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Apfelwein IV und Ergänzungen

 

 

Kelterei Stier

 

Die Kelterei Jörg Stier in der Stoltzestraße 3-7 ist die „zweitgrößte“ Kelterei in Maintal. Das große Anliegen des Keltermeisters Jörg Stier ist es, in dieser Stadt, wo in allen vier Stadtteilen jahrhundertelang Apfelweintradition gepflegt wurde, eine neue Kultur des Appelwoi aufleben zu lassen.

Als einer der wenigen seiner Zunft keltert Jörg Stier das „Stöffche“ auf traditionelle Art und veredelt es nach alten handwerklichen Verfahren. Ziel ist es, Qualität durch individuelles, traditionelles Handwerk zu erzielen. Hierbei sind der Verzicht auf Konzentrate und alle „Aufbesserungen“ die Grundlage der Apfelweinbereitung. Denn nur aus frischem selbstgekeltertem Obst dieser Region darf der Saft für die Apfelweinspezialitäten kommen.

Die Kunden des Familienunternehmens wissen, was sie kriegen - und zwar vor Ort da, wo man es riecht. Die Leute, meist Privatpersonen, kommen persönlich, um ihr Lebenselixier im Kanister abzuholen. Oft gruppiert sich am frühen Abend eine Runde treuer Kunden rund um das mächtige Holzfaß in der Probierstube. Der gutgelaunte Kellermeister unterhält seine Kunden mit Episoden aus der Apfelweinwelt.

Mit Jörg Stier hat die Stadt Maintal einen Kooperationspartner gefunden, der bereit ist, einen Beitrag zum Erhalt der Wiesen zu leisten. Nicht zuletzt deshalb, weil das hochwertige Obst aus den Streuobstbeständen für die Keltereien wertvoller Rohstoff ist, weil die in Maintal geernteten Äpfel sehr frisch zur Kelterei kommen.

Pro Doppelzentner zahlte Stier in den Neunziger Jahren etwa vier Mark mehr als üblich, also 30 bis 32 Mark für 100 Kilo Äpfel. Die Obstpflücker können ihre Ernte aus steuerlichen Gründen nur gegen Getränkegutscheine einzutauschen. Pro Doppelzentner gibt es einen Gutschein über 32 Liter Schlehenapfelwein, wobei der Warenwert für diese Menge bei 70 bis 80 Mark liegt. Das Tauschgeschäft ist also auch heute noch zeitgemäß, und kein Relikt aus dem Mittelalter! Die Kelterei Stier garantiert dabei, daß die Ernte von den Maintaler Streuobstwiesen getrennt von Äpfeln aus anderen Gebieten verarbeitet wird. Ab Herbst 1995 wurden extra Anlieferungstage für Maintaler Äpfel eingerichtet.

Grundlage für handwerklich hergestellten Apfelwein sind heimische Äpfel, vorzugsweise aus den um die jeweilige Kelterei gelegenen Streuobstwiesen. Damit Aroma und Geschmack der Früchte erhalten bleiben, erfolgt eine schonende, naturbelassene Verarbeitung. Die Verwendung regionaltypischer Kelterfrüchte wie Speierling. Mispel, Mostbirne, Renette und all die anderen mehr, wird unterstützt und am Apfelwein kenntlich gemacht.

Auch die weitere Verarbeitung geschieht ausschließlich in der jeweiligen Kelterei. Grundsatz ist, daß durch individuelles Handwerk die Natur begleitet wird. Im Ergebnis zeigen sich Apfelweine mit regional-typischen Geschmacksrichtungen, einer nachvollziehbaren jahreszeitlichen Entwicklung sowie jahrgangstypischem Charakter. Ziel der Kelterarbeit ist die Erzeugung qualitativ hochwertiger Apfelweine und gegebenenfalls deren weitere Veredelung. Der Vertrieb erfolge überwiegend in der eigenen Region und ganz ausschließlich in Mehrweggebinden.

Da die Kelterei für die Herstellung ihres Maintaler Schlehenapfelweines nur Maintaler Obst verwendet und einen deutlich höheren Preis als alle umliegenden Keltereien an die Anlieferer bezahlt, werden die Besitzer der Streuobstwiesen zur Pflege und Ernte angeregt. In den Maintaler Streuobstwiesen stehen zum Teil Apfelsorten, die inzwischen nicht mehr gepflanzt werden oder sehr selten geworden sind. Es handelt sich um hochwertiges Obst, das hier in vielfältigen Geschmacksrichtungen dünger- und pestizidfrei reift.

 

Langfristig sollen die Besitzer von Streuobstwiesen über dieses sogenannte „Aufpreismodell“ über zeugt werden, daß es sich lohnt, ihre Streuobstanlagen zu pflegen. Auf den 100 Hektar Maintaler Streuobstwiesen können je nach Witterung pro Jahr rund 240 Tonnen Äpfel geerntet werden, die Stier für 32 bis 43 Mark pro Doppelzentner aufkauft.

An der Verarbeitungsmenge ändert Jörg Stier nichts. Insgesamt keltert er rund 200.000 Liter pro Jahr, davon  rund 10.000 Liter Schlehenapfelwein. „Mehr gibt es nicht“, legt der Keltermeister kategorisch fest. Der Grund: „Ich will den ganzen Prozeß auch weiterhin selbst begleiten.“ Anstatt die Menge zu erhöhen, will er lieber immer weiter an Qualität und Vielfalt seiner Produkte feilen. Er versteht sich als „Kleinstkelterer“. „Ich werde auch nicht mehr herstellen, weil ich mit jedem Liter zufrieden sein will“, sagt der Maintaler.

Keinesfalls könne es darum gehen, den stromlinienförmigen Schoppen zu schaffen. Die von Stier gebotenen Weine sollen lediglich ein Beispiel geben, wie durch rein handwerkliche Begleitung aus ein und demselben Grundstoff eine berauschende Vielfalt der unterschiedlichsten Produkte entstehen kann. „Stehen Sie zu ihrem individuellen Schoppen, der auch jedes Jahr anders schmecken darf, ja muß, weil die Apfel schließlich jedes Jahr anders sind. Der immer gleichgestimmte Stoff, der in der Schraubverschlußflasche auch schon mal ein Jahr oder mehr unbeschadet im Supermarktregal bestehen kann, ist sicher nicht alles, was unter Apfelweinkultur verstanden werden sollte - das ist eben tatsächlich nur „Äppler“.

Stier setzt auf Qualität. Apfelwein oder Schaumwein ist für ihn kein bloßes Getränk. Erst recht keines, das man mit Schraubverschluß im Supermarkt kauft. So wie Coca- Cola. „Alles schmeckt gleich“ scheint er von dieser Vorstellung geradezu entsetzt. Selbst der „Sauergespritzte“ erregt sein Mißfallen. „Äppelwoi trinkt man pur“, sagt er. Bei Stier wird Apfelwein außer über die Kelterei nur über die Wochenmärkte und über den Hotel- und Gaststättenverband im Zusammenhang mit der Aktion „Hessen à la Carte“ vermarktet.

Seit 1979 keltert Jörg Stier bereits in der elterlichen Kelterei. Seitdem versucht er mit beachtlichem Erfolg, das Kelterhandwerk früherer Tage mit den Erwartungen der heutigen Zeit zu verbinden. Dabei verarbeitet die Kelterei Stier aus Qualitätsgründen nur Äpfel aus der Region. Seine Apfelsäfte, Apfel‑ und Apfelschaumweine gehen an die regionale Gastronomie und Hotels. Aber auch Privatleute kommen gerne in Jörg Stiers Geschäft. „Das ist wirklich mein Leben“, sagt er.

 

Klein, aber fein ist die Devise von Jörg Stier. Für ihn ist der Apfelwein ein Produkt aus Äpfeln aus der Region und traditionellem Handwerk. Wobei ein beträchtlicher Teil der Frucht tatsächlich aus der direkten Nachbarschaft stammt, von den Maintaler Streuobstwiesen. Stier kauft die Apfel aus dem Landschaftsschutzgürtel rund um Bergen‑Enkheim und Maintal‑ Hochstadt den Besitzern und Bauern für einen Preis ab, der über dem marktüblichen liegt. Seit Jahren schon in einem örtlichen „Arbeitskreis Streuobst“ engagiert, trägt der Kelterer so zum Erhalt des wertvollen Ökosystems bei.

30 Prozent der jährlich rund 200.000 Liter Apfelweine und Apfelschaumweine, die der Bischofsheimer herstellt, sind gepreßt aus den Äpfeln der Maintaler Wiesen. Der Rest der Früchte stammt von Bäumen aus Büdingen bis Würzburg. Aus den 40 bis 50 Tonnen Äpfeln stellt Stier 30 verschiedene Stöffche‑, Cidre‑, Saft‑ und Schaumweinarten her:  Quitten‑ Apfelwein, Speierling, dem Hausschoppen, je nach Jahreszeit dem Nikolaus Schoppen oder dem Trierer Weinapfel‑Schoppen? Bei den Schaumweinen ist die Auswahl fast ebenso groß und reicht von Gold über Rosé bis zum Advents‑ oder Weihnachtscuvée.

Weil dem Maintaler nicht nur die Apfelwein‑Herstellung und die hessische Küche am Herzen hegen und er zudem weiß, wie schwer die Existenzsicherung für Kleinbetriebe ist, präsentiert er in seiner Kelterei auch die „Waren rund um den Apfel“, die andere aus der Region verkaufen. Zu einem Schluck Schoppen können Kunden Apfelchips knabbern, Apfelessig probieren, Apfelschaumwein‑Trüffel goutieren oder zu Weihnachten beim Apfelsaft‑Stollen schwach werden. Hinzu kommt Honig aus den Maintaler Streuobstwiesen oder Apfelgelee und Äpfel-Preßwurst für das Morgenbrötchen ‑ wenn gewünscht in hübsche Präsentkisten verpackt.

Eine Vielfalt, die, wie Stier glaubt, die wenigsten vermuten. „Viele kennen Apfelwein und all diese Produkte doch nur als identisches Lebensmittel aus dem Supermarkt, das immer gleich schmeckt.“ Ein Fakt, mit dem sich seine Fans nicht abfinden ‑ selbst, wenn sie längst nicht mehr in hessischen Gefilden wohnen. Der Postweg wird dann zur Nabelschnur, die Kelterer und Kunde miteinander verbindet. Regelmäßig schickt der Maintaler Lieferungen nach München. „Es waren sogar schon Pakete nach Spanien und Australien darunter“, sagt er und guckt dabei so, als sei alles andere ihm geradezu unerklärlich. Gemäß einem vielleicht sehr frei abgewandelten Churchill‑Zitat, wonach ein Tag ohne Schoppen ein verlorener Tag ist.

 

 

Sorten:

Jörg Stier füllt mehr als 30 Apfelweinsorten in seiner Kelterei in Maintal-Bischofsheim ab:

„Hausschoppen“: Schoppen frisch vom Keller. Er ist einzig auf der apfeleigenen Apeculatushefe gereift und wird direkt vom Faß in Behälter gefüllt. Er schmeckt fruchtig und bei neun bis zehn Grad am besten. Wird er zu kalt serviert, verliert er sein Aroma. So geht auch der Absatz von Apfelwein im Winter zurück. Zu dieser Jahreszeit schmeckt er jedoch auch heiß sehr gut. Der „klassische Apfelwein mit Frankfurter Ton“ hält genau das, was er verspricht: Das naturtrübe Getränk wird „wild“ gegärt ohne Zusätze und legt sich „hinten auf den Gaumen“. Es ist aber eine in der Branche „unbeliebte Art“, weil Apfelwein industriell anders hergestellt wird.

Speierling: Die Bezeichnung „Speierling“ wird oft als „Phantasiename“ mißbraucht: Nicht überall, wo Speierling draufsteht, ist auch Speierling drin. Erst wenn man ihn eine Weile auf der Zunge läßt, bevor man ihn schluckt, „wächst und blüht“ er und hat einen „ganz trockenen Abklang“. Hat er den, ist er echt, „der Rest ist nachgemacht“, erklärt Stier. Der Zusatz von zwei Prozent Speierlingsaft ist nicht gerade billig. Der Saft wird vor dem Kelterprozeß hinzugefügt, bis zu diesem Zeitpunkt darf er noch nicht gegoren sein. Um dies zu verhindern, wird er zuvor kalt geklärt. Es gibt bei Stier: „Echten Speierling“, nur aus Äpfeln der Maintaler Streuobstwiesen, der sich durch seine Klarheit und kräftige Farbe auszeichnet, „Original Speierling“,

      „Bischemer Speierling“ und „Stier Apfelwein“.

„Lagenapfelwein“, nur aus Äpfeln der Maintaler Streuobstwiesen hergestellt: Schon früh entdeckte man verschiedene Früchte, die den Apfelwein länger haltbar machten: Speierling, Elsbeere, Mispel, Quitte und Schlehe, die viel Säure enthalten und zudem noch für die Klarheit des Weines sorgen. Die Zugaben produzieren jenen kräftigen Geschmack, der dem Speierling das Attribut „Durstlöscher“ verleiht - und zwar deshalb, weil sich die Gerbsäure auf die Zunge legt und nicht unangenehmerweise in die empfindlichen Magenregion abwandert. Es entsteht ein klarer Schoppen mit intensiver Farbe, vollmundigem Geschmack und einem leicht trocken Abgang. Dieser Speierling „mit dem Spezialton“ darf nur nach dem Essen („zur Verdauung“) eingenommen werden.

Der Wein reift in der Flasche, die ein außergewöhnliches Design hat, und wird als eine Art „Primeur“ angeboten, denn er ist nur im Frühjahr und im Frühsommer erhältlich. Er ist auch nur von begrenzter Haltbarkeit. Auf den Flaschen wird Jahrgang, Lagebezeichnung und der jahrgangsbezogene Alkoholgehalt verzeichnet.                         Das Produkt reift in der Flasche und ist naturbelassen, so daß sich der Geschmack verändert und vom jeweiligen Jahrgang abhängig ist. Es handelt sich also um einen wirklichen Edelapfelwein, er ist nicht standardisiert, sondern naturbelassen, das heißt, der Geschmack verändert sich mit dem Alter und hängt vom jeweiligen Jahrgang ab.

Schlehenapfelwein: Im Volksglauben glaubte man, daß man gegen Geisteskrankheiten immun sei, wenn man die ersten drei im Jahr erscheinenden Blüten verzehrt. Dem Schlehenapfelwein werden Schwarzdornbeeren zugemischt, die nur vor dem Frost geerntet worden (danach sind sie zu süß). Sie sorgen für eine spezielle fruchtige Note im Geschmack, nicht so herb wie beim Speierling, sondern vollmundig und rund. Die Gerbstoffe geben dem Schlehen-Apfelwein einen frischen, lebendigen Ton auf der Zunge, im Nachhall wirkt dieser Apfelwein sehr leicht. Schlehen-Apfelwein hat meist noch eine leichte Trübung und eine nicht sehr intensive Farbe und wird seit Herbst 1994 bei Stier herstellt und seit 1995 verkauft.

Mispelapfelwein: Die ursprünglich in Persien beheimatete Mispel wurde wegen ihrer Süße bei angenehmer Säure zur Herstellung von Trauben, Birnen- und vor allem Apfelweinen gerne genutzt. Der Mispel-Apfelwein zeichnet sich durch eine kräftige Farbe sowie einen kräftig harmonischen Geschmack bei nussigem Nachhall aus.

Ebereschenapfelwein: Die Eberesche war bei den Germanen dem Gewittergott geweiht und galt als Symbol der Wuchsfreude, Kraft und Widerstandsfähigkeit. Auch gab es den Brauch, das Vieh zur Walpurgisnacht mit Ebereschenzweigen auszupeitschen, weil dieses Ritual angeblich die Milchleistung erhöhte. Die Zugabe zum Apfelwein erfolgt als ganze Frucht in den gärenden Wein, allerdings beträgt der Anteil weniger als ein Promille. Das gibt einen Schoppen von meist heller Farbe und je nach Jahreszeit von intensiver bis leichter Trübung. Ein fruchtsäuerlicher Geschmack bei charakteristischem „Nachhall“, der besonders als „Neuer Heller“ (Nikolausschoppen) ab Anfang Dezember beliebt ist.

Quittenapfelwein: Der Quitten-Apfelwein zeigt meist noch eine leichte Trübung, durch sein feines und doch eigenes Aroma, bei kräftiger, von der Quitte geprägter Farbe, eignet er sich vor allem als Schoppen zur traditionellen hessischen Küche.

Elsbeerenapfelwein.

 

Apfelweine nach baskischer und bretonischer Art.

Die französische Variante des Apfelweins ist der „Cidre“. So heißt der Apfelwein im Nordwesten Frankreichs. Schon im 16. Jahrhundert hatte der Cidre das damals noch ungehopfte Bier und den aus klimatischen Gründen ungenießbaren Wein der Region völlig verdrängt - Cidre wurde zu dem typischen Hausgetränk der Bretonen und Normannen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich in Frankreichs Nordwesten eine ganz eigene Keltermethode entwickelt, die weder mit der baskischen noch der hessischen Apfelweinherstellung vergleichbar ist, auch wenn die französischen Mostobstbäume ihren botanischen Ursprung in Nordspanien  haben.

Denn die Bretonen und Normannen wollen durch das häufige  Herunternehmen  von  der  Hefe soviel Fruchtzucker und Gärkohlensäure im Cidre erhalten wie möglich. Durch dieses Handwerk ist der Cidre natürlich auch leichter und eleganter als ein Sidra oder unser hessischer Schoppen. Den Cidre gibt es trocken im Weißweinglas serviert.

 

„Cidre trocken“ ist der Cidre nach Bischemer Art: Nach französischem Vorbild gekeltert, aber doch mit fruchtig-hessischem Charakter. Bei einer Trinktemperatur von 8 - 9 Grad C überzeugen harmonischer Geschmack und elegantes Aroma nicht nur Apfelweinkenner. Und bei 5% Vol. Alkohol eignet sich Cidre trocken natürlich als leichter Wein, aber auch gerade zur guten Küche.

Cidre „Le Bol“ ist der in bretonischer Art gekelterte demi-sec Cidre. Etwa 4,5% Alkohol und eine ausgewogene Restsüße und Kohlensäure geben ihm die erfrischende Fruchtigkeit, die ihn als Getränk auch zum Nachtisch empfiehlt. Als Trinkgefäß eignet sich natürlich am besten die bretonische Cidre-Tasse: die „bol“. Denn erst die typische Keramiktasse gibt dem Cidre den Hauch französischer Lebensfreude, der ihn immer zum originellen Genuß werden läßt.

Sidra Zezena: Die Spanier haben ebenfalls ihre eigene Sorte, den Sidra. Als Sidra Zezena (das heißt „Stier“ auf spanisch) wird er auch bei Stier angeboten. Die Spanier pressen die Äpfel wie ihre Oliven. Der Wein reift aber nicht im Tank aus, sondern die Spanier lassen ihn direkt vom Gärtank in die Flasche laufen. Nach einem Jahr dann schmeckt der mit Kohlensäure und Hefe angereicherte „Sidra“ wie Feuer und Erde, ein idealer Kontrapunkt zu fettreichern Essen. Getrunken im Sidra-Glas entwickelt der Sidra Zezena sein intensiv fruchtiges Aroma und seinen kräftig-frischen Geschmack am besten.

Jahrgangsapfelschaumweine in traditioneller Flaschengärung:

Lange bevor in Deutschland überhaupt eine Firma Traubensekt herstellte, wurde 1820 von einem findigen Schlesier namens Carl Samuel Hausler (oder Häusler) in Hirschberg nach der klassischen Champagner-Methode der erste Apfel-Moussex hergestellt. Um die Jahrhundertwende dann von den damaligen Frankfurter Großkeltereien mit Erfolg betrieben. Ein Werbeplakat aus den zwanziger Jahren beweist, daß Schaumwein aus Äpfeln hergestellt wurde: „Apfelwein-Champagner. Erste Frankfurter Aepfelwein Kelterei Gebrüder Freyeisen, Frankfurt a. M.-Sachsenhausen“. 

Damals durfte man noch „Champagner“ sagen, heute ist das den deutschen Herstellern untersagt. Die Sektkelterei G. A. Löffler in Sprendlingen vertrieb den „German Champagne Cider“ sogar in Amerika. Bei der Kelterei Cornel in Bornheim hieß die Hausmarke Schäumer.

Wie auch die Kelterei Höhl in Hochstadt gaben aber immer mehr Firmen die Herstellung des Apfelschaumweines auf. In der Zeit nach dem Krieg wurde der Apfelschaumwein heruntergewirtschaftet. Um  1969/70 wurde die Produktion weitgehend eingestellt. Der Apfelchampagner war erst einmal von der Bildfläche verschwunden. In den letzten Jahren erlebt er eine kleine Wiedergeburt.

Jedoch stellen die großen Firmen den Champagner nur mit Hilfe einer modernen Technologie her. Wie zu hören ist, versuchen sich auch die Großen der Branche in Hochstadt und Rödelheim immer noch an einer geeigneten - industriellen - Schaumweinherstellung (so sagt es Herr Stier, Herr Possmann aber weist diese Behauptung zurück).

Doch heute ist es die Kelterei Stier die einzige in Europa, die sich der vollendeten klassischen Handwerks-Methode Champenoise bedient und zwar ohne erlaubte Aufbesserungsmittel. Im eigenen Keller fand der Jörg Stier den idealen Ort um zu experimentieren. Aus ersten zaghaften Versuchen in alten Wasserflaschen (die auch hin und wieder mal explodierten) zauberte der Jungunternehmer in wenigen Jahren Apfeledelgetränke hervor, die auch Champagnerfans verkosten. Seit 1986 hat er die Produktion wieder aufgenommen.

Das Verfahren ist nicht mit der Methode zu vergleichen, mit der 98% des deutschen Sektes hergestellt wird. Beim „Tankgärverfahren“ reift der Schaumwein in großen Drucktanks, wird anschließend filtriert und auf Flaschen gefüllt. In den fünfziger Jahren wurde dann ein Verfahren entwickelt, durch das die Vorteile der Flaschengärung (Qualität) mit denen der Gärung im Tank (geringe Kosten) verknüpft werden sollten. Zwar gärt wie beim traditionellen Verfahren der werdende Sekt in der Flasche, wird dann aber in Drucktanks umgefüllt (transvasiert), blank gefiltert und wieder auf neue Flaschen abgefüllt. Sekthersteller, die dieses „Travasierverfahren“ nutzen, dürfen jedoch den Begriff  „Flaschengärung“ verwenden, denn in der Flasche ist deren Sekt ja zweifellos vergoren.

Bei der originalen „Methode Champenoise“ aber kommt es darauf an, daß das Getränk den Kunden in derselben Flasche erreicht, in der er auch vergoren wurde. Diese Methode wurde  bereits zwischen 1668 und 1715 in der Abtei von Hautvillers in der Champagne von Dom Perignon  entwickelt und von Veuve Clicquot verfeinert. Sie beansprucht eine Menge Zeit und fordert auch zuletzt eine gehörige Portion Idealismus.

Nach einer ersten Gärung ist ja die Kohlensäure, die neben dem Alkohol durch einen biochemischen Prozeß des Vergärens von Zucker und Hefe entsteht, restlos entwichen. Um sie wieder hineinzukriegen, wird sie durch eine zweite Gärung gewonnen. Eine Gärdosage aus Zucker und Champagnerhefen wird in die Flaschen gefüllt. Nach dem Zusatz der Gärdosage werden die Flaschen mit Kronkorken verschlossen und in mehreren Reihen als Gärstapel übereinander geschichtet. Da die Flaschen verschlossen sind, kann bei dieser zweiten Gärung die Kohlensäure nicht mehr entweichen und verbindet sich mit dem Getränk. Sobald die Flaschen nach sechs bis sieben Monaten ausgegoren sind, also der Zucker restlos in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt ist, werden die Flaschen aufgerüttelt und auf Lagerstapel gelegt.

Die Hefe allerdings darf nicht in dem edlen Getränk bleiben. Um sie ohne große Verluste los zu werden, werden die Flaschen drei Wochen lang täglich geschüttelt, es bildet sich ein feiner Hefestrich. Dreht man die Flasche bei jedem Schütteln leicht, wandert die Hefe schließlich zum Kronkorken hin.

Dann erfolgt der handwerklich schwierigste Teil des traditionellen Champagner- Verfahrens - das Enthefen (Degorgieren). Denn die Hefe, die sich nach der Gärung in der Flasche abgesetzt hat und durch das Abrütteln auf den Kronkorken vorgerutscht ist, muß nun aus der Flasche (und es darf ja von dem kostbaren Getränk nichts verloren gehen).

Um dies zu erreichen, werden die Flaschen kopfüber etwa fünf Zentimeter in eine minus 25 Grad C kalte Gefrierlösung getaucht. Dadurch vereisen die Flaschenhälse mitsamt der Hefe. Der gefrorene Hefesatz sitzt jetzt auf dem Kronkorken fest. Nun können die Flaschen aufgerichtet werden. Der Kronkorken wird dann mit einem speziellen Degorgierhaken abgerissen.

Durch den hohen Druck der Flasche (6 bar, mehr also als in jedem Autoreifen) wird der gefrorene Hefesatz herausgeschleudert. Nun muß die Flasche zum rechten Zeitpunkt wieder aufgestellt werden. Geschieht dies zu früh, bleibt Hefe in der Flasche und der Schaumwein wird dadurch wieder trüb. Wird die Flasche zu spät umgedreht, sprudelt zu viel von dem wertvollen Schaumwein heraus.

Damit sich der Schaumwein wieder beruhigt, werden die Flaschen unverschlossen auf einen Tisch gestellt. Bevor die Flaschen das letzte Mal wieder verschlossen werden, müssen sie mit einer „Versanddosage“ aufgefüllt werden. Dies ist ein Gemisch von Zucker und Wein, in diesem Fall natürlich Apfelwein, aus dem der Schaumwein vergoren wurde. In der Champagne werden Schaumweine, die ohne Zucker in der Versanddosage aufgefüllt werden, mit dem Zusatz „Brut-non dosage“ kenntlich gemacht.

Nach dem letzten Auffüllen verschließt man die Flaschen nun endgültig mit Naturkorken und verdrahtet diese. Der schäumende Apfelwein muß nun noch etwa zwei Wochen ruhen, um dann etikettiert werden zu können. Anschließend, nachdem jede Flasche mindestens 40 mal in die Hand genommen wurde, steht sie Anfang Dezember für den Verkauf zur Verfügung. Das Ergebnis ist bei nur 7,5 prozentigem Volumen leicht zu genießen, sehr gut verträglich und hat einen trocken-reifen Apfelton.

 

Den Schaumwein gibt es in verschiedenen Sorten:

„Hessen à la Carte“-Apfelschaumwein ist derb, naturtrüb.

An bestimmten Tagen aber keltert man „Cuvée“, das heißt, nur der Saft, der ohne Druck aus der Presse herausläuft. Wie auch bei der Herstellung von Apfelwein vergären dann aus dem Fruchtzucker die Hefen, die Kohlensäure und der Alkohol.

Sider Exclusiv“ werden  die Jahrgangsapfelschaumweine genannt, die in traditioneller Flaschengärung hergestellt wurden. In der Getränkezeitschrift „Skyline“ urteilt Manfred Gorselewski: „...im Glas lichtgelb-kristallklar, langanhaltend vollperlend, schwacher reifer Apfelton mit sauberem Abgang und trockenem Nachklang...“.

„Sider Exclusiv grün“ (brut-non dosage) hat lediglich ein Alkoholaufkommen von siebeneinhalb Prozent und verursacht am nächsten Morgen deshalb keinen dicken Schädel, weil komplett auf den Schwefelzusatz verzichtet wurde. Stier kann nur 3.000 Flaschen davon verkaufen.

„Sider exclusiv „gold“ (trocken), „rot“ und „rose“. Natürlich wird das Rot dabei weder mit Farbstoffen noch mit Trauben komponiert, sondern nur aus Früchten des Gartens. Nur fünf bis acht Tropfen eines Beeren-Elixiers färben den prickelnden Wein zart rot. Was genau die Färbung ausmacht, sagt Stier nicht. Nur soviel: Man muß eine besondere Beziehung zur Apfelwein- und Schaumweinherstellung haben, muß „mit der Seele dabeisein“, wenn es was werden soll. Wo Laien nur den Schaumwein schmecken, kostet der Keltermeister vorne auf der Zunge die Beere und hinten den vollen Apfel. Morgens ist der Geschmack am sensibelsten. „Da reicht schon ein kleiner Schluck, um viel über den Wein zu erkennen,“ weiß er. Der rote Apfelschaumwein („Cuvée rot“) wurde zum Beispiel bei der Modenschau im Rahmen der Messe der Bischofsheimer Einzelhändler gereicht.

„Eva“: Mit der Kreation dieser neuen Sorte hat Jörg Stier etwa 1989 begonnen. Diese Zeit hat er benötigt, um die richtige Mischung der Zutaten zu finden. „Dieser Champagner ist weich, harmonisch, mild und hat noch einen trockenen Nachklang. „Das

geht mit der Traube nicht, sondern nur mit dem Apfel“, charakterisiert Jörg Stier.

Spezialcuvées für Restaurant und alte Jahrgänge (C. Haeusler) gibt es auf Anfrage.

 

Cidre-Schaumwein ist der Schaumwein nur aus dem reinen Apfel. Denn anders als bei anderen bekannten schäumenden Weinen wie Champagner oder Sekt wird dem Cidre-Schaumwein weder Zucker noch Hefe zugesetzt.

Das Ergebnis dieser Flaschengärung zeigt sich leicht und verträglich zugleich - natürlich naturtrüb und nicht mehr Alkohol als der bekannte Schoppen (5,5% Vol.). Getrunken im Sektglas paßt er zu jedem Nachmittagsempfang wie auch zum leichten Essen. Allerdings ist es Jörg Stier nur möglich, eine kleine Auflage des „Cuvée“ herzustellen.

Von diesem „Edelsten vom Edlen“ produziert der Keltermeister jährlich nur etwa 3000 bis 4000 Flaschen. Zu zeitintensiv und mühevoll ist die Arbeit und zu beschränkt sind seine Kapazitäten. Traurig ist er darüber aber nicht, denn es liegt nicht in seiner Absicht, die Umsätze der Kelterei zu steigern. Wäre dies sein Ziel, dann hatte er den Rat eines Fachmannes auf dem Gebiet angenommen und die Produktionsweise des Champagners dahingehend geändert. daß er sich ebenfalls wie die großen Firmen, die moderne Technologie zu Nutzen macht.

Im Prinzip gleicht keine eine Champagnerfüllung im Geschmack der anderen. Durch die Handarbeit können stets Unregelmäßigkeiten auftreten, die in einem modernen Produktionsprozeß ausgeschlossen werden. Stier möchte aber an die handwerkliche Tradition anknüpfen, bei der es früher stets Unterschiede im Ergebnis gab. „Damals glich auch nicht jeder Stuhl eines Tischlers dem anderen. Heute entsteht jedes Möbelstück in Massenproduktion.

 

Genauso ist es mit dem Sekt. Es ist doch eigentlich wider die Natur, nicht ein Apfel sieht aus wie ein zweiter, nicht einer schmeckt genauso wie der andere. Heute wird jedoch mit Hilfe von Zusätzen der Geschmack ständig nivelliert und standardisiert (Herr Possmann weist diese Behauptung zurück). Die wahre Individualität des Produktes, geschaffen mit den Händen eines Menschen, gibt es kaum mehr. Die Menschen die den Champagner genießen, genießen ein individuelles Erzeugnis, das eine Geschichte erzählt und ein Stück Heimatverbundenheit ausdrückt.“

Mittlerweile kann der Kelterer sprichwörtlich die Korken knallen lassen. Apfelschaumwein wird nicht mehr nase- und gaumenrümpfend als Kellergeister Billigversion des Trauben-Sekt und Champagners abgetan. „Ich habe“, sagt Jörg Stier nicht uneitel, „ein Qualitätsbewußtsein für den Apfelschaumwein geschaffen,“ Er ist stolz darauf, daß mittlerweile in Gourmet-Tempeln auch sein Produkt ausgeschenkt wird und in Feinschmecker-Restaurants wie etwa bei Katharina Hessler sein prickelnder Apfeltropfen sogar den Sekt und Champagner-Ausschank überrundet hat. Was natürlich auch etwas mit dem Lokal-Matador-Status des Kelterers zu tun hat.

Die Nachfrage nach Stiers Schaumwein-Kreationen steigt stetig. Der Maintaler hat eine kleine, feine Jahres- Produktion. In nur 5.000 bis 6.000 Flaschen reift der Edeltropfen per anno heran. Auf Lager hat er insgesamt 8.000 der dickwandigen Glasbehälter. Darunter alte Jahrgänge von 1988 - eine echte Rarität, die es sonst nirgendwo in Deutschland gibt, schwärmt er. Die Preise übersteigen nicht die eines guten Champagners. „Ich will keine Boutique-Weine“, sagt er.

Jörg Stier könnte die Produktion seines Apfelschaumweines ausweiten, der Absatz wäre da, doch das will er nicht. Der Maintaler legt Wert auf das Handwerkliche und niemals würde er dem Schaumwein Vorrang vor seiner eigentlichen Passion, dem Stöffche, einräumen. Im Jahre 1986 kam er eigentlich nur auf die Flaschengärung, weil ihn die alte Tradition begeisterte, die fast vergessen war. Enthusiastisch zieht er einen Ordner mit alten Flaschen-Etiketten aus dem Regal. Hier sind alte Firmenembleme und Schaumwein-Werbung aus dem 18. und 19. Jahrhundert unter PVC Folie konserviert. Wenn Jörg Stier etwas anfängt, dann mit wahrer Leidenschaft.

Sein prickelnder Apfeltropfen ist Handarbeit, die Stier im Alleingang bewältigt. Jede Flasche hat er 50 Mal in der Hand, bevor sie später im Jahr über den Ladentisch geht. Acht Monate muß der Inhalt reifen, der aus den Streuobstwiesen Maintals stammt. Von Hand werden die Flaschen gedreht und gerüttelt, Stier bedient auch selbst die Korken-Maschine und verdrahtet die Flaschenhälse. Zehn verschiedene Schaumwein-Sorten hegen in seinen Regalen. Darunter alte und neue Jahrgänge, naturtrüber Apfelschaumwein, Roter, Goldener oder auch Rosé. Der Advents- Schaumwein paßt gut zu Klößen und Rotkohl, mit seinem weichen runden Geschmack und dem geringeren Alkoholgehalt, der Schaumwein verträglicher macht als Sekt.

In petto hätte er gar 30 bis 35 Sorten, denkt er schon über neue Kreationen nach. Gefragt sind vor allem der Rote und der Goldene Schaumwein. Der 2000er Jahrgang, der in den Fässern gärt, macht dem Kelterer etwas Kopfzerbrechen. Das nasse Wetter hat die Äpfel aufgeblasen, ohne viel Aroma hinzuzufügen. Wenig Säure und wenig Alkohol werden den Millenium- Jahrgang zu einem leicht konsumierbaren Stöffche machen, aber „ein leicht zu pflegender Jahrgang ist das nicht“, sagt Stier.

Daß seine Produkte nicht immer gleich schmecken, darauf legt der Maintaler Wert: Das ist handwerkliche Authentizität. Der Geschmack muß einer Erwartungshaltung entsprechen, aber wandelbar sein, und „er soll seine Schwankungsbreiten ausleben dürfen“, findet Jörg Stier Seine Produkte sind als „besonderes“ Weihnachtsgeschenk oder Präsent für Geschäftskunden gefragt. „Wieso sollte man den Sekt aus dem Supermarkt nehmen, wenn es etwas Regionaltypisches gleich um die Ecke gibt“, findet er.

Seine Kunden kommen aus der Region, aber auch aus Frankfurt und dem Taunus. Mittlerweile hat seine Kelterei einen festen Stamm, der sich in ein Drittel Geschäftskunden und ein Drittel Privatleute aufteilt. Ein weiteres Drittel seiner Produktion fließt in die Gastronomie. Und auch daß er den Hauptabsatz inzwischen im Dezember habe, zeige den Stellenwert seiner Schaumwein-Produktion.

 

Aber nicht nur Apfelwein wird aus Äpfeln hergestellt. Mit einer großen Produktpalette „rund um den Apfel“ wartet Stier auf: Apfelessig Apfelgelee, Apfelsenf, Apfelwein- Leberpastete, Paniermehl aus Apfeltrester, sortenreine Apfelbrände sind nur einige Produkte, die Stier alle feilbietet. Bei ihm dreht sich halt alles um den gesunden Apfel. Auch köstlicher Apfelsaft gehört zum vielfältigen Angebot der kleinen aber feinen Kelterei.

Die Apfelweinspezialitäten werden auch in Geschenkverpackungen und hübschen Präsentkörbe angeboten. Es werden ausschließlich Mehrwegflaschen gegen Pfand (auch bei unseren Apfelschaumweinen) benutzt. Nach telefonischer Vorbestellung kann man auch direkt ab Keller kaufen. Man kann auch nachfragen, wo die Apfelweinspezialitäten ausgeschenkt  bzw. verkauft werden.

Außerdem gibt es Rhöner Wurstsorten vom Lamm, 150 g für 7,50 DM. Es muß nicht immer Rind sein: Rhönlammwurst, Rhönlamm-Blutwurst, Rhönlamm-Leberwurst, am besten mit Apfelsenf und auf frischem Apfelweinbrot vom Bäcker Hoffmann aus Mühlheim. 

 

Der Keltermeister Jörg Stier

Jörg Stier ist der beste Botschafter ist, den sich Apfelwein nur vorstellen kann. Der 54-Jährige kann heute sein Unternehmen in Bischofsheim, das er mit den Söhnen betreibt, mehr denn je als Familienbetrieb bezeichnen. Der „Laden“, den er vor 25 Jahren von seinem Vater in Wachenbuchen übernommen und nach Bischofsheim verlagert hat, brummt. Stier ist im wahrsten Sinne des  Wortes in aller Munde.

Eben noch zur Enthüllung  des weltgrößten Bembels am Frankfurter Rossmarkt, steht er im nächsten Augenblick schon in seinem Verkaufs- und Ausschankraum und hält vor einer Gruppe von Journalisten ein flammendes Plädoyer für den Äppelwoi. Wer ihm in die Hände fällt, ist danach glühender Apfelweinfan. Und wem der Geschmack dann immer noch nicht zusagen sollte, der ist zumindest von Stiers Überzeugungskraft und Begeisterungsfähigkeit beeindruckt. Von seiner Geschäftstüchtigkeit auch.

Schon Jörg Stiers Vater war Küfer- und Keltermeister. Er selbst kam mit 19 Jahren eher zufällig an den Apfel. „Hab ich eigentlich vorher nie getrunken“, grinst er. Die Hilfe im väterlichen Kelterkeller war nur als Übergang nach dem Abitur gedacht. „Doch dann hat es mich gepackt.“ Jörg Stier keltert seit 1979 Apfelwein in der elterlichen Kelterei. Er ist verheiratet, seine Frau ist gelernte Graphikerin und entwirft die Etiketten, er hat zwei Kinder und einen Bruder. Im Jahre 1992 wurde der elterliche Betrieb geteilt, und Jörg Stier übernahm die Kelterei, sein Bruder den Vertrieb von Getränken..

Jörg Stier wurde in der Presse schon als „Philosoph des Äppelwoi“, als kongenialer „Apfelwein-Verrückter“ und sogar als „Apfelwein-Papst“  bezeichnet. Das Stöffche ist sein Leben. Bei Keltermeister Jörg Stier dreht sich alles um den Apfel und was man daraus in flüssiger Form herstellen kann. Er hat seine Apfelweinspezialitäten zur Lebensanschauung erhoben und ist damit weit über Maintals Grenzen hinaus bekannt geworden. Denn nicht nur „einfacher“ Apfelwein kommt aus den Stier’schen Kellern, sondern Schöpfungen der besonderen Art, die selbst in der Edelgastronomie geschätzt sind.

Den Apfelliebhaber ärgert, daß die Weinrebe so viel mehr Aufmerksamkeit genießt als der Apfel. „Dabei ist der Geschmack viel harmonischer.“ Zu unrecht werde der Wein aus Trauben vorgezogen. Er sieht die Keltereien in Hessen in der Pflicht, den Äppelwoi mehr zu kultivieren und zu präsentieren. Das gehört einfach zur hessischen Kultur. „Wenn die wegbricht, glaubt er, werden sich auch die ganz großen Keltereien nicht halten können.“

Jörg Stier war einer der ersten Keltermeister in Hessen, ja in ganz Deutschland, der die Kunst der Schaumwein-Herstellung aus Äpfeln wieder belebt hat. Dazu gehörte, daß er sich zunächst mit entsprechender Literatur aus der Vergangenheit beschäftigte. In seinem mit viel Liebe und Sorgfalt zusammengetragenen Archiv findet man Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert, in denen unter anderem die Herstellung von Schaumwein aus Äpfeln beschrieben ist.

Selbst im Urlaub kann Jörg Stier nicht von den Baumfrüchten lassen. In seiner freien Zeit fährt er ins Baskenland, die Bretagne und die Normandie - um zu erkunden, was dort die europäischen Nachbarn so alles mit dem Apfel anstellen. Ein Spanienaufenthalt brachte Stier auf die Idee, außer klassischem Apfelwein auch Spezialitäten herzustellen. So nahm schließlich der Cidre Einzug in Bischofsheim.

Im Jahre 1988 ließ er die alte Tradition der Schaumweinherstellung in Hessen wieder auf leben. „Wäre doch langweilig, immer das gleich zu trinken“, liebt er die Vielfalt und das Neue. Eigentlich, verrät er der belustigten Besucherin, trinkt er sein Stöffche am liebsten selbst anstatt es zu verkaufen. „Es gibt Sorten, von denen kann ich mich gar nicht trennen“, sagt er. Die lagern alle in seinem privaten Appelwoi-Keller. Für den Maintaler ist das Keltern Kunst - ein Handwerk.

Bald darauf übernahm er die ersten Moderationen für Apfelweinabende und Seminare. So leitete er am 16. Oktober 1994 im Museum in Otzberg/Odenwald ein interessantes Seminar in Verbindung mit der dort zur Zeit zu sehenden Apelweinausstellung. Am 3. November 1994 hielt er einen Vortrag im „Uffelmannschen Hof“, Schöneck-Kilianstädten, der geleitet wird von Gerald Stier, der - selbst Küchenchef - die Ideen seines Namensvetters schon längst aufgegriffen hat. Ein Apfelwein-Menue (89 Mark) gehört bei ihm zum Standardrepertoire.

 

Für die Sendung „Treffpunkt Natur“, die im ZDF am Sonntag, 25. Juni 1995 gegen 15 Uhr ausgestrahlt wurde, filmte ein Kamerateam bei Jörg Stier, der seinen neuesten „Hit vorstellte“, einen Schlehenapfelwein, der ausschließlich aus Früchten von Maintaler Streuobstwiesen gekeltert wird,. In der Sendung „Treffpunkt Natur“ kam der pfiffige Keltermeister selbstverständlich ausgiebig zu Wort. Eine Radiosendung wurde am Samstag, 17. Juni, um 20 Uhr von HR 1 ausgestrahlt mit dem Titel „Vom Baum ins Glas - wie geht denn das?“

 

Seit 1997 betätigt sich Jörg Stier als Dozent der VHS-Main-Kinzig. Das erste Apfelweinseminar der Volkshochschule war an zwei Abenden im Mai 1997. Stier ließ dabei zum Beispiel ein Quiz ausfüllen. Apfelweine aus den heimischen Kellern wurden fachlich beurteilt. Selbstverständlich gab es jede Menge Tips vom Profi, wie der Schoppen im eigenen Keller zu behandeln ist, und von der Reinigung der Behältnisse bis zum „Abziehen von der Hefe“ gab es nichts, was im Werdegang der Frucht bis hin zum Apfelwein nicht ausgiebig besprochen worden wäre.

Mit ihrem höchst vergnüglich formulierten „1. VHS-Apfelwein-Diplom“ in Händen, erklärten die meisten der Teilnehmer unverzüglich, beim nächsten Mal wieder dabeizusein, und VHS- Ressortleiter Horst Günther plant nach dem Erfolg dieses ersten Apfelwein-Semiares für den Herbst ein VHS-Wochenendseminar in einer Schaukelterei in der Rhön.

Eine Führung beginnt im kleinen Lehrgarten der Kelterei, der ein Rundgang durch den Apfelweinkeller und das Kelterhaus bis zum Schaumweinkeller folgt. Auf dem Weg erfahren die Teilnehmer vieles über Geschichte und Herstellung der Apfelweinweinspezialitäten -  vom klassischen „Hausschoppen“ über die Veredelungsprodukte der Apfelweine mit Mispel, Schlehe oder Speierling bis hin zum Apfel Cidre und dem „Champagner“ aus Apfelwein. Zeitweise schloß sich an die Führung

noch ein Besuch  im Gasthaus „Adler“ in Hanau‑Mittelbuchen an. Es gab ein Drei‑Gang‑ Apfelweinmenü des durch Auftritte im Hessenfernsehen in den Sendungen „Hessen à la carte“ und „Handkäs mit Musik“ bekannt gewordenen Koches Claus Viering.

Nach über 15 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit und stetem gemeinsamen Wirken um die hessische Genußkultur kam 2009 die Zeit des Abschieds. Zum Ende April schließt der Fernsehkoch Claus Viering sein Gasthaus Adler in Hanau-Mittelbuchen. Grund genug, für alle Freunde der kreativen hessischen Küche das finale Adler-Apfelwein-Festival zu besuchen. Am Samstag 25. April, serviert Viering ein Fünf-Gänge-Menü mit Feinstem aus der Adler- Zeit. Gerd Müller spielt die Highlights aus seinem Programm und Keltermeister Jörg Stier wird das Neueste aus der Kelterei erzählen und ausschenken. Ein Abend, mit dem ein bewegendes Kapitel hessischer Apfelkultur schließt. Aber ohne Wehmut - denn jedes Ende birgt den Beginn eines neuen Weges in sich. So sollen an diesem Abend noch einmal die „Gerippten“ fröhlich erklingen.

200 Gruppen im Jahr führt der Bischofsheimer durch die Kelterei und hält auch Apfelweinseminare an der Volkshochschule. „Bis März bin ich schon wieder ausgebucht. Aber es bereitet mir Freude, das Interesse am Apfelwein zu sehen.“

 

Außerdem ist Stier bei der Rhöner Apelweinbörse vertreten (hier geht es um das Streuobstprojekt); bei einem Apfelweinabend in der „Landsteiner Mühle“ in Weilrod dreht sich ebenfalls alles um den Schlehen-Apfelwein aus Maintaler Streuobstwiesen.

 

Es folgten Beiträge über den Apfelwein für Zeitungen und Bücher. So veröffentlichte er Artikel in der Fachzeitschrift „..essen & trinken“ unter dem Titel „Apfelwunder auf Hessisch“.

Stier hat an einem Buch mitgearbeitet, das von Michaele Scherenberg und Namensvetter Karl-Heinz-Stier vom Hessischen Rundfunk herausgegeben wurde, das dritte Buch aus der Reihe „Hessen à la carte“. Mit dem Autor des Buches „Hessen à la carte“ Karl-Heinz Stier ist der Maintaler weitläufig verwandt. „Alle in unserer Familie“, lacht Stier, „haben mit essen und trinken zu tun“.

 

Begründet auf seine Erfahrungen schrieb Jörg Stier 2000 sein erstes Buch „Vom Baum in den Bembel - die handwerkliche Herstellung der hessischen Apfelweine“. Dieses Buch soll allen Selbstkeltern zu noch besserem Apfelwein verhelfen, ist jedoch auch als Lesebuch für alle gedacht, die den Apfelwein mögen und ihr Wissen über das „hessische Nationalgetränk“ erweitern möchten. Am Ende findet der Leser ein kleines Wörterbuch, in dem die Fachbegriffe rund um das Apfelweinkeltern beschrieben sind. Eine übersichtliche Gliederung und zahlreiche Randverweise erleichtern das Lesen. So muß das 130seitige Werk nicht von vorne bis hinten durchgeblättert werden. Einzelne Kapitel können leicht zum Lesen herausgegriffen und Stichworte nachgeschlagen werden. Die passenden Illustrationen stammen von Joerg Eyfferth. „Vom Baum in den Bembel“ von Jörg Stier, ISBN 3-92 8100-79-3, ist im CoCon Verlag Hanau erschienen und kostet 19,80 Mark.

 

Für den Keltermeister aus Bischofsheim war es eine ganz besondere Ehre, daß er im Oktober 1998 zum Leiter der historischen Apfelweinkelterei im Hessenpark von Neu-Anspach berufen worden ist. Hier wird Stier mit alten Keltergeräten den Besuchern das alte, traditionsreiche Kelterhandwerk anschaulich demonstrieren. Am 3. und 4. Oktober 1998 kelterte Jörg Stier erstmals im Hessenpark und dann nochmals am Wochenende 17. und 18. Oktober. Hier hatten die Besucher Gelegenheit, dem Keltermeister über die Schulter zu schauen und auch selbst mit Hand anzulegen - und danach gab es natürlich frischen „Süßen“.

 „Angeworben“ wurde er von Arno Roth, einem der Hessen-à-la-Carte-Wirte. Die Schaukelterei im Park sollte extern besetzt werden. Seit wenigen Jahren wird hier Süßer hergestellt, aber kein Apfelwein. Gefragt war jemand, der das traditionelle Handwerk der Stöffche-Kelterei noch versteht. Stier keltert mit historischen Geräten. „Das ist eine Herausforderung. Jeder Saft schmeckt anders je nach Art der Pressung“. Er kann dabei sogar die Ernte der hessenparkeigenen Apfelbaumbestände nutzen können.

Stier rückt mit seinem eigenen Team an. Er hat eine lange Liste Freiwilliger, die mithelfen. Der eigene Apfelweinbetrieb in Bischofsheim darf natürlich nicht unter dem neuen Hobby leiden. Die Schaukelterei im Hessenpark hat Stier ehrenamtlich übernommen, darf aber seinen Wein direkt verkaufen.  Es sind auch Seminare geplant, wo die Teilnehmer auch selbst Hand anlegen dürfen.

 

Eine Apfelweinprobe fand am  26. März 1999 in der historischen Gaststube mit originalgetreuen Tischen und Bänken im Heimatmuseum in Maintals schönstem Stadtteil Hochstadt statt. Dieser Gedanke habe sich, so das Heimat-Museum, schließlich ganz von selbst ergeben, als der Vorstand des Museums Vereins Ende Februar bei der Kelterei Stier in Bischofsheim zu einer Apfelweinprobe eingeladen war und dem leidenschaftlichen Kunsthandwerker Jörg Stier gelauscht habe. Den Teilnehmern des „Apfelweinseminars bot er einige seiner besten Kreationen an. Neben dem heimischen Nationalgetränk und seinen Varianten wurden auch Schmalzbrot und Apfelweinkuchen angeboten.

 

Im Mai 1999 eröffnete Stier gar einen Mini-Lehrgarten vor seinem Haus. Jeweils eine Schlehe, eine Mispel und eine Quitte wurden als Spalierbäumchen gepflanzt. Auf den zugehörigen Tafeln, deren Texte von Jörg Stier selbst stammen, bekommt der Besucher der Kelterei in der Straße „Am Kreuzstein“ kurz den Baum erläutert und vor allem, was der Keltermeister mit dessen Früchten macht. „Selbstverständlich wird der Speierling-Baum in diesem Lehrgarten nach einigen Jahren ersetzt, wenn er eine bestimmte Höhe erreicht hat.“ „Sonst“, schmunzelt Stier, „könnte er mein Haus verdrängen“. Für die jungen Gäste spendierte Stier den beliebten naturtrüben Apfelsaft. Apfel-Bratwürstchen mit Apfelsenf rundeten das Angebot ab.  „Ich möchte mit diesem Lehrgarten insgesamt darstellen, was wir für eine wundervolle Kultur haben, man muß nicht immer nach Mallorca fliegen“, ergänzte der Keltermeister in seiner ihm eigenen Begeisterung.

Die Musik wurde vom Trio „Mayenroth“ bestritten. Der erste Teil des Namens kommt von einer alten Lokalbezeichnung in Maintal, dem Mayenfeld, der zweite Teil ist der „Rest von Gondsroth“. Es handelt sich um  so Karl Röth, Jürgen Repp aus Gondsroth und den Hochstädter Lehrer Gerd Müller, die seit 1994 dem hessischen Volk sprichwörtlich „aufs Maul“ schauen. Daraus entstehen Lieder, die Geschichten erzählen, Lieder, die das Leben schreibt in einem Stil, der Volksmusik als Bestandteil der regionalen Kultur mit ihren Wurzeln versteht,

So textet Müller zum Beispiel Schoppen-Lieder allererster Sahne („Ich trink’ de Blues nur aus ‚m Bembel, der Stoff bringt Lebe in mei Seel“)

Der erste Auftritt war in der Gondsrother „Woipress“ und das Trio war damals der Meinung, all ihre 35 Lieder des ersten Repertoires singen zu müssen, so erinnern sich die drei. Angefangen wurde mit zum Teil bayerischer Folklore wie zum Beispiel von den „Biermösel Bloasn“, was einfacher ins Hessische übertragen werden konnte als andere nationale Dialekte. „Wir bringen es nur zu dritt zustande.“ Manchmal werden 100 Lieder bearbeitet, „bis eins zu uns paßt.“. Bekannte Melodien werden verfremdet und auf eigene Texte passend gemacht, immer das Vorbild vor Augen, anspruchsvolle Volks- und Mundartmusik verschiedener Stilrichtungen zu machen mit dem Tenor „Keine Münze für Muse“. Das Trio Mayenroth ist bereits auf CD zu hören: „Maintal-Szene“ , die Nachfolge-CD von „Maintal Rock“, produziert von der Musik- und Kunstschule Maintal, beinhaltet den Speyerling-Song der Musiker.

In dem  kleinen, feinen Apfelladen (Am Kreuzstein 25) werden neben den bewährten Spezialitäten ein paar neue Produkte wie zum Beispiel Rhöner Apfelweinbrot aus dem Holzofen und Schlehen-Apfelwein-Likör geboten sind. Und natürlich einige leckere Schoppen, den leicht veränderten Cidre nach normannischer Landesart und viele weitere apfelige Köstlichkeiten.

 

Stier geht es also um die ganze Apfelweinkultur. Früher gehörte der Apfelwein als hessisches Nationalgetränk zum ländlichen Alltag In fast in jedem Haus gekeltert. Der eigene Garten. Hausschlachtung und die eigene Apfelweinherstellung - so konnten sich die Familien weitgehend selbst versorgen. „Es ist ein Stück unserer Kultur, mit der wir pfleglich umgehen sollten.“ Stier sieht die Apfelwein-Tradition in Gefahr. Im Kahlgrund sterben Betriebe und in Hanau-Steinheim, wo alljährlich das Bundesäppelwoi-Fest gefeiert wird, gibt es keine einzige Kelterei mehr. Und auch in der industriellen Herstellung nehmen Apfelsäfte und Softdrinks immer mehr zu und der Apfelwein ab.

Deshalb versucht Stier, die Apfelweinkultur auch wieder auf andere Lebensbereiche auszuweiten. Er hat weitere Zünfte zum Naturreinen motiviert. Die Bäckerei Weber bietet neuerdings Schoppebrot aus echtem Bischemer Speierling an und fertigt Champagnertrüffel mit Stier’schem Apfelschaumwein. Metzger Ebert macht seine Wurst aus Apfelschaumwein, seine „Pate“, eine Apfelschaumwein-Wurst, gilt als Delikatesse. Und Joachim Sauter, der frühere Wirt der „Ratsstuben im Bürgerhaus, entdeckte das Stöffche für seine Kochkünste. „Damit“, so Stier mit zusammenlaufendem Wasser im Mund, „das Kulturgut in einer Gesamtheit richtig dargestellt wird“. Seit einiger Zeit sei man wieder darauf gekommen, den Apfel als das hervorragende Medium zum Kochen zu verwenden Nächstes Ziel ist das Nationalgetränk in der gehobeneren Gastronomie zu etablieren. Eine Extra-Karte mit zu den verschiedenen Apfelweinsorten  abgestimmten Genüssen wünscht sich der Meister.

„Der Herr über den Apfelwein“ wurde Jörg Stier im Oktober 2008 genannt. Wer einfach nur schnell eine Flasche abgreifen möchte, ist in der Apfelweinkelterei von Jörg Stier fehl am Platz. „Stehe un babbele is hier angesagt“, macht der Bischofsheimer Keltermeister unmißverständlich deutlich. Aber schließlich laden der Apfelweinladen in der Straße „Am Kreuzstein 25“ mit den großen Weinfässern, die zu Stehtischen umfunktioniert wurden, und die vielfältigen Apfelweinspezialitäten zum Verweilen und vor allem zum Probieren ein.

Dafür sollte Zeit mitgebracht werden. Nicht nur, weil der Apfelwein keine Hektik verträgt, sondern auch, weil es in der Bischofsheimer Kelterei etwa 40 verschiedene Sorten davon gibt. „Der Apfel ist eben vielfältig. Natürlich schmeckt nicht jedem alles, aber es gibt auch niemanden, dem nichts schmeckt“, ist sich der Bischofsheimer der dem Apfel zugeneigten Zunge seiner Kunden sicher. Weil jedoch jede Saison ihr ganz eigenes apfeliges Tröpfchen hat, stehen die 40 verschiedenen Apfelweinsorten nicht immer gleichzeitig im Laden zum Kaufen und Zapfen bereit.

Zweifelsohne muß das Herz von Jörg Stier die Form eines Apfels haben. Denn sobald er auf die Frucht zu sprechen kommt, beginnen die Augen des Bischofsheimers zu leuchten, wissen Mund und Hände in farbenfrohen Worten und großen Gesten Fakten und Anekdoten zu erzählen.

Dabei scheint es eher ein Zufall zu sein, daß Jörg Stier seine Leidenschaft für den Apfel entdeckt hat, wenngleich er aus einer alten Kelterfamilie stammt. Nicht mehr als einem „falschen“ Schritt ist es zu verdanken, daß noch heute auf dem Gelände viele tausend Liter Apfelwein vor sich hin gären. „Ich habe Abi gemacht und wollte studieren. Doch dann bin ich in den Apfelweinkeller geraten und von diesem Moment an war es um mich geschehen. Seitdem bin ich aus dem Keller nicht mehr rausgekommen“, schmunzelt er.

Doch der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist mindestens ebenso trüb, wie der Apfelwein, der aus den großen Tanks zur Probe in die Gerippten plätschert. Denn Jörg Stier ist viel unterwegs, nicht nur auf der Streuobstwiese, sondern auch als Referent und Buchautor, um die Bedeutung des hessischen Nationalgetränks in Konkurrenz zu französischem Champagner

oder italienischen Weinen aufzuwerten.

„Ich möchte den Menschen Augen und Geschmack für das Geschehen auf den Wiesen öffnen“, beschreibt Stier, der vielseitig an einer Rehabilitation des Apfelweins wirkt. Und daß

sich der auf vielfältige Art genießen läßt, spiegelt auch das breit gefächerte Sortiment im Apfelladen wider: Sogar Apfelwein-Käse und -Salami gibt es.

Wo er sich am liebsten aufhält? „Am liebsten im Weinkeller.“ Inzwischen aber sei längst die Schreibstube sein Hauptaufenthaltsort. Dort führt er nicht nur die Bücher, er schreibt vor allem welche. Sechs Bände sind bereits über den Apfelwein, seine Herstellung, seine Besonder- und Eigenheiten erschienen. Gerade schreibt Stier an einem Band über den hessischen Apfelwein im Vergleich zum asturischen Cidre. Auf seinem Nachttisch liegt der Krimi „Das Grauen im Bembel­paradies“ - der Apfelwein läßt ihn nicht los.

 

 

Veranstaltungen

Die Kelterei Stier richtet Veranstaltungen aus, von der kompletten Organisation bis zur Verfügungsstellung einzelner Leistungen nach den Vorstellungen des Interessenten in Preis, Dauer und Angebot. Hessentypische Künstler werden passend zu der Veranstaltung vermittelt

 

Apfelweinabende: Gemeinsam mit engagierten  Köchen  und Gastronomen werden mehrmals im Jahr apfelige Menüs veranstaltet. Das Beste aus dem Apfelweinkeller, vom deftigen Hauschoppen zum vollfruchtigen Echten Speierling Apfelwein, vom rustikalen Sidra nach baskischer Landesart bis zum edlen Apfelschaumwein, außergewöhnlichen Tropfen für einen wundervollen Abend gemeinsam mit der Moderation von Jörg Stier. Natürlich läßt sich hierzu bestens apfelig kochen, ob mit Apfelsaft, Apfelwein, Apfelschaumwein oder dem Apfel „natur“. Geschmackliche Höhepunkte nicht nur für Apfelweingeschworene.

 

Apfelweinbüffets: Eine zwanglos- heitere Veranstaltung kann mit einer Auswahl interessanter Apfelwein- Spezialitäten, einem apfeligen Büffet und einer kurzweiligen, unterhaltsamen Moderation der besondere Rahmen geboten werden.

 

Apfelweinseminare: Die handwerkliche Herstellung der hessischen Apfelweine steht im  Mittelpunkt der Apfelweinseminare (Seminar für Selbstkelterer und die es werden wollen). Begleitet von verschiedenen Proben bekommen die Teilnehmer Einblick in die traditionellen Handwerksmethoden hessischer  Apfelweinweinherstellung. Nicht nur die Selbstkelterer sind  begeistert, denn Historisches und Amüsantes gehören zu einem Apfelweinseminar natürlich auch dazu. Für Gruppen, Vereine, Verbände und Firmen die Möglichkeit, etwas mehr über unser hessisches Kult(ur)getränk zu erfahren. Am Ende erhält man neben einigen schriftlichen Unterlagen auch ein ganz persönliches „Apfelweindiplom“.

Zwar verleiht Jörg Stier den Absolventen seiner Seminare ein Apfelweindiplom. Das soll aber nicht heißen, daß es bei den Kursen bierernst zugeht. Vielmehr will Stier in unterhaltsamer Art und Weise die Grundlagen der Keltertechnik, die Geschichte und die traditionelle Herstellung vom Stöffche vermitteln. Die Kurse stehen auch solchen Apfelwein-Liebhabern offen, die noch nicht selbst keltern.

Selbstverständlich dürfen die Seminar-Teilnehmer Proben der Weine kosten, die sie nach alten Rezepten keltern. Neben den bekannten Mispel-, Schlehen- und Speierlingapfelweinen gehört dazu Stiers Apfelschaumwein. Den schätzt mancher Gastronom angeblich ebensosehr wie Sekt aus Trauben.

 

Kellerführungen: Auf Voranmeldung für Gruppen bis zehn Personen erlebt man die Herstellung der Apfelwein-Spezialitäten direkt in der Kelterei Jörg Stier. Begrüßung im kleinen Lehrgarten, Rundgang durch den Apfelweinkeller, Besichtigung der Kelterhalle und des Schaumweinkellers stehen immer auf dem Programm. Begleitet werden Sie vom Keltermeister, acht Proben untermalen seine Ausführungen. Und dann vielleicht den Abend in einem guten Restaurant bei einem kleinen Apfelweinmenü ausklingen lassen. Zum Beispiel im Gasthaus „Adler“/Hanau-Mittelbuchen ein Drei-Gänge-Apfelweinmenü des durch Auftritte im Hessenfernsehen in den Sendungen „Hessen à la carte“ und „Handkäs mit Musik“ bekannt gewordenen Kochs Claus Viering, zum Beispiel am Freitag 18. Mai 2001, Kursgebühr inkl. Kellerführung, Apfelweinprobe und 3-Gang-Apfelweinmenü: 75.- DM.

Eine Anzahl an sehr guten Restaurants werden als Veranstaltungsort für eigene Apfelwein-Events empfohlen. Im Bischofsheimer Restaurants „Ratsstuben“ steht bereits ein passendes Apfel-Menü auf der Speisekarte, dazu funkelt in den gerippten Gläsern der Maintaler Schlehenapfelwein.    Die Creperie „Papillon“ in Bischofsheim ist hocherfreut über die Speisenharmonisierung ihrer frankophilen Versorgung (Cidre ohne Kohlensäure) durch die Dienste des Herrn Stier.

 

Programm im Jahr 2000:

18. Februar: Apfelweinabend  in Schuch’s Restaurant in Frankfurt-Praunheim mit einem fünfgängigen Apfelweinmenü.

20. Februar: Apfelweinbrunch im Gasthaus „Adler“ in Mittelbuchen mit Büffett rund um den Apfelwein.

17. März: Abend für alle Apfelfreunde in der Philosophenhöhe

18. März:  Apfelweinseminar im Freundeskreis Eberstädter Streuobstwiesen e.V. in Darmstadt/Eberstadt

23. März: Apfelweinbüffett in den Weinstuben in Mühlheim. Dort findet ein statt.

6. April: Apfelweinseminar in die VHS Main-Kinzig in Gelnhausen.

31. März: Apfelweinabend im Restaurant „Ratsstuben“ in Bischofsheim mit achtgängigem Apfelweinmenü.

5. Mai: Apfelweinfestival im Mittelbucher Gasthaus „Adler“

16. August: Apfelweinseminar in den Räumen der Stadtteilbücherei Bischofsheim mit dem Schwerpunkt Keltertechniken (mit Anschauungsstücken aus der Kelterei).

 

Das regierende 47. Bundesäppelwoikönigspaar 1999/2000, Petra I. und Oskar I. aus Hanau-Steinheim, die Langener Ebbelwoiprinzessin 1999 Gisela und die 45. Ex-Bundesäppelwoikönigin 1997/98, Renate I. aus Hanau-Steinheim, waren im März 2000 zu einer Keltereibesichtigung eingeladen.

 

Programm im Jahr 2001:

10.02.2001: Apfelweinabend im Gasthaus „Adler“ in Mittelbuchen. Küchenmeister Claus Viering sticht das Faß an - jeder Gast hat nun einen Probeschoppen frei. Genießen Sie einen geselligen Abend mit Musik von „Mayenroth“, einer kleinen Apfelweinkarte und natürlich beim ersten Mispel-Apfelwein der Saison.

02.03.2001:  Apfelweinabend in Schuch’s Restaurant in Frankfurt- Praunheim. Zum fünften Mal moderieren Jürgen Schuch, Andreas Schneider, Dieter Walz und Jörg Stier viele Köstlichkeiten rund um den Apfel. Dazu genießen sie ein von Küchenchef und Gewinner des „Eisvogel“- Pokals Markus Traband faszinierendes 6-gängiges Menü.

11.03.2001: Apfelweinabend im Gasthaus „Adler“, Hanau-Mittelbuchen, Apfelweinbrunch mit einem Büffet schönster Leckereien aus der Küche von Claus Viering, ausgewählten Apfelweinspezialitäten und der Musik unserer „Hausband“ Mayenroth.

07.03.2001: Apfelweinabend im Gasthaus „Zum Engel“ in Wiesbaden-Erbenheim, Erstes Apfelweinmenü des neuen Engelwirtes Guido Müller in der bekannt schönen Atmosphäre des Gasthause. Mayenroth spielen auf, Jörg Stier moderiert.

17. und 18. März: Stand auf der Bischemer Gewerbeausstellung im Bürgerhaus Maintal- Bischofsheim

24.03.2001: Apfelweinabend im „Stadtwirtshaus“ in Hanau -Steinheim, der Steinheimer Apfelweinwirt Mohammed Elkamhawy erwartet die Gäste in seiner neuen Gaststätte mit einem wundervollen Menü, die Musik von Mayenroth und die Moderation von Jürg Stier begleiten den Abend,

28.03.2001:  Apfelweinabend im Restaurant „Landsteiner Mühle“ in Weilrod-Altweilnau,

31. März und 1. April: Drittes Apfelweinfest des Lützelhausener Musikvereins mit Blasmusik, Apfelweinspezialitäten, leckerem Essen und toller Stimmung!

26. April und 3.Mai 2001: Apfelweinseminar der VHS

11.05.2001:  Apfelweinabend im Gasthaus „Adler“ in Hanau-Mittelbuchen, faszinierendes Menü unseres Fernsehkochs Claus Viering, Moderation Jörg Stier. Es gibt übrigen wieder zwei Überraschungen aus dem Apfelweinkeller.

 

 

Vermarktung

Das Kaufverhalten der Kunden ist vorsichtiger und gezielter geworden. Das wirkt sich auch auf die Verkäufe an die Gastronomie aus. Um sich dennoch auf dem Markt behaupten zu können, müssen die Keltereien ihre Produkte möglichst billig anbieten. Viele greifen deshalb in der Herstellung auf billigere Konzentrate zurück. Dennoch schwört Jörg Stier auf Apfelwein aus reinem Saft. Belohnt wird dieser Grundsatz durch renommierte Kunden wie das Edelrestaurant Hessler in Dörnigheim. Dabei wirkt der Keltermeister aus Bischofsheim alles andere als „abgehoben“: „Meine wichtigsten Kunden sind die Maintaler und die Maintaler Gastronomie“, betont er. So bietet er vor Ort eine Vielfalt an hochwertigen und günstigen Apfelweinen. In liebevoller Atmosphäre verkauft die Familie Stier Produkte rund um den Apfel im eigenen Hofladen. Neben Apfelgummibärchen, Apfelsenf und Apfel-Chips, ist die Apfelweinbratwurst eine besondere Spezialität des Hauses. Ganz neu im Sortiment ist der „Hanauer Apfelwein“. Er ist milder und harmonischer im Geschmack als der herkömmliche Apfelwein. Schon jetzt bestellt die Gastronomie bei Stier zu 80 Prozent den neuen „Hanauer“.

Angst vor der Konkurrenz, etwa der renommierten Hochstädter Landkelterei Höhl, hat Jörg Stier nicht. „Reibereien gibt es eigentlich keine und in diesen schweren Zeiten ziehen wir am gleichen Strang“, berichtet der Keltermeister. Das Verhältnis sei also durchaus positiv, zumal beide Firmen sich im Angebot unterschieden.

Längst ist das „Stöffche“ auch in entfernteren Regionen beliebt. Aus Köln und München kommen Fans des Getränks, um den Apfelwein mit nach Hause zu nehmen. Sogar nach Hamburg treten regelmäßig ein paar Kisten die Reise an. Denn der Erfinder von „Käpten Blaubär“, Walter Moers, möchte seit seinem Besuch im Hessischen den Stier’schen Apfelwein nicht missen.

 

Herstellung bei Stier

Doch bis aus dem Apfel, der am Zweig des Obstbaums schaukelt, der goldklare Inhalt für den Bembel wird, ist es ein weiter Weg. Von Anfang September bis Mitte Oktober treffen die Äpfel im Hinterhof des Keltereigeländes ein und werden über Rinnen, die jetzt durch dicke Metallplatten abgedeckt sind, in die Kelterhalle gespült und dadurch das erste Mal gereinigt. Eine „Dosier­schnecke“ unterteilt den Schwung an Obst in die entsprechende Menge. Dann folgt die nächste Reinigung. Für die blitzsauberen Äpfel geht es anschließend mit einem „Elevator2 in die Höhe. Dabei fällt das Wasser ab - denn was später in die Flasche gefüllt wird, ist reiner Apfelwein. In der Mühle werden die Äpfel dann gemahlen, „aber nicht gemust“, wie Jörg Stier nachdrücklich betont. Denn nur, wenn die Äpfel gemahlen werden, läßt sich aus der Maische der Saft pressen. Das geschieht in einem Behälter, in dem sich ein großer Plastiksack befindet. Der wird aufgeblasen, drückt die Maische an die Wand und damit den Saft heraus. „Da genügt ein Höchstdruck von zwei Bar“, verweist der Bischofsheimer auf die Effizienz der Maschine und ergänzt stolz: „Champagner wird auf die gleiche Weise hergestellt.“

Nach eineinhalb Stunden wird die Presse geleert. Trester heißen die Überbleibsel, die über eine Tresterschnecke aus dem Behälter befördert werden und den Weg zurück auf die Streuobstwiesen finden - entweder als Dünger oder als Futter für die Schafe - ein ökologischer Kreislauf. „Wenn den Schäfern allerdings zunehmend die Existenzgrundlage fehlt, ist das nicht nur ein tiefer Einschnitt für die Pflege der Streuobstwiese. Dann muß ich den Trester auch künftig als Sondermüll verklappen“, so Jörg Stier.

Der aus der Maische herausgepreßte Saft wird über Edelstahlleitungen in verschiedene Behälter gepumpt. In zwei Kellern befinden sich Tanks mit einem Fassungsvolumen von insgesamt 200.000 Litern. „Das hört sich viel an, aber eine Kelterei ist damit nicht mehr überlebensfähig“, bedauert Stier, der jedoch mit einer Vielzahl kreativer Ideen das Überleben der Bischofsheimer Traditionskelterei sichert, etwa durch den Apfelladen, apfelweinige Geschenkboxen oder Bücher sowie eine Vielzahl verschiedener Veranstaltungen.

In den großen Behältern im Gärkeller wandelt die Hefe den Fruchtzucker in Alkohol um. Der entstehende Überdruck kann über die so genannten „Gärdippchen“ entweichen. „Während der Gärzeit kann es durch die entweichenden Gase im Keller lebensgefährlich werden“, erzählt Stier. Eine Lüftung sorgt daher für frischen Wind in dieser Zeit. Nach vier bis fünf Tagen sei die „stürmische Gärung“ vorbei.

Dennoch ändert der Apfelwein täglich seine Gestalt. Gerade von diesem lebendigen Wesen des Weins ist Jörg Stier fasziniert und schwärmt von wahren „Erlebniswelten“. Dabei sieht sich der Bischofsheimer vor allem als „Begleiter“ des Weins. „Der Apfelwein sagt uns genau, was er gerade braucht“, sagt Jörg Stier. Und im Vergleich zu kommerziellen Herstellern hat er die Möglichkeit, mit dem Wein zu spielen, ganz verschiedene „Kompositionen“ zu schaffen.

Nach dem letzten Keltertag beginnt die spannendste Zeit im Leben eines Keltermeisters. Und zwar im Keller. Dort lagert ein wertvoller Rohdiamant, der bis zum Frühjahr geschliffen werden muß. Jeder Apfelwein hat seinen eigenen Charakter, der sich durch bestimmte Zusätze wie etwa Quitte oder Mispel unterstreichen läßt. Im Keller der Kelterei Stier kündigt sich zum Beispiel ein Trierer Weinapfel mit Rambour an.

Nicht weniger Gewicht für das Wesen jedes Weins kommt dem Zeitpunkt zu, zu dem der Apfelwein von der Hefe genommen wird. Und auch wenn die verschiedenen Apfelweinsorten in den Tanks noch im Werden und Entstehen sind, prophezeit Jörg Stier bereits einen sehr guten Jahrgang. „Die Weinentwicklung ist positiv. Die Gärung verläuft langsam, was sehr gut ist. Es darf nur keine Stockung eintreten“, berichtet der jüngst zum Apfelweingeschworenen gekürte Bischofsheimer.

 

Auf dem Kilimandscharo

Im April 2004  war Maintaler Apfelwein sogar auf dem Kilimandscharo. Keltermeister Jörg Stier war schon ein wenig stolz. Denn sein Schlehen - Apfelwein fand kürzlich den Weg bis auf knapp 6000 Meter Meereshöhe auf den sagenumwobenen Kilimandscharo in Tansania. Dort schmeckte das Stöffche besonders gut. Die Idee zu dieser Geschichte wurde in der Frankfurter Gaststätte von Moni und Daniel Antonakopoulos geboren. Sie wandten sich sogleich an Jörg Stier und bekamen eine Sonderfüllung des Stöffchens, denn in einer Glasflasche läßt sich kein Getränk sicher auf einen Bergriesen bringen. Eine Lösung wurde schnell gefunden. Nun konnte sich das Team mit Doreen Wrobel, Kai Caminada, Mac Kojro und „Schoppenträger“ David Vasicek gut gerüstet auf den Weg machen.

Der Einstieg lag bei 1800 Metern, nun benötigte die Gruppe eine komplette Woche, um den Gipfel zu bezwingen. Die Zeit ist notwendig, da der Aufstieg nicht nur direkt ist, sondern in einer Art Spirale immer wieder auch ein Stück bergab führt. Der Körper benötigt die Zeit, damit er sich an die immer dünner werdende Luft gewöhnen kann. Da7s letzte Stück des Weges zum Gipfel wurde kurz nach Mitternacht in Angriff genommen, so daß die Gruppe kurz nach Sonnenaufgang den wohlverdienten Bischofsheimer Schlehen-Apfelwein öffnen konnte. Dies war auch sinnvoll, weil es vor Sonnenaufgang mit etwa -15 Grad Celsius nur gefrorenen Schoppen gegeben hätte. Die Schoppenmenge war übrigens ausreichend, wirkt Alkohol doch den Luftverhältnissen in 6000 Meter Höhe entsprechend viel stärker als zum Beispiel in Maintal. Die vier Bergsteiger haben übrigens einen der letzten Liter des alten Schlehen-Jahrgangs auf dem Kilimandscharo verzehrt. Aber keine Bange, der neue Jahrgang ist nun erhältlich.

 

Veranstaltungen

Der Verein „Pro Natur Maintal - Grüne Mitte“ konnte für ihren Vortragsabend im Oktober 2004  im „Frankfurter Hof“ mit Jörg Stier einen Apfelwein-Fachmann der Extraklasse gewinnen. Durch seinen Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad wurde viel Interesse und Resonanz in der Bevölkerung geweckt, so daß die Veranstaltung zu einem besonderen Erfolg wurde. Zu hören gab es alles rund um den Apfel, vieles Neues über die Geschichte des Keltereihandwerks bundesweit und auf europäischer Ebene, ja bis hin nach Irland und Amerika führte der Weg seines Vortrages. Irland, man mag es kaum glauben, ist der größte Apfelweinproduzent und nicht die Bundesrepublik, die auf dem 5. oder 6. Platz rangiert.

In den einzelnen Passagen von Stiers Vortrag wurden dann die einzelnen Apfelwein-Produkte und -Spezialitäten zum Probieren gereicht. Dazu die passenden Leckereien, kleine Pastetchen, sogenannte „hessische Tapas“ aus dem Hause der Gaststätte „Zum Adler“ in Mittelbuchen, die dessen Inhaber; der bekannte Fernsehkoch Klaus J. Viering, eigens hergestellt hatte, und kleine Apfelsaft-Brötchen von der Bäckerei Vonbirn. Alle Gäste waren von Stiers Inhalt und Vortragsweise so begeistert, daß er noch lange in ihrem Gedächtnis bleiben wird.

Am Ende der Veranstaltung die Überraschung für den Verein Pro Natur Maintal, als er seinen Eintritt und die Mitgliedschaft in Pro Natur verkündete, was mit viel Beifall bedacht wurde. Pro Natur darf nun beide Keltereien von Maintal, die Kelterei Stier und die Landkelterei Höhl als seine Mitglieder nennen und freut sich auf gute Zusammenarbeit. So wollen wir gemeinsam zur Rettung von Restnatur und zum Erhalt unserer alten Kultur dem Stöffchen aus dem „Gerippten“ (Apfelwein-Glas) beitragen.

 

Im März 2007 meinte Jörg Stier in der Magistratspressekonferenz in seiner Kelterei: Ginge es nach ihm, müßte die Geschichte über die Vertreibung aus dem Paradies neu geschrieben werden. Denn der Bischofsheimer Apfelweinfachmann Jörg Stier ist sicher: Das Verbot, die Früchte des Baumes der Erkenntnis zu essen, war eine klare Aufforderung, diese zu keltern. Und als Adam sich die Frucht dann doch in fester Form schmecken ließ, war die Vertreibung perfekt! 

Stier erzählt an anderer Stelle aber die Geschichte auch umgekehrt: Natürlich war Eva daran schuld. Aber nicht, weil sie von der Schlange verführt in den Apfel biß, sondern weil sie - typisch Eheweib - die Rohkost ausprobierte, um ihrem Adam den Apfelwein verbieten zu können, den er bisher in vollen Zügen genossen hatte, und wegen dessen er im Paradies so glücklich gewesen war. Kein Wunder, daß aufgrund dieses Versuchs, den himmlischen Zustand zu zerstören, gleich beide aus dem Paradies vertrieben wurden.

Wenn Jörg Stier ins Erzählen kommt, merkt der Zuhörer, daß dieser nicht „nur” Appelwoi keltert, sondern diesen auch lebt. So gestaltete sich die Magistratspressekonferenz gestern Morgen in der Bischofsheimer Kelterei sehr kurzweilig. Doch bei allen Anekdoten und Geschichten, die Stier rund um das hessische Nationalgetränk zu erzählen weiß, hat sein Engagement in Sachen Apfelwein doch einen ernsten Hintergrund. Ihm geht es „um den Erhalt der Apfelweinkultur”. Daß die Menschen ihren Wert erkennen „und lustvoll damit umgehen” ist sein Wunsch.

So genannten „klassischen” Apfelwein finden Besucher im Verkaufsladen nicht. Stier liebt einerseits das Besondere, andererseits reizt ihn auch das Traditionelle. „Ich betreibe ein reichhaltiges Handwerk”, schwärmte er gestern seinen Gästen, darunter Stadtrat Günther Wassermann sowie Wirtschaftsförderin Anke Gemein, vor. Rund 40 verschiedene Apfelweine oder andere flüssige Leckereien hat der Bischofsheimer im Angebot sowie hunderte Produkte, die mit dem flüssigen Erzeugnis hergestellt werden.

„Immer hart am Bembel”, lautet sein Motto und dafür nimmt er viele Stunden Arbeit auf sich. Forscht in Archiven nach alten Rezepturen, läßt sich von Vertretern der älteren Generation Rezepte überliefern oder reist rund um die Welt, „denn in vielen Ländern gibt es auch eine gewachsene Apfelweinkultur”.

Mit viel Liebe - Stier nennt es auch gerne „kreative Verrücktheit” - zum Produkt hat er für seinen Betrieb eine Marktnische entdeckt, in der es sich gut leben läßt. Etwa 200.000 Liter keltern die Bischofsheimer pro Jahr. „Das liegt knapp über dem Eigenbedarf”, witzelt Stier und hält sofort wieder ein Plädoyer für die Verbreitung des „Stöffchens”. Ihn ärgere es maßlos, „wenn ich hier in der Region in eine Gaststätte gehe und finde vier Sorten Bier, aber nur einen Apfelwein auf der Karte”. So was könne und dürfe nicht angehen. „Wir müssen noch mehr Interesse für unser Produkt schaffen.” Und dabei stehe er nicht in Konkurrenz zu den großen Keltereien - im Gegenteil. „Ohne Höhl oder Possmann wäre der Apfelwein nicht so bekannt und so verbreitet”, betont Stier. Diese Kombination der unterschiedlichen Keltereien „ist belebend fürs Geschäft”. Und er hoffe, daß es auch so bleibt. Da setzt er auf Kontinuität.

Nicht stehen bleiben möchte der „Verrückte in Sachen Apfelwein” aber nicht, wenn es um die Entwicklung neuer Ideen und Produkte geht. „Ich finde alles gut, was kreativ für den Apfelwein getan wird”, betont der Bischofsheimer. Und dabei denkt er nicht nur an das fertige Erzeugnis, sondern auch an die „Lieferanten”, wie beispielsweise die Maintaler Streuobstwiesen. Deren Schutz und Ausbau liegt ihm sehr am Herzen. Immerhin bieten sie ihm die fruchtige Grundlage für seine Arbeit. Und jeder, der Jörg Stier einmal erlebt und gehört hat, ist sich sicher: Da tut sich noch was.

 

Das Main-Äppel-Haus auf dem Lohrberg in Frankfurt feiert an diesem Wochenende, 18. und 19.April 2009, das Apfelblütenfest. An beiden Tagen kann man dort die Bilder aus dem Buch „ApfelWeinKunst“ bewundern, die dazugehörende Apfelweinprobe genießen und es sich auf dem wundervollen Gelände so richtig gut gehen lassen. Am Samstag zwischen 17 und 18 Uhr erzählt Jörg Stier alles um die mit dem Sonderpreis „Hessen-Buch des Jahres“ ausgezeichnete ApfelWeinKunst.

 

Weitere Ereignisse ab 2009

Neu ist seit Beginn der Keltersaison auch die moderne Abfüllanlage, eine Investition, die kleinere Betriebe gar nicht mehr leisten können, so Stier. Damit können die Flaschen auch mit Schraubverschluß geschlossen werden. „Die historische Apfelweinflasche mit Kornkorken wird es natürlich auch weiter geben“, versichert Stier. „Die Maschine ist genial. Nur der Keltermeister hat noch Mängel“, lacht Jörg Stier. Doch wer den Apfelwein der Traditionskelterei stilecht aus dem Bembel und dem Gerippten kostet, der hat an dieser Aussage so seine Zweifel.

Im August 2011 war ein Fernsehteam aus Asturien zu Gast in der Kelterei. „Mit der Vielfalt und Vermarktung des Apfelweins sind wir Hessen für die Spanier ein absolutes Vorbild“, weiß Jörg Stier, der sich seinerseits die Apfelweinprodukte des Baskenlands zum Vorbild für seine neueste Kreation genommen hat - eine „Revolution im Gerippten“, wie er ankündigt. „Unsere Apfelweinkultur genießt in anderen Ländern eine enorm hohe Wertschätzung“, sagt Jörg Stier. Und so war das Fernsehteam aus Asturien in Frankfurt und Umgebung unterwegs, um sich über die Streuobstwiesen, die Herstellung und Vermarktung der Produkte zu informieren und führte in diesem Zusammenhang auch Gespräche mit dem Bischofsheimer Keltermeister. Noch im Herbst soll die Dokumentation im spanischen Fernsehen ausgestrahlt werden.

 

Im November 2012 war Jörg Stier in der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik. Dort las er im Rahmen der Reihe des Albert-Einstein-Gymnasiums „Literatur im Gespräch - Leser treffen Autoren“ aus seinen Apfelweinbüchern und erzählte Anekdoten rund um das Stöffche. Die Zuhörer konnten erfahren, daß eigentlich alles im Leben mit Apfelwein zusammenhängt, der selbst wiederum zu jeder Jahreszeit ganz anders schmecke und genossen werden müsse. Er sei ein internationales Produkt, das sogar zeitweise um seine Existenz hätte kämpfen müssen. Gemeinsam mit Polen, wo man auf das Recht zur Produktion von Obstweinen besteht, konnte schließlich ein Angriff der Europäischen Union (EU) auf den Apfelwein abgeschlagen werden, erzählte der Bischofsheimer Keltermeister. Die EU aber hätte den Begriff „Wein“ nur noch für Rebensäfte zulassen wollen.

„Äppelwoi bleibt Äppelwoi“ und werbe unter anderem auch für die Region. Die hessische Herstellungsart unterscheidet sich deutlich von der im Baskenland, in Frankreich oder in England praktizierten, und so konnte man erfahren, woher der Geschmacksunterschied zwischen Apfelwein und Cidre kommt. Nichtortsansässige erhielten wichtige Tips zum Verhalten in Apfelweinkneipen, deren wortkarge Kellner man zu nehmen wissen müsse.

Schließlich gab es für das Publikum der Literaturreihe noch einen Ausflug in die Geschichte, denn was anderes als der gekonnte Umgang mit Äpfeln beim Kochen und Keltern hätte dazu führen können, daß Karl der Große auf der Jagd in den Tiefen der Wälder um Frankfurt seine Tochter Emma wieder fand? Sie war ihm vorher abhanden gekommen, weil sie wegen ihrer Liebe zu seinem Geheimschreiber Einhard zusammen mit diesem fliehen mußte. „Selig sei der Ort genannt, wo ich meine Emma wieder fand!“ Wer unter den Zuhörern hätte da nicht den Gründungsmythos der. Nachbarstadt Seligenstadt wiedererkannt?

Bei so viel Authentizität im Vortrag des Keltermeisters war dem Publikum sogleich klar, daß das Hohelied auf den Apfelwein, das Jörg Stier in so heiter vergnüglicher Weise vortrug, an keiner Stelle übertrieben sein konnte.

 

Im Jahr 2013 hat die Kelterei Stier 250 Tonnen Äpfel verarbeitet. Das ergibt etwa 150.000 Liter Apfelwein und rund 50.000 Liter Apfelsaft. „Wir hätten gerne mehr Äpfel gehabt. So haben wir am unteren Limit gekeltert. Aber es wird schwieriger, an Kelterobst zu gelangen. Da bekommen wir jetzt die Fehler der vergangenen Jahrzehnte zu spüren“, erzählt Jörg Stier und bezieht sich auf einen rein monetären Aspekt. „In Deutschland fehlt die Wertschätzung für das, was in der Heimat wächst“, sagt er. Und das hat weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen. In Deutschland werden laut Stier im Durchschnitt zwischen zehn und 15 Euro pro 100 Kilogramm Äpfel an den Erzeuger gezahlt. „In Asturien sind es im Vergleich dazu 30 Euro“, nennt er Zahlen. Durch seine zahlreichen Besuche Ausland weiß der Bischofsheimer ebenfalls, daß dort regionale Produkte immer teurer gehandelt werden als internationale. In Deutschland sei dies genau umgekehrt. Hier muß aus Sicht des Apfelweinliebhabers ein Umdenken einsetzen.

„Die Apfelpreise müssen wieder steigen, damit wir für die Obstbaumbesitzer einen Anreiz schaffen, ihrer Arbeit auf den Wiesen nachzugehen. Denn viele gehen nur bei reicher Ernte und guten Wetterbedingungen raus. Stimmen die Faktoren nicht, bleiben die Äpfel eben an den Bäumen hängen“, bedauert Jörg Stier. Wie in diesem Jahr. „Wir hatten vor Kelterbeginn eine Woche Dauerregen und kühle Temperaturen. Das hatte auf die Menge der Äpfel, die geliefert wurde, durchaus Einfluß.“

Er könne auf Anhieb einige Dutzend Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen zeigen, die mit prächtigen Äpfeln voll hängen würden. Ein Anblick, der den leidenschaftlichen Keltermeister in der Seele schmerzt. „Der Apfel und der Apfelwein sind ein Stück Geschichte und Teil unserer Identität“, betont er. Umso engagierter setzt sich Jörg Stier für die Fortführung dieser Tradition ein, unter anderem als Mitbegründer des Arbeitskreises Streuobst und des Apfelwein-Centrums-Hessen (ACH). „Wir haben in den vergangenen zwölf Jahren rund      10.000 neue Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen gepflanzt. Damit haben wir aber nur das ersetzt, was verfällt, und keine Neupflanzungen vorgenommen“, bedauert er.

Für eine reiche Apfelweinkultur wünscht sich Jörg Stier ein Umdenken, das als Initialzündung dient:  „Nur wenn der Apfel wieder die Wertschätzung erhält, die er verdient und wir über eine entsprechende Preiserhöhung die Arbeit der Erzeuger angemessen vergüten, werden wir lebendige Wiesen und gute Weine haben. Und dann - da bin ich mir sicher - ist auch mein Altersschoppen gesichert“, grinst er hoffnungsvoll.

 

Die Söhne                                                                                                 

Schon im Jahre 2009 ließ Jörg Stier seinen 20-jährigen Sohn Marco seinen ersten Jahrgang Apfelwein produzieren. Keine Melancholie, sondern ein „tragendes Gefühl“ ergreift Jörg Stier angesichts der Tatsache, daß die Tradition fortgeführt wird. Im Jahre 2013 hat er seine beiden Söhne

Marco und Laurin (25 und fast 20 Jahre alt) in die Kelterei mit einbezogen - und ihnen als Sahnehäubchen das gerade erschienene Buch „Vom Apfel zum Wein“ gewidmet. Er muß als Vater irgendwie den richtigen Ton getroffen und das Apfelweinthema so vorgelebt haben, daß sich seine Söhne dem nicht entziehen konnten.

Der ältere Sohn Marco ist bereits fest mit in den Betrieb eingestiegen. Die Mitarbeit des jüngeren Sohnes soll in wenigen Monaten vertraglich festgezurrt werden. Die Jungs haben die Verantwortung für die Weinbereitung übernommen. Mutter Brita sorgt als Designerin ungewöhnlicher Etiketten dafür, daß der Äppler optisch frisch, künstlerisch ansprechend und modern daherkommt. Einzig Tochter Nadine (28), die in Gießen Pädagogik studiert, tanzt da aus der Reihe.

Ob er seine Jungs mit der Peitsche oder mit außergewöhnlichem erzieherischem Talent dazu gebracht hat, mit ihm an einem Strang zu ziehen? Stier lacht: „Ich kann nix dafür“, sagt er und will von einem besonderen Händchen in pädagogischen Fragen nichts wissen. Marco entschied sich ein halbes Jahr vor dem Abitur, in den väterlichen Betrieb einzusteigen. Laurin tat drei Monate vor seinem Realschulabschluss kund, daß er es dem Bruder gleichtun wolle. Daß er kein Abitur hat, verleitet ihn zu der Äußerung, er sei das schwarze Schaf in der Familie. „Ich habe mich entschlossen, hier loszulegen, weil ich ein Erfolgserlebnis brauchte“, sagt er und hat dabei genau gefunden, was er in seiner Situation brauchte. „Wir 1ernen jetzt das Weinhandwerk gemeinsam“, sagt er, der mit 16 seinen ersten Äppler trank und dessen erstes alkoholisches Getränk „zugegebenermaßen ein Bier war“.

Als Kinder wurden sie keineswegs schon mit Äppler gefüttert, beteuern die Jungs. „Wir haben immer auf gesunde Ernährung geachtet“, wird Vater Jörg ernst. Der frisch gepreßte Apfelsaft war daher Getränk Nummer eins. Die Jungs nicken und bekunden, daß sie schon von klein auf beim Keltern mitgeholfen haben: „Ich war schon früh von den Apfelbergen fasziniert, die sich bei uns im Hof aufgetürmt haben“, sagt Marco. Er und sein Bruder halfen häufig mit beim Reinigen der Fässer. Erst zum Spaß, später auch als Ferienjob.

„Bei mir ist die Entscheidung lange gereift“, erklärt Marco, „schließlich konnten wir immer tiefer ins Thema einsteigen.“ Als sein Bruder ankündigte, daß er auch im Betrieb mitmischen wollte, hat sich Marco „total gefreut“. „Das ist für mich genial“, sagt der 24jährige, der nach dem Abitur in Geisenheim Weinbau studiert hat. Er schreibt seine Bachelorarbeit über den Schaumwein und hat den anderen Studenten gegenüber den großen Vorteil, daß er die Praxis im Haus hat und sich mit den Studien Zeit lassen kann: „Schließlich dauert die Flaschengärung neun Monate“.

Die Jungs sind zufrieden mit dem „Chef“, zumal dieser den Boss nicht raushängen läßt. Im Gegenteil. Von neuen Wegen und eigenen Ideen wollen sie heute noch nicht reden. Erst wollen sie mal das Handwerk noch besser erlernen. Aber sie sagen: „Wir haben die Möglichkeit, viele Ideen umzusetzen aufgrund der Manpower.“ Für Laurin ist die Arbeit mit dem Papa als Chef und dem Bruder als Kollegen positiv. „Wir sind offener zueinander, als man das mit fremden Kollegen wäre“ erklärt er, ohne sich die Probleme schönzureden, die es in Familien auch mal geben kann. So wie heute die Söhne vom Vater inspiriert werden (und umgekehrt), waren einst die Anfänge für Jörg Stier. „Ich bin nach dem Abi in den Keller geraten“, sagt er

Die Initialzündung sei die Erkenntnis gewesen, daß der Vater zwar nur eine einzige Sorte  Apfelwein gemacht habe, der aber dennoch aus jedem Faß anders geschmeckt habe. Das weckte Stiers Forscherdrang. Während er in Maintal mit Quitte und Schlehe veredelte, entdeckte er auf einer Spanienreise mit seiner damaligen Verlobten und heutigen Frau Brita den Cidre.

Der überquellende Ideenreichtum wurde mit einer soliden Ausbildung zum Industriemeister in Geisenheim am Rhein verknüpft, und das Geschäft entwickelte sich weiter Mit Freude erinnert sich Jörg Stier an damals und spricht von einer spannenden Zeit. Er sei froh miterlebt zu haben, wie der Äppler aus dem Dornröschenschlaf erwacht sei und daß er daran Anteil haben durfte.

Als Rentner sieht sich Stier noch nicht. Er ist überzeugt, daß er im Familienbetrieb immer etwas tun kann. „Der Apfelwein wird mein Thema und mein Weg bleiben.“ Marco und Laurin wollen ihm da keine Steine in den Weg legen. Sie sind schließlich auch schon so richtig mit dem Apfel(wein)-Virus infiziert. Wenn Laurin den Satz sagt: „Ich habe das Glück. mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben“, dann klingt das ehrlich und dem ganz ähnlich, was Bruder und Vater formuliert haben.

 

Epfeltranc

Stammkunden aus der Region horten das neue Getränk mit dem Namen „Epfeltranc“ seit der Erstabfüllung im April 2011 schon jetzt kistenweise. Die Besonderheit des „Epfeltrancs“ ist der hohe Gehalt an Essigsäure. „Das deutsche Weingesetz schreibt vor, daß Apfelwein maximal ein Gramm dieser flüchtigen Säure pro Liter enthalten darf. Andernfalls darf das Getränk nicht Apfelwein heißen. Im Baskenland haben die Apfelweine bis zu drei Gramm Essigsäure“, berichtet Jörg Stier, der selbst während eines Besuchs in Asturien Geschmack an den Weinen mit hoher flüchtiger Säure fand, die im Verdauungstrakt basisch wird und dadurch der ideale Genuß zu besonders fetthaltigen Gerichten ist. Die Idee für den „Epfeltranc“ war geboren.

Seit April füllt Jörg Stier das neue Produkt aus seinem Keller bereits ab, das sich jedoch nicht Apfelwein, sondern „Alkoholisches Getränk aus Äpfeln“ nennt. Der Begriff „Epfeltranc“ selbst hat eine lange Tradition und bezeichnete eben jenes Getränk, als das er nach deutschem Weingesetz nicht gilt: „Bis zum Dreißigjährigen Krieg war ,Epfeltranc' der gängige Begriff für Apfelwein“, weiß Jörg Stier.

Mit der Schöpfung des „Epfeltrancs“ hat Jörg Stier eine „Revolution im Gerippten“ eingeleitet, wie er selbst sagt. Denn generell scheuten Keltermeister die Essigsäure wie der Teufel das Weihwasser. Mit seinem Mut, mit der langen Tradition zu brechen, der prompt durch reges Interesse belohnt wurde, hat er einen weitverbreiteten Glauben in der Weinwelt ins Wanken gebracht - und das nicht zum ersten Mal. Auch Apfelschaumwein, roter und Rose-Apfelwein gärten das erste Mal im Keller von Jörg Stier.

Mit der Vielfalt der Apfelweinsorten verfolgt der Keltermeister primär das Ziel, die differenzierten Geschmackswünsche zu befriedigen - und dies vor allem auch zugunsten eines „höheren Zwecks“: Um die einmalige Kulturlandschaft zu erhalten. „Wenn wir über die Apfelweine die Wertschätzung dieser regionalen Produkte erhöhen, gelingt es uns vielleicht auch, eine höhere Wertschöpfung zu erreichen und damit ein Bewußtsein für die Pflege der Streuobstwiesen zu schärfen“, wünscht er sich. Nur wer den Apfel in seiner Vielfalt zu schätzen weiß, der engagiert sich für den Erhalt dieser Vielfalt - auch auf den heimischen Wiesen.

 

 

 

 

 

 

Hochstadt

 

Obst- und Gartenbauverein:

Im Versuchsgarten des Hochstädter Obst- und Gartenbauvereins wachsen „Stöffche“-Raritäten. „Kardinal Bea“ ist süß und wird feuerrot. Die „Bischofsmütze“ gleich nebenan ist eine wertvolle Seltenheit, und den „Kaiser Alexander da, den kriegen Sie in keiner Baumschule mehr“, deutet Kurt Hensel, der Baumwart und Keltermeister des Vereins, auf einen ausladenden Halbstamm mit grünen Riesenäpfeln. Natürlich gibt es einen Kaiser Wilhelm, eine Berliner Walze, besagten Kardinal, den Hochstädter Spitzapfel oder Haucks Mostapfel. Der Trierer Weinapfel reift sein zartgrünes Kernobst in der ersten richtigen Sommerhitze, die Schafsnase trägt volle Zweige.

Alle stehen am Hang in der geschützten Lage des „alten Versuchsgartens“. Hier, kurz hinter der Südumgehung, die Anfang der 80er das ehemals 5.000 Quadratmeter große Obstareal auf weniger als die Hälfte reduzierte, gedeihen 50 Apfelbäume. Besonderheit: Es sind Jahrzehnte alte Sorten, die es in Hessen gar nicht mehr gibt oder teils nurmehr in Hochstadt. Auch in Baumschulen sind sie nur noch selten zu finden. Wie etwa der Spitzapfel, seine schon erwähnte Hoheit „Alexander“ oder die „Bischofsmütze“, die sogar eine Delegation eines Fuldaer Institutes in den Hochstädter Versuchsgarten lockte, um Reiser fürs Veredeln zu erwerben.

Im Versuchsgarten können Hobby- oder Kleingärtner den Unterschied der Sorten kennenlernen, erfahren wie Schädlinge ohne Chemie bekämpft, wie Bäume richtig beschnitten werden oder welche Sorte welchen Standort braucht und wie lange die Äpfel lagerfähig sind. Welcher Laie weiß schließlich schon, daß der Apfel mit Stiel geerntet werden sollte und daß es Tafel- und Mostäpfel gibt, aber nicht alle lagerfähig sind. Die, die den Winter überstehen sollen, dürfen nicht auf der Rosette liegen, weil die Frucht hierdurch atmet. Was der Apfelwickler ist (nämlich ein Schädling) oder warum der unreife Apfel plötzlich schon im Juni vorn Baum fällt, dürfte auch nicht jedem Gartenbesitzer klar sein.

Die ältesten Bäume im alten Versuchsgarten sind an die 50 Jahre alt. „Oldenburger, die tragen immer noch gut“, sagt Hensel. Doch es gibt gleich in der Nähe vom Profi-Apfelweinkelterer Höhl auch ein neues Versuchsgelände mit an die 130 Bäumen. Der neue Versuchsgarten existiert seit Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre. Dort stehen die neueren Sorten, vor allem Spalieräpfel und Neuzüchtungen wie Alkmene, Goldparmäne, Cox Orange oder Golden Delicius. Das sind die neuzeitlichen Obstbäume, die guten Ertrag auf wenig Raum bringen und auch in kleinere Hausgärten passen, so Hensel. Zumeist süßere Sorten. „Das mögen die Leute heute lieber.“

Jedes Jahr feiern die Obst- und Gartenbauer in ihrem alten Garten an der Großschlaghohl / Hofgerichtstraße ihr Apfelweinfest (früher hieß es „Apfelweintrinken“). Denn schließlich werden die eigenen Obstbaumbestände nicht nur gepflegt, sondern auch geerntet. Seit dem Gründungsjahr 1903 gilt das Stöffche-Fest des Obst- und Gartenbauverein zu den beliebtesten Festlichkeiten in Hochstadt. Einer alten Tradition folgend, keltern die Obst- und Gartenbaufreunde ihr Lieblingsgetränk neuerdings wieder selbst; genaugenommen, seitdem 1990 Otto Schmidt zum Vereinsvorsitzenden gewählt wurde. Schmidt hat dank seines großen Kellers die Möglichkeit, den gekelterten und gemosteten Apfelwein einzulagern. Der Geschmack des Eigenprodukts ist vergleichsweise lieblich - der Alkoholgehalt von annähernd sieben Prozent dagegen ungewöhnlich reichlich. Die Früchte für den edlen Selbstgekelterten wachsen in den vereinseigenen Versuchsgärten - im alten am Großschlaghohl und im neuen, hinter der Firma Höhl Richtung Wachenbuchen. Rund 150 Gäste kamen am Samstagabend, als die Temperaturen etwas erträglicher wurden. Bei Gegrilltem, Musik, Apfelwein und -saft ließen sich die „Stöffche“- Freunde gern verwöhnen - und das zu anständigen Preisen.

Bei dem Verein kann sich hier jeder interessierte Mitbürger über Obstbaumschnitt und -pflege, aber auch über die ökologische Bedeutung der Streuobstwiese informieren lassen - der gute Kontakt zur örtlichen „Vogelschutzgruppe Maintal“ ist da nur folgerichtig. Der Verein hat rund 250 Mitglieder, allerdings meist im höheren Alter. Deshalb steht bei den Gartenbaufreunden die Jugendarbeit im Vordergrund: Seit zwei Jahren arbeiten Otto Schmidt und Kollegen mit dem Kinderhort Schillerstraße in Bischofsheim und der Kindertagesstätte Berliner Straße in Dörnigheim zusammen. Die Kinder haben Baumpatenschaften übernommen, die mit der Pflanzung der Bäume begonnen haben. Von der Blütezeit über die Wachstumsphase bis zur Ernte besuchen sie regelmäßig ihre Bäume. Drahtkörbe, die die jungen Bäume vor gefräßigen Wühlmäusen schützen, bauen die Hort- und Kita- Kinder selbst.

Gekeltert wird im sechs Meter tiefen Naturkeller eines Vereinsmitgliedes, wo optimale Temperaturen herrschen. Gearbeitet wird mit Handkraft an einer alten, restaurierten Presse. 800 bis 1000 Liter werden den süßen und sauren, den neuen und alten Apfelsorten der Versuchsgärten auf diese Weise entpreßt. Und natürlich darf der Speierling nicht fehlen, der auch im Versuchsgelände wächst. Der Verein denkt im Herbst, so Kassierer Schubert, erstmals daran, ein Kelterfest zu veranstalten. „Von der Lese bis zum Trinken machen wir alles selbst“, lacht Schubert.

Jeden ersten Sonntag im Monat, von 10 bis 12.30 Uhr, lädt der Verein im neuen Versuchsgarten zu Informationsveranstaltungen . Auskünfte gibt Baumwart Kurt Hensel unter der Rufnummer 06181/43 18 39.

Am Sonntag, 26. September 1999, ab 11 Uhr, fand ein Schaukeltern des Obst- und Gartenbauvereins statt. Eingeladen wird in den alten Lehr- und Versuchsgarten an der Großschlaghohl (Hofgerichtsstraße). Für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Im Rahmen der Beratungsvormittage lud der Obst- und Gartenbauverein Hochstadt für Sonntag. 3. November 2013, zum Apfelschmecken ein. Von 10 bis 14 Uhr fand eine Apfelverkostung statt, zudem bot Verein-Produkte aus eigener Herstellung an. Die Veranstaltung fand im Versuchsgarten an der Straße Groschlag-Hohl statt, für das leibliche Wohl der Besucher ist gesorgt.

Im Vereinsheim des Obst- und Gartenbauvereins Hochstadt drehte sich im November 2013  alles um die Äpfel. Unter dem Motto „Wir wissen wie er schmeckt, Sie auch“ wurde zum ersten Apfelschmecken in Hochstadt eingeladen. Sie werden nicht nur roh gegessen, sondern sie werden gebraucht für Apfelsaft, Apfelwein, Apfelkuchen, Apfelgelee und Apfelmus. Bei der Vielzahl von Sorten im heimischen Garten und im Handel stellt sich die Frage, welcher Apfel sich für welche Zubereitung am besten eignet. Deshalb wurden nicht nur verschiedene Sorten vorgestellt, sondern jeder konnte probieren, welcher Apfel seiner Meinung nach für bestimmte Rezepte besonders gut geeignet ist. Der Fachwart Martin Scharping erklärte alles rund um den Apfel, ebenso konnten Honig, Gelee und Obst sowie diverse Schnäpse von verschiedenen Selbsterzeugern verkostet und gekauft werden.

 

Geflügelzuchtverein:

Im Januar führt der Geflügelzuchtverein Hochstadt jahrelang eine Geflügelausstellung im Bürgerhaus durch. Aus der Zeit der Gründung des Vereins  im Jahre 1900 stammt der original Hochstädter „Eierwipp“, ein oft kopiertes, aber nie erreichtes Gebräu aus selbstgekeltertem Apfelwein, Eigelb, zu Schnee geschlagenem Eiweiß, Zucker und einer Reihe weiterer Zutaten. Damals kamen die Züchter abends mit ein paar Eiern in den Manteltaschen ins Gasthaus, die sie dann in ihr „Stöffche“ schlugen - und schon war der „Eierwipp“ geboren. Später verfeinerte man das Rezept, das noch heute als Hochstädter Spezialität gilt. Das Originalrezept ist übrigens streng geheim und wird von Generation zu Generation mündlich überliefert.

 

Weitere Veranstaltungen

Im Hof der Familie Rohn in der Hochstädter Hauptstraße hat sich im Oktober 1990 eine fröhliche Apfelweinrunde für die Fernsehkamera zusammengefunden.. Das Kamerateam von „Hessen drei unterwegs“ zeichnete für die Sendung „Hessen à la carte“ einen Beitrag für die zwölfte Folge auf, die am 5. Dezember gesendet wird. Ria Rohn steuerte zu diesem kulinarischen Streifzug durchs Hessenland Hefeklöße mit Apfelweinsoße nach einem alten Familienrezept bei. Einmal spielte sie die Wirtin, die der fröhlichen Hofrunde Apfelwein aus dem Bembel einschenkt, und dann ist sie die Köchin, die die Apfelweinsoße zubereitet. In fröhlicher Runde wurde im Hof geschunkelt und gesungen, kreiste der Bembel und als Dekoration lachten rotbackige Äpfel auf der rot-weiß- karierten Tischdecke. Alfred Schneider und Hans Röder beg1eiteten mit dem Akkordeon den Gesang.

Und in der Sendung am 5. Dezember wird die Szene eingebettet sein in Bilder aus der Hochstädter Landschaft, die das Kamerateam am Freitagvormittag aufgenommen hatte. Von der Sendung selbst gibt es Videos, die zum Selbstkostenpreis vom Hessischen Rundfunk angeboten werden und von den Kommunen als Werbemittel eingesetzt werden können. Um die ersten zehn Sendungen sind bereits in Buchform erschienen.

 

Am 23. August 1991 lud der Verein Heimat-Museum zu einem Vortrag ins Historische Rathaus ein mit dem Thema „Der Apfelwein - Geschichte und Geschichten“. Referent war der berühmte „Bembel-Lenz“, der  jahrelange CDU- Landtagsabgeordnete Helmut Lenz aus Frankfurt. Er verstand es,  die Apfelweingeschichte und die Geschichte des Zubehörs verständlich und in humorvoller Form zu vermitteln.

 

Die 42. Tagung der Heimatstelle des Main-Kinzig-Kreises fand im März 1992 in der Apfelwein- „Hochburg“ Hochstadt statt. „Hochstadt liegt heute inmitten Europas größten Streuobstgebietes“, schilderte Referentin Dr. Johanna Höhl-Seibel im vollbesetzten Bürgerhaus. Gerade das direkte Gegenteil eines Reizklimas begünstige den Wuchs der benötigten Äpfel. Die von Mittelgebirgen umgrenzten Mainauen seien einst ein Sumpfgebiet gewesen. Im ständig wachsenden Frankfurt sei auch der Bedarf nach frischem Obst gestiegen. Im Laufe der Jahrhunderte sei das Know-how im Apfelweinkeltern verfeinert worden. Das seien typische Gründe für das Vordringen der Apfelbäume und für die Popularisierung des „Stöffche“'. Das beste und wichtigste Obst stamme aus den heimischen Streuobstbeständen, doch in Zeiten großer Ernteausfälle müsse man heute leider Obst aus dem süd- und osteuropäischen Raum zukaufen. Am Nachmittag zeigte sie den Tagungsteilnehmern bei einer Betriebsbesichtigung die Praxis der Apfelweinherstellung. Es gab noch einen weiteren Vortrag von Ingeborg Schall über „1200 Jahre Dörnigheim in der Geschichte“ und eine Ortsführung durch Ursula Pohl.

 

Leider gibt es in Hochstadt auch Randalierer, die im Dezember 1997 auf der Streuobstwiese der Familie Buchalik „Am Höllenrain“ über zehn der 17 Bäume verstümmelten. Außerdem wurden Planen und Schutzdrähte zerstört. Der Schaden beläuft sich auf rund 3.000 Mark. Das Streuobstgebiet ist für jedermann zugängig und offen, da allen Bürgern die Möglichkeit gegeben werden soll, die schönen Streuobstwiesen zu betreten und sich daran zu erfreuen. Die frevlerische Tat „Am Höllenrain“ war kein Einzelfall: In einem Streuobstgebiet auf der Hochstädter Hartig trieben die Täter mit Messern ihr Unwesen und kannten für die kleinen Bäume keine Gnade.

 

Hotel Krone:

Im Jahr 1999 erlebte das Gebäude in der Hauptstraße 18 nun zum zweiten Male die Wiedergeburt des Hochstädter „Stöffche“. Matthias Schöpel, Inhaber des Hotels „Krone“ in Hochstadt, ermöglichte dies durch den Kauf einer Apfelweinpresse. Und so duftet es seit dem vergangenen Wochenende im Hinterhof der „Krone“ wieder nach Trester und frisch gepreßtem „Süßen“. Einige Mitglieder der Hochstädter Radballer erlebten die Geburtsstunde mit und kelterten ihre tags zuvor geernteten Äpfel. Zwar geht das Pressen heute vollautomatisch, aber es ist immer noch mit 90prozentiger Handarbeit verbunden, bis der „Süße“ im Glas ist. Am Abend hatten die Radballer rund 2.000 Liter gepreßt und waren völlig erschöpft. Aber so schmeckte der Schoppen doppelt so gut. Wer sich ausgiebig über das Keltern informieren möchte, kann sich an Matthias Schöpel, Telefon (0 6181) 4 60 08 wenden.

Der Gasthof „Zur goldenen Krone“ wurde im Jahr 1779 gegründet und ist seit dieser Zeit in Familienbesitz. Außer dem Gasthof gab es auf dem Hof noch Landwirtschaft, Weinbau und später eine Apfelweinkelterei mit deutschlandweitem Versand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kelterei aufgegeben. Matthias Schöpel, der das jetzt zum Haus gehörende Hotel Krone betreibt, begann vor einigen Jahren wieder mit der Tradition des Kelterns von Äpfeln. Die alten Streuobstwiesen bepflanzte er zum Teil nach ökologischen Gesichtspunkten neu, nutzte sie extensiv und verarbeitete das Obst zu Apfelwein. So gibt es jetzt etwa 100 Apfelbäume, großteils alte Sorten, Speierlingsbäume, Zwetschgen, Nußbäume, Birnen und Kirschen.

In der kleinen Kronenkelterei und dem alten Gewölbekeiler werden die Äpfel verarbeitet und reifen zu außergewöhnlichen Apfelweinen wie Speierling und Quittenapfelwein sowie sortenreine wie Boskop und Rheinischer Bohnapfel.  Aber auch angelieferte Äpfel werden nach Terminabsprache gekeltert und Kunden können ihren Apfelwein im Keller von Matthias Schöpel lagern. Gekeltert wird von Mitte September bis Anfang November; jeweils an Sonntagen, an denen es auch ein Kelterfest geben wird, natürlich wird dann auch der frische Süße ausgeschenkt und verkauft. Aber auch Kellerführungen mit Apfelweinproben werden angeboten. Zur Probe kommen verschiedene Sorten und Jahrgänge sowie eigene Apfelbrände. Hotel Krone, Kronenkelterei, Hauptstraße 18, Hochstadt, Telefon (061 81)4 6008, E-Mail:   Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

 

Auch in Hochstadt gibt es seit 2004 zwei offizielle Raststationen der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute Regionalschleife Main-Kinzig, die Kronenkelterei Matthias Schöpel - Hotel Krone, Hauptstraße 18, und der Hofladen Weinberghof, Rudolf und Thomas Schmidt GbR, Weinbergstraße 18. Im Rahmen einer kleinen Feier bekamen die Kronenkelterei und der Weinberghof von der Vorsitzenden der Regionalschleife Main-Kinzig, der Nidderauer Stadträtin, Monika Rölling, das Partnerschild mit Urkunde verliehen. Damit werden die beiden Raststationen für alle Hochstädter Besucher an ihren Gebäuden kenntlich gemacht.

Auch der „Apfelbote“, die Zeitschrift der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute, wird die beiden Hochstädter Betriebe in Zukunft aufführen. Dies bringt der Kronenkelterei und dem Weinberghof einen hohen Bekanntheitsgrad, denn hier werden alle saisonalen Termine der Mitgliedsbetriebe, -gemeinden oder -kommunen der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute veröffentlicht. Die Zeitschrift erscheint nicht nur im Main-Kinzig-Kreis, sondern auch überregional von Gießen bis in den Odenwald. Damit ist der „Apfelbote“ auch beim Zusammenstellen einer Fahrrad- oder Wandertour sehr hilfreich. Die Routen sind an den Kreisgrenzen an die Routen der Nachbarkreise angeschlossen. Der „Apfelbote“ ist an allen Stationen erhältlich, also auch bei der Kronenkelterei und im Weinberghof.

 

Wenn demnächst auf dem Hochstädter Distelberg auffällige Gestalten die Obstbäume genau unter die Lupe nehmen - nicht wundern. Denn ab September 2006 machen sich so genannte Pomologen, das sind hochspezialisierte Kenner der verschiedensten Apfelsorten, an die Arbeit, um dort die zahlen- und sortenmäßige Zusammensetzung des Obstbestandes zu erfassen.

Der Pomologe Dr. Werner Schuricht, Günter Nehls vom Kreisverband Hanau und Kurt Hensel vom OGV Hochstadt interessierten sich im September 2006 nicht nur für bekannte, sondern auch für unbekannte Obstsorten. Die Kenner entnehmen Proben der Früchte und markieren die Bäume, um später auch die nicht alltäglichen Sorten bestimmen zu können. Die Ergebnisse dienen der Obstsortenkartierung des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Main-Kinzig, der in den ausgedehnten traditionsreichen Streuobstwiesen Maintals so manche in Vergessenheit geratene Obstsorte erwartet.

 

„Endlich kann mit der systematischen Suche nach so manchem pomologischen Schatz in den Maintaler Streuobstwiesen begonnen werden”, begrüßt Dr. Dieter Fritz, Sprecher des Arbeitskreises Streuobst Maintal, die in Kürze beginnende Obstsortenkartierung am Hochstädter Distelberg. Denn der Arbeitskreis und der Landschaftspflegeverband (LPV) Main-Kinzig vermutet so manche rare Apfelsorte in den ausgedehnten traditionsreichen Streuobstwiesen von Maintal.

So wurde vor einiger Zeit eine ausgestorben geglaubte Apfelsorte, die Hochstädter Bischofsmütze, in den Streuobstwiesen gefunden. Dies bestärkte die Streuobstliebhaber in ihrem Bestreben, endlich systematisch bisher eventuell unentdeckte Schätze sowie die zahlen- und sortenmäßige Zusammensetzung des Obstbestandes zu erfassen. Letzteres müßte vor allem auch die „Stöffchen"-Hersteller interessieren, garantiert doch gerade die richtige Mischung der Apfelsorten die einzigartige Qualität und den unverwechselbaren Charakter des hiesigen Apfelweins.

Dem Arbeitskreis Streuobst ist es nunmehr gelungen, gemeinsam mit dem LPV Main-Kinzig die notwendigen Finanzmittel aufzutreiben, um Pomologen mit bundesweitem Ruf, hochspezialisierte Kenner der verschiedensten Apfelsorten, ab September die Bäume begutachten und den korrekten Sortenbezeichnungen zuordnen zu lassen.

In einem ersten Durchgang „bearbeiten” die Fachleute in diesem Jahr etwa 2000 Bäume. Der Zeitraum, in dem das geschehen kann, ist sehr kurz, da Früchte und Blattwerk zur Beurteilung herangezogen werden müssen. Den Anfang machen die Pomologen auf den Grundstücken im geschützten Landschaftsbestandteil Distelberg in Hochstadt. Dort werden sie jeden Baum be­stimmen. Da manche Bäume nicht in jedem Jahr tragen oder die Zuordnung nicht ganz klar ist, müssen sie bei der nächsten Kartierung noch einmal betrachtet werden, um sichere Ergebnisse zu bekommen. Damit die Bäume eindeutig wieder gefunden werden können, werden die nicht genau identifizierten Obstbäume mit kleinen numerierten Alu-Plättchen markiert. Diese Markierung ist absolut unschädlich für die Bäume.

Der Arbeitskreis Streuobst und der Landschaftspflegeverband bitten die Eigentümer und Passanten, auf jeden Fall die Plättchen am Baum zu belassen. Selbstverständlich sind die Ergebnisse der Kartierung jedem Eigentümer nach der Beendigung der Untersuchung zugänglich. „Wir erwarten mit diesem Projekt aber nicht nur die. Entdeckung mancher pomologischer Rarität. Wesentlicher sind für uns, die aus dieser Untersuchung zu ziehenden Erkenntnisse für die nachzupflanzenden Sorten.” Rückfragen können an den Arbeitskreis Streuobst, Sprecher Dr. Dieter Fritz, Telefon .(0 61 09) 6 55 43 oder den Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis, Telefon (0 60 51) 88 34 30 jederzeit gerichtet werden.

 

Der Himmel über Maintal zeigte sich Anfang September 2006  zwar bedeckt und wolkenverhangen, interessiert und gutgelaunt zeigten sich jedoch die Besucher des vom Arbeitskreis Streuobst zum fünften Mal veranstalteten Streuobstwiesenfestes. Am Hochstädter Schützenhäuschen genossen zahlreiche Gäste - begleitet von Gerd Müllers Akkordeonmusik - Apfelschmalz, Apfelweinbrot, Hessen-Tapas, ein gutes „Stöffche” und andere Köstlichkeiten rund um den Apfel.

Bürgermeister Erhard Rohrbach und der Erste Stadtrat Erik Schächer nutzten ebenso wie viele andere Besucher die Gelegenheit und informierten sich im Rahmen von geführten Wanderungen über den Zustand der hiesigen Streuobstwiesen sowie über die Vielfalt und Bedeutung dieses Biotops, wobei angesichts der beabsichtigten Streichung der Streuobstwiesen als besonders geschützter Biotop in Hessischen Naturschutzgesetz auch politisch über den erforderlichen und angemessenen Schutz der Streuobstwiesen diskutiert wurde.

Das Fest gibt den Besuchern die Gelegenheit, bei geführten Wanderungen durch die Streuobstwiesen etwas über die bis zu 5000 hier lebenden Tier- und Pflanzenarten, über Orchideen wie Mücken-Händelwurz und Große Windröschen, über die 1200 Apfelsorten, 320 Zwetschgensorten und 1000 Birnensorten zu erfahren. Außerdem werden Schmetterlingskundler, Imker und Vogelkundler interessierte Bürger in besondere Kosmen einführen.

Da auch die kleinen Gäste bei Spielen und einem Quiz mit Annika Hensel ihren Spaß hatten, erwies sich der Sonntagsausflug zum Schützenhäuschen in Hochstadt als Gewinn für die ganze Familie. Der besondere Dank des Arbeitskreises gilt den Mitgliedern der Vogelschutzgruppe Maintal und den Mitarbeitern der Tier- und Wildpflegestation Nidderau-Ostheim, die mit ihren Info-Ständen wesentlich zum Gelingen des Festes beitrugen sowie der Kelterei Stier für die großzügige Bereitstellung der Getränke. Die geplante Bestimmung der Apfelsorten muß leider entfallen, da der eingeladene Pomologe leider kurzfristig verhindert ist.

 

Der Kreisverband Hanau der Obst- und Gartenbauvereine (OGV) hat im April 20o13 zu seinem ersten Kreisstammtisch ins Vereinsheim des OGV Hammersbach in Langen-Bergheim eingeladen. Thema des Abends war die traditionelle Verkostung und Prämierung der selbst gekelterten Apfelweine. Der von einer fachkundigen Jury festgestellte Sieger erhielt neben Ruhm und Ehre den Wanderpokal des Kreisverbands. 42 Proben wurden abgegeben, darunter sieben des OGV Hochstadt, die folgende Plätze belegten: Der fünfte Platz ging an den Vereinsschoppen des OGV Hochstadt, Platz sechs an Heidi Kalbhenn sowie Platz acht an Walther Kalbhenn. Rang elf sicherte sich Sabine Meiners mit ihrem Stöffchen. Platz 15 ging an Stefan Weber, auf Rang 19 folgte Matthias Haardt mit seinem Apfelwein, auf Platz 20 Doris Richter.

 

Als der städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt Maintal und dem Main-Kinzig-Kreis zur Entwicklung und Erschließung des Neubaugebiets „Am Weides“ in Hochstadt geschlossen wurde, wurde unter anderem vereinbart, daß die Stadt Maintal die „Weidenkaute“ in einer Größe von rund elf Hektar kostenlos in ihr Eigentum übernimmt und als Ausgleichsfläche für das Baugebiet als Streuobstwiese erhält und weiterentwickelt. Daraus resultierend starteten die Stadt und der Arbeitskreis Streuobst im Oktober 2013 das Modellprojekt „Nutzung gegen Pflege“. Im Rahmen des Modellprojekts überläßt - in einem Vertrag geregelt - die Stadt interessierten Pächtern die jeweiligen Streuobstwiesenparzellen unentgeltlich zur Nutzung. Im Gegenzug verpflichten sich die Privatleute zur fachgerechten Pflege der Wiesen und Obstbäume.

In Zeiten versiegender Finanzquellen und zuungunsten der Streuobstwiesen verschobener Prioritäten in der öffentlichen Förderung sei es laut Magistrat auch in Maintal immer schwieriger geworden, die für die aufwendigen Landschaftspflegearbeiten notwendigen Mittel zu beschaffen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, daß es sich um regelmäßig wiederkehrende Maßnahmen handele. Darüber hinaus habe die Nachhaltigkeit in Frage gestanden, da einige der privaten Grundstückseigentümer die erforderlichen Arbeiten nicht mehr erbringen könnten. So mußte also eine neue Herangehensweise gefunden werden.

Aus den Erfahrungen in anderen Streuobstgebieten und den verstärkten Nachfragen beim Umweltbüro der Stadt sei ein steigendes Interesse vor allem bei jungen Familien abzulesen gewesen, die ein Grundstück zur Pacht suchten, sei es, um einen Alltagsausgleich zu haben oder um eigene Obstprodukte herzustellen.

Auf dem großen und zusammenhängenden Gebiet der Hochstädter „Weidenkaute“ habe sich daher die einmalige Gelegenheit geboten, neue Wege bei der Erhaltung der Streuobstwiesen zu gehen. Im Sinne einer nachhaltigen Betreuung der Flächen sei klar gewesen, daß die bestmöglichen Erfolge durch das persönliche Engagement der Privatpersonen gewährleistet werden könnten. Denn Landschaftspflegefirmen handelten nur zum Zeitpunkt und gemäß des Inhalts ihres Auftrags. Streuobst jedoch brauche standort- und sortenangepasste und viele Jahre lang anhaltende Fürsorge.

Für die Vermittlung der Grundstücke an die interessierten Pächter wurde eine Lotsin bestimmt, diese Aufgabe übernahm die Hochstädterin Anika Hensel. Außerdem wurde vereinbart, daß die neuen Besitzer über einen Zeitraum von drei Jahren - von Beginn dieses Jahres bis Ende 2015 - von Mitgliedern des Arbeitskreises fachlich begleitet werden, da man davon ausgehen müsse, daß es das früher alltägliche Wissen um die richtige Behandlung von Streuobstwiesen so nicht mehr gebe.

Nachdem im Sommer vergangenen Jahres ein Besichtigungstermin auf der Streuobstfläche mit interessierten Bürgern stattgefunden hatte, wurden im September/Oktober 2012 acht Pachtverträge abgeschlossen. Zwei weitere Pächter wurden in den Folgemonaten gefunden, so daß nach neun Monaten alle Teilgebiete der „Weidenkaute“ vermittelt waren.

Die positiven Erfahrungen auf dem Hochstädter Gebiet werden nun seit Sommer auf ein Streuobstareal in Bischofsheim übertragen. Das von städtischer Seite und dem Arbeitskreis Streuobst ausgewählte Gebiet „Am Junker/ Im Erken“ liegt im östlichen Eingangsbereich Bischofsheims. Von den Bewohnern des durch die Einfallstraße getrennten gegenüber liegenden Wohngebiets sei die Streuobstfläche zur Naherholung stark frequentiert.

 

Kelterei Höhl

 

Entwicklung

Gründer der Firma war Michael Weber. Als Gründungsjahr nimmt die Familie das Jahr 1779 an, das der Heimatforscher Wilhelm Mankel herausgefunden haben wollte. Doch damals war Michael Weber gerade einmal 17 Jahre alt. Wahrscheinlicher ist, daß er sich erst 1785 nach seiner Hochzeit im Haus Hauptstraße 18 - gegenüber seinem Elternhaus Hauptstraße 21 - selbständig machte.

Es ist auch sicher, daß er ins einer Wirtschaft in erster Linie Wein verkaufte. Der Apfelwein spielte damals nur eine geringe Rolle, er wurde nur in den Famiilien hergestellt und getrunken. Es ist deshalb falsch, wenn die Familie angibt: „Michael Weber gründet in Hochstadt eine Apfelwein‑Kelterei. Obwohl Hochstadt Ende des 18. Jahrhunderts eine blühende Weinbaugemeinde war und der Anbau von Äpfeln und anderem Obst nur eine untergeord­nete Rolle spielt, sah der Gastwirt Michael Weber als Erster eine Zukunft im Apfelwein. Er gründete das Stammhaus der heutigen Kelterei Höhl, um das „Stöffche“ in der eigenen Wirtschaft auszuschen­ken. Bald lieferte Weber an andere Gaststätten und Privathaushalte bis nach Frank­furt!“

Als Michael Weber 1817 stirbt, erbt sein Schwiegersohn Johannes Strohl die Kelterei. Nach dessen Tod 1836 übernimmt Schwiegersohn Wilhelm Schales den Betrieb. Im Jahre 1860 übernimmt wieder der Schwiegersohn Georg Rauch das Geschäft  und „regiert“ fast 50 Jahre.

Jetzt erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts blühte der Versandhan­del auf. Fässer mit Apfelwein wurden in alle Gebiete Deutschlands geschickt, bis nach Flensburg, wie das Versandbuch ausweist. Der Apfelwein wurde in Fäs­sern per Bahn oder Pferdefuhr­werk in die Gaststätte, aber auch ins Haus gesandt. Vor allem bessere Leute ließen sich den Apfelwein in Fässern ins Haus bringen.

Im Jahre 1909 übergab Georg Rauch die Leitung an seinen Sohn Wilhelm, der den Betrieb durch die schweren Jahre des Ersten Weltkriegs führt. Im Jahre 1934 übernimmt Schwiegersohn Wilhelm Höhl (1902‑1967), dessen Name die Kelterei seitdem trägt, das Ruder. Er  verlegte 1934 Kelterei zunächst  in die Hauptstraße 63.

Durch die Vielzahl der Anbieter kam es zu einem enorm harten Wettbewerb, der schnell zu einem katastrophalen Ver­fall der Erzeugerpreise führte. Die Kelterei Höhl hatte schon frühzeitig, versucht, diesem Trend entgegenzusteuern. Sie sah hierfür nur einen Weg: Es mußten Markenartikel geschaf­fen werden. Anfang der 50er Jahre galt es aber auch, Fertiggetränke für die Selbstbedienungsläden herzustellen, denn es wurde jetzt bevorzugt im Haus getrunken. Als erster Markenartikel wur­den „Goldturm“‑Fruchtsäfte herausgebracht.

Als die Kelterei aber nach 30 Jahren an die Grenzen ihrer Ausbaufähigkeit kam, machte sich Wilhelm Höhl ein zweites Mal in seinem Leben daran, eine ganz neue Kelterei zu errichten.

Seine Ideen zur Rationa­lisierung des Be­triebsablaufes bewirkten, daß das alte Betriebs­anwesen den Anforderungen nicht mehr ge­wachsen war. So entstand 1963 am Ortsrand von Hochstadt in der heutigen Konrad-Höhl-Straße ein moderner Betrieb, der durch seine vollautomatischen Einrich­tungen und die damit verbundenen Arbeits­erleichterungen einen außergewöhnlichen Eindruck macht. Ein eigener Fuhrpark wurde aufge­baut. Das Schwergewicht wurde auf die Flaschenabfüllung ge­legt, weil der Absatz über den Lebensmittelhandel immer mehr an Bedeutung gewann.

Im Mai 1967 erlag Wilhelm Höhl  kurz vor der Vollendung seines 65. Lebensjahres einem Herzschlag. Wilhelm Höhl hat als erster und bisher ein­ziger Apfelwein‑Hersteller dieses hessische ­Volksgetränk in Ham­burg wie auch in Mün­chen eingeführt und populär gemacht. Deutlich­stes Beispiel für diese Entwicklung ist, daß „Hochstadt“ durch aus der Kelterei Wilhelm Höhl stammende Erzeugnisse auch auf der Weltaus­stellung 1967 in Montreal (Kanada) ver­treten ist. Aus dem handwerk­lichen Familienbetrieb schuf er einen vorbild­lichen Be­trieb, der schließlich  zu den größten und bedeu­tend­sten seiner Branche zählt.

 

Verständnis für alle sozialen Belange und ein offenes Ohr für alle, die den Verstorbenen an­sprachen, kennzeichneten seine Persönlichkeit, die durch ein aufrechtes, gewinnendes Wesen bekannt und beliebt war. Seine Erfolge beru­hen nicht zuletzt auf seiner korrekten Art, im Bestreben, in allen Dingen gerecht zu sein.

Auf dem Höhepunkt seines beruflichen Lebens gab er mit der Alleinherstellung der Apfelwein‑Marke „Blauer Bock“ seinem Unter­nehmen eine beachtliche Sonderstellung mit großen Möglichkeiten. Durch die gleichnamige Fern­sehsendung wurde die Marke zu einem Begriff.

So haben Millionen von Flaschen‑Eti­ketten mit der Bezeichnung „Der echte Hoch­städter“ (Apfelwein) die Kelterei verlassen und machten so den Namen der Gemeinde durch Wilhelm Höhl zu einem überregionalen Begriff für „Äppelwoi“.

 

Nach Wilhelm Höhls Tod übernehmen 1967 die Söhne Rudolf, Otto und Wilhelm Höhl in der achten Generation das Geschäft. Seit 1970 gibt es „Alter Hochstädter Speyer­ling“. Im Jahre 1973 wurde die Hochstädter Apfelweinkelterei der größte Apfelweinhersteller in der Bundesrepublik. Insgesamt wurden über 16 Millionen Flaschen abge­füllt, bei Spitzenleistungen bis zu 200.000 Flaschen pro Tag.

Die Firma ließ sich immer wieder neue Ideen zur Vermarktung einfallen. So bildeten auf den Kronenkorken der Höhl‑Markenapfelweine 2‑Penny‑Stücke einen zusätzlichen Kauf­anreiz. Das Penny‑Sammelprogramm bot eine breite Palette von Bilderserien und Bildbänden für jung und alt; es gab sogar Sammelalben mit Stereo‑ Langspielplatten.

Dann lieferte man auch die Marken‑Apfelweine an die Gas­tronomie in sogenannten Contai­nern. Diese Spezialbehälter aus Edelstahl fassen 18,9 Liter und sind problemlos an jedes Cola‑Zapfgerät anzuschließen. Dem Wirt brachte diese Neuerung außer Arbeits­erleichterung auch eine Kostenersparnis.

 

Goldener  Bembel

Ab 1969 veranstaltete die Firma Wilhelm Höhl den Wettbewerb um den „Goldenen Bembel“, Im Mit­telpunkt stehen erneut Marken‑Apfel­weine und Fruchtsäfte, die ausschließlich für den Vertrieb durch den Getränke-­Fachgroßhandel reserviert sind. Durch Mithilfe des Fachgroßhandels sollte das Qualitätsbewußtsein des Apfelwein‑Ver­brauchers merklich gesteigert werden. Die Firma Wilhelm Höhl Hochstadt belohnt das Interesse der angeschlosse­nen Fachgroßhändler seit 1969 alljähr­lich mit dem „Goldenen Bembel“ und Sachpreisen in Form von Apfelwein. Entscheidend für die Punktebewertung ist der relative Erfolg, den ein Betrieb beim Absatz von Qualitäts‑Apfelwein innerhalb seines Verkaufsgebietes er­zielt, so daß auch kleinere Großhändler eine Gewinn‑Chance haben.

Obwohl ausschließlich Getränke‑Fach­großhandlungen zum Wettbewerb zuge­lassen waren, hatten sich wieder weit über 600 Firmen beteiligt, nicht zuletzt angelockt durch die zahlreichen attrakti­ven Sachpreise. Denn außer dem Haupt­preisträger gab es noch weitere 50 glück­liche Gewinner, die insgesamt 33.000 Li­ter Apfelwein in Empfang nehmen konn­ten.

Im Jahre 1974 wurde bei der Veranstaltung im Kurhaus Wil­helmsbad der Firma Hugo Rapp aus Kelsterbach der Goldene Bembel 1973 durch Mona Roth, amtierende Apfelweinkönigin aus Steinheim, überreicht.

Weitere Preise gingen unter anderen an die Firma Oskar Genielke aus Erlensee.

Im Rahmen einer kleinen Feier, die am 16. Februar 1975 traditionsgemäß im Kurhaus Wilhelmsbad bei Hanau stattfand, wurde mit dem Preis die Getränke‑Vertriebsfirma Alexander Lou­lakis, Frankfurt/M., Gerber­mühl­straße 38, ausge­zeichnet. Die begehrte Trophäe, mit der ein zusätzlicher Sachpreis von 1,200 Litern Apfel­wein verbunden ist, wurde dem Firmenchef übereicht wurde von der amtierenden Bundesapfelweinkönigin Kathleen Schröder aus Steinheim.

Den „Goldenen Bembel 1975“ erhielt Willi Heurich, derzeit Fuldas Faschingsprinz Willi XXXV. Überreicht wurde ihm die hohe Aus­zeichnung von der amtierenden Bundes-­Apfelweinkönigin Heide Bauer, Wirtin von der „Burgschänke“ in Steinheim am Main. Hauptberuflich ist er nämlich Geschäftsführer der Getränke­großhandlung Heurich & Co. GmbH in Petersberg bei Fulda, die unter rund 700 teilnehmenden Firmen als Siegerin aus dem Wettbewerb um den begehrten „Oskar des Apfelweins“ hervorgegangen war.

Aber auch die 50 Nächstplacierten hat­ten Grund zur Freude. Sie erhielten ins­gesamt 25.000 Liter Apfelwein als Sach­preise. Davon gingen je 1.200 Liter nebst Ehrenurkunden an die Firmen: Karl Fritz OHG, Bad Homburg; Griesheimer Getränkegroßhandlung Geiger, Frankfurt; Friedrich Haller, Egelsbach; Hans Jäger, Offenbach; Willy May, Wiesbaden; R. Mies & Söhne OHG, Bad Soden/Taunus; Thornagel OHG, Heringen; Hans Vering, Camberg; Wilhelm Volp & Sohn, Fried­berg.

Sieger und damit Gewinner des „Goldenen Bembels 1979“ wurde der Getränkevertrieb Wiegand KG. Der „Goldene Bembel 1979“ wurde von Apfelweinkönigin Eva 1. Bergen-­Enkheim überreicht. Weitere 40 Teilnehmer gewannen je­weils 300 Liter Apfelwein.

Im Jahre 1980 ging der Bembel erstmals an eine Getränke‑Fachgroßhandlung Helmut Götz nach Heidelberg.

Unter den rund 750 teilnehmenden Vertrieben gab es noch 50 weitere Gewinner, die sich mehr als 25.000 Liter des hessischen Nationalgetränks als Sachpreise teilten. Die 28. Bundesäppelwoikönigin aus Steinheim, Christel I., überreichte die Preise.

Aus dem 13. Wett­bewerb um den „Goldenen Bembel“ der Maintal‑Hochstädter Kelterei Höhl ging die Getränke‑Großhandlung Thiele & Schaller KF in Bad Homburg als strahlender Sieger hervor. Auch so man­cher Kurgast lernte hier schon das hessi­sche Nationalgetränk als wertvolles „Kur‑Hilfsmittel“ schätzen und lieben. Der Preis wurde tradi­tionsgemäß von der amtierenden Bun­des‑ Apfelweinkönigin überreicht. Sie heißt in diesem Jahr Hannelore I. und ist als charmante Wirtin des Kultur­hallen‑Restaurants in Steinheim am Main dem Apfelwein auch beruflich eng verbunden.

 

Um den Wünschen des Fachgroßhandels entge­genzukommen, brachte die Kelterei 1975 einen neuen Mar­ken‑Apfelwein unter dem Namen „Main­taler“ auf den Markt, ein Apfelwein mittlerer Preisklasse, aber hoher Qualitätsstufe. Sein Geschmack ist typisch „althessisch“. Er wird ausschließlich über den Fachgroßhandel vertrieben. Im August 1976 wurde die neue Marke mit dem großen DLG‑Preis ausgezeichnet. Schon 1966 wurde ein Apfelwein aus der Kelterei Höhl mit dem großen DLG‑Preis ausge­zeichnet. Zwischendurch gab es immer einmal zweite und dritte Preise, bis in die­sem Jahr ein Höhl‑Produkt wieder an die Spitze der Konkurrenten rutschte. Mit der jetzt erteilten DLG‑Auszeichnung kann der Hersteller zwar werben, doch verpflichtet diese ihn zugleich, denselben Qualitätsstandard des Produkts das ganze Jahr über zu garantieren.

Die im Herbst 1977 von der Kelterei Hohl zunächst im Rahmen eines Testes angebotenen 1,5‑Liter‑Flaschen fanden beim Handel und beim Verbraucher sehr guten Anklang. Die preisgünstige „Superflasche“ bot neben dem größten Inhalt auch andere Vorzüge: Sie paßte in jeden normalen Kühlschrank, hat einen auslaufsicheren Schraubverschluß und wurde in handlichen 6‑Flaschen‑Kästen geliefert.

Rechtzeitig zur Getränke‑Saison 1978 wurde im Mai die größte Apfelwein‑Abfüllanlage Deutschlands in Betrieb ge­nommen. Sie arbeitet vollautomatisch und kann pro Stunde 30.000 Literflaschen füllen, verschließen, etikettieren und in Kästen stapeln. Durch die neue Anlage erhöht sich die Abfüllkapazität der größten deutschen Apfelweinkelterei auf über 30.000 Flaschen pro 8‑Stunden‑Schicht. Der „Druck aufs Knöppchen“, der die neue Anlage offiziell in Gang setzte, wurde zunftgemäß von der amtierenden Apfelweinkönigin Susann I. ausgeführt. Die Kelterei Höhl hat deshalb gute Aussichten, erstmals die 300.000‑Hektoliter‑Grenze zu über­schreiten. Damit bleibt sie mit Abstand die größte Apfelweinkelterei Deutsch­lands.

 

Jubiläum 1979

Im Jahre 1979 feierte die Firma ihr 200jähriges Bestehen. Vor den Jubiläumsveranstaltungen legte die Firma Höhl ihren Geschäftsbericht 1977/78 vor: 300.000 Hektoliter Apfelwein und Fruchtsaft konnte die Firma 1977/78 abset­zen und damit 18 Prozent mehr als im Jahr davon. Insgesamt wurde der Aus­stoß in den letzten zwanzig Jahren ver­zehnfacht. Der Gesamtumsatz des abge­laufenen Geschäftsjahres belief sich auf 25 Millionen Mark. In den ersten Monaten des Jahres 1979 erhöhte sich der Umsatz um fünf bis zehn Prozent zum Vergleichszeitraum 1978. Der Umsatzzuwachs konzentriere sich vor allem auf die Spitzenmarken „Blauer Bock“ und „Der alte Hochstäd­ter“.

Die Feierlichkeiten began­nen am 30. Juni in einem Festzelt auf dem firmeneigenen Parkplatz. Um 10.30 Uhr war die offizielle 200‑Jahr‑Feier.  Das Festprogramm wurde vom Po­saunen­chor Hochstadt eröffnet. Mitinhaber Rudolf Höhl gab daran anschließend einen kurzen Abriß über die Geschichte der Firma. Nach einem Gesangsstück, vorgetragen vom Männerchor 1872 Altenmittlau, hatte Elmar Gunsch die Füh­rung durch das Programm übernommen. Er schilderte die Geschichte des Apfels von A bis Z in seiner bekannten, beschwingten und charmanten Art.

Von einem Festakt wie bei einem Staatsempfang sprachen die Gäste am Samstagvormittag im großen Festzelt, als Firmenchef Rudolf Höhl die Promi­nenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur in Maintal begrüßte. An ihrer Spitze fand man den hessischen für Wirtschaft und Technik Hans Herbert Karry, über den scherzhaft gesagt wurde, er sei mit Äp­pelwoi getauft worden. Er sollte die Festrede halten. Hierzu hatte man in seinem Amt eine Rede ausgearbeitet, die aber nicht seine Billigung fand. Karry meinte, daß Auswärtige die Rede aufgesetzt hätten, die nichts vom Apfelwein verstünden. So steckte er sie in die Tasche und verließ sich auf seine freie Rede­kunst. Der Minister meinte, er hätte ei­gentlich einer Landesvorstandssitzung beiwohnen müssen, doch sei bei dieser Veranstaltung mehr drin, deshalb sei er lieber nach Hochstadt gekommen.

Karry wies eingangs einer Rede darauf hin, daß es in der Bundesrepublik sehr selten sei, daß ein Familien­unternehmen seinen 200. Geburtstag feiern könnte. Der Familie Höhl gebühre deshalb höchste Achtung und Anerkennung, daß sie ihr Unterneh­men durch alle wirtschaftlichen Höhen und Tiefen gelenkt habe. Minister Karry sieht im Konsum des Apfelweins ein Ge­tränk, das Menschen zusammenführt. Egal von welcher Herkunft sie seien und welchen Status sie momentan bekleiden.

Als Apfelweinfan habe er sich seine Frau aus Sachsenhausen geholt ‑ ein ur­alter Adel im Bereich der Apfel­weinhoch­burg Sachsenhausen. Karry wollte damit verdeutlichen, wie nahe er dem hessi­schen Spezialgetränk Apfelwein steht. Dementsprechend fiel auch das Geburts­tagsgeschenk aus. Diesen ganz besonderen Gag hatte sich der Minister allerdings für den Schluß seiner Rede aufge­spart. „Schon mei Mutter hat mich so erzoge, daß mer was mitbringt, wenn mer wo eigelade is'“, meinte er. Er ha­be zwar Zinnbecher im Amt für Jubiläen, die kenne man aber zur Genüge, deshalb habe er sich etwas Besonderes einfallen lassen müssen. Als er durch sein Haus gewandert sei, habe er das passen­de Geschenk gefunden. Der Minister überreichte den heutigen Firmeninhabern unter dem schal­lenden Gelächter des riesigen Au­ditoriums eine Original‑Flasche „Blauer Bock‑Apfelwein“ aus dem Hause Höhl. „Damit liegt man immer richtig“, rechtfertigte Karry das originelle Geschenk.

Hans Rüger gratulierte im Namen des Main‑Kinzig‑Kreises. Er schilderte, wie er erstmals Berührung mit dem Apfel­wein gehabt hatte. Als Soldat habe er und seine Kameraden Apfelwein bekom­men. Nach einer gewissen Anzahl von Bembeln sei die gesamte Mannschaft außer Gefecht gesetzt gewesen. Landrat Rüger folgerte daraus, wenn alle Solda­ten, die sich mit Eisen und Stahl herumschlagen, Apfelwein bekämen, dann seien sie sehr schnell außer Gefecht gesetzt. Dies sei wohl die richtige Methode, Krieg zu führen.

Maintals Bürgermeister, Erwin Hen­kel, gratulierte ebenfalls zum 200­jährigen Geburtstag. Er hatte als Ge­schenk das Wappen der Stadt Maintal mitgebracht, das in Kupfer ziseliert ist. Henkel würdigte die große Leistung der Familie Höhl, die es immer wieder fertig­gebracht habe, die Firma aufrecht zu hal­ten, so daß sie heute zu den ältesten Un­ternehmen in Maintal gehöre. Für Henkel wartete eine Überraschung nach der Feierstunde. Die Firma Höhl übergab ihm einen Bus, den die Stadt für Behinderte, ältere Menschen und Kinder verwenden soll. An­läßlich des 200jährigen Bestehens stiftete die Firma auch eine Beleuchtungsanla­ge für das historische Ober‑Tor. Ein altes Lastauto der Firma wurde wieder aufpoliert. Und die Chronik der Firma war in einem Buch niedergeschrieben.

Natürlich ließ es sich auch die übrige lokale und überregionale Prominenz nicht nehmen, den Brüdern Höhl zu diesem seltenen Jubiläum eines Familienbetriebes persönlich zu gratulieren. Und auch Maintals Partnergemeinde Luisant in Frankreich hatte eine „Geburtstagsdelegation“ ent­sandt. Um 14 Uhr war eine Betriebsbesichtigung mit Platzkonzert, gleichzeitig wurden die Gäste auch zu einem Ausflug nach Wilhelmsbad eingeladen (Busse standen be­reit). Um 18 Uhr war ein gemeinsames Abendessen. 

Um 20 Uhr fand ein großes „Ebbelwein‑Fest“ unter dem Motto „Hochstadt, wie es singt und lacht“ mit bekannten Künstlern statt. Das Zelt war bis auf den letzten Platz besetzt. Kein geringerer als Rolf Braun, der weithin aus Funk und Fernsehen aus der Faschingszeit bekannte Sitzungsprä­sident, sprudelte ein Feuerwerk von Gags, gelungenen Einlagen und unter­haltenden Bonmots. Margit Sponhei­mer und die Gonsbachlerchen seien nur als einige wenige Programmpunkte her­ausgegriffen, die stürmischen Beifall ern­teten. Für die schwungvollen Klänge sorgte die Big‑Band Otto Benz, und bis weit nach Mitternacht herrschte im Festzelt schöne Stimmung.

Am 1. Juli war ein Frühschoppen mit Blasmusik für die Maintaler Bevölke­rung. Es gab „Ochs am Spieß und Apfelwein zum Nulltarif für die großen und kleinen Hochstädter.“ Am Sonntag gehört die Stätte der Fröhlichkeit, des Genusses von Äppel­woi, dem „Süßen“, der Bratwurst und des Handkäses der Maintaler Bevölke­rung. Die Bürger kamen zu Tausenden. Nicht zuletzt auch aus dem Grund, weil an diesem Tag der offenen Tür über­haupt nichts bezahlt werden mußte. Der Apfelwein floß in Strömen, es wurden Gutscheine für Braten, Bratwurst, Brötchen ausgeteilt, und so manch einer kämpfte nach ausgiebigem Frühschoppen mehr mit sich selbst, als mit seiner Umwelt. Für den musikalischen Rahmen hatten am Sonntagmorgen das Wachen­buchener Blasorchester und das Blasor­chester der Turngemeinde Dörnigheim gesorgt. An beiden Tagen statteten nach Schätzungen mehr als 5.000 Menschen dem wirtschaftlichen Wahrzeichen Höhl in Hochstadt einen Besuch ab.

 

Auf der „Grünen Woche 1979“ war auch Apfelwein aus Hochstadt zu erhalten. Dort gab es auch das ansprechende „Äppelwoi-Buch“, das vor wenigen Monaten anläßlich des Firmen-Jubiläums der Hochstädter Apfelexperten herausgegeben wurde. Auch 1980 war die Firma Höhl zugkräftiger Vertreter, die den Apfelwein den Besuchern aus aller Welt im besonderen Rah­men präsentierte. Der Bundestagsabgeordnete Richard Bayha schrieb auch eine Widmung in das Jubiläumsbuch der Firma Höhl. Auch Landrat Hans Rüger (Mitte) ließ es sich nicht nehmen, der Grünen Woche einen Besuch abzustatten. Die Firma Höhl aus Hochstadt ist seit 20 Jahren bei der Grünen Woche dabei und hat schon etliche Stammkunden. Ihr neuestes Pro­dukt: Apfelwein mit Holun­derblüten.

Erfreut zeigte sich der CDU‑Bundestagsabgeordnete Richard Bayha, der im Deutschen Bun­destag dem Ernährungsausschuß ange­hört, im November 1983 bei einem Besuch der Apfelweinkelterei Höhl in Hochstadt über die Investitionstätigkeit die­ses Hochstädter Unternehmens. Zu Beginn dieses Jahres hatte die Firma wieder eine große Apfelwein­presse installiert. Sehr angetan war der Bundestagsab­geordnete auch darüber, daß in diesem Unternehmen mehr als 100 Menschen Arbeit finden.

 

Im Mai 1984 starb Wilhelm Höhl jun., Mitinhabers der Kelterei Wilhelm Höhl in Maintal‑Hochstadt. Bürgermeister Dr. Wal­ter Unger und Stadtverordnetenvor­steher Horst Schneidmüller sprachen den An­gehörigen ihre Anteilnahme aus. Wilhelm Höhl verstarb plötzlich und unerwartet in einem Offenbacher Kran­kenhaus. Schon seit seiner frühesten Jugend hat der Verstorbene in dem elterli­chen Betrieb mitgearbeitet und durch unermüdlichen Einsatz dazu beigetragen, daß die Produkte aus der Kelterei Höhl in allen deutschen Landen als Qualitätserzeugnis bekannt wurden. In dem Kondolenzschreiben wur­de zum Ausdruck gebracht, daß Wil­helm Höhl trotz seines steten Einsat­zes im Betrieb und des Strebens nach wirtschaftlichem Erfolg die Mensch­lichkeit und den guten Kontakt zur Einwohnerschaft nie vernachlässigte.

 

Seit 1985

Um den Spitzenbedarf bei längeren Hitzeperioden noch besser und schneller befriedigen zu können, dehnte die Firma ihre Lagerkapazität weiter aus. Auf dem Betriebsgelände wurde eine riesige Tankhalle errichtet. Sie ist als eine Art Schutzhalle für Lagertanks aus Edelstahl gedacht. Jeder dieser Tanks hat eine Höhe von etwa 15 Metern und einen Inhalt von 260.000 Li­ter. Im Endstadium soll die Halle 32 Lagertanks enthalten, so daß die Lagerkapazität der Kelterei Höhl dadurch um weitere acht Millionen Liter steigen wird.

Im Interesse des Konsumenten der sich in Getränke‑ und Supermärkten ka­stenweise mit Apfelwein eindeckt, wird schrittweise ein neuer Kunststoffkasten eingeführt, der acht Flaschen enthält und nur noch 20 Pfund wiegt.

Im September 1988 kostete die Hessische Ministerin für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz, Irmgard Reichhardt, als erste von dem frischen „Süßen“ bei der Kelterei Höhl in Hochstadt. Für ein Versprechen erhielt sie großen Applaus: „Ich werde mich gegen die Apfelweinsteuer ein­ setzen!“

 

Wandel beim Ausgangsprodukt:

Damals wurden die Äpfel wirklich noch in großen Mengen in der eigenen Kelterei gekeltert.

In der Erntezeit standen die Wagend er privaten Obstbauern oft die ganze Konrad-Höhl-Straße entlang und warteten auf die Abfertigung. Das beste Obst ist das von deutschen Streuobstwiesen, was unbehandelt und ungespritzt und ziemlich vernachlässigt vor sich hin wächst. Das sieht zwar nicht so schön aus, hat aber das Optimale an Gehaltsstoffen wie Säure und Zucker. Es weist einen guten Säu­regehalt auf und ein besitzt entsprechendes Aroma. Besonders wertvoll für die Apfelweinpro­duktion sind alte und mittlerweile oft selten gewor­dene Obstsorten

Lange Zeit wurden nur Äpfel aus Hessen verwendet. Höhl hatte Sammelstellen im Rheingau, im Odenwald, im Raum Gießen/Wetzlar und an vielen anderen Orten mehr. Dann kamen Äpfel aus dem Alten Land bei Hamburg, vom Bodensee, Süddeutschland, Schweiz und Südtirol hinzu. Schließlich wurden auch im Ausland ständig gute Mostäpfel ange­kauft und verarbeitet. Aber nur in so schwachen Jahren wie 1991 muß man ausländi­sches Obst dazukaufen Liefer­länder waren Österreich, die Schweiz, Italien, Frankreich, Südeuropa, Ungarn und Jugoslawien, Polen und Lettland. Das ist auch nicht schlimm, denn Apfel bleibt Apfel, egal wo er gewachsen ist. Nur sollte die Firma Höhl dann nicht mit „Äpfel von Hochstädter Streuobstwiesen“ werben.

Vor allem geht das nicht mehr, seitdem fast nur noch Sirup verarbeitet wird. Die wenigen Kelteräpfel, die noch angeliefert und verarbeitet werden, dienen nur noch zum Schaukeltern für Busladungen von Besuchern. Der produzierte Apfelwein dürfte gerade einmal für die Familie reichen. Aus dem Sirup aber, der im Herbst in großer Zahl in Tankwagen angeliefert wird, kann man kein „reines Naturprodukt“ mehr herstellen. Beim Eindicken des Saftes gehen nämlich die natürlichen Aromen verloren. Der Sirup wird dann mit dem relativ harten Wasser aus dem Tiefbrunnen der Firma verdünnt und die Aromen werden wieder durch chemische Mittel hinzugefügt. Außerdem wird der Apfelwein geschwefelt, um ihn haltbarer zu machen. Der Stadt Maintal ist bekannt, daß das Abwasser der Firma einen Schwefelgehalt über dem an sich zulässigen Grenzwert hat. Lange Jahre haben die Einwohner im Osten Hochstadts über Geruchsbelästigung aus dem Kanal geklagt. Aber seit der Übernahme durch die Firma Rapps ist das nicht mehr der Fall.

 

Hessen-Cidre:

Nach Angaben der Kelterei wird „Hessen-Cidre“ bereits seit 1989 produziert. Aber erst Mitte 1991 wurde so recht Werbung dafür gemacht. Das hessische „Stöffche“ hatte damit einen frankophilen Verwandten bekommen. Mit dem lieblichen, moussierenden und leicht alko­holischen Getränk aus 100 Prozent Äpfeln wollte man neue Kundenkreise erschließen. „Hessische Kelterqualität mit einem französischen Prickeln auf der Zunge“, so beschrieb Dr. Johanna Höhl das jüngste Produkt ihres Hauses. „Hessen Cidre“ soll bei allen Konsumenten ankommen, denen Apfelwein zu sauer erscheint.

Im Gegensatz zum  französischen  Cidre,  dessen  besonderer Eigengeschrnack hierzulande oft als fremdartig empfunden wird, schmeckt der „Hessen Cidre“ nach reinem Apfel. „Hessen Cidre“ ist kein Apfelwein. Er ist teilvergoren (zwei Drittel), hat nur 3 Prozent Alkohol, ist naturrein, ohne jegliche Zusätze wie Zucker oder Farbstoffe, bekömmlich leicht und gesund durch die Wert- und Wirkstoffe des Apfels (Mineralien, nur natürlicher Fruchtzucker und Vitamine, zum Beispiel B und C).

Der Boom im Bereich der Fruchtsäfte hat die Keltereien zu diesem Schritt bewogen. „Alles ist heute ‚light’", erklärte Rudolf Höhl. Während der Apfelwein grund­sätzlich 5,5 Prozent Alkohol haben muß, wird beim Cidre die Gärung vorzeitig abgestoppt. Er behält also einen Teil seiner Restsüße und erscheint entsprechend milder, so daß auch die „nicht ganz so sauren Freunde“ für diese Form des Stöffche begeistert werden können. Er ist süßer und primär auf weibliche Kehlen zugeschu­stert, die es beim herkömmlichen Schoppen geschüt­telt hat; er darf auch ruhig aus zartstieligem Weinglas genippt werden.

 

Höhepunkt der Firma:

Die Firma Höhl beschäftigt 1992 über 100 Mitarbeiter und er­wirt­schaftet einen Jahresumsatz von 35 Millionen Mark. Bis zu 40.000 Tonnen Äpfel werden jährlich verarbeitet, deren Saft und Wein in 60 Edelstahl­tanks mit durchschnittlich 300.000 Liter Fassungs­vermögen je Tank lagern. Die Auslieferung des hes­sischen „Nationalgetränks“ erfolgt weit über die Landesgrenzen hinaus mit 30 firmeneigenen Lkw sowie durch Speditionen. Die Kelterei Höhl Hochstadt ist heute nicht nur die größte Apfelweinkelterei Deutschlands, sondern auch diejenige mit der längsten Erfahrung in der Kunst des Kelterns. Ihr Erfolgsgeheimnis ist ganz einfach Qualität. „Wir sind die einzige Kelterei, der immer wieder bestätigt wird, konstant Spitzenqualität zu produ­zieren“ sagte Dr. Johanna Höhl. Diese Qualität ist im wesentlichen von wenigen Faktoren abhängig. Voraussetzungen sind der Einkauf guter Rohware und die Anwendung erstklassiger Produktionstechnik. Dennoch greift man in Hochstadt auf überlie­ferte, wohlgehütete Familienrezepte zurück, und letztendlich entscheiden die Erfahrung und „Zunge und Gaumen“ des Kellermeisters über das Cuvèe des Schoppens.      

Etwas seltsam ist aber die Werbung mit dem „Geheimnis der Kaltvergärung“, das nur Höhl kennen soll. Aber an sich ist das die übliche Form der Herstellung von Apfelwein, wie sie auch weiter von den Privatkelterern betrieben wird. Nur die großen Firmen beschleunigen den Gärvorgang durch Erwärmung des Apfelsaftes, während Höhl sagt, man lasse sich Zeit und arbeite nach dem alten Rezept.

Weil die Geschäfte florierten, kaufte das Unternehmen 1992 der Stadt Maintal ein benachbartes Grundstück ab, um zu expandieren. Die Stadt Maintal fand sich 1995 bereit, dem Main‑ Kinzig‑Kreis den Verkauf eines Teils vom einst so hart umkämpften Wiesengrund des ehe­maligen Kranken­haus‑Baugebietes „Auf der Weidenkaute“ an die Firma Höhl zu gestatten. Dadurch war Fläche für eine mögliche Betriebserweiterung erschaffen. Die betriebseigene Kläranlage am unte­ren, südlichen Rand des Firmengeländes funktionierte inzwischen ohne Gestank (stimmte nicht).

Die Firma hatte Aus­gaben enormen Ausmaßes.  So wurde bei­spielsweise das Tanklager nahezu verdop­pelt. In der riesigen Halle, die in ihren Ausmaßen an einen technisch‑utopischen Dom denken läßt, stehen 60 Edelstahl-­Tanks, die jeweils rund 320.000 Liter Ap­felwein zu fassen vermögen. Der größte Tank des Unternehmens hatte in der Hal­le keinen Platz. Deshalb steht er im Frei­en. Er faßt eine Million Liter und besteht ebenfalls aus Edelstahl, wie übrigens auch das komplette Rohrleitungssystem der Firma. In der Kelterei wurden jährlich etwa 30 Mil­lionen Liter Apfelgetränk produziert, etwa 15 Pro­zent davon wurden als Apfelsaft verkauft, der Rest wurde Apfelwein.

Die Firma arbeitete mit Sai­son‑Arbeitern und eigenen Leuten in Schichten ein Vierteljahr lang Tag und Nacht. Derzeit wird eine weitere Fla­schen‑Waschanlage montiert, gebraucht gekauft von einer Mineralwasser‑Firma. Die Eindickungs‑ Anlage, in der Apfelwein durch Wasserentzug auf die Konsistenz von Sirup gebracht wird, der sich jederzeit wieder auf trinkbaren „Stoff“ strecken läßt, hat Höhl von einer Großmolkerei übernommen.

Doch der Apfelweinmarkt bröckelte. Damals wurden allein in Hochstadt 30 Millionen Liter Apfelwein hergestellt, heute macht der gesamte Markt „nur” noch 40 Millionen Liter aus. „Eine Situation, die so nicht unbedingt vorherzusehen war“, betont Dr. Johanna Höhl. Doch der Rückgang des Apfelweinverbrauchs war schon die ganzen Jahre festzustellen. Es war abzusehen, daß eine der Firmen einmal am Ende sein würde. Doch die Firma Höhl würde das nicht sein, meinte die Firmenchefin.

 

Verarbeitung bei der Firma Höhl:

Die große Apfelschlacht in jedem Herbst von Anfang Septem­ber bis Ende Oktober geschla­gen, Tag für Tag. Alles läuft generalstabsmäßig ab. Jeder Anlieferer bekommt vorher ei­nen genauen Termin zugeteilt. Dadurch gibt es keine Stockun­gen und kein Warten. Zuerst und zuletzt wird ge­wogen: Zuerst das beladene, zuletzt das entladene Fahrzeug. Auf dieser Waage können Fahrzeuge mit bis zu 50 Tonnen Gewicht verwogen werden, also auch Eisenbahnwaggons. Ent­laden wird von Hand oder per Wasserstrahl. Mit jedem ent­leerten Apfelsack türmen sich die riesigen bunten Apfelberge höher und höher.

Die heimischen Apfelerträge reichen heute nicht mehr aus, um den Bedarf der größten deutschen Kelterei zu decken. Daher werden Äpfel oder Apfelmoste aus Österreich, Frankreich, Jugosla­wien, Italien und der Schweiz angelie­fert. Die verschiedenen Sorten, die sich in Geschmack und Gehalt gut ergänzen, werden gemischt. Dies wirkt sich vor­teilhaft auf Bukett und Aroma des Ap­felweines aus.

Die Äpfel werden per Wasser­strahl schonend und schnell fortbewegt (In dem geschlossenen Wasserkreislauf wird das Wasser natürlich wiederverwendet). In der Waschanlage werden die schadhaften Äpfel aussor­tiert, die guten werden gewaschen und wandern über eine Transportschnecke in die Apfelmühle, wo sie zu Brei ge­mahlen werden. Durch das Schnitzel­werk, die erste Station des Kelterprozeß, wandern jährlich 24.000 Tonnen Äpfel aus denen 30 Millionen Liter Apfelwein und Apfelsaft gepreßt werden.

Die „Maische“ fließt in vollautomatische Pressen, aus denen der frischgekelterte Apfelmost unauf­hörlich heraussprudelt. Die Tageskapazität der Pressen in Hochstadt beträgt etwa 200 Tonnen Äpfel, was etwa 160.000 Liter Saft entspricht. In der Hauptsaison (September bis Dezember) werden somit etwa 5 Millionen Liter Saft gepreßt. Später kam auch eine elektronisch gesteuerte Packpresse mit einer Leistung von 100 Zentnern pro Stunde zum Einsatz.

Ein Teil des frischen (alkoholfreien) Mostes wird in Flaschen gefüllt und als „Hoch­städter Süßer, frisch von der Kelter“ an den Handel geliefert. Der größte Teil des Mostes fließt in Tankbehälter, be­vor er zu Apfelwein und Apfelsaft wei­terverarbeitet wird. In großen Fässern erfolgt dann bei einer Kellertemperatur von 15 Grad die Gärung, wobei Frucht­zucker durch die Hefezellen in Alkohol verwandelt wird. Dabei wird Kohlen­säure frei und entweicht. Die Hauptgä­rung dauert drei bis höchstens sechs Wochen, anschließend folgen die Nach­gärung und die Reifezeit des Apfelwei­nes. Das Filtern wird nicht vergessen. Durch Kurzzeiterhitzung ‑ und somit ohne Konservierungsstoffe - wird der Apfelwein haltbar gemacht.

Wichtig ist da richtige Lagern des fer­tigen Apfelweins. Die unterirdischen Stahlbeton‑Lagertanks der Firma Höhl Hochstadt, nehmen zwischen 60.000 und 130.000 Liter auf. Eine Halle mit 21 Edelstahl‑Tanks, die je 260.000 Liter Fassungsvermögen haben, ging in Betrieb. Insgesamt können 10 Millionen Liter Apfelwein in der Höhl’schen Kelterei gelagert werden.

 „Wir sind die einzige Kelte­rei auf dem Markt, der immer wieder be­stätigt wird, konstante Spitzenqualität zu produzieren,“ sagt man im Hause Höhl. Daß die Mischungen stim­men und jede Apfelweinsorte ihren ihr ei­genen Geschmack behält, wird von den Keltermeistern am sogenannten Ver­schneidebock entschieden, dem eigentli­chen Herzstück der gesamten Produk­tionsanlage. Daß das „Stöffche“ aus dem Hause Höhl von gleichbleibender Qualität ist, dafür sorgt auch der riesige 1‑Million‑Liter‑Misch­tank, dem die rund 80 Apfelsorten zuge­führt werden. „Dadurch haben wir die Möglichkeit, so zu variieren, daß sich das Ergebnis auf bewährt hohem Niveau be­wegt,  „Alter Hochstädter“ und. „Schoppepet­zer“ sollen immer gleich schmecken.

 

In einem Arbeitsgang werden die Flaschen gerei­nigt, getrocknet, gefüllt und in die vorher gewaschenen Kasten gesetzt. Schnell und reibungslos werden mit Gabelsta­plern die Kisten gelagert oder verfrach­tet.

Die Kelterei verfügt über zwei leistungsfähige Abfüllstraßen, bei der einen beträgt die maximale Abfülleistung 30.000, bei der zweiten 15.000 Literflaschen pro Stunde. Diese enorme Kapazität wird nicht ständig voll benötigt, aber die Kelterei mit ihren 100 Mitarbeitern (meist Maintaler) kann somit jeden Spitzenbedarf ohne Überforderung des Personal abdecken. Eine weitere Abfüll-Anlage mit 40.000 Füllungen pro Stunde ist in Aufbau.

Für die prompte Kunden‑Belieferung gibt es heute zwei Möglichkeiten: Die Einschal­tung von Vertrags‑ Speditionen oder der Aufbau und Einsatz eines eigenen Fuhrparks. Die Kelterei Höhl geht beide Wege.

 

Hessenpark:

Im Hessenpark in Neu-Anspach wollte man 1995 das Berger Obertor - vor Jahrhunderten aus dem Stadtbild Bergen-Enkheims verschwunden - möglichst originalgetreu rekonstruieren.

Dem damaligen Hessenparkleiter Professor Dr. Eugen Ernst schwebte schon lange die Idee vor Augen, das historische Berger Obertor in alter Pracht am Eingang des Freilichtmuseums wiederentstehen zu lassen. Der Aufbau sollte durch Spenden und Sponsoren finanziert werden. Das Ganze wur­de als Beitrag Bergen‑Enkheims zum 1200jährigen Frankfurter Stadtjubiläum deklariert.

Ein Organisations‑Team wurde ins Leben gerufen, dem neben Prof. Ernst und dem Kommunikationsbera­ter Nils P. Graf Lambsdorff auch zahlreiche Ber­gen‑Enkbeimer wie Ortsvorsteher Herbert Loos, Vereinsring‑Vorsitzende Gabi Niessner, Heimatmuseumsleiter Horst Becker und andere angehör­ten. Für den Aufbau des Berger Obertores wären mindestens 800.000 Mark erforderlich, reale Einschät­zungen gehen von Kosten von über 1 Million Mark aus.

Nils Graf Lambsdorff sollte mithelfen, geeignete und potente Sponsoren und Geldgeber zu finden.

Es kamen aber nur etwas über 10.000 Mark zusammen: Die Bergen‑ Enkheimer Heimatvereine spendeten 1.670 Mark, der Ortsbeirat gab 500 Mark, die Kelterei Höhl 1.000 Mark, die BVB Volksbank 2.000 Mark, die Frankfurter Sparkasse 1822 legte gleich 5.000 Mark dazu und die Stadt Frankfurt steuerte „großzügig“ 500 Mark bei. Die Apfelweinfirma Höhl hatte zusätzlich 500 gerippte Stöffche-Gläser mit dem Motiv des Berger Obertores kosten­los zur Verfügung gestellt, dazu  kamen noch 1.500 Mark aus dem Erlös des Binding-Bierkrüge-Verkaufs beim Berger Altstadtfest.

Mit einer Realisierung dieses Vorhabens „in diesem Jahrtausend“ war aber nicht zu rechnen, da dafür auch keine ausreichende finanziellen Grundlage existiert. Das bisher gespendete Geld reiche nicht einmal aus, die Kostenaufstellung des Kommunikationsberaters Graf  Lambsdorff zu bezahlen. Für die konzeptio­nelle und organisatorische Betreuung der Rekon­struktion Berger Obertor verlangte dieser 34.400,64 Mark. Was dafür eigentlich getan wurde, ist nicht so klar ersichtlich. (Stundenlohn 220 Mark). 

Der neue Geschäftsführer des Hessenparkes, Joa­chim Renz, der bisher nicht in das Vorhaben einge­weiht war, muß nun die bittere Wahrheit verkün­den. „Das Land Hessen hat für dieses Vorhaben keine Mittel zur Verfügung, außerdem ist der Schwerpunkt des Auf‑ und Ausbaus im Hessenpark für die Abteilung Nordhessen zu setzen.

 

„Power Apfel“:

 „Power Apfel“ heißt die spritzige Apfelsaft‑Schor­le, das jüngste Kind der Kelterei Wilhelm Höhl aus dem Jahre 1995. Er ist kein „Wasser mit Geschmack“, sondern 55 Prozent Hochstädter Apfelsaft und 45 Prozent natürlich reines Quell­wasser mit Kohlensäure ‑ einhundert Prozent reine Natur, wie alle Getränke aus Deutschlands größter und traditionsreichster Kelterei.

Gespritzter Apfelsaft ‑ ohne künstliche Mineral­stoffe oder andere Zusätze ‑ ist nach Feststellung von Ernährungswissenschaftlern und Sportmedizi­nern das beste „isotonische“ Getränk bei Durst und Energieverlust ‑ und das mit Abstand preisgünstig­ste dazu. „Power Apfel erfrischt und belebt ohne Risiken und Nebenwirkungen!“ so Johanna Höhl. Power im Ge­schmack, Power in der Wirkung und Power auf den fetzigen Etiketten der Liter‑ und Viertelliterfla­schen sollen die Apfelsaft‑Schorle zum Sommerhit machen.

 

Die weiteren Neunziger Jahre

Erstmals wußten die Apfelweinhersteller im Jahr 1995 nicht so recht wohin mit dem Apfeltre­ster, der nach dem Pressen übrigbleibt. Die Landes­regierung hatte das Jagdgesetz novelliert und die bisher übliche Winterfütterung des Wildes mit dem Trester verboten. Ersatzabnehmer würden nun un­ter Rinderhaltern und Schafzüchtern gesucht.

Im Jahre 1995 erhielt die Firma in Bonn die Ehrenurkunde und Medaille der Centralen Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft. Das CMA‑Gütezeichen wurde bereits im Jahre 1972 eingeführt, um besonders hochwertige Agrar­produkte zu kennzeichnen. Es steht als Qualitäts­symbol für den gesicherten Qualitätsstandard des Produktes und fördert den Absatz hochwertiger heimischer Nahrungsmittel. Aus dem hartumkämpften Lebens­mittel‑ und Agrarmarkt erhöht es die Chancen der qualitätsorientierten landwirt­schaftlichen Erzeuger und Verarbeiter, ihre Pro­dukte erfolgreich zu vermarkten.

Das Zeichen mit dem Hinweis „Markenqualität aus deutschen Landen ‑ ständig neutral kontrolliert“ bietet qualitätsbewußten Verbrauchern eine zuver­lässige Orientierungshilfe beim Einkauf und bürgt für kontrollierte Qualität und Sicherheit. Das CMA‑Gütezeichen hat sich mittlerweile bei Ver­brauchern wie auch im Handel und Handwerk als eine akzeptierte und anerkannte Qualitätsaus­zeichnung profiliert.

Das CMA-Gütezeichen wird verliehen, wenn in ei­ner neutralen Prüfung die für die Produktgruppen spezifisch festgelegten hohen Anforderungen an die Qualität von Ware und Herstellerbetrieb erfüllt sind. Dies war bei der Hochstädter Kelterei Wil­helm Höhl der Fall. In regelmäßigen Kontrollen durch unabhängige Institute respektive externe Prüfer wird die Einhaltung der Anforderungen ständig überwacht. Auch 1998 wurde die Firma mit dem CMA-Gütezeichen ausgezeichnet.

Im Jahr 1996 beteiligte sich die Firma finanziell an einem Projekt zur Förderung der Streuobstwiesen in Maintal. Frau Höhl sah eine Trendwende: Die Bürgerinnen und Bürger entwickelten eine neue Einstellung zu dem Begriff  „Lebensmittel“. Es komme zu einer Korrektur des Wertesystems, die hoffentlich dazu führe, daß das hiesige Obst als natürlicher wertvoller Rohstoff wieder mehr ge­schätzt werde. Um diese Trendwende zu fördern und hiesige Streuobstwiesen zu erhalten, unterstützt die Firma Höhl Naturschutzprojekte.

 

Im Mai 1996 setzte sich die Frankfurter Kelterei Possmann im Namensstreit um das hessische Nationalgetränk Apfelwein gegen das Konkurrenzunternehmen aus Hochstadt durch. Wie ein Sprecher des Frankfurter Landgerichts mitteilte, gab das Gericht einem Unterlassungsantrag von Possmann in vollem Umfang recht. Danach müsse auf Grund des Warenzeichengesetzes der Begriff „Ebbler“ aus dem Werbeslogan „Höhl Dir den Ebbler“ verschwinden. Firmenchef Günter Possmann hatte 1992 den Begriff  „Äppler“ für sein Unternehmen beim Patentamt in München schützen lassen. Die Frankfurter Kelterei vertritt deshalb die Positi­on, der Begriff  „Äppler“ dürfe nur für Apfel­wein aus dem Hause Possmann verwendet wer­den.

Die Geschäftsführerin des Hochstädter Kon­kurrenzunternehmens Höhl ging nach  eigenen Angaben von einem Mißverständnis des Pa­tentamtes aus. Dort habe man den Begriff  „Äp­pler“ vermutlich für einen Phantasienamen ge­halten, tatsächlich aber sei diese Bezeichnung ein „Begriff aus dem Volk“. Lediglich anders geschrieben nutzte sie deshalb den Begriff  „Äp­pler“ für ihren Apfelwein in dem Slogan „Höhl Dir den Ebbler“. Nach dem ergangenen Urteil ist dies nicht zulässig.

Nach Auffassung der 12. Kammer für Handelssachen ist die Bezeichnung „Ebb­ler“ nicht frei verfügbar, weil der konkurrierende Apfelweinhersteller Possmann sich bereits die Bezeichnung „Äppler“ als geschützten Markentitel gesichert hat. Der Firma Höhl wird im Urteil bei Vermeidung von Ordnungsgeld bis zu 500.000 Mark oder Ordnungshaft bis sechs Monaten untersagt, ihren Werbespruch „Höhl    dir den Ebbler“ weiter zu verbreiten.

Das Gericht wies im Urteil darauf hin, daß die Firma Possmann bereits seit Jahren Inhaberin der Wortmarken „Äppler“ und „Frankfurter Äppler“ sei. Durch die intensive Werbung von Possmann sei „Äppler“ dem Publikum inzwi­schen als Synonym für Apfelwein bewußt geworden. Die von der Firma Höhl verwendete Bezeichnung „Ebbler“ sei dem Markentitel von Possmann phonetisch zu ähnlich. Es bestehe daher die Gefahr einer Verwechslung der bei­den Bezeichnungen und damit einer Verletzung der Geschäftsinteressen der Firma Possmann.

 

Im Jahr 1997 wurde mit dem Bundesligisten FSV Frankfurt einen Vertrag als Co-­Sponsor geschlossen. Die Familie Höhl hat sich dem Sport verschrieben, unterstützte und tut dies immer noch in ihrer Heimatge­meinde verschiedene Vereine. Nun gingen die Verantwortlichen einen Schritt weiter, über die Grenzen der Stadt hinaus Da stellte sich natürlich die Frage, welche Gemeinsamkeiten es zwischen der Kelterei Höhl und den Fuß­ballerinnen vom Bornheimer Hang gibt­. Einfach zu beantworten: Auf beiden Sei­ten fällt das Endprodukt spritzig, erfri­schend und erfolgreich aus. Eine hoff­nungsvolle Kombination! So wird das Höhl’sche Erfolgspaar „Bosskopp Soda“ und „Power Apfel“ auch in Zukunft über die Landesgrenze hinaus verstärkt den Gaumen verwöhnen. 

Im Jahr 1998 sponserte die Firma auch die Frankfurt Lions“, eine Eishockey-Mannschaft. Die Spieler schießen den Bembel „Willi“ voll, einen vier Meter hoher Bembel der Kelterei. Denn mit jedem geschossenen Tor der „Lions“ in den „Play offs“ muß die Kelterei Höhl ein Faß Apfelwein (50 Liter) in den „Willi“ schütten. Mit jedem Tor schießen sich die „Lions“ dem Sieg näher, mit dem Sieg kommt das Team eine Runde weiter und der Bembel wird für die Fans gefüllt. Nach der Beendigung der „Play offs“ wird der zusammengeschossene Apfelwein von „Lions‑Spielern“ an ihre Fans ausgeschenkt. Ort und Termin werden rechtzeitig bekanntgegeben.  

Auch 1999 hielt Höhl Wort und löste auf dem Frankfurter Pauls­platz die Play‑off‑Bembel‑ Wette ein. Zum zweiten Mal setzte das Unter­nehmen auf die Treffsicherheit der ­Cracks der Frankfurt Lions. Wie vor Jahresfrist spendiert die Geschäftsführe­rin der Kelterei, Dr. Johanna Höhl, den Fans für jedes geschossene Play‑off‑Tor ein 50 Liter Faß Apfelwein. Bei 20 ge­schossenen Treffern macht das unter dem Strich 1.000 Liter. Ab 16 Uhr floß der Apfelwein aus dem vier Meter hohen Bembel „Willi“ und dabei legten die Ku­fenstars der Lions sogar selber Hand an. Während des Festes fand eine Versteige­rung eines Bembels mit sämtlichen Au­togrammen der „Löwen“ statt, de­ren Erlös den Kosovoflüchtlingen zur Verfügung gestellt wurde.

 

Zwanzig Kinder aus der Gegend von Tschernobyl verbrachten bis zum 27. August 1998 einen Erholungsaufenthalt in unserer Region und nutzen die Zeit zu ausgiebigen Besuchen, unter anderem auch bei der Hochstädter Kelterei Höhl, wo die neun Mädchen und elf Jungen durch den Betrieb geführt wurden und natürlich auch kleine Präsente erhielten. Bereits zum achten Mal ist eine Delegation aus der Region der Reaktorkata­strophe hier zu Gast, um vom Frankfurter Schullandheim „Wegscheide“ in Bad Orb aus Tagesausflüge zu unternehmen und bei Spiel und Spaß auf andere Gedanken fern der noch immer strahlenbelasteten Heimat zu kommen.

 

Im Jahre 1998 startete man wieder Werbekampagnen in Funk, Fernsehen und Presse. Dazu gehörten auch die Plakate „Der junge Hochstädter, der fruchtige vom Land“ ‑ auch hier sollten speziell jüngere Ver­braucher angesprochen werden. Daß die Höhls mit ihren neuen Produkten auf dem richtigen Weg sind, zeigte auch die Tatsache, daß erst vor kurzem der „Power‑Apfel“ als einziges Getränk vom Deutschen Sportbund als „sportgerechtes Getränk“  ausgezeichnet wurde, was auf jeder Flasche oder Dose nach­zulesen ist. Auf diese Auszeichnung sind Rudolf und Tochter Johanna Höhl ganz besonders stolz. Nur selten wird einem Getränk diese Ehre zuteil. „Es muß schon ein absolutes Naturprodukt sein, das die Weihen vom Deutschen Sportbund erhalten will', betont Rudolf Höhl, für den es kaum etwas gesünderes als Apfel in fester und vor allem flüssiger Form gibt.

 

Seit dem Sommer 1998 steht der Apfel-Essig in den Verkaufsregalen. Unter der Produktbezeichnung „Bio‑Ess“ gibt es den Höhl’schen Apfelessig in den mei­sten Lebensmittelgeschäften und Super­märkten zu kaufen. Rudolf Höhl schwört schon seit Jahren auf die positive Wirkung des Apfel-Essigs. Sein Rat da­zu: „Ich mische jeden Tag einen gut gefüllten Eßlöffel Apfelessig in einem Glas Stilles Wasser auf und trinke das zum Mittagessen. Meine Blut‑, Fett- und Cholesterinwerte sind optimal. Ich denke, das macht auch die positive Wirkung des Apfelessigs“, ist Rudolf Höhl überzeugt. Und er ist immerhin schon 72 Jahre alt, agil und kerngesund. Höhl trägt zur Renaissance des altbe­währten Apfelessigs bei. „Mein Vater hat diese Rezeptur vor 30 Jahren aus der Schweiz mit nach Hochstadt gebracht. Unser langjähriges Know‑how ist unsere Stärke, und deshalb ist für uns Qualität oberstes Gebot.“

Dem amerikanische Arzt Forest Clinton Jarvis gebührt das Verdienst, den in der Volksmedizin schon lange bekannten Ap­felessig sozusagen wieder entdeckt zu ha­ben; sein Buch, das ab Ende der 50er Jah­re Rekordauflagen erfuhr, hieß „5x20 Jahre leben“. Der Wirt und Winzer Franz Keller in Oberbergen am Kaiserstuhl entwickelte 1980 eine „Feinschmecker‑Diät“. Sie ist wirksam, aber nicht sehr einschneidend: Jeden Morgen auf nüchternen Magen ein Glas Wasser mit Honig und Apfelessig, das ist schon die halbe Miete.

 „Es gibt sogar eine Reihe von Büchern, in denen die positive Wirkung von Apfelessig in aller Ausführlichkeit dargelegt wird“, ergänzt Johanna Höhl ihren Vater. Die innovative Phase bei Höhl ist mit den genannten neuen Produkten noch lange nicht abgeschlossen. „Wir arbeiten schon wieder an neuen Getränken, das ist aber noch nicht spruchreif“ so die Marketingchefin. Man darf mithin gespannt sein, was in der Höhl’schen Ideenschmiede noch alles kreiert wird.

Beim jüngsten Produkt, dem Ap­felessig, gehen die Hochstädter noch einen Schritt weiter. Im vergangenen Jahr wurde in der Wetterau ein Erzeugerring mit etwa 60 Bio‑Bauern aufgebaut. Der erwartete Apfelertrag reiche allerdings derzeit nicht für die großmengige Herstellung von Apfelsaft und ‑wein.

Essig entsteht, indem sich ein alkoholar­tiges Grundprodukt zu Essig verwandelt. Die Güte des Weins ist also für die Quali­tät des Essigs ausschlaggebend. Die Hochstädter Apfelweine der Kelterei Höhl eignen sich wegen ihrer hohen Qualität deswegen besonders für die Herstellung von Apfelessig. So wird aus den beliebten Apfelweinen wie beispiels­weise dem „Alten Hochstädter“ der ge­schmackvolle Hochstädter Apfelessig „Bio‑Ess“.

Die volle Apfelkraft der Natur entfaltet der außergewöhnliche Saft, wenn sie in ihrer ganzen Reinheit in der Flasche steckt. Denn die Qualität des Rohstoffs ist nach wie vor das beste Rezept. Von Deutschlands größtem Streuobstwiesen­-Anbaugebiet stammen die Äpfel des „Bio‑Ess“ von Höhl. Das naturbelassene Obst der tradi­tionsreichen Kelterei aus Hochstadt verleiht diesem Apfelessig sein köstliches und typisch fruchtiges Aroma. „Man schmeckt die Kraft vom Saft, die zur Würze des Lebens wird“, so Apfelwein‑Expertin Dr. Johanna Höhl, Geschäftsführerin des Familienunter­nehmens.

Wer rechtzeitig zum Frühling dem Win­terspeck „adieu“ sagen möchte, der star­te seine Frühjahrskur idealerweise mit Apfelessig. Aufgrund seiner vielfältigen Wirkungen eignet sich „Bio‑Ess“ hervor­ragend zur Entschlackung. Entschei­dend ist dabei die richtige Komposition der Inhaltsstoffe und die richtige Anwen­dung.

So zählt für den Apfelessig, was für jedes Naturheilmittel gilt: Mit Geduld und Ausdauer entwickelt er seine volle Wirkung. „Bio‑Ess“ besteht aus hundert Prozent Qualitätssaft ‑ aus über 100 Vit­aminen und zahlreichen Mineralstoffen sowie Spurenelementen. Gemischt mit Wasser und Honig ist der garantiert schwefelfreie Apfelessig der ideale Fit­neßdrink, um das Immunsystem zu sta­bilisieren. Das Qualitätssiegel, sichtbar auf der Flasche, bürgt für seine Qualität. Aber auch für die feine Würze in der Kü­che ist „Bio‑Ess“ die erste Wahl. Mit sei­nem fruchtig‑ abgerundeten Aroma ver­feinert er nicht nur gute Gerichte von Salaten bis hin zu gegartem Fisch. Zu­sätzlich ist „Bio‑Ess“ dank seines gerin­gen Säuregehaltes (fünf Prozent Essig­säure) sehr magenfreundlich. Was viele nicht wissen: Apfelessig hat deutlich niedrigere Säurewerte als Weinessig. Dank der wohlgeformten Flasche mit dem ästhetischen Etikett stellt jetzt sogar der erlesene Feinschmecker den Apfelessig gern mit auf die gedeckte Ta­fel.

„Bio‑Essig“, klar oder naturtrüb, kostet etwa 2,50 Mark und es gibt ihn in vielen Lebensmittelmärkten der Region. Auch einen Kartoffelsalat mit einem großen Quantum Schnittlauch, den po­chierte Wachteleier elegant abrunden. Eine rechte Wohltat nach der durchfeier­ten Silvesternacht. Ein Rezept für Schnittlauch‑Kartoffelsalat mit po­chierten Wachteleiern kann unter Telefon 069/21993324 angefordert und per Fax unter 069/21993272 bestellt oder abgerufen werden.

 

Im Oktober 1999 war  die AG Hessische Apfelweinstraße zur Weinprobe in Hochstadt. Da staunte die Bergen-­Enkheimer Apfelweinkönigin Manuela I., als sie vor den „größten Apfelweinfäs­sern der Welt“ stand. In die riesigen Edelstahlbehälter der Kelterei Höhl pas­sen immerhin bis zu 350.000 Liter des hessischen Nationalgetränkes. „Da könnte ich Jahrzehnte davon trinken“, meinte die Repräsentantin des Bergen­-Enkheimer Apfelweines, die den „Ge­spritzten“ bevorzugt.

Gemeinsam mit dem Bundesapfelwein­-Königspaar Oskar I. und Petra I. aus Ha­nau‑Steinheim sowie der Brunnenköni­gin Sylvia I. aus Sachsenhausen war die Bergen‑Enkheimer ‑ Apfelweinkönigin zur diesjährigen Apfelweinprobe der Ar­beitsgemeinschaft Hessische Apfelwein­straße gekommen. Die fand diesmal in der Kelterei Höhl in Hochstadt statt. Mit dabei auch Wolfgang Kaus, der künstle­rische Leiter am Frankfurter Volksthea­ter und amtierender „Ebbelwei‑Preisträ­ger“. Zum Abschluß der Apfelweinprobe gab es traditionell Rippchen mit Sauerkraut. Passende Lie­der und Gedichte um den Apfelwein gab in gekonnter Weise Monika Maurer zum Besten, die selbst vor Jahren Bergen­-Enkheimer Apfelweinkönigin war.

 

Landkelterei

Die Firma Höhl war lange Zeit stolz darauf, eine „Großkelterei“ zu sein. Aber ab Mai 2000 präsentiert sich die Firma im Internet als „Landkelterei Höhl“ und lud ein zu einer „virtuellen Landpartie“. Man wollte eine „naturverbundene, bodenständige Apfel­weinwelt schaffen  und unseren Kunden weiterhin Top‑Qualität bieten, so wie es der Tradition unseres Hauses entspricht“.

Auf der virtuellen Land­partie gibt es neben le­ckeren Apfel‑Bythes auch jede Menge Ser­vice‑ und Unterhal­tungs­tips zum Ankli­cken: Unter der Shop-­Adresse kann man alles rund ums Stöff­che ‑ vom Bembel bis zum T‑Shirt ‑ or­dern, urige Apfelweinlokale in Frank­furt und Umgebung lassen sich ebenso schnell ausfindig machen, wie der Standort der Landkelterei Höhl in Hoch­stadt mit Anfahrtsskizze und Besucher­zeiten.

Durch die Präsenz im Inter­net bietet der traditionelle Familienbetrieb seinen Kunden einen direkten Zugang zu allen Daten rund um den Apfel und den Hochstädter Apfelwein.

Wissensdurstige Schoppenpetzer gelangen per Mausklick unter an Informationen rund um Tradition und Produktion des hessischen Traditionsge­tränks. Dazu gehören sowohl die 220jähri­ge Geschichte des Familienbetriebs, die Herstellungsverfahren des hessischen Na­tionalgetränks als auch das Produktsorti­ment, das vom naturtrüben Apfelsaft über die Apfelsaftschorle „Power Apfel“, den traditionellen „Blauer Bock“ bis zu feinen Premium­marken wie Hessen Cidre, Bosskopp Soda und den ökologischen Apfelessig BIO‑ESS reicht.

 

Die Firma nimmt an verschiedenen Festen der Region teil. Im Mai 2000 beteiligte sie sich am Dibbe‑ und Bembelmarkt im Frei­lichtmuseum Hessenpark in Neu‑Anspach. Rund 40 Handwerksbetriebe aus ganz Deutsch­land gaben am Samstag, 27. Mai, und Sonntag, 28. Mai 2000 einen interessanten Einblick in ihr Handwerk der künstlerisch gestalteten und hergestellten Keramik geben. Mund­art‑Comedy und Kinderaktionen rundeten das Programm ab.

Das Traditionsunternehmen aus Hochstadt war auch beim Straßenfest im be­nachbarten Wachenbuchen dabei. Weitere Feste in unserer Region, bei denen Höhl mit von der Partei ist, sind na­türlich die Hochstädter Kerb vom 6. bis 9. Juli, das Fest des Gartenbauvereins Hochstadt am 15. und 16. Juli und die Kahler Kerb vom 27. Juli bis zum 1. Au­gust. Im August geht der Höhl’sche Reigen durch unsere Region dann weiter mit dem Straßen‑ und Laternenfest Langensel­bold, das vom 4. bis 7. August gefeiert wird. Zur gleichen Zeit wird die Landkelte­rei auch beim Kreisfeuerwehrfest in Hanau‑Mittelbuchen vertreten sein. Auch das traditionelle Straßenfest auf der Berger Straße in Frankfurt am 5. und 6. August findet mit Beteiligung der Hoch­städter Kelterei statt. Gleiches gilt für die Kerb in Wachenbuchen vom 11. bis 14. August. Auch die Bernemer Kerb in Frankfurt­-Bornheim vom 12. bis 16. August und als krönender Abschluß im August das Frankfurter Museumsuferfest wären ohne das „Stöffche“ aus dem Hause Höhl undenkbar.

 

Unter dem Motto „Bütten­redner‑Schulung“ fand im November 2000 eine von der Kelterei Höhl in Hochstadt gesponserte Veranstaltung im Wachenbuchener Bürgerhaus statt. Als Moderator stand der Sitzungspräsident von „Hessen lacht zur Fassenacht“ Karl Oertl zur Verfügung. An seiner Seite Uwe Stephan, ebenfalls langjähriger Sitzungs­präsident, und zwar vom Karnevalsverein Enkheim. Im Verlauf dieser Schulung wurden be­reits bühnen‑ und büttenerfahrenen Red­nern, besonders aber auch den jungen Teil­nehmern, viele gute Ratschläge und Tips aus dem reichen Erfahrungsschatz der beiden Profis vermittelt.

Dadurch, daß von den 30 gemeldeten Personen nur 18 erschienen waren, konnte in zwei kleineren Gruppen um so intensiver gearbeitet werden. Alle Teilnehmer nah­men zum ersten Mal an einer solchen Ver­anstaltung teil. Sie konnten dann auch mit dem positiven Gefühl nach Hause gehen, für die kommende Kampagne gerüstet zu sein. Deshalb bedankten sich alle Aktiven nochmals herzlich bei Dr. Johanna Höhl für ihr Engagement zur Förderung des när­rischen Brauchtums. Teilnehmende Vereine waren der Büdin­ger Karneval‑Verein, Humor‑ und Musik­verein Hochstadt und die Rot‑Weißen der Freien Turnerschaft Wachenbuchen.

 

Die in Hochstadt ansässige Landkelterei Höhl präsentiert im Rahmen des Frankfurter Museumsuferfestes am Freitag, 24. August 2001  eine „Hessische Nacht“. Auf der Sachsenhäuser Seite, direkt an der Untermainbrücke unterhalb des Film‑Museums können die Besucher Frankfurter Lebenskultur in ihrer originärsten und sympathischsten Form erleben. Mit Hochstädter Apfelwein zu Preisen Von „annodazumal“ und Handkäs mit (Blas‑)Musik. Ab 19 Uhr wird nämlich das Blasorchester Wachenbuchen aufspielen. Kredenzt wird ein Potpourri aus Pop, Swing, Musical und Volksmusik. Die Maintaler wollen den Frankfurtern mal so richtig zeigen, was es mit Gemütlichkeit und Ebbelwei so auf sich hat. Sitzplätze sind ausreichend vorhanden. Ab 23 Uhr steigt dann die Schlagerparade mit DJ.

 

Im Jahre 2001 führte man eine Werbekampagne rund ums Hochstädter Stöffche durch. Dabei bekannten sich Frankfurter Prominente zum heimischen Apfelwein und spendeten ihre Honorare für den guten Zweck. Der Spenden‑Scheck ging in diesem Jahr an die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft in Hessen..

Unter dem Motto „Höhl Dir...“ werben Frankfurter Apfelwein‑ „Bekenner“ in einer regionalen Print‑ und Plakatkampagne für die Produkte rund um Apfelwein und Apfelsaft der Landkelterei Höhl aus Hochstadt. Mit von der Partie in 2001: Waschechte Frankfurter wie DJ Mark Spoon, Entertainerin Radost Bokel, planet radio‑Moderatorin Minou, King Kameha­meha‑ Chef Radu Roselti, Fotograf Vincenzo Mancuso, Big Brother Container‑Helden Dani & Karim, hr3‑Kuppel‑Fee Susanne Fröhlich, OFC Präsident Dieter Müller, Frankfurter Haus‑Macher Uli Mlcoch, hr3‑Wellenchef Jörg Bombach und Schauspieler Pit Krüger. Im Rahmen der Veranstaltung „Frankfurt Dining & Äpple Wining“ im King Kamehameha Club übergab Dr. Johanna Höhl, Juniorchefin der Landkelterei Höhl, den Spenden‑Scheck über 22.500 Mark all die Vorsitzende der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft in Hessen, Renate von Metzler. Die DMSG betreut in Hessen über 4.000 MS-Kranke und ihre Familien.

 

Johanna und Thomas Höhl

Am 1. ]uni 2002 übergaben Rudolf und Otto Höhl die Leitung der Kelterei an Rudolfs Tochter Johanna Höhl und Ottos Sohn Thomas Höhl. Mit einem Produktionsvolumen von rund 19 Millionen Litern Apfelwein und Apfelsaft und 13,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr war Höhl weiterhin die klare Nummer. 1 in Deutschland.

Dr. Johanna Höhl war damals 47 Jahre alt, hatte Betriebswirtschaft studiert (und dafür auch den Doktortitel) und war eine würdigere Nachfolgerin. Sie sagte: „Ich bin total überzeugt vom Apfelwein. Er hat Tradition, und er ist modern. Jeder kann ihn so trinken, wie er will, süß oder sauer. Junge Leute lieben unseren American Bock mit Cola!“ Ihr Ziel war: „Die Frankfurter sollen stolz auf ihr Nationalgetränk sein, sich bewußt werden was für einen Schatz sie da haben.“  „Unser Apfelwein ist ein Traditionsprodukt, das wir seit Generationen nach alter handwerklicher Art produzieren.

Dr. Johanna Höhl gilt als  „Lady Apfel“ schlechthin, hat sich in der eher von Männern geprägten Kelterei‑Welt einen Namen gemacht und kämpft unermüdlich für das hessische Traditionsgetränk. „Apfelwein macht schön, schlank und schlau“, lautet ihr lächelnd vorgetragenes Credo. Wobei viele meinen (vor allem Männer), daß sie für diese These der lebende Beweis ist. Hessens musikalische Botschafter, die „Rodgau Monotones“ („Erbarmen, die Hessen kommen!“) haben ihr gar zum Jubiläum ein eigene Lied gewidmet („Wenn die Bembel hell erklingen, zieht Johanna übers Land...“). Derartige Gunstbeweise nimmt sie auf wie immer ‑ mit einem strahlenden und von Herzen kommendem Lachen.

Geschickt wirbt sie auch immer wieder für ihr Produkt:

Die Powerfrau sieht die Gründe für die immer mehr abebbende Begeisterung der Hessen für ihren Apfelwein in einem mangelnden Selbstbewußtsein dieses Volksstammes. „Die Hessen sind von Natur aus eher verhalten und wuchern nicht mit ihren Pfunden. Und daher stehen sie auch nicht so zu ihrem ureigenen Produkt, dem Apfelwein.“ Ihre Einschätzung des hessischen Nationalgetränks: Apfelwein ist kein In‑Getränk, sondern ein natürliches Produkt mit geringerem Alkoholanteil als der Traubenwein. Ein Produkt, das es gilt, wieder ins Bewußtsein der Konsumenten zu rufen. „Es sollte der tägliche, selbstverständliche Begleiter sein.“ Alles in Maßen natürlich ‑ doch wie viele andere alkoholische Getränke kann auch der Äppler einen positiven Gesundheitseffekt haben, regt den Stoffwechsel an und macht nicht gleich besoffen und müde.

Seit 1989 Jahren führte sie als Junior‑ und nunmehr Geschäftsführerin die finanziellen Geschicke von Hessens ältester Apfelwein‑Kelterei. In sportlichem Business‑Anzug gekleidet, dirigiert sie dynamisch das Geschehen um sich herum. In der Kelterei ist sie überall nur die „Frau Doktor“, ein Titel auf den sie aber eigentlich keinen großen Wert legt. „Am Anfang war er sogar eher hinderlich“, erinnert sie sich an ihren Einstieg in den Familien‑Betrieb. „Ich war jung, ich war promoviert und ich sprach hochdeutsch“. Alles Gründe, wes­halb die Mitarbeiter der Tochter vom Chef eher mit Skepsis begegneten. Auch außer­halb wurde sie als Juniorchefin kritisch beäugt.

Die Betriebswirtin, die bei Henkel Trocken ihre ersten Lehrjahre verbrachte, mußte beweisen, daß „ich keine Eintags­fliege bin, daß ich das Unternehmen reprä­sentiere und es zu meiner Lebensaufgabe gemacht habe.“. Ein Ziel, von dem Johan­na Höhl heute selbstbewußt sagt, es er­reicht zu haben. Es braucht Geduld, bis man ernst genommen wird. „Wissen, Kom­petenz und Zuverlässigkeit sind das Wich­tigste“, lautet ihre Maxime.

Zielstrebigkeit begleitet ihren Lebens­lauf. Mit 27 beendete sie das BWL‑Stu­dium, mit 29 Jahren erhielt sie bereits ih­re Doktorwürde, mit 30 war sie Mutter zweier Kinder und mit 33 Jahren trat sie der Geschäftsführung des Familienbetrie­bes bei. Weil sie ihre Arbeitszeiten flexi­bel legt, ist es „für mich möglich, Kinder und Beruf zu vereinen.“

Seit ihr Mann vor ein paar Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam, zieht sie die beiden Teens alleine groß. Neben Onkel und Vater in der Firmenleitung mußte sich Johanna Höhl erst emanzipieren. „Da kann man nicht mit der Brechstange kommen, nach dem Motto: Und jetzt geht alles anders.“ Der Vater ist heute nur noch sporadisch in der Chefetage, der Cousin wird dem Onkel in der Produktionsleitung folgen. Seit die „Frau Doktor“ den Führungsstab übernommen hat, ticken die Uhren schon ein wenig anders. Johanna Höhl setzt mehr auf Marketing, auf neue zeitgemäße Apfelprodukte und ihre moderne Ver­packung. Sie forciert die Produktwerbung, weniger den Namen. „Den Blauen Bock kennen die Leute, wenige die Kelterei Höhl.“.

Thomas Höhl (39) ist der Technik-Chef. Ein Praktiker allererster Güte, Verantwortlich für Produktion, Logistik, Koordinator, Abfüllplanung. Ihm obliegt auch die Endkontrolle aller Produkte. Heißt: „Wenn’s dem Thomas schmeckt, dann kann’s zum Kunden!“ Heißt auch: Viel, viel trinken. Thomas lacht: „Mir geht’s wie Obelix. Ich bin als Kind in den Trog gefallen. Mir schmeckt’s einfach!“ Fit hält sich der Vater zweier Kinder mit Volleyball und Radfahren. Und nach Feierabend gönnt sich der Ebbler-Experte auch gerne mal ein Bierchen.

 

Die Firma hatte  80 Mitarbeiter. Der Hauptabsatzmarkt ist n Hessen, in einem Umkreis von hundert Kilometer rund um Frankfurt. Hier werden rund 80 Prozent des Apfelweins abgesetzt.

Der Umsatz betrug  2002 rund 13 Millionen Euro. Das Produktionsvolumen war etwa 19 Millionen Liter Apfelwein und Apfelsaft jährlich

Der Kellermeister wart Ham Klüsserath (55), seit 23 Jahren im Betrieb und zuständig für die Qualitätskontrolle. Keine Abfüllung, ohne daß der Hans seine Nase  ins Stöffche gesteckt und ein Schlückchen probiert hätte. Wenn es gut riecht und schmeckt, kann es losgehen. Alkohol‑ und Säurewerte müssen stimmen. Zwei bis drei Sorten werden am Tag abgefüllt, laufen durch dicke Schläuche in riesige Tanks. Entspannen tut sich der Liebhaber trockener Weine mit Blasmusik: Am Tenorhorn im Blasorchester Wachenbuchen.

 

Der Füllmeister ist Reinhard Steinbrech (49, Herr über 14 Mitarbeiter in der Füllhalle. Seit 28 Jahren im Betrieb: Sein Arbeitstag beginnt um 5 Uhr: Die Abfüllmaschinen müssen aufgeheizt, die Reinigungsmaschinen vorbereitet werden! Der gelernte Elektromeister sorgt dafür, daß alles funktioniert. Und flutscht 230.000 Flaschen (150,000 Apfelwein, 80.000 Apfelsaft rattern täglich über die Bänder ‑ dazu kommen die 30 und 50 Liter‑Fässer. Am Feierabend freut er sich auf seinen Garten. Und träumt vom Tauchen in Tobago.

Der Aufbauer ist seit 27 Jahren Ortwin Mankel (48). Er meistert das Festschäft ‑  ob Opernplatzfest, Freßgassfest oder Messen: Wenn Sie einen Höhl-Stand oder den markanten Höhl‑Riesen‑Bembel sehen, dann hat Ortwin Mankel garantiert seine Hände im Spiel gehabt. Der fröhliche Kraftmeier plant und organisiert Auf‑ und Abbau, fährt den Transporter. Auch privat ist er immer um Werkeln: „Ich schraub ständig a meinem Baby rum“, einer Harly Davidson. Und am liebsten knattert er damit zu großen Harley‑Treffen.

 

Zwar hat auch die Kelterei Höhl dem Mischwahn der Verbraucher Tribut gezollt und ihrem Apfelwein Cola zugemutet, aber der Umsatzrenner ist der so genannte „American Bock“ nicht geworden. Ganz anders jedoch seine jüngste Schwester, die vornehme Schöpfung „Pomp“, die Höhl im Jahre 2002 auf den Markt brachte. Er liegt mit sechs Euro Verkaufspreis im oberen Preissegment. Diese Cuvée aus Hochstädter Apfelwein und Riesling-Sekt hat die hohen Erwartungen der Kelterprofis noch übertroffen: Während im ersten Jahr lediglich insgesamt 1300 Liter verkauft wurden, waren es 2003 bereits 40.000 Flaschen, die an die Konsumenten gingen. Richtig nett ist an dem Produkt, dessen edle Aufmachung an Champagner erinnert, vor allem die Geschichte dahinter: Als die Eltern von Johanna Höhl vor zwei Jahren beide ihren 75. Geburtstag feiern konnten, war die rührige Tochter auf der Suche nach einer repräsentativen Getränkekreation. Dabei stieß sie auf den längst vergessenen, so genannten „Herrschafts‑ Gespritzten“: Früher hatten die wohlhabenden Leute, also die „Herrschaft“, ihren Apfelwein mit Sekt statt Wasser aufgefüllt, aber trotzdem aus dem traditionellen „Gerippten“ getrunken, damit die Dienerschaft den Unterschied nicht sah ‑ hessisches Understatement eben. Für die Neuinszenierung des Getränkes gewann die Keltereichefin den Rheingauer Winzer Ulrich Allendorf, der seinen Riesling‑Sekt und den „Alten Hochstaedter“ zur Liebesheirat führte.

 

Ein Teil des Apfelweins wurde auch in Dosen abgefüllt. Allerdings sind es nur fünf bis zehn Prozent aller Getränke, die bei Höhl in Einwegverpackungen (Flaschen oder Dosen) ab­gefüllt werden. Eindeutig favorisiert werden in der Hochstädter Kelterei die Mehrwegverpackungen wie die Pfandfla­schen - schon der Umwelt zuliebe. Dem Verband der Fruchtsafthersteller ist es gelungen, auch die Kelterei Höhl (die ihr Produkt bisher in beson­deren Flaschen abfüllte) dem Mehrwegsystem des Verbandes anzuschließen. Seit Januar 1999 können alle dem Verband angeschlossenen 74 Kelterei­en die beiden üblichen Flaschentypen befüllen. Dadurch wird dem Getränkehandel das Sortieren der Flaschentypen erspart. Vom Flaschenverkauf entfällt etwa die Hälfte vom Volumen auf die Firma Höhl, etwa 35 Prozent auf die Firma Poss­mann. Den Rest teilen sich mehrere Dutzend kleinere Hersteller.

Mit einem Umsatzplus von fünf Prozent im Jahre 2004 gegenüber dem Vorjahr blickt die Landkelterei Höhl positiv in die Zukunft. Sie konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 14 Millionen Euro verbuchen. Der Absatz lag bei 18,5 Millionen Liter, davon 14 Millionen Liter Apfelwein. Bis zu 30.000 Tonnen Äpfel, bevorzugt von den ökologisch wertvollen Streuobstwiesen in Hessen, werden jährlich in Hochstadt verarbeitet.  „Vor allem der Apfelwein hat wieder um zehn Prozent zugelegt“, freut sich Geschäftsführerin Dr. Johanna Höhl, die dem allgemeinen Absatzrückgang des „Stöffches“ in den vergangenen Jahren mit innovativen Marketingideen entgegen getreten ist. „Apfelwein muß zeitgemäß verpackt sein und glaubhaft die Themen der Zeit vermitteln, dann steigen die Umsätze“.

 

Die Landkelterei entwickelt immer wieder verschiedene Aktivitäten, um den Apfelwein noch stärker ins Bewußtsein der Menschen zu rücken beziehungsweise im Bewußtsein zu erhalten. So werden Auszubildende von Hotels und Gaststätten in die Landkelterei eingeladen, damit sie eine Verbindung zum Apfel erhalten und wissen, wie Apfelwein und Apfelsaft entsteht. Der Appell geht an die Hotel- und Gaststättenverbände und die Beruflichen Schulen, diese Aktion zu unterstützen.

Intensivieren will Hessens bekannteste Landkelterei auch die Aktivitäten entlang der Apfelwein- und Obstwiesenroute. Hier wird sich auch die Wirtschaftsförderung und Tourismus GmbH einbringen. Seit kurzem ist Dr. Johanna Höhl auch stellvertretende Vorsitzende der Vermarktungsorganisation „Gutes aus Hessen“, wozu ihr der Vizelandrat ganz herzlich gratulierte. Auch diese Organisation soll zur stärkeren Vermarktung des Produkts Apfel genutzt werden.

Die  Landkelterei Höhl bot im Herbst 2004  allen Grundstücksbesitzern im Bereich der Streuobstwiesen, die ihre Apfelbäume nicht abernten können oder wollen, ein kleines Gegengeschäft an: Wer der Kelterei die Erlaubnis erteilt, arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene mit der Apfelernte auf seinem Grundstück zu beauftragen, erhält von der Kelterei als Anerkennung zwei bis drei Kästen Apfelsaft oder Apfelwein. Den normalen Preis von zehn Euro je Doppelzentner gesammelter Äpfel und 80 Euro je Doppelzentner Speierling erhalten die jungen Sammler.

 

Jubiläum 2004

Unermüdlich setzt Johanna Höhl sich dafür ein, den Hessen das Traditionsgetränk Apfelwein wieder schmackhaft zu machen. „Wir möchten den Apfelwein hier in der Region wieder zum Erlebnis werden lassen. Aus diesem Grund versuchen wir, unterschiedliche Zielgruppen mit Events rund um den Apfelwein anzusprechen“, erläutert Dr. Johanna Höhl ihre umfangreichen Aktivitäten im Jubiläumsjahr, unter dem Motto „Das ganze Jahr Party“. Unter dem Motto „225 Jahre Höhl ‑ Alles Gute vom Apfel“ ist in jedem Monat ein anderes Jubiläums‑Event angesagt ‑ genau so abwechslungsreich wie die breite Produktpalette der Landkelterei. Prominente Hessen haben die Patenschaften für die Festlichkeiten übernommen.

Dann gab es eine sogenannte „Pomp Fashion Party“ im angesagten „King Kamehameha Club“ in Frankfurt, auf der Modeschöpferin Simone Plitzko ihre sexy Kollektion präsentierte ‑ hier war die Resonanz überwältigend. „Gerechnet haben wir mit maximal 150 Gästen, angemeldet haben sich schließlich 450“, freut sich die Keltereichefin.

Ein Höhepunkt war am 15. Mai das große Hoffest in Hochstadt. Bei freiem Eintritt erwartete die Gäste dort ein abwechslungsreiches Programm und köstliche hessische Spezialitäten. Am Samstag, 9. Oktober 2004, fand inmitten der Erntezeit ein Kelterfest für die ganze Familie statt. Der Ansturm war zwar nicht so groß wie beim großen Hoffest, doch auch diesmal kamen rund 4.000 Besucherinnen und Besucher zum Kelterfest. Da das Wetter am Samstag mit strahlendem Sonnenschein mitspielte, war es eine rundum gelungene Veranstaltung auf dem  Firmengelände  in  Maintals schönstem Stadtteil.

Musikalische Unterhaltung für die Großen, Spiel und Spaß für die Kleinen sowie Interessantes und Wissenswertes rund um den Apfel erwarteten die Gäste in der Zeit von 11 bis 19.30 Uhr. Für das leibliche Wohl gab es hessische Gerichte und reichlich Hochstädter Getränke.

Es gab einen überraschungs- und ereignisreichen Tag: Wie keltert man Apfel, was ist eine Streuobstwiese und was der Unterschied zwischen einem Süßgespritzten und einem Cidre - interessante Fragen, auf die es beim Kelterfest ausführliche Antworten gibt. Einen Einblick hinter die Kulissen des Kelterhandwerks bekommen die Besucher bei den Betriebsführungen, die im Halbstunden-Rhythmus angeboten werden.

Natürlich hatten die Geschäftsführer Dr. Johanna und Thomas Höhl für ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm gesorgt. Zunächst spielten die „Bernemer Blues Brothers“ auf, dann gab es Schrammelmusik von Frau Maurer und am Nachmittag hatte das Blasorchester aus Wachenbuchen seinen großen Auftritt.

Besonders beliebt bei den Gästen waren die Kelterei-Besichtigungen, die alle halbe Stunde angeboten wurden. Dabei erfuhren die kleinen und großen Besucher was so alles zu beachten ist, bevor aus den Äpfeln das beliebte „Stöffche“ oder ein gut mundender Apfelsaft wird. Imposant fanden die Kelterfestbesucher vor allem die knapp 15 Meter hohen Tanks, von denen es insgesamt 55 gibt und in denen der Gärprozeß abläuft. Apropos Kelterpresse. Die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Hochstadt bewiesen mit der „kleinsten Presse“, die es auf immerhin dreieinhalb „Gerippte“ pro „Ladung“ bringt, daß es in Sachen Qualität nicht immer allein auf die Größe ankommt. Der Meinung war auch eine Hochzeitsgesellschaft, die sich nach der Trauung spontan entschloß, den Nachmittag beim Höhl’schen Kelterfest zu verbringen.

Und neben der vielfältigen Palette an Süßem, Apfelweinen und Apfelsäften gab es selbstverständlich auch „feste Nahrung“.

Zudem hatten die Gäste am Nachmittag die seltene Gelegenheit, zahlreiche „hessische Hoheiten“ zu bestaunen. Denn anläßlich des Kelterfests fuhr der so genannte Höhl’sche „Durstlöschzug“ vom Frankfurter Römerberg über die „Hessische Apfelweinstraße“ bis auf das Hochstädter Firmengelände. Mit dabei waren die Sachsenhäuser Brunnenkönigin, die Bergen-Enkheimer Apfelweinkönigin, das Steinheimer  Bundesapfelwein-Königspaar,  die Oberurseler Brunnenkönigin, das Königsteiner Burgfräulein, die Goldsteiner Rosenkönigin und die Büdesheimer Laternenkönigin. Sie alle stellten sich nach ihrer Ankunft zusammen mit den Höhls und dem Landtagsabgeordneten Hugo Klein sowie weiterer Lokalprominenz vor der großen historischen Kelterpresse in Positur. Auch Vizelandrat Frenz und seine Begleiter Helmut Geyer (stellvertretender Wirtschaftsförderungs-Aufsichtsratsvorsitzender,) Dr. Stephan Wiegend und Burkhard Kornherr ließen sich von „Pomp“ überzeugen.

Sehr beliebt war auch die Tombola. Der Erlös - mit attraktiven Preisen, unter anderem eine Reise nach Mallorca - sowie ein Teil des Gesamterlöses dieses Festes fließen kranken Kindern über die Frankfurter Kinderhilfestiftung e.V. zu. Hier waren die Höhls mit der Resonanz der Besucher ebenfalls sehr zufrieden. Anläßlich des Kelterfestes spendierte die Landkelterei einem Glückspilz 225 Liter Apfelwein oder Apfelsaft aus dem reichhaltigen Höhl-Sortiment inklusive einer Kiste „Pomp“.

 

Der Rückgang der Firma

Nach dem ständigen Rückgang des Apfelweinverbrauchs konnte von Vergrößerung des Unternehmens nicht mehr die Rede sein. Der Vertrag mit der Stadt beinhaltete eine 15-jährige Wiederverkaufssperre für das erworbene Grundstück. Für die Kelterei war das Grundstück wertlos geworden. Erst jetzt wurde bekannt, daß der Kauf der Erweiterungsfläche nur mit Krediten erfolgt war. Aber den Kredit bei der Bank galt es, weiter zu tilgen. Das war ein grundsätzlicher Fehler: Man kann nicht einen Kredit aufnehmen ohne Aussicht auf eine Einnahme zum Abtrag des Kredits. „Diese Belastungen haben die Firma ausgeblutet,” sagt Frau Höhl. Am Ende hatten die Banken den Zugriff auf die ganze Erweiterungsfläche

Frau Höhl hat zunächst einmal alles richtig gemacht: Sie wollte an der Tradition festhalten, sowohl an der Tradition der Apfelweinherstellung wie auch an der Tradition der Familie. So wurden „Blauer Bock“ und „Alter Hochstädter“ (Speierling) hergestellt. Aber sie hat auch nach neuen Wegen gesucht, den Apfelsaft und Apfelwein auf dem Markt zu halten: Es wurden Power-Apfel, Apfel-Essig und Schaumwein („Herrschaftsgespritzer“) neu in das Programm aufgenommen. Es bestand auch der Plan, die Trinkwasserleitung aus dem Vogelsberg nach Frankfurt zu nutzen, um Tafelwasser herzustellen; aber dazu wurde keine Erlaubnis erteilt.

Aber Fehler waren, daß auf Radiowerbung verzichtet wurde und daß der Apfelwein nur bei den Fachhändlern zu haben war (nicht einmal in der Kelterei selbst). Die Firma Rapps macht heute wieder Werbung für den „Hochstädter Rosé“ und verkauft den Apfelwein auch in den Supermärkten.

Im Jahre 2005 wurde eine Kooperation im Bereich Füllung und Logistik mit der Rapp's Kelterei in Karben vereinbart. Damals waren aber noch 75 Mitarbeiter beschäftigt. Im Jahre 2007 kam es zu weiteren „Umstrukturierungen“. Eine sogenannte Kooperationspartnerschaft mit der Rapp's Kelterei sollte helfen, den Standort Hochstadt zu sichern. „Aufgrund der seit 18 Monaten positiv verlaufenden Outsourcing-Kooperation mit der Rapp's Kelterei hat sich die Landkelterei Höhl in Hochstadt zu einer Intensivierung dieser Partnerschaft entschlossen”, hieß es in einer Pressemitteilung.

Seit Anfang des Monats Juni 2007 „nimmt Rapp's die Position des ausscheidenden Gesellschafters Thomas Höhl” ein. Damit erfolge nach Firmenangaben „ein Schulterschluß von Hessens Fruchtsaftanbieter Nummer eins mit dem Marktführer im Bereich Apfelwein“, womit der Fortbestand der wirtschaftlich unter Druck geratenen Landkelterei Höhl am Standort Hochstadt gesichert sei.

Die teilweise Zusammenlegung der in Hochstadt nach dem Outsourcing nicht mehr ausgelasteten Verwaltung, wovon drei Mitarbeiter betroffen sind, schafft eine positive Zukunftsperspektive für die verbleibenden Keltereimitarbeiter in Hochstadt", so die Geschäftsführung des Unternehmens.

Am 29. Juni blickte die Keltereichefin Dr. Johanna Höhl noch optimistisch in die Zukunft:  „Mit Hilfe aller Beteiligten haben wir jetzt eine Situation erreicht, die berechtigten Anlaß zur Hoffnung gibt, daß wir uns wieder auf unsere Kernaufgabe konzentrieren können” - die Herstellung von Apfelwein. Dennoch reißen die Gerüchte über die Zukunft des Hochstädter Unternehmens nicht ab. Ein Umstand, den die Geschäftsfrau nicht verstehen kann. „Jahrzehntelang haben wir den Namen Hochstadts ins positive Licht gerückt” und bekannt gemacht. Höhl in Hochstadt, das war immer eine Institution.

Auf die Gerüchte bezüglich der angeblich unsicheren Zukunft der Kelterei, „die schon seit drei Jahren” kursieren, gibt die Unternehmenschefin nicht viel. Gegen den Vorwurf, sie habe - entgegen der Absprachen und Zusagen - Mitarbeiter entlassen, wehrt sie sich energisch. Sicherlich habe die Kelterei rund 50 Mitarbeiter „ausgesourct”, aber das „war doch Bedingung für die Umwandlung des Geländes in Baugebiet”, versichert Dr. Höhl. Emissionen und Lärmbelästigung mußten verringert werden, damit in der Nachbarschaft gebaut werden kann - so die Vorgaben der Politik.

Die Folge war die Verringerung der Arbeitsplätze in Hochstadt. „Viele haben bei unseren Kooperationspartnern einen neuen Job bekommen.” Der Rest habe eine ordentliche Abfindung erhalten. Momentan beschäftigt das Unternehmen 18 Mitarbeiter. Und Millionenbeträge - wie unterschwellig oft vorgeworfen - scheffele die Kelterei schon gar nicht. Alle Gutachten, die zur Erstellung des Bebauungsplanes notwendig seien, habe das Unternehmen bezahlt und sich zu einigen Auflagen verpflichtet. Doch nun seien die Hürden weitestgehend aus dem Weg geräumt. Sie rechne damit, daß Ende 2008 die ersten Besitzer die neuen Häuser im Hochstädter Osten beziehen.

Nach dem Vertrag mit der Stadt gab es eine 15-jährige Wiederverkaufssperre für das erworbene Grundstück. Aber die Stadt verzichtete nach langem Hin und Herr auf ihr Vorkaufsrecht und erklärte sich mit dem Verkauf an einen Bauentwicklungsträger einverstanden. Der Quadratmeterpreis wurde von einem Gutachter aus Wiesbaden nur auf 187,50 Euro geschätzt, die Stadt erhielt nur eine Ausgleichszahlung von 80.000 Euro. (im Jahre 2013 wurden die Grundstücke oberhalb von Höhl für 380 Euro verkauft).

Die Zukunft des „Stöffchens” sieht Dr. Johanna Höhl im Wellnessbereich. „Apfelwein ist von Natur aus ein gesundes Produkt", macht „schön, schlank und schlau” und vermittelt „Bodenständigkeit und Lebenskultur”. Und mit der „bundesweit einmaligen Kaltvergärung”, die die Landkelterei anwende, seien die Hochstädter Produkte geradezu prädestiniert für „gesunden Genuß“. Man müsse den Hessen allerdings noch richtig nahe bringen, „was sie an ihrem Apfelwein” haben. So wie bei den Bayern mit dem Bier.      

Die Firma wurde dann nach und nach immer mehr abgebaut. Im Grunde bestand sie nur noch aus den Edelstahltanks.  Diese mußten zwar hin und wieder repariert werden, waren aber für die Firma Papps immer noch billiger als die Neuanschaffung solcher Tanks. Im Herbst 2014 wurde auch das Büro aufgelöst. Das völlige Verschwinden und die Vermarktung der Fläche für Wohnungsbau ist nur noch eine Frage der Zeit

 

Die Landkelterei Höhl in Hochstadt präsentiert anläßlich der  „Internationalen Apfelweinmesse“ im März 2010  ihre neueste Kreation: „Der alte Hochstaedter rosa“. Ein Hauch frischer Johannisbeersaft lasse den Apfelweinklassiker zu einem „neuartigen Apfelerlebnis“ werden, verspricht die Kelterei. „Frisch, fruchtig und aromatisch“ treffe „Der alte Hochstaedter rosa“ den Nerv der Zeit. „Das zeigt wieder einmal die Vielseitigkeit unseres Apfelweines, der wie kein anderes Getränk die Brücke schlägt zwischen hessischem Kulturgut und Zeitgeist“, konstatiert Johanna Höhl. Rosé gewinne seit Jahren im Bereich Wein und Sekt an Zuspruch. Da habe es nahe gelegen, auch beim Wein aus Äpfeln zu zeigen, „daß unser hessisches Nationalgetränk zwar eine lange Tradition hat, aber auch allen Ansprüchen an ein zeitgemäßes Genußmittel gerecht wird“, so Höhl abschließend in der Pressemitteilung.

 

Für ihre neueste Eigenkreation, „Pomp seductive“ bekam Johanna Höhl im März 2010 den Innovations- und Förderpreis der Vereinigung Apfelcompagnie, Freunde und Förderer der Hessischen Apfelweinkultur. r Verein mit Sitz in Frankfurt versteht nach eigenen Angaben den Apfel als wichtigstes Genußkulturgut in Hessen und setzt sich daher für die Erhaltung der Streuobstwiesen ein. Den Preis erhielt Höhl unter anderem für die Weiterentwicklung und Steigerung der Idee von Sekt mit Apfel. Die klare Positionierung werde durch den stilvoll gestalteten äußerlichen Auftritt unterstützt.

 

Alte Presse

Der Kelterei gelang es, eine seltene Rarität zu erwerben. Es handelt sich um eine riesige Presse für Apfelmost aus der Zentral-Schweiz. Sie ist garantiert über 200 Jahre alt und besteht aus massivem Eichenholz. Allein der Druckbalken wiegt über 1 Tonne und ist 7,50 m lang, Die Presse ist über drei Meter hoch. Die Anlage bildet jetzt einen interes­santen Blickfang auf dem Werksgelände der Kelterei Höhl. Ihre Einfuhr nach Deutschland wurde ‑ nach längeren Verhandlungen ‑ nur deshalb ermög­licht, weil in der Schweiz ein gleich altes Gegenstück existiert, das dort unter Denkmalschutz steht.

 

Internationale Beziehungen

Besucher kamen aus der ganzen Welt. Anfang der 80iger Jahre wollten sich 17 Abnahme-Inspektoren aus China an Ort und Stelle von der Herstellung des Apfelweins überzeugen. Von der Anlieferung des „Roh­materials“ bis hin zum „Süßen“, „Rauscher“ und Apfelwein durchwanderte die Delegation den Großbetrieb. Wie die Firma Höhl jedoch erstaunt feststellen mußte, ist den Chinesen in ihrem Heimatland der Apfelwein kein fremdes Getränk, wurde während der Besichtigung bekannt. Eigentlicher Grund für den chinesischen Besuch war jedoch eine enge Geschäftsverbindung der Abnahmeinspektoren mit einer Frankfurter Firma, die eine der größten Polyesteranlagen der Welt in die Volksrepublik liefern will. Als wohltuenden Abstecher vom Geschäftsalltag servierte die Frankfurter Firmenleitung den Gästen sodann die „touristische Attraktion“ der Apfelweinkelterei in Maintal-Hochstadt.

 

Im Jahre 1988 erwarb die Firma eine Importli­zenz für die USA, um dort Arbeitsplätze für die benachtei­ligten Indianer zu schaffen und um einen neuen Markt zu erobern. Den US‑Geschäftspartnern war das eine Reise nach Hochstadt wert. Rechtsanwalt John Beaudin, der Präsident der „American Indian Enterprises Limited“ und Herausgeber einer india­nischen Zeitung, er­schien ‑ medienwirksam ‑ als „Bü da'na Kwat“, was soviel heißt wie „Der Donner vieler Stimmen“ vom Stamm der Chippewa aus der Sippe der Kraniche ‑ in Leder‑ Fransen­-Kleidung mit Federschmuck, Klingeln am Bein und indiani­schem Schmuck. Die kleine Familie, er vom Stamm der Chippewa aus der Sippe der Kraniche, sie aus der Bärensippe der Winnebago, zeigte sich beim Ortstermin am Mitt­woch in Stammestracht und war somit ein begehrtes Ziel für die Linsen von Fo­tografen und Kameraleuten. Auch Rudolf und Otto Höhl erhielten als Gastge­schenke Indianerschmuck und trugen diesen sehr würdevoll und genauso selbstverständ­lich wie den Schlips darunter.

Nach einem Rundgang durch die Füllanlage stellten sich Höhl und Beaudin den Fragen der Journalisten. Gemeinsam mit seiner Frau Janice („Hi nu' gi ja' wega“ oder „Die Lenkerin der vier Jahreszeiten“) wirbt der Rechtsanwalt in den USA um Verständnis für die soziale und wirtschaftliche Lage der einsti­gen Ureinwohner Nordamerikas, die nach Vernichtungs­feldzügen der Einwanderer und nach dem Abschieben in Reservate mehr als düster ist: „In den Reservaten herrscht eine Arbeitslosigkeit von 80 bis 90 Prozent“, wußte Rudolf Höhl zu berichten.

Die Verträge sind un­terzeichnet, und zwar mit den Brüdern George und Ulrich Kostuch, geborene Frankfurter, die nach Rock Rapids in Iowa auswander­ten. Die Brüder bringen erfolgreich deutsche Bierkrüge auf den Markt und wollen ihre Firma um den Apfelweinim­port weiter ausbauen. Die Arbeitsplätze in der Firma in Rock Rapids sollen den Indianern zur Verfügung stehen. George und Ulrich Kostuch haben bereits in der Vergangenheit engagiert für die Rechte der Indianer und ihre reiche Kultur gekämpft, sie leisten praktische Hilfe zur Selbsthilfe und neben der Firma Höhl aus Hochstadt ist ein Glashersteller aus Höhr‑Grenzhausen bereit, sich im amerikanischen Markt und zum Wohl der Indianer zu engagieren. „Blauer Bock“ wird auf dem Etikett in Amerika stehen, darüber „Original Germany Apfelwein“ und der Importeur, die Gebrüder Kostuch, muß ebenfalls genannt sein.

Die Qualität des Apfelweins der Firma Höhl

Ziel der Firma ist es, durchgängig eine Spit­zenqualität zu liefern durch den Einkauf erstklassiger Roh­ware und durch die Anwen­dung modernster Produktions­techniken. Dabei greift man auch auf wohlgehütete Familien­rezepte zurück und läßt den Kellermeister mit Zunge und Gaumen entscheiden. Es wird ohne Konservierungs­stoffe und künstliche Aromen gear­beitet, nichts außer Apfel darf in den Wein.

Ganz wichtig ist dem Hochstädter Tradi­tionshaus, daß die Verarbeitung des „Stöffche“ im Hause Höhl nach dem glei­chen Handwerk vonstatten geht wie bei kleineren Betrieben. „Bei uns gibt es kei­ne Chemie“, stellt die Marketing‑Chefin klar. Die großen Eisentanks böten zudem optimale Reifebedingungen.

Anders als beim Beerenwein wä­re ein sortenreiner Apfelwein ein ziemlich fader Trunk, sagt die 45‑Jährige. Deshalb kommen bis zu 60 verschiedene Sorten vom Boskop, Cox Orange, Hilde bis zu Schafsnase in die Presse. Daß dennoch der Inhalt einer Flasche Jahr für Jahr wie der Inhalt einer anderen schmeckt, liege an der Behandlung des Mosts, erklärt die Betriebswirtin und verrät: „Wir lassen dem Apfelwein unheimlich viel Zeit.“ Aber nicht nur hierin sieht Johanna Höhl eine Qualitätskonstante, sondern ebenfalls im gleichen Maße in der Auswahl der Rohstof­fe. Frei von Dünger sowie Insekten‑ und Pflanzengiften soll die Frucht am Baum reifen. Damit dies auch künftig so bleibt, betreibt man bei Höhl „regionale Kreis­laufwirtschaft“. Ein großer Teil der Äpfel kommt aus der Umgebung, vornehmlich von Streu­obstwiesen. „Für den Erhalt dieser oftmals alten naturnahen Obstanbauflächen zahlt die Hochstädter Kelterei für die Äpfel überhöhte Marktpreise“. Und so wurde deshalb, erst kürzlich der Preis für die Fla­sche von Höhl angehoben.

 

Die sieben goldenen Regeln von Höhl

  1. Qualität: Als regionaler und saisonaler Nischenan­bieter gehört unser hoher Qualitätsan­spruch und damit die Verantwortung für die Produkte zu unserem Hauptanliegen. Unsere Produkte sind aus diesem Grund anerkannter und bestätigter Qualitätsfüh­rer in ihrer jeweiligen Gattung.
  2. Tradition: Als älteste und größte Apfelweinkelterei Deutschlands pflegen wir seit 220 Jahren das Handwerk der Apfelweinkelterei. Seit 1779 im Familienbesitz, verschrieben sich alle Generationen der höchsten Kelter­kunst, der jeweils modernsten Technik in der Rohstoffverarbeitung, um unserem Qualitätsdenken gerecht zu werden.
  3. Ökonomie: Wir betreiben mit großem Engagement und sichtbarem Erfolg das Modell der Kreislaufwirtschaft. Dabei nehmen regio­nale Rohstoffgewinnung, Verarbeitung und Vertrieb ebenso wie der Konsum in der Region einen zentralen Stellenwert ein. Die Mehrzahl unserer langjährigen Mitarbeiter stammt aus der Umgebung Hochstadts, der traditionsreichsten Apfelweinregion.
  4. Umwelt: Zur Rettung und Pflege der hessischen Streuobstwiesen haben wir uns zu einer Abnahmegarantie gegenüber den Biobau­ern der Region verpflichtet. Wir nehmen Jahr für Jahr das Obst der Streuobstwie­sen zu fairen Preisen ab, um den Apfelbau­ern ein nachhaltiges Wirtschaften zu er­möglichen. Damit wird der Fortbestand der regionalen Apfelkultur gesichert und die Kulturpflege der Streuobstwiesen ga­rantiert. Selbstverständlich arbeitet unser Betrieb mit einer umweltfreundlichen Kläranlage für alle Produktionsstätten. Je­der Liter Schmutzwasser durchläuft die werkseigene Anlage.
  5. Innovation: Zu unserer Produktpalette zählen neben den klassischen naturreinen Apfelsäften und Apfelweinen moderne Naturprodukte aus 100 Prozent Äpfeln. Dazu gehören Qua­litätsprodukte wie Apfelsaftschorle und Apfelcidre, alkoholarme Trendgetränke ‑ ebenso wie fruchtige Apfelessige aus dem biologischen Anbau. Innovation heißt für uns, bestehende Strukturen zu hinterfra­gen, weiter und anders zu denken.
  6. Kreativität: Unser Familienunternehmen stellt sich heute bereits den Herausforderungen von morgen. Kreativität ist in diesem Zusam­menhang nicht Selbstzweck, sondern wesentliche Funktion in der Verantwortung für Pflege und Umgang mit der Natur und ihren vielfältigen Rohstoffen. Im Mittel­punkt aller Anstrengungen unseres Unter­nehmens steht der Kunde mit seinen zeit­gemäßen Anforderungen und Erwartun­gen an unsere Produkte.
  7. Vision: Als älteste Apfelweinkelterei Deutschlands wollen wir eine moderne Apfelweinwelt schaffen, die den Bedürfnissen unserer Kunden nach naturbelassenen Produkten und Genuß auch in Zukunft entgegenkommt.                     

 

Die Zeichen der Zeit glaubt man bei der Höhl GmbH & Co. früh erkannt zu haben. „Der Mengenge­danke geht nicht mehr“, sagt Johanna Höhl. „Ein breites Sortiment und absolu­te Spitzenqualität“ werden im August 2000 als wichtige Waffen in einem harten Wettbewerb ge­nannt. Der „Hochstädter“ und den „Bock“ gibt es inzwischen der Nachfrage entspre­chend auch in der Abfüllung „Gespritz­ter“. Den Geschmack der jüngeren Kundschaft glaubt man auch mit dem milden und trüben „Schoppepetzer“ ge­troffen zu haben. Außerdem werden aus Hochstadt dem Apfelwein liebenden Gaumen zwei Cidre‑Marken und das jüngste Kind „Boskopp Soda“ angeboten, das wegen seines geringen Alkoholge­halts zum „Sommer‑ und Szenegetränk“ avancieren soll. Auch der naturtrübe Apfelsaft sei von fantasti­scher Qualität. „Der schmeckt wie Süßer, aber das ganze Jahr über.“ Neu sei, daß es den von Höhl nun das ganze Jahr über als Direktsaft ohne Konzen­trat gebe. Besonders stolz ist man beim Hochstädter Familienbetrieb auf die Tatsa­che, daß der Deutsche Sporthund den „Power Apfel“ (je zur Hälfte Apfelsaft und Quellwasser) als einziges Getränk in Deutschland ausgezeichnet hat.

 

Apfelweinsorten aus der Kelterei Höhl:

In der Apfelweinproduktion wurden Markennamen einge­führt, die aber eine konstante Qualität erfordern. Die traditionellen Apfelwein­sorten sind heute „Blauer Bock“, „Schoppepetzer“ (naturtrüb) und „Der alte Hoch­städter“ (Speierling) und na­türlich der Apfelsaft.

-          „Der alte Hochstädter“ ist ein Speyerling­-Apfelwein nach bester alter Art. Was beim Wein der Riesling und beim Bier das Pils, ist beim Apfelwein der Speierling. Seine  herbwürzige  Geschmacksnote wird durch eine spe­zielle Mischung rei­fer, saftiger Kelteräpfel und die Zugabe von Speierlingssaft erreicht. Als uraltes Kelterhilfs­mittel  geschätzt, sorgt der Speierlingssaft für eine rasche, natürliche Klärung des Apfelweins. Einen natur­trüben Speierling-­Apfelwein kann es somit nicht geben. „Der alte Hochstädter“ ist Frankfurts meistgetrun­kener Apfelwein und gilt un­ter Kennern als Apfelwein schlechthin und macht rund 50 Prozent der Firmenproduktion aus. „Kräftig und er­dig, gerbstoffreich und herb, aber nicht sauer: Der Alte Hochstädter ist so ganz nach dem Geschmack der typischen Frankfurter“, weiß Dr. Johanna Höhl aus Erfahrung.

-          „Blauer Bock“ hat Maßstäbe für Hessens Spezialität gesetzt und wurde in ganz Deutschland zum Synonym für Apfelwein. Blauer Bock entsteht nach einem traditionellen Hausrezept und hat den typischen, herzhaft-süffigen Geschmack. Es gibt ihn als fruchtigen Urtyp, aber auch als feinherben Speierling.

-          Schoppepetzer ist ein milder Apfelwein, ganz nach Art unserer Vorväter: natur­trüb, süffig-voll­mundig, voller Frucht und doch elegant. Zur Herstellung dieses Apfelweins. werden vorwiegend die herzhaft-knackigen, ungespritzten und unbe­handelten Apfel der Bauern aus Hochstadt, aus dem nahen Taunus, der Wetterau und dem Odenwald gekeltert. Sie ge­ben dem Schoppepetzer die feine Trü­bung und seine harmonische, anspre­chende Milde. Schoppepetzer ist beliebt bei allen, die einen besonders weichen, bekömmlichen Schoppen bevorzugen.

-          „Weißer Bock Hessen Cidre“: Allen, denen der typisch hessische Apfel-Wein zu trocken ist, bietet die Kelterei Höhl Hochstadt noch eine frankophile Alternative: „Weißer Bock Hessen Cidre“, ein teilvergorenes Getränk aus 100 Prozent Äpfeln, mit nur 3,5 Prozent Alkohol. Absolut naturrein, ohne jegliche Zusätze wie Zucker oder Farbstoffe, mit Kohlen­säure angereichert, schmeckt Weißer Bock Hessen Cidre herrlich erfrischend und belebend: ein spritziger Sommerhit für Lust und Laune pur.

-          „Bosskopp Soda“, ein spritziges Getränk mit Holunderaroma und ein wenig Alko­hol, gibt es seit 1995. In den Discos der gesamten  Umgebung wurde der „Bosskopp“ schon zum regelrechten „In-Getränk“.

-          Apfelsaft: Nicht nur Kinder lieben ihn: naturreinen Apfelsaft, den gesunden Durst­löscher fürs ganze Jahr. Ohne Zuckerzusatz, ohne Farbstoffe, ohne Konservierungs­mit­tel (lt. Gesetz). Es ist nur eine Frage des persönlichen Ge­schmacks, ob man die klassisch-klare oder die naturtrübe Variante bevorzugt. Die Sorten sind: Apfelsaft extra, Apfelsaft naturtrüb, Hochstädter Apfelsaft klar, Hochstädter Apfelsaft naturtrüb und „Power-Apfel“, der köstliche, naturreine Energiedrink. Power-Apfel ist „Apfelsaft-Schorle“ aus 55 Prozent Apfelsaft und 45 Prozent Quellwasser und damit die gesunde, natürliche Alternative zu Limonaden und „Iso-Getränken“, beson­ders bei Spiel und Sport, nach der Sauna und im Sommer.

Power Apfel ‑ die spritzige Apfelsaftschorle der Land­kelterei Höhl – wurde als einzige unter den Schorlen‑ Anbietern vom Deutschen Sport­bund im Jahre 2001 mit dem Prädikat „richtig fit“ ausge­zeichnet und empfohlen. Die Inhaltsstoffe von Power Apfel weisen ähnliche Werte auf wie die teuren, für Leistungssportler ent­wickelten Energy‑Drinks. Dabei besteht der erfrischende Mix aus 55 Prozent bes­tem Apfelsaft und 45 Prozent reinem Quell­wasser. Natur pur, ohne Zucker und jegli­che Konservierungsstoffe. Ein Grund mehr für den Deutschen Sportbund die preiswer­te und gesunde Apfelschorle Power Apfel zu empfehlen.

Sportmediziner und Experten empfehlen den Vitaldrink Apfelsaftschorle als besten Durstlöscher und Energiespender. Kohle­hydratgehalt und Mineralstoffe tragen zur Stabilisierung der Blutzuckerkonzentrati­on bei und fällen die Energiespeicher des Körpers schnell wieder auf. Damit erfüllt Power Apfel alle Anforderungen aus sport‑ medizinischer Sicht, sowohl für Leistungs­sportler als auch für das „Fitneßtraining“ in der Schule und bietet eine gesunde und schmackhafte Alternative zu herkömmli­chen Sportgetränken. Sportlich betätigt sich die Kelterei mit viel Engagement für die Kicker des „OFC“, die Basketball‑Größen der „Frankfurt Sky­liners“ und die Eishockey‑Löwen „Frank­furt Lions“.

Weitere Produkte sind oder waren: „Der alte Hochstaedter Gespritzter“, „Maintaler“, ,„Blauer Bock Gespritzter“, „Blauer Bock heiß in Winterlaune“, „Purer‑, Süßer‑, Saurer‑ und American Bock“, „Apfelwein‑Special Pomp“ (Rheingau‑Riesling Sekt mit Hochstädter Apfelwein);

Apfelessig „Bio Ess“.

 

Im Jahre 2001 stellte man fest: „Der Apfelwein ist in die Jahre gekommen ‑ für junge Leute zu langweilig und zu altmodisch!“ Höhl hat deshalb Produkte für die jüngere Zielgruppe auf den Markt geworfen. Etwa Boss Kopp Soda ‑ Apfelwein mit Soda und Holunderblüten ‑ und die Apfelschorle Power Apfel, die es, früher undenkbar, sogar in Dosen gibt. Das jüngste Produkt ist ein Mix aus Apfelwein und Cola.

 

Im März 2010  präsentierte die Landkelterei Höhl anläßlich der  „Internationalen Apfelweinmesse“ ihre neueste Kreation: „Der alte Hochstaedter rosa“. Ein Hauch frischer Johannisbeersaft lasse den Apfelweinklassiker zu einem „neuartigen Apfelerlebnis“ werden, verspricht die Kelterei. „Frisch, fruchtig und aromatisch“ treffe „Der alte Hochstaedter rosa“ den Nerv der Zeit. „Das zeigt wieder einmal die Vielseitigkeit unseres Apfelweines, der wie kein anderes Getränk die Brücke schlägt zwischen hessischem Kulturgut und Zeitgeist“, konstatiert Johanna Höhl. Rosé gewinne seit Jahren im Bereich Wein und Sekt an Zuspruch. Da habe es nahe gelegen, auch beim Wein aus Äpfeln zu zeigen, „daß unser hessisches Nationalgetränk zwar eine lange Tradition hat, aber auch allen Ansprüchen an ein zeitgemäßes Genußmittel gerecht wird“, so Höhl abschließend in der Pressemitteilung.

 

Für ihre neueste Eigenkreation, „Pomp seductive“ bekam Johanna Höhl im März 2010 den Innovations- und Förderpreis der Vereinigung Apfelcompagnie, Freunde und Förderer der Hessischen Apfelweinkultur. Der Verein mit Sitz in Frankfurt versteht nach eigenen Angaben den Apfel als wichtigstes Genußkulturgut in Hessen und setzt sich daher für die Erhaltung der Streuobstwiesen ein. Den Preis erhielt Höhl unter anderem für die Weiterentwicklung und Steigerung der Idee von Sekt mit Apfel. Die klare Positionierung werde durch den stilvoll gestalteten äußerlichen Auftritt unterstützt.

 

Die zur Hassia-Gruppe gehörende Groß- Kelterei Höhl in Maintal-Hochstadt macht 2013 mit Lifestyle-Apfelwein ähnlich positive Erfahrungen. Fruchtig-süffige Mixgetränke in kleinen Long­neck-Flaschen verkauften sich gut, berichtet Johanna Höhl. Die mit 2,3 Prozent nur gering alkoholhaltige Getränkegattung „spricht die junge, unkomplizierte und feierfreudige Zielgruppe der Partygänger an“, erläutert die Herstellerin. Es sei gelungen, neue Zielgruppen zu finden - etwa Frauen. „Der Umsatz mit unserem Rosé-Apfelwein entwickelt sich wunderbar“, freut sich die Keltereichefin. Der mit zwei Prozent Johannisbeersaft gefärbte Apfelwein gefalle Leuten, die auch Prosecco trinken. Zunehmend sei der Rosé-Äppler in Supermärkten gefragt.

 

Bücher

 

Rainer Weisbecker, „Ohne de Äppelwoi­-Blues. Lieder und Gedichte in hessischer Mundart“.

Verlag Michaela Naumann, Nidderau 1998, ISBN 3‑924490‑92‑9. Preis 19,80 DM.

 

„Du wachst uff am Morje un merkst, irgendwas is los, / schnappst derr e T‑Shirt, dei Hemd un e Hos, / ziehst des. Alles aa­ un gehst vor die Tür, / un da steht er widder hinner dir.“ Was der „Blues“, von dem hier gesprochen wird, letztendlich ist, entzieht sich vermutlich jedem Versuch einer akademisch korrekten Definition. Man „hat ihn“ ‑ oder hat ihn eben nicht. Und wahrscheinlich ist gerade dies das Cha­rakteristische an ihm.

Für Rainer Weisbecker, Mundartautor, Sänger und Gitarrist der Frankfurter Mundart‑Bluesband „Bluesbube“, hat ihn jedenfalls „jeder emal“ ‑ und die darin ausgesprochene „Ubiquität“ des Blues gibt indirekt vielleicht doch einen Hin­weis darauf, was die Musiker (abgesehen von einer bestimmten Musikgattung) da­mit meinen könnten: ein besonderes Erle­ben der Wirklichkeit, eine bestimmte Form gefühlsmäßiger Wahrnehmung von Selbst und Welt.

Doch halt ‑ da meldet sich ja schon wieder das kleine Teufelchen namens Pe­danterie, das erst dann zufrieden ist, wenn alles und jedes definiert und einge­ordnet ist., Was die in dem schmalen, im Verlag Michaela Naumann aufgelegten Bändchen „Ohne de Äppelwoi‑Blues, Lie­der und Gedichte in hessischer Mundart“ versammelten Liedtexte und Gedichte Rainer Weisbeckers auszeichnet, ist ja gerade jener lockere Umgang mit ganz unterschiedlichen Erlebnissen und Eindrüc­ken, der ihre Kategorisierung eben da­durch überflüssig macht, daß er sie gleich­sam selbst zu Worte kommen läßt.

Der Nidderauer Verlag Michaela Naumann stellt 2000 untern den Herbstneuerscheinungen auf der Frankfurter Buchmesse vor: Mario Gesiarz hat das Gedicht „Das Lied vom Äppelwei“ neu bearbeitet, das mit Beschreibungen der einzelnen Situa­tionen, bei denen das traditionelle Stöff­che konsumiert wird, ein Stück Alltag aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wiedergibt. Das „Lied vom Appelwei“     ist eine Mundart‑Persiflage auf Schillers Glocke

 

Michaele Scherenberg, Karl‑Heinz Stier: „Zum An­beißen.“, das hessische Apfelbuch,

 mit vielen farbi­gen Abbildungen, Eichborn Verlag, 168 Seiten, ge­bunden mit Schutzumschlag, 34 Mark, ISBN 3­8218‑1197‑8.

Michaele Scherenberg und Karl‑Heinz Stier, Moderatoren der beliebten HR‑Fernsehserie „Hessen à la carte“ und Autoren der gleichnami­gen Buchreihe, trägen dieser seit Jahrhunderten ungebrochenen Lust am Apfel mit ihrem neuen Buch Rechnung. In „Zum Anbeißen, Das hessi­sche Apfelbuch“ zeigen sie liebevoll die große Vielfalt dessen, was man mit dem Apfel alles machen kann. Über 140 Anleitungen zum Kochen, Backen und Genießen mit Äpfeln, Apfel­wein und Apfelsaft sind hier versammelt. Bei der Suche nach den kulinarischen Geheimnissen des Apfels wurden die Autoren von Landfrauen und Gastronomen der Region tatkräftig unterstützt. Ihre Kochkünste und Küchentips tragen dazu bei, den Rezeptteil besonders abwechslungsreich zu machen.

Von der Schinkenterrine mit Apfelsauce übers Entenleberparfait mit karamelisierten Äpfeln bis zum Forellen‑Apfel‑Salat; von Apfelkeulchen in Rahmsauce über Rehrücken mit Apfel‑Lebku­chenkruste, Ebbelwoi‑Hinkelsche mit Graupen­-Pfifferlings-Risotto und Apfel‑Kartoffel‑Lauch-­Gratin - für jeden Geschmack ist garantiert das Richtige dabei. Schleckermäuler erfreuen sich an raffinierten Süßspeisen wie zum Beispiel Bratap­fel‑Eisparfait auf Orangen‑Ingwersauce mit Ha­gebuttenmark, und wer es lieber leicht mag, wählt eins der zahlreichen Suppen‑ oder Fischre­zepte. Neben den kulinarischen Hochgenüssen bietet der Apfel noch

Solche und andere Anekdoten rund um den Ap­fel: Historisches und Vergnügliches sowie Infor­mationen über Apfelsorten, Ernte und Lagerung, Apfelbäume, Streuobstwiesen, Apfelwein und Kelter machen das Apfelbuch zu einem ‑ im wahrsten Sinne des Wortes ‑ runden Genuß. Mi­chaele Scherenbergs und Karl‑Heinz Stiers Re­zepte und Geschichten bestätigen aufs Schönste, daß der Apfel ist, was er schon immer war ‑ zum Anbeißen und einfach unwiderstehlich!

 

Der Apfelwein ein Volksgetränk, herausgegeben von der Vereinigung der Apfelwein‑Keltereien mit eigenem Ausschank von Frankfurt am Main und Umgebung e.V.

 

 

Denis und Swen Duhm: „Main‑Taunus‑Apfelweinführers“, 2001:

Der Band soll eigentlich zum Besuch der Apfelweinwirtschaften im Main-Taunus‑Gebiet und in Frankfurt animieren ‑ 74 Kneipen zwischen Bad Camberg und Friedberg, Wiesbaden und Rodgau sind aufgelistet und beschrieben. Anhand eines Ortsverzeichnisses und einer Karte lassen sich die Gaststätten schnell finden. Benutzerfreundlich ist das Buch allemal, gleich am Anfang sind die Ruhetage der Lokale notiert. Die Infos sind auf das Nötigste beschränkt: eine Seite zum Naturpark Hochtaunus muß reichen. Und mit ihrer Schreibweise des „Äppelwoi“ ignorieren die Autoren die Frankfurter „Ebbelwoi“‑Tradition, was so schlimm nicht ist, weil die Ausflugsorte zum Teil weit außerhalb der Stadtgrenzen hegen.

 

Broschüre „Zehn Jahre Schutz der Streuobstwiesen von Frankfurt bis Maintal, 2002:

Schüler der 12. Klasse des Wirtschafts‑ und Informatikzweiges der Kaufmännischen Schule II in Hanau haben für den Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt eine Broschüre über den Schutz der Streuobstwiesen von Frankfurt bis Maintal gestaltet. Die Schüler überreichten das in einer Auflage von 5.000 Exemplaren veröffentlichte Buch zum zehnten Jubiläum der Naturschutzarbeit in Hessens größtem Streuobstwiesengebiet jetzt ihren Auftraggebern.

Auf 42 Seiten mit großformatigen Farbbildern, Diagrammen, Übersichtskarten und Texten gibt das Buch Auskunft über die Arbeit von Naturschutzverbänden, Vereinen, Privatinitiativen und städtischen Organisationen, die sich seit den 90er Jahren um den Erhalt des einzigartigen Biotop‑Gürtels bemühen. Den Inhalt der Broschüre lieferten die Fachleute vom Landschaftspflegeverband, der Zoologischen Gesellschaft und der HGON, der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Die 18 Schülerinnen und Schüler übernahmen Lay­out und Gestaltung.

Finanziert wurde das Projekt von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Diese hat zwischen Frankfurt‑Bergen‑Enkheim und Maintal‑Hochstadt in den vergangenen zehn Jahren 5.000 Quadratmeter Flächen für den Erhalt der Streuobstwiesen gekauft. Der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig hat 5.000 Bäume saniert und 2.000 neu gepflanzt.               

Mit großformatigen Farbbildern, Diagrammen, Übersichtskarten und Texten, die auch dem Laien verständlich sind, gibt das Buch Auskunft über die vielfältigen Aktivitäten von Naturschutzverbänden, örtlichen Vereinen, Privatinitiativen und städtischen Organisationen, die sich seit den 90er Jahren um den Erhalt des einzigartigen Biotopgürtels bemühen.

Die Broschüre „Zehn Jahre Schutz der Streuobstwiesen von Frankfurt bis Maintal“ listet die Bemühungen um Fauna und Flora und die Tierwelt auf und berichtet vom Wert des einmaligen Gebietes, beschreibt die Ziele des Projektes, seine bisherigen Erfolge und welche Organisationen und auch Privatleute sich darum verdient machen. Ursula Mothes‑Wagner von der HGON berichtet etwa an diesem Morgen von den Erfolgen beim Schutz und der Verbesserung der Steinkauzpopulation in dem Streuobstareal.

Wichtig auch: Lesern werden Tips gegeben, wie sie sich selbst einbringen können, zudem werden zahlreiche Kontaktadressen aufgelistet, an die sich Interessierte wenden können. Und auch die Schüler wurden über die Gestaltung der Broschüre an den Naturschutz herangeführt. Mit ihrem Lehrer Joachim Schulmerich besuchten sie die Gebiete und erfuhren live die veränderte Nutzung und die Vermarktung der Produkte dieser Region ‑ etwa vom Apfel zum Stöffche. „Für uns ist diese Broschüre nicht nur die Rückschau nach innen, sondern auch der Versuch, neue Sponsoren und Unterstützer zu finden. Wir wollen die Leute überzeugen, daß das ein gutes Projekt ist.“ In Zukunft wohl noch wichtiger, wo Kommunalpolitiker der Stadt Maintal und des Kreises immer begehrlicher auf das Areal der Weidenkaute schauen, das ebenfalls zum Streuobstgürtel gehört.

Die Schüler der Kaufmännischen Schule haben sich jedoch nicht nur allein mit der Gestaltung der Broschüre befaßt. Die Wirtschaftsinformatikklasse bietet unter dem Namen „webmaster18.de“ auch ein kommerzielles Projekt an. Die 18 Schüler und Schülerinnen haben mit ihrem Lehrer zusammen eine Gesellschaft gegründet, die die Gestaltung von Homepages und Internetauftritten anbietet. Für 150 Euro erstellen sie für Privatleute und Firmen Webseiten und betreuen diese auch sechs Monate lang. Mehrere Aufträge haben sie bereits gestaltet. Das Geld fließt zu 30 Prozent in den Förderverein der Schule, den Rest dürfen die Schüler behalten. Es ist das erste Mal, so ihr Lehrer Joachim Schulmerich, daß die Schüler sich einem kommerziellen Projekt zugewandt haben.

Doch die Klasse arbeitet zusammen mit ihrer Politik‑ und Religionslehrerin Reinhild Eichhorn auch an einem sozialen, generationsübergreifendem Vorhaben unter dem Motto „Senioren ans Netz“. 17 Schüler betreuen 17 Senioren zwischen 60 und 78 Jahren aus dem Kreis rund um Hanau. Sie wollen den älteren Menschen das Internet näher bringen, und die Senioren bieten im Gegenzug ihre Lebenserfahrung den jungen Menschen an. Unter der Überschrift „Lebensplanung“ werden Erfahrungen ausgetauscht. Was bei beiden Seiten gut ankommt, wie das erste halbe Jahr gezeigt hat.

Die Schüler jedenfalls ziehen ihr eigenes Fazit aus all diesen Bemühungen. Eingedenk der Pisa‑Studie, die deutschen Schulen so ein schlechtes Zeugnis ausstellte, sagen sie: „Schüler in Deutschland sind blöd? Wir überzeugen Sie vom Gegenteil“.

Die Broschüre über die Streuobstwiesen ist über den Landschaftspflegeverband Main-Kinzig‑ Kreis, Barbarossastraße 20, in 63571 Gelnhausen zu beziehen. Die Schüler sind unter der E-Mail‑Adresse „ Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. “ oder im Internet unter „www.webmaster18.de“ sowie telefonisch unter der Nummer 06181/980620 zu erreichen.

Zu beziehen ist die Broschüre über den Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig, Barbarossa­straße 20, in 63571 Gelnhausen.

 

Claus Viering: „Blutwurst-Lasagne auf Speierling-Sauerkraut“, 2004

Der CoCon-Verlag Hanau hat die Reihe seiner kulinarischen Regionalia um einen weiteren, ausgesprochen hessischen Titel bereichert. Nach dem Apfelweinbrevier „Vom Baum in den Bembel“ des Bischofsheimer Spezialitäten-Keltermeisters Jörg Stier stellte Claus Viering, Küchenchef im „Adler“ in Mittelbuchen, jetzt sein in gleicher Aufmachung erschienenes Kochbuch „Blutwurst-Lasagne auf Speierling-Sauerkraut“ vor. Ein Kochbuch im herkömmlichen Sinne, also eine mehr oder weniger sinnvolle Aneinanderreihung von Kochrezepten nach dem Motto „Man nehme“ ist es nicht. Vielmehr berichtet Viering an Hand von Beispielen aus einer Küche von dem Wagnis, gegen die Übermacht internationaler Küche heimische Produkte als Grundlage einer hochklassigen und phantasievollen Speisekarte zu machen. Dass dabei der Apfelwein die Hauptrolle spielt, ist Mit-Autor Jörg Stier ebenso geschuldet wie der Tradition des Mittelbücher „Adler“ als einer traditionsreichen Apfelwein Wirtschaft, vor allem aber der eigenen Kreativität und Experimentierfreude. Das Buch, bei dem Joerg Eyfferth die Ideen aus Keller und Küche mit Kunst zu einem inhaltlich wie buchgestalterisch idealen Dreigestirn vervollkommnet, kostet 9,90 Euro und ist im Hanauer Buchhandel.

Bei der Bischofsheimer Spezialitäten-Kelterei Stier bot Claus Viering in Juli 2004 ein Drei-Gang-Menü unter dem Motto seines Buches an. Im Rahmen eines kleinen Apfelweinabends, moderiert von Keltermeister Jörg Stier und musikalisch begleitet von Gerd Müller; genossen die Gäste ein Menü inklusive vier Apfelwein-Spezialitäten zum günstigen Sparpreis. Damit nicht genug, bot Claus Vierling tags darauf im Keltereihof hessische Tapas an, signierte seine Bücher und gab weitere Geheimnisse seiner Kochkunst preis. Zu den hessischen Tapas bot Jörg Stier eine kleine Überraschung aus seinen Kellern an.

 

„Des Äppelwei - Cartoonbuch“, Preis: zehn Euro.

Rätseln, schmunzeln, besinnlich werden oder auch mal nachdenken: Alles ist möglich bei der Lektüre der jüngsten Neuerscheinungen des Verlags Michaela Naumann, der sich mit seinem Schwerpunkt auf lokalen Themen und Mundarten der Förderung der regionalen Identität verschrieben hat. Zu der gehört in der Gegend um Frankfurt natürlich der Äppelwei, dem Günter Henrich in seinem neuen Cartoonbuch mit bewährtem zeichnerischen Charme ein humorvolles Eigenleben einhaucht. Das Büchlein mit über 60 Szenen aus dem Leben eines oder mehrerer Äppelwei‑Gläser, die sich mit Bembeln, Worschd und Rippche herumärgern müssen, dürfte ein Muß für jeden Fan des Hessischen Nationalgetränks sein.

 

Bildband „So schön ist die Hessische Apfelweinstraße

Der Äppelwoi hat sein Leben von Anfang an bestimmt. Als Kind, sagt der Bischofsheimer Reinhold Rachor, heute 83 Jahre alt, habe er oft seine Mutter in die Gastwirtschaft begleitet. Wobei die Mutter nicht zum Vergnügen dorthin ging, sondern zum Broterwerb. Und in der Gastwirtschaft wurde eben viel Appelwoi getrunken. Da blieb es nicht aus, daß der kleine Reinhold schon ab und zu einen Schluck probierte.

Jahrzehnte liegen dazwischen, doch irgendwann nach der Jahrtausendwende kam er mit Karl Halbow von der Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße in der „Schönen Aussicht“ in Bergen-Enkheim ins Gespräch. Eine Ausstellung zur Apfelweinstraße war angedacht; daraus ist nichts geworden. Dafür ist ein Bildband entstanden, in dem die Schönheit des Landstrichs an jener Straße aufgezeigt wird, von Frankfurt bis Steinheim. Am Wegesrand wird Appelwoi getrunken, in weitem Umkreis von Hochstadt sind jene Streuobstwiesen zu finden, die die Äpfel für das Stöffche liefern.

Das Leben hat Reinhold Rachor schon etwas gebeutelt. Der gelernte Tischler, der den Krieg noch richtig miterlebt hat, hat ab 1950 bei den Amerikanern im Frankfurter Einkaufszentrum gearbeitet. Zu jener Zeit fing er an, Personen zu fotografieren. „Ich war Besuchsfotograf“, erläutert er ganz einfach. Und in jenes Jahr fällt der Umzug von Frankfurt nach Bischofsheim. Dem heutigen Maintaler Stadtteil ist er treu geblieben. Seine erste Frau starb nach 36-jähriger Ehe, seine zweite nach 17-jähriger Ehe. Vom Alleinsein hat Rachor nichts gehalten, die Lebenslust hat ihn immer wieder gepackt.

Ob's am Appelwoi liegt? Wer weiß, denkt er verschmitzt lachend, wenn solche philosophischen Gedanken um das Gerippte kreisen. Nun, das Fotografieren hat er bei den „Amis“ gelernt. Und dabei ist er bis heute geblieben. Als Chronist hat er die Hessische Apfelweinstraße zwei Jahre von vorn bis hinten und zurück „durchstreift“. Zirka 300 Bilder mußte er auswählen, sonst wäre der Band zu umfangreich und auch zu teuer geworden. Denn finanziert hat Reinhold Rachor das Werk aus eigener Tasche.

In Frankfurt beginnt Reinhold Rachor seine Appelwoi-Tour, eigentlich rückwärts. Daher hat er auch die Frankfurter Schreibweise  „Ebbelwei“ übernommen. Und dies veranlaßt Adolf Amberger (Amby) - ebenfalls vom Vorstand - gleich zu Beginn des 100 Seiten starken Bildbandes zu einem Gedicht über die „Ebbelweistrass“, das so beginnt:

            „Für Hanau da iss Staanem, wie Frankfort Sachsehause, /

Beide hat de Maa getrennt un sin ganz ohne Flause /

Un beide liewe Ebbelwei - un da geht's lustisch zu - /

Geht dene da mal etwa quer, dann gewe die kaa Ruh.”

Und in Staanem will es net in de Kopp enei,

daß hier schon ihr End soll sei!“

Das Buch kann direkt bei Reinhold Rachor, Telefon (0 61 09) 6 39 16  zum Preis von 25,50 Euro bezogen werden.

 

Karl-Heinz Stier / Claus Viering „So esse die Hesse”, 2007:

Junge Leute wachsen häufig mit Spaghetti, Döner, Hamburgern und anderen Schnellgerichten auf, weil sich die Eltern keine Zeit mehr zum Kochen nehmen. Omas Rezepte verschwinden so nach und nach vom Speiseplan - ein Entwicklung, die der Hanauer Koch Claus Viering und der lang-jährige hr-Moderator Karl-Heinz Stier mit Unbehagen beobachten. Am Montag stellten sie ein neues Buch vor.

„So esse die Hesse” heißt der unterhaltsame Bildband. Er soll an alte Kochtugenden erinnern und ganz einfach Lust aufs Kochen machen. Die Rezepte widmen sich drei Schwerpunkten: Pfannkuchen, Frikadellen und Kartoffelsalat. Vergnügliche Anekdoten gehören ebenso dazu wie Tips und Tricks für die gelungene regionale Küche. Denn wer öfter in der Küche steht, weiß, daß Frikadellen oder Kartoffelsalat im Prinzip schlichte Essen sind, doch allzuleicht gerät der Wurstklops schwammig oder der Kartoffelsalat fad und wässrig.

Entstanden ist die Idee für das 94-seitige Werk mit 60 Fotos und amüsanten Cartoons von Günter Henrich nach einigen Schoppen im Biergarten von Vierings Mittelbuchener Gasthaus Adler, das er 1992 übernahm. Seitdem hat er sich der regionalen Küche verschrieben und manchem Rezept aus Omas Zeiten mit eigenen Ideen neues Leben eingehaucht.

In Karl-Heinz Stier, gemeinsam mit Michaele Scherenberg Erfinder der hr-Fernsehserie „Hessen à la carte”, hat er den passenden Partner für das Buchprojekt gefunden. Stier stöberte in alten Kochbüchern und brachte seinen Erfahrungsschatz mit ein, Viering steuerte eigene Kreationen bei.

Der Pfannkuchen ist international, Franzosen kennen ihn als Crepes, Italiener als Crespelle, Amerikaner als Pancake. Er kommt ebenso als Vorspeise wie als Nachspeise auf den Tisch. Er kann aber auch durchaus Hauptgang sein, wie etwa als Kartoffelpfannkuchen, gefüllt mit Rinder-, Lachs- oder Matjestartar oder als typisch hessische Variante als Crepes gefüllt mit Schinken und Spargel oder mit Sauerkraut und Leberwurst.

Auch die Frikadelle hat genauso viele Variationen wie Namen. Die Bulette wurde von den Hugenotten nach Deutschland gebracht und hat in diesem Begriff vor allem im Berliner Raum bis heute überlebt, während sich beim Fleisch-Pflanzerl, dem Deutschen Beefsteak, dem Hackbraten, den Königsberger Klopsen oder dem „Falschen Hasen” alles um eines dreht: um, Hackfleisch in unterschiedlicher Machart. Ist das Reinheitsgebot beim Bier nach wie vor Gesetz, so ist die Frikadelle eine hundertprozentige Vertrauenssache zwischen Wirt und Gast geblieben. Das Buch liefert das Grundrezept, aber auch 22 Varianten von der Gemüsefrikadelle über den Hackfleischpudding bis zum Krautwickel. Mittlerweile ist die Frikadelle (der Name kommt aus dem Italienischen „fritta della” = Gebratenes) auch in der gehobenen Küche angekommen: so etwa aus Zanderfilet. Deftiger ist hingegen der „Fraß”. Bei diesem alten hessischen Gericht wird je nach Geschmack Weißkraut oder Sauerkraut in die Rohmasse eingeknetet und mitgebraten. Auch dieses Rezept verrät das Buch.

Noch viel weiter auseinander gehen die Geschmäcker; Rezepte und Experimente vermutlich beim Kartoffelsalat. Auch hier gibt ein Grundrezept. Der Klassiker besteht aus Kartoffeln, Zwiebel, Bauchspeck, Fleischbrühe, Essig, Öl und Gewürzen und wird heute noch in vielen Familien mit Würstchen im Weihnachtstrubel verspeist, weil er schon am Tag zuvor zubereitet werden kann. Viering und Stier liefern in dem Buch die reinste Weltreise in Sachen Kartoffelsalat: nach griechischer, polnischer und italienischer Art, die Rheingauer Weinkartoffel ist mit von der Partie, Kartoffelsalat Nizza mit Thunfisch, Oliven und Sardellen und wiederum auf hessische Art: mit Sauerkraut und Leberwurst. Der Kartoffelsalat bietet aber auch ein weites Feld für Farbexperimente: so läßt sich er sich mit Frankfurter Grüner Soße mischen, mit reichlich Currypulver oder mit Roter Beete färben.

Für Verblüffung bei den Gästen dürfte der Blaue Kartoffelsalat sorgen. Dabei wird nicht die heimische, sondern die in Zypern angebaute bläuliche Laratt-Kartoffel verarbeitet. Viering bricht dennoch klar eine Lanze für heimische Kartoffelsorten wie Hansa und Nicola, Quarta und Irmgard. Knollen aus Holland oder Ägypten eigneten sich für die regionale Küche weniger; da sie zu wässrig seien.          

„So esse die Hesse” von Claus Viering und Karl-Heinz Stier hat 94 Seiten und ist im Nidderauer Verlag M. Naumann erschienen (ISBN 978-3-940168-05-4) und kostet 16 Euro. Die Cartoons stammen von Günter Henrich, das Vorwort von Barbara Siehl.

 

Jürgen Lentes (Hrg.): „Beim Apfelwein - Geschichten aus Frankfurter Wirtschaften“,

214 Seiten, etwa 200 Abbildungen, 26 Euro, B 3 Verlag, Frankfurt.

Ein neuer Sammelband erzählt Geschichten aus den Frankfurter Apfelweinwirtschaften

Sie haben oft klangvolle Namen wie „Kanonestepper“, „Klabunt“, „Mainlust“ oder „Zur schönen Müllerin“. Im Innern wirken sie dann mit einfachen Holztischen und Bänken weit prosaischer: Die Frankfurter Apfelweinwirtschafteri sind in der Regel karg eingerichtete Etablissements - auch wenn es dort nicht immer so nüchtern zugeht. Eine Kleiderordnung kennen sie jedenfalls nicht: „Ohne Ansehen von Stand, Rasse und Geschlecht treffen sich hier Menschen, die vorher nicht unbedingt miteinander gerechnet haben“, schreibt augenzwinkernd Jürgen Lentes in dem gerade erschienenen Sammelband „Beim Apfelwein“.

Ähnlich wie die Bierhallen in Köln oder die Münchner Brauereiwirtschaften sind die Apfelwein-Gaststätten nicht nur Identifikationssymbol für Frankfurter, sondern auch für „Eigeplackte“ (Zugereiste). Diese nehmen in der schnelllebigen Banken-Stadt mit der hohen Fluktuation ständig zu. Gebürtige und zugereiste Schriftsteller, Journalisten und Satiriker haben sich deshalb für eine Hommage an das ,,Stöffche“ und seine Lokale zusammengetan. Herausgekommen ist ein wunderbar gestaltetes Buch mit hübschen Anekdoten und prächtigen Fotos, daß mit PR-Bänden der üblichen Art nichts gemein hat.

Bewußt beschränkt sich der Band auf eine Auswahl Frankfurter Apfelwirtschaften, von denen es immer noch erstaunlich viele gibt. Der Schriftsteller Andreas Maier („Wäldchestag“) schätzt besonders das Traditionslokal „Zu den drei Steubern“ in Sachsenhausen: Mit dem dort ausgeschenkten „sehr reinen und einfach gemachten Schoppen“ erreiche er das „Stadium der Angetrunkenheit“ schneller als in anderen Lokalen, stellt er fest. Und Maier ist Fachmann: Er keltert selbst und hat seitdem nach seinen Worten ein anderes Verhältnis zum Apfelwein bekommen.

Eine besonders amüsante Geschichte verbindet den Verleger Norbert Rojan mit einem Apfelwein-Lokal in Bornheim. Dort hatte er sich vor vielen Jahren einmal telefonisch mit einer neuen „Flamme“ verabredet. Als das Rendezvous sich näherte, hatte er jedoch den Namen des Lokals nicht mehr parat. Immerhin wußte er noch, daß dieses mit „S“ beginnt. Er fand schließlich das Lokal - und wartete vergebens, weil es in dem Frankfurter Stadtteil eben zwei Wirtschaften gibt, die mit dem Buchstaben „S“ beginnen. Beide werden übrigens in dem Buch vorgestellt.

Mit dem Apfelwein wollten die Frankfurter aus der Not eine Tugend machen. Die Reblaus hatte Anfang des 16. Jahrhunderts die Frankfurter Weinberge fast vollständig vernichtet. Also mußte eben ein anderes Volksgetränk her. Daß sich mit dessen saurem Geschmack nicht nur so mancher „Eigeplackte“ schwertut, wird im Buch keineswegs verschwiegen. Die gebürtige Frankfurterin Karin Ceballos Betancour darf sogar eine Hass-Hymne auf „eines der widerlichsten Getränke“ anstimmen: „Apfelwein schmeckt wie flüssiger Schimmel“ befindet sie. Den echten Apfelwein-Freund ficht das nicht an. Und Apfelwein- Wirte haben gelernt, daß sie nicht jeden Gast mit ihrem Schoppen beglücken können. Deshalb wird fast überall auch Bier ausgeschenkt. Vor nicht allzulanger Zeit wäre das noch ein Sakrileg gewesen.

 

Jörg Stier: „Emma und Einhard,2010.

Ein Christkind, und das mitten im Herbst. Doch genau das ist das Hörbuch der Apfelweinromanze von „Emma und Einhard“. Die Liebesgeschichte über den kaiserlichen Geheimschreiber und die Tochter von Kaiser Karl dem Großen aus der Feder von Jörg Stier liegt nun als Hörbuch vor. Am Heiligen Abend vergangenen Jahres war das jüngste Kind des Bischofsheimer Keltermeisters in trockenen Tüchern. Seit Donnerstag sind die beiden silbernen Scheiben im Handel erhältlich. In Frankfurt-Sachsenhausen, der Heimat des Schoppens, gab es zu diesem Anlaß eine Pressekonferenz mit reichlich Trubel und Prominenz.

Bekannte Stimmen aus Funk und Fernsehen lassen die Charaktere des gleichnamigen Buchs, das bereits 2009 erschienen ist, lebendig werden. Den Part des Erzählers übernimmt Marco Schreyl, in weiteren hohen sind Jochen Schropp. Frank Lehmann, Jörg Bombach oder Sabine Sänger zu erleben - ein Ensemble, das den ohnehin schon überschwenglichen Bischofsheimer Keltermeister beinahe in Ekstase versetzt.

Begeistert schwärmt Jörg Stier von der Professionalität der Sprecher, der spannenden Arbeit im Tonstudio und dem gelungenen Endprodukt. „Die Vertonung von ,Emma und Einhard' ist noch einmal eine erstaunliche Weiterentwicklung meines Werks.“ Er ist er von dem 133 Minuten langen Hörbuch fasziniert.

Nicht einen Dialog verpaßte der Bischofsheimer, der bei sämtlichen Aufnahmen im Tonstudio dabei war. „Das hat zwar viel Zeit gekostet. aber die Freude. das eigene geschriebene Wort aus dem Mund solcher Sprecher zu hören, entschädigt allemal“, sagt Jörg Stier.

Doch selbst einem der Charakter eine Stimme zu schenken, das war dem Bischofsheimer nichts. „Der Epilog, der kommt vom Keltermeister“, erzählt er - und selbst diese Passage bewertet er rückblickend äußerst kritisch. „Ich hätte noch professioneller klingen können, aber es sollte ja authentisch sein“, so Stier. Für die übrigen Sprecher findet er indes nur lobende Worte: „Frank Lehmann war schon Karl der Große, der mußte sich gar nicht weiter verstellen und die Zwischenrufe von Jörg Bombach sind herrlich erfrischend.“ Die Idee für eine Hörbuch-Version der Geschichte vor: „Emma und Einhard“, zu der Jörg Stier durch den Künstler Günter Henrich während eines Besuchs in Seligenstadt inspiriert worden war, nahm vergangenes Jahr im Dezember Gestalt an.

Auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt sollen die Journalisten Isabelle Stier und Günter Henrich ins Gespräch gekommen sein, natürlich über „Emma und Einhard“,  und das Ganze bei einem Glas Glühwein. Daran kann Jörg Stier jedoch nicht so recht glauben. „Das war garantiert ein Glas Apfelwein“, ist der Keltermeister fest überzeugt. Nachdem die Idee in Weinseligkeit Gestalt angenommen hatte, wurde sie Jörg Stier präsentiert. „Ich war zunächst völlig überfahren, denn die Produktion eines Hörbuchs war absolutes Neuland für mich. Aber die Idee hat mich gekitzelt und nach einer Nacht mit Träumen von Emma habe ich am nächsten Tag, am 24. Dezember, bei Isabelle Stier angerufen und zugesagt“, berichtet er.

Isabelle Stier übernahm das Casting für die Sprecherrollen. „Ich weiß nicht, ob die Zusagen gekommen wären, wenn der Keltermeister angerufen hätte, aber so stieß Isabelle auf offene Ohren“, erzählt Stier. Und so kamen sie alle im Tonstudio „creative harmony“ zusammen, wenn auch nie gleichzeitig: Marco Schreyl (Sprecher), Jochen Schropp (Einhard), Frank Lehmann (Karl der Große), Jörg Bombach (Kommentator), Sabine Sänger (Mania), Gisa Bergmann, Rüdiger Schade (Kolonat). Sönke Hebestreit (Koloman), Connie Riegger-Bunn (Emma) und Konstantin Kalveram (Erech).

Nachdem Jörg Stier den Ungereimtheiten in der Sage um Emma und Einhard nachgegangen, die Geschichte zu Papier gebracht, einen Apfelwein kredenzt und die Apfelweinromanze hörbar gemacht hat. läßt ihn die Geschichte dennoch nicht los. „Während der Vertonung sind mir schon wieder neue Ideen gekommen“, erzählt er. Und wer Jörg Stier kennt, der weiß, daß der Bischofsheimer bei einem Schluck Emma-Schoppen bereits über einem neuen Coup brütet. Das Hörbuch „Emma und Einhard“ ist im Buchhandel und im Apfelladen, Am Kreuzstein 25 in Bischofsheim, erhältlich.

 

Jörg Stier:„Emma und Einhard“, 2009

Mit dem Emma-Schoppen fing alles an. Obwohl: Eigentlich nahm die Apfel-Wein-Romanze „Emma und Einhard“ aus der Feder von Jörg Stier in einem Seligenstädter Café ihren Anfang. Dort saß der Bischofsheimer Keltermeister mit dem Karikaturisten Günter Henrich zusammen und lauschte der Sage über die Kaiser-Tochter Emma und Einhard, der Sekretär am Hofe Karls des Großen war. „Ich hatte spontan das Bild von einem Emma-Schoppen vor Augen und den Geschmack auf der Zunge. Das war ein einmaliges Erlebnis“, erinnert sich der Bischofsheimer.

Jörg Stier fackelte nicht lange und verlieh dem bloßen Gedanken reale Gestalt. In seinem Keller ließ sich der Bischofsheimer von den Apfelweinen inspirieren und schuf einen zarten Rose-Cidre als Emma-Schoppen. Die rötliche Färbung symbolisiert die Farbe der Liebe, und auch der Geschmack greift das Gefühl der Verzückung auf: leicht, prickelnd, belebend. Mit der Wahl eines Cidre ehrt Jörg Stier den Frankenkönig Karl den Großen. Seit etwa einem halben Jahr ergänzt der Emma-Schoppen das breit gefächerte Sortiment rund um den Apfel in der Kelterei Stier und hat sich nach Aussage des Bischofsheimers längst „zu einem absoluten Renner entwickelt“.

Die Romanze zwischen der Kaisertochter Emma und dem Staatssekretär Einhard, deren Liebe von Intrigen, Flucht und Wiedervereinigung charakterisiert ist, ließ Jörg Stier nicht los. Er begann zu recherchieren, immer dem Apfel in der Geschichte auf der Spur - und zwar nicht nur als dekoratives Element auf den Buchseiten, sondern vor allem inhaltlich und historisch belegt. „Und wie alle großen Geschichten begann auch diese mit dem Apfel“, verrät der Bischofsheimer Keltermeister geheimnisvoll.

Viele Beispiele kann Jörg Stier spontan nennen, die die Bedeutung des Apfels in der Menschheitsgeschichte herausstellen, wie etwa der Reichsapfel als Herrscherinsignie, und auch im Leben von Karl dem Großen und damit im Leben seiner Heldin entdeckte er den Apfel. „Es ist belegt, dass der Kaiser stets Äpfel auf seiner Tafel um sich hatte“, berichtet der Bischofsheimer. Außerdem ist der Keltermeister überzeugt, dass Karl auch die aphrodisierende Wirkung des Obstes geschätzt hat.

Darüber hinaus finde sich in der von Karl dem Großen erlassenen Landgüterverordnung „capitu­lare de villis“ die erste schriftliche Notiz über den Anbau mehrerer Apfelsorten. Dennoch verwahrt sich Jörg Stier dagegen, Karl den Großen als Erfinder des Apfelweins darzustellen. Dieses Produkt hätte es schon lange vorher gegeben, es sei jedoch stets unterdrückt worden.

Nach intensiven Recherchen ist ein 88-seitiges Werk mit dem Titel „Emma und Einhard. Eine Geschichte der Liebe - die sich womöglich ganz genauso zutrug“ entstanden, das pünktlich zur Frankfurter Buchmesse, die am Mittwoch beginnt, im Verlag M. Naumann erscheint. Im Mittelpunkt steht natürlich der Apfel und die Liebesgeschichte zwischen Emma und Einhard, aber ebenfalls Karl der Große und der politisch-historische Kontext. „Anfangs hatte ich mit der Figur meine Schwierigkeiten“, gesteht Jörg Stier. Doch mit jeder Zeile habe er die menschliche Seite an dem in der Literatur vor allem als Kriegsherrn skizzierten Figur entdeckt. „Er war ein Mensch wie Du und ich“, kann er heute über den Kaiser sagen.

Nicht viel Ruhe blieb dem Bischofsheimer für die literarische Arbeit. Immer wieder kamen die Äpfel dazwischen. „Es ist auch verwegen, während der Kelterzeit ein Buch zu schreiben“, räumt er ein. Doch mit einer großzügigen Fristverlängerung von vier Wochen konnte der „Herr des Apfels“ Mitte September das Manuskript abgeben. Ergänzt wird die Geschichte durch Illustrationen von Günter Henrich.

Kaum hat Jörg Stier sein aktuelles Projekt abgeschlossen, geistern bereits unzählige neue Ideen, wie ein Apfelweinkrimi durch den Kopf. Die Apfelkreationen - ob literarisch oder flüssig - lassen den Keltermeister nicht los. Dem Obst liegt offenbar tatsächlich eine inspirierende Wirkung inne. Kein Wunder also, dass Jörg Stier während des Schreibens auf die belebende Wirkung eines Glases Emma-Schoppens vertraute, der auch die Lektüre von „Emma und Einhard“ zu einem ganz besonderen „Apfel“-Erlebnis werden lässt.

Anlässlich der Erscheinung von „Emma und Einhard" gibt es am Samstag, 17. Oktober, eine Buchpräsentation im Cafe Rapp in Seligenstadt, wo die Idee geboren wurde. Weitere Termine finden sich auf der Internetseite der Kelterei Jörg Stier. www.kelterei-stier.de

 

Jörg Stier: „Vom Apfel zum Wein“, 2 013:         

Darin erläutert Stier die Herstellung des „Stöffches“. Aber ohne Fachchinesisch. Das Buch ist für die Hessen geschrieben, die von Natur aus Apfelwein mögen, und für alle anderen, die spätestens nach der Lektüre Apfelwein mögen werden. Jörg Stier ist begeisterter Botschafter des Apfelweins und will alle - und damit sind wirklich alle gemeint: weltweit - für das hessische Nationalgetränk gewinnen. „Apfelwein hat weltweit an Attraktivität gewonnen. Überall gibt es inzwischen Apfelwein, selbst in China und Neapel“, weiß Stier. In den USA sei der „Handmade Cider“ populär. „Aber die handwerkliche Vielfalt wie in Hessen gibt es nirgendwo sonst“, ist der Bischofsheimer sicher. Überhaupt sei es den Apfelweinkelterern gelungen, ihr „Stöffche“ gegen die Standardisierungen zu verwahren. Als der Apfelwein nach dem Einbruch in den 90er Jahren wieder im Aufbruch war, traf dies glücklicherweise mit einem gewachsenen Bewusstsein in der EU zusammen, regionale Besonderheiten zu akzeptieren, ja sogar zu fördern.

Der größte Widersacher, und zwar schon seit Jahrhunderten, seien vielmehr die Traubenkelterer. Die hätten sogar versucht, dem Apfelwein die Bezeichnung „Wein“ streitig zu machen. Beim Apfelsekt ist es ihnen 1971 mit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Berlin gelungen. Seither heißt es „Apfelschaumwein“. „Aber Sektsteuer dürfen wir zahlen“, merkt Stier an. Wenn er bei seinen Lesungen in Fahrt gerät, zieht er einen Trumpf nach dem anderen für den Apfelwein aus dem Ärmel: Naturprodukt, regionales Identifikationsmittel, Tradition, Humor. „Apfelwein ist viel mehr als Getränk. Apfelwein ist Emotion pur!- Sein letztes Argument ist der Apfelwein selber, den er in drei Varianten zum Verkosten anbietet: klassisch, mit Fruchtzusatz, etwa mit Schlehe versetzt, und sortenrein.

Kredenzt wird der Wein im Sonntagsglas: dem Gerippten mit Goldrand. So war das nämlich früher, da gab es für den Feiertag das gute Glas mit Goldrand, in dem die Farbe besonders zur Geltung kam. Die Spülmaschine hat dieser Tradition leider den Garaus gemacht. Stiers Leidenschaft ist ansteckend, und mit seinem Büchlein will er die Leser anstiften, den Apfelwein selbst zu keltern. „Das ist ganz einfach“, so Stier. Als Handreichung bietet er eine Anleitung und im Anhang ein ausführliches Adressenverzeichnis, wo der Selbstkelterer vom Baum bis zum Fass alles beziehen kann. Das Buch ist im Hanauer Cocon-Verlag erschienen, , 120 Seiten, gebunden. 9,90 Euro, ISBN: 978-3-86314-222-3.

 

Jörg Stier: Ein asturisch-hessischer Apfelweinführe, 2013:

In diesem Buch  berichtet Stier über die Apfelwein-Tradition in der spanischen Region. „Die Welt des Apfelweins ist so spannend, weil sie so unterschiedlich ist“, sagt Jörg Stier und hat vermutlich schon die nächste Idee für eine Apfelweingeschichte im Kopf.

 

 

Weitere Literatur

Jahnel, M., und G. Riethmacher (1987): Wegweiser zur Unterschutzstellung von Obstwiesen. Hrsg.: Naturschutzzentrum Hessen e.V und Verband Hess. Apfelwein- und Fruchtsaftindustrie e.V. Gießen

 

Lucke, R., R. Silbereisen und E. Herzberger (1992): Obstbäume in der Landschaft. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 300 S.

 

Naturschutzzentrum Hessen e.V (1987): Streuobstwiesen - Ein Arbeitsheft für Schule, Naturschutz und Erwachsenenbildung. Gießen.

 

Rösler, M., und J. Kraus, Hrsg. (1993): Vielfalt in aller Munde; Perspektiven für Bewirtschaftung und Vermarktung im bundesweiten Streuobstbau. Materialien 5/93 der Ev. Akademie Bad Boll, 113 S.

 

Regierungspräsidium Freiburg (1985): Merkblatt für die Pflanzung von Obsthochstämmen im Interesse der Landschaftspflege und der Ortsver­schönerung. Freiburg/Breisgau.

 

Silbereisen, R., F. Weiler und R. Lucke (1988): Landschaftsprägender Streuobstbau - Empfehlenswerte Obstgehölze einschließlich der Wildobst­arten. Herausgeber: Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Baden-Württemberg, 2. überarbeitete Auflage (MLR-11-88), Faltblatt.

 

Weller, F. (1994): Obstwiesen. Herkunft, Bedeutung, Möglichkeiten der Erhaltung von Streuobstwiesen. Der Bürger im Staat 44, H.1, S.43-49, Stuttgart.

 

Petzold, Herbert: Apfel­sorten, Neumann Verlag, 32 Mark.

 

Michaele Scherenberg / Karl‑Heinz Stier: „Zum Anbei­ßen“. Auf 167 Seiten wird die Historie der Frucht von Adam und Eva bis zur Kelterpresse neu aufbereitet, über ihre Heilwirkung berichtet und alles liebevoll illustriert. Köche aus der Region richten den Apfel zudem auf 140 verschiedene Arten an. An dem Buch für Apfelliebha­her hat auch der Maintaler Kelterer Jörg Stier mitgewirkt.

 

Weitere Literaturangaben (und Liefermöglichkeit): NABU Streuobst, Materialversand, Rotebühlstraße 84/1, 70178 Stuttgart, Tel. 0711/613454

 

Der Verlag B3 von Norbert Rojan in Frankfurt hat Standardwerke wie „Hessens Apfelweine“ und ein Quartett mit 32 Apfelweinwirtschaften im Programm, zudem Kalender mit verfremdeten Bembeln. Für B 3 tragen die Bembel Lack und Leder oder gehen als Globus verkleidet - die ganze Welt ein Apfelweinkrug.

 

 

Kochbuch und Rezepte

 

Die regionale Küche wartet auch im Hessenland mit einer Vielzahl von deftigen Gerichten jenseits vom Handkäs‑ und Rippchen‑Klischee auf. Der Frankfurter Gastronom Willy Berger, der gern auch die verfeinerte Frankfurter Küche zelebriert, kocht oft nach alten Rezepten, die er in Büchern von anno dazumal findet. Etwa die „Grie Soss“ nach den Aufzeichnungen der Annegret Richter. Wie überhaupt auch in Hessen die regionale Küche recht schmackhafte Kreationen zu bieten hat. Der Spruch, wonach Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält, gilt allemal auch am Main. Und der Spruch der Frau Rath ist überliefert, die, ihrer Krankheit zum Trotz, einmal sagte: „Ich leid, was ich muss ‑ und ich ess, was ich mag!“

 

Und so kocht Berger gern mit Ebbelwei statt Wein oder bietet, verwöhnten Ansprüchen genügend, auch schon mal ein „Hors d'oeuvre mit Krabben, Eier im Kressenest und Oberräder Gemüseterrine“ an. Der Handkäs mit Musik ist berühmt ‑ und wehe, da stimmt der feine Essig nicht, sind die fein geschnittenen Zwiebeln beißend, gar ohne Öl und Kümmel aufgelegt, wird, statt kräftigem Bauernbrot, zur Butter lediglich ein geschmackloses Billigprodukt serviert: Dann kommt der echte Frankfurter kein zweites Mal.

Große Verdienste haben sich Michaela Scherenberg und Karl Heinz Stier, Redakteure des Hessischen Rundfunks, um die regionale hessische Küche erworben. „Hessen à la carte“ ist eine Fernsehproduktion und Aktion mit Gastronomen, die auch nach außen hin firmieren und aufzeigen, dass sie dem Gast althergebrachte, heimische Gerichte anzubieten imstande sind.

Die beiden Fernsehleute haben im Eichborn‑Verlag sogar ein Bändchen „Handkäs mit Musik“ herausgebracht, das, man höre und staune, mehr als 80 unterschiedliche Rezepte aufzeigt, für die sich der „runde Stinker“ gut eignet. So gilt letztlich auch hier, was für die regionale Küche ganz allgemein zutrifft, nämlich: „Iß, was gar ist, trink, was klar ist, sprich, was wahr ist.“

 

 

Rezepte

 (zum Teil aus: Anne Vollmerhaus: Köstliches aus der alten hessischen Küche, Bielefeld, oohne Jahrgang)

 

 

Ebbelwoisupp::

1 ½ Liter Apfelwein, ½ Liter Wasser,

1 Zimtstange, 2 Zitronenscheiben (ungeschält),

130 g Zucker, 1 Eßlöffel, Mehl, 2-3 Eigelb.

In einem emaillierten Topf (auf keinen Fall in einem Metalltopf!) alle Zutaten - außer dem Mehl und Eigelb - langsam erhitzen und 15 Minuten leicht kochen lassen.

Dann Mehl mit Wasser in einer Tasse glatt rüh­ren und mit dem Schneebesen unter ständigem Schlagen in den Apfelweinsud geben. Nochmals 5 Minuten kochen lassen.

Topf vom Feuer nehmen, die Eidotter unterschlagen und servieren. Ebbelwoisuppe wird im Sommer auch gern kalt gegessen!

 

Handkäs mit Musik:

Handkäs, möglichst aus Langgöns in der Wet­terau, und der muß „dorsch und dorsch dorsch“ sein, also möglichst „durch und durch durchgereift“, denn so schmeckt er besser und ist leichter verdaulich.

Handkäs kann sowohl allein mit Butter auf frischem Bauernbrot (dann aber mit Kümmel oder Paprika) als auch mit besagter „Musik“, einer Marinade aus Essig und etwas Öl mit fein gehackten Zwiebeln, Salz, Pfeffer oder Kümmel gegessen werden. Nach dem Anrühren sollte man diese Marinade noch etwa 2 bis 5 Stunden ziehen lassen.

Warum sie Musik heißt, werden Sie sehr bald nach dem Genuß begreifen! Wenn Sie nicht als „Eingeplackter“ gelten wol­len, so essen Sie einen Handkäs nicht mit Messer und Gabel, sondern immer nur mit dem Messer, wie es in Sachsenhausen üblich ist.

 

 

Sachsenhäuser Schneegestöber:

½ Camembert, 1 Stück Frischkäse, 1 Eßlöffel Butter,

1 Zwiebel, frisch gemahlener Pfeffer, Petersilie.

Camembert und Frischkäse mit der Gabel zer­drücken und mit Butter gut vermengen. Mit kleingehackter Zwiebel und Pfeffer würzen und zum Schluß mit Petersilie garnieren. Dazu gibt es frisches Brot.

 

Rippscher mit Kraut:

 „Rippchen mit Kraut“ wird gern auch als „Frankforter Gebabbel“, bezeichnet  - schließlich ist die Unterhaltung dabei von großer Bedeutung!

 

Je nach Bedarf 4 - 8 Rippchen, 1 Liter Wasser,

1 Zwiebel, 1 Lorbeerblatt, 1 Nelke.

Für das Kraut: 1 ½ Pfund Sauerkraut,

1 Eßlöffel Schmalz, 1 Zwiebel, 1/8 Liter Weißwein,

 3 - 4 Wa­cholderbeeren, 1 Apfel.

 

Zwiebel mit Nelke und Lorbeerblatt spicken, in Topf mit Wasser geben und kurz aufkochen. Rippchen hineinlegen und etwa 3 - 4 Minuten ko­chen, dann 20 Minuten ziehen lassen. Damit sie schön saftig bleiben, läßt man sie im Kochwas­ser erkalten. In Sachsenhausen werden sie mei­stens kalt gegessen.

Sauerkraut: 1 Eßlöffel Schmalz in einem Topf er­hitzen, eine in Würfel geschnittene Zwiebel glasig dünsten und das aufgelockerte Sauerkraut zugeben, kurz weiterdünsten und dann Weißwein zugießen.

Sollten im Sauerkraut keine Wacholderbeeren sein, geben Sie davon etwa 5 - 4 selbst dazu. Auch ein in Scheiben geschnittener Apfel verbessert den Geschmack. Zu Rippchen und Kraut wird Kartoffelbrei ge­reicht und „Ebbelwoi“ getrunken.

 

 

Ebbelwoisooß:

3/8 Liter 24pfelwein, 1/8 Liter Wasser, 4 Eier, 70 g Zucker, 20 g Speisestärke.

Apfelwein und Wasser mit Zucker in einem emaillierten Topf aufkochen.

Stärke mit etwas Wasser anrühren, in die Flüssigkeit gießen und kräftig rühren, bis die Flüssigkeit eindickt. Topf vom Feiler nehmen. 4 Eigelb mit etwas heißer Soße verquirlen, in den Topf geben und durchrühren. Das übriggebliebene Eiweiß zu Schnee schlagen, vorsichtig unter die Soße heben und kaltstellen.

 

 

Ebbelwoi- „Grog“:

1 Liter Apfelwein, 1 Teelöffel Zimt, 2 Nelken,

½ Zitrone, Zucker

Den Apfelwein zusammen mit dem Zimt, den Nelken und der ausgedrückten Zitrone in einem emaillierten Topf kurz aufkochen lassen.

Dann vom Feuer nehmen und mit Zucker abschmecken.

 

 

StöffschebowIe:

3 Bananen, 4 Orangen, 3 Eßlöffel Zucker, 3 Schnaps­gläschen Calvados, 2 Liter Apfelwein, etwas Zi­tronensaft, geriebene Zitronenschale.

Die Bananen und Orangen schälen, in kleine Stücke schneiden und dann in ein Bowlengefäß geben.

Zucker darüber streuen, den Calvados dazu­schütten und alles etwa 50 Minuten ziehen lassen.

Dann den gekühlten „Ebbelwoi“ dazugießen und mit dem Zitronensaft und der Zitronen­schale abschmecken.

 

Apfel‑Pilz‑Pfanne:

500 g Äpfel, 400 g Waldpilze oder Champignons, 3‑4 Stan­gen Lauch, 200 g Schmand, 200 g Joghurt, 1‑2 Teelöffel Curry, 150 g geriebener Käse, 2 Eßlöffel To­matenmark, Salz, Zucker.

Pilze blättrig schneiden, Äpfel schälen, Kerngehäuse ausste­chen und die Apfel in Ringe schneiden. Lauch putzen und in schmale Röllchen schneiden.

Eine Auflaufform mit Butter fetten, Apfelschalen darin ver­teilen. Dann lagenweise Apfel­ringe, Pilze und Lauch schich­ten und leicht salzen. Schmand und Joghurt mit Tomatenmark und Curry verrühren, mit Salz und einer Prise Zucker ab­schmecken und in die Auflauf­form gießen. Mit Käse bestreu­en und im Backofen bei 200 Grad etwa 30 Minuten backen.

 

Haaße Ebbelwei

Äpfelwein wird mit einem kleinen Stück Stangenzimt, einer Gewürznelke und Zucker nach Belieben zum Erhitzen gebracht und heiß im Äpfelweinglas serviert. Statt Zimt kann man auch eine Scheibe einer unbehandelten Zitrone nehmen.             (O. R.)

 

Heißer Äppelwoi:

Zutaten: 1 Liter Apfelwein, 125 ml Wasser, 60 g Zucker, 3 Gewürznelken, ¼ Zimtstange, 2 Scheiben unbehandelte Zitrone. Zubereitung: Den Zucker mit dem Wasser, den Nelken, der Zimtstange und den Zitronenscheiben aufkochen lassen, vom Herd nehmen und anschließend für dreißig Minuten ziehen lassen. Danach das Ganze mit dem Apfelwein vermischen und vorsichtig bis vor dein Siedepunkt erhitzen (nicht kochen lassen).

 

 

Erdbeer‑Bowle

Frische Erdbeeren (noch besser Walderdbeeren) waschen, abtropfen lassen, in eine Bowle geben und schichtweise mit ca. 200 g Zucker bestreuen und vermischen. So läßt man den Inhalt einige Stunden gut ziehen und gibt dann gekühlten Apfelwein hinzu. etwa 2 – 3 Liter,  füge roch einige frische Erd­beeren hinzu. Anstelle frischer Erdbeeren kann man auch Konserven neh­men.                      (Kelterei Possmann)

 

Pfirsich‑Bowle

Die Haut der frischen Pfirsiche wird abgezogen (man kann auch Konserven nehmen), die abgeschälten Pfirsiche in Scheiben geschnitten und lageweise mit Zucker bestreut, einige Stunden ziehen lassen und mit gekühltem Äpfel­wein auffüllen. Man nehme auf 1 Pfund Pfirsiche etwa 2.5 1 Äpfelwein.                (Kelterei Possmann)

 

Kalte Ente

In einem Liter gekühlten Äpfelwein löse man 1 Eßlöffel Zucker auf, gebe 2 Scheiben einer unbehandelten Zitrone zu und lasse 30 Minuten ziehen. Nach Belieben Mineralwasser hinzugeben. Bei großer Hitze ein erfrischen­ des Getränk.    (O. R.)

 

Goldisch Frankfurter Wulle‑Wulle

Apfelscheiben in Apfelsaft und etwas Calvados leicht andünsten, mit Äpfelwein auffüllen und vor dem Servieren mit eiskaltem. trockenem Sekt auf­ füllen.    (Kelterei Possmann)

 

Frankfurter Äpfelwein‑Cocktail

Bowlengefäß mit Äpfelwein füllen, 4 Glas Calvados, 3 Glas Grenadine‑Sirup zugeben und umrühren. Einen herben Apfel vierteln, Kerngehäuse entfernen und in dünne Scheiben schneiden, hinzugeben und zugedeckt eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen. Vor dem Servieren Sekt oder Mineralwasser zugeben.       (Willy Berger, Römer‑Bembel)

 

Ebbelwei‑Gickel im Dippe

Ein großes Hähnchen (1,3‑1,5 kg) vierteln, abtrocknen und in einer heißen Kasserolle leicht braun anbraten: ab und zu mit dem Äpfelwein ablöschen bis die Brühe leicht bräunlich geworden ist. Eine kleine Zwiebel, fein ge­hackt (wer es mag, gibt 1 Knoblauchzehe dazu) hinzufügen. Das Fleisch mit Salz, Pfeffer und Lorbeerblatt würzen. Den restlichen Äpfelwein (insgesamt 3/4 Liter) zugeben und 15 Minuten zart kochen lassen. 500 g frisches Wurzel­gemüse in feine Streifen geschnitten (Gelbe Rüben, Karotten, Sellerie, weiße Rübchen, Lauch) beifügen und ca. 10 Minuten weiter köcheln lassen. Ein Bund feingehackte Petersilie darüberstreuen und abschmecken. In der Kasserolle auf den Tisch bringen.                                 (Willy Berger, Römer‑Bembel)

 

Schweine‑Geschnetzeltes (4 Personen)

500 g Schweinekeule (frei von Sehnen und Fett) in Blätter geschnitten in der heißen Pfanne mit 50 g Pflanzenfett kurz anbraten. Fleisch herausnehmen, Bratsatz mit 2 cl Calvados flambieren, 200 g geschälte und in Blätter ge­schnittene Äpfel mit 0,1 Liter Äpfelwein, 250 g Sahne und 125 g Demiglace in die Pfanne geben, einreduzieren, bis die gewünschte Festigkeit vorhanden. Dann Fleisch dazugeben. mit Pfeffer und Salz würzen und durchschwenken.                           (Helmut Uhl, Schelmenstube)

 

Fischfilet in Ebbelwei

Feuerfeste Form mit Butter (nußgroß) fetten, 1 kleine Zwiebel (oder Scha­lotte), 1 Stange Lauch in Scheiben mit 1/2 Glas Äpfelwein zugeben, zum Kochen bringen. Vier Fischfilets à 150 g einlegen und etwa 5‑10 Minuten je nach Dicke ziehen lassen, auf vorgewärmter Platte anrichten. Mit Salz, Pfeffer, Zitrone, Prise Zucker, Lorbeerblatt würzen. 1/10 Liter Sahne zu dem Sud geben, nochmals aufkochen lassen und über den Fisch gießen.                                                      (Willy Berger, Römer‑Bembel)

 

Äpfelwein‑Sauce

Von einem halben Liter Äpfelwein bringt man 0,4 Liter mit einem Stück Stangen­zimt, 1 Nelke, ½  abgeriebene Zitrone. 1 Päckchen Vanillezucker zum Kochen. Restlichen Äpfelwein mit Mondamin verrühren, dazugeben, auf­kochen und dann vom Feuer nehmen. 2 Eigelb mit 50 g Zucker mit dem Schneebesen kräftig schaumig rühren und in die Sauce einrühren. Das Ei­weiß der Eier separat steif schlagen und unterziehen. Schmeckt warm und kalt (Willy Berger, Römer‑Bembel)

 

Äpfelwein‑Schmor‑Apfel

Vier gleichgroße saure Äpfel waschen, das Kerngehäuse von der Blüte her entfernen, Äpfel müssen unten geschlossen bleiben. Die ungeschälten Äpfel von oben mit einem Küchenkneipchen rundherum ½  cm tief einschneiden. In ein passendes Gefäß setzen: die Höhlung mit 2 Eßlöffel Rosinen füllen und 2 Eßlöffel Zimtzucker (insgesamt) darüber streuen.

½ Glas Äpfelwein angießen und zugedeckt 20 Minuten im vorgeheizten Ofen bei 175 Grad schmoren lassen. Hierzu schmeckt Apfelwein-Sauce vorzüglich und auch ein Klacks Rahm-Vanille-Eis                                             (Willy Berger, Römer‑Bembel)

 

 

Poularde in Apfelweinsoße

Zutaten: 1 Poularde, 250 g Sauerrahmbutter, 125 g mildgeräucher­ten, durchwachsenen Speck, 10 Schalotten, 250g frische Champignons, 1 Sträußchen Kräuter (Thymian, Oregano, Rosmarin), 2 Eigelb, Salz, weiße Pfefferkörner und 1 Fla­sche Apfelwein

Zubereitung: Poularde ausnehmen, mit kaltem Wasser abspülen, gut abtrocknen und vierteln. In einer Kasserolle 125g Butter auslassen (nicht über 80 Grad), den Speck und die Schalotten würfeln und in die heiße Butter geben. Beides mit geschlossenem Deckel 7 Minuten bei mittlerer Hitze dünsten. Die Champignons waschen und in feine Scheiben schnei­den, nach 7 Minuten dazugeben und das Ganze weitere 5 Minuten bei mittlerer Hitze dünsten.

Speck, Schalotten und Champignons aus der Kasserolle nehmen und warm stellen. Die restliche Butter in die Kasse­rolle geben, erhitzen (nicht über 80 Grad), und die Poularden­viertel von allen Seiten goldbraun anbraten. Speck, Schalot­ten und Champignons sowie Salz, frisch gemahlenen Pfeffer und das Kräutersträußchen hinzugeben. Alles eine knappe halbe Stunde bei mittlerer Hitze schmoren lassen, nach und nach den Apfelwein zugeben. Die Poulardenteile aus der Soße nehmen und warm stellen. Die Hälfte der Flüssigkeit bei kleiner Hitze verdampfen lassen, das Eigelb vorsichtig unterziehen (nicht über 80 Grad), die Soße mit Salz, Pfeffer und einer kleinen Prise Zucker abschmecken, die Poularden­viertel in die Soße legen. 2 bis 3 Minuten ziehen Lassen, alles in eine vorgewärmte Terrine umschütten und heiß servieren. Dazu schmecken goldbraun gebackene Weißbrotscheiben und ein kühler Apfelwein besonders gut.

 

Lachsfilet mit Apfelwein

Zutaten: 1000g Lachsfilet, 2 Schalotten, 1 Lorbeerblatt, 30g Sauer­rahmbutter, 200g Creme fraiche, Salz, 1 Schnapsglas fri­schen Zitronensaft, weiße Pfefferkörner und ½ Liter Speier­ling‑Apfelwein. Für die Dekoration 8 kleine Lorbeerblätter, ganze Apfelscheiben mit Kerngehäuse.

Zubereitung: Den Lachs waschen, mit Zitronensaft einreiben und mit einem Leinentuch abgedeckt etwa 15 Minuten kühl stehen lassen. Den Apfelwein bei mittlerer Hitze zusammen mit den Schalotten, die vorher geviertelt wurden, Salz, Lor­beerblatt und dem frisch gemahlenen Pfeffer auf die Hälf­te zusammenkochen. Danach die Soße etwas abkühlen lassen, durchsieben und Creme fraiche unterziehen. Bei schwacher Hitze langsam einkochen, bis eine dickliche Soße entsteht. Den Lachs mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen, die Butter in einer Pfanne bis max. 80 Grad er­hitzen und den Lachs jeweils 2‑3 Minuten auf beiden Seiten dünsten. Teller vorwärmen, den Lachs auf die Teller ver­teilen, die Soße dazugeben und mit Lorbeerblättern und Apfelscheiben dekorieren. Tip: Damit die Apfelscheiben nicht braun anlaufen, sofort nach dem Schneiden mit Zi­tronensaft bestreichen. Die Lorbeerblätter werden schö­ner, wenn sie mit etwas Speiseöl abgerieben werden. Mit frischem Weißbrot und einem Glas Speierling‑Apfelwein wird der Genuß perfekt. Alle Zutaten für beide Rezepte sind für vier Personen aus­gelegt.

 

Karottenküßchen

Man nehme: 1 Liter hessischen Apfelsaft, ¼ Liter frisch gepreßten Karottensaft, 2 cl frisch ge­preßten Zitronensaft, 2 Stangen Bourbonvanille, 3 Nelken, 30 g Rohrzucker und 1 unbehandelte Zitrone.

Zubereitung: Apfel‑, Karotten‑ und Zitronensaft in einem Glasgefäß zusammenschütten, den Zucker unterrühren und die Nelken sowie die Vanille­stangen in den Saft legen. Das Gefäß abgedeckt dann zwei Stunden im Kühlschrank stehen lassen. Danach die Gewürze aus dem Saft nehmen, den Saft in Longdrinkgläser gießen und mit Zitronenscheiben garnieren.

 

Apfel‑Pfirsich‑Punsch

Man nehme: 2 Äpfel, 3 Pfirsiche, 2 cl Zitronen­saft, 20 g Rohrzucker, 1 Zweig Zitronenmelisse und 1, 5 1 Apfelsaft. Zubereitung: Äpfel und Pfirsiche schälen, entkernen und in kleine Würfel schneiden. Zusammen mit dem Zitronensaft und dem Rohr­zucker werden die Fruchtwürfel in einer großen Schüssel verrührt. Alles abgedeckt im Kühl­schrank ziehen lassen.

Nach einer Stunde aus dem Kühlschrank nehmen, vorsichtig verrühren und den Apfel­saft darüber gießen. Mit den Melissenblättern erzieren. Je nach Jahreszeit und Geschmack kann man noch zerstoßene Eiswürfel unter den Punsch ziehen. Na, dann viel Spaß und „fruchtiges“ Genießen. Die Mengenangaben sind für vier bis sechs Personen gedacht.

 

 

Hochstädter Äppelwoi -Dippe:

4   Schweinenackensteaks

4   Scheiben dünn geschnittenes Dörrfleisch

3   große Zwiebeln, fein gehackt

3   große Tomaten, gehäutet

4   mittelgroße Kartoffeln, gewürfelt

2   Zehen Knoblauch, fein gehackt

     frisches Bohnenkraut

1   Lorbeerblatt

     Salz, Pfeffer

     Fett zum Anbraten

Steaks von beiden Seiten kurz anbraten. Dörrfleisch auf die Steaks legen. Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln, Bohnen und Gewürze darüber schichten. Mit Ebbelwoi übergießen und etwa 45 Minuten köcheln lassen. Heiß servieren mit frischem Weißbrot und einem Schoppen Ebbelwoi.

 

Apfelglühwein

Wer beim Lesen der „Gerippte“-Historie durstig geworden sein sollte, für den haben wir zwei jahreszeitgemäße Rezepte. Wetterauer trinken statt Glühwein aus roten Trauben lieber heißen Apfelwein. Die Apfelexperten bei Rapps empfehlen dazu, einen Liter Apfelwein mit drei bis fünf Esslöffeln Zucker langsam zu erhitzen und dazu eine halbe Stange Zimt, einige Nelken und zwei bis drei Zitronenscheiben zu geben. „Feinschmecker geben noch etwas Honig dazu. Ein kräftiger Schuss macht daraus sogar Apfelwein‑Punsch“. Es gibt sogar Menschen, die Gin in den Apfelglühwein geben. Der „Heiße Ebbelwoi“ wird ähnlich zubereitet: 1/8 Liter Wasser wird mit den Gewürzen ‑ 60 Gramm Zucker, 1/4  Stange Zimt, drei Gewürznelken und der Schale einer halben Zitrone oder zwei Scheiben Zitrone ‑ für 30 Minuten aufgekocht. Das gesiebte Wasser wird mit einem Liter Apfelwein vermischt und vorsichtig erhitzt. Wer den Apfelglühwein kocht, lässt nicht nur den Alkohol verfliegen, sondern vernichtet auch das Bukett der Früchte. Beim Servieren wird der Apfelglühwein luxuriös, wenn er in Gläser mit einer in 2 cl Weinbrand gelegten Apfelscheibe gegossen wird. Prost!

 

 

Slow-Food

Keltermeister Jörg Stier und der Slow‑Food‑Gedanke:

 Genußvolle Lebensart, menschlicher Lebensrhythmus, der Erhalt und die Förderung re­gionaler Küche und qualitätsorientierter Erzeugerbetriebe sind die Leitlinien der „Slow‑Food‑Bewegung“. Die Slow‑Food‑Idee entstand Mitte der achtziger Jahre in Italien als Interessengemein­schaft, in Deutschland gibt es sie seit 1992, gegrün­det in Königstein. Anfang 1994 waren es schon über 650 Mitglieder, darunter Gastronomen, Win­zer, Händler, Journalisten, Produzenten und viele private Genießer, bis heute hat Slow‑Food Ableger in vielen anderen Ländern wie Spanien, Frankreich, USA, Osterreich und Schweiz.

Einer der ersten, der sich dem Slow‑Food‑Gedanken angeschlossen hat und sich sehr dafür enga­giert, ist der Bischofsheimer Keltermeister Jörg Stier. Die Slow‑Food‑Gruppe Rhein‑Main, die sich 1994 in Sauters Restaurant „Ratsstuben“ traf, um dort von Küchenchef Sauter mit einem ganz auf Äpfel abgestimmten Menue und natürlich ad­äquaten Getränken verwöhnt zu werden, hat sich zur Aufgabe gestellt, regionale Apfelweintradition als Stück lebendiger hessischer Kultur zu erhalten. Aus diesem Grund hat „Slow‑Food Rhein‑Main“ Richtlinien erarbeitet, die darstellen, was hand­werklich hergestellter Apelwein ist. Die Suche nach den Herstellern wird durch eine Reihe von Abenden in Restaurants verschiedener Regionen begleitet ‑ wie vor einigen Tagen in den erwähnten Ratsstu­ben.

An diesen Abenden werden Apfelweine zur regio­nalen und internationalen Küche angeboten, und natürlich Apfel und Apfelwein in den Speisen inte­griert. Das kann ‑ wie bei Küchenchef Sauter ‑ dann so aussehen: Aperitif: Cidre Schaumwein; Vorspei­se: Variation von Geräuchertem aus Fluß und Meer mit Allerlei vom Apfel und feinen Salaten, geeistes Apfelsüppchen mit Speierling-Sorbet; Hauptgericht: Kalbsfilet im Kräuternetz, rosa gebraten, auf Rahmwirsing mit Apfel‑Kartoffel‑Lauch-Gratin; Dessert: Gebackene Apfeltasche mit weißem Scho­koladenmousse und hausgemachtem Amaretto­-Eis.

An Getränken wurden dazu gereicht: Jahr­gangs‑Apfelschaumweine rot und rosé, Schlehen und Speierling‑Apfelwein, Apfel‑Cidre „Le bol“ (wird in den klassischen bretonischen Trinktassen serviert), und als Digestif 1988er Apfel‑Champa­gner.

Ziel der Aktion ist die Erstellung eines Wegweisers, der regionale Apfelweinküche vermittelt, die be­sten Apfelwein‑Restaurants vorstellt und die Adressen der handwerklichen Apfelweinhersteller veröffentlicht. So wird beispielsweise das nächste Treffen der Slow‑Food‑Gruppe Rhein‑Main am 25. September in der Rhön im Gasthaus „Zur Kro­ne“ in Ehrenberg‑Seiferts stattfinden. Hier werden dann Rhöner Kulinarien aus Hessen, Bayern und Thüringen rund um die auch dort leckeren Apfel­wein‑Spezialitäten angeboten.

 

Da gibt es feine Nuancen, die richtige Kombination von Wein und Menü bietet dem Kenner einen erlesenen und traditionellen Genuß. So empfiehlt Stier bei­spielsweise die Kombination von Handkäse mit Musik und Quittenapfelwein. Der Wirt des Bischofsheimer Restaurants „Ratsstu­ben“, Joachim Sauter, bot zur Präsentation des neu­en Maintaler Schlehenapfelweins einige Köstlich­keiten aus seiner Küche an, die hervorragend zum „Stöffche“ paßten und ebenfalls mit der Frucht Ap­fel zu tun hatten, beziehungsweise mit dem Schle­henapfelwein zubereitet wurden. Von der Kalbs­kopfsülze über Zander bis hin zu geräucherter Ente war alles hervorragend komponiert. Stier und Sauter gehen mit ihrem Können eine Symbiose par excellence ein.

 

Slow-Food-Convivium:

Apfelweintrinker sind bescheidene Menschen. Die meisten gehen sich mit dem Hausschoppen zufrieden - ohne nach Apfelsorte, Aroma und Säuregehalt zu fragen. Auch die Keltereien machen wenig Aufhebens um ihr „Stöffchen“: Sie füllen den Apfelwein in wenig elegante, braune Flaschen und kleben hausbackene Etiketten darauf. Keiner versucht, mit dem  Zusatz „Cuvée“ Eindruck zu schinden. Obwohl es gerechtfertigt wäre: „Im Apfelwein ist nie nur Apfel, denn mit ihm allein bekommt man das Aroma gar nicht hin. Quitte, Birne oder Honig gehören dazu“, sagt Andreas Eggenwirth. Er  leitet  das Frankfurter  Slow-Food-Convivium, eine internationale Bewegung, die sich - gegen die Unsitte des Fast Food - stark macht für genußvolles Essen und regionale Produkte. Jetzt ist der Apfelwein dran, den die Frankfurter Slow-Food-Gruppe  ganz Deutschland schmackhaft machen möchte - mit einer bundesweiten Degustation.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ergänzungen