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Spessart I Allgemeines

 

Spessart Übersicht:

 

Rundfahrten Spessart:

 

I  Spessart allgemein

 

II  Sinntal, Kinzigtal, Nordspessart, Nordwestspessart:

1.) Sinntal: Herolz, Vollmerz, Sannerz, Weiperz Sterbfritz, Mottgers, Breunings, Willingsee,  Neuengronau, Altengronau, Zeitlofs, Schwarzenfels, Züntersbach, Bad Brückenau, Mottgers, Altengronau, Neuengronau, Wei­chersbach, Oberzell.

2.) Bergwinkel (Elm, Hutten, Gund­helm, Steckelberg,  Ramholz, Vollmerz, Brandenstein)

3.) Nordspessart: Obersinn, Mittelsinn, Burgsinn, Rieneck, Gemünden, Schönau, Langenprozelten, Sindersbachtal, Ruppertshütten, Bayerische Schanz, Rengersbrunn, Aura.

4.) Nordwestspessart: Biebergemünd (Wirtheim, Kassel, Bieber, Wiesbüttsee, Flörsbach, Kempfenbrunn,  Mosborn, Frammersbach, Partenstein, Lohrhaupten ( Abstecher Bayerische Schanz), Pfaffenhausen, Lettgenbrunn, Villbach, Forsthaus Horst , Bad Orb, Jossgrund.

 

III Kinzigtal:

1.)  Schlüchtern, nördlich Schlüchtern, südlich Schlüchtern, Steinau.

2..) Bad-Soden-Salmünster, Wächtersbach (Schlierbach)

3.)  Gelnhausen, Gründau-Lieblos, Meerholz,

4.) Linsengericht (Autobahn Gelnhausen-West, Lützelhausen, Großenhausen, Hof Eich, Geislitz, Eidengesäß, Altenhaßlau)

5.) Hasselroth

6.) Freigericht (Freigericht und Hasselroth: Autobahn Langenselbold, Neuenhaßlau,  Niedermittlau, Bernbach, Altenmittlau, Horbach, Neuses, Somborn, Gondsroth).

 

IV Kahlgrund:

1.) Großwelzheim, Dettingen, Kahl,

2.) Alzenau, Wasserlos, Hörstein, Hahnenkamm, Rückersbach (evtl. Gunzenbach, s.u.)

3.) Kahlgrund: Kälberau, Michelbach, Niedersteinbach.,

4.) Nördlicher Kahlgrund (Niedersteinbach, Dörnsteinbach, Omersbach,Geiselbach, Parkplatz Hoheberg, Huckelheim, Hofstätten,Schneppenbach über Schönberg, Krombach, Hauenstein),

4.) Nördlicher Kahlgrund: Niedersteinbach, Dörnsteinbach, Omersbach, Geiselbach, Park­platz Hoheberg, Huckelheim, Hofstätten, Schneppenbach über Schönberg, Krombach, Hauenstein.

5.) Mömbris, Feldkahl, Großkahl, Schöllkrippen, Sommerkahl (evtl. Wiesen). 

 

V Main West und Zentral:

Hinweis: Wenn man auf der Rückfahrt nicht über das Seligenstädter Dreieck fahren will, darf man nicht den Schildern A 3 und A 45 nach Hanau folgen, sondern auf der B 8 nach Norden fahren und dann am Kreisel nach Kleinostheim abbiegen.

1.) Main,  Aschaffenburg

2.) Umgebung Aschaffenburgs:

Norden: Oberafferbach, Johannesberg, Glattbach

Osten: Damm, Goldbach

Süden: Schmerlenbach, Haibach, Grünmorsbach, Dörrmosbach, Gailbach, Schweinheim, Obernau

West: Schönbusch, Nilkheim (Großostheim siehe Darmstadt-Dieburg)

3.) Großheubach, Kloster Engelthal, Klingenberg, Elsenfeld, Kleinwallstadt, Sulzbach, Soden

 

 

10.) Wenighösbach, Hösbach, Sailauf, Rottenberg, Eichenberg, Jakobsthal, Heinrichsthal,  Wiesthal, Habichs­thal, Partenstein, Neuhütten, Heigenbrücken, Laufach, Frohnhofen.

11.) Autobahnabfahrt Bessenbach/ Waldaschaff - nach der Abfahrt rechts (!) und gleich wieder rechts - Weiler - Waldaschaff -  nach links nach Rothenbuch hineinfahren – wieder ein Stück zurück und Richtung Weibersbrunn -  durchs obere Hafenlohrtal, westlich der Straße der Breitsee – an der Gabelung nicht weiterfahren nach Marktheidenfeld, sondern rechts hoch Richtung Weibersbrunn - rechts der Naturschutzpark Metzger, links Steinmühle und Steintor -  an der nächsten Gabelung nicht nach Weibersbrunn, sondern weiter nach Rohrbrunn

12.) Rohrbrunn, Dammbach, Krausenbach, Wintersbach, Neuhammer Heimbuchenthal, Mespelbrunn, Hessenthal, Heimbuchenthal, Oberbessenbach – Keilberg - Autobahn Bessenbach

13.) Eschau: Erlenbach, Mechenhard, Schmachtenberg , Röllbach, Mönchberg, Eschau, Unteraulenbach, Hobbach, Volkersbrunn, Leidersbach (Sulzbach).

14.) Miltenberg, Großheubach (Kloster Engelthal), Klingenberg,Erlenbach,Elsenfeld, Kleinwallstadt, Sulzbach (mit Buchenmühle), Soden, Ebersbach, Leidersbach, Hausen, Elsenfeld, Kleinwallstadt, Dornau.

 

 

 

VI Main Osten:

1.) Bürgstadt, Freudenberg Reistenhausen, Fechenbach, Stadtprozelten, Faulbach, Altenbuch,

2.) (Rohrbrunn) Schollbrunn, Breitenbrunn, Hasloch, Wertheim (mit Kreuzwertheim),

Homburg, Leng­furt.

3.) Weibersbrunn, unteres Hafenlohrtal, Rothenfels, Marktheidenfeld, Kredenbach, Bischbrunn.

4.) Lichtenau, Bischborner Hof, Rechtenbach, Lohr, Steinbach, Mariabuchen, Sendelbach, Pflochsbach, Neustadt.

5.) Bad Neustadt, Bad Bocklet, Bad Kissingen, Hammelburg, Karlstadt, Himmelstadt, mehrere Orte in Franken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Datei ist zum Teil noch eine Materialsammlung und noch nicht erarbeitet

 

 

Übersichtskarte:

Mit der wissenschaftlichen Aufarbei­tung der historischen Bodendenkmäler einher geht die Herausgabe von Broschü­ren, die bei der Wirtschaftsförderung und Tourismus GmbH, Barbarossastraße 28, 63571 Gelnhausen (E‑Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) erhältlich sind.           

Die neue Karte zeigt den gesamten Spessart auf einen Blick. Der Zweckverband Naturpark Hessischer Spes­sart und auf bayrischer Seite der Verein Naturpark Spessart möchten mit dieser ak­tualisierten Neuauflage mehr Menschen zum Wandern in das große Laubwaldge­biet locken. Die handliche Karte, die in dieser Form erstmals 1966 aufgelegt wurde, zeigt sämtli­che Parkplätze in dem Naturpark. Num­mern weisen den Weg zu den Informationen auf der Rückseite des Plans. Aufgelis­tet sind die Rundwanderwege mit der Stre­ckenlänge und jeweiligen Symbolen, Lehr­pfade, Grillplätze und Jugendzeltplätze.

Die Übersicht im Maßstab 1:200.000 er­setzt nicht die detaillierten Wanderkar­ten. Um einen Besuch im Spessart zu planen ist die neue Karte je­doch genau richtig. Für eine Mark ist sie unter anderem erhältlich beim Naturpark Hessischer Spessart, Barbarossastraße 20, 63571 Gelnhausen, Telefon 0 60 51/88 35 32. Zur Frankfurter Buchmesse im Herbst die­ses Jahres kündigt Frenz eine Neuauflage der topografischen Wander‑ und Freizeit­karten im Maßstab 1:50.000 an. Dieses ge­meinsame Projekt von Naturpark Hessi­scher Spessart und Landesvermessungs­amt wird mit einem informativen Begleit­heft in den Handel kommen.

Die Rad‑, Wander‑ und Freizeitkarte Spessart ist ein weiterer wichtiger Baustein, das touristische Potential des waldreichsten Mittelgebirges in Deutschland als Erholungsraum zu erschließen. Bei der Erstellung der Karte wurde die be­währte hessisch‑bayerische Zusammenarbeit unbürokratisch und zum Nutzen der touris­tischen Gäste erneut erfolgreich praktiziert.

Sehr vielfältig ist das Angebot der auf der Karte dargestellten Wege. Da ist mit Sicher­heit für die unterschiedlichsten Gruppen, die gerne mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, das Richtige dabei.

In der Freizeitkarte sind nicht nur der überregionale Radfernweg R 3 und die Hessische Apfelwein‑ und Obst­wiesenroute, der Eselsweg (von Schlüchtern nach Miltenberg) und die Birkenhainer Straße (von Hanau nach Gemünden) ‑ zwei al­te Handelsstraßen, auf denen man heute wandern kann ‑ dargestellt. Auf einer Reihe wei­terer markierter und ausgeschilderter regio­naler Rundwanderwege können die Nutzer, des neuen Kartensets auch ausgiebig die Spessartwälder genießen. Darüber hinaus bietet das Begleitheft eine Reihe von Vorschlägen zu Freizeitangeboten und Radtouren durch den Spessart, das Kin­zigtal und den angrenzenden Vogelsberg.

Die neue Karte ersetzt die beiden bisheri­gen Freizeitkarten Spessart‑Nordost und Spessart‑ Nordwest. Darüber hinaus deckt die Freizeitkarte nicht nur den Bereich des nördlichen Spessarts ab. Vielmehr sind auch weite Bereiche der Wetterau, das Kinzigtal, Teile des südlichen Vogelsbergs, des Kreises Offenbach sowie der östli­chen Rhön mit ihren Wander‑ und Rad­wegenetzen verzeichnet und beschrie­ben. Auch sind eine Reihe von touristi­schen Attraktionen, einzelne Stationen der Deutschen Märchenstraße, Freizeiteinrichtungen und Parkplätze dar­auf gekennzeichnet.

Zu dem neuen Kartenset „Spessart‑Nord“ gehören eine topografische F0reizeitkarte mit den Wander‑ und Radwanderwegen im Maß­stab 1:50.000 (einschließlich Gitter für GPS­-Nutzer), eine Übersichtskarte über den Na­turpark Spessart im Maßstab 1:200.000 so­wie ein Begleitheft zur Freizeitkarte, in dem die Städte und Gemeinden, die auf der Karte genannt sind, beschrieben werden.

Die Karte kann direkt beim Hessischen Lan­desvermessungsamt (Telefon 0611‑5355234), über den Buchhandel (ISBN‑NR.: 3‑89446­3 12‑0 oder über den Touristik‑Service der Wirtschaftsförderung (Tel. 0800‑77377278) bezogen werden. Der Preis für das Kartenset beträgt 9,50 Euro.

 

Am Ende des Kurfürstenwegs oberhalb von Lohr befindet sich eine Tafel, die über den Verlauf der Trasse der Mainzer Straße informiert. Auch heute wird ein großer Teil des Verkehrs über die Autobahn bewältigt. Der Spessart war nicht eine gottverlassene Waldöde, sondern eine gut erschlossene Waldlandschaft. Der Eindruck der Einsamkeit ergab sich durch die flachen Kämme der Hügel, verbunden mit dem dichten Waldbewuchs. Dadurch waren die in den tiefen Kerbtälern gelegenen Dörfer nicht zu sehen. Jedenfalls hat sich im Spessart noch niemand so verirrt, daß er verhungert ist.

 

 

Spessarträuber

Wer kennt nicht die Spessarträuber, die bis ins 18. Jahrhundert ihr Unwesen unter den Eichen getrieben haben und heute als Attraktion für den Urlauber im Spessart eingesetzt werden? Die Räubergruppe heute besteht aus sechs Räubern und ist mit alten historischen Gewehren und Pistolen bewaffnet. Auch ein Strick zum Fesseln und Aufhängen der Wandersleut haben sie selbstver­ständlich dabei. Nach dem Überfall und der Gefangenennahme wird jeder Gast von den Spessart­räubern auf eine Bank gelegt, festgehalten und mit Fusel, einem bekannten 36-prozentigen Sauschnaps durch einen Trichter angefüllt. Nach dem Schwur, die Räuber niemals zu verraten und immer nach allen Regeln der Kunst zu unterstützen, wer­den die Gefangenen wieder freigelassen.

Wer ein zünftiger Spessarträuber werden will, kann das auch praktisch und theo­retisch beweisen, ein Spessarträuberexamen ablegen. Dazu gehören im praktischen Teil das Holzsägen (nach Zeit), das Saufederwerfen, das Holzstapeln (Höhe nach Zeit), das Holzscheibenrollen, „das Räubertrinken“ aus der Spessart­-Spezialflasche und das Schleuderschießen. Im theoretischen Teil wird die Kenntnis über den Spessart überprüft.

Wem es gelingt, in einer Gruppe das beste Ergebnis zu erzielen, wird Räu­berhauptmann. Ihm wird nicht nur eine Spessarträuberbraut zur Seite gestellt, er erhält auch die ehrenvol­le Aufgabe, den Räuberschmaus zu eröffnen. Die Spessarträuberüberfälle und die Spessarträuberexamen eignen sich auch für Gruppen.

Nähere Auskunft erteilt: Touristik-Service Spessart- Kinzigtal-Vogelsberg der Wirtschaftsförderung und Tourismus GmbH., Barbarossastraße 28, 63571 Gelnhausen ,Info-Telefon zum Nulltarif: 0800-Spessart - 0800-77 37 72 78, Telefax: 06051/ 480720,

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Internet:www.spessart-tourismus.de

 

Alte Autobahntrasse:

Über den Naturpark Spessart kann man mehrmals im Jahr eine Führung zu einer alten Autobahntrasse im Spessart buchen (zu finden ist sie nur schwer). Die Strecke  46 wurde ab 1937 gebaut, aber die Strecke war zu steil und kurvenreich. Sichtbar ist noch ein Wasserberhälter für die Dampflok zur Anfahrt des Materials. Auch eine Brücke über die geplante Autobahn ist noch erhalten.

 

Spessartglas

Spessartglas dürfte eine der am meisten transportierten Waren auf der „Mainzer Straße“ gewesen sein. Seit dem hohen Mittelalter wurde Glas im Spessart hergestellt, zunächst im rieneckischen oberen Kahlgrund, dann im Hochspessart. Der Spessart war eine der wichtigsten Produktionsstätten für Frankfurter Glas, vor allem von Trinkgläsern. Im 16. Jahrhundert wurde auf der Frankfurter Messe zwischen burgundischem, hessischen und Spessarter Glas unterschieden. Das meiste Glas wurde nach Köln und in  die Niederlande transportiert, aber auch Nürnberg hatte eine wichtige Verteilerrolle für Glas. Die staatliche Glas- und Spiegelproduktion in Lohr lieferte hochwertige Glaswaren an Fürstenhäuser in ganz Deutschland.

 

 

Alte Handelswege

 

Der Kurfürstenweg:

Der Spessart liegt mitten in Europa. Seit jeher durchziehen ihn Verkehrswege, auf denen Fürsten und Handelsleute reisten. Eine längst vergessene Straße durch den Spessart zwischen Aschaffenburg und Lohr ist unter dem Namen „Mainzer Straße“ und „Lohrer Straße“ oder als „Fürstenweg“ bekannt. Der Kulturweg präsentiert die Geschichte der Kulturlandschaft Spessart zwischen den Weyberhöfen und dem Schloß Rothenbuch. Der Kurfürstenweg erzahlt die Geschichte einer jahrhundertealten Wegeverbindung von Lohr nach Aschaffenburg.

Bis zum Aussterben der Grafen von Rieneck 1559 war diese Verbindung von Lohr nach Aschaffenburg eine der wichtigsten Trassen für die Frammersbacher Fuhrleute, auf der sie zur Frankfurter Messe fuhren. Dann setzte Kurfürst Daniel Brendel von Homburg mit dem Ausbau der Weiberhöfe und mit dem Bau des Schlosses Rothenbuch die Eckpunkte für den

Kurfürstenweg bis nach Lohr. Diese Route nahmen die neu gewählten Erzsbischöfe, nun auch Landesherren von Lohr, wenn sie ihre Huldigungsreise antraten.

Der Kulturweg führt auf einer Länge von 14 Kilometern von den Weyberhöfen über die Grabstätte der Familie Cancrin hinauf nach Steiger. Oberhalb von Waldaschaff führt die Route in den Wald, wobei an den Stationen „Handelsweg“ und „Kreuzung Eselsweg“ bis hinab nach Rothenbuch.

Die Grafen von Rieneck sorgten dafür, daß die Frammersbacher Fuhrleute zwischen Lohr und Mainz keinen Zoll an die Mainzer Kurfürsten entrichten mußten (Auf den Parallelrouten zum Beispiel über Miltenberg wurden die Fuhrleute dagegen zur Klasse gebeten). Vor und nach den Frankfurter Messen im Frühjahr und Herbst herrschte hier starker Verkehr, zu den übrigen Zeiten war die Straße weniger befahren.

 

Einzelheiten findet man bei den einzelnen Orten, vor allem bei Waldaschaff, alle Tafeln sind ausgewertet:

Tafel 1 Weiberhof (siehe Aschaffenburg Osten)

Tafel 2: Grabstätte von Cancrin: Über Bieber und St. Petersburg zum Weiberhof.

Tafel 3: Steiger, am Aufstieg zur Rieneckschen Handelsstraße über den Spessart

Tafel 4: Waldaschaff, Spessartdorf im Zeichen der Verkehrsgeschichte.

Tafel 5: Lohrer Straße, Waren auf dem Weg zur Frankfurter Messe.

Tafel 6: Kreuzung Eselsweg, Verkehrslandschaft im Spessart.

Tafel 7: Rothenbuch

Am Ende des Kurfürstenwegs oberhalb von Lohr befindet sich eine Tafel, die über den Verlauf der Trasse der Mainzer Straße informiert.

 

Der Eselsweg:

Der Eselsweg ist eine der alten Handelsstraßen, die meist als Höhen­wege über die Gebirgszüge führten. Er ist ein Teil des historischen Straßen­systems, das bereits die Kelten für ihren Handel vom Mittelmeer zur Ostsee kannten. Der Esels‑ oder Sälzerweg wurde1338 erstmals urkundlich erwähnt und verband als alte Handelsroute das Kinzigtal mit dem Maintal, gewissermaßen über die Bergkämme wie über Esels­rücken. „Via asina“(= Eselsweg) ist auf alten Karten zu lesen. Auf dem Eselsweg kommt man nie in eine Ortschaft, denn der Weg verläßt nie die Ideallinie auf dem Bergkamm. Er ist über 111 Kilometer lang und bleibt stets auf einer Höhe zwischen 400 und 500 Metern.

Seinen Namen hat der Weg von den „Spediteuren“ des in der Saline zu Orb erzeugten „weißen Goldes“, genauer eigentlich von den Saumtie­ren, die die Salzsäcke trugen.

Salz aus den Salinen von Orb und Salmünster wurde über den Eselswg nach Miltenberg trugen. So  konnten die Mainzer Kurfürsten das Orber Salz zollfrei nach Mainz bringen (nicht über die Kinzig, die zu Hanau gehörte). Am Eselsweg entlang gab es aber auch die Spes­sarter Glashütten, die ihre Ware bis nach Holland exportierten.

 

 

Der Weg eignet sich hervorra­gend zum Wandern. Zu verdanken ist das in er­ster Linie dem Spessartbund, der Wege ausge­wählt hat, die vielfach auf weichen Waldböden verlaufen, teilweise mit Gras bewachsen sind und bei denen allzu starke Anstiege vermieden werden. Auch die Esel mußten ja früher die Strecke bewältigen, und deshalb gibt es kilome­terlange Abschnitte, die fast einer Höhenlinie folgen.

Wegen des historischen Bezugs ist Bad Orb ebenfalls Startplatz. Der Spessartbund hat einen Wanderpaß und ein Abzeichen herausgegeben. Für die 5‑ bis 6tägige Tour ‑ zum Übernachten muß am Abend jeweils in ein Dorf „abgestiegen“ werden ‑ gibt es ein Pauschalangebot: „Wan­dern ohne Gepäck auf dem Eselsweg“. Man bucht einmal für alle sechs Übernach­tungen, für die Gepäckbeförderung und für den Rücktransfer. Die Spezial‑Info „Eselsweg“ erhält man bei der Kurdirektion Bad Orb.

Nicht jeder Wanderer wird die Zeit, vielleicht auch nicht die Kondition aufbringen, den gesam­ten Weg in einer mehrtägigen Wanderung abzu­laufen. Deshalb hat sich die begeisterte Wande­rin Brigitte Wenninger aus Miltenberg ent­schlossen, in ihrem soeben im Hanauer CoCon­Verlag erschienenen Wanderführer über den Eselweg neben der 111 Kilometer langen Fernwanderung auch 23 Tagesausflüge und acht Wo­chenendtouren zu beschreiben, auf denen man den historischen Wanderweg häppchenweise kennen und lieben lernen kann.

Die Ausflüge sind so angelegt, daß die Wande­rer mit dem Zug oder dem Bus zum Ausgangs­punkt fahren können. Vom Tal aus steigt man auf den Eselsweg hoch und kann dann nach Lust und Laune auf dem Höhenweg wandern, bevor man sich zum Abstieg ins Tal entschließt, vom dem man dann auch mit üblichen Verkehrsmitteln wie­der nach Hause kommen kann.

Diese Auf‑ und Abstiege sind durchweg ganz besonders schöne Wanderstrecken und daher eher ein Gewinn als nur ein Muß. Die einzelnen Wandervor­schläge sind zwischen drei und sechs Stunden lang: Deshalb bleibt meist noch Zeit, sich Se­henswürdigkeiten anzusehen an den Endpunkten der Wanderung. Und damit man den Bus nicht verpaßt, hat der Verlag einen Fahrplan als An­hang eingefügt, der laufend aktualisiert und den Lesern gegen Portoerstattung in der neusten Fassung zugeschickt wird.

Wanderer wollen sich nicht nur sportlich be­tätigen und sich an der Natur erfreuen ‑ zu ei­ner richtigen Wanderung gehört auch die zünf­tige Einkehr. Deshalb gibt es zu jedem der fünf Abschnitte, in die die Autorin den Eselsweg ein­geteilt hat, ein Verzeichnis mit Gaststätten, in denen die Spessart‑Wanderer willkommen sind.

Eine Stärke des Buchs liegt darin, daß Brigitte Wenninger ihren Lesen keine Vorschriften ma­chen will. Sie gibt Empfehlungen und stellt in Form von Karten, Bildern und Texten vielfältiges Material zur Verfügung, aus denen sich der Leser nach eigenen Vorstellungen seine „Wunsch­tour“ zusammenstellen kann.

Wer mit den Tagesausflügen begonnen hat, wird Lust verspüren, danach den ganzen Eselsweg kennen zu lernen. Auch dafür eröffnet Frau Wenninger verschiedene Möglichkeiten: Die ganz Sportlichen schaffen die 111 Kilometer in vier Tagen; wer alle Schönheiten auf der langen Wanderung genießen will, kann sich dafür auch zwei Wochen Zeit lassen. Viele Wanderer ent­scheiden sich ‑ wie vom Spessartbund vorge­schlagen ‑, die Fernwanderung in sechs Etappen zu gehen. Ein ausführliches Übernachtungsver­zeichnis erlaubt auch hier individuelle Planung. Und damit die Wanderer ‑ im Gegensatz zu den Eseln ‑ nicht unter ihrem Gepäck stöhnen müs­sen, stellt die Autorin noch das Angebot „Wan­dern ohne Gepäck“ vor.

Wer in dem Büchlein blättert, spürt die tiefe Verbundenheit der Autorin mit dem Spessart. „Der Eselsweg ist für mich der Inbegriff des Spessarts. Sie sehen hier nichts Spektakuläres, aber Sie können Ihr Auge unendlich wohltuend in den vielfältigen Grüntonen oder Herbstfar­ben ausruhen lassen“, schwärmt Brigitte Wenninger über „ihren“ Eselsweg, auf dem sie fast jede Woche unterwegs ist. Und daß sie mit ih­rer Begeisterung auch die Leser ansteckt, dafür sorgen die vielen Farbfotos im Buch, die einen Vorgeschmack von den Schönheiten des Spes­sarts zu allen Jahreszeiten geben. Brigitte Wenninger: „Der Eselsweg. Ein Weitwanderweg zum Genießen. ISBN 3‑928100‑89‑0, 168 S., 12,80 Euro. Erschienen im CoCon‑Verlag Hanau.

 

Birkenhainer Straße

Der Name „Birkenhainer Straße“ erscheint erstmals 1338. Zusammen mit der Nord-Süd-Verbindung des Eselswegs ist sie eine der ältesten Routen durch den Spessart. Auf der Karte von Pfinzing (1562/94) erscheint sie als „Pürkenhainer“, in der Forstkarte von 1618 ist sie verzeichnet mit dem Text:  „gegen dem Spestra uff nurnberg allhie im weg birkenhainer hol genant“. Das Geleit auf dieser Straße besaßen die Grafen von Rieneck. Am Birkenhainer Schlag nördlich von Geiselbach  vereinigten sich verschiedene Auffahrten zur Hauptroute dieser überregionalen Verkehrsverbindung.

Neben Handelszügen mit Fuhrleuten waren auf überregionalen Verbindungen immer auch Kriegsvolk und Räuber unterwegs. Im Jahr 1564 wird ein Überfall erwähnt, bei dem Kaufleute oberhalb des Biebergrundes ausgeraubt wurden. Im 30jährigen Krieg zogen schwedische Truppen plündernd vorüber. Die napoleonischen Kriege waren die Zeit der „Spessarträuber“. Mehrere Übergriffe sind aus dieser Zeit bekannt. So überfielen am 14.August 1809 die Räuber Johannes und Heinrich Lohn und Johann Adam Wehner die Handelsleute Simon, Liebmann, Abraham und Morchachei, die ihre Waren zum Markt in Bieber bringen wollten. Die Beute von 621 Gulden teilten sich die Räuber im Mittelgründauer Hof.

Alte Straßen markieren stets auch Grenzverläufe. Im Jahre 1843 berichtet der Revierförster Mosthaff in seiner Forsteinrichtung, daß zu einer unbekannten Zeit die Grenze zwischen der Abteil Seligenstadt und der Grafschaft Hanau durch Steine mit dem Zeichen „A“ für Abtei und  mit dem Alt-Hanauer Wappen gekennzeichnet wurde. Unter der hessischen Herrschaft wurden Steine gesetzt mit der Jahreszahl 1810 und dem hessischen Löwen einerseits und andererseits mit dem Mainzer Rad und oder den Buchstaben G.F.F.P. für „Großherzogtum Frankfurt, Fürstprimas“ (von Dalberg). Die seit 1816 gesetzten bayerischen Steine tragen die Buchstaben K.W. (Königlicher Wald) und die Jahreszahl 1835.

Eine größere kulturgeschichtliche Bedeutung als dem Eselsweg kommt der Birken­hainer Straße zu. Von Großauheim bzw.  Neuwirtshaus  läuft sie über den Hof Trages und steigt bis zum Fronbügel stetig an. Danach nimmt sie den Umweg  über das „Hufeisen“ in Kauf, um die Höhenmeter nicht zu verschenken. Bis zur „Bayrischen Schanz“ verläuft sie auf der Grenze zwischen Hessen und Bayern, dann führt sie nach Gemünden hinab.

Ausgrabungen belegen, daß schon 3000 vCh Menschen den Weg kannten, den man seit einigen Jahrhunderten Birkenhainer Straße nennt. Der Name „Birkenhainer Straße“ erscheint erstmals bereits im 14. Jahrhundert. Der Abschnitt quer durch den Spessart ist nur ein kleines Teilstück ihrer einstigen Gesamtlänge, die seit dem Mittelalter Brüssel und Antwerpen über Frankfurt, Würzburg, Nürnberg, mit Prag und Wien ver­band. Die Birkenhainer Straße galt jahrhundertelang bis ins späte Mittelalter als die bekannteste Ost-West-Verbin­dung im Spessart.

Ihr Verlauf mißt zwar stattliche 95 Kilometer, dennoch ist sie kürzer als über das Mainviereck und auch bei nassem Wetter passierbar. Sie unterschreitet nicht die 400‑Meter‑Grenze, „Höhenstraße“ oder „Hohe Straße“ heißt sie deshalb auch abschnittsweise. Man vermied die sumpfigen Täler und glaubte sich auch als Handelsleute vor den sprich­wörtlichen Spessarträubern sicherer, denn mit dem käuflichen Geleitschutz der jeweiligen Grundherren, die zudem noch das Besitzrecht auf „Strandgut“ bei Überfällen und Achsenbrüchen innehatten, war es im eigenen Interesse nicht allzu weit her. Auf diesem Weg liefen die Kronacher Flößer zurück, die das Holz nach Frankfurt gebracht hatten. Fränkischen Bauern brachten ihr Vieh zu den Märkten im Rhein-Main-Gebiet. Kaufleute schätzen die Straße als schnelle Verbindung zwischen Frankfurt und Nürnberg. Soldaten ließen sich hier unauffällig bewegen.

Nach dem Birkenhainer Schlag (oder Forst) ist die Birkenhainer Straße benannt, die den Spessart von West nach Ost durchquert. Der Name Birkenhainer Straße erscheint erstmals bereits im 14. Jahrhundert, entweder in der Karte von Pfinzing (1562/94) als „Pürkenhainer“ oder in der Forstkarte von 1618 „gegen dem Spessart uff numberg allhie im weg birkenhainer hol genant“. Im Jahre 1338 wird sie erstmals als „Birkenhainer Straße“ genannt mit der Nord-Süd-Verbindung des Eselswegs als eine der ältesten Routen durch den Spessart. Das Geleit auf dieser Straße besaßen die Grafen von Rieneck. Am Birkenhainer Schlag nördlich von Geiselbach  vereinigten sich verschiedene Auffahrten zur Hauptroute dieser überregionalen Verkehrsverbindung.

Neben Handelszügen mit Fuhrleuten waren auf überregionalen Verbindungen immer auch Kriegsvolk und Räuber unterwegs. Im Jahr 1564 wird ein Überfall erwähnt, bei dem Kaufleute oberhalb des Biebergrundes ausgeraubt wurden. Im 30jährigen Krieg zogen schwedische Truppen plündernd vorüber. Die napoleonischen Kriege waren die Zeit der „Spessarträuber“. Mehrere Übergriffe sind aus dieser Zeit bekannt. So überfielen am 14.August 1809 die Räuber Johannes und Heinrich Lohn und Johann Adam Wehner die Handelsleute Simon, Liebmann, Abraham und Morchachei, die ihre Waren zum Markt in Bieber bringen wollten.Die Beute von 621 Gulden teilten sich die Räuber im Mittelgründauer Hof.

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn verlor die Birkenhainer Straße ihre Bedeutung als Handelsweg, begann aber ihren Aufstieg als Wanderroute im aufkommenden Tourismus des späten 19. Jahrhunderts.

Alte Straßen markieren stets auch Grenzverläufe. Im Jahre 1843 berichtet der Revierförster Mosthaff in seiner Forsteinrichtung, daß zu einer unbekannten Zeit die Grenze zwischen der Abteil Seligenstadt und er Grafschaft Hanau durch Steine mit dem Zeichen „A“ für Abtei und  mit dem Alt-Hanauer Wappen gekennzeichnet wurde. Unter der hessischen Herrschaft wurden Steine gesetzt mit der Jahreszahl 1810 und dem hessischen Löwen einerseits und andererseits mit dem Mainzer Rad und oder den Buchstaben G.F.F.P. für „Großherzogtum Frankfurt, Fürstprimas“ (von Dalberg). Die seit 1816 gesetzten bayerischen Steine tragen die Buchstaben K.W. (Königlicher Wald) und die Jahreszahl 1835.

Den Namen hatte die Birkenhainer Straße von den Birken, die an ihrem Rand gepflanzt wurden: Ihre helle Rinde erleichterte die Orientierung bei Dunkelheit, sie hatte einst die Funktion von „Laternen“.  Heute bekommt der Wandersmann auf der Birkenhainer Straße kaum Birken zu Gesicht - das verbietet die moderne Forstwirtschaft. Nur ganz selten, etwa bei Waldrode, zeigt sich die Birkenhainer Straße so, wie sie eventuell früher einmal war: als Birkenallee. Und nördlich des bayerischen Dorfes Geisel­bach streift die Straße die Waldabteilung „Im Birkicht”, einen Birkenhain, nach dem sie benannt sein könnte

Insgesamt 14 Meter soll der Fuhrweg damals breit gewesen sein. Er  war einst ein unbefestigter, nur schlecht in Stand gehaltener Transportweg für Pferd und Wagen. Gebrochene Wagenachsen waren nicht allein Pech für den Kaufmann, das war der wirtschaftliche Ruin. Denn das „Strandrecht” gebot, daß bei Rad- oder Achsbruch die gesamte Ladung an den Grundherren des Unglücksortes verfiel. Das Strandrecht wurde zwar 1255 per Reichsgesetz verboten. Doch auch in späteren Jahrhunderten hielten sich die Besitzer dieser Gegend  keineswegs an diese gesetzliche Anordnung.

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn verlor die Birkenhainer Straße ihre Bedeutung als Handelsweg, begann aber ihren Aufstieg als Wanderroute im aufkommenden Tourismus des späten 19. Jahrhunderts.

 

Der Spessartbund hat die Birkenhainer Straße, die im ver­gangenen Jahrhundert durch Erschließen neuer Verkehrs­netze „verschüttet ging“ für den Wanderer wiederentdeckt, herrichten lassen und unverwechselbar mit einem B markiert. Der Wanderer passiert - hält er sich an die alte Route - nicht ein einziges Dorf, gerade mal zwei, drei Gasthöfe. Nur aus der Ferne kann er, selten genug, auf Siedlungen blicken. Und gerade ein halbes Dutzend Male muß er Straßen überqueren. Der Spessart­bund, eine traditionsreiche Wandervereinigung, möchte die Bir­kenhainer Straße populärer machen.

Die erste Etappe geht bis Geiselbach (25 Kilometer). Übernachtungs­möglichkeit in Geiselbach ist nach Empfehlung des Spessartbun­des das Gasthaus Reising, Telefon 06024/ 803. Wenn man sich in Geiselbach ausgeruht hat, geht es weiter, und nach wenigen Kilometern, die „Staatsgrenze” wurde gerade passiert, erreicht der Wanderer den Platz Hufeisen. Für diesen Namen bieten sich zwei Interpretationen an. Der Weg macht eine scharfe Biegung nach rechts, fast in der Form eines Hufeisens. Oder: An diesem Ort, heute ein Waldparkplatz, soll sich einmal eine Schmiede befunden haben. Die Pferde wurden hier neu beschlagen. Doch weder die Schmiede noch die Tränke lassen sich nachweisen. Gefunden haben die Archäologen statt dessen Reste einer keltischen Fliehburg. Der Passant wird dieses vorgeschichtliche Zeugnis, die Reste der Wälle, kaum erkennen.

Die folgenden 15 Kilometer sind typisch für den inneren Spessart. Die Strecke verläuft auf einer Kammhöhe von rund 450 Metern. Nur wenige „Berge” gibt es im Spessart, die höher als 550 Meter sind. Die Birkenhainer Straße liegt jetzt also recht hoch. Dennoch aber läßt der Wald selten die Sicht auf die Landschaft zu. Von der Topographie des Mittelgebirges sieht der Wanderer nicht sehr viel. Nur links gibt ein breiter Kahlschlag den Blick ins Bieber-Tal frei, rechts öffnet die Trasse einer Hochspannungsleitung die Sicht auf den Westerngrund. An­sonsten umschließt ein dichter Wald den Weg.

Kurz bevor der Wanderer den Dr.-Karl-Kihn-Platz erreicht, steht links am Weg eine halbrund steinerne Hütte, die vor 200 Jahren Unterstand für eine Wache gewesen sein soll, für jene Eskorten, die Kaufleute, Heereszüge, Glaswarenhändler oder Och­sentreiber vor den gefürchteten Räuberbanden des Spessarts beschützen sollten. Ob das Steinhaus wirklich Wachstation war, ist nicht belegt.

Die Gedenkstätte Dr.-Karl-Kihn-Platz: erinnert an einen der bekannten Spessartkenner. Kihn, Sanitätsrat, Mitte der 30er Jahre gestorben, beschrieb in etlichen Beiträgen für Heimatblätter den Spessart, kam immer wieder auf die Birkenhainer Straße zu sprechen. Just an jener Stelle, die heute ihm gewidmet ist, stößt der Eselsweg auf die Birkenhainer Straße.

Keine zwei Kilometer später kommt der Wanderer zur Wies­bütt. Ein freundlicher Gasthof lädt ein. Das einzige Hochmoor des Spessarts befindet sich hier, die Besichtigung erfordert aller­dings einen kleinen Umweg. Es geht weiter über die Flörsbacher Höhe. Das Dorf im Tal, Flörsbach, könnte zweite Übernach­tungsstation der Drei-Tage-Tour sein. Zwei Häuser empfiehlt der Spessartbund: „Flörsbacher Hof” (Telefon 060571790) oder den Gasthof „Zum Stern” (Telefon 06057 / 741).

Am dritten Tag umkurvt die Birkenhainer Straße auch Flörsbach und führt zur Hermannskoppe (567 Meter) und damit zurück nach Bayern. Und zur „Bayerischen Schanz”, einem inzwischen allerorten bekannten Gasthaus. Von nun an geht es bergab. Zwar ist Gemünden noch weit, doch fällt das Gebirge ab. Kurz vor Langenprozelten ist das Main­tal erreicht, und schließlich gelangt der Spes­sart-Tourist in die sehenswerte Altstadt von Gemünden. Für Übernachtungen in Gemünden empfiehlt der Spessart­bund die Gasthäuser „Zur Linde” (093 51 1 33 57) und „Kling­mühle” (0 93 51 1 87 32).

Mehr als 70 Kilometer sind erwandert, der Spessart auf hessischer wie auf bayerischer Seite erlebt. Teile der Birkenhai­ner Straße sind auch im Winter interessant. Zwischen Hufeisen und Wiesbütt spurt das Forstamt Bieber eine Skilanglaufstrecke.   (Literatur: Hanau, Seite 112).

 

Wanderung vom Neuwirtshaus bis Michelbach  in Hanau, 112.

 

 

Kinzigstörche:

Von ehemals drei jungen Weißstörchen im Roden­bacher Nest sind 2005 nur noch zwei zu beobachten. Im Steinauer Nest wächst - wie schon 2004 - nur ein Storchenjunges auf. Positive Nachrichten kommen aus Nidderau-Eichen und Langenselbold. Be­reits zum sechsten Mai hintereinander brüten nun die Rodenbacher Weißstörche (Ciconia ciconia) wieder auf ihrem Horst im Naturschutzgebiet Röhrig von Roden­bach.

Dieser mußte im Herbst 2004 wegen Al­tersschwäche und drohender Umsturzge­fahr vorn Arbeitskreis Main-Kinzig der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und dem Vogel- und Naturschutzverein Rodenbach repa­riert werden. Dann aber war es soweit: Schon in der ersten Märzwoche meldeten eifrige Vogelbeobachter die Ankunft eines männlichen Storches. Wenig später kam das Weibchen an. Wie immer: mit mehreren Verehrern und Nebenbuhlern im Schlepptau, die dem Storchenmanne Weib und Nest abspenstig machen wollen. Doch der setzte sich durch und verteidigte erfolgreich sein Revier gegen die Nebenbuhler.

Die Vögel und ihr Werdegang stoßen auf ein starkes Interesse in der Bevölkerung. Auch die Storchenexkursion der HGON Anfang Juni fand ein großes Echo. Nur gut strukturierte Feuchtgebiete mit Wiesen und Weiden, Altgewässern, Flutmulden und großen Überschwemmungsflächen bieten den Weißstörchen während der ge­samten Brutperiode ein vielseitiges Nah­rungsangebot. Immerhin ist etwa 55 Tage lang die hungrige Nachkommenschaft mit ausreichend Futter zu versorgen, berichtet Susanne Hufmann vom Arbeitskreis Main-­Kinzig der HGON, der sich seit Jahren für den Schutz und Erhalt der Kinzigstörche einsetzt. Nicht im jeden Jahr gelingt die Aufzucht aller Jungtiere.

Die Nachwuchszahlen sind von vielen Faktoren abhängig: von der Ankunftszeit der Brutpaare, von Störungen während der Brutzeit und der Aufzucht, von Wetterumschwüngen oder vom Alter der Vögel. In erster Linie wer­den sie jedoch vom Nahrungsangebot in der Brutheimat beeinflußt.

Das Steinauer Nest, ebenfalls ein wichtiger Storchenstandort im Main-Kinzig-Kreis, wurde am 13. März „erstbesetzt“, wie die Naturschützer sagen. Ende März war das Paar mit der Ankunft des Storchenweib­chens komplett. Die Eiablage erfolgte be­reits wenige Tage danach. Innerhalb von 24 bis zu 48 Stunden wird üblicherweise die gesamte Eiablage absolviert solange, bis das Gelege vollständig ist. Und das kann erheblich variieren: von nur einem oder zwei Eiern bis zu fünf Eiern.

Am häufigsten sind Dreier- oder Viererge­lege. Storcheneier sind gerade mal andert­halbmal so groß wie Hühnereier. Jungvö­gel wiegen nach ihrer Geburt nur 70 bis 80 Gramm. Bereits nach vier Tagen haben sie ihr Gewicht verdoppelt, nach zwei Wochen sogar verzehnfacht. Im Alter von 21 Tagen nehmen Jungstörche immer eine gute Nahrungsversorgung vorausgesetzt täg­lich 150 bis 200 Gramm zu. Dazu müssen die Altvögel, die gemeinsam die Jungvögel großziehen, mindestens das dreifache Ge­wicht an Nahrung herantragen.

Deshalb sind Störche so sehr auf das feuchte Wiesenland in den Auenniederun­gen an Bächen und Flüssen mit vielen Alt­wasserbereichen und Tümpeln angewie­sen. Denn nur dieses bietet ihnen die Ge­währ, daß ihre Nahrung, die aus Regenwürmern, Käfern, Mäusen, Maulwürfen, Eidechsen und Amphibien, aber auch Schlangen und Aas besteht, in ausreichen­der Menge vorhanden sind. Nach 55 bis 60 Tagen etwa werden die jungen Störche, die dann beinahe genauso groß wie ihre Eltern sind, flügge. Nur noch an den dunklen Bei­nen und am dunklen Schnabel lassen sie sich von den Altvögeln unterscheiden. Mit­te August sind sie es, die als erste ihre Hei­mat Richtung Süden verlassen. Die Alttiere folgen ein bis zwei Wochen

später.

In ihren ersten beiden Lebensjah­ren bleiben die jungen Störche aus dem Kinzigtal in West- und Nordafrika. Erst in ihrem dritten Lebensjahr ist mit einer Rückkehr zu uns zu rechnen. Auch die Jungstörche in Nidderau-Eichen - alle drei inzwischen beringt und damit für die Vo­gelstatistik registriert - sowie die in Langen­selbold wachsen heran. Nur aus dem Na­turschutzgebiet  Weideswiesen-Oberwald in Erlensee gibt es noch keinen Erfolg zu vermelden. Obwohl man im Frühjahr für mehrere Tage immer wieder Störche sich­tete, ließen sie sich hier noch nicht für das Brutgeschäft nieder. Ein Grund für die ge­ringeren Nachwuchszahlen in diesem Jahr ist nach Ansicht der HGON die schlechte Witterung im Frühjahr; wegen der die Störche nicht rechtzeitig in die Brutgebie­te gelangen konnten.

Finanziell wird die Arbeit der HGON zum Schutz der Weißstörche von Storchenpa­ten und durch Spenden getragen. Dies zeigt uns, daß unsere Arbeit auf diesem Gebiet vielen wichtig ist und honoriert wird, so Geschäftsführerin Susanne Hufmann. Wir beabsichtigen, die Wiederansiedlung des Weißstorches in den nächsten Jahren weiter voranzutreiben und suchen deshalb nach wie vor nach Menschen, die durch ei­ne Patenschaft bei der HGON Verantwor­tung für die Natur übernehmen möchten. Nachdem man im letzten Jahr zwei weite­re Storchenhorste in den Hasselrother Kin­zigauen errichtete, bereitet die HGON zur Zeit als nächste Projekte die Lache-Renatu­rierung in Rodenbach und die Vergröße­rung von Flutmulden im Naturschutzge­biet Weideswiesen bei Erlensee vor.

Außerdem sammelt sie Geld für einen neu­en Storchenhorst in Rodenbach, da der alte Mast nur noch notdürftig repariert werden konnte. Interessenten für eine Storchen-­Patenschaft können Informationsmaterial anfordern unter (0 61 84/ 5 61 60, Fax 561 71, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

 

Weißstorch im Kinzigtal

Wie in jedem Jahr veröffentlicht der Arbeitskreis Main-Kinzig der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) zum Jahresende 2007 einen Bericht über seine Aktivitäten zum Schutz des Weißstorchs im Main-Kinzig-Kreis. Die Publikation mit informativem Pressespiegel richtet sich in erster Linie an die Storchenpaten der HGON, die den Arbeitskreis bei seinem Engagement für den Storch im Kinzigtal finanziell unterstützen.

Auf über 14 Seiten legen die Naturschützer Rechenschaft ab. Sie berichten darüber, was im vergangenen Jahr wo im Main-Kinzig-Kreis für den Fortbestand der Kinzigstörche getan wurde und zeigen auf, was in den kommenden Jahren dringend zu tun ist. „Eine interessante Lektüre nicht nur für unsere Storchenpaten oder die, die es werden wollen", meint Arbeitskreisleiter Herbert Steinhauser.

„Der Weißstorch ist das Symbol für den Zustand unserer Feuchtlebensräume", weiß die HGON-Biologin Susanne Hufmann zu berichten. Er habe Indikatorfunktion. Das bedeute, wo der Storch verschwindet, könnten auch andere Wiesenvögel wie Kiebitz, Bekassine oder Uferschnepfe nicht mehr überleben, gebe es weder Frösche noch Kröten, sei der Wasserhaushalt im Boden verändert und damit das gesamte Ökosystem. Deshalb setze sich die HGON für den Erhalt großflächiger Feuchtwiesen und Auen sowie für den Schutz der Brutgebiete und den Erhalt der Rastflächen des Storches auf dem Zug ein. Daneben wirbt die HGON für eine extensive Bewirtschaftung des Feuchtgrünlandes. Das, was vor Ort getan werden kann, tue man bei der HGON, heißt es in der Mitteilung weiter. Gemeint ist die Anlage von Nahrungstümpeln und Wasserflächen in der Aue und die Errichtung von zusätzlichen Nistmöglichkeiten (Storchenhorsten) entlang der Kinzig.

Den Naturschützern der HGON ist eines dabei klar: Tümpel, Teiche und andere Kleingewässer können nicht dauerhaft ein Ersatz für großflächige naturnahe Feuchtlebensräume sein. Trotzdem stellt die Schaffung verschiedener Feuchtbiotope - wie Gräben mit abgeflachten Ufern oder Flutmulden im Grünland - einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Weißstorchs dar, da diese Strukturen die Nahrungstiere des Storches, Amphibien, Fische, eine Vielzahl von Insekten und andere Kleintiere, beherbergen.

Die HGON-Aktion „Storchenpaten gesucht" gibt es seit 2001 und bietet jedem die Möglichkeit, Verantwortung für eine besonders schützenswerte und sympathische Vogelart der Feuchtwiesen zu übernehmen. Die Beträge, die von den einzelnen Paten für den Storchenschutz zur Verfügung gestellt werden, variieren von fünf bis 25 Euro im Monat. Einige Paten spenden jährlich auch höhere Beträge oder avancierten durch eine Einmalzahlung zum Storchenpaten der HGON. Neuerdings werden zu den verschiedensten Anlässen Patenschaften für den Weißstorch auch an Freunde oder Angehörige verschenkt. „Eine gute Idee - gerade jetzt vor Weihnachten", meint Susanne Hufmann.

Den Storchenpatenbericht 2007 gibt es in der Zeit von 9 bis 17 Uhr zum Selbstkostenpreis von vier Euro im Naturschutzzentrum Rodenbach, Gartenstraße 37 in 63517 Rodenbach. Bestellt werden kann der Bericht auch per Telefon unter (0 61 84) 5 61 60 bei Andrea Wohlleben oder per Mail hgon.mkk@t-online. Beim Versand müssen die Versandkosten zusätzlich berechnet werden.

Spenden können auf das Konto 8 71 30 bei der Raiffeisenbank Rodenbach (506 636 99), Stichwort: Kinzigstörche, überwiesen werden. Werden Namen und vollständige Adresse angegeben, wird automatisch eine Spendenbescheinigung ausgestellt.

 

Störche Kinzigtal

In Langenselbold und Rodenbach brüten Storchenpaare

Auf die Spuren von Meister Adebar begaben sich am Karfreitag rund 25 naturbegeisterte Menschen. In der Gemarkung von Langenselbold und Rodenbach machten sie sich unter der Regie von Kultur- und Landschaftsführer Karl-Heinz Bär unter dem Motto „Sind die Störche schon da?“ auf die Spur des bereits von den Germanen verehrten Fruchtbarkeits- und Glücksbringers.

Mittlerweile sind in Hessen - nachdem 1992 der Storchenbestand auf null abgesunken war - wieder an die 140 Weißstorch-Brutpaare heimisch, konnte Karl-Heinz Bär, der seit Kindheitsbeinen von den weißen Vögeln mit dem roten Schnabel fasziniert ist, den Teilnehmern freudig verkünden.

Seit 2000 brütet nun auch wieder in der Rodenbacher Flur ein Weißstorchenpaar. In der Karwoche habe eine naturbegeisterte Dame bei Nieder-Gründau sieben Störche gesichtet. Auch bei Langenselbold sind die Weißstörche seit einigen Jahren wieder heimisch. Das Langenselbolder Storchenpaar war trotz Start am dortigen Bahnhof jedoch nicht Ziel der Wanderung, sondern konnte nur vom Aussichtsturm des Buchbergs in der Ferne erahnt werden. Der Kultur- und Landschaftsführer wollte dem dortigen Storchenpaar nach einer Auseinandersetzung mit einem Artgenossen um das nun deutlich verkleinerte Nest noch ein wenig Ruhe gönnen. Außerdem sei die Wiese um das Storchennest zu feucht und derzeit für eine Zielwanderung ungeeignet. „Am 1. März ist der Storch in die Gemarkung der Hessentagsstadt 2009 zurück-

gekehrt und hat sich dort nach einem erfolgreichen Storchenkampf auf dem Horst niedergelassen“, erläuterte Bär.

Das Rodenbacher Storchenpaar konnte jedoch im Rahmen des dreieinhalbstündigen und fast zehn Kilometer langen Frühlingsspaziergangs aus etwa 500 Meter Entfernung mit dem Fernglas und Kameraobjektiv beobachtet werden. Während die Störchin sich dem Brutgeschäft auf dem 1,20 Meter aus Stöcken und Zweigen aufgetürmten Horst widmete, war das Männchen bei der Nahrungssuche und beim beeindruckenden Flug über die Rodenbacher Wiesenaue zu beobachten.

Nach rund 32 Tagen Brutzeit sollten im Rodenbacher Horst im Zeitraum von Mitte April bis Anfang Mai die ersten Jungstörche das Licht der Welt erblicken. In der Regel sind das fünf bis sechs Jungstörche, die von ihren Eltern dann unter anderem mit Mäusen, Maulwürfen, Würmern, Grashüpfern und Fröschen aufgepäppelt werden. „Vor dem Zug gen Süden fressen sich die Störche eine dicke Schicht an“, erläuterte Bär. Der stattliche Storchenhorst könne bis zu zwei Meter hoch und mehrere Tonnen schwer sein.

Im Vorjahr gelang den Storcheneltern in der Rodenbacher Gemarkung die erfolgreiche Aufzucht von vier Jungstörchen, die bereits nach neun Wochen flügge waren. Die Weißstörche in der Region ziehen Ende August oder Anfang September gen Süden und bringen es dabei im Gleitflug auf Tagesetappen von 300 bis 400 Kilometern. Dabei unterscheidet der Biologe den rotbeinigen Meister Adebar nach West- oder Ostziehern. Die Westzieher fliegen über Spanien und die Straße von Gibraltar ins 6.000 Kilometer entfernte Westafrika. Die Ostzieher ziehen über die Türkei und Israel ins 10.000 Kilometer entfernte Südafrika und verbringen dort den Winter.

Der älteste Storch im Brutgeschäft sei bereits 23 bis 24 Jahre alt geworden und in Gefangenschaft habe Meister Adebar es sogar auf stattliche 29 Lenze gebracht, wusste Bär zu berichten. Im Gegensatz zum „Kulturfolger“ Weißstorch, der die Nähe des Menschen sucht, ist der scheue Schwarzstorch ein Baumbrüter und dadurch eher schwer zu beobachten (18.04.09).

 

 

20 Storchenküken im Visier                                                                    16. Mai 2009

„Wenn das Wetter in den kommenden Wochen keine Kapriolen schlägt, könnte 2009 ein gutes Jahr für die Weißstorch-Population im Main-Kinzig-Kreis werden“, sagt der ehrenamtliche Storchenschutzinitiator Werner Peter aus Freigericht von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Er hat nun einen Zwischenbericht über die Aktivitäten der Familie Adebar in der Region vorgelegt.

Die Zahlen sind für Tierfreunde ein gutes Indiz: Derzeit werden 20 Storchenküken in sieben Nestern im Kreisgebiet von ihren Eltern gefüttert. Im Steinauer Storchenhorst zählte Fritz Gliemroth vier Junge. Vier Junge registrierte auch Horst Kurz auf dem Störchenmast bei Nidderau-Eichen I, während auf dem Mast Eichen II drei Junge gefüttert werden.

Auch in Rodenbach sitzen derzeit drei Junge im Nest. Uli Paul ermittelte in den Horsten von Schöneck-Büdesheim und Nidderau-Windecken jeweils zweifachen Nachwuchs. Vom Klappfenster des Rückinger Kirchturmes aus beobachteten die Storchenexperten ebenfalls zwei ganz frisch geschlüpfte Jungstörche. „Allerdings kann bis zum Flüggewerden der Jungstörche noch viel passieren. Heftige Gewitter und längere nasskalte Witterungsperioden haben bereits in den vergangenen Jahren zu erheblichen Ausfällen bei den Jungstörchen gesorgt“, gibt Werner Peter zu bedenken und warnt vor Euphorie. In den Storchenhorsten von Heldenbergen,

Langenselbold und Gelnhausen-Hailer wird derzeit noch gebrütet. Hier ist der Nachwuchs in den nächsten Tagen zu erwarten.

Zwischenzeitlich hat der in Langenselbold vom alteingesessenen Horstinhaber vertriebene französische Ringstorch mit  einer neuen Partnerin bei Großkrotzenburg einen Ansiedlungsversuch unternommen. Fast zwei Wochen hielt sich das Paar am dortigen Storchenmast auf. Nachhaltige Störungen hätten das ansiedlungswillige Storchenpaar jedoch vertrieben. „Wie alle Wildvögel hat auch der Weißstorch eine arteigene Fluchtdistanz. Nähern sich Personen weniger als rund 100 Meter dem Storchenhorst, reagieren die Störche mit dem Abfliegen und letztendlich mit dem Verlassen des gewählten Brutstandortes, was ebenfalls in Rothenbergen der Fall war“, berichtet der HGON-Experte.

Auch jetzt, in der Brutzeit, halten sich in den Auen der Nidder, Gründau und Kinzig noch Trupps von bis zu sechs Störchen auf. „Es handelt sich hierbei um Brutvögel, deren Brut bereits erfolglos verlief oder um noch nicht geschlechtsreife einjährige Störche, die hier übersommern“, berichtet Peter, der per Spektiv feststellte, dass je ein vorjähriger Jungvogel aus Steinau, Langenselbold und Eichen in die Heimatregion zurückgefunden haben und sich aktuell in den Auen zwischen Eichen und Gelnhausen aufhalten. „Das lässt für 2010 hoffen, denn Jungstörche erkunden oft schon als Einjährige das Auengebiet, in dem sie sich ein Jahr später als geschlechtsreife Vögel niederlassen und ansiedeln“, erklärt er abschließend.

 

Jungstörche der Nidderauen werden beringt

Hoch hinaus musste Werner Peter von der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz). Es galt, die Jungstörche in den Nidderauen mit Ringen zu versehen. Peter hatte alle Hände voll zu tun, denn in Eichen, Windecken, Heldenbergen und Büdesheim gibt es insgesamt 16 kleine Adebare - ein Rekordjahr für die Vogelschützer.

In Windecken hatten sich etwa 30 Leute eingefunden, um bei der Beringungsaktion der dort lebenden zwei Jungstörche zuzuschauen. Der Energiekonzern E.on hatte den Vogelschützern eine Hubarbeitsbühne zur Verfügung gestellt, der die schwierige Aufgabe in schwindelnder Höhe sehr erleichterte. „E.on war schon im vergangenen Jahr dabei, und wir machen das immer gerne“, betonte Bernd Schmidt, der diesen Wagen sicher durch die Wiesen steuerte. Die Kinder des Windecker Storchenpaares ließen die Prozedur ziemlich gleichmütig über sich ergehen. Einer der Altstörche flog immer wieder in großem Bogen um den Horst herum.

„Die beiden haben die Ringnummern DM 6X 068 und 069“, erklärte Werner Peter. So ein Ring für Störche. Reiher und ähnliche Großvögel ist etwa fünf Zentimeter breit und wird oberhalb des Kniegelenkes angebracht. Die darauf befindlichen Zahlen sind aus größerer Entfernung mit einem Spektiv ablesbar und geben Aufschluss über Geburtsdatum und -ort. Diese Daten werden in der Vogelschutzwarte Helgoland (Zuständigkeitsbereich: alte Bundesländer bis runter nach Hessen) registriert. Auf diese Weise kann anhand der Daten aus aller Herren Länder Aufschluss über den Zug der Vögel, die Überlebensrate und die Plätze, an denen sich die Jungstörche ansiedeln, erlangt werden.

Um das straffe Programm absolvieren zu können, ging es zügig weiter nach Büdesheim, um den dortigen drei Storchenkindern die Ringnummern 070 und 071 zu verpassen. Das Star-Elternpaar in diesem Jahr sind „Karl“ und „Klara“ aus Eichen - sie haben fünf Junge zu versorgen. „Seit es wieder Störche in unseren Auen gibt, ist dies die erste Fünfer-Brut“, freute sich auch Werner Peter, „es ist ein Zeichen dafür, dass der Lebensraum und das Nahrungsangebot stimmen". Eine weitere Rolle spielt sicherlich die Erfahrung des Paares mit der Aufzucht von Jungen. Die fünf Jungstörche sind im Vergleich zu den Windeckern schon recht groß, stellten sich aber bei Annäherung des Hubsteigers noch tot. „Ansonsten hätten wir eine Decke über die Kleinen legen müssen. damit sie nicht aus dem Horst stürzen“, erklärte der HGON-Fachmann. „Karl“  behielt während der ganzen Zeit seinen Horst und seine Kinder genau im Auge. „Der ist sehr dominant, der vertreibt auch andere Störche, die sich auf dem in unmittelbarer, noch leer stehenden Storchenmast niederlassen wollen“, berichtete Horst Kurz. Die Kreise, die „Karl“ um sein Nest zog, wurden immer enger und sobald sich der Wagen entfernt hatte, landete er bei seinen Kleinen, die sofort die Köpfchen hochreckten. Als nächstes waren die Kleinen von „Otto“ und „Otteline“ im Horst Eichen II an der Reihe. Auch hier können sich die Storchenfreunde über dreimal Nachwuchs freuen. Die einzigen, die noch keine Ringe bekamen, waren die Kinder des neu in Heldenbergen zugezogenen Storchenpaares, da sie noch zu klein sind.

In Anbetracht des Erfolges in der Ansiedlung der Störche sei es nun wichtig, die Auen in der jetzigen Form zu erhalten und keine Büsche oder sonstige „Raumteiler“ zwischen die einzelnen Wiesenstücke zu pflanzen. Störche benötigten eine offene Landschaft und in der Ansiedlungsphase auch entsprechend viel Ruhe, so Peter Als Beispiel nannte er Großkrotzenburg: „Hier hatte ein Storchenpaar angefangen. zu brüten, ist aber nach 14 Tagen wieder

davon geflogen, weil es nicht die erforderliche Ruhe hatte:. Eine endgültige Bilanz über die Jungstörche im Kreis konnte Peter noch nicht geben, aber die Tendenz ist zu den vergangenen Jahren hin steigend (04.06.09).

 

Wiederansiedlung des Weißstorches geplant                                     19.08.2009

Die Kinzigaue im Bereich der Gemarkungen von Meerholz und Hailer wird in den kommenden Monaten durch mehrere ökologische Projekte aufgewertet. Aktuell entsteht in der Nähe der Kinzig eine Flutmulde, die künftig Fröschen und Kröten als „Kinderstube“ dienen soll. Geplant und koordiniert werden die Baumaßnahmen von der Natur- und Vogelschutzgruppe Meerholz-Hailer, die auf fast 50 Jahre Erfahrung zurückblicken kann.

Gemeinsames Ziel der aktuellen Maßnahmen ist die Wiederansiedlung des Weißstorches. „Die positive Entwicklung der Auenlandschaft ist bereits deutlich sichtbar“, formulierten Umweltdezernent Dr. Andre Kavai und Gelnhausens Bürgermeister Thorsten Stolz ihre Eindrücke bei einem Besuch der Baustelle. Der Vereinsvorsitzende Siegbert Czutka hatte außerdem die stellvertretende Betriebsleiterin Simone Feige sowie Gabriele Krick vom Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Kreises zu dem Ortstermin eingeladen. Das Entsorgungsunternehmen hat bereits mehrere ökologische Projekte mit der Ausgleichsabgabe unterstützt.

Der Bau der 60 mal 30 Meter großen Flutmulde wird insgesamt rund 25.000 Euro kosten. Davon übernimmt der Eigenbetrieb etwa 16.700 Euro für die Erdarbeiten. Einen weiteren Teil steuert die Vogelschutzgruppe über Arbeitseinsätze bei. Die Stadt Gelnhausen hat die Fläche kostenfrei zur Verfügung gestellt. Bereits im kommenden Winter soll hier zum ersten Mal das Hochwasser der Kinzig für ein Laichquartier für zahlreiche Amphibien sorgen.

Die Mulde senkt sich von den Rändern langsam bis auf etwa 1,40 Meter Tiefe. „So ist eine notwendige maschinelle Pflege weiterhin möglich“, erläutert Werner Köhler, Naturschutzfachmann der Gruppe. Denn im Sommer, wenn die Amphibien abgewandert sind, werde das Biotop trocken fallen. Das bestätigen die langjährigen Erfahrungen an anderer Stelle. Der Main-Kinzig-Kreis hat im Frühjahr bereits die Erweiterung einer anderen Flutmulde in der Kinzigaue unterstützt. „Es ist uns wichtig, die Mittel der Ausgleichsabgabe wieder in die Region zu investieren“, erläutert Umweltdezernent Kavai. Hier setze man immer wieder auf die engagierten Mitglieder der örtlichen Umwelt- und Naturschutzgruppen. Außerdem unterstützen und begleiten die Naturschutzbehörden diese sinnvollen Projekte.

„Die Vogelschutzgruppe Meerholz-Hailer leistet hier seit vielen Jahrzehnten eine vorbildliche Arbeit“, bestätigt Bürgermeister Stolz die guten Resultate. Insgesamt sieben Projekten können in den kommenden Monäten in der Kinzigaue umgesetzt werden. Entsprechende Genehmigungen liegen vor und auch weitere Ausgleichsmittel stehen zur Verfügung. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft wird hier ebenfalls einen Teil beitragen.

Wie Werner Köhler erläutert, entsteht so aus vielen kleinen Trittsteinen ein attraktives, großflächiges Ökosystem, das auch den Weißstorch anzieht. So konnten sich die Naturschützer in diesem Jahr über drei Jungvögel im Bereich Nagelborn/Obere Aue freuen.

 

Schreitvögel mit sehr langen schwarzen Beinen                                                       2010

Bürger, die „vor Kälte bibbernde Störche“ im MainKinzig-Kreis gesichtet haben wollen, haben in den vergangenen Wochen wiederholt die Hessische Gesellschaft für Ornithologie (HGON) alarmiert. Sie sorgen sich darum, wie Meister Adebar durch den schnee- und eisreichen Winter kommt. Jetzt gibt Werner Peter aus Freigericht von der HGON Entwarnung. Alle Brutstörche und ihre Jungen aus dem Brutjahr 2009 sind gen Süden gezogen, es gebe keine Storchenüberwinterer im Main-KinzigKreis, betont er. Bei den storchengroßen Vögeln handele es sich aller Voraussicht nach um „Silberreiher“, die erst seit wenigen Jahren auch im Main-Kinzig-Kreis regelmäßig als Wintergäste zu beobachten seien.

Im Gegensatz zum Weißstorch haben Silberreiher ein reinweißes Gefieder, einen gelben Schnabel und schwärzliche Beine. Vogelkenner meinen, dass Silberreiher nur bei sehr schlechten Sichtverhältnissen oder großer Entfernung mit Störchen verwechselt werden könnten. Die aktuellen Beobachtungen von Silberreihern verteilen sich laut Peter über den gesamten Main-Kinzig-Kreis. In Großkrotzenburg, Schöneck-Büdesheim, Hochstadt, Niedergründau, Birstein-Fischborn, im Joßgrund und in Steinau seien Silberreiher gesichtet worden. Meist seien die blendend weißen Vögel einzeln oder zu zweit zu beobachten: allerdings wurden auch schon Trupps von vier bis sechs Exemplaren beobachtet. Peter schätzt, dass sich derzeit im Kreisgebiet zwischen 15 und 20 Silberreiher aufhalten.

Noch vor 30 Jahren galten Silberreiher in Deutschland als absolute ornithologische Sensation. Denn die schönen Großvögel brüteten in Europa ausschließlich im pannonischen Raum von Österreich und Ungarn am Neusiedler See und im Balaton mit wenigen 100 Brutpaaren. Erst seit den 80er Jahren verzeichnet die Silberreiherpopulation nach Informationen der HGON wieder eine merkliche Bestandszunahme. Auch in Spanien, Frankreich, Italien und Polen sind die Reiher inzwischen als Brutvögel heimisch. Ihre großen Nester errichten die Schreitvögel meist auf dem Boden mitten im Schilf oder auf niedrigen Weiden.

Die HGON geht davon aus, dass die Bestandszunahme und Erweiterung der Brutareale in Einklang stehen mit der Erschließung neuer Nahrungsquellen, denn der ursprüngliche Fischfresser habe längst seine Nahrungspalette um Mäuse und wirbellose Tiere erweitert. Nach wie vor, so geht es aus einer Pressemitteilung der HGON hervor, halten sich Silberreiher nur außerhalb der Brutzeit in Deutschland auf, denn noch immer fehle der erste deutsche Brutnachweis. Falls der positive Bestandstrend in Mitteleuropa anhalte, dürfte es allerdings nur noch wenige Jahre dauern, bis auch der „Silberreiher“ zu den deutschen Brutvögeln zähle.

 

Die derzeitigen weißen Wintergäste im Main-Kinzig-Kreis halten sich überwiegend in den Wiesenauen und der offenen Feldflur auf, wo sie sich insbesondere von Mäusen ernähren, zumal die stehenden Gewässer im Kreisgebiet nahezu komplett zugefroren sind. Damit die Vögel keine unnötige Energie verlieren, bittet die HGON darum, die nahrungssuchenden Vögel nicht zu stören und zum Auffliegen zu bewegen. Spätestens Mitte März würden sich die Wintergäste wieder aus dem Main-Kinzig-Kreis verabschieden und in ihre südlich und östlich liegenden Brutgebiete zurückkehren.

 

 

 

 

Das archäologische Spessart‑Projekt

Wenn etwas den Spessart in der allgemeinen Vorstellung charakterisiert, dann ist es sein Waldreichtum. Stolz nennt sich die vom Mainviereck und dem Kinzigtal im Norden be­grenzte Region „das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands". Historisch scheint dies auch nur fol­gerichtig, nachdem die Mainzer Erzbischöfe als größter Grundbesitzer kaum Besiedlung zuließen und allenfalls Jagdaufsehern, Glasmachern oder Holzfällern ein karges Auskommen erlaubten. Schließlich tat die populäre Vorstel­lung von den Hauff'schen Spessarträubern ein Übriges den Mythos einer urtümlichen Landschaft zu prägen.

Schwer fällt heute die Vorstellung, daß der Spessart früher nicht nur das stille, abgeschottete Jagdrevier der Mainzer Erzbischöfe war, sondern auch intensiv handwerklich-indu­striell genutzt wurde. Der Wald als natürlicher Rohstoff be­feuerte unzählige Glashütten, hielt die Sudpfannen der Orber Salinen am Köcheln und brachte die Ofen zahlreicher Eisenhämmer und Verhüttungswerke zum Glühen. Nichts davon ist geblieben außer der Erinnerung an tatkräftige Unterneh­merfamilien, wie die heute noch in Lohr ansässigen Rexroths - und die wenigen Reste früherer Produktionsstätten. Der Spessart, dessen Wälder im 18. Jahrhundert akut gefährdet waren, durchlief gewissermaßen eine umgekehrte Entwick­lung: von der Industriealisierung zurück zur Natur.

Oder war alles ganz anders? Jenseits der „Klischees von Wald, Armut und Räubern” erweise sich der Spessart nach den Untersuchungen des „Archäologischen Spessart-Projek­tes” (ASP) als ein Mittelgebirge, das seit Jahrtausenden vom Menschen geprägt und verändert worden sei. So massiv, daß vor 200 Jahren mancherorts regelrechter Holzmangel ge­herrscht habe. Wer es nicht glaubt, den lädt das bei den Städ­tischen Museen Aschaffenburg angesiedelte ASP zur Spurensuche ein.

Der Spessart ist eine 8000 Jahre alte Kulturlandschaft. Gerhard Ermi­scher, Vorsitzender des Archäologischen Spessartprojekts und Leiter des städtischen Museums Aschaffenburg feilt daran, den Spessart von seinem verstaub­ten Wald‑ Räuber‑Armut Klischee zu be­freien und ihm ein attraktiveres Image zu verleihen. Dazu muß das kulturelle Selbstver­ständnis der Bewohner gefördert und den Besuchern die Einzigartigkeit der Land­schaft nahe gebracht werden. Der Wald hat sich nicht zufällig, sondern ähnlich wie eine Stadtstruktur entwickelt. Der Wert der Landschaft läßt sich erst erkennen, wenn man weiß, was in ihr steckt. Um ein modernes Spessartbild zu formen, fertigen ausgewählte Künstler Skulpturen aus einheimischen Rohstoffen und Fertigprodukten. Die Werke sollen in Rohrbrunn und Bad Orb ausgestellt wird.

Das Archäolo­gische Spessart‑Projekt ist eine Schöp­fung des Main‑Kinzig‑Kreises, des Main‑ Spessart‑Kreises, der Landkreise Miltenberg und Aschaffenburg und der Stadt Aschaffenburg. Diese Gebietskör­perschaften hatten ihren gemeinsamen Weg in Sachen Kulturlandschaft Spes­sart 1995 beim Spessart‑Kongreß in Bad Orb besiegelt. Die Trennung in die hessische und bayerische Hälfte dürfe nicht als Hindernis wirken, betonte Landrat Eyerkaufer. Ähn­lich wie im Odenwald sollten grenzüber­greifende Aktionen verstärkt zwischen den Landratsämtern abgesprochen wer­den.

Ein Ziel des Archäologischen Spessart‑Pro­jekts, das unter Leitung von Dr. Gerrit Himmelsbach steht, ist es, das oftmals durch Trivialliteratur recht verklärte Bild des hessischen und bayerischen Spessarts wieder „zurechtzurücken“, es also wieder an der Realität zu orientieren. Dies soll durch die Präsentation von kulturellen Entwicklungen in Natur und Gesellschaft des Spessarts geschehen.

Das archäologische Spessartprojekt soll den Spessart in seiner, naturräumlichen Ausdehnung wissenschaftlich erforschen und seine archäologischen Bodendenkmä­ler erfassen und erschließen. Ziel des Pro­jektes ist es, das historische Selbstver­ständnis zu fördern und den Spessart Be­wohnern wie Besuchern näher zu bringen.

Das Archäologische Spessart-Projekt hat sich die Erforschung und Vermittlung der Kul­tur­landschaft Spessart zum Ziel gesetzt. Herzstück der Vermittlung sind die Kulturrund­wege die gemeinsam mit Vereinen und Interessierten Personen in den Spessartgemeinden entwickelt und von diesen auch gepflegt und mit Leben erfüllt werden. Die The­menvielfalt der Wege spiegelt dabei den Reichtum der Geschichte und die Vielfalt der Natur  im Spessart wider. Die Bedeutung des Spessarts als Sied­lungsraum, Rohstoffquelle und Verkehrs­weg und deren Veränderungen im histori­schen Kontext werden dargestellt.

 

Das Archäologische Spessart‑Projekt, die Naturparke Bayerischer und Hessischer Spessart und der Spessartbund arbeiten an der Erschließung der Europäischen Kulturlandschaft Spessart. Gemeinsam teilen sie sich die Aufgabe der wissenschaftlichen Erforschung, der Erhaltung des Naturraums als ballungsnahes Erholungsgebiet, der Anlage und Betreuung von Wanderwegen sowie der Vermittlung des Spessarts als Kulturlandschaft. Die Europäische Kulturlandschaft Spessart fördert das historische Selbstverständnis und bringt es Bewohnern wie Besuchern nahe. Abseits der Klischees von Wald, Armut und Räubern erweist sich der Spessart als eine Landschaft, die schon seit der Jungsteinzeit vor fast 8.000 Jahren vom Menschen geprägt und geformt wurde. Menschliche Aktivitäten veränderten über die Jahrtausende die Zusammensetzung der Vegetation und haben den Wald immer wieder zurückgedrängt, bis die Armutsperiode zwischen 1750 und 1950 die ereignisreiche Vergangenheit vergessen ließ. Viele Zeugnisse dieser Landschaftsnutzung durch den Menschen haben sich erhalten, die uns erlauben, ihre Entwicklung zu verfolgen. Die Geschichte des Spessarts ist eine Kulturgeschichte, die der Öffentlichkeit durch Publikationen, Ausstellungen, Wanderwege, Folder und via Internet präsentiert wird.

 

Seit 2000 werden 35 Kulturrund­wege ausgewiesen. Hinweistafeln und Faltblätter informieren den Besucher. Markiert werden alle diese Kulturrundwe­ge durch Schildchen mit einem gelben EU­-Schiff­chen auf blauem Grund. Dies ist das Zeichen dafür, daß das Archäologische Spessart‑Projekt dem „European Cultural Paths“ angegliedert ist, ein von der Euro­päischen Union initiiertes und unterstütz­tes Projekt. Dazu gehören neben dem Spes­sartprojekt unter anderem auch das Avaldnes‑Projekt in Norwegen, die Erfor­schung des Kaali‑Meteoriten‑ Kraters in Estland und das Projekt „Bronzezeit in Südwest‑Fünen“ in Dänemark. Speziell ausgebil­dete und geprüfte Kultur-Landschaftsführer bieten eine große Vielfalt an Themenführungen. Es werden insgesamt 13 Bürgerin­nen und Bürger zu Kultur‑ und Land­schaftsführern ausgebildet. Sie sollen Besuchergruppen vor Ort auf naturkundli­che, kulturhistorische oder auch sportliche Schwerpunkte hinweisen.

 

 

Bewußt ist das von der Europäischen Union geförderte Vorhaben populärwissenschaftlich angelegt, damit Einheimi­sche wie Besucher „den Spessart mit anderen Augen sehen”, vor allem eben seine Kulturgeschichte. Als Herzstück des ASP gilt die Einrichtung eines „Kulturwegenetzes” um zwölf ausgesuchte Ortschaften. Als erstes wurde der acht Kilometer lange Pfad „Fuhrleute und Wallfahrt” bei Fram­mersbach eröffnet.

 

 

Die einzelnen Wanderwege:

 (1)  Biebergemünd‑Bie­ber: „Bieberer Acht, Bergbau und Naturschutz“ (12 Kilometer).

           Startpunkt: Bieber, Biebergrundmuseum oder wahlweise Wiesbüttsee.

 (2) Flörsbachtal‑Lohrhaupten: „Die älteste Spessart‑Pfarrei“ (9 Kilometer).

            Startpunkt: Kirche.

 (3) Gelnhausen-­Höchst: „Dorfgeschichtlicher Rundweg“

 (4) Bischbrunn: „Die Jagd des Prinzregen­ten“

 (5) Kahl: „Der Braunkohletagebau“ (auch Bereich Großkrotzenburg)

 (6) Frammersbach: „Fuhrleute und Wall­fahrt“

 (7) Frammersbach: „Waldbewirtschaftung“.

 (8) Neustadt am Main: „Karolingisches Missionszentrum“

Kloster Neustadt ist eine der ältesten und bedeutendsten Anlagen dieser Art in der fränkischen Region und wurde bereits 768 vom zweiten Würzburger Bi­schof Megingoz gegründet. Der dortige Rundweg, etwa zwölf Kilometer lang, geht vom Kloster aus zum Margarethenhof und zum Forsthaus Aurora und der Michaels­kirche.

 (9) Partenstein: „Schwerspat und Eisenbahn ‑ Parten­steins Sprung in die Industrialisierung“.

Auf gerade einmal drei Kilometer Rundweg wird auf den Bau der königlich-baye­rischen Ludwigs‑West­-Bahn im Jahre 1854 eingegangen und des­sen Auswirkungen auf Partenstein und den Schwerspat‑Abbau dargestellt.

(10) Lohr­-Wombach: „Multita­lent Waldarbeiter“. Auf zehn Kilometern Rundweg wird die

Bedeutung der Wälder und der Holzproduktion im Spessart doku­mentiert, vor allem auch in Hinsicht auf den Arbeitsplatz des Waldarbeiters.

(11) Haibach: „Ritter, Fürst und Wellekip­per“. Diese drei Kilometer lange Rundweg befaßt  sich mit dem Haibacher Wasser, das bereits im Mittelalter bei den Mainzer Erzbischöfen einen guten Namen hatte, mit der Ketzelburg und der alten Haiba­cher Tradition, Krüppelholz in großen Bündeln zu verschnüren ‑ daher kommt der früher gebräuchliche Spitzname „Wel­lekipper“ für die Haibacher.

(12) Kleinwallstadt: Gesamttitel ist „Am Weißen Leimen“ (Gesamtlänge von 25 Kilometern).

Die drei Teilbereiche sind „Vom Templerhaus zur Waldenburg“ (neun Kilometer), „Kunst und Kirchen“ (sieben Kilometer) und „Die Eichelsbacher Paßhöhe“ (elf Kilometer).

(13)  Lohr‑Rupperts­hütten: „Alle Wege führen nach Rom“ (zehn Kilometer).

Gemeint ist mit „Rom“ allerdings nicht die italienische Hauptstadt, sondern Ruppertshütten, dessen Bewohner von den Nachbarn als „Römer“ bezeichnet werden. Historischer Hintergrund dafür ist, daß die Ruppertshüttener während der Gegen­reformation zum katholischen Glauben zu­rückkehrten, dank des Wirkens des Volks­predigers Martin von Cochem.

 

Flörsbachtal­-Mosborn: „Eine planmäßige Siedlung des 18. Jahrhunderts“.

„Vom grünen Fieber zur jüngsten Spessartsiedlung“

Flörsbachtal-Flörsbach: „Grenzdorf an der Spessartkreuzung“ (12 Kilometer).

            Startpunkt: Brunnen im Dorf

Flörsbachtal-Kempfenbrunn/Mosborn: „Vom Grünen Fieber zur letzten Spessart-Kolonie“  (8 Kilometer)  Startpunkt: Parkplatz bei Kirche.

Heigenbrücken: „Die Heigenbrü­ckener Sandsteinformation“.

Wiesen: „Wirtschaftsstandort Wiesen, mittelalterliche Wirtschaftsförderung,“.

Weibersbrunn: „Die Autobahn A 3“.

Schlüchtern‑Ramholz: „Drei Burgen“, eine Verbindung zwi­schen Vogelsberg und Rhön: Die              Steckelburg, die Grabstät­te der Familie von Kühlmann und die Burg Schwarzenfels.

Steinau‑Marjoss: „Die Wässerwie­sen im Spessart“.

Biebergemünd‑Kas­sel: „Der Ringwall Alteburg: Von Kassel in Richtung Alteburg, weiter nach Hergersfeld, zum Wirtheimer Kringel und zurück nach Kassel (Ringwälle).

Bie­bergemünd‑Wirtheim: „Die Wüstung Hergersfeld“.

Gelnhausen-Höchst: „An alten Handelswegen“ (4 Kilometer). Gasthaus „Zum Hirschen“.

Alle Wege führen nach Höchst ‑ so zumindest erscheint es, wenn man sich vor Augen hält, daß insgesamt fünf Straßen die Ortsgeschichte von Höchst mitbestimmt haben.

Sinntal‑Alten­gronau: Hier  soll Götz von Berlichingen mit sei­nem Zitat lebendig werden.

Lohrhaupten: Schwerpunktthemen sind die Kreuzung der alten Handelsstra­ßen Eselsweg und

Birkenhainer in der Flörsbacher Gemarkung, die Wirtschaftsform der Eichenlohegewinnung, sowie die Historie des Dorfes.

 

Birkenhainer Straße 2: Freigericht.

Birkenhainer Straße 3:Geiselbach-Huckelheim

 

Alzenau: Route 3 Michelbach/Albstadt  „Vom Ringwall zum Landsitz“,

Alzenau: Es fehlt noch Westerngrund, Krombach, Mömbris, Alb­stadt und Alzenau.

 

Kahl: Route 2:Um die Kahler Vorstadt.

Kahl: „Am Reich der Sandhasen – Zweiländerweg“(Beginn am Kahler Wasserturm) beginnt

Dettingen: Das Dettinger Te Deum“.

 

Bad Orb: „Orber Dornstein“.

Bad Orb. „Sagen‑Rundweg“

Bad Orb: „Der Grenzstein‑Rundwanderweg“

 

Jossatal„Perlen der Jossa“

 

Der UNESCO‑Geopark Bergstraße‑Odenwald vermittelt durch die Geopark-Wege, die Geopark‑Eingangstore und ein reichhaltiges Veran5taltungskonzept besondere Einblicke in Erdgeschichte und Kulturlandschaft.

Odenwaldklub e.V. Prinzenbau im Staatspark Fürstenlager 64625 Bensheim Tel. 0 62 51 / 855 856 www.odenwaldklub.de

 

Spessartbund e.V., Strickergasse 1 6a, 63739 Aschaffenburg

Tel. 0 60 21 / 152 24. www.spessartbund.de

 

UNESCO Geopark Bergstraße‑Odenwald, Geschäftsstelle Nibelungenstr. 41, 64653 Lorsch

Tel. 062 51 / 707 99 2o , Fax 0 62 51 / 707 99 25, www.geo‑naturpark.de

e‑Mail: info@geo‑naturpark.de

 

Archäologisches Spessart‑Projekt, Schlossplatz 4, 63739 Aschaffenburg

Tel. 0 60 21 336 74 – 15, Fax 0 60 21 336 74 – 30, e‑Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

www.spessart3rojekt.de

 

 

 

Urkunde mit einer deutlichen Ohrfeige                                                            30.06.2008

Naturpark Spessart erhält Qualitäts-Zertifikat - Wirrwarr bei den Wanderwegen angeprangert.

Jetzt stehen die Vor- und Nachteile im Naturpark Spessart schwarz auf weiß auf dem Papier. Das Resultat: Die Waldregion auf der östlichen Seite des Main-Kinzig-Kreises ist zertifiziert worden - ein hoher qualitativer Standard ist erreicht. Ein schönes Bonbon, über das sich neben den hauptamtlichen vor allem die ehrenamtlichen Mitstreiter freuen dürfen. Doch es gibt auch Probleme, allen voran ein schier unüberwindliches Wirrwarr von Wanderwegen. Dieses Thema scheint jetzt wieder in den Mittelpunkt der Diskussion zu rücken.

Extra aus Wiesbaden kam Staatsminister Jürgen Banzer angereist, um an der Klosterruine in Hanau-Wolfgang das offizielle Zertifikat des Verbandes Deutscher Naturpark (VDN) an den Ersten Kreisbeigeordneten Günter Frenz, dem Vorsitzenden des Spessart-Zweckverbandes, zu überreichen.

Ein kleiner Akt, eine große Urkunde, die nun eingerahmt und aufgehängt werden kann: „Der Spessart ist nun ein Qualitäts-Naturpark". Das hört sich auf dem Papier gut an, lässt Beobachter aber ins Grübeln über den Sinn der derzeit grassierenden Zertifizierungswut kommen. Ob der Spessart nun ein weiteres Siegel hat oder nicht, dürfte Tieren und Menschen, die den Wald nutzen, eigentlich egal sein. Doch in diesem Fall macht die kleine Untersuchung, die von auswärtigen Kennern vorgenommen wurde, wirklich Sinn. Denn auf der einen Seite, das strich Kreisbeigeordneter Frenz besonders heraus, haben die ehrenamtlich engagierten Naturparkführer, die seit mehreren Jahren aktiv sind und neben Schulklassen ihr Expertenwissen auch an Erwachsene weitergeben, das Angebot deutlich aufgewertet.

Zu den Stärken zählen daher auch das Netzwerk aus den Bereichen Naturschutz, Verwaltung und Tourismus, worüber sich Frenz als zuständiger Referent besonders freute. Ebenso wurde die Kreativität der Beteiligten sowie die Unterhaltung eines eigenen Pflegetrupps für die Naturpark- Anlagen ausgiebig gelobt - soweit die Haben-Seite.

Ein eingehender Blick auf die festgestellten Schwächen innerhalb des Naturparks soll die Einrichtung und die Arbeit der Mitarbeiter keineswegs abwerten. Dennoch ist es eine deutliche Ohrfeige für viele Beteiligte, die durch Kleinkrämerei den Gesamteindruck schmälern. Denn es scheint, als ob beim Thema „Spessart" viele Köche den Brei verderben. Gemeint sind dabei alle beteiligten Kommunen und Verbände. Die Qualitätsprüfer kommen nämlich zu einem recht negativen Urteil: „Zu viele selbstbewusste Akteure im Spessart und Kommunikationsprobleme in der Zusammenarbeit", attestieren sie, sehen „Bürokratiegrenzen“ bei der Zusammenarbeit über die hessisch-bayerische Grenze hinweg, bemängeln die „enge personelle Besetzung“ und kommen zu dem Schluss: „Der Spessart kann den hohen Ansprüchen nicht immer gerecht werden.“

Besonders deutlich wird dies für Wanderer: Wer nicht gerade einen kurzen Rundgang machen will und nicht Kartografie studiert hat, ist in dem 80 Quadratkilometer umfassenden Gebiet mit 500 Kilometern Wanderwegen oft hoffnungslos verloren. „Das ist ein großes Manko“, bestätigt Fritz Dänner, der Naturpark-Geschäftsführer. Zwar bietet der Spessartbund ein hervorragendes Kartenmaterial für Naturfreunde an, doch die Wirklichkeit wird darauf nicht immer abgebildet. Immer neue Wege mit neuen Schildern versperren den Blick auf den richtigen Weg.

„Das liegt daran, dass Spessartbund, Kommunen und weitere Verbände, die Themenwege einrichten, alle für sich arbeiten“, sagt Dänner. Die zahlreichen ehrenamtlichen Naturparkführer, die gekommen waren, kennen das Problem hautnah: „Es ist ein Wirrwarr, in diesem Bereich muss etwas geschehen.“ Und an positiven Gegenbeispielen mangelt es nicht: Auf der bayerischen Seite hat beispielsweise der Spessartbund das Sagen. „Auch im Odenwald ist die Situation viel besser, dort wird alles von einer Hand organisiert“, pflichtet Dänner bei. Die Verbesserung der Situation sieht er als eine „Herkulesaufgabe“ an. Doch mit der Zertifizierung hat zumindest der Zweckverband des Naturparks nun ein schlagkräftiges Argument in der Hand, um alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. Vielleicht hilft die Qualitätsuntersuchung auf diese Weise, die „Irrwege“ durch den Spessart zu beseitigen.

 

 

 

 

 

 

Ergänzung zur untergeordneten Datei „Kinzigtal“

 

 

 

Linsengericht

Linsengericht liegt südlich von Gelnhausen im Kinzigtal an den Hängen der sanft ansteigenden Berge des Spessarts. Ein Teil des Gemeindegebiets liegt im „Naturpark Spessart“. Auf die frühe Besiedlung des Gebietes der heutigen Gemeinde Linsengericht weist eine keltische Fliehburg auf dem Hainkeller-Kopf hin.

Schon im frühen Mittelalter bildeten die genannten Gemeinden eine nur dem Kaiser untertänige „Freie Marktgenossenschaft“, das Gericht Hasela, das volkstümlich „Linsengericht“ hieß.

Was außerhalb der umhegten Dorfmarken war, galt als Allmende, als gemeinsames Eigentum, wie es auch beim Markwald der Fall war. Der gemeinsame Besitz des Markwaldes („Gerichtswald“ Altenhaßlau, etwa  1284 Hektar) und das gemeinsame Kirchenspiel waren bis zum Gemeindezusammenschluss im Jahre 1970 wichtige Bindeglieder der fünf Gemeinden.

Der Name „Linsengericht“ wird erstmals am 12. September 1240 erwähnt. Für die Deutung des Namens gibt es verschiedene Möglichkeiten: Die fünf Dörfer waren mit für die Versorgung der benachbarten Kaiserpfalz bei Gelnhausen verantwortlich. Vor allem Linsen sollen als Zehnt an die von Kaiser Friedrich Barbarossa gegründete Burg geliefert worden sein, zum Beispiel für den Gelnhäuser Reichstag anno 1180.

Die andere Deutung des Ortsnamens basiert auf der lokalen Gerichtsbarkeit, die um „keiner Linse Wert vom Recht abgewichen“ sein soll. Oder der Name wird von „Lindengericht“ (= Gericht unter der Linde) hergeleitet.

Ursprünglich war das Gericht Reichsgut und unterstand nur dem Kaiser. Im 13. Jahrhundert gehörte es zum Bistum Würzburg, das es an die Ritter von Trimberg als Lehen weitergab, bis es dann an Hanau kam. Die niedere Gerichtsbarkeit übte der Zehntgraf in Altenhaßlau aus.

Die Verwaltung der Gemeinde Linsengericht befindet sich in Altenhaßlau, das traditioneller wie heutiger Mittelpunkt ist. Anläßlich der 750-Jahr-Feier des Linsengerichter Hauptortes Altenhaßlau hat man auf dem „Linsenrain“ die bikonvex geformten Samenkörner vermehrt, aber an sich bleibt die Vermehrung der Schmetterlingsblütler heute wärmeren Gefilden überlassen. Nach traditioneller Ernte mit der Sense und schweißtreibendem Dreschen mußte die Suppe mit Import-Gemüse angerührt werden.

Die Linsengerichter von heute haben eher mit High-Tech als mit der Landwirtschaft zu tun. Die landschaftlich attraktive Lage der Dörfer im Naturpark Hessischer Spessart trifft mit einer guten Anbindung an wichtige Verkehrsadern zusammen. Dank der direkt angrenzenden ehemaligen Kreisstadt Gelnhausen ist eine gut ausgebaute Infrastruktur zu finden. Dies hat Linsengericht zu einer bevorzugten Wohnsitzgemeinde für Menschen aus dem Rhein- Main-Ballungsraum werden lassen, die sich den Traum vom Eigenheim im Grünen erfüllen. Ein Großteil der Arbeitnehmer unter den 10.400 Einwohnern pendelt täglich nach Westen zu den Industriestandorten.

 

Geschichte:

1240  Am 20. September wird das Gericht (Linsengericht) erstmals erwähnt

1240  Erstmalige Erwähnung von Altenhaßlau als „Hasela“

1288  Erste urkundliche Erwähnung von Eidengesäß unter dem Namen „Ytzengesesze“

13. Jht. Bau der evangelischen Martinskirche in Altenhaßlau

1326  Erste urkundliche Erwähnung von Lützelhausen als „Lutzelnhusen“

1334  Erste urkundliche Erwähnung von Großenhausen als „Groczinshusen“

1398  Erste urkundliche Erwähnung von Geislitz als „Giselhartes“

1806  Bau des Rathauses in Eidengesäß

1889  Bau des neuen Schulhauses in Eidengesäß, das 1950 umgebaut und aufgestockt wurde

1908  Bau der Wasserleitung in Lützelhausen

1909  Bau der Wasserleitung in Eidengesäß

1911  Bau eines Schulhauses in Geislitz

1914  Bau der Wasserleitung in Geislitz

1920  Lützelhausen, Eidengesäß und Geislitz erhielten elektrisches Licht (bis 1922)

1935  Durch Rodung eines großen Waldstückes wird der Weiler Waldrode gegründet

1938  Bau eines Schwimmbades in Eidengesäß, das im Krieg wieder geschlossen wurde.

1953  Anlegen des ersten Weinberges in Großenhausen

1953  Erstellung des Feuerwehrgerätehauses und des Dorfgemeinschaftshauses in Eidengesäß

1956  Einweihung des Rathauses und der evangelischen Kirche in Geislitz

1961  Einweihung des Feuerwehrgerätehauses in Lützelhausen

1963  Bau der Gemeinschaftsschule zwischen Eidengesäß und Geislitz

1963  Bau der katholischen St. Johanneskirche in Altenhaßlau

1965  Verschwisterung von Altenhaßlau mit St. Etienne du Bois (Frankreich)

1965  Bau einer evangelischen Kirche in Großenhausen

1970  Zusammenschluß der Dörfer Altenhaßlau, Eidengesäß, Geislitz und Großenhausen

          zur Großgemeinde Linsengericht

1970  Beginn der „Beschützenden Werkstätten“ und des Kindergartens in Altenhaßlau

1971  Lützelhausen schließt sich der Großgemeinde an

1971  Umbau des Dorfgemeinschaftshauses in Eidengesäß zu einem Kindergarten

1972  Baubeginn der Umgehungsstraße in Lützelhausen

1972  Bau der Kreissonderschule „Brentanoschule“ in Altenhaßlau (bis 1973)

1980  Einweihung der Schule „Martinschule“ in Altenhaßlau

1980  Entstehung eines Festplatzes, zwei Sportplätze mit Vereinsheim in Geislitz

1981  Umbau der alten Schule zum Bürgerhaus mit Saal in Eidengesäß

1985  Ehemaliges Schulhaus in Geislitz wird als Kindergarten genutzt

1985  Entstehung eines evangelischen Pfarrhauses in Eidengesäß zusammen mit Geislitz

1987  50-Jahr-Feier von Waldrode

1988  Bau einer Turnhalle mit Clubräumen sowie 5 Tennisplätzen in Lützelhausen (bis 1989)

1989  700-Jahr-Feier von Eidengesäß

1990  750-Jahr-Feier von Altenhaßlau

1989  Umbau des „Hanauischen Amthofes“ und der „Zehntscheune“, heute Rathaus

1995  25-jähriges Jubiläum der Großgemeinde Linsengericht

Kinzigaue bei Gelnhausen:

Naturschutzgebiete in Hessen, Band 1, Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau, Seite 123.

 

 

Altenhaßlau:

Auf der Autobahn bis Gelnhausen-West fahren in Richtung Linsengericht und dann links hinein nach Altenhaßlau. Zuerst trifft man links auf die Reinhardskirche. Sie wurde 1725 erbaut als Jagdzeughaus der Landgrafen von Hanau. Im Jahre 1818 wurde sie durch Landgraf Reinhard von Hanau (daher der Name) der lutherischen Gemeinde als Kirche zur Verfügung gestellt. Im Jahre 1963 erfolgte der Umbau zum jetzigen Gemeindehaus (Jugendheim). Im Obergeschoß des Hauses befindet sich ein schöner Barocksaal. Auf der rechten Seite der Straße steht die Reinhardtsschänke mit zwei alten Grabsteinen, das im Jahre 1976 von der Gemeinde erworben und 1983 /84 umgestaltet wurde mit einem Saal mit 450 Sitzplätzen. . An der Ecke Metzgergasse steht ein kleines Brauhaus.

Ein Stück weiter steht links die evangelische Martinskirche. Ursprünglich hatte die Kirche den Namen  „St. Martin“. Doch 1818 wurde sie in „Wilhelmskirche“ umbenannt, erhielt aber 1968 wieder die Bezeichnung „Martinskirche“. Sie wurde erbaut im 11./12. Jahrhundert (auf der Tafel an  der Kirche steht 6. – 8. Jahrhundert) als eine Kapelle, die später zur Wehrkirche ausgebaut wurde. Der Chor ist um 1230 erbaut von der Bauhütte der Marienkirche in Gelnhausen. Äußerlich charakteristisch ist der gedrungene Turm mit einem achteckigen verschieferten Spitzhelm über vier Spitzgiebeln aus dem 14. Jahrhundert. Der Chor mit gotischem Kreuzrippengewölbe und Knospenkonsolen geht auf die Zeit um 1230 zurück. Die Sakristei wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Vom Baustil her ist das heutige Gotteshaus eine frühgotische Chorturmkirche mit teilweise noch romanischen Bauteilen und einem barocken Kirchenschiff aus der Zeit von 1752-1753.

Im Jahre 1958 wurden Erweiterungen an der Westseite und eine Renovierung durchgeführt. Die  Erneuerung der Kirchenmauer, der Treppe und des Vorplatzes wurden 1980 durchgeführt. In und an dem Gotteshaus befinden sich Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert, darunter mehrere Wappensteine. Zur Ausstattung der Kirche gehören Abendmahlskannen aus dem Jahre 1695 und Brotteller aus dem Jahre 1705, jeweils mit Stifternamen. Die Kanzel wurde 1752 und der Altar 1958 erbaut. Die Orgel wurde von der Firma Bernhard Schmidt, Gelnhausen, unter Verwendung von Teilen der Barockorgel aus dem Jahre 1768 erstellt.

An der Ecke Amtshofstraße steht der Amtshof, ein hanauisches Amtshaus aus dem 16. Jahrhundert mit Zehntscheune, das zum Rathaus mit Heimatmuseum umgebaut wurde.

Nördlich der Kirche stehen zwei große Hofgüter mitten im Ort. Mit Hilfe des hessischen Dorferneuerungsprogramms wurden etliche Fachwerkhäuser saniert und Scheunen zu attraktiven Wohnungen umgebaut.

Am Ende der Hauptstraße biegt man nach rechts in die Straße nach Eidengesäß ein, dann gleich wieder links in die Sandhohle und dann noch einmal links in die Sackgasse Strumpelburg. Dort steht in einem von einer Mauer umgebenen Garten der so genannte „Jussowsche Tempel“.

Er ist ein klassizistisches Kleinod von kreisrundem Grundriß. Im Jahre 1806 entwarf der Baumeister des hessischen Kurfürsten Wilhelm I., Heinrich Christoph Jussow, das Gebäude als Gartenpavillon. Bauherr war Carl Friedrich Buderus zu Carlshausen, Berater des Kurfürsten und Wahl-Linsengerichtler. Er war es, der den Frankfurter Münzhändler Mayer Amschel Rothschild mit dem Landesherrscher zusammenbrachte und so den Aufstieg der Rothschilds zu mächtigen Bankern ermöglichte. Der Freizeithistoriker Richard Arnoldi hat hartnäckig für die Rettung des lange unbeachteten „chinesischen Tempels“ gekämpft und die geschichtlichen Zusammenhänge in Erinnerung gerufen. Das bewog sogar Elie Baron de Rothschild, eines der Oberhäupter der Rothschild-Dynastie, die Gemeinde mit dem einprägsamen Namen zur 750-Jahr-Feier zu besuchen.

 

In Altenhaßlau steht auch das „Sportcenter Kinzigtal“, das 1974 durch Kurt Bechtold erbaut wurde, mit 8 Kegelbahnen und 4 Bowlingbahnen sowie zwei Tennisfeldern unter einem Dach.

Die katholische Gemeinde versammelt sich in der St. Johanniskirche von 1963/64.

[Achtung: Wenn man von Eidengesäß nachAltenhaßlau kommt und auf die Autobahn in Richtung Hanau will, dann muß man schon nach links in die Hauptstraße abbiegen, sonst wird man nach Gelnhausen-Ost geleitet].

 

Linsengericht-Lützel:       (Besuch verbinden mit Biebergemünd) Führungsblatt 106

Lützelhausen, (lützel = klein) erscheint urkundlich erstmals 1326 als „Lutzelnhusen“. Hweute heißt der Ort aber nur „Lützel“ und ist nicht zu verwechseln mit Freigericht-Lützelhausen. Um 1400 wurde der Ort von dem Zusammenbruch einer großen Bergwerksanlage betroffen, in der nach Eisen und Kupfer geschürft wurde und von der bis heute große Mulden der Tagbaustollen zurückgeblieben sind.

Der Zugang zum Ringwall erfolgt entweder vom Hufeisenhof auf am Hang entlangführenden Wegen südlich der Bergkuppe „Raue Heil“ zum Hainkeller (1,65 Kilometer). Oder vom Parkplatz „Breitenborner Höhe“ an der Straße Eidengesäß nach Breitenborn auf mäßig ansteigenden Waldwegen in weitem Bogen zum Bergsporn des Hainkellers (2,2 Kilometer). Dieser Weg dürfte bequemer sein als von weiter unten an der Straße nach Breitenborn oder direkt von Lützel den Hang aufwärts.

Aus dem nord-süd-verlaufenden Höhenzug, der das Tal der Bieber von der Kinzig und ihrer Talweitung südlich Gelnhausen trennt, ragt als östlicher Ausläufer der „Rauen Heil“ (435,4 Meter) der breite Bergsporn des Hainkellers in das Tal des Lützelbaches vor, der unweit von Lanzingen in die Bieber mündet.

Vom Talgrund aus, über den er sich fast 200 Meter erhebt, erscheint er als isolierte Kuppe, besitzt aber nur im Norden, Osten und Süden steile Abhänge, während er im Westen über einen flachen Sattel mit dem Höhenzug verbunden ist. In die Nordseite der Kuppe ist von Osten her ein steilgeböschtes Tälchen eingeschnitten und verleiht dem Berg hier eine eigenartige Naturgestalt.

Um die Bergkuppe zieht ein doppelter Ringwall, der offensichtlich namengebend für den ganzen Berg war. Von ovaler Gesamtform, queren beide Wallinien den Bergsattel, halten sich auf der Nord- und Ostseite möglichst auf der Höhenlinie, erreichen ihren tiefsten Punkt im Südosten und ziehen auf der Südseite in gleichmäßiger Steigung wieder zum Sattel hoch.

Der Verlauf des inneren Walles ist wesentlich durch die natürlichen Gegebenheiten bedingt. Angelegt am leichten Wiederanstieg der Bergkuppe an der Ostseite des nur über eine Strecke von etwa 60 Meter ebenen Sattels, umfaßt er im Norden das Tälchen, an dessen westlichem Abschluß und nördlichem Rand er geführt ist. Dadurch ist im Nordwesten eine scharfe, fast rechtwinklige Ecke ausgebildet. Im Bereich hinter der Ecke hat eine Eingrabung auf einer Terrasse des Tälchens Anlaß zu der Vermutung gegeben, hier habe zur besseren Übersicht und Verteidigung ein Holzturm gestanden (Rundschanze E bei Thomas). Es handelt sich jedoch eindeutig um eine neuzeitliche Eintiefung, wie sich eine weitere ganz ähnlich direkt hinter der Ecke findet, die auf Bergbauversuche oder Schatzgräberei zurückgeht.

Das Tor in den inneren Bering, der mit einer Gesamtlänge von 600 Metern eine Fläche von knapp 2,4 Hektar einschließt, lag auf der Nordseite. Es war ein einfacher Durchlaß von 2 bis 3 Meter Breite in der Wehrmauer. Seine Umgebung ist zergraben und verändert, wie der gesamte Wall durch Steinentnahme, Schatzgräberei, Überfahren und Forstkultur schwerstens gelitten hat und nur noch an wenigen Abschnitten mit Innen- und Außenböschung eine Höhe von rund einem Meter erreicht.

Der äußere Wall, den Bergsattel an seiner Westseite querend, ist dem inneren im mittleren Abstand von 20 bis 30 Metern, nur im Sattel bis fast 50 Meter vorgelegt, und umfaßt mit 780 Meter Länge eine Fläche von knapp 4,4 Hektar.

Auch er ist schwer beschädigt und war zudem durch seine Lage tiefer am Hang der Erosion stärker ausgesetzt, so daß er mit Ausnahme des westlichen Teils über größere Strecken gar nicht mehr, sonst nur noch als Geländestufe vorhanden ist.

Das vermutlich einzige Tor lag unterhalb des Innentores auf der Nordseite und war als Tangentialtor, d. h. mit übereinandergreifenden Mauerenden gebaut. Diese Situation ist kaum mehr nachvollziehbar, da gerade hier ein Windbruch infolge der Orkane des Frühjahrs 1990 und anschließende Forstarbeiten den ehemaligen Wallverlauf fast unkenntlich gemacht haben; auf der Gegenseite im Süden hat das Überpflügen des Walles zur Anlage von Forstkulturen denselben Erfolg gezeitigt.

Zwischen den beiden Wällen liegt im Bergsattel zwischen den Zufahrtswegen ein durch kleine Erd- bzw. Steinwälle begrenztes Viereck von knapp 15 x 20 Metern. Es muß bei neuzeitlichen, forstlichen (?) Maßnahmen entstanden sein, die hier eine ebene Fläche geschaffen haben, und hat mit der früheren Besiedlung der Anlage nichts zu tun. Ebenso sind in der Literatur genannte Podien innerhalb und vor allem außerhalb der Wälle am Nord- und Osthang des Berges keine Zeugnisse der Besiedelung, sondern Überreste von Windbrüchen.

Zur Wasserversorgung der Befestigung konnten mehrere Quellen dienen, die allerdings erst wesentlich tiefer am Hang austreten. Die nächstgelegene befindet sich am Osthang in über 200 Meter Entfernung vom äußeren Wall und trägt - im Zusammenhang mit einer Sage, die Riesen als Erbauer und Bewohner der Wälle ansah - den Namen Riesen-Klotze-Born oder Riesenklosborn. Eine andere Quelle weit im Nordwesten der Anlage wurde als Hainborn bezeichnet.

Die zu den vorliegenden Wällen verstürzten Mauern muß man sich als Holz-Stein-Erde-Mauern mit senkrechter Vorder- und Rückfront vorstellen, die zum überwiegenden Teil aus dem anstehenden Buntsandstein erbaut waren.

Vor ihnen verlief kein Graben, was zu der irrigen Annahme geführt hat, den Erbauern sei die Mühe des Aushebens eines Grabens zu groß gewesen und sie hätten stattdessen lieber eine zusätzliche Mauer, den äußeren Bering, errichtet! Tatsächlich ist der Graben jedoch kein Bestandteil vorgeschichtlicher Befestigungsanlagen und war nach dem Stand der Kriegskunst und Belagerungstechnik gar nicht notwendig.

Vom Hainkeller sind Funde bisher nicht bekannt; was bei den umfänglichen Wühlereien und Zerstörungen gefunden worden sein mag, ist verloren. Grabungen haben noch nicht stattgefunden oder sind nicht überliefert. Ein Schnitt durch den Außenwall an der Westseite sollte von einer Grabung stammen. Nach Form und Anlage dürfte die Befestigung in die Frühlatènezeit gehören, die frühe keltische Zeit im 4./3. Jahrhundert vCh.

Ein gerne konstruierter Zusammenhang mit vermuteter vorgeschichtlicher Nutzung der Orber Salzquellen oder vermutetem vorgeschichtlichem Eisenbergbau im Biebertal ist reine Spekulation. Völlig in das Reich der Phantasie gehört auch die Konstruktion eines Befestigungssystems im Biebertal, zu dem neben dem Hainkeller die in ihrer Zeitstellung völlig unterschiedlichen Anlagen der Alteburg bei Wirtheim, der Alteburg bei Kassel und auf dem Burgberg bei Bieber herangezogen wurden. Der Hainkeller war zu seiner Zeit ständig bewohnter, befestigter Mittelpunkt eines größeren Siedlungsgebietes, das vermutlich weit über das Biebertal hinausreichte.

 

Eidengesäß:

Eidengesäß wurde 1288 erstmals erwähnt. Eidengesäß war der Ort der Korbmacher, die ein für den Spessart typisches Handwerk ausübten. Der letzte Korbmacher war Erwin Weizel, der die letzten Reste des Pulverholzes eingemottet hat, aus dem er über viele Jahre Schinker und Schanzen geflochten hat, also Körbe höchst unterschiedlicher Art. Bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Eidengesäß eine weit und breit einmalige Korbmacherdichte. Weitzel: „In jedem dritten Haus war einer.” Mit 2 500 Einwohnern ist Eidengesäß heute eine reine Wohngemeinde und Mittelpunkt des Fremdenverkehrs der Gemeinde Linsengericht. Wildpark, Angelweiher und 20 Kilometer markierte Wanderwege bieten reiche Abwechslung.

Wenn man von Altenhaßlau her durch den Ort fährt geht rechts die Bergstraße ab, an der die Kirche steht.

Die im Jahre 1349 erbaute Marienkapelle ist die heutige evangelische Gemeindekirche. Sie war ursprünglich eine dem St. Veit geweihte Kapelle. Der frühgotische Chor ist um 1300 gebaut. Das Kirchenschiff stammt aus der Zeit um 1750. Turm und Sakristei wurden 1906 erbaut (Jahreszahl über dem Eingang,). Im Chorraum wurde ein Teil des barocken Orgelprospektes aus der ehemaligen Reinhardskirche in Altenhaßlau (1749) wiederverwendet.

Zum Tiergehege kommt man über die Straße nach Breitenborn. Am Ende des Ortes geht es rechts ab. Der Weg macht einen Linksbogen zwischen den Sportplätzen hindurch und trifft auf einen anderen Weg, in den man rechts einbiegt. Dort ist nach einigen Metern das Gehege. Man fährt dann wieder die Hauptstraße zurück und am Kriegerdenkmal geradeaus Richtung Geislitz.

 

Geislitz:

Geislitz wurde als „Giselhartes“ 1398 erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem 30jährigen Krieg war es nach Einwohnern mit 242 Personen für kurze Zeit die größte Gemeinde im „Gericht Altenhaßlau“. Heute leben in Geislitz 1.275 Einwohner. Im Dorf biegt man links ab, um nach Hof Eich zu kommen. Am Ortsausgang am Friedhof steht die evangelische Kirche von 1955-56. Auf der Kreisstraße geht es links, dann wieder rechts Richtung Großenhausen. Rechts der Straße nach Großenhausen ist der Wingertsberg, wo Wein angebaut wurde.

 

Großenhausen:

Großenhausen, als „Groczinshusen“ erstmals 1334 urkundlich aufgeführt, besaß bis vor einigen Jahrzehnten einen 100 Meter tiefen Stollen, in dem Schwerspat abgebaut wurde. In den sogenannten „Blaulöchern“, den Flachsdarren, wurde Flachs gewonnen. Rechts geht die Gelnhäuser Straße ab, von der links der Kirchweg abgeht. Hier steht die evangelische Kirche von 1964-66, die eine Kanzel aus der Reinhardskirche in Altenhaßlau hat Wenn man aber auf der Geislitzer Straße weiter in den Ort fährt geht links die Straße „In der Ecke“ ab, die zu einem Krötenweiher und Wildweiher führt. Dann fährt man auf der Durchgangsstraße weiter, nicht links nach Horbach, sondern auf der Lützelhäuser-Straße nach Lützelhausen.

 

Freigericht: Somborn, Neuses, Horbach, Altenmittlau, Bernbach

(Siehe auch „Kahlgrund“)

Die Gemeinde umfasst die Ortsteile Altenmittlau, Bernbach, Horbach, Neuses und Somborn und hat 14.700 Einwohner und ist als bekanntes Naherholungsgebiet in den Naturpark Spessart eingebettet.

Die Gemeinde Freigericht hat Ihren Ursprung im Centgericht Somborn, das bis zum Teilungsvertrag von 1748 zwischen der Grafschaft Hanau und Kurmainz mit den Centgerichten Alzenau, Hörstein und Mömbris die Markgenossenschaft „Freigericht Willmundsheim vor der Hart“ bildete. Ausdrücklich wurde im Teilungsvertrag bestimmt, daß die bestehenden Rechtsverhältnisse nicht angetastet werden dürfen. Die kirchliche Rechtsprechung übte im Centgericht Somborn das Erzbistum Mainz aus. Daher blieben die fünf Ortsteile der heutigen Gemeinde Freigericht überwiegend katholisch.

 

Kulturweg: „Freigerichter Bucht“ (12 Kilometer) (Birkenhainer Straße 2)

Der Kulturweg führt zunächst über Felder und Wiesen von Neuses nach Horbach. Im zweiten Teil erreichen Sie auf Waldwegen das Hofgut „Frohnbügel“. Entlang der Birkenhainer Straße führt die Route zurück zum Ausgangspunkt. Vom Startpunkt des Kulturweges am Fernblick ist die Aussicht auf Vogelsberg und Wetterau besonders schön. Deshalb und wegen des schönen Rundblicks von Station 3 erhielt der Kulturweg den Namen „Freigerichter Bucht“:

Fernblick (bei Neuses),  Neuses, Rundblick (bei Neuses), Steinbruch Altenmittlau, Horbach,) Frohnbügel.

Der Kamm wird an der letzten Station Frohnbügel erreicht und öffnet das Panorama bis zum Odenwald. Vom Frohnbügel hat man die Wahl, entweder auf bayerischer Seite den europäischen Kulturweg Birkenhainer Straße 1 „Im Krombacher Landgericht“ zu gehen, oder auf der hessischen Seite den europäischen Kulturweg Birkenhainer Straße 2 „Freigerichter Bucht“ weiter kennen zu lernen, auf dem man gute Aussichten hat. Näheres zum Frohnbügel bei Krombach. Näheres über die Gaststätte, die man auch gut vom Kahlgrund her aufsuchen kann, in der Datei „Kahlgrund, Krombach“.

 

Hufeisen und Franzosenkopf: Der Franzosenkopf ist mit 481 Meter die höchste Umgebung von Freigericht. Er gehört bereits zur Buntsandsteinformation des Hochspessarts. Größere Bekanntheit in der Region hat der Name „Hufeisen“, der den Sattel zwischen dem Franzosenkopf und der sich nördlich anschließenden Bergkette bezeichnet. Beide Orte spielten unterschiedliche Rollen in der Geschichte der Region, von denen ihre Namen zeugen. Am Hufeisen befand sich die letzte Schmiede an der Birkenhainer Straße vor der Spessartdurchquerung. Erst in Gemünden am Main konnten Pferde wieder beschlagen werden. Der Franzosenkopf trägt seine Namen vermutlich von einer Geschützstellung der napoleonischen Armee, die damit im Oktober 1813 auf dem Rückzug nach der Völkerschlacht bei Leipzig den Weg durch das Kinzigtal kontrollieren wollte.

 

Bernbach:

Von der Straße von Niedermittlau nach Altenmittlau biegt man nach Osten ab nach Bernbach. Im Ort ist an der Nordseite der Straße ein Bildstock. Wo die Durchgangsstraße nach links abbiegt, steht links die frühere Filialkapelle, die 1718 aus Mitteln der politischen Gemeinde erbaut und 1874 erweitert wurde. Im Jahre 1876 wurde eine kleine Barockorgel eingebaut. Bis 1908 wurde die Kapelle für Gottesdienste genutzt. Die Orgel wurde 1908 in die neue Kirche gebracht. Bis 1970 diente das obere Geschoß als Schule, das untere Geschoß wurde als Bürgermeisteramt genutzt. Türmchen, Fenster und Portal wurden 1907 entfernt. Heute befinden sich darin Schulungsräume und ein Sprechzimmer für die Gemeinde Freigericht.

Nach links geht es in die Altenmittlauer Straße und rechts in die Schulstraße zur Kirche.

Von 1907 bis 1908 wurde die katholische Kirche „St. Bartholomäus“ erbaut. Der neuromanische rote Sandsteinbau mit seitlich angebautem Glockenturm wurde im Jahre 1928 von Carl Schmauß aus Fulda ausgemalt. In den Jahren 1974-1975 wurde die Sakristei angebaut und der Innenraum modernisiert. Dabei wurden die Seitenaltäre sowie die Kanzel entfernt.

Zuerst kommt man in die Beichtkapelle mit einer Christusfigur mit Kreuz und zwei Holzfiguren. Die Innenausstattung des Gotteshauses besteht aus einem Altartisch aus grünem Marmor, darüber ein Holzkruzifix, links der Tabernakel, an der Rückwand der Grundstein. Im Chor befinden sich vier Fenster, wobei die beiden mittleren Buntfenster links Bartholomäus und rechts Bonifatius zeigen. Im Querschiff über den Eingängen zur Beichtkapelle und der neuen Sakristei befinden sich je eine siebenteilige Buntrosette im mittleren Kreis; links Mutter Anna mit Maria  (mit Bezug zur ehemaligen Mutterkirche St. Anna, Somborn), rechts St. Josef mit dem Jesuskind.

Im Dreijochschiff sind vier große und acht kleine bleiverglaste Fenster. Die Empore trägt die Orgel aus dem Jahre 1934, erweitert 1964 von der Firma Späth (Ennetach). Auf drei Rundbögen hinter der Orgel sieht man eine siebenteilige Buntrosette mit Cäcilia im Mittelkreis.

Über die Schulstraße geht es wieder zur Altenmittlauer Straße und dort links nach Altenmittlau.

 

Altenmittlau:

An der Durchgangsstraße steht rechts eine Kapelle, die frühere Kirche (vor der man auch parken kann). Sie wurde 1749 erbaut und wird seit 1902 von der Kirchengemeinde zu Versammlungen genutzt und 1950 weiter ausgebaut. Sie dient der Kirchengemeinde heute als Gemeinde- und Jugendraum. Außerdem befindet sich ein Raum für die Missionsgruppe (Kolpingzeichen) unter dem Gemeindesaal. An der Kirche ist das Gefallenendenkmal und eine Gedenktafel für Pfarrer Konrad Trageser (1884-1942), geboren in Altenmittlau und ermordet im KZ Dachau.

Oberhalb steht die katholische Kirche „St. Markus“ Am 6. Mai 1900 wurde der Grundstein gelegt,  da die im Jahre 1749 erbaute alte Kirche nicht mehr den Erfordernissen entsprach. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das neugotische Gotteshaus am 23. September 1902 geweiht. Wegen der hohen Kosten konnten die Säulen im Innenraum damals nicht aus Sandstein ausgeführt werden, sondern wurden in runder Form gemauert.

Den holzgeschnitzten Altaraufbau fertigte die Firma Busch in Steinheim. Im Jahre 1905 erklang erstmals eine von der Firma Ratzmann (Gelnhausen) erbaute Orgel. Zerstörungen an  der Kirche durch Granateinschläge wurden nach Kriegsende wieder behoben. Zum 50jährigen Jubiläum wurde das Gotteshaus im Jahre 1952 renoviert. Nach all den Jahren der Restaurierung und Erneuerung der St. Markuskirche wurde am 28. April 1974 der neue Altartisch konsekriert. Die rechte Kapelle soll dem Gedächtnis der Taufe dienen, die linke (entstanden aus der früheren Sakristei) der Verehrung der Schmerzensmutter.

In den Rundbogen über den Kapellen stehen die Figuren Petrus und Paulus. Zwischen Altar und Schiff ist eine alte Marienplastik (etwa 1780) aus der alten Kapelle vom Restaurator Kiel neu gefaßt worden. Die Statuen des Hl. Markus, des Hl. Wendelinus und der Hl. Barbara stehen ebenfalls im Gotteshaus. Der Kreuzweg ist aus Terrakotta und stammt aus dem Jahre 1956. Im Jahre 1967 wurde eine Sakristei angebaut. Im Jahre 1970 wurde das Dach durch Wegnahme der Gauben und des Dachreiters über dem Chorraum vereinfacht. Der spitze Kirchturm ist an die Kirche angebaut. Hinter der Kirche steht ein Stein, der an die Beschießung durch die Amerikaner am 30. März 1945 (Karfreitag) erinnert, durch den die Kirche erheblich beschädigt wurde. Die Kirche ist in der Regel nicht geöffnet.

Die Freigerichter Kleinbahn verkehrte von 1904 bis 1955 zwischen Gelnhausen und Langenselbold. Sie erschloss das Freigericht für den Personenverkehr sowie für den Transport von Gütern, insbesondere von Sand aus der Grube bei Neuses. Zwischen Altenmittlau und Horbach verläuft der Weg auf der ehemaligen Bahntrasse. Dabei passiert man den übrig gebliebenes Viadukt (nicht zu finden).

 

Südöstlich von Altenmittlau liegt der Steinbruch. Die eine Zufahrt erfolgt zwischen Altenmittlau und Horbach, wo der Wegweiser „Servator“ steht.

Auf dem ausgedehnten Gelände des Steinbruches Schmitt wurde bis 1970 Dolomitgestein abgebaut und zu Kalk gebrannt, danach als Material für den Straßenbau (A 66) und zur Herstellung von Düngemitteln verwandt. Seit 1998 findet kein Abbau mehr statt, der Steinbruch wird saniert.

Hier sind drei wesentliche Schichten des jüngsten Erdaltertums (des Perm) aufgeschlossen: Gegen Ende des Erdaltertums (Paläozoikum) wurde vor 300 Millionen Jahren das Grundgebirge des Spessarts herausgehoben, das Variskische Gebirge. Nordwestlich vor dem Spessart erstreckte sich ein Meeresbecken, das bis zum Taunus reichte. In dieses Becken transportierten vor 260 Millionen Jahren (unteres Perm) Bäche aus den umgebenden Gebirgen durch Verwitterung entstandene Gerölle, Sande und Tone, die hier eine rotbraune und graugefärbte Schichte bilden („Rotliegendes“). Diese Ablagerungen bilden die Basis des Steinbruchs. Sie sind  in einer Grube neben dem Eingang zum Steinbruch und am 200 Meter weiter westlich (links) am Wegesrand angeschnittenen Berghang aufgeschlossen.

 

Unmittelbar nach der Zeit des Rotliegenden wurden vor 250 Millionen Jahren gelbliche Sande und Gerölle, zum Teil verbacken (Konglomerat) von Bächen des Spessarts und auch des Taunus hier am Rande des Meeresbeckens abgelagert. Diese Ablagerungen werden als Zechstein konglomerat bezeichnet. Auf diesen Ablagerungen wuchsen damals vor allem Nadelbäume. Durch den Abbau des darüberliegenden Dolomitgesteins im Steinbruch wurde auf der alten Oberfläche Abdrücke der ehemaligen Nadelbäume des Typus Voltzia Hexagona (Bischoff) Geinitz wieder sichtbar; solche Funde sind  in Deutschland sehr selten.  Die Funde sind im Heimatmuseum Somborn ausgestellt.

In der nachfolgenden Zechsteinzeit des oberen Perm wurde das Gebiet überflutet und besaß eine Verbindung zum nördlichen Meer, der späteren Nordsee. Nun wurde der Zechsteindolomit über dem Konglomerat abgelagert. Das gut geschichtete Dolomitgestein ist hier noch mit einigen Metern Mächtigkeit erhalten. Mit ihm schließt vor 225 Millionen Jahren das Erdaltertum ab. Neben etwa 30 Mineralien wie Malalchit, Mimetesit, Calcit, Bleiglanz, Dolomitkristallen ist das Vorkommen des Minerals Azurit im hiesigen Dolomitgestein von besonderer Bedeutung. Azurit ist in Jahrmillionen aus kupferhaltigen Lösungen entstanden und bildet tiefblaue (azurfarbene) Kristalle, die sich zu größeren Aggregaten zusammenlagern. Wegen der gut ausgeprägten Kristalle und des reichen Vorkommens gilt der Steinbruch in Altenmittlau weltweit als eine der wichtigsten Fundstellen und wird in den Mineralien-Fachbüchern bevorzugt erwähnt. Sogar auf einer Briefmarke des Staates Guinea in Westafrika findet sich das Abbild eines in Altenmittlau gefundenen Azuritkristalls.

Das Motiv ähnelt dem eines Azuriten in einem Mineralienlexikon, der aus dem Steinbruch Altenmittlau stammt. Heute ist der Dolomit mit seinen Mineralien nur noch an der Westseite des Steinbruchs rechts neben dem Wohnhaus Schmitt relativ gut aufgeschlossen (oberhalb der Burgstraße).

 

Horbach:

Horbach wird erstmals 850 urkundlich erwähnt. Aus gefundenen Grabbeigaben schließt man, daß schon 2400 vCh Menschen in dieser Gegend lebten. Wenn man von Westen nach Horbach hineinkommt, biegt man nach links ab in Richtung Geislitz. Von der Hauptstraße biegt links die Kirchstraße ab. Dort steht die neue Kirche. Da die Platzverhältnisse in der alten Michaelskapelle zu eng geworden waren, befaßte man sich mit dem Neubau einer Kirche. Bischof Josef Damian Schmitt erklärte den Kirchenbau in Horbach für den dringendsten Fall in der ganzen Diözese. Es galt nun zunächst einen geeigneten Bauplatz zu finden. Darüber vergingen Jahre, dann kam der 1. Weltkrieg dazwischen, dennoch wurden Spenden gesammelt um den Neubau zu ermöglichen.

Im Winter 1923/24 wurden die Fundamente ausgehoben und am 10. November 1924 fand die Grundsteinlegung statt. Die Steine wurden im Gemeindewald am „Neuen Weg“ im Nässlichgrund gebrochen, harter Glimmerschiefer. Daß Horbach eine Barockkirche bekam, war nicht zuletzt der Weisung von Bischof Josef Damian zu verdanken. Die Einweihung fand am 26. September 1926 statt. Durch die Not zusammengeschmiedet, vollbrachten die Horbacher in Eigenleistung eine große Gemeinschaftsarbeit. Äußerlich wurde die Kirche in den letzten Kriegstagen 1945 durch mehrere Geschosse getroffen.

Im Inneren kommt man zuerst an der Turmkapelle vorbei. Dort befinden sich die schmerzhafte Muttergottes (Pietà), der Hl. Joseph am linken Bogen der Turmkapelle und ein  Totentanz (aus einem Kriegergedächtnis).

Rechts vom Aufgang zur Empore ist der Hl. Bruder Konrad (nicht von Wohlfahrt, sondern aus einer Werkstatt in Bensheim). Die Kirche hat Glasfenster mit Engeldarstellungen, barockumrahmt. Eine Orgel ist auch vorhanden.

Die bedeutendsten Ausstattungsgegenstände sind über dem rechten Seitenaltar das Gemälde „Die Aufnahme Mariens“, vermutlich aus der Schule Rembrandts, und  bemalte Holzplastiken, die vom Bildhauer Wohlfahrt aus Steinheim hergestellt wurden: das Kruzifix über dem Hochaltar, Erzengel Michael als Drachentöter auf dem linken Seitenaltar und die Kanzel, überhöht von dem Posaunenengel,

Die Hauptstraße etwas weiter nach Norden ist auf der rechten Seite ein Platz, an dessen Ostseite die St.‑Michaels‑Kapelle steht. Entstanden ist sie im 11. oder 12. Jahrhundert. Horbach war bis ins 19. Jahrhundert noch keine eigenständige Pfarrei. Für Gottesdienste diente die kleine St.‑Michaels‑Kapelle. Nach 1926, mit der Einweihung einer neuen, großen Kirche, wurde sie profaniert, so daß sie heute Eigentum der politischen Gemeinde ist.

Ende der achtziger Jahre machten Sanierungsarbeiten archäologische Untersuchungen der St. Michaelskapelle erforderlich. Hierbei konnten insgesamt vier Bauphasen nachgewiesen werden.  Alle vier Bauten folgen ungefähr dem gleichen rechteckigen, ostnordöstlich ausgerichteten Grundriß. Am deutlichsten sind die vier Phasen innen an den Chorerweiterungen und dem früher unterschiedlichen Fußbodenbelag ablesbar. Für den ersten Bau, ein einfacher Rechtecksaal, fehlen datierende Anhaltspunkte. Der zweite Bau, aus starkem, massivem Bruchsteinmauerwerk, dürfte im 13. Jahrhundert entstanden sein und bis ins ausgehende 14. Jahrhundert bestanden haben, wie es datierende Funde - darunter eine Münze - belegen. Im Grundriß unterscheidet er sich lediglich durch die kleine Apsis von seinem Vorgänger. Die dritte Kapelle, für die eine Nutzung, bis ins 17. Jahrhundert angenommen werden darf, erhielt einen größeren, polygonalen Chorraum, der an die Längswände des zweiten Baues angefügt wurde.

Die heute noch sichtbare Form erhielt die Kapelle 1700/1701, wie aus einer Urkunde hervorgeht, erneuert wurde sie 1897. Nach den Ausgrabungen 1988 wurde sie von der Gemeinde Freigericht restauriert und ist seit 1992 kultureller Mittelpunkt Horbachs.

Wenn man auf der Hauptstraße fährt in Richtung Waldrode, kommt man zum Naturschutzgebiet Hardt bei Bernbach (oben auf der Höhe links ist eine Schranke). Aber man sollte es nur bei Interesse aufsuchen (Naturschutzgebiete in Hessen, Band 1, Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau, Seite 110). Man fährt dann wieder zurück nach Horbach.

Von der Hauptstraße biegt man nach links in die Straße nach Geiselbach ein. Hier geht es im Nässlichgrund zum Parkplatz am Gondelteich. Südlich des Gondelteiches verläuft der Naturpfad Freigericht. Dort beginnt auch ein fünf Kilometer langer, mit einem Eichblatt markierter Rundweg zum Fronbügel. Bevor man die Gaststätte erreicht, geht es steil bergauf.

Vom Parkplatz Goldelteich geht es zu Fuß weiter. Zunächst über die Straße und über den Bach. Nach links geht es dann zur Kneippanlage, deren Hütte sonntags ab 14 Uhr geöffnet ist. Der Ortsteil Horbach ist staatlich anerkannter Erholungsort.

Nach rechts geht es zur 700 Meter entfernten romantischen Mariengrotte. Links ist zunächst ein Gesteinsaufschluß mit Wohnungen von Feuersalamandern. Man muß immer auf dem  Weg im Tal bleiben. Die Mariengrotte wurde von der Kirchengemeinde in einem ehemaligen Steinbruch in den Jahren 1945-1949 als Dank für den Schutz in den letzten Kriegstagen errichtet. Ortspfarrer Anton Biba, Kaplan Aloys Schön und der Fuldaer Theologe Dr. Karl Biba, der aus Horbach stammt, gaben den Anstoß zum Bau der Grotte, der aber wegen Mangel an Baumaterial so lange dauerte.

Im Freigericht gab es eine Reihe von Mühlen. In Altenmittlau, Somborn und Neuses sind  zehn Mühlen belegt. Eine Mühle zu Horbach wurde 1594 erwähnt. Vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es zwei Mühlen, die aber im Krieg zerstört wurden und 1590 wieder aufgebaut wurden. Besitzer waren 1735 Johannes Keßler und Conrad Peltz. Eine dritte kleine Mühle soll am Krötenbach gestanden haben. Der Mühlgraben etwas oberhalb des Weges zur Mariengrotte gehörte zur Bibamühle, die 1917 stillgelegt wurde.

Man fährt dann wieder zurück nach Horbach. An der Kirche vorbei fährt man nach Norden in die Mühlenstraße, dann nach rechts in die Wingertstraße und dann nach links in die Schulstraße. An der Schule geht es links in die Straße Spessartblick.

Am Ende des Sportplatzes geht es rechts nach Norden. An der Nordwestseite des Sportplatzes wählt man den mittleren Weg, der steil nach unten führt (wo die Schranke ist). Nach gut 300 Metern sieht man rechts eine Fatima-Kapelle mit Altar von 1958, dahinter links ein Grab Jesu.

Wieder in Horbach biegt man im rechten Winkel nach links ab nach Neuses. Kurz vor den ersten Häusern von Neuses steht links ein Schild „Gasthaus Fernblick“. Hier fährt man nach links ab und dann rechts hoch (bis zur Gaststätte ist der Weg freigegeben).

 

Neuses:

Der im Jahr 2000 eröffnete Aussichtsturm am „Fernblick“ lädt zu einem ersten Eindruck beim Blick nach Norden auf die Freigerichter Bucht ein bis zur Ronneburg. Eine Tafel zeigt die Richtung der Orte, die man sehen kann.

Die Station bietet einen 360-Grad-Rundblick einschließlich der Nordspessart‑Flanke. Im Süden beherrscht die Kette der Spessarthügel das Bild, im Norden reicht der Blick über das Kinzigtal hinaus zur Ronneburg bis in den Vogelsberg. Von hier lassen sich fast alle Kirchtürme der Gemeinde Freigericht sehen: im Süden Neuses, im Osten Horbach, im Norden Altenmittlau und im Westen Somborn. Rundblicke dieser Art sind im Spessart sehr selten, weshalb auf der Panoramatafel die Namen der sichtbaren Berge und Ortschaften eingezeichnet sind ‑ und darüber hinaus, z.B. von Frankfurt, das hinter den südwestlichen Hügeln liegt.

Von Neuses aus erreicht man den Rundblick, wenn man von der Bahnhofstraße nach Norden den Eselsweg geht, am Ortsende nach links in Richtung ein kleines Wäldchen, östlich des Wäldchens ist der Rundblick:

Entlang der Birkenhainer Straße befinden sich mehrere Gruppen von Grabhügeln. Das weist darauf hin, daß der Verkehrsweg schon in vorgeschichtlicher Zeit von Bedeutung war. Durch gut sichtbare Grabanlagen entlang einer vielbefahrenen Handelsstraße wollte man den Verstorbenen eine Bedeutung über den Tod hin aus geben. Aber auch zwischen Neues und Horbach wurde ein Grabhügel gefunden, in dem übereinander Gräber der Schnurkeramiker, Glockenbecherkultur und der Hallsteinzeit gefunden wurden. In einem Horbacher Grabhügel wurde eine hölzerne Grabkammer nachgewiesen und eine Feuersteinklinge aus dem mittleren Loiretal, ein Beleg für den regen Austausch zwischen weit entfernten Regionen.

 

Etwas unterhalb des Turms liegen die Reste der Rotfeldeiche. Es ist nicht bekannt, ob die Rotfeldeiche früher einen bestimmten Ort bezeichnet hat oder einem bestimmten Zweck diente. Vielleicht stand sie einst and er Wegeverbindung von Neuses zur Birkenhainer Straße. Möglicherweise wurde sie aber einfach beim Roden der großen Wiesenfläche (dem „Rodfeld“)  stehen gelassen. Wegen ihrer landschaftsprägenden Erscheinung wurde sie 1977 unter Naturschutz gestellt. Am 19. Januar 2007 fiel die bereits seit einigen Jahren von einem unheilbaren Pilz befallene Rodfeldeiche dem Sturm „Kyrill“ zum Opfer. Ihr Alter ist nicht bekannt, sie wird aber auf mindestens 300 Jahre geschätzt. Der Stamm soll als Zeugnis der Veränderung der heimischen Landschaft so liegen bleiben, wie er im Sturm fiel. Der Stamm hat einen Durchmesser von 1,5 Meter und einem Umfang von 7,6 Metern am Fuß. Die Eiche war wohl über 25 Meter hoch. Wenige Schritte von hier gedeiht aber schon ein junger Nachkomme für den gefallenen Riesen.

 

Der Ort Neuses wird erstmals um 1000 in einem Seligenstädter Zinsregister erwähnt. Die katholische Kirche „St. Wendelinus“ in Neuses wurde 1899 von Adolph Ludorf aus Alzenau gebaut. Sie hat keinen ausgesprochenen Stil, ist einschiffig und aus Ziegelsteinen erbaut, die 1974 verputzt wurden. Lediglich die Ziegelsteine um die Fenster wurden ausgespart.

Die Tür auf der Rückseite ist geöffnet. Auf der Rückseite der Kirche ist eine modern gestaltete Mariengrotte mit einer Gedenktafel für den Geistlichen Rat Josef Vogel, der von 1962-84 Pfarrer in Neuses war.

Adolf Amberg lieferte den Entwurf für die Bemalung von 1909. Das Innere wurde 1974 neu gestaltet. Die Decke wurde durch eine Holzdecke ersetzt. Im Chor wurde die Kreuzigungsgruppe, die früher auf den Altar statt, an der Wand angebracht. Altar, Tabernakel und Taufstein sind vom Bildhauer Kirsch, Petersberg. entworfen und hergestellt worden. Eine barocke Madonna mit Kind wurde auf der rechten Seite aufgestellt. Auf der linken Seite steht der Taufstein (nicht Kanzel) mit den Evangelisten und dem Guten Hirten. Auch an der Orgelempore findet sich der Gute Hirte. An den Wänden des Schiffes wurden rechts der Hl. Josef und links der Hl. Wendelinus angebracht. Ein Holzschnitzer aus Wüstensachsen fertigte den Kreuzweg an. Die Orgel wurde von der Firma Karl Börner, Rodenbach. hergestellt. Die Kapelle in Neuses (neben der Kirche?) wurde im Jahre 1731 erbaut und wird heute als Jugendraum genutzt.

Adolf Amberg wurde las Sohn Neuseser Eltern 1874 in Hanau geboren, eine Straße in Neuses ist nach ihm benannt.. Er war Meisterschüler an der Berliner Akademie. Sein erstes großes Werk war der Entwurf eines Eheschließungszimmers im Heilbronner Standesamt. Bei der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 zeigte er zusammen mit Professor Otto Rieth einen über drei Meter hohen Brunnen als Allegorie auf die deutsche Musik, wofür er eine Silbermedaille erhielt. Wenig später schuf er das Aachener Ratssilber, eine prunkvollen Tafelaufsatz, der ausschließlich benutzt wurde,  wenn der deutsche Kaiser Aachen besuchte. Seine ausgezeichneten Federzeichnungen erinnern an Albrecht Dürer.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1903 hielt er sich häufig in Neuses auf. Für das Grab seiner Mutter schuf er eine Kupferplatte einer Mutter mit Kind. Im Jahre 1913 wurde er im Grunewald in Berlin tot aufgefunden.

 

Der Beruf des Portefeuillers wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Neuses heimisch, nachdem um 1845 das Portemonnaie aus Leder erfunden worden war. Zentrum der Lederwarenindustrie war Offenbach, die aber Zulieferer im Rodgau hatte und mit dem Ausbau der Verkehrswege auch im Vorspessart. Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte das Handwerk noch einmal einen Aufschwung, weil die großen Produktionsanlagen in Offenbach beschädigt waren .Es wurden nun auch Portefeuilles und Etuis aus lederähnlichen Kunststoffen und Textilien hergestellt, es wurden Futterstoffe, Schaumstoff, Wollpapier, Nieten, Ösen, Schnallen und Druckknöpfe verwandt. Heute gibt es den Beruf des „Portefellers“ nicht mehr.

 

Somborn:

Wenn man von Neuses in den Ort kommt, wird man in die Karlsstraße geleitet und links geht die Straße Zangenborn ab. Dort steht die katholische Kirche „St. Anna“ (bis 1842 St. Peter und Paul). Eine Urkunde über die Entstehung der Pfarrei Somborn ist nicht bekannt. Zum ersten Male wird in einer Urkunde von 1184 der Zehnte der Pfarrei Somborn erwähnt. Die erste steinerne Kirche, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut wurde, war wahrscheinlich gotisch. Da dieses Gotteshaus um 1700 baufällig wurde und die Zahl der Gläubigen gestiegen war, wurde in den Jahren 1719-1724 die neugotische (nicht barocke) St. Peter und Paul-Kirche errichtet.

In den Jahren 1868 - 1870 fand eine bauliche Veränderung statt. Es wurden das Längs- (Mittel) Schiff und der Chor in Nordsüd-Orientierung unter Einbeziehung der alten Barockkirche als Querschiff in neu romanischem Baustil mit Kassettendecke erstellt. In den Jahren 1911-1913 wurden die beiden Seitenschiffe mit Muttergottesapsis und der zweite Turm erbaut. Die Türme bekamen einen spitzen viereckigen Helm und wurden durch einen Querbau miteinander verbunden. Die Fensterumrahmungen der zweiten Kirche wurden an den Seitenwänden wieder verwendet.

Im alten Chor steht ein Barockaltar von 1719. Hinter dem neuen Altar steht ein übergroßer siebenarmiger Leuchter. Links vom Chor ist eine Pietà, rechts der Tod des Joseph. Die Kanzel aus Stein ist sehr filigran gestaltet. Die Kirche ist ausgestattet mit den Plastiken Johannes Nepomuk 1740, hl. Anna 1730, Guter Hirte 1720, Mutter Gottes 1730, hl. Joseph und einige Puttenengel, Anna Selbdritt (1754 von Hofmann, Aschaffenburg). Eine Kreuzigungsgruppe von Anton Wermerskirch 1710 soll an der Westseite der Kirche stehen, ist aber nicht zu finden.

Die Orgel wurde von der Firma Michael Weise in Plättling a.d.D. geliefert und am 9. Oktober 1960 eingeweiht. Es gibt auch noch eine Schwesternhauskapelle, erbaut 1904 in gotischem Stil mit einer holzgeschnitzten Statue des hl. Antonius und eine evangelische Kirche von 1963/64 mit freistehendem Turm.

Man fährt dann die Durchgangsstraße weiter und kommt in die Bahnhofstraße. An der Ampel geht es links in die Hanauer Straße und dann gleich wieder links in die Hauptstraße (Einbahnstraße). Dort steht rechts die „Alte Apotheke“ mit dem Freigerichter Heimatmuseum und daneben das Gasthaus „Freigericht“ (heute Steakhouse). Man kann auf dem kleinen Parkplatz ein Stück weiter rechts parken. Dort ist eine Gedenktafel für den Missionsbischof Bernhard Schilling, der 1914 in Somborn geboren wurde und seit 1949 in Neu-Guinea wirkte.

Vom Parkplatz kann man wieder direkt zur Bahnhofstraße fahren, wieder nach links zur Ampelkreuzung, jetzt aber nach rechts in die Hanauer Straße bis zu einem Kreisel. Dort fährt man in Richtung Gondsroth heraus.

 

 

Wanderung Horbach:

Die Tour beginnt am Parkplatz „Gondelteich”, etwa 400 Meter nach Horbach in Richtung Geiselbach. Hier ist eine Wandertafel, die eingehend studiert werden sollte. Denn für die erste Etappe hinauf zum Frohnbügelhof gibt es zwei Alternativen. Da ist einmal der linkerhand emporstrebende, mit dem Eichenblatt gekennzeichnete Weg. Er passiert unter anderem eine nachgebaute Köhlerhütte und einen Glimmerschieferbruch; nicht zu vergessen die Durchquerung herrlicher Mischwaldbestände.

Interesse wecken könnte aber auch die dem Trimmpfad folgende, später mit dem roten Querstrich markierte Route. Für sie sprechen vor allem die Ausblicke. Die auf der erwähnten Wandertafel eingezeichneten Hügelgräber sind allerdings beim besten Willen nicht zu orten. So oder so: Der Aufstieg zum bewirtschafteten Frohnbügelhof ist nach etwa 50 Minuten geschafft (werktags ab 14 Uhr, sonn- und feiertags ab 9.30 Uhr geöffnet, Montag und Dienstag Ruhetag). Dort oben können nun neue Kräfte gesammelt werden. Die Rast sollte jedoch nicht zu üppig geraten - immerhin stehen noch zwei Drittel des Weges bevor.

Die Wandertafel am Frohnbügelhof informiert danach über den Weiterweg in Richtung Geiselbach. Sie empfiehlt hierzu nicht irgendeinen x-beliebigen Wanderweg, sondern die vom „B” begleitete „Birkenhainer Straße”.

Mit dem „B” geht es also ins etwa 1,5 Kilometer entfernte Geiselbach. Dazwischen liegen imposante Fernblicke in den Hochspessart, bis zur höchsten Spessartkuppe, dem von der Funkstation Breitsol gekrönten Geiersberg (585 Meter). Das „B” folgt in Geiselbach zunächst der Straßenmarkierung „Am Frohnbügel”, überschreitet dann die Staatsstraße in Richtung Horbach und zieht bereits wenig später schon wieder hinaus ins freie Feld.

Am Ende des Sportgeländes wählt man den direkt am Ortsschild nach links abknickenden Feldweg, Markierung durch ein rotes Kreuz, das nunmehr hinunter in den idyllischen Näßlichgrund leitet. Das Wegezeichen schlägt im Tal einen Haken nach rechts und überwindet per Holzsteg den Näßlichbach. Danach gilt das rote Rad.

Die neue Markierung lenkt sofort nach links, dem von Waldzungen gesäumten Näßlichgrund entlang. Bald darauf lädt die Horbacher Mariengrotte zum Verweilen ein. Nach diesem beeindruckenden Zwischenstopp neigt sich diese Wanderung dem Ende zu. Weiterhin dirigiert vom roten Rad, ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Startpunkt, den Parkplätzen am „Gondelteich” (Wanderung in Elvira Klein, Spessart, 24).

 

 

 

 

 

Gründau

Zwischen Kinzig und Büdinger Wald liegt die Gemeinde Gründau. Durch den Zusammenschluss der Dörfer Lieblos, Rothenbergen, Niedergründau, Mittel-Gründau, Hain-Gründau, Breitenborn und Gettenbach wurde sie im Zuge der Gebietsreform gebildet. Heute leben in Gründau 14.500 Menschen. Wiesentäler, lichte Waldungen im südlichen Teil der Gründauer Gemarkung und tiefe Wälder nördlich von Breitenborn und Gettenbach machen den landschaftlichen Reiz der Gemeinde aus. Verbunden mit gut ausgebauten Wegen abseits stark befahrener Straßen findet der Gast hier beste Voraussetzungen für erholsame Stunden. Speziell für Wanderer wurden in der Gemeinde Rundwanderwege verschiedener Längen ausgeschildert. Einer davon führt zum Wildgehege im idyllisch gelegenen Ortsteil Gettenbach.

Für weitere Freizeitaktivitäten steht seit kurzem am Gut Hühnerhof in Gettenbach der erste öffentliche Golfplatz Hessens zur Verfügung.

 

Geschichtlicher Überblick:

Um 725 Bau der ersten (Holz‑)kirche auf dem Kirchberg bei Niedergründau.

1173  Ersterwähnung von Lieblos als Libelas.

1217  Ersterwähnung von Niedergründau als Grinda.

1217  Ersterwähnung der Bergkirche am 15. August 1217.

1219  Ersterwähnung von Mittelgründau als Grinda media.

1220  Ersterwähnung von Rothenbergen als Rodinberch.

1252  Ersterwähnung von Gettenbach.

1268  Ersterwähnung von Haingründau als Grindaha in Hayn.

1592  Großbrand in Rothenbergen; mehr als die Hälfte der Anwesen brennt nieder.

1613  Bau der Neuen Herberge bei Lieblos.

Um 1634  Zerstörung des Dorfes Haingründau samt seiner Kirche im Dreißigjährigen Krieg später Wiederaufbau des Dorfes rechts der Gründau.

Um 1700  Verlegung des Gerichtssitzes in die Neue Herberge bei Lieblos.

1813  Napoleon hält sich am 29. Oktober 1813 im Gasthaus Faß in Rothenbergen auf.

1816  Das Fürstentum Isenburg wird auf dem Wiener Kongreß geteilt: Das Gericht Gründau kommt zu Hessen‑Kassel, die Orte Mittelgründau und Haingründau kommen zu Hessen‑Darmstadt.

1825  Gründung einer jüdischen Schule in Lieblos.

1830  Bauernrevolte in den Gründauer Dörfern.

1840  Einweihung der heutigen Bergkirche.

1870  Eröffnung der Bahnstrecke Nidda‑Gelnhausen (Mittelgründau und Lieblos/Roth).

1889  Beginn des Basaltabbaus in Breitenborn.

1935  Kriegsvorbereitungen; Bau einer auch Gründau berührenden Bunkerlinie vom Main bis zur Wetterau, Landung des ersten Flugzeugs auf dem Flugplatz Rothenbergen.

1949  1. April: Aufbau der WIBAU in Rothenbergen.

1951  Eröffnung der Freilichtbühne auf dem Herzberg bei Lieblos.

1953  Einweihung einer neuen Schule in Lieblos.

1953  Einweihung des Schwimmbades in Breitenborn.

1963  Bau der katholischen Christkönigskirche bei Niedergründau (bis 1965).

1963  Bau der Mittelpunktschule Rothenbergen/Niedergründau (bis 1964).

1968  Gründung der Firma Möbel‑Walther in Lieblos.

1972  Gemeinde‑Gebietsreform, Zusammenschluß von Breitenborn, Gettenbach,

          Haingründau, Lieblos, Mittel‑Gründau, Niedergründau und Rothenbergen   

1982  Autobahnanschlüsse Rothenbergen und Lieblos.

1986  Bau des Bürgerzentrums (mit Rathaus) in Lieblos,

1973  bis heute: Bau von fünf Kindergärten, Mehrzweckhallen, Gemeinschaftshäu    sern und Sportanlagen.

 

Lieblos-Roth: Evangelische Paul‑Gerhardt‑Kirche von 1958-59.

 

Rothenbergen:

Katholische Kirche „Christkönig“ von 1965.

Evangelisch-Methodistische Friedenskirche von 1967-69.

 

 

Niedergründau:

Evangelische  Bergkirche, Schieferbergstraße.

Die Bergkirche mit ihrem hochaufragenden Turm krönt den Bergrücken bei Niedergründau. Daneben stehen das Pfarrhaus und das alte Gerichtsschulgebäude. Die ursprünglich dem Heiligen Petrus geweihte Kirche stellt einen der ältesten Siedlungspunkte im unteren Kinzigtal dar. Südlich der Kinzig entstanden durch die Tätigkeit Kilians entlang der alten Birkenhainer Straße um 690 die Martinskirchen in Haßlau, Bieber, Orb und Oberndorf. Am alten Lauf der Kinzigstraße aber gründete man Peterskirchen in Selbold, Gründau und Gelnhausen.

 

Dem Kloster Selbold ging das Patronat allerdings zeitweise wieder verloren, als Stauferkaiser Friedrich I. um 1170 die verschleuderten Reichsgüter in der Gegend wieder an sich zog. Doch 1217 gelang es dem Selbolder Klosterpropst Werner auf einem Kaisertag in Fulda, den Kaiser Friedrich II. von der Rechtmäßigkeit der Schenkung der Gräfin Gisela zu überzeugen, so daß ihm der Besitz der Bergkirche wieder in zwei Kaiserurkunden zugesichert und in weiteren Urkunden vom Erzbistum Mainz wie auch vom Papst bestätigt wurde. Dies ist das Datum der

Ersterwähnung.

Der damalige Inhaber, der Weltpriester Wigand, bleib nach bis 1230 im Besitz der Pfründe. Doch von da an finden sich nur Konventualen des Klosterstifts als Leutpriester und Hilfsgeistliche „Auf dem Berg“. Dies waren unter anderem 1262 Konventsbruder Ulrich, Pfarrer Gerlach von Buchen 1353, Pfarrer Hartman von Rückingen 1357-1366,Wilhelm Brunsack 1446 und Johannes von Breitenbach 1469-1477.

Bei der Auflösung des Klosters Selbold in der Reformationszeit 1543 fiel auch die Bergkirche mit ihrem Besitz wieder an die Erben der Stifterfamilie, die Grafen von Ysenburg, zurück. Der letzte Konventsbruder auf  der Gründauer Pfarrstelle, Nikolaus Müller (Molitor), hat offenbar wie seine Klosterbrüder die Bekenntniswandlung mitgemacht. Er bat aber 1549 um seine Verabschiedung, weil er wegen des „Interims“ nicht mehr öffentlich predigen wollte. Seine Witwe Luisa Millerin erhielt bei seinem Tode 1559 eine Versorgung.

 

Die Peterskirche „Auf dem Berg“ bestand im Mittelalter seit etwa 760 in einer einfachen Urform, von etwa 900‑1553 in einem mittelalterlichen Bau. Graf Dietmar von Selbold, der sich auch „von Gelnhausen“ nannte und ein geborener Graf von Hardeck war, gründet 1108 bei Selbold ein Klosterstift, das er reich mit Grundbesitz ausstattete. Sie schenkte um 1158 die Parochialkirche mit allem Zubehör dem Prämonstratenser-Chorherrenstift in Selbold. Eine seiner Erbinnen, die Gräfin Gisela, gründete die Bergkirche neu. Nach allgemeiner Annahme ließ sie den mittelalterlichen Bau errichten, der bis 1556 bestand und einen gotische Turm hatte. Die erste Kirche stand wahrscheinlich weiter westlich, da unter einem Nebengebäude des alten Pfarrhofes ‑ heute Gemeindehaus ‑ noch ein Keller mit Nischen vorhanden ist, der unter der alten Kirche oder dem ältesten Turm als Krypta gedient haben kann.

 

Der völlige Umbau war 1556/57 durch den starken Verfall von Kirche und Turm notwendig geworden. Da der Herrschaft Ysenburg nun die Pfarrstellenbesetzung zufiel, sorgte sie auch für die Wiederherstellung der Kirche. Nach den erhaltenen Baurechnungen verzehrte Meister Kaspar von Büdingen und andere Baumeister 16 Kronen als er 1556 „die Visierung überantwortet und die Höhe des Turms gemessen“. Den Umbau besorgte Meister Hans von Laubach mit fünf Knechten, und die Zimmerarbeiten machte Meister Hans Bricker.

Der Turm wurde vom 28. August 1556 bis zum 15. Oktober 1557 erbaut. Am 15. Oktober 1557 wurde der Knopf auf den Turm gesetzt. Die Gesamtkosten betrugen 145 Gulden 23 Kreuzer. Die Bauleute ließen von dem romanischen Bau nur das Schiff bestehen, das noch ein kleines abgeschrägtes Rundbogenfenster an der Nordseite zeigte. Auch die angebaute Sakristei besaß ein gleiches Rundbogenfenster. Im Übrigen beherrschte der Spitzbogen an Türen, Fenstern und Gewölben vor. So zeigt es ein Modell von 1863, das im Pfarrhaus aufbewahrt wird.

Die  älteste und größte Glocke ist von 1509, die in scharf gegossenen Neumajuskeln die Inschrift trägt: „Osanna heiß ich, Meister Hans czw Franckfort gos mich MDIX“. Die anderen Glocken gingen  in den Kriegen 1618-48, 1673, 1756 und den Weltkriegen verlor.

Dieser gotische Kirchenbau hat trotz seiner abgelegenen Lage im Dreißigjährigen Krieg sehr gelitten, so daß 1651 eine völlig neue Inneneinrichtung wie neues Gestühl, Emporen und Kanzel fällig waren. Dach und Turm mußten wiederholt ausgebessert werden. Die letzte größere Reparatur der Kirche und des Pfarrhauses erfolgte 1808. Dieser nachmittelalterlichen Bau stand von 1556 bis 4. März 1838.

Den vierten, heutigen Kirchenbau erstellten 1834-1838 die Gemeinden des Kirchspiels Gründau, das sich mit dem alten freien Gericht Gründau deckte (bis 1648: Roth, Lieblos, Rotenbergen, Niedergründau, Rotenborn, Alt-Mittelgründau, zeitweise auch Haitz. Rotenborn und Alt-Mittelgründau gingen ein und and er Stelle der Wüstungen  Salmansgesäß und Husenbach wurde 1648 das heutige Mittelgründau errichtet. Diese gehörte mit Gettenbach nunmehr zum Kirchspiel). Für die zahlreichen Gemeindeglieder wurde für einen Akkordpreis von 20.000 Gulden der riesige Hallenbau errichtet, zum Teil mit großen Sandsteinquadern.

Das Schiff wurde in der Zeit vom 5. März 1838 bis zum November 1840 errichtet. Das Bauwerk ist außen nicht verputzt worden, so daß die behauenen Sandsteine de m Betrachter sichtbar bleiben. Das Innere der saalbauähnlichen Kirche wurde in den Jahren 1950 und 1979 erneuert. Die Renovierung paßte mit ihrer kassettenartigen Einteilung der Decke und der Beseitigung der verschnörkelten Aufbauten hinter der Kanzel das Innere gut dem klassizistischen Stil des Gebäudes an.

Bei der Erneuerung verlegte man auch die Decken der Seitenschiffe, die ursprünglich genau so hoch wie das Mittelschiff waren, tiefer. Die Stühle im Altarraum sind durch Pilaster gegliedert und mit Giebelaufsätzen geschmückt. Der Altar mit neugotischer Balustrade und die Kanzel liegen in Verlängerung des mittleren Ganges. Die westliche Empore wird von dem bedeutenden Orgelprospekt, der mit einem Ysenburgischen Wappen verziert ist, beherrscht. Die Orgel wurde von der Firma Ratzmann & Sohn in Ohrdruf bei Gotha erbaut und im Jahre 1839 aufgestellt. Die Räderuhr ist von 1899.

Ein besonderes Denkmal findet man nahe der von der südlichen Turmwand und der Wand des Hauptschiffes gebildeten rechten Ecke eingemauert. Es ist ein in Buntsandstein gehauener Männerkopf.

Eine Merkwürdigkeit ist die Glöcknerwohnung und das Schulgebäude für das ganze Kirchspiel. Dieses geht mit seinen bis zu 80 Zentimeter dicken Mauern und tiefen Fensternischen im Unterstockwerk wohl in vorreformatorische Zeit zurück. Der Holzbau des Oberstockwerks enthält den Schulsaal, in dem seit der Reformationszeit zunächst die schulwilligen Kinder des Kirchspiels und von etwa 1700 bis 1840 nur von Niedergründau unterrichtet wurden. Konfirmandensaal war er bis 1926.

Die Alte Schule, Obergasse 20, wurde 1835-37 erbaut und wird  seit 1997 als Heimatmuseum und Archiv der Gemeinde Gründau genutzt. Ein Besuch im Heimatmuseum im Ortskern von Niedergründau lohnt sich.

 

Mittelgründau

Die Grabhügel „Am Vogelherd“ bei Mittelgründau; Auf einem Ausläufer des Steinkopfes, dessen Rücken sich mäßig nach Südsüdosten neigt, wo die Hohe Straße die Höhe zwischen Fallbachtal und Gründautal quert, befinden sich 19 Grabhügel.

Wo die Straße nach Haingründau abzweigt, steht das Backhaus. Die evangelische Kirche in Gründau-Mittelgründau wurde im Jahre 1976 erstellt.

 

Haingründau:

 Gräfin Gisela, die letzte Burggräfin von Gelnhausen mit Stammsitz in Langenselbold, die um 1150 lebte, hat eine Kapelle in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bauen lassen, die dem Heiligen Laurentius geweiht war. Im 30jährigen Krieg wurde die Kirche des Ortes von wilden Horden und Kriegern als Zufluchtsort genutzt. Alles was aus Holz bestand wurde zerschlagen und als Brennmaterial benutzt. Das Gotteshaus wurde 1715 als Laurentiuskirche wieder aufgebaut. Umfangreiche Reparaturen fanden in den Jahren 1820 und 1857 statt. Eine Orgel wurde 1852 erworben. Die heutige evangelische Kirche ist ein Saalbau mit Haubendachreiter, hölzernen Gewölben und doppelten Emporen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In der Dorfstraße steht rechts das alte Backhaus.

 

Der Ortsteil Hain-Gründau der Gemeinde Gründau erhält nach jahrzehntelanger  Planung

eine Umgehungsstraße. Als die Pläne im vergangenen Jahr konkretisiert wurden, stellte sich heraus, dass sich auf der geplante Straßentrasse mehrere vorgeschichtliche Siedlungsstellen befinden, die gemäß Hessischem Denkmalschutzgesetz generell nicht zerstört werden dürfen. Die Kompromisslösung bei übergeordnetem Interesse, wie sie eine Umgehungsstraße zur Lärmentlastung der Anwohner nun einmal darstellt, ist die vollständige Dokumentation der unterirdischen Kulturdenkmäler, das heißt zunächst, eine fachgerechte archäologische Ausgrabung.

Diese wird seit Juni unter Einsatz einer großen Grabungsmannschaft durchgeführt. Erwartet wurde in der ersten Fläche eine jungsteinzeitliche Siedlung, von der sich auch Ansätze zeigen, jedoch weisen weitere Fund e auf die Anwesenheit von Menschen auch während der Bronzezeit,  der Eisenzeit und des Mittelalters oder der Neuzeit hin.

 

Breitenborn

Von der Verbindungsstraße zwischen Lieblos und Büdingen gelangt der Besucher vorbei an Hain‑Gründau durch hügelige, saftig grüne Landschaft  nach Breitenborn. Nicht umsonst wurde der zweitkleinste Ortsteil von Gründau 1960 als schönstes Dorf im ehemaligen Kreis Gelnhausen gekürt. Das Idyll wird lediglich ein wenig gestört durch die hohen Hochspannungsmasten, die das Tal überspannen. Unterhalb des Ortes liegt der Geisweiher, ein Angelteich, in dem sich dicke Forellen tummeln.

Der 1200‑ Seelen‑ Ort galt schon damals als „Perle des Büdinger Waldes“ und war dank der reichen Basaltvorkommen nicht eben unvermögend, so daß man sich in den 50er Jahren sogar ein eigenes 25 mal 15 Meter großes Freischwimmbad mit Planschbecken leisten konnte.

Die Anlage ist jedoch schon lange zugeschüttet, entsprach sie doch in den 70er Jahren nicht mehr den modernen Anforderungen. Und die neue, knapp 15.000 Einwohner zählende Großgemeinde Gründau sah sich zu dieser Zeit nicht in der Lage, das Geld für eine Sanierung aufzubringen. An den Standort erinnert nur noch die Schwimmbadstraße, wo sich jetzt eine große Omnibus‑ und Lastwagenwerkstatt erhebt. Ähnlich verhält es sich mit dem davon abzweigenden Brauhausweg. Die Breitenborner Brauerei sucht man dort vergebens.

Von der Straße nach Wittgenborn biegt man links ab in den Ort, Nach links geht es in die Schwimmbadstraße. Sie führt zum Hofgut mit Forsthaus, das Graf Wolfgang Ernst zu Ysenburg-Büdingen im Jahr 1605 begründete. Anders als bei den umliegenden Ortschaften ist der Zeitpunkt der Gründung des Hofguts auch tatsächlich auch die Geburtsstunde von „Brydenborn“, wie es damals hieß. Zuvor gab es dort nichts und demzufolge auch keine Urkunden aus denen sich die beliebten 750 oder 1000-Jahr-Feiern ableiten ließen.

 

Auch keine keltischen oder römischen Ansiedlungen wie etwa im benachbarten Gettenbach wurden hier ausgegraben, was bedeuten würde, daß das wahre Alter des Ortes nur geschätzt werden könnte. Selbst der Name birgt kein Geheimnis. Er steht für den breiten Born, der im Unterdorf aus dem Berg quillt.

Eine alte Sage muß allerdings doch sein, die sich um die Entstehung des Ortes rankt: So erinnert sich Helga Stern an die Geschichte, daß der Fürst seinerzeit hier im tiefen Wald verirrte und ein Köhler ihm den Weg hinaus gezeigt habe. Dieser Fingerzeig als zwei Spuren im Schnee prangten noch heute auf dem fürstlichen Wappen. Als Dank sei dem Köhler ein Stück Land geschenkt worden: die Keimzelle Breitenborns. Richtig daran ist, daß Graf Wolfgang tatsächlich im Jahre 1605 den Grundstein für das Hofgut mit Mühle und Jagdhaus legte.

Bald kam die erste Glashütte hinzu, denn die Bedingungen für die Herstellung von Fensterglas, Flaschen und Trinkgläsern waren hier besonders günstig. Holz aus dem Wald gab es im Überfluß, dazu Wasser aus zahlreichen Quellen, Sand, Basalt und Kalk, so daß keine der notwendigen Rohstoffe von weit her bezogen werden mußten.

Als Begründer des Handwerks und damit auch Urvater des Dorfes Breitenborn gilt der Glasmacher Georg Wentzel aus Brückenau in der Rhön. Nicht viel später ließen sich seine Kollegen Gundelach, Beyer und Trebing hier nieder, weshalb 1637 die erste Gemeinschaftshütte entstand. Alle diese Gründerfamilien sind übrigens inzwischen vom männlichen Zweig her ausgestorben, die Namen somit erloschen. Sie finden sich nur noch auf dem alten Friedhof wieder.

Schon bald waren die Glashersteller, weit weg von der nächsten Ordnungsmacht, den Nachstellungen von Räubern und Wegelagerern, so genannten „Schnapphahnen“ ausgesetzt, weshalb sie Mitte des 17. Jahrhunderts eine Eingabe beim Fürsten machten, wonach jedem ein „Carpiner“ (Karabiner) oder ein „Feuerrohr“, außerdem ein Kontingent Wachbunde zugestanden werden sollten. Es waren rauhe Sitten damals und die Strafordnung glich der gefürchteten Scharia: So wurde das Auslegen eines Fuchs‑ oder Wolfseisens mit dem Abschlagen der rechten Hand geahndet. Wer auch nur einen Hasen fing, mußte dafür seinen rechten Daumen lassen. Und wer einen Hirsch erlegte, mußte dafür mit einem bunten Ochsen bezahlen. Der Chronist schweigt darüber, wie mit dem verfahren wurde, der keine Ochsen hatte ...

Da die Hütten viel zu tun hatten, siedelten sich nun auch andere Handwerker, Schneider, Schuhmacher, Metzger und Bäcker, an. Sie kamen zum Teil von weit her, etwa aus Thüringen, Böhmen oder der Pfalz. Im Jahre 1659 zählte der Ort 88 Seelen.

Mitte des 18. Jahrhunderts begann der Niedergang. Grund dafür war einerseits der Siebenjährige Krieg, der die Bevölkerung in Deutschland verarmen ließ. Glas wurde den meisten Menschen zu teuer. Außerdem erwuchs den kleinen Betrieben immer mehr Konkurrenz. Die Produktion wurde zunehmend stärker mechanisiert. Im Jahre 1761 kam das Aus für die letzte Gemeinschaftsglashütte. In ihrer Not entschlossen sich viele zur Emigration nach Pommern, Rußland oder sogar nach Amerika. Diejenigen, die zurückblieben, waren verhungert und verlumpt, denn die Landwirtschaft gab wenig her. Zwar gab es noch einen Versuch seitens der Ysenburger, mit dem Bau einer neuen Glashütte an die guten alten Zeiten anzuknüpfen, doch erwies sich der als Fehlinvestition. Um 1900 wurde auch dieses Gebäude abgebrochen.

Von der allgemeinen Misere waren auch die Pächter des Hofgutes, insbesondere die Müller, betroffen. Sie gingen reihenweise pleite oder mußten um Verringerung oder Stundung des Zinses bitten.

In der Forsthausstraße geht es nach rechts. Auf der linken Seite steht die Schule mit Betsaal.

Mit der vorindustriellen Blüte kam mit Johannes Schäfer auch der erste Schulmeister nach Breitenborn. In der Folge machten hier häufig umherstreifende Studenten Station, um den Jüngsten das Einmaleins beizubringen. Das letzte Schulhaus mit Betsaal wurde 1928/29 gebaut, hat aber inzwischen ausgedient. Lediglich einen Kindergarten gibt es im Ort.

 

Rechts steht dann das alte Forsthaus und fast daneben die Mühle aus dem 17. Jahrhundert, die von 1680 bis 1965 in Betrieb war. Das Mahlwerk ist schon lange außer Betrieb, aber Kollergang, einige Mühlsteine und andere zum Handwerk gehörende Gerätschaften sind noch zu sehen. Die Mühle gehörte mit zum Hofgut.

Klein‑Venedig könnte man das Dorf nennen, so viele Brücken und Stege überspannen den Litterbach, der mitten durch den Ort fließt, viele davon bereits in den 20er Jahren erbaut.

Elektrisches Licht gab es hier erst 1922. Acht Jahre später wurde die Wasserleitung gebaut.

Die evangelische Kirche, ein aus Sandstein bestehender Langbau, wurde um 1860 erhaut. Das Gotteshaus ist ein schmuckloser Bau mit einem kleinen Turm. Im Jahre 1978 wurde am hinteren Ende der Kirche ein kleiner Anbau angefügt. In dem Gotteshaus steht eine Orgel der Firma Wilhelm Ratzmann, Gelnhausen.

Die Breitenborner, die seit jeher „auf harter Scholle gebettet“ waren, zeigten sich erfinderisch. So schnitten sie um 1800 im heimischen Wald „Seegras“, das als Ersatz für das teure Roßhaar zum Polstern von Sesseln, Sofas und Matratzen benutzt wurde.

Den zweiten Aufschwung erlebte das Dorf im ausgehenden 19. Jahrhundert, als der Bergingenieur Friedrich Rousselle ein Basaltwerk begründete, das noch heute nördlich des Ortes an der Straße nach Wittgenborn in Betrieb ist. Mit einer sechseinhalb Kilometer langen Seilbahn wurde „das Gold des Vogelsberges“ zur Verladestation mit eigenem Bahnanschluß nach Wächtersbach transportiert. Das burgähnliche Gebäude in der Nähe des Bahnhofs wird jedoch schon lange nicht mehr benutzt. Heute werden die noch immer begehrten, blauschimmernden Katzenköpfe oder der Schotter mit großen Lastwagen direkt vom Werk abgefahren. Früher rumpelten die Seilbahnloren im Minutenabstand über den Berg, teilweise 80 Meter über dem Boden und jeweils mit einer halben Tonne Füllgewicht. Bis zu 400 Männer, darunter 120 aus dem Dorf, standen hier in Lohn und Brot. Inzwischen sind im Werk der Mitteldeutschen Hartstein‑Industrie gerade noch 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Prominentester Sohn der ehemals selbstständigen Gemeinde war wohl der bundesweit bekannte Maler und Grafiker Fritz Stübing, der 1988 im Alter von 87 Jahren starb. Nach der Städel‑ Kunstschule in Frankfurt hatte er sein Handwerk an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin erlernt. Dort machte er sich auch als Bühnenmaler einen Namen. Später lehrte er in Bochum. Seinen Bewunderern machte es der gebürtige Breitenborner nicht leicht: Zu seinen Schrullen gehörte es, daß er sich nur höchst ungern von seinen Werken trennte und diese daher oft als „unverkäuflich“ im Katalog erschienen.

 

Westbruch bei Breitenborn:

Naturschutzgebiete in Hessen, Band I, Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau, Seite 156.

 

Gettenbach

An der Abzweigung von der Bundesstraße Gelnhausen-Büdingen fällt rechter Hand ein in die Wiese rasierter Schriftzug auf „Golf für alle“. Einen knappen Kilometer vom eigentlichen Dorf Gettenbach entfernt liegt hier gleich rechts hinter dem Abzweig  der „Hühnerhof“, der Anfang des 18. Jahrhunderts „Neuer Hof“ hieß und  1739 als „Hof am Hünerfluß“beschrieben wurde. Der Hof wird auch „Hoierhof“ genannt, von „Hoier“, das soviel bedeutet wie „hoher Rain“. In den Jahren 1840 - 1842 wurde das Wohnhaus vergrößert. Und die Hofgebäude erweitert. Zeitweise war das Gut Eigenbetrieb des Grafen von Meerholz.

Um 1980 kam der gebürtige Ingolstädter Walter Hecker nach einigen Zwischenstationen, unter anderem in Amerika, nach Gettenbach, wo er ein teilweise eingestürztes Ensemble vorfand, das kaum noch zu retten schien. Der Hof war früher viermal so groß wie jetzt und gehörte zum Erbhof Hailer‑Meerholz, erklärt Walter Hecker den Niedergang. Die Verkleinerung der Wirtschaftsfläche wirkte sich katastrophal aus. Die Äcker trugen den notwendigen Unterhalt der Gebäude nicht mehr.

In fünf Jahrzehnten bis 1980 wechselten vier Mal die Eigentümer, ehe sich der gelernte Landwirt und Bäckersohn daran wagte, den buchstäblich darnieder liegenden Hof aufzupäppeln. Günstig kaufte er die Anwesen, weil sie sonst niemand wollte; mißtrauisch und mitleidig beäugt von der Dorfbevölkerung, die sein Scheitern wie das seiner Vorgänger prophezeite und ihm heute um so größeres Lob für seine Aufbauleistung zollt.

Vier landwirtschaftliche Betriebe hat Hecker im Laufe seines arbeitsreichen Lebens hochgebracht und die Erlöse in das jeweils nächste Projekt gesteckt. So auch hier. Anfangs wurden die einsturzgefährdeten Teile mit alten Biberschwänzen gedeckt, die in den 60er und 70er Jahren von den Bauherren noch häufig weggeworfen wurden. Inzwischen sind sie wieder heiß begehrt. Ein Gebäude nach dem anderen wurde in Eigenleistung und zunächst mit einfachsten Mitteln saniert. In Absprache mit dem Denkmalschutz werden gerade ehemalige Lagerraume in Hotelzimmer verwandelt.

Daneben gibt es die inzwischen verpachtete Gutsschänke mit Restaurant im Gewölbekeller, in dem wegen seines ausgeglichenen Klimas ehemals Äpfel für den Verkauf an Frankfurter Keltereien aufbewahrt wurden.

Hinzu kommen Wohnungen für das Personal, Speicher für die Anbauprodukte wie Weizen, Raps, Gerste und Zuckerrüben, eine alte Schnapsbrennerei mit hohem Ziegelschornstein, die hauseigene Schlosserwerkstatt. Denn hier wird alles selbst repariert und fabriziert, vom Eßtisch bis zur Wohnzimmerlampe. So stammt die gesamte Einrichtung der gutbürgerlichen Gaststätte aus der komplett eingerichteten Schreinerei. Alles haben sich Hecker, seine Familie und die wenigen Helfer selbst erarbeitet. Sie trinken sogar ihren selbst erzeugten Apfelwein.

„Ich hatte immer zwei starke Arme und bin gesund geblieben“, sagt der 60‑Jährige, dem man sein Alter nicht ansieht. Noch immer steht er morgens um sechs auf und schafft wie die anderen, bis in die Abendstunden.

Jetzt, wo er die Früchte seiner Mühen langsam zu ernten beginnt, hat er als vorläufig letztes Projekt hinter dem Wohnhaus eine kleine, öffentlich zugängliche Kapelle gebaut. Sie ist Dank an einen Schöpfer für das gelungene Werk. In der Kapelle steht der heilige Franz von Assisi, ebenso naturverbunden wie Walter Hecker. Die Bronzefigur hat er jedoch ausnahmsweise nicht selbst gegossen. Sie stammt von einem befreundeten Künstler.

 

Bekannt ist der Hühnerhof wegen seines Golfplatzes. Eine lange Wartezeit gibt es nicht für das Neun‑Loch‑Areal, wie Platzwart Anton ‑ unter seinem Nachnamen kennt ihn niemand ‑ berichtet. Jeder darf hier zu wirklich günstigen Preisen spielen oder es erlernen. Auf der teilweise überdachten „Driving Rauch“, auf der die ersten Schläge geübt werden können. Das dazu notwendige „Eisen“ gibt es kostenlos. Nur für die Bälle, je 36 Stück, sind 2,50 Euro zu zahlen. Die werden im Übrigen später von einem eigens dafür konstruierten Fahrzeug eingesammelt.

Daneben liegt das Putting‑Grün, wo sich für eine halbe Stunde lang gebührenfrei das Einlochen trainieren läßt, dann das sogenannte Chipping‑Grün zur Annäherung an die Fahne, schließlich der eigentliche Profi‑Platz, der erst betreten werden darf, wenn der Neuling nicht mehr bei jedem Schlag den Rasen umgräbt und die Regeln gelernt hat. Auch für letzteres gibt es jeden Freitag einen kostenfreien Lehrabend. Bezahlen muß man zunächst nur für den australischen Trainer, so ihn der Anfänger in Anspruch nimmt. Der sei sehr gefragt, sagt der Anton.

Die drei Jahre alte Anlage erfreut sich großer Beliebtheit. Schon am Morgen tummeln sich etwa ein Dutzend mehr oder weniger erfahrene Golfer auf dem Gelände. Manche kommen von weither, weil es frei zugängliche Platze dieser Art nur ganz wenige in Deutschland gibt. Ein eigener Club existiert noch nicht. Da er jedoch die Voraussetzung ist, weltweit auf jedem Grün spielen zu dürfen, will Besitzer Walter Recker demnächst zweigleisig fahren. Weiterhin soll aber jeder hierher kommen können: „Das ist mir lieber als eine elitäre Kundschaft.“ Außerdem baut der 60‑Jährige zusätzlich gerade einen Minigolf‑Parcours und eine Kneipp-Anlage, um den Hühnerhof für Besucher noch attraktiver zu machen Ein kleines Freizeitzentrum für jeden Geldbeutel soll hier entstehen.

Das repräsentative Gebäude am Ortseingang links diente zunächst als Büro des Kalkwerks. Dann hatte ein Esoterik‑Verlag dort seinen Sitz. In den 70er Jahren wurden hier die ersten Beate‑Uhse‑Bücher gedruckt, was allerdings kaum einer im Dorf wußte, sonst wäre die Empörung groß gewesen.

 

Etwas weiter im Unterdorf steht auf der rechten Seite die 1849 erbaute Schule. Sie wurde bis 1965 als solche benutzt und dann zum Lokal umgebaut; seit März 2002 aber ist die „Turmschänke“ geschlossen.

 

Im Mitteldorf geht rechts eine Straße ab, die Gerbergasse oder so ähnlich heißt. An ihr liegt im Wald - aber kaum zu finden - der jüdische Friedhof mit 20 Grabsteinen. Im Jahre 1835 waren von 207 Einwohnern 44 jüdischen Glaubens, die die örtliche Synagoge besuchten. Die letzte Beerdigung fand in den 20er Jahren statt.

Durch ein unbebautes Stück Landschaft kommt man ins eigentliche Dorf Gettenbach. Aus dem Dunkel der Geschichte trat Gettenbach im Jahr 1252, als Roseman von Kempenich und Heinrich von Isenburg einen bisher lehenbaren Zehnten zu Findorf dem Kloster Ilbenstadt übereigneten. Als Gegenleistung erhielten sie das Dienstgut (eine sogenannte „Hufe“) eines der zwölf reitenden Förster des staufischen Reichsforstes Büdinger Wald in Gettenbach („mansum in Gettenbach“).

 

An der Stelle der Hufe entstand im Laufe der Jahrhunderte ein Forsthof und aus diesem im Jahr 1377 der Gettenbacher Hof, der prächtigste Bau des Ortes. Er ging im 17. Jahrhundert in den Besitz der Grafen Ysenburg‑Meerholz über. Zeitweise war er Eisenhütte. Das sogenannte „Jagdschloß“ wurde 1841 bis 1857 unter der Regierung des Grafen Carl zu Ysenburg und Büdingen in Meerholz erbaut. In der Folgezeit diente das Schloß als Jagd‑ und Sommerquartier der Grafen. Als Verwalter residierte dort der gräfliche Förster.

Von 1875 bis 1889 lebte das Erbgrafenpaar Friedrich und Marie zu Ysenburg und Büdingen in Meerholz in diesem Gebäude. Nach Ableben des Erbgrafen im Jahre 1889 bewohnte dessen Witwe, Erbgräfin Marie geb. Prinzessin Reuß ä.. L. bis zu ihrem Tode 1909 allein das Jagdschloß.

Danach wurde es vollständig umgebaut. Nach Aussagen heute noch lebender Einwohner von Gettenbach bekam dieses Gebäude dann erst den jetzigen Turmaufbau. Nach 1918 wohnte hier noch einige Jahre Prinzessin Friedrich Wilhelm zur Lippe, Schwester des letzten Grafen zu Ysenburg Büdingen in Meerholz. Seit 1926 wurde das Schloß als Kinderheim genutzt. Im Jahre 1929, nach dem Tode des Grafen Gustav, hat Fürst Carl zu Ysenburg und Büdingen Gettenbach geerbt. Noch dessen Ableben kam es 1941 durch Erbschaft an den jetzigen Fürsten Otto Friedrich zu Ysenburg und Büdingen. Von 1933 bis 1945 war das Schloß an den weiblichen Arbeitsdienst vermietet.

Im Jahre 1944 wurden Teile des kriegszerstörten Frankfurter Friedrichsheims, einer Einrichtung der Orthopädischen Universitätsklinik, in das Gettenbacher Schloß verlagert. Im Jahre 1958 wurde das Haus vom Jugendsozialwerk übernommen, das dort ein Kurerholungsheim und eine Internatsschule betrieb. Seit 1997 ist dort ein Wohnheim mit Tagesstätte. Das heutige Margarete‑Fischer-Bosch‑Haus ist eine Einrichtung  des Internationalen Bundes für Sozialarbeit. Jährlich verbringen rund 450 Kinder und Jugendliche einen vier‑ bis sechswöchigen Kur‑ und Erholungsaufenthalt. Zusätzlich gibt es 14 stationäre Wohnplätze.

 

Der 435-Einwohner-Ort hat aber noch mehr Sehenswürdigkeiten: Wie im Spessart gab es in der waldreichen Gegend eine Glashütte und einen Hochofen, der auf das Jahr 1689 datiert wird. Sie existieren nicht mehr, ebenso wenig wie die 1670 erbaute Getreidemühle, die in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts einem Brand zum Opfer fiel.

 

Zu sehen ist aber noch der alte Forsthof an der Ostecke des Schlosses. Vermutlich ist er der alte „Knissenhof“, der Stammsitz eines staufischen Ministerialen und reitenden Försters namens „Knusso“. Das heutige Gebäude wurde im 19. Jahrhundert als Gräflich Meerholzische Oberförsterei errichtet.

 

Etwas weiter oben an der Straße steht auf der linken Seite das öffentliche Backhaus, das von 1840 bis 1947 benutzt wurde. Es sollte verhindern, daß die Menschen bei sich zu Hause einheizten und dabei möglicherweise einen Brand entfachten. Es kann nach der Renovierung wieder betrieben werden. 

 

Es folgt die Scheune des Papiermüllers, die 1740 von Heinrich Christoph Katz errichtet wurde. Im Jahre 1740 siedelte sich der aus Wiesbaden stammende Papiermacher Geselle Heinz Christoph Katz hier an, um mit der reichlich vorhandenen Wasserkraft Holz zu zerkleinern und daraus Papier herzustellen. Das Papier erregte wegen seiner Güte eine starke Nachfrage. Das Unternehmen wurde ein Erfolg. Das Papier trug als Wasserzeichen zwei vertikal verlaufende weiße Balken und eine Katze, die in einem Kreis sitzt. Als um 1840 die kleinen Papiermühlen nicht mehr in der Lage waren, mit den Dampfkraft‑Papiermaschinen zu konkurrieren, mußte Nachfolger von Heinz Christoph Katz den Betrieb einstellen. Im Jahre 1850 wanderte die Familie Katz wie so viele aus der Umgebung nach Amerika aus.

Neben der Mühle ist das Wohnhaus des Papiermüllers aus dem Jahr 1738. Die Inschrift über dem Türsturz ist allerdings nicht zu sehen. Man hat das Gebäude nämlich 1966 zu einer Gaststätte umgebaut und dabei noch eine Front aus Holz und Glas vorgeblendet. Die Gaststätte heißt „Weißer Hirsch“, nach den Damhirschen, die man aus dem Tierpark Hellabrunn in das Gehege am Köhlerkopf eingesetzt hatte. Dieses Gehege reicht bis an den Bach unterhalb der Gaststätte heran. Wenn man Glück hat, kann man dort einen Hirsch sehen. Eine Informationstafel ist an der Scheune. Dort ist auch der Parkplatz.

Neben der Gaststätte sieht man am Bach das Modell einer Mühle. Sie wurde gebaut von dem gebürtige Dörnigheimer Bäckermeister Heinz Saladin. Er hat sein weitläufiges Grundstück

gegenüber an der Straße „Kohlplatte“. Dort hat er aus Stein und anderen Naturmaterialien kleine Modellbauten geschaffen, Burgen und Schlösser mit Wasserläufen. Das größte Objekt ist der Pferdestall, an dem der Spruch steht: „Wer Frauen ohne Fehler sucht und Pferde ohne Mangel, hat nie ein gutes Pferd im Stall und nie im Bett ein Engel“. Oben am Waldrand steht die elf Personen fassende kleine Kapelle.

 

Im kleinsten Gründauer Ortsteil ist die Welt - zumindest verkehrstechnisch - zu Ende. Nach der Ortsdurchfahrt kommt nichts mehr außer Wald. Man befindet sich im Niemandsland zwischen dem Main‑Kinzig‑Kreis und der Wetterau. Hier kommt nur noch der Forst der Grafen von Ysenburg.

Mit dem Rad geht es dann den Schulgrund gerade hoch. An den ersten beiden Teichen stehen nachgebauten Miniatur‑Mühlen von Saladin. Sie erinnern an den Industriestandort Büdinger Wald: Der Wald war Holzlieferant und das Wasser war Energieträger. Im Gettenbachtal wurden eine Glashütte und eine Eisenschmelze betrieben.

Am ersten Brunnen des Wasserwerks steht ein Gedenkstein an den Grafen Machold, der hier seinen letzten Hirsch schoß. Hier stehen auch die mächtigen Hute‑Eichen, unter denen im 18. Jahrhundert über tausend  Schweine geweidet haben. Es waren Hausschweine, die sich beim Durchwandern der Wälder von Eicheln und Bucheckern ernährten. Stalltierhaltung gab es nicht, dafür die Schweinehirten, die uns in den Märchen Brüder Grimm begegnen.

 

Der Weg geht rechts weiter immer das Tal hoch (nicht rechts oder links abweichen). Das Wanderzeichen ist der weiße Kreis auf schwarzem Grund. Nach etwa drei Kilometern kommt von rechts das Wanderzeichen weißes Kreuz dazu.

Zuletzt geht es links steil hinauf auf die Höhe zu den „Vier Tannen“, einem Kreuzungspunkt im Büdinger Wald. Geradeaus geht es nach Wächtersbach. Hier ist der höchste Punkt des Büdinger Waldes mit 406 Meter Höhe. Das „Wildschwein zum Anfassen“ aus Bronze ist allerdings nicht mehr vorhanden. Auch die vier Fichten kann man nicht mehr ausmachen. Vier Fichten sollen die vier Brüder Johann Casimir, Ferdinand Maximilian, Georg Albrecht und Karl August im Juni 1687 gepflanzt haben, nachdem sie die Grafschaft Ysenburg‑Büdingen in die vier Teile Büdingen, Wächtersbach, Meerholz und Marienborn aufgeteilt hatten.

 

An den „Vier Tannen“ geht es scharf links Richtung Westen. Wanderzeichen ist der weiße Balken auf schwarzem Grund. Auf der „Reffenstraße “ geht es wieder abwärts. Bei dieser Straße handelt es sich um einen Teil einer uralten Handelsstraße zwischen Leipzig und Frankfurt am Main. Die Handelsstraße verlief parallel zur alten Kinzigstraße auf der Höhe und war daher hochwassersicher.

Den Namen hat die Reffenstraße von einem tiefen Taleinschnitt, einer „Reffe“. Die Reffe konnte von damals schweren Fuhrwerksfahrzeugen nicht mit voller Ladung bewältigt werden. Die Fuhrleute waren gezwungen. jeweils einen Teil der Ladung abzuladen. um heim zweiten Anlauf dann den Rest der Ladung durch die Reffe zu bringen. Da diese Umladerei viel Kraft erforderte und von räuberischen Banden zu Diebstählen genutzt wurde. war die Reffenstraße bei den Fuhrleuten sehr verhaßt (in DATA-Street heißt diese Straße allerdings „Rennstraße“, die „Reffenstraße“ ist weiter nördlich eingetragen).

Nach etwa 4,5 Kilometern kommt man an eine Kreuzung mit dem Wanderweg mit zwei weißen Balken auf schwarzem Grund (am Baum an der Südwestecke zu sehen). Dort ist auch schon ein Wildgatter angebracht. Doch der Eingang zum Wildpark ist etwa 100 Meter weiter geradeaus. Durch einen kleinen Durchgang kommt man durch das Gatter. Zunächst sieht man eine Wiese mit einem künstlich angelegten Teich. Hier kann man vielleicht auch Rehe entdecken. Die „weißen Hirsche“ jedoch werden sich wohl nicht zeigen. Das Rotwild hat in früheren Zeiten dem Laubwald arg geschadet, weil es die Bäume abgeschält hat. Deshalb wurde es durch laubfreundliches Damwild aus Ungarn ersetzt. Gegen den dunklen Wald hebt es sich hell, ja fast weiß hervor, deshalb der Name „Weißer Hirsch“.

Die Weiterfahrt durch den Wildpark empfiehlt sich nicht, weil die Straße nach Haingründau führt. Man geht wieder zurück bis zur Kreuzung und fährt dann hinunter zu den Teichen am Parkplatz.

 

In eine Phantasiewelt führt schließlich noch ein Gettenbacher Verein, den es zwar schon seit 14 Jahren gibt, der aber nur den wenigsten Dörflern bekannt sein dürfte. Es handelt sich dabei um eine verschworene Gemeinschaft von Mystikern, Spielern, Mittelalterliebhabern und Fans von fiktiven Welten, die vor allem im Internet ihr Wesen und manchmal auch ihr Unwesen treiben. Unter www.einhorn‑ev.org ist der „Wanderer des Netzes“ willkommen.

Bei der 750-Jahr‑Feier fand am Sonntag, 12. Mai 2002, eine Theateraufführung statt unter dem Motto „Mittel‑ und Unterdorf“. Die drei ansässigen Vereine (Feuerwehr,  Bartclub - der schon einige Weltmeister hervorgebracht hat - und schließlich der über 100 Mitglieder zählende Gesangverein) setzten die Chronik in ein Theaterstück um. Dabei erinnerten sich die Dorfältesten an frühere Begebenheiten und Personen, etwa den berüchtigten Räuberhauptmann „Mahnerhannes“, der in der Gegend sein Unwesen trieb, oder an den Aufstand der geknechteten Leibeigenen gegen die Herren von Ysenburg‑Meerholz.

Nachgestellt wurde auch der Prozeß vor dem Hanauer Landgericht aus dem Jahr 1923 zum Mord am Oberförster, der von einem Wilderer angeschossen nach zwei Tagen seinen Verletzungen erlag. Gespielt wurde auch die Geschichte der „Knochenmühle“, wie die nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg nach Gettenbach ausgelagerte Frankfurter orthopädische Klinik verächtlich‑spöttisch genannt wurde.

Im Dorfgemeinschaftshaus fand eine Ausstellung „Gettenbacher Impressionen“ mit Werken des Breitenborner Malers Fritz Stübing statt. Die Ausstellung wurde ergänzt durch historische Fotografien Gettenbachs. Die Gettenbacher Vereine servierten Kaffee und Kuchen.

 

Von Gelnhausen:

Stetig steigt der herrliche Weg von Gelnhausen (Wanderzeichen weißes Kreuz)  über das Blockhaus (2) an. Er führt an der Kuhruh (3) vorbei. Knorrige Baumveteranen säumen den Weg: Ein Gedenkstein informiert, daß hier Graf Gustav seinen letzten Hirsch schoß. Er war Sproß der Meerholzer Linie. Der Weg führt zu den „Vier Fichten“, von denen es nach links zum Wildpark und zum Gasthaus „Zum Weißen Hirsch“ geht. Wer direkt zurück nach Gelnhausen will, folgt auf der gegenüberliegenden Talseite weiter dem weißen Doppelbalken. An der Kuhruh trifft man auf den Hinweg und kommt vor Gelnhausen wieder am Blockhaus vorbei (Schulmerich: Kinzig, Seite 22).

 

 

Tagkaute bei Lieblos: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 1, Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau, Seite 114

 

 

Rundfahrten:

Linsengericht: Autobahn Gelnhausen-West, Lützelhausen, Großenhausen, Hof Eich, Geislitz, Eidengesäß, Altenhaßlau.

 

Freigericht und Hasselroth: Autobahn Langenselbold, Neuenhaßlau Niedermittlau, Bernbach, Altenmittlau, Horbach, Neuses, Somborn, Gondsroth.

 

Wächtersbach: Autobahn Wächtersbach, Richtung Stadt fahren, vor der Stadt nach links Richtung Wittgenborn. Man wird westlich um die ganze Stadt herumgeführt, am Globus und der Wächtersbacher Messe vorbei, dann erst ein Stück nach Osten und dann links ab. Am Schloß vorbei geht es steil bergauf nach Wittgenborn. Dort rechts nach Spielberg (eigene Datei) und weiter nach Streitberg. Hier ist man auf einer Hochfläche mit prächtiger Aussicht. In Streitberg geht es nach Westen weiter nach Leisenwald (im Herbst ist dort Hochzeitsmarkt) und Waldensberg (eigene Datei). Weiter südlich liegt dann der Große Weiher nördlich von Wittgenborn. An der Ostseite der Straße liegt ein kleiner Parkplatz. Am Weiher ist eine uralte Eiche, auf der anderen Seite stehen die Gebäude des Weiherhofs. Es gibt einige Badestellen. Die Rückfahrt geht wieder nach Wächtersbach oder über Breitenborn nach Gründau.