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Apfelwein III

 

 

Wetterau

 

Allgemein

Städtische Obstplantagen sind zwar noch ausreichend vorhanden, die Nachfrage nach den Früchten ist jedoch stetig zurückgegangen, wird in den Rathäusern berichtet. Nur die Liegenschaftsämter in Friedberg, Karben und Limeshain organisieren 2001 noch Versteigerungen. Die Karbener beginnen ihre Versteigerungen am Samstag, 15. September, um 10.30 Uhr an der Naturfreundehütte in Okarben. Um 11.30 Uhr ist der Treffpunkt oberhalb des Reitplatzes in Groß‑Karben und um 12.15 Uhr am Friedhof in Klein-Karben.

In Friedberg startet die Verkaufsaktion am Freitag, 21. September, um 8 Uhr an der oberen Promenade Ecke Neutorgasse (Seewiese). Die über 250 Bäume im Stadtgebiet tragen Äpfel, Zwetschgen, Birnen und Walnüsse. Mindestens müssen fünf Mark geboten werden. In Limeshain geht es am Donnerstag, 20. September, um 17.30 Uhr zur Versteigerung der 40 Bäume. Treffpunkt ist die Gemeindeverwaltung am Zentrum 2.

Wer in Florstadt, Echzell, Rosbach, Bad Nauheim oder Hirzenhain Obst pflücken will, muß sich direkt bei den Verwaltungen melden. In Florstadt dürfen maximal jeweils drei der über 50 Zwetschgen‑ und Apfelbaume von einer Person geerntet werden. Ansprechpartner ist hier Adolf Urban Tel. 06035/969922. In Echzell weiß Brigitte Schröder (Tel. 06008/91200) Bescheid. Sie bestimmt den Preis nach dem Baumertrag.

Ähnlich ist der Ablauf in Bad Nauheim. Die Gebühr für einen der über hundert städtischen Apfel‑ und Zwetschgenbäume schwankt zwischen zwei und acht Mark. Interessenten melden sich bei Christina Klaub Tel. 06032/343355. Die Erlaubnis zum Pflücken der über 25 Bäume auf Rosbacher Stadtgebiet erteilt Sigrid Egerer (Tel. 06003/82215). Bei ihr kostet ein fruchtreicher Baum 20 Mark. An den zehn Bäumen in Hirzenhain hängen nur noch wenige Äpfel und Zwetschgen. Ein Baum kostet etwa fünf Mark. Gemeindediener Willi Dinges (Tel. 06045/7368) kassiert. Nur in Altenstadt wird langfristig geplant. Die mehreren hundert Zwetschgen‑, Kirschen‑ und Äpfelbäume werden für mindestens sieben Jahre verpachtet. Durch eine langfristige Bindung soll eine Baumpflege gesichert werden, begründet Sabine Schubert (Tel. 06047/80000).

 

Zum achten Mal gibt es am kommenden Wochenende, 1. und 2. September 2001, im mittelhessischen Laubach „Blues, Schmus & Apfelmus“. Zu dem Bluesfestival sind 20 Bands in dem romantischen Park rund um das Laubacher Grafenschloß geladen, es gibt Geschichten in hessischer Mundart und Wissenswertes sowie kulinarische Spezialitäten rund um Hessens Nationalgetränk Apfelwein.

„Immer, wenn die Äpfel reifen, kommt der Blues nach Laubach.“ So lautet das Motto des dreitägigen Festivals, und deshalb wird in Laubach traditionell nicht nur Musikalisches, sondern auch Kulinarisches geboten.

Dabei dreht sich alles um den Äpfel ‑ nicht nur in Form des Äppelwois. Aktionen, Ausstellungen und Gespräche zum Thema Apfel und Streuobstwiesen finden im Rahmen des Festivals statt. An mehr als 30 Marktständen gibt es zudem alles vom Apfel, ob Apfelkuchen, frischgepreßten Most, Apfelessig, Apfelschnaps oder andere Spezialitäten.

Unter den jahrhundertealten Bäumen des Parks spielt vor den erwarteten mehr als 10.000 Besuchern die Bluesmusik in allen Varianten. Das Programm beginnt am Freitag, 31. August, um 20 Uhr mit dem Auftritt von Lousiana Red. Der Südstaaten‑Amerikaner, der heute in London lebt, gehört seit Jahren zu den bekanntesten Vertretern der internationalen Blues‑Szene. Insgesamt 20 Bands spielen in Laubach von Freitag bis Sonntag auf drei Bühnen, darunter die Gruppen Memphis 55, Houtin the Blues, Ihsekes Bluesgang, Steppin out Blues oder ganz im Hessischen verwurzelt die Rhöner Sauwänzt.

Im Mundartzelt gibt es parallel dazu hessische Musik, Geschichten und Gedichte. „Wais froiher woar“  erzählen die Mundartexperten Emil Winter und Jürgen Piwowar. Satire und Melancholie versprechen die Frankfurter Rainer Weisbecker und Mario Gesiarz mit ihrem Programm „Stoltze meets the Blues“, in dem Alt‑ Frankfurt und Mainhatten aufeinandertreffen. Höhepunkt im Mundartzelt ist der Auftritt der mittelhessischen Gesangsgruppe „Kork“ am Samstagabend, die Hessisch in Perfektion und Lebensweisheiten vom Lande bieten will.

Die Raupe Schmatz, der Kauz Äpfli und die Maus Flitz sind die Hauptdarsteller im Apfeltheater der Kelterei Heil, das Samstag und Sonntag auf dem Kinderareal von der Bedeutung der Streuobstwiesen erzählt. Die Kleinen können außerdem Ziegen streicheln, beim Schafscheren zuschauen, auf den Ponys reiten oder sich von Clowns und Zauberern unterhalten lassen.

Die passende Andacht zum Bluesfestival steht für Sonntag morgen auf dem Programm. Um 10 Uhr lädt die evangelische Kirchengemeinde zum Blues‑Gottesdienst in die Stadtkirche ein. Mit dabei sind diesmal der Gospel‑Train der Landeskirche, der zum Festival Station in Laubach macht und die Band Move.

 

Butzbach

Der BUND lädt zum Apfelfest auf den Marktplatz ein. Dort kann man frisch gekelterten Saft probieren, ferner Apfelwein und -essig, Apfelgelee und Apfelpfannkuchen.

 

Nidda

Die ersten von 250 Wildäpfel ­und ‑birnbäumen hat im März 1999 Erster Kreis­beigeordneter und Naturschutzdezernent Rainer Schwarz (CDU) im Bereich des Forstamtes Nidda gepflanzt. Die garan­tiert sortenreinen Bäume stammen von der Hessischen Landesanstalt für Forst­einrichtungen, Waldforschung und Wald­ökologie in Hannoversch‑Münden, die sich seit 1987 um den Erhalt und die Förde­rung von Wildäpfeln und ‑birnen in Hessen bemüht.

In einem Sonderprogramm werden die Altbäume im Land gesucht und anhand äußerer Merkmale überprüft. Bisher wur­den in Hessen 64 Wildapfelbäume und 68 Wildbirnbäume entdeckt. Die Wildobst­bäume überleben nur noch dort, wo der Lebensraum nicht wirtschaftlich genutzt wird und sie konkurrierenden Baumarten überlegen sind. Das sind in der Regel Waldränder und sonnige und trockene Standorte. Die einzelstehenden Altbäume können wegen des Polleneintrages von Kultursorten nicht über Saatgut ver­mehrt werden. Deshalb werden die Bäu­me von der Landesanstalt für Forstein­richtung, Waldforschung und Waldökolo­gie durch Pfropflinge und Stecklinge un­geschlechtlich vermehrt. Die Landesan­stalt hat vier Erhaltungsplantagen in Hessen angelegt, in denen die Bäume wie­der auf natürliche Weise Nachkommen produzieren sollen.

Im Wetteraukreis sollen die nachgezüchteten 250 sortenreinen Wildäpfel­ und ‑birnbäume unter der Obhut der Forstämter Nidda und Butzbach sowie in den Gemarkungen der Städte Karben und Ortenberg und den Gemeinden Alten­stadt, Florstadt, Reichelsheim, Wöllstadt und Wölfersheim Wurzeln schlagen. Die jeweiligen Naturschutzgruppen beteiligen sich an der Pflanzung und Pflege.              

 

Äpfel so, groß wie ein Fußball! Welcher Gartenbesitzer träumt nicht davon. Angeboten wird dieser Riesenapfel von der Firma Fenzl, Weinbergstraße 22, 93413 Cham. Bis zu zwei Kilogramm schwer können diese Äpfel der Sorte Manga Super werden. Entdeckt durch Zufalls­mutation 1934, wird diese Sorte seit 32 Jahren in Deutschland ange­boten. Der Apfel ist festfleischig, bestens lagerbar und bekommt we­der Schorf noch Mehltau. Den kos­tenlosen 54‑seitigen Farbkatalog AZ mit vielen uralten Sorten gibt es gratis (Tel. 09971/1558, Fax: 09971/9187; im Internet unter: www.obstbaeume,de).

 

Obstbäume zum Abernten kann man ersteigern bei der Auktion am Ober-Widdersheimer Sportplatz. Um 9.30 Uhr treffen sich die Interessenten einer weiteren Versteigerung am Kindergarten Stehfelder Weg. Um 13.30 Uhr ist außerdem eine Versteigerung an der Gärtnerei Ernst in Wallernhausen vorgesehen. In Ulfa sind ebenfalls noch Äpfel von städtischen Bäumen zu haben. Den Kontakt stellt Ortsvorsteher Erwin Ziemer her. Erreichbar ist er unter Tel  06043/6521.

 

Bad Nauheim

Frisch vom Baum schmecken sie am besten: Äpfel sind gesund und vielseitig. Rund um den Apfel und die Obstwiesen geht es denn auch am Samstag und Sonntag, 13. und 14. Oktober 2001, im Steinfurther Rosensaal in einer gemeinsamen Veranstaltung von Stadt und Naturschutzgruppe. Eröffnet wird das Apfel‑Wochenende am Samstag um 14 Uhr mit einer Obstsortenschau (Sonntag bereits ab 11 Uhr). Interessierte haben Gelegenheit, mit einem Pomologen an einer Obstsortenbestimmung teilzunehmen (drei Äpfel mitbringen).

Neben Informationen rund um den Lebensraum Obstwiese (mit Diaschau) werden an beiden Tagen Apfelprodukte wie Marmeladen, Obstbrände und Apfelweine vorgestellt. Otmar Ruß zeigt, wie Dörrobst selbst herzustellen ist. Darüber hinaus gibt es Bücher zum Thema sowie Kunst und Kunsthandwerk. Gezeigt werden unter anderem Naturaquarelle von Reinhard Marquardt, Leiter der Frauenwaldschule. Die Grundschule aus dem Stadtteil Nieder‑Mörlen, das Naturschutzzentrum Wetzlar, der Landschaftspflegeverband „Naturschutzfonds Wetterau“ sowie der Trägerverein Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute im Wetteraukreis und Erzeuger von Apfelprodukten sind an beiden Veranstaltungstagen dabei.        

 

Zankäpfel schmecken bitter. Diese Erfahrung macht Gisela Stamm, Pächterin verschiedener Streuobstwiesen in Rödgen, alljährlich zur Erntezeit. Die Betreiberin des Reiterhofes „Sonnenhof“ am Ortsrand des Bad Nauheimer Stadtteils Rödgen ist seit 1994 bemüht, die von ihr als Weideland für die zwölf eigenen Islandponys und die vier Pflegepferde gepachteten Streuobstwiesen zu hegen und zu pflegen.

Aber immer wenn Früchte reif werden, rechnen die Stamms mit ungebetenen Gästen, die nachts „wer weiß, woher“ kämen und das Obst von den Bäumen schüttelten. Da werde kaum Rücksicht auf die Bäume genommen, geschweige denn auf die Isländer. „Uns wurden schon mehrmals die Zäune niedergerissen, nur um an die Früchte zu kommen“, ärgert sich die 42‑ Jährige, die morgens schon aus diesem Grunde ihre Pferde in der Umgebung zusammensuchen mußte. Besonders schlimm sei der „Apfelklau“ wenn die Marktpreise fürs Kilogramm hoch seien. Dann rücken die Leute mit Waschkörben an und pflücken zum Entsaften und Einkochen. Prinzipiell haben die Stamms nichts dagegen, wenn jemand sich Obst holen möchte. Aber bitte nach Absprache und nicht bei Nacht und Nebel. Schließlich zahlen die Stamms für die Pacht und somit auch für das Obst.

Damit das ökologische Gleichgewicht erhalten bleibt, lassen die Stamms ihre Pferde erst nach dem Aussamen der Gräser und Kräuter auf die Weide. Wir sorgen dafür, daß die Wiesen nicht bis zur Grasnarbe abweidet werden. Eine Mischbeweidung ‑ erst dürfen die Pferde, dann die beiden Highland‑Rinder sich an Gräsern und Kräutern satt fressen ‑ unterstütze das Konzept.

Doch mit einer sinnvollen Beweidung allein ist es nicht getan. Die Bäume müssen regelmäßig geschnitten und von abgestorbenen Ästen befreit werden, damit Mensch und Tier sich nicht durch herabfallendes Geäst verletzt.

In heißen Sommern wie diesem rückt die Familie abends noch mit Gießkannen aus, um Bäume und Gräser vor dem Vertrocknen zu retten. Das macht alles sehr viel Arbeit, die eigentlich kaum jemand wahr nimmt. Wie schnell ihrer Meinung nach Streuobstwiesen ohne entsprechende Pflege verkommen, beweise ein angrenzendes Grundstück der Stadt. Streuobstwiesen machen eben doch mehr Arbeit als man denkt.

 

Der Obst- und Gartenbauverein lädt zum Kelterfest auf dem Friedrich-Ebert-Platz an der Mittelstraße ein. Es gibt Apfelkuchen, alle Getränke vom Apfel und Wetterauer Äpfel. Die städtischen Bäume sind bereits versteigert worden. Auf einem umzäunten, drei Hektar großen Grundstücks oberhalb der Auguste-Victoria-Straße in Bad Nauheim entsteht seit dem Jahre 2000 ein Skulpturenpark. Dort arbeiten professionelle und Gelegenheits-Künstler. Der Skulpturenpark wächst. Schon jetzt stehen einzelne Stein- und Metallobjekte außerhalb des Parks. Das Publikum darf dabei zuschauen. Und wenn auf der großen Obstwiese nebenan die Äpfel reif werden, kann jeder sie kostenlos mitnehmen. Die Ausstellung im Park war ein gemeinsames Projekt von Gerhard Burk und seinen Nachbarn - den Aktivisten der Naturschutzgruppe Bad Nauheim (Nabu). Zum zweiten Mal boten sie ihren Gästen neben der Kunst auch Kaffee und Apfelkuchen an. Auf der großen Streuobstwiese neben dem Skulpturenpark erzählte Nabu-Sprecher Rudi Nein vom großen Andrang der Vögel auf die neuen Nistkästen. Inzwischen siedeln sechs Specht-Arten in den alten Apfelbäumen.

 

 

Friedberg-Ockstadt

In Ockstadt gibt es verschiedene Obstbauern, die bei Bedarf auch zentnerweise Tafeläpfel verkaufen und den Kunden die lagerfähigsten Apfelsorten zeigen. Einige betreiben Verkaufsstände an den Straßen. Die Preise für lagerfähiges Obst liegen je nach Menge bei zwei bis drei Mark pro Kilo. Die Ockstädter Natur- und Vogelschutzgruppe lädt zur Apfellese auf der Sauweide ein. Möglichst viele Leute sollen sich auf dem Parkplatz vor dem Schützenhaus hinter der Behindertenwerkstatt zum Apfelbaum-Schütteln treffen. Ein Maintaler Familienbetrieb verarbeitet das Obst zu Apfelessig, der mit Mineralwasser oder Schorle vermischt als neuer „Fitness-Drink“ vermarktet wird. Alle Tafeläpfel, die der Schüttelei widerstehen, können von den Helfern für den Eigenverbrauch gepflückt werden. Die Natur- und Vogelschutzgruppe bittet um eine Spende.

 

„Ein halbes Maul voll Ebbelwei pur kurz in de Backe lasse un dann runnerschlucke. Wenn’s rischtisch nach Appel schmeckt, dann is des e gud Stöffehe“, empfiehlt Erwin Scharf. Er muß es wissen, ist er doch mit Ehefrau Eva Besitzer der ersten mittelhessischen Straußwirtschaft „Zum Gerippte“ im Friedberger Stadtteil Ockstadt. Angefangen hat alles mit einer harmlosen Anfrage des Obst- und Gartenbauvereines. „Könnt ihr net mal an Kuche backe“, wenn Radfahrer auf der Apfelweinroute durch Ockstadt kommen. Das natürlich ist hierzulande schon mit einer Konzession verbunden, also wurde daraus eine Hofwirtschaft.

„Wo heute die Tische stehen, da war früher der Misthaufen“, sagt Scharf.  Nach umfangreichen Umbauarbeiten gab es vor vier Jahren den ersten Selbstgekelterten, wegen des rautenförmigen Glasmusters heißt der Viertelliter „Gerippte“. Kleine oder große Gruppen bekommen den „Vierer“ und „Achter“ im Bembel. Bekanntlich trinkt es sich auf leeren Magen schlecht, deshalb serviert Eva Scharf dazu Handkäs mit Musik und andere kleine Gerichte. Für die Kinder gibt es Bockwurst oder Apfelwaffeln aus den Zutaten der umliegenden Bauernhöfe.

 

Die Wirtsleute Eva Maria und Erich Scharf haben 2003 den hessischen Ökologiepreis für Obst‑ und Gartenbau in der  Sparte Direktvermarktung gewonnen. In ihrer Straußwirtschaft „Zum Gerippte“ schenken sie selbst gekelterten Ebbelwei und selbst gebrannten Apfelschnaps aus. Wo vor sieben Jahren der Hahn auf dem Misthaufen stolzierte, nimmt das Land Hessen am Freitagnachmittag eine Preisverleihung vor. . Den mit insgesamt 2500 Euro dotierten Preis teilt sich das Ockstädter Ehepaar mit einem Frankfurter Obsthof.

Etwa einen Hektar Streuobstwiesen bewirtschaftet die Familie am Ortsrand. „Wir ernten alle Früchte mit der Hand“, sagt Eva Maria Scharf stolz. „Bei uns hat ein fauler Appel keine Chance.“ Anschließend wird auf dem Hof gekeltert und die Maische angesetzt, bevor das hessische Nationalgetränk im hauseigenen Apfelweinkeller eingelagert wird. Kirschen, Mirabellen und Zwetschgen aus dem eigenen Anbau brennen die Scharfs zu verschiedenen Schnäpsen. Die Ockstädter Spezialitäten reifen in Eichenholzfässern ‑ je nach Sorte ‑ ein bis zwei Jahre. „Apfelwein und Schnäpse vertragen sich gut. Die Leute werden lustig, aber nicht ausfallend“, gibt die Wirtin hochprozentige Einblicke.

Wenn alle 40 Sitzplätze in der Straußwirtschaft am Abend belegt sind, packen auch schon mal die Oma oder Tante mit an. An Feiertagen öffnen die Scharfs bereits am Nachmittag, locken mit frisch gebacken Waffeln und Kaffee. Vor allem für Fahrradwanderer ist der gemütliche Hof in der Borngasse ein beliebtes Ausflugsziel, gehört die Straußwirtschaft doch zur Apfelweinroute.

Durstige Radler. und andere Gäste bekommen neben Äppler und Schnäpsen auch Bier vorgesetzt. Das sehen die Scharfs nicht so eng, auch wenn sie sich einig sind: „Bier ist ein Lebensmittel, der Apfelwein ist ein Liebhabergetränk“. In der Scheune der Straußwirtschaft, die noch bis zum 6. September geöffnet ist, sind während der gesamten Saison Bilder der Frankfurter Fußmalerin Antje Kratz zu sehen. Straußwirtschaft „Zum Gerippte“, Borngasse 30, Friedberg / Ockstadt, geöffnet freitags bis sonntags ab 17 Uhr, an Feiertagen ab 14 Uhr. Telefon 0 60 31 / 30 09. Infos im Internet unter www.Zum‑Gerippte.de.

 

Friedberg-Dorheim (nordöstlich von Friedberg)

Der Obstbaukundler Steffen Kahl ist begeistert von einem Dorheimer Fund im Jahre 2002.

Wie viele Kilo Äpfel er jedes Jahr verdrückt, weiß er nicht genau. Es sind etliche, das ist sicher. Aber nicht eine unspezifische Vorliebe für des Deutschen liebste Frucht treibt Steffen Kahl in den ungestümen Konsum. Es ist eine berufliche Notwendigkeit, die natürlich auf einer Begeisterung für die Vielfalt an heimischen Apfelsorten fußt, wie er sagt. Der 34‑Jährige ist im Naturschutzzentrum Hessen Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Apfel.

Vor allem die alten Apfelsorten auf heimischen Wiesen haben es dem gelernten Gärtner aus Werdorf bei Wetzlar angetan. Und davon gibt es trotz Umstrukturierung der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten noch eine ganze Menge, weiß Kahl. Zwischen 35 und 40 Lokal‑ und Regionalsorten finden in Hessen ein eher bescheidenes Dasein oder sind konkret vom Verschwinden bedroht, weiß der Apfelfachmann.

Und mit ihnen gehe unwiederbringlich wertvolles genetisches Potential verloren. „Optimal an den Standort angepaßt und über viele Generationen auf ihre spezielle Nutzung gezüchtet“, so beschreibt Kahl den Nutzen für ihre Besitzer. Auch seien sie häufig weitaus weniger krankheitsanfällig. Spezielle Kelteräpfel und Sorten, die sich besonders zum Backen oder als Tafelobst eignen, drohten, in Sorten‑Monokulturen zu verschwinden. So wie die Wetterauer Regionalsorten „Himbacher Grüner“, der „Altenstädter Roter“ oder der „Friedberger Bohn­apfel“, die Kahl aufgespürt und beschrieben hat.

Jede Sorte hat ihre Geschichte, sagt Kahl ‑ auch für ihn. Eine bis 1995 verschollene Apfelsorte aus Dorheim hat es ihm besonders angetan. Seine Wiederentdeckung war spannend wie ein Krimi, erinnert er sich. Nachdem alle Versuche zuvor fehlgeschlagen waren, hätten nur durch einen Zeitungsaufruf der dortigen Naturschutzgruppe noch einige Exemplare aufgespürt werden können. Aber selbst Apfelkundler hätten die Früchte nicht bestimmen können und angesichts seiner roten Streifen gesagt: Nennen Sie ihn doch einfach „Dorheimer Streifling“. Inzwischen hätten knapp zwei Dutzend Altbäume ausfindig gemacht werden und junge Bäume nachgezogen werden können, freut sich Kahl.

Über die Jahre hat sich der Pomologe (Obstbaukundler) dabei ein großes Fachwissen aneignen können. 300 Sorten kann der Wetzlarer Apfelfachmann mittlerweile unterscheiden. Die Zahl der im deutschsprachigen Raum verbreiteten Sorten sei allerdings immens: Er schätzt sie auf 2500. Ursprung seines Interesses sei die Apfelweinherstellung gewesen. Angetan von den geschmacklichen Variationen des Stöffches, habe er begonnen, die Obstwiesen seiner Heimat zu durchforschen. Es folgten für den Mitarbeiter des Naturschutzzentrums gewissermaßen die Lehrjahre. 1997 wurde er Mitglied im wenige Jahre zuvor wieder gegründeten Pomologenverein, der sich in der Tradition des „Deutschen Pomologenverein“ sieht. Der kümmerte sich von 1860 bis 1919 um Pflege und Qualität des heimischen Obstanbaus. Als einer von drei Ansprechpartnern für Hessen spürt Kahl heute nicht nur alte Sorten auf, sondern berät Gartenfreunde auch bei Neupflanzungen. Außerdem organisiert er Bestimmungsseminare und Baumschneidekurse.

Eine Arbeit, deren Ergebnisse sich mittlerweile zeigten. Das Bewußtsein in der Bevölkerung für die Bedeutung der alten Sorten ist in den vergangenen Jahren rapide gestiegen, freut er sich. Ein Grund dafür sei auch die vom Naturschutzzentrum maßgeblich angestoßene Kampagne zum Erhalt der Streuobstwiesen. Als konsequenten Schritt in diese Richtung sieht er die Ausweisung der Hessischen Lokalsorten des Jahres, die am vergangenen Wochenende auf dem Wetzlarer Apfelmarkt erstmalig vorgenommen wurde. Künftig soll in Zusammenarbeit mit ansässigen Baumschulen deren Erhalt gesichert werden. Hessische Lokalsorte 2002 ist der „Heuchelheimer Schneeapfel“, eine alte Sorte rund um den kleinen Ort bei Gießen, deren Früchte sich unter anderem durch ein weiß bleibendes Fruchtfleisch auszeichnen und daher für Obstsalate geeignet sind.

Aber eines könnte selbst eine noch so große Sortenvielfalt ändern, sagt Kahl. Immer noch sei der Ernteertrag auch vom Wetter abhängig. Und das habe in diesem Jahr dazu geführt, daß ‑ regional unterschiedlich ‑ gut ein Drittel weniger Apfel auf den Bäumen hingen als im vergangenen Jahr, bedauert der Apfelfan.

 

Florstadt-Leidhecken

Beim zweiten Wetterauer Apfelweintag wurden Anfang Juni 2003 in Leidhecken rund 300 Gäste mit leckerem Apfelwein der Region, Handkäse und Schmalzbroten gestärkt. Die Menschen informierten sich am Bürgerhaus über die verschiedenen Apfelweinsorten, Obstbrände und die Erhaltung von Streuobstwiesen. Mundartliches präsentierte die Gruppe Kreuz & Quer aus Gedern.

Prämiert wurde am Nachmittag der beste Apfelwein. Immerhin 42 Proben hatten die Bewerber bei den Veranstaltern vom Trägerverein Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute Wetterau (HAORW) eingereicht. „Wir haben höchstens mit 20 Proben gerechnet“, gestand Johannes Fertig, Vorsitzender des HAORW. Die Jury bildeten die Beteiligten selber: Wer eine Probe abgab, durfte selber die anonymisierten Sorten testen und bewerten. Das Urteil lautete manchmal: „Essig. Naja, kann mer verkaafe oder kann mer verschenke“. Die Bestnote: „Den behalte mer.“

Bei den Hobbykelterern belegte Horst Glaub aus Echzell den ersten Platz. Klaus Ronge aus Butzbach und Michael Böcher aus Staden schafften es auf Platz 2 und 3. Bei den Profis errangen die Kelterei Dietrich mit dem „Sachsenhäuser“ (Platz 1) und dem „Landapfelwein“ (2) sowie die Kelterei Rapps mit ihrer „Nr. l“ (3) die Siegerplätze. Sieger bei den Halbprofis wurde der Betrieb Rote Pumpe von Uli Schwabe aus Nieder‑Mörlen, der mit seinen Proben Platz 1 und 2 belegte. Den zweiten Platz teilt er sich mit dem „Astreinen Apfelwein“ von Manfred Förster und Klaus Weidmann aus Ockstadt.

Ziel des Apfelweintages ist die Vermarktung von Apfelwein und die Pflege der heimatlichen Traditionen der Wetterau. „Wenn man die Streuobstwiesen erhalten will, muß man was für die Produkte tun“, erklärt Fertig. Deshalb unterstützt der Wetteraukreis ‑ bei dem Fertig als Amtsleiter tätig ist ‑ auch den HAORW finanziell und administrativ. Fertig versucht, Landwirte, Obstbrenner, Keltereien, Gastronomie, Naturschutzgruppen und Obst- und Gartenbauvereine zu vernetzen. Es gab auch eine Fachdiskussion: Über die Probleme der Kelterung verschiedener Apfelsorten diskutierten die Besucher mit dem Getränke‑Technologen Stefan Schmidt. Sie sei schwierig, denn jede Sorte vergäre anders.

 

Altenstadt

In der Altenstadthalle dreht sich am 11. und 12. Oktober 2003 alles um den Apfel. Die Apfeltage veranstaltet die Gemeinde zusammen mit dem Wetzlarer Naturschutz‑Zentrum Hessen. Das Programm läuft am Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Zu dem runden Obst haben sich viele etwas einfallen lassen: Vereine, Schulen, Kindergärten und die Fachabteilungen des Landratsamtes. Das Naturschutzzentrum und der Pomologen‑Verein zeigen eine Obstsortenchau, die an die 200 Apfelsorten umfaßt. Von 14 bis 16 Uhr stehen an beiden Tagen die Pomologen (Obstsortenkenner) bereit, wenn es darum geht, Apfelsorten zu bestimmen. Dafür brauchen die Experten mindestens fünf Exemplare der jeweiligen Sorte.

Am Samstag findet von 16 bis 17.30 Uhr eine Sortenwanderung durch die Obstwiesen in der Nähe der Stadthalle statt. An Kulinarischem gibt es Apfeleis, Apfelwaffeln und Apfelschnaps. Zum Trocknen von Apfelschnitzen hat der Bund für Umwelt‑ und Naturschutz einen Apfeltrockner aufgestellt. Hier können am Samstag die Schnitzel abgegeben werden. Spiel‑ und Bastelangebote und Musik gehören auch dazu. Der Eintritt ist frei.

 

Ortenberg-Bergheim

 

Seit  zehn Jahren baut Dieter Merz in der Wetterau biologisch Obst an. 90 verschie­dene, teilweise seltene Apfelsorten betreut der 44jährige Gemeindearbeiter auf sei­nen sechs Streuobstwiesen. Auf einer De­monstrationsanlage können zukünftige Biobauern von ihm lernen. Fast liebe­voll hält Dieter Merz den „Schönen aus Nordhausen“ in der Hand. „So soll er sein, rund und knackig“, sagt er und legt den großen Apfel in den Korb. Dieter Merz ist Obstbauer. Seit 10 Jahren pflanzt er in der Wetterau seltene Apfelsorten im Bio­anbau an. Mit seinen Apfelbäumen scheint er tief verbunden. Er pflegt sie, wenn sie Schorf vom Frost haben oder an Krebs erkran­ken. Er verjüngt sie durch richtige Be­schneidung und hält ihnen die Feinde ‑ Holzbohrer und Wühlmäuse ‑ vom holzigen Leibe.

Am Wochenende beginnt die Apfel­ernte. Für Familie Merz heißt das: Rund 550 Bäume auf sechs verschiedenen Streuobstwiesen wollen abgeerntet wer­den. Dann rücken alle ihren großen Kör­ben aus. Sechs bis acht Wochen lang wird geerntet. Solange, bis alle rotbackigen Ap­fel vom Boden aufgelesen sind. Auch vor der Erntezeit ist Dieter Merz fast jeden Tag auf seinen Wiesen. „Irgend­etwas gibt es immer zu tun“ sagt er. Und er muß nachschauen, ob seine zwölf Bie­nenvölker zufrieden sind. Denn ohne zu­friedene Bienen gibt es keine oder nur wenig Äpfel.

In Bergheim aufgewachsen hat sich der 44jährige vor zehn Jahren seinen Kind­heitstraum verwirklicht: Er pachtete fünf alte Streuobstwiesen von der Gemeinde. 250 Altbäume, teilweise über 80 Jahre alt, hat er übernommen, rund 300 neue Bäu­me hat er gepflanzt. In sechs langen Reihen stehen die neuen Bäumchen. Dazwischen prangen auf kleinen Metallschildchen ihre phanta­sievolle Namen wie „geflammter Kardinal“, der „Schöne aus Nordhausen“ oder „Ingrid-Marie“. Über 50 Sorten baut Dieter Merz an, alle garantiert ungespritzt im kontrol­lierten Biolandanbau.

Bei der Bestimmung der schon vorhan­denen Apfelsorten holte Dieter Merz sich Rat bei einem Pomologen. „Wir haben so­gar einen Ditzel‑Rosenapfelbaum ent­deckt, der ist in keinem Buch zu finden“, sagt er. Auch der „Dorheimer Streifling“, eine schon verloren geglaubte Apfelart, fand auf den Streuobstwiesen in Berg­heim eine neue Heimat. Mitte 1997 errichteten Merz und der Naturschutzfond der Wetterau eine Demonstrationsanlage für Streuobst.

 

Karben

Rapps’s:

„Auf Dauer kommt keiner an uns vorbei“, steht auf einem Zettel, den der Geschäftsführer der Kelterei Rapps, Klaus‑Dieter Kneip, über seinen Schreibtisch gehängt hat. Der Erfolg gibt ihm recht: Eine „saftige Entwicklung“ nahm der hessenweite Marktführer für Fruchtsäfte im vergangenen Jahr; mit 25 Millionen Flaschen setzte das Unternehmen 2,5 Prozent mehr um als noch im Jahr 2000. Seit sechs Jahren, seit Hassia & Luisen- Mineralquellen alleiniger Besitzer von Rapp’s ist, hat die Kelterei ihren 30.000 Quadratmeter großen Firmensitz in Groß-Karben. Dabei ist das Unternehmen Bad Vilbeler Ursprungs: 1977 war es aus einem Zusammenschluß der Kelterei Rapp’s und der Venus‑Quelle ‑ beide 1930 in der Brunnenstadt gegründet ‑ hervorgegangen. Geblieben ist aus beiden Unternehmen etwas ‑ von Rapp’s der Name, von der Venus‑Quelle der Geschäftsführer: Klaus‑Dieter Kneip ist Sohn ihres ehemaligen Inhabers, Walter Kneip.

Geändert hat sich auch einiges: 1991 hatten die Junioren Klaus‑Dieter Kneip, Karlheinz und Alfons Rapp das gesamte Unternehmen an eine Rosenheimer Brauerei‑Gruppe verkauft. Als die 1996 Konkurs anmelden mußte, kaufte Hassia alle Anteile. Um die Produktion ausweiten zu können, zog die Kelterei damals in den stillgelegten Selzerbrunnen nach Karben. Schwer gefallen sei ihm das als gebürtiger Bad Vilbeler, im nachhinein sei die Entscheidung aber goldrichtig, denn die Unterstützung in Karben ist groß, sagt Kneip. Trotz der Besitzverhältnisse spricht er noch immer von einem Familienunternehmen „mit persönlichen Kontakten und flachen Hierarchien“. Seit 25 Jahren arbeitet der 50‑Jährige in dem Unternehmen, seit zwölf Jahren als alleiniger; operativer Geschäftsführer.

Um ihren Leitspruch einhalten zu können, müssen der Diplomkaufmann und seine 65 Mitarbeiter hart arbeiten. Seit Mitte der 90er Jahre wachsen die Umsatzzahlen dafür kontinuierlich ‑ im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf über 16 Millionen Euro. Nicht nur Radiowerbung wurde seither für die Fruchtsäfte, „die es in sich haben“ verstärkt, sondern vor allem das Produktsortiment stetig erweitert. Mit ihrer Standardware, Orangen‑ und Apfelsaft, erzielten sie zwar 80 Prozent des Jahresumsatzes, „profilieren müssen wir uns aber über die verbleibenden 20 Prozent“, sagt Kneip.

Ihre Zielgruppe, Qualitäts‑ und Gesundheitsbewußte zwischen 20 und 50 Jahren, erreichen sie über ein spezielles Innovationssortiment, das den Zeitgeist widerspiegelt. Ein Zeitgeist, den Rapp’s mit „Rosigen Zeiten“, „Lebensfreude pur“ und „Guten Morgen Saft“ (so heißen die innovativen Getränke) beschreibt. Mitte Oktober kommt die 32. Sorte auf den Markt: Eine Mischung aus Blutorange, Cranberry und Kaktusfeige. Eines gelte für alle: Das „Ziel“, immer am oberen Ende des möglichen Fruchtsaftgehaltes und damit Qualitätslevels zu sein“. Der Unternehmensleiter sieht zwar ein, daß man Käufer mit der Produktvielfalt überfordert, aber Blutorange sei bei anderen Artikeln im Trend, da müsse man „mit einem zur Unternehmensphilosophie passenden Produkt reagieren“. Der Markt bestimmt, was bei Rapp’s durch die Abfüllanlagen läuft: Perola-Ananas aus Venezuela, handgeschälte Bananen aus Ecuador und Tomaten aus Italien. Nur ein Produkt bedient sich der heimischen Ernte: Wetterauer Gold, Apfelwein.

 

Veranstaltungen:

Die Tradition, daß in Karben alle Brautpaare einen Baum als Zeichen ihrer Verbundenheit pflanzen, besteht erst seit 1994. Spätestens beim Stellen des Aufgebotes erfahren alle „heiratswilligen Karbener“ von der möglichen Erinnerung. Die Paare treffen sich an der Steingasse, Ecke Höferweg in Petterweil, um am Hochzeitshain Apfelbäume - sechs verschiedene Sorten standen zur Auswahl - einzusetzen. Der Bürgermeister begrüßte die Paare und dann wurde mit den mitgebrachten Spaten die Bäume gepflanzt.  Eine Urkunde wurde überreicht vom Bürgermeister, feierlich bei Glühwein und Gebäck mitten im matschigen Feld. Darauf steht nicht nur, daß die Eheleute „aus Anlaß ihrer Hochzeit einen Apfelbaum gepflanzt haben“, sondern auch, daß sie damit einen „wichtigen Beitrag für die Natur geleistet haben“.

Denn die Vorsitzende des BUND-Ortsverbandes Karben/Niddatal, Ulrike Loos, machte ihre Idee damals nicht nur publik, um die romantische Ader der Karbener anzusprechen, sondern vor allem auch, um „wieder Streuobstwiesen rund um die alten Ortskerne zu pflanzen“ . In den ersten Jahren setzten die Frischvermählten auf einem Grundstück am Ludwigsbrunnen 109 verschiedenen Obstsorten an, die Jahre darauf pflanzten die Pärchen Bäume an der Heldenberger Chaussee und dann wurde eine Streuobstwiese in Petterweil bepflanzt. Schilder an den jungen Bäumen verraten, wer sie gepflanzt hat und wer später mal die Ernte mit nach Hause tragen darf.

Seit 1994 hat die Stadt Karben mit Unterstützung durch das Land Hessen 37 Ackergrundstücke mit knapp 30 Hektar Fläche zusammengekauft, die zuvor intensiv bewirtschaftet wurden. Sie sind heute kaum wiederzuerkennen. Kräuter, Gräser und Wiesenpflanzen blühen zwischen den kleinen Bäumchen, denn auch die natürliche Gestaltung- des Untergrunds ist Teil des Konzeptes. Gemeinsam, mit zwei Zivildienstleistenden hat Adam höchstpersönlich die Kräuter und Gräser gesät. Das anfallende, ungedüngte Heu wird zweimal im Jahr von Landwirten gemäht, mit denen die Stadt langjährige Verträge abgeschlossen hat.

Sobald alle Bäume gepflanzt sind, werden an den Grundstücken Schautafeln mit Pflanzplänen aufgestellt und verschiedene Rundwanderwege ausgeschildert. Der Karbener Obstsortengarten soll dann auch Bestandteil der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute sein. Zum Naturschutzgebiet wurde bereits die vier Hektar große „Pfingstweide“ am „Kloppenheimer Wäldchen“ ernannt.

 

Rund um Karben seit 1996 der flächenmäßig größte Obstsortengarten Deutsch­lands mit hochstämmigen Bäumen entstanden. Mehr als 2.000, teils vom Aussterben bedrohte, alte sowie aktuelle Obstsorten, werden hier lebend in Form von noch kleinen Bäumen archiviert. Im erwerbsmäßig betriebenen Obstanbau kommen heute nicht mehr als 25 Sorten zum Einsatz. Ob man in Frankreich, Argentinien oder sonstwo einkauft, überall bekommt man nur dasselbe Einheitsobst.

Thomas Adam, der Leiter des Karbener Umweltamtes, hat mit Unterstützung durch Institute, Züchter und Baumschulen quer durch die Republik mittlerweile exakt 2.095 verschiedene Obstbäume und damit auch Sorten zusammengetragen und gepflanzt. Nach der kommenden Pflanzsaison soll die Aktion mit mehr als 2.500 Sorten und Bäumchen vorerst abgeschlossen sein.

„Unser Obstgarten ist ein lebendes Archiv der seltenen Obstsorten“, erklärt Adam. Aus Geldnot werden laut Adam mehr und mehr Lehr- und Versuchsanstalten der Hochschulen geschlossen, so daß ein Verschwinden vieler Obstsorten zu befürchten sei. Die Karbener wollen diesem Sortensterben entgegenwirken. Bewußt pflanzten sie ausschließlich hochstämmige Obstbäume, die bis zu hundert Jahre alt werden und so lange auf natürliche Art die Gene der alten Obstsorten weitergeben. Ein kleiner Ast - ein Veredelungsreiser - genügt, um die Sorte für kommende Generationen zu erhalten. Mittlerweile betreibt die Stadt Karben eine Baumschule, in der sie durch Veredelungsreiser einfache Basisbäumchen zu seltenen Sorten veredelt und verkauft.

„Im Gegensatz zu den anfälligen heutigen Sorten sind die alten Obstsorten erstaunlich resistent gegen viele Krankheiten und Schädlinge“, beschreibt Adam einen wesentlichen Vorteil der Vielfalt. Auf etliche Tonnen Spritzmittel könnte verzichtet werden, wenn Sorten wie die „Hutzelbirne“, „Der König von Württemberg“ oder die „Himmelfahrtsbirne“ wieder aus der Vergessenheit treten würden. Um Bürger auf den Geschmack zu bringen, dürfen sie bei Spaziergängen ruhig zugreifen, wenn das Obst reif ist.

 

Beim Kelterfest am Karbener Selzerbrunnen präsentierte die Stadt Karben zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im September 1999 auf dem Gelände des Jugend- und Kulturzentrums 200 Apfelsorten. Darunter war nicht nur der „Adams-  sondern auch „Evas Apfel“. Allerdings war selbst das, was dort auf vielen Tellern feinsäuberlich sortiert lag, nur ein Bruchteil der Sorten, die es auf der ganzen Welt zu pflücken gibt. Zwischen 1700 und 1800 dürfte realistisch sein“, schätzte Thomas Adam, der Leiter des Karbener Umweltamtes. Sein Favorit: „Weißer Winterkalvill“. „Der hier muß noch zehn Tage liegen“, verriet er über die rundliche aromatische Frucht. Dann essen Sie ihn in Scheiben geschnitten mit Eis, einem Pfirsich-Sorbet, und über streuen das Ganze mit Puderzucker.

 

Im Jahre 1999 plante die Karbener Arbeitsgemeinschaft Streuobst, eine Tauschbörse für Streuobstwiesen ins Leben rufen. Ungefähr 70 Hektar Streuobstgrundstücke umgeben die sieben Ortsteile von Karben. Mehr als die Hälfte davon sind laut Adam so genannte Altbestände. Es sei allerdings sehr schwierig die Eigentümer der betreffenden Grundstücke auszumachen, berichtet Jürgen Becker, Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland. Sie können sich bei ihm genauso melden, wie Interessenten, die eine Streuobstwiese in Pflege nehmen wollen.

Die Pflege alter Streuobstwiesen sowie Nachpflanzungen bezuschußt die Stadt Karben. Genaueres dazu enthalten die „Förderrichtlinien für die Erhaltung und Neuanlage von Streuobstflächen“, die beim Umweltamt erhältlich sind. Wenn es nach dem Arbeitskreis Umwelt Karben (AUK) ginge, pflanzen die neuen Besitzer nicht nur Obstbäume, sondern auch seltene Wildpflanzen an. Dafür warb der AUK an seinem Stand. Buschwindröschen, Lerchensporn und Akelei verkauft der Karbener Förster Hans Fleischhauer. In seinem Garten züchtet er insgesamt 500 verschiedene Arten. Näheres zur Tauschbörse für Streuobstgrundstücke unter Tel. 06039 / 7660.

 

Auf dem siebten Kelterfest, zu dem die Karbener Ortsgruppe des Naturschutzbundes gemeinsam mit der Stadt Karben einlädt, werden am Sonntag, 24. September 2000, ab 14 Uhr viele Tips gegeben. Wie pflege ich meine Streuobstwiese am besten, welche Apfelsorte wächst in meinem Garten? Diese andere Fragen von Hobby- Gärtnern werden auf dem Gelände des Jugendkulturzentrums am Selzerbrunnen beantwortet. Thomas Helwig nennt die Namen von Äpfeln, die ihm vorgelegt werden, drei Früchte müssen zu diesem Zweck mitgebracht werden.

Wer den Spaß an seinen Bäumen verloren hat oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selber ernten kann, der findet auf einer Tauschbörse Hilfe. Erfahrungsgemäß seien junge Familien mit Kindern gerne bereit, für Streuobstwiesen zu sorgen, teilt der Vorsitzende der Karbener Ortsgruppe, Jürgen Becker, mit. Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer demonstrieren mit alten Maschinen, wie Äpfel ausgepreßt werden, und Irmela Richter zeigt, wie man aus ihnen schmackhafte Naturkost zubereitet.  

 

Es war ein Versuch des Vereins Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute, nicht nur für die harten Obstbrände zu werben, sondern auch einmal für das Hessische Nationalgetränk, den Äppelwoi. Die Wetterauer Regionalschleife des Vereins hatte für Samstag, 12. Mai 2001,  ins Karbener Jugendkulturzentrum Selzerbrunnen (Jukuz) gerufen. Ob Farbe und Geruch, Geschmack oder Bekömmlichkeit: Das interessierte Publikum ist aufgerufen, die Proben zu verkosten. Und alle Apfelweinproduzenten sind aufgefordert, um 17 Uhr in drei deutschen, grünen und nicht etikettierten Ein-Liter-Weinflaschen ihre Proben des hessischen Nationalgetränks abzugeben. Dabei sein und beim Schoppen zu fachsimpeln, sei alles, auf die Wertung komme es gar nicht so sehr an, betont Johannes Fertig, Vorsitzender des Wetterauer Trägervereins.

Es kamen 20 Produzenten von Apfelwein. Bewertet wird in drei Gruppen. Gruppe eins sind die professionellen Keltereien und Lohnkeltereien, Gruppe zwei die Apfelweinproduzenten im Nebenerwerb und Gruppe drei die Hobbykelterer mit ihren Hausschoppen. Etwa 50 Besucherinnen und Besucher lenkten ihre Schritte in die Scheune des Selzerbrunnenhofs, um sich zünftig bei Rippchen und Kraut zu verköstigen, dem Ohrenschmaus gereimten Gebabbels von Mario Gesiarz zuzuhören und - der Zweck des Besuchs - den angebotenen Apfelwein zu verkosten. Die Anbieter, fünf Keltereien, sieben Nebenerwerbsproduzenten und acht Hobby-Kelterer, mußten viereinhalb Stunden warten, bis feststand, ob sich die Mühe des Kelterns gelohnt hatte.

Zum Rahmenprogramm zählen neben zwei Fachvorträgen auch Kulinarisches und Kulturelles. „Vom Baum in den Keller“ lautet das Thema, über das Reiner Erdtmann vom Hessischen Dienstleistungszentrum für Landwirtschaft, Gartenbau und Naturschutz referiert. Der Kronberger Getränketechnologe Stefan Schmidt hält einen Vortrag über „Das Schneewittchen-Syndrom - Warum ein Apfel nicht nur nach dem Aussehen bewertet werden sollte“. „Herr Hampelmann präsentiert ...“ heißt es beim Frankfurter Mundart-Rezitations-Theater „Rezzi-Babbel“. Der Wirt des Jukuz-Lokals „Zeitsprung“ serviert Deftiges aus der hessischen Küche. Ab diesem Zeitpunkt können die Gäste auch die verschiedenen Apfelweine testen.

Das Karbener Publikum in der Zusammensetzung vom Samstag wußte vor allem den süffigen, angenehm, nicht zu säuerlich schmeckenden Apfelwein zu schätzen, die „Soft-Variante“ gewissermaßen. Dem Publikumsgeschmack am ehesten entsprachen die Kelterei Müller aus Ostheim, die Nebenerwerbskelterer Klaus Weidmann und Manfred Förster aus Ockstadt und der Amateur Uli Schwabe aus Bad Nauheim. Weidmann und Förster haben schon vor 20 Jahren angefangen zu keltern. Erst bat nur der Schwiegervater von Klaus Weidmann um ein Fläschchen. Inzwischen verarbeiten die beiden jährlich 100 Zentner Äpfel. Alle stammen aus der Ockstädter Gemarkung und werden selbst geschüttelt. Nur in weniger guten Jahren werden Äpfel dazugekauft, dann aber auch nur aus den Ockstädter Streuobstwiesen. Die Mischung der vorwiegend alten Sorten macht laut Weidmann das Produkt, und ganz wichtig sei der Speierling, der das Stöffche klarer mache. Ein glückliches Händchen sei immer dabei. Weshalb mal ein Faß besonders gut, ein anderes aber eher schlecht sei, das sei nach wie vor ein Rätsel, erklären die prämierten Nebenerwerbskelterer, die Süßen und Wein auch ab Hof verkaufen.

 

Am Sonntag, 16. September 2001 konnte man ab 14 Uhr im Garten des Jugendkulturzentrums in Karben an den vielen Ständen nach Belieben probieren. Wein und Schnaps nämlich, aus Äpfeln, versteht sich. Mit ihren historischen Maischemaschinen und Kelterpressen werden Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer auf dem Apfelfest in Karben am kommenden Wochenende bestimmt wieder die Blicke auf sich ziehen ‑ schließlich werden Kinder mithelfen, aus den Äpfeln die Maische zu machen und diese zu pressen. Hinterher gibt es den fertigen Saft.

Die Karbener Agenda‑21‑Gruppe lädt die Großen zur Rätselstunde: Wo ist der Wein, der den echten Speierling enthält? Der Arbeitskreis „Umwelt Karben“ hat sich für die jungen Gäste Rätselspiele über heimische Pflanzen und naturnahe Gärten ausgedacht. Zudem informieren die Naturschutzverbände über ihre Aktivitäten. Das Umweltamt Karben stellt Obstbaumbesitzern die große Auswahl heimischer Apfelsorten vor. Ferner ist das Fest ein Forum, um Streuobstwiesen zu „tauschen“: Wer sich um seine Flächen nicht mehr kümmern kann, kann sie den Naturschutzverbänden anbieten. Der verkauft oder verpachtet sie dann weiter.          

Zur folkloristischen Musik aus dem „Okzident“ der Gruppe „Extra Drai“ blitzte für einige Zeit sogar die Sonne durch den zuvor noch wolkenverhangenen Himmel. Kinder tobten sich an der alten Saftpresse der Schaukelterer Wolfgang Lazar (Karben) und Jürgen Pfeiffer (Bad Vilbel) aus oder versuchten sich wie die Erwachsenen bei der Agenda‑Gruppe „Natur und Landschaft“ beim Erraten von Wildstauden und Schmetterlingen.

„Probieren, testen, raten“ hieß die Devise beim Arbeitskreis Umwelt Karben (AUK): Der Kenner schmeckte natürlich schnell den Unterschied zwischen industriell gefertigtem und selbst gekeltertem Speierlingstöffchen heraus. Dazu gab es gleich noch ein wenig anschauliche Nachhilfe in Botanik: Der Speierling ist überhaupt nicht mit dem Apfel, sondern mit der Vogelbeere verwandt. Und wie viele Kerne stecken in einem Apfel? Vier, acht oder zwölf? Vier sind es eher selten, klärte der AUK auf.

Vom Apfel zum Wein: Wie das geht, darüber informierte der Naturschutzbund. Möglichst reifes, aber nicht fauliges Obst sollte man verwenden, rät der Nabu. Der viele Regen kommt ihm sehr zupaß: Dann sprießen im Wald ordentlich die Pilze. Und die sollen schließlich beim ersten Ganztagesseminar des Nabu am Samstag, 6. Oktober, erkundet werden.

Der Apfel freilich blieb der Star an diesem Sonntag. Auch, wenn sich unter die Stände allerlei Handgearbeitetes wie etwa vom „Eine‑Welt‑Laden“ aus Okarben (Hauptstraße 23, samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet) mischte. Gleich 215 (!) Apfelsorten präsentierte das Umweltamt. Darunter alte Sorten mit klangvollem Namen, „Kriemhild“ etwa oder „Ronneburger Pfannkuchen“. Auch der Gaumen wurde befriedigt. Mit Apfelbrand, Apfelbrötchen vom „Stammtisch Vollwertkost“ und Apfelkuchen vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

Der BUND, der Pächter oder Baumpaten für die Pflege (und auch Ernte) eines großen Streuobstgrundstücks in Groß‑Karben sucht (Tel. 06039/2883), ließ die Zahl eines Korbes und eines Sackes voller Äpfel schätzen. 400 lautete das richtige Ergebnis. Der kleine Rocky Steiner aus Wöllstadt war mit 399 am dichtesten dran. Und konnte zusammen mit seinen Eltern einen großen Sack Bioland‑Kartoffeln mit nach Hause nehmen.  

 

Im September können Leute aus der Karbener Region über eine Versteigerung günstig an Äpfel kommen. Die Stadtverwaltung versteigert Obstbäume zum Abernten. Man trifft sich am Klein-Karbener Friedhof und wandert dann zu den jeweiligen Bäumen. Eine Stunde später beginnt eine zweite Obstbaum-Versteigerung am Okarbener Naturfreundehaus. Die feil gebotenen Äpfel sind mehr zum Keltern als zum Verspeisen geeignet, meldet die Stadtverwaltung. Das 7. Karbener Kelterfest beginnt am Sonntag um 14 Uhr im Jukuz am Selzerbrunnen. Da kann man die Sorte jedes mitgebrachten Apfels bestimmen lassen und sich mit frisch gepreßtem Saft von ungespritzten Früchten versorgen.

 

Der Selzerbrunnen war im Jahre 2002 Ausflugsziel für viele Familien. Naturschutzgruppen und Umweltamt hatten zum Kelterfest eingeladen, bei dem es viel zum Schauen, Probieren und Raten gab. Ob gepreßt, vergoren, gebrannt oder gebacken: Der Apfel, diese tolle Wunderfrucht, war erneut Star des Kelterfestes der Karbener Naturschutzgruppen und des städtischen Umweltamtes am Selzerbrunnen. Die von der spätsommerlieben Sonne in warmes, weiches Licht getauchte Jukuz‑Wiese mit ihren vielen Ständen zum Schauen, Probieren und Raten war am Sonntagnachmittag willkommenes Ausflugsziel vieler Karbener. Ein buntes Familienfest, unterhaltsam und informativ, mit Zeit und Platz zum Schwofen und Kosten, in lauschigem Ambiente, mit Unterhaltung auch für die Jüngsten und musikalisch stilvoll untermalt von Beate Hoffarth‑Rittingers Folklore‑Ensemble.

Früchte erraten und Wildpflanzen bestimmen. Nicht nur an der schon zum festen Inventar zahlenden historischen Kelterpresse der Bad Vilbeler Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer konnten die Besucher aktiv werden. Der Stand des Arbeitskreises Umwelt (AUK) war wieder einmal dicht umlagert. Gar nicht so einfach: Die Große Fetthenne zu erkennen, mag ja noch angehen. Aber, wie bitte, sieht die akeleiblättrige Wiesenraute aus? Wer’s wußte, war preisverdächtig.

Das Umweltamt, vertreten durch den Steinfurther Bioland‑Obstbauer Thomas Hellwig, hatte aus Westfalen wieder ein Apfelmeer aus 220 überwiegend historischen Sorten geschaffen. Apfel‑Fachmann Hellwig, der selbst 60 Sorten, darunter auch 20 historische, ökologisch anbaut, kennt sie alle und war am Sonntag ein viel gefragter Ratgeber, wenn es galt, unbekannte Fruchte aus dem heimischen Garten zu identifizieren oder über den knollenförmigen „Minister von Hammerstein“ oder den winzigen, roten ostfriesischen „Kalvill“ aufzuklären.

Äpfel gab es natürlich auch in Kuchenform, bei Irmela Richters Vollwertstammtisch wie beim Bund für Umwelt und Naturschutz, der seine Gäste nach dem Verzehr von Ökobauer Magers Bratwürstchen gleich noch die Anzahl eines mit 213 Äpfeln gefüllten Sackes raten ließ und dafür als Hauptpreis einen Sack Kartoffeln verhieß. Wer mehr über gesunde Ernährung erfahren möchte, kommt am 19. September um 20 Uhr zum BUND ins evangelische Gemeindehaus Klein‑Karben.

Nicht alles drehte sich bei diesem neunten Karbener Kelterfest um den sofortigen leiblichen Genuß, obgleich Most und Wein in Strömen flossen und auch schon mal der eine oder andere Apfelschnaps gekippt wurde. Der „Eine‑Welt‑Laden“ aus Okarben war wieder mit einer Auswahl seines zu fairen Herstellerpreisen gehandelten Sortiments dabei. Und der örtliche Naturschutzbund nutzte erneut die Gelegenheit, für seinen vor fünf Jahren initiierten Streuobstwiesentausch zu werben. Ein gutes Dutzend Grundstücke, so Vorsitzender Jürgen Becker, vermochte der Nabu schon an neue Pächter zu vermitteln. Insbesondere dann, wenn sich die Besitzer nicht mehr zur erforderlichen Pflege solcher Wiesen imstande sahen. Streuobstwiesen sind vor allem bei jungen Familien gefragt. Die Kinder klettern und spielen gerne auf einem solchen Gelände, und die eigene Obsternte bietet obendrein Vergnügen. Freilich ist auch Arbeit angesagt. Die Wiese muß einmal im Jahr gemäht werden. Die Bäume sind alle zwei bis drei Jahre zu schneiden und ‑ wenn sich ihr Verfall abzeichnet ‑ rechtzeitig nachzupflanzen. Immer noch besser, als daß das Baumstück zum Acker wird. Und Neupflanzungen, weiß Becker, erfordern viel Geduld. Die selten älter als 50 Jahre werdenden Obststämme tragen frühestens nach acht, ergiebig sogar erst nach zehn bis 15 Jahren.

Da zeigen die Blumenzwiebeln, die der Arbeitskreis „Natur und Landschaft“ in der lokalen Agenda gleich tütenweise verteilte, doch schnellere Ergebnisse. Der Arbeitskreis wollte damit die Karbener schon einmal auf den bundesweiten Wettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ aufmerksam machen, an dem sich die Kommune laut Beschluß des Stadtparlaments 2003 beteiligen wird. Ziel dieser in den internationalen Wettbewerb „Entente Florale“ eingebetteten Bürgeraktion ist eine grüne, den Prinzipien der Nachhaltigkeit verpflichteten Stadtentwicklung, bei der die sich beteiligenden Bürger Verantwortung auch für Grün im öffentlichen Raum übernehmen. Wer sich dafür interessiert, ist zum nächsten Treffen des Arbeitskreises am 26. September um 20 Uhr in den Clubraum 3 des Bürgerzentrums eingeladen.

 

Frisch gepreßte Säfte, viele Informationen zum Thema Apfel, schmackhafte Hausmannskost und für die Kinder die Möglichkeit, durchs Mikroskop einen Blick in die Natur zu werfen, all das bot das zehnte Karbener Kelterfest 2003 auf der Wiese am Jugendkulturzentrum.

Geht man nach der öffentlichen Würdigung, erobern sich Apfel seit einigen Jahren offenbar den Stellenwert zurück, den sie früher in den meisten Regionen Hessens einmal hatten. Apfel‑ oder Kelterfeste gibt es mittlerweile auch in der Wetterau wieder häufiger, das Karbener Kelterfest feierte in diesem Jahr sogar sein Zehnjähriges.

Zu verdanken hat die heimische Frucht mit den vielen Verarbeitungsmöglichkeiten ihre steigende Popularität auch den Aktionsprogrammen der Naturschutzverbände, die sich seit einem guten Jahrzehnt Schutz und Erhalt der heimischen Streuobstwiesen auf die Fahnen geschrieben haben. Die Karbener Ortsgruppen von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Naturschutzbund (Nabu) waren es denn auch, die gemeinsam mit der Stadt Karben das Kelterfest vor zehn Jahren aus der Taufe hoben.

Mittlerweile hat es sich einen festen Platz im Festkalender erobert, mit der Resonanz waren die Organisatoren jedenfalls sehr zufrieden. Geschätzte 500 Besucher kamen bei herrlichem Spätsommerwetter auf die Wiese neben dem Jugendkulturzentrum, wo bis in die Abendstunden alles im Zeichen des Apfels stand. Die breite Palette der Verarbeitungsformen wurde dabei ebenso präsentiert wie Hintergründe zu den laufenden Schutzprogrammen. Am Stand von Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer konnten die Besucher frisch gepreßten Süßen, Rauscher und den letztjährigen Apfelwein probieren und machten davon reichlich Gebrauch. Daß die wohlschmeckende, dunkelbraune Brühe und das Stöffsche nicht die kulinarische Endstation für Apfel sind, demonstrierten sie mit selbst produzierten Bränden, die ebenfalls feil geboten wurden.

Um der bekanntermaßen verdauungsfördernden Wirkung der Apfelprodukte entgegen zu wirken, boten der Stammtisch vegetarische Vollwertkost und die Bund‑Ortsgruppe Produkte aus ökologischem Anbau an. Erstmals vertreten waren die Petterweiler Landfrauen, die schmackhafte Hausmannskost kredenzten.

Aber auch Geistesnahrung kam nicht zu kurz. An der Streuobstwiesenbörse konnten Interessierte mit den Naturschützern Kontakt aufnehmen, wenn sie ein Baumstück nicht mehr bewirtschaften wollen. Die Ortsgruppen vermitteln diese dann an Karbener Familien weiter.

„Es wurde einiges erreicht, aber es gibt immer noch viel zu tun“, faßt Nabu‑Vorsitzender Jürgen Becker die Arbeit der vergangenen Jahre zusammen. So hätten sich rund um Karben wieder bis zu zwölf Steinkauz‑Brutpaare angesiedelt. Und durch die Aufklärungsarbeit hätte sich die Sortenvielfalt auf den Obstwiesen vergrößert. Einen Eindruck davon konnten sich Besucher an der Apfelsorten‑Schau des städtischen Umweltamtes machen, wo 150 Sorten präsentiert wurden. Praktisches Wissen aus erster Hand gab der Steinfurther Apfelfachmann Thomas Helwig weiter. Peter Hofmann vom BUND-Vorstand machte deutlich, daß die Streuobstwiesen wieder wachsen und sprach von 1000 Bäumen, die in den vergangenen Jahren neu gepflanzt worden seien.

Um den naturinteressierten Nachwuchs kümmerte sich die Nabu‑Ortsgruppe, an deren Stand Kinder mikroskopieren und allerlei über heimische Pflanzen und Tiere lernen konnten. „Wenn alle in unsere Kindergruppe kommen, die sich angekündigt haben, hätten wir sogar ein Problem“, freuten sich Birgit Petri, Ulrike Kurz und Frauke Hansen dennoch über die große Resonanz.

Autos quälten sich durch den Schlamm der Feldwege, zahlreiche Paare, mit Spaten und teils auch Gummistiefeln ausgerüstet, schritten voran. Eine regelrechte Prozession von etwa 80 Karbener Frischvermählten suchte im November 2003 eine noch karge Hochfläche östlich von Burg‑Gräfenrode auf Seit zehn Jahren ist es Karbener Brauch, daß die jungen Eheleute nach ihrer Hochzeit einen Obstbaum pflanzen.

Bevor sie die Ärmel hochkrempelten und zur Tat schritten, gab der Bad Nauheimer Obstbauer Thomas Helwig letzte Instruktionen. Fast so feierlich und penibel wie ein Standesbeamter erklärte er die einzelnen Schritte des Obstbaumsetzens: Den Sproß einsetzen, abwechselnd Erde und Humus in die 30 Zentimeter tiefen Gruben schaufeln, mit einer Kordel am Pflanzstock festbinden und zum Schluß aus dem verbleibenden „Bodenmaterial“ einen Gießrand schaufeln. Rasch verteilten sich die Eheleute auf der geräumigen Wiese. Die meisten davon waren zwischen 25 und 35 Jahre alt, etliche hatten schon ihren Nachwuchs mit dabei.

 

Ein Baum für Leonhard: Ein besonderer Auflauf herrschte in einer weiter hinter gelegenen Ecke der Wiese: Dort pflanzten zwei Männer, eine Frau und vier Kinder zusammen einen Baum. Eine ganz neue, noch unbekannte Form der Lebensgemeinschaft? Mitnichten. Rupert Pfeiffer und seine Frau Nicole sind eigentlich schon seit 1996 verheiratet und haben drei Söhne. Die beiden Petterweiler haben zwar nach ihrer Hochzeit keinen Obstbaum gepflanzt, doch auch dieser Apfelbaum ist nicht für sie bestimmt. Das ist „Leonhards-Baum“, sagt Rupert Pfeiffer.

Leonhard ist der jüngste, sechs Monate alte Sohn der Pfeiffers. Und während sich seine Brüder Benedikt und Johannes mit ihren Kinderschippen abrackern, beobachtet er, von den Armen seiner Mutter aus, die Szenerie. Da geht es ihm wie seinem Vater, der sich mit den Worten „Ich mach die Bauleitung“ gleich ausgeklinkt hat und seine Söhne „supervidiert“' Darin ‑ das muß ihm zugestanden werden ‑ ist er aber auch wirklich vom Fach. Rupert Pfeiffer arbeitet als Bauingenieur in Wiesbaden, während seine Frau gelernte Mathematikerin ist. Der zweite Mann, Stephan Erb, hat seinem Patenkind Leonhard den Baum zur Taufe geschenkt ‑ und seinen Sohn Johannes als Verstärkung mitgebracht. Und da es in Karben noch keine „Taufhaine“ gibt, durften sich die Pfeiffers zu den Ehepaaren dazugesellen..

Bürgermeister Detlev Engel nannte vor der Pflanzaktion einige Zahlen: In zehn Jahren seien Flächen von insgesamt vier Hektar von Karbener Ehepaaren mit Obstbäumen versehen worden. Dies seien 400 Bäume aus 200 verschiedenen Sorten. Diesmal, in Burg‑Gräfenrode, wurden hochstämmige Apfelbäume ausgewählt, eher ältere Sorten mit so wohlklingenden Namen wie „Ananas‑Renesse“ oder „Rheinischer Krumm-Stiel“.

 

Rapp's Kelterei am Karbener Selzerbrunnen hat 2004 (?) den historischen Abfüllturm von 1878 als Besucherzentrum und Veranstaltungshaus „Juice Factory“ eröffnet. Nun folgt „ein Sahnehäubchen drauf - restlos begeistert“ zeigte sich Rapp's-Geschäftsführer Klaus-Dieter Kneip gestern vom Erlebnisgartens, der nahe der Kelterei auf städtischem Gelände „zu 95 Prozent“ angelegt ist. Die Eröffnung ist am Sonntag, 18. Juni, von 11 bis 17 Uhr, mit einem „Tag des offenen Gartens“.

Weitere „offene Tage“ im Sommer anzubieten, schlug Günter Hinkel vor. Der geschäftsführende Gesellschafter der in Bad Vilbel ansässigen Hassia-Gruppe - Rapp's Kelterei gehört dazu - war bei der Projektvorstellung dabei. Und natürlich die „Macher”: Rapp's Marketingleiter Michael Schneider, der die Idee hatte und damit zur Stadt Karben ging, wo Umweltamtsleiter Thomas Adam schon seit längerer Zeit über ein „grünes Klassenzimmer“ nachdachte. Bürgermeister Roland Schulz mußte nicht überredet werden, ebensowenig Kneip. Neben dem Jukuz fanden Schulz und Adam das passende Areal: Zwischen alten Streuobstbäumen, flankiert vom Wald, breitet sich nun - nach gut dreijähriger Entwicklung - auf 4000 Quadratmetern der Erlebnisgarten aus.

Auf weichem Wege - gepolstert mit Mulch aus 20 gefällten Karbener Pappeln - wandert der Mensch durch bezaubernde Natur-Vielfalt. Am Eingang steht das „grüne Klassenzimmer” aus Holz. Im Teich daneben blühen gelbe Wasserlilien. Ein Trockenrasen gedeiht auf Heuchel­heimer Schotter. Zum Verweilen laden Bänke am zweiten, größeren See ein, darüber Holzbrücke und breiter Steg. Zur Information sind „Naturfächer“ mit ausklappbaren Tafeln postiert, Schilder erläutern, was auf dem Sandrasen wächst, im Nasch-, im Kräuter- und im Apothekergarten.

Der geologische Pfad trägt abschnittsweise Gesteinsarten der Region: Man läuft auf Tonschiefer aus gehärtetem Schlamm, auf Taunusquarzit aus Sand geschmolzen und auf Marmor respektive verwandeltem Kalkstein.

Auf dem Kinderspielplatz sprudelt ein Wasserspiel. Wieder fallen schöne Kantsteine ins Auge: Sie stammen aus dem Steinbruch bei Heilbronn, und Adam hat sie „bei Ebay ersteigert - wirklich!” Vorbei an der Bienen-Nistwand und durch den begehbaren Reisighaufen führt der Weg in den Wald zur Vogel-Beobachtungsstation, einem schon lange existierenden Holzhäuschen mit Moos auf dem tiefen Dach.

Nistkästen mit Kameras sollen noch aufgehängt werden. Geplant ist ein zweiter Bauabschnitt „Wald” mit einem Weidenlabyrinth. Den Naturerlebnisgarten - angelegt für 70.000 Euro, davon 30.000 zahlte Rapp's - umgibt ein Holzzaun: Zu kostbar ist das „Kleinod“, um es ohne Aufsicht durchweg zu öffnen. Führungen sind bei der Stadt Karben wie auch bei Rapp's Kelterei - als Teil der Betriebsschau - kostenlos zu buchen. Die Stadt verfaßte ein Faltblatt und ein „Entdecker-Rätsel” für Kinder plus Begleitbuch für Eltern, Erzieher, Lehrer. Kneip will mächtig „die Werbetrommel rühren”. Hinkel denkt an »ein paar Millionen Etiketten auf Rapp's-Flaschen.

 

Die vom Steinfurther Poomologen Thomas Helwig betreute Sortenausstellung aus der Baumschule Berg in Pyrmont war in wahres Dorado für Apfelliebhaber. In  Dreierreihen, appetitlich auf Tellern dekoriert, präsentierten sich 153 Apfelsorten, darunter viele Raritäten, von denen höchstens zwei Prozent im Handel erhältlich sind. Tolle alte Sorten seien „Purpurroter Cousinet” oder auch der „Horneburger Pfannkuchenapfel” oder „Roter Traubenapfel”, schwärmte der Apfelfachmann.

Besucher hatten die Möglichkeit, bei ihm Apfelsorten bestimmen und sich über Vorzüge und Schwächen einzelner Apfelbaumarten unterrichten zu lassen. Neben seiner Beratungstätigkeit im Auftrag von Thomas Adam vom städtischen Fachdienst Umwelt und Naturschutz bot er am eigenen Stand Produkte aus dem eigenen ökologischen Obstanbau an.

Zum Augen- und Gaumenschmaus am  Sonntag bei sonnigem Herbstwetter eingeladen hatten die Karbener Umwelt- und Naturschutzgruppen sowie die Stadt Karben. Zu den Hauptattraktionen des beliebten Familienfestes rund um den Apfel gehörten erneut Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer mit ihrer historischen Maische-Maschine und Kellerpresse. Rund 40 Kinder drehten den ganzen Nachmittag lang ohne Unterlaß die Kurbel der Kelterpresse und verfolgten gespannt den Weg der Äpfel über die Maische bis zum frischen Süßen, der sogleich verkostet wurde.

„In diesem Jahr haben Spätfrost, Frostspanner und Apfelwickler für eine schwache Ernte gesorgt. Die Qualität ist jedoch gut”, betonte Wolfgang Lazar, der drei verschiedene Apfelweine, Apfelsaft, Süßen und Obstbrände wie „Vilbeler Quetschewasser” anbot.

,Wie viele Äpfel sind im Sack?", wollte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beim traditionellen Apfelschätzwettbewerb wissen. Die glücklichen Gewinner erhielten als ersten Preis einen Sack Kartoffeln, als zweiten ein Brot und als dritten sechs Eier. „Alles Bioprodukte wie auch die Zutaten unsere Angebote am Stand. Egal, ob die Besucher ,Tiroler Apfelkuchen' oder Würstchen mit Brötchen und Senf essen oder unsere Kürbisse mit nach Hause nehmen. Bei uns stammt alles aus dem biologisch-dynamischen Anbau”, warb Karbens BUND-Vorsitzende Ulrike Loos um das Vertrauen der Verbraucher.

Der Klein-Kärber „Stammtisch vegetarische Vollwertkost” hatte diverse Getreidesalate wie Pokora und indische Spezialitäten auf seiner Karte stehen. Jürgen Becker, Vorsitzender der örtlichen Naturschutzbund Deutschland Gruppe (NABU), verteilte an Interessenten Bauanleitungen für Schleiereulenkästen. „Voraussetzung für das Aufstellen eines solchen Kastens ist ein großer hoher Dachboden mit einem Mauerdurchbruch oder Fenster.“

Schnell vergriffen waren die 20 mit Hilfe von begeisterten Kindern gebohrten Insektenhölzer. „Die Löcher sind ideale Winterquartiere für Solitärbienen und Wespen und können im Garten oder am Haus aufgestellt werden.” Auch Meisen- und Hummelnester sowie zahlreiche Infobroschüren fanden großes Interesse bei Haus- und Gartenbesitzern. Der Nachwuchs konnte bei der Kindergruppe des NABU seinen Forscherdrang unterm Mikroskop ausleben. Mikroskopiert wurden Präparate von Insektenflügel, Mundwerkzeuge und Drüsen von Spinnen, Schnitte durch Zellen von Blättern sowie Wassertropfen. Riechdöschen mit verschiedenen Gewürzen, Kaffee oder Pfefferminze sowie eine Fühlkiste mit unbekanntem Inhalt sorgten für Spannung. Eine echte Herausforderung für viele Kinder und Erwachsene war das Zuordnen von Früchten zu Blättern von Bäumen und Büschen.

Der Arbeitskreis Natur- und Landschaft der Agenda 21-Karben warb für die Teilnahme am im Oktober stattfindenden Blumenschmuckwettbewerb „Herbst-Zauber” und den des Frühjahrs „Frühlingserwachen” und informierte über Baumpatenschaften. Für das kulinarische Wohl der Besucher sorgten auch die Petterweiler Landfrauen und der Weltladen, für die Kurzweil der Kinder das städtische Spielmobil und ein Schminkstand.

 

Beim 25. Blütenfest in Klein-Karben 1999 ließen sich die Pfingstausflügler den selbstgekelterten Apfelwein in der Klein-Karber Gemeinschaftsobstanlage munden. Wie es sich gehört, wurde mit einem gekrönten Oberhaupt gefeiert: Blütenkönigin wurde die 33jährige Ulrike II. (mit bürgerlichem Namen „Henne“).Mit gewinnendem Lächeln und freundlichen Worten auf den Lippen hieß sie die jeweils rund 500 Gäste an den beiden Pfingstfeiertagen in ihrem sonnigen Obstplantagenreich willkommen - die großen mit einem Schnaps, die kleinen mit einer Süßigkeit. Bei üppiger Bewirtung, Blasmusik und ökumenischem Gottesdienst läßt man sich an den langen Tischreihen zwischen den Bäumen und dem Vereinshaus nieder, auf dem ein kleines Windrad die Hälfte des regulären Strombedarfs produziert. Kinder können auf Ponys durch die Anlage und die neu hinzugekommene Streuobstwiese reiten.

Ihre Hoheit selbst läßt in der vier Hektar großen Anlage mit ihren rund 5.000 überwiegend Apfelbäumen eine halbe Parzelle mit 68 Obstgewächsen (Apfel, Kirsche. Birne) bewirtschaften. Blütenkönigin Ulrike freut sich auch über neue Johannis-, Stachel-. Brombeer- und Haselnußsträucher auf dem neuen Pachtgelände. Und Vereinschef Rau hofft, in zwei bis drei Jahren den Begrüßungsschnaps zur Pfingstveranstaltung selbst produzieren zu können. Im Herbst hat der Verein dafür eigens schwachwachsende Steinobstsorten gesetzt.

Armin Rau, Vorsitzender des im 41. Jahr bestehenden, rund 85köpfigen Vereins mit etwa 35 aktiven Obstbauern, wirbt bereits kräftig neue Mitglieder an (Interessierte melden sich unter Tel. 0 60 39/66 61): Man kann in geselliger Runde eigenes Obst ernten (und auch direkt vermarkten), selbst Süßen und Apfelwein herstellen und in herrlicher Lage hoch über dem Niddatal mit Ausblick in den Taunus auch private Feste in der lauschigen Vereinsanlage feiern.

 

„Am schönsten ist der erste Apfel der Saison“,  sagt Oliver Schmidt versonnen. Der Vorsitzende der Gemeinschaftsobstanlage Klein‑Karben genießt 2003 die erste selbst geerntete Frucht mit allen Sinnen. „Der Geruch von frischem Obst ist einfach herrlich.“ Und dann der Biß: „Schön saftig, der Saft läuft raus ‑ ein tolles Gefühl“, schwärmt der 35‑Jährige. Ab August erntet der Petterweiler auf seiner Parzelle frische Äpfel, bis Ostern hält sich der Vorrat im Keller. Danach heißt es für Schmidt warten ‑ auf den ersten Apfel der Saison. Denn: „Ich kaufe nichts im Laden.“

Warum Schmidt lieber monatelang gar keine Äpfel ißt als gekaufte, erschloß sich allen Besuchern beim Tag der offenen Tür der Gemeinschaftsobstanlage am vergangenen Feiertag. Da stand Pressewart Friedrich Donner hinter Kisten voller knackiger Früchte, dem intensiven Duft schloß sich entsprechender Geschmack an. Und jeder Besucher wurde ausführlich beraten. Die 35 Mitglieder der Obstanlage hatten alle Hände voll zu tun, so viele Besucher kamen. Sie bewirtschaften die rund 10.000 Bäume auf der sechs Hektar großen Anlage nach den Genossenschaftsprinzip. Pflegearbeiten, die viel Sachverstand voraussetzen, übernimmt die Gemeinschaft, erläutert Schmidt: „Spritzen ist eine sensible Arbeit, das macht der Armin  Rau.“ Auch neue Bäume werden zusammen bestellt. Bei Festen wird überschüssige Ernte gemeinsam verkauft, den Rest der Arbeiten erledigen die Mitglieder selbst. So werden die Bäume Winters wie Sommers oder zur Pflege geschnitten. „Hier fallen wenige Niederschläge, wir haben ein günstige Lage in der Wetterau“, meint Donner. Seine Frau Irmgard hat Kuchen fürs Fest gebacken. „Im Verein sind meistens die Männer“, so Schmidt, „aber mithelfen tut die ganze Familie“.

Der Bürokaufmann ist seit zehn Jahren in der Gemeinschaft, wurde dieses Jahr zum Vorsitzenden gewählt. Bei einem Blütenfest hatte ihn der Geschmack eines selbst geernteten Apfels begeistert: „Das ist eine Qualität, die man im Supermarkt nicht kaufen kann.“ Rund 144 Bäume stehen auf einer Parzelle. Und ein Baum kann im Durchschnitt 20 Kilo Obst einbringen. Auf der Anlage zwischen Friedhof und Waldesrand wachsen über 20 verschiedene Sorten. „Aber wir haben nicht nur Äpfel, darum sind wir eine Obstanlage“, erläutert Schmidt.

Und tatsächlich: Beim Gang durch die schnurgeraden Reihen von niedrigen Bäumen offenbart sich die Vielfalt: Birnen, Kirschen, Mirabellen, Zwetschgen, Sauerkirschen, Himbeeren und sogar Weintrauben werden hier geerntet. Klein sind die Bäume. „Neue Züchtungen“, verrät der Vorsitzende, für die keine Leitern mehr nötig sind. Aber neue Mitglieder brauchen kein Züchter-Fachwissen oder spezielle Vorkenntnisse. „Nur Spaß an der Arbeit in der frischen Luft müssen sie haben“, so Schmidt. Und am Geschmack von Rubinette, Alkmene, James Grieve, Delicius oder Boskop. Interessenten melden sich bei Friedrich Donner, Telefon 06039 / 1496.

 

In Karben-Okarben feiert man Taufe unter dem Apfelbaum: Zu den knackigen, grünen Boskopäpfeln an den Ästen des ausladenden Obstbaumes gesellten sich rote aus Papier. Die flatterten leise im Wind, während mit kräftiger Stimme des Gottesdienst zelebrierte. In der evangelischen Gemeinde Okarben hat Pfarrer Eckart Dautenheimer aufgerufen, den Familiengottesdienst im Grünen zu feiern. Gut und gerne 160 Gemeindeglieder nebst Kind und Kegel waren am Sonntag auf das Baumwiesengrundstück der Familie Mäser gekommen. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes  stand die Taufe von fünf Kindern.  „Gott weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser“ lautete der Taufspruch für die kleine Eva, die anschließend, wie alle anderen Kinder auch eine Taufkerze überreicht bekam. Mit dem Gottesdienst im Grünen führt Eckart Dautenheimer in diesem Jahr fort, was sein Vorgänger vor vier Jahren eingeführt hatte. Bei den Gemeindemitgliedern kommt der Freiluft-Gottesdienst gut an: Nach vorsichtigen Schätzungen waren am Sonntag unter dem Apfelbaum mehr Gläubige anzutreffen als an gewöhnlichen Sonntagen in der Okarber Kirche. Kein Wunder, gab es doch im Anschluß an die morgendliche Veranstaltung unter dem Apfelbaum sogar noch Gulaschsuppe und Getränke. So endete der Morgen in einem fröhlichen Beisammensein.     

 

Bad Vilbel

Der Bad Vilbeler Jürgen Pfeiffer und der Karbener Wolfgang Lazar (jetzt Rendel) haben sich im Laufe der Jahre ein großes Wissen über die Apfelweinherstellung angeeignet. Angefangen hat die Schwäche fürs Keltern damit, daß die beiden Vilbeler vor rund 20 Jahren eine alte Korbpresse gefunden hatten. Darin hatten sie Äpfel gepreßt und versucht, Apfelwein zu machen. Immerhin kamen zwei Ballons à 25 Liter dabei heraus. Der Erfolg beflügelte die beiden Mitarbeiter in der Frankfurter Verwaltung: „Es wurden immer mehr Äpfel verarbeitet; so viel, daß ich einen Tag Urlaub zum Keltern nehmen mußte“, berichtet Jürgen.

Die Äpfel stammen aus eigenen Streuobstwiesen rund um Bad Vilbel. Früher haben die beiden mit ihren Familien noch Äpfel auf städtischen Grundstücken bei Feldschütz Körber er­steigert. Doch dann wollten immer mehr Leute Apfel pflücken, und es blieb zu wenig für die Stöffchenproduktion. Da sie aber Saft und Wein aus ungespritzten Äpfeln trinken wollten, befaßten sie sich auch mit Anbaufragen und Landschaftspflege. So begannen sie, Grundstücke mit Hochstamm-Äpfeln zu kaufen. Pfeiffer nahm an Schnittkursen teil und hatte schließlich so viel Erfahrung, daß er einen Bildungsurlaub zur Streuobst-Ökologie über die Naturfreunde organisierte.

Im Jahre 1986 begannen die beiden, auf Wochenmärkten mit der alten Kelter aufzutreten: „Wir wollten zeigen, woher der Süße und der Apfelwein kommen“. Kinder und Städte konnten sich ein Bild vom Handwerk des Kelterns machen. Zugleich konnten sie schmecken, daß handwerklich gepreßter Saft nach der jeweiligen Apfelsorte schmeckt - und nicht gleich wie der aus allen Flaschen aus dem Kaufhaus-Regal.

Der letzte Höhepunkt ihrer Auftritte war 1997 beim Tag der offenen Tür des Hessischen Rundfunks. Dort haben die beiden Hobby-Kelterer die Streuobstroute des Wetteraukreises vertreten und gekeltert. Mit der Zeit hat sich das Duo auch auf Anregung von Konrad Stang, dem bekannten Wirt aus der „Hanegass“, eine eigene Presse gekauft. Seitdem können Apfelbaumbesitzer mit kleineren Mengen ihren Eigenbedarf im Grünen Weg pressen.

Mittlerweile steilen Jürgen Pfeiffer und Wolfgang Lazar nicht nur Apfelwein her, sondern auch Saft, vor allem für die Kinder.

Dabei hilft die „Baumannsche Entkeimungsglocke“, die in den 30er Jahren in der Verwertungsanlage in Ober-Erlenbach entwickelt wurde. Durch die doppelwandige Glocke wird der frisch gepreßte Saft im Wasserbad auf 83 Grad erhitzt, nicht gekocht. So gärt er nicht, außerdem bleiben viele Vitamine erhalten. Ein Bekannter, ein pensionierter Regelgerätespezialist, hat ihnen noch eine temperaturabhängige Schaltautomatik eingebaut.

Bei ihrem Lernprozeß konnten sich die Vilbeler in ein „Netzwerk“ von Apfelwein-Kennern und Landschaftspflegern einklinken: Vom Obsthof Schneider in Nieder-Erlenbach über Thomas Adam im Umweltamt der Stadt Karben, der einen Obstsorten-Garten anlegte, bis hin zu Apfelwein-Spezialisten in Spessart und Odenwald. So entstand ein regelrechtes Netzwerk rund um die heimischen Apfelsorten und deren Verwertung. Die Anregungen wurden über Kindergruppen der Naturfreunde, der Waldorfschule und andere Schulkassen weitergegeben. Ins Netzwerk gehören auch der Vorsitzende der Vogelschützer in Bad Vilbel, Heinz Gilbert, sowie der Hobbyschäfer, der die Apfelbaumgrundstücke von seinen Schafen mähen läßt und den Trester verwertet.

 

Für ihr Engagement für die Streuobstwiese am Wingert hat der Naturschutzfonds Bad Vilbel im Jahre 2005 drei Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Obstwiesen geehrt. Die Preisträger betonten, wie nützlich die Wiese als Obstlieferant und Naherholungsgebiet ist. „An vielen Orten der Welt ist die Natur bedroht. Wir wollen etwas dagegen tun und fangen vor der eigenen Türe an.“ Hans Tuengerthal, Koordinator des Natur‑Schutzfonds Bad Vilbel, betonte während  der Festveranstaltung anläßlich des 25. Naturschutztags im Bad Vilbeler Kurhaus die Bedeutung von Umwelt- und Naturschutz für die eigene Region. So standen an diesem Abend auch besonders die Bad Vilbeler Streuobstwiesen im Mittelpunkt.

Für ihr Engagement zur Erhaltung des Naturraums am Wingert wurden Jürgen Pfeiffer, Walter Lazar und Achim Denneler mit dem Naturschutzpreis geehrt. „Als Mitglieder des Arbeitskreises Streuobstwiesen haben die drei Männer dazu beigetragen, die Lebensqualität für die Bürger Bad Vilbels zu verbessern”, sagte Tuengerthal. Dem Fonds gehören die Naturschutzgesellschaft Bad Vilbel und Umgebung, die Stadt Bad Vilbel, die Sparkasse Wetterau und die Frankfurter Volksbank an. Mit dem Naturschutzpreis ehrt der Fond jedes Jahr ehrenamtliches Engagement im Umweltbereich. Damit soll das Bewußtsein der Bad Vilbeler Bürger für den Erhalt des Naturraums geschärft werden.

Denneler, Lazar und Pfeiffer helfen im Initiativkreis Ökologie in Bad Vilbel mit, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiesen gehört. Mit ihrer Arbeit wollen die drei Männer die Streuobstwiese hinter dem Wingert erhalten, die sich oberhalb der Lohstraße in der Nähe des Friedhofs befindet.  Wolfgang Lazar zum Beispiel hat schon als Kind auf den Streuobstwiesen seines Großvaters mitgearbeitet und fühlt sich deshalb für den Erhalt dieses einhundert Hektar großen Gebietes verantwortlich. „Für mich ist das ein Generationen übergreifendes Projekt”, sagt der 45-jährige Verwaltungsbeamte.

Zusammen mit dem Obstbauverein Bad Vilbel präsentierten die Geehrten außerdem verschiedene Apfelsorten, Säfte und Weine aus heimischen Früchten. „Damit wollen wir zeigen, wie vielseitig der Apfel ist”, so Lazar. Mit dem Wissen um die Nützlichkeit der Frucht steige bei den Menschen auch der Wille, Obstwiesen, wie das Gebiet am Wingert, zu erhalten.

Ihre Begeisterung fürs Keltern begann bei Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer 1979. Damals fanden die beiden eine alte Handpresse für Apfelwein, mit der sie zu experimentieren begannen. Da man für einen guten Wein auch hochwertige Äpfel braucht, eigneten sie sich die nötigen Kenntnisse im Obstbau an. Achim Denneler fand, ähnlich wie seine beiden geehrten Kollegen, durch seinen Großvater zum Apfel. Der Obstwirt arbeitet seit 1986 im Dottenfelderhof und engagiert sich seitdem für den Erhalt der Obstwiese.

Aber nicht nur wegen der Apfelernte ist das Bad Vilbeler Naturgebiet für die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Obstbau schützenswert. „Man kann wunderbar durch die Wiesen wandern oder Fahrrad fahren”, sagt Lazar. Die Streuobstwiese am Wingert sei ein wertvolles Naherholungsgebiet und damit eine Bereicherung für die Stadt. „Jeder, der schon einmal beim Äpfelpflücken einen Sonnenuntergang am Wingert beobachten konnte, weiß daß die Wiese ein einmaliges Geschenk ist“ so Lazar.

 

Gastwirtschaft  „Knoche“ in Massenheim:

Das ist eine traditionelle Apfelwein-Wirtschaft mit typischem Flair. Der bärtige Wirt heißt Manfred Wenzel, Mitbesitzer der netten „Weinpfalz“ in Sachsenhausen und führt seit vier Jahren den „Knoche“, der als Jägersruh schon 1884 bekannt war. Irgendwann wurde der „Utzname“ des damaligen Wirts zum Namen des Lokals, denn angeblich soll dieser auf alles eine Antwort gewußt haben, ein echter „Knoche“ halt. Hier faßt das Gerippte noch 0,3 Liter, bekanntlich das Idealmaß für den wahren, echten Schoppen. „Da ist das Stöffche aus Wetterauer Äpfeln hausgemacht“ und lagert im Keller dem Ausschank entgegen.

Das Ambiente ist ganz „traditionelle Apfelweinwirtschaft“ mit niedriger Decke, Dielenboden, Resopaltischen, Sitzbank und Holzstühlen mit bunten Sitzkissen. Neue Gäste werden skeptisch gemustert. Vom Wirt wie von den anderen Gästen, die sich alle zu kennen scheinen.

Für 11 Mark (Preise von 1998) darf man das gelbe „Himmelsgesöff“ im Fünf-Liter-Gebinde sogar nach Hause tragen. An Ort und Stelle genossen, kostet dieses Stöffche 2,10 Mark, ein kleines Wasser dazu 2,50, das große Wasser (Städter bitte festhalten) - nur 3 Mark, und zwar ganz ohne Bembelzwang, Bier gibt es aus der Flasche (3,30) und trotz aller Apfelwein-Tradition als pommesfreie Zone für Kids Cola, Fanta oder Apfelsaft.

Natürlich ist alles vertreten, was zur Ebbelwei-Küche gehört, daneben krosse Bratkartoffeln, Feldsalat mit Filetscheiben, Grillteller (16) und für Fleischverweigerer Gemüse-Rösti mit Rahmchampignons (16). Die Krönung hinterher ist der Apfelpfannkuchen mit Kirschen und Vanilleeis (9,50).

Trotzdem würden wir am liebsten eine „Knoche“-Brotdiät absolvieren: Das zwiegebackene Brot ist der Knaller, dessen fast schwarze Kruste vom zweiten Backen stammt. Denn nachdem der Bäcker geliefert hat, backen die Knochen-Köche das Brot noch einmal. Das Ergebnis schmeckt so gut, daß man gern einen Laib heimtragen würde. Doch die Menge ist begrenzt, „verkauft wird nix“. „Zum Knoche“, Rathausstr. 4, 61118 Bad Vilbel-Massenheim, Tel. 06101-425 6.3, geöffnet täglich ab 17 Uhr,. Ruhetag: Donnerstag. (Im Ort an der Heimatstube abbiegen).

 

 

Taunus

 

Keltertour 2005

Dem Apfel auf der Spur waren hunderte Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Auto. Insgesamt neun Betriebe aus Frankfurt und dem Vordertaunus beteiligen sich an der 3. Keltertour. Veranstalter war der Verein Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute. Ziel war es, den zahlreichen Besuchern zu zeigen, wie der Apfel in die Flasche kommt und Süßer oder Apfelwein produziert werden. Gewinnen konnte man auch noch etwas; wer sich an drei Stationen der Tour eine Apfel-Stempelkarte stempeln ließ, durfte an einer Verlosung teilnehmen.

Wie der Apfel in die Flasche kommt haben gestern mehrere hundert Menschen bei der 3. Kelter-Tour zwischen Frankfurt und dem Taunus erfahren. Gastwirtschaften und Keltereien präsentierten ein buntes Programm rund um den Apfel. Den ersten frisch gepreßten Süßen an diesem Tag gab's auf dem Gimbacher Hof für die Kinder. Direkt aus dem Eimer am Ende der Kelter schöpft der bullige Mann mit Plastikbechern den Saft. Strahlend halten die Kleinen die noch tropfenden Becher in der Hand. „Lecker”, sagt der Dreijährige und leckt sich über die Lippen. Zufrieden zeigte sich auch Wirtin Margret Schiela vom „Gimbacher Hof', in dessen Innenhof bei einem Erntefest-Markt Produkte aus der Umgebung angeboten wurden. Da gab es unter anderem Gestecke, Kürbisse, Marmeladen und Honig. Schwiegersohn Bernd Wittekind aus Fischbach, verkaufte frisch gebackenes Brot aus Dinkel oder Roggen.

Wir sind sehr zufrieden. Es macht richtig Spaß - vor allem haben wir Glück mit dem Wetter”, sagte Wirtin Margret Schiela. Massenhaft säumten die Autos die Straßenränder von Kelkheim hinauf bis zum Hof: Die Äpfel zum Keltern stammten von den rund 260 alten Hochstämmen der Familie Schiela.

Selbstredend, daß im „Gimbacher Hof' an diesem Tag auch das Menü mit Apfelhaltigem angereichert war, so gab es beispielsweise eine Apfelsuppe als Vorspeise. Das war in den anderen drei im Main-Taunus-Kreis beteiligten Gaststätten ebenso. In Eberhard's Feldscheuer in Bad Soden gab es zum Kaffee „Großmutters Apfelkuchen sehr fein”. Frisch gekelterten Süßen konnten die Kelter-Tour-Besucher im Gasthaus „Zum Grünen Baum” in Bad Sodener Stadtteil Altenhain genießen.

Im Gasthaus „Zum Taunus” wurde eine Apfelernte-Ausflug ins umliegende Apfel-Land für Kinder angeboten. „Diesmal war die Resonanz allerdings nicht so hoch wie beim letzten Mal”, sagte Eva Schweiger vom Gasthaus. 14 Kinder machten gestern mit, im Jahr zuvor waren es noch mehr als 40. Bei der Ernte-Tour fuhren die Kinder mit einem Traktor raus, um selbst zu ernten und nach der Rückkehr beim Keltern zu helfen. Jeder durfte sich anschließend einen Kanister voll süßen Saft mit nach Hause nehmen. Auch wenn der Ausflug weniger Kinder angelockt hatte als im vergangenen Jahr, das Gasthaus jedenfalls war am Sonntag „voll”.          

 

Mainz

Mit einem Geschmackstest, bei dem das hessische Traditionsgetränk Apfelwein erkannt werden muß, präsentiert sich Hessen bei den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit am 2. und 3. Oktober 2001  in Mainz. Teilnehmer am hessischen Stand bekommen je einen Becher mit Apfelwein, französischen Cidre und englischen Cider. Wer das richtige Getränk heraus schmeckt, nimmt an einer Verlosung teil. Außerdem gebe es ein Hessen‑Quiz mit einem Luxus‑Wochenende in einem hessischen Hotel als Hauptpreis. Kinder können am Glücksrad einen Apfel und ein Überraschungs-Ei erspielen. Zu den Einheitsfeierlichkeiten werden rund 300.000 Besucher und zahlreiche Prominente erwartet. Im Hessenzelt unterhalb des Rathauses zeigt die Universität Gießen in ihrem Projekt Telemedizin, wie online Patienten aus verschiedenen Kliniken aus der Ferne diagnostiziert werden können. Die Landesehrenamtsagentur, ein Projekt der Friedensschule Herborn‑Merkenbach zusammen mit dem Freiwilligenzentrum Dillenburg und die Seniorenhilfe Dietzenbach stellen ihre Arbeit vor.

 

Nassauer Land

Die Streuobstroute durch das Nassauer Land ist jetzt in zwei Karten eingezeichnet. Sie sollen Radfahrern und Wanderern die Orientierung erleichtern und zusätzlich wertvolle Tips für Sehenswürdigkeiten, Schutzhütten, Grillplätze und Ausflugslokale geben. Auch andere Wege, etwa der Limeswanderweg, sind in den Karten eingetragen. Die beiden Blätter mit den Titeln „Hohenstein und Umgebung“ und „Aarbergen und Umgebung“ kosten jeweils 3,50 Mark. Sie können über das Internet unter der Adresse www.streuobstroute-nassauer-land.de bestellt werden.                     

 

Um Streuobstwiesen und deren Vermarktung kümmert sich Barbara Helling als Geschäftsführerin des Streuobstwiesenvereins Main-Taunus. Etwa 700 Hektar solcher Flächen gebe es heute noch im Kreisgebiet, erzählte sie: „Das sind nur noch 20 Prozent von jener Fläche, die es in den 60er Jahren hier gab.“ Die Wiesen wurden meist in Bauland umgewandelt, denn der Siedlungsdruck wuchs und wuchs. Die Ursache für den Rückgang sah Barbara Helling jedoch woanders: „Das Obstbaumgeschäft hat sich für die Leute nicht mehr rentiert“, resümierte sie beim Erzähl-Café. Doch in jüngster Zeit zeichne sich ein Umdenken ab: „Man kann nicht von einem Trend sprechen, aber es kommen vor allem junge Leute auf mich zu, die Interesse an der Bewirtschaftung einer Streuobstwiese haben.“

 

Wiesbaden

Der Wiesbadener Streuobstkreis  veranstaltete 2001 eine Apfelweinprobe in einer Kelterei Wiesbaden-Freudenberg. Der Wiesbadener Streuobstkreis hat es sich zum Ziel gesetzt, die landschaftstypischen hochstämmigen Apfelbäume vor der Motorsäge zu bewahren. So wichtig ist ihnen der Erhalt der Streuobstbestände, daß sie die Apfelbaumkultur sogar zum Unterrichtsfach erhoben: Die Jungen und Mädchen der Wiesbadener Geschwister-Scholl-Schule betreuen eine 3,5 Hektar große, von der Stadt gepachtete Wiese mit 183 Obstbäumen. Im Herbst 2000 ernteten sie 80 Zentner Äpfel, die in der schuleigenen Kelterei zu 650 Liter Most und 2.000 Liter Apfelwein verarbeitet wurden. Und zu Apfelschaumwein für besondere Gelegenheiten: „Wir schenken zu Geburtstagen oder Jubiläen nicht irgendeinen Sekt aus“, erzählt Lehrer Michael Geier, „sondern unsere Hausmarke“ - hergestellt nach dem renommierten französischen Rezept der „methode champagnoise“: handgerüttelt und flaschenvergoren. Der Lehrer aus Aarbergen, der auch die Apfelweinprobe in Wiesbaden leitete, kennt die Regeln der Apfelweinherstellung aus der heimischen Kelterei. In Rückertshausen, einem Ortsteil Aarbergens, habe es nach dem Krieg 1.200 Apfelbäume und eine Baumschule gegeben, in den Sechziger Jahren seien es gerade noch einmal knapp 100 Bäume gewesen. Mittlerweile hat sich der Bestand wieder auf 440 vergrößert.

 

Diedenbergen (bei Hofheim):

Im Main-Taunus-Kreis werden Privatleute, die kleine Streuobstwiesen besitzen seit sechs Jahren angehalten und motiviert, ihr Kelterobst wieder sorgfältig zu pflegen, es zu ernten - und zu vermarkten. Zum siebten Mal nimmt der Verein „Main-Taunus Streuobst“ im Löwenhof in Diedenbergen Äpfel von Klein-Erzeugern an, zahlt sie aus und läßt die Früchte zu Saft verarbeiten. Der Anreiz ist der Preis  zwischen 30 und 35 Mark pro Doppelzentner, Keltereien zahlen nur etwa die Hälfte.

Der Streuobstverein kann mehr zahlen weil er kontrolliert ökologischen Anbau garantiert und den Saft deshalb auch teurer verkaufen kann. Bei den kleinen Mengen an Boskop, Bohn- und Weinapfel und anderen klassischen Keltersorten, die die Erzeuger anbauen, lohnt sich der Einsatz etwa von chemischen Pflanzenschutzmitteln ohnehin nicht. Für die Einzelpersonen, deren Obstwiesen zum Teil nur 500 bis 1000 Quadratmetern groß sind, rentiert sich aber auch der Beitritt zu einem Verband mit Gütesiegel nicht, wegen der Kontrollgebühren von 400 bis 500 Mark im Jahr. So ein Siegel ist aber notwendig, um den „Öko“-Saft auch zu angemessenen Preisen verkaufen zu können.  Der Verein Main-Taunus Streuobst ist stellvertretend für seine Erzeuger Mitglied bei Bioland, einem seit Jahren bestehenden Verband für ökologischen Anbau mit hohem Bekanntheitsgrad. Für den Verein beträgt die Kontrollgebühr 2.000 Mark, dafür wird der Saft aller Vereinsäpfel dann in Flaschen mit dem Bioland-Logo verkauft. Der Landschaftspflegeverband Main-Taunus-Streuobst, so der korrekte Titel, wurde 1992 von Kommunen, Naturschutz- und Bauernverbänden im Main-Taunus-Kreis gegründet, um die Streuobstwiesen im Vordertaunus zu erhalten.

Kontrolleurin für die Produkte des Vereins ist Barbara Helling, Geschäftsführerin des Vereins „Main-Taunus-Streuobst“. Bei Fahrten durch das Anbaugebiet prüft sie, ob die Bioland-Richtlinien, nämlich der Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide, eingehalten werden. Außerdem bietet der Verein Kurse an, wie man Obstbäume richtig beschneidet oder wie man mit natürlichen Mitteln Ungeziefer abhalten kann. In den sechs Jahren des Vereinsbestehens ist die Zahl der Mitglieder von 18 auf 58 Erzeuger gestiegen, die insgesamt 25 Hektar Streuobstwiesen besitzen.

Vom Löwenhof, der für den Streuobstverein als Sammelstelle fungiert, kommt der große rote Container, in dem alles angelieferte Obst nach dem Wiegen landet, in eine private Kelterei bei Weilburg. Bislang verarbeitete die Reha-Kelterei Roter Hamin in Frankfurt-Niederrad das Taunus-Obst. Der Ertrag dieses Jahres übersteigt aber das Volumen des kleinen Betriebes. Anfang November kommen die Main-Taunus-Kelteräpfel dann als Saft in Flaschen mit dem bunten Bioland-Etikett zurück in den Kreis. Supermärkte und Hofläden verkaufen das Getränk für 2,70 Mark je Liter. Kontakt über Telefon 06192/201393.

 

Rettershof (bei Kelkheim):

Beim Erntedankfest auf dem Kelkheimer Rettershof im Jahre konnten sich Besucher ansehen, wie Apfelsaft und -wein entsteht. Der Kleintierzuchtverein Fischbachtal hat unter dem Motto „Tiere zum Anfassen“ dazu eingeladen, den Hof zu besichtigen. Der Fischbacher Obst- und Gartenbauverein eröffnete seinen frisch renovierten Kelterraum. Seit Februar wurde jede freie Minute investiert, um den brüchigen Boden und die nassen Wände im Kelterraum zu erneuern. Alle Mitglieder hätten ehrenamtlich gearbeitet. Nur für das Material mußten sie 40.000 Mark aufbringen. Daß sie gute Arbeit geleistet haben, bescheinigte ihnen auch Bürgermeister Thomas Horn. Der Christdemokrat war zur Wiedereröffnung des 60 Quadratmeter großen Kelterraum gekommen und sah sich selbst einmal an, wie die Fischbacher keltern. Das Obst waschen sie in einer bläulichen, zum Viereck geformten Wanne. „Das ist ein ausrangiertes Verkehrsschild“, sagt Walter Ohlenschläger. Auf dem habe früher einmal Kelkheim am Taunus gestanden. Die gesäuberten Äpfel zermahlt eine Maschine zu klebrigem Brei, der nun unter eine 50 Jahre alte Packpresse kommt. Sie drückt den Saft aus dem Brei, der in die Kellertanks abfließt und allmählich anfängt zu gären. Oder man trinkt ihn vorher als Apfelsaft.

 

Eppenhain (Kelkheim):

„Manschmal denk isch, was soll des alles?“, fragt sich 1992 Peter Glöckner aus Eppenhain im Taunus. Der 50jährige betreibt sein Lokal in Wiesbaden. Seit zehn Jahren nimmt er sich im Spätherbst ein paar Tage frei, um den Apfelwein für Gaststätte und privaten Verbrauch selbst zu keltern. In einem Keller hat er Fässer aus Kunststoff stehen, in denen der gepreßte Apfelmost sich in Apfelwein verwandelt.               

1992  „Manschmal denk isch, was soll des alles?“, fragt sich Peter Glöckner aus Eppenhain im Taunus. Der 50jährige betreibt sein Lokal in Wiesbaden. Seit zehn Jahren nimmt er sich im Spätherbst ein paar Tage frei, um den Apfel­wein für Gaststätte und privaten Verbrauch selbst zu keltern. In einem Keller hat er Fässer aus Kunststoff stehen, in denen der gepreßte Apfelmost sich in Apfelwein verwandelt.

 

 

Wildsachsen:

Zwischen Bremthal und Wildsachsen haben der Eppsteiner Ortsverein des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Verein Main-Taunus Streuobst einen Obstlehrpfad eingerichtet. Im September 1997 wurde er mit zwei geführten Rundgängen eröffnet. Auf dem  4,5 Kilometer langen Pfad kann man nicht nur spazierengehen, sondern auch Wissenswertes über Apfelbäume erfahren. Denn die zwölf Stationen des Lehrpfads sind nur mit einem Nummerntäfelchen in Hüfthöhe markiert. „Wir wollten keine großen, unnötigen Schilder in der Landschaft aufstellen“, erklärt Barbara Helling, Geschäftsführerin von Main-Taunus-Streuobst. Statt dessen gibt es Heftchen mit Informationen über Geschichte und Gegenwart des Obstanbaus kostenlos am Parkplatz neben dem Sportplatz Bremthal, dem Beginn der Route, und am Bienenschaukasten der Familie Fischer in Wildsachsen.

Der Schaukasten des Bioland-Imkers ist Station Sieben. Die Bienen sind wichtige Bestäuber der Obstblüten, Elfie und Hubertus Fischer sind fast ebenso fleißig wie sie: Im Nebenerwerb gewinnen sie den Honig, halten Rhön- und Jakobsschafe, drehen Bienenwachskerzen, verflüssigen Mirabellen, Birnen und Zwetschgen zu Obstbränden, trocknen Apfelringe zu Dörrobst und spinnen die Schafwolle. Die Produkte dieser Arbeit können Spaziergänger bei Fischers erwerben. „Die Verbraucher bestimmen, wie unsere Landschaft aussieht“, sagt Helling. Wer die Streuobstwiesen des Vordertaunus erhalten wolle, müsse auch die entsprechende Erzeugnisse nutzen.

Die Wildsachsener stellten aus den Äpfeln in den vergangenen Jahrhunderte auch einen vorzüglichen Obstessig her, den Hausierer in kleinen Fäßchen ringsum verkauften. Hubertus Fischer will diese Tradition demnächst auch wieder aufgreifen. Gekeltert wird in Bremthal heute noch im Gasthaus „Zum Schwanen“ und im „Schützenhof“. Die Führungen werden auf Anfrage für Gruppen angeboten: Tel. 0 6192 / 201-393.

 

Laubuseschbach

Der Zusatz „aus Laubus‑Eschbach“ erübrigt sich längst, einen solchen Bekanntheitsgrad haben die Produkte des Hauses Heil mittlerweile in der Region erreicht. „Wir haben sie uns wieder geholt“, erzählt Juniorchef Martin Heil, „anfangs verkauften wir zum Beispiel in Wiesbaden erheblich mehr Apfelsaft und Apfelwein als hier vor der Haustür.“ So lange ist das Familienunternehmen noch gar nicht am Markt. Erst nach dem Krieg begann Großvater Heil mit dem Geschäft, nachdem er eine Ziege gegen eine Saftpresse eingetauscht hatte. Heute sind die Heil‑Produkte hessenweit in den meisten Getränkemärkten zu haben. Und darüber hinaus in Aschaffenburg, Würzburg, Mainz oder Koblenz.

Je zu einem Drittel stammt der Umsatz aus Apfelwein, Apfelsaft und - zur Abrundung des Sortiments - aus einer Reihe weiterer Frucht‑ und auch Gemüsesäfte, die zwar nicht im Hause gekeltert, aber selbst komponiert werden. Wie der neue, speziell für Kinder produzierte Sieben‑Beeren‑Saft mit 100 Prozent Fruchtgehalt, der ohne Zuckerzusatz auskommt. Als herbes Gegenteil kommt Limetten-Orangensaft daher, mit dem es sich prima mixen läßt. Den größten Zuwachs erzielen die Heils mit ihren Trauben‑Vital‑Säften, die mit dem begehrten Extrakt aus Weinlaub angereichert sind, dem segensreiche Wirkungen auf die Blutgefäße nachgesagt werden.

Ein Grund für den Wohlgeschmack des trüben, der als „Eschbacher Traditions‑Apfelsaft“ in den Handel kommt, liegt sicher darin, daß es sich dabei um einen Direktsaft handelt, der also nicht aus Konzentrat hergestellt wurde. Wichtiger als dies, betont Martin Heil, seien jedoch die ungespritzten Äpfel alter Sorten von den Streuobstwiesen der Taunusregion. Noch eins drauf setzt Heil mit den Öko‑Säften, für die das Obst (oder Gemüse) aus kontrolliert‑ ökologischem Landbau stammt.

 

Dies alles flankiert das Unternehmen mit einer ganzen Fülle sympathischer Aktivitäten. Wie den alljährlichen Apfelbaum‑Pflegeaktionen zum Beispiel, die zur Zeit wieder anlaufen. Morgen und übermorgen kann man sich beim Erntefest im Hessenpark das Keltern mit historischen Maschinen anschauen. Und dabei Äpfel essen nach Herzenslust. Jetzt im Herbst verwendet man sie auch in der Küche besonders gern. Großmutter Else Heil liebt es, sie für ihren gedeckten Apfelkuchen zu verwenden, der so gut schmeckt, wie er duftet.

In der Kelterei Heil wird seit Jahrzehnten Apfelwein produziert. Die alte Kelterei, die früher mal am Ortsrand der Gemeinde lag, war nach zunehmender Bebauung irgendwann mitten in einem Gewerbe- und Wohngebiet. Vier verschiedene Außenlager mußten angemietet werden - mit logistischen Nachteilen. Weil im Schichtbetrieb produziert wird standen auch die Emissionsbelastungen einer Erweiterung am alten Standort entgegen. Also baute man neu. Der neue Betrieb hat eine Grundfläche von 8.000 Quadratmetern. Am  30.April 1999 wurde der Neubau für 13,5 Millionen Mark des Unternehmens feierlich in Betrieb genommen.

Bei der Entwicklung der Kelterei war eine Ziege nicht ganz unbeteiligt. Und das kam so: Die Idee, Apfelwein und Fruchtsäfte in Laubus-Eschbach herzustellen, hatte Adolf Heil in seiner Gaststätte „Germania“, als es nach dem Krieg kein Bier für den Ausschank gab. Also tauschte er eine Ziege aus seinem Stall gegen eine Apfelpresse ein. Daß der Firmensenior damals bereits auf einen wirtschaftlichen Erfolg mit Saft und Wein aus Äpfeln spekuliert hat; darf bezweifelt werden. Gleichwohl wurde mit dem ungewöhnlichen Tauschhandel der Grundstein gelegt für eine der bedeutendsten hessischen Keltereien, in der heute nach Angaben des Chefs Martin Heil 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen Jahresumsatz von zwölf Millionen Mark erwirtschaften.

Mit dem neuen Standort des Betriebs gehören nicht nur Platzprobleme beim Lagern und Produzieren der Vergangenheit an. Immerhin werden hier nicht nur Apfelwein und Apfelsaft, sondern auch Bananen-, Maracuja- oder Gemüsesäfte in Flaschen gefüllt.

 Kelterei Heil, An den Obstwiesen sowie Eschbacher Weg 9, 35789 Laubus‑Eschbach (bei Weilmünster/Taunus), Telefon: 064 75/9131‑ 0, Fax: ‑ 40, Internet www.kelterei‑heil.de, Direktverkauf. Freitag von 13 bis 16 und Samstag von 9 bis 12 Uhr. Unser Marktführer bietet ein Rezept für Gedeckten Apfelkuchen an. Es kann unter der Rufnummer 069 / 2199‑ 33 24 geordert oder per Fax unter 2199 ‑ 32 72 bestellt oder abgerufen werden.

Christoph Heil, Keltereibesitzer in Laubuseschbach blickt 2013 wieder optimistisch in die Zukunft. Es sei seiner Firma und der ganzen Branche gelungen, mit Marketing und neuen Produkten das Image des hessischen Nationalgetränks zu erneuern, sagt Heil. Den Anfang machte vor fünf Jahren der alkoholfreie Apfelwein. Jetzt sind auch Mixgetränke der Renner: Gute Umsätze bringen zum Beispiel der mit Kräuteraromen angereicherte „Hessen Sprizz" und der in diesem Jahr eingeführte „Hessen Hugo“ - eine nach Südtiroler Rezept erstellte Mischung aus Apfelwein, Holunderblütensirup, Prosecco, Limette und Minze? Etliche Kunden kauften diese Produkte allein schon wegen der korpulenten Badeanzuggestalten auf dem Etikett, so Heil.

 

Wehrheim

Wehrheim ist auf dem besten Wege, das Apfeldorf im Taunus zu werden: Gemeinde, Naturschützer und Privatleute pflanzten in den vergangenen Jahren mehr als 1.200 hochstämmige Apfelbäume. Damit ihre Früchte in Zukunft direkt verwertet werden können, will der BUND mit einem Apfelwein-Wettbewerb die Kultur des Kelterns im Ort wiederbeleben. Für aufmerksame Beobachter ist der Wandel in der von Land- und Forstwirtschaft geprägten Taunusgemeinde- Wehrheim schon heute zu erkennen: Baumreihen - mal solo, mal als Allee, mal mit, mal ohne Feldgehölz - säumen wieder Wiesen und Felder rund um das Haufendorf am Fuße der Saalburg. Die meisten Bäume sind Apfelbäume.

Den Grundstein dafür legte die Gemeinde Anfang der 80er Jahre. Damals ließ sie am „Kappengraben“, am nördlichen Ortsrand, ihre erste Obstbaumreihe anlegen. Weil Tafelobst an der Nordseite des Taunus nur schlecht gedeiht, entschied man sich für Apfelsorten, deren Früchte sich überwiegend für die Kelterei eignen.

Bürgermeister und Baumfreund Helmut Michel (CDU), damals noch als Erster Beigeordneter für Natur und Umweltschutz zuständig, leitete damit ein Umdenken in der Landschaftspflege ein.

Viele Obstbaumalleen, die jahrhundertelang das Ortsbild mit geprägt hatten, waren der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Auch Einzelbäume in den Feldern waren verschwunden. „Die Landwirte haben sie als Hindernis für ihre Maschinen angesehen“, sagt Seng. Die erste Apfelbaumreihe stieß noch auf Protest: „Die Bäume stehen auf einem Streifen, den die Bauern zuvor als Wendeweg genutzt haben.“

Heute sind die Neuanpflanzungen im Ort unumstritten. Seit den 90er Jahren bewilligt die Gemeindevertretung dafür im Jahr durchschnittlich 6.000 Mark. Die Bäume wachsen nicht nur auf Gemeindewiesen. Landeigentümer stellen ihre Flächen zur Verfügung. Im Gegenzug verpflichtet sich die Gemeinde, die Bäume zehn Jahre lang zu pflegen, anschließend gehen sie in Privatbesitz über.

Viele Bürger greifen auch selbst zum Spaten. Ein junger Bäckermeister trommelte nach Angaben Gwiasdas vor wenigen Jahren seine Freunde zusammen, um auf einem Grundstück der Familie etwa 50 Obstbäume zu pflanzen. „Andere haben drei oder zehn gesetzt“, weiß der Naturschützer. Der BUND selbst pflanzte zuletzt im November die ersten zehn Exemplare einer Speierlingsallee.

Insgesamt wurden in den letzten zehn Jahren nach Angaben des Vereins mehr als 1200 Apfelbäume alleenartig entlang von Straßen und Feldwegen gepflanzt. Sie könnten in weiteren zehn Jahren, zusammen mit rund 300 Altbäumen, etwa 90.000 Liter Apfelsaft und Apfelwein liefern.

Um die künftigen Erntemengen verwerten zu können, hat sich der BUND die Förderung der Kelterkultur vorgenommen. Im vergangenen Jahr rief der Verein den 1. Wehrheimer Apfelwein-Wettbewerb aus. 20 Hobbykelterer stellten sich der Publikumsjury. Der Erlös kam der Speierlingsallee zugute. Die zweite Runde ist für Sonntag, 13. August, (14 Uhr, auf dem Schwimmbad-Gelände) geplant. Weitere Infos unter Tel.  0 60 81 / 5 97 29.

 

Farbe und Klarheit. Säure und Aroma, Geist und Seele von 20 verschiedenen Apfelweinproben galt es im Mai 1999 beim ersten Wehrheimer Apfelweinwettbewerb zu bewerten. Im Hof der Kelterei Wagner wurde gestern abend der Erste Wehrheimer Apfelweinkönig gekürt. Von einem bis zu fünf Punkten konnte jeder, der an der Verkostung teilnahm, für einen Apfelwein vergeben. Ein schwieriges Geschäft, stellten viele schnell fest. Vor allem, wenn bei der zweiten oder dritten Runde nur noch die Favoriten im Spiel waren. „Beim letzten Mai hat der Apfelwein mir noch viel besser geschmeckt als jetzt“, stellte eine Verkosterin überrascht fest: Vielleicht hatte ich diesen Wein doch zu hoch eingeschätzt.

Mit der Apfelweinprämiierung wollen der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und die Kelterei Wagner als Veranstalter die Gemeinde Wehrheim als Apfelweinort stärken. In den vergangenen Jahren, berichtete Gwiasda, seien in der Gemarkung 1.200 Apfelbäume gepflanzt worden. Damit sei Wehrheim auf dem Weg, die wichtigste Apfelanbaugemeinde im Taunus zu werden. Erfolgreich aber könne das auf Dauer nur sein, wenn auch die Infrastruktur stimmt, das bedeutet. wenn es möglichst viele kleinere oder größere Keltereien gibt, die die Äpfel später auch verarbeiten. Denn was rund um Wehrheim wächst, ist Kelterobst. „Und wenn es Menschen gibt, die bereit sind, sich nach den Äpfeln auch zu bücken“, sagt Gwiasda. Das Bücken muß sich auch lohnen, meint er: „Denn nur was Wert hat. wird auch gepflegt.“

.Jeder, der an der Verkostung teilnahm, mußte einen Obolus zahlen. Das Geld kommt in vollem Umfang der am Ortsrand von Wehrheim geplanten Speierlingsallee zugute. Mindestens 50 Bäume soll die Allee aufweisen. Für 310 ist das Geld bereits zusammen. 150 bis 180 Mark kostet ein mehrjähriger Jungbaum.

Der „Goldene Wehrheimer Apfel“, der gestern dem Apfelweinkönig verliehen wurde, ist denn auch aus Speierlingsholz gemacht und nur auf einer Seite ein wenig vergoldet.

Beim Apfelweinfest kamen neben der Verkostung auch Spaß, Spiel und Geselligkeit nicht zu kurz. Die Kindergartenkinder präsentierten ihre Arbeiten zum Thema „Rund um den Apfel“. Für alle Kinder gab es Apfelsaft gratis und gute Unterhaltung mit der Artistengruppe „,Catch-up“.

Daß Apfelwein die schöpferischen Kräfte des Geistes belebt, bewiesen die teils poetischen Beurteilungen, die manche auf ihre Bewertungszettel geschrieben hatten. „Wenn ich am Apfelwein schnüffle, dann träume ich vom Sommer im Garten“ hatte einer vermerkt.  „Wenn ich den Ebbelwoi auf der Zunge spüre, dann bin ich im Himmel“, ein anderer.

 

Mit seinem selbst gekelterten Apfelwein hat Olaf Velte im August 2002  den Wehrheimer Apfelwein‑Wettbewerb für sich entschieden. Als Sieger der mittlerweile vierten Auflage des Stöffche‑Entscheids nahm er den von Bürgermeister Gregor Sommer gestifteten neuen Wander‑Bembel entgegen. Den zweiten Platz teilten sich Detlef Böde und Peter Hafmann. Den dritten Platz belegte Stefanie Horn. Ausrichter waren der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Wehrheim und die Kelterei Ludwig Wagner.

Rund 20 Hobby‑Kelterer aus Wehrheim hatten Proben ihres „Stöffche“ für den Wettbewerb eingereicht. Mehr als hundert Tester entschieden beim gestrigen Schwimmbadfest in einer Art Volksentscheid über den Titel des besten Wehrheimer Hobby‑Kelterers. Mit Aktionen wie dem Apfelweinwettbewerb will sich die Landgemeinde Wehrheim als Apfelgemeinde präsentieren. Helfen soll dabei auch ein Logo, für das bislang 143 Entwürfe von Erwachsenen und 38 von Kindern vorliegen.            

 

Der hessischen Lieblingsfrucht widmet das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach in im  Herbst 2013 ein ganzes Wochenende: Am heutigen Samstag sowie am morgigen Sonntag wird mit allen Besuchern ein Apfelfest gefeiert. Auf dem Programm stehen verschiedene Führungen rund um die Streuobstwiesen im Hessenpark, eine Apfelsortenschau und Praxis-Vor­trä­ge über das Pflanzen und Pflegen von Obstbäumen.

Wer einen Apfelbaum sein Eigen nennt, kann dem Pomologen des Hessenparks Früchte mitbringen und zur Sortenbestimmung vorlegen. Dabei werden pro Baum mindestens fünf Früchte benötigt. Wer sich einen neuen Apfelbaum zulegen möchte, kann sich beim Baumschulexperten über alte und neue Apfelsorten informieren.

Spannend sind auch die Vorführungen in der museumseigenen Kelterei. Die Besucher können zusehen, wie die Äpfel dort gepreßt werden. Der frisch gekelterte Most fließt direkt in den Ausschank. Im Rahmen der historischen Hausfrauenarbeit wird mit Äpfeln gekocht und gebacken. Äpfel aus dem Hessenpark stehen darüber hinaus zur Verkostung und zum Verkauf bereit. Die Kinder dürfen beim Keltern helfen und natürlich den frischen Most probieren.

In der Hofanlage aus Emstal-Sand sorgt ein Bühnenprogramm für gute Stimmung. Den Weg dorthin weist ein Apfelquiz für die ganze Familie. Außerdem auf dem Programm: eine Lesung von Hessenpark-Mitarbeiter Carsten Sobik, der aus seinem Buch „Von Apfelscheusalen und Mangold-Maiden“ vorträgt. Das Freilichtmuseum ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Einlaß ist bis 17 Uhr.

 

Hessenpark

Früh dran war der Hessenpark im Jahr 2001 mit seinem erstmals veranstalteten Apfelmarkt. Doch den wenigen Besuchern, die trotz Dauerregens in das Freilicht‑Museum kamen, schmeckte der erste frisch gekelterte Saft der Saison. Obwohl die Ernte gerade erst begonnen hat, gab es im Hessenpark schon alles rund um den Apfel zu sehen und zu kosten. Alkmene, Cox‑Orange und roter Berlepsch standen kistenweise zum Verkauf Kenner konnten versuchen, die Sorten bei einem Apfelsorten‑Geschmackstest zu unterscheiden. Noch verändern die Früchte allerdings ihren Geschmack. „Die werden noch süßer“, verriet Jörg Reif, der in der Kelterei den Besuchern zeigte, wie Apfelsaft hergestellt wird. Die ersten Apfel sind gerade erst zum Keltern geliefert worden. Dennoch, den Zuschauern schmeckte der erste Süße schon jetzt. „Viel besser als aus dem Supermarkt“, fand einer. Lange haltbar ist er jedoch nicht. „Wenn er nicht erhitzt wird, fängt er sofort an zu gären“, erklärte Reif

Damit die Kinder bei der Apfelsaft‑Herstellung helfen konnten, hatten die Keltereimitarbeiter extra kleine Pressen aufgestellt. Rund 200 Liter Apfelsaft pro Tag produzierten die jungen Keltermeister. Große Apfelsaft‑Liebhaber genossen Most, Apfelschnaps oder auch Ebbelwei. Ein Lied über das Stöffche singen und viele Geschichten um das hessische Getränk erzählen konnte das Mundart‑Rezitationstheater Rezi‑Babbel. Auch im strömenden Regen brachten die beiden Darsteller die Besucher mit ihrem Programm „Mundart, Bembel und Musette“ unter ihren Regenschirmen zum Lachen.

Wasserfest waren nur die aus Wachs geformten Apfelkerzen, die es am Stand von Hans Schrewe zu kaufen gab. Beim „Unschlitt‑Bossierer“ konnten Besucher auch selber Kerzen ziehen. Eine Reise zu gewinnen gab es für diejenigen, die richtig schätzten, wie viele Apfelkerne sich in einem Bonbonglas befanden.

Vom Stand nebenan wehte der Duft von Kartoffelpuffern mit Apfelmus herüber. Wer sich davon verführen ließ, mußte nicht lange anstehen, denn nur einzelne Apfelmarkt‑Besucher tröpfelten im Hof der Anlage Emstal‑Sand ganz am Ende des Hessenpark‑Geländes ein.

Verlassen im Regen stehen blieb auch die Hüpfburg wegen Rutschgefahr. Doch es gab ja noch andere Unterhaltung für sie. Mit einer Apfelkrone auf dem Kopf und einem selbst gestalteten Blumentopf voller Wiesenblumen‑Samen machte der Apfelmarkt auch bei Regen Spaß. Wo doch so viele rotbackige Äpfel lachten ...

 

Landsteiner Mühle

Den Apfelwein in die Vinotheken bringen: Davon träumt Michael Stöckl. Der Wirt des Apfel WeinBistrorants Landsteiner Mühle in Weilrod im Hochtaunus legt Gästen schon seit den Neunzigern zur Wein- auch eine Apfelweinkarte. Im Jahre 2002 mischte er sich unter die Kelterer beim alljährlichen Apfelweintag im Odenwald. Entgeistert hörte der gelernte Sommelier zu, wie die großen Produzenten über sinkende Absätze lamentierten, die kleinen auf die großen schimpften.

Als Stöckl vorschlug, Apfelwein aus schicken Flaschen in edle Gläser zu füllen, auf daß er in feinen Restaurants Platz finde, lachte man ihn aus. Die Presse verpaßte ihm den Namen „erster Apfelwein-Sommelier Deutschlands“. Vielleicht liegt es an den Genen: Die Familie des Vaters entstammt der Weinbauregion Südtirol, die Mutter einer alten Apfelweinwirte-Dyna­stie aus Kronberg im Taunus. Seit 2005 keltert Stöckl auch selbst.

Das wiederum will Sommelier Stöckl nicht unwidersprochen stehen lassen. Der Mann mit den feinen Geschmacksnerven verkostet seit acht Jahren Apfelweine. Geruch, Aromen, Fehltöne, besondere Noten dank der Beigabe von Eberesche, Speierling oder Quitte. Auch in der Landsteiner Mühle werden die sortenreinen Arten im Riesling‑Glas serviert: „Durch den leicht nach außen gewölbten Rand kann die Zungenspitze besser die Restsüße des Weins schmecken.“ Nach Schätzung Stöckls setzen etwa drei Hand voll kleinere Keltereien in Hessen auf sortenreine Apfelweine: „Die Qualität ist allerdings sehr unterschiedlich, weil den Herstellern bislang die Erfahrungen im Keller fehlen.“ Die „Mühle“ bezieht ihre Weine vor allem von Andreas Schneider aus Frankfurt und von Jörg Stier aus Maintal. Auch der „Äpfelwalzer“, der in der Odenwälder Kelterei Dieter Walz nach dem Champagner‑Verfahren hergestellt wird, fehlt nicht.

Bislang wird Stöckls Apfelwein‑Faible von seinen Sommelier‑Kollegen belächelt. Doch Stöckl gibt nicht auf und bringt jedes Mal wieder einige Proben zu Verköstigungen mit. „Inzwischen sind einige Tester immerhin neugierig geworden.“ Um die „Edelmarken“ besser vermarkten zu können, fordern die Keltereien einen hessenweiten Wettbewerb mit der Prämierung eines „Apfelwein des Jahres“. Entsprechende Vorbereitungen laufen laut Gastwirt Treusch bereits beim hessischen Wirtschaftsministerium. Die größten Widerstände kommen dabei jedoch aus den eigenen Reihen. So fürchtet Heil, daß die Riege der Gourmet‑ Vorkämpfer in ihrem Eifer den herkömmlichen Apfelwein „schlecht reden“ könnte.

 

Kronberg

Bei den Gründern der Kelterei Herberth, Maria und Georg (senior) Herberth, und ihren Kindern Georg (31), Stephan (30) und Christiane (27) dreht sich alles um Äpfel. Aus den Äpfeln aus heimischen Streuobstbeständen in Taunus, Spessart und Wetterau keltern sie vier Sorten Apfelwein (mild, Urschoppen, Speierling, „Gespritzter“) und die Apfelsäfte („Kronberger Premium“, naturtrüb und klar). Daß ausschließlich reifes Obst gepreßt wird, ist Ehrensache. „Wirft einer Schrott aufs Band, muß es wieder runter“, schimpft der geradezu fanatische Qualitätsverfechter.

Die heimischen Streuobstbestände sind wegen der vielen Nachtfröste besonders robust und säurebetont und stammen von eher spät blühenden Sorten wie Trierer Weinapfel, Schafsnasen, Oldenburger, Boskop, Anhalter und den harten Bohnäpfeln. Obwohl auch sie je nach Standort und Klima völlig unterschiedlich ausfallen, bringen sie den Säften und Apfelweinen die nötigen Öchsle von über 50 Grad, und den von Kennern gelobten besonders „apfeligen“ Geschmack. Auch bei der Apfelsaft- und Apfelweinherstellung erweist sich die Kunst des Kellermeisters in der Mischung. Den gleichbleibenden Geschmack garantiert ein Verschneideplan, den Georg Herberth senior mit Sohn Stephan - in Geisenheim zum Getränke-Ingenieur ausgebildet - ausklügelt.

Urgroßvater Georg I. wußte schon 1910 ein ähnlich herzhaftes „Stöffche“ für den Eigenbedarf herzustellen wie den klassisch herben „Speierling“ von heute. Die gleichnamige würzig-herzhafte Apfelsorte gilt als Lieblingsschoppen fortgeschrittener Apfelweingenießer. Vor knapp 30 Jahren, als es mit der Landwirtschaft immer schlechter lief, faßte Georg Herberth einen folgenreichen Entschluß und gab die Viehwirtschaft zugunsten der Kelterei auf. Die Erfolgsgeschichte der Spezialkelterei Herberth nahm ihren Lauf.

Mittlerweile ergänzen Apfelbrand und „Apfel-Champagner“, ein in traditioneller Flaschengärung versekteter Apfelwein, das Sortiment. Wegen des Protests der Champagner-Hersteller durfte der zwar nicht „Apfel-Schampes“ heißen und steht nun als „Apfel-Klassiker“ im Verkaufsregal. Sein „Klassiker“ reift gut zwölf Monate lang auf der Hefe, und wie beim berühmten „Bruder“ aus der Champagne entscheidet auch beim versekteten Apfelwein die Dosage, ob das fertige Produkt „herb“ (15 Gramm Restsüße) oder „extra herb“ (3 Gramm Restsüße) ausfällt. Durch die Versektung kommt der „Klassiker“ auf maximal 7,5 Prozent Vol.

Im Jahre 1993 verlegte die Spezialkelterei ihren Firmensitz vom Niederhöchstadter Bauernhof aufs Gelände der stillgelegten Kronthal-Quelle im idyllischen alten Bad Cronthaler Kurpark (links auf der Wiese außerdem die Theodorusquelle).

Auf Drängen der Kronberger Stadtväter nahmen die Herberths auch das Abfüllen des jodhaltigen Quellwassers wieder auf. Seither steht das seit über 400 Jahren bekannte „Kronthaler Mineralwasser“ nicht nur wieder in vielen lokalpatriotischen Kronberger Haushalten auf dem Tisch, sondern ebenso in der lokalen Gastronomie. Allen voran das renommierte Hotel „Sonnenhof“ in Königstein.

Damit viele Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet die Apfelblüte im Mai miterleben können, gehörte Herberth senior zu den Initiatoren der „Apfelwein- und Obstwiesenroute“. Der Rad- und Wanderweg führt quer durch den Main-Taunus-Kreis zu Keltereien, Gastwirtschaften und Landwirten, bei denen sich alles um Äpfel dreht. Beim „Tag der offenen Tür“ - Mitte Mai zur Apfelblüte - und im Oktober zur Kelterzeit herrscht in Kellern und Höfen Volksfesttrubel.

Einziger Wermutstropfen für „auswärtige „ Apfelfans: Die Spezialitäten der Herberths, die sich trotz ihrer außergewöhnlichen Qualität (seit vielen Jahren DLG-prämiert) durch marktübliche Preise auszeichnen, sind ausschließlich in den drei firmeneigenen Getränkemärkten in Kronberg-Kronthal, Niederhöchstadt und Oberhöchstadt erhältlich. „Wir machen ein regionales Produkt für den regionalen Markt“, kommentiert Herberth. „Für uns gehört schon der Hunsrück zum Ausland.“ Mancher Herberth-Fan kann es trotzdem nicht lassen, und „exportiert“ Apfelwein in Privatinitiative. Wie der Weinhändler in Hamburg, der nach Besuchen in seiner hessischen Heimat stets mit einem voll beladenen Auto nach Norden fährt - vollgepackt mit Apfelwein von Herberth. Hier die Adresse: Spezialkelterei Herberth, Im Kronthal 12-16, 61476 Kronberg im Taunus, Tel. 0 6173 / 40 64 oder per Fax: 06173/4433.

Georg Herberth hat in Kronthal einen Apfelweingarten eröffnet. Direkt neben seinem Getränkemarkt, an den Kronthaler-Quellen können dort rund fünfhundert Menschen Platz finden, auf einer Anhöhe unter Bäumen auf altem Parkbestand. Und die vielen Ausflügler, die zum Wassertreten oder Entspannen zu dem lauschigen Quellpark kommen, müssen sich nicht mehr allein am Kronthaler Quellwasser laben. Sie finden es aber, abgefüllt als Mineralwasser; auch im Gespritzten. „Das ist so eine schöne Ecke hier, der Quellpark ist in der Nähe, das Tretbecken. Ich wollt den Bürgern zusätzlich was bieten“, sagt Georg Herberth. Zu Bier und Apfelwein bietet er nun Hausmacher Wurst, Handkäs und andere deftige Speisen an, „die gut zu Wein passen“. Damit, sich kleine Gäste nicht langweilen, hat Herberth einen Sandkasten angelegt. Außerdem können sich in einem Außengehege vier Hasen angucken. Der Apfelweingarten liegt im Kronthal 12-16 in Kronberg; er ist geöffnet freitags und. samstags von 16 bis 23 Uhr, sonntags von 11 bis 21 Uhr.

 

Georg Herberth ist gelernter Landwirt, wie Vater und Großvater schon Landwirte waren. Sie betrieben auch eine Dreschmaschine. Weil’s beim Dreschen ungemein staubt, hatte das Bedienungspersonal, „Dreschmaschiner“ genannt, jederzeit tüchtig Durst. Und da es auch Streuobstwiesen gab und zum Glück bis heute gibt, kelterten Herberths stets Apfelwein.

Die rund 2.000 Liter, die man aus eigenem Obst zu keltern pflegte, hielten beim großen Durst der Dreschmaschiner nicht lange vor. Georg Herberths Vater fand bereits beim Verkosten der Kelteräpfel heraus, wie groß der Anteil der verschiedenen Sorten sein mußte, damit der Schoppen die richtige Säure bekam.

Herberth Senior hatte, wie auch seine Nachfolger, unter alten Sorten die Wahl. Gehören doch rund 500 Apfelbäume zum Betrieb; der älteste, ein Boskop, steht schon seit 180 Jahren. Wie schon seine Vorfahren, pflegt auch Georg Herberth die alten Sorten: Trierer Mostapfel, Schafsnasen, Anhalter, Bohnapfel, und wie sie alle heißen.

1970 entschloß man sich dazu, Apfelwein für den Verkauf zu keltern. Auch der fand raschen Absatz, Kunden kauften wie die Scheunendrescher. All das geschah noch in Niederhöchstadt, am mitten im Ort gelegenen Stammsitz der Familie Herberth; Verdruß mit den Nachbarn blieb da nicht aus.

Als die Stadt Kronberg (nach unguten Erfahrungen mit einer Frankfurter Brauerei) dann einen neuen Betreiber für die Kronthal-Quelle im gleichnamigen idyllischen Tal suchte, griffen die Herberths zu und übernahmen Quelle wie Betriebsgebäude auf dem weitläufigen Anwesen in Erbpacht. Hier konnten sich keine Nachbarn gestört fühlen. „Wir sitzen in der Natur und machen Naturprodukte“, so sieht der Chef die Lage heute. Frau Maria und die beiden Söhne, Kaufmann der eine, in Geisenheim studierter Getränkeingenieur der andere, arbeiten mit in der Firma.

Drei Sorten Apfelwein fließen aus der Kelter: herzhaft mit Speierling der eine, mild-bekömm­lich der andere und ein „Urschoppen“, der auch direkt aus dem Faß zu haben ist. Sodann naturtrüber und klarer Apfelsaft; klarer Apfelbrand, 45 Prozent, fünf Jahre gelagert; und der Apfelklassiker herb, versekteter Apfelwein, handgerüttelt und in ehemaligen Wasser-Vorratsstollen unterirdisch gelagert.

Abgefüllt wird nur in Mehrwegflaschen. Und weil der Senior keinen Sinn darin sieht, Apfelwein „durch die Gegend zu karren“, ist er auch nur im näheren Umkreis zu haben. Im „Apfelweingarten“ zum Beispiel, der von Mai bis Oktober geöffnet ist. „Während die Alten unter den Bäumen sitzen“ und es sich wohl sein lassen beim Schoppen, bei kalten und warmen Speisen, haben es auch die Kinder gut. Sie können sich „in acht Kubikmeter gereinigtem Sand“ oder mit Spielzeug vergnügen und Hasen streicheln. Mit dem Kronthaler Apfelwein läßt sich ein leckerer Kuchen backen. Ob Herberths heiße „Apfelbombe“ dazu schmeckt, muß jeder für sich entscheiden; kalte Füße erwärmt sie jedenfalls auf der Stelle.

Spezialkelterei Georg und Maria, Georg und Stephan Herberth, Im Kronthal 12-16, 61476 Kronberg (Richtung Mammolshain), Telefon 06173-4064, Fax: 4433, Montag bis Freitag 8-18,30, Samstag 8 - 14 Uhr.

Unser Marktführer bietet ein Rezept für Apfelweinkuchen an. Es kann telefonisch unter der Rufnummer 0 69 / 2199 - 33 24 geordert oder per Fax unter 2199 - 32 72 bestellt oder abgerufen werden.

 

Um den Titel „Kronberjer Äppelweimaaster 1998“ bewarben sich 29 Teams. Proben ihres selbstgekelterten Stöffches warten nun bei Richard Jung auf die Jury. Erst am 10. Oktober beim Apfelmarkt werden die Sieger bekanntgegeben. Abgabe- und Verkostungsstelle ist traditionell bei der Familie Jung in der Grabenstraße 2. „Es wird von Jahr zu Jahr mehr“, sagt Cornelia Jung. Zwölf Teilnehmer machten im ersten Jahr mit, nachdem die Idee auf dem Kronberger Apfelmarkt geboren worden war.

Der Aktionskreis „Lebenswerte Altstadt“ und der Obst- und Gartenbauverein als Ausrichter verzeichneten steigendes Interesse, und um dem Wettbewerb den verdient würdigen Rahmen zu geben, legten sie die Preisverleihung in die Hände des „Thäler Pärchens“. Das sind die „Miss Bembel“ und der Thäler Bürgermeister, die der Thäler Kerbeverein jedes Jahr kürt. Da findet sich mitunter Uriges: „Was is’n des?“ fragte sich das Kampfgericht einmal angesichts einer merkwürdigen Kostprobe. Da hatte doch tatsächlich einer Rhabarbersaft beigemischt. Die Jury spülte mit zwei Gläsern Wasser nach.

Sieger wurden Karlheinz Jäger (1995) und Rolf Weidmann (1996) und die „Schobbebrüder Hessekittel“. Sie geben beispielsweise Quitten dazu. Ihr Klub hat sein Domizil in einem kleinen Häuschen an der Eichenstraße. Das ist ein Volksfest, wenn wir keltern“, sagt Armin Geisel. Ihre Kelter haben sie vom Gasthaus „Grüner Wald“ übernommen. Sieben, acht Zentner Äpfel nimmt das Monstrum für eine Pressung auf. Und verliert dabei schon mal ein bißchen Öl. „Da sei nichts zu machen“, hieß es, als sie die Kelter reparieren lassen wollten: „Das Gerät ist 45 Jahre alt - Sie keltern mit einer Antiquität.“ Vier Wochenenden waren die „Hessekittel“ mit bis zu 20 Leuten an der Arbeit. Resultat sind - und jetzt festhalten - rund 3.000 Liter Apfelwein. „Das geht einem zum Schluß schon auf den Wecker“, gesteht Alex Jäger, besonders wenn du nachts nochmal Äppel sammeln kannst, weil die Ballons noch nicht voll sind. Bisher haben sie den Wein immer in Glasballons gefüllt, letzten Herbst erstmals auch in drei Fässer.

Im Jahr 2000 hat sich der hat sich zudem zum Umwelt-Festival. gemausert. Informationen über die Wälder der Region, Streuobstwiesen, Klimaschutz, Bienen oder den neuen Stadtbus präsentieren Stadt und Vereine genau so schmackhaft wie zehn und mehr unterschiedliche Apfeltorten. Die Apfelfreunde sind zum „Quiz“ aufgerufen. Viele stehen vor dem Präsentationstisch, auf dem zwölf verschiedene Sorten darauf warten, mit richtigen Namensschildern versehen zu werden. Die Ratefreude ist groß - und zwölf Gewinner erhalten jeweils eine Steige „Edelobst aus Kronbergs schönsten Lagen“. Am späten Nachmittag sind die Kuchenbleche geleert, die Besucher sitzen gemütlich beim „Stöffche“ im Freien. Umschwirrt von Wespen, die genau so gern vom Kuchen naschen wie die Menschen. „Äppelwoimaster“ wurde unter 31 Hobby-Kelterern die  Keltergermeinschaft „Äppelschüttler“.

Da paßt es gut ins Programm, den mit 1.000 Mark dotierten Umweltpreis der Stadt an diesem Tag zu vergeben. Georg Briehn, engagierter Vogelfreund und in Umweltorganisationen aktiv, erhält ihn. Er hat im Stadtpark, im Burggelände und auf Friedhöfen Nistkästen installiert und betreut deren Bewohner.

 

Im Jahr 2000 übernahm Heiko Fischer den Vorsitz des Obst‑ und Gartenbauvereins Kronberg ‑ eines traditionsreichen Vereins in der vom Klima verwöhnten Kleinstadt am Südhang des Taunus. Hier wirkte vor zwei Jahrhunderten der berühmte Johann Ludwig Christ (1739 ‑1813) nicht nur als Oberpfarrer, sondern als einer der Begründer der deutschen Pomologie. Das ist die Lehre von den Obstgehölzen.

Heiko Fischer ist gelernter Elektromechaniker mit vielen Jahren Berufspraxis. Auf seiner Visitenkarte aber steht: „Baumwart für Obstgehölze“. Seit seinem vorzeitigen Abschied aus dem Erwerbsleben widmet der heute 59‑Jährige seine ganze Kraft und Zeit dem Obstanbau, speziell der Pflege heimischer Apfelkulturen, und ganz besonders der Rettung des Speierlingsbau­mes.

Heiko Fischer: Der Obstanbau bei uns ist ein Teil unserer ursprünglichen Kultur und Lebensweise. Rhein‑Main war einst das Zentrum des Obstanbaus in Deutschland. Den hohen Wert von selbst erzeugtem oder in der Region gewachsenem Obst möchte ich nachfolgenden Generationen mitgeben. Wer Äpfel aus Kronberg, Kriftel oder Maintal schätzt, achtet auch die Streuobstwiesen, respektiert auch die Natur und bemüht sich, die bedrohte Erde zu schützen.

Erkennen Sie einen Erfolg Ihrer und der Arbeit anderer Obstfreunde? Tatsache ist doch, daß unverändert im engeren Rhein-Main‑Gebiet immer mehr Streuobstwiesen dem Siedlungs‑ und Straßenbau zum Opfer fallen.

Ich setze auf die jungen Leute. Immer mehr von ihnen haben Spaß am Selbstkeltern. In diesem Jahr beteiligen sich allein aus Kronberg 40 Hobbykelterer an einem Apfelwein‑ Wettbewerb. 60 Apfelweinfreunde bewarben sich an einem offenen Schoppen‑Wettbewerb in Königstein‑Mammolshain um den Titel des Apfelweinkönigs. Diese Leute haben ein ureigenes Interesse an der Pflege des alten Baumbestandes und an der Neupflanzung insbesondere der Sorten, aus denen ein ordentlicher Schoppen gemacht werden kann. Der Arbeitskreis Streuobstwiesen in Kronberg vermittelt Baumgrundstücke, deren Eigner zu alt für deren Bewirtschaftung sind, an interessierte junge Leute und organisiert Pflegeverträge und die Qualifizierung der neuen Nutzer.

Immer mehr Hofläden und Marktbeschicker bieten unser heimisches Obst an. Immer mehr bewußte Kunden sind bereit, den höheren Preis dafür zu bezahlen. Die Produkte der industriellen Apfelweinhersteller haben ihre Seele verloren. Sie sind in ihrer Qualität beliebig, fast austauschbar geworden. Der Markt verlangt angeblich von jeder Marke einen stets gleichbleibenden Geschmack mit stets gleicher Säure. Einige Kelterer waren in der Vergangenheit nicht immer ehrlich, wenn es um Prädikate wie „aus heimischen Äpfeln“ ging oder um die Veredlung mit dem bitteren Saft der Frucht des Speierlings. Wo Speierling draufsteht, muß nämlich nicht zwingend Speierling drin sein. Solche Dinge machen unglaubwürdig. Mit neuen Kunstnamen für den guten Apfelwein und fragwürdigen Mischungen sind auch keine neuen Freunde zu gewinnen.

Es ist zwar lobenswert, wenn neue hochstämmige Obstbäume gepflanzt werden, doch ist diese Investition vergeblich, wenn in den folgenden Jahrzehnten nicht sichergestellt ist, daß kundige Leute die jungen Bäume betreuen. Das heißt Pflanzschnitt, Erziehungsschnitt, wässern im Hochsommer, Kontrolle der Stützen... Die Folgekosten sind höher als die reinen Pflanzkosten. Das müssen die Politiker bedenken, wenn sie sich bei Pflanzaktionen feiern lassen.

 

Der Kronberger Apfelmarkt bietet viel mehr als nur Äpfel: Tips zum Energiesparen und über Solaranlagen für den Klimaschutz, Informationen über Lebensmittel aus der Region, über Honig und Bienen, Wespen und Hornissen und eine Apfelnarktrallye. 43 Stöffche‑Proben reichten Hobbykelterer im Jahr 2001 für den "Äppelwoimaaster" ein ‑ mehr als jemals zuvor.

Blauer Himmel und warmer Sonnenschein locken schon Samstagmorgen so viele Besucher zum 15. Apfelmarkt auf den Berliner Platz in Kronberg, daß an den Bänken und Tischen die Sitzplätze knapp werden. Die Apfelverkäufer haben alle Hände voll zu tun, die Geschmacksvarianten ihrer Früchte zu erläutern und sie für ihre Kunden kiloweise abzuwiegen. Die duftenden Sauerteigbrote, vor Ort im Steinbackofen gebacken, gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Apfelwein und frisch gekelterter Apfelsaft fließen in Strömen und vor den Ständen mit Bratwurst, Steaks, gebratenen Kartoffeln, Apfelkuchen und Kaiserschmarrn, von einer Österreicherin nach Mutters Rezept zubereitet, bilden sich Schlangen.

In der Stadthalle bietet das städtische Umweltamt hochstämmige Obstbäumchen für zehn Mark an. Kompetent und ausführlich erhalten die Käufer dazu Pflegeanleitungen und einen Gutschein für einen Schnittkurs beim Obst‑ und Gartenbauverein, damit die Bäume später auch ergiebig tragen. Am Stand nebenan können Apfelbaumbesitzer anhand mitgebrachter Früchte vom Apfel‑ und Obstbaumexperten des Hessischen Naturschutzzentrums in Wetzlar bestimmen lassen, welche Apfelsorte es ist, die in ihrem Garten wächst.

Mit besonderer Spannung wird am Nachmittag die Prämierung des „Kronberger Äppelwoimaasters 2001“ erwartet. 43 Proben, so viele wie noch nie zuvor, haben Kronberger Hobbykelterer dieses Jahr für den zum sechsten Mal stattfindenden Wettbewerb abgegeben. Zählt man die Mitglieder der Keltergemeinschaften mit, waren es 70 Teilnehmer.

Fachleute wie Georg Herberth von der Kelterei in Kronthal haben die „Stöffche“ nach den DLG-Richtlinien begutachtet. Bewertet wurden Farbe, Aussehen Volumen und natürlich der Geschmack. Mit lautem Jubel nahmen die Sieger den Wanderpokal, auf dem alle bisherigen Äppelwoimaaster verzeichnet sind, entgegen. Die Keltergemeinschaft „Schoppebrüder Hessekittel“ rund um Armin Geisel haben gewonnen. „Speierlingspapst Heiko Fischer ist Zweiter  Vorsitzender und hatte auf Georg Briehn als Sieger getippt, der aber nicht unter die drei Besten kam.

 

Mammolshain (bei Königstein):

Die Kur-GmbH hatte im Mai 2000 erstmals zur „Apfelweintafel“ geladen und mehr als 50 Leute kamen. Die Kulisse auf der Streuobstwiese des Landwirts Bernd Heckenmüller ist geeignet, alle gängigen Sprüche über die Leichtigkeit des Lebens in Erinnerung zu rufen.. Während die Kinder in einem Traktor begeistert über die Wiese tuckern, erfährt ein schmunzelndes Publikum, daß der Apfelwein nur aus dem „Riffelglas“ getrunken wird, das 0,3 Liter faßt. Wenn es nur 0,25 sind, ist es ein „Beschisserglas“. Die Schauspieler Wolfgang Kaus und Hans Zürn vom Volkstheater Frankfurt verstehen, mit Gedichten und Prosa fast sämtliche Geheimnisse um den „Ebbelwei“ zu lüften. Schmackhaft angereichert mit Mammolshainer Apfelwein und Apfelsaft, deftiger Leber- und Blutwurst, Apfelschnaps und -Sekt.  Bernhard Bunte vom Obst- und Gartenbauverein Mammolshain und seine Kollegen sorgen für die Bedienung der Gäste und Kurgeschäftsführer Rainer Kowald für die Begrüßungssprüche.

 

Rosbach

Der Rosbacher Bauernmarkt an der Adolf-Reichwein-Halle ist jeden Freitag von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Er erfreut sich seit 2001 einer wachsenden Stammkundschaft nicht nur aus der Wetterau. Vom Erzeuger aus der Region direkt auf die Verkaufstheke: Mit vielen heimischen Produkten, von Käse, Obst und Wurst bis zu Honig und Holundersaft. Einer der Markt‑Beschicker ist Werner Appel. Anfangs habe er sich immer hinter seiner Frau versteckt und geflüstert: „Regina, mach du das“, heute mache ihm das Bedienen seiner Kunden großen Spaß, sagt der Florstädter Landwirt Werner Appel. „Anfangs“ war 1986: Auf ihrem Ackerland hatten Appels damals erstmals Mais angebaut und die Idee, die Früchte nicht nur vor Ort zu verkaufen, sondern die Kunden selbst ernten zu lassen. Aufgrund des „Chaos“, das dann ausbrach, hatten sie diese Strategie aber nach nur einem Tag wieder geändert und statt dessen in einer Holzhütte auf dem Acker bereits geernteten Mais verkauft.

Seither hat sich aber nicht nur Appels Umgang mit der Kundschaft verändert ‑ was vor 16 Jahren als Notlösung begann, ist zu einem lohnenden Geschäft geworden: Die Florstädter pflanzen fast auf ihrer gesamten, 4,5 Hektar großen Ackerfläche und zwei Gärten à 600 Quadratmeter Mais an.

Früchte zur Saftproduktion sind nach und nach hinzugekommen. Jährlich erzeugen Werner und Regina Appel rund 1500 Liter frisch gepreßten Apfelsaft, so genannten „Süßen“, 800 Liter Holunderblütensirup, 150 Liter Himbeer‑, 60 Liter Erdbeer‑ und 800 Liter Holunderbeerensaft, sowie 1000 Liter Apfelwein.

Die Produktpalette unterscheidet sich wesentlich von der früherer Appel‑Generationen: Wo heute Flaschen und Kanister lagern, war ursprünglich der Schweinestall, wo Beerenpresse und Gasflaschen stehen, wohnten Kühe und Rinder, wo der Traktor seinen Platz hatte, parkt heute der Marktanhänger. Ein Holzbalken an der Hausfassade, 1831 von Conrad Appel geschnitzt, zeugt von der Geschichte der Landwirtsfamilie. Getreide und Viehzucht habe sich immer weniger gerechnet, sagt Appel, der den Hof nach und nach mit seiner Frau, seiner Mutter Hilde und dem bereits verstorbenen Vater Heinz umstrukturiert hat.

Die Resonanz auf Mais und Säfte ist so positiv, daß Werner Appel vor fünf Jahren sogar einen eigenen Kühlraum in der Scheune bauen ließ. Denn ihre Kühltruhe habe bald nicht mehr ausgereicht, eine zweite und dritte, vierte, bald sogar die 13. nicht mehr. Ein paar Jahre brachten Appels daher ihren Mais in ein industrielles Kühlhaus, fänden die eigene Arbeitsweise aber effektiver: Statt 20 Kartons stellen sie nur vier auf eine Palette ins Gefrierfach ‑ so frostet der Mais schneller. Im August und September, den Mais‑Erntemonaten, bringen Appels mit Helfern schon ab sechs Uhr morgens Mais ein, schälen ihn in der Scheune, „und bereits um 14 Uhr ist alles gefroren“, erklärt der Landwirt.

Mittlerweile ist Appel nicht nur Experte für Mais und Fruchtsäfte, sondern auch begeisterter Verkäufer. Von Beginn an sind seine Frau und er auf dem Rosbacher Bauernmarkt, wo eine „erstklassige Atmosphäre“ herrsche, die Kunden meist freundlicher und weniger hektisch als in der Stadt seien. Das sagt Appel und bezieht sich auf seine Erfahrungen mit dem Bauernmarkt in Frankfurt. Nur die Zeit behagt Appel nicht: Er möchte früher als um 15 Uhr mit dem Verkauf beginnen.

 

Eschborn

Zwischen Eschborn und Weiskirchen wurde 1999 eine „Weltpremiere“ gefeiert, wie Poss­mann-Verkaufsleiter Horst Bartel das Ereignis nannte: Ebbelwei-Königin Christina I. taufte den ersten Ballon im Bembel-Design, einen „Himmlischen Bembel“.  Die 33 Meter hohe Hülle, die mit 3600 Kubikmeter heißer Luft aufgepumpt wurde, soll künftig als Werbeträger für die Kelterei aufsteigen. Eintrachtspieler beteiligten sich an der Gaudi und verscheuchten so düstere Gedanken nach der Niederlage gegen die Bayern.

 

Niederhöchstadt (bei Eschborn):

Aus dem fünften Niederhöchstädter Apfelfest im September 1999 gingen am Samstag drei Bürgerliche als Blaublütige hervor. Bernhard Solkas Apfelwein schmeckt am besten. „Er hatte das beste Aroma. Sehr vollmundig. Bei anderen fiel die Blume sehr schnell zusammen“, faßt Birkert die langwierige Auswahl in knappes Expertenlatein, das keinen Widerspruch duldet. Nicht ganz so aromatisch, doch immer noch von herausragender Qualität waren die Apfelweine von Helmut Ruppel und Josef Hanka. Ihre Kelterkünste brachten ihnen immerhin die Titel Prinz und Ritter ein. 400 Liter Apfelwein produziert Prinz Helmut Ruppel pro Jahr. Die Erhebung in den Adelsstand hat bei ihm den Ehrgeiz geweckt, im nächsten Jahr ein noch besseres Stöffchen zu keltern. Deshalb schenkt der Prinz dem neugekrönten König Bernhard Solka auch gleich reinen Wein ein: „Der nächste König, das bin ich“, versichert er.

Beim 6. Niederhöchstädter Apfelfest im Jahre 2000 kürte der Obst- und Gartenbauverein König, Prinz und Ritter des Apfelweins. König wurde Der 16jährige Jan Förster. Er arbeitet oft im Garten seiner Nachbarn, mäht dann den Rasen, rupft Unkraut oder gießt Blumen. Hauptsache, er könne sein Taschengeld ein bißchen aufbessern, sagt er: „Ich möchte mir nämlich bald 30 neue Bäume kaufen.“ Sieben stehen bereits auf der 2.500 Quadratmeter großen Streuobstwiese in Eschborn, die ihm seine Oma für sein Hobby bereit gestellt hat: Der Schüler kümmert sich schon seit fünf Jahren um seine selbst gepflanzten Apfelbäume, beinahe väterlich, „es ist eben mein Hobby“. Der Schüler ist der jüngste Aktive im Obst- und Gartenbauverein Niederhöchstadt.

 

 

Südliches Rhein-Main-Gebiet

 

Aschaffenburg

Streuobst-Initiativen aus Hessen besuchten im Mai 2005 das Schlaraffenburger Streuobst-Projekt des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und der Stadt Aschaffenburg. Sie informierten sich über die Organisationsstruktur und den Stand des Projektes. Die gewonnenen Erfahrungen aus dem Aschaffenburger Projekt wollen sie jetzt für ihre künftige Naturschutzarbeit nutzen. „Das Schlaraffenburger Streuobstprojekt ist mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und hat Vorbildcharakter“, erklärte Frank Bremer vom Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis. Unter seiner Federführung kamen über 30 Vertreter der Arbeitskreise Streuobst aus Rodenbach, Maintal, Nidderau, Gelnhausen, Langen und aus Friedrichsdorf im Taunus nach Schweinheim in die Gutsschänke, um sich über das Projekt zu informieren.

In den Arbeitskreisen sind Behördenvertreter und ehrenamtliche Naturschützer vertreten. Sie sind in ihren Gemeinden im Streuobstwiesenschutz aktiv und möchten ähnliche Projekte initiieren. „Ziel der Veranstaltung ist auch, die regionalen Initiativen über die politischen Grenzen hinaus zu vernetzen und persönliche Kontakte aufzubauen”, erläuterte der Schlaraffenburger Projektleiter Alexander Vorbeck. So würden beispielsweise die zahlreichen Schnitt- und Sortenbestimmungskurse des LBV auch von den Nachbarn genutzt.

Konkret soll in Aschaffenburg ein gemeinsamer länderübergreifender Veredelungskurs stattfinden. „Das als Streuobstzentrum geplante ,Main-Appel-Haus' in Frankfurt könnte künftig als Plattform für den Informationsaustausch zum Thema Streuobst in Rhein-Main dienen”, meinte Bremer. „Das Ziel des Projektes ist es, mit der wirtschaftlichen Nutzung der Streuobstwiesen den Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten Steinkauz zu erhalten”, erklärte LBV-Landesvorstand Dietrich Böhme.

Mit der Vermarktung von Streuobst-Apfelsaft habe man einen neuen Weg in der Naturschutzarbeit eingeschlagen. Für Marc Busse, zuständiger Abteilungsleiter bei der Stadt Aschaffenburg, hat das Projekt eine Dimension, die mittlerweile weit über den Naturschutzaspekt hin­ausgehe. „Für uns sind auch der Erhalt der Kulturlandschaft und die Stärkung regionaler Wirtschaftkreisläufe von Bedeutung. Der ‚Schlaraffenburger’ trägt als starke regionale Marke zur Identifikation mit der Region bei”, sagte Busse. Als wichtigen Erfolgsfaktor nannte Vorbeck die breite Kooperation aus Naturschutzverband (LBV), Kommune (Stadt Aschaffenburg), den Keltereien Saier, Rothenbächer und Stenger (Goldbach) und den zahlreichen Streuobst-Bewirtschaftern. „Jeder bringt das ein, was er am besten kann.”

Ende vergangenen Jahres bestanden insgesamt 52 Verträge mit Flächeneigentümern mit über 3300 Obstbäumen auf 149 Obstwiesen. Die Erntemenge konnte aufgrund der günstigen Witterung im Vergleich zum Vorjahr auf 150 Tonnen verdreifacht werden. ,,Nun gilt es, 80 000 Liter Saft, Schorle, Apfelwein und Cidre zu vermarkten", erklärte Dr. Ute Windisch, zuständig für die Vermarktung im Streuobstprojekt. Sie sieht die größte Herausforderung im Verkauf der produzierten Saftmenge. „Hier ist der verantwortungsvolle Kunde gefragt, denn mit dem Schlaraffenburger Apfelsaft kauft man nicht nur ein gesundes Lebensmittel, sondern gleichzeitig ein Stück Naturschutz in der Flasche und fördert damit regionale Wirtschaftskreisläufe”, betonte sie.

Auf den Obstwiesen von Walburga Kral und ihrem Bruder Norbert Weigand in Obernau wird die Umsetzung des Projektes in der Praxis erklärt. Gemeinsam bewirtschaften sie über 140 Obstbäume.

In einem Vertrag haben sie sich zur Pflege ihrer Obstbäume nach Naturschutz- und Bioland-Kriterien sowie zur Nachpflanzung von Jungbäumen verpflichtet. Den Obstbaumschnitt haben sich Weigand und Kral in den zahlreichen LBV-Schnittkursen angeeignet. Im Rahmen einer Baumpflanzaktion haben sie vor zwei Jahren noch mal über 30 Bäume nachgepflanzt und Sohn Andre Kral möchte sogar noch weitere Bäume pflanzen. Mehr als 14 Tonnen Apfel haben sie im letzten Herbst in das Schlaraffenburger Projekt geliefert. Mit 13 Euro/100 Kilogramm liegt der Preis deutlich über dem normalen Preis für Kelterobst. Das hält Norbert Weigand für angemessen. Schließlich sei die Arbeit, bei der die ganze Familie und Freunde eingespannt sind, anstrengend.

Nach der Exkursion in die Obstwiesen war bei geselligem Beisammensein in der Gutsschänke Gelegenheit die zahlreichen Produkte zu probieren und sich über Details auszutauschen. Schon beim Kaffee fiel die Schlaraffenburger Apfelweintorte der Bäckerei Hench auf, die mit Bohnäpfeln und Apfelwein aus dem Schlaraffenburger Projekt gebacken wird. Bei den Getränken stieß insbesondere der neue Schlaraffenburger Cidre auf ein positives Echo. „Was ein prickelndes Stöffche, das ist Naturschutz, der schmeckt”.

Den aktuellen Projektbericht kann man beim Schlaraffenburger Projektbüro unter (0 60 29) 99 56 44 anfordern, oder aus dem Internet herunterladen.

 

Klingenberg

 Informationen rund um den Streuobst‑ und Apfelanbau bietet das Städtchen Klingenberg am Sonntag, 14. Oktober 2001,  mit seinem „2. Regionalen Apfelmarkt". Die Initiative Bayerischer Untermain ist Veranstalterin und lockt von 10 bis 18 Uhr mit Apfelchips, Apfel‑ Champagner, Apfelkuchen und vielem mehr auf den Winzerfestplatz beim Pfarrheim. Keltereien und Brennereien zeigen ihr Handwerk, Experten geben Tips zu Sortenwahl, Obstbaumpflege und Naturschutz. Außerdem können Besucher Obstbäume samt Handwerkszeug erstehen. Für passende Klänge, sorgt der Musikverein Röllfeld, es tanzen die Landfrauen.

 

Odenwald

Annelsbach

Peter Merkel aus Höchst-Annelsbach im Odenwald, Annelsbacher Tal 43,  (Anmeldungen unter der Nummer 06163 / 24 84), keltert noch selber sorten- und jahrgangsreine Apfelweine. Er organisierte die Annelsbacher Apfelweintage. Schon beim ersten Mal, im Winter 1996, kamen über 50 Kelterer und Obstbauern aus ganz Hessen im Odenwald zusammen und diskutierten ihre Fragen. Wie kann man die Bauern dazu bringen, ihre Obstbäume natürlich zu pflegen und die alten Sorten wieder anzubauen? Wer zeigt ihnen, welches der beste Zeitpunkt für die Ernte ist? Viel Aufklärung ist auch beim Verbraucher notwendig, er muß die Unterschiede zwischen Fabrik- und Handwerksware kennen und den höheren Preis dafür akzeptieren.  Und schließlich, wie kann man hessische Köche dazu motivieren, regionale Gerichte auf die Speisekarte zu bringen?

 

Im Jahre 1997 trafen sich über 60 hessische Apfelweinproduzenten. Vom Großkelterer aus Frankfurt  mit Millionenumsatz bis hin zum kleinen Kelterwirt aus der Rhön. Bei der Verkostung standen 76 unterschiedliche Apfelweine auf dem langen Tisch im Gasthaus „Dornröschen“. Die Palette reichte vom naturtrüben „Schoppepetzer“ über einen Goldparmänen-Apfelwein aus der Rhön  bis zum „Apfelwalzer extra trocken“, einem Apfelschaumwein aus Fürth im Odenwald, hergestellt aus ungespritzten Äpfeln von Odenwälder Streuobstwiesen.

Mit Apfelwein - darüber waren sich die Kelterer beim 2. Annelsbacher Apfelweintag einig - läßt sich nicht das große Geld verdienen. Der Markt ist zu klein, regional begrenzt, schon in Stuttgart oder Düsseldorf wird man keinen Biertrinker zum Apfelwein bekehren können, auch nicht zum „Apfelklassiker brut“. Aber diese regionale Verwurzelung ist auch eine Chance, hochwertige und ungewöhnliche Produkte durchzusetzen - und alte Apfelschönheiten wieder erblühen zu lassen.

 

Beim Annelsbacher Apfel-Weintag 1998 gab es im Gasthaus „Dornröschen“ einen Kelterer-Workshop, Referate, Diskussionen und eine Ebbelwei-Probe.  „Unser Anliegen ist es, auf die Streuobstwiesen aufmerksam zu machen“, erläutert Gerd Grein vom Verein Apfelwein und Streuobstwiesen, der zu den Initiatoren gehört. Kelterobst aus dem Odenwald hat einfach mehr „Biß“, ist Grein überzeugt. Das wissen auch die Großkeltereien aus dem Rhein-Main-Gebiet und schicken ihre Vertreter zum Einkaufen und zum Apfelweintag nach Annelsbach. Doch die meisten Äpfel, die von Odenwälder Streuobstwiesen gekeltert werden, bleiben in der Region bei kleineren Keltereien.

Rund 100 verschiedene Apfelweinsorten standen für die Besucher zum Probieren bereit. Wer dann immer noch nicht genug hat, nimmt am „Odenwälder Apfel-Abend“ teil. Da wird es niemanden verwundern, daß der Annelsbacher Apfelweintag immer in einem Gasthaus mit angeschlossener Pension zum Übernachten abgehalten wird.

 

Reichelsheim

Zur Lachsforelle einen 98er Goldparmäne oder den 99er Bohnapfel? Wer im Gasthaus „Schwanen“ in Reichelsheim im Jahre 2002  im Odenwald Apfelwein bestellt, bekommt eine eigene Karte gereicht. Besitzer Armin Treusch keltert erlesene Tropfen, mit denen er dem Traubenwein Paroli bieten will. Beim Aufstieg in die Gourmetklasse unterstützt ihn mit Michael Stöckl vom Restaurant „Landsteiner Mühle“ in Weilrod immerhin ein Sommelier. Dagegen beäugt die Mehrzahl seiner Kollegen vom hessischen Kelterei‑Verband sein Streben mit Mißtrauen. Ehrenvorsitzender Walfried Heil traut den selbsternannten Spitzenweinen nur eine kleine Marktnische zu.

Davon geht auch Treusch aus. Der Ebbelwei stand zu lange auf den Speisekarten versteckt unter den Biersorten. „Dieses Image läßt sich nur schwer andern“, sagt er. Doch es muß sein, ist der Gastwirt überzeugt, denn der Apfelweinkonsum sinkt stetig. Wenn die Masse fehlt, muß eben Klasse her ‑ um über den höheren Preis den Umsatz halten zu können. Und sie geht auf. Seit 1999, als Treusch seinen Gästen den ersten selbst gekelterten Apfelwein auftischte, ist die Nachfrage nach dem hessischen Nationalgetränk in der Gaststube um das dreifache gestiegen.

Zum neuen Image gehört das entsprechende Ambiente. Das gerippte Glas gibt es nur noch für den Hausschoppen, die edleren Tropfen werden aus kleinen Flaschen mit besonderen Etiketten ausgeschenkt und im Weinglas kredenzt. Für Probierlaunige halt Treusch außerdem ein Brett mit fünf Stamperln bereit: Damit kann jeder testen, daß nicht alle Apfelweine gleich sauer schmecken. Wie beim Traubenwein ist der sortenreine Ausbau entscheidend: Boskop oder Bohnapfel. Als Rarität steht die Goldparmäne bereit, die besonders rar ist und beim Pressen nur wenig Saft abgibt. Auch die Lage beeinflußt für Treusch den Geschmack: „In Südhessen sind die Äpfel zum Beispiel kräftiger.“ Diese Spezialisierung hält Kelterer Heil für Unsinn. Für ihn entsteht ein guter Apfelwein erst mit der Mischung verschiedener Sorten. Wo sie gewachsen sind, spiele keine Rolle.

Vertreter von fünf europäischen Apfelwein‑Regionen haben im Jahr 2003 bei einem Symposium in Reichelsheim im Odenwald ihre Apfelwein‑Kulturen und deren Image vorgestellt. Daß die meisten Deutschen wohl wissen dürften, was Ebbelwoi ist, ist vor allem das Verdienst der Showmaster Otto Höpfner und Heinz Schenk und ihrer Sendung „Der Blaue Bock“. Nicht wenige Hessen sind allerdings eher unglücklich über das etwas altbackene, angestaubte Image und die als künstlich empfundene Bembel‑Folklore, die der Blaue Bock bis Mitte der 80er Jahre vermittelte.

 

Eberstadt

Selbst gepreßt und gekeltert schmeckt immer noch am besten. Beim Kelterfest des Streuobstwiesenzentrums in Eberstadt im Jahre 2002 konnten Kinder die reifen Äpfel in der Mühle zerkleinern und mit der Kelter auspressen. Zur Belohnung floß am Sonntagnachmittag der süße Apfelmost direkt ins Glas. Doch nicht nur um die süßsauren Baumfrüchte ging es: Ein Schäfer bot zudem Schafsbratwürste an und Informationen rund um Schaf.

Jedes Jahr veranstaltet der Freundeskreis Eberstädter Streuobstwiesen im Herbst sein traditionelles Kelterfest im Steckbornweg. Neben dem Bienen‑ und dem Schafschurfest fester Bestandteil des Vereinsprogramms. Die Apfel für die Kelteraktion stammen zum größten Teil von den 55 Hektar großen Streuobstwiesen rund um Eberstadt.

Der Verein mit seinen rund 100 Mitgliedern kümmert sich seit Jahren um die Pflege des Biotops und den Schnitt der Obstbäume. Für Kinder bietet das Streuobstwiesenzentrum einen umweltpädagogischen Unterricht an. Montags, dienstags, donnerstags und freitags können die Vier bis Zwölfjährigen mit zwei Umweltpädagoginnen die Wiesen durchstreifen, Ausflüge und Wanderungen unternehmen. Auch Bastelstunden werden veranstaltet. Wer sich für das Programm und den Verein interessiert, kann sich unter der Rufnummer 06151/53289 direkt an den Freundeskreis wenden.               

Per Mouseclick kann der Besucher am PC durch das Jahr und das Vereinsgeschehen des Freundeskreises Eberstädter Streuobstwiesen reisen. Ein digitales Geschenk auf einer CD‑ Rom, das 13 Umschüler zum Multimedia‑Entwickler dem Eberstädter Verein im Januar 2013 übergeben haben. Ein Jahr lang entwickelten die Männer und Frauen während ihrer vom Arbeitsamt geförderten Fortbildung bei Projekt Neue Technologien (PNT) die Konzeption und Programmierung der CD.

Das Thema Naturschutz und den Eberstädter Verein wählte die Gruppe selbst aus. Seit fünf Jahren bietet PNT die Umschulung zum Multimedia‑Entwickler an und jedes Jahr suchen sich die Teilnehmer ein Thema für die Abschlußarbeit. Zumeist fiel die Wahl auf ehrenamtliche Projekte, Institutionen oder Einrichtungen, die sich ansonsten eine solch aufwendige und teure digitale Präsentation und Werbemaßnahme nicht leisten können. Hier erhalten sie sie kostenlos. Auf diese Weise kamen bereits die Stadtbibliothek Darmstadt, die Romanfabrik Frankfurt oder auch die Lokale Agenda 21 der Wissenschaftsstadt zu einem Internetauftritt.

Ein Jahr lang haben die 13 ehemaligen Graphiker, Architekten oder auch Innenarchitekten an der CD über die Streuobstwiesen in Eberstadt gearbeitet. Sie haben die Technik programmiert, Fotos aufgenommen, Texte aufgesprochen und sogar Klaviermusik eingespielt, die von Freunden eigens für die CD komponiert wurde.

Herausgekommen ist eine überaus poetische Sichtweise ‑ festgehalten in einer Diaschau, in Zeitraffer‑Filmen, 360 Grad Panoramablicken und auch einem Sprechchor, der die vielen Apfel‑ und Birnensorten auflistet. Ein 3‑D‑Modell eines Luftbildes zeigt das Streuobstwiesen‑Areal aus der Vogelperspektive und eine witzige Vogelstimmenuhr läßt stündlich die Piepmätze erklingen, die zu dieser Morgen- oder Tagesstunde ein Konzert anstimmen. Ein Memoryspiel aus Geräuschen, wunderbar verpackt in Felder mit Pusteblumen, entfacht den Spieltrieb.

Gedacht ist die Reise durch die Schönheiten der Kulturlandschaft daher nicht nur als Naturerfahrung für Erwachsene, sondern auch für die umweltpädagogische Arbeit mit Kindern. Wir wollten, sagt Eric Giebel, die Betrachter nicht mit Informationen überschütten, sondern wollten Lust machen auf den Verein, seine Arbeit und das Thema Umwelt und Streuobstwiesen. Gelungen ist das auch mit äußerst feinen Sequenzen wie den Traumbildern, die zunächst verschwommen erscheinen, dann aber durch Anklicken deutlich hervortreten und romantische Bachläufe, gefurchte Baumrinden oder auch Blätter und Blüten zeigen. Der Curser fährt dabei über das Bildpuzzle wie ein Glühwürmchen durch die Nacht. „Unsere Stärke ist das Kreative, das Poetische“, betonen die Sprecher der Gruppe, Eric Giebel und Armin Briatta. Zwar sind die technischen Details raffiniert und bedürfen der Erfahrung am PC. Doch eine wissenschaftliche Präsentation war nicht unser Ziel.

Der Freundeskreis Eberstädter Streuobstwiese erhielt am Freitag das Original und wird die CD vervielfältigen. Die neuen Media‑Entwickler haben eine Referenz für die künftige Selbständigkeit. Nur für PNT sind die Aussichten dunkler. Weil das Arbeitsamt die Mittel streicht, war es der letzte Weiterbildungskurs, bedauert PNT‑Teamleiter Henry Zimmer.

 

Eppertshausen

Auf eine 300jährige Tradition kaum die von der Familie Gruber in sechster Generation geführte Ausflugsgaststätte „Thomashütte“ bei Eppertshausen zurückblicken. Bekannt ist die gastliche Stätte für ihren selbstgekelterten Apfelwein, die Hausmacher Wurst und die eigenen Rinder als Steaklieferanten. Im Jahr 1698 von Thomas Enners im damals „Groschlagischen Oberwäldchen“ als Ziegelhütte erbaut, ist es wohl der schon von den Römern erbauten „Hohen Straße“ zuzuschreiben daß sich in der Thomashütte ein Einkehr- und Rastplatz entwickelte, an dem Menschen sich bis auf den heutigen Tag gern stärken und laben.

 

Obertshausen

Im Dezember 2000 griffen Eltern und Kinder endlich zu Schippe und Spaten, um den Hof der Joseph-von-Eichendorff-Schule in Obertshausen umzugestalten. Die Landesregierung hatte das Obertshausener Projekt „Schulhof 2000“ im November zur Ehrenamts-Initiative des Monates gekürt. Sie hatten sich Gedanken um eine kindgerechte und naturnahe Gestaltung des Pausenhofs macht. Studenten der Fachhochschule für Landschaftsarchitektur in Wiesbaden, Kinder, das Kollegium und Eltern haben mit geplant.

Frucht der Arbeit ist ein Konzept, nach dem das triste Asphalt-Areal der Grundschule mit Förderstufe in eine grüne Pausen-Oase mit Hügellandschaft, Streuobstwiese, Ballspielfeld, Rückzugsnischen und ein Freiluftklassenzimmer verwandelt werden soll. Rund eine halbe Million Mark würde das kosten. Aus der naturschutzechtlichen Ausgleichsabgabe gibt’s rund 20.000 Mark für die erste Pflanzung, erläutert Umweltdezernentin Claudia Jäger. Schließlich wurden rund 175 Quadratmeter des Pausenhofs an der Waldstraße entsiegelt, auf die die Schüler und Eltern an diesem Samstag acht Lindenbäume setzen. Hinter dem Schulgebäude graben Mütter und Väter Löcher für acht Apfel-, Birn-, Kirsch- und Pfirsichbäume. Auch hessenweit hat das Obertshausener Projekt schon Schlagzeilen gemacht und ein bißchen Ruhm ernten können. Die Landesregierung kürte es im November zur „Ehrenamtsinitiative des Monats“.

 

Mühlheim-Dietesheim

Michael Tresser muß gehörig Kraft anwenden, um einer vollen Ladung Äpfel den Saft zu nehmen. Eine Presse von 1910 oder so, sagt er. Sie stammt von meinem Urgroßvater Max Thiel. Der war Lederwarenfabrikant in Offenbach. Daß die alte Quetsche noch einwandfrei funktioniert, beeindruckt auch Pfarrer Hans Rumpeltes von der evangelischen Friedensgemeinde Mühlheim. Wir haben das Ding extra für diesen Nachmittag wieder flott machen lassen, erläutert er beim Apfelsamstag im Oktober 2001, zu dem Hunderte in den Hof der Gustav‑Adolf‑Kirche im Stadtteil Dietesheim gekommen sind.

„Es ist das erste Mal, daß wir so etwas machen“, sagt der Pfarrer. Um Ökologie ‑ eben um die Bewahrung der Schöpfung ‑ dreht es sich beim Apfeltag, zu dem auch Carl‑Friedrich Schaback, der Beauftragte für den Dienst auf dem Lande der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sowie Mitglieder der lokalen Agenda‑Arbeitsgruppe „Gutes aus Mühlheim“ gekommen sind. Schaback hat sogar Ziegen mitgeb4racht, die daheim auf seinem Freizeit-Ökohof in Queckborn bei Gießen Milch für würzigen Käse geben.

Schaback demonstriert in Mühlheim, wie der Kreislauf von der Streuobstwiese bis zum Käse funktioniert ‑ und das alles Überschaubar. Daß es im Alltag mit dem natürlichen Kreislauf so eine Sache ist, will Tresser, der Meister an der Apfelpresse und von Beruf Designer, nicht verschweigen. Früher hätten Landwirte den Trester, die Apfelrückstände nach dem Keltern ‑ wie bei der Weinherstellung und beim Bierbrauen auch Treber genannt ‑, gern als Viehfutter genommen. Doch es gebe in der Region kaum noch Bauern. Und den Jägern, die diese Masse früher als Leckerbissen fürs Wild im Wald verteilt hätten, seien die Hände gebunden. Laut Forstgesetz sei es verboten. Aber der Hammer sei, klagt Tresser, daß er den Trester auch nicht zur örtlichen Grünkompostanlage bringen dürfen, weil das Zeug angeblich nicht gut für Komposterde ist. Ein Problem sei, daß sich die Mitarbeiter der Kompostanlage sich immer wie Sheriffs aufführten und nicht mit sich reden ließen. Wer selbst keinen Komposthaufen habe, entsorge somit den Trester als Restmüll in der Tonne ‑ und das in der Apfelweinhochburg Mühlheim.

Es sei widersinnig, Äpfel mit viel Aufwand extra aus Neuseeland zu importieren, machte Schaback deutlich, der gedörrte Apfelringe und Vogelsberger Apfelwein kredenzte. Und die Agenda‑Gruppe legte Wert darauf, daß „Gutes aus Mühlheim“, lokale Produkte also, keine leeren Worte sind. Das Kachelofen‑ und Kaminbau‑Unternehmen Grothe ließ einen Holzofen dampfen, so daß die Bäckerei Schwenger Körnerbrot und Apfelkuchen an Ort und Stelle vollenden konnte.

 

Langen

Der Langener Willi Metzger ist einer der wenigen, der heute noch das Küfer-Handwerk beherrscht. Bei einer Veranstaltung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins zeigte er im August 1998, wie er seine Fässer herstellt. Drei Jahre hat Metzger Anfang, der 50er Jahre gebraucht, um in der Schnaps- und Süßmostfabrik Dr. Walter Scherer in Sprendlingen und bei einem Unternehmen im Kreis Groß-Gerau alles zu lernen, was man über das Handwerk wissen muß. „Küfer haben ja früher nicht nur Fässer gebaut“, sagt der 60jährige. „Wir haben auch Eimer, Badezuber und sogar Waschmaschinen hergestellt.“

Die Küferei betreibt er seitdem nur noch in seiner Freizeit. „Das ist sozusagen mein Hobby“. sagt er. Ein oder zwei Fässer baut er noch im Jahr. Für den Eigengebrauch, um beispielsweise den selbstgemachten Ebbelwei darin zu lagern: „Eichenfässer eignen sich dafür hervorragend“, sagt Metzger. „Man sollte danach nur keinen Wein mehr darin lagern.“ Denn der würde dann verderben.

Seine Werkstatt befindet sich in einem kleinen Raum neben der Hofeingang. Mit einer altertümlichen Säge schneidet er das Holz in lange Stücke, die er dann in Handarbeit sorgsam zurecht schleift: Alles muß genau passen, damit das Faß am Ende dicht bleibt; geleimt wird nichts. Damit die Holzzeile, die sich zu einem Ganzen fügen, auch ein solches bleiben, werden sie von Willi Metzger in eiserne Bande gelegt. Ungefähr zwei Wochen braucht er in der Regel bis dahin.

Doch es ist nicht die schwierige Arbeit, die verhindert, daß Metzger mehr Fässer baut: „Holz ist schwer zu kriegen“, sagt er, „denn Eiche ist selten und teuer“. So ist er froh, wenn er - wie neulich - auf dem Dachboden ein uraltes Stück Eiche findet. Doch zur Not fühlt sich der Ebbelwei auch in Fässern aus Kastanienholz wohl, die aber meist aus Portugal kommen und nicht besonders haltbar sind. „Nach einer Benutzung können sie die wegwerfen“. Aber wenn vorher ein guter Portwein drin war, sagt er, dann lohne es sich, noch mal einen Ebbelwei reinzufüllen: „Das gibt einen wunderbaren Geschmack.“

 

Aus dem seit 1975 gefeierten Heimatfest hat sich ein Spektakel entwickelt, zu dem gut 100.000 Besucher aus dem Rhein-Main-Gebiet anreisen. „Eine Kontaktbörse für gutgelaunte Menschen aus der ganzen Region“, behauptete Bürgermeister Dieter Pitthan in seiner Eröffnungsrede am Samstag. Die wenigsten Besucher kommen dabei jedoch wegen der Fichtenkränzi-Idylle der Heckenwirtschaften oder weil es auf dem Bachgassenmarkt so schön ist, bei dem Kunsthandwerker ihr Schmuck-, Dippe- und Nippes-Sortiment ausbreiten.

Zum Programm zählen kuriose Zeremonien: die Taufe von Ebbelwoirittern und die Kür eines Ebbelwoikönigs. Zur Taufe wird dem künftigen Ritter ein ponchoartiges Cape umgelegt. Dann soll auf der Stelle ein voller Bembel leergetrunken werden. Klar, daß man sich erst einmal weigert. So gibt der Brunnenwirt Hans Hoffart dem Kandidaten Saures und kippt das prickelnde Stöffche über die künftigen Rittern, die sich dafür nach vorn beugen. Sie dürfen sich danach, so versichern alteingesessene Heimatfreunde, wie echte Langener fühlen.

Dem ehrwürdigen Kreis der Apfelweinritter gehören Langener an, die nicht von Geburt an solche sind, sich aber nach dem Umzug in ihre Wahlheimat dort für das Gemeinwohl engagieren. Das sind sogenannte Neubürger, die erst seit ein paar Jahren oder doch schon seit den '60ern in Langen wohnen.

Inzwischen hat Langen über 100 Ebbelwoiritter (innen), die ein Wort mitreden können, wenn der Ebbelwoikönig oder die -königin gekürt wird. Wer diesen Langener Ehrentitel einmal erhalten will, muß rechtzeitig vor dem Fest zwei Flaschen seines selbstgemachten Ebbeiwois beim Brunnenwirt abliefern. Wie Hoffart erwähnt, haben in guten Jahren über 650 Langener ihren Ebbelwoi vorbeigebracht, „diesmal sind es gerade mal nur ein Dutzend“.  Eine Jury sucht die besten Kelterer aus, die dann König oder Königin oder Prinz bzw. Prinzessin werden.

Unter den Bewerbern für das Königshaus war auch Kurt Petri, der vor 40 Jahren aus Langen nach Kanada übersiedelte. Weil er das Stöffche dort vermißte. setzte er den Tip seiner Frau in die Tat um und kelterte den Ebbelwoi fortan selbst. Petri kam nach Langen und überreichte der Jury eine Kostprobe seines Apfelweines aus Übersee. Der schmeckte Hoffart & Co so gut, daß Petri der Titel Ebbelwoi-Botschafter für Kanada verliehen wurde.

 

Beim Ebbelwoifest 2001 hat Brunnenwirt Hans Hoffart fünf neue Ebbelwoiritter (-innen) getauft. Dabei handelt es sich traditionell um Zugezogene, die sich in der Stadt Verdienste erworben haben. Doch 2000 sei ein so gutes Jahr gewesen, daß es diesmal zum Langener Ebbelwoifest ein Super‑Stöffche gebe, schwärmt der Brunnenwirt. Davon haben sich jetzt 44 Ebbelwoiritter (-innen) überzeugt, die 24 Proben von selbstgekeltertem Ebbelwoi kosteten. Das Urteil der Mehrheit: „Der Knüller ist der von Volker Trippel.“ Der Freizeitkelterer regiert nun als Ebbelwoikönig in Langen, nach 1999 übrigens zum zweiten Mal. Prinzen sind Bernd Heyder und Klaus Vögl. Und Claudia Metzger kann sich als Prinzessin fühlen. Ihre Stöffche sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern.

 

Die Sonne strahlt am Samstagnachmittag, als die Langener am Vierröhrenbrunneu im Herzen der Altstadt König, Prinzessin und Prinzen loben und preisen, nachdem der Orchesterverein Langen im grünen Polo‑Shirt‑Outfit Blasmusik gemacht hat. Und dann folgt der Höhepunkt: die Daaf (Taufe) der neuen Ritter(innen). Das sind stets fünf Langener, die sich als Zugezogene in der Stadt einen Namen gemacht und Verdienste erworben haben.

Sie bekommen nacheinander ein Kunststoffcape über den Kopf gestülpt, damit beim feuchtfröhlichen Gaudium nicht die Kleidung naß wird. Zuvor müssen alle ein tiefen Schluck aus dem Bembel nehmen. Gerhard Armer ist der Erste. Er stammt aus Frankenberg an der Eder und wohnt seit 1956 in Langen. Er verdient seine Brötchen im Arbeitsamt („das Freundlichste an Langen“). Aus Erzhausen den Weg nach Langen gefunden hatte schon 1950 Margarete Darmstädter, die im TV als Leiterin von Turngruppen eine lokale Große ist. Sie lebe zwar schon lange in Langen, doch „so ganz habe ich mich noch nicht an den Ebbelwoi gewöhnt“, gesteht sie.

In Wolfen bei Bitterfeld geboren ist Ulrich Krippner, der ‑ von Beruf Steuerberater ‑ erwähnt, daß im Langener Finanzamt nicht alle so nett seien wie Ko-Ritter Armer. Als rheinische Frohnatur entpuppt sich Biggi Sallwey, hat sie es doch 1987 von Bendorf nach Langen gezogen. Toll sei in der Stadt der Karneval, versichert die Präsidentin des LKG‑Damenelferrats. Ebbelwoi sei in Ordnung, doch ein Kölsch sei auch nicht schlecht. Ernst Raab aus Dietzenbach nennt seit 1957 Langen sein Zuhause. Der Verwaltungsangestellte, der sich privat im DRK engagiert und als Fußballschiedsrichter in der Oberliga so manches Spiel anpfeift, öffnet beim Ebbelwoifest seit 21 Jahren die Heckenwirtschaft „Weißer Raab“ zugunsten von MS‑Kranken und Behinderten. Außerdem spielt er bei Wohltätigkeitsterminen die Drehorgel. Bürgermeister Dieter Pitthan hat am Wochenende gewürdigt, daß die Altstadtanwohner immer wieder für den Festrummel sehr viel Verständnis aufbrächten. Das Fest ‑ Höhepunkt am Freitag war ein Brillantfeuerwerk ‑ endet heute mit einem Frühschoppen (10 Uhr) und einer Schlagerparade (19 Uhr) mit Buddy Caine.

 

 

Der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Walter Metzger, überreichte im Juni 2006  während des Ebbelwoifestes eine Urkunde und einen Bembel mit entsprechender Aufschrift an Robert Dietz, den neuen Ebbelwoi-König von Langen. Die Ebbelwoiritter des Vereins hatten zuvor bei ihrer Stöffche-Probe befunden, daß das Dietzsche Produkt „mit Wohlbehagen über die Zunge floß”.

Dietz, der seit über 30 Jahren aus Spaß an der Freud keltert, kam zu der Auszeichnung wie die Jungfrau zum Kind. Er bekannte auf der Bühne offen, daß ihn seine Frau dazu angetrieben habe mit den Worten: „So kommt endlich das saure Zeug mal raus.” Dietz mußte zudem unter lautem Gelächter einräumen, daß ein Teil der Apfel aus der Gemarkung Egelsbach stammt.

Doch Moderator Peter Kunz, der für den erkrankten Brunnenwirt Hans Hoffart einsprang, half ihm über die Klippe: „Wenn wir so weiter mit Neubausiedlungen expandieren, gehört auch bald Egelsbach zu uns.” Insgesamt 37 verschiedene Sorten „mußten” die Ritter probieren, zu Ebbelwoi-Prinzen wurden Heinz Helfmann und Uwe Fischer gekürt. Margot Francke bekam die Auszeichnung Prinzessin, obwohl sie ihre Rohprodukte aus der Schweiz mitgebracht hatte.

Herstellungsprozeß des Ebbelwois und Vernichtung desselben stehen rein zeitlich gesehen in keinem Verhältnis. Das gilt schon zweimal für die „Ebbelwoi-Daaf `, bei der verdienstvolle und bekannte „Nicht-Langener” zu Lagenern getauft werden. Denn alles, was sie aus dem Zwei-Liter Krug nicht trinken können, wird über sie verschüttet. Erwischt hat' s diesmal Hermann Schoder, Manfred Pusdrowski, Norbert Knapp und Margarete Wahler-Wunder.

Schoder, 1938 in Frankfurt geboren, kam schon sehr früh nach Langen. 1974 übernahm er den Graveurbetrieb seines Vaters und ist heute ein erfolgreicher Unternehmer. Seit 1994 weilt der im Jahr 1957 bei Oldenburg geborene Manfred Pusdrowski in Langen. Er ist unter anderem Chef der Stadtwerke und der kommunalen Betriebe. Norbert Knapp stammt aus Darmstadt, der 53-Jährige ist seit 1971 Polizist in Langen und leitet seit drei Jahren die örtliche Dienststelle. Vereinsvorsitzender Metzger kannte kein Pardon und ergoß das edle Getränk auch über die in Fulda geborene Juristin und Stadtverordnetenvorsteherin Wahler-Wunder.

 

Der Apfelwein „Siebenschläfer“ von den Langener und Egelsbacher Streuobstwiesen wird ab Anfang Juni 2005 in den Mitgliedsgaststätten der hiesigen Apfelweinroute ausgeschenkt. Flaschen mit dem originellen Siebenschläfer-Etikett gibt es dann ebenfalls - von der Bischofsheimer Kelterei Stier. Viele haben dazu beigetragen, daß das Langen-Egelsbacher „Stöffche” in den Handel kommen und der Erlös zum Erhalt der wichtigen Streuobstwiesenbestände beitragen kann. Während die 1200 Liter für den Ausschank in den Gaststätten im Langener Restaurant „Zum Haferkasten” gekeltert wurden, übernimmt die Bischofsheimer Kelterei Stier die Abfüllung in die Flaschen. „Wir haben damit einen renommierten und experimentierfreudigen Kelterer gefunden”, sagte Heike Gollnow, die Leiterin des Langener Umweltreferates. Die Stadt Langen ist genauso wie die Gemeinde Egelsbach maßgeblich an der Vermarktung des Siebenschläfers beteiligt.

Zusammen mit weiteren Mitgliedern der Apfelweinroute hatten Heike Gollnow und ihr Egelsbacher Kollege Wolfgang Höher jetzt die Gelegenheit, aus einer Ballonflasche den Stier-Siebenschläfer zu probieren. „Hier ist wirklich etwas Besonderes herangereift”, waren alle einer Meinung. Gewiß kein üblicher Apfelwein, sondern - zumindest für Kenner - eine Spezialität. Denn Keltermeister Jörg Stier, der auch durch seine Apfelweinseminare weithin bekannt ist, hat den Roh-Siebenschläfer mit Quitten veredelt und dadurch eine ganz eigene Geschmacksrichtung mit einem überraschendes Aroma erzeugt.

Offizieller Anstich des Siebenschläfers ist am 4. Juni um 10 Uhr auf dem Wilhelm- Leuschner-Platz beim Langener Altstadtmarkt. Hier beginnt auch der Flaschenverkauf zum Preis von zwei Euro pro Liter. Seit 2009 wird auch der „Siebenschläfer Cidre“ angeboten.

 

Dreieichenhain

Im Jahre 2000 wurde das sechste Dreieicher Äppelfestes gefeiert. Von den Veranstaltern des Apfelfestes, der Stadt Dreieich und den örtlichen Naturschutzverbänden, war zum Beispiel Steffen Kahl eingeladen. Er ist Pomologe, das heißt Obstsortenkundler, um Hobbygärtnern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der Experte erkennt fast jede der über 1.000 Apfelsorten auf einen Blick und kann daher auch den Baumbesitzern weiterhelfen, die den Namen ihrer Paradiesfrüchte endlich einmal bestimmen wollen. Information wird groß geschrieben bei dem Fest; es soll nicht nur geschlemmt werden.

Noch hat Dreieich mit 550 Hektar Fläche und etwa 7.700 Bäumen neben Mühlheim und Langen die größten noch erhaltenen Streuobstwiesen im Kreis Offenbach, fast komplett in Privatbesitz. Viele der Grundstücke, auf denen um die 2.000 Tier- und Pflanzenarten existieren, verwildern. Deshalb informieren wir über die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung und Unterstützung für Obstwiesenbesitzer und darüber, wie die Bäume beschnitten und gepflegt oder junge gepflanzt werden können.

Auch die Naturschützer wollen die Bedeutung der Wiesen unterstreichen und gleichzeitig die Qualität des einheimischen Apfels anpreisen. „Apfel aus Neuseeland braucht kein Mensch, die aus Dreieich sind mindestens genauso gut und müssen nicht 18.000 Kilometer weit geflogen werden, erklärt Heidi Soboll vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Sie will mit dem Fest rund um den Apfel auch die Direktvermarktung durch die Landwirte und Obstanbauer fördern.

Bei der Künstlerin Brigitte Kleinhandling vergnügen sich die Kinder mit der Frottage-Technik, dem Abpausen von Baumblättern in bunten Farben. Zu Apfel-Streusel und Apfel-Käse, natürlich mit Früchten aus der Heimat, gibt es frisch gepreßten Apfelmost. Die Erwachsenen sitzen bei einem Bembel Rauscher, Süßem oder Apfelwein auf den Holzbänken. Gemütlichkeit kommt auf während Drachen steigen und munter drauflos geschnurpst wird. Für den Nachschub an Speis und Trank sorgt Bauer Frank, der seinen Hof in Götzenhain hat und selbst stolze 70 Apfelbäume sein eigen nennt. Er selbst allerdings ißt lieber Birnen.

 

Neu-Isenburg:

Das Gasthaus „Grüner Baum“ gibt es seit 1862. Der namensgebende grüne Baum ist eine Linde, um die herum das Gasthaus gebaut ist. Von außen sieht das Gebäude völlig unscheinbar aus, das Innere hat’s dafür mehr als in sich. Zum Anwesen gehören mehrere Gasträume, Festsäle und jede Menge Platz. Hübsch gemacht mit frischen Farben und Stoffen, braucht sich auch das Innenleben nicht mehr zu verstecken. Hier kann man trefflich sitzen und bei gut-bürgerlichem Essen die Zeit vergessen. Neben zivilen Preisen dürfen Hungrige der guten Fleischqualität vertrauen.

Über sie wacht der Wirt ebenso wie über die Apfelweinkelterei, in der das eigene Stöffche (2,50) gekeltert wird. Auch Biertrinker kommen nicht zu kurz, Henninger macht’s möglich (Pils 3,70, Weizen 5,50). Bembelsprudel kostet 5 Mark, pure Wassertrinker zahlen für die „Gourmet“- Elisabethen-Quelle 6,80. Für den kleinen Hunger gibt es Vorschläge (Toast Hawai, Shrimpscocktail, Matjes), für Kids (Spaghetti, Würstchen, Schnitzel) und Rustikales wie Preßkopf, Leberwurst und Bauernhandkäs (5,50). Knüller der Karte ist die Grüne Baum-Pfanne mit Medaillons auf Spätzle, Gemüse und Käse gratiniert (24,80). Zum Dessert ist das Apfelwein- Eis (8,80), das die Wirtin im Isenburger Eissalon Cristallino herstellen läßt ein absolutes Muß. Besser kann man Stöffche-Eis nirgends essen. Zu vorgerückter Stunde wird die Linde illuminiert, denn bis 23 Uhr darf man im Grünen Baum draußen sitzen. Grüner Baum, Marktplatz 4, Neu Isenburg, Telefon 06102-38318, geöffnet von 11.30 bis23.30 Uhr. Ruhetag: Montag.

 

Im Oktober 2000 wurde auf dem Neu- Isenburger Marktplatz ein Kelterfest gefeiert.  „Wir keltern jetzt ja sowieso“, dachten sich die Wirte vom „Grünen Baum“, Bernhard Bunge, und von „Apfelwein Föhl“, Uwe Vollmarshausen und initiierten das erste Neu-Isenburger Kelterfest. Bernhard Miesikowski aus Frankfurt-Sachsenhausen zeigte, was aus einem Apfel werden kann, Süßer, Rauscher oder Apfelwein beispielsweise. „Süßen frisch pressen“ steht am heutigen Montag und auch am morgigen Feiertag auf dem Stundenplan von Schulklassen. Wer für den Tag der deutschen Einheit noch einen Vorführ-Termin beim Kelterfest haben möchte, kann unter Tel. 06102 / 38318 oder 39 669 anrufen

Der Isenburger Marktplatz ist in Topform. Optisch und gastronomisch. Eigentlich schade, daß die anliegenden Wirte keine ‑ oder nur ein paar ‑ Tische aufs Kopfsteinpflaster stellen dürfen. Gerne würde man auf dem idyllischen Platz den Alltag bei einem Schoppen vergessen. Seit Grüner Baum und Apfelwein Föhl neue Wirte haben ‑ was auch schon wieder acht Jahre her ist – scheint man sich gegenseitig zu beflügeln. Was der beidseitigen Wertschätzung der „konkurrierenden“ Wirte Bunne und Vollmershausen übrigens keinerlei Abbruch tut. Sie machen sogar gemeinsame Sache beim „Kelterfest“, dessen Unterstützung die Stadt Neu‑ Isen­burg im Jahr 2002 abgesagt hat.

Nun wollen die Wirte die Aktion im September alleine stemmen. Die Kinder, die sich an Uwe Vollmershausens  Schau‑ Kelterei auf dem Marktplatz im Apfelpressen üben, lernen schließlich fürs Leben: Wie aus einem Apfel flüssiges Gold im Glas wird. Zwar ist das kein Pisa‑fähiges Wissen, immerhin eine fürs Leben nicht unwichtige Erkenntnis. Beim Apfelwein Föhl ging die Ära der hundert Posten starken Speisekarte anno 1996 zu Ende, als die neuen Pächter Uwe Vollmershausen und Ulrike „Uli“ Wipfler das Lokal übernahmen. Die Ära Stahl ‑ ihres Vorgängers ‑ hatte immerhin 34 Jahre überdauert.

Kein Wunder, daß Stammgäste anfangs schluckten, vor allem, zumal Vollmershausen „aus dem Frankfurter Nachtleben“ kommt. Der Ruf hing dem früheren Chef der Music Hall einige Zeit an. Partnerin Uli Wipfler kippte zusätzliches Öl ins Feuer, als sie die Friteuse aus der Föhl‑Küche verbannte: „Bei uns gibt’s keine Pommes.“ Und auch der Toast Hawaii hat seither Hausverbot. Dafür werden knusprige Bratkartoffeln und ein „echter“ Kartoffelbrei serviert.

Zwar haben die beiden den Stil des Lokals erhalten, doch alles ist behutsam entstaubt worden. Eine neue Küche wurde installiert, und Jahr für Jahr wird etwas anderes verschönert: zuletzt das Dach, bald kommen neue Holzdielen ins Lokal. Denn seit einem Jahr sind die beiden Pächter stolze Eigentümer des Anwesens, können sich endlich Inhaber nennen, und jeder investierte Euro kommt dem eigenen Haus zugute. Die Aufgabengebiete sind aufgeteilt. Uli ist für die Optik ‑ Ambiente, Blumen, Dekoration ‑ und  die Küche zuständig. Der Uwe kümmert sich um Organisation, steht hinterm Tresen, keltert den Apfelwein und sticht die Fässer im Keller an. Das kann auch Servicemann Andreas Stein, der nach seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann im Föhl seinem Lehrbetrieb treu geblieben ist.

Das Wichtigste ist natürlich das Stöffche, bis zu 12.000 Liter fließen pro Saison durch die Kehlen der Gäste. Da er keine Baumstückerl besitzt, kauft er Apfelsaft aus Geiselbach im Kahlgrund und keltert sein Stöffche im historischen Gewölbekeller unter dem Innenhof. Vorgänger Stahl hat ihn in die höheren Weihen des Kelterns eingewiesen. Im Keller stehen noch die alten Holzfässer, die aber peu à peu gegen Stahltanks aus getauscht werden. „Macht geschmacklich keinen Unterschied“, weiß Jung‑Kelterer Vollmershausen. „Das Handling ist einfacher, sie sind leichter zu reinigen und man braucht weniger Schwefel.“ Doch auch Bier ‑ Bitburger, Köstritzer und Schneider Weiße, allesamt vom Faß ‑ und (Trauben‑)Wein sind bei Föhl im Angebot.

„Wir sind keine Dogmatiker“, sagt Vollmershausen. „Bei uns gibt's auch Schoppen süß‑ gespritzt, ohne daß jemand das Gesicht verzieht.“ Wenn's sein muß, auch Apfelwein mit Cola. Auf der Speisekarte findet die Variation der deutschen und Frankfurter Küche statt ‑ frisch, gut und abwechslungsreich. Trotz der üppigen Karte kommt lediglich das Sauerkraut aus der Dose. Die Wochenkarte geht auf die Saison ein, da gibt es Pilze, Spargel, Wild und Gänsebraten (im Winter), zu volkstümlichen Preisen. Ganz oben in der Hitliste steht „Gekochtes Rippchen mit Kraut und Püree“, gefolgt vom Tafelspitz oder Eiern mit Grüner Sauce. Die „Grie Soß“ wird frisch mit großen Wiegemessern gehackt, nicht im Mixer. „Den Unterschied schmeckt man“, findet Uwe.

Regionale Lieferanten werden bevorzugt, Rinds‑ und Schweinefleisch kommen vom Bio‑Hof Schauferts in Schönborn, die Wildschweinbratwürstchen aus dem Kahlgrund. Die Obstbrände von Arno Dirker konnte man übrigens bei Föhl schon genießen, als der Mömbriser Brenner noch nicht so berühmt war. Erfreulich sind auch die vielen vegetarischen Gerichte ‑ Wirtin Uli ißt selbst kein Fleisch. Wie organisiert man das in dieser Qualität und Menge? Schließlich gibt es drinnen und draußen jeweils gut hundert Sitzplätze, dazu zwei Kollegzimmer mit weiteren 40 und 60 Stühlen. Das Geheimnis sind gute Mitarbeiter, sagt die patente Uli. In der Föhlschen Küche stehen zwei Köche aus Indien am Herd, die nach Ulis Vorgaben und Anweisungen kochen: Präzise, zuverlässig, konstant. „Sie wollen einen guten Job und ansonsten ihre Ruhe haben“, lobt Uli ihre langjährigen Helfer.

Zusätzlicher Ansporn für die Küchen-Crew mag sein, daß der Service ‑ freiwillig ‑ einen Teil seiner „Tips“ an die weiße Brigade abgibt. Denn: Sind die Gäste zufrieden, fließt das Trinkgeld. Da ist es nur fair, die Köche daran teilhaben zu lassen. Vor allem jetzt, wo es ‑ endlich ‑ steuerfrei ist. Gelernte einheimische Köche hätten Ansprüche, die sie nicht nachvollziehen könne. Und vor allem will Uli nie mehr vom Koch abhängig sein. Das war sie in ihren Anfangsjahren als Wirtin des „Lobster“ in der Sachsenhäuser Wallstreet. Auch deshalb hat sie selbst kochen gelernt. „Uwe und ich essen und trinken selber gern, der Anspruch ist da“, sagt sie.

Frischer Wind auch im ansonsten windgeschützten Innenhof. Auf den rot lackierten Apfelgarnituren liegen kunterbunte Polster, überall gedeihen Blumen und Kletterpflanzen. Das Besteck steckt in irdenen blauen Töpfen aus dem Kannebäcker Land, wohin die beiden Wirte gerne fahren. Auch, um Nachschub an neuen Bembeln zu holen.

Uli, die studierte Grafikdesignerin, geriet vor 20 Jahren eher zufällig in die Gastronomie. Bekanntlich sind Autodidakten ja nicht die schlechtesten Wirte, da sie aus dem Gäste‑ Blickwinkel rangehen. Können sie dann auch noch rechnen, haben sie vielen Fachleuten etwas voraus. Ob von links vorgelegt oder von rechts abgeräumt wird, spielt da weniger eine Rolle, in einem Apfelweinlokal ohnehin überhaupt keine.

Nicht nur auf den blauen Schürzen des Service steht in Gold gestickt: „Föhl dich wohl.“ Deshalb gönnen sich zwar die Wirte gelegentlich einen freien Tag. Doch ihr Lokal bleibt täglich geöffnet. Schließlich kann man von den Gästen nicht verlangen, daß sie ihren Appetit auf Föhlsche Leckereien auf bestimmte Tage beschränken müssen. „Uns gibt’s täglich“, sagen Uli und Uwe deshalb nicht ohne Stolz und aus vollster Überzeugung. Die Wurst hat an dieser Adresse übrigens gute Tradition. Im Luftgäßchen, das am Föhlschen Haus entlang führt, hatte eine der ersten Frankfurter Würstchenfabriken ‑ namens Luft ‑ ihren Stammsitz.

Das Fachwerkhäuschen im Hof, in dem das Büro untergebracht wurde, ist ein kleines, bunt bepflanztes Schmuckstück. Jeden Moment könnte dort ein jugendlicher Held seinen Auftritt haben, eine Arie in den Hof schmettern oder Liebesverse deklamieren. Statt dessen serviert Andreas Stein mit einem flotten Spruch den x‑ten Schoppen.

 

Kelsterbach

Das Bündnis der 50 Bürgerinitiativen gegen die Erweiterung des Rhein-Main-Flughafens demonstriert im August 2000 und  startete eine Baumpflanzaktion bei Kelsterbach. Genau an der Stelle, wo vielleicht eine betonierte Rollbahn hinkommen wird, wurden zwei Bäumchen gepflanzt. Einen Apfelbaum als Signal der Hoffnung und einen Weißdorn als Zeichen des stacheligen Widerstandes gegen die Pläne, den Airport zu erweitern, brachten Helmar Müller von der Bürgerinitiative der Gemeinde Nauheim sowie Martin Kessel, Sprecher der Bündnisses der Bürgerinitiativen, in die harte Erde des Bannwaldes, wo 80 Jahre alte Fichten und 150 Jahre alte Buchen und Eichen stehen. Der Weißdorn sei außerdem „Heilmittel, denn sein Extrakt stärke das Herz, damit wir die Kraft haben, unser Ziel zu erreichen“.

 

 

 

 

 

 

 

 

Rhön und Main-Kinzig-Kreis

 

Seiferts

Angefangen hat eigentlich alles 1990 mit einem Seminar über Regionalentwicklung an der Fachhochschule Fulda. Wilfried Zöll, damals Student im Fachbereich Sozialwesen, begeisterte sich für den „sozialarbeiterischen Ansatz“ der Projekte des hessischen Dorferneuerungsprogramms, in denen „mit den Leuten statt für sie gearbeitet wurde“. Noch während des Studiums machte er sich selbständig, übernahm das Projekt „Ausbacher Rotapfel“ mit Gründung einer Lohnkelterei und machte fortan den Apfel zu seinem Thema. 1994 hab es ein erstes Treffen mit Jürgen Krenzer aus Seiferts, der über eine „Ulstertaler Lage“ für die Produktion von Apfelwein und -saft sinnierte, und Manfred Hempe, heute Geschäftsführer: des Regionalen Zentrums für Wissenschaft, Technik und Kultur (RWZ), der eine Apfelaktion rund um das Thüringer Dörfchen Apfelbach plante.

Über Mundpropaganda bekamen sie knapp 20 Streuobstbegeisterte zusammen,. mit denen sie gemeinsam im Februar 1995 den Verein „Rhöner Apfelinitiative“ gründeten. Der Verein „Rhöner Apfelinitiative“ bündelt die Interessen und die Produktionskapazitäten Rhöner Obsterzeuger und wirbt in Veranstaltungen und Präsentationen weit über die Rhön hinaus für regionale Apfelprodukte wie Saft, Wein, Apfelbier, Sherry und Senf.

Gleich in dieser Gründungsversammlung wurde die erste Großveranstaltung vorbereitet: Nur sechs Wochen später fand in Hohenroda die 1. Rhöner Stöffchenmesse statt. Starthilfe bekam der junge Verein ideell und finanziell vom Biosphärenreservat Rhön. Einen richtigen Schub für den „Rhöner Apfel“ erreichte die Initiative bei der Präsentation des Biosphärenreservates in Bonn im Mai 1995. Danach blieben die Hessen nicht länger unter sich: Bayerische und thüringische Obsterzeuger schlossen sich ihnen an. Heute hat der Verein 115 Mitglieder „mit steigender Tendenz“, 50 Prozent aus Hessen, 30 Prozent aus , Bayern sowie  20 Prozent aus Thüringen und außerhalb der Rhön.

Ihr Ziel ist es, die natürliche „Symbiose“ von Apfel, Rhönschaf, Weideochsen und Biene nach außen verständlich zu machen. Der Rhöner Apfel ist neben dem Rhönschaf zum international beachteten Aushängeschild des Mittelgebirges im Dreiländereck Hessen, Bayern, Thüringen. Zöll über ihren ganzheitlichen Ansatz: „Äpfel können nur gedeihen, wenn die Vierbeiner den Boden pflegen und Bienen die Blüten bestäuben.“ Doch es geht auch ums Geschäft: Auf Seminaren in Krenzers 1997 eröffneter Dorfscheune mit Schaukelterei lernen Gastronomen wie Landwirte die Wertigkeit regionaler Produkte, Marketingstrategien und Marktpotentiale kennen.

Dem Verein zur Seite steht das „Rhöner Apfelbüro“, Bahnhofstraße 14, 36151 Burghaun, Tel. 0 66 52 / 72199, Fax 72134, das den Vertrieb und die Vermarktung organisiert und dessen Betreiber Wilfried Zöll ständig „in Sachen Äpfel“ unterwegs ist. Jüngstes Produkt sind die Apfelchips, gedörrte Apfelscheiben, die in den Antoniuswerkstätten Fulda, einer Behinderteneinrichtung, hergestellt werden.

30 Mark statt zuvor weniger als 20 Mark wird den Erzeugern für den Doppelzentner Kulturobst heute gezahlt; 100 Mark bekommen sie für Tafelobst, das früher überhaupt nicht abgesetzt wurde. Dieses Obst ist ausgestattet mit dem EU-Zertifikat „aus ökologisch kontrolliertem Landbau“, überprüft wird es regelmäßig durch die EU-Kontrollstelle für Naturkost/Naturwaren AGRECO in Witzenhausen. Und auch die Abnehmer, die Kelterei Elm in Flieden und die Rother Bräu im bayerischen Roth, besitzen das EU-Zertifikat. „Auf diese Weise entsteht ein rein ökologisch hergestelltes Produkt, von dem jedes einzelne Kilo nachverfolgt werden kann“, versichert Zöll.

Dessen Apfelbüro garantiert den Obsterzeugern gute Preise und organisiert die Wege zur Kelterei, die Saft herstellt und damit auch Mineralbrunnen Rhönsprudel und Rother Bräu für deren Produkte - Rhöner Apfelschorle und Rhöner Apfelbier - beliefert. Ein weiterer Partner ist der Fuldaer Großhändler Frucht-Hartmann als Obst-Zwischenhändler. Ohne diese Partner, die den Mut hatten, mit uns gemeinsam neue Wege zu gehen

hätte es die Initiative nicht geschafft, meint Zöll. Vorteil dieser Logistik: Selbst Kleinst­erzeu­ger mit fünf Bäumen auf der Wiese können ihr Obst über das Büro absetzen, wobei sich die Abnehmer nicht mit jedem einzelnen Erzeuger beschäftigen müssen. Aufgrund der Vereinskonstellation ist eine „Gebietskulisse“ von 100 Kilometern Ausdehnung entstanden, wodurch auch in schlechten Jahren ausreichende Mengen geliefert werden können. Mitglied im Verein kann übrigens jeder werden, der Streuobst vom Hochstamm erntet, nicht chemisch spritzt und keine mineralische Düngung vornimmt.

m Jahre 1998 fand die jährliche Apfelmesse in Ehrenberg-Seiferts statt. Der Apfelmarkt gab der Vermarktung von Streuobstprodukten sowie Informationen und Fachaustausch einen breiten Raum. Er öffnet den Blick für die Vielfalt der Apfelsorten und will schließlich die Verbindung von Nutzung des Obstes und Erhaltung der Streuobstwiesen in ihrer Tradition und ökologischen Vielfalt zeigen. Die Messe verteilt sich im ganzen Dorf, alte Scheunen öffnen ihre Tore für Aussteller, die Straßen verwandeln sich zu Erlebnispfaden gesäumt von kulinarischen und handwerklichen Spezialitäten. Auf der Messe präsentieren sich unter anderem zahlreiche Vermarktungsstände rund ums heimische Obst und Aussteller mit Zubehör für die Streuobstverarbeitung.  Fachbehörden, der Pomologenverein (Obstbaukunde), der Naturschutzbund und die Rhöner Apfelinitiative bieten den Besuchern Beratung.

Neben dem selbstverständlichen Rundgang über die Messe werden für die Gruppe besondere Programmpunkte angeboten.  H. Zöll, Leiter des Rhöner Apfelbüros, führt fachkundig durch den Streuobstwiesen-Lehrpfad. Außerdem besteht anschließend die Gelegenheit zum Besuch verschiedener Fachvorträge. Ein Vortrag beschäftigt sich mit dem „Lebensraum Streuobst“ - und wird von dem NABU-Kreisverband Fulda verantwortet. Ein weiter von der „AGRECO“ Witzenhausen zu haltender Vortrag behandelt die „EU-Bioverordnung“, das „ARLL“ Fulda zeigt „Vorführungen in der Streuobstwiese“.

„Gasthof zur Krone“, Ihr Landhotel im Herzen der Rhön, Familie Krenzer &Team - D-36115 Ehrenberg-Seiferts/Rhön, Fon 0 66 83/9 63 40 - Fax 0 66 83/14 82 - E-Mail Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . Öffnungszeiten: Do. + Fr. ab 17.00 Uhr, Sa. + So. ab 11.00 Uhr oder nach Vereinbarung

 

„Rhöner Gastlichkeit im Einklang mit der Natur“ - das ist die Philosophie von Familie Kren­zer und dem „Krone-Team“. Über die Speisekarte gelang die „Wiedergeburt“ des selten gewordenen Rhönschafes, Naturschutz durch Genuß, Artenschutz per Speisekarte. Neue Rhöner Spezialitäten mit Produkten von den umliegenden Rhöner Bauernhöfen werden in der Küche zubereitet, zum Beispiel „Seifertser Hackfleisch-Krautpfanne“, „Rhönlammtiegel“ und „Hirtenpfanne“ vom Rhönschaf oder  „Dätscher“ aus Omas Backofen. Spezialitäten rund um den Apfel und Apfelwein werden liebevoll zubereitet.

Man kann ein „Öko-Wohlfühlzimmer“ buchen: Heimische Handwerker haben mit viel Liebe zum Detail und natürlichen Baumaterial Zimmer eingerichtet, die Freude machen. In den Rhönzimmern zu Themen wie „Bauermarkt“, „Kräuter“, „Apfel“, „Schnaps“ kann man sogar regionale Produkte und Accessoires käuflich erwerben. Auf der historischen Kegelbahn gibt es naturtrübes „Öko-Bier“ der Rother Bräu unter freiem Himmel zu genießen.

Ein neu eingerichteter Kreativ-Raum wurde eigens für effiziente und trotzdem entspannende Veranstaltungen geschaffen. Seminare oder Tagungen werden zum „Erlebnis mit Ergebnis“.  Der Raum bietet Platz für bis zu 40 Personen. Bei bestem Service kann man mit modernster Technik entspannt tagen.

In der neu eingerichteten Apfelweinstube finden „Apfel- Seminare“ statt. An rustikalen Tischen aus Ahornholz kann man bei einem Schluck  „Rhöner Apfelwein“ (es gibt dafür noch einen speziellen Ausdruck, der aber seit 2007 gesetzlich geschützt ist und deshalb nicht im Zusammenhang mit dieser  Firma verwendet werden darf) dem Treiben in der Kelterei zuschauen, eine Glasscheibe sorgt für den nötigen Durchblick. Knapp 40 Personen finden hier einen urgemütlichen Platz, und in der warmen Jahreszeit lockt der Freisitz mit weiteren 80 schattigen Plätzen vor der Kelterei.

In der bisher in Europa einzigartigen Schaukelterei in der Scheune hinterm Haus ist man „live“ dabei, wenn Äpfel gepreßt werden und der frische naturtrübe Saft aus der Kelter läuft. Wer Lust hat, kann beim Mosten mithelfen, zur Belohnung gibt’s auch einen zünftigen Kelterschmaus. Natürlich besteht das ganze Jahr über die Möglichkeit, die moderne und trotzdem traditionelle Packpresse samt Einrichtung im Rahmen eines Apfelweinseminars zu besichtigen. Im Apfelwein-Lagerkeller warten etwa 15.000 Liter Apfelwein-Besonderheiten auf die Verkostung. In modernen Edelstahlbehältern sowie in traditionellen Holzfässern werden die Spezialitäten ausgebaut und erst auf Wunsch abgefüllt.

Der Saftladen bietet eine Vielzahl von Spezialitäten rund um den Apfel. Man erhält nicht nur Apfelwein, sondern Apfelweine mit Honig, Schlehe, Holunder oder sogar sortenreine Apfelweine. Sie können sich aber auch an anderen Spezialitäten erfreuen. Sei es ein stürmischer „Rauscher“, Apfelcidre oder selbstgekelterter Apfelsaft. Weiterhin gibt es Likörspezialitäten, Apfelschaumweine, verschiedene Obstsenfsorten, Apfeltrester-Paniermehl, Marmeladen und Brotaufstriche, Kochbücher rund um den Apfel und Apfelchips, die aus Rhöner Streuobst-Tafeläpfeln hergestellt werden.

 

 

Überörtliche Einrichtungen

Wer glaubt, daß die Arbeit im Umweltzentrum Kinzigaue mit dem Ende des Sommers ein saisonales Ende fand, der ist auf dem Holzweg. Im Gegenteil: An den Herbst angepaßt bieten Gabriele Schaar-von Römer und ihre Mitarbeiter auch an kälteren Tagen ein spannendes Programm an. Vorläufiger Höhepunkt soll eine historisch und ökologisch ausgerichtete Apfelwein- und Saftprobe werden, für die Schaar-von Römer im Jahr 2007 sowohl Umweltpädagogen als auch Jörg Stier, Chef der Maintaler Traditionskelterei Stier, gewinnen konnte.

Natürlich genießt auch Gabriele Schaar- von Römer ab und zu gern ein Glas frischen Apfelwein. Ihr Interesse am Thema „Apfel” gilt allerdings nicht nur der hessischen Spezialität, die gelegentlich sogar zum Kulturgut erhoben wird. „Mir geht es auch um die Obstwiese an sich”, erklärt sie den Anlaß der Veranstaltung im Umweltzentrum, „sie ist ja nicht nur Anbaustätte, sondern auch Lebensraum für viele Tiere”.

In Einklang mit den regelmäßig angebotenen Apfel-Workshops im Umweltzentrum wird es zum Apfelfest für Familien auch ein ganz spezielles Angebot für junge Leute geben - und natürlich darf auch wieder selbst gepreßt werden. Jörg Stier dagegen soll sich um die Erwachsenen kümmern.

Das große Apfelfest für Familien steigt am Samstag, 27. Oktober, ab 16 Uhr im Umweltzentrum Kinzigaue. www.umweltzentrum-hanau.de.  Die Anmeldung erfolgt über die Homepage des Umweltzentrums. Aufgrund der großen Nachfrage können nur angemeldete Teilnehmer zugelassen werden.

 

Die Volkshochschulen (VHS) der Region bieten 2002  wieder Apfelweinseminare an. Die Seminare finden am Donnerstag, 14. März, und Donnerstag, 21. März, jeweils ab 19.15 bis 21.30 Uhr in der VHS in Offenbach, Samstag, 20. April, und Sonntag, 5. Mai, von 14 bis 18.30 Uhr in der VHS in Frankfurt sowie am Donnerstag, 18. April, und Donnerstag, 25. April, in der VHS Main‑Kinzig statt. Zum Programm gehören Kellerführungen. In den Seminaren wird außerdem in unterhaltsamer und informativer Weise die Bedeutung des Kulturgutes Apfelwein erläutert. Ausführlich werden die Grundzüge der Herstellung beschrieben und besprochen. Während des Seminars werden natürlich auch einige beispielhafte Proben ausgeschenkt. Und zum Schluß bekommen die Teilnehmer noch ein kleines Kelterdiplom.

Geboten ist außerdem am Samstag, 2. November, und Sonntag, 3. November, ein Apfelweinwochenende in der Rhön im Apfeldorf Seiferts. Vom Rundgang über die Streuobstwiese bis zum geselligen Rhöner Vier‑Gang‑ Menü, vom Selbstkeltern an der Packpresse bis zur Probe vielfältiger Apfelweinspezialitäten wird ein Kurs angeboten. Dort wird ein Seminarraum und Kelterhalle von Jürgen Krenzer’s Rhöner Schaukelterei zur Verfügung gestellt. Im gegenüberliegenden Rhöngasthof „Zur Krone“ können die Teilnehmer übernachten sowie Apfelfrühstück und Menü genießen. Weitere Leistungen des Kurses sind der Begrüßungs-Snack und das abschließende Eintopfessen.

Am Donnerstag, 7. November, findet nach einer kurzen Einführung und ausgewählten Proben aus dem Keller von Jörg Stier, werden in einer geselligen Runde die mitgebrachten Schoppen probiert und diskutiert. Dieser Kurs wendet sich an alle Hobby‑Keltermeister, die hier Bestätigung, Tips und Hinweise für die eigene Herstellung erfahren möchten.

Im Rahmen einer kleinen Kellerführung wird auf unterhaltsame Weise verschiedene Facetten der Apfelweinkultur näher gebracht. Anschließend geht eine Fahrt zum Gasthaus „Adler“ in Mittelbuchen. Dort kann man ein von Fernsehkoch Claus Viering bereites Apfelweinmenü genießen.

 

Im Jahre 2006 warnte die Kreistagsfraktion der Grünen, in Hessen könnten die Streuobstwiesen in Zukunft ihren gesetzlichen Schutz verlieren und ohne Genehmigung der Naturschutzbehörden abgeholzt werden. Die umweltpolitische Sprecherin der Kreisgrünen, Milena Bös, forderte die hiesigen CDU-Landtagsabgeordneten auf, dafür zu sorgen, daß die Streuobstwiesen weiterhin gesetzlich geschützt werden. Dieser Gesetzentwurf von Minister Dietzel zur Novellierung des Hessischen Naturschutzgesetzes müsse zurückgezogen werden. Teilweise sind für die Erhaltung oder Wiederherstellung der Streuobstwiesen öffentliche Mittel ausgegeben worden. So hat die Untere Naturschutzbehörde an über 6.000 Bäumen Sanierungsschnitte aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert.

Dazu kämen über 2.600 Neuanpflanzungen in Maintal, Schöneck, Ronneburg, Steinau und Schlüchtern. Es könne nicht sein, daß dieser wertvolle Bestand nun der Willkür Einzelner überlassen bleibt. „Also: Finger weg von den Streuobstwiesen!”, warnt Bös. Schließlich sei eine Gefährdung des Bestands auch aus ökonomischen Gründen nicht nachvollziehbar. Viele der heimischen mittelständischen Keltereiunternehmen wie die Maintaler Firmen Höhl und Stier nutzten die Apfel aus Hessen als Produkt- und Imagewerbung. Der Schutz der Streuobstwiesen wurde dennoch aufgegeben, bei Abholzungen müssen keine Ausgleichsmaßnahmen mehr vorgenommen werden.

Gelnhausen

Im Jahr 1997 hatte der Fachbereich Natur- und Umweltbildung der Kreisvolkshochschule Obstbaumschnittkurse, Vorträge, Streuobstexkursion, ja sogar ein Apfelweinseminar und ein Apfelweinwochenende mit Kelterkurs in der Rhön mit insgesamt über 260 interessierten Teilnehmern durchgeführt.

Im Jahr 1998 gab es ein Apfelweinseminar „Vom Boam in de Bembel“ mit Keltermeister Jörg Stier, einen „Apfelweinstammtisch für Selbstkelterer“ im Gasthof Hotel Burgschänke in Gelnhausen, eine Veranstaltung „Sommerschnitt an Obstgehölzen in Schlüchtern und eine Einladung in die Rhöner Schaukelterei Krenzer, wo in Zusammenarbeit mit der Kelterei Stier ein „Apfelweinwochenende mit Kelterkurs“ stattfand.

Für heimische Produkte und Dienstleistungen soll der „Tag der Regionen“  im September 2001 werben. Die Stadt Gelnhausen beteiligt sich mit einem Programm aus Kursen, Vorträgen und Ausstellungen von Freitag, 21. bis Sonntag, 30. September, an der bundesweiten Aktion.

Den Auftakt bildet die Eröffnung der Ausstellung: „Kleines im Spessart ‑ ganz groß“ am 21. September um 19 Uhr im Foyer des Rathauses. Im Mittelpunkt der Ausstellung, die bis 16. Oktober zu sehen ist, stehen Pflanzen der Kulturlandschaft Spessart, die Manfred Hanke aus Bessenbach im Landkreis Aschaffenburg fotografiert hat.

 „Streuobstwiesen, Pilze und Legenden“ heißt das Motto der Waldführungen, die am Dienstag, 25. September, ab 17.30 Uhr, Treffpunkt Blockhauswiese, angeboten werden. Am selben Ort zeigt der Arbeitskreis Streuobstwiesen am Mittwoch, 26. September, ab 14 Uhr den Bau einer Kräuterspirale. „Streuobst, Geschichte und Perspektiven“ heißt ein Vortrag von Johannes Wolf am Donnerstag, 27. September, 19 Uhr, in der Zehntscheune.

Die Bestimmung von Obstsorten bietet der Experte Hans‑Joachim Bannier am Samstag von 11 bis 18 Uhr in der Zehntscheune. Auf der benachbarten Müllerwiese sind ab 11.30 Uhr Ziegen, Schafe, Hund und Hirte in einer Hüteschau zu beobachten. Am Sonntag, 30. August, 11 Uhr, beginnt auf der Müllerwiese eine Skulpturenausstellung, die bis zum 26. Oktober gezeigt wird. Ebenfalls am Sonntag öffnet um 11.30 Uhr ein regionaler Markt an der Zehntscheune.

 

Seit 1998 peppt ein Arbeitskreis in Gelnhausen vergessene Streuobstwiesen wieder auf. Im Herzbachtal ließen sich die Akteure bei ihrer ökologisch wichtigen Arbeit während eines Aktionstages im Jahre 2003  über die Schultern schauen. Ein Hauptwerkzeug dieser Renaissance ist die Motorsäge. Seit 1998 räumt der Arbeitskreis Streuobst in gezielten Einsätzen um Gelnhausen herum Gebüsch, Holz und Hecken beiseite, um ökologisch wertvolle Nischen freizulegen. Streuobst ist ein wichtiges Kulturgut, daß hier leider zu verschwinden droht.

Mit Säge, Baum‑ und Heckenschere sowie Grabgerätschaften sorgen die Akteure für Licht und Luft und fachgerecht geschnittene Apfel‑, Birnen‑ oder Zwetschgenbäume. Es wird nachgepflanzt und gerne auch einmal eine Schafherde auf die Wiese gelotst, enn zur Pflege des Unterwuchses gibt es nichts besseres als eine termingerechte Beweidung oder eine Mahd.

 

Fünf bis sechs Arbeitseinsätze stehen für die Freiwilligen in den Herbst‑ und Wintermonaten auf dem Programm. Darüber hinaus organisiert der Arbeitskreis Ernteaktionen, Aktionstage, an denen sich alles um den Apfel dreht, und Baum‑Schnittkurse. Koch: „Wir wollen den Leuten und vor allem auch den Kindern dabei die Möglichkeit geben, mitzumachen, mit der Natur in Kontakt zu treten und zu entdecken, wieviel Spaß das machen kann“.

Die Erlaubnis für die Pflege‑ und Hegeaktionen des Arbeitskreises geben die oft in anderen Städten lebenden Grundstückseigentümer gerne. Denn schließlich geht es dabei auch um den guten Geschmack. 60 bis 70 Apfel‑ und Birnensorten haben Schlünder, Koch und Helfer bereits in Gelnhausen nachgepflanzt, darunter auch die lokalen Klassiker Goldparmäne, Schwackes‑Apfel, Rheinische Schafsnase und Mollebusch‑Birne.

Der Arbeitskreis Streuobst, der zu seinen Mitgliedern unter anderen auch die Stadt Gelnhausen, den Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig, Obst‑ und Gartenbauvereine sowie Vogel‑ und Naturschutzvereine zählt, will mit diesen Leckerbissen möglichst in aller Munde sein. Denn ein Hauptziel ist auch die Entwicklung von Vermarktungsstrategien für das heimische Obst, „und wir wollen irgendwann einen Apfelsaft aus dieser Region anbieten“, verrät Martin Schlünder (Arbeitskreis Streuobst: Jürgen Koch, Stadt Gelnhausen, Telefon 05051 / 830238).

 

Das Projekt Zukunftswald führte nach Angaben des BUND bisher deutschlandweit an über 70 Standorten zur Pflanzung von mehr als 12.000 Laubgehölzen auf ehemaligen Brachflächen. 3.000 Baumpaten hätten sich bislang beteiligt. Auch in der Barbarossastadt Gelnhausen soll bald ein „Zukunftswald 2000“ sprießen. Der örtliche Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nimmt im Jahr 2000 an der bundesweiten Pflanzaktion teil und bittet deshalb jetzt um Baumspenden. Um unserer Stadt einen Teil der Streuobstwiesen wiederzugeben, die durch Baumaßnahmen oder mangelnde Pflege zugrunde gingen, haben wir uns entschieden, Obstbäume zu pflanzen,“ erklärte der BUND-Vorsitzender Dr. Stephan Consemüller. Standort ist ein Grundstück der Stadt Gelnhausen am Südhang des Herzbachtales. Die Pflanzungen sind für Mitte November geplant. Eine Baumspende kostet 150 Mark. Die Baumpaten erhalten eine persönliche Urkunde und werden namentlich auf einer Tafel an der neuen Streuobstwiese verewigt.

 

Ohne Pflege ist eine Streuobstwiese auf längere Sicht nicht zu halten. Leider gehen deshalb große Bestände zu Grunde. Gegensteuern soll im Jahre 2003 die gebündelte Kraft einschlägig aktiver Organisationen, Behörden und Interessengruppen. Unter dem Dach des Landschaftspflegeverbandes Main‑Kinzig‑Kreis und der Stadtverwaltung hat sich der Arbeitskreis Streuobst in Gelnhausen formiert. Weitere Mitglieder sind der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die beiden Obst‑ und Gartenbauvereine Gelnhausens, Imker, Untere Naturschutzbehörde, Landwirtschaftsamt und einige Experten für Obstbaumschnitt und ‑pflanzung.

Auf der Agenda des Arbeitskreises steht laut Koch als erstes ein Stück Detektivarbeit. Es gelte nicht nur, Streuobstgebiete ausfindig zu machen, in denen einerseits Sanierung dringend notwendig sei und andererseits die Verbuschung noch nicht zu sehr Raum gegriffen habe, so daß sich die Arbeiten noch lohnten. Es sei oft auch keineswegs einfach, die Eigentümer ausfindig zu machen und Kontakt aufzunehmen. In einem Fall hätten die Recherchen kürzlich bis nach Bahrain am Persischen Golf geführt.

Idealerweise könnten Eigentümer mit ein wenig Beratung und Unterstützung motiviert werden, ihre Streuobstwiesen wieder selbst zu nutzen. Alternativ soll versucht werden, in einer Streuobstbörse beispielsweise Pachtverhältnisse zu vermitteln. Da kaum Geld zur Verfügung stehe, so Koch, seien vor allem kreative Einfälle vonnöten, um zu mehr Nutzung, Pflege und Verjüngung der Streuobstbestände zu kommen. Für den kommenden Herbst plant der Arbeitskreis eine Ernteaktion. Damit soll auf die große Menge ungenutzten Obstes um die Stadt aufmerksam gemacht werden.

 

Linsengericht‑Lützelhausen

Als „urgemütlicher Apfelweingarten“ präsentierte sich die Turnhalle „Auf dem Berg“ in Lützelhausen am Samstag, 31. März, und am Sonntag, 1. April 2001. Der Musikverein  Lüt­zel­hausen organisierte zum dritten Mal ein „original hessisches“ Blasmusikfest. Dazu waren die Lützelhäuser Organisatoren zum Keltermeister Jörg Stier nach Maintal-Bischofs­heim gefahren. Auf der diesjährigen Getränkekarte wird es wieder den echten Speierling-Apfelwein sowie den Cidre nach normannischer Art und den roten Apfelweinschaumwein (1999er Sider Exclusiv rot) geben. Neu hinzu kommt der goldene Apfelschaumwein (1999er Sider Exclusiv gold) - feines Apfelaroma und typischen Apfelton im Nachhall - und statt des Hausschoppens den Mispel-Apfelwein im Faß. Natürlich gibt es im urig geschmückten „Großen Linsen­gerich­ter Apfelweingarten“ auch jede Menge alkoholfreie Getränke, Biere und Wein sowie viele hessische Spezialitäten wie zum Beispiel Rippchen mit Kraut, Hausmacher Wurst, Handkäs mit Musik, selbstgemachter Kochkäse und wie immer zu bekannt günstigen Lützelhäuser Preisen auf der leckeren Speisekarte.

Fünfter Hessischer Äppelwoi‑Event mit Handkäs und viel Musik in Auch das fünfte Hessische Blasmusikwochenende am 29. und 30. März 2003 in Linsengericht‑Lützelhausen verspricht wieder beste Unterhaltung mit einer großen Auswahl hessischer Leckereien in bekannter Lützelhäuser Qualität. Seit vier Jahren treffen sich in der größten „Äppelwoiwirtschaft“ der Rhein-Main‑Region die Freunde von „Hessen-à-la‑Carte“ gespickt mit viel live Musik. Mit dabei: der Maintaler Spezialitäten‑Keltermeister Jörg Stier. Am morgigen Samstag, 29. März, sind bei wie immer bei freiem Eintritt in der geschmückten Lützelhäuser Turnhalle „Auf dem Berg“ der Musikverein Bad Orb sowie die Original Kasseler Musikanten ab 18.30 Uhr, moderiert von Uwe Häuser, die musikalischen Gäste. Am Sonntag, 30. März, ist wiederum bei freiem Eintritt ab 10.30 Uhr beim „fröhlichen Lützelhäuser Frühschoppen“ im größten Äppelwoigarten der Rhein‑Main‑Region in bekannter Lützelhäuser Qualität der Musikverein Horbach zu hören. Im Rahmen des bunten Nachmittagsprogramm spielt der Musikverein Brachttal nicht nur zu Kaffee und guten selbstgebackenen Kuchen und Torten. Zum Abschluß spielt am späten Nachmittag der Musikverein Bernbach in der großen Turnhalle „Auf dem Berg“ in Lützelhausen auf.

Darüber hinaus erwartet die Gäste ein lustiges Apfelweinquiz, erstellt vom Maintaler Keltermeister Jörg Stier, mit vielen schönen Preisen „Rund um den Apfel“. Auf der Speisekarte stehen viele hessische Leckereien neben Hand‑ und Kochkäse, Rippchen mit Kraut gibt es Sonntag zur Mittagszeit gegrillte Haspel natürlich mit Kraut. Der Meddeler Bäcker, Jürgen Hellmuth beliefert die Lützelhäuser mit seinem knackigen Apfelweinbrot und frischen Brezeln. Hier kommen anspruchsvolle Gaumen‑ und Musikliebhaber sowie die Freunde von „Hessen‑à‑ la‑Carte“ auf ihre Kosten. Auf recht zahlreichen Besuch auch aus Maintal freut sich der Musikverein Lützelhausen.

 

Gründau

27 Apfelsorten wachsen auf Bernhard Greives niedrigstämmigen „Spindelbäumen“ in Gründau. Doch damit nicht genug. Beim Rundgang über das 13.000 Quadratmeter große Grundstück in Hörweite der Autobahn verweist der Ruheständler im Jahre 2001, der 30 Jahre als Gießerei‑ Fachmann gearbeitet hat, nicht ohne Stolz auf die anderen Bäume, Büsche und Spaliere, auf denen die Zutaten für seine alkoholhaltigen Köstlichkeiten wachsen.

In seinem Refugium im Untergeschoß des Wohnhauses riecht es intensiv nach den flüchtigen Stoffen, die den Gäraufsätzen auf den dickbauchigen Glasflaschen entweichen. In manchen Ballons schwimmt noch der Trester auf der Oberfläche des künftigen Obstweins. Wenn diese festen Bestandteile des ursprünglichen Saftes auf den Boden der Flasche gesunken sind und der Öchslegehalt auf Null gefallen ist, das heißt, Zucker sich in Alkohol verwandelt hat, dann ist der Wein fertig.

So Greives vereinfachte Erklärung eines Prozesses, dessen Begleitung viel Erfahrung und Gefühl verlangt. Die gärenden Weine seien „wie eine junge Frau, die jeden Tag besucht werden will“, meint er schmunzelnd. Bei der großen Ernteschau in Langenselbold Ende September kredenzte er den Besucherinnen und Besuchern Kostproben aus seinem Bestand. Die leckten sich die Lippen. Ein besonders „Durstiger“ hätte sich am liebsten ein Bierglas voll leckerem Obstwein einschenken lassen.

Neben diesen „Klassikern“ gibt es noch die eher ausgefallenen Obstweine aus Brombeeren, Trauben, Johannisbeeren und Pfirsichen. Letztere Frucht mit der samtigen Oberfläche lasse sich eher schlecht zu Wein verarbeiten, entnahm Bernhard Greive vor Jahren der einschlägigen Fachliteratur. Doch als angesichts einer Pfirsich-Schwemme 1998 die Entscheidung anstand, drei Zentner auf den Kompost zu werfen, weil alle Gläser voll waren, wagte er das Experiment und produzierte erfolgreich seinen ersten Pfirsichwein. Nur von Reineclauden hat es bisher die Finger gelassen: Die gehen so schwer vom Stein.

Wenn die fertigen Obstweine aus den Glasballons auf Flaschen gezogen sind, kommt auf den 67‑Jährigen eine ungeliebte Arbeit zu: die Säuberung der dickbauchigen Behälter mit der schmalen Öffnung. Mit langen Bürsten hat er sich jahrelang abgemüht. Bis ihm seine mittlerweile verstorbene Schwiegermutter den entscheidenden Tip gab: Klein gerissenes Zeitungspapier und Wasser entpuppte sich als Zauber‑Reinigungsmittel.

Bernhard Greive gibt solche Ratschläge ebenso gerne weiter wie seine übrigen Kenntnisse zur Herstellung von Obstwein. Zu jeder Sorte hat er entsprechende Informationen für Nachahmer geschrieben. Sein Wissen geht nicht verloren. Seine Söhne und Töchter wollen nicht in Vaters Fußstapfen treten. Sie haben keine Zeit für dieses arbeitsintensive Hobby. Die Eltern nehmen es gelassen.

 

Langenselbold

Der Duft von Äpfeln zog durch die Langenselbolder Klosterberghalle und die Herrenscheune, wo im September 2001 der Obst- und Gartenbautag des Landesverbandes Hessen für Obstbau, Garten‑ und Landschaftspflege sowie das 100jährige Bestehen des Obst‑ und Gartenbauvereins Langenselbold und des Kreisverbandes Hanau zur Förderung des Obstbaues, der Garten‑ und Landschaftspflege gefeiert wurden.

An liebevoll dekorierten Tischen und umgeben von einer farbenprächtigen Auswahl an Obst und Gemüse lauschten die Zuhörer am Samstagmorgen dem hessischen Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel, der über Erwachsenenbildung und ‑beratung im Nichterwerbsgartenbau referierte und Ria Steinhauer aus Bad Nauheim, die über Rosen sprach.

Der Gedankenaustausch stand im Mittelpunkt der drei Veranstaltungen, die vornehmlich von Frauen und Männern der mittleren und älteren Generation besucht wurden. Die Chancen, die jüngere Generation für den Obst‑ und Gartenbau zu gewinnen, stünden im Zeichen von Lebensmittelskandalen gut, glaubt Wilma Kempgen, Leiterin des im Frühjahr gegründeten Frauenteams. „Im eigenen Garten Salat und Tomaten zu ernten, von denen man weiß, daß sie nicht gespritzt sind, ist ein gutes Gefühl“, meint Siegfried Molkenthin, Umweltexperte des Obst- und Gartenbauvereins

Er bemüht sich seit vielen Jahren, die Mitglieder von chemischen Spritzmitteln abzubringen und zur biologischen Behandlung zu führen. 80 bis 90 Prozent seien bereits umgeschwenkt.

Die Grüne Schafsnase, der Pilot, Baumanns Renette, der Grüne Anhalter und der Braune Matapfel, die in der Klosterberghalle und der Herrenscheune gemeinsam mit einer Vielzahl anderer Obst‑ und Gemüsesorten ausgestellt waren, bewiesen augenfällig, welch eine Vielfalt es neben den Standardsorten eines Supermarkt‑Angebotes gibt.

23 Ortsvereine zählt der Kreisverband der Obst‑ und Gartenbauvereine, der im Mai 1901 gegründet wurde, damit der Obstbau im Kreis nicht mehr allein der „Liebhaberei“ diene, sondern auch dem „Erwerbe“. Obstverwertungskurse wurden damals angeboten, Baumwärter ausgebildet, Sammelstellen für Frischobst eingerichtet, Obstbäume gepflanzt und der Absatz neu geregelt.

 

Ronneburg

Ein Apfelweinfest findet am Samstag und Sonntag, 13. und 14. September 1997, jeweils von 11 bis 17 Uhr auf der Ronneburg statt. Der Förderkreis Burg veranstaltet es zusammen mit der „Historischen Wanderkelterei Burg Ronneburg“ von Georg Merz. Das Schaukeltern erfolgt mit historischen Geräten: Beim ersten Apfelweinfest auf der Ronneburg führt Georg Merz vor, wie aus den Früchten das „Stöffche“ wird. „Das wissen die wenigsten“, sagt er. Der Hanauer versetzt die Besucher zurück in die Zeit, als die Wanderkeltereien noch von Bauernhof zu Bauernhof zogen. Quietschend drehen sich die schweren Sandsteinwalzen des Hand­musers, Messer zerteilen die Früchte in kleine Stücke, bevor sie zermahlen vorn Stein auf dem Boden des Holzfasses klatschen. Noch wenig verlockend sieht die breiige Masse aus, der anschließend in der Spindelpresse der saftige Inhalt entzogen wird. Doch was später aus der eisernen Auffangrinne der Presse in die Gläser fließt, ist süßer Most.

Wanderkeltern gegen Lohn und auf Bestellung kam in Hessen im 19. Jahrhundert in Mode. Der Vorteil davon war, daß die Bauern ihre Äpfel im Hof keltern und gleich in Fässer füllen konnten, um den Most zu Apfelwein weiterzuverarbeiten. Eine Wanderkelterei war auf einem Leiterwagen montiert und bestand aus einer Waschbütte, einer Mühle zum Zerkleinern der Äpfel und aus einer Spindelpresse. Mit dem Aufkommen der Dampfmaschine ergab sich die Kombination aus Wanderkelterei, Dampfkartoffel-Kessel und Dreschmaschine, die im Verbund zu den Höfen gefahren wurde.              

Das Angebot ist authentisch, denn in der Burg wurde früher tatsächlich gekeltert. Der Förderkreis plant, daraus eine ständige Einrichtung zu machen. Im Weinkeller soll die historische Wanderkelterei ihren festen Platz finden. „Wir wollen das alte Handwerk darstellen“, so Schwandt. Ein bißchen Apfelwein soll daher zu Demonstrationszwecken immer in den Burgfässern angesetzt werden.

 

Das Umland der Gemeinde Ronneburg ist ökologisch wertvoller als es der erste Blick vermuten läßt. Hier finden sich die größten zusammenhängenden Streuobstgebiete der Region. Um so mehr erfreut zeigt sich Umweltdezernent Erich Pipa, daß die örtlichen Landwirte und Grundstückseigentümer diese Biotopflächen zu schätzen wissen. Allein im Jahr 2000 hat die Untere Naturschutzbehörde des Main‑Kinzig‑Kreises den Flächenbesitzern 115 neue Obstbäume kostenlos zur Verfügung gestellt, die unter der Regie von Ortslandwirt Dietmar Grob gepflanzt wurden. Ein Schritt in diese Richtung ist der Zuschuß von 5000 Mark, den Pipa nun im Beisein von Bürgermeister Friedhelm Kleine an Ortslandwirt Grob überreichte. Das Geld dient dem Kauf eines gemeinschaftlichen Mähgerätes, das beim Bauhof der Gemeinde stationiert werden soll und allen Streuobstwiesenbesitzern zur Verfügung steht.

 

Hammersbach

Über 300 alte Hochstamm-Obstbäume hat der Landschaftspflegeverband (LPV) Main-Kinzig mit der Gemeinde Hammersbach im Streuobst-Gürtel um Langenbergheim und Marköbel saniert. Das teilten Bürgermeisterin Helga Meininger und LPV-Geschäftsführerin Barbara Fiselius auf einer Steh-Pressekonferenz im April 1999 mit. Die 65.000 Mark für den fachgerechten Baumschnitt flossen, weil Hammersbacher Apfelwiesen wie die am Hattenberg ein „Dichtezentrum“ der Steinkauze sind: Auf Hammersbachs Gemarkung nisten und wachsen so viele dieser Nachtschwärmer auf, daß sie sich von dort aus in die ganze Region verbreiten. Die Nachtvögel sind Indikatoren für den guten Zustand eines Wiesenbiotops.

Hammersbach ist erst seit zwei Jahren Mitglied im Landschafts-Pflegeverband. Zufrieden ist Bürgermeisterin Helga Meininger mit der Bereitschaft der privaten Eigner, ebenso wie die Gemeinde ihre Obstwiesen für die kostenlose ökologische Aufwertung zu öffnen. Die Nachfrage ist so groß, daß nicht alle Grundstücke zum Zug kamen. Insgesamt haben die Baumprofis aus zwei bäuerlichen Betrieben des Ostkreises 125 Bäume in Marköbel und 193 in Langenbergheim zurechtgeschnitten.

Viele Kronen waren schon so „vergreist“, daß man sie „stark anregen“ mußte. So nennt man es, wenn ein zunächst radikal erscheinender Schnitt erfolgt, um überhaupt wieder Vitalität in den Stamm zu bekommen. Bisweilen werden auch aus Ertragssicht überalterte Bäume erhalten und „mit einem Entlastungsschnitt“ vor dem Zusammenbrechen bewahrt. Gerade diese Bäume mit ihren ausgehöhlten Ästen bieten besonders wertvollen Brut- und Wohnraum für bedrohte Tierarten. So stehen auf Hammersbacher Wiesen noch einzelne Birnbäume, die über 100 Jahre auf der Borke haben. Streuobst-Hochstämme werden im allgemeinen um die 80 Jahre alt.

 

Im September (Jahr?) gibt es in Hammersbach eine Versteigerung der Obstbäume. Acht, neun Männer, meist jenseits der 50, stehen an der  Straße. Fünf Mark ist der Richtwert, zu dem Michael Göllner normal zu versteigern beginnt. „Beim nächsten Los“, das weiß der junge Umweltbeauftragte der Gemeinde Hammersbach, „ist der nicht zu erzielen“. Assistiert von Bauhof-Vorarbeiter Helmut Hach, faßt er diesmal ein ganzes „Gewann“ mit vielleicht zehn Straßenbäumen zusammen. Er wartet auf ein Gebot.

Ökologisch wertvoll sind die Bäume, heißt es nun. Erste Höhlenansätze hätten sie bereits. Die Gemeinde hat die Bäume gepflegt, das Gestrüpp außenherum gemulcht und die Bäume beschnitten. Auch aus anderen Bemerkungen des Bauhof-Manns blitzt Leidenschaft auf für das Streuobst in der Gemarkung. Er steigert selbst mit und treibt so zweimal auch den Preis auf dezente Höhen. Ginge es nach ihm, würde er einen blanken Wiesenküppel, wo gerade ein paar neugierige Kühe weiden, nächstes Jahr mit Obst bepflanzen.

In dem zusammenhängenden Wiesenstück „Am vorderen Schildberg“, diesseits der Autobahn, ist der Bewuchs üppiger. Die Bäume stammen aus der jüngsten Nachkriegszeit und werden vom Landschaftspflege-Verband Main-Kinzig umsorgt.

Friedel Schmitt, ehemaliger Chef des Eicher Obst- und Gartenbau-Vereins, gefällt der Obstwiesen-Spaziergang mit beiläufiger Versteigerung sichtlich. Er wollte sich dabei informieren, ob die Jahrzehnte alte Hammersbach Tradition nicht auf Nidderau zu übertragen wäre. Dort hat man in zurückliegenden Jahren viel Geld in die Sanierung alter Streuobst-Hänge gesteckt. Und nun muß man überlegen, wie die Kosten dauerhafter Pflege einzuspielen sind. Ernteversteigerung wäre da gewiß nur ein kleiner Beitrag. Zugleich wären der Bevölkerung so aber die Ausgaben für die Pflege leichter zu vermitteln. Nicht abgeerntet hängenbleibende Früchte sind zudem eine Gefahr für die Gesundheit der Bäume: Im Winter werden sie zu „Mumien“, auf denen sich -Schädlinge und Krankheiten halten -Mehltau, Schorf, Stippe und anderes.

 

Nidderau

Im Winter 1996/97 begann die Biotopsanierung auf dem Ohlenberg. Mehr oder weniger kostenlos war das für die Besitzer der oft winzigen Parzellen. Die Bäume wurden fachkundig so geschnitten, daß wieder Licht und Luft in ihre Kronen gelangt und wuchtige Äste nicht mit ihrer Hebelkraft den Baum spalten. Vorigen Winter war der Espenkopf dran. Das Gelände liegt weit westlich der B 52 1, gehört aber dennoch zu Eichen. Wenn bald am Espenkopf noch 50 junge Bäume gepflanzt sind, kann für die Sanierung von Nidderauer Obstwiesen zufrieden Bilanz gezogen werden. 623 Bäume wurden allein in diesem Eicher Gebiet per Schnitt verjüngt, am Ohlenberg wurden 430 geschnitten, 230 nachgepflanzt.

Im Oktober 1999 besichtigte der Arbeitskreis Streuobst die baumbestandenen Wiesen auf dem 40 Hektar großen Ohlenberg zwischen Heldenbergen und Windecken und dem 70-Hektar-Stück Espenkopf. Alle Jahre treffen sich dazu Grundeignertümer, Umweltamt, Landschaftspflege-Verband (LPV), Regionalentwicklungs-Amt und andere, um offene Fragen an Ort und Stelle zu erörtern.

Die LPV-Geschäftsführerin Barbara Fiselius erklärte, das nun Angefangene werde noch für einen Zeitraum von fünf Jahren fortgeführt, obwohl die Landesgelder dafür mittlerweile erheblich gefährdet seien. Bislang sei die Arbeit zu 90 Prozent aus der Ausgleichsabgabe für innerörtliche Bebauung finanziert worden. Die sei noch unter der rot-grünen Landesregierung abgeschafft worden. Die 10 Prozent seien nun auch noch gefährdet. Für Eichen hat der Arbeitskreis Streuobst daher einen Pflegefonds eingerichtet, in den man - je nach Grundstücksgröße - bestimmte Beträge einzahlen sollte. Überraschend viele täten dies bereits. Das Modell soll künftig auf den Ohlenberg ausgeweitet werden, wo statt des Mulchens eine Schafherde das Aufwachsen von Gestrüpp verhindert.

Im Nachgespräch zum Ortstermin war denn auch Vermarktung ein wichtiges Thema. In Nidderau fehlt es an einem ambitionierten Öko-Kelterer wie Jörg Stier, dessen Nachfrage in Maintal die Streuobstwiesen zu sichern hilft. Und wenn dann noch BUND-Jugend, Schulen, Kinder-Umwelt-AG mitziehen und viele Erwachsene die Ernte als Ausgleichssport mit Frisch­luft schätzen lernen, hätten nicht nur Steinkauz und Grünspecht von der grünen Wiese den Nutzen. Das 1. Nidderauer Apfelernte-Fest ist dann bestimmt auch nicht mehr fern.

 

Präsentieren will sich bei der Eröffnungsfeier der Apfel- und Obstwiesenroute 1998 in Nie­der­issigheim auch die Stadt Nidderau. Sie behauptet von sich, am Ohlenberg und am Wingert das zweitgrößte zusammenhängende Streuobstgebiet der Region zu besitzen. So will sie denn ihr Bemühen um diesen so typischen wie ökologisch wertvollen Landschaftsbestandteil in den Blick rücken. Laut Stadträtin Monika Rölling haben Nidderaus Obst- und Gartenbauvereine, die Vogelschutzgruppen sowie das städtische Umweltbüro einen Stand vorbereitet.

Angela Große-Lohmann vom Umweltbüro, die den Ausbau eines kommunalen Biotopverbunds vorangetrieben hat, verweist darauf, daß die Stadt beim praktischen Naturschutz stark auf Vereine angewiesen ist. Die Obst- und Gartenbauvereine beraten beispielsweise Privateigentümer, wie sie ihre alten Obstgärten sanieren oder neue anlegen können. In den zurückliegenden Jahren seien in Nidderau 600 neue hochstämmige Obstbäume gesetzt worden. Am Nidderauer Stand solle es neben einem Diorama zum Tierleben in einer Streuobstwiese auch ein Preisausschreiben geben.

 

Ungewohnte Klänge gab es im Mai 1998 bei einer Magistratspressekonferenz: „Prost“, schallte es durch den Sitzungssaal, als Stadträtin Monika Rölling anstieß mit Aktiven des Arbeitskreises Streuobst, Landwirten, Presseleuten sowie Vertretern des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Main-Kinzig-Kreis, von Obst- und Gartenbauvereinen, Unterer Naturschutzbehörde, Jagdgenossenschaft, Umwelt- und Naturschutzvereinen.

Angela Große-Lohmann, Leiterin des städtischen Nidderauer Umweltbüros, stellte gemeinsam mit Monika Rölling eine andere Neuheit vor: Der Arbeitskreis Streuobst rannte mit seinem Vorschlag offene Türen ein, einen „Pflegefonds Streuobst Nidderau“ einzurichten. Er bemüht sich seit über drei Jahren um die Sanierung und Unterhaltung des zweitgrößten zusammenhängenden Streuobstgebietes in der Region, das Gebiet „Ohlenberg/ Wingert“ zwischen Heldenbergen und Windecken. Mittlerweile liegen 50 Einverständniserklärungen der Grundstückseigentümern vor, von denen einige sich schon seit zwölf Jahren um die Pflege der Streuobstwiesen kümmern.

Nachdem er in Heldenbergen und Windecken die Grundsanierung sowie Nachpflanzung erfolgreich abgeschlossen hat, kann der Arbeitskreis in diesem Jahr seine Aktivität auf den Stadtteil Eichen ausdehnen. Neben dem geschützten Landschaftsbestand „Auf dem Espenkopf“ sollen auch die umliegenden anderen Streuobststücke untersucht und dann gemäß eines noch zu erarbeitenden Sanierungsplans im Herbst saniert werden.

Nidderau ist die erste Kommune im Kreis sei, die einen solchen Fonds eingerichtet hat.  Mit 24 Mark Sockelbetrag im Jahr unterstützt jeder Grundstückseigentümer auf freiwilliger Basis die Arbeit des Streuobst- Arbeitskreises. Mit 0,02 Mark pro Quadratmeter wird bei einer durchschnittlichen Größe der privaten Grundstücke von 1200 Quadratmetern ein Jahresbetrag von etwa 48 Mark fällig. „Viele fanden den Betrag sogar noch zu niedrig“, lobte Rölling.

Neben den Einnahmen aus den Beiträgen der Grundstückseigentümer der Arbeitskreis Streuobst auf die Verbreitung des lagenrein gekelterten Nidderauer Apfelweines auf dem Wochenmarkt durch einen Direktvermarkter. Die Herstellung der ersten 200 Liter des milden Gesöffs hat eine ökologische Kelterei aus Nieder- Erlenbach übernommen. Doch es soll langfristig ein Nidderauer Interessent gefunden werden, um die Apfelsorten Boscoop, Goldparmäne, Kaiser Wilhelm, Baumanns Renette, Bohnapfel und Goldrenette von Blenheim nach ökologischen Richtlinien zu keltern.

Möglich wurde die Herstellung des „Äpplers“ übrigens nur durch die Hilfe von Nidderauer Kindern: Pfadfinder und Mitglieder der Umwelt-AG sammelten die Äpfel auf den Streuobstwiesen ein. Trinken werden sie das gepreßte Resultat allerdings nicht...

Der „Pflegefonds Streuobst Nidderau“ steht allen Nidderauer Bürgern offen, die ein Interesse am Erhalt dieser charakteristischen Landschaftselemente haben. Das Spendenkonto wird beim Landschaftspflegeverband geführt unter dem Stichwort „Pflegefonds Streuobst Nidderau“ (Kontonummer 30568, Bankleitzahl 50750094, Stadtsparkasse Gelnhausen). Die Mittel zu verausgaben, obliegt dem Arbeitskreis Streuobst.

 

Der Drang, in die knackigen Apfel zu beißen, scheint unwiderstehlich beim Spaziergang entlang der Streuobstwiesen. Das ist nur Mundraub, sagen die Unverfrorenen und stopfen sich die Jackentaschen voll. Wer auf dem Pfad der Tugend wandeln und einen der Apfelbäume abernten möchte, sollte sich an die Rathäuser wenden und zunächst nachfragen, ob die Bäume in städtischem oder privatem Besitz sind.

In der Wetterau werden die Erträge der Apfelbäume auf kommunalem Grund in folgenden Orten versteigert: in Bad Vilbel am Samstag, 21. September, 10 Uhr. Treffpunkt ist an der Ecke Berliner Straße/Alter Berkersheimer Weg sowie um 13 Uhr am Parkplatz am Friedhof Bad Vilbel. In Karben kann das Obst morgen um 10 Uhr auf dem Gelände der Naturfreunde in Okarben, 11 Uhr am Friedhof Klein‑Karben, 12 Uhr oberhalb des Reitplatzes in Groß‑ Karben und von 12.30 Uhr an am Funkmast in Kloppenheim geerntet werden. Treffpunkt in Friedberg ist am 27. September, 8 Uhr, An der Seewiese, obere Promenade/Ecke Neutorgasse, um 10 Uhr, am Schießstand Fauerbach. So gut wie vergeben sind die Bäume in Rosbach und Bad Nauheim, wo sich Apfelfans in den jeweiligen Rathäusern melden mußten.

Im Main‑Kinzig‑Kreis stehen am Samstag, 21. September 2002, ab 14 Uhr, beim Nidderauer Streuobsttag in Heldenbergen am Waldrand am Ende der Wingertstraße die Ernten von 20 städtischen Bäumen zur Versteigerung an. Das Mindestgebot liegt bei zwei Euro. Der Arbeitskreis Streuobst Nidderau wird an diesem Tag die verschiedenen Apfelsorten der städtischen Streuobstwiese vorstellen. Reife Sorten können anschließend nach Herzenslust verko­stet werden. Wer dabei auf den Geschmack gekommen ist, kann sogar gleich die Ernte eines ganzen Apfelbaums ersteigern ‑ und das ab einem Startgebot von zwei Euro.

Im  Jahr 2003 mußte das Programm für den Aktionstag ausgedünnt werden. Ein paar Frostnächte mit minus sechs bis neun Grad im Mai, dazu eine Bienenkrankheit ‑ und schon war es um einen großen Teil der Apfelernte geschehen. Fast 90 Prozent seien verlorengegangen, schätzt der aus rund zwei Dutzend Aktiven bestehende Arbeitskreis. Bei den vorherigen beiden Streuobsttagen war die Ernte der rund 50 Bäume auf dem Ohlenberg in Heldenbergen versteigert worden.

Rund um Nidderau hat der Obstbau mehr als 500 Jahre Tradition. Anfang des 17. Jahrhunderts, so heißt es, ließ Landgraf Moritz I. entlang von Straßen, Wiesen und Äckern fleißig Bäume pflanzen und trug dies auch jedem Brautpaar an. Und trotz Rückschlägen durch Kriege und Witterung zählt die Gemarkung Nidderau mit rund 3.000 Bäumen die größten Bestände der Region dem Streifen zwischen Bergen-Enkheim und Hochstadt. Lokale Sorten wie der „Altenstädter Rote“ oder der „Himbacher Grüne“ sind säuerliche Most‑Äpfel, die von den Keltereien verarbeitet werden, sagt Schmitt. An anderen, wie dem „Brettacher“ schätzt Schmitt das „schmelzende, frische Fruchtfleisch. Die kann man gut gekühlt auch im März noch zum Backen verwenden.“

20 verschiedene Sorten lagen beim Streuobsttag zum Testen und Bestimmen aus. Experten wie Werner Nussbaum erkennen sie zumeist schon an den äußerlichen Merkmalen, spätestens aber am Kern: „Der ist wie ein Fingerabdruck!“ Dunkelbraun oder hellbraun. Mit kleiner Nase oder spitz. Mittig, stielnah oder blütennah, so urteilt der Fachmann.

Die mehr als 100 Besucher ließen sich den neuen „Süßen“ zumeist lieber in flüssiger Form schmecken. Auf der Wiese wurde das Glas für 50 Cent gepreßt und serviert. Doch auch dort machte die neu Ernte kleine Probleme. Obgleich Rainer Traut extra 1200 Kilogramm samt Stromaggregat angefahren hatte, mußte er zwischenzeitlich passen, weil der Motor der Presse streikte.

 

Niederissigheim

In Niederissigheim besteht seit 1934 die Kelterei Walther GmbH. Der Familienbetrieb produziert jährlich etwa 1,5 Millionen Liter „Stöffche“. Verarbeitet werden vor allem Äpfel aus der Wetterau und dem Vogelsberg. Im Oktober 2011 besuchte Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) die Bruch­köbeler Kelterei Walther . Dort stellte die Ministerin eine Info-Broschüre vor, die die Bedeutung der Streuobstwiesen für den Landschaftsschutz unterstreicht.

Für die Kelterei Walther in Niederissigheim, in der schon die vierte Generation in Gestalt der beiden Söhne Louis und Tim mit anpackt, war der Besuch aus Wiesbaden die Krönung des 75. Jubiläumsjahrs, das mit einer Reihe von Festlichkeiten begangen worden war. Ralf Walther, der als Geschäftsführer mit Ehefrau Britta und Schwester Andrea das Unternehmen führt, hieß mit seinen beiden Söhnen Lucia Puttrich erst im Ladengeschäft willkommen, wo als Neukreation der Apfel-Secco ausgeschenkt wurde.

Anschließend erklärte der Chef bei einem Rundgang, wie aus einem Apfel schließlich das begehrte Stöffche wird.

Mit von der Partie waren neben der Umweltministerin Dr. Johanna Höhl als Vize-Vorsitzende des Apfelwein-Verbandes, Klaus Dieter Kneip als Geschäftsführer der Kelterei Rapp's und Vorstandsmitglied des Apfelweinverbandes, dem Geschäftsführer der Marketing Gesellschaft Gutes aus Hessen, Wilfried Schäfer, sowie Steffen Ball in seiner Funkt­ion als Geschäftsführer des Verbandes Hessischer Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien.

Ralf Walther, in dessen Unternehmen bis zu 1,5 Millionen Liter Apfelwein pro Jahr gekeltert und zwischen 1500 und 2000 Tonnen Äpfel pro Saison verarbeitet werden können, freute sich, daß der Startschuß für die Verbraucherbroschüre von Apfelweinverband, Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen (MGH) und Ministerium in seinem Betrieb erfolgt.

Die Umweltministerin, der der Spaß am Termin anzumerken war, will mit der Broschüre ins Bewußtsein bringen, was hier wächst. „Der Termin paßt in die Zeit“, fand sie. Nicht nur, weil damit der Blick von der Ernte zur Weiterverarbeitung gelenkt werde. Auch deshalb, weil der Familienbetrieb im Apfel- und Streuobstland zeigt, wie Leistungsfähigkeit von Generation zu Generation weiter gegeben wird.

Das Wissen um die Bedeutung der arbeitsintensiven Streu­obstwiesen für den Landschaftsschutz soll mit der kleinen Broschüre, die in einer Auflage von 60.000 Exemplaren ab Mitte Oktober an den Mann und die Frau gebracht werden. Ein Teil der mit Rezepten und Tips gespickten Heftchen wird an die Flaschen in den Getränkekästen gehängt, der Rest wird über die Keltereien und die Frankfurter Apfelwein-Wirte verteilt.

Der Verbraucher, so Puttrich, könne seinen Apfelwein mit einem guten Gefühl trinken, wenn er wisse, daß Regionalität auch Qualität bedeute. Das unterstrich auch Johanna Höhl. Einer Studie zufolge werde heute vom Verbraucher Regionalität mindestens so hoch bewertet wie das „Bio“-Prädikat. Schließlich wüßten die Stöffche-Liebhaber, daß auf den heimischen Streuobstwiesen nicht gespritzt und nicht gedüngt werde. Jeder Apfelweintrinker ist ein Naturschützer“, spitzte sie ihre Worte zu und erhob den Stöffche-Genuß quasi in den Rang eines kulturpolitischen Auftrags.

 

 

Hanau und Steinheim

 

Keltermeister Jörg Stier  erläuterte 2007, inwiefern die wallonischen und niederländischen Flüchtlinge Einfluß auf die Hanauer Apfelweinproduktion nahmen. „Der kernige, hessische Apfelwein wurde plötzlich mit einer milden Note vermischt”, verrät er. Erst nach dem 30-jährigen Krieg sei es in der Region Hanau überhaupt zum großflächigen Anbau von Äpfeln gekommen, die die Traubenkultur weitgehend verdrängten. „Vorher stand der Apfelbaum vor allem in Privatgärten der Bürger.”

 

Im Januar 2002 verkosteten die französischen, slowakischen und britischen Gäste der Hohen Landesschule Hanau den vom Wahlpflichtkurs Ökologie selbst hergestellten Apfelwein. Nichts gegen den Kurs und schon gar nichts gegen Apfelwein ‑ aber man weiß ja als in Hessen Lebender, wie heikel das mit auswärtigen Gästen sein kann. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, und vielleicht sind die Lehrkräfte, Schüler/innen und Schulleiter/innen aus Nimes, Bratislava und Bexley ganz heiß auf das Nationalgetränk, nachdem sie mit Holanern der Jahrgangsstufe 9 die hiesigen Streuobstwiesen erkundet haben.

Anlaß ihres zweitägigen Treffens in Hanau gibt die nötige Koordination für das seit zwei Jahren gemeinsam betriebene Projekt „Das europäische Haus in seinem Umfeld“. Am Montag und Dienstag werden die Gäste sich zunächst über das deutsche Schulsystem erkundigen.

Teil des Europaprojekts an der Hola ist eben auch die Erforschung des natürlichen Umfelds, genauer: der Streuobstwiesen. Den Spaß mit der Apfelweinverkostung möchte sich übrigens auch Hanaus Schuldezernent Rolf Frodl nicht entgehen lassen.

Hanau hat schon seit Jahrzehnten keine Brauerei mehr, einen gewerblichen Apfelwein‑ Kelterer ebensowenig. Entsprechend nüchtern geht es zumindest in der Kernstadt zu ‑ vom Stadtteil Steinheim einmal abgesehen. Jörg Stier wirkte deshalb im Jahr 2002 als Äppelwoi‑ Entwicklungshelfer für Hanau. Der mit ihm befreundete Künstler Joerg Eyfferth meinte, die Apfelweinkultur müsse endlich in seine Heimatstadt Hanau zurückkehren. So kreierte er Gläser und Bembel für den neuen Hanauer Apfelwein.

Nachdem in den 80er Jahren die letzte gewerbliche Apfelweinkelterei innerhalb des Stadtgebiets Schloß, reifte vor zehn Jahren bei dem Hanauer Künstler Joerg Eyfferth und der damaligen Oberbürgermeisterin Margret Härtel die Idee, das hessische Nationalgetränk wiederzubeleben. Zum einen zählte die Apfelweinherstellung über Jahrhunderte zum festen Bestandteil des Wirtschafts- und Kulturlebens Hanaus. Zum anderen bieten die Äpfel der Obstwiesen des Hanauer Landes bis heute die begehrte Grundlage für besten Apfelwein.

In den Bischofsheimer Apfelweinkellern wurden die Besonderheiten des Hanauer Apfelweins herausgearbeitet. Einen Hinweis fand der Keltermeister in der Historie. „Denn es mögen die stadtprägenden Hugenotten gewesen sein, die einen wenig eleganten Geschmack im vormals rustikalen Bauernschoppen wünschten“, informiert Stier. Bis heute präge somit die Verbindung von traditionellem Kelterhandwerk mit fein-edlem Weinausbau diesen Schoppen. Jörg Stier hat wie gewohnt aus heimischen Streuobst‑Äpfeln gekeltert und dem Getränk eine herb‑frische Note gegeben hat. Das Produkt präsentierte die Stadt Hanau nun offiziell mit einer Art Empfang im Hotel „Zum Riesen“, geladen waren Gastronomen, Kommunalpolitiker und Honoratioren.

Oberbürgermeisterin Margret Hartel unterbrach eigens ihren Kururlaub in Bad Brückenau, um das erste Fäßchen anzustechen. Aber sie petzte nur ein Geripptes voll ‑ der Figur wegen. Sie habe schon das „Gartenschau‑Eröffnungskostüm gekauft“ und wolle am 19. April auch in das selbige hineinpassen, bat sie um Verständnis, daß sie auch keine mit Leberwurst gefüllten Klöße verzehren wolle.

Die hatte Claus Viering, Fernseh‑bekannter Wirt der Mittelbucher Gaststätte „Zum Adler“ zubereitet und auf sein raffiniertes Paprikakraut gebettet. Viering schenkt Apfelwein ausschließlich aus dem Hause Stier aus und führt nun folgerichtig auch den speziellen Hanauer Apfelwein. Das gilt ebenso für das Anglerheim in der Steinheimer Hadrianstraße, das Stadtwirtshaus und den Wenk’schen Hof in Steinheinis Altstadt, das Tennis‑ und Hockey‑ Clubhaus in Wilhelmsbad und die Büdesheimer Weinstube. Flaschenweise zu kaufen gibt es das Stöffche im Hanauer Weinladen Ziegler (in der Nordstraße) und bei Getränke Knebel (in der Kleiboemerstraße).

Um die Hanauer auf den Geschmack zu bringen, vertreibt das Hotel „Zum Riesen“ bis zum 25. April 2002 das Apfelwein‑Glas zu 50 Cent montags bis donnerstags von 15 bis 19 Uhr. Passender wäre ein typisches Apfelwein‑Lokal in Hanaus Innenstadt, aber das gibt es (noch) nicht. OB Härtel könnte sich dafür den „Weißen Ochsen“ in der Bangertstraße vorstellen. Sie versprach, Stiers Getränk bei offiziellen Anlässen auszuschenken.

Genau genommen ist der neue Apfelwein aber bislang kein Hanauer. Daß er in Maintal‑Bischofsheim gekeltert wird, ist wohl noch zu verschmerzen. Aber das Stöffche entsteht kaum aus Hanauer Streuobst. Genau das läßt sich aber in den Augen von Kelterer Stier ändern, wenn der Hanauer Apfelwein gut abgesetzt werde. Dann hebe das den Anreiz zu verstärktem Streuobstanbau. Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in Mittelbuchen und die Interessengemeinschaft der Steinheimer Vereine hatten bereits Bäume gepflanzt.

 

Der Verein „Graf Philipp Ludwig von Hanau“ (Hanauer Märteswein-Vereinigung) hat bei seinem Stiftungsfest im November 2007 im Roten Saal von Schloß Philippsruhe den „Hanauer Krawallschoppen” des Maintaler Kelterers Jörg Stier zum Märteswein 2008 gekürt. Damit ehrt der Verein, der sich die Bewahrung und Sicherung lokalen und regionalen Kulturguts zur Aufgabe gemacht hat, erstmals einen Apfelwein mit diesem Prädikat.

Bislang hatte der Verein stets Weine aus den unterfränkischen Weinlagen Alzenaus zum Märteswein gekürt und damit an die historische, grenzüberschreitende Verbindung zu dem einstmals von Hanau und Mainz gemeinsam regierten Gebiet unterstrichen. Daß das „hessische Nationalgetränk” just zum Zeitpunkt der Stiftungsfeier durch die Regulierungswut Brüsseler EU-Bürokraten beinahe seines Namens verlustig gegangen wäre, bezeichnete Märtes­wein- Präsident Helmut Geyer jedoch als Zufall. Die Auszeichnung des Bischofsheimer Kelterers Jörg Stier, der sich in vielfacher Weise um das „Stöffche”, dessen Tradition und Kultivierung verdient gemacht habe, sei überfällig gewesen. Der Brüsseler Affront gegen den Apfelwein sei aber eine Bestätigung und weitere Motivation für seinen Verein gewesen, sich für den „ Äppelwoi” einzusetzen. Zugleich rief Geyer dazu auf, den Apfelwein „nicht nur im Herzen, sondern vor allem im Glas” zu haben, denn nur so könne dieses Stück heimischer Kultur überleben.

 

Kurz vor seinem Jubiläum droht dem Hanauer Apfelwein Ungemach. Die Lebensmittelaufsicht moniert im Oktober 2012, daß der Schoppen in der Bischofsheimer Kelterei Jörg Stier hergestellt wird und nicht in der Brüder-Grimm-Stadt selbst. Der Keltermeister hat bereits zweimal Widerspruch eingelegt und hofft auf ein Einsehen. Der zehnte Geburtstag des Hanauer Apfelweins wird im Hotel „Zum Riesen“ gefeiert.

Jahrelang konnte Jörg Stier den Hanauer Apfelwein problemlos verkaufen. „Der Schoppen findet. großen Zuspruch in Hanau und wird in mehr als 40 Wirtschaften ausgeschenkt“, berichtet der 52-Jährige. Der Magistrat gab seine Einwilligung, das Hanauer Stadtwappen mit ab zudrucken. „Der Wein wird von allen Seiten gewünscht und gewollt“, betont Stier. Er kann Bedenken der Lebensmittelaufsicht nicht nachvollziehen. „Es ist ja nicht so, daß wir die Verbraucher getäuscht hätten. Maintal gehört zum Altkreis Hanau, die Äpfel stammen von Obstwiesen des Hanauer Landes und unser Sitz ist auf dem Etikett ordnungsgemäß vermerkt“, so der Keltermeister. Zudem halte er sich an die typische Rezeptur für den Hanauer Schoppen.

Für den Fall, daß sich die Lebensmittelaufsicht als unnachgiebig erweist, hat Stier zumindest schon vorgesorgt. „Wir haben die Äpfel aus Hanau in diesem Jahr separat gekeltert“, verrät er. Quasi als Notlösung ließe sich daraus ein gehobener Apfelwein herstellen.

Allerdings stehen ihm dafür statt der üblichen 15.000 Liter nur noch maximal 8.000 zur Verfügung. Das würde das Aus für den günstigen Apfelwein vom Faß bedeuten. „Uns ist es aber wichtig, den Hanauer Apfelwein zu einem toleranten Preis zu verkaufen und nicht als Edel-Apfelwein in Flaschen“, betont der Kelter-Experte. Schließlich trage der Schoppen auch zur Identifikation mit Hanau bei. Der Apfelwein sei immer ein stark regionales Getränk gewesen. Zudem gebe es keine Kelterei in Hanau, der er damit Konkurrenz mache. „Ich würde mich nie irgendwo dazwischen drängen“, betont Stier. Eine Entscheidung der Lebensmittelaufsicht steht noch aus. Trotz aller Widrigkeiten  erst einmal gefeiert werden.

Die Wiederbelebung des Hanauer Apfelweins jährt sich schließlich zum zehnten Mal. Beim Empfang im Hotel „Zum Riesen“ werden sowohl Ex-OB Härtel als auch ihr Nachfolger Claus Kaminsky ihr Wohlwollen bekunden, indem sie ein Grußwort sprechen. Darüber hinaus gibt es noch mehr Anlässe zu feiern. Denn in diesem Jahr befindet sich das Traditionshotel „Zum Riesen“ 100 Jahre im Familienbesitz. Zudem fand Napoleons Besuch im „Riesen“ vor genau 200 Jahren statt.

„Was vor zehn Jahren gut begonnen hat, hat sich bewährt und tut es immer noch“, sagte Ober­bürgermeister Claus Kaminsky in seiner Ansprache im Hotel „Zum Riesen“. Die Drohung, den Hanauer Apfelwein in dieser Bezeichnung zu verbieten, sei inzwischen „ein dramatisches Problem“, das per se keines gewesen sei, so der Rathauschef. „Das kann doch eigentlich nicht wahr sein.“ Gemeinsam mit Margret Härtel, werde er den zuständigen Stellen schreiben - am besten direkt an die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner.

Jörg Stier sagte dazu:  Die Streuobstwiesen, von denen die Äpfel stammten, lägen hier, man habe vor zehn Jahren eine Kelterei in unmittelbarer Nähe gesucht und ihn als kleinen Betrieb für das Projekt gefunden,  er nehme keinem Hanauer Betrieb den Umsatz weg und genau genommen gehöre ja auch Bischofsheim zum Hanauer Land oder - historisch betrachtet - zum Altkreis Hanau. Stier: „Ich kann nichts erkennen, was eine Verbrauchertäuschung ist.“

Die einzige Lösung aus seiner Sicht sei, wie jetzt bereits praktiziert, extra für den Hanauer Apfelwein nur Äpfel zu verwenden, die ausschließlich auf Original Hanauer Gebiet gewachsen seien, das Ganze separat zu keltern und abzufüllen. Das Problem dabei: Mit dieser Verfahrensweise kommt er nicht auf die Mengen, die bislang produziert und in der hiesigen Gastronomie ausgeschenkt wurden. „Und damit ist der Hanauer kein Schoppen mehr, sondern muß wie eine unserer Edelkreationen teurer verkauft werden. Das geht dann nicht mehr vom Faß, sondern nur noch in der Flaschenabfüllung und dann für vier Euro aufwärts.“ Tja, abwarten und Äppler trinken.

 

Mittelbuchen

Die Äpfel für den neu kreierten „Hanauer Schoppen“ werden einmal auch in Mittelbuchen wachsen. Darauf macht Jürgen Maisch von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Arbeitskreis Mittelbuchen, im April 2002 aufmerksam. Daß zu der Herstellung des „Hanauer Schoppen“ aber auch mindestens fünf verschiedene Apfelsorten benötigt werden, ist Experten wie den Naturschützern der HGON bekannt. Woher also sollen die benötigten Äpfel zur Herstellung des Saftes kommen? Sicher nicht aus den europäischen Nachbarländern oder aus Übersee, denn sonst wäre der Name des Schoppen ja verfälscht, meinte Jürgen Maisch. Die Sache sei ganz einfach. Die Mittelbuchener Naturschutzfreunde stehen schon seit mehreren Jahren mit „Äppelwoi‑Papst“ Jörg Stier und der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hanau, Martin Schroth, in Verbindung und planten schon 1995 die Ausweitung der spärlich vorhandenen Restbestände von Streuobstwiesen und damit verbunden die Erhaltung von alten Apfelsorten.                   

So entstanden vier große Areale mit über 250 jungen Bäumen ‑ überwiegen alte Sorten wie Trierer, Schafsnase, Berlepsch oder Schöner von Nordhausen, welche nun im siebten Jahr stehen und schon erste Erträge erahnen lassen. Diese Bäume wurden jetzt „auf Vordermann gebracht“ und unter der Anleitung des erfahrenen Gärtners und Fachwirts für Obst‑ und Gartenbau, Werner Nußbaum, ging es ans Werk. Über zwanzig Helfer trafen sich in Mittelbuchen, und bei herrlichem Wetter und Kesselsuppe wurde „Auf den Seiläckern“ gelehrt, geschnitten und diskutiert und wieder ein Stück Arbeit zur Schaffung der zukünftigen Streuobstwiese ‑ einem wichtigen gebietstypischen Biotop in der Region geleistet.

Somit können nun die Erfinder des Hanauer Schoppen mit ruhigem Gewisse die zukünftige Vermarktung des Schoppe gehen, und wenn dann Hanauer ihren Schoppen den Gästen aus nah und anbieten, so können sie versichert sein: Er kommt aus Hanau, ist unbehandelt und naturrein, und es wird ihn auch noch in fünfzig Jahren geben. Wenn auch Mittelbuchen leider nicht an der so genannter „Äppelwoistraße“ liegt, so „freuen wir uns doch, daß wir auf der anderen Seite von Steinheim ‑ dem Äppelwoidorf südlich von Hanau liegend -  unseren Beitrag Erhalt der Natur und des regionalen Äppelwoi leisten können.

Wenn dann der bereits geplante Streuobstwiesen‑Wanderweg in Mittelbuchen ausgewiesen sein wird, können die Städter die Baumblüte, das Heranwachsen der Früchte und die vielfältige Tierwelt auf ausgewiesenen Wegen bewundern.

 

 

Steinheim

 „Äppelwoi - Zur Geschichte des Apfelweins in Hanau“, so lautete der Titel der Ausstellung, die bis 9. Dezember 1990 im Marstall des Steinheimer Schlosses zu sehen war. Um 16 Uhr wurde die „Schöppchen-Schau“ von Kulturdezernent Klaus Remer eröffnet, stilecht begleitet von den „Staanemer Bembelsänger". Es gab begleitende Führungen und Vorträge und einen Diavortrag unter dem Titel „100 Jahre Wirte und Wirtschaften in Klein- und Groß-Steinheim“ von Rudolf Krammig. Neben einem Erinnerungsbembel gab es den großen Ausstellungskatalog.

Ausgestellt wurde alles, was im Zusammenhang mit Herstellung und Genuß des „Stöffche“ stehen: Fotografien, Zeichnungen, Gemälde, Drucke, Plakate oder Sonstiges mit der Darstellung von Apfelernte und -transport, Bilder aus Keltereien, Gaststätten, Firmen oder von früheren Festen; Geräte zum Keltern, Schankgefäße, Bembel, Krüge, Kannen, Flaschen, Gläserdeckel oder - untersetzer oder auch Geschichten, Gedichte, Lieder oder Musikstücke zum Thema Apfelwein.

 

Bundesäppelwoifest:

Was 1952 als kleine Vereinsgaudi durch eine Schnapsidee in der Gaststätte „Hofbräuhaus” das Licht der Welt erblickte, hat sich zu einem imposanten Volksfest ausgewachsen, das sogar die Qualität besitzt, die Frankfurter zu ärgern: Durch die Gnade der frühen Geburt darf nur in der „Perle am Main” - also in Steinheim - ein Bundesäppelwoikönigspaar residieren, das - wie der Namen schon erahnen läßt - bundesweit über die Jünger des Stöffchens herrscht. Die Frankfurter Appelwoikönigin bleibt indes in den vergleichsweise engen Stadtgrenzen gefangen, ist somit für alle Zeiten eher ein lokales Phänomen.

Veranstalter des Traditionsfestes ist die 1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft 1950 (SKG). Im Schloßhof von Schloß Steinheim findet seit 1953 das „Bundes-Äppelwoi-Fest statt. Zum 30. „Bundes-Äppelwoifest“  wurde die „Hessische Apfelweinstraße“ aus der Taufe gehoben werden. Zum Bundesäppelwoifest werden jeweils gut 15.000 Besucher erwartet. In ganz Steinheim gibt es allerdings keine einzige Apfelkelter mehr, Zulieferer für das „Bundesäppelwoi­fest“ ist die Kelterei Höhl in Hochstadt, aber es werden auch Produkte einer Frankfurter Großbrauerei ausgeschenkt.

Im Jahr 1952 wurde mit Käthe I. (Käthe Horn) die erste Äppelwoikönigin gekürt. Es folgten Josi I. (Josi Bormann) und Irmgard I. (Irmgard Krammig). Charlotte I. (Charlotte Zachertz) war die erste Appelwoikönigin, der 1955 mit Theo 1. (Theo Weimar) ein Äppelwoikönig zur Seite gestellt wurde. „Damit die Königin nicht so allein ist”.

 

Bei der offiziellen Eröffnung am Freitagabend wird oft ein Heimatspiel auf dem Platz des Friedens aufgeführt, zum Beispiel das etwa einstündige Heimatspiel mit dem Titel „Heimkehr nach Steinheim“. Dieses Spiel im Jahr 1998 war das 27. Heimatspiel seit 1957 und das 20. in ununterbrochener Folge. Am Samstag um 11.30 Uhr erfolgt die Verleihung des Ehrenbembels „an eine bekannte Persönlichkeit“. Nachmittags steht ein kleiner Umzug vom Obertor zum Festzelt auf dem Programm. Für Kinder gibt es Kasperletheater im Vereinsheim, eine Hüpfburg und erstmals eine Button-Maschine. Im Verlauf des Abends wird „Besuch der befreundeten Königinnen“ im Festzelt erwartet. Höhepunkt des überregional beachteten Festes ist am Samstagabend die Kürung der „Bundesäppelwoikönigin“. Diese nimmt der Oberbürgermeister von Hanau vor. Oberbürgermeisterin Härtel versichert sich für das unvermeidliche „Busserl“ eines männlichen Beistands. Die neue Königin spendiert als Einstand 100 Liter Äppelwoi. Am Montag nach dem Frühschoppen wird der neuen Regentin ein „Gemahl“ zur Seite gestellt.

 

Den Auftakt zum 49. Bundes-Äppelwoifest 2001 bot traditionell am Freitag das große „Heimatspiel“ vor dem Stadtwirtshaus auf dem Platz des Friedens. Natürlich drehte sich auch hier alles um den Äppelwoi und viele Zuschauer genossen das fröhliche Spiel bei herrlichstem Sommerwetter. Aufführung des Heimatspiels „Das Millionen‑Ding“ am 24. August 2001 auf dem Platz des Friedens. Waltraut Noczinski und Helmut Giez gaben in den Hauptrollen das Gastwirte‑Ehepaar Berta und Heini, das eine Million Dollar geerbt hat – und sich doch nicht lange darüber freuen kann. Im Festzelt sorgte danach die „Excelsa“ für Stimmung.

Am Samstag wurde von 16 Uhr an weitergefeiert. Der eigentliche Höhepunkt war um 20.15 Uhr die Kürung der 49. Bundesäppelwoi‑Königin, deren Name selbstverständlich bis dahin „streng geheim“ ist. Die Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft, Sibylle Goldacker, begrüßte im mäßig besetzten Festzelt neben Hoppe auch Bürgermeister Claus Kaminsky und Ortsvorsteher Jürgen Sticher, jeweils „mit Frau“. Draußen auf dem staubigen Schloßplatz ging es schon gut ab. Ungewöhnlich viele Jugendliche beherrschten optisch und akustisch die Szene, einige schon ziemlich betrunken.

Erst gegen 20.30 Uhr drängte das Volk ins Festzelt, als der farbenprächtig gewandete Fanfarenzug der SKG einmarschierten, sich auf der Bühne in Positur stellte und mit martialischem Geschmetter die Stimmung anheizte. Der immer wieder aufbrausende Applaus könnte gleichermaßen den Mädchen der Prinzengarde gegolten haben, die beiderseits auf den Treppen zur Bühne Stellung bezogen, den ohrenbetäubenden Lärm mit rhythmischen Bewegungen begleiteten und ihre atemberaubend kurzen Röckchen wippen ließen.

Nach beider Abgang forderte die SKG‑Chefin auf, sich zu erheben, was die Mehrheit wirklich tat, um „die Majestäten“ zu begrüßen. Ob damit auch OB Margret Härtel gemeint war, sei dahingestellt. Jedenfalls wurde sie besonders herzlich begrüßt mit dem Hinweis, „eigentlich“ müßte sie ja schon im Schwarzwald zur Haushalts‑ Klausur des Magistrats sein. 

Wie auch immer, Härtel wußte sich wieder in Szene zu setzen. Statt eines prominenten Küsters hatte sie diesmal gleich zwei mitgebracht: die Erfolgssportler Edgar Itt und Eberhard Ginger. Der scheidenden Äppelwoi‑Königin Mary I. wurde mehrfach gedankt. Sie selbst wußte geradezu rührend von zwei Höhepunkten im verflossenen Amtsjahr zu berichten, dem Königinnentag in Witzenhausen und dem Empfang von Ministerpräsident Roland Koch im Schloß Biebrich.           

Endlich rückte Goldacker mit dem großen Geheimnis raus und stellte die neue Königin vor, der die OB die von Gravurmeister Ernst‑Jürgen Pohl gefertigte Krone aufsetzte: Sabine I. Gleich ist zu hören, daß sie aus Norddeutschland kommt. Sabine Busch ist in Hannover geboren. In ihrer ersten Thronrede bittet sie unverblümt um Verständnis, wenn ich auch nach zehn Uhr noch „Moin Moin“ sage. Die neue Königin schenkte traditionell hundert Liter Stöffche kostenlos aus. Sabine Busch arbeitet beim Main‑Kinzig‑Kreis in der Hanauer Kfz‑Zulassung. Ehrenamtlich arbeitet sie als stellvertretende Ortsvorsteherin des Stadtteils. Und bekannt ist die Wahl‑Steinheimerin schließlich als aktive Sozialdemokratin und Frau des Germania‑ Vorsitzenden Roman Busch.

Der Sonntag begann bereits um 10 Uhr mit dem Vereinsfrühschoppen. Der sonntägliche Höhepunkt war die Vergabe des „Ehrenbembels 2001“ um 11.30 Uhr an Petra Jeckel ‑ übrigens erstmals an eine Frau. Sie leitet die SKG‑Theatergruppe, führt Regie beim Heimatspiel und spielt Baß im Fanfarenzug. Um 14 Uhr begann dann der Sternmarsch der Fanfarenzüge mit einem anschließendem Auftritt im Festzelt. Für den Nachwuchs lief ab 17 Uhr ein eigenes Kinderprogramm im Marstall. Ab 19 Uhr spielten dann die „United Souls“ im Festzelt, wo sich ab 20 Uhr Königinnen, Prinzessinnen und Burgfräuleins die Ehre gaben.

Traditionell wurde dann am Montag beim Frühschoppen mit dem Orchesterverein Steinheim (ab 10 Uhr) das Geheimnis gelüftet: Gegen 11.30 Uhr kürte Ortsvorsteher Jürgen Sticher den neuen „Bundesäppelwoikönig“, der natürlich auch hundert Liter spendieren mußte. Ab 14 Uhr wird zur Kuchentafel geladen, ab 19 Uhr spielten dann zum Ausklang des diesjährige Bundes­äppelwoifestes „Second Spring“ im Festzelt.

 

Am 50. Bundesäppelwoifest im August 2002 veranstaltete die 1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft das Fest seit einem halben Jahrhundert. Das SKG‑Ensemble unter der Leitung von Petra Jeckel spielte am Freitagabend die volkstümliche Komödie „Die Junggesellenfalle“. Alle Zuschauer erhalten dann freien Eintritt zum Fest. Im Mittelpunkt des Festes stehen am Samstag, 24. August, und Montag, 26. August, die Kürungen des neuen Bundesäppelwoi­königspaars. Bis dahin werden die Namen der neuen „Stöffche‑Herrscher“ das am besten gehütete Geheimnis in Steinheim sein.

Passend zum 50. Bundesäppelwoifest bekommen die Untertanen nun auch eine 50‑jährige Königin: Das neue Königspaar wurden Helga und Henry Hart. Die Neue Helga II. ist ein echtes Steinheimer Mädchen. Sie hat den Äppelwoi „schon mit der Muttermilch aufgesogen und konnte ihn zapfen, bevor sie laufen konnte“, verkündet Oberbürgermeisterin Margret Härtel dazu. Die Oberbürgermeisterin stellt auch gleich den Küsser vor, der die Neue im Amt begrüßen wird. Die Ehre hat in diesem Jahr Rüdiger Nickel, Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik‑ Verbandes. Dabei hatte der sich erst noch gesträubt, konnte sich doch nicht vorstellen, wie Alkohol und Leistungssport zusammengehen sollen. Margret Härtel leistete jedoch Überzeugungsarbeit, denn am Samstag befindet der ehemalige Leistungssportler schließlich: „Appelwoi ist kein Alkohol, Appelwoi ist Grundnahrungsmittel.“

Beim Vereinsfrühschoppen am Sonntag von 10 bis 13 Uhr werden alle Getränke zum halben Preis ausgeschenkt, 50 Cents kosten Äppelwoi, Süßer und auch das Bier. Am Sonntag wird der Festzug, der sich in Höhe der St.‑ Nikolaus‑Kirche an der Uferstraße formiert, um 14 Uhr durch die Alicestraße, Ludwigstraße und die Steinheimer Vorstadt bis zum Kardinal‑Volk-Platz und von dort aus zum Schloßhof bewegen. Rund 40 Zugnummern werden sich an dem Stöffche‑Lindwurm beteiligen, darunter auch 30 ehemalige Königspaare. Auch „Josi I.“, inzwischen 90 Jahre alt, die 1953 Königin war, wird bei dem Zug dabei sein. „Wir hoffen, daß auch die Steinheimer Bürger mitmachen und die Häuser entlang der Zugstrecke schmücken, wenigstens mit der Steinheimer Fahne“, so Zitzmann optimistisch. Zugesagt haben bereits Gustl Horst, die heute 90 Jahre alt ist und 1958 Regentin war, sowie Josi Bormann, Königin des zweiten Festes 1953.

Doch die Verantwortlichen der SKG sehen auch zunehmende Probleme, vor allem mit jungen Gästen. „Leider werden vom Fest auch viele Jugendliche angezogen, die mit Alkohol nicht umgehen können“, sagt Goldacker. Diese Exzesse, wie es sie auch zum Auftakt der Stein­heimer Festsaison beim „Tanz in den Mai“ der freiwilligen Feuerwehr gegeben hatte, will der Verein jedoch verhindern und kündigte Rucksackkontrollen am Eingang zum Schloßhof an. Es solle verhindert werden, daß vor allem Jugendliche hochprozentige alkoholische Getränke mitbringen. „Es soll ein fröhliches und vergnügtes Fest sein, wir wollen aber keine Schnapsleichen“, so Goldacker, die vor allem an die Eltern appelliert, sorgsam auf ihre Sprößlinge zu achten.

 

Beim 51. Bundesäppelwoifest 2003 wurde das Heimatspiel „Spuk bei Rufers“ aufgeführt. Anschließend wird im Schloßhof gefeiert. Der Eintritt zum Schloßhöfe ist für die Besucher des Heimatspiels wieder frei. Alle übrigen Besucher zahlen 1,50 Euro. Beim traditionellen Heimatspiel sind die Steinheimer eher unter sich, während später die Besucher‑Massen von Auswärts herbeiströmen.

Kassierer Wilhelm Werner als Moderator begrüßt besonders die Prominenz und feuert die Massen an, den Fanfarenzug angemessen zu feiern. Stehender Applaus für den schmetternden Einzug der historisch gewandeten Formation, begleitet von den Gardemädchen in blauem Wams und rotem Röckchen, in den Händen Goldflitter. Dann endlich, zwanzig vor neun, ziehen die gerade noch amtierenden Majestäten Helga II. & Henry I. ein, begleitet von zwei Gardemädchen, dahinter Willi Röhl und Claus Kaminsky, zwischen ihnen die „Neue“ . Moderator Werner dankt Helga II. überschwenglich dafür, daß sie „ihre Heimat auf das Herzlichste und mit viel Engagement vertreten“ hat, überreicht Blumen und läßt die Scheidende selbst resümieren. Helga Hartl spricht auch für ihren Mann Henry: „Es war ein berauschendes Gefühl, Steinheim zu vertreten.“ Überall seien sie herzlich aufgenommen worden. Der Höhepunkt ‑ von rund 100 Terminen, wie nebenher zu erfahren war ‑ sei der Besuch in Tirol gewesen. Viele persönliche Danksagungen für Unterstützung verband die 50. Bundesäppelwoi­königin mit dem Geschenk eines Bembels. Und ihren Stammgästen ‑ Hartls sind Wirtsleute im „Deutschen Michel“ ‑ dankte Helga I. fürs Verständnis, daß ihre Gaststätte so oft geschlossen war.

Schließlich wünschte sie alles Gute für „Marion“, womit erstmals der Name ihrer Nachfolgerin fiel. Willi Röhr stellte Marion 1. als „e' Pfälzer Määdsche, das awwer scho 25 Jahr in Staanem lebe“ vor. Marion Schlegel ist 43 Jahre alt, wie sie selbst in ihrer denkbar knappen Ansprache verriet. Bürgermeister Kaminsky legte ihr die Schärpe um, setzte ihr die Krone auf, reichte ihr das Zepter als Zeichen der Macht und hielt eine ebenfalls ungewöhnlich knappe Festansprache. bekannt gemacht. Nach der Kürung schenkt die neue Königin 100 Liter „Stöffche“ aus.

Zum Vereinsfrühschoppen am Sonntag ab 10 Uhr spielt der Evangelische Posaunenchor. Um 11.30 Uhr wird der Ehrenbembel verliehen. An wen, bleibt ebenfalls geheim, genau wie der Name des Äppelwoikönigs, der traditionell erst am Montagvormittag um 11.30 Uhr durch Ortsvorsteher Jürgen Sticher gekürt wird. Und abermals fließen 100 Liter Frei‑„Stöffche“. Anschließend gibt es Eintopf ‑ für Senioren umsonst

Besonders erfreut sind die Aktiven der Steinheimer Karnevalsgesellschaft (SKG), daß bei dem Steinheimer Traditionsfest inzwischen mehr Apfelwein als Bier getrunken wird.

Sonntag, 31. August: Um 10 Uhr steigt der Vereinsfrühschoppen, bei dem der Evangelische Posaunenchor musiziert. Um 11.30 Uhr erfolgt die Verleihung des Ehrenbembels. Mittags steht das traditionelle Schnitzelessen auf dem Programm. Für 13.30 Uhr ist der Sternmarsch der Fanfarenzüge geplant. Die Route führt vom Obertor zum Schloßhöfe. Im Schloßhöfe werden die Besucher und die Aktiven der Fanfarenzügen von den Königinnen und Königen empfangen. Für die Kinder gibt es um 17 Uhr ein Kasperltheater im Vereinsheim.

Montag, 1. September: Der Frühschoppen mit dem Orchesterverein Steinheim beginnt um 10.30 Uhr Ortsvorsteher Jürgen Sticher kürt um 11.30 Uhr den Bundes­äppelwoikönig. Der neue Regent schenkt 100 Liter „Stöffche“ umsonst aus. Anschließend werden die Senioren mit einem Eintopf bewirtet. Um 14 Uhr wird Kaffee und Kuchen gereicht.

 

Bei der 52. Auflage des „Bundesäppelwoifestes“ 2004 wurde Katja Röhr gekürt. Sie wollte schon immer „Bundesäppelwoi-Königin“ werden. Die neue „Queen of Most“ ist ein echtes „Staanemer Mädche“. „Ich bin leider nicht in Steinheim geboren, weil es hier kein Krankenhaus gibt“, schränkte Katja I. mit einem Schmunzeln ein. „Ich bin mit der 1. SKG und dem Äppelwoi aufgewachsen“, rief sie ihren Untertanen in der vollbesetzten Festhalle zu. Bereits vor zehn Jahren war Katja Röhr bereits als Faschingsprinzessin der 1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft (1. SKG), dem Ausrichter des viertägigen Stöffchefestes, aktiv.

Im Rahmen des traditionellen Vereinsfrühschoppens mit dem evangelischen Posaunenchor wurde Sonntagvormittag mit dem 64-jährigen Paul Eppert der mittlerweile 19. Ehrenbembel­träger ausgezeichnet. Mit dem Ehrenbembel werden alljährlich Steinheimer Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um Steinheim und das Stöffche verdient gemacht haben.

Für den Festtag hatte sich die SKG-Familie viel Neues einfallen lassen. Mit einem Hessenbrunch, bei dem Grillhaxen, Rippchen und Fleischwurst mit Kraut serviert wurden, traf die SKG den Geschmack der Festbesucher. Für Familien gab es kostenlose Karussellfahrten, stündliche Führungen durch das benachbarte Schloß und ein Kasperletheater für die jüngsten Festbesucher. Ein großer Aufmarsch folgte dann Sonntagnachmittag.  Fünf  Spielmanns- und Fanfarenzüge marschierten durch die Altstadt in den Schloßhof und gaben ein mitreißendes Stelldichein auf der Festzeltbühne. Zum „Finale furioso“ fanden sich rund 200 musizierende Akteure aus Gießen, Hainstadt, Altenstadt, Ronneburg und Steinheim zum einem tollen Fanfarenmusikspektakel ein. Zahlreiche hübsche Königinnen aus Sachsenhausen, Oberursel, Goldstein, Bergen-Enkheim und Büdesheim huldigten mitsamt ihrem Hofstaat der neuen Steinheimer Bundesäppelwoikönigin.

 

Das 53. Bundesäppelwoifest 2005 begann mit dem Schwank „Eine Frau muß her”. Geschrieben wurde das Stück von Dieter Adam, besser bekannt als „Adam und die Mickeys”. Ein Höhepunkt war die Inthronisation der neuen Königin. Conny I. wurde nicht von allen bejubelt: Sie ist keine waschechte Steinheimerin. Goldenes Krönchen, Schärpe und Zepter gingen an Conny I., Vorstandsmitglied der Tanzsportabteilung des Karnevalvereins. Die neue Bundesäppelwoikönigin wohnt schon seit 15 Jahren im Ort, geboren ist die 49-Jährige aber ausgerechnet im angrenzenden Klein-Auheim. Und das ist von alters her feindliches Gebiet für den volkstümlichen Steinheimer. So mischten sich unter den Beifall und den Jubel zur Begrüßung der „Neuen“ hier und da auch „Pfui“-Rufe einiger apfelweinseliger Steinheimer.

Das aber beeindruckte Ihre Majestät wenig: Nach einer kurzen Begrüßung schritt die hübsche, brünette Frau zur Tat und schenkte, wie es Sitte ist, 100 Liter Apfelwein an die „Untertanen” aus.

Erster Höhepunkt des Sonntags  ist Verleihung des Ehrenbembels 2005 für besondere Verdienste um Steinheim. Dann steht eine neue Attraktion des Bundesäppelwoifestes an: Steinheimer Kelterer präsentieren ihren Appelwoi aus eigenem Keller. Für diesen Test sucht der Verein aus dem Publikum Kenner des Stöffchens, die gemeinsam mit Prominenten die besten Gaumenkitzler prämieren. Fünf Privatkelterer des Steinheimer Obst- und Gartenbauvereins werden alles dransetzen, drei prominente Zungen mit ihren Stöffchen angenehm zu kitzeln

Mit der Schließung der Kelterei Jung vor mehreren Jahren versiegte das ureigene Steinheimer Stöffche. Seitdem wird auf dem Bundesäppelwoifest Hochstädter Apfelwein ausgeschenkt.

Das Glas (0,2 1) Bier oder Appelwoi kosten 1,10 Euro. „Bewußt nehmen wir für nichtalkoholische Getränke nur einen Euro. Wir wollen mit dieser Preispolitik ein Zeichen setzen”, sagte der Vorsitzende und stellte zugleich klar, daß es auf dem Bundesäppelwoifest keine Alcopops geben werde. Eigens in Rucksäcken mitgebrachte Getränke würden wie bereits im Vorjahr nicht toleriert. An den Eingängen werden entsprechende Kontrollen durchgeführt.

Ohne die Hilfe von befreundeten Vereinen könnte die SKG die Organisation dieses großen Volksfestes nicht schultern. Sage und schreibe 425 Dienste und hierfür wiederum rund 200 Helfer sind erforderlich, um den reibungslosen Verlauf der Veranstaltung und die Bewirtung der Gäste sicher zu stellen.

 

Der neue Bundesäppelwoikönig im  Jahr 2006 ist Ingo I. und kommt aus Obertshausen und steht seiner Ehefrau Jasmin I. zur Seite. Ingo I. heißt bürgerlich mit Nachnamen Kühn ist 32 Jahre alt und im Beruf Karosseriebaumeister. Erste Amtshandlung des neuen Bundesäppel­woi­­königs, der Mike I, nachfolgt, war es, seinen Untertanen Freischoppen auszuschenken. An seiner Seite seine Ehefrau, die 54. Bundesäppelwoikönigin. Jasmin Kühn, geborene Kaiser, ist ein echtes „Staanemer Mädsche”, wie es eigentlich echter nicht sein könnte. In den Gassen der Steinheimer Altstadt ist sie aufgewachsen und war bereits Steinheimer Fastnachtsprinzessin in der Kampagne 2000/01. Handkäs' mit Musik, in diesem Jahr erstmals auf der Speisenkarte, sei sehr gut angenommen worden und werde auch im kommenden Jahr angeboten. Bei den Getränken hat Werner eine Trendwende ausgemacht. Wurde in den vergangenen Jahren zunehmend mehr Bier als Appel­woi getrunken, so habe diesmal das Stöffche wieder die Nase vorn. „Insbesondere junge Leute haben ihre Vorliebe für den Appelwoi neu entdeckt”, so Werners Beobachtung.

 

Das 55. Bundesäppelwoifest 2007 begann mit dem Heimatspiel „Albrecht Dürer in Steinheim” auf dem Platz des Friedens, wo die SKG-Theatergruppe das Stück als Neufassung des Heimatspiels von 1984 aufführte.

 

Eine Neuerung beim 59. Bundesäppelwoi­fest 2011 war die Festeröffnung durch Ortsvorsteher Klaus Romeis. Das noch amtierende Äppelwoikönigspaar waren Kristin I. und Peter I.  Statt der Ritterspiele und des mittelalterlichen Treibens sind Auftritte verschiedener Musikzüge geplant. Die Leute hätten sich mehr musikalische Darbietungen gewünscht. Dabei geben sich Königinnen, Prinzessinnen und Burgfräulein aus ganz Hessen die Ehre. Unter anderem kommen die Büdes­heimer Laternenkönigin, die Apfelweinkönigin aus Bergen-Enkheim, die Brunnenkönigin aus Sachsenhausen und die Rosenkönigin aus Goldstein nach Steinheim.

Das Festzelt bietet 800 Sitzplätze.

Das Heimatspiel war am Sonntag und sechs Darsteller präsentierten das turbulente Stück „Heiraten verboten“ von Josef Brun. Darin geht es um den alten Herr Kummer, eine reiche, schrullige, launische und nicht gerade sympathische Nervensäge. Allerdings haben es ihm die jungen, hübschen Mädchen angetan. Herr Kummer verliebt sich sogar noch einmal und will seine Millionen der Angebeteten vermachen - unter der Bedingung, daß sie niemals heiraten darf.

Um ein Thema kommen die Organisatoren des Bundesäppelwoifests bei aller Feierstimmung nicht herum - die Sicherheit auf dem Festgelände. Zwar „ist es in den letzten Jahren eher ruhiger“ gewesen, doch hat sich die 1. SKG für den Einsatz eines sechs- bis zehnköpfigen SecurityTeams entschieden. „Die Kräfte werden am Eingang stehen und auf dem Fest präsent sein, um mögliche Auseinandersetzungen schon im Keim zu ersticken“, macht die SKG-Vorsitzende Katja Röhr deutlich. Beibehalten werde auch die Armband-Regelung: Wer noch nicht 18 Jahre alt ist, bekommt ein andersfarbiges Band als die Volljährigen, um dem Thekenpersonal die Arbeit zu erleichtern. Nur wer 18 Jahre alt ist, darf nämlich zum .,Stöffche“ greifen.

Eine weitere - in diesem Jahr neue - Vorsichtsmaßnahme: Nach Entschluß erhalten Personen ohne Bändchen oder Karte keinen Eintritt auf das Gelände. „Wir wollen so vermeiden, daß Jugendliche nach dem  ‚Vorglühen‘ am Main hierher kommen“, erklärte Röhr. Bewußt sind sich die Organisatoren der Problematik, daß sich durch diese Regelung dort ein neuer Versammlungsort ergeben könnte. „Die Ordnungskräfte wissen Bescheid“, ergänzt Oberbürgermeister Claus Kaminsky. „Seit etwa vier Jahren setzen wir uns im Vorfeld gemeinsam mit Ordnungsamt und Polizei an einen Tisch, um die Sicherheitsthematik zu besprechen.“ Man dürfe das Problem „nicht herunter reden, aber auch nicht dramatisieren“, sagt er.

 

Beim 60. Bundesäppelwoifest 2012 werden zunächst einmal Gabi II. und Otto III. verabschiedet. . Gabi und Otto Borst danken Katja und ihrem Vater, Königsmacher Willi Röhr.

Dann richten sich die Blicke auf die Begleiter von Claus Kaminsky. Mit einer blonden Dame im Arm war der Hanauer Oberbürgermeister auf die Bühne gekommen, mit dabei ein etwas schüchtern wirkender Herr. Röhr klärt auf: Die beiden sind Angelika I. und Kurt I., mit bürgerlichem Namen Angelika Zipper-Hüttges und Kurt Hüttges - das neue Königspaar.  „Die beiden sind aus Düsseldorf“, sagt Röhr. Ein leichtes Raunen geht durchs Publikum. Ja, gibt's das denn? Doch Katja Röhr kann beruhigen: „Sie wohnen schon seit 16 Jahren in Steinheim und sind voll integriert. Außerdem trinken sie gerne Appelwoi, auch wenn es am Anfang eine Umstellung für sie war.“

 

Stadtwirtshaus:

Ideen muß man haben. Immer nur Apfelwein im Gerippten erweitert nicht den Horizont der Gäste. Sagte sich der Wirt des ältesten Steinheimer Wirtshauses, des Stadtwirtshauses. Und lud in Anlehnung zu üblichen Weinproben im April 2002 zur „Apfelwein‑Degustation“. Serviert wurden Variationen des hessischen Nationalgetränkes samt Fünf‑Gänge‑Menu gespickt mit Informationen von Apfelweinkelterer Jörg Stier. Zwei „Bundesäppelwoi‑Königspaare“, die alljährlich auf dem Steinheimer Appelwoifest gewählt werden, hatten sich dazu unters zahlreich erschienene Volk gemischt ‑ ebenfalls neugierig, wie Apfelwein‑Champagner, Apfelwein‑Cocktail und Cidre ihnen munden.

Und nicht nur die Getränkekarte durchzog der Apfel wie ein roter Faden, nein, auch bei den Speisen spielte die kernige Frucht die Hauptrolle: Es gab Entengalantine mit Apfelfüllung, Apfelweinsuppe und einen „Paradiesapfel im Nest“. Mal was anderes als Rippchen mit Kraut, aber trotzdem typisch hessisch, lautet die Devise an diesem Abend.

Die Gaste sind zufrieden. Und die als Anekdoten getarnten Informationen von Apfelweinkelterer Stier machen die Apfelwein-Degustation erst zur Apfelwein-Degustation. Kostprobe: Der berühmter Hesse Johann Wolfgang von Goethe sei bekanntlich kein Freund des Apfelweines gewesen, plaudert Stier, aber jeder Mensch habe ja seine Fehler, witzelt er unter überschwenglichem Applaus.

Der geschäftstüchtige Wirt, der mit seiner regelmäßigen „Apfelwein‑Degustation“ eine Marktlücke entdeckt zu haben glaubt, ist mit Leib und Seele „en Staanemer Bub“, wie er auf Fragen neuer Gäste am liebsten antwortet. Und freut sich stets über die verblüfften Gesichter, wenn er antwortet. Denn: Mohamed Elkamhawy ist Ägypter, er stammt aus einem Dorf in der Nähe von Kairo. Gern und anschaulich plaudert er dann über die Zufälle, die aus einem ägyptischen Kühltechniker einen mittlerweile stadtbekannten Vertreter und Förderer der hessischen Küche und Kultur machten.

Zehn Jahre hatte der 47‑Jährige bereits in Deutschland bei einer Firma für Kühlmaschinen gearbeitet, als er sich von einem Freund überreden ließ, mit diesem gemeinsam ein kleines Lokal bei Stuttgart zu übernehmen, schildert Elkamhawy seinen Einstieg in die Gastronomie. Und seitdem ließ er die Zapfhähne nicht mehr los.

Daß ihn sein Weg als Apfelweinwirt ins hessische Steinheim führen würde, hat er damals natürlich nicht geahnt. Noch heute betrachtet er es als glückliche Führung, daß er vor fünf Jahren die Stelle als Wirt einer Steinheimer Gastwirtschaft erhielt, die vor allem traditionelle hessische Gerichte anbot. Seitdem will er „nie wieder weg“ aus Steinheim, hier fühlt er sich „wohl wie sonst nirgends“, bekräftigt er lächelnd.

Seit Dezember 2000 führt Mohamed Elkamhawy nun zusammen mit seiner Frau Karima das Stadtwirtshaus in Steinheim. Die Speisekarte zeigt prompt eine ungewöhnliche Mischung aus traditionellen hessischen Gerichten sowie Getränken auf der einen Seite und Neuschöpfungen wie etwa den „Apfelweincocktail“, für den das Lokal in Steinheini und Umgebung berühmt ist, auf der anderen. Elkamhawy selbst mag alle hessischen Gerichte auf seiner Speisekarte, bis auf den Handkäs mit Musik, den habe er so noch nie probiert. Um dieses ihn seltsam anmutende Produkt der hessischen Küche für sich genießbar zu machen, hat er den Handkäse kurzerhand gebacken und serviert ihn mit Preiselbeeren. „Hessischen Camembert“, nennt er diese Kreation. Den Gästen scheint's zu schmecken.

Der ägyptische Wahl‑Steinheimer mit dem hessischen Akzent, den man in der Stadt nur unter dem Spitznamen „Ramses“ kennt, blickt zuversichtlich in  die Zukunft. Er sei noch nie in Sachsenhausen gewesen, sagt er etwa, „aber die Sachsenhäuser kommen zu mir!“

 

 

 

 

 

Maintal

 

Die Maintaler Streuobstwiesen:

Die Maintaler Streuobstwiesen sind eines der größten und ökologisch bedeutendsten Biotope dieser Art in Hessen. Allein in Gemarkung Maintal umfassen die Streuobstflächen eine Gesamtfläche von mehr als 160 Hektar. Zusammen mit den Flächen im Osten Frankfurts, mit denen die Maintaler Streuobstwiesen eine ökologische Einheit bilden, sind es sogar über 250 Hektar. Sie bilden das größte und zugleich ökologisch bedeutendste Biotop dieser Art in Hessen mit über 25.000 Apfel‑, Zwetschgen‑, Kirsch‑, Birnen‑, Speierling‑ und Walnußbäumen.

Festgestellt wurde, daß die Maintaler Streuobst­wiesen besonders unter ihrer Überalterung zu lei­den haben. Der Baumbestand ist zwischen 40 und 60 Jahre alt, die natürliche Generationenfolge unter den Obstbäumen fehlt völlig und damit gibt es kei­ne natürliche Verjüngung sondern nur eine „künst­liche“ durch Nachpflanzung junger Obstbäume. Die neuen Bäume haben erst in 25 bis 30 Jahren die Baumhöhe erreicht, wie sie beispielsweise dem Steinkauz als Brutstätte dient. Aus diesem Grund gelten die Bemühungen der Landschaftspfleger der Erhaltung der alten Bäume.

Unter den meist schon sehr alten Bäumen auf den Maintaler Streuobstwiesen sind vor allem Äpfel, Speierling, Walnüsse, Zwetschen, Birnen und Kir­schen. Dort leben  Sperber, Habicht, Steinkauz und Wachtel, Grün‑, Grau‑ und Kleinspecht. Schwarz­milane Braunkehlchen und viele andere Vögel, die bereits auf der roten Liste der bedrohten Tiere geführt werden. Der bedrohte Gartenrotschwanz hat mit 40 Brutpaaren am Maintaler Hang seine größte Kolonie in Hessen.

In Maintal befindet sich ein Schwerpunkt der hessischen Steinkauzpopulation mit mehr als 40 Brutpaaren (1990 waren es gerade 18). Das ist die größte Stein­kauzpopulation im gesamten Main­-Kinzig‑Kreis und der wiederum zählt ein Viertel aller in Hessen lebenden 500 Stein­kauz-Brutpaare. Die Mitarbeiter der HGON zählen, be­ringen und überwachen den Stein­kauz­-Be­stand. Außerdem schaffen sie durch soge­nannte „Niströhren“ künstliche Brutplät­ze für die Vögel, da alte Bäume mit ausge­prägten Höhlen sehr selten geworden sind. Nur einzelne Individuen reichen das Greisenalter von sieben neun Jahren. In Maintal‑Hochstadt wurde die älteste Vogeldame registriert. Nestjung wurde das Weibchen 1985 beringt und erst kürzlich bei der Niströhrenreinigung wieder angetroffen. Sie hat also das stolze Alter von neun Jahren bereits überschritten.

Feldmäuse, europäische Igel, Haselmäuse, Hermeline sowie Wasserspitzmäuse leben unter den Obstbäumen, sie gelten ebenfalls als gefährdet. Seltene Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz und besonders geschütz­te Pflanzenarten wie die Feuerlilie, der Speierling und die Weinberg‑Hya­zinthe machen die Maintaler Streu­obstwiesen zu einem einzigartigen Lebensraum.

Dr. Klaus Richarz, Deutschlands Fledermaus-­Papst und nebenbei Leiter der Staatlichen Vogel­schutzwarte in Fechenheim, sieht die Fledermaus als ein Anzeichen für eine intakte Natur an: „Fledermäuse sind ein Segen für das Stöffche!“ Die Nachtsegler sorgen für das ökologische Gleichgewicht auf den wertvollen Streu­obstwiesen. Denn zwischen Sonnenunter­gang und Morgendämmerung schnap­pen Fleder­mäuse von den Blättern und Früchten der Apfel­bäume die schädlichen Insekten im Fluge, pro Säugetier sind das ungefähr „eine Tüte voll Mücken“.

Hier oben über Hochstadt gibt es tatsäch­lich diverse Fledermausarten. Etwa die „Pipistrel­lus“, eine liebliche Zwergfledermaus, die fleißig Insekten jagt, die sich während der Apfelblüte und anschließender Fruchtbildung stark vermehren und dem Apfel arg zuset­zen. Hilfe kommt über Nacht, eben durch braune Langohr-Flug­objekte, sogenannte Lausch­jäger, die das Krabbeln von Mücken und Winz-Würmern auf der Apfeloberfläche oder an Blättern hören, hinflie­gen und die Ungeziefer auffressen, so den ökologischen Kreislauf in Gang halten.

Weiterhin gibt es in Maintal das einzige bekannte Brutvorkommen von Hohltaube in Streuobstbeständen, eines der wenigen Restvorkommen vom Wen­dehals in Hessen.

 

Einzelne Aktivitäten

Um den sogenannten „Biotopverbund“ noch zu vergrößern, hatte das Regierungspräsidium in Darmstadt im Oktober 1993 für den Ankauf zweier Flurstücke in einer Größenordnung von 13.731 Quadratmetern bereits 65 Prozent der Kaufsumme als Förder­mittel zugesagt (rund 65.000 Mark). Im Haupt‑ und Finanzausschuß der Stadt Maintal wurde der Grund­stücks­erwerb darum ausführlich erörtert. Doch Freie Maintaler und CDU sahen damals keine Notwendig­keit, besagte Flächen zu erwerben. Somit wurde der Grundstücks­kauf mehrheitlich abgelehnt, die bereit­gestellten Landesmittel flossen in eine Nachbar­kommune.

Der nicht vollzogene Grundstückskauf ist darum bedauerlich, weil das Amt für Stadtentwick­lung und Umwelt bereits eine detaillierte Untersu­chung und Planung für die anzulegenden Streuobstwiesen kartographisch ausgearbeitet hat. Frau Brockmeyer‑Roess listete die Altbestände einzeln liegender Streuobstwiesen auf, die dann miteinan­der zu einem Biotopverbundnetz zusammengefügt werden könnten. Biotopverbundinseln ‑ ange­stamm­tes Refugium für Kleintiere ‑ sollen maximal 200 Meter auseinanderliegen, um den Kleinzieren den Wechsel von einem Biotop zum anderen leichter zu ermöglichen. Für größere Tiere wie Reh, Hase oder Fuchs ist dies kein Problem. Eine solche Vorarbeit war Voraus­setzung, um die Landesmittel beantragen zu kön­nen.

Doch die CDU lehnte ab, weil mit dem Erwerb der Grundstücke höchstens die Anpflanzung von Obstbäumen und deren Pflege bezahlt sei. „Wer solle die Bäume überhaupt pflegen?“ wurde gefragt. Es sollten erst einmal die Besitzer bestehender Streuobstwiesen dazu motiviert werden, diese zu pflegen. Teilweise sehe es dort schlimm aus. Andererseits werde den Besitzern das Obst hemmungslos gestohlen, so daß sie überhaupt keinen Sinn darin sähen, sich um ihre Obstwiesen zu kümmern. Für die Freien Maintaler erklärte Fraktionsvorsitzender Ludwig Stein, daß ein Grundstückspreis von neun Mark pro Quadratmeter einfach zu teuer sei. Man wolle erst einmal günstigere Preise abwarten.

 

Im Jahre 1994 wurde auf Anregung des Landschaftspflegeverbandes mit den Pflegearbeiten auf den Maintaler Streuobstwiesen begonnen, und zwar am Bi­schofsheimer Hang, im Apfelgrund und an der Wei­dekaute. Vor Beginn der Arbeiten hatte der Ver­band das Frankfurter Büro für Naturschutz und Landschaftsplanung mit der Kartierung des Gebie­tes, der Ausschreibung und Überwachung der Pfle­gearbeiten beauftragt. Den Bäumen soll jetzt ein sogenannter „extensiver Erhaltungsschnitt“ zur „Vitalisierung“ verpaßt werden. Das bedeutet, daß der Baum erhalten wird. Totes Holz wird herausgeschnitten, Äste werden gekürzt und die Krone leicht heruntergesetzt.

Zwei Gartenbaufirmen haben die Pflege übernom­men, ohne etwas dafür zu verlangen. Auch für die Besitzer der Streuobstwiesen kosten die Arbeiten nichts außer der Einverständniserklärung. Die Stadt Maintal hat die Eigentümer der Kleinstreuobstparzellen recher­chiert und sie um ihr Einverständnis gebeten (am Bischofsheimer Hang gibt es allein 400 Eigentümer, im Apfelgrund rund 600). Bis gegen Ende März wird auf den Streuobstwiesen gearbeitet, die Pflege geht dann im Herbst weiter. 827 hochstämmige Obstbäume werden bis dahin beschnitten. Im Herbst werden die Schnittarbeiten fortgesetzt und außerdem 150 neue Bäume gepflanzt. Gefällt wird nichts. Im nächsten Jahr soll der Baumbestand im südlichen Apfelgrund kartiert und Geld für die Nach-Pflanzungen am Bischofsheimer Hang beantragt werden. Die fünf Jahre lange Grundsanierung sieht vor, bis zu ihrem Ablauf zwei Drittel des Baumbestandes zu schneiden und bestehende Lücken mit Neuanpflanzungen zu füllen.

Im Jahre 1996 teilte der Landschaftspflegeverband mit, daß in Bischofsheim und am Hochstädter „Distelberg“ in mehrjährigen Projekten die Sanierung von insgesamt 3.500 Bäumen auf rund 100 Hektar Fläche geplant ist. In einem ersten Schritt sollen 560 Bäume dort beschnitten wer­den. 220 Bäume sollen nachgepflanzt wer­den, wobei 500 jedoch notwendig wären, um alle Lücken zu schließen. sowie von etwa 500 hochstämmigen Obstbäumen. Vor allem sollen vernachlässigte alte Hochstämme gesund saniert werden, neue Bäume in den Lücken nachgepflanzt, sich um dauerhafte Pflege der Gehölze und des Unterwuchses gekümmert und Wege zur sinnvollen Verwertung des geernteten Obstes gesucht werden.

 

Seit 1994 ist der Landschaftspflegeverband des Main-Kinzig-Kreises an dem Pilotprojekt Pflege der Streuobstwiesen vom Berger Hang bis Hochstadt beteiligt. Im Herbst und im nächsten Frühjahr ist der Distelberg an der Reihe. „Allein 3.000 Bäume in diesem Gebiet sind grundsanierungsbedürftig“, sagt Silke Fees. In einem ersten Schritt sollen 560 Bäume dort beschnitten werden. 220 Bäume sollen nachgepflanzt werden, wobei 500 jedoch notwendig wären, um alle Lücken zu schließen.

 

Im Oktober 1996 gibt es eine Ernteaktion. Wer nicht selbst die Früchte vom Baum holen will, kann das den Jugendlichen der Feuerwehren und der Dörnigheimer Vogelschutzgruppe überlassen. Sie pflücken die Äpfel und bringen sie zur Kelterei Stier. Der Erlös kommt der Jugendarbeit zugute. Wer sein Obst nicht braucht, kann sich an die Maintaler Umweltberaterin Freia Reuschling wenden. Die Stadt sichert die Ernte unter fachkundiger Aufsicht zu.

 

Seit Mai 1997 existiert das Stadtmuseum in Hochstadt, Hauptstraße 9. Es hat als  Schwerpunkt das Thema „Apfelwein“. Es gibt eine historische Äppelwoikneipe, wie sie Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Frankfurt und Umgebung anzutreffen war, mit langem Holztisch, schlichten Holzbänken, einem roh gezimmerten Schanktisch und Regalen, auf denen allerlei echte alte Bembel und Flaschen sowie Originalgläser aus der Frühzeit der Apfelweinkultur zu bestaunen sind. Ein Glas Apfelwein wird den Museumsbesuchern auch gerne kredenzt. Im Nebenraum sind dann die Gerätschaften untergebracht, die man für die Ernte der Äpfel, die Zubereitung des Mostes und die Herstellung des Weines braucht.

Eilig wurde in den 90er Jahren die Notbremse gezogen. Im Jahre 1997 gründete sich in Maintal eine Initiative, die sich zum Ziel setzte, die heimischen Streuobstwiesen zu pflegen und zu erhalten. Treibende Kraft des Arbeitskreises Streuobst waren Mitarbeiter der Stadt ‑ allen voran der heutige Erste Stadtrat Ralf Sachtleber ‑ in Verbindung mit dem Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig ‑ Kreis. Weitere Projektpartner sind die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz sowie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt. Nicht nur die existentielle Bedrohung exotischer Tierarten auf fernen Kontinenten wurde erkannt, sondern ebenfalls der Schutz der heimischen Flora und Fauna.

Der junge „Setzling“ trieb bald ansehnliche Früchte. Interessengruppen, denen der Erhalt der Streuobstwiesen am Herzen liegt, schlossen sich dem Arbeitskreis an, darunter Imker, Schäfer, Vogelschützer oder Landwirte ‑ und natürlich Eigentümer von Streuobstwiesen. Ein solider Stamm, zu dem auch der Bischofsheimer Dr. Dieter Fritz gehört. Stolz blicken die Mitglieder auf die ersten Früchte. Denn durch zahlreiche Projekte, Vorträge und Informationsveranstaltungen gelingt es ihnen, die Streuobstwiesen wieder ins öffentliche Bewußtsein zu rücken.

 

Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz hat sich seit 1988 der Pflege des einzigartigen Streuobstgebietes zwischen Bergen und Hochstadt  in einem Pilotprojekt angenommen. In vielerlei Hinsicht ist das am Hang gelegene Obstbaum-Areal der „hessische Ausnahmefall.“ Allein die Ausdehnung ist ungewöhnlich. Mehrere 1.000 Apfel-, Birn-, Pflaumen- oder auch Walnußbäume stehen am Bischofsheimer Hang, am Apfelgrund, Distelberg und der Weidenkaute, wie die einzelnen Bereiche heißen. Die offene Parklandschaft ist mit seinen Pflanzen, Kräutern und Insekten für Vögel und andere Tiere ein ideales Brut- und Nahrungsbiotop.

Dort zieht noch der Habicht seine Kreise am Himmel, der Steinkauz brütet in Baumhöhlen, Fledermäuse jagen in der Nacht und auch der selten gewordene Specht hämmert. Der gelbschwarze Pirol wurde in dem Gebiet gesichtet und auch der bedrohte Gartenrotschwanz hat mit 40 Brutpaaren am Maintaler Hang seine größte Kolonie in Hessen.

Unterstützung fand sie bei der zoologischen Gesellschaft Frankfurt, die jährlich rund 60.000 Mark investiert, und auch beim Land, das Gelder aus dem Topf der Ausgleichsmittel zur Verfügung stellt. Begonnen wurde zunächst mit der Bestandaufnahme des Areals, außerdem mußten die privaten Besitzer der Flächen ermittelt werden. Im Auftrag der HGON wurden 1989 erstmals die Streuobstbäume beschnitten - eine notwendige Pflege, um die mehr als 30 Jahre alten Exemplare zu erhalten und sie vor Windbruch oder Krankheiten zu schützen. Neue Bäume wurden angepflanzt, die Wiesen ein- bis zweimal im Jahr gemäht.

 

Bei der Pflege und Nutzung des Biotopes des Jahres 1998 ‑ der Streuobstwiese, wirkt auch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V. ‑ Hilfe für die bedrohte Tierwelt ‑ direkt mit. Darum wurden im März 1998 zur Hervorhebung der Bedeutung auch von Wildobst etliche herkunftsreine Wildbirnen gepflanzt.  „Die Bemühungen für die Erhaltung Lebensräume müssen verstärkt werden für die gefährdeten, ehemals typischen Arten der Streuobstwiesen wie beispiels­weise den Gartenrotschwanz und andere, wenn wir unser heimisches Naturerbe be­wahren wollen, so Dr. Faust bei der Pflanzaktion in Maintal. Freude über diese wichtige Unterstüt­zung herrschte bei der Hessischen Gesell­schaft für Ornithologie (HGON) und dem Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig, die sich seit Jahren um die Erhaltung des Gebietes bemühen.

„Im gesamten Gebiet sind im Verlauf der letzten Jahre circa 25 Prozent aller hoch­stämmigen Obstbäume im Auftrag von LPV und HGON gepflegt worden“, sagte Konstanze Weltner von der HGON. „Zu einem angepaßten Biotopmanage­ment gehört auch die Unterwuchspflege, sind doch viele Tierarten auf spezifische Strukturen und Pflanzenformationen an­gewiesen“, führte Barbara Fiselius vom LPV aus. Deshalb sei es  wichtig, Kom­munen und Landwirte in die Aktionen einzubinden.

Alle Teilnehmer der Pflanzaktion waren sich einig, daß vor allem jetzt solche Un­terstützung wie von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt wichtig sind, da mit dem Wegfall der Ausgleichsabgabe im Außenbereich nach dem Hessischen Naturschutzgesetz eine bedeutende Fi­nanzquelle für die Streuobstwiesen ver­siegt.

So können auch dieses Jahr wieder etliche Bäume eine Pflege erhalten und Lücken im Baumbestand ergänzt werden. Einige für die Nahrungssuche wichtige Bereiche sollen entbuscht werden. Seit Beginn der Bemühungen wurden cir­ca ein Drittel (etwa 5.000 Bäume) des gesamten Obstbaumbestandes einem Sa­nierungsschnitt unterzogen, der die Bäume verjüngt und so die Lebensdauer verlän­gert. Dies ist wichtig für die Erhaltung der Habitatstrukturen aller Bewohner, be­sonders für die baumhöhlenbewohnen­den Tiere.

Als Besonderheit lichter, wärmebegün­stigter Standorte wurde die Wildbirne zur Pflanzung ausgewählt, um auf die Ge­fährdung der Urformen unserer Obstar­ten hinzuweisen. Von den mannigfachen Kulturformen der Birne unterscheidet sich die Wildbirne durch ihren kleineren Wuchs (Normalfall fünf bis 15 Meter Wuchshöhe) und ihre kleineren holzigen Früchte. Die Bäume können bis zu 200 Jahre alt werden. Das Holz der Wildbirne ist selten und sehr begehrt, es ist hart, schwer und relativ dauerhaft, und oft von besonderem ästhe­tischen Reiz. Der ökologische Nutzen liegt wie bei allen Wildobstarten vor al­lem in den für die Tierwelt wichtigen Blü­ten und Früchten und in der Erhaltung der genetischen Vielfalt.

 

Um noch mehr Maintaler Äpfel ernten zu können, haben sich Stadt und Pflegeverband nun eine Ernteaktion für den Samstag, 12. Oktober 1996, einfallen lassen. Wer nicht selbst die Früchte vom Baum holen will, kann das den Jugendlichen der Feuerwehren und der Dörnigheimer Vogelschutzgruppe überlassen. Sie pflücken die Äpfel und bringen sie zur Kelterei. Der Erlös kommt der Jugendarbeit zugute. Wer sein Obst nicht braucht, kann sich an die Maintaler Umweltberate­rin Freia Reuschling, 06181 / 400401 wenden. Die Stadt sichert die Ernte unter fachkundiger Aufsicht zu.

 

In der integrativen Kindertagesstätte an der Eichendorffstraße wollte der Verein „Umweltlernen“ 1998 den Kindern die Natur näher bringen. „Es ist wichtig, daß sie mal sehen, wo der Apfelsaft herkommt“, meint Umweltpädagoge Andreas Lennig. Deshalb wurde die mobile Kelter im Innenhof aufgestellt und der Saft tropfte dunkelbraun durch eine Gardine in die rote Plastikwanne.

 

Die Maintalerin Ruth Heinemann entdeckte 1998 ein einem Ufo-Modell ähnelnde Keramik-Gefäß im tiefsten Keller des Hauses Alt Wachenbuchen 4 und bat die Frankfurter Rundschau um Hilfe bei der Identifikation gebeten. Das Gefäß sieht eher modern aus: Unten bauchig rund, seitlich umlaufend ein dicker Wulst, ab da nach oben konisch mit einer Vertiefung als Abschluß, darüber ein griffartiger Steg mit Rille an der Unterseite; das ganze rundum fest verschlossen bis auf ein winziges Loch auf der Schräge, in das gerade mal ein Bleistift paßt. Ein Schwimmer oder hängendes Gegengewicht, nach Bedarf mit Wasser zu füllen und entsprechend zu justieren, jedenfalls ein technisches Gerät. Die Aufhängung am Steg weist darauf hin, daß es auf Zug von Oben gedacht ist, und nicht auf Druck. Man geht in eine Werkhalle und läßt Wasser in ein Becken. Und siehe da, das Gefäß schwimmt geradezu elegant, exakt nur zur Hälfte bis zum Wulst eingetaucht. Ein Pegelbewacher, hängend verbunden mit einem Ventil oder Schieber, etwa im Großtank eines chemischen Betriebes oder in einer Apfelwein-Kelter?

 

Beim vom Arbeitskreises Streuobst ins Leben gerufenen Tag des Obstbaumes im Jahr 2000 gab es  großen Andrang. Im Vereinsheim des Tennisclubs in Bischofsheim gab es eine Fotoausstellung zum Thema Streuobstwiese (Fotos von Dominic Menzler und Klaus Griese) und einen einführenden Vortrags von H. Zeh, Fachwart des Kreis-Obst- und Gartenbauverbandes. Anschließend gaben die Mitglieder des Arbeitskreises über 150 junge Obstbäume an die Besitzer Maintaler Streuobstwiesen für nur 25 Mark pro Baum inklusive Pflanzpfahl, Drahthose und Kokos-Seil ab. Besonders begehrt waren einmal mehr die - von den Bürgern vorab bestellten - alten heimischen Obstsorten wie zum Beispiel Schafsnase, Bohnapfel, Kaiser Wilhelm und Minister von Hammerstein.

Daß dieses Jahr nahezu dreimal mehr Bäume als im vergangenen Jahr abgegeben werden konnten, ist ein eindrucksvoller Beleg für das geänderte Bewußtsein der Streuobstwiesenbesitzer. Die gesamte Pflanzaktion ist neben dem Engagement der Arbeitskreismitglieder ganz wesentlich, aber der finanziellen Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zu verdanken.

 

Die Mittelstands‑ und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT), Stadtverband Maintal, setzte mit einem Besuch im September 2001 die Reihe der Betriebsbesichtigungen fort, die vom CDU‑Ortsverband Dörnigheim initiiert worden war. Sehr fachkundig und engagiert führte der hessenweit bekannte Betriebsinhaber und Keltermeister Jörg Stier durch den Keller mit seinen Edelstahl‑Lagertanks und zur modernen Kelter, die pneumatisch und sehr schonend arbeitet. Alle Keltereiprodukte dieses Bischofheimer Betriebes kommen ohne zusätzliche Konservierung aus. Sie sind deshalb auch nicht unbeschränkt haltbar. Vergleichbar mit dem deutschen Wein kommt im Kellerkonzept dieses kleineren aber feinen Betriebes das Ausgangsprodukt und der Jahrgang zur Geltung.

 

Unter dem Motto „Äpfli braucht Hilfe“ erlebten die Mädchen und Jungen des Kinderzentrums Schillerstraße in Bischofsheim im August 2002 ein interessantes Klappmaultheater. Der Arbeitskreis Streuobst Maintal und der Landschaftspflegeverband bemühen sich seit Jahren um die Streuobstwiesen in Maintal. Besonders im Vordergrund steht hierbei die Arbeit mit Kindern, die schon früh an das Thema heran geführt werden sollen. In diesem Rahmen wurde das Naturschutztheater Hessen eingeladen, sein „Apfeltheater“ aufzuführen.

Gespannt und interessiert verfolgten die Kinder das Schicksal eines alten Baumes, der gefällt werden soll, sowie des Apfels „Äpfli“ und dessen Freunden der Maus, der Raupe und der Eule. Gemeinsam mit den Kindern versuchen „Äpfli“ und seine Freunde, den Baum zu retten. Die Kinder nehmen aktiv am Theater teil, indem „Äpfli“ und seine Freunde mit ihnen sprechen und auch Fragen zur Natur stellen. Die Höhepunkte des Theaters sind das Apfelbaumfest und der geheimnisvolle Kraftzauber der Eule und Kinder. Durch diesen Zauber erblüht der Baum zu neuem Leben und ist nunmehr gerettet. Auf witzige und spannende Weise erfahren die Kinder, warum die Natur ‑ insbesondere die Streuobstwiesen ‑ für Mensch und Tier so wichtig sind.

Seit nun mehr drei Jahren führt der Landschaftspflegeverband derartige Projekt in Kindertagesstätten, Kindergärten und Kinderhorten durch. Der Sinn hierbei ist, Kinder und Jugendliche möglichst früh an das Thema heran zu führen und eine Bindung zur Natur herzustellen, so Barbara Fiselius vom Landschaftspflegeverband Main-Kinzig‑Kreis. Die Nachfrage sei groß, doch wegen des zeitlichen und finanziellen Aufwands kann man nicht jeder Bitte nachkommen, so Fiselius weiter.

Auch der Arbeitskreis Streuobst Maintal engagiert sich für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und sucht neue, moderne Wege, ihnen das Thema schmackhaft zu machen. Seit 1996 arbeiten Behörden und ehrenamtliche Mitarbeiter im Arbeitskreis und befassen sich mit Biotop‑Sanierungen, Vorkommen bestimmter Tierarten (wie zum Beispiel des Steinkauzes) und schließlich den Streuobstwiesen. Für den Herbst sind ein Fest und diverse Kurse wie Pflanzenveredelung und Schnitt am eigenen Baum geplant.

 

Vor allem aber könnte er leicht vergessen, daß doch eine der wichtigsten Eigenschaften von Zucker dessen Vergärbarkeit zu Alkohol darstellt. Das haben einige Schüler der Albert-Ein­stein- Schule in Bischofsheim im Oktober 2005 eindrucksvoll dargestellt, indem sie ihren eigenen Apfelwein gekeltert haben. Der Grundkurs Chemie der Albert-Einstein-Schule Maintal arbeitete in den vergangenen Wochen an einem Projekt, das den Schülern die Verwendung des Zuckers in Äpfeln aufzeigte. Sie kelterten Apfelwein.

Zunächst füllten die Schüler über einen Zentner Apfel von Hand in einen Muser und dann vom Muser in eine Handpresse. Dabei entstanden etwa 40 Liter Most. Zufriedenstellende 60 Grad Oechsle stellte Julian anschließend mit der Oechslewaage fest. Trotz der spärlichen Apfelernte ließ sich die Qualität sehen. Der Alkoholgehalt betrug am Ende etwa 7,6 Volumenprozent.

Inzwischen hatten Mirko und Jonas den Säuregehalt des Mostes mit Natronlauge titriert. Eine schwierige Aufgabe, denn ist der Säuregehalt zu niedrig, dann kippt der Apfelwein später um, ist zu viel Säure im Getränk, ist es nicht mehr genießbar. Der Most besitzt etwa acht Gramm Säure pro Liter. Auch wenn sich bei der Gärung noch zwei Gramm abbauen, ist dies genug. Der enthaltene Zucker wird mit den Methoden nach Fehling und Tollens nachgewiesen, was jede Gruppe selbst durchführte.

Nach den chemischen Analysen wurde der Most auf die Gärgefäße aufgeteilt, die Gruppen behandeln das Produkt unterschiedlich: im ersten Pott blieb der Most unbehandelt, im zweiten Fäßchen wurde er mit Reinzuchthefe versetzt, und im dritten Gefäß kamen 250 Gramm Zucker dazu. Die Oechslegrade stiegen auf 96, der Alkoholgehalt wird dann entsprechend höher sein.

Nachdem Samir die Gärspunde vorbereite hatte, wurde der Most in die Fässer gefüllt. Nun hieß es abwarten. Eine vierte Gruppe füllte zum Most noch ein Hütchen voll Whisky - das sollte den Geschmack letztlich wesentlich beeinflussen. Vier Schulstunden Arbeit investierten die Einsteinschüler für 40 Liter handgekelterten Apfelwein. Eine kleine Dorfkelterei mit Packpresse schafft das Zwanzigfache und eine Großkelterei 60 bis 70 Hektoliter in einer einzigen Stunde.

Außer Kreuzschmerzen vom Bücken und Heben und schmutzigen Händen brachte dieses Projekt Abwechslung in den Schulalltag. Die Chemie ist nicht immer nur theoretischer Ballast, sondern spielt auch in alltäglichen Leben eine bedeutende Rolle Auch wenn sich viele dessen nicht unbedingt immer bewußt sind.

 

Unter dem Vorwand der Anpassung an EU-Recht und der Verwaltungsvereinfachung beabsichtigt das Land Hessen massive Einschnitte beim Naturschutz. Darauf weist jetzt die Wahlalternative Maintal - Soziale Gerechtigkeit (WAM) hin. Gefährdet wären in Maintal besonders die Streuobstwiesen und die Grüne Mitte. Um dem entgegen zu wirken, will die Fraktion in der kommenden Sitzung des Stadtparlaments am 3. Juli 2006 einen entsprechenden Antrag stellen.

Am 10. Mai hatte die Hessische Landesregierung den Entwurf einer Novelle des Hessischen Naturschutzgesetzes (HENatG) in den Landtag eingebracht, der dort schon sechs Tage später in einer ersten Lesung vorgestellt wurde: Dieser Entwurf sieht extrem drastische Verschlechterungen beim Naturschutz vor, so die WAM in ihrer Stellungnahme.

In Maintal wären davon besonders die Streuobstwiesen und die Grüne Mitte betroffen. Zum einen wolle die CDU-Landesregierung sämtliche landesspezifischen Schutzstandards abschaffen. Dazu zählten die für Hessens „Nationalgetränk” Appelwoi bedeutungsvollen Streuobstwiesen. Aber auch andere landestypische Biotope wie Alleen und Ufergehölze verlören ihren derzeitigen Schutz. Der Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Beispiel bewertet das Vorgehen der Landesregierung nicht nur als einen Versuch, den Naturschutz nachhaltig gegenüber anderen Rechtsbereichen zu schwächen, sondern als „Frontalangriff auf das Naturschutzanliegen selbst”. Der BUND fordert deshalb Wiesbaden auf, diesen Entwurf zurück zu ziehen.

Was unter Federführung des Ministers Dietzel „ausgeheckt wurde”, lese sich wie ein „Gruselkatalog”. So kritisieren Naturschutzverbände, daß die Groß-Landschaftsschutzgebiete abgeschafft, die Schutzgebietsfläche drastisch verringert werden und in den verbleibenden Gebieten dann ein geringeres Schutzniveau gelten solle. Darüber hinaus sollen hoheitliche Pflichten zur Sicherstellung des Naturschutzes abgeschafft und die gesetzliche Ahndungspflicht bei nachgewiesenen Gesetzesverstößen gestrichen werden. Die Regelungen zu Ausgleichmaßnahmen sollen heruntergefahren werden. Eine Reduzierung der ehrenamtlichen Mitwirkung ist beabsichtigt.

„Der gesamte Entwurf der Landesregierung bleibt in vielen, wesentlichen Punkten weit Mater Bundes- und EU-Recht zurück”, so die WAM in ihrer Erklärung. Um diesen „Kahlschlag” in Sachen Umwelt und Natur zu verhindern, hat die WAM-Fraktion zur nächsten Parlamentssitzung einen Antrag eingebracht, der die Ablehnung des Entwurfs durch die Stadt Maintal vorsieht. Des Weiteren soll die Stadt Maintal beim Hessischen Städte- und Gemeindebund und anderen Gremien aktiv werden mit dem Ziel, daß dieser unrühmliche Gesetzesentwurf verhindert wird.

Auch der Arbeitskreis Streuobst in Maintal, der seit 1997 besteht, überhaupt nicht einverstanden. In einem offenen Brief an alle Fraktionen, die im Hessischen Landtag vertreten sind, protestieren die Mitglieder: „Mit Entsetzen haben wir zur Kenntnis genommen, daß in den vorliegenden Entwurf zur Änderung des HENatG die Streuobstwiesen aus dem Katalog der gesetzlich geschützten Biotope gestrichen werden sollen”, heißt es in dem Protestbrief. Streuobstwiesen gehörten zum typischen Landschaftsbestand Hessens, über die daraus gewonnenen Produkte erlangten die Bestände kulturprägende und regionale Bedeutung. Gerade „in Maintal sind seit einigen Jahren die Streuobstwiesenbestände als bestimmender Faktor für das Image der Stadt erkannt und entwickelt worden”, heißt es in dem Brief weiter. Außerdem dürfe die ökonomische Bedeutung für die heimische Wirtschaft, hier vor allem die Keltereien Höhl und Stier, nicht unterschätzt werden.

„Die beabsichtigte Gesetzesänderung wird zur Folge haben, daß Sponsoren die für Schutz- und Pflegemaßnahmen dringend benötigten finanziellen Mittel erheblich kürzen werden.” Viele der bislang vorgenommenen Pflege- und Hegemaßnahmen an den Streuobstbeständen, wie beispielsweise Neupflanzungen, Baumschnitt oder Unterwuchspflege, hätte der Arbeitskreis Streuobst Maintal nur dank der finanziellen Unterstützung von großzügigen Spendern und Sponsoren bewerkstelligen können. Sollte die Gesetzesänderung, wie von der Hessischen Landesregierung geplant, über die Bühne gehen, werde die „ehrenamtliche Arbeit vieler Bürger und Bürgerinnen in vergleichbaren Arbeitskreisen und anderen Natur- und Umweltschutz­verbänden entwertet”.

Darüber hinaus hätte die von der Landesregierung beabsichtigte Streichung der Streuobstwiesen aus dem Katalog der geschützten Biotope weitreichende Folgen. „Die allgemeinen Schutz­vorschriften des Naturschutzrechts sind nicht ausreichend, um die Streuobstwiesenbestände als einmaligen Biotop und unvergleichlichen Lebensraum mit seiner genetischen Vielfalt hinreichend und effizient zu schützen”, mahnt der Arbeitskreis in seinem Schreiben abschließend und fordert die Landtagsabgeordneten aller Fraktionen auf, die Gesetzesänderung noch einmal zu bedenken. Ähnliches soll auch eine Protestnote bewirken, über die die Maintaler Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich in ihrer nächsten Sitzung nach der Sommerpause diskutieren wird.

Der BUND zum Beispiel bewertet das Vorgehen der Landesregierung „nicht nur als einen Versuch, den Naturschutz nachhaltig gegenüber anderen Rechtsbereichen zu schwächen, sondern als Frontalangriff auf das Naturschutzanliegen selbst”. Nach der jahrelangen schrittweisen Verschlechterung gehe Wiesbaden nun zur „Totalverstümmelung des Naturschutzes” über. Der BUND fordert deshalb die Regierung auf, diesen Entwurf zurückzuziehen.

 

Ein Erlaß bedroht nach Einschätzung der Grünen im Oktober 2007 viele Streuobstwiesen in Hessen. Mehr als die Hälfte des Obstbaumbestandes verliere nach der neuen Regelung den gesetzlichen Schutz, erklärte die Landtagsabgeordnete Ursula Hammann gestern in Wiesbaden. Nach dem Erlaß dürften Bäume mit einer Stammhöhe bis zu 1,80 Metern ohne Genehmigung gefällt werden. Bisher habe das nur für Bäume bis zu einer Stammhöhe von 1,60 Metern gegolten. Sie forderte Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) auf, den Erlaß umgehend zurückzuziehen.

Das Umweltministerium wies die Kritik zurück. Der Erlaß präzisiere nur ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Streuobstwiesen und Obstplantagen. „Daraus einen erneuten Angriff auf Streuobstwiesen zu konstruieren, finde ich befremdlich”, sagte ein Ministeriumssprecher. Auf Streuobstwiesen stehen vor allem so genannte Hochstämme. In Obstplantagen werden dagegen kleine Bäume angepflanzt, die ohne Leitern abgeerntet werden können, und die meist schon nach zehn bis 15 Jahren ihre Ertragskraft verlieren und gerodet werden. Hochstämme werden viel älter und tragen erst nach etwa zehn Jahren.

Das Ministerium hat nach Darstellung des Sprechers mit dem Erlaß vom 2. August eine Definition der angesehenen Forschungsgesellschaft Landentwicklung und Landschaftsbau aufgegriffen. Für den Schutz von Streuobstwiesen gälten noch andere Kriterien, darunter die Größe der Fläche, die angebauten Obstsorten und eine extensive Bewirtschaftung, sagte der Ministeriumssprecher. Der Facherlass zur Höhe der Stämme solle helfen, Streitfälle zu schlichten.

Kritik an dem Erlaß kam aber auch von der Wiesbadener Umweltdezernentin Rita Thies (Grüne). Sie befürchte ebenfalls, daß Obstbaumbestände verstärkt ausgedünnt werden könnten. Zu den ökologisch wichtigen Altbeständen gehörten oft große Bäume. Die Landtagsabgeordnete Hammann stieß sich auch daran, daß die Stammhöhe ein entscheidendes Kriterium sein soll. Sie bemängelte, der Erlaß unterlaufe die Zielsetzung des neuen hessischen Naturschutzgesetzes zum Schutz der Streuobstwiesen.

Lob an dem Gesetz und seiner Handhabung gab es vom Verband der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien. Es erleichtere die nötige Verjüngung der Baumbestände, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Johanna Höhl. Das sei wichtig für den Ertrag. Die hessischen Apfelweinkeltereien seien schließlich auf die Streuobstwiesen angewiesen. Die dort wachsenden alten Sorten seien der Rohstoff für den typischen hessischen Apfelwein. Die Keltereien böten den entscheidenden wirtschaftlichen Anreiz, die Streuobstwiesen auch kontinuierlich zu pflegen. Das sei sehr aufwendig: So müßten die Wiesen zweimal im Jahr gemäht und die Bäume regelmäßig geschnitten werden.

 

Eine besondere Beziehung zum Apfel haben so genannte Pomologen. Die Apfel-Kenner - darunter Dr. Werner Schuricht - sind im September 2006 in den Maintaler Streuobstwiesen unterwegs und bestimmen die dortigen Sorten. Sie haben wohlklingende und zugleich merkwürdige Namen wie Schafsnase, Rubinette, Adersleber, Hochstädter Bischofsmütze oder Roter Trierer. Ihre Form ist für den Laien meist rund oder oval, doch der Kenner entdeckt gewaltige Unterschiede. Da wird nicht nur die Form betrachtet, sondern auch Farbe, Größe, Stil, Kelch und natürlich die Blätter. Die Rede ist von den Äpfeln. Allerdings nicht von den südländischen aus dem Supermarkt, sondern von jenen der Streuobstwiesen in Maintal. Diese sind meist nicht so groß, oft auch nicht wirklich zum Essen geeignet, wie der Apfel aus dem Supermarkt. Dafür werden sie aber gerne zum Keltern verwendet.

Wenn Dr. Werner Schuricht die Streuobstwiesen Maintals von Baum zu Baum abwandert, besteht seine Aufgabe darin, die jeweiligen Obstsorten zu bestimmen. Dabei nimmt der Kenner nicht nur Apfelbäume, sondern auch Birnen-, Pflaumen-, Kirsch-, Speierling- und Walnußbäume unter die Lupe. „Wir schätzen das Alter der Bäume anhand von Stammumfang, Kronenhöhe und der Sorte. Außerdem achten wir auf den Pflegezustand”, so Schuricht. Natürlich ist gerade die Sorte der Bäume von großem Interesse. „Viele Früchte kennen wir bereits, besonders interessant wird es immer, wenn wir nicht wissen, worum es sich handelt”, erklärt der Pomologe.

Betrachtet werden Farbe, Größe, Form, Stil, Kelch und Blätter der Früchte. Die nicht bestimmbaren Obstbäume werden mit einem numerierten Alu-Plättchen markiert, danach werden zwei bis drei Fruchtproben mitgenommen. „Wir setzen uns dann später alle noch einmal zusammen, um gemeinsam die unbekannten Obstarten zu bestimmen”, so Schuricht. Protokolliert wurden gestern alle Daten vom freiwilligen Helfer Andreas Zeder vom OGV Kilianstädten.

Insgesamt untersuchen die Pomologen in den Maintaler Streuobstwiesen etwa 2000 Bäume. Gestern war Halbzeit angesagt. Von den bisher 1000 untersuchten Bäumen gibt es etwa 80, die markiert wurden. Sinn der Obstuntersuchung ist die Erhaltung einiger Sorten. Der Arbeitskreis Landschaftspflegeverband (LPV) Main-Kinzig vermutete so manche rare Apfelsorte in den Maintaler Streuobstwiesen und wurde bestätigt. Nicht nur die Hochstädter Bischofsmütze, sondern auch die Schafsnase wurden entdeckt. Systematisch wird nun die zahlen- und sortenmäßige Zusammensetzung des Obstbestandes erfaßt, darunter auch die bisher unentdeckten Schätze.     

Dr. Dieter Fritz aus Bischofsheim sagte im Februar 2008: „Wir haben keine übertriebenen Erwartungen“. Es ist schon ein kleines Erfolgserlebnis, die Grundstückseigentümer von Streuobstwiesen für Pflege und Erhalt zu motivieren. Nostalgisch wird es, wenn beim jährlichen Streuobstwiesenfest die Besucher gemütlich am Schützenhäuschen in Hochstadt beisammensitzen, den Blick auf die Frankfurter Skyline genießen und sich mit leckeren apfeligen Produkten stärken. Schon in der Schilderung des beliebten Ereignisses kann Dieter Fritz seine Begeisterung nicht verbergen.

Nachhaltige Wirkung für den dauerhaften Erhalt der Streuobstwiesen verspricht sich der Arbeitskreis auch vom Tag des Obstbaums im November. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Fraport und die Zoologische Gesellschaft können junge hochstämmige Obstbäume zu günstigen Konditionen abgegeben werden ‑ ein Anreiz nachzupflanzen und damit auch die genetische Vielfalt zu sichern.

Mit Stolz erzählt Fritz, daß eine Obstbaumkartierung das erfreuliche Ergebnis hervorbrachte, daß einige Sorten wie der Edelborsdorfer oder Lord Suffield, die längst als ausgestorben galten, in Hochstädter Erde wurzeln. Ihr Standort wird jedoch streng geheimgehalten. So mancher Grundstückseigentümer stand schon mit Tränen in den Augen vor seinen in fast kahlen Bäumchen, sind doch die Äste zur Veredelung begehrtes Raubwerk. So ein Bäumchen will jedoch auch gehegt und gepflegt werden. Erhält es keine Aufmerksamkeit, teilt es ein beinahe menschliches Schicksal und vergreist. Dabei hat es unter günstigen Bedingungen die Aussicht, gut und gerne 70 bis 80 Jahre in Saft und Kraft zu stehen.

Hinzu kommt, daß sich ohne regelmäßige Mahd der Wald zurückholt, was ihm einst mühsam abgerungen wurde. Der Unterwuchs verwildert, die Streuobstwiesen beginnen zu verbuschen. Nach 20 bis 30 Jahren erstreckt sich über die einstige Streuobstwiese dann wieder Mischwald. Eine praktikable Lösung sind biologische „Mähmaschinen“ wie Schafe. „Die Schafbeweidung ist allerdings problematisch“, weiß der Bischofsheimer aus Erfahrung. Weil der Schäfer mit seiner Herde recht zügig über die Wiesen zieht, knabbern die Vierbeiner lieber am zarten Grün und lassen die holzigen Triebe stehen.

Die Existenz insbesondere der Maintaler Streuobstwiesen ist außerdem durch einen weiteren noch nicht identifizierten Feind bedroht: Die Apfelbaumkrankheit. Trotz intensiver Nachforschungen konnte bisher noch keine Ursache ermittelt werden. Zudem wird nach dem Ausschlußprinzip ermittelt ‑ ein zeitraubendes Verfahren.

 Mit dem Projekt „Ich schenk dir meine Geschichte“ und Führungen durch die Streuobstwiesen erleben auch Kinder und Jugendliche unmittelbar die Faszination der Streuobstwiese und werden für den Schutz dieser Biotope sensibilisiert.

Wie bereichernd der Erhalt der Streuobstwiesen ist, wird schnell offenkundig, wem man den Erzählungen eines Freunds dieses Naturidylls lauscht. „Die Streuobstwiese ist einfach klasse. Sie übt einen ganz besonderen Reiz und Charme aus“, verhehl Fritz seine Begeisterung nicht. Die Streuobstwiese sei für ihn ein Stück Heimat, ein Stück Identität, schlage eine Brücke zu seinen bäuerlichen Wurzeln.

Ein verklärter Ausdruck schleicht sie auf sein Gesicht, als er erzählt, wie er früher mit dem Großvater zur Kirschenernte fuhr, die Körbe lustig am Fahrradlenker schlenkerten. Regelmäßig fährt er auch heute noch in dem Rad in die Streuobstwiesen und kümmert sich um seine etwa 140 hochstämmigen Obstbäume, um im Herbst mit Genuß in den sauren Apfel zu beißen.

 

In der Zeit von Mitte April bis Ende Juni 2008 findet in den Maintaler Streuobstwiesen eine wissenschaftliche Untersuchung statt. Wie Freia Klinkert-Reuschling vom Fachdienst Umwelt der Stadt Maintal berichtet, wird das gesamte Gebiet kartographisch erfaßt und zudem werden die Bäume nach ökologischen Kriterien beurteilt. Durchgeführt wird die Kartierung der Maintaler Streuobstwiesen vom Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Justus-Liebig Universität Gießen. Bianka Zelle, Diplomandin des Instituts, sammelt bei dem gemeinsamen Projekt der Universität mit dem Maintaler Arbeitskreis Streuobst in den nächsten Wochen Material für ihre Diplomarbeit. Bei der Kartierung handelt es sich um die Folgekartierung einer Studie, die bereits 1996 in Maintal durchgeführt wurde. Es soll dabei dokumentiert werden, wie die Pflegemaßnahmen der vergangenen zehn Jahre sich auf die Baumbestände der Streuobstwiesen ausgewirkt haben. Die Kartierung findet auf den Flächen Bischofsheimer Hang, Apfelgrund, Weidenkaute und Distelberg statt.

 

Im November 2008 fand der „Erste Maintaler Apfelmarkt“ statt.  Im Hof der Familie Fritz in Alt Bischofsheim 19  konnten  nicht nur die beim Arbeitskreis Streuobst Maintal bestellten Obstbäume ab 9.30 Uhr abgeholt werden, gleichzeitig bieten Maintaler Streuobstwiesenbesitzer auch die verschiedensten, rein biologisch erzeugten Apfelsorten im Rahmen des „Ersten Maintaler Apfelmarktes“ zum Kauf an. Goldparmäne, Goldrenette von Blenheim, Freiherr von Berlepsch, Rote Sternrenette, Kaiser Wilhelm, Landsberger, Ingrid Marie und viele andere mehr - Sortennamen, die man bislang nur vom Hörensagen gekannt hat. Jetzt besteht die einmalige Gelegenheit, diese Köstlichkeiten auch sinnlich zu erfahren, zu probieren und natürlich auch käuflich zu erwerben. Wer mit den unbehandelten und ungespritzten wundervollen Apfelsorten aus den Streuobstwiesen rund um Maintal Gesundheit pur einkaufen, gleichzeitig zum Erhalt der heimischen Natur beitragen und außer Äpfeln vielleicht auch noch leckere Nüsse, reinen Imkerhonig und andere Apfelspezialitäten erwerben möchte, sollte sich den „Ersten Maintaler Apfelmarkt“ unbedingt ansehen.

Und der Besucherstrom wollte nicht abreißen. Alle Erwartungen wurden locker übertroffen. „Wir waren schon eine Stunde vor dem offiziellen Ende des Markts restlos ausverkauft, so daß mancher Kunde enttäuscht und mit leeren Tüten den Hof verlassen mußte“, beschreibt Horst Koch, AK-Mitglied, die Situation am Samstag zur Mittagszeit. „Der Markt hat eindrucksvoll den Wunsch der Menschen nach biologisch erzeugtem Obst aus der Region widergespiegelt und damit aufgezeigt, daß die Äpfel aus heimischen Streuobstwiesen eine hohe Genußqualität besitzen und zum Keltern vielfach zu schade sind“, so Dr. Dieter Fritz zum Tagesanzeiger.

„Goldparmäne vom Berger Hang oder von der Hochstädter Hartig statt Braeburn aus Neuseeland. Wir werden versuchen, den Apfelmarkt zu einer festen Einrichtung in Maintal zu entwickeln“, kündigt der Bischofsheimer an, „sofern es auch in den kommenden Jahren zu guten Ernten kommen wird.“ An ausreichend jungen und ertragsfähigen Obstbäumen werde es in den Streuobstwiesen aber nicht mangeln. Immerhin hat der Arbeitskreis allein am vergangenen Samstag - zeitgleich mit dem Apfelmarkt - über 170 junge, hochstämmige Obstbäume an Maintaler Streuobstwiesenbesitzer abgegeben.

 

Es ist im Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße in Bischofsheim schon zu einer schönen Tradition geworden, im Herbst gemeinsam mit den Kindern heimische Äpfel zu frischem Saft zu keltern. So auch im Jahr 2012: Aus Äpfeln, die die Mädchen und Jungen Tags zuvor in den Streuobstwiesen gesammelt hatten, stellten sie zusammen mit den Erzieherinnen in reiner Handarbeit frischen Apfelsaft   her..

Nachdem die Apfelpresse und die Wanne für die Äpfel aufgestellt und alles vorbereitet worden war, erklärte Scharping die einzelnen Arbeitsschritte und beantwortete die Fragen der Kinder. In einer Wanne wurden die Äpfel dann vor dem Pressen noch gewaschen. Anschließend warfen die Kinder die Früchte in den Trichter der Häckselmaschine. Damit das Zerkleinern etwas leichter ging, wurden die Äpfel vorher in kleine Stücke geschnitten und die Masse in die große Apfelpresse geschichtet. Jedes Kind durfte mit pressen. Als dann aus dem Ausguß der Saft floß, waren die Kleinen begeistert. Erstaunt betrachteten sie die ausgequetschte Masse, welche beim Saftpressen übrigblieb. Zum Abschluß gab es für jedes Kind einen Becher vom frisch gepreßten Apfelsaft. Der restliche Saft wurde zu leckerem Apfel-Zimt-Gelee weiter verarbeitet.

Das Keltern der Äpfel ist für kleine und große Menschen immer ein ganz besonderes Erlebnis, weil nach der mühevollen Arbeit beim Schütteln der Bäume, dem Lesen des Obsts, dem Transport, dem Waschen und Mahlen der Äpfel erst nach dem abschließenden Pressen der frische trübe Saft genossen werden kann. Und wieder einmal stellten alle fest: Der Geschmack ist mit gekauftem, konserviertem Saft nicht zu vergleichen! „Für die Kinder war es wieder ein sehr spannender Vormittag, an dem sie eine Vorstellung davon bekamen, wie aus Äpfeln Saft hergestellt wird“, berichtet Erzieherin Bianca Holzwarth.

Ziel des Projekts „Modellregion Integration - Vereine und neue Partnerschaften“ ist es, Menschen mit Migrationshintergrund den Zugang zu Vereinen und Verbänden zu erleichtern. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Kindern und den Einrichtungen im Stadtteil Bischofsheim. So waren Gruppen aus dem Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße auch schon im Frühjahr auf der Streuobstwiese aktiv, als es galt, einen so genannten „Totholzhaufen“ zum Schutz der kleinen Bewohner der Wiesen zu errichten.

Obwohl in Maintal die „Modellregion Integration“ im Dezember endet, wünschen sich die Kinder und Erwachsenen des Familienzentrums Schillerstraße, daß es auch zukünftig Möglichkeiten gibt, lehrreiche, naturnahe und spannende Projekte zu gestalten. Zuerst einmal sagen die Kinder und das gesamte Team vom Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße Martin Scharping „Dankeschön“ für die Unterstützung bei der Apfelsaftherstellung.

 

Bei den Kindern des „Regenbogenhauses“ des SC Budokan drehte sich im  November 2013  alles um das Thema „Apfel“. Zusammen mit den Betreuern haben sie bunte Äpfel gebastelt und mit frisch gebackenem Apfelkuchen für das leibliche Wohl gesorgt. Das große Highlight war für die „Regenbogenkids“ der Ausflug zum Lohrberg, an dem es eine Kelterei gibt. Dort haben sie im Einzelnen erfahren, wie sie ihren eigenen Saft herstellen können, durften das Ganze auch gleich ausprobieren, haben Äpfel zusammengesucht und ihren ersten Most gemacht. Für jeden gab es eine volle Flasche, die man sich nach Hause mitnehmen durfte. Mit einem großen Topf voller Schokolade, in den die Kinder selbst zusammengestellte Obstspieße tunkten, endeten schließlich die Herbstferien.

 

 

Arbeitskreis Streuobstwiesen Maintal

 

Gründung:

In den vergangenen Jahren hat der Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig e.V. mit Unterstützung des Landes Hessen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Streuobstbeständen vorgenommen. Außerdem wurden in erheblichem Umfang Nachpflanzungen vorgenommen. Diesen Anschub auf dem Weg zur langfristigen Erhaltung und Entwicklung des für die gesamte Region bedeutsame Streuobstwiesenbestandes aufgreifend hat sich im Juli 1997 auf Initiative der Stadt Maintal der „Arbeitskreis Streuobst“ gebildet.

Anfang Juli 1997 trafen sich Ver­treter von ortsansässigen Obst‑ und Gartenbauver­einen, Land­wirte, Naturschützer und Behörden, um Möglichkeiten einer langfristigen Sicherung und Nutzung der Maintaler Streuobstwiesen zu erörtern und die damit verbundenen Probleme zu diskutie­ren. Im Rahmen eines regen Meinungsaustausches war man sich darüber einig, daß die von der Stadt und dem Landschaftspflegeverband bisher er­brachten Leistungen eine wichtige Grundlage für die Erhaltung der Streuobstwiesen darstellt, daß dies langfristig jedoch nur durch eine nachhaltige Initiative beziehungsweise Nutzung der Streuobst­wiesengrundstücke gewährleistet werden kann.

Der Arbeitskreis besteht bislang aus Vertretern der Stadt Maintal,  des Landschaftpflegeverbandes Main‑Kinzig e. V., der örtlichen Landwirtschaft, der ortsansässigen Keltereien Höhl und Stier, der Obst‑ und Gartenbauvereine Hochstadt und Bischofsheim. der Imker, der Vogelschutzwarte Maintal, des LIONS‑Club Maintal und der Grundeigentümer. Die Bildung des Arbeitskreises ist jedoch keineswegs abgeschlossen. Es steht den Bürgerinnen und Bürgern offen, die sich für den Erhalt der Streuobstwiesen engagieren wollen und zu konstruktiver Mitarbeit bereit sind.

Der Maintaler Arbeitskreis Streuobst ist kreisweit nach Nidderau und Schlüchtern der dritte. Aufgabengebiet des Arbeitskreises sei unter anderem, darüber nachzudenken, wie man den Ap­fel als das wichtigste Produkt der Streuobstwiesen wieder besser in die regionalen Wirtschaftskreis­läufe einbinden kann.

Ziele:

Ziel des Arbeitskreises ist die Gewährleistung einer kontinuierlichen, beständigen und dauerhaften Pflege der Obstbäume und des Unterwuchses und damit der Erhalt der Streuobstwiesen in Maintal.

Dazu bedarf es

  • des regelmäßigen und fachgerechten Schnittes und weiterer Pflanzenschutzmaßnahmen
  • der Pflege des Unterwuchses durch termingerechte Beweidung oder Mahd
  • der Durchführung von Ernteaktionen im Herbst durch die Jugendfeuerwehr
  • des Schutzes vor Obstdiebstahl
  • neuer Vermarktungsstrategien, betreffend die Verwertung des heimischen Obstes
  • der Information der Bevölkerung über die ökologische und ökonomische Bedeutung der Streuobstwiesen für die Region.
  • Unsere umweltpädagogische Fachkraft begeistert auch die Kleinsten für den Lebensraum Streuobstwiese
  • Unsere Blüten- und Kräuterwanderungen öffnen den Blick für die Schönheit und den vergessenen Nutzen der Natur vor unserer Haustür
  • Unsere Schnitt- und Okulierkurse hauchen alten Bäumen neues Leben ein.
  • und unsere pomologischen Vorträge lehren, welche Obstsorten auf der eigenen Wiese stehen

Arbeitskreis klingt nach Arbeit und tatsächlich, wir packen an, wo es nötig ist. Der Lohn ist vielfältig: Wenn man sieht, wie die jungen Bäume Jahr für Jahr wachsen, die man an einem trüb-kalten Novembermorgen gepflanzt hat, wie alte Bäume nach fachmännischem Schnitt wieder erstarken, wie Wiese und Bäume leben, dann freut man sich das ganze Jahr über an der Streuobstwiese.

Zu den regelmäßigen Treffen sind alle eingeladen, die sich für den Erhalt dieser einzigartigen Landschaft einsetzen: Streuobstwiesenbesitzer, Landwirte, Schäfer, Imker, Pomologen, Vogelfreunde, Kräuterhexen, Fledermausfreunde, Naturliebhaber, Keltermeister, und, und, und ...Am alljährlichen Tag des Obstbaumes im November werden traditionell bewährte hochstämmige Obstsorten kostengünstig abgegeben

 

Private Nutzung:

Der langfristige Erhalt der Streuobstwiesen ist je­doch nur durch eine private Nutzung sichergestellt. In diesem Zusammenhang wurden von Seiten der Obst‑ und Gartenbauvereine sowie der Landwirte viele Probleme angesprochen, die derzeit die Nut­zung der Streuobstwiesen beeinträchtigen. Hierbei wurde insbesondere auf den teilweise in großem Umfang stattfindenden Obstdiebstahl hingewiesen, wobei nicht nur die Ernte den eigentlichen Eigentü­mern gestohlen wird, sondern darüber hinaus auch Bäume mutwillig zerstört werden.

Für den vollendeten Genuß sind Verunreinigungen jedoch zu vermeiden - etwa durch Hundekot. „Die Äpfel für das Stöffchen werden vom Boden gesammelt. Wenn dort Hundehaufen liegen, lassen sich die Rückstände nie gänzlich entfernen, und auch nach der Verrottung bleiben die Krankheitskeime im Boden“, appellieren Anika Hensel und Ralf Vandamme an das Verantwortungsbewußtsein der Hundebesitzer. Auch Stöckchen, die zum Spiel geworfen werden und in der Wiese verbleiben, können beim Mähen zu Schäden führen. Vom Baum sollten sie erst recht nicht abgebrochen werden, ebensowenig wie die Äpfel als Spielzeug dienen sollten.

Ein Ansatz, um die Nutzung des Obstes wieder interessant zu machen, besteht nach Auffassung al­ler Beteiligten in der Vermarktung des Obstes. Hier betreibt beispielsweise die Kelterei Stier aus Main­tal seit drei Jahren erfolgreich die Herstellung eines regionalen Produktes, des Maintaler Schlehenap­felweines. Dazu werden nur naturbelassene Äpfel aus Maintaler Streuobstwiesen verarbeitet. Die Anliefere erhalten einen höheren Preis für ihr Obst und ihre Bemühungen um die Landschaftspflege werden somit belohnt..

„Diese Maßnahmen der öffentlichen Hand können allerdings nur ein Anschub auf dem Weg zur langfristigen Erhaltung und Entwicklung des für die gesamte Re­gion bedeutsamen Streuobstwiesenbe­standes“, erklärt Arbeitskreis‑Sprecher Dieter Fritz im März 1998 die Aufgabenstellung. Erfor­derlich seien weitere Maßnahmen, die eine kontinuierliche, beständige und dauerhafte Pflege nicht nur der Obstbäume, sondern auch des Unterwuchses gewährleisteten.

Mit Gründung des Arbeitskreises Streuobst soll die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen, den Be­hörden und den privaten Eigentümern der Streu­obstwiesen zukünftig verbessert werden.

 

Was Sie tun können:

  • entdecken Sie den Lebens- und Erholungsraum Streuobstwiese!
  • genießen Sie das Obst und die daraus gewonnenen Produkte aus der Region
  • nutzen Sie unsere Schnitt- und Veredelungskurse
  • Sie besitzen selbst eine Streuobstwiese und können sich nicht um die Pflege kümmern? Sprechen Sie uns an - wir helfen Ihnen weiter!

 

Hätten Sie gedacht

…..daß hier das größte zusammenhängende Streuobstwiesengebiet Hessens liegt?

... daß hier um 1850 sage und schreibe 1.500 verschiedene Obstsorten kultiviert wurden?

... daß hier erst kürzlich seltene Fledermausarten entdeckt wurden?

Die Streuobstwiesen um Maintal sind tatsächlich ein naturräumliches Kleinod, wohl einzigartig in Hessen. Sie sind eingebettet in einen über 400 Hektar großen Streuobstgürtel , der auch das nördliche Frankfurt umschließt. Nicht nur die absolute Ausdehnung, auch die ökologische Qualität der Obstwiesen mit ihrer Vielzahl geschützter Pflanzen und Tiere ist herausragend.

Besondere Beachtung verdienen dabei die hohen Populationsdichten von Steinkauz und Gartenrotschwanz. Beide Vogelarten sind auch international als besonders schützenswert eingestuft. Nach jüngsten Erkenntnissen sind die Biotope aber auch äußerst bedeutsam für Fledermäuse wie die Bechstein-, Fransen-, und Zwergfledermaus sowie für den Großen Abendsegler.

Besondere Bedeutung als Kulturgut menschlichen Wirtschaftens erhalten die Streuobstwiesen durch ihre große Sortenvielfalt an Apfel-, Birnen- und anderen Obstsorten. Lange Erfahrungen und Zuchtarbeit führten zu regional angepaßten und auf die jeweiligen Bedürfnisse der bewirtschaftenden Menschen ausgerichteten Varietäten. Diese genetische Vielfalt spielt für die Bewahrung der wertvollen Lebensräume auch deshalb eine Rolle, weil für die Zukunft möglichst viele jener Sorten erhalten werden sollen, die sich auch ohne aufwendigen Chemieeinsatz gegen Witterungseinflüsse und Schädlinge durchsetzen können.

 

Veranstaltungen:

Der Information über weitere Maßnah­men zum Schutz und Erhalt der Streu­obstbestände dient auch die vorgesehene Busfahrt zur Rhöner Apfelmesse in Sei­ferts/Rhön am 23. Mai 1998. Zu dieser Fahrt sind alle interessierten Bürgerin­nen und Bürger eingeladen. Auf der Messe präsentieren sich unter an­derem zahlreiche Vermarktungsstände rund ums heimische Obst und Aussteller mit Zubehör für die Streuobstverarbei­tung. Die Messe verteilt sich im ganzen Dorf ‑ alle Scheunen öffnen ihre Tore für Aussteller ‑ die Straßen verwandeln sich in Erlebnispfade und Flaniermeilen, gesäumt von kulinarischen und handwerk­lichen Spezialitäten. Fachbehörden, der Pomologenverein (Obstbaukunde), der Naturschutzbund und die Rhöner Apfel­initiative bieten den Besuchern Beratung

Neben dem selbstverständlichen Rund­gang über die Messe werden für die Gruppe besondere Programmpunkte an­geboten. Von 10 bis 12 Uhr wird H. Zöll, Leiter des Rhöner Apfelbüros, fachkun­dig durch den Streuobstwiesen‑Lehrpfad führen. Außerdem besteht anschließend die Gelegenheit zum Besuch verschiede­ner Fachvorträge. Ein Vortrag beschäftigt sich mit dem „Lebensraum Streuobst“ ‑ und wird von dem NABU‑ Kreisverband Fulda verant­wortet. Ein weiter von der „AGRECO“ Witzenhausen zu haltender Vortrag be­handelt die „EU‑Bioverord­nung“, das „ARLL“ Fulda zeigt „Vorführungen in der Streuobstwiese“.

 

Am Samstag, 13. Februar 1999, führte der „Arbeitskreis Streuobst“ eine „Baumschnitt­aktion am eigenen Baum“ durch. „Das Unbehagen ‑ gar Angst ‑ vor dem ersten Mal ist wohl jedem be­kannt, der den Schritt von der Theorie des Obstbaumschnitts zur praktischen Anwendung gewagt hat beziehungsweise wagen will. Zwischenzeitlich gibt es eine Vielzahl von durchaus anschaulicher und guter Literatur über die Theorie des Obstbaumschnitts; es werden vielerorts Schnittkurse mit praktischen Vorfüh­rungen angeboten. „In der Regel sieht der Obstbaum im eigenen Garten oder auf der eigenen Wiese aber anders aus als die in den Büchern abgebildeten Bäume oder die Demonstrationsobjekte im Rah­men eines Schnittkurses“, erläutert hier­zu Dr. Dieter Fritz, Sprecher des Arbeits­kreises Streuobst.

Um Hemmungen bei der Umsetzung von theoretischem Wissen in tatsächliche Schnittmaßnahmen am eigenen Obst­baum zu begegnen, bietet der „Arbeits­kreis Streuobst“ allen interessierten Obstbaumbesitzern an, die eigenen Bäume selbst unter fachlicher Anleitung zu schneiden. Am Beratungstag, Treffpunkt ist um 9 Uhr vor dem Verwaltungsgebäude Klo­sterhofstraße in Hochstadt, stehen Kreis­baumwart Goldacker, Heinrich Koch vom Landschaftspflegeverband Gelnhau­sen, Klaus Griese vom Obst‑ und Garten­bauverein Bischofsheim und Horst Koch vom Obst‑ und Gartenbauverein Hoch­stadt zur Verfügung, um die Eigentümer beim Schnitt der eigenen Bäume zu bera­ten und zu unterstützen.

 

Damit die Äpfel nicht am Baum vergammeln oder von Unbefugten unsachgemäß abgerissen werden, bot der Maintaler Arbeitskreis Streuobst ab 1999 eine Ernteaktion durch die Jugend der Feuerwehr Bischofsheim an. Unter Aufsicht der Feuerwehrleitung und fachkundigen Mitgliedern des Arbeitskreises ernten die jungen Brandschützer das Obst und verkaufen es der Kelterei Stier, die daraus die beliebten Apfelweine aus „Maintaler Streuobstwiesen“ erstellt. Der Erlös geht an die Jugendfeuerwehr. Streuobstwiesen‑Besitzer, die ihre Äpfel auf diese Weise ernten lassen wollen, wen­den sich an die Stadt Maintal,

 

Da die in den vergangenen Jahren von der Stadt Maintal und dem Landschafts­pflegeverband durchgeführten kostenlo­sen Pflanzaktionen aus finanziellen Gründen nicht mehr weiter angeboten werden können, ist der Arbeitskreis Streuobst initiativ geworden. Im Rahmen der Aktion „Tag des Obstbaumes“ Mitte November 1999 gab der Arbeitskreis Streuobst in Maintal 66 hochstämmige Obstbäume nebst Stützpfahl, Drahthose und Anbin­deseil für nur 25 Mark an die Eigentü­mer von Streuobstwiesen in Maintal ab. Besonders begehrt waren die ‑ von den Bürgern vorab angemeldeten und ge­wünschten ‑ alten, heimischen Sorten wie „Winterram­bour“, „Goldparmäne“, „Roter Trierer Weinapfel“, „Bohnapfel“, „Kaiser Wilhelm“" und „Roter Boskop“.

Die Resonanz auf den diesjährigen erst­malig durchgeführten „Tag des Obstbau­mes“ macht den Sprecher des Arbeits­kreises, Dieter Fritz, für die Zukunft zu­versichtlich: „Die Akzeptanz für diese Pflanzaktion läßt hoffen, daß die Eigentümer von Streuobstwiesen trotz der fi­nanziellen Eigenbeteiligung sich auch in Zukunft um den Erhalt ihres Besitzes kümmern.“

Ermöglicht wurde diese Aktion durch die Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt von 1858 ‑ Hilfe für die bedrohte Tierwelt (ZGF). ZGF‑Chef Dr. Christoph Schenck sieht die Notwendigkeit kontinuierlicher Ar­beit auf den Streuobstwiesen: „Wenn wir nicht weiter in den entstandenen Lücken neue Bäume nachpflanzen sind die Bio­tope langfristig nicht erhaltbar. Da gilt es, auch bei dem akuten Finanzmangel der öffentlichen Hand die Aktion auf­recht zu halten.“ Dank des außergewöhnlichen Engagements des Arbeitskreises und der Finanzspritze der ZGF und anderer Sponsoren geht das Projekt weiter.

 

Im Jahre 2000 startete der Arbeitskreis ein umweltpädagogischen Projektes für Maintaler Kindergärten. Unter dem Motto „Erlebniswanderung durch die Maintaler Streuobstwiesen“ tref­fen sich regelmäßig Kindergruppen aus verschiedenen Einrichtungen. Anika Hen­sel, Mitglied des Arbeitskreises Streuobst, gestaltet die Vormittage in freier Natur mit viel Phantasie und großer Begeiste­rung. „Als ein solches Projekt im Arbeits­kreis diskutiert wurde, hat mich die Idee spontan interessiert“, erklärt die Mutter von zwei Kindern. „Mein Konzept fördert vor allem das spielerische Erleben der Streuobstwiese mit allen fünf Sinnen“.

Den Kindern soll mit dem Projekt Freude am Spielen in freier Natur und Respekt vor Tieren und Pflanzen vermittelt werden. Der Bezug zur heimischen Umwelt ist in der Zeit von Fernsehen und Computerspie­len in vielen Familien nicht mehr selbst­verständlich. „Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wie es ist, mit nackten Füßen durchs Gras zu laufen, mit geschlossenen Augen einen Vogel zwitschern zu hören oder Bäume, Blumen und Gräser zu berühren“, so Anika Hensel. Im Rahmen von ver­schiedenen jahreszeitlich oder thematisch orientierten Veranstaltungen stehen bei den gemeinsamen Vormittagen zum Bei­spiel ein Frühstück in freier Natur, ge­meinsame Spiele und spielerisches Ken­nenlernen der Umwelt auf dem Programm. „Die Kinder umarmen und begrü­ßen“ die verschiedenen Bäume und berich­ten über ihre Erlebnisse, sie spielen „Na­tur‑ Memory“ oder versuchen, mit ge­schlossenen Augen verschiedene Geräu­sche zu erkennen.

Auch die Kinder aus der Kita Eichendorff­straße in Dörnigheim unternahmen in der vergangenen Woche einen Streifzug durch die frühlingshaften Streuobstwiesen Die Kinder sind mit viel Freude bei der Sache. „Für viele ist es eine völlig neue Erfahrung, so direkt und unmittelbar mit der Natur in Berührung zu kommen“, so die Projektlei­terin. Auf besonderes Interesse stößt bei den Erlebniswanderungen immer wieder die Tier‑ und Insektenwelt: „Guck mal, ich habe einen Marienkäfer gefunden!“ berich­tete freudestrahlend eines der Kinder und zeigte seinen „Schatz“ stolz herum.

„Die Resonanz bei den Maintaler Kindergärten war sehr positiv, so daß das Projektgleich mit mehreren Gruppen gestartet ist“, berichtet auch Silke Meißner vom Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt der Maintaler Stadtverwaltung. „Fast alle Tagesstätten haben Interesse an dem Projekt geäußert oder sind schon direkt da beteiligt ‑ nächstes Jahr möchten wir unser Angebot auf die Grundschulen ausdehnen.“

Zur Zeit betreut Anika Hensel 12 Gruppen aus den Maintaler Kitas. Mit seinem Angebot möchte der Maintaler Arbeitskreis Streuobst gleichzeitig das Interesse Kinder an dem Biotop Streuobstwiese wecken und seine Öffentlichkeitsarbeit ausweiten. „Die Kinder die heute in den Streuobstwiesen spielen, werden vielleicht als Erwachsene eine Streuobstwiese bewirtschaften und auf diese Weise für viele Tiere und Pflanzen einen wertvollen Lebensraum schaffen“, so Anika Hensel.

 

Damit die Äpfel gleichwohl nicht am Baum vergammeln oder von Unbefugten unsachgemäß abgerissen werden, bietet der Maintaler Arbeitskreis Streuobst auch 2001 die Ernteaktion durch die Jugendfeuerwehren Bischofsheim und Hochstadt an. Unter der Aufsicht von Leitern der Jugendfeuerwehren und fachkundigen Mitgliedern des Arbeitskreises ernten die jungen

Brandschützer die Äpfel und liefern sie der Kelterei Stier, die daraus ihre bekannten Apfelweine aus „Maintaler Streuobstwiesen“ keltert. Der Erlös geht an die Jugendfeuerwehren. Alternativ hierzu bietet der Arbeitskreis eine „Apfelerntebörse“ an. Der Arbeitskreis wird „Erntefreiwillige“ und Obstbaumbesitzer vermitteln, die sodann untereinander die einzelnen Modalitäten der Obsternte (Preis, Zeit, Menge etc.) aushandeln können.

 

Aufgrund der großen Resonanz in den vergangenen beiden Jahren werden auch dieses Jahr am Tag des Obstbaumes, dem 09. November 2002, vom Maintaler Arbeitskreis Streuobst hochstämmige Obstbäume zu einem einmalig niedrigen Preis an Besitzer von Streuobstwiesen „abgegeben“. An diesem Tag können die Obstbäume, die im Streuobstwiesengürtel Maintals gepflanzt werden sollen, incl. Pfahl, Drahthose als Bißschutz und Kokosschnüren für nur 13 € je Baum erworben werden. Als Schutz gegen Wühlmäuse bieten wir einen Drahtkorb für 7,50 € an.

Zur Vorbereitung der Aktion werden die interessierten Obstbaumgärtner gebeten, bis 20. 09. 2002 unter Angabe der vollständigen Flurbezeichnung ihres Grundstückes die gewünschten Obstbäume bei der Stadt Maintal, Amt für Stadtentwicklung und Umwelt ‑ Tel. (06181) 400‑401 oder dem Sprecher des Arbeitskreises Dr. Fritz Tel. (06109) 6 55 43 zu bestellen. Besonders empfohlen werden die unten aufgelisteten alten heimischen Sorten. Der Arbeitskreis wird jedoch versuchen, auch anderen Sortenwünschen zu entsprechen. Am Tag des Obstbaumes werden auf dem Gelände der Familie Strohl in der Bischofsheimer Straße 9 ab 10.00 Uhr die Obstbäume gegen bar verkauft.

Es besteht dabei außerdem Gelegenheit, sich durch Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes des Main‑Kinzig‑Kreises und Mitglieder des Arbeitskreises Streuobstes, rund um die Obstbäume beraten zu lassen. Wissenswertes über junge Hochstämme incl. Pflanztips gibt es in der gesonderten Veranstaltung des Arbeitskreises am Vorabend, den 8. November 2002, ab 20.00 Uhr. Näheres zum Veranstaltungsort wird noch bekanntgegeben. Jeder, dessen Herz für Obstbäume schlägt, sollte sich diesen Samstag, den 09. 11. 02 als Tag des Obstbaumes unbedingt vormerken.

 

Landschaftspflegeverband Main-Kinzig sorgt sich 2009 um die Zukunft der Streuobstflächen

Als im vergangenen Jahr der Arbeitskreis (AK) Streuobst-Maintal sein zehnjähriges Bestehen feierte, machte er bereits auf sich aufmerksam mit einer außergewöhnlichen Aktion: Ein Projekt, das generationsübergreifend regionale Identität stiftete, krönte den zehnten Geburtstag. Schüler interviewten ältere Maintaler Bürger zum Thema Streuobst und erstellten daraus das Buch „Schenk mir Deine Geschichte“.

 

Der Magistrat der Stadt Maintal hat 2010 den Bischofsheimer Dr. Dieter Fritz für seine Verdienste als Sprecher des Arbeitskreises Streuobst gewürdigt. 1997 gründete der 52-jährige Jurist die Initiative zum Erhalt und zur Pflege der Maintaler Streuobstwiesen mit und übernahm anschließend mehr als zehn Jahre lang das Amt des Sprechers. Ihm folgt nun der Bischofshei­mer Dr. Ralf Vandamme nach.

„Er war Ideengeber und Motor des Engagements für die Maintaler Streuobstwiesen, hat in dieser Zeit viel bewegt und Wertvolles geleistet“, hob Erster Stadtrat Ralf Sachtleber hervor, der Dr. Dieter Fritz bei einem Treffen persönlich für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz dankte. Das Amt des Sprechers für den Arbeitskreis hat nun Dr. Ralf Vandamme übernommen. Dessen Stellvertreter sind künftig Anika Hensel und Oliver Eschmann.

Im Maintaler Arbeitskreis Streuobst sind alle willkommen, die sich für die einzigartige Kulturlandschaft Streuobstwiese interessieren und dazu beitragen möchten, diese zu schützen. Ob Streuobstwiesenbesitzer, Landwirte. Schäfer, Pomologen, Vogelfreunde, „Kräuterhexen“, Fledermausfreunde, Naturliebhaber, Hobby-Kelterer oder Neulinge auf dem Gebiet der Streuobstwiese: Bei den regelmäßigen Treffen wird informiert und „gefachsimpelt“, bei Obst- und Kräuterwanderungen geschaut und gestaunt, bei Schnitt- und Okulierkursen oder gemeinschaftlichen „Großeinsätzen“ auf der Obstwiese Bäumen neues Leben eingehaucht. Eine umweltpädagogische Fachkraft begeistert bei speziellen Angeboten für Kinder auch schon die

Kleinsten für die Schönheit des Leberraums Streuobstwiese.

Die zahlreichen Experten, die sich hier engagieren, bringen ein geballtes Fachwissen mit und geben dieses auch an Interessierte weiter. Zu den Treffen sind alle, die gerne mehr wissen oder ihre eigenen Ideen einbringen möchten, jederzeit eingeladen. Auch wer beispielsweise eine Streuobstwiese besitzt und sich nicht selbst um die Pflege kümmern kann, ist hier an der richtigen Adresse.

 

„Nutzung gegen Pflege“ lautet das Prinzip der „Baumbörse“, die der Arbeitskreis Streuobst im Jahr 2011 initiiert hat und weiterentwickeln möchte. Dabei wird der Kontakt zwischen Streuobstwiesenbesitzern und Menschen, die gerne die Pflege einer solchen Wiese übernehmen möchten, hergestellt. „Geld sollte nicht fließen. Vielmehr dient die geleistete Arbeit auf den Wiesen als Pacht“, erklärt Ralf Vandamme.

In Bergen-Enkheim läuft ein solches Projekt bereits erfolgreich - dank des engagierten Einsatzes von Jürgen Pietzner. „Die Vermittlung von Streuobstwiesen ist eine zeitaufwendige Angelegenheit. Schließlich soll ein vertrauensvoller Konsens zwischen Wiesenbesitzer und Pate gefunden werden. Persönliche Gespräche und umfassende Aufklärung sind dazu unerläßlich“, weiß Anika Hensel. Der Arbeitskreis wünscht sich daher weitere Mitstreiter, die sich dieser Aufgabe, auch stadtteilbezogen, annehmen würden. „Es gibt noch viele Wiesen, die dringend Hilfe brauchen“, sagt Anika Hensel.

Und auch Besitzer von Streuobstwiesen, welche die Pflege der Kulturlandschaft gerne in andere Hände geben möchten, werden gesucht. Ansprechpartnerin ist Freia Klinkert-Reuschling vom städtischen Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt, erreichbar unter der Telefonnummer (061 81) 400-401.  Sie unterstützt die Aktivitäten des Arbeitskreises. „Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend“, loben Hensel und Vandamme die vorbildliche Kooperation.

Die Belebung der Streuobstwiesenkultur kann aus Sicht der beiden Sprecher am besten über die Wertschätzung der Produkte gelingen. „Es sind Genußmittel, die auf unseren Wiesen wachsen“, betont Ralf Vandamme, und Anika Hensel spricht gar von „Schätzen, die es nirgendwo zu kaufen gibt“. Und das scheint sich rumzusprechen. „Obwohl wir wenig Werbung gemacht haben, waren wir bei unserem Apfelmarkt auf dem Gelände der Bischofsheimer Waldschule ausverkauft“, freut sich Anika Hensel über das Interesse an den heimischen Produkten. Auch  in seiner flüssigen Form erfreut sich der Apfel wachsender Beliebtheit. „Der Geschmack von selbst gekeltertem Apfelwein ist unvergleichlich. Hinzu kommt das Abenteuer im Keller. Und nicht zuletzt bedeutet die Apfelweinkultur auch Pflege der Geselligkeit“, unterstreicht Ralf Vandamme schmunzelnd.

 

Unterstützung monetärer Art wird derzeit für den Tag des Obstbaums 2011 gesucht. „Die Zoologische Gesellschaft mußte in diesem Jahr als langjähriger Sponsor aussteigen. Doch wenn wir die Bäume durch Zuschüsse für zehn anstatt aktuell für 24 Euro abgeben können, werden mehr gekauft“, haben die beiden Sprecher beobachtet - ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Wiesen. In diesem Jahr konnten durch den fehlenden Zuschuß erstmals nur rund 50 Bäume ausgegeben werden. Interessierte Sponsoren für den Tag des Obstbaums, die prominent beworben würden, können sich per E-Mail an Ralf Vandamme unter der Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. wenden.

 

Um den Apfel sowie Produkte aus den Streuobstwiesen dreht sich alles am Apfelmarkt, der vom Arbeitskreis (AK) Streuobst Maintal am Samstag, 3. November 20123 veranstaltet wird. Derzeit verteilt der Arbeitskreis fast überall in Bischofsheim sowie in Dörnigheim und Hochstadt Flyer, die über die Veranstaltung informieren. Zudem hängen in Bischofsheim zahlreiche Plakate, welche auf den Apfelmarkt hinweisen.

Ort des Geschehens sind am 3. November die Räume des Stadtteilzentrums Bischofsheim, Dörnigheimer Weg 25, sowie der Bürgerhaus-Parkplatz. Dort wird von 10 bis 14 Uhr in Zusammenarbeit mit dem landesweiten Projekt „Modellregion Integration“ der mittlerweile vierte Apfelmarkt stattfinden, an dem die Besucher mit Mitgliedern des AK Streuobst fachsimpeln, Bäume für die eigene Obstwiese erwerben oder Produkte aus der Streuobstwiese kaufen können.

Spätestens seit eine Gruppe aus dem Quartier „Rechts vom Kreuzstein“ in Bischofsheim unter der Leitung von AK-Mitglied Anika Hensel im Mai vergangenen Jahres eine Exkursion durch die Bischofsheimer Streuobstwiesen unternahm, ist dieses Thema im Stadtteilzentrum in aller Munde. Am Ende des Winters pflanzte die Gruppe sechs hochstämmige Obstbäume auf einer brachliegenden Streuobstwiese in der Hochstädter Straße, tatkräftige Unterstützung erfuhren die engagierten Bürger von den Bischofsheimer Landfrauen und dem Heimatmuseum Maintal.

So war es nicht verwunderlich, daß sich der Arbeitskreis Streuobst für den vierten Apfelmarkt an das Stadtteilzentrum wandte und um eine Kooperation bat. Ihre Teilnahme am vierten Apfelmarkt haben verschiedene Gruppen zugesagt: Mit dabei sein wird der Moschee­verein Dörnigheim, das Heimatmuseum Maintal wird historische Geräte zur Apfelweingewinnung mitbringen, die Frauen aus dem Stadtteilzentrum sowie die Bischofsheimer Landfrauen werden kulinarische Spezialitäten zum Thema „Apfel“ anbieten.

„Zudem wird es zahlreiche Stände geben, die Äpfel von den Streuobstwiesen, Saft sowie Honig verkaufen“, berichtet Holger Rohrbach vom AK Streuobst. Gisela Fliedner wird wieder Kunst und Marmeladen von den Streuobstwiesen andienen. Der Arbeitskreis bietet selbst zahlreiche Informationen zu den Themen „Streuobstwiese“, „Lokales Obst“, „Landschaftsschutz“ und „Tips zur Baumpflege“ an. „Das Ziel des AK ist, die Streuobstwiesen zu erhalten“, betont Holger Rohrbach.

Gleichzeitig findet am Apfelmarkt der Tag des Obstbaums statt, an dem Bürger, welche im Vorfeld Obstbäume bestellt haben, diese ab 10 Uhr bei der Obstbaumvergabe am Stadtteilzentrum abholen können. Weitere Informationen zum Apfelmarkt erteilt Holger Rohrbach vom AK Streuobst. Er ist erreichbar unter der Telefonnummer (0 6109) 50 7799.

 

Frischen Wind für das Bischofsheimer Entree und für die dortigen Streuobstwiesen wünschen sich der Arbeitskreis Streuobst Maintal und der städtische Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt. Nach der erfolgreichen Belebung des Streuobstgebiets „Weidenkaute“ in Hochstadt im Frühjahr sei nun bereits das zweite Projekt mit dem Konzept „Pflege gegen Nutzung“ in Planung, informierte im August 2013 Erster Stadtrat Ralf Sachtleber. Auf den Streuobstwiesen  „Am Junker/Im Erken“ am Bischofsheimer Ortseingang aus Richtung Hochstadt kommend sollen in Zukunft wieder hochstämmige Obstbäume ihre Früchte tragen, frische Kräuter wachsen und bunte Blumen blühen.

Das Gebiet, das der Arbeitskreis Streuobst und die Stadt Maintal auserkoren haben, liegt am östlichen Hang oberhalb des Seniorenwohnheims „Kleeblatt“ des Deutschen Roten Kreuzes. Die beiden Bischofsheimer Arbeitskreismitglieder Holger Rohrbach und Matthias Höpfel sind Kenner der Streuobstwiesen. Sie freuen sich nach eigenem Bekunden bereits, als „Streuobstlotsen“ ehrenamtlich für diese Wiesen tätig zu werden und die Grundstücksbesitzer mit den möglichen neuen Nutzern zusammenzubringen. Anika Hensel wird sie dabei mit ihrer Erfahrung rund um das „Weidenkauten“-Projekt tatkräftig unterstützen.

„Pflege gegen Nutzung" heißt, daß die Streuobstwiesen in Bischofsheim interessierten Naturfreunden in einem entsprechenden Vertrag unentgeltlich zur Nutzung überlassen werden. Diese verpflichten sich als Gegenleistung zur fachgerechten Pflege der Wiesen und Obstbäume. Eigentümer, die ihre Grundstücke nicht mehr selbst pflegen können oder wollen, treffen auf neue Pächter - oft junge Familien. „Diese Idee hat in den vergangenen Monaten bereits der Weidenkaute zu neuem Leben verholfen, und wir hoffen, daß das Konzept jetzt in Bischofsheim genausogut funktioniert“, so Freia Klinkert-Reuschling vom Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt.

„Das Schöne am Konzept ‚Pflege gegen Nutzung` ist, daß kein Geld fließt, sondern statt dessen eine große Menge Engagement für die Natur. Und auch wer noch kein entsprechendes Fachwissen hat, kann mit Unterstützung unserer Streuobstlotsen erfolgreich eine Wiese bewirtschaften und wird bei seiner neuen Aufgabe begleitet“, so Stadtrat Ralf Sachtleber.

In den kommenden Wochen wird der Arbeitskreis Streuobst Maintal alle Grundstückseigentümer im Gebiet „Am Junker/ Im Erken“ anschreiben und einen Fragebogen zu dem Projekt versenden, kündigte der Stadtrat an. Zur erfolgreichen Belebung fehlten derzeit jedoch noch einige Daten zu Grundstücken und deren Eigentümern.

Besitzer, die ihren Streuobstwiesen qualifizierte Pflege zugute kommen lassen möchten, können sich ebenso wie interessierte künftige Nutzer bei Streuobstlotse Holger Rohrbach melden. Er ist erreichbar unter der Telefonnummer (0 6109) 50 77 99 sowie per E-Mail an die folgende Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

 

Der Arbeitskreis Streuobst Maintal lädt auch 2013 wieder zu einem „Tag des Obstbaums“ ein. Am Samstag, 9. November, werden hochstämmige Obstbäume zu einem günstigen Preis an Besitzer von Streuobstwiesen im Maintaler Streuobstgürtel abgegeben. Inklusive Pfahl, Drahthose als Bißschutz und Kokosschnüren können Apfel- und andere Obstbäume für je 20 Euro erworben werden. Als Schutz gegen Wühlmäuse wird darüber hinaus einen Drahtkorb für 7,50 Euro angeboten. Zur Vorbereitung der Aktion werden alle Interessierten gebeten, bis Dienstag. 15. Oktober, ihre Bestellung unter Angabe der vollständigen Flurbezeichnung ihres Grundstücks bei Horst Koch, Telefon (0 61 81) 43 12 05, oder bei Freia Klinkert-Reuschling, Telefon (0 61 81)40 04 01, vom Arbeitskreis Streuobst abzugeben.

Besonders empfohlen werden die in der Sortenliste unten aufgeführten alten heimischen Sorten. Bei der Zusammenstellung der Bäume ist darauf zu achten, daß frühes und spätes Tafelobst ebenso wie gute Pollenspender (zum Beispiel Goldparmäne), aber auch Kelterobst wie Trierer Weinapfel, Borsdorfer, Graue Renette oder Bohnapfel berücksichtigt werden. Wer das Besondere mag, sollte daran denken, den Roten Berlepsch nachzupflanzen. Seine geschmack­liche Vielfalt ist immer wieder ein Erlebnis. Da er jedoch alterniert (trägt nur in jedem zweiten Jahr reichlich), ist diese früher jedem Kind bekannte Sorte vielerorts in Vergessenheit geraten.

Ebenfalls zu Unrecht nahezu verschwunden ist Baumanns Renette. Seine leuchtend-tiefrote Farbe erfreut das Auge, sein festes, helles, säuerliches Fruchtfleisch weckt die Sinne und ist reich an Vitamin C. Der Baum trägt regelmäßig und reichlich. Die Frucht ist über Monate hinweg lagerfähig und sein Saft wertvoll für die Apfelweinbereitung.

Während in den vergangenen Jahren viel für den Bestand der Apfelbäume getan wurde, sieht es um andere Obstsorten sehr schlecht aus. Zwetschgen und Pflaumen, die in den 50er Jahren noch heiß begehrt waren für saftige Obstkuchen und Ladwerge, werden kaum noch nachgepflanzt, geschweige denn gepflegt. Mirabellen, ein edles Obst, sind fast verschwunden. Und welches Kind kennt heute noch Renekloden? Aber auch die für die Maintaler Streuobstwiesen typischen mächtigen Kirschbäume sind großflächig überaltert. Das Tückische an ihnen ist, daß Kirschbäume lange regelmäßig tragen und dann sehr schnell, innerhalb weniger Jahre, an Kraft verlieren und absterben.

Daher empfiehlt der Arbeitskreis dringend das rechtzeitige Nachpflanzen dieser kostbaren Frucht. Wer den Befall von „Würmern“ scheut, sich also an den Maden der Kirschfruchtfliege stört, sollte möglichst früh blühende Sorten wählen, wie etwa die Süßkirsche Burlat. Doch auch Sauerkirschen sind durchaus eine Überlegung wert. Zu beachten ist dabei, daß Süßkirschen je nach Qualität des Bodens sehr groß werden können, so daß ein Pflanzabstand von zwölf Metern zu empfehlen ist.

Am Tag des Obstbaums, am Samstag, 9. November, werden die bestellten Bäume zwischen 10 und 12 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Stadtteilzentrum Bischofsheim, Dörnigheimer Weg, gegen Bargeld verkauft. Es besteht dabei die Gelegenheit, sich durch Mitglieder des Arbeitskreises Streuobst hinsichtlich richtiger Pflanzung und richtigen Erziehungsschnitts beraten zu lassen.