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Apfelwein II

 

 

Jahrgänge und Preise

 

 

Im Jahre 1972 gab es eine Apfelmißernte und eine enorme Kostenlawine bei den Hilfs‑ und Be­triebsstoffen. Das ließ die Apfelweinpreise nach oben klettern. Das Kaufinteresse verlagerte sich mehr auf den teureren Qualitätsapfelwein. Der Verbraucher war bereit, für höhere Qualität auch Preisunterschiede von 30 Pfennig und mehr in Kauf zu nehmen.

Wegen der großen Apfelernte in 1973 hätten die Großhandelspreise um etwa 6 Prozent gesenkt werden müssen. 1974 fiel die Apfelernte wieder relativ knapp aus. Das schwache Sommergeschäft (die Mo­nate Juni und Juli brachten ‑ relativ gese­hen ‑ die schlechtesten Umsätze seit Jahren) führte aber zu großen Lagerbeständen, die ein erneutes Ansteigen der Mostpreise verhinderten.

 

Auch 1978 war eine angespannte Rohstoffsituation. Dennoch sollten die Verbraucherpreise im kommenden Sommer stabil bleiben. Bei Höhl wurde der Umsatz im Jahr 1979 um zehn Prozent ge­steigert. Rudolf Höhl erklärte ergänzend, daß die Apfelernte noch nicht end­gültig beurteilt werden könne, fest stehe jedoch, daß der

 

Für das Jahr 1980 muß mit einer geringfügigen Preiskorrektur gerechnet werden, bedingt durch die in der zurückliegenden Zeit in allen energieabhängigen Bran­chen entstandenen Verteuerun­gen. Vom 1. April 1980 an wurde der Apfelwein um fünf bis sechs Prozent teurer, der Kasten wurde um rund 60 Pfennige teurer. Ohne die günstigen Preise für Kelterobst im Herbst vergangenen Jahres hätte der Aufschlag noch wesentlich höher ausfallen müssen.

 

Durch die Nachtfröste im April und Mai 1981 war die Ernte von Mostäpfeln katastrophal zurückgegangen. Die Ernte im Bundesdurchschnitt erreichte nur 50 Prozent in Hessen sogar nur 20 Prozent der Vorjahresergebnisse. Bei einem hei­ßen Sommer 1982 Jahr bestand durchaus die Gefahr, daß alle Apfelweinquellen versiegen. Durch Importe konnte diese Lücke nur bedingt geschlossen werden, denn auch im übrigen Europa erreichten die Apfelernten nur mittlere Ergebnisse. Die Preissteigerung betrug über 100 Prozent. Während 1980 ein Doppelzentner Mostäpfel in Hessen noch durchschnittlich 16 Mark ko­stete, so zahlte man in diesem Jahr durch­schnittlich 35 Mark. So ließ sich eine Erhöhung der Kelterei­-Abgabepreise um rund 25 Prozent nicht ver­meiden.

 

Im Jahr 1983 war man gezwungen, viele tausend Zent­ner Äpfel aus Frankreich und vor allem aber aus Österreich, der Schweiz und den Ostblockländern wie Polen, das in diesem Jahr eine sehr gute Apfelwein­ernte vorweisen kann, einzuführen.

 

Im Jahr 1991 ließen die ausbleibenden Regentropfen und die Frühjahrsfröste 70 Prozent Ernteausfall erwarten, es gab  eine kata­strophale Mißernte. Frau Höhl-Seibel: „Mein Vater und ich können uns an so schlechte Ernteer­geb­nisse jedenfalls nicht erinnern!“ Im Mai vernich­tete Frost die Apfelernte, dann kam der extrem trockene Som­mer, wo die paar Äpfel an den Bäumen nicht die genügende Feuchtigkeit und Mineralstoffe be­kommen haben, um zu wachsen und saftig und knackig zu werden. Was geerntet wurde, war klein und mickrig und weniger saftig als im vergangenen Jahr. Im Oktober gab es kaum Obst, die Ernte war gebietsweise bis zu neunzig Pro­zent ein Ausfall. Die Erzeuger klagten, das Obst verfaule bereits am Baum und falle frühzeitig herunter. Ein Großteil der Äpfel wurde aus Osteuropa geliefert, aus der Tschechoslowakei und Ungarn. Dort hatte die günstigere Witterung für eine hervorragende Ernte gesorgt, während in Deutschland die Apfelernte erst zögernd begonnen hatte. Der Doppelzentner kostete 35 bis 40 Mark. Transportkosten und Zollgebühren trieben den Preis für osteuropäisches Obst in die Höhe. Für 100 Kilogramm Äpfel deutscher Erzeuger zahlte die Kelterei Höhl rund 24 Mark, aber auch zwischen 28 und 30 Mark pro 100 Kilogramm Äpfel. 1990 waren es noch 21 Mark. Trotz höherer Energie- und Lohnkosten waren die Verkaufspreise seit 1986 nicht mehr verändert worden. Aber jetzt mußte man mit einem Aufschlag von 10 bis 15 Pfennigen rechnen. Nach Auskunft der „Vereini­gung der Äpfel­wein­wirte“ kassierten die Wirte statt bisher 1,80 Mark für 0,3 Liter zwei Mark. Für die Erzeugnisse der Kelterei Erwin Stier in Bischofsheim werden die Gastronomen vorerst noch den gleichen Preis wie 1990 zahlen.

 

Das Jahr 1994 brachte eine mehr als durchschnittliche Ernte. Das Jahr 1995 war wieder ein schlechtes Apfeljahr. Während in guten Erntejahren bis zu 15.000 oder 20.000 Tonnen Äpfel in Hochstadt verarbeitet werden, rechnet man in diesem Jahr mit einem Rück­gang um etwa 50 Prozent. Der Preis wurde um etwa zehn Pfennig pro Liter angehoben. Bisher kostete der Liter Apfel­wein etwa zwei Mark.

 

Im Jahr 1995 wurde wieder über eine „miese Ernte“ geklagt. Beim Preis mußte man mit etwa 20 Pfennig mehr pro Liter rechnen. Das Frühjahr war kalte und naß, die Blüte kam erst spät und die Bienen flogen nicht wie sonst, der Sommer war sehr trocken. Statt der durchschnittlichen 140 Millionen Liter Ap­felwein und Apfelsaft produzierten die etwa 74 dem Ver­band der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien (Vorsitzender: Walfried Heil) nur 40 bis 50 Millionen Liter (Höhl: Statt 15.000 und 20.000 Tonnen nor­malerweise waren es  1995 nur rund 10.000 Tonnen).

Der Rest wurde in Form von Äpfeln aus Polen und der Tsche­chischen Republik oder als Apfelsaftkonzentrat aus Süddeutschland hinzugekauft. Dort gibt es ähnliche Apfelsorten wie bei uns Hessen, aus denen man einen sehr guten Apfelwein herstellen kann. Der weiteste Anlieferungsweg war rund 1000 Kilometer lang. Aber Obst aus Litauen ist dann auch entsprechend teurer. Rund 40 Mark kostet der Doppelzentner von dort. Während sonst 18 bis 20 Mark pro Doppelzentner zu zahlen waren, lag der Preis für deutsches Obst in diesem Jahr bei 26 Mark.  Der „Alte Hochstädter“ wurde um etwa 20 Pfennig je Liter teurer,  aber Bier­trinker mußten wesentlich tiefer in die Tasche greifen.

Laut Jörg Stier war die Resonanz auf die Aktion „Apfel­wein aus Maintaler Streuobst“ enorm groß und auch die Erträge seien „durch­aus ansehnlich“. Stier zahlte den heimischen Lieferanten auch 30 Mark für den Doppelzentner. Die Spezialität Schlehenapfelwein blieb im Preis unverändert. Anson­sten mußte aber auch Stier die Preise um rund 20 Pfennige je Liter anheben. Die Ausnahmequalität des 94er Stöffche konnte diesmal nicht erreicht werden. Aber der 95er hat wieder sehr guter Qualität. Das wichti­ge Säure‑Zucker‑Verhältnis war wieder außer­ordentlich gut.

 

Die Frankfurter Wirte zogen Ende 1996 eine größere Preiserhöhung durch: Damals war der Preis von 2,30 auf 2,50 Mark heraufgesetzt worden.

 

Im Jahr 1997 war die Apfelernte wegen der Frostschäden alles andere als gut, der Ertrag deckte gerade die Kosten. Dieses Jahr rechnet er mit gera­de mal 65 Prozent der Ernte, „denn Tem­peraturen über 30 Grad mögen die Blüten auch nicht! Auch 1998 fiel die Ernte wegen des ungünstigen Wetters nicht so üppig aus. Es war zu kalt und zu feucht. Doch die Äpfel hatten einen guten Zuc­ker‑ und Säure­gehalt. Es gab einem Umsatzrückgang, zwischen acht bis zehn Pro­zent, doch die Preise blieben konstant. In den hessischen Betrieben wurden 65.000 Tonnen Äpfel verarbeitet, wobei etwa fünf Prozent aus dem Ausland, unter anderem aus Polen und Südtirol, angeliefert wurden.

Die Obstblütenzeit war zeitlich gesehen im April und Mai normal und wurde auch weitgehend von Nachtfrösten verschont. Auch die starken Frostspannerschäden, die wir im vergange­nen Jahr hatten, sind diesmal nur noch ver­einzelt aufgetreten. Die prächtige Obstblüte, die sich im die­sem Frühjahr in Maintal zeigte, lies zunächst auf eine gute Obsternte hoffen. Leider hatten wir zur Hauptblütezeit ei­ne besonders schlechte Wetterlage, so daß die Bienen nicht zur Blüten‑Bestäubung ausfliegen konnten. Auch Wildbienen und Hummeln die schon bei Temperaturen um 7 Grad Celsius ausfliegen, waren in ihrer Entwicklung wegen der kühlen Witterung noch weit zurück.

Außergewöhnliches geschah dieses Jahr allerdings mit der Rapsblüte, die zeit­gleich mit der Obstbaumblüte war. Das hatte zur Folge, daß die Bienen an den wenigen Sonnentagen in Massen zu den Rapsfeldern zur Bestäubung flogen. Denn auch Bienen wissen, daß die Rapsblütenfelder mehr Nektar als die Obstblüte bringt.

Man konnte dieses Jahr feststellen, daß Bienenstöcke die weit von den Rapsfeldern entfernt waren und in der Nähe von Obstbäumen standen, sich ein besserer Obstbehang bildete. In normalen Jahren fängt der Raps erst zum blühen an, wenn die Obstbaumblüte zu Ende ist. Vielleicht können die Maintaler Landwirte ihre Raps‑ Herbstsaat etwas später vornehmen, damit im folgenden Frühjahr der Raps erst am Ende der Obstbaumblüte zum blühen kommt. Wir könnten somit eine bessere Bestäubung (Befruch­tung) erreichen, welche die Obst­ertragslage bestimmt verbes­sern würde.

 

Im Dezember 1998 hatten dann einige Frankfurter Wirte auf 2,60 Mark erhöht. Die „Germania“ in der Sachsenhäuser Textor­straße legte die Marke 1999 auf 2,70 Mark. Der Pächter des Sachsenhäuser Lo­kals begründet den Preisaufschlag mit steigenden Betriebskosten. Aber es gab in Frankfurt ohnehin keine einheitlichen Preise. Es gab auch schon vorher Apfelweinlokale, in denen der Schoppen schon lange mehr als 2,70 Mark kostete. Durch die Einführung von 0,25 Liter-Gläsern wurden die Preise noch zusätzlich verfälscht. Verkauft ein Wirt diese näm­lich für 2,40 Mark, beträgt der Preis umgerechnet aufs Normalbais 2,88 Mark.

Die Kelterei Höhl wollte sogar die Preise noch senken, weil  die Apfelernte in diesem Jahr nicht schlecht war. „Jetzt hof­fen wir nur, daß auch Handel und Gastronomie mitziehen. Denn sonst senken wir zwar die Preise, aber die Wirte setzen ihre trotzdem hoch,“ sagte Frau Johanna Höhl. Gerade in dieser Saison seien die hessischen Äpfel „Spitze“, denn wäh­rend andere Regionen gegenüber den Vorjahren Ertragseinbußen von bis zu 20 Prozent hinzunehmen hätten, sei die hessische Apfelernte des Jahres 1999 ganz hervorragend. Für den Doppelzentner Äpfel zahlte Höhl 1999 noch 18 Mark, für den Doppelzentner Speierling 180 Mark. Eine andere Art der Auszahlung ist der „Lohnmost“: Für zehn Kilo Äpfel gibt es fünf Liter „Flüssigware“ aus dem Hause Höhl nach Wahl. Gezahlt werden müssen dafür nur 70 Pfennig „Kelterlohn“ je Li­ter. Auch der Bischofsheimer Keltermeister Jörg Stier meinte: Nicht die Masse, sondern die Klasse ist entschei­dend.

 

Die Apfelernte 1999 entspricht zwar vom Ertrag her fast einem „Jahrhundertjahrgang“. Doch der 99er Jahrgang hatte auch seine Tücken. Das lag nach Stiers Angaben auch an den ersten beiden Erntewochen im September, die für die Jahreszeit zu trocken und warm waren. Für Selbstkelterer kann das tückisch sein, weil viele Äpfel dadurch faulig und infektionsanfällig geworden sind.

Doch andere beurteilten die Ernte ganz anders. Sie sagten: Der Super‑Sommer in Hessen sorgte für eine zeitige und pralle Apfelernte auf den Streuobstwiesen Der Super‑Sommer in Hessen sorgte für eine zeitige und pralle Apfelernte auf den Streuobstwiesen. Der Regen Ende September ließ das Obst noch mal wachsen, zuvor sorgte die Sonne für Süße in den Äpfeln.

„Alle Sorten können wir 14 Tage bis drei Wochen früher ernten als sonst“, berichtet ein Obstbauer. Der Regen Ende September ließ das Obst noch mal wachsen, zuvor sorgte die Sonne für Süße in den Äpfeln. „Ein durchschnittlicher Sommer bringt einen Zuckergehalt von 45 Grad Oechsle. In diesem Jahr sind schon über 53 Grad Oechsle gemessen worden“, sagt Sybille Schäfer vom Verband der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien. „Das ergibt entsprechend mehr Alkohol“, erklärt Günter Possmann, Chef der gleichnamigen Kelterei. „Der Wein wird besonders gehaltvoll“", verspricht Gerhard Nöll, Chef einer kleinen Kelterei in Frankfurt. Trotz voll behangener Bäume rechnen die Hersteller der Apfelgetränke in Hessen nicht mit allzu üppigen Apfel‑Lieferungen. „Die baden‑württembergischen Keltereien holen uns die Äpfel weg. Bei ihnen ist die Ernte schlecht,“ erklärt Nöll.

Gotthold Walther von der Kel­terei Walther GmbH in Bruchköbel‑Nieder­issigheim urteilte: Die Qualität der Apfelernte 1999 ist gut, doch die Menge ist kei­neswegs so groß wie zunächst prognostiziert. Die Preise bleiben deshalb stabil. So zumindest stellt sich für die momentane Situation dar. Doch die von vielen prognostizierte Rekordernte blieb aus. Der Grund: Der Spätsommer war einfach zu heiß. Bei Temperaturen um den 15. September von bis zu 30 Grad faulte das Obst zum Teil noch am Baum. Durch die Mischung der Früchte dürfte der Apfelwein wieder Vorjahresniveau erreichen. Säure‑ und Alkoholgehalt lassen einen kräftigen und fruchtigen Schoppen erwarten. Daran seien keine Abstriche zu machen.

 

Das Jahr 2000 wurde sehr unterschiedlich beurteilt. Für die einen gab es wieder eine sehr gute Ernte, sowohl was die Menge, als auch die Qualität betrifft. Für Johanna Höhl waren Erntemenge und Erntequalität ähnlich hoch wie im Vorjahr.­ „Die fantastische Maiblüte, viel Sonne im Sommer und trotzdem reichlich Nieder­schlag, das waren die Rahmenbedingun­gen für den tollen Ertrag“. Die Firma zahlte 18 Mark für 100 Kilo Äpfel und 180 Mark für die gleiche Menge Speierling.

Weniger optimistisch äußerte sich dagegen Wilhelm Bender, Inhaber des „Schützenhofs“ in Bergen und einer der wenigen noch selbst kelternden Wirte. „Leider wird immer weniger Apfelwein getrunken.“ Walfried Heil meinte: Der Sommer trug zum Minus bei. Zum einen waren die Sommermonate insgesamt zu kühl, um bei den Verbrauchern den rechten Durst aufkommen zu lassen, zum anderen hat die Witterung die Qualität gedrückt. Gerade mal knapp 48 Grad Öchsle seien als Spitzenwert beim Most gemessen worden, der in durchschnittlichen Jahren einen Mittelwert von 50 Grad Öchsle und mehr erreicht. Der voreilige Sommeranfang im April/Mai habe jedoch andererseits eine reiche Ernte beschert.

Laut Heil war die Äpfelernte in diesem Jahr ausgesprochen mies. Der Som­mer war nicht mehr als ein grün angestrichener Winter. Zum einen waren die Sommermonate insgesamt zu kühl, um bei den Verbrauchern den rechten Durst aufkommen zu lassen, zum anderen hat die Witterung die Qualität gedrückt. Gerade mal knapp 48 Grad Öchsle seien als Spitzenwert beim Most gemessen worden, der in durchschnittlichen Jahren einen Mittelwert von 50 Grad Öchsle und mehr erreicht. Der voreilige Sommeranfang im April/Mai habe jedoch andererseits eine reiche Ernte beschert. Gegenüber einer nor­malen Durchschnittsernte betrugen die Erträge im Streuobstan­bau nur etwa ein Drittel. Die hessischen Kelterei­en erwarteten, daß sie für Äpfel aus ihrer näheren Umgebung etwa 30 Mark pro Doppelzentner löhnen müssen. Vor zwei Jahren waren es schon mal bis zu 34 Mark gewesen. In norma­len Jahren lieg der Preis um 8 bis 10 Mark einschließlich Fracht. Doch am Ende des Jahres teilte Heil mit, daß die hessischen Keltereien 18 Mark für den Doppelzentner bezahlt haben, „auch wenn dies wehtat“. Der Verband der hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien kündigte 2000 eine Preiserhöhung um fünf bis acht Prozent an.  

Äpfelweingeschworene wissen: Auch beim Apfelwein gibt es große Unterschiede zwischen den Jahrgängen. Und so hat auch der 2000er seine eigene Charakteristika: Das geringe Zucker/Säure-Niveau der Äpfel bei schwacher Aroma-Ausbeute sorgt für einen kleinen aber sehr harmonischen Jahrgang. Die in einigen Sorten fast atypisch anmutenden Säurespitzen aus der 99er Ernte finden sich im neuen Jahrgang nicht. Der nun kommende, zweifellos trinkfreudige Jahrgang lädt ein zum „schlonzen“, eine Freude für die Gartenwirtschaft (wenn’s denn einen Sommer gibt ... ). Allerdings werden die Äpfelweingeschworenen Größe und Tiefe in manchen Schoppen vermissen, auch sei allen Keltermeistern zur Vorsicht geraten ‑ die extrem niedrigen Säurewerte werden dafür sorgen, das auch kleine Kelterfehler dramatische Auswirkungen im Stöffche haben werden!

Die Apfelernte 2001 ist sehr mäßig. Macht aber nix. Weil die vergangenen zwei Apfeljahre gute bis sehr gute Resultate brachten, sind die Edelstahltanks der Großkeltereien immer noch gut mit Apfelwein und Apfelsaft gefüllt. Die meisten Hobbykelterer haben in ihren kühlen Kellern eine Reserve für magere Jahre angelegt, wohl wissend, daß der Ertrag der Streuobstwiesen in der Region stark abhängig ist vom Wetter und den Launen der Natur. „Wir rechnen mit 50 bis 60 Prozent der Vorjahresernte“, schätzt Walfried Heil. Als Ehrenpräsident des Verbandes der hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien muß er es wissen.

Die Kelterer haben längst ihren Frieden mit den Unwägbarkeiten des Kleinklimas zwischen Odenwald, Spessart, Vogelsberg und Taunus geschlossen. Sie müssen es nehmen, wie es kommt, die Qualität und Menge der Apfelernte ebenso wie den zerstörerischen Hunger des unbesiegbaren Apfelwicklers oder den Durst der Schoppenpetzer. Ist der Sommer sehr kühl, stockt der Schoppenabsatz, ist er sehr heiß, verlangen die Kunden „Gespritzten“, was auch nicht den Absatz fördert.

Die 78 hessischen Profikelterer aber jammern nicht öffentlich. Eher suchen sie nach Strategien, um den beständig sinkenden Absatz ihrer naturreinen Produkte aus köstlichen Früchten der Region zu vergrößern. Zum Beispiel auch mit Mixturen, die bei eingefleischten Schoppenpetzern Ekelgefühle provozieren können. Heil gibt zu, daß sein Unternehmen mit einem Gemisch aus Apfelwein und Cola junge Konsumenten erobern will. Ob es gelingt, weiß er noch nicht.

 

Auch 2002 ist ein schlechtes Jahr. Die diesjährige Ernte ist im Vergleich zu den Vorjahren dramatisch gesunken. Normalerweise liegen zu dieser Jahreszeit zwischen 18 und 20 Tonnen Äpfel im Hinterhof bereit zum Pressen. Gestern verwies Jörg Stier auf eine Anhäufung von gerade einmal 1,5 Tonnen der runden Frucht. Zwar sinkt der Ertrag der Streuobstwiesen seit Jahrzehnten, so schlimm wie heute war es jedoch noch nie. Der wechselhafte Sommer hat den Äpfeln sichtbar zugesetzt. Die Hitze und die schweren Regenfälle, vor allem aber der heftige Hagelsturm im letzten Monat, ließen viele Früchte faulen. „Trotz der extremen Umstände, unter denen sie wachsen mußten. sind die Äpfel vom Saft her gut“, erklärt der Bischofsheimer Keltermeister. Noch zwei Wochen lang können Äpfel ‑ auch aus privater Hand ‑ bei ihm abgeliefert werden.

 

Erzeuger rechneten im Jahr 2003 mit schlechten Ernten. Der Preis für Apfelwein soll dennoch stabil bleiben. Frostnächte in den vergangenen Wochen haben die noch ungeöffnetem Obstblüten beschädigt. Dies könnte bedeuten, daß die Ernte in diesem Jahr karg ausfällt. Kommen im Sommer noch Hagel oder Ungeziefer dazu, könnten Äpfel teurer werden. „Dieses Jahr wird es bei uns keine Pfirsiche und keine Aprikosen geben“, sagt Andreas Schneider vom Obsthof Schneider in Nieder‑Erlenbach. Die Blüten der frühblühenden Obstbäume sind in den sechs Frostnächten in den vergangenen Wochen erfroren. Auch bei Tafel‑ und Mostbirnen sowie Süßkirschen sieht es ganz schlecht aus.

„Wir reden hier von 80 bis 100 Prozent Ausfall“, klagt Schneider. Zwar seien diese Obstsorten nicht das wirtschaftliche Standbein des Öko‑Hofs im Frankfurter Norden, aber auch einigen der 50 Apfelsorten, die Schneider anbaut, habe die Kälte arg zugesetzt. Wie groß der Verlust ist, könne noch nicht festgemacht werden. „20 Prozent Äpfel würden ausreichen, das wäre eine mittlere Ernte. Jedoch ein Apfel braucht zwischen vier und sechs Monaten bis zur Reife, da könne noch allerhand passieren. Weitere Frostnächte etwa, zu starker Wind, der die Bestäubung der Blüten stört, zu viel Regen, Ungeziefer, Pilze, Fäule und ‑ das wäre das Schlimmste ‑Hagel. Dann kann man gar nichts mehr machen“, fürchtet Schneider

Der Obsthof wäre dann darauf angewiesen, für seine Kelterei, die 30 Apfelweinsorten herstellt, Früchte aus Gebieten zuzukaufen, in denen es keine Frostschäden gab. Zu Bio‑Bauern aus der Region unterhalte Schneider sehr engen Kontakt. Allerdings, so fürchtet der Bauer, könnten bei schlechter Ernte die Preise steigen. Er selbst will seine Apfelweine zum gleichen Preis anbieten und Verluste anders ausgleichen. „Als kleiner Direktvermarkter ist das besser zu steuern als innerhalb von großen Strukturen, an die man gebunden ist“, meint Schneider, der auf betriebliche Investitionen, etwa die Anschaffung einer Kompoststreumaschine verzichten werden muß. Die neuen Weine will er bei Jungweinproben im Mai zur Verkostung anbieten. Weiterhin gilt seine Hoffnung der Erdbeerernte.

Mit einer mittleren Apfelernte in Hessen rechnet auch Berthold Heil, Vorsitzender des Hessischen Landesverbands für Erwerbsobstbau. Zwischen vier und fünf Frostnächte habe es auch in Kriftel gegeben, dem hessischen Hauptanbaugebiet für Tafeläpfel. Man bleibe jedoch verhalten optimistisch. Es sei noch nicht sicher, ob sich die jetzigen Schäden auf das Preisniveau auswirkten.

Auf den Apfelwein, vermutet Günter Possmann, habe der Frost keine Auswirkungen. Die Frankfurter Familienkelterei verwende Apfel von Streuobstwiesen aus Odenwald, Vogelsberg, Rhön, Spessart und Taunus. „Die blühen nicht so früh wie Tafelobst“, sagt er. Gefährlich werde es dann, wenn es eine flächendeckende Mißernte gebe. Aber das, so der Kelterer, komme sehr selten vor. Der Apfelwein, so Possmann, werde nicht teurer. „Das konnten wir uns auch gar nicht erlauben.“ Überdies seien die Fässer voll mit Ebbelwei von 2002. Man warte auf schönes Wetter, damit viel davon getrunken werde.

Aber im August 2003 hieß es: Zehn Prozent höhere Erträge als im Vorjahr erwartet. Die deutsche Apfelernte hat frühzeitig begonnen ‑ und um Ertrag, Aussehen und Qualität steht es gut. Der Verbraucher findet außerdem relativ früh heimische Ware der Hauptsorten im Angebot. Nach Schätzungen der Zentralen Markt‑ und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn wird bundesweit mit etwa 870. 000 Tonnen eine um rund 100 000 Tonnen oder fast zehn Prozent höhere Ernte als im Vorjahr erwartet. Europaweit wird hingegen im Schnitt mit einer kleineren Menge gerechnet. Möglicherweise wird der Verbraucher daher bei knapperem Angebot etwas mehr bezahlen müssen.

Auf Grund der warmen Witterung in diesem Sommer fiel der Startschuß auch bei den Hauptsorten wie zum Beispiel im Rheinland ungewöhnlich früh, wie die Centrale Marketing‑ Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA) am Donnerstag berichtete. Gut mit der Ernte sehe es vor allem im „Alten Land“ sowie in einigen ostdeutschen Regionen aus. Auch die Fruchtqualität verspreche gut zu werden, denn es habe in diesem Jahr nur wenig Hagelschäden gegeben und auch andere Schäden wie Schorf seien wenig verbreitet.

Die nordrhein‑westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) verwies darauf, daß die Erntehöhe weit mehr von der Witterung während der Blütezeit als von der Wasserversorgung im Sommer abhänge. Der warme Sommer habe mit der hohen Sonneneinstrahlung auch positive Effekte für den Gesundheitswert der Äpfel, sagte Höhn. Die Äpfel könnten so besonders viele wertvolle Inhaltsstoffe ausbilden. Bundesweit wird aber das Ertragspotenzial wie schon im Vorjahr erneut weit unterschritten. Der Grund liegt sowohl im dies

jährigen Spätfrost als auch in der anhaltenden Trockenheit in vielen Gebieten. Viele Obstbauern sind aber in der Lage, ihre Flächen zu bewässern. Als Maßstab für das Ertragspotential gilt das Jahr 2000, als rund 1,1 Millionen Tonnen geerntet wurden.

Der Apfel ist das liebste Obst der Deutschen. Laut CMA werden jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen Äpfel gekauft. Damit verzehrt ein Bürger im Schnitt rund 18 Kilogramm Äpfel oder 100 Stück im Jahr. Bei den Sorten ist Jonagold die Nummer eins, gefolgt von Elstar.

Im deutschen Obstbau spielt der Apfel ebenfalls die wichtigste Rolle. Auf rund 31.200 Hektar werden Apfel angebaut. Zu den Schwerpunktregionen zählen im Süden das Gebiet um den Bodensee, im Norden das „Alte Land“ bei Hamburg, das Anbaugebiet um Dresden in Sachsen, Rheinland‑Pfalz mit Rheinhessen, das Rheinland sowie Thüringen.       

Anfang 2004 heißt es wieder: Hessische Keltereien konnten 2003 Absatz steigern! Mit gemischten Gefühlen blicken die hessischen Apfelwein‑Kelterer auf den vergangenen Sommer zurück. Wegen der Hitze fiel die Ernte deutlich spärlicher aus als im Vorjahr. Allerdings hatten die Hessen mehr Durst auf Sauer‑ und Süß‑Gespritzten.

Seit langem verzeichneten die hessischen Keltereien beim Absatz erst mal wieder ein Plus. „Die Monate Juni bis August waren super“, schwärmt Johanna Höhl, Geschäftsführerin der gleichnamigen Hochstädter Kelterei. „Wenn man bei so einem Wetter kein Plus macht, wann dann?“ Um etwa zehn Prozent auf 14 Millionen Liter stieg bei Höhl der Absatz von Apfelwein und Mixgetränken. „Knapp zweistellig“ legte auch die Kelterei Heil aus Laubus-Esch­bach im Taunus zu, die 13 Millionen Liter verkaufte. Die Frankfurter Kelterei Possmann verzeichnete mit rund 16 Millionen Liter nach Angaben von Senior‑Chef Günter Possmann ein leichtes Plus, von ein bis zwei Prozent.

Der Ebbelwei‑Umsatz der 73 im Verband organisierten Betriebe sank auf knapp 32 Millionen Euro (2000: 34 Millionen Euro). Die Keltereien verarbeiteten 2003 rund 45.000 Tonnen Äpfel, etwa fünf Prozent davon wurden aus dem Ausland importiert. Daraus sind knapp 34 Millionen Liter Apfelsaft produziert worden, der in der Mehrzahl zu Apfelwein weiterverarbeitet wurde.

Als Hessens Ministerpräsident Roland Koch den Apfelweinanstich der Ernte 2003 vornahm, gab es angesichts der Branchenlage nicht nur zufriedene Gesichter. Der Apfelertrag des vergangenen Jahres lag mit rund 38.000 Tonnen deutlich unter dem Durchschnitt, zudem waren selbst die herben Kelteräpfel süßer als sonst. Der typisch hessische Apfelweingeschmack jedoch benötigt ein ausgeglichenes Säure-Zuckerverhältnis - eine weitere, allerdings eher handwerkliche Herausforderung für die im Verband der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien organisierten Unternehmen, die bereits seit längerem mit erheblichen Umsatzeinbußen kämpfen.

Insofern konnten die Mitglieder des Verbandes der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑ Keltereien beim Apfelwein‑Anstich mit Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in Freigericht durchaus zufrieden ihren Ebbelwei 2003, das gute „Stöffche“, verkosten.  Wenn­gleich Walfried Heil, der Ehrenvorsitzende des Verbandes, von einer unterdurchschnittlichen Ernte sprach, die mit 26,1 Millionen Liter Saft um etwa 30 Prozent geringer ausgefallen sei als 2002. Die Qualität der Äpfel war zwar gut, aber wegen der lang anhaltender Hitze hatten die Früchte weniger Saft. Und das durchweg in allen Anbaugebieten in Deutschland, so daß im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen die hessischen Kelterer zur Auslastung ihrer Anlagen Äpfel bei den Kollegen am Bodensee, in Italien, der Schweiz und Polen zukaufen mußten, in diesem Jahr von auswärts Anfragen kamen. Johanna Höhl sieht es sportlich: „Es gibt gute und schlechte Jahre. Diese Alternanz ist für die Apfelernte typisch.“

Grundsätzlich muß sich das Nationalgetränk der Hessen auf einem schwierigen Markt behaupten. Im Zuge der Wellness- und Gesundheitswelle der 90er Jahre sind viele Konsumenten auf nicht‑alkoholische Getränke umgestiegen ‑ eine Entwicklung, die auch die Brauereien deutlich zu spüren bekamen. Der Pro‑Kopf‑Verbrauch in Hessen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Trank jeder Hesse vor zehn Jahren noch im Schnitt 14,5 Liter Apfelwein im Jahr, so waren es in 2002 nur noch 10,2 Liter. Vor allem bei jungen Leuten hat es der Ebbelwei schwer, zumal inzwischen so genannte Alkopops, mit Spirituosen gemischte Süßgetränke wie „Smirnoff Ice“ oder „Barcardi Breezer“, Einzug in Diskotheken und Kneipen gehalten haben. Dies auch dank eines „wahnsinnigen Werbebudgets“, wie Junior‑Chef Martin Heil bemerkt, das sich die mittelständischen Kelterei‑Betriebe nicht leisten könnten.

Immerhin, mit der Werbeaktion „Zisch Ap...“ halten hessische Jungkelterer seit einem Jahr dagegen, um nicht völlig zu kapitulieren, so Heil. So gab es Rockkonzerte und Veranstaltungen in Diskotheken, bei denen ausschließlich Apfelwein ausgeschenkt wurde. Mit dem Verlauf der Kampagne sind die Kelterer zufrieden. „Es gab nicht den Hauch einer Beschwerde“, sagt Heil. In diesem Jahr wird es weitere „Zisch Ap..“-Events geben ‑ und, so hoffen die Kelterer, wieder einen so heißen Sommer wie 2003.

 

Die hessischen Keltereien rechneten zu Beginn der Apfelsaison 2004  mit einer besseren Ernte als im vergangenen Jahr. In allen Regionen Hessens biete die heimische Ernte in diesem Jahr ausreichend Äpfel für Apfelsaft und Apfelwein, berichtete der Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien. Es werde nicht notwendig, auf Auslandsobst zurückzugreifen. Die Vorbereitungen für die Apfelernte laufen in den Keltereien auf Hochtouren. Die Apfelernte hat vor kurzem begonnen. Aus 100 Kilogramm Äpfeln werden 70 Liter Apfelsaft. Seit Montag wird der erste „frische Süße“ abgefüllt. Auf den frischen Apfelwein muß allerdings noch gewartet werden: Qualität entsteht beim Apfelwein durch den richtigen Reifegrad der Äpfel bei der Ernte, der erst etwa Ende September erreicht ist. Sobald die Silos voll sind, wird dann mit dem Pressen des naturtrüben Apfelsaftes begonnen. Dieser wird dann zum „Rauscher“.  Bis der neue Apfelwein zum Genießen reif ist, dauert es jedoch etwa bis Anfang Dezember; erklärte Renate Ruf von der Rapp’s Kelterei. Für Apfelwein werden Sorten wie Boskop, Trierer Weinapfel, Bohnapfel und Schafsnase verarbeitet. Sie zeichnen sich durch ihre Würze, einen hohen Säure- und Fruchtzuckergehalt sowie festes Fruchtfleisch aus, berichtete die Kelterei. Der bekannte hessische Apfelwein hat einen Alkoholgehalt von 5,5 Prozent.

 

Die Apfelernte 2005 war klein, aber fein: „In diesem Jahr haben Spätfrost, Frostspanner und Apfelwickler für eine schwache Ernte gesorgt. Die Qualität ist jedoch gut”, betonte Wolfgang Lazar, der drei verschiedene Apfelweine, Apfelsaft, Süßen und Obstbrände wie „Vilbeler Quetschewasser” anbot. Doch den Früchten aus Odenwald, Pfalz oder Baden-Württemberg, die hinzugekauft werden, wird eine sehr gute Qualität attestiert. Die Keltereien arbeiten derzeit auf Hochtouren, um Hessens Nationalgetränk an den Mann bringen zu können.

Ob in der größten Kelterei im Main-Kinzig-Kreis, Höhl, in Hochstadt oder bei Jörg Stier in Bischofsheim, in beiden Betrieben spricht man von Ernteeinbußen in Höhe von 10 bis 30 Prozent in der hiesigen Region. Schuld daran war nicht nur das schlechte Wetter im Früh- und Spätsommer, sondern vor allem der Frostspanner, ein Nachtfalter, dessen Raupen Blüten und Blätter vernichten und der Anfang Mai vor allem in Maintal, Hanau und Umgebung ganze Waldstücke kahl gefressen hat.

Die Preise fürs Stöffche, dessen Absatz in den letzten Jahren zum Leidwesen der Keltereien um mehr als 30 Prozent zurückgegangen ist, sollen dennoch konstant bleiben. „Wir hoffen darauf, daß es nächstes Jahr mit der Ernte wieder besser wird,” sagt Johanna Höhl, Chefin des Traditionsbetriebs in Hochstadt.

Um dem hessischen Nationalgetränk wieder den Rang zu verschaffen, der ihm nach Ansicht Höhls gebührt, setzen die Keltereien vermehrt auf Werbung und moderne Vermarktung. „Gemeinsam müssen wir stark sein,” sagt Johanna Höhl, die auch stellvertretende Vorsitzende des Verbands der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien ist. Dem Verband gehören immerhin 60 Betriebe an.

Zu den Aktionen, die dem Stöffche wieder auf die Beine helfen sollen, gehört auch die offizielle Saisoneröffnung in den Räumen der Kelterei Walther in Bruchköbel, die Kreisdezernent Günter Frenz in diesen Tagen vornahm - eine Premiere im Kreis. Neben dem Spargel etwa und den Spessartforellen sei es natürlich auch der Ebbelwoi, der ganz spontan mit Spessart, Kinzigtal und Vogelsberg in Zusammenhang gebracht werde und sich so nahtlos dem Motto unterordne: „Route 66 - Schlemmen und die Natur genießen”, sagte Frenz.

Unter diesem Motto vermarktet das Referat Marketing und Tourismus Produkte der Region und wirbt damit gleichzeitig für die Erlebnis-, Urlaub- und Ferienregion zwischen Spessart, Kinzigtal und Vogelsberg.

Gleichgültig, in welchem Rahmen erzeugt, sei es immer ein Naturprodukt, eng verbunden mit einem Landstrich und seinen Menschen. Apfelwein stehe für gemütliches Beisammensein, er vereine seit jeher alle sozialen Schichten an den typischen langen Tischen der Ebbelwoikneipen miteinander, so Johanna Höhl bei der Saisoneröffnung. Er sei nachgewiesenermaßen außerordentlich gesund und vom Alkoholgehalt her mit Mineralwasser regelbar. Insofern begrüße sie die Aktion des Kreises uneingeschränkt.

Anfang 2006 hieß es sogar: „Die Talfahrt des Stöffchens ist gestoppt!“ Im Jahre 2005 wurden von den rund 60 hessischen Keltereien wie im Vorjahr etwa 40 Millionen Liter verkauft, sagte die Vize-Vorsitzende des Verbandes der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien, Johanna Höhl. „Der strukturelle Rückgang scheint ein Ende gefunden zu haben”, sagte Höhl, die auch Chefin der gleichnamigen Kelterei ist.

 

Im Jahr 2006 sorgete die gute Ernte aromatischer Äpfel für einen besonders schmackhaften Apfelwein. Um den Geschmack zu optimieren, werden verschiedene Apfelsorten für den Äppler gemischt. „Das ist eine der Stellschrauben”, sagte die Chefin der größten hessischen Apfelwein-Kelterei, Johanna Höhl. Die Qualität des Obstes sei hervorragend, die Öhsle-Grade und die Mengen seien gut. „Das ist allerdings keine Sensationsernte”, sagte sie. Auf den vergangenen Sommer blickt Höhl mit gemischten Gefühlen zurück. „Der Apfelwein ist stabil”, sagte sie und meint damit die Verkaufsmengen. Der heiße Juli war ein sehr guter Monat, der kalte Mai und der schlechte August verliefen dagegen bescheiden. Auch wenn das hessische Kulturgut Apfelwein nicht an den Absatz von Bier und Traubenwein herankommt - es entwickelt sich nach Höhls Worten immer mehr zum anerkannten Wellness-Getränk.

Mit Lastwagen, Traktoren und Autos bringen Bauern und Privatleute massenhaft Apfel in die hessischen Keltereien: „Die Ernte ist dieses Jahr sensationell, das wird ein äußerst guter Jahrgang”, freut sich Jörg Stier, Besitzer einer Kelterei in Maintal. Im vergangenen Jahr habe es anders ausgesehen: „Das war die blanke Katastrophe.”

„Die Qualität der Äpfel ist sehr gut”, bestätigt Kellermeister Martin Henke von der Frankfurter Kellerei Possmann. Der Fruchtzuckergehalt stimme ebenso wie der Anteil der Fruchtsäure, die dem Saft das Aroma gebe. Doch bevor das goldgelbe oder gelbrote Getränk in die gerippten Gläser fließt, müssen die Apfel noch kontrolliert, gewogen und sortiert werden. Anschließend werden die Früchte gewaschen und gemahlen. „Als Brei lässt sich der Saft leichter trennen”, erklärt Henke.

Mit dem bisherigen Verlauf der Ernte ist auch der Verband der hessischen Apfel-wein- und Fruchtsaftkelterer zufrieden. Zwar tragen die Bäume nicht in allen Regionen gleich üppig. „Doch dieses Jahr langt es, wir rechnen nicht damit, aus dem Ausland zukaufen zu müssen”, sagt Vorstandsmitglied Martin Heil. Die Lieferanten bekommen von den Keltereien zwischen acht und 8,50 Euro für 100 Kilogramm Äpfel. Beliebter ist der Tausch: Für 100 Kilogramm Obst erhalten die Baumbesitzer etwa 55 Liter Saft zurück und zahlen 55 Cent pro Liter für das Pressen.

 

Im Mai 2008 heißt es wieder: „Nationalgetränk schwächelt!“ Trotz optimalen Verlaufs der Blüte haben die hessischen Apfelkelterer ihre Durststrecke noch nicht überwunden. Deutlichstes Symptom der seit Jahren währenden Krise ist die mehrheitliche Übernahme des langjährigen Apfelwein-Marktführers Höhl aus Maintal-Hochstadt durch den Saftriesen Rapp's aus Karben in der Wetterau.

Die Fusion wurde über Monate verborgen gehalten und auch nach Bekanntwerden sind die Beteiligten darum bemüht, den Ball flach zu halten. „Für die Konsumenten ändert sich nichts und beide Unternehmen werden weitergeführt“, sagt Johanna Höhl. Tatsächlich werden die Höhl-Getränke schon seit zwei Jahren beim früheren Konkurrenten abgefüllt und auf die Straße gebracht, nur die eigentliche Produktion des Apfelweins ist mit zwölf von ursprünglich 65 Arbeitsplätzen in Hochstadt geblieben.

Beim Verband des Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien mit gut 50 Mitgliedern ist man schon froh. seit 2002 das Niveau von 40 Millionen Litern Apfelwein im Jahr halten zu können nach verheerenden Verlusten in den Jahren zuvor. Im Jahre 2007 machte die Minibranche damit einen Umsatz von 28 Millionen Euro. Weitere Fusionen stünden nicht bevor, versichert Vorstandsmitglied Martin Heil, Chef der gleichnamigen Kelterei in Laubus-Eschbach im Taunus. Die großen Drei (Possmann, Rapp's/Höhl und Heil) machten um die 80 Prozent des Umsatzes unter sich aus, während die übrigen Betriebe vor allem regionale und lokale Bedeutung hätten. „Fusionen würden da gar nichts bringen, weil sie nach wie vor die Äpfel vor Ort einsammeln und verarbeiten müßten.“

Längst vergangen sind die bembelseligen Zeiten, als Heinz Schenk im „Blauen Bock“ vor einem Millionenpublikum identitätsstiftende und damals populäre Brauchtumspflege betrieb. Aus den Tonkrügen des Hessischen Rundfunks floß Höhl-Apfelwein der Marke „Blauer Bock“ und die Kelterer konnten sich auf den Durst der Hessen in jedem Sommer verlassen. Außerhalb des Großraums Frankfurt hat der meist saure Wein aus alten Apfelsorten über die Jahre aber nur wenige Freunde gefunden und auch am Main stehen immer häufiger die Weizenbiergläser auf den Tischen der Wirtschaften.

Der leidenschaftliche Kelterer Jörg Stier aus Maintal- Bischofsheim glaubt aber an eine große Zukunft des Apfelweins, der für die hessische Identität stehe wie sonst nichts anderes. Dem Hessen mangele es an Selbstbewußtsein, hat er festgestellt. „Wir haben die wundervollsten Dinge bei uns: Wir müssen nicht französisch kochen und italienische Weine trinken, wenn Gäste kommen.“ Die Verbindung mit anspruchsvoller Regionalküche, mit der schützenswerten Natur der typischen Streuobstwiesen und der Ausbau eigenständiger Apfelwein- Spezialitäten sind einige der Lösungsansätze. Bei jungen Leuten will Stier bereits ein wieder stärkeres Interesse für die eigene Region festgestellt haben, quasi als Gegenpol zur weiter um sich greifenden Globalisierung aller Lebenswelten. Trotzdem hält auch beim Apfelwein der Zeitgeist Einzug: Heuer sind erstmals ein alkoholfreier Apfelwein und ein Gemisch mit Grapefruitsaft in trendigen Langhals-Flaschen auf den Markt gekommen.

 

Im Jahr 2010 erwarten die hessischen Apfelwein-Keltereien wieder ein gutes „Stöffche“. Die Apfelernte fällt zwar deutlich geringer aus. „Die Qualität der Äpfel ist aber in Ordnung“, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien, Martin Heil. Oechslegrad und Säureanteil stimmten. In Hessen werden nach Heils Angaben jährlich fast 40 Millionen Liter Apfelwein hergestellt, die Keltereien produzieren zudem etwa 20 Millionen Liter Apfelsaft. Die Früchte stammen von den Bäumen auf Streuobstwiesen. Heil schätzt, daß etwa vom Bodensee noch zugekauft werden muß, über die Preise könne noch nichts gesagt werden.

Die Saison läuft noch bis in den November hinein. Der Start vom 13. September weg sei zunächst etwas schleppend gewesen, schildert der Geschäftsführer der Kelterei Rapps in Karben (Wetteraukreis), Klaus- Dieter Kneip. „Die Natur ist dieses Jahr zwei bis drei Wochen zurück. Jetzt zieht es aber an.“ Auch er verspricht ein süffiges Getränk im gerippten Glas: „Über die Qualität der Äpfel kann man nicht meckern.“ Die Äpfel kommen zum größten Teil von Streuobstwiesen, meist aus dem Taunus, der Wetterau und dem Odenwald. Bevorzugt werden die traditionellen Sorten, die in diesen Gegenden wachsen. „Tafelobst können wir nicht gebrauchen“, sagt Heil. Schuld an der kleineren Ernte sei das Wetter. „Es gab ein Wechselbad zwischen Sonne und Regen. Da sind viele Äpfel verfault und runtergefallen.“ Dem Verband gehören rund 50 Keltereien an - das sind fast alle in Hessen. Ihr Gesamtumsatz liegt bei et-

was über 50 Millionen Euro jährlich. Eine Million Bäume auf Streuobstwiesen: „Das ist schon viel. Aber die werden relativ schlecht gepflegt und geerntet“, sagt Heil. „Es  tut einem schon ein bißchen in der Seele weh, wenn man durch die Landschaft fährt und sieht, daß ein Baum nicht geerntet ist.“ Sein Bruder Christof Heil - wie Martin Heil an der Spitze der Kelterei Heil in Laubuseschbach (Weilmünster) im Taunus - ergänzt: „Wenn irgend jemand noch etwas an den Bäumen hängen sieht - runterholen.“

Hier habe es in den vergangenen Jahren aber wieder eine erfreuliche Entwicklung gegeben. „Die Leute bauen wieder mehr Äpfel an“, sagt Martin Heil. „Es gibt eine jüngere Generation - Familienväter Anfang 40- der es nicht so sehr um das Finanzielle geht.“ Für Anfänger bietet die Kelterei Heil auch Schnittkurse an, damit die Leute wissen, wo sie ihre Bäume pflanzen und wie sie sie pflegen müssen. „Die bringen dann später stolz die ersten Äpfel.“ Die Keltereien hielten die Preise für angelieferte Ware konstant, egal, ob hinsichtlich der Erntemenge ein gutes oder schlechtes Jahr erwartet wird. Für 100 Kilo Äpfel gibt es zwischen sieben und zehn Euro.

Der Anteil von „Bio“ macht sich für den hessischen Markt kaum bemerkbar. „Bei den Hessen im Kopf ist Apfelwein sowieso Bio“, sagt Heil. Nur für den Verkauf außerhalb Hessens besitze das Bio-Siegel Zugkraft. Gerhard Nöll von der Frankfurter Kelterei Nöll ergänzt: „Das ist ja das Schöne, daß man beim Apfelwein mit Chemie nichts machen muß.“

Durchgesetzt habe sich auch alkoholfreier Apfelwein. „Hier sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden“, sagt Christof Heil. „Das läuft gut, vor allem im Sommer.“

 

Im August 2012 sagte Martin Heil, Vorsitzender des hessischen Apfelweinverbandes, in Frankfurt, ob die Preise stabil bleiben, sei aber noch nicht klar.  Rund 40 Millionen Liter keltert die kleine, auf das Rhein-Main-Gebiet konzentrierte Branche insgesamt pro Jahr, darunter auch die Keltereien in Maintal und Bruchköbel. Der Wert sei seit rund zehn Jahren stabil wie auch der hessische pro-Kopf-Verbrauch von sieben Litern im Jahr. „Da ist noch viel Luft nach oben“, sagte Heil. Zwar sei der Bier-Konsum von 100 Litern pro Bundesbürger und Jahr eine ganz andere Dimension, aber er gehe zurück.

Selbst die drei großen Kelterer - neben Heil noch Possmann und Rapps/Höhl - seien kleine Familienbetriebe. Insgesamt beschäftigen die rund 50 im Verband zusammengeschlossenen Keltereien nach Heils Angaben rund 400 Menschen.

Falls die Äpfel von den hessischen Streuobstwiesen nicht reichen, kaufen die Betriebe zu - aus den Anbaugebieten vom Bodensee oder dem Alten Land bei Hamburg und auch aus Polen. Äpfel aus Südeuropa eignen sich gar nicht. „Zu süß, zu weich, das gibt keinen Saft“, erklärte Heil. Unverzichtbar für den hessischen Apfelwein sei Säure.

Hessens Apfelbauern erwarten in diesem Jahr gut ein Drittel weniger Ertrag als üblich. „Wir rechnen derzeit mit 30 bis 40 Prozent Ausfall bei der Apfelernte“, sagte Berthold Heil vom Landesverband für Erwerbsobstbau der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem der Frost im Frühjahr habe gravierende Schäden an den Obstblüten verursacht.

Die regionalen Obstbauern, ob im Altkreis Hanau oder in Gelnhausen, haben 2012 mit den Witterungsverhältnissen der letzten Monate zu kämpfen. Sie sind mit der Entwicklung ihrer Früchte nicht zufrieden. „Wir haben in diesem Jahr mehrere Probleme“, erklärt Andreas Zeiller, Vorsitzender des Kreisverbands Hanau zur Pflege des Obstbaus und der Garten- und Landschaftspflege.

„Zum einen war für uns der Frost mitten im April sehr schlecht. Da sind viele Blüten erfroren.“ Nur wer mit seinen Bäumen später dran war, hatte noch Glück. Das frostige, naßkalte Wetter, hielt nach Angaben Zeillers außerdem die zur Bestäubung notwendigen Honigbienen in Schach - schließlich werden die fleißigen Insekten erst ab 15 bis 20 Grad aktiv. „Deswegen sind nicht nur Apfelbäume, sondern auch Zwetschgen oder Kirschen betroffen.“ Diese Probleme sind auch dem Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins 1874 Gelnhausen, Karl-Heinz Schröder, bekannt.

Jedoch gebe es weitere Schwierigkeiten, der sich dieses Jahr die Bauern - zumindest in Gelnhausen - konfrontiert sehen, meint er. So sei die schlechte Ernte im Bereich des Steinobstes ein ungünstiger Umstand: Das Ausbleiben etwa von Sauerkirschen sorge für eine Nahrungsknappheit bei den Singvögeln. Deswegen stürzten sich die gefiederten Tiere auf die ohnehin wenigen Äpfel der Obstbauern und vernichteten einen Teil der Ernte.

Außerdem bringt die Feuchtigkeit und Nässe seine Tücken mit sich: Nicht nur Apfelbäume werden von Schorf befallen, einer Pilzkrankheit, die sich in der Qualität der Früchte niederschlägt. Sowohl Schröder in Gelnhausen als auch Zeiller in Hanau können davon ein Lied singen. „Der Anteil fauler Früchte ist dadurch viel höher“, erklärt Zeiller. Schröder merkt an: „Dieses Problem gab es vor 40 bis 50 Jahren noch nicht.“ Die Ursachen vermutet er in der Industrialisierung und geänderten Umweltbedingungen. Mittlerweile werden bereits Apfelbaumsorten gezüchtet, die gegen den Schorfbefall resistent zu sein scheinen. Es bleibt abzuwarten, ob es sich um eine dauerhafte Immunität handelt.

Für den regionalen Obstanbau bedeuten all diese Probleme gravierende Mängel in der Ernte. Dies hat auch zur Folge, daß der heimische Bestand kaum noch ausreicht, um das Heimatland des Äpplers mit ausreichend Rohstoffen für das hessische Nationalgetränk zu versorgen. Immer mehr Äpfel aus anderen Regionen oder dem Ausland müssen importiert und der regionale Verkauf gedrosselt werden. Dabei kann das heimische Obst vor allem durch seine Frische und Naturbelassenheit punkten. Außerdem: Da die Bauern heutzutage statt auf Streuobstwiesen mit Hanglage vor allem auf niedrigwachsende Bäume setzen, wird auch die Winterspritzung zur Bekämpfung von Schädlingen unter der Borke hinfällig, wodurch die Früchte frei von Chemikalien bleiben.

Durch den vorherrschenden Konkurrenzkampf mit Schädlingen, Witterungsverhältnissen und Umwelteinflüssen können die Obstbauern in der Region dieses Jahr nur einen Bruchteil des Ertrags des letzten Jahres einfahren. Karl-Heinz Schröder spricht von rund 25 Prozent, Andreas Zeiller will sich nicht festlegen: „Insgesamt ist die Ernte zwar schlecht, aber sie kann regional ziemlich unterschiedlich ausfallen. Während es in Nidderau-Eichen nur sehr wenig Äpfel gibt, ist die Lage in SchöneckKilianstädten ganz gut“. Dort ist der Erste Vorsitzende des 24 Ortsvereine und über 3000 Mitglieder starken Kreisverbands als Obstbauer engagiert.

Daß die Ernte in diesem Jahr ziemlich mager aussehe, ist laut Zeiller nichts allzu Ungewöhnliches: „Viele Apfelbäume unterliegen ohnehin einem normalen Rhythmus. Dabei gibt es regelmäßig schlechte Jahre. Wenn das Wetter einem keinen Strich durch die Rechnung macht, wird dafür das Jahr danach meistens unheimlich gut.“ Durch die schwache Ernte fließt viel Energie der Bäume in neue Triebe. So sind Frucht- und Blütenansatz für das kommende Jahr schon sehr vielversprechend. Die Obstbauern in der Region bereiten die Bäume bereits durch Korrekturschnitte vor, um einem Ungleichgewicht und Schäden der Apfelbäume vorzubeugen.

 

 

 

Werbung für den Apfelwein

 

 

Landschaftspflegeverband Main-Kinzig

Der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis e.V. wurde 1992 gegründet und ist ein freiwilliger Zusammenschluß von Landwirten, Kommunalpolitikern und Naturschützern.  Sein Vorstand ist aus diesen gesellschaftlichen Gruppen drittelparitätisch und gleichberechtigt besetzt. Das Bündnis bietet einen erfolgversprechenden Weg zur praktischen Umsetzung naturschutzfachlicher Planungen und umwelt­verträglicher Landnutzung

 

Aufgaben des LPV:

Naturschutzprojekte werden auf freiwilliger Basis gemeinsam von Landwirtschaft, Kommunalpolitik und Naturschützern durchgeführt.

  • Der LPV berät sowohl Landwirte als auch zuständige Ämter in Sachen Naturschutz und Landschaftspflege
  • Der LPV hilft Ausgleichsmaßnahmen möglichst schnell und effektiv durchzuführen.
  • Der LPV unterstützt Naturschützer bei der Beschaffung von Finanzen und ...der LPV regt Projekte zur Selbsthilfe und Vermarktung an: z.B. für Apfelwein und Lammfleisch.

 

Projekte des LPV:

  • Pflanzung von Hecken und Feldgehölzen (auch als Biotopverbundsysteme)
  • Anlage von Feuchtbiotopen und  „Trittsteinen“' für die Amphiebienwelt.
  • Erhalt von wertvollem Gründland durch Abschluß von Pflegeverträgen
  • Pflege und Neuanlage von Streuobstwiesen
  • Erhaltung wertvoller Halbtrockenrasen und Borstgrasrasen
  • Hilfe bei der Direktvermarktung von naturschutzfreundlichen Produkten aus der Region.

 

Für die nachhaltige Sicherung der durchgeführten Naturschutz­maßnahmen müssen neue Wege unabhängig vom staatlichen „Geld‑Tropf“ gesucht werden, die auf eine Eingliederung in einen Wirtschaftskreislauf abzielen. Kontaktadresse ist: Vorsitzender ist Dr. Karl‑Heinz Schreiber, früherer Erster Stadtrat von Maintal. Geschäftsführerin Barbara Fiselius, Barbarossastraße 20, 63571 Gelnhausen, Tel: 06051 - 854263, Fax: 06051- 854399.

 

Der Verband hatte zunächst dreizehn Mitglieder. Vorsitzender Schreiber rechnete damit, daß sich bis Ende 1993 die Hälfte der Main‑Kinzig­-Kommunen an den Landschaftspflegeverband angeschlossen hat. Der Kreisverband der Obst‑ und Gartenbauvereine im Altkreis Hanau trage sich ebenfalls mit dem Gedanken einer Mitgliedschaft. Im geschäftsführenden Vorstand sitzen außer ihm noch Kreislandwirt Friedhelm Schneider und Karl Raab als Vertreter der Naturschutzverbände. Alle sechzehn Monate wechselt der Vorsitz. Zu Anfang befürchtete man, der Vorstand sei durch das Vetorecht aller drei Interessengruppen nicht entscheidungsfähig. Doch die Praxis zeigte, daß es sehr wohl möglich sei, alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen. Nach einem Jahr Laufzeit hatte sich der Verband so weit konsolidiert, daß ab März 1993 eine ABM‑Kraft eingestellt wird, die Vorschläge prüfen, Projekte organisieren und be­gleiten soll.

 

Für Naturliebhaber und ökologisch Interessierte ist dies nicht nur eine beliebige Freizeitbeschäftigung, sondern eine, die aus Überzeugung und mit Liebe verfolgt wird. Um dieser Passion frönen zu können, haben sich Bürger in Arbeitskreisen organisiert. die dem LPV angegliedert sind. Die verschiedenen Themenschwerpunkte und Aktivitäten werden von der Geschäftsstelle des LPV in Gelnhausen kanalisiert und organisiert, namentlich von der Geschäftsführerin Barbara Fiselius, die nach Kräften von ihren Mitarbeiterinnen Manuela Gebhardt und Lenny Wagner sowie der Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit, Sabine Dänner, unterstützt wird.

Dabei geht es dem LPV aber nicht nur um die Interessen von Einzel- oder Privatpersonen. Vielmehr steht er sowohl den Städten und Gemeinden als auch den Neben- und Vollerwerbslandwirten als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung, wenn es um eine Ausgleichsmaßnahme geht oder um den Erwerb von Ökopunkten. Der LPV bietet fachlich geprüfte Vorschläge an sowie die Abwicklung und Betreuung der Maßnahme. Der LPV setzt sich außerdem für die Sicherung der langfristigen Pflege ein, um die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu sichern.

Der Landschaftspflegeverband bietet außerdem eine umfassende Beratung rund um Themen der Biotoppflege, besonders der Streuobstwiesen an. Dazu gehört auch die praktische Organisation von Pflege oder Neuanlage. Gerne unterstützt der  LPV auch Bürger bei der Gründung eines hauptsächlich ehrenamtlich getragenen Streuobst-Arbeitskreises.

Ein Streuobstprojekt aufzubauen bedeute viel Arbeit. Die Mitwirkung bei Projekt ist für private Grundstückseigentümer freiwillig und kostenfrei. Die Sanierungswürdigkeit eines Streuobstbestandes wird fachlich geprüft. Der LPV sucht dann einen Finanzier für die Durchführung der nötigen Maßnahmen. Zuletzt werden geeignete Partner für die Durchführung gefunden, welche vom LPV betreut wird. Die Grundstückseigentümer müssen lediglich die weitere Pflege der Streuobstwiese sicherstellen.

Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, arbeitet der LPV mit Naturschützern, Landwirten und Kommunalpolitikern zusammen. Intention ist, Streuobstwiesen verstärkt in das Interesse der Öffentlichkeit zu rücken. Die Aktivitäten in diesem Bemühen sehr zahlreich. So werden beispielsweise Kurse angeboten zu den Themen Neupflanzung, Schnitt hochstämmiger Obstbäume, Baumgesundheit und Sommerriss, Veredelung, Schnitt von Beerensträucher, Gehölzpflege für Bauhofmitarbeiter sowie  Schnittkurse speziell für Frauen, Arbeit kreise werden betreut und Grundstückseigentümer können Unterstützung bei ihren „Problembäumen“ bekommen. Maßgeschneiderte Fortbildungen runden die Angebotspalette ab.

Mit dem Wandel der Lebensverhältnisse hat sich auch das Verhältnis zu heimischem Obst verändert. Der Verzehr von naturnah Produziertem und damit Hochwertigem und - wenn man es kaufen muss Teurem - steht vielerorts immer noch in dem Verdacht, nur etwas für eine kleine Gruppe von Menschen zu sein.

Dabei sind die Beschäftigung im Freie und an der frischen Luft, Aktivitäten in unserer Kulturlandschaft und rund um den Erhalt von Streuobstbeständen doch auch wieder in das Gesichtsfeld der Verbraucher gerückt. Dass sich diese Entwicklung fortsetzt und immer mehr Menschen an die Wurzeln ihrer natürlichen Versorgung zurückführt, gehört zu den Zielen des Landschaftspflegeverbandes. Die Geschäftstelle ist in Gelnhausen, Zum Wartturm 11-13, Telefon 06051/8 34 30.

 

Kreislandwirt Schneider beschreibt den Landschaftspflegeverband als „Agentur zur Förderung des freiwilligen Natur­schutzes“. Er organisiert und koordiniert die Ver­wendung von öffentlichen Naturschutzmitteln und Ausgleichsgeldern, die beispielsweise von Bauher­ren zu zahlen sind, wenn Natur zerstört wird und der Verlust nicht ausgeglichen werden kann. Ein Topf von stolzen siebzehn Millionen Mark steht zur Verfügung. Der Landschaftspflegeverband macht Vorschläge für die Verwendung der Gelder. Die Aufgaben des Landschaftspflegeverbandes reichen vom Erstellen einer Pflegekonzeption über das Sammeln von Projekt­vorschlägen bis hin zur Vermittlung der Arbeit ‑ beispielsweise an die Landwirte, die sich durch landschaftspflegerische Maßnahmen ein Zubrot ver­dienen können.

 

Im Jahre 1993 beantragte der Land­schaftspflegeverband beim Land 700.000 Mark, es wurden 183.000 Mark bewilligt. Bischofsheimer Hang und Weidenkaute sollten zuerst geschützt werden, um diese für die Region so typischen Biotope zu erhalten. Eine Reihe von Projekten wurden im ersten Jahr des Bestehens beschlossen, teilweise werden sie bereits realisiert ‑ übrigens nicht nur in den Mitgliedsge­meinden. Ein größeres Projekt ist die Anlage eines Feuchtbiotops in Hasselroth, mit der im Frühjahr begonnen wird.

Im Herbst 1993 sollen 1.322 Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen „grundsaniert“ werden. Dabei werden alte Obstbäume von Verwachsungen befreit, um zu verhindern, daß sie unter der Last ihrer Aste zusammenbrechen. „An sich ist das die Aufgabe des Eigentümers“, erklärte Vorsitzender Schreiber der Presse, denn die Streuobstflä­chen sind größtenteils in privatem Besitz. Die Eigentümer haben bereits vor einiger Zeit ihr Ein­verständnis für den aufwendigen Baumschnitt er­teilt. Den Anfang machen der Bischofsheimer Hang, der nördliche Apfelgrund und die Weiden­kaute. Hier sollen im Herbst auch rund 180 junge hochstäm­mige Obstbäume angepflanzt werden.

 

Die Maintaler Umweltberaterin Angela Theu­rich empfahl jenen, die sich nicht mehr in der Lage sehen, die Bäume alleine zu pflegen, das Gelände an naturinteressierte Bürgerinnen und Bürger zu verpachten. Wer an einem solchen Pachtvertrag interessiert ist, sollte sich bei ihr melden. Sie ist bereit, zwischen Pachtwilligen und Eigentümern zu vermit­teln.

Wer eine Streuobstwiese in seine Obhut nimmt, sollte die Fläche mindestens einmal im Jahr mähen um einen Wildwuchs von Büschen zu vermeiden­. Des weiteren müssen unerwünschte Triebe zurückgeschnitten werden; so soll ein erneutes Verwachsen des Baumes vermieden werden. „Interessant für die Eigentümer der Streuobstbestände oder auch ihre Pächter ist die Pflege aber nicht nur aus Gründen des Naturschutzes“, betont Angela Theurich. Vielmehr könne Ernte und Verkauf des Obstes durch rentabel werden.

 

Im Jahr 1994 wurden in Maintal 1.048 Bäume geschnitten und 1.079 Bäume auf etwa 110 Hektar gepflanzt. Weitere Projekte waren die Heckenpflege und Neuanpflanzungsprojekte in Steinau‑ Seidenroth und Kirchbracht. Außerdem kümmerte sich der Landschaftspflegeverband um zwei größere Feuchtbiotope. Aber auch in Neuberg und Ahlerbach ging es um wertvolle Biotope.

Vor allem in Maintal sollen die Maßnahmen an den Streuobstwiesen fortgesetzt werden.

Durch die Herstellung eines besonderen Apfelweines könnte das Projekt der Pflegemaß­nahmen der Streuobstwiesen wieder in den Wirt­schaftkreislauf integriert werden und noch mehr an Bedeutung gewinnen.                    

 

Im Herbst 1995 sollen 1.322 Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen „grundsaniert“ werden. Dabei werden alte Obstbäume Verwachsungen befreit, um zu verhindern, daß sie unter der Last ihrer Äste zusammenbrechen. Den Anfang machen der Bischofsheimer Hang, der nördliche Apfelgrund und die Weidenkaute. Hier sollen im Herbst auch rund 180 junge hochstäm­mige Obstbäume angepflanzt werden.

 

Im Winter 1996 konnten in den Städten und Gemeinden Maintal, Nidderau, Neuberg, Gelnhausen und Schlüchtern insgesamt fast 2.000 hochstämmige Obstbäume gepflegt werden. Etwa 70 Bäume wurden nachgepflanzt, weitere 600 Neupflanzungen sind für den kommenden Herbst geplant. Alle Maßnahmen sind für die Grundstückseigentümer kostenfrei. Mindestens vier bis sechs Jahre lang werden die verjüngten Bäume nachgeschnitten. Rechtzeitig vor Beginn der Frühjahrsblüte sind die Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen durch fachgerechte Schnitte verjüngt worden.

 

Für die Pflege und Erhaltung der Maintaler Streuobstwiesen in Bischofsheim und am Distelberg  investiert der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis e.V. im Jahr 1996     330.00 Mark. Auch andere Großprojekte im Kreis werden noch bezuschußt, wie Erhard Reul vom geschäftsführenden Vorstand bei der Jahreshauptversammlung in Nidderau mitteilte. Anläßlich der geplanten Streuobstsanierung am Nidderauer Ohlenberg wurde die diesjährige Mitgliederversammlung des Landschaftspflegeverbandes auch dort abgehalten. Gleichwohl fließt die mit Abstand größte Summe in Maintaler Streuobst‑Projekte. Der Verband will die Maßnahmen „in bedeutenden Streuobstbereichen im Verbund angehen,“ erläuterte Vorstandsmitglied Reul weiter.

Um das Thema Streuobst drehten sich auch die übrigen Vorträge bei der Jahreshauptversammlung. So referierte Fritz Dänner über die Ökologie der Streuobstwiesen, die nicht nur Pflanzen‑ und Tierweit beträfen, sondern auch den Menschen direkt in ihrer Ästhetik und  ihrem Erholungswert ansprächen, wie er mit stimmungsvollen Bildern belegen konnte.            

Eckhard Engert vom Hessischen Landesamt für Regionalentwicklung und Landwirtschaft betonte dabei die Vielfalt der Wege, die zum dauerhaften Erhalt dieses Kultbiotops möglich und gangbar seien. Das Aufpreismodell Jörg Stiers soll leichter gemacht werden durch die Grundsanierung, die der Landschaftspflegeverband machen läßt. Das ehrenamtliche Engagement ist neben der kommerziellen Vermarktung ein wesentlicher Faktor, um die Ziele erreichen zu können.

Heinz Grotemeyer vom Kreisverband zur Förderung des Obstbaus, der Garten‑ und Landschaftspflege, berichtete ausführlich und mit anschaulichen Bei­spielen über alte einheimische hochstämmige Apfel‑ und Birnensorten sowie über die richtige Pflege solcher Bäume.

In der vorgeschalteten Mitgliederversammlung wurde der alte Vorstand im wesentlichen bestätigt. Für die Kommunalpolitik sind die nächsten vier Jahre im Amt: Bürgermeister Uwe Hofmann aus Neuberg (1. Vorsitzender), Kreisbeigeordneter Erich Pipa, Bürgermeister Falko Fritsch, Schlüch­tern, Bürgermeister Hans‑Joachim Knobeloch, Steinau, Erster Stadtrat Karl‑Heinz Kunkel, Geln­hausen. Für die Landwirtschaft wurden gewählt: Erhard Reul, Gerhard Giebisch, Alfred Hau, Karl König, Volker Schecke, zusätzlich noch als Forst­sachverständige Otto Klüber und Heinrich Heil­mann. Der Naturschutz entsandte in den Vorstand: Karl Raab, Matthias Schlote, Fritz Dänner, Bodo Delhey, Werner Peter.

 

Speziell mit den Maintaler Streuobstbeständen hat sich in einer Dauerbeobachtung eine Wissenschaftlergruppe der Universität unter Leitung von Professorin Dr. Dr.‑Annette Otte beschäftigt, wurde auf der Jahreshauptversammlung im Mai 1997 mitgeteilt. Das positive Ergebnis dieser Forschungsarbeit: Die mit hohem finanziellen Mittel­einsatz durchgeführten  Pflegemaßnahmen, also Baumschnitte und Nachpflanzungen, haben in den Wiesen bei Maintal entscheidend dazu beigetragen, einen frühzeitigen Zusammenbruch vieler Bestände zu unterbinden und die einseitige, zur Vergreisung tendierende Altersstruktur der Obstbäume zu verbessern.

Man finde heute in den Maintaler Streuobstwiesen wieder großflächig Salbei‑ Glatthaferwiesen, eine Seltenheit in der südlichen Wetterau. Daß es hier wieder 30 Brutpaare des Steinkauzes gebe, sei re­gelrecht spektakulär. Alle bisherigen Erfolge mein­ten die Gießener Wissenschaftler, könnten jedoch nicht darüber hinweg täuschen, daß auch künftig erhebliche Anstrengungen bei den Baumpflanzungen und Pflegearbeiten unternommen werden müßten. Zu sichern sei die für die Streuobstwiesen typische landwirtschaftliche Nutzung des Grünun­terwuchses.

Auf die Nutzung der Streuobstwiesen ging auch Diplom‑Agraringenieurin Franziska Werthmann vom Landschaftspflegeverband ein. Es gehe nicht an, wenn in Apfelweinkeltereien polnisches oder französisches Konzentrat verarbeitet werde, wäh­rend gleichzeitig die Äpfel aus den heimischen Beständen vergammeln. Die Nutzung gehöre ebenso zum gesamtheitlichen Konzept des Landschaftspflegeverbandes wie Neupflanzungen und Baumschnitte.

Zwischen 1951 und 1986 seien im Kreisgebiet durch zunehmende Besiedlung und Rodungsmaßnahmen auf EG‑Initiative rund 80 Prozent der Streuobstbestände vernichtet worden. Dem steuere man nun entgegen unter anderem durch konkrete Projekte des Landschaftspflegeverbandes, wie sie derzeit beispielsweise am Maintaler Distelberg, am Ohlenberg in Nidderau, in Hailer, Neuberg und im Bergwinkel durchgeführt würden.

Alleine im vergangenen Winter hätten 2.000 Bäume einen Verjüngungsschnitt erhalten und seien 200 Bäume nachgepflanzt worden; weitere 600 sollen in diesem Herbst neu eingebracht werden. Hervorgehoben wurde von Franziska Werthmann in diesem Zusammenhang auch die Zusammenarbeit des Landschaftspflegeverbandes mit den Kel­tereien sowie die Gründung eines Streuobst‑Ar­beitskreises in den Schwerpunktgebieten.

Auf die ökonomische Bedeutung der für den Main‑Kinzig‑Kreis typischen Streuobstwiesen ging Hessens Wirtschaftsminister Lothar Klemm ein. Die Streuobstwiesen seien unverzichtbarer Teil des im Entstehen begriffenen Regionalparks Rhein‑Main­. „Die Polyzentralität des Rhein‑Main‑ Gebietes ist ein wesentlicher Faktor für den hohen Lebenswert in der Region und eröffnet gleichzeitig wirtschaftli­che Perspektiven“, sagte der Minister. Die Kulturlandschaft sei wichtiger Erholungsraum und deshalb auch ein mitentscheidender Punkt bei der Nutzung neuer Wirtschaftsstandorte. Die Er­haltung der Landschaft, damit der ökologische As­pekt, gehe somit mit dem wirtschaftlichen Interesse Hand in Hand. Klemm forderte dazu auf, über Naturschutzmaßnahmen das Typische der Landschaft , wie beispielsweise bei den Streuobstwiesen zu erhalten: „Wir müssen hier unterscheidbar von den anderen Anbietern sein.“

Einen Appell an die Politiker richtet der stellvertretende Vor­sitzende des Kreisbauernverbandes Main‑Kinzig, Bruno Wörner aus Erlensee. Er warnte vor übertrie­benen Maßnahmen und bezeichnete in Sachen Streuobstwiesen einen „behördlich verordneten Naturschutz.“ über die Köpfe der Landwirte hinweg als schädlich. Es gelte mit Hilfe der Bauern die Kulturlandschaft auf Dauer offen zu halten und damit natürliche Lebensgrundlagen zu bewahren.

 

Im Jahr 1998 befan­den sich mehr als 5.000 Obstbäume in der Obhut des Landschaftspfle­geverband, und viele Lücken in den alten Beständen konnten durch Neuan­pflanzungen mit robusten Obstsorten wie­der geschlossen werden. Neben der Ausweitung bestehender Projekte wie etwa in Maintal‑ Bischofs­heim, Maintal‑Hochstadt, Neuberg, Nid­derau, Gelnhausen oder Schlüchtern wur­den diesen Winter erstmalig auch Streu­obstflächen in Schöneck‑ Kilianstädten, Hanau‑ Mittelbuchen, Erlensee und Sinn­tal in größerem Umfang bearbeitet. In der Summe, so erklärt der Verband nicht oh­ne Stolz, wurden mehr als 1.000 Bäume grundsaniert und über 600 neue Obst­bäume gepflanzt.

 

Im Jahr 1999 unterstützte die Flughafen AG (FAG) Frankfurt bereits zum zweiten Ma­le die Pflege der Main­taler Streuobstwiesen. Früher wurden vor allem Mittel der Ausgleichs­abgabe für Landschaftspflegemaßnahmen genutzt. Seit einer gesetzli­chen Änderung ab Januar 1998 stehen diese Mittel nur noch zu einem geringen Teil zur Verfügung. Deshalb sprang die FAG ein. Anfang Mai 1999 wurde ein Scheck in Höhe von 60.000 Mark überge­ben (10.000 Mark werden für die Errich­tung von Hinweisschildern zum Streu­obstwiesenschutz, 50.000 DM für weitere Maßnah­men).

Im Jahr 1998 wurden durch die FAG insgesamt wur­den rund 100 Bäume gepflanzt, 63 wert­volle Obstriesen erführen einen Sanie­rungsschnitt. Zusätzlich wurde mit den Mitteln die Ausbreitung der Feuerbrand-­Krankheit an Obstgehölzen eingedämmt. Hans‑Georg Michael, Arbeitsdirektor und Mitglied des FAG‑Vorstandes, zeigte sich beeindruckt von den bisherigen Lei­stungen und stellte fest: „Pflege und Er­halt der wertvollen Biotope und des Er­holungsraums in unmittelbarer Nach­barschaft zur Metropole Frankfurt sind die vorrangigen Ziele unseres. Umwelt­fonds. Die Mittel sind hier gut angelegt.“ Er stellte auch die weitere großzügige Unterstützung des Projektes noch für dieses Jahr in Aussicht.

 

Die Gelnhäuser Kaiserpfalzrui­ne bildete im November 1999 die exklusive Kulisse für ein erstes Apfelfest des Landschaftspflegeverbandes. Die Gäste in der Bar­barossa‑Burg konnten nicht nur selbst an einer kleinen Presse versuchsweise frischen Ap­felsaft herstellen, sondern durften auch professionell erzeugte Apfelweinspeziali­täten des Maintaler Kelterers Jörg Stier verkosten. Dazu gab es Apfelkuchen und Apfelmus zu frischen Kartoffelpuffern.

Als Objekt künstlerischer Bemühungen war der Apfel in den Aquarellen des Berli­ner Künstlers Andreas Schiller präsent. Kurzweil boten zusätzlich die historisch gewandeten Kämpen vom Verein „Freie Ritterschaft Gelnhausen“, die ein ums an­dere Mal in Händel gerieten und die Klin­gen kreuzten.

Das Fest war auch der offizielle Auftakt für ein Patenschaftsprojekt, das den Streuobstwiesen das Überleben sichern soll. Das System wird zunächst nur in der Stadt Gelnhausen angeboten, an deren Hängen in den vergangenen Jahren viele alte Obstbäume mangels Pflege verkom­men sind. Der Pflegeverband hat selbst die Pflege von über 10.000 Obstbäumen im Kreis übernommen, stößt damit aber an seine Grenzen. Deshalb entwickelten die Mitarbeiter das Patenmodell. Es sieht vor, daß Baumbesitzer, also Stadt oder auch private Grundstückseigentümer, die selbst ihre Streuobstwiesen nicht bewirt­schaften können oder wollen, mit „Baumpaten“ zusammengebracht werden, die Spaß an der Baumpflege und Ernte ha­ben.

Die Paten verpflichten sich vertraglich, die Bäume nach den Empfehlungen des Verbandes zu pflegen und auch die Wiese unter den Baumkronen regelmäßig zu mähen. Als Gegenleistung gehört ihnen die Ernte. Im Gegensatz zur sonst übli­chen Pacht größerer Streuobstflächen bie­tet dieses Modell die Möglichkeit, auch nur für einzelne Bäume die Patenschaft zu übernehmen. Es soll sogar versucht werden. den Paten die gewünschte Apfel­sorte zu vermitteln. Laut Schlünder müssen Patenschaftsin­teressenten nicht befürchten, daß sie der Aufgabe mangels Fachkenntnis nicht ge­wachsen sein könnten. Eine Broschüre des Verbandes gebe Hinweise zum Schnitt der Obstbäume. Auch ein Kurs sei in Pla­nung. Mitarbeiter des Verbandes stünden jederzeit als Berater zur Verfügung und würden bei schwierigeren Arbeiten auch selbst Hand anlegen. Darüber hinaus gel­te: „Ein weniger guter Schnitt ist mei­stens immer noch besser als gar keiner.“ Wer Baumpate werden will. erfährt Nähe­res unter Telefon 060 51 /85 42 63.

Ein weiteres Extra für Apfelfreunde bietet der Pflegeverband am kommenden Sonntag zum Schelmenmarkt in Gelnhausen. Ein Pomologe hält von 10 bis 16 Uhr Sprechstunde in der „Stattgalerie“ in der Schmidtgasse. Der Apfelkundler bie­tet kostenlos die Bestimmung von Apfelsorten an. Laut Schlünder ist bei vielen Streuobstbäumen nicht bekannt, welche Sorte sie tragen. Um Aufschluß zu erhal­ten, sollen Baumbesitzer möglichst drei gut entwickelte Früchte des fraglichen Baumes mitbringen.

 

Im April 2000 stellte der Landschaftspfle­geverband des Main‑Kinzig‑Kreises der Öffentlichkeit seine neue Broschüre „Apfel­blätter“ vor. Rund um das Thema „Streu­obst“ enthält das Büchlein eine bunte Mischung aus fachlichen Informa­tionen, praktischen Tips und unterhaltsa­men Geschichten und Anekdoten.

 

 

 

Pomologen-Verein

Der Begriff „Pomologe“ stammt ursprünglich von der Pomona, der römischen Göttin des Obstsegens. Ihr Name leitet sich von dem lateinischen Wort „pomum“ (Baumfrucht, Obstfrucht) ab. Das römische Erntedankfest trug den Namen der Göttin Pomona und wurde im Herbst gefeiert. Die Römer führten dieses Fest sogar in Irland und Großbritannien ein, wo es zusammen mit dem keltischen Fest Samhain gefeiert wurde und später von den Christen um 835 zu Halloween gemacht wurde.

Die Pomologie ist demnach die Lehre von den Obstarten und -sorten, deren Bestimmung und systematischen Einteilung. Erste pomologische Schriften wurden im 18. Jahrhundert verfasst. Im 19. Jahrhundert entstanden mit der Zunahme des Interesses an der Züchtung neuer Sorten viele umfangreiche Bücher, darunter einige reich bebilderte, kunstvolle Werke. Zentren der pomologischen Forschung waren vor allem Deutschland und Frankreich. Die Autoren (die Pomologen) beschrieben die Obstsorten meist nicht nur, sondern züchteten selbst, beschäftigten sich mit der Verbesserung und Auswahl, widmeten einen großen Teil ihrer Zeit der Systematik und Namensgebung.

Der Pomologen‑Verein e.V. wurde 1991 in der Tradition des Deutschen Pomnologenvereins (1860‑1919) im besten europäischen Gedanken gegründet und hat neben den Mitgliedern in Deutschland Förderer und Interessenten in den europäischen Nachbarländern,

 

Aus dem Arbeitsprogramm:

- Sammeln und Bestimmen von alten Obstsorten

- Anlage von Sortengärten zu ihrer Erhaltung

- Durchführen von Obstausstellungen

- Erarbeitung von Sortenempfehlungen nach regionalen Standortanforderungen

- Beratung bei Neuanpflanzung und Sortenwahl

- Erprobung neuer Sorten für den extensiven Hochstamm‑Anbau

- Erstellen eines zentralen Sortenregisters zum Schutz der bedrohten Genreserve

- Unterstützung des Liebhaber‑ und des landschaftsprägenden Streuobstbaus

 

Der Pomologen‑Verein gibt einmal im Jahr sein Jahresheft heraus. Aus dem Inhalt: Regionale Obstsortenkunde, Bezugsquellen für alte Obstsorten. Sortenbeschreibungen. Literatur zum Thema. Pomologie in den Nachbarländern. Pomologie und Naturschutz, u.a. mehr. Austausch und Zusammenarbeit mit Pomologen‑Vereinen in Belgien, Frankreich. England, Niederlande. Österreich und Schweiz und mit anderen Vereinen und Initiativen, die den Erhalt der biologischen Vielfalt zum Ziel haben. Hrsg. Pomologen‑Verein e.V., Geschäftsstelle: c/o Wilfried Müller, Brünlasberg 52, 08280 Aue / Sachsen

 

Ein „Pomologe“ heißt außerhalb des Fremdwörterbuches „Obstsortenkundler“ und ist, im Gegensatz zu seinen Studien­objekten. ziemlich rar. 380 Mitglieder zählt der Pomologen‑Verein deutschland­weit. Der Vorsitzende Norbert Clement lebt in Hohe Leuchte 20, 35037 Marburg.

Die „Schöne von Miltenberg“ liegt Norbert Clement aus Marburg besonders am Herzen. Seit drei Jahren sucht er fieberhaft nach ihr. Einmal begegnete er ihr im vergangenen Oktober. Sie hing an einem Baum in der Rhön. Mit glänzend roten Backen auf gelber Haut ist sie eine beson­ders aromatische, uralte Apfelsorte, die schon vor 200 Jahren in den Garten‑Büchern des „Ap­felpfarrers“ Johann Ludwig Christ aus Kronberg erwähnt wurde.

Der Agraringenieur Clement, Vorsitzender des Pomologen‑Vereins aus dem sächsischen Aue, weiß: Die alten Apfelsorten mit Namen wie „Hochzeitsapfel“, „Korbacher Schmierläpp­chen“, „Odenwälder Krummstiel“ oder Roter Eiserapfel“ sind den Supermarkt‑Früchten wie „Granny Smith“ oder „Golden Delicious“ haus­hoch überlegen. Sie schmeckten nicht nur besser, sie seien auch meist viel resistenter gegen Krankheiten und müßten deshalb nicht etliche Male im Jahr gegen Krankheiten und Schädlin­ge mit der chemischen Keule behandelt wer

Wer kennt sie noch, die alten Sorten? Fast unmerklich verschwinden seit Jahrzehnten die hochstämmigen Obstbäume aus den Gärten. von den Wegrändern und Wiesen unserer heimischen Landschaft. Und mit ihnen verschwinden viele der alten Sorten, die von unseren Vorfahren während vieler Jahrhunderte gesammelt,  sorgsam gehütet und vermehrt worden waren.

Fortschreitende Spezialisierung auf wenige Standardsorten, verbunden mit der Entwicklung vom langlebigen Hochstamm‑Baum zum kurzlebigen Busch‑ oder Spindelbaum, das Verschwinden selbstangebauten Obstes vom Speisezettel als Folge des Angebotes „vereinheitlichter“ Supermarkt‑Früchte und gezielte politische Maßnahmen wie Abholzungsprämien, bewirken eine Generosion nie gekannten Ausmaßes.

Einige der alten Sorten sind uns nur noch aus Beschreibungen und aus Erzählungen unserer Eltern und Großeltern bekannt. Viele haben sich inzwischen still verabschiedet. Mit ihnen sind wertvolle Eigenschaften ( z.B. Krankheitsresistenzen) unwiederbringlich verlorengegangen.

Landauf, landab tönen aus den Gartenämtern Appelle, man möge bei Neuanpflanzungen in Grünanlagen oder im Garten auf „einheimische Sorten“ zu­rückgreifen. Ähnlich klingen Argumente bezüglich des Anbaus von heimischen Obstbäumen. Offenbar entwickelt sich ein Bewußtsein, das sich im eingeschränkten Maße am gleichen Leitbild orientiert wie der Denkmalschutz: Das, was früher war, zu erhalten.

„Mit unserer Arbeit bemühen wir uns um die Bewahrung von Kulturgütern“, umreißt Norbert Clement den Rahmen, in dem der Verein, dem er seit 1995 vorsitzt, seiner Meinung nach tätig ist: Pomologen­verein e.V. Dessen Logo zeigt den Quer­schnitt eines Apfels. Natürlich denkt je­der, der „Pomologe“ hört, an Äpfel. Doch das Gebiet der Pomologie erstreckt sich auf einen ganzen Obstsalat aus Kern‑, Stein‑ und Beerenfrüchten (mit Ausnah­me der Erdbeeren).

Der Verein gründete sich 1991 „in der Tradition des Deutschen Pomologenver­eins“. Den gab es von 1860 bis 1919, dann war die populäre Phase der Pomologie ‑ die zweite Hälfte des vorigen Jahrhun­derts ‑ endgültig vorbei, erzählt Cle­ment. Damals habe man „Vielfalt ge­schätzt und sie gefördert“, Pomologien (in etwa: Obstfibeln) aus jener Zeit zählten bis zu 800 verschiedene Apfelsorten in Deutschland. Bis nach dem Zweiten Welt­krieg seien die auf rund 40 Sorten redu­ziert worden. Clement zufolge war der Tiefpunkt erreicht, als um das Jahr 1922 herum „Ontario“, „Jakob Lebel“ und „Rheinischer Bohnapfel“ zu den drei „Reichshauptsorten“ erkoren wurden.

Clement, der sich seinen Dr. scagr. auf dem Gebiet des Landwirtschaftlichen Pflanzenbaus und seine Pomologie‑Kennt­nisse im Selbststudium erworben hat, schätzt die Zahl der hessischen Lokalsor­ten auf etwa 50. Die schmecken besser. „Nichts gegen einen Golden Delicious ‑  aber daraus läßt sich kein guter Wein ma­chen.“ Aus lokalen Sorten, sagt Clement, entstehe leckerer Apfelwein; die seien von Natur aus tendenziell sauer und müssen daher mit wenigen bis gar keinen Zusatz­stoffen behandelt werden. Mittlerweile seien deswegen auch die großen Ebbelwei­-Abfüller ganz scharf auf original hessi­sche Äpfel.

Mitunter sind das sogenannte „Hofsorten“, die nur auf einzelnen Bauernhöfen wuchsen. So seien etwa nur zwei Bäume bekannt, an denen Exemplare des „Sos­senheimer Roten“ hängen. Hat man eine alte Sorte erst einmal gefunden, kann man sie mit Hilfe von Reisig vermehren. Bis man sie findet, und darum bemüht sich ein Pomologe, muß man seine fünf Sinne einsetzen. „Hören, sehen. riechen. schmecken, fühlen: Mehr muß ein Obst­kundler nicht können, um eine Sorte zu bestimmen“, sagt Clement. Ein „geschultes Gedächtnis“ brauche er noch, um die Er­gebnisse ‑ Farbe, Form, Geschmack, Eigenart des Kerngehäuses ‑ einzuordnen.

Doch auch wenn es keiner Instrumente dazu bedarf. „Die Sortenbestimmung bei Äpfeln ist noch schwieriger als bei Grä­sern.“ Sich die Fähigkeit zur Bestimmung anzueignen, resultiere am ehesten aus einem Meister‑Schüler‑Verhältnis, meint Clement. Um etwas bedrückt anzu­fügen, daß es bundesweit gerade mal fünf Personen gebe, die im Hinblick auf Apfel „wirklich was können“. Bei Kirschen schätzt Clement die Zahl auf eins, bei Bir­nen auf zwei.

 

Verband der Apfelweinkeltereien und Fruchtsaft‑Keltereien

Dem Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft‑Keltereien gehören 64 Betriebe an, die klein‑ und mittelständisch geprägt sind und meist einen Umsatz von weniger als 150.000 Euro im Jahr verbuchen. Zu den sechs größten mit mehr als 2,5 Millionen Euro Umsatz zählen unter anderem die Keltereien Rapp's, Possmann, Höhl, Heil und Müller. Im Jahr 2000 wurden nach Angaben des Verbandes 38.000 Tonnen Äpfel verarbeitet, die hauptsächlich von Streuobstwiesen aus den Regionen Wetterau, Taunus, Odenwald, Vogelsberg, Rhön und Westerwald stammen. Die Mischung unterschiedlicher Mostobstapfel‑Sorten mit einem hohen Säuregehalt gibt dem hessischen Apfelwein den besonderen Charakter. Die Keltereien beziehen jedoch auch Äpfel aus anderen Regionen Deutschlands und dem benachbarten Ausland. Im Gegensatz zum französischen Apfelwein, dem Cidre, wird der hessische komplett vergoren, wie Martin Heil, Junior‑Chef der Kelterei Heil, betont. Deshalb ist er auch nicht so süß. Der Apfelsaft benötigt nach der Apfelernte etwa 90 Tage in den Tanks der Keltereien, um zum Apfelwein zu reifen.

 

Verband der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien e. V., Diezer Straße 7, 5429 Schönborn, Telefon: (0 64 86) 80 18, Telefax: (0 64 86) 2 20.

 

Er schreibt in einer Broschüre:

„Das Geheimnis unserer hessischen Apfelweine ist, wie Sie feststellen werden, eigentlich keine verschwiegene Ange­legenheit. Es sei denn, Sie wollen unbedingt eines der Hausrezepte unserer Keltereien erfahren. Da sind wir stumm wie die Fische. Aus Tradition geben wir dieses klei­ne Geheimnis nur von Generation zu Generation weiter. Ansonsten verraten wir Ihnen gerne, wie unser hessischer Apfelwein hergestellt wird. Sorgfältig ausge­suchte Rohstoffe und der natürliche Herstellungsprozeß ohne Fremdzusätze garantieren eine gleichbleibende Qua­lität unserer Erzeugnisse. Sie mit modernen, naturnahen Apfelweinprodukten zu versorgen, ist uns gerade in der heutigen Zeit sehr wich­tig. Wir hessischen Apfelweinkeltereien möchten, daß Sie auch in Zukunft besten Apfelwein trinken können.“

 

 

Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“

Die gemeinnützige Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ rührt seit 2000 für den Apfelwein verstärkt die Werbetrommel. Preisausschreiben oder Führungen über Streuobstwiesen sollen die Notwendigkeit des Apfelweinabsatzes beim Kunden aufzeigen, erklärte der Vorsitzende Paul Kuhlmann. Oberstes Ziel ist, den derzeitigen Marktanteil wenigstens zu halten.

Die Gesellschaft stellt als Trägerin der „Regionalmarke Hessen“ die hessenweite Koordinierung regiona­ler Aktivitäten zur Vermarktung sicher. Sie ist für die übergeordnete Kontrolle, die Lizenzvergabe des Zeichens, die hessenweiten Marketingaktivitä­ten sowie die inhaltliche Weiterentwicklung der „Regionalmarke Hessen“ zuständig. Diese garantiert den Verbrauchern besonders festgelegte Herkunfts‑ und Qualitäts­eigenschaften. Die Sicherstellung erfolgt über Lizenz‑ und Zeichennutzungs‑Verträge. Die Marketinggesellschaft überwacht die Einhal­tung der Bestimmungen der Lizenzverträge und schreitet gegen Mißbrauch des Zeichens ein. Ein umfassendes Kontrollsystem garantiert den einheitlichen und konsequenten Umgang mit dem Herkunfts‑ und Qualitäts­zeichen „Regionalmarke Hessen“. Die Kontrolle umfaßt alle Stationen, die ein Lebensmittel von der Produktion bis zum Einkaufskorb durchläuft. Dazu gehören Kontrollen in der pflanzlichen und tierischen Produktion, der Verarbeitung und der fertigen und verpackten Lebensmittel auf Seiten der Vermarkter.

Anschrift: Marketinggesellschaft GUTES AUS HESSEN e.V. Homburger Str. 9, 61169 Friedberg Telefon 06037 ‑ 732350, Fax 06031‑93061

Hessisches Landesamt für Regionalentwicklung und Landwirtschaft ‑Außenstelle Wetzlar Frankfurter Str. 69, 35578 Wetzlar Telefon 0644 1 ‑ 92890 Fox 06441 ‑ 9289323

oder das für Sie zuständige Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Landwirtschaft.

 

Um den Absatz des Apfelweins bemüht sich auch die Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen e. V.“ Sie ermittelte durch eine Besichtigungstour im Jahre 2001 Einblicke in die Herstellung vom regionalen Rohprodukt Apfel bis hin zum typisch hessischen Apfelwein‑ und Saft. Dabei waren aus dem Main‑Kinzig‑Kreis eine Streuobstwiese in der Gemarkung Eichen sowie die Apfelweinkelterei Walther in Bruchköbel-Niederissigheim Besuchs‑ und Vorzeigestationen der hessenweit tätigen Organisation. In Anwesenheit des Ministers und des Bruchköbeler CDU‑Kreistagsabgeordneten Harald Hormel konnten sich die Teilnehmer von den Grundsätzen der als Familien‑GmbH geführten Kelterei Walther überzeugen. Danach werden die Äpfel für die besonders gekennzeichneten Produkte der Regionalmarke Hessen ausschließlich in heimischen Kulturen wie Streuobstwiesen und Hausgärten nach den Richtlinien des kontrolliert‑integrierten Anbaus erzeugt. Aus den so gewonnenen Äpfeln werden Apfelsaft und Apfelwein klar und trüb produziert.

Bei der Kelterei Walther sind die trüben Produkte der Regionalmarke zugeordnet und entsprechend gekennzeichnet. Darüber hinaus wird Nachweis geführt, wer welche Menge zu welchem Zeitpunkt lieferte. Das muß auch nach zwei Jahren noch genau überprüfbar sein. Verbunden sind damit aktive Pflege der Landschaft, standortgerechte Sortenwahl und praktizierter Umweltschutz. Es werden zum Beispiel von der Kelterei Streuobstwiesen gefördert, die dann eine entsprechende Kennzeichnung tragen. Auf diese Weise können Spaziergänger erkennen, wo die Äpfel für ihre Säfte und Weine geerntet werden. Auch die vorab besichtigte Streuobstwiese in Eichen wird in dieser Hinsicht, zum Beispiel durch finanzielle Unterstützung für Schnittmaßnahmen, für Produkte im Sinne der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ gefördert.

Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel, der selbst beim Keltern in der Kelterei Walther in Bruchköbel Hand an legte, will das Ziel dieser Maßnahmen, das hessische Nationalgetränk und auch die Apfelsäfte weiterhin in seiner Vielfalt dem hessischen Konsumenten vor Augen zu führen, weiterhin unterstützen. Dies um so mehr, da trotz ständigem Bemühen des Verbandes, der Marketinggesellschaft und der einzelnen Keltereien seit circa vier Jahren der Apfelweinkonsum kontinuierlich gesunken ist, derzeit auf 11,43 Liter pro Kopf der hessischen Bevölkerung.

 

Wilfried Schäfer, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ und des Verbandes der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien meinte 2003: Der Verbrauch liege in Hessen relativ stabil, jährlich bei 11,4 Liter pro Kopf, so Schäfer. Dennoch sei der Verbrauch in den letzten 20 Jahren schleichend gesunken. „Der Äppler fängt langsam an, in Vergessenheit zu geraten“, fürchtet Christof Heil von der Kelterei Heil, Laubuseschbach. Dagegen müsse man etwas tun, „und das können die einzelnen Keltereien nicht alleine bewältigen“.

Diese Überlegung geht Hand in Hand mit dem Generationswechsel, der in vielen Unternehmen ansteht. Vor rund zwei Jahren hatten sich die Nachfolger, ein loser Verbund von rund 15 Jungkelterern aus kleinen wie großen Betrieben, zusammengesetzt, um darüber zu reden, wohin der Apfelweinmarkt geht, so Heil. Gemeinsam habe man beschlossen, „etwas für das Produkt Apfelwein zu tun“. Nämlich über die Werbekampagne der einzelnen Unternehmen hinaus eine übergreifende PR-Kampagne zu starten. „Zisch Ap...“ heißt die Aktion, die vom Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft Keltereien mit 40.000 Euro unterstützt wird. Das Motto wurde auf eine Million Bierdeckel gedruckt, die an die Gaststätten in Hessen geliefert werden. „Jeder, der in Hessen in eine Kneipe geht, soll diesen Untersetzer sehen“, sagt Heil. Vor allem junge Leute sollen sich davon angesprochen fühlen.

„Zisch Ap...“soll diese nicht verprellen, sondern dazu bewegen, den Deckel umzudrehen. „Zisch Apfelwein“ steht auf der Rückseite, noch wichtiger die Internetadresse www.zisch‑ap.de. Dort können junge Leute das ganze Jahr an Gewinnspielen teilnehmen.

Die Aktion startet am Sonntag, 4. Mai, in der Batschkapp. Dort gibt es ein Konzert mit dem Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers und der Sängerin Mira Kay. Dazu gibt es, natürlich, Apfelwein verschiedener Keltereien. Die 500 Karten hierzu können nur gewonnen, nicht gekauft werden. Die Teilnehmer füllen ein Formular auf der genannten Internetseite aus, der Gewinner wird per E‑Mail benachrichtigt und muß innerhalb von acht Stunden vier Freunde auftreiben, die mitkommen. Sonst verfällt der Gewinn. Unterstützt wird die Aktion, deren Kosten noch nicht feststehen, vom Hessischen Rundfunk. In der morgendlichen Sendung „Pop & Weck“ soll die Aktion beworben werden.

Natürlich wünschen sich die Jungkelterer außerdem, daß das Stöffche auch über die hessischen Grenzen hinaus Zuspruch erfährt. Apfelwein, ein multikulturelles Getränk, so die Jungkelterer. Der werde als Cidre in Frankreich, als Cider in England oder als Sidra in Nordspanien getrunken. Über Kontakte, durch ihre Mitgliedschaft im Europäischen Fruchtweinverband (AICV), hoffen sie, ihr Konzept auch andernorts umzusetzen. „Weizenbier hat es ja auch geschafft, über den Weißwurstäquator zu kommen“, sagt Heil.

 

Symposium über Europäische Apfelweinkulturen

Im Oktober 2003 gab es ein Symposium über „Europäische Apfelweinkulturen“.  Das Land Hessen hat eine europäische Initiative zur Förderung der Apfelweinkultur gestartet. Der Odenwälder Landrat Horst Schnur, Vorsitzender des Hessischen Tourismus Service (HTS), erarbeitete am Wochenende im südhessischen Reichelsheim mit Vertretern aus Spanien und Österreich eine entsprechende Vereinbarung. Sie sieht unter anderem die Planung gemeinsamer touristischer Angebote vor.

Der hessische Agrarminister Wilhelm Dietzel begrüßte die Initiative. Die großen hessischen Apfelweinproduzenten wie Possmann hatten dagegen kurzfristig ihre Mitarbeit bei dem Projekt zurückgezogen. Diese Entscheidung ist für Schnur unverständlich, ging doch die Initiative ursprünglich von den großen Betrieben aus. Sie forderten Unterstützung angesichts des langsamen aber stetigen Verlusts der Kundschaft. So ist der Apfelweinkonsum in Hessen nach Angaben des Landrats in den vergangenen 15 Jahren von 13 Litern auf etwa zehn Liter pro Kopf gesunken, bundesweit liegt er nur noch bei 1,5 Liter.

So organisierte Schnur gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum Hessen in Wetzlar ein Symposium über Europäische Apfelweinkulturen. Damit traf er in den Apfelweinregionen Astu­rien in Spanien und dem Mostviertel in Niederösterreich auf Gegenliebe. Weitere Partner, etwa die Normandie und die Bretagne in Frankreich sowie Anbaugebiete in Irland, England, Polen und Slowenien haben bereits Interesse bekundet. „Selbst in Südschweden, Finnland und der Schweiz gibt es Reste von Apfelweinkultur“, erklärt Eckard Engert vom Naturschutzzentrum. Fast überall steht das Getränk im übermächtigen Schatten des Traubenweines und kämpft um sein Überleben.

Eine gemeinsame Aktion mit Unterstützung der Europäischen Union (EU) kann da nur nützlich sein. Um das Modell der Kommission schmackhaft zu machen, wurde der Umweltschutz und der Tourismus mit ins Boot geholt. So soll in dem Projekt die Geschichte des Apfelweins, der ursprünglich aus Spanien kommt, ebenso untersucht werden wie die ungefähr 4.000 europäischen Apfelsorten und die Bedeutung der Streuobstwiesen. Ein gemeinsamer Internetauftritt, Apfelweinfestivals und ‑messen oder auch eine europäische Apfelweinroute sollen das Getränk in die Öffentlichkeit bringen.

Diese Werbung kann den hessischen Produzenten nur recht sein, sagt Kelterer Johannes Happe aus Limburg, der jedes Jahr rund 6.000 Tonnen hessische Äpfel verarbeitet. Er fühlt sich in Sachen Marketing vom Verband der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien allein gelassen. Daß Verbandsvertreter ihre Teilnahme am europäischen Symposion kurzfristig zurückzogen, paßt für ihn ins Bild: „Da spielen unbegründete Ängste eine große Rolle.“

Die Befürchtungen erschließen sich erst mit dem Blick auf Asturien. Dort liegt der Cidra‑Verbrauch inzwischen bei 55 Litern pro Kopf. Mit einer regionalen Kampagne, die mit EU‑Geldern unterstützt wurde, ist es den Kelterern gelungen, das Getränk wieder hoffähig zu machen. Dazu gehört jedoch auch ein Gütesiegel samt Kontrollinstanz, das für die regionale Herkunft der Äpfel bürgt.

Ein solches Siegel könnte die großen hessischen Produzenten in Schwierigkeiten bringen. Nach Information von Insidern greifen sie für ihre Massenware auf billiges Apfelsaftkonzentrat zurück, das vor allem aus China geliefert wird.

Nach Ansicht von Schnur läßt sich diese Entwicklung nicht aufhalten. Er ist sich sicher, daß die Firmen Possmann, Höhl und Heil nach einer Bedenkzeit beitreten werden. Vertreter der Unternehmen waren am Wochenende nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

 

Verein Apfelwein Hessen
Dieser Verein ließ 2013 den größten Bembel der Welt herstellen und zeigte ihn auf dem Apfelweinfest auf dme Roßmarkt.

 

Apfelwein Centrum Hessen

Der neu gegründete Verein stellte sich im April 2014 in Hanau vor. 100.000 Apfelbäume müßte man jedes Jahr neu pflanzen, um den Bestand an Streuobstwiesen in Hessen zu halten. Und damit die Rohstoffbasis für den „Äppelwoi“. Aber wie die Zahl der Apfelbäume ist auch der Apfelwein seit Jahren auf dem absteigenden Ast. Dem will jetzt das Apfelwein Centrum Hessen (ACH) entgegensteuern. Am Freitag gingen dessen Protagonisten in Hanau an die Öffentlichkeit.

Es war denn auch eine illustre Riege, die sich da in der Remisengalerie des Schlosses Phil­ippsruhe für das hessische Nationalgetränk ins Zeug legte, darunter Landrat Erich Pipa, Bürgermeister Erhard Rohrbach aus der Äppelwoi-Hochburg Maintal, Dr. Johanna Höhl von der gleichnamigen Kelterei in Hochstadt, deren „Pomp“ erst vor wenigen Tagen durch den Innovationspreis 2010 geadelt wurde, und natürlich Jörg Stier, der Apfelwein-Papst aus Bischofsheim und Vorsitzender des ACH.

Ihnen allen ist gemeinsam, daß sie den stetigen Abwärtstrend beim Äppelwoi bremsen wollen, der durch die verschiedensten Faktoren bedingt immer mehr an Beliebtheit bei den Konsumenten verliert. Geänderte Konsumgewohnheiten generell und vor allem bei der jüngeren Generation, die mehr auf „In-Getränke“ schwört, oder die steigende Zahl muslimischer Konsumenten. die gar keine alkoholhaltigen Getränke kaufen, wurden unter anderem als Ursachen genannt.

Vor allem aber hat der Äppelwoi wohl ein Imageproblem. Er gilt als altbacken. So ist der Konsum pro Kopf in Hessen seit 1996 von 13 auf deutlich unter zehn Liter im Jahr gefallen. Allein Frankfurt hält einen einsamen Rekord: Unter fleißiger Mithilfe der Touristen in Sachsenhausen werden dort pro Nase jährlich 50 Liter geschlotzt. Die aber kommen zu einem beträchtlichen Teil inzwischen aus Bayern. Und frische, innovative Produkte wie der „Pomp“ aus Hochstadt machen den Rückgang mengenmäßig nicht wett.

Seit Jahren versuchen einsame Kämpfer wie der Bischofsheimer Jörg Stier dem Apfelwein seine Individualität zurückzugeben, die er einst hatte, bevor er zu einem Industrieprodukt wurde. Der uniforme Geschmack des in industriellem Maßstab mit von weither herangekarrtem Apfelsaftkonzentrat hergestellten Apfelweins dürfte nämlich maßgebliche Mitschuld am Niedergang des Nationalgetränks der Hessen haben. Dessen ursprüngliche Originalität war bedingt durch eben jene Sortenvielfalt auf den Streuobstwiesen, was nahezu jeder Charge Apfelwein einen eigenen Ton gab. Diese Symbiose von Streuobstwiese und Apfelwein war jahrhundertelang ein prägendes Stück hessischer Regionalkultur.

Sein Verein wolle genau dieses Stück hessischer Regionalkultur stärken und fördern, erklärte Keltermeister Stier, der auch dem ACH vorsitzt, das Ziel des gemeinnützigen Vereins. „Unser Stöffche hat so viele unbekannte Seiten, die wollen wir aufbereiten.“ Dazu plane der Verein die Einrichtung eines Apfelwein Centrums als Heimat des „Stöffches“. Es solle die vielseitige Geschichte des Getränks im Wandel der ökonomischen und ökologischen Entwicklungen aufbereiten und greifbar machen. Darüber hinaus wolle man auch die Zukunft des Apfelweins mitgestalten. Deshalb sammle das ACH Ideen und Anregungen für die Weiterentwicklung der Apfelweinkultur.

So werde man, da ist sich Stier sicher, wieder mehr Verständnis für das hessische Nationalgetränk wecken und Anknüpfungspunkte für dessen Geschichten bieten. Man setze darauf, daß über den Apfelwein durchaus Emotionen ausgelöst werden könnten, welche die Hessen wieder stärker mit ihrer Heimat verbänden. Dafür will sich das Apfelwein Centrum Hessen nicht nur an einem festen Standort engagieren, sondern auch werbend durch die hessischen Lande touren. Natürlich wurde in der Remisengalerie nicht nur über das Stöffche gebabbelt, die Erzeugnisse mehrerer hessischer Apfelweinkeltereien erfreuten zahlreiche durstige Kehlen.

Den Auftrag zur Gestaltung eines Logos für das Apfelwein Centrum Hessen hat der junge Verein übrigens den Schülern der zwölften Fachoberschulklasse für Gestaltung an der Hanauer Eugen-Kaiser-Schule vergeben. Die sichtlich vom Besuch in einer Apfelweinkelterei inspirierten Ergebnisse werden das Vereinsziel künftig farbenfroh unterstützen. Werner Kurz

 

Unter anderem nimmt sich der Verein die Einrichtung eines Apfelwein-Centrums als geistige Heimat des „Stöffche“ sowie die Entwicklung einer stationären und einer mobilen „Apfelwein-Erlebniswelt“ vor. Durch Veranstaltungen, Diskussionen, Ausstellungen und Kulturprojekte will das Apfelwein-Centrum Hessen den Apfelwein in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Informationen und Hintergrundwissen rund um den Apfelwein in aller Welt aufbereiten und eine Literatur- und Materialsammlung für alle Apfelwein-Fans aufbauen.

Die Stadt Maintal bat der neu gegründete Verein um Unterstützung beispielsweise bei der Raumsuche für eine Geschäftsstelle, die von Ralf Sachtleber auch zugesagt wurde. „Die Stadt hat immer ein offenes Ohr und wird das Apfelwein-Centrum Hessen gerne auch bei der konzeptionellen Arbeit unterstützen, versprach der Maintaler Umweltdezernent. Der Apfelwein als hessisches „Nationalgetränk“ sei für die Maintaler ein hoher Identifikationsträger mit der Region und die Streuobstwiesen nicht nur wertvolles Naturschutzgebiet, sondern auch Heimat für viele alte Apfelsorten, aus denen ganz besondere Apfelweine entstehen.

 

 

Hesssiche Apfelweinstraße

 

Im Jahre 1958 war zum erstenmal die Rede davon, eine Apfelweinstraße ins Leben zu rufen, um die heimischen Spezialitäten aus dem gastronomischen Be­reich ins rechte Licht zu rücken. Wie es eine Weinstraße schon damals gab, so sollte auch eine Apfelweinstraße nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das kam damals aber nicht zustande, weil die Behörden nicht zustimmten. Noch mehr­mals wurde erneut die Idee aufgegriffen. Als in Maintal ein Verkehrsverein gegründet wurde, lebte die Idee der Apfelweinstraße wieder neu auf.

Im Jahre 1972 gründeten der Verkehrsverein Bergen-Enkheim und die Touristik-Referate der Städte Frankfurt. Hanau und Maintal die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Apfelweinstraße. Ziel der AG ist es, hessisches Brauchtum, insbesondere was Leib und Seele betrifft, zu fördern. Da steht an erster Stelle der „Äppelwoi“, der als urtypisch hessisches Getränk die Lebenskultur der Region wohlschmeckend verkörpert. Und da der wertvollste Rohstoff, die vielen verschiedenen Apfelsorten, auf den Streuobstwiesen entlang der Apfelweinstraße wachsen, lohnt sich ein Besuch dieser Route zu jeder Jahreszeit.

Am 29. August 1982 wurde  im Rathaus von Maintal der Verein „Hessisiche Apfelweinstraße“ ins Leben gerufen. Von diesem Tag an ist Karl Halbow aus Bergen-Enkheim Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfel­weinstraße“. Die „Arbeitsgemeinschaft Hessi­sche Apfelweinstraße“ besteht aus Vertretern der Städte Hanau, Maintal und Frank­furt sowie Kel­tereien, Gastwirten, Vereinsver­tretern und anderen bekannten Persönlichkeiten.

 

Aufgaben

Die Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfel­weinstraße hat sich der Pflege dieser ku­linarischen Spezialitäten aus unserer Heimat angenommen. Mit dem jährli­chen Apfelweinfest selbst sorgt die Ar­beitsgemeinschaft dafür, daß dieses Stück hessische Lebensart erhal­ten bleibt.

„Die Hauptarbeit der Arbeitsgemein­schaft ist das jährliche Apfelweinfest“, erläutert Karl Halbow, Geschäftsfüh­rer der Apfelweinstraße. Alljährlich wird das Fest mit einem großen Umzug eingeleitet, der durch die Zentren der Apfelweinkultur um Frankfurt zieht. Von Steinheim über Kessenstadt reist der Zug nach Wachenbuchen und Hochstadt, bevor er über Bergen und Sachsenhausen zum Festplatz auf dem Römerberg in Frankfurt fährt.

Dort wird auch der Apfelweinpreis an Persönlichkeiten verliehen, die sich be­sonders um das „Stöffche“ verdient ge­macht haben.  „Die Leute sehen immer nur einen Teil unserer Tätigkeit, wenn der Festzug bei ihnen vorbeirauscht“, erzählt Karl Halbow. Um das auszugleichen, veran­staltete die Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße im vergangenen Jahr 1988 einen Fotowettbewerb für Amateure

Mit der Apfelweinstraße und vielen Aktivitäten wurde in den vergangene Jahren Werbung für die hessische Gastronomie gemacht, und es blieb nicht nur bei den vielen Formen des selbst gekelterten Apfelweins. Die Wirte waren auch stolz auf ihren Speisezettel, der in seiner Vielfalt zahllose Besucher anlockte. Doch nicht nur Speis’ und Trank in den Gasthäusern zwischen Sachsenhausen und Steinheim  schafften Freunde, sondern zu einer gelungenen Werbung gehörte natürlich auch die Prominenz.

Die ließ sich nicht lange bitten, um beim Apfelweinfest am Römer in Frankfurt zu erscheinen und die

Arbeitsgemeinschaft mit mehr als einem halben Hundert Mitglieder hatte alle Hände voll zu tun, „Königinnen“ zu küren, Preise und Urkunden zu vergeben und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auszuzeichnen.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, den Ebbelwei noch bekannter und be­liebter zu machen, die dazu pas­senden typischen Gerichte zu erwähnen (und dafür Sorge zu­ tragen daß sie in den sogenann­ten Ebbelwei‑Kneipen auch wirklich angeboten werden), wie Bratwurst, Rippche und Haspel, und die Lieder und Gedichte vorn Apfelwein zu fördern. Die Hauptaufgabe sehen die Männer und Frauen der Arbeitsgemein­schaft allerdings darin, das hessi­sche Brauchtum zu erhalten. Dazu gehört die jährliche Verlei­hung des Ehrenpreises der Ar­beitsgemeinschaft und die Organisation des Apfelwein-Straßen­festes auf dem Römerberg..

Jährlich werden das Steinheimer Bundes‑Apfelwein‑Königspaar, die Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin und die Sachsenhäuser Brunnenkönigin gekürt, die bei Volks‑ und Vereinsfesten für das hessische Nationalgetränk werben.

Einmal im Jahr veranstaltet die AG Apfel­weinstraße dieses Fest auf dem Frankfur­ter Römerberg. Dort vor der Bühne können sich die Besucher bei Apfelwein und einem kleinen Imbiß ausruhen und sich von dem Programm unterhalten lassen.

 

Verlauf

Der Verlauf der „Hessischen Äppelwoistra­ße“ war zunächst noch etwas umstrit­ten. Vor allem Frankfurts Vertreter H. Ackermann zeigte zunächst noch Zurückhaltung. Doch schließlich wurde der Vorschlag des Maintaler Verkehrsvereins über die Streckenführung der Äppelwoistraße einstimmig akzeptiert und genehmigt. Hier nun die Streckenführung der „Hessischen Apfelweinstraße“: Beginn in Steinheim am neuen Autobahnzu­bringer über das Steinheimer Obertor zur Ludwigstraße bis zur Main‑Brücke. Dann geht es weiter nach Hanau‑Kessel­stadt über den Beethovenplatz zur Ho­hen Tanne, weiter nach Maintal‑Wa­chenbuchen, Hochstadt in Richtung Bi­schofsheim. Von der Berger Straße über die Vilbeler Landstraße führt die Äppel­woistraße nach Enkheim und weiter nach Frankfurt‑Seckbach. Dort könnte die Straße, so Peter Sau­ter abschließend, über Bornheim nach Sachsenhausen weitergeführt werden.

Die Krönung in jedem Jahr ist der große Umzug von Steinheim über Wachen­buchen, Bischofsheim, Bergen‑Enkheim nach Frankfurt, wo auf dem Römerberg dann ein großes Apfelweinfest mit der Vergabe des Apfelweinpreises stattfindet.

 

Die Hinweisschilder mit  dem Bembel als Symbol, die von einer Maintaler Kelterei gestiftet werden, sollen an den jeweiligen Ortseingängen bzw. Ausgän­gen installiert werden. Außerdem kön­nen die Wirte von Gaststätten, die an der Äppelwoistraße liegen, ihre Häuser mit den Tafeln kennzeichnen, damit Besucher sofort erkennen, diese Gaststätte gehört zur Hessischen Apfelweinstraße. Einziges Kriterium für den Erwerb der „Bembel‑Schilder“ ist, daß in den Gast­häusern das „Hessische Nationalge­tränk Nummer 1“ auch ausgeschenkt wird.

„Jede Gaststätte, die unseren Vorstellungen entspricht, be­kommt ein Schild an die Tür“, so Geschäftsführer Karl Halbow. „Die typischen hessischen Ge­richte müssen schon angeboten werden.“

 

„Die Ebbelweistraß’, wie jedem klar,

die schlängelt sich grad wie de Maa.

In Staa­nem die ihrn Aafang hat,

mecht iwwer die Brück nach Kesselstadt,

von Wilhelmsbad raer sehe kann,

kimmt die in Wachebuche an.

Da werd se dann total geknickt

nach Hochstadt dosch es Dor geschickt.

Da tankt se Wei un mecht o Wunner

direkt nach Bischem da enunner,

da hört se mit ihrm Schwung net uff

un mecht nach Ber­je‑Enkem nuff.“

 

 

Die Hessische Apfelweinstraße, die so von Adolf Amberger besungen wird, ist genauso wenig natürlich, wie etwa die Märchenstraße, die Straße der Romanik und andere werbeträchtige Verknüpfun­gen von Orten. Bezeichnenderweise ent­hält der zitierte Reim auch in seiner Fort­setzung nicht einen Hinweis auf die drei Städte, deren Vertreter in Gemeinschaft mit Keltereien, Gastwirtschaften, Verei­nen und „beratenden Persönlichkeiten“ die Apfelweinstraße verkörpern: Hanau, Maintal und Frankfurt.

 

Zum 30. „Bundes‑Äppelwoifest“ im Hanauer Stadtteil Steinheim  soll die Äppelwoistraße aus der Taufe gehoben werden. Ein großes Er­öffnungsfest, an dem sich alle Städte beteiligen ist aus organisatorischen Gründen erst für nächstes Jahr geplant.

 

Eröffnung:

Seit Mai 1983 ist Hanau Ausgangsort für zwei „berühmte“ Straßen, nämlich die „Deutsche Märchenstraße“ und nun auch noch die „Hessische Apfelweinstraße“, wenn diese auch mit ihren nur 32 Kilometer Länge der Deutschen Märchenstraße nicht ebenbürtig ist. Selbst zeitweise strömende Regengüsse hinderten die Bürger Steinheims nicht daran, an dem festlichen Auftakt zur Eröffnung der Hessischen Apfelweinstraße auf dem Platz vor der Gedächtniskirche teilzunehmen.

„Jetzt schlägt’s 13“, meinte der langjährige Betreuer des Steinheimer Heimatmuseums, Karl Winter, als Hanaus Oberbürgermeister ­Hans Martin die Hessische Apfelweinstraße offiziell für eröffnet erklärt hatte. Karl Winter, der in mühsamer Arbeit das alte Uhrwerk hoch oben im Kirchturm wieder auf Vordermann gebracht hatte, sah offenbar in der Apelweinstraße einen Jux, denn er ließ die Kirchenglocken mittags 13 mal läuten. Der burgähnliche Kirchturm, zu dessen Füßen sich trotz des Regens einige Hundert Bürger eingefunden hatten, war übrigens erstmals zu Ehren der Apfelweinstraße beflaggt. 

Oberbürgermeister Hans Martin betonte, daß die Hessische Apfelweinstraße, zumindest was den Steinheimer Teil angeht, im vergan­genen Jahr beim Äppelwoifest aus der Taufe gehoben worden sei. Das Kind sei schnell gewachsen und könne nun bereits in die Selb­ständigkeit entlassen werden, betonte er. Steinheim sei ein würdiger Ort für den An­fang der „Route der Gastlichkeit“ zwischen Hanau und Frankfurt. Dies werde durch das Engagement der Beteiligten an der Gesamt­vorbereitung deutlich, die nach dem Start des Festzuges in Steinheim zünftig das Ereignis mit dem goldenen Apfelwein weiter feiern wollten.

Der Oberbürgermeister dankte bei dieser Ge­legenheit dem Maintaler Verkehrsverein für die Federführung der Arbeitsgemeinschaft so­wie allen Städten und Gemeinden, die für die gemeinsame Sache geworben und mitgewirkt hätten, einen attraktiven Festzug auf die Bei­ne zu stellen. Die Steinheimer Karnevalgesell­schaft mit zwei Motivwagen und ihrem Fanfarenzug stellte dabei den größten Einzelbei­trag.

Während der Rede des Oberbürgermeisters trafen auch eine Delegation aus Steinheims Partnerstadt Doorn ein, die es sich nicht neh­men ließ, dem „historischen Ereignis“ beizu­wohnen. Bevor Martin den Steinheimer Wir­ten ihre Apfelweinstraßen‑Schilder aushändigte, begrüßte er neben dem Steinheimer Apfelweinkönigspaar Sigrid I. und Wolf  I., die 492. Brunnenkönigin von Sachsenhausen, Elke I., und die Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin Heike‑Charlotte I.

Dann setzte sich der Festzug durch Steinheim in Bewegung. Über die Philippsruher Allee ging dann die Tour zunächst nach Wachenbuchen und Hochstadt, wo der Festzug im historischen Ortskern von vielen begeisterten Bürgern begrüßt wurde. Die Steinheimer Fanfa­renbläser traten hier, wie bei den noch folgenden Etappen der Apfelweinstraße in Aktion. Überall wiederholte sich das Zeremoniell der Schilderausgabe an die Wirte der Apfelwein­lokale, während die Zuschauer Kostproben des hessischen Nationalgetränks gereicht be­kamen. Schwerarbeit zu leisten hatten bei diesem 32 Kilometer langen Umzug nicht nur die Mit­glieder des Steinheimer Fanfarenzuges, sondern auch die Delegation der Deutschen Märchenstraße, die die gesamte Strecke per Fahrrad mitfuhr und so dem bunten Zug das Tüpfelchen aufs i aufsetzten. Eine längere Rast wurde in Maintal‑Bischofsheim eingelegt, wo auf dem Rathausvorplatz das Bischofsheimer Musik‑Korps ein Platzkonzert gab. Während die Zugteilnehmer im Kantinensaal des Rathauses bei „Worscht und Äppelwoi“ ver­schnauften, feierte man auf der Straße und im kleinen Festzelt das Ereignis. Junge Burschen von der Bernemer Kerwegesellschaft in hessi­scher Tracht boten Brezeln an, während von dem Motivwagen mit der original Kelterpresse der Rohstoff für den Äppelwoi, nämlich rotbäckige Äpfel gereicht wurden. Stadtrat Günter Hack waltete zwischendurch seines Amtes und händigte den Bischofsheimer Wir­ten ihre Schilder aus, mit denen sie künftig

darauf hinweisen, daß sie original hessische Speisen, wie „Handkäs mit Musik“ oder­ Rippchen mit Kraut und dazu Apfelwein im Angebot haben.

In Bergen‑Enkheim erreichte der Umzug die   Frankfurter Stadtgrenze. Zuvor jedoch hatte    er über eines der interessantesten Teilstücke der Apfelweinstraße zwischen Bischofsheim und Bergen geführt, wo man bei schönem Wetter einen herrlichen Blick über das Main­tal genießen kann. Ortsvorsteher Gerd Rie­chemeier begrüßte die Zugteilnehmer vor der Kulisse des nun als Museum dienenden alten Rathauses von Bergen‑ Enkheim. Auch hier gab es für die Initiatoren der Idee, eine Straße nach dem Vorbild der Weinstraße zu schaf­fen, viel Lob. Die Bürger am Rande drängten sich nach dem „goldisch Stöffsche“, das von Nichthessen fälschlicherweise als sauer be­zeichnet wird. Die an der Aktion beteiligten Wirte hatten einige hundert Liter Apfelwein gespendet, der offenbar jeden mundete.

Auf dem Frankfurter Römerberg fand der Festzug im dichten Gedränge schließlich sein Ende. Leider regnete es später in Strömen, so daß in den eigenes aufgebauten Gartenwirt­schaften niemand lange sitzen konnte, ohne sich einen Schnupfen zu holen. Der Frankfur­ter Stadtrat Brück machte es denn auch bei seiner Rede unter dem Regenschirm recht kurz und überließ Akteuren wie der Volks­schauspielerin Liesel Christ, dem Stimmungs­sänger Benny Maro, der Jux‑Dixielandgruppe „die Schoppeschlepper“, dem Bischofsheimer Musik‑Korps und anderen Akteuren die über­dachte Bühne vor dem Römer.

                                                                                                                                

Die bisherigen Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße seit der Gründung zeigte im März 1989 eine interessante Wanderausstellung, die gestern im Bischofsheimer Rathaus eröff­net wurde und dort drei Wochen zu sehen ist. Bür­germeister Unger meinte zur Er­öffnung: „Das ist hier genau der richti­ge Ort für die Ausstellung, denn schließ­lich ist Maintal die Apfelwein‑Metro­pole schlechthin und im Bischofsheimer Rathaus wurde die Apfelweinstraße auch ins Leben gerufen.“

 

Im Jahre 1991 kündigte die Arbeitsgemeinschaft einen Wanderweg von Bornheim, Lohrberg, Bergen‑Enkheim über Maintal und Hanau bis nach Steinheim an. Dieser Weg soll in Etappen eingeteilt werden und mit öffentlichen Verkehrsmit­teln erreichbar sein. Genauso wird ein Radfahrweg vorbereitet. Am 27. April 1991

wurde das Apfelblütenfest in der Bergen‑Enkheimer Stadthalle veranstaltet. Hier wurden viele optische und musikalische Attraktionen geboten (Adam und die Mickys, die Stellbergs, Steinheimer Altstadtraben, Akrobatik‑ und Tanzgruppen). Karl Oertel moderierte diese Veranstaltung mit einer Verlosung mit tollen Preisen.

In der ersten Maiwoche 1992 wurde der Fahrrad­weg „Apfelweinstraße“ vom Hessen Center Ber­gen‑Enkheim über Maintal nach Hanau (Stein­heim) eingeweiht.

 

Neben jenen Gaststätten sind in diesem Heft auch Rad‑ und Fußwege rund um die Apfel­weinstraße dargestellt. Diese Routen führen von Sachsenhausen bis nach Steinheim, wobei auch Parkplätze eingezeichnet wurden, an denen man sein Fahrzeug abstellen kann um sich zu Fuß oder mit dem Rad auf die Apfelweinroute zu begeben. Die Hessische Apfelweinstraße verläuft von den Frankfurter Stadtteilen Sachsenhausen, Bornheim, Seckbach und Bergen‑ Enkheim über die Maintaler Stadtteile Bischofsheim, Hochstadt und Wachen­buchen und erreicht über Hanau‑Wilhelmsbad, Kesselstadt schließlich Steinheim.

1993 wurde neben der Apfelweinstraße auch ein Radweg markiert. Der führt vom Hessen‑Center durch Wald und Ried über Hochstadt bis zum End­punkt Hanau‑Steinheim. Auch in der Beschreibung dieses Radweges wird Hochstadt als „das Rothen­burg des Hanauer Landes“ bezeichnet und die Ap­felweingaststätte „Goldene Krone“ als angenehmer Aufenthaltsort gepriesen. Natürlich darf bei dieser Route der Gastlichkeit Deutschlands größte und älteste Apfelweinkelterei Höhl in Hochstadt nicht fehlen.

 

Preisträger:

Von 1985 an wird jedes Jahr eine Persönlichkeit, die sich um das hessische Brauchtum verdient gemacht hat, mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Preisträger waren Frank Lehmann, Liesel Christ, Lia Wöhr, Heinz Schenk, Heinz Marosch (Benny Maro), H.P. Müller, Bembel‑Sammler Helmut Lenz (1991), Karl‑Heinz Stier vom Hessischen Rund­funk der Hanauer Radio‑ und Femsehunterhalter Rainer Bange („Bange machen gilt nicht“ und „Nur keine Ban­ge“)( 1995), Hans‑ Jürgen Moog (1997), Jutta W. Thomasius (1998), der Regisseur und Leiter des Volkstheaters Wolfgang Kaus (1999).

Der Träger des Ebbelweiprei­ses 2000 hieß Karl Oertl. Beim 17. Ebbelwei­-Fest am Samstag auf dem Römerberg übergab OB Petra Roth (CDU) dem „Hes­sen mit Herz“ seine Urkunde. „Mein roter Freund“ begrüßte die OB den Preisträger, der seine Ehrung ‑ trotz gegensätzlicher politischen Coleur ‑ für sein 20‑jähriges Engagement bei „Hessen lacht zur Fassenacht“ erhält, so Roth. Al­lein 15 Jahre war Oertl dort Sitzungspräsi­dent und habe als solcher die hessische Kultur bis weit über die Landesgrenzen hi­naus­getragen. In seiner Dankesrede be­zeichnete sich Oertl als „kein Mann der großen Worte“ und sorgte damit für großes Gelächter im Publikum.

Im Jahr 1992  über­reichte Oberbürger­meister Andreas von Schoeler wird ihr eine kleine Kelter an Gaby Reichardt. Sie wohnt in Massenheim, einem kleinen Örtchen bei Hochheim, zehn Kilometer vor Wiesbaden. Lange Zeit war Gaby Reichardt in Frankfurt ansässig - ist auch dort zur Welt gekommen. „Der Weg nach Mainz ins Theater war mir aber dann auf Dauer doch zu weit.“ Jetzt wohnt sie mit ihrem Mann, ihren Haustieren und ihren Rosen im Städtedreieck Mainz­-Wiesbaden‑Frankfurt: ihrem Wirkungskreis in Funk und Theater, verbunden mit den Aktivitäten für das Hessische Brauchtum. Sie wird oft als „e Frankforter Mädche“ beschrieben. Und sie ist mit „ihrer“ Stadt auch noch sehr eng verbunden. Allerdings läßt sie sich nicht gerne in Schubladen stecken; sie, möchte offen sein für alles, für jeden ‑ keine Vorurteile, keine Mätzchen. Sie ist nicht nur Frankfurterin: sie ist Hessin, sie ist einfach Mensch. Das ein­fachste, was es geben sollte, eben Mensch zu sein, entpuppt sich als das schwierigste Unter­fangen des Lebens. Einen lan­gen Lernprozeß hat Gaby Reichardt hinter sich, um da­hinzukommen, wo sie jetzt ist: Sie sitzt im Studio des Hessi­schen Rundfunks; moderiert in HR 4 das Wunschkonzert zwi­schen 14 und 16 Uhr. Sie lacht, scherzt mit ihrem Chef vom Dienst und mit Technikerin Monika, hält die beiden bei Laune, genau wie die Hörer draußen. Gaby Reichardt bringt sich und ihre Stimme voll rüber: über Mikrofon in die Herzen der Hörer. Jedem Postkartenwunsch, den sie in ihren Sendungen erfüllen kann, gibt sie ein Stückchen von sich mit. Die Sendungen kommen gut an. Gaby Reichardt ist ein­fach da ‑ nichts weiter. „Vorur­teile gegenüber Menschen, die ich nicht kenne, abzubauen, habe ich hier bei meiner Arbeit im Radio gelernt. Bei den Studiogesprächen mit Musikern zum Beispiel hat sich oft her­ausgestellt, daß es liebe Men­schen sind, ‑ die ungeheuer kämpfen müssen im Leben. Da habe ich mich geschämt, weil ich aufgrund des Platten‑Co­vers Vorurteile gehabt habe“, gesteht Gaby Reichardt.

Als nächster Titel kommt Udo Jürgens, den mag sie beson­ders. Ansonsten ist viel Volkstümliches bei ihr on Air. „Ich mußte mich schon erst an die Musik gewöhnen. Zu Hause habe ich mir die Platten ange­hört und nach einem Viertel­jahr habe ich dann schließlich Ja gesagt. Denn wenn ich von etwas nicht hundertprozentig überzeugt bin, lasse ich es lie­ber bleiben.“

Seit 1975 mode­riert sie jetzt beim HR und immer noch mit der selben Freude. „Ein Vorteil bei mei­nen Sendungen ist, daß ich ­auch einiges im hessischen Dia­lekt machen kann.“ Und genau das ist mit ein Grund, daß sie die Preisträgerin des Ehren­preises der „Arbeitsgemein­schaft Hessische Apfelweinstraße“ 1992 ist. Gaby Reich­ardt setzt sich für ihre Sprache ein, hilft dem hessischen Brauchtum, nicht unterzuge­hen.

Allerdings wäre eine hessisch babbelnde Hessin noch keine Preisträgerin. In allen Rollen ihrer Laufbahn als Schauspie­lerin ist die Liebe zu ihrer Hei­mat zu spüren und immer, wenn es gilt, eine Rolle zu spielen, die mit ihrer Heimat und den Menschen dort zu tun hatte, war sie mit besonderem Eifer bei der Sache.

Alle ihre Engagements aufzu­zählen, ist kaum möglich. Die bekanntesten sind: Mit Joseph Offenbach das Marieche im „Datterich“, bei den Städti­schen Bühnen im „Schinder­hannes“ das Julchen, in sech­zehn Folgen das Malche bei „Familie Hesselbach“ und im „Biberpelz“ war Hans Joachim Kulenkampf ihr Partner.

Ihr Lebenslauf im Steno­gramm: Nach dem Abitur be­suchte sie von 1956 bis 1958 die Schauspielschule. „Sauer werde ich eigentlich immer nur dann, wenn jemand eine große Lippe riskiert und sein Hand­werk nicht beherrscht. Ich habe meines gelernt. Das weiß ich.“ Im selben Jahr wurde sie von der Landesbühne Rhein- Main verpflichtet. Seit 1966 ist sie am Staatstheater in Mainz enga­giert ‑ unkündbar. Stationen bei Radio und Fernsehen, so­wie bei Lesungen und unzäh­lige Engagements in Theater­rollen folgten. .

Ein nettes Apercu aus ihrem Leben erzählt sie am Rande: „Wenn ich für den Hessischen Rundfunk bei öffent­lichen Ver­anstaltungen moderiert habe, bin ich in meinen Radio‑An­fangszeiten grundsätzlich nur mit Perücke aufgetreten. Die hatte ich vom Theater passend zu mir. Ich habe lange ge­braucht, um ich selbst zu sein. Es galt, nicht wie am Theater, eine Rolle zu spielen, sondern einfach Du zu sein. Das war schwer.“ Jetzt braucht sie keine Perücke mehr.

 

Mundart:

Hessische Spezialitäten und Sprache hoch halten, hat sich auch die Arbeits­gemeinschaft Hessische Apfelwein­straße e. V. auf die Fahnen geschrie­ben und auch schon einiges zur Tradi­tionspflege beigetragen. Getreu ihrer Satzung hat sich die Ar­beitsgemeinschaft nun für die nächs­ten Jahre vorgenommen, hessische Lieder am Apfel­weinfest auf dem Rö­merberg und bei anderen Veranstal­tungen ‑ auch in Maintal ‑ vorzustel­len.

Heinz Schönberger, ehemaliger Big Band‑Chef des Hessischen Rund­funks, und Vorstandsmitglied Adolf Amber­ger, bekannt als „Appelwoi‑Po­et Amby“", haben sich nun zusammen fünf neue Lieder einfallen lassen, um damit die Menschen zu erfreuen. Eine gute Idee, wie auch die Spitzmaus meint.

Los geht es mit „Frankforterisch fer Aafänger“ ‑ ein Lied natürlich nicht nur für Frankfurter. Denn den Text versteht in dieser Regi­on jeder. Ein kleiner Auszug: „En Dia­lekt, speziell für uns, dess iss halt unser Sprach. Mir könne gar nix dadefür un uns gefällt se aach. Mer liebe un­sern Äppelwoi, verdammt un zuge­näht, un sache aach e passend Wort, wenn's gar net anners geht“.

 

Anfang Oktober 1992 trafen sich die Freunde rund ums Stöffche im historischen Rathaus von Hochstadt zu ihrer alljährlichen Apfelweinprobe. Startschuß zur ersten Runde, hier mit dem Süßen, gab Bürgermeister Dr. Walter Unger: „Wir sind zwar schon lange eine Republik, aber ich freue mich trotzdem, gekrönte Häupter begrüßen zu dürfen.“ Und huldvoll verneigen sich die bundesrepublika­nischen Apfelwein‑Hoheiten Uschi I. und Manfred I. sowie Sandra Müller (21), Apfelweinkönigin aus Bergen‑Enkheim.

Hans Braun vom Hessischen Ministerium für Wirt­schaft und Verkehr beschloß die Reihe der Redner. Er erwähnte lobend die Landkarte der Apfelwein­straße, die voraussichtlich im kommenden Jahr erscheint. Die sich als „Route der Gastlichkeit“ so hübsch von Steinheim nach Sachsenhausen schlän­gelnde Strecke kann der Apfelweinliebhaber, dann übersichtlich einsehen ‑ mit den günstigsten Park­plätzen, den schönsten Wanderwegen und den urwüchsigsten Einkehr‑Möglichkeiten. Bequemer geht’s kaum. Während das Wasser vor Gemütlichkeit bereits am Fensterglas kondensierte, klang der Abend mit „Rippchen und Kraut“ aus.

 

Auch 1993 traf sich die Arbeitsgemeinschaft „Hessische Apfelweinstraße“ in Hochstadt, diesmal aber in der traditionsreichen Apfelweinkelterei Höhl in Hochstadt. Seniorchef Rudolf Höhl höchstpersönlich führte die Gäste durch den Familienbetrieb und erklärte die Herstellung des Apfelweines von der Anlieferung der verschiedenen Apfelsorten bis zur Auslieferung an den Verbraucher.

Untern den zahlreichen Gästen, die sich in Hoch­stadt eingefunden hatten, waren auch drei Reprä­sentanten des Apfelweines zu finden. So das Bundesapfelwein‑Königspaar Beate I. und Rudolf I. aus Hanau‑Steinheim, Bergen‑Enkheims Apfelweinkönigin Kerstin I. und die Sachsenhäuser Brunnenkönigin Kirsten I.. Die Hoheiten erhielten von Maintals Stadtverordnetenvorsteher Erhard Rohrbach ein kleines Präsent überreicht. Gleichzeitig begrüßte Rohrbach die Gäste in „Maintals schönstem Stadtteil“.

Bei der anschließenden Verkostung des Apfelweins wies der Geschäftsführer der AG Hessische Apfel­wein­straße, Karl Halbow, noch einmal auf die gesundheitsfördernde Wirkung des Getränkes hin und gab einiges aus der Historie zum Besten. Über die Voraussetzungen zur Herstellung des Apfelwei­nes informierte Wilhelm Bender, ein noch selbst kelternder Gastronom aus Bergen‑Enkheim.

Viel Beifall von den Anwesenden gab es für den Vize‑Präsidenten des Hessischen Landtages, Dirk Pfeil, der sich für die Abschaffung der Bagatellsteu­ern aussprach. Immerhin plant die EG eine Apfel­weinsteuer, die unabsehbare Folgen für Gastrono­mie und Fremdenverkehr in Hessen hätte. Doch zunächst ließen sich an diesem Abend die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Hessische Ap­felwein­straße und die anderen Gäste das Essen und natürlich das „Stöffche“ aus dem Hochstädter Ap­felparadies schmecken.

 

Die Weinprobe 1994 fand man im „Wenk’schen Hof“ in Hanau‑Steinheim statt. Doch es wurde nicht nur getrunken, sondern auch viel über den Apfelwein erzählt und ein kleines Programm geboten. Zu dieser Weinprobe im „Wenck’schen Hof“ hatte sich viel Prominenz eingefunden. Unter anderen Hanaus Oberbürger­meisterin Margret Härtel, Bergen‑Enkheims Ortsvorsteher Herbert Loos, Rudolf Höhl von Deutschlands ältester Apfelweinkelterei in Maintal‑Hochstadt, Heinz Schönberger, der Ex‑Chef der Big‑Band des Hessischen Rundfunks mit seiner Frau Heidi und natürlich das Bundes‑Apfel­weinpaar Ulli I. und Karin I. sowie Bergen‑Enk­heims Apfelweinkönigin Daniela I. 

Karl Halbow, Geschäftsführer der AG Hessische Apfelweinstra­ße, begrüßte die zahlreichen Gäste und wünschte allen ein paar schöne Stunden. Dann begann in ei­ner Stammtischrunde unter der Leitung von Erich Lang die Diskussion über den Apfelwein. Als Fach­leute standen Rudolf Höhl, Chef der Hochstädter Kelterei und Wilhelm Bender, selbstkeltender Wirt vom „Schützenhof“ aus Bergen‑Enkheim den Gästen Rede unbeantwort. Dabei ging es in erster Linie um die Qualität des neuen Apfelweines, seinen Ge­schmack, den Preis und die Geheimnisse der Her­stellung. Dazu wurden einige Begebenheiten und Anekdoten rund um den Apfelwein erzählt und der neue „Süsse“, ein „Rauscher“ oder ein alter Apfelwein gekostet.

Nachdem man sich auch den herrlichen Keller des „Wenck’schen Hofes“ angeschaut hatte, wurde es bei „Rippche mit Kraut“ und Apfelwein in allen Variationen urgemütlich. Für die richtige Stim­mung sorgte Erich Lang als Moderator, Chris Rei­ners mit Musik und Gesang, Adolf Amberger mit seinen selbst vorgetragenen Gedichten sowie Gaby Reichert und Monika Maurer. So verging die Zeit wie im Flug und gegen Mitternacht machten sich die letzten Besucher auf den Heimweg.

 

Auftakt des traditionellen Frankfurter Ebbelwei­-Großereignisses im Jahre 1995 wurde wieder der Umzug der Köni­ginnen von Hanau‑Steinheim bis zum Frankfurter Römer sein. Dem Zug startete um 10 Uhr in Steinheim. Zu ihm gehörten neben Daniela I. auch das Bundes­apfelweinkönigspaar Karin I.. und Uli I., die Sach­senhäuser Brunnenkönigin Christine I., die Gold­steiner Rosenkönigin Manuela I. und die Oberurse­ler Brunnenkönigin Christine I. an, die mit ihrem Gefolge gegen 13 Uhr auf dem Römerberg eintrafen. Begleitet wurde der Festzug vom Fanfaren­zug der ersten Steinheimer Karnevalsgesellschaft. Gegen 13.30 Uhr wurden die Apfelwein‑Majestä­ten auf dem Römerberg vorgestellt, von 14 bis 18 Uhr spielte die Stadtkapelle Bergen‑Enkheim unter der Leitung von Hans Vogel schmissige Lieder. Der Ebbelweipreis geht diesmal an den Hanauer Radio‑ und Femsehunterhalter Rainer Bange („Bange machen gilt nicht“ und „Nur keine Ban­ge“). Karl Halbow, Geschäftsführer der Arbeitsge­meinschaft Hessische Apfelweinstraße, sprach die Begrüßungsworte. Alexander Loulakis, Preisträger des Vorjahres, hielt die Laudatio. Die Preisübergabe übernahm Stadträtin Hochgrebe.

 

Im Jahre 1995 fand die Weinprobe in der gemütliche Gaststätte „Goldene Krone“ in Hochstadt statt. Karl Halbow, langjähriger Geschäftsführer der AG Hessische Apfelweinstraße, konnte dazu in der Hochstädter Apfelweinschänke das Bundesäppel­woi‑Paar Brigitte I. und Willi II. aus Hanau‑Stein­heim und die Bergen‑ Enkheimer Apfelweinköni­gin Monika II. als Repräsentanten des „Stöffchens“ begrüßen. Außerdem hatte man Vertreter des Um­landverbandes, der Stadt Hanau und des Amtlichen Verkehrsbüros eingeladen.

Zu Beginn der zwanglosen Veranstaltung disku­tierten in Gesprächsrunden die Anwesenden mit Apfelweinexperten über das Hessische Nationalge­tränk. Dazu standen mit Rudolf Höhl, Chef von Deutschlands ältester Apfelweinkelterei in Hoch­stadt, und mit Wilhelm Bender, einziger selbstkel­ternder Apfelweinwirt in Bergen‑Enkheim, kom­petente Gesprächspartner zur Verfügung. Diskussi­onsleiter Erich Lang, selbst ein Apfelwein‑Origi­nal, hatte interessante Fragen parat.

So erfuhren die Besucher der Weinprobe etwas über die Qualität der diesjährigen Apfelernte und über den Öchslegehalt, über die Einkaufspreise der Ap­fel und die Auswirkungen auf den Preis des Apfel­weines, oder darüber, ob die Lagerung in Tanks den Geschmack des „Stöffchen“ beeinflußt oder die Frage „Was ist Süßer und was ist Rauscher?“ Da im Jahr 2000 die Landesgartenschau in Hanau sein soll, wurde auch gefragt, ob denn bei der Planung für diese Gartenschau auch die Schaffung von Streuobstwiesen geplant sei. Klaus Schweitzer vom Frankfurter Umlandverband konnte dazu noch nichts Endgültiges sagen, wird aber diesen Vor­schlag in die Planungen mit einbringen. Auch be­müht sich die AG Hessische Apfelweinstraße, vor allem in ihrem Bereich die vorhandenen Wander- und Fußwege sowie Freizeiteinrichtungen bekannter zu machen. Deshalb wäre ihr auch eine Unter­stützung des Landes und der Städte recht hilfreich.

Doch es wurde an diesem Abend nicht nur über den Apfelwein gesprochen, sondern natürlich auch getrunken. Dazu gab es traditionell „Rippche mit Kraut“. Für die richtige Stimmung sorgte Bergen­-Enkheims Apfelweinkönigin Monika II. mit ihrem Mann Helmut, besser bekannt als der „singende Töpfermeister“. Fazit der Weinprobe: Auch dieses Jahr schmeckt der Apfelwein wieder vorzüglich.

 

Am 4. Mai 1996 fand auf dem Hanauer Schloßplatz das Apfelblütenfest statt. Die Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße veranstaltete es gemeinsam mit dem Verkehrsamt und Hanauer Vereinen. Dabei drehte sich bei dieser Veranstaltung fast alles um den Apfel. Man wollte Hanau das zu geben, was Frankfurt schon seit 20 Jahren hat: ein richtiges „Ebbelwei“‑Fest. „Immerhin liege die Stadt an der hessischen Apfel­weinstraße, sei aber bis jetzt immer links liegen gelassen worden“, wie der 1. Vorsit­zende der Arbeitsgemeinschaft, Karl Halbow, erklärte.

Das Bergen‑Enkheimer Schelmenduo spielte „Die rote Sonne von Barbados“ und die Gäste schlotterten: Der Wettergott hatte am vergangenen Samstag nur bedingt ein Einsehen mit den Veranstaltern des 1. Hanauer Apfelblütenfests. Zwar regnete es im Schloßgarten nur zartrosa von den Bäumen, aber bei Temperaturen um die zehn Grad lockte wohl doch eher die warme Stubb’' als die Freiluft‑Party.

Gerade mal eine Handvoll Besucher wa­ren rund um den Pavillon im Schloßgar­ten versammelt, als Erich Lang, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, das Fest pünktlich um 13 Uhr mit einem „Hallo liebe Apfelweinfreunde und Frie­rende“ eröffnete. Er lobte die Anwesenden als „harten Kern“, denn bei schönem Wetter könne schließlich jeder feiern.

Gegen 14 Uhr kam Hanaus Oberbür­germeisterin Margret Härtel in einer festlichen Kutsche vom Alten Rathaus zum Schloßplatz ge­fahren. Dabei gaben ihr das Steinheimer Bundesap­felwein‑Königspaar Brigitte I. und Willi II. aus Steinheim und die Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin Monika II. das Ehrengeleit. Auch der Spiel­mannszug der 1. Steinheimer Karnevalgesellschaft begleitete die „Majestäten“.

Margret Härtel und Geschäftsführer Karl Halbow von der AG Hessische Apfelweinstraße gegrüßten die Hanauer Bürger und Gäste aus nah und fern. Das anschließende Programm gestalteten die Bergen‑Enkheimer Apfelwein­königin Monika II., die auch schon von Fernsehauftritten bekannt ist, sowie Hanauer Vereine wie die Gesangverein „Die Sumser“, die Jazztanzgruppe des TSV 1860 Hanau, die  „Hanauer Notenspatzen“, die Prinzengarde der Steinheimer Karnevalgesellschaft und die 1. Ha­nauer Karnevalgesellschaft.

Für die Besucher wurden im Schloßgarten Sitzgar­nituren aufgestellt. Außerdem sollen große Sonnenschirme nicht nur vor Sonnenstrahlen, sondern auch vor einem möglichen Regenguß schützen. Sieben Hanauer Vereine sind mit Ständen vertreten, an denen preiswerte Speisen und Getränke angeboten werden.

Vom Kotelett zur Pilzpfanne, von leckeren Kuchen bis zu thüringischen Bratkartoffeln: Die Vereine hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um ihren Besuchern kuli­narisch etwas zu bieten. Und auch die Au­gen und Ohren wurden nicht vergessen, denn jede Gruppe brachte mit Musik oder Tanz eine Unterhaltungseinlage ins Pro­gramm. „Ebbelwei“ heiß und kalt gab es auf dem Fest natürlich satt.

 

Bei der traditionellen Apfelweinprobe der Arbeits­gemeinschaft (AG), Hessische Apfelweinstrasse e.V. im Jahre 1996 in der Groß‑Kelterei Höhl in Maintal‑Hochstadt wurde in einer Diskussion „mit ausgewählten Gästen“ unter der Lei­tung von Erich Lang, Vizechef der AG, laut darüber nachgedacht, wie neue Akzente gesetzt werden könn­ten, etwa in Hanau, wo doch im Jahr 2002 die Landes­gartenschau (LGS) stattfinden soll, egal ob mit oder ohne Segen der SPD .

„Wir haben nichts mit Hanau zu tun, außer daß einmal im Jahr die Oberbür­germeisterin zur Krönung kommt“, laute­te ein harter Spruch, der zwar wie viele andere dröhnendes Gelächter auslöste, in­des ‑ wie aus dem ganzen Kontext zu schließen ‑ durchaus ernst gemeint war.

Wenig später meinte ein knorriger Steinheimer. Wir machen unser Bundes­apfelweinfest, wir unterstützen das Apfel­blütenfest gerne, aber nicht das Hanauer Weinfest.“. Und als zur Frage, was man tun könne, um Hanau besser einzubinden, der Vorschlag kam, die AG könnte doch bei der LGS ‑ die ja ein ganzes Jahr läuft ‑ als Mitveranstalterin bestimmter Feste auftreten, hieß es: „Ein Steinheimer ist Hanauer, aber ein Hanauer noch lange kein Steinheimer.“ Das gelte bekanntlich auch für Frankfurt und Sachsenhausen ‑ wo die Apfelweinstraße schließlich endet. Oder fängt sie da an und endet in Hanau‑Steinheim?

Wie dem auch sei. Man betont das „bo­denständig Gewachsene der Stadtteile“ die durch den Strom des hessi­schen Nationalgetränks verbunden sein sollen: Daß Hersteller und Vertreiber bei aller betonten Gemütlichkeit knallharte Konkurrenten bleiben, ist nicht nur mit dem Rechtsstreit zwischen Höhl ‑ der größten Kelter Deutsch­lands ‑ und dem Frank­furter Rivalen Possmann um die Bezeich­nung „Äppler“ belegt, der übrigens immer noch nicht beendet ist.

Ob nun allein durch die Menge der Pro­duktion Hochstadt die „Hochburg des Ap­felweins“ ist, wie Seniorchef Rudolf Höhl selbstbewußt behauptet, oder Frankfurts prominenter Stadtteil Bergen‑Enkheim, sei ebenfalls dahingestellt. Man höre sich gelegentlich an, was andere Hersteller da­zu meinen, etwa in Maintal‑Bischofsheim oder Bruchköbel, ganz zu schweigen vom Kahlgrund.

Jedenfalls kann der Verkehrsverein Bergen‑Enkheim, dessen Vorsitzender Karl Halbow auch Chef der AG Apfel­weinstraße ist, zurecht behaupten, man halte die Mitte. Hier, Im Sperber 24, Tele­fon 06109/2813, hat die AG ihren Sitz, wo übrigens auch eine launige Informa­tionsschrift über Wanderwege und Rad­wege an der „Route der Gastlichkeit“ zu haben ist.

Bergen‑Enkheims Apfelweinkönigin Beate, die zum Fest die Goldsteiner Ro­senkönigin Bianca mitgebracht hatte, stellte bei einem Plausch am Pressetisch beiläufig klar, „kein einheimisches Urge­wächs“ zu sein, sondern aus dem Norden zu stammen ‑ wie auch Oberbürgermei­sterin Petra Roth, die sie gekrönt hat.

 

Die Stadt Maintal ist der Mittelpunkt der Hessischen Apfelweinstraße und bietet neben landschaftlichen Schönheiten und historischen Bauten auch eine ganze Reihe gemütlicher Apfelwein­gaststätten. So steht es auch in einer neuen Broschüre der Arbeitsgemeinschaft (AG) Hessische Apfel­weinstraße, die in der jüngsten Pressekonferenz des Maintaler Magistrats im Mai 1996 vorgestellt wurde und zum großen Äppelweifest auf dem Frankfurter Römer am 15. Juni erstmals verteilt werden soll.

Die neue Broschüre wird dann auch über die Ver­kehrsämter der Städte Hanau und Frankfurt sowie in der Maintaler Verwaltung verteilt. Außerdem erhalten die Gastwirte, die Apfelwein ausschenken, einige Exemplare, die sie ihren Gästen weitergeben können.

 

Im November 1997 traf sich die Arbeitsgemeinschaft im „Kapellchen“ im Frankfurter Römer. Karl Halbow, der  1. Vorsitzende der AG Hessische Apfelweinstraße, konnte dort Bürgermeister a.D. Hans‑Jürgen Moog, Rudolf Höhl, Chef der ältesten Apfel­weinkelterei aus Hochstadt, Wilhelm Bender, einziger noch selbstkelternder Gastwirt aus Bergen-Enkheim sowie die Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin Özlem I. und weitere Ex‑Queens aus Hessen begrüßen.

Natürlich wurde als erstes der neue Ap­felwein probiert. Doch auch von dem gu­ten Geschmack des Süßen, des Rau­schers, vom Cidre und Apfelschaumwein konnte man sich überzeugen. Erich Lang von der AG Apfelweinstraße eröffnete dann die Diskussionsrunde, bei der es vor allem über die diesjährige Apfelernte, die Preise und die Produktion des hessischen Nationalgetränks. Das Brauchtum kam bei der „Apfelweinprobe“ natürlich nicht zu kurz. Der Apfelweinpreisträger 1997, Hans‑ Jürgen Moog, gab einige sinnige und passende Gedichte von Friedrich Stoltze zum Besten, Ex‑Apfelweinkönigin Monika Maurer steuerte ebenfalls lustige und gereimte Verse dazu bei und das Odeon‑Orchestri­on unterhielt mit entsprechender Musik.

 

Die Jahresversammlung der Hessischen Apfelweinstraße 1998 fand Ende April in der Gast­stätte „Dorfschänke“ in Maintal-Bi­schofsheim statt. Erst­malig waren die beiden neuen stellvertre­tenden Vorsitzenden des Bergen‑Enk­heimer Verkehrsvereins, Irene Eidel und Helmut Janz, ebenso die neue Schriftfüh­rerin Christa Mosfeld und Karl Michler, der Betreuer der Bergen‑Enkheimer Ap­felweinkönigin anwesend. Ullrich Pa­zitzka, der Leiter des Hanauer Verkehrs­amtes, stellte seinen Nachfolger im Amt vor, Dr. Renftel, da er in Kürze in Pension gehen wird. Nach dem Bericht des Ge­schäftsführers, des Kassierers und der Revisoren wurde dem Vorstand einstim­mig Entlastung erteilt. Wolfgang Stumpf, der ehemalige Kerbepräsident des Sach­senhäuser Brunnenfestes, wurde zum Al­terspräsidenten gewählt.

Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Geschäftsführer Karl Hal­bow; Stellvertreter für den Bereich Frankfurt: Erich Lang; Stellvertreter für Hanau und Maintal: Rudolf Schaffert; Schriftführer und Kassierer Adolf Am­berger, Protokoller: Walter Seiferth; Re­visoren: Heinz Eidel und Günther Beck.

Folgende Themen wurden behandelt:

  • „Hanauer Apfelblütenfest“. Dieses wurde bisher zweimal in Zusammenar­beit mit den Hanauer Vereinen im Ha­nauer Schloßgarten durchgeführt. Wenn es in diesem Jahr ausfällt, soll das nicht heißen, daß die Apfelweinstraße kein In­teresse mehr hat. Es soll in Zukunft den Hanauer Vereinen selbst Gelegenheit ge­geben werden, ein solches Fest aufzuzie­hen, was dann die volle Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft bekommt. Es müß­te vor allen Dingen gewährleistet sein, daß dieses Fest propagandistisch so vor­bereitet wird, daß man es als ein echtes Hanauer Volksfest betrachten kann, das von der Bevölkerung und den Vereinen angenommen wird.
  • Römerfest am 20. Juni: Es wird wie­der ein Festzug mit den Königinnen von der Steinheimer Altstadt bis zum Römer fahren, der von dem Steinheimer Spiel­mannszug begleitet wird.                              Erstmalig in diesem Jahr ist ein Aufenthalt in Bi­schofsheim vorgesehen, um auch diesem Maintaler Stadt­teil Rechnung zu tragen. Ab dem Affentorplatz in Sachsenhausen wird dann die Kapelle zu Fuß marschie­ren, um die Wagenkolonne zum Römerberg anzuführen. Die Bergen‑Enkheimer Stadtkapelle wird, wie in den vergange­nen Jahren, auf dem Römerberg spielen. Für etwa 1000 Personen werden Sitzge­legenheiten aufgestellt und es gibt einfa­che hessische Gerichte zu angemessenen Preisen und natürlich Apfelwein. Die diesjährige Preisträgerin des Apfelwein­preises ist die Redakteurin Jutta Thoma­sius. Bürgermeister a.D. Dr. Moog wird bei der Preisverleihung die Laudatio sprechen und Bürgermeister Jochim Van­dreike wird den Preis überreichen.
  • Apfelweinprobe am 13. Oktober. Der 13. Oktober wurde als Termin für die diesjährige Apfelweinprobe festgelegt, wobei. die Einzelheiten von dem Vor­stand noch geklärt werden müssen.
  • Streuobstwiesen: Die in Hessen, an­laufenden Aktivitäten für die Anlage von Streuobstwiesen werden von der Arbeits­gemeinschaft „Hessische Apfelweinstra­ße“ unterstützt. So wird eine Abordnung, der Apfelweinstraße am 26. April das Bundesapfelweinkönigspaar und die Ber­gen‑Enkheimer Apfelweinkönigin nach Bruchköbel begleiten, um an der dortigen Aktion im Rahmen der Streuobstwiesen präsent zu sein.

 

Beim Zug zum Römerbergfest 1998 stat­te­ten die hoheitlichen Repräsentanten des Apfelweins auf dem Weg entlang der „Hes­sischen Apfelweinstraße“ von Hanau‑Steinheim bis zum Frankfurter Römer pünktlich um 11 Uhr der Bischofsheimer „Dorfschänke“ ihren Besuch ab. Wirt Günter Beck, selbst in der Arbeitsgemeinschaft „Hessische Apfelweinstraße“ aktiv, hieß die Blaublütigen willkommen und konnte mit seiner schmucken Gartenwirtschaft auch das entsprechende Umfeld bieten. Das Wetter stimmte, die Stimmung war bestens und das Steinheimer Bundesapfelweinkönigspaar, die Bergen‑ Enkheimer Apfelweinkönigin Özlem I., die Brunnenköniginnen aus Sachsenhausen und Oberursel, die Büdesheimer Laternenkönigin, die Rosenkönigin aus Goldstein und das Königsteiner Burgfräulein zeigten sich allesamt gut gelaunt und volksnah.

Apropos volksnah: Hierin lag das einzige Manko des einstündigen Aufenthalts, denn nur 30 bis 35 Bischofsheimer und andere Maintaler hatten den Weg zur Dorfschänke gefunden, um die Blaublüti­gen würdig zu empfangen. „Nächstes Jahr wird es besser“, gab sich Wirt Gunter Beck in des überzeugt.

Zuvor hatte der von Polizeiwagen flankierte Autocorso bereits Hochstadt „passiert“. Auch hier zeigte sich das „Volk“ eher reserviert, auch wenn der eine oder andere neugierige Blick dem stolzen Troß folgte.

Nach der Pause in Bischofsheim näherte sich der Zug seinem Ziel und erreichte schließlich über Bergen und Seckbach die Frankfurter Innenstadt, um dann in Sachsenhausen die Pkw stehenzulassen und den restlichen Weg bis zum Römer­berg zu Fuß zurückzulegen.

Dort machte die „größte Apfelweinwirtschaft der Welt“ ihrem Namen alle Ehre. Das Wetter lockte Erfrischungssuchende aus Frankfurt und dem ganzen Umland scharenweise ins Zentrum Frankfurter Feierfreudigkeit, die durch reichlich Maintaler „Stöffche“ noch angeheizt wurde.         

 

Im Lokal „Zur schönen Müllerin“ im Bornheimer Baumweg hätte im Oktober 1998 beim fröhlichen Schmausen und Gesprächen rund um den Ebbelwei keine Gabel mehr auf den Boden fallen können, so dicht besetzt waren Stühle und Bänke. Eingeladen hatte die „Arbeitsgemein­schaft Hessische Apfelweinstraße“. Ge­kommen waren Chefkelterer und Schop­pepetzer. Ne­ben der Bergen‑Enkheimer Apfelweinkö­nigin Nadine I., dem Bundesapfelwein­königspaar Michael II.. und Birgitta I. aus Steinheim und der Sachsenhäuser Brunnenkönigin Petra II.. hatte sich auch Karl‑Heinz Stier, HR‑Moderator und dies­jähriger „Ebbelwei‑Preisträger und Maintals Erster Stadtrat Gerd Robanus eingefunden.

Die Apfelweinstraßen-Geschäftsführer Karl Halbow, sein Stellver­treter und Moderator des Abends, Erich Lang sowie Gaby Reichard und Monika Maurer, die gereimt wie musikalisch das Hohe Lied des „Äpplers“ sangen, sahen keines­wegs schwarz. Solang es Frankfurt und Hessen gibt, fließt auch der Ebbelwei, so die frohe Botschaft.

Die Hessen trinken im Durchschnitt pro Jahr etwa 12,1 Liter Apfelwein, verriet Erich Lang. „Das übertreffe ich auf jeden Fall“, outete sich Maintals Erster Stadttat Gerd Robanus in der Runde als Stöff­chetrinker. Doch auch für die Erhaltung und Pflege der Streuobstwiesen setzt sich der Politiker ein, wie er wissen ließ.

Nach den Worten schritt man zur Tat. Zum frischen Süßen und zum Apfelwein servierte der Wirt eine deftige hessische Schlachtplatte mit Rippchen, Blutwurst und Sauerkraut. Für die richtige Stim­mung sorgten anschließend einige Mit­glieder der AG Hessische Apfelweinstra­ße. Monika Maurer, vor Jahren selbst einmal Bergen‑Enkheimer Apfelweinkö­nigin, spielte auf dem Akkordeon, sang dabei von der berüchtigten „Frau Rauscher“ dazu und gab einige lustige Verse zum Besten. Auch Gaby Reichardt, eine der zahlreichen Apfelweinpreisträger, die jährlich für die Pflege des hessischen Brauchtums die Auszeichnung erhalten, präsentierte zwei Gedichte.

So ging die Apfelweinprobe der AG Hes­sische Apfelweinstraße so gemütlich zu Ende, wie sie begonnen hatte. Nicht nur Karl‑Heinz Stier vom Hessischen Rund­funk oder Jutta W. Thomasius, die dies­jährige Apfelweinpreisträgerin, fühlten sich wohl und versicherten, auch beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder dabei zu sein.

 

Ende Juni/Anfnag Juli 1999 gab es eine Hessische Apfelweinwoche im Hessen‑Center in Bergen‑Enkheim     . Diese bot für die daran beteiligten Städte und Stadtteile eine Plattform für repräsentativen Informationsstände. „1200 Jahre Dörnigheim“ hieß die Devise in der ersten Etage des Hessen‑Centers. Ein Teil des Dörnigheimer 1200 Jahre­ Festzugwagens ist dort zu sehen, eingebettet in eine liebevoll gestaltete Kulisse der evangelischen Dör­nigheimer Kirche und des alten Rathauses. Über dem Szenario weht erhaben das Maintaler Stadt­wappen.

Auch die Stadt Hanau ließ sich nicht lumpen und steuerte Modell‑Exponate der Philippsruher Schloßparkanlage, des Goldschmiedehauses, des Frankfurter Tores und des Heinrich‑Fischer‑Bades bei.

Von historischem Interesse ist der Beitrag des Heiratmuseums Bergen‑Enkheim: Vier Ausstel­lungsstücke zeigen den Weg des Apfels zum Wein: Apfelwaage, Apfelmühle, Apfelpresse und Apfel­pumpe. Das nötige Trink‑Instrumentarium dazu präsentiert die Firma Maurer: Töpferwaren aller Art, insbesondere natürlich Bembel jeder Größe.

Wo Apfelwein im Mittelpunkt steht, darf ein ge­pflegter Ausschank natürlich nicht fehlen: Der Apfelwein‑Garten der Hochstädter Firma Höhl wird mit Stöffche pur oder gespritzt, Speierling und Hessen‑Cidre auch unbedarfte Zeitgenossen in den Bann des hessischen Nationalgetränks ziehen.

Ein reichliches Festprogramm wird die Apfelwein­woche abrunden: Musikalisch geht es am heutigen

Mittwoch, 30. Juni, ab 14 Uhr zu, wenn die bekannten Stimmungskanonen Norbert und Erich Kern und Rainer Kirchner den Weg der Apfelwein­straße melodisch‑unterhaltsam zum Besten geben. Richtig rund geht es am morgigen Donnerstag, 1. Juli, wenn das Hessen‑Center bis 20.30 Uhr geöffnet ist: Mit humorvollen Vorträgen und ausgelassenen Liedern bezeugen die „Staanemer Bembelsänger“ ab 14.30  Uhr  ihre Liebe zum Apfelwein. nahtlos geben sie um 17 Uhr den Bembel weiter an Klaus Kern, der sich den Stöffche‑Oden anschließen wird. Einen königlichen Einstand geben Bergen‑Enk­heims Apfelweinkönigin Sandra I. und die Sachsen­häuser Brunnenkönigin Carmen I. gegen 17.30 Uhr, bevor die Bergen‑Enkheimer Schelmenspieler Sze­nen aus dem traditionellen Heimatspiel „Der Schelm von Bergen“ präsentieren. Lebendig werden dabei Kaiser Barbarossa, die junge Kaiserin Gisella und der Henker von Bergen, der es wagt, Ihre Königliche Hoheit zum Tänzchen aufzufordern. Schelmenspiel‑Initiatorin Christa Schleeweit legt Wert auf die Feststellung, daß es sich bei den Darstellern ausschließlich um engagierte Laien han­delt. Ende August kommt „Der Schelm von Bergen“, wie traditionsgemäß alle vier Jahre, an vier Tagen, in voller Länge vor der Berger Schelmenburg zur Aufführung.

Die Stadt Maintal präsentiert sich am Freitag, 2. Juli. Dabei wird vor allem mit Handzetteln auf das Festprogramm zur 1200‑Jahr‑Feier Dörnigheims vorn 16. bis 19. Juli aufmerksam gemacht.

Kabarettistisch geht es am Samstag, 3. Juli, zu: Die Stadt Hanau hat mit Rainer Bange einen hochkaräti­gen Satiriker an Land gezogen, der ab 12 Uhr seine Gedanken zur Postleitzahlen‑Reform beitragen wird. Im Anschluß gibt das Bundes‑Apfelweinkö­nigspaar Uschi I. und Manfred I. eine Autogramm­stunde, wonach sich die Darsteller der Hanauer Märchenfestspiele vorstellen sowie Prinzengarde und Fanfarenzug mit ihren prächtigen Kostümen aufwarten.

Zum Rahmenprogramm steuert das Bergen-Enkhei­mer Original Adolf  „Amby“ Amberger selbstge­dichtete Weisen zu seinem Lieblingsgetränk bei, die Gesamtmoderation übernimmt Erich Lang, wie Amberger Vorstandsmitglied der Arbeitsgemein­schaft Hessische Apfelweinstraße.

Mit großem Andrang ist zu rechnen ‑ wer sich ein Plätzchen in Höhls Stöffche‑Garten sichern will, sollte nicht zu spät kommen, empfiehlt auch Center­-Manager Horst Ande. Besonders am Herzen liegt Ande der Kontakt mit den Vereinen und Verbänden im Einzugsgebiet des Hessen‑Centers, also vor allem in Bergen‑Enkheim und Maintal. Mit der Hessi­schen Apfelweinwoche ‑ die Apfelweinstraße führt direkt am Hessen‑Center vorbei ‑ will Ande ein Zeichen des Miteinander setzen, das im nächsten Jahr auf jeden Fall fortgeführt werden soll.

 

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße legten die Apfelwein-Hoheiten und Repräsentanten Mitte Juni 1999 auf ihrem Weg von Hanau‑Steinheim zum Frankfurter Römerberg eine Pause in der Bischofsheimer Gaststätte „Dorf­schänke“ ein. Zu den Hoheiten zahlten das Steinheimer Bundes‑Apfelweinkönigspaar Brigitte I. und Michael II., die Bergen‑Enkheimer Apfelwein-Königin Nadine I., die Oberurseler Brunnenköni­gin Helena I. und die Büdesheimer Later­nen‑Königin Elke III. Zuvor passierte der Auto‑Corso unter anderem die Hochstäd­ter Hauptstraße. Etwas enttäuscht war Gunter Beck, Wirt der Gaststätte Dorfschänke und Vorstandsmitglied der Arbeitsge­meinschaft Hessische Apfelweinstraße vom mangelnden Publikumsinteresse.

 

Im Oktober 1999 war  die AG Hessische Apfelweinstraße zur Weinprobe in Hochstadt. Da staunte die Bergen-­Enkheimer Apfelweinkönigin Manuela I., als sie vor den „größten Apfelweinfäs­sern der Welt“ stand. In die riesigen Edelstahlbehälter der Kelterei Höhl pas­sen immerhin bis zu 350.000 Liter des hessischen Nationalgetränkes. „Da könnte ich Jahrzehnte davon trinken“, meinte die Repräsentatin des Bergen­-Enkheimer Apfelweines, die den „Ge­spritzten“ bevorzugt.

Gemeinsam mit dem Bundesapfelwein­-Königspaar Oskar I. und Petra I. aus Ha­nau‑Steinheim sowie der Brunnenköni­gin Sylvia I. aus Sachsenhausen war die Bergen‑Enkheimer ‑ Apfelweinkönigin zur diesjährigen Apfelweinprobe der Ar­beitsgemeinschaft Hessische Apfelwein­straße gekommen. Die fand diesmal in der Kelterei Höhl in Hochstadt statt. Mit dabei auch Wolfgang Kaus, der künstle­rische Leiter am Frankfurter Volksthea­ter und amtierender „Ebbelwei‑Preisträ­ger“.

Seit 1982 kümmert sich die AG Hessische Apfelweinstaße um das Volksgetränk Apfelwein und setzt sich für die Förde­rung und Erhaltung des hessischen Brauchtums ein. Einmal jährlich ziehen die Mitglieder von Hanau‑ Steinheim auf der Apfelweinstraße bis zum Frankfur­ter Römer und feiern dort ihr „Römer­bergfest“ mit der größten Apfelweinwirtschaft der Welt. Außerdem wird jedes Jahr eine prominente Persönlichkeit, die sich für die Ziele der Arbeitsgemein­schaft verdient gemacht hat, mit dem Ap­felweinpreis geehrt.

 „Uns geht es bei der jährlichen Apfelweinprobe nicht nur um den Geschmack des neuen Stöffche oder des Süßen, sondern auch um die Apfelernte, um die Verarbeitung und die Preisgestaltung“, betonte bei der Begrüßung Karl Halbow, der Geschäft­führer der AG Hessische Apfelwein­straße.

Zum Abschluß der Apfelweinprobe gab es traditionell Rippchen mit Sauerkraut. Passende Lie­der und Gedichte um den Apfelwein gab in gekonnter Weise Monika Maurer zum Besten, die selbst vor Jahren Bergen­-Enkheimer Apfelweinkönigin war.

 

Die Apfelweinprobe 2000 war in der Gaststätte „Dorfschänke“ in Bischofsheim, wo auch der jährliche Autocorso von Hanau‑Steinheim zum Frankfurter Römer eine kleine Pause einlegt. Neben Mitgliedern der AG Hessische Apfelweinstraße waren auch zahlreiche Prominente der Einladung gefolgt. So sah man den diesjährigen Appelwoi‑Preisträger Karl Oertl, HR‑Moderator Karl‑Heinz Stier und Dr. Johanna Höhl, Marketing‑Chefin der Kelterei Höhl sowie den Ersten Stadtrat Gerd Robanus. Nicht fehlen durften auch Repräsentanten des Apfelweins. Hier gaben sich Bergen-Enkheims Apfelweinkönigin Natalie I. und das Bundesapfelwein‑Königspaar Sonny I. und Marie II. sowie die Sachsenhäuser Brunnenkönigin Gerlinde die Ehre. Nach der Begrüßung durch Karl Halbow, Geschäftsführer der AG Hessische Apfelweinstraße, ging es gleich zur Sache.

Dr. Johanna Höhl von Deutschlands größter Apfelwein‑Kelterei sprach über die momentane Situation des hessischen Nationalgetränks: „Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine sehr gute Ernte, sowohl was die Menge, als auch die Qualität betrifft“, betonte die Marketing‑Chefin charmant und fügte hinzu: „Der Apfelwein ist ein Naturprodukt, macht schön, schlank und blau und ist nicht nur ein Getränk für alte Männer, sondern auch für junge Mädchen“.

Weniger optimistisch äußerte sich dagegen Wilhelm Bender, Inhaber des „Schützenhofs“ in Frankfurt und einer der wenigen noch selbst kelternden Wirte. „Leider wird immer weniger Apfelwein getrunken“, bedauerte Bender und ging dann noch auf die Pflege der Streuobstwiesen ein. Dort holt sich der Gastwirt in der Hauptsache die notwendigen Äpfel zum Keltern. Doch seine riesigen Holzfässer werden nicht mehr alle gefüllt, denn der Absatz ist in den letzten Jahren gesunken.

Gerd Robanus beklagte den Vandalismus auf den Maintal Streuobstwiesen. „Zum Glück haben wir noch einen Feldschütz, wenn auch nur halbtags“, meinte er schmunzelnd. „Wir wollen aber hier nicht nur über Apfelwein reden, sondern ihn trinken“, forderte Dr. Johanna Höhl und damit ging es zum gemütlichen Teil des Abends über.

Gunter F. Beck, der Wirt der „Dorfschänke“, hatte sich für diesen Abend etwas besonderes einfallen lassen. So gab es als Vorspeise eine mit Apfelwein verfeinerte Frankfurter Kräutersuppe, danach Apfelwein‑Sauerkraut, geschmacklich angereichert mit Schoppenpetzer, Haspel, Kass ler und Salzkartoffeln. Als Dessert ein Apfelweingelee. Bei soviel Gutem vom Apfel konnten die Besucher der Apfelweinprobe auch noch den frischen Süßen, den Rauscher und den Apfelwein genießen. Eine rundum gelungene Veranstaltung, die sich ganz um das beliebte „Stöffche“ drehte.

 

Ausgangspunkt des 17. Apfelweinfests 2000 auf dem Römerberg  war wieder in Steinheim. Dort starteten die Königinnen, unter anderen auch Ber­gen‑Enkheims Apfelweinkönigin Manuela I. sowie das Bundesäppelwoi‑Königspaar Petra I. und Oskar I. in offenen Wagen und fuhren über Wilhelmsbad und Hochstadt nach Bischofsheim. Dort wurde in der „Dorf­schänke“ eine kleine Rast gemacht, bevor es diesmal über die Hanauer Landstraße und den Affentorplatz weiter zum Römer ging.

Das Fest wurde von Gruppen und Künstlern gestaltet, die man aus den Fernsehsendungen „Hessen lacht zur Fas­senacht“ kennt. Unter anderen sind die „Bernemer Handwerksburschen“, „Die Mollys“ aus Gießen, „Die singenden Kellermeister“ aus Mainz, die „Rodensteiner Herzbuben“ und die jungen Damen des 1. Frankfurter Bühnentanzsportclub dabei. Für die richtige Musik sorgt die Stadtka­pelle Bergen-Enkheim.

Weitere Höhepunkte des Programms war die Vorstellung der Königinnen und Majes­täten auf der Bühne am Römer sein, sowie die Verleihung des jährlichen Apfelwein­preises. In diesem Jahr wird Frankfurts Oberbürgenmeisterin Petra Roth den „Ebbel­weipreis“ an den Bergen-Enkheimer Karl Oertl verleihen. Die Laudatio hält traditio­nell der Preisträger des Vorjahres, Wolf­gang Kaus vom Frankfurter Volkstheater.

Erwartet werden in diesem Jahr auch eini­ge Gäste, die weite Wege zurückgelegt ha­ben. Vertreter aus acht Städten mit Namen „Bergen“ aus ganz Deutschland sowie der holländische Generalkonsul und der fran­zösische Konsul werden sich das Spektakel auf dem Römerberg anschauen und sich so auf das Bergen‑Treffen im nächsten Jahr in Bergen‑Enkheim einstimmen.

Allerdings war die Veranstaltung gegen 19 Uhr zu Ende. Grund dafür ist die Klage eines Anwohners, die der Stadt Frankfurt Volksfeste mit lauter Musik auf dem Römer verbietet. Deshalb haben sich die Veranstalter des Ebbelweifestes dies­mal auch professionelle Verstärkeranlagen von der Stadt zur Verfügung stellen lassen, damit die Musik auf jeden Fall in Grenzen gehalten werden kann. Das Beste allerdings: Der Schoppen kostet wie vor 20 Jahren nur eine Mark!

 

Das 17. Apfelweinfest auf dem Römerberg im Jahre 2000 erfuhr wieder guten Zuspruch. Daß der Römerberg so gefüllt war, sei „ein Zeichen für das große Interesse an un­serem Stöffche“, sagte Halbow. Rund 1.000 Sitzplätze habe man bereitgestellt, die zu­mindest nachmittags, als der wolkenver­hangene Himmel der Sonne gewichen war, vollends besetzt waren. So bezifferte Halb­ow die über den Tag verteilte Besucher­schar auf 2.000 Personen. Die wurden mit einem bunten Bühnen­programm unterhalten, das mit über zehn Musik‑ und Tanzbeiträgen von 13 bis 19 Uhr für Stimmung sorgte. Mit dabei wa­ren unter anderem die Stadtkapelle Ber­gen‑Enkheim, die Bembel‑ Sänger aus Nie­der‑Weisel, die Blaulichtsänger der Frank­furter Polizei und die singenden Keller­meister aus Mainz.

Wie angekündigt achtete Halbow da­rauf, mit dem Lärmpegel nicht den Unmut der Anwohner des Römerbergs auf sich zu ziehen. „Die Umweltgeräusche sind viel lauter als unsere Verstärkeranlage“, beteu­erte auch Tontechniker Michael Kahl. Vorrangiges Ziel des Festes ist es , den „Ebbelwei immer populärer zu machen“, sagt Halbow. Und damit das Stöffche bei dem Fest auch wirklich „in aller Munde ist“, wurde es ‑ von der Kelterei Höhl ge­sponsert ‑ für gerade Mal eine Mark pro Geripptem angeboten. Rund 15,000 Liter gingen bis zum Abend über die Theken auf dem Römerberg.

 

Einen Generationswechsel bei der AG Hessische Apfelweinstraße gab es im April 2004. Bereits im Vorfeld der Jahreshauptversammlung erarbeitete eine interne Kommission unter Leitung von Reinhard Müller (Verkehrsverein Bergen‑Enkheim) Vorschläge für die anstehenden Vorstandswahlen, die aufgrund dieser Vorbereitungen zügig und in den einzelnen Positionen jeweils einstimmig durchgeführt werden konnten.

Der neugewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

- Erster Vorsitzender: Horst R. Becker, Bergen‑Enkheim;

- Zweiter Vorsitzender: Willi Schmidt, Maintal‑Hochstadt;

- Schriftführer: Gerhard Busch, Sachsenhausen;

- Kassiererin: Beate Schaffert, Hanau-Steinheim;

- Beisitzer: Rudolf Schaffert, Hanau-Steinheim;

- Beisitzer: Hein Balke, Neuberg.

Horst Becker bedankte sich auch im Namen aller Vorstandsmitglieder für das  Vertrauen der Mitglieder und versprach, nach einer kurzen Einarbeitungszeit die bereits eingeleiteten Vorbereitungen zur Erarbeitung einer neuen Satzung zum Abschluß zu bringen. Nach Behandlung des Punktes „Verschiedenes! und Informationen über das geplante Blütenfest des Obst- und Gartenbauvereines Bergen

Nach mehr als 20 Jahren an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße ist der Bergen‑Enkheimer Karl Halbow von diesem Amt zurückgetreten. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung die kürzlich in der Bergen‑Enkheimer „Schönen Aussicht“ stattfand, wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch der Zweite Vorsitzende Adolf Amberger, ebenfalls Bergen‑Enkheim, trat nicht zur Wiederwahl an. Beide erklärten, dem Verein auch weiter­hin die Treue halten und mit Rat und Tat zur Seite stehen zu wollen. Neuer Erster Vorsitzender ist der Bergen‑Enkheimer Horst R. Becker, mit Willi Schmidt steht ihm ein Hochstädter zur Seite.

Der scheidende Vorsitzende Halbow berichtete im Rahmen des Jahrestreffens über die umfangreichen Vorbereitungen zum Apfelweinfest, das der Verein mit Unterstützung des Vereines „Zeil aktiv“ und der Hochstädter Landkelterei Höhl am Samstag, 22. Mai, 2004 auf der Frankfurter Zeil ausrichten wird.

 

 

Verlauf der Apfelweinstraße

Der Äppelwoi, liebevoll auch „Stöffche“ oder „Schoppe“ genannt, gibt die Route vor. Überall dort, wo sich die Welt um den Apfel dreht, ob mit gelb-roten „Bäckchen“ an den Bäumen der Streuobstwiesen baumelnd oder als flüssig-goldenes Nationalgetränk, ausgeschenkt in urigen Kneipen, führt die Hessische Apfelweinstraße vorbei. Von Sachsenhausen, durch Bornheim, Seckbach, Bergen, Bischofsheim und Hochstadt bis nach Steinheim geht der Weg, der zu einem herrlichen Spaziergang einlädt - auf der Spur des Apfels.

 

Sachsenhausen:

In Alt-Sachsenhausen wird Apfelwein seit über 250 Jahren hergestellt und ausgeschenkt - natürlich im typischen blauen Tonkrug, dem Bembel. In der Großen und Kleinen Rittergasse, in der Paradies- und  Klappergasse reihen sich dicht an dicht die  „Äppelwoi-Wertschafte“. Das Zentrum des Apfelweinviertels ist die Klappergasse. Hier wohnt(e) die legendäre „Fraa Rauscher“, der vor 80 Jahren ein Lied gewidmet wurde. Sie lebte im 19. Jahrhundert und wurde eines schönen Sonntagnachmittags mit einer Beule am Kopf auf der Straße liegend vorgefunden, von Jungen verspottet. Ein übereifriger Polizist nahm diesen geringfügigen Vorfall zum Anlaß, hieraus einen Kriminalfall zu konstruieren, der zur Belustigung der Sachsenhausener sogar Eingang in die Zeitung fand.

 In den schmalen Sträßchen und kleinen Plätzen mit Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäusern und Brunnen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Seit 2001 wird an allen Ecken Sachsenhausens saniert, renoviert und verschönert. Fast 30 Häuser haben einen neuen Anstrich erhalten, Kopfsteinpflaster ziert wieder die alten Gassen. Ein alter Wohnturm wurde wiederentdeckt und sogar Reste der historischen Stadtmauer.

 „Äppelwoi, Ripp­scher un aach Worscht, des aane is zum Futtern, des annern fer de Dorscht“. So steht es am blaugrünen Eisentor von Sachsenhausens Traditionswirtschaft „Zum gemalten Haus“ in der Schweizer Straße, einst Teilstück des Handelsweges von Antwerpen nach Venedig.

 

Frankfurt:

Von dort ist es nur ein Katzensprung an das Museumsufer mit seinen renommierten Ausstellungshäusern und dem Blick auf die Frankfurter Skyline. Das Museumsufer ist eine Synthese aus anspruchsvollem Kulturangebot und durchdachter Stadtgestaltung. Längst ist aber auch das Mainufer ein beliebter Freizeit- und Erholungsraum der Frankfurter und ihrer Gäste geworden. Hier findet jedes Jahr am letzten Augustwochenende das Museumsuferfest statt, ein Kulturspektakel der Extraklasse. Internationalen Rang haben die Ausstellungen in den Häusern, allen voran das Städel Museum. Aber auch die anderen Museen sind einen Besuch wert.

 

Bornheim:

Mehr dörflich ist der Stadtteil Bornheim, wo sich zahlreiche Karnevalsvereine tummeln und das Feiern groß geschrieben wird -  ob mit der Verlängerung des Wäldchestags zum „Pfingst-Mittwoch“ oder dem Lerchesherbst-Mittwoch im Herbst. Am Kerwemittwoch mitten im August können Nicht-Bernemer und Bernemer der seltsamen Tradition des „Gickelschlags“ beiwohnen, die „Lisbeth“ wird hier verbrannt, und die Berger Straße ertrinkt in Apfelwein und Bier. In Alt-Bornheim gruppieren sich zahlreiche alte Fachwerkhäuser um die barocke Johanniskirche, im Volksmund wegen ihres charakteristischen Helms auch „Zwiwwelkersch“ genannt, um historische Gasthäuser mit Frankfurter Spezialitäten, und ein altes Rathaus lädt zu Hand käs mit Musik ein.

 

(Man kann natürlich auch Bornheim, Seckbach und Bergen auslassen und mit der U-Bahn vom Schweizer Platz in Sachenhausen, umsteigen an der Konstabler Wache, mit der U7 nach Enkheim fahren und von dort durch den Wald nach Bischofsheim).

 

Seckbach:

Ebenfalls für seine alteingesessenen Apfelweinlokale bekannt ist Seckbach, das zu Füßen des Lohrbergs liegt, der als Frankfurter Hausberg gilt. Der Lohrberg gehört zu den höchsten Erhebungen der Stadt und ist beliebtes Ausflugsziel. Er ist der östlichste Ausläufer des Weinanbaugebiets Rheingau und verfügt über dessen kleinste Weinlage. den Lohrberger Hang. Heute befindet sich dort die letzte Weinanbaufläche Frankfurts auf 1,3 Hektar.

 

Bergen-Enkheim:

Auch in Bergen-Enkheim haben der Apfel und der Apfelwein eine lange Tradition. Am Berger Rücken und Enkheimer Ried gelegen, wird Bergen-Enkheim umrahmt von malerischen Gartenanlagen und Streuobstwiesen. Dort enden auch der „Quellen-Wanderweg im Frankfurter Grün-Gürtel“, der zu einem Spaziergang einlädt. Trotz der Nähe zur Großstadt hat Bergen-Enkheim sein dörfliches Gepräge bewahrt. Der alte Ortskern mit vielen Fachwerkhäusern und den traditionellen Apfelweinwirtschaften macht den Stadtteil unverwechselbar.

Bekannt ist Bergen-Enkheim aber nicht nur durch seine Apfelweinkultur. sondern auch durch seinen hohen Stellenwert in der deutschen Literaturszene. Seit 1974 vergibt die ehemals selb­ständige Stadt, die im Zuge der Gebietsreform Frankfurt zugeschlagen wurde, einen der bedeutendsten Literaturpreise: Stadtschreiber waren bereits Peter Härtling, Günter Kunert, Peter Bichsel, Robert Gernhardt. Herta Müller oder Peter Kurzeck. Wer auf den Spuren dieser namhaften Autoren wandeln möchte, der sollte seine Schritte Richtung der Straße „An der Oberpforte“ lenken, wo das Stadtschreiberhaus steht. Dort darf der amtierende Stadtschreiber - 2014/15 ist es Dea Loher - ein Jahr kostenfrei wohnen. Die Einführung in das Amt erfolgt jährlich am Vorabend des Berger Markts im Festzelt - natürlich bei Äppelwoi und Brezel. Schließlich wird während des traditionsreichen Volksfests auch die Apfelweinkönigin gekrönt.

Das wichtigste „Utensil“, der Apfel, wächst auf den Streuobstwiesen des Berger Hangs. Unterhalb dieses Biotops liegt das Enkheimer Ried, eine ehemalige Moorlandschaft, die heute Naturschutzgebiet ist. Einst ein verlandeter Altlauf des nacheiszeitlichen Mains, wurde das Ried mit seiner offenen Wasserfläche von Menschenhand geschaffen, als hier in den Jahren 1829 bis 1864 Torf gestochen wurde, wodurch Teiche entstanden. Heute bestimmt Schilfröhricht das Bild, und das Ried ist ein ideales Brutgebiet und Heimat für zahlreiche Vogelarten geworden. Berühmteste Bewohnerin ist die Europäische Sumpfschildkröte, deren letzte hessischen Exemplare hier beheimatet sind.

 

Bischofsheim:

Auch im zweitgrößten Maintaler Stadtteil haben der Apfel und der Apfelwein - ebenso wie im benachbarten Hochstadt, wo seit Generationen die Apfelweinkelterei Höhl ihren Sitz hat - eine lange Tradition. Und die wird gepflegt. Das Unternehmen besteht heute in der achten Generation seit über 230 Jahren. In der Kelterei Stier wird die Kunst des Kelterns im Familienbetrieb weitergegeben. In der Kelterei Am Kreuzstein gibt es die Möglichkeit zu Kellerführungen - natürlich inklusive Verkostung des einen oder anderen ungewöhnlichen Schoppens. Außerdem zeigt Jörg Stier, daß man Apfelwein nicht nur trinken, sondern auch essen kann - ob als Apfelweingelee, Apfelweinbrot, Apfelkäse, Apfelweinsenf, Apfelchutney, Apfelchips, und, und, und. .

Am besten schmeckt der Apfelwein in seiner ursprünglichen Umgebung: zum Beispiel beim Streuobstwiesenfest des Arbeitskreises Streuobst. der sich der Pflege und dem Erhalt dieser einzigartigen Maintaler Kulturlandschaft auf die Fahnen geschrieben hat. Denn das auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Ökosystem ist Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, aber auch Naherholungsgebiet für die Maintaler. Naturfreunde können sich davon bei Wanderungen in den Wiesen zwischen Hochstadt und Bischofsheim, mit dem Fahrrad auf dem Mainuferweg oder der Hohen Straße überzeugen. Sportler finden in den Wäldern unzählige Lauf- und Walkingrouten. Und im Anschluß lassen sich Atem und Kraft in einer der urigen Apfelweinkneipen schöpfen.

 

Hochstadt:

Schilder zum Radweg nach Maintal-­Hochstadt weisen nun den Weg. Verwun­schene Pfädchen entlang der Stadtmauern hat das „Rothenburg des Hanauer Lan­des“, wie sich das kopfsteingepflasterte Hochstadt nennt. Dort machen wir Rast im Wirtsgarten der „Krone“, die für noto­rische Schoppenpetzer Halblitergläser an­bietet. Zum oberen Stadttor hinaus geht es scharf links hinauf und dann nach rechts in den Bücherweg in östlicher Richtung weiter.

 

Wachenbuchen:

Zwischen Streuobstwiesen strampelt man unbehelligt vom Verkehr der nahen Schnellstraßen auf Wachenbuchen zu. Im Frühling läßt die Apfelblüte die Bäume wie blaßrosa Zuckerwattebündel ausse­hen. Unterhalb des Hangs sieht man die Stahltanks der Kelterei Höhl, des ehemals größten Apfelweinproduzenten Deutschlands.

Von Wachenbuchen mit pittoresken Fachwerkhäusern geht es mit leichtem Gefälle auf dem Radweg Hohe Tanne über Felder und Waldwege weiter. Zur Linken finden sich Ruinen einer Burg aus dem 12. Jahrhundert und ein römi­sches Hügelgrab.

 

Wilhelmsbad:

Wilhelmsbad mit seinen historischen Kuranlagen liegt nun voraus. Die längst versiegte eisenhal­tige Heilquelle wurde von einem Kräuter­weiblein entdeckt. Erbprinz Wilhelm ließ im 18. Jahrhundert das glanzvolle Kur­- und Badehaus erbauen, das heute das hessische Puppenmuseum beherbergt. Das Hessische Puppenmuseum in Wilhelmsbad präsentiert die kulturgeschichtliche Entwicklung der europäischen Puppen von der Antike bis zur Gegenwart. Sonderausstellungen zeigen Puppen aus der ganzen Welt. Die historische Kuranlage aus dem 18. Jahrhundert mit Burgruine (Lustschloß) von Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel. Architekt war Franz Ludwig Cancrin, der auch den Bau des Karussells leitete. Der Park der Wilhelmsbader Kuranlage ist als englischer Landschaftspark gestaltet und mit zahlreichen „Sensationen“ ausgestattet: Ruine, Comoedienhaus, Felsengänge, Eremitage, Teufelsbrücke, Pyramide, Schneckenberg, Spielgeräten und einem Karussell. Es wurde 1780 auf einem künstlichen Hügel errichtet und war 1780 bis 1830 und nach einer Instandsetzung 1868 bis 1920 in Betrieb. Angetrieben wurde es zunächst unterirdisch von Menschen, später von Ochsen und Pferden.  Teil der Anlage ist ebenfalls das ehemalige Scheunentheater „Comoe­dien­haus“, in dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden.

 

Hanau:

Auch die Brüder Grimm-Stadt ist dem Apfelwein eng verbunden, ja, sie dient sogar als Namensgeber. So gibt es den „Hanauer Apfelwein“ und das „Staanemer Gold“. „Schon die berühmten Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm, die in Hanau zur Welt gekommen sind, haben bestimmt gern ein Gläschen Äppler getrunken. In den Hanauer Lokalen - insbesondere im urigen Stadtteil Steinheim - ist das goldgelbe erfrischende Getränk nach wie vor äußerst beliebt“, erzählt Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky stolz.

Schloß Philippsruhe mit seinem weitläufigen Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens, ist eines der bedeutendsten Kultur- und Baudenkmäler Hanaus. Das Landschloß mit Park und Orangerie nach Vorbild des französischen Barock wurde ab 1701 von Graf Philipp Reinhard von Hanau-Lichtenberg am Mainufer errichtet und später im Stil des Historismus umgebaut. Es  liegt direkt am Main, kei­ne Straße stört den Ausblick auf den Fluß und die Idylle der bewirtschafteten Ter­rasse. Entlang des begrünten Ufers geht es zur nächsten Brücke, wo wir Seite an Seite mit einem Schnellzug den Main überqueren. Nach wenigen Kilo­metern ostwärts erreichen wir Steinheim. Der Bembel, Logo der Hessischen Apfelwein­straße, findet sich an vielen Wirtshäusern des Fachwerkstädtchens, der örtliche Ita­liener macht da keine Ausnahme.

Das Deutsche Goldschmiedehaus am Altstädter Markt wiederum prägt die Hanauer Altstadt und diente in der Spätrenaissance als Rathaus. Mit der Gründung der Hanauer Neustadt 1597 siedelten sich dort Niederländer und Wallonen an, zu denen zahlreiche Goldschmiede gehörten. Diese schlossen sich 1610 zur Zunft der Gold- und Silberschmiede zusammen. Die Blütezeit der Goldschmiedekunst in Hanau lag in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1942 wurde in dem ehemaligen Rathaus das Deutsche Goldschmiedehaus eingerichtet. Dort sind regelmäßig nationale und internationale Ausstellungen zu sehen.

 

Steinheim:

Der 1974 eingemeindete Stadtteil von Hanau, ist für seine historische Altstadt mit restaurierten Fachwerkhäusern und seine zahlreichen gemütlichen Apfelweinkneipen bekannt. Es ent­wickelte sich aus zwei alten fränkischen Besiedlungskernen - dem einen im Norden bei der St. Nikolaus-Kirche und dem anderen im Süden mit der Burg der Herren von Eppstein - die sich 1938 vereinigten.

Der Main, der Steinheim von der Kernstadt Hanau trennt, war wegen der beiden historischen Übergänge. die bereits zur Römerzeit bestanden, schon immer wichtig für die Bewohner.

Entlang des Flusses liegt die Altstadt, die fast ganz von einem mittelalterlichen Mauerring mit Wehrtürmen umschlossen ist. Inmitten der Altstadt befindet sich Schloß Steinheim mit dem Vor-, Früh- und Stadtgeschichtsmuseum. Die Ausstellung umfaßt die ersten menschlichen Spuren, Zeugnisse der Entdeckung der Bronze, Kunstgegenstände und Alltagsutensilien der Römer bis zu Relikten des frühen Mittelalters. Im Marstall, dem ehemaligen Fruchtspeicher, finden regelmäßig Sonder- und Kunstausstellungen statt. Sehenswert ist auch die alte Gedächtniskirche am Obertor, ein bedeutender Sakralbau.

Doch nicht nur historisch Interessierte, sondern auch Menschen, die ein reizvolles Ambiente, gute Gastronomie und köstlichen Apfelwein zu schätzen wissen, zieht es regelmäßig nach Steinheim, das als Ausflugsziel längst kein Geheimtip mehr ist. Den passenden Rahmen für einen Genuß des hessischen Nationalgetränks bietet das Bundesäppelwoifest, das jährlich am letzten Augustwochenende in Steinheim stattfindet. Dann gibt es ein großes Spektakel, dessen Höhepunkt die feierliche Krönung von Bundesäppelwoikönig und -königin ist. Darüber hinaus hat Hanau dem interessierten Besucher noch einiges mehr zu bieten. Unterhaltsame Geschichte und Geschichten gibt es zum Beispiel in den neun Hanauer Museen zu entdecken. Sehenswert sind besonders das Historische Museum Hanau - Schloß Philippsruhe mit Papiertheatermuseum und das Deutsche Goldschmiedehaus.          

Wer in Steinheim angekommen den Endbeziehungsweise Ausgangspunkt der Hessischen Apfelweinstraße schließlich erreicht hat, dessen Füße aber noch immer nicht müde sind, der kann von dort direkt weitermarschieren - auf der Deutschen Fachwerkstraße, die sich auf 2800 Kilometern Länge von der Elbmündung bis zum Bodensee erstreckt (nach Maintal Tagesanzeiger).

Von Steinheim aus kann man entweder den Ausflugsdampfer der „Primus“‑Linie zurück nach Frankfurt nehmen, oder am südlichen Mainufer auf idyllischen Rad­wegen weitere 23 Kilometer strampeln und in der Gerbermühle einen Schluß-Schoppen petzen, wo auch Goethes Oster­spaziergang endete. Die Skyline baut sich fotogen vor dem Abendrot auf. „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s seyn“, jubelt Faust, und der Dichterfürst höchstselbst hat hier gern Geburtstag gefeiert, dabei den einen oder andren Schoppen gepetzt.

Die Primus‑Linie (Telefon 0 69 / 133 83 70) fährt von Hanau‑Steinheim nach Frank­furt /Eiserner Steg: Sonntag, 14., Mitt­woch, 17., Samstag, 27., und Montag, 29. Mai, jeweils um 17 Uhr ab Anleger Stein­heim; Mittwoch, 10., Samstag, 20., und Mittwoch, 24. Mai, um 18.20 Uhr ab Anle­ger Steinheim. Ticket für Erwachsene 17 Mark, Kinder 8,50 DM, fürs Rad 7 DM.

 

 

 

 

Apfelwein‑ und Obstwiesenroute

 

Etwa 1994 wurde bei der Landesregierung die Idee geboren, durch eine Vernetzung noch bestehender Streuobstgebiete, deren Pflege und teil­weise Wiederaufforstung den ökologi­schen Wert zu unterstreichen. Gleichzei­tig sollte aber auch auf deren durchaus noch existente ökonomische Bedeutung hingewiesen werden, sei es als Apfellie­ferant, Weidefläche für Schafe oder als Standort für Bienenstände. Nicht zu ver­gessen die Anziehungskraft als Naherho­lungsgebiet.

Die Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute‑Regionalschleife bein­haltet eine themenspezifische Streckenführung durch den jeweiligen Kreis, die vor allem auf bereits bestehenden Rad‑ und Wanderwegen führen soll. Ziele des Projektes ist der Schutz und Erhalt der Streuobstwiesenbestände sowie die Vernetzung der Angebote in den Bereichen Keltereien, Gastrono­mie, Handwerk, Direktvermarkter, Naturschutz, Freizeit und Kultur.

Natürlich erwarten sich vor allem die kommerziellen Mitglieder eine Steige­rung von Umsätzen, aber das ist auch ge­wollt: „Weshalb muß denn ein Apfel vom Bodensee kommen, wenn er vor der Haustür gedeiht? Oder weshalb geht man in den Supermarkt und kauft hol­ländi­schen Salat, der beim Direktver­markter im nächsten Dorf frisch vom Feld zu haben ist,“ fragt sich Klaus Berg. „Regionalisierung“ heißt das Zauberwort, und dafür steht das Zeichen „ARLL“.

Weitere Vorteile für Mitglieder nennt der Experte: Für einen „bescheidenen Betrag“ kann das Recht erkauft wer­den, mit dem Logo der Hessischen Apfelwein- ­und Obstwiesenstraße zu werben. Das gilt gleichzeitig als eine Art Gütesiegel für die naturnahe Produktion oder die Verwendung von Produkten aus der Re­gion. Nach Angaben der Marketingge­sellschaft „Gutes aus Hessen“ habe sich der Umsatz der Mitgliedsbetriebe nach ih­rem Beitritt um rund fünf Prozent im Schnitt erhöht.

 

 

 

 

Die Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute gibt auch das Informationsheft„Apfelbote“ heraus, die auch 2001 in einer Auflage von 18.000 Exemplaren erschien. Redaktionelles Hauptthema sind kulinarische Köstlichkeiten, hergestellt natürlich aus dem Apfel. So finden die Leser Historisches über den Apfel, sowie detaillierte Informationen über die bekanntesten Apfelsorten wie Alkmene, Boskop, Braeburn, Cox Orange, Elstar, Gala, Golden Delicious, Goldparmäne, Idared, Jonagold und Rubinette (www.apfel‑info.de).

Die gesundheits‑fördernde Wirkung dieser Frucht wird zum Beispiel durch die Analyse der Inhaltsstoffe belegt. So enthält ein Apfel 85 Prozent Wasser, aber kaum Eiweiß und Fett. Nur 12 Gramm Kohlehydrate fallen, an wobei der Verhältnis von Frucht‑ zu Traubenzucker günstig für Diabetiker ist. Pektine und Zellulose helfen als Ballaststoffe bei der Verdauung und der Senkung des Cholesterinspiegels. In der Schale steckt Vitamin C, ein Apfel liefert zudem rund fünf Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin E und B. Außerdem enthält der Apfel 100 bis 180 Milligramm an Kalium und Mineralstoffen (www.derapfel.de). Anleitungen gibt es wie zum Beispiel für einen Muntermacher bei Müdigkeit und eine Anti‑Stress‑Hautmaske.

Auch typische Apfelrezepte aus den Regionen der einzelnen Regionalschleifen dürfen nicht fehlen, zum Beispiel Ronneburger Apfel‑Kartoffel‑Suppe, Wetterauer Gänsebraten mit Apfelfüllung, Laubacher Apfelauflauf, Apfel‑Bohnentopf mit Kasseler, Frankfurter Apfelsalat und Mühlheimer Apfel‑Sultaninen‑Torte.

Weiterhin wird im „Apfelboten“ das Buch der hr‑Fernsehmoderatoren „Zum Anbeißen. Das hessische Apfelbuch“ vorgestellt und kurz besprochen. Ganz wichtig ist der Terminteil im „Apfelboten“, die sämtliche Events der einzelnen Regionalschleifen in den Landkreisen Gießen, Wetterau, Main-Kinzig, Odenwald, Offenbach sowie zwischen Main und Taunus veröffentlicht.

Für den Main‑Kinzig‑Kreis stehen in dieser Auflistung zum Beispiel: Hoffest beim Landhof Schmidt in Rodenbach (7. Oktober), Vortrag über Giftpflanzen in Eichen (22. Oktober), Apfelschmecken in Ostheim (25. Oktober), Apfelweinabend mit Keltermeister Jörg Stier in Großkrotzenburg (16. November), Apfelduft und Handwerkskunst in Dörnigheim (18. November), verschiedene Schnittkurse von Obst‑ und Gartenbauvereinen von Oktober bis März, Frühlingserwachen mit Ostermarkt in Dörnigheim (10. März), Eröffnung der Landesgartenschau in Hanau (19. April) sowie Blütenfest im Lehrgarten Kilianstädten (28. April). Infos gibt es über die Regionalschleife Main‑Kinzig: Heinz Grotemeyer, Gelnhausen (0 60 51‑6 80 34), Fax 88 69 37 oder unter www.hessische‑apfelweinroute.de Außerdem findet sich auf der Rückseite des „Apfelboten“ eine Liste aller Mitglieder des Verbands Hessischer Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien.

 

Regionalschleife Wetterau

Der Wetterau­kreis zählt mit seinen etwa 220.000 hochstäm­migen Obstbäumen und 2.500 Hektar Streuobstwiesen zu den streuobst­reichsten Gebieten Hessens. Birnen, Kir­schen, Reneklauden, Pflaumen wachsen dort und vor allem Äpfel, Äpfel für das hes­sische Nationalgetränk, den „Ebbelwoi“. Und nicht nur dieser wird hergestellt, son­dern ebenso Säfte, verschiedene Obstwei­ne, Apfelessig, Dörrobst und Obstbrände.

Die hessische Obstwiesen‑ und Apfelweinroute schlängelt sich 200 Kilometer lang durch den Kreis. Gerhard Lipp, Bürgermei­ster von Alten­stadt, und Klaus Hühn, Bürgermeister von Limeshain, pflanzten den Apfelbaum am Sonntag, dem 13. September 1998, zur Eröffnung der Strecke zwischen ihren Gemein­den. Inzwischen liegt der Führer für die gesamte Wetterauer Route vor. Er um­faßt eine Gesamtübersicht und vier Detailkarten mit Tips zum Thema Apfel. Der Führer ist für 6,80 Mark beim Amt für Kreisentwicklung, Tel.0 60 3 1 /8 38 34 er­hältlich.

Die Ap­felwein‑ und Obstwiesenroute Wetterau wird getragen vom Träger­verein Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesen­route, Amt für Kreisentwicklung, Friedberg, Tel 06031/83834, Fax 06031/83835. Er hat 170 Mitglieder.

Es gibt ein dichtes Netz an Lohn­keltereien in der Region. Einige Keltereien sind entlang der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute Wetterau zu besichtigen. Ein Stop lohnt sich auch bei Museen, Handwerksbetrieben oder Hofläden. Einige Gaststätten bieten regionale Speisen an. Lehrpfade, Spiel‑ und Sporteinrichtungen bringen der ganzen Familie Abwechslung. Zu nennen sind das „Süßerfest“ der Kelte­rei Mueller in Butzbach‑Ostheim, die „Apfelsortenwanderung“ der Kelterei Walther in Nidda‑Wallernhausen oder das „Kelterfest“ der Naturfreunde Bad Vilbel sowie das „Apfelfest“ des BUND in Butzbach.

Teilstrecke 1 führt über Butzbach, Münzenberg, Bad Nauheim, Ober‑Mörlen nach Rockenberg, Teilstrecke 2 über Nidda, Ortenberg und Ranstadt, Teilstrecke 3 über Friedberg, Karben, Niddatal, Ros­bach und Bad Vilbel, sowie die Strecke 4 über Altenstadt, Büdingen, Glauberg, Li­meshain und Ortenberg. Eine Teilstrecke um Gedern und Hirzenhain soll demnächst offiziell eröffnet werden. An den Kreisgrenzen sind die Routen mit denen der Nachbarkreise verbunden.                       

Ein „Süßerfest“ feiert die Kelterei Müller in Ossenheim am Sonntag, 20. September. Ab 11 Uhr kann man sich bei Führungen auf dem Betriebsgelände in der Hauptstraße 45‑47 ein Bild vom Weg des Apfels vom Baum in die Flasche machen. Direktvermarkter bieten ihre Waren feil und Kinder können ihren eige­nen Apfelsaft keltern. Um 11 Uhr musiziert der Musik­verein Hoch‑Weisel, ab 14 Uhr spielen die „Rude Kids“.                 

 

Regionalschleife Taunus:

Die erste Regionalschleife der „Hessischen Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute“ zwischen Main und Taunus wurde Mitte Mai 1995 mit viel Apfelsekt und einem großen Apfelblütenfest im Main‑Taunus‑Zentrum bei Sulzbach gefeiert. Die Wege sind alt, sie erhielten nur neue Richtungsweiser. Der Apfel ist ziemlich rot­backig und der Pfeil, der sich so dyna­misch um ihn windet, giftgrün: ein un­übersehbares Symbol, das naturinteres­sierten Wanderern und Radfahrern künf­tig den Weg auf der „Hessischen Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute“ weisen soll.

Die rund 70 Kilometer lange Strecke zwischen Frankfurt und dem Taunus führt vorbei an Obstwiesen, sehenswerten Baumbeständen, selbstkelternden Betrieben, Straußenwirtschaften und weiteren touristischen Attraktionen, sagte bei der Eröffnungsfeier Barbara Helling vom Trägerverein des Projekts.                        

Radeln im Zeichen des Apfels soll eher neue Wege im Bewußtsein weisen: Die traditionsreiche hessische Kulturlandschaft der Streuobst­wiese könnte in ihrer ökologischen Bedeu­tung so nebenbei ins Bewußtsein der Ausflügler dringen. Seltene Vogelarten wie Steinkauz, Grünspecht und Wende­hals finden dort ihren letzten (Über‑)Le­bensraum. Aber auch für das heimische Produkt Apfel­wein soll die Route werben. Sie führt vor­bei an Obstwiesen, Bauernhöfen von Di­rektvermarktern, Keltereien, regional­typischen Gastwirtschaften und auch an mancher Skurrilität: In Hofheim etwa kann man eine private Apfelweingläser­sammlung besichtigen. Bisher 90 Partner haben sich dem Projekt angeschlossen.

Das vom Landesentwicklungsmini­sterium geförderte Projekt wird getragen vom Main‑ Taunus‑Kreis, von Stadt und Umlandverband Frankfurt, dem Hessischen Verband der Apfelwein‑ und Fruchtsaftkeltereien und dem Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Land­­wirtschaft Usingen. Die Route beginnt in Frankfurt und verläuft über Flörsheim, Hof­heim, Bad Soden, Kronberg und Königstein bis nach Oberursel. An der Route gibt es jährlich etwa 30 Apfel­weinfeste, Apfelmärkte und ähnliche Veranstal­tungen.

Die Verbindung von Naturschutz, Nah­erholung und kulinarischen Genüssen soll Menschen aus dem Ballungs­raum Rhein­-Main anlocken. Die Apfelweinroute wird finanziell unterstützt vom Land Hessen, das sich an den 260.000 Mark Gesamtko­sten bis zur Eröffnung der Route zur Hälf­te beteiligt hat. Der Umlandverband trägt 50.000 Mark bei, mit je 30.000 Mark sind die Stadt Frankfurt, der Verband der Apfelwein‑ und Frucht­saftkeltereien und die Gesellschaft zur Rekultivierung der Weilbacher Kiesgruben dabei. Einige be­teiligte Kommunen teilen sich den Rest der Kosten.

Von der Eröffnung an soll sich das Pro­jekt allerdings selbst finanzieren: Ein Trägerverein wurde Anfang April in Weilbach gegründet, dem Gaststätten, Be­triebe und Verbände ange­hören. Organi­sation und Öffentlich­keitsarbeit liegen jetzt in dessen Händen. Rechtzeitig zur Routeneröffnung ist auch die erste Ausga­be der „Apfelpost“ erschienen. Die soll je­weils im Frühjahr und Herbst heraus­kommen und über alle Veranstaltungs­ter­mine entlang der Apfel­route informieren. Die „Apfelpost“ liegt in allen Rathäusern der Kommunen entlang der Strecke aus. Eine detaillierte Rad‑ und Wanderwege­karte nebst Etappenbesehreibung ist an allen Anlaufstellen erhältlich.

Konzipiert hat die Radroute mit dem Apfel‑Logo der Braunfelser Verein „Part­ner der Umwelt“ schon 1993. Bei der Feinplanung wurden dann bevorzugt Strecken berücksichtigt, die verkehrssi­cher sind und einen fahrradfreundlichen Belag aufweisen.

Trägerverein Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute, Am Kreishaus 1‑5, 65719 Hofheim, Tel. 06192/201‑393.

 

Wer sich am Sonntag Anfang Mai 1997 im Hochtaunus- ­und Main‑Taunus‑Kreis auf das Teilstück der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwie­senroute zwischen Eschborn und Mam­molshain, Steinbach und Bad Soden, Nie­derhöchstadt und Neuenhain begab, konnte auf rund 20 Kilometern Strecke an acht Stationen Rast einlegen. Nichts also für kilometerfressende und ambitionierte Rennradler, ein Genuß hingegen für Familien und Freizeittrimmer, die bei dieser Gelegenheit auch etwas über Obstanbau und Direktvermarktung von Äppler, Saft und dem Sulz­bacher Kirschwein erfahren konnten. Neben dem Augenschmaus der Obstblüte kam auch der Magen nicht zu kurz, denn alle beteiligten Land‑ und Gastwirte, Vereine und Kelte­reien tisch­ten kräftig auf.

An der Scheune in Niederhöchstadt, wo im Herbst aus den Äpfeln der Gegend gol­dener Süßer gekeltert wird, bot der ADFC nicht nur einen kostenlosen Fahrradservi­ce an, sondern versorgte die von dem son­nigen Wetter angelockten tatendurstigen Radler auch mit kostenlosen Karten für die nächste Radtour.

Vor der Scheune der Kelterei Herberth in Niederhöchstadt konnte man Äpfel kosten. Apfel schmeckt eben doch nicht bloß nach Apfel. Es galt, die Kerne verschiedener heimischer und exo­tischer Obstsorten zu bestimmen und ein Stück Apfelholz mit dem Handbohrer zu be­arbeiten, um daraus eine Behausung für Wespen herzustellen. „Der schmeckt sauer“, stellt ein Knirps mit Fahrradhelm fest. Er kaut auf einem weiteren Stück herum: „Schmeckt nach Apfel“.

Ganz so einfach machten es die Mitglieder des BUND Schwalbach den Teilnehmern beim Apfel­geschmackstest nicht. Doch auch Erwach­sene mußten passen, wenn sie exakt die Sorten „Rubi­nette“, „Arlet“, „Idared“, „Gala“, „Jonagold“ oder „Elstar“ bestim­men sollten. Von kräftig‑süßlich über bir­nig‑mild bis herb‑säuerlich reichen die Geschmacksnuancen. Streusel­kuchen aus dem eigenen Ofen, Apfelwein und ‑saft aus der eigenen Kel­terei und alte Fotografien über die Ge­schichte des Obstbaus in der Region bot der Obstbau‑ und Gartenverein Nieder­höchstadt zur körper­lichen und geistigen Labe von Radlern und Wanderern.

Die Schwarz‑Weiß‑Bilder der histori­schen Gesellschaft Eschborn aus den 30er Jahren zeigten auch, was die Obstwiesen­route außer dem reinen Freizeitspaß am Radeln und Wandern vermitteln soll: Da­mals wurden die berühmten Taunus‑Erd­beeren per Flugzeug sogar nach England exportiert.

„Heute kaufen wir die spani­schen im Supermarkt“, kommentierte Reinhard Birkert. Heimische Produkte direkt zu vermarkten ist ein Anliegen des Trägervereins der Apfelweinroute. Außer­dem soll das Bewußtsein dafür wachsen, daß der Taunus seit Generationen eine lange Obstbautradition hat. Damit die ganzjährig mit einem rotbackigen Apfel plus grünem Pfeil beschilderte Route von Radlern und Spaziergängern noch besser angenommen wird, hat der Trägerverein den Rad‑ und Wandertag organisiert. Einige Schilder mehr auf der Strecke könnten ebenfalls noch mehr Menschen auf die Spur des Apfels lockten, denn nicht alle Zweiradfahrer lieben das Hantieren mit Karten.

 

Quer durch den Taunus führte die Route des 2. Rad‑ und Wander­tags am Sonntag, 17. Mai 1998, zu dem der Verein „Hessische Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute“ einlud. Nachdem zur Premiere im vergangenen Jahr rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Start gingen, rechnen die Veranstalter bei der zweiten Auflage mit der dreifachen Zahl. Der Grund ist die Strec­ken­erweite­rung: Der gesamte Hochtaunus ist nun Mitglied der Regionalschleife zwischen Main und Taunus.

Jeder Teilnehmer konnte an einer beliebi­gen Station einsteigen, an der er seine „Apfel‑ Stempelkarte“ bekam. Insge­samt 19 Stempel‑Stationen wurden ent­lang der drei Teilstrecken eingerichtet. Hier können sich Wanderer und Radler ih­re Ankunft bestätigen lassen.

Die erste Route führte von Oberursel über Eschborn, Sulzbach, Bad Soden nach Kronberg und wieder zurück nach Ober­ursel (Skizze). Der zweite Rundweg ver­lief rund um Bad Homburg und Fried­richsdorf, die dritte Strecke durch den nördlichen Taunus über Wehrheim und Usingen bis nach Grävenwiesbach.

Drei Stationen per pedes und fünf mit dem Drahtesel reichten schon aus, um an der Verlosung teilzunehmen. Der 1. Preis war ein Rundflug über den Taunus. Dazu kamen weitere 30 Preise wie Präsent­körbe, Einkaufsgutscheine, Apfelwein und vieles mehr.

Rund 400 Helfer waren an diesem Tag bei der Organisation und der Bewirtschaf­tung im Einsatz, das Programm an den Stationen wurde von 30 Betrieben, Ver­einen und Verbänden gestaltet. Keltereibesichtigungen und Honigproben gehörten dazu, landwirtschaftliche Betriebe informierten über Milch und Milchprodukte und gewährten den Städtern einen „Blick in den Stall“.

Keltereien luden zum Betriebsrundgang ‑ selbstverständlich inklusive Kostproben ‑, Bauernhöfe er­laubten einen „Blick in den Stall“ und einen Happen von der eigenen Schlacht­platte, die Obst‑ und Gartenbauvereine, die Ortsgruppen von BUND und ADFC sowie die Wanderklubs hatten Aktionen vorbereitet. „Das Angebot soll ein Spiegel­bild der Ziele der Apfelwein‑ und Obstwie­senroute sein“, sagte Reinhard Birkert, Vorstand des Trägervereins.

In Bad Soden war an diesem Tag das Medico-Palais geöffnet. „Wir bieten den Leuten an, unseren Hof ken­nenzulernen, um den Menschen zu zei­gen: Das ist genau vor eurer Tür, das wird hier gemacht“, sagte Olaf Gottschalk vom Wachholderhof in Bad Soden-Neuenhain. Sein Be­trieb ist einer von 20 Stationen, die beim zweiten Rad‑ und Wandertag entlang eines Teilstückes der Hessischen Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute mitmachen. Hier wurden Obst­weine und Liköre aus eigener Herstellung ausgeschenkt. Ein Schäfer brachte Strei­chelschafe mit.

Bei der Kelterei Herberth in Kronberg-­Kronthal konnten die Besucher am Palet­ten­geschick­lichkeitsrennen teilnehmen und sich über das Kronthaler Wasser informieren, bei der Familie Steden in Oberursel stellte ein Holzdrechsler seine Arbeit vor. „Grundlage der Zusammenarbeit zwi­schen Hoch‑ und Main‑Taunus ist die Idee, gemeinsam für den Erhalt der Streuobstwiesen, den Naturschutz, die Selbstvermarkter und eine attraktive Naherholung zu werben“, erklärt Birkert. Näheres über die Aktion beim Trägerverein „Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesen­route“ in Hofheim (Tel. 06192/201393).                        

 

Regionalschleife Nassau:

Anfang 1998 machte man sich Gedanken über eine Apfelwein- und  Obstwiesenroute (A&O-Route) durch das Nassauer Land zwischen Wiesbaden, Idstein, Limburg ­und Weilburg.  „Wir machen gerne mit“, erklärte Wal­ter Geiß vom Wiesbadener Amt für Grün­flächen, Land­wirt­schaft und Forsten. Be­sonders in den ländlich geprägten Vororten der Stadt sind die Voraussetzungen ideal, um auf den Spuren des Apfels in die­ Pedale zu treten: In Breckenheim und in­ Kloppenheim gibt es Apfelkeltereien, in Bierstadt steht die Eröffnung einer Apfelwein‑  Strauß­wirtschaft bevor, die Nauroder feiern alljährlich ihr Apfelblütenfest, und vor allem in den „Ländche‑Gemein­den“ gibt es Bauernhöfe, die ihre Produk­te selbst vermarkten, darunter viele Sor­ten Äpfel - pflückfrisch vom Baum.

Die Wiesbadener sind mit ihren Vorbe­reitungen am weitesten. Anfang des Jahres 2000 wollen sie eine große In­formationstafel im Stadtteil Bierstadt aufstellen ‑ ein markanter Punkt der Route, nicht nur wegen der Apfelwiesen in der Feldgemarkung, sondern auch we­gen ihrer sehenswerten Kirche, der älte­sten in Wiesbaden. Und sie werden schon bald zwei Wegekarten im Maßstab 1:25000 herausgeben, die ersten beiden der insgesamt acht Karten für die gesamte Route im Nassauer Land.

In diesen beiden Karten ist beispiels­weise der Streuobst‑Lehrpfad in Klaren­thal ebenso eingezeichnet wie das Schier­steiner Apfelwein‑Lokal mit dem vielver­sprechenden Namen „Im Himmelreich“, wo selbst gekelterter Ebbelwoi ausge­schenkt wird. Die vielen Streuobstwiesen rund um Kastel und Kostheim, Naurod und Breckenheim sind kreuz und quer miteinander vernetzt.

Die Wiesbadener Wege werden in den Nachbarkreisen weitergeführt: Durch die Streuobstwiesen im „mittleren Taunus“ bei Niedernhausen, weiter durch die Obstgehölze nördlich von Idstein und schließlich durch Wiesen und Felder im Landkreis Limburg/Weilburg bis zum We­sterwald.

Angeregt wurde die Streuobstroute durchs Nassauer Land vom Amt für Re­gionalentwicklung in Limburg. Es knüpft damit an ähnliche Beispiele im Main‑Ta­nus‑Kreis, im Odenwald und in der Wet­terau an. die derselben Idee verpflichtet sind: Dem Schutz der Streuobstwiesen, die mehr und mehr von Obstplantagen mit niedrig­stämmigen Sorten verdrängt werden. Die Initiatoren der Route haben sich zu „Streuobst‑Kreisen“ zusammengeschlos­sen und verabreden viele Aktionen ‑ Pro­motion für eine bedrohte Kulturland­schaft und Marketing‑ Offen­sive für hei­mische Produkte. Auf den Routen sind Bauernhöfe ge­kennzeichnet, in denen das Obst direkt gekauft werden kann und Keltereien, die Most und Apfelwein feilbieten. Sie bemühen sich überdies um die Hege und Pflege alter Streuobst‑Bestände, ver­mitteln Ernte‑Interessenten dort, wo der Eigentümer kein Lust mehr zum Obst­pflücken verspürt, geben Laien in Kursen Information über richtigen Baumschnitt und pflanzen auf Wiesen, die ihnen die Städte und Gemeinden überlassen, neue Obstgehölze. Sogar ein „Sortengarten“ ist geplant, der die Vielfalt der heimischen Apfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen widerspiegelt.

 

 

Odenwald Odenwald:

Im Oktober 1996 wurde die „Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute“ in den Odenwald verlängert. Auf dem Fronhof in Reichelsheim gab es einen Tag des Genus­ses: Frisches Obst, ga­rantiert ungespritzt, ausgereift und aro­matisch, wurde am Sonntag kredenzt. Im Ausschank waren „Stöffche“, „Rauscher“, „Süßer“, Apfel­champagner und Brände. Ganz im Element war Hessens Ministerpräsi­dent Hans Eichel (SPD), der bei einem Fest auf dem Hofgut in Reichelsheim im Oden­waldkreis die zweite Regionalschlei­fe der „Hessischen Apfelwein‑ und Obst­wiesen­route“ eröffnete. Veranstaltun­gen wie Baumschnittkurse, Hof‑ und Kel­tereifeste oder auch Touren mit einer Führung sollen die Verbraucher auf den richtigen Ge­schmack bringen.

Die für Wanderer und Radfahrer wie auch für eiligere Auto‑Ausflügler und den Bauern‑ Kunden an sich gedachte Strecke verläuft von Wiebelsbach‑Heubach durch das Gersprenztal über Lindenfels bis nach Weinheim und orientiert sich weitgehend an vorhandenen Rad‑ und Wanderwegen. Eine Menge Abstecher sind auf sieben Teilkarten verzeichnet. Sie enthalten Ver­zeichnisse über Sehenswürdigkeiten, die Lagen von Streuobstwiesen und Obstlehr­pfaden, zudem Adressen von Gastwirt­schaften, Apfelwein‑ und Fruchtsaftkelte­reien, direkt vermarktenden Obstbauern und denen, die noch traditionelles Hand­werk pflegen.

Im hessischen Odenwald haben sich bislang 120 Landwirte, Obstbauern, Kel­tereien, Brenne­reien, Gaststätten, kurz: heimische Erzeuger und Verwerter von Streuobstprodukten mit der „Interessen­gemeinschaft Oden­wald“ (IGO), dem Landratsamt und den Ämtern für Regio­nal­entwicklung zusammengetan, um die Route mit Leben zu erfüllen. Ihre Strate­gie, kontrollierte Qualitätsprodukte auf kurzem Weg an die Verbraucher zu bringen, verspricht reiche Ernte: Sie könnte helfen, Existenzen zu sichern, die Wirt­schaftskraft zu stärken und die typische Kulturlandschaft der Streuobstwiesen zu erhalten. Die Betriebe, die mitmachen, hängen das Apfel‑Logo sichtbar aus. Li­zenzgeber des patentrechtlich geschütz­ten Zeichens ist die Marketinggesell­schaft „Gutes aus Hessen“.

Bis 1997 soll die nun eröffnete südhessi­sche Trasse markiert sein. Eine Mümlingtal‑Strecke soll im Herbst 1997 ausgewiesen werden, weitere Teil­etappen sind geplant. Noch ein hoffungsvoller Blick in die Zukunft: Im Odenwald ist man drauf und dran, den „sortenreinen Apfelwein“ zu erzeugen, wie Thomas Dis­ser von der IGO im Gespräch mit der FR einstreute. Ein „Odenwaldladen“" mit typischen Erzeugnissen, die garantierte Qua­litätsstandards einhalten, soll im Jahr 1997 am Luisenplatz in Darmstadts City entstehen.

Auskünfte: IGO (Tel. 06062/943360, Fax: 943366) und Fremdenverkehrsver­band Odenwald‑Bergstraße‑ Neckartal (Tel. 06062/94330, Fax: 943333.)

Ihre Produkte sind entlang der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesen­route zu probieren und zu kaufen. Die so genannte Regionalschleife verläuft von Otzberg nach Groß‑Umstadt durch das Gersprenztal. Grein kennt zwar nicht die Kilometerzahl dieser Route, verweist aber darauf, daß sie mit dem Fahrrad oder so­gar zu Fuß zu bewältigen sei.

 

Regionalschleife Main‑Kinzig:

488 Kilometer Radwege und 224 Kilometer Wanderwege, 17 Gemeinden und sieben kulturelle Einrichtungen mit den unterschiedlichsten attraktiven Angeboten von insgesamt 82 Mitgliedern, das ist der derzeitige Stand bei der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute, Regionalschleife Main‑Kinzig, wie sie der Vorsitzende, Ronneburgs Bürgermeister Friedhelm Kleine, im Jahre 2001 beim Obst‑ und Gartenbauverein Linsengericht präsentierte.

Neun Etappen umfaßt inzwischen die Regionalschleife im Kreis, hier in der Reihenfolge ihrer Eröffnung: Maintal, Bruchköbel, Altenmittlau, Rodenbach, Bad Orb, Oberreichenbach, Hanau, Jossa. Für jedes dieser Gebiete gibt es eigene Karten auf der Grundlage der topographischen Karten im Maßstab 1:25000. Jede Karte trägt als Umschlagbild ein herausragendes Motiv aus der Gegend, allerdings aber fehlt auf den sonst gut gestalteten Karten ein Hinweis, um welches Gebäude es sich handelt. Das gilt auch für die anderen Fotos von landschaftlicher Sehenswürdigkeiten.

Ansonsten geben numerierte Pfeile Hinweise auf besondere Sehenswürdigkeiten, numerierte Äpfel Hinweise auf Stationen zur Einkehr in Gaststätten, Keltereien oder bei Selbstver­mark­tern, die selbstverständlich auch zur Brotzeit einladen. Bienenkörbe zeigen an, daß ein Imker dem Kreisverband angeschlossen ist. Außerdem sind die Streuobstwiesen der Region markiert. Und schließlich fehlen auch nicht die Hinweise auf Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder und Grillhütten oder günstige Parkplätze zum Umsteigen auf das Rad oder um dort die Wanderschuhe zu schnüren und die Umgebung zu erkunden.

Grüne Linien zeigen den Verlauf der Wander‑ und Radwege. Bei der Auswahl der Strecken sei besonders darauf geachtet worden, so Kleine, daß es landschaftlich reizvolle und nicht unbedingt nur bequeme Wege sind. Zur Sicherheit der Wanderer und Radfahrer werden vielbefahrene Straßen vermieden. Vermerkt sind auch die Adressen und Telefonnummern der Partner der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute wie Kommunen, Landfrauenverein oder Verbände, deren Ziel die Landschaftspflege oder der Naturschutz ist.

Auf der Rückseite der Karte gehen die Verfasser auf die Strecke ein, nennen zunächst de Länge der Distanz, um dann in eine komplette Wegbeschreibung überzugehen. Für Vogelsberg‑ und Spessartwanderer könnten hier bei einer Neuauflage noch Hinweise auf Steigungen einfließen, statt allgemein von ordentlichen Steigungen zu sprechen.

In einem gesonderten Abschnitt wird noch einmal auf den gesamten Kulturraum mit seinen landschaftlichen Besonderheiten sowie denen in Flora und Fauna eingegangen. Und nicht zuletzt werden die Kommunen mit ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart in kurzen Abrissen beschrieben.

Als besonders nützlich‑ im Ernstfall können sich die abschließenden Adressenlisten der regionalen Ärzte und Fahrradläden erweisen. Hier jedoch muß wie bei allen Kartenwerken dieser Art, auch damit gerechnet werden, daß der eine oder andere Arzt nicht mehr unter der angegebenen Adresse praktiziert oder ein Fahrradladen Dank der Konkurrenz der Märkte auf der grünen Wiese dicht gemacht hat. Zu beziehen sind die Karten und weitere Informationen über die Geschäftsstelle im Maintaler Rathaus, Hessische Apfel‑ und Obstwiesenroute, Regionalschleife Main-Kinzig, Klosterhofstraße 6, 63477 Maintal, 06181‑400‑266, Fax 400‑430.

 

Im Main-Kinzig-Kreis wurde im Herbst 1996 dar­über nachgedacht, die Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute um eine Regionalschleife durch den Main‑Kinzig‑Kreis zu erweitern.

Mitarbeit am Projekt Regionalschleife Main‑Kinzig war willkom­men. Interessierte konnten zusätzliche Informatio­nen bei folgender Kontaktadresse anfordern: Ar­beitsgruppe „Hessische Apfelwein‑ und Obstwie­senroute“, Amt für Regionalentwicklung, Land­schaftspflege und Landwirtschaft, Alter Graben  6­10, 63571 Gelnhausen.

Die Regionalschleife Main‑Kinzig der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwie­senroute gab sich im April 1997 nun die Rechtsform eines Trägervereins: 37 Gründungsmitglieder hoben am Dienstag in der Hüttengesäßer „Krone“ einen Trägerverein aus der Taufe, zu dessen  1. Vorsitzenden Maintals Erster Stadtrat Gerd Robanus gewählt wurde.

Im Vorfeld der Gründungsversammlung hatte es schon die verschiedensten Informationsveranstal­tungen und die Bildung von Arbeitskreisen gege­ben, die vor allem im westlichen Bereich, also im Maintaler Umland, inzwischen erhebliche Aktivi­täten entfalteten. Die Regie bei der Schaffung des Trägervereins lag in den Händen des Landwirtschaftsamtes Gelnhau­sen, dessen Mitarbeiterin Dr. Barbara Freytag‑Ley­er den Satzungsentwurf vorlegte, der dann bis auf geringe Änderungen einstimmig verabschiedet wurde. Hauptziele des Trägervereins sind unter anderem Schaffung und Ausbau einer Apfelwein- ­und Obstwiesenroute durch den Main‑Kinzig-­Kreis und damit die Zusammenarbeit zwischen Na­turschützern, Keltereien, Landwirten, Gastrono­men und sonstigen Interessenten, denen Erhaltung der Kultur­land­schaft und damit auch der land­schaftstypischen Streuobstwiesen am Herzen liegt.

Auch bietet der Träger­verein in seiner Koordinati­onsfunktion für Aktivitäten der Partnerbetriebe werbliche Unterstützung, indem gegen eine Gebühr auf die Logos und Wortbildzeichen der Hessischen Apfelwein‑Obstwiesenroute zurückgegriffen wer­den kann. Diese Lizenzgebühren werden abgestuft nach Umsatz der Betriebe oder bei Kommune nach der Einwohnerzahl erhoben; der allgemeine Bei­trag im Trägerverein kostet jährlich 60 Mark bezie­hungs­weise für Kommunen unter 2.000 Einwoh­nern 100 Mark, darüber dann 200 Mark.

Zehn Kommunen entschlossen sich spontan zum Beitritt im Trägerverein, nämlich Ronneburg (Bür­germeister Kleine hatte auch die Gründungsmit­glieder begrüßt), Bruchköbel, Freigericht, Maintal, Nidderau, Joßgrund, Niederdorfelden, Birstein, Bad Orb und Brachtal. Hinzu kommen Keltereien, Di­rektvermarkter, Land­frauenvereine, Obst‑ und Gartenbauverein, Gastronomen und andere mehr. Im Vorstand sind die Partnergruppen ‑ also bei­spielsweise Kelterer, Landwirte, Naturschützer, Kommunen, kulturelle Einrichtungen ‑ mit jeweils einem Mitglied vertreten. Zum Vorsitzenden des Trägervereins wählten die Gründungsmitglieder dann Maintals Ersten Stadtrat Gerd Robanus.

Eine insgesamt positive Bilanz konnte die Regionalschleife Main‑Kinzig der Ap­felwein‑ und Obstwiesenroute nach ein­jährigem Bestehen bei ihrer Jahres­hauptversammlung in Bad Orb im März 1998 ziehen. Vorsitzender Gerd Robanus verwies mit Stolz darauf, daß sich die Mitgliederzahl von 42 am 1. Juli vergangenen Jahres auf mittlerwei­se 70 erhöht habe. Dazu gehören unter anderem 15 Kommunen, 21 gastronomi­sche Betriebe, fünf Direktvermarkter, acht Keltereien und sechs Vereine. Rund 200 Betriebe hat man, so Roba­nus, in den vergangenen Monaten ange­schrieben, doch da leider wenig Reso­nanz gespürt. Deshalb werde man beson­deren Wert auf das direkte Gespräch le­gen. Noch erhebliche Lücken gibt es im System der Partnerbetriebe im Ostkreis, in Hanau und Rodenbach.

Insgesamt sind es 500 Kilometer Strecke, die dann im Bereich der Regionalschleife Main-Kinzig in das Wegenetz der Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute integriert werden. In den vergangenen fünf Mona­ten habe man bei fast allen Kommunen die Genehmigung für das Befahren der entsprechenden Wege innerhalb der Route erhalten ‑ nur Hanau sei bisher nicht in der Lage gewesen, die im Okto­ber erhaltenen Unterlagen an die Regio­nalschleife zurückzuschicken.

Mit zwischen 700 und 800 Schildern sol­len die Wege der Route markiert werden; die Schilder zeigen die Fahrtrichtung an und natürlich das Symbol der Organisa­tion, einen rotbäckigen Apfel. Anschluß­punkte wird es auch an die benachbar­ten Regionalschleifen geben, so an die des Bereichs Main‑Taunus bei Enkheim und an die der Wetterau bei Langen­bergheim.

In der Produktion sind derzeit, so Roba­nus, Wegekarten, die Wanderern und Radfahrern Aufschluß über den Verlauf der Route und die daran beteiligten Part­nerbetriebe geben sollen. Als erstes er­scheinen zum Eröffnungsfest eine Ge­samtübersichtskarte und drei sogenannte Etappenkarten (allerdings ist Maintal-Bischofsheim mit Bischofsheim im Kreis Groß-Gerau verwechselt worden). Insgesamt ist an die Herausgabe von insgesamt neun Karten gedacht, die dann gegen ei­nen geringen Obulus im „Paket“ erwor­ben werden können. Auch einen Veran­staltungs­kalender der Regionalschleife Main-Kinzig, wird es geben, der dann auf die Aktivitäten entlang der Route hin­weise.

Die Route führt über das bestehende Rad‑, Wander‑ und Feldwegenetz von Bergen­-Enkheim kommend bis hinter Schlüch­tern an die Kreisgrenze nach Fulda (Übersichtskarte im Maßstab 1 : 100.000). Von der Hauptroute zweigen sogenannte Etappenrouten ab, die für Radfahrer und Wanderer gleich geeignet sind. Speziell für fußläufige Interessenten sind kürzere Varianten auf den Etappenkarten (Maßstab 1:25.000) markiert. Infos gibt es zu den berührten Orten, zu Sehenswür­digkeiten und natürlich zu Partnern, die an der Strecke liegen. Weiter sind Adressen von Ärzten und Fahrradläden aufge­listet. Bahnhöfe und der Zugang von dort zu den ausgeschilderten Routen sind ebenfalls besonders markiert. Außerdem ist ein Veranstaltungskalen­der in Vorbereitung, der voraussichtlich Ende Juni erscheinen wird. Dort sollen sämtliche Aktivitäten der Partner aufge­listet sein, so daß man einen Überblick bekommt, wann wo was stattfindet.

Am 26. April 1998 wurde die Regionalschleife Main‑Kin­zig offiziell eingeweiht. Inzwischen hatten sich über 50 Partner dem Verein angeschlossen, in dessen Vorstand alle relevanten Gruppen ver­treten waren: Vertreter von Kommunen, Naturschützer, Gastronomen, Direktver­markter, Keltereien, Obst‑ und Gartenbauvereine, Imker. Seit einem Jahr exi­stiert der Verein und hat in einer Ar­beitsgruppe - deren Arbeit manchmal et­was mühsam war ‑, so Klaus Berg, das Konzept auf den Kreis zu übertragen ver­suchte.

Mit einer ganzen Palette von Auf‑ und Vorführungen, Reden, aber auch Infor­mationen und Kostproben wurde auf dem Gelände der Kelterei Walther in Bruch­köbel‑Niederissigheim die Re­gionalschleife Main‑Kinzig eröffnet.

 

Programm

10 Uhr: Treffen im Lehrgarten des OGV Roßdorf. Hessens Wirtschaftsminister Lothar Klemm, Landrat Karl Eyerkaufer und Bruchkö­bels Bürger­meister Klaus‑Dieter Ermold radeln auf einem Teil der Route nach Nie­derissigheim. Unterwegs werden dabei symbolisch auch einige Speierling-­Setzlinge gepflanzt.

Beginn auf dem Festgelände der Kelterei Wal­ther in Niederissigheim mit den Rund­funk­moderatoren Michaele Scheren­berg und Karl‑Heinz Stier.

10.45 Uhr: Jagdbläsergruppe Ostheim 11.00 Uhr: Offizielle Eröffnung.

11.30 Uhr: Tanzgruppe der Landfrauen Niederdorfelden.

11.45 Uhr: Musikgruppe der Feuerwehr Bruchköbel

13.00 Uhr: Theaterstück Landfrauen Windecken.

13.30 Uhr: Tanzgruppe Landfrauen Ost­heim

1400 Uhr:  Singspiel Grundschule Ham­mersbach.

14.30 Uhr: Tanzgruppe Landfrauen Bad Orb.

15.00 Uhr: Sängerlust Niederissigheim.

15.30 Uhr: Tanzgruppe Landfrauen Rüdigheim.

Für den musikalischen Teil sorgen die Musik­gruppe der Feuerwehr Niederissigheim und die „Sängerlust“ aus dem gleichen Bruchköbeler Ortsteil. Es wird Info­-Stände der beteiligten Partner geben, und auch ein Kinderprogramm ist vorgesehen.

Auf dem Walther‑Gelände demon­strierte der Trä­gerverein der Regionalschleife die Apfel­weinherstel­lung einst und jetzt. Auf dem Freigelände stellten sich der Kreisimkerverein, der Kreisver­band der Obst‑ und Gartenbauvereine, die Landfrauenverbände des Kreises, der Naturschutzbund und die Stadt Nid­derau vor. Die Keltereien Walther, Höhl, Preger und Stier waren ebenso vertreten wie der Frankfurter Mike Margic, der Apfel­weindeckel drechselt. Kunst­handwerk gab es auch von Gisela Fliedner und der Töpferei Maurer aus Büdingen. Eben­falls mit Ständen vertreten waren der Landschaftspflegeverband Main‑Kin­zig‑Kreis, Bad Orber Gastronomen, die Gasthäuser „Alte Schmiede“, Brachtal, und „Zur Krone“, Ronneburg, und Direktvermarkter ‑ um die gastronomische Betreuung mit Spezialitäten, bei de­nen immer der Apfel im Mittelpunkt stand.

Für die Kinder wurde ein spezielles Pro­gramm geboten. Da konnte „rund um den Apfel“ gebastelt werden. Apfel‑Geschich­ten wurden erzählt und gelesen, und auch für eine Hüpfburg und Kutschfahr­ten wurde gesorgt.

Bei der Eröff­nungsfeier präsentierte sich auch die Stadt Nidderau. Sie behauptet von sich, am Ohlenberg und am Wingert das zweitgrößte zusammenhän­gende Streuobstgebiet der Region zu be­sitzen. So wollte sie ihr Bemühen um diesen so typischen wie ökologisch wert­vollen Landschaftsbestandteil in den Blick rücken. Nidderaus Obst‑ und Gar­tenbauvereine, die Vogelschutzgruppen sowie das städtische Umweltbüro hatten einen Stand vorbereitet.

Apfelwein können sie trinken, doch beim Apfeltest versagten der hessische Wirtschaftsminister Lo­thar Klemm, Landrat Karl Eyerkaufer und Bruchköbels Bürgermeister Klaus-­Dieter Ermold mehr oder weniger. Im­merhin erriet Letzterer immerhin zwei Sorten, während der Kreischef vollkom­men daneben lag. Eyerkaufer konnte sich aber zugute halten, daß er zur Ein­weihung der Regionalschleife Main‑Kin­zig der Hessischen Apfelwein‑ und Obst­wiesen­route als einziger der „Promis“ mit dem Fahrrad gekommen war.

Es wurde im Laufe des Tages sehr eng auf dem Gelände der Kelterei Walther in Niederissigheim, wo nicht nur in der Produktionshalle jeder verfügbare Qua­dratmeter für Infostände zur Verfügung gestellt worden war, sondern wo es auf dem Freigelände reichlich Stände gab und im eigens aufgestellten Festzelt schon vor der offiziellen Eröffnung kein Platz mehr zu finden war.

Das lag auch daran, daß mit Michaele Scherenberg und Karl‑Heinz Stier zwei professionelle und mit der Materie be­stens vertraute Moderatoren die Gäste, darunter auch das Bundesäppelwoipaar Renate I. und Eugen I. aus Hanau‑Stein­heim, hervorragend unterhielten. Das ta­ten im Laufe des Tages dann auch noch verschiedenste Musik‑ und Tanzgrup­pen.

Als wirtschaftlich erfolgreiches Land, das zudem über den größten Waldbe­stand verfüge, seien die ökologisch wert­vollen Streuobstwiesen lange Zeit ver­nachlässigt worden, so Lothar Klemm. Das sei der entscheidende Grund gewe­sen, um die Idee der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute in die Tat umzusetzen. ­Schon vor zwei Jahren habe er die Ver­gabe für Konzessionen für Schoppen­wirtschaften deutlich vereinfacht.

Gerade entlang solcher Regionalschleifen wäre einfache Gartenwirtschaften mit kleiner Speisekarte und einem gutem Äppler im Angebot vonnöten: „Helfen Sie mit, damit wir hiermit in die Gänge kommen“, forderte Klemm die Gäste auf. Dem Trend der Flächenversiegelung in einem schnellwachsenden Kreis etwas gegenüberzustellen hält Landrat Eyer­kaufer für eine gute Idee. Gerade im Main‑Kinzig‑Kreis, mit einem Zuwachs von 55.000 Bewohnern in den letzten zehn Jahren, sei es notwendig, die ver­bliebenen Streuobstbestände zu sichern. Außerdem forderte der Landrat mehr Vorfahrt für Radfahrer, denn bei der An­fahrt zur Veranstaltung habe er mehrere Minuten an einer Ampel warten müssen, während die Autos ungehemmt vorbei­brausten.

Auch Bürgermeister Ermold sprach die Flächenversiegelung an, die an Bruchkö­bel nicht spurlos vorbeigegangen wäre. Inzwischen habe ein Umdenken einge­setzt. Kleiner Beitrag der Kommune in Sachen Streuobstwiese: Als Hochzeits­bäume werden inzwischen hochstämmi­ge Obstbäume gepflanzt. Als großen Erfolg aller Beteiligten be­zeichnete schließlich der Vorsitzende des Fördervereins Regionalschleife, Maintals Erster Stadtrat Gerd Robanus, diesen Einweihungstag, denn viel Über­zeugungs‑ und Vorbereitungsarbeit sei notwendig gewesen, um das Projekt im Main-Kinzig‑Kreis zu realisieren. Nun liege aber ein Kartenwerk vor, seien über 50 Partner gefunden und hätten sich viele Organisationen und Insti­tutionen zur Mitarbeit bereiterklärt und diese schon umgesetzt.

Auf dem Freigelände und in der Halle hatten die Besucher reichlich Gelegen­heit, ihren Hunger und Durst zu stillen, den Wissenshunger zu befriedigen und an Ständen von Kommunen wie Nid­derau oder Bad Orb oder bei Organisa­tionen wie Landfrauen, Imker, Obst‑ und Gartenbauvereinen ebenso wie bei Selbstvermarktern, Gastronomen oder Keltereien sich schlau zu machen oder zukosten.

Im Jahre 1999 wurde die 6. Etappen‑Route „Gelnhausen und Meer­holzer Hügelland“ bereits am 14. März in Altenmittlau eröffnet. Die 5. Etappe wurde auf dem Landhof Schmidt in Niederro­denbach eröffnet. Sie heißt „Vom Kin­zigtal ins Meerholzer Hügelland“ und schließt eine weitere Lücke der großen Regionalschleife Main‑Kinzig‑Kreis. Die Route enthält eine besondere Prüfung: den „Berg des Leidens“ zwi­schen dem Oberrodenbacher Ortsrand und der Dicken Tanne schon im Freige­richter Bereich, denn 600 Meter geht es hier steil bergan.

Auf dem Landhof Schmidt wurde an der Stelle, wo einst ein Kirschbaum stand, ein Apfelbaum gepflanzt. Es gab Verpflegung aus dem Angebot der Selbstvermarkter, Informationen des Kreisverbandes zur Förderung des Obstbaus, der Garten- ­und Landschaftspflege, des Trägerver­eins der Route und folkloristische Unter­haltung.

Robert Ruppel, Bürgermeister von Joßgrund und  2. Vorsitzender des Trägervereins, sagte: „Wir wollen mit unseren Routen nicht nur den Fremdenverkehr beleben, son­dern natürlich auch die Bevölkerung ani­mieren, ihre Heimat zu Fuß oder per Rad kennenzulernen.“ Wozu bekanntlich auch gehöre, hinterher einen schönen Schop­pen zu trinken und gut zu essen. „Weshalb es ja durchaus kein Zufall ist, daß die Routen an diversen Höfen vorbeiführen, die von Direktvermarktern betrieben wer­den, wie unserem Gastgeber Schmidt.“ Dazu stellte der Vize‑Chef des Trägerver­eins einen „Erlebniskalender 1999“ vor mit diversen Veranstaltungen zum Ent­decken und Genießen der Natur.

Nachdem Schwindt und Ruppel zwei Obstbäume gepflanzt hatten, luden sie zum Feiern. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgten etliche Vereine, die Kelterei Strutt und die Imkerei Lüders. Ein kleines Kulturprogramm boten die Landfrauen und der Männergesangver­ein.

Auch zwei Obstbäume wurden auf dem Landhof Schmidt in Niederrodenbach gestern beim Fest zur Eröffnung einer weiteren Etappe der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute gepflanzt.

 

Am 25. April 1999 wurde in Bad Orb eine weitere Etappe offiziell freigegeben, die Route „Spessart“, die mit mehr als hundert Kilometern eine der längsten ist. Zur Eröffnung der Spessart‑Schleife um 10.30 Uhr an der unteren Konzerthalle war Kartenmaterial erhältlich, das neben einer Übersicht auch sieben Etappenkar­ten enthält und auf die Sehenswürdigkei­ten und Partnerbetriebe verweist. Die Verbindungen durch den Spessart sparen praktisch keinen Ortsteil aus und führen über den Joßgrund, Flörsbachtal und Biebergemünd wieder zurück ins Kinzigtal. Alleine in Bad Orb können Spaziergänger und Radfahrer zwischen mehreren Routen wählen.

Zur Eröffnung der Spessart‑Etappe am Samstag vormittag präsentierten sich Kel­tereien, Gas­Gas­tronomiebetriebe, landwirt­schaftliche Direktvermarkter, Natur­schutzorganisationen und Vereine mit einem bunten Programm und einem reichhaltigen Getränke‑ und Speiseange­bot den Besuchern. Verschiedene Volks­tanzgruppen und Musikvereine sorgten für Unterhaltung. Für Kinder gab es einen Streichelzoo und eine Hüpfburg. Der Ein­tritt in den Kurpark war an diesem Tag frei.              

 

Hier eine Beschreibung der Regionalschleife „Main-Kinzig“: Länge: 51 Kilometer. Start: Hanau Westbahnhof. Auf der Philippsruher Allee fährt man stadtauswärts und folgt ab dem Schloß dem Mainuferweg zur Frankfurter Stadtgrenze (10 km). Schilder des Grün-Gürtel-Radwegs weisen an Punkt 1 (10,5 km) nach rechts über die Omega­brücke, kurz danach kommt man zum Haupteingang des Heinrich‑Kraft‑Parks (11,3 km), einem der sieben familienf­reundlichen Waldspielparks am Frankfurter Stadtrand mit kreativen Spielmög­lichkeiten und Grillplätzen. Auf gut aus­gebauten Forstwegen umfährt der Grün-Gürtel-Radweg den Heinrich‑Kraft‑Park, überquert die A 66 und erreicht eine Tafel, auf der man sich über das Enkheimer Ried informieren kann (13,7 km).

An dieser Stelle beginnt die Hauptroute der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute (AOR), sie ist in diesem Abschnitt jedoch nicht ausgeschildert. Wenn Sie dennoch ein paar Symbole mit dem roten Apfel entdecken, folgen Sie ihnen nicht, sie markieren eine Frankfurter Nebenetap­pe. Den besten Blick über das Ried, das aus Altmain-Armen entstanden ist, hat man von der Bank, die auf dem Damm in der Nähe der Übersichtstafel steht. Fern­glas nicht vergessen ‑ vielleicht entdec­ken Sie die hier heimische Europäische Sumpfschildkröte.

An Punkt 2 biegt man rechts in den Nachtigallenweg (Schild verdeckt). Er führt am Riedteich entlang. Am Ende des Riedgebietes fährt man 20 Meter linksversetzt weiter geradeaus, an den bewirtschafteten Tennisanlagen (Gaststätte „Am schönen Hang“) vorbei. Kurz danach sieht man die ersten Schil­der für die AOR‑Hauptroute mit dem ro­ten Apfel. An der nächsten Kreuzung stehen sogar zwei Schilder: dem, das nach rechts weist, folgen. Gut ausgeschildert durchquert man Randbereiche von Bi­schofsheim, überquert die Umgehungs­straße (17,6 km) und sieht nach der Brücke wieder zwei Schilder. Wieder wen­det man sich nach rechts und kommt an den Ortsrand von Hochstadt (Punkt 3, 18,8 km).

Rechts oder links? Nicht einfach zu ent­scheiden. Rechts kommt man in den histo­rischen Ortskern mit seiner alten Ring­mauer und den vielen Gaststätten, links­herum geht es, leicht ansteigend, durch Streuobstwiesen zum naturbelassenen Hartigwäldchen. Ein Bienenstock kann besichtigt werden und von den Bänken hat man einen prächtigen Panoramablick über das Maintal. Am Ortsende von Hoch­stadt führt die AOR‑Hauptroute an der Kelterei Höhl vorbei.

Wachenbuchen durchquert man auf der Hauptdurchgangsstraße (Schulstraße, 22,2 km) und folgt am Ortsende den Rad­weghinweisen nach Mittelbuchen. In Mit­telbuchen erreicht man das Hanauer Stadtgebiet, und dort ist Schluß mit der „Apfelausschilderung“. An der Mittelbu­cher Busendhaltestelle (24,7 km) biegt man links auf die Landstraße in Richtung Kilianstädten, nach 150 Metern schwenkt man am Ortsschild nach rechts.

Auf einem schmalen Pfad erreicht man das Mittelbucher Neubaugebiet, das auf den Straßen „Hinterm Hain“ und „Am Simmich­born“ durchfahren wird. Rechts liegt die Gaststätte Alt Mittelbuchen, kurz danach stößt man auf eine T‑Kreuzung. Rechts sieht man die Mittelbucher Ortsbefesti­gung, im Torgebäude präsentiert das Hei­matmuseum neben Funden aus der Früh- ­und Vorgeschichte und der Römer‑ und Frankenzeit auch ein Stück „Mittelbucher Apfelweinkultur“.

Unser Weg zweigt links ab und führt am Schützenhaus (26,3 km) vorbei nach Roßdorf. Vom freien Feld hat man einen herrlichen Blick in das Büdinger Hügel­land. Scharfäugige erspähen vielleicht von Punkt 4 die Ronneburg. In Roßdorf empfängt uns der Obst‑ und Gartenbau­verein (27,6 km). Er informiert in seinem „Mustergarten“ über den Obstanbau, die Vereinsgaststätte lädt sonntags von 9 bis 12 Uhr zum Frühschoppen ein.

Am Ortseingang sieht man wieder das rote Apfelsymbol. Auf der Oberdorfstra­ße fährt man in den Ort. Nach dem Back­haus ‑ hier liegt die Gaststätte „Alte Backstubb“, kurz danach kommt man am „Löwen“ vorbei ‑ verlassen wir bis Obe­rissigheim die AOR‑Hauptroute, biegen nach links und folgen den Radwegschil­dern nach Niederissigheim. Der Wirt­schaftsweg stößt oberhalb von Niederissig­heim an die Kreisstraße nach Butterstadt.

Jetzt zweimal den Radwegschildern nach Butterstadt folgen, das dritte Schild an (Punkt 5, 30,4 km) nach Butterstadt aber nicht beachten, sondern geradeaus weiterfahren. Nach der Fahrt durch die Krebsbach-Aue erreicht man in Oberissig­heim wieder die AOR‑Beschilderung. Sie führt, nachdem man die Landstraße an der Ampel überquert hat, auf der Lang­straße durch den alten Ortskern. Beachtenswert sind die unterschiedlichen Baustile an der alten Oberissigheimer Hauptstraße: Fachwerk, geputzter Back­stein, grobe Feldsteine und hin und wie­der Eternit‑Fassaden. Der Wirtschafts­weg steigt nach dem Dorf leicht an und führt zum Langendiebacher Friedhof (35,4 km).

Kurz nach der Überquerung der Land­straße in Richtung Ravolzhausen (Punkt 6) wird die AOR‑Hauptroute verlassen. Wir biegen nach rechts in Richtung Ortsmitte und folgen einer Nebenroute, die in Erlensee sehr gut ausgeschildert ist. Of­fensichtlich waren aber Andenkensamm­ler am Werk und haben ein paar Schilder abgeräumt. Wenn man deshalb in Lan­gen­diebach nicht weiß, wie es weitergeht, folgt man dem Wanderzeichen für den Li­meswander­weg, dem schwarzen Turm.

Auf der Apfelweinroute kommt man nach Rückingen (38,3 km) und durchquert den Ort auf der Brückenstraße. Der „rote Apfel“ führt auf asphaltierten Wegen durch die Kinzigaue. Hinter dem Gelände des Gartenbauvereins (7, 40 km) beginnt der Wald und die Ausschilder­ung endet. Kein Problem: Bei der Auffahrt zur Auto­bahnbrücke (41 km) trifft man auf die Wandermarkierung roter Balken, der man nach rechts folgt, bis man nach einer wunderbaren Fahrt durch die Bulau auf eine Holzbrücke über die Kinzig trifft (Punkt 8, 45,2 km). Dort verläßt man den „Roten Balken“ und fährt auf einem schmalen, jedoch fahrradgerechten Pfad weiter direkt an der Kinzig entlang.

Die Waldpartie endet an der B 8; der Weg in der Aue weitet sich. Im Stadtge­biet ist die wegen der Landesgartenschau notwendige Umleitungsstrecke für den Hessen‑Radweg 3 markiert, die zurück zum Westbahnhof führt. Die letzte an der Strecke liegende Ein­kehrmöglichkeit mit Gartenbewirtschaf­tung: „La casa“ am Hanauer Stadtpark (48,2 km, an der Kreuzung Nordstraße/ Eberhardstraße, 100 Meter nach rechts).

 

Gaststätten:Am schönen Hang“, Maintal-­Bischofsheim, Telefon: 06109/64256 Öff­nungszeiten: 9 bis 12 und 15 bis 22 Uhr, am Wochenende durchgehend. Bei den Tennisanlagen, nahe dem Enkheimer Ried, befindet sich die auch für Nicht­-Tennisspieler geöffnete Gaststätte mit Terrasse. Der Wirt bietet zusätzlich zu Schnitzel und Co. böhmische Spezialitä­ten an, zum Beispiel den „Böhmerwald­-Teller“ (Lende mit feiner Soße und Serviettenknödeln) oder Palatschinken. Der Nachmittags‑Kuchen wird nach böhmi­schen Rezepten gebacken.

Gaststätte „Alt‑Mittelbuchen“, Hanau-­Mittelbuchen, Telefon: 06181/76129, Öffnungszeiten: täglich ab 17, Sonntag 10 bis 15 Uhr. Bekannt ist die Gaststätte we­gen ihrer Bundeskegelbahn. Radfahrer sitzen im kleinen „Biergarten“ vor dem Haus, die Küche ist regional, der Apfel­wein kommt aus der kleinen Kelterei Wörner in Niederdorfelden.

 

Anfang April 1999 wurde im Rahmen eines Festes auf dem Gelände der Kleingartenanlage „Alte May“ die Etappe „Rund um Hanau“ eröffnet. Auch eine Radtour vom Hanauer Marktplatz aus un­ter Leitung des ADFC gehörte zu den Fest­lichk­eiten. Der Erste Vorsitzende des Trägervereins Friedhelm Kleine vollzog die offizielle Er­öffnung. Die Etappe führe an den schöns­ten Stellen in ganz Hanau vorbei. Man habe etliche Partner entlang der Stre­cken wie Gaststätten, Kleingärtnerverei­ne, Obst‑ und Gartenbauvereine, Brauerei­en und Direktvermarkter, die eine Unter­stützung gewährleisteten.

Auch Margret Härtel, Oberbürgermeiste­rin der Stadt Hanau und Landrat Karl Ey­erkaufer wohnten der Eröff­ung bei und hoben die Wichtigkeit dieser Etappe für Hanau hervor. Das Eröffnungsfest, bei dem man für die zahl­eichen Besucher für das leibliche Wohl ebenso gesorgt habe, um­fasste auch eine Vorführung der Tanzgrup­pe Landfrauen Kilianstädten und ein Thea­terstück der Landfrauen Bischofsheim.

Ebenso konnte eine Baustellenbesichti­gung der Landesgartenschau Hanau 2002 vorgenom­men werden. In Gruppen starte­ten Führungen vom Gelände der Kleingar­tenanlage „Alte May“. Diese Anlage hat man als Ortlichkeit für die Festivitäten ausgewählt, da sie an der Strecke der Etap­pe liegt und zudem eine Verbindung zu der Landesgartenschau aufweist, die in einem Zusammenhang mit der Route steht.

Am 28. Mai 2000 erfolgte die letzte Etappeneröff­nung in Sinntal/Jossa. Die Etappe umfaßt etwa 150 Kilometer Rad‑ und Wanderwege.

 

Das Konzept ist aufgegangen: Mit vielen roten Äpfel, die als Schilder quer durch den Main‑Kinzig‑Kreis die Routen markieren, werden aktiver Naturschutz, Tourismus, Apfelweinliebhaber und Direktvermarkter unter einen Hut gebracht. Im April 2001 zogen die Initiatoren von der Regionalschleife Main‑Kinzig der Hessi­schen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute, ei­ne durchweg positive Bilanz der ersten drei Jahre. „Das Angebot wird angenommen, weil es für Radfahrer und Wanderer gleicherma­ßen ein abwechslungsreiches Programm bietet“, sagte der erste Vorsitzende des Trägervereins, Ronneburgs Bürgermeister Friedhelm Kleine, am Mittwoch im Rah­men einer Pressekonferenz auf der Ronne­burg.

Gleichzeitig stellte der Vorstand den neuen „Erlebniskalender“ vor, in dem zahlreiche Feste und Veranstaltungen auf den ver­schiedenen Strecken zusammengefaßt sind. Seit 1998 wurden die verschiedenen Touren im Main‑Kinzig‑Kreis eingezeich­net, das Karten-Set umfaßt nun neun Etap­pen, darunter auch „Rund um Hanau“, „Ronneburger Hügelland“ und „Spessart“. Insgesamt sind es fast 500 Kilometer Rad­wege und 225 Kilometer Wanderwege, die auf den präzisen Karten eingezeichnet sind. In der freien Natur müssen Radler und Wanderer also immer nur dem roten Apfel folgen, um an Streuobstwiesen, Kel­tereien, Direktvermarktern und natürlich den Sehenswürdigkeiten der Region vor­beizukommen. Insgesamt sind es bereits über 1.000 Schilder, die so den Weg weisen. Der Kartensatz mit insgesamt neun detail­lierten Rad‑ und Wanderkarten aus dem gesamten Kreisgebiet ist kostenlos ‑ oder auch gegen eine freiwillige Spende ‑ bei al­len Volks‑ und Raiffeisenbanken in Main­tal und im Main‑Kinzig‑ Kreis oder direkt beim Verein unter der Telefonnummer 0 60 51/82 30‑33 erhältlich.

In diesem Jahr wird der Trä­gerverein, dem insgesamt 82 Mitglieder an­gehören, selbst an drei Veranstaltungen teilnehmen: Neben Radtouren mit Blüten­fest und Führungen im Juni in Eidengesäß und einen Infostand bei der Radleraktion „Kinzigtal total“ am 9. September steht da­bei auch das Hoffest im Oktober auf dem Landhof Schmidt in Rodenbach auf dem Programm.

 

Regionalschleife Stadt und Kreis Offenbach:

Auf der Regionalschleife Stadt und Kreis Offenbach der hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute können Wanderer und Radfahrer ab 2001 stempeln gehen. Der Hotel- und Gaststättenverband hat einen Äpfelweinpaß auf den Tisch gelegt, in dem drei Dutzend Traditionsgaststätten, Apfelweinkneipen oder Privatkeltereien aufgehstet sind. Wer den Paß voller Stempel hat, kann eine Fahrt mit einem Heißluftballon in Form eines Bembels gewinnen. Der Weg für die Regionalschleife Stadt und Kreis Offenbach wurde im Jahr 2000 geebnet. Damals beteiligten sich Wirtshäuser in der Stadt Offenbach und im benachbarten Mühlheim an der Werbeaktion für die Region. Jetzt wurde die Apfelweinroute auf die Städte Dreieich und Neu-Isenburg verlängert und auf 36 Wirtshäuser erweitert.

 

Die sechste Regional­schleife der hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute hat Landwirtschaftsmi­nister Wilhelm Dietzel zusammen mit Of­fenbachs Oberbürgermeister Gerhard Grandke und Landrat Peter Walter Ende Mai 2000 in Stadt und Kreis Offenbach eröffnet.

Fahrradfahrer und Wanderer kön­nen dort jetzt auf einer 46 Kilometer lan­gen ausgeschilderten Strecke unter ande­rem Apfelweinkneipen, Keltereien und sehenswerte Streuobstwiesen ansteuern.

Alle Beteiligten betonen, daß das Pro­jekt in Rekordzeit zustande gekommen sei. Von den ersten Gesprächen mit der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hes­sen“ bis zur endgültigen Beschilderung sei­en nur 18 Monate vergangen, so Landrat Walter. Gekostet hat die neue Freizeitrou­te den regionalen Träger ‑ die Kommuna­le Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fremdenverkehrs in Stadt und Kreis Of­fenbach ‑ rund 48 000 Mark.

Bislang besteht die sechste regionale Ap­felwein‑ und Obstwiesenroute aus den bei­den Lokalschleifen der Städte Offenbach und Mülheim. Die gut 15 Kilometer lange Strecke rund um Mühlheim verläuft wie folgt: Los geht es an der Alten Wagnerei in Mühlheims City. Die Strecke führt über den Hennig‑ und Talweg raus aus der Stadt zum Seerosenweiher in der Neuen Schneise, der immer wieder davon bedroht sei, zu kippen, weil es weder einen Zu‑ noch Abfluß gibt.

Nächster Stop ist an der Querung der Häuser Weg­schneise. Hier wird die Offenbacher Route in Richtung Käsmühle und Bieber angebunden. Weiter geht es durch Lämmerspiel hin­durch über die Steinheimer Straße auf den Gailenberg, mit 101 Metern die höch­ste Erhebung der Stadt. Hier ist auch der Grund zu sehen, warum gerade Mühl­heim die erste Apfelwein‑ und Obstwie­senroute im Kreis Offenbach bekommt: Auf dem Hügel liegt der größte Streuobst­wiesenbestand.

Anschließend geht es durch die Steinbrüche nach Dietesheim. Hier wird die Tour über die Untermainstraße geführt wird, damit die Fachwerkhäuser und die evangelische Kirche nicht links liegen gelassen werden. Am Mainufer gibt es wieder eine Anschlussmöglichkeit in Richtung Steinheim sowie Offenbach‑Frank­fürt. Geplant ist auch die Vernetzung mit Maintal‑Dörnigheim.

Die Tour geht nun auf dem Rodaudamm, dem Mühlenwan­derweg, entlang über die Bleichstraße und Bahnhofstraße zum Ausgangspunkt „Alte Wagnerei“ zurück.

Am 25. Mai 2000 wird die Route, es ist die sechste in Hessen, offiziell freigegeben. Bis dorthin wird die Kommunale Arbeits­gemeinschaft Fremdenverkehr die Strec­ke ausschildern. An deren Verlauf liegen beispielsweise auch die Licher Pilsstube, die für ihre Handkäspartys berühmt ist, sowie das „Forsthaus“. Mindestens drei typische hessische Gerichte sowie Apfel­wein müssen duf den Speisenkarten zu finden sein. Alle zwei Jahre werden die gastrono­mischen Betriebe auf die Bedin­gungen hin erneut überprüft.

Geplant ist, fast den gesam­ten Kreis zu integrieren. So will die Kreis­beigeordnete Jäger noch im Herbst mög­lichst die Städte Langen und Neu‑Isen­burg anbinden, Ende 2001 soll die Strecke der gesamten Gemarkung stehen.

 

Bislang sind erschienen und ausgeschil­dert:

Etappe 1: Wetterau zwischen Unter­main und Nidder

Etappe 2: Vom Ronne­burger Hügelland in die Wetterau,

Etap­pe 3: Ronneburger Hügelland.

Etappe 4: Rund um Hanau,

Etappe 5: Vom Kinzigtal ins Meerholzer Hügelland,

Etappe 6: Gelnhausen und das Meerholzer Hügelland,

Etappe 7: In den Spessart,

Etappe 8: In den Vogels­berg,

Etappe 9: Das Schlüchterner Bec­ken.

 

Regionalschleife Neu-Isenburg:

Bewölkt war es zwar, doch das Wasser blieb in den Wolken, als die Neu‑Isenburger im April 2002 ihren Teil der Regionalschleife der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute eröffneten. Es schwangen sich 33 Männer und Frauen mit Bürgermeister Oliver Quilling (CDU) und Kreisbeigeordneter Claudia Jäger (CDU) auf ihre Räder und fuhren die im vergangenen Jahr ausgewiesene Strecke östlich der Stadt ab. Sportlich gesehen eher harmlos sei die Tour, sagte Karl‑Heinz Fahn. Doch auch als Neu‑Isenburger habe er vom historisch interessierten Biologen der Stadt, Peter Schonegge, Neues erfahren. Und Gerhard Ingber vom Verein Radteam wußte bisher weder, wie viele eiförmige Wiesen es im Naturschutzgebiet an der Eirundwiese gibt, noch hatte er von dem hundert Jahre dauernden Gerichtsstreit mit Frankfurt gehört, in dem es darum ging, ob Neu‑Isenburger Schweine im Stadtwald fressen dürfen.

Den Plan zur Neu‑Isenburger Apfelweinroute mit historischen, touristischen und naturkundlichen Informationen gibt es im Bürgeramt der Stadt, Schulgasse 1.

 

Regionalschleife Langen-Egelsbach:

Im Mai 2003 wurde  die Apfelwein‑ und Obstwiesenroute Langen‑Egelsbach eröffnet. Strahlender Sonnenschein und Volksfestcharakter bei der zweiten Eröffnung des Langen‑ Egelsbacher Teilstücks des landesweiten Wegnetzes der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute.   Mit seinen Völkern war Günter Greff schon immer vorne dran. Deswegen war es eigentlich kein Zufall, dass der Egelsbacher Hobbyimker mit Langener Wurzeln sich als erster in das Netz der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute eintragen ließ, noch ehe diese im Jahre 2002 formal festgeschrieben war. Greff unterstützt die Idee „Nicht nur als Freizeitangebot“, sondern auch, weil der Stadtmensch so Gelegenheit habe, einen fachkundig begleiteten Blick auf scheinbar selbstverständliche Dinge zu werfen. Außerdem könne so manches Vorurteil beseitigt werden.

Greff weiß wovon er redet. Sein Informationsstand ist eigentlich ein richtig großer, naturbelassener Schrebergarten in einem typischen Streuobstwiesengebiet südlich der Bundesstraße 486 und einer von 19 Stationen zwischen dem Vierröhrenbrunnen in Langen und dem Vereinshaus der Hundefreunde im Egelsbacher Wäldchen. Die Strecke ist für Wanderer oder Fahrradfahrer mit dem markant roten Apfel mit grünem Pfeil der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute gekennzeichnet und kann so leicht ergangen oder erfahren werden. Am Eröffnungssonntag gab es Extrazulagen ‑ angefangen von der Info über alternative Hühnerhaltung bis hin zur Vogelstimmenwanderung.

Ohne Bienen keine Äpfel und kein Apfelwein. Günter Greff erzählt, dass die heutigen Bienenhäuser sich sehr stark von den im Mittelalter zu diesem Zweck genutzten alten Baumstümpfen, den so genannten „Klotzbeuten“ unterscheiden. Selbst in der Wiesbadener oder Frankfurter Innenstadt hat Greff Hobbyimker‑Kollegen, die die heute sehr friedfertigen Tiere dort auf dem Balkon halten und so selbst gemachten Honig ernten können.

Dieses Jahr, erzählt Greff, wollte er für die Eröffnungsveranstaltung der Route zwölf bis 14 Bienenvölker präsentieren. Daraus wurde nichts. Die unselige Zusammenarbeit von Varoa‑ Milbe und einem noch nicht völlig aufgeklärten Varoa raffte ihm zwei Drittel seiner Population dahin. „Dass die Krankheit Einfluss auf die Qualität des Honigs haben oder gar für den Menschen gefährlich sein könnte, sei eines jener Vorurteile“, mit denen Greff bei solchen Veranstaltungen gerne aufräumen möchte. Und er kontert mit den hohen Qualitätsansprüchen, die der Imkerverband von seinen Mitgliedern fordert. Dort sitzt er im hessischen Landesvorstand und ist dessen Lehrbeauftragter.

An vielen anderen Ständen der Strecke ging es am Sonntag aber eher um die ganz handfeste Nutzung des Apfels und dies überwiegend in seiner flüssigen Form. Da unterschied sich die offizielle Eröffnungsveranstaltung im Egelsbacher Wäldchen mit den amtlichen bestallten Verkostern kaum von den vielen Kneipen und Hofbeizen entlang des Weges. Von der Ebelwoitankstelle am Vierröhrenbrunnen bis zur Ebelwoitankstelle an der neu gepflanzten Streuobstwiese der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

 

Regionalschleife Dreieich:

Der rote Apfel mit dem grünen Pfeil drumherum weist die Wege auf der jüngsten Etappe der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute: 35 Kilometer Wander- und Trampelpfade, Radel- und Joggingpisten durch die Feldfluren, Waldungen und Bachtäler der 40.000-Einwohnerstadt Dreieich (Kreis Offenbach) sind dieser Tage mit dem Logo ausgeschildert worden. 13 Ziel-, Rast- und Schaupunkte an der Strecke wurden mit gesonderten Obst-

Pfeil-Blechen etikettiert. Das sind die Partnerbetriebe, die denen, die mit Drahtesel oder auf Schusters Rappen unterwegs sind, Anlaufstellen sein sollen: Bauernhöfe, urige Gaststätten, ein Museum, eine Kelterei.

Bei den Agrargehöften der Familien Köppen, Frank und Lenhardt in Offenthal und Götzenhain können sich hungrige und durstige Routengänger mit Mundvorrat eindecken und die Feldflaschen nachfüllen. Im Angebot der Direktvermarkter stehen regionale Feldfrüchte, Obst und Gemüse aus Dreieicher Landen frisch auf die Theke. Zu kaufen gibt’s bei den Landwirten auch noch Fleisch und Wurst aus eigener Schlachtung und selbstgekelterte Säfte und Weine.

Zünftig-Deftiges aus der Rippche-, Handkäs’- und Stöffche-Küche kredenzen und tischen die Wirte der Freiluftkneipen auf, die ihre Fassaden mit dem Routen-Logo markieren: Feuermerschel, Hofgarten, Königlich- Bayerisches Amtsgericht, SKG-Sporthalle und Herrnbrod-Ständeke. Den jeweiligen Ebbelwoi-Haustrunk lassen die Gastronomen dabei zumeist in der alteingesessenen Sprendlinger Kelterei Schäfer pressen, die auch als Partnerbetrieb firmiert und wo den Fremden gern gezeigt wird, wie das südhessische Nationalgetränk in Fässer und Bembel kommt.

Faltblätter mit detaillierten Wegekarten zur Apfelweinroute Dreieich können geordert werden bei der Stadt Dreieich (Telefon 061031601-1231-124, Fax: 061031601-141, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) und beim Kreis Offenbach (Telefon 06918068-389, Fax.06918068-381, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ). Anfahrt mit RMV via S3IS4 bis Dreieich-Buchschlag, von dort aus weiter mit der Dreieichbahn zu den Haltepunkten Sprendlingen, Dreieichenhain, Götzenhain, Offenthal

 

 

Frankfurt

 

 

Apfelweinfeste in Frankfurt

 

Auf dem Römerberg in Frankfurt gab es zwei Veranstaltungen mit dem Thema „Apfelwein“:

*        Die 1919 gegründete „Vereinigung der Apfelweinwirte in Frankfurt und Umgebung“  lud jährlich zum Römerbergfest ein. Das „Apfelweinfest“ auf dem Römerberg ist ein „Stöffchefest“. Die „Vereinigung der Äpfelweinkeltereien mit eigenem Ausschank Frankfurt am Main und Umgebung e.V.“ wurde 1919 gegründet. Ihr Ziel war zunächst die Beseitigung der Beschränkung bei der Herstellung von Äpfelwein und der damit verbundenen strengen Bewirtschaftung. Es wurden Einkaufsmöglichkeiten für Kelteräpfel geschaffen. Nach 1933 wurde von den Behörden versucht, den selbstkelternden Äpfelweinwirten die Konzession für die eigene Herstellung ihres „Stöffchens“ zu entziehen. Doch scheiterte dieser Versuch an dem harten Widerstand der Wirte. Dadurch wurde dieses mittelständische Gewerbe mit seiner alten Tradition vor dem Untergang bewahrt. Nach der Wiedergründung der Vereinigung nach 1945 setzte sie ihre unermüdlichen Bemühungen dafür ein, die bestehende Zwangsbewirtschaftung beim Keltern zu beseitigen und den Wiederaufbau des fast total ausgebombten Gewerbes in die Wege zu leiten. Sie erstellte Gutachten für die Regulierung der Kriegssachschäden, schuf einen Marktbericht und half bei der Beschaffung von Kelteräpfeln bei Mißernten. Im April 1960 gelang es endlich, unser Nationalgetränk von der Getränkesteuer zu befreien.Die Vereinigung achtet auf die Qualität des Äpfelweins und bewahrt die Tradition der Apfelwein- Gastronomie. Gemeinsam mit der Hotel- und Gaststätten-Vereinigung vertritt sie das Gewerbe in allen einschlägigen Fach- und Gewerbefragen. Ihre Mitglieder pflegen mit besonderer Sorgfalt das Frankfurter und hessische Nationalgetränk, damit es auch für die Zukunft das beliebte Volksgetränk der Bürger bleiben möge. Gemeinsam mit den Handelskeltereien wählen sie auch eine „Frankfurter Apfelweinkönigin“. Bis 1987 regierte Ute I. aus dem Hause „Eichkatzerl“ in Sachsenhausen. Danach regierte Birgit I. aus dem „Goldenen Löwen“ in Harheim.

*        Dieses Fest  ist nicht zu verwechseln mit dem Apfelweinfest,  das vorher an gleicher Stelle stattfand unter Federführung der Kelterei Höhl in Hochstadt und der Hessi­schen Apfelweinstraße. Die Vereinigung der Apfelweinwirte hält jenes Fest für „eine reine Werbe­veranstaltung“ für besagte Kelterei aus Hochstadt. Daß die Hessische Apfelweinstraße beteiligt war, ist für den Wirt nicht weiter wichtig. „Die gibt’s doch gar nicht richtig“.

 

Beim  „4. Stöffchefestes“ im Juli 1995 war der Römerberg eine einzige Garten­wirtschaft. Was freilich in dieser Gartenwirtschaft fehlte, waren Bäume, schattenspendende Bäume. Denn die Sonnenschirme waren knapp, als Otto Rumeleit und Willy Berger, die Vorsitzenden der „Vereinigung der Apfel­weinwirte“, am Samstag Schlag 12 bei sengender Sonne die Stöffche‑Fete eröff­neten und Stadtrat Manfred Friedrich (CDU) die Menschen begrüßte.

Neben anderen Ehrengästen wie der „Bembel Lenz“ war auch „Altbürger­meister“ Hans Jürgen Moog erschienen, sportlich salopp und ohne Krawatte, „was mir gut bekommt“, meinte er.

Doch dann beherrschten bald die richti­gen Schoppeschlepper, die Kellner, und die Band gleichen Namens auf der Bühne die Szene. Da wurden, bei über 30 Grad, dennoch munter Bratwurscht vom Meter und Bratkartoffeln, „Zwiewwelkuche mit Apfelweinteich“ oder „Grie Soß“ verzehrt. Nur beim Getränk hieß es vorwiegend: „Aber bitte mit viel Mineralwasser!“, also „tief gespritzt“, wie einer sagte.

Und es kam, was kommen mußte und von den ausschenkenden Ebbelweinwirten auch mit Untergang der Sonne hinter der Römer‑Fassade sehnlichst erwartet wurde: Menschen en masse ‑ dazu durstig. Jetzt war der „Samstagsberg“ knallvoll, man rückte auf den Bänken zusammen und ließ die Gerippten kreisen. Gegen 22 Uhr kam eine leichte Mainbrise auf, da herrschte fast mediterrane Stimmung.

Zumal vier Stunden lang die Big Band des Spielrings Seulberg den Ton angab und voll aufdrehte mit dem, was Menschen zum Swingen bringt: Glenn Miller und „In the mood“, leichten Jazz und auch die „Schützenliesel“. Neben ihnen waren „Route 66“, „Drifters Caravan“ und „Tequila Sunrise“ am Sonntag abend mit von der Partie, die ein vorwiegend jugendliches Publikum musikalisch an­sprachen.

Ihro Lieblichkeit Anja I. als Ebbelwei­königin und Otto Rumeleit, der Schoppesenior, fanden dann auch kluge Leute, die beim Ebelweiquiz manches wissen muß­ten und am Ende dafür 15 Verzehr‑Gut­scheine und zwölf Geschenkpakete der Keltereien bekamen.

 

Beim 6. Frankfurter Stöffchefest am 6. und 7. September 1997 wurde betont, daß man es in manchen Dingen nehmen sehr genau nimmt, denn  nach Überzeugung der örtlichen „Stöff­che“‑Produzenten und Apfelweinwirte verdient die Bezeichnung „Frankfurter Apfelwein“ nur das Ge­tränk, was strengen Qualitätsmaßstäben genügt und obendrein innerhalb der Frankfurter Stadtgrenzen fabriziert wird. Bei den in wachsender Zahl ersonnenen Mixgetränken im Reich des reinen Apfelweins verstehen die Sachverständigen allerdings keinen Spaß. „Außer einem Spritzer Speierling darf nix dran ans echte Naturprodukt“ (Nöll). „Apfelwein‑Papst“ Rumeleit senior sieht das so: „Was net neigeheert, des geheert net nei.“

Beim Ausschank auf dem Römer­berg am ersten September‑Wochenende floß neben dem klassischen Stöffche und frisch gepreßtem Süßen auch Champagner, „Ebbelwei‑Schambes“ versteht sich. Keltereichef Gerhard Nöll fi­ndet mit dem Apfelschaumwein seines Hauses Gnade vor den gestrengen Augen der Vereinskollegen. Die Flaschengärung, im Handel für 13 bis 14 Mark zu haben, schmecke hervorragend, urteilt Gastronom Willy Berger, Vorsitzender des Frankfurter Hotel‑ und Gaststättenverbands. Und Otto Rumeleit erteilt seinen Segen mit dem Hinweis, die Frankfurt „Schambes‑Produktion“  ‑ authentisch bis zum Rüttelpult ‑ knüpfe durchaus an ältere Vorbilder an.

 

Im Jahre 1998 beanspruchte Bundeskanzler Helmut Kohl den Römerberg als Wahl­kampf­kulisse, die Apfelwein­wirte brau­chen die „gut Stubb“ hingegen für den Auf­bau des siebten Stöffche‑Festes, das am Samstag beginnt. Die Apfelweinwirte durften den Römerberg erst am Samstag morgen in eine Gartenwirtschaft verwandeln. Weil das Stöffche‑Fest so nicht wie üblich um zehn. sondern erst um 14 Uhr be­gann, tröstete die Stadt die Wirte mit einer kleinen Zugabe am Abend: An beiden Ta­gen darf bis 21 Uhr gefeiert werden.

Rund 5.000 Liter Apfelwein und 1.000 Liter frisch gekelterten „Süßen“ wollen die Ver­anstalter, die Vereinigung der Apfelwein­wirte sowie die Keltereien Nöll und Poss­mann, am Wochenende ausschenken. Sie rechnen bei gutem Wetter mit 10.000 Be­sucherinnen und Besuchern. Denen wird nicht nur „Stöffche pur“, sondern Apfelwein in verschiedenen Va­riationen angeboten. Die Kelterei Nöll schenkt ihren Apfelweinschaumwein aus. Der Wirt des Römerbembels, Willy Ber­ger hat nach einem Rezept aus dem Jahr 1842 eine neue Süßspeise kreiert: die Frankfurter Apfelweintorte,

Stadträtin Lilli Pölt. in Vertretung der Oberbürgermeisterin Petra Roth, die Be­sucher beim „Stöffchefest“ der Vereini­gung der Apfelweinwirte willkommen. Gastronom Willy Berger hatte zuvor schon Ihre Majestät Ebbelweikönigin Christiane I. begrüßt, die dem Fest eben­falls einen zumindest äußerlich trockenen Verlauf wünschte. Man möge zugreifen „und soviel Hunger haben wie gestern abend der Helmut Kohl“.

Die Veranstalter hatten Glück. Meinte noch beim Aufbau der Stände um sieben Uhr morgens ein Wirt: „Wenn das weiter so gießt, brauche mer kaan Sprudel mehr fer den Gespritzte“, so füllte sich Frank­furts „Gut Stubb“ dann mit heller werdendem Himmel bis zum Abend doch noch.­ Am Sonntag war es ähnlich.

Insgesamt waren 78 Mitgliedsbetriebe am großen Ausschank beteiligt. Unter den Augen der Besucher wurde von den Poss­männern auch „frischer Sieße“ gepreßt. Hans Waidmann war als Wochenendtou­rist aus Aurich gekommen. „Frankfurt ist schön, der Apfelwein zwar sauer, aber gut.“ Er befolgte denn auch den Rat von Kennern, lieber nicht zuviel vom Süßen zu trinken, „wenn kaa Toilett’ in de Näh’ is!“ Gar nicht sauer, sondern trocken und mild hingegen war der einige Meter wei­ter angebotene Äpfelwein‑Champagner der Kelterei Gerhard Nöll, für den er die silberne Plakette der Deutschen Land­wirtschafts‑Gesellschaft geerntet hat.

Wer mehr über die Geschichte des Ap­felweins wissen möchte, kann sich einer Führung durch das Apfelwein­museum an­schließen und dann mit dem neuen Wissen beim Apfelwein‑Quiz glänzen. Bei einem Quiz waren 25 Essengutscheine à 30 Mark zu gewinnen, die Moderator Torsten Dornberg, Wirt der „Schönen Müllerin“ unters Publikum brachte.                 

Musik und Unterhaltung gibt es auf der Bühne am Römerberg, auf der am Wo­chenende verschiedene Bands spielen: Den Anfang macht am Samstag um 14 Uhr das Blasorchester „Blasphonie aus Oberrad, die „Brass Band“ Biblis und„Merlins Fantasy Farm“.  Am Sonntag luden die Wirte zum Jazz‑Frühschoppen mit der Band Phoenix sowie „Six for Sound ein. “

 

Beim Stöffchefest im Jahr 2001 auf dem Römerberg floß der Apfelwein. Aber nur in Maßen. Die Gäste, die der alljährlichen Leistungsschau der Kelterer beiwohnten, tranken eher gemächlich. Wer den Blick über die Holztische und ‑bänke schweifen ließ, fand das nicht verwunderlich. Der Altersdurchschnitt der Festbesucher war nicht eben niedrig, und so gab nicht ein Glas das andere.

Traditions‑Frankfurter hielten das Traditionsgetränk hoch. Das ist schön, andererseits aber auch ein Problem beziehungsweise Teil eines Problems, das da lautet: Dem Apfelwein gehen die Trinker aus. Die Zahlen deuten auf einen stetigen Rückgang. Im Jahre 1994 setzten die hessischen Keltereien mit dem Äppler noch 85 Millionen Mark um. Im August wurde bekannt, daß der Umsatz im vergangenen Jahr nur noch bei 66,5 Millionen Mark lag. Ein Verlust von mehr als 20 Prozent.

Der Wirt der „Alten Burg“ in Dreieichenhain zeigte beim Stöffchefest der Vereinigung der Äpfelweinwirte, wie der Süße gewonnen wird. Zuerst kommen die Äpfel in die Mühle, dann wird der Brei in Tücher eingeschlagen und mit 250 Bar gepreßt. Derart unter Druck, gibt das Obst den Süßen frei. Daß nur Apfel und sonst nichts in dem erfrischenden Getränk ist, konnten die interessierten Besucher an der Vorführmaschine verfolgen. „Zucker kennen wir nicht“, versicherte ein Experte vom „Rad“ in Seckbach. Für den Süßen kamen Tafeläpfel in die Presse. Für den Wein werden Äpfel von den Streuobstwiesen verarbeitet. Bis der neue Jahrgang des Stöffche auf den Markt kommt, dauert es aber noch einige Monate. Genug zu trinken gab es natürlich trotzdem auf dem Römerberg. Vornehmlich in der klassischen Variante, aber auch als Apfelschaumwein im Stil der großen Champagner, den die Kelterei Nöll anbot. Mit 7,5 Prozent Alkoholgehalt soll der Apfelschampus trendig leicht und sehr bekömmlich sein. Als Beilage konnten die traditionsbewußten Frankfurter auf den bewährten Handkäse zurückgreifen, aber auch Preßkopp mit Musik, Lauchwürstchen und Schlachtplatte ordern. Solche Spezialitäten servierte der Wirt der „Schönen Müllerin“, der mit dem Satz „Hier können Sie speisen wie im Fernsehen“ lockte. Das Lokal war nämlich schon beim HR‑Klassiker „Hessen à la carte“ zu sehen.

 

Im Jahre 2002 wurde das traditionelle „Stöffchefest“ der Apfelweinwirte auf den Goetheplatz (bzw. Roßmarkt) verlegt. Ruhebedürftige Nachbarn des Römerbergs, wo man bisher die feuchtfröhliche Selbstdarstellung inszenierte, und ein allzu enger Belegungsplan für das Altstadtzentrum machten den Umzug nötig. Die Wirte hoffen auf entsprechend viel Laufkundschaft zwischen Zeil und Opernplatz, die von der Apfelwein‑Gartenwirtschaft« inmitten der Stadt zum Stöffche‑Kosten animiert werden.

Die „Vereinigung der Apfelweinwirte Frankfurt am Main und Umgebung“ feiert am Samstag, 7. September 2002  ihr zehntes „Stöffchefest“. Es soll eine kraftvolle Selbstdarstellung werden, Gastro‑Krise hin, veränderte Geschmäcker her. Das Frankfurter Nationalgetränk hat seine Liebhaber, aber ein modernes Image tut auch Not

„Wir sind Bembeltown!“ Die vereinigten Apfelweinwirte Frankfurts und Umgebung haben trotz Gastronomiekrise keinen Minderwertigkeitskomplex. „Schließlich sei man ja einmalig in Deutschland“, ist Vereinsvorsitzender und Schoppewirt Rolf Gasser sich sicher. Was für einen einmaligen kulturellen und wirtschaftlichen Beitrag der goldene Saft für Frankfurt leistet, wollen Gasser und seine Kollegen bei ihrem Stöffchefest auf dem Goetheplatz zeigen. Es ist das zehnte Fest dieser Art und eine Premiere auf dem Goetheplatz.

Der „ehrliche Schoppen“, der noch von hiesigen Wirten und manchen Keltereien aus heimischen Sorten selbst hergestellte Apfelwein, wird ebenfalls ausgeschenkt. Stellvertretend für die mehr als 60 Mitgliedsbetriebe der Vereinigung haben sich die beiden Keltereien Nöll und Possmann sowie sechs Gastwirtschaften für das Fest zusammengetan, darunter „Zum Rad“ des Vorsitzenden Gasser in Seckbach, die Sachsenhäuser „Zur Buchscheer“ des Zweiten Vorsitzenden Robert Theobald und die „Schöne Müllerin“ von Festmoderator Thorsten Dornberger.

Und weil das Fest ja für die reine Lehre und die große Tradition des Streuobstprodukts einsteht, gibt es auch alles, was zum Apfelweingenuß dazu gehört: Die Glasträger Schiffche, eigens gefertigte Jubiläums‑Bembel, ausschließlich die 0,3‑Liter-Gerippte‑Gläser und die „Bembeldeckel“ für das in Gartenwirtschaften unvermeidliche Kastanienbombardement. Die Schoppenkoster müssen aber nicht alles auf leeren Magen hinunterstürzen. Die traditionelle Küche kommt auch nicht zu kurz: Handkäs, Rippchen und sogar Apfelwein-Rollbraten.

Stur traditionell wollen die Frankfurter Wirte aber wiederum auch nicht sein. Die erfolgreiche Aufnahme von Caipirinha und Konsorten in den hiesigen Gastro‑Bereich hat ihre Spuren hinterlassen: Auf dem Stöffchefest gibt es auch Apfel‑Cocktails, wie beispielsweise „Kir Rödelheim“. Hochprozentiger kommt dafür der heimische Apfelweinbrand daher, der so wenig mit Calvados zu tun hat wie Cidre mit Apfelwein, meint Theobald.

Imagepflege haben sich die Wirte auf die Fahne geschrieben, gleichwohl man sich nicht profilieren wolle, meint Gasser. „Aber das Stöffche ist doch vielleicht das einzige, was Frankfurt noch liebenswerter macht.“ Mit diesem Pfund (in jedem Glas steckt der Saft von einem Pfund Apfel) wollen sie wuchern. Denn die alten Frankfurter, die ohne das Stöffche nicht existieren konnten oder wollten, sterben unweigerlich aus. Neu‑Frankfurter aus Gegenden, wo man Äpfel allerhöchstens ißt, muß man erst überzeugen. Und das schnelle Flaschenbier, Mixgetränke und Cocktails haben den Markt nachhaltig eingeengt.

In den vergangenen Jahren litten die Schoppewirte ebenso unter den 143 Straßenfesten Frankfurts wie unter den vielen gastronomischen Neueröffnungen. Diese Krise scheint überwunden. Aber die Wirtschaften liegen selten verkehrsgünstig und würden so darunter leiden, daß Autofahrer zurückhaltender an ihrem Apfelwein kosten, sagt Theobald. „Da wird es dann eher ein Tiefgespritzter.“ Mehr Wasser, weniger Apfelwein.

 

Beim Erntedank im Oktober 2003 im Hessen‑Center Frankfurt gabe s am Mittwoch und Donenrstag ein Schaukeltern: Wie aus Äpfeln „Süßer“ entsteht konnten die Besucher live erleben, jeweils ab 14.00 Uhr war Schaukeltern im Untergeschoß durch die  Firma Possmann.

 

Im September 2003 lud die Vereinigung der Apfelweinwirte Frankfurt und Umgebung

zu den ersten „Römer‑Spielen“ ein. Mundartgedichte und Theaterstücke auf frankforderisch gab es zu sehen und hören. Damit das Babbeln leichter fällt, lockten neben dem Ebbelwei auch Spezialitäten wie Apfel‑Champagner und Apfel‑Prosecco. Wegen des neuen Süßen hatte sich Eleonore Rohrböck zum Römer aufgemacht. Die 98‑jährige Frankfurterin hatte ihre eigene Flasche im Gepäck, und anfangs hätten ihr die Standbetreiber nichts abfüllen wollen: „Die möchten lieber im Glas verkaufen, da verdienen sie mehr.“ Rohrböck beschreibt sich als Liebhaberin des frisch gepreßten Apfelsaftes, der ist so gesund. Gibt es keinen Süßen, trinkt sie ein Glas Gespritzten. Für die Frankfurterin ist die Frage nach süß oder sauer unzulässig: „Süßgespritzten gab es früher gar nicht“, so Rohrböck. Diese Ansicht teilt die Vereinigung: Limo gebe es keine, sagte Gerhard Nöll, Inhaber der Griesheimer Kelterei Nöll. „Wir schenken nur Naturprodukte aus.“

 

Der Verein „Hessisiche Apfelweinstraße“ richtete  mit Unterstützung des Vereines „Zeil aktiv“ und der Hochstädter Landkelterei Höhl am Samstag, 22. Mai 2004, auf der Frankfurter Zeil aeinApfelweinfest aus. Hier wurde auch der Ehrenpreis des Vereines an die Frankfurter Stadträtin Lili Pölt verliehen und unter der bewährten Moderation von Karl Oertl von 11 bis 20 Uhr ein attraktives Unterhaltungsprogramm rund um den Apfelwein geboten. Zahlreiche Vereine eröffneten auf der Zeil ihre Verkaufsstände und boten Apfelwein sowie Hessische Spezialitäten an.

Zum traditionellen Frankfurter Mainfest vom 30. Juli bis 2. August 2004 floß statt Wein erstmals Ebbelwei aus dem Gerechtigkeitsbrunnen. Die Landkelterei Höhl eröffnet für vier Tage die „größte Apfelweinwirtschaft der Welt“ mit 1200 Plätzen. „Im Jubiläumsjahr möchten wir uns mit einem besonderen Ereignis bei allen ,Schoppepetzern' bedanken und sie auf den Römerberg in die größte Ebbelweiwirtschaft der Welt einladen“, so Geschäftsführerin Dr. Johanna Höhl, deren Landkelterei 225-Jahriges feiert. Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt engagiert sich Deutschlands größte und älteste Apfelweinkelterei für das älteste Volksfest Frankfurts. Vier Tage lang wird der Römerberg in eine Ebbelweiwirtschaft umgewandelt. Vom puren Stöffche bis zum „Herrschafts-Gespritzten“ gibt es alles was das Stöffcheherz begehrt. Klar; daß dann auch aus dem Gerechtigkeitsbrunnen statt Wein Hochstädter Ebbel­wei fließt. „Wir möchten den Apfelwein hier in der Region wieder zum Erlebnis werden lassen. Aus diesem Grund versuchen wir; unterschiedliche Zielgruppen mit Events rund um den Apfelwein anzusprechen“, erläutert Dr. Johanna Höhl, die in achter Generation das Familienunternehmen Höhl leitet. Mit Aktionen wie die „Appi Hour“ beim Apfelwein und „Buy one, get two“ beim American Bock wollen die Hochstädter auch die jüngere Zielgruppe auf den Römerberg locken.

 

Bei den WM-Spielen in Frankfurt im Jahre 2006 mußten die Fans auf das hessische Nationalgetränk Apfelwein verzichten. Das WM-Organisationskomitee betätigte gestern ein Ausschankverbot für das vor allem im Rhein-Main-Gebiet beliebte „Stöffche” im Stadion. Die Entscheidung war nach Rücksprache mit den Sponsoren des Weltfußballverbandes Fifa gefallen, zu denen die US-Getränkekonzerne Coca-Cola und Anheuser Busch gehören.

Es sei ein einheitliches Catering-Konzept mit einer einheitlichen Getränkeversorgung in allen zwölf Spielorten vorgesehen, sagte OK-Sprecher Jens Grittner. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Bild"-Zeitung. Auch andere Ausnahmewünsche seien nicht berücksichtigt worden. „So wird beispielsweise in München auch kein Weißbier ausgeschenkt, sondern eben Anheuser Busch und Bitburger”, sagte Grittner.

Der wegen eines Machtwechsels im Rathaus vor seiner Ablösung stehende Frankfurter Bürgermeister und Sportdezernent Achim Vandreike (SPD) kritisierte Fifa und Sponsoren: „Die haben offenbar kein Gespür für lokale Eigenheiten.” Die Stadt habe für die Ausrichtung der WM sehr viel geleistet, so daß es um so enttäuschender sei, wenn so eine kleine Bitte abgeschlagen werde.

Vandreike und weitere Kommunalpolitiker hatten sich für den Ausschank des für fremde Zungen gewöhnungsbedürftigen „Ebbelweis” eingesetzt. Zur Begründung hatte der Bürgermeister postuliert: „Frankfurt ohne Apfelwein, das ist wie die Schweiz ohne Alpen, Fußball ohne Tore - unvorstellbar.” Johanna Höhl, Chefin der gleichnamigen Apfelkelterei in Maintal-Hochstadt, sah sich in ihren Befürchtungen bestätigt. „Das Verbot ist ungeheuerlich. Der Fifa hätte eine nette, großzügige und loyale Geste gegenüber ihren Gastgebern gut angestanden. Viel Menge hätte das den Sponsoren ohnehin nicht weggenommen.” Sie empfehle allen Frankfurt-Besuchern, vor und nach dem Spiel die typischen Apfelweinkneipen zu besuchen, sagte Höhl. „Dort erlebt man wirkliche 'Gemütlichkeit', einen deutschen Begriff, den man in aller Welt kennt und den man nicht mit 'Hospitality' übersetzen kann.”

„Zu Gast bei Freunden, aber zu trinken gibt's amerikanisches Bier statt Apfelwein, das ist wirklich traurig”, meinen die jungen Christdemokraten in Maintal. Gerade in „Hessens Apfelweinmetropole Maintal” müsse das Unverständnis, daß in der Commerzbankarena nebenan kein „Ebbelwoi"” ausgegeben wird, besonders groß sein, so die Nachwuchspolitiker weiter. „Wir sind enttäuscht über die gefallene Entscheidung. Speziell in der Frankfurter Commerzbankarena wäre es schön gewesen, den Gästen aus aller Welt und auch den deutschen Fußballfans das hessische Nationalgetränk anbieten zu können”.

 

Im Juni 2007 gab es in Frankfurt den  „1. Deutscher Apfelweinkongreß“. Es war eine besondere Premiere, als Oskar Dietrich den 1. Deutschen Apfelweinkongreß eröffnete. Doch der Vorsitzende der hessischen Ebbelwei-Produzenten konnte in Frankfurt vor allem altbekannte Gesichter aus der Region begrüßen. Schließlich wird im Rhein-Main-Gebiet, der Heimat des „Stöffche”, der Löwenanteil in Deutschland produziert und auch konsumiert.

Für die Keltereien war der erste Kongreß dieser Art ein Schritt nach vorn. Nach Jahren des Stillstands und des internen Hickhacks geht die Branche in die Marketing-Offensive. Seit Montag stellt sie sich auf einer neuen Internet-Seite vor. Darin soll auch die Verknüpfung des Apfelweins mit aktivem Umweltschutz deutlich gemacht werden: Wer dem „gesunden” Ebbelwei zuspreche, der sichere den Bestand der hessischen Streuobstwiesen.

 

Der zweite Deutsche Apfelweinkongreß, zu dem sich die Branche im August 2008 in Frankfurt traf, hatte das Motto „Megatrend Heimat: Unsere Zukunft wird regional“. Dieser Trend stärke regionale Produkte und damit auch das hessische Traditionsgetränk, sagte Hessens Europaminister Volker Hoff (CDU). „Zu wissen, wo man hingehört, ist in der globalisierten Welt besonders wichtig.“ Apfelwein sei für ihn ein Stück Heimat wie Handkäs' oder Frankfurter grüne Soße, bekannte Hoff, der in Frankfurts Apfelweinviertel Sachsenhausen geboren und aufgewachsen und von daher fast schon mit einer naturgegebenen Verbindung zum Apfelwein gesegnet“ ist. Trendforscher haben allerdings Zweifel, ob „Heimat“ das richtige Zukunftsmotto ist.

Trendforscher empfehlen, das verstaubte Image abzulegen und nicht länger der vor Jahrzehnten erfolgreichen TV-Unterhaltung im „Blauen Bock“ nachzutrauern. „Man muß aus der Traditionsecke heraus“, rät Andreas Haderlein vom Zukunftsinstitut Kelkheim. Einen allgemeinen Trend zur Heimat sieht er nicht, vielmehr sei die „Neo-Ökologie“ stark im Kommen: Eine wachsende, sehr kaufkräftige Schicht entscheide sich frei von jeder Ideologie für Produkte, die ökologisch und sozial sauber produziert werden. Die Zukunftsforscher nennen das „Lifestyle of Health and Sustainability“ (etwa: Von Gesundheit und Nachhaltigkeit geprägter Lebensstil). In den USA mache diese Käuferschicht schon etwa ein Drittel der Bevölkerung aus, in deutschen Ballungsgebieten 20 Prozent.

Um bei diesen Verbrauchern Interesse an Apfelwein zu wecken, sei mehr Zusammenarbeit und intelligentes Online-Marketing nötig, meint Haderlein. Das Zeug zu einem internationalen Kassenschlager habe Apfelwein aber nicht, sondern der Schwerpunkt werde die Region bleiben. Der regionale Tourismus und die gehobene Gastronomie müßten mehr zusammenarbeiten. Durchaus geeignete Angebote wie eine Streuobstwiesenroute oder Fahrradwege liefen nebeneinanderher, seien unübersichtlich und wenig koordiniert. „Alle müssen an einen Tisch“, sagte Haderlein.

 

Seit 2011 heißt die Veranstaltung „Apfelweinfestival“. Beim Apfelweinfestival im August 2012 eröffnete Stadtrat Markus Frank das Fest mit einem Faßabstich auf dem Roßmarkt. Dort findet sich die Vielfalt der Apfelweine und Apfelprodukte wiederfinden. Die hessische Apfelweinkultur und das internationale Spektrum des Apfelweinkonsums werden nebeneinander gezeigt. Zwischen gelebter Tradition und experimenteller Moderne wird eine Brücke geschlagen. Mittels der Impression einer Streuobstwiese sowie Keltervorführungen erschließt sich den Besuchern der Produktionsprozeß des Apfelweins. 23 Stände warten mit einer großen Getränkeauswahl auf. Auf die Besucher wartet außerdem ein großes Unterhaltungsprogramm mit Bands, folkloristischen und mundartliche Darbietungen. Höhepunkt ist der Auftritt von Cris Cosmo am Mittwoch. Der Pop- Star soll Hessen Ende September mit seiner Single „Herzschlag" beim Bundesvision Song Contest in Berlin vertreten.

Frankfurts ehemaliger Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth erhielt den Ehrenpreis der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Hessische Apfelweinstraße für ihre Verdienste um das hessische Brauchtum, speziell den „Ebbelwoi“, verliehen. Die Ehrung findet im Rahmen des Abendprogramms „Zum rosa Bock“ mit „Bäppi La Belle“ statt, und ist einer der Höhepunkte des Apfelwein-Festivals, das noch bis 19. August die Freunde des Apfelweins auf dem Roßmarkt zusammenführt. Die Veranstaltung kostet keinen Eintritt.

„Unter der Oberbürgermeisterschaft von Petra Roth wurde der Apfelwein als Frankfurter Nationalgetränk wieder stärker in seiner Bedeutung für die Mainmetropole erkannt und so beliebte Veranstaltungen wie ,Apfelwein im Römer' oder das ,Grüne Soße Festival' ins Leben gerufen. Und ganz besonders das ,Apfelweinfestival', das nun zum zweiten Mal stattfindet, lag Petra Roth als Fest der Frankfurter, die sich selbst und ihr Stöffche zehn Tage lang feiern können, am Herzen“, so die Begründung der Arge für Roths Ehrung.

„Der Genuß des ,Schoppe' bringt alle Menschen zusammen an einen Tisch, Alt und Jung, Arm und Reich. Zudem löst der Ebhelwoi die Zunge und unterstützt das gesellige Beisammensein“, so Petra Roth selbst mit einem Augenzwinkern. Im Rahmen der Globalisierung erwachse der Wunsch nach Regionalität und Tradition, was „unserem Stöffche als kleinstem gemeinsamen Nenner der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main“ eine fast völkerverbindende Bedeutung zukommen lasse.

Daß sich Petra Roth als Bremerin erst an den Apfelwein gewöhnen mußte, sei kein Geheimnis, aber um so mehr aller Ehren wert. Die Arge Hessische Apfelweinstraße widmet sich seit über 25 Jahren der Region und ihren kulturellen Besonderheiten. Die Pflege und Förderung hessischen Brauchtums ist das Hauptanliegen der Arge, deren zentrale Veranstaltung die jährliche Prämierung eines hessischen Prominenten ist, der sich in irgendeiner Form für das hessische Nationalgetränk einsetzt. Neben Liesel Christ und Heinz Schenk als Kultfiguren gehören echte Frankfurter wie Lilli Pölt, Karl Oertl oder Wolfgang Kaus, aber auch Jörg Bombach, Frank Lehmann und „Bäppi La Belle“ zu den bislang 27 Preisträgern.

Die Laudatio auf Petra Roth wird die Vorjahrespreisträgerin Maja Wolff halten, die als Initiatorin und Organisatorin des Frankfurter Grüne Soße Festivals ganz herausragend unter Beweis stelle, daß sie Sinn und Gespür für die regionalen Höhepunkte Frankfurts habe. Näheres zur Arge finden Interessierte im Internet. www.hessische-apfelweinstrasse.de

Derlei Entgleisungen zum Trotz feierte die „Vereinigung der Apfelweinwirte Frankfurt am Main und Umgebung“ am Samstag, 7. September 2012, ab 11 Uhr auf dem Goetheplatz ihr Stöffchefest. Und kredenzt ebenfalls Modernes wie den Apfel‑Cocktail „Kir Rödelheim“.

 

Der moderne Ebbelwei hat seine Freunde. Die Frankfurter Apfel-Compagnie verleiht seit 2008 jährlich den Pomme d'Or in den Kategorien Marken-Apfelwein, Manufaktur-Apfelwein und „Alles, was schäumt“, dazu einen Publikumspreis nach einer öffentlichen Verkostung - ordentlich reglementiert, mit Degustationsbögen und vorgeschriebener Abfolge.

 

Am ersten Märzwochenende 2010  luden Michael Stöckl und der Landsteiner Mühle und Andreas Schneider aus Nieder-Erlenbach zu „Apfelwein im Römer“ ins Frankfurter Rathaus ein, einer Art Minimesse zum Stöffche. Da gab's niederrheinischen Demeter-Apfelperlwein, mit Rosenwasser versetzten Apfelschaumwein, Quittenwein aus in Unterfranken rekultivierten alten Sorten, Schaumwein aus dem Saft der Champagner Bratbirne von der Schwäbischen Alb, eichenholzfassgereiften Apfelbrand, Apfel-Dessertwein aus dem Odenwald, Apfel-Secco, edlen Cidre und Calvados aus der Normandie, Apfel-Eisweine aus Quebec…

 

Im Juli 2013 wurde auf dem Roßmarkt der „größte Äppelwoi-Bembel aller Zeiten“ gezeigt, der auch ins Guinness-Buch kam. Im November 2012 stand der  weltgrößte Bembel noch in der Werkstatt von Andreas Hinder in der Keramik-Hochburg Höhr-Grenzhausen im Westerwald. Dort entstehen schon seit vielen Jahren Bembel für die Apfelwein-Schenken im benachbarten Hessen. Im Frühjahr soll das überdimensionale Gefäß nach Frankfurt gebracht werden, auch ein Eintrag ins ,,Guinness Buch der Rekorde“ ist geplant. Der Riesen-Bembel ist 1,70 Meter hoch, erfaßt 690 Liter des beliebten „Stöffche“. „Da kann man ein schönes Fest mit machen“ sagt Donato Romanazzi vom Apfelwein Centrum Hessen (ACH) aus Frankfurt. Der gemeinnützige Verein gab den Bembel in Auftrag, finanziert wurde er mit Hilfe privater Sponsoren. Künftig soll das gute Stück mithelfen, die Apfelwein-Kultur in der Hessen- Metropole zu pflegen

Auch ein entsprechender Faulenzer war unverzichtbar. Mit Blick auf das Morgen beginnende Apfelweinfestival auf dem Roßmarkt, auf dem um 18 Uhr Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch den „Big Bembel“ offiziell enthüllt, ließen Dr. Johanna Höhl aus Hochstadt und Jörg Stier aus Bischofsheim bei der „Vermählung von Bembel und Faulenzer“ die Muskeln spielen. Das Festival dauert zehn Tage und bietet neben dem „Stöffche“ elf hessischer Keltereien kulinarische Raritäten wie mit Handkäs gefüllte Bratwurst mit Apfelsenf (siehe auch die Datei „Hessische Apfelweinstraße“9

Dem Verein Apfelwein Hessen (ACH) ist ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde gelungen. Mit  einem 1,70 Meter hohen und 1,20 Meter breiten Bembel ließen die Mitglieder, allen voran der Bischofsheimer Jörg Stier und Donato Romanazzi, den größten Bembel der Welt bauen. Dieser soll nun beim Apfelweinfestival im August auf dem Frankfurter Roßmarkt der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Idee für den Riesenbembel kam von Donato Romanaz­zi, mit dem der Bischofsheimer Jörg Stier schon häufig zusammen gearbeitet hatte. Beide saßen zusammen, als Romanazzi Stier die Idee unterbreitete, den größten Bembel der Welt zu erschaffen. Der Keltermeister war begeistert und so ging es ans Werk.

Romanazzi stellte den Kontakt zu Künstler Andreas Hinder her, der sich bereit erklärte, den Bembel anzufertigen. Hierzu trug Hinder in mehrwöchiger Arbeit einzelne Schichten Steinzeug auf, bis das 1,70 Meter hohe und 1,20 Meter breite Gefäß fertig war. Die Frankfurterin Monika Maurer übernahm das Bemalen mit dem traditionellen Dekor - nun mußte der Bembel nur noch gebrannt werden. In der Außenstelle Höhr- Grenzhausen der Fachhochschule Koblenz befindet sich der einzige Ofen, der einen solch großen Bembel hätte brennen können. „Wir hatten Glück, den Bembel nicht weit transportieren zu müssen, es hat sich alles perfekt zusammengefügt“, berichtete der Bischofsheimer. Nun muß der Riesenbembel nur noch nach Frankfurt gebracht werden. „In einer eigens angefertigten, von einer Firma zur Verfügung gestellten Holzkiste fahren wir das Gefäß am 4. August mit einer historischen Dampflok nach Frankfurt“, berichtet Jörg Stier.

In der Zwischenzeit meldete sich auch die Schlosserinnung Frankfurt-Offenbach beim Bischofsheimer. Die Vorstandsmitglieder waren so begeistert von der Idee des „größten Bem­bels der Welt“, daß sie sich bereiterklärten, einen passenden Faulenzer zu bauen. Bembel und Faulenzer werden beim Apfelweinfestival, das vom 9. bis 18. August auf dem Roßmarkt in Frankfurt stattfindet, der Öffentlichkeit vorgestellt. „Danach soll beides einem noch zu gründenden Apfelwein-Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden. Übrigens faßt der Riesenbembel 2681 Apfelweingläser.

Im Verein Apfelwein Centrum Hessen sind knapp 40 Mitglieder aktiv. Sie wollen die regionale Kultur fördern und verstehen den Bembel als Symbol für das Zusammenbringen von Menschen. „Mit dem Riesenbembel wollen wir einen Impuls setzen, die Menschen daran erinnern, daß sie stolz sein können auf ihre eigene Region“ erklärt Stier. Der Bischofsheimer Keltermeister betrachtet die Apfelweinkultur als Identifikationsmöglichkeit. „Seit einigen Jahren gibt es eine große geschmackliche Vielfalt, zudem ist die Qualität enorm angestiegen, was mit dem Bewußtsein zusammenhängt, daß ein guter Apfelwein entstehen soll“, sagt Jörg Stier.

 

 

Beim Frankfurter Apfelweinfestival  im August 2014 auf dem Roßmarkt sind alle Zielgruppen angesprochen - auch jene Besucher, die dem Stöffsche bisher nichts abgewinnen konnten, werden fündig, verspricht Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt. An 23 Ständen können von Freitag bis Sonntag über 60 neue Kreationen rund um den Apfelwein gekostet werden, die auch dem verwöhntesten Gaumen gerecht werden. „Mit dem Apfelweinfestival gelingt es, sowohl eine Tradition zu leben als auch den Sprung in die Moderne zu schaffen“, erklärt Feda. Mit trendigen Cocktails und Szenegetränken wie Apfelwein-Secco und -Hugo werden vor allem die jüngeren Besucher angesprochen. Die Puristen greifen eher zu einem „Sortenreine“ Die Hungrigen probieren Apfelwein-Bratwurst, Baguette mit Apfelwein-Käse oder Apfelwein-Sorbet.

Auch weltweit sei der Apfelwein eine stark wachsende Produktgruppe. In den USA und England erlebe der Cider gerade einen regelrechten Boom, erläutert Martin Heil, Vorsitzender des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien. Die Frankfurter Innenstadt mit ihrem internationalen Publikum sei daher als Veranstaltungsort für das Apfelweinfestival bestens geeignet, ist Heil überzeugt. Johanna Höhl, Chefin der Kelterei Höhl in Hochstadt, liefert noch einen weiteren Grund, weshalb gerade der Roßmarkt so gut zu dem Festival paßt: „Dort werden Synergien geschaffen zwischen den Hochhäusern, die die Frankfurter Skyline prägen, und einem urtypischen Getränk.“

Die wohl „größte Apfelweinwirtschaft der Welt“, wie die Veranstalter das Fest liebevoll nennen, wird am Freitag, 8. August, vom Frankfurter Wirtschaftsdezernenten, Markus Frank, um 18 Uhr eröffnet. Bei dieser Gelegenheit wird der Öffentlichkeit das größte Apfelweinglas der Welt mit einer Höhe von 75 Zentimetern und einem Fassungsvermögen von 80 Litern „Äppelwoi“ vorgestellt.

Beim zehntägigen Apfelweinfestival wird es jeden Abend andere Attraktionen geben, die von den teilnehmenden Keltereien unterstützt werden. DJs, Musikgruppen und komödiantische Talente geben sich ein Stelldichein. Unter anderem wird Travestie-Star Bäppi La Belle mit von der Partie sein. Auch Auszeichnungen stehen au: dem Programm. Die Ehrung der Frankfurter Apfelweinkönigin am 9. August sowie die Verleihung des „Goldenen Apfels“ für besonderes Engagement zum Schutz und Erhalt hessischer Streuobstwiesen am 12. August gehören zu den Höhepunkten. Das Frankfurter Apfelweinfestival findet zum vierten Mal statt. Rund 100 000 Besucher werden auf dem Roßmarkt erwartet. Nähere Informationen und das komplette Programm gibt es im Internet  www.frankfurt-tourismus.de,/ apfelweinfestival.html

 

Weitere Förderer des Apfelweins:

Um die Förderung des Apfelweins bemüht sich auch der Hessische Rundfunk- und das nicht nur mit seinen Sendungen. Im Bertramshof des Hessischen Rundfunks präsentierte sich schon ein „bunter Markt“ in Zusammenarbeit mit dem „Runden Tisch Streuobst- Artenschutz e.V.“ und dem Hessischen Apfelweinverband“. Zugunsten der Aktion „Rettet die Streuobstwiesen“ wurde ein symbolischer Eintritt in Höhe von einer Mark erhoben.

 

Im März 2000 griff die Stadtverwaltung ein Angebot auf, in dem die Baumschule Enters aus Groß-Zimmern in Kooperation mit der gemeinnützigen Jugendeinrichtung St. Joseph-Haus junge Apfelbäume zum Selbstkostenpreis von 30 Mark abgab. Diese Summe zahlte das Umweltamt als Zuschuß, so daß Pächtern oder Eigentümern von Streuobstwiesen keine Kosten für neue Bäume entstehen. Die Bäume wurden mit einem Pflanzpfahl und einem Verbiß-Schutz geliefert, so daß der späteren Apfelwein-Produktion nichts mehr im Wege stehen sollte.

 

Possmann

Der Stammvater Philipp Possmann, ein Weinküfer aus dem pfälzischen Laubenheim, übernahm 1881 in Rödelheim die Gaststätte „Zum Taunus“. Das Stammhaus der Familie steht in Rödelheim in der Niddagau Straße.  Possmanns Vater war im Familienbetrieb der Kaufmann, der Onkel der technische Leiter. Diese Arbeitsteilung setzte sich auch in der jüngeren Generation fort. Sein Cousin überwachte die Produktion, Günter Possmann übernahm das Geschäftliche.

Heute ist die Firma verlegt an den Ortsrand. Am ausgefallensten in Sachen Apfelwein‑La­gerung ist sicher die Version von Günter Poss­mann: Er hat zwei U‑Boot-Tanks voller Apfelwein im Keller. Sein Va­ter kaufte die sieben Meter breiten Bootsrümpfe 1949, als Tanks aus hochwertigem Stahl knapp waren, die Nachfrage nach U‑Booten gering. Seitdem lagern in den Stahlkolossen je 418.000 Liter Apfelwein (1992)(Nach anderer Angabe von 1998 sind es zwei U‑Boot‑Tanks, die je  rund 200.000 Liter fassen). Im Keller stehen außerdem alte Holzfäs­ser, Stahl‑ und Betontanks, gefüllt mit etwa 25 Millionen Litern Apfelsaft und Apfelwein.

In der Produktionshalle stand  eine mehrere Meter hohe „Ribbelmaschine“, die ebenfalls eine Erfindung von Volkmar Possmann ist, dem Techniker und Tüftler der Unternehmerfamilie. Die Maschine preßt die Maische nicht wie eine herkömmliche Spindelpresse mit ständigem Druck von 200 bar, sondern preßt und „zerribbelt“ den Apfelbrei ab­wechselnd, bis der ganze Most herausge­preßt ist. Durch das wechselweise Pressen und Wiederaufreiben braucht die Presse höchstens 20 bar Überdruck. Der Apfelsaft wird durch dieses Ver­fahren viel schonender zubereitet. Heute ist allerdings die Schnellhub-Packpresse nicht mehr im Einsatz. Es wird nur noch mit 10 Atmosphären Überdruck gepreßt und dafür die Apfelschicht dünner eingefüllt.

Für die Qualität der Säfte und des Stöffchens sind allerdings auch die 90 Mitarbeiter der Kelterei verantwortlich. Allen voran die „Süßmoster“, wie die Kel­lermeister auch genannt werden. Denn sie mischen aus den verschiedenen Apfel­saftsorten den immer gleichbleibenden „Possmann‑Geschmack“.

Rund 600 Tonnen säuerliches Streuobst aus dem Taunus oder Odenwald werden zur Kelterzeit täglich bei Possmann verarbei­tet. Das Geheimnis eines guten, herben Apfelweines besteht in der richtigen Zu­gabe des Speierlings. Jener kleinen, birnenförmigen Apfel­frucht, die viel zu sauer zum Essen ist. Ei­nige der inzwischen selten gewordenen Speierlingbäume sind im Besitz der Fami­lie Possmann, deren Betrieb schon seit 1881 besteht und nun von der vierten Generation geführt wird.

Im Obergeschoß des Produk­tionsgebäudes rattert die Abfüllmaschine auf einem endlos langen Fließband reiht sich Apfelsaftflasche neben Ap­felsaftflasche. Zuvor werden die Fla­schen von derselben hallenfüllenden Maschine gespült und geprüft. Wird eine defekte Flasche er­kannt, so wird sie von der Maschine  aus der Produktion genommen. Die Maschine füllt die Flaschen außerdem vollautomatisch ab, klebt Eti­ketten auf und verkorkt sie: grün mar­kierte Korken für Säfte, rot markierte für den Alkohol. Die Abfüllmaschine ist die teuerste Maschine im Betrieb, sie ist etwa 1,5 Millionen Mark wert.

 

Die Firma Poss­mann wurde mit dem städtischen Ehren­preis „Wassersparer des Jahres 1996“ ausgezeichnet. Umweltdezernent Tom Koenigs überreichte am Mittwoch abend in der Alten Oper Urkunden, Schecks über je 5.000 Mark und den „Goldenen Wassertropfen“. Neu sind die Wassersparbemühun­gen nicht. Sie wurden schon vor Jahren eingeleitet. Der Ingenieur Volkmar Possmann von der gleichnamigen Kelterei be­kam die Auszeichnung für eine Idee, die er bereits vor vier Jahren realisierte. Was manche Experten für eine Schnapsidee hielten, funktioniert seither tadellos: Possmann setzte Pflanzen auf dem 3.000 Quadratmeter großen Flachdach des Fa­milien­betriebs und schlug dabei zwei Flie­gen mit einer Klappe. Das marode Dach wurde geschützt, und das bei der Verdunstung entstehende Wasser wurde zur Kühlung des Apfelweins im Keller ge­nutzt. Das Pflanzendach machte vier Kühltürme überflüssig und wuchs sich zu einem Kleinbiotop mit Gräsern, Hummeln und Wasserflöhen aus.

 

Noch immer werden die letzten Überlebenden der alten Sorten aufgekauft ‑ Schafsnase, rheinischer Bohnapfel, Weinapfel, Winter‑Rampur und andere.

 

Auch im Oktober 2002 wurde bei Possmann das Faß mit dem halbvergorenen Frühwein, dem „Rauscher“ angestochen.  Nur dann gibt es nämlich die Ebbelwei‑Rarität, das Pendant zum Federweißen, die es in keinem Supermarkt zu kaufen und in keiner Wirtschaft zu bestellen gibt. Nur Günter Possmann, verkauft in seiner Kelterei seit 26 Jahren ein paar Wein- und Korbflaschen. „Der ist meist ganz bald weg“, sagt er. Muß er auch, denn der dreiprozentige Rauscher ist nicht lange haltbar. Beinahe stündlich verändert er seinen Geschmack und seine Wirkung. Das liegt daran, daß der Frühwein munter vor sich hin gärt. Deswegen ist auch ein Loch im Korken, damit die Flasche nicht explodiert. Gärt der Rauscher im Holzfaß weiter, gibt es im Januar den „Neuen Hellen“.

 

Doch sein sehr guter Kellermeister, lobt Possmann, beherrsche die Kunst des Verschnitts. Aus den umfangreichen Lagern werden die Sorten in unterschiedlichen Anteilen gemixt, bis jener Apfelwein herauskommt, den heutige verwöhnte Zungen ertragen. Bei Possmann gibt es keine Schaumweinherstellung.

600 Tonnen säuerliches Streuobst aus dem Taunus oder Odenwald werden zur Kelterzeit täglich bei Possmann verarbei­tet. Das Geheimnis eines guten, herben Apfelweines besteht in der richtigen Zu­gabe des Speierlings, weiß der Fachmann. Jener kleinen, birnenförmigen Apfel­frucht, die viel zu sauer zum Essen ist. Ei­nige der inzwischen selten gewordenen.  Speierling­bäume sind im Besitz der Fami­lie Possmann.

 

Für ihren Apfelwein hat die Frankfurter Familienkelterei Possmann auf der Lebensmittelmesse Anuga in Köln im November 2003 erneut eine Goldmedaille erhalten ‑ den „Preis der Besten“, den die Deutsche Landwirtschafts‑Gesellschaft (DLG) auslobt für Produzenten, die schon mindestens 15 Goldmedaillen eingeheimst haben. Bei Possmann waren es seit 1968 exakt 71. . Die Vitrinen neben dem Eingang zur Verwaltung sind voller Ehren‑Münzen, und in dem gut 16 Meter langen Büroflur hängen die Auszeichnungen dicht an dicht zweistöckig, stellenweise in drei Reihen übereinander. Für das jüngste Prädikat aber wurde ein Ehrenplatz freigeschaufelt. Seit 35 Jahren habe er sein „Stöffche“ der DLG zur Prüfung von Inhaltsstoffen, Geschmack und Farbe überlassen, erzählt Günter Possmann. Seitdem fuhr er Bestnoten ein ‑ auch bei wandelndem Publikumsgeschmack.

 

Der Großmoster Possmann sieht sich in einem Marketing‑Dilemma: Neue Kunden müssen gewonnen, die alten dürfen nicht vergrault werden. Zwischen Bembel‑Idyll mit hessischen Mundartgedichten und urbanem Lebensgefühl rund um die Bankertürme liegen Weiten. Als Possmann für seine neue Apfelweinschorle mit dem Spruch „For Äppler Young“ warb, erhielt seine Firma auch böse Briefe von in ihrem Heimatgefühl verletzten Zechern.

 

Der Forstwissenschaftler Wedig Kausch‑Blek­ken von Schmeling  gründete zusammen mit dem Frankfurter Kelterer Günther Poss­mann er 1994 den „Förderkreis Speierling“, dem sich heute über hundert Menschen verbunden füh­len. Es sind Förster und Dendrologen, Edelschnapsbrenner und Schreiner, Künstler, Waidökologen und Baumgart­ner. Sie verstehen sich als Lobbyisten eines ungewöhnlichen Baumes, der sich mal im Laubwald versteckt, mal als Feld­speierling die Flur dominiert.

 

Die Kelterei Possmann organisiert jedes Jahr eine „Blütenwanderung“. Die 21. Apfelblütenwanderung der Kelterei Possmann führte im Jahr 1994 in die Streuobstbestände am Berger Hang. Zu sehen war bei dem Begutachtungs­lauf über den „Streuobstlehrpfad“, den Possmann nicht nur mit Informationsta­feln, sondern seit Mittwoch auch mit ko­stenlosen Broschüren in wetterfesten Behältnissen bestückt hat, noch nicht viel. Die 27. „Apfelblütenwanderung“ führte rund im Mai 2000 rund um den Büdinger Stadtteil Die­bach am Haag im Wetteraukreis. „Sie kön­nen ruhig mickrig sein und Druckstellen haben. Aber ihr Inhalt muß stimmen. Die Äpfel, die zum hessischen Nationalge­tränk gepreßt werden, sollen viel Säure und Aroma enthalten“. Das erklärte Gün­ther Steinbauer, ein Gartenbauingenieur 50 Gastwirten und Bauern, mit denen er durch Felder, Wälder und Streuobstwie­sen zog.

 

Zwischen Eschborn und Weiskirchen wurde 1999 eine „Weltpremie­re“ gefeiert, wie Possmann‑Verkaufs­leiter Horst Bartel das Ereignis nann­te: Ebbelwei‑Königin Christina I. tauf­te den ersten Ballon im Bembel‑De­sign. Die 33 Meter hohe Hülle, die mit 3600 Kubikmeter heißer Luft aufge­pumpt wurde, soll künftig als Werbeträger für die Kelterei aufsteigen.

 

Im Jahr 2000 zahlt die Rödelheimer Apfelweinkelterei Possmann die fachgerechte Fürsorge an dem Ockstädter Speierling und sieben weiteren markanten Speierlingen, die zwischen Main und Taunus alt geworden sind. Günter Possmann will mit der Schönheit der Naturdenkmale dafür werben, diesen Baum von neuem zu pflanzen, damit ihn künftige Generationen noch kennen werden.

 

Die fünfte Auflage des Possmann Hessen Cups ging  vom 6. bis zum 21. Juli 2002 über die Bühne. Mit einem noch nie da gewesenen Werbeaufwand wollen die Veranstalter das Interesse der Öffentlichkeit nicht nur auf den Sport, sondern besonders auch auf den familiären Charakter ihres Turniers lenken. Drei Regional‑, sechs Ober‑ und vier Landesligisten spielen die Trophäe in diesem Jahr untereinander aus. Der Sieger darf sich neben der Antrittsgage von 1000 Euro, einer 5.000 Euro‑Prämie für das Erreichen des Finalturniers, über einen Siegerscheck in Höhe von 2.250 Euro freuen.

Im Aßlarer Dill‑Stadion treffen zunächst am 6. und 7. Juli der gastgebende VfB, der SC Neukirchen, der FV Bad Vilbel und der SV Wehen aufeinander. Eine Woche später sind es in Baunatal die heimische Eintracht, Ortsrivale KSV, der OSC Vellmar und Regionalliga‑Absteiger Borussia Fulda, die auf der LangenfeldKampfbahn ihren Sieger ermitteln. Zeitgleich kommt es im Griesheimer Viktoria-Stadion zum Vergleich zwischen dem SC Viktoria Griesheim, Viktoria Aschaffenburg, den Amateuren von Eintracht Frankfurt und dem SV Darmstadt 98. Die genauen Spielpaarungen werden jeweils erst in der Vorwoche der Turniere ausgelost. Am 20. und 21 Juli treten dann die Sieger der Vorrunden‑Turniere gemeinsam mit Endrunden‑Gastgeber Rot‑Weiß Frankfurt zum Halbfinale und Finale an. Auch die E‑Jugendteams der Teilnehmer spielen an diesem Wochenende ihren Turniersieger aus.                     

 

Frankfurter Äpfelwein-Museum

Der Gründung eines Apfelweinmuseums ging voraus die Ausstellung „Der Äpfelwein in Frankfurt am Main - seine Geschichte und Bedeutung für die Stadt“ im Historischen Museum. Über 16.000 Besucher dankten mit ihrem Besuch den Initiatoren dieser mit viel Liebe und Freude am Frankfurter Brauchtum zusammengestellten Schau. Der Direktor des Historischen Museums, Herr Dr. Rainer Koch, Frau Helma Brunck, Herr Rechtsanwalt Helmut Lenz sowie die Mitglieder der Vereinigung und der Frankfurter Keltereibetriebe haben mit ihrer Konzeption gezeigt, wie ein zukünftiges Äpfelweinmuseum einmal aussehen könnte. Die Ausstellung fand weit über Frankfurt und die nähere Umgebung hinaus lobende Anerkennung, ja sogar „Reuters Nachrichtenbüro“ berichtete darüber in Amerika, und die Lufthansa nahm einen Videobericht in ihr Wochenschauprogramm auf.

Aber sicher ist auch: Das Image des Apfelweins und seiner Kultur bedarf dringend der Politur, der Äpfelwein muß, wie die Marketing-Strategen sagen, „neu positioniert werden.“ Die Ausstellung im Historischen Museum sollte auch dazu dienen, diesen Gedanken voranzutreiben. Natürlich kann keine Rede davon sein, jetzt über Nacht das Althergebrachte über Bord zu werfen. Nach wie vor lebt der Äpfelwein von seiner Jahrhunderte langen Tradition in der Mainstadt und es wäre unbedingt schädlich, daran kratzen zu wollen. Aber mit Beharrungsvermögen alleine sind heutzutage keine Märkte zu halten und schon gar nicht zu erweitern. Zum Althergebrachten muß Neues, Lebendiges kommen. Äpfelweinkultur im Wandel - auch das ist eine Botschaft der Ausstellung im Historischen Museum.

Viele Künstler, darunter Städel-Schüler, die als Frankfurter Maler Bedeutung gewannen, wurden denn auch durch die Äpfelwein-Gastlichkeit inspiriert: Boehlie, Hasselhorst und Werner, aber auch der Karikaturist Salini seien genannt. Gerade in der regionalen Typik der „Apfelweinkultur“ liegt genau besehen, häufig mehr Grund internationaler Wertschätzung Frankfurts als in kräftezehrenden Anschlüssen an eine nicht selten gesichtslose Welt- Hochkultur. Mit der Ausstellung soll zugleich auf eine empfindliche Lücke in der musealen Aufbereitung der Frankfurter Stadtgeschichte aufmerksam gemacht werden: auf die Verwirklichung eines Apfelwein-Museums im Rahmen einer volkskundlichen Abteilung des Historischen Museums nach französischen, österreichischen und englischen Vorbildern.

Seit 1996 wurde inmitten einer echten „Ebbelweiwertschaft“' aus der Jahrhundertwende in einer Dauerausstellung mit Originalexponaten, in bildlichen Darstellungen auf Schautafeln, die Entwicklung, die jahrhundertealte Geschichte und die besondere Bedeutung des Apfelweins für die Stadt Frankfurt am Main und ihre Umgebung aufgezeigt. Die Besucher sahen die besonders für die Herstellung des Äpfelweins geeigneten Apfelsorten, ihr Vorkommen. ihre Erntezeit. Sie erfahren auch etwas über die Vermarktung der Kelteräpfel, der Erntemengen und die Erhaltung der Streuobstwiesen aus ökologischer Sicht. Alles, was für die Herstellung eines guten Äpfelweins nötig ist, das erforderliche natürliche Zuckergewicht und die so wertvolle Fruchtsäure der verarbeiteten Mostäpfel, auch der Zusatz von Speierling, wird aufgezeigt.

Die Entwicklung der Technik der für die Herstellung benötigten Geräte und Maschinen wurden durch die Jahrhunderte hindurch bis zu den heutigen modernen Mühlen und Pressen dargestellt. Besondere Beachtung verdient die einmalige Sammlung historischer Gläser, Bembel und Äpfelweindeckel.

Viele wissenswerte Kostbarkeiten aus den Archiven der Stadt Ratsedikte zum Äpfelwein, erste Heckenwirtschaften in Frankfurt und seinen Vororten, über den Äpfelwein während des Krieges, über die Äpfelweinlogen und über den Äpfelwein aus medizinischer Sicht sind ausgestellt.

Natürlich darf in dieser Ausstellung nicht fehlen die Darstellung des Apfelweins und sein Milieu und sein kulturelles Umfeld aus der Sicht der Künstler. Sie finden: Einmalige Zeichnungen von Lino Salini und die Bilder über den Apfelwein und seine Genießer von berühmten Frankfurter Künstlern dargestellt. In den gläsernen Vitrinen finden Sie die mit viel Liebe und Sachverstand nach Themengruppen geordneten Exponate, die dem Museum von Frankfurter Bürgern gestiftet oder als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden. Neben Original Wester­wälder Keramik und alter Glasbläserkunst können Sie hervorragende Kopien berühmter Frankfurter Künstler bewundern, die das Leben Frankfurter Bürger beim Äpfelwein dargestellt haben.

Das Küferhandwerk zeigte seine gängigsten Werkzeuge, und auf Schautafeln wird die Herstellung von Holzfässern dargestellt. Dazu werden Trichter, Weinstützen und sonstige Hilfsmittel gezeigt. Auch wird in einer Vitrine das Schrifttum und das Liedgut um und über den Apfelwein, liebevoll auch „Stöffche“ genannt ausgestellt. Im Hof des Museums waren größere Exponate aufgestellt: Eine alte Korbpresse, eine Steinwalzen-Apfelmühle mit Becherwerk und Apfelwäsche sowie einige eichene Holzfässer und eine Weinpumpe aus früherer Zeit.

 

Unter einer Dekoration mit Plastikapfelbäumen finden sich hier Frankfurter Originale Seite an Seite mit japanischen Touristen zum „Schoppe petze“ ein und unternehmen ganz nebenbei noch eine Bildungsreise in Sachen feucht-fröhlicher Volkskultur. Wie viele Besucher seit Gründung des kleinen Museums vor fünf Jahren die eher ungewöhnliche Ausstellung aufgespürt haben, kann „Historix“-Geschäftsführer Siegfried Hahn nicht sagen. „Sicher schon mehr als 100.000“, schätzt er. Regelmäßig werden Führungen angeboten, bei denen selbst waschechte Frankfurter noch staunen können.

Denn wem ist schon bekannt, daß die Reinhaltung des „Äpfelweins“ im 18. Jahrhundert, eine todernste Angelegenheit war - im wahrsten Sinne des Wortes. „Wer Wein mit Mineralien und Silberglatt verfälscht“, ist in einer Verordnung zu lesen, „soll ohne Gnade mit dem Strang zum Tode gebracht werden“ - düstere Zeiten für Weinpanscher. Etwas milder wurde die Versetzung mit „Vegetablien, Rosinen oder Zuckerrüben“ bestraft: Den Missetäter erwartete Auspeitschen und Zuchthaus. Doch auch Vergnügliches findet sich unter den Exponaten des Äpfelweinmuseums. Karrikaturen des Künstlers Lino Salini (1889-1944), der - selbst Sohn eines Gastwirts - gerne bei einem Schoppen Brezelverkäufer, Hausierer und Gastwirte porträtierte.

Ende Juni 1999 hatten sich im erleuchteten Hof des Historischen Museums auf Einladung des „Vereins Frankfurter Apfelweinmuseum“ und der „Freunde Frankfurts“ wieder an die 300 Menschen eingefunden, um für einige Stunden bei deftiger Speis und köstlichem Trank aus dem Gerippte den Poeten, Sängern und Musikern zu lauschen, bis in die Nacht hinein zu schwatzen und Erinnerungen aus der Kindheit im alten Frankfurt auszutauschen: „Wie uns de Schnawwel gewachse is“, lautete das Motto.

Sie mögen ihren Benny Maro, der die Ebbelwei-Strophen ebensogut beherrscht wie die Goethelieder. Und sie verehren fast ihre Gaby Reichardt, Urgewächs und begabte Schauspielerin. Sie zitierte auch die verstorbene Liesel Christ, die mal sagte: „Ich kann zwar e astrein Hochdeutsch redde, ich kann mich aber aach beherrsche!“ Treffsichere Pointen bot wieder Erich Fries: Die Scholl ist desweche so platt, damit bei Ebbe sie im Watt noch Wasser uff de Kieme hat.“ Und das Treffen zwischen einem Landhund und einer Seehündin am Nordseestrand ging übel aus, denn „schon nach fünf Minute trennen die beide sich: Er roch zu stark nach Schappi, und sie zu sehr nach Fisch.“ „Ein Goethegedicht sei von ihm nicht zu erwarten“, meinte Fries dann. „Der hat’s bei mir verschisse, denn er hat kaa anzisch Mal des Wort Ebbelwei erwähnt.“

Die Moderatorin Reichardt war es denn auch, die einem anderen betagten Frankfurter, dem einstigen Banker und Aussteiger Johann Philipp Freiherr von Bethmann, zum 75. Geburtstag gratulierte. Auch er ein Frankfurt- und Goethekenner par Excellence. Den Veranstaltern und Organisatoren, Helmut Lenz, der mit Heiko Fischer Fachliches zum Thema Keltern und Speieierling beitrug, sowie Rudolf Morbitzer und Hans Otto Schembs, gebührt Lob für einen kostenlosen Abend, der mittlerweile zur Tradition geworden ist und nicht nur finanzieller Anstrengungen bedurfte.

 

Der Verein Frankfurter Äpfelweinmuseum hat sich unter anderem zur Aufgabe gesetzt:

-         Dokumente, Bembel, geripptes Glas, Deckel und Gegenstände, die der Herstellung von Äpfelwein dienen, zu sammeln und zu präsentieren

-         die Geschichtskenntnisse über den Äpfelwein in Frankfurt zu erweitern und zu vertiefen

-         Verbindungen zu europäischen Apfelweinzentren und deren Museen zu knüpfen.

Der Plan, in Frankfurt wieder ein Apfelweinmuseum zu eröffnen, ist nicht aufgegeben. Es gibt einen „Förderverein zur Gründung des Deutschen Apfelweinmuseums Frankfurt“ (www.deutsches-apfelweinmuseum.de). Diesem gehöremn Apfelweinwirte, Kelterer und Apfelweinenthusiasten an. Mitglied ist auch Fritz Koch, der eine „Geschichte des Apfelweins in Frankfurt“ schreiben will.



 

Apfelwein in Verkehrsmitteln

Am Anfang stand ein Beschluß der ja Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, der sich im Gegensatz zu vielen anderen Entscheidungen als weise und weitblickend erwies. Als „Attraktion für die Innenstadt“, so hatte es die SPD im Römer angeregt, sollte eine Oldtimer‑Bahn auf einen Rundkurs durch die City gehen. Denn Fahrten mit den alten, 1950 gebauten Zwei‑Achsern des Typs K die seit Mitte der 70er Jahre nach und nach ausgemustert worden waren, erwiesen sich als sehr begehrt. Vor allem Hochzeitspaare und Kegelbrüder fragten bei den Stadtwerken häufig an, ob sie zur Feier des Tages eine der Rumpel‑Trams mieten könnten. Am 11. November 1976 stimmte das Parlament dem Projekt „Ebbelwei‑Express“ zu. Daß das Votum auf den Beginn der Faschingszeit fiel, war rein zufällig ‑ obwohl sich der Ebbel‑Ex später einige Male als echte Zugnummer unter den Frankfurter Fastnachtsumzug mischte.

Keine drei Monate später, am 5. Februar 1977, schickte der damalige Oberbürgermeister Rudi Arndt (SPD) den ersten Ebbel‑Ex auf die Strecke. Start war die Biebergasse, in der damals noch Gleise lagen, und Rudi Arndt zeigte in seiner Begrüßungsrede schon damals trefflichen Weitblick: „Die höchsten Häuser, die meisten Banken, den Weltflughafen und trotzdem an manchen Punkten tiefste Provinz ‑ und darauf sind wir stolz.“

Die Frankfurter stürmten die Bahn, in der Lia Wöhr und Reginald Nonsens „Blaue‑Bock“‑ Stimmung verbreiteten. Für das passende Outfit hatte der Frankfurter Grafiker Charly Estenfelder gesorgt, der dem Wägelchen einen blauen Himmel mit weißen Wölkchen verpaßt und auf roten Grund die Frankfurter Wahrzeichen gepinselt hatte wie Bembel und Römer, Paulskirehe und Goethe im Kalabreser Hut.

Später komponierte Ossi Trogger, Schwanheimer und Sänger im Chor der Frankfurter Oper, ein eigenes Lied für den Oldtimer. Seitdem wird in unserem Ebbelwei‑Express bei jeder Fahrt geschmettert, Auch der inzwischen verstorbene singende Töpfermeister Helmut Maurer steuerte für die Fahrten viele Lieder bei, die von Ebbelwei und Handkäs handeln.

Dabei ist von Anfang an auch die Apfelweinkelterei Possmann, die eigens für die Gaudi‑Touren Apfelwein und Apfelsaft in 0,3‑Liter‑Flaschen abfällt, die exakt in die Vertiefungen der Holztische passen. Die Brezeln, die zum Stöffche oder Saft gereicht werden, liefert die Friedrichsdorfer Bäckerei Pauly.

Der Ebbel‑Ex, der so gemütlich durch die Straßen zuckelt, wurde zum großen Renner. Bereits im April 1978, gut ein Jahr nach dem Start, konnte Stadtwerke-Dezernent Hans‑Joachim Krull mit dem damals 15‑jahrigen Schwanheimer Schüler Stefan Burneleit den 100000. Fahrgast beglückwünschen. Dabei saß der Jugendliche nicht zum ersten Mal im Ebbelwei‑Express. Er sei, so erzählte er dem erstaunten Stadtrat, bereits zum 76. Mal auf Tour. Bis heute zeichnet sich die Kundschaft durch Treue aus.

Doch keine Frankfurterin und kein Frankfurter dürften annähernd in die Nähe des Rekords von Else Scheuing kommen. Als Stefan Burneleit im August 1979 als Jubiläumsgast ausgezeichnet wurde, hatte die 68‑jährige Pensionärin bereits 164 Fahrkarten gesammelt. Vier Jahre später drückte ihr der damalige Stadtwerke‑Chef Willi Ganss einen Blumenstrauß in die Hand und FR-Fotograf Horst Winkler auf den Auslöser seiner Kamera, weil Else Scheuing an diesem Tag ‑ es wurde der 350000. Fahrgast gefeiert ‑ zum 975. Mal auf Achse war. „Hier bin ich nicht so allein, denn man trifft immer alte Bekannte, und es ist so gemütlich“, begründete sie, daß sie vom Ebbel-Ex nicht genug kriegen konnte. Else Scheuing ist weit über 2000‑mal in den Oldtimer eingestiegen sein", wie es in einem Text der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zu den anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten heißt.

Der Ebbelwei‑Express ist auch Werbung für die Stadt. Für Touristen aus den USA, Kanada oder Japan gehört eine Fahrt mit der bunten Trambahn zum „Frankfurter Pflichtprogramm“. Dabei mußte der Ebbel‑Ex im Laufe der Jahre zwangsläufig immer mal die Strecke ändern, weil ihm die Stadtpolitik die Gleise unter den Rädern wegzog. Die ersten Touren führten noch über die Zeil und die Konstablerwache, mit dem Projekt der „schienenfreien Innenstadt“ entfielen auch der Blick auf Alte Oper und Börse.

Seit März vergangenen Jahres fährt die „Museumsbahn“ wieder auf einem echten Rundkurs. Von Bornheim geht es an der Konstablerwache vorbei durch die Altstadt, das Bahnhofsviertel, Sachsenhausen und am Zoo vorbei wieder zurück nach Bornheim. An 37 Haltestellen können die Ebbel‑Ex‑Fans ein‑ und aussteigen.

Für manche Passagiere ist es dann auch höchste Zeit. Das Stöffchen wirkt. Beim Start 1977 hatte Rudi Arndt die Namensgebung „Ebbelwei‑Express“ so erklärt: „Er heißt so, damit die Fremden, wenn sie ihn getrunken haben, nachher merken, was bei ihnen so pressiert.“

Der „Ebbelwei-Express“ fährt 13.30 Uhr in Bornheim-Mitte ab. Gar nicht so leicht, hier sonntags einen Parkplatz zu finden. Der Mann am Steuer, genauer gesagt an der Drehkurbel, hat Zeit. Jetzt kann es losgehen in Richtung des hessischen Apfelwein-Zentrums Sachsenhausen.

Drinnen im holzgetäfelten Wagen ist Nostalgie angesagt. An der Decke laufen lange Metallstangen mit Lederschlaufen zum Festhalten. Eine in regelmäßigen Abständen durchhängende Schnur gibt den computerverwöhnten Kids Rätsel auf. Bis einer mal dran zieht: Es klingelt, und der freundliche Schaffner schaut ein bißchen böse. Das darf man nämlich nur, wenn man aussteigen will. Und aussteigen ist bei der Stunde Fahrt nicht eingeplant.

Eingeplant haben die Frankfurter Stadtwerke eine kleine Wegzehrung, die im Preis inbegriffen ist. Ein Kontrastprogramm: eine Flasche Apfelwein für die Darmflora und eine Tüte Brezeln, damit’s kein dünnes Ende gibt. Für Kinder und .Nichttrinker steht natürlich Apfelsaft bereit. Die kleinen Tische zwischen den kunststoffbezogenen Sitzbänken haben praktische Vertiefungen für Glas und Flasche. Die Aschenbecher sind festgeschraubt und ein Schild hinter Glas verbietet, was sich heute ohnehin keiner mehr traut: Nicht auf den Boden spucken.

Einzige Reverenz an die Moderne im alten Wagen: Das Gerippte, Traditionsglas der Apfelweintrinker, ein klassisches Glas mit stilisierten Rauten, ersetzt ein Plastikbecher, allerdings mit Rauten-Design. Schlecht schmeckt’s auch daraus nicht.

Draußen zieht Station für Station das moderne und historische Frankfurt vorbei: Zoo, Börne­platz, Römer, Paulskirche, Hauptbahnhof und schließlich auch der Nabel der Ebbelwei-Welt Sachsenhausen. Ein Blick in die fachwerkgespickte „Klappergaß“. Frau Rauscher hat sich nicht gezeigt und Heinz Schenk war gerade auch nicht da.

Der Ebbelwei-Expreß läuft unter der Regie der Stadtwerke Frankfurt am Main. Während der Woche kann unter Tel. 21322425 reserviert werden. Zwei Stunden dauert dann die Rundfahrt und sie kostet 120 Mark. An Wochenenden kann nicht reserviert werden. Da kann in der Heidestraße in Bornheim eingestiegen werden. Die Fahrt dauert dann nur eine Stunde. Erwachsene zahlen für die Sonderfahrt vier, Kinder zwei Mark.

Seit zehn Jahren dreht der „Ebbel-Ex“ nun seine Runden, vorbei an den vielen Sehenswürdigkeiten und durch Sachsenhausen. Was dem Wiener sein Fiaker ist dem Frankfurter seine alte Straßenbahn. Und sie ist keineswegs nur für Touristen eine Attraktion, sondern auch die Einheimischen lassen sich bei einem guten Schoppen gerne mal durch ihre Stadt ziehen. Rund 600.000 Fahrgäste wurden bisher befördert, eine schöne Zehnjahres-Bilanz. Da gab es „Hoch­zeitler“, die nach der Trauung mit der ganzen Festgesellschaft in den Ebbelwei-Expreß stiegen.

Die Frankfurter nennen ihn liebevoll „Ebbel‑Ex“ oder auch „Knochemiehl“ und lassen sich auch nicht davon abschrecken, daß es Plätze nur in der Holzklasse gibt. Er hat in Spielfilmen mitgewirkt, und über ihn haben Zeitungen in den USA und Japan berichtet. Eine amerikanische Reisegruppe brachte ihre eigene Musikband mit und ließ den ganzen Rundkurs auf Video mitlaufen. Karnevalsverein, Jubilare und auch frischgebackene Doktoranden haben den Ebbelwei-Expreß für feuchtfröhliche Rundkurse angemietet. Und der Ebbelwei-Expreß war auch schon mehrmals offizieller Repräsentant der Stadt Frankfurt bei Hessentagen. Ein „Hoch“ auf den „Ebbel-Ex“.

Im Linienbetrieb verkehrt der Ebbelwei‑Express auch weiter an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zwischen 13.30 Uhr und 17.30 Uhr alle 40 Minuten. Die Fahrt dauert gut eine Stunde und wird von einem Schaffner begleitet, der auch die Fahrkarten verkauft. Im Preis von 5 Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder bis 14 Jahre sind eine Flasche Apfelwein, Apfelsaft oder Mineralwasser sowie eine Tüte Brezeln enthalten.

Die vier ‑ identisch gestalteten ‑ Ebbel-Ex können einschließlich zweier Anhänger auch für Geburtstage, Betriebsfeste oder andere Feierlichkeiten gemietet werden. Die Fahrtroute können die Kunden nach ihren Wünschen zusammenstellen. Selbstverpflegung ist möglich. Die Preise belaufen sich pro Stunde auf 77 Euro für den Triebwagen (für 30 Personen), 128 Euro mit einem und 169 Euro mit zwei Anhängern. Mindestmietzeit zwei Stunden. Informationen unter Telefon 069/213‑22425.              

 

Rund um dem Apfelwein geht es auch beim neuen Angebot der Primus-Linie seit 2012: Die „Ebbelwei-Fahrt“ feiert am Samstag, 28. Januar Premiere. Moderatorin des Abends ist Dr. Johanna Höhl-Seibel aus Deutschlands ältester Kelterei in Hochstadt, die 1779 gegründet wurde. Im Mittelpunkt der Fahrt steht ein apfelweintypisches Drei-Gänge-Menü. Als Vorspeise steht gebackenes Handkäs-Tartar im Brotteig auf dem Speiseplan, gefolgt von „Coq au Cidre“ auf süß-saurem Zwiebelkompott mit Schmorgemüse und Kartoffeln. Ein süßes Apfeltiramisu beschließt das Menü, zu dem bei jedem Gang ein passendes Glas Apfelwein aus der Kelterei Höhl gereicht wird.

Das Schiff legt um 19.30 Uhr am Eisernen Steg ab und kehrt um 23 Uhr dorthin zurück, Schiffsöffnung ist um 19 Uhr. Der Fahrpreis beträgt 54 Euro pro Person, darin enthalten sind das Drei-Gänge-Menü, ein Glas „Pomp“ und pro Gang ein Glas. Apfelwein. Zweiter Termin der Apfelwein- Fahrt ist am 10. März. Buchungen zu allen Fahrten der Primus-Linie sind im Internet oder telefonisch unter der Rufnummer (069) 13 38 37 30-0 sowie per Fax an

(069) 28 2886 möglich.     

 

MainÄppelHaus

Zur Erhaltung artenreicher Streuobstwiesen im Ballungsraum Frankfurt/Main-Kinzig/Taunus haben sich Naturschützer und Umweltverbände der Region zusammengeschlossen, um eine dauerhafte Einrichtung zu schaffen, die sich für die Pflege und den Erhalt der Wiesen einsetzt. Es wurde der Verein Streuobstzentrum ins Leben gerufen, dem unter anderem der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig angehört. Der Verein gehört wiederum zum Kreisverband Hanau zur Förderung des Obstbaus, der Garten- und Landschaftspflege. Streuobstzentrum e.V visiert die Errichtung eines Umweltinformationszentrums auf dem Lohrberg an, das MainÄppelHaus.

Am Lohrberg (zwischen Bergen-Enkheim und Unfallkrankenhaus) nimmt im  Jahr 2005 das Umweltinformationszentrum „MainÄppelHaus“ immer mehr Gestalt an. Der Flughafenbetreiber Fraport überreichte dem Verein Streuobstwiesenzentrum  einen Scheck über 110.000 Euro. Zu den pädagogischen Betreuerinnen des Vereins gehört unter anderem Anika Hensel aus Maintal. Sie brachte gestern einer Gruppe von Kindern die Pflanzenwelt in den Bergen-Enkheimer Streuobstwiesen spielerisch nahe. Den Mädchen und Jungen im Alter zwischen vier und sechs Jahren trichterte sie nicht die einzelnen Namen der Blumen ein. Ihr geht es mehr um die Formen und Farben. Nach einem ausgiebigen Picknick zu Beginn zeigte Anika Hensel in einer Art Pflanzen-Memory acht Arten für eine kurze Zeit und deckte sie dann mit einem Tuch zu. Nun mußten die Kinder des evangelischen Kindergartens Bergen-Enkheim möglichst viele Pflanzen auf der Wiese wiederfinden. Zum Schluß hatte jeder einen hübschen bunten Strauß zusammengepflückt. Mit reichlich Spaß die Natur entdecken ist eines der Hauptanliegen des Streuobstzentrums. Und so soll das „MainÄppelhaus“ auch keineswegs nur etwas für Gärtnerfreunde sein, die sich für Obstbäume interessieren. Genauso soll der Lohrberg für Kinder mit ihren Eltern anziehend wirken.

Arbeitsdirektor Herbert Mai von der Fraport AG informierte sich gestern vor Ort über Sinn und Zweck solcher Veranstaltungen. Er sprach von einem „großen Anliegen“ des Flughafenbetreibers, den Umweltschutz und die Umweltpädagogik voran zu treiben. Alleine dafür habe Fraport 2,5 Millionen ausgegeben. Dem Projekt Main-Äppel-Haus kamen bislang 440.000 Euro zugute. „Aus unserer Sicht ist es wichtig, daß schon Kinder das Typische und die Besonderheiten hier in der Region Rhein-Main kennen und schätzen lernen“, sagte Mai nach Besuch des „grünen Klassenzimmers“ in den Bergen-Enkheimer Streuobstwiesen.

Neben den ursprünglichen Aufgaben der Beratung der Bürger zu allen Gartenfragen und dem Streuobstanbau soll im Umweltinformationszentrum ein großer Akzent auf Fort- und Weiterbildung gelegt werden. Besonders die Aktionen mit Kindern zu allen Jahreszeiten stehen im Mittelpunkt. Sie finden teilweise in der freien Landschaft statt oder eben auf dem Gelände des ehemaligen Beratungsgartens Lohrbergs, beispielsweise bei den Kelterwochen für Kinder im Oktober. www.main-aeppelhaus .de

An einem sonnigen Oktobertag 2005 fuhren die Wiesenkinder der Dörnigheimer Kindertagesstätte Eichendorffstraße auf den Lohrberg nach Frankfurt. Dort erwartete Frau Hensel vom Maintaler Arbeitskreis Streuobst die Mädchen und Jungen, um gemeinsam Apfelsaft herzustellen. Emsig lasen die Kinder Apfel auf, wuschen sie und warfen sie mit viel Spaß in die „Apfelschneidemaschine“, wie der Dörnigheimer Nachwuchs das Gerät bezeichnete. Danach kamen die Apfelstücke in eine Presse und alle Kinder halfen mit, den Saft heraus zu pressen, um ihn dann probieren zu können. So ging ein aufregender Vormittag zu Ende und die Mädchen und Jungen sowie ihre Erzieherinnen bedanken sich auf diesem Wege bei Frau Hensel für ein lehrreiches Streuobst-Wiesenjahr voller Spaß und Spiel.

Am Sonntag, 20. September 2009, von 10 bis 18 Uhr veranstaltet das Streuobstzentrum wieder sein Äppelfest.  An dem Tag der offenen Tür gibt es für Groß und Klein wieder allerhand zu sehen und zu entdecken: Frisch gekelterten Süßen, eine Fledermaus-Rallye für Kinder, die neue Apfelweinkönigin, eine Vermittlungsbörse für Streuobstgrundstücke und die genaue pomologische Bestimmung ihres Apfelbaums. Wer sich im Unklaren über die Sorte seiner Äpfel ist, bringt einfach je zwei von der Sonnenseite und zwei von der Schattenseite (aus dem Inneren des Baumes) geerntete Äpfel und einige Blätter mit. Der Pomologe Werner Nussbaum kann dann den Namen des Apfelbaums nennen.

In diesem Jahr können im MainÄppelHaus Lohrberg zum ersten Mal hochstämmige Streuobstbäume zu günstigen Preisen bestellt werden. In der Bestelliste gibt es vor allem alte Sorten von Äpfeln. Zwetschgen, Pflaumen, Mirabellen, Kirschen, Speierling und Walnuß.

Natürlich gibt es beim Äppelfest auch viel Speis und Trank. Bastel-Spiel-Zuhör-Aktionen für Kinder sowie Information und Beratung für Streuobst und Garten. Eingeladen sind auch alle, die sich mal das MainÄppelHaus Lohrberg ansehen möchten oder einfach nur wissen wollen, wie die Umgestaltung des MainÄppelHaus und des Naturerlebnisgartens im vergangenen Jahr vorangeschritten ist.

Im August 2014 hielt Jörg Stier ein Kelterseminar „Vom Apfel zum Wein“ im MainÄppel-Haus Lohrberg ab, um Selbstkelterern und Freunden des Schoppens Grundlagen der Apfelweinherstellung zu vermitteln. Am Wochenende 23. und 24. August wird er in seinem Kelterseminar einige Tips und Tricks von der Saftgewinnung zum handgefertigten Apfelwein verraten und spannende Geschichten zur Weinkultur des Apfels erzählen Seine Gäste können außerdem verschiedene Apfelweine probieren. Die zweitägige Veranstaltung findet jeweils von 15 bis 17 Uhr im Main-ÄppelHaus Lohrberg statt und kostet pro Person 25 Euro inklusive Getränkeproben.

 

 

Apfelwein-Akademie

An der „Apfelwein-Akademie“ kann man sich ausbilden lassen zu „zertifizierten Apfelweinwirten“. Zu den neun Teilnehmern gehören  2013 auch ein Ex-Banker, HobbyKelterer - und die Apfelweinkönigin für Frankfurt und Umgebung.

„Ich möchte so viel wie möglich über Apfelwein wissen“, sagt Nora Batz. Sie arbeitet sowohl in einer Unternehmensberatung als auch im Gasthaus ihrer Eltern in Liederbach am Taunus

 „Apfelwein ist Geschmackssache“, sagt Carsten Therstappen, der im Außendienst einer großen Kelterei arbeitet und das Zertifikat Apfelweinwirt als Fortbildung für den Job wertet.

„Anders als beim Bier machen 40 Keltereien 40 verschiedene Apfelweine, und jeder schmeckt individuell anders“, stimmt Sensorik-Referent Christof Heil zu. „Lieber viele Apfelweine mit Ecken und Kanten als uniformierte, flache und langweilige.“ Der Geschmack könne zwar auch bei einer Kelterei von Jahr zu Jahr ein wenig variieren, Jahrgänge wie beim Wein gebe es aber nicht. „Sensorik“ ist das Thema seines Ausbildungsteils. Heil beginnt mit Geschmackstests von Wasser. „Man muss sich bei jeder Verkostung sehr konzentrieren und sollte sie lieber mit zwei Leuten machen.“

Die Fortbildung, die einmal im Jahr im Plan der Apfelwein-Akademie steht, richtet sich vor allem an Wirte, schließt aber auch andere Liebhaber des „hessischen Nationalgetränks“ nicht aus. „Die Themen sind aber schon sehr gastrolastig“, sagt eine Sprecherin des Landesverbands der Apfelwein-Keltereien. Produktschulung sowie Management und Marketing sind die Schwerpunkte der beiden Seminartage. Das Zertifikat wird gemeinsam vergeben vom Kelterei-Verband, dem DEHOGA Hessen, der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen und der Vereinigung der Frankfurter Äpfelweinwirte.

Immobilienkauffrau Anna Hermann möchte die Kelterei ihres Großvaters weiterführen. „Das liegt mir unwahrscheinlich am Herzen.“ Derzeit gebe es das Stöffchen aus dem Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim, das jahrelang in der TV-Sendung „Zum blauen Bock“ ausgeschenkt worden sei, nur im Straßenverkauf. Zusammen mit ihrem Freund will sie den 1878 gegründeten „Schützenhof“ an anderem Ort wieder aufleben lassen.

Physik-Ingenieur Jens Conrad von der TU Darmstadt gehört zu den Hobby-Kelterern und will nur sein Wissen verbessern. Zusammen mit Freunden keltert er im RheingauTaunus-Kreis für den Eigenbedarf um die 1000 Liter pro Jahr. „Alle unsere Freunde machen noch Apfelwein zu Hause“, erzählt er. Einen besten Schoppen gebe es aber nicht. „Man freut sich, wenn einem anderen ein guter Apfelwein gelingt.“

Gerhard Wachinger aus Eschborn ist mit 55 Jahren aus dem Bank-Business ausgeschieden und hat sich Aufgaben in der Natur gesucht. Dazu gehört neben Bildungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen der Schnitt von Apfelbäumen, die Beratung von Straußenwirtschaften und das Keltern.

Der Wiesbadener Kelterer Lommatsch stellt bis zu 20.000 Liter Apfelwein im Jahr her und hat daneben großen Erfolg mit seinem „Apfelsecco mit Quitte“. Der aus dem Fernsehen bekannte hessische Koch und Referent Mirko Reeh ist überzeugt: „Wir können was, wir Hessen. Wir haben aber immer ein bisschen Angst, das zu zeigen. Anders als die Bayern.“ Streuobst und alte Apfelsorten sind für einen guten Äppler unabdingbar. Davon ist der Wiesbadener Kelterer Ernst Lommatsch überzeugt.

Diese Apfelweinakademie gibt es noch, getragen von der Vereinigung der Apfelwein- und Fruchtsaftkelterer und anderen. Sie zertifiziert vor allem die Apfelweinwirte.

Diese Apfelweinakademie gibt es noch, getragen von der Vereinigung der Apfelwein- und Fruchtsaftkelterer und anderen. Sie zertifiziert vor allem die Apfelweinwirte.

 

Frankfurter Vororte

Sachsenhausen:

„Jeder Sachsehäuser is auch en Frankforter, abber net jeder Frankforter is en Sachsehäuser!“

Das heutige Apfelwein-Viertel Sachsenhausen hat die ältesten Traditionen. Dort saßen die meisten Gärtner und Küfer, die den Apfelwein zunächst nur für sich selbst, später dann zum Ausschank herstellten. Es dauerte auch nicht lange, bis das Verzapfen des Weins besteuert wurde. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts durften die sogenannten „Heckenwirte“ mit offizieller Erlaubnis Apfelwein ausschenken und fanden anscheinend soviel Zuspruch, daß allein in Sachsenhausen um die Mitte des Jahrhunderts pro Jahr rund eine Million Liter verzapft wurden. Nach und nach entstanden auch in anderen Stadtteilen die typischen Apfelwein-Gärten, wie sie noch heute zu finden sind.

Nirgendwo liegen die Apfelweinlokale so dicht gedrängt beisammen wie im Frankfurter Stadtteil Alt- Sachsenhausen, das weit und breit als das „Apfelweinviertel“ berühmt ist. In den altgewachsenen Stadtvierteln und Vororten und rings um Frankfurt herum laden die selbstkelternden Wirte mit grünem Kranz und Bembel, ihrem Mitgliedsschild, zur gastlichen Einkehr.

In der Apfelweinwirtschaft „Adolf Wagner“ an der Schweizer Straße wird der Manager nicht besser behandelt als der Metzgermeister.  „Gast ist Gast“, sagt Frau Melli und hat dabei die volle Rückendeckung ihrer Chefin. Für Miteigentümerin Elfriede Wagner, Vorsitzende der Vereinigung der Frankfurter Apfelweinwirte, ist der goldgelbe Hessentrank ein großer Gleichmacher: „Beim Ebbelwei haben sich schon immer alle Schichten vereint.“

Das Viertel prägt das Frankfurt-Bild vieler Besucher. In einer der Straßen des Viertels, der legendären Klappergasse, steht der Frau-Rauscher-Brunnen. Die Figur, die unberechenbar Wasser auf Gasse und Passanten spritzt, ist eine lokale Berühmtheit. Der Kern Alt-Sachsenhausens besteht aus vier gepflasterten Gassen (Kleine und Große Rittergasse, Paradiesgasse und Klappergasse). Er ist Fußgängerzone und beherbergt rund 80 Lokale. Zählt man umliegende Straßen dazu, wie es der Frankfurter Gaststättenverband tut, kommt man gar auf 130 Lokale. Seinen Boom erlebte das Viertel zu Beginn der 70er Jahre. Bis dato war es von der Apfelweinkultur geprägt. Doch dann witterten Geschäftemacher in der vielbesuchten Flughafen- und Durchgangsstadt Frankfurt die schnelle Mark. Sie pachteten Häuser im damals einzigen und angesagten Ausgehviertel und zerstörten die Idylle. Eine Pilsstube. Frittenbude oder Disco neben der anderen wurde eingerichtet. Oft wurden Treppen in den größtenteils aus dem Mittelalter stammenden Gebäuden herausgerissen. um Platz zu schaffen. Die oberen Etagen der Häuser blieben dann leer - die Gebäude verkamen. Ende der 80er Jahre kam die Flaute, als nach dem Fall der Mauer neue Attraktionen im Osten Touristen lockten.

Doch die ehemalige Hochburg der Kultur um Handkäs, Rippchen und Stöffche, Alt-Sachsenhausen, ist auch ein Sorgenkind der Frankfurter Apfelgemeinde. Hier etablierte sich seit Beginn der 70er Jahre eine schrille Szenerie aus Pizza- und Frittenbuden, Pilsstuben und Discos, die Gemütlichkeit mußte der Massenabfertigung weichen. Nicht nur der weitgehende Abzug der amerikanischen Soldaten hat das Vergnügungsviertel in eine tiefe Krise geworfen, die das städtische Planungsamt schon von „Verslumungs-Tendenzen“ berichten ließ. Der Gaststättenverband will das Problem angehen, für die gesamte Stadt gab sich Löhring optimistisch: „In Frankfurt wird der Äppelwoi immer dabei sein.“

Es gibt in Frankfurt Bestrebungen, das Äppelwoi-Sachsenhausen in ein Bier-Viertel umzufunktionieren, im Verbund mit Hamburger- und Kebab-Freaks. Die Bier-Mafia aus dem Süden hat ganze Arbeit geleistet. Es gibt schon alte Frankfurter, die die „Strauß-Wirtschaft“ für einen hessischen Ableger der bayerischen Staatskanzlei halten! So weit sind wir. Dutzende einschlägiger Apfelweinwirtschaften wurden während der vergangenen Jahrzehnte aufgegeben: nicht wegen des Äpfelweins, sondern meist, weil die Brauereien mit Macht das Terrain erobert haben. Das einstige Zentrum Frankfurter Apfelweinseligkeit, Alt-Sachsenhausen, ist durch artfremde Lokalitäten zu einem Vergnügungsviertel minderer Art verkommen. „Kaa zeh Gäul bringe mich dahie“, sagen die Liebhaber von einst. Was sicherlich auch wieder übertrieben ist, denn es gibt nach wie vor reizvolle Ecken. Aber insgesamt ergibt die Bestandsaufnahme der Frankfurter Apfelweinszene die Diagnose: Der Charme von einst ist hin. Er läßt sich, das ist sicher, auch nicht wieder zurückholen, auch nicht durch noch so häufiges Beschwören der alten Zeiten.

Außerdem tobt in Sachsenhausen der „Ebbelwei-Krieg“. Kontrahenten sind auf der einen Seite die Großkelterer Günter Possmann und Rudolf Höhl, auf der anderen Seite der Bad Vilbeler Getränkehändler Oskar Dietrich. Die Parteien gehen aufeinander los, weil Dietrich vor Jahren eine neue Apfelweinmarke einführte, die er sinnigerweise und dabei sehr verkaufsfördernd „Alter Sachsenhäuser“ nannte. Über einen Bad Homburger Verein gegen unlauteren Wettbewerb gingen ihm die Kontrahenten zu Leibe. Dietrich verlor vor Gericht und rächte sich gar fürchterlich. Er klagte nämlich seinerseits gegen Konkurrent Possmann, weil dieser eine neue Marke namens „Alter Frankfurter“ aus der Taufe hob, was nicht minder sträflich sei wie der „Alte Sachsenhäuser“. Anfang August stellte der Vilbeler Apfelweinproduzent seinen „Alten“ auf  „Goldener Sachsenhäuser“ um.

Auch im Nachtleben, wo ja Schampus und Kir Royal versuchen, den Ebbelwei abzulösen, ruht der Konkurrenzkampf nie. Derzeit sammelt sich die vereinte Disco-Scene, um gegen den übermächtigen Nachtclub-König Gerd Schüler verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Schülers „Plastik-Disco“ im alten „Odeon“ an der Seilerstraße fegte unter Hilfe von Sänger-DJ Sven Väth („Electric Salsa“) die Konkurrenz ab Januar sozusagen  vom Boden und das „Uno“ an der Hauptwache jahrelang „In-Treff „der Stadt, mußte sogar geschlossen werden. Jetzt wollen die Beteiligten den Spieß umdrehen. Besitzer Lutz Pfaff wird umbauen und im September neu eröffnen. Ex- Uno-Geschäftsführer Rolf Kaiser sieht man vorübergehend in der Bodega (Jazzgasse): Leutselig verwöhnt er dort die Kundschaft mit Sangria.

Ähnlich populär geht es auch an der Schweizerstraße zu. Nachdem der „Innenstadt-Pate“ Klaus („Apfelwein-Klaus) Ruwedel im vergangenen Jahr die Schickeria über die Brücke in seine „Gans“ zog, kamen jetzt die Wirte vom „Keller“ auf die Idee, um’s Eck ihr Bistro „Plus“ aufzumachen. Die Schickeria, einst nur im Freßgaß-Revier um „Operncafé“ und „Leiter“ zuhause, fühlt sich derzeit im „Schweizer-Eck“ sichtlich wohl. Und seit vergangener Woche hat die Kneipengegend von „Neu-Sachsenhausen“ noch eine weitere Attraktion zu bieten. Fußball-Schwester Angela Kraaz vom „Palais des Bières“ wurde neue „Brunnenkönigin“.

 

Alte Sachsenhäuser beklagen den Niedergang des Kneipenviertels. Doch schon vor den Todesschüssen - vor der American Bar No. 1 wurden im Dezember 2000 drei Bauarbeiter erschossen - im Jahr 2001 war es mit der Ebbelwei-Seligkeit vorbei. Die Bluttat in der „Klappergaß“  hat das Kneipenviertel wieder einmal ins Gerede gebracht. Zu Unrecht, findet Rainer Klein, Wirt der traditionellen Stöffche-Kneipe „Dauth-Schneider“. Was hier geschah, hätte überall geschehen können, sagt Klein. Die Stadtväter sollten sich endlich darüber klar werden, in welche Richtung sich Alt-Sachsenhausen überhaupt entwickeln solle. Pläne gäbe es ja genug: „Rahmenplan, Baulückenschließungsplan - aber außer Plänen passiert ja nix.“ Wenn man das Viertel wirklich beleben wolle, müßte man erst einmal die Ladenschlußzeiten knacken: „Die Läden müßten bis 23 Uhr geöffnet sein - vorher ist hier ja keiner.“

Früher flanierte hier ein vielschichtiges Publikum, „vom einfachen Arbeiter bis zur Prominenz“. Damit ist lange Schluß. Vor allem alte Leute hätten mittlerweile ernsthafte Berührungsängste. Zweimal ist Seelbach bereits nahe der Haustür überfallen worden. Man kann angepöbelt worden, wenn man in feinem Zwirn und mit Blumenstrauß nächtens nach Hause kommt.

Es müßten vor allem zwei Dinge geschehen. „Die müßten die Sperrstunden einhalten“ - und vor allem wieder mehr frankfurt-typische Kneipen eröffnen. Der Rahmenplan für Alt-Sachsenhausen  liegt nun schon seit ein paar Jahren, genauer seit 1996, auf dem Tisch. Läden, Dienstleistungen, freie Berufe, vereinzelte Büros, Künstlerateliers und nicht störendes Gewerbe sollen für Belebung auch tagsüber sorgen. Bislang ist es beim frommen Wunsch geblieben. Auch davon, „die Zahl der Gaststätten der Nachfrage anzupassen“ - sprich zu vermindern - ist nicht viel zu sehen. Vor drei Jahren warnte bereits der Ortsbeirat 5 anläßlich der Diskussion über einen Bebauungsplan, Sachsenhausen drohe „der flächenhafte Abstieg zum perspektivlosen Elendsquartier“. Erst vor wenigen Wochen forderte der SPD- Bürgermeister Achim Vandreike ein 30 Millionen schweres städtisches Investitionsprogramm zur Sanierung der maroden Fachwerkhäuser. CDU-Chef Udo Corts sieht in der Idee des sozialdemokratischen OB-Kandidaten allerdings nicht mehr als eine „Wahlkampflaune“.                      

Das Frankfurter Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen war einst ein Aushängeschild der Stadt. Mittlerweile gilt das Viertel eher als Armutszeugnis - die Mainmetropole weiß nicht so recht, was sie mit dem heruntergekommenen Altstadt-Verschnitt anfangen soll. Viele Ideen existieren für das Amüsierviertel in dem Stadtteil südlich des Mains - doch passiert ist bisher nichts.

Alteingesessene Frankfurter beklagen schon lange den Niedergang des Viertels. Wer „in“ sein will, geht in Frankfurt schon lange nicht mehr in Alt-Sachsenhausen aus. Auch lokalpatriotische Apfelwein-Trinker nehmen ihr „Stöffche“ lieber in Apfelweinwirtschaften außerhalb des Viertels ein - entweder in anderen Stadtteilen oder ein paar Straßen weiter. Das Viertel zieht statt dessen nur noch die „Ballermann-Fraktion“ an, wie ein Gastronom sagt. „Bis 23 Uhr haben wir normale Gäste, doch dann schlägt es rabiat um, und es sind nur noch laute Leute da. Viele suchen Streit“, beschreibt Lokal-Inhaber Rolf Tönis die Situation. Bereits Anfang der 90er Jahre gründete er mit Dutzenden anderen Wirten, Hauseigentümern und engagierten Bürgern den „Förderkreis neues Alt-Sachsenhausen“.

Das erste nach Farbleitplan renovierte Haus steht seit 2001 in der Klappergasse. Die bräun­lichrote Farbe pappt an dem Häuschen, als täte sie seit Jahrzehnten nichts anderes. Dabei ist das pudrige „Bordeaux“ jüngeren Datums: Als erster Hauseigentümer in den Fußgängerzonen Alt- Sachsenhausens hat Walter Röhrl, Besitzer des Imbißlokals „Rund um die Worscht“ in der Klappergasse, seine Immobilie nach der „Farbleitplanung“ der Stadt gepinselt - und „dabei keinen Pfennig Forderungsmittel in Anspruch genommen“, lobte gestern Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) beim Ortstermin. Seit September 1999 können die Hauseigentümer im Amüsierviertel die Stadtkasse anzapfen, wenn sie marode Bausubstanz sanieren und dabei der historischen Fassade einen stilechten Anstrich verpassen. Bis zu 20 Prozent der Investition bekommen sie wieder, und mit Caspar Schön steht ihnen ein beratender Architekt zur Seite, der anhand der Farbleitplanung detaillierte Gestaltungsvorschlage macht. Wie Röhrl, der die Beratung, aber nicht das Steuergeld in Anspruch genommen hat. So ließ er die Holzteile grau überstreichen, und über dem Schaufenster hängt ein erneuertes altes Handwerkszeichen. Das hat ein Vermögen gekostet, weiß Klaus Bundschuh, ein engagierter Ur-Sachsenhauser. Jährlich können insgesamt fünf Millionen Mark für die Fassadenarbeiten ausgeschüttet werden. Das Bilderbuch zur Farbleitplanung für Alt-Sachsenhausen, von einem Farbenhersteller gesponsert, ist für 20 Mark im Planungsamt erhältlich.

 

Straßenfest in der  Klappergasse 2003:

Mit einem Straßenfest wollten Wirte in der Klappergasse den Niedergang der einst frequentierten Ausgeh‑Adresse stoppen. Mit Cheerleadern der Opel Skyliners, einer Karate‑ Vorführung, kostenlosen Tattoos, Live‑Musik und verbilligten Getränken feierten die Pächter und Geschäftsleute der Interessengemeinschaft Klappergasse am Samstag ihr erstes Straßenfest zur Wiederbelebung der einst so beliebten Gasse in Alt‑Sachsenhausen.

So ein Tattoo ist eine feine Sache. Erst recht, wenn es mit einer wasserlöslichen Farbe aufgetragen und obendrein noch kostenlos ist. „Das ist mein Beitrag zum Straßenfest“, sagt Heiko Lippmann, der seit einigen Wochen ein Tattoo‑ und Piercing‑Studio in der Klappergasse betreibt. Wie gut das Angebot ankam, war nicht zu übersehen. Schließlich war Lippmann, der sich entschieden hatte, seine Arbeit auf die Gasse zu verlegen, stets von einer kleinen Traube Neugieriger umgeben, die ihm interessiert über die Schulter blickten oder selbst sehnsüchtig darauf warteten, sich von ihm verschönern zu lassen.

Begonnen hatte das Fest bereits zur Mittagszeit mit einer Parade der Cheerleader des Basketball‑Bundesligisten Opel Skyliners. Die Klappergasse mal hoch, mal runter marschiert, demonstrierten die fünf jungen Frauen professionelles Cheerleading. Eigentlich hatte er eine Signierstunde mit Profis der Eintracht geplant, doch kurzfristig eine Absage erhalten, so Olli Thies, Betriebsleiter im Lokal Klapper 33, und Mitglied der Interessengemeinschaft (IG) Klappergasse, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die einstmals so beliebte Gasse wieder mit mehr Leben zu füllen.

Seit zwei Monaten engagiert sich die Interessengemeinschaft, um die Klappergasse wieder „ins Bewußtsein der Menschen zu bringen“, erklärte Fest‑Initiator Bernd‑Uwe Hedler. Das Leben spielt sich nur in der Großen und der Kleinen Rittergasse ab. Die Klappergasse werde hingegen von immer weniger Gästen frequentiert. Als Gründe sieht er unter anderem die wenig flexiblen Vorgaben durch die Stadt, die es fast allen Lokalbetreibern verbiete, Tische und Stühle auf der Gasse aufzustellen, weil sonst der nötige Platz für Rettungsfahrzeuge nicht mehr gewährleistet sei. Aber es fehle auch an Grün und Licht in der Gasse.

Als symptomatisch für die Krise der Klappergasse sehen es die Gastwirte, daß dort derzeit vier Lokale leer stehen, so Olli Thies- „Die Klappergasse war mal Sachsenhausen.“ Da sei jede Kneipe eine Goldgrube gewesen, heute sei davon nicht mehr viel übrig. Die bewegte Vergangenheit und die zum Teil schlechte PR für das Viertel hätten viele Gäste vergrault, weshalb es nun an der Zeit sei, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Mit dem Anfang zeigte sich Thies, der das Fest mit dem Pächter des Steinern Haus, Bernd‑ Uwe Hedler, initiiert hatte, „total zufrieden“. Dennoch wisse er, was er beim nächsten Mal anders machen würde. Innerhalb von nur sechs Wochen hatte die IG das Fest geplant und umgesetzt. So eine Veranstaltung brauche aber eindeutig eine längere Planungszeit, resümierte Olli Thies. Zudem sei der Festbeginn mit 12 Uhr, wohl etwas zu früh ausgefallen. Zumal bereits gegen 18 Uhr wieder Schluß war. Außerdem brauchen wir mehr Aktivitäten auf der Straße.

Und in der Tat, den typischen Charakter eines Straßenfestes mit vielen Ständen, den suchte man in der Klappergasse vergebens. Hier und da, musizierten zwei Live‑Bands, vor dem Steinern Haus gab eine Gruppe von Harley Davidson‑Fahrern ein Stelldichein und ließen die Kinder mal auf ihren Maschinen Probesitzen.

Die eigentlichen Angebote der Wirte kamen so nicht wirklich zur Geltung. Zwar wiesen vereinzelte Schilder auf die Aktivitäten der einzelnen Lokale hin, nur daß die zum Teil eben im Innern stattfanden. Beteiligt an dem Straßenfest waren insgesamt acht der derzeit zehn Lokale in der Klappergasse, das Tattoo‑ und Piercingstudio sowie die im April eröffnete Äpplergalerie. Wir wollen das Viertel wieder lebens- und liebenswert machen, begründete Christel Hofmann, Inhaberin der Galerie, ihr Engagement in der IG sowie die Teilnahme am Fest. Wie die anderen Gastwirte auch, so hatte auch Hofmann die meisten Getränkepreise anläßlich des Festes gesenkt. Und so durften sich ihre Gäste über „Äppler für Anfänger“ für einen Euro pro Schoppen freuen. Das Straßenfest soll aber nur der Anfang gewesen sein. Bereits im Herbst ist die nächste Feier unter freiem Himmel geplant. Und mit der Aktion des „Längsten Meter‑Trinkens“ hofft man sogar auf einen Eintrag ins Guinness‑Buch.

 

Frankfurts Apfelweinviertel Alt-Sachsenhausen kämpft 2004 um sein Image: Sein Bild bestimmen allzuoft Betrunkene, Schlägereien oder Zechbetrügereien. Der Charme der Ebbelwoi-Gemütlichkeit rund um die Klappergasse scheint dahin. Bis 2008 soll das Viertel aber nach dem Willen der Stadtoberen wieder von einem Armutszeugnis zu einem Aushängeschild Frankfurts werden. Das Ausgeh-Quartier südlich des Mains - im Kern bestehend aus vier gepflasterten Gassen - war zuletzt großes Thema im Kommunal-Wahlkampf vor drei Jahren.

Seine Instandsetzung schien hohe Priorität zu haben. Zwar geht es seitdem nur langsam voran, doch die Stadt spricht trotzdem schon von ersten Erfolgen. „Vor allem in den Nächten an den Wochenenden gibt es im Vergnügungsviertel Schlägereien oder Fälle von Zechbetrug“, sagt der Leiter des zuständigen Polizeireviers, Herbert Buchholz. Als besonders unsicher will er das Viertel aber nicht dargestellt sehen, zumal die Polizei regelmäßig mit Fußstreifen und auch Zivilbeamten vor Ort sei. Erst kürzlich wurde bei einer nächtlichen Messerstecherei ein 21 Jahre alter US-Amerikaner an Bauch, Schulter und Wirbelsäule verletzt. Ein Radfahrer hatte den Mann angefahren und im anschließenden Streit ein Messer gezückt. Gar tödliche Schüsse auf offener Straße trafen im Dezember 2000 drei Männer.

Lokalpatriotische Ebbelwei-Trinker meiden das Viertel lieber und trinken ihr „Stöffche“ außerhalb. Auch die Szene der jungen Leute bevorzugt längst andere Adressen. „Alt-Sachsenhausen zieht am Wochenende nur noch Ballermänner und Proleten an, vor allem aus dem Umland“, sagt ein Gastronom, der nicht genannt werden will.

Im Frankfurt-Bild vieler Touristen spielt Alt-Sachsenhausen dennoch eine zentrale Rolle. Denn im Gegensatz zum chic herausputzten Main-Ufer oder den „In“-Lokalen in Stadtmitte und Ostend kommt das Viertel in vielen aus- und inländischen Reiseführern als sehenswerte Station auf der Sightseeing-Tour vor. Als solche gilt das Quartier den Tourismus-Autoren seit seiner Boom-Zeit Anfang der 1970er Jahre. Bald darauf witterten Geschäftemacher die schnelle Mark: Sie pachteten Häuser und zerstörten mit Pilsstuben, Frittenbuden, Bars und lauten Discos die Idylle. Oft wurden dabei Treppen in den meist jahrhundertealten Häusern herausgerissen, um Platz zu schaffen, und die oberen Etagen blieben leer. Dem Verfall wurden Tür und Tor geöffnet. Weithin sichtbar wurde dieser erst in den l990ern, als die Zahl der im Rhein-Main-Gebiet stationierten US-Soldaten drastisch zurückging. Viele von ihnen hatten zwar gelegentlich für Randale, aber immer auch für Umsatz gesorgt.

Der gammelige Gesamteindruck des einstigen Vorzeige-Viertels kann schon lange nicht mehr mithalten kann mit den Vergnügungsecken anderer Metropolen, wie dem Hofbräuhaus in München, der Kölner Altstadt oder der Reeperbahn in Hamburg. Die Stadt Frankfurt ist aber zuversichtlich, dies ändern zu können. Mit dem 2001 aufgelegten  „Förderprogramm  Alt-Sachsenhausen“ in Gesamthöhe von etwa 15 Millionen Euro sollen häßliche Baulücken, ungepflegte Fassaden und verwahrloste Höfe beseitigt und somit auch die Besucherstruktur verändert werden.

Der besondere Charme müsse wiederauferstehen, wie Ingenieurin Ursula Brünner von der Abteilung Stadterneuerung im Stadtplanungsamt  sagt. „Von den rund 140 Liegenschafen im Kern des Viertels sind 30 bereits renoviert“. Es gehe auch darum, den Um- und Neubau von Wohnungen sowie die Umwandlung  bisheriger Gaststätten in Läden oder kleine Büros zu fördern. „Ziel ist eine Durchmischung des Viertels und damit eine Belebung auch unter der Woche und tagsüber“.  Die Einseitigkeit soll weg. Der Stadt sind die etwa 80 Lokale im Kern und insgesamt mehr als 130 in nächster Umgebung zu viel. Noch bis 2008 werden jedes Jahr rund zwei Millionen Euro in die Sanierung des Viertels gesteckt. Der Großteil davon ist für Eigentümer gedacht, die Ihr Haus verschönern wollen. Jede Sanierung bekommt maximal 20 Prozent Zuschuß. Wer seine Fassade nach einem von der Stadt herausgegebenen  Farbleitplan  streichen läßt, kann mit zusätzlichem Geld rechnen. Der Rest ist für öffentliche Wege und Plätze vorgesehen. Ein Vorhaben darunter: Demnächst sollen Poller mit bronzefarbenen Äpfeln als Krönung aufgestellt werden.

 

Im Dezember 2005 luden 14 Lokale und Geschäfte zu einem vorweihnachtlichen Ereignis ein.

Unter dem Motto „2. Advent in Alt-Sachsenhausen“ boten sie in ihren Gaststuben weihnachtliche Leckereien wie Gänsebraten, Christstollen und gefüllte Bratäpfel an. Es gab einen Tannenbaumverkauf und die Möglichkeit, Weihnachtsschmuck und handgefertigte Krippen zu erwerben. Die Idee hinter der Aktion ist, zu zeigen, daß sich viel in Alt-Sachsenhausen getan und verändert hat. „Es ist uns wichtig, das Viertel mit Flair und Charme zu füllen“, sagt Thorsten Dorn, Eigentümer des Lorsbacher Thals und Vorsitzender des Gewerbevereins Alt-Sachsenhausen. „Die Besucher sollen wissen, daß man hier gemütlich essen und seinen Schoppen trinken kann.“

Erste Schritte zur Belebung des Viertels wurden bereits gemacht: So gab es im September einen Apfelmarkt auf dem Paradiesplatz. Zwar war die Resonanz auf die aktuelle Adventsaktion zurückhaltend, da nur wenige Besucher wegen dieser Veranstaltung nach Alt-Sachsen­hausen gekommen waren. Christel Hofmann von der Äpplergalerie zieht jedoch ein positives Fazit: „Ich sehe es als einen weiteren Schritt dahin, das Viertel zu präsentieren und auf uns aufmerksam zu machen.” Nur so könne man feststellen, wie solche Aktionen ankommen und was man beim nächsten Mal beachten und anders machen müsse.

Als Mitorganisatorin der Adventsaktion hatte sie auf der Straße vor ihrem Laden einen Tannenbaumverkauf organisiert: Nordmanntannen aus dem Spessart. „Sie sind frisch geschlagen”, erklärt Kurt Schmidbaur, der Verkäufer, der hierfür aus Maintal gekommen war. Ebenso wir Georg Hruschka, der in der Äpplergalerie seine handgefertigten Krippen präsentierte, für die sich auch Ingrid Shah begeistert.

„Die Figuren wirken sehr natürlich und lebendig.” Schnell hat sie sich für eines der Stücke entschieden. Sie lebt seit 1950 in der Klappergasse und begrüßt die Adventsaktion sehr: Ich habe die Entwicklung dieses Viertels in den vergangenen fünf Jahrzehnten miterlebt und würde mir wünschen, daß hier wieder ein bißchen mehr Leben – im positiven Sinn – einzieht."

Solche Aktionen, wie die zum 2. Advent, könnten einen Beitrag dazu leisten. „Für das kommende Jahr überlegen wir, hier im Viertel monatlich einen qualitativ hochwertigen Themenmarkt zu organisieren”, erzählt Thorsten Dom. Dazu gehöre dann auch ein Weihnachtsmarkt im Dezember 2006. Hierfür bedürfe es jedoch noch einiger Gespräche, um organisatorische Fragen zu klären. „Für die Durchführung solcher Aktionen sind wir zur Zeit auch auf der Suche nach einer kreativen Agentur, die sich langfristig um die Organisation solcher Märkte kümmert.”       

 

Im Jahre 2006 mußte sich Alt-Sachsenhausen wappnet sich für die WM wappnen. Heinz Becker klappert in der Großen Rittergasse in Alt-Sachsenhausen ein Lokal nach dem anderen ab. Der Frankfurter Polizeihauptkommissar bereitet die Wirte des Vergnügungsviertels auf einen Ansturm von Fußball-Fans während der WM und den Umgang mit Aggressionen vor. Die Inhaber der rund 250 Gaststätten in und um das Quartier, das seine Hochzeit längst hinter sich hat und um neuen Glanz ringt, sehen dem Großereignis mit gemischten Gefühlen entgegen: Viele fürchten betrunkene Randalierer, hoffen aber auch auf ein kräftiges Umsatzplus.

Einige Kneipiers würden aus Angst vor gewalttätigen Fußball-Fans ihre Läden am liebsten vernageln - zumindest wenn England an diesem Samstag gegen Paraguay spielt und bis zu

40.000 englische Fans erwartet werden. Die Inhaber der großen Apfelweinkneipen „Gemaltes Haus” und „Wagner” beschäftigen während der WM nach eigenen Angaben zur Vorsicht zusätzliche Security-Kräfte. Wilhelm Dauth, der seit 19 Jahren inmitten von Alt-Sachsenhausen Apfelwein ausschenkt, fürchtet keine aggressiven Fußballfans. „Das Gewaltpotential ist höher, wo viel Bier getrunken wird.”

Imbiß-Besitzer Mohamed Koubaa dagegen ist „froh, wenn die WM vorbei ist und friedlich war”. Die Bemühungen von Becker und seinen Leuten vom 8. Revier beruhigen ihn. „Die Polizei ist hier auch sonst immer präsent, ohne die könnten wir zu machen.” Becker informiert die Wirte über eine eigens für das Viertel zur WM geschalteten Hotline. Unter der Telefonnummer können sie die Polizei rund um die Uhr erreichen, „wenn bei den Gästen die Stimmung zu kippen droht oder aggressiv wird, oder Sie Verabredungen von Schlägereien oder Straftaten mithören”. Becker notiert sich auch die Handynummern der Gastronomie, um sie in brenzligen Situationen per SMS zu informieren. Um zu verhindern, daß während der viereinhalb WM-Wochen Streitereien ausarten, sollten die Lokal-Besitzer draußen nur Plastikgeschirr verwenden, notfalls ihren Sommergarten sofort abbauen sowie aggressiven Trunkenbolden keine Alkohol mehr ausschenken.

Becker erinnerte die Gaststätteninhaber auch daran, auf herrenlose Gepäckstücke zu achten und übergibt ihnen eine „Helfer-Card“ mit elf Regeln. Die sollen dazu beitragen, „daß der Täter bei Gewalt sieht, daß sich das Umfeld dafür interessiert, was da passiert und eingreift!“

Der Leiter der Polizeidirektion Frankfurt Süd, Jürgen Moog, stellt fest: „Wir haben noch nie so viel getan!“ So würden deutlich mehr Beamte in Uniform als auch in Zivil eingesetzt als normalerweise. Zahlen will er aber nicht nennen. Die „Präsenzkräfte“, die auf die Brennpunkte im Viertel verteilt werden, Englisch sprechen, aber auch Leute und Lokale kennen, seinen angewiesen, „freundlich, zuvorkommend und unterstützend zu sein“.

Auch die Briten unternähmen viel, um sich gut darzustellen, lobt Moog. So reist eine Delegation von 40 Bobbys und eine nicht genannte Zahl spezialisierter Kriminalpolizisten mit der Mannschaft mit. Außerdem hätten die Engländer „Fanguides“ anrücken lassen, die voll guter Tips und Appelle für eine friedliche WM seien. „Wenn man Service bietet und unterstützt, vermeidet man Aggressionen.”

Mit gemischten Gefühlen sieht Ortsvorsteher Hans-Günter Jonas der WM entgegen. „Die Bürgerschaft ist etwas unruhig über dieses zusätzliche Leben am Main”, berichtet der CDU-Politiker und meint die Riesenleinwand auf dem Fluß. Bis zu 22.000 Menschen können von beiden Ufern aus darauf die WM-Begegnungen verfolgen, viele dürften anschließend nach Alt-Sachsenhausen ziehen. „Die Wirte warten aber auch ganz wesentlich auf so eine Situation, nach dem Besucherschwund in den letzten Jahren.”

Der Umsatzrückgang setzte mit dem Abzug der US-Soldaten aus Frankfurt in den 90er Jahren ein, die Gemütlichkeit des Apfelwein-Ausgehviertels, das in den 70er Jahren seine Blütezeit hatte, war da aber schon dahin. Seit fünf Jahren versucht die Stadt das berühmte Viertel wieder aufzuwerten. Das mit 15 Millionen Euro ausgestalte Förderprogramm läuft 2008 aus. „Die WM ist für uns vorübergehend”, sagt der stellvertretende Leiter des Stadtplanungsamts, Dierk Hausmann.

Auf drei- bis viermal so viel Umsatz wie normalerweise hofft Shimama Solaimankhel von der Gaststätte „Claudia's” in der Großen Rittergasse. „Wir haben lange auf mehr Umsatz gewartet”, berichtet die Inhaberin des Lokals mit deutscher und internationaler Küche. „Wenn das nichts wird, gehen wir eben mit feiern.” Koubaa vom „Imbiss Momo” rechnet ebenfalls mit mehr Kunden und Umsatz, wagt aber keine Prognose. Der Inhaber der Apfelweinwirtschaft „Dauth's Hinnerkopp”, ist nicht so optimistisch: „Es gibt so viele Veranstaltungen in der Stadt, was da für Alt-Sachsenhausen abfällt, müssen wir abwarten.”

 

Kulturelle Schmuckstücke sollen 2012 dem abgewirtschafteten Frankfurter Apfelweinviertel Alt-Sachsenhausen neuen Glanz bringen. Der vor rund einem Jahr als Museum wiedereröffnete Kuhhirtenturm, in dem einst der in Hanau geborene Musiker Paul Hindemith lebte, bekommt noch einen neuen Vorplatz und soll nachts angestrahlt werden. Weitere Straßen-Sanierungen sind geplant. Neben dem Kuhhirtenturm setzt die Stadt dabei auf den Paradieshof - ein festes Theater für Michael Quasts „Fliegende Volksbühne“. Und das Theater am Paradiesplatz soll ab Frühjahr/Sommer 2014 anstelle eines alten Tanzlokals rund 300 Plätze, Gastronomie und einen mehrfach nutzbaren Raum bieten. Von einer „neuen Form der Volksbühne, die es so bislang in Deutschland nicht gibt“, schwärmte Semmelroth. Quast verbinde Volkstheater mit Satire, Kabarett und aktuellen Bezügen.

An der Erneuerung des Ausgeh-Viertels, das in den 70er Jahren seine Blütezeit hatte, arbeitet die Stadt seit rund 20 Jahren. „Es wird für private Investoren zunehmend interessant“, sagte Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) gestern bei der Vorstellung des Privattheaters.

„Ein Innenstadtquartier mit großer Tradition und großer Geschichte, das aber nicht mehr den Reiz ausübt, den es mal hatte und verdiente“, beschrieb Kulturdezernent Felix Semmelroth

(CDU) das Viertel. Der Umsatzrückgang setzte mit dem Abzug der US-Soldaten aus Frankfurt in den 90er Jahren  ein, die Gemütlichkeit war da aber schon Geschichte.

Der Stadt schwebt für Alt-Sachsenhausen neben der Kultur eine Mischung aus Läden, Dienstleistungen, Ateliers, Büros und Gewerbe vor. Mit rund drei Millionen Euro seien in den vergangenen zehn Jahren private Eigentümer bei der Modernisierung ihrer Häuser unterstützt worden, sagte Schwarz. Etwa 70 Gebäude mit mehr als 300 Wohnungen wurden saniert, und sieben Neubauten mit etwa 45 Wohnungen errichtet. Ungefähr 1,8 Millionen Euro flossen in die Umgestaltung von Gehwegen, Plätzen und Straßen, darunter die Highlights der Ebbelwei-Kultur:  Klappergasse, Große und Kleine Rittergasse. Mit rund 300.000 Euro wurden acht der neun Brunnen erneuert, auch sie ein Markenzeichen des Viertels.

 

Sachsenhäuser Brunnenkönigin:

„Seht wie ich sie taufe, ohne mich gäb’s nichts zu saufe“, sprach Brunnenschultheiß Walter Blohm im August 2001, um sogleich den Zunftbrunnen am Affentorplatz mit einem Glas Apfelwein zu Übergießen, den Brunnen zu „weihen“, wie es Blohm nannte. Angeführt vom Ortsdiener und dem Nachtwächter in historischen Gewändern begab sich die Brunnen‑ und Kerbegesellschaft 1953 Sachsenhausen am Samstag auf die traditionelle Brunnenfahrt, Höhepunkt des 511. Sachsenhäuser Brunnenfestes.

Die gekrönten und gewählten Häupter, Brunnenkönigin Annegret I., Bürgermeister Achim Vandreike (SPD) und Brunnenschultheiß Walter Blohm, machten es sich in der Pferdekutsche bequem. Zu Fuß folgten dem Zug durch die in Blau‑Gelb, den Wappenfarben der Sachsenhäuser Ritter, geschmückten Altstadtgassen, die kostümierte Biedermeiergruppe der Brunnen- und Kerbegesellschaft sowie rund 100 Festgäste.

Ob am bereits 1450 erbauten Hirschbrunnen in der Großen Rittergasse, dem Fraa‑Rauscher‑ Brunnen in der Klappergaß oder dem 1958 wieder aufgestellten Affenbrunnen: An jeder Station hieß es nach einem gereimten Loblied auf den jeweiligen Wasserspender: „Und jetzt weihe ich dich mit Apfelwein“. Zum Abschluß der Tour versprach Schultheiß Walter Blohm Kraft seines Amtes „wachsam zu sein, daß unsere Brunnen werden geehrt, daß niemand sie schließt oder verschüttet.“

Aus der bürgerlichen Angelika Degenhardt wird Königin Angelika I. Die 31‑Jährige aus Sachsenhausen wird am kommenden Freitag, 16. August 2002, zur Brunnenkönigin gekürt. Sie löst ihre Vorgängerin Annegret I. ab und wird ein Jahr lang amtieren. Die Krönung bildet den Auftakt des Sachsenhäuser Brunnenfests. Die Brunnen- und Kerbegesellschaft stellte die künftige Regentin am gestrigen Freitag der Öffentlichkeit vor.

Angelika I. wird das erste Mitglied in der knapp 50jährigen Geschichte der Brunnen‑ und Kerbegesellschaft sein, das ihr Haupt mit der Krone schmücken darf. Das verwundert wenig, schließlich dürfen Frauen dem Verein erst seit vier Jahren beitreten. Mit Angelika konnte die Brunnen‑ und Kerbegesellschaft ein waschechtes „Sachsehäuser Mädsche“ verpflichten, die seit Mitte der siebziger Jahre regelmäßig die Brunnenfeste besucht. „In meinen Adern fließen Mainwasser und Ebbelwei“, sagte die künftige Königin. Zur Zeit lebt Angelika gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem vierjährigen Sohn Cedric‑Norman in Gravenbruch.

 

Der „Klaane Sachsehäuser“:

Sieben auf einen Streich waren es zwar nicht. Doch ganze zwei Hasen, mit einer einzigen Ladung Schrot erlegt, sind doch schließlich auch was. Wer diesen kapitalen Schuß getan hätte, wollte der Jagdherr wissen. Die Antwort hieß: „De klaane Sachsehäuser“. Ein großer Name war geboren. Und als dann der „Klaane“ 1866 eine Wirtschaft in Sachsenhausen eröffnete, lag der Name, der an den Blattschuß erinnerte, nahe. Noch heute steht er über einem bilderbuchartigen Anwesen, das angesichts der trostlosen Bumskneipen Alt‑Sachsenhausens noch viel gastlicher wirkt. Und davon kündet, wie schön das alte Viertel eigentlich sein könnte. Durch einen großen Hof geht es hinein ins Reich des Sachsenhäusers. Eine riesige Platane und Markisen halten den hiesigen Sommer ab.

Stiefmütterchen, in Reih und Glied, künden von Frühling. Schließlich ist der amtierende „Klaane Sachsenhäuser“ der dritten Generation gelernter Metzger, aber auch engagierter Hobby‑Gärtner. Das Kollegzimmer ist sehenswert, auch wegen der Originale des Malers Salini, des „Zille von Frankfurt“. Die eigentliche Gaststube ist ein heimelig honigfarbiger Raum, der einen förmlich einlullt. Ein freundlicher Kellner nimmt die Garderobe ab, sichert die Erstversorgung mit Schoppen. Nix stoffelige, ruppige Apfelwein‑Kellner. Im Klaane Sachsehäuser ist halt vieles ein bißchen anders.

Hier läßt jeder den coolen Großstädter vor der Tür und geht auf in der Gästeschar aller Alters‑, Gewichts‑ und sonstigen Kassen. Frühe Gäste sitzen an der Wand und nehmen sich automatisch ein Sitzkissen vom Stapel. Zwischen 19 und 22 Uhr sind dann auch die lehnen­freien Bänke in der Mitte knüllevoll. Jeden Tag.

In den Siebzigern dürfte die letzte Renovierungsrunde übers Lokal gekommen sein. Eine schmiedeeiserne Wanduhr erinnert daran. Ansonsten heißt die Devise: Auffrischen, aber Tradition bewahren. Die robusten Messer mit Plastikgriff bekämen zwar auch das zäheste Fleisch klein. Das ist aber hier kein Thema, denn die Ebbelwei-Cuisine von hausgemachten Würsten bis Tafelspitz, Solber & Co. ‑ ist so tadellos wie der Schoppen im Gerippten mit vorbildlich‑originalen 0,3 Liter Inhalt zu 1,40 Euro. Leeres Glas, bedeutet sofort neuer Schoppen. Auch „tief gespritzten“ serviert der nette Kellner mit dem kecken Ohrring ohne Murren. Bier hingegen gibt es noch nicht mal in Flaschen. Recht so, wo sich der Wirt so viel Mühe gibt, ein rundes, goldfarbenes Stöffche zu keltern.

So kurz der „Klaane“ Namensgeber gewesen sein mag, so lang ist die Speisekarte heute. Denn auch wenn die Küche „eigentlich“ schon kalt bleibt, gibt es noch Rippchen und Handkäs mit und ohne. Angerichtet wird alles, was ein Frankfurter Apfelweinlokal kulinarisch hergibt, in Portionstellern mit drei Fächern, die mancher noch aus vergangenen Kantinentagen her kennen mag: Je ein Fach für Fleisch und Beilagen. Außen kross, innen mürb überzeugt das panierte Schweinskotelette mit Bratkartoffeln und Salat (8,60). Zum gut durchwachsenen Schweinebauch (6,90) gibt's Sauerkraut und buttriges (Tüten‑)Püree. Die Bratkartoffeln sind zwar nur auf einer Seite knusprig gebraten, schmecken aber auch „einseitig“. Nicht zu vergessen, das Jägerschnitzel. Bei dieser Familiengeschichte ein echtes Muß. Klaane Sachsehäuser, Neuer Wall 11, Telefon 61 59 83, geöffnet Montag bis Samstag von 16 bis 24 Uhr.

 

„Zur Buchscheer“.

Im Süden Sachsenhausens liegt die Apfelweinwirtschaft „Zur Buchscheer“. Als Adam Theobald 1876 seine Geschäftsidee verwirklichte und südlich von Frankfurt in der Gemarkung Buchscheer ein Lokal mit eigener Apfelweinkelterei eröffnete, hatte er als Kundschaft keineswegs die Städter im Sinn. Vor 125 Jahren waren es nicht die Ausflügler, die sich auf den Weg machten, um in die Buchscheer einzukehren. Felder, Wälder und Wiesen umrahmten damals die Gastwirtschaft. Feld- und Waldarbeiter gehörten zu den Besuchern. Auch die in der nahe gelegenen Pferdewechselstation rastenden Kutscher tranken dort ihren Ebbelwei. Angeblich soll sogar Napoleon dort die Pferde gewechselt haben. Christian und Robert Theobald bewirten in fünfter Generation das Lokal.

Die Bezeichnung „Buchscheer“ leitet sich ab aus Buche und „Scheer“, auf Mittelhochdeutsch „Mäh- und Weideland“. Gewiß hat sich vieles verändert seit der Gründung der Kelterei und Apfelweinwirtschaft „Zur Buchscheer“. Es wurde um und angebaut. Und nachdem eine Brandbombe 1944 das Gebäude bis auf die Grundmauern zerstöre, eröffnete das Lokal mit der postalischen Adresse Schwarzsteinkautweg 17 erst wieder 1955 die Türen. An die Maxime, ausschließlich Selbstgekelterten zu servieren, halten sich die Nachfahren von Adam Theobald. Etliche Zigtausend Liter Wein lagern im Gewölbekeller und in Kühlräumen hinter dem Lokal in Sachsenhausen.

 

Bornheim:

Die bekanntesten Apfelwein-Viertel sind Sachsenhausen und Bornheim. Ende Juni 1999 starb aber Otto Rumeleit, langjähriger Vorsitzender der Hotel- und Gaststättenvereinigung Frankfurt, Chef der traditionsreichen Bornheimer Eulenburg im Alter von 85 Jahren. Rumeleit, ein streitbarer Mann, zuletzt von schwerer Diabetes gezeichnet, war mit Herz und Seele Gastronom, der sich nicht nur um die Belange der Gastronomen - und hier speziell der Ebbelwei­wirte - kümmerte, sondern auch gegen die seiner Ansicht nach ungerechte Getränkesteuer kämpfte.

Zusammen mit seiner Frau Rosel, die ihm auch in beruflichen Fragen hilfreich zur Seite stand, führte er seine nicht nur bei jungen Leuten beliebte Ebbelweiwirtschaft im „lustigen Dorf“, seit 1852 in Familienbesitz. durch Höhen und Tiefen. In den letzten Jahren allerdings zusammen mit Tochter Margret und Schwiegersohn Dirk sowie dem Enkel Christoph, der in der Küche wirkt. Als Vorsitzender der selbstkelternden Ebbelweiwirte, eine Aufgabe, die er über 25 Jahre mit Verve bewältigte, gründete er auch das „Äpfelweinmuseum“ im Historischen -Museum „Historix“ mit und steuerte zahlreiche Ausstellungsobjekte bei. Er war stets kompetenter Ansprechpartner für Journalisten, der über die Geschichte des „Stöffche“ stundenlang plaudern konnte. Das neudeutsche Wort „Ebbler“ kam ihm nie in den Mund, so wenig wie der „Sieß­gespritz­te“, den Rumeleit verachtete und in seinem Lokal gar nicht erst ausschenkte: „Der gehört aus der Stadt verwiese“, sagte er einmal.

Im Jahre 1967 wurde er zweiter Vorsitzender der Abteilung Schankbetriebe im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Bonn, wobei er über zwei Jahrzehnte lang Mitglied im Steuerausschuß war. Er war auch an der Erstellung der Bausatzung für Alt-Sachsenhausen beteiligt und außerdem maßgebend an der Gestaltung der Vorschriften zur Nutzung von Sommergärten. Rumeleit gründete eine Kasse für in Not geratene Angehörige des Schankgewerbes. In Kreisen der Karnevalisten, und hier speziell der „Laterncher“ war er gern gesehener Gast, wobei er früher auch im Elferrat die Sitzungen der Wirte auf der Bühne mitgestaltete.

 

Apfelweinwirte in Bornheim:

 „Zur Eulenburg“, Eulengasse 46, Mittwoch bis Sonntag ab 16 Uhr, Montag und Dienstag Ruhetag. Im ältesten Teil der Wirtschaft „Eulenburg“ haben die Jahrzehnte an Holztäfelung und Wänden ihre Spuren hinterlassen haben. Echte Bernemer sitzen neben Eigeplackten, dicht an dicht. Alteingesessene sagen, bei der „Sonne“ und beim „Solzer“ wären mehr junge Leute, da müßte man unbedingt noch hin. Draußen kann man den Brezelmann treffen. Sein Korb ist leer, alles verkauft.

„Zur Sonne“, Bergerstraße 312, Sonn- und Feiertags 15 bis 23 Uhr, täglich 16 bis 23 Uhr.

Die „Sonne“ liegt direkt neben dem barocken Fachwerk-Rathaus Bornheims aus der Zeit vor der Eingemeindung im Jahr 1877. Über den Hof geht es hinein ins Fachwerkhaus, einst eine der vielen Heckenwirtschaften. Urgemütlich ist es: Im Gastraum neben der Theke ein grüner Kachelofen, die Wände voller Zeichnungen und Gemälden Frankfurter Künstler, auf Regalen unter der niedrigen Decke Bembel über Bembel. Sofort fällt uns auf:  Außer Apfelwein wird Bier gezapft - ein Stilbruch.

Apfelwein Solzer, Bergerstraße 260, Montag bis Samstag ab 16 Uhr, sonntag Ruhetag.

Echter als bei „Solzer“ geht es nicht: die Wände halbhoch mit Holz getäfelt, darüber eine lange Hakenleiste, alte Fotos, ein paar Gemälde - alles mit ordentlich Patina. Der Kanonenofen steht noch da, allerdings außer Betrieb.

„Zum Blauen Bock“, Saalburgstraße 36, Dienstag bis Freitag ab 16 Uhr, Samstag/Sonntag ab 17 Uhr, Montag Ruhetag.

 

Bergen-Enkheim:

Streuobstwiesen:

Im Mai 2000 wurde auf Initiative des Obst- und Gartenbauvereins ein Streuobstwiesenschild gegenüber der Berger Warte enthüllt werden. Doch es kamen erstaunlicherweise zahlreiche Interessenten nicht nur aus Frankfurts schönstem Stadtteil, sondern auch aus Maintal und der weiteren Umgebung. Die feierliche Zeremonie am Berger Hang leiteten die Bergen-Enkheimer Blechbläser musikalisch ein. Dann ergriff Barbara Fiselius das Wort. In ihrer Rede erinnerte sie daran, daß die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz vor über 15 Jahren in Maintal und wenig später in Bergen-Enkheim aufrief, den Wert und die Bedeutung der Streuobstwiesen deutlich zu machen. Die Notwendigkeit war damals nur bei wenigen bekannt.

Doch das ist heute anders geworden. Mit Hilfe von Sponsoren verstärkte sich in den letzten Jahren das Engagement für die Streuobstwiesen immer mehr. Deshalb bedankte sich Barbara Fiselius vom Landschaftspflegeverband namentlich bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und bei der Flughafen AG für die finanzielle Unterstützung. Ohne diese Anschubfinanzierungen der beiden Partner, und ohne das Engagement der Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, so unterstrich anschließend auch Gerhard Weinrich, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Bergen-Enkheim, wären die heutigen Ergebnisse nicht erreichbar gewesen. Der Obst- und Gartenbauverein führte zahlreiche Gespräche mit den Grundstückseigentümern. Viele von ihnen erklärten, daß es ihnen egal sei, was da am Berger Hang geschehe, manche wüßten nicht einmal, wo ihr Grundstück liegt. So wurden inzwischen 3.500 Bäume auf den Streuobstwiesen am Berger Hang geschnitten und Verträge über die Unternutzung abgeschlossen. Auch viele junge Bäume gesetzt, die es jetzt gilt, weiter zu pflegen.

Um die Öffentlichkeit weiter für das Thema Streuobstwiesen zu sensibilisieren, stellte jetzt der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig und der Obst- und Gartenbauverein zwei große Hinweisschilder auf, die die Ökologie der Streuobstwiesen erläutern und auf die notwendigen Aktivitäten hinweisen. Das erste Schild steht in der Gemarkung von Hochstadt, das zweite nun wurde am Samstag hinter dem Parkplatz gegenüber der Berger Warte enthüllt. Welch wertvolle Kulturlandschaft die Streuobstwiesen darstellen, unterstrich bei dieser Veranstaltung auch Dr. Christof Schenck von der Zoologischen Gesellschaft. Gerade das Gebiet um Bergen-Enkheim und Maintal gehört mit 240 Hektar zum größten zusammenhängenden Streuobstwiesengebiet in Hessen. Neben Apfel-, Zwetschgen-, Kirsch- und Birnbäumen stehen hier noch eine ganze Reihe von Speierlings- und Mispelbäumen, zwei sehr selten gewordene Baumarten.

Zu guter letzt erzählte in humorvoller An und Weise Karl Heinz Stier, der bekannte Moderator des Hessischen Rundfunks, wie gesund Äpfel sind und was man alles damit machen kann. Dann lud Gerhard Weinrich die Besucher ein, auf einem Ackerwagen Platz zu nehmen und sich ein Stück über den Berger Hang kutschieren zu lassen. An einem ausgesuchten Rastplatz gab es noch aus heimischen Äpfeln hergestellten Apfelwein, Wurst und Brot. Und dies alles verdanken wir der Natur.

Wer am ersten Mittwoch im Monat abends an der Krähhütt, einer Jagdhütte mitten in den Streuobstwiesen, vorbeikommt, der kann heimlich lauschen, wie die Jagdpächter ihr Halali auf dem Jagdhorn proben. Empfehlenswert ist auch der Lehrpfad Streuobstwiesen am Bergen-Enkheimer Fritz-Schubert-Ring.

 

Museum:

Im Museum in Bergen wurde schon 1979 eine volkskundliche Abteilung des Heimatmuseums im Keller des alten Rathauses eröffnet. Seit zwei Jahrzehnten hatte sich die Arbeitsgemeinschaft Heimatmuseum Bergen-Enkheim e. V. bemüht. Werkzeuge und Geräte aus alter Zeit zu sammeln und zu erhalten. Der geräumige Weinkeller des alten Rathauses aus der Zeit um 1300, der schließlich von 1934 an als Heizungskeller und während des Krieges teilweise auch als Luftschutzraum benutzt wurde, konnte in mehrjähriger Arbeit zu einem volkskundlichen Museum ausgebaut werden. An vielen, kaum noch bekannten Geräten kann man dort die soziale Umschichtung und die Änderungen bei den Erwerbsmöglichkeiten der Einwohner Bergen-Enkheims erkennen.

Vier Abteilungen sind entstanden: „Tausend Jahre Weinbau am Berger Hang“, „Vierhundert Jahre Ebbelwei aus Bergen und Enkheim“, „Als Bergen-Enkheim noch ein Bauerndorf war“ und „Vom Lein zum Leinen“ (Die Flachsverarbeitung).

Wenn man die letzte Stufe der Kellertreppe verlassen hat, sieht man gleich links ein großes Weinfaß mit einem Fassungsvermögen von 1.200 Litern. Aufgesetzt ist eine alte Weinpumpe mit Lederbalg. Darüber hängt ein Spritzgerät zur Schädlingsvernichtung. Eine Vitrine birgt das kostbare „Vollständige Gewand- und Laagerbuch über die Weinberge in Bergen“ aus dem Jahre 1724, in dem 596 Morgen Weinberge verzeichnet sind. Auch die zahlreichen Erbteilungen und Besitzerwechsel sind dort eingetragen. Steuerbescheide an die Winzer und Aufstellungen der 37 am Berger Hang angebauten Weinsorten liegen daneben. Ein altes Weinglas mit schwacher Riffelung steht dort im Vergleich zu den späteren Apfelweingläsern.

Eine weitere Vitrine enthält allerlei Kleingerät aus der Weinbergzeit, darunter zwei Klappern zur Schadvogelbekämpfung; eine trägt deutlich sichtbar die Jahreszahl „1777“. Rebmesser, Haumesser und Rebscheren vervollständigen diese Sammlung. An der Wand hängen drei Butten zum Herabtragen der geernteten Trauben. Daneben sieht man zwei Stöcke mit Querhölzern zum Abstützen der schweren Butten. Man nannte sie „Reul“. Nach den eingeschnittenen Jahreszahlen sind sie älter als 200 Jahre.

An große Handbohrer erinnern die beiden „Geißfüße“. Die Winzer benutzten sie einst, um bewurzelte Rebstücke in Pflanzlöcher zu schieben, die man mit Eisenstäben in den harten Kalkboden geschlagen hatte.

An einem Rebpfahl ist ein grünender Weinstock mit Baststreifen und gespaltenen Weidenzweigen befestigt, Ein moselanischer Winzermeister hat die tragenden Reben in der Originalform zu zwei kunstvollen Bögen angebunden.

Die beiden bäuerlichen Keltern aus Bergen und aus Enkheim stammen aus den Jahren 1860 und 1870. Interessant sind die ganz unterschiedlich eingebauten Spindeln und ein eingepaßtes Sieb aus Eichenholz. Unter den Ausflüssen der Keltern stehen dreiseitige „Trichter“ aus Holz, die man mit einem Stopfen verschließen konnte. Dort sammelte sich der Traubensaft, wenn die vierkantigen Preßbalken die Maische nach unten drückten. Eine gewaltige Kelter mit einem Fassungsvermögen von einem Fuder (1.000 Liter) aus der Zeit zwischen 1900 und 1910, später modernisiert mit einem Glycerin-Druckwerk, schließt die Abteilung „Tausend Jahre Weinbau“ ab.

Im Museumskeller sind drei Apfelmühlen ausgestellt, von denen eine mit Steinwalzen, die beiden anderen aber mit gußeisernen Preßwalzen ausgerüstet sind. Daneben stehen drei Apfelweinkeltern mit funktionsfähigem Druckwerk; eine Kelter hat noch einen ungefügen Holzuntersatz aus der Zeit vor 1900. Darüber hängt ein durchlöchertes Brett oder „Bord“ mit Spunden und Hähnen. Ein geflochtener Korb zur Aufnahme von Kleingerät, eine Kapselmaschine und drei kleine Keltern zur Herstellung von Beerenobstweinen runden diese Sammlung ab.

In einer Vitrine werden die „Oechslewaage“ zur Feststellung des Mostgewichtes, ein „Alkoholmeter“ und eine „Kitzinger Weinwaage“ gezeigt und erklärt. Daneben stehen Gärtrichter, Bembel und Gläser. Ein interessantes Stück ist ein gedrechselter Deckel für ein Apfelweinglas mit einer Porzellaneinlage. In der Mitte sieht man den doppelköpfigen Adler des Deutschen Bundes (1815 - 1866), dessen Herzstück die Farben schwarz-rot-gold trägt. Die Umschrift lautet: „Deutsches Schuetzenfest zu Frankfurt im Juli 1862“.

Auch die Leuchter mit Kerzen aus Bienenwachs wurden nicht vergessen. Sie zeigten dem Kellermeister durch ein Nachlassen der Leuchtkraft an, wenn der Kohlendioxydgehalt der Luft durch die Gärungsgase lebensbedrohend wurde.

An die segensreiche Tätigkeit des Obst- und Gartenbauvereins Enkheim 1899, der an der Entwicklung unseres Ortes zur bedeutendsten Obstbaugemeinde im alten Landkreise Hanau großen Anteil hatte, erinnern Diplome. Bilder und ein „Monos-Brikett-Heizofen“, als man in der „Erzeugungsschlacht“ vor dem Zweiten Weltkriege die Obstbaumblüten vor Nachtfrösten schützen wollte.

An der hinteren Stirnwand des Kellers ist der Prospekt (Vorderteil eines riesigen Apfelweinfasses) befestigt. Es hatte ein Fassungsvermögen von 2.200 Litern und war so groß, daß man es unterlegt nicht aus dem Keller einer hiesigen Kelterei herausbekommen hätte, und auch durch den recht ausladenden Kellerhals im Rathaus konnte man es nicht hindurchbringen. Ein Seihbeutel, eine Apfelweinpumpe und zwei Kopfstücke von Prunkfässern mit Schnitzereien runden diese Ausstellung ab.

An die kleinen Apfelweinwirtschaften erinnern zwei alte Bänke ohne Lehnen und ein dazu passender Tisch. auf dem ein eiserner „Faulenzer“ mit einem Bembel und ein Porzellangefäß mit gerillter Reibfläche für Schwefelhölzer befestigt sind. Dort kann also zu gegebener Zeit ein guter Schoppen in stilvoller Umgebung getrunken werden!

 

Schützenhof:

In Bergen-Enkheim und Umgebung existierten vor dem Krieg zwölf Apfelwein-Wirtschaften. Heute hält Wilhelm Bender Besitzer des „Schützenhofes“ die letzte Bastion, die früher oder später aber auch zu fallen droht. Bender: „Die Arbeit ist schwer und schmutzig. Die wenigsten jungen Leute wollen sich darauf einlassen.“ Da weiß man einmal nicht, wohin mit dem vielen Obst, ein anderes Mal nicht, woher man’s kriegen soll. Freilich - über eine Ernte wie im vergangenen Herbst, die an Kargheit alles in den letzten 25 Jahren Dagewesene untertraf, kann er heute nicht klagen. „Aber Probleme gibt es eben immer.“

Seit 1890 wird in der Gaststätte der Apfelmost selbst vergoren. Riesige Eichenfässer mit einem Fassungsvermögen von 1.200 und 2.400 Liter schmücken die dunklen Gewölbe. Während heute im industriellen Bereich fast ausschließlich Stahltanks genutzt werden, ist Bender auf seine traditionelle Arbeitsweise besonders stolz. Auch wenn die Pflege der Holzfässer ohne chemische Zusätze sehr aufwendig ist. zahle sich diese Form der Gärung geschmacklich aus, so Bender. „Früher konnten wir im Herbst 7.000 bis 8.000 Liter Most am Tag herstellen, heute werden diese Mengen nicht mehr an die Frau und den Mann gebracht“, trauerte der Gastwirt.

„Heute gibt es kaum noch Küfer. Wir keltern den Ebbelwei in über einhundert Jahre alten Eichenholzfässern. Ebbelwei ist empfindlicher als Wein, hat auch nur fünf bis sechs Prozent Alkohol. Die Säure macht ihn haltbar. Wir nehmen Obst aus Bergen-Enkheim und Oberhessen, weil wir in den Jahren schlechter Ernten mit Äpfeln vom Bodensee, aus Dänemark, Holland oder dem Alten Land keine guten Erfahrungen gemacht haben“. Der alte Fuchs Bender kennt die Kniffe: Der Speierling muß unreif, die Apfel müssen aber reif sein. Die Großkeltereien fangen zu früh an, der Vorgang ist nicht mehr natürlich.“  „Und Speierling, Mispel und Quitten nicht vergessen, die bringen erst den guten Geschmack“, meint der Schützenhof-Wirt. Dann wies er noch auf ein Problem hin, was ihm am Herzen liegt. „Man kann nicht nur Bäume am Berger Hang pflanzen, sondern man muß sie auch wässern und pflegen, sonst hat die Sache keinen Sinn!“

           

Apfelweinkönigin:

Der Frankfurter Stadtteil hat eine eigene Apfelweinkönigin. Die 26. Apfelweinkönigin Natalie I. fühlte sich nach ihrem ersten offiziellen Auftritt geschafft: Beim Sommernachtsfest des Kleingärtnervereins Bergen-Enkheim stellte sich die zukünftige Apfelweinkönigin der Öffentlichkeit vor. Am 2. September wird die 19jährige gekrönt. Über siebzig Auftritte stehen der Königin dann bevor, die mit bürgerlichem Namen Natalie Hofmann heißt. „Es war schon immer mein Traum, Apfelweinkönigin zu werden“, schwärmt das „echte Berjener Mädsche“. Sie muß den ehrenamtlichen Posten nun mit ihrer Lehre als Reiseverkehrskauffrau in Einklang bringen. „Mein Motto ist, den Apfelwein und die Produkte des Apfels in Frankfurt, Hessen und bundesweit würdig zu vertreten.“ Dafür macht die 26. Apfelweinkönigin bis zum September fleißig Sprechtraining und übt ihr Auftreten.

Zur 28. Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin hat der Verkehrsverein im Jahre 2002 Sylvia Weil gekürt. Am 31. August 2002 wird die 38j-Jährige beim Berger Markt inthronisiert. Die Mutter von zwei Kindern (elf und 15 Jahre) darf sich dann Sylvia I. nennen. Sylvia Weil wurde im pfälzischen Freisach geboren und kam im Alter von zehn Jahren nach Frankfurt. Die gelernte Arzthelferin und jetzige Fachverkäuferin im Familienbetrieb ist tief im Bergen‑ Enkheimer Vereinsleben verwurzelt. So bekleidet sie das Amt des stellvertretenden Präsidenten des Elferrates im Karnevalverein 1899 Enkheim. Auf Sylvia I. warten von September an in ihrer einjährigen Regentschaft rund 100 Auftritte bei Festen, auf denen sie Frankfurt, den Stadtteil und das Traditionsgetränk Ebbelwei weit über das Rhein‑Main‑Gebiet hinaus repräsentiert.

 

Seckbach

Ebbelwei-Wirtschaften - die ältesten haben mehr als 200 Jahre auf dem Buckel wie der „Schwan“ in Frankfurt-Seckbach - verströmen einen besonderen urigen Charme. Das Innere eines solchen Lokals ist meist schlicht und robust und der Service schnell, denn die Kellner gehen mit einer mehrere Schoppen fassenden Stiege von Tisch zu Tisch. „Der Ton ist dabei zuweilen ein wenig rauh, zeugt aber von goldigen Herzen,“ meint Willy Berger, einer der verbliebenen 76 selbstkelternden Apfelweinwirte. Er schwört darauf, daß man hier die Frankfurter Seele am besten kennenlernen kann.

 

Nieder-Erlenbach

Die Eltern von Andreas Schneider gründeten 1965 im Frankfurter Stadtrand-Stadtteil Nieder-Erlenbach einen Obsthof, den er 1994 auf Bio umstellte. Schneider keltert die Apfelweine

und kultiviert fast vergessene Apfelsorten mit Namen wie Verszeilen: Bohnapfel und Gewürzluike, Weiße Winterkalvill, Rote Stern- und Ananas-Renette. Er veredelt seine Erzeugnisse nicht nur mit dem traditionellen Speierling, der gerbstoffreichen Frucht des gleichnamigen Baumes aus der Familie der Rosengewächse, sondern auch mit dessen Verwandter, der Mispel, experimentiert mit Quitte, Birne und Akazienhonig. Er steht mit dem Refraktometer am Edelstahltank und misst die Öchsle-Grade. Seine jährlich rund 50 Apfelweine benennt und beschreibt Schneider wie ein Winzer: Heuchelheimer Schneeapfel, 5,5 Volumenprozente, halbtrocken, duftig zart und fruchtig leicht. Goldparmäne „Alte Bäume“, 6,5 Prozent, fast trocken, nussig und mild. Der Flaschenpreis kann zweistellig werden.

Gut 200 Liter „Süßen“ hat Andreas Schneider im Jahr 2000 auf seinem ökologischen Obsthof in Nieder- Erlenbach gekeltert. Daß der leckere Saft in diesem Jahr schon zwei Wochen früher ins Glas kommt als sonst, liegt am vielen Regen, sagt der Apfelkenner. So konnten bereits die Sorten James Grieve, Summer Red, Geheimrat von Oldenburg und Alkmene zum Süßen verarbeitet werden. Anders als Saft nämlich wird dieser nicht erhitzt und behält deshalb fast alle gesunden Bestandteile. Noch bis Ende September - dem Ende der Saison - bietet die Familie Schneider den Süßen ihren Gästen an. Und wer es flüssig nicht mag, der kann im hofeigenen Laden natürlich auch in den süßen Apfel beißen                 

 

Das Apfelblütenfest auf dem Obsthof Schneider am Steinberg in Nieder-Erlenbach fand 2001 nicht mehr statt. Die örtlichen Gegebenheiten ließen eine Durchführung des Festes bei enorm angestiegenen Besucherzahlen nicht mehr zu, wie Inhaber Andreas Schneider erklärte. Doch auch künftig kann man die Seele inmitten von Apfelbäumen baumeln lassen, auf Taunus und Frankfurter Skyline schauen und einen guten Schoppen trinken. Bis zu 30 verschiedene Apfelweine gibt es, ihren individuellen Geschmack erhalten sie durch Quitte, Mispel, Schlehe, Mostbirne, Champagner Bratbirne, Speierling. Die Zutaten entstammen kontrolliert biologischem Anbau, ebenso wie die Speisen. Auch auf der Getränkekarte: Früchtebowle, Apfelschaumweine, Edelobstbrände und hausgemachter Apfelsaft. Geöffnet ist die Schoppenwirtschaft am Wochenende und feiertags von 15 bis 22 Uhr. Der Hofladen ist werktags von 16 bis 18.30 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet, bis Dezember wochentags, 9 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr.

 

Hausherr Andreas Schneider fragt im Jahr 2002 neue Kanisterkunden zuerst nach den Vorlieben bei Wein. Prosecco‑Liebhabern etwa dürfte die leicht moussierende Sternrenette munden. Oder Apfel‑Perlwein wie der 1999er Boskoop mit Champagner Bratbirne. Für Freunde herberer Sorten füllt Schneider das pfandwerte Kanisterchen mit Schöppchen, in denen Mispel, Speierling, Eberesche oder auch Kastanienhonig das Aroma bereichern. Der Kanister schüttelt sich. Uns schmeckt es.

Ob sortenreine Edeläppler, im Barrique‑Eichenfässchen ausgebaut, oder der vergleichsweise Ordinäre (und günstigere) Hausschoppen: Ökologisch angebaut sind alle Äpfel auf dem jüngst mit einem Preis der Bundesregierung gekrönten Obsthof

Am Steinberg. Pestizide sind tabu, gedüngt wird mit Pferdemist, Pflanzengrün oder Kompost, zum Beispiel dem Trester aus der eigenen Kelterei. Gegen gefräßige Vögel und Nager haben sich Andreas und Tatjana Schneider Hilfe engagiert: Falken brüten unter dem Dach des Obsthofes, jagen von eigens aufgestellten Sitzstangen aus das lästige Kleinvieh. Das vergriffe sich ohne geflügelte Patrouille auch an den ebenfalls ökologischen Him‑, Stachel‑, Johannis‑ und Erdbeeren, die es während der Saison zum Selbstpflücken gibt. Die Erdbeeren werden in knapp zwei Wochen so weit sein; im Hofladen, der Kanister‑Pilgerstätte, sind sie bereits erhältlich, aber schnell nach Ladenöffnung vergriffen.

Unbegrenzt reicht in der Schoppenwirtschaft der flüssige Vorrat. Der Jungwein der Saison 2001 ist gerade so weit, daß er bei Proben auf den Tisch kommt. Dazu erzählt der Hausherr, was er anbaut, wie er keltert und warum bei Großkeltereien kein Speierling drin ist, wo Speierling draufsteht. Das gute Dutzend dazu gereichter Proben schmeckt denn auch durchweg so viel besser als die Massenware, daß man auf die keinen Bock mehr hat ‑ weder blau noch sonstwie. Apropos blau: Wer nach der Probe noch fahren muß, sollte darauf achten, daß nur der Kanister voll ist, nicht der Kanisterträger.

Obsthof Am Steinberg, Am Steinberg 24, 60437 Frankfurt-Nieder‑Erlenbach. An vielen Wochenenden und Feiertagen sind Kunsthandwerker und Musikgruppen zu Gast, das nächste Mal an Fronleichnam, 30. Mai, zum Kindertag mit Wolle und Klezmermusik. Apfelweinproben lassen sich unter Telefon 06101/41522 organisieren.

 

Sossenheim:

Heinz-Ludwig Beckmann muß es wissen. Vor nunmehr 43 Jahren ist er in den gastronomischen Betrieb des Schwiegervaters eingestiegen. Jahr um Jahr hat er mehr über die Kunst der Apfelwein-Kelterei gelernt. „Des geht net so von heut’ auf morje.“ Schon gar nicht, wenn man den Anspruch hat, ein Naturprodukt zu erzeugen. Er ist einer der wenigen Frankfurter Apfelwein-Wirte in Sossenheim, die noch ihr eigenes „Stöffche“ fabrizieren, sozusagen vom Baum in den Bembel. Weder filtert er den in der eigenen Presse gewonnenen Apfelsaft noch setzt er ihm Hefe zu, um den Gärprozeß zu beschleunigen, noch bedarf es hernach der Beimengung von Schwefel, um das Stöffche haltbarer zu machen.

Beckmanns besonderes Stöffche-Geheimnis findet sich im Keller. Tief drunten unter der Gaststube arbeitet sich der Süßmost in uralten Eichenfässern seiner Trinkbarkeit entgegen. „Ich bin ein Liebhaber dieser Fässer“, bekennt der Wirt inmitten seiner konstant 13 Grad Raumtemperatur aufweisenden „zweiten Wohnstubb“. 17 Jahre lang hat er bei jeder sich bietenden Gelegenheit einem Küfer über die Schulter geschaut. Längst weiß er selbst professionell Hand anzulegen, wenn ein Faß leckt, sich eine Daube löst oder ein neuer Eisenring aufgezogen werden muß. Was droben in der Stube ausgeschenkt wird, ist kein Einheits- Ebbelwei. Denn kein Faßinhalt schmeckt wie der andere. Die verwöhnten Stammkunden des Sossenheimer Apfelweinwirts wissen das längst. Schmecke denen mal ein Schoppen zu streng, berichtet der 65-Jährige amüsiert, ließen sie sich zwei Wochen nicht blicken. „Wenn sie dann wiederkommen, wissen sie, daß ein neues Faß dran ist.“