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Frankfurt II

 

Geschichte

 

Um 4000 vCh

Steinzeitsiedlungen (Osthafen, Praunheim)

Um 500 vCh

Kelten besiedeln das Gebiet

Um 83 nCh

Eroberung durch die Römer (Kaiser Domitian)

Um 260 nCh

Die Römer geben das Gebiet (Nida) wieder auf

Bis 500 nCh

Völkerwanderung und Besiedlung durch die Alemannen

Ab 500

Eingliederung in das Frankenreich (Merowinger)

754    

Der Leichenzug des Bonifatius

794

Der Name Frankfurt wird zum ersten Mal erwähnt: Kaiser Karl beruft ein Konzil in seine Pfalz

Um 850

Bau der Salvatorkirche, der Vorläuferin des Doms

941

Versöhnung Ottos des Großen mit seinem Bruder Heinrich

Um 1150

Bau der Staufenmauer

1152  

Erste Frankfurter Kaiserwahl in Frankfurt: Friedrich Barbarossa

1333

Die große Stadterweiterung

1349

Gegenkönig  Günther von Schwarzburg stirbt in Frankfurt

1356

Karl IV. erläßt die Goldene Bulle

1372

Freie Reichsstadt und Erwerb des Stadtwaldes

1389

Niederlage in der Schlacht bei Kronberg

1400 – 1425

Bau des Eschenheimer Turmes

1405

Das Haus „Zum Römer“ wird Rathaus

1415 – 1514

Bau des Domturmes

1462

Die Juden beziehen die Judengasse

1552

Belagerung durch protestantische Fürsten

1554

Niederländische Reformierte ziehen ein

1562  

Erste Frankfurter Kaiserkrönung: Kaiser Maximilian II.

                                              

Zehn Militärlager in Heddernheim und Praunheim

Im Norden von Frankfurt, rund 6 Kilometer nördlich des mains, zwischen den Vororten Heddernheim und Praunheim, erstreckt sich das römische Gebiet mit seinen vielfältigen militärischen Lagern, dem später ummauerten vicus Nida und den Gräberfeldern. Bei dem Gelände handelt es sich um eine Zunge der Mittelterrasse, die sich nördlich der ehemals windungsreichen Nidda um 10-15 meter über dem Fluß erhebt, jedoch keine ebenmäßige Fläche bietet; der höchste Punkt liegt in der Nähe des W-Tores des Alenkastells (A). Die Gesamtlänge des von den Römern in Anspruch genommenen Platzes beträgt in der Richtung Südwest-Nordost rund 2,6 Kilometer. Heute ist das Gebiet vor allem durch die Nordweststadt nahezu vollkommen überbaut und die Nidda begradigt, so daß man Pläne in der älteren Literatur (Wolff 1915) ansehen muß, um von der antiken Topographie eine Vorstellung zu bekommen.

Mindestens zehn Lager im Areal von Heddernheim und Praunheim bezeugen, daß dieser Platz ein strategisch wichtiger Punkt für die Eroberung der Wetterau war. Die meisten der Lager waren nur kurzfristig belegt und hinterließen kaum Scherbenmaterial, so daß die genaue Aufschlüsselung ihres Neben- und Nacheinanders nicht möglich ist. Die Ausgrabungen der älteren wie der neueren Forscher waren zudem aus verschiedenen Gründen eingeschränkt, und es konnten nur wenige Lager ihrem Umfang nach, keines davon in seiner gesamten Fläche, untersucht werden. Bis auf das Lager B dürften jedoch alle in die Okkupationszeit gehören und sich auf die Kriegszüge in vespasianischer und domitianischer Zeit beziehen, zumal die meisten ein Areal einnehmen, durch das später römische Straßen liefen. Anhaltspunkte für ein Marschlager aus augusteischer Zeit gibt es nicht. G. Wolff war vor dem 1. Weltkrieg der maßgebende Forscher für die militärischen Bauten in Heddernheim und Praunheim.

Das Lager B wurde 1933-1936 ausgegraben. Es ist ein symmetrischer Annex (Anbau) an der Ostseite des Alenkastells (A). Ein Spitzgraben umschloß ein Areal von 80 x 292 Meter; beide Graben-enden im Norden und Süden knickten beim Einlaufen in den äußeren Kastellgraben des Alenkastells stumpfwinklig ab, so daß ihre Rücksichtnahme auf das bestehende Alenkastell außer Zweifel steht. An der Ost-Seite, am Ende der Straße, die als Verlängerung der via principalis des Alenkastells angelegt war, befand sich das einzige Tor: ein Holzbau mit zwei Durchgängen. Von den Innenbauten wurden im Nord-Teil mehrere Reihen großer Pfosten festgestellt, die als 45-50 Meter langer Magazinbau interpretiert werden. Der Süd-Teil wurde nicht untersucht. Die von Wolff erwähnten Funde zeigen an, daß dieses Lager wahrscheinlich parallel zur letzten Phase des Alenkastells bestanden hat und jedenfalls gleichzeitig mit diesem (nach 103 nChr) aufgegeben wurde. Demnach ist das Lager B das jüngste aller Lager ohne steinerne Umwehrung von Heddernheim-Praunheim.

 

Untersuchungen von 1931-1908 förderten das Lager C nördlich des Alenkastells (A) zutage. An eine 420 Meter lange SüdSeite schloß sich rechtwinklig die 280 Meter lange West-Seite mit einem Tor bei 180 Meter nördlich der Südwest-Ecke. Die Merkwürdigkeit dieser Anlage besteht darin, daß sich an der Innenseite des West-Tores ein weiterer, kleinerer Spitzgraben anschloß und durch seinen schrägen Verlauf zur Südost-Ecke nunmehr ein dreieckiges Lager von etwa 4 Hektar bildete. Die erfolglose Suche nach dem ursprünglichen Rechteck und die unsymmetrische West-Seite gaben bald zu der Vermutung Anlaß, daß hier ein provisorisches bzw. reduziertes Lager vorliege, in dem eine Truppe nur kurzfristig untergebracht war. Die Befestigung selbst war nicht besonders stark. Das 8,60 Meter B-Tor im Westen hatte einen vorgelegten Spitzgraben (tutulus) von 16,50 Meter Länge. Da dieses dreieckige (oder auch ursprünglich rechteckige?) Lager auf die Trassenführung der römische Straßen nach Okarben, zur Saalburg und nach Nordwesten noch gar keinen Bezug nimmt, diese vielmehr alle drei durch sein Areal hindurchgeführt hätten, dürfte es in der frühesten Zeit der Okkupation entstanden sein. Seine Südwest-Ecke wurde denn auch vom Straßenbett der Saalburgstraße und sein West-Tor vom flavisch-trajanischen Gräberfeld an der Feldbergstraße überlagert. Der auch in neuerer Zeit mehrfach geschnittene südliche Spitzgraben enthielt keine Funde.

Das seit 1910 erforschte Lager D zeigte sich infolge seiner Unregelmäßigkeiten nicht weniger problematisch als das soeben besprochene, und wahrscheinlich besteht sogar ein Zusammenhang zwischen beiden. Westlich des Alenkastells (A) wurden vom Lager D die West-Seite, die Südwest-Ecke und ein Stück der Südseite mit Tor ermittelt. Während der südliche Graben (Länge 130 Meter) dann im äußeren Kastellgraben des Alenkastells verschwand, wurde die West-Seite (Länge fast 500 Mewter) mit Unterbrechungen bis zu ihrer Einmündung in den westlichen Graben der Anlage C verfolgt. Die Unregelmäßigkeiten bestehen in einem richtungsändernden leichten Knick der West-Seite und in der Einmündung in ein anderes Grabensystem. Wolff zog die Schlußfolgerung, daß das Lager D zum Zwecke der Erbauung des Alenkastells und gewissermaßen um dieses herum errichtet war. Jedenfalls muß Lager D einerseits zeitlich vor dem Alenkastell bestanden haben, dessen erster Ausbau schon unter Kaiser Vespasian erfolgte, und andererseits etwas später als Lager C angelegt worden sein, in dessen West-Graben es einmündet. An dieser Stelle ist eine schnelle Abfolge der Lager augenscheinlich. Von Wallpalisade oder Torbau wurden keine Spuren gefunden. Die Toröffnung an der Süd-Seite war 6,50 Meter breit.

Im Zusammenhang mit dem Lager C hat Wolff zwei Spitzgrabenprofile erwähnt, die er ein Stück nordöstlich von diesem in zwei Ziegeleien beobachtet hatte (E), vielleicht ein weiteres Lager.

Gündel fand 1925-1926 die Nordwest-Ecke des kleinen Lagers F auf dem Gelände des Christlichen Friedhofs in Heddernheim. Nach Gündels Berechnung handelt es sich um eine fast quadratische Umwehrung von 100-110 Meter Seitenlänge. Die Scherben aus Spitzgraben und Palisadengräbchen wurden bei ihrer Auffindung als domitianisch angesprochen; die Errichtung des Lagers ist jedenfalls in flavische Zeit zu setzen.

Während der Baumaßnahmen in der Nordwest-Stadt in den sechziger Jahren konnte ein west-ost fluchtender Spitzgraben über 260 Meter verfolgt werden; wahrscheinlich die Nord-Seite eines großen Lagers G. Er quert die heutige Ernst-Kahn-Straße in ihrem nördlichen Teil und verläuft fast parallel zur späteren nördlichen Vicusumwehrung in etwa 80 Meter Entfernung von dieser. Die westliche Begrenzung ist mutmaßlich ein Spitzgraben, der in der Baugrube Ernst-Kahn-Straße 16 beobachtet wurde. Der zugehörige Spitzgraben im Süden könnte der sein, der 1961 gefunden wurde: In 160 Meter Entfernung zum nördlichen Graben verläuft er in gleicher West-Ost-Richtung durch den nördlichen Teil des Hauses Ernst-Kahn-Straße 118. Die Begrenzung der Ost-Seite ist unbekannt. Das so umrissene Lager hätte, wenn die Rekonstruktion stimmt, mehr als 4 Hektar Fläche umfaßt. Es könnte nur in frühflavischer Zeit bestanden haben, nämlich noch ehe das Lagerdorf, die ältere Straße nach Mainz und die Saalburgstraße errichtet wurden. Auch die Überschneidung mit dem Erdlager D spricht für kurzfristiges Bestehen. Tor-Anlagen oder sonstige Spuren der Umwehrung wurden nicht bekannt.

Die Profile von zwei zusammengehörigen Spitzgräben wurden 1929 in einem Wasserleitungsgraben des Grünen Weges (heute Bernadottestr.) gefunden; die Stelle befindet sich etwas östlich der Straßenflucht Am Alten Schloß und rund 200 Meter entfernt von der Nordwest-Ecke der Vicusbefestigung (H). Wahrscheinlich dehnte sich das Lager noch nördlich der Bernadottestraße aus. Wir zählen unter Vorbehalt hierzu einen wahrscheinlich in gleicher Richtung (Nordwest-Südost) laufenden Graben, der Im Weimel 14 beobachtet wurde; er lag so dicht neben der Vicusbefestigung, daß ein zweiter Spitzgraben in dieser untergegangen wäre. Die Entfernung beider Fluchten beträgt rund 140 Meter. In beiden Fällen wurden Scherben des 1. Jahrhunderts notiert.

In der Baugrube der Häuser In der Römerstadt 182–188, etwa 102 Meter westlich der Vicusbefestigung, wurde 1963 ein Nord-Süd verlaufender Spitzgraben über 14 Meter verfolgt (J).

Im Jahre 1929 wurde in der Baugrube des Hauses Alt-Praunheim 53 die SüdEcke eines Spitzgrabens registriert (K), der keinerlei Funde enthielt.

Das Praunheimer Lager L konnte 1905 in Ziegeleigruben nördlich der Heerstraße (früher Elisabethenstraße) - heute der Bereich zwischen Schönberger Weg und Stierstädter Straße und westlich etwas darüber hinaus wenigstens in seinen Ausmaßen (270 x 340 m) vollständig erfaßt werden. Da das Lager dem Straßenzug der römischen Straße nach Hofheim und Mainz parallel angelegt war, konnte es nur gleichzeitig mit dieser Straße oder später errichtet worden sein. Wahrscheinlich ist diese wichtige Straße von den Römern schon in flavischer Zeit benutzt worden. Aus dem Praunheimer Lager gibt es keine datierenden Funde.

 

Alenkastell

Wohl als einziges der römische Militärlager von Heddernheim-Praunheim wurde das Alenkastell A von vornherein als langfristiges Standquartier für eine Truppe erbaut. Wegen seines späteren Ausbaus in Stein wird in den Publikationen allgemein die Bezeichnung »Steinkastell« verwendet. Wolff entdeckte das Kastell 1896 und hat in den folgenden Jahren vor allem seinen Umfang, die Umwehrung und einen Teil des Stabsgebäudes (principia) untersucht. Ausgrabungen von Gündel in den zwanziger Jahren betrafen Bauten der späteren Vicuszeit innerhalb des Kastellgeländes. Erst U. Fischer führte 1957-1959 und 1963 im nördlichen Teil des Alenkastells systematische Flächengrabungen durch. Inzwischen ist das gesamte Areal überbaut und im Gelände nicht mehr kenntlich.

Offenbar genauso wie bei dem Steinkastell in Hofheim haben nacheinander drei Kastellbauten bzw. -umbauten an der Stelle des Heddernheimer Alenkastells gestanden. Nach Umfang und Grundriß wahrscheinlich übereinstimmend mit dem späteren Steinkastell hatten die beiden früheren an Toren und Umwehrung Holztürme (ausgegraben quadratische Ecktürme von sieben Meter Seitenlänge) und eine Mauer aus Rasensoden. Beide Holz-Erde-Kastelle waren schon von den zwei Spitzgräben geschützt, die später auch zum Steinkastell gehörten. Der innere der Wallgräben mußte vor den Toren mittels Brücken überquert werden.

Das erste der Holz-Erde-Kastelle wurde noch unter Kaiser Vespasian (etwa 75-79 nChr) errichtet, das zweite wahrscheinlich zwischen dem Chattenkrieg Domitians (83-85 nChr) und dem Saturninusaufstand (88-89 nChr) und das Steinkastell daran anschließend; dessen Ende hängt mit der Verlegung der Garnison an den Limes zusammen und ist in die Jahre zwischen 103-111 nChr zu setzen. Diese Abfolge war aus den übereinandergelagerten Spuren der Mannschaftsbaracken abzulesen, die klar drei Bauphasen erkennen ließen. Die Baracken des zweiten Kastells sind durch Feuer zugrundegegangen.

Das Steinkastell ist in seinem Grundriß am besten ermittelt worden. Es bildete ein abgerundetes Rechteck (186 x 282 Meter) mit 30 Türmen und vier von Türmen flankierten Toren, das Ausfallstor (porta praetoria) nach Süden zur Nidda hin orientiert. Das Nord-Tor hatte nur einen Durchgang, die übrigen waren durch Pfeiler in zwei Durchgänge geteilt. Die Kastellmauer aus Basaltbruchsteinen war nach außen mit Sandsteinquadern verblendet.

Unsere Kenntnis von der Innenbebauung ist unvollständig. In älterer Zeit wurde der westliche Teil des Stabsgebäudes (principia) ausgegraben, das sich im Zentrum des Kastells nördlich der Ost-West-Achse (via principalis) wie üblich um einen Hof gruppierte; auch hier existierte ein Vorgängerbau in Holz. Die Grabungsschnitte von Fischer waren im rückwärtigen Teil des Lagers (retentura), zwischen Nord-Tor und Stabsgebäude, angelegt und erfaßten außer den erwarteten Mannschaftsbaracken hinter der Umwehrung Teile von Werkstätten (wahrscheinlich einer Schmiede) und Teile einer Anlage, die wohl als Barackenhof mit großem Wasserbecken (Tiefe 1,50 Meter in römischer Zeit) zu ergänzen ist. Bronzebeschläge von Pferdegeschirr aus den Schichten des Wasserbeckens deuten auf die Verwendung desselben als Tränke bzw. auf die Reiterbesatzung des Kastells. Der Barackenhof überlagerte nördlich des Stabsgebäudes die Hauptstraße zum Nord-Tor (via decumana) und ist in die letzte Phase des Kastells datiert.

Als Besatzung des rund 5 Hektar umfassenden Alenkastells kommt in erster Linie die Ala I Flavia gemina, also eine Reitereinheit, in Betracht, von der eine Weih- und eine Grabinschrift sowie weitere Fragmente von Reitergrabsteinen gefunden wurden. Ferner sind vor allem durch Grabinschriften die Cohors IV Vindelicorum und die Cohors XXXII voluntariorum civium Romanorum für Heddernheim belegt. Da die neuere Forschung der Meinung ist, daß die genannte Reitereinheit nicht 1.000, sondern 500 Mann umfaßte, werden wohl zwei der Truppenkörper gemeinsam im Kastell untergebracht worden sein. Außerdem kann während der Kastellzeit ein Truppenwechsel stattgefunden haben. Es ist im übrigen nicht erwiesen, daß im östlich anschließenden Lager B auch Truppen untergebracht waren; möglicherweise diente dieser Annex nur als Schutz für Magazinbauten.

Die Verbindungen der Heddernheimer Garnison zu ihren Nachbarkastellen waren selbstverständlich durch die vom römische Militär angelegten Straßen gewährleistet. In den Richtungen nach Mainz und Okarben gab es hierbei Straßenverlegungen gegenüber den anfangs benutzten Straßen, und allmählich entwickelte sich der Platz unmittelbar vor dem West-Tor des Alenkastells (porta principalis dextra) zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt. Von hier aus liefen erstens die Straße nach Westen über Hofheim und Kastel nach Mainz (wobei es auf Heddernheimer und Praunheimer Boden eine ältere, dem Gelände angepaßte nördliche Straßenführung und eine jüngere, das Gefälle in Kauf nehmende gab) und zweitens die Straßen nach Norden, die – nach und nach entstanden – schließlich eine dreifache Gabelung vor dem Nord-Tor der späteren Vicusumwehrung bildeten; geradeaus führte eine zum Saalburgkastell, in Nord-Ost-Richtung eine über Okarben zur Mitte der Wetterau und in Nord-West-Richtung eine, deren Endziel noch unsicher ist. Einen Weg zur Wetterau gab es auch zum Ost-Tor des Alenkastells bzw. des Lagers B hinaus und einen weiteren zum Süd-Tor hinaus über die Nidda nach Frankfurt. Daneben wurde sicher die schiffbare Nidda genutzt, allerdings vornehmlich für Warentransporte.

 

Dem Alenkastell zuzurechnen sind zwei steinerne Kastellbäder, das ältere etwa 100 Meter westlich  des Kastells und 70 Meter südlich der älteren Straße nach Mainz (heute West-Teil des Christlichen Friedhofs), das jüngere 60 Meter südlich des Kastells und etwa 30 Meter östlich der nach Süden führenden Kastellstraße (heute die Grundstücke der Häuser An der Ringmauer 108–118). Die Datierung beider Anlagen beruht auf Ziegelstempeln, von denen im westlichne Kastellbad nur solche der 14. Legion, im Süden solche der 14. und 22. Legion gefunden wurden; danach muß das westliche Bad um 90 nChr vom südlichen Bad abgelöst worden sein. Ursächlich mag dies mit einer Zerstörung während der 2. Chattenkriege 89/90 zusammenhängen, da am westlichen Bad Brandschutt wie bei den zweiten Mannschaftsbaracken beobachtet wurde. Von beiden Kastellbädern ist die Gesamtanlage nicht mehr zu rekonstruieren.

 

Nida, Hauptort der Civitas Taunensium

Im heutigen Gelände sind nur noch an zwei Stellen Überreste der römischen Siedlung zu sehen:

1. ein Stück des Walles der Ost-Umwehrung vor dem Haus Am Forum 29

2. zwei Töpferöfen von der Töpfersiedlung vor dem Nord-Tor, 1972 gefunden und an Ort und Stelle konserviert; das einsehbare Schutzhaus am  Erich-Ollenhauer-Ring, südlich der Titusstraße. Führungen nur nach Vereinbarung.

Zur Geschichte: Westlich des Alenkastells, entlang den beiden Straßen nach Mainz und der Saalburgstraße, entwickelte sich zunächst ein Lagerdorf. Seine Fachwerkhäuser erstreckten sich nach Westen über die Grenze der späteren Vicusumwehrung hinaus, an der älteren Straße sogar bis zur Fundstelle der römische Villa in Praunheim – 350 Meter entfernt von der Stadtmauer – und dem dort beginnenden älteren Praunheimer Gräberfeld. Novus vicus hieß der Teil der Siedlung, der an der späteren, südlichen Straße nach Mainz (platea novi via.) noch vor dem Abzug des Militärs erbaut wurde. Von der älteren Straße nach Westen ist der antike Name platea praetoria überliefert, der sich allerdings auf das spätere Unterkunftshaus (praetorium) der Stadt Nida bezieht. Für die Ausdehnung des Lagerdorfes behielt die ältere Straße ihre Bedeutung, obwohl dort Brandschichten aus der Kastellzeit die Vernichtung auch von Lagerdorfbauten anzeigen.

Ein exakter Plan mit allen Bauten des Lagerdorfes wird sich nicht rekonstruieren lassen. Einmal haben die nachfolgenden Bauten des Vicus vielfach die Spuren der älteren zerstört, zum anderen ist die Unvollkommenheit der Berichterstattung - auch für den Vicus Nida - hauptsächlich durch die hektische Bebauung des Geländes in den sechziger Jahren (Bau der neuen Nordwest-Stadt) begründet.

Wahrscheinlich recht früh begannen Töpfer ihr Handwerk im Lagerdorf auszuüben; Öfen aus dem letzten Viertel des 1. Jahrhundert nChr sind vor allem im südlichen Teil des Vicus festgestellt worden. Besonderes Interesse verdient hierbei die Wetterauer Ware, deren rotüberzogene und rotgefleckte oder marmorierte Gefäße anfangs speziell für das Militär angefertigt wurden.

Mit dem Abzug der Garnison um 110 nChr änderte sich die Situation des Lagerdorfes gravierend. Offenbar Hand in Hand mit der Verlegung der Truppen an den Limes richteten die Römer nun auch die Zivilverwaltung ein. Bei der Aufteilung der nordmainischen Region in zwei Civitates wurde der Vicus von Heddernheim zum Hauptort des Ostens, der Civitas Taunensium, bestimmt; Hauptort der westlich angrenzenden Civitas mattiacorum wurde Wiesbaden (Aquae mattiacorum).

Das genaue Jahr für die Erhebung der Hauptorte kennen wir nicht, doch dürfte es in den letzten Regierungsjahren des Kaisers Trajan (vor 117 nChr) oder in den ersten des Kaisers Hadrian (117–120 nChr) gelegen haben. Wahrscheinlich hatte sich zu dieser Zeit auch schon der Ortsname Nida herausgebildet, der sich vom alten Flußnamen der Nidda herleitete. Belegt ist dieser Name auf einem Meilenstein in Friedberg (»10 Leugen von Nida«), auf zwei Weiheinschriften aus Kastel und seit 1961 auch durch eine Bauinschrift am Ort, eine Dendrophoren-Inschrift. Auf dieser werden der Vicus Nida und die Vicani Nidenses ausdrücklich genannt, außerdem die Dendrophoren des Ortes MED ... (Dieburg), Hauptort der südlich angrenzenden Civitas Auderiensium.

Die gänzlich neuen Funktionen, die nun dem Vicus Nida zufielen, veränderten ihn vor allem in baulicher Hinsicht; Nida wurde praktisch eine Stadt. Während die Hauptstraßen mit ihrem Treffpunkt vor dem ehemaligen Kastelltor beibehalten wurden und das spitzwinklige Dreieck zwischen den beiden westlichen Straßen als Marktplatz (forum) seine Bedeutung erhielt, fügte man nun weitere Straßen hinzu, um der wachsenden Bevölkerung Platz zu bieten, und bemühte sich um die Errichtung der notwendigen öffentlichen Gebäude. Auch das Gelände des Alenkastells wurde allmählich bebaut. Die Straßen waren mit Kies befestigt und haben im Laufe der Zeit eine mehrfache Erneuerung erfahren (bei der platea praetoria waren die Kieslagen bis zu 0,70 Meter und bei der Saalburgstraße bis zu 1,50 Meter mächtig); begleitende Abflußgräbchen gab es nur innerhalb der Stadt an den Hauptstraßen, die bis zu 10 Meter Breite hatten, die jüngeren Nebenstraßen waren mit 4 Meter Breite ohne Abflußgräbchen angelegt.

Als Verwaltungszentrum der Civitas war Nida Sitz der Behörden. Auch hier war die oberste Behörde ein Ratsherrenkollegium (ordo decurionum), eine Art »kleiner Senat«, aus dessen Mitte jährlich zwei Bürgermeister (duoviri) gewählt wurden. Von Inschriften kennen wir den Namen eines duumvir aus Nida, Licinius Tugnatius Publius, und die Namen von sieben Decurionen: Dativius Victor, Caius Paternius Postuminus, Quietius Amandus, Caius Sedatius Stephanus, Stephanius maximus, Tertinius Catullinus und ein gewisser Firmus. Außerdem wird ein Aedil genannt, der die Gewerbeaufsicht führte: murius Victor. Leider sind die vorauszusetzenden Verwaltungsgebäude (Rathaus usw.) nicht bekannt. Die Nord-Seite des dreieckigen Marktplatzes, die auf dem Plan von 1938 noch frei erscheint, ist nach der Mitte des 2. Jahrhunderts wahrscheinlich nur mit privaten Häusern bebaut gewesen. So kommt eigentlich nur das Gelände des Alenkastells in Frage, um derartige Bauten zu lokalisieren. In der Tat gab es an der Stelle der ehemaligen Principia ein späteres Gebäude, und nordwestlich davon wurden beim Straßenbau 1973 Reste von starken Mauern mit Apsiden beobachtet, möglicherweise sind auch einige Gebäude, die F. Gündel 1927 im Süd-West-Teil des Alenkastells ausgegraben und nicht mehr publiziert hat, hier hinzuzurechnen.

Eines der gut ausgegrabenen öffentlichen Gebäude ist das große Unterkunftshaus (praetorium), dem im Osten ein Hof mit Wandelhalle (palaestra) und die östlichen Thermen angeschlossen waren. Die Bedeutung, die diesem Komplex beigemessen wurde, erweist allein schon seine Lage direkt südlich der zentralen Straßenkreuzung (heute West-Teil des Christlichen Friedhofes und Rosa-Luxemburg-Straße). Hier konnten vor allem Bürger der Civitas oder Soldaten aus den Limeskastellen, die in Nida Geschäfte erledigen oder eines der vielen Heiligtümer besuchen wollten, bequem untergebracht werden. Das Hotel (43 x 70 Meter) hatte im Erdgeschoß einschließlich Eingangshalle und Flure 62 Räume, die um einen langgestreckten Säulenhof gruppiert waren; es war mutmaßlich zweigeschossig. Im Süden schloß sich ein großer Hof von trapezförmigem Grundriß an, der der Unterbringung von Wagen und Zugtieren diente (Stall in der Südwest-Ecke). Zur Straße hin war Praetorium und Palaestra ein einheitlicher überdachter Säulengang (porticus) vorgelagert.

Die östlichne Thermen von Nida (36 Meter Breite, 64 Meter Länge) waren großzügig ausgestattet. Schon die Eingangssituation im Norden fällt durch ihre säulengeschmückte Fassade - gefunden wurde der obere Teil einer 5-6 Meter langen Rotsandsteinsäule mit einem Schaft von 49 Zentimeterm Durchmesser - und eine geräumige Vorhalle (6 x 24 Meter) auf. Quadratische Ziegelplättchen, farbiger Wandverputz, Gesimsfragmente und profilierte Sandsteinstücke zeugen von der ehemaligen Einrichtung. Die üblichen Baderäume richten sich nach einem streng axial angelegten mitteltrakt, der nacheinander einen Teil der Eingangshalle, einen Hof, das Kaltbad (frigidarium), den Warmluftraum (tepidarium) und das Warmbad (caldarium) enthält; es schließen sich an den Seiten die Umkleideräume, das Kaltwasserbecken, Latrinen mit Wasserspülung, das Schwitzbad (sudatorium) und die Warmwasserbecken an.

Diese Thermen waren allerdings so sehr auf das Praetorium bezogen, daß die Nidenser sich eine zweite und größere Badeanlage unmittelbar an der West-Seite des Marktplatzes erbauten, die W-Thermen. Hier war die Palaestra ein Innenhof (13,6 x 20,4 Meter), und es gab neben dem Frigidarium jeweils zwei Räume für Tepidarium, Caldarium und Sudatorium. Insgesamt hatte die Anlage eine Ausdehnung von 45 x 68 Meter und steht daher hinter den Thermen anderer Provinzstädte nicht zurück. Von der einstigen Ausstattung waren nur wenige Einzelheiten erhalten: roter Außenputz – jedenfalls in der Sockelzone – und bemalter Verputz innen, profilierte Verputzleisten, weißtonige Bodenfliesen, Sandsteinsäulen. Der Boden der Palaestra bestand aus weißem Kalk‑Estrich, in einer Ecke des Hofes fand sich der gemauerte Unterbau für einen runden Sockel (Durchmesser 1,35 Meter) bzw. eine Statue. Verschiedentlich wurde an- und umgebaut, doch bestanden die Thermen bis zum Ende von Nida.

Ein hölzernes Szenentheater im südlichen Areal von Nida ist in seiner Größenordnung das einzige seiner Art, das auf rechtsrheinischem Boden gefunden wurde. Es bot etwa 1.000 bis 1.500 Personen Platz. Sein gemauerter Zugang lag im Westen, die 16 Meter breite, halbrunde Zuschauerrampe (cacea) umschloß einen Zuschauerraum (orchestra) von 54 Meter Durchmesser; die hölzerne Bühne, von der noch 5 Schwellenbalken gefunden wurden, hatte eine Ausdehnung von 10 x 26 Meterund eine Versenkung in ihrem 0 Teil. Einige Funde aus Heddernheim, wie z. B. Fragmente von tönernen Masken oder die Terrakottafigur eines Soldaten mit Schauspielermaske im Arm, lassen sich leicht mit Aufführungen im Theater verbinden. Die Ausgräber datierten 1929 den Bau pauschal in die Kastellzeit von Nida. Da die Forschung aber heute den Abzug des Militärs früher ansetzt als damals, ist zu erwägen, ob das Holztheater nicht auch in die Frühzeit des neu errichteten Hauptortes der Civitas gehören könnte. Sicher scheint nur, daß es nach der Mitte des 2. Jahrhunderts nicht mehr bestanden hat. Ob es für die Bewohner der Civitas Taunensium in ihrem Hauptort ein Amphitheater gab, ist nach wie vor ungeklärt. Im Nordwesten des Vicus, wo dergleichen vermutet wurde, hat sich bei den Beobachtungen der sechziger Jahre kein Hinweis darauf ergeben. möglicherweise gab es aber eine Arena außerhalb der Stadtmauer, z. B. in Praunheim, wo 1962 nahe dem alten Nidda-Ufer Strukturen gefunden wurden, die damit zusammenhängen könnten.

Die Stadthäuser von Nida waren von unter schiedlicher Form. Woelcke registrierte an der Süd-Seite der platea novi vici mindestens vier langgestreckte Hausbauten mit der schmalen Front zur Straße, die jedoch keineswegs streng in einer Flucht ausgerichtet waren. Ähnliche Beobachtungen machte Fischer auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes, wo die Steinkeller der städtischen Periode nördlich der platea praetoria ziemlich dicht gereiht, aber nicht immer exakt parallel zueinander lagen. Vereinzelt gab es recht ansehnliche Hauskomplexe, von denen auf dem Plan von 1938 nur das Peristylhaus S des Praetoriums eingetragen ist. Ähnliche Häuser wurden z. B. am Ostrand der Stadt und im Norden des Vicus gefunden, von dem nördlichen war noch der Steinkeller mit seinem Bogeneingang recht gut erhalten.

Den kompletten Grundriß eines kleineren Hauses kennen wir seit den Flächengrabungen von Fischer: Es lag nördlich des Alenkastells, erbaut über den ehemaligen Spitzgräben desselben und mit seiner Vorhalle nach Norden zu einem Kiesweg geöffnet. Außer der wahrscheinlich geteilten Vorhalle besaß es sechs gleichmäßige Räume von je 16 Quadratmetern und einen Steinkeller im hintersten Teil. Der Keller enthielt überwiegend Schutt des 3. Jahrhunderts, doch dürfte das Haus (9,50 x 17 Meter) schon im Laufe des 2. Jahrhundert. entstanden sein.

Ein sehr interessantes städtisches Anwesen wurde um 1910 ausgegraben; es handelt sich um die Bebauung der Straßenecke südlich der platea praetoria und westlich der kurzen Nord-Süd-Straße, die am West-Rand des Forums die beiden Hauptstraßen verbindet. Deutlich sind drei verschiedene Trakte zu unterscheiden: ein schmaler Bauteil (54 Meter Länge, 8 Meter Breite) entlang der platea praetoria enthielt wahrscheinlich verschiedene Läden, daran schlossen sich nach Süden ein Haus mit Eingang von der Seitenstraße bzw. mit Blick zum Forum und ein größerer Hof hinter diesem.

Der Hof (18 x 23 Meter enthielt unterkellerte Gebäude und gewerbliche Anlagen (Eisenverarbeitung) und stand wahrscheinlich in Beziehung zu den Läden an der Hauptstraße. Das Wohnhaus an der Ost-Seite (10 x 20 Meter) zeichnet sich vor allem durch eine pfeiler- und säulengeschmückte Fassade und eine Toreinfahrt mit zwei verschiedenen Durchgängen (1,4 und 2 Meter Breite) aus. In einem seiner beiden Keller wurden Massen von Terra-Sigillata-Gefäßen gefunden. Starke Mauern lassen beim Wohnhaus wie beim Ladentrakt auf obere Stockwerke schließen; der Zusammenhang aller Bauteile und die exponierte Lage am Forum deuten auf einen vermögenden Besitzer.

Fraglos entwickelte sich Nida auch zum Handels- bzw. Einkaufszentrum der Civitas. Hafenanlagen an der Nidda mit Anlegerampen auf beiden Ufern und mehreren Lagerhallen auf der Stadtseite bezeugen dies ebenso wie Funde der verschiedensten Waren, die entweder durch Handel oder durch Eigenproduktion den Nidensern zum Verdienst verhalfen. Welcher Wirtschaftszweig der Stadt am meisten einbrachte - möglich wäre z. B. Handel mit Getreide, Wein, Öl, Parfümerien, Textilien oder Sklaven - wissen wir nicht. Für den Archäologen drängen sich drei Erwerbszweige durch gehäufte Bodenfunde ins Blickfeld: Töpfereien, Beinschnitzereien und metallverarbeitende Betriebe. Dies ist jedoch eine mehr zufällige Auswahl der einstigen Handelsgüter, da Keramik, Horn und Metalle im Boden am längsten überdauern.

Getöpfert wurde in Nida vom Bestehen des Lagerdorfes bis zum Ende der Stadt; trotz unsystematischer Ausgrabungen sind mehr als 90 Töpferöfen bekannt geworden, schätzungsweise gab es mindestens 150. Ihre Verteilung läßt zwei Zentren erkennen: das frühere lag im Süden des Vicus, südlich einer Häuserzeile an der platea novi rici (Gebiet der heutigen Mithrasstraße), und das spätere im Norden zu beiden Seiten der Saalburgstraße, außerhalb der Stadtumwehrung (heute südöstlich des Nordwest-Zentrums und Rosa-Luxemburg-Straße). Daneben gab es vereinzelte Töpferöfen im Stadtgebiet, die zu verschiedenen Zeiten aufgegeben wurden.

Außer den einfachen Gefäßen aller Art sind es vor allem Tafelgeschirre, die in der gesamten Wetterau gekauft wurden: die Wetterauer Ware in der Frühzeit und Firniswaren, besonders variantenreiche Faltenbecher , im 2. und 3. Jahrhundert. Die rotbemalte Wetterauer Ware mit ihren vielfältigen Zierelementen - darunter figürliche Bemalung! - wurde seit flavischer Zeit produziert und erreicht in der 1. Hälfte des 2. Jahrhundert ihren technischen Höhepunkt. Ihre hierzulande exotischen

Gefäßformen verraten die Herkunft aus Ländern mit griechisch beeinflußter Kultur oder aus Italien selbst. Während jedoch ganz ähnliche Erzeugnisse auch von Fundstellen in anderen Provinzen - überwiegend von solchen, wo römisches Militär stationiert war - bekannt wurden, gibt es z. B. die rotbemalten Lampen mit ihren Griffaufsätzen in Form von Weinblättern oder Büsten nur im Rheinmain-Gebiet. Ein Teil der Wetterauer Ware stammt aus den Töpfereien von Frankfurt a. M.-Nied, doch belegen Fehlbrände und Model, daß sie auch in Nida hergestellt wurde.

Nicht nur Töpfer, auch Bronze- und Silberschmiede haben sich in Nida Konkurrenz gemacht; wahrscheinlich waren die Werkstätten, deren Schmelztiegel, Gußformen und Werkzeuge gefunden wurden, jeweils mit Läden verbunden. Analysen zufolge handelte es sich meistens um Altmetall, das wieder eingeschmolzen wurde. Halbfabrikate und Gußformen belegen bis jetzt nur die Produktion kleinteiliger Bronzen wie Fibeln, Fingerringe, Armreifen u. ä.

Als Mittelpunkt religiöser Kulte hatte Nida mit Sicherheit eine stattliche Reihe von Tempeln auf-zuweisen, jedoch sind nur vier der unterirdisch angelegten Mithräen und das Versammlungshaus der Dendrophoren im römische Stadtplan festgelegt. Die Mithräen I und II, entdeckt im Jahre 1826, lagen im Nordwesten des Vicus an einer der später erbauten Ost-West verlaufenden Nebenstraßen. Das Mithräum III lag ebenfalls an einer Ost-West-laufenden Nebenstraße, aber im Süden des Vicus, westlich des Hofes des Praetoriums; es wurde vor 1894 ausgegraben. Von allen drei Heiligtümern sind die meisten Funde heute in den Museen von Wiesbaden und Frankfurt. Das Mithräum IV, 1928 leer aufgefunden, hatte seinen Platz südwestlich des ehemaligen Holztheaters, also noch weiter vom Stadtzentrum entfernt, und mußte dann sichtlich wegen des Baues der südlichen Stadtmauer aufgegeben werden. Ein 5. Mithräum ist aufgrund weiterer Funde vorauszusetzen. Ebenso dürfen wir annehmen, daß ein Heiligtum für Jupiter Dolichenus existiert hat.

Das Versammlungshaus der Kultdiener der großen Göttermutter lag im Westen des Vicus, wahrscheinlich direkt an der platea praetoria. Ob hier auch ein Tempel für den Kult der Göttin Kybele gestanden hat, ist nicht bekannt, es ist aber wahrscheinlich. Gefunden wurde 1961 ein kleiner Keller (1,70 x 2,40 Meter), von dem nur zwei Seiten gemauert waren. Die Füllung des Kellers enthielt außer der zerbrochenen Inschrifttafel einen einfachen Sandsteinaltar und eine Reihe von Kleinfunden, darunter eine Münze des Kaisers Gallienus mit dem Prägejahr 258 nChr. Die Dendrophoreninschrift lautet in der Übersetzung wie folgt:

«Zum Heil des Kaisers. Die Dendrophoren und Priester des Kaiserkultes mit Sitz in Med . . . und Nida haben das Versammlungshaus aus eigenen Mitteln errichtet. Das Grundstück wurde ihnen von den Bürgern von Nida zugewiesen.« Die Dendrophoren von Nida, die zugleich den Kaiserkult betreuten, haben sich also mit ihren Kollegen von med . . . (Dieburg) zusammengetan, um sich ein Versammlungshaus zu bauen. Die Bürger von Nida jedoch hatten das Recht, die Grundstücke zuzuweisen. So zeigt uns die Bauinschrift mehrere Aspekte des römische Alltags einer kleinen Provinzstadt.

Der Friede in der obergermanischen Provinz war nicht von Dauer. Aus dem Jahr 162 nChr wird ein Überfall der Chatten gemeldet, und zwei Münzschätze von Nida, die um 139 nChr bzw. etwas später enden, mögen hiermit oder mit einem ähnlichen Ereignis aus diesen Jahren in Zusammenhang stehen. Kaiser Marc Aurel (161–180 nChr) hatte übrigens angeordnet, daß Städte, die eine Umwehrung bauen wollten, hierfür um Erlaubnis nachsuchen müßten. Gewiß war dies eine Maßnahme, um während der Markomannenkriege eine Panik in der Bevölkerung zu vermeiden. Nida bekam also erst zu Beginn des 3. Jahrhundert, als die Bedrohung durch Germaneneinfälle sehr viel akuter geworden war, eine Stadtbefestigung. Dieser fielen im Westen, Osten und Süden ganze Wohnviertel oder einzelne Bauten zum Opfer; die ursprünglich weitgestreute Besiedlung des Vicus wird hier-durch noch augenfälliger. Nur die Töpfereien vor dem Nord-Tor blieben außerhalb der Umwehrung bestehen.

Die Befestigung bestand aus einem einheitlichen System: Von außen nach innen folgten ein Graben (ca. 7 Meter breit), ein Wallabsatz (1,10 Meter breit), eine Steinmauer (2 Meter breit), ein Wall (ca. 7 Meter Breite) und eine breite Grabenmulde, die als Materialgraben anzusehen ist. Außerdem wissen wir seit den Ausgrabungen von Fischer, daß zumindest an der Nord-Seite dem Ganzen noch ein breites Annäherungshindernis vorgesetzt war: in einem Streifen, 11–35 Meter von der Mauer entfernt, ordneten sich große Pfähle in 11 Reihen, abwechselnd längs- und quergestellt. Die Stadtmauer selbst zeigte sich bei Ausgrabungen ausgeplündert von Steinen wie die meisten Bauten von Nida; sie bestand ursprünglich im Kern aus Basaltbruch und hatte nach außen eine Verblendung durch rotverfugte Sandsteinquader. Von ihren mächtigen Zinnendecksteinen wurden einige im Spitzgraben gefunden. Der Umriß der Befestigung war ein unregelmäßiges Vieleck mit mindestens 7 turmbewehrten Toren (fraglich ist ein zweites Tor an der Nord-Seite), außerdem waren Ecken mit Türmen verstärkt. Die Maße des ummauerten Areals betragen etwa 600 x 900 Meter. In jedem Fall konnte das befestigte Nida noch Schutzsuchende aus dem Umland aufnehmen.

Im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Sicherung der Stadt steht wahrscheinlich ein Bau des 3. Jahrhundert, der den Archäologen noch einige Rätsel aufgibt: der vierschiffige Hallenbau südlich des Forums. Zwischen fünf ca. 60 Meter langen Mauern lagen 4 große Hallen (9,50 m bzw. 10,50 Meter breit), die in ihrem vorderen Teil Holzeinbauten und Holzkeller, in ihrem rückwärtigen Teil wahrscheinlich überwiegend Ställe enthielten. Da viele Funde eindeutig militärischen Charakter haben – u. a. wurden hier drei der berühmten Helme aus Nida-Heddernheim geborgen – ist es naheliegend, hier die Kaserne einer berittenen Truppe zu vermuten. Dem widersprechen allerdings Form und Größe des Gebäudes, das zumindest in seinem vorderen Teil ein Obergeschoß besaß. möglicherweise wurden aber auch die ursprünglich für andere Zwecke erbauten Hallen in einer Notsitua­tion als Truppenunterkunft benutzt. Nida wurde jedenfalls erst 259/260 nChr aufgegeben, dies beweist nicht zuletzt die umfangreiche Reihe der Münzfunde (rund 3500 Stück), die mit 14 aus-gegrabenen Münzen des Kaisers Gallienus endet. Die Gräberfelder von Nida verteilen sich hauptsächlich entlang den fünf Ausfallstraßen im Westen und im Norden des Vicus; ein kleineres Gräberfeld ist außerdem nördlich der Nordwest-Ecke der Stadtmauer beobachtet worden. Entsprechend der Reihenfolge im Straßenbau lagen die ältesten Gräber und die Soldatenbestattungen an der älteren Wegführung nach Mainz (älteres Praunheimer Gräberfeld). Aber auch die Belegung des Gräberfeldes an der Straße in Nord-West-Richtung begann schon im 1. Jahrhundert. An der römische Straße nach Okarben gab es außer Bestattungen nahe der Straßengabelung ein ummauertes Gräberfeld, das ein Stück entfernt angelegt war (heute Bereich der Tiberiusstraße) und Gräber des 2. und 3. Jahrhundert enthielt. Am schlechtesten informiert sind wir über die Gräber entlang der römischen Saalburgstraße. An Grabsteinen sind insgesamt nur zwei Dutzend bekannt geworden, darunter Familiengrabsteine und Teile von Pfeilergrabmälern. Ein besonderer Fund wurde 1965 im Gräberfeld an der Okarbener Straße geborgen: das Grab eines Malers. Neben der üblichen Grabkeramik war hier eine Malerausstattung (großer Doppelhenkelkrug und 29 Farbtöpfe) mitgegeben worden; Analysen der noch erhaltenen Farben (Pigmente) ergaben, daß dem Maler vier künstliche Grundfarben (Eisenrot, Kupferblau, Blei-weiß und Bleirot) zur Verfügung standen.

 

Nida -Hauptort der Civitas Taunensium

Zentren des Handels, Handwerks und vielfältigen Gewerbes waren die stadt- und dorfartigen Siedlungen, die vici; die landwirtschaftliche Produktion war dagegen den Gutshöfen (villae rusticae) vorbehalten. Neben den vom Militär geprägten Kastelldörfern und kleinen, dorfartigen Ansiedlungen kam in unserer Region vor allem dem römischen Nida (heute Frankfurt am Main-Heddern­heim) große Bedeutung zu. Als Hauptort der Civitas Taunensium (Abb. 25) war der Ort seit Beginn des 2. Jahrhunderts nChr Mittelpunkt des kommunalpolitischen, kulturellen und religiösen Lebens. Wie in ähnlichen Fällen entwickelte sich auch Nida aus einem Kastellvicus und wuchs nach Abkommandierung der Garnison um 110 nChr zu einer blühenden Kleinstadt heran.

Hier war der Amtssitz der von den freien Bürgern gewählten Ratsherren der Civitas, dem ordo decurionum, die wiederum die beiden Bürgermeister, die duoviri, wählten; einige sind aus Inschriften namentlich bekannt. Hinzu kamen weitere öffentliche Ämter, wie das der aediles, die die öffentlichen Einrichtungen verwalteten, und das der quaestores, die für die Finanzen der Civitas zuständig waren. Nida wurde so zum Verwaltungszentrum der Wetterau. Die öffentlichen Ämter waren meist mit einem hohen privaten finanziellen Aufwand verbunden, so daß sie in der Regel von der Oberschicht der Civitas besetzt waren.

Aufgrund der rasant durchgeführten neuzeitlichen Überbauung des antiken Nida nach dem Zweiten Weltkrieg konnten nur wenige Areale archäologisch umfassend untersucht werden. Viele Beobachtungen gehen daher auf ältere Grabungen zurück (Abb. 26). Leider weiß man nicht, wo in Nida die Verwaltungs- und Gerichtsgebäude standen; sie werden in der Nähe des Marktplatzes (forum) vermutet, wo man sie in antiker Zeit gewöhnlich errichtet hat. Auch fehlen konkrete Hinweise für den Standort der Tempelanlagen. Stätten des Mithraskultes beispielsweise sind nur deshalb erhalten geblieben, weil Teile der Anlage unterirdisch angelegt waren.

Außerordentlich gut ist man dagegen über eine Herberge und die danebenliegenden Ostthermen informiert. Um einen langgestreckten Säulenhof im Innern gruppierten sich im Erdgeschoß 62 Räume, wobei ein zweites Stockwerk mit weiteren Räumen angenommen wird. Von dort konnte man direkt in die weitläufige Bade- und Sportanlage gelangen, die mit über 2000 Quadratmeter Platz für viele Gäste bot.

Die Stadthäuser in Nida waren weitgehend nach dem gleichen Schema wie die der Kastellvici gebaut. Einige Parzellen mit Wohnbebauung konnten ausgegraben werden. Im Vorderteil der langgestreckten Gebäude befanden sich Tavernen, verschiedenste Läden und kleine Werkstätten. Darunter lagen meist Keller mit dem Lichtschacht zur Straße hin, die genügend Lagermöglichkeit boten. Im hinteren Gebäudeteil und in der ersten Etage wohnten die Geschäftsinhaber; sicherlich gab es auch eine große Zahl an Mietwohnungen.

In den römischen Siedlungen lebte ein vielschichtiges Völkergemisch ganz unterschiedlicher Kultur und Religion. Wie sich die Bevölkerung zusammensetzte, wissen wir nicht genau. Aus Nida sind Einwohner italischer, gallischer, germanischer und sogar nordafrikanischer Abstammung durch Inschriften bekannt.

Vor den Toren der Stadt lagen an den Ausfallstraßen die Friedhöfe. Es sind bisher elf Gräberfelder unterschiedlicher Belegungszeit nachgewiesen, von denen einige bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ergraben wurden. Besonders gut erhaltene Fundstücke in der Ausstellung des Frankfurter Museums für Vor- und Frühgeschichte stammen aus diesen Friedhöfen.

Durch ihre Lage an der Nidda mit dem wichtigen Hafen erlebte die Stadt im Verlauf des 2. Jahrhunderts nChr eine wirtschaftliche Blüte. Anziehungspunkte waren vor allem die regelmäßig abgehaltenen Märkte und Jahrmärkte, zu denen aus der Umgebung Kaufleute, Handwerker, Landwirte und sicher auch Soldaten in die Stadt strömten.

Als zu Beginn des 3. Jahrhunderts die Gebiete rechts des Rheins sowohl wirtschaftlich als auch politisch in eine Krise gerieten, entschloß man sich zum Bau einer Stadtbefestigung, 2.750 Meter lang, 2 Meter breit und wohl 6 Meter hoch, in Abständen mit Türmen und acht Toren versehen sowie durch Wall und Graben gesichert (Abb. 27). Spätestens mit dem Niedergang des römischen Reichsgebietes rechts des Rheins um 260/270 nChr konnte auch diese Umwehrung den Einwohnern von Nida keinen Schutz mehr bieten.

 

Gigantensäule

Eine Besonderheit der Provinz Obergermanien stellen die „Jupitergigantensäulen“ dar. Es handelt dabei um mehrteilige, 4 bis 5 Meter hohe Steindenkmäler, die in der Regel die wichtigsten römischen Götter abbilden. Charakteristisch die so genannten „Viergöttersteine“ und eben die oberste Bekrö­nung mit dem Hauptgott Jupiter, der einen Giganten nieder reitet. In dieser Art der Darstellung werden sowohl römische, als auch ein­heimische religiöse Vorstellungen plastisch abgebildet und verknüpft. Sie stellen in ihrer Art eine Spezia­lität für unser Gebiet dar.

Der Hauptort der  römischen Provinz  (Nida) liegt heute im Stadtgebiet von Frankfurt am Main in den Gemarkungen Heddernheim und Praunheim. Seit Jahren fin­den hier Ausgrabungen im Rahmen der archäo­logischen Denkmalpflege statt. Im Dezember 2003 konnte das Frank­furter Denkmalamt in einem Brun­nen  gleich  zwei  vollständige Jupiter-Giganten­säulen bergen. Die­ser Befund kann als Sensation bezeichnet werden, da nicht nur die einzelnen Elemente der Säulen voll­ständig vorhanden sind, sondern auch die Qualität der Stein­metz­­ar­beiten herausragend ist. Gleichzeitig wirft der Fund ein bezeichnendes Licht auf die Vorgänge in der römi­schen Stadt im 3. Jahrhundert nach Christus.

Als öffentlicher religiöser und auch durchaus kostspieliger Ausdruck einer in der Regel privaten Stiftung belegen die Inschriften neben dem Namen des Stifters häu­fig auch seine soziale Stellung und das Datum der Auf­stellung, was diesen Steindenkmälern besonderen  Wert verleiht. Während auf einer der Säulen lediglich die Weiheformeln für Jupiter und seine Frau Juno eingemeißelt wur­den, kann aufgrund der umfangreicheren  Inschrift  der anderen Säule hier das Aufstellungsjahr 228 nach Christus genannt  werden. Die  Restaurierung und  die  wissen­schaftliche Aufarbeitung der Neufunde stehen jetzt an erster Stelle

 

 

Domhügel mit archäologischem Garten

Das Gebiet zwischen Römer (Rathaus) und Dom im Zentrum der Altstadt Frankfurts bildete die Keimzelle der heutigen Stadt. Wer vor dem Turm des Dorns steht, wird unschwer erkennen, daß das Gelände sowohl nach Süden um Main als auch nach Norden zur Braubachstraße hin abfällt. Der Dom steht auf dem Rücken eines flachen Hügels, der im Osten an der Fahrgasse beginnt und im W ungefähr bis zum Gerechtigkeitsbrunnen vor dem Römer reicht. Im Altertum bildete die Anhöhe eine Insel, die im Süden vom Main, im Norden durch einen bis zu 90 Meter breiten Altarm des Flusses, die Braubach (»Bruchbach«), begrenzt war. Im Osten, jenseits der Fahrgasse, dehnte sich das sumpfige Fischerfeld aus. Ein schmaler Seitenarm der Braubach zog zwischen Römer und Gerechtigkeitsbrunnen nach Süden zum Fahrtor und mündete dort in den Main. Er grenzte die kleine Insel im Westen ab.

Die heutige Oberfläche des Römerbergs läßt den Verlauf des ehemaligen Gewässers noch ein wenig erkennen. Auf der Höhe der »Dominsel« lagen breite Kalkfelsen dicht unter dem Wasserspiegel des Mains. Sie erlaubten das Überschreiten des Flusses und bildeten die Furt, nach der die Stadt im frühen Mittelalter ihren Namen erhielt. Diese Furt und der Schutz, den die Insellage bot, schufen günstige Voraussetzungen für die Besiedlung des Domhügels in mehreren Epochen der vorgeschichtlichen Zeit. Sie haben auch die Römer veranlaßt, hier schon im 1. Jahrhundert nChr einen Militärposten zu errichten.

Die ersten Spuren römische Bautätigkeit fand A. Hammeran 1889. Weitere Funde machte Ch. L. Thomas 1895–1897. Sie bildeten die Grundlage für die Annahme eines »Kastells Frankfurt a. M. und die Veröffentlichung der Ausgrabungen und Funde durch G. Wolff im Limeswerk ORL (1915). Drei Jahrzehnte später wurde die Altstadt durch den furchtbaren Bombenangriff im März 1944 vollständig zerstört. Das aber bot die Möglichkeit neuer archäologischer Ausgrabungen. Sie wurden mit Unterbrechungen in den Jahren 1953–1973 vom Museum für Vor- und Frühgeschichte ausgeführt (H. J. Hundt, U. Fischer, O. Stamm). Diese Untersuchungen waren technisch äußerst schwierig, weil die Menschen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadt die antiken Baureste und Bodenschichten durch unzählige Eingriffe - Fundamente, Keller, Ver- und Entsorgungsleitungen - gestört, ja geradezu zerfetzt hatten. So brachten die Ergebnisse der neuen Ausgrabungen zwar außerordentliche Fortschritte unserer Kenntnis der Anfänge Frankfurts im frühen Mittelalter durch die Entdeckung der karolingischen Pfalz. Für die römische Epoche blieben indessen manche Fragen offen, sie werden sich vielleicht nie beantworten lassen.

Die kürzlich abgeschlossene, gründliche Bearbeitung der römische Ausgrabungsfunde ergab, daß einige Keramikscherben aus der Spätzeit der Regierung des Kaisers Augustus stammen dürften. Obgleich keine Baureste aus dieser Zeit entdeckt worden sind, könnte der Fund von einem kleinen Militärposten aus der Zeit der ersten römische Okkupation unter Augustus herrühren. Im Jahre 16 nChr räumten die Römer das Untermaingebiet. Auf dem Domhügel siedelten sich nun Germanen an. Dort kam germanische Keramik des 1. Jahrhundert nChr zutage, die dem rhein-weser­germanischen Formenkreis angehört. man nimmt an, daß sie in den Händen einer chattischen Bevölkerung war.

In den 7oiger Jahren des 1. Jahrhundert nChr kam der Frankfurter Raum während der Regierung Kaiser Vespasians wieder in den römischen Machtbereich. Auf dem Domhügel wurde eine römische Truppenabteilung stationiert. Sie errichtete einen kleinen Thermenbau, von dem aber nur der runde Schwitzraum und der Abwasserkanal 2 erhalten blieben. Der Boden des Kanals war mit Ziegeln der 14. Legion ausgelegt. Von den übrigen Bauwerken der Einheit – etwa den Unterkünften – wurde nichts gefunden. Wahrscheinlich ist das Kastell, das man voraussetzen möchte, während des Saturninusaufstandes im Winter 88!89 zerstört worden, ebenso der Thermenbau 3. Jedenfalls entstand bald nach dem Aufstand ein neues Badegebäude 4. Die sielen Ziegel mit Truppenstempeln aus dem Bad zeigen, daß es ein militärisches Bauwerk war. Es hatte ungefähr die gleiche Größe wie die Kastellbäder der kleinen Numeruskastelle im Odenwald. Die Besatzung des Domhügels war daher eine kleine Einheit, deren Stärke wie bei den Numeri am Odenwaldlimes etwa 150 Mann betragen haben wird. Das zugehörige Kastell kann 0,6 Hektar Fläche besessen haben; es wurde im Bereich des Dorns auf der Ost-Hälfte des Domhügels vermutet, konnte dort aber nicht nachgewiesen werden. Aus der Zeit nach 89 stammt auch Bau 5, der unvollständig erhalten war und daher schwer zu deuten ist. Außerdem wird Bau 6 in die Jahre bald nach 89 datiert. Er wird als Wasserverteilungsbecken gedeutet; solche Bauwerke bildeten die Endpunkte von Wasserleitungen. Oft waren die Verteilungsbecken mit architektonischem Zierat versehen und den Nymphen geweiht, so daß man Bau 6 auch als Nymphäum bezeichnet hat.

Nach der Gründung der Civitas Taunensium unter Kaiser Trajan ging der Frankfurter Raum in die Zivilverwaltung der Civitas über. Der Militärstützpunkt auf der Dominsel verlor seine Bedeutung und wurde aufgegeben. Immerhin hatten die römische Militärs den Stützpunkt mehrere Jahrzehnte lang zur Sicherung der Furt und zur Überwachung der germanischen Bevölkerung aufrechterhalten. Die geringe Stärke der Besatzung weist allerdings darauf hin, daß der spätere Stadtkern von Frankfurt damals nicht zu den bedeutenderen Plätzen wie etwa Ffm.-Heddernheim oder Friedberg gezählt wurde.

Auf den Militärstützpunkt folgte eine zivile Besiedlung. Zu ihr gehören die Baureste 7–10. Die Umfassungsmauer 9–10 entspricht den üblichen Hofmauern der römische Gutshöfe. Bau 8 war ein Wohnhaus und kann das Herrenhaus eines römische Gutshofs (villa rustica) gewesen sein. Seine mauern enthielten Abbruchschutt aus den Militärbauten, darunter zahlreiche gestempelte Ziegel. Der Nord-Ost-Teil war als Badetrakt ausgebaut. Die kurzen Mauerstümpfe, die erhalten blieben, geben jedoch kein klares Bild der ursprünglichen Raumaufteilung. Einige Mauerfugen und übereinanderliegende Fußbodenestriche rühren von einem Umbau her, der gegen Ende des 2. Jahrhundert stattgefunden haben könnte. Bei dieser Gelegenheit ist die Süd-Front des Gebäudes zurückgesetzt worden. Bei Bau 7 war der westlichen Teil mit Hypokausten versehen, er war demnach wohl auch ein Wohnhaus.

Die Deutung der Baureste als römische Gutshof ist naheliegend, sie ist wegen der starken Zerstörung aber nicht letztlich beweisbar. Die Nähe des Flusses und der Furt können der Niederlassung besondere Funktionen gebracht haben, etwa als Stapelplatz für die nähere Umgebung.

Der Fall des Limes 259/60 hat der römische Niederlassung auf dem Domhügel ein Ende bereitet. Die Römer zogen sich auf den Rhein zurück. Auf dem Domhügel tritt etwa einige Jahrzehnte nach dem Limesfall handgemachte Keramik alamannischen Charakters auf. Zusammen mit den alamannischen Gefäßscherben kamen Funde römische Herkunft zutage, Scherben von spätrömische Terra Sigillata, anderer Keramik und Glasgefäßen, aber auch Münzen, deren späteste unter Constantius II. zwischen 351 und 361 geprägt worden ist. Sie deuten auf wirtschaftliche Beziehungen zwischen den Alamannen und dem nahen Römerreich hin. Wie auf dem Ebel sind auch auf dem Domhügel die noch aufrechtstehenden römische Ruinen weiterbenutzt worden. In Gebäude 8 beobachtete man nachträglich eingezogene, schmale Grundmauern, die in gleicher Technik wie auf dem Ebel ausgeführt waren. In der ehemaligen Wobelinsgasse wurde eine kleine Grubenhütte ausgegraben (Bau 11), deren Wände aus lehmgebundenen Bruchsteinen bestanden.

Im Gegensatz zu den meisten alamannischen Siedlungsplätzen des Umlandes läßt sich auf dem Frankfurter Domhügel eine kontinuierliche Besiedlung bis in die Zeit der fränkischen Landnahme um 500 nachweisen. Teile der Gebäude 7 und 8 scheinen noch in die baulichen Strukturen des merowingischen Königshofs einbezogen worden zu sein. Dieser war der Vorgänger der karolingischen Pfalz, von der die Entwicklung zur mittelalterlichen Stadt Frankfurt ihren Ausgang nahm.

Unmittelbar vor dem Dom liegen im «Historischen Garten« einige römische Gebäudereste frei und können besichtigt werden. Deutlich erkennbar ist vor allem der runde Schwitzraum des ersten Militärbades Bau 3; vom anderen Thermengebäude 4 sind kurze Mauerstümpfe zu sehen. Die über-sichtlichen Erläuterungstafeln erleichtern das Verständnis der zunächst verwirrend anmutenden Mauerreste. 

 

Praunheim:

Im Ort gab es ein römisches Gräberfeld aus der Niederlassung Nida (nördlich und südlich der früheren Elisabethenstraße, heute Heerstraße). An der Stelle des Dorfes Praunheim entwickelte sich auch an der Römerstraße nach Westen das vicus canabarum, des Weinkellerdorf. Eine villa rustica mit großem Wirtschaftsgebäude und Weinkeller wurde auf der Praunheiemr Seite gegenüber dem nördlichen Westtor von Nida aufgedeckt.

Zwischen Ludwig-Landmann-Straße und der Nidda , südlich der Praunheimer Hohl (in Höhe der Ebelfeldschule) war eine römische Ansiedlung, die im 4. Jahrhundert von den Alamannen genutzt wurde.

 

Güntersburgpark:

Etwa 100 Meter westlich des Güntersburgparks, wo die Böttgerstraße in die Hartmann-Ibach-Straße mündet, lag ein römisicher Gutshof.

 

Höchst:

Beim Haus  Bolongaro-Straße 152 wurden zwei Verteidigungsgräben gefunden, auch westlich der Justinuskirche. Kurz vor der Niddabrücke, in der Straße „Im Ziegelfeld“, war eine römische Ziegelei, von der man die Produkte gut über die Nidda transportieren konnte.

 

 

Urkunden staufischer Herrscher

Zur Römerzeit war Frankfurt eine Ansied­lung, zur Zeit der Karolinger ein Königshof. In den 116 Jahren nach 1138 aber, als die staufischen Herrscher regierten, entwickel­te sich die Bürgerstadt. Sehen kann man von damals nur noch Urkunden. 35 sind jetzt als Buch erschienen und spannend zu lesen.

Tief unter der Berliner Straße, im Herzen der Stadt, la­gert Frankfurts älteste Überlieferung. Die wertvollsten Dokumente bewahren die Archiva­re oben drüber, weggeschlos­sen in der so genannten Pri­vilegienkammer des Karme­literklosters. Von der Bedeu­tung her auf dem ersten Rang, grafisch auf das Feins­te verziert: das Messe‑Privi­leg, ganze viereinhalb Zeilen lang. Friedrich, von Gottes Gnade der Römer Kaiser hat es im Juli 1240 gegeben: „Es ist Unser Wunsch ( ... ) daß Wir alle, die zur Messe nach Frankfurt kommen, auch Einzelpersonen, in Unseren und des Reiches beson­deren Schutz nehmen (... ).“.

Das Originalper­gament, so wird in dem neuen Studienband erklärt, ist nur achteinhalb Zentimeter hoch und 21,5 Zentimeter breit. Und unten dran hängt das Siegel des Kaisers aus Wachs.

Es handele sich bei derlei Dokumenten, so Dieter Rebentisch, der frühere Direktor des Instituts für Stadtgeschichte/Stadtar­chivs, im Original um mehrfach verschlüs­selte Botschaften. Zum Einen handgeschrie­ben, zum Zweiten in einem umgangssprach­lichen Lateinisch abgefaßt. Erstmals sind sie jetzt ins Deutsche übersetzt, kommen­tiert und politisch eingeordnet ‑ das Ver­dienst der Historikerin Ingrid Bartholomäi, die seit 1994, dem 1200‑Jahr‑Jubiläum der Stadt, ehrenamtlich für die „Gesellschaft für Frankfurter Geschichte“ an der Arbeit

So wird nun zum Hausge­brauch überliefert, in welchen Worten Friedrich II. durch die Gunst göttlicher Gnade der Rö­mer König 1219 am Platz der heutigen St. Leonhardskirche auf Ersuchen aller Unserer treuen Bürger von Frankfurt und auch für Unser Seelenheil diesen Bürgern ein Grundstück zum Bau­en schenkte und bestimmte: Auf dieser Hofstatt soll eine Kapelle gebaut werden.

Von da an die Entwicklung zu verfolgen, sagte Herausgeber Dieter Rebentisch am Mittwoch im Römer bei der Vorstellung, sei Zweck des neuen Bands. Es lasse sich nach­vollziehen, wie die Bürger sich Recht für Recht erkauft, erstritten, erkämpft haben. Auch der Autorin war es ein Anliegen, zu zeigen, was alles nötig war, um die Stadt Stadt werden zu lassen. Denn die Verlei­hung eines Stadtrechtes hat es hier nicht ge­geben.

 

Martin Luther

Stärkung konnte er gebrauchen, der gute Luther. Körperliche wie seeli­sche. Es ging ihm nicht gut, als er in jenen April‑Tagen des Jahres 1521 in Frankfurt eintraf. Gegen Mittag des 14. April erreichte der Reformator aus Wit­tenberg ‑ in das Gewand der Augustiner­mönche gehüllt und von einer jubelnden Menge begleitet ‑ den Kornmarkt und kehrte dort in der Herberge „Zum Strauß“ (heute Buchgasse 11) ein. So jedenfalls steht es im Frankfurter Kirchenkalender.

Kaum hatte Luther sein Quartier bezo­gen, traf eine Lieferung Malvasierwein ein, die für den berühmten Gast bestimmt war Als Absenderin gab sich Katharina Froschin, die Witwe des Patriziers Gil­brecht Holzhausen, zu erkennen. Sie kam dann auch selbst, um den geweissagten Bringer einer neuen Zeit zu sehen. Eben­so erschienen Hamman von Holzhausen, Philipp Fürstenberger und Wilhelm Ne­sen, der Leiter der Gelehrtenschule.

Ja, die Frankfurter bewiesen schon zu Luthers Zeiten ihm Offenheit für neue Trends. Wo es was Neues gab, da wollte man nicht hintanstehen. So war die Reichs­stadt am Main eine der ersten, in der die Reformation in Gottesdiensten und Pfarreranstellungen in die Tat umgesetzt wurde. Schon 1522, ein Jahr nach Luthers denkwürdigem Auftritt beim Reichstag zu Worms, erlaubte der Rat der Stadt die ers­te evangelische Predigt. Sie wurde in der Barfüßerkirche (heute Katharinenkirche) gehalten. Drei Jahre später stellte die Stadt zwei evangelische Prädikanten ein, 1528 gab es (wiederum in der Barfüßerkir­che) das erste Abendmahl und 1531 wurde eine Abendmahlsordnung verabschiedet. Schon seltsam: Exakt 470 Jahre danach, beim Evangelischen Kirchentag 2001 in Frankfurt, feierten Katholiken und Protes­tanten auf dem Römerberg gemeinsam Fronleichnam. Freilich ist an ein gemein­sames Abendmahl noch lange nicht zu den­ken.

Zurück zu Luther. Der Aufenthalt im „Strauß“ und die aufmunternden Worte der Frankfurter Fans müssen dem ange­schlagenen Mann gut getan haben. In ei­nem Brief an seinen Vertrauten Spalatin, den Hofprediger am sächsischen Hof, schrieb er: „Wir wollen nach Worms kom­men allen Pforten der Hölle und Fürsten der Luft zum Trutz“. Dies tue er, „obwohl ihn der Satan doch mehr als eine Krank­heit zu hindern gesucht“. Wie wir heu­te wissen, waren die Mühen des Satans nicht von Erfolg gekrönt, Luther konnte am 15. April nach Worms weiterreisen und dort vor dem Kaiser den Satz: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ ausspre­chen. Auf der Rückreise, am 27. April, stieg er erneut im „Strauß“ ab.

Die Aufgeschlossenheit Frankfurts brachte es mit sich, daß sich die Stars der Reformations‑Szene in den Mauern der Reichsstadt quasi die Klinke in die Hand gaben. So lag gegenüber der Gastwirtschaft „Zum Strauß“ eine Herberge namens „Zum Falken“. Lisa von Rückingen, der Witwe des Patriziers Hans Bromm, gehörte der Laden. Und dort beliebte Luthers Mitstreiter und Gegenspieler, Jean Calvin (1509‑1564), bei seinen Frank­furt‑Besuchen zu nächtigen. Calvin pflegte Kontakt zum Rat der Stadt, hat­te allerdings mit sei­nen Bemühungen, den „reformierten“ Glauben in Frank­furt durchzusetzen, nicht den gewünsch­ten Erfolg. Refor­mierte Gottesdienste calvinistischer Prä­gung waren bis ins 18. Jahrhundert hi­nein untersagt, nur in Bockenheim ‑ da­mals vor der Toren der Stadt ‑ gab es welche.

Sogar einen Refor­mator aus Schott­land, John Knox (1505‑1572), ver­schlug es nach Frank­furt. Er hatte 1554, als die ebenso katholische wie blutrünstige Maria Stuart den schottischen Thron bestieg, aus dem Kö­nigreich fliehen müs­sen und war in Genf gelandet. Dort erhielt er einen Brief aus Frankfurt mit der Bit­te, Pastor der engli­schen Flüchtlingsge­meinde zu werden. So wirkte Knox von November 1554 bis März 1555 als Pfarrer an der Weißfrauenkir­che (die Kirche wurde 1944 zerstört und in den 50er Jahren neu errichtet). Er wohnte im Haus des Patriziers Claus Bromm an der Zeil. Schon im März 1555 kehrte Knox freilich der Stadt wieder den Rücken, nachdem es in der Gemeinde Streit über die Gottes­dienst‑Liturgie gegeben hatte. Knox’ calvi­nistisch‑strenger Ansatz behagte seinen Landsleuten nicht, die es eher feierlich mochten. Knox hakte die Geschichte als „The Troubles at Frankfurt“ ab.

Die Flüchtlinge aus England blieben bis 1559, dem Jahr der Thronbesteigung von Elisabeth I.. Als Dank an Frank­furt schenkten die Heimkehrer der Stadt einen Goldpokal („The English Monument“), der heute im Historischen Museum zu be­sichtigen ist.

Auch Martin Bucer, der „Vater der Konfirmation“, hinterließ seine Spuren in Frankfurt. Auf ihn geht die Übernahme der Straßburger Kir­chenordnung in Frankfurt zurück. Unter anderem 1536 weilte er in den Mau­ein der Stadt.

Zur gleichen Zeit hielt sich ein weiterer Wegberei­ter der Reformati­on, Philipp Me­lanchthon, in der Stadt auf. Der hatte in Wittenberg an der Seite Luthers Ablaßhandel und andere Mißstände der ka­tholischen Kirche angepran­gert. Für den Rat der Stadt Frankfurt war der humanisti­sche Professor als Berater in religiösen Fragen tätig. Drei­mal traf er sich in Frankfurt mit Calvin. Außerdem such­te er den Kontakt zum hu­manistisch orientierten Frankfurter Stadtadel. Er gründete die Lateinschule, das heutige Lessinggymna­sium an der Fürstenberger­straße. Vor dem Eingang der Schule erinnert eine Skulptur an Melanchthon. Nach ihm ist zudem die evangelische Kirchenge­meinde in Fechenheim‑Süd benannt.

 

Wie Frankfurt von der französischen Besatzung profitierte

Es ist der Neujahrstag 1759., als französische Truppen Frankfurt besetzen. Bereits seit 1756 währte die Auseinandersetzung zwischen Preußen und dem Reich, die später als der „Siebenjährige Krieg“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Frankfurts Loyalität als Freie Reichsstadt galt selbstverständlich dem Kaiser, und so kam sie ihren militärischen Verpflichtungen ihm gegenüber auch nach - freilich ohne sich dabei durch übergroßen Enthusiasmus auszuzeichnen.

Ein Großteil der Bevölkerung war nämlich preußisch gesinnt, weswegen die Franzosen als kaiserliche Verbündete schon länger erwogen hatten, sich der strategisch bedeutenden Stadt am Main lieber vorsorglich zu bemächtigen. Und so geschah es. In der Empörung über diese Annexion - und als nichts anderes empfand man diesen „Freundschaftsbesuch“ - waren sich in Frankfurt alle vollkommen einig.

Schließlich musste man nicht nur kostenlose Quartiere für die Soldaten bereitstellen: Nach der Schlacht bei Bergen vom 13. April 1759, in der die französischen Truppen die preußischen zurückschlugen, wurde Frankfurt zudem in ein riesiges Lazarett verwandelt - mit nicht unbeträchtlichen gesundheitlichen Folgen für die Einwohner.

Goethes Vater Johann Caspar, ein großer Bewunderer des Preußenkönigs Friedrich des Großen, traf die französische Besatzung ins Mark: Er musste für zwei Jahre einige Zimmer seines Hauses ausgerechnet für den ranghöchsten französischen Offizier räumen, den Stadtkommandanten Graf Francois de Thoranc. Sohn Johann Wolfgang Goethe wusste die Kunstsinnigkeit Thorancs zu schätzen, nachzulesen in „Dichtung und Wahrheit“. Johann Wolfgang Goethe verdankte ihm die erste eindringliche Begegnung mit französischer Kultur. Durch die im Tross der Soldateska mitgereiste Schauspieltruppe lernte er die Tragödien von Corneille und Racine sowie die Komödien von Moliere kennen.

Überhaupt hatte die bis zum Ende des Kriegs dauernde Okkupation für die Frankfurter nicht nur negative Auswirkungen - ganz im Gegenteil. Angeregt durch die oftmals deutlich weltläufigeren Besatzer wurde die städtische Infrastruktur enorm verbessert: So wurde etwa die Nummerierung der Häuser eingeführt. Frankfurts Häuser waren vorher nur durch ihre Namen zu unterscheiden gewesen. Bei gleichen oder ähnlichen Bezeichnungen hatte das häufig zu Verwechslungen geführt und die Zustellung der Post massiv behindert. Aus dem gleichen

Grund wurden auch die Straßen beschildert.

Vor der französischen Besetzung waren zudem nur wenige Hauptstraßen befestigt gewesen: Nun intensivierte man nun auch die Bepflasterung der Wege, die zuvor den überwiegenden Teil des Jahres bessere Schlammlöcher gewesen waren und ein Vorwärtskommen sehr erschwert hatten.

Die wichtigste Neuerung war allerdings die Installation der ersten Stadtbeleuchtung in den

Jahren 1761 und 1762. Rüböllampen wurden an einem Seil aufgehängt, das von zwei Masten zu beiden Seiten der Straße gehalten wurde. Diese Lampen spendeten ein aus heutiger Sicht

spärliches Licht. Damals wurde es jedoch als ausgesprochen grell empfunden. Die bis 1783 in

Frankfurt und Sachsenhausen aufgestellten 604 Laternen sorgten jedenfalls für einen starken

Rückgang der Kriminalität, weil sie „lichtscheues Gesindel“ vertrieben. Für die Wartung der

Öllampen - also das An- und Ausmachen, Befüllen, Reinigen und Reparieren - waren städti-

sche Lampenfüller zuständig.

Im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte liegt heute noch ein Kalender, der die Brenndauer der Laternen exakt verzeichnet. Da die Straßenbeleuchtung eine teure Angelegenheit war, wurden dabei auch die Mondphasen berücksichtigt. Außerdem wurde flugs eine

neue Steuer erhoben, das so genannte „Lichtergeld“. Und als besonders drakonische Strafe

für die mutwillige Zerstörung der Beleuchtungskörper wurde „Spießrutenlaufen“ festgesetzt

- eine Prügelstrafe mit oft tödlichem Ausgang.

 

 

Rosa Luxemburg

Nach Verkündung des Urteils, das sie in ihrer Ablehnung gegen den Militarismus erwartungsgemäß stärkte, ging sie in den Palmengarten. Aus dem Gefängnis in Wronke/Posen schrieb sie am 1. Juni 1917 an Sonja Liebknecht: „Die Orchideen überhaupt kenne ich gut; in dem wundervol­len Gewächshaus in Frankfurt am Main ... habe ich sie damals nach meinem Prozeß, wo ich das Jahr ge­kriegt habe, mehrere age fleißig studiert. Ich finde, sie haben in ihrer leichten Grazie und den phantasti­schen, unnatürlichen Formen etwas so Raffi­niertes, Dekadentes. Sie wirken auf mich wie die zierlichen gepuderten Marquisen des Rokoko. Ich bewundere sie mit einem inneren Widerstreben und einer gewissen Unruhe, wie meiner Natur überhaupt al­les Dekadente und Perverse zuwider ist.

Viel mehr Freude habe ich z. B. an dem ein­fachen Löwenzahn, der so viel Sonne in sei­ner Farbe hat und so ganz wie ich dem Son­nenschein sich voll und dankbar öffnet, beim geringsten Schatten aber wieder scheu verschließt.“

Außer Orchideen fand Rosalie Luxem­burg unter anderem auch das Weltbild des Frankfurter Staatsanwalts Hoffmann per­vers. Der klagte sie am 20. Februar 1914 vor der 2. Strafkammer des hiesigen Land­gerichts wegen der „Aufforderung zum Un­gehorsam gegen die Gesetze und gegen An­ordnungen der Obrigkeit“ an. Er sah die gesellschaftlichen und politischen Verhält­nisse unter Kaiser Wilhelm II. anders als die berühmte wie berüchtigte Sozialdemo­kratin, die sich in ihrer deutschen Wahl­heimat Rosa Luxemburg nannte.

Am 26. September 1913 sprach die gebürtige Russisch‑Polin (1871) in der Basaltstraße 23 in Bockenheim.

Der Reporter der Parteizeitung Volks­stimme notierte für die Ausgabe des nächs­ten Tages: „Zu einer überaus machtvollen und prächtigen Kundgebung gestaltete sich die Versammlung... mit der Genossin Dr. Luxemburg als Referentin. Kurz nach 7 Uhr schon setzte eine wahre Völkerwan­derung über den mit gärtnerischen Anla­gen geschmückten Hessenplatz nach dem Parteilokal, der Liederhalle, ein. Auch bürgerliche Frauenrechtlerinnen kamen, um im Saal rechtzeitig ein Plätzchen zu finden. Die Versammlung war aber auch sonst von bürgerlichen Elementen stark durchsetzt. Um 8 Uhr herrschte ein un­heimliches Gedränge im Saal, so daß auch die nur vereinzelt aufgestellten Tische ent­fernt werden mußten.

Kopf an Kopf steht die Menge; pyrami­denartig schiebt sie sich an den Seitenwän­den empor. Die zum Garten führenden Tü­ren und Fenster müssen auch noch geöff­net werden. Im Garten postieren sich die „Wetterfesten“, um die Rednerin zu hören. Nur mit Mühe gelingt es, der Referentin bei ihrer Ankunft gegen 9 Uhr eine Gasse zu bahnen.“

Zwei Stunden lang sprach Rosa Luxem­burg vom Gegensatz zwischen herrschen­der Klasse und Arbeiterklasse, von der Un­tragbarkeit des monarchischen Systems, von der heiligen, weil einzig menschenge­rechten Idee der sozialistischen Gesell­schaft und verdammte den Militarismus als Movens der Politik. Im September 1913 war der Balkan längst Pulverfaß und Völkerkerker. In Nordafrika rasselten Europas Großmächte mit den Säbeln. Di­plomaten bemühten sich emsig, den Welt­krieg zu verhindern. In der Liederhalle sagte Rosa Luxemburg: „Wenn uns zuge­mutet wird, die Mordwaffe gegen unsere französischen oder anderen ausländischen Brüder zu erheben, so sagen wir: Nein, das tun wir nicht.“

Unter den Zuhörern in Bockenheim war der Schreiner Henrici, im Nebenerwerb ein freier Mitarbeiter der Polizei und des Regierungspräsidenten in Wiesbaden, wel­cher Preußens Innenminister zum obers­ten Dienstherrn hatte. Henrici machte sich am Abend des 26. Septembers 1913 zunächst Notizen, dann stenographierte er ganze Sätze mit. Darauf stützte sich der Prozeß, den Luxemburg‑Biographen den Zusatz „Frankfurter“ geben. Henrici war der erste Zeuge in der Verhandlung am 20. Februar 1914. Er sagte, er habe die inkri­minierten Sätze wörtlich aufgeschrieben. Er habe den Artikel in der „Frankfurter Warte“ geschrieben, den ein ihm Bekannter an Staatsanwalt Hoffmann geschickt und so den Prozeß in Gang gebracht habe. Henrici outete sich als Spitzel und Denun­ziant.

Im Plädoyer sagte Staatsanwalt Hoff­mann über den Liederhalle‑Abend, ein großer Teil der Anwesenden bestand aus „Reservisten und Landwehrmännern“, was er zuvor bloß für wahrscheinlich gehalten hatte. Woher er das wußte, sagte er nicht, jedoch, daß Rosa Luxemburg in ihrer Re­de den Offiziersmord, den Vorgesetzten­mord, überhaupt den „Mord an ihren bür­gerlichen Gegnern empfohlen“ habe. Ob es zur Tat kam oder nicht, „spielt aber bei der Schuldfrage gar keine Rolle. Notwendig aber ist ein Kontakt zwischen der Auffor­derung und den Aufgeforderten. Dieser Kontakt war vorhanden.“  Hoffmann for­derte ein Jahr Gefängnis und sofortige Ver­haftung wegen Fluchtgefahr.

Rosa Luxemburg konterte in einem el­lenlangen Schlußwort, die Sozialdemokra­tie wolle Kriege und Militarismus keines­wegs durch Tötung von Offizieren verhin­dern. Hinter Kriegen ‑ freilich nur solchen zur Verteidigung! ‑ müsse die Mehrheit der Bevölkerung stehen. Sei das nicht der Fall, seien sie abzulehnen, sei Verweige­rung der einzig gangbare Weg. Was Hoff­mann ihr vorwerfe, entspringe seiner So­zialisation und Geisteswelt, ergo „will mich der Staatsanwalt ... eigentlich für seine Gedanken nicht die meinigen abstra­fen.“ Das Gericht folgt dem Staatsanwalt.

Rosa Luxemburg („ein Sozialdemokrat flieht nicht“) blieb zunächst auf freiem Fuß. Erst am 15. Februar 1915 mußte sie in Berlin in Schutzhaft. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs blieb sie beinah unun­terbrochen in Haft. Im Mai 1919 wird sie zusammen mit Karl Liebknecht von Frei­korpssoldaten ermordet.

Ihr Verteidiger Paul Levi schrieb am 26. Oktober 1929 in der Volksstimme: „So war dieser Prozeß vielleicht die erste deutsche Mobilmachungsmaßnahme auf morali­schem oder, besser gesagt, auf unmorali­schem Gebiet.... auch ... auf juristischem Gebiete.“


Bilder: Die Abbildung links zeigt eine Karikatur zu Rosa Luxemburgs Frankfurter Prozeß. Sie erschien am 25. Juli 1914 in der Sati­rezeitschrift „Der Wahre Jacob“ unter dem Titel „Der Milita­rismus auf der Ankla­gebank“. Oben zu se­hen ist die Gedenkta­fel am Galli‑Theater. Sie wurde Ende der 80er Jahre ange­bracht. Die PDS möchte eine neue Ta­fel mit dem Zitat der Sätze, auf die der Prozeß gründete: „Wenn uns zugemu­tet wird, die Mordwaf­fe gegen unsere französischen oder anderen ausländi­schen Brüder zu er­heben, so sagen wir: Nein, das tun wir nicht!

Rosa Luxemburg mit ihrem Ehemann Gus­tav Lübeck - eine Scheinehe, die die gebürtige Polin ein­ging, um die deut­sche Staatsbürger­schaft zu erlangen.

 

Rundgang Frankfurt

Buslinie 25 bis Endstation Enkheim, ab zwei Personen Gruppenfahrkarte (Tageskarte),

U-Bahn U 7 bis Hautwache.

 

Die Hauptwache ist ein anmutiges Barockgebäude im Herzen der Innenstadt. Sie wurde 1729 als Wachlokal der Stadtwache und Gefängnis für Prominente erbaut. Der Wiederaufbau erfolgte 1951 bzw. 1968, heute beherbergt das Gebäude ein Café. Unter dem Platz ist ein dreigeschossiger Tiefbahnhof mit Geschäfts-, S-Bahn- und U-Bahn-Ebene, der 1968 in Betrieb genommen wurde.

Die Katharinenkirche an der Südseite der Hauptwache wurde zwischen 1678 und 1681 erbaut; in diesem protestantischen Gotteshaus wurde Goethe getauft und konfirmiert. Bemerkenswert ist das Turmportal mit der In­schrift darüber. Außen am Chor befindet sich ein Steinrelief „Maria mit dem Kinde in der Mondsichel“, an der Nordseite Grabplatte des Hein­rich Volrat von Stolberg-Königstein (gestorben 1641) mit 32 Familienwappen.

 

Zum Goethehaus kommt man, wenn man in Richtung Kaiserstraße geht. Nach rechts blickt man zum Roßmarkt (einst Pferdemarkt) mit dem Gutenbergdenkmal; es zeigt Gutenberg mit seinen beiden Gehilfen Fust und Schöffer. Nach links biegt man ab in die Straße „Am Salzhaus“, von der rechts der „Große Hirschgraben“ abbiegt, in dem das Goethehaus steht (Nr. 23), das Geburtshaus des bedeutendsten deutschen Dichters (1749‑1832). Ursprünglich standen hier zwei Häuser aus spätgotischer Zeit Ende des 16. Jahrhunderts, die 1755 umgebaut wurden von Goethes Vater, dem wohlhabenden Kaiserlichen Rat Johan Caspar Goethe. Das Gebäude durch Bomben zerstört, aber in ursprünglicher Form rekonstruiert. Die Einrichtung ist teilweise noch original von der Ratsherrenfamilie, denn sie war ausgelagert. Über dem Eingang ist ein Stein mit dem Wappen der Familie Goethe und Textor (Goethes Mutter) zu sehen. Im Hause wird alle drei Jahre der Goethepreis verliehen (50.000 DM). Die Straßen mit der Bezeichnung „-graben“ sind etwa identisch mit der Grenze der Altstadt nach der ersten („staufischen“) Stadterweiterung. Am Hirschgraben hielt einst der Rat der Freien Stadt Hirsche.

Über die Berliner Straße kommt man zum Karmeliterkloster, das ab 1246 erbaut wurde. Der Kirchenbau erfolgte von 1310 bis 1510, im Jahre 1474 wurde die Kirche spätgotisch umgebaut, die Annakapelle wurde1494 geweiht. Die Klostergebäude wurden 1460 bis  1520 spätgotisch erneuert. Im gotischen Kreuzgang sind Reste von Fresken (1514-23) zu sehen mit dem Zyklus „Geburt und Leiden Christi“ von Jörg Rathgeb, die nach Kriegsschäden konserviert wurden. Das Kloster wurde 1806 aufgehoben.

Durch die Bethmannstraße mit dem Bethmannhof  (ältestes privates, überwiegend noch im Besitz der Gründerfamilie befindliches Frankfurter Bankhaus), kommt man zur Paulskirche. In diesem klassizistischen Rundbau (Baubeginn 1789, Ende 1833) tagte 1848/49 die Nationalversammlung, das erste deutsche Parlament. Im Jahre 1944 ausgebrannt und 1948 wieder aufgebaut ist die Paulskirche heute eine bedeutende Feier‑ und Ausstellungsstätte.

 

Über die „Neue Kräme“ in Richtung Norden kommt man zum Liebfrauenberg mit den spätbarocken Patrizierhäuser „Zum Grimmvogel“ und  „Zum Paradies“. Dieses war im 14. Jahrhundert im Besitz des Siegfried von Marburg zum Paradies; als Adelssitz wurde  1775 ein barocker Neubau errichtet.

Die Liebfrauenkirche wurde im Jahre 1308 gestiftet und im 15. Jahrhundert erweitert. Im Jahre 1944 ist die Kirche ausgebrannt und wurde wieder aufgebaut. Der Turm wurde auf der Stadtmauer (Staufenmauer) errichtet. Bemerkenswert ist das innere Südportal. Verbunden mit der Kirche ist das einzige Kloster der Stadt (Kapuziner). Vor der Kirche steht der Liebfrauenbrunnen mit zwei Flußgöttern und einem Obelisk (um 1770).

 

Durch die Töngesgasse geht es zur Staufenmauer, ein Rest der Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert. Durch die Lange Straße mit dem Hospital zum Heiligen Geist kommt man zum Allerheiligen Tor Straße, das allerdings nicht mehr steht. Dort ist  das ehemalige Dominikanerkloster von 1233, wo Meister Ekkehard ge­lebt haben soll und in dem heute einevangelisches Gemeindezentrum untergebracht ist.

Gegenüber im Keller des Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke befindet sich das Jüdische Museum „Judengasse“, dahinter der alte Ju­denfriedhof mit alten Grabsteinen mit jüdischen Schriftzeichen (die ältesten Steine aus dem 13. Jahrhundert), ein Mahnmal aus Grabsteinen und eine Friedhofsmauer mit Gedenksteinen für die ermordeten Frankfurter Juden.

Nach Süden geht es zur Ober­mainbrücke mit dem klassizistischen Säu­lenportikus, den Resten der einstigen Stadtbibliothek von 1825. Er steht in dem fünf Kilometer langen Anlagenring. Er war ur­sprünglich der Gürtel vor den Bastio­nen und Wällen, die um 1630 als dritter Entwicklungsabschnitt um die Altstadt gelegt wurden. Die Befestigungen wurden 1805 geschleift und durch Guiollett in Anlagen umgewandelt.

In Sachsenhausen steht jenseits der Brücke gleich links das Deutschordenshaus auf gotischen Grundmauern (1709-15) und die Deutschordenkirche (1309 geweiht, gotisch mit Barocktürmchen, im Innern kunstvolle Schnitzereien). Das Deutsch­ordenhaus wurde im Krieg zerstört, ist aber wieder aufgebaut und heute Zentrum des katholischen Gemeindelebens. Rechts am Mainufer steht die Dreikönigskirche

 

Alte Brücke: Nach der Sage soll Kaiser Karl der Große auf der Flucht vor den Sachsen an den Main gekommnen sein, aber wegen Nebel nicht die Furt über den Fluß gefunden haben. Aber eine weiße Hirschkuh hat ihn den Weg durch den Nebel gezeigt, so daß er sich in Sicherheit bringen konnte. Seitdem soll der Ort den Namen „Frankfurt“ erhalten haben.

Die Brücke wurde nach 1200 erstmals erwähnt. Einst war sie mit zwei Mühlen verbunden, deren eine sich an der Stelle befand, wo heute noch eine Treppe hinab zur Maininsel führt. Die erste Brücke wurde 1914-26 durch einen Neubau ersetzt. Auf der Brücke steht ein kunstvolles, schmiedeeisernes Kruzifix mit dem „Brickegickel“ (= Brückenhahn, 1967, eine Nachbildung). Damit hat es folgende Bewandtnis: Beim Bau der Alten Brücke Anfang des 14. Jahr­hunderts hatte der Baumeister ‑ sein Na­me ist nicht überlie­fert ‑ ein nicht gerin­ges Problem mit dem Zeitplan. Das Bauwerk wür­de ‑ das schien unab­wendbar ‑ erst mit reichlich Verspätung vollendet werden kön­nen. Den absehbaren Arger mit den Stadt­oberen wollte sich der Brückenbauer erspa­ren, und so ging er ei­nen Pakt mit dem Teu­fel ein.

Der versprach ihm, die Brücke quasi über Nacht fertig zu stel­len, verlangte freilich als Gegenleistung die Seele des ersten Lebewesens, das von Hibbdebach nach Dribbdebach oder umge­kehrt marschieren würde. Nach altem Brauch wäre dies der Meis­ter höchst selbst gewesen, jedoch ersann der gute Mann eine List: Er trieb beim Jungferngang einen altersschwachen Hahn vor sich her ‑ und mit dessen Seele mußte der Teufel vorlieb nehmen. So war es, oder so ähnlich. Jedenfalls erklärt die Geschichte am besten die Existenz des „Bri­ckegickels“, der vermutlich seit Beginn des 15. Jahrhunderts auf einer Stange über dem Brückengeländer thront. Allein: Der Gickel von heute ist nicht 700, er ist gera­de mal sieben Jahre alt. Und vermutlich ist er bereits der fünfte Nachfolger seines Urahnen.

Der erste Hahn ist der Überlieferung zu Folge im Jahr 1434 in den Main geplumpst und ward nicht mehr gesehen. Seine Nachfolger wurden während des Dreißigjährigen Krieg entweder zur Zielscheibe für die Flinten der Schweden oder versanken samt der Brücke in den Fluten des Mains. Als Einzige hat die wahrscheinlich vierte Gickel‑Fassung von 1750 die Kriegswirren - wenn auch leicht ramponiert ‑ überstanden. Der Hahn kann heute im Historischen Museum bestaunt werden.

Nummer fünf schließlich wurde 1992 Opfer eines schnöden Diebstahls. Zwei Jahre mußte die Brücke danach ohne ihr Wahrzeichen auskommen, bis sich ein Mann namens Helmut Gärtner, scheidender Ortsvorsteher, erbarmte und Geld für Hahn Nummer sechs spendete. Der Bildhauer Edwin Hueller arbeitete ohne Entgelt, und so konnte der jüngste Sproß aus der Gickel‑Dynastie im September 1994 der Brücke übergeben werde: Er ist aus Bronze und mit Gold überzogen ‑ und wie es scheint gegen Diebstahl gesichert. Auf der Alten Brücke steht seit neuestem eine Nachbildung des alten Brückenhauses, heute eine Kunsthalle.

 

Am Main findet auf Sachsenhäuser Seite nicht nur der Flohmarkt statt, sondern hier ist auch der Hauptteil der Frankfurter Museen zu finden, das „Museumsufer“:  Städel’sches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Museum für Kunst­handwerk, Deutsches Architekturmuseum, Deutsches Filmmuseum, Liebighaus, Museum für Völkerkunde, Jüdisches Museum, Bundespostmuseum. Weitere Museen in Frankfurt sind Naturmuseum Senckenberg, Historisches Museum und Münzkabinett, Kommunale Galerie im Leinwandhaus, Holzhausen‑Schlößchen, Kindermuseum, Struwwelpeter‑ Museum, Heinrich‑Hoffmann-Museum, Stoltze‑Museum, Frankfurter Brauerei‑Museum, Ikonen‑Museum, Museum für Moderne Kunst.

 

Am Main entlang nach Westen kommt man zur Straße „Zum Pfarrturm“, durch die man zum Dom geht. Vor dem Dom ist der archäologische Garten.

Nur wenige Schritte entfernt vom Dom steht das Leinwandhaus. An der Fassade erinnert eine Frankfurter Normal‑Elle an die ursprüngliche Bestimmung dieses Gebäudes. Ende des 14. Jahrhunderts errich­tet, diente es lange Zeit dem Mes­sehandel mit Stoffen, war später abwechselnd Schuldgefängnis, Zollverwaltung und Gericht und brannte 1944 ab. Im Jahre 1983 fast original­getreu wieder aufgebaut, gehört es heute mit seinem markanten Giebeldach zu den schönsten Ge­bäuden in der Stadt und bietet Raum für die Kommunale Galerie, die vorwiegend Werke Frankfurter Künstler ausstellt und das Fotografie-Forum der Stadt Frankfurt.

 

In Richtung Römerberg kommt man auf der Nordseite zum „Steinernen Haus“ am Alten Markt. Es wurde im Jahre 1464 nach Art einer oberitalienischen­ Stadtburg errichtet wurde. Einst war es Sitz der aus dem Rheinland stammenden jetzt erloschenen Kaufmannsfamilie von Melem. Im Jahre 1962 wurde es verändert wieder aufgebaut und dient heute dem Frankfurter Kunstverein für seine Ausstellungen. Frank­furter Bürger riefen ihn 1829 ins Leben. damit er „anregend auf den Kunstsinn und ermunternd auf die Künstler wirken“ solle. Zu sehen sind hier Einzelausstellungen und in den letzten Jahren zunehmend Foto‑Ausstellungen. Häufig bietet der Kunstverein zwei oder mehrere Ausstellungen zugleich oder auf­einander folgende gleicher Thema­tik, um Vergleiche zu ermöglichen

 

Der Römerberg markiert den historischen Mittelpunkt der Stadt, er war Kristallisationspunkt Frankfurter Geschichte. Sein östlicher Teil wurde bereits etwa 475 v. Chr. von den Kelten bewohnt. Später besiedelten ihn die Römer, Ale­mannen und Franken. Oberhalb des Römerbergs, auf dem Domhügel, stand einst die karolingische Kaiserpfalz; mit ihr begann im 3. Jahrhundert die Besiedelung jenes Orts, der Frankfurt genannt wird. Um die Pfalzanlage herum ließen sich Bauern und Handwerker nieder, die in Diensten des Kaiserhofes standen. Aus der Siedlung am Rande der Pfalz war dann allmählich eine Bürgergemeinde entstanden, und der Platz am Fuße des Domhügels, der Römerberg, wurde zum Zentrum der heranwachsenden Stadt.

Die ersten Bauten stammen aus dem 8. Jahrhundert und werden den Karolingern zugeschrieben. Die Staufer errichteten vier Jahrhunderte später eine Königsburg. Der heutige Römerberg diente ihnen als öffentlicher Versamm­lungsort, Gerichts‑ und Turnierplatz. Seinen heutigen Namen erhielt der Römerberg erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts, als das Haus „Zum Römer“ Rathaus wurde.

Seinen Namen hat der Römerberg vom Haus „Römer“ auf der West­seite des Platzes. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatte der Frankfur­ter Rat das Gebäude für die Stadt erworben und zum Rathaus um­bauen lassen. Vordem hieß der Römerberg schlicht „auf dem Berge“, doch wurde nunmehr der Name „Römerberg“ heimisch. Für den öst­lichen Hügel hatte sich auch der Name „Samstagsberg“ eingebürgert, nach dem Markt, der dort allwö­chentlich am Samstag abgehalten wurde.

Über die Jahrhunderte hinweg hatte der Platz immer wieder sein Aus­sehen verändert, jedes Zeitalter hatte ihm etwas hinzugefügt. Über viele Generationen hinweg erst war der Römerberg geworden, wie ihn Foto­grafien und Zeichnungen aus der Vorkriegszeit zeigen. Mit dem historischen Wiederaufbau der sechs Gebäude auf der östlichen Seite des Platzes, zusammen mit dem stattlichen Fachwerkbau des Hauses „Schwarzer Stern“ hinter der Nikolaikirche, hat sich der Römerberg seinem früheren Erscheinungs­bild aus der Vorkriegszeit wieder angenähert. Frankfurts Altstadtzentrum bietet sich nun wieder als rundum geschlossener Platz dar, die dreif­ache Staffelgiebelreihe des Römers hat wieder ihr ebenso charakteristi­sches Pendant in der sechsgiebeli­gen Reihe der Bürgerhäuser auf der gegenüberliegenden Seite.

Der Römerberg hat auch Kuriositäten zu bieten, die nicht gleich auf den ersten Blick ins Auge springen. Mit­ten auf dem Platz, östlich vom Gerechtigkeitsbrunnen, beschreibt die dreifache Reihe größerer Pflas­tersteine einen weiten Kreisbogen. Der Kreis markiert den Umfang eines mittelalterlichen Rundturms, dessen Fundament bei Grabungen entdeckt worden war. Das Turmfragment aus dem 13. Jahrhundert hat einen äußeren Durchmesser von fast zweiund­zwanzig Metern, und die Mauers­tärke beträgt mehr als sechs Meter. Einige Schritte weiter, knapp drei Meter vor der Nordwestecke der Nikolaikirche, ist eine Metallscheibe in das Pflaster eingelassen. Die Scheibe kennzeichnet den „Viertürmepunkt“, von dem aus vier Frankfurter Kirchtürme zu sehen sind: die Türme der Nikolaikirche, des Doms, der Liebfrauenkirche und der Pauls­kirche.

An der Ostseite des Römerbergs wurde die historische Häusertzeile rekonstruiert (siehe Ordner „Frankfurt, Innenstadt“. Daneben steht die neue „Schirn Kunsthalle Frankfurt“ ‑ ein alter Name, ein neuer Inhalt. „Schirne“ nannte man früher in Frank­furt die kleinen offenen Metzger­laden in der Altstadt. An ihre Stelle ist seit Februar 1986 das multifunk­tionale Kulturzentrum getreten, dessen Herzstück die große zentra­le Ausstellungshalle bildet. Hier konnten seither bereits bedeutende Präsentationen gezeigt werden. Neben der langgestreckten Galerie und anschließenden Kabinetten umfaßt die Schirn noch Räume für die Junge Deutsche Philharmonie, die Jugendmusikschule und die Informations‑ und Hausnotruf‑Zen­trale des „Frankfurter Verbandes für Alten und Behindertenhilfe“.

 

Auf seiner Westseite des Römerbergs steht der Römer, das traditionsreiche Wahrzeichen Frankfurts.

 

Direkt südlich vom Frankfurter Rö­mer, Limpurgergasse 2, funkeln heimische Tropfen im Glas: Pro­dukte vom Weingut der Stadt Frankfurt, ge­pflückt am Lohrberg und in Hochheim.

Die östliche Seite des Römer­bergs wird durch originalgetreu rekonstruierte Gebäude begrenzt. Die vor einigen Jahren wieder aufgebauten Häuser mit Namen wie „Großer Engel“, „Goldener Greif“ und „Schwarzer Stern“ beherbergen Geschäfte, Wohnungen und Restaurants. Südlich davon steht die neue „Schirn Kunsthalle Frankfurt“ mit ihren großzügig ausgestatteten Ausstellungsräumen und das Haus „Zum Schwarzen Bären“.

 

Auf der Südseite des Platzes befindet sich die ehemalige Rats­kapelle, die im 13. Jahrhundert erbaute Nikolaikirche (1264 erwähnt) mit ihrem 40stimmigen Glockenspiel. Der schlanke frühgotische Bau war ursprünglich königliche Hofkapelle und ab dem 14 Jahrhundert des städtischen Rates Die Empore vor dem Kirchendach wurde1467 angebaut. Bemerkenswert sind die Tympanons mit dem Heiligem Nikolaus in der Westwand und Südwand und die kunstvolle Grabplatte des Reichsschultheißen Siegfried von Marburg zum Paradies (gestorben 1386) im Innern; er vollendete die Entwicklung Frankfurts zur Freien Reichsstadt. Ergreifend im Innern ist die Sandsteinfigur, die Christus als Schmerzensmann zeigt. Vom Turm des heute evangelischen Gotteshauses ertönt um 9.05, 12.05 und 17.05 Uhr ein Glockenspiel.

 

 

Hinter der Kirche steht das Historische Museum mit Münzkabi­nett und Kindermuseum. Rechts davon das „Haus Wert­heim“, 1383 erwähnt, ein Fachwerkbau der Spätrenaissance um 1600. Es ist das einzig erhalte mittelalterliches Fachwerkhaus in Frankfurt und überstand - wie auch die Nikolaikirche - die Bomben von 1944.

Zum Main hin wird der Römerberg durch den Rententurm (1455) abgeschlossen  Der Turm bildet eine Einheit mit dem an der Stelle der staufischen Reichsburg aus dem 12. Jahrhundert errichteten Bernusbau (1717) und Burnitzbau (1842). Der Saalhofbau mit der Saalhofkapelle (um 1175) ist das älteste erhaltene Bauwerk Frankfurts, er gehörte zur ehemals staufischen Reichsburg. Bemerkenswert sind die Kapitelle in der Kapelle.

Am Eiserner Steg von 1868 befinden sich Hochwassermarken und die Darstellung eines Schweins, das die Juden verspotten sollte. Am Mainufer rechts liegt die St. Leonhardskirche, eine schön erhaltene fünfschiff­ige Hallenkirche mit spätromanischen Türmen aus dem 13. Jahrhundert (Leonhard ist der Schutzpatron der Viehherden). Bemerkenswert ist das Tympanon vom Engelbertusportal (um 1220). Im Inneren Kapitelle, hängendes Gewölbe, ein Schlußstein im Salvatorchörlein (um 1510). Der Baugrund war ein Geschenk des Kaisers Friedrich II. (Hohenstaufe) an die ihm treue Stadt.

Man kann hier noch ein Stück am Main entlang gehen und dann zur Hauptwache zurückkehren bzw. vom Römerberg mit der U 4 zur Konstablerwache fahren und dort in die U 7 umsteigen. Man kann aber auch noch einen zweiten Teil des Rundgangs anschließen, der allerdings relativ weit ist.

 

Am Main entlang kommt man am Jüdischen Museum vorbei zur Untermainbrücke, geht in die Neue Mainzer Gasse und kommt zum Willy-Brandt-Platz, dem Theaterplatz mit Schauspiel und Oper und dem Hochhaus der Europäischen Zentralbank. Durch den Anlagenring mit den Denkmälern für Goethe (1884, mit Figuren aus seinen Werken auf dem Sockel), Schiller (1864), Heine,  Beethoven, Guiollett (Schöpfer der Anlagen) kommt man am Marshalbrunnen vorbei zur Alten Oper mit Neurenaissance‑Fassade von 1873 bis 1880. Im Giebelfeld stehen die Worte „Dem Wahren, Schönen, Guten“. Im Krieg ausgebrannt wurde die Alte Oper zum Teil von Bürgerspenden als Konzerthaus wieder aufgebaut. Davor steht der Lucae‑Brunnen.

 

Vom Opernplatz geht man entweder durch die Hochstraße (rechts das Stadtbad Mitte, links das Nebbiensche Gartenhäuschen, um 1810) zum Eschenheimer Turm oder über Frank­furts Schlemmerparadies Große Bockenheimer Straße („Freßgaß“) zur Börse. Ihre Ursprünge gehen bis auf das Jahr 1585 zurück, das heutige Haus wurde 1879 eröffnet. Besichtigung während der Börsenzeiten (Besucher­galerie) montags bis freitags 11.00 und 12.15 Uhr. Das nächste Ziel ist der Eschenheimer Turm, das markanteste der erhaltenen Tore (1428 oder 1462-68) der alten Stadtbefestigung. In die Wetterfahne ist eine „9“ hineingeschossen, von einem Angeklagten, der sich dadurch freikaufen konnte.

 

Von hier kann man schon zurück zur Hauptwache gehen. Durch die Große Eschenheimer Straße kommt man zum Portal zum Ehrenhof des Palais Thurn und Taxis, in französischem Frühbarock erbaut von 1727 bis1741: Kurzfristig 1737 bis 1748 Residenz des „Reichspostmeisters“  Das Tor führte einst zum „Bundespalais“ (1816 bis 1866 residierte hier der Deutsche Bundestag)..

 

Man kann aber auch durch die Bleichstraße zum Petersfriedhof mit der Peterskirche. Seit 1826 ist hier allerdings kein Friedhof mehr, aber eine Reihe Gräber ist noch erhalten: die Grabplatte des be­kannten Malers, Kupferstechers und Verlegers Merian (gestorben 1687), eine Kreuzigungsgruppe von Backoffen und die Grabstätte der Familie Bethmann und der Eltern Goethes.

Durch die Alte Gasse kommt man zur Konstabler Wache und zur Zeil. Diese war einst Viehmarkt, an der nördlichen Häuserzeile standen einst Hotels, Schmieden und Adelspaläste, heute Großkaufhäuser. Über die Zeil geht es nach Westen zurück zur Hauptwache.

 

 

 


 

  

 

 

 

 

Ausflüge Frankfurt II:

 

 

Übersicht: Rundfahrten Bockenheim - Rödelheim, Eschersheim - Niederursel, Heddernheim- Praunheim und nördlichste Dörfer; Höchst, Süden, Osten, Gewässer.

 

 

RUNDFAHRT:  Bockenheim - Rödelheim

Die Anfahrt erfolgt über die Seckbacher Landstraße/Burgstraße oder über die Enkheimer/ Berger Straße oder über Ratsweg/Wittelsbacher Allee. Auf jeden Fall fährt man auf dem Anlagenring nach Nordwesten in die Rothschildallee (nicht bis zum Nibelungenplatz). Dann biegt man nach links ab in die Rohrbachstraße und Glauburgstraße und dann - leicht versetzt - in die Fürstenbergerstraße. Hier liegt gleich rechts das Holzhausenschlößchen, eine Wasserburg in einem schönen Park.

 

Holzhausenschlößchen

Am Rande der grünen Insel des oberen Oeder Wegs steht einsam, ohne erkennbare Funktion, ein schönes Tor: Sandsteinpfosten im Louis-Seize-Stil, die beiden größeren von antikisierenden Vasen bekrönt, halten schmiedeeiserne Flügel. Bei näherem Betrachten sehen wir, daß das Tor in der Achse der Kastanienallee liegt, die geradewegs auf das Holzhausenschlößchen zuführt, also das Einfahrtstor zu dieser ehemaligen „Holzhausen-Oede“ war. Im Jahre 1910 wurde es in der Originalform vom Ende des 18. Jahrhunderts erneuert.

Die Holzhausen-Oede war einer von vielen befestigten Gutshöfen der Frankfurter Gemarkung. Im Jahre 1398 wird sie erstmals genannt. Aus dem Besitz der Familie Lichtenstein kam sie durch Heirat 1474/1503 an die Familie Holzhausen, eines der ältesten und angesehensten Patriziergeschlechter der Stadt. Einer der bedeutendsten Vertreter war Hamman von Holzhausen, der in Frankfurt der Reformation den Weg ebnete. Sein Sohn Justinian, Wittenberger Student, machte die Oede zu einer Stätte kultivierter Geselligkeit, wo man sich zu humanistischen Symposien traf, und er baute dort ein Sommerhaus. Obwohl Justinian, damals Frankfurter Feldzeugmeister, sein Schlößchen zusätzlich sicherte, wurde es 1552 zerstört. Sein Sohn Achilles ließ es 1571 wieder herrichten.

In den Jahren 1727 bis 1729 entstand auf den Fundamenten der Wasserburg unter Hieronymus von Holzhausen nach Plänen des landgräflichhessischen Hofbaumeisters Louis Remy de la Fosse ein barockes Schlößchen. Im 19. Jahrhundert ständiger Wohnsitz der Familie Holzhausen, hat es sich bis heute als ein besonderes Schmuckstück Frankfurts erhalten. Seit dem Zweiten Weltkrieg war es bis vor kurzem  Domizil des Frankfurter Museums für Vor- und Frühgeschichte.

 

Im Jahre 1910 ging das ganze Gelände an die Stadt über mit der Bedingung, den 1790 angelegten Park als öffentliche Anlage den Bürgern zugänglich zu machen, den Rest für Wohnbauten zu nutzen. So kam es, daß das Tor vereinsamte. Der Park mit seinem Weiher rund ums Schlößchen wurde eine kleine, aber schöne Oase im Nordend. Spazierwege, Spielwiesen und Kinderspielplatz bieten vielfältige Erholung. Die Westfaleneiche erinnert an Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein, dem Frankfurt seine Souveränität 1816 bis 1866 verdankte, und eine Tafel vor der Brücke zum Schlößchen gedenkt Friedrich Fröbels, des Hauslehrers der Familie Holzhausen 18ß6 bis 1808.

Sie sind so etwas wie die Buddenbrooks von Frankfurt - einem Ortsfremden könnte man vielleicht auf diese Weise einen ersten Eindruck davon vermitteln, welchen Stellenwert die Holzhausen in Frankfurt, haben, denn kaum eine Familiengeschichte ist wohl so eng mit der ihrer Stadt verwoben, in der sie Generation für Generation lebte. Derer 23 zählt nunmehr das Geschlecht der Holzhausen - von Heinrich, der 1243 nach Frankfurt eingewandert war, bis zu den jüngst geborenen Familienmitgliedern.

Ein für die Frankfurter Stadtgeschichte nach wie vor bedeutsamer Holzhausen war Adolph Freiherr von Holzhausen (1866 bis 1923). Er gründete 1916 die Holzhausen-Stiftung, die seither in dem Wasserschlößchen im Holzhausenpark untergebracht ist. Er blieb nach mehr als 20 Generationen der letzte Vertreter seines Geschlechts in Frankfurt, der österreichische Zweig lebt bis heute.

„Wir haben den Holzhausen nun einen festen Platz im Wasserschlößchen eingeräumt“, sagt Clemens Greve, Geschäftsführer der Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen, und weist den Weg in die Dauerausstellung „Die Familie von Holzhausen“, die jetzt offiziell eröffnet wurde.

An einer Seite des Raums im Erdgeschoß zeigt eine Stammtafel die Holzhausen-Geschichte; diejenigen, die ein Amt als Frankfurter Ratsmitglied, Schöffe, Bürgermeister oder Stadtschultheiß bekleideten, sind hervorgehoben. Keine Familie stellte zum Beispiel so viele Bürgermeister „mehr als 70“, sagt Greve.

Außerdem klärt die Tafel über das Heiratsverhalten der Holzhausen auf; Gattinnen und Gatten stammten zumeist aus anderen Frankfurter Patrizierfamilien und sind durch entsprechende Wappenembleme gekennzeichnet (Limpurger- und Frauensteinerwappen).

Einigen Familienmitgliedern widmet die Dauerausstellung zudem eine gesonderte Hinweistafel mit Porträtgemälde sowie ausführlichen Erläuterungen zu Leben und Werk. Die Originale sind im Städel zu sehen. „Wir können sie hier aus Versicherungsgründen leider nur als Kopien zeigen", erklärt Greve. Hamman von Holzhausen ist beispielsweise zu sehen, der 1520 die erste Lateinschule in Frankfurt - die „Mutter“ der künftigen Gymnasien - gründete und damit deutliche Position für die damalige Luthersche Reformation bekundete. Oder Hammans Sohn Justinian von Holzhausen, der gemeinsam mit seiner Gattin Anna von Fürstenberg in Öl dargestellt ist. Justinian war ebenso ein Schüler Luthers und verteidigte als Obristhauptmann die Stadt erfolgreich während der Belagerung von 1552.

Auf einer weiteren Tafel sind schließlich Verse aufgeführt, die Jacob Micyllus, einstiger Rektor der Frankfurter Lateinschule, verfaßte: Seht dies gastliche Haus, ringsum das Wasser der Quelle, und in friedlicher Ruh Wiesen und Waldung umher Und das Ölgemälde von Hans Thoma „Holzhausen-Oed (1880) läßt dazu einen plastischen Eindruck von der Zeit entstehen, als man von der Lersnerstraße noch unverstellten Blicks auf das Holzhausenschlößchen sehen konnte.

„Die kleine, aber feine Ausstellung will, den Frankfurtern ihre berühmten Söhne und Töchter näherbringen“, sagt Clemens Greve, „und der Geschichte Gesichter geben“. Wenn aus der heute jüngsten Generation Eltern werden, will er die Stammtafel entsprechend ergänzen und wieder auf den neuesten Stand« bringen.

Kontakt: Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen, Justinianstraße 5, Tel. 557791. Weitere Informationen, auch über das Veranstaltungsprogramm, gibt es im Internet unter www.holzhausenschloesschen.de.

Holzhausen-Schule:

Das Gebiet der Holzhausen- Schule vor 1928: Zum Nord-Eingang der Holzhausen-Schule führt eine kleine baumbestandene Allee. Sie  heißt heute „Lübecker Strasse“ - früher war dies der „Affensteiner Weg“ und führte zum „Affenstein“.  Vermutlich gab es hier früher einen Felsen oder eine Steingruppe, in der Nähe befand sich die „Steinkaut“, ein Steinbruch - Eines ist aber sicher:  Es hat hier mit Sicherheit KEINE Affen gegeben !

Der Name  könnte sich aus „Avestein“ entwickelt haben - ein Gebets-Stein an dem das „Ave Maria“ gebetet wurde. Schon die alten Römer zogen von der Römerstadt Nida (bei Heddernheim) an die Frankfurter Main-Furt durch das Gebiet des Affensteins. Diese direkte Verbindung war eine der ersten gepflasterten Stein-Strassen in Frankfurt - heute sind leider keine sichtbaren Spuren dieses Weges zu finden.

Die Gegend um die heutige Holzhausen - Schule gehörte im Mittelalter zu einem bedeutendem Frankfurter Gutshof, der der Familie „von Holzhausen“ gehörte. Früher, so weiß man aus alten Urkunden,  wurden auf dem Affenstein Wein, Korn und Kartoffeln angebaut und Schafe geweidet.

Vor den Toren der Stadt Frankfurt gab es viele solche Guthöfe, die die Bürger mit Lebensmitteln versorgte. Der „Holzhausen-Hof“  oder wie man auch sagte, die „Holzhausen-Öde“ lag also mitten „im Grünen“ der Stadt. Auf dem alten Plan von 1887 sind fast noch  keine  Häuser zu sehen. Für die Frankfurter lag der Affenstein damals weit draußen im Feld vor der Stadt. Auf einem alten Plan der Stadt von 1552, dem Faber’schen Belagerungs-Plan, haben Landsknechte Ihr Lager am Affenstein errichtet.

 An der Eschersheimer Landstrasse wurde 1874 das Diakonissen-Haus gebaut. Ursprünglich war hier nur ein einzelnes Schwestern-Haus, heute ist es ein modernes, leistungsfähiges Krankenhaus.

Zehn Jahre zuvor - 1864 - war die Städtische Irrenanstalt "Anstalt für Irre und Epileptische" aus der Altstadt vor die Tore Frankfurts gezogen. Der Affenstein wurde berühmt durch die Frankfurter "Irren-Anstalt" und Ihren Direktor Heinrich Hoffmann, dem Erfinder des „Struwwelpeters“. Der Nervenarzt Heinrich Hoffmann war sehr fortschrittlich, er behandelte Geistes - Kranke als Kranke. Er sperrte sie nicht weg - in Innenhöfen konnten sich die Patienten frei bewegen. Vorher waren diese kranken Menschen als arbeitsscheu, vom Teufel besessen oder als kriminell angesehen worden. Auch Dr. Alzheimer hat hier seine ersten Beobachtungen gemacht. Nach seinen Forschungen wurde die „Alzheimer-Krankheit“ benannt - eine Geisteskrankheit, die das Gedächtnis zerstört und die erkrankten Menschen hilflos macht.

Der „Affensteiner Felsenkeller“ war  eine Gartenwirtschaft - die ersten Frankfurter Fußball-Spieler trafen sich nach Ihrem Spiel auf der "Hundswiese" (an der heutigen Miquel-Allee) dann  wurde das Ausflugs-Lokal wurde zum Bau der Hansa-Allee 1928 abgerissen.

Ebenso verlegte man - als die Holzhausen-Schule gebaut wurde - das „Irrenschloß“ dann nach Niederrad ins neue Universitäts- Krankenhaus. Gleich nebenan wurde 1928-1931 das „IG -Farben Verwaltungsgebäude“ gebaut, nach dem Krieg war dort die amerikanische Militär-Verwaltung. Da hieß das Gebäude „Abrams Building“, benannt nach dem General Creighton W. Abrams. Heute ist die Frankfurter Universität dort eingezogen und das Gebäude wird, nach ihrem Architekten Hans , „Poelzig Bau“ genannt.

In Frankfurt erinnert ein altes Sprichwort an den historischen Affenstein : „Du bringst mich noch uff de Affestaa“ oder  „Du bringst mich noch auf den Affenstein !“: sagte man, wenn man sich über jemand geärgert hat.... es bedeutet : Du machst mich noch verrückt ! (Gunther Haarstark   M.A. - Schüler an der Holzhausenschule 1965 - 1968   -   Frankfurt/Main,  Juni  2004).  

 

 

 

 

Goethe-Universität:

Im weiteren Verlauf der Straße kommt man an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Goethe-Universität vorbei, die im ehemaligen IG-Farben-Haus untergebracht sind. Während man in der Goethe-Universität noch diskutiert, ob der Prachtbau auf dem neuen Campus Westend wirklich auf Dauer den Namen IG-Farben-Haus tragen soll, stellt sich die Hochschule entschlossen der Historie des Gebäudes. Auf fünf Stockwerken des von Hans Poelzig entworfenen Baus ist eine Dauerausstellung über die Geschichte des Areals zu sehen: „Von der Grüneburg zum Campus Westend“. Zentraler Teil der Ausstellung ist die Verstrickung des IG Farben-Konzerns in die Verbrechen der Nationalsozialisten.

Selbstzufrieden teilt BASF-Direktor Otto Ambros am 12. April 1941 den Vorstandskollegen in der IG Farben-Zentrale in Frankfurt mit, wie segensreich sich unsere neue Freundschaft mit der SS auswirkt. Das kann man sagen. Seit Februar 1941 sind die ausgemergelten Insassen des KZ Auschwitz Tag für Tag daran, den Profit der IG Farben zu mehren. Unter dramatischen Umständen arbeiten die von Hunger, Krankheiten und grausamen Haftbedingungen gepeinigten Männer am Bau einer Buna-Fabrik.

In der Nähe des Konzentrationslagers will die IG Farben eine neue Produktionsstätte hochziehen und an der Stelle des Dorfes Monowitz plant der Konzern sogar sein eigenes Arbeitslager. Später - „nach dem Endsieg“ - will das Unternehmen hier Benzin und synthetisch Kautschuk produzieren und seine Monopolstellung in Osteuropa zementieren. Dafür schaffen sich die Häftlinge aus dem benachbarten Konzentrationslager buchstäblich zu Tode. In Zehn-Stunden-Schichten malochen die entkräfteten Lagerinsassen. Drei Reichsmark pro Tag und Arbeitskraft erhalten die neuen Freunde von der SS. Da stimmte eben die Chemie, wie Uni- Vizepräsidentin Brita Rang sarkastisch anmerkte. 25.000 Häftlinge sterben auf der Baustelle oder werden als arbeitsunfähig ausgemustert und ermordet.

Unter der Überschrift „IG Auschwitz“ zeigt eine große Bildtafel den entlarvenden Brief von Ambros, flankiert von der deutschen und englischen Beschreibung der Umstande des Baus dieser Fabrik. Wenige Meter weiter ist auf demselben Gang ausführlich zu lesen, wie die zu den IG Farben gehörenden Behringwerke in Marburg für ihre Fleckfieber-Forschung rund tausend Häftlinge aus dem KZ Buchenwald mißbrauchten, ihnen infiziertes Blut injizierten, um Reaktionen und Präparate zu testen.

Die Verstrickung des Chemiekonzerns in die Nazi-Verbrechen, das Zusammenwirken der Profiteure mit den Mördern ist das zentrale Kapitel der Ausstellung. Diese Text- und Bildtafeln finden sich im ersten Stock, links und rechts des monumentalen Aufgangs und stellen das Herzstück der Schau dar.

Wer sich die Geschichte des Areals vom Anfang der Grüneburg über die Fusion der IG Farben bis zum Hauptquartier der US-Army und dem Happy End mit dem Einzug der Uni auf einem der schönsten Hochschulgelände der Republik zu Gemüte führen will, muß allerdings mit dem Paternoster in den fünften Stock fahren. Dort beginnt und endet die Schau, die dem ausdauernden Besucher ebenso etwas bietet wie flüchtigen Uni-Passanten oder strebsamen Seminaristen, die sich in eine der Episoden vertiefen wollen.

So beginnt die Ausstellung im Seminar für Griechische und Römische Geschichte im fünften Stock des 250 Meter langen, geschwungenen Gebäudes. Hier hängt Delkeskamps berühmter Plan von den Wiesen, Ackern und Obstgärten vor den Toren der Stadt - mit der Grüneburg der Rothschilds und dem „Irrenschloß“ des innovativen Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann. Hier hatte die Familie Goethe zeitweise ihre Obstgärten, der Juwelier Matthias Riese ließ sieben Kühe weiden und später warf der aufstrebende Chemiekonzern IG Farben seinen begehrlichen Blick auf diese Fläche vor den Toren der Stadt.

Gerade aus sechs namhaften Chemieunternehmen fusioniert, suchte der Vorstand eine repräsentative Bleibe, wo künftig der „Rat der Götter“ tagen konnte. So nannte man auf den Fluren ehrfürchtig die hohen Herren im Vorstand des Unternehmens. Schnell, schnell sollte alles gehen.

Deshalb nahm der Vorstand davon Abstand, in der Gutleutstraße, wie ursprünglich geplant, ein Hochhaus empor zu ziehen. Das Unternehmen fürchtete den Widerstand der Nachbarn und sich daraus ergebende Verzögerungen. So entschied man nach einem Wettbewerb zügig für einen Entwurf des Architekten, Malers und Bühnenbildners Hans Poelzig. Die Ausstellung zeigt auch die vielfältigen Talente dieses expressionistischen Künstlers, der unter anderem die Ausstattung für den Film „Der Golem“ entworfen hatte.

Und auch die IG Farben zeigten sich unmittelbar nach ihrer Fusion in einem anderen Licht als in der späteren Nazizeit. Damals, 1927, war aus sechs Chemieunternehmen ein schlagkräftiger Konzern entstanden. Für die 2000 Angestellten in der modernen Verwaltungszentrale bauten die Konzernlenker einen eigenen Stadtteil mit Wohnvierteln längs der Miquel- und der Hansaallee. Auch der BASF-Direktor Ambros begegnet uns in der Ausstellung wieder. Als einer der Angeklagten im Nürnberger Prozeß, das Paßbild eines Verbrechers, der sich ein Namensschild vor die Brust hält.

 

Es ist ein Gebäude der Superlative mit höchst wechselvoller Geschichte: Das Frankfurter IG-Farben-Haus, das heute 75 Jahre alt wird, wurde 1930 als hochmoderne Zentrale für eine der damals größten Firmen der Welt gebaut. Wenige Jahre später kooperierte der Chemiekonzern eng mit den Nazis. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten die Amerikaner den Bau zu ihrem Hauptquartier. Diese schlossen nach mehreren linksterroristischen Anschlägen in den 70er Jahren das Gebäude fürs Publikum. 2001 zog nach dem Abzug des US-Militärs die Goethe-Universität ein.

Baumeister des mit ockergelbem Travertin-Stein verkleideten Stahlskelett-Gebäudes, das im früheren Park der Bankiers-Familie Rothschild errichtet wurde, war Hans Poelzig. Nach dem Berliner Architekten (1869 bis 1936), der als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit” bei den Nazis mißliebig wurde, wird das IG-Farben-Haus auch Poelzig-Bau genannt. Denn das im Hauptteil leicht geschwungene Gebäude hat Maßstäbe in der Architektur gesetzt: Trotz seiner Größe besticht es mit schlichter Eleganz. Poelzig sollte für die IG Farben (Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG), zu der sich damals die sechs großen Chemiefirmen Deutschlands zusammengeschlossen hatten, ein „eisernes und steinernes Sinnbild deutscher kaufmännischer und wissenschaftlicher Arbeitskraft” bauen. Dafür hat er auf einer Länge von 255 Metern einen Bau mit sechs Flügeln errichtet, die die Gründungsfirmen der IG-arben symbolisieren. Mit 36 Metern Höhe hat der großzügige Bau sieben Stockwerke mit 2000 Fenstern und 2,5 Kilometer langen Korridoren. Mit sechs Personen- und acht Umlaufaufzügen galt das Haus, das für 1600 Mitarbeiter geplant war, als das modernste Bürogebäude Europas.

Nach der Machtergreifung der Nazis hielt sich die IG-Farben anfangs noch mit Rücksicht auf zahlreiche jüdische Vorstandsmitglieder zurück. Doch nach der „innerbetrieblichen Arisierung” wurde die IG Farben zu einem der wichtigsten Rüstungskonzerne, der an der Ausbeutung und Ermordung tausender Zwangsarbeiter beteiligt war. Die IG-Farben Tochter Degesch entwickelte das Giftgas Zyklon B, das für den industriellen Massenmord an den europäischen Juden in den Vernichtungslagern benutzt wurde.

Die schweren Luftangriffe der Alliierten auf Frankfurt überstand das Gebäude 1943/44 fast unversehrt. Als die Amerikaner im März 1945 Frankfurt besetzten. übernahmen sie sofort das Gelände. Der Oberkommandierende der US-Streitkräfte und spätere US-Präsident, Dwight D. Eisenhower, richtete sein Dienstzimmer im ersten Stock des IG-Farben-Hauses ein. Hier gründete er mit der „Proklamation Nr. 2“die Länder Bayern, Württemberg-Baden und Groß-Hessen. Hier erhielt auch der Parlamentarische Rat den Auftrag, das deutsche Grundgesetz zu erarbeiten.

 

 

 

50 Jahre lang residierte das amerikanische Militär im „Farben-Building”. Im Zuge der Reorganisation ihrer Truppen nach der deutschen Wiedervereinigung übergaben sie 1995 das Gebäude an die Bundesrepublik, die es für 148 Millionen Mark (rund 75 Millionen Euro) an das Land Hessen verkaufte. Nach einer Grund- Sanierung des Gebäudes zog die Goethe-Universität 2001 mit ihren ersten Instituten ein.

Bis heute wird darüber diskutiert, ob das Gebäude nun IG-Farben-Haus oder Poelzig Bau genannt werden sollte. Die ,.IG-Farbenfraktion" führt ins Feld, dass mit der Erinnerung an den Bauherrn auch die nationalsozialistische Vergangenheit des Gebäudes deutlich gemacht wird. Immer wieder taucht auch das Gerücht auf, daß die Amerikaner das Bauwerk im Zweiter Weltkrieg bewusst nicht bombardierten um später dort ihr Hauptquartier zu er richten. Es gibt jedoch keine Hinweise da für, dass dies der historischen Wahrheit entspricht.

Bis 2015 sollen auf dem Park-Gelände mit einigen Neubauten ein großer Campus für die gesamte Goethe-Uni entstehen. Damit schließt sich der Kreis: Denn die Familie von Frankfurts bekanntestem Sohn, nach dem die Hochschule benannt wurde, besaß im 18. Jahrhundert dort ein Gärtchen.

 

Als im Jahre 2008 an die Universität eine Bibliothek angebaut werden sollte, stieß man auf den Rest eines mittelalterlichen Turms, der wahrscheinlich als Kühlkeller genutzt wurde und deshalb mit einem Hügel Erde umgeben war. Hier war ja einmal die psychiatrische Anstalt des Doktor Hoffmann („Struwwelpeter“), an der auch Alzheimer wirkte. Diese Anstalt nutzte den alten Turm als Kühlkeller. Bei dem Turm handelt es sich um den „Affenstein“, eine Warte in dem äußeren Befestigungsring von Frankfurt, der die Lücke zwischen Friedberger Warte und Bockenheimer Warte schließt.

 

Der Grüneburgweg stößt auf den Palmengarten, in dem man noch eine alte „Ruhbank“ finden kann, also einen historischen Rastplatz für alle die, die einst schwere Lasten zu tragen hatten: Marktfrauen, Wäscheträgerinnen, Weinbergsarbeiter. Nach rechts geht es geht es in die Siesmayer Straße und zum Botanischen Institut mit dem Botanischen Garten.

 

Im Palmengarten gibt es tatsächlich noch vier alte Grenzsteine - allerdings liegt nur einer „in situ“ (an der ursprünglichen Stelle) - bei einem ist die Seite HH (Hessen-Hanau) und F (Frankfurt) verdreht worden, so daß der Palmengarten nun auf Bockenheimer Gebiet stehen würde!

 

Man kommt in die elegante Frauenlobstraße. Links zweigt die Straße „Am Leonhardsbrunnen“ ab, die an den Brunnen erinnert, der an der Frankfurter Landwehr für die Äcker an der Leonhardskirche sprudelte und heute den Weiher im Palmengarten speist. Nach rechts geht noch der „Diebsgrundweg“ ab, der auf den „tiefen Grund“ hinweist, durch den die Straße von Höchst über den Bertramshof zur Berger Warte und auf die Hohe Straße führte.

Vom Diebsgrundweg könnte man schon weiter nach Norden fahren. Man biegt aber vor der Autobahn rechts ab und dann wieder nach links (nicht geradeaus und nach rechts) auf die Brücke über den südlichen Arm der Miquelallee und in den Grüneburgpark.

 

Westend-Campus: Spekulation um den Affenstein (von Claudia Michels)

Wie befreit steht er plötzlich da. Ein runder, trutziger Turm, den Fuß noch in dem Erdloch, aus dem man ihn säuberlich herausgeschält hat. Um ihn herum türmen sich Erdhaufen, Steinhügel, Asphaltplacken, Sandberge; daneben liegt eine Wüste aus weißen Porzellanscherben. Als hätte der Turm, der in einem völlig zugewachsenen Hügel verborgen war, all das bei seinem Erscheinen zur Seite gesprengt.

 

Dieser Fund nahe der Hansaallee, wo der Westend-Campus, die neue Universität, gebaut wird, ist für Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel eine Sensation. Die Archäologin hat den Trutzigen, dem sie bei der Routine-Grabung zur Vorbereitung der Neubauten auf die Spur kam, als den Affenstein identifiziert: einen mittelalterlichen Wehrturm des 13./14. Jahrhunderts, einen Teil der Frankfurter Landwehr, 6,50 Meter hoch.

Man befindet sich dort hinter dem IG-Farben-Gebäude, westlich der Eschersheimer Landstraße, auf der Gemarkung des Affensteiner Felds. Mindestens seit 100 Jahren, berichtet Hampel, hätten Frankfurter Stadthistoriker die Frage nicht klären können, worauf der Name eigentlich zurückgeht.

Im Schutzgürtel, den die existierenden oder bekannten Wehrtürme Galluswarte, Bockenheimer Warte, Friedberger Warte, Bornheimer Warte und Rieder Warte (im Riederhof) weit vor der Stadt markierten, klaffte für sie eine Lücke. Denn "auch die Eschersheimer Landstraße brauchte Schutz" im Mittelalter, etwa gegen die Taunusritter.

Betrachte man die Topographie, so sei die Lage des zum Vorschein gekommenen Gemäuers „perfekt als Wartstation gewählt“, hat Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel in ihr Gutachten geschrieben. Denn für sie ist eindeutig: „Es handelt sich um ein hochrangiges Kulturdenkmal, das erhalten werden muss.“

Damit gehe sie konform mit dem Landesdenkmalamt für Denkmalpflege und dem Denkmalbeirat. Das Verfahren, den Bruchstein-Turm als Kulturdenkmal zu schützen, ist eingeleitet. Die Expertin glaubt, die Universität habe „eine Landmarke“ gewonnen. Das dort geplante Gebäude lasse sich ohne weiteres umplanen: „Ich dachte, dass die sich freuen.“

Doch die Universitäts-Archäologen haben Zweifel an der Bedeutung des „turmähnlichen Befunds“, wie sie in einem Gutachten für die Uni-Bauabteilung schreiben. Das Bauwerk, auf das sich „in den uns zugänglichen älteren Karten „kein Hinweis finde, liege doch „in erheblicher Entfernung von der Landwehr“. Auch sei „die Ansprache des (Grund-)Mauerwerks als mittelalterlich“ nicht fundiert. Dass es sich gar „um den Affenstein selbst handelt“, sei „reine Spekulation“. Die Denkmalschützer indes handeln kraft Amtes: „Das Denkmal ist erhaltungspflichtig“, sagt Hampel - und „diese Erhaltungspflicht besteht für jedermann, auch für die Universität.“

 

Holzhausen Oede:

Von der Eckenheimer Landstraße geht nach links die Stalburgstraße ab. Sie erinnert an die „Stalburger Oede“ oder Odenburg, dessen Hautgebäude von einem Wassergraben umgeben war. Nördlich des Eschenheimer Turms verläuft der Oederweg. Er erinnert an den Holzhäuser Hof, einen mit massiven Steinbauten ausgestatteten und von Äckern und Wiesen reichlich umgebenen Komplex. Diesen besaß das Geschlecht von d er Oede, das 1480 aber ausst6arb.. Das Gut gelangte an das Adelsgeschlecht von Holzhausen. Bei der Belagerung von Frankfurt im Jahre  1552 wurde der Hof in Brand gesteckt, doch Achilles von Holzhausen baute ihn 1571 wieder auf und versah ihn mit seinem Wappen und einer Inschrift über die Geschichte des Hofes. In den Jahren 1635/36 wurden schwere Verwüstungen auf dem Hof angerichtet..

Stalburger Oede:

 

Niedenau:

Zwischen dem Bockenheimer Tor und dem kleinen Kettenhof befand sich im 15. Jahrhundert auf einer Wiese ein befestigter Bau, der als „das Haus zu Niedenau im Galgenfelde“, aber auch als „Eidenau“ bezeichnet wurde. Er war mit einem Wassergraben umgeben, 1147 wurde daneben ein Brunnen gebohrt.

 

Kettenhof:

Südlich der Bockenheimer Landstraße liegt der Kettenhofweg. Der Name kommt vom Geschlecht der Köthen, die schon 1393 hier ein „Kotenhus“ hatten. Der Hof war sehr geräumig und umfaßte neben mehreren Gebäuden auch Scheunen und Stallungen. Hinter dem Hof befand sich ein breiter Wassergraben, in dessen  Mitte sich der „steinerne Stock“ befand, das alte Gebäude, das mit Schießlöchern versehen war und mit dem Hof durch eine steinernen Brücke mit mehreren Bögen verbunden war.

 

Grüneburgpark

Im heutigen Grüneburgpark stand die Grüneburg. Über die Geschichte des Hofes gibt es nur wenige Nachrichten. Er muß aber wohl vom Bethmannshof unterschieden werden. Die Baumwiesen am Ginnheimer Weg wurden 1795 von Peter Bethmann-Metzler angekauft und zum Park der Grüneburg gezogen. Goethes Großvater hatte sie im Jahre 1714 erworben. Als Goethe 1797 mehrere Wochen in Frankfurt weilte, stattete er seinen Freunden auf der Grüneburg einen Besuch ab. Im Park ist auch der letzte Wohnsitz Friedrich Stoltzes, des Frankfurter Lokaldichters.

Bethmannshof: Im 14. Jahrhundert stand beim „Bockenheimer Holz“ ein Hof, der 1344 Conrad von Glauburg gehörte. Später besaß den von einem Wassergraben umgebenen Hof Jacob Gerthner, der ihn 1377 an Johann von Glauburg verkaufte. Von 1370 bis 1427 ließ Frankfurt die Landwehr errichten, die aus zwei breiten tiefen Gräben und einem Erdwall dazwischen bestand. Dennoch wurde 1433 der Schöffe Glauburg von umherziehenden Soldaten abgefangen und Lösegeld erpreßt. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war der Hof im Besitz der Frau von Bethmann-Metzler.

Schon Goethe berichtet 1797 dem Herzog von Weimar vom Besitz „Zur grünen Burg“ der Familie Bethmann-Metzler. Er liegt auf einer sanften Anhöhe, von der aus man die Stadt Frankfurt und nach hinten den Niddagrund bis an die Berge übersehen kann. Nachdem die Grüneburg 1837 an die Rothschilds übergegangen war, begann die eigentliche Gestaltung des riesigen Geländes. Der heutige Park umfaßt etwa 30 Hektar und wurde 180/93 von Vater und Sohn Siesmayer gestaltet. Die Gebäude im Park wurden in Zweiten Weltkrieg zerstört, doch der Baumbestand blieb weitgehend erhalten.

Am östlichen Rand des Parks steht das 1964 hierher verpflanzte klassizistische oktogonale Gartenhaus, das ursprünglich  1820 durch Friedrich Rumpf am Schönhof in Bockenheim erbaut worden war. Etwas weiter nördlich steht die griechisch-orthodoxe Kirche und noch etwas weiter nördlich - schon an der Miquelallee - die altkatholische und die anglikanische Kirche. Zwischen diesen steht der zinnenbekrönte Rapunzelturm, der als Wasser- und Aussichtsturm am oberen Rand des Parks erbaut wurde.

 

Der Koreanische  Garten im Grüneburgpark wird jetzt endlich eröffnet. Nach Angaben von Klaus Klemp vom Amt für Wissenschaft und Kunst werden Arbeiter in den kommenden Tagen den Zaun rund um das Gelände entfernen, der Besuchern den Zutritt zu der Grünanlage augenblicklich noch versperrt.

Weil an einigen Stellen des rund 5000 Quadratmeter großen Areals noch nachgebessert werden musste, hatte die Bauaufsicht das Gelände nicht vorher freigegeben. „Damit beispielsweise niemand über Brüstungen stürzt, mussten die Höhen angepasst werden”, weiß Klemp. Die Kosten für diese zusätzlichen Arbeiten trägt seinen Angaben zu Folge Südkorea.

Offiziell war der Garten zwar schon Mitte Dezember 2005 eröffnet worden, doch erst im kommenden Monat wird er mit einem Fest nun der Öffentlichkeit übergeben. Und dazu wird es am Sonntag, 21. Mai 2006, ein Veranstaltungsprogramm geben. Nach Angaben von Klemp wird zurzeit noch am Programm gefeilt. Dieses sieht von 11 bis 17 Uhr mehrere Lesungen südkoreanischer Autoren sowie Live-Musik vor. Eventuell gibt es an diesem Tag auch Führungen.

Mitte Dezember vergangenen Jahres war der Koreanische Garten durch eine Schenkungsurkunde der Republik Südkorea in den Besitz der Stadt Frankfurt übergegangen. Südkorea war Ende Oktober 2005 Gastland der Buchmesse und hat deshalb für rund eine Million Euro den für das Land typischen Garten mit Pavillons und Teichen in der dem Projekt gearbeitet. Es soll dazu Verlängerung der August-Siebert -Straße beitragen. 20 koreanische Landschaftsgärtner haben an dem Projekt gearbeitet.

 

St. Nikolauskirche: An Alter und an Bekanntheit steht die Kirche des Heiligen Nikolaus der Frankfurter russisch-orthodoxen Kirchengemeinde den Kapellen im Kurpark von Bad Homburg, auf dem Neroberg in Wiesbaden und in Darmstadt gewiß um einiges nach. Dennoch ist die weiße Kirche am Rande des verkehrsreichen Kreisels am Industriehof mit ihrem offenen Glockenturm und dem Zwiebelturm, auf dem ein goldenes Kreuz leuchtet, ein ganz besonderes Bauwerk, ein kostbares Gotteshaus, eine Heimat für alle die, die nach den Weltkriegen und in den sechziger Jahren die Sowjetunion verließen.

Im Jahre 1945 hatten sich russische Flüchtlinge, entlassene Kriegsgefangene und ehemalige „Ostarbeiter“ in der Ruine der Ostlandschule versammelt und die erste orthodoxe Gemeinde Frankfurts gegründet. Die Gottesdienste fanden anfangs in Bad Homburg statt. Seit 1950 traf man sich zum Gottesdienst in einer von einem nordhessischen Flüchtlingslager hierher transportierten Holzkirche, die zu Ehren der Auferstehung Christi in der Häberlinstraße in Eschersheim auf einem von der Emmausgemeinde zur Verfügung gestellten Gelände errichtet wurde. Im folgenden Jahr wurde Erzpriester Leonid Graf Ignatiew das geistliche Oberhaupt, 1974 sein Sohn Dimitri sein Nachfolger. Die Liturgie des Gottesdienstes, der im Stehen stattfindet und zwischen zwei und drei Stunden dauert, wird in Kirchenslawisch zelebriert, einmal im Monat auf Deutsch. Die Gemeinde in Frankfurt gehört zur Diözese Berlin und Deutschland als Teil der russisch-orthodoxen Kirche im Exil, deren Oberhaupt in New York residiert. Rund 400 Mitglieder zählt heute die russischorthodoxe Gemeinde.

Nach knapp zweijähriger Bauzeit konnte Ostern 1967 die Kirche des Heiligen Nikolaus in Hausen geweiht werden. Durch großen Einsatz der Gemeinde, durch viele Freunde der Kirche, durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt, die evangelische und katholische Kirche war ihr Bau zustande gekommen. Das Gotteshaus hatte der Frankfurter Architekt W. Drevermann im altrussischen Stil nach dem Vorbild von Pskow aus dem 15. Jahrhundert entworfen. Nach orthodoxer Tradition ist der Altarraum durch eine lkonostase abgeschlossen, deren „Königspforte“ nur der Priester öffnen und durchschreiten darf. In zwölfjähriger Arbeit malte der in Frankfurt lebende lkonenmaler Adam Russek den Innenraum der Kirche mit traditionellen christlichen Motiven im strengen Stil der Schule von Nowgorod aus.

 

Am Nordende des Grüneburgparks überquert man die Autobahn (Miquelallee) und kommt in den Miquelpark, der sich vor dem 210 Meter langen Gebäude der Bundesbank hinzieht. Am Ende des Parks steht man schon  am Fuß des 333 Meter hohen Fernmeldeturms „Europaturm“. Vom Turm fährt man wieder halb rechts und dann noch einmal ganz rechts (geradeaus ist der „Diebsgrundweg“) zu einem Weg, der an der Autobahn entlang führt. Über die Ginnheimer Landstraße fährt man nach Norden und biegt hinter dem Friedhof links ab in die Wilhelm-Epstein-Straße. Man kreuzt die S-Bahn und kommt nach rechts über die Straße „Am Ginnheimer Wäldchen“ in den Volkspark Niddatal, das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau. Aber erst kann man nochj einen Abstecher machen nach Alt-Ginnheim. Dazu fährt man nach rechts in die Woogstraße

 

Ginnheim:

Ginnheim wurde bereits 772 urkundlich erwähnt. Im Jahre 1478 kaufte es Hanau vom Kloster Seligenstadt. Im Jahre 1910 wurde Ginnheim nach Frankfurt eingemeindet. Die Bethlehem-Kirche wurde 1699-1670 erbaut.

 

Volkspark Niddatal

An der Bahn entlang, vorbei an Sportanlagen, Kleingärten, schmalen Grünstreifen, unter der Autobahn durch - von Bockenheim aus erschließt sich der Reiz des Volksparks Niddatal zunächst nur schwer. Wer zu früh die Lust verliert, wird ihn womöglich nie mehr entdecken. Nur wer weiterläuft, immer weiter Richtung Norden oder Westen, wird irgendwann aus einem Wäldchen treten und vor Staunen innehalten. Vorausgesetzt, daß gerade Sommer ist. Denn nur im Sommer ist dieser Park wirklich reizend. Zugereiste, die hier zum ersten Mal im Winter Erholung und Auslauf suchen, schrecken zuweilen zurück vor der spröden Leere des Winterparks. Wenn Sommer ist und das Gras hüfthoch steht, wenn sich der Blick öffnet Richtung Altkönig und Feldberg - dann kommt der Städter ins Träumen und denkt sich aufs Land; als sei der Park kein Stadtpark, sondern irgendeine Wiese ganz in der Nähe von da, wo Heidi herkommt. Daß hier noch vor zwölf Jahren die umstrittene Bundesgartenschau das einstige Ackerland in ein gigantisches Blumenbeet mit Rasen verwandelt hat, ist heute nur noch an den so genannten Bastionen zu erkennen, über die sich der Neu-Frankfurter wundert - in die Landschaft gestreute Säulen, Pavillons, gepflasterte Flächen mit Mäuerchen. Sie galten als Kennpunkte der Bundesgartenschau 1989. Im Osten sind sie aus Sandstein, im Westen aus Granit.

Beim Spaziergang durch die mit 400 Linden bestückte Allee nahe der U-Bahn-Station Niddapark sieht man zahlreiche malträtierte Stämme: Da schlagen Leute mit irgendwas gegen die Bäume. In die Wunden dringen Schädlinge ein, und dann geht der Baum kaputt. Solche Bäume sind auf Dauer nicht zu halten.

Vogelexperte Ingolf Grabow vom Naturschutzbund (NaBu) sieht den Menschen im Vordergrund. Und für den sei auf dem Gelände der in den 80er Jahren heftig kritisierten und umkämpften Bundesgartenschau ein wunderbarer Freizeitpark entstanden. Die Frankfurter sind eingeladen, sich an Äpfeln, Kirschen, Birnen und Pflaumen zu bedienen, die auf den Streuobstwiesen im Park wachsen. Ein Park, in dem der Mensch vor allem darf. Er darf Brombeeren pflücken. Er darf Nüsse sammeln. Er darf sogar hie und da einen Trampelpfad in die Wiesen hineinlaufen, die ein Landwirt aus Niedererlenbach bis zu viermal im Jahr mäht. Das ist doch ganz in Ordnung so, sagt Grabow: Man will doch nicht immer nur auf den Wegen laufen.

Nervös würde er nur, wenn zu viele Hunde im von ihm und den Kollegen vom Naturschutzbund gepflegten Nachtigallenwäldchen« am Niddaufer herumstöbern und die im niedrigen Gebüsch brütenden Vögel stören würden. Eine aus trockenen Zweigen aufgeschichtete so genannte Benjeshecke verhindert das inzwischen aber weitgehend, so daß Grabow auch hier zufrieden lächelt.

Der in den vergangenen zwölf Jahren entstandene Park ist die Frucht natürlicher Sukzession: Außer den Wegeverbindungen, die von der Bundesgartenschau übrig blieben, haben die Gartenplaner nicht eingegriffen. Der künstlich angelegte Bach im ehemaligen Wooggraben mußte allerdings verschwinden: Von ihm kündet in besonders feuchten Wochen nur noch das ein oder andere von Weiden malerisch umstandene Wasserloch. Es wuchsen Wäldchen, in denen umgefallene Bäume auch mal liegen bleiben dürfen, um Vögeln und Käfern wertvollen Lebensraum zu bieten. Holunder, Hagebutte, Wildrose und Haselnuß schossen hoch - ein kostenloses Angebot an die Bürger.

Er kommt ins Schwärmen, wenn er die Vorzüge des Volksparks beschreibt: „die malerisch abschweifenden Wege, die romantischen Nischen und dann wieder die weiten Flächen, die den Blick in die Ferne zulassen“. Ein wichtiger Kaltluftspender für die im Sommer brütende Stadt sei der Park sowieso. Nur die im Überfluß wachsenden Brombeeren sind ein Problem. So sieht es jedenfalls der für die Pflege des Parks zuständige Holger Alt. Denn wo die Gärtner vom Grünflächenamt nicht aufpassen, wuchert das dornige Gestrüpp in Windeseile riesige Flächen zu.

Sobald die Brutzeit vorbei ist, wird sie deshalb zurückgeschnitten, damit die Wege noch begangen werden können und die Wiesen Wiesen bleiben: „Glatthaferrasen“, heißt diese Wiesenart offiziell.

Nur so hat auch der auf der Hausener Seite von der Buga übrig gebliebene Wildstaudengarten eine Chance: Hier gedeiht der gelblich blühende Frauenmantel, daran zu erkennen, daß Wasser und Tau anmutig von seinen Blättern perlt. Hier blüht knallgelber Goldfelberich, lila Natternkopf, pinkfarbener Blutweiderich, mal pink, mal lila blühender Storchschnabel, Kuckuckslichtnelke, Schachtelhalm, Königskerze, Kronwicke, Habichtskraut, Nachtkerze und Wolfsmilch.

Zurück im Ginnheimer Wäldchen machen die Experten auf die wunderschönen, 100 Jahre alten Kopfweiden aufmerksam, auf prächtige Hainbuchen und Eichen und führen schließlich zu der imposanten ausgehöhlten Weide am südlichen Waldsaum, nahe des Wooggrabens, aus der in Schulterhöhe kräftig grüne Äste ragen. Ein Kuriosum zum Schluß der gut zwei Stunden währenden Runde durch den Park: Auf einem ehemaligen Busparkplatz am nordöstlichen Rand des Niddaparks, ist eine so genannte Magerfläche entstanden, weil nach der Buga hier nicht mehr genug Erde aufgebracht wurde. Die Fläche wird der natürlichen Sukzession überlassen - hier wächst, was eben wächst: Fingerkraut, Goldfelberich, Kreuzkraut, Wildrosen, Liguster und zahlreiche Gräser. Derzeit bestimmt die hellgelbe Blüte der Nachtkerze das Bild, das der Spaziergänger im Geiste mitträgt, wenn er sich anschließend zum Ebbelwei in den nahe gelegenen Gartenlokalen niederläßt.

 

Den Volkspark Niddatal kann man auf verschiedenen Wegen durchqueren. Man kann ihn nach Nordwest verlassen und ab der Praunheimer Brücke die Nidda abwärts fahren. Man kann ich aber auch in Richtung Südwesten verlassen an der Unterquerung der Autobahn durch die Praunheimer Landstraße. Von dort führt ein schmaler Pfad (nördlich) an der Autobahn entlang zur Nidda.

Zwischen Praunheim und Hausen wurde die Nidda 1926 begradigt. Die nordwestlichen Vororte wurden 1910 eingemeindet. Hat man die Autobahn unterquert, so schieben sich links die Häuser von Alt-Hausen bis an den Fluß heran. Auch das Freibad Hausen liegt auf dieser Seite.

Südlich des Freibades liegt die russisch-orthodoxe St. Nikolauskirche.

 

Hier ist man schon an der Ludwig-Landmann-Straße, von der aus man das Brentanobad umrundet, das schönste Freibad Frankfurts. Man kann aber auch schon vor der Ludwig-Landmann-Straße die Nidda überqueren und dann wieder über die Flußgasse in den Park kommen.

 

Rödelheim

Schon die Römer hatten hier eine Niederlassung. Die Gründung des Ortes wird Radilo zugeschrieben. Frank von Cronberg erbaute eine Burg, die schon 1276 von den Ganerben dem König Rudolf als Reichsburg übergeben wurde.. An der Burg hatte aber auch Frankfurt Besitz, so daß es oft zu Streitigkeiten gab, denen die Burg schließlich zum Opfer fiel.

Rödelheim war Sitz einer Zentmark des Niddagaues, die Gemeinde wurde von freien Einwohnern gebildet, deren Richter der Zentgraf war. In den Angelegenheiten des Gaues sprach der vom König ernannte Gaugraf Recht. Die Gerichtslinde stand an der Ostseite des alten Schlosses, das im heutigen Solmspark stand.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stand auf dem Friedhof die Lucaskirche auf den Grundmauern einer früheren Kapelle. Vor dem Rödelheimer Schloß  wurde 1356 eine neue Kapelle zu Ehren des Hl. Cyriacus gebaut, der wahrscheinlich der Reichsburg als Schloßkapelle diente. Sie wurde Pfarrkirche, nachdem nach dem Tode Franks von Cronberg durch Heirat und Erbschaft der Ort an Cuno von Solms gefallen war.

In dieser evangelischen Kirche liegt vor dem Altar der kunstvoll in Bronze gegossene Grabstein der Katharina von Ysenburg, die Frau Franks des Alten von Cronberg.

Das erste Adelsgeschlecht in Rödelheim waren die Keppler. Aber 1305 verlieh Kaiser Albrecht das Lehen an Ulrich von Hanau. Im Jahre 1344 öffnete Gerlach von Rödelheim dem Erzbischof von Mainz seinen Teil der Burg, 1389 Wilhelm von Rödelheim seinen Teil der Stadt Frankfurt. Im Jahre 1391 kündigte Graf Otto zu Solms der Stadt Frankfurt den Krieg an, das in der Schlacht zu Kronberg unterlag. Doch 1404 öffnete Edelknecht Marquard von Rödelheim den halben Teil seines Anteils für Frankfurt. Im Jahre 1441 wurde der Rat zu Frankfurt Ganerbe des Schlosses und fertigte darüber den „Rödelheimer Burgfrieden“ aus.

Aber 1442 wurde Frank von Cronberg vom Kaiser mit der Burg als Reichslehen beliehen. Ritter Frank baute aber 1446 ein neues Schloß unter Verwendung der Steine der alten Burg, sehr zum Ärger der Mitbesitzer. Frank von Cronberg und seie Frau Catharina von Ysenburg verkauften schließlich ein Zehntel der neuen Burg an Frankfurt.

Im Dezember 1569 kam ein Vertrag zustande, durch den die Stadt alle ihre Rechte an Schloß, Gericht und Dorf Rödelheim an die Grafen von Solms abtrat. Im Jahre 1632 wurden Drei Linien gebildet: Solms-Rödelheim ging nach Assenheim, die Rödelheimer Linie nannte sich fortan Grafen von Rödelheim. Im Jahre 1806 kam Rödelheim an das Großherzogtum Hessen, 1866 wurde es Preußen einverleibt und 1909 wurde es nach Frankfurt eingemeindet.

 

Rödelheim war einst ein idyllisches Dorf, in das die Frankfurter an schönen Tagen pilgerten, um der Landluft näher zu sein, wo sie sogar während des Sommers wohnten und sich Landhäuser mieteten oder erbauten. Sie fühlten sich angezogen von der anmutigen Lage. Sie schätzen die guten Mahlzeiten in den Gasthöfen, die Nidda, die Taunushöhen im Hintergrund, die Geselligkeit der Einwohner.

 

Das Wöhlerhaus (Assenheimer Straße 15) wurde. um 1700 als barockes Fachwerkhaus mit massivem Erdgeschoss erbaut, seit 2006 erfolgt  die Sanierung durch das Wohnprojekt Assenland.

In diesem anmutig gelegenen Ort erwarb 1808 Georg Brentano (1775-1851), ein Bruder von Clemens und Bettine Brentano, das Landhaus nebst Garten. Es gehörte dem anfangs erfolgreichen preußischen Hofrat und Tuchhändler Friedrich Wilhelm Basse, der 1770 hier einen Privatgarten im Dorf Rödelheim anlegen ließ. Er ist aber dann nach einem Mißerfolg seines Geschäfts nach Amerika ausgewandert.

Georg Brentano erweiterte den Park durch ein jenseits des Mühlgrabens gelegenes, reizvoll von den Windungen der Nidda umflossenes Wiesengelände auf rund 13 Hektar. Innerhalb von 40 Jahren kaufte er nach und nach mehr als 100 Äcker und Wiesen an. Brentano wollte sein „Gartenreich“ formen. Es ähnelte den englischen Parkanlagen, die vom Geiste der Romantik durchweht und fast regellos waren: Gartengebäude befanden sich über das gesamte Gelände verstreut als Ruinen, gotische Häuser oder als karge Einsiedeleien aufgemacht - für romantische Schwärmer eine Oase.

Im Jahre 1808 erwarb Brentano das Basse’sche Haus - in dem einige Zimmer wie zu Goethes Zeiten eingerichtet waren. Haus und Garten sahen viele Gäste: Gesandte, Gelehrte, Künstler und Literaten. Bei der Neu-Gestaltung des Hauses soll Goethe beteiligt gewesen sein, als er 1792 in Frankfurt weilte. Am 15. März 1808 schrieb nämlich Bettine Brentano an Goethe: „Du mußt es kennen, da Du selbst den Plan dazu gemacht und mit Basse, der jetzt in Amerika wohnt, den Bau besorgtest!“ Auch Goethe war dort 1814 zu Gast, als er im Rhein-Main-Gebiet weilte.

 

 

 

Der Maler Ludwig Emil Grimm beschrieb liebevoll das Landgut, und im Park gestand Marianne von Willemer Hermann Grimm, daß sie einige Gedichte des west-östlichen Divan verfaßt habe. Das große Haus im Empirestil, umgeben von Laubengängen, Gartenhäusern Bad- und Gästehäusern wurde zum Mittelpunkt romantischer Geselligkeit. Das Haus wurde nach seinem Neubau 1897 im Zweiten Weltkrieg zerstört und später abgerissen.

Wie Gerbermühle und Willemerhäuschen im Süden gehört auch der Goethetempel im Bretanopark in Rödelheim zu den verborgenen Frankfurter Goethestätten. Goethe war vermutlich auch am Entwurf des mit dorischen Säulen geschmückten so genannten Goethetempels beteiligt. Das fälschlicherweise als Goethetempel bezeichnete Badehaus, das 1999 saniert wurde, diente Hofrat Basse als Voliere und wurde von Georg Brentano in ein luxuriöses Bad umgewandelt.

Ab und an wohnte Brentano im Petrihäuschen am jenseitigen Nidda-Ufer, oberhalb des Wehres.

Das klassizistische Häuschen sieht aus wie ein Ferienhaus und ist mustergültig wieder hergerichtet worden (liegt allerdings heute auf dem Gelände des Städtischen Betriebshofs). Das Petrihaus wurde 1820 zum klassizistischen Schweizerhaus umgebaut. Das ursprünglich von Georg Brentano als persönliches Refugium genutzte Haus – er machte es sich dort heimelig mit einer Bibliothek und einem Salon - beherbergt nach seiner Sanierung im Jahr 2003 im ersten Stock das Brentanomuseum.

Neben dem Haus steht ein Ginkgo biloba, ein mehr als 200 Jahre alter Exot aus China. Der hohe, noch leicht sommergrüne Baum trägt langstielige, breit- keilförmige Blüten. Goethe bewog der seltene Baum, seine Verse im „West-Östlichen Diwan“ zu schmieden: „Dieses Baum’s Blatt, der von Osten meinem Garten anvertraut, gibt geheimen Sinn zu kosten, wie’s den Wissenden erbaut.“

Es gab auch ein „musikalisches Gewächshaus“, ein Treibhaus für die seltensten Pflanzen, in dem Gesellschaften und Konzerte stattfanden. Dort war Goethe zu Gast, der 1814 die befreundete Familie Brentano besuchte. Als 1926, in Folge der Inflation, der gesamte Besitz an die Stadt Frankfurt verkauft wurde, riss man das musikalische Gewächshaus ab.

Im Jahre 1929 wurde der Park der Öffentlichkeit zugängig gemacht und man richtete mit der Niddaregulierung das Brentanobad ein.

Vom Reichtum der Familie Brentano ist nicht viel geblieben. „Dabei hinterließ ich meinen Erben eine Million Gulden“, sagte Schauspieler Wolfgang Kaus vom Frankfurter Volkstheater im Jahre 2002, der zur Vorstellung der neuen Gartenanlage in die Rolle des einstigen Hausherren Georg Brentano schlüpfte. Im blauen Gehrock erinnerte Brentano/Kaus an die im Doppelsinn reiche Geschichte der Frankfurter Kaufmannsdynastie, die eigentlich vom Comer See an den Main kam und hier 1750 Bürgerrecht erwarb. Das ehemalige Haus des Bäckers Petri ließ Georg Brentano von 1808 an im Stil eines „Schweizerhauses“ umgestalten - sein Rückzugsort vor dem Trubel der großen Familie und des geschäftigen Handelshauses.

Als tüchtiger Geschäftsmann zeigte sich auch Brentanos „Erbe“ Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG und seit dessen Gründung Vorsitzender des Fördervereins. „Als vorsichtige Kaufleute geben wir kein Geld aus, das wir nicht vorher eingenommen haben“, dankte Bender zwei Sponsoren. Das Bauunternehmen Bilfinger Berger, seit 1999 im Förderverein, gestaltete den Zugangsweg zum Petrihaus und schuf zwei kleine Freiluft-Bühnen. Die Bitburger Brauerei spendierte die Möbel für den Garten, der auch gastronomisch genutzt werden kann.

„Mehr aus Versehen“ sei Bilfinger Berger dazu gekommen, sich für das Petrihaus zu engagieren, so Hans Helmut Schetter vom Vorstand des Bauunternehmens. Da Frankfurt aber „einer der wichtigsten Standorte“ für Bilfinger sei, habe man sich gern für das „handwerkliche Kleinod“ engagiert.

 

Sind Haus und Garten inzwischen restauriert und angelegt, so fehlt dem Förderverein noch Geld für das geplante kleine Museum. „Etwa 40.000 Euro brauchen wir noch für die Ausstattung“, sagte Geschäftsführer Manfred Englert der FR. Zur Ausstattung gehört auch der Computer für die geplante Station, an der sich Besucher des Hauses demnächst multimedial über die Familie und ihre Glanzzeit informieren können. Die Brentanos brachten nicht nur Kaufleute, sondern mit Clemens Brentano und Bettina von Arnim zwei wichtige Dichter der Romantik hervor. Die Software für die Medienstation ist inzwischen fertig.

Sylvia Rumscheidt vom Vorstand des Fördervereins würde die Museumsräume im ersten Stock gern wieder mit Möbeln wie zu Brentanos Lebzeiten ausstatten: „Weißbirke und rote Polster“, ganz wie die Schweizer Nationalfarben eben. Zwar hat der Förderverein laut Englert für das Mobiliar 7500 Euro zurückgelegt: Es ist aber schwieriger als gedacht, auf dem Antiquitätenmarkt etwas passendes zu finden. Dennoch wolle man sich Zeit lassen.

Um Geld in die Vereinskasse zu bringen, vermietet der Förderverein das Petrihaus inzwischen auch für private Veranstaltungen. Am Sonntag, 8. September, können die Besucher beim Tag des offenen Denkmals neben der Medienstation auch dieses Angebot prüfen. Nähere Informationen im Internet unter www.petrihaus.de

Am südlichen Ausgang des Parks steht rechts noch unscheinbar das Brentano’sche Gartenhaus, das auch oft von Goethe besucht wurde. Im Jahre 1851 ging der Besitz auf Brentanos Sohn Ludwig über, von diesem auf Marie von Stumpf-Brentano, die 1895/97 das Basse’sche Haus abreißen und einen größeren Neubau errichten ließ, in dem einige Zimmer wie zu Goethes Zeiten eingerichtet waren. Das Brentano'sche Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Ruine später abgetragen. Das runde Gebäude in der Mitte des Parks (Sitz des Heimat- und Geschichtsvereins) ist modern.

Geblieben sind die im englischen Stil gestalteten Parks mit ihren alten Bäumen. Zwischen den Rasenflächen mit Prachtexemplaren alter Bäume (vorwiegend Eichen, aber auch Exoten). Hier sind viele Eichen, Rosen oder Eichhörnchen beheimatet. Die Amerikanische Roteiche gehört zu den Exoten. Auch das Blätterkleid der Sumpf-Eiche in der Nähe des Pavillons schillert grün, gelb, violett. Die sogenannte „Stiel-Eiche“ amerikanischer Art ragt gut 30 Meter in Höhe. Der knapp sieben Meter breite Baum stellt seine Artgenossen vor Ort mit einem Alter von mehr als 500 Jahren weit in den Schatten. Die Eiche war schon heimisch, bevor der Basse  hier seinen Garten anlegen ließ. Auch der Amberbaum läßt Blätter. Sein rauher Stamm und seine wulstigen Korkleisten gleichen doch Krallen. Bei Einbruch der Dunkelheit sehe das aus, als wollten sie nach jemandem schnappen.

Um die alte Hängebuche ranken sich allerhand Sagen: „Hier haben sich die kleinen Grafen vor ihren Kindermädchen versteckt.“ Weil sich die Buche dermaßen hängen läßt, reichen Äste bis auf den Boden und erschweren den Blick. ins Innere. Abends wirke das gespenstisch. Nun umgibt ein Holzzaun den Stamm der Buche, weil er etwas wacklig auf den Beinen ist. Heute ziert auch ein Rosengarten den Park.

Der Park war über hundert Jahre Landsitz der Brentanos. Im Jahr 1926 kaufte die Stadt das Landhaus, 1929 wurde der Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gleichzeitig durch die Regulierung der Nidda das Brentanobad eingerichtet. Dadurch wurde der einst 13 Hektar große Park wesentlich verkleinert. Heute ist er noch gut vier Hektar groß.

 

Über die Straße „Auf der Insel“ kommt man in den 1879 entstandenen Schloßpark der Grafen Solms zu Rödelheim-Assenheim. Hier stand die Rödelheimer Wasserburg, das spätere Schloß Franks von Cronberg, das schließlich Solms’scher Besitz wurde. Die Burg stammt aus dem zwölften Jahrhundert und war von Wassergräben umgeben. Später bewohnten es die Grafen zu Solms. Im Jahre 1943 zerstörten Bomben die Burg. Die spärlichen Überreste mußten ein Jahrzehnt später endgültig einem Rasen weichen. Man hat aber wieder  den äußeren Mauerverlauf des Solmser Schlosses gepflastert.

Seit 1986 steht der Park unter Denkmalschutz. Er stand schon immer allen offen. Am Eingang links steht ein Stein, der an die Ersterwähnung Rödelheims im Jahre 788 erinnert. Die auch links gelegene Evangelische Cyriakuskirche (Auf der Insel 5), wurde im Jahre 1364 (andere Angabe 1356) gestiftet von Katharina von Isenburg, In den Jahren 1463-67 wurde sie erweitert und war Kapelle der Burg Radilenheim. Sie hat einen hochgotischer Chorraum und mittelalterliche Epitaphien. In den 50iger Jahren entstand sie neu.

 

Neben einer jungen Hängebuche erinnert Stein an die Synagoge, die hier 1938 von den Nazis zerstört wurde. Übrigens hat sich unweit des Wasserturms südlich der Eschborner Landstraße der alte jüdische Friedhof mit dem Grab des Verlegers und Gelehrten Wolf Heidenheim erhalten (in der Wolf-Heidenheim-Straße).

An der Südspitze der Insel überquert man den Mühlkanal und kommt über die Rebstöcker Weg auf den Biegweg. Dieser trifft wieder auf die Ludwig-Landmann-Straße, die man nach links ein Stück hochfährt, um nach rechts in die Rödelheimer Landstraße einzubiegen (Man kann auch direkt von der Straße „Auf der Insel“ in die Rödelheimer Landstraße fahren). An ihrem Ende überquert man die S-Bahn und kommt nach Bockenheim.

 

Bockenheim

An der Einmündung der Rödelheimer Landstraße in die Schloßstraße liegt links das Herrenhaus des Schönhofs, ein 1818 neu gebautes barockes Hofgut. Von hier aus fährt man nach Süden machen in den Bernus-Park. Dieser ist eine kleine Oase zwischen dem Lärm der Straße und der Schiene. Ein kleiner Teich mit einer Steinbrücke, die Bogenmauer eines Gartentempels - das sind die Reste einer barocken Schloßanlage. An der einst schönsten Straße Bockenheims, der Schnellgasse, wie bis 1822 die Schloßstraße hieß, lagen Gutshöfe, die schon im 18. Jahrhundert, als Bockenheim ein beliebter Sommeraufenthalt geworden war, zu Landsitzen umgestaltet wurden. Eines dieser Güter erwarb 1753 die Prinzessin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau, die jüngste Tochter des „alten Dessauer“, des Generals Friedrichs des Großen. Wegen ihrer nicht standesgemäßen Liebe zu einem Bürgerlichen im Alter von 20 Jahren aus ihrer Heimat verbannt, konnte sie dank ihrer Apanage den Besitz in Bockenheim erwerben.

Es entstand ein großer landwirtschaftlicher Betrieb, auch eine Seidenraupenzucht. Im Jahre 1771 baute die Prinzessin das Gut zu einem Schloß aus, vor allem für ihre Kunstsammlung. Das Schloß stand mit der Schmalseite zur Straße, ein Wirtschaftshof mit Remisen und Stallungen und eine Orangerie schlossen sich an. Henriette Amalie starb 1793. Gemäß ihrem Testament kam ihre Sammlung bedürftigen Personen zugute, vom Amalienstift in Dessau betreut. Das Schloß wurde verkauft. Nach verschiedenen Besitzern erwarb es schließlich die Familie Bernus als Landsitz. Bekannt wurde diese Familie durch die „Friedrich-Alexander-Bernus-Stiftung“ von 1874 und durch Emil Moritz von Bernus, der 1883 die Christuskirche im rasch wachsenden Westend und 1903 die Immanuelkirche im Nordend stiftete. Ein Abstecher zum alten Friedhof an der Solmsstraße westlich des Westbahnhofs ist aber wohl doch etwas zu weit.

Man verläßt den Bernuspark an der Kindertagesstätte, kommt in die Werrastraße und biegt nach links in die Kurfürstenstraße ab. Sie führt wieder über die Schloßstraße zum Kurfürstenplatz von 1868. Auf ihm steht der neobarocke Monumentalbrunnen von 1913/14, rechts ist die katholische Elisabethkirche. Damit ist man bei einem Rundgang durch Alt-Bockenheim. In der Rhomerstraße kommt man am Rhomerplatz vorbei und kommt zur Leipziger Straße. Diese fährt man ein Stück links hoch. Die renovierte Villa Delkeskamp in dieser Straße ist allerdings nicht besonders gezeichnet, das einzige alte Haus ist die Bock-Apotheke an der Westseite.

 

 

Am oberen Ende der Schloßstraße biegt man rechts ab in die Grempstraße  und kommt zum Kirchplatz  mit der Jakobskirche aus dem 14. Jahrhundert. Östlich der Kirche steht das Grempsche Haus, ein Renaissance-Wohnhaus mit oktogonalem Treppenturm, Adelshof der Familie Gremp von Freudenstein, etwa 1582-93 errichtet.

Urkundlich wird der Ort Bockenheim schon 767 genannt. Von den zwölf Wildhubenern des Wildbannes Dreieich wohnt einer in Bockenheim. Im Jahre 1819 wurde Bockenheim zur Stadt erhoben. Im Jahre 1895 wurde es nach Frankfurt eingemeindet. Ein Schloß aber, auf das die breite Schloßstraße weist, wird man heute in Bockenheim vergebens suchen, denn es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Auch das klassizistische Passavantsche Haus, ein Landhaus von 1829, ist nicht zu finden.

Weiter geht es ein kurzes Stück in die Ginnheimer Straße, dann rechts in die Florastraße. Am Hessenplatz geht es links in die Marburger Straße, dann rechts in die Falkstraße und wieder nach links in die Juliusstraße. Rechts sieht man die Markuskirche mit dem hohen Turm. Nach rechts geht es in die Sophienstraße. Dort ist gleich auf der Ostseite vor der Beckmann-Schule der alte jüdische Friedhof, der aber nicht zugänglich ist.

Über die Sophienstraße kommt man zum Palmengarten und zur Bockenheimer Warte. Von hier kann man dann über die Bockenheimer Landstraße und die Innenstadt zurückfahren. Wenn man bis zum Palmengarten mit dem Auto gefahren ist, dann hat man hier wieder den Ausgangspunkt am Grüneburgpark erreicht.

 

Westendsynagoge

Man erreicht die Synagoge von der U-Bahn-Station Westend, in dem man zum Ausgang Feuerbachstraße geht und sich dort nach Norden wendet. Das jüdischen Gemeindehaus mit Kindergarten, Schule und Jugend- und Altenclub in der Westendstraße 31 dagegen erreicht man, wenn man von der U-Bahn-Station nach Süden geht, über den Westendplatz und dann von Westen her zum Haupteingang des Gemeindehauses.

Ein majestätischer Muschelkalk-Bau und Blickfang weithin ist die Westend-Synagoge, Freiherr-vom-Stein- Straße 30. Man sieht in einen in einen Hof, der von Säulengängen umstellt ist. Der durch Sicherheitsleute bewachte Eingang ist allerdings etwas weiter links vom eigentlichen Eingang.

Errichtet wurde sie 1910 nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Franz Roeckle, der ägyptisch-assyrische Stilformen mit Elementen des Jugendstils vereinte. Ein „Akkord von Blau und Gelb“ und „wuchtig breite Ornamentlinien, deren Blau durch ein lichtes Grün vertieft wird und deren Braun in Gold aufstrahlt“ (wie es zu ihrer Einweihung hieß) bestimmten das Innere. Hoch wölbt sich die Kuppel als Sinnbild des Himmels, umgeben von  vier Seitenschiffen mit Tonnengewölben.

Die Synagoge Freiherr-vom-Stein-Straße (ursprünglich Königsteiner Straße), die seit 1929 offiziell Westendsynagoge heißt, wurde am 28. September 1910 in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Adickes eingeweiht.

Sie war errichtet worden als Heimstatt für die Vertreter eines liberalen Gottesdienstes, für die inzwischen ins Westend gezogenen religiös-liberalen Mitglieder der Israelitischen Gemeinde. Reformgottesdienst fand auch in der Hauptsynagoge in der Börnestraße statt. Am Börneplatz stand die konservative Gemeindesynagoge, in der Friedberger Anlage die orthodoxe Synagoge der Israelischen Religionsgesellschaft.

Wie in ganz Deutschland gingen auch in Frankfurt in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938, angezündet von den Nationalsozialisten, die Synagogen unter. Allein die Westendsynagoge brannte lediglich im Innern. Unter den Nazis wurde sie als Kulissenlager für das Opernhaus mißbraucht und später, während der Kriegsjahre, als Möbellager „fliegergeschädigter Volksgenossen“. Als einzige der Frankfurter Synagogen überstand die Westendsynagoge Hitlers Faschismus.

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Architekten Max Kemper, Werner Hebebrand und den Maler Hans Leistikow veränderten das Innere im Stil der damaligen Zeit und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erheblich. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen von 1980 bis 1984 umfaßten neben der technischen und sanitären Einrichtung vor alle die Sanierung der Kuppel und die Dächer, die wieder mit „Mönch-Nonnen-Ziegeln“ gedeckt wurden. Dazu kamen die Reinigung und Imprägnierung der Fassaden, so daß der Muschelkalk seine ursprüngliche Struktur und Farbe erhielt. Die Ausmalung gibt wieder den Zustand von 1910 wieder, den man nach dem weiß und ockerfarbenen Anstrich von 1950 bei der Renovierung 1985 wieder entdeckt hat.

So konnte die Synagoge wiederhergestellt und am 7. September 1950 neu geweiht werden - nicht nur als religiöses Zentrum der neuen jüdischen Gemeinde in Frankfurt, sondern auch wie nur weniges sonst als Bewahrer der Erinnerung an die Frankfurter Juden vor ihrer gewaltsamen Vernichtung.

Die Westend-Synagoge ist ein Zentrum des jüdischen Lebens. Im Hochzeitssaal backen Kinder Mazzot. Im Kiddusch-Raum erhalten Jungen an ihrem dritten Geburtstag den ersten Haarschnitt. Und im Zentrum der Synagoge mit ihren zirka 800 Sitzplätzen versammeln sich die Gläubigen. Vor einem Mosaik-Hintergrund aus Davidstern-Mustern thront der Aron hakodesch (Schrein, in dem die Torarollen aufbewahrt werden). Die Raummitte nimmt der Almemor (Pult zur Toralesung, auch Bimah) ein.

 

Die Gründung der Frankfurter jüdischen Gemeinde geht auf das Jahr 1150 zurück. Nach bescheidenen Anfängen blühte sie ab 1550 zu einem Zentrum jüdischen Lebens von europäischem Rang auf. Gleichberechtigt ab 1864, nahmen die jüdischen Frankfurter regen Anteil in Wirtschaft und Kultur, Wissenschaft und Politik. Nachdem die Juden 1864 die völlige staatsbürgerliche Gleichstellung erhalten hatten, leisteten sie im wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Bereich unendlich viel für die Stadt. Mit 30.000 Mitgliedern bildeten sie vor 1933 die zweitstärkste jüdische Gemeinschaft in Deutschland.

In der Gemeinde setzten sich Reformer durch, weshalb die streng Orthodoxen austraten und ihre eigene, die „Israelitische Religionsgesellschaft“ mit der Synagoge an der Friedberger Anlage bildeten. Liberal ging es dagegen in der Westend-Synagoge zu. Der modernisierte Gottesdienst wurde zumeist in deutscher Sprache gehalten.

Rund 29.000 jüdische Bürger lebten 1933 in Frankfurt, als Hitlers Schreckensregime begann. Als es 1945 in Trümmern lag, gründete sich die jüdische Gemeinde Frankfurt neu - mit etwa 500 Mitgliedern. Lange Zeit gelang es nicht, einen regelmäßigen Minjan, also mit mindestens zehn jüdischen Männern, in der Westend-Syngoge einzurichten. Dr. Isaak Emil Lichtigfeld, Frankfurter Rabbiner von 1954 bis 1967, hatte außerdem Mühe, bei den wenigen Gottesdiensten zu hohen Feiertagen die gebotene Andachtsstille zu schaffen. Religiöse Disziplin ließ zu wünschen übrig.

Zu diesen Altmitgliedern der Gemeinde sind heute viele neue Gemeindeglieder aus der ehemaligen Sowjetunion gekommen. Die jüdische Gemeinde Frankfurt zählt zirka 7000 Mitglieder. Sie müssen erst noch integriert werden. Es gibt eine Gottesdienstordnung, in der die hebräischen Texte in Lautschrift und Übersetzung wiedergegeben sind. Die Gemeinde ist aber heute orthodox, hat jedoch auch eine liberale Gruppe und eine ganz strenge, die während des Gottesdienstes in einem extra Raum vorne rechts zusammenkommt.

In der jüdischen Grundschule wird vom ersten Tag auch Hebräisch als Fremdsprache gelehrt. Die Schule hat 300 Schüler, davon 20 Prozent nichtjüdische Kinder. Sie soll in das Philantropin in der Lindenstraße umziehen und zu einer Vollschule aufgestockt werden.

 

 

 

 

RUNDFAHRT: Eschersheim - Heddernheim - Niederursel

 

Eschersheim

Beginn ist am Bahnhof Eschersheim. Hinter dem Bahnhof Escherheim steht die Eschersheimer Kirche (ohne Denkmalhinweis und Erläuterungen). Nach Süden geht es zur U-Bahnhaltestelle „Weißer Stein“. Doch dort ist nur eine Anlage mit einem Brunnen und einigen „weißen“ Steinen.

Noch weiter südlich in der Eschersheimer Landstraße, wo die Straße „Am Lindenbaum“ auf diese trifft, steht das Wahrzeichen von Eschersheim, der Stolz der Eschersheimer der mächtige, alte Lindenbaum. Einen solchen Baum - 20 Meter hoch, etwa fünf Meter Stammumfang - gibt es im Frankfurter Raum weit und breit nicht mehr. Sorgsam gepflegt, grünt und blüht er Jahr für Jahr. Die Untergrund-Bahn macht sogar einen leichten Bogen seinetwegen, und nach ihm ist eine ihrer Stationen benannt.

Die Eschersheimer Linde stand einst mitten in der Feldmark, also weit weg vom Dorf Eschersheim. Sie war keine Gerichtslinde, sie fand keine Erwähnung in Urkunden und Protokollen. Vielleicht galt sie als Landmarke oder Richtzeichen, nach der die Bauern die Lage ihrer Äcker bezeichneten. Der Eschersheimer Lindenbaum ist nicht so alt, wie man vermutet. Er dürfte Ende des 17. Jahrhunderts gepflanzt worden sein oder sich selbst gesät haben. Im freien Feld werden Linden oft über 1000 Jahre alt. Der Platz der Eschersheimer Linde ist nicht so günstig, aber der Baum kann schon bis 900 Jahre alt werden. Eine einst sehr viel größere und wohl auch ältere Schwester am Weißen Stein stürzte - nur noch aus einem Stamm bestehend - 1923 bei einem Sturm krachend zusammen.

Die baumpflegerischen Maßnahmen am Eschersheimer Lindenbaum, der 1937 den Ehrentitel Naturdenkmal erhielt, beschränkten sich im vorigen Jahrhundert aufs Zusammenbinden der Äste, damit ihr Gewicht den Stamm nicht spalte, und aufs - zum Teil radikale - Beschneiden der Krone. In den 20er Jahren richtete Gartenbaudirektor Bromme eine Untergrundbewässerung         ein. Der zunehmende Verkehr, die Asphaltierung der Straße bis an den Geh- und Radwege, der Schulneubau bedrängten den Baum so, daß 1955 baumchirurgische Maßnahmen notwendig waren: Mehr als 50 Faullöcher wurden ausgeschnitten, dürre Stämmlinge abgenommen, die vielen Öffnungen mit Betonscheinplomben versehen.

Knapp 20 Jahre später waren erneut Pflegemaßnahmen notwendig. Eine Spezialfirma aus Bayern führte diese nach neuesten Erkenntnissen durch. Die Zahl der Plomben wurde verringert, die von faulem Holz befreiten Stellen mit Balsam bestrichen, Faulstellen trockengelegt, Belüftungs- und Entwässerungsdochte in den Wurzelraum eingesetzt - damit die Linde noch für viele Generationen das Wahrzeichen Eschersheims, der Stolz der Eschersheimer und eine Frankfurter Sehenswürdigkeit bleibt.

Wenn man die Straße „Am Lindenbaum“ durch die doppelte Lindenallee nach Osten fährt kommt man am alten Wasserturm vorbei. Nach rechts geht es in die Kirchhainer Straße und dann links in die Ziegenhainer Straße. Von dort geht es rechts in die Albert-Schweitzer-Siedlung und in die zweite Straße rechts, die über die Jean-Monnet-Straße führt zur Sigmund-Freud-Straße. Diese führt über die Gießener Straße in die Weinstraße mit der Kreuzkirche in Preungesheim.

 

Preungesheim

Die Kreuzkirche in Preungesheim birgt ein Geheimnis. Neben der Kreuzkirche fand man nicht nur einen Friedhof mit Gräbern aus dem frühen Mittelalter, sondern unter dem Boden des trutzigen Kirchturms und im Rasen auch die Überreste einer gewaltigen Kirche. Mehrere Skelette fanden sich tief unter der Erde, ein Kind darunter. Die beiden Bestattungen aus dem Turm will man einer DNA-Analyse unterziehen.

Die gut erhaltenen Fundamente, die sie in und vor der Kirche gefunden haben, markieren ein riesiges Kirchenschiff. Im bis zu tausend Jahre alten Mauerwerk  ist draußen der Sockel einer dicken runden Säule erkennbar, die ihre Entsprechung in einer Säule im Kirchenraum hat.

Hier stand schon ganz früh ein riesiger, 14 Meter breiter Kirchenbau, der vermutlich zu Beginn des 12. Jahrhunderts gebaut wurde. Er war dreischiffig angelegt. Anhand der gut erhaltenen Grundmauern aus dem 11./12. und 14./15. Jahrhundert läßt sich ein für jene Zeit ausladendes Seitenschiff nachzeichnen: Die Kirche faßte mehrere hundert Personen.

Doch die Kreuzkirche, deren Bau vorher im 12. Jahrhundert angenommen worden war, ist aus einer steinernen Saalkirche des 9./10. Jahrhunderts hervorgegangen. Ihre Größe wurde später vervierfacht, dann wieder reduziert. Sie hat noch romanische Teile wie die kleinen Fenster am Westgiebel, wo man auch einen alten Eingang freigelegt hat.

In der späten Karolingerzeit, als Kirchen nur der König oder Kaiser errichten lassen durfte, stand eine große, reiche Pfarrkirche im Dörfchen, zu Zeiten also, da Preungesheim nicht mehr als ein kleiner Flecken war. Nach Einschätzung des Denkmalamtes hatte diese Kirche eine zentrale Bedeutung für die Region. Doch mit wachsender Erkenntnis wird die Geschichte des Gebäudes und damit des einstigen Bauerndorfs eher undurchsichtiger. Das Rätsel lautet: Was war es, das Preungesheim einmal zu einem so bedeutenden Ort machte?

Bodendenkmalpflegerin Andrea Hampel wagte die Verbindung vom alten Preungesheimer Kirchenbau zum Frankfurter Dom. So viel Größe hätte niemand vom 772 erstmals erwähnten Dorf Preungesheim erwartet. „Die Herren von Preungesheim waren unbedeutend“, äußerte die Expertin. Als mögliche Bauherren kommen für sie die Herren von Münzenberg- Falkenstein in Betracht, denen jene Ritter von Preungesheim als Ministeriale (Dienstmannen) unterstanden.

Der heutige Kirchenbau von 1716-1742 ist schon der fünfte oder sechste Bau na dieser Stelle.

Zu Beginn der Geschichtsforschung in der Dorfkirche, als 1997 eine mittelalterliche Wandmalerei von 1250 von herausragender Qualität auf der Empore hinter der Orgel zum Vorschein kam, hatte der frühere Stadtkonservator Heinz Schomann noch die These vertreten, die Kirche könne Teil der vermißten Preungesheimer Burg gewesen sein, auf der man sich jene Ritter vorstellt. Diese These, sagte Hampel gestern, hat sich pulverisiert.

Neben der Kirche steht das Deutschordenshaus, den der Orden besaß in Preungesheim etwa ein Drittel der Gemarkung. Der Verwaltungshof wurde 1760 unter Verwendung alter Steine erbaut. Später wurde er Pfarrhaus. Der Orden war im evangelischen Dorf der Grafschaft Hanau noch lange einflußreich. Im Turm war sogar eine katholische Kapelle für die Ritter eingerichtet. Das ganze Gelände ist von schönen Kastanienbäumen geprägt.

Man fährt dann wieder zur Gießener Straße und nach Süden. Man kommt vorbei am alten Gemeindeamt, das 1993 restauriert wurde und in dessen Hof Steine behauen wurden für den Straßenbau (links). Weiter links in der Straße steht das Gefängnis. Schließlich kommt man zum Haus Nummer 87 auf der rechten Seite, vor dem der alte Bildstocks teht.

 

Eckenheim

Der verwitterte Bildstock, der vor dem Haus Nr. 87 an der Gießener Straße in Eckenheim steht, gehört zu einem Rastplatz, auf dem sich einst die nach Frankfurt auf den Markt ziehenden Landbewohner ausruhten und zum Gebet verweilten. Bis 1956 stand er etwas weiter vorn am Rande des Straßengrabens hart an der Grenze zu Preungesheim. Durch Regen, Wind und Luftverschmutzung sind die Skulpturen des Bildstocks verwittert. Auch die Jahreszahl 1516 und die Buchstaben E. H., was auf Eckenheim, aber auch auf einen Stifter hinweisen könnte, sind kaum mehr zu erkennen. Der Bildstock war anstelle eines schon 1383 erwähnten Kreuzes errichtet worden, das dem benachbarten Flurstück den Namen „die Kreuzäcker“ gegeben hatte.

 

Neben dem Opferstock befanden sich bis Ende der zwanziger Jahre noch zwei Basaltblöcke. „On de drei Staa“, sagten daher die Bewohner zu dieser Stelle; im Straßennamen „An den drei Steinen“ lebt diese Bezeichnung fort. Diese Steinblöcke stammten von einer Ruhebank, die mit unterschiedlich hohen Quersteinen zum Sitzen und zum Abstellen der Mahnen und Kietzen diente. Auch Eisenringe zum Festbinden von Trag- und Zugtieren befanden sich an dieser Ruhbank.

Im Frankfurter Raum begegnen uns noch heute mehrere solcher uralten „Ruhebänke“, also historische Rastplätze für alle die, die einst schwere Lasten zu tragen hatten: Marktfrauen, Wäscheträgerinnen, Weinbergsarbeiter. Wir finden solche Ruhebänke am Heiligenstock an der Friedberger Landstraße, an der Kennedyallee (Forsthausstraße), am Berger Hang, im Palmengarten, früher auch vor Sprendlingen an der Frankfurter Straße und an der Straße Bad Homburg- Saalburg.

Zuletzt kommt man noch zum Hauptfriedhof, dessen Eingang aber in der Eckenheimer Landstraße ist.

 

Hauptfriedhof

Auf den Grundmauern einer römischen Villa Rustica ruht der Hauptfriedhof. Er löste den alten Petersfriedhof im Stadtgebiet ab, wo unhaltbare hygienische Zustände herrschten: Nach mehr als 370 Jahren Belegung stank es dort an dem hoffnungslos überfüllten Gottesacker ganz erbärmlich.

Auf 70 Hektar wurde er 1826 bis 1828 nach dem Entwurf des erst 31jährige Architekt Friedrich Rumpf (1797-1872) angelegt. Er hatte so manches repräsentative klassizistische Stadtpalais vorzuweisen, unter anderem das der Familie Rothschild. Er entwarf den Portikus (heute das „Alte Portal“) mit den vier gigantischen weißen Säulen und die Arkadenreihe mit 57 Gruften als letzte Ruhestätte bedeutender und wohlhabender Bürger am damals jenseitigen Ende der Begräbnisstätte. Sie sollte den Übergang bilden zu dem zeitgleich angelegten jüdischen Friedhof.

Der Friedhof sollte nicht als düsteren Todesacker angelegt werden  - für die gebildeten, privilegierten Schichten, die nicht in dicht gesetzte Reihengräber gebettet werden wollten, war die Barockzeit mit ihren Sensenmännern und ablaufenden Sanduhren vorüber. Man huldigte der Aufklärung, schwärmte für die Antike und „Englische Gärten“. Hier sollten die großen Persönlichkeiten der Stadt das Äquivalent zu dem Platz finden, der ihnen im Leben zustand. Rinz ist es zu verdanken, daß sich der heutige Hauptfriedhof als einer der größten städtischen Parks präsentieren kann.

 

Die Anlage des „Neuen Friedhofs” in Frankfurt erinnert an den Idealplan, den der Augsburger Architekt J. M. Voit 1825 publizierte. Sein Standardwerk „Über die Anlegung und Umwandlung der Gottesäcker in heitere Ruhegärten der Abgeschiedenen” weist etliche Übereinstimmungen mit dem Frankfurter Gottesacker auf, der 1828 nach Plänen des Stadtgärtners Rinz eingerichtet wurde: Der langgestreckte, eingefriedete Begräbnisplatz ist durch Achsen gegliedert und schließt mit einer Grufthalle ab.

Der Friedhof sollte fortan ein heiterer Ruhegarten sein, nicht mehr, wie bisher, eine Stätte der Versammlung, des Spiels und des Handels. Die Bepflanzung richtete sich dabei vor allem nach hygienischen Gesichtspunkten: Sie sollte die Luftzirkulation nicht hemmen. Insofern wurden auch nur die Ränder des Friedhofs mit Bäumen bepflanzt, und die Rundwege von niedrigen Büschen begleitet. Neben dem ungehinderten Spiel der Winde galt nämlich die Reinigung der Luft von „mephistischen Dünsten”, den giftigen Leichengasen, als lebensnotwendig.

 

 

Auch der Weg, der von der Stadt zum Portal führt, wurde gärtnerisch angelegt: Er war mit einer doppelten Reihe Ulmen gesäumt und mit Kies bestreut. Über die Beliebtheit des Friedhofs zum Spaziergehen waren sich die Zeitgenossen einig, aber auch Fremde betreten die Anlage häufig, „weil sie rühmlich in der Reihe des vielen Merkwürdigen und Sehenswerthen steht, das Frankfurt aufzuweisen hat”. Der Friedhof war mithin nicht nur ein Ort der Hygiene, sondern auch der Gesundheitspflege im Sinne des Arztes Wilhelm Hufeland, der Spaziergänge „zur Verlängerung des Lebensweges denkender Menschen” ausdrücklich empfahl.

Anläßlich seiner Erweiterung nach Norden erhielt der Begräbnisplatz mehrere Friedhofsbauten „in architektonisch wirkungsvoller Form”. Allen voran beeindruckte das Neue Portal und die Trauerhalle, die nach schwärmerischen Aussagen der Zeitgenossen nicht nur den spätklassizistischen „Alten Teil” aufs vortrefflichste ergänzte, sondern ihn auch zu den schönsten Anlagen des Kaiserreichs machten. Wie in den Städten längst üblich, waren für diese Bauten „architektonische” Wettbewerbe ausgeschrieben worden. Den 1. Preis erhielt der Entwurf Nr. 57 mit dem Kennwort „Auferstehung II” des renommierten Architekturbüros H. Reinhardt & Süßenguth. Der Entwurf zeichnete sich „durch eine außerordentlich straffe und wirkungsvolle Zusammenfassung der Baumassen” aus und gehörte zu den wenigen im Wettbewerb, die der Parkanlage, dem Ort der ewigen Ruhe, Vorrang vor den Bauten einräumten, ohne dabei die notwendige repräsentative Wirkung der Einsegnungshalle zu vernachlässigen. Denn, so das Motto: „Kurz ist der Schmerz, doch ewig währt die Freude”.

Das 1909 errichtete Bauwerk ist vorwiegend in neoklassizistischen Formen erdacht und zeigt die Anlehnung an ravennatische Bauten der Spätantike. Der formalen Qualität des Äußeren entspricht die noble, durch die Brüder Linnemann geprägte dekorative Ausstattung, die über-wiegend im Jugendstil gehalten ist.

Dass der Parkfriedhof vor allem ein Ort der Lebenden ist, zeigt der Hauptfriedhof in Frankfurt aufs Schönste. Das Erscheinungsbild gleicht in weiten Teilen einem romantischen Gedächtnisgarten und birgt dazu unzählige berühmte Persönlichkeiten: vom Philosophen Arthur Schopenhauer über Karoline von Günderode und Heinrich Hoffmann bis zur Volksschauspielerin Liesel Christ.

Der Schöpfer der Gartenanlagen des Hauptfriedhofs ist Stadtgärtner Sebastian Rinz (17821861). Es sollte kein düsterer Todesacker werden. Für die gebildeten, privilegierten Schichten, die nicht in dicht gesetzte Reihengräber gebettet werden wollten, war die Barockzeit mit ihren Sensenmännern und ablaufenden Sanduhren vorüber. Man huldigte der Aufklärung, schwärmte für die Antike und „Englische Gärten“. Hier sollten die großen Persönlichkeiten der Stadt das Äquivalent zu dem Platz finden, der ihnen im Leben zustand.

Rinz gestaltete den Hauptfriedhof im Stil eines englischen Parks. Ihm ist es zu verdanken, daß sich der heutige Hauptfriedhof als einer der größten städtischen Parks präsentieren kann.

Der Hauptfriedhof Frankfurt wirkt wie ein urwüchsiger Park: Zedern, Ahorn, Buchen, Kiefern, Birken, Wacholder und Buchsbaum, Efeu natürlich und Farnbüschel. Hauptwege, die mit inzwischen bröckeligem Asphalt bestrichen sind, einst mit Splitt bestreute Seitenwege, über die buchstäblich Gras gewachsen ist, Trampelfade mit dicker Nadelauflage. Dichtes Laub, das die Sonnenstrahlen in Licht-Tupfen aufbricht und Lichtungen, die angesichts des distinguierten Dämmers rundum geradezu ordinär lebendig wirken. Dazwischen uralte Gräber, die unter Denkmalschutz stehen und vereinzelt neuere, in die nach Ablauf der Ruhefrist Nachmieter eingezogen sind.

Auf 5,5 Hektar (für damals gut 40.000 Einwohner) wurde der Friedhof von 1826 bis 1828 angelegt. Am  1. Juli 1828 wurde der Neue Friedhof eingeweiht. Die erste Bestattung war die verwitwete niederländische Adelige Maria Catharina Alewyn geborene Trip, die beim Besuch in Frankfurt mit 52 Jahren im Gasthaus „Zum Schwan" im Steinweg jäh dahingerafft worden war.

 

Von der verwitweten niederländischen Adeligen Maria Catharina Alewyn, die es beim Besuch in Frankfurt jäh dahinraffte und deren Bestattung am 1. Juli 1828 die Einweihung des neuen Friedhofs nebst seiner modernen Nebengebäude bedeutete, blieb keine Erinnerung - ebenso wenig wie von den ungezählten „kleinen“ Leuten, deren Ruhefrist nach wenigen Jahrzehnten ablief.

Friedrich Rumpf  hat in einer Zeichnung festgehalten, wie damals ein Leichenzug aussah: Da schreiten an der Spitze des Leichenzuges, meist hinter einem von sechs Pferden gezogenen Leichenwagen, drei Männer in Frack und Zweispitz, die „Leichenbitter“. Danach Mädchen, die aus Körben Blumen und Blätter streuen, und verschleierte Klageweiber und Leichenfrauen. Bei besonderen Begräbnissen folgen dem Sarg vor der Trauergemeinde auch noch Musikanten und Fackelträger.

Gleichzeitig wurde östlich der Gruften  an der Rat-Beil-Straße auch ein jüdischer Friedhof eingerichtet. Die erste Beisetzung fand allerdings erst im Oktober 1828 statt. Und wieder war es ein Auswärtiger: ein Metzgermeister aus Offenbach. Es gibt nur einen Zugang von der Rat-Beil-Straße aus, der aber nicht öffentlich zugänglich ist

 

Als am  1. Juli 1828 der Neue Friedhof- eingeweiht wurde, hatten die Frankfurter noch eine gute Strecke. Weg zurückzulegen. 20 Wegminuten - soll heißen: zu Fuß - jenseits der Stadttore an der Eckenheimer Landstraße im Grünen lag das Areal.

Der „Neue Friedhof“ wurde rasch belegt und wuchs abschnittweise nach Norden. Das Jahr 1829, das erste komplette Jahr des neuen Friedhofs, verzeichnete 936 Beerdigungen. Erst 1857 wurde die Zahl von jährlich 1.000 Bestattungen überschritten. Im Jahre 1891 waren es schon siebzehndreiviertel Hektar, 1912 gut 24 Hektar. Im Juli 1912 wurde nördlich des Neuen Friedhofs die monumentale Trauerhalle nebst Krematorium eröffnet. Der Jugendstil hielt Einzug.

Der Alte Jüdische Friedhof direkt im Anschluß an den „Neuen“, wurde zeitgleich angelegt. Die erste Beisetzung fand allerdings erst im Oktober 1828 statt. Und wieder war es ein Auswärtiger: ein Metzgermeister aus Offenbach.             

Der „Neue Friedhof“ wurde rasch belegt und wuchs abschnittweise nach Norden. Nach 1857 wurden pro Jahr mehr als 1.000 Bestattungen gezählt. 84 Jahre später, am 4. Juli 1912, wurde nördlich des Neuen Friedhofs die monumentale Trauerhalle nebst Krematorium eröffnet. Der Jugendstil hielt Einzug.

Aus den ursprünglich 5,5 Hektar (für damals gut 40.000 Einwohner) sind inzwischen rund 80 geworden, etwa 68.000 Verstorbene sind hier beigesetzt.

Der Rat der Stadt ging mit der Zeit und beauftragte den erst 31-jährigen Architekten

Vor allem anfangs des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof immer mehr erweitert, das „Neue Portal“ wurde errichtet. Der Friedhof dehnte sich immer mehr nach Norden Richtung Eckenheim und später auch nach Osten aus. Im Jahre 1927 war er rund 41,5 Hektar groß. Im Jahre 1929 entstand an der Eckenheimer Landstraße auch ein neuer jüdischer Friedhof, der wiederum einen eigenen Eingang hat. Inzwischen ist der Friedhof rund 70 Hektar groß. Seit Eröffnung wurden hier mehr als 400.000 Verstorbene begraben oder eingeäschert. Der Friedhof hat 68.000 Grabstellen. Es sind pro Jahr rund 2.500 Beerdigungen. Das im Krieg schwer beschädigte Alte Portal wurde 1953 wieder hergestellt, ebenso die Gruftenhalle und das Portal des an den Neuen (christlichen) Friedhof angrenzenden (alten) Jüdischen Friedhofs.

Heute müssen sich mehr als 400.000 seit damals Begrabene oder Eingeäscherte rund 70 Hektar teilen. So groß nämlich ist der Friedhof heute nach mehreren Erweiterungen. Im Jahre 1891 waren es schon siebzehndreiviertel Hektar, 1912 gut 24 und 1927 rund 41,5 Hektar. Je größer die Stadt wurde (1800 waren es 400.00 Einwohner gewesen), um so mehr Menschen mußten unter die Erde gebracht werden. Das Jahr 1829, das erste komplette Jahr des Neuen Friedhofs, verzeichnete 936 Beerdigungen. Erst 1857 wurde die Zahl von jährlich 1000 Bestattungen überschritten. Heute sind es pro Jahr rund 2500 Beerdigungen.

Bei einem Besuch des Friedhofs kann man in der Eckenheimer Landstraße entlang der Friedhofsmauer kostenlos parken. Dann geht man durch das Alte Portal, an dem auch das Garten- und Friedhofsamt untergebracht ist. Hier kann ein Rundgang beginnen.

Ein Spaziergang durch die alten Gewanne ergänzt das Lesen dicker Bücher zur Stadtgeschichte. Schopenhauer und Adorno, Ricarda Huch und der „Struwwelpeter"- Hoffmann samt seinem „Paulinchen“, Alois Alzheimer, Friedrich Stoltze oder Liesel Christ, NS-Opfer, Kriegsgefallene und Domherren, Industrielle wie Adolf von Brüning oder Mouson und ganze Bankiers-Dynastien, Oberbürgermeister und Wissenschaftler sind hier verewigt.

Der älteste Friedhofsteil liegt im Süden. Dort an der alten Mauer mit der Frankfurt-typischen „Kreuz- Reihung“ läßt die Pflege zu wünschen übrig, abgesehen von Diebstählen - das Holzhausen und  das Glauburg-Wappen sind verschwunden. Das älteste Kreuz von 1828 mit dem Namen „Anna Gertraude Buchke“ steht versteckt zwischen Bäumen. Der älteste Baum und ein Naturdenkmal ist eine 400-jährige Buche.

Man geht zunächst nach links an der Mauer entlang. Ein Wegweiser weist nach links zum Schopenhauergrab (Arthur Schopenhauer,1788-1860). Das Grab ist mit einer einfachen Grabplatte am Boden deckt. Das Grab ist schon fast an der ursprünglichen Mauer, an der man jetzt nach rechts entlang geht.

Hier soll das Grab des Arztes Heinrich Hofmann (1809-1894) sein. Ganz in der Nähe des StruwwelpeterAutors liegt die 15jährige Frankfurterin Paulinchen Schmidt (1840-1856), die das Vorbild für sein „Paulinchen“ abgab. Die Tochter eines mit Hoffmann befreundeten Arztes hatte als Vierjährige tatsächlich durch das Spielen mit Zündhölzern einen Zimmerbrand ausgelöst, ihn im Gegensatz zur Bildgeschichte aber überlebt. Gestorben ist sie an Schwindsucht.

Entlang der Mauer kommt man zum Grab der Familie Neckermann und zu einer Grabstelle, an der der Leichen gedacht wird, die der Universität zur Verfügung gestellt wurden. Schließlich kommt man zu den 57 Gruften auf der rechten Seite. Wenn man dann noch ein ganzes Stück an der Mauer weiter geht, trifft man auf das Grab des Arztes Alois Alzheimer und seiner Frau.

Zurück geht man auf der anderen Seite der Mauer. Dort trifft man auf eine erst wenige Jahre alte Begräbnisstätte für tot geborene Kinder mit Teddybärchen und Windmühlen in den Bodendeckern. Das Grab erinnert daran, daß Sterben und Leid keine Geißel allein der Vergangenheit darstellt. Neu ist das Grab von Willi Berking, der Leiter des Tanzorchesters des Hessischen Rundfunks. Auf beiden Seiten der Mauer finden sich auch Gräber katholischer Geistlicher.

Verspielte Putten umflattern das Porträt des Hugo Kessler, gestorben im September 1905, wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag. „Meinem geliebten einzigen Sohne“ verrät die Schrift. Das Halbrelief des jungen Mannes schwebt, umrankt von gemeißelten Rosenbuketts, am Marmor-Obelisk weit über Augenhöhe. Unerreichbar für das Frauenporträt nebenan, dicht überm Erdboden, halb überwölbt von einem trauernden Engel, den Blick zu Hugo Kessler erhoben: Auguste Ferdinanda Kessler - die Mutter? Die Frau starb 1909 im Alter von 47 Jahren.

Ein unbekannter Meister dagegen applizierte einen neugierigen Salamander auf den glatten Schaft einer abgebrochenen Säule, die auf dem Grab des Patrick James Ford steht. Geboren 1946 in Appleton/Wisconsin, gestorben 1989 in Frankfurt. Für Uneingeweihte rätselhaft ist der Grabstein eines 2001 verstorbenen Chemikers: Die kleine, weiße Pyramide ist an drei Seiten geschmückt mit Hieroglyphen, Keilschrift und arabisch anmutenden Zeichen. Auch für Analphabeten verständlich dagegen der Propeller am Stein für des 1941 ums Leben gekommenen Fluglehrers der Luftwaffe.

Im alten Friedhofsteil tauchen ausländische Namen als Besonderheiten auf - etwa auf dem Gedenkstein des Constantin Savvas, Professor der Universität Athen, verstorben 1929.

Im neuen Teil sind italienische, spanische, slawische und asiatische Namen zunehmend präsent, und zuweilen haben deutsche Familien deren Beispiel übernommen, Fotos der Verstorbenen an den Grabstein oder das Holzkreuz zu hängen.

 

Um weitere Gräber zu finden, braucht man sicher einen Führer. Ein Spaziergang durch die alten Gewanne ergänzt das Lesen dicker Bücher zur Stadtgeschichte. Hier finden sich die Gräber der Dichterin Ricarda Huch und des Dichters Friedrich Stoltze, des Oberbürgermeisters Franz Adickes und des letzten Bürgermeisters der freien Stadt Frankfurt Carl Constantin Victor Fellner (1807-1866), der sich an seinem 59. Geburtstag daheim im Garten an der Ost-Zeil erhängte, und das Grab des Oberbürgermeisters nach dem Zweiten Weltkrieg Walter Kolb.

Hier liegen begaben Soziologe Theodor Adorno, der Komponist Eduard Goltermann (1824-1898), die Volksschauspielerin Liesel Christ (1995), der Kabarettist Matthias Beltz 2002), Industrielle wie Adolf von Brüning oder Mouson und ganze Bankiers-Dynastien. Auch die Schöpfer des Friedhofs, Rumpf und Rinz, liegen heute noch in Ehrengräbern. Dazu kommen NS-Opfer, Kriegsgefallene und Domherren.

Wenn man wieder an der westlichen Mauer angekommen ist, geht man nach Norden. Rechts liegt als Sinnbild mittlerweile leerer Prachtentfaltung das Sandstein-Mausoleum, das Friedrich Maximilian Hessemer für die Gemahlin des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen erbaut hat, Gräfin Emilie Reichenbach-Lessonitz, geborene Ortlepp. Ein Obelisk auf der rechten Seite erinnert an die Opfer der Revolution von 1848.

Dann kommt man an die Eckenheimer Mauer, die aber heute vielfach durchbrochen ist. Man kommt vorbei an teils restaurierten, teils verfallenden Grabmalen, an von Spinnweben umsponnenen Büsten, unleserlich verwitterten Steintafeln und großen wie unspektakulären Namen.

Schließlich gelangt man zur Trauerhalle mit angeschlossenem Krematorium am „Neuen Portal“. Östlich liegt eine große Wiese, von der strahlenförmig Wege ausgehen mit so schönen Namen wie Lebensbaumweg oder Lindenweg oder Christusdornweg. Der Friedhof erstreckt sich von hier noch weit nach Norden bis zum Marbachweg. Man kann mit einem kleinenBus sich zu den Gräbern fahren lassen.

In den 70er/80er Jahren wurden viele Denkmäler zerstört, und zwar von Amts wegen als Folge der seit 1970 geltenden Liege-Frist. Da waren uralte Ruhestätten auf einmal „abgelaufen“ und wurden beseitigt. Zum Beispiel das Grab des Rittmeisters Adolph von Holzhausen. Daraufhin ist das Grab 1997 wieder hergestellt worden; seither pflege es eine Genossenschaft der Friedhofsgärtner. Wer nicht in den illustren Kreis der Ehrengrab-Berechtigten gehört, dessen Ruhestätte wird 20 Jahre nach der letzten Belegung geräumt. Freilich nur das Grab selbst. Die Gebeine bleiben im Boden, die neuen Beisetzungen finden darüber statt.

Dicht ans moderne Lebensgefühl kommt die „Schließfachanlage“ für Urnen, nahe dem Gräberfeld der Kriegstoten und Nazi-Opfer. Pro Steinelement vier Etagen, jeweils drei bis acht Elemente stehen nebeneinander - chronologisch wie geschmacklich weit entfernt von dem Urnenmäuerchen des Frankfurter Vereins für Feuerbestattung, das unter Denkmalschutz steht.

 

Der Hauptfriedhof Frankfurt ist Ruhestatt, Park und historischer Ort. Das älteste Kreuz von 1828 mit dem Namen „Anna Gertraude Buchke“ steht versteckt zwischen Bäumen. Der älteste Baum und Naturdenkmal ist eine 400-jährige Buche. Auf den über 60.000 Gräbern stehen Namen, die zu Frankfurt gehören wie der Main: Die Dichterin Ricarda Huch, der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860), der Dichter Friedrich Stoltze, die Oberbürgermeister Franz Adickes und Walter Kolb, die Ärzte Alois Alzheimer und Heinrich Hofmann (1809- 1894), der Soziologe Theodor Adorno. Im Jahre 1995 wurde die Volksschauspielerin Liesel Christ bestattet, im Jahre 2002 der Kabarettist Matthias Beltz. Unweit von seinem Gartengrab schimmert des Gans’schen Mausoleum durchs Grün.

Die Grabstatt des letzten Bürgermeisters der freien Stadt Frankfurt - Carl Constantin Victor Fellner (1807-1866), der sich an seinem 59. Geburtstag daheim im Garten an der Ost-Zeil erhängte - ist total verkrautet. Die Wand-Platte am Grab des Komponisten Eduard Goltermann (18241898) liegt zerbrochen am Boden.

Unweit des Struwwelpeter-Autors liegt die 15jährige Frankfurterin Paulinchen Schmidt (1840-1856),  die das Vorbild für sein „Paulinchen“ abgab. Die Tochter eines mit Hoffmann befreundeten Arztes hatte als Vierjährige tatsächlich durch das Spielen mit Zündhölzern einen Zimmerbrand ausgelöst, ihn im Gegensatz zur Bildgeschichte aber überlebt. Gestorben ist sie an Schwindsucht.

Wer nicht in den illustren Kreis der Ehrengrab-Berechtigten gehört, dessen Ruhestätte wird 20 Jahre nach der letzten Belegung geräumt. Freilich nur das Grab selbst. Die Gebeine bleiben im Boden, die neuen Beisetzungen finden darüber statt. In den 70er/80er Jahren wurden viele Denkmäler zerstört, und zwar von Amts wegen als Folge der seit 1970 geltenden Liege-Frist. Da waren uralte Ruhestätten auf einmal „abgelaufen“ und wurden beseitigt. Zum Beispiel das Grab des Rittmeisters Adolph von Holzhausen. Daraufhin ist das Grab 1997 wieder hergestellt worden; seither pflege es eine Genossenschaft der Friedhofsgärtner.

„Was macht denn Karl Valentin hier?“ zuckt es durchs Gehirn, als auf einem mannshohen Naturstein das Porträtmedaillon mit dem Profil eines Mannes ins Auge fällt. Pardon, Herr Professor Dr. phil. Theodor Petersen, auf dem Hauptfriedhof wohnhaft seit 1918. Seine liebende Schwester, die laut Inschrift das Grabmal errichten ließ, konnte das natürlich nicht ahnen - aber die Ähnlichkeit ist verblüffend. Ein paar Schritte weiter entsteht angesichts der Inschrift eines schlichten Steinkreuzes im Kopf der Anfang eines Romans. Was hat bloß den Johann Philipp Valentin, geboren am 15. Februar1805 in Frankfurt am Main, bewogen, sich auf hohe See zu begeben? Überlebt hat er das Abenteuer nicht: Er starb am 17. August 1851 auf dem Schiffe während der Fahrt nach dem „Cap der guten Hoffnung“. Die Tafel hält lediglich das Andenken aufrecht. Bestattet ist hier Anna Maria Valentin, geboren 24. Mai 1812 am „Cap der guten Hoffnung“, gestorben 1855 in Frankfurt am Main. Wann und wie mögen sich Wege der beiden gekreuzt haben? In welcher Beziehung standen sie wohl? Welches Schicksal stand dahinter? Fernreisen waren damals ja noch kein Massendelikt.

Mitten im ältesten Teil des Friedhofs mit seinen Engeln, Säulen, Tempel-Fassaden, Obelisken und Steinamphoren, an der Sandsteinmauer, die sich genüßlich abschreiten läßt wie der Saal einer Gemäldegalerie, bricht die Gegenwart ein. Die erst wenige Jahre alte Begräbnisstätte für tot geborene Kinder mit Teddybärchen und Windmühlen in den Bodendeckern erinnert inmitten der Kulturhistorie, daß Sterben und Leid keine Geißel allein der Vergangenheit darstellt.

Dennoch: Die mit dem Verlust eines geliebten Menschen verbundenen Gefühle wurden deutlicher dargestellt, der Nachwelt konserviert.

Verspielte Putten umflattern das Porträt des Hugo Kessler, gestorben im September 1905, wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag. „Meinem geliebten einzigen Sohne“ verrät die Schrift. Das Halbrelief des jungen Mannes schwebt, umrankt von gemeißelten Rosenbuketts, am Marmor-Obelisk weit über Augenhöhe. Unerreichbar für das Frauenporträt nebenan, dicht überm Erdboden, halb überwölbt von einem trauernden Engel, den Blick zu Hugo Kessler erhoben: Auguste Ferdinanda Kessler - die Mutter? Die Frau starb 1909 im Alter von 47 Jahren.

Unweit davon erhebt sich als Sinnbild mittlerweile leerer Prachtentfaltung das Sandstein- Mausoleum, das Friedrich Maximilian Hessemer für die Gemahlin des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen erbaut hat, Gräfin Emilie Reichenbach-Lessonitz, geborene Ortlepp.

 

Ein unbekannter Meister dagegen applizierte einen neugierigen Salamander auf den glatten Schaft einer abgebrochenen Säule, die auf dem Grab des Patrick James Ford steht. Geboren 1946 in Appleton/Wisconsin, gestorben 1989 in Frankfurt. Für Uneingeweihte rätselhaft in der Aussage wie der Grabstein eines 2001 verstorbenen Chemikers.

Die kleine, weiße Pyramide ist an drei Seiten geschmückt mit Hieroglyphen, Keilschrift und arabisch anmutenden Zeichen. Auch für Analphabeten verständlich dagegen der Propeller am Stein für des 1941 ums Leben gekommenen Fluglehrers der Luftwaffe.

Der Atem der Geschichte weht Spaziergänger an, wenn sie sich auf den „Gruftenweg“ begeben - eventuell auch der Fahrtwind eines Radlers, der sich eine autofreie, landschaftlich schöne Nord-Süd-Verbindung ausgewählt hat. Diese Zeitgenossen gehören zu den unerwünschten Begleiterscheinungen des Park-Friedhofs, der durchaus Zugeständnisse macht an die Bedürfnisse der Besucher. An Wegkreuzungen stehen Brunnenbecken mit Wasserzapfsäulen und minimalistischen Metallgestängen, die mit grünen Plastik-Gießkannen behängt sind. Hier treffen sich die Stamm-Besucher zum Plausch.

Bänke stehen in lauschigen Ecken. Auf einer sitzen an diesem Vormittag Ingo Andree und Frau Edith, Ex-Frankfurter, die es nach Bad Harzburg verschlagen hat und die bei jedem Besuch in Frankfurt auf den Hauptfriedhof kommen. Nicht nur, um das Grab des Vaters zu pflegen, wie Ingo Andree beteuert: Das ist hier ein einmaliger Park - und das mitten in der Stadt. Und trotzdem anders als andere Parks. Die Vorstellung, daß hier Leute „auf Decken liegen und Kofferradios“ aufdrehen, wäre ihm ein Graus.

Dicht ans moderne Lebensgefühl kommt die „Schließfachanlage“ für Urnen, nahe dem Gräberfeld der Kriegstoten und Nazi-Opfer. Pro Steinelement vier Etagen, jeweils drei bis acht Elemente stehen nebeneinander - chronologisch wie geschmacklich weit entfernt von dem Urnenmäuerchen des Frankfurter Vereins für Feuerbestattung, das unter Denkmalschutz steht.

Mit dem Verlassen des Kernbezirks mit den alten, vertrauten, vornehmen Namen rückt die Gegenwart stärker ins Bewußtsein. Rasenmäher, Autolärm, Flugzeuge bestimmen hinterm Vogelgezwitscher wieder die Wahrnehmung. Die Bäume werden jünger, die noch unbelegten Wildwuchs-Flächen größer, und die Phalanx von dicht an dicht belegten Reihengräbern mit ihrem bunten, frischen Blumenschmuck entsprechen der Relation zwischen großbürgerlichem Palais und Wohnblock am Stadtrand.

Im alten Friedhofsteil tauchen ausländische Namen als Besonderheiten auf - etwa auf dem Gedenkstein des Constantin Savvas, Professor der Universität Athen, verstorben 1929. Im neuen Teil sind italienische, spanische, slawische und asiatische Namen zunehmend präsent, und zuweilen haben deutsche Familien deren Beispiel übernommen, Fotos der Verstorbenen an den Grabstein oder das Holzkreuz zu hängen.

 

Paulinchen verbrannte jämmerlich im Struwwelpeter. Das Grab ihrer Namensgeberin Pauline Schmidt auf dem Frankfurter Hauptfriedhof wird noch heute immer wieder von Blumen geschmückt. Besucher legen sie auf das Efeu vor dem schlichten Kreuz. Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof gibt es aber weit mehr Grabstätten. die einen Besuch lohnen. Dazu gehören vor allem die 209 Ehrengräber, Ruhestätten bekannter Persönlichkeiten wie Theodor Adorno oder Alois Alzheimer. Daneben stehen rund 1200 Grabstätten unter Denkmalschutz.

Bei seiner Eröffnung im Jahr 1828 lag der Hauptfriedhof 20 Gehminuten außerhalb der Stadt, heute haben ihn die Häuser längst eingekreist. Mit seinen rund 70 Hektar Fläche ist er Beerdigungsstätte und Park zugleich. Jetzt, im Herbst, haben Winterpflanzen wie Erika die Blumen auf den Gräbern verdrängt. Rote und gelbe Blätter färben Wege und Grabplatten bunt, das feuchte Moos auf den verwitterten Kreuzen leuchtet sattgrün. Das alles schafft eine romantisch-morbide Atmosphäre. Es lohnt sich, im Herbst auf Spurensuche zu gehen. „Wir hatten sogar schon Japaner hier, die nach Paulinchens Grab gefragt haben“, sagt Sibylle Mersinger vom Grünflächenamt der Stadt. Irgendjemand hat ein kleines goldenes Engelchen an ihr Kreuz gelegt.

Die Ruhestätte des Philosophen Arthur Schopenhauer ist deutlich imposanter. Eine Hecke rahmt die weitläufige Fläche mit der schlichten Grabplatte ein. Auch hier hat ein Unbekannter Blumen zurückgelassen.

An der Mauer zur Eckenheimer Landstraße ist der Philosoph und Soziologe Adorno begraben. an der Mauer zum Alten Jüdischen Friedhof der Arzt Alois Alzheimer, Zwergmispeln mit roten Beeren bedecken sein Grab.

Ein „Wegweiser zu den Grabstätten bekannter Persönlichkeiten auf Frankfurter Friedhöfen“ kann bei der Genossenschaft der Friedhofsgärtner: Eckenheimer Landstraße 192, 60320 Frankfurt, zum Preis von 3,50 Euro gekauft werden.

 

Der Rückweg entlang der „Eckenheimer Mauer“ führt vorbei an teils restaurierten, teils verfallenden Grabmalen, an von Spinnweben umsponnenen Büsten, unleserlich verwitterten Steintafeln und großen wie unspektakulären Namen. Und bevor das „Alte Portal“ die Besucher wieder in die Gegenwart entläßt, hat sich der Eindruck über den Ausflug in die ersten drei Viertel von 175 Jahren Stadtgeschichte zu einem einzigen Wort verdichtet: Würde.

 

Ein Zaddik wird verehrt

Schlichtes Grab in Frankfurt zieht fromme Juden aus aller Welt an

Schwarz gekleidete Männer mit Hüten, Bärten und Schläfenlocken gehören auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Frankfurt zum Alltag. Die streng religiösen Juden aus aller Welt pilgern zu einem unscheinbaren Grab im Feld Q2 der Anlage. Dort beten sie, zünden Kerzen an und hinterlassen kleine Zettel mit ihren Wünschen. „Sie kommen täglich, und zwar 24 Stunden, einzeln oder mit Bussen“, sagt Friedhofsverwalter Majer Szanckower. Ihr Ziel ist das Grab des 1921 gestorbenen Rabbiners Israel von Stolin, der im Chassidismus - einer orthodoxen Glaubensrichtung des Judentums - als Weiser und großer Meister verehrt wird.

Obwohl er aus Osteuropa stammte und nur kurze Zeit am Main lebte, heißt er unter Chassiden heutzutage nur „Der Frankfurter“. „Das ist sein Markenzeichen, und dafür ist er unter Chassiden in aller Welt bekannt“, sagt Szanckower, der auf dem Friedhofsgelände wohnt und die internationalen Besucher deshalb auch nach Feierabend zu sehen bekommt. Viele klingeln bei ihm und bitten um Einlass zum Friedhof, wenn sie sehen, dass die Pforten spät abends oder am Wochenende geschlossen sind.

Große chassidische Gemeinden gibt es heute außer in Israel noch in London, Antwerpen, Paris und in den großen Städten der Vereinigten Staaten. Viele Chassiden legen auf ihrem Weg von New York nach Tel Aviv einen Zwischenstopp in Frankfurt ein, um das Grab zu besuchen. „Das ist ein Muss für sie“, sagt Szanckower. Außer nach Frankfurt pilgern viele von ihnen auch zu Rabbiner-Gräbern auf Jüdischen Friedhöfen in Michelstadt im Odenwald, in Worms und in Mainz.

Geboren wurde Israel Perlon, wie Israel von Stolin bürgerlich hieß, 1869 in dem Städtchen Stolin im heutigen Weißrussland. Er stammte aus einer berühmten Rabbiner-Dynastie des Chassidismus. Ein wesentliches Kennzeichen dieser im 18. Jahrhundert entstandenen volkstümlichen Bewegung innerhalb des Judentums ist die Fröhlichkeit der Gläubigen. Sie tanzen gerne, weil sie glauben, in der Begeisterung kämen sie Gott besonders nah.

„Der Frankfurter“ war zu Lebzeiten einer der sogenannten „Gerechten“ (Zaddik), die im Chassidismus verehrt werden und von denen es nach Überzeugung der Gläubigen auf der Erde immer nur 36 zur selben Zeit geben kann. Einem Zaddik wird eine herausragende moralische Lebensführung und Weisheit nachgesagt. Er gilt als Mittler zwischen den Menschen und Gott, der Wunder vollbringen kann. Am Grab des Rabbiners zu beten und ähnlich wie an der Klagemauer in Jerusalem Wünsche auf kleinen Zetteln zu hinterlassen, bedeute für Gläubige. „an höchster Stelle meine persönlichen Probleme vorzutragen“, sagt Szanckower.

 

Hintergrund: Chassidismus setzt auf religiöses Gefühl

Der aus Polen und Russland kommende Chassidismus setzt im Judentum vor allem auf das religiöse Gefühl. Einer der ersten Führer der „Zaddikim“ war der Rabbi Israel Baal-schem tov (etwa 1700 bis 1760), der sich vor allem den Armen und Ungebildeten im Volk widmete.

Anders als die christliche Mystik, die die Zurückgezogenheit und das Insichgekehrtsein proklamiert, ist für die Chassiden die religiöse Verwirklichung in der Gemeinschaft wichtig. His-

torisch gesehen entstand der Chassidismus als Reaktion auf Pogrome der Kosaken, denen im 17. Jahrhundert zahlreiche jüdische Gemeinden in Osteuropa zum Opfer fielen. Die Chassiden rekrutierten sich aus den ärmsten Klassen. Sie waren eher antikapitalistisch orientiert, da das Judentum in Osteuropa kaum vom Kapitalismus erfasst war. Der größte Teil der Chassidim hatte deshalb auch keinen festen Beruf. Nur wenige waren Kaufleute und Handwerker. In Frankfurt gab es vor Beginn des Nazi-Holocausts nur eine sehr kleine Minderheit chassidischer Juden. In Berlin waren sie durch die Nähe zu Osteuropa stärker vertreten. Heute sind die Chassiden vor allem in Israel und den USA noch einflussreich.

 

Bertramshof;

Die Übergänge über die Landwehr wurden durch Warten oder Schläge befestigt. Zwischen dem Eisernen Schlag an der Grenze nach Eschersheim und der Friedberger Warte lag der Berrtamshof. Die befestigten Höfe rund um Frankfurt sollten den Landwirtschaft betreibenden Bewohnern Schutz vor Angreifern bieten und waren mit Gräben und einer Zugbrücke versehen. Im 14. Jahrhundert wurde er nach einem adligen Geschlecht Knoblauchshof genannt. Später ging der Hof in den Besitz des Geschlechtes der Betram und von Kühorn über, die aus Württemberg stammten. Der Kühornshof war ringsum von einem Graben mit fließendem Wasser umgeben, über den nur ein Aufzugbrücke den Zugang gestattete. Doch die Mauer war wohl schon 1476 stark zerstört, als die neue Landwehr dicht hinter dem Hof angelegt wurde. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts standen hier aber die Reste eines alten Tores mit Schießscharten. Links von der Brücke befand sich ein Brunnen und bei diesem ein steinerner Tisch mit Bänken..

 

Güntersburg:

Südöstlich des Hauptfriedhofs liegt der Güntersburgpark. Hier besaß im Jah1306 Rulmann Weiß von Limburg einen befestigten Hof. Im Jahre 1323 war er Bürgermeister und 1327 Schultheiß. Der Hof war mit einem Wassergraben umgeben und die beiden Eingänge waren mit Zugbrücken versehen. Etwa 100 Meter westlich des Güntersburgparks, wo die Böttgerstraße in die Hartmann-Ibach-Straße mündet, lag ein römischer Gutshof.

 

Es gibt einen alternativen Rückweg: Über den Marbachweg kommt man über die Autobahn A 661 und nach rechts über die Friedberger Landstraße. Jetzt kann man am Huthpark vorbei weiterfahren aber auch durch das Gelände der Blumengroßmarkthalle auf einen Trampelpfad entlang der Autobahn und dann auf eine Radweg zur Heinz-Herbert-Karry-Straße. Von dort geht es durch Seckbach und Enkheim weiter.

 

 

 

 

Rundfahrt : Heddernheim - Niederursel – Nordwest - Praunheim

 

Autobahn 66 auf alten Pfaden

Eine andere Römerstraße, die Elisabethenstraße, die von Mainz nach Hofheim und bis Marburg verlief, ist heute eine der am meisten befahrenen Straßen in Hessen - die A 66. Das Teilstück vom Krifteler Kreuz bis nach Eschborn verläuft genau auf der historischen Trasse. Sie endet in Heddernheim auf dem alten Marktplatz.

 

 

 

Heddernheim:

Wenn man von Eschersheim kommt, fährt man nicht über die ganze Maybachbrücke, sondern geht schon rechts hinunter und dann in die Straße „Alt Heddernheim“. Heddernheim entstand zur Zeit der fränkischen Landnahme um 500 n. Chr. unweit der bedeutenden römischen Siedlung Nida. Im Jahre 802 wird es als „Phetternheim“ erstmals urkundlich genannt. Vom 12. Jahrhundert bis 1803 gehörte zu Kurmainz (danach bis 1866 zu Nassau, dann zu Preußen und seit 1910 zu Frankfurt). Lehensträger waren die Herren von Praunheim und ihre Erben, die Herren von Riedt.

Ihr Schloß steht in der Straße „Alt-Heddernheim“ (rechts). Philipp Wilhelm von Riedt, kurfürstlicher Geheimrat, Obrist, General und Gouverneur der Festung Mainz, erbaute es 1740. Der Haupttrakt - mit gut erhaltenem Wappen an der Längsseite - steht noch. Nach Philipp Wilhelm von Riedts Tod 1764 kam das Schloß an die Herren von Breidbach, die später nassauische Beamte wurden. Der Herzog von Nassau kam selbst oft zu Empfängen ins Schloß. Seit 1878 beherbergte das Schloß ein Damenstift, heute befinden sich eine Kindertagesstätte und Wohnungen darin.

In der Grünanlage auf der gegenüberliegenden Seite gleich rechts steht ein Pumpenbrunnen. Er besteht aus einem schweren Sandsteinquader, den eine Kugel krönt, so wie sie sich auch mit anderen am Schloßeingang wiederfindet. Er wurde zur selben Zeit wie die sogenannte „Gemaa-Bumb“, die Gemeindepumpe, errichtet.

Diese steht links in der Straße vor dem Haus Nr. 47. Ein schlichter klassizistischer Sandsteinpfeiler auf würfelförmigem Sockel mit Becken wird von einer Platte mit Kugel bekrönt. Die seitlichen, jedoch verschieden hoch angebrachten Schwengel, ermöglichten auch Kindern zu pumpen. Es war die erste öffentliche Pumpe, der Schaft trägt die Jahreszahl 1839.

Die Errichtung des Brunnens in diesem Jahr gab Veranlassung zum ersten Fastnachtszug in Heddernheim. Dies berichtet uns eine Tafel am Brunnen, die 1950 angebracht wurde und dem damaligen Gemeinderat aus Dankbarkeit beim 111jährigen Jubiläum der Heddemer Fassenacht von den Heddemer Käwwern gewidmet wurde. Die „Gemaa-Bumb“ ist bis heute das Symbol der Heddernheimer Fassenacht und Ausgangspunkt des traditionellen Fastnachtszuges am Fastnachtsdienstag.

Nach rechts fährt man dann durch die Diezstraße und links in die Wörbachstraße und wieder rechts in die Straße „In der Römerstadt“. Nach dem Linksknick geht es kurz hinter der Haltestelle „Habelstraße“ an den Kleingärten links in einen Fußweg, der an der Stützmauer unterhalb der Straße „An der Ringmauer“ entlang führt. Zwischen der zweiten und dritten Bastion steht der Römerbrunnen bzw. ein unscheinbarer Brunnenrand.

Hier war der Südteil der römischen Stadt „Nida“. Auf der fruchtbaren Lößterrasse rechts der Nidda war nach den Chattenkriegen 83/84 n. Chr. unter Kaiser Domitian an strategisch günstiger Lage und an der Heerstraße von Mainz in die Wetterau ein Kastell entstanden. Vor seinen Toren bildete sich bald ein Lagerdorf. Als die Verteidigungslinie auf den Taunuskamm und die Garnison auf die Saalburg verlegt worden waren, blieb Nida wichtiger Etappenort, der mit der Saalburg durch eine schnurgerade Straße verbunden war. Nida stieg bald zum Marktflecken und Verwaltungsmittelpunkt des Wetteraugebietes auf - mit Tempel und Thermen, mit Forum und Amphitheater. Nach dem Einfall der Alemannen wurde Nida um 260 aufgegeben. Die Mauern verfielen, die Steine wurden anderweitig verwendet. Nur wenige Spuren des römischen Nida haben sich an Ort und Stelle erhalten wie der Römerbrunnen (und die römischen Töpferöfen am Rande des Nordwest- Zentrums).

Der Römerbrunnen gehörte zu einer römischen Villa (Landhaus). Auf den Fundamenten dieser Villa erbaute 1584 Philipp Wolf von Praunheim - Lehnsträger des Erzbischofs von Mainz, des Landesherrn von Heddernheim - das „neue Schloß“ und Hofgut „Philippseck“. Er war der letzte Sproß der Linie der Klettenberger. Der Brunnen der römischen Villa wurde auch der Brunnen des Schlosses, was ihn damals vor der Zerstörung bewahrte. Das Schloß und die zugehörige Mühle wurden 1631 von den Schweden zerstört, aber der Brunnen blieb.

Westlich des Brunnens liegt heute die „Römerstadt“, eine Siedlung, die in den Jahren 1927 bis 1929 durch Ernst May im Stil des neuen Bauens als Trabantenstadt im Grünen erstellt wurde.

Mit den Siedlungen Praunheim und Westhausen entstanden so in den zwanziger Jahren 3 850 Wohnungen „fern vom Häusermeer der Großstadt, umgeben vom Grün der Anlagen und Gärten, die engste Beziehungen zwischen Mensch und Natur innerhalb der Großstadt” ermöglichen sollten, wie es damals optimistisch hieß.

Nach rechts kann man einen Abstecher machen durch die Ernst-Kahn-Straße und eine Unterführung zum Nordwestzentrum. An der Südostseite, in Büschen versteckt, ist ein kleines Haus mit römischen Töpferöfen, die man durch die Fenster sehen kann. Man hat vor der römischen Ansiedlung Nida 106 Töpferöfen gefunden, etwa 150 werden insgesamt vermutet. Die Siedlung bestand seit 75 nach Christus. Seit 110 war sie als „civitas taunensium“ Hauptort des Verwaltungsbezirks Wetterau.

Auch im weiteren Verlauf der  Straße stehen schon Hinweistafeln auf das römische „Nida“. Am Friedhof stand das „praetorium“, ein Unterkunftshaus mit 100 Zimmern. Hier war das Zentrum der Römerstadt, den Nordteil bedeckt ein Teil der Nordweststadt. In Höhe der Brücke über die Rosa-Luxemburg-Straße stand ein Ehrenbogen. Am Ende der Straße ist man in Praunheim.

 

Praunheim:

Im Jahre 1910 war Praunheim nach Frankfurt eingemeindet worden.

Im Ort gab es ein römisches Gräberfeld aus der Niederlassung Nida (nördlich und südlich der früheren Elisabethenstraße, heute Heerstraße). An der Stelle des Dorfes Praunheim entwickelte sich auch an der Römerstraße nach Westen das vicus canabarum, des Weinkellerdorf. Eine villa rustica mit großem Wirtschaftsgebäude und Weinkeller wurde auf der Praunheiemr Seite gegenüber dem nördlichen Westtor von Nida aufgedeckt.

Zwischen Ludwig-Landmann-Straße und der Nidda , südlich der Praunheimer Hohl (in Höhe der Ebelfeldschule) war eine römische Ansiedlung, die im 4. Jahrhundert von den Alamannen genutzt wurde.

 

Dicht vor dem Westtor und dem Osttor von Nida lagen die Klettenburg, die den Grafen von Solms-Rödelheim gehörte, und die Burg Philippseck, die den Herren von Praunheim gehörte.

Nach Verfall der Römerstadt bildete sich westlich der Klettenburg der Ort Praunheim und östlich von Philippseck bildete sich das Dorf  Hetterenheim (Heddernheim), die 1132 urkundlich erwähnt werden

In dem aus einem fränkischen Königsgut hervorgegangenen Dorf saßen die Ritter von Praunheim, die 1222 erstmals vorkommen und über Jahrhunderte den königlichen Schultheiß in Frankfurt stellten. Trotz des fast erdrückenden Neubaurings ist neben der evangelischen Auferstehungskirche, 1770 anstelle einer Vorgängerin erbaut, der dörfliche Kern Praunheims mit seinen engen Gassen, schmalgiebeligen Fachwerkhäusern erhalten geblieben.

Um dieses Quartier zu umrunden geht man an der Kirche vorbei die Graebestraße hinauf, links in die Straße Alt-Praunheim mit ihren nur wenige Zentimeter breiten Bürgersteigen, vollzieht den Abwärtsbogen und hat dabei nochmals Gelegenheit zum Einkehren bei selbstgekeltertem Apfelwein. Südwärts schließt sich ein Altarm der Nidda mit seinen urwüchsigen alten Bäumen und Sträuchern an. Die Vegetation läßt hier erahnen, wie die einst unbegradigte Nidda einmal am gesamten Lauf ausgesehen haben muß. Mit großem Aufwand wird der Fluß an vielen Stellen sogar wieder „naturnah” rückgebaut. Über den Praunheimer Weg geht es dann weiter nach Niederursel. Dabei kann man auch einen Bogen nach rechts durch den Martin-Luther-King-Park machen und über den Eduard-Bernstein-Weg nach Niederursel fahren.

 

 

Niederursel

Man biegt links ab in den Weißkirchener Weg und dann nach rechts in den  Kirchgartenweg. Dort stehen prachtvolle Fachwerkhäuser. Am Ende steht rechts das „Frankfurter Rathaus“, ein barockes Fachwerkhaus von 1716. Im Jahre 1714 war nämlich der Ort geteilt worden, die eine Hälfte kam zu Frankfurt, das daraufhin sein Rathaus baute. Im Jahre 1910 wurde Niederursel nach Frankfurt eingemeindet. Der ganze Ortskern zeichnet sich durch  reizvolle Fachwerkhäuser aus.

Nach links kommt man zur Gustav-Adolf-Kirche. Größe und Baustil der Kirche wollen eigentlich nicht so recht in den alten Ortskern passen, sprengen aber doch keineswegs den dörflichen Maßstab. Die schon 1402 erwähnte frühere St. Georgskapelle bereitete den Niederurselern stets viel Kummer. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts war sie baufällig, darüber hinaus auch viel zu klein. So nahm man den Bau einer neuen Kirche in Angriff. Am Ostersonntag 1927 fand der letzte Gottesdienst in der alten Georgskapelle statt, am folgenden Tag begann man sie abzubrechen und ein neues Gotteshaus zu bauen.

Die neue Kirche (Gustav-Adolf-Kirche) wurde nach den Plänen des Architekten Martin Elsässer, eines Mitarbeiters von Ernst May, erbaut. Bautechnik und Planung waren revolutionär. Die Kirche ist ein Zentralbau mit einem gleichschenkeligen Achteck als Grundriß und wurde einschließlich Dach aus Beton gegossen. Die wichtigsten Teile der alten Kirche - das Kruzifix und die in Holz geschnitzten Schriftbänder von 1613 - wurden in die neue Taufkapelle integriert.

Beim Neubau der Kirche baute man einige alte Architekturteile von 1851 verlegten Kirchhof in die Kirchhofsmauer ein. An der Ecke zum Kirchgartenweg befindet sich eine Tür mit einer eisernen Kette und mit der im Türsturz eingemeißelten Jahreszahl 1600, die in ein dunkles Loch führt. Es handelt sich dabei um den „Gehorsam“, das Ortsgefängnis von Niederursel, genauer: um die Gefängnistür und die Prangerkette, an die die Verbrecher zum Gespött des Volkes angekettet wurden. An der Nordseite der Kirchhofsmauer baute man ein: Den Grabstein des Zigeuners Johannes Demulin von 1669, eine Grabplatte, einen Türsturz mit romanischem Kreuz und das Gewände eines Dreipaßfensters.

Nördlich der Kirche ist eine Dorfschmiede von 1929. In der Obermühlstraße steht die Trockenscheune der 1695 erbauten Untermühle. Über den Dorfwiesenweg kommt man nach rechts zum Oberurseler Weg. Von dort kann man nach links einen Abstecher machen (nicht auf der modernen Straße, sondern auf dem schmalen Weg daneben) zu Schilasmühle, Papiermühle, Hohe Mühle, zum jüdischen Friedhof  und zur Krebsmühle (Antike Möbel, „Der schönste Laden Frankfurts“). Im Oberurseler Weg nach rechts ist noch ein jüdischer Friedhof.

Wieder im Ort biegt man rechts in die Spielersgasse (Spielsgasse) ein mit den Reste der alten Urselbachbrücke. Am Urselbach entlang fährt man zur Untermühle, dann aber wioeder nach links ind en Krautgartenweg und diesen immer entlang unterhalb des Chemischen Instituts zum Bonifatiusbrunnen (siehe Kalbach). Durch die Straße „Zur Krutzenkirche“ geht es rechts in die Olof-Palme-Straße. Dort liegt das Naturschutzgebiet Riedwiesen.

 

Die Riedwiesen bei Niederursel

Mitten im Grüngürtel schneidet der landschaftsuntypische Müllberg, der aus dem hochbelasteten Erdreich und dem Bauschutt der Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM), früher Heddernheimer Kupferwerke, besteht. Er ist heute eine Beule ins Naturschutzgebiet Riedwiesen. Und obendrauf die Autos, Platz ist für 750 Stück in Baumwipfelhöhe. Die Dämme, die den Parkplatz einfassen,

Die VDM verarbeitete damals - unter Einsatz von Kriegsgefangenen - für Luftfahrt und Rüstungsindustrie Kupfer und Aluminium. Bis in die 70er Jahre hinein, wurden hier nur Fabrikabfälle gelagert. Als die VDM Anfang der 80er Jahre abgerissen wurde, landeten auch die 100.000 Kubikmeter Bauschutt hier und der Berg wuchs auf 15 Meter Höhe an.

Bodenproben auf dem ehemaligen Fabrikgelände ergaben, daß der Boden mit Schwermetallen, Dioxinen und Chlorkohlenwasserstoff verseucht ist - bei letzterem liegt der gemessene Wert vieltausendfach über dem zugelassenen Grenzwert. Als die versuchte Bodenreinigung scheiterte, wurde die Deponie Ende der 90er noch einmal geöffnet, um hier 250.000 Tonnen Erdaushub abzuladen. Dadurch wurde sie noch einmal um zehn auf 25 Meter erhöht und obendrein erweitert. Um hier einen Ausgleich zu schaffen, setzten die Naturschutzverbände durch, daß die Hinteren Riedäcker, die sich nördlich an das Naturschutzgebiet anschließen, aufgeforstet werden.

 

Der Müllberg bietet gleichwohl einen guten Überblick über das 20,5 Hektar große Naturschutzgebiet östlich von Niederursel. Direkt am Fuß des Hügels ist auf der Gemarkung „In den dürren Gärten“ ein Birkenwäldchen entstanden. Zur Nidda hin sind Wiesen erhalten, 5,2 Hektar, die der Botaniker Frischwiesen nennt, und die regelmäßig von Landwirt Thomas Huttendorfer aus Kalbach gemäht werden. Die Riedwiesen sind der letzte Rest der alten Niddaauen, die noch im vergangenen Jahrhundert als 600 Meter breiter Streifen kilometerlang rechts und links der Nidda einen Tummelplatz für die in Auwäldern typischen Tier- und Pflanzenarten boten.

Von einem Auwald war hier schon 1945 nichts mehr zu sehen. Ein Luftbild  beweist, daß die Nidda-Begradigung Anfang des Jahrhunderts „erfolgreich“ verhinderte, daß der Fluß regelmäßig über die Ufer trat. Aus feuchten Wäldern waren Frischwiesen entstanden, die mit Entwässerungsgräben für Landwirte als Grünland nutzbar gemacht wurden. Eine Reihe von Bombentrichtern, deren Verursacher offensichtlich die VDM verfehlt hatten, zeigt das 57 Jahre alte Bild inmitten einer baumlosen Graslandschaft. Als die Fläche 1983 unter Schutz gestellt wurde, war schon - ein weiteres Luftbild aus dem Jahr 1985 macht das deutlich - von alleine ein kleiner Wald entstanden.

Inmitten mehrerer Hektar weniger interessanter Frischwiesen sind nur noch Reste der klassischen und selten gewordenen Feuchtwiesen zu finden, auf denen der Botaniker sehr vereinzelt das für diesen Lebensraum typische Pfeifengras gefunden hat. Hier finden sich auch noch Weiden und Röhrichte. Schilf, Rohrglanzgras und Riesenschwaden. Weiß blüht das Mädesüß. Interessant für den Pflanzenfreund ist die feuchte Übergangszone zwischen Wald und Wiese. Wo der Landwirt nicht mäht, lugen Blüten des pinkfarbenen Sumpfstorchschnabel hervor, der auf Feuchtwiesenbrachen gedeiht, gleich neben dem lilafarbenen Wiesenstorchschnabel.

Aus den meisten einstigen Feuchtwiesen ist jedoch längst ein Wald geworden. In den ehemaligen Bombentrichtern hat sich Wasser gesammelt - Tümpel sind entstanden, in denen sich Grünfrosch, Erdkröte, Teichmolch und Grasfrosch zu Hause fühlen. Silberweiden wachsen haushoch empor. Hier sieht es ein bißchen aus, wie in einem klassischen Auenwald, dessen Charakterbaum die Silberweide ist.

Eine typische Auenpflanze ist die Brennessel, die vom Stickstoff lebt. Früher sei dieser reichlich entstanden, wenn der Fluß über die Ufer trat, dabei Blätter und Äste mit sich führte und die organische Fracht einfach liegen ließ. Wenn sie sich im Sommer zersetzte entstand reichlich Stickstoff für die Nesseln.

Die von den Landwirten in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gezogenen Entwässerungsgräben sind noch immer da. Aus den Entwässerungsgräben hat Ingolf Grabow in den vergangenen Jahren in mühevoller Arbeit mit seinen Schützlingen aus den Praunheimer Werkstätten, wo er im Brotberuf tätig ist, Bewässerungsgräben gemacht: Das Wasser, das aus Bornfloß- und Bonifatiusquelle am Riedberg und aus dem Mertonviertel ins Gebiet fließt, soll hier so lange wie möglich gehalten werden. Liebevoll haben Grabow und seine Leute kubikmeterweise Wackersteine angeschleppt und mit ihnen sechs naturnahe Sohlrampen angelegt, die dafür sorgen, daß sich das Wasser staut und nur langsam zur Nidda abfließt. Kleinstlebewesen und Fische können trotzdem passieren.

Schon ist der Grundwasserspiegel wieder gestiegen, doch Naturschützer Ingolf Grabow vom Naturschutzbund Nabu, der der offiziell eingesetzte Betreuer des benachbarten Naturschutzgebiets Riedwiesen ist. Er kämpft vor allem für den Lebensraum gefährdeter Vogelarten wie Wasserralle, Grünspecht, Habicht, Teichrohrsänger, Pirol, Sperber und Beutelmeise: Wenn der Riedberg wie geplant bebaut werde, könne die soeben wieder geöffnete Bornfloßquelle, die 60.000 Kubikmeter Wasser ins Gebiet bringt, schwächer werden. Als Ausgleich soll das Regenwasser vom Riedberg hierher geleitet werden - kalkuliert sind 27.300 Kubikmeter.

Über die Olof-Palme-Straße und die Hesse-Straße kommt man in die Dillenburger Straße und damit wieder an den Ausgangspunk der Rundfahrt.

Die Rückfahrt benutzt eine alternative Strecke: Halblinks biegt man in den Grüneburgweg ein. Weiter geht es über Fichardstraße, Hermannstraße, Koselstraße, Friedberger Platz, Bornheimer Landstraße zur Berger Straße. Hier kann man weiter fahren über die U-Bahn-Station Höhenstraße, Arnsburger Straße, Bürgerhaus, Bornheimer Landwehr, Wittelsbacher Allee, Saalburg Allee und Ratsweg.

Man kann aber auch geradeaus fahren zum Sandweg. Rechts-links geht es weiter in die Wingertstraße, links ein Stück die Wittelbacherallee hinauf und dann wieder rechts in die Habsburger Allee. An ihrem Ende geht es links den Röderbergwerk hinauf und den Carl-Heicke-Weg hinab zur Ostparkstraße. Dann fährt man am östlichen Rand durch den Ostpark bis zur Eisenbahn, Dort gibt es einen Weg nach links unter dem Ratswegkreisel hindurch. Durch die Riederspießstraße kommt man in die Kirchenallee. Rechts liegen die Sportplätze und der Abenteuerspielplatz. Geradeaus geht es durch den Riederwald. Alle Straßen haben Durchgänge zur Straße „Am Erlenbruch“.

Schön finde ich, dass die Trasse der alten Römerstraße am Riedberg nicht bebaut werden soll, sondern dass da ein Grünstreifen bleibt. Man sieht daran schon, dass man heute sorgsamer mit den Überbleibseln früherer Zeiten umgeht als noch vor 20 Jahren.

 

 

 

RUNDFAHRT: Frankfurts nördlichste Dörfer

Hier liegen Orte mitten in Feldern und Wiesen, die - zumindest im Kern - ihren dörflichen Charakter bewahrt haben. Harheim, Kalbach, Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach heißt der späte Zuwachs, den die Großstadt nach hinlänglichem Werben noch in den siebziger Jahren vereinnahmen durfte. Die Gebietsreform tat das ihre, um Zögerlichen wie beispielsweise Harheim die Entscheidung abzunehmen. Gemeinden, die nach den Richtlinien des Landes Hessen wenige Einwohner hatten, konnten danach nicht selbständig bleiben. Da halfen auch keine hochbeladenen Mistwagen mehr und auch keine dampfenden Jauchefässer der Bauern vor ihrem Rathaus, die Zwangsehe zu verhindern, die Eingemeindung wurde im Hessischen Landtag beschlossen.

Bis Ende der achtziger Jahre konnten Spaziergänger, die von Bad Vilbel am Erlenbach entlang zwischen ausgedehnten Feldern nach Nieder-Erlenbach und Harheim liefen, leicht den Eindruck gewinnen, weit weg von der Großstadt in ländlicher Abgeschiedenheit zu sein. Seit der Fertigstellung der Umgehungsstraße B 3a im Niddatal und Erlenbachtal hat sich durch die Trassenführung, Brückenbauten und neu angelegte Wege das Gesamtbild. zumindest im Flußbereich, doch etwas verschoben. Weiter draußen allerdings ist noch der topographische Wetterau-Charakter unverändert erhalten geblieben.

 

Ausgangspunkt ist Bad Vilbel. Man fährt über Bergen nach Bad Vilbel. Dort die Hauptstraße entlang und links unter den Schienen hindurch auf die Homburger Straße. Nach links biegt man in die Straße Sportfeld und in die Huizener Straße ab. Dort ist das Berufsbildungszentrum, wo man allerdings nur am Wochenende parken kann. Weiter geht es mit dem Fahrrad.

Am Ende des Schul- und Sportgeländes trifft man auf die Mündung des Erlenbachs, der  von der Taunushöhe unterhalb des Sandplackens herunterkommt. Dort biegt man rechts ab und kommt über die Bundesstraße 3a. Der Weg wechselt links-rechts über den Erlenbach und führt auf die Straße „Mühlengrund“ (anders als auf der Karte).

 

Massenheim: siehe Bad Vilbel

 

Nieder-Erlenbach

Nieder-Erlenbach  wird erreicht in der Bornstraße. Nach rechts biegt dann die „Alte Fahrt“ ab.

Ein kleines Gäßchen auf der rechten Seite ist gekennzeichnet durch das Schild „Zur Charlottenburg“. Dort fährt man hin und findet ein großes Haupthaus und zwei ebenso große Nebengebäude um einen großen Hof vor. Es handelt sich um das ehemalige von Lersnersche Schloß mit einem Park.

Nördlich liegt die Evangelische Kirche mit ihrem schlanken spätgotischen Westturm, dessen Schießscharten die einstige Wehrhaftigkeit nicht verleugnen können Im Jahre 1715 wurde sie renoviert. Schräg gegen über im Haus Nummer 27 steht das ehemalige Pfarrhaus von 1748, im Auftrag des Rates der Stadt Frankfurt errichtet.

Geradeaus kommt man auf ein altes Gebäude, das wohl schon mit zur ehemaligen Wasserburg der Herren von Glauburg gehört. Das Gelände ist rundherum mit einer hohen Mauer umgeben, aber völlig belegt von den Gebäuden der Anna-Schmidt-Schule. Rechts auf dem Schulhof steht das Herrenhaus mit verschiefertem Fachwerkobergeschoß aus dem 17. Jahrhundert mit einem Wappen.

An der Ecke zur Oberen Burgstraße steht die Bäckerei Treutel, ein großes Fachwerkhaus mit einer Torfahrt in der Oberen Burgstraße. Diese schöne alte Straße fährt man entlang und dann rechts herum in die Straße Alt-Erlenbach. Rechts ist das Rasthaus mit dem „Erlenbacher Schuh“, einem alten Längenmaß, daneben die Gaststätte „Alte Scheune“. Man fährt die Straße weiter und biegt am Ende links ab über die Homburger Straße zum  Aussiedlerhof „Auf der Steinritz“.

Den betonierten Feldweg muß man weiter fahren, weil die ursprünglich weiter südlich gelegene alte Römerstraße überackert ist. Auch der „Kästenbaum“ ist nicht erreichbar, sondern steht inmitten der Felder. Am Ende des ausgebauten Weges biegt man nach links ab und kommt zu dem Aussiedlerhof „Taunusblick“.

Noch gibt es in Frankfurt rund 95 Landwirte, die mit 4.000 Hektar fast ein Sechstel des Stadtgebiets bewirtschaften. 90 Prozent der fruchtbaren Lößböden werden ackerbaulich genutzt, das heißt, es gibt wenig Weiden und Wiesen, weil die Frankfurter Landwirte kaum noch Tiere halten. Jedes Jahr geben ein paar Betriebe auf. Die landwirtschaftlichen Flächen sind ungeheuer wichtig für den Grüngürtel. Nur die Landwirte pflegen die riesigen Flächen, aber leider kaum ökologisch. Gab es 1992 noch keinen Biobauern, zählt das Umweltamt heute fünf ökologisch wirtschaftende Betriebe. Im Jahre 1991 wurde für städtische Flächen ein Herbizidverbot ausgesprochen. Es mußte nach dem Protest der Landwirte zurückgenommen werden. Es gilt aber weiterhin, wenn ein neuer Pächter eine städtische Fläche übernimmt. Inzwischen setzt die Stadt jedoch mehr auf die Kooperation mit den Landwirten. So gibt es seit zehn Jahren eine gemeinsame Arbeitsgruppe zum Thema umweltgerechte Landwirtschaft in Frankfurt.

Es empfiehlt sich dann, die Nieder-Erlenbacher Straße weiter zu fahren bis nach Nieder-Eschbach, denn die Feldwege weiter nördlich sind zu anstrengend.

 

Nieder-Eschbach

Nieder-Eschbach liegt am Eschbach. Am Ortseingang fährt man - von der Nieder-Eschbacher Straße her kommend -  links um die Karl-Bieber-Höhe herum hinunter zur Straße „Am Sprudel“. Man biegt rechts ein und fährt dann links über die Brücke in die Glockenstraße. Dort trifft man auf die Kirche.

Sie wurde 1617-18 (Jahreszahl am Turm 1617) nach Entwurf des Hanauers Konrad Roßbach unter Verwendung spätgotischer Architekturreste hinter mittelalterlichem Frontturm errichtet. Der Innenraum wurde1765-66 von dem Hanauer Baumeister Ludwig Hermann gestaltet. Vor der Kirche steht ein Dreimärker von 1786.

Nach links geht es in die Hauptstraße. Links steht ein altes Fachwerkhaus mit Wohnanlage. Man fährt geradeaus weiter in die Lehensgasse (Am Lehenweg), dann links und wieder rechts in den Kirschwiesenweg. Kurz vor dem Ende biegt man nach rechts in die Weimarer Straße in und dann wieder links in den Nieder-Eschbacher Stadtweg. Von diesem biegt nach rechts die Steinerne Straße ab, auf der man jetzt weiter fährt.. Diese Straße wurde schnurgerade von den Römern anlegt als Verbindung zwischen Wiesbaden-Mainz, über die Niddabrücke zu den Kastellen Okarben, Friedberg und Echzell und zu in der Wetterau unterhaltenen Gutshöfen. Die Steinerne Straße, wie sie auch heute noch heißt, wurde später als Handelsstraße weiter benutzt, und ab 1231 zogen von hier die Wallfahrten nach Marburg zum Grab der Hl. Elisabeth. Die Straße führt heute an der U-Bahn-Linie entlang. Nach einem Linksschlenker um eine Anlage kommt man zur Station Bonames-Mitte.

 

Kalbach

Am Rande der Nidda-Aue bei Kalbach liegt eine legendenumrankte historische Stätte: die Bonifatiusquelle. Ein Steinkreuz und ein Gedenkstein, Bäume und Sträucher umgeben sie. Sie ist gelegentlich das Ziel von Prozessionen.

Im Alter von etwa 80 Jahren war Winfried-Bonifatius, der in England geborene „Apostel der Deutschen“, der Missionar der Friesen und Hessen, seit 746 Bischof von Mainz, in Sorge um sein Werk noch einmal nach Friesland gezogen. Er wurde dort am 5. Juni 754 ermordet. Seinen Leichnam überführte man rhein- und mainaufwärts bis Hochheim und durch die Wetterau nach Fulda ins Lieblingskloster des Bonifatius. Der Leichenzug benutzte im Main- Nidda- Gebiet die römische Militärstraße (Elisabethenstraße) und gelangte am Abend des ersten Tages in die Nähe von Kalbach, wo das Nachtlager eingerichtet wurde. Am anderen Morgen, so erzählt es die Sage, entsprang dort eine Quelle, die willkommene Stärkung vor dem Weiterzug in der sommerlichen Hitze bot.

In frommer Erinnerung daran schenkte Walprahte aus dem Niddagau noch im 8. Jahrhundert dem Kloster Fulda eine Hofstatt in der Gemarkung Kalbach, eine Hufe und dazu den Acker, auf dem der Leichenzug geruht hatte und die Quelle entsprungen war. Das Kloster Fulda errichtete dort ein Kreuz und dabei eine Kirche, die „Krutzenkirche“ (Auch an anderen Rastplätzen des Leichenzugs - so bei Sossenheim - waren Kreuze oder Kapellen errichtet worden).

Im Jahre 1256 wird diese Kirche erstmals erwähnt. Sie entwickelte sich zu einer vielbesuchten Wallfahrtskirche und zur Pfarrkirche für umliegende Gemeinden. Auch ein Benediktinerkloster wurde hier erbaut (laut Gedenkstein). Nahebei stand der Galgen des Landgerichts Stulen bzw. Königstein. Die Krutzenkirche verfiel seit der Reformationszeit, um 1600 verschwanden alle brauchbaren Reste.

In den letzten Jahren interessierten sich die Archäologen für das Gebiet, in dem sie sich befindet. Die Flurnamen „Kreuzerfeld“ und „Am Galgen“ weisen auf eine bedeutsame Vergangenheit dieser Stätte. Ausgrabungen seit 1983 brachten die Grundmauern der romanischen Krutzenkirche (um 1050), Fundamentreste von zwei Altären, Pfostenspuren einer Empore und Grabstätten zutage. Man fand auch Reste eines Brunnenheiligtums aus dem 10./11. Jahrhundert, Pfostengruben einer Holzkirche um 800 und die Hofstatt eines freien Grundherrn aus dem 7. Jahrhundert.

Von der Bonifatiusquelle führt ein betonierte Weg (am Anfang derzeit weggebaggert) nach Kalbach. Er heißt Bonifatiusweg und trifft auf die Talstraße (wenn man von Bonames zur Bonifatiusquelle will, kommt man über die Straße „Unterer Kalbacher Weg“ auf die Talstraße, aber der Weg ist doch ziemlich weit, eine Verbindung mit der Tour Heddernheim ist sinnvoller).

Im langgestreckten Kalbach ist nicht viel zu sehen außer der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius, einer barocken Saalkirche, die 1765 geweiht wurde und eine Innenausstattung aus dem 17. und 18. Jahrhundert hat. Man fährt am Kreuz die Straße geradeaus weiter (nicht rechts herum) in die Straße „An der Bergstraße“. Diese führt ins Feld mit einer schönen Aussicht nach Frankfurt und zum Taunus. Nach links biegt man dann ab zu dem Reiterhof auf der Höhe. Wenn man sich den Weg über Kalbach ersparen will, fährt man gleich an der Bonifatiusquelle hoch und dann links zu diesem Reiterhof.

Nach Westen geht es weiter, rechts liegt die Niederlassung der Ruhrgas, links die Gebäude der naturwissenschaftlichen Fakultäten der Frankfurter Universität. Dahinter geht es links-rechts in die Kreuzerhohl Richtung Niederusel.

 


 

Bonames

Bonames ist einer der ältesten Frankfurter Stadtteile. Es scheint schon eine römische Niederlassung gewesen zu sein, denn der Name könnte von „bona mansio“ (gute Poststation) herkommen. Urkundlich erwähnt ist der Ort zuerst in der Mitte des 11. Jahrhunderts bei einem Tausch mit dem Kloster Fulda. Das Hochstift Fulda legte wohl Wert auf den Besitz des Hofgutes Bonames, weil in der Nähe die Krutzenkirche stand, wo man mit dem Leichnam des Bonifatius rastete. Eine Pfarrei hat schon 1297 bestanden, die Kirche lag bei der Burg und wurde 1476 neu erbaut. Im Ort gab es auch eine Beginenklause, die ursprünglich bei der alten Kirche lag.

Im 12. Jahrhundert kam Bonames in den Besitz eines Rittergeschlechtes. Johann Faut von Bonames räumte der Stadt Frankfurt ein Vorkaufsrecht ein, das diese auch in Anspruch nahm, als der Ritter verschuldet starb. Die Befestigungsanlage wurde 1413 um den ganzen Ort gezogen mit einer Oberpforte und einer Unterpforte an der Nidda. Im Schmalkaldischen Krieg wurde der Ort 1546von den Kaiserlichen  zerstört. Im Jahre 1579 brach ein großer Brand aus. Im Jahre 1632 besetzte Gustav Adolf den Ort. Die Burg wurde zwar noch einmal aufgebaut, aber 1834 auf Abbruch versteigert.

Man fährt links die Homburger Straße hinunter. Rechts liegt das Gasthaus „Zur Goldenen Gerste“. Etwas weiter unterhalb liegt links die Kirche. Hier ist schon im 13. Jahrhundert eine außerhalb der Ortsbefestigung gelegene Kirche nachweisbar. An ihrer Stelle ging 1476-78 die spätgotische Pfarrkirche hervor. Ab 1642 wurde die heutige barocke Saalkirche mit barocker Innenausstattung errichtet.

Unterhalb  der Kirche geht ein kleine Sackgasse nach links. Sie ermöglicht einen Blick auf das Metzler’sche Landhaus. In diesem Gebiet stand einst der mittelalterliche Saalhof von Bonames. Dann wurde dort Anfang des 18. Jahrhunderts ein barockes Gutshaus unter Einbeziehung des südöstlichen Eckturms der spätgotischen Ortsbefestigung errichtet (Jahreszahl 1784 über der Eingangstür unten an der südwestlichen Ecke). Der jetzige Bau wurde durch Umbau in repräsentativen Formen des Klassizismus um 1830 inmitten eines von Sebastian Rine angelegten Parks oberhalb des ehemaligen Flußlaufs der Nidda errichtet.

Weiter unten steht das Gasthaus „Zum Einhorn“. Wo die drei Straßen Alt-Bonames, Homburger Landstraße und Burghof zusammentreffen, steht in der Homburger Landstraße die alte Schmiede Westerfeld.

Von dieser Kreuzung geht man nach Westen in die Straße „Am Burghof“. Sie macht einen großen Linksbogen um das Gelände einer früheren Niederungsburg, die der Familie der Schelme von Bergen gehörte. Die einzig erhaltene Skizze der Burg aus dem Jahre 1721 zeigt ein mehrstöckiges Wohnhaus mit einem runden Turm, umschlossen von einem Wassergraben. Eine Ringmauer ist nicht zu erkennen. Dicht neben einem Wirtschaftsgebäude (das teilweise über einem Graben steht) führt eine Brücke nach Nordnordosten über den Burggraben. Im Schmalkaldischen Krieg wurde die Burg 1546 niedergebrannt. Im Jahre 1834 wurde die Ruine auf Abbruch versteigert, 1874 verkaufte die Stadt Frankfurt das Gelände. Hier waren bis 1993 Gärten. Dann wurde alles noch einmal ausgegraben und dokumentiert, damit das Gelände bebaut werden konnte.

Die Straße führt zum Gelände des ehemaligen Hubschrauberlandeplatzes der Amerikaner.  Hier ist ein Freizeitgebiet entstanden mit Gaststätte (das Tower Café hat die Hausnummner Am Burghof 55) und Skaterflächen, aber auch mit einem Naturschutzgebiet. Dazu hat man die Betonflächen aufgebrochen und teilweise unter Wasser gesetzt, so daß ein eine einzigartige Flora und Fauna entstanden ist.

Südlich vom Gelände verläuft die Nidda. Sie wird überquert von der der Robert-Gernhardt-Brücke. Hier steht das Grüngürteltier, eine fiktive Comicfigur. Sie wurde 2001 von Robert Gernhardt entworfen und dient als Sympathie- und Werbefigur. Philipp Waechter (nicht F.K.Waechter) hat daraus eine Bronzefigur gemacht, die hier aufgestellt wurde (auch auf eiener Brücke am Flughafen und am MainÄpelhaus auf dem Lohrberg). Waechter hat eine ganze Serie von Objekten geschaffen, die am Grüngürtel-Rundwanderweg aufgestellt wurden, zum Beispiel der Pinkelbaum am Jakobiweiher und eine Eule.

Von  der Brücke geht man nach Osten über die Kalbach und zur Homburger Landstraße. Östlich der Homburger Landstraße geht es auf einer Brücke über den Altarm  der Nidda, der den früheren Verlauf der Nidda markiert. Er ist erst 2002 wieder durchgängig gemacht worden. Eine 15 bis 20 Meter lange Rampe wurde gebaut, die den Wasserspiegel senkt, den Fluß staut und so das Wasser in den Altarm drückt. Beim Nidda-Ausbau 1961/62 hatten die Planer die Bonameser Niddaschleife einfach abschnei­den lassen, um den Lauf des Flusses zu verkürzen, so daß ein unverbundener westlicher und östlicher Altarm der Nidda entstanden. Im Jahre 2002 wurden die beiden Altarme wieder miteinander verbunden und an die Nidda angeschlossen. Der Magistrat bittet in einem aktuellen Vorgang um die Zustimmung der Stadtverordneten zu der Baumaßnahme, die rund 1,46 Millionen Euro kosten soll. Finanziert wird sie allerdings aus vorweggenommenen naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgaben für das Neubaugebiet Bonames-Ost.

Der 1961/62 entstandene Altarm wurde damals rund um die Bonameser Niddabrücke auf einer Länge von 320 Metern mit Aushubmaterial aus der Nidda verfällt, so daß die Brücke trockengelegt und der östliche vom westlichen Altarm getrennt wurde. Schon 1996 wurde der westliche Altarm unter der Brücke hindurch um rund 80 Meter verlängert, so daß die malerische alte Steinbrücke nun wieder eine Wasserfläche überspannt statt - wie jahrelang - verwildertes Brachland.

Im zweiten Bauabschnitt wurden die beiden Altarme wieder miteinander verbunden. Damit diese wieder ständig von Wasser durchströmt werden, soll in der Nidda eine 15 bis 20 Meter lange Rampe gebaut werden, die den Wasserspiegel im Fluß senkt, diesen staut und so das Wasser in den Altarm drückt.

Davon erhoffen sich die Fachleute vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung, daß die Wasserqualität in den zu Stillgewässern mutierten Altarmen künftig wieder besser wird. Auch soll die Verlandung der Altarms aufgehalten werden. Zwar kommen an den von Weiden, Erlen, Eschen und vor allem auch Ulmen bewachsenen Altarmen Tier- und Pflanzenarten vor, die im Niddatal selten geworden sind. Die Isolation des Biotops ist aus Sicht der Experten allerdings problematisch. Mit der Öffnung zur naturnah ausgebauten Nidda sollen die Lebensräume wieder aneinander angedockt werden. Der heute monoton strukturierte Altarm werde dadurch künftig wesentlich reicher ausgestattet sein. Nicht ganz unwesentlich für die Stadtentwässerung ist auch der erhoffte Hochwasserschutz durch die Anbindung der alten Niddaschleife.

 

Östlich der Homburger Landstraße geht es gleich hinter der Brücke nach links in den Nord­park und dann nach Norden über den Altarm. Der komplett von schillernd grünen Wasserlinsen überzogene Wasserspiegel bildet zusammen mit den Baumkronen einen grünen Tunnel. Aber trotz des Reizes, den sie ausüben, sind die Altarme artenärmer als die renaturierten Abschnitte der Nidda. Auch die Gewässerqualität ist im Fluß besser als in den nährstoffreichen Altarmen, in denen die Wasserlinsen, wenn sie absterben, dem Wasser Sauerstoff entziehen und damit den Tieren Probleme bereiten, die schon unter der Dunkelheit zu leiden haben, für die der dicke Linsenteppich sorgt.

Die heutige Nidda wurde in diesem Abschnitt schon renaturiert. Sie war einmal ein wilder Fluß: Noch zu Anfang des Jahrhunderts überflutete sie regelmäßig die Aue zwischen Bona­mes, Harheim und Berkersheim. Die Landwirtschaft brauchte aber Flächen, für Siedlungen mußte Bauland her: Man mußte diesen Fluß bändigen. Ernst Mays in den 20ern und 30ern gebauten Siedlungen in Heddernheim sind überhaupt erst möglich geworden, weil der Fluß zwischen Niddamündung und Eschersheimer Wehr zuvor in ein ausgebaggertes Bett gezwungen wurde. Die Böschungen waren mit Rasen bewachsen, und kein Busch durfte hoch kommen.

Der zweite Abschnitt des sogenannten Nidda-Ausbaus in den 60er und 70er Jahren zwischen Eschersheimer Wehr und der Mündung der Horloff war gerade abgeschlossen, als der Zeitgeist Anfang der 80er Jahre allmählich wieder zurückruderte - weg vom Kanal, hin zur geschwungenen Flußlandschaft. Das Pilotprojekt „Nidda- Renaturierung“ war alsbald geboren und ein langer Streit mit den Landwirten vor Ort begann. Denn die waren nicht gewillt, sich auch nur von einem Quadratmeter zu trennen.

Nach dem Planfeststellungsverfahren konnte es 1993 endlich losgehen. Seitdem hat die Stadtentwässerung hier 100.000 Kubikmeter Material aus den Böschungen geholt, um künstliche Auen anzulegen, die zwischen Bonames und Harheim in verschiedenen Stadien des Bewuchses bewundert werden können: als wilder Wald am Berkersheimer Bogen, als Sandstrand mit kargem Pionierkraut, als buschiges Grün.

 

Vom Altarm geht es im Zickzack hoch auf den Hang. Der bequemere Weg führt links um das (nördliche) Sportplatzgelände herum, der kürzere rechts. Auf alle Fälle kommt man auf einen Weg, der nach Norden führt. Aber kurz vor der Fahrstraße biegt man rechts ab und dann wieder links auf einen betonierten Wirtschaftsweg, der in den Ort hinein führt,

 

Harheim

Harheim wurde 786 erstmals erwähnt. Unter den Karolingern war es Königsgut. Nachher waren die Erzbischöfe von Fulda und Mainz die Eigentümer, bis es dann an Nassau und Hessen-Darmstadt kam. Das Dorf war eine in sich gerundete Anlage, von einem Haingraben, Wall und Hecke umgeben. Daran hat sich über Jahrhunderte nichts geändert,  unter welchen Herren der Ort auch immer stand.

Gleich links am Eschbach lädt die urige Dorfgaststätte „Zum Goldenen Löwen” zur Einkehr. Seitlich am Gebäudegeviert vorbei, bringt die Straße Alt Harheim, gesäumt von giebelseitig stehenden kleinen Häuschen, einst eine in sich gerundete Dorfanlage, zum Marktplatz.

Wieder zur Brücke zurück, quert man die Nidda und läuft rechts weitet; nun mit Blick auf Berkersheim hinauf. Am ersten links abzweigenden Weg, unübersehbar an der hohen vierstämmigen Linde, biegen wir links ein, unterqueren die Gleise, gehen die Straße Im Wiesengarten hinan und weiter deren Fortsetzung Am Herrenhof.

Fast am Ende findet man, etwas versteckt, den Eingang zur evangelisch-lutherischen Michaelskirche. Eine kleine Kostbarkeit im „Bauernbarock”. Die Hanauer hatten 1545 die lutherische Reformation eingeführt, dann, 1595, das reformierte Bekenntnis nach dem Motto „Cuius regio, eius religio”. Als durch Erbteilung 1639 ein Teil von Berkersheim an das Geschlecht der Schelme von Bergen fiel, nahmen diese den lutherischen Glauben an, was den Bau der Michaelskirche zur Folge hatte. Sie selbst lebten im „Höfchen”, Untergasse 13, wovon noch Teile sichtbar sind. Über die spitzgiebeligen Häuser in der Straße sagt man, sie seien von reformierten, die mit abgeplattetem Giebel von lutherischen Einwohnern erbaut worden.

Die Straße „Am Herrenhof“ mündet in eine Kreuzung. Links die Gastwirtschaft „Zum Lemp”, bekannt als dörfliche Einkehr seit fünf Generationen. Oberhalb von ihr beginnt die Straße Am Honigberg, der wir bis zum Ortsende folgen, und setzen dort aus der Kurve geradeaus Am Hohlacker unseren fort. Mit freier Sicht über das Niddatal, Wetterau und Taunus kommen wir schließlich auf dem alten Berkersheimer Weg zum Bad Vilbeler Südbahnhof zurück (Rhein-Main, 167)..

 

Von der Spitzenstraße biegt man nach links in die Philipp-Schnell-Straße. Kurz hinter der katholischen Jakobuskirche biegt man links ab in die Straße Alt-Harheim. Am Anfang steht ein Platz mit einem Kruzifix und modernen Häusern. Am anderen Ende der Straße stand am Eschbach das Untertor. Nach links geht es in eine Anlage, die frühere Bleiche des Ortes, in dem es viele Weber gab. Es folgt wein Kreuz aus dem 18. Jahrhundert, an dem an Fronleichnam die Prozession Halt macht. Der Ort ist offenbar mehrheitlich katholisch (Die evangelische Kirche von 1561 ist in der Straße Am Wetterhahn im Norden des Ortes).

Von der früheren Untermühle sind keine Reste mehr zu sehen. Aber wenn man über den Steg in Richtung Bürgerhaus geht, ist rechts eine ganz kleine Kapelle von 1763 und dabei ein Sühnekreuz und eine Sammlung alter Grenzsteine.

Auf der anderen Seite des Eschbachs fährt man durch die Straße „In den Schafgärten“ wieder zurück auf die Hauptstraße, die jetzt „Maßborner Straße“ heißt. Auf ihr fährt man ein Stück links und dann nach rechts in die Keltenstraße. Dort geht es geradeaus auf dem Fußweg zum Römerbrunnen. Dieser ist ein kleines, in Stein gefaßtes Rinnsaal in einer kleinen Anlage, von monumentalen Steinen eingerahmt. Die Katholiken nennen die Quelle „Jakobusbrunnen“ und feiern dort Feste. Man fährt durch die Anlage und unterhalb der Gärten bis zum Harheimer Stadtweg. Nach links kommt man zur Niddabrücke, wo der Eschbach in die Nidda mündet.

Von der Brücke aus kann man sehen, daß ein natürlicher Fluß nicht gleichmäßig fließt wie ein Kanal, sondern mal träge dahin schwappt und mal hurtig über flache Kiesel strömt. Wenn die Fließgeschwindigkeit klein ist, bleibt Schlamm liegen, ist sie groß, nur große Brocken. In schnell fließenden Bächen leben andere Tierarten als in trägen Gewässern. Um die unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten auf relativ kleinem Raum hinzukriegen, haben die Ingenieure eine große Betonnase geschleift, die an der Mündung des Eschbachs zuvor jahrzehntelang regulierend in die Mitte des Flusses ragte.

Das Kleingetier, das hier wieder einen Lebensraum gefunden hat, filtert die Dreckstoffe aus dem Wasser. Die Gewässergüte im 90 Kilometer langen Fluß, von denen 18 Kilometer auf Frankfurter Gemarkung liegen, hat sich deutlich verbessert in den vergangenen 20 Jahren.

Die Brücke befindet sich im Berkersheimer Bogen. Hier, wo früher eine Böschung kahl in den gezähmten Fluß fiel, ist in weniger als zehn Jahren ein zehn Meter hoher Wald aus Weiden und Erlen entstanden. Im Jahre 1997 bescheinigten Umweltexperten bei einer ökologischen Bewertung ein gelungenes Projekt: mehr Arten, eine höhere Artendichte und Artenmischung.

Die höhere Strukturvielfalt des Ufers hat in kürzester Zeit zu mehr Artenvielfalt geführt: Typische Ufer- und Wasserarten wie Teichrose, Pfeilkraut, Kamm-Laichkraut, Igelkolben und Sumpfkresse sind wieder heimisch geworden. Und auch die so genannte Pioniervegetation, die zuvor in dieser Ausdehnung und Vielfalt an der Nidda nicht vorkam, hat auf den zeitweise überschwemmten Schlammboden wieder Räume bekommen: Schwarzfrüchtiger Zweizahn, Spießblättrige Melde, Wasserpfeffer und Gift-Hahnenfuß.

Auch die Zoologen werten die begonnene Renaturierung als Erfolg: sie zählten 52 Vogelarten. Erfreulich sei die Sichtung eines Teichrohrsänger-Brutpaars, der in Röhrichten siedelt und deshalb erst an der umgebauten Nidda einen Lebensraum findet. Auch die gefährdeten Arten Kuckuck, Feldschwirl und Dorngrasmücke wurden gesichtet. Der Rückgang des anpassungsfähigen Rotauges läßt auf eine verbesserte Wasserqualität schließen.

Aber: Die durch das Eschersheimer Wehr bedingte Stauung des Flusses habe zur Folge, daß das Artenspektrum der Fischfauna und der am Gewässerboden lebenden Insekten für einen Fluß untypisch ist, weil strömungsliebende Arten weitgehend fehlten. Die Artenzusammensetzung erinnert an ein Stillgewässer.

Eines der Ergebnisse der Arbeitsgruppe ist das Uferrandstreifen-Programm: 30.000 Mark stehen jährlich zur Verfügung, um Landwirte zu verlocken, am Niddaufer auf Ackerbau mit Einsatz von chemischen Mitteln zu verzichten und statt dessen auf extensive Wiesennutzung umzusteigen. Auf das Prinzip positive Verstärkung statt Verbot setzt auch das Förderprogramm für Pflege und Neupflanzung von Streuobstwiesen (Frankfurt I, Seite 82; Frankfurt II, Seite 62).

 

Zwischen Harheim und Nieder-Eschbach  direkt am Nieder-Eschbacher Stadtweg befindet sich eine Furt über den Eschbach. Sie liegt da, wo die römische Steinstraße den Eschbach querte. Diese Steinstraße führte ab dem ersten Jahrhundert n. Chr. von Mainz-Kastel zu den römischen Limeskastellen in Okarben und Echzell in der Wetterau. Der Sage nach benutzte ein riesiger Leichenzug im Juli 754 die Eschbachfurt bei der Überführung der Gebeine des Heiligen Bonifatius von Mainz nach Fulda. Die Furt ist heute von beiden Seiten zugänglich und wird von Landwirten, Pferden und Badelustigen gleichermaßen genutzt.

 

Berkersheim

Berkersheim ist der kleinste Stadtteil in Frankfurts Nordosten. Für die Heimatforscher besteht kein Zweifel, daß der Gemeindenamen an einen „prächtigen Jüngling”, Berthgisil, erinnert. Von ihm heißt es, er habe sich Ende des 8. Jahrhunderts im Niddagau verirrt. Ihm gefiel die Landschaft so sehr, daß er blieb und sich auf einer kleinen Anhöhe über der Nidda niederließ. Die Wohnstätte nannte er nach sich selbst: Berchgisisheim.

Offiziell erscheint der Name erstmals 795 im Lorscher Codex. Das heißt, der bereits in prähistorischer Zeit besiedelte Flecken kann auf über 1200 Jahre überlieferter Geschichte zurückblicken.

Obrigkeitsherren gab es in dieser langen Zeit viele: die Falkensteiner, die Schelme von Bergen, der Deutschherrenorden und schließlich über drei Jahrhunderte die Grafen von Hanau. Darüber hinaus hatten die Kirche, niederer Adel und reiche Frankfurter Familien in Berkersheim Besitz. Der Ort war von jeher landwirtschaftlich geprägt. Trotz Eingemeindung nach Frankfurt 1910 und dem Anstieg der Einwohnerzahl von 400 auf mehr als 2 000 wirkt er noch immer dörflich. Das macht seinen Reiz aus.

Hier wird Berkersheim in eine Niddawanderung eingebunden. Ausgangsort ist der Südbahnhof Bad Vilbel. Vom Bahnsteig aus quert man die Fußgängerbrücke, nimmt nach links den Treppenabgang zum Querweg, folgt diesem rechts zum Niddasteg und setzt drüben links, flußabwärts den Weg fort. Hier darf die Nidda, gesäumt von alten Bäumen, ihre Schleifen ziehen. Im Biotopbereich der Erlenbachmündung ist ein kleiner Schlenker notwendig, nach rechts zur Schutzhütte, dort links, an der nächsten Wegekreuzung abermals links kommen wir wieder ganz nahe an die Nidda. Die B 3 wird unterquert. Sportplätze werden sichtbar, dahinter taucht aus einer Senke Harheim auf, historisches Pendant zu Berkersheim, bemüht, seinen eigenständigen Charakter zu wahren. Vor der Niddabrücke rechts lohnt sich ein Abstecher in den Ort (Rhein-Main, 167).

Die Verzahnung von Landwirtschaft und Kulturlandschaft ist kaum besser zu sehen als in Berkersheim, dem kleinen Dorf, das schon 795 urkundlich erwähnt wurde. Zu seiner reformierten Kirche erhielt es 1690 noch eine lutherische Kirche. Erst 1910 wurde es von der großen Stadt Frankfurt eingemeindet. Wer hier auf der Höhe durch die Felder streift, mag sich fühlen wie auf dem Lande und hat doch die Türme der Stadt ständig im Blick. Wenn die Berkersheimer gerade in Laune sind, zeigt sich eins der rund 200 hier beheimateten Pferde vor der Kulisse der Stadt.

Volker Illig, der einzige Vollerwerbsbauer in Berkersheim,  baut 24 Hektar Weizen an, zwölf Hektar Zuckerrüben, ein bißchen Hafer, Kartoffeln und Luzerne. Er nutzt immerhin acht seiner 50 Hektar als Grünland, den größten Teil davon als Streuobstwiesen, zur Freude der Grüngürtelprojektgruppe, die diesen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten auf so vielen Flächen wie möglich erhalten will. Nur neun Hektar gehören der Familie, der Rest ist von der Stadt gepachtet.

Berkersheim erstreckt sich auf dem Hang. Man bleibt aber auf dem nördlichen Niddaufer. Der Uferweg ist asphaltiert, wird entsprechend von Fahrradfahrern frequentiert. Buschwerk und Bäume säumen gelegentlich das Ufer. Links schweift der Blick bis zu den Taunushöhen. Der Weg knickt vor dem Erlenbach nach links ab und nach rechts geht es dann wieder in die Huizenstraße und zum Berufsbildungszentrum

 

 

Autofahrt durch den Norden Frankfurts

In Bad Vilbel nach Norden, unter der Eisenbahn hindurch in die Homburger Straße. In Massenheim Abstecher nach links in die Hainstraße zur Kirche. Weiter nach Nieder-Erlenbach. Rechts ab (nicht: Alt-Erlenbach) in den Erlenbacher Stadtweg und gleich rechts in die „Hohe Brück“, links „Alte Fahrt“ und rechts „Obere Burgstraße“ ins Ortszentrum. Wieder zurück und auf der Straße „Alt-Erlenbach“ weiter. Nach links geht es in die Nieder-Eschbacher Straße, nach Nieder-Eschbach, durch den Ort hindurch und links in die Homburger Landstraße nach Bonames (geradeaus fahren, nicht nach rechts dem Wegweiser „Frankfurt“ folgen). Parken auf dem Parkplatz links hinter dem Bahnübergang, nachdem man erst um den ganzen Platz herumgefahren ist. Zu Fuß die Homburger Straße weiter (Rechtsknick) und über die Straße „Alt-Bonames“ zurück.

Vom Parkplatz dem Wegweiser „Kalbach“ folgen durch den oberen Kalbacher Weg nach Kalbach, am Ortseingang links in die Bonifatiusstraße (auch wenn diese für Autos gesperrt ist) zum Bonifatiusbrunnen. Dort nach unten fahren und rechts an der U-Bahn entlang, rechts in die Dillenburger Straße und  an deren Ende links-rechts zum Nordwestzentrum (Rosa-Luxemburg-Straße geht nicht, aber eventuell Alternativstrecke: Lurgi Allee, links Emil-von-Behring-Straße direkt zur Niederurseler Straße). Am Nordrand des Rings um das Nord-West-Zentrum in den Hammarskjöld-Ring, links in die Nierderurseler Straße und rechts nach Alt-Niederursel und in das Ortszentrum.

Nach Süden weiter auf dem Praunheimer Weg nach Praunheim und dem Wegweiser „NordWest-Zentrum“ folgend in die Straße „Steckborn“. Am Nord-West-Zentrum rechts ind ie „Emil-Kahn-Straße“ und nach links in die Straße „In der Römerstadt“. Am Ende nach rechts und dann nach links in die Straße „Alt Heddernheim“. Am Ende links in die Dillgasse, wieder links in die Brühlsgasse und rechts in die Nassauer Straße, Dann wieder rechts  und in Richtung „Innenstadt“ rechts an der Maybach-Brücke vorbei.

Die Eschersheimer Landstraße nach Süden (Weißer Stein, Lindenbaum). Das Linksabbiegen ist erst wieder in der Hügelstraße möglich (aber mit einem Rechtsbogen).. Nach links in die Jean-Monnet-Straße (Siegmund-Freud-Straße geht schlecht wegen Einbahnstraßenregelung), bis unter der Autobahn hindurch, nach rechts in die Homburger Landstraße. Wieder unter der Autobahn hindurch und nach rechts in die Gießener Straße. Dann links in die Weinstraße in den Ortskern von Preungesheim. Nach rechts wieder in die Homburger Landstraße (unten rechts Bildstock) und gerade zur Friedberger Warte. Dort Geradeaus-Spur Richtung Bad Vilbel.

Mögliche Autofahrt nach Höchst:

Autobahn bis Ludwig-Landmann-Straße und rechts ab in den Rödelheimer Parkweg nach Rödelheim.. Dort rechts ab durch die Straße „Auf der Insel“ und Lorscher Straße. Nach links in die Eschborner Straße, wieder links in die Straße „Am Seedamm“ und nach rechts über „Gaugrafenstraße“ und „Westerbachstraße“ nach Sossenheim. Auf der Kurmainzer Straße nach Höchst. Am Ende dieser Straße nach rechts , dann wieder links in die Zuckschwerdtstraße, unter der Bahn hindurch und geradeaus zum Bolongaropalast. Mainabwärts liegen Justinuskirche und Schloß. Rückfahrt über die Mainzer Landstraße.

 

Höchst

Ludwig Erhard legte im Frankfurter Westen den Grundstein für seine „Soziale Marktwirtschaft“, Gustav Weißkopf, dem noch vor den Gebrüdern Wright der erste Motorflug gelang, ging in Höchst zur Schule. Und gleich drei Nobelpreisträger, nämlich Robert Koch. Paul Ehrlich und Emil von Behring, sind eng mit Hoechst und Höchst verbunden.

 

Die Justinuskirche steht an einer „hohen Stelle“ am Main, wo aus einem römischen Kastell eine fränkische Fischer- und Bauernsiedlung hervorging.  Hier ließ seit 830 Erzbischof Otgar von Mainz (826-847) zu Ehren des Heiligen Justinus Confessor eine Kirche bauen für den aus Rom mitgebrachten Leib des heiligen Justinus. Damit erwarb der Erzbischof auch das Herrschaftsrechte in Höchst, das er bis 1802 innehatte.

Die karolingische Säulenbasilika mit wunderbaren Kapitellen, gehört zu den ältesten noch weitgehend erhaltenen karolingischen Kirchen in Deutschland und ist sogar in den Rang eines europäischen Kulturdenkmals erhoben worden. Sie ist die älteste Stadtkirche Frankfurts und Frankfurts ältestes erhaltenes Bauwerk überhaupt. Zu vermuten ist, daß die 849 urkundlich erwähnte „villa Hohstedi“, also der Weiler Höchst, sich erst durch die Ansiedlung der Kirche zu einem regelrechten Dorf entwickelt hat.

 

 

Die Kirche bietet einen nahezu einmaligen Anblick, meint doch der Betrachter, sie stünde auf der Stadtmauer (sie steht natürlich dahinter). Imposant wirkt sie vom Schwanheimer Ufer aus betrachtet. Da thront sie hoch über dem Main und ist seit Jahrhunderten das Höchst-Erkennungszeichen für die Schiffahrt.

Vom Jahr 1090 an gehörte die Justinuskirche den Benediktinern von Sankt Alban, eine Propstei entstand, die Justinuskirche wurde Kloster- und Pfarrkirche. Im Jahre 1419 ging das Höchster Kloster in das Eigentum des Erzbischofs Johann II. von Nassau über, 1441 wurden es dem Antoniterorden übergeben, der nun mit seinem Konvent von Roßdorf bei Hanau nach Höchst übersiedelte.

Weitere Bedeutung gewinnt die Justinuskirche dadurch, daß sie vom Tag ihrer Gründung bis zum 20. Jahrhundert immer Pfarrkirche war. Baumeister aus zwölf Jahrhunderten haben in der Kirche Spuren hinterlassen. Mehr als 30 Generationen haben ihre Auffassung von gottgefälliger Kirchenkunst kundgetan: Erzbischöfe, aber auch Mönchorden wie die Benediktiner und - über viele Jahrhunderte hinweg - die Antoniter.

Die Antoniter blieben bis zur Aufhebung des Klosters 1802 in Höchst. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde insbesondere die Inneneinrichtung verändert. Das heutige Bild der Kirche ist geprägt von zwei umfangreichen Arbeiten zur Restaurierung der Kirche. Nach einer Grabung, bei der die karolingischen Apsiden wieder aufgefunden wurden, wurden zwischen 1930 und 1932 Fundamente, Mauern und Dächer auf Staatskosten gründlich erneuert. Von 1982 bis 1988 bemühte man sich um die Restaurierung sowie Teilrekonstruktion der Innenausstattung.

Probleme machen die Wand rechts vom Chor steht deutlich schief. Das Problem ist der Untergrund, denn sie steht ja auf der alten Stadtmauer. Und dann die Figur, die auf dem Sockel des Heiligen Carolus steht, aber eindeutig eine Frau, vermutlich Maria Magdalena ist. Die passende Figur wurde einmal samt falschem Sockel versehentlich der evangelischen Kirche geschenkt.

Ein bißchen gruselig ist das, was durch mündliche Überlieferungen noch erhalten ist oder zufällig entdeckt wurde: Geheimgänge gab es unter der Kirche, die zum Höchster Schloß führten, aber in den 30er Jahren zugeschüttet wurden. Alte Höchster erinnern sich noch daran. Und dann die mysteriöse Quelle, die sich unter der Kirche befindet. Vermutet wird sie unter dem Chor. Aber es gibt auch im Kirchenschiff ein Bodenstück, das sich immer ein bißchen dunkler verfärbt als die Umgebung.

Unter einer Bodenplatte im Altarraum  fand man ganz viele Knochen. Über viele Jahrhunderte weg wurden die hochgestellten, vermögenden Verstorbenen unter der Kirche zur letzten Ruhe gebettet. Ein Grab von Philipp von Reiffenberg (1548) ist unter anderem noch erhalten. Merkwürdige Salzausblühungen an den karolingischen Säulen ließen um die Standfestigkeit Säulen fürchten. Doch es handelt sich um wenig aggressive organische Verbindungen. Sie steigen aber auf aus den Gebeinen der Begrabenen.

Bei den Grabungen seit 1999 wurde nachgewiesen, dass nicht nur das Fundament, sondern auch Mauern und Säulen der Kirche um etwa 850 entstanden sind. Auch hatte man keine Hinweise auf Reste eines ältern Kirchengebäudes gefunden. Widerlegt werden konnte dadurch die These einiger Zweifler, dass der heutige Kirchenbau erst im 11. Jahrhundert auf den Grundmauern eines Vorgängerbaues errichtet worden sei.

Am Hauptportal am Justinusplatz wachen der Heilige Paulus von Theben und Antonius Abbas. Die wirken mit ihren eingedrückten Nasen, denen Jahrhunderte Saures gegeben haben, weniger ehrfurchtsgebietend, sondern viel mehr wie lädierte Boxchamps. Dann tritt man durch die zweiflüglige schwere Tür aus Holz und Eisen, schaut und schaut, fühlt sich gleich gut aufgehoben in der kleinen Justinuskirche in Höchst und hat doch den hartnäckigen Gedanken: Hier ist doch was ganz verkehrt. Den gotischen Chor erdrückt ein barocker Hochaltar, die beeindruckende Arkadenreihe des karolingischen Langhauses mit den korinthischen Säulenkapitellen werden von Gips-Heiligenfiguren betrachtet.

Ein spätgotischer Seitenaltar muß sich arrangieren mit einer eher verspielt gestalteten gewaltigen Orgel aus dem 18. Jahrhundert, getragen von Säulchen, die wiederum von ihren etwa 1000 Jahre älteren mittelalterlichen wuchtigen Brüdern beinahe lächerlich gemacht werden.

Doch bildet dieses Sammelsurium von Baustilen merkwürdigerweise doch eine harmonische Einheit, als hätte das Haus alle Widersprüche miteinander verschmolzen und daraus einen neuen Geist geschaffen. Schmuck des Kircheninneren aus karolingischer Zeit bilden die Säulen mit korinthischen Kapitellen und Kämpfern, die in Deutschland zu den berühmtesten Stücken aus dem 9. Jahrhunderts gehören. Der Kreuzaltar, ein gemalter Flügelaltar und ein rund 700 Jahre alter Taufstein sind weitere sehenswerte Kunstwerke. Beliebt sind auch die Spekulationen über den Künstler, der den Seitenaltar schuf. Da haben nämlich einige Kunstexperten Parallelen zum Isenheimer Altar von Grünewald, gesehen. Der Künstler könnte immerhin aus dieser Schule kommen.

 

Das Alte Rathaus (Allmeygang 8) wurde 1593-95 erbaut als repräsentativer Putzbau mit Treppengiebeln auf L-förmigem Grundriss unter Einbeziehung des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus.

 

Das Schloß steht auf den Resten einer Burg. Kaiser Karl IV. (1347-1378) hatte die Bedeutung von Höchst recht schnell erkannt und der Ansiedlung 1355 die Stadtrechte verliehen. Ihr Entstehen hat die Stadt dem Mainzer Kurfürsten zu verdanken, der hier eine Zollstätte plante und mit dem Bau der Burg begann. Im Jahre 1389 wurde Höchst das Recht zugestanden, Münzen zu prägen. Die Höchster Golddukaten sind heute begehrenswerte Sammelobjekte. Diese Einnahmequelle war den benachbarten Frankfurtern allerdings ein Dorn im Auge: Im Jahre 1396 brannten sie Burg und Teile der Stadt nieder.

Über einem römischen Kastell errichteten die Grafen von Nüring eine Turmburg. Als Zollburg der Mainzer Erzbischöfe wurde im 12. Jahrhundert eine Burg errichtet. Reste von Buckelquadern lassen auf einen Erweiterungsbau in staufischer Zeit (um 1200) schließen, der 1396 durch Frankfurt zerstört wurde. Ab 1352 stand hier aus strategischen Gründen eine Wasserburg des Erzbistums Mainz, vor allem durch Erzbischof Johannes von Nassau. Der Bau mußte 1408 nach einem kaiserlichen Verbot zunächst eingestellt werden. Erst unter Dieter von Ysenburg (1475-1482) wurde er weitergeführt. Im Jahre 1546 wurden im Verlauf des Schmalkaldischen Krieges Stadt und Schloß gebrandschatzt.

Von 1580 bis 1600 verlieh Erzbischof Wolfgang von Dalberg dem ausgebauten Schloß den Glanz der Renaissance. Es ist das einzige Schloß in der Stadt Frankfurt. Wahrzeichen von Höchst ist der 45 Meter hohe Turm. Das Neue Schloß entstand im 16. Jahrhundert außerhalb des Burggrabens als einer der Höchster Adelshöfe. Später diente es dem Kurfürsten und Erzbischof von Mainz als Quartier bei seinen Besuchen. . Der schlanke Bergfried stammt aus dem 14. Jahrhundert, der Rechteck-Wohnbau entstand Ende des 16. Jahrhunderts.

Im Januar 1635 ließ der protestantische Feldherr Herzog August von Sachsen-Weimar die ehemals vierflüglige Anlage bis auf den nordwestlichen Teil das Schloß niederbrennen, auch in diesem Fall wird die Stadt Frankfurt als Anstifterin vermutet. Es blieben leider nur der Turm mit angrenzenden Gebäudeteilen sowie das repräsentative Torhaus übrig. Etwa von 1770 an wurden die noch hoch aufragenden Trümmer abgetragen und zu einem großen Teil als Baumaterial für den Bolongaropalast verwendet. Nur wenig beschädigte Bauten des heutigen Museums und des Turms wurden notdürftig wieder instand gesetzt.

Das nach Gründung der Chemiewerke (zunächst Meister, Lucius und Brüning) sich rasch entwickelnde Höchst wollte im Schloß zeitweise ein Rathaus errichten, auch eine katholische Kirche auf der Schloßterrasse war im Gespräch. Die Witwe von Johann Adolf Brüning, Clara, erwarb Ende des 19. Jahrhunderts zunächst das neue, 1908 auch das alte Schloß. Ihr Sohn Ernst Rüdiger plante sogar einen bombastischen Wiederaufbau in der Architektur des späten Historismus. Dazu ist es allerdings nie gekommen.

Von 1945 an richtete der amerikanische Sender AFN (American Forces Network) sein Studio im neuen Schloß ein, das alte diente als Unterkunft für die Mitarbeiter. Noch heute kommen viele US-Touristen nach Höchst, um sich an die alten Zeiten zu erinnern. Seit 1966 hat dann die ehemalige Hoechst AG altes und neues Schloß übernommen. Sie baute das Neue Schloß zum exklusiven und oftmals scharf bewachten Gästehaus des Vorstands aus.

Erst als Infraserv als Hoechst-Nachfolgerin die beiden Schlösser übernommen hatte, öffnete sich auch das neue Schloß für die Allgemeinheit. Für Feierlichkeiten aller Arten wurde das ehemalige Gästehaus mit repräsentativen Räumen, aber auch mit leicht verstaubtem Herrenzimmer-Charme vermietet. Mit steigendem Erfolg. Den Unterhalt des Gebäudes aus diesen Einnahmen zu erwirtschaften, erscheint aber aussichtslos.

Anfang 2002 hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beide Teile des Schlosses und den Ochsenturm zum Jahresbeginn von dem Nachfolge-Unternehmen der ehemaligen Hoechst AG übernommen.

Die Stiftung hat beide Teile des Schlosses und den Ochsenturm zum Jahresbeginn von dem Nachfolge-Unternehmen der ehemaligen Hoechst AG übernommen. Als zukünftige Nutzung ist ein Porzellanzentrum von überregionaler Bedeutung im Gespräch. Gottfried Kiesow, ehemals Hessischer Landeskonservator und jetzt Vorstandsvorsitzender der Stiftung, sieht darin einen Auftrag. „Wir hatten mit Hoechst einen Partner, der das Schloß sanierte und erhielt. Das muß jetzt die Stiftung übernehmen - und dabei auch an die Leistung des Unternehmens erinnern.“ Kiesow und Kreuziger äußerten sich zufrieden darüber, daß Schloß wie Park weiter allen Bürgern offen stehen und auch das Schloßfest wie gewohnt im Sommer unter dem Turm gefeiert werden kann. Zur finanziellen Seite der Übernahme machten sie keinerlei Angaben.

 

Als zukünftige Nutzung ist ein Porzellanzentrum von überregionaler Bedeutung im Gespräch. Im Alten Schloß sind das Museum für Höchster Geschichte und das Industriemuseum mit Beständen zur Geschichte der ehemaligen Hoechst AG untergebracht. Mit der Höchst Service Gastronomie (HSG) als Pächter ist das Neue Schloß heute mit Tagungsräumen und Gastronomie allen Bürgern zugänglich. Lauschige Gartenanlagen auf dem Gelände von neuem und altem Schloß in Höchst sollen auch künftig der Öffentlichkeit zugänglich sein.   

Gänzlich unerwartet lösten sich bei einem Gewittersturm im August 1994 schwere Steinbrocken aus dem oberen Turmbereich und fielen auf das Dach des Museums und in den Schlosshof. Schuld war der Einsatz bauphysikalisch ungeeigneter Baustoffe, die bei Sanierungsmaßnahmen Anfang der 70er Jahre Verwendung fanden. Auch die Rekonstruktions- und Instandsetzungsarbeiten der vergangenen Jahrhunderte konnten bestenfalls als Flickwerk bezeichnet werden.

Um die Zukunft dieses wunderschönen Renaissanceschlosses zu sichern, war die Zeit, halbe Sachen zu machen, endgültig vorbei. Die Höchster Schlossanlage sollte jedoch in ihrer roten Farbfassung nicht wiederhergestellt werden. In Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege sollte die historische Farbigkeit aus dem 16. Jahrhundert: weißer Kalkputz, rote Natursteinbauteile, grüne Fenstersprossen wiedergewonnen werden.

Eine besondere Aufgabe bedeutete das Konservieren der Stuckdecke im Tonnengewölbe der Tordurchfahrt mit Kalkstuckmörtel, holzgebranntem Marmorsumpfkalk und Kalkkaseinlasur. Die farbliche Retusche der Deckenprofile legte das Landesamt für Denkmalpflege mit einer blauen Pigmentierung mit geringem Leinölzusatz fest. Das Torhaus bekam ebenfalls eine weiß-graue Farbfassung. Am Portal des alten Höchster Schlosses steht eine Figur des heiligen Martin. Fenstergewände und Profile sowie Fenster und Türgewände des Schlossgebäudes einen Anstrich mit rötlicher Siliconharzlasur. Basen und Kapitelle wurden nach der Grundierung mit Blattgold versehen.

 

 

Der Schloßplatz mit dem Schloß, dem Zolltor und den schmucken Fachwerkhäusern bildet ein sehenswertes Ensemble. Durch das große Tor des Zollturms zogen einst nicht nur die Zollknechte, sondern es passierten auch die Reisenden die Mauer, wenn sie auf dem Wasserweg von Mainz nach Frankfurt in Höchst Mittagsrast einlegten.

Unmittelbar neben dem Zollturm befand sich damals die Wirtschaft „Zum Karpfen“. Vornehme Leute speisten im „Karpfen“: Albrecht Dürer (1520), die Familie Mozart und auch Goethe, der von einem Fenster des „Karpfen“ das Höchster Schloß zeichnete und dort vom Modelleur der Porzellanmanufaktur, Johann Peter Melchior, porträtiert wurde. Das einst aus Holz, Schilf und Lehm gebaute barocke Fachwerkhaus zum Karpfen diente später nicht mehr als Gasthaus. Im Jahre 1973 mußte es abgerissen werden, da es brüchig geworden war. Man erstellte es wieder neu in Eisenbeton und Mauersteinen mit Aussparungen, verzierte es mit Fachwerk und richtete moderne Wohnungen ein. Aus etwa 200 Schieferplatten schuf Dachdeckermeister Walter Schwab aus Frankfurt den überlebensgroßen Karpfen und die Schieferrosetten.

 

Die Höchster Altstadt, die im Zweiten Weltkrieg nur wenig beschädigt wurde, drang immer mehr als ein einmaliges Schmuckstück Frankfurts ins Bewußtsein vieler und wurde ein Vorbild für Stadtsanierung. Rund 300 farbenprächtige Fachwerkhäuser fügen sich an der Nordseite des Schloßplatzes und am Burggraben zu einem geschlossenen Stadtbild. Kopfsteinpflaster und historischen Vorbildern nachempfundene Laternen erinnern ebenso an längst verflossene Zeiten, wie die kleinen Häuschen mit blumengeschmückten Fenstern, niedrigen Türen und rustikalen Fensterläden. Sehenswert sind Ochsentor, Maintor, Altes Rathaus, Greiffenclausches Haus, Kronberger Haus, Antoniterkloster, Haus zum Anker und natürlich die niedlichen Fachwerkhäuschen der Höchster Altstadt.

 

Die Höchster Porzellanmanufaktur, die zweitälteste Manufaktur in Deutschland überhaupt, residiert im Dalberger Haus, das um 1586 erbaut wurde. Höchst stellte neben Meißen und Wien die dritte europäische Porzellan-Manufaktur. Gegründet von Adam Friedrich von Löwenfink aus Meißen, den Frankfurtern Johann Christoph Göltz und dessen Schwiegersohn Johann Felican Claus, begann die Produktion des „weißen Goldes“ in der Zehntscheuer. Die Manufaktur entwickelte sich rasch zu einem Betrieb, dessen Erzeugnisse sich durchaus mit Meißner Porzellan messen konnten.

Meisterwerke aus der Höchster Manufaktur sind unter anderem im Höchster Schloß zu sehen. Präsentiert werden sie auch im Bolongaropalast, die neuen Kreationen sind im Dalberg-Haus käuflich zu erwerben. Und in der Porzellan-Manufaktur in der Palleskestraße können Besucher unmittelbar dabei sein, wenn die Rohmasse gegossen und gebrannt wird.

Seit mehr als 1400 Jahren gilt für gehobene Tischkultur Porzellan als das einzige Material, aus dem die Träume sein dürfen. Schon Könige, Kaiser und andere Edelleute ließen gern das zerbrechliche, weiße, manchmal sogar fast transparent wie Glas wirkende Geschirr auftragen oder plazierten kunstvolle Fayencen aus Porzellan in ihren Gemächern, Boudoirs oder Salons. Das kostete sie ein Vermögen, denn Porzellan zählte lange Zeit zu den wohl wertvollsten Importartikeln vom anderen Ende der Welt, aus China. Dort schmückten die federleichten, aber extrem festen Tassen, Teller, Schüsseln und anderes mehr schon seit dem siebten Jahrhundert die noblen Häuser und deren Tafeln. Findige Chinesen entdeckten nämlich früh die Zauberformel aus Kaolin, Feldspat und Quarz, die bei rund 1000 Grad Hitze zu dem weißen Gold schmolzen.

Über die Seidenstraße und andere Wege brachten die Händler die immer heißer begehrte Ware nach Europa. Und so erzielte Porzellan Preise wie Gold - und ließ viele Einflussreiche nach Möglichkeiten suchen, wie man von den Importen unabhängig werden und zu einer Selbstversorgung gelangen könne.

Aber erst nach vielen Versuchen und über 1000 Jahre nach seiner ersten Entdeckung in Fernost gelang es dann zwei Deutschen hierzulande, genauer gesagt in Meißen, das Geheimnis der Porzellanherstellung zu lüften. Es dauerte nochmals gut ein Vierteljahrhundert, bis Mitarbeiter der ersten und berühmtesten Manufaktur auf deutschem Boden vom Elbeufer ins Land zogen, um dort weitere Produktionsstätten zu gründen. Mit kirchlichem Privileg aus Mainz entstand so auch 1746 die Höchster Porzellan Manufaktur. Bis heute hat sie sich trotz der wechselvollen Entwicklungen des Gesamtmarktes behaupten können.

Zum Erfolg beigetragen haben dürfte, dass sie die kunsthandwerkliche Erfahrung ihrer Mitarbeiter nicht nur für die Herstellung künstlerisch bemerkenswerter Kostbarkeiten einsetzt, sondern in großem Umfang individuell gestaltetes und dekoriertes Gebrauchsporzellan der Spitzenklasse produziert.

Zu ihren Kunden zählen von Vermögenden mit dem Wunsch nach einem hauseigenen Porzellan über anspruchsvolle Hotels, gesellschaftliche Treffpunkte bis hin zu einer Vielzahl ganz normaler Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich einfach an schönem Porzellan erfreuen können und es zu schätzen wissen.

 

Zentraler Porzellan-Ort aber ist das Kronberger Haus in der Bolongarostraße mit drei Abteilungen mit rund 1500 Höchster Fayencen und Porzellanen. In dieser Zweigstelle des Historischen Museums - nur ein paar Schritte von der Manufaktur entfernt - befindet sich eine faszinierende Sammlung wertvoller Geschirrteile, Tischschmucks und unterschiedlichster Fayencen aus mehreren Jahrhunderten. Unter den Kostbarkeiten, die Vitrinen, Glasschränke und Anrichten schmücken, finden sich bekannte Höchster Figuren wie zum Beispiel die „Türkenkapelle”, der „Chinesische Kaiser”, aber auch komplett gedeckte Speise- und Dessert-Tische des 18. Jahrhunderts. Im Kronberger Haus gibt.

Dort sind die berühmtesten Werke aus der Werkstatt von Porzellankünstlern wie Johann Peter Melchior zu sehen. Zu verdanken ist dies auch großmütigen Stiftern. Die Anzahl der Exponate wird sich nun noch einmal um die Hälfte vermehren. Denn die ehemalige Hoechst AG, vertreten durch die Nachfolgegesellschaft Histocom, wird ihre eigenen wertvollen Bestände an Porzellan dem Museum als Leihgabe überantworten. Das bestätigte gestern der Histocom-Chef Wolfgang Metternich.

Hinzu kommen weitere Stücke, die das Historische Museum der Höchster Dependance überläßt, wie Kustodin Patricia Stahl berichtet. Eine große Privatsammlung war einmal 1910 von der Stadt Frankfurt unter erheblichen Kosten angekauft worden - auch um sie vor einem Verkauf an ein Berliner Museum zu retten. Zum Teil hatten schöne Stücke aber im Depot geschlummert, weil sich keine adäquaten Ausstellungsmöglichkeiten boten.

Das Erdgeschoß des Kronberger Hauses wird nun seit geraumer Zeit umgebaut. Dort sollen sämtliche neuen Stücke, darunter repräsentatives Tafelgeschirr, aber auch die besonders beliebten Figurinen, in neuen Vitrinen präsentiert werden. Zudem sei man derzeit noch in Verhandlungen mit weiteren privaten Eigentümern, die ebenfalls ihre Schätze dem Museum überlassen wollen.

 

Den Bolongaropalast erkundet man am besten von der Mainufer-Seite aus. Man geht durch das schmale schmiedeeiserne Tor, überwindet die ersten steilen Stufen am Pavillon, läßt dann das kleine, wasserspeiende Ungeheuer links liegen, steigt schließlich gemessen den geschwungenen Treppenflügel im Park empor und läßt dabei den Bolongaropalast ganz langsam vor sich empor wachsen: Symmetrisch, zweiflügelig, eine Fassade aus weißem und rotem Sandstein. geschwungene Fensterbögen, ein von Säulen getragener Balkon mit kleinen Skulpturen, der sich über die ganze Breite des Zentralbaus erstreckt.

 

 

Keiner mit blauern Blut in den Adern, aber immerhin ein „Schnupftabak-König“ hat den Palast errichtet. Erbauer ist der italienische Großkaufmann Joseph Maria Marcus Bolongaro (1712-19), der so gerne ein echter Frankfurter geworden wäre, dessen Sympathien aber nie erwidert wurden.

Im 18. Jahrhundert ließen sich die Brüder Bolongaro aus Stresa in Höchst nieder - nachdem ihnen der Frankfurter Rat den Einzug in die Stadt verwehrt hatte. Der eine Tabakfabrikant, der andere Bankier, erhielten sie und ihre Familien 1722 den Bürgerbrief.

 

Daraufhin bauten sie den Bolongaro-Palast, dem man auch heute noch seine Bewunderung nicht versagen kann. Das barocke Gebäude ist ein steinerner Zeuge Höchster Geschichte, der zu ihm gehörende Park eine Kostbarkeit.

Nach einer etwas bösartigen Legende soll Joseph Bolongaro auf Frankfurter Messen mit dressierten Murmeltieren aufgetreten sein und so den Grundstock für seinen späteren Reichtum gelegt haben. Wahr ist, dass er einer alten Kaufmannsfamilie aus Stresa am Lago Maggiore entstammte und mit seinen Brüdern Jakob Philipp und Franz Maria unter dem Namen „Gebrüder Bolongaro“ ein florierendes Unternehmen mit Stützpunkten in Amsterdam, Leipzig, Würzburg und eben Frankfurt aufbaute. Man handelte mit Tee, Kaffee, Südweinen und Gewürzen, der Schwerpunkt aber lag auf dem Tabak, der Joseph Bolongaro seinen „Titel“ verlieh, nämlich „Schnupftabak-König“.

Wo die Kaufleute in ihren Anfangszeiten in Frankfurt wohnten, ist heute nicht mehr bekannt. Im Jahre 1756 jedenfalls erwarben die Fratelli Bolongaro das palastartige barocke Gebäude „Zum Wölffchen“ in der Töngesgasse. Neben dem repräsentativen Vorderhaus gab es einige Nebengebäude, in denen die Geschäftsräume und vermutlich auch eine kleine Tabakfabrik untergebracht waren.

Zum europaweit bedeutendsten Kaufmann seiner Branche hatte es Joseph Bolongaro gebracht. Da liegt eigentlich die Vermutung nahe, dass die Bolongaros von der Stadt Frankfurt mit offenen Armen aufgenommen wurden. Das aber war nun ganz und gar nicht der Fall. Seit 1737 stellten die Gebrüder unzählige Anträge an den Magistrat, um wenigstens Bürger auf Lebenszeit (Beisassen) mit allen Rechten (uneingeschränkte Handelstätigkeit) und Pflichten zu werden - vergeblich. Die Konkurrenz für den einheimischen Handel sollte abgewehrt werden, zudem waren die römisch- katholischen Italiener der protestantisch geprägten Stadt nicht geheuer.

Erst als sich bedeutende Persönlichkeiten für sie verwandten (darunter sollen auch die Töchter Kaiser Karls VII. gewesen sein), gab der Magistrat - vorerst - nach. Die Querelen waren aber damit noch lange nicht beendet.

Mit dem Tod Franz Bolongaros im Jahr 1754 begann eine langer Streit um dessen Hinterlassenschaft. Er hatte in seinem Testament einige Legate für die italienische Verwandtschaft vorgesehen. Das brachte die Stadt auf, weil ihr dadurch ein Teil der Nachlasssteuer entging. Zum großen Eklat kam es dann 1770/71, als Jakob Bolongaro die Absicht hatte, sich ganz aus dem Geschäft zurückzuziehen. Er bat um die Aufnahme seines Schwiegersohns Peter Anton Bolongaro-Creveni als Bürger, der Magistrat lehnte nicht ab, sondern erklärte, dass er künftige Petitionen dieser Art ignorieren werde. Einen letzten verzweifelten Versuch starteten die Bolongaros doch noch. Sie ließen die Stadt über einen Vermittler wissen, dass man bereit sei, eine enorme Summe zu zahlen, falls es zu einer gütlichen Einigung kommen könnte - ohne Erfolg.

Das Maß war für die Bolongaros voll. Sie sahen sich nach neuen Standorten um und liefen sozusagen direkt in die offene Arme des Mainzer Kurfürsten Emmerich Josef Freiherr von Breidbach zu Bürresheim, des damaligen Herren von Höchst. Der plante gerade eine Höchster Neustadt (oder Emmerich-Josef-Stadt).

 

Er bot de Kaufleuten nicht nur ein 12.000 Quadratmeter großes Filetgrundstück zu einem sehr guten Preis sowie preiswertes Baumaterial von der damaligen Schloßruine an, sondern auch den Bürgerbrief, die Befreiung von allen Steuern für 20 Jahre und die beliebige Wahl weiterer Wohn und Firmensitze. Als kleine Gegenleistung sollten die Bolongaros die Werbetrommel für das Neustadtprojekt rühren.

Aus Letzterem ist nie etwas geworden. Dafür aber wurde das Hauptgebäude des Bolongaropalasts innerhalb von nur drei Jahren (1772-75) geradezu in Rekordzeit fertiggestellt. Die Angaben über die Baukosten schwanken zwischen einer knappen Million und zwei Millionen Gulden. Architekt war mit großer Wahrscheinlichkeit Josef Schneuder.

Zu dem dreizügigen Barockbau gehören lauschige Gartenpavillons. In der Tradition der barocken Residenzschlösser wurde der Bolongaropalast mit seiner lieblichen Gartenanlage und den Puderzucker-Pavillons errichtet. Aber der Palast war aber nie fürstliche Residenz, sondern stets Wohn-, Geschäftshaus und sogar in seinen Seitenflügeln Mietshaus für die Angestellten und Arbeiter. Lange wurde es aber nicht als solches genutzt.

Joseph Bolongaro starb 1779 kinderlos und vererbte sein riesiges Vermögen (nach heutigen Maßstäben war er Milliardär) an seine beiden Neffen. Böse Ironie des Schicksals: Anhand dieser Summen erkannte plötzlich die Stadt Frankfurt, welche gewaltigen Einnahmen an Steuern und Zöllen ihr durch die Ablehnung der Familie Bolongaro entgangen waren. Den Nachfahren wurden Bürgerrechte zuerkannt, sie zogen nach Frankfurt, behielten den Palast aber als Handelshaus.

Nachdem Joseph Bolongaros Witwe Anna 1792 gestorben war, kümmerten sich die Nachfahren kaum mehr um den mehr und mehr verwahrlosenden Palast. Er diente mal als Lagerhalle, mal als Militärquartier. Der Palast bot einst Napoleon eine standesgemäße Unterkunft der hier auf seiner Flucht zum letzten Mal auf rechtsrheinischem Gebiet übernachtete. Anschließend bezog Marschall Blücher im gleichen Haus sein Hauptquartier.

. Das Gebäude wurde parzelliert, vermietet und immer mehr zerstört, bis sich die damalige Stadt Höchst Anfang des 20. Jahrhunderts zum Kauf entschloß. Die letzten umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden zwischen 1980 bis 1987 vorgenommen. Heute hält dort der Frankfurter Oberbürgermeister seine Sprechstunden ab. Im Palast residiert die Höchster Verwaltungsstelle, die Schönheiten der einstigen Repräsentationsräume der Bolongaros, ihre Fresken, Stuckdecken, kunstvolle Spiegel und Gemälde sind für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. An die Familie selbst und ihre Geschichte erinnert nichts mehr. Nur wer etwas genauer hinschaut, kann in den Palast-Balkonen das „FB“ der „Fratelli Bolongaro“ entdecken.

 

Der Reiz der alten Stadt geht nicht zuletzt vom Main aus, zu dessen Ufern sich Höchst allerdings recht zugeknöpft gibt: 300 Meter lang und dicht geschlossen ist auch heute noch die Mauer zur Flußseite hin. Im Osten begrenzt sie der Turm an der Mainmühle (Mainberg 2), in spätgotischer Wehrturrn am östlichen Rand der Höchster Stadtbefestigung. im Westen steht der wuchtige Ochsenturm, während in der Mitte das Maintor mit seinen Spitzbogen und dem gotischen Schmuckfries Einlaß gewährt.

Beim Haus Bolongaro-Straße 152 finden sich römische Spuren: Hier wurden zwei Verteidigungsgräben gefunden (auch westlich der Justinuskirche). Kurz vor der Niddabrücke  in der östlichen Bolongarostraße, in der Straße „Im Ziegelfeld“ (nach Norden abgehend), war eine römische Ziegelei, von der man die Produkte gut über die Nidda transportieren konnte.

 

Das Fachwerkhaus  Bolongarostraße 167 hat ein sehr seltenes Zierfachwerk aus der Zeit der Renaissance, das nach Meinung von Experten in seiner besonderen Art einmalig in Frankfurt ist. Die Stilelemente - unter anderem Schnitzereien, die schmiedeeiserne Beschläge imitieren, halbplastische Köpfe als Konsolen für den für die Renaissance typischen Fenstererker, die Fachwerkzierform mit einem zentralen Dekor in Sonnenform - ließen den Schluß zu,

daß das Haus kurz nach dem großen Brand in Höchst (1586) als Renaissance-Fachwerkgebäude errichtet wurde. Eine begüterte Familie wird als ursprüngliche Eigentümerin vermutet. Im Laufe der Jahrhunderte sind offenbar einige Umbauten vorgenommen worden. Die schönen Schnitzereien der Fachwerkfassade aber sind zum größten Teil erhalten geblieben. Ein großes Glück für das Haus ist es wohl auch, daß der Eigentümer zur Familie Habl gehört, die in diesem Haus ein im weiten Umkreis bekanntes Malergeschäft betreibt. Andreas Habl, Malermeister, hat selbst sogar schon im Denkmalschutz gearbeitet.

 

Die Mainfähre ist die letzte im Stadtgebiet von Frankfurt verkehrende Fähre. Bevor der Main in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kanalisiert wurde, gab es nahe dieser Stelle auch eine Furt durch den Main. Nachgewiesen ist die Höchster Fähre seit 1623, im 19. Jahrhundert betrieb man eine Seilfähre, wobei die schräggestellte Fähre durch die Wasserkraft an einem Seil über den Main gezogen wurde. Bis 1992 bediente noch eine Autofähre den Verkehr, heute werden Personen und Radfahrer übergesetzt (vgl. auch Elvira Klein, Frankfurt I, Seite 61).

 

Eingemeindung

Das stolze Höchst, das die große Nachbarin gerne links liegen ließ, einst den Handelsschiffen auf dem Weg nach Frankfurt erheblichen Zoll abknöpfte, sich unerschrocken in Kriege gegen die Nachbarschaft warf, unter den kurmainzischen Erzbischöfen florierend Handel betrieb und mit Hilfe des Chemiekonzerns einen Namen mit Weltgeltung errang: Dieses stolze Höchst verlor am 1. April 1928 mit dem Inkrafttreten des Eingemeindungsvertrags seine Selbstständigkeit.

Druck, zu einer Gebietsreform zu gelangen, hatte die damalige preußische Regierung ausgeübt. Aus Kostengründen verfolgte man in den 20er Jahren das Zusammenlegen von Städten und Gemeinden zu größeren Verwaltungseinheiten. Auch, um einer drohenden Zwangseingemeindung per Gesetz zuvorzukommen, entschlossen sich die damaligen Höchster Stadtväter, die im Bolongaropalast tagten, die Verhandlungen mit der Nachbarstadt Frankfurt aufzunehmen.

Eine große Rolle spielten bei den Überlegungen die Finanzen. Denn die damaligen Farbwerke, die Lebensader von Höchst und seiner Umgebung, war 1925 dem Zusammenschluss IG Farbenindustrie beigetreten. Die nahm ihren Sitz bekanntlich in Frankfurt. Ein reichlicher Teil der Gewerbesteuer floss nun nicht mehr nach Höchst, sondern eben in die Nachbarschaft. Stetige Einbußen waren absehbar. Eine Aufstellung der Stadtverwaltung von 1927 weist nach der IG-Farben-Gründung eine Minderung bei der Gewerbesteuer um ein Drittel, bei der Gewerbekapitalsteuer um fast 50 Prozent aus. Die lange gehegte Vision von einem Groß- Höchst war damit endgültig begraben. Und da Griesheim, Schwanheim und Sossenheim bereits von Frankfurt geködert worden waren - auch da ging es ums Geld, da Frankfurt diesen Gemeinden seit Jahren immer wieder mit Überbrückungsdarlehen ausgeholfen hatte - verlor Höchst jegliche Ausdehnungsmöglichkeiten.

All diese Überlegungen führten schließlich dazu, dass der Höchster Bürgermeister Bruno Müller mit einer Frankfurter Delegation im Sommer 1927 „schweren Herzens“ Eingemeindungsverhandlungen aufnahm. Oberbürgermeister Frankfurts war damals Ludwig Landmann. Überliefert ist, dass die Verhandlungen „mit großer Zähigkeit“ geführt wurden. Fest entschlossen waren die Höchster, die Sonderstellung von Höchst als Bezirkszentrum und Sitz der K4reisverwaltung Höchst, die auch einen Teil des Main-Taunus-Kreises umfasste, zu bewahren.

Am härtesten wurde allerdings nach Überlieferungen ums Geld, also um die Steuern, gerungen. Außerordentlich günstige Bedingungen konnten die Höchster sich schließlich sichern. Dazu gehörte Gebührenfreiheit für 20 Jahre für die Müllabfuhr, während gleichzeitig die günstigeren Tarife für Gas, Wasser und Strom sowie die bessere Beamtenbesoldung übernommen wurden.

Verankert wurden außerdem unter anderem ein Hallenbad, eine Brücke über den Main und eine Straßenbahnlinie nach Sindlingen. Am 5. Januar 1928 beschlossen die Höchsten und Frankfurter Stadtverordneten den Vertrag, der knapp drei Monate später in Kraft trat. Nach 573 Jahren der Gültigkeit seines Stadtrechts war Höchst nur noch ein Frankfurter Stadtteil von vielen.

Frankfurt hatte durch die Eingemeindung durchaus an Größe gewonnen. Die Gemarkungsfläche wuchs um 44 Prozent auf einen Gesamtumfang von 19.462 Hektar. Nur Köln und Berlin erstreckten sich damals  über eine größere Fläche. Inklusive der 72 595 Neubürger lebten nun rund 548.500 Menschen in der Stadt. Und als nach dem Zweiten Weltkrieg nach Zerschlagung der IG Farben Hoechst komplett nach Höchst zurückzog, hatte Frankfurt den eindeutig besten Schnitt gemacht. Es hatte den wohl größten Gewerbesteuerzahler eingemeindet.

 

Wehre an der Nidda

Die Wehre an der Nidda sollen umgebaut werden. Das Höchster Wehr soll mit einem sogenannten „Umleitungsgerinne“ ausgestattet, in Sossenheim sollen die Altarme wieder angeschlossen werden, damit Fische und Kleingetier wieder flußaufwärts wandern können.

Wenn alle sechs Wehre umgebaut sind, stehen den Tieren, die vom Main kommen, wieder 90 Kilometer Nidda und damit auch 300 Kilometer Bäche zur Verfügung. Ein voller Erfolg, wenn irgendwann der erste im Rhein ausgesetzte Lachs in der Wetterau gesichtet würde.

 

Nied: Selzerbrunnen

„Frankfurt könnte, wenn auch in bescheidenem Umfange, auch Badestadt sein“, schrieb eine Zeitung im Jahr 1921. Ein Kurhaus in der Mainmetropole, flanierende Kurgäste, Trink- und Wandelhallen, heilkräftige Wasser und Klänge eines Kurorchesters sind heute nur schwer vorstellbar. Sie waren aber damals gar nicht so abwegig angesichts der Heilquellen, die es im Stadtgebiet gab - und zum Teil noch gibt. Die so nahe gelegenen Taunusbäder waren natürlich große Anziehungspunkte, so daß Frankfurt nicht konkurrieren konnte.

Allerdings fand doch am Grindbrunnen im Nizza, einer Schwefelquelle mit Kochsalzgehalt, früher einmal ein regelrechter Kurbetrieb statt. Für kurze Zeit erfreute sich auch das Riedhofer Wasser aus der „Schwarzen Steinkaut“ im 18. Jahrhundert Beliebtheit. Begehrt war auch das Wasser des Faulbrunnens in Sossenheim. Noch immer gern getrunken wird das Wasser des Königsbrünnchens im Stadtwald.           

In Nied gibt es zwei solcher Heilbrunnen: den „Faulbrunnen“ in der Eisenbahnersiedlung in einer Senke schräg gegenüber der Einmündung des Faulbrunnenwegs in den Brunnenpfad und den Selzerbrunnen. Dieser liegt im Wald, wo die Straße „Am Selzerbrunnen“ auf die Straße „Vorm Wald“ trifft. Er ist in Stein gefaßt. Eine Wiese umgibt ihn, nahebei befinden sich ein Kinderspiel platz und ein Ballspielplatz.

Das Wasser des Selzerbrunnens entspringt aus einer tertiären Schicht in einer Tiefe von 38 Metern. Im Jahre 1885 trieb man ein Eisenrohr in diese Schicht hinein, oben wurde ein Kupferrohr eingelassen. Nach einem Gutachten des Darmstädter Professors Sonne aus dem Jahre 1905 liefert der Selzerbrunnen ein Mineralwasser, das neben dem Schwefel verschiedenen Salze, zum Beispiel Natriumbikarbonat, enthält.

Die Nieder sind überzeugt, regelmäßiger Genuß sei sehr bekömmlich. Bei einem Überschuß an Magensäure und anderen Verdauungsstörungen könne, nach Meinung der Ärzte, das Wasser lindernd wirken. Der Brunnen machte allerdings den Niedern oft Sorgen , da das Wasser verunreinigt war. Im Jahre 1968 kam einmal unklärbar brennbarer Schaum heraus.

Nach dem Genuß des Wassers sollte sich ein Gang durch den Nieder Wald, einem 70 Hektar großen Auenwald oder entlang der Nidda mit ihren Altarmen anschließen.

 

 

 

Von der Sulzbach-Einmündung der Nidda bis zur Wörthspitze

An der Wörthspitze in Höchst, wo die Nidda in den Main fließt, wird sie träge wie der Mississippi. „Hier beginnt die Stauwurzel”, sagt Jens Wyrwa. Die eineinhalbstündige Führung mit Wyrwa beginnt am Höchster Strandbad. In der Nähe fließt der Sulzbach in die Nidda. Ein Stück des Bettes ist renaturiert, ein weiteres noch kanalisiert: Welchen Unterschied das macht, kann Wyrwa anschaulich erklären. Zudem steht das dortige Wehr vor seinem Rückbau - als erstes der Nidda-Wehre. Das Projekt, das zurzeit ausgeschrieben ist, stellt Wyrwa anhand der Pläne vor und erläutert, wie die Nidda vor der Kanalisierung von 1928 bis 1932 aussah. Mit Rücksicht auf den Hochwasserschutz wird nicht ganz auf Wehre verzichtet. Der Rückbau sieht ein schräges Wehr vor, „damit auch die Fischwanderung flussaufwärts wieder möglich wird”, so Wyrwa. Bis ins 19. Jahrhundert sei der Lachs in Schwärmen den Main hoch gewandert. Nachdem die Wasserqualität zum Laichen wieder einigermaßen geeignet ist, bilden Wehre ein großes Hindernis auf dem Weg zurück zu intakten Naturkreisläufen.

Beim Stichwort Wasserqualität ist Wyrwa in seinem Element. Die Fauna zum Beispiel verrate viel über den Wasserzustand: So lebt der Rollegel „in schwach strömenden, organisch kritisch verschmutzten Gewässern der Güteklasse II bis III - also wie im Main`. Dagegen komme die Große Steinfliegenlarve in reinem, sauerstoffreichem Wasser vor.

Doch allein die gute biologische Wasserqualität bringe noch keine Lebens-Vielfalt an den Fluss: Größere Zusammenhänge erfasse die „Gewässer-Struktur-Güte: Sie zeigt welche Lebensmöglichkeiten für höhere Organismen - etwa Enten, Vögel - bestehen”.

Als Maschinenbau-Ingenieur, hat sich Wyrwa auf die „Wissenschaft des Wassers” spezialisiert und gehört, „ein bisschen zu der Fraktion, die das Simulationsverfahren geschaffen hat”. Das heißt, Strömungen werden realitätsnah simuliert, unter Beachtung von Uferbewuchs und Flussbett, „das ist das Neue”, so Wyrwa. Seine Doktorarbeit schrieb er über den „Transport von Sedimenten, also Schlick, im Fluss”. Von den Meteorologen, die aus Luftströmungen das Wetter lesen, hat Wyrwa „viel übernommen” für die auf Wasserläufe angewandte „Turbulenz-Modellierung”. Die habe aber bei den Flugzeugbauern „eine größere Gemeinde”. Der 42-jährige Ingenieur ist Mitbegründer der »Sommerakademie", die gerade zum zweiten Mal ein Seminarprogramm von und für arbeitslose Wissenschaftler aufgelegt hat.

 

 

Süden

 

Sachsenhausen: Dribb de Bach

Sachsenhausens Anfänge  liegen im Dunkeln.. Vielleicht hat hier wirklich Karl der Große schon vor 800 n. Chr. besiegte Sachsen angesiedelt. Niemand weiß es, und auch der Name ist kein Beweis dafür. Der Ort wird erst viel später, im Jahre 1097, zum erstenmal erwähnt. Die Straßennamen erzählen seine Geschichte. Die Dreieichstraße verkündet, daß die Siedlung einst aus dem gewaltigen Königsforst herausgerodet wurde. Die Große und die Kleine Rittergasse (und einige andere, wie z. B. die Frankensteiner Straße) erinnern an etwas, was man hier gar nicht vermutet, daß nämlich in sehr frühen Zeiten mitten im alten Sachsenhausen mehrere stattliche Ritterhöfe und Ritterburgen lagen, die nach und nach verschwanden. Ihre Herren waren die Nachkömmlinge vornehmer königlicher Beamter, die schon mit der karolingischen Pfalz, also vor mehr als tausend Jahren, an den Main gekommen waren.

In Adolf Stoltzes „Alt-Frankfurt“, dem so beliebten heimischen Mundartstück, spielt eine biedere Sachsenhäuser Gemüsefrau, eine „Hockin“, die Hauptrolle. Diese Frau Funk hat einer profunden Erkenntnis über Sachsenhausen die klassische Formulierung gegeben; sie ist längst sprichwörtlich geworden. Als sie nämlich der hochgestochenen Frau Spezereiladenbesitzerin Euphrosine Muffel „uff e aastennig Weis“ die Meinung sagt, ruft sie ihr zu: „Lass' Se sich doch gesacht sein - jeder Sachsehäuser is e Frankforder, awwer e Frankforder noch lang kaa Sachsehäuser!“ Wacker gesprochen, Frau Funk! Und historisch vollkommen richtig gesehen! Denn Sachsenhausen war immer ein Teil von Frankfurt. Es war nicht etwa ein selbständiger Ort, der irgendwann eingemeindet wurde. Sachsenhausen war und ist ein Stück Frankfurt! Aber Frankfurt ist nicht Sachsenhausen!

Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein bestand das eigentliche Frankfurt zu sechs Siebentel aus einer Stadt nördlich des Mains und zu einem Siebentel aus einem Dorf südlich des Mains, eben Sachsenhausen (auch Oberrad und Niederrad waren Dörfer, aber sie kamen erst 1900 zu Frankfurt).

Ein Dorf! Nördlich des Mains gab es Kaiserkrönungen und Messen und Bürgeradel und Großkaufleute und Getto und Gymnasium und Manufakturen und Theater und Mode, alles, was zu einer früh groß gewordenen Stadt gehörte. Südlich des Mains gab es nichts davon. Durch Jahrhunderte - so hat der Sachsenhausen-Forscher Alexander Dietz herausgefunden - gab es in

Sachsenhausen auch keinen Arzt, keinen Apotheker, keinen Advokaten, keinen Bankier, keinen Juwelier, keinen Buchhändler und keinen Buchdrucker. Wenn man einen von ihnen haben wollte, dann mußte man eben über die Alte Brücke!

Sachsenhausen war ein großes und stattliches Dorf. Aber wie winzig war es im Vergleich zum heutigen Sachsenhausen! Fast vier Kilometer weit zieht es sich heute den Main entlang zwischen dem Städtischen Krankenhaus im Westen und dem Schlachthof im Osten. Das alte Sachsenhausen hingegen brauchte kaum 500 Meter Uferstrecke, vom Eisernen Steg bis zur Obermainbrücke.

Dieses alte dörfliche Sachsenhausen existierte bis weit in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Im Westen und Süden war es von der heutigen Schulstraße, der Wallstraße und dem Neuen Wall begrenzt. Die Namen dieser beiden letzten Straßen verraten bereits, was hier früher einmal gewesen ist. Im Osten reichte das Dorf Sachsenhausen ungefähr bis zur heutigen Dreieichstraße, die ja an der Obermainbrücke beginnt. Es ist genau das Gebiet, das man heute noch Alt-Sachsenhausen nennt.

Die einzige Brücke war die Alte Brücke. Die Straße, die von ihr nach Süden führt, hieß dementsprechend „seit ewig Zeiten“ die Brückenstraße (oder Brückengasse). Sie teilte das Dorf Sachsenhausen in zwei annähernd gleich große Teile. Den östlichen Teil nannten die Sachsenhäuser Oberhausen, den westlichen Unterhausen. Und das waren auch wieder zwei kleine Welten für sich; denn in Oberhausen wohnten vorzugsweise die Gärtner und Weingärtner, in Unterhausen die Fischer und Schiffer. Beide machten mehr als zwei Drittel der Bevölkerung aus.

Früher bevölkerten die Fischer beide Ufer des Mains und ganze Straßen. Heute ist es nur noch ein Nebenberuf für eine Handvoll Männer. Immerhin, man kann auch heute noch in Sachsenhäuser Gastwirtschaften den berühmten Mainaal verspeisen. Sachsenhausen hat die älteste Zunft im weiten Umkreis, eben die Fischer. Die „Fischwaydt“. 1951 feierte sie mit einer kleinen Verspätung ihr tausendjähriges Bestehen.

Sachsenhausen war also kein Dorf von Ackerbauern, es war, wenn man von den Handwerkern absieht, die hier natürlich auch lebten (vor allem die Gerber in der Löhergasse!), zur einen Hälfte ein Winzer- und zur anderen Hälfte ein Fischerdorf. Die einen ernteten in den Weingärten auf dem Sachsenhäuser Berg, die anderen in den Fluten des Mains.

Der „Sachsenhäuser“ galt als herzhafter Wein, ein Naturbursche. Überall am Berg wuchsen die Reben. Das war noch vor achtzig, neunzig Jahren so. Die billigen Weine von außerhalb zwangen dann die Sachsenhäuser Hecker, sich auf Gemüse und Obst umzustellen; die Weingärten verschwanden. „Hecker“ hießen die Weingärtner, weil sie so viel mit der Hacke im Weinberg arbeiteten. Daher stammt auch der Name „Hecken-Wirtschaft“. Im Übrigen lebten die Sachsenhäuser vollkommen für sich. Auch über die Brücke gingen sie meistens nur, wenn sie hinüber mußten. Oder wenn sie eine unwiderstehliche Neugierde „nach Frankfurt“ trieb.

 

Zum Beispiel im Oktober 1844, als das Goethe-Monument enthüllt wurde: „Wu will aarr dann hü?“ „A ich will emol dem Gidie sei Munement oogucke!“ „Wem sä Munement?“ „A dem Gidie sans!“ „War iß dann des?“ „Gottverdammich! A der Gidie, der Verschmächer!“ So erzählt es Sachsenhausens Stoltze, der Paul Quilling.

Es gibt die hübsche Geschichte von einem vornehmen Engländer, der vor Jahr und Tag Frankfurt besuchte. Er hatte davon gehört, daß gegenüber, am anderen Ufer des Mains, „dribb de Bach“, auch noch ein wichtiges Stück Frankfurt liege, genannt Sachsenhausen, und daß seine Bewohner wegen ihrer Grobheit berühmt seien. Er wollte sich gern selbst davon überzeugen und ging deshalb mit einem Lohndiener auf den Alten Markt zwischen Dom und Römerberg. Man hatte ihm gesagt, daß dort die Sachsenhäuser Gemüsefrauen ihre Stände hätten. Der Lord spazierte auf dem Markt auf und ab und spitzte die Ohren. Schließlich wandte er sich an seinen Begleiter: „O no - ich hören nichts!“ Der Mann antwortete: „Ei, dann stoße Se mal der Fraa dort den Korb mit Blumekohl um!“ Der Lord tat wie geheißen und stieß mit seinem Fuß den Korb um. Was er in den nächsten zehn Minuten zu hören bekam, begeisterte ihn so, daß er es mit einem Goldstück belohnte und, begleitet von den Segenswünschen der Gemüsefrauen, hochbefriedigt von dannen schritt.

Die „direkte und kräftige“ Sprache der Sachsenhäuser wurde schon in frühen Zeiten sprichwörtlich, und es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß ihr Ruf bis an ferne Gestade drang. Denn in älteren Reisebeschreibungen findet man die Sachsenhäuser Grobheit häufig unter die Frankfurter Spezialitäten und „Sehenswürdigkeiten“ eingereiht. Die Frankfurter selbst haben die Tatsache niemals verheimlicht. „Es is e Sachsenhäusern, die hat e Privileg uff e bees Maul“, heißt es in Adolf Stoltzes historischem Drama „Vinzenz Fettmilch“. Warum sollten sie es auch vertuschen? Im Grunde ihres Herzens waren sie ja stolz darauf.

Und kein alter Frankfurter vergaß jemals das Bild, das der Markt zwischen Dom und Römerberg bot und das einer von ihnen (Dr. C. Schenck) folgendermaßen beschrieben hat: „Da saßen die originellen Gestalten der Hockerinnen, umgeben von ihren gefüllten Körben, unter weiten Schirmen, in beständigem lautem Gespräch miteinander. Die mit Kaffee gefüllten großen Untertassen balancierten die würdigen Frauen auf allen fünf Fingerspitzen. Es herrschte ein solcher Lärm, daß man meinte, diese Leute wären ununterbrochen in Zank und Streit...“. Aber es klang nur so. Es war eben ihre Art, miteinander zu verkehren. Sie waren Gegner einer leisen oder undeutlichen Aussprache und der feinsinnigen Umschreibung.

Kostproben von ihren Unterhaltungen hat schon Sauerwein 1838 mit seinem kleinen Theaterstückchen „Der Gemüsmarkt“ aufbewahrt. (Die Geyern: „No, es gibt aach noch orndliche

Menner in Sachsehause“. Die Ditzelin: „De sein awwer dinn genug gesiet. Mer sieht wenig Mannsleut, die nett finf oder sechs Leidenschafte hawe, im Maul die Tuwackspfeif, in der linke Hand die Kreuz- und Schippedam, in der rechte Hand des Schoppeglas, uf der Schulter die Flint, unnerm Stuhl der Jagdhund un uf dem Buckel en Wasserstanhusar met em Kind“, wobei erläuternd daraufhingewiesen sei, daß mit dem „Wasserstanhusar“ eine Köchin oder jedenfalls eine Person gemeint ist, die sich „sundags nochmittags om Wasserstau fresiert“.

Mit dieser Sachsenhäuser Grobheit geht es einem wie mit den Nüssen. Die Schale besagt gar nichts über den Kern. Die Sachsenhäuser galten allemal als aufrichtige, gutmütige Menschen. Außerdem hatte ihre Grobheit natürlich ihre Gründe. Unter allen freien Bürgern der Freien Reichsstadt fühlten sich die Sachsenhäuser stets als die freiesten. Es ist die Freiheit jenes

Mannes, der niemand etwas schuldig ist, der ein gutes Gewissen hat und der das, was er besitzt, mühsam Stein für Stein erworben hat.

So ein Fluß kann Welten trennen! Drüben, auf der Frankfurter Seite, herrschten Handel und Wandel und Wohlstand. Im alten Sachsenhausen aber war das karge Leben daheim. Die Sachsenhäuser haben sich ihr Brot immer im Schweiße ihres Angesichts verdienen müssen, als Weingärtner, als Gemüsebauern, als Fischer, als kleine Handwerker. Wenn man sein Leben lang schuften muß, geht manche Tünche verloren.

Es wäre jedoch ein gewaltiger Irrtum, anzunehmen, die Sachsenhäuser Grobheit wäre das Wichtigste oder vielleicht gar das einzige, was von den Sachsenhäusern zu rühmen und zu berichten ist. Weit gefehlt! Sachsenhausen ist eine Welt für sich. Auch sie steckt voller Merkwürdigkeiten.

 

Sachsenhausen hat den berühmtesten aller Spaziergänge. Den Osterspaziergang im »Faust«. Als ihn der fünfzigjährige Goethe in Weimar schrieb, stand ihm seine Vaterstadt Frankfurt vor Augen, genauer Sachsenhausen. Die Szene spielt vor dem Tore. Ein Handwerksbursche: „Wir geh'n hinaus aufs Jägerhaus“. Damit war das Oberforsthaus gemeint. Andere Burschen: „Wir aber wollen nach der Mühle wandern“. Es ist die Gerbermühle. Handwerksbursche: „Ich rat' Euch, nach dem Wasserhof zu geh'n“. Der alte Wasserhof- oder Strahlenberger Hof liegt unweit der Gerbermühle. Ein vierter: „Nach Burgdorf kommt herauf!“ Man vermutet dahinter Oberrad. Der spazieren gehende Bürger, der den Frieden lobt und feststellt: „Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten...“, der dachte an den Main. Und Faust schließlich, zu seinem Famulus Wagner gewendet: „Kehre dich um, von diesen Hohen nach der Stadt zurückzusehen! Aus dem hohlen, finstern Tor dringt ein buntes Gewimmel hervor...“, der stand in diesem Augenblick auf dem Sachsenhäuser Berg und sah zurück zum Affentor.

Sachsenhausen hat auch sonst seinen festen Platz in der Weltliteratur. Im „Götz von Berlichingen“ kommt es vor, im ersten Akt, im Rededuell zwischen dem spöttischen Liebetraut und dem Doktor beider Rechte Olearius. Bevor der Bamberger Bischof den Disput abbiegt, läßt Goethe den Liebetraut geschwind noch sagen: „Gegen Frankfurt liegt ein Ding über, heißt Sachsenhausen...“. Wahrscheinlich spielt er damit auf die Herkunft des Dr. Olearius an.

 

Apfelwein:

Sachsenhausen - jeder weiß es - ist der berühmteste Äpfelweinort der Welt. Wer einen noch berühmteren weiß, möge ihn ungeniert nennen. Der „Rebesaft vom Äppelbaam“ ist allerdings nicht so alt, wie uns Adolf Stoltze weismachen möchte, der dessen Geburtsstunde nämlich auf jenen Augenblick zurückführt, in dem sich Karl der Große aus Versehen einmal auf den Reichsapfel setzte. Nein, der Äpfelwein ist jünger. Aber er hat in einem kaum vorstellbaren Maße an dem Rufe Frankfurts mitgewirkt. Und er hat der Stadt etwas beschert, was ihr erhalten bleiben möge, solange sie existiert - echte Volksschenken

 

Kaiserlei:

Der „ Kaiserlei“ heißt so,  weil hier ein Felsen im Main stand, ein Ley wie bei der Loreley. Bis dahin durften die Frankfurter zum Fischen fahren, zum Felsen des Kaisers, der so um 1850 gesprengt wurde (Gunther Haarstark)

Die Kaiserlei-Autobahn zwischen Offenbach und Frankfurt etwa hat man in den 60er Jahren noch über einen riesigen Kelten-Grabhügel gebaut. Der war größer als der vom Glauberg, wo man die bekannte Statue eines Keltenfürsten gefunden hat. 3500 Jahre war der Hügel alt, 900 Jahre in Benutzung. Jetzt ist da nur noch Asphalt. Heute würde man die Autobahn sicher drum herum bauen und aus dem Hügel eine richtige Touristen-Attraktion machen (Gunther Haarstark).

 

Straßenbahn von Frankfurt nach Offenbach:

Die durch Mark und Bein zu spürende Fahrt brachte ihr 1884 den Spitznamen „Knochenmühle“ ein. Doch 125 Jahre später feiern Frankfurter und Offenbacher stolz die Straßenbahn, die beide Städte seit dem 18. Februar 1884 verbindet. Bei der Jungfernfahrt vor 125 Jahren war sie die erste elektrische Straßenbahn Deutschlands im Linienbetrieb. Und trotz des Spotts hat die Verbindung gehalten: Zwischen Frankfurt und der Offenbacher Stadtgrenze fahren noch heute an jedem Arbeitstag 30.000 Menschen mit der Straßenbahn - heute ist es die Linie 16.

Möglichkeiten neuer Technik erkannt: Als „herausragende technische Innovation“ bezeichnet der Leiter des Siemens Archiv in München, Frank Wittendorfer, die historische Bahn im Rückblick. Akten des Konzerns erzählen ihre Geschichte: Während Werner von Siemens in Berlin über Versuchsstrecken nicht hinauskam, erkannte ein Offenbacher Konsortium die Möglichkeiten seiner neuen Technik. Zuvor hatte der Frankfurter Magistrat Dampfbetrieb auf der Strecke abgelehnt, weil sich der mit dem anderen Verkehr nicht vertrage. Mancher mutmaßte aber, vor allem Villenbesitzer an der Trasse hätten den Ruß gefürchtet.

Die Luft blieb rein, als die von „Siemens & Halske“ hergestellte Bahn am 18. Februar 1884 gegen 11.30 Uhr erstmals abfuhr. Zunächst ging die Strecke von Frankfurt „Alte Brücke“ bis Oberrad in Betrieb. Am 10. April folgte der Abschnitt von Oberrad bis Offenbach Mathildenplatz. Mit 6,7 Kilometern war es damals die längste Straßenbahnstrecke der Welt. 20 Minuten waren die holprigen Zweiachser unterwegs. Der Strom kam aus einem in der Mitte der Strecke errichteten Kraftwerk. Die Höchstgeschwindigkeit der Bahn war amtlich auf zwölf Stundenkilometer festgelegt - technisch hätte sie ein Drittel flotter sein können. Doch das galt als zu gefährlich.

Später gab es dann eher Klagen über Verspätungen. Anhänger sprangen aus dem Gleis oder die Stromversorgung riss ab. Dennoch zählte die Bahn fast eine Million Fahrgäste im Jahr. Triebwagen und Anhänger fassten je 30 Menschen. Betreiber war die private Frankfurt-Offenbacher Trambahngesellschaft, die 1906 anteilig von beiden Städten übernommen wurde. Diese stellten anschließend die Spurweite von einem Meter auf die so genannte Normalspur von 1435 Millimeter um. Im Jahre 1996 wurde der Offenbacher Teil der Strecke schließlich stillgelegt, zum Kummer der Straßenbahnfans. Seither endet die auf der historischen Route fahrende Linie 16 an der Stadtgrenze.

Ein Originalwagen steht im Frankfurter Verkehrsmuseum Schwanheim, wo am Mittwoch, 22. April, die Verkehrsbetriebe beider Städte zum Festakt bitten. Der Bürger-Arbeitskreis „125 Jahre elektrische Straßenbahn“ erinnert im Depot Oberrad mit einer Feier an „die Geburtsstunde des öffentlichen Nahverkehrs“. Gäste können, wenn sie wollen, mit der Linie 16 anrei-

sen.   

 

Fläschenburg:

Zwischen Oberrad und Offenbach lag die stark befestigte Fläschenburg. Doch im Jahre 1490 wurde vom Bischof von Mainz der Turm zerstört und der Graben verwüstet, weil dort ein Geistlicher beraubt worden war.

 

Sankt Georgen:

Die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen im Stadtteil Oberrad. Zur Hochschule gehört ein Park von 8,3 Hektar, in dem nach aktuellen Daten (31. August 2004) 1050 verschiedene Bäume und Sträucher beheimatet sind. Jedes Exemplar ist mit einem Schildchen versehen, das über seinen Namen (lat.-deutsch), sein Herkunftsland sowie das Datum seines Zuganges Auskunft gibt. Viele der Bäume und Sträucher, die seit vielen Jahren im Park im wahrsten Sinne des Wortes „Fuß gefaßt“ haben, dürften hier aufgrund der gegebenen klimatischen und Bodenverhältnisse nicht einmal wachsen geschweige denn Früchte bringen und sich weiter vermehren.

Es war oder ist jedoch niemals das Ziel der Besitzer gewesen, besonders viele „Exoten“ zu präsentieren. Der interessierte Besucher darf aber staunen über die vielen verschiedenen Exemplare  an  Eichen, Ahornen, Eschen usw., die ein Laie, der ja wohl stets zuerst nach den Blättern schaut, niemals erkennen würde, weil sie ausschließlich an den Früchten zu identifizieren sind.

 

 

Inzwischen wurde ein Areal angelegt, in dem chinesisch-japanische Gehölze zusammengefaßt werden, ein anderes für amerikanische. Der Höhepunkt des Parks ist jedoch eine Blutbuche, die bereits 1840 gepflanzt wurde und jetzt Mittelpunkt einer eigenen Dokumentation werden soll.

Geschichte der Eigentümer von Sankt Georgen: Im Jahre 1780 wurde das Landgut, das aus Ackerland, Obst- und Weingärten bestand, von Johann Jakob Hollweg, der verheiratet war mit Susanne Elisabeth Bethmann, erworben. Als Bethmann-Hollweg war er Teilhaber der Bethmann-Bank. Sein Urenkel war Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg unter Kaiser Wilhelm II.

1803 wurde das Landgut an den trierischen Geheimrat und kurfürstlichen Hofbankier Heinrich Mühlhens verkauft. Dieser Landsitz war der Ort vieler gesellschaftlicher Begegnungen. So fand man dort u.a. Freiherr Karl vom Stein als häufigen Gast und Moritz August von Hollweg, der 1820 zum preußischen Kultusminister ernannt wurde und dem Marianne von Willemer einen wehmütigen poetischen Nachruf widmete. 1824 trat Heinrich Mühlhens, durch den Tod seiner Gattin vereinsamt, das Gut an seine älteste Töchter, Marianne, die Gattin des Barons Karl Ludwig von Leonhardi, ab. Um ihre zehn Kinder zu versorgen, verkauften die Leonhardis 1840 das Gut für 34.900 Gulden.

Im Jahre 1840 wurde der neue Eigentümer Johann Georg Konrad von Samt George; er galt

als Abkömmling einer hochadeligen Familie aus der Languedoc in Frankreich. Ermittlungen im Stadtarchiv ergaben allerdings, dass der erste nachweisbare Ahne mit Vornamen „Ambrosius“ als waschechter Hesse von 1537- 1597 in Treysa im Bezirk Kassel als „Badstüber“, also Dentist und Heilpraktiker, beheimatet gewesen war.

Johann Georg von Saint George bewährte sich seit 1800 als Angestellter des Bankhauses Bethmann und erlangte durch seine Heirat mit Maria Louise Bethmann-Hollweg das Frankfurter Bürgerrecht und gleichzeitig gesellschaftliches Ansehen. Um seinen aristokratischen Stil zu vervollständigen, entschloss er sich 1843, sein Landgut durch Zukauf von Ländereien zu einer herrschaftlichen Besitzung, die nach ihm benannt wurde, zu verhelfen. Für die Umwandlung des bäuerlichen Ziergartens in einen Park nach englischem Muster hatte er Sebastian Rinz verpflichtet, den Gartendirektor von Frankfurt, der den Anlagenring in Frankfurt geschaffen hat.

Samt Georges älteste Tochter Katharina vergrößerte 1863 das Anwesen nach dem Tode ihres Gatten, des Bankherren Peter Carl Grunelius. Nach ihm ist die Grunelius-Schule und eine Straße in Oberrad benannt. Andreas Weber, ein Enkel von Sebastian Rinz und wie dieser Gartenbaudirektor von Frankfurt, beriet Katharina Grunelius bei der Ausweitung des Parks.

Im Jahre 1892, nach dem Tode seiner Mutter, ließ Moritz Eduard von Grunelius einen Wintergarten, die spätere „Glashalle“ errichten. Moritz Eduard von Grunelius war verheiratet mit der Baronin Olga von Bethmann, einer Enkelin des Staatsrates. Damit steht am Anfang wie am Ende wieder der Name Bethmann.

Am 25. Oktober 1926 wurde die bisherige „Villa Grunelius“, als ,,Philosophisch-Theolo­gische Hochschule Sankt Georgen“ durch Bischof Dr. Augustinus Kilian von Limburg eröffnet und den Jesuiten übertragen zur Ausbildung der Priester der Diözese Limburg. 1950 kamen die jungen Jesuiten zur Ausbildung dazu. 1970 wurden die beiden Ausbildungsgänge für die Priester der Bistümer Limburg, Osnabrück und Hildesheim (und später auch das Erzbistum Hamburg)  und die der Jesuiten zusammengelegt. Seit 1974 können auch Nicht-Jesuiten im kirchlichen Recht promovieren. Seit 1980 besteht die staatliche Anerkennung als wissenschaftliche Hochschule, seit 1982 hat Sankt Georgen staatliches Promotionsrecht in Theologie, seit 1983 staatliches Lizenziatsrecht. Seit 2000 hat Sankt Georgen auch staatliches Habilitationsrecht. Es dozieren 26 Professoren, davon 24 Jesuiten; ca. 160 Studierende im Grundstudium, ca. 100 im Aufbaustudium (Lizenziat ca. 30, Promotion ca. 70), ca. 150 Gasthörer. Bibliothek: ca. 390.000 Bände. Der Park öffnet nur einmal jährlich zum Sommerfest seine Pforten für alle Besucher.

Gerbermühle:

Wenn Goethe in diesen Tagen seinen berühmten Osterspaziergang unternehmen würde, hätte er seine helle Freude: Denn der Umbau der Gerbermühle, in der der Dichterfürst 1815 nicht nur seinen 66. Geburtstag feierte, sondern auch viele schöne Stunden mit der Bankiersgattin Marianne von Willemer verbrachte, nimmt langsam Formen an. Und es lässt sich bereits ahnen, dass hier ein besonderes Restaurant und Hotel entsteht.

Wir versuchen den Bogen zwischen Klassik und Moderne zu schlagen", sagt Kai Petry, Geschäftsführer der Eigentümer-Gesellschaft, der Werner Kindermann angehört. Ende vergangenen Jahres trennte sich dieser vom ursprünglichen Pächter Ulrich Mlcoch und betreibt die Mühle jetzt in eigener Regie. „Einerseits wollen wir der Geschichte dieses Gebäudes gerecht werden, andererseits wird das Ganze nicht altbacken oder plüschig.” So passt der Neubau, in dem das Hotel untergebracht ist, architektonisch zum historischen Teil, der saniert wurde. Dort befinden sich das Restaurant samt Wintergarten, die Beletage mit Salon und zwei kleinen Sitzungszimmern sowie im obersten Stock einige der insgesamt 19 Hotelzimmer. Verbunden werden alter und neuer Bau durch eine verglaste Empfangshalle. „Der geschichtsträchtigste Teil ist der Turm, der bis ins 13. Jahrhundert zurückgeht.” Dort soll ein kleiner Saal für 30 Personen entstehen, der mit Naturstein belassen ist.

Goethe begegnet den Gästen in der Gerbermühle auf Schritt und Tritt. So werden die Hotelzimmer nach Zeitgenossen oder Künstlern benannt, die Einfluss auf den Dichterfürsten ausgeübt haben oder in einer persönlichen Verbindungen zu ihm standen. Schiller, Brentano und Bettina von Arnim gehören dazu. „Dabei belassen wir es nicht bei den Namen, sondern diese Persönlichkeiten finden sich in Wort und Bild auch in den jeweiligen Zimmern wieder”, erklärt Kai Petry.

Auf der Speisekarte des Restaurants mit seinen rund 60 Plätzen sind hochwertige deutsche Gerichte zu finden, aber auch italienische und französische. „Damit erinnern wir an Goethes Reisen.” Praktisch, dass der neue Küchenchef Mathieu Henninger aus Frankreich stammt. Vor dem Restaurant befinden sich ein Wintergarten mit 35 und eine Terrasse mit 60 Plätzen. Auch der beliebte Biergarten, der bereits im vergangenen Sommer provisorisch betrieben wurde, bleibt erhalten. „Der wird allerdings nicht einheit‑

lich gestaltet. Es gibt weiterhin die langen Holzbänke und -tische, aber auch die Möglichkeit, sich auf richtige Stühle oder Rundbänke um die Bäume herum zu setzen.” Beim Essen setzen die Betreiber hier vor allem auf Frankfurter Küche zu moderaten Preisen, „wie es sich für einen Biergarten gehört”.

Bei der Gestaltung sind sich Kai Petry und Werner Kindermann einig, was bei Ulrich Mlcoch, der einst auch das Frankfurter Haus in Neu-Isenburg führte, nicht der Fall war. „Es bestanden unterschiedliche Vorstellungen über das Konzept”, weiß Kai Petry. „Deshalb haben er und Werner Kindermann im Einvernehmen beschlossen, getrennte Wege zu gehen.” Für einen reibungslosen Ablauf sollen Direktor Marzellus Keizers und Stellvertreterin Janka Krauzpaul sorgen.

Ob den Frankfurtern die neue Gerbermühle gefällt, können sie im Sommer 2006 selbst entscheiden. »Wir möchten Ende Juni, Anfang Juli eröffnen." Kai Petry hofft natürlich, dass die Gäste dann mit Goethe übereinstimmen: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.”

 

Wie sich hier Goethe einst verliebte

Die Gerbermühle hat längst Geschichte geschrieben Ursprünglich wurde sie als Lehn gut im 14. Jahrhundert errichtet Um 1520 wurde sie zur Mühle umgebaut, die von 1690 an als Gerberei diente. Der Bankier Jakob von Willemer erwarb das Gebäude 1785 und funktionierte sie zu einem Sommersitz um. Im 19. Jahrhundert schaute oft de mit der Familie gut befreundet Johann Wolfgang von Goethe vorbei und feierte hier sogar seinen 66. Geburtstag.

 

Der Dichterfiirst lernte bei seinen Besuchen auch die Ziehtochter und spätere Gattin Jakob von Willemers, Marianne, kennen, mit der ihn eine innige Beziehung verband. Hier verbrachten die beiden viel Zeit zusammen und arbeiteten auch künstlerisch zusammen. Die zwei Sitzungszimmer, die sich im historischen  Teil der nun sanierten Gerbermühle befinden, sind  deshalb nach Marianne und Goethe benannt, Einrichtungsgegenstände aus dem Biedermeier erinnern an die damalige Zeit.

1904 wurde das Gebäude von der Stadt übernommen und als Gaststätte betrieben. Die Bomben im Zweiten Weltkrieg zerstörten 1944 weite Teile der Gerbermühle, die erst 1970 wieder aufgebaut und erneut als Ausflugsgaststätte betrieben wurde.

2001 erwarb Werner Kindermann das Ensemble. Der Umbau drohte aber zu scheitern, denn die Stadt war mit den ursprünglichen Plänen des Architekturbüros Albert Speer & Partner nicht zufrieden, da sie einen Teilabriss des historischen Gebäudes vorsahen. Kindermann beauftragte dann den Frankfurter Architekten Jochem Jourdan. Nach seinen Plänen wird die Gerbermühle jetzt umgebaut.

 

Die vor den Toren Frankfurts am Main gelegene Gerbermühle gehört zu den schönsten und traditionsreichsten Orten der Stadt. Dort hatte der alte Goethe im Jahr 1815 bei einer Geburtstagsfeier die Bankiersgattin Marianne von Willemer kennengelernt. Die Romanze ging durch die gemeinsam verfassten Verse für den „West-Östlichen Diwan“ in die Weltliteratur ein. Kein Wunder also, dass die Frankfurter mit Ungeduld ein Ende der dreijährigen Sanierung des Ausflugslokals herbeisehnten. Am Donnerstagabend, dem 19. Juli 2007, wurde nun der über 500 Menschen fassende Sommergarten unter den alten Kastanien wiederöffnet. Ende August wird dann an der historischen Stelle ein Hotel im Landhausstil seinen Betrieb aufnehmen.

„Die Gerbermühle soll bundesweit zu einer Adresse werden”, sagt der Pächter, der junge Hotelier Alex Urseanu. Das klingt kühn, scheint aber keineswegs anmaßend. Der 36-jährige Urseanu und sein Kompagnon Micky Rosen haben bereits mit zwei Frankfurter Stadt-Hotels im Designerstil für Furore gesorgt. „Hotels sollen wieder ein Ort sein, wo sich die Gesellschaft in Frankfurt trifft”, sagt der 40 Jahre alte Rosen.

Über zehn Millionen Euro sind in die neue Gerbermühle geflossen. Das Wohnen im schicken Landhotel hat seinen Preis. Die 19 Zimmer starten bei 180 Euro und reichen bis 600 Euro in den Suiten. Neben dem Restaurantangebot von gutbürgerlich bis erstklassig soll der Sommergarten mit Äppelwoi und Frankfurter Spezialitäten jedoch Bewährtes bieten. „Wir wollen den Frankfurtern ihr Ausflugslokal zurückgeben”, versichert Rosen.

Von dort aus hat man einen der schönsten Blicke auf die Frankfurter Skyline. Goethe würde seine alte Heimatstadt, die er selbst als oft zu eng empfand, von der Gerbermühle nicht wiedererkennen. Das Lokal selbst ist mit seinem angrenzenden lauschigen Park und dem träge dahinfließenden Main immer noch einer der romantischsten Ecken der Stadt geblieben. Für viele Frankfurter hat deshalb Goethes Gedicht auf die Mühle nicht an Gültigkeit verloren: „Von der Ilme bis zum Rheine, mahlen manche Mühlen, Doch die Gerbermühl’ am Main, Ist's worauf ich ziele.”

Die beiden Betreiber der Gerbermühle wollen weg von der Anonymität der Ketten-Hotels, die den Markt in Frankfurt beherrschen. Die von ihnen gepflegte Mischung aus Tradition und Design soll nun auch in der Gerbermühle funktionieren. Den Gast erwartet ein Stil-Mix aus braunen Ledersofas und Lampen aus Hirschgeweih. Und im Eingang grüßt eine Büste von Goethe. Ein „Spagat”, wie Rosen einräumt. Von der Architektur her wirkt die Sanierung der Gerbermühle gelungen. Die renommierten Frankfurter Architekten Müller & Jourdan haben für den Eigentümer Werner Kindermann ein Ensemble geschaffen, das harmonisch Altes und Neues verbindet. Es setzt sich einmal aus dem biedermeierlich gehaltenen Landhaus des Bankiers Willemer zusammen, das im Zweiten Weltkrieg ausbrannte und danach wiederaufgebaut worden war. Erhalten blieb in der Bel-Etage des Landhauses auch die Original-Sandsteintreppe mit dem spätbarocken Geländer. „Über diese Treppe ist auch Goethe in das später ihm gewidmete Zimmer gegangen“, sagt Architekt Jochen Jourdan.

Daneben steht der alte Mühlenturm, in dem Mauerwerk einer früheren Eisenschmiede aus dem 13. Jahrhundert freigelegt wurde. Die Architekten gaben dem Turm - wie einst vor dem Krieg - sein gotisches Satteldach zurück. Der Hotel-Neubau wiederum ist mit dem Turm durch eine gläserne Halle verbunden - als Eingang für Hotel und Restaurant.

Die Unterschiede im dreiteiligen Ensemble werden durch Farbe und Material deutlich gemacht. So erhielt der Mühlenturm mit seinem steilen Giebel ein Schieferdach. Die drei Gebäudeteile sind durch die Farben gelb, grau und rostrot auf die jeweiligen historischen Epochen abgestimmt, in denen sie entstanden.

 

Stralenberger Hof:

Auf dem Weg nach Oberrad lag der befestigte Stralenberger Hof. Eine große Wasserfläche umgab ihn, weshalb er auf Wasserhof genannt wurde. Erbauer ist Herr von Stralenberg, der nach Frankfurt kam und 1353 Clara Knoblauch heiratete. Bei dem Hof war ein auch Wäldchen.

 

Mühlberg:

Durch die Siemensstraße und die Offenbacher Landstraße kommt man zum Mühlberg. Dieser war ein Lieblingsaufenthalt der alten Frankfurter. Friedrich Stoltze hat den Mühlberg einmal besungen:     

      Der leiht im Frankfurter Gebiet

      un wenn er aach net alpegliht,

      un net bis in die Wolke steiht,

      geschieht des aus Bescheidenheit.

In der Straße „Auf dem Mühlberg“ bauten die wohlhabenden Frankfurter früher vor den Mauern der Stadt große stattliche Gartenhäuser. Ein Prachtstück hiervon blieb in Sachsenhausen am Mühlberg erhalten, 1782 ließ es sich der Handelsmann Kleig bauen. Heute ist es natürlich ständig bewohnt. Auf dem Mühlbergsteht auch die katholische Herz-Marien-Kirche mit einer Chorwand aus buntem Glas.

 

Willemer-Häuschen:

In der Mariannenstraße steht das Willemer-Häuschen. Im Jahre 1809 hatte der Bankier Johann Jacob Willemer ein kleines, kurz zuvor erbautes klassizistisches Gartenhaus erworben. Von dem Gartenhäuschen steht unverändert nur noch der Stumpf. Man will es wieder aufbauen.

Im Jahre 1810 ließ er ein turmartiges Gartenhäuschen erbauen, achteckig und mit geschiefertem Fachwerk. Der 65jährige Goethe war hier, am 18. Oktober 1814, und schaute mit seiner „Suleika“, der jungen Frau Marianne Willemer, hinaus in die Nacht, auf die vielen Freudenfeuer ringsum, die zum Jahrestag der Leipziger Niederlage Napoleons brannten. Marianne Jung war eine junge österreichische Tänzerin, die im Haus des Bankiers Johann Jacob Willemer zusammen mit dessen Töchtern aus erster Ehe erzogen worden war und 1814 Willemers Frau wurde.

Die Begegnung zwischen Goethe und Marianne war für beide ein beglückendes Erlebnis, das sich in Gedichten beider im Buch „Suleika“ des „West-östlichen Diwans“ widerspiegelte. Jedenfalls scheint die Bankiersgattin seit diesem Tag die Muse und Mit-Autorin Goethes gewesen zu sein. Diese letzten Aufenthalte in der Stadt, in der er geboren wurde und aufwuchs, empfand Goethe als „allerschönste Zeit“.

Im Jahre 1902 richtete das Freie Deutsche Hochstift das nun im städtischen Besitz befindliche Häuschen mit Möbeln und Erinnerungsgegenständen ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört, doch konnte es bald restauriert, mit Möbeln aus dem frühen 19. Jahrhundert, dem Waschtisch Mariannes und mit Fotos ausgestattet.

 

Am 18. Oktober 1964 wurde es wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von Mitte April bis Mitte Oktober stehen jeweils sonntags zwischen 11 und 16 Uhr seine Türen offen.

Hühnerweg: Noch so ein kleines Haus ist die Nummer 48.

 

Willemergarten: Sachsenhausen war auch einmal eine Theaterstadt! Gleich an drei Stellen konnte man nach dem Kriege Theater genießen - der Willemergarten verwandelte sich in eine winzige private Freilichtbühne, auf der engagementlose Schauspieler Goethes „Freier“ aufführten. In der Gastwirtschaft Heymann (am Lokalbahnhof) erklang Frankfurter Gebabbel, die Mundartbühne hatte dort ein Domizil gefunden. Am Oppenheimer Platz, in der betagten Turnhalle des TV Sachsenhausen, war das Schauspiel in ein Notquartier der Städtischen Bühnen eingezogen.

 

Frankensteiner Hof:

Über den Hühnerweg und die Darmstädter Landstraße geht man wieder zum Mainufer. Am Deutschherrenufer an der Obermainbrücke stand der „Frankensteiner Hof“. Die Adresse „Große Rittergasse 103“ erinnert dort ‑ hinter dem Haus der Jugend ‑ noch an die Zeit der großen Adelshöfe von Sachsenhausen. Das Lehnsgut der Familie Frankenstein grenzte seit dem Mittelalter an das Deutschordenshaus. Im Jahr 1831 ging es mit 140 Morgen Land und Weinbergen in städtischen Besitz über, wie in der Sachsenhausen‑Chronik von Reinhold Brückl nachzulesen ist.

Die trutzige Hofanlage wurde nach dem Bericht des Stadthistorikers Wolfgang Klötzer erst durch die Bomben des letzten Krieges zerstöre. Seit 1957 ist die Adresse mit zwei dreigeschossigen Verwaltungs‑ und Betriebsgebäuden sowie zwei Nebengebäuden bebaut. Damals wurde angrenzend auch der Kuhhirtenturm wieder rekonstruiert.

Bis vor wenigen Jahren hatte das Stadtentwässerungsamt in den schlichten gelben Bauten der 50er Jahre seinen Sitz. Derzeit sind die Etagen vorübergehend von Künstlern umgebaut und eingerichtet. Das wird ein letzter Auftritt der Bauten sein. Vorgaben zu Abriß oder Erhalt der vorhandenen Bausubstanz werden von der Stadt nicht gemacht, teilten die Auslober den Bewerbern mit.

Daß die Zukunft des Areals Frankensteiner Hof nicht allem von Interesse des Liegenschaftsamts bestimmt wird, die Quadratmeter lukrativ zu verkaufen, hat dem Vernehmen nach die Architektenkammer angestoßen: Die haben einen Architekten‑Wettbewerb verlangt. Die Fachleute sehen das Grundstück am Rand des verkommenen Apfelweinviertels als ganz wichtigen Ort, von dem eine Initialzündung für das Quartier ausgehen könnte. Der verstellte Zugang nach Alt‑Sachsenhausen muß frei gelegt werden.

Das Maß der künftigen baulichen Nutzung muß nur nach den Bestimmungen des Paragraphen 34 Bundesbaugesetz ausgerichtet sein, also nach den Bauten, die in der Umgebung stehen. Genutzt werden soll der Neubau zur Hälfte durch wohnverträgliches Gewerbe (keine Gastronomie), zur anderen Hälfte zum Wohnen. Im Erdgeschoß sollen 500 Quadratmeter für eine öffentliche, kulturelle Einrichtung vorbehalten werden.

Vom Plan des Kulturamts, auch Künstler‑Ateliers einzupassen, ist in der Ausschreibung nichts erwähnt. Als die Idee ruchbar wurde, ist ein Teil der Bewerber abgesprungen, weil sich das nicht verträgt mit hochwertigem Wohnraum. Caspar Schön, der von der Stadt mit der Sanierungsberatung für Alt‑Sachsenhausen beauftragte Architekt, sieht auch anderes am historischen Ort für unverträglich an, beispielsweise einen abgeriegelten Verwaltungsbau. Das eine oder andere kleine Lädchen würde sich Schön an der Adresse wünschen ‑ daß man mal von den vielen Theken hier weg komme.

Im Moment aber, auch das hat für Irritationen gesorgt, bereitet Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel auf dem Areal Frankensteiner Hof das Feld für eine Zwischennutzung durch Institutionen der Sozialverwaltung. Nur für zwei Jahre, wie er versichert.

 Denn: Bis am Frankensteiner Hof gebaut wird, gehen sicher noch drei Jahre ins Land. Großer Aufwand, mageres Ergebnis: Der Frankensteiner Hof an der Großen Rittergasse soll wieder für Behörden eingerichtet werden. Ungeachtet des im Herbst 2002 entschiedenen Investoren‑Wettbewerbs zum Umbau in Wohnungen, Läden und Ateliers wird die Stadt die Gebäude behalten.

Die Umgestaltung des geschichtsträchtigen Areals war als Signal für die Aufwertung des Apfelweinviertels von Alt Sachsenhausen gedacht und unter Architekten und Bauherren ausgelobt. Jetzt präferiert Liegenschaft‑Amtsleiter Alfred Gangel für das städtische Areal, wo früher das Stadtentwässerungsamt saß, „Sanierung im Bestand“. Gangel will das Bürgeramt und das Sozialrathaus Sachsenhausen dort hinter dem Haus der Jugend unterbringen, die platzen aus allen Nähten. Es wäre für ihn eine bleibende Lösung. Sozialdezernent Franz Frey habe dringenden Bedarf angemeldet. Einige Dienststellen sind schon in den Frankensteiner Hof eingezogen.

Wie kürzlich bereits im Planungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung deutlich wurde, konnte oder wollte die Stadt den Frankensteiner Hof nicht verkaufen. Planungsdezernent Edwin Schwarz teilte dem Ausschuss mit, der Verkauf sei gescheitert. Liegenschaftsamtsleiter Gangel bezeichnete jetzt die Kaufgebote der ausgesuchten Investoren als einen Witz: Für zwei Millionen Euro sollten wir das Gelände hergeben. Dann nutzen wir es lieber selbst. Um Übernahme in Erbpacht und Bebauung des 3.500 Quadratmeter großen Grundstücks des historischen Adelshofs hatten sich ursprünglich 25 Bietergemeinschaften von Nah und Fern beworben. Eine Jury hatte am Ende des Wettbewerbs zwei zweite und einen dritten Preis vergeben. Die Gebote hatten dem Vernehmen nach zwischen 1,7 und 2,2 Millionen Euro gelegen.

Nach den Vorgaben eines der zweiten Preisträger, der Gemeinschaft Jo Franzke/ Ardi Goldman, peilen jetzt die Behörden den Umbau an. Im Ausschuss hatte der Planer Dierk Hausmann die Meinung vertreten, damit werde der Wettbewerbs‑Entwurf nicht verbaut. Wenn sich später Investoren fänden, könne man die Nutzung des Behördenbaus durch Wohnungen ergänzen. Der Architekt Jo Franzke hatte in seinem preisgekrönten Entwurf vorgeschlagen, vom Bestand der schlichten Fünfziger-Jahre‑Bauten einen Riegel im Innenhof abzubrechen und durch ein Turmhaus mit Büros zu ersetzen. Ein zweiter Turm, errichtet an der Großen Rittergasse, wäre zum Wohnen vorgesehen gewesen. Die Jury hatte an dem Konzept die neuen grünen Höfe gelobt und geurteilt, die Nutzung der Erdgeschosse mit Gewerbeflächen und Ateliers lasse eine Belebung Alt‑Sachsenhausens erwarten.

Alfred Gangel hebt hervor, dass auch ohne Verkauf und aufwendige Neubauten die geforderte kulturelle Nutzung im Frankensteiner Hof zu gewinnen sei. Denn die Künstlergruppe „raumpool“ ist (mietfrei) in einen Trakt des Hofs eingezogen: Wenn die ein ordentliches Programm auflegen, können sie auch drin bleiben.

Der Ritter-Brunnen stand einst an der Stelle des Klappergass-Brunnens. Es ist der einzige Brunnen, der nicht aus Sandstein ist und erst in den 60er Jahren gebaut wurde. Sein historischer Vorläufer musste wegen baulicher Veränderungen abgetragen werden. Bildhauer Georg Krämer hat die neue Variante geschaffen. Momentan ist er eingelagert, aber wenn der Frankensteiner Hof erst mal fertig ist, soll er dort auf dem Außengelände einen Standort bekommen.

 

Große Rittergasse:

Durch die Frankensteiner Straße geht man nach Südwesten in die Große Rittergasse. Nach Osten zur Dreieichstraße hin steht der Hirsch-Brunnen, er wandert um wenige Meter und erhält eine Schönheitskur. An der Einmündung der Frankensteiner Straße steht der Heiliger-Georg-Brunnen, den Bildhauermeister Rainer Knußmann aus rotem Sandstein geschaffen hat. Die nordöstliche Ecke dieses Platzes heißt „Knippelhof“.

So etwas wie die beiden alterskrummen, schiefergedeckten Häuschen um den winzigen Hof mit dem Baum neben dem Tor gibt es in Frankfurt nicht mehr. So sah Sachsenhausen aus, als Kolumbus bestimmt noch nicht lange tot war. Die Häuser Nummer 100, 106 und 108 sind niedlich klein, aber zum Teil ziemlich verbaut.

Am westlichen Ende der Großen Rittergasse steht der Kuhhirtenturm, der einzige von den neun Türmen der alten Sachsenhäuser Befestigung. Der Turm hatte seinen Namen nach einem früheren Bewohner, der sich einer anderen Beschäftigung, dem Kühehüten, hingab. Der Turm wurde im Mittelalter auch „Elefant“ genannt. Der gotische Wehrturm ist um 1490 entstanden. Er hatte eine seitliche Pforte zum Mainufer. Es ist ein viergeschossiger Turm auf rechteckigem Grundriß mit Eckquaderung unter steilem Walmdach.  Die Türmerstube im Fachwerkgeschoß ist mit Mannfiguren versehen.

Der Turm wurde 1943 von Bomben stark beschädigt und 1957 wieder aufgebaut. Heute gehört der Turm zur Jugendherberge (er steht ja - wenn man vom Main aus die Häuserfront sieht - zwischen Frankensteiner Hof und Deutschordenshaus). Hier wohnte Paul Hindemith in den Jahren 1923-27, der 1923 dort seine Oper „Cardillac“ und die Komposition „Marienleben“ komponierte.

Es gab auch einen Sauhirtenturm; er steht nicht mehr. Neben dem Kuhhirtenturm steht noch der Fleischerbrunnen, ein klassizistischer Pumpenbrunnen, der um 1820 auf dem Fünffingerplatz in der Frankfurter Altstadt aufgestellt wurde. Aber von ihm müssen sich die Sachsenhäuser bald verabschieden. Inzwischen ist ihm auch die Putte gestohlen worden, so dass nur noch die Stele übrig ist, die abgebaut und zunächst einmal verwahrt werden soll.

 

Paradiesgasse:

Nach links geht es dann in die Paradiesgasse. Hier steht gleich links hinter der (geschlossenen)  Gaststätte „Marco Polo“ mit einer Ritterfassade (früher: „Zum Paradiesäppelche“) der „gotische Turm“ (erst wenn man an der Gaststätte vorbei ist, kann man ihn sehen, man sieht ihn aber besonders gut von der Kleinen Rittergasse aus). Er ist einer der wenigen Wohntürme nördlich der Alpen und der letzte Rest einer Burg des Herrn von Gottschalk. Im Keller des gotischen Turms vergnügte sich der Troß des Kaisers bei den Kaiserkrönungen. Der Turm war allerdings stark baufällig, zwei Wände waren gänzlich eingestürzt. Jetzt ist er wieder restauriert, oben allerdings mit einem Backsteinkranz umgeben. Nach den Vorschlägen der Stadt soll der Turm zu Ateliers ausgestaltet werden.

Etwas weiter südlich ist dann der Paradiesplatz, der gerade (2009) umgestaltet wird. Dabei wird auch der Paradiesbrunnen saniert, leicht versetzt und beleuchtet. Am Eingang zur Paradiesgasse soll der Bäcker-Brunnen aufgestellt werden. Er steht zurzeit im Hof der Jugendherberge südlich des Frankensteiner Hofs und ist nur durch ein Tor zu sehen. Man möchte ihn gerne öffentlicher machen. Dafür würde die dortige Litfasssäule leicht versetzt.

 

Klappergasse:

An der Elisabethenstraße biegt man nach links in die kleine Rittergasse ein. Die Häuser 11 bis 23  bilden ein Plätzchen zum Verlieben. Nach rechts geht es in die Klappergasse. Hier ist die Firma Dauth‑Schneider. Inhaber Rainer Klein: „Wir keltern noch alles auf unserem eigenen Hof. Das ist eine alte Tradition“. Dauth‑Schneider hat einen großen Keller. Klein kann tatsächlich den fürs ganze Jahr benötigten Äpfelwein selbst lagern. Auch Manfred Wagner vom „Klaane Sachsehäuser“, gleich daneben, verweist auf die Tradition, die seine Wirtschaft hat. „Das Selbstkeltern wird zwar immer schwieriger, aber wir bleiben dabei“. Schwierig ‑ damit meinen die Wirte vor allem, daß es nicht einfach ist, Personal zu finden für eine Tätigkeit, die zwar keine Knochenarbeit ist, aber dennoch anstrengt. Gekeltert nämlich wird bei jedem Wetter. „Früher“, erinnert sich einer etwas wehmütig, „kamen die Leute zuverlässig zur Arbeit, egal, ob’s regnete, stürmte oder sonst was. Heute melden sie sich gleich beim ersten Regentröpfchen mit irgendeinem Zipperlein krank“.

Zu den Selbstkelterern gehört das „Lorsbacher Tal. Dort wird nur noch wenig Ebbelwoi auf dem eigenen Hof gekeltert, „ein bißchen Siesser, ein bißchen Rauscher“, wie Wirt Wolfgang Schlagmüller erzählt. Den eigentlichen Apfelwein (aus Äpfeln eigener Wahl, versteht sich) läßt er hingegen in der Kelterei Grillmayer in Nieder-Erlenbach herstellen, ‑ auf einer vollautomatischen Anlage, „wo man nur noch einen Mann, zum Entfernen des Tresters braucht“. Ist das nicht ein Stilbruch für ein altehrwürdiges Ebbelwoi‑Lokal? Wolfgang Schlagmüller findet das nicht. „Wir kriegen den ganz frisch in unseren Keller geliefert, bauen ihn in unseren eigenen Fässern und Tanks aus. Das ist unser eigener Ebbelwei, wie man ihn nur bei uns bekommt“.

Auf seinem ursprünglichen Platz vor dem „Gorjel Schwenker“ am Hintereingang des Lorsbacher Thales steht der Artischockenbrunnen, der die vergangenen Jahrzehnte ein wenig beachtetes Dasein an der Willemerschule fristete. Jetzt steht wieder an. Am Klappergass-Brunnen, der auch Hainer-Hintergass-Brunnen heißt, steht noch links in einer Einbuchtung zwischen den Häusern. Er stand an der jetzigen Stelle des Artischockenbrunnens und soll in die Kleine Rittergasse wandern. Zudem will man den Platz um sie herum umgestalten, damit sie künftig besser zur Geltung kommt. Auch die Technik muss überarbeitet werden, damit Frau Rauscher wieder problemlos spucken kann.

Sachsenhausen ist der Schauplatz des einzigen populären Frankfurter Karnevalsliedes:

      „Fraa Rauscher aus der Klappergass‘, die hott e Beul am Ei,

      ob des vom Rauscher, ob's vom Alte kimmt, des klärt die Bolizei...“.

 „Rauscher“ und „Alter“ sind zugleich auch die Namen für den Apfelwein in verschiedenen Stufen seiner Wandlung vom „Süßen“ zum alkoholischen Getränk. Es ist also eine doppelte Doppeldeutigkeit. Die Häuschen Nr. 15 und Nr. 4 in der Klappergase sind niedlich klein.

 

Weitere Apfelweinlokale in Sachsenhausen sind die „Drei Steuber“ (für manchen ein Geheimtip) und der „Wagner“ in der Schweizer Straße, eine traditionsreiche Adresse. Auch hier räumt der Geschäftsführer freimütig ein, daß man auf Fremdlieferungen angewiesen ist: „Wir haben gar nicht die Lagerkapazität für das ganze Jahr“. Daß derzeit gekeltert wird, ist für ihn gleichwohl keine „Schau“. Der Siesse müsse schließlich „frisch auf den Tisch“ kommen, deshalb stelle man ihn auch selbst her. Wenn dann der eigene Schoppen zu Ende geht, bezieht man Nachschub aus dem Hintertaunus. „Da probieren wir natürlich“, sagt der Geschäftsführer, „und nur wenn das Stöffche schmeckt, greifen wir zu. Das ist keine Massenware“.

Doch viel versuchen, das Äppelwoi‑Sachsenhausen in ein Bier‑Viertel umzufunktionieren, im Verbund mit Hamburger‑ und Kebab‑Freaks (nichts gegen einen guten Döner!). Die Bier mafia aus dem Süden hat ganze Arbeit geleistet. Es gibt schon alte Frankfurter, die die „Strauß‑Wirtschaft“ für einen hessischen Ableger der bayerischen Staatskanzlei halten! So weit sind wir.

Seitdem 16. Jahrhundert scheint sich dann der Apfelwein auf breiter Front durchgesetzt zu haben. Der Grund: in den ausgedehnten Weinanbaugebieten um Frankfurt war es mehrfach infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse zu Mißernten gekommen.

Das heutige Apfelwein‑Viertel Sachsenhausen hat dabei die ältesten Traditionen. Dort saßen die meisten Gärtner und Küfer, die den Apfelwein zunächst nur für sich selbst, später dann zum Ausschank herstellten. Es dauerte auch nicht lange, bis das Verzapfen des Weins besteuert wurde.

Ab Anfang des 18. Jahrhunderts durften die sogenannten „Heckenwirte“ (die früheren Weingärtner) mit offizieller Erlaubnis Apfelwein ausschenken und fanden anscheinend soviel Zuspruch, daß allein in Sachsenhausen um die Mitte des Jahrhunderts pro Jahr rund eine Million Liter verzapft wurden. Nach und nach entstanden auch in anderen Stadtteilen die typischen Apfelwein‑Gärten, wie sie noch heute zu finden sind.

 

 

Dreieichstraße:

In der Dreieichstraße ist das „Eichkatzerl“, das vor wenigen Jahren mit der Tochter des damaligen Inhabers die erste Frankfurter Apfelweinkönigin stellte. Man macht man kein Geheimnis daraus, daß man das Stöffche aus dem Spessart bezieht, aber eben im eigenen Keller ausbaut. „Wir haben zwar noch die Kelteranlage“, sagt der heutige Wirt Helmut Böhm, „und könnten sofort wieder anfangen“. Aber beim Blick ins Lokal stellt man fest: Die Leute kommen auch ohne diese „Schau“.

 

Affentorplatz:

Über die Willemerstraße kommt man zum Affentorplatz, heute ein Kinderspielplatz. Hinter dem östlichen der beiden Eingangshäuser ist ein kleiner Platz, auf dem der Affenbrunnen steht. Der Name des Platzes kommt allerdings nicht von „Affen“, sondern von den „Auen“, die hier begannen. Über die Darmstädter  Landstraße geht man nach Norden in  die Elisabethstraße. Nach links geht das Fritschengäßchen ab, die Hausnummer 8 ist ein bildschönes Haus, das um 1720 gebaut wurde.

 

Deutschordenshaus:

Rechts liegt das Deutschordenshaus. Seit über sieben Jahrhunderten, mit einer langen Unterbrechung allerdings, hatte sich in Sachsenhausen der Deutsche Orden niedergelassen - jene mächtigen, für die deutsche Geschichte so wichtigen Ordensritter, deren Ordensburg die Marienburg in Ostpreußen war und die auf ihren weißen Umhängen ein großes schwarzes Kreuz trugen. Und noch tragen! Es war für viele eine Überraschung, als sie vor kurzem auf dem Umweg über Sachsenhausen erfuhren, daß der Deutsche Orden noch heute existiert, und zwar in Wien (seit 1805). Er ist inzwischen ein rein geistlicher Orden geworden. Das gesamte Gebiet, über das sich der alte Orden einst erstreckte, und es reichte über halb Europa, war in Kommenden unterteilt. Eine dieser Kommenden richtete der Orden im Jahre 1221 in Sachsenhausen ein, das Deutschordenshaus an Mainufer und Brückenstraße. Im alten Sachsenhausen muß es ganz zentral gelegen haben. Ein deutscher Kaiser hatte Kloster, Spital und Kirche damals dem Deutschen Orden geschenkt. Die Kirche ist die älteste in Sachsenhausen. Es war schon ein Stück großes mittelalterliches Leben, das auf diese Weise in das abgeschlossene Dorf Sachsenhausen kam. Viele Kaiser gingen hier ein und aus. Von Ludwig dem Bayern heißt es, daß er 38mal in der Sachsenhäuser Kommende logiert habe. Im Jahre 1805 löste Napoleon den Orden auf und machte den österreichischen Kaiser zu seinem neuen Eigentümer. Auch das Sachsenhäuser Ordenshaus wurde österreichisch. Im Jahre 1881 ging es in den Besitz der katholischen Gemeinden Hessens über. Bis 1959! Dann erwarb es wieder der alte Eigentümer, der Deutsche Orden. Nach über 150 Jahren kehrte er an die Ufer des Mains zurück.

Vieles von dem Besitz ist zerstört. Man wird ihn wiederaufbauen. An einem der erhalten gebliebenen Trakte im weiten leeren Hof steht ein schmales Fachwerkhaus. Es trägt die Jahreszahl 1565. Im winzigen Gärtchen des Pfarrhauses gleich nebenan entdeckt man unter einem Schieferdächlein eine Säule aus rotem Sandstein. Sie ist alles, was von dem ersten Kirchlein übrigblieb, das vor 700 Jahren hier stand. Die Säule gehört zu den ältesten steinernen Zeugen in ganz Frankfurt. Die heutige Kirche wurde 1309 geweiht. Man hat ihrem Dach jetzt wieder ein Türmchen aufgesetzt. Ein helles Barocktürmchen. Man sieht dem Türmchen von weitem an, daß sein Herr nicht in Sachsenhausen und nicht in Frankfurt wohnt, sondern in Österreich, dem Land mit dem berühmten Barock und den schönen alten gelben Bauten. Hier grüßen sich Main und Donau, Frankfurt und Wien, die beiden berühmten Kaiserstädte.

Deutschordenskirche: Das wertvolle Altarbild (von Piazetta) nahmen 1796 nahmen es französische Revolutionssoldaten mit, als General Kleber die Stadt besetzt hatte. Im Jahre 1844 entdeckte es Stadtinspektor Passavant zufällig bei einem Besuch in der Gemäldegalerie von Lilie. Frankfurt wandte sich an den Wiener Hof; aber dort lehnte man ab, das Bild von den Franzosen herauszufordern. So wird es wahrscheinlich noch in Lilie hängen.

Ulrichstein: Vor der Deutschordenskirche stand der Ulrichstein am Ausgang der Färberstraße. Das war ein Turmstumpf am Sachsenhäuser Mainufer. Im Dreißigjährigen Krieg war der Turm bei einem Geschützduell zwischen Schweden und Kaiserlichen zusammengeschossen worden. Aber selbst der Stumpf steht heute nicht mehr. Er wurde nicht ein Opfer des letzten Krieges, nein, ein Stadtbaurat ließ ihn schon 1930 niederreißen, wie es heißt, gegen den Wunsch des damaligen Oberbürgermeisters Landmann. Er brauchte Platz für die neue Uferstraße.

Man geht weiter durch die Dreikönigstraße, die einige unversehrte Häuser und Höfchen hat.  Das Haus Nr. 3 in der Bäckergasse südlich der Dreikönigstraße ist das kleinste in Sachsenhausen.

 

Dreikönigskirche:

Sachsenhausen hat Frankfurts älteste evangelische Gemeinde. Und sicher den einzigen Pfarrer in der Geschichte der Stadt, der am Altar überfallen wurde. Das war 1524 in der alten, damals noch katholischen Dreikönigskirche (um 1340 er baut, um 1880 neu gebaut). Drei Sachsenhäuser verkleideten sich als Frauen und fielen in der Kirche über den unbeliebten Kaplan Jakob Selzer her; sie verwundeten ihn, und mit Mühe entkam der Kaplan in einem Boot über den Main. Bald darauf, 1531, führte der frühere Barfüßermönch Petrus Kamberger in der Dreikönigskirche den lutherischen Gottesdienst ein, zwei Jahre vor dem übrigen Frankfurt.

 

Städel:

Im Erdgeschoß befinden sich Buchhandlung, Bibliothek, Café und die Graphische Sammlung.

Im ersten Stock sind Werke aus dem 19. und 20 Jahrhundert zu sehen: Thoma, Leibl, Böcklin, Feuerbach, aber auch Monet, Renoir und Manet. Dazu Kirchner, Marc und Macke, Picasso, Klee und vor allem Max Beckmann (Hauptbahnhof). Es gibt links ein Caspar-David-Friedrich-Kabinett und den Goethe-Saal mit dem berühmten Bild „Goethe in der Campagna“

Im zweiten Stock kommt man zuerst in den Kuppelsaal mit Werken aus dem 20. Jahrhundert.

Nach links geht es in den Hans Holbein-Saal mit dem „Dominikaner Altar“ (aus der Frankfurter Dominikanerkirche, dahinter der Stefan Lochner-Saal (mit dem „Apostelmartyrium“), links davon der Jan van Eyck-Saal mit „Lucca Madonna“. Vom Kuppelssal nach rechts geht es in die Säle mit Bildern von Tiepolo, Rubens, Rembrandt und Vermeer.

Ein nur sehr kleines Bild ist die „Venus“ von Lucas Cranach. Weiter ragen heraus Botticellis „Weibliches Idealbildnis“ und Albrecht Altdorfers „Anbetung der Könige“. Außerdem sind in diesem Stockwerk viele Werke der christlichen Kunst zu sehen. In den Räumen finden sich auch Skulpturen von Lehmbruck, Rodin und Barlach und anderen. Das Museum ist geöffnet ab 10 Uhr (Montag geschlossen).

Die „Deutsche Venus“ von Lukas Cranach verschwand 1959 geheimnisvoll aus der Städel-Galerie. Ebenso geheimnisvoll tauchte sie im Jahr darauf in einem Münchener Schließfach wieder auf und kehrte ins Städel zurück.

 

Sandhof:

Südlich der Universitätskliniken lag der Sandhof. In einem Wald wurde hier 1539 der befestigte und von einem Wassergraben eingeschlossene Sandhof erbaut. Er gehörte dem Deutschen Orden und lag zwischen dem Königsbach und Niederrad. Nach einem Protest der Stadt Frankfurt durfte er aber nicht stark befestigt werden und vor allem keine Mauer haben. Nach der erfolglosen Belagerung Frankfurts im Jahre 1552 wurde auch der Sandhof verbrannt. Den wieder aufgebauten Hof schenkte Gustav Adolf von Schweden 1633 mitsamt Äckern, Wiesen und Waldungen an die Herren von Holzhausen. Aber nach dem Frieden von Münster mußte der Hof wieder an den Deutschen Orden zurückgegeben werden.

 

 

Henninger Turm:

 Um in dieser Gegend zu bleiben - Sachsenhausen besitzt das höchste Bauwerk Frankfurts. Durch ein halbes Jahrtausend war es der Turm des Domes. Dann für ein, zwei Jahre der neue Gasometer am Osthafen. Jetzt ist es mit seinen 120 Metern der Getreidesilo einer Brauerei am Hainerweg. Damit hat Sachsenhausen zugleich das höchstgelegene Restaurant weit und breit erhalten, außerdem die weiteste Fernsicht, das einzige drehbare Haus in Frankfurt, den längsten Lift, die höchste Treppe (an der Außenfront) und das Haus mit den wenigsten Fenstern im Vergleich zu seiner Größe.

 

Sachsenhäuser Warte:

Sie schützten einst das Stadtgebiet, Jahrhunderte lang kündeten sie, an welcher Stelle Frankfurts Territorium begann: die vier Warten mit ihren unübersehbaren Türmen ‑ die Bockenheimer Warte, die Galluswarte, die Friedberger Warte und die Sachsenhäuser Warte. Das Stadtgebiet hat sich erweitert, die Warten haben sich verändert, sie dienen als Gaststätte oder als Entlüftung der städtischen Kanalisation. Aber sie haben sich als wichtige Zeugen der Vergangenheit erhalten. Räuberische Überfälle             benachbarter Ritter auf Kaufmannszüge und auf die städtischen Gehöfte, im besonderen die Niederlage Frankfurts in der Schlacht bei Eschborn 1389 gegen die Taunusritter, hatten 1393 zum Beschluß des Rates geführt, das Stadtgebiet durch eine „Landwehr“, von Gräben, Hecken und Warten zu sichern. Sie führte bis zu 2,5 Kilometer vor der Stadtmauer meist entlang der

Gemarkungsgrenze.

Knapp 20 Jahre später begann man sie zu verstärken. An den Hauptstraßen wurden anstelle von Holztürmen steinerne gotische Warten errichtet: kleine Burgen mit Wehrhof, Mannschaftsgebäuden, Waffenlager, Brunnen und zylindrischen, 25 Meter hohen Türmen. Als erste entstand die Galluswarte (1414). Es folgten die Bockenheimer Warte (1434/35), gegen massive Einsprüche benachbarter Herren 1471 die Sachsenhäuser oder Isenburger Warte (als Ersatz für eine steinerne Warte am Mühlberg von 1414) und schließlich die Friedberger Warte (1476).

Nachdem sich 1552 die militärische Unzulänglichkeit der Warten gezeigt hatte, dienten sie fortan nur noch als Beobachtungsposten und Sammelstelle für den Verkehr. Im Innenhof der Sachsenhäuser Warte aber wurde 1767 anstelle des baufälligen Wächterhauses durch Johann Andreas Liebhardt ein barockes Gebäude errichtet: Der linke Teil diente als Wohnung für den Förster, der rechte für den Wartmann, der vorspringende Mittelteil für die Geleitsherren, die dort bis 1802 die Nürnberger Kaufleute zu Beginn einer jeden Messe empfingen.

Von der Sachsenhäuser Warte sah man einst über die Wein‑ und Obstgärten mit ihren Sommer‑ und Landhäusern auf die gesamte Stadt hinab. Hochhäuser haben heute den Blick verstellt. Aber die Sachsenhäuser Warte ist noch immer einen Besuch wert. Man kann im Rest des ehemaligen Barockhauses oder im Hof einkehren. Man kann sich auch nur beim Anblick des Bauwerks in die Vergangenheit zurückversetzt fühlen. Nahebei liegt der Südfriedhof (1868 angelegt). Gegenüber erstreckt sich rund um den zur Jahrhundertwende gebauten Hochbehälter der Park, der nach dem Bildhauer Fritz Böhle benannt ist, dessen 1910 nach eigenem Entwurf gebautes romantisch‑skurriles Haus noch steht.

Neben dem Friedhof: Katholische Kirche Sankt Wendel, ein kühner Bau aus Natursteinen.

 

Goethe-Turm:

Die Goetheruhe liegt am höchsten Punkt des Frankfurter Stadtwaldes auf dem Sachsenhäuser Berg  Dort errichtete 1867 der Frankfurter Verschönerungsverein einen 22 Meter hohen, hölzernen Aussichtsturm. Natürlich kannte Goethe weder die kleine, nach ihm benannte Erhebung noch den Turm. Als der Turm nach dem Ersten Weltkrieg wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, forderten die Frankfurter einen neuen Goetheturm. Im November 1931, kurz vor Beginn des Goethejahres, wurde der „neue“, noch heute aktuelle Goetheturm eingeweiht.

Er liegt 147 Meter über dem Meeresspiegel und ist mit seinen 43 Metern Höhe der höchste hölzerne Aussichtsturm Deutschlands. Neben dem Turm ist ein beliebtes Ausflugslokal entstanden, die „Goetheruhe“, deren Innenräume nach Goethes Farbenlehre ausgemalt sind.

 

Babenhäuser Landstraße: Neben Hamburg die erste Moschee in Westdeutschland, mit zwei schlanken Minarettchen.

 

 

Niederrad:

Carl-von-Weinberg-Park. Am Rande Niederrads und des Stadtwaldes liegt ein gepflegter Waldpark, der nicht nur vielfältige Erholung bietet, sondern auch an eine Frankfurter Familie, an ihre Bedeutung für die Stadt und an ihren wohltätigen Gemeinsinn erinnert. Er gehörte zur Villa Waldfried Carl von Weinbergs. Wo diese Villa stand, befindet sich nur noch eine Wiesenfläche. Erhalten blieben das ehemalige Pförtnerhaus und außerhalb des Parks die Gärtnerei, ein Wirtschaftshof und andere Nebenhäuser. Eine Büste im Park erinnert an den Bauherrn.

Der Kaufmann Carl Weinberg, 1861 in Frankfurt am Main geboren, wurde 1892 Teilhaber der väterlichen Firma “Leopold Cassella & Comp.”, die man 1894 mit der von seinem Onkel Leo Gans an der Mainkur gegründeten „Frankfurter Anilinfarbenfabrik“ zusammenlegte. Leo Gans, Carl Weinberg und dessen ein Jahr älterer Bruder Arthur, der Physik und Chemie studiert hatte, führten die Cassella zu Weltruhm. Anerkennung fanden die Brüder Weinberg in der Nobilitierung und in zahlreichen anderen Ehrungen (Ehrenbürgerrecht für Arthur von Weinberg). Im Jahre 1925 gelang es ihnen und anderen Industriellen, die deutschen chemischen Werke zur I.G. Farbenindustrie zusammenzuschließen, die ihren Verwaltungssitz in Frankfurt erhielt.

Im Jahre 1898 hatten sich Carl von Weinberg und seine aus einer vornehmen englischen Familie stammenden Frau Mary auf Schwanheimer Gemarkung die Villa Waldfried von den Architekten Bäppler und Kaufmann im englischen Landhausstil erbauen lassen. Eine Fülle von Kunstwerken schmückte die Räume. Ein Teil des Gartens war im römischen Stil gestaltet; der Florentinerbrunnen von dort steht heute neben dem Nebbienschen Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage. Arthur und Carl von Weinberg und ihre Ehefrauen gaben zahlreichen wissenschaftlichen Institutionen (so der Universität) reiche Zuwendungen und schufen viele soziale Einrichtungen. Weit über Frankfurt hinaus bekannt wurden die Weinbergs durch die Gründung des Gestüts Waldfried. Auch die Anlage des Golfplatzes und des ehemaligen Poloplatzes gehen auf sie zurück.

In der nationalsozialistischen Zeit widerfuhr Arthur und Carl von Weinberg, die jüdischer Abstammung waren, großes Leid. Im Jahre 1939 verließen sie Frankfurt. Arthur von Weinberg wurde mit dem ersten Transport von München ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er im März 1943 starb, Carl von Weinberg starb im selben Monat in Italien. Wie die Villa Waldfried, so wurde auch das Haus Arthur von Weinbergs, Haus Buchenrode in Niederrad, an das heute ein Gedenksteine erinnert, ein Opfer der Bomben.

 

Forsthausstraße:

Im Frankfurter Raum begegnen uns noch heute mehrere solcher uralten „Ruhebänke“, also historische Rastplätze für alle die, die einst schwere Lasten zu tragen hatten: Marktfrauen, Wäscheträgerinnen, Weinbergsarbeiter. Wir finden solche Ruhebänke an der Kennedyallee (Forsthausstraße),

 

 

 

 

Stadtwald:

 

I.  Zwischen Autobahn 661 und Darmstädter Eisenbahn

Die Sachsenhäuser Warte im Süden Frankfurts verschwindend heute klein vor den Hochhaustürmen. Aber sie war über fünf Jahrhunderte unübersehbarer Mittelpunkt und die Spitze des 147 Meter hohen Sachsenhäuser Bergs. Der Standort, vortrefflich vom Rat gewählt, hart an der Grenze zur Grafschaft Hanau, ließ niemanden unbesehen hinunter in die Reichsstadt gelangen. Angreifer konnten schon von weitern ausgemacht werden. Der Bau der Warte war neben der Friedberger, Bockenheimer und Galgen‑(Gallus‑)Warte zur Verstärkung der Landwehren notwendig geworden. Die Doppelgräben mit dazwischen ineinander verflochtenen Buchenhecken weit außerhalb des Mauerrings reichten allein nicht mehr aus, den Versuchen der Fürsten rundum standzuhalten, die neuerworbenen Freiheiten der Städte niederzuschlagen. Die Sachsenhäuser Warte steht noch immer außerhalb am Stadtrand. Wo früher Obst‑ und Weinbau betrieben wurde, die Bauern ihre Felder bestellten, findet man auch heute noch alte Baumbestände, Wiesenraine und Schrebergärten, und nicht zuletzt beginnt hier der Stadtwald, der einstige Reichsforst Dreieich.

Wenig bekannt dürfte das Kleinod Boehlepark südwestlich der Warte sein. Der Park ist benannt nach dem Frankfurter Maler und Bildhauer Fritz Boehle (1873‑1916), der sich nebenan 1910 sein Wohnhaus mit Atelier baute. Hier steht das Wasserwerk Süd 1, erbaut in den Jahren 1900 bis 1902 mit kunstvollen Sandsteinarbeiten an den drei Kammereingängen, Lichthöfen und Wustraden. Der Hochbehälter mit einem Speichervolumen von rund 30.000 Kubikmetern ist unverändert im Betrieb.

Südlich des Parks geht es weiter durch das 1. Wartegäßchen und durch ein Kleingartengebiet.

Am Ende der geteerten Strecke biegt man links ab und fährt dann wieder rechts in den Lerchesbergring in eine Villengegend. Am Bischofweg geht es dann rechts hinunter bis fast zu den Eisenbahnschienen am Bahnhof Loiusa. Links liegt die Apfelweingaststätte „Zur Buchscheer“. Als Adam Theobald 1876 seine Geschäftsidee verwirklichte und südlich von Frankfurt in der Gemarkung Buchscheer ein Lokal mit eigener Apfelweinkelterei eröffnete, hatte er als Kundschaft keineswegs die Städter im Sinn. Vor 125 Jahren waren es nicht die Ausflügler, die sich auf den Weg machten, um in die Buchscheer einzukehren. Felder, Wälder und Wiesen umrahmten damals die Gastwirtschaft. Feld‑ und Waldarbeiter gehörten zu den Besuchern. Auch die in der nahe gelegenen Pferdewechselstation rastenden Kutscher tranken dort ihren Ebbelwei. Angeblich soll sogar Napoleon dort die Pferde gewechselt haben. Christian und Robert Theobald bewirten in fünfter Generation das Lokal.

Die Bezeichnung „Buchscheer“ leitet sich ab aus Buche und „Scheer“, auf Mittelhochdeutsch „Mäh- und Weideland“. Gewiß hat sich vieles verändert seit der Gründung der Kelterei und Apfelweinwirtschaft „Zur Buchscheer“. Es wurde um und angebaut. Und nachdem eine Brandbombe 1944 das Gebäude bis auf die Grundmauern zerstöre, eröffnete das Lokal mit der postalischen Adresse Schwarzsteinkautweg 17 erst wieder 1955 die Türen. An die Regel, ausschließlich Selbstgekelterten zu servieren, halten sich die Nachfahren von Adam Theobald. Etliche Zigtausend Liter Wein lagern im Gewölbekeller und in Kühlräumen hinter dem Lokal in Sachsenhausen.

Hinter dem Lokal läuft der Königsbach, der einzige natürliche Wasserlauf, der den Stadtwald durchfließt. Man fährt aber vor der Gaststätte links in den Ziegelhüttenweg. Es geht über den Königsbach. Man hält sich links und kommt unter der Eisenbahn hindurch geradeaus in den Königswiesenpfad.

Unmittelbar nach der Eisenbahnunterführung beginnt der „Schäfersteinpfad“. Die  Informationstafel ist allerdings nicht mehr vorhanden. Der erste Stein steht links, der zweite kurz dahinter auf der rechten Seite. Danach geht die hier markierte Grenze mit einem Trampfelpfad in den Wald.

 

Namen wie Königsforst, Königsbach, Königsbrunnen und Königsbrünnlein erinnern an den ehemaligen königlichen Reichswald, den die  Frankfurter Stadtväter am 2. Juni 1372 von Kaiser Karl IV. für 8.800 Gulden erworben hatten. Es gab aber einen hundert Jahre währender Rechtsstreit zwischen der Freien Reichsstadt Frankfurt und dem Deutschherrnorden. Dieser war seit 1221 ansässig in der Stadt mit verbrieftem Eigentum und Weiderecht im Königsforst, dem heutigen Stadtwald. Die Stadt erhob aber auch Anspruch auf die Holzhecke, das Wald- und Wiesengelände des Ordens. Dieser legte jedoch größten Wert auf diesen Besitz als Weideland für seine Schafzucht. Die Kontrahenten einigten sich schließlich 1488, in annähernd der dritten Generation, mit einem Vergleich, wonach der Rat die Holzhecke käuflich erwarb und dem Deutschordenein ein bestimmtes Weidegebiet auswies, das mit Grenzsteinen gekennzeichnet wurde. In die Frankfurter Stadtgeschichte sind sie als „Schäfersteine“ eingegangen.

Bis auf einige wenige sind die ursprünglich 60 Schäferstein-Steine noch vorhanden. Sie sind durchnumeriert von 1 bis 49, verteilen sich auf einem östlichen und einem westlichen Strang. Die Wege selbst sind nicht markiert. Holzschilder weisen ein. An jedem Stein erwartet den Wanderer durchweg ein Erholungsplatz mit Bank. Um die Steine besser unterscheiden zu können, haben sie ein hölzernes Pendant mit eingebranntem Phantasienamen, vom Mauerblümchen zum Wilddieb, dem Scheppe, Otto I. und so weiter.

Eines haben alle Schäfersteine gemeinsam: das gemeißelte Ortskreuz auf der Weideseite und das F auf der Verbotsseite. Doch darauf, daß der Buchstabe ein F ist, muß man erst kommen, denn es ist spiegelverkehrt. Lange Zeit hat man es für ein gotisches F gehalten, dann aber herausgefunden, daß der Steinmetz des Lesens und Schreibens unkundig, sich des Fehlers nicht bewußt war (Eine vollständige Beschreibung des Schäfersteinweges findet sich in Frankfurt I, Seite 76).

Mit der Verpfändung des kaiserlichen Schultheißenamts war die Stadt in den Besitz des riesigen Forstes südlich der Stadt gekommen. Dadurch wurde sie zum größten kommunalen Waldbesitzer Deutschlands bis auf den heutigen Tag. Vorbildlich hat sich die Stadt seit dieser Zeit um den Bestand der Bäume gekümmert. Nur in Ausnahmefällen durfte abgeholzt werden. Schon Ende des 14. Jahrhunderts gab es erste Aufforstungsmaßnahmen. Die Eichen- und Bucheckernmast der Frankfurter Haustiere war genauestens reglementiert. Im Jahre 1729 begannen „reitende Förster“, dem nie zu verhindernden Wald‑ und Jagdmißbrauch Einhalt zu gebieten.

Wenn die Stoltzeschneise erreicht ist, biegt man links ab, kommt über den Bach und biegt dann scharf rechts ab. Man kommt zum Königsbrünnchen, der aber etwas unscheinbar etwa zehn Meter rechts vom Weg im Wald steht. Der gemauerte Königsbrunnen mit dem Wappen der Stadt Frankfurt und der Jahreszahl 1607 diente einst als Viehränke. Das Wasser läuft an der Seite in den Bach. Der Weg führt dann zur geteerten Oberschweinstiegschneise. Rechts geht es über die Straßenbahnschienen zum „StadtWaldHaus“ (auf der Landkarte noch „Waldschulheim Oberschweinstiege“).

Seit vielen Jahren konnten sich Spaziergänger im Stadtwald, die über den Erholungswert hinaus etwas über den Wald und seine ökologischen Zusammenhänge erfahren wollten und auf Waldlehrpfaden und vor allem in der vom Frankfurter Forstamt unterhaltenen Fasanerie durch Lehrschauen in einem dafür errichteten Blockhaus informieren. Auch ein kleines Wildgatter und Volieren gab es ergänzend. Von der Fasanenzucht, die nach dem Krieg zum biologischen Forstschutz ‑ Insektenvertilgung ‑ angelegt worden war, ist nur der Name geblieben. Auch der Anschauungsunterricht dort galt didaktisch und pädagogisch nicht mehr als zeitgemäß. Nach mehrjähriger Planung und Bauzeit wurde 1995 das neue forstlichökologische Informationszentrum, schlicht „StadtWaldHaus“ genannt, eröffnet.

 

 

Man steht man vor dem ungewöhnlichen, verspielt wirkenden Bauwerk, dessen gegeneinander versetzte, begrünte Pultdächer fast den Boden berühren. Aus der Mitte ragt ein Eichenstamm mit begehbarem Baumhaus über den Wipfeln hervor, Äste und Wurzeln verzweigen sich in dem von einem Miniaturbach durchflossenen, ganz aus Glas und Holz konstruierten „StadtWaldHaus“. Durch eine Baumstammtür gelangt man ins Innere.

Die Idee, die hinter dieser Bauweise steckt, läßt sich erahnen ‑ beim Besucher „Naturverständnis wecken durch Natur Erleben“, was die Themen der Dauerausstellung bestätigen und Antwort auf die Fragen geben soll: Was ist ein Baum? Wie wächst ein Baum? Baumgemeinschaft Wald, Holz, Werkstoff des Menschen; Stadtwald als Lebensgemeinschaft für Pflanzen und Tiere. Angesprochen sind alle Altersgruppen, Schulklassen, Vereine, Spaziergängen Es gibt die Möglichkeit des Mikroskopierens und „Forschens“ im Erlebnisraum, auf dem Bildschirm Programme abzurufen, bezüglich Umwelt, Wetter, Quizfragen zu beantworten. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Was gibt’s da schon zu sehen? Ein Bullauge, schlammig‑trübes Wasser. Ein paar Pflanzen. Das soll aufregend sein? Rainer Berg nickt. „Natürlich. Das ist mein Lieblingsplatz. Wie Fernsehen. Ich setz mich mit einer Tasse Kaffee hier hin und schaue. Das ist spannend und entspannend.“ Behauptet Berg, der Leiter des 1995 eingerichteten Stadtwaldhauses, wo man durch ein Bullauge unter Wasser in einen kleinen Teich schauen kann. Dabei ist da gar nichts zu sehen.

Oder doch? „Schauen Sie hin“, sagt Berg und deutet auf ein Tierchen, das sich irgendwie seltsam über Kopf zu bewegen scheint. Eine Wanze ‑ der Rückenschwimmen Das Pendant zum Wasserläufer.“ Räuberisch. „Der Wasserläufer grast sozusagen von oben, der Rückenschwimmer von unten die Wasseroberfläche nach Kleininsekten ab.“ Mit den Mundwerkzeugen können sie auch Menschen stechen. „Soll schmerzhaft wie ein Bienenstich sein“, sagt Berg. Er deutet auf den wegen der Reflexion silbern glänzenden Luftfilm, der den Körper der Wanze umgibt. „Deshalb haben die solche Mühe, nach unten zu schwimmen. Tun sie nix, hängen sie immer mit dem Bobbes an der Wasseroberfläche.“

Interessant. Doch mal näher hinschauen? Berg grinst und deutet auf tausende winzig kleine Punkte, von denen man denken könnte, sie seien die Staubkörner des eineinhalb Meter tiefen Teichs. Von wegen. Das sind Kleinkrebse. Die ernähren sich von Pflanzen. Kaum zu glauben.

Im Frühjahr, wenn die Kröten zum Ablaichen an ihr Geburtsgewässer zurückkehren, sehe man ein paar Wochen später hunderte Erdkrötenkaulquappen an der Scheibe. Aber die wenigsten werden erwachsen. Wäre ja auch schlimm. Man stelle sich vor: Hunderte fetter Erdkröten um den winzigen Teich. Man könnte ja keinen Schritt mehr gehen. Ist die krabbenartig aussehende Gelbbrandkäferlarve schuld am Kaulquappensterben? Sie gilt nämlich als extrem gefräßig und ernährt sich von Kaulquappen. Libellenlarven, Schnakenlarven, Eintagsfliegenlarven, Berg deutet hier hin und da hin und langsam, langsam kapiert man: Da ist jede Menge los im Teich.

Man muss ihn nur lesen können. Und Rainer Berg kann das. Räumt endlich auf mit der Mär, dass Libellen irgendwie gefährlich seien. „Die können gar nicht stechen.“ ‑ Wischt den Irrglauben vom Tisch, dass Eintagsfliegen nur einen Tag leben. „Die Fliege schon, aber die Larve dafür mehrere Monate.“ Ähnlich sei das Verhältnis bei den Libellen. Die erwachsene Libelle fliegt ein paar Wochen rund um den Teich, aber ihre Larve hält sich bis zu fünf Jahre im Wasser.“

Als die drei Zentimeter große Spitzschlammschnecke mit dem spitz zulaufenden Haus ihre gemächliche Reise über die Scheibe des Bullauges aufnimmt, ist das schon gar kein Ereignis mehr. Zu aufregend ist das Bild des übrigen Teichlebens, das Berg vor dem inneren Auge entstehen lässt.

Dass das Wasser auch für andere Lebewesen unersetzlich ist, die gar nicht im Teich leben, hat Berg diesen Sommer beobachten können: Wenn’s richtig heiß war, hockten da dutzende Bienen, aber auch Wespen und Hornissen am Ufer und saugten Wasser.

Die fliegen dann zu ihren Nestern, besprühen die Waben und zappeln mit den Flügeln, um Verdunstungskälte zu erzeugen.

„Oh schnell, schauen Sie.“ Fast ein wenig aufgeregt deutet Berg auf ein Libellenpaar, das wie ein Hubschrauber im Landeanflug über den Teich brummt: Das Männchen hält das Weibchen am Kopf fest und das Weibchen taucht sekundenkurz mit dem Hinterleib ins Wasser, um seine Eier abzulegen. Ein aufwendiges Manöver.

Natürlich muss der Teich gepflegt werden, denn die Pflanzen im Wasser vermehren sich stark, verbrauchen dabei Sauerstoff und gefährden damit das Gleichgewicht des Gewässers. Wenn zu viele Seerosen gedeihen, verdunkeln sie die Oberfläche, so dass die tiefer lebenden Pflanzen kein Licht mehr erreicht. Sie verfaulen und verbrauchen auch wieder Sauerstoff, sagt Berg. Deshalb muss ständig aufgeräumt werden. Die überschüssigen Rohrkolben, die sich am Ufer rasend schnell vermehren, müssen regelmäßig rausgeholt werden. Dumm sei nur, dass die sich mit ihren Wurzeln so energisch festhalten, „dass man mit den Händen ganz tief ansetzen muss, um sie herauszubekommen. Unsere Forstwirte in Ausbildung machen das regelmäßig und fallen ebenso regelmäßig ins Wasser“, sagt Berg schmunzelnd.

Sogar im Winter ist der kleine Teich am Stadtwaldhaus interessant, findet Berg. Es gibt kein Gewässer, wo man so leicht die Eisdicke bestimmen kann: 18 Zentimeter waren es im letzten Jahr. Und unter der Eisschicht sitzen dann die Rückenschwimmer und ziehen über hohle Halme Sauerstoff. Und Fische gibt’s gar nicht? Nein, die würden ja alles fressen.

Geöffnet ist das Ausstellungshaus montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr, samstags von 12 bis 18 Uhr (November bis März von 12 bis 16 Uhr), sonn‑ und feiertags von 10 bis 18 Uhr, im Winter von 10 bis 16 Uhr. Freitags ist es geschlossen.

 

Wenn man aber auf der Oberschweinstiegschneise nach links fährt, kommt man zum Jacobiweiher. Der geteerte Weg führt zum Gasthaus „Oberschweinstiege“. Man kann aber auch schon vorher abbiegen an dem Schild „Jacobiweiher 50 m“. Dieser von den Frankfurtern volkstümlich „Vierwaldstätter See“ genannte 5,6 Hektar große Teich wurde 1932 von Oberforstmeister Dr. Jacobi durch Anstauen des Luderbaches als Rückhaltebecken angelegt. Der Königs‑ oder Luderbach entspringt in der Nahe des Hofgutes Neuhof und mündet unterhalb der Friedensbrücke in den Main. In Zeiten des Hochwassers überschwemmte er immer wieder die Riedhofsiedlung. Seit seiner landschaftsverschönernden Bändigung reihen sich Bänke einladend entlang dem Ufer unter schattigen alten Weiden.

Im Jacobiweiher finden sich der nordamerikanische Sonnenbarsch, der Zwergwels, der Blaubandbärbling und die Rotwangenschmuckschildkröte. In den 70er Jahren war sie bei Aquarienfreunden beliebtes Tier, das jedoch schnell über seine ursprüngliche Fünfmarkstückgroße hinauswuchs und unzählige Aquarien zu sprengen drohte. Aus Sicht des Naturschutzes sind größere Fischarten in kleineren Gewässern wie den Weihern im Stadtwald, die nicht durch Sport‑ oder Berufsfischer bewirtschaftet werden, unerwünscht. Und schon gar in diesen Mengen und schon gar diese „Exoten“. Die nicht so heißen, weil sie aus besonders exotischen Breiten kämen, sondern weil sie im Frankfurter Stadtwald normalerweise nicht vorkommen, also standortfremd sind. Die  ausgesetzten großen Fische und Wasserschildkröten im Weiher machen den Amphibien, die hier, in dem alten Laubmischwald, einen idealen Lebensraum finden, das Leben schwer bis unmöglich.

Normalerweise müsste an so einem Weiher ein regelrechtes Quakkonzert zu hören sein. Aber da ist nichts! Die Frösche fehlen. Sie sind alle schon im Kaulquappenstadium aufgefressen von den großen Fischen, die hier gar nicht hingehören. Sogar der Nachwuchs der Erdkröte, der unappetitliche Bitterstoffe produziert und deshalb für viele Fische ungenießbar ist, ist verschwunden. Die nordamerikanischen Fischarten stören sich offenbar nicht an dem bitteren Geschmack. Ohne sie gäbe es hier wohl auch den seltenen Springfrosch, der als bedrohte Tierart auf der Roten Liste steht.

Am Jacobiweiher ist nur das Rufen der Enten zu hören ist, der Flügelschlag des Graureihers, tiefer im Wald auch der Gesang von Kleiber, Rotkehlchen oder Trauerschnäpper. Das Wasser im Jacobiweiher müßte im September abgelassen werden. Man müßte ihn abzufischen und drei Monate ruhen zu lassen. Begleitend könnte man dann an einigen Stellen das Ufer abflachen, damit sich Schilf und Röhricht bilden kann ‑ ein idealer Rückzugsraum für viele Frösche, aber auch Bedingung dafür, daß sich Haubentaucher, Blesshühner und Teichrohrsänger hier wieder ansiedeln könnten. Beispiele an anderen Orten zeigen, dass sich innerhalb weniger Jahre wieder große Populationen von Amphibien bilden. Auch Libellen hätten dann wieder eine Chance.

Dem Fisch darf man allerdings auch nicht den Garaus machen. Kleinere Fischarten wie Dreistachliger Stichling, Moderlieschen und Ukelei sind nämlich die bevorzugte Nahrung des Eisvogels, dessen durchdringendes Pfeifen deshalb an frühen Wintermorgen oft an den Bächen rund um den Jacobiweiher zu hören ist. Und auch Graureiher und Kormorane, die hier im Winter zu beobachten sind, fressen bevorzugt kleine Fische.

Nichts einzuwenden ist gegen einen Exoten, der sich in etwa neun Brutpaaren am Jacobiweiher angesiedelt hat: Die Mandarinente aus Ostasien stört nicht das sensible Gleichgewicht der Arten. Im Gegenteil, der extrem bunte, schön anzusehende Höhlenbrüter scheint besonders gut in den Stadtwald mit seinen vielen alten Laubbäumen zu passen, wo ‑ selten in Deutschland ‑ der Gesang aller Tieflandspechtarten nebeneinander zu hören ist, Grün‑, Mittel‑, Klein‑, Schwarz‑, Grau- und Buntspecht.

Die großen Höhlen, die der Schwarzspecht hinterlässt, nutzt die Mandarinente als Brutplatz. Werden die jungen Enten flügge, erleben sie gleich einen Schock. Aus der hoch am Baum gelegenen Schwarzspechthöhle plumpsen die noch flugunfähigen Jungtiere nämlich auf den Boden, wo sie, leicht wie sie sind, meist unbeschadet landen und dann ihrer Mutter hinterherwatscheln. Auch die aus China stammende Ente ist offenbar Opfer großer Raubfische, Hechte haben im vergangenen Jahr fast alle Jungen aufgefressen.

Entlang des sich nahezu idealtypisch dahinschlängelnden, von alten Erlen umstandenen Luderbachs sind am frühen Morgen rund 25 verschiedene Vogelarten zu hören. Hier gibt es eine sehr hohe Singvogeldichte mit mehr als 100 Brutpaaren auf zehn Hektar. Hier finden sich Sommergoldhähnchen, Gartenbaumläufer, Mönchsgrasmücke und Zaunkönig. Und wer den Blick aufmerksam zur Erde neigt, kann seltene Laufkäferarten wie den Kleinen Puppenräuber, ebenfalls eine gefährdete Rote‑Liste‑Art entdecken. Seinen Namen hat das zwei Zentimeter große Tier von dem von bevorzugten Nahrungsmittel: Er lebt auf Bäumen und ernährt sich von Schmetterlingsraupen.

 

Man fährt südlich um den See herum auf dem Weg unmittelbar am Ufer (auch wenn dort an einer Stelle das Schild „Mendelsohnweg“ steht). Am dem Ende des Sees heißt der Zulauf des Sees „Luderbach“. Der Name kommt daher, daß dieses Gebiet zur Zeit der Messen und vor allem bei Königswahlen für ein ganz bestimmtes „Gewerbe“ vorgesehen war und so mancher Goldgulden verschwand in dem Sparstrumpf der „gelüstigen Fräuleins“. Außerdem hatte die Stadt ihre liebe Not, die Fürstlichkeiten und ihr zahlreiches Gefolge in standesgemäßen Quartieren unterzubringen. Auch Klöster und vornehme Bürgerhäuser nahmen die Gäste nach strengem Protokoll auf. Fremde durften während der Wahlen in der Stadt nur mit einem kurfürstlichen Erlaubnisschein wohnen. Das Heer der, Neugierigen und Abenteurer biwakierte vor der Toren. Schausteller bauten ihre Buden auf, Akrobaten sorgten für Kurzweil.

Am Ende des Sees hält man sich etwas rechts und kommt nach einem Rechtsknick zu den Straßenbahnschienen. Nach deren Überquerung geht es gleich wieder links, unter der Autobahn hindurch zum Bahnhof „Stadtgrenze“ der Waldbahn.

Am Ortseingang von Neu-Isenburg steht links der historische Gasthof „Frankfurter Haus“ (seit 1704). Auf einem Reitweg östlich der Darmstädter Landstraße kommt man wieder unter der Autobahn hindurch. Nach rechts geht es dann in die Schillerschneise.

Gleich rechts hinter dem Gatter steht die „Schillerruhe“, ein Denkmal. Man fährt weiter auf der Schillerschneise, Links stößt der Hainer Weg auf die Schneise. Man biegt jedoch erst an der Mörderbrunnenschneise nach links ab, ohne allerdings einen Brunnen zu finden, Nach Überquerung des Luderbaches geht es nach rechts auf die Beckerschneise. Am Försterwiesenweiher vorbei fährt man bis zur Schutzhütte. Dort geht es rechts ab am Kesselbruchweiher entlang. Bei schönem Wetter kann man am Ufer sehen, wie die dort lebenden Wasserschildkröten ein Sonnenbad nehmen und wie groß die Wasserschildkröte werden können.

Am Ende des Weihers geht es in spitzem Winkel auf die Kesselbruchschneise. Diese fährt man entlang bis kurz vor das Gatter, wo es links zum Lehrpfad und zum Vogelschutzgehölz „Grastränke“ geht. Vogelschutz war dem Rat der Stadt schon früh ein besonderes Anliegen. Laut Senatsdekret vom 14. August 1567 sollte keiner Feldhühner und „sunsten alle anderen Vögel, doch Spatzen ausgenommen, von Johannes Baptiste (8. März) bis auf Laurentii (13. August), es wäre mit Garnen, Leimruten oder wie es sunsten geschehen möcht, bei Straf zween Gulden fangen“.  Das Feld‑ und Forstpolizeigesetz von 1880 und das Vogelschutzgesetz von 1888 beendeten endgültig das Fangen und Töten von Amsel, Drossel, Fink Star. Die ersten Vogelschutzgehölze von Niederrad 1906/07 wurden 1964 vom Reservat „Grastränke“ nahe dem Monte Scherbelino abgelöst.

Die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Bundes für Vogelschutz und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald kümmern sich dort nicht nur um ornithologische Aufgaben. Anhand von Schautafeln, Herbarien, ausgestopften Tieren sowie Blumen, Gräsern und Blättern werden anschaulich die komplexen Vorgänge im „Ökosystem Wald“ demonstriert. Die „Grastränke“ ergänzt so ideal den am Hainerweg startenden Waldlehrpfad „Weilruh“. An 38 Stationen erhält man einen Einblick in Flora und Fauna des Frankfurter Stadtwalds und nebenbei in seine Geschichte.

Im späten Frühjahr herrscht in den Nistkästen und den Brutplätzen Hochbetrieb. Rund 50 verschiedene Arten, darunter Seltenheiten wie Wespenbussard, Kernbeißer und Heckenbraunelle, brüten in diesen Tagen oder füttern ihren Nachwuchs. An Wochenenden und Feiertagen dürfen Interessierte dabei zuschauen. In einem Blockhaus, in dessen Wände Nistkästen eingelassen sind, kann die Jungenaufzucht der Höhlenbrüter wie Meisen oder Trauerschnepper vom abgedunkelten Innenraum aus beobachtet werden. Die Arbeit der Grastränkehelfer hat mit dazu beigetragen, daß sich die Vogelpopulation im Stadtwald stabilisiert hat.

Der seltene Springfrosch an der ökologisch hochwertigen Grastränke mit einer rund tausendköpfigen Population vor, einer der größten in Südhessen. Hier können in kühlen, feuchten Märznächten auch Feuersalamander beobachtet werden, die zu den Bächen wandern, um hier ihre Larven im Wasser abzusetzen. Wasserfrösche, Libellen, Bergmolche, möglicherweise sogar der europaweit gefährdete Kammolch und die Ringelnatter finden sich hier. An der Grastränke wimmelt es nur so von eben geschlüpften Libellen wie der leuchtend roten frühen Adonislibelle oder der knallblauen Hufeisenazurjungfer. Die Grastränke ist an Sonn‑ und Feiertagen zwischen dem 1. April und dem 30. Oktober von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

 

Ein Abstecher zum „Monte Scherbelino“ und dem dortigen Weiher lohnt nicht, weil das fürhere Erholungsgelände wegen Bauarbeiten Gelände gesperrt ist. Man fährt über den Parkplatz und die Babenhäuser Straße, geht durch ein Gatter und kommt zu einer Schutzhütte. Dort geht es halbrechts auf den Steinweg (and er Gabelung rechts halten). Man kommt zum Maunzenweiher mit einer Schutzhütte.

„Minz und Maunz, die Katzen, erheben ihre Tatzen“ heißt es im Struwwelpeter. Der bekannte Frankfurter Dichter Dr. Heinrich Hoffmann hat wohl bei der Namensgebung an das „Maunzen“ der Wildkatzen im Stadtwald gedacht, das vermutlich dem Maunzenweiher seine Bezeichnung gab. Er war der erste, den  Oberforstmeister Dr. Jacobi 1931 als Waldsee anlegen ließ.

Er entstand in einer Senke, in der früher Töpfer aus Oberrad Trichter angelegt hatten, um Letten (Lehm) zur Herstellung von irdenen Gefäßen zu gewinnen. Enten, Teichhühner und Zwergtaucher brüten auf den beiden künstlichen Inseln; Karpfen, Schleie und Zander lassen sich von den Spaziergängern füttern.

Am Ende des Maunzenweihers fährt man im rechten Winkel nach links auf den Wolfsweg.

(Ein Abstecher zum Buchrainweiher auf einem Weg entlang der vom Maunzenweiher aus sichtbaren Kleingärten lohnt nicht). Man kommt zum Waldfriedhof Oberrad und fährt links daran vorbei. Etwa hundert Meter geht es auf gutem Weg nach rechts und dann nach links auf den Sachsenhäuser Landwehrweg (nicht auf die Teerstraße). Dieser führt an den Fußballplätzen vorbei zum Waldspielplatz Scheerwald. Neben Fußball, Federball- und Handballplätzen, Rollerbahn, Tischtennishallen und Bocciafeldern bildet den Hauptanziehungspunkt ein 600 Quadratmeter großes Sprühfeld, in dem bei Sonneneinfall alle Regenbogenfarben aufleuchten. Das Wesentliche auf diesem Gelände ist aber die Minigolfanlage.

Weiter auf dem Weg kommt man zum Gelände am Goetheturm. Rechts ist die  „Goetheruhe“, ein Aussichtspunkt mit einer liegenden Säule und einem Goethezitat. Goethe weilte gerne im Gartenhaus von Frau Dubois auf dem Mühlberg. Sie überlieferte den Frankfurter Bürgern die Kunde vom Lieblingsplatz des Dichters, dem Hexeneck am Wendelsweg, Ziel seiner ausgedehnten Spaziergänge im Stadtwald. Als im Jahre 1860 der Heimatdichter Ehrt in Versen von dieser Stelle als „Goethes Ruhe“ sprach, spazierte die Frankfurter Bürgerschaft hinfort zur Goetheruhe.

Im Jahre 1867 errichtete man einen 22 Meter hohen Aussichtsturm und genoß den Blick über das Maintal und auf den Taunus. Ein zweiter, höherer Turm ersetzte im Goethejahr 1932 den wegen Baufälligkeit abgebrochenen ersten. Mit seinen 43 Metern und 196 Stufen ist er der höchste hölzerne Aussichtsturm Deutschlands. Er steht links vom Sachsenhäuser Landwehrweg. Heute ist hier ein Lieblingsplatz der Kinder, die sich im Spielpark zu Füßen des Turmes tummeln. Es ist einer der populärsten Spielparks Frankfurts. Populär wurde durch ihn auch ein Minister: Als 1955 der damalige Kultusminister Dr. Henning anläßlich der Einweihung die 25 Meter hohe Rutschbahn hinabglitt, konnte man am nächsten Tag das Bild vom „Minister‑Rutsch“ in der Presse entsprechend glossiert sehen.

 

Weiter geht es über den Sachsenhäuser Landwehrweg  zur Sachsenhäuser Warte. Oder man fährt weiter südlich über die Straße „Zum Goetheturm“ vorbei am Forsthaus Oberrad und an einer Moschee an der Babenhäuser Landstraße.

Anmerkung: Auf diesem Rundweg kommt man nicht zu den „Kaisertannen“ am Hainer Weg. Südlich der Bushaltestelle Hainerweg biegt das hölzerne Eichenblatt-Zeichen gleich nach rechts vom Hauptweg auf einen Saumpfad ab. Einer der ersten Haltepunkte ist an den „Kaisertannen“. In Wirklichkeit handelt es sich um naturgeschützte, fast 300 Jahre alte Kiefern. Sie erinnern an die Nürnberger „Tannensäher“, die 1421 auf dem sandigen Boden des Stadtwalds Kiefern heimisch machten. Heute bedecken sie gut 40 Prozent der Gesamtfläche. Abwechslung bringen Buchen, Roteichen, Bergahorn, Eschen, Lärchen, Robinien und die nur mit drei Prozent vertretene Fichte ins Gesamtbild  (Wochenende, Seite 138 und 152; Frankfurt II, Seite 65 und 71).

 

Grastränke

Der Ort ist verwunschen. Anders ist       es gar nicht denkbar Wenn das Tor unter dem prächtigen Rundbogen aus Holz ins Schloss gefallen ist, beginnt eine andere Welt. Nicht mal über grunzende Schweine oder lautstark saufende Kühe, die hier im vorletzten Jahrhundert wohl noch von den Bauern zur Tranke geführt wurden, würde man sich wundern. Die Grastranke, nahe der Babenhäuser Landstraße, nicht weit vom Monte Scherbelino, ist der einzige Naturweiher im Frankfurter Stadtwald.

Seit ungefähr 500 Jahren gibt es den hier, sagt der in zahlreichen Naturschutzverbänden engagierte Norbert Disser, 76, der das Vogelschutzgebiet seit 38 Jahren betreut.

Eine Lehmschicht dichtet den Weiher nach unten ab. Normalerweise bedeckt die Wasserlinse, Indikator für ein stabiles Gewässer, großflächig das Gewässer. Wie eine Grasfläche wirkt dann der Weiher im Sonnenlicht und die Stille, die das unbewegte Wasser umgibt, macht es den Besuchern nur zu leicht, einmal innezuhalten. Auszusteigen aus dem hektischen Mahlstrom der Stadt. Neuerdings sind Algen im Wasser Anlass zur Sorge für Disser, der den Nitrateintrag vom Regen als Schuldigen für das Kippeln des Gewässers ausgemacht hat.

In den 50er Jahren hatte Disser zusammen mit anderen Vogelkundlern rund um den ersten Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte, Sebastian Pfeifer, im Oberräder Wald Vogel beringt und Vogelführungen gemacht. Aber als die den Autobahnzubringer bauten, hatte Vogelschutz dort keinen Sinn mehr. Viele Vögel fielen den Autos zum Opfer. Das Forstamt bot den Hobby‑Ornithologen 1962 die Grastränke als Ersatz an. Rund um den Weiher, in dem Berg‑, Kamin‑ und Fadenmolch ebenso wie der gefährdete Springfrosch zu Hause sind, fühlen sich zahlreiche Vogelarten wohl, darunter Zwergtaucher, Blässhuhn, Pirot, Eisvogel und das Grunfüßiges Teichhuhn. Zwar wurde hier später mit der Babenhäuser Landstraße auch eine Straße mehrspurig ausgebaut, aber damit mussten sich die Vogel‑Fans abfinden. Ersatz gab es nicht mehr.

Statt dessen begann die Gruppe um Norbert Disser, das Gelände um einen Waldlehrpfad zu erweitern. Schließlich stehen hier 450 Jahre alte Eichen, starke Buchen, die Schwarzkiefer und sogar noch einige Ulmen, deren Bestand der Ulmensplintkäfer vor Jahren im Stadtwald fast völlig vernichtet hat. Die haben hier überlebt, weil der Mischwald sie geschützt hat. In den 70er Jahren waren regelmäßig Schulklassen zu Gast, die hier eine Rundum-Information zur Natur erhielten.

Die mit liebe gestalteten Schaukästen mit Vogelpräparaten, die Infotafeln, die über Vogelarten, Rinde und Blattformen von Laubbäumen informieren, der Blütentisch mit frisch gepflückten Stengelchen der aktuell blühenden Wildpflanzen des Stadtwalds, die Schautafeln mit aufgesammelten Vogel‑, Wespen‑ und Hornissennestern, mit Präparaten von Hirschkäfern, Tag‑ und Nachtfaltern vermitteln noch heute ein umfassendes Bild des Pflanzen- und Tierlebens im Stadtwald.

Dass der Grundwasserspiegel so stark gestiegen ist, bereitet Disser Sorge: „Die Bäume sind zu Flachwurzlern geworden und sind sehr störanfällig.“ Vier Bäume sind in den vergangenen Wochen umgefallen. Was will man machen? So wird der Rundweg um den Weiher immer lichter. Das mag Sonnenhungrige erfreuen.

Disser erinnert sich dagegen wehmütig an die ersten Jahre an der Grastränke, „da war’s hier im Sommer dunkel unter dem dichten Laub. Bei Regen wurde man nicht nass. Waldsterben. „Die ersten Angsttriebe habe ich vor 20 Jahren gesehen!“

Disser und die sechs Naturfreunde, die sich außer ihm noch regelmäßig um die Grastränke kümmern, werden langsam mit dem Vogelschutzgebiet alt. „Ich würde mich ja gerne zurückziehen und die Jungen dranlassen!“ Aber es gibt keine Jun‑gen. Früher, in den 70ern, waren die Leute von der Grastränke noch eine Gruppe von 14 Freiwilligen. Da gab es auch noch einen hauptamtlichen Mitarbeiter des Forstamts, der gewährleistete, dass die Gras tränke jeden Tag geöffnet war. Als das zu teuer wurde, erklärte sich las ehrenamtliche  Grüppchen bereit, dafür zu sorgen, daß die Frankfurter wenigstens am Wochenende in die erschlossene Natur eintauchen konnten. Seit das Stadtwaldhaus vor ein paar Jahren eröffnet wurde, gehen die Besucherzahlen stark zurück, auch wenn es bei dem schönen Wetter an Ostern wieder mal richtig voll war. Jetzt ist nur noch sonntags geöffnet. Beim Blick ins gemütlich eingerichtete Blockhaus lässt sich leicht vorstellen, wie hier in früheren Jahrzehnten das Leben tobte. Heute ist nur das Ehepaar Disser da und die Wildpflanzenspezialistin Elisabethe Just. Ein bißchen einsam ist es.

 

II. Zwischen Darmstädter Eisenbahn und Autobahn

Waldschadenlehrpfad:

Die Funktionen des Waldes zugunsten von uns Menschen sind vielfältig. Am meisten schätzen wir als Großstädter wohl seinen Erholungswert, sehen ihn angesichts gefällter Bäume und Holzstapel auch als Rohstofflieferanten, vergessen aber leicht, daß der Wald vor Lärm und Bodenerosion schützt, Wassermengen schnell aufnimmt und speichert, lebensnotwendigen Sauerstoff produziert, starken Frost und große Hitze mildert, und schließlich in seinem Schutz vielfältiges Tier‑ und Pflanzenleben in Wechselbeziehung zueinander gedeiht.

Manch einer, der im Schatten (noch) dichten Laubdaches spazieren geht, meint, da alles um ihn herum schön grün ist, das mit dem Waldsterben sei maßlos übertrieben, Statistiken könne man nicht verallgemeinern. Seit 1984 wird im gesamten Bundesgebiet auf fest ausgewiesenen Flächen in einem Stichprobenraster die Entwicklung der Waldschäden kontrolliert. Im Frankfurter Stadtwald gibt es ebenfalls eine Probefläche. Dieses Projekt dient zwar vorrangig dem Arbeitsteam, bestehend aus Forstwissenschaftlern, Ökologen, Meteorologen, Pflanzenphysiologen und Chemikern dazu, Schäden am Waldökosystem zu ergründen, es wurde aber auch gleichzeitig als „Waldschadenslehrpfad“ der interessierten Bevölkerung zugänglich und verständlich gemacht.

Um die Schäden zu erkennen, sollte man den Blick hinauf zu den Baumkronen richten. Voll belaubt ‑ sind sie nicht geschädigt. Je schütterer die Belaubung, desto stärker die Schäden, absterben ist die zwangsläufige Folge. Das gilt nicht nur für Laub‑, sondern auch für Nadelbäume. Dabei galten Kiefer, Buche und Eiche bisher als widerstandsfähig. Wieweit sich das alles zum Schlechteren verändert hat, wird an 85 am Rand des Lehrpfades gekennzeichneten Bäumen deutlich. Bei keinem einzigen hat sich der Krankheitszustand zum Besseren verändert. Das hätte sich über diese Beispiele hinaus auch an vielen anderen demonstrieren lassen.

Gegenüber dem Bahnhof Sportfeld überqueren wir die  Flughafenstraße und werden ab der großen Tafel „Lehrpfad Waldschäden“ von Holztäfelchen mit den beiden Symbolen geschädigter Bäume nach rechts in die Vierherrnsteinschneise geleitet. Schon am ersten Pfosten wird das Fortschreiten der Schäden seit 1985 von der Stufe 0 bis Stufe 3 (absterbend oder bereits tot) deutlich. Von den 85 ausgewählten und auf diese Weise markierten Bäumen hat sich die Erkrankung seitdem nicht gebessert, 31 wurden zur Stufe 2 (geschädigt, krank), 29 zur Stufe 3 gezählt. Das war der Stand 1991. Und wie wird das nach der Schwammspinnerplage aussehen? Erst nach Bekämpfung und Beseitigung dieser Schäden kann

ein Fortschreiben der „Krankenblätter“ vorgenommen werden, die übrigens nicht nur direkt am Wegrand, manchmal auch ein paar Meter abseits und in Gruppen stehen.

Wir schwenken, längst bevor die Vierherrnsteinschneise auf die A 3 stößt, links in die Liefersteinschneise und kurz darauf rechts in die Steingrundschneise. An deren Ende treffen wir auf die Böschung der B 43 und wenden uns nach links auf den asphaltierten Weg. Über uns setzen die Flugriesen kurz hintereinander zur Landung auf dem nahen Flughafen an. Industrie‑ und Autoabgase verdichten sich zur Schadstoffkonzentration in der Atmosphäre. Der Wald zahlt den Preis mit Absterben. Auf der Versuchsfläche waren es bis 1991 knapp 50 Prozent, davon am stärksten betroffen die Altbestände.

Mit der Tiroler Schneise wenden wir uns von der Straße ab wieder auf festen Waldweg und schwenken vor den hier ganz in der Nähe konzentrierten Sportstätten, ‑schulen und ‑verbandssitzen in die Sperberschneise, die uns zum nahen Ausgangspunkt zurückleitet (Frankfurt I, Seite 58),

 

Schäfersteinpfad, westlicher Zweig

Im Jahre 1484 endete durch Vergleich ein hundertjähriger Rechtsstreit des Ritterordens mit der Stadt Frankfurt um Weiderechte im Stadtwald, den diese 1372 von Kaiser Karl IV als Lehen erworben hatte.

Gegen Zahlung einer erklecklichen Summe erhielt die Stadt das Recht, in einem bestimmten Teil des Waldes ihre Schafe zu weiden, die damals als Grundlage der Tuchproduktion von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung waren. Zur Begrenzung des annähernd ovalen Weidegebietes wurden 60 durch einen Graben verbundene Grenzsteine aus Basalt gesetzt. Zum Frankfurter Weidegebiet zeigte das Deutschordenskreuz, zum Ordensgebiet das verkehrte F. Insgesamt 49 dieser Steine stehen heute noch und sind durch einen Wanderweg erschlossen.

Der südliche Abschnitt ist nicht begrenzt, der westliche beginnt am Bahnhof Neu‑Isenburg. Allgemein muß gesagt werden, daß der westliche Teil nicht ganz so in Schuß ist wie der östliche und mancher Ergänzung und Auffrischung bedürfte, besonders in Nähe der Straßenführungen.

Am Bahnhof Neu‑Isenburg nimmt die Bahnunterführung, den Treppenaufgang und biegt an der Informationstafel rechts in den Wald ein, nach etwa 200 Metern links, dort steht der Zöllner, Stein Nummer 22.

Der gerade Verlauf der Grenzsteine wird durch die Autobahn unterbrochen. In einem Bogen kommt man zur Unterführung, nach links wieder in den Kurs, unmittelbar neben der Autobahn. Der Weg knickt ab zur Otto-Fleck-Schneise, auf die man nach rechts einbiegt.

 

 

Von Stein Nummer 29 zu Stein 31 geht es kurz links, dann rechts und wieder links auf den Tiroler Weiher zu, der südlich umgangen wird auf die Mörfelder Landstraße zu.

Die Route des Schäfersteinpfads geht unter der Eisenbahnbrücke hindurch (die Fußgängerbrücke über die Straße bringt zum Waldstadion). Dann geht es rechts zunächst an den Schienen entlang, an der Barriere rechts und an den Tennisplätzen nach links querwaldein. Am Oberforsthaus östlich vorbei.

Mit Erreichen des Straßenkreuzes heißt es zunächst rechts entlang, dem Parkstreifen, an der Ampelregelung auf die linke Seite der Mörfelder Landstraße. Der an der Mörfelder Landstraße, gleich an der Einmündung des Schwarzsteinkautenweges in den Wald führende Weg ist das Ende des Schäfersteinpfades, der bald vom asphaltierten Weg rechts abzweigt. Bei den Sitzbänken steht links einer der Steine, die von einer weit zurück reichenden Geschichte erzählen: Auf der Vorderseite ist das etwas verwitterte Kreuz des Deutschen Ordens zu erkennen, der im Mittelalter einen Stützpunkt am Sachsenhäuser Mainufer unterhielt und größter Grundbesitzer im reichsstädtischen Gebiet war. Die Rückseite zeigt ein spiegelverkehrtes altes F, das für Frankfurt steht. Das spiegelverkehrte F wurde lange als „das Frankfurter gotische F” bezeichnet. Heute nimmt man an, daß ein Versehen des Lesens unkundiger Steinmetze vorliegt, die die F-Schablone verkehrt aufgelegt haben.

Man fährt nun nach rechts weiter, an der nächsten Gabelung links zur Bürgerwiese (davor rechts ein weiterer Grenzstein), an der der Pfad gleich wieder in den Wald führt und an zwei weiteren Schäfersteinen vorbei.

 

Auf dem Weg westlich der Mörfelder Landstraße nach wenigen Metern links ab nochmals in den Wald, wo sich die Steine 44 bis 49 aufreihen. Zwischen Kennedyallee und Mörfelder Landstraße geht es über die Bürgerwiese (rechts Hügelgräber) und dann nach links auf die Niederräder Landstraße. Dort steht der letzte Stein links an der Niederräder Landstraße (Frankfurt I, Seite 76).

 

Schwanheim:

Auf dem Weg nach Schwanheim fährt man mit dem Auto durch die Goldsteinsiedlung. Am besten fährt man auf dem südlichen Mainufer bis zur Lyoner Straße, in die man nach links einbiegt. And er ersten Kreuzung geht es nach rechts in die Goldsteinstraße. Die führt schließlich unter der Autobahn hindurch und dahinter gleich nach rechts in die Straße „Morgenzeile“-

Dort steht rechts das Haus Nummer 15 (große Hausnummer), ein schlichtes Häuschen mit einseitigem Schrägdach: Das ist ein typisches Goldstein-Haus, dessen Grundform sich über die Jahrzehnte hin weitgehend erhalten hat. Die Goldstein-Siedlung entstand aus einem seinerzeit beispielhaften Projekt „Zur Milderung der Arbeitslosigkeit durch Errichtung von Kleinsiedlerstellen”. Dafür hatte die Stadt Frankfurt 1932 Reichsmittel erhalten und stellte das freie Gelände zwischen Niederrad und dem vier Jahre zuvor eingemeindeten Schwanheim zur Verfügung. Hinzu kamen Baumaterial und standardisierte Pläne für einfache Häuschen ohne Unterkellerung und Wasseranschluß. Hiermit ausgerüstet sowie der Bereitschaft zu 3000 -4000 Stunden Eigenleistung - nach heutiger Rechnung etwa. zwei Arbeitsjahre - kamen hier um die 400 arbeitslose Siedler mit ihren Familien zu einem bescheidenen Eigenheim im Grünen.

Von dort fährt man wieder ein Stück zurück in den Libellenweg (die Goldsteinstraße ist Einbahnstraße), biegt nach links in den Tränkweg und rechts in die Straße „Am Goldsteinpark“ und vor der Kirche gleich wieder links. Es folgt das Altenzentrum, in dessen Nähe man parken sollte .

Am Altenzentrum geht man durch die Passage in den Innenhof. Dort steht das um 1860 erbaute spätklassizistische Herrenhaus. Dieses ist der letzte Rest des Hofgute Goldstein, das auf eine im 13. Jahrhundert erstmals erwähnte Wasserburg zurückgeht und auch der Siedlung den Namen gab.

Die Wasserburg  befand sich im Besitz des Frankfurter Patriziergeschlechts „Zum Goldstein“.

Sie wurde wahrscheinlich 1348 durch den Frankfurter Bürger Johann Goldstein erbaut. Der Hof besaß einen besonderen Schutz durch einen wasserführenden Doppelgraben und den separat auf einer kleinen Insel gelegenen Wohnturm. Der Frankfurter Rat erwarb den Hof 1397 bzw. 1400 von der Familie Goldstein, die 1466 ausstarb. Im Schmalkaldischen Krieg wurde der Hof  1552 beim Abzug der Kaiserlichen niedergebrannt. Er blieb bis ins 17. Jahrhundert eine Ruine.

Ein Hofgut mit ausgedehnten Ländereien bestand weiter. Frankfurt hat 1826 das linksmainische Goldsteiner Gebiet gegen Gelände bei Niederrad an Nassau ausgetauscht. Als der Hof nach 1849 erneuert wurde, planierte man die mittelalterlichen Baureste. Um 1860 entstand ein neues, spätklassizistisches Herrenhaus. Die neue Hofanlage folgte in ihrer oktogonalen Form dem von Salins de Montfort entworfenen Riedhof.

Der Hof nahm im 20. Jahrhundert noch einmal beachtlichen Aufschwung, bis der Bauboom der Nachkriegszeit die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens zunehmend unrentabel machte. Im Jahre 1976 wurde schließlich der größte Teil des Hofgutes Goldstein abgerissen. In den Baugruben kamen einige gotische Grundmauern zutage. Nur das Herrenhaus blieb stehen und an seiner Stelle die bereits erwähnte Alten-Wohnanlage errichtet. Das Herrenhaus erhielt nach umfassender Renovierung seine heutige Funktion als beliebter Alten-Treffpunkt. Hinter dem Herrenhaus befindet sich der baumreiche Goldsteinpark, den das Flußbett des ehemaligen Schwarzbachs durchzieht.

Wieder zurück auf der Straße geht man um den ehemaligen Luftschutzbunkers auf der linken Seite herum. And er Längsfront ist das Reliefbild einer Mutter mit Kindern aus dem Jahre 1941.  In dem Häuschen daneben ist heute das „Heimathaus Goldstein” untergebracht. Während des Krieges befand sich hier eine heimliche Seidenraupenzucht für die Fallschirmfabrikation.

In der Goldsteinstraße biegt man rechts ab in die Straße „Zur Waldau“, dann rechts in die Straßburger Straße und dann wieder links ab in die Straße „Am Försterpfad“, die um Waldfriedhof Goldstein führt. Westlich des Friedhofs steht das Forsthaus Goldstein (erbaut 1952).

Hier beginnt die Radtour.

Zuerst fährt man auf der Dammschneise nach Westen weiter und biegt dann rechts in den Harthweg ein. Kurz vor den Schienen geht es nach links in den 900 Meter lanngen Lehrpfad „Schwanheimer Eichen“. Er behandelt die Themen:

* Symbolkraft der Eiche.

*  Hute-Eiche (Die typisch gedrungene Gestalt der Eichen entstand dadurch, daß sie als Hut- und Fruchtbäume im lichten Wald standen, was das Dickenwachstum auf Kosten der Höhe förderte. Sie hießen folglich „Huteeichen“ und unter ihnen wuchs nur noch Gras, weil die gierigen Tiere neben Eicheln alles Grün, vor allem aber junge Sämlinge, auffraßen. Immerhin 600 bis 1200 Kilogramm Eicheln pro Hektar lieferte der Schwanheimer Hutewald.

* Kronberger Malerkolonie: Die Schwanheimer Alteichen sind schon lange ein fester Begriff und zogen speziell Maler des letzten Jahrhunderts an; am bekanntesten sind zwei Zeichnungen Ludwig Richters. Im 19. Jahrhundert sah der heutige Wald noch aus wie eine lichte Landschaft, wie ein Park. Es ist kaum zu glauben, daß es vor 100 Jahren hier noch so aussah, wie auf Fritz Ferdinand Wucherers Bild von 1899. Ein Schweinehirte lehnt da am Stamm einer mächtigen, knorrigen Eiche und der Blick reicht kilometerweit über plattes Grasland in die Ferne. Das im Holzrahmen schwenkbare Bild Wucherers lockt zum direkten Vergleich mit der Natur. Die Schweine, Ziegen und Schafen fraßen alles, was frisch und appetitlich war. Außer den nahrhaften Eicheln auch Pflanzentriebe: Neben den mächtigen Eichen kam nichts hoch. So entstand der vermeintliche Park. Ein Bild findet sich auch im Waldmuseum im Wildpark Alte Fasanerie bei Klein-Auheim. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Frankfurter Forstamt, den lichten Eichenwald mit Buchen, Ahorn und Kastanien aufzuforsten.

* Nahrungsquelle: (Hunderte Jahre lang haben die Bauern ihre Schweine von den Pferchen an Ober‑ und Unterschweinstiege morgens in den Wald getrieben und unter den mächtigen Eichenkronen gehütet)

* Stil-Eiche.

Bei der Stele „Stieleiche I“ geht der Weg an sich noch einmal links herum und dann wieder links in den Wald, aber dieses Stück lohnt sich nicht, man fährt besser geradeaus weiter Richtung Schwanheim, über die Schienen und zur Straßenbahnhaltestelle.

 

Am Ortseingang von Schwanheim liegt links das Stadtwerke-Verkehrsmuseum, das alte Straßenbahnzüge und eine sehr interessante Fotodokumentation zur ehemaligen Waldbahn beherbergt (Sa./ So. 10—18 Uhr). Vom früheren Waldbahnhof fuhr seit 1889 die mit Dampf betriebene Waldbahn nach Frankfurt. Genau hier ist das Verkehrsmuseum der Stadtwerke Frankfurt am Main untergebracht. Der Ausstellungstitel „Von der Pferdebahn bis zur Neuzeit“ verspricht nicht zu viel. Der älteste, noch von einem Pferd gezogene Wagen, stammt aus dem Jahr 1872. Und mit dem letzten Prototyp der weißroten Züge von heute wurde 1968 das U-Bahn-Zeitalter eingeläutet. Dazwischen liegen weitere Generationen robuster Wagen mit offenem Perron und Holzlattensitzen. Hinter dem Verkehrsmuseum liegt der Kobelt-Zoo (Tiergehege)

Nach rechts geht es in die Straße „Alt Schwanheim“ (Einbahnstraße). Man kommt am Lokal „Zehnthof“ auf der linken Seite vorbei. Ein stück weiter steht das bekannteste Schwanheimer Lokal, der „Frankfurter Hof”, unter Insidern nur als das „Seppche” bekannt: Die urgemütliche Abbelwoikneipe mit Gartenwirtschaft bietet nicht nur das weltberühmte Frankfurter Stöffche an, sondern auch gutes Essen - und im Sommer jeden Mittwochabend Blasmusik!

Gleich daneben steht der klassizistische Bau (um 1820/30) der Alten Schule, heute „Wilhelm-Kobelt-Haus” genannt, nach jenem bekannten Schwanheimer Arzt und Heimatforscher. Der rechte Seiteneingang führt ins das 1973 eröffnete Heimatmuseum, das leider nur sonntags von 10 - 12 Uhr geöffnet ist. An Wilhelm Kobelt erinnert auch die Kobelt-Ruhe an den Schwanheimer Wiesen östlich der Schwanheimer Bahnstraße. Ein Findling erinnert an den Schwanheimer Arzt, Naturwissenschaftler und Heimatforscher Dr. Wilhelm Kobelt (1840 -1916) und Frau. Er erforschte nicht nur die Spuren der Vergangenheit in der Schwanheimer Umgebung, sondern hatte die Gemeinde auch dazu bewogen, gemäß einer populären Idee der Zeit, hier eine „Walderholungsstätte” einzurichten. Mit offener Halle, Sitzbänken und Liegestühlen war sie bis nach dem Ersten Weltkrieg ein beliebter Treffpunkt der Schwanheimer.

Ein Pumpbrunnen spendete Wasser, Blumenbeete blühten und die Skatfreunde hatten ihren eigenen Bezirk. Neben dem Heimatmuseum steht die ehemalige Kirche von 1687, ein Saalbau mit kleinem Haubendachreiter. An der Ecke zur Martinskirchstraße steht links das ehemalige Fachwerk-Rathaus.

Rechts geht es zur Martinuskirche. Die Schwanheimer Kirche wurde 1911 von Otto Christian Heinrich Bäppler gebaut. Der Frankfurter Architekt (geboren 1868 in Offenbach und verstorben 1922 in Oberursel) war nach seinem Studium in Offenbach ab 1900 in Frankfurt tätig. Da seit der Jahrhundertwende Wettbewerbe in Mode gekommen waren, bot sich den Architekten eine gute Gelegenheit, ihre Ideen zu präsentieren und zu verwirklichen. Prämierte Arbeiten wurden nämlich im Fachblatt „Deutsche Konkurrenzen” veröffentlicht – und auch Bäppler ist hierin mehrfach erwähnt.

Mit der Schwanheimer Kirche lehnte er sich stilistisch an leicht neoromanische Stilformen an.

Nach einer detaillierten restauratorischen Voruntersuchung des Kircheninneren konnten Mörtel- und Malschichten chronologisch erfaßt und den einzelnen Veränderungsphasen in der Geschichte des Gebäudes zugeordnet werden. Neben den aussagekräftigen Malerei-Freiegungen dienten zwei historische Schwarz-Weiß-Photographien dazu, mittels digitaler Bildbearbeitung originale Malereifriese zu identifizieren und zu präzisieren.

Die farbliche

Ausmalung von 1911 stellt sich als äußerst interessant dar. Die polychrome Farbfassung vermochte es, der großflächig angelegten architektonischen Gliederung des Kircheninnenraums eine feingliedrige optische Strukturierung und Aufteilung zu verleihen. Zentraler Blickfang ist dabei der Chorbereich, der sich nach oben zu einem markanten blauen Sternenhimmel öffnet. Auf kräftig blauem Hintergrund präsentiert er in Form und Anordnung deutlich differenzierte, vergoldete Sterne. Nach unten zur Chorwand hin ist der Sternenhimmel von einem Malereifries begrenzt. Um die in der Originalmalerei dargestellte Sternenkonstellation mit ihren exakten Sternplazierungen wieder sichtbar zu machen, wurde sie freigelegt und restauriert.

Am Chorbogen und an allen Fenstern wurden die Laibungen malerisch mit beigen Stein-Quadern und Fugenstrichen versehen. Das Kirchenschiff selbst wurde nach Befundvorgabe polychrom rekonstruiert. Ein umlaufendes Wellenband gliedert die Wandbereiche in Wandsockel und aufsteigende Wandfläche. Lebensgroße, musizierende Engel erhielten eine leichte polychrome Fassung; einschließlich Inkarnat und dezenter Vergoldung. Der Fußboden wurde entsprechend der Ausgestaltung zur Bauzeit mit Linoleum belegt.

 

Von der Martinuskirche fährt man aber wieder nach Westen an d er Mauritiuskirche vorbei in die Mauritiusstraße und nach links in die Geisenheimer Straße. Von dieser biegt man nach rechts ab und auf der Brücke über die Bundesstraße zum Kelsterbacher Weg. Wo auf der rechten Seite der Wald anfängt, steht - etwas verdeckt - eine Informationstafel zum Naturschutzgebiet Schwanheimer Dünen. Dort fährt man nach rechts den schmalen Weg weiter. Als Schwanheim 1928 nach Frankfurt eingemeindet wurde, erhielt es auch eine jahrmillionenalte Urlandschaft in Form von Dünen und Sumpfwald. Sie war Teil der 1800 Hektar großen Feld‑Wald‑Gemarkung, die Schwanheim der Stadt einbrachte. Vierzig, Jahre zuvor hatte die Waldbahn Stadt und Dorf einander näher rücken lassen. Am Weg liegen rechts einige Betonblöcke von der ehemaligen Lorenbahn, mit der Sand und Kies abtransportiert wurde.

Der Sand der Schwanheimer Dünen stammt aus dem Main. Er wurde während der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren aus dem Flußbett angeweht, und es entstand eine offene Dünenlandschaft, die allmählich von Eichen und Kiefern überwachsen wurde. Das Naturschutzgebiet, das wir heute wegen seiner Sandrasen, der Gewässer und den Streuobstwiesen schützen, ist eigentlich eine von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft. Hätte der Mensch nicht eingegriffen, wäre hier alles bewaldet. Auf dem Sandboden wächst allerdings kein dichter Buchenwald. Denn erst seit einigen Jahren sorgen Schafe dafür, daß auf den wertvollen Trockenrasenflächen keine Bäume hochkommen.

Den lichten Wald, der die Dünen bis vor 200 Jahren vermutlich bedeckte, hat der Mensch im 19. Jahrhundert abgeholzt und Kirschbäume gepflanzt, die auf dem kargen Boden allerdings nicht gedeihen wollten. Aber das Gelände war wieder offen und wurde zur Schafhaltung genutzt, bis auch dieser Zweig menschlichen Wirtschaftens sich im Laufe des 20. Jahrhunderts nicht mehr rechnete und auf der Düne wieder wuchs, was wollte. Erst 1984 setzten sich die Naturschützer durch und erreichten, daß das Gebiet, das bedrohten Arten wichtigen Lebensraum gibt, unter Schutz gestellt wurde. Zehn beziehungsweise 11,4 Prozent der wenigen Hektar Grasnelken‑ und Silbergrasrasen, die es in Hessen noch gibt, sind in der Schwanheimer Düne zu finden.

Die Streuobstwiesen in der Schwanheimer Düne, eine der wenigen Binnendünen Europas, gelten als hervorragender Lebensraum für viele Vogelarten, aber auch rund um die Gewässer fühlen sich viele Vögel wohl. Deshalb sind in der Düne seltene Vogelarten wie Brachpieper, Heidelerche, Neuntöter, Uferschwalbe, Steinschmatzer und Wiedehopf zu finden. Die Experten gehen davon aus, daß hier das größte Nachtigallen‑Vorkommen Frankfurts zu finden ist. Neben Blindschleiche, Zauneidechse und Ringelnatter haben die Biologen hier zahlreiche Libellen‑ und Käfer-Arten gefunden, darunter die Rote-Liste‑Arten „Gemeine Winterlibelle“ und „Kleine Pechlibelle“ sowie die für Sanddünen typischen Schnecken „Heide‑ und Vielfraßschnecke“. In den Gewässern gibt es die Rote‑Liste‑Arten „Kreuz‑ und Wechselkröte“. Auch Seefrosch, Teichfrosch, Erdkröte und Teichmolch wurden registriert.

Unter Naturschutz steht die Düne seit 1984, sie ist 37,6 Hektar groß, soll aber auf rund 58,5 Hektar erweitert werden. Die Schmidt’sche Grube stünde dann nicht nur zur Hälfte, sondern komplett unter Naturschutz.           

 

Weiter geht es dann gerade aus auf dem Bohlenweg. Informationstafeln berichten von

* Silbergras: Der Sandboden am westlichen Ende Schwanheims ist eine echte Herausforderung an die Pflanzenwelt. An den Extremstellen, wo die Schwanheimer Düne so richtig sandig ist, finden die Experten im so genannten Silbergras‑Rasen im Prinzip nur noch drei Pflanzen: Silbergras, Sandbauernsenf und Frühlings‑Spark..

Echte Spezialisten, die mit den rauhen Bedingungen im Sand zurechtkommen, der trocken ist und nährstoffarm. Weil der Regen im Sandboden sehr schnell versickert, trocknet der Boden leicht aus und enthält deshalb sehr viel Luft. Weil Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, wie einen die Thermoskanne beim Teetrinken täglich lehrt, heizt sich die Düne im Sommer extrem auf: Nährstoffe halten sich im durchlässigen und beweglichen Sand ebenfalls kaum. So wird der Sandboden zum Extremstandort für Überlebenskünstler.

 

Das Silbergras hat bloß das Problem, daß es „konkurrenzschwach“ ist, also auf fruchtbarem Boden von anderen Arten schnell untergebuttert wird. Nur hier, auf diesem kargen Dünenboden, hat das silbrig schimmernde Gras seinen Wettbewerbsvorteil: Die Spezialisten sind halt die Einzigen, die es hier aushalten.

Das liegt beim Silbergras daran, daß es ein filzartiges Netz von Wurzeln ausbildet, die sich in der Fläche ausdehnen, um so an möglichst viel Wasser heranzukommen. Es vernäht den Sand, so daß er sich nicht mehr bewegen kann. Sein silbriger Schimmer reflektiert die heißen Sonnenstrahlen im Sommer und hält so viel Feuchtigkeit wie möglich.

Konkurrenz kann auch die in Hessen nur noch selten vorkommende, gefährdete Sand‑Strohblume nicht vertragen, die auf dem dichter als der Silbergrasrasen bewachsenen Grasnelken‑Rasen wächst. Das gelb blühende, lichthungrige Pflänzchen gedeiht nur da, wo auch sonst wenig hochkommt. Die Existenz von Raublättrigem Schafschwingel und Sand‑Grasnelke hält sie gerade noch aus, in der kargen Pflanzengesellschaft des Grasnelkenrasens. Das zarte Pflänzchen ist angewiesen auf offene Sandstellen im Rasen, der von Kaninchen oder Schafen freigekratzt wird. Gegen die Sonne wehrt sich die Sand‑Strohblume mit einem dichten Mantel aus toten Haaren.

Sie verleihen den lanzenförmigen Blättern einen weißlichen Schimmer, der die Sonne reflektiert. Die Haare bremsen den Wind ab und schaffen verdunstungsarme Räume auf der Blattoberfläche.

Der Schafschwingel wiederum hat im Laufe der Evolution gelernt, seine Blätter einzurollen, so daß sich die Feuchtigkeit im Innern des so geschaffenen Halbrunds hält. Mit dem Sandboden hat alles zu tun, was hier hochkommt. Dabei kommen die meisten Pflanzen nicht besonders hoch. Die Landschaft ist geprägt von kargem, oft nur wenige Zentimeter hohem Bewuchs wie dem einjährigen Sandbauernsenf, der keine große Hitze vertragen kann und deshalb sein Geschäft des Wachsens, Blühens und Aussamens bis Mai erledigt hat. Dann wird es zu heiß für das unscheinbare, weiß blühende Blümlein, das, nur gedeiht, wenn vom Winter noch ein wenig Restfeuchte im Boden ist.

* Kiefer: Der lichte Wald aus Eichen und Kiefern, der sich die  Dünenkuppen zurückerobert hat, gibt der Landschaft eine ungewohnte Kontur, die auch vom Bohlenweg aus genossen werden kann.

* Schmitt’sche Grube: Im größten Weiher, die Schmitt’sche Grube, ist die seltene Kreuzkröte ebenso zu finden wie die Wechselkröte. Hier nisten Graureiher, Haubentaucher und Teichrohrsänger. Aber die Angelsportgemeinschaft Schwanheim möchte auch hier angeln und sieht hier den idealen Ersatz für ihr beim Bau des Leunabrücken-Zubringers weggefallenes Angelgewässer. Aber Frösche, Kröten und Molche hätten keine Chance gegen die fetten Karpfen, die für die Angler in den Teichen heranwachsen:

 

Am Ende des Bohlenwegs geht es rechts herum, am nördlichen Rand des Naturschutzgebiets entlang bis zu seinem Ende, wo wieder eine Informationstafel steht. Dort fährt man wieder in das Naturschutzgebiet hinein, an einem kleinen Teich auf der rechten Seite vorbei und wieder zum Anfang des Bohlenweges und auf dem schmalen Weg zur Teerstraße Kelsterbacher Weg.

Nach etwa 1900 Metern geht es links ab und über die Bundesstraße bis zu einem Blick über die Schwanheimer Wiesen. Ihr Verlauf folgt dem südlichen Ufer des alten Mainarms, abgegrenzt durch die Kelsterbacher Terrassen, die als Uferböschung des urzeitlichen Flußbetts gelten. Erst später nahm der Main den schwungvollen Bogen bei Höchst. Man fährt aber wieder zurück, aber jetzt links an der Brücke vorbei und nach links auf den Römerweg.

An der Kleinwiesenschneise biegt man links und nach etwa zehn Metern nach rechts in den Rohseeweg. Der Rohsee ist bald erreicht, ein Graben, der einmal ein alter Mainarm war, heute der Schwanheimer Urwald (Kobelt). Er  zog sich noch vor 100 Jahren als feuchte Senke vom damaligen Dorf Schwanheim bis in den Schwanheimer Wald. Das Gewässer hat keinen Zufluß, sondern verändert je nach Grundwasserstand seine Tiefe. In Phasen großer Trockenheit, etwa in den 70er Jahren, ist der 1,2 Hektar große See auch schon völlig trocken gewesen. Zum ersten Mal ist dieses Trockenfallen in alten Chroniken 1474 erwähnt.

Die mehrere hundert Jahre alten Eichen machen es möglich, daß hier der seltene Mittelspecht einen Lebensraum gefunden hat. Der braucht nämlich einen Eichenbestand, der älter als 100 Jahre ist. Die von dem Specht mit der roten Kappe auf dem Kopf (der Buntspecht hat nur einen roten Fleck im Nacken) mit Fleiß gebauten Höhlen ziehen Folgenutzer wie Hornissen, Fledermäuse und Hohltauben an. Flatterulmen mit ihren mächtigen bis zu zwei Meter tiefen Brettwurzeln suchen Feuchtigkeit. Winterlinden, Sumpfschwertlilien und Sumpfdotterblumen runden das Pflanzenbiotop ab.

Bei niedrigem Wasserstand wie in diesem Sommer können Spaziergänger ausgiebig die seltsamen Wurzelstöcke der im Wasser stehenden Schwarzerlen bewundern. „Wie Stelzen oder die Wurzeln amerikanischer Mangroven fahren die Erlen ihre fühlerartigen Wurzeln aus und suchen so Halt im weichen Untergrund. Ein weiterer Grund für die ungewöhnliche Wurzelform sei jedoch die jahrhundertelang hier gepflegte Form der Bewirtschaftung: Erlenstämme wurden gerne ausgehöhlt und als Brunnenrohre genutzt, weil das Holz nicht so schnell fault. Also sind die Bäume alle 100 Jahre gefällt worden.

Aus den Wurzelstöcken schlugen neue Bäume aus. Die Wurzelstöcke sind tausend, auf jeden Fall aber mehrere hundert Jahre alt. Um die gewaltigen, längst hohlen oder faulen Wurzelstöcke müssen sich die neuen Wurzeln erst ‑ stelzenartig ‑ ihren Weg bahnen. Die gegenwärtig himmelsstürmenden Schwarzerlen haben ein Alter von etwa 125 Jahren erreicht und werden der Axt nicht mehr zum Opfer fallen.

Bei den Tieren sind der vom Aussterben bedrohte Springfrosch, der Seefrosch, der Ulmenzipfelfalter, der stahlblaue Erlenblattkäfer und die Gemeine Winterlibelle ebenso zu nennen wie 42 Brutvogelarten. Es wurden auch drei Stockentenpaare gesichtet, die sich auf die im Wasser stehenden Wurzelstöcke zurückziehen, wo sie geschützt vor Fuchs, Iltis und Marder brüten können.

Trocken ist es hier in den vergangenen sechs Jahren nicht mehr gewesen. Vor ein paar Jahren mussten die Förster sogar erstmals nach 30 Jahren wieder die Rohre unter der Wanzenschneise öffnen, damit das Wasser aus dem Rohsee Richtung Riedwiese abfließen kann. Dort stehen die Stauden, zunehmend auch Schilf, mannshoch im sumpfigen Untergrund.

Vom Rohsee geht es wieder zurück zum Römerweg und nach Westen weiter. Wo er sich etwas von der Bundesstraße entfernt, ist rechts der Römerbrunnen zu sehen. So unscheinbar der Brunnen jetzt auch wirkt, so entpuppte er sich bei seiner Aushebung im Mai 1973 doch als seltener Fund: ein Brunnengrab. Eingebettet in eine gesonderte Steinlage fanden die Forscher in 1,50 Meter Tiefe ein menschliches Skelett. Über dieser Grabschicht befand sich Erdreich mit vereinzelten Steinen und Dachschieferfragmenten, darunter eine über einen Meter dicke Konzentration von Dachschiefer. In dieser Füllung fanden sich außerdem Keramik, Leder-, Eisen-, Glasreste, eine Tonplatte mit dem Stempel der 22. Legion und die in zwei Teile zerbrochene Skulptur eines Stieres.

Aus dieser Fundanordnung läßt sich schließen, daß die Wasserstelle schon in römischer Zeit ausgetrocknet gewesen sein muß und als Mülldeponie benutzt wurde. Die große Dachschiefermenge wird dahingehend gedeutet, daß nach den ersten Alamannen-Einfällen die römischen Siedler zurückkehrten und das teilweise zerstörte Landgut wieder aufbauten. In diese Zeit muß auch der Tod jenes Menschen gefallen sein, dessen Skelett zwischen zwei Steinlagen gefunden wurde. Anthropologische Untersuchungen ergaben, daß es sich dabei wahrscheinlich um einen Sklaven gehandelt hat, einen etwa zwanzigjährigen Mann aus dem östlichen Mittelmeerraum, der während seiner Jugend schwerste körperliche Arbeit hatte verrichten müssen und an den Folgen eines Schwerthiebs gegen das linke Stirnbein gestorben war.

Etwa 30 Meter vom Brunnen entfernt spärliche Fundamentreste einer römischen Villa Rustica (Landgut) zu sehen (links vom Brunnen?)

Ein Stück weiter liegt links die Riedwiese. Hier ist das südliche Ufer des alten Mainarmes, wo eine Siedlung der mittleren Bronzezeit stand  (14. – 13. Jahrhundert v.Chr.).

Die Riedwiese grünt übrigens - wie auch die nahen Schwanheimer Wiesen und der sie umgebende Wald - auf Böden, die der Main vor etwa 6.000-10.000 Jahren ablagerte, fruchtbare Auelehme, die darauf hindeuten, daß der Strom mittlerweile in ruhigeres Fahrwasser geraten war: Vor etwa 20.000 Jahren hat er sich sein heutiges Bett gegraben, nachdem die eiszeitlichen Gletscher weitgehend abgeschmolzen waren.

Wo der Römerweg endet geht es links in die Langschneise und dann nach rechts steil hoch in den Bergweg. Es geht dann rechts und links  weiter und dann links in die Grenzschneise (nicht bis zur Eisenbahn).

Jetzt geht es immer die Grenzschneise entlang, ein Stück weit heißt sie auch Lichtetalschneise. Die Grenzschneise bildete einst die Grenze zwischen Schwanheimer Gemeinde und Frankfurter Stadtwald. Auch die Grenze zwischen dem Herzogtum Nassau und der Stadt Frankfurt verlief auf dieser Linie, wovon noch einige Grenzsteine aus der Zeit um 1803 mit den jeweiligen Initialen HN und SF und der Wall mit Graben zeugen. Der Grenzschneise als alte Verbindung zwischen Mainz und Aschaffenburg wird auch „Bischofsweg“ genannt.

Auf ihr zogen die Mainzer Erzbischöfe an Frankfurt vorbei ins Oberstift.Von den Hügelgräbern im Norden kann man vom Weg aus allerdings nichts sehen.

Überall im Wald findet man Wildschweinsuhlen (auch schon am Rohsee). In der Suhle wälzen sich die Sauen, um ihr Fell von Ungeziefer zu befreien. Ein leicht zu erkennender Hinweis auf Wildschweinsuhle sind auch die umstehenden „Malbäume“, an deren Stämme sich die Sauen sauber wetzen und so eine braune Schmutzspur in Kniehöhe an den Bäumen hinterlassen..

Schließlich kommt man an die Schwanheimer Bahnstraße. Sie wurde so benannt nach ihrer früheren Funktion als Verbindungsweg von Schwanheim zur Haltestelle der 1862 in Betrieb genommenen Bahnlinie Frankfurt - Mainz. Die Trasse der Bahnstraße ist freilich noch viel älteren Ursprungs, denn auf dieser Route verlief einst die Römerstraße zwischen den Kastellen Heddernheim und Esch bei Groß-Gerau mit einer Mainbrücke beim heutigen Schwanheim.

Die Straße führt in Richtung Schwanheim abwärts. Aber oben steht man noch auf der alten Kelsterbacher Terrasse. Unten floß einst der Urmain, ein gewaltiger Strom, gegen den der heutige Fluß wie ein Bächlein wirkt! Vor 100.000 Jahren, während der letzten Eiszeit, wälzten sich hier die Fluten abschmelzender Gletscher gen Westen und schoben vom vereisten Spessart und Odenwald gewaltige Buntsandsteinmassen vor sich her - aus denen sich die Kelsterbacher Terrasse bildete, auf der man zuvor geradelt ist. In deren Böschung finden sich kubikmetergroße Felsblöcke, deren Kanten nicht rundgeschliffen, sondern bloß leicht angekratzt sind: Indiz dafür, daß sie in mächtigen Eisschollen ein- und angefroren die Reise hierher machten.. Erst 50.000 Jahre. später schnitt der Main sich dann in seine ehemaligen Ablagerungen ein. Wind-Erosion blies daraufhin die Terrassensedimente aus und türmte sie zu Dünen auf, deren beiden größten Pfingstberg und Tannenkopf sind (östlich von Schwanheim).

 

Die Grenzschneise führt jetzt weiter Richtung Osten durch die „Hölle unter dem Wartweg“.

Die Sprachforschung kennt erklärt den Namen aus indogermanischen Wortwurzeln, die die Bedeutungssippe „neigen” haben, hier im Sinne von  „Halde, Steilhang”,

Nach Überquerung der Neufeldschneise liegt rechts das größte Hügelgräberfeld. des Stadtwaldes. Die 67 Hügel sind das größte derartige Gräberfeld im Stadtwald. 370 Hügelgräber sind in einem Dutzend Gruppen im Stadtwald noch nachweisbar. Sie stammen zumeist aus der älteren Eisenzeit (700–450 v. Chr.; Hallstattkultur) und ziehen sich in fast regelmäßigen Abständen von etwa 1,5 Kilometer entlang der Südkante des Maintals hin, wo ein frühgeschichtlicher Fernweg verlief, der spätere Bischofsweg.

Die eisenzeitlichen Friedhöfe lagen mit Vorliebe an kleinen Taleinschnitten, wo Querwege von der Siedlungsterrasse in die Niederungen des Hinterlandes abzweigten. Inzwischen folgt man bereits dem Historischen Wanderweg Schwanheim, dessen Markierung „Hallstattzeit-Urne`” freilich etwas spartanisch ausfiel.

Am etwas nördlicher gelegenen Höllenweg sieht man auf das Ergebnis jenes gewaltigen Aushubs, der das Fundament abgab für den Frankfurter Hauptbahnhof. Im Jahre 1881 wurde damit begonnen, Kies und Sand hier abzubauen, um damit das ehemalige Galgenfeld aufzuschütten, wo der neue Zentralbahnhof entstehen sollte.

Auf der Taubenlachstraße fährt man nach rechts und dann wieder links auf den Tannenweg.

Die Unterschweinstiegschneise(der Name erinnert an die früher allgemein übliche Waldweidewirtschaft: Während Rinder und Schafe die Lichtungen abgrasten, machten sich die Wutzen über Waldfrüchte wie Bucheckern und Eicheln her) und der Wartweg werden gequert. Jetzt fährt man wieder durch ein Hügelgräberfeld bis zum Spessarteichenweg auf der „Hölle über dem Wartweg“. In diesen Weg biegt man links ein und fährt zur Unterschweinstieg schneide und auf dieser wieder zum Waldfriedhof Goldbach (vgl. auch Elvira Klein, Frankfurt I, Seite 67, und Rhein-Main, 164).

 

Osten

 

Siedlung am Marbachweg

„Wir waren wie eine große Familie“, sagt Else Fuchs über die Beziehungen zu ihren Nachbarn. Es war eine vielköpfige Familie in lauter kleinen Häuschen, damals, 1938. Heute ist die 86‑Jährige als letzte „Ureinwohnerin“ übrig geblieben in der „KdF‑Siedlung“ am Marbachweg.

Die Siedlung mit den hübschen Häuschen mit Gärtchen ist eine von ursprünglich 17, die in den 30er Jahren unter dem Namen „Kraft durch Freude (KdF)“ auch im Stadtgebiet Frankfurt errichtet wurden. Es war dies der Name der „NS‑Gemeinschaft für die Freizeit und Erholung des deutschen Arbeiters“. Der Name ‑ angeblich von Adolf Hitler selbst geprägt ‑ wurde am 2. Dezember 1933 durch Anordnung des „Führers der Deutschen Arbeitsfront“, Robert Ley, bekannt gegeben. KdF sollte den deutschen Arbeiter nicht nur in erholsame Ferien schicken, sondern auch für seinen Wohnkomfort sorgen.

Und das nicht ganz uneigennützig, hatte doch schon im April 1935 der saarländische Großindustrielle Hermann Röchling in einem Vortrag in Berlin erkannt: „... daß bei der gewerkschaftlichen Organisierung der Bergleute etwa 95 Prozent der Hausbesitzer in den Christlichen Gewerkschaften sich zusammengefunden hatten, während die Bergleute ohne Hausbesitz fast sämtlich den marxistischen ( ... ) Verbänden angehörten.“ Ein Gedankengang, den wenige Wochen später der Frankfurter Baustadtrat Niemeyer in einem Brief an Oberbürgermeister Krebs aufgriff. Es sei erforderlich, unsere rassisch wertvollsten Arbeiter aus den Altstadtgebieten und Mietskasernenvierteln herauszunehmen und sie ( ... ) in neuen Siedlungen anzusetzen, die eine Verankerung mit der Landschaft ermöglichen und damit eine dauernde Verbindung zum Boden und zum Volk sichern“. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis der Idee die Tat folgte. Probleme gab es vor allem mit der Finanzierung ‑ für den deutschen Arbeiter war bei einem vorgesehenen Eigenkapital von 700 Reichsmark die Finanzierung eines rund 20.000 Mark teuren Hauses auch mit einem staatlichen Darlehen schwer. Aber 1937 entstanden auch in Frankfurt KdF-Siedlungen, 1938 begann am Marbachweg der Einzug. Es waren nicht die Arbeiter aus den Mietskasernenvierteln, sondern, so auch bei der vierköpfigen Familie von Else Fuchs, Angestellte und Selbstständige. Zuvor hatte man eine große Vierzimmerwohnung an der Großmarkthalle bewohnt.

Das neue Häuschen war für heutige Verhältnisse einfach eingerichtet, aber komfortabel. Wohnzimmer im Erdgeschoß, mit Zugang zum kleinen Garten, im ersten Stock mehrere kleine Schlafzimmer. Den Dachausbau mußte man selbst besorgen. Waschküche im Keller, Strom‑ und Gasanschluß ‑ was damals noch nicht überall in Deutschland selbstverständlich war; Ofenheizung vervollständigte die Energieversorgung. Der pure Luxus: eine elektrische Klingelanlage. Die Bauherrin Gagfah („Gemeinnützige Aktien‑Gesellschaft für Angestellten‑Heimstätten, Essen, Hermann‑Göring‑Straße 30/34“) legte in der Hausbeschreibung Wert auf Details: „Hinter Herd und Spülstein werden weiße Wandplatten (vier Platten hoch) angebracht, einschließlich Seifenschale und Spülstein.“

Daß die Bauten „von guter deutscher“ Qualität waren, merkte Else Fuchs, als sie nach dem Krieg eine Zentralheizung einbauen ließ. Da hatten die Handwerker ihre liebe Mühe, die Wände aufzubrechen. Da sah es Else Fuchs dann auch nach, daß es ihr im kalten Winter 1939/40 den Schnee ins noch nicht ausgebaute Dachgeschoß geweht hatte.

Trotz Modernisierungen und Umbauten ist in Else Fuchs’ Häuschen noch viel von der ursprünglichen KdF‑Struktur zu erkennen, vom originalen Holztreppengeländer bis zum Vorkriegs‑Stragula auf dem Fußboden.

 

Enkheim: siehe Hanau Kreis, Bergen-Enkheim

 

 

Bergen-Enkheim:  (siehe auch Hanau Kreis, Bergen-Enkheim)

Nahe der heutigen Deutschen Buchhändlerschule, unmittelbar unterhalb der Wilhelmshöher Straße, stand bis zu ihrem Abbruch im Jahre 1757 die ehemalige Bergkirche von Seckbach. Dies haben die Recherchen des Seckbacher Heimatforschers Dieter Zeh ergeben. Anhand der ihm vom Pariser Armeemuseum zugesandten Kopien einer aquarellierten Tuschezeichnung und eines alten Gemäldes, das die 1759 ausgetragene Schlacht von Bergen zeigt, gelang es Zeh, den Standort der Kirchberger Kirche, die ihre Nachfolgerkirchen in Bergen, Enkheim und Seckbach an Größe weit übertroffen haben soll, bis auf wenige Zentimeter genau zu bestimmen.

Der Heimatkundler, der die Ergebnisse seiner einjährigen Nachforschungen im Jahre 2006 im Heimatmuseum Bergen-Enkheim präsentierte, verglich Akten des Marburger Staatsarchivs, die den zwischen 1749 und 1763 entstandenen Schriftverkehr um den 1757 vom Landgrafen Wilhelm von Hessen genehmigten Abbruch des Gotteshauses enthalten, mit den Pariser Darstellungen. Die aus den Dokumenten hervorgehenden Flurnamen „Am Alten Kirchhof” und „Hinter der Kirche” bezeichneten ein Areal, das auf dem Tuschebild des Künstlers Charles Cozette als heller, ein Quadratzentimeter großer Fleck inmitten dichten Baumbestandes erscheine. „Der Zeichner, der nie in Bergen war und sein Werk nach einem Generalstabsplan der französischen Armee anfertigte, hat hier die Abbruchruine der alten Bergkirche dargestellt", ist Zeh sich sicher. Seine Informanten müssten dem Künstler von dem abgerissenen Gotteshaus berichtet haben, was nicht verwundere. „In Bergen erzählte man sich, dass die französischen Gefallenen an der Kirchberger Kirche beigesetzt wurden.”

Dieter Zeh hat indes nicht nur den genauen Standort der Kirche ermittelt, sondern auch Hinweise bezüglich ihrer Bauweise und ihres Erscheinungsbildes gesammelt. Abermals hätten sich die Marburger Akten als hilfreich erwiesen, zumal der Abriss der Kirche seinerzeit genau dokumentiert worden sei. Das Baumaterial nämlich Schiefersteine, Basalt- und Sandsteinquader  sollte wieder verwendet werden. „Die 1966 abgerissene Peterskirche, die in Höhe der heutigen Bushaltestelle Draisbornstaße stand, wurde ausschließlich mit Materialien der Kirchberger Kirche errichtet.”

Zehs Recherchen zufolge hatte der Chor eine Außenlänge von elf Metern; die Außenlänge des Kirchenschiffes schätzt der pensionierte Sprachwissenschaftler auf rund 22 Meter. Das auf dem Grund der 1178 erstmals urkundlich erwähnten Pfarrei Kirchberg stehende Gotteshaus, das im Mittelalter den Namen „St. Elisabeth” trug, habe es auf elf Meter aufsteigendes Mauerwerk gebracht, die Mauern des später an die Kirche angebauten, sechs Stockwerke hohen Turmes hätten mindestens 24 Meter in die Höhe geragt. Auch über zahlreiche architektonische Details gäben die Marburger Akten Aufschluss. So habe sich die Sakristei unter dem Dach befunden.

Wie auch immer die Bergkirche, die zur Zeit der Pest 1349/50 zur Wallfahrtskirche wurde, aber im Detail ausgesehen hat, Zeh ist sich sicher, dass es sich bei dem ab 1737 zunehmend baufälligen Gebäude um ein prachtvolles Gotteshaus gehandelt hat. Der Seckbacher Zentgraf Hans Conrad etwa habe in einem Schreiben aus dem Jahr 1613 von den „schönen Mustern und Formen” der Bergkirche geschwärmt, die „jederzeit ein sonderlich Wohlgefallen tragen”. Und der reformierte Pfarrei Johann Philipp Petri begeistert sich 150 Jahre später, „dass die Alten eine Hauptkirche auf dem Land vereint gebaut”.

 

Enkheim-Seckbach

Bischofsheim - An der Pforte - Stumpfgrabenstraße -  Tränkebach - vor dem Enkheimer Ried links-rechts versetzt - Nachtigallenweg. Nach links wird ein Abstecher zum Wasserwerk gemacht. Das Wasserwerk wurde nach erfolgreicher Bohrung um 1897 erbaut. Auch heute noch führen die Kiesschichten über undurchlässigem Ton in sieben bis zehn Meter Tiefe ausreichend Trinkwasser in stetem Strom von Ost nach West heran.

 Das Gelände südlich der Schutzhütte ist auffällig buckelig. Es ist ein von Weg und Abflußgraben angeschnittenes Hügelgrab aus der Hallstattzeit.

Der Weg führt wieder zurück. In der Verlängerung des Nachtigallenwegs geht es leicht rechts am Sportplatz vorbei zum Weiher Leuchte. Man plant, die historische Verbindung zwischen Ried und Ostparkweiher wiederherzustellen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts ist in Berichten von feuchtnassen Wiesengründen, schilfbestandenen Tümpeln und üppigen Weiden, Erlen und Pappeln die Rede. Sie waren auf den fruchtbaren Böden gewachsen, die der Main hinterlassen hatte: Nach der Eiszeit vor 12 000 Jahren versuchte sich das Gewässer zu entfalten. Doch Felsbarrieren wie die zwischen Röderberg und Mühlberg hinderten den freien Fluß. Der Main bildete deshalb Seitenarme aus. Zwei solcher Schleifen  über Bischofsheimer-, Enkheimer- und Seckbacher Ried sowie über Erlenbruch und Teufelsbruch verbanden sich am heutigen Ostpark.

Im Laufe der Jahrhunderte versandeten die Mainarme. Auf dem Grund entfalteten sich Au‑ und Bruchwälder. Bauern, die das Land bewirtschaften oder als Weidegrund benutzen wollten, holzten die Wälder später ab. Mit dem Bau des Osthafens 1908 veränderte sich der Frankfurter Osten: Industrieanlagen und Siedlungen entstanden.

Die Entwürfe sehen vor, vom Enkheimer Riedteich einen Graben zum Weiher Leuchte auszuheben und das Wasser dorthin zu pumpen. Bislang rinnt es wie der Enkheimer Mühlbach oder der Röhrborn, die auch an die Verbindung angeschlossen werden sollen, in die Kanalisation. Nicht weit von der Leuchte wird ein neues Gewässer, der Eiswerkweiher, angelegt. Damit das kühle Naß den Tümpel erreicht, ist eine zweite Pumpe nötig. Unterirdisch geht es von da aus weiter durch Enkheim.

Über den Parkplatz (rechts ein Zugang zum Streuobstwiesengebiet Berger Hang) kommt man links zur Riedstraße. Dort geht nach etwa 100 Meter die Winzersteige ab. Dort liegt der Mönchhof.

Bereits anläßlich  der Stiftung des Klosters Arnsburg in der Wetterau durch den einflußreichen staufischen Ministerialen Konrad II. von Hagen 1151 kam das Enkheimer Gehöft in den Besitz der dortigen Benediktiner, die dann 1174 von Zisterziensern aus Eberbach abgelöst wurden. Die Zisterzienser waren während des Mittelalters für ihre Bodenkultivierung berühmt, die zumeist beim Roden von Wäldern oder Trockenlegen von Sümpfen zur Gewinnung neuen Ackerlandes beginnen mußte. In Ergänzung ihres kontemplativen Klosterlebens maßen sie der Landwirtschaft einen besonderen Wert bei; denn darin lag die notwendige wirtschaftliche Voraussetzung zur Verwirklichung ihrer Ordensziele. Üblicherweise lagen sie nicht mehr als drei Tagesreisen vom Kloster entfernt. Bewirtschaftet wurden sie von Konversen d.h. Laienbrüdern, die ‑ ohne ausreichende Bildung ‑ nach Ablegung der ersten Gelübde klösterlicher Spiritualität nicht vollkommen einbezogen waren. Der Niedergang des Ordens förderte die Verpachtung all jener Grangien.

Im östlichenTeil Enkheims, in der Straße „Wingertstiege“ , liegt der „Mönchhof“ (Bruderhof, Arnsburgerhof) des Klosters Arnsburg. Da der Münchhof in Enkheim, der Arnsburger Hof, eine Klostersiedlung war, so hat er natürlich auch eine Klosterkirche gehabt. Tatsächlich gibt es denn auch eine Urkunde aus dem Jahre 1377, in der von einem Weg die Rede ist, der an der Kapelle bei dem Hof des Klosters Arnsburg in Enkheim vorbeiführt.

Das barocke Hofgut wurde 1771-74 als symmetrische Hofanlage auf rechteckigem Grundriß mit zurückliegendem Herrenhaus erneuert. Die ursprüngliche Symmetrie der Gesamtanlage ist durch den Bau einer Scheune im Südwesten nachträglich gestört worden.

Als Folge zahlreicher Stiftungen meist adliger Territorialherren hat es allein Arnsburg bis zur Säkularisation (1803) auf etwa 250 derartige Höfe gebracht. Die Bindung an Arnsburg war aber bei der barocken Erneuerung des Enkheimer Mönchhofs - gleichzeitig wie der Bau des Bolongaro‑Palasts in Höchst - nur noch finanzieller Art. Im Jahre 1803 fiel der Hof an die Grafen von Solms und wurde dann aufgeteilt.

 

Weiter auf der Riedstraße kommt man zum Röhrbrunnen  an der Kreuzung  mit der Röhrbornstraße. Am Ende der Straße biegt man rechts ab durch die Straße Alt-Enkheim und zur Enkheimer Kirche. Die barocke Saalkirche wurde 1717‑19 anstelle der 1445 erstmals erwähnten Laurentiuskirche erbaut. Über das Gelände der Kirche kommt man Richtung Westen zur Laurentiusstraße. Diese fährt man hinunter über den Floriansweg, bis man nach rechts abbiegt in die Taschnerstraße.

And er Vilbeler Landstraße fährt man erst ein Stück rechts in Richtung Bergen und biegt dann am Entenbach Richtung Westen ab. Hier soll das Wasser aus dem Enkheimer Ried an die Oberfläche zurückkehren und in das bestehende Grabensystem über Seckbacher Ried bis zur Hallgartenschule eingespeist werden. Die Stadtentwässerung will den Graben bis kurz vor den FSV‑Sportplatz verlängern, das Wasser durch unterirdische Rohre daran vorbei pumpen und danach oberirdisch im offenen Gefälle in den Ostparkweiher leiten.

 

Insgesamt soll das Wasser über 3,5 Kilometer in Gräben plätschern. Rohre will das städtische Amt über 2,1 Kilometer verlegen lassen. Die 5,6 Kilometer lange Verbindung herzustellen, wird rund vier Millionen Mark kosten. Finanzieren muß das Projekt, das seit den achtziger Jahren im Gespräch ist, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Der städtische Betrieb ist dazu verpflichtet, weil durch den geplanten Bau des U‑Bahn‑Betriebshof Ost 7,5 Hektar Grünland zwischen Seckbach und Riederwald verloren gehen.

„Die“ Entenbach ist die Bebauungsgrenze des Industriegebietes. Zur Seckbacher Seite hin erstrecken sich Wiesen mit Pferdekoppeln und Freizeitgärten. Entlang des nun offen fließenden Bachlaufes mit den alten Weidenbäumen kommt man  über den Voltenseeweg (die Voltenseestraße lohnt nicht) zum Naturschutzgebiet „Seckbacher Ried“. Das schon sehr verlandete, sumpfige Gelände ist nicht zugänglich. Es war noch bis in die 40er Jahre Wiesenfläche. Als es nicht mehr regelmäßig gemäht wurde, wuchs der heutige Silberweidenwald heran. An der Südwestecke des Rieds ist eine Aussichtskanzel.

Nach links durch die Gwinnerstraße und gleich wieder rechts in die Gelastraße kommt man zum Sausee. Dort geht es links weiter in Richtung Süden. Links sind die Industriebauten der Flinschstraße. Man komm zum Rothebuschweg (nicht nach rechts in die Straße „Am Büttelstück“) und zur Vatterstraße zwischen Riederwaldstadion und Pestalozzischule. Nun kann man durch die Vattterstraße nach Osten oder gleich an der U-Bahn entlang zum Abzweig Borsigstraße fahren (rechtzeitig die U-Bahnschienen queren!).

In der Wächtersbacher Straße überquert man noch die Schienen und biegt dann links ein in einen Grünzug. Rechts liegt die Kleingartenanlage „Teufelsbruch“. Gleich hinter dem Abzweig steht jenseits des Bachs ein Grenzstein.

An einer Kreuzung geht links die Center-Schneise ab. Über sie kommt man zum „Steinbruch“. Man kann aber auch nach rechts den Vogelwartenweg fahren. Dann kommt man an den Sportplätzen und am Gelände der Vogelschutzwarte. An der Vilbeler Landstraße biegt man rechts ab und kommt zur Kreuzung Birsteiner Straße. Auf der anderen Seite in Richtung Osten liegt der Heinrich-Kraft-Park, der zu einem Rundgang einlädt (Radfahren verboten, hinten kein Ausgang). Östlich des Parkplatzes geht der Spielparkwerg ab. Er führt zum Alten- und Freizeitzentrum „Roter Graben“. Dort führt der Entwässerungsgraben des „Enkheimer Rieds“ zum „Hollerborn“ am Main vorbei. Der früher offene Graben hat seinen Namen von der früheren roten Backsteinauskleidung; in den 50er Jahren wurde er verrohrt. Teile des Weges gehörten einst zur Landwehr und wurden auch als „Nonnweg“ bezeichnet.

Um das Altenheim herum fährt man entweder nach rechts zur Straße nach Bischofsheim oder nach links in den „Schwarzen Weg“, der am Waldsee entlang (mit Lehrpfad) bis zur Autobahn führt. Dort muß man allerdings erst wieder ein Stück zurück fahren, damit man die Brücke über die Autobahn in Richtung  Bischofsheim überqueren kann.

 

Wir überqueren die Borsigallee und die U-Bahnschienen, um auf den Weg zwischen dem Wald und dem entstehenden P+R‑Parkplatz zu gelangen. Links im Wald fällt der kleine Graben mit dem hohen Wall auf, beides gehört obligatorisch zu einer Grenze. Wer sich bemüht, wird auch noch einige Grenzsteine aus heimischem Kalkstein finden. Das „SB“ steht für „Seckbach“, das „B“ für „Bergen‑Enkheim“.

Das Waldstück ist ein Rest des ehemaligen Auwaldes ‑ nur wenige hundert Meter trennen uns von der Ausfahrt A 66 und dem „Hessen-Center“. Der Wald ist aber vom Ausbau der Autobahn A 66 bedroht, besonders das „Steinbruch“ und das „Teufelsbruch“, bis in unser Jahrhundert Überschwemmungsgebiete des Mains beim Frühjahrshochwasser. Rechts öffnet sich das „Teufelsbruch“, fast verträumt, mit einem kleinen Bachlauf, den Uferwiesen und dem alten Baumbestand. Wer möchte, macht einen kurzen Abstecher in diese Richtung. Entlang des Grabens findet man noch einige alte Grenzsteine („F“ und „S“ 18551).

Dort, wo wir jetzt stehen, befindet sich links im Bogen des Weges ein „verunglückter“ Dreimärker, vermutlich aus einem anderen Grenzstein aus Basalt gehauen. Auf ihm finden wir die Buchstaben „F“ für Fechenheim, „S“ für Seckbach und „B“ für Bergen‑Enkheim. Wer noch mehr Grenzsteine finden möchte, muß sich „in die Büsche schlagen“. Der Waldrand verdeckt hier Grenzgraben, Grenzwall und einige gut erhaltene Grenzsteine. Die Grenze läßt sich, nicht ohne Mühe, anhand der Karte bis zur Vilbeler Landstraße verfolgen.

Wir aber bleiben auf dem Weg, der nach halblinks abbiegt. Im Waldstück nordwestlich der leider inzwischen stark verlandeten Feuchtwiese verbirgt sich das unzugängliche „Steinbruch“, ein Rest des einst mäandernden Mains. „Bruch“ ist ein anderer Ausdruck für „Ried“. Die Grenzsteine waren für „Stein“ verantwortlich.

 

Seckbacher Ried

Wenn bloß diese Schnaken nicht wären. Die Gegend ist ein Paradies für die Viecher: feuchte Wiesen und Auwälder mit Bächlein drin. Und auch das Wetter stimmt: schwül unter tief hängender Wolkendecke. Alle paar Sekunden läßt sich eine auf den nackten Beinen und Armen nieder und saugt Und saugt. Julia Exner, frei schaffende Landschaftspflegerin und gelernte Geographin, Nebenfach Botanik, hat es da ein wenig leichter. Sie war ja auch schlauer und hat lange Hosen angezogen.

Der Kulturschock ist ziemlich groß, wenn man von der Gwinnerstraße aus zum Seckbacher Ried fährt. Eine schäbige Buckelpiste quer durchs Industriegebiet mit vergessenen, im Kopfsteinpflaster versenkten Straßenbahnschienen: Viel weniger charmant geht Stadt kaum. Dann auf die Holzplattform an der Ecke zur Straße „Am Seckbacher Ried“, die dem Betrachter ein Fenster ins Märchenland öffnet. Eine prächtige Kopfweide mitten in dem bißchen Wiese, das jahrzehntelange Vernachlässigung übrig gelassen hat, zieht die Blicke auf sich. Zumindest so lange, bis von rechts eine kleine Herde Zebu‑Rinder ihren Auftritt in der Naturbühne inszeniert: Vier Damen sind es, geführt von Bulle Ignaz, und zwei Kälbchen. Seit sie vor fünf Jahren zum ersten Mal ins 1937 ausgewiesene Naturschutzgebiet gebracht wurden, um hier alljährlich von Mai bis Herbst die Baumtriebe aus der Wiese zu fressen, hat sich der im Kern des Gebiets gewachsene Silberweidenwald nicht weiter ausgebreitet.

Laut Exner war das auch möglich, weil das Seckbacher Ried das einzige Frankfurter Naturschutzgebiet ist, das eingezäunt ist. Unschön für die Frankfurter, gut für den Artenschutz. Trotzdem lohnt der Spaziergang rund um das nur sieben Hektar große Gebiet, auch wenn der Dschungel jenseits des hohen Metallzauns nur an wenigen Stellen seine Geheimnisse enthüllt.

Vor 65 Jahren konnten die Frankfurter hier noch durch eine offene Tal Fettwiesenlandschaft laufen mit Gräben, die der im 19. Jahrhundert verlandete Altarm des Mains zurückgelassen hat, an deren Rand Korbweiden standen. Seit den 40er Jahren wurden die Wiesen nicht mehr beweidet oder gemäht, weshalb sie allmählich zuwuchsen.

 

Das einstige Feuchtgebiet wurde laut Exner immer trockener, als der Main begradigt wurde, das Gewerbegebiet für großflächige Oberflächenversiegelung sorgte und die Quellen am Seckbacher Hang in Rohre gezwängt wurden. Erst in den 80er Jahren wurde gegengesteuert: Der Seckbacher Mühlbach und die Draisbornquellen wurden von Westen her eingeleitet, die Klingenwegquellen im Osten, wo sie am Rand einer         von hohen Hainbuchen und Feldahornbäumen und niedrigen Grauweiden umstandenen Wiese ein gluckerndes Idyll geschaffen haben. Ein gefährdetes Idyll. Bedroht vom gierigen Staudenknöterich, einer sich schnell ausbreitenden Gartenpflanze mit großen herzförmigen Blättern, die, wie Exner vermutet, wohl über die zahlreichen Gartenabfälle, die lästigerweise immer wieder ins Gebiet geschmissen werden, eingedrungen sind. „In zehn Jahren wird sich der Staudenknöterich hier großflächig ausgebreitet haben“, befürchtet die Geographin, die sich für ihre Diplomarbeit über das Seckbacher Ried hier ein Jahr lang regelmäßig durchs Unterholz schlug. Schade!

Wenn 2004 als Ausgleich für den U‑Bahn‑Betriebshof Ost zwischen dem Enkheimer Ried und dem Ostparkweiher wieder Wasser fließt, soll das dem Naturschutzgebiet zusätzliche Feuchtigkeit bringen. Das Wasser, das jetzt noch im Anhauptgraben steht, der Verlängerung des Riedgrabens, soll dann wieder in Bewegung kommen. Vielleicht verschwinden dann ja die grünen Wasserlinsen, die das romantisch baumumstandene Wasser jetzt bedecken. Hier, östlich der Kruppstraße, ist eigentlich schon kein Naturschutzgebiet mehr. Die Behörden denken laut Exner allerdings darüber nach, das sich hier entfaltende 1,2 Hektar große Brachland ebenfalls unter Schutz zu stellen. Verständlich ‑ dem Spaziergänger bietet der Weg zwischen romantischer Urwaldlandschaft und grünem Graben, in dem laut Exner neulich jemand sogar einen Kammmolch (ebenfalls eine Rote‑Liste-Art) gesehen haben will, fast noch mehr Reize als das eingezäunte und unzugängliche Naturschutzgebiet.

Wie wichtig es ist, daß nur eine paar handverlesene zarthufige Zebu Rinder die Wiesen im Naturschutzgebiet anknabbern, erschließt sich sofort beim Blick auf die ratzekahl abgefressenen Pony‑ und Ziegenweiden am Ende des Spazierwegs: „So dürfte es im Seckbacher Ried nicht aussehen, Dann müßten die Zebus raus“, sagt Exner und deutet auf den Kahlfraß. „Durch die intensive Beweidung gibt es hier keine Artenvielfalt mehr, da wächst gerade noch der kriechende Hahnenfuß.“

Ganz anders drüben hinterm Zaun. Im Seggenried, am Rand des Silberweidenwalds, wachsen die Rote‑Liste‑Arten Fuchs‑ und Hain‑Segge, auf den Wiesen die Sumpfplatterbse, im Wald der Große Wasserfenchel und am Wasser die Wasserfeder.

Bis jetzt sind die Naturschützer hochzufrieden mit den aus dem Kaukasus stammenden buckligen Zwerg‑Zebus, die auch deshalb so hervorragend für das Seckbacher Ried geeignet sind, weil sie so genügsam sind: Unsere normalen Rinder würden hier wahrscheinlich verhungern. Denn die deutsche Hauskuh rümpfe nur angewidert die Nase, wenn sie die wegen ihres hohen Kieselsauregehalts harten, rauhen Seggen und Schilffblätter fressen soll. Die Zebus, die sogar ihre Kälber ohne menschliche Mithilfe in der Wiese auf die Welt bringen, sind Kummer gewohnt. Schließlich schlagen sie sich auch in den kargen Landschaften Afrikas durchs Leben. Ob sie auch langfristig keinen negativen Einfluß auf die Riedwiesen haben, wird in einer Langzeitstudie von Exner regelmäßig untersucht. „Es gibt halt noch keine Erfahrungen mit Zebu‑Beweidung. Aber bis jetzt sind wir sehr zufrieden.“

Schützenswert sei das Ried unter anderem wegen der über die Jahre schmal gewordenen Wiesenfuchsschwanzglatthaferwiesen, die typisch für die Tallage des Rieds seien. „Das sind typische Mähwiesen, aber die sind ja in Zeiten intensiver Landwirtschaft immer seltener geworden.“ Auch Weichholzauen wie der Silberweidenwald machten sich inzwischen rar.

Der Rückweg am Nordrand des Gebiets bietet wenig Aufregendes. Macht aber nichts. Der letzte Blick von der Holzplattform zum Schluß des Rundwegs entschädigt doppelt, entfaltet immer wieder aufs Neue die Magie dieser städtischen Insel mitten im Gewerbegebiet.

 

Von der Frankfurter Landwehr (ab 1400) ist neben drei Warttürmen die Friedberger Warte (1478) mit dem Hofbereich erhalten. Der Brunnen in der. Ringmauer ist von innen und außen zu benutzen (heute Gartenwirtschaft).

 

Lohrberg:

Mit 180 Metern ist er die höchste Erhebung des Stadtgebiets. Selbst der Panoramawinkel, der die Skyline, das Maintal, Taunus, Spessart und Odenwald einbezieht, hält dem Vergleich mit dem Großen Feldberg stand. Den Lohrberg hinauf erstreckt sich der Lohrpark mit Wiesen, Waldstücken und als Rarität ein Weinberg in Großstadtlage. Ein Dorado der Erholung in nächster Nähe zu jeder Jahreszeit. Treten wir von der Friedberger Warte her durch den Huthpark ein.

Ab der Warte läuft man an der Friedberger Landstraße entlang, über die Autobahnbrücke, den Fußweg geradeaus weiter bis hinter die Unfallklinik und biegt hier rechts in den Auerweg. Nur wenige Schritte, schon sind wir im Huthpark und setzen parallel zur Straße den Weg fort, abgeschirmt durch einen Grünstreifen. Auch der Huthpark zeichnet sich wie der Lohrpark durch eine landschaftlich schöne Hanglage im Osten der Stadt aus. Es ist eine der Grünflächen, die Frankfurt um 1900 als Volkspark vornehmlich unter sozialen Aspekten zu planen begann. Innerstädtische Anlagen waren bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der Stadterweiterung durch Planierung der Wallbefestigung entstanden oder gingen aus großbürgerlichen, repräsentativen Landsitzen hervor.

Wir nähern uns dem nördlichen Häuserrand Seckbachs, folgen kurz dem Querweg und schwenken links „Im Staffel“ aufwärts ein. Ist die Hofhausstraße erreicht, gehen wir ihr rechts nach, biegen dann in die Nußgartenstraße und sind im Freien. Kleingärten überziehen das gesamte Gebiet zwischen Huthpark und Lohrberg. Auch das gehörte zur Gestaltung und Nutzbarmachung dieses Areals für breite Bevölkerungsschichten, wobei der Lohrberg erst nach der Eingemeindung Seckbachs in die Planung mit einbezogen werden konnte.

 

Angesichts von Schafen und Ziegen auf kleinen Weiden erscheint es fast unwirklich, in Großstadtnähe zu sein. Vor uns beginnt der Wald. Am Bächlein streifen wir kurz den Kreuzweg, trennen uns von ihm „Auf der Lohr“, und wenn dieser Pfad am letzten Waldhaus rechts abschwenkt, laufen wir weiter geradeaus und erreichen bald den Parkplatz. Nach rechts entlang der Allee ist man am höchsten Punkt angekommen, wo uns Aussicht, Einkehr, Spielwiese, ein Obstbaum-Schaugarten und der Rieslingweinberg erwarten.

Für den Weg abwärts geht es links um den Rebenhain herum, am Ehrenmal vorbei und weiter halb links. Bei Gabelung des Weges nehmen wir - die ersten Seckbacher Häuser sind schon zu sehen - den linken Strang, der sich als Schlängelpfad zwischen aufgelassenen Gärten bis zum Rand des alten Ortskerns hindurchwindet. Die Alsfelder Straße hinunter, die Hintergasse links und ebenso die Hofhausstraße, kommen wir zum Herzstück Seckbachs, dem Fachwerk-Rathaus von 1542 mit fünfseitigem Erker. In seiner Nachbarschaft und den umliegenden Gassen hat sich noch viel von der einstigen dörflichen Idylle erhalten, einschließlich uriger Apfelweinwirtschaften wie dem „Rad”. Im Ort sind noch viele Fachwerkhäuser (17./18. Jahrhundert) erhalten.

Für den weiteren Weg wenden wir uns vom Rathaus auf der Wilhelmshöher Straße rechts, biegen in die Ellerstraße aufwärts ein, von ihr in die Zentgrafenstraße, kommen an der evangelischen Pfarrkirche vorbei und folgen dem Straßenzug hinan bis zum Ende. Im Staffel links betreten wir erneut den Huthpark. Der Propst-Goebels-Weg führt uns am westlichen Rand entlang und nochmals durch Gärten zur Festeburg, der jungen Kleinsiedlung „An der festen Burg”, womit die Friedberger Warte in der damaligen Landwehr gemeint ist. Zu ihr kehren wir durch die Straße An der Festeburg entlang der Friedberger Landstraße zurück, mit der Möglichkeit zur abschließenden Einkehr dort oder in der Friedberger Warte unter alten Bäumen (vgl. auch Elvira Klein, Rhein-Main, Seite161).

Der Beratungsgarten bietet Information und Beratung zu den Themen rund um den Garten, von Obstanbau mit Obstbaumschnitt über Gemüseanbau, Bodenpflege, Düngung und Kompostierung bis hin zu Gartentechnik und Pflanzenschutz.

Mehr als 10.000 Besucher kommen jährlich in die  1947 als „Versuchs- und Beispielsobsranlage zur Intensivierung des privaten Obstanbaus in der Stadt Frankfurt“ gegründeten Anlage. Heute werden auf 18.155 Quadratmeter Gartenfläche an den nach Süden ausgerichteten Hängen des Lohrbergs im Frankfurter Stadtteil Seckbach rund 400 Obstgewächse, davon allein über 100 Apfelsorten, angebaut; altbewährte und neue Sorten, um sie unter den gegebenen Standortbedingungen zu erproben. Im Beratungsgarten Lohrberg stehen heute der ökologische Obstanbau und naturgemäße Methoden des Pflanzenschutzes im Vordergrund.

Kostenlose Beratung: Die vielfältigen Erfahrungen aus jahrzehntelanger Anbaupraxis auf dem Lohrberg bilden die Grundlage einer praxisgerechten und kostenlosen Beratung während der angegebenen Beratungszeiten. Auf Wunsch werden auch Kurse und Schulungen in der Anlage selbst oder in geeigneten anderen Räumen abgehalten Soweit sie außerhalb der normalen Arbeitszeit der Mitarbeiter stattfinden, sind sie kostenpflichtig.

Kurse, Schulungen, Fachvorträge: Die Mitarbeiter des Beratungsgartens bieten jedes Jahr Kurse zu speziellen Themen in der Volksnochschule Frankfurt an. Für Kindergärten und Schulen können in Absprache mit den Erziehern und den Lehrern besondere Führungen stattfinden. Fragen werden auch telefonisch beantwortet unter der Tel.-Nr. 0 69 / 47 99 94. Wer auf den Anrufbeantworter spricht, wird umgehend zurückgerufen.

Verkauf der Erzeugnisse: Saisonbedingt und soweit der Vorrat reicht können die Erzeugnisse der Anlage während der Öffnungszeiten erworben werden. Im Verkauf sind vor allem Obst sowie der Lohrberger Apfelsaft. Beerenobst sowie einzelne andere Obstarten werden zum Selbstpflücken angeboten.

Die Mitarbeiter des Beratungsgartens Lohrberg sind gerne bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen an interessierte Bürger weiterzugeben. Kostenlose Gruppenführungen, auch zu besonderen Themen, können für die Öffnungszeiten des Beratungsgartens vereinbart werden.

Blütentage: Über 400 verschiedene Obstarten und Obstsorten blühen im April/Mai im Beratungsgarten Lohrberg. Um in dieser Zeit möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, das Blütenmeer zu erleben, veranstaltet der Umlandverband Frankfurt „Blütentage“ mit verlängerten bzw. zusätzlichen Öffnungszeiten, die in der Presse bekanntgegeben werden.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 8.00 bis 15.00Uhr (von März bis Oktober zusätzlich: mittwochs bis 18.00 Uhr und  freitags 8.00 bis 13.00 Uhr). Beratungszeiten: Dienstag bis Donnerstag: 13.00 bis 15.00 Uhr. Von März bis Oktober zusätzlich: mittwochs bis 18.00 Uhr und an jedem ersten Samstag im Monat: 9.00 bis 13.00 Uhr. Telefon/Fax: 069/479994

Tag der offenen Tür: Jährlich findet an einem Sonntag im September/Oktober der „Tag der offenen Tür“ mit einem kleinen Unterhaltungsprogramm statt, an dem der Beratungsgarten mit der Vielfalt seiner Themen vorgestellt wird. Für einen kleinen Imbiß stehen auch Speisen und Getränke bereit.

 

Bornheim

Wenn man vom Seckbacher Ried etwas nach Norden fährt und dann nach links in die Gärten einbiegt, kommt man unter der Autobahn A 661 hindurch in die steile Enkheimer Straße. Oben biegt man links ab in die Berger Straße (rechts geht es in die Eulengasse mit der Gaststätte „Eulenburg“). In der Berger Straße liegt gleich links das alte Rathaus, etwa 1750 erbaut und bis zur Eingemeindung 1877 das Rathaus des Dorfes Bornheim. Gleich daneben die Gaststätte „Solzer“.

Etwas weiter unten ist der Hohe Born, den man durch einen Obelisken hervorgehoben hat.

Der Hohe Brunnen ist eines der ältesten und vertrautesten Wahrzeichen Bornheims. Er ist das sorgsam gepflegte und oft restaurierte Symbol für Bornheims Vergangenheit.

Freilich löste ihn längst eine moderne Wasserversorgung ab, und der Platz um ihn verlor seinen dörflichen Charakter. Bornheim, einst Mittelpunkt der „Grafschaft“ Bornheimer Berg und seit deren Auflösung 1481/85 bis 1866 zu Frankfurt gehörend, war vor allem als lustiges Dorf weithin bekannt. Seine Gasthäuser und Tanzböden, der „Kuchen‑König“, die Kerb und die Weinlese, der „Bernemer Mittwoch“ als Ausklang des Wäldchestages und auch Etablissements käuflicher Liebe, boten den Frankfurtern und den Besuchern der Stadt mannigfache Vergnügungen.

Im Jahre 1877 wurde Bornheim als erste Gemeinde wieder nach Frankfurt eingemeindet. Zwischen Fachwerkhäusern (wie das restaurierte alte Rathaus) und schmalen Gassen, der barocken Johanniskirche und der alten Bornburg, der späteren Günthersburg bzw. dem Rothschildschen Schloß (von dem nur der Park mit Orangerie erhalten ist), nahm sich der Obelisk des Hohen Brunnens etwas merkwürdig aus, jenes altägyptische Kultussymbol zur Anbetung des Sonnengottes. Ungewöhnlich war auch der Anlaß seiner Errichtung. Am Beginn des 19. Jahrhunderts besaßen nur wenige Gehöfte in Bornheim, das damals etwa 2000 Einwohner hatte, eigene Tiefbrunnen. Die Bornheimer mußten ihr Wasser in einem Fußmarsch von einer Viertelstunde von der Gemarkungsgrenze holen. Dorfschultheiß Philipp Adam Rühl schlug daher vor, einen öffentlichen Zentralbrunnen zu errichten. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen stimmte der Gemeinderat 1827 zu. Der Frankfurter Wasser‑, Wege‑ und Brückenbauinspektor Philipp Jakob Hoffmann, der Vater des Arztes und Struwwelpeter‑Autors Heinrich Hoffmann, entwarf diesen Brunnen unter Einfluß von Stadtbaumeister Johann Georg Christian Heß. Dieser hatte 1811 den Obeliskbrunnen in der Brückhofstraße im Fischerfeldviertel geschaffen. Durch Napoleons Italienfeldzug 1799 wurden damals allüberall solche Obelisken errichtet.

Am 9. Dezember 1827 wurde der Brunnen eingeweiht. Voller Stolz sind seitwärts die Namen des Schultheißen und der Beigeordneten und auf der Vorderseite der Hinweis „Erbaut auf Kosten der Gemeinde Bornheim“ vermerkt. 50 Jahre war der Hohe Brunnen Mittelpunkt einer damals modernen Wasserleitung, nach der Eingemeindung Bornheims 1877 wurde der Brunnen an die Wasserleitung aus dem Vogelsberg angeschlossen.

Gleich neben dem Hohen Brunnen ist das Gasthaus „Gickelschlag“ und auf der anderen Seite das Gasthaus „Zur Sonne“. Wo der Sandweg von der Berger Straße abzweigt, steht das Uhrtürmchen. Auf dem Platz steht auch ein neuerer Brunnen, auf dem Steht, daß das Dorf Bornheim am 21.4.1475 von Frankfurt gekauft wurde und von da an das Gericht „Bornheimer Berg“ bestand. Am 1.1.1877 wurde der Ort eingemeindet. Damals hatte sich die Einwohnerzahl auf 10.085 verzehnfacht.

 

Bornheim war schon immer etwas Besonderes: gesellig, sinnesfroh, aber auch rauflustig. Das hat Helmut Nordmeyer, Öffentlichkeitsarbeiter im Institut für Stadtgeschichte, aus den historischen Quellen gelesen. Sein Bildband „Ein Rundgang durch das alte Bornheim“ war bei der Vorstellung am Donnerstag Anlaß für den „Bürgerverein Historisches Bornheim“, künftig mehr auf die viel besungene Identität des Stadtteils zu pochen.

Das Dorf Bornheim wurde laut Nordmeyer erstmals 1194 sicher erwähnt. Bei rund 1000 Bewohnern hatte man dort Mitte des 18. Jahrhunderts bereits 20 Gasthöfe. Die Frankfurter kamen bei Ausflügen immer gern vorbei. In den Schankstuben bedienten spärlich bekleidete Kellnerinnen, die den männlichen Gästen gegen ein geringes Aufgeld ihre Liebesdienste anboten, berichtet der Historiker. Seit damals ging die Rede vom „lustigen Dorf“ (lustig von Lust). Die Rauflust habe auch dazu gehört. Laut einer Ortsbeschreibung von 1835 konnte man in Bornheim zweifellos „die besten Prügel“ beziehen.

Nach wie vor gaben „die kleinen Leute den Ton an“, wird berichtet, also Arbeiter, Handwerker, kleine Beamte und Angestellte. Der Bildband ist nach einem Rundgang im Zeitabschnitt 1900 und 1939 angelegt, der vor der Kirchnerschule am Hohen Brunnen beginnt.

Rundherum Fachwerkhäuser, Kopfsteinpflaster und jede Menge Platz. Frauen in Schürze, Buben mit Batschkapp, gestandene Männer mit Hut und Weste.

Bald darauf ging es los mit der Bauerei, und die meisten Fachwerkhäuser wurden verputzt oder verkleidet. Der Ort wuchs innerhalb weniger Jahrzehnte so stark mit Frankfurt zusammen, daß nur noch schwer auszumachen war, wo eigentlich die Grenze zwischen beiden verlief. Bis heute ist die Anziehungskraft von Bornheim ungebrochen; in den vergangenen Jahren wurde der Stadtteil, oft das dörfliche Maß sprengend, verdichtet.

Bornheims historischer Ruf als fröhliches Dorf' ist überliefert, er lebt fort in den alten Apfelwein‑Gaststätten und bei der jährlichen Kerb. Weniger bekannt sind andere Etikette. Zum Beispiel: Deutschlands Nähmaschinen‑Zentrum. Das nämlich war Bornheim. Und außerdem: Billiglohn‑Land für die Amis Zig-Tausend Brillen wurden zur Zeit des Deutsches Reichs hier hergestellt und in die USA exportiere. Sichtbare Wahrzeichen ‑ und Stationen des Spaziergangs ‑ besitzt Bornheim viele, etwa: Uhrtürmchen am Marktplatz, Johanniskirche mit Zwiebelturm, Hoher Brunnen, Langer Hof, Altes Rathaus, Louisenhof (heute Betriebshof der FES), „Weiße Lilie“ und Museumslädchen (dessen Direktor Ochs ist). Keine Spur aber blieb von der stattlichen Nähmaschinen‑Fabrik Wertheim, die einst das ganze Karée zwischen Eichwald‑, Petterweil‑, Germania und Burgstraße einnahm.

Joseph Wertheim (1804‑1899) hatte die Fabrik gegründet, die zeitweilig 650 Arbeiter beschäftigte. In aller Welt, sogar in Australien, ratterten die Wertheimer Nähmaschinen, aufgeprägt ein Zwerg mit Hammer. Zum Firmenlogo gehörte „kurzfristig“ der Davidstern. Der Kunden wegen nahm ihn Wertheim heraus. Stadtverordneter war er und Mitbegründer der „ABG für kleine Wohnungen“; im Siedlungsquartier alter Burgblock entstand eine von ihm gestiftete Arbeiterbibliothek.

1932 wurde die Produktion nach Spanien ausgelagert, 1945 die Firma dort aufgelöst. Den Fabrikkomplex in Bornheim ließen die Nazis komplett abreißen und mit dem neuen Burgblock bebauen. Auch die Arbeiterbibliothek verschwand. Von der Zeit beschnitten, aber nicht verzehrt, überdauerte die Gaststätte „Weiße Lilie“. Im 18. Jahrhundert wurde sie erbaut. Im großen Saal hielt anno 1894 die Reichs-SPD ihren Parteitag ab; Agrarpolitik ‑ konkret: die Enteignung der Junker ‑ war das hoch revolutionäre Thema. Und eine Revolutionärin saß im Saal: Clara Zetkin und mit ihr etliche Frauen. Sie waren überhaupt der Grund für die Ortswahl. Ursprünglich sollte Nürnberg Tagungsort sein. Aber in Bayern durften laut dem Vereinsgesetz Frauen nicht an politischen Versammlungen teilnehmen, daher ging die SPD lieber ins preußische Bornheim.

 

Merianplatz

Früher war der Merianplatz ein Platz mit einem Häuschen, jetzt ist da ein Haus mit einem Plätzchen zu sehen. Der Vertrag des Investors mit der Vermieterin Stadt Frankfurt beinhaltet nicht nur das flächig in die Breite Ziehen des ersten Frankfurter Volksbrausebads von 1888. Der Offenbacher durfte für die neue Nutzung als Markthalle auch das Dach des Pavillons anheben, der als Schenkung des jüdisch‑deutschen Bankiers Theodor Stern (1837‑1900) ins Nordend kam.

Freilich hatten die Frankfurter aus dem schmucken Häuschen schon 1930 die Rundbogen‑ Zwillingstüren herausgerissen, durch die Frauen und Männer bis dahin getrennt zum Duschen eintreten mußten. Statt dessen wurde damals ein eckiger aber gemeinsamer Eingang für alle gebaut. Auch die Rundbogenfenster oberhalb des Gebäudesockels hatte man in jener Bauphase der „Neuen Sachlichkeit“ zugunsten zweier Fensterbänder mit rechteckigen Rahmen geschlossen. Allein in der außergewöhnlichen Form des oktagonalen Zentralbaus« liege „der eigentliche Wert“ des Kulturdenkmals. Man hat nur den achteckigen Gebäudekern bewahrt. Darin sind neun Duschen und eine öffentliche Toilette. Auch die Obst‑ und Gemüsestände, die sich im Achteck um den alten Baukern reihen werden, werden vermietet. Ferner bekomme ein Eiscafé einen Raum.

Fechenheimer Mainbogen

Entlang der Starkenburger Straße in Fechenheim gibt es eine historische Lindenallee mit 100 Jahre alten Winter‑ und Sommerlinden, die rein optisch aufs Offenbacher Schloß auf der anderen Mainseite zulaufen. Mit dem Schloß war die Allee, die den Mainbogen in Fechenheim malerisch durchschneidet, zwischen 1819 und 1887 durch eine so genannte Schiffsbrücke verbunden. Der Fährbetrieb wurde eingestellt, als die Carl‑Ulrich‑Brücke fertig wurde. Seit 1998 Granitstelen angeschafft wurden, die als Poller wirken und verhindern, daß die Autos den Bäumen zu nahe kommen und dort Autos repariert werden, wie das jahrelang geschah. Seither hat die „Seufzerallee“, die bei den alten Fechenheimern so heißt, weil sich hier die Verliebten zum Schmachten trafen, wieder Luft.

Die feuchte Auenlandschaft im Fechenheimer Mainbogen ist laut Schwarzkopf der ideale Standort für die Linde, die das trockene Stadtklima gar nicht liebe. Und das, obwohl die Linde eigentlich als Baum gilt, der „dem Menschen zugetan“ ist. Ist sie doch ein beliebter Dorfplatzbaum, wo sie historisch bei Volksfesten zur „Tanzlinde“ wurde. Zuweilen drehten die Burschen ihre Tanzpartnerinnen sogar im Innern des Baums. Denn Linden, die laut Schwarzkopf durchaus 1000 Jahre alt werden können, höhlen im Alter aus und bilden dann, ausgehend vom Kronenkern, im Innern des Stammes Wurzeln, die tief in den Boden hineinreichen.

Der Duft der Linde soll ‑ während der Blütezeit tief eingeatmet ‑ gegen depressive Stimmungen helfen, ja geradezu euphorisieren.

Ein paar Spaziergänge mit tiefen Atemzügen hatten Naturliebhaber wohl nötig, wenn hier, im Landschaftsschutzgebiet, wie immer noch im Flächennutzungsplan vorgesehen, die Verlängerung der Bundesstraße 448 mittendurch Richtung Bad Vilbel geführt würde. Die Stadt Frankfurt hat sich mit Beschluß des Landschaftsplans 1996 unmißverständlich gegen den Bau der Straße ausgesprochen und gleichzeitig beim Umlandverband die Änderung des Flächennutzungsplans beantragt ‑ bisher ohne Erfolg. Naturschützer sehen darin eine Bedrohung für das wertvolle, artenreiche Gebiet.

Der Mensch ist eindeutig das störende Element im Landschaftsschutzgebiet Fechenheimer Mainbogen. Stöbernde Hunde vertreiben die 14 Brutpaare der Nachtigall oder die vielen anderen Vogelarten, die in der niedrigen Krautschicht brüten, wie Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Fitis und Trauerschnäpper. Als die Grüngürtel‑Projektgruppe vor einigen Jahren am nordöstlichen Zipfel des Bogens drei Kaiserlinden als eine der ersten Grüngürtel‑Baumgruppen pflanzte und den ehemals als Müllhalde und Autoreparaturplatz genutzten Wiesenflecken mit Granitpollern unzugänglich machte, lagen die frisch gepflanzten Bäume Tage darauf aus dem Boden gerissen herum. Eine von drei Silberweiden, die 1999 als Baumgruppe ein paar hundert Meter weiter gepflanzt wurden, fand man eines Tages umgehackt am Boden.

Derzeit noch überwiegend Ackerland, soll das durch die Biegung des Mains geformte Halbrund von 2005 an fast komplett Grünland werden; eine dem Standort angemessenere Nutzung. Denn fast jedes Jahr wird die 100 Hektar große Fläche vom anschwellenden Fluß überflutet und schützt so die Innenstadt bei Hochwasser vor Überschwemmungen. Ackerbau ist unter diesen Bedingungen problematisch. Künftig soll er laut Landschaftsplan nur noch auf dem etwas hoher liegenden, sogenannten Mittelfeld erlaubt sein. Westlich der Lindenallee soll am Mainufer ein naturbelassener Auwald entstehen, wie er sonst nirgendwo im Stadtgebiet mehr entwickelt werden konnte.

Um die besondere Qualität der Natur entlang des Leinpfads am Mainufer zu erkennen, muß man kein Experte sein. Den glanzvollen Auftakt macht ein als Naturdenkmal ausgewiesener, etwa 100 Jahre alter Spitzahorn am Mainufer, da, wo die Lindenallee auf den Flu0 stößt. Im weiteren Verlauf des Pfads geht es immer so weiter: Baumriese folgt auf Baumriese ‑ die für den Auwald typischen Schwarzerlen, Eschen (Baum des Jahres 2001), Schwarzpappeln, Silberweiden, hainbuchenblattrigen Ulmen und Kastanien.

 

Der reinste botanische Garten ist hier: die rosa Blüte des Blutweiderich etwa oder das weiß blühende Mädesüß, beides typische Auenpflanzen. Der hochgiftige Schierling, zu erkennen an den roten Flecken auf dem Halm, wächst hier gleich neben Baldrian, Klette, Beinwell, Beifuß und Engelwurz neben gemeinem Springkraut.

 

Der große Riederhof:

Schon 1193 hat der „Hof in den Riedern“ bestanden. Er war ein altes kaiserliches Lehen im Osten der der Stadt nach Hanau zu. Anfangs des 14. Jahrhunderts war der Hof im Besitz der Familie von Frosch. Im 19. Jahrhundert konnte man in der Mauer über dem Tor noch ein Schießloch wahrnehmen. Das alte Schloßgebäude war das Wohnhaus der Hofbewohner. Die Fenster zeigten zwei runde Bogen, in der Mitte durch eine Säule geteilt. Ein altes Gebäude, dessen hohe Mauern noch Schießlöcher aufwies, diente als Warte. Es gab eine eigene Kirche.

Die Herren von Frosch hielten sich dort oder auf dem Hof auf dem Rebstock auf. In der Stadt hatten sie ihre Wohnung auf dem Sandhof. Sie mußten der Stadt Frankfurt versprechen, den befestigten Hof nicht in fremde Hände kommen zulassen. Die Stadt verzichtete deshalb darauf, die  Landwehr auf die Straße nach Hanau auszudehnen, nur ein befestigtes Tor (die Wenzelpforte) sperrte den Eingang der Landwehr.

Als um die Mitte des 16. Jahrhunderts die kaiserliche Gewalt im Erlöschen war und die Grafschaft Bornheimer Berg aufgelöst wurde, entstanden Streitigkeiten mit Hanau: Der Hanauischen Befehlshaber Hector Emel und Jacob Kopffe ließen auf dem Hof den Peter Jost aus Niederrad ergreifen, durch den Zentgrafen von Fechenheim  nach Bergen führen und ohne Gerichtsurteil mit dem Strang hinrichten. Die Hanauer behaupteten, Peter Jost sei außerhalb der Frankfurter Landwehr als Wilddieb gefaßt worden. Frankfurt aber sagte, die Landwehr sei gar nicht die Grenze, die liege weiter östlich, obwohl sie nie ausgesteint worden war. Im Jahre 1605 ließ Hanau den äußeren Schlag zerstören. Die Mauern und Gräben des Hofes  Riedern fielen in der neueren Zeit. Der große Riederhof wurde zumFeldhof

 

Großmarkthalle

Die Großmarkthalle, Kleinod des expressionistischen Hallenbaus der zwanziger Jahre, schlägt wie wenige andere Gebäude eine Brücke zwischen dem historischen und dem modernen Frankfurt. Vor den bald anstehenden Bauarbeiten zur Integration des Baus in die neue Hauptzentrale der europäischen Zentralbank, erinnert das Museum an die wechselhafte Geschichte der Großmarkthalle. „Wach auf, städtischer Trommler; und rühre die Schlägel zum Ruhm Frankfurts, das diese Halle aus dem Beton gestampft hat“, ereiferte sich die Presse zur Eröffnung der Großmarkthalle, die die Stadt noch bis 2004 mit Vitaminen versorgte. Im Volksmund  auch  „Gemüsekathedrale“ oder „Kaffeekirche“ genannt, stieg sie trotz öffentlicher Skepsis während der Zeit ihres Baus schnell zum Knotenpunkt des Handels im südwest-deutschen Raum auf. ,Sie war Symbol und Ausdruck einer neuen Zeit.

Dabei wussten es die Verantwortlichen, die Ästhetik der neuen Sachlichkeit mit dem technischen Fortschritt zu verbinden. Die Großmarkthalle, am 28. Oktober 1928 eröffnet, ist dabei eng mit der Ära des Bürgermeisters Ludwig Landmann verbunden. Zwischen Inflation und NS-Zeit prägte er den Begriff „neues Frankfurt“. Ungefähr zeitgleich wurden Waldstadion und Rennbahn realisiert. Der Bau des Flughafens und die Gründung einer Fluggesellschaft waren weitsichtige Planungen, die Frankfurts Zukunft als Drehscheibe des Verkehrs in Mitteldeutschland gewährleisteten.

Die Großmarkthalle stand für die Öffnung der Stadt in die Welt. So sei zu den Eröffnungsfeierlichkeiten sowohl „Dribb-der-Bacher Gärtnerinnensuppe“, Frankfurter Wein, Käse aus Europa sowie internationales Obst gereicht worden.

 

 

Seit 1870 gab es Pläne für eine zentrale Markthalle in Frankfurt. Allerdings hätten diese erst nach Ende der Inflation umgesetzt werden können. Der Architekten Martin Elsaesser und Stadtbaurat Ernst May begleiteten die Umsetzung des Projekts noch bis zu den Luftangriffen im Jahre1944, die Teile der Halle zerstörten.

Parallel zum Main errichtet, stellte die Großmarkthalle auf einer Fläche von 220 mal 50 Metern einen neuen Typus des Hallenbaus dar: Eine moderne Konstruktion wurde mit traditionellen Materialien und Fertigungsweisen umgesetzt.

Das Bauprojekt wurde zum modernsten seiner Zeit. Als die politischen Mehrheiten für den kostspieligen Bau wegbrachen, war die Großmarkthalle fast fertig gestellt. Elsaesser und May verließen Frankfurt später in Ungnade. Mit dem Ende der Ära Landmann fand auch das „neue Frankfurt“ ein jähes Ende.

Die Großmarkthalle erfreute sich trotzdem Akzeptanz unter der breiten Bevölkerung. Schon vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurden hier mehr Waren umgeschlagen, als an jedem andere Ort in Südwestdeutschland. Der Handel wurde noch bis zu den Luftangriffen im März 1944 weitergeführt.

Ein dunkles Kapitel ging damit ebenfalls zu Ende: Im Dritten Reich wurden ihre Katakomben als Zwischenlager für Bürger genutzt, die später in Konzentrationslager deportiert wurden.

Nach dem Krieg ging es mit der Halle weiter bergauf. Im Vergleich zu 1938 hat sich der Handel zwanzig Jahre später bereits verfünffacht.

Heute steht die Großmarkthalle wegen ihrer Spannbeton-Konstruktion unter Denkmalschutz. Der Zukunft wird sie sich trotzdem stellen müssen:: Die Europäische Zentralbank wird ihren neuen Hauptsitz auf dem Gelände des historischen Gebäudes bauen. In einer Ausschreibung, an der sich 350Architekten aus der ganzen Welt beteiligten, setzte sich das Wiener Architektenteam Coop Himmelb(l)au durch. Ab 2000 werden so zwei neue, ineinander verschlungene Türme von 150 Metern Höhe die Skyline von Frankfurt zieren. Das alte Gebäude wird den Erfordernisse des Denkmalschutzes gerecht werdend erhalten bleiben.

 

Schule im Philanthropin

Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt hat gestern wieder eine Schule im historischen Philanthropin eröffnet. In der I. E. Lichtigfeld Schule werden rund 400 Kinder - jüdische und nichtjüdische - unterrichtet. Die Ganztagsschule hat einen Gymnasialzweig. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Salomon Korn, sagte, die Jüdische Gemeinde übergebe das Philanthropin nach umfangreicher Sanierung wieder seiner ursprünglichen Bestimmung. Hier sollten jüdische Kultur, Tradition und Wissen im humanistischen Gedanken gelehrt werden. Philanthropin heißt „Stätte der Menschlichkeit”.

Das Philanthropin war 1804 von der Israelitischen Gemeinde Frankfurts als „Schul-und Erziehungsanstalt für arme jüdische Kinder” gegründet worden. Die einst größte jüdische Schule Deutschlands stand von 1811 an auch nicht-jüdischen Kindern offen. „Philanthropin” heißt „Stätte der Menschlichkeit“. Von 1819 an wurde die Schule von der Israelistischen Gemeinde Frankfurts finanziert.

Im Jahre 1908 zog die Schule in das neu errichtete Gebäude im Nordend. Die Nationalsozialisten schlossen die Schule und richteten dort ein Reservelazarett ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Jüdische Gemeinde das Haus zurück, verkaufte es aber 1979 an die Stadt, um mit dem Erlös das Gemeindezentrum zu finanzieren.

25 Jahre später kaufte die zweitgrößte Jüdische Gemeinde in Deutschland das Philanthropin von der Stadt zurück, um die jüdische Schule dort unterzubringen, weil die bisherigen Räume im Gemeindezentrum zu klein geworden waren. Mit Beginn des Schuljahrs 2006/2007 und nach umfangreicher Sanierung werden rund 400 jüdische und nichtjüdische Kinder in der „I. E. Lichtigfeld-Schule im Philanthropin” unterrichtet.  

 

Die Lichtigfeld Schule war in den vergangenen 20 Jahren im Jüdischen Gemeindezentrum in Frankfurt untergebracht. Weil es dort zu eng geworden war, hatte die Gemeinde sich entschlossen, 2004 das Philanthropin von der Stadt zurückzukaufen. Mit Unterstützung von Stadt Frankfurt und Land Hessen wurde in den vergangenen zwei Jahren der Umbau bewältigt, dessen Kosten mit zwölf Millionen Euro veranschlagt waren. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) würdigte den Mut des Gemeindevorstands, sich für die Schule im Philanthropin zu entscheiden. Die Vergangenheit, die Nazi-Zeit dürfe es nicht unmöglich machen, mit Offenheit etwas Neues zu schaffen. Die Schule sei ein Symbol für alle jüdischen Gemeinden in Hessen. Es sei wichtig zu wissen, „dass wir an einem historischen Ort sind und zu wissen, dass man in einer ganz normalen Schule ist”.

Der Schuldezernent der Jüdischen Gemeinde Dieter Graumann - wie Korn Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland - sagte, bei dem Entschluss, das Philanthropin wieder als Schule zu nutzen, habe es in der Gemeinde viele Kritiker gegeben. „Einige davon sitzen auch hier.” Durch den Umzug ins Philanthropin könne die Schule jetzt noch mehr nichtjüdische Schüler aufnehmen. Das biete die Chance für ein „Zusammenleben im Kleinen”. Schulleiterin Alexa Brum meinte, die jungen Menschen sollten in der Schule „zu traditionsbewussten, selbstbewussten Juden und selbstbewussten Bürgern” werden. „Die Mitgestaltung des Schullebens und die Übernahme von Verantwortung müssen selbstverständlich sein.”

Schule im Philanthropin

Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt hat gestern wieder eine Schule im historischen Philanthropin eröffnet. In der I. E. Lichtigfeld Schule werden rund 400 Kinder - jüdische und nichtjüdische - unterrichtet. Die Ganztagsschule hat einen Gymnasialzweig. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Salomon Korn, sagte, die Jüdische Gemeinde übergebe das Philanthropin nach umfangreicher Sanierung wieder seiner ursprünglichen Bestimmung. Hier sollten jüdische Kultur, Tradition und Wissen im humanistischen Gedanken gelehrt werden. Philanthropin heißt „Stätte der Menschlichkeit”.

Das Philanthropin war 1804 von der Israelitischen Gemeinde Frankfurts als „Schul-und Erziehungsanstalt für arme jüdische Kinder” gegründet worden. 1908 zog die Schule in das neu errichtete Gebäude im Nordend. Die Nationalsozialisten schlossen die Schule und richteten dort ein Reservelazarett ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Jüdische Gemeinde das Haus zurück, verkaufte es aber 1979 an die Stadt, um mit dem Erlös das Gemeindezentrum zu finanzieren.

Die Lichtigfeld Schule war in den vergangenen 20 Jahren im Jüdischen Gemeindezentrum in Frankfurt untergebracht. Weil es dort zu eng geworden war, hatte die Gemeinde sich entschlossen, 2004 das Philanthropin von der Stadt zurückzukaufen. Mit Unterstützung von Stadt Frankfurt und Land Hessen wurde in den vergangenen zwei Jahren der Umbau bewältigt, dessen Kosten mit zwölf Millionen Euro veranschlagt waren. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) würdigte den Mut des Gemeindevorstands, sich für die Schule im Philanthropin zu entscheiden. Die Vergangenheit, die Nazi-Zeit dürfe es nicht unmöglich machen, mit Offenheit etwas Neues zu schaffen. Die Schule sei ein Symbol für alle jüdischen Gemeinden in Hessen. Es sei wichtig zu wissen, „dass wir an einem historischen Ort sind und zu wissen, dass man in einer ganz normalen Schule ist”.

Der Schuldezernent der Jüdischen Gemeinde Dieter Graumann - wie Korn Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland - sagte, bei dem Entschluss, das Philanthropin wieder als Schule zu nutzen, habe es in der Gemeinde viele Kritiker gegeben. „Einige davon sitzen auch hier.” Durch den Umzug ins Philanthropin könne die Schule jetzt noch mehr nichtjüdische Schüler aufnehmen. Das biete die Chance für ein „Zusammenleben im Kleinen”. Schulleiterin Alexa Brum meinte, die jungen Menschen sollten in der Schule „zu traditionsbewussten, selbstbewussten Juden und selbstbewussten Bürgern” werden. „Die Mitgestaltung des Schullebens und die Übernahme von Verantwortung müssen selbstverständlich sein.”

 

Das Philanthropin ist 1804 als „Schul- und Erziehungsanstalt für arme jüdische Kinder” gegründet worden. Die einst größte jüdische Schule Deutschlands stand von 1811 an auch nicht-jüdischen Kindern offen. „Philanthropin” heißt „Stätte der Menschlichkeit“. Von 1819 an wurde die Schule von der Israelistischen Gemeinde Frankfurts finanziert. Im Jahre 1908 zog sie in das neu errichtete Gebäude im Nordend. Die Nationalsozialisten schlossen die Schule 1942 - wie alle noch existierenden jüdischen Schulen - und richteten dort ein Reservelazarett ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Jüdische Gemeinde das Haus zurück.

Im Jahre 1979 verkaufte sie es an die Stadt, um mit dem Erlös ihr neues Gemeindezentrum finanzieren zu können. 25 Jahre später kaufte die zweitgrößte Jüdische Gemeinde in Deutschland das Philanthropin von der Stadt zurück, um die jüdische Schule dort unterzubringen, weil die bisherigen Räume im Gemeindezentrum zu klein geworden waren. Mit Beginn des Schuljahrs 2006/2007 und nach umfangreicher Sanierung werden rund 400 jüdische und nichtjüdische Kinder in der „I. E. Lichtigfeld-Schule im Philanthropin” unterrichtet (Oktober 2006). 

 

Gewässer

 

Gewässer-ABC

Ein See ist ein größeres, stehendes Gewässer im Landesinneren ohne direkte Verbindung zum Meer. Gespeist wird ein See durch Zuflüsse, Grundwasser oder Schmelzwasser. Ein See zeichnet sich durch seine große Tiefe aus, so dass der Gewässergrund nicht mehr von der Sonne erreicht wird. Charakteristisch für Seen sind deshalb die  in den verschiedenen Schichten unterschiedlichen Temperaturen, die jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen sind.

Weiher ist - per Definition - ein natürlich entstandener, flacher See. Selten ist ein Weiher tiefer als zwei Meter. Häufig ist ein Weiher der letzte Rest eines Sees.

Ein Teich ist ein künstlich angelegter Weiher. Meist haben Teiche einen Zu- und Abfluss und können deshalb trockengelegt werden.

Ein Tümpel ist ein meist nur wenige Dezimeter tiefes Gewässer, das durch starke Wasserspiegelschwankungen geprägt ist - es läuft mal über oder fällt im Extremfall sogar trocken. Gespeist werden Tümpel vom Regen oder Grundwasser, durch Zuflüsse oder Überschwemmungen. Es gibt Quell- und Auentümpel, Moortümpel, Karsttümpel und Überschwemmungstümpel.

 

Frankfurt-Schwanheim:

Der Rohsee zog sich noch vor 100 Jahren als feuchte Senke vom damaligen Dorf Schwanheim bis in den Schwanheimer Wald. Das Gewässer hat keinen Zufluss, sondern verändert je nach Grundwasserstand seine Tiefe. In Phasen großer Trockenheit, etwa in den 70er Jahren, ist der 1,2 Hektar große See auch schon völlig trocken gewesen. Zum ersten Mal ist dieses Trockenfallen in alten Chroniken 1474 erwähnt.

Die Wildschweine sind in diesem Sommer nicht auf ihre Kosten gekommen. Zwar trug der Rohseeweg auf ganzer Länge die Spuren ihrer Wonne: zerwühlt, zerwälzt, umgegraben war die Erde. Doch der Genuss des Tobens und Würmerwühlens im feuchten Matsch blieb den Sauen verwehrt. Kaum Regenwürmer in den staubtrockenen Bröseln.

Es ist ein heißer Augusttag, an dem wir den Schwanheimer Förster Holger Scheel am Rohsee treffen. Er ist überzeugt, dass Wildschweine, auch wenn man sie nicht sieht, da sind. Er deutet nach Osten zum Schilf: „Da liegen sie tagsüber im Schlamm. Versunken bis zum Bauch. Das mögen die bei der Hitze.“ Wir fänden das auch nicht schlecht. Nur würde sich kein Mensch in das von Wasserlinsen übersäte Wasser des Rohsees werfen, erst recht, wenn er Sauen in der Nähe wüsste.

Der Rohsee verlockt nicht zum Baden. Die sumpfige Feuchte zwischen Main und Kelsterbach betört mehr von außen - ein Erlenbruch, der seinen Zauber wohl vor allem frühmorgens im November entfaltet, wenn Nebelschwaden emporsteigen und die Stelzwurzeln der Schwarzerlen umspielen. Tolkien-Fans meinen angesichts

der bizarren Landschaft den heißen Atem der Nazgul zu spüren. Um den Rohsee liegt eine gruselig-schöne Märchenlandschaft.

Für Naturliebhaber ist dort ein interessantes Kleinod, das längst auf der Vorschlagsliste des Regierungspräsidiums Darmstadt für den europäischen Biotop-Verbund Flora-Fauna-Habitat (FFH) steht. Der Rohsee hat keinen Zufluss. Das stehende Gewässer ist aus einem ehemaligen Altarm des Mains entstanden und führt je nach Grundwasserstand mal mehr, mal weniger Wasser. In den 70er Jahren, der letzten großen Trockenheitsphase, war es weniger: Zeitweise war der See fast vollständig trockengefallen, ebenso wie die Bäche drumherum. „Da hätte man zu Fuß durch den Rohsee laufen können“", weiß Scheel. „Die Eichen sind abgestorben, weil es zu wenig Wasser gab.“

Bei niedrigem Wasserstand wie in diesem Sommer können Spaziergänger ausgiebig die seltsamen Wurzelstöcke der im Wasser stehenden Schwarzerlen bewundern. „Wie Stelzen oder die Wurzeln amerikanischer Mangroven fahren die Erlen ihre fühlerartigen Wurzeln aus und suchen so Halt im weichen Untergrund“, erklärt Scheel. Ein weiterer Grund für die ungewöhnliche Wurzelform sei jedoch die jahrhundertelang hier gepflegte Form der Bewirtschaftung: Erlenstämme wurden gerne ausgehöhlt und als Brunnenrohre genutzt, weil das Holz nicht so schnell fault. Also seien die Bäume alle 100 Jahre gefällt worden. Aus den Wurzelstöcken schlugen neue Bäume aus. „Wir gehen davon aus, dass die Wurzelstöcke tausend, auf jeden Fall aber mehrere hundert Jahre alt sind“, sagt Scheel. Um die gewaltigen, längst hohlen oder faulen Wurzelstöcke müssen sich die neuen Wurzeln erst - stelzenartig - ihren Weg bahnen. Die gegenwärtig himmelsstürmenden Schwarzerlen haben ein Alter von etwa 125 Jahren erreicht und werden der Axt nicht mehr zum Opfer fallen.

Ein kleiner Urwald ist am nicht mehr bewirtschafteten Rohsee entstanden, wo tote Bäume eben umfallen und liegen bleiben, Bis irgendwann ein Sumpf daraus wird, sagt Förster Scheel. Morsche Aste brechen ab, Stämme bersten in Stürmen auseinander. Wie jene Erle mitten im Wasser, deren Bruchstelle im Stamm noch so frisch ist, dass das Holz rötlich leuchtet.

Bei Wind und Sturm sollte deshalb keiner am Rohsee entlang spazieren. Zwar achtet das Forstamt darauf, dafür Sorge zu tragen, dass keinem Spaziergänger ein Ast auf den Kopf fällt. Aber im „Schwanheimer Urwald“, wie Heimatforscher Wilhelm Kobelt den Rohsee nannte, ist das bei starkem Wind nicht auszuschließen“, betont Scheel.

Kaum vorstellbar, wie es hier noch im 19. Jahrhundert ausgesehen haben soll: eine lichte Landschaft wie in einem Park? Wie auf den Bildern der Kronberger Künstlerkolonie, die gerne auf die Schwanheimer Wiesen zog, um die prächtigen Eichen mit ihren ausladenden Kronen auf der Leinwand festzuhalten?

Scheel nickt und deutet auf die wuchtigen Eichenstämme, die sich im Gewirr der Schwarzerlen versteckt halten: Hute-Eichen. „Hunderte Jahre lang haben die Bauern ihre Schweine von den Pferchen an Ober- und Unterschweinstiege morgens in den Wald getrieben und unter den mächtigen Eichenkronen gehütet.“ Die Schweine, Ziegen und Schafen fraßen alles, was frisch und appetitlich war. Außer den nahrhaften Eicheln auch Pflanzentriebe: Neben den mächtigen Eichen kam nichts hoch - so entstand der vermeintliche Park auf den Bildern der Kronberger Künstler.

Die mehrere hundert Jahre alten Eichen am Rohsee machen es möglich, dass hier der seltene Mittelspecht einen Lebensraum gefunden hat, wie das Forschungsinstitut Senckenberg bei seiner Biotopkartierung vor zwei Jahren festgestellt hat. Der braucht nämlich einen Eichenbestand, der älter als 100 Jahre ist.

Die von dem Specht mit der roten Kappe auf dem Kopf (der Buntspecht hat nur einen roten Fleck im Nacken) mit Fleiß gebauten Höhlen ziehen Folgenutzer wie Hornissen, Fledermäuse und Hohltauben an. Flatterulmen mit ihren mächtigen Brettwurzeln - die wie ein hochkant gelegtes Zwei-Meter-Brett Halt im morastigen Untergrund suchen. Winterlinden, Sumpfschwertlilien und Sumpfdotterblumen runden das Pflanzenbiotop ab.

Bei den Tieren sind der vom Aussterben bedrohte Springfrosch, der Seefrosch, der Ulmenzipfelfalter, der stahlblaue Erlenblattkäfer und die Gemeine Winterlibelle ebenso zu nennen wie 42 Brutvogelarten, die die Fachleute vom Senckenberg-Institut hier gezählt haben. In diesem Jahr hat Scheel auch drei Stockentenpaare gesichtet, die sich auf die im Wasser stehenden Wurzelstöcke zurückziehen, wo sie geschützt vor Fuchs, Iltis und Marder brüten können.

Trocken ist es hier in den vergangenen sechs Jahren nicht mehr gewesen. Vor ein paar Jahren mussten die Förster sogar erstmals nach 30 Jahren wieder die Rohre unter der Wanzenschneise öffnen, damit das Wasser aus dem Rohsee Richtung Riedwiese abfließen kann. Dort stehen die Stauden, zunehmend auch Schilf, mannshoch im sumpfigen Untergrund. Scheel deutet zu den Waldrändern, wo drei Meter hohe Bäumchen keck aus dem Staudendickicht hervorlugen: „Da sieht man schon, wie die Erlen reinkommen.“ Ein Erlenbruch in Arbeit gewissermaßen.

Die neueste Auflage der Grüngürtelkarte verzeichnet den im äußersten Nordwesten des Schwanheimer Walds gelegenen Rohsee endlich auch. Scheel: „Weil hier Bäume stehen, galt das immer als Wald.“

 

Wie die Stillgewässer in Frankfurt entstanden sind:

In ganz Frankfurt gibt es nicht einen natürlich entstandenen See. Dafür aber mehr als 50 Gewässer - Weiher, Teiche und Tümpel. Aufgestaute wie den Jacobi-Weiher im Stadtwald, frühere Kiesgruben wie die Schmitt’sche Grube in der Schwanheimer Düne, Alttarme des Mains wie das Enkheimer Ried, Löschwasserteiche wie der Rechneigrabenweiher, Hafenbecken wie der Schwedler See.

Altarme des Mains: Nach der Eiszeit vor 12 000 Jahren bildete der Main durch die Felsbarriere, die zwischen Röderberg und Mühlberg lag, Seitenarrne aus. Zwei solcher Flußarme formten sich im Gebiet des heutigen Erlenbruchs und im Bereich Seckbacher und Enkheimer Ried. Die zwei Arme verbanden sich auf dem Gelände des heutigen Ostparks. Im Laufe der Jahrhunderte versandeten die Mainarme mehr und mehr. Es entstanden Auenund Bruchwälder. Auf dem tonigen Untergrund der Auen bildeten sich Stillgewässer und nasse Zonen, die es bis heute gibt, darunter Riedteich, Bachrainweiher, Sausee, Erlenbruch und Ostparkweiher. Aktuell wird geplant, die alte Fließverbindung zwischen Enkheimer und Seckbacher Ried zum Ostparkweiher wiederherzustellen, auch um die Wasserqualität im Ostparkweiher zu verbessern. Auch der Rohsee im Schwanheimer Wald ist ein Rest eines weiteren Altarms des

Aufgestaut ist in Frankfurt eigentlich nur ein Gewässer - der Jacobiweiher im Stadtwald, gleichzeitig die größte stehende Wasseroberfläche Frankfurts. Ursprünglich war er als Hochwasserrückhaltebecken geplant, um den Sachsenhäuser Riedhof besser zu schützen. Der Weiher, der eigentlich ein Teich ist, entstand durch den aufgestauten Königs- oder Luderbach.

Kiesgruben gibt es viele in Frankfurt: darunter die Teiche in der Schwanheimer Düne, den Fechenheimer Weiher und den Kesselbruchweiher im Stadtwald, wo die Bauindustrie Kies und Sand gewann.

 

Tongruben: Weil die Oberräder Töpfer Ton abbauten, entstanden Geländemulden im östlichen Stadtwald, die sich später mit Wasser füllten, wie der Maunzenweiher.

Torfstich ist die Ursache für die Entstehung des Riedsees im Enkheimer Ried.

Hafenbecken: Aus dem Aushub für ein Reservehafenbecken, das nie gebraucht worden ist, ist der grundwassergespeiste Schwedler See im Osthafen hervorgegangen.

 

Künstlich angelegte Teiche bilden die Mehrheit der Gewässer in Frankfurt. Vor allem in den Wallanlagen sind bereits im 19. Jahrhundert künstliche Becken angelegt worden, die je nach Zeitgeschmack gestaltet und zum Teil auch als Löschwasserteiche verwendet worden sind. Darunter sind der Rechneigrabenweiher, der Odeon- oder Bethmannweiher und der Teich in der Bockenheimer Anlage.

Burggraben sind der Teich um das Holzhausenschlösschen, der Schelmenburgweiher und der Weiher im Bernuspark.

Auffanghecken für das Drainagewasser beim Bau der Autobahn A 3 im Jahr 1958 war ursprünglich der Försterwiesenweiher im Stadtwald.

Versickerungsbecken: Den Tiroler Weiher im Stadtwald haben die Stadtwerke 1907 als Versickerungsbecken für das damals noch saubere Mainwasser angelegt.

 

Scherbelino-Weiher

Rostrotes Wasser? Kann doch nicht stimmen. Weiherwasser hat blau zu sein, grün oder braun-schlammig, aber rostrot? Muß geschwindelt sein. Von weitem bestätigt die stahlblau schimmernde Wasserfläche im Sonnenlicht: Da hat Eckhard Krumpholz vom Umweltamt wohl ein bißchen geschwindelt. Oder? Doch Krumpholz bleibt fest. „Glauben Sie mir, das Wasser ist rostrot.“. Am Ufer angekommen, erweist sich das sture Beharren des städtischen Gewässerexperten als schlichtes Recht haben: Das Wasser des Weihers am ehemaligen städtischen Müllberg Monte Scherbelino ist rot. Rostrot, rotbraun. Aber sehen kann man das nur im flachen Wasser am Ufer.

Warum der Anfang der 60er Jahre entstandene Weiher diese Färbung zeigt, wissen auch der für die Sanierung des Monte Scherbelino Zuständige Pavlos Pavlakis wie der Frankfurter Hochbau AG und Dieter Kraft vom Umweltamt nicht mit Sicherheit zu sagen. „Eisen, Mangan, Huminstoffe - Stoffe also, die nach der Zersetzung von organischen Stoffen entstehen,“ sind schuld and er Farbe, mutmaßen die beiden. Daß es vor allem am Eisen liegt, darauf deutet zumindest der laut Pavlakis astronomisch hohe Eisenwert von 41,4 Milligramm pro Liter an einer Meßstelle.

Ein Müllberg als Paradies für Naherholungssuchende? Die ohnehin schon bizarre Vorstellung, daß sich in den 70er Jahren die Frankfurter in Scharen Richtung Neu-Isenburg aufmachten, um kurz vor der Stadtgrenze einen Müllberg zu besteigen, hier zu grillen, sonnenzubaden und zu toben, wird auf dem Weg zum Monte vollends zur 70er-Jahre-Schrulle. Lastwagen an Lastwagen zieht vorbei. Brüllender Lärm. Staub. Fluchtinstinkt. Seit Mitte der 90er Jahre wird am Monte Scherbelino saniert - für rund 75 Millionen Euro. Um die Ende der 80er Jahre entdeckte Verunreinigung des Grundwassers zu verhindern, haben die vom Umweltamt beauftragten Firmen eine 1800 Meter lange Schlitzwand in den Tonboden gerammt und so eine Art Topf hergestellt, auf den jetzt und laut Pavlakis bis Anfang 2007 eine Art Deckel kommt: Eine 60 Zentimeter dicke Tonschicht und darüber zwei Meter rekultivierter Boden sollen dafür sorgen, daß oben kein Regenwasser reinfließt. Die Betonwand mit innenliegender Folie rund um den Berg (der Topf soll verhindern, daß unten schadstoffbelastetes Wasser die Deponie verläßt) auf daß das 800 bis 1000 Meter rund um Müllberg verseuchte Grundwasser in paar Jahren wieder giftfrei ist.

Im Monte-Weiher baden? Pavlakis schüttelt heftig den Kopf: Nein, das würde ich nicht machen.“ Zehn bis 15 Jahre, glaubt er, dauert es, bis die Schadstoffe weg sind“. Anorganische und organische Schadstoffe seien das vor allem, Benzol etwa, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Adsorbierbare organische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Halogenierte Kohlenwasserstoffe (HKW). Erst seit fünf Monaten wird das kontaminierte Grundwasser am Monte abgepumpt und über eine Sickerwasserreinigungsanlage geführt. „Nach und nach müßte[aber die Qualität des Weiherwassers besser werden“, sagt Pavlakis. Doch das kann lange dauern. Wie lange? Pavlakis zuckt die Schultern und schweigt. Weiß keine.

Da Umweltamt muß höllisch aufpassen, daß der Weiher einen bestimmten Wasserstand nicht übersteigt: „Dann besteht die Gefahr, daß das Weiherwasser in den Main fließt,“ sagt Krafft. Zwei bis drei Wochen lang seien beim jüngsten Hochwasser im Februar im Auftrag des Umweltamts täglich fünf bis sechs Tankwagen mit abgepumptem Weiherwasser in die Kläranlage Niederrad gefahren worden. Dieses Jahr werde das wegen der langen Trockenheit im Supersommer 2003 vermutlich kein Problem  werden, hofft Krafft: „Der Wasserstand ist extrem niedrig, 70 oder 80 Zentimeter unter normal.“

Warum die Insider im Umweltamt den Weiher „Schwarzes Meer“ nennen, kann Pavlakis erklären: Wenn Eisen oxidiert, verbraucht es Sauerstoff. Unter der obersten Wasserschicht ist im Scherbelino-Weiher ist deshalb alles so tot wie im Schwarzen Meer.

Aus heutiger Sicht ist das nur schwer vorstellbar. Bei Wasserproben, die an der Oberfläche genommen werden,

seien zwar fünf bis sechs Milligramm Sauerstoff pro Liter gemessen worden. „Das ist ein guter Mittelwert“, sagt Pavlakis. In den Brunnen rund um den Weiher sei dagegen kein Sauerstoff mehr meßbar.

Früher soll es noch Leute gegeben haben, die im Weiher gebadet haben. Beim Lärm der minütlich  auf den Berg fahrenden Lastwagen ist es schwer eine zukünftige Idylle am Monte mit dem inneren Auge gedeihen zu lassen. Aber wer weiß: Wenn, sagen wir, 2020 erst wieder Bäume ihre Blätter auf dem längst verlassenen Berg entfalten und das letzte Kohlenwasserstoffteilchen vor Jahren im Weiher nachgewiesen wurde, wird hier vielleicht auch wieder geplanscht. Rostrot wird der Müllberg dann wohl immer noch sein.   

Der Weiher am städtischen Müllberg Monte Scherbelino ist ein grundwassergespeister ehemaliger Steinbruch. Er ist etwa 1,5 Hektar groß, inklusive der 700 Quadratmeter großen Insel und hat eine durchschnittliche Wassertiefe von 1,80 Metern.

Auf der benachbarten Mülldeponie lagerte die Stadt Frankfurt zwischen 1925 und1968 rund 20 Millionen Kubikmeter Haus- und Industriemüll ab. So entstand der „Monte Scherbelino“ auf 24 Hektar Grundfläche. Wegen der auf dem Müllberg häufig entstehenden Brände legte die Stadt den Weiher als Löschteich an. Das Wasser, das oben auf den Brandherd gespritzt wurde, floß unten wieder in den Weiher zurück - belastet mit ausgespülten Schadstoffen, wie Ende der 80er Jahre entdeckt wurde. Von 1972 bis 1992 diente der „Monte Scherbelino“ als gern besuchter Naherholungspark. Danach wurde er geschlossen. Wenn etwa 2010, die Sanierung beendet ist und die Pflanzen Zeit hatten, das aufgeschüttete Erdreich mit ihren Wurzeln festzuhalten, sollen die Frankfurter wieder „zur stillen Erholung“ herkommen dürfen.

 

Ostparkweiher

Was für ein wüster Sommer für die Wasservögel im Ostparkweiher. Drei oder vier Schwäne, ein paar Stockenten und Wasserhühnchen - alle tot. Insgesamt elf Tiere. Kein wildgewordener Jäger war’s. Auch keine außer Rand und Band geratenen Jugendlichen. Kein Barbecue-Fan, der sich eine Ente auf den Rost legen wollte - Bakterien waren es. Sie haben die Viecher um die Ecke gebracht. Davon geht Thomas Diekmann vom Grünflächenamt aus. Aber wir haben nicht alle Vögel untersucht. Zu teuer und vor allem zu langwierig.

Keine Zeit: Nach der ersten einwandfreien Diagnose „Botulismus“ war schnelles Handeln angesagt. Aber in einem städtischen Gewässer weiß man natürlich nie so genau, was die Ursache plötzlicher Todesfälle ist. Schließlich verhalten sich die Stadtmenschen in ihrem wohlmeinenden Drange nicht immer ganz tiergerecht. Findet auch Diekmann: Idiotischerweise werden die Vögel ja immer noch gefüttert. Ganze Brotlaibe schwimmen da im Wasser. Die sinken dann auf den Boden und verfaulen. Und die Grillfreunde werfen ohnehin alles mögliche rein. Aber nicht nur die. Einkaufswagen, Fahrräder, Gemüsekisten, Autoteile. Alles schon da gewesen. Könne durchaus sein, daß sich der eine oder andere Schwan auch einfach nur den Magen verdorben hat und daran verendet ist.

Aber bei den meisten Vögeln dürfte die Todesursache feststehen: Botulismus. Eine auch beim Menschen als so genannte Wurstvergiftung bekannte, durch ein Nervengift ausgelöste Krankheit, die zunächst zu Muskelversagen führt und tödlich verläuft. Gut, daß der Wasservogelerreger eine andere Sorte ist, als jener, der für den Menschen gefährlich werden kann. Keine Sorge, beschwichtigt Diekmann deshalb: Für Menschen ist der Ostparkweiher nicht gefährlich. Auch Klaus Richarz von der Vogelschutzwarte hält den Ball flach: „Elf tote Vögel sind noch keine Seuche.“ Er nennt spektakuläre Botulismusfälle, auch in Deutschland, da waren tausende Vögel tot“.

Als zu Beginn der Sommerferien das Bakterium in einem toten Vogel gefunden wurde, hat das Grünflächenamt schnell reagiert. Zu spät, wie einige Ostparkanwohner fanden, die schon Wochen zuvor tote Vögel gesichtet und gemeldet hatten. Denn bei Verdacht auf Botulismus müssen die Kadaver dringend aus dem dieses Jahr bis zu 28 Grad warmen Wasser geholt werden, weil sie die gefährlichsten Seuchenherde sind. Wenn sich erst Fliegen auf die Kadaver setzen, die diese fressen, können auch Singvögel vom Himmel fallen, sagt Richarz. Sonst sind vor allem Enten und Gänse, aber auch Schwäne betroffen, die mit dem Schnabel im Schlamm gründeln und so die dort stets vorhandenen, im aufgeheizten Wasser aber keimenden Sporen aufnehmen.

So schnell wie möglich muß bei Botulismus der Sauerstoffgehalt im Weiher erhöht, die Wassertemperatur gesenkt werden. Dumm nur, daß ausgerechnet in diesem Sommer der Grundwasserbrunnen am Nordufer verschlammt war und erst im September wieder zur Verfügung stand. Also wurde von der ersten Juliwoche an kostbares Trinkwasser in den Weiher gepumpt. Insgesamt 1000 Kubikmeter in vier Wochen. Erst nachdem eine Leitung gelegt wurde, übernahm der Grundwasserbrunnen im Bürgergarten, südwestlich des Weihers den Job.

 Zum Sprudler im nördlichen Gewässerteil gesellte sich während der Sommerwochen ein zweiter im Süden, um laut Diekmann mehr Sauerstoff in den Weiher zu blasen.

Richarz ist zufrieden damit, wie das Grünflächenamt die Krise gemanagt hat. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht, daß schon zu Beginn des Sommers ein toter Schwan gefunden wurde. Ein Warnsignal. Künftig muß man einfach sofort das Schlimmste befürchten. Beim geringsten Verdacht die Kadaver rausholen und Frischwasser zuführen.

Daß die gefährliche Nervenkrankheit ausgebrochen ist, mag laut Richarz auch daran liegen, daß sich fast zu viele Wasservögel am Ostpark tummeln: Schwäne, Graugänse, Bleßhühner, Stockenten, grünfüßige Teichhühner, Graureiher und Kormorane in rauhen Mengen. Bei den Fischen, die immun gegen das Botulismusbakterium sind, sieht das ganz anders aus. Egbert Korte, der kürzlich für das Forschungsinstitut Senckenberg eine Bestandsaufnahme der Fischbevölkerung im Weiher gemacht hat, ist jedenfalls nicht entzückt: Rotauge, Zander, Karpfen, Karausche und Giebel - das ist ein relativ geringes Artenspektrum.

Eine Menge könnte man laut Korte machen, um den Ostparkweiher ökologisch aufzuwerten. Mehr Röhricht am Ufer wachsen lassen, Wasser- und Sumpfpflanzen, die zum Laichen für viele Fischarten wichtig sind. Auch fehle es an Flachwasserzonen mit nur zwei bis drei Zentimeter Tiefe, die die Jungfische als Rückzugsgebiet brauchen,

Botulismus ist eine durch ein Nervengift hervorgerufene Erkrankung, die zunächst zu Koordinationsstörungen führt und dann die Muskeln komplett versagen läßt. Die Wasservögel sterben an einer Lähmung von Herzmuskel oder Zwerchfell. Nicht wenige erwischt es allerdings schon vorher: Sie sterben durch Erschöpfung, an Hitzschlag oder sie ertrinken. Auch Menschen können an Botulismus erkranken. Bekannt ist es als Fleisch- oder Wurstvergiftung. Vom lateinischen Namen „botulus“ für Wurst leitet sich auch der Name der Krankheit ab. Zum Glück ist allerdings der in gekippten Seen häufig auftretende Erreger, der den Wasservögeln den Garaus macht, für Fische, Schweine und Menschen nahezu ungiftig. Die widerstandsfähigen Sporen der Botulismus-Bakterien sind laut Klaus Richarz von der Vogelschutzwarte Hessen in jedem Gewässer vorhanden. Gefährlich werde es erst, wenn der Sauerstoffanteil im Gewässer bedrohlich sinkt und dieses zu kippen droht.

In einem Gewässer wie dem Ostparkweiher, wo die Besucher oft Essensreste vom Grillen oder Brot zum Entenfüttern ins Wasser werfen, ist der Nährstoffgehalt ohnehin meist sehr hoch. Bei hohen Temperaturen wie in diesem Sommer führt das zu enormem Algenwachstum. Dadurch wird noch mehr Sauerstoff verbraucht. Im aufgewärmtem Wasser löst sich der Sauerstoff obendrein schlechter als sonst. Besonders im schlammigen Uferbereich keimen die gefährlichen Sporen aus. Kadaver von bereits am Botulismus gestorbenen Vögeln sind besonders gefährliche Giftherde, die zu einer rasanten Ausbreitung führen können, wenn sich Fliegen auf sie setzen.

 

Bethmannpark

Mitten in der City, umtost von Verkehr, liegt der Bethmannpark wie eine Oase, grün, blumig, friedlich. Hektik und Stress sind wie weggewischt. Mütter und Kinder, Rentner, Banker und Arbeitslose genießen einträchtig Frankfurts kleinsten, intensivst gepflegten Park. Was ihn vor allem auszeichnet, ist der chinesische Garten: ein fernöstliches Idyll auf rund 4000 Quadratmetern. Pavillon, Tore, Brücke, die steinernen Löwen, 22 Landschaftsfenster, alles stammt aus dem Reich der Mitte, hergestellt in Handarbeit.

Für den Bau kamen eigens 16 chinesische Facharbeiter her. Mit ihnen gemeinsam hat Diplomingenieur Werner Breuckmann vom Grünflächenamt, der sich damals drei Wochen in China aufhielt, das Werk in die Tat umgesetzt, von Mai bis September 1989. Am 7. Oktober vor 14 Jahren war Eröffnung. Seitdem rauscht der Wasserfall; Ingwer, Weide und Bambus sprießen; Maulbeer-, Amber- und Pfirsichbaum wiegen sich im Wind. Fische gleiten durch den Teich, und die weiße Marmorbrücke hält dank ihrer Zick-Zack-Form böse Geister ab: Die können bekanntlich nur geradeaus gehen. Das harmonische Flair zieht viele an.

Zeichner skizzieren Natur-Motive, Fotografen nehmen Models vorm Pavillon auf, und regelmäßig trainiert eine Tai Chi-Gruppe hier. Über die Bedeutung der Dinge und Pflanzen ist am Mittwoch, 1. Oktober, mehr zu erfahren, wenn Breuckmann 20 FR-Leser durch den Garten führt. Er heißt „Frühlingsblumengarten“ mit dem Schwerpunkt Pflanzen, originalgetreu aus der Provinz Anhui westlich von Shanghai.

Beim Aufbau traf moderne westliche Technik auf uraltes chinesisches Handwerk. „Alle Gerüste waren aus Bambus“, erinnert sich Breuckmann schmunzelnd. In seinen 33 Jahren bei der Stadt, davon 26 als Abteilungsleiter der Grünanlagen-Unterhaltung, ist der „Frühlingsblumengarten“ wohl Breuckmanns schönstes Projekt. Im Bethmannpark war der Boden gut bereitet - seit 200 Jahren: Die Familie von Bethmann begann bereits, Pflanzen aus Übersee und fernöstliche Gehölze im Park anzusiedeln. Wegen dieser gewachsenen Struktur sollte im Jahre 1983 der chinesische Garten Münchens in den Bethmannpark verlegt werden.

Die Bayern-Metropole behielt dann ihren Garten doch lieber, und Frankfurt übernahm die Idee, um sie schließlich wahr zu machen im direkten Fernost-Kontakt.

„Für China“, sagt Breuckmann, „war es der erste exportierte Garten.“ Und er gelte bis heute in Fachkreisen, hiesigen wie dortigen, als der schönste chinesische Garten außerhalb Chinas. Ein Hügel, um dem Himmel und Buddha ein Stück näher zu sein, fehlt darin natürlich nicht. Er bietet dazu Aussicht auf krasse Kontraste: dort rasender Verkehr, hier fernöstlich-ruhige Natur - zwei Welten hüben und drüben der weißen Mauer.

 

Universitätsteich

Sehnsüchtig blickt die Dame hinab ins Wasser. Dorthin, wo weißer Schaum auf der Wasseroberfläche kreist, wo das Sonnenlicht in abertausend kleinen Bläschen reflektiert wird. Lange Zeit hat sie hier nicht gesessen, war fast 50 Jahre lang ihres Platzes verwiesen. Denn so unverhüllt wie sie dort auf der Balustrade thront, hätte sie zur sittlichen Gefahr werden können für die amerikanischen Soldaten.

 

So dachte angeblich Mamie Eisenhower, die Gattin des damaligen Generals und hatte für den Abtransport der Nymphe gesorgt. Erst 1991 kehrte die Statue „Am Wasser“, von dem Künstler Fritz Klinisch geschaffen, zurück an ihren Bestimmungsort: An die Nordseite des Wasserbeckens auf dem Gelände des Poelzig-Baus, dem heutigen Campus Westend.

An sonnigen Tagen sitzt die Nymphe hier nicht allein, sie ist umringt von jungen Menschen. Studierende, die auf dem Rand des Wasserbeckens die Zeit zwischen Vorlesung und Seminar überbrücken oder sich vom Lernen in der Bibliothek erholen, essen, lesen, Neuigkeiten austauschen, träumen. Am vorderen Teil des Beckens spenden zwei mächtige alte Weiden Schatten. Ihre langen Äste reichen bis ins Wasser, der Wind lässt sie hin und her taumeln. Stark beschädigt seien die Bäume gewesen, als die Universität das Gelände übernommen hat, erzählt Peter Rost, Leiter der Planungsabteilung der Universität.

„Wir haben sie wieder aufgepäppelt“. Die Gartenanlage rund um das Wasserbecken wurde nach den alten Pflanzplänen wieder aufgebaut.

An der rechten Seite des Beckens wurde eine kleine Rampe angebracht. „Damit die Enten leichter aus dem Wasser heraus kommen“, erklärt Rost. Doch heute ist das Becken leer, die Entenfamilie ausgeflogen. Die Tiere müssen sich ihr Essen hier selber suchen, erzählt Rost. „Die Studenten sind mit dem Füttern sehr zurückhaltend.“

Vielleicht sind ja auch Fische im 900-Quadratmeter-Becken. Unterhalb der Balustrade rauscht ein Wasserfall. An dessen Fuß schäumt das Wasser auf, so, als ob jemand Waschpulver in das Becken gekippt hätte. Das sei tatsächlich schon mal passiert, erzählt Rost. Grundsätzlich würden die Studenten den neuen Campus aber sehr sauber halten. „Sie identifizieren sich mit diesem Gelände.“

Obwohl das Becken nur 80 Zentimeter tief ist, kann man nicht bis zum Boden schauen. Das Wasser ist trüb, aufgewühlt durch den Wasserfall. Eigentlich darf man in das Becken nicht einsteigen, „aber davon lassen sich die Studenten natürlich nicht abhalten“, sagt Rost mit einem Achselzucken. Die Universität sei mit Bestrafungen generell sehr zurückhaltend.

Was in dem 900 Quadratmeter großen Becken schwimmt und wächst, das ist noch nie untersucht worden. „Vielleicht sind Fische drin, die jemand aus seinem Aquarium ausgesetzt hat“, sagt Eckhard Krumpholz, Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde im Umweltamt.

Anstelle eines Wasserbeckens sollte nach den ursprünglichen Plänen der I.G. Farben an diesem Ort ein Hochhaus entstehen. Nach drei Monaten wurden die Bauarbeiten dann aber aufgegeben, unter anderem weil der Boden dafür nicht geeignet war, erzählt Rost. Auch wenn die Anlage demnach aus der Not geboren wurde, passt sie sich doch harmonisch dem Gesamteindruck des Geländes an. Das Becken ist mit den für den Poelzig-Bau charakteristischen Travertin Sandsteinen eingefasst. Tritt man aus der Rotunde im Hauptgebäude hinaus ins Freie, gleitet der Blick über das Becken und dann unweigerlich hinauf zum Casino. Vorn der Terrasse dieses Gebäudes, in dem die Mensa untergebracht ist, können die Studenten bei schönem Wetter während des Essens den Blick auf das Wasserbecken genießen.

 

Palmengartensee

Verlorengehen kann man beim Bootstrip im Palmengarten nicht: Der einzige Weiher mit Bootsverleih in Frankfurt ist so klein, daß der Bootsverleiher einen -fast - immer im Blick hat. Hermann Schmidt steht von März bis Oktober im Palmengarten vor seinem kleinen Blockhaus am Weiherrand und wartet auf Kundschaft. 2,50 Euro kostet die halbe Stunde Boot fahren für Erwachsene, die zweite Person nur 50 Cent. Schmidts Vater verlieh seit 1949 die Boote am Weiher. 1974 übernahm der Sohn die 20 Polyester-Nußschalen: „Mal kommen zehn Leute, mal 30, mal 50, an sehr guten Sonntagen können es auch mal 400 sein: Ich muß halt so viel verdienen, daß ich im Winter davon leben kann.“ Sechs Wochen lang ist er in der kalten Jahreszeit damit beschäftigt, seine Flotte, von der das älteste Boot 40 Jahre auf dem Buckel hat, wieder flott zu kriegen.

Eine Bootsfahrt auf dem lauschigen Weiher mit der schwimmenden Fontäne in der Mitte und dem rauschenden Wasserfall gilt vielen Frankfurtern als ideale Kulisse für romantische Entwürfe. Kein Wunder, daß jede Menge Brautpaare hier in voller Montur aufkreuzen, um sich bootschaukelnd unterm Weidenbaum fürs Hochzeitsfoto aufnehmen zu lassen.

Hat Tradition in Frankfurt. Schließlich gibt es den Weiher im Palmengarten schon seit 1871. Und wie der für die Technik zuständige Peter Petri weiß, „gab es hier auch schon immer einen Bootsverleih“. Das Wasser im 1,2 Meter tiefen Weiber stammt aus der Quelle Leonhardsbrunnen, die aber unterschiedlich ergiebig ist. Das Regenwasser von den Wegen in der Gartenanlage im Westend wird deshalb ebenfalls in den Weiher geleitet. Die Fontäne schießt acht Meter in die Höhe. „Die schafft locker die doppelte Höhe“, versichert Petri und macht sich schon am Technikkasten zu schaffen, um die Behauptung auch gleich zu beweisen. Nur spritzt die Gischt bei Wind dann so weit, daß wir hier alle naß werden würden.

Das Regenwasser von den Dächern des Palmenhauses und der meisten Gewächshäuser wird aufgefangen und zum Gießen der Pflanzen benutzt. „Nur was dafür nicht gebraucht wird, fließt weiter in den Weiher. In den Kanal geht so gut wie nichts.“ Auch der Überlauf vom Wasserfall im Palmenhaus findet seinen Weg hierher. Das Weiherwasser selbst näßt die Rhododendron- und Heidegärten, weil die Moorpflanzen keinen Kalk vertragen. 12 000 Kubikmeter Wasser im Jahr darf der Palmengarten laut Petri aus dem eigens für die Bewässerung der Pflanzen Ende des 19. Jahrhunderts gegrabenen, 13 Meter tiefen Brunnen fördern. Doch alle Sparsamkeit wird im Supersommerjahr 2003 nur wenig helfen: Nur 266, 3 Liter Regen sind bis Ende August im Palmengarten pro Quadratmeter gefallen. jm Jahr sind es normalerweise 600 bis 700 Liter. Da sind wir weit davon entfernt.

Eine Vielzahl von Wasservögeln tummelt sich hier. Die Stockente sowieso, aber auch Streifen- und Blessgänse, Hawaii-, Kanada- und Graugänse, Teich- und Blessrallen sowie zwei schwarze Schwäne. Im Winter kommt auch der Eisvogel zu Besuch, „Nilgänse eher selten, aber da sind wir auch froh drum, die sind nämlich ganz schön aggressiv“, kommentiert Gärtner Günter Röll grinsend, der das Gewässer seit 14 Jahren gepachtet hat. Werden es mal zu viele Vögel, werden sie eingefangen und an Privatleute verkauft. „Sonst trampeln die im Frühjahr die empfindlichen Beetpflanzen kaputt und die Gärtner kriegen Anfälle.“

Röll braucht den Weiher für seine Pflegestation für Wasservögel in Maintal-Dörnigheim. Für die kranken Kormorane, Reiher, Enten, Gänse und Taucher „kann ich die Fische gut gebrauchen, die ich hier mit der Reuse raushole.“ Halbmeterlange Viecher ballen sich am Steg, der die betongefaßte, mit dem Ruderboot befahrbare Hälfte des Weihers von der schlammigen naturbelassenen mit dem malerischen, meterhohen Wasserfall trennt, und heben neugierig die Köpfe: fette Karpfen satt. Für seine kranken Vögel in Maintal holt Röll aber eher Karauschen aus dem Weiher, eine Urform des Goldfischs; auch die so genannten Giebel, die den Weiher in viel zu großer Zahl bevölkerten. Deshalb hat Röll kürzlich auch zwei Welse ins Wasser gesetzt, die der Giebelüberpopulation den Garaus machen sollen.

Eine besondere, wenn auch unerwünschte Attraktion für die Besucher sind die 37 ausgesetzten Gelbwangen- und Rotwangenschildkröten, die sich gerne auf den Baumstämmen im Wasser sonnen. Röll duldet sie achselzuckend. In heißen Sommern wie diesem versuchen sie sogar, sich statt im heißen Sand der nordamerikanischen Strände im warmen Sand der wassergebundenen Palmengartenwege zu vermehren. Die kommen nachts aus dem Weiher, pinkeln den harten Weg weich und laichen dann in einer 25 Zentimeter großen Kuhle ab.

 

Tillybad

Das seit 1994 geschlossene Tillybad in Höchst war früher einmal von der Nidda durchflossen. Heute speist Regenwasser das 30 mal 100 Meter große von Anglern genutzte Becken, das in der Sprunggrube drei Meter, sonst maximal 2,20 Meter tief ist. Zur Zeit ist der ehemalige Nichtschwimmerbereich großenteils trockengelegt: So viel Wasser ist im heißen Sommer 2003 verdunstet.

Doch auf den Wiesen hat die Angelsportgemeinschaft Schwanheim, seit zwei Jahren ohne Gewässer, weil sie ihre Angelgrube an die Trasse zwischen Leunabrücke und B 40a verloren hat, aufgeräumt: Auf der Liegewiese gleich hinter dem Eingangsgebäude türmten sich laut Eckhard Krumpholz vom Umweltamt im vergangenen Winter noch haushoch die Brombeeren und anderes Gestrüpp. Jetzt könnte man sich hier schon wieder problemlos sonnen. 1300 Arbeitsstunden haben die Angler ins Tillybad gesteckt, drei bis vier Baucontainer mit Müll gefüllt, der über den Zaun geschmissen worden war, haben am östlichen Ende des Grundstücks eine enorme Benjeshecke aufgeschichtet - aus dem Gestrüpp, das sie mühsam von Hand weggehackt haben.

Aus dem Urwald mit Schwimmbecken ist ein lauschiges, baum- und buschumstandenes Gewässer geworden, eine rauhe Parklandschaft.

Dennoch habe er als Vorsitzender des Vereins das einzige Angebot der Stadt, nämlich das Tillybad für zunächst sechs Jahre als Angelgewässer zu pachten, gerne angenommen. „Geeignet wäre das Becken, um hier die Jugend ans Angeln heranzuführen", sagt Schiefer und wird plötzlich ganz lebendig. Ich habe viele Ideen gehabt. Zum Beispiel hier Jugendzeltlager zu veranstalten mit Angelkursen, ein Fisch- und Pflanzenlehrpfad."

Das Gelände wäre ideal: Jede Menge Wiese, mit der wir ja eigentlich nichts anfangen können. Aber Schiefer wurde enttäuscht. Meine Vorstandskollegen konnten sich für die Idee nicht erwärmen. Die wollen hier wohl lieber alleine angeln. Von der 16-köpfigen Jugendgruppe, die er selbst vor Jahren aufgebaut habe, sind im Verein ohne Gewässer gerade mal ein, zwei übrig geblieben. Insgesamt zähle der Verein ohnehin nur noch 54 von einst 92 Köpfen.

Angeln ist zur Zeit ohnehin gar nicht möglich: Zu niedrig ist der Wasserstand, um das zum Weiher gewordene Becken mit Angelfischen zu besetzen. Jetzt warten die Angler auf Regen. Zwar hält sich hartnäckig das Gerücht, das früher mit der Nidda verbundene Tillybad sei grundwassergespeist. Krumpholz vom Umweltamt winkt aber energisch ab. Hier kommt nur Regenwasser rein. Also muß es erst mal ordentlich regnen, bis Fische reingesetzt werden können.

Hechte sind schon drin, 20 bis 90 Zentimeter lang. Schiefer: Die sind wohl hier reingeworfen worden, als die vom Höchster Schwimmbad drüben am Jahresende ihr Becken sauber gemacht haben. Die jetzt rausangeln? Schiefer schüttelt den Kopf Das ginge eindeutig gegen die Anglerehre. Die hätten ja keine Chance, die sind völlig ausgehungert, leben von den paar Fröschen und die Brut hat sich gegenseitig aufgefressen. Wenn man da jetzt eine Angel reinhängt, ist das Becken in zwei Tagen leer. Das sei nicht Sinn der Sache. Erst mal müssen Futterfische wie Rotauge und Rotfeder rein, damit die Hechte sich satt fressen können, dann Karpfen und Aale: Das Spannende ist ja, nicht zu wissen, was an die Angel geht.

 

Schwedler See im Osthafen

Als sie neulich bei einem kräftigen Schwimmzug etwas Glattes, Kaltes - Nasses sowieso - unter ihren Fingerspitzen fühlte, kam die Schwedler-See-Stammschwimmerin Grit ins Nachdenken: „Igitt“, es schüttelt sie heute noch, wenn sie sich daran erinnert. „Ein Löffelstör war das, habe ich mir nachher sagen lassen.“

Sie lacht und gruselt sich doch: „Muß ich eigentlich nicht haben beim Schwimmen. Ich dachte immer, Fische schwimmen weg.“ Nicht aber die 1,40 Meter langen Löffelstöre, von denen noch zwei Exemplare im Schwedler See herumschwimmen.

Vor zwölf Jahren wurden drei Störe zusammen mit einigen der bis zu ein Meter groß werdenden Chinesischen Graskarpfen ausgesetzt, um einer Schlingpflanze namens Hornkraut den Garaus zu machen, die früher den ganzen See bedeckte. Durchaus erfolgreich, wie man mit Blick auf das schlingpflanzenfreie Gewässer zugeben muß. Peter Klein von der „Frankfurter Fischer- und Schifferzunft von 945 e.V.“ stimmt kopfschüttelnd zu: Der Löffelstör sucht tatsächlich den Menschen.

Ganz dicht unter der Wasseroberfläche schwimme der Vegetarier auf Futtersuche hin und her in dem ein Hektar großen Gewässer, das offiziell keineswegs ein See ist, sondern der nicht ausgebaute Teil des Hafenbeckens im Osthafen. Das war nämlich 1908 nur bis zur Schwedler Straße ausgebaut worden. Der hintere Teil, noch rund 400 Meter weiter bis zur Intzestraße, wurde zwar ausgebaggert, hat Fritz Gottschalk, Geschäftsführer des Ersten Frankfurter Schwimmclub (EFSC), recherchiert, aber vorerst nicht genutzt. Fortschrittsorientiert wie die Stadtplaner damals waren, hätten sie wohl gedacht, daß mehr und mehr Güterverkehr auf Main und Rhein schon bald ein weit größeres Hafenbecken erforderlich machen würde. Aber dann kam der Erste Weltkrieg, die Wirtschaftskrise, dann der Zweite Weltkrieg, und inzwischen hatten sich die Güter andere Verkehrswege gesucht. Schiene, Straße und schließlich sogar die Luft. Die ausgebaggerte Grube hatte sich längst mit Grundwasser gefüllt und wurde seit 1921 mit Genehmigung der Stadt vom EFSC als Trainingsgewässer benutzt.

Training? Davon ist hier an dem idyllischen, pappelumstandenen Fleckchen nahe der Hanauer Landstraße schon lange nichts mehr zu sehen. Eine Handvoll Badegäste, Frauen und Kinder zumeist, haben ihre Handtücher auf dem schmalen, längst von der Sonne verbrannten Rasenstreifen am Südufer des Sees ausgebreitet. Ein paar haben Liegestühle aufgestellt oder es sich auf Stühlen bequem gemacht. Im von der wochenlangen Hitze lauwarmen Wasser tummeln sich vor allem die Kinder. Zwei Übungsleiter des Vereins lassen sich auf Surfbrettern treiben und von der Sonne rösten. In der nach dem Hochwasser im vergangenen Winter zerstörten und gerade erst als rot-weiß gestrichene Holzveranda wiedereröffneten Vereinsgaststätte, die 50, 60 Leuten Platz bieten würde, sitzt an diesem Nachmittag trotz brütender Hitze keiner herum.

„Das mag auch daran liegen, daß der Schwedler See nun mal kein offizielles Badegewässer ist, sondern eben ein nicht ausgebautes Hafenbecken“. Nur Mitglieder des EFSC und Menschen, die im Hafen wohnen oder arbeiten, dürfen das mitten im Hafen-Sperrgebiet liegende Grundstück betreten und im See baden - zusammen mit dem Chinesischen Graskarpfen und den beiden Löffelstören.

Wenn es nach dem neuen Pächter der Vereinswirtschaft geht, soll das bald anders werden. Laut Gottschalk hat er eine Konzession beantragt, um hier künftig nicht nur Vereinsmitglieder, sondern in der Mittagspause auch Angestellte aus den Werbeagenturen und Start-up-Firmen rund um die Hanauer Landstraße bewirten zu können.

Die Terrasse könnte im nächsten Winter wieder ein Opfer des Hochwassers werden, das dann vom Main her mit Macht in den sonst nur 2,30 Meter tiefen Schwedler See dringt. 1,20 Meter hoch stand beim letzten Mal hier das Wasser, erzählt Gottschalk. Dann kam der Frost. Küche, Einrichtung - alles hin. Der Vereinschef deutet auf einen beachtlichen Haufen Schrottholz, das die ohnehin schon schmale Liegewiese noch weiter verkleinert: „Das da ist alles, was das Hochwasser übrig gelassen hat.“

Der Schwedler See war 1921 wichtige Station des Leistungsschwimmsports in Frankfurt. Zuvor konnten die EFSC-Schwimmer nur im Main trainieren - bis zum Ersten Weltkrieg auch in der Ochs’schen Badeanstalt am Eisernen Steg - inklusive aller Widrigkeiten wie Strömung, Schiffahrt, Wellengang. „Mitstromschwimmen und Gegenstromschwimmen, zwischen Eisernem Steg und Gerbermühle“, nannte man laut Gottschalk das damals übliche Training und er urteilt bewundernd. „Enorme Leistungen waren das. Es gab ja noch keine Schwimmstile.“ Nach dem Ersten Weltkrieg war es vorbei mit dem Mainschwimmen: Zu hohe Verschmutzung wegen der Industrialisierung, nennt Gottschalk einen wichtigen Grund, außerdem waren die Anforderungen an den Schwimmsport gestiegen.“

Im Jahre 1926 wurde das Stadionbad eröffnet, es folgten weitere. Einen Abend in der Woche - mittwochs - konnten die EFSC-Schwimmer auch im ersten Hallenbad Frankfurts trainieren, dem Alten Stadtbad Mitte nahe des heutigen Börneplatzes. Als es Anfang der 60er Jahre geschlossen wurde, war der EFSC ein „VoW“ wie Gottschalk das nennt: „Verein ohne Winterbad“.

Bis in die 60er Jahre hinein trainierten die Schwimmer des mit heute 2000 Mitgliedern größten Frankfurter Schwimmvereins im Schwedler See, wo ein 50-Meter-Becken abgesteckt war. 1977 wurde der größte Teil des Sees zugeschüttet, um Platz für Lagerhallen an der Lindleystraße zu schaffen. Seit Mitte der 60er Jahre wurde nur noch in den Hallenbädern trainiert, sagt Gottschalk.

Und der Schwedler See konnte sich ganz darauf konzentrieren, Biotop und Paradies für jene Vereinsmitglieder zu sein, die sich für 10 Euro Mitgliedsgebühr im Monat das Recht erkaufen, im Sommer mitten im Osthafen mit den Fischen zu schwimmen. Schwimmen für alle? Schon oft sei das Thema gewesen, sagt Gottschalk nickend. Zu

letzt Anfang der 90er Jahre, als die EU-Badewasserverordnung verschärft wurde und eine teure 14-tägige Wasserqualitätsanalyse vorschrieb. Dabei war die Wasserqualität immer gut. Keine Kolibakterien, keine Salmonellen. „Nur die vorgeschriebenen 60 Zentimeter Sichttiefe erreichen wir nicht - wegen der Schwebealgen.“ Da Schwimmclub-Mitglieder ja schwimmen können müssen, war das kein Hindernis, nur öffentliches Badegewässer durfte der See nicht sein. Gottschalk, dem man an der stark gebräunten Haut ansieht, daß er selbst zu den regelmäßigen Besuchern des Schwedler Sees zählt, ist froh drum: Schauen Sie sich doch mal die Wiese an: Wenn hier 100 Leute sind, ist es doch voll. Nur im Wasser ist immer reichlich Platz - für die 50, 60 Mitglieder, die gewöhnlich hier planschen - und natürlich für den Löffelstör.

 

Der Erste Frankfurter Schwimmclub (EFSQ) von 1891 ist seinem Namen gemäß der älteste Schwimmverein Frankfurts mit heute rund 2000 Mitgliedern. Laut Vertrag zwischen Verein und Stadt dürfen nur die Mitglieder des Vereins, sowie Personen, die im Hafen arbeiten oder wohnen, den ein Hektar großen Schwedler See - ein nicht ausgebautes Hafenbecken im Osthafen - zum Schwimmen nutzen. Die Vereinsmitgliedschaft kostet für Erwachsene zehn Euro, für Familien 19,50 Euro im Monat. Nähere Informationen zum Verein im Internet unter www.efse.de. Der grundwassergespeiste Schwedler See, das einzige Naturbad Frankfurts, verdankt seinen Namen dem Bauingenieur Johann Wilhelm Schwedler, der Eisenbahnbrücken wie die Deutschherrnbrücke entwarf. Er ist seit 1921 Vereinsbad des Ersten Frankfurter Schwimmclubs und bietet obendrein seltenen Vogelarten wie Kormoran und Eisvogel sowie Libellen, Wasserschildkröten, Muscheln und zahlreichen Fischarten wie Schleie, Rotauge, Aal, Hecht und Karpfen einen Lebensraum. Zutrittsrecht haben auch die Angler der Fischer- und Schifferzunft, die hier von ihrem Fischereirecht Gebrauch machen können.         Frankfurt: Synagoge im Westend

Hoch wölbt sich die Kuppel als Sinnbild des Himmels, umgeben von vier Seitenschiffen mit Tonnengewölben, davor der Hof mit Säulengängen als Entree: Ein majestätischer Muschelkalk-Bau und Blickfang weithin ist die Westend-Synagoge, Freiherr-vom-Stein-Straße 30. Als einzige der Frankfurter Synagogen überstand sie, innen ausgebrannt, Hitlers Faschismus. Unter den Nazis wurde sie als Kulissenlager für das Opernhaus missbraucht und später, während der Kriegsjahre, als Möbellager „fliegergeschädigter Volksgenossen“.     

Errichtet 1910 nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Franz Roeckle, der ägyptisch-assyrische Stilformen mit Elementen des Jugendstils vereinte, ist die Westend-Synagoge seither ein Zentrum des jüdischen Lebens.

Im Hochzeitssaal backen Kinder Mazzot. Im Kiddusch-Raum erhalten Jungen an ihrem dritten Geburtstag den ersten Haarschnitt. Und im Zentrum der Synagoge mit ihren zirka 800 Sitzplätzen versammeln sich die Gläubigen. Vor einem Mosaik-Hintergrund aus Davidstern-Mustern thront der Aron hakodesch (Schrein, in dem die Torarollen aufbewahrt werden). Die Raummitte nimmt der Almemor (Pult zur Toralesung) ein. Ein jüdischer Gottesdienst kann nur stattfinden bei einer Mindestzahl von zehn jüdischen Männern (Minjan), die in der Synagoge zusammenkommen. Die Gründung der Frankfurter jüdischen Gemeinde geht auf das Jahr 1150 zurück. Nach bescheidenen Anfängen blühte sie ab 1550 zu einem Zentrum jüdischen Lebens von europäischem Rang auf.

Gleichberechtigt ab 1864, nahmen die jüdischen Frankfurter regen Anteil in Wirtschaft und Kultur, Wissenschaft und Politik. In der Gemeinde setzten sich Reformer durch, weshalb die streng Orthodoxen aus traten und ihre eigene, die „Israelitische Religionsgesellschaft“ mit der Synagoge an der Friedberger Anlage bildeten. Liberal ging es dagegen in der Westend-Synagoge zu. Der modernisierte Gottesdienst wurde zumeist in deutscher Sprache gehalten.

Als Frankfurt 1945 in Trümmern lag, gründete sich die jüdische Gemeinde Frankfurt neu - mit etwa 500 Mitgliedern. Lange Zeit gelang es nicht, einen regelmäßigen Minjan, also mit mindestens zehn jüdischen Männern, in der Westend-Syngoge einzurichten. Dr. Isaak Emil Lichtigfeld, Frankfurter Rabbiner von 1954 bis 1967, hatte außerdem Mühe, bei den wenigen Gottesdiensten zu hohen Feiertagen die gebotene Andachtsstille zu schaffen. Religiöse Disziplin ließ zu wünschen übrig. Die jüdische Gemeinde Frankfurt zählt heute zirka 7000 Mitglieder. Beim Synagogenbesuch ist Kopfbedeckung für Männer vorgeschrieben.