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Wachenbuchen Rundgang

 

Rundgang durch Wachenbuchen

 

Gemeindebackhaus

Einen Rundgang durch Wachenbuchen kann man beginnen am südlichen Ende der früheren Hauptstraße, der heutigen Straße „Alt Wachenbuchen". Hier stand zwischen den Häusern Nr. 5 und 6 die Bäckerpforte. Der Durchgang war ziemlich gering, denn auf dem Ortsplan von 1906 ist die Straße durch den Bürgersteig noch an beiden Seiten eingeengt. Am 5. September 1880 genehmigt der Landrat den Abbruch der Bäckerpforte.

Das Haus Nummer 6 war das alte Gemeindebackhaus. Ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1692 ist an der Hofmauer noch erhalten. Er zeigt einen geflügelten Engelskopf mit den Buchstaben MM.S.HM.HB.BM.HMF.HR.MF. Der Stein wird etwa 1965 wieder in die Mauer eingefügt.

Als Bäcker sind bekannt: der Bäckermeister Johann Martin Cramer, der am 10. April 1658 stirbt (also schon vor dem Bau des Backhauses von 1692). Im Gemeindebackofen werden 1847 der Herd und die Wölbung neu gemacht. Im Jahre 1862 erhält der Bäcker Bär das Gemeindebackhaus auf unbestimmte Zeit, muß aber den Backofen auf eigene Rechnung instandhalten. Auch 1866 wird das Gemeindebackhaus auf drei Jahre gegen Kaution von unbelasteten Grundstücken verpachtet.

Im Jahre 1905 muß das Gemeindebackhaus gründlich renoviert werden. Auf dem Haus liegt damals immer noch eine Verpflichtung zur Unterhaltung des Gemeinde-Ebers. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 900 Mark. Im Jahre 1919 wird der Backofen abgerissen und das Grundstück an Peter Puth IV. Witwe verkauft. Dieser Backofen stand wegen der Brandgefahr außerhalb der Ring-mauer beim Backhaus. Die Grundfläche wird an die Witwe Kaspar Peters Puth IV. verkauft, also an die Schuhmacherei Puth, Alt Wachenbuchen4, das heute noch zwei Grundstücksnummern hat.

Über die Besitzernamen und Hausnummern gibt das Straßenverzeichnis von 1922 Auskunft, das die alten und die neuen Hausnummer enthält. Daraus geht hervor, daß ein Backofen auf der anderen Straßenseite im Haus Nr. 5 war. Dieser neue Gemeindebackofen wird 1947 ausgebessert. Dieses Gebäude ist auf dem Lageplan von 1906 auch deutlich zu erkennen, bestand also schon damals neben dem wahrscheinlich stillgelegten Backofen auf der anderen Seite. Er stand also auch außerhalb der Ringmauer, während der Schweinestall und das Abortgebäude für das Backhaus auf dem „Innenweg" der Mauer standen.

Der Gemeindebäcker hatte ja die Verpflichtung, von seinen Abfällen den Gemeinde-Eber zu unterhalten. Alle Grundstücke sind ja Eigentum der Gemeinde und haben auch eine gemeinsame Grundstücksnummer (Backhaus, Bäckerpforte, Backofen und Schweinestall).  Das Haus Nr. 6 jedenfalls geht 1949 an den Maler Wilhelm Steeg und 1980 gehört es Joseph Sussek. Erst im Juli 1972 kauft die Gemeinde fünf Quadratmeter vor dem Grundstück, wo sich inzwischen der Bürgersteig befindet.

 

 

Hof Borger

Das Haus Nr. 8 ist zwischen 1700 und 1750 erbaut. Im Keller hatte es einen 4,50 Meter tiefen Brunnen. Auf dem Grundstück standen ursprünglich zwei Wohnhäuser: An der Westseite war noch ein schönes Fachwerkhaus, das aber nicht an der Straße stand, sondern weiter hinten im Hof. Das Haus wird aber von der Familie Stein aufgekauft. Im Jahr 1945 ist auf dem Grundstück die Schuh- und Lederwarenhandlung Ludwig Reich. Im Jahre 1954 ist Wilhelm Stein IV. der Besitzer und 1980 Johannes Borger. Auf dem Grundstück befindet sich ein landwirtschaftlicher Betrieb, der 1996 eine Scheune nordwestlich der Büchertalschule baut.

 

Gaststätte „Concordia"

Da es In Wachenbuchen nur eine einzige Wirtschaft gibt, in der der Gesangverein „Harmonie" singt, sucht der Gesangverein „Concordia" ein anderes Lokal. Da bietet sich der Landwirt Johannes Fischer an, seine Räumlichkeiten in der Straße Alt Wachenbuchen Nr. 10 dem Verein zur Abhaltung seiner Übungsstunden zur Verfügung zu stellen. Durch Unterstützung des Vereins gelingt es ihm, das Gasthaus  „Zum Löwen" zu eröffnen.

Als Fischer stirbt, erwirbt der Ackermann Philipp Schäfer II. die Hofraithe und es wird ihm die Konzession zur Weiterführung der Gaststätte erteilt. Das Gastzimmer befindet sich vom Hauseingang rechts und ist ausgestattet mit fünf Tischen, sechs Bänken und sechs Stühlen. Das Vereinszimmer links des Hauseingangs hat zwei Tische, vier Bänke und sechs Stühle. Der Saal ist oben und hat sechs Tische, zehn Bänke und zwölf Stühle. Außerdem gibt es im ersten Stock ein Gastzimmer mit drei Tischen, sechs Bänken und sechs Stühlen. Außerdem sind dort die Fremdenzimmer mit zwei Betten. In den Nebengebäuden hinter dem Haus sind die Stallung für einzustellende Tiere und die Scheune an der Bachstraße.

Nach dem Tod Schäfers darf seine Witwe Elise die Wirtschaft ab Ende 1887 weiter betreiben. Im Jahre 1893 darf sie auch den Saal vergrößern lassen. Die Lizenz wird am 13. Februar 1906 auch auf den Garten ausgedehnt, der gegenüber in der Bachgasse Nr. 2 ist. Der Garten wird aber 1912 an die Gemeinde verkauft, die dort eine Autohalle für den Bus errichtet (heute ist hier das Feuerwehrgerätehaus).

Im Jahre 1912 wird die Gaststätte von Wilhelm Fix übernommen. Hier handelt es sich um den Maurermeister Fix, der vorwiegend die Blendsteinhäuser in Wachenbuchen gebaut hat. Um ihn zu unterscheiden von einem anderen Maurer Fix, der die Gaststätte „Zur Krone" führt, wird er "Meister" genannt. Er hat auch ein schönes Haus im Hanauer Weg 8 gebaut (damals noch zur Hainstraße gerechnet wie der ganze Bereich südlich der Ringmauer), das extra hohe Zimmer hat und für eine Gaststätte geeignet wäre. Fix möchte nämlich Gastwirt werden. Er bemüht sich um eine Konzession, aber der Bürgermeister bevorzugt seinen Nachbarn Müller, Schulstraße 12, der auch eine Konzession haben will.

Fix führt 1906 zunächst ein Verwaltungsstreitverfahren: Er hat schließlich den Antrag früher gestellt als sein Konkurrent Müller. Der Fremdenverkehr in Wachenbuchen ist nicht gering. Dort verkehren jährlich mehrere Tausende von Hanauern und Frankfurtern, um den vorzüglichen Apfelwein zu trinken. Die gesetzliche Bestimmung, daß pro Gastwirtschaft 400 Einwohner da sein sollen, ist erfüllt. Zwar sind es bei 1.115 Einwohnern nur 371 Einwohner pro Gastwirtschaft. Wenn man aber die Fremden hinzuzählt, ist durchaus ein Bedarf für eine weitere Wirtschaft. Fix verweist darauf, daß er ein schönes und geräumiges Lokal erstellt hat. Der Raum in den drei bestehenden Wirtschaften ist klein und ungenügend.

Die Gemeindebehörde will die Konzession verweigern. Der Kreisausschuß lehnt die Klage gegen die Konzessionsverweigerung ab, weil kein Bedürfnis besteht. Ebenso entscheidet der Bezirksausschuß in Kassel. Auch Müllers Gesuch wird übrigens abgelehnt. Der Bürgermeister unterstellt Fix, er wolle nur seinen Neubau gut unterbringen.

Fix sagt, er sei kein Unternehmer, sondern nur ein kleiner Maurer, der jetzt selber Gastwirt werden will. Er verweist auch darauf, daß Schreinermeister Müller auch nur ein Wohnhaus gebaut habe, aus dem man höchstens eine Kneipe machen könnte. In der gleichen Straße sind die Wirtschaften von Schäfer (Concordia) und Puth (Bachstraße 3) in jeweils 50 Meter Abstand. Für einen Saal ist kaum Platz. Schon die bisherigen Wirte können nicht allein von ihrer Wirtschaft leben.

So bleibt Fix nichts anderes übrig, als sein Haus zu verkaufen und die schon vorhandene Gaststätte in der Hauptstraße zu kaufen. Zum Jubiläum des Gesangvereins im Jahre 1913  gibt er seiner Wirtschaft den Namen „Concordia".

Seit 15. Mai 1933 hat der Sohn Johannes Fix die Gaststätte. Sie hat eine eigene Schlachtung und wird gern von den Bauern besucht. Das Bier liefert die Brauerei Nicolay in Hanau, die später von der Bindingbrauerei in Frankfurt übernommen wird. Im Jahre 1972 kann man auf eine 60-jährige Geschäftsverbindung zurückblicken. Damals befindet sich im Nebengebäude an der Südseite ein Kino und im Oberstockwerk eine Kegelbahn.

Jean Fix ist auch der erste Wirt, der die Kerb auf dem Festplatz durchführt. Zeitweise hat er auch einen Kiosk auf dem Sportplatz. Und schließlich ist er erster Wirt in der neuerbauten Mehrzweckhalle. Die Gaststätte ist zuletzt noch an zwei Betreiber aus Hanau und Fechenheim verpachtet, ehe sie 1986 verkauft wird.

 

Bäckerei

Das Haus Nr. 12 ist aus dem 18. Jahrhundert. Hier befand sich auch eine Bäckerei. Ein Backofen wird 1887 neben dem Wohnhaus von Wilhelm Bär gebaut  (er ist wohl der Pächter des in der Nähe gelegenen Gemeindebackhauses). Besitzer des Hauses ist 1980 Philipp Puth. Der damals noch verschindelte Ostgiebel ist jetzt freigelegt. Das Haus ist jetzt ein Schmuckstück, besonders von der Erbsengasse aus gesehen.

 

Alt Wachenbuchen 14 - 22

Das Haus Nr. 14 ist um 1750 erbaut, ein Fachwerkbau mit halben Mannfiguren als Eckständer. Besitzerin ist 1980 Luise Stein. Das Haus Nr. 16 ist aus der Zeit zwischen 1750 und 1800, ein typisch fränkisches Gehöft mit Eckständern in Mannform. Im Hof war ein Brunnen. Besitzer ist 1980 Heinrich Giesel, der heute ausgesiedelt ist an die Kilianstädterstraße. Das Haus Nr. 18 beherbergt 1913 das Tabakwarengeschäft von Wilhelm Müller III., später ist dort ein Friseur und ein Fotograf und auch zeitweise die Poststelle (das Haus wird heute noch "die alte Post" genannt).

Das Haus Nr. 20 ist angeblich eines der beiden Häuser, die den Dreißigjährigen Krieg überstanden haben. Professor von Staden setzt es auch im 17. Jahrhundert an. Über der Haustür steht die Jahreszahl 1687. Besitzer ist 1980 Fritz Arendt. Das Haus ist bis heute verputzt, hat aber zahlreiche Streben und verzierte Eckständer.

Das Haus Nr. 22 ist um 1750 entstanden und wird 1980 renoviert. Besitzer ist Johann Wenzel. In diesem Haus soll Napoleon bei seinem Rückzug 1813 übernachtet haben, aber das ist nirgends belegt. Herr Wenzel hat eine große Zahl Ölbilder gemalt, unter denen auch alte Ansichten des Ortes sind.

 

Das Hofgut

Das Haus Nr. 13 hat eine bewegte Geschichte. Am Tor ist eingelassen der Stein  mit der Jahreszahl 1576 und dem Wappen des Wilhelm von Stockheim. Dieser war Herr von Höchst an der Nidder, aus altem Wetterauer Adel.

Später wird der Hof Eigentum der Familie von Edelsheim. Die Sage geht, daß der Staat Schulden hatte und die Vorfahren des Grafen von Edelsheim dem Hanauer Grafen wieder die Finanzen sanierten. Zum Dank wurde die Familie geadelt. Sie hatte in Hanau ein "Palais" und zum Beispiel auch in Hochstadt einen Hof.

Das Verhältnis des Hofs zur Gemeinde und zur sonstigen Obrigkeit ist nicht ohne Spannungen. So führt die Gemeinde laut Staatsarchiv Marburg 1790 - 92 einen Prozeß gegen Freiherrn von Edelsheim, weil er nicht die Steuern bezahlt. Einen weiteren Streit gibt es 1827/28.

Am Dienstag, dem 16. Dezember 1817, morgens gegen fünf Uhr stirbt auf dem Hofgut Michael Hartmann, gebürtig von Hintersteinau. Er hat bei dem Pächter Geibel gedroschen. Am 3. Dezember bekommt er von dem Schäferknecht Wilhelm Bier einen tödlichen Schlag an den Kopf. Bei der am 17. Dezember vorgenommenen Sektion wird der Schlag als tödlich angesehen. Der Hirnschädel ist gesprungen. und einige Splitter werden auf dem Hirn gefunden. Hartmann wird am 18. Dezember morgens in der Stille begraben. Er soll 31 Jahre alt gewesen sein.

Im Jahre 1818 führen Wilhelm Koch und andere Beschwerde gegen die im Garten des Hofguts errichtete Brennerei.

In den Jahren 1858/59 kommt es zu einem Streit zwischen den Freiherrn von Edelsheim und der Gemeinde wegen des Losholzes. Die Gemeinde hat seit 1848 nicht mehr das doppelte Losholz zugeteilt. Die Familie von Edelsheim besteht in dieser Zeit aus Ludwig, Großherzoglich Badischer Staatsminister in Karlsruhe, Wilhelm, Großherzoglicher Badischer Kammerherr, und Leopold, Kaiserlich Königlich Österreichischer Feldmarschall und Leutnant zu Wien, derzeit in Italien. Man kann die Eigentümer also schlecht erreichen, sie lassen sich durch einen Rechtsanwalt vertreten.

Bei der Verhandlung am 8. Januar 1859 sagen die Zeugen aus, die Gemeinde habe 1848 beschlossen, von Edelsheim nur noch  e i n e n  Losholzteil zu geben; der Zettel sei an den Pächter gegangen und dieser habe das Holz auch abgefahren. Offenbar geht es darum, daß nicht mehr der Freiherr selber das Holz erhält, sondern der Pächter. Der aber soll nur so wie alle anderen Ortsbürger behandelt werden. Man kann aber nicht sagen, wessen Name bei der Verlosung genannt wurde. Wahrscheinlich wurde der Name von Edelsheim aufgerufen, aber den Zettel hat der Pächter entgegengenommen.

Johannes Friedrich Schmidt aus Wachenbuchen, 65 Jahre alt, sagt am 4. März 1859 aus: Ich war von 1818 bis 1854 Pächter des von Edelheim'schen Guts und habe bis 1848 stets zwei Nachbarschaftsteile Losholz bekommen. Aber ab 1848 wurde es mir verweigert. Da es von Anfang an so war, müßte es auch beim Vorgänger so gewesen sein. Aus den Akten geht nicht hervor, wie der Prozeß ausging. Es ist anzunehmen, daß es bei dem einen Anteil blieb.

Als Pächter sind außer den schon erwähnten Geibel und Schmidt nachweisbar die Familien Walz, Schönberger, Nax und Wenzel. Die Familie von Edelsheim kann nach dem Krieg wegen ihrer Verstrickung in die Naziherrschaft nicht mehr auf ihren gesamten Besitz zugreifen und ist gezwungen zu verkaufen. Den alteingesessenen Bauern gelingt es, die besten Ländereien zu einem günstigen Preis zu kaufen (15 Hektar am Braunsberg).

Den Hof aber kauft die Familie Werner Hanstein, die wegen der Braunkohlewirtschaft ihren Hof in der Nähe von Borken aufgeben mußte. Die Familie hätte auch gern auf dem zum Hof gehörenden "Klapperfeld" (zwischen Mittelbucher Straße und Bleichstraße) einen Aussiedlerhof errichtet.

Da aber die Nassauische Siedlungsgesellschaft das Vorkaufsrecht hat und die Gemeinde die Grundstücke zu Bodenreformland erklärt, kann der Hof nur ohne das Gelände am Klapperfeld gekauft werden. Am 15. Februar 1951 zieht die Familie auf dem Hofgut ein.

Die Gebäude sind damals sehr verwahrlost. Die Scheune ist 1949 niedergebrannt. Das Haus ist an sich ein Fachwerkhaus, aber immer schon verputzt gewesen. In den Fünfziger Jahren wird es neu verputzt, und die Fenster werden versetzt.

Herr Hanstein führt zunächst seine Viehzucht weiter. Nach einem Jahr stellt er den Betrieb um auf Milchvieh. Die 70 Kühe werden von einem Melker betreut, der oben rechts in dem Querbau wohnt. Hinten im zweiten Hof sind weitere Wohnungen. Im Jahre 1952 hat der Betrieb Hanstein einen eigenen Bullen und wird deshalb von der Deckumlage freigestellt. In den Jahren 1959/60 wird auf Hühnerzucht umgestellt und auch die Verkaufsstelle auf dem Hof eingerichtet.

Herr Hanstein ist in verschiedenen landwirtschaftlichen Gremien und ruft den Wasser- und Bodenverband Hanau-Land ins Leben (heute: Wasser- und Bodenverband Main-Kinzig-Kreis). Dieser kümmert sich nicht nur um wasserwirtschaftliche Aufgaben, sondern verleiht auch landwirtschaftliche Großmaschinen preisgünstig an die Mitglieder. Zu diesem Zweck wird am Simmichtsweg die große Maschinenhalle gebaut. Für seine Verdienste wird Herr Hanstein mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Der Hof selber hat eine 1988 errichtete Maschinenhalle auf der sogenannten Leustatt (eigentlich: Leuchtstatt) südlich der Straße nach Mittelbuchen. Dort hat das Gut heute einen großen Besitz. In der Flur findet man hin und wieder noch Gütersteine mit der Aufschrift „VE", also „von Edelsheim". Einer dieser Steine ist auch im Stadtmuseum. Diese Steine sind meist nach unten spitz zulaufend und oben rund. Sie finden sich aber nicht nur dort, wo das Gut heute Besitz hat, weil ja die Gemarkung 1906 erst neu aufgeteilt wurde (weitere Information über das Hofgut im Kapitel „Landwirtschaft").

In der Scheune des Hofguts war eine kleine Öffnung in Form einer Schießscharte, die eine Beobachtung des Eingangs zum Rathaus zugelassen hätte. Bürgermeister Happ fühlt sich dadurch gestört, so daß die Öffnung zugemauert wird. Sie ist aber heute noch zu erkennen.

„Wenn der Kirchturmhahn nach seinen Hennen (bei Hanstein) guckt, gibt es schlechtes Wetter!" das kommt nämlich meist aus Südwesten (Johannes Wenzel, Alt Wachenbuchen 22.)

 

Alt Wachenbuchen 7 - 11

An der Scheune des Hauses Nr. 11 steht: „Erbaut von Michael Moischi, 1801, und Anna Markreta M.S." Am Kellerhals steht „W P 17 - 79", aber es ist nicht sicher, ob diese Inschrift zuverlässig ist.

Das Haus Nr. 9 hat am Torpfosten die Inschrift „1770 F.ME". Die Inschrift über der Tür gibt nähere Auskunft: „Mich bauten Friedrich Mefert und Anna Mariam 1786". Der Besitzer ist 1980 Johann Stehli, danach wird das Fachwerk freigelegt.

Das Haus Nr. 7 ist etwa 1790 erbaut. Im Volksmund sagt man dazu „es Borschemaasters", weil hier der Bürgermeister Kaspar Stein gewohnt hat. Im Unterstockwerk war ein Laden, im Oberstockwerk soll ein kleiner Saal gewesen sein. Am 22. März 1945 wird das Unterstockwerk von einer Granate getroffen und muß total erneuert werden. Die Scheune auf der Südseite wird abgerissen.

 

 

Erbsenstraße

Das Haus Erbsenstraße 1 ist ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, die Gesimsprofile sind einfach verziert. Besitzerin ist 1980 Frau Gertrud Schäfer. Hinter dem Haus beginnt die Ringmauer, die durch den Abriß von Häusern und Scheunen hier noch gut zu sehen ist. Hinter dem Haus Erbsenstraße Nr. 9 ist sogar noch der „Innenweg" vorhanden, auch wenn er überbaut ist. Ein Stück Ringmauer wird 1904 für 30 Pfennig pro Quadratmeter verkauft, damit die Scheune verändert werden kann. Der „Innenweg“ ist seitdem überbaut. An dieser Stelle der Ringmauer ist auch noch eine Schießscharte erhalten. Im Hof des Hauses  war ein 10,50 Meter tiefer Brunnen. Auf dem Grundstück befand sich die Diamantschleiferei Johannes Puth und Söhne. Heutiger Besitzer ist Hans Puth. Die Ringmauer läuft dann hinter den Häusern auf der südlichen Seite der Erbsenstraße her bis zur Friedhofsmauer.

Das Haus Nr. 2 trägt am Tor die Jahreszahl 1803 und die Buchstaben HK. Nähere Auskunft gibt die Inschrift über der Haustür: „Dies Haus hat erbaut Henrich Koch und seine elige Hausfrau Anna Katharina, Anno 1802, den 4 ten Juli" (elige = eheliche). An der Ecke des Hauses war früher ein Ausguckfenster, das 1972 noch vorhanden ist. Die Scheune ist von 1770 und hat einen geschnitzten Balken.

Das Haus Nr. 4 ist aus dem 18. Jahrhundert. Der Besitzer ist 1980 Rudolf Linke. Damals ist das Haus noch verputzt, heute ist das Fachwerk freigelegt. Auch dieses Haus hatte ein Ausguckfenster. Das Haus Nr. 6 ist auch aus dem 18. Jahrhundert. Besitzer ist 1980 Walter Schories, das Haus ist schon damals mit Eternit verkleidet.

Das Haus Nr. 13 ist von 1732, wie auf dem abgebrochenen Kellereingang stand. Besitzer ist 1980 Adalbert Voigt. Das Haus ist aber noch verputzt. Im Haus Nr. 15 bestand 1949 der Bau- und Kunststeinbetrieb Wilhelm Schmidt II.

Das Haus Nr. 17 ist eines der malerischsten in Wachenbuchen. Das Wohnhaus ist von 1770. Auf dem verzierten Scheunenbalken steht:"Johann Nikolaus Schmit und seine Ehefrau Anna Margareda. Die zwei haben mich erbaut im Jahr den 5. Mai 1774". Am Torpfosten steht „Joh. Koch 1893". Im Haus wohnte der Schuhmacher Heinrich Koch, dessen Geräte heute im Stadtmuseum erhalten sind. Vor dem Haus war der gemeindeeigene „Erbsenbrunnen", rund 7,50 Meter tief, dessen Abdeckung noch zu sehen ist.

Das Haus Nr. 19 ist ein Fachwerkbau mit Zwerchwalm aus der Zeit um 1800. Besitzer ist 1980 Wilhelm Mossel. Nur an der Nordseite ist noch das Fachwerk zu sehen, sonst ist das Haus umgebaut. An der Ecke ist ein Radabweiser.

Über der Tür des Hauses Nr. 8 steht „HS 1686". Das Haus gehört 1980 Hans Bohlinger. Das Haus Nr. 10 ist von 1731 (der Stein mit der Jahreszahl ist jetzt verputzt). Die Scheune ist von 1887. Besitzer ist 1963 und 1980 der Schmied Georg Walter, das Wohnhaus ist damals verputzt.

Das Hauptgebäude des Hauses Nr. 12 ist von 1771. So lautet die alte Inschrift über dem Kellereingang „17 DL 71". Im neuen Putz ist die Jahreszahl 1760 eingekratzt. Die Mannfiguren des Fachwerks „schließen" nicht mehr. Das Gehöft war früher sehr malerisch. Die Nebengebäude sind noch früher erbaut, dort war einmal eine Diamantschleiferei. Besitzer ist 1980 Otto Mertens.

Das Haus Nr. 21 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750. Besitzerin ist 1980 Irmgard Kaiser.

 

 

 

 

Friedhof

Früher wurde ja nur rund um die Kirche bestattet. Aber schon 1813 überlegt man, ob man nicht einen neuen Friedhof anlegen kann. Am 20. Oktober 1813 bricht nämlich ein großes Sterben aus. Innerhalb von drei Monaten gibt es 40 Beerdigungen. Ursache ist eine Typhusepidemie, die infolge der Kriege das ganze Gebiet erfaßt. Dazu kommt der kälteste Winter seit Menschengedenken. Viele Tote werden in der Stille begraben. Auf dem Kirchhof gibt es bald kaum noch einen freien Platz.

Es wird deutlich, daß ein neuer Friedhof angelegt werden muß. Im Staatsarchiv Marburg befinden sich die Akten über den neu anzulegenden Totenhof von 1814 bis 1820. Aber erst 1832 wird der neue Friedhof außerhalb des Ortes angelegt und genutzt.

Doch schon 1861 ist dieser Friedhof bis auf eine Grabstelle voll. Man erwägt, die Mauer abzubrechen und unten ein Stück hinzuzukaufen, nämlich Michael Steins Garten. Auch bei der Zusammenlegung 1903 überlegt man eine Erweiterung des Friedhofs nach Norden zu. Das für den Totenhof vorgesehene Grundstück soll 1910 wieder für 8.000 Mark verkauft werden, weil dort viele Obstbäume stehen. Dafür soll ein Grundstück von den Oswald'schen Erben für 5.475 Mark gekauft werden.

Das Amt der Totenfrau geht 1923 von Frau Füssel auf Frau Emma Hofmann über. Sie übt das Amt bis 1951 aus, bis am 9. Juli 1951 Frau Käthe Schlegel Totenfrau wird.

Im Jahre 1928 wird Philipp Schäfer Friedhofswärter. Ein "Gräberkasten" wird 1934 angeschafft, damit die Gräber nicht mehr zusammenrutschen können. Neuer Totengräber wird Heinrich Weilbächer.

Einen Leichenwagen will die Gemeinde schon 1929 beschaffen. Aber angeschafft wird er erst 1936. Bis dahin wurden die Särge offenbar vom Haus zum Friedhof getragen. In der Kirchhofstraße Nr. 3 wird ein Holzstall abgerissen und eine Unterstellmöglichkeit geschaffen. Den Wagen soll erst Wilhelm Giesel fahren, ab 1938 fährt ihn Kaspar Giesel. In diesem Jahr wird auch wie überall in Deutschland eine Musterfriedhofsordnung erlassen. Gemeinderat Wilhelm Mossel wird Mitglied der Friedhofsverwaltung.

Auch in der Orientierungsschrift von 1966 spricht man davon, daß der Friedhof wird erweitert werden müssen. Die Kirchengemeinde möchte 1970, daß die bürgerliche Gemeinde den Friedhof übernimmt. Aber erst 1985 ist der alte Friedhof voll belegt. Am Weg in Richtung Kilianstädten kauft man deshalb ein größeres Grundstück, um einen neuen Friedhof anzulegen. Mit der Belegung wird 1986 begonnen, eine Trauerhalle wird 1988 errichtet.

Die Friedhofsmauer ist noch ein gut erhaltenes Stück der Ringmauer. Man erkennt auch noch den Ansatz eines Turmes mit einem Fenster. Etwas weiter links ist noch einmal ein Guckfenster zu erkennen. Die Ringmauer verläuft dann hinter den Häusern östlich der Friedhofstraße her und biegt dann ab hinter die Häuser am Rübenberg Nr. 10 und Nr. 6 und Herrengasse Nr. 13 und 17.

 

Kirchhofstraße

Das Haus Kirchhofstraße 17 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750 und hat teilweise leichte Überhänge. Im Jahre 1928 ist dort die Spenglerei Wilhelm Stock. Besitzer ist 1980 Wilhelm Heck. Das Fachwerk ist inzwischen freigelegt bzw. erneuert.

Im Haus Nr. 10 war früher der Bauernhof Wenzel, der heute ausgesiedelt ist an den Hanauer Weg. Herr Wenzel hat die Bücher der Viehkasse geführt und auf-bewahrt.

Das Haus Nr. 8 hatte über dem Kellereingang die Inschrift „Renovatum 1740", die aber heute durch Putz verdeckt ist. Am Tor steht die Jahreszahl 1772 auf dem Stein.

Das Haus hat typisches Fachwerk aus dieser Zeit. Es hat einen Überhang, die Mannfiguren im oberen Teil sind allerdings zu Knaggen reduziert. Besitzer ist 1980 Heinrich Krimmelbein.

Das Haus Nr. 15 ist 1980 eine Fachwerkscheune aus dem 18. Jahrhundert, die als Lager genutzt wurde. Inzwischen ist das Haus total neu gebaut worden und auf alt zurechtgemacht. Das Haus Nr. 13 steht hinter den anderen Häusern und ist auch neu gebaut. Es war früher der Hof Borger mit einem Brunnen am Stallgebäude. Der Neubau wird von der Familie Pinkel errichtet.

Das Haus Nr. 11 ist angeblich vor dem Dreißigjährigen Krieg entstanden. Es hat Schnitzereien an den Eckständern. Köpfe findet man oft an den Eckständern. Sie sollen nach dem Volksglauben böse Geister abweisen. Die alten Inschriften wurden allerdings bei dem Umbau nach 1938 vernichtet. In dem Haus wohnte 1928 der jüdische Viehhändler A. Strauß II. Die Familie Hermann Strauß ist am 2. Mai 1938 nach Frankfurt verzogen. Mit im Haus wohnt zunächst auch Herrmanns Bruder Josef. Nachdem die Familie noch im Haus Schulstraße 32 gewohnt hat, zieht sie am 15. April 1934 nach Dörnigheim, wo der Schwiegervater Josef Stern herstammt. Der Sohn Lothar („Larry") Strauß lebt heute in den USA.

Die Maler Fassel und Habermann haben 1963 ihr Geschäft in dem Haus. Heinrich Habermann ist 1980 der Besitzer. Im Jahre 1986 befindet sich dort die Firma Baudekoration Klaus Renner.

Westlich des Aufgangs zur Kirche stand das Spritzenhaus. Es wird 1913 verkauft an Wilhelm Puth VII., der gegenüber wohnt.

Das Haus Nr. 5 ist aus dem 18. Jahrhundert, der Giebel ist in Stein verblendet. Es wird 1859 von der Gemeinde angekauft von Johannes Weilbächer, der vorschlägt, es als Hirtenhaus zu verwenden. Es wird auch Hirtenhaus  für den Kuhhirten, denn 1866 wird es nach dem Tod der Kuhhirten Ernst Groß zwischenvermietet. Im Jahre 1899 ist es teilweise Armenhaus, teilweise vermietet. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wohnen hier drei Familien mit 22 Personen.

Schon 1949 wird erwogen, die gemeindeeigenen Häuser in der Kirchhofstraße verkaufen. Einen neuen Versuch unternimmt man 1971. Das Haus Nr. 3 soll an die Firma Kramm verkauft werden, das Haus Nr. 5 zuerst an die Eheleute Seitz und dann an die im Haus wohnende Familie Schultz. Die Kirchengemeinde hat aber eine Vormerkung für die Grundstücke im Grundbuch und lehnt die Löschung des Vorkaufsrechts ab. Außerdem verlangt sie, als Eigentümerin des Kirchhofs rund um die Kirche eingetragen zu werden. Die Gemeinde will im Oktober 1972 auch das Gelände um die Kirche kostenlos der Kirche übertragen. Sie verlangt aber, daß die Kirche das Gelände einschließlich Turm in Ordnung hält, daß keine Bauwerke errichtet werden, die Anwohner weiter Wäsche auf dem Kirchhof trocknen dürfen (!) und die jährlichen Holzlieferungen damit als abgelöst gelten.

Schließlich kommt es  zur Gerichtsverhandlung. Im November 1973 stimmt die Gemeindevertretung dem Vergleichsvorschlag des Landgerichts Hanau zu, weil er dem Beschluß der Gemeindevertretung vom vorigen Jahr entspricht. Die Kirche soll jedoch die Gerichtskosten übernehmen, weil das Verfahren überflüssig war. Doch der Vergleich kommt nicht zustande.

Am 1. April 1974 erörtert der Gemeindevorstand den Prozeß gegen die Kirchengemeinde mit Rechtsanwalt Hoffmann: Für die Gemeinde steht die Sache schlecht, weil die Kirche Akten vorlegen kann, zum Teil in Auswahl, während die Gemeinde keine mehr hat. Der Gemeindevorstand stimmt deshalb einem Vergleich in abgeänderter Form zu.      

Küsterschule

Das Haus Nr. 3 ist in einzelnen Teilen sehr alt. Das Wohnhaus wird in den Jahren 1728 - 1731 neu gebaut oder erneuert. Über der Kellertür steht „AN 17 M 31 S , CMB  CKB". Zum Haus gehörte ein 4,40 Meter tiefer  Brunnen. Die Scheune wird später an der Stelle eines älteren Hauses erbaut. Das Wohnhaus ist die Wohnung des Glöckners, der gleichzeitig Lehrer ist und in dem Haus auch Schule hält.

Im Erdgeschoß ist nur eine Stube, über die der Zugang zu einer kleinen Kammer geht, dazu eine Küche. Das Obergeschoß ist in gleicher Weise aufgeteilt. In der Stube im Erdgeschoß wird der Unterricht gehalten. Als dann 1903 ein anderes Schulhaus errichtet wird, ist das Küsterschulgehöft nur noch die Dienstwohnung des Lehrers, der den Kirchendienst versieht. Besitzer ist 1980 Peter Kramm. In der Scheune stand früher der Leichenwagen.

 

Altes Rathaus

Das Haus ist aus dem 16. Jahrhundert. Der Sockel ist Hauses ist schon vor 1555 erbaut. Am Eingang zum Treppenaufgang im Inneren des Hauses steht nämlich die Jahreszahl 1555. Das Wappen deutet auf die Zugehörigkeit Wachenbuchens zur Grafschaft Hanau hin. Es zeigt die Wappen von Philipp III. von Hanau und Helene von Pfalz-Simmern.

Der Baukörper ist typisch für das 16. Jahrhundert und noch „gotisch" aufragend, wie Professor von Staden urteilt. In der jetzigen Form wird das Alte Rathaus 1705 errichtet, wie die Jahresringe an den Balkenausweisen (nach dem dendrologischen Gutachten). Es ist ein Fachwerkbau mit rundem Treppenturm und mit Knaggen über dem Erdgeschoß.  Es hat einen tiefen Keller, der an Nachbarn verpachtet wurde (zum Beispiel 1870).

Vor dem Haus ist bis 1863 das Spritzenhaus, verbunden mit einem Brunnen. Bis 1907 befindet sich auch die Gemeindewaage vor dem Haus, das kleine Gebäude wird allerdings erst später abgerissen.

Nach dem Ersten Weltkrieg muß die Renovierung auf das Nötigste beschränkt werden. Erst 1921 kann das Haus richtig renoviert werden. Dabei wird es auch verputzt. Im Jahre 1951 wird es von drei Weißbinderfirmen erneut renoviert.   Das Dach wird neu gemacht, der Schornstein und die Fenster werden erneuert, die Heizungsanlage und die Lichtanlage instandgesetzt.

Die Verwaltung zieht 1970 aus. Die obere Etage wird zur Wohnung umgebaut. Der Mieter muß die Betreuung des Gebäudes übernehmen.

Seit 1981 wird vor dem Rathaus das Straßenfest gefeiert. Es wird zunächst vom Geflügelzuchtverein und von den Landfrauen ausgerichtet.

Im Jahre 1984 wird das Haus für 150.000 Mark renoviert. Das Fachwerk im Obergeschoß wird wieder freigelegt. Das Haus wird nach dem Erdreich zu isoliert, das Fachwerk augebessert, Fenster und Klappladen erneuert, das Dach wird repariert und die neu vergoldete Wetterfahne aufgesetzt.

Seit diesem Jahr wird beim Straßenfest der Evangelische Gottesdienst vor dem Rathaus gehalten. Die Bücherei zieht 1988 aus der Feldstraße in das alte Rathaus um (eine Volksbücherei gibt es schon 1936).

Im März 1989 beschließen die Politiker, daß der Rathausbrunnen ein neues Gesicht bekommen soll. Doch der dann aufgestellte Brunnen ist in den Augen der Wachenbucher zu modern. Sie würden einen Laufbrunnen vorziehen oder einen kleinen Springbrunnen, bei dem das Wasser über zwei Mühlsteine abläuft.

So wird der Brunnen wieder entfernt. Heute steht ein anderer Brunnen vor dem Rathaus, der die Partnerschaft mit der Gemeinde Moosburg in Kärnten symbolisiert. Auch die Nachbildung eines Karolingersteins am Rathaus nimmt darauf Bezug. Im Jahr 1995 werden im Oberstockwerk ein Atelier und auch eine Unterrichtsstätte des Kunst-Frischwasservereins eingerichtet, die aber auch wieder aufgegeben wurden.

 

           

Kirche

Der Kirchturm  wird 1461 erbaut, wie über der Eingangstür zu lesen ist (tiefgestellte 8 bedeutet 4). Die dazugehörige Kirche müßte dann früher gebaut sein. Aber Spuren einer früheren Kirche hat man beim Verlegen der Heizungskanäle nicht gefunden. Es ist aber auch unwahrscheinlich, daß eine frühere Kirche an anderer Stelle gestanden hätte, denn Kirchhof und Kirche gehören zusammen.  Es wird aber auch die Jahreszahl 1437 als Baujahr der Kirche angegeben, aber das läßt sich nicht belegen. Der Turm wird zugleich als Wehrturm genutzt, denn er hat Fenster, die an Schießscharten erinnern.

Der Kirchhof ist eine alte Wehranlage als Zufluchtsort für die Bevölkerung in schweren Zeiten. Diese Mauer müßte älter sein als die Ringmauer, könnte also nicht ins 15. Jahrhundert gehören, wie angegeben wird. Aus den Kirchenbaurechnungen geht hervor, daß noch im 17. Jahrhundert Roste vor der Kirchhofspforte angebracht sind, die das Vieh nicht betreten kann, ohne dazwischen zu geraten. Dadurch wird verhindert, daß Viehzeug auf den Kirchhof läuft. Das Kirchhofstor ist von 1728, in der heutigen Form Anfang der Neunziger Jahre allerdings neu hergerichtet.

Die Kirche gehörte zum Dekanat Roßdorf und war der Maria geweiht (?). Patron war der Graf von Ysenburg-Büdingen bis zum 18. Jahrhundert.

Eine Sonnenuhr wird 1543 an dem Glockenturm angebracht. Der Maler hat allerdings die Zahlen  falsch aufgemalt und muß noch einmal kommen und seine Arbeit berichtigen. Das geht dann nicht ohne eine neue "Verzehrung" ab. 

Diese machen übrigens einen großen Teil der Kirchenrechnungen aus. Leihen der Schultheiß, die Geschworenen oder der Kirchenbaumeister aus der Kirchbau-kasse Geld aus - wenn auch eine noch so kleine Summe - so wird im Wirtshaus eine Zeche veranstaltet.

Wird einem Handwerker irgendeine Arbeit am Kirchengebäude verdingt, so muß 'eine' Maß Wein dabei vertrunken werden, wenn der Vertrag gelten soll. Beim Neueindecken des Daches wird, nachdem der erste Stein gelegt ist, wiederum gezecht. Ganz besondere Gelegenheit zum Zechen gibt aber die Abnahme der Kirchenrechnung, unter die dann einmal einer schreibt: "Der Verzehrungen seind gar viel".

Im Jahre 1637 (Dreißigjähriger Krieg) rauben Soldaten die Glocke. Die Wachenbucher kaufen sich ein Horn, um sich Zeichen geben zu können, vor allem zum Gottesdienst. Erst 1662 können sie sich wieder für 126 Gulden eine Glocke kaufen.

Die Kirche wird 1703 abgebrochen, obwohl 167 Bürger eine Bittschrift für den Erhalt der Kirche an die Regierung richten. Danach wird die Kirche fast nicht mehr besucht. Der Turm wird 1727 umgebaut.

Einige alte Grabsteine sind heute in die Außenwand  der Kirche eingebaut. Die Inschriften sind zum Teil stark verwittert. Sie erinnern vor allem an jugendliche Tote  in der Zeit von 1700 bis 1760, zum Beispiel an Johannes Meffert, der 1760 in der Leimenkaute von herabfallender Erde verschüttet wird.

Eine Orgel muß es schon vor 1775/76 gegeben haben, denn in diesen Jahren wird sie repariert unter Aufsicht von Musikdirektor Breidenstein.

Eine neue Glocke wird 1777 angeschafft, doch 1792 zerspringt sie am Bußtag und wird umgegossen Ein schwarzes Altartuches wird 1794 angeschafft.

All die Jahrhunderte bleibt umstritten, wer die sogenannte "Baulastpflicht" hat, ob also bürgerliche Gemeinde oder Kirchengemeinde die Kirche und die anderen kirchlichen Gebäude instandhalten müssen. Als Pfarrer Bode im Jahr 1873 in die Kirche kommt, traut er seinen Augen nicht: In der Kirche ist ein Baugerüst auf-gestellt und Handwerker sind eifrig dabei, Balken in der Decke auszuwechseln, Bänke herauszureißen, an die Emporen einen Anbau anzufügen und die Orgel abzubrechen. Als er die Handwerker fragt, sagen sie: Der Bürgermeister hat uns den Auftrag erteilt.

An Gottesdienste ist zunächst nicht mehr zu denken. Der Pfarrer muß natürlich Meldung machen. Das Konsistorium in Kassel beschwert sich am 2. August 1873, daß die beträchtlichen Umbauten ohne seine Genehmigung vorgenommen wurden. Der Landrat wird aufgefordert, der Gemeinde ein Bauverbot zu erteilen. Sie soll erst einmal ein Projekt und einen Kostenvoranschlag einreichen. Und die Aufstellung der Orgel an anderer Stelle käme überhaupt nicht in Frage.

Daß auch die Orgel mit dran glauben mußte, hat Pfarrer Bode dem Konsistorium ausdrücklich verraten. Er schreibt, daß nicht die alte Orgel versetzt wurde, sondern eine ganz neue aufgestellt wurde. Aber er habe so gut wie nichts davon gewußt, es sei nur die Rede davon gewesen, daß einige Balken im Dach ausgewechselt werden sollten.

Der Bürgermeister Puth muß natürlich auch Stellung nehmen. Er gibt an, in gutem Glauben gehandelt zu haben, so ein Umbau bedürfe keiner Genehmigung. Er bestätigt, daß der Pfarrer keine Kenntnis gehabt habe; aber er habe ihm auch nicht gesagt, daß eine Genehmigung notwendig sei (irgendwie ist das natürlich ein Widerspruch: wenn er wirklich nichts gewußt hat, kann er auch keine Hin-weise geben).

Und dann muß der Bürgermeister kleinlaut gestehen: Der Kostenvoranschlag von 238 Talern sei um 100 Taler überschritten. Auch muß er zugeben, daß die alte Orgel abgebaut ist und von dem Orgelbauer Ratzmann für 900 Taler eine neue aufgestellt worden ist; der Organist Kohs aus Wachenbuchen hat sie bereits geprüft und in Ordnung befunden.

Der Metropolitan muß natürlich auch Stellung nehmen. Er sieht sich die Sache selber an und berichtet nach Kassel, daß die Reparaturen notwendig gewesen seien und „nichts verfehlt" worden sei. So entschließt sich das Konsistorium am 8. August, ausnahmsweise den Baumaßnahmen nachträglich zuzustimmen.

In dieser Zeit sieht es die bürgerliche Gemeinde noch als ihr Recht an, für die Kirche zu sorgen und sogar eine neue Orgel zu kaufen, ohne den Pfarrer zu fragen. Zu einer Grundreparatur im Jahr 1903 erklärt sie sich noch bereit, gibt jedoch nur 1.000 Mark für den Erweiterungsbau. Zinsen und Abtrag müssen in Form einer Kirchensteuer auf die Einwohner umgelegt werden.

 

 

Bei dem Umbau wird vor allem das Kirchenschiff nach beiden Seiten erweitert. Die Wände des Chors werden etwas auseinandergezogen. Die Kirche hat jetzt Seitenschiffe, die über den Chor hinausragen. Doch dadurch ergeben sich bald Schwierigkeiten mit der Statik.

 

 

 

Beim Abriß der ursprünglichen Außenmauern kommt der „Viergötterstein" zum Vorschein. Der Stein war wohl der Fuß einer Gigantensäule, die vor einem Gehöft am Weg aufgestellt war. Es handelt sich um einen roten Sandstein 66 x 44 x 43 Zentimeter groß. In den Nischen sind dargestellt Juno, Mercur, Hercules und Minerva. Heute befindet er sich im Museum Hanau-Mittelbuchen.

Man muß sich natürlich fragen, wie dieser Stein in die Kirche kam. Es kann sein, er wurde einfach achtlos als Baumaterial benutzt und stammt aus den Ansiedlungen in Kesselstadt oder Mittelbuchen.

Es kann aber auch sein, daß er bewußt schon in einen Vorgängerbau der Kirche eingebaut wurde (der allerdings nicht nachgewiesen ist). Dann könnte es wiederum sein, daß die Kirche ihn dort haben wollte, um den Sieg über das Heidentum zu dokumentieren: Ihr dürft jetzt nicht mehr eure alten Götter anbeten, jetzt ist die Kirche der Ort der Anbetung!

Es könnte aber auch sein, daß ein Maurer den Stein heimlich in die Kirche einbaute; er wäre dann ein Verehrer der alten Götter gewesen und hätte den Gegenstand seiner Verehrung gewissermaßen in dem neuen Bauwerk gesichert und beim Besuch der Kirche in Wirklichkeit die alten Götter verehrt. Man findet das aber in vielen Kirchen, daß römische Steine mit eingebaut wurden, speziell auch Viergöttersteine.

 

Aber 1904 schafft die bürgerliche Gemeinde eine neue Kirchturmuhr an, die die 300 Jahre alte Uhr ersetzt. Eine Firma in Bockenem (bei Hannover) erhält 1.500 Mark für eine Uhr mit drei Zifferblättern. Der Ortsdiener muß die neue Kirchturmuhr aufziehen.

Weil in die 1905 beschädigte Glocke kein Splitter eingesetzt werden kann, wird eine neue Glocke gekauft. Das Läuten übernimmt 1906 Christian Meininger für 200 Mark im Jahr. Ab 1910 hilft Peter Müller beim Läuten, sie erhalten jährlich 180 Mark. Im Jahre 1906 erhält die Kirche noch einen Blitzableiter auf Kosten der Gemeinde.

Im Juli 1917 liefert die bürgerliche Gemeinde die Orgelpfeifen sowie zwei Glocken für Kriegszwecke ab und steckt auch die Entschädigung ein. Nach dem Krieg besorgt die Kirchengemeinde wieder die Orgelpfeifen. Sie leitet auch 1927 die Beschaffung neuer Glocken ein. Zwei Bronzeglocken im Gewicht von 1070 kg werden 3.155 Reichsmark kosten. Dazu kommen neue Joche für alle drei Glocken, die dann leichter zu läuten sein werden, weil ihr Schwerpunkt höher liegt. Es muß ein Betrag von etwa 5.000 Mark einkalkuliert werden. Davon kommen etwa 4.000 Mark durch Schuldscheine von Gemeindegliedern ein, die im Laufe von drei Jahren bezahlt werden sollen. Eine elektrische Läuteanlage wird mit Rücksicht auf die Kosten vorerst zurückgestellt. Die bürgerliche Gemeinde wird gebeten, die bereits vorgesehenen 1.000 Mark bei Fälligkeit der ersten Rate zu zahlen und eine Bürgschaft für die Gesamtkosten zu übernehmen, die Gemeindevertretung lehnt allerdings ab. Am 1. Advent 1927 ist die Glockenweihe.

Nicht so glatt geht es auch mit den Bauschäden. Bis 1926 sackt das Schiff gegenüber dem Chor soweit ab, daß ein tiefer Riß entsteht und eine teure Renovierung erforderlich ist. Im September 1928 findet eine Besprechung zwischen Gemeindevorstand und Kirchenvorstand wegen der Baulastpflicht an der Kirche statt.

Unstreitig ist die Unterhaltspflicht der Gemeinde  für Turm, Uhr und Glocken. Für die anderen Baulasten schlägt die Kirchengemeinde eine jährliche Zahlung von 300 Goldmark vor. Das Landeskirchenamt will dafür eine wertbeständige Anlage haben, etwa in Form von Grundbesitz. Doch die Gemeindevertretung lehnt am 18. Februar 1930 jede Verpflichtung ab, weil es keinerlei einwandfrei Beweise für die Baupflicht der Gemeinde gebe.

Die Gemeinde leugnet eine Pflicht für die Unterhaltung der Kirche und insbesondere  für die Reparatur des einsturzgefährdeten Ostgiebels und verweist darauf, daß sie 1903 die Erweiterung der Kirche nicht gewollt hat und der jetzige Schaden nur durch einen Konstruktionsfehler bei der Erweiterung entstanden sei.

Inzwischen kommt ein neuer Streit über das Eigentum am Kirchhof hinzu. Die Kirche vertritt den Standpunkt, er gehöre mit zur Kirche und er sei ja auch von dem Kirchendiener genutzt worden. Das Amtsgericht spricht am 17. Juni 1931 den Kirchhof der Kirchengemeinde zu, obwohl er 1921 als Eigentum der bürgerlichen Gemeinde eingetragen worden war. Im Jahre 1925 wird das Kirchturmdach neu gedeckt und 1932 die Kirchturmuhr repariert.

 

Am 21. Juni 1928 bittet der Bauernverband darum, das Vier-Uhr-Uhr - Läuten wieder einzuführen, weil die in der Landwirtschaft beschäftigten Personen nicht immer eine Uhr bei sich haben und den Feierabend verpassen könnten. Das Problem besteht bis heute. Der Kirchturm ist 1996 so zugewachsen, daß die Uhr nicht mehr zu sehen ist, aus Kostengründen wird aber nichts unternommen. Aus Anlaß der 1200-Jahr-Feier machen die Wachenbucher nun einen neuen Anlauf: Jetzt wird eine funkgesteuerte Uhr eingebaut, damit jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat. Man muß die Uhr sehen können, die Bauern auf dem Feld und die Kinder auf dem Schulweg brauchen sie. Wozu hat man sonst eine Uhr?

 

Am 6. Januar 1945 wird die Kirche von einer Brandbombe getroffen und bis auf die Außenmauern zerstört. Die verbliebenen zwei Glocken schmelzen. Man sagt, die Kirche hätte gerettet werden können, denn die Feuerwehr war ja da. Aber der Bürgermeister hielt es für wichtiger, Anderes zu löschen und sagte: „Laßt den Musentempel doch abbrennen!"

Der Wiederaufbau der Kirche beginnt dann 1952. Den Entwurf macht Architekt Kienzler, die Bauausführung hat Architekt Bange aus Hanau. Zur Reparatur des Turms stellt die bürgerliche Gemeinde in den Jahren 1950 und 1951 je 5.000 Mark zur Verfügung.

Der Turm erhält einen Kirchturmhahn. Zwei Zifferblätter der Uhr sind noch zu verwenden, eins wird neu angeschafft; die Zifferblätter werden mit zwei schwarzen Kreisen versehen.

Die Verputz- und Anstreicherarbeiten am Kirchturm werden 1952 an eine Arbeitsgemeinschaft von drei Firmen vergeben, die Firma Kappes hat die Federführung.

Am 28. September  wird der erste Gottesdienst im Rohbau der erneuerten Kirche gehalten. Der Einweihungsgottesdienst ist am 16. August 1953. Seit dem 9. November 1953 wird die Kirche regelmäßig für den Gottesdienst benutzt. Gegen den Willen des Pfarrers wird die Kirche mit Bänken ausgestattet und der Auftrag an zwei einheimische Schreiner vergeben, obwohl diese nur Kiefernholz und nicht Hartholz verwenden, wie das ein auswärtiger Bieter zum gleichen Preis machen will. Die wiederaufgebaute Kirche entspricht im Wesentlichen der zerstörten Kirche, nur die Kanzel ist näher an die Gemeinde herangerückt und tiefer gesetzt.

Es werden auch wieder vier Glocken beschafft und im September 1953 eingeweiht. Die bürgerliche Gemeinde übernimmt die Kosten für die größte und kleinste Glocke, Läutewerk und Uhr. Die behält sich das Eigentumsrecht vor und läßt ihren Namen auch auf die Glocken gießen.

 

Eine neue Orgel wird 1955 bei der Firma Voigt in Frankfurt-Höchst in Auftrag gegeben. Am 11. September wird sie eingeweiht, am Abend ist ein Orgelkonzert. Die Orgel hat 600 Pfeifen und kostet 23.000 Mark. Am 30. September 1979 wird die renovierte Orgel (57.000 Mark) wieder in Gebrauch genommen (1278 Pfeifen, 18 Register).

Zwei vor- und frühgeschichtliche Fundstellen stammen aus dem Bereich der Kirche: Als man 1985 einen Anbau für eine Heizung plant, stößt man nördlich der Kirche auf alte Gräber. Sie sind allerdings nicht aus römischer Zeit, wie man vermutet hatte; dafür findet man aber ein Grab aus der Eisenzeit. Auch sonst werden beim Heizungsbau keine Mauern einer früheren Kirche oder einer Befestigungsanlage gefunden.

 

Auf dem Kirchhof wird 1957 ein Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege errichtet. Das alte Kriegerdenkmal an der Mittelbucherstraße wird abgerissen, die Schriftplatte wird an der Kirchenwand angebracht. Der Kostenvoranschlag für ein neues Denkmal beläuft sich auf 4.494 DM. Der Landeskirchenbaurat Maurer lehnt den Entwurf ab, die mehrteilige Sandsteinplatte wirke nicht sehr überzeugend und stehe nicht in einer Flucht mit der Kirchhofsmauer. Maurer will die Tafeln direkt in die Mauer einlassen. Das fertige Denkmal mit einem eisernen Kreuz aus Sandstein kostet 4.730 DM.

Der 1983 geplante Bau eines Heizungskellers an der Kirche mit darüber liegender Sakristei verzögert sich aber. Die alte Heizung ist aus dem Jahr 1911. Der Entwurf für den Anbau wird von der Stadt Maintal abgelehnt. Der Pfarrer kann sich jedoch schließlich mit dem Ersten Stadtrat einigen. Doch am Ende findet man eine ganz andere Lösung, in dem man alles in das Innere der Kirche einbaut, weil es inzwischen kleinere Heizungsöfen gibt.

 

Das markanteste Kennzeichen der Kirche sind heute die Kirchenfenster: Glieder der evangelischen Gemeinde gestalten nach zweijährigem Anlauf 1986 das zentrale Fenster im Chor der Kirche. Die künstlerische Leitung hat Heide Voepel. Mitarbeiter sind Frau Orendi, Frau Matthei, Pfarrer Müller und die Konfirmandinnen Ulrike Puth, Nele Höra und Kerstin Däther, später noch Brigitte Matthei und Harald Voepel. Zur Vorstellung der Konfirmanden am 4. Mai 1986 wird das Fenster eingeweiht.

Seit dem 3. Advent 1995 sind auch die beiden anderen Fenster farbig gestaltet. Diese sind geschaffen von Heide Voepel, Kirsten Schüler und Vikar Joachim Gebauer; zeitweise werden sie unterstützt von sechs ehemaligen Konfirmanden. Am 21. Januar 1996 werden die Bilder im Gottesdienst eingeweiht.

Gesamtthema der Fenster ist: Das Kreuz zwischen Himmel und Erde. Das wird besonders am mittleren Fenster deutlich. Das Kreuz ist umgeben von christlichen Symbolen:

Gott kommt zu den Menschen und zur Kirche in Gestalt einer Taube, die von oben nach unten fliegt. Auf das Pfingstwunder weisen auch die zwölf Flammen oben im Kreuz. Die Blutstropfen links wiederum deuten auf den Opfertod Jesu am Kreuz. Sie tropfen auf Getreideähren, die Symbol der Erde sind.

Unten rechts ist aber auch ein Schwert zu sehen, ein Hinweis darauf, daß auf der Erde nicht nur Friede und Liebe herrschen, sondern auch Gewalt und Unterdrückung. Ganz unten sieht man einen Abendmahlskelch und Brot, auch ein Hinweis auf Pfingsten und die Kirche von heute. Unter der Taube ist der Regenbogen zu sehen, das verbindende Motiv über alle drei Fenster.

 

 

Das rechte Fenster hat die Schwerpunktfarben Blau und Gelb und stellt den Himmel dar. Die geometrische Grundfigur ist das Dreieck. Das Zentrum ist bestimmt von mehreren sich brechenden Lichtstrahlen, also von dem Licht des Schöpfergottes. Aus dem Hintergrund erhebt sich ein aus Strahlen gefügtes Quadratkreuz,

Die vielen Lichtstrahlen sind Brechungen des weißen Lichts Gottes. um auf die vielfältigen Weisen des Handelns Gottes in die Welt hinein hinzuweisen. Das rote Dreieck aber ist der Hinweis auf den einen Gott, in dem sich alle diese Strahlen vereinigen.

Der Stern ist ein Bringer des Lichts und nimmt Teil an dem Kampf des Lichtes gegen die Finsternis. Der Mond wechselt seine Gestalt in den verschiedenen Phasen und ist damit Symbol des Wachstums. Halbmond und Stern symbolisieren den Islam, der Davidsstern das Judentum, das Quadratkreuz das Christentum. Hier ist also an den Schöpfergott der drei Schriftreligionen gedacht. Aber das Gemeinsame soll stärker sein als das Trennende.

Die Kerze als Lichtsymbol deutet die Beziehung zwischen Geist und Materie an. Ihre Flamme erzeugt ein Licht, das das Chaos ordnet und Leben, Heil und Glück schenkt. Christus ist das Licht der Welt, das Licht des Anfangs. Die Leiter und das Kreuz stellen die Verbindung zwischen Himmel und Erde her. Die Welt bleibt nicht sich selbst überlassen.

Der Regenbogen ist das Zeichen der bleibenden Treue Gottes; er führt den Regenbogen des Mittelfensters fort. Der grüne Baum unten im Fenster und das braune Dreieck führen farblich zur Erde hin. Das große Blatt lenkt aber den Blick wieder in die Bildmitte.

Das linke Fenster mit den Schwerpunktfarben Grün und Braun stellt die Erde dar. Der Baum ist mit dem Boden verhaftet, richtet sich aber hoch hinauf in den Himmel. Er erinnert aber auch an die irdische Existenz des Menschen, sein Leben und Sterben, Früchtebringen und Früchteverweigern. Der Baum ist links unfruchtbar und rechts fruchtbar: Einem Dornenzweig und fünf verdorrten und ab-gestorbenen Zweigen stehen gesunde Zweige mit Früchten und Blättern gegenüber. die dem Himmel zugewandte Seite grünt und blüht. Die Baumart ist nicht eindeutig festgelegt: Dornstrauch, Apfelbaum, Weinstock, Eichenlaub und Liliengewächs.

Vor allem die Weintraube, die ja abgeschnitten und gekeltert wird, versinnbild-licht das irdische Leben und Sterben. Aber die Trauben erhalten eine neue Qualität und werden zu Wein, so wie auch der Mensch im Sterben neu wird. Außerdem deutet die ausgepreßte Traube auf Christus, dessen Blut den Kelch der Kirche füllt.

Der angebissene Apfel in der Fenstermitte weist auf die Paradiesgeschichte, auf den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und auf den Sündenfall Adams und Evas. Wegen seiner Kugelform ist der Apfel aber auch ein Abbild der Erde und der irdischen Begierden, wegen seiner Farben und seiner Süße verkörpert er die sinnliche Reizung. Die Lilie dagegen ist das Zeichen der Schönheit, der Reinheit und Unschuld, der Hingabe an den Willen Gottes, der für die mit ihm Verbundenen sorgt so wie für die Lilien auf dem Feld.

Der Getreidehalm im Vordergrund verbindet das linke Fenster mit dem Mittelfenster und seinen Getreidehalmen. Die sieben vollen und die sieben verdorrten Ähren stehen für die sieben satten und die sieben dürren Jahre in der Josephsgeschichte.

Der Kürbis symbolisiert schnelles Wachstum aus einem kleinen Korn sowie schnelles Verderben und somit die Kürze des dahineilenden Lebens. Fisch und Netz spielen auf die Tätigkeit Gottes an, der die Menschen für das Reich Gottes einsammelt und sortiert. Netz und Fisch verweisen auch auf Petrus, den Hoffnungsträger für alle, denen die Zukunftsperspektive verlorengegangen ist:

Er hatte versagt, wird aber doch derjenige sein, der in der Kirche aus allen Völkern eine neue Menschheit macht. Das Netz mit dem Fisch ist also ein Symbol der Kirche. Auf Christus bezogen ist der Fisch geistliches Nahrungsmittel und deutet auf das Abendmahl.

Der Wasserstrahl, aus dem sich der Fisch erhebt, charakterisiert den Ursprung der Schöpfung. Wasser kann schöpferisch (Brunnen), aber auch zerstörerisch sein (Überschwemmung), Ausgang des Lebens und des Todes. Quellwasser symbolisiert das ewige, nie versiegende Leben und ist damit ein Zeichen für die Taufe.

Hinter dem Halm erhebt sich ein Fels, aus dem der Wasserstrahl hervorkommt, Symbol der Beständigkeit und des lebendigen Wassers. Die sich von der Erde in den Himmel ziehenden Linien stellen den Pfad zum Leben dar. Sie könnten aber auch eine Felsspalte sein, in die die Sonne Wärme und Helligkeit einträgt.

Die Bilder an den Emporen sind von verschiedenen Konfirmandenjahrgängen gestaltet und sollen fortgeführt werden. Bis jetzt wurden Bilder zum Glaubensbekenntnis und zum Abendmahl gestaltet. Danach ist das Vaterunser geplant.

 

Herrenstraße

Am Eingang der Herrenstraße steht links das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 19. Es ist ein schönes Fachwerkhaus, aber das Fachwerk ist leider unter Schindeln verblendet. Nur nach der Herrenstraße zu ist das Fachwerk noch sichtbar. Dort Ost auch die Inschrift erhalten: „Dis Haus baute Johann Jacob Kaster und Ana Christina im Jahr Christi Anno 1740".

Das Haus Nr. 2 war das frühere Pfarrhaus. Es wird 1750 erbaut. Eine Scheune und ein großer Garten bis hinunter zu Bach gehören dazu. Das Haus ist damals eines der schönsten in der Gegend. Doch 1913 wird auf einem Grundstück vor dem Dorf ein neues Pfarrhaus errichtet. Im ehemaligen Pfarrgarten steht heute ein Neubau in der Bachstraße. Der Landwirt und Bürgermeister Happ bietet 1950 das Haus Herrnstraße 2 der Gemeinde zum Kauf an (Preis 15 - 18.000 Mark).

 

Das Haus Nr. 1 ist 1844 erbaut, wie ein Stein in der Treppe ausweist. Die Scheune wird 1945 ausgebombt und mit Hohlblocksteinen wieder hochgezogen; rechts ist ein tiefer Keller, links ein flacher Keller. Ursprünglich ist es das Haus der Familie Heß, die Frau heiratete aber in Das Haus Alt Wachenbuchen 22. Im Jahr 1980 ist Christa Gras die Besitzerin.

Das Haus Nr. 3 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750. Der Besitzer ist 1980 Wilhelm Schäfer, heute die Familie Tag. Im Keller ist ein Brunnen. Im Hof steht ein Grabstein, der der einzige alte Grabstein auf dem alten Friedhof war. Weil die Familie das Fundament auf ihre Kosten erneuern sollte, hat sie den Stein auf ihren Hof geholt.

Der frühere Kuhstall und spätere Schweinestall hat Kreuzgewölbe auf zwei Sandsteinsäulen. Er wirkt romanisch und hat nach Professor von Staden "sakralen Charakter". Doch er dürfte nichts mit der nahen Kirche zu tun haben, sondern wie ein Architekt urteilt etwa um 1850 entstanden sein. Er meint, ein steinernes Stallgebäude dient vor allem dem Brandschutz, aber es repräsentiert auch ein wenig den Wohlstand des Besitzers. Auch die Basaltsteine des Gehöfts sind teuer, denn sie stammen aus dem Vogelsberg; sie sind von Luftblasen durchsetzt und heißen "Bienrose-Steine", wohl nach der Firma, die sie lieferte. Heute ist in dem Stall ein Raum zum Feiern eingebaut. Der Besitzer sagt: „Früher gab es hier mehr Schweine als heute!"

 

Das Haus Nr. 5 ist um 1800 erbaut und war früher die zweite Schule. Der gemeindeeigene Brunnen von 7,85 Metern Tiefe wird 1951 zugeschüttet. Außerdem befindet sich vor dem Haus die Gemeindewaage. Sie wird 1907 beschafft und 1924 repariert. Eine Gebührenordnung für die Gemeindewaage wird 1942 aufgestellt. Ab 1. Juli 1968 wird Theodor Hofmann Wiegemeister.

 

Nach Osten biegt ab die Straße Rübenberg. Im Haus Nr. 3 wohnte Berta Strauß, die Tante von Jenny Strauß vom Rübenberg 11. Sie stirbt 1929 und ist auf dem jüdischen Friedhof in Hanau beerdigt. Ihr Sohn Salomon hat das Geschäft in der Hanauer Landstraße 5, Das Haus Nr. 7 gehörte bis 1939 der jüdischen Familie Steigerwald, die am 8. August 1939 nach Frankfurt verzieht. Das Haus Nr. 9 ist 1789 erbaut, wie die Jahreszahl ausweist, die in den Putz des Giebels eingeritzt ist. Die rückwärtige Scheune ist abgerissen. Das Haus Nr. 11 gehörte dem jüdischen Metzger David Strauß. Drei Söhne leben heute in den USA.

 

Das Haus Nr. 6 ist 1747 gebaut und war ursprünglich ein Bauernhaus, bei dem Scheune und Stallung unter einem Dach mit der Wohnung sind, zu der eine alte Treppe hinaufführt. Im Hof war eine 5,20 Meter tiefer Brunnen. Besitzer war 1954 Wilhelm Puth IV. und 1980 die Familie Stein. Heute ist es sehr hinfällig.

 

Das Haus Herrenstraße Nr. 4 ist um 1700 gebaut. Besitzer 1980 war H. Hamburger. Das Haus Nr. 6 stammt aus der Zeit um 1800. In die Hofmauer ist ein Radabweiser eingebaut. Der landwirtschaftliche Betrieb mit Scheune ist verschindelt, Besitzer ist 1980 Wilhelm Kröll, der auch den gegenüberliegenden Hof nutzt.

Das Haus Nr. 7 gehörte dem früheren Bürgermeisters Happ, der aber im Haus Nr. 2 wohnt. Das Haus Nr. 13 war die Wohnung des jüdischen Viehhändlers Josef Reinhardt. Sie verzieht am 25. Januar 1939 nach Frankfurt. Das Grundstück Nr. 15 ist der "Herrenplacke". Der Name läßt sich nur so erklären, daß hier das Hofgut der Grafen von Hanau stand, die von hier aus ihren Besitz bewirtschaften ließen.

 

Mühle

Das Haus Nr. 17 war früher die Mühle. An der Scheune steht: „Johannes Koch und seine Hausfrau Anna Maria Anno 1733 ten 22. Abrili". Die Inschrift am Wohnhaus lautet: „Diesen Bau hat erbaut Herr Johannes Puth und dessen Ehefrau Susanna Anna Margaretha Puthin den 12. A. 1834".

Es sieht zwar so aus, als sei durch das Grundstück ein Mühlgraben geflossen und das Mühlrad wäre dann zwischen Wohnhaus und Scheune gewesen. Aber nach Aussagen alter Einwohner war das Mühlrad an der Westseite des nördlichen Teils des Hauses, also nach der Bach zu.

Der Erbauer des Wohnhauses ist gleichzeitig Schultheiß und Bierbrauer. In dem schmalen Nebengebäude an der Herrnstraße war die Schreinerei, die 1960 von Philipp Koch übernommen wird.

 

Bachstraße

Neben der Mühle stand mitten auf der Bachstraße ein Backhaus. Es war neben dem Backhaus in der Straße Alt Wachenbuchen Nr. 6 das zweite Backhaus der Gemeinde. Als Pächter wird nämlich ein Herr Kratz erwähnt, von dem man weiß, daß sein Haus auf der Bachstraße später abgerissen wird.

Hier bei der Mühle ist die Ringmauer wieder gut zu sehen. Sie verläuft dann zwischen Altbau und Neubau des Hauses Nr. 22 hindurch und geht im Bogen zu dem Haus Alt Wachenbuchen 29, das heute auf der ehemaligen Mauer steht.

Das Haus Bachstraße Nr. 22 ist aus dem 19. Jahrhundert. Der Giebel ist seit mindestens zwei Generationen aus dem Lot. In der Ringmauer auf dem Grundstück befindet sich ein Stein mit der Jahreszahl 1615 (Nordseite, ziemlich rechts oben). Im Jahre 1963 befindet sich auf dem Grundstück die Schreinerei von Johannes Kleeb II., die 1965 abgemeldet wird.

Das Haus Nr. 20 ist aus der Zeit zwischen 1750 und 1800 und hat Zwerchwalm. Es beherbergt 1928 den Gartenbaubetrieb Jean Schmidt. Das Haus ist in nach Prof. von Staden in einem mangelhaftem Erhaltungszustand und die Nebengebäude sind schon lange „im Bau".

Das Haus Nr. 18 ist ein typisch fränkischer Bauernhof mit Scheune und Nebengebäuden. Das Wohnhaus ist von 1749. Am Tor zur Scheune findet sich eine Schnitzerei, wie sie früher an vielen Gebäuden zu finden war. Besitzer ist 1980 Wilhelm Schäfer, das Haus ist verschindelt. Noch heute ist hier ein landwirtschaftlicher Betrieb, Herr Schäfer ist Ortslandwirt. Die Familie besitzt eine Postille von 1617 (ein Buch mit Predigten) und vier handgeschriebene Bücher zum Teil aus dem 18. Jahrhundert (z.B. Stundenvorbereitungen eines Lehrers Schelflegel, der später nach Nauheim geht). Das Haus Nr. 16 war die Wohnung des Bürgermeisters Kaufeld.

Das Haus Nr. 9 mit Überhängen und Mannfiguren mit armförmigen Streben ist von 1740, wie über der Haustür eingeschnitzt ist: „Der Herr segne euren Eingang und behiede euren Ausgang von nun an bis in Ewigkeit, Amen. MK 1749". Das Haus gehört 1980 Johann Wenzel. Der Westgiebel ist schon damals mit Eternit verkleidet.

 

Alt Wachenbuchen

Auch das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 21 ist eine Bäckerei. Am 9. Februar 1869 klagt der Bäcker Jakob Lottich gegen die Gemeinde wegen des Baurechts, d. h. er will kostenlos Bauholz von der Gemeinde haben; die Gemeinde erhebt Widerspruch. Nach einem Brand wird die Bäckerei 1883 von der Familie Lottich neu gebaut.

Wilhelm Lenz läßt 1898 einen Laden in das Wohnhaus einbauen mit Tür, Fenster und Schaufenster. Rudolf Busser baut dann 1899 in die Scheune hinter dem Haus eine Backstube ein, der Backofen steht nach der Bachstraße zu. Auch 1918 wird noch einmal umgebaut. Das Haus wird noch einmal aufgestockt. Nachdem Josef Allar als Mitbesitzer hinzugekommen ist, heißt die Bäckerei „Busser & Allar". Die Firma beschäftigt zeitweise einen Gesellen, drei Lehrmädchen und ein Aushilfskraft. Im Laden werden Backwaren und Lebensmittel verkauft. Der letzte Umbau findet 1963 statt. Damals wird die Bäckerei total modernisiert und ein Kühlraum wird errichtet (der heute als Garage genutzt wird). Seit 1990 wird nicht mehr im Haus gebacken. Der Laden ist an die Bäckerei Uwe Schöpf in Niederrodenbach verpachtet.

Das Haus Nr. 24 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750, das Fachwerk ist aus dem 19. Jahrhundert. Das Erdgeschoß wird 1966 mit Hohlblocksteinen erneuert und  ist heute verputzt.

Das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 23 ist aus der Zeit um 1750, das Nebengebäude aus der Zeit um 1800. Früher war es ein landwirtschaftlicher Betrieb. Seit 1936 ist es ein Lebensmittelgeschäft, denn in diesem Jahr verlegt Benno Rehm sein Geschäft in der Hainstraße nach dort. Seit 4. November 1953 meldet er das Geschäft ab, nur seine Frau betreibt noch einen Eisverkauf vor der Gaststätte Müller.

Das Geschäft wird übernommen von Klara Jestädt, die es auch 1980 noch hat. Das Haus ist bis heute verputzt und nur noch Wohnhaus. Mit zur Hausnummer gehört das Gebäude, in dem heute die Quelle-Agentur ist.

Das Grundstück Nr. 27 besteht an sich aus zwei Teilen. Der östliche Nr. 25 war der Zehnthof: Vorne an der Straße stand das Zehnthäuschen, hinten auf dem Grundstück war die Zehntscheune mit einem tiefen Keller. Hier mußten die Einwohner die "Zehnt" abliefern, eine Naturalsteuer. Im Hof war ein Brunnen. Der Besitzer heißt Lohfink. Den landwirtschaftlichen Betrieb führt Karl-Heinz Steup, Hainstraße 25.

Zwischen den Häusern Nr. 29 und 30 war das Hintertor, auch Pfeiferspforte oder Schäferspforte genannt Das kann man erschließen aus der Angabe, die Pforte befinde sich neben dem Haus des Ortsdieners. Von diesem Haus aber ist die alte Hausnummer bekannt. Im Vergleich mit anderen Hausnummern läßt sich die Schäferspforte bzw. das Hintertor nur hier einordnen.

Das Haus Nr. 29 war das Haus des Schweinehirten. Es wird 1851 erwähnt, als eine schadhafte Wand mit Backsteinen ausgebessert werden muß. Es wird 1949 an die Mieter Dietrich verkauft, die es bis 1979 bewohnen. Das Haus war an die alte Ringmauer gebaut. Doch 1983 wird es verkauft und eine Abrißgenehmigung erteilt. Als das Haus im April 1985 abgerissen wird, fällt auch die Ringmauer mit ein, obwohl sie natürlich erhalten werden sollte. Auch die Hofbefestigung  des Nachbargrundstücks wird stark beschädigt. Da wird die Baugrube wieder zugeschüttet und das Grundstück verkauft. Erst 1995/96 wird hier ein neues Haus gebaut.

An seiner Westseite ist die Mauer durch Basaltsteine noch angedeutet. Hinter dem Haus führt sie wieder auf den Verlauf der alten Ringmauer. Südlich verläuft die Ringmauer zwischen den Häusern Nr. 30 und Nr. 32 in gerader Linie hinter Ringmauerstraße und Geibeleck her in Richtung Schulstraße.

Zwischen den Häusern 30 und 32 (außerhalb der Mauer) war ein Brunnen mit einem Trog, aus dem das Vieh gerne trank, ehe es aufs Feld ging oder wenn es abends heimkam. Den Trog nutzte der Landwirt Emmerich später noch auf seiner Viehweide.

Das Haus Nr. 30 ist aus dem Jahr 1752, wie die Inschrift über der Haustür aussagt: „Johann Martin Stein fing an das Haus, hernach starb er den 9. April, und seine zwei Söhne führten mich aus, den 18. Julius 1752". Eine weitere Inschrift besagt: "Erneuert 1987 Erna und Bernd Zimmermann". Das Haus mit den starken Überhängen war 1980 noch mit Schindeln verkleidet, das Fachwerk ist aber heute freigelegt.

Das Haus Nr. 28 ist aus der Zeit um 1750 und hat starke Überhänge. In dem Haus macht der jüdische Händler Louis Stern in den Jahren 1928 - 29 Konkurs und verzieht 1934 nach Frankfurt. Im Jahre 1938 hat der Elektromonteur Sally Herlitz das Haus, verzieht aber am 27. August 1938 mit Familie nach Frankfurt. Ein nachfolgender Besitzer heißt Amend. Im Jahre 1980 ist Fritz Pfaff der Eigentümer. Das Haus ist bis heute verputzt.

Das Haus Nr. 26 gehörte schon 1913 dem jüdischen Viehhändler Salomon Strauß III. und hat deshalb einen großen Viehstall. Am 1. Juni 1939 sind die älteren Leute nach Frankfurt verzogen, über den Verbleib der jüngeren Leute ist nichts bekannt. Während des Krieges war der Viehstall eine Sammelunterkunft für Kriegsgefangene, vor allem für Polen. Zeitweise wohnte der Sandgrubenpächter Theodor Hoffmann in dem Haus.

An dem Eckhaus geht es wieder in die Bachstraße. Auf der anderen Seite beherrscht die Gaststätte "Zur Krone" das Bild.

 

                                              

Gaststätte „Zur Krone"

Das älteste Wirtshaus in Wachenbuchen ist die Gaststätte „Zur Krone" in der Bachstraße 3. Auf sie beziehen sich alle Nachrichten von früheren Gaststätten. Leider ist aber im Staatsarchiv Marburg das Aktenstück über die Gastwirt-schaften im Büchertal von 1608 bis 1822 nicht mehr auffindbar. So ist man auf andere Einzelnachrichten angewiesen.

So wird 1752 berichtet, daß die Gemeinde Wegegeld durch den Wirtshauspächter in Höhe von zehn Gulden erhebt. Wirte sind Caspar Geibel, Capitain Stumpf, sein Nachfolger, und Konrad Lotich, der 1817 als früherer Wirt erwähnt wird.

Im Jahre 1796 wird das Kind eines Steinzeughändlers  aus Pfaffenwiesbach im Wirtshaus getauft. Ebenso wird am 23. Februar 1804 das Kind von Kaspar Werner und Frau aus Wehrheim, die mit steinernem Geschirr handeln, im Wirtshaus getauft. Patin ist Katharina Mankel, Tochter des Wirts Michael Mankel.

Im Jahre 1801 macht der Wirt Mankel Einquartierungskosten geltend: Die Franzosen, die im Vorjahr bei Bergen in ein Gefecht mit Kaiserlichen verwickelt waren, haben 156 Gulden Schulden hinterlassen. Noch 1818 fordert  Michael Mankel von der Gemeinde die Bezahlung gelieferter Getränke, vielleicht immer noch die alten Schulden.

Im April 1812 kommt es im Wirtshaus zur Geburt eines Kindes: Barbara Britsch, Frau des Johann Britsch, bringt eine Tochter Anna Margarethe zur Welt. Patin ist die Frau des Wirts Johann Fix (oder Vix). Die Frau ist mit ihrer Cousine auf der Reise nach Lauterbach. Ihr Mann hält sich eine Stunde vor Dieburg auf, wo er auf dem Schuhmacherhandwerk arbeitet. Er ist gebürtig aus Homburg vor der Höhe. Er hat sie zu Frankfurt geheiratet und in Bockenheim sind sie vor acht Jahren getraut worden. Den ihr erteilten Eheschein und ihres Mannes Geburts- und Lehrbrief hat sie vor einem halben Jahr der Wirtin gezeigt und in deren Kiste verwahren lassen.

Vor 1855 ist Adam Lotz der Wirt. Als Adam Trümper (?) am 11. Januar 1855 die Wirtschaft übernimmt, möchte er gern die Branntweinsteuer pauschal zahlen, nicht bei jeder Ohm, die angeliefert wird.  Er bietet 50 Gulden, nachher sogar 60 Gulden.

Um die Jahrhundertwende heißt der Besitzer Wilhelm Puth. Er ist Maurer und Landwirt und betreibt auch die Gaststätte. In diese heiratet dann der Maurer Jean Fix ein und betreibt ein Baugeschäft, während seine Frau Helene geb. Puth die Wirtschaft führt.

Der Fachwerkbau steht mit dem Giebel zur Straße an der Stelle des heutigen Zwischenbaus. Er hat Gastzimmer, Vereinszimmer und Küche und einen Saal im Obergeschoß. Nach Süden schließen sich die Stallungen an. Der Name der Wirtschaft ist damals „Zur Reichskrone".

Offiziell wird immer Jean Fix als Inhaber der Wirtschaft geführt. Im Jahre 1933 erscheint er sogar als Angestellter der Gemeinde, weil er kurzzeitig im Auftrag der Gemeinde eine sogenannte "Herberge" vorgehalten hat, die damals jede Gemeinde zur Verfügung stellen mußte.

Am 1. Juli 1952 übernimmt der Sohn Wilhelm Fix die Gaststätte. Das Haus wird 1964 abgerissen und die Gaststätte völlig neu gebaut. Jetzt besteht sie aus zwei Häusern, die mit dem Giebel zur Straße stehen, und dem Verbindungsbau, der als eine Art überdachter Biergarten genutzt werden kann. Die Gaststube ist im südlichen Teil des Hauses. Darüber und über dem Zwischenbau befindet sich der Saal. Dieser Saal wird vor allem deshalb neu gebaut, weil das Ruth'sche Doppelquartett dort singt. Ansonsten wird er auch damals wenig genutzt, aber er steht auch heute noch zur Verfügung.

 

 

Die Gaststätte ist heute noch im Eigentum der Familie Fix, ist aber an Norbert Koch verpachtet. Er wird im Volksmund „Bomber" genannt, weil er in seiner Zeit als Leichtathlet einem anderen gegenüber sehr kräftig aufgetreten ist. Die Gaststätte ist Vereinslokal der Fußballer, seitdem die Gaststätte „Concordia" nicht mehr besteht.

 

Bachstraße

Das Haus Bachstraße Nr. 12 mit Nebengebäude ist aus dem Jahr 1726, Es hatte früher eine zweigeteilte Tür mit Klopfer, eine sogenannte „Rock- und Motzentür" (Motzen = Weste). Sie war aus dem 18. Jahrhundert und wurde 1960 zerstört. In dem Haus waren untergebracht das Geschäft des Rundfunkmechanikers Kurt Kram und des Mechanikers Jean Stock sowie ein Fotogeschäft.

Das Haus Nr. 14 ist die Metzgerei Schmidt,  die 1928 von Wilhelm Mankel gegründet wird. Sie wird bis 1963 von Gerhard Schmidt geführt, heute ist Helene Schmidt die Inhaberin. Die Ware kommt von Metzger Kaufeld, der in Aschaffenburg schlachtet. Aber die Verarbeitung geschieht im Haus, alles bis hin zur Wurst wird frisch zubereitet.

Das Haus Nr. 10 ist um 1700 gebaut, Besitzerin ist 1980 Frau Margarethe Stein. Im Haus Nr. 8 wohnte die jüdische Familie Strauß und die Familie der Tochter Rita von der Brande, die schon im November 1933 nach Den Haag verzieht.

 

Von der Bachstraße zeigt nach Westen die Ringmauerstraße ab. Das Haus Nr. 1 ist ein typisch dreiflügliger Bauernhof. Das Wohngebäude ist von 1735 und verputzt. Das eine Nebengebäude ist von 1822 und das andere von 1842. Der Stein an der Hausecke mit der Inschrift „H M 1842" soll nach Aussage des Lehrers Horst "Hochwassermarke" bedeuten. Sicher hat es auch in Wachenbuchen schon Hochwasser gegeben, zum Beispiel 1948/49. Aber eher stehen hier die Anfangsbuchstaben des Erbauers, wie sie auch an der Scheune zu finden sind. Der Besitzer ist 1980 Fritz Schlegel. Das Haus Nr. 3 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750 und zeigt schöne Mannfiguren. Besitzer ist 1980 Frau Anna Gebhard. Am Ende der Straße ist noch ein Stück der Ringmauer zu sehen.

 

Von der Bachstraße zweigt nachWesten auch die Straße Geibeleck ab. Das Haus Nr. 1 ist das Geibelhaus. Am Scheunenbalken waren die roten und weißen Lilien zu sehen, die Geibel in seinem Gedicht erwähnt. Doch 1946 fiel die Scheune einem Brand zum Opfer. Gerettet hat man aber ein Stück Holz, das jetzt am Nebengebäude an der Bachstraße angebracht ist. Dieses Gebäude gehörte ursprünglich nicht zum Geibelhaus, sondern wurde von der Familie Gerlach hinzugekauft. Die Inschrift lautet: „Friedrich und Anna Geibel bauen mich den 7. Monat 14. Tag MDCCXI". Leider ist die Jahreszahl nicht mehr zu erkennen. Professor von Staden gibt 1611 an. Sie könnte aber auch 1711 gelautet haben und sich auf den 1682 geborenen Friedrich Ernst Geibel beziehen. Jedenfalls ist zwischen den Buchstaben MDC und den Buchstaben XI genug Platz für ein weiteres C (es handelt sich um den Buchstaben C und nicht um die Zahl 6).

Das Fachwerk des Hauptgebäudes ist aus der Zeit zwischen 1750 und 1800. Im Oberstockwerk gab es an der Decke zwei große Medaillons aus Stuck. Von dem vorderen ist eine Fotografie erhalten. Die Mitte ist allerdings zerstört. Erkennbar sind aber noch Weinreben und Weinblätter, die farbig gehalten waren. Hinten ist in der Mitte noch ein Kopf erhalten, der allgemein als Löwenkopf gedeutet wird. Aber Frau Erdenreich geb. Gerlach, die heutige Besitzerin, hat eine viel schönere Erklärung, die typisch für Wachenbuchen ist: „Es sieht so aus, als würde Geibel selber einen ansehen!"

Viele Besucher des Geibelhauses wollten gern die Stückarbeiten sehen, vorwiegend am Samstag. An diesem Tag wurden aber die Kuchen gebacken und standen dann im Zimmer mit der Stuckdecke auf dem Fußboden. Da hieß es denn aufpassen, damit nicht die Leute beim Betrachten der Decke in die Kuchen traten (Frau Erdenreich).

Im rückwärtigen Nebengebäude befand sich die Diamantschleiferei von Wilhelm Gerlach und Söhne.

Das Haus Nr. 3 ist aus dem 18. Jahrhundert. Dahinter ist die Ringmauer noch gut zu sehen. Besitzer sind 1980 die Familien Kappes und Ohl.

Das Grundstück Bachstraße 2 war ursprünglich der Garten der früheren Gaststätte „Concordia". Im Jahre 1912 wird das Grundstück von der Gemeinde erworben und dort ein Spritzenhaus und eine Autohalle gebaut. Diese ist für die Busse und später auch für Privatfahrzeuge (bis 1950 wird sie zum Beispiel von der Firma Busser genutzt. Zeitweise ist hier auch die Schrotmühle des Bauernverbandes. Später ist sie gegenüber im Hofteil der Gaststätte Concordia. Dort wird die Mühle von Herrn Mankel betrieben, der vorher Fahrer bei Dr. Curtze war. Im Jahre 1974 wird das Feuerwehrgebäude in der jetzigen Form erbaut

Hier endet jetzt das alte Dorf innerhalb der Ringmauer. Das landwirtschaftliche Anwesen Stein in der Schulstraße Nr. 5 liegt außerhalb der alten Ringmauer. Das Haus ist aber mit seiner Nordwand auf die Flucht der Ringmauer gebaut worden. Diese geht nach Osten zwischen den Häusern hindurch zum Haus Alt Wachenbuchen Nr. 6, das als Backhaus noch innerhalb der Mauer lag.

 

Hainstraße

Der Weg führt jetzt hinein in die Hainstraße, die in der Zeit nach 1870 als eine erste „Siedlung" planmäßig angelegt wird. Das Haus Nr. 22 wird 1891 von Heinrich Eckardt II. gebaut. Das Haus Nr. 20 wird 1890 von Christian Kappes gebaut und beherbergt 1928 das Malergeschäft von Fritz Kappes. Das Haus Nr. 18 ist 1888 von Wilhelm Müller III. (?) erbaut und hatte in der Waschküche einen 9 Meter tiefen Brunnen. Im Jahre 1963 arbeitet dort der Wagner Johannes Müller.

Im Haus Nr. 27 ist 1963 die Metzgerei von Schmitt und Eibelshäuser. Das Haus Nr. 25 wird 1897 von Philipp Heck gebaut. Dort ist später die Fahrschule Karl Mutz, heute Fahrschule Hill.

Das Haus Nr. 23 wird 1897 von Heinrich Glinder gebaut. Das Anwesen besteht aus Wohnhaus, Backhaus und Scheune und beherbergt 1963 die Bäckerei Glinder und Steup. Diese läßt sich die Erlaubnis geben, das neue Ortswappen in ihrem Stempel zu führen. Heute ist die Bäckerei eine Filiale der Firma Vonbirn. Im Oberstockwerk befand sich die Schuhmacherei Fritz Herrmann.

Im Haus Nr. 17 gehört zunächst in den zwanziger Jahren die Firma Philipp Stock, Fahrräder und Nähmaschinen. Dann wohnt dort der Sandgrubenpächter Karl Mihm. In den Jahren 1950 und 1951 sind dort das Lebensmittelgeschäft von Wolfgang Jeske und danach die Werkstatt für das Verschließen von Konservendosen. Heute gibt es dort im Sommer Eis bei der „Eis-Anni". Die eigentliche Trägerin dieses Namens ist allerdings verstorben, ihre Tochter, Frau Oswald, bietet heute das Eis an.

Das Haus Nr. 13 gehört der jüdischen Familie Stern, bis sie am 15. Mai 1939 nach Frankfurt verzieht. Das Haus Nr. 11wird 1892 von Ludwig Puth gebaut und beherbergt bis 8. März 1954 die Diamantschleiferei Philipp Krimmelbein. Das Haus Nr. 9 wird 1891 von Peter Heckert gebaut. In der Hainstraße Nr. 7 war das Spengler-  und Lampengeschäft von Georg Trabel.

Hinter den Häusern 14 und 12 kann man sehr gut die Ringmauer sehen. Das Haus Nr. 10 gehörte bis 1938 der jüdischen Familie Strauß, deren Verbleib unbekannt ist. Das Haus Nr. 8 ist 1888 von Johannes Kleeb gebaut. Im Haus Nr. 6 war das Lebensmittelgeschäft von Rehm (nachher Alt Wachenbuchen 23) und später von Familie Schmidt. Im Haus Nr. 4 war der Konsumladen untergebracht, ehe er in das Haus Schulstraße Nr. 1 umzieht. Das Eckhaus zur Straße Alt Wachenbuchen Nr. 34 war die ehemalige Synagoge, das jüdische Bethaus.

 

Synagoge

Eine Synagoge gibt es schon 1852 in Wachenbuchen. Auf dem Grundstück Alt Wachenbuchen Nr. 34 an der Ecke zur Hainstraße wird 1880 das jüdische Gotteshaus erbaut. Die Synagoge ist ein Bruchsteinbau und bietet Sitzplätze für 50 Männer und 28 Frauen. Der Aufgang zum ersten Stock ging an der Seite nach der Hainstraße an der Außenseite nach oben. Im November 1938 wird sie von den Nazis zerstört.

Eine Zeit nutzt die Firma Jacobi die Synagoge. Am 18. Januar 1950 wird sie zum Kauf oder zur Verpachtung angeboten. Ab Februar nutzt die KEWA die Synagoge für Trainingszwecke.

Am 2. Oktober 1950 beschließt die Gemeindevertretung, die ehemalige Synagoge zum Preis von 120 Mark im Jahr an die Kirchengemeinde zu vermieten. Die Kirchengemeinde muß das Gebäude von innen renovieren, die politische Gemeinde wird Fenster einsetzen und einen Großraumofen zur Verfügung stellen. Am 12. November wird die Synagoge für den Gottesdienst eingeweiht. Der Schrein für die Thorarolle wird zum Aufbewahrungsort für die Bibel. Ab 1. Juli 1953 stellt die Kirchengemeinde die Synagoge wieder zur Verfügung, denn im Herbst 1953 kann die wiederaufgebaute Kirche eingeweiht werden.

Am 29. April 1969 wird die Synagoge einschließlich des angrenzenden Streifens für 13.000 Mark an den Schmiedemeister Hans Oswald verkauft. Heute dient das Gebäude als Wohnhaus. Zu diesem gehört auch ein kleiner Garten außerhalb der Ringmauer hinter dem Haus Nr. 32.

Neben der Synagoge stand das jüdische Schulhaus (Nr. 36), in dem auch der Lehrer wohnte in dem eine „Mikwe" war, ein Bad für rituelle Waschungen. Diese Schule wurde im November 1938 durch Nazis total zerstört.

 

Alt Wachenbuchen

Das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 32 ist aus der Zeit zwischen 1750 und 1800. Die Garage ist sehr störend. Vor ihr stand bis in die dreißiger Jahre ein Brunnen, der gern zum Tränken des Viehs genutzt wurde. Der Landwirt Emmerich nutzte den Trog noch eine Zeit auf seiner Weide. In dem Haus wohnten die jüdischen Familien Eisermann und Salomon Strauß. In den fünfziger Jahren hatte Frau Elise Boldt hier ein Geschäft, eine Agentur des Schwab-Versands und eine Vertretung von Bechts Speiseöl. Im Jahre 1980 ist Rudolf Krüger der Besitzer. Im Haus Nr. 33 hatte Frau Anni Schönweitz 1960 einen Handel mit Speiseöl.

 

Kleine Hainstraße

Die Kleine Hainstraße war praktisch so etwas wie eine Judengasse. Im Haus Nr. 1 wohnte die Familie Reinhardt, die am 7. September 1939 nach Frankfurt verzieht. Nach dieser Familie ist die Straße zeitweise „Reinhardtstraße" genannt. Das Haus war die Judenbäckerei, die später von Hans Stallmann übernommen wird.

Das Haus Nr. 3 wird 1894 von Jacob Friedrich Heck gebaut. Auch hier wohnen zwei jüdische Frauen, Malchen Appel und Jenny Appel.

Das Haus Nr. 2 ist 1894 erbaut von Adam Stock. Das Haus Nr. 4 gehörte dem jüdischen Händler Adolf Strauß III., dessen Familie 1939 nach Frankfurt verzieht. Das Haus geht dann an die Familie Puth, als es am 22. März 1945 von Granaten getroffen und total zerstört wird. Von der Weißbinderfamilie Steeg wird es wie-der neu aufgebaut.

Auch das Haus Nr. 5 gehörte dem jüdischen Ehepaar Dessauer, das eine Schuhmacherei hatte. Im Haus Nr. 10 wohnte die jüdische Familie Burg, die am 31. März 1939 nach Frankfurt verzieht. Das Haus Nr. 14, das 1883 von Johannes Müller III. erbaut wird, hat 1940 jüdische Besitzer.

 

Das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 37 gehörte bis 1940 Frau Emma Schönfeld, die aber nach Großauheim verzogen war und das Haus auf Druck des Landrats 1941 an Franz Faßel verkaufen mußte. Auch das Haus Nr. 40 gehörte einer jüdischen Familie, nämlich Henning und Mathilde Strauß, die 1939 oder 1940 nach Frankfurt verzogen sind.

Von der Kleinen Hainstraße geht es über den westlichen Teil der Straße Alt Wachenbuchen zur Feldstraße. Im Haus Nr. 1 befand sich die Gaststätte Pflug. Im Haus Nr. 1a richtet der Gastwirt Pflug eine Bäckerei ein, während er noch die Gaststätte hat. Er übergibt die Bäckerei seinem Sohn Bernhard, der sie 1963 noch hat. Danach ist in dem Haus seit Anfang der Achtziger Jahre die Firma Elektro-Anlagen Podbielski, die heute das Papier- und Lottogeschäft in der Feldstraße 2a betreibt.

 

Gaststätte „Zur Schönen Aussicht" (Pflug)

Am 7. März  1882 stellt die Familie Müller (Konrad Müller, Gastwirt Heinrich Müller und Frau Helene geb. Schäfer) den Antrag auf Bau eines Tanzsaals. Danach stellt Peter Müller III. im Jahre 1890 den Antrag, eine Gastwirtschaft eröffnen zu dürfen. Der Kreisausschuß lehnt im Juni die Konzession wegen mangelnder Bedürfnisse zunächst ab, aber am 1. August wird sie doch erteilt. Ein Antrag auf Bau eines "Saals zu Restaurationszwecken" wird  1899 gestellt und 1900 noch einmal wiederholt.

Am 4. September 1900 schreibt Müller an die Gemeinde: Der gegenüberliegende Garten wurde schon vor meiner Übernahme genutzt. Die Wirtschaft wird wegen ihrer schönen Lage gut besucht. Es fehlt aber an Unterkunftsräumen, wenn einmal ein Unwetter kommt. Höhere Offiziere, die vor vier Jahren bei einem Manöver einkehrten, haben bemängelt, daß bessere Gaststätten fehlen. Deshalb habe ich am 16. 3. 1899 um die Erlaubnis zur "Erbauung eines Saales zu Restaurationszwecken" gebeten. Er ist inzwischen fertiggestellt und entspricht den heutigen Ansprüchen so, daß die bessere Gesellschaft sich nun wohl darin fühlen kann. Der verbleibende Vorgarten ist noch 20 x 14 Meter groß, teilweise mit Bäumen bestanden; aber im Herbst sollen Platanen gepflanzt werden, weil die mehr Schatten spenden.

Müller bittet um die Erlaubnis, gelegentlich auch im Saal und Vorgarten Wirtschaft betreiben zu können. Der Gemeinderat lehnt am 5. September 1900 den Antrag ab, weil Müller in dem Vorgarten auch noch ein Wohnhaus bauen und seine gegenwärtige konzessionierte Wirtschaft verkaufen wolle.

Auch der Landrat lehnt die Erweiterung der Konzession ab. Er bietet aber an, bei besonderen Gelegenheiten auf Antrag den Ausschank in dem Saal zu gestatten. Eine Konzession wäre für das neue Haus möglich, wenn das alte nicht mehr als Wirtshaus genutzt würde. Müller erklärt sich damit auch einverstanden.

Am 10. Januar 1903 erhält der Landwirt Wilhelm Pflug, Schwiegersohn Müllers, die Erlaubnis zum Betrieb der Gastwirtschaft einschließlich Saal. Im Erdgeschoß sind ein Gastzimmer (6,05 x 4,15 Meter) und Küche sowie Wohn- und Schlafzimmer des Gastwirts. Im Obergeschoß sind ein besseres Gastzimmer für 35 Personen (4,05 x 4,20 Meter) und drei Fremdenzimmer. Im Seitenbau sind Stallungen und Abortgebäude.

Auf der gegenüberliegenden Seite in der Hanauer Landstraße 2 ist der Saal für 300 Personen (13 x 12,24 Meter). Der Saal ist 20 Meter von der Straße entfernt. Der Vorgarten dient als Sommerwirtschaft. Ein Abortgebäude ist hinten im Garten. Auf dem Platz vor der Gaststätte wird die Kerb durchgeführt.

Weihnachtskasse der „Schönen Aussicht": Im Januar 1901 wird in der Gaststätte „ZurSchönen Aussicht" eine private Sparkasse gegründet, die allen Einwohnern offensteht. Ziel ist es, sich etwas für Weihnachten anzusparen. Das Startkapital beträgt 20 Pfennig. Eingezahlt werden kann jeden Sonntagabend von 21 - 22 Uhr in der Gastwirtschaft, und zwar wöchentlich 25 Pfennig.

 

Auch der Wirt hat offenbar gut gespart, denn er und Dr. Weitzel haben 1906 die ersten Autos im Ort. Am 11. August 1924 wird ein Vertrag mit Herrn Pflug wegen Errichtung einer Herberge abgeschlossen, aber 1934 sind Herbergen nicht mehr zulässig.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und danach ist die Kleiderfabrik Carl Schnei-der im Saal des ehemaligen Gasthauses Pflug. Er brennt aber ab und wird abgerissen. Es wird nur notdürftig mit einem Flachdach aufgebaut. Hier hat dann Frau Röhm eine Drogerie, die dann auf Lebensmittel und Haushaltswaren aus-geweitet wird.

Nach dem Krieg führt Frau Irmgard Geßner, die mit im Haus wohnt, die Gaststätte. Am 1. März 1950 gibt sie aber die Gaststätte ab, am 1. Juni auch die am 1. Mai 1949 gegründete Leihbücherei. Im Jahr 1954 stirbt Wilhelm Pflug. Seine Ehefrau Maria führt die Gastwirtschaft zunächst weiter. Sie erhält die Konzession allerdings nur noch für das Gemeinschaftsgastzimmer, alle anderen Räume sind zu Wohnungen umgewandelt. Ab 11. März 1955 wird die Wirtschaft ganz aufgegeben und verkauft.

Neuer Besitzer ist die Familie Stock, die ihr Fahrradgeschäft vorher in der Bachstraße 12 hatte. Jetzt wird die Werkstatt an der Stelle der Dreschmaschinenhalle gebaut und von Jean Stock die mechanische Werkstätte mit Propangasabgabestelle errichtet. Das Fahrradgeschäft wird ausgeweitet auf Haushaltwaren, Öfen, Herde, Glas und Porzellan und von Elfriede Stock geführt. Im April 1980 wird eine Bücherei der Stadt in den Geschäftsräumen eingerichtet.

Im Haus Feldstraße 1a gehörte ursprünglich mit zum Grundstück. Dort richtet Bernhard Pflug, der Sohn des Gastwirts, eine Bäckerei ein (noch während die Gaststätte besteht). Ende der Fünfziger Jahre ist dort das Geschäft Podbielski, Papier und Lotto, das jetzt im Haus gegenüber Feldstraße 2a ist

 

Im Nordwesten

Das Haus Nr. 7 ist 1889 von Balthasar Wacker gebaut. Im Jahre 1946 arbeitet dort der Schuhmacher Johann Freiling und 1954 die Diamantschleiferei Ewald Meininger.

Das Haus Nr. 9 wird 1899 von Wilhelm Müller IV. gebaut. Auch im Haus Nr. 11 ist eine Diamantschleiferei gewesen, die im Krieg als Sammelunterkunft für Kriegsgefangene diente.

 

In der Dorfelderstraße gab es auch noch einige Geschäfte: Das Haus Nr. 1 wird von der Firma Fix gebaut und von Johannes Koch gekauft. Dieser ist Diamantschleifer Zeitweise ist dort ein Milchgeschäft. In dem Haus wohnt der Landwirt Ludwig Schäfer, der ab 1933 Bürgermeister ist. Heute steht an dieser Stelle ein Neubau. In Nr. 2 gab es den Maler Günter Vogel, in Nr. 4 den Textilverkauf von Wilhelm Puth XV. Und in Nr. 6 schon 1928 den Textilwarenverkauf des Handelsvertreters Philipp Müller.

 

Im Gebiet zwischen der Straße „Am Klingerborn" und „Hessenring“ entsteht nach dem Krieg die erste Siedlung. Am Ende der Straße liegt der gleichnamige Klingerborn. Die Quelle liegt heute etwas tief, ist aber schön gefaßt. Nach Kriegsende wird das Schuttabladen am Klingerborn bei Strafe verboten.

Hier im Westen des Ortes sind weitere neue Wohngebiete, die nach den Wohnungsbaugesellschaften benannt sind: Nassauische Heimstätte und Gagfah (Feldbergring 1968 - 70)), Fischer-Gebiet (Ronneburgstraße und Kreuzburgstraße, 1970), Kompakta südlich der Fischer-Häuser, also Taufsteinstraße, 1972), Graf-Solms-Gebiet (Geschoßbauten an der Hahnenkammstraße, 1972), Wobau (zwischen Hanauer Landstraße und Brucknerstraße, 1971)

 

In der Hanauer Landstraße Nr. 1 befindet sich schon 1925 die Metzgerei Ferdinand Röll bzw. 1954 Heinrich Röll. Im Jahre 1960 ist dort ein Textilhandel von Franz Dick.

Im Haus Nr. 3 wird 1899 durch Abraham Strauß ein Laden eingebaut. Im Jahre 1928 hat Hermann Schönfeld dort einen Laden für Manufakturwaren. Am 26. Februar 1936 zieht die Familie nach Palästina, eine Frau Ida Schönfeld zieht am 6. Dezember 1938 nach Frankfurt.

Auch im Haus Nr. 5 wohnt eine jüdische Familie Salomon Strauß, die am 1. Juni 1937 nach Frankfurt verzieht. Die Tochter Anna hat überlebt.

Das Haus Nr. 7 wird 1899 von Wilhelm Stürz gebaut. Nach dem Krieg wohnt dort Edmund Iwanski, der selber Obst und Gemüse anbaut und ein Wandergewerbe für Obst und Gemüse hat.

 

Raiffeisenstraße

Die Raiffeisenstraße ist benannt nach der Raiffeisenbank im Haus Nr. 1. Hier stand ursprünglich das Wohnhaus des Bauunternehmers Welz. Das Unternehmen besteht seit 1908 und erhält immer wieder Aufträge von der Gemeinde. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellt sie als Neuerung Hohlblocksteine her. Dabei weitet sie aber ihre Produktionsfläche immer mehr auf den Turnplatz bei der Schule aus. Die Firma wird 1951 wiederholt aufgefordert, den Platz frei zu machen, weil er nur als Lagerplatz verpachtet ist. Sie soll ein neues Gelände am Holzküppel erhalten. Später bietet man ihr das Grundstück hinter dem Löschwasserbecken am Friedhof an. Doch am 1. Juni 1952 verlegt sie ihren Sitz nach Hanau.

Seit 1934 befindet sich vor dem Haus die einzige Grünanlage de Ortes. Damals heißt die Stelle „Adolf-Hitler-Platz". Er ist rund und von einer Hecke umgeben. In der Mitte stehen ein Springbrunnen und ein Gedenkstein für Horst Wessel, den Dichter der damaligen zweiten Nationalhymne. An der Spitze des Platzes steht die „SA - Eiche", die später durch Linden ersetzt wird.

Diese Ecke wird 1945 von amerikanischen Panzern zerstört. Der Platz heißt später „Lindenplatz". Die letzten Reste des Denkmals werden 1955 entfernt. Im Jahre 1959 wird die Bushaltestelle nach dort verlegt.

Raiffeisenbank: Die Raiffeisengenossenschaft gibt es schon seit rund 150 Jahren. Im Vordergrund steht allerdings zunächst der Handel mit Saatgut, landwirtschaftlichen Produkten und Brennmaterial, das Geldgeschäft ist nur ein Nebenzweig. Handwerkern und Bauern soll durch die Genossenschaft geholfen werden, die wirtschaftliche Selbständigkeit unter annehmbaren Bedingungen ermöglichen. „Hilfe durch Selbsthilfe" und „Gemeinsamkeit macht stark" sind die Schlagworte der Bewegung. Die Raiffeisengenossenschaft in Wachenbuchen wird bereits 1864 gegründet. Ihr Lager hat sie auf dem Hof Mossel, Erbsenstraße 19.

Im Februar 1874 wird die Spar- und Leihkasse Wachenbuchen "mit unbegrenzter Haftung" gegründet. Sie ist die älteste unter den Raiffeisenbanken in Maintal. Sie ist die Bank, mit der die Gemeinde Wachenbuchen den Großteil ihrer Geldgeschäfte abwickelt: Die Gemeinde übernimmt 1933 eine Bürgschaft für einen Kassenkredit der Spar- und Darlehenskasse Wachenbuchen. Im Jahre 1950 ist ein Jubiläum der Spar- und Darlehenskasse, zu dem der Bürgermeister Glückwünsche ausspricht. Die Gemeinde eröffnet ein Konto bei der Spar- und Darlehenskasse.

Am 16. Dezember 1969 wird das Grundstück Raiffeisenstraße 1 samt Grünanlage an die Raiffeisenkasse verkauft. Das Haus der Firma Welz wird abgerissen und die Raiffeisenbank errichtet. Im September 1970 wird der nördliche Teil der Hintertorstraße in „Raiffeisenstraße" umbenannt. Im Juli 1970 schließt sich die Bank mit dem 1897 gegründeten Spar- und Darlehenskassen-Verein Mittelbuchen zusammen zur Raiffeisenbank Wachenbuchen e. G.

Bereits 1972 wird das Gebäude durch den Flachbau erweitert. Im Inneren befindet sich an der Rückwand noch eine Luftaufnahme von Wachenbuchen aus dieser Zeit. Im Dezember 1986 schließt man sich mit Dörnigheim zur Raiffeisenbank Maintal e.G. zusammen, 1994 kommt noch Bischofsheim (mit Bergen-Enkheim) dazu.

Heute gibt es in Deutschland etwa 2.700 rechtlich und wirtschaftlich selbständige Kreditgenossenschaften, die zur Bankengruppe der Volksbanken und Raiffeisenbanken gehören. Durch Erwerb eines oder mehrerer Geschäftsanteile kann man Bankteilhaber werden und den Kurs der Bank mitbestimmen durch Ausübung des Stimmrechts in der Generalversammlung.

Die Raiffeisenbank ist nicht die Filiale eines großen Konzerns, sondern die Bank vor Ort, die sich durch Kundennähe und Verzahnung mit der Region auszeichnet. So unterstützt sie den Sport (z. B. den Volkswandertag, bei dem die Wachenbucher immer die größte Gruppe stellen), die Kultur (z.B. die Sommerakademie Moosburg) und die Jugend.

Heute konzentriert man sich allein auf das Bankgeschäft. Die Raiffeisenbank Maintal hat 97 Millionen Mark an Spareinlagen und 1995 eine Bilanzsumme von 320 Millionen, fast 5.000 Mitglieder und fast 33.000 Geschäftsanteile. Im ehemaligen Raiffeisenlager sind die Lagerflächen teilweise vermietet, teilweise ist dort die Post untergebracht.

 

Post

Eine Postagentur muß es schon nach dem Ersten Weltkrieg gegeben haben, denn 1921 wird gegen die Aufhebung der Postagentur zum 1. August 1921 schärfstens protestiert. Der Gemeindevorstand müht sich 1924 um die Errichtung einer Postagentur. Am 19. August 1960 wird das Zweigpostamt Wachenbuchen mit Wirkung vom  1. September 1960 in Poststelle I umbenannt.

Die Gemeinde bestätigt am 5. Februar 1969 die Pläne zur Telefonverkabelung von Wachenbuchen. Im Laufe des Jahres 1969 soll der ganze Ort verkabelt werden.

Von Hanau wird ein Fernmeldekabel durch den Gemeindewald nach Kilianstädten verlegt (ein Hinweisstein befindet sich am Simmichtsweg etwa hunderte Meter nach Beginn des Hirzwaldes). Die Verkabelungsarbeiten ziehen sich aber bis 1970 hin. Zum Teil werden unterirdische Anlagen errichtet.

Im gleichen Jahr 1969 möchte die Post auf dem Grundstück von Karl Fix an der Hintertorstraße gegenüber der Raiffeisenkasse ein neues Postamt errichten. Die Poststelle müßte dazu in ein Postamt umgewandelt werden. Das Postamt Hanau bittet den Bürgermeister, Angaben über die geplante Entwicklung des Ortes zu machen. Dieser spricht von einer Erweiterung auf bis zu 5.000 Einwohner.

Die Post ist zunächst in verschiedenen Privathäusern untergebracht. Zuerst ist sie im Haus Alt Wachenbuchen 18, dann in der Hanauer Landstraße 10. Als der Posthalter Hartherz in Rente geht, kommt die Post in das ehemalige Raiffeisenlager in der Raiffeisenstraße 3. Heute ist sie als Agentur im Geschäft Podbielski in der Feldstraße.

Am 5. August 1970 gibt es nur eine Telefonzelle im Ort. Die Post will zwei Münzfern­sprecher aufstellen: am Alten Rathaus (verwirklicht) und an der Ecke Dorfelderstraße/ Feldstraße. Ab Herbst 1974 werden alle Fernsprechanschlüsse zur Ortsvermittlungsstelle 8 in Hanau umgeschaltet.

 

Hanauer Landstraße

Das Haus Hanauer Landstraße Nr. 15 wird zu bauen begonnen von dem Zimmermann Johannes Heck und dann in halbfertigem Zustand übernommen von dem Diamantschleifer Philipp Müller I., der auch Obstbaumwart ist.

Das Haus Nr. 17 ist 1904 das letzte in der Straße. Es wird 1899 von Heinrich Mankel IV. erbaut und gehört ab 1924 dem Diamantschleifer Heinrich Eckardt. Er hat genauso wie sein Nachbar Müller Material zur Geschichte Wachenbuchens gesammelt.

Im Garten des Hauses und auch hinter den Häusern 15 und 13 kann man noch einen Rain sehen, der durch den Abbau von Ton für die Herstellung grauer „Russensteine" entstanden ist. Hier hatte auch der Fabrikant Jacob Friedrich Heck eine Unterkunft für seine Arbeiter. Das Grundstück Nr. 23 war der erste Turnplatz der Freien Turner. Im Haus Nr. 25 war ein Fahrradgeschäft. Das Haus Nr. 27 wird 1913 von einem Herrn Geißler gebaut und dann von der Familie Rauch gekauft;  am  22. März 1945 wird es von Granaten getroffen. Der HL-Markt besteht seit dem 3. November 1978, heute heißt er „Nahkauf“. Im Haus Nr. 10 war zeitweise die Post unter Leitung von Herrn Hartherz. Im Haus Nr. 14 ist 1986 das Textilwarengeschäft von Lapp und Schäfer (bis 1996).

 

Schulstraße

Der Bauplatz für das Haus Schulstraße 17 wird am 28. März 1939 zu einem Preis von 90 Pfennig pro Quadratmeter von der Gemeinde verkauft. Der Preis ist so niedrig, weil das Grundstück zu diesem Preis vom Staat gekauft wurde mit der Auflage, es zum gleichen Preis weiterzuverkaufen. Später ist hier das Geschäft des Elektroinstallateurs Karl Oestreich. Das Eckgrundstück wird im Volksmund gern „Österreichische Grenze" genannt, wegen des Besitzers Oestreich, der an die damalige Grenze des Ortes gebaut hat.

Im Haus Nr. 15 ist 1949 der Laden für Gemischtwaren und Lebensmittel von Philipp und Margarethe Berres und das Transportunternehmen von Heinrich Lapp.

An der Stelle des Doppelhauses Nr. 40 waren im Zweiten Weltkrieg zwei Feuerlöschteiche. Nach dem Krieg soll hier 1948 ein Haus aus Russensteinen gebaut werden, nicht mit Hohlblocksteinen, die die Firma Welz angeboten hat.

Der Bauplatz über dem Wasserbassin wird am 8. November 1948 Herrn Ditter angeboten; er muß aber einen Partner für den Bau eines Doppelhauses finden. So kommt damals das Doppelhaus zustande.

Das Haus Nr. 34 wird am 22. März 1945 von Granaten getroffen. Frau Marie Krimmelbein und ihre Tochter Auguste kommen dabei um, Herrn Krimmelbein wird ein Arm abgerissen.

Im Haus Nr. 28 war eine Rot-Kreuz-Station. Das Obergeschoß des Hauses Nr. 26 wird am 6. Januar 1945 bei einem Fliegerangriff beschädigt, der Dachboden des Nebengebäudes brennt. Beim Versuch, das Feuer zu löschen, gefriert das Wasser, so daß mit Jauche weiter gelöscht wird. Am Nebengebäude befindet sich noch ein Stein mit der Inschrift: "Erbaut Anno 1927 v. Johannes Müller und seiner Ehefrau Elisabeth geb. Fix!" Diese ehemalige Scheune hat heute die Hausnummer Hintertor 3. Im Garten gegenüber (südöstlich der Kreuzung Schulstraße/Hintertor) geht bei dem Luftangriff eine Luftmine nieder, die in großem Umkreis die Häuser beschädigt.

Auch das Haus Raiffeisenstraße 20 wird am 22. März von Granaten getroffen. Dabei kommt die evakuierte Lehrerin Frau Argus um.

 

Bürgerhaus

Früher gab es in Wachenbuchen drei Wirtshaussäle. Aber der Saal der Gastwirtschaft Pflug ist dann abgebrannt. Der Saal in de Schulstraße 12 ist an einen Gewerbebetrieb verpachtet. Es bleibt nur noch ein relativ kleiner Saal in der Gaststätte "Concordia", der schließlich 1961 auch geschlossen wird.

Für das Vereinsleben ist es aber wichtig, Versammlungs- und Übungsräume zu haben. Auf Initiative der Sport- und Kulturgemeinschaft beschließt die Gemeindevertretung am 24. November 1961 den Bau  einer „"Halle" für den Turnunterricht in der Schule und für Veranstaltungen der Vereine.

Im Garten neben der Schule wird in der Schulstraße 13 von der Firma Fix & Söhne zunächst eine Halle erbaut. Der Grundstein wird am 3. November 1962 durch Regierungspräsident Dr. Schubert gelegt. Am 13. September 1963 ist das Richtfest. Am 11. Juli 1964 wird die erste „Mehrzweckhalle" im damaligen Kreis Hanau übergeben, als Bürgermeister Hack gerade 14 Tage im Amt ist. Dazu kommen Regierungspräsident Wittrock, Landtagsabgeordneter Heinrich Fischer, Landrat Voller und Bundestagsabgeordneter Flämig. Am Abend ist ein Bunter Abend, mit dem die Vereine die Halle in Besitz nehmen. Damals gibt es 20 Vereine mit rund 1.000 Mitgliedern. Die Halle ist gedacht für gesellige und sportliche Veranstaltungen, für Sportvereine und als Schulturnhalle.

Sie  bietet Platz für 400 Personen und hat eine Bühne, einen Raum für die Turngeräte, einen Ausschankraum, eine Küche und Sanitäreinrichtungen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 750. 000 Mark, von denen Wachenbuchen 290.000 Mark aufbringt. Am 6. März 1969 überträgt das Hessische Fernsehen eine Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle.

Die Bewirtung erfolgt zunächst nur bei Bedarf, das heißt bei Veranstaltungen in der Halle. Als Erster ist dabei Jean Fix, der Besitzer der Gaststätte "Concordia", tätig. Danach folgt die Familie Schmidt als Pächter, die aber im März 1969 kündigt. Das Ehepaar Hartherz ist ab 1. April 1969 bis 30. April 1970 Pächter der Bewirtschaftung der Mehrzweckhalle. Neuer Pächter wird Willi Schmidt. Er will jedoch nur bei Veranstaltungen der Vereine tätig werden. An den anderen Tagen soll der Hausmeister Flaschenbier verkaufen. Frau Therese Schmidt kündigt im Februar 1973 die Bewirtschaftung der Mehrzweckhalle. Nachfolgerin wird Frau Rita Weißgerber ab 1. April 1973.

Ab dem Jahre 1970 wird die Mehrzweckhalle nach einem Dreistufenplan ausgebaut. Die erste Stufe ist der Ausbau des Lichthofs zu einem kleinen Saal für 60 bis 70 Personen mit Ausschank, damit auch kleinere Veranstaltungen möglich sind. Der Plan des Architekten Reuss aus Hanau zur Erweiterung der Mehrzweckhalle wird im März 1974 angenommen. Die Bauarbeiten werden an die Firma Fix vergeben.

Eine Freifläche wird geschlossen und dient zunächst als Gastraum mit Küche, später nutzen die Alten und die Landfrauen den Raum. Es entsteht je ein Kolleg im Erdgeschoß und im Obergeschoß. Dazu kommen zwei Kegelbahnen, eine Gastwirtschaft mit Kolleg, zwei Jugendräume, eine Altentagesstätte, eine Pächterwohnung und eine Schießstand für die Schützengilde. Das Haus heißt nach der Erweiterung „Bürgerhaus". Am 31. August 1976 wird das Bürgerhaus eingeweiht in Anwesenheit von Innenminister Hans-Heinz Bielefeld.

 

Schule

In den Jahren 1907 - 1909 wird an der Ecke Schulstraße/Raiffeisenstraße eine dritte Schule mit vier Klassen gebaut. Der Geburtsjahrgang 1903 wird 1909 als erster dort eingeschult. Im Dachgeschoß befindet sich je eine Lehrer- und Hausmeisterwohnung. Der Eingang ist zunächst von der Rückseite. Das Toilettenhaus steht extra. Der Schulgarten ist dort, wo heute das Bürgerhaus steht. Der Turngarten ist dort, wo heute der Parkplatz ist; er wird auch von den Vereinen genutzt.

                                                                      

Rathaus

Die alte Schule wird 1970 zum Rathaus umgebaut. Der Raumplan für den Umbau der Schule zum Bürgermeisteramt sieht so aus: Im Keller: Werkstätten. Im Erdgeschoß: Kasse, Ordnungsamt, Bauamt, Einwohnermeldeamt. Im Ersten Stock: Bürgermeisterzimmer, Sitzungssaal, Steueramt, Hauptamt. Im Dachgeschoß: Archiv, Teeküche und Dienstzimmer für die Polizei.

Am 1. September 1970 nimmt die Verwaltung ihre Arbeit in dem neuen Rathaus auf. Es werden 14 Räume für die Verwaltung eingerichtet. Das Gebäude liegt zentral, Parkplätze sind vorhanden, Post und Banken sind in der Nähe. Festredner für die Rathauseinweihung am 3. November 1970 ist Minister Rudi Arndt. Die Bevölkerung kann am Wahlsonntag (8. November) das Rathaus  besichtigen.

Die Außenanlagen werden neu gestaltet. Der Turnplatz wird zum Parkplatz, so daß die Kerb auf dem bisherigen Platz stattfinden kann. An der Stelle der ehemaligen Schulspeisungshalle wird ein Geräteraum für die Freien Turner erbaut, die dort heute ihr Büro haben.

Seit 1. Juli 1974 sind im Erdgeschoß die Verwaltungsstelle der Stadt Maintal und im ersten Stock und im Dachgeschoß das Amt für Jugend, Kultur und Sport, das Rechnungs­prüfungsamt und andere Ämter der Stadt. Als diese 1990 nach Hochstadt umziehen, sollen die oberen Räume den Vereinen zur Verfügung gestellt werden, weil die Räume des Bürgerhauses nicht ausreichen. Auch der Keller wird als Lager an Vereine vergeben. Im Sommer 1992 werden auch tatsächlich die Wände herausgerissen. Aber dann werden die Oberstockwerke Räume für Asylbewerber hergerichtet (14 Männer). Diese ziehen nach gut zwei Jahren aber wieder aus.

Dann waren im Erdgeschoß der Stadtladen, das Ortsgericht und ein Fraktionszimmer. Im ersten Stock sind Frauenamt, die Volkshochschule und die Jugend-Kunst- und Musikschule. Im zweiten Stock waren weitere Fraktionsräume. Auch heute wird das Haus von verschiedenen städtischen Einrichtungen genutzt.

Bürgermeister Rohrbach beim Vereinsgespräch am 16. Oktober 1996, als es um die fehlenden Finanzen zur Renovierung des Bürgerhauses geht:“Wir können uns ja den höchstmöglichen Kassenkredit von 16 Millionen geben lassen und damit unser Glück in der Spielbank Wiesbaden versuchen!“ Und zu Frau Schild-Kreuziger von der SPD gewandt fährt er fort: „Dann ist nur noch die Frage, ob wir auf Rot oder auf Schwarz setzen!"

 

Im Haus Schulstraße 24 gibt es 1941 eine Werkstatt zum Verschließen von Konservendosen und 1951 einen Textilbetrieb. Das Haus Nr. 22 wird 1891 von Johannes Faßel gebaut.

Im Haus Nr. 9 ist 1944 der Weißbinder Johannes Hayer und 1960 Hans Bommersheim mit einem Flaschenbierhandel. Im Haus Schulstraße 7 ist die Schreinerei von Johannes Kleeb III. und ab 8. Oktober 1946 die Fachdrogerie von Ellinor Kabisch.

 

„Drogen in der Schulstraße":  In der Schulstraße gab es die Fachdrogerie Kabisch. Der Bürgermeister formuliert in einem Schreiben an die Inhaberin am 20. August 1947: „Hiermit erteile ich Ihnen die Genehmigung, Ihr D r o g e n - geschäft in der Zeit vom 30. 8. bis 10. 9. 1947 nur vormittags .... offen zu halten." Damals war der Ausdruck „Drogen" noch unverfänglich bzw. er wurde gleichgesetzt mit Drogeriewaren.

 

Im Haus Nr. 16 ist 1913 das Geschäft von Isaak Reinhardt, Herren- und Knabenkonfektion. Amalie Reinhardt verzieht am 26. April 1937 nach Langenselbold. Im Jahre 1963 ist in dem Haus der Friseur Wilhelm Schäfer.

Das Haus Nr. 14 wird 1888 von Bürgermeister Johannes Mankel gebaut. Durch eine Tür in der Mitte des Hauses geht  man in die Amtsstube. Später wird das Haus erworben durch Wilhelm Lenz II., Raiffeisenstraße.

 

Gaststätte „Zum Schwanen" (Müller)

Das Haus wird von dem Schreiner Bieg aus Hanau gebaut. Seitdem haftet der Name an dem Haus. Die Schreinerei war in dem mittleren Gebäude auf dem Grundstück. Im Jahre 1908 stellt der Schreiner Müller einen Antrag auf Errichtung einer Wirtschaft und Anbau jenes Saals. Vor drei Jahren hat er ein Haus gebaut. Das Grundstück liegt günstig am Eingang in das Dorf und erheblich entfernt von den anderen drei Wirtschaften. Nachdem 1908 die Konzession verweigert wurde, wird sie am 14. Januar 1909 doch erteilt.

Im Garten der Gaststätte „Zum Schwanen" wird 1924 von sieben Männern die „Kippe" gegründet. Gründer sind Wilhelm Geißler, Heinrich Stumpf, Jean Fix, Peter Heckert, Wilhelm Stumpf und Philipp Bläsing. Der ursprüngliche Name der Vereinigung ist „Batschnase". Als sich die Zahl der Mitglieder auf 13 erhöht, nennt man sich "Kippe 13".

In den Statuten heißt es:“"Ehrenpflicht: Saufen ist ein bestimmtes Etwas, welches bestimmte gewisse Reize in den Menschen hervorruft. Die Reize haben die Konsequenz, sich gegen eine trockene Kehle zu schützen. Ebenso wie man eine Maschine schmiert, die den ganzen Tag läuft, müssen auch die menschlichen Organismen Öl erhalten. Die Schmierdose befindet sich an der Vorderseite des menschlichen Kopfes, welche dann das eingegossene Öl in den ganzen Kopf verteilt. Leute, die nicht ölen können, laufen sich warm".

Weiterhin wird festgelegt: Jedes Mitglied muß beim Eintritt in die Kippe 30 Schoppen Apfelwein stiften. Eintreten kann nur, wer entweder 12 Schoppen Apfelwein oder 14 Glas Bier trinken kann. Am Samstag, dem 14. November 1925, wird das zum Beispiel in Büdesheim ausprobiert. Auch eine Weihnachtsfeier wird 1925 veranstaltet; der Wirt Müller muß die Würste für alle beschaffen.

Zwei Mitglieder trauen sich eines Nachts nicht nach Hause. Sie stehen in der Erbsengasse und reden von Gott und der Welt. Plötzlich schreit der eine auf und rennt zum „Master Fix", um sich die Bescherung anzusehen: der andere ist ihm auf den Fuß getreten, so daß er ganz blau ist. Fünf Minuten später kommt die Polizei und gibt ihm obendrein einen Strafzettel über 3,50 Mark.

Ein junger Mann wird von seiner Mutter in Gegenwart einer anderen Frau zur Rede gestellt. Da beschließt er, nach Amerika auszuwandern. Er packt seine Sachen und macht sich auf. Der Weg nach Amerika führt aber bei Müller vorbei. Dort trinkt er zum Abschied so viel, daß er in Tränen ausbricht und den Weg nach Amerika nicht mehr findet.

Auch die neue Errungenschaft des Telefons nutzt man aus: Man ruft ein Mitglied herbei, es sei ein Freund mit dem Auto da. Der Betreffende kommt auch fröhlich die Hainstraße herunter und sucht immer nach dem Auto, findet aber nur die Wirtschaft Müller.

 

Im Saal der Gaststätte werden die „Schwanenlichtspiele" eingerichtet, die zum Beispiel 1938 erwähnt werden, aber auch 1960 noch bestehen.

Im Jahre 1955 hat die Gaststätte  einen Gastraum, ein Großes Kolleg, ein Kleines Kolleg, Küche und Saal. Das Kolleg ist in dem mittleren Bau, der Saal in dem südlichen Bau. Wirt ist ab 1. März 1954  Peter Kotterba. Am 15. Oktober 1956 wird Thea Luttuschka Pächterin der Gaststätte, die jetzt „Zum Goldenen Schwan" heißt. Ab 13. Mai 1958 kauft Josef Stehli die Gaststätte. Er hat vorher in den USA gewohnt und kehrt auch nach einiger Zeit wieder nach dort zurück. Am 27. Februar 1963 werden allerdings die Kollegs  und der Saal aus der Erlaubnisurkunde herausgenommen. Im Saal befindet sich 1963 die „Cambo Textilfabrik".

 

Sparkasse

Das Haus Schulstraße Nr. 1 wird 1926 vom Konsumverein gebaut. Nach dem Krieg hat der Gartenbaubetrieb von Ewald Kaufeld hier eine Verkaufsstelle, bis er am 1. August 1955 vorerst nach Hanau geht. Heute ist die Betriebsstelle 22 der Sparkasse Hanau in dem Haus.

Die Filiale wird am 8. März 1971 eingerichtet. Damit haben die Bürger die Möglichkeit, bei einer zweiten Bank am Ort ihre Geldgeschäfts abzuwickeln. Im Februar 1984 wird ein Terminal eingerichtet, so daß man jederzeit mit der Zentrale verbunden ist. Zwischen 1980 und 1990 steigen die Gesamteinlagen auf mehr als das Doppelte und liegen bei fast 17 Millionen Mark. Auch das Kreditvolumen verdoppelt sich fast auf über 6 Millionen Mark. Über 3.000 Personenkonten werden geführt.

Filialleiter sind Heribert Fuchsluger (bis 1972), Siegfried Jung (bis 1979), Albrecht Rauch  (bis 1982), Michael Reul (bis 1983), Dieter Warzecha (bis 19899; Heike Spahn (bis 1990), Jürgen Sauerbrey (bis 1991), Petra Formanek (bis 1991), Jörg Scheefe (bis 1992), Regina Antes (bis 1995), Michael Schönwälder (ab 8. November 1995).

 

 

 

 

Doktorhaus

Das Haus Nr. 14 ist das „Doktorhaus". Es wird auf Wunsch des 1899 gegründeten Sanitätsvereins von der Gemeinde gebaut, um dadurch auf Dauer einen Arzt für Wachenbuchen zu gewinnen. Beim Wechsel des Arztes 1904 muß das Haus renoviert werden: das Sprechzimmer wird verkleinert, damit noch ein zweites Zimmer entsteht. Daß das Sprechzimmer zu klein sein könnte, ist das Problem des Vorstandes des Sanitätsvereins, nicht des Gemeinderats. Die Küche kommt in den Keller, eine Toilettenspülung wird eingebaut, ein neuer Herd und ein neuer Ofen werden aufgestellt. Am Bachgraben vor dem Doktorhaus wird eine Mauer errichtet. Dr. Weitzel möchte gern noch einen Schuppen am Doktorhaus bauen.

Im Jahre 1906 stellt der Sanitätsverein den Antrag, ihm das Doktorhaus  zu überlassen. Das wird abgelehnt, aber immerhin die Miete von 300 auf 200 Mark ermäßigt. Die Umzäunung des Gartens des Doktorhauses wird 1907 erneuert und nach der Bach hin eine Mauer errichtet.

Im Jahre 1909 wird der Antrag des Sanitätsvereins auf Erweiterung des Doktorhauses wiederholt abgelehnt. Immerhin sieht sich der Gemeindevorstand im September die Wohnung wenigstens an und will dann die notwendigen Reparaturen vornehmen lassen. Danach soll dann mit dem Sanitätsverein ein Vertrag abgeschlossen werden, daß er die Reparaturen am Doktorhaus selbst vornimmt. Der Sanitätsverein beantragt daraufhin, daß die Gemeindevertretung über jede zweifelhafte Reparatur am Doktorhaus beschließt.

Das Haus wird 1938 auf Vorschlag des Bürgermeisters zum Preis von 12.000 Mark an Dr. Curtze verkauft. Der Preis entspricht dem Wert vor den Umbauten. Der Arzt hatte schon 1929 für 13.205 Mark einen Anbau und Umbau vornehmen lassen und die Kosten der Gemeinde vorgestreckt. Als jetzt die Miete erhöht werden soll, schlägt Dr. Curtze den Kauf vor. Weil die Gemeinde nicht zahlen kann, einigt man sich auf den Kauf nach dem Preis von 1929. Damit ist die Gemeinde auch diese Schulden los.

 

Wilhelmsbader Weg

Das Haus Nr. 2 war die Tankstelle von Luise Seng und sah früher ganz anders aus. Im Jahre 1969 wird es aufgestockt. Die Straße „Am Hanauer Weg" hieß früher einmal „Zisselsgasse", später „Wilhelmsbaderstraße". Sie ist 1905 noch ein Fußpfad, als ein Einwohner den Wunsch äußert, dort zu bauen. Die Straße wird 1907 chaussiert und 1919 einem Kanal versehen. Im Haus Nr. 15 ist der landwirtschaftliche Betrieb Puth. Das Haus Nr. 25 trägt die Inschrift „H M 1912"; es ist erbaut von Heinrich Mankel, Fahrer bei Dr. Curtze. Weitere ältere Häuser sind Nr. 3, 4, 10 und  9. Das Haus Nr. 24 ist das "Lehrerhaus", in dem der Schulleiter Horst wohnte.

 

Das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 2 gehört 1963 dem Schmied Otto Göller und beherbergt 1986 das Transportunternehmen Helmut Bomba. Das Haus Nr. 4 ist 1851 erbaut und beherbergte das Schuhhaus Heinrich Puth. Im Haus Nr. 3 war das Lebensmittelgeschäft Gerlach. Das Geschäft besteht seit 29. Mai 1905 als Kolonialwarengeschäft. Der südliche Teil des Hauses wird damals von dem Firmengründer, dem Kaufmann Johannes Fix, gekauft. Seine Frau heiratet in zweiter Ehe den Kaufmann Wilhelm Gerlach, nach dem das Geschäft benannt ist. Der Laden entwickelt sich zu einem Geschäft für Lebensmittel und Milchprodukte. Früher wurden auch noch zeitweise Kohlen verkauft.

Der nördliche Teil des Hauses wird später angebaut und der Laden damit erweitert. Heute ist das Geschäft ein Familienbetrieb mit einem breiten Angebot.

Neben einem Frischemarkt für Lebensmitteln, Obst und Gemüse werden auch Getränke, Zeitungen und anderes angeboten. Der Laden ist auf Selbstbedienung umgestellt, teilweise wird der Kunde aber auch persönlich bedient.

In das heutige Grundstück ist mit einbezogen die Hausnummer 5, wo früher der Schweinestall des Gemeindebackhauses stand. Auf dem Gemeindebackhaus lag nämlich die Verpflichtung, von den Abfällen der Bäckerei den Gemeinde-Eber zu unterhalten. Dieser mußte aber getrennt von der Bäckerei untergestellt werden. Deshalb waren auch die Toiletten zu dem Haus Nr. 6 auf dieser Straßenseite.

 

Mittelbucher Straße

An der Stelle des Hauses Nr. 1 baut Philipp Krimmelbein 1883 ein Gewächshaus und richtet praktisch eine kleine Gärtnerei ein. Gegenüber in der Mittelbucherstraße Nr. 1 war das andere der beiden Lebensmittelgeschäft in Wachenbuchen. Das Lebensmittelgeschäft Lapp besteht schon 1946 (laut Inhaber seit 1948) unter Leitung von Minna Schmidt als Geschäft für Molkereiprodukte. Es wird im ganz kleinen Rahmen im ehemaligen Stallgebäude gegründet. Gleich nebenan hat die Elektrofirma Kramm einen Raum in derselben Größe. Das Geschäft wird 1962 von Erna Lapp übernommen. Der Laden war aber weiter vorne an der Straße. Seit 1964 plant man die Entschärfung der Straßenecke durch den Abbruch des Hauses mit den Läden Schmidt und Elektro-Krammig. Erst 1967 wird die Straße aber begradigt, das Geschäft kommt in die ehemalige Milchsammelstelle. Angeboten werden heute Lebensmittel, Obst und Gemüse, in der Saison auch Blumenpflanzen.

 

Die Keimzelle der Firma Jean Fix und Söhne GmbH liegt in der Gaststätte „Zur Krone". Es beginnt damit, daß Jean Fix in die Gaststätte einheiratet, die dem Maurer Wilhelm Puth gehört. Er selbst ist Architekt und Bauingenieur und Geschäftsführer eines Hanauer Bauunternehmens. Schon 1945 gründet er ein Baugeschäft zusammen mit seinen Söhnen Karl und Wilhelm, von denen Wilhelm auch mit in der Gaststätte tätig ist (Übernahme 1. Juli 1952).

Der Firmensitz ist zunächst in einem Teil der Gaststätte. Der Lagerplatz ist auf dem Grundstück Am Hanauer Weg 8, ab 1962 auf dem Grundstück nördlich des Festplatzes. Im Jahr 1972 wird das Büro in den Hanauer Weg 8 verlegt und 1991 in die Mittelbucherstraße 3. Hier war früher die Dreschmaschinenhalle des Schmieds Otto Göller, Alt Wachenbuchen 2, dessen Tochter in die Familie Fix einheiratete. Der jetzige Geschäftsführer Wilhelm Fix, Sohn von Karl Fix, ist ein Enkel des Gründers.

Die Firma hat nach dem Krieg die Kirche wieder aufgebaut und danach praktisch alle öffentlichen Bauten in Wachenbuchen errichtet: 1964 die Mehrzweckhalle, 1968 den Hochbehälter, 1969 die Mittelpunktschule, 1970 Umbau der Schule zum Rathaus, 1973 die Kindertagesstätte, 1974 das Bürgerhaus, 1974 das Feuerwehrgerätehaus und natürlich viele Privathäuser. In den sechziger Jahren beschäftigt die Firma 65 Mitarbeiter, davon 20 aus dem Ort. Heute sind noch 20 Leute angestellt.

 

Die Nordseite der Mittelbucherstraße ist geprägt von den Fachwerkhäusern mit den relativ flach geneigten Dächern. Das Haus Nr. 2 ist aus der Zeit zwischen 1800 und 1850. In Ihm befindet sich 1913 die Glaserei Carl Wilhelm Fix, Besitzer ist 1980 Heinrich Fix. Das Haus Nr. 4 ist auch aus der Zeit zwischen 1800 und 1850, Besitzerin ist 1980 Frau Magdalena Puth. Das Haus Nr. 6 ist ebenso aus der Zeit zwischen 1800 und 1850, die Scheune von 1880; sie brennt 1994 ab und wird neu gebaut.

Besitzer sind 1980 Karl und Wilhelm Fix, seit 1990 Familie Schmidt. Vor dem Haus Nr. 10 war eine Wartehalle für den Bus, die Haltebucht war vor dem Haus Nr. 8.

Das Haus Nr. 7 ist alt und schon 1906 vorhanden. Das Haus Nr. 11 war der Hof von Ludwig Stein, heute ausgesiedelt zum Grundstück „Am Berghof" 7. Im Haus Nr. 13 hat Wilhelm Kolbenschlag bis 1949 eine Schuhmacherei und ab 1. März 1953 für einige Jahre die Gaststätte „Zum Palmengärtchen". Das Haus Nr. 15 ist 1912 gebaut und wird 1945 von einer Bombe getroffen.

An der Abzweigung des Kilianstädter Weges vor dem Pfarrhaus ist eine Grünanlage, in der früher das Kriegerdenkmal stand. Ehemalige Kriegsteilnehmer bitten 1924 die Gemeinde um einen Zuschuß von 200 Mark zu den Kosten für ein Kriegerdenkmal und erhalten ihn bewilligt. Ein lebender Zaun wird 1936 rund um das Denkmal angepflanzt. Die Anlage soll 1970 für die Anlage einer Bushaltestelle geopfert werden.

Das Haus Nr. 21/23 ist die Schmiede von Hans Oswald und Sohn Heinrich. Zeitweise war hier die Diamantschleifergenossenschaft untergebracht. Schon 1922 wird das Haus zu vier Wohnungen umgebaut.

Das Grundstück, auf dem heute die Wohnblocks stehen, gehörte dem Freiherrn von Edelsheim. Die Gemeinde stellt ihm 1936 Austauschflächen zur Verfügung und läßt dort mehrere Behelfsheime errichten. Sie sind für die Arbeiterinnen einer Frankfurter Näherei errichtet werden, die 1944 im Saal der Gaststätte Pflug untergekommen war. Die Behelfsheime gehen im Oktober 1947 von der Firma M. Schwarz an den Nachfolger Firma Karl Schneider. Aber im August 1949 will Herr Schneider die Behelfsheime wieder verkaufen. Er soll pro Heim 500 Mark erhalten. Der Grund und Boden, auf dem die Behelfsheime stehen, gehört immer noch dem Freiherrn von Edelsheim und soll für einen Quadratmeterpreis von einer Mark gekauft werden.

Die Heime wurden 1963 von der Gemeinde übernommen und 1965 abgerissen. Die Hanauer Baugesellschaft baut dann auf dem (gepachteten) Grundstück einen Wohnblock mit sechs Dreizimmerwohnungen. Später werden noch zwei Wohnblocks errichtet. Auf der anderen Seite der Straße ist das Pfarrhaus zu sehen.

 

Pfarrhaus

Das alte Pfarrhaus wird 1750 in der Herrengasse Nr. 2 erbaut. Doch 1913 wird auf einem Grundstück vor dem Dorf ein neues Pfarrhaus errichtet. Der Weg zur Kirche ist allerdings nur über die Straße Alt Wachenbuchen oder über das kleine Gäßchen nördlich des Friedhofs in die Kirchhofstraße möglich. Die Gemeinde sagt damals zu, einen etwa 200 Meter langen Weg über den Friedhof zu schaffen, ein Versprechen, das bis heute nicht eingelöst ist. Das Gelände liegt etwa drei Meter über der nach Mittelbuchen führenden Straße, so daß ein freier Ausblick gewährleistet ist. Die Anlage eines großen Hausgartens ist möglich.

In der Baubeschreibung heißt es: Bei möglichst einfacher Fassadengliederung wird ein geschlossenes Gesamtbild angestrebt ohne jede Schädigung der zweckmäßigen Verwendbarkeit der Innenräume. Die Ansichtsflächen erhalten farbigen Fassadenputz, die Dachflächen Schieferdeckung. Werkstein findet nur sparsam Verwendung. Die Wohnräume werden mit einer Warmwasserheizung geheizt, der Anschluß an die Wasserleitung wird hergestellt. Im Keller wird ein Raum für die Heizung und die Waschküche untergebracht. Im Dachgeschoß werden nach der Südostseite noch zwei Kammern eingebaut.         

 

Im Jahre 1951 kommt es zum Streit mit der Präsenz Hanau wegen der Einnahmen aus der Pfarrhausmiete. Weil die Präsenz die Baulast trägt, nimmt sie seit der Währungsreform die Mieten ein. Der Pfarrer kann aber erreichen, daß die rund 1.000 Mark im Ort bleiben und für notwendige Reparaturen verwendet werden können.

Die Zentralheizung wird 1959 wieder in Gang gesetzt. Die Mieter räumen 1964 das Pfarrhaus, wenn auch erst nach einem gerichtlichen Räumungsurteil.

 

Gemeindehaus

Zunächst wollen Evangelische und Katholische Gemeinde ein ökumenisches Gemeindezentrum in der Brucknerstraße errichten. Die katholische Kirche nimmt jedoch 1974 von ihrem Bauvorhaben Abstand. Die Fläche wird zunächst für den Kindergarten vorgesehen, wird dann aber als Baugrundstück ausgewiesen.

Man erwägt dann einen Anbau an die Kirche, kommt aber mit der Denkmalpflege nicht überein. Da schlägt Pfarrer Müller vor, ein Gemeindehaus neben dem Pfarrhaus zu bauen. Im Herbst 1983 beginnen die ersten Arbeiten. Die Kosten belaufen sich auf 852.000 Mark, von denen die Gemeinde 400.000 Mark zu tragen hat, während den Rest die Landeskirche aus Kirchensteuermitteln übernimmt. Die Einweihung ist im Februar 1985. Die Jugendlichen bauen das Dachgeschoß des Gemeindehauses 1985/86 in Eigenarbeit aus.

 

Kindergarten

Etwas weiter nördlich ist der Kindergarten, der 1973 auf dem Gelände des ehemaligen Feuerlöschteichs errichtet wird. Ursprünglich war hier eine Erweiterungsfläche für den Friedhof vorgesehen. Doch dann hat man nach dem Aussiedlerhof Giesel (der Hof Giesel hatte früher seinen Sitz im Haus Alt Wachenbuchen 16) hier noch den städtischen Kindergarten und einige Häuser gebaut, aber leider keinen Bebauungsplan aufgestellt, so daß jetzt noch eine Baulücke besteht (Länge des Rundgangs etwa 1,8 Kilometer).