedingungen der Landwirtschaft über Jahrhundertehinweg den Lebensrhythmus bestimmt. Hof und Familie bildeten die bäuerliche Produktions-einheit und boten Sicherheit für Not, Krankheit und Alter.

Starkes Bevölkerungswachstum und die dadurch hervorgerufene starke Parzellierung hatte im

19. Jahrhundert für viele Familien ein auskömmliches Leben unmöglich gemacht. Viele gingen in die neuen Fabriken. Die Zahl der Landwirte          schrumpfte immer mehr. Heute gibt es nur noch wenige Bauern. Einige von ihnen vermarkten ihre Erzeugnisse selbst.

 

Weinbau an der Hohen Straße

In Ernst J. Zimmermanns voluminösen Werk zur Geschichte von Stadt und Grafschaft Hanau heißt es eindeutig: „Das Getränk des MilMalters war hierzulande der Wein und derWeintrunk gehörte zum Kaufabschluß, Dingen von Gesellen und Gesinde, wie auch zu den Ratsverhandlungen!“  Wein wurde hier nicht nur getrunken, er wuchs auch im Hanauischen, wurde hier gelesen und gekeltert und zwar vornehmlich in Orten entlang der Hohen Straße. Erasmus Alberus vermerkte 1552 kurz und prägnant:  „Viel guts Weins wächst im hanauischen Lande!“

Vermutlich wurde der Weinbau an der Hohen Straße schon von den Römern betrieben. Später sind in den Ersterwähnungsurkunden von Kilianstädten und Marköbel 839, Windecken, Ost­heim und Butterstadt um 850 sowie Bergen 1057 Weinberge genannt.

Ober Jahrhunderte war Wein das tägliche Getränk aller Bevölkerungsschichten. Bier und Apfelwein spielten kaum eine Rolle. Trotz eines Rückgangs -bedingt durch Dreißigjährigen Krieg (1618-1648)  und „Kleine Eiszeit“ -  erholte sich der Weinanbau. In Bergen-Enkheim standen 1754 auf 565 Morgen Weinstöcke, in Hochstadt auf 512, in Bischofsheim auf 276, Kilianstädten auf 201, in Windecken auf 166 und in Marköbel auf 47 Morgen.

Im 19. Jahrhundert führten Rebkrankheiten und die Reblaus zur Umwidmung vieler Wingerte. Obstbäume traten an die Stelle der Weinstucke. Apfelwein löste den Wein als Volksgetränk ab. In einer Bekanntmachung des Reichsministers für Landwirtschaft wird 1924 nur Gelnhausen als Weinort im Regierungsbezirk Kassel geführt, 1922 zählten noch Bergen, Enkheim und Bischofsheim dazu. Heute gibt es wieder Versuche, den Weinbau im Hanauischen neu zu beleben. Am weitesten ist man damit in Hochstadt.

 

Berger Warte:

Die Regionalparkroute hätte besser an der Berger Warte begonnen. Aber da die Stadt Frankfurt sich nicht an der Regionalparkroute beteiligt, beginnt sie offiziell mit einem „Entree“ östlich von Bergen und eigentlich erst auf der Maintaler Gemarkung und. Diese Strecke sollte man vorzugsweise mit dem Fahrrad fahren, da sie kein Rundweg ist.

Die Berger Warte steht auf Seckbacher Gemarkung und ist zwölf Meter hoch. Der Turm sollte den Handelsverkehr von und nach Frankfurt überwachen. Erstmals erwähnt wurde die Warte 1340 als „Geierswarte“. Den ursprünglichen, weitgehend aus Fachwerk, errichteten Turm brannten protestantische Truppen im Schmalkaldischen Krieg 1552 nieder, um damit das äußere Sicherungssystem der reichsstädtischen Landwehr zu durchbrechen. Doch dazu hat die Berger Warte nie gehört, obwohl sie formal deren spätgotischen Türmen entspricht und heute mit 212 Metern topographisch höchsten Punkt Frankfurts ist.

Vielmehr war die Warte immer dem Hanauer Grafen zugeordnet. Sie wurde als „Geleitwechselstation“ auf der Hohen Straße genutzt, die von Frankfurt über Leipzig bis nach Rußland führte. In seiner heutigen Form wurde er auch unter dem Hanauer Grafen Philipp III. im Jahre 1557 errichtet. wie die Inschrift über dem Türsturz verrät. Die Treppe kam erst im 19. Jahrhundert hinzu. Vorher musste man eine Leiter benutzten. um in den einzigen Raum zu gelangen. In der Nähe der Warte befand sich bis 1844 ein Galgen mit zwei Steinsäulen.

Hier verabschiedeten sich die Frankfurter Soldaten, die weiterziehende Kaufleute „geleitet“ hatten und übergaben die wackeren Handelsleute in die Obhut ihrer Hanauer Kollegen. Mit Glück stößt man auch auf einen der Grenzsteine nahe der Vilbeler Landstraße, die die Grenze zwischen Königreich Preußen und Großherzogtum Hessen markieren.

Graf Philipp III. von Hanau ließ die Warte 1557 aus Stein erneuern, als Rundturm mit hochliegendem Eingang (eine mobile Leiter wurde nach dem Einstieg des Wächters hochgezogen) und Wächterstube im gemauerten Kegeldach, die allseitigen Ausblick gewährte.

Im Schutz eines kreisförmigen Wallgrabens stand die Warte völlig isoliert ‑ die heute sie umgebende Baumgruppe entstammt erst in den beiden letzten Jahrhunderten.

Während des Siebenjährigen Kriegs leitete Marschall de Broglie 1759 in der Schlacht von Bergen von hier aus die Operationen seiner französischen Kontingente und verhinderte somit den Vormarsch friderizianischer Allianztruppen auf Frankfurt.

Der spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen‑Kassel zeigte sich 1844 von dem Panorama so beeindruckt, das eine Aussicht auf ehemals 200 Ortschaften bot, daß er eine Außentreppe zur Erleichterung des Warteinstiegs anlegen ließ. Dazu wurden teilweise Steine des daneben seit 1484 bestehenden Hanauer Galgens verwandt, den der hessische Kurfürst aus ästhetischen Gründen 1844 abreißen ließ.

 

Abstecher zur Ehrensäule: Man geht rechts am Umspannwerk vorbei und findet am Ende des kleinen Gehölzes die drei Meter hohe „gestümpfte Säule, die der Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel errichten ließ. Die Säule erinnert an den Besuch Kaiser Leopolds II. im Oktober 1790 (oder 1793) an der Berger‑Warte. Wegen der revolutionären Unruhen in Frankreich hatte auf Wunsch des Erzbischofs von Mainz Landgraf Wilhelm IX. von Hessen‑Kassel auf der damals zu seinem Herrschaftsgebiet gehörenden Berger Höhe ein Feldlager zum Schutz von Wahl und Krönung Leopolds II. im Jahre 1790 aufgeschlagen.

Am 23. September 1790 traf der Landgraf mit zehn Bataillonen und 14 Schwadronen ‑ das waren 6.000 Mann ‑ ein. Während drei Wochen fanden dort täglich Truppenübungen statt. Der Landgraf gab Empfänge. Viele Besucher kamen. Als nach der Wahl Leopolds II. am 30. September dreihundert Böllerschüsse von Frankfurts Mauern abgefeuert wurden, ertönten auch auf der Berger Höhe Ehrensalven und ließ der Landgraf eine Parade veranstalten und ein Freudenfeuer entzünden.

Am 11. Oktober zwei Tage nach der Krönung gaben der Landgraf und seine von Schloß Philippsruhe heraufgekommene Gemahlin dem neuen Herrscher und seiner Familie zu Ehren ein Festessen im Lager. Zur Erinnerung an diesen Tag, an dem sich 126 Personen in Zelten versammelt hatten, ließ der Landgraf diese Leopoldsäule  aufstellen. Ihre lateinische Inschrift  gibt uns über das Festmahl und die Gäste Auskunft. Wahl und Krönung waren friedlich verlaufen. Am 17. Oktober hatte sich der Landgraf wieder nach Kassel zurückgezogen.

 

Am Parkplatz an der Bundesstraße steht eine Informationstafel über die Streuobstwiesen und dort liegt der jüdische Friedhof. Er wurde in den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts eingerichtet, als der Friedhof in der Ortslage voll war. Vom  Parkplatz geht man nach Osten und dann nach Süden auf der Straße „Landgraben“. Die Bundesstraße wird überquert. An  der nächsten Kreuzung geht es nach Osten in den Nordring, der schon auf die „Hohe Straße“  führt.

 

Bergen-Enkheim

Bergens urkundliche Ersterwähnung stammt aus dem Jahr 1057. Bergen und Enkheim wurden schon im 13. Jahrhundert als gemeinsame Dorfschaft erwähnt. Bergen-Enkheim ist der einzige Ort auf unserem Teil der Hohen Straße der nicht - oder nicht mehr - zum Main-Kinzig-Kreis gehört, da er seit 1977 ein Stadtteil von Frankfurt ist. Bergen-Enkheim hat heute gut 17.000 Einwohner und zählt zu den bevorzugten Frankfurter Wohngebieten. In Bergen lohnen das schöne Fachwerk-Rathaus, die restaurierte Nikolauskapelle und die in schlichter Barockbauweise errichtete evangelische Pfarrkirche von 1684 einen Abstecher (Weiteres zu Bergen in: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis).

 

Eingangstor („Entree“):

Im Neubaugebiet im Nordosten Begrens gibt es eine Straße  „Hohe Straße“. Diese kreuzt die Landstraße und führt dan nach Osten in die Feldflur. Hier ist da  Eingangstor zut Regionalparkroute „Hohe Straße“.Hiewr stehen Obstbäume, Stelen mit Hinweis zum Verlauf der Straße, Sitzgelegenheiten und Liegen.

 

Schlacht bei Bergen:

Ein Wegweiser „Bad Vilbel“ ein ganzes Stück östlich des Eingangstors zeigt in Richtung auf eines der Schlachtfelder der „Schlacht bei Bergen“. Am „blutigen Karfreitag“ dem 13. April 1759, lieferten sich hier im Siebenjährigen Krieg ein 35.000 Mann starkes französisches Heer und 28.000 preußische Soldaten unter Herzog Ferdinand von Braunschweig, dem Schwager Friedrichs des Großen, eine blutige Schlacht. Mehr als 1.000 Mann kamen ums Leben, etwa 5.000 wurden verwundet, viele starben später an Wundstarrkrampf und Infektionen. Immer wieder werden bei Grabungen Knochen gefunden. Aber das war dann kein Ermordeter, sondern Reste eines Kriegers von damals, die als Verwundete reihenweise an Wundbrand gestorben sind. Die berühmte Schlacht fand ihren Weg in Kunst und Literatur. Goethe, der sie im  Alter von zehn Jahren drunten in Frankfurt miterlebte, erwähnt sie in Dichtung und Wahrheit, der britische Schriftsteller William Thackeray, der auf Seiten der Preußen mitgekämpft haben soll, hat sie in „Barry Lyndon“ verewigt.

 

Charlottenhof:

Rechts nördlich der Straße Frankfurt-Bergen nach Maintal-Bischofsheim sieht man den Aussiedlerhof „Charlottenhof“. Beim Bau des an das Wohnhaus anschließenden Stalles wurde bereits 1954 eine römische Mauer angeschnitten und Funde geborgen. An der östlichen Schmalseite der offenen Scheune wurde im April 1956 eine etwa einen Meter tiefe Baugrube von 9 mal 13 Meter für einen Putenstall ausgehoben. Dabei stieß man auf eine Mauer von etwa 70 Zentimeter Stärke. Diese aus plattig brechenden Kalksteinen gefügt, wie sie in diesem Gebiet unter dem Löß anstehen. Als Bindung wurde kein Mörtel, sondern gelber Ton verwendet.

Die Mauer verläuft in Richtung West-Südwest nach Ost-Nordost. Von der Südwand der Baugrube ist die Südkante der Mauer im Westen 7, 35 Meter entfernt, an der Ostwand 9,30 Meter.

Die Mauer scheint römischen Ursprungs zu sein, da sich im Aushub einige Scherben fanden, darunter das Randstück eines römischen Kochtopfs und einige vermutlich römische atypische Scherben. Außerdem fanden sich zwei vorgeschichtliche Gefäßbruchstücke.

 

Die Sichtachse „Große Loh“:

Der erste große Wald, der erreicht wird, ist die „Große Lohe“, die von den Bischofs­heimern „Buchwald“ genannt wird. Der Name kommt vom lateinischen „lucus“ und bezeichnet einen gemeinschaftlichen Wald, in dem mehrere Berechtigte eine private Holznutzung haben. Die Bischofsheiemr sagen aber auch „Rabenwald“ dazu. Unmittelbar am Waldrand haben Modellsegelflieger ihr Übungsgelände.

Für die Regionalparkroute wurden hier „Sichtachsen“ angebracht (und dabei leider die Fudamente eines Aussichtsturms zerstört). Geschützt am Waldrand lenken zwei doppelte Stelen-Reihen den Blick zum Taunus und in Richtung des Mains. Sie markieren die Hohe Straße und verweisen auf ihre Verknüpfung mit den Regionalparkrouten entlang des Taunus und des Mainuferweges.

Die vorgesehene Querverbindung vom West-Ende der Großen Lohe in Richtung Bischofsheim ist nur eine Möglichkeit. Man kann auch vom östlichen Ende der Großen Lohe nach Süden fahren (Markante Punkte: Landwehr, Gemeindeweide,  Mühle, Kochbergkreuzung)

in die „Grüne Mitte“ von Maintal und zum Main.

 

Bischofsheim

Bischofsheim wurde erstmals 880 urkundlich erwähnt. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten die Bewohner des Ortes von Landwirtschaft, Kleingewerbe, aber dann auch von den Beschäftigungsmöglichkeiten der chemischen Industrie in Frankfurt. Nach 1945 begann eine stürmische Bautätigkeit. Die Zahl der Einwohner stieg auf annahernd 15.000 an. Seit 1974 bildet Bischofsheim mit Dornigheim. Hochstadt und Wachenbuchen die Stadt Maintal.

Grabhügel unterhalb der Hohen Straße Zwischen Bischofsheim und Bergen unterhalb der Hohen Straße befindet sich im Wald südlich des Enkheimer Rieds eine große Grabhügelgruppe mit fast 70 Hügelgräbern. Sie stammen aus der Hallstattzeit 1800-600 vCh. Große Gräberfelder aus vorgeschichtlichen Epochen finden sich vielfach in den Waldern der Region. bekannte Beispiele sind die Hügelgraber im Frankfurter Stadtvvald oder im Töngeswald bei Maintal-Hochstadt. Sicher hat es solche auch in den heute landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Wetterau gegeben, doch sind sie dort aufgrund jahrtausendelanger Beackerung nicht erhalten.

Bischofsheim ist übrigens der letzte bei Hanau beziehungsweise dem Main-Kinzig-Kreis verbliebene Ort des ehemaligen Amtes Bomheimerberg, der im Spätmittelalter nach langen Auseinandersetzungen mit der Reichsstadt Frankfurt hanauisch wurden. Fast alle anderen Gemeinden des Amtes, darunter Bockenheim, Seckbach, Ginnheim, Fechenheim und zuletzt Bergen-Enkheim, wurden zwischen 1886 und 1977 nach Frankfurt eingemeindet (Weiteres zu Bischofsheim in: „www.peterheckert.org“ unter „Maintal“).

 

Warte:

Auf der Höhe an der Südwestecke der Großen Lohe schneidet die Landwehr die Hohe Straße. Dort verzeichnet ein Riß vom Jahre 1599 zwei überbrückte Gräben und eine Warte in viereckigem Hofe. An diesen Schlag erinnern die Flurnamen „Am neuen Schlag“ und „Am Eisernen Schlag“.

Nach anderer Angabe stand  an der „ferrst Lohe“ (vorderste Lohe), wo die Kreisstraße in den Wald eintritt, eine Warte, die 1554 als „alte Warte“ bezeichnet wird (hier könnte heute wieder ein Aussichtspunkt geschaffen werden).

 

Dreimärker:

Am östlichen Rand der Großen Lohe stand ein Grenzstein von 1615 ein Dreimärker, an dem die Gemarkungen von Hochstadt, Bischofsheim und Niederdorfelden zusammenstießen (diesen Stein könnte man wieder rekonstruieren entsprechend dem Stein am Zusammentreffen der Gemarkungen von Wachenbuchen, Hochstadt und Dörnigheim).

 Wüstung Hildrichshausen:

Auf einer Karte der Grafschaft Hanau-Münzenberg aus dem Jahre 1736 ist im Gebiet südlich der Großen Lohe eine Wüstung „Hondorf“ und „Hildrichshusen“ eingezeichnet. Es fällt auf, daß in der ansonsten eng besiedelten südlichen Wetterau auf der weiten Strecke zwischen Niederdorfelden und Hochstadt bzw. Wachenbuchen kein Dorf zu finden ist. Das könnte darauf zurückgeführt werden, daß hier ein Dorf untergegangen ist. Auch die Flurbezeichnung „Am Kellergewölbe“ könnte ein Hinweis darauf sein.

 

Bodenfunde:

An der Hohen Straße gab es keine großen Niederlassungen, aber sie ist durch begleitende Steingräber seit alter Zeit bezeugt. Im Frühjahr 1968 wurden bei einer Feldbegehung etwa elf Meter nördlich der Hohen Straße und rund 700 Meter westlich der Landstraße zwischen Maintal-Wachenbuchen und Niederdorfelden bandkeramische Keramik- und Steinartefakte aufgelesen. Ganz in der Nähe der Fundstelle wurden nach Georg Wolff im Jahre 1904 neolithische Gruben mit Scherben, von welchen einige Ornamente des Großgartacher Stils zeigten, sowie Hüttenlehm und zwei Feuersteinmesser aufgedeckt. Und 300 Meter östlich von der Stelle sah Dir.-Assistent Welcker im Herbst 1912 gleichfalls neolithische Gruben. Die damals geborgenen Funde gingen durch Kriegseinwirkung verloren. Zwischen 1916 und 1918 wurden an diesem Siedlungsplatz zahlreiche „bandkeramische Wohngruben“ entdeckt, die damals geläufige Bezeichnung für die entlang der Langhäuser angelegten Lehmentnahmegruben. Eine Besonderheit des Niederdorfelder Materials sind die „Notenkopfverzierungen“ auf oder am Ende von Ritzlinien.

 

Bonifatius:

Nach einer Überlieferung soll Winfried, genannt Bonifatius, der „Apostel der Deutschen“, bei seinen Reisen nach dem von ihm gegründeten Kloster Fulda die „Hohe Straße“ benutzt haben. Auf dieser Straße könnte auch 754 sein Leichnam von Mainz nach Fulda gebracht worden sein. Dabei strömt viel christliches Volk herbei, wie es in zeitgenössischen Berichten heißt, ein Hinweis darauf, daß es damals schon viele Christen in der Gegend gab.

Allerdings ist der Verlauf der „Bonifatiusroute“ umstritten. Auch der Wetteraukreis hat ein Patent darauf angemeldet. Für die Historiker steht außer Zweifel, daß der Leichenzug am Nachmittag des 11. Juli 754 in Heldenbergen eingetroffen sei. Vermutet wird, daß die Gruppe zuvor die Mittagsrast auf dem Schäferkoppel westlich von Karben verbracht habe. Ein Bonifatiuskreuz an der heutigen Kreisstraße 245 („Römerstraße“) erinnere an den seinerzeit zurückgelegten Weg zwischen den beiden Orten. Im Main‑Kinzig‑Kreis soll diese Route von Büdesheim kommend nach Heldenbergen zum Bonifatiuskreuz führen. Anschießend geht sie nach Windecken und durch Eichen und wieder in den Wetteraukreis, Richtung Kloster Engelthal.

Aber auch der Main‑Kinzig-Kreis erhebt Anspruch darauf, daß der Leichenzug des heiligen Bonifatius 754 den Kreis durchquerte. Er wird dabei unterstützt von Heinrich Quillmann aus Nidderau-Windecken. Quillmann weist darauf hin, daß nur über die Etappen des Leichenzugs bis zum heutigen Frankfurter Stadtteil Kalbach Aufzeichnungen vorliegen. Sie setzen erst wieder kurz vor Fulda ein.

Der Raum dazwischen bleibt ein weites Feld für Forscher und Lokalpatrioten. Nach Quillmanns Meinung führt der Weg durch Windecken und von dort über den Ohlenberg nach Altenstadt.

Die Routenplaner vertreten eine andere These: Die Leiche des Heiligen sei am Nachmittag des 11. Juli 754, einem Donnerstag, in Heldenbergen eingetroffen. In jenem Dorf hat man diese Überzeugung im Jahre 1909 in Stein geschlagen. Auf einem Acker an der K 246 („Römerstraße“) erinnert ein Steinkreuz im irischen Stil an die dort vermutete Rast der Leichenträger. Das am „Bonifatiusacker“ in Heldenbergen errichtete Hochkreuz bezeichne eine sogenannte „Bonifatiusruhe“.

Quillmanns Hauptargument ist die Erwähnung eins „Bonifaicienburnen“ in einer Windecker Urkunde von 1349. Dort wird das Grundstück „Bonifatiusbrunnen“ zusammen mit den heute noch bekannten Fluren „Im Niederfeld, Im Steinhausen, Am Holzweg“ genannt. Quillmann vermutet es in der Nähe des Holzweges. Außerdem gibt es einen „Bonifaziusacker“ in einer Windecker Flurkarte von 1862, die Flur „An der Ruhhecke“ (möglicher Hinweis auf eine Rast der Prozession), „Am Heiligenstock“ und „Am Kreuzweg“ ‑ alles in wenigen hundert Metern Umkreis. Der Brunnen fehlt, doch es finden sich im Umfeld des Holzwegs zahlreiche Quellen und Brunnen, einige namenlos, einige im Lauf der Zeit versiegt. Aber der Name der Quelle, die im Bereich des Bonifatius‑ Ackers gesprungen ist, und den darunter liegenden „Wasserfall“ (1588) gespeist hat, ist leider nicht überliefert.

 

Kleine Lohe:

Der nächste Wald an der Hohen Straße ist die „Kleine Lohe“. Vor dem Ersten Weltkrieg standen am südlichen Rand des Weges durch die Kleine Lohe römische Gedenksteine mit lateinischen Worten und Bezeichnungen von Legionen und Kohorten (hier könnte man einen Stein nach Vorbildern an anderer Stelle rekonstruieren). Für die Regionalparkroute hat man hier einige Liegebänke und Spiegel aufgestellt, weil der Planer „Spiegel“ hieß. Auf dem Weg in Richtung Bergen erscheint die Skyline von Frankfurt gerahmt durch die hohen Bäume der Kleinen Loh. Sitz- und Liegepodeste rechts und links des Weges laden zum ruhigen Verweilen mit Blick auf die Betriebsamkeit der Großstadt ein

Nicht eingezeichnet in den Regionalparkkarten ist auch der gut befestigte Weg vom östlichen Ende der Kleine Lohe nach Hochstadt. Von dort kann es weiter gehen nach Wilhelmsbad über die Hanauer Straße oder zur „Grünen Mitte“ und zum Main über die Bischofsheimer Straße (beide mit Radweg).

 

Hochstadt:

Hochstadt wurde urkundlich 846 erstmals erwähnt.  Bis ins 20. Jahrhundert bildeten die Landwirtschaft und der Weinbau die Haupterwerbszweige. Heute ist die frühere Firma Rasmussen, der größte Betrieb am Ort. Sie ist heute  Teil der„Norma-Group“ und ein Zulieferer der Automobilindustrie.  Hochstadt ist seit 1974 ein Stadtteil von Maintal und hat etwa 5.700 Einwohner.

Fachwerkhäuser, Ringmauer und Wehrkirche: Gäbe es keine Autos und würden einige wenige Requisiten der Gegenwart fehlen, so könnte man sich bei einem Rundgang durch das alte Hochstadt leicht um Jahrhunderte zurückversetzt fühlen. Im Ortskern kommt man ständig an Fachwerkbauten aus der frühen Neuzeit vorbei. Prägend für das Bild der Hauptstraße sind das leicht vorstehende Rathaus, das Obertor und der Glockenturm der Kirche.

Auch der Weg um den alten Ortskern lohnt sich, denn die auf Befehl des Hanauer Grafen um 1250 angelegte Ringmauer ist heute noch größtenteils vorhanden. Die an der höchsten Stelle der Hauptstraße gelegene Wehrkirche ist ein beeindruckendes spätgotisches Bauwerk. Das Innere ist mit wertvollen Decken- und Wandmalereien ausgestattet. Die Kirche ist von einer stellenweise noch gut erhaltenen mittelalterlichen Umfassungsmauer umgeben. Der Glockenturm diente einst als Torturm dieses Wehrkirchhofs. Rechts von der Kirchentür ist ein Gedenkstein für die 1642 in Hochstadt geborenen siamesischen Zwillinge angebracht (Weiteres zu Hochstadt in: „www.peterheckert.org“ unter „Maintal“).

 

Niederdorfelden:

Bereits 768 wurde ein „Turinvelde in pago Wetteieiba“ (im Gau Wetterau) im berühmten Lorscher Codex schriftlich genannt. Ober- und Niederdorfelden nehmen gemeinsam dieses

Datum für ihre urkundliche Ersterwähnung in Anspruch. Niederdorfelden war ab dem späten 12. Jahrhundert Bestandteil der Grafschaft Hanau-Münzenberg und machte dann alle folgenden Herrschaftswechsel mit. Das noch heute selbstständige Niederdorfelden zählt gut 3.600 Einwohner.

Wasserburg am Ortsrand: Die Herren von Dorfelden wurden erstmals 1166 erwähnt. Da sie auch die Burg Hanau besaßen, nannten sie sich erstmals 1191 von Dorfelden-    Hagenowe und später nur noch von Hanau. Sie sollten dann über 500 Jahre unsere Region beherrschen.

Bei der Stammburg der Herren von Dorfelden-Hagenowe handelt es sich um eine von einem

Wassergraben umgebene Wehranlage. Die urkundliche Ersterwähnung der Wasserburg datiert

von 1234, jedoch dürfte sie in ihren Ursprüngen deutlich älter sein. Seit dem Ende des l3.Jahr-

hunderts verlor die Burg rasch an Bedeutung. Sie hatte seitdem verschiedene Besitzer und wurde            öfter zum Tausch- und Verhandlungsobjekt. Die Burg war letztmals im 17. Jahrhundert be-wohnt und erscheint seither nur noch als Zubehör des angrenzenden Junkerhofs, der wohl ursprünglich als Wirtschaftshof der Burg diente.

Heute stehen von der Burg lediglich Stümpfe der Türme und Reste der Außenmauem, teilweise mit Buckelquadem. Außerdem ist der Rauchabzugs-Schacht eines Kamins erkennbar (Weiteres zu Niederdorfelden in: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis).

 

Oberdorfelden:

Der Ort ist ist neben Butterstadt der kleinste Ort entlang unseres Abschnitts der Hohen Straße, aber es ist auch der älteste - zumindest was die urkundliche Erwähnung angeht. Denn mit dem bereits 768 genannten „Turinvelde“ kann sowohl Niederdorfelden als auch der Schönecker Ortsteil Oberdorfelden gemeint gewesen sein.

Backhaus und Kirche: Zu den wenigen öffentlichen Gebäuden eines Dorfes gehörte früher das gemeindeeigene Back­haus oder auch „Backes“ genannt. Der Gemeindebackofen wurde jährlich an einen Pächter vergeben, der wie ein heutiger Bäcker Bort backte und dafür von den Käufern bezahlt wurde (er mußte ja Einnahmen haben). Die Einwohner haben höchstens ihre großen Blechkuchen zum Bäcker gebracht, damit er sie mit im großen Backofen bäckt.

Heute findet man entlang der Hohen Straße noch in zwei Orten alte Backhäuser. Beide stehen im Ortskern, eines in Roßdorf neben dem Rathaus und das andere in Oberdorfelden neben der

evangelischen Kirche. Das Gotteshaus wurde zwischen 1763 und 1766 erbaut. Den Haupt-

eingang krönt ein hessen-hanauisches Wappen (Weiteres zu Oberdorfelden im Internet unter „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis).

 

Kilianstädten:

Der Ort wurde in einer Schenkung Ludwigs des Frommen im Jahre 839 erstmalig urkundlich erwähnt. Der Ort zählte seit dem Hochmittelalter zum Gebiet der Herren von Hanau. Wie alle Orte entlang der Hohen Straße erlitt Kilianstädten während des Dreißigjährigen Krieges große Zerstörungen, weswegen man das ehemalige Oberdorf um den jetzigen Friedhof nicht wieder aufbaute. Am 1. Januar 1971 schloss sich Kilianstädten mit Büdesheim und Oberdorfelden zur Gemeinde Schöneck zusammen. Der Name der neuen Kommune entstand aufgrund einer Bürgerbefragung.

Mehl für Hunderttausende: Die Kilianstädtermühle hat eine lange Tradition, die bis weit ins Mittelalter zurückreicht. Sie wurde bereits 1351 erstmals urkundlich belegt. Lange mussten die Bauern aus den Dörfern der Umgebung hier ihr Korn malen lassen.

Seit dem späten 19. Jahrhurder wurde die Mühle, die zeitweise auch als Ölmühle und Tabakmühle diente, mehrfach ausgebaut und damit ständig ihre Kapazitat erhöht. Betrug die Tagesleistung um 1875 noch rund 1,5 Tonnen Mehl, stieg sie über 54 Tonnen 1933 auf mittlerweile über 320 Tonnen, was den Bedarf für etwa 850.000 Menschen deckt. Erbracht wird dies von 40 Mitarbeitern und modernen Produktionsanlagen, die eine gleichbleibende Qualität garantieren. Jedoch treibt heute Strom und nicht mehr Wasserkraft die Mahlwerke an. Auch optisch ist die lange Tradition der Heinrich Thylmann GmbH & Co. KG sofort wahrnehmbar: Neben den modernen Anlagen steht noch immer ein reizvolles Fachwerkgebäude.

Unweit zur Thytmann-Mühle, in unmittelbarer Nähe der modernen Kläranlage, liegt am Rand des Niddertales eine umenfelderzeitliche Siedlung (Weiteres zu Kilianstädten im Internet unter: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis).

 

Wachenbuchen:

Wachenbuchen wurde erstmals 798 als „marca bucha“ erwähnt Ab dem 11. Jahrhundert war das Dorf mehrheitlich in Besitz der Herren von Buchen, später der Herren und Grafen von Hanau. Heute gehören die beiden Buchenorte zu verschiedenen Kommunen: Wachenbuchen zu Maintal und Mittelbuchen zu Hanau. Wachenbuchen zählt rund 3.300 Bewohner.

Die Verhältnisse zwischen den Herren von Buchen und den Herren vonDorfelden sind kompliziert. Es ist eine Verkürzung, wenn gesagt wird: „Die Herren von Dorfelden besaßen auch die Burg Hanau.“ Konrad I. ist seit 1166 Herr von Dorfelden. Das Geschlecht der Herren von Buchen, deren Besitz bis Hanau reicht, stirbt 1168 mit Gerlach von Buchen aus. Er war der letzte von vier Brüdern, sein einziger Neffe wird Domherr von Mainz, das ganze Geschlecht war damit erloschen.

Das nutzen die  Herren von Dorfelden, die  aber wohl keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Herren von Buchen haben, und eignen sich die nicht mehr bewohnte Burg in Wachenbuchen an und werden damit auch Besitzer von Hanau.

Erst Heinrich I., der Sohn Konrads I., nennt sich 1191 erstmals „von Hagenowe“. Er wohnt  vielleicht schon in Hanau wohnt (vielleicht ab 1170), während sein Neffe Reinhard II.  noch in Dorfelden bleibt. Doch Heinrichs Sohn wird Domherr in Mainz. So übernimmt die Dor­felder Linie die Herrschaft und  der Dorfelder Reinhard III. nennt sich ab 1216 „von Dor­felden und Hagenowe“.

Die eigentlichen Hanauer Grafen beginnen mit Reinhard I. von Hanau (ohne den Zusatz „Dorfelden“, die Zählung wird neu aufgenommen), der von 1243 bis 1281 regiert.  Man kann also nicht sagen, Niederdorfelden sei zur Grafschaft Hanau gekommen, sondern die Herren von Dorfelden waren die Vorläufer der Grafen von Hanau.

Burghügel: Die Reste der ehemaligen Burg Buchen ähneln eher einer Feldholzinsel als einer traditionellen Burg. Vermutlich lag hier die Stammburg derer von Buchen. Dieses Geschlecht wurde namensgebend für eine ganze Region, das Büchertal. Eine Tafel direkt an der mitten in einer Wiese liegenden „Feldholzinsel“ gibt einige Hinweise zu der Anlage, die vermutlich aus einem befestigten Wirtschaftshof und einem getrennt davon stehenden Wohnturm bestand. Tritt man näher, erkennt man zwei Erhebungen und einen Graben, der sich bei Regen mit Wasser füllt und einstmals die ganze Anlage umgab. Einzelne Steine, die aus dem Erdreich hervorschauen, könnten als Hinweis auf ein Steinfundament gesehen werden.

Im Ortskern Wachenbuchens finden sich das historische Rathaus und viele gut erhaltene Fachwerkgebäude mit sehenswerten Details (Weiteres zu Wachenbuchen im Internet unter:  „www.peterheckert.org“ unter „Maintal“).

 

Mittelbuchen:

Mittelbuchen beruft sich bezüglich seiner Ersterwähung auf die gleiche Urkunde von 798 wie Wachenbuchen. Auch danach gehörten die beiden Buchenorte stets zur gleichen Landesherrschaft. Im Zweiten Weltkrieg hinterließ ein Bombenangriff auf Mittelbuchen Tod und Zerstörung. Mittelbuchen wurde 1972 ein Stadtteil von Hanau und zählt heute gut 3.000 Einwohner.

 

Dorfgeschichte im Kleinen: Das Obertor in der Alten Rathausstraße 31, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist, war einst Teil der Dorfwehr aus dem 15. Jahrhundert. Auf den Mauern des Tores befindet sich ein Häuschen, das früher als Wachstube diente. 1828 wurde das Torhaus zwischen dem Obertor und dem Sau-Turm hineingebaut.

In dem mit viel Eigeninitiative der Vereinsmitglieder und Unterstützung der Stadt Hanau ge-

schaffenen Museum gelingt es, wichtige Aspekte der Dorfgeschichte zu präsentieren. Im Erdgeschoß wird ein Überblick zur reichhaltigenVorgeschichte  der Gemarkung Mittelbuchen gegeben. In den oberenRäumen steht die bäuerliche Vergangenheit der Orte 

Wachenbuchen und Mittelbuchen im Mittelpunkt. Die Exponate sind zumeist Gegenstande und Textilien aus Haus, Hof und Werkstatt aus den 19.  Jahrhundert. Über einem Durchgang kann der Besucher sehr plastisch die Arbeitsschritte zur Verfüllung  der Gefache der uns heute so lieb gewordenen malerischen Fachwerkhäuser nachvollziehen, wovon gerade in Mittelbuchen noch viele in gutem Zustand vorhanden sind.

Sichtfensterchen und Dorfgerneinschaftshaus: Nach dem Verlassen des Museums sollte man unbedingt die Alte Rathausstraße herunter fahren und sich den alten Ortskern von Mittelbuchen ansehen. Besonders pittoresk sind die im Volksmund „Lunsfensterchen“ genannten Sichtfenster in der Guldenstraße. Sie ermöglichen einen guten Blick auf die Gasse und auf den Besucher, der vor dem Hoftor steht, und geben Entscheidungshilfe, ob man öffnet oder nicht.

In Fahrtrichtung Wachenbuchen entdeckt man einige Meter jenseits derAmpelkreuzung links ein Stein gewordenes Zeugnis der Zeitgeschichte: eines der ältesten Dorfgemeinschaftshäuser Hessens von 1953. Diese sollten die Lebensqualität auf dem Land durch damals in den Dörfern nicht oder kaum vorhandene moderne Einrichtungen verbessern.

Die ersten Dorfgemeinschaftshäuser entstanden unter Mithilfe der Bevölkerung. In Mittelbuchen zählten ein Gemeindebad, eine Gemeinschaftswaschanlage mit Mangel. eine Tiefgefrieranlage und ein Kindergarten zu den Neuerungen. Das Dorfgemeinschaftshaus erhielt den Nannen seines Förderers, des früheren hessischen Staatsministers für Arbeit und Hanauer Oberbürgermeisters Heinrich Fischer.

Die gemeinschaftlichen Einrichtungen haben sich heute teilweise überholt oder wurden mit steigendem Wohlstand individueller Standard. Das Gebäude dient heute als städtische Verwaltungsstelle und wird von den Vereinen genutzt  (Weiteres zu Mittelbuchen im Internet unter: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“). Jetzt führt die Beschreibung weiter and er Kleinen Lohe.

 

Hühnerberg:

Südlich liegen die Gebäude auf dem Hühnerberg. Dieser ist mit 197 Metern über dem Meeresspiegel (in  Höhe der Gebäude, am Übergang über die Hohe Straße sind es 205 Meter, östlich davon an dem Grenzstein ist es noch etwas höher) fast die höchste Erhebung Maintals. Die Bezeichnung „Hühnerberg“ könnte von den „Hühnengräbern“ herrühren, die man angeblich hier fand. Das Wort könnte aber auch von dem mittelhochdeutschen „huon“ = „hoch“"  kommen und also ganz einfach „hoher Berg“ heißen.

In der Zeit um1900  nimmt Wachenbuchen durch eine tüchtige Gemeindeverwaltung einen bedeutenden Aufschwung. Es wird ein beliebter und gern besuchter Ausflugsort für die Bewohner der nahen Dörfer und Städte. Im Jahr 1905 entsteht der Plan, auf dem Hühnerberg einen  Aussichtsturm  zu errichten. Er soll so aussehen wie der Bismarckturm in Wilhelmsbad. (Doch es ist nicht so, daß die Hanauer dafür gesorgt hätten, daß der Turm nicht auf dem Hühnerberg gebaut wird, sondern in Wilhelmsbad. Der Bismarckturm wird schon 1904 gebaut, das Grundstück ist schon vorher verkauft worden).

Bei der Zusammenlegung wird auf dem Hühnerberg ein Stück Land für die Gemeinde ausgewiesen, das dann verpachtet werden kann. Und 1910 wird das Grundstück für den Hühnerbergturm mit Bäumen aus dem Gemeindewald bepflanzt.

Vor dem Ersten Weltkrieg wird in allen Lokalen für den Bau eines Aussichtsturms auf dem Hühnerberg gesammelt, besonders von den Stammgästen der „Krone“ in Wachenbuchen. In Hanau bildet sich auch ein „Hühnerbergverein“ (oder auch „Verkehrsverein“), der das Geld verwaltet. Der Grundstein soll schon gelegt werden, da bricht der Krieg aus. Nach dem Krieg ist zwar Geld da, aber es wird durch die Inflation vernichtet. Außerdem sind einige Mitglieder des Verkehrsvereins inzwischen verstorben.

Auf der Höhe des Berges wird auf einer Fläche von etwa einem Hektar eine Funk- und Leitstelle für die Fliegerhorste Langendiebach und Rothenbergen errichtet. Die Luftwaffe bohrt einen 135 Meter tiefen Brunnen im südwestlichen Teil des Grundstücks, der heute in 60 Meter Tiefe gesprengt ist. Auch eine Lichtleitung wird schon gelegt; von dem Trafo am Lichtmast westlich des Grundstücks geht bis heute ein Erdkabel zu den Gebäuden.

Das Gebäude bestand aus der Funkstation mit einem Arbeitsraum im Erdgeschoß und den Sendeeinrichtungen im Keller sowie den Wohngebäuden westlich der Straße. Der Offizier wohnte in dem nördlichen Gebäude, die Mannschaften waren im südlichen Teil des Gebäudes untergebracht (dort kann man im Hausflur noch den Gewehrständer sehen). Bei Ausbruch des Krieges legt man dann noch eine Flakstation und eine Scheinwerfereinheit unterhalb des Berges an.

Im Krieg ist auf dem Hühnerberg ein militärisches Objekt, eine Funkstation. Den Kindern aber wird eingeschärft: „Wenn euch jemand fragt, was dort ist, dann sagt ihr: Eine Hühnerfarm!“ (Elli Wolf, Hanauer Landstraße 15).

Nach dem Krieg sind zunächst die Amerikaner auf dem Hühnerberg. Am 18. Oktober 1948 aber möchte das Landratsamt wissen, wie die Gebäude auf dem Hühnerberg verwendet werden sollen. Man will sie der Arbeiterwohlfahrt für ein neues Alters- und Erholungsheim zur Verfügung stellen. Sie gehen dann in das Eigentum der Bundesvermögensverwaltung über.

In den Jahren 1949 und 1950 ist Herr Tschepe der Pächter des Hühnerbergs. Er möchte das Haus an das Wasserleitungsnetz anschließen.

Ab Mai 1950 nutzt die United Press in Frankfurt die Gebäude. Sie möchte Wasser aus dem Hochbehälter entnehmen und erhält auch die Genehmigung für einen Grundpreis von 35 Mark im Monat. Aber der Plan wird nicht verwirklicht.

Am 1. Mai 1958 zieht Renate  Töpfer auf den „Hühnerberg“ und richtet dort eine Gaststätte mit Gastzimmer und Küche ein. Das Wasser wird mit Fahrzeugen aus Wachenbuchen geholt und in eine Zisterne gefüllt; von dort wird es in eine Wasserleitung gepumpt, so daß die Gäste gar nicht merken, daß hier keine echte Wasserleitung vorhanden ist. Das Abwasser aber darf nicht in die Feldmark geleitet werden, sondern es wird aus einer Grube abgefahren.

Der Gaststättenraum ist in dem ehemaligen Senderaum, die Abortanlagen sind in der ehemaligen Schaltanlage eingebaut. Am 23. Dezember 1958 wird die Gaststätte noch erweitert durch zwei Gasträume im Keller. Dort ist eine Bar mit Musikbox, ganz im Stil der damaligen Zeit. Mit der Gaststätte verbunden ist ein Kleintierpark mit Affen, Fasanen, usw. Die Station hat 1964 fünfzehn Bewohner und erhält die offizielle Bezeichnung „Hühnerberg (Hsgr.)“. Heute wohnen dort sieben Personen.

Im Jahre 1968 machen Frau Töpfer und Herr Petkow eine Bauvoranfrage, weil sie ein Hotel auf dem Hühnerberg bauen wollen. Aber auch aus diesem Plan wird nichts. Frau Töpfer kauft 1960 die Gaststätte „Waldschlößchen“ an der Hohen Tanne und baut sie zum Hotel aus.

Im November 1970 kauft Herr Hugo Bracker  das Grundstück auf dem Hühnerberg von der Bundesvermögensverwaltung. Gegen den Bauantrag zum Ausbau des Hühnerbergs bestehen keine Bedenken. Herr Bracker versieht das Sendegebäude mit einem Walmdach und läßt eine Leitung vom Wasserbehälter zum Hühnerberg verlegen. Die Abwasserleitung wird in den Jahren 1996/97 auf Kosten des Besitzers ins Dorf gelegt. Gegenüber der alten Funkstation baut die Post 1963 eine  Funkrelaisstation. Der Stahlantennenträger wird im Jahre 1972 von der Post errichtet.

Südlich davon, östlich der Wohngebäude, befindet sich eine frühgeschichtliche  Fundstelle. Der Weg geht heute geschwungen den Abhang hinab. Aber das liegt nicht daran, daß er einem frühgeschichtlichen Gutshof ausweichen wollte, sondern der Weg wurde erst bei der Zusammenlegung angelegt, und zwar deshalb geschwungen, weil so das Gefälle leichter zu überwinden ist. Eine weitere Fundstelle befindet sich südöstlich des großen Steins an der Hohen Straße.

 

Grenzstein von 1822:

Dieser Stein steht am Schnittpunkt der Gemeinden Wachenbuchen, Niederdorfelden, Oberdorfelden. Dieser  Stein ist schon von 1822 und trägt den Buchstaben „W" oder „Wk". Das angedeutete „K" kann aber nicht Kilianstädten meinen, denn hier treffen sich erst die Gemarkungen von Niederdorfelden und Oberdorfelden. Dies dürfte aber die höchste Stelle in der Gemarkung sein. Der eigentliche Grenzstein steht südlich der Hohen Straße. Die Buchstaben ND und OD sind noch zu sehen, die andere Seite mit dem Buchstaben W ist abgeschlagen. Gleich daneben in östlicher Richtung liegt noch ein Stein, bei dem es sich um den 1855 erwähnten Dreieckspunkt dritter Ordnung aus rotem Sandstein handeln könnte. Den ältesten Stein, der an dieser Ecke stand, bewahrt aber Wilhelm Schäfer, Bachstraße 18, auf: ein Grenzstein von 1615.

 

Oberdorfelder Wald:

Der Oberdorfelder Wald reichte im Jahr 1855 bis an die Stelle des großen Grenzsteins. Er ist 1830 laut Staatsarchiv Marburg an Oberdorfelden verkauft worden. Der Wald heißt auch „Kleine Lohe“, wie ein Schild des Forstamtes ausweist. Die Hochstädter aber sprechen vom „Steder Wald“ (Kilianstädter Wald) und in Wachenbuchen sagt man „Äppel-Lohe“, weil sich südlich davon viele Apfelstücke befanden. Heute ist dort der Übungsplatz der Maintaler Modellflieger. In diesem Bereich verläuft die Grenze wieder südlich der Hohen Straße bis über den Wald hinaus.

 

Die Lese-Ecken:

Hier steht auch eine von vier „Lese-Ecken“. Sie befinden sich an ruhigen Orten, an Orten mit dem „kleinen Blick“, dem Blick auf die Ortschaften längs des Weges. Sie sollten an das wichtige Handelsgut „Buch“ erinnern, das auf diesem Weg über Generationen zwischen den Messestädten von Frankfurt nach Leipzig und in umgekehrter Richtung transportiert wurde. Das ist ein schöner Gedanke, der aber wohl an der Wirklichkeit vorbeigeht. Als Frankfurt und Leipzig bedeutende Buchmessen hatten, ging die Frankfurt-Leipziger-Straße längst am Mai entlang und durch das Kinzigtal. Nur wenn dort Hochwasser war, ist man vielleicht noch einmal auf die Hohe Straße ausgewichen. Aber der Planer hat nun einmal diesen Gesichtspunkt in die Welt gesetzt, jetzt wird er nicht mehr auszurotten sein.

 

Der Läusbaum:

Östlich des Waldes steht auf dem Schäferküppel – schon auf Oberdorfelder Gemarkung – der „Läusbaum“. Im Jahre 1855 reichte der Wald noch bis hierher und darüber hinaus. Er soll seinen Namen von Landfahrern haben, die zum Volk der Roma und Sinti gehörten. Diese hätten sich immer dort gelagert und ihre Läuse hinterlassen. Doch eher kommt der Name von „Geleitsbaum“, weil hier die Grenze der Ämter war und das Geleit für die Fuhrwerke gewechselt wurde (der nächste Geleitsbaum in Richtung Westen stand auf dem Heiligenstock bei Bad Vilbel).

Weil der Lausbaum letzte Rast für die Kaufleute auf ihrer großen Reise von Leipzig nach Frankfurt gewesen sein könnte, soll der Rastplatz zum Entspannen im Schatten des großen Baumes einladen.

Unter dem Baum hat der Lions-Club Maintal einen Stein aufgestellt, der an die 1200-Jahr-Feier Wachenbuchens erinnert. Der Stein liegt allerdings falsch, weil er den Eindruck erweckt, die Hohe Straße sei nördlich des Kilianstädter Waldes verlaufen. Er sollte weiter südlich vom Baum aufgestellt werden, und zwar in der Richtung, in der die Hohe Straße verläuft.

Die Hohe Straße führte allerdings nach der Beschreibung von 1855 nicht am Läusbaum vorbei, sondern bog vorher nach Südosten ab, knickte dann wieder nach Nordosten, überquerte die Wachenbucher Gemarkungsgrenze und verlief dann östlich der Gemarkung im großen Bogen in Richtung Windecken und Marköbel.

Der jetzt ausgebaute Teil der Hohen Straße ist jedoch eine gute Streckenführung. Sie geht nicht  in Richtung Kilianstädten weiter, sondern biegt dann auf dem zweiten Weg nach rechts ab. Dieser Weg führt wieder auf die historische Hohe Straße und genau zur Kreuzung mit der (ausgebauten) Straße Wachenbuchen-Kilianstädten und von dort (gut ausgebaut) zum Wart­baum bei Windecken (Länge der Strecke von der Berger Warte bis zum Läusbaum etwa 9,8 Kilometer, bis zum Wartbaum etwa 13,8 Kilometer).

 

Regionale Fortsetzungen nach Süden:

Von der Kreuzung der Hohen Straße mit dem Weg von Wachenbuchen nach Kilian­städten führt eine gut ausgebaute Strecke nach Wachenbuchen. Der Übergang über die Mittelbucher Straße in Wachenbuchen ist durch eine Ampel gesichert. Durch die Burgstraße und Bleichstraße (nicht durch die Mittelbucher Straße) kommt man auf die Route nach Wilhelmsbad. Besondere markante Punkte gibt es erst in der Ebene: Burg von Buchen, Römergrab, Autobahn mit vorgeschichtlicher Fundstelle und Försterstein. In Wilhelmsbad ist der Weg südwestlich des ehemaligen Steinbruchs gut ausgebaut. Es gibt auch die Möglichkeit, nordöstlich des Steinbruchs und dann durch den Kurpark zu fahren.

 

Hinter dem Läusbaum wird das Gebiet der Stadt Maintal verlassen. Dennoch wird hier auf den weiterenVerlauf der Hohen Straße eingegangen. Mit dem Rad fährt man ja meist eine größere Strecke. Und wenn man dann irgendwo abfährt, um auf einem anderen Weg zurückzukehren, istr es hilfreich, etwas über die begleitenden Orte im Bereich der Hohen Straße zu erfahren. Aus Platzgründen wird aber jetzt mehrfach auf das Internet verwiesen.

 

Die Himmelsschaukel Galgenberg (Galgenschaukel):

Die herausragenden Aussichtspunkte werden durch die Himmelsschaukel markiert. Am Galgenberg schweift der Blick auf das Maintal, die Skyline, den Taunus, den Vogelberg, den Spessart und bei guter Fernsicht bis zum Odenwald. Ein Stück weiter nordöstlich ist die Vogelnestschaukel.

 

Windecken:

„Tezelenheim“ (Windecken) wird in einer Schenkungsurkunde von 850 gemeinsam mit Butterstadt und Ostheim erstmals urkundlich erwähnt. Nachdem die Herren von Hanau den Ort zu Lehen erhalten hatten, bauten sie ab 1262 auf einem Bergsporn an der Nidder eine Burg und erhielten 1288 von König Rudolf für Windecken die Stadtrechte. Damit verbanden waren das Marktrecht und der Bau einer Stadtbefestigung. Seit 1970 ist Windecken ein Stadtteil Nidderaus und zählt heute rund 6.700 Einwohner.

 

Stadtgepräge noch spürbar: Ein Rundgang durch die Altstadt sollte am Marktplatz beginnen. Am Rathaus aus dem frühen 16. Jahrhundert prangt an dem reizvollem Erker das Wappen der Grafen von Hanau. Das gegenüberliegende Fachwerkhaus („Bäckerei Philippi“) verdient vorrangiges Interesse. Das Haus stammt ass der Zeit um 1430 und zeigt beim genaueren Hinsehen alte Konstruktionsmerkmale der Verbindung von Balken („Verblattung“).

Enrtlang einer Reihe von Fachwerkgebäuden geht der Weg sodann durch die Friedrich-Ebert-Straße an einem eindrucksvollen Bürgerhaus (Nummer 22) von 1544 vorbei zum Amtshof („Lämmchen“) von 1586. Die einstige Beschaffenheit der 8 - 10 Meter hohen Windecker Stadtmauer mit überdachtem Wehrgang lässt sich bei einem kurzen Abstecher in die Ostheimer Straße nachvollziehen.

 

Ruine als Zeugnis des Großen Krieges: Mit dem dreißigjährigen Krieg (1618-1648) brach nicht nur weitgehend Windecken positive Entwicklung ab, sondern er beendete auch die Funktion des Schlosses über der Altstadt als Nebenresidenz und Witwensitz der Hanauer Grafen. Die Schlossanlage sollte in den Jahren nach 1620 großzügig ausgebaut werden, wurde aber während dieses Konfliktes mehrfach zerstört. Ihre Reste stehen heute als Sinnbild für die Verwüstungen im Großen Krieg, der gerade in unserer Region viele Opfer forderte.

Relativ gut erhalten sind der sogenannte „Hexenturm“im vorderen Teil der Anlage und das markante innere Schlosstor mit zwei Rundtürmen aus dem 16. Jahrhundert. Reizvoll ist auch der östliche Burgaufgang, der an kleinen Fachwerkhäusern und den in die Stützmauer eingelassenen Steinmasken vorbei zum Schloss führt. Auf den Fundamenten des Schlosses wurde um 1740 das spätere Amtsgerichtsgebäude errichtet (Weiteres zu Windecken im Internet unter: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

 

Wartbaum:

Einer der markantesten Punkte der HohenStraße ist der Wartbaum, man man zahlreiche Installationen sehen kann. Geschichte und Vorkommnisse, die sich an der Hohen Straße abgespielt haben, werden aufgegriffen. Im Mittelpunkt stehen die um 1600 gepflanzte Linde und die Ereignisse der letzten Jahrhunderte. Der bedeutsame engere Bereich um den Wartbaum wurde erhalten. Darüber hinaus sollen die Lebensbedingungen für den Baum verbessert werden. Als erste Maßnahme wurde zum Schutz vor weiterer Erosion im Wurzelbereich die Böschung stabilisiert und angeschüttet.

Der hintere Bereich, auf dem gelegentlich das Festzelt errichtet wurde, ist als Rastplatz umgestaltet worden. Aufgrund der hohen Nutzungsanforderungen soll der derzeitige Rastplatz erweitert werden. Auf der angrenzenden Bedarfsfläche ist der zukünftige Standort des Festzeltes vorgesehen. Mannshohe Stelen sind in Gruppen aufgestellt und sollen Händler,Bauern und Soldaten symbolisieren und die Erweiterungsfläche gegenüber dem offenen Feld abgrenzen. Die Patrouille am Rand bewacht das Geschehen.

 An seine militärisiche Vergangenheit  (Entsatz Hanaus 1636, Schlacht bei Bergen 1759,  Kaisermanöver 1897, Feierlichkeiten zum Gedenken an die Völkerschlacht von Leipzig) erinnern einige marschierende Soldaten aus Holz. Kaisertafel und Fähnleinpyramide symbolisieren diese Ereignisse der Geschichte. Andere Installationen sind weit friedlicher.

 

Wegführung:

Wenn man vom Wartbaum nach Osten fährt, vermißt man schon an der ersten Abzweigung nach links einen Wegweiser. Dieser Weg ist schön geteert, führt aber nur nach Windecken, während die Hohe Straße geradeaus führt. Bei der Überquerung der Straße von Niederissigheim nach Ostheim müßte auf der östlichen Straßenseite ein Wergweiser sein, der auf den schmalen Weg neben der Straße hinweist. Dann weist ein (verbogener) Wegweiser nach rechts, aber es fehlt einer nach links, man könnte unsicher sein, wie es jetzt auf dem geteerten Weg weitergeht. Allerdings sieht man weiter oben dann den Wegweiser, der nach rechts zeigt. Zur Himmelsschaukel ist der Weg dann nicht zu verfehlen, wenn man dem befestigten Weg folgt. Allerdings gibt es ein Problem in der Senke gleich nach der Lesecke, weil dort der Weg durch den Regen sehr ausgeschwemmt ist. Hier gehörte wohl ein Rohr unter die Straße.

 

 

Sequenz Roßdorf:

Die Metallpfeiler erinnern an einen modernen Warencode, der die Handelsware in heutiger Zeit dreidimensional darstellt. Der Abstand der Stelen zueinander verdeutlicht auch die Wahrnehmung der Landschaft in unserer Zeit: Je näher zur Großstadt, desto dichter stehen die Stelen. Die Geschwindigkeit der Metropole lässt nur eng begrenzte Blicke auf die Landschaft zu.

 

Die Himmelsschaukeln Rummelsberg und Landschaftsfenster:

Auch an diesen Orte wird mit der Himmelsschaukel als Symbol der „weiten Blicke“ markiert. Der Besucher genießt Rundblicke, die ein Gefühl von Weite, Wind und Freiheit aufkommen lassen. Landschaftsfenster lenken die Ausblicke.

 

Ostheim

Ostheims Ersterwähnung erfolgte um 850. Damals überschrieb ein Udalrich seine Besitzungen in drei Orten mit Weinbergen, Äckern, Wiesen, Wäldern, Häusern und Familien dem Kloster Fulda. Mitte des 13. Jahrhunderts kam das Dorf an die Herren von Hanau. Ostheim wurde 1974 nach Nidderau eingemeindet. Heute zählt der Stadtteil rund 4.700 Bewohner.

Wandmalereien in der Kirche

Ostheims Vergangenheit als Bauerndorf ist heute noch vielfach sichtbar. In der Herberger-Straße, Vorderstraße und Limesstraße sowie der Schinnergasse finden sich noch zahlreiche Fachwerkhäuser und Hofreiten.

Die Ostheimer Kirche dürfte zu den älteren im Altkreis Hanau gehören. Ein Indiz dafür ist. dass sie bis ins späte 15. Jahrhundert hinein die Mutterkirche der Windecker war. Das heutige Gotteshaus ist ein nach Beschädigungen wahrend des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). barock umgestaltetes gotisches Gebäude aus dem 13. Jahrhundert.

Bei der Renovierung des Innenraums kamen 1968 eindrucksvolle mittelalterliche Wandmalereien aus der Zeit um 1300 zum Vorschein. Sie sind vermutlich um 1600 nach der Einführung des stark von Johannes Calvin beeinflussten reformierten Bekenntnisses in der Grafschaft Hanau-Münzenberg übermalt worden.

Nach der Restaurierung 1979 sieht man nun Personen vor blauem Hintergrund und Maria mit dem Kind, das sie den drei Königen entgegenstreckt. Weiterhin ist der Erzengel Michael sowie die Hand Gottes mit einer Waage zu entdecken. Auf einer Seite des Waagbalkens sitzt ein Paar, auf der anderen ein Teufelchen, das das Gewicht herabzudrücken versucht. Links vom Erzengel sind eine geisterhafte Gestalt und ein Teufel mit Bockshörnern zu erkennen (Weiteres zu Ostheim in. „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

 

Himmelschaukel am Rummelsberg:

Hier ergeben sich herrliche Ausblicke. Doch die Wegweisung an der Himmelsschaukel ist sehr ungünstig, weil der Wegweiser zu früh steht. Er gehört vor die Baumgruppe, damit man an dieser wichtigen Gabelung leicht sieht, daß es links weiter geht. Die Anordnung der Bänke ist unglücklich, denn sie stehen alle in der Sonne, obwohl hier doch eine schöne Baumgruppe vorhanden ist.

Die Regionalparkroute biegt jetzt nach Norden ab, weil die Stadt Bruchköbel anfangs nicht bei der Regionalparkroute mitmachte. Aber die historsche Hohe Straße führt über Butterstadt

(auf der Karte in dem Buch „Hanau, Stadt und Land“ ist allerdings etwas pauschal eine nördliche Route eingezeichnet). Der Abstieg nach Butterstadt und der Wiederaufstieg sind für Raf

Radfahrer nicth schwieriger als der jetzige Verlauf mit dem stärksten Gefälle und steilsten Aufstieg auf der ganzen Strecke. Den Weg nach Hirzbacher Höfe kann man dann finden, wenn man der Ausbaustrecke folgt. Eine Teerdecke auf dem Betonstück wäre natürlich noch wünschenswert.

 

Butterstadt

Butterstadt wurde um 850 als „Butenestat“ erstmals urkundlich erwähnt. Als ein Hof des Antoniterordens blieb es als einziger Ort rundum während der Reformationszeit katholisch. Butterstadt kam 1972 als selbstständige Gemeinde zu Bruchköbel. Es zählt heute rund 230 Bewohner.

Gigantensäule belohnt das Strampeln:

Der Platz mit Feuerwehrhalle und Dorfgemeinschaftshaus wird von der 2006 aufgestellten Nachbildung der 4,75 Meter hohen, vermutlich aus der Zeit um 200 nCh stammenden römischen Jupitergigantensäule dominiert. Ihre Fragmente sind um 1900 in der Butterstädter Gemarkung ausgegraben worden. Sie wurden nach Hanau verbracht, wo sie der Bombardierung vom 19. März 1945 zum Opfer fielen. Glücklicherweise hat man eine Rekonstruktionszeichnung angefertigt. Die einzige erhaltene Kopie der Säule befand sich bisher im Französischen Nationalmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Saint-Germain-en-Laye. Die Jupiter­gigan­ten­säule ruht auf einem Block mit Reliefdarstellungen des Kriegsgottes Mars, der Himmelsgöttin Juno, des Feuergottes Vutan und der Siegesgöttin Victoria. Darauf schließt sich nach einem kleinen Gesims ein Stein mit den Götterprofilen des bärtigen Saturn, des Sonnengottes Sol, der Mondgöttin Lina, des Kriegsgottes Mars, des Götterboten Merkur, des Göttervaters Jupiter und der Liebesgöttin Venus an (Wochengötterstein) an. Nach einem Zwischenstück folgt der Säulenschaft mit Schuppenmuster, der in einem korinthischen Kapitell mit Köpfen an jeder Seite endet. Sie könnten die Jahreszeiten symbolisieren. Krönung, Hauptmotiv und Abschluss der Säule ist der Gigantenreiter. Er versinnbildlicht Jupiter, den höchsten Gott der Römer, der über einen am Boden liegenden Giganten - möglicherweise einen Germanen - obsiegt (Weiteres zu Butterstadt in. „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

 

Lese-Ecken:

In Butterstadt und Hirzbach befinden sich wieder Lese-Ecken. Schattenspendene Linden laden zum Ausruhen ein. Weiter geht es nach Marköbel, die einzige Stelle, wo die Regionalparkroute durch einen Ort geht.

 

Hirzbach:

In Hirzbacher Höfe ist zwar ein (privater) Hinweis auf eine Radlerrast, aber kein Hinweis auf die Kapelle. An der östlichen Zufahrt zur Kapelle sollte zumindest ein Schild stehen „Hirz­bacher Kapelle, ältester Sakralbau im Hanauer Land“. Diese Regionalparkroute hat im Gegensatz zu der Route westlich von Frankfurt wenig historische Orte, da sollte man hier besonders auf so einen Ort hinweisen.

Die Hirzbacher Höfe, südwestlich von Marköbel gelegen, vermitteln dem Besucher ein angenehmes Gefühl von Ruhe und Beschaulichkeit. Die erste urkundliche Erwähnung des Weilers datiert aus dem Jahr 1128. Dominiert wird er von der auf einer Anhöhe stehenden Kapelle, die das älteste erhaltene Baudenkmal des Hanauer Raumes gehört. Archäologische Untersuchungen seitens des Hanauer Geschichtsvereins, die im Zuge von Sanierungsarbeiten vor rund 20 Jahren durchgeführt wurden, haben den ersten Kapellenbau in die Zeit um 700 datiert. Bis ins 15. J hrlwndert erheben mehrere Umbauten. Der letzte Gottesdienst fand hier 1840 statt Danach wurde das Gebäude bis 1988 landwittschaftlich genutzt. Heute dient die Kapelle als kleines regionales Kulturzentrum für Ausstellungen und Konzerte sowie für Hochzeiten und Taufen (Weiteres zu Hirzbach in. „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

An der Kreisstraße ist man wieder unsicher, wie es weiter gehen soll. An der gegenüberliegenden Leitplanke sollte ein Wegweiser nach links stehen und dann wieder auf der rechten Seite ein Wegweiser nach rechts. Der Weg nach Marköbel ist nichts Besonderes, ein Ausbau wäre wünschenswert.

Die historische Hohe Straße ging ja wohl durch das westliche Obertor mitten durch den Ort. Also könnte man auch am Ortseingang nach links fahren zu den Resten des römischen Kastells auf dem Friedhof und dann nördlich des Ortes weiter nach Osten zu den Station „Weit­blick“. Der Hinweis auf den Limes gehört dorthin, wo der Limes tatsächlich verlief und wo die Palisaden stehen..

Die Regionalparkroute führt jedoch um den Ort herum, vielleicht um die Radfahrer nicht so sehr dem Straßenverkehr auszusetzen. Die ganze römische und mittelalterliche Vergangenheit Marköbels kommt so mit nicht zum Zug.

 

Marköbel

Endmals erwähnt wurde Marköbel als „cavilla“ im Jahre 839. Schon im Hochmittelalter und eventuell noch früher war die „Köbeler Mess“ ein wichtiger Handelsplatz gewesen. Kaiser Friedrich I. übertrug dieses Marktprivileg 1220 auf Gelnhausen. Das 1368 verliehene Stadtrecht kam nicht mehr zur Anwendung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Marköbel nahezu komplett niedergebrannt. Heute bildet der Ort zusammen mit Langen-Bergheim die Gemeinde Hammersbach, die gut 4800 Einwohner zählt.

Das Historische Rathaus Marköbel wurde an der Stelle des im Dreißigjährigen Krieg abge-

brannten alten „Spilhus“ 1686/87 neu aufgebaut. Die Inschrift auf dem Querbalken über dem Eingang mahnt die Gerichtsschöffen mit den Worten: „Richter richte recht. Dan Gott ist Richter. und du bist Knecht! Wirst du richten mich, so wird Gott richten dich!“

Teil des UNESCO-Weltkultur-Erbes: Im Ortsbereich von Marköbel befand sich ein römisches Grenzkastell des Obergermanisch-Raetischen Limes, das etwa die gleiche Größe hatte wie das Steinkastell der Saalburg. Es sperrte an einem Krebsbachübergang die Hohe Straße und si­cher­te die Wetteraulinie nach Osten gegen germanische Stämme.

Es ist zu vermuten, dass die Römer hier zunächst ein Holzkastell errichtet hatten, das Anfang des zweiten Jahrhunderts zum Steinkastell ausgebaut wurde. Die Besatzung dürfte ungefähr 500 Mann betragen haben. Der Kastellgrundriß ist im Straßenverlauf (Haupt- und Nordstraße) noch deutlich zu erkennen. Ansonsten findet sich lediglich ein Mauerrest auf dem Friedhof. Am Ortsausgang nach Langen-Bergheim wurde ein Teil des Pfahlgrabens mit Holzpalisaden

Wieder errichtet. Die Palisaden sind noch original aus der Römerzeit und wurden beim Bau eines Neubaugebiets ausgegraben. Nur hat man die Palisaden leider nicht in der Flucht des Limes aufgestellt  (Weiteres zu Marköbel in. „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

 

Der Sitzplatz „Unter den Linden“ bei Marköbel:

Er ver­­weist auf die römische Vergangenheit des Ortes und als mittelalterlicher Marktflecken.

Bei den zwei Linden und entlang der Route am Ortsrand weisen Landschaftsfenster auf die Besonderheiten des Ortes hin. Die Schnittstelle der Hohen Straße mit dem Limes imBereichd es Krebsbaches markieren mehrere Holzstelen.

Der Hohlweg ist der letzte sichtbare Rest der historsichen Hohen Straße in Marköbel. In der Bevölkerung heißt dieser Weg „Galgenhohl“, da auf der Höhe der Galgen stand. Marköbel war Sitz eiens gerichtlichen Oberhofs mit Blutgerichtsbarkeit.

 

„Weitblick“ Langen-Bergheim und zwei Stelenpaare:

Diese Station markiert den Endpunkt der Regionalpark-Route bzw. den Eingang vom Ronne­burger Hügelland her. Oberhalb des Ortsmittelpunkts von Langen-Bergheim kann man rasten und die Aussicht auf das Umland genießen. Hier gibt es Blickverbindungen zur Skyline in Frankfurt aber auch zum Taunus her. Die doppelten Glasstelen sind so ausgerichtet, daß rechts der Taunus (Feldberg) und links die Skyline von Frankfurt (Messeturm) imBlick sind. Die 6,5 Meter hohenStelen sind aus Corten-Stahl mit innen liegenden, horizontalgeschichteten Glasscheiben. Sie wurden nach einem Entwurf des Landschaftsarchitekten Jörg Spiegel von dem Glaskünstler Wilhelm Derix umgesetzt. Die Regionalparkroute findet ihre Fortsetzung Richtung Büdingen und  in den Vogelsberg.

 

Rückweg auf der Regionalparkroute zum Wartbaum:

Man merkt bei der Anbringung der Wegweiser, daß sie von West nach Osten entworfen wurden. Rückwärts hat man nämlich erheblich mehr Schwierigkeiten, die richtige Route zu finden, wenn man die Strecke nicht schon vorher in der anderen Richtung gefahren ist.

Das zeigt sich schon am westlichen Ausgang von Marköbel, wo man unweigerlich auf die Autostraße geleitet wird und nicht auf den schmalen Weg südlich der Straße mit der kleinen Brücke. Hier gehört zweimal ein Wegweiser nach links hin (vor der Brücke und danach). In Hirzbacher Höfe kann man unter Umständen den Wegweiser an der gegenüberliegenden Leitplanke erkennen, der aber nur die Gegenrichtung zeigt. Hier gehört ein Wegweiser nach links hin und dann gleich wieder einer nach rechts ins Dorf hinein. Dort wäre dann unter dem Schild „Kapellenhof“ eine Hinweis auf die Hohe Straße hilfreich, damit man nicht nach links in den Hof hinein fährt.

An der Himmelsschaukel besteht wieder das gleiche Problem, daß der Wegweiser zu weit oben steht. Wenn man mit Tempo von oben herunter kommt, ist man gleich in Butterstadt, wenn man nicht wegen der Himmelsschaukel anhält. Also gehört auch hier wieder ein Wegweiser vor die Baumgruppe. Die Wegweiser müssen auch immer direkt an der Einmündung stehen und nicht 20 Meter entfernt, nur weil dort schon ein Pfahl für ein Verkehrsschild ist. Und sie müssen von beiden Seiten her eindeutig den Weg weisen.

Ganz katastrophal ist die Wegweisung vor dem Straße Niederissigheim-Ostheim. Der Wegweiser oben zeigt nach Süden. Es geht steil bergab. Wer es nicht anders weiß, ist sofort an der Bahn entlang in Roßdorf. Wie soll man erkennen, daß man sich hier gleich rechts in die Büsche schlagen muß, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen? Hier müßte schnellstens noch ein Wegweiser auf der linken Seite des Weges hin, der nach rechts weist (im Gebüsch nutzt er auch nichts).

 

 

 

 

 

 

Hohe Straße (Broschüre des Main-Kinzig-Kreises von 2011)

(unter Verwendung des Materials der Regionalpark Ballungsraum RheinMain GmbH. Zwei Landkarten von 2005 und 2006 und Broschüre des Main-Kinzig-Kreises)

 

Regionalpark:

In der Region entwickeln fast 40 Kommunen mit dem Planungsverband den Regionalpark RheinMain. Das Rückgrat des Regionalparks ist ein Weg, gedacht zum Radfahren, Spazie­rengehen, verbunden mit dem jeweiligen Stadtteil. Es treten Elemente wie: Aussichtspunkte, Haine, kulturhistorische Zeugnisse oder Kunstwerke hinzu. Typische Elemente des Verdichtungsraumes wie Deponien und Verkehrsstraßen werden nicht ausgeklammert, sondern in die Gestaltung einbezogen. Das Gestaltungskonzept ist offen für Menschen, die schöpferische Energien, Phantasien, Träume, Unkonventionelles oder Erstaunliches einbringen - Menschen, die ihre Umgebung nachhaltig mitgestalten wollen. Der Regionalpark soll im Laufe der Zeit das Bild der Menschen von ihrem Lebensraum mitprägen.

Dieses Projekt wird von einem internationalen Team begleitet, das unter dem Titel SAUL „Sustainable and Accessible Urban Landscapes“ (nachhaltige und zugängliche Freiräume) beispielhafte Ansätze für Freiraumplanung in Metropolregionen erarbeitet. Daher finanziert die Europäische Union einen Teil der Investitionen. Finanziert wird das Regionalparkprojekt „Hohe Straße“ außerdem durch das Land Hessen, den Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main und die beteiligten Kommunen.

 

Der Landschaftsplaner:

Die Idee ist sehr gelungen, daß man nicht nur einen Radweg anlegt, sondern auch „Stationen“, die einem als Markierungspunkte in Erinnerung bleiben. Aber die Regionalparkroute wurde von einem Architekten entworfen, der nur Architektur im Auge hatte aber nicht die historischen Sehenswürdigkeiten am Rand (es fehlt zum Beispiel ein Hinweis auf die  „Hirzbacher Kapelle, ältester Sakralbau im Hanauer Land“). Anstatt auf vorhandene historische Sehenswürdigkeiten einzugehen, wurden moderne Installationen aufge­stellt

Die Wegweisung durch entsprechende Schilder ist an manchen Stellen noch mangelhaft.  Im Bereich von Maintal kann man nicht viel falsch machen, aber östlich davon gibt es manche Unsicherheiten über den Streckenverlauf (zum Beispiel an der „Himmelsschaukel“). Man merkt bei der Anbringung der Wegweiser, daß sie von West nach Osten entworfen wurden. Rückwärts hat man nämlich erheblich mehr Schwierigkeiten, die richtige Route zu finden, wenn man die Strecke nicht schon vorher in der anderen Richtung gefahren ist.

Auch wäre es hilfreich, wenn Querwege zu den Ortschaften besser gekennzeichnet wären.

Statt der vielen Informationstafeln zu dem Projekt wären etwas mehr Wegweiser hilfreicher gewesen.

 

Name:

Der Name kommt daher, daß die Straße den Höhenzug von Frankfurt in Richtung Vogelsberg nutzt und damit die häufig überschwemmten Niederungen umging. In der Erdneuzeit (Beginn vor 67 Millionen Jahren) bildete sich im Wesentlichen das Gesicht der heutigen Landschaft. Der Oberrheingraben senkte sich ab und mit ihm die Hanau-Seligenstädter-Senke. Es bildete sich ein Meeresarm, der das Nord- und Südmeer miteinander verband. Danach wurde der Meeresarm aber wieder abgeschnitten, und es lagerten sich gewaltige Kalkbänke ab. Sie haben eine dunkelgraue bis bläulichgrüne Farbe und ziehen sich von Frankfurt über die Hohe Straße bis Windecken und waren früher ganz gut geeignet für Weinbau.

 

Handels- und Heerstraße

Die Region an der Hohen Straße war aufgrund ihrer Fruchtbarkeit schon seit der Jungsteinzeit (etwa 5500 vCh) beliebter Siedlungsplatz. Zahlreiche Funde belegen dies. Später ließen sich Kelten und Germanen hier nieder. Ende des ersten Jahrtunderts nCh bezogen die Römer die Wetterau in ihren Machtbereich ein, den sie mit Hilfe des Limes überwachten. Ab etwa       250 nCh siedelten hier Alamannen, die nach 500 allmählich von den Franken verdrängt wur     den. Seit dem Hochmittelalter konnten dann die   Herren und späteren Grafen von Hanau-Münzen­berg ihre Herrschaft in den Orten an der Hohen Straße ausbilden.

Südhessen mit seinen fruchtbaren Tälern (Wetterau) und den durchgängigen Berglandschaften (Taunus, Westerwald und Vogelsberg) war immer Durchgangsland für Händler, Völker und Heere in West-Ost- und in Süd-Nord-Richtung. Dieser beschrittene Höhenweg war seit jeher eine bedeutende Handelsstraße. Über ihn sind Bernstein- und nordische Bronzearbeiten in das Fuldaer Land gekommen. Und wie diese Straße seit dem frühen Mittelalter den kürzesten Verbindungsweg zwischen den geistlichen und politischen Zentren Mainz, Fulda, Erfurt bildete, so war sie in gleicher Weise seit Beginn der Neuzeit die Haupthandelsverbindung zwischen den großen Messestädten Frankfurt und Leipzig.

Die historische Forschung hat viele alte Fernverbindungen nachgewiesen. Die Hohe Straße wurde seit der jüngeren Steinzeit als Handelsroute genutzt. Sie führte von Frankfurt-Höchst über Bockenheim und Bergen (Kreuzung mit den römischen Straßen Vilbel - Mainkur und Heddernheim - Kesselstadt)  an der Südgrenze der Großen Lohe entlang und dann südlich Kilianstädten zum Wartbaum südlich von Nidderau-Windecken und dann weiter nach Ham­mersbach-Marköbel. An den südöstlichen Vorhöhen des Vogelsberges entlang verlief sie auf der Wasserscheide zwischen Kinzig und Nidder (Marköbel, Reich­los) über die Fulda bei Kämmerzell nach Vacha, dann via Eisenach, Erfurt nach Leipzig. Der Höhenweg zeigte sich gerade dann als vorteilhaft für die Kaufleute mit ihren Fahrwerken, wenn sich die an sich bequemeren Wege im Tal entlang der Flüsse aufgrund von Überschwemmungen als unpassierbar erwiesen.

Das Gebiet entlang der Hohen Straße war nicht nur Durchgangsgebiet für Händler und Pilger, sondern auch für Soldaten. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ist wohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung zwischen Bergen und Marköbel dem Grauen jener Jahre zum Opfer gefallen. Während des Siebenjährigen Krieges kames 1759 bei Bergen zur Schlacht. Auch der Rückzug der Armee Napoleons 1813 wirkte sich verheerend aus. Doch immer wieder haben sich die Menschen in den Dörfern und kleinen Städten aufgerafft und Zerstörtes wieder aufgebaut.

           

Altes Bauernland

Die Region an der Hohen Straße ist altes fruchtbares Bauemland. Mitte des 16. Jahrhunderts beschrieb Essmus Alberus, Reformator, Dichter    und Beobachter seiner Zeit, seine Heimat mit den Worten: „Es ist aber die Wetterau von GOTT reichlich gesegnet, denn da wächst gut Weizen, schöne Roggen, Gersten, Habern, Erbeyßen, Flachs und guter Wein und dess' mehr dann sie bedürfen, können auch die Nachbarn, so in ihrem Lande nicht Getreids genug haben, mit Getreid reichlich versehen.“

Für viele Generationen bedeuteten Ackerbau und Viehzucht die Existenzgrundlage für die Menschen. Dementsprechend haben die Bedingungen der Landwirtschaft über Jahrhundertehinweg den Lebensrhythmus bestimmt. Hof und Familie bildeten die bäuerliche Produktions-einheit und boten Sicherheit für Not, Krankheit und Alter.

Starkes Bevölkerungswachstum und die dadurch hervorgerufene starke Parzellierung hatte im

19. Jahrhundert für viele Familien ein auskömmliches Leben unmöglich gemacht. Viele gingen in die neuen Fabriken. Die Zahl der Landwirte          schrumpfte immer mehr. Heute gibt es nur noch wenige Bauern. Einige von ihnen vermarkten ihre Erzeugnisse selbst.

 

Weinbau an der Hohen Straße

In Ernst J. Zimmermanns voluminösen Werk zur Geschichte von Stadt und Grafschaft Hanau heißt es eindeutig: „Das Getränk des MilMalters war hierzulande der Wein und derWeintrunk gehörte zum Kaufabschluß, Dingen von Gesellen und Gesinde, wie auch zu den Ratsverhandlungen!“  Wein wurde hier nicht nur getrunken, er wuchs auch im Hanauischen, wurde hier gelesen und gekeltert und zwar vornehmlich in Orten entlang der Hohen Straße. Erasmus Alberus vermerkte 1552 kurz und prägnant:  „Viel guts Weins wächst im hanauischen Lande!“

Vermutlich wurde der Weinbau an der Hohen Straße schon von den Römern betrieben. Später sind in den Ersterwähnungsurkunden von Kilianstädten und Marköbel 839, Windecken, Ost­heim und Butterstadt um 850 sowie Bergen 1057 Weinberge genannt.

Ober Jahrhunderte war Wein das tägliche Getränk aller Bevölkerungsschichten. Bier und Apfelwein spielten kaum eine Rolle. Trotz eines Rückgangs -bedingt durch Dreißigjährigen Krieg (1618-1648)  und „Kleine Eiszeit“ -  erholte sich der Weinanbau. In Bergen-Enkheim standen 1754 auf 565 Morgen Weinstöcke, in Hochstadt auf 512, in Bischofsheim auf 276, Kilianstädten auf 201, in Windecken auf 166 und in Marköbel auf 47 Morgen.

Im 19. Jahrhundert führten Rebkrankheiten und die Reblaus zur Umwidmung vieler Wingerte. Obstbäume traten an die Stelle der Weinstucke. Apfelwein löste den Wein als Volksgetränk ab. In einer Bekanntmachung des Reichsministers für Landwirtschaft wird 1924 nur Gelnhausen als Weinort im Regierungsbezirk Kassel geführt, 1922 zählten noch Bergen, Enkheim und Bischofsheim dazu. Heute gibt es wieder Versuche, den Weinbau im Hanauischen neu zu beleben. Am weitesten ist man damit in Hochstadt.

 

Berger Warte:

Die Regionalparkroute hätte besser an der Berger Warte begonnen. Aber da die Stadt Frankfurt sich nicht an der Regionalparkroute beteiligt, beginnt sie offiziell mit einem „Entree“ östlich von Bergen und eigentlich erst auf der Maintaler Gemarkung und. Diese Strecke sollte man vorzugsweise mit dem Fahrrad fahren, da sie kein Rundweg ist.

Die Berger Warte steht auf Seckbacher Gemarkung und ist zwölf Meter hoch. Der Turm sollte den Handelsverkehr von und nach Frankfurt überwachen. Erstmals erwähnt wurde die Warte 1340 als „Geierswarte“. Den ursprünglichen, weitgehend aus Fachwerk, errichteten Turm brannten protestantische Truppen im Schmalkaldischen Krieg 1552 nieder, um damit das äußere Sicherungssystem der reichsstädtischen Landwehr zu durchbrechen. Doch dazu hat die Berger Warte nie gehört, obwohl sie formal deren spätgotischen Türmen entspricht und heute mit 212 Metern topographisch höchsten Punkt Frankfurts ist.

Vielmehr war die Warte immer dem Hanauer Grafen zugeordnet. Sie wurde als „Geleitwechselstation“ auf der Hohen Straße genutzt, die von Frankfurt über Leipzig bis nach Rußland führte. In seiner heutigen Form wurde er auch unter dem Hanauer Grafen Philipp III. im Jahre 1557 errichtet. wie die Inschrift über dem Türsturz verrät. Die Treppe kam erst im 19. Jahrhundert hinzu. Vorher musste man eine Leiter benutzten. um in den einzigen Raum zu gelangen. In der Nähe der Warte befand sich bis 1844 ein Galgen mit zwei Steinsäulen.

Hier verabschiedeten sich die Frankfurter Soldaten, die weiterziehende Kaufleute „geleitet“ hatten und übergaben die wackeren Handelsleute in die Obhut ihrer Hanauer Kollegen. Mit Glück stößt man auch auf einen der Grenzsteine nahe der Vilbeler Landstraße, die die Grenze zwischen Königreich Preußen und Großherzogtum Hessen markieren.

Graf Philipp III. von Hanau ließ die Warte 1557 aus Stein erneuern, als Rundturm mit hochliegendem Eingang (eine mobile Leiter wurde nach dem Einstieg des Wächters hochgezogen) und Wächterstube im gemauerten Kegeldach, die allseitigen Ausblick gewährte.

Im Schutz eines kreisförmigen Wallgrabens stand die Warte völlig isoliert ‑ die heute sie umgebende Baumgruppe entstammt erst in den beiden letzten Jahrhunderten.

Während des Siebenjährigen Kriegs leitete Marschall de Broglie 1759 in der Schlacht von Bergen von hier aus die Operationen seiner französischen Kontingente und verhinderte somit den Vormarsch friderizianischer Allianztruppen auf Frankfurt.

Der spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen‑Kassel zeigte sich 1844 von dem Panorama so beeindruckt, das eine Aussicht auf ehemals 200 Ortschaften bot, daß er eine Außentreppe zur Erleichterung des Warteinstiegs anlegen ließ. Dazu wurden teilweise Steine des daneben seit 1484 bestehenden Hanauer Galgens verwandt, den der hessische Kurfürst aus ästhetischen Gründen 1844 abreißen ließ.

 

Abstecher zur Ehrensäule: Man geht rechts am Umspannwerk vorbei und findet am Ende des kleinen Gehölzes die drei Meter hohe „gestümpfte Säule, die der Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel errichten ließ. Die Säule erinnert an den Besuch Kaiser Leopolds II. im Oktober 1790 (oder 1793) an der Berger‑Warte. Wegen der revolutionären Unruhen in Frankreich hatte auf Wunsch des Erzbischofs von Mainz Landgraf Wilhelm IX. von Hessen‑Kassel auf der damals zu seinem Herrschaftsgebiet gehörenden Berger Höhe ein Feldlager zum Schutz von Wahl und Krönung Leopolds II. im Jahre 1790 aufgeschlagen.

Am 23. September 1790 traf der Landgraf mit zehn Bataillonen und 14 Schwadronen ‑ das waren 6.000 Mann ‑ ein. Während drei Wochen fanden dort täglich Truppenübungen statt. Der Landgraf gab Empfänge. Viele Besucher kamen. Als nach der Wahl Leopolds II. am 30. September dreihundert Böllerschüsse von Frankfurts Mauern abgefeuert wurden, ertönten auch auf der Berger Höhe Ehrensalven und ließ der Landgraf eine Parade veranstalten und ein Freudenfeuer entzünden.

Am 11. Oktober zwei Tage nach der Krönung gaben der Landgraf und seine von Schloß Philippsruhe heraufgekommene Gemahlin dem neuen Herrscher und seiner Familie zu Ehren ein Festessen im Lager. Zur Erinnerung an diesen Tag, an dem sich 126 Personen in Zelten versammelt hatten, ließ der Landgraf diese Leopoldsäule  aufstellen. Ihre lateinische Inschrift  gibt uns über das Festmahl und die Gäste Auskunft. Wahl und Krönung waren friedlich verlaufen. Am 17. Oktober hatte sich der Landgraf wieder nach Kassel zurückgezogen.

 

Am Parkplatz an der Bundesstraße steht eine Informationstafel über die Streuobstwiesen und dort liegt der jüdische Friedhof. Er wurde in den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts eingerichtet, als der Friedhof in der Ortslage voll war. Vom  Parkplatz geht man nach Osten und dann nach Süden auf der Straße „Landgraben“. Die Bundesstraße wird überquert. An  der nächsten Kreuzung geht es nach Osten in den Nordring, der schon auf die „Hohe Straße“  führt.

 

Bergen-Enkheim

Bergens urkundliche Ersterwähnung stammt aus dem Jahr 1057. Bergen und Enkheim wurden schon im 13. Jahrhundert als gemeinsame Dorfschaft erwähnt. Bergen-Enkheim ist der einzige Ort auf unserem Teil der Hohen Straße der nicht - oder nicht mehr - zum Main-Kinzig-Kreis gehört, da er seit 1977 ein Stadtteil von Frankfurt ist. Bergen-Enkheim hat heute gut 17.000 Einwohner und zählt zu den bevorzugten Frankfurter Wohngebieten. In Bergen lohnen das schöne Fachwerk-Rathaus, die restaurierte Nikolauskapelle und die in schlichter Barockbauweise errichtete evangelische Pfarrkirche von 1684 einen Abstecher (Weiteres zu Bergen in: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis).

 

Eingangstor („Entree“):

Im Neubaugebiet im Nordosten Begrens gibt es eine Straße  „Hohe Straße“. Diese kreuzt die Landstraße und führt dan nach Osten in die Feldflur. Hier ist da  Eingangstor zut Regionalparkroute „Hohe Straße“.Hiewr stehen Obstbäume, Stelen mit Hinweis zum Verlauf der Straße, Sitzgelegenheiten und Liegen.

 

Schlacht bei Bergen:

Ein Wegweiser „Bad Vilbel“ ein ganzes Stück östlich des Eingangstors zeigt in Richtung auf eines der Schlachtfelder der „Schlacht bei Bergen“. Am „blutigen Karfreitag“ dem 13. April 1759, lieferten sich hier im Siebenjährigen Krieg ein 35.000 Mann starkes französisches Heer und 28.000 preußische Soldaten unter Herzog Ferdinand von Braunschweig, dem Schwager Friedrichs des Großen, eine blutige Schlacht. Mehr als 1.000 Mann kamen ums Leben, etwa 5.000 wurden verwundet, viele starben später an Wundstarrkrampf und Infektionen. Immer wieder werden bei Grabungen Knochen gefunden. Aber das war dann kein Ermordeter, sondern Reste eines Kriegers von damals, die als Verwundete reihenweise an Wundbrand gestorben sind. Die berühmte Schlacht fand ihren Weg in Kunst und Literatur. Goethe, der sie im  Alter von zehn Jahren drunten in Frankfurt miterlebte, erwähnt sie in Dichtung und Wahrheit, der britische Schriftsteller William Thackeray, der auf Seiten der Preußen mitgekämpft haben soll, hat sie in „Barry Lyndon“ verewigt.

 

Charlottenhof:

Rechts nördlich der Straße Frankfurt-Bergen nach Maintal-Bischofsheim sieht man den Aussiedlerhof „Charlottenhof“. Beim Bau des an das Wohnhaus anschließenden Stalles wurde bereits 1954 eine römische Mauer angeschnitten und Funde geborgen. An der östlichen Schmalseite der offenen Scheune wurde im April 1956 eine etwa einen Meter tiefe Baugrube von 9 mal 13 Meter für einen Putenstall ausgehoben. Dabei stieß man auf eine Mauer von etwa 70 Zentimeter Stärke. Diese aus plattig brechenden Kalksteinen gefügt, wie sie in diesem Gebiet unter dem Löß anstehen. Als Bindung wurde kein Mörtel, sondern gelber Ton verwendet.

Die Mauer verläuft in Richtung West-Südwest nach Ost-Nordost. Von der Südwand der Baugrube ist die Südkante der Mauer im Westen 7, 35 Meter entfernt, an der Ostwand 9,30 Meter.

Die Mauer scheint römischen Ursprungs zu sein, da sich im Aushub einige Scherben fanden, darunter das Randstück eines römischen Kochtopfs und einige vermutlich römische atypische Scherben. Außerdem fanden sich zwei vorgeschichtliche Gefäßbruchstücke.

 

Die Sichtachse „Große Loh“:

Der erste große Wald, der erreicht wird, ist die „Große Lohe“, die von den Bischofs­heimern „Buchwald“ genannt wird. Der Name kommt vom lateinischen „lucus“ und bezeichnet einen gemeinschaftlichen Wald, in dem mehrere Berechtigte eine private Holznutzung haben. Die Bischofsheiemr sagen aber auch „Rabenwald“ dazu. Unmittelbar am Waldrand haben Modellsegelflieger ihr Übungsgelände.

Für die Regionalparkroute wurden hier „Sichtachsen“ angebracht (und dabei leider die Fudamente eines Aussichtsturms zerstört). Geschützt am Waldrand lenken zwei doppelte Stelen-Reihen den Blick zum Taunus und in Richtung des Mains. Sie markieren die Hohe Straße und verweisen auf ihre Verknüpfung mit den Regionalparkrouten entlang des Taunus und des Mainuferweges.

Die vorgesehene Querverbindung vom West-Ende der Großen Lohe in Richtung Bischofsheim ist nur eine Möglichkeit. Man kann auch vom östlichen Ende der Großen Lohe nach Süden fahren (Markante Punkte: Landwehr, Gemeindeweide,  Mühle, Kochbergkreuzung)

in die „Grüne Mitte“ von Maintal und zum Main.

 

Bischofsheim

Bischofsheim wurde erstmals 880 urkundlich erwähnt. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten die Bewohner des Ortes von Landwirtschaft, Kleingewerbe, aber dann auch von den Beschäftigungsmöglichkeiten der chemischen Industrie in Frankfurt. Nach 1945 begann eine stürmische Bautätigkeit. Die Zahl der Einwohner stieg auf annahernd 15.000 an. Seit 1974 bildet Bischofsheim mit Dornigheim. Hochstadt und Wachenbuchen die Stadt Maintal.

Grabhügel unterhalb der Hohen Straße Zwischen Bischofsheim und Bergen unterhalb der Hohen Straße befindet sich im Wald südlich des Enkheimer Rieds eine große Grabhügelgruppe mit fast 70 Hügelgräbern. Sie stammen aus der Hallstattzeit 1800-600 vCh. Große Gräberfelder aus vorgeschichtlichen Epochen finden sich vielfach in den Waldern der Region. bekannte Beispiele sind die Hügelgraber im Frankfurter Stadtvvald oder im Töngeswald bei Maintal-Hochstadt. Sicher hat es solche auch in den heute landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Wetterau gegeben, doch sind sie dort aufgrund jahrtausendelanger Beackerung nicht erhalten.

Bischofsheim ist übrigens der letzte bei Hanau beziehungsweise dem Main-Kinzig-Kreis verbliebene Ort des ehemaligen Amtes Bomheimerberg, der im Spätmittelalter nach langen Auseinandersetzungen mit der Reichsstadt Frankfurt hanauisch wurden. Fast alle anderen Gemeinden des Amtes, darunter Bockenheim, Seckbach, Ginnheim, Fechenheim und zuletzt Bergen-Enkheim, wurden zwischen 1886 und 1977 nach Frankfurt eingemeindet (Weiteres zu Bischofsheim in: „www.peterheckert.org“ unter „Maintal“).

 

Warte:

Auf der Höhe an der Südwestecke der Großen Lohe schneidet die Landwehr die Hohe Straße. Dort verzeichnet ein Riß vom Jahre 1599 zwei überbrückte Gräben und eine Warte in viereckigem Hofe. An diesen Schlag erinnern die Flurnamen „Am neuen Schlag“ und „Am Eisernen Schlag“.

Nach anderer Angabe stand  an der „ferrst Lohe“ (vorderste Lohe), wo die Kreisstraße in den Wald eintritt, eine Warte, die 1554 als „alte Warte“ bezeichnet wird (hier könnte heute wieder ein Aussichtspunkt geschaffen werden).

 

Dreimärker:

Am östlichen Rand der Großen Lohe stand ein Grenzstein von 1615 ein Dreimärker, an dem die Gemarkungen von Hochstadt, Bischofsheim und Niederdorfelden zusammenstießen (diesen Stein könnte man wieder rekonstruieren entsprechend dem Stein am Zusammentreffen der Gemarkungen von Wachenbuchen, Hochstadt und Dörnigheim).

 Wüstung Hildrichshausen:

Auf einer Karte der Grafschaft Hanau-Münzenberg aus dem Jahre 1736 ist im Gebiet südlich der Großen Lohe eine Wüstung „Hondorf“ und „Hildrichshusen“ eingezeichnet. Es fällt auf, daß in der ansonsten eng besiedelten südlichen Wetterau auf der weiten Strecke zwischen Niederdorfelden und Hochstadt bzw. Wachenbuchen kein Dorf zu finden ist. Das könnte darauf zurückgeführt werden, daß hier ein Dorf untergegangen ist. Auch die Flurbezeichnung „Am Kellergewölbe“ könnte ein Hinweis darauf sein.

 

Bodenfunde:

An der Hohen Straße gab es keine großen Niederlassungen, aber sie ist durch begleitende Steingräber seit alter Zeit bezeugt. Im Frühjahr 1968 wurden bei einer Feldbegehung etwa elf Meter nördlich der Hohen Straße und rund 700 Meter westlich der Landstraße zwischen Maintal-Wachenbuchen und Niederdorfelden bandkeramische Keramik- und Steinartefakte aufgelesen. Ganz in der Nähe der Fundstelle wurden nach Georg Wolff im Jahre 1904 neolithische Gruben mit Scherben, von welchen einige Ornamente des Großgartacher Stils zeigten, sowie Hüttenlehm und zwei Feuersteinmesser aufgedeckt. Und 300 Meter östlich von der Stelle sah Dir.-Assistent Welcker im Herbst 1912 gleichfalls neolithische Gruben. Die damals geborgenen Funde gingen durch Kriegseinwirkung verloren. Zwischen 1916 und 1918 wurden an diesem Siedlungsplatz zahlreiche „bandkeramische Wohngruben“ entdeckt, die damals geläufige Bezeichnung für die entlang der Langhäuser angelegten Lehmentnahmegruben. Eine Besonderheit des Niederdorfelder Materials sind die „Notenkopfverzierungen“ auf oder am Ende von Ritzlinien.

 

Bonifatius:

Nach einer Überlieferung soll Winfried, genannt Bonifatius, der „Apostel der Deutschen“, bei seinen Reisen nach dem von ihm gegründeten Kloster Fulda die „Hohe Straße“ benutzt haben. Auf dieser Straße könnte auch 754 sein Leichnam von Mainz nach Fulda gebracht worden sein. Dabei strömt viel christliches Volk herbei, wie es in zeitgenössischen Berichten heißt, ein Hinweis darauf, daß es damals schon viele Christen in der Gegend gab.

Allerdings ist der Verlauf der „Bonifatiusroute“ umstritten. Auch der Wetteraukreis hat ein Patent darauf angemeldet. Für die Historiker steht außer Zweifel, daß der Leichenzug am Nachmittag des 11. Juli 754 in Heldenbergen eingetroffen sei. Vermutet wird, daß die Gruppe zuvor die Mittagsrast auf dem Schäferkoppel westlich von Karben verbracht habe. Ein Bonifatiuskreuz an der heutigen Kreisstraße 245 („Römerstraße“) erinnere an den seinerzeit zurückgelegten Weg zwischen den beiden Orten. Im Main‑Kinzig‑Kreis soll diese Route von Büdesheim kommend nach Heldenbergen zum Bonifatiuskreuz führen. Anschießend geht sie nach Windecken und durch Eichen und wieder in den Wetteraukreis, Richtung Kloster Engelthal.

Aber auch der Main‑Kinzig-Kreis erhebt Anspruch darauf, daß der Leichenzug des heiligen Bonifatius 754 den Kreis durchquerte. Er wird dabei unterstützt von Heinrich Quillmann aus Nidderau-Windecken. Quillmann weist darauf hin, daß nur über die Etappen des Leichenzugs bis zum heutigen Frankfurter Stadtteil Kalbach Aufzeichnungen vorliegen. Sie setzen erst wieder kurz vor Fulda ein.

Der Raum dazwischen bleibt ein weites Feld für Forscher und Lokalpatrioten. Nach Quillmanns Meinung führt der Weg durch Windecken und von dort über den Ohlenberg nach Altenstadt.

Die Routenplaner vertreten eine andere These: Die Leiche des Heiligen sei am Nachmittag des 11. Juli 754, einem Donnerstag, in Heldenbergen eingetroffen. In jenem Dorf hat man diese Überzeugung im Jahre 1909 in Stein geschlagen. Auf einem Acker an der K 246 („Römerstraße“) erinnert ein Steinkreuz im irischen Stil an die dort vermutete Rast der Leichenträger. Das am „Bonifatiusacker“ in Heldenbergen errichtete Hochkreuz bezeichne eine sogenannte „Bonifatiusruhe“.

Quillmanns Hauptargument ist die Erwähnung eins „Bonifaicienburnen“ in einer Windecker Urkunde von 1349. Dort wird das Grundstück „Bonifatiusbrunnen“ zusammen mit den heute noch bekannten Fluren „Im Niederfeld, Im Steinhausen, Am Holzweg“ genannt. Quillmann vermutet es in der Nähe des Holzweges. Außerdem gibt es einen „Bonifaziusacker“ in einer Windecker Flurkarte von 1862, die Flur „An der Ruhhecke“ (möglicher Hinweis auf eine Rast der Prozession), „Am Heiligenstock“ und „Am Kreuzweg“ ‑ alles in wenigen hundert Metern Umkreis. Der Brunnen fehlt, doch es finden sich im Umfeld des Holzwegs zahlreiche Quellen und Brunnen, einige namenlos, einige im Lauf der Zeit versiegt. Aber der Name der Quelle, die im Bereich des Bonifatius‑ Ackers gesprungen ist, und den darunter liegenden „Wasserfall“ (1588) gespeist hat, ist leider nicht überliefert.

 

Kleine Lohe:

Der nächste Wald an der Hohen Straße ist die „Kleine Lohe“. Vor dem Ersten Weltkrieg standen am südlichen Rand des Weges durch die Kleine Lohe römische Gedenksteine mit lateinischen Worten und Bezeichnungen von Legionen und Kohorten (hier könnte man einen Stein nach Vorbildern an anderer Stelle rekonstruieren). Für die Regionalparkroute hat man hier einige Liegebänke und Spiegel aufgestellt, weil der Planer „Spiegel“ hieß. Auf dem Weg in Richtung Bergen erscheint die Skyline von Frankfurt gerahmt durch die hohen Bäume der Kleinen Loh. Sitz- und Liegepodeste rechts und links des Weges laden zum ruhigen Verweilen mit Blick auf die Betriebsamkeit der Großstadt ein

Nicht eingezeichnet in den Regionalparkkarten ist auch der gut befestigte Weg vom östlichen Ende der Kleine Lohe nach Hochstadt. Von dort kann es weiter gehen nach Wilhelmsbad über die Hanauer Straße oder zur „Grünen Mitte“ und zum Main über die Bischofsheimer Straße (beide mit Radweg).

 

Hochstadt:

Hochstadt wurde urkundlich 846 erstmals erwähnt.  Bis ins 20. Jahrhundert bildeten die Landwirtschaft und der Weinbau die Haupterwerbszweige. Heute ist die frühere Firma Rasmussen, der größte Betrieb am Ort. Sie ist heute  Teil der„Norma-Group“ und ein Zulieferer der Automobilindustrie.  Hochstadt ist seit 1974 ein Stadtteil von Maintal und hat etwa 5.700 Einwohner.

Fachwerkhäuser, Ringmauer und Wehrkirche: Gäbe es keine Autos und würden einige wenige Requisiten der Gegenwart fehlen, so könnte man sich bei einem Rundgang durch das alte Hochstadt leicht um Jahrhunderte zurückversetzt fühlen. Im Ortskern kommt man ständig an Fachwerkbauten aus der frühen Neuzeit vorbei. Prägend für das Bild der Hauptstraße sind das leicht vorstehende Rathaus, das Obertor und der Glockenturm der Kirche.

Auch der Weg um den alten Ortskern lohnt sich, denn die auf Befehl des Hanauer Grafen um 1250 angelegte Ringmauer ist heute noch größtenteils vorhanden. Die an der höchsten Stelle der Hauptstraße gelegene Wehrkirche ist ein beeindruckendes spätgotisches Bauwerk. Das Innere ist mit wertvollen Decken- und Wandmalereien ausgestattet. Die Kirche ist von einer stellenweise noch gut erhaltenen mittelalterlichen Umfassungsmauer umgeben. Der Glockenturm diente einst als Torturm dieses Wehrkirchhofs. Rechts von der Kirchentür ist ein Gedenkstein für die 1642 in Hochstadt geborenen siamesischen Zwillinge angebracht (Weiteres zu Hochstadt in: „www.peterheckert.org“ unter „Maintal“).

 

Niederdorfelden:

Bereits 768 wurde ein „Turinvelde in pago Wetteieiba“ (im Gau Wetterau) im berühmten Lorscher Codex schriftlich genannt. Ober- und Niederdorfelden nehmen gemeinsam dieses

Datum für ihre urkundliche Ersterwähnung in Anspruch. Niederdorfelden war ab dem späten 12. Jahrhundert Bestandteil der Grafschaft Hanau-Münzenberg und machte dann alle folgenden Herrschaftswechsel mit. Das noch heute selbstständige Niederdorfelden zählt gut 3.600 Einwohner.

Wasserburg am Ortsrand: Die Herren von Dorfelden wurden erstmals 1166 erwähnt. Da sie auch die Burg Hanau besaßen, nannten sie sich erstmals 1191 von Dorfelden-    Hagenowe und später nur noch von Hanau. Sie sollten dann über 500 Jahre unsere Region beherrschen.

Bei der Stammburg der Herren von Dorfelden-Hagenowe handelt es sich um eine von einem

Wassergraben umgebene Wehranlage. Die urkundliche Ersterwähnung der Wasserburg datiert

von 1234, jedoch dürfte sie in ihren Ursprüngen deutlich älter sein. Seit dem Ende des l3.Jahr-

hunderts verlor die Burg rasch an Bedeutung. Sie hatte seitdem verschiedene Besitzer und wurde            öfter zum Tausch- und Verhandlungsobjekt. Die Burg war letztmals im 17. Jahrhundert be-wohnt und erscheint seither nur noch als Zubehör des angrenzenden Junkerhofs, der wohl ursprünglich als Wirtschaftshof der Burg diente.

Heute stehen von der Burg lediglich Stümpfe der Türme und Reste der Außenmauem, teilweise mit Buckelquadem. Außerdem ist der Rauchabzugs-Schacht eines Kamins erkennbar (Weiteres zu Niederdorfelden in: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis).

 

Oberdorfelden:

Der Ort ist ist neben Butterstadt der kleinste Ort entlang unseres Abschnitts der Hohen Straße, aber es ist auch der älteste - zumindest was die urkundliche Erwähnung angeht. Denn mit dem bereits 768 genannten „Turinvelde“ kann sowohl Niederdorfelden als auch der Schönecker Ortsteil Oberdorfelden gemeint gewesen sein.

Backhaus und Kirche: Zu den wenigen öffentlichen Gebäuden eines Dorfes gehörte früher das gemeindeeigene Back­haus oder auch „Backes“ genannt. Der Gemeindebackofen wurde jährlich an einen Pächter vergeben, der wie ein heutiger Bäcker Bort backte und dafür von den Käufern bezahlt wurde (er mußte ja Einnahmen haben). Die Einwohner haben höchstens ihre großen Blechkuchen zum Bäcker gebracht, damit er sie mit im großen Backofen bäckt.

Heute findet man entlang der Hohen Straße noch in zwei Orten alte Backhäuser. Beide stehen im Ortskern, eines in Roßdorf neben dem Rathaus und das andere in Oberdorfelden neben der

evangelischen Kirche. Das Gotteshaus wurde zwischen 1763 und 1766 erbaut. Den Haupt-

eingang krönt ein hessen-hanauisches Wappen (Weiteres zu Oberdorfelden im Internet unter „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis).

 

Kilianstädten:

Der Ort wurde in einer Schenkung Ludwigs des Frommen im Jahre 839 erstmalig urkundlich erwähnt. Der Ort zählte seit dem Hochmittelalter zum Gebiet der Herren von Hanau. Wie alle Orte entlang der Hohen Straße erlitt Kilianstädten während des Dreißigjährigen Krieges große Zerstörungen, weswegen man das ehemalige Oberdorf um den jetzigen Friedhof nicht wieder aufbaute. Am 1. Januar 1971 schloss sich Kilianstädten mit Büdesheim und Oberdorfelden zur Gemeinde Schöneck zusammen. Der Name der neuen Kommune entstand aufgrund einer Bürgerbefragung.

Mehl für Hunderttausende: Die Kilianstädtermühle hat eine lange Tradition, die bis weit ins Mittelalter zurückreicht. Sie wurde bereits 1351 erstmals urkundlich belegt. Lange mussten die Bauern aus den Dörfern der Umgebung hier ihr Korn malen lassen.

Seit dem späten 19. Jahrhurder wurde die Mühle, die zeitweise auch als Ölmühle und Tabakmühle diente, mehrfach ausgebaut und damit ständig ihre Kapazitat erhöht. Betrug die Tagesleistung um 1875 noch rund 1,5 Tonnen Mehl, stieg sie über 54 Tonnen 1933 auf mittlerweile über 320 Tonnen, was den Bedarf für etwa 850.000 Menschen deckt. Erbracht wird dies von 40 Mitarbeitern und modernen Produktionsanlagen, die eine gleichbleibende Qualität garantieren. Jedoch treibt heute Strom und nicht mehr Wasserkraft die Mahlwerke an. Auch optisch ist die lange Tradition der Heinrich Thylmann GmbH & Co. KG sofort wahrnehmbar: Neben den modernen Anlagen steht noch immer ein reizvolles Fachwerkgebäude.

Unweit zur Thytmann-Mühle, in unmittelbarer Nähe der modernen Kläranlage, liegt am Rand des Niddertales eine umenfelderzeitliche Siedlung (Weiteres zu Kilianstädten im Internet unter: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis).

 

Wachenbuchen:

Wachenbuchen wurde erstmals 798 als „marca bucha“ erwähnt Ab dem 11. Jahrhundert war das Dorf mehrheitlich in Besitz der Herren von Buchen, später der Herren und Grafen von Hanau. Heute gehören die beiden Buchenorte zu verschiedenen Kommunen: Wachenbuchen zu Maintal und Mittelbuchen zu Hanau. Wachenbuchen zählt rund 3.300 Bewohner.

Die Verhältnisse zwischen den Herren von Buchen und den Herren vonDorfelden sind kompliziert. Es ist eine Verkürzung, wenn gesagt wird: „Die Herren von Dorfelden besaßen auch die Burg Hanau.“ Konrad I. ist seit 1166 Herr von Dorfelden. Das Geschlecht der Herren von Buchen, deren Besitz bis Hanau reicht, stirbt 1168 mit Gerlach von Buchen aus. Er war der letzte von vier Brüdern, sein einziger Neffe wird Domherr von Mainz, das ganze Geschlecht war damit erloschen.

Das nutzen die  Herren von Dorfelden, die  aber wohl keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Herren von Buchen haben, und eignen sich die nicht mehr bewohnte Burg in Wachenbuchen an und werden damit auch Besitzer von Hanau.

Erst Heinrich I., der Sohn Konrads I., nennt sich 1191 erstmals „von Hagenowe“. Er wohnt  vielleicht schon in Hanau wohnt (vielleicht ab 1170), während sein Neffe Reinhard II.  noch in Dorfelden bleibt. Doch Heinrichs Sohn wird Domherr in Mainz. So übernimmt die Dor­felder Linie die Herrschaft und  der Dorfelder Reinhard III. nennt sich ab 1216 „von Dor­felden und Hagenowe“.

Die eigentlichen Hanauer Grafen beginnen mit Reinhard I. von Hanau (ohne den Zusatz „Dorfelden“, die Zählung wird neu aufgenommen), der von 1243 bis 1281 regiert.  Man kann also nicht sagen, Niederdorfelden sei zur Grafschaft Hanau gekommen, sondern die Herren von Dorfelden waren die Vorläufer der Grafen von Hanau.

Burghügel: Die Reste der ehemaligen Burg Buchen ähneln eher einer Feldholzinsel als einer traditionellen Burg. Vermutlich lag hier die Stammburg derer von Buchen. Dieses Geschlecht wurde namensgebend für eine ganze Region, das Büchertal. Eine Tafel direkt an der mitten in einer Wiese liegenden „Feldholzinsel“ gibt einige Hinweise zu der Anlage, die vermutlich aus einem befestigten Wirtschaftshof und einem getrennt davon stehenden Wohnturm bestand. Tritt man näher, erkennt man zwei Erhebungen und einen Graben, der sich bei Regen mit Wasser füllt und einstmals die ganze Anlage umgab. Einzelne Steine, die aus dem Erdreich hervorschauen, könnten als Hinweis auf ein Steinfundament gesehen werden.

Im Ortskern Wachenbuchens finden sich das historische Rathaus und viele gut erhaltene Fachwerkgebäude mit sehenswerten Details (Weiteres zu Wachenbuchen im Internet unter:  „www.peterheckert.org“ unter „Maintal“).

 

Mittelbuchen:

Mittelbuchen beruft sich bezüglich seiner Ersterwähung auf die gleiche Urkunde von 798 wie Wachenbuchen. Auch danach gehörten die beiden Buchenorte stets zur gleichen Landesherrschaft. Im Zweiten Weltkrieg hinterließ ein Bombenangriff auf Mittelbuchen Tod und Zerstörung. Mittelbuchen wurde 1972 ein Stadtteil von Hanau und zählt heute gut 3.000 Einwohner.

 

Dorfgeschichte im Kleinen: Das Obertor in der Alten Rathausstraße 31, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist, war einst Teil der Dorfwehr aus dem 15. Jahrhundert. Auf den Mauern des Tores befindet sich ein Häuschen, das früher als Wachstube diente. 1828 wurde das Torhaus zwischen dem Obertor und dem Sau-Turm hineingebaut.

In dem mit viel Eigeninitiative der Vereinsmitglieder und Unterstützung der Stadt Hanau ge-

schaffenen Museum gelingt es, wichtige Aspekte der Dorfgeschichte zu präsentieren. Im Erdgeschoß wird ein Überblick zur reichhaltigenVorgeschichte  der Gemarkung Mittelbuchen gegeben. In den oberenRäumen steht die bäuerliche Vergangenheit der Orte 

Wachenbuchen und Mittelbuchen im Mittelpunkt. Die Exponate sind zumeist Gegenstande und Textilien aus Haus, Hof und Werkstatt aus den 19.  Jahrhundert. Über einem Durchgang kann der Besucher sehr plastisch die Arbeitsschritte zur Verfüllung  der Gefache der uns heute so lieb gewordenen malerischen Fachwerkhäuser nachvollziehen, wovon gerade in Mittelbuchen noch viele in gutem Zustand vorhanden sind.

Sichtfensterchen und Dorfgerneinschaftshaus: Nach dem Verlassen des Museums sollte man unbedingt die Alte Rathausstraße herunter fahren und sich den alten Ortskern von Mittelbuchen ansehen. Besonders pittoresk sind die im Volksmund „Lunsfensterchen“ genannten Sichtfenster in der Guldenstraße. Sie ermöglichen einen guten Blick auf die Gasse und auf den Besucher, der vor dem Hoftor steht, und geben Entscheidungshilfe, ob man öffnet oder nicht.

In Fahrtrichtung Wachenbuchen entdeckt man einige Meter jenseits derAmpelkreuzung links ein Stein gewordenes Zeugnis der Zeitgeschichte: eines der ältesten Dorfgemeinschaftshäuser Hessens von 1953. Diese sollten die Lebensqualität auf dem Land durch damals in den Dörfern nicht oder kaum vorhandene moderne Einrichtungen verbessern.

Die ersten Dorfgemeinschaftshäuser entstanden unter Mithilfe der Bevölkerung. In Mittelbuchen zählten ein Gemeindebad, eine Gemeinschaftswaschanlage mit Mangel. eine Tiefgefrieranlage und ein Kindergarten zu den Neuerungen. Das Dorfgemeinschaftshaus erhielt den Nannen seines Förderers, des früheren hessischen Staatsministers für Arbeit und Hanauer Oberbürgermeisters Heinrich Fischer.

Die gemeinschaftlichen Einrichtungen haben sich heute teilweise überholt oder wurden mit steigendem Wohlstand individueller Standard. Das Gebäude dient heute als städtische Verwaltungsstelle und wird von den Vereinen genutzt  (Weiteres zu Mittelbuchen im Internet unter: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“). Jetzt führt die Beschreibung weiter and er Kleinen Lohe.

 

Hühnerberg:

Südlich liegen die Gebäude auf dem Hühnerberg. Dieser ist mit 197 Metern über dem Meeresspiegel (in  Höhe der Gebäude, am Übergang über die Hohe Straße sind es 205 Meter, östlich davon an dem Grenzstein ist es noch etwas höher) fast die höchste Erhebung Maintals. Die Bezeichnung „Hühnerberg“ könnte von den „Hühnengräbern“ herrühren, die man angeblich hier fand. Das Wort könnte aber auch von dem mittelhochdeutschen „huon“ = „hoch“"  kommen und also ganz einfach „hoher Berg“ heißen.

In der Zeit um1900  nimmt Wachenbuchen durch eine tüchtige Gemeindeverwaltung einen bedeutenden Aufschwung. Es wird ein beliebter und gern besuchter Ausflugsort für die Bewohner der nahen Dörfer und Städte. Im Jahr 1905 entsteht der Plan, auf dem Hühnerberg einen  Aussichtsturm  zu errichten. Er soll so aussehen wie der Bismarckturm in Wilhelmsbad. (Doch es ist nicht so, daß die Hanauer dafür gesorgt hätten, daß der Turm nicht auf dem Hühnerberg gebaut wird, sondern in Wilhelmsbad. Der Bismarckturm wird schon 1904 gebaut, das Grundstück ist schon vorher verkauft worden).

Bei der Zusammenlegung wird auf dem Hühnerberg ein Stück Land für die Gemeinde ausgewiesen, das dann verpachtet werden kann. Und 1910 wird das Grundstück für den Hühnerbergturm mit Bäumen aus dem Gemeindewald bepflanzt.

Vor dem Ersten Weltkrieg wird in allen Lokalen für den Bau eines Aussichtsturms auf dem Hühnerberg gesammelt, besonders von den Stammgästen der „Krone“ in Wachenbuchen. In Hanau bildet sich auch ein „Hühnerbergverein“ (oder auch „Verkehrsverein“), der das Geld verwaltet. Der Grundstein soll schon gelegt werden, da bricht der Krieg aus. Nach dem Krieg ist zwar Geld da, aber es wird durch die Inflation vernichtet. Außerdem sind einige Mitglieder des Verkehrsvereins inzwischen verstorben.

Auf der Höhe des Berges wird auf einer Fläche von etwa einem Hektar eine Funk- und Leitstelle für die Fliegerhorste Langendiebach und Rothenbergen errichtet. Die Luftwaffe bohrt einen 135 Meter tiefen Brunnen im südwestlichen Teil des Grundstücks, der heute in 60 Meter Tiefe gesprengt ist. Auch eine Lichtleitung wird schon gelegt; von dem Trafo am Lichtmast westlich des Grundstücks geht bis heute ein Erdkabel zu den Gebäuden.

Das Gebäude bestand aus der Funkstation mit einem Arbeitsraum im Erdgeschoß und den Sendeeinrichtungen im Keller sowie den Wohngebäuden westlich der Straße. Der Offizier wohnte in dem nördlichen Gebäude, die Mannschaften waren im südlichen Teil des Gebäudes untergebracht (dort kann man im Hausflur noch den Gewehrständer sehen). Bei Ausbruch des Krieges legt man dann noch eine Flakstation und eine Scheinwerfereinheit unterhalb des Berges an.

Im Krieg ist auf dem Hühnerberg ein militärisches Objekt, eine Funkstation. Den Kindern aber wird eingeschärft: „Wenn euch jemand fragt, was dort ist, dann sagt ihr: Eine Hühnerfarm!“ (Elli Wolf, Hanauer Landstraße 15).

Nach dem Krieg sind zunächst die Amerikaner auf dem Hühnerberg. Am 18. Oktober 1948 aber möchte das Landratsamt wissen, wie die Gebäude auf dem Hühnerberg verwendet werden sollen. Man will sie der Arbeiterwohlfahrt für ein neues Alters- und Erholungsheim zur Verfügung stellen. Sie gehen dann in das Eigentum der Bundesvermögensverwaltung über.

In den Jahren 1949 und 1950 ist Herr Tschepe der Pächter des Hühnerbergs. Er möchte das Haus an das Wasserleitungsnetz anschließen.

Ab Mai 1950 nutzt die United Press in Frankfurt die Gebäude. Sie möchte Wasser aus dem Hochbehälter entnehmen und erhält auch die Genehmigung für einen Grundpreis von 35 Mark im Monat. Aber der Plan wird nicht verwirklicht.

Am 1. Mai 1958 zieht Renate  Töpfer auf den „Hühnerberg“ und richtet dort eine Gaststätte mit Gastzimmer und Küche ein. Das Wasser wird mit Fahrzeugen aus Wachenbuchen geholt und in eine Zisterne gefüllt; von dort wird es in eine Wasserleitung gepumpt, so daß die Gäste gar nicht merken, daß hier keine echte Wasserleitung vorhanden ist. Das Abwasser aber darf nicht in die Feldmark geleitet werden, sondern es wird aus einer Grube abgefahren.

Der Gaststättenraum ist in dem ehemaligen Senderaum, die Abortanlagen sind in der ehemaligen Schaltanlage eingebaut. Am 23. Dezember 1958 wird die Gaststätte noch erweitert durch zwei Gasträume im Keller. Dort ist eine Bar mit Musikbox, ganz im Stil der damaligen Zeit. Mit der Gaststätte verbunden ist ein Kleintierpark mit Affen, Fasanen, usw. Die Station hat 1964 fünfzehn Bewohner und erhält die offizielle Bezeichnung „Hühnerberg (Hsgr.)“. Heute wohnen dort sieben Personen.

Im Jahre 1968 machen Frau Töpfer und Herr Petkow eine Bauvoranfrage, weil sie ein Hotel auf dem Hühnerberg bauen wollen. Aber auch aus diesem Plan wird nichts. Frau Töpfer kauft 1960 die Gaststätte „Waldschlößchen“ an der Hohen Tanne und baut sie zum Hotel aus.

Im November 1970 kauft Herr Hugo Bracker  das Grundstück auf dem Hühnerberg von der Bundesvermögensverwaltung. Gegen den Bauantrag zum Ausbau des Hühnerbergs bestehen keine Bedenken. Herr Bracker versieht das Sendegebäude mit einem Walmdach und läßt eine Leitung vom Wasserbehälter zum Hühnerberg verlegen. Die Abwasserleitung wird in den Jahren 1996/97 auf Kosten des Besitzers ins Dorf gelegt. Gegenüber der alten Funkstation baut die Post 1963 eine  Funkrelaisstation. Der Stahlantennenträger wird im Jahre 1972 von der Post errichtet.

Südlich davon, östlich der Wohngebäude, befindet sich eine frühgeschichtliche  Fundstelle. Der Weg geht heute geschwungen den Abhang hinab. Aber das liegt nicht daran, daß er einem frühgeschichtlichen Gutshof ausweichen wollte, sondern der Weg wurde erst bei der Zusammenlegung angelegt, und zwar deshalb geschwungen, weil so das Gefälle leichter zu überwinden ist. Eine weitere Fundstelle befindet sich südöstlich des großen Steins an der Hohen Straße.

 

Grenzstein von 1822:

Dieser Stein steht am Schnittpunkt der Gemeinden Wachenbuchen, Niederdorfelden, Oberdorfelden. Dieser  Stein ist schon von 1822 und trägt den Buchstaben „W" oder „Wk". Das angedeutete „K" kann aber nicht Kilianstädten meinen, denn hier treffen sich erst die Gemarkungen von Niederdorfelden und Oberdorfelden. Dies dürfte aber die höchste Stelle in der Gemarkung sein. Der eigentliche Grenzstein steht südlich der Hohen Straße. Die Buchstaben ND und OD sind noch zu sehen, die andere Seite mit dem Buchstaben W ist abgeschlagen. Gleich daneben in östlicher Richtung liegt noch ein Stein, bei dem es sich um den 1855 erwähnten Dreieckspunkt dritter Ordnung aus rotem Sandstein handeln könnte. Den ältesten Stein, der an dieser Ecke stand, bewahrt aber Wilhelm Schäfer, Bachstraße 18, auf: ein Grenzstein von 1615.

 

Oberdorfelder Wald:

Der Oberdorfelder Wald reichte im Jahr 1855 bis an die Stelle des großen Grenzsteins. Er ist 1830 laut Staatsarchiv Marburg an Oberdorfelden verkauft worden. Der Wald heißt auch „Kleine Lohe“, wie ein Schild des Forstamtes ausweist. Die Hochstädter aber sprechen vom „Steder Wald“ (Kilianstädter Wald) und in Wachenbuchen sagt man „Äppel-Lohe“, weil sich südlich davon viele Apfelstücke befanden. Heute ist dort der Übungsplatz der Maintaler Modellflieger. In diesem Bereich verläuft die Grenze wieder südlich der Hohen Straße bis über den Wald hinaus.

 

Die Lese-Ecken:

Hier steht auch eine von vier „Lese-Ecken“. Sie befinden sich an ruhigen Orten, an Orten mit dem „kleinen Blick“, dem Blick auf die Ortschaften längs des Weges. Sie sollten an das wichtige Handelsgut „Buch“ erinnern, das auf diesem Weg über Generationen zwischen den Messestädten von Frankfurt nach Leipzig und in umgekehrter Richtung transportiert wurde. Das ist ein schöner Gedanke, der aber wohl an der Wirklichkeit vorbeigeht. Als Frankfurt und Leipzig bedeutende Buchmessen hatten, ging die Frankfurt-Leipziger-Straße längst am Mai entlang und durch das Kinzigtal. Nur wenn dort Hochwasser war, ist man vielleicht noch einmal auf die Hohe Straße ausgewichen. Aber der Planer hat nun einmal diesen Gesichtspunkt in die Welt gesetzt, jetzt wird er nicht mehr auszurotten sein.

 

Der Läusbaum:

Östlich des Waldes steht auf dem Schäferküppel – schon auf Oberdorfelder Gemarkung – der „Läusbaum“. Im Jahre 1855 reichte der Wald noch bis hierher und darüber hinaus. Er soll seinen Namen von Landfahrern haben, die zum Volk der Roma und Sinti gehörten. Diese hätten sich immer dort gelagert und ihre Läuse hinterlassen. Doch eher kommt der Name von „Geleitsbaum“, weil hier die Grenze der Ämter war und das Geleit für die Fuhrwerke gewechselt wurde (der nächste Geleitsbaum in Richtung Westen stand auf dem Heiligenstock bei Bad Vilbel).

Weil der Lausbaum letzte Rast für die Kaufleute auf ihrer großen Reise von Leipzig nach Frankfurt gewesen sein könnte, soll der Rastplatz zum Entspannen im Schatten des großen Baumes einladen.

Unter dem Baum hat der Lions-Club Maintal einen Stein aufgestellt, der an die 1200-Jahr-Feier Wachenbuchens erinnert. Der Stein liegt allerdings falsch, weil er den Eindruck erweckt, die Hohe Straße sei nördlich des Kilianstädter Waldes verlaufen. Er sollte weiter südlich vom Baum aufgestellt werden, und zwar in der Richtung, in der die Hohe Straße verläuft.

Die Hohe Straße führte allerdings nach der Beschreibung von 1855 nicht am Läusbaum vorbei, sondern bog vorher nach Südosten ab, knickte dann wieder nach Nordosten, überquerte die Wachenbucher Gemarkungsgrenze und verlief dann östlich der Gemarkung im großen Bogen in Richtung Windecken und Marköbel.

Der jetzt ausgebaute Teil der Hohen Straße ist jedoch eine gute Streckenführung. Sie geht nicht  in Richtung Kilianstädten weiter, sondern biegt dann auf dem zweiten Weg nach rechts ab. Dieser Weg führt wieder auf die historische Hohe Straße und genau zur Kreuzung mit der (ausgebauten) Straße Wachenbuchen-Kilianstädten und von dort (gut ausgebaut) zum Wart­baum bei Windecken (Länge der Strecke von der Berger Warte bis zum Läusbaum etwa 9,8 Kilometer, bis zum Wartbaum etwa 13,8 Kilometer).

 

Regionale Fortsetzungen nach Süden:

Von der Kreuzung der Hohen Straße mit dem Weg von Wachenbuchen nach Kilian­städten führt eine gut ausgebaute Strecke nach Wachenbuchen. Der Übergang über die Mittelbucher Straße in Wachenbuchen ist durch eine Ampel gesichert. Durch die Burgstraße und Bleichstraße (nicht durch die Mittelbucher Straße) kommt man auf die Route nach Wilhelmsbad. Besondere markante Punkte gibt es erst in der Ebene: Burg von Buchen, Römergrab, Autobahn mit vorgeschichtlicher Fundstelle und Försterstein. In Wilhelmsbad ist der Weg südwestlich des ehemaligen Steinbruchs gut ausgebaut. Es gibt auch die Möglichkeit, nordöstlich des Steinbruchs und dann durch den Kurpark zu fahren.

 

Hinter dem Läusbaum wird das Gebiet der Stadt Maintal verlassen. Dennoch wird hier auf den weiterenVerlauf der Hohen Straße eingegangen. Mit dem Rad fährt man ja meist eine größere Strecke. Und wenn man dann irgendwo abfährt, um auf einem anderen Weg zurückzukehren, istr es hilfreich, etwas über die begleitenden Orte im Bereich der Hohen Straße zu erfahren. Aus Platzgründen wird aber jetzt mehrfach auf das Internet verwiesen.

 

Die Himmelsschaukel Galgenberg (Galgenschaukel):

Die herausragenden Aussichtspunkte werden durch die Himmelsschaukel markiert. Am Galgenberg schweift der Blick auf das Maintal, die Skyline, den Taunus, den Vogelberg, den Spessart und bei guter Fernsicht bis zum Odenwald. Ein Stück weiter nordöstlich ist die Vogelnestschaukel.

 

Windecken:

„Tezelenheim“ (Windecken) wird in einer Schenkungsurkunde von 850 gemeinsam mit Butterstadt und Ostheim erstmals urkundlich erwähnt. Nachdem die Herren von Hanau den Ort zu Lehen erhalten hatten, bauten sie ab 1262 auf einem Bergsporn an der Nidder eine Burg und erhielten 1288 von König Rudolf für Windecken die Stadtrechte. Damit verbanden waren das Marktrecht und der Bau einer Stadtbefestigung. Seit 1970 ist Windecken ein Stadtteil Nidderaus und zählt heute rund 6.700 Einwohner.

 

Stadtgepräge noch spürbar: Ein Rundgang durch die Altstadt sollte am Marktplatz beginnen. Am Rathaus aus dem frühen 16. Jahrhundert prangt an dem reizvollem Erker das Wappen der Grafen von Hanau. Das gegenüberliegende Fachwerkhaus („Bäckerei Philippi“) verdient vorrangiges Interesse. Das Haus stammt ass der Zeit um 1430 und zeigt beim genaueren Hinsehen alte Konstruktionsmerkmale der Verbindung von Balken („Verblattung“).

Enrtlang einer Reihe von Fachwerkgebäuden geht der Weg sodann durch die Friedrich-Ebert-Straße an einem eindrucksvollen Bürgerhaus (Nummer 22) von 1544 vorbei zum Amtshof („Lämmchen“) von 1586. Die einstige Beschaffenheit der 8 - 10 Meter hohen Windecker Stadtmauer mit überdachtem Wehrgang lässt sich bei einem kurzen Abstecher in die Ostheimer Straße nachvollziehen.

 

Ruine als Zeugnis des Großen Krieges: Mit dem dreißigjährigen Krieg (1618-1648) brach nicht nur weitgehend Windecken positive Entwicklung ab, sondern er beendete auch die Funktion des Schlosses über der Altstadt als Nebenresidenz und Witwensitz der Hanauer Grafen. Die Schlossanlage sollte in den Jahren nach 1620 großzügig ausgebaut werden, wurde aber während dieses Konfliktes mehrfach zerstört. Ihre Reste stehen heute als Sinnbild für die Verwüstungen im Großen Krieg, der gerade in unserer Region viele Opfer forderte.

Relativ gut erhalten sind der sogenannte „Hexenturm“im vorderen Teil der Anlage und das markante innere Schlosstor mit zwei Rundtürmen aus dem 16. Jahrhundert. Reizvoll ist auch der östliche Burgaufgang, der an kleinen Fachwerkhäusern und den in die Stützmauer eingelassenen Steinmasken vorbei zum Schloss führt. Auf den Fundamenten des Schlosses wurde um 1740 das spätere Amtsgerichtsgebäude errichtet (Weiteres zu Windecken im Internet unter: „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

 

Wartbaum:

Einer der markantesten Punkte der HohenStraße ist der Wartbaum, man man zahlreiche Installationen sehen kann. Geschichte und Vorkommnisse, die sich an der Hohen Straße abgespielt haben, werden aufgegriffen. Im Mittelpunkt stehen die um 1600 gepflanzte Linde und die Ereignisse der letzten Jahrhunderte. Der bedeutsame engere Bereich um den Wartbaum wurde erhalten. Darüber hinaus sollen die Lebensbedingungen für den Baum verbessert werden. Als erste Maßnahme wurde zum Schutz vor weiterer Erosion im Wurzelbereich die Böschung stabilisiert und angeschüttet.

Der hintere Bereich, auf dem gelegentlich das Festzelt errichtet wurde, ist als Rastplatz umgestaltet worden. Aufgrund der hohen Nutzungsanforderungen soll der derzeitige Rastplatz erweitert werden. Auf der angrenzenden Bedarfsfläche ist der zukünftige Standort des Festzeltes vorgesehen. Mannshohe Stelen sind in Gruppen aufgestellt und sollen Händler,Bauern und Soldaten symbolisieren und die Erweiterungsfläche gegenüber dem offenen Feld abgrenzen. Die Patrouille am Rand bewacht das Geschehen.

 An seine militärisiche Vergangenheit  (Entsatz Hanaus 1636, Schlacht bei Bergen 1759,  Kaisermanöver 1897, Feierlichkeiten zum Gedenken an die Völkerschlacht von Leipzig) erinnern einige marschierende Soldaten aus Holz. Kaisertafel und Fähnleinpyramide symbolisieren diese Ereignisse der Geschichte. Andere Installationen sind weit friedlicher.

 

Wegführung:

Wenn man vom Wartbaum nach Osten fährt, vermißt man schon an der ersten Abzweigung nach links einen Wegweiser. Dieser Weg ist schön geteert, führt aber nur nach Windecken, während die Hohe Straße geradeaus führt. Bei der Überquerung der Straße von Niederissigheim nach Ostheim müßte auf der östlichen Straßenseite ein Wergweiser sein, der auf den schmalen Weg neben der Straße hinweist. Dann weist ein (verbogener) Wegweiser nach rechts, aber es fehlt einer nach links, man könnte unsicher sein, wie es jetzt auf dem geteerten Weg weitergeht. Allerdings sieht man weiter oben dann den Wegweiser, der nach rechts zeigt. Zur Himmelsschaukel ist der Weg dann nicht zu verfehlen, wenn man dem befestigten Weg folgt. Allerdings gibt es ein Problem in der Senke gleich nach der Lesecke, weil dort der Weg durch den Regen sehr ausgeschwemmt ist. Hier gehörte wohl ein Rohr unter die Straße.

 

 

Sequenz Roßdorf:

Die Metallpfeiler erinnern an einen modernen Warencode, der die Handelsware in heutiger Zeit dreidimensional darstellt. Der Abstand der Stelen zueinander verdeutlicht auch die Wahrnehmung der Landschaft in unserer Zeit: Je näher zur Großstadt, desto dichter stehen die Stelen. Die Geschwindigkeit der Metropole lässt nur eng begrenzte Blicke auf die Landschaft zu.

 

Die Himmelsschaukeln Rummelsberg und Landschaftsfenster:

Auch an diesen Orte wird mit der Himmelsschaukel als Symbol der „weiten Blicke“ markiert. Der Besucher genießt Rundblicke, die ein Gefühl von Weite, Wind und Freiheit aufkommen lassen. Landschaftsfenster lenken die Ausblicke.

 

Ostheim

Ostheims Ersterwähnung erfolgte um 850. Damals überschrieb ein Udalrich seine Besitzungen in drei Orten mit Weinbergen, Äckern, Wiesen, Wäldern, Häusern und Familien dem Kloster Fulda. Mitte des 13. Jahrhunderts kam das Dorf an die Herren von Hanau. Ostheim wurde 1974 nach Nidderau eingemeindet. Heute zählt der Stadtteil rund 4.700 Bewohner.

Wandmalereien in der Kirche

Ostheims Vergangenheit als Bauerndorf ist heute noch vielfach sichtbar. In der Herberger-Straße, Vorderstraße und Limesstraße sowie der Schinnergasse finden sich noch zahlreiche Fachwerkhäuser und Hofreiten.

Die Ostheimer Kirche dürfte zu den älteren im Altkreis Hanau gehören. Ein Indiz dafür ist. dass sie bis ins späte 15. Jahrhundert hinein die Mutterkirche der Windecker war. Das heutige Gotteshaus ist ein nach Beschädigungen wahrend des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). barock umgestaltetes gotisches Gebäude aus dem 13. Jahrhundert.

Bei der Renovierung des Innenraums kamen 1968 eindrucksvolle mittelalterliche Wandmalereien aus der Zeit um 1300 zum Vorschein. Sie sind vermutlich um 1600 nach der Einführung des stark von Johannes Calvin beeinflussten reformierten Bekenntnisses in der Grafschaft Hanau-Münzenberg übermalt worden.

Nach der Restaurierung 1979 sieht man nun Personen vor blauem Hintergrund und Maria mit dem Kind, das sie den drei Königen entgegenstreckt. Weiterhin ist der Erzengel Michael sowie die Hand Gottes mit einer Waage zu entdecken. Auf einer Seite des Waagbalkens sitzt ein Paar, auf der anderen ein Teufelchen, das das Gewicht herabzudrücken versucht. Links vom Erzengel sind eine geisterhafte Gestalt und ein Teufel mit Bockshörnern zu erkennen (Weiteres zu Ostheim in. „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

 

Himmelschaukel am Rummelsberg:

Hier ergeben sich herrliche Ausblicke. Doch die Wegweisung an der Himmelsschaukel ist sehr ungünstig, weil der Wegweiser zu früh steht. Er gehört vor die Baumgruppe, damit man an dieser wichtigen Gabelung leicht sieht, daß es links weiter geht. Die Anordnung der Bänke ist unglücklich, denn sie stehen alle in der Sonne, obwohl hier doch eine schöne Baumgruppe vorhanden ist.

Die Regionalparkroute biegt jetzt nach Norden ab, weil die Stadt Bruchköbel anfangs nicht bei der Regionalparkroute mitmachte. Aber die historsche Hohe Straße führt über Butterstadt

(auf der Karte in dem Buch „Hanau, Stadt und Land“ ist allerdings etwas pauschal eine nördliche Route eingezeichnet). Der Abstieg nach Butterstadt und der Wiederaufstieg sind für Raf

Radfahrer nicth schwieriger als der jetzige Verlauf mit dem stärksten Gefälle und steilsten Aufstieg auf der ganzen Strecke. Den Weg nach Hirzbacher Höfe kann man dann finden, wenn man der Ausbaustrecke folgt. Eine Teerdecke auf dem Betonstück wäre natürlich noch wünschenswert.

 

Butterstadt

Butterstadt wurde um 850 als „Butenestat“ erstmals urkundlich erwähnt. Als ein Hof des Antoniterordens blieb es als einziger Ort rundum während der Reformationszeit katholisch. Butterstadt kam 1972 als selbstständige Gemeinde zu Bruchköbel. Es zählt heute rund 230 Bewohner.

Gigantensäule belohnt das Strampeln:

Der Platz mit Feuerwehrhalle und Dorfgemeinschaftshaus wird von der 2006 aufgestellten Nachbildung der 4,75 Meter hohen, vermutlich aus der Zeit um 200 nCh stammenden römischen Jupitergigantensäule dominiert. Ihre Fragmente sind um 1900 in der Butterstädter Gemarkung ausgegraben worden. Sie wurden nach Hanau verbracht, wo sie der Bombardierung vom 19. März 1945 zum Opfer fielen. Glücklicherweise hat man eine Rekonstruktionszeichnung angefertigt. Die einzige erhaltene Kopie der Säule befand sich bisher im Französischen Nationalmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Saint-Germain-en-Laye. Die Jupiter­gigan­ten­säule ruht auf einem Block mit Reliefdarstellungen des Kriegsgottes Mars, der Himmelsgöttin Juno, des Feuergottes Vutan und der Siegesgöttin Victoria. Darauf schließt sich nach einem kleinen Gesims ein Stein mit den Götterprofilen des bärtigen Saturn, des Sonnengottes Sol, der Mondgöttin Lina, des Kriegsgottes Mars, des Götterboten Merkur, des Göttervaters Jupiter und der Liebesgöttin Venus an (Wochengötterstein) an. Nach einem Zwischenstück folgt der Säulenschaft mit Schuppenmuster, der in einem korinthischen Kapitell mit Köpfen an jeder Seite endet. Sie könnten die Jahreszeiten symbolisieren. Krönung, Hauptmotiv und Abschluss der Säule ist der Gigantenreiter. Er versinnbildlicht Jupiter, den höchsten Gott der Römer, der über einen am Boden liegenden Giganten - möglicherweise einen Germanen - obsiegt (Weiteres zu Butterstadt in. „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

 

Lese-Ecken:

In Butterstadt und Hirzbach befinden sich wieder Lese-Ecken. Schattenspendene Linden laden zum Ausruhen ein. Weiter geht es nach Marköbel, die einzige Stelle, wo die Regionalparkroute durch einen Ort geht.

 

Hirzbach:

In Hirzbacher Höfe ist zwar ein (privater) Hinweis auf eine Radlerrast, aber kein Hinweis auf die Kapelle. An der östlichen Zufahrt zur Kapelle sollte zumindest ein Schild stehen „Hirz­bacher Kapelle, ältester Sakralbau im Hanauer Land“. Diese Regionalparkroute hat im Gegensatz zu der Route westlich von Frankfurt wenig historische Orte, da sollte man hier besonders auf so einen Ort hinweisen.

Die Hirzbacher Höfe, südwestlich von Marköbel gelegen, vermitteln dem Besucher ein angenehmes Gefühl von Ruhe und Beschaulichkeit. Die erste urkundliche Erwähnung des Weilers datiert aus dem Jahr 1128. Dominiert wird er von der auf einer Anhöhe stehenden Kapelle, die das älteste erhaltene Baudenkmal des Hanauer Raumes gehört. Archäologische Untersuchungen seitens des Hanauer Geschichtsvereins, die im Zuge von Sanierungsarbeiten vor rund 20 Jahren durchgeführt wurden, haben den ersten Kapellenbau in die Zeit um 700 datiert. Bis ins 15. J hrlwndert erheben mehrere Umbauten. Der letzte Gottesdienst fand hier 1840 statt Danach wurde das Gebäude bis 1988 landwittschaftlich genutzt. Heute dient die Kapelle als kleines regionales Kulturzentrum für Ausstellungen und Konzerte sowie für Hochzeiten und Taufen (Weiteres zu Hirzbach in. „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

An der Kreisstraße ist man wieder unsicher, wie es weiter gehen soll. An der gegenüberliegenden Leitplanke sollte ein Wegweiser nach links stehen und dann wieder auf der rechten Seite ein Wegweiser nach rechts. Der Weg nach Marköbel ist nichts Besonderes, ein Ausbau wäre wünschenswert.

Die historische Hohe Straße ging ja wohl durch das westliche Obertor mitten durch den Ort. Also könnte man auch am Ortseingang nach links fahren zu den Resten des römischen Kastells auf dem Friedhof und dann nördlich des Ortes weiter nach Osten zu den Station „Weit­blick“. Der Hinweis auf den Limes gehört dorthin, wo der Limes tatsächlich verlief und wo die Palisaden stehen..

Die Regionalparkroute führt jedoch um den Ort herum, vielleicht um die Radfahrer nicht so sehr dem Straßenverkehr auszusetzen. Die ganze römische und mittelalterliche Vergangenheit Marköbels kommt so mit nicht zum Zug.

 

Marköbel

Endmals erwähnt wurde Marköbel als „cavilla“ im Jahre 839. Schon im Hochmittelalter und eventuell noch früher war die „Köbeler Mess“ ein wichtiger Handelsplatz gewesen. Kaiser Friedrich I. übertrug dieses Marktprivileg 1220 auf Gelnhausen. Das 1368 verliehene Stadtrecht kam nicht mehr zur Anwendung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Marköbel nahezu komplett niedergebrannt. Heute bildet der Ort zusammen mit Langen-Bergheim die Gemeinde Hammersbach, die gut 4800 Einwohner zählt.

Das Historische Rathaus Marköbel wurde an der Stelle des im Dreißigjährigen Krieg abge-

brannten alten „Spilhus“ 1686/87 neu aufgebaut. Die Inschrift auf dem Querbalken über dem Eingang mahnt die Gerichtsschöffen mit den Worten: „Richter richte recht. Dan Gott ist Richter. und du bist Knecht! Wirst du richten mich, so wird Gott richten dich!“

Teil des UNESCO-Weltkultur-Erbes: Im Ortsbereich von Marköbel befand sich ein römisches Grenzkastell des Obergermanisch-Raetischen Limes, das etwa die gleiche Größe hatte wie das Steinkastell der Saalburg. Es sperrte an einem Krebsbachübergang die Hohe Straße und si­cher­te die Wetteraulinie nach Osten gegen germanische Stämme.

Es ist zu vermuten, dass die Römer hier zunächst ein Holzkastell errichtet hatten, das Anfang des zweiten Jahrhunderts zum Steinkastell ausgebaut wurde. Die Besatzung dürfte ungefähr 500 Mann betragen haben. Der Kastellgrundriß ist im Straßenverlauf (Haupt- und Nordstraße) noch deutlich zu erkennen. Ansonsten findet sich lediglich ein Mauerrest auf dem Friedhof. Am Ortsausgang nach Langen-Bergheim wurde ein Teil des Pfahlgrabens mit Holzpalisaden

Wieder errichtet. Die Palisaden sind noch original aus der Römerzeit und wurden beim Bau eines Neubaugebiets ausgegraben. Nur hat man die Palisaden leider nicht in der Flucht des Limes aufgestellt  (Weiteres zu Marköbel in. „www.peterheckert.org“ unter „Hanau, Kreis“).

 

Der Sitzplatz „Unter den Linden“ bei Marköbel:

Er ver­­weist auf die römische Vergangenheit des Ortes und als mittelalterlicher Marktflecken.

Bei den zwei Linden und entlang der Route am Ortsrand weisen Landschaftsfenster auf die Besonderheiten des Ortes hin. Die Schnittstelle der Hohen Straße mit dem Limes imBereichd es Krebsbaches markieren mehrere Holzstelen.

Der Hohlweg ist der letzte sichtbare Rest der historsichen Hohen Straße in Marköbel. In der Bevölkerung heißt dieser Weg „Galgenhohl“, da auf der Höhe der Galgen stand. Marköbel war Sitz eiens gerichtlichen Oberhofs mit Blutgerichtsbarkeit.

 

„Weitblick“ Langen-Bergheim und zwei Stelenpaare:

Diese Station markiert den Endpunkt der Regionalpark-Route bzw. den Eingang vom Ronne­burger Hügelland her. Oberhalb des Ortsmittelpunkts von Langen-Bergheim kann man rasten und die Aussicht auf das Umland genießen. Hier gibt es Blickverbindungen zur Skyline in Frankfurt aber auch zum Taunus her. Die doppelten Glasstelen sind so ausgerichtet, daß rechts der Taunus (Feldberg) und links die Skyline von Frankfurt (Messeturm) imBlick sind. Die 6,5 Meter hohenStelen sind aus Corten-Stahl mit innen liegenden, horizontalgeschichteten Glasscheiben. Sie wurden nach einem Entwurf des Landschaftsarchitekten Jörg Spiegel von dem Glaskünstler Wilhelm Derix umgesetzt. Die Regionalparkroute findet ihre Fortsetzung Richtung Büdingen und  in den Vogelsberg.

 

Rückweg auf der Regionalparkroute zum Wartbaum:

Man merkt bei der Anbringung der Wegweiser, daß sie von West nach Osten entworfen wurden. Rückwärts hat man nämlich erheblich mehr Schwierigkeiten, die richtige Route zu finden, wenn man die Strecke nicht schon vorher in der anderen Richtung gefahren ist.

Das zeigt sich schon am westlichen Ausgang von Marköbel, wo man unweigerlich auf die Autostraße geleitet wird und nicht auf den schmalen Weg südlich der Straße mit der kleinen Brücke. Hier gehört zweimal ein Wegweiser nach links hin (vor der Brücke und danach). In Hirzbacher Höfe kann man unter Umständen den Wegweiser an der gegenüberliegenden Leitplanke erkennen, der aber nur die Gegenrichtung zeigt. Hier gehört ein Wegweiser nach links hin und dann gleich wieder einer nach rechts ins Dorf hinein. Dort wäre dann unter dem Schild „Kapellenhof“ eine Hinweis auf die Hohe Straße hilfreich, damit man nicht nach links in den Hof hinein fährt.

An der Himmelsschaukel besteht wieder das gleiche Problem, daß der Wegweiser zu weit oben steht. Wenn man mit Tempo von oben herunter kommt, ist man gleich in Butterstadt, wenn man nicht wegen der Himmelsschaukel anhält. Also gehört auch hier wieder ein Wegweiser vor die Baumgruppe. Die Wegweiser müssen auch immer direkt an der Einmündung stehen und nicht 20 Meter entfernt, nur weil dort schon ein Pfahl für ein Verkehrsschild ist. Und sie müssen von beiden Seiten her eindeutig den Weg weisen.

Ganz katastrophal ist die Wegweisung vor dem Straße Niederissigheim-Ostheim. Der Wegweiser oben zeigt nach Süden. Es geht steil bergab. Wer es nicht anders weiß, ist sofort an der Bahn entlang in Roßdorf. Wie soll man erkennen, daß man sich hier gleich rechts in die Büsche schlagen muß, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen? Hier müßte schnellstens noch ein Wegweiser auf der linken Seite des Weges hin, der nach rechts weist (im Gebüsch nutzt er auch nichts).