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Hochstadt Rundgang

 

Rundgang durch Hochstadt einchließlich Brunnen

 

 

Kurzfassung: Die Ausführungen entsprechen dem Text eines kleinen Heftes „Rundgang durch Hochstadt“, das beim Verfasser erhältlich ist.  Das Heft ist also Hilfe gedacht, wenn man seinem Besuch den Ort Hochstadt zeigen will.

 

Hochstadt, Stadtteil von Maintal im Main-Kinzig-Kreis, ist auch heute noch ein beliebter Ausflugsort. Kamen die Gäste aus Hanau und Frankfurt früher zu Fuß oder in der Kutsche, so kommen sie heute mit dem Fahrrad und dem Auto. Es sind nicht so sehr die Amerikaner und Japaner, die dieses Dorf in der Stadt aufsuchen, sondern mehr die Leute aus der Nachbarschaft.

Es sind die Apfelweinliebhaber, die das ganze Jahr über wie in alten Tagen sich auf den harten Bänken im Historischen Rathaus niederlassen. Es sind die jungen Leute, die im Sommer mit dem Fahrrad durch den malerischen Ort kommen. Und es sind die Maintaler selbst, die zum Beispiel aus Dörnigheim kommen, um sich in dem Streuobstwiesengebiet nördlich des Ortes zu erholen.

Hochstadt hat ein ganz eigenes Gepräge, wie man es in keinem Ort der Umgebung wiederfindet. Vor allem die in sich geschlossene Hauptstraße hat eine besondere Atmosphäre. Das gilt besonders bei den Straßenfesten im Sommer und beim Weihnachtsmarkt im Winter.

Allen Besuchern kann diese Abhandlung ein Leitfaden sein und sie zu einem kürzeren oder längeren Rundgang durch den Ortskern einladen. Aber auch die Hochstädter selbst, seien sie altem gesessen oder zugezogen, werden vielleicht noch Neues in ihrer vertrauten Umgebung entdecken und manches Gebäude. mit anderen Augen ansehen. Besonders schon wäre, wenn sie dann selber ihre Gäste fachkundig durch den Ort führen könnten.

 

Einen Rundgang durch den alten Ortskern Hochstadts beginnt man am besten auf dem Friedhof nahe dem Obertor. Der Blick geht nach Südosten zum Gemeindewald, wo die ältesten Bewohner der Gegend in Hügelgräbern begraben sind. Östlich des Ortes gab es früher eine Ziegelei und noch früher eine Kalkbrennerei („Kalkhausstraße“). Das Haus Ringstraße 2 (Hensel) und die Scheune des Hauses Hanauer Landstraße 24 gehören zu den ältesten Gebäuden außerhalb der Ringmauer im Osten des Ortes.

 

1  Friedhof

Der Friedhof wurde am 19. Dezember 1841 eröffnet, die Mauer ist wahrscheinlich 1847 errichtet worden. Er wurde viermal erweitert und hat heute als Mittelpunkt ein Denkmal für die Gefallenen und sonstigen Opfer der Weltkriege. Im Jahre 1903 wurde ein Leichenhaus links am Eingang errichtet, das heute durch einen Neubau ersetzt ist.

 

2  Linde

Vor dem Friedhofstor stand bis 1756 eine Linde, die aber bei einem Gewittersturm umgeworfen wurde. Sie wurde 1757 durch eine Kastanie ersetzt, die 2OO Jahre lang ein Blickfang war, besonders wenn sie im Frühjahr in voller Blüte stand. Ihre Wurzeln reichten bis in die Keller der gegenüberliegenden Häuser. Diese Kastanie wurde 1957 gefällt und im folgenden Jahr an ihrer Stelle wieder eine Linde gepflanzt.

 

 

3  Obertor

Durch das Obertor kommt man in das Innere des Ortes. Das Tor soll 1589/90 errichtet worden sein und ist Teil der rund um den Ort laufenden Befestigungsanlagen.

Der Torbogen war durch ein doppelflügeliges Holztor gesichert. Die Angeln des Tores und die Löcher für den Sperrbalken kann man noch sehen, ebenso eine Öffnung in der Decke des Torbogens, durch die man Steine oder Pech auf mögliche Feinde schütten konnte.

Im Jahre 1866 besiegte Preußen die Österreicher und ihre süddeutschen Verbündeten, auch die Hessen. Hochstadt durfte keine Festung mehr sein. Deshalb wurde das Holztor beseitigt und der Ort geöffnet.

 

4  Hirtenhaus

Links hinter dem Obertor steht das Hirtenhaus, das Haus des Schweinehirten. Dieser war gleichzeitig der Pförtner, der täglich das Tor zu öffnen und zu schließen hatte. Der Kuhhirte wohnte in dem Haus zwischen den Grundstücken „Am Pfarrhof“ Nr.1 und „Lutherstraße“ Nr.1 (heute abgerissen).

 

5  Bauernhof

Rechts hinter dem Obertor steht ein stattlicher Bauernhof mit der Jahreszahl 1537 im Torbogen. Er soll nach einer volkstümlichen Überlieferung ein Kloster gewesen sein. Doch er war höchstens ein Klosterhof, in dem die Feldfrüchte gesammelt wurden, die als Pacht an ein Kloster gegeben werden mußten. In Hochstadt hatte eine ganze Reihe von Klöstern bis in die jüngste Zeit Grundbesitz, doch ein Kloster gab es hier nicht.

 

6  Kriegerdenkmal

Im Winkel zwischen diesem Bauernhof und dem Kirchturm steht das Kriegerdenkmal für die Teilnehmer am deutsch-französischen Krieg 1870/71. Es trägt die Namen der „Kombattanten“ und „Nichtkombattanten“ des Krieges und wurde 1883 eingeweiht.

Heute haben Deutsche und Franzosen ein gutes nachbarliches Verhältnis. Seit 1973 ist Hochstadt (und Maintal) mit der Stadt Luisant bei Paris verschwistert. Der dortige Bürgermeister ist der erste Ehrenbürger von Maintal. Es besteht ein reger Austausch zwischen Vereinen, Schulen und Privatpersonen und bei den Festen.

 

7  Kirchhof

Der Kirchhof ist der erste Befestigungsring des Ortes und unabhängig von der Ringmauer. Hierhin zogen sich die Einwohner in unruhigen Zeiten zurück. Die Kirchhofsmauer ist das älteste Bauwerk in Hochstadt (und Maintal) und stammt wahrscheinlich aus dem zwölften Jahrhundert. An der Ostseite kann man noch das ursprüngliche „Fischgrätmuster" im Mauerwerk sehen, ein Zeichen für das hohe Alter. An der Nordseite führte wahrscheinlich ein unterirdischer Gang zu dem System von Kalksteinhöhlen nördlich des Ortes.

 

 

8  Kirchturm

Der Kirchturm trägt unter dem Schieferdach noch eine Spitze aus Kalkstein. Die Tafel an der Vorderseite trägt das Wappen des Grafen Philipp III. von Hanau und seiner Gemahlin Helene von Pfalz-Simmern und die Jahreszahl 1554; der Turm ist aber sicher älter.

In germanischer Zeit gehörten Hochstadt und Wachenbuchen zum Gau Wetterau, während Bischofsheim zum Niddagau und Dörnigheim zum Maingau gehörten.

Später brachten die Herren von Buchen den Ort und das ganze Amt Büchertal unter ihre Herrschaft.

Sie hatten ihre Burg zunächst südlich von Wachenbuchen und verlegten sie dann nach Hanau. So wurden die Grafen von Hanau die Herren von Hochstadt und wurden als „Herrschaft“ bezeichnet.

Unter dem gräflichen Wappen befindet sich das Ortswappen. Es ist durch einen Einschuß beschädigt. Man erkennt noch den Stiel der Hacke in dem Buchstaben H. Die Sonnenuhr wurde 1596 erstmals erwähnt. Der Turm hatte auch schon früher eine Uhr, doch die heutige Uhr ist modern.

Im Turm hängen vier Glocken mit den Tönen e, g, a, c. Die alte Glocke mit zwölf Zentnern Gewicht ist 1687 von Tilman Schmid aus Aslar (Kreis Limburg-Weilburg) gegossen und trägt die Inschrift:

Zu Gottes Ehr' bin ich bereit

der Kirch zu dienen, meld‘  die Zeit,

hörst du mich läuten, wollest du laufen

ins Gotteshaus mit hellen Haufen.

Die größte Glocke wiegt zwanzig Zentner, ist von 1957 und trägt die Inschrift: „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“. Die beiden kleinen Glocken sind sieben und vier Zentner schwer und tragen die Inschriften: „Ehre sei Gott in der Höhe“ und „Friede auf Erden“. Alle Glocken werden elektrisch geläutet.

Im Turmdurchgang befinden sich die Gedenktafeln für die Verstorbenen der beiden Weltkriege. Links auf der Rückseite des Turms ist eine Gedenktafel, die an den Besuch der Frau des Kaisers Friedrich III., Tochter der Queen Viktoria, im Jahre 1898 erinnert. Sie zeichnete den Eingang der Kirche bei ihren zwei Besuchen.

Auf dem Kirchhof befinden sich viele alte Grabsteine. Hervorzuheben ist der dritte auf der rechten Seite; er erinnert an den Kornett von Speckhahn, der 1706 im Alter von 26.Jahren einem Schlaganfall erlag.

An dem Pfeiler rechts vom Eingang erinnert eine Tafel an die siamesischen Zwillinge, die 1642 in Hochstadt geboren wurden. Am 10. März 1642gegen 21 Uhr wurden dem Schneider und Weingärtner Johann Scherninck und seiner Frau Elisabeth zwei Kinder geboren, die am Bauch zusammengewachsen waren. Das eine Kind sah seiner Mutter ähnlich; es war bleich. und auf der rechten Seite etwas blau und starb nach 10 Stunden. Das andere Kind sah dem Vater ähnlich; es hatte eine natürliche rote Farbe, starb aber auch nach 24 Stunden. Anfangs hat man versucht, sie mit saurem Wein zu „laben“. Nach ihrem Tod brachte man sie ins Hanauer Schloß, wo sie von vielen Schaulustigen. besichtigt wurden. Am 15. März wurden die Kinder bestattet und aus Spenden der Gedenkstein in den Pfeiler eingefügt.

 

9  Kirche

Die Kirche ist ein spätgotischer Bau aus der Zeit um 1430 und war dem Heiligen Kilian geweiht. Sie hatte einen Vorgängerbau aus der Zeit um die Jahrtausendwende. In der heutigen Sakristei stand der Nikolausaltar. Ein Sakramentshäuschen und ein Handwaschbecken kann man heute noch sehen. So handelt es sich hier wohl um eine erste kleine Kirche für Hochstadt.

Im Chorraum stand der Heilig-Kreuz-Altar und in der südlichen Kapelle ein Maria-Magdalena-Altar (heute Neubau, der für die Heizung genutzt wird).

Die Kirche hatte auch einen Taufstein. Er steht aber heute im Historischen Museum in Frankfurt, an das er 1904 verkauft wurde [Heute wieder in der Kirche].

 

Aus der mittelalterlichen Kirche hatte sich seit der Reformation Martin Luthers im Jahre 1517 eine protestantische Kirche entwickelt. Der erste eindeutig evangelische Pfarrer war Wolf Jaekel, der 1543 sein Amt antrat. In der Folgezeit kam es zu einer Aufspaltung in eine reformierte und eine lutherische Kirche. Hochstadt war überwiegend reformiert, weil die Landesherren dieser Konfession anhingen. Von 1686 bis 1818 gab es auch eine lutherische Gemeinde (vgl. Nr. 29). Dann schloß man sich wieder zu einer einheitlichen evangelischen Kirche zusammen. Die Reformierten legten die Bibel sehr wörtlich aus und waren deshalb gegen Bilder in den Kirchen eingestellt („Du sollst dir kein Bildnis machen“).

Im Jahre 1596 hat man die Altäre und den Taufstein entfernt und auch die Malereien übertüncht. Seit 1967 wurden diese wieder freigelegt. In der Sakristei ist das Martyrium der Zehntausend dargestellt, dazu Johannes der Täufer (mit Taube), Laurentius (mit Lattenrost), Georg (mit dem Drachen) und Petrus (mit Schlüssel). An den Wänden befinden sich Weihekreuze mit den Marterwerkzeugen Kreuz, Hammer, Zange, Nägel, Lanze, Dornenkrone und Fackel.

Über dem Triumphbogen zwischen Kirche und Altarraum ist Christus als Weltbeherrscher dargestellt, daneben Maria und Johannes (der Evangelist). Darunter kann man noch schwach eine Darstellung des Jüngsten Gerichts erahnen: Links die Auferstehenden, rechts die Verdammten.

Außerdem kann man über dem Bogen die Jahreszahl 1490 erkennen. In diesem Jahr wurde die Kirche auf Befehl des Erzbistums Mainz ausgemalt. Führend dabei war der Pfarrer Gänseler, der sich auch gleich durch einen Gänsekopf in einem Schlußstein des Altarraums verewigen ließ.

Die Decke der Kirche zeigt vor allem Heilpflanzen aber an der Südostseite auch Weintrauben, ein Hinweis auf den früher in der Gegend verbreiteten Weinbau.

Der Hang nördlich von Hochstadt und Bischofsheim und weiter nach Bergen und Seckbach war früher ein Weinbaugebiet. Der Wein schuf die Grundlage für den relativen Reichtum vieler Hochstädter. Fast in jedem Haus wurde gekeltert und gab es gewölbte Weinkeller. Doch um die Jahrhundertwende ging der Weinbau immer mehr zurück und wurde vom Obstbau abgelöst. Jetzt war es vor allem der Apfelwein, der den Ruf Hochstadts in der Umgebung begründete. Heute sind Apfelweine wie „Alter Hochstädter“, „Blauer Bock“ und „Schoppenpetzer“ bekannt und beliebt. Aber viele Einwohner keltern auch noch für den Hausgebrauch. Der Wein bzw. Apfelwein gehört mit zum Leben dazu und darf auch in der Kirche ein bescheidenes Plätzchen finden.

Die Emporen wurden 1697 in die Kirche eingebaut und gleichzeitig eine Orgel aufgestellt. Zeitweise stand die Orgel auch im Altarraum. Die heutige Orgel mit 21 Registern ist aus dem Jahre 1966 und wurde von der Firma Peter in Köln gebaut. In der Nordwestecke der Kirche stand der eigentliche Kirchturm, den man auch an der Außenwand noch erkennen kann; er wurde wegen Baufälligkeit abgerissen und der Wehrturm zum Kirchturm umgebaut.

 

10  Pfarrhaus

Das Grundstück Hauptstraße 9 war früher der Pfarrhof; dort stand das Pfarrhaus mit Stallungen, Scheune und Kelterhaus. Das heutige Haus wurde 1861/62 gebaut.

Als 1956 ein neues Pfarrhaus in der Ringstraße 15 gebaut wurde, hat man in dem Haus die Gemeindeverwaltung untergebracht. Laut Beschluß der Stadtverordnetenversammlung von 1992 soll es zum Heimatmuseum werden.

 

11  Schule

Das Haus Hauptstraße 4 war früher die Schule. Die erste Schule in Hochstadt wird 1555 erwähnt. Sie wurde 1851 durch den heutigen Bau ersetzt, der auch gleichzeitig die Lehrerwohnungen enthielt; bei dieser Gelegenheit wurde sie auch gleich durch Einbeziehung eines weiteren Grundstücks vergrößert. Ein Stallgebäude stand im Winkel links neben dem Kirchturm.

Weitere Schulen standen in Hochstadt auf dem Gelände des jetzigen Verwaltungsgebäudes in der Klosterhofstraße: Eine Schule von 1911 mit Kindergarten (heute abgerissen) und eine Schule von 1954 (heute ein Teil des Verwaltungsgebäudes an der Sandgasse). Die heutigen Schulen stehen im Bücherweg, ein Kindergarten ist in der Ahornstraße, weiterführende Schulen sind in Dörnigheim und Bischofsheim.

 

12  Straße „Am Kirchberg“

An der Straße „Am Kirchberg“ fallen die Häuser Nr.7 und' Nr.11 als Beispiele für gut erhaltene Fachwerkbauten auf. Das Haus Nr. 6 ist ein Beispiel für die Verbindung von altem und neuem Fachwerkbau. Am oberen Ende der Straße blickt man auf das Evangelische Gemeindehaus aus den Jahren 1975/76, zum Felsenkeller, wo sich der Eingang zu den Kalksteinhöhlen befand, zum Schützenhäuschen, dem letzten der drei Weinberghäuser, und an der Ringmauer entlang, vor der sich der Wallgraben befand.

 

13  „Herrschaftliche Zehntkelter“

Parallel zur Ringmauer verläuft die Bogenstraße. In der Scheune des Hauses Nr. 14 befand sich die „Herrschaftliche Zehntkelter“ Der Zehnte war eine Steuer, die. an die Landesherrschaft gezahlt werden mußte, aber auch an die Kirche. Die Zehnt-Einnehmer kontrollierten auf den Feldern und in den Weinbergen die Ernte und zweigten gleich den zehnten Teil ab. Im Dorf gab es bestimmte Häuser, in denen diese Naturalien gelagert und zum Teil verarbeitet wurden. So gab es auch die Zehntkelter, in der der Wein für die Herrschaft abgeliefert und gekeltert wurde. Weil 1834 aber der Zehnte abgeschafft wurde, war die Zehntkelter überflüssig. So wurde das Anwesen 1836 für 1.800 Gulden an Wilhelm Heckert verkauft und zur Scheune umgebaut. Gegenüber an der Güldnergasse steht das Kelterhaus des Herrschaftlichen Hauses Hauptstraße 10 (siehe Nr. 34).

 

14  Der „Mittelbäcker“

Im Haus B9genstraße 14 befand sich die Bäckerei des „Mittelbäckers". Früher gehörte das Haus dem Freiherrn von Edelsheim, der wegen seiner Verdienste um das Hanauer Land geadelt worden war und in Hanau ein „Palais“ besaß., In Hochstadt gehörten ihm ausgedehnte Liegenschaften, besonders Weinberge, die er zum Teil verpachtete, zum Teil aber auch selbst bewirtschaftete. Deshalb hatte er auch ein Kelterhaus auf seinem Grundstück stehen.

 

15  Ringmauer.

Durch die Güldnergasse kommt man wieder zur Ringmauer. In diesem Bereich kann man noch hinter der Mauer hergehen. Sie wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaut aus den Kalksteinen, die in der Gemeinde vorkommen.

Auf der Nordseite hatte sie drei hohe und drei niedrige Türme, die „Rondell“ genannt wurden. Die südliche Ringmauer wurde bis auf einen Rest am Obertor und im westlichen Bereich abgerissen. Die Türme an der Nordseite wurden nach dem ersten Weltkrieg abgerissen, der Wallgraben zugeschüttet.

 

Einige Schießscharten in der Mauer sind zugemauert, weil sie im Winter oft von Einwohnern genutzt wurden, um Hasen zu schießen. Die Mauer war 1.100 Meter lang und ist etwa 80 Zentimeter dick.

 

16  Schützenstraße

Durch den Gang hinter der Mauer kommt man zur Schützenstraße, die nach dem Schützenhaus benannt ist, das an der Ostseite des heutigen Festplatzes stand.

 

17  Trinkbrunnenstraße

Durch die Schützenstraße kommt man in die Trinkbrunnenstraße, auf der früher der Trinkbrunnen stand. Danach kommt man in die Ritterstraße (früher Nordstraße).

 

18  Lutherische Schule

Das letzte Haus in der Ritterstraße rechts an der Ringmauer war die erste lutherische Schule.

 

19  Runder Turm

Durch eine kleine Tür in der Mauer, kommt man wieder in die „Schütt“, wie das Gelände des ehemaligen Wallgrabens genannt wird. Rechts ist ein hoher runder Turm, der aber wohl kaum ein „Hexenturm“ war.

 

20  ,,Narrenhaus"

Links dagegen ist ein viereckiger hoher Turm, das „Narrenhaus". Hier hat man in früheren Zeiten Geistesgestörte und Verbrecher untergebracht, aber vielleicht auch vermeintliche „Hexen“. Die Eingangstür befindet sich im Wehrgang. Über einige Stufen gelangt man in den überwölbten Raum. Rechts befand sich bis etwa 1900 ein Halseisen. Bis zu dieser Zeit wurden hier noch Jugendliche eingesperrt, die Streiche begangen hatten. Der Turm  hat bis etwa 1800 ein spitzes Dach gehabt, aber keine Schießscharten. In den Schuppen neben dem Turm waren der Krankenwagen und der Leichenwagen untergebracht und zeitweise auch die Feuerwehr.

 

21  Untertor

Am unteren Ende der Hauptstraße stand das Untertor. Es war eingefügt zwischen dem Lebensmittelmarkt und dem Haus Nr. 51, an dem man noch die alte Mauer erkennen kann. Das Untertor soll schon 1283 errichtet worden sein, nach anderer Überlieferung aber erst 1589/90. Über dem steinernen Torbogen befand sich das „Bäuelin“, ein Stockwerk aus Holz mit einem Ziegeldach und mit einer Stube für den Pförtner.

Vor dem Tor befand sich ein Graben mit einer Brücke. Am Tor befand sich ein Halseisen an dem an den Pranger gestellt wurde, wer Feld- oder Walddiebstähle begangen hatte; dabei wurde das Diebesgut neben den Übeltäter gelegt. Die Schlüssel werden noch heute von einer Hochstädter Familie aufbewahrt.

 

 

22  Backhaus

An der Nordseite des Untertors befand sich das Backhaus. Der spitz nach oben zulaufende Backofen stand dabei außerhalb der Mauer wegen der Feuergefahr. Der Bäcker hatte gleichzeitig die Aufgabe, das Untertor auf- und zuzuschließen. Der letzte Bäcker in dem Gemeindebackhaus war Konrad Ohl. Er nutzte allerdings den Backsteinbau im Garten außerhalb der Mauer als Bäckerei. Sein Sohn hatte die Bäckerei in der Ringstraße. Diese Tradition wird vom „Unnerbäcker“ fortgeführt.

 

23  Außerhalb der Mauer

steht rechts an der Hauptstraße zunächst eine alte Schmiede. Dann das, Haus, in dessen Stube der Bürgermeister jahrelang seine Amtsgeschäfte führte, ehe die Gemeindeverwaltung in die Schule Hauptstraße 4 kam. Schließlich steht dort das Gasthaus „Zum Neuen Bau“, das 1859 als erstes Haus außerhalb der Ringmauer gebaut wurde.

 

Links vor dem Haus Nr. 55 war die Gemeindewaage, auf der die Fuhrwerke gewogen wurden. Im Haus Nr.57 war lange Zeit die Post untergebracht. Und das Haus Hauptstraße 61 war das Verwaltungsgebäude der Apfelweinkelterei Höhl, die hier ihre ersten Fabrikationsräume hatte Dahinter bilden Kreissparkasse, Verwaltungsgebäude und katholische Kirche einen modernen städtebaulichen Akzent.

Nach rechts geht es in die Bischofsheimer Straße und die 1914 angelegte Weinbergstraße und zu zwei Aussiedlerhöfen. Noch weiter entfernt ist das Neubaugebiet am Luisantring, der nach der französischen Partnerstadt Hochstadts in der Nähe von Paris genannt ist. Weiter südlich im Bereich der Hofgerichtstraße und der Fahrgasse lag der Ort Groschlag, der bis zum 30-jährigen Krieg bestand und dessen „Höfisches Gericht“ bis ins 19. Jahrhundert gehalten wurde. Südlich der Autobahn liegen das Industriegebiet und die Siedlung Niederfeld.

 

24  Zwei alte Fachwerkhäuser

Die Hauptstraße hochwärts liegen rechts zwei alte Fachwerkhäuser mit sehenswerter Haustür bzw. einer alten Steinmetzarbeit. Links steht das Haus Hauptstraße 32

das älteste Wohnhaus in Hochstadt. Es wurde 1538 erbaut und 1822 umgebaut, wie eine Untersuchung der Jahresringe in dem verwendeten Holz ergab. Sehr schön zu sehen sind an diesem gotischem Haus die „Wilden Männer“, die Balken in X-Form. An der Hausecke ist ein kleines Guckfenster durch das man den Verkehr auf der Hauptstraße beobachten konnte und kann. Links neben der Torfahrt steht das ehemalige Gesindehaus des Bauernhofes.

 

26  Synagoge

Gegenüber befindet sich in zwei Kellergewölben das Weinlokal „Babbelgass“. Daneben ein Fachwerkhaus von 1610. Und dahinter auf dem Grundstück Hauptstraße 43 befand sich die Synagoge, das Bethaus der jüdischen Gemeinde, mit einem Schulhaus und einem Wohnhaus. Die Synagoge wurde 1938 zerstört, die letzten jüdischen Einwohner 1941 verschleppt und ermordet.

 

27  Haus Hauptstraße 33

Auf dem Haus Hauptstraße 33 befand sich das Storchennest, solange es noch Feuchtgebiete in der Umgebung Hochstadts gab. Das Fachwerk dieses Hauses ist mit sogenannten „Russensteinen“ ausgemauert. Vor dem Haus stand ein großer Brunnen.

28  Bahnhofstraße

Neben dem Haus sieht man in die Bahnhofstraße. Nach dem Bau der Eisenbahn im Jahre 1843 schuf man dort einen kleinen Durchbruch durch die Mauer, damit man leichter zum Bahnhof gelangen konnte. Der Durchgang wurde „Rußloch“ genannt, weil die Steine durch die Fackeln der Leute geschwärzt wurden, die früh zur Bahn gingen.

 

29  Lutherische Kirche

Von der Bahnhofstraße zweigt links die Lutherstraße ab, in der auf dem Grundstück Nr. 9 die lutherische Kirche stand. Sie wurde 1668 erbaut und bis 1818 genutzt. Nachdem die lutherische Gemeinde sich mit der reformierten zusammengeschlossen hatte, wurde die Kirche als Scheune genutzt und 1967 abgerissen.

 

30  Rathaus

Im Mittelpunkt des Ortes steht das Rathaus. Im Jahre 1598 wird erstmals ein Rathaus erwähnt, damals noch „Spielhaus" genannt. In den Jahren 1683/84 wird es neu aufgebaut, ein Fachwerkbau auf einer offenen Steinhalle. Nach dem Brand von 1964 wurde es in der heutigen Form wieder aufgebaut. Im Unterstockwerk befindet sich heute eine Gaststätte. Das Oberstockwerk dient kulturellen Veranstaltungen, vor allem Ausstellungen.

Am Rathaus gab es im ersten Stock eine ,,Freilufttoilette“, die in den „Gengel“ zum Nachbarhaus entleert wurde. Wer also diesen schmalen Gang benutzen wollte - und der Schmied mußte das mehrmaIs am Tage - mußte er darauf achten, daß die Luft rein war.

 

An der Südwestecke des Rathauses befand sich die „Weedt“, eine Pferdetränke und Pferdeschwemme, die auch als Löschwasserbecken genutzt wurde. Das Haus unter-halb des Rathauses war eine Schmiede und wurde 1590 erbaut und hat schöne Schmuckrosen. Daß es aus Baumaterial aus Groschlag gebaut sei und die Wohnung des letzten Einwohners von Groschlag gewesen sei, ist nicht erwiesen.

 

Der Platz hinter dem Rathaus ist der „Tanzplacke“, auf dem früher die „Kerb“ stattfand, die Kirchweih. Hier kam die Gemeinde auch zusammen, um öffentliche Bekanntmachungen entgegenzunehmen. Später ging der Ortsdiener mit der Schelle herum und rief die Bekanntmachungen aus. Um diesen Platz herum stehen stattliche Bauernhäuser, in denen früher die wohlhabendsten Bauern wohnten.

 

31  Gasthaus ,,Zur goldenen Krone"

Das Haus Hauptstraße 18 ist das Gasthaus „Zur Goldenen Krone“. Es wurde 1779 von Michael Weber gegründet und, ist die Keimzelle der heutigen Großkelterei Höhl an der Straße nach Wachenbuchen. Auf dem Erker des Hauses steht ein „Bembel“, ein Apfelweinkrug, mit einem durchschossenen (?) Henkel.

 

32  Gasthaus „Zum Tiger“

Gegenüber steht das Gasthaus „Zum Tiger“". Oberhalb dieses Hauses war früher ein Graben mit zwei Brücken, der bis um 1800 das Oberdorf vom Unterdorf trennte. Früher soll das Dorf nur bis hierher gegangen sein und durch eine Mauer nach Westen abgegrenzt gewesen sein. Auf dem Lageplan des Ortes kann man ihren Verlauf noch erahnen (Richtung Bogenstraße 22).

 

33  Gemeindewirtshaus

Das Haus Hauptstraße 19 war für viele Jahrzehnte das Gemeindewirtshaus. Im Jahre 1723 wurde es an Johann Georg Koch verkauft und hieß seitdem ,,Koch'sche Wirtschaft". Im Jahre 1801 kam es zum Tausch mit dem Besitzer des Hauses Hauptstraße 12. Danach war es nur noch landwirtschaftliches Anwesen. Vor dem Haus steht der letzte der ehemals fünf öffentlichen Brunnen; er blieb erhalten, weil er den Verkehr nicht störte.

 

34  „Herrschaftliches Haus“

Das Haus Hauptstraße 10 war das „Herrschaftliche Haus“. Es diente den Grafen von Hanau zur Einsammlung der Abgaben. Später gehörte es den Herren von Goldner, die in Offenbach ihren Stammsitz hatten. Daher kommt der Name „Güldnergasse“ für die schmale Straße, die hier abzweigt. Im Jahre 1845 ging das Haus in den Besitz der Familie Burger/Weber über. Im ersten Stock war ein großer Räum mit einer Säule in der Mitte, der der größte Raum in einem Privathaus in Hochstadt war.

 

35  Der Oberbäcker

Zu erwähnen ist noch das Haus Hauptstraße 11, in dem der Oberbäcker sein Geschäft hat. Außerdem das Haus Hauptstraße 8, in dessen Hof sich ein alter Brunnen befindet.

Damit schließt sich der Rundgang durch das alte und das gegenwärtige Hochstadt. Es wäre schön, wenn sich demnächst auch ein Rundgang durch das Heimatmuseum im alten Pfarrhaus anschließen könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rundgang durch Hochstadt

(Ausführlich und in anderer Reihenfolge als oben. Eine weitere Beschreibung der Häuser findet sich in dem Buch „Hochstädter Familien“ ab Seite 65)

 

Einen Rundgang durch den alten Ortskern Hochstadts beginnt man am besten auf dem Friedhof nahe dem Obertor. Der Blick geht nach Südosten zum Gemeindewald, wo die ältesten Bewohner der Gegend in Hügelgräbern begraben sind. Östlich des Ortes gab es früher eine Ziegelei und noch früher eine Kalkbrennerei („Kalkhausstraße“). Das Haus Ringstraße 2 (Hensel) und die Scheune des Hauses Hanauer Landstraße 24 gehören zu den ältesten Gebäuden außerhalb der Ringmauer im Osten des Ortes.

 

Friedhof

Der Friedhof wurde am 19. Dezember 1841 eröffnet, die Mauer ist wahrscheinlich 1847 errichtet worden. Er wurde viermal erweitert und hat heute als Mittelpunkt ein Denkmal für die Gefallenen und sonstigen Opfer der Weltkriege. Im Jahre 1903 wurde ein Leichenhaus links am Eingang errichtet, das heute durch einen Neubau ersetzt ist.

 

Linde

Vor dem Friedhofstor stand bis 1756 eine Linde, die aber bei einem Gewittersturm umgeworfen wurde. Sie wurde 1757 durch eine Kastanie ersetzt, die 2OO Jahre lang ein Blickfang war, besonders wenn sie im Frühjahr in voller Blüte stand. Ihre Wurzeln reichten bis in die Keller der gegenüberliegenden Häuser. Diese Kastanie wurde 1957 gefällt und im folgenden Jahr an ihrer Stelle wieder eine Linde gepflanzt.

 

Obertor

Durch das Obertor kommt man in das Innere des Ortes. Das Tor soll 1589/90 errichtet worden sein und ist Teil der rund um den Ort laufenden Befestigungsanlagen.

Der Torbogen war durch ein doppelflügeliges Holztor gesichert. Die Angeln des Tores und die Löcher für den Sperrbalken kann man noch sehen, ebenso eine Öffnung in der Decke des Torbogens, durch die man Steine oder Pech auf mögliche Feinde schütten konnte.

Im Jahre 1866 besiegte Preußen die Österreicher und ihre süddeutschen Verbündeten, auch die Hessen. Hochstadt durfte keine Festung mehr sein. Deshalb wurde das Holztor beseitigt und der Ort geöffnet.

 

Hirtenhaus

Links hinter dem Obertor steht das ehemalige Hirtenhaus, das Haus des Schweinehirten. Dieser war gleichzeitig der Pförtner, der täglich das Tor zu öffnen und zu schließen hatte.

Über der Haustür steht die Inschrift: „WMB.....HAVR.B.B.M.V  1722“. Von den Geburtsdaten her kommt für „W MB“ nur der Schultheiß Johann Wilhelm Meerbott in Frage, der 1707 geheiratet hat. Seine Frau heißt „Anna Catharina Will“, dazu passen aber nicht die anderen Buchstaben über der Haustür (oder sind sie falsch rekonstruiert?). Der Kuhhirte wohnte in dem Haus zwischen den Grundstücken „Am Pfarrhof“ Nr.1 und „Lutherstraße“ Nr.1 (heute abgerissen).

 

 

Bauernhof

Rechts hinter dem Obertor steht ein stattlicher Bauernhof mit der Jahreszahl 1570 im Torbogen. Das kann nur „Peter Weber“ heißen, denn nur diesen Familiennamen gab es damals, und den Vornamen „Philipp“ hätte man „Ph.“ abgekürzt. An der nördlichen Scheune steht: „Johann Georg Stein und seine ehlige Hausfrau Anna Margreda haben mich erbaut den 15. Juni 1775“. Er ist ein Enkel des Andreas Stein, des Gründers der Gaststätte Hauptstraße 21.

Am Wohnhaus steht: „Erbaut von D. Wagner 1842“. Diese Inschrift bezieht sich auf Daniel Wagner (1795 bis 1872), der 1819 Anna Margretha Stein heiratet. Diese ist die Enkelin des 1775 an der Scheune erwähnten Johann Georg Stein. Die Tochter Apollonia Wagner heiratet Philipp Basermann. Dieser ist verewigt an der östlichen Scheune, an der außen über dem Tor steht: „Erbaut von Philipp Basermann 1886“. Er lebt von 1822 bis 1886. Eine der Töchter heiratet Wilhelm Strohl und deren Tochter wieder Andreas Brosch.

In der nördlichen Scheune gibt es eine Treppe zu einem früheren Gang, der auf die Ringstraße hinausführte. Heute ist dieser Gang verschmolzen mit der Fläche, die 1715 noch ein eigenes Grundstück war und nur von der Ringstraße Nord aus zugänglich war. Das Wohnhaus auf diesem Grundstück stand an der Südseite, etwas abgesetzt von der Kirchhofsmauer. Anschließend an das Haus war ein Durchgang zum Kirchhof, der auch von der anderen Seite aus zu sehen ist. In Höhe dieses Durchgangs befindet sich noch ein Gewölbe im Boden, das vielleicht ein unterirdischer Gang zum Eingang des Felsenkellers war, der sich ja am Haus Ringstraße Nord 2 (Röll) befand. Ein Teil der Mauer ist 2004 neu verfugt worden. Nicht verfugt ist der nördliche Teil, wo früher die Scheune stand und der heute unter einem Bretterverschlag verborgen ist. Hier befinden sich noch zwei Ansätze für Fenster, die aber wohl erst beim Bau der Scheune ausgebrochen wurden.

An der Nordseite ist noch die in Kalkstein aufgeführte Rückwand der ehemaligen Scheune zu sehen, die ein wenig abgesetzt ist von der Verbindungsmauer vom Kirchhof zur Ringmauer. Diese Verbindungsmauer endet östlich mit einer glatten Kante aus Sandstein. Der Zwischenraum zwischen dieser Kante und der Ringmauer ist aber heute zugemauert mit Kalkstein. In der östlichen Wand nach der Straße zu befinden sich noch zwei zugemauerte Schießscharten.

Das Grundstück  Hauptstraße 2 soll nach einer volkstümlichen Überlieferung ein Kloster gewesen sein. Doch er war höchstens ein Klosterhof, in dem die Feldfrüchte gesammelt wurden, die als Pacht an ein Kloster gegeben werden mußten. In Hochstadt hatte eine ganze Reihe von Klöstern bis in die jüngste Zeit Grundbesitz, doch ein Kloster gab es hier nicht.

 

Kriegerdenkmal

Im Winkel zwischen diesem Bauernhof und dem Kirchturm steht das Kriegerdenkmal für die Teilnehmer am deutsch-französischen Krieg 1870/71. Es trägt die Namen der „Kombattanten“ und „Nichtkombattanten“ des Krieges und wurde 1883 eingeweiht.

Heute haben Deutsche und Franzosen ein gutes nachbarliches Verhältnis. Seit 1973 ist Hochstadt (und Maintal) mit der Stadt Luisant bei Paris verschwistert. Der dortige Bürgermeister ist der erste Ehrenbürger von Maintal. Es besteht ein reger Austausch zwischen Vereinen, Schulen und Privatpersonen und bei den Festen.

 

 

 

Pfarrhaus

Das Grundstück Hauptstraße 9 war früher der Pfarrhof; dort stand das Pfarrhaus mit Stallungen, Scheune und Kelterhaus. Das heutige Haus wurde 1861/62 gebaut. Als 1956 ein neues Pfarrhaus in der Ringstraße 13 gebaut wurde, hat man in dem Haus die Gemeindeverwaltung untergebracht. Laut Beschluß der Stadtverordnetenversammlung von 1992 sollte es zum Heimatmuseum werden, Im Jahre 1997 wurde aber nur das Oberstockwerk für das Museum zur Verfügung gestellt.

 

Reformierte Schule

Das Haus Hauptstraße 4 war die reformierte Schule. Die erste Schule in Hochstadt wird 1555 erwähnt. Sie umfaßte 1715 nur  e i n  Grundstück und war sicher ein Fachwerkbau. Bei dem Neubau 1848 wurde der westliche Teil des heutigen Grundstücks hinzugenommen. Unten waren die Schulsäle, oben Lehrerwohnungen. Ein Stallgebäude stand im Winkel links neben dem Kirchturm.

Weitere Schulen standen in Hochstadt auf dem Gelände des jetzigen Verwaltungsgebäudes in der Klosterhofstraße: Eine Schule von 1903 mit Kindergarten (1911 erweitert, heute abgerissen) und eine Schule von 1954 (heute ein Teil des Verwaltungsgebäudes an der Sandgasse). Die heutigen Schulen stehen im Bücherweg, ein Kindergarten ist in der Ahornstraße, weiterführende Schulen sind in Dörnigheim und Bischofsheim.

 

Zwei Fachwerkhäuser:

Das Haus Hauptstraße   6 ist ein Wohn-  und Torgebäude mit der Jahreszahl „1587“ über dem Kellereingang (die entsprechende Jahreszahl an der Außenfront des Hauses nach der Straße zu ist erst später aufgemalt worden). Die Freitreppe zur Straße hin ist verändert und führte früher als echte Treppe von der Straße ins Haus. Im Hof befindet sich auf der Grenze zum Nachbargrundstück ein Brunnen. Das Haus Hauptstraße  8 ist ein Wohn- und Torgebäude mit der Jahreszahl „1764“ über Kellertür und der Zahl „1807“ über dem Tor.

 

Der Oberbäcker

Im Haus Hauptstraße 11 hatte der Oberbäcker sein Geschäft. Sie wurde 1903 von

Jacob Koch übernommen und von Kaspar Koch weiter geführt,  bis sie zuletzt von seiner Tochter Annemarie und ihrem Mann Klaus Günther betrieben wird.

 

Herrschaftliches Haus

Das Haus Hauptstraße 10 war das „Herrschaftliche Haus“, denn es diente den Grafen von Hanau zur Einsammlung der Abgaben. Über Kellereingang findet sich die Jahreszahl „1662“. Schnitzereien gibt es links und rechts über der Tür. Das Haus hat einen leichten Überhang und Knaggen. Auch unter den Schindeln am Giebel befindet sich fränkisches Fachwerk. Das hohe Dach deutet darauf, daß hier die „Zehntfrüchte“ zwischengelagert wurden, ehe sie nach Hanau abgeliefert wurden. Im ersten Stock war ein großer Raum mit einer Säule in der Mitte, der größte Raum in einem Wohnhaus in Hochstadt (heute läßt sich davon allerdings nichts mehr feststellen).

Im Jahre 1715 gehört das Haus Lyzenziat von der Strehl. Der Name ist aber sonst in Hochstadt nicht bekannt. Das Haus ging dann in den Besitz des Geheimrats von Goldner über (auch: „Herr von Goldner“), der seinen Stammsitz in Offenbach hatte.

Nach ihm ist auch die „Güldnergasse“ neben dem Haus (zwischen der Hauptstraße und der Bogenstraße) benannt. Die Herren von Goldner hatten früher in der Hochstädter Gemarkung ausgedehnte Liegenschaften, besonders Weinberge, die sie zum Teil selbst bebauten.

Im Jahre 1845 ging das Haus in den Besitz der Familien Peter Burger und Philipp Weber über. Es gehört auch heute noch ihren Nachkommen. Die Scheune an der Bogenstraße war das Kelterhaus zu dem Herrschaftlichen Haus, sie ist etwa 1820 aus Bruchsteinen erbaut.

 

Gemeindewirtshaus

Das Haus Hauptstraße 19 war für viele Jahrzehnte das Gemeindewirtshaus. Im Jahre 1723 wurde es an Johann Georg Koch verkauft und hieß seitdem „Koch'sche Wirtschaft". Über der Toreinfahrt steht „17 HGK 41“. Das bezieht sich auf Hans Georg Koch, den damaligen Besitzer der Koch’schen Wirtschaft. Im Jahre 1801 kam es zum Tausch mit dem Besitzer des Hauses Hauptstraße 12. Danach war es nur noch landwirtschaftliches Anwesen.

Vor dem Haus steht der letzte der ehemals fünf öffentlichen Brunnen; er blieb erhalten, weil er den Verkehr nicht störte. Der Zieh-Brunnen trägt die Inschrift „C.S.Schultheis.CT.IK.BGM“ und die Jahreszahl 1702. Die ersten Buchstaben der Inschrift beziehen sich auf Caspar Schmidt. Er ist etwa 1660 geboren und wird schon ab dem Jahre 1683 als Schultheiß erwähnt. Er soll von 1686 bis 1719 Schultheiß gewesen sein. Die anderen Buchstabengruppen nennen die Bürgermeister (= Gemeinderechner). Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Caspar Trapp (1671 bis 1729) und vielleicht um Jakob Kreischer (gestorben im Jahre 1729).

 

In Höhe der Brunnenstraße war früher ein Graben mit zwei Brücken, der bis um 1800 das Oberdorf vom Unterdorf trennte. Früher soll das Dorf nur bis hierher gegangen sein und durch eine Mauer nach Westen abgegrenzt gewesen sein. Auf dem Lageplan des Ortes kann man ihren Verlauf noch erahnen (Richtung Bogenstraße 22).

 

Gasthaus „Zum Tiger“

Der Zeitpunkt der Gründung des Gasthauses „Zum Tiger“ in der Hochstädter Hauptstraße ist nicht genau festzustellen. Wilhelm Mankel, der früherer Hochstädter Bürgermeister und Geschichtsforscher, gibt an, daß das Gasthaus ab 1731 erwähnt wird. Und er nimmt Johann Jakob Stein als Gründer an. Dieser hatte ein schweres Schicksal. Als höfischer Schultheiß von Groschlag (untergegangener Ort südwestlich von Hochstadt) hat einen Teil des von den Groschlager Pächtern abgelieferten Gültweins (Pacht in Naturalien) nicht an die Grafen von Solms-Rödelheim abgeliefert. Er flieht nach Frankfurt. Aber als er zurückkommt, wird er verhaftet und kommt nach Hanau ins Gefängnis. Bei Schanzarbeiten an den neuen Festungswällen macht er einen Fluchtversuch unter dem Vorwand, austreten zu müssen. Er durchschwimmt zunächst die Kinzig. Doch die Wachtposten holen ihn ein und schlagen ihn halbtot, so daß einige Zeit Lebensgefahr besteht. Wegen seiner Schulden wird aber 1756 eine Zwangsversteigerung angeordnet. Nur das Vermögen seiner Frau bleibt erhalten, weil sie weder lesen noch schreiben kann und auch sonst wohl ein wenig beschränkt ist. Ihre Familie aber ist sehr reich. Die Gaststätte kann aber nicht vom Schwiegervater Wilhelm Meerbott ersteigert worden sein (so Mankel), weil dieser schon 1750 gestorben ist. Es muß sich also um einen anderen Verwandten aus der Familie der Frau gehandelt haben.

Aufgrund der Angaben in den Kirchenbüchern ist es  jedoch unwahrscheinlich, daß Johann JakobStein der Gründer der Gaststätte war Auf alle Fälle ist die heutige Gaststätte „Zum Tiger“ die älteste Gaststätte in Hochstadt, die bis zum heutigen Tag ununterbrochen Bestand gehabt hat. Eine andere Gastwirtsfamilie Stein ist aber im 17. und 18. Jahrhundert durchgehend bezeugt. Ihre Mitglieder werden vorzugsweise als „Wirt“ bezeichnet.

Der älteste Vertreter dieser Familie ist Georg Stein, der um 1600 geboren sein dürfte.

Sein Nachkomme ist Andreas Stein, der 1724 Anna Magdalena Weber heiratet. Das erste Kind Juliana wird am 23.8.1726 getauft. Dabei wird der Vater als Bender (=Küfer, Faßmacher) und Wirt bezeichnet. Die Gaststätte in der heutigen Hauptstraße 21 wird also 1725 gegründet worden sein.

Philipp Stein, der letzte Besitzer der Stein’schen Wirtschaft dieses Namens hat viele Schulden durch die kriegerischen Ereignisse 1806 bis 1813 oder auch durch Krankheit. So kommt es 1815 zum Verkauf an den Gastwirt Michael Weber, der seit 1786 im Haus gegenüber das Gasthaus „Zur goldenen Krone“ hat. Er erweitert die Gaststätte 1817 durch Torbogen und Tanzsaal, wie die Inschrift auf dem Torbogen besagt. Über der Hofeinfahrt steht „18 MW 17“. Das bezieht sich auf Michael Weber, den Gastwirt im Gasthaus „Zur goldenen Krone“ und Besitzer der Gaststätte Hauptstraße 21, die er 1817 durch den Gebäudeteil mit der Torfahrt erweitern läßt. Nach Abschluß der Bauarbeiten übergibt er seine Wirtschaften an die jüngere Generation. Sein Sohn Johannes Weber (geboren  1787) erhält die Gaststätte „Zum Tiger“. Weil dieser 1832 Schultheiß wird, heißt die Wirtschaft im Volksmund „beim Scholze“.

Nachfolger Michael Webers wird der Schwiegersohn Reinhard Keller, Sohn des Landwirts und Gastwirts Andreas Keller in Bischofsheim, aus der Gaststätte in der Bischofsheimer Obergasse, Ecke Breulgasse. Reinhard Keller wurde nach dem Tod des Schwiegervaters 1912 Inhaber der Gaststätte. Bis dahin hieß die Gaststätte im Volksmund nach ihrem Besitzer „Michel“. Vielleicht hat sie bis dahin keinen speziellen Namen gehabt und der Name „Zum Tiger“ kam erst mit der Familie Keller auf.

Seit 1923 war das Gasthaus „Zum Tiger“ das Vereinslokal der Fußballer.

Der Wirt Andreas Keller („Scholtse Andres“) war selber ein großer Fußball-Fan. Er hieß deshalb „Flanke“, weil er öfter auf dem Sportplatz den Spielern „Flanke“ zurief. Heute treffen sich in der Gaststätte nur noch die „Alten Herren“, weil der Verein eine eigene Gaststätte auf dem Waldsportplatz hat.

Nachfolger Reinhard Kellers wird sein Sohn Andreas Keller, verheiratet 1931 mit Margarethe Kraft und mit den Kindern Elfriede, Christine und Annemarie. Das Anwesen war mit etwas über fünf Hektar ein großer landwirtschaftlicher Hof. Andreas Keller hatte wie viele andere Hochstädter während des Zweiten Weltkriegs einen polnischen „Fremdarbeiter“, wie das damals hieß. Anweisung war, daß die Ausländer beim Essen nicht mit den Deutschen an einem Tisch sitzen durften. In Hochstadt hielt man sich meist daran und verwies den Polen oder Russen beim Essen zumindest in eine Ecke des Zimmers. Keller ließ sich aber von den angedrohten Strafen nicht beeindrucken und war einer von denen, die darauf beharrten, daß der Pole in seinem Haus  auch mit am Tisch essen durfte.

Die Gaststätte ist schließlich im Besitz von Frau Elfriede Reismann, der Tochter von Andreas Keller, verheiratet mit Hans Reismann. Das Anwesen wird 1980 erworben von Reimer Jochims,  Professor an der Städelschule in Frankfurt, und seiner Frau.

Sie geben den Namen Eliashof und bilden mit  anderen Familien zusammen eine christliche Lebensgemeinschaft. Die Gaststätte wurde seit 1987 geführt von Andreas Sielaff, der 1989 die Gaststätte und in der heutigen Form einrichtet.

 

Ehemalige Bäckerei

Der westliche Teil des heutigen Gebäudes Hauptstraße 19 war früher  ein eigenes Grundstück. Hier machte sich Johann Jacob Koch 1831 mit der ersten privaten Bäckerei in Hochstadt selbständig. Von ihm stammen alle späteren Bäcker in Hochstadt ab.

 

Gaststätte „Zur goldenen Krone”

Die Gaststätte wird von Michael Weber gegründet. Er heiratet 1780 verheiratet Anna Magdalena Stein, Enkelin des Andreas Stein, der Gründer der Stein’schen Wirtschaft. Michael Weber hat also in eine alteingesessene Gastwirtsfamilie eingeheiratet. Wilhelm Mankel gibt 1779 als  Gründungsjahr an. Aber damals wäre Michael Weber erst 17 Jahre alt gewesen. Da paßt besser die Jahreszahl 1786, das Jahr, in dem die Gaststätte im Haus Hauptstraße 18 eingerichtet wurde. Beide Gaststätten in der Mitte Hochstadts gehörend er gleichen Verwandtschaft. Die Gaststätte ist bis heute im Familienbesitz, wobei sie aber oft von Schwiegersöhnen übernommen wird.

Magdalene Rauch heiratet.1926 Wilhelm Höhl, der die Kelterei übernimmt und zu einem Großbetrieb ausbaut.

Der rechte Bauteil, das Fachwerkhaus, war die erste Gaststätte. Der Klinkerbau ist von 1906 (typisch  Gründerzeit). In den Fenstern der heutigen Gaststätte sieht man „Davidssterne“, die aber hier das Zunftzeichen der Brauer bedeuten. Auf dem Erker des westlichen Hausteils steht ein „Bembel“, ein Apfelweinkrug, mit einem durchschossenen (?) Henkel.

 

Historisches Rathaus

Im Mittelpunkt des Ortes steht das Rathaus. Frei steht es an der Hauptstraße und kündet jedem vom Stolz der Hochstädter Bürger aus vergangenen Tagen. Der Mittelpunkt eines Ortes hieß anfangs nicht Rathaus, sondern „Spielhaus“. Das Wort kommt von der Bezeichnung für „Rede, Erzählung“ in der mittelhochdeutschen Sprache. Diese Silbe „spiel“ kommt heute noch in dem Wort ,,Kirchspiel" vor, das den Bereich bezeichnet, aus dem die Gemeinde zum Reden und Hören zusammenkommt.

Im Jahre 1598 wird erstmals ein solches „Spielhaus" genannt.

Das Haus war also für die ganze Gemeinde bestimmt. Hier gingen die „Nachbarn" hin, wenn sie unter der Halle etwas bereden und Neuigkeiten erfahren wollten. Hier wurden Verordnungen bekanntgemacht. Hier meldeten sich wegmüde Wanderer, wenn sie die Mildtätigkeit der Gemeinde in Anspruch nehmen wollten. Der Bürgermeister reichte ihnen dort Speise und Trank oder auch Almosen aus dem „Gemeindesäckel“ (Gemeindekasse). In Hochstadt wurden jährlich sechs Gulden „um Gottes willen“ gegeben.

Das Unterstockwerk eines solchen Hauses bestand in der Regel aus einer offenen Halle mit Arkaden, so daß die Redewendung war „unter dem Spielhaus“. Hier hielt das Gericht seine Sitzungen ab. Meist war auch eine Trinkstube in einem solchen Haus. Mit der Zeit gab es aber immer mehr Herbergen und Wirtshäuser. Andererseits vermehrten sich die Schreibereien und Geschäfte des Bürgermeisters immer mehr. So nahm dann die Gemeindeverwaltung das Haus in seinen alleinigen Besitz und es wurde zum Rathaus.

Zeitweise muß das Rathaus auch Wirtschaft gewesen sein.

Um 1600 gibt es in Hochstadt zwei Wirtschaften: Die eine ist amtlich und befindet sich zunächst im „Spielhaus“ (Rathaus) und der Wirt wechselt von Jahr zu Jahr. Die andere ist eine „Heckerwirtschaft“, befindet sich also jedes Jahr in einem anderen Privathaus, allerdings ganzjährig und nicht nur in der Saison wie sonst bei einem „Heckewirt“. Später wird allerdings für mehrere Jahre verpachtet.

Im Gerichtsbuch heißt es im Jahre 1600: Hans Deniges wird der gemeinde Heriberg Wirt und Hans Weber in sein eigen Haus. Es haben die Beiden mit Handgelübde an Eides statt versprochen, den in acht Punkten festgelegten Verpflichtungen eines Gemeinde Würthes getreulich nachzukommen!“           

 

Der erste bekannte Gemeindewirt ist allerdings Cunradt Glonald im Jahre 1583. Die ersten bekannten Weinmeister sind Hans Schröder und Johannes Breul. Die Weinmeister kaufen die Getränke ein und setzen den Verkaufspreis fest. Sie haben dafür zu sorgen, daß immer Wein da ist. Schließlich stellen sie eine Rechnung auf, die in Hanau abgehört wird. Sie können den Wirt sofort absetzen, wenn er nach einem Vierteljahr nicht abrechnet und den Wein bezahlt. Wirt auf dem Rathaus war wahrscheinlich auch Michael Weber, der 1779 Gasthaus und Kelterei „Zur goldenen Krone“ gründet und bis 1817 führt.

Das Rathaus ist Tagungsort des Dorfgerichtes. Am Ostermittwoch 1605 zum Beispiel wird nach altem Brauch unter dem „Gemeindespielhaus“ (Rathaus) das Dorfgericht gehalten. Die Feldschützen berichten über Verstöße gegenüber Nachbarn. Die Weinmeister bringen vor, was die Wirte, Metzger, Bäcker und Krämer sich an Betrügereien geleistet haben. Die Gemeinde ist verpflichtet, Gotteslästerungen und Scheltworte anzubringen. Für einen Fluch gibt es schon Gefängnis im Turm, so als zum Beispiel 1608 einer sagt: „Wenn ich die Summe schulde, sollen hunderttausend Teufel kommen und mich zerreißen!“

Im Herbst findet immer ein sogenannter „Rügetag“ statt.  Im Anschluß daran wird die Schließung der Weinberge verkündet. Seit 1614 darf der Rügetag auf Befehl des Amtmanns aber nicht mehr am Sonntag gehalten werden. Die Versammlung findet auf dem Rathaus statt, jeder muß bei Strafe von fünf Gulden erscheinen.

 

Das Haus steht auch im Mittelpunkt verschiedener Geschichtlicher Ereignisse: Im April 1609 ereignet sich ein regelrechter Krawall: Die Vorwache, die bis 23 Uhr Dienst tut, befindet sich gerade am Rathaus, als Hans Appel betrunken aus dem Wirtshaus kommt und einen Wächter gegen den anderen stößt, so daß dieser hinfällt und seinen Kameraden durch den Spieß in große Gefahr bringt. Der Täter flüchtet und bewirft die Verfolger mit Steinen. Inzwischen eilt die Ablösung der Wache herbei, Hörner werden geblasen, das Volk läuft auf die Straße, Steine fliegen. Appel kommt fünf Tage in den Turm, die Krawaller werden ernstlich verwarnt.

Im Dreißigjährigen Krieg wird Hochstadt 1624 von protestantischen Kriegsvölkern schwer drangsaliert. Rechnet man die gelieferten Mengen an Lebensmitteln um, so kann man wohl sagen, daß die Soldaten tüchtige Fresser waren. Dabei spielt es keine Rolle, ob es protestantische oder kaiserliche Truppen sind. Raub und Plünderung sind Kriegsrecht, egal, ob es Freund oder Feind trifft. Die Mannschaften werden von den Quartiergebern versorgt. Die hohen Herren aber müssen von der Gemeinde verköstigt werden. Am 13. oder 14. August 1624 ziehen die kursächsischen Truppen wieder ab. Aber danach kommen noch einmal Soldaten zu Fuß und werden drei Tage und Nächte auf dem Rathaus verpflegt.

 

Das alte Hochstädter Rathaus soll im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden sein. In den Jahren 1683/84 wird es neu aufgebaut als ein Fachwerkbau auf offener Steinhalle. Große Instandsetzungen gibt es 1752, neue Fenster werden 1768 eingesetzt. Die Inschrift über der heutigen Eingangstür lautet: „Vorsteher als HW Schultheis Gerichtsleith DB HS HMB PB PM HS PS CMB AST. 17 Burgermeister als MW HST 84, Gerichtsdiener AST“.

Der Schultheiß ist Johann Weber (=Hans Weber). Er ist 1733 geboren und tritt 1784 sein Amt an. Unter den „Gerichtsleuten“ sind die Gemeindeverordneten zu verstehen, aber diese lassen sich natürlich nur schwer identifizieren. Wahrscheinlich handelt es sich um folgende Personen (mit Jahreszahl der Erwähnung in den Kirchenbüchern und mit dem Hochzeitsdatum):

 

„DB“     =  Daniel Burger                            1767 und 1790        (verheiratet 1752)

„HS“     =  Johannes Stein                        1773                          (verheiratet 1762)

„HMB“ =  Johann Meerbott                       1769 bis 1781          (verheiratet 1773)

„PB“     =  Peter Brosch (Johann Peter) 1786                          (verheiratet 1753)

„PM“    =  Philipp Jakob Müller, Lehrer   1781 bis 1789 (?)

„HS“    =  Johannes Schales                    1787 bis 1799          (verheiratet 1771)

„PS“     =  Peter Schmidt (Schmitt)           1797                          (verheiratet 1771)

„CMB“ = Johann Caspar Meerbott          1782 bis 1806          (verheiratet 1773)

„AST“  = Andreas Stein                             1801 und 1807        (verheiratet 1772).

 

Die zwei Bürgermeister sind die Rechnungsführer der Gemeinde. Es handelt sich um Michael Weber, der kurz nach 1800 die Stein’sche Wirtschaft (Hauptstraße 21) übernimmt. Und mit „HST“ ist wahrscheinlich der 1742 geborene Johann Jacob Stein gemeint. Und Gerichtsdiener ist dann wohl sein Vater gewesen, der gelernte Bierbrauer Andreas Stein, geboren 1719, der seit 1746 „Gemeindediener“ ist.

 

Am Mittwoch, dem 6. Juli 1796, wird im Hochstädter Rathaus eine kaiserliche Kanzlei eingerichtet. Im Dorf sind 100 Mann Einquartierung. General von Wartensleben ist mit seinem Stab in der Stein‘schen Wirtschaft (heute Gasthaus „Zum Tiger“) untergebracht. Im Jahr 1807 zerschlagen Kosaken und Franzosen auf dem Rathaus vier Kisten und einen Bücherschrank.

Beim Abzug Napoleons im Jahre 1813 kommt es zur Plünderung des Salzes auf dem Rathaus und zur Plünderung von Pferdegeschirren. Aus diesem Ereignis hat sich dann eine „Sage“ rund um die Familie Schales entwickelt, die sich hartnäckig in Hochstadt hält, aber keinen historischen Hintergrund hat. Michael Schales baute im Jahre 1909 das Haus Bischofsheimer Straße 9. Er war damals der reichste Mann am Ort. Man hat sich, natürlich gefragt, woher dieser Reichtum gekommen ist. Allein aus Weinbau und Landwirtschaft soll er nicht kommen können, denn die Bedingungen waren für alle Bauern gleich.

Es fällt aber auf, daß alle reichen Bauern in Hochstadt rund um den Rathausplatz gewohnt haben. Dort auf dem „Tanzplacken“ stellten die durchziehenden Soldaten ihre Wagen und Geräte ab. Und so wie die Soldaten die Bauern beraubten und bestahlen, konnte es ja auch einmal umgedreht sein. Eine günstige Gelegenheit wäre der Rückzug der Franzosen im Jahre 1813 gewesen. Dazu paßt dann die Geschichte von einer Truhe, die sich im Besitz der Nachkommen befand und in den 70iger Jahren von einem Antiquitätenhändler gekauft wurde und jetzt in einem Museum in Würzburg stehen soll.

Einige Zeit nach dem Kauf hat der Händler nämlich noch einmal bei den Verkäufern vorgesprochen und nach Schlössern zu der Truhe gefragt. Die Truhe muß nämlich ursprünglich mit 36 Schlössern (beziehungsweise einem Schloß mit 36 Riegeln) ausgestattet gewesen sein. Solche Truhen waren vor allem auf Schiffen und auch zum Transport von Kriegskassen üblich.

Und so entsteht dann die Vermutung, die Familie Schales sei durch den Raub einer französischen Kriegskasse zu ihrem Reichtum gekommen. Doch Napoleons Kriegskasse soll auch schon in Rothenbergen gestohlen worden sein. Das ist eine „Sage“, die immer wieder an immer anderen Orten erzählt wird, und die etwas erklären soll, was ganz natürliche Ursachen hat.

Der Reichtum der Familie Schales hat wohl eher seine Ursache in Fleiß, Geschick und Sparsamkeit der Familie. Michael Schales lief zum Beispiel fast jedes Jahr einmal oder zweimal zu Fuß nach Bad Nauheim, hielt sich dort einige Stunden auf und kam wieder zu Fuß zurück, obwohl er sich doch eine Kutsche hätte leisten können.

Mit dem Abzug Napoleons sind die Probleme für die Gemeinde nicht zu Ende. Am 4. Juni 1814 sind russische Kosaken da mit 18 Offizieren, 450 Mann und 548 Pferden. Im Rathaus wird ein provisorisches Lazarett eingerichtet. Immer neue Lieferungen werden erforderlich. Sogar eine Trommel und ein Säbel sowie Kautabak müssen geliefert werden.

Unruhen gibt es wieder im Zusammenhang mit der ersten deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848. Auch in Hanau kommt es zu einer Volksversammlung, die dem Landesherrn ein Ultimatum stellt und eine erfolgreiche Delegation nach Kassel schickt. In Hochstadt kommt es zu Unruhen, die aber wohl vor allem von Auswärtigen angezettelt werden. Diese halten von Ende März bis Anfang Mai das Rathaus besetzt, erpressen Lebensmittel wie Schinken, Wurst, Fleisch, Wein und Apfelwein.

Große Aufregung gibt es 1861. Da kommt es zur „Turnerschlacht“ von Hochstadt. Auswärtige Turner halten auf dem Felsenkeller eine Versammlung auf, bei der ein Turner verhaftet wird. Eine Abordnung der Turner wird ins Dorf geschickt. Da kommt das Gerücht auf, die werde von den Bauern bedrängt. Ein Turner kommt mit blutender Kopfwunde aus dem Dorf. Die Aufregung der Turner steigert sich. Schließlich kostet der Apfelwein nur zwei Kreuzer je Schoppen und man ist schon in gehobener Stimmung. Da läßt der Bürgermeister Sturm läuten und die Tore schließen. Das Gerücht verbreitet sich, die Turner seien weiterhin den Mißhandlungen der Einwohner ausgesetzt, die mit Steinen, Sensen und Dreschflegeln gegen sie vorgingen. Die Turner werfen mit Steinen gegen das Obertor. Später wird erzählt, das Obertor sei von den Turnern mit einem Baumstamm eingerammt worden. Doch das stimmt nicht. Vielmehr klettern einige junge Männer über die mit Efeu bewachsene nördliche Ringmauer und öffnen das Obertor von innen. Die Turner stürmen in das Dorf und werden mit einem Hagel von Steinen empfangen. Mehrere Häuser, aus denen geworfen wurde, werden übel zugerichtet.

Mittlerweile haben die Frankfurter und Offenbacher Turner den Ort umgangen und greifen ihn von Süden an. Weil sie mit einem Bombardement des Untertores drohen, wird auch dieses geöffnet. Die Turner befreien ihre im Rathaus eingesperrten Kameraden wieder. Den Bürgermeister suchen sie vergeblich, er soll sich im Heu versteckt haben.

 

Am Rathaus gab es im ersten Stock eine ,,Freilufttoilette“, die in den „Gengel“ zum Nachbarhaus entleert wurde. Wer also diesen schmalen Gang benutzen wollte - und der Schmied mußte das mehrmaIs am Tage - mußte er darauf achten, daß die Luft rein war.

 

Vor dem Rathaus und vor dem Grundstück des Schmieds Klees befand sich die „Weedt“. Sie ging von der untersten Ecke des Rathauses bis zur Mitte der Hauptstraße und längs derselben bis ungefähr an die Treppe des Hauses Hauptstraße Nr. 22 (zwischen der Weedt und den Häusern war allerdings noch genügend Platz). Die „Weedt“ war etwa fünf bis sechs Meter breit und an drei Seiten von einer etwa 80 Zentimeter hohen Mauer umgeben. Nur an der oberen Seite befand sich ein starkes Holzgeländer, damit bei starkem Regen oder bei Vereisung keine Stauung auftreten konnte.

Das Wasser war teilweise Grundwasser, zum Teil lief es als Regenwasser vom Oberdorf. hinein. In der Mitte von der Hauptstraße her war ein Eingang, durch den man hineingehen oder reiten konnte. Unten befand sich der Überlauf, das sogenannte „Weedtfloss“. Die „Weedt“ war Viehtränke, vor allem Pferdetränke (,,da wo man pflegt die Pferd zu tränken und sie vom Stäube abzuschwenken“). Gleichzeitig diente sie auch zu Feuerlöschzwecken (so noch im Jahre 1951).

Ab 1862 wurde die Weedt mit einem Gewölbe versehen. Dieser Teil mit einem Eingang in der Ecke vor dem Rathaus blieb noch lange bestehen. Erst im Zuge des Neubaus der Ortsdurchfahrt wurde die Weedt vollständig beseitigt. Die Wappensteine mit dem alten Hochstädter Wappen (ein großes H mit einer Hacke) befinden sich heute auf der Treppe vor dem Stadtmuseum.

Etwas weiter unten vor dem Haus des Spenglers Burger befand sich die kleinere „Unterweedt“. Sie wurde auch bei Bränden als Feuerlöschbecken genutzt. Im Jahre 1770 werden in der Gemeinderechnung zwei Pferdeschwemmen erwähnt, für deren Säuberung die Gemeinde bezahlt, dabei könnte es sich um die Oberweedt und die Unterweedt gehandelt haben.

Am Rathaus gab es auch einen Brunnen. Eine Wasserleitung, die die Dorfbrunnen speiste, gab es schon vor der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Brunnen am Rathaus wird 1857 hergestellt. Auf einem Plan von 1920 sind fünf Brunnen in Hochstadt eingezeichnet: ein runder Brunnen vor dem Rathaus, die Weedt am Rathaus, der Brunnen vor dem Haus Hauptstraße 39, der Brunnen in der Trinkbrunnenstraße und zwei Brunnen auf den Grundstücken Hauptstraße 8 sowie Schützenstraße 4.

Nördlich neben dem Rathaus ist der „Tanzplacken“, wo das „Gebet“ abgehalten wurde. Das heißt: Hier wurden die öffentlichen Bekanntmachungen verlesen, die Gemeinde „ins Gebet genommen“. Wenn mit der kleinen Glocke geläutet wurde, mußte jeder Einwohner erscheinen. Nach den Bekanntmachungen wurde dann über die Gemeindeanlegenheiten beratschlagt. Kein Einwohner darf diese Versammlung versäumen. Nur den Pfarrern und Amtsträgern werden die amtlichen Verordnungen ins Haus geschickt

Auf dem Platz hinter dem Rathaus wurde früher auch die „Kerb“ angehalten, die Kirchweih. An dem Fest beteiligt sich die ganze Gemeinde. Die Familien schaffen Tische und Bänke auf die Tanzplacke, dazu Wein, Kuchen und Hausgeschlachtetes. Auch Verkaufsbuden werden aufgestellt. Der Platz wird mit Birkenbäumen geschmückt, die nach Beendigung des Festes dann verkauft werden. Dann wird bei Spiel und Tanz gefeiert. Bei schlechtem Wetter geht man auf den Rathaussaal, dem einzigen größeren Raum im Ort. Dafür mußten die Kerbburschen allerdings 1 Gulden 15 Albus bezahlen. Auch die Fastnacht wurde schon auf dem Rathaus gefeiert. Im Jahr 1747 nimmt die Hanauer Grafenfamilie an der Feier der Kerb teil. Sie wird im Rathaussaal von den Dorfjungfrauen mit Kuchen und Wein bewirtet. Auf der Tanzplacke wird mit den Kerbburschen getanzt, die anschließend auf die Gesundheit der gräflichen Familie trinken und die Gläser wegwerfen.

Aus der neueren Zeit ist noch zu vermelden: Eine neue Wetterfahne aus Niederdorfelden wird 1843 auf das Rathaus gesetzt. Im Jahre 1883 wird vermerkt, daß das Haus mit Kohlen beheizt wird. Größere Reparaturen gibt es noch einmal 1892 und 1896. Das Unterstockwerk dient in dieser Zeit auch als Gefängnis und enthielt einen Raum für den Nachtwächter und für Durchreisende.

Zeitweise wird das Rathaus auch als Schule genutzt. Die 1903 in der heutigen Klosterhofstraße errichtete neue Schule hat zunächst nur ein Klassenzimmer und keine Lehrerwohnung. Die Klassen 4 und 5 werden im Rathaussaal unterrichtet. Erst 1910 wird die neue Schule um drei Klassenzimmer erweitert. Der Wert des Rathauses wird 1915 mit 5000 Mark angegeben. Zu einem Dachstuhlbrand kommt es 1916. Im Jahre 1927 wird wieder repariert.

In den sechziger Jahren will man das Rathaus abreißen und die Hauptstraße begradigen.  Der Landeskonservator muß alle Energien aufbringen, um dieses Vorhaben zu verhindern.

Aber 1963 wird das Untergeschoß durchbrochen, um für die Fußgänger einen Durchgang zu schaffen. Am 23. Mai 1964 kommt es zu einem großen Dachstuhlbrand, verursacht durch einen elektrischen Kurzschluß in den Behelfswohnungen im Dachgeschoß. Zahlreiche Feuerwehren sind im Einsatz, darunter auch die Hochstädter Wehr, die im mittleren Raum des Untergeschosses untergebracht ist und bei dem Brand einen der größten Einsätze hat.

Das Haus wird 1981 in der heutigen Form wieder aufgebaut, die Fassade erneuert und neue Fenster eingesetzt. Die Fertigstellung erfolgt 1983. Im Unterstockwerk wird eine Gaststätte eingerichtet. Zunächst soll sie reihum von den Vereinen genutzt werden. Doch es findet sich dann ein Pächter für den Dauerbetrieb.

Im Oberstockwerk entsteht ein Ausstellungsraum, der für viele kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann: Kunst-Ausstellungen, Dichterlesungen und Vorträge. Im Januar 1990 liest der Fernsehmoderator llja Richter zusammen mit seiner Mutter Eva aus deren Buch „Der Deutsche Jude“. Im Juli 1998 findet eine Ausstellung mit Bildern von Hans Ticha, Hauptstraße 8, im Rathaus statt.

 

Rund um das Rathaus und in der Hauptstraße finden heute folgende Feste statt: Anfang Juni das zweitägige Straßenfest (früher: Rathausfest), das seit dem Wiederaufbau des Rathauses im Jahre 1984 gefeiert wird, das Altstadtfest des Posaunenchors und des Humor- und Musikvereins Ende Juni und der Weihnachtsmarkt am zweiten Advent. Die Anregung zum Weihnachtsmarkt kommt 1981 vom Humor- und Musikverein. Unter Federführung von Helmut Roog wird der Markt zwei Jahre lang von drei bis vier Vereinen bestritten. Danach übernimmt Pfarrer Langheinrich die Initiative, nach weiteren zwei Jahren nimmt der Gewerbeverein die Sache in die Hand.

Seit 1985 die Hauptstraße fertig ist, steigt die Beteiligung immer mehr. Seit 1990 ist eine Interessengemeinschaft für den Weihnachtsmarkt zuständig. Bewußt hält man die Zahl der Verpflegungsstände klein und bevorzugt das Kunstgewerbe.

Im November 1988 wird der Grundstein zu dem neuen Verwaltungsgebäude der Stadt Maintal in der Klosterhofstraße gelegt. Ab 30. September 1999 aber wird das städtische Verwaltungsgebäude in Hochstadt offiziell zum Rathaus für Maintal, nachdem man das Rathaus in Bischofsheim aufgegeben hat.                            

 

 

 

Die Häuser unterhalb des Rathauses:

Das Unterstockwerk des Hauses Hauptstraße 20 wurde 1590 erbaut. Die Steinmetzarbeiten zeigen einen Kopf an der mittleren Konsole, links und rechts Schmuckrosen und Steinmetzzeichen (kein orthodoxes Kreuz). Das Fachwerk ist von 1786 und hat ein Krüppelwalmdach. Daß es aus Baumaterial aus Groschlag gebaut sei und die Wohnung des letzten Einwohners von Groschlag gewesen sei, ist nicht erwiesen. Im Hinterhaus war lange eine Schmiede.

An dem Haus Hauptstraße 27 steht über der Haustür „...1572 Strohl und Anna Margreda“ (Vorname nicht lesbar).

Im Haus Hauptstraße 24 wohnte Johannes Meerbott, geboren am 24. Juli 1756. Er wird als Soldat nach England verkauft, um gegen die Amerikaner zu kämpfen. Er heiratet in den USA und wird zum Stammvater einer weit verzweigten Familie Marbut.

Das Haus Hauptstraße 26 gehört 1715 „Isaak Jud“, also dem Juden Isaak. Es gehörte aber auch später jüdischen Familien, zuletzt der Familie Goldschgmidt, deren Nachkommen jetzt in Südamerika wohnen.

 

Nach Süden geht die Bahnhofstraße ab. Nach dem Bau der Eisenbahn im Jahre 1843 schuf man dort einen kleinen Durchbruch durch die Mauer, damit man leichter zum Bahnhof gelangen konnte. Der Durchgang wurde „Rußloch“ genannt, weil die Steine durch die Fackeln der Leute geschwärzt wurden, die früh zur Bahn gingen, oder  weil der der Durchbruch mit „Russensteinen“ ausgemauert war.

 

Hauptstraße 33

Das Fachwerk dieses Hauses ist mit sogenannten „Russensteinen“ ausgemauert.

Das sehr große Grundstück war auch 1715 schon eine Einheit. Es reichte nicht bis zur Ringmauer, denn dort war noch ein Grundstück. Die kleine Gasse westlich des Hauses gab es auch schon. Auf dem Haus war früher das Storchennest, solange es noch Feuchtgebiete in der Umgebung Hochstadts gab. Vor dem Haus waren ein Brunnen und die Haltestelle der Postkutsche.

Auf dem Grundstück wohnte im Jahre 1715 Philipp Burger (1687- 1771), Sohn des Landscheiders Caspar Burger (1642-1718). Er heiratet 1709 Anna Maria Schmidt. Sie dürften das Haus Hauptstraße 33a gebaut haben, denn es wurde 1732 erbaut (laut einer Inschrift, die sich früher am Haus befand). Ihr Sohn Andreas Burger (1714-1801) heiratete 1735 Maria Elisabeth Meerbott (1721-1802). Sie dürften die Erbauer des heutigen Hauses Hauptstraße 33 sein, denn laut einem dendrochronologischen Gutachten wurde dies 1737 erbaut.

Katharina Burger (1836-1901) heiratet 1865 Johannes Georg Mankel (1835-1919). Ihr Sohn Johannes Mankel (1860-1948) heiratet 1885 Katharine Basermann (1836-1925). Sie wohnten in dem Haus Hauptstraße 33a. Die Ehe von Johannes Mankel und Katharina Basermann bleibt aber kinderlos. Deshalb vererben sie das Haus (bzw. die Häuser) an Verwandte aus der zweiten Ehe von Philipp Basermann.

r älteste Sohn Johannes Basermann (1899-1958) erbte die Häuser in der Hauptstraße. Der Hof wurde mindestens seit 1928 von der Familie Basermann geführt. Er war - seit es schriftliche Aufzeichnungen - gibt im Familienbesitz, wenn auch unter unterschiedlichen Namen.

 

 

 

Hauptstraße 32

Das Wohnhaus  mit Torbau und Nebenbau ist  vielleicht zu einem großen Teil das älteste Wohnhaus in Hochstadt. Das Oberstockwerk wurde 1538 erbaut, wie eine Untersuchung der Jahresringe in dem verwendeten Holz ergab. Sehr schön zu sehen sind an diesem gotischen Haus die „Wilden Männer“, die Balken in X-Form. An der Hausecke ist ein kleines Guckfenster durch das man den Verkehr auf der Hauptstraße beobachten konnte und kann. 

Am Erdgeschoß steht eine Jahreszahl mit den Anfangsbuchstaben „18 HMB 23“ und im Hof steht über der Tür zum Nebengebäude „18 HMB 21“. Die Anfangsbuchstaben verweisen auf Johannes Meerbott, der 1810 Johanna Maria Schröder heiratet. Das wird auch dadurch bestätigt, daß Johannes Meerbott ein Enkel einer Tochter des Johannes Weber ist.

Links neben der Torfahrt steht das ehemalige Gesindehaus des Bauernhofes, die aus dem Jahre 1719 sein sollen. Darauf könnte ein Stein deuten, der in die Wand des Durchgangs zur Straße eingefügt ist. Der Stein mit Schnecken am oberen Rand ist allerdings in zwei Teile gespalten und erst später wieder zusammengesetzt, so daß man nur noch die Anfangsbuchstaben „HW“ und „1..19“ lesen kann (also „Hans Weber“). Im Jahr 1982 gewinnen die Eigentümer, die Familie Rauch, den Fassadenwettbewerb der Stadt Maintal „Schönstes Fachwerk in Maintal“. Der Spruch am Haus wurde 2000 zugefügt.

 

Synagoge

Das Haus Hauptstraße 39 ist von ….Davor stand ein Brunnen. Die Hausnummer 41 fehlt. Das liegt daran, daß das  kleine Haus hinten an der Ringmauer am 10. November 1938 zusammen mit der Synagoge, dem Bethaus der jüdischen Gemeinde, zerstört wurde. Nur die jüdische Schule steht noch, heute ein Wohnhaus mit der Hausnummer 43. Das Haus Hauptstraße 45 trägt die Jahreszahl 1610 und hat einen Erker; der Sinnspruch von Schiller ist etwa 1950 angebracht worden.

 

Hauptstraße 49

Hier wohnte 1715 der Gemeindebäcker Rudolf Basermann, Sohn des Gemeindebäckers von Dörnigheim, der im Jahre 1710 Anna Margretha Schmöhl heiratet, im Jahre 1715 Anna Catharina Wentzel und im Jahre 1739 Anna Margretha Schäfer. Über der Tür steht „17 ISB 62“ mit Hammer, Kelle und Lot über einem Dreieck. Das  Fachwerk ist aber nach dem Urteil von Fachleuten  zum Teil älter.

Die Buchstaben könnten sich auf das Ehepaar Basermann / Schäfer beziehen, also auf die dritte Ehe des Gemeindebäckers. Aber dazu passen nicht gut die Handwerkszeichen, die eher auf einen Maurer deuten. Die Maurerfamilie der damaligen Zeit war die Familie Bechert. Es handelt sich wohl um Jonas Bechert, der 1731 Catharina Schröder heiratet (dazu passen alle Buchstaben). Oder es könnte sich auch um seinen Sohn Johannes Bechert handeln, der 1753 Anna Catharina Müller heiratet.

 

Hauptstraße 36

Auf der Südwestecke des Grundstücks und an der Nordseite des Untertors stand das Gemeindebackhaus. Es war nur klein und umfaßte praktisch nur die Backstube und war vom eigentlichen Haus durch einen Gang getrennt. Dieses Wohnhaus war zunächst nicht die Wohnung des Bäckers, sondern gehörte einer anderen Familie.

Der Gemeindebäcker Rudolph Basermann (seit 1710) wohnte im Haus gegenüber, Hauptstraße 49. Der Bäcker hatte gleichzeitig die Aufgabe, das Untertor auf- und zuzuschließen.

Der Backofen stand außerhalb der Mauer wegen der Feuergefahr. Er sah etwa so aus, wie heute noch in Oberdorfelden und in Roßdorf einer zu sehen ist,  also rund und nach oben zu spitz auslaufend. Auf der Zeichnung des Amtmanns Usener aus Bergen ist das deutlich zu sehen (siehe Chronik „Aus dem Leben der alten Hochstädter“, Seite 25).

Daß der Gemeindebäcker im angrenzenden Wohnhaus wohnt, ist erstmals bezeugt im Jahre 1858: Der Bäcker Johann Caspar Eibelshäuser wohnt bis 1857 in der Ritterstraße 15, im folgenden Jahr aber wohnt er dann im Gemeindebackhaus. Dort wohnen auch die folgenden Bäcker aus der Familie Koch: Johannes Koch, sein Bruder Philipp Koch und schließlich Philipp Koch, Sohn des Schuhmachers Daniel Koch, ein entfernter Verwandter. Dieser stirbt im Jahre 1871.

Seine Witwe Anna Maria geborene Wiegel heiratet 1873 den Bäcker Konrad Ohl aus Kilianstädten. Er ist 1874 der letzte Bäcker im alten Backhaus innerhalb der Ringmauer, denn im Zusammenhang mit der Abtragung des Untertores wird 1874 auch das Backhaus abgerissen. Für 3.900 Gulden wird von der Gemeinde Hochstadt eine neue Bäckerei außerhalb der Mauer auf dem Grundstück Hauptstraße 38 errichtet, die fortan dem Unterbäcker dient.

Über der Haustür des heutigen Hauses steht „Erbaut im Jahre 1888 von Philipp Stein“. Das bezieht sich auf Johann Philipp Stein, der 1859 Elisabetha Rödiger heiratet.

 

Untertor

Am unteren Ende der Hauptstraße stand das Untertor. Es war eingefügt zwischen den Häusern Hauptstraße 53 und dem Haus Nr. 51, an dem man noch die alte Mauer erkennen kann. Das Untertor soll schon 1283 errichtet worden sein, nach anderer Überlieferung aber erst 1589/90. Über dem steinernen Torbogen befand sich das „Bäuelin“, ein Stockwerk aus Holz mit einem Ziegeldach und mit einer Stube für den Pförtner.

Vor dem Tor befand sich ein Graben mit einer Brücke. Am Tor befand sich ein Halseisen an dem an den Pranger gestellt wurde, wer Feld- oder Walddiebstähle begangen hatte; dabei wurde das Diebesgut neben den Übeltäter gelegt. Die Schlüssel und die Geräte des Nachtwächters befinden sich heute im Stadtmuseum.

Vor dem Untertor stand ein kleines Wachhaus. Dieses war aber auch bewohnt und hatte die schöne Hausnummer „0 ½“. Schon um 1860 werden die Hausnummern 0 und 0 1/2 erwähnt: Johann Philipp Bauer (1776-1860) wohnt im Jahre 1860 Hausnummer 0. Wahrscheinlich hatte die Wohnung im Oberstockwerk des Untertors die Hausnummer 0 und das Wachthäuschen daneben die Nummer 0 1/2.

 

Das neue Backhaus

Beim Bau des neuen Backhauses Hauptstraße 38 werden wahrscheinlich Steine vom Untertor verwendet, denn das Erdgeschoß des Hauses ist aus Kalksteinen errichtet (das Obergeschoß aus Backsteinen). Es handelt sich um einen üblichen Bauernhof mit Stallung und Scheune. Links von Hinterausgang ist der Brunnen. Der Bäcker betreibt auch eine Landwirtschaft. Anfangs hatte er auch den „Faseleber“ (Vatertier) zu halten.

Die Bäckerei ist mit im Wohnhaus untergebracht. Von der Hauptstraße her kommt man zunächst in einen breiten Flur, in dem sogar die Kuchenbleche abgelegt werden können. Links ist die Wohnstube, rechts die Backstube.

Der gemauerte Backofen steht hinten im Raum. Er wird mit Holz geheizt, vorwiegend mit Tannen- und Fichtenholz, das in Eigenarbeit vom Bäcker im Wald gewonnen wird.

Früher wurden Brot und Brötchen noch den Kunden ins Haus zugestellt. Die Bauern brauchten manchmal 15 Brote, um ihre Familie und das zahlreiche Gesinde versorgen zu können. Sie stellen selber das Mehl für das Brotbacken. Der Müller aus Niederdorfelden liefert das Mehl dann gleich in der Bäckerei ab. Die Bauern zahlen dann nur noch 10 Pfennig Backlohn für den Laib.

Auch das neue Gebäude in der Hauptstraße 38 ist Gemeindebackhaus und wird weiterhin verpachtet. Zum Beispiel 1889/90 wird das Backhaus an Konrad Ohl für 216 Mark verpachtet. Auch im Jahre 1899 wird er als Bäcker bezeichnet. Konrad Ohl stirbt 1894, seine Frau führt das Geschäft noch weiter. Auch sein Sohn Heinrich Ohl wohnt 1905 im (neuen) Gemeindebackhaus. Dessen Sohn Valentin Ohl wohnt bei der Trauung 1930 auch im Haus Hauptstraße 38, also dem neuen Gemeindebackhaus.

Aber auch das neue Gemeindebackhaus Hauptstraße 38 entspricht mit der Zeit nicht mehr den Vorschriften für eine Bäckerei und einen Backofen (z.B. zu niedrige Decken). Aber für den Bäcker lohnt es sich auch nicht, in einem nur angemieteten Haus größere Investitionen vorzunehmen.

So baut Valtin Ohl 1935 im Haus seiner Frau - einer geborenen Höhl - in der Ringstraße Süd 29 eine eigene private Bäckerei. Die Tochter Marie Ohl wird noch im Gemeindebackhaus geboren. Aber dann geht die Tradition des Unterbäckers über auf die neue Bäckerei in der Ringstraße. Das Gemeindebackhaus wird von der Gemeinde an den Fahrradhändler Philipp Lutz verkauft. Heute ist es im Besitz der Familie Reichert.

Außerhalb der Ringmauer

Am unteren Ende der Hauptstraße steht auf der Nordseite zunächst eine alte Schmiede (Nummer 40). Es folgt das Haus, in dessen Stube der Bürgermeister jahrelang seine Amtsgeschäfte führte, ehe die Gemeindeverwaltung in die Schule Hauptstraße 4 kam. Schließlich steht dort das Gasthaus „Zum Neuen Bau“.

Auf der Südseite steht das Haus Nr. 55, vor dem die Gemeindewaage war, auf der die Fuhrwerke gewogen wurden. Im Haus Nr. 57 war lange Zeit die Post untergebracht. Die frühere Inschrift „18 MF 30“ (MF = Michael Fix) weist es als das älteste Haus außerhalb der Ringmauer aus.  Am Haus Im Brand 1 befindet sich die Inschrift      „HB 1836“, die von der Familie des später dort wohnenden Schlossers Bauer gern als „Heinrich Bauer“ gedeutet wird. Aber es gibt keine passende Person um das Jahr 1836. Der Sohn Heinrich Bauer wurde erst 1844 geboren (er war übrigens der erste Spengler in der Familie). Von den Lebensdaten her kommt an sich nur Johannes Bauer (1806 bis 1873) in Frage. Die Buchstaben könnten allerdings auch „MB“ zu lesen sein, aber auch dazu gibt es keine passende Person.

Das Haus Hauptstraße 61 war das Verwaltungsgebäude der Apfelweinkelterei Höhl, die hier ihre ersten Fabrikationsräume hatte. Heute bilden Kreissparkasse, Rathaus und katholische Kirche einen modernen städtebaulichen Akzent.

Das Wohnhaus mit Hofeinfahrt in der Klosterhofstraße 2 trägt die Inschrift: „18 AS 46“. Sie bezieht sich auf Andreas Schmidt, der vorher im Haus Hauptstraße 19 wohnte.

Nach rechts geht es in die Bischofsheimer Straße und die 1914 angelegte Weinbergstraße und zu zwei Aussiedlerhöfen. Noch weiter entfernt ist das Neubaugebiet am Luisantring, der nach der französischen Partnerstadt Hochstadts in der Nähe von Paris genannt ist.

 

Weiter südlich im Bereich der Hofgerichtstraße und der Fahrgasse lag der Ort Groschlag, der bis zum 30jährigen Krieg bestand und dessen „Höfisches Gericht“ bis ins 19. Jahrhundert gehalten wurde. Südlich der Autobahn liegen das Industriegebiet und die Siedlung Niederfeld.

 

Gasthaus „Neuer Bau“:

Das erste Gasthaus in der Hauptstraße 42 wurde gebaut von der Familie Schäfer, Doch sie geriet mit dem Gasthaus in Schulden. Deshalb konnte die Familie Huhn 1896 das Gasthaus kaufen. Der Stammvater Gottlieb Huhn (geboren 1764) kam aus dem Amt Maulbronn in Württemberg nach Hochstadt. Er heiratete 1802, 1803 und 1810. Aus der dritten Ehe stammt der Sohn Heinrich Huhn, der Landwirt war. Auch dieser war dreimal verheiratet. Seine zweite Frau war Katharine geborene Emmel.

Deren Sohn Johannes Huhn kaufte die Gastwirtschaft von der Familie Schäfer. Das Haus bestand nur aus dem heutigen Mittelteil. Man konnte von der Hauptstraße her (Grenze zum Haus Nr. 42) und von der Bischofsheimer Straße her in den Hof fahren. Die Gaststätte war Unterkunftsmöglichkeit für Fuhrleute, die erst nach dem Schließen der Tore ankamen.

Die Gaststätte wurde nach dem Tod von Johannes Huhn im Jahre 1907 geführt von der Tochter Eleonore und deren Mann Philipp Eibelshäuser. Damals soll der Name „Heckewirt“ aufgekommen sein, weil Philipp Eibelshäuser die Gartenwirtschaft mit Hecken einsäumte. Der Name könnte allerdings auch davon kommen, daß dort zunächst nur eine „Heckerwirtschaft“ war, in der nur zeitweilig ausgeschenkt wurde, ähnlich wie in den Straußwirtschaften.

Im Jahre 1898 wurden die Anbauten links und rechts an das Haus  angebaut. Links war ein Ladengeschäft, das später in die Schulstraße verlegt wurde (Nickel). Die Metzgerei wurde erst etwa 1918/19 eingerichtet und von dem Sohn Philipp Eibelshäusers geführt.

Philipp Eibelshäuser starb 1933. Die Gaststätte übernahm Philipp Eibelshäuser II., die Landwirtschaft und das Haus in der Bischofsheimer Straße ging an den Schuhmacher Peter Eibelshäuser.

 

Ringmauer

Vom unteren Ende der Hauptstraße geht man wieder ein Stück zurück und weiter in die Ringstraße Nord. Ab hier kann man die Ringmauer besonders gut sehen. Bisher war es übereinstimmende Meinung in Hochstadt, daß das Gelände nördlich der Ringmauer in Hochstadt  nicht bebaut werden soll, um den altertümlichen Gesamteindruck der fast vollständig erhaltenen Anlage nicht zu stören. Neuerdings wird der Vorschlag gemacht, in der Nähe der Straße „An der Weidbach“ die Hochstädter Zweigstelle des Maintaler Seniorenheims zu errichten, nur weil die Stadt dort in den Besitz eines Grundstücks gekommen ist.

Das Grundstück liegt aber unmittelbar an der denkmalgeschützten Ringmauer, und zwar ausgerechnet an dem sensibelsten und interessantesten Teil dieser Ringmauer mit dem einzigen viereckigen und einzigen hohen Turm an dieser Ringmauer. Dieser Bereich ist weit und breit das einzige Beispiel dafür, wie früher die Dörfer aussahen: abgeschlossen durch eine Ringmauer und umgeben von Krautgärten und Streuobstwiesen.

Aus denkmalspflegerischen Gründen ist eine Bebauung ausgeschlossen, auch wenn sie nicht für private Zwecke, sondern für einen sozialen Zweck erfolgen soll. Ein modernes Gebäude wie in Bischofsheim würde den ganzen Charakter des nördlichen Ortsrands von Hochstadt verändern.

Auch wenn man architektonisch eine angepaßte Lösung anstrebt, wäre das Ergebnis auf alle Fälle störend im Vergleich zum jetzigen Zustand. Der Hochstädter Ortskern und das nördlich sich anschließende Streuobstwiesengebiet ist ein Pluspunkt für ganz Maintal, den man nicht ohne Not zerstören sollte, zumal es andere  Möglichkeiten am Rande des Grünbereichs gibt.

 

,,Narrenhaus"

In dem viereckigen hohen Turm  hat man in früheren Zeiten Geistesgestörte und Verbrecher untergebracht, aber vielleicht auch vermeintliche „Hexen“. Die Eingangstür ist vom Wehrgang her (heute ein Privatgrundstück). Über einige Stufen gelangt man in den überwölbten Raum. Rechts befand sich bis etwa 1900 ein Halseisen. Bis zu dieser Zeit wurden hier noch Jugendliche eingesperrt, die Streiche begangen hatten. Der Turm hat bis etwa 1800 ein spitzes Dach gehabt, aber keine Schießscharten. In den Schuppen neben dem Turm waren der Krankenwagen und der Leichenwagen untergebracht und zeitweise auch die Feuerwehr.

 

Runder Turm

Das Gelände vor der Ringmauer wird „Schütt“ genannt.  Das Wort hat nichts damit zu tun, daß man hier einen Graben zugeschüttet hätte, denn im Gegenteil geht es darum, daß eine ebene Fläche vor der Mauer geschaffen wurde. Das 1613 erwähnte Wort „Schöt“ meint nämlich eine bei der Ortsbefestigung aufgeschüttete ebene Fläche. An der Nordseite spricht man von „Bettelschütt“ und an der Südseite von „Konradschütt“.

Der hohe runde Turm war wohl kaum ein „Hexenturm“, wie behauptet wird. Er zeigt aber sehr gut, wie hoch die Mauer und die Türme einmal waren. Die niedrigen Türme werden „Rondell“ genannt.       Durch einen kleinen Durchgang in der Mauer kommt man in die Ritterstraße.

 

Ritterstraße

Das kleine Haus an der Ringmauer (Ritterstraße 6) war die erste  lutherische Schule.

Man muß sich diese Schule so vorstellen, daß  der Lehrer einen Webstuhl  mitten in seiner großen Stube stehen hatte und die Schüler darum herum saßen und bei der Arbeit etwas unterrichtet wurden (ohnehin nur im Winter).

Vor  dem Haus Ritterstraße 11 sind der „Stolpersteine“ eingelassen. Sie erinnern an die jüdische Familie Katz, die früher hier wohnte. Leopold Katz wurde im Alter von zehn Jahren mit einem Kindertransport in die Niederlande gebracht und wurde dort während der Zeit der deutschen Besetzung von einer Familie versteckt. Die Eltern wurden in einem Vernichtungslager im Osten ermordet.

Das Haus Ritterstraße 7 wurde 1708 erbaut. Das besagt die Inschrift: „Veracht mich nicht und die Meinigen, sondern bedracht erst dich und die Deinigen. Und wann du dich und die Deinigen hast wohl betracht, so wirst du mich und die Meinigen lasen wohl unveracht. 1708“. Der schräge Balken an der Ecke hat die Form eines Gesichts.

 

Trinkbrunnenstraße

In der Trinkbrunnenstraße kann man in eine kleine Gasse nach Norden sehen und dabei den hohen runden Turm von innen sehen. In der Straße stand früher der Trinkbrunnen. Heute noch ist die Abdeckung sichtbar schräg gegenüber Haus Nummer 4. Am Nebengebäude des Hauses Trinkbrunnenstraße 2 stand „MW 1835“.

Nach Norden geht es in die Schützenstraße, die nach dem Schützenhaus benannt ist, das an der Ostseite des heutigen Festplatzes stand.

 

Rathausplatz

Man geht aber weiter zum  Rathausplatz. Das Haus Nummer 2 mit seinen Nebengebäuden wurde 1853 erbaut von Michael Weber (Inschrift  über der Haustür). Das Haus Am Rathaus  4, der westliche Teil der Gaststätte „Zur goldenen Krone“, ist ein eigenes Grundstück. Über dem Eingang zur früheren Kegelbahn steht „Wilhelm Rauch 1911“. Der Erker des Hauses wird gekrönt von einem Apfelweinbembel, dessen Henkel beschädigt ist (durch einen Schuß?). An der Nordseite des Hauses sind Wohnungen. Früher war hier auch die Milchsammelstelle.

 

Bogenstraße

Das Wohnhaus Bogenstraße   7 ist ursprünglich von 1631 (laut Angabe des früheren       Eigentümers).  Die Torfahrt wurde 1935 neu gebaut, wie die Inschrift besagt. Sie verweist auf den früheren Hochstädter Bürgermeister Wilhelm Mankel, der wohl auch das Wappen über dem Tor erfunden hat: Die rotgoldenen Hanauer Sparren und die Hochstädter Weinbergsgeräte Spaten, Karst und  Weinbergmesser („Wingertkneip“). An der Stelle der heutigen Treppe war früher ein Brunnen.

Am Wohnhaus Bogenstraße 18 befindet sich die Inschrift „1631“. Diese ist aber nicht original, sondern wurde etwa 1980 vom damaligen Eigentümer angebracht, weil angeblich auch andere Häuser aus der Umgebung aus diesem Jahr sind. Das Fachwerk wird von einem Fachmann auf das 17. Jahrhundert geschätzt. Der nördliche Teil wurde erst später angebaut.

In dem Haus Bogenstraße 16 lebte und arbeitete der „Mittelbäcker“. Das Haus wird 1910 umgebaut, vor allem der hintere Teil, wo die Bäckerei war. Diese war damals die modernste im Kreis und weiß gekachelt (heute unter Gipsplatten verborgen). Der Eingang am Vorderhaus ist vorgesetzt. Die Rückwand des Hauses ist aus Lehm. Die Bäckerei wird im Jahre 1979 aufgegeben. Früher gehörte das Haus dem Freiherrn von Edelsheim, der wegen seiner Verdienste um das Hanauer Land geadelt worden war und in Hanau ein „Palais“ besaß. In Hochstadt gehörten ihm ausgedehnte Liegenschaften, besonders Weinberge, die er zum Teil verpachtete, zum Teil aber auch selbst bewirtschaftete. Deshalb hatte er auch ein Kelterhaus auf seinem Grundstück stehen.

 

Das Haus Bogenstraße 14 gehörte den Grafen von Hanau und beherbergte die herrschaftliche Zehntscheune und Kelter. Hierhin wurde der Weinzehnte abgeliefert und gekeltert. Deshalb spricht man auch vom „Herrschaftlichen Zehntkelterhaus“. .Die Zehnt-Einnehmer kontrollierten auf den Feldern und in den Weinbergen die Ernte und zweigten gleich den zehnten Teil ab. Im Dorf gab es bestimmte Häuser, in denen diese Naturalien gelagert und zum Teil verarbeitet wurden. So gab es auch die Zehntkelter, in der der Wein für die Herrschaft abgeliefert und gekeltert wurde.  Nach der Ablösung des Zehnten im Jahr 1834/35 ist die Zehntkelter überflüssig. Das Anwesen wird 1836 für 1.800 Gulden an Wilhelm Heckert verkauft. Der Kaufvertrag zwischen dem Hessischen Staatsministerium und Wilhelm Heckert ist noch vorhanden und gut erhalten. Das Kelterhaus wird von Wilhelm Heckert als Scheune genutzt und 1895 ein Kuhstall eingebaut. Aber bis in unsre Zeit wurde die Scheune von der Familie noch als „Kelterhaus“ bezeichnet. Das Haus gehörte bis 1995 noch einem Nachkommen des Käufers. Die Scheune ist aber inzwischen abgerissen.

Der Schlußstein aus dem Kuhstall befindet sich jetzt in einer Mauer im Hof Hauptstraße 13 (Westseite). Gegenüber an der Güldnergasse steht das Kelterhaus des Herrschaftlichen Hauses Hauptstraße 10.

 

Durch die Güldnergasse kommt man wieder zur Ringmauer. In diesem Bereich kann man noch hinter der Mauer hergehen. Sie wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaut aus den Kalksteinen, die in der Gemeinde vorkommen. Auf der Nordseite hatte sie drei hohe und drei niedrige Türme, die „Rondell“ genannt wurden. Die südliche Ringmauer wurde bis auf einen Rest am Obertor und im westlichen Bereich abgerissen. Die Türme an der Nordseite wurden nach dem ersten Weltkrieg abgerissen.

Einige Schießscharten in der Mauer sind zugemauert, weil sie im Winter oft von Einwohnern genutzt wurden, um Hasen zu schießen. Die Mauer war 1.100 Meter lang und ist etwa 80 Zentimeter dick.

 

 Das Wohnhaus Bogenstraße 3 ist aus dem 17./18. Jahrhundert.  Am Kellereingang ist das Hanauer Wappen und andere Zeichen zu sehen. Das Wohnhaus Bogenstraße 8 ist 1687 erbaut von Alban Dietz, wie die Inschrift an der Ostseite besagt.

Es hat ein  Ausguckfenster an der Ecke.

 

Straße „Am Kirchberg“

Am oberen Ende der Straße blickt man auf das Evangelische Gemeindehaus aus den Jahren 1975/76, zum Felsenkeller, wo sich der Eingang zu den Kalksteinhöhlen befand, zum Schützenhäuschen, dem letzten der drei Weinberghäuser, und an der Ringmauer entlang.

Das alte Wohnhaus Nummer  6 ist aus dem 17./18. Jahrhundert, das Nebengebäude war früher die Scheune. In der Hofmauer befindet sich innen eine Nische mit der Inschrift       „1574“, die aber vielleicht erst später dorthin gekommen ist. Das Haus ist ein gutes Beispiel für die Verbindung von altem und neuem Fachwerkbau.

Das Haus Am Kirchberg 11 trägt über der Tür die Inschrift „Neu 1684, Renevatum 1798“ (richtig wäre: „renovatum“). Darunter stehen noch die Buchstaben „PS“, die sich auf Peter Schmidt beziehen. Seine Tochter Maria Elisabeth Schmidt heiratet 1702 Johannes Jacob Heckerth. Auf ihn bezieht sich die Inschrift „17 JIH 23“ über dem Kellereingang. Im Jahr 1978 wird das Haus wieder in seinen alten Zustand versetzt und auch im Inneren werden die Balken freigelegt.

 

Kirche

[Eine ganz ausführliche Darstellung der Kirche und des Kirchhofs  findet sich unter dem Link „Hochstadt; Kirche“  auf dieser Homepage. Hier ist nur eine kurze Zusammenfassung wiedergegeben:]

Die Kirchhofsmauer ist das älteste Bauwerk in Hochstadt (und Maintal), denn sie stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert und zeigt noch an der Ostseite das sogenannte „Fischgrätwerk“. Ein unterirdischer Gang führte wahrscheinlich zu dem System der Kalksteinhöhlen nördlich von Hochstadt.

Der Kirchturm war ursprünglich ein Torturm des befestigten Kirchhofs, unter dem Schieferdach befindet sich noch der achteckiger Turmhelm aus Steinen. Erbaut wurde er 1554 (siehe Sandsteinplatte am ersten Geschoß, unten mit einer Winzersichel).

An der Rückseite befindet sich eine Tafel,  die an den Besuch der „Kaiserin Friedrich“ erinnert (Viktoria, die Tochter der Königin Viktoria von England, die Frau des Kaisers Friedrich III., der 1888 nur 99 Tage regierte.

Im Turm hängen vier Glocken mit den  Tönen  e  g  a  c: Eine Glocke von 1687 mit dem Ton g  und mit einer der ältesten Darstellungen des traditionellen Hochstädter Wappens mit der Hacke in dem Buchstaben „H“. Drei weitere Glocken sind  aus den 50iger Jahren.

Auf dem Kirchhof sieht man eine Reihe alter Grabsteine. Am Stützpfeiler ist eingelassen der Stein der siamesischen Zwillinge. Sie wurden am 10. März 1642 als Kinder des Weingärtners Johann Scherninck geboren, sind aber 10 und 24 Stunden später gestorben.

 

Der dreischiffige spätgotische Bau ist eine Halle mit überhöhtem Mittelschiff und mit einem einschiffigen Chor („Pseudobasilika“). Die Tür am Südeingang stammt aus dem Jahr 1681 (Jahreszahl auf dem Stein links neben der Tür). Die zwei Sandsteinpilaster sind vorne mit Schuppen und seitlich mit Rankenwerk verziert (1981 erneuert). Darüber tragen zwei ausladende Voluten - vorne mit einem Löwenkopf geschmückt - den S‑förmig geschweiften Dachstuhl. Vorne stützen das Vordach zwei toskanische Säulchen aus dem Frühjahr 1717.

Die Anbauten  an der Süd- und Nordseite des Chors könnten einmal Seitenkapellen gewesen sein. In der Wand der Sakristei ist noch der Auslauf des Handwaschbeckens aus der Sakristei zu sehen.

Der alte Turm  ist an der Nordwestecke der Kirche ist an zwei Seiten noch gut zu erkennen. Er besaß einen breiteren Durchgang im Westen und eine nach Norden schmalere Rundbogenöffnung. Im Jahre 1768 wurden je zwei dicke Strebepfeiler an den Längsseiten der Kirche hochgemauert, als man der Kirche einen neuen Dachstuhl aufsetzte.

 

4Im Kirchenschiff haben die quadratischen Pfeiler auf der Südseite einen achteckigen Sockel und sind achteckig. Die Pfeiler auf der Nordseite haben rechteckige Sockel und gehen erst über Eckausläufe ins Achteck über. Die sechs Langhausfenster sind oben nur leicht spitzbogig geschlossen, aber trotz ihrer Größe ganz ohne Maßwerk. Nur das südliche Fenster am Chor ist dreibahnig und entsprechend breiter. Die Emporen wurden 1697 errichtet (Jahreszahl an der Säule vorne rechts).

Der alte Taufstein stand in der 1686 errichteten lutherischen Kirche (Lutherstraße 9).Nach der Vereinigung der beiden Kirchen 1818 stand der Taufstein weiter als Blumenkübel auf dem Gehöft herum. Ein Antiquitätenhändler verkaufte ihn 1904 an das Historische Museum in Frankfurt. Im Advent 2000 konnte er wieder in der Kirche aufgestellt und neu in Gebrauch genommen werden. Von dem mächtigen Taufstein in Kelchform aus rotem Sandstein ist nur die Schale erhalten. Er hat eine Verzierung aus fünfzehn runden Blendbögen, drei an  der Vorderseite sind etwas schmaler gemacht.

Die heutige Kanzel wurde wahrscheinlich 1681 gefertigt und wurde bei der Renovierung 1967 in ihrer Farbigkeit wieder hergestellt. Neben der Kanzel steht an der Ostwand des nördlichen Seitenschiffes ein Grabstein für die Söhne des Landgerichtsschöffen Johann Peter Hatzmann. Die erste Orgel kommt 1697 auf die Empore im westlichen Teil des Mittelschiffs. Aber von dort hat man sie zweimal in den Chorraum und wieder zurück versetzt. Die pneumatische Orgel von 19091 wurde 1966 durch eine mechanische Orgel der Firma Peter in Köln ersetzt und hat 19 Register.

Im Chorbogen sind dargestellt Christus als Weltenrichter in der „Mandorla“, auf einem Regenbogen sitzend, flankiert von Maria links und Johannes rechts und weiteren Engeln und Heiligen.  Unterhalb des Balkens ist eine Darstellung von Himmel und Hölle zu vermuten.

Im unteren Teil des Bildes unterhalb des Balkens ist die Jahreszahl „1490“ zu ahnen, das Jahr der Ausmalung der Kirche (vor allem die „9“ ist zu erkennen). Über dem Chorbogen ist  Schöllkraut gemalt. In der ganzen Kirche finden sich Sonnenstrahlen mit Regentropfen.

Im Schlußstein des Mittelschiffs sieht man im ersten Joch ein Hanauer Wappen, dazu die Gemeine Akelei (auch am Übergang zu Joch 2). Im Joch 2 ist um den Schlußstein herum das Ruprechtskraut dargestellt, an der Westseite Wiesen-Löwenzahn. Der Kronleuchter ist von 1994.

In Joch 1 und 2 des nördlichen Seitenschiffs sieht man den Dost (Oregano), am Übergang Bittersüßer Nachtschatten.

Im südlichen  Seitenschiff zeigt in Joch 1 den echten Weinstock als Hinweis auf eine Besonderheit Hochstadts. In Joch 2 sieht man Gemeines Seifenkraut (östlich und westlich des Schlußsteins) und Löwenzahn (nördlich und südlich des Schlußsteins). In Joch 3 sieht man Wald-Sauerklee, an der Westseite eine Sumpfdotterblume.

 

Die Kirche wurde 1499 dem heiligen Kilian geweiht. Der Hauptaltar aber war ein Heilig-Kreuz-Altar, dazu kamen zwei Nebenaltäre. Wahrscheinlich zusammen mit dem Einbau der Emporen kam dann ein Altar in die Kirche, der nach reformierter Sitte ein mit Tüchern zugehängter Kasten war. Der heutige Sandsteinaltar wurde 1955 nach der Zeichnung des Architekten Schäfer angefertigt und auf einem Podest im Altarraum aufgestellt.

An der Ostseite des Chorraums befindet sich ein knieender Engel mit großen, eingeknickten Flügeln. Er hält zwei gegeneinander geneigte Wappen, das Hanauer Sparrenwappen und das Nassauer Wappen (Nassauer Löwe, ringsherum mit Rauten besät). Das deutet am wahrscheinlichsten auf Philipp Ludwig III. (1410 bis 1450), so daß die Kirche etwa 1430 erbaut drin könnte.

An der Ostseite des Chorraums steht links ein Stein mit zwei Wappen unter dem Helm und einem Engel, der einen Vorhang beiseite rafft, Grabstein von Andreas Meerbott, gestorben am 16. Mai 1738 im Alter von 21 Jahren. Der rechte Stein ist der Grabstein für Anna Maria Hatzmann, gestorben am 18. Dezember 1777 im Alter von 14 Jahren. Der fast gleiche Stein der Kinder ihres  jüngsten Bruders steht im nördlichen Seitenschiff.

Die sieben Medaillons an der Chorwand zweigen die Schwurhand mit drei ausgestreckten Fingern, um Gott zum Zeugen für das Ausgesagte aufzurufen. Die rotbraune Sockelzone zeigt Rankenmalerei und Hanauer Wappen mit rot‑gelben Sparren bzw. schwarz‑weiß gevierteilten Sparren. Diese ganze Chorwand ist allerdings von dem Restaurator Wölfel in großen Teilen nachgemalt worden, einigermaßen original ist nur der Engel neben der Sakristeitür.

Im Chorraum zeigen die Schlußsteine das Hanauer Wappen und einen Gänsekopf als Hinweis auf Pfarrer Gensler, unter dem die Kirche ausgemalt wurde. Um die Schlußsteine ranken sich Blumenkreise aus Garten-Pfingstrosen. In den Zwickeln sind von links nach rechts zu sehen: Bittersüßer Nachtschatten, Kornrade,  Liebstöckel und Echte Kamille.

 

In der Sakristei sind außer zwei Fenstern nach Norden und Osten bemerkenswert auf der Nordseite ein Ausguß zum Reinigen der Hände und des Meßgeräts und ein Wandschrank mit dem Hanauer Sparrenwappen. An der Südwand ist eine vergitterte Wandnische für die Kirchengeräte vorhanden. Die Wandbilder in Freskotechnik zeigen in  vier Zonen:

1. Kaiser Hadrian (mit Pelzkappe und Stab) zwischen zwei Ratgebern.

2. Das „Martyrium der Zehntausend“, die zur Zeit des Kaisers Hadrian von einem hohen Felsen in die Dornen geworfen wurden (ihnen war die Kirche vielleicht früher geweiht).

3. Die Märtyrer liegen in verrenkter Haltung jeweils zu zweien in den Dornen.

4. Die Heiligen Johannes der Täufer (mit dem Lamm und dem großen Zeigefinger), Laurentius (mit dem Bratrost), Georg (Ritter mit der Lanze und einem Rest des Drachenschwanzes) und Petrus (mit Kirche und Schlüssel, vielleicht in langem Bischofsgewand). Die sieben Weihekreuze zeigen die Marterwerkzeuge Christi.

 

Nach dem Besuch der Kirche (der Kirchhof ist im  Sommer offen, die Kirche ist nur zu den Gottesdiensten geöffnet) kann man noch das Stadtmuseum besuchen (allerdings nur am ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet, aber Sonderführungen sind möglich).

 

Lutherstraße

Von der Hauptstraße geht nach Westen die Straße  „Am Pfarrhof“ ab. Sie  führt auf die   Lutherstraße. Das Wohnhaus Am Pfarrhof  1 soll ursprünglich von 1687 sein. Die Inschrift über der Tür  lautet: „Anno  Johannes Trapp 1717“. Trapp ist auch Eigentümer eines Teils der Gaststätte „Zur goldenen Krone“. Der Schwiegersohn ist Johann Philipp Schales (1699 bis 1767), dessen Tochter Dorothea verheiratet ist mit Johann Georg Weber, dem Vater des Wirts Michael Weber (der dann im Haus Hauptstraße 18 seine Gaststätte einrichtet und dabei wohl schon auf beide Grundstücke zurückgreifen kann).

 

Zwischen diesem Haus Pfarrhof 1 und dem Haus Lutherstraße 1 stand das Gemeindehirtenhaus für den Kuhhirten, das im Zusammenhang mit der Öffnung der Ringmauer abgerissen wurde. Das dürfte im Jahre 1913 gewesen sein (nicht 1904, wie laut einer anderen Quelle auch angegeben wird), denn die Familie Reichert, die letzten Bewohner des Kuhhirtenhauses, kauft 1913 das Haus in der Taubenstraße 1.

 

Das Haus Lutherstraße 3 mit Torgebäude, Scheune, Nebengebäude und dem ursprünglichen Wohnhaus an der Ostseite ist 1846 erbaut. Die Inschrift  „Erbaut von P. Koche Witwer und Michael Weber Anno 1846“ bezieht sich auf  den Witwer Johann Philipp  Koch (er wurde 1845 Witwer) und Michael Weber (der auch das Haus Brunnenstraße 2 erbauen ließ).

 

In der Straße steht auch das Haus Brunnenstraße 2. Über dem Kellereingang an der Westseite steht „HW 1835“, am Balken an der Scheune „HW 1836“. Die Inschrift wird von den heutigen Nachkommen jedenfalls als „HW“ gedeutet und würde dann „Hannes Weber“ bedeuten, also den Schultheiß Johannes Weber meinen. Der Buchstabe „H“ ist aber (vor allem am Keller) ähnlich wie am Haus Lutherstraße 3 fast so gemalt, daß er auch ein „M“ darstellen könnte. Dann wäre der Sohn Michael Weber gemeint. Aber vielleicht hat man das auch bewußt offen gelassen.

 

Auf dem Grundstück Lutherstraße 9 stand die lutherische Kirche. Sie wurde 1668 erbaut und bis 1818 genutzt. Nachdem die lutherische Gemeinde sich mit der reformierten zusammengeschlossen hatte, wurde die Kirche als Scheune genutzt. Auch die bis dahin erhaltene Südmauer der  Kirche wurde bei dem Neubau 1967 abgerissen. Das Wohnhaus an der Straße wurde1692 als lutherisches Pfarrhaus mit Schulsaal gebaut.

 

Durch die Brunnenstraße geht man zur Hauptstraße. Auf ihr geht man ein Stück abwärts und  über den Rathausplatz halblinks in die Schützenstraße. Diese führt noch einmal zur Ringmauer, an der man jetzt nach Osten entlang geht. In diesem Bereich kann man auch noch hinter der Mauer entlang gehen und die  Rückseite der Rondelle  sehen. An der Ringmauer entlang geht es dann im Bogen zurück zum Obertor (Länge des Rundgangs etwa 1,7 Kilometer).

 

 

Brunnen in Hochstadt

 

 

Über die Brunnen ist schon viel in der Chronik „Aus dem Leben der alten Hochbstädter“ zu lesen. Norbert  Mankel hat am 1. und 8. und 15. Juni 2013 drei Artikel zum Thema „Wasserversorgung in Hochstsadt“ im Tagesanzeiger veröffentlicht. Das Buch von Reinhard Schellmann „Hochstadt in alten und neuen Bildern“ gibt eine Fülle von Informationen zum Thema.

 

Es ist  nicht verwunderlich, daß die Wasserversorgung für die Menschen immer ein Hauptproblem für ihre Siedlungen darstellte. Zurzeit der fränkischen Besiedlung in unserem Raum im sechsten bis achten Jahrhundert wurde überwiegend an Quellen und Gewässern gesiedelt. Diese Gewässer und Brunnen waren gemeinsamer Besitz der Marktgenossenschaft, die auch für die Reinigung zu sorgen hatte. Aber später hat man dann in der Ortslage weitere Brunnen gegraben

 

Öffentliche Brunen in der Ortslage:

Auf dem Ortplan von 1715 sind fünf Brunnen auf den Straßen eingezeichnet: Bogenstraße 7, Hauptstraße 19, vor dem Rathaus, Hauptstraße 33, und Trinkbrunnenstraße 3.  Auch östlich des Rathauses ist ein Brunnen eingezeichnet. Allerdings ist das nicht gleich zu erkennen, weil das Symbol kleiner ist als an den anderen Stellen. Bei genügender Vergrößerung kann man aber erkennen: Das Zeichen östlich des Rathauses besteht aus einem Kreis (unten) und einem Zeichen, das wie ein „D“ aussieht (oben) und den anderen vier Zeichen für die Brunnen entspricht, die laut Legende der Karte die Brunnen markiert. Wann diese Brunnen errichtet wurden, liegt im Dunkeln.

Norbert Mankel gibt an, die zwei  1585 erwähnten Brunnen seien ein „Halbbrunnen“ (siehe dazu unten) und ein „Torbrunnen“ gewesen. Er vermutet, der Tor-Brunnen sei der Brunnen vor dem Haus in der Hauptstraße 33 gewesen. Aber er spekuliert noch weiter: Vielleicht habe es auch noch einen sechsten Brunnen in einiger Entfernung vom Untertor gegeben („Am Obertor kann ich mir keinen Brunnen vorstellen, schon aus geologischer Sicht“). Aber solche Vermutungen ohne klaren Beleg sollte man lieber nicht weiter verfolgen.

Es ist auch nicht gesagt, daß die Brunnen alle „Ziehbrunnen“ waren. Ziehbrunnen waren eindeutig die Brunnen vor dem Haus Hauptstraße 19 und in derr Trinkbrunnenstraße, denn die hatten einen Bogen aus Stein, an dem man die Rolle für das Seil befestigen konnte. Aus den anderen Brunnen mußte man das Wasser in einem Eimer am Seil hochziehen ohne Hilfe einer Umlenkrolle. Deshalb hat man später vielfach einen gebogenen Eisenträger angebracht, an den die Rolle gehängt wurde.

Auf einem Plan von 1920 sind folgende Brunnen in Hochstadt eingezeichnet: ein runder Brunnen vor dem Rathaus, die Weedt am Rathaus, der Brunnen vor dem Haus Hauptstraße 39, der Brunnen in der Trinkbrunnenstraße und zwei Brunnen auf den Grundstücken Hauptstraße 8 sowie Schützenstraße 4.

 

Alte Brunnen:

1. Brunnen in der Bogenstraße (Buch Schellmann Seite 90):

Das Wohnhaus Bogenstraße  7 ist ursprünglich von 1631 (laut Angabe des früheren Eigentümers Wilhelm Mankel).  Die Torfahrt wurde 1935 neu gebaut, wie die Inschrift besagt. Zu dem Brunnen vor dem Haus in der Bogenstraße 7 findet sich in Reinhard Schellmanns Buch „Hochstadt in alten und neuen Bildern“ erstmals ein Foto und eine Zeichnung. Nach diesen beiden Bildern zu urteilen, war der Standort des Brunnens vor der heutigen Eingangstür unter der heutigen Treppe. Wahrscheinlich ist früher einmal das Wohnhaus so erweitert worden, daß es an den öffentlichen Brunnen heranreichte. Das war praktisch für den Hausbesitzer, denn zu diesem Brunnen gibt es noch heute im Keller des Hauses einen Einstieg, so daß man von oben und unten Wasser schöpfen konnte. Der Standort ist auch mit dem Ortsplan von 1715 identisch.

 

Aber ältere Hochstädter können sich entsinnen, daß in den fünfziger Jahren ein Brunnen etwas weiter oben auf der  Straße zu sehen war. Mankel gibt als Standort an: zwischen der Grundstücksgrenze des Hauses Hauptstraße 10 (Nordseite Bogenstraße) und der Toreinfahrt des Hauses Bogenstraße 7. Eine Fotografie, der Herr Schellmann hat, zeigt aber eindeutig, daß der Brunen vor dem Kelterhaus des Hauses Hauptstraße 10 stand.

Mankel wird recht haben, daß dieser Brunnen beim Bau des neuen Eingangs in der Bogenstraße 7 an dem benachbarten Standort versetzt wurde. Aber Unrecht hat er sicher, wenn er meint, hier sei auch ein neuer Brunen gegraben worden, denn 1935 hatte Hochstadt schon lange eine Wasserleitung.

Deshalb kann es auch nicht sein, daß im Keller des Wohnhauses in der Hauptstraße 14 und in der Scheune an der Bogenstraße deshalb Wasser gelaufen sei, weil ein Brunnen zugeschüttet wurde: Der alte Brunnen ist noch vorhanden, und der neue war nur eine Attrappe. Das Hochwasser kommt eher daher, daß überall in Hochstadt in  etwa zwei Meter Tiefe ein Schichtwasser vorhanden ist.

Mankel sagt selber, es sei unwahrscheinlich, daß beide Brunnen, die so nah beieinander standen, zeitgleich existierten. Und es bestünde ebenfalls die Möglichkeit, daß nur das Oberteil des Brunnens versetzt worden sei. Aber es ist durchaus nicht so, daß Herr Mankel wunder was für neue Erkentnisse gewonnen hat.

Der Brunne war übrigens praktisch für die drei Kelteranlagen in unmitelbarer Nähe: Die herrschaftliche Zehnt-Kelter in der Bogenstraße 14, das Kelterhaus des Freiherren von Edelsheim in der Bogenstraße 20 und die herrschaftlich gräfliche Kelter auf der Rückseite des Grundstücks Hauptstraße 10.

 

2. Brunnen vor dem ehemaligen Gemeindewirtshaus (Buch Schellmann Seite 49):

Das Haus Hauptstraße 19 war für viele Jahrzehnte das Gemeindewirtshaus. Im Jahre 1723 wurde es an Johann Georg Koch verkauft und hieß seitdem „Koch'sche Wirtschaft". Über der Toreinfahrt steht „17 HGK 41“. Das bezieht sich auf Hans Georg Koch, den damaligen Besitzer der Koch’schen Wirtschaft. Im Jahre 1801 kam es zum Tausch mit dem Besitzer des Hauses Hauptstraße 12. Danach war es nur noch landwirtschaftliches Anwesen.

Vor dem Haus Hauptstraße 19 steht der letzte der ehemals fünf öffentlichen Brunnen. Er blieb erhalten, weil er den Verkehr nicht störte. Der Zieh-Brunnen trägt die noch gut erhaltene Inschrift „C.S.Schultheis.CT.IK.BGM“ und die Jahreszahl 1702. Die ersten Buchstaben der Inschrift beziehen sich auf Caspar Schmidt. Er ist etwa 1660 geboren und wird schon ab dem Jahre 1683 als Schultheiß erwähnt. Er soll von 1686 bis 1719 Schultheiß gewesen sein. Die anderen Buchstabengruppen nennen die Bürgermeister (= Gemeinderechner). Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Caspar Trapp (1671 bis 1729) und vielleicht um Jakob Kreischer (gestorben im Jahre 1729).

Im Jahr 2006 verlauteten Gerüchte, der Brunnen solle wegen Baufälligkeit und Unfallgefahr abgerissen werden. Der Verein Heimatmuseum Maintal setzte sich unter anderen für den Brunnen ein und kontaktierte die Untere Denkmalschutzbehörde. Diese nahm Kontakt mit der Stadt auf und so wurde der Brunnen im Sommer 2008 konserviert.

 

3. Brunnen am Rathaus (Buch Schellmann Seite 58):

Norbert Mankel schrieb noch 2013 über den Brunnen am Rathaus: „Dieser war als Halbbrunnen ausgeführt. Somit befand sich die eine Hälfte innerhalb des Rathauses, die andere an der Straße.“  Diese Angaben seien auch „seit längerem in den bekannten Publikationen im Umlauf“ . Aber am 14. Januar 2014 nahm er das nach dem Studium der Bilder in Schellmanns Buch  in einem Artikel im Tagesanzeiger zurück. Aber jetzt spricht er von „Vollziehbrunnen“ und „Halbziehbrunnen“, aber auf dmeFoto ist nicht sichtbar, daß es sich um einen Ziehbrunnen gehandelt haben könnte.

Hier wäre erst einmal zu prüfen, was wirklich im Rechnungsbuch steht. Außerdem nennt Mankel die „Publikationen“ nicht näher. Aber wenn in dem Buch von Ernst Zimmermann nur zwei Brunnen erwähnt sind, dann heißt das nur, daß bei denen Ausgaben entstanden, das sagt aber nichts über die Gesamtzahl der Brunnen. Es gibt auch die Mitteilung, daß der Brunen am Rathaus im Jahre 1857 neu hergestellt wurde.

 

4. Brunnen in der Trinkbrunnenstraße (Buch Schellmann Seite 10):

In der Straße stand früher der Trinkbrunnen in Höhe des Hauses Nummer 3. Heute noch ist die Abdeckung sichtbar schräg gegenüber Haus Nummer 4. Er wurde beseitigt, weil er angeblich die Dreschmaschine bei der Einfahrt in das rechte Haus Nummer 4 (heute abgerisssen) behinderte.

 

5. Brunnen  vor dem Haus Hauptstraße 33:

Auch dieser Brunen war kein Ziehbrunnen. Auf dem Haus gab es bis 1945 ein Storchennest, weil es damals noch Feuchtgebiete in der Umgebung Hochstadts gab. Vor dem Haus war auch die Haltestelle der Postkutsche.

 

Aus späterer Zeit sind folgende Brunnen:

  • Ein kleiner Brunnen Hauptstraße 57 (Buch Schellmann Seite 84)
  • Brunnen Bischofsheimer Straße, Ecke Weinbergstraße (Buch Schellmann Seite 127).

 

Erste Wasserleitung: „Springbrunnen“:

Im Jahre 1834 wurde eine erste Wasserleitung ist Dorf geführt. Ausgangspunkt war die Quelle „in der Börrwiese“. Die Börrwiese ist an sich der Wald zwischen Hochstadt und Wachenbuchen, schon auf Wachenbucher Gemarkung. Von hier aus hätte man kein gefälle isn Dorf gehabt. In der Hochstädter Gemarkung liegen aber westlich und vor allem nordwestlich des Waldes die Fluren „An der obersten Börrwiese“ , „An der Börrwiese“ und „ An der hintersten Börrwiese“. Im nordwestlichsten Zipfel ist aber eine die Quelle, von der das Wasser mit natürlichem Gefälle in Holzröhren in den Ort geleitet werden konnt.

Diese Stelle wurde im April 2012 durch sechs Sandsteine markiert, die kreisförmig angeordnet sind. Wer es nicht besser weiß, könnte meinen, dort handelt es sich um eine Kopie des bekannten Bauwerks Stonehenge in der Nähe von Amesbury in der englischen Grafschaft Wiltshire. Merkwürdig scheint nur, daß die Steine um einen Kanaldeckel angeordnet sind.

Die Steine schützen aber die Landmaschinen. Wenn der Landwirt mit seiner Maschine über die Beton-Erhebung fahren würde, könnte diese Schaden nehmen.

Martin Weiß, zuständig für den technischen Umweltschutz bei der Stadt Maintal, schrieb dazu. „Unterhalb der Leimenkaute in Hochstadt gibt es eine alte Quellfassung. Mit Hilfe dieser wurde das Wasser gesammelt, in Quellstuben aufgefangen und von dort in den Schacht mitten im Gelände geleitet. Über eine alte Leitung wurde das Wasser von dort quer durch die Äcker bis nach Hochstadt geführt. Der alte Schacht ist dann abgeklemmt und der Wasserlauf mit Hilfe eines Rohr verlegt worden. Dieser führt nun 50 Meter vom Schacht entfernt in einen kleinen Graben!“ Er ausschüttet heute noch viel Wasser aus und entwaässert nach dem Börr wiesenwald  hin. Die alte Wasserleitung führte dann quer über den Bücherweg, denn in der Nähe des Hauses Bücherweg  5 war später eine nasse Stelle auf dem Weg, weil dort die Wasserleitung zerstört war.

Herr Weiß irrt, wenn er meint, das Wasser wäre mittels einer Pumpstation in einen Hochbehälter geleitet worden, von dem aus die Häuser versorgt worden seien. Außerdem ist falsch, daß die Quelle im oberen Teil des Tals bis etwa 1960 als Wasserversorgung von Hochstadt diente. Der Bau des Hochbehälters am Schützenhäuschen hatte ja nur Sinn, wenn das Wasser

aus der Brunnenanlage in der Nähe des Hochstädter Sportplatzes  zum Hochbehälter gepumpt wurde.

Norbert Mankel irrt, wenn der die Börrwiese rechts vom Schützenhäuschen ansiedelt. Es wird allerdings gesagt, es sei auch Wasser vom Schützenhäuschen ins Dorf geleitet worden; das wäre dann eine zweite Leitung gewesen.

Der Wasserbauinspektor Hermann aus Hanau bekam 1834 den Auftrag zur Errichtung von zunächst drei „Springbrunnen“ im Oberdorf, am Rathaus und am Untertor. Von der Gemeinde Wachenbuchen werden 2.500 Tannen gekauft. Der Bergmann Heinrich Schmidt aus Ortenberg bohrt sie aus. Für die Aufsicht beim Ausheben des Grabens, für das Bohren und Zusammenfügen der Stämme nach einer genau vorgeschriebenen Technik bekommt er für den laufenden Fuß drei Kronen. Im Jahre 1834 wurde die Leitung gebaut, eine Niederdruckleitung, die 1.440 Gulde kostete.

Doch schon 1838/39 wurde eine zusätzliche Quelle für die Wasserleitung gesucht. Im Jahre 1859 herrschte eine große Wassernot. Das Wasser muß tetäglich aus einer Entfernung von einer halben bis einer Stunde herbeigefahren werden.

Im Jahre 1892 macht man wieder Bohrversuche für eine neue Wasserleitung. In den Jahren ab 1894 wurde sie gebaut von der Firma Bingemer aus Enkheim, diesmal aus Metallröhren bestehend. Im Jahre 1898 wird die Quelle an der alten Ziegelhütte (heute: Versuchsgarten Richtung Wachenbuchen) in Erwägung gezogen, aber wohl erst 1921 an die alte Wasserleitung angeschlossen.

 

 Nach dem Bau der Wasserleitung 1833 bzw. 1894 speiste das Wasser aus diesen Leitungen die Laufbrunnen im Dorf, die hauptsächlich als Tiertränke genutzt wurden und „Springbrunnen“ genannt wurden:

 

1. Vor dem Haus Hanauer Straße 4 (nicht 5!). Der „Springbrunnen“ ist wohl doch eher ein Schöpfbrunnen (Buch Schellmann Seite 121).

2.  Vor dem Haus Hauptstraße 4, vor der alten Schule (Buch Schellmann Seite 40 und 41, auch auf einer Ansichtskarte). Von hier aus lief eine Leitung auf der südlichen Seite der Hauptstraße nach unten gelaufen  Es wäre aber unlogisch, wenn man das Wasser in den vorhandenen Brunnen geleitet hätte. Es kann nur so sein, daß durch dieses Wasser die „Weed“ gespeist wurde.

3. Je eine Weed (auch: Weedt = Pferdeschwemme) wird bereits in den Gemeindeausgaben von 1585 genannt. Die eine befand sich im Hofgut Groschlag unterhalb der Groschlaghohle und wurde 1590 erneuert. Die zweite Weed lag in der Ortsmitte Hochstadts westlich des Rat­auses und fand auch als Feuerlöschteich Verwendung. Auch  1770 werden in der Gemeinderechnung zwei Pferdeschwemmen erwähnt, für deren Säuberung die Gemeinde bezahlt. Dabei könnte es sich um die Oberweed und die Unterweed gehandelt haben. Nur wurden diese Becken dann nicht von einer Leitung gespeist, sondern von dem Regenwasser aus dem Oberdorf und vielleicht noch aus Richtung Schützenhäuschen.

Ein Brunnen am Rathaus wird 1857 hergestellt. Könnte das vielleicht die Weed gewesen sein?  Vielleicht hat man erst bei dieser Gelegenheit die Wappensteine dort eingemauert. Ein schönes Gemälde dieser Weed befindet sich im Eingangsbereich der Gaststätte im Historischen Rathaus. Aber dabei muß man bedenken, daß die Zeichnung wohl nicht von einem Augenzeugen ist, denn die Weed reicht viel zu weit in die Straße hinaein.

DieWeed lag etwas unterhalb des Rathauses vor dem Grundstück des Schmieds Klees Haupt­straße 20. Sie war länglich und ging von der untersten Ecke des Rat­hauses bis zur Mitte der Hauptstraße und längs derselben bis ungefähr an die Treppe des Hauses Hauptstraße Nr. 22 (zwischen der Weed und den Häusern war allerdings noch genügend Platz).

Die „Weed“ war etwa fünf bis sechs Meter breit und an drei Seiten von einer etwa 80 Zentimeter hohen Mauer umgeben. Nur an der oberen Seite befand sich ein starkes Holzgeländer, damit bei starkem Regen oder bei Vereisung keine Stauung auftreten konnte. Das Wasser war teilweise Grundwasser, zum Teil lief es als Regenwasser vom Oberdorf hinein. In der Mitte von der Hauptstraße her war ein Eingang, durch den man hineingehen oder reiten konnte. Unten befand sich der Überlauf, das sogenannte „Weedfloss“.

Die „Weed“ war Viehtränke, vor allem Pferdetränke („da wo man pflegt die Pferd zu tränken und sie vom Staube abzuschwenken“). Gleichzeitig diente sie zu Feuerlöschzwecken (so noch 1951). Ab 1862 wurde die Weed mit einem Gewölbe versehen. Dieser Teil mit einem Eingang in der Ecke vor dem Rathaus blieb noch lange bestehen. Erst im Zuge des Neubaus der Ortsdurchfahrt wurde die Weed vollständig beseitigt. Die Wappensteine mit dem alten Hochstädter Wappen befinden sich heute am Eingang des Stadtmuseums. Der Überlauf lief dann weiter die Hauptstraße hinunter. Das Gefälle reichte gera e noch so aus, um den näcshten Brunne zu speiksen:

4. Vor dem Haus Hauptstraße 39 stand das „Krähnchen“ mit der Unterweed, also ein Brunnen, verbunden mit einer Pferdeschwemme.  Sie wurde auch bei Bränden als Feuerlöschbecken genutzt. Es wurde wohl auch aus der alten Wasserleitung gespeist.

 

 

Brunnen im Inneren der Gehöfte:

Viele Grundstücke hatten einen eigenen Brunnen oder einen gemeinschaftlichen Brunnen mit den Nachbarn. Viele Brunnen waren aber verseucht , so daß eine Wasserleitung nötig war:

 

Das Haus Hauptstraße   6: Wohn-  und Torgebäude mit der Jahreszahl „1587“ über dem Kellereingang. Im Hof befindet sich auf der Grenze zum Nachbargrundstück ein Brunnen.

 Rohrbachstraße 3: Ein Brunnen für vier Gehöfte

 

Das neue Backhauses Hauptstraße 38: Links von Hinterausgang war der Brunnen.

 

Feldbrunnen

Norbert Mankel meint, die Wasserversorgung der Orte wäre in den früheren Zeiten meist nur von Feldbrunnen gesichert worden. Sie hätten deshalb  meist in Ortsnähe gelegen, waren gemauert und es führte eine kurze Treppe zur Quelle hinunter. Deshalb will er auch alle Feldbrunnen in der Nähe der Ortslage finden.

Aber die Feldbrunnen heißen so, weil sie im Feld waren. Sie waren von Natur aus da und wurden nicht extra angelegt wie die Brunnen im Dorf. Man hat sie allenfalls genutzt zur Trinkwassergewinnung für Mensch und Tier während der Feldarbeit oder um Pflanzen zu wässern, die gerade gepflanzt wurden. In einer Gemeinderechnung von 1585 werden drei Feldbrunnen genannt: der Perleborn, der Selzenborn und ein Feldborn in der Weid. Insgesamt gab es folgende Feldbrunnen:

 

1. Kinderborn an der Straße nach Wachenbuchen, direkt an der Grenze: Aus diesem Brunnen sollten die Wachenbucher Kinder kommen.

2. Unterhalb des Braunsbergs: Die Quelle für die erste Wasserleitung (siehe oben)

3. In der Weid:

Im Flurstück „In dem krummen Gewann“ (zwischen Ruthenacker und Wasserfalle, nordwestlich der Lehmkaute) ist auf alten Flurkarten noch ein „Schäferborn“ angegeben. Der südwestliche Teil des Flurstücks hieß „Beim Schäferborn“, die Quelle lag im unteren Drittel des Wegs von der Dorfelder Straße zur Gemeindeweide (östlich des Jagdgebiets). Dort waren um 1950 noch zwei Quellen in Rohre gefaßt, heute wird das Wasser schon von den Feldern durch eine Drainage abgeleitet.

4. Doch weiter unten in der „Gemeideweid“ ist noch ein Drainagerohr sichtbar, das einen alten Brunnen ersetzt. Außerdem gab es in der Gemeindeweide den obersten Born (südlich des Kellergewölbes, Kreuzung mit der verlängerten Weinbergstraße) und den mittelsten Born (südlich des Dornpfads) und sicherlich auch einen untersten Born.

 

 

 

5 . Die Flur „Am Sülzenborn“ („Selzeborn“ = Salziger Brunnen) liegt nordwestlich der Hartig

und reichte im Westen  bis zur verlängerten Weinbergstraße. Es ist also falsch, wenn auch Äcker westlich der Weinbergstraße von der Bevölkerung als „Selzenborn“ bezeichnet wurden. Aber die Bauern haben das System der Flurbezeichnungen aus praktischen Gründen vereinfacht. Das eigentliche Flurstück „Am Sülzenborn“ liegt nordöstlich der geteerten Straße, die von der verlängerten Weinbergstraße zur Nordwestecke der Hartig führt. Hier war auch der „Selzenborn“. Die Quelle ist heute in ein Drainagerohr gefaßt, das in den Graben neben der geteerten Straße entwässert.

6 . Berleborn (Perleborn):

Die Quelle befindet sich in der Verlängerung der Fahrgasse nach Westen westlich des Versuchsgartens des Obst- und Gartenbauvereins. Die Quelle – die zuletzt von Herrn Föry hergerichtet wurde – diente sicher auch der Wasserversorgung von Groschlag. Es gab aber in Groschlag eine Borngasse, in der der auch ein Brunnen stand. Die Quelle lag früher mehr im Wald, von der beim Bau der Querspange ein Stück verlorenging. Die Hochstädter haben an Ostern vor Sonnenaufgang das „Osterwasser“ aus dem Berleborn am Riederwäldchen geholt. Der ganze Weg mußte aber schweigend zurückgelegt werden. Das Wasser wurde im Krug aufgehoben und sollte das ganze Jahr über gegen Krankheit helfen. Die Quelle ist ein Beispiel für die Quellhorizonte, die es überall an dieser ersten Terrasse über dem Gelände des Mainbettes erhob.

7. Brunnen südlich der Kreuzung Floßgraben/Fahr­gasse: Dieser wurde bei Bauarbeiten wieder aufgedeckt, aber von den Grundstücksbesitzern eilig wieder zugeschüttet.

8. Weiberborn:

Die Brunnenstraße (früher: Bleichstraße) ist wahrscheinlich benannt nach dem „Weiberborn“, der in der östlichen Verlängerung der Römerstraße zwischen Brunnenstraße und Am Pfarrhof steht und heute zum Pfarrgrundstück gehört. Er erscheint 1499 als „Weiherborn“, wurde also von einem Weiher gespeist. Aus diesem Brunnen holt der Klapperstorch die Kinder von Hoch­stadt. Später wurde daraus ein „Bleichbrunnen“, weil das Wasser für das Bleichen der Wäsche verwendet wurde.

9. Der Brunnen an der Bleiche:

Wenn man vom Parkplatz am Sportplatz südlich der Südumgehung nach Westen geht, kommt man nach etwa 100 Metern zu dem Brunnen auf der Bleiche. Er ist heute aufgefüllt und steht jetzt am Rande der Kleingärten am Weg. Er war auch ein Bleichbrunnen.

10.  Außer den heute noch bekannten Brunnen gab es noch folgende Brunnen: Dornborn, Foltborn, Roreborn, Schönborn, Spielborn, Neuer Born.

 

Zu erwähnen sind noch  die Brunnenfeger. Sie waren sehr wichtig, um immer für sauberes Trinkwasser zu sorgen. Die haben im Auftrag der Gemeinde die Brunnen gereinigt. Die sind abgestiegen mit Seilen oder Leitern und haben alles sauber gemacht, geschaut, daß es sauberes Trinkwasser ist. In den Gemeindeausgaben von 1585 wird erwähnt, daß die Brunnenfeger im Ort zum Vertrinken von der Gemeinde 18 Schillinge bekamen, die Brunnenfeger der Gemarkungsbrunnen dagegen nur 16 Schilling. Nach einer anderen Nachricht  haben die Feldschützen am Kirchweihtag die drei Feldbrunnen zu fegen und erhielten für diese Arbeit einen Gulden zehn Albus und ein Viertel Apfelwein.

 

Anmerkungen zu dem Artikel von Norbert Mankel:

Weil er annimmt, daß die Versorgung der Bewohner zunächst durch Feldbrunnen erfolgte, will er diese alle in der Nähe des Ortes wiederfinden. Das gilt aber nur für den Berleborn, der mit zur Versorgung von Groschlag diente. Der Selzeborn ist aber nordwestlich der Hartig, wo die Flur „Am Selzenborn“ ist (Die Straße „Am Selzenborn“ liegt nicht am Selzenborn, sondern in diesem Wohngebiet wurden die Namen nach Gemarkungsnamen an der Hartig vergeben). Der Brunnen „an der Weid“ ist deshalb nicht „An der Weid­bach“ nordwestlich der  Ortslage, sondern in der Gemeindeweide im Norden der Gemarkung.

 

Neue Wasserleitung:

Doch 1921 ist man schon dabei, eine Wasserleitung mit Pumpstation und Hochbehälter zu planen, da die Springbrunnen und die Ziehbrunnen versiegten. Das Wasser kam von neu angelegten Brunnen im Wald beim Hochstädter Sportplatz und wurde mit Pumpen im Hochbehälter eingespeist. Im Jahr 1924 begann der Bau eines Hochbehälters in der Nähe des Schützenhäuschens (östlich der zwei Birken). Er wurde 1. Januar 1926 in Betrieb genommen. Der Hochdruckbehälter faßte 150 Kubikmeter, der Niederdruckbehälter 24 Kubikmeter. Elektrische Pumpen sprangen bei Bedarf automatisch an. Der Bau des Hochbehälters kostete 75.000 Mark. Ebenfalls wurde eine Wasserleitung zur Wasserversorgung des Orts verlegt. Die Gesamtanlage der Wasseranlage kam auf 140.410 Mark. Danach wurde das so genannte Wassergeld eingeführt. Der neue Hochbehälter wird 1962 am Schützenhäuschen gebaut und der Kanal erneuert. Heute erhält Hochstadt einen großen Teil seines Wassers aus der Fernwasserleitung, die an der Hartig vorbeiläuft, etwa ein Drittel kalkhaltiges Wasser kommt noch aus dem Brunnen am Sportplatz.