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Odenwald Zentral

 

 

Ausflüge Odenwald  I

 

Odenwald Zentral:

West: Reinheim, Groß-Biberau, Modautal, Lichtenberg, Billings, Lautertal, Felsenmeer, Knoden, Lindenfels, Fürth, Rimbach, Mörlenbach, Birkenau, Siedelsbrunn, Heilig­kreuzsteinach, Schönau.

Mitte: Brensbach, Fräkisch-Crumbach, Rodenstein, Schnellerts, Reichelsheim, Ober-Ostern, Weschnitz, Hammelbach, Grasellenbach, Wahlen, Tromm, Affolterbach, Waldmichelbach, Heddesbach, Schönmattenwag, Raubach, Mossautal, Rehbach, Brombachtal, Hummetroth.

Ost: Mümling-Crumbach, Bad König, Michelstadt, Erbach, Beerfelden,Gammelsbach, Rothenberg, Katzenbuckel, Hesseneck (Hesselbach, Schloß Waldleiningen, Kailbach, Schöllenbach), Vielbrunn, Lützelbach-Rimhorn, Breuberg, Höchst, Schloß Nauses, Otzberg.

 

 

 

Eine Fahrt entlang des Odenwaldlimes

Zwischen Obernburg und Wörth steigt ein bewaldeter Höhenrücken aus Buntsandstein vom Main auf. Von steilen Tälern eingefaßt, zieht er nach Süden. Erst nach über 30 Kilometern läuft er bei Schlossau in ein leicht bewegtes Plateau aus Muschelkalk aus. Der Höhenrücken bildet eine lange, schmale Hochfläche, die nur geringe Höhenunterschiede aufweist und manchmal zu einem schmalen Sattel zusammenläuft (bei Kastell Windlücke). Der Odenwaldlimes folgt dem Höhenrücken und paßt sich seinem Verlauf an.

Die Odenwaldstrecke gehört zu den landschaftlich schönsten Abschnitten des obergermanischen Limes. Kaum eine andere hat so viele gut erhaltene Baureste aufzuweisen. Eines allerdings unterscheidet sie von allen anderen Strecken des Limes in Obergermanien: hier gibt es keinen Pfahlgraben. Die Strecke wurde von den Römern verlegt, noch bevor sie die Bauphase 4 (mit Wall und Graben) erreichte. Man kann die Grenzlinie daher im Odenwald nicht unmittelbar verfolgen, sondern muß die Reste der Kastelle und Wachttürme einzeln aufsuchen. Dazu hilft streckenweise ein Wanderweg mit besonderem Wegzeichen. Die Länge des hier besprochenen Abschnitts beträgt 30 Kilometer.

Um 100 nCh haben die Römer die Odenwaldstrecke angelegt. Sie verband die Main- mit der Neckarlinie, die wohl schon kurz vorher besetzt worden waren. Dadurch wurde die Provinz nach außen vollständig abgeschlossen und gesichert. Allerdings war der hohe Odenwald im Altertum völlig unbewohnt. Der Limes zog durch unabsehbare Wälder, in denen es höchstens schmale Saumpfade gab; er war kaum gefährdet. Aus diesem Grund haben die Römer nur eine geringe Besatzung vorgesehen, die aus den kleinsten Einheiten der Hilfstruppen, den Numeri, bestand. Die Odenwaldstrecke ist daher durch eine Kette gleichartiger, kleiner Numeruskastelle gekennzeichnet. Soweit wir wissen, sind die Numeri in Britannien ausgehoben worden. Die geringe Gefährdung des Abschnitts wird auch durch die verhältnismäßig großen Abstände der Wachtposten deutlich.

Auf jeden Kilometer wurden fünfzig Söldner zur Überwachung des Limes abgestellt. Im Abstand von 500 bis 2000 Meter, in Sichtweite, standen Wachtürme. Im Wald ist ein Stück Palisadenwand aufgestellt. Der Odenwald-Limes war ja kaum mehr als ein bewachter Holzzaun an einer Schneise durch den Wald.

Die Odenwaldstrecke hat die Bauphasen 1-3 durchlaufen: um 100 nCh wurde eine Schneise in die Wälder geschlagen, der Postenweg angelegt und Holztürme gebaut (Phase 1); unter Kaiser Hadrian entstand vor dem Postenweg die Palisade (Phase 2). Die Spur der Palisade wurde oft im Boden bei Ausgrabungen gefunden, sie ist aber an der Oberfläche nicht zu sehen. Unter Kaiser Antoninus Pius (145-146) sind die Holztürme der Strecke durch Steintürme ersetzt worden, wie wir aus einigen Turminschriften wissen (Phase 3).

 

Nur wenige Jahre später, zwischen 148 und 161, wahrscheinlich in der Mitte der 50er Jahre des 2. Jahrhunderts, haben die Römer den Odenwaldlimes aufgegeben und ungefähr 20 Kilometer weiter östlich eine neue Grenzlinie gezogen.

Wegen der guten Erhaltung der Limesbauten setzte die Erforschung des Odenwaldlimes früh ein. Schon am Anfang des 19. Jahrhunderts hat Graf Franz zu Erbach-Erbach Ausgrabungen unternommen und in dem reizvollen Eulbacher Park ein für die damalige Zeit einmaliges, archäologisches »Freilichtmuseum« geschaffen, dessen Besuch auch heute noch lohnt.

Sichtbare Reste findet man von allen Kastellen der Odenwaldlinie mit Ausnahme der beiden nördlichsten (Wörth und Seckmauern). Besonders empfehlenswert ist der Besuch des Kastells Würzberg, wo das Badegebäude ebenfalls freigelegt worden ist. Aber auch Reste vieler Wachtposten sind sichtbar. Man muß sie allerdings mitunter im Wald suchen, wobei die amtlichen Topographischen Karten 1:25000 in Verbindung mit den hier abgedruckten Streckenkarten gute Dienste leisten.

An zahlreichen Wachtposten erblickt man die Spuren der Holztürme. Sie werden durch Ringgräben gekennzeichnet, die um den flachen Turmhügel laufen. In diesem steckt das Turmfundament aus holz-durchschossenem Trockenmauerwerk. Die Steintürme des Odenwaldlimes besaßen keine hölzerne Außengalerie, wie man sie von den Reliefs der Trajanssäule kennt. Bei den Ausgrabungen kamen so viele Bausteine der Türme zutage, daß zeichnerische Rekonstruktionen möglich waren. Im obersten Stockwerk besaßen die Türme große Aussichtsfenster, die durch eigenartige Zwergsäulen unterteilt waren. Solche Säulen stehen neben dem Obelisken im Eulbacher Park. Obgleich die Türme aus gleichmäßigen Buntsandsteinquadern aufgemauert waren, sind sie doch verputzt worden. In den weißen Verputz sind Quaderfugen eingerissen und diese rot ausgemalt worden. Die Türme trugen ein Schindeldach.

 

◙ Kastell Seckmauern:

Ob der Odenwaldlimes in Wörth begann oder dieses Kastell noch zur Mainlinie gehörte, kann man dahingestellt sein lassen. In zwei Kilometer Entfernung von Wörth lag oben auf der Höhe das Kastell Seckmauern. Es lag 300 Meter östlich der Landesgrenze, die  einen Kilometer östlich des Ortes verläuft. Es ist um 100 nCh erbaut worden. Es hat aber im Gegensatz zu den anderen Numeruskastellen des Odenwaldlimes nicht lange bestanden und ist nie in Stein ausgebaut worden. Es hatte vier Tordurchlässe (sonst im Odenwald nur drei), aber keine Steinmauern. Es ist nicht mehr sichtbar.

 

Römische Siedlung bei Bad König:

Wenn man von Norden kommt biegt man in Höchst gleich links ab nach Sandbach (nicht noch geradeaus Richtung Breuberg). Sehenswert ist die Evangelische Kirche von 1786/89, die Gruftkirche der Wertheimer Grafen. Außerdem gibt es noch das ehemalige Jagdhaus der Fürsten von Löwenstein, ein stattlicher Barockbau von 1772.

In der Mitte des Ortes geht links die Ernst-Ludwig-Straße ab. Sie führt zur Klinik, in deren Nähe sich die ausgedehnten Reste einer Siedlungsstelle auf einem bewaldeten Odenwaldrücken finden. „Wamboldtsches Schlößchen“ nennt der Volksmund das Mauerwerk, das man mit dem in Birkenau ansässigen Lehnsgeschlecht in Zusammenhang gebracht hat. Den Namen behielt man auch bei, als Ausgrabungen im Jahre 1878 längst Licht in das Dunkel der Entstehungsgeschichte gebracht hatten. Danach stand eindeutig fest, daß es sich um Baureste römischen Ursprungs handelt: wohl um einen Gutshof, der hier auf weidewirtschaftlicher Grundlage existierte. Die gut sichtbaren Funde, bestehend aus den freigelegten Grundmauern dreier rechteckiger Gebäude, werden von einer im Boden sich abzeichnenden Umfassungsmauer umschlossen. Es wird vermutet, daß die Anlage ohne Gewalteinwirkung geräumt wurde ‑ naheliegend anzunehmen, daß dies durch die östliche Verschiebung des Odenwaldlimes (148 bis 160 n. Chr.) geschah.

 

  Kastell Lützelbach:

Von Sandbach fährt man geradeaus weiter nach Neustadt hinein. Die Fußgängerzone ist voller

Fachwerkhäuser, die meist den Burgmannen gehörten. Unter diesen Häusern ist das Rodensteiner Haus (1569) mit Erker bemerkenswert (neben dem Marktkreuz). Am Rathaus hängt außen ein Glockenspiel. Am Ortsende fährt man nach rechts in Richtung Lützelbach (Name der Großgemeinde). Im weiteren Verlauf der Straße kann man noch einen Abstecher machen in Richtung Wörth. Hinter Lützel-Wiebelsbach geht man nach rechts im Wald zum Kastell Lützelbach am Rand einer Waldwiese. Es wird auch  „Lützelbacher Schlößchen“ genannt, war aber ein Numeruskastell, ein kleines Hilfstruppenkastell für etwa 150 Mann. Es ist die nördlichste erhaltene Ruine des Odenwaldlimes. Es bestand von 100 bis 155 n. Chr. Wall und Graben sind im Odenwald nicht vorhanden. Etwa 75 Meter südlich vom Kastell liegt das Bad. Als andernorts 120 n. Chr. mit dem Bau begonnen wurde, war der über die Höhen des Gebirges führende Limes als Grenze bereits an den Main vorverlegt worden. Von hier ab beginnt der Limes, nach Süden einzuschwenken.

 

   Wachtposten 10/8 „Im Lützelbacher Bannholz“. Hier befinden sich drei Turmruinen: außer dem Steinturmhügel (östlicher Hügel, weniger gut erhalten) sind ausnahmsweise zwei Holzturmstellen mit Ringgräben vorhanden. Jenseits einer flachen Erhebung liegt der nächste

   Wachtposten 10/9 „Im Breitenbrunner Bannholz“. Stein- und Holzturmstelle sind erhalten. Da zwischen Wachtposten 10/8 und 10/9 über die Erhebung hinweg eine Sichtverbindung bestehen mußte, konnte man hier einmal die Mindesthöhe berechnen, welche die Aussichtsfenster im Obergeschoß der Türme besessen haben müssen. Sie betrug 7,6 Meter. Die wirkliche Höhe wird darüber gelegen haben, da man ja auch noch über Unkraut und Gestrüpp hinüberschauen mußte.

 

 Kleinkastell Windlücke:

An der Straßengabelung fährt rechts ab in Richtung Breitenbrunn. Hinter dem Ort liegt links der Parkplatz „Kastell Windlücke“. Die Hochfläche, auf der die Grenze läuft, zieht sich nun zu einem Sattel zusammen, über den die heutige »Paßstraße« von Breitenbrunn nach Haingrund führt. Schon im Altertum dürfte ein Saumpfad die Höhe gekreuzt haben, denn die Römer legten hier das Kastell Windlücke an. Das Kastell lag am Weg, der auf der anderen Seite der Straße nach Norden führt. Rechts liegt ein Sportplatz, gleich links im Wald steht ein Hinweisschild auf das Kastell, von dem aber nichts mehr oberirdisch zu sehen ist. Es befand sich im Wald unmittelbar westlich vom Sportplatz. Das Tor des kleinen Wehrbaus (175 Quadratmeter) wies nach Osten auf die Palisade.

 

Vom Parkplatz am Kleinkastell Windlücke fährt man nach links in Richtung Michelstadt. Von hier zieht eine asphaltierte Landstraße auf dem Höhenrücken entlang nach Süden. Dieser erst im Mittelalter entstandene Weg geht ungefähr in Richtung des Limes, ist aber nicht mit ihm identisch. Er verläuft manchmal östlich und manchmal westlich von der Linie der römischen Grenzpalisade. Diese ist freilich nirgends zu sehen.

 

An der Straße gibt es links oder rechts eine Reihe von römischen Wachtürmen, von denen jedoch nur wenige noch markiert sind:

  Wachtposten 10/10 „In der Klinge“. Zwei Holzturmstellen und ein Steinturmhügel sind sichtbar; die südliche Ho1zturmstelle, vermutlich die jüngere, ist besser erhalten.

  Wachtposten 10/11 „Auf der Sellenplatte“: das Steinturmfundament und ein Holzturmhügel sind vorhanden, sie liegen etwas weiter von der Straße entfernt.

  Wachtposten 10/12 „In den Dickhecken“: ein weniger gut erhaltener Steinturmrest und eine Holzturmstelle sind sichtbar.

  Wachtposten 10/13 „In den Erlen“ liegt 360 Meter nordöstlich vom Kastell Hainhaus (dort Parkplatz und Gaststätte). Von dem Wachtposten ist ein flacher Turmhügel erkennbar. Das Kastell Hainhaus, dessen Umwehrung stellenweise noch gut zu sehen ist, lag etwa 100 Meter hinter der Linie der (nicht sichtbaren) Grenzpalisade.

 

  Numeruskastell Hainhaus:

Das Kastell war besetzt mit Hilfstruppen der Brittonen, deshalb klein und einfach in seiner Ausstattung, ein Reihentyp mit den üblichen Bädern, wie Ausgrabungen durch Graf Franz I. von Erbach‑Erbach 1836 und durch F. Kofler 1895 bewiesen haben. Von Bauten im Kastellinneren kann nichts mehr festgestellt werden, nur der Verlauf der Umfassungsmauern zwischen fünfzig und siebzig Metern Länge ist noch erkennbar. In der Nähe gibt es noch ein Römerbad 200 Meter nordwestlich des Kastells und einen Turm, von denen aber kaum noch etwas zu sehen ist. Die Quelle für das Kastell ist heute der Brunnen am Parkplatz.

In dieses Kastell hineingebaut wurde im 18 Jahrhundert das Jagdschloß des Fürsten zu Löwenstein-Wertheim, der in Kleinheubach residierte. Er hat die „Geisterburg“ Hainhaus im sechzehnten Jahrhundert aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Sie kultivierten auch die nahe, urwaldartige Umgebung mit seltenen Gehölzen, japanischen Tulpenbäumen, Eiben und Weymouthkiefer.

Außerdem stehen hier zwei Forsthäuser, ein Gebäude davon ist heute Gaststätte. Der Berg im Südwesten wurde als Eiskeller genutzt. Die sechs steinernen Sitze zwischen dem Schloß und dem südlichen Forsthaus wurden erst 1806 von der Fürstenfamilie aufgestellt. Zwei von Ihnen jedenfalls tragen die Initialen des Fürsten Constantin zu Löwenstein‑Wertheim.

Am 5. September 1761 unterzeichnete der Gartenarchitekt Ruland den „Grundplan über Haußs und Hoftraydung Herr Oberförster Flach zu Vielbrunn”. Das ist jetzt genau 245 Jahre her. Nach der Beschreibung muß es sich um einen traumhaften „Lustgarten” gehandelt haben, der ganz im damals modernen „französischen Stil” gestaltet war.

Nun wird das denkmalgeschützte Kleinod wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Ein Teil des Doppelwohnhauses haben die neuen Eigentümern Dirk und Sabine Allmann schon vorab denkmalgerecht renoviert. Dabei erkannten sie anhand historischer Fotos, daß auf dem steilen Satteldach ehemals keine Schlepp-, sondern eine Giebelgaube vorhanden war. Daraufhin erfolgten der Abbruch der Teilaufstockung und die Errichtung eines Zwerchhauses in Sichtfachwerk. Auch die Eingangssituation mit der Sandsteintreppe konnte anhand historischer Fotos wieder fachgerecht rekonstruiert werden. Der Innenausbau erfolgte zudem ausschließlich mit ökologischen Baustoffen.

Nachdem das Haus wieder bezogen werden konnte und mit Leben gefüllt ist, geht es nun an die Gartengestaltung. Als erstes erfolgte die Sanierung der einsturzgefährdeten hohen Sandsteinmauer im nordöstlichen Bereich. Nun sind auch die historischen Wege und die „6 Quartiere” im französischen Gartenstil wieder erkennbar. Im Laufe der nächsten Jahre soll dieser Garten - soweit wie möglich - kontinuierlich rekonstruiert werden. Zu verdanken sind die historischen Pläne der Heimat- und Geschichtsgruppe Vielbrunn, die die Aufzeichnungen im Jahr 1985 eher zufällig im Staatsarchiv Wertheim entdeckte.

 

Wenn man weiter fährt erkennt man am Segelflugplatz am rechten Straßenrand noch den Platz eines römischen Wachtturms, der durch Bäume und Bänke markiert ist. Auch vor der Linkskurve im weiteren Verlauf der Straße ist links noch ein Turm markiert. Etwa 700 Meter südlich vom Kastell liegt dicht an der Landstraße

  Wachtposten 10/14 „An der Döllchenschneise“. Die Steinturmruine ist völlig verschwunden, doch ist die Holzturmstelle gut erhalten. Bald tritt die Straße aus dem Wald in offenes Gelände ein. Dicht am westlichen Straßenrand liegt unter einer Baum- und Gebüschgruppe

  Wachtposten 10/13 „Im oberen Haspel“. Nur die Holzturmstelle ist sichtbar (mit einem neuzeitlichen Fundament für eine Ruhebank).

  Der nächste Wachtposten 10/16 lag im Acker südlich der Straße Kimbach–Vielbrunn; er ist völlig verschwunden. Die Straße zieht dort wieder in den Wald hinein. Etwa 400 Meter südlich vom Waldrand entfernt liegt

  Wachtposten 10/17 „In den Heumatten“. Hier ist eine gut erhaltene Holzturmstelle zu sehen.

  Wachtposten 10/18 „Im Strichherrenwald“ befindet sich unweit vom östlichen Straßenrand. Auch hier ist nur die Holzturmstelle erhalten.

● Wachtposten 10/19 und 10/20: Es sind zwar sichtbare Spuren vorhanden, sie liegen aber innerhalb des Eulbacher Wildparks und sind nicht öffentlich zugänglich. Am Wachtposten 10/19 „Lichte Platte“ kam bei den Ausgrabungen die Bauinschrift des Steinturms zutage. Sie lautet: „Imperatori Caesari divi Hadriani filio Tito Aelio Hadriano Antonino Augusto Pio pontifici maximo tribuniciae potestatis VIII consuli patri patriae Brittones Triputienses ClaroII et Severo consulibus. Übersetzt: Dem Kaiser Titus Aelius Hadrianus Antonius Pius, Sohn des vergöttlichten Hadrian, dem höchsten Priester, haben im achten Jahr seiner tribunizischen Amtsgewalt die Brittones Triputienses (diese Bauinschrift geweiht), als Clarus das zweitemal und Severus Konsuln waren (146 nCh). Die Brittones Triputienses bildeten einen Numerus, der in dem Kastell Schlossau stationiert war.

 

  Numeruskastell Eulbach:

Schließlich kommt man zur B 47 und fährt dort nach rechts und gleich wieder nach links auf den Parkplatz und Gaststätte am Englischen Garten. Das Jagdschloß Eulbach steht auf einem über 500 Meter hoch gelegenen Plateau. Hier befand sich im Mittelalter das Örtchen Eulbach, das im 30jäjhrigen Krieg untergegangen ist. Im Jahre 1771 ließ Graf Franz hier in kleines Jagdhaus errichten, das 1802 vergrößert wurde. Im Jahre 1846 entwickelte es sich zu einem kleinen schloß und 1858 kam ein als Turm getarnter Strebepfeiler hinzu. Heute wird das Schloß bewohnt von der Familie Erbach-Erbach und ist durch die Nibelungenstraße getrennt vom „Englischen Garten Eulbach“.

Hier stand bereits in vorchristlicher Zeit ein römisches Kastell. Das Numeruskastell lag 145 Meter östlich des Jagdschlosses zu beiden Seiten der Straße, aber es sind nur noch geringe Erderhöhungen zu sehen. Ein Bauer hat 1806 die Stelle beim Pflügen entdeckt. Graf Franz ließ es ausgraben und das unter der Landstraße gelegene Haupttor (Osttor) in seinen eben entstehenden Landschaftspark versetzen.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ der weitgereiste Graf Franz der I. zu Erbach-Erbach den „Englischen Garten“ anlegen. Zwischen 1802 und 1807 ließ er durch den Hofgartenbaudirektor Friedrich Ludwig von Sckell den Landschaftspark errichten. Fragmente von Toren und Wehrmauern des Eulbacher-Kastells und des nahegelegenen Würzberger Kastells ließ er im Park mit den Original-Steinen rekonstruieren. Dem Geschmack seiner Zeit entsprechend ging es weniger um historische Genauigkeit, als vielmehr um eine effektvolle Inszenierung der Antike. Ganz im Zeitgeist der Romantik schmückte er den Landschaftspark mit antiken Hinterlassenschaften, die er in der Umgebung ausgraben ließ. Die zahlreichen römischen Wachtürme und Kastelle des Odenwald-Limes boten ihm das Material zur Gestaltung des Parks. Dank seiner ausgeprägten Sammelleidenschaft schuf der Graf so den ersten archäologischen Park in Deutschland und ein Kleinod romantischer Gartenbaukunst. Zwischen 1810 und 1820 erfuhr der Park mehrere Ausbauphasen, ein größerer Weiher entstand und aus dem Aushub wurde ein Hügel aufgeschüttet mit der künstlichen „Eberhardsburg“. Im Jahre 1858 wurde die auf der Insel errichtete Rindenkapelle für den Gottesdienst hergerichtet.

Der Eintritt in den Park kostet drei Euro, er ist ganzjährig von 9 - 17 Uhr geöffnet.  Ein Spaziergang durch die 400 Hektar große Anlage bietet viele reizvolle Momente zwischen alten Bäumen, archäologischen Monumenten und romantischen Ruinen. Neben Archäologischen Sehenswürdigkeiten hat der Park jedoch noch mehr für die großen und kleinen Besucher zu bieten: Tiergehege säumen das Gelände, wie schon vor 200 Jahren, als Graf Franz zur Aufbesserung seines „Jagdglücks“ einen Wildpark einzäunen ließ.

 

Man geht zunächst vom Kassenhäuschen ein Stück parallel zur Straße am Zaun entlang und biegt dann auf dem Rundgang 1 zum Obelisken ab. Er ist gestaltet nach dem Obelisken von Heliopolis in Ägypten, der im Jahre 12 vCh von Kaiser Augustus nach Rom gebracht wurde und später auf der Piazza del Popolo stand. Die Nachbildung ist erbaut aus den Steinen des wenige Kilometer entfernten römischen Kastells Würzberg (wie auch auf der Inschriftplatte steht, die ursprünglich unbeschriftet war: „Ex ruderibus....“). Um den Obelisken herum stehen Säulen, am Weg stehen Steine; die man als Grabsteine römischer Soldaten ansah, die aber in Wirklichkeit die Aussichtsfenster im Obergeschoß der Türme unterteilten

Es folgt der Viergötterstein, das archäologische Sahnestück der Sammlung. An den Seiten lassen sich noch schemenhaft die Götter Juno, Merkur, Herkules und Minerva erkennen.

Die Gigantensäulen verherrlichen an sich den Göttervater Jupiter, der dafür sorgt, daß die Ordnung über das Chaos siegt, symbolisiert durch die Überwindung der Giganten. Auch dieser Stein stammt vermutlich aus dem Würzberger Kastell und war in der Stadtkirche von Michelstadt eingemauert.

Es folgen verschiedene Opfersteine:

1. Fortunaweihung des Manius Magnus aus Sinope, der Centurio der 22. Legion war und Komandeur der Brittonen , die man Ende des 1. Jahrhunderts ausgehoben hatte und die die Besatzungen der Kastelle am Odenwaldlimes bildeten.

2. Altar für Jupiter und den Genius des Ortes, aus Osterburken

3. Altar für das Heil der beiden regierenden Kaiser, aus Walldürn.

 

Nach links geht es zum Osttor des Römerkastells Eulbach, das nach hier in den Park versetzt wurde. Aber nur die beiden unteren Steinschichten wurden original wieder aufgebaut. Doch die Steine und auch das Gesims wurden aus dem Kastell übernommen. Ursprünglich hatte es wohl auch noch zwei Tortürme.

Nach rechts geht es dann durch ein Tor, das aber aus dem Würzberger Kastell stammt. Die schräg nach hinten geneigte Front der Wehrmauer bei den Kastelltoren entspringt den festungstechnischen Vorstellungen der Zeit um 1800, denn römische Kastellmauern hatten senkrechte Fronten.

Man kommt an einem Grenzstein vorbei, der die Grenze zwischen Kurmainz und der Grafschaft Erbach markierte. Es folgt ein Grenzstein von 1542, der das Gebiet des Grafen Georg von dem des Grafen Eberhard trennte. Es folgt ein Bildstock St. Jakob aus dem 14. Jahrhundert.

Nach links wirft man einen Blick auf das Denkmal des Grafen Eberhard (1818 bis 1884), das 1912 von dem Erbacher Bildhauer Otto Glenz geschaffen wurde. Es zeigt ihn mit seinem letzten, 1883 erlegten Hirsch.

Aber man geht nach rechts weiter zu dem römischen Wachtturm mit einem Grab auf der Rückseite. Hier wurde der Sockel des Steinturmes Wp 10/22 „Im Vogelherdschlag“ in den Park versetzt. Er trägt zwei Inschriftsteine: Einmal die Bauinschrift des Wachtturms, der 145 nCh von den Brittonen errichtet wurde. Rechts daneben ist die auf dem Kopf stehende Inschrift vom Wp 10/34 „Cohors I Sequanorum et Rauracorum eqiuitata“. Die im Inneren aufgestellten kleinen Pfeiler sollen Grabdenkmäler darstellen, da man die Schutthügel der Wachttürme für Grabhügel hielt.

Am See steht links ein Denkmal für Graf Franz und den Forstmeister Louis, die Schöpfer des Parks, gewidmet von Georg Albrecht (die Jahreszahlen 1807 und 1907 beziehen sich wohl auf das Jahr der Entstehung und das hundertjährige Jubiläum, an dem das Denkmal errichtet wurde).

Der Weg geht weiter zwischen den Seen hindurch. Rechts steht auf einer Insel die Rindenkapelle mit einem Bildstock. Idyllisch und nur mit dem Boot zu erreichen wird sie bis heute von der gräflichen Familie, den Eigentümern des Landschaftsparks, genutzt und gepflegt. Nach links geht man zu den Wildgattern für die Sauen und die Wisente.

Dann geht man rechts um den großen See herum und kommt am Spielplatz vorbei zu dem Hügel mit der künstlichen Burgruine auf einem künstlichen Hügel, der aufgeschüttet wurde mit dem Aushub des Weihers. Das Steinmaterial der „Eberhardsburg“ stammt aus historischen Kapellen- und Burgruinen des Erbacher Herrschaftsgebietes. Wenn man rechts vorbei geht, kommt man an einem Denkmal für den Erbacher Grafen vorbei.

Wenn man links vorbei geht, geht man um zwei Mauerreste herum, die aber nicht näher bezeichnet werden. Dort sieht man dann auch in die Wildgatter für Ziegen, Mufflons, Damwild und Rotwild. Rechts geht ein Weg ab mit Grenzsteinen. Nach ein paar Schritten ist man wieder am Kassenhäuschen.

 

Von Eulbach zieht der Limes weiter nach Süden. Der nächste

  Wachtposten 10/21 „In der Heumatte“ ist zwar in geringen Spuren sichtbar. Sie befinden sich jedoch im Eulbacher Wildpark und sind nicht zugänglich. Etwa 150 Meter östlich der Straße nach Würzburg liegt in einem Waldstück

  Wachtposten 10/22 „Am Vogelherdschlag“. Das Steinturmfundament wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts von Graf Franz zu Erbach-Erbach ausgegraben und in den Eulbacher Park versetzt. Daher ist der Steinturmhügel heute so niedrig. Bei der Grabung fand man eine Bauinschrift. Sie besagt, daß der Turm im Jahre 145 unter Kaiser Antoninus Pius von dem Numerus Brittonum Triputiensium errichtet worden ist (siehe auch Wachtposten 10/19). Die Inschrift wurde in den Turmsockel im Eulbacher Park eingelassen. Die Holzturmstelle ist besser erhalten als der Steinturmhügel.

  Wachtposten 10/23 und 10/24 lagen in der offenen Gemarkung von Würzberg und sind  verschwunden.

  Wachtposten 10/25 „Auf dem roten Buckel“. Nördlich des Kastells liegt ein römischer Wachtturm am Waldrand, 100 Meter östlich der Hohen Straße. Das Steinturmfundament wurde kürzlich freigelegt und konserviert. Vom Holzturm, der nordwestlich davon lag, sind am Waldrand nur geringe Spuren vorhanden. Dort befindet sich das Jägertor, auch „Hubertus“ genannt. Es war der Torwächter zwischen den Wildparks der beiden Erbacher Grafen.

 

Von Eulbach fährt man erst ein Stück Richtung Michelstadt. Bei der Weiterfahrt sieht man im englischen Garten an der Südwestecke noch das achteckige Häuschen. Links auf der Wiese steht eine Sternwarte. Es geht dann links ab nach Würzberg. Die Hohe Straße geht am westlichen Rand von Würzberg vorbei.

Wenn man im Ort bei der Gaststätte geradeaus fährt, kommt man zum Abenteuerwald (bei Andrang Parken gleich hinter dem Friedhof). Der Hochseilpark stellt allerdings allerhand Anforderungen, man muß erst ein Sicherheitstraining mitmachen und kann dann auf einen Entdeckungs-Parcour oder einen Großen Parcour. Es geht also richtig um Klettern und Hangeln, aber angeblich ist es für die ganze Familie ab 5 Jahren.

Hat man noch Zeit, kann man zusehen, wie die Wildschweine im Wald gefüttert werden. Und zwar im Stadtteil Würzberg (B 47 - Nibelungenstraße, vor Eulbach rechts ab). Die Fütterungsanlage ist wegen der Schwarzkittel täglich vom 15. März bis 15. November von 13 bis 18 Uhr und das ganze Jahr über zur Fütterungszeit von 15 bis 16 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 1,50 DM, Kinder 50 Pfennig Eintritt. In der Nähe des Futterplatzes sind neben den Resten eines Römerkastells die gut erhaltenen Fundamente des Römerbades sowie die eines römischen Wachturms zu sehen.

Man kann die geteerte Straße noch ein Stück weiter fahren und dann nach rechts abbiegen in Richtung Bullau. Aber dieser Weg ist dann nur noch geschottert. Er darf befahren werden, sollte aber vielleicht lieber den Wanderern vorbehalten bleiben. Der Bullauer Bildstock ist wohl besser zu erreichen von der Straße Erbach-Bullau aus.

Wieder zurück im Dorf fährt man weiter durch den langgestreckten Ort in Richtung Breitenbuch. Am Wald kommt man zu einem Parkplatz, der nicht näher bezeichnet ist, aber der Parkplatz Römerbad ist. Von hier aus könnte man zum Römerbad laufen (dazu führt der Wanderweg 5 rechts in den Wald, aber er ist feucht und eng). Einfacher ist es, die geteerte Straße weiter hinein in den Wald zu fahren und am Linksknick zu parken. Von dort sind es noch 300 Meter nach rechts zum Kastell Würzberg.

 

◙ Kastell Würzberg.

Zuerst fällt einem das Römerbad auf. Auch im Odenwald, ganz am Rande des Römischen Imperiums, verfügten die Legionäre vor 1900 Jahren über gepflegte Badeanlagen. Diese ist allerdings sehr klein, hat aber Warmbad und Kaltbad. Zuerst kam man in den halbrunden Schwitzraum, dann mußte man nach vorne gehen zum Warmwasserbad und dann wieder rückwärts zum lauwarmen Bad und zum Kaltbad. Das Bad hatte Glasfenster und Wasserhähne mit fließendem kaltem und warmem Wasser, das wahrscheinlich in einem Hochbehälter gespeichert wurde.

Das eigentliche Kastell liegt hinter einem Sumpfgebiet nördlich des Bades. Es sind nur noch die Umfassungswälle zu erkennen, weil ja die Steine alle im Eulbacher Park verwendet wurden. Dennoch soll es die besterhaltene Anlage im Odenwald sein. Unter dem Wall stecken die Fundamente der Wehrmauer. Das Kastell hatte drei Bauphasen, zuletzt war es 74 mal 81 Meter groß und beherbergte 150 Mann. Es hatte drei Tore, das nördliche zum Limes hin war das Haupttor. Vom Osttor zieht eine Straße in nordöstliche Richtung zum Main. Der Limes war etwa 80 Meter entfernt.

Das Kastell wurde um 1000 nCh erbaut und wurde 155 nCh aufgelassen, als man den Limes weiter nach Osten verlegte zum Main und auf die Linie nach Walldürn. Ein Kastelltor wurde 1866 von Franz I. zu Erbach zum Englischen Garten Eulbach gebracht.

 

Man fährt aber weiter nach Süden auf der geteerten Straße durch den Wald. Über einen Eisenrost (das „Frankfurter Tor“) fährt man in den Privatwald. Von hier aus folgt man der Hohen Straße weiter nach Süden. Am Wildgatter überquert man die hessisch-bayerische Landesgrenze. In dem Wildpark, der zugänglich ist, können Wildschweine auftauchen! Links steht ein Gedenkstein. Aber von weiteren römischen Wachthäusern und Wachttürmen sieht man nichts.

Östlich neben der Hohen Straße, 202 Meter südöstlich vom Eingang zum Wildpark liegt

  Wachtposten 10/26  „Im Sack“. Holz- und Steinturmhügel sind vorhanden. Dicht an dem Wachtposten ziehen die Gräben einer mittelalterlichen Landwehr vorbei. Sie haben mit dem Limes nichts zu tun. Sie laufen noch einige Kilometer nach Süden ungefähr parallel zur Hohen Straße.

  Wachtposten 10/27 „Im Gescheid“ liegt 200 Meter östlich der Hohen Straße. Ein Holz- und ein Steinturmhügel sind sichtbar.

  Wachtposten 10/28 „Im oberen Seeschlag“. Man sieht die Reste des Holz- und des Steinturms.

  Wachtposten 10/29 „Im unteren Seeschlag“ mit Holz- und Steinturmhügel. Am Steinturm kam ein Bruchstück der Bauinschrift von 145 nCh zutage. Der Wachtposten liegt dicht an der bayerisch-hessischen Landesgrenze, noch auf bayerischem Gebiet. Die nächsten Limesbauten befinden sich wieder in Hessen:

  Wachtposten 10/30 „In den Vogelbaumhecken“: Etwa 130 Meter westlich der Hohen Straße sieht man das Steinturmfundament eines Wachtturms, der um 145 nCh erbaut wurde und eine Kantenlänge von 4,80 Meter hat.  Das Untergeschoß dient wahrscheinlich der Vorratshaltung. Darüber lag der Wohnraum für die 4 bis 8 Mann zählende Besatzung. Im Obergeschoß befand sich der eigentliche Ausguck. Es ist die besterhaltene Steinturmruine im Odenwald.

Östlich steht noch eine Mauer mit einer Inschriftenplatte an der Ostseite. Die Inschrift war ursprünglich nur aufgemalt und nicht mehr erkennbar. Doch weitere Bruchstücke, die man 1979 fand, und der Vergleich mit Bruchstücken in Amorbach und Darmstadt erlaubten eine Rekonstruktion.  

Ein Stück Palisade ist auch aufgestellt. Die Stämme wurde 1989 aufgerichtet mit Hilfe einer Spende des Rotary-Clubs. Dabei wurden die Teile im Boden durch Feuer gehärtet. Der Graben verlief 30 Meter vor dem Holzturm. Er war oben 1,70 Meter breit und unten 0,40 bis 0,60 Meter. Etwa acht Meter hinter dem Graben verlief der Postenweg.

Unmittelbar südlich daneben erkennt man die Holzturmstelle. Die Holztürme hatten ein Fundament aus Trockenmauerwerk mit Aussparungen an den vier Ecken für die etwa 30 auf 30 Zentimeter starken Pfosten. Außerdem waren Schlitze für über Kreuz liegende Balken ausgespart. Die Zwischenräume des so entstandenen Gitterrostes waren mit Steinen, Erde und Lehm aufgefüllt. Dieser massive Sockel bildete die Basis für einen zweigeschossigen Oberbau, dessen Dach mit Stroh oder Holzschindeln gedeckt war. Um das Bauwerk zog sich ein Ringgraben.

 

  Wachtposten 10/31 ist völlig verschwunden. Man gelangt auf der Hohen Straße nach Hesselbach und stößt gleich am westlichen Ortsrand auf die Spuren des

 

 Numeruskastells Hesselbach: Es liegt unmittelbar vor dem Beginn der Bebauung und wird von der Straße rechtwinklig eingefaßt, weil es beim Straßenbau noch als Ruine existierte. Um 100 nCh entstand hier zunächst ein Holzkastell von 0,6 Hektar Größe mit einem vorgelagerten Graben, dessen ‚Außenböschung wesentlich steiler ist als die Innenböschung (auch in Würzberg, aber sehr selten). Das Lager besaß drei Tore, von denen das im Nordosten gelegene Haupttor in Richtung des 145 Meter entfernten Limes zeigt. Ecktürme waren nicht vorhanden.

In die Regierungszeit Kaiser Hadrians (117-138) fiel die erste Umbauphase: Eine zweischalige Sandsteinmauer aus nicht behauenen Steinen wurde errichtet. An der Innenseite saßen zwei Mauern übereinander, die aber nicht sehr hoch waren, eine hölzerne Brustwehr muß auf ihnen gesessen haben. Die Gesamtbreite lag zwischen 5,00 und 6,90 Meter. Die Toranalage erhielt nun ihr repräsentatives Aussehen, denn je zwei Steintürme flankierten den einfachen Durchgang. In der letzen Ausbauphase kam noch eine 1,25 Meter breite Schlupfpforte in der Südwestmauer dazu.

Zwischen 148 und 161 wurde das Lager aufgegeben und die Gebäude niedergelegt. Es folgte noch eine kurze Phase ziviler Besiedlung des Platzes, bis im Mittelalter das Waldhufendorf Hesselbach entstand.

Der Waldweg führt dann nach Hesselbach hinein. Man fährt nach links in Richtung Eberbach und Kailbach. Am Ortsausgang steht ein Wegweiser zum Dreiländerstein, der aber noch ziemlich weiter entfernt ist.

 

  Wachtposten 10/32 „Höhenbuckel“. Die Steinturmruine ist durch Ausgrabungen beein­trächtigt, doch ist die Holzturmstelle besser zu erkennen. Südöstlich von Hesselbach liegt am Hang im Wald der südlichste Wachtposten des hessischen Odenwaldlimes. Oben auf der Höhe läuft die Landesgrenze. Der nächste Wachtposten

  Wachtposten 10/33 befindet sich dort und liegt bereits in Baden-Württemberg. Er ist konserviert und sehenswert. Weitere Reste des Limes findet man in den Wäldern bis Schlossau; besonders interessant ist

   Kleinkastell „Jägerwiese“. Ein großer Stein ist dort abgelegt, aber das Kastell soll nördlich der Straße gewesen sein.

  Wachtposten 10/37 „In der Schneidershecke“.      

Die Straße ist jetzt weit gezogen und kurvenreich, sehr beliebt bei Motorradfahrern, aber sie zieht sich sehr, wenn sie auch immer durch den Wald geht. Aber es gibt südlich der Nibelungenstraße keine andere Straße in Richtung Westen. Rechts geht es ab nach Keilbach und dann nach rechts Richtung Hesseneck. Der Ortsteil Schöllenbach ist hessisch, auf der anderen Seite ist Badisch-Schöllenbach. Am Reußenkreuz geht es rechts ab in Richtung Hetzbach und weiter nach Erbach und Michelstadt und über die B 45 nach Norden.

Man kann vom Kastell Würzberg aber auch wieder zurück fahren bis Vielbrunn und von dort Richtung Weckbach und Miltenberg und dann auf der linken Mainseite weiter nach Kleinheubach, Wörth und Obernburg (Hinter Seligenstadt dann auf die Autobahn A 45 Richtung Gießen).

 

Zentral West

 

Reinheim

Der Ort liegt 160 Meter hoch, hübsches, lebhaftes Städtchen am Austritt des Gersprenztals in die Mainebene, als Stützpunkt für Ausflüge in den nördlichen Odenwald geeignet. Im 13. Jahrhundert war es im Besitz der Grafen von Katzenelnbogen. Seit 1318 hat es Stadtrecht und kam 1479 in den Besitz der Landgrafschaft Hessen.

Der quadratische Grundriß der planmäßig im 13. Jahrhundert angelegten Stadt blieb ebenso erhalten wie der fast geschlossene Fachwerkbestand. Das sogenannte Kalb’sche Haus ist aus dem 15. Jahrhundert mit reicher Strebekonstruktion.

Ihm gegenüber liegt das Hofgut, ein gelungenes Beispiel, wie mit durchdachter Architektur auch moderner Prägung ein historischer Komplex seiner dominanten Lage und stadtgeschichtlichen Bedeutung gemäß gestaltet werden kann. Gruppiert um ein Renaissancegebäude von 1695 entstand ein Bürgerzentrum mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, vom Standesamt über Ausstellungsräume bis zu einem Café. Die Einbindung des Hofgutes in das städtische Gefüge unterstreicht die Zugänglichkeit von allen Seiten. Einbezogen sind auch die Teile der jetzt besteigbaren Stadtmauer und ein Turmstumpf mit Zutritt in den Stadtpark.

Nicht in den Komplex eingeschlossen, weil in einem separaten Fachwerkgebäude untergebracht, ist das sehenswerte Heimatmuseum (Heimatmuseum im Kulturzentrum Hofgut Reinheim, Kirchenstraße 41, jeden Sonntag 14.30 bis 17 Uhr).

„Wohnen und wirtschaften im bäuerlichen Haus“ heißt das Motto, das die Stadt Reinheim beim Aufbau des Museums gewählt hat, nachdem das alte Pfarr- und Schulhaus aus dem Jahre 1600 von Grund auf für diesen Zweck erstanden war. Da sieht man förmlich die Bäuerin am gemauerten Herd bei offenem Feuer im Kessel rühren, Getreideröster, Eierpfanne und Waffeleisen in die Glut schieben, den Strohsack im (für heute viel zu kurzen) Himmelbett schütteln oder Häubchen, Schulter-Freud-und-Leid-Tuch im angebauten Schrank ordnen. Auch an Universellem fehlt es nicht, beispielsweise der Milchbank, die zur Aufbewahrung der Milchtöpfe diente, zur Unterbringung des Kleinkindes verwendet werden konnte und ebenso sicherer Hort für Hühner- und Gänseküken während der Feldarbeit war.

Die Evangelische Kirche mit Fachwerkturm ist von 1611 und wurde im 18. und 19. Jahrhundert vergrößert und erweitert. Sehenswert sind auch besonders schöne Fachwerkhäuser und ehemalige Adels­höfe.

 

Groß-Biberau

Seit 1312 hat der Ort das Stadtrecht. Die Kirche ist von 1730. Schöne alte Fachwerkhäuser. In der Umgebung Reste vorgeschichtlicher und römischer Siedlungen. Die Rückfahrt erfolgt über Groß-Bieberau, Reinheim-Sprachbrücken (rechts abbiegen Richtung Groß-Umstadt), Großzimmern zur B 26 und B 45.

 

Ludwig Reinheimer ist Wirt im Groß-Bieberauer Gasthaus „Zum Odenwald“. Dort gibt es „Dunkes“, eine braune Soße, das Odenwälder Traditionsgericht, aber ein „Arme-Leute-Essen“. Vor 20 Jahren hat der Odenwälder das Mahl aus kargen Zeiten wiederentdeckt. Doch mit Pellkartoffeln und Soße allein ist kein Staat zu machen. Deshalb hat er gemeinsam mit Freunden eine Dunkes-Zeremonie entwickelt, auf Neudeutsch: einen Groß-Bieberauer Event.

Dabei steht das Essen nach wie vor im Mittelpunkt. Die Pellkartoffeln aus der Region müssen vom Gast aufgespießt und eigenhändig geschält werden. Darüber kommt „Warmdunkes“, eine Mehlschwitze mit Zwiebeln und Dörrfleisch, verfeinert durch Lorbeerblatt, Liebstöckel, Essig, Knoblauch und Zucker-Couleur. Wer will, kann darüber noch „Kaltdunkes“ geben, eine Marinade mit viel Zwiebeln. Dazu wird hausgemachte Wurst gereicht. Und zum Nachtisch gibt es noch „Trockendunkes“: Wasserweck, die in Salz und Kümmel eingetunkt werden. Im 30-jährigen Krieg, als Franzosen, Schweden, Bayern und die Pest 90 Prozent der Bevölkerung in der Region ausrotteten, schlug die Geburtsstunde des „Dunkes“: 1647 entdeckten die Odenwälder, daß die Kartoffel eßbar ist. Und die Zwiebel eignete sich hervorragend als Zutat.

 

Modautal: Wanderung in Elvira Klein, Odenwald, Seite 145.

 

Lichtenberg:

„Geographisch-historische Lehrpfad“.

Dort beginnt der „Geographisch-historische Lehrpfad“. Er hat eine Länge von sechs Kilometern und ist in 36 beschilderten Stationen ausgeschildert. Wie ein Malerwinkel begrüßt uns Dorf Rodau inmitten grüner Wiesen an buntgesprenkeltem Waldsaum. Danach ein natürlich gebildetes Biotop, in dem zwar die Bäume absoffen, aber das Leben weiter boomt: Mücken tanzen, Wasserflöhe rudern im Entengries, ein tellergroßer Pilz saugt an einen verwesenden Baumstamm. Buchenblätter verdichten sich zu einem weichen Teppich. Zitterpappeln, Rotbuchen, Schwarzerlen, Bergahorn: alle mit Visitenkarte, damit wir sie nicht übersehen.

Auf dem Schild fünf Schritte weiter steht „Bierbach-Teich“. Wo es geradeaus zum  Hottenbacher Hof mit netter Versperstube (nur Freitag, Samstag, Sonntag) abgeht, stapfen wir links in den „Hubert Henke-Weg“, benannt nach dem früheren Förster vom Kernbachwald. Der ansteigende Weg sieht aus wie frisch gekehrt. Die vom Laub befreiten Bäume gewähren der Sonne viel Durchblick und uns Blick auf das Dorf Billings.

Die Heuneburg (Parkplatz) ist ein keltisch-germanischer Ringwall auf der Altscheuer, eventuell eine ovale Thingstätte. Diorithquader aus der Magmakammer der Erde liegen hier überall im Wald. Wie auf einem Trichterrand führt der Weg nun um einen tiefen Krater bergabwärts. Gespenstische Buchen teilen sich hoch oben und „umarmen“ sich. Hinter dem Parkplatz „Templer-Eiche“ erhebt sich das Schloß Lichtenberg. Zurück kraxeln wir hinter der Alten Schule über eine Holzschwellenstaffel hinunter zum Eselsbrunnen und zum Parkplatz.

 

Schloß:

Mit dem Auto geht es weiter in die Stadt (Parken unmittelbar vor dem Schloß). Der Ort hat eine herrliche, beherrschende Lage auf waldiger Höhe und ist als Luftkurort beliebt. Prächtig wie die Sicht auf Schloß Lichtenberg ist auch der Blick von dort über den kleinen Ort gleichen Namens und den welligen Odenwald hinweg zum fernen Horizont - bei klarem Wetter bis zu den Spitzen der Burg Frankenstein. Nach der Anfahrt durch unauffällige Ortschaften und ländliche Täler kommt es unweigerlich zum „Oh“-Effekt, wenn aus dem Fischbachtal (so auch er Name für den Gemeindeverband, zu dem Lichtenberg heute gehört) auf hoher Bergspitze der Feudalbau erscheint. Nicht nur in den Maßen sprengt er das sonst in dieser Gegend übliche. Seit seiner Renovierung ist das Schloß leuchtend hell, abgesetzt mit roten Sandsteinfassungen und Zierat, das Schieferdach bei Sonne glänzend. Eine Art Fata Morgana im stillen, unprätentiösen Odenwald, majestätisch himmelragend. Und doch ist Lichtenberg kein Traumschloß üppiger Hofhaltung gewesen.

 

Ob der geistreiche Aphoristiker und Naturwissenschaftler Georg Christoph Lichtenberg und das Schloß gleichen Namens miteinander zu tun haben, darüber darf spekuliert werden. Sicher ist jedoch, daß beide dem gleichen Landstrich entstammen: dem nördlichen Odenwald, denn Lichtenbergs Geburtsort ist Ober-Ramstadt.

 

Besiedelt war das Gebiet schon lange vor der Zeitrechnung. Aber erst als die Burgen zu neuen Zentralorten wurden, kam Leben auf den Lichtenberg, der alle natürlichen Gegebenheiten für den Bau einer Höhenburg mitbrachte. Nach drei Seiten steil abfallend, war er fast uneinnehmbar. Die ersten. die diesen geostrategischen Vorteil mit einer Befestigung sicherten, waren die Katzenelnbogener Grafen. Wo sie erst einmal Fuß gefaßt hatten, erstellten sie mächtige Anlagen, wie beispielsweise noch an Burg Rheinfels bei St. Goar, einer der größten jemals erstellten Burgen. eindrucksvoll zu sehen ist.

Schon die beengte Geländeformation auf dem Lichtenberg zwang, im Odenwald eine Nummer kleiner zu planen. Aber selbst die noch erkennbaren gotischen Mauerfundamente unterhalb des Schlosses zeigen, daß hier fast für die Ewigkeit gebaut wurde. Spielte die Natur nicht mitunter Schicksal, hätte dem durch die Rheinzölle pekuniär unterfütterten weiteren Aufstieg der Katzenelnbogener sicherlich nichts im Wege gestanden - und die Landgrafschaft Hessen wäre unbedeutend und auf Nordhessen beschränkt geblieben.

 

Die Burg Anfang entstand Anfang des 13. Jahrhunderts unter Graf Dieter II. von Katzenelnbogen. Das Kurfürstentum Mainz, das von Dieter III. von Katzenellenbogen als Lehnsmann die Erlaubnis erhielt, die Burg Lichtenberg zu erbauen, sah in diesem Stützpunkt wohl hauptsächlich ein Gegengewicht zu dem unter fuldischer Lehnshoheit stehenden Veste Otzberg. Die ursprüngliche Anlage der Burg mit Tor, Schmiede, Marstall und Zehntscheuer (mit Kapelle) muß  beim Aufstieg zum Schloß noch durchschritten werden.

Im Jahre 1312 erhielt Lichtenberg Stadtrechte. Die gut erhaltene Stadtmauer ist aus dem 14. Jahrhundert.

Nach Aussterben des Geschlechts fiel die Burg an die Landgrafen von Hessen. Wie das dynastische Leben so spielt, war einer der Ihren, Heinrich III.. beim Ableben des letzten männlichen Katzenelnbogeners 1479 mit der Erbtochter Anna liiert. Das war die beste Partie, die Hessen je gemacht hat. Mit einem Schlag faßte die Landgrafschaft am Rhein. an der Bergstraße und im Odenwald Fuß.

Bald nach der Erbauung der Burg entstand dann in ihrem Schutz die bürgerliche Siedlung, die mit in die Befestigungsanlage einbezogen wurde. Zur Stadtbefestigung gehört aber das wuchtige Bollwerk, ein mit Zinnen bewehrter Turm aus dem Jahre 1503 (andere Angabe: 1480), wird das „Krautfaß“ genannt. Der Geschützturm hat angeblich sechs Meter dicke Mauern, die man  beim Blick durch Schießscharten ins düstere Innere abschätzen kann.

Der dicke Turm ist – nach anderer Ansicht – ein Rest einer Vorgängerburg, die bereits abgetragen war, als Landgraf Georg I. 20jährig bei der testamentarischen Vierteilung Hessens dessen südlichen Zipfel erbte und damit Lichtenberg.

Kein Wunder, daß sich die Nachfahren von Heinrich und Anna beeilten, der veränderten Kriegführung mit dem Bau eines gewaltigen Geschützturmes (sechs Meter Mauerstärke) an der gefährdeten Westseite Lichtenbergs Rechnung zu tragen. Nachdem Darmstadt zur Residenz einer der 1567 in vier Teile zerfallenen Landgrafschaft geworden war, zögerte der erste Hessen-Darmstädter Regent. Georg  I., nicht, seinem bescheidenen Territorium repräsentativen Glanz zu verleihen. Noch vor der Hauptstadt beglückte er das kleine Lichtenberg mit dem ersten Bau eines Renaissance-Schlosses im südhessischen Raum.

Von 1570–81 entstand das Schloß in strengen Renaissanceformen (heute Heimatmuseum). Bis auf die Fundamente wurde die Katzenelnbogener Burg fast völlig abgetragen und an ihrer Stelle eine hoch aufragende Dreiflügelanlage erstellt, für die sich Georg in Italien anregen ließ. Er soll auch selbst die Pläne entworfen haben. Gleichzeitig verpflichtete sich Landgraf Georg damit auch zum Bau eines ansehnlichen Witwensitzes. mit dem er die umworbene Magdalena zu Lippe gewann.

Es wurde dann ein Witwersitz, genauer, eine wenig genutzte Zweitwohnung. Georgs Gemahlin Magdalena starb bereits mit 35 Jahren lange vor ihrem Gatten. Schloß Lichtenberg wurde zu einem Symbol für die Verlagerung der Machtzentren vom ländlichen Raum in die Städte und blieb ein Stiefkind der Darmstädter Regenten. Andererseits konnte die abgeschiedene Lage in kriegerischen Zeiten von Nutzen sein. Mehrmals diente die von der mächtigen Geschützbastion unverändert gedeckte Schloßanlage während des Dreißigjährigen Krieges dem Darmstädter Hof samt seinen Untertanen als letzte Zufluchtsstätte. So nahe dürften die hohen Herrschaften ihrer bäuerlichen »Basis« in der qualvollen Enge, in der es keinen Platz zum Liegen gegeben haben soll, selten gewesen sein.

Während des 30jährigen Krieges blieb Lichtenberg zwar von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont, doch forderten Pestilenz und andere Seuchen zahlreiche Opfer. Als die Grafen von Katzenelnbogen - später auch „von Lichtenberg“ genannt - ausstarben, fiel das Gebiet an Hessen-Darmstadt. Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt ließ durch den Hofbaumeister Jakob Kesselhut (Erbauer des Darmstädter Schlosses) die mittelalterliche Burg von 1570-1585 in die landesfürstliche Renaissancefestung umgestalten.

 

Das Schloß zeigt das extrovertierte Selbstbewußtsein des humanistischen Zeitalters. Dem Heimatforscher Hans H. Weber ist sie auch ein dauerndes Denkmal einer gestörten Vater-Sohn-Beziehung. Habe doch der Sohn Georg stark unter der Neben-Ehe seines Erzeugers gelitten und derlei frühkindliche Schäden mit Bauwut zu kompensieren gesucht. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte Schloß Lichtenberg keine Bedeutung mehr.

Kurze Lebenserwartung zwang frühere Herrscher, sich früh aller Welt zu beweisen und vorzusorgen: So förderte es seine Heiratsverhandlungen, daß er für Magdalena zur Lippe mit einem geplanten Schloßneubau bereits vor der Hochzeit den künftigen Witwensitz anbieten konnte. Daß das Schicksal es anders vorsah, sie mit 35 vor ihm sterben ließ, war eine andere Sache.

Neuerdings wird Georg - nicht der Baumeister Jakob Kesselhut - als der eigentliche Entwerfer dieses Schlosses im „neuen” Stil angesehen, den er bei Reisen (auch das ist ungewöhnlich) nach Heidelberg, Stuttgart, Venedig kennengelernt hatte. Lichtenberger Renaissancestil kennzeichnet heute noch die Bauten seiner Epoche im engen Einflußbereich: in Darmstadt Schloß Kranichstein, Residenz, Rathaus.

Nach kurzer Blüte mit zeitweiliger Nutzung als Jagdschloß und Residenz unter Landgraf Ernst Ludwig von 1688 bis 1739 versank das Schloß in Vergessenheit. Zuletzt erfüllte sich sein Schicksal als Aktenmagazin für das Darmstädter Staatsarchiv und Fruchtspeicher.

Es mußten wohl erst republikanische Zeiten anbrechen. um die adlige Heimstatt einer sinn- und zinnvollen Nutzung zuzuführen. In dem seit den frühen fünfziger Jahren aufgebauten Schloßmuseum nehmen einen beträchtlichen Teil der 1200 Quadratmeter Ausstellungsfläche die Dioramen Tausender von Zinnfiguren ein. Die Schloßgeschichte, mehr noch die gesamte Menschheitsgeschichte. ist dort buchstäblich mit Adam und Eva beginnend über Hannibals elefantösen Leistungen bis zu den »Friedensuniformen der deutschen Regimenter von 1914« in einer gesonderen Abteilung auf Zinnfigurengröße geschrumpft. Durch Laufsteg und Handreling hat man bei der Präsentation besonders an die Kinder gedacht, die zudem mit einem Nachbau des Zirkus »Sarasani« auf ihre Kosten kommen. Für die Erwachsenen rentiert das häufigere Wiederkommen durch mehrmals wechselnde Ausstellungen der Sommergalerie moderner Kunst und verschiedene Sonderschauen.

 

Schloß Lichtenberg stellt Bollwerk und Burgsiedlung zu seinen Füßen im wahrsten Sinn in den Schatten. Mit einer luftigen Leichtigkeit erhebt es sich über ihnen. Ein kurzes Sträßchen entlang, und darüber öffnet sich ein Torbau umgeben von Mauern. Hier schon der typische Renaissancegiebel. An Marstall und Zehntscheuer vorbei hoch auf den ebenen Schloßhof, den Georgs Bau von drei Seiten umstellt: die Innenseite ebenmäßig streng. Einziger Schmuck zwischen Fensterreihen das Wappenportal mit seinem und der Eheliebsten Wappen und ein Treppentürmchen an der Nahtstelle zweier Schloßflügel.

Ein Rundgang um die Außenseite, eine kleine Anlage mit buntem Bauerngarten: außen ebenfalls die Regelmäßigkeit der Fensterfronten, unterbrochen nur durch schmale Vorsprünge mit den „Secreten”. Einzige Zier des hohen Flügelbaues die typischen Schneckengiebel an jeder Ecke.

Ehe Georgs Nachfolger dazu kamen, von Lichtenberg aus ihrer Jagdlust zu frönen, wurde die Festung benötigt als Zufluchtsort vor Pest und Kriegen. Immerhin hielt sie stand, auch als in den Kriegswirren des 17. Jahrhunderts alles mit Flüchtlingen so vollgestopft war, daß diese im Festungsschloß wegen Enge nur stehen, nicht aber sitzen und liegen konnten - behauptet die Chronik. In solchen Zeiten reichte die Wasserleitung ohnehin nicht, die der in vielem fortschrittliche Georg von einer Quelle mit Hilfe von Holzrohren in den jetzt als Blumenbecken benutzten Renaissancebrunnen im Hof hatte legen lassen; denn Wasserträger waren knapp und in der Burgsiedlung Lichtenberg kaum zu finden. Dort pochten die Bewohner auf ihre Burgfreiheit, die sie dazu nicht verpflichtete.

Zu leiden hatte das Schloß auch unter Blitzschlag, Bränden, Erdbeben und am Ende dem Einsturz des letzten alten Burgbaues, durch den die heutige Terrasse mit dem schönen Blick über Zinnen ins weite Land frei wurde.

 

Im Schloßmuseum das im Ostflügel des Schlosses werden in 14 größeren und kleineren Räumen Schausammlungen zur Geschichte des Odenwalds mit bäuerlichen Geräten oder Zeugnissen von längst untergegangenen Handwerkszweigen ebenso hergezeigt wie eine alte Apotheke, historisches Spielzeug und die originelle Puppenstuben-Kollektion. Leben auf einem Odenwaldhof im Jahr 1000 vor der Zeitrechnung. Später: Germanensturm auf die Heuneburg, deren Ringwälle auf der höchsten Erhebung gegenüber Lichtenberg noch zu besichtigen sind. Oder die Römer im Odenwald und Karls des Großen Hofhaltung im nahen Groß-Bieberau. Auch vom gewöhnlichen Alltag der Odenwaldbevölkerung berichtet das Museum. Vom Leben und Vergehen - sichtbar vom Gebärstuhl bis zur „mehrschläfrigen” Mausefalle. Auch wie es manchen zu viel wurde und sie in der Auswanderung ihr Heil suchten, heute aber ihre Nachfahren in ihre schöne Stammheimat gerne als Besucher zurückkehren (Geöffnet mittwochs und freitags, 14 bis 17 Uhr; samstags, sonntags, feiertags auch 10 bis 12 Uhr von Ende März bis Ende Oktober/Anfang November, je nach Wetter, außerdem nach Vereinbarung, Telefon 0 61 66/404.)

Unübertroffene Attraktion aber ist unter all den Stücken die einzigartige Zinnfiguren-Sammlung. In Dioramen werden mit den daumengroßen Mini-Plastiken Szenen aus der Antike und dem bürgerlichen Leben in der südhessischen Region präsentiert. Eine Rarität: die Blei-Soldaten-Kollektion aller deutschen Regimenter der Kaiserzeit in Friedensuniformen. Insgesamt 11.000 Zinnfiguren sind in zwei großen Räumen aufgestellt. Zur Tauschbörse reisen jedes Jahr die Liebhaber dieser Kleinst-Objekte aus ganz Deutschland an.

Mit vollem Namen hieß das Museum im Renaissanceschloß von Lichtenberg bis vor wenigen Jahren »Landschaftsmuseum in Verbindung mit Zinnfiguren- und Bleisoldaten-Sammlung sowie einer Sommergalerie für moderne Kunst«. Das sagt schon einiges über die Bandbreite der Exponate und Themen der Ausstellungen. Es verrät aber noch nicht alles, zumal der Name »Landschaftsmuseum«, wie es heute verkürzt heißt, der Phantasie ein weites Feld öffnet.

Über das Naheliegende der Darstellung geologisch-topographischer Eigenarten des nördlichen Odenwaldes hinaus kommt das Leben in Vergangenheit und Gegenwart der Region zu ihrem Recht. Mit viel Liebe und Sachverstand ist anhand zahlreicher bäuerlicher Gebrauchsgegenstände dokumentiert. womit sich die Altvorderen ihr täglich Brot abringen mußten. Im abgelegenen Fischbachtal - und doch nur 15 Kilometer Luftlinie von Darmstadt entfernt - lebte man fast autark. Selbst waren die Frau und der Mann, wenn es neben der anfälligen Feld- und Hausarbeit um das Backen, Buttern. Räuchern, Weben und die Herstellung von Rübenöl für das »Geleucht« ging. Wie kam nun die bäuerliche Gerätschaft auf ein Schloß und das Schloß in diese abgeschiedene bäuerliche Welt?

 

Das Schloß ist jetzt teilweise Fremdenheim, teilweise Archiv. Das Schloß ist von einem uralten Park umschlossen und bietet malerische Fernblicke, besonders von der Terrasse. Das Schloß wird mit viel Phantasie immer wieder ins Gespräch gebracht. So durch die ständigen originellen Ausstellungen und Veranstaltungen. Ein Dauer-Hit sind die von Musikliebhaber Mahr vor beinahe 25 Jahren initiierten Schloßkonzerte im Kaisersaal. Bei 135 Musikaufführungen erklangen Töne aus der Klassik bis zur Moderne. Tradition ist ein Jazz- Frühschoppen im Schloßhof.

Lindenfels

In der Ortsmitte von Fürth biegt man dann ab nach Norden in Richtung Modautal. Man kommt zuerst nach Ellenbach. Dort steht links in der Schlierbacher Straße 40 (Hauptstraße) ein beachtenswertes Beispiel der „Schlangenhäuser“, erbaut 1797, mit der Darstellung einer Schlange an der Hausecke. Gegenüber steht die Kirchenschule.

 

Der nächste Ort ist Schlierbach. Es gilt als eines der schönsten Dörfer des Odenwalds. alte Anwesen aus pfälzischer Burgherrenzeit, die von 1277 bis 1803 währte, und schmucke Fachwerkhäuser zeichnen das Haufendorf aus. Schlierbachs Besonderheit aber ist sein Friedhof. Man findet ihn, wenn man von der Durchgangsstraße in Richtung Kirche nach links abbiegt. Es handelt sich nämlich um einen richtigen Kirchhof, denn er umfaßt noch heute den Raum um das Gotteshaus. Das Gotteshaus ist ein schlichter Saalbau, entstanden 1810 unter Verwendung gotischen Mauerwerks seiner Vorgängerin. Die Kirche ist Mittelpunkt eines bis zur Reformation über zwanzig Ortschaften umfassenden Kirchspiels.

 

Hier sieht man an vielen Ruhestätten die schlichten weißen, mit Blumen bemalten Grabbretter. Der Ursprung der Totenbretter oder „Stickel“, wie sie im Volksmund heißen, soll aus der Reformationszeit herrühren. Die Aufschrift beginnt jeweils mit der Formel „Hier ruht in Frieden“ (während es sonst „Hier ruht in Gott“ heißt). Ihr folgen Name, Ort und Todesjahr des Verstorbenen (Wanderung in: Odenwald, Seite 35).

Ein Stück nördlich des Kirchplatzes sieht man die alte Mühle von Schlierbach mit vielen Mühlsteinen und einem stimmungsvollen Hof. Man fährt aber auf dem Weg zurück, den man gekommen ist, und auf der Hauptstraße weiter.

Hier steht der Gasthof „Zum Römischen Kaiser“. Weit lädt das schmiedeeiserne Wirtshausschild mit dem römischen Kaiser im purpurnen Krönungsmantel über die Straße. Wie es zu dieser Namensgebung kam, ist unbekannt. Soviel glaubt man zu wissen, daß der Forstmeister Wreden, inzwischen zum bayerischen Feldmarschall befördert, das Schild von einem Feldzug mitgebracht hat.

Es ziert seither das zweihundertjährige Fachwerkhaus, das zugleich das älteste Odenwälder „Schlangenhaus“ ist. Das heißt, in den Eckpfosten des Oberstockes ist eine Schlange eingeschnitzt, die im Maul eine Schriftplatte mit dem Namen des Erbauers trägt: „Hans Michel Meister hat das Haus gebaut in dem Jahre 1766“.

Im Gasthaus werden zwei Gläser aufbewahrt, das der kurpfälzische Forstmeister von Wreden den früheren Besitzern des Gasthauses geschenkt hat. Bei den jungen Wirtsleuten Hansjoerg und Annaberbel war der Umgangston im Laufe Jahre zunehmend rauher wurde. Der Forstmeister bemerkte es mit Schmunzeln, wenn er auf seinen Inspektionsritten immer wieder dort einkehrte. Eines Tages im 1791 überreichte er den beiden zwei Henkelgläser aus der Glashütte im benachbarten Seidenbach, auf die er das ihm so vertraute Bild des temperamentvollen Paares hatte eingravieren lassen: Annaberbel in Odenwälder Tracht, händeringend und wie üblich rufend: „Mord schwer noth Hansjoerg“, während er, sein Glas hebend, seelenruhig mit Götzens bekanntem Zitat antwortet: „Ei leck mich im Arsch Annaberbel“.  Hansjoerg und Annaberbel hatten Sinn für Humor, sonst hätten sie nicht das originelle Geschenk ihren Nachkommen als wertvolles Erbe wahren können (Odenwald, Seite 28). Eine Straße führt dann direkt nach Lindenfels hinauf. Man biegt nach rechts ab in Richtung Krankenhaus und parkt dann links auf dem alten Markt unterhalb der Burg.

Die Edelobstbrennerei Dieter Walz ist in der Obergasse 5.

 

Billings

In Gadernheim geht es rechts ab Richtung Modautal - Fischbachtal. Über Brandau kommt man nach Billings. Obwohl Bodenfunde darauf schließen lassen, daß schon während der Jüngeren Steinzeit - 4000 bis 1800 vor Christus - menschliche Ansiedlungen existierten, beginnt die Geschichte Billings mangels Aufschreibungen offiziell erst im 15. Jahrhundert.

Ein friedvolles, stattliches Dorf sei es gewesen. bis der 30-jährige Krieg das stille Tal in Aufruhr versetzte. Die Billingser flohen ins Schloß Lichtenberg und verkrochen sich in Erdhöhlen.

Die Schweden und Kaiserlichen plünderten die Höfe und jagten die Einwohner mit „menschenspürigen“ Hunden, berichtet die Chronik. Wer Hunger und Folter entging, den raffte im Winter 1634/35 die Pest hin. Danach war Billings leer, ausgestorben für vier Jahrzehnte.

Die Neubesiedelung des Fischbachtales gelang erst nach dem zweiten Anlauf 1698 mit zwei Familien aus dem Vogelsberg. Die hauchten auch den drei vorhandenen Mühlen neues Leben ein. Heute existiert nur noch die Mittelmühle (sehenswert), in der Heimatkundler Georg Lortz in sechster Generation mit dem Mühlrad im Fischbach Tradition pflegt. Allerdings mahlt er, obwohl er gelernter Müller ist, damit kein Getreide mehr, sondern erzeugt im Schnitt 8500 Kilowatt Strom im Jahr.

Billings gleicht in der Woche und tagsüber einem verschlafenen, ja ängstlichen Dorf. Dicht drängen und stapeln sich alte und neue Häuser an- und übereinander an einen Felshang, von dem man auf Schloß Lichtenberg sehen kann. Ein fremdes Auto, ein neugierig blickender Spaziergänger sind registriert und noch nach Tagen als Automarke und Haarfarbe erinnerlich, wenn man das Gespräch darauf bringt.

Der Name des Ortes könnte von einem alten Gerät stammen.  Heimatforscher Georg Lortz zeigt einen antiken, eigenartig geformten Hammer-Meißel aus Holz und sagt:. „Das hier, das nennen wir im Odenwald eine Bille. Die brauchte der Müller, um die Schränzen der Mahlsteine nachzuschärfen!“

In Billings ist auch der Neiheiser Hof, Wiesenweg 8: Ausstellung und Verkauf von Dekorationsartikeln.

Der nächste Ort ist Niedernhausen. Dort sieht man schon das Schloß Lichtenberg. Man muß aber erst im großen Bogen fahren und findet erst ein ganzes Stück hinter dem Ort die Auffahrt nach links. Von Westen her kommt man zuerst zum Parkplatz Riedbusch.

 

Lautertal-Gadernheim

Wer zur Neunkircher Höhe (605 Meter) hinaufsteigt, ist dreifach ganz oben im hessischen Teil des Odenwalds: zum einen auf der höchsten Erhebung, in Neunkirchen im höchstgelegenen Dorf und schließlich mit dem Erklimmen des Kaiserturms im höchstgelegenen Gastzimmer. Ausgangsort dieser Rundblick und Weitblick versprechenden Wanderung ist Lautertal-Gadernheim an der Nibelungenstraße (B 47) mit einem schönen Rathaus direkt an der Durchgangsstraße (Südseite) und dem bemerkenswertem Kirchturm.

Von der Bushaltestelle Gadernheim Mitte läuft man Fahrtrichtung die B 47 noch einige Schritte weiter, trifft die Markierung gelbes Quadrat, biegt mit ihm halblinks in die Turmstraße ab und ist alsbald in freier Natur. Du Weidewiesen geht es am Bach entlang aufwärts zum Wald. Nach einem Blick zurück gen Bergstraße gilt das Augenmerk dem Wegweiser an der Waldecke, der einen Rundweg mit dem roten Strich um die Neunkircher Höhe ankündigt. Das heißt, geradeaus die Richtung einschlagen, nicht rechts über Kolmbach, was der rote Strich ebenfalls anzeigt.

 

Der Anstieg wird steiler. Kurz vor Erreichen des Gipfels reiht sich der rote Strich weiteren Wanderrouten mit Ziel Kaiserturm ein. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, da hinaufzuklettern über die Wipfel der Bäume hinweg den Blick in die Runde schweifen zu lassen. Spessart und Taunus, Hunsrück und Haardt erfaßt das Auge bei klarer Sicht. Die Ferne in die Nähe holen mit dem Errichten von Aussichtstürmen war eines der zahlreichen hochgesteckten Ziele, die sich die Wanderklubs bei ihrer Konstituierung im vorigen Jahrhundert zur Aufgabe machten. Der erste Kaiserturm an dieser markanten Stelle entstand bereits 1888, eine Holzkonstruktion, die schon 1907 durch den steinernen Kaiserturm Nummer II ersetzt werden mußte.

Unser nächstes Ziel ist Neunkirchen. Man schließt sich dem roten Quadrat an, kommt damit auf die schmale Zufahrtstraße für den Radarturm der Bundesanstalt für Flugsicherung, folgt ihr abwärts, und sobald außerhalb des Waldes, die trutzige Kirche von Neunkirchen sichtbar wird, trennt man sich vom Quadrat und hält auf sie zu. Neunkirchen war bis zur Reformation ein bedeutender Wallfahrtsort. Seine Entstehung soll auf das Jahr 300 nach Christus auf eine Quellenkultstätte im heutigen Kirchenbereich zurückgehen. Die jetzige „neue“ Kirche entstand 1742 auf den Grundmauern verschiedener Vorläuferkapellen und -kirchen.

Für den Weiterweg nach Brandau nehmen wir den weißen Strich an der Ummauerung des Kirchenbezirks auf, laufen den Wiesenhang, hinunter, über die Straße in den Wald. Das Zeichen dirigiert am Rand eines Bachtälchens entlang abwärts, wobei mit Erreichen des ersten Hauses die Bach-Tal-Seite gewechselt wird. Drüben nochmals durch Wald kommen wir hinunter nach Brandau, dem Verwaltungssitz der Großgemeinde Modautal.

In der Ortsmitte am Amtsgebäude schwenkt das Zeichen links, biegt sogleich in die Straße Im Eck ein und weist dann den Bensheimer Weg hinauf. Außerhalb am Sperrschild strebt das Zeichen rechts dem Ehrenfriedhof für Kriegstote aller Nationen auf dem Geisberg zu.

In der Kriegsgräberstätte südwestlich des Ortes wurden 461 Opfer der Weltkriege beigesetzt, darunter 306 ausländische Kriegstote aus 15 Nationen und acht Unbekannte, vor allem sowjetische und jugoslawische Kriegsgefangene und sowjetische und polnische Zwangsarbeiter und Überlebende der Zwangsarbeit und der Konzentrationslager (sogenannte „displaced persons“).

Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge hat die Grabstätte Mitte der sechziger Jahre errichtet, um Kriegstote aus den südhessischen Kreisen Darmstadt-Dieburg, Erbach und Groß-Gerau gemeinsam beizusetzen. Die Gefangenen waren weitgehend in der Landwirtschaft eingesetzt. Sie mußten auch Wälder abholzen oder sumpfige Gebiete entwässern. Ein Toter kam aus dem Lager Rollwald bei Nieder-Roden. Andere mußten in einer Raunheimer Lederfabrik arbeiten. Es sind auch Kriegsgefangene aus den Lagern Bad Orb und Ziegenhain dabei, Verstorbene aus dem Lazarett Klein-Zimmern und zahlreiche Frauen und Kinder aus dem „weiblichen Arbeitslager“ Nieder-Ramstadt.

Wir nehmen aber geradeaus ohne Zeichen den zunächst asphaltierten Weg durch die Felder. Es ist der Zubringer zum gelben Strich, den wir nach knapp 300 Metern treffen. Er lotst uns auf anfänglich schlechter Wegstrecke nach Gadernheim zurück. Wenn das Zeichen unten im alten Teil nach links abknickt, laufen wir kurz zur B 47 und Ortsmitte weiter (vgl. auch Elvira Klein, Odenwald, Seite 58-60).

 

Felsenmeer                                                                                               Führungsblatt 80

Anfahrt über die A 5 bis Bensheim (nicht: Bensheim-Auerbach). Dort Richtung Michelstadt fahren. In Lautertal-Reichenbach rechts ab zum Felsenmeer, Parkplatz „Felsenmeer“. Es gibt auch noch andere Parkplätze (Talweg bei Reichenbach, Römersteine bei Beedenkirchen, Kuralpe). Doch es empfiehlt sich der Parkplatz am Fuß des Felsenmeers (280 Meter hoch gelegen), weil man von dort zuerst den steilen Aufstieg hat und auf dem Rückweg bequem bergab laufen kann.

Im westlichen, dem Kristallinen Odenwald, der im Zuge des variskischen Gebirgsbildungszyklus vor etwa 350‑270 Millionen Jahren (Karbon) entstanden ist, erhebt sich nördlich von Lautertal‑Reichenbach der Felsberg mit 515 Metern über das Tal der Lauter. Er besteht aus Melaquarzdiorit (früher: Hornblendegranit). Die Gesteinsmassen seiner Felsenmeere, aus glutflüssiger Magma entstanden, lagen ursprünglich nach ihrer Erkaltung viele tausend Meter tief. Durch Erosion der Deckschichten gelangte das Tiefengestein im Laufe von Millionen Jahren an die Oberfläche. Die im Gestein vorgegebenen Spalten vertiefend, haben Wind, Wasser und Frost den ursprünglichen festen Block oft metertief in wegwaschbaren Granitgrus verwandelt ‑ nur die widerstandsfähigen Kerne blieben zurück. Die Witterungsbedingungen gaben ihnen die für die Granitverwitterung typische „Wollsack“‑Form. Schnellfließende Bergbäche schließlich trugen den Granitgrus weg und ließen so in ihren Betten die Blockmeere entstehen.

In dieser durch Erosion freigelegten Ansammlung gewaltiger, an natürlicher Formschönheit kaum zu überbietender Steinblöcke, hinterließen zudem römische Steinmetze Spuren ihres hohen handwerklichen Könnens.

Vom dritten Jahrhundert an nutzten und bearbeiteten sie dieses harte Gestein für ihre monumentalen Bauwerke in Mainz und Trier. Den endgültigen Beweis, daß der Felsberg den Römern als Steinbruch diente, erbrachte jedoch erst der Nachweis, daß Felsberggranit beim Bau der Trierer Basilika (328‑337 n. Chr.) unter Kaiser Konstantin (306‑337) verwendet worden war. So ist der bekannte Trierer Domstein der Rest einer monolithischen Säule gleich der „Riesensäule“. Die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Marmorbrüche im Hochstädter Tal bei Auerbach lieferten die zugehörigen Kapitelle.

Nach heutiger Kenntnis wurde der Felsberg von den Römern erst im 4. Jahrhundert n. Christus ausgebeutet, also nach dem Fall des Limes (260 n. Chr.), und nur wenige Beobachtungen deuten auf eine Tätigkeit bereits vor dem Jahr 260 hin. Daß die römischen Steinarbeiter außerhalb des Reichsgebietes tätig werden konnten, ist auf die militärische Stärke der Römer in konstantinischer Zeit am Rhein zurückzuführen.

 

Vom Gasthaus läuft man zum Fuß des Felsenmeeres. Rechts ist die Siegfriedquelle, wo nach einer der vielen Überlieferungen im Odenwald Siegfried von Hagen erstochen worden sein soll. Man folgt dem Fußweg Nummer 3 (nicht mit Weg 1 nach links abbiegen). Schon hier kann man verschiedene Steine sehen, die von Steinmetzen bearbeitet und wieder verworfen wurden. Dann folgt man Weg Nummer 2, an dem rechts das „Krokodil“ liegt. Man geht bis zur ersten Tafel des Geologisch-Historischen Lehrpfades.

Der Verein Naturpark Bergstraße‑Odenwald hat im zentralen Bereich des Felsenmeeres einen geologisch‑historischen Lehrpfad in Form eines Rundweges angelegt. Sechzehn Hinweistafeln informieren über geologische Begebenheiten, die Entstehung der Randgebirge beim Absinken des Rheingrabens und speziell die Naturschöpfungen des Blockmeeres als Rest eines langen Verwitterungsprozesses. Es wird auf die römische Steinindustrie eingegangen, ihre Arbeitsmethoden und die verbliebenen intakten und mißlungenen Werkstücke. Sie sind alle mit roten Ziffern gekennzeichnet.

An der Tafel geht man links. Etwas unterhalb des Weges ist die „Kreisplatte“. Sie zählt zu den beeindruckendsten Werkstücken am Felsberg (Nr. 291). Das einen Durchmesser von 3,50 Meter aufweisende Werkstück könnte als Abschluß eines Polygons der Trierer Basilika vorgesehen gewesen sein. Ähnlich wie an Block Nr. 99 war auch hier bereits mit dem Herausarbeiten der endgültigen Form begonnen worden. Eine natürliche Kluft führte jedoch zu einer Unterschneidung und machte die gesamte Arbeit zunichte.

An der Brücke von 1989 geht man nach rechts auf dem Weg Nummer 3. rechts liegt die Hütte „Lautertalblick“, links ist ein kleines Felsenmeer und die Wollsack-Granitverwitterung“. Der Weg geradeaus (Nummer 4)  führt zum Parkplatz „Römersteine“.

Man geht aber links ab auf dem Weg Nummer 3, kommt durch einen Rastplatz mit gesetzten Mauern und an dem „Riesensessel“ vorbei, der auf natürliche Art und Weise entstanden ist. Man kreuzt wieder das Felsenmeer, läßt den direkten Anstieg zum Kiosk rechts liegen und geht bis zum Wegweiser „Riesensäule, Olyturm“. Dort geht man nach rechts zum Kiosk und zur Riesensäule (Nr. 259), dem wohl bekannteste Einzelstück .Sie wird bereits im 15. Jahrhundert im Rahmen von Grenzstreitigkeiten zwischen Bensheim und Reichenbach genannt.

Sie ist das Wahrzeichen des Felsberges. Von den Römern wegen Fehler im Stein aufgegeben, scheint sie im Mittelalter vorübergehend aufrecht gestanden zu haben. Hierfür spricht eine wappenschildförmige Einarbeitung am oberen Ende sowie eine wohl für ein Heiligenbild gedachte Nische auf der Unterseite. Nach dem 30jährigen Krieg soll versucht worden sein, sie zu zersägen und nach Heidelberg zu schaffen. Noch im 17. Jahrhundert stand sie im Mittelpunkt von ländlichen Frühlingsfesten. Nach den Befreiungskriegen (1813‑1815) wurde erwogen, sie auf dem Schlachtfeld bei Leipzig aufzustellen.

 

Am Weg oberhalb der Riesensäule steht links die „Pyramide“ (Nr. 142). Sie ist nicht sehr hoch. Sie demonstriert die einzige Spaltung im Hebgang sowie eine gelungene Kopfspaltung. Weitere Spaltversuche mißlangen aber und führten zusammen mit zwei Stichen zur Aufgabe des Steines.

Der Weg macht einen Linksbogen. Dann macht man eine Abstecher zu der Schautafel „Römische Steinindustrie“ (bei Stein 160). An den zahlreichen Halbfabrikaten, Abfällen und mißlungenen Stücken lassen sich die Techniken der antiken Steinarbeiter nachvollziehen. Da die Blöcke meist frei lagen, entfiel ein Herauslösen aus dem Verband ‑ nur im Bereich des ehemaligen Steinbruches „Schnapsloch“ wurde der Granit steinbruchmäßig erschlossen (heute nicht mehr sichtbar, westlich der Siegfriedquelle).

Um den Stein in die gewünschte Form zu bringen, bedienten sich die Steinmetzen zweier Techniken: dem Spalten und dem Sägen. Besonders beim Spalten zeigte sich die Erfahrung des Handwerkers, die vorgegebenen Spaltrichtungen - „Gänge“ oder „Züge“ genannt ‑ der Blöcke zu erkennen. Dies wird am Felsberg durch das Freiliegen der Steine zusätzlich erschwert, da der in jedem Steinbruch vorhandene „Hauptgang“ hier von Stein zu Stein verschieden orientiert ist. Eine gelungene Hauptgangspaltung war der erste Schritt zur Herstellung der „Riesensäule“.

Sehr beliebt, und am Felsberg häufig zu beobachten, war die senkrecht zum Hauptgang ansetzende „Kopfspaltung“. Sie ist ebenso wie die Spaltung im „Hebgang“ (parallel zu den Bankungsfugen) besonders gut an der „Pyramide“ zu beobachten.

Steinarbeiter aller Epochen fürchteten die sog. „Stiche“ ‑ feine Risse und Sprünge von unregelmäßigem Verlauf, welche nicht den gesamten Stein durchziehen. Werden sie übersehen, können sie leicht das Werkstück verderben. Dies ist im oberen Drittel der „Riesensäule“ sowie am „Sarg“ (Nr. 24) der Fall gewesen. Das Abspitzen der Oberfläche, wie am „Schiff“ (Nr. 1), diente dazu, über den Klang möglichen Stichen vor dem Spaltvorgang auf die Spur zu kommen.

Gespalten wurden die Blöcke mittels eiserner Keile. Dicht nebeneinander in „Taschen“ gesetzt und mit einem schweren Hammer gleichmäßig angezogen, spalten sie den Block durch Auseinanderzwängen der Wände. Die unterschiedliche Breite der Keiltaschen ist chronologisch bedingt. In eine ältere Phase gehören die breiteren Löcher.

Schmalere Taschen, meist in Verbindung mit einer „Keilnut“, d.h. einer in den Stein geschlagenen Rinne, sind jünger. Moderne Steinmetzen arbeiten mit noch schmaleren, eng gesetzten Keilen ‑ auch dies ist an einigen Stellen zu sehen. Die Keilnut dient einmal der sauberen Ausrichtung der Keile und verkürzt zum anderen den Spaltweg, wodurch das Risiko eines Ausbrechens beim Spaltvorgang verringert wird.

Diese Technik ist für unsere Region erst seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. belegt, während die größeren Taschen dem frühen 2. Jahrhundert angehören ‑ ein weiterer Hinweis auf die Benutzungszeit des Felsberges. Mit der Größe der Keiltaschen scheint auch das Werkzeug zu wechseln: Waren die älteren zumindest teilweise mit dem Spitzmeißel hergestellt, so dominiert bei den jüngeren der „Zweispitz“. Keiltaschen der älteren Form sind gut an Block 153/154, nördlich der „Pyramide“ zu sehen. Direkt daneben, an Block 156, werden beide Techniken sichtbar: Das Vorhaben, den Stein mittels breiter Keillöcher zu spalten, war zunächst fehlgeschlagen. Ein später durchgeführter Versuch, bei dem zunächst eine tiefe Keilnut für schmalere Taschen herausgearbeitet wurde, führte schließlich zum Erfolg.

Das Areal um „Pyramide“ und „Altarstein“ war der Hauptwerkplatz anzusprechen. Über 200 bearbeitete Steine sind hier zu finden. Der „Altarstein“ (Nr. 87) liegt etwas oberhalb und ist ein Beispiel für die Sägetechnik der Römer. An fünf Blöcken finden sich die Spuren der antiken Steinsäge. Im Gegensatz zur Holzsäge wird hier ein stumpfes Blatt verwendet ‑ die Funktion der Zähne übernimmt reichlich beigegebener Quarzsand, Wasser sorgt für die nötige Kühlung. Da das Sägeblatt aus weichem Eisen bestand, konnten sich die Sandkörner etwas eindrücken, so daß derselbe Effekt wie bei einer modernen Säge mit Diamantbesatz entstand.

Mit der für den Felsberg angenommenen Steinsäge konnten Schnitte bis etwa 0,90 Meter Tiefe bewerkstelligt werden. War ein Block mächtiger, kam zusätzlich die Keilspaltung zum Zuge. Besonders am „Altarstein“ ist dies gut zu sehen.

Mittels der Kombination Sägen und Anspalten wurden Balken von 40 ‑ 55 Zentimeter Stärke gewonnen, die wahrscheinlich zur Herstellung kleinerer Säulen dienten. Es war den antiken Steinarbeitern sicher bekannt, daß sich die Spaltung am tiefsten Punkt des Schnittes seitlich absetzen würde, da der Gang schräg lag. Weshalb die Schnitte 3 und 4 nicht zu Ende gebracht wurden, bleibt unklar.

Nordwestlich des „Altarsteins“ gibt Block 70 ein gutes Beispiel für eine Kopfspaltung. Eine weitere Abspaltung durch Nut und Keillöcher war bereits vorbereitet worden. Ein halbfertiger rechteckiger Block (Nr. 99) liegt nordöstlich des „Altarsteins“: hier sind bereits zwei Flächen bis auf breite Bossen (Randwulst) mit dem Meißel überarbeitet. Südsüdöstlich des „Altarsteines“ liegt ein Säulenrohling (Nr. 128). Die Mittelpunkte sind bereits angegeben und auch der Umfang ist markiert. Das Stück wurde jedoch aufgegeben, da der Mittelteil zu schmal war und außerdem einen Stich aufwies.

An der S. Grieshammer-Ruhe (1971) befindet sich eine Beschreibung der Transporttechnik. Dort liegt auch ein Stein, den man durch eine Fuge spalten wollte. Man geht noch etwas nach links und nach oben zum „Geschrammten Stein“ und dann nasch rechts auf dem Weg bis zu dem Wegweiser. Dort geht man nach links in Richtung Felsberg. Am Restaurant steht die „Gabelsberger Eiche“ zur Erinnerung an den Erfinder einer Kurzschrift. Etwas weiter westlich steht auf einem 495 Meter hohen Berg der Ohlyturm (hier so geschrieben), der aber nicht besteigbar ist.

Auf Weg Nummer 6 (im rechten Winkel zu dem Weg, auf dem man heraufgekommen ist) geht es abwärts. Nach einiger Zeit geht es im rechten Winkel links ab, weiter hinunter, links liegt das Naturdenkmal „Gralsburg“. Durch einen Rechts-Links Bogen und einen großen Linksbogen (oberhalb die „Teufelskanzel“) kommt man wieder an die Stelle, wo der Wegweiser „Felsberg, Olyturm“ steht. Dort geht es im rechten Winkel nach rechts hinunter mit der Nummer 3. Nach Rechtsbogen, Linkskehre und Linksbogen kommt man zum Weg Nummer 2, den man links ein Stück hoch geht. Links liegt die „Riesenkiste“. Dann geht man nach rechts zur Brücke hinunter.

Den Abstieg nimmt man nun aber nicht wieder über den Weg Nummer 3, sondern man läuft auf dem bequemeren Weg Nummer 4 erst geradeaus. Ehe es nach rechts hinunter geht, läuft man erst noch einige Schritte gerade aus zum „Langen Stein“ oder „Schlangensäule“. Dann geht es wieder zurück und den Weg hinunter. Man kommt wieder am „Krokodil“ vorbei, einem natürlich entstandenen Stein auf der rechten Seite.

Man kreuzt wieder das Felsenmeer, geht einen Linksbogen und biegt dann links ab, geht aber nicht auf dem Weg Nummer 1 hinauf, sondern den Weg daneben steil hinunter. Man kommt auf einen breiten Weg, auf dem man erst ein Stück nach rechts geht und dann wieder nach links, so daß man wieder zum unteren Teil des Felsenmeeres und zur Siegfriedquelle kommt (dieser Weg ist auf den Schautafeln nicht dargestellt).

Abseits der größeren Werkplätze sind noch zahlreiche Einzelobjekte zu finden. Der Volksmund hat ihnen Namen gegeben wie „Sarg“ oder „Schiff“ (ganz oben) (Odenwald, Seite 11-13).

Auf dem Rückweg fährt man über Beedenkirchen, wo ein „Felsenmeermuseum“ ist. Weiter geht es in Richtung Darmstadt-Eberstadt über Wurzelbach. Man kommt an der Kuralpe vorbei, sieht links noch einmal den Ohlyturm und geradeaus den Melibokus. Nach rechts biegt man dann ab nach Seeheim-Jugenheim und zur Autobahn.

 

Reichenbach, einer der neun Ortsteile von Lautertal, verkehrsgünstig gelegen zwischen Bensheim und Lindenfels an der B 47 (Nibelungenstraße), ist meist Ausgangsort für die „klassische“ Odenwaldtour zum Felsenmeer, der gigantischen einstigen Steinmetzwerkstatt der Römer. Felsenmeere setzen sich aber auch südlich Reichenbachs fort, in einer Höhe, die fast an die höchste Erhebung des Odenwalds, den Katzenbuckel (626 Meter), heranreicht. Eine lohnende Herausforderung für Wanderer ist der Krehberg (576 Meter), zu dessen Besonderheit außerdem die ungewöhnlich hohen Buchenwälder gehören, die auf dem fruchtbaren Diorituntergrund des Blockmeeres seit Jahrhunderten heranwachsen.

Der Bus hält zentral am Markt in Reichenbach. Man läuft die Durchgangsstraße in Fahrtrichtung weiter bis zur Knodener Straße, biegt hier mit der Markierung umgekehrtes weißes T rechts ab, am Kindergarten halbrechts ins freie Feld, damit beginnt der Anstieg, im anschließenden Wald stellenweise über Stufen. Vom Wiesensattel zwischen Köppel (448 Meter) und Knodener Kopf (511 Meter) macht ein Blick zurück ins Lautertal mit dem Felsberg darüber den schon gewonnenen Höhenunterschied deutlich.

Knoden zählt zu den höchstgelegenen Orten des Odenwalds, hier mündet die Zubringerstraße als Sackgasse beziehungsweise als Wanderweg. Unser Zeichenlotse T nimmt ausgangs des Dörfchens den linken Straßenstrang, folgt ihm kurz, um dann rechts wieder in den Wald abzuschwenken und im Bogen oberhalb eines großen Steinlagers abwärts. Am „Jägerhaus“ vorbei halten wir auf Seidenbuch zu, auch Glashütte oder „Glashitt“ genannt, eine verhältnismäßig junge Siedlung, hervorgegangen aus einer 1782 gegründeten pfälzischen Glashütte wegen der riesigen „seidigen Buchen“ im Krehberggebiet, die das Brennholz zur Herstellung der notwendigen Pottasche und zum Befeuern des Glasschmelzofens in überreichem Maße lieferten. Heute wie damals erreichen diese Buchen die in Hessen einmalige Höhe von etwa 50 Metern.

Zurück zum T, am Gasthaus Glashütte vorbei, die Starkenburger Straße hinauf, durch die Neubausiedlung kommen wir zum Naturparkplatz Hohe Buchen. Wir folgen dem Fahrweg bis Waldende, wechseln dort rechts aufwärts zum blauen Strich. Ist die Höhe erklommen, geht es rechts am rot‑weißen Richtfunkmast vorbei leicht abwärts zur Mathildenruhe, einer Schutzhütte auf Felsen, davor ein die markanten Punkte erklärender Aussichtsfächer. Sind die ersten Häuser von Schannenbach erreicht, biegt der blaue Strich bald überraschend halbrechts ab, umrundet ein großes Gehöft, peilt ausgangs nach leichtem Anstieg ein Bachtälchen an, um

von da hinauf nach Knoden zu klettern, die gleiche Stelle wie beim Herweg berührend. Nur wenden wir uns jetzt nicht dem T, sondern dem roten Strich zu, folgen ihm links die Straße hinunter und laufen unterhalb des Knodener Kopfes abwärts weiter. Am Ende einer kleinen Wiese wird ein letzter Zeichenwechsel auf der Kreuzung fällig. Mit dem weißen F nach rechts nochmals leicht bergauf und mit Seitenblick zu Melibokus und Felsberg kommen wir nach Reichenbach zurück (Odenwald, Seite 151-153).

 

Felsenmeere setzen sich aber auch südlich Reichenbachs fort, in einer Höhe, die fast an die höchste Erhebung des Odenwalds, den Katzenbuckel (626 Meter), heranreicht. Eine lohnende Herausforderung für Wanderer ist der Krehberg (576 Meter), zu dessen Besonderheit außerdem die ungewöhnlich hohen Buchenwälder gehören, die auf dem fruchtbaren Diorituntergrund des Blockmeeres seit Jahrhunderten heranwachsen.

 

Knoden:

Der Bus hält zentral am Markt in Reichenbach. Man läuft die Durchgangsstraße in Fahrtrichtung weiter bis zur Knodener Straße, biegt hier mit der Markierung umgekehrtes weißes T rechts ab, am Kindergarten halbrechts ins freie Feld, damit beginnt der Anstieg, im anschließenden Wald stellenweise über Stufen. Vom Wiesensattel zwischen Köppel (448 Meter) und Knodener Kopf (511 Meter) macht ein Blick zurück ins Lautertal mit dem Felsberg darüber den schon gewonnenen Höhenunterschied deutlich.

Knoden zählt zu den höchstgelegenen Orten des Odenwalds, hier mündet die Zubringerstraße als Sackgasse beziehungsweise als Wanderweg. Unser Zeichenlotse T nimmt ausgangs des Dörfchens den linken Straßenstrang, folgt ihm kurz, um dann rechts wieder in den Wald abzuschwenken und im Bogen oberhalb eines großen Steinlagers abwärts. Am „Jägerhaus“ vorbei halten wir auf Seidenbuch zu, auch Glashütte oder „Glashitt“ genannt, eine verhältnismäßig junge Siedlung, hervorgegangen aus einer 1782 gegründeten pfälzischen Glashütte wegen der riesigen „seidigen Buchen“ im Krehberggebiet, die das Brennholz zur Herstellung der notwendigen Pottasche und zum Befeuern des Glasschmelzofens in überreichem Maße lieferten. Heute wie damals erreichen diese Buchen die in Hessen einmalige Höhe von etwa 50 Metern.

Zurück zum T, am Gasthaus Glashütte vorbei, die Starkenburger Straße hinauf, durch die Neubausiedlung kommen wir zum Naturparkplatz Hohe Buchen. Wir folgen dem Fahrweg bis Waldende, wechseln dort rechts aufwärts zum blauen Strich. Ist die Höhe erklommen, geht es rechts am rot‑weißen Richtfunkmast vorbei leicht abwärts zur Mathildenruhe, einer Schutzhütte auf Felsen, davor ein die markanten Punkte erklärender Aussichtsfächer. Sind die ersten Häuser von Schannenbach erreicht, biegt der blaue Strich bald überraschend halbrechts ab, umrundet ein großes Gehöft, peilt ausgangs nach leichtem Anstieg ein Bachtälchen an, um

von da hinauf nach Knoden zu klettern, die gleiche Stelle wie beim Herweg berührend. Nur wenden wir uns jetzt nicht dem T, sondern dem roten Strich zu, folgen ihm links die Straße hinunter und laufen unterhalb des Knodener Kopfes abwärts weiter. Am Ende einer kleinen Wiese wird ein letzter Zeichenwechsel auf der Kreuzung fällig. Mit dem weißen F nach rechts nochmals leicht bergauf und mit Seitenblick zu Melibokus und Felsberg kommen wir nach Reichenbach zurück (Odenwald, Seite 151-153).

 

Lindenfels:

Der Ort hat eine große Gemarkung und bedeutenden Waldbesitz. Er gehörte ebenso wie Birkenau und Mörlenbach zur „Heppenheimer Mark“ und kam durch Schenkung Kaiser Karls des Großen 773 an das Kloster Lorsch. Die Staufer begannen das Bollwerk auf dem Burgberg: Im 12. Jahrhundert kam es an Pfalzgraf Konrad von Hohenstaufen, dann an Baden und die Wittelsbacher, 1410 an Kurpfalz, später an das Erzbistum Mainz, seit dem Jahre 1802 ist es hessisch.

Der alte Marktplatz mit dem Löwenbrunnen und dem Rathaus ist der Mittelpunkt des historischen Stadtbereiches. Wenn man um die evangelische Kirche herumgeht, kommt man zum Bürgerturm aus dem Jahre 1392, den man auch besteigen kann. Von der alten Stadtbefestigung stehen auch sonst noch einige malerische von Grün umsponnene Tore und Türme.

Dann geht man hinauf zur Burg. Nebeneinander stehen an der Westseite der Straße das heutige Kurmittelhaus, das 1723 erbaut wurde als Kreisamt und Präparandenanstalt. Gegenüber liegt der für jedermann zugänglichen Kurgarten.

Neben dem Kurmittelhaus steht das Rathaus, das vor 1737 erbaut wurde als kurpfälzisches Oberamtsgebäude und nachher Rentamt und Försterei war. In der ehemaligen Zehntscheuer nebenan ist das Museum eingerichtet. Das Museum ist von April bis Oktober an Sonn- und Feiertagen von 14.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Eintritt: Erwachsene eine Mark, Kinder frei. Es folgen katholisches Pfarrhaus und die aus dem Jahre 1745 stammende katholische Kirche Peter und Paul mit schöner Barockausstattung.

Durch das äußere Fürther Tor tritt man in die Burg ein. Schon wegen der Aussicht sollte man auch zur Ruine hinaufsteigen, denn von dort hat man eine wunderbare Aussicht in alle Täler rundherum. Man kann auch vom Kurgarten aus erst einmal um die Außenmauer mit ihren viereckigen Türmen laufen

 

Urkundlich erwähnt wurde die Burg Lindenfels bereits im Jahre 1123. Als Burgherr ging damals ein gewisser Graf Bertolfus in die Annalen ein, der allerdings bereits wenig später seinen mächtigen Gebäudekomplex an Konrad von Hohenstaufen, den Bruder des legendären „Barbarossa”, vermachte. Anfang des 13. Jahrhunderts residierte dann der Markgraf Hermann von Baden auf dem 400 Meter hohen Bergkegel; anno 1277 kaufte der Wittelsbacher Pfalzgraf Ludwig II. das wehrhafte Bauwerk, das nun fortan etwa 500 Jahre lang von der Kurpfalz beherrscht wurde.

Während dieser Zeit widerstand die Burganlage sämtlichen Kriegswirren, auch dem Dreißigjährigen Krieg. Ihr unrühmliches Ende verdankte sie schließlich den kurpfälzischen Machthabern, die sich, geplagt von Geldnöten, vom Abbruch der Gemäuer Ende des 18. Jahrhunderts eine gute Kasse erhofften. So ganz ging die kurpfälzische Rechnung jedoch nicht auf, wie die mittlerweile restaurierten Teile beweisen. Die Burgruine darf ganzjährig inspiziert werden. Erwachsene bezahlen dafür 30 Pfennig, Kinder zehn Pfennig. Von November bis Februar ist der Eintritt frei.

Die Anlage ist sehr ausgedehnt. Von der 1779 abgerissene Burg sind nur einzelne Bauteile, besonders Mauern und Tore, erhalten. Hinter dem Eingangstor gehen links und rechts zwei Keller in die Tiefe. In der Mitte des Burghofs sieht man die Fundamente des Bergfrieds. Von der Mauer nach der Stadt zu sieht man im Norden die Litzelröder Höhe in dem Einschnitt zwischen zwei Bergen. Dort ist eine Bismarckwarte erbaut, von der aber die Fernsicht nicht besser sein kann als von der Burg. Von Lindenfels fährt man dann weiter in Richtung Worms und kommt nach Gadernheim.

Man kann Spaziergänge machen durch den Schloßwald, zum Aussichtspunkt Ludwigshöhe und zur Bismarckwarte die beiden, etwa dreistündigen Routen auf die Neunkirchner Höhe (Kaiserturm) sowie zu der sagenumwobenen Ruine Rodenstein (bewirtschaftetes Marstallgebäude).

 

Lindenfels-Winterkasten

Man muß wieder ab Bensheim über die Nibelungenstraße in den Odenwald fahren. Von Lindenfels kann man dann weiter nach Osten fahren bis zum Gumpener Kreuz (273 Meter), das die  Wasserscheide ist zwischen Rhein  und Main, und dann nach links abbiegen in Richtung Reichelsheim. Man kann aber auch schon kurz vorher nach links abbiegen in Richtung

Der Stadtteil mit 780 Einwohnern reiht sich als langgezogenes Straßendorf über 2,5 Kilometer in eine Talmulde am Fuß der Neunkirchner Höhe mit dem Kaiserturm. Hier stand um 795 eine Zehntscheune, die in einer Grenzbeschreibung Karls des Großen als „Winterchastro“ erwähnt wird. Im zehnten Jahrhundert siedelten Bauern um jene Scheune, die als Motiv seit 1971 zusammen mit drei silbernen, sechsstrahligen Sternen (Grafschaft Erbach) das Wappen von Winterkasten ziert.

Der Ort gilt als Musterbeispiel einer frühmittelalterlichen Waldhufensiedlung. Die muß man sich vorstellen wie eine quer gestreifte Strickjacke mit Reißverschluß. Rechts des Reißverschlusses (Straße) standen die mächtigen Bauernhöfe, deren Grund und Boden als streifenförmiges Gewann (Hufe) links und rechts der Straße bis zur jeweilig nächsten Gemarkungsgrenze verlief.

Einheiratende Männer hatten es schwer, ihrem Namen Geltung zu verleihen, weil die Anwohner immer bei den ursprünglichen Grundstücksnamen der Frau blieben. Noch bis vor 50 Jahren galt ein ungeschriebenes Gesetz, daß man sich weder Frau noch Vieh von außerhalb des „Wooiweech“ (Weg, auf dem die Rodensteiner Wein aus Worms transportierten) holen möge, weil das nix taugen könne. 

Durch das Wiesental eilt der Mergbach. Die Mühlen, die hier standen, sind zwar verschwunden. Doch mehr als zwei Dutzend Betriebe und eine mit höchsten Auszeichnungen dekorierte Wurstfabrik sorgen dafür, daß niemand arbeitslos sein muß. Heinrich Pfeifer ist bekannt als der „Schindelschnitzer vom Gersprenztal“.

Es gibt Feste wie das „Scheese-Rennen“ mit selbst gebauten Mobilen der Marke „schnell und originell misse se soi.“ An den Hängen rodeln die Kinder bei Frost und Schnee bis vor die Haustüre. Und wer den Aufstieg nicht scheut, findet eine ordentliche Skiabfahrt vom Schenkenberg. Wenn man weiter fährt in Richtung Laudenau, liegt links die Eleonorenklinik, eine Heilstätte  für Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten. Sie ist Winterkastens größter Arbeitgeber.

 

Fürth:

Wenn man von Erlenbach kommt und nach Fürth will, so liegt links die evangelische Kirche. Man fährt dann nach links in die Stadt. Dort steht links das Amtsgericht und danach der Marktplatz mit dem Rathaus. Sehenswert sind die Fachwerkhäuser und der Heilig-Blut- Bildstock in der Mosbacher Straße 8. Rechts findet sich dann die katholische Kirche.

Das altertümliche Städtchen mit seinen schönen Fachwerkbauten ist seit 773 Besitz des Klosters Lorsch durch Schenkung Karls des Großen. Im Jahre 1232 kam es an Mainz, 1803 an Hessen.

Der staatlich anerkannte Erholungsort wurde im Jahr 795 bei der Beschreibung der Mark Heppenheim zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Fürth liegt mit seinem Kern im Weschnitztal, dem einzigen natürlichen Zugang von der Bergstraße her, und die elf ihm angegliederten Dörfer verteilen sich auf die umliegenden Berge. Zu manchem Weiler führt nur ein schmales Sträßchen hinauf, irgendwo in den Weiden als Sackgasse endet.

Als wirtschaftlicher Mittelpunkt des vorderen Odenwaldes ist Fürth mit seinen vielen Handwerksbetrieben, Fach- und Einzelhandelsgeschäften ein attraktives Einkaufsziel. Mit seinem anregenden und milden Klima sowie gut markierten Wanderwegen ist Fürth ein ideales Wandergebiet. Reizvolle grüne Täler und Mischwälder mit herrlichen Fernblicken zeigen dem Besucher die Schönheit der vielfältigen Landschaft.

 

Wanderungen:

1.) Nach Ellenbach (Wanderkarte)

Am Rathaus in Fürth wenden wir uns nach rechts und folgen der örtlichen Markierung F 1. Der Weg biegt dann rechts ab und führt den Schlierbach aufwärts zum Stausee und von dort weiter nach Ellenbach. Hier biegen wir abermals rechts ab und gelangen über den Galgenberg zu einer am Waldrand gelegenen Schutzhütte, von der man einen herrlichen Parnoramablick über das gesamte Weschnitztal bis zur Wachenburg bei Weinheim, auf die umliegenden Höhenzüge und die dahinter liegenden Berge hat. Der Weg führt dann am Waldrand entlang ins Saubachtal und über Krumbach zurück zum Ausgangspunkt.

2.) Durch den Wald nach Fahrenbach (Wanderkarte)

Wegebeschreibung: Vom Rathaus folgen wir „F 6“ über die Bundesstraße hinweg. Nach etwa 250 Meter teilt sich der Rundweg, und wir halten uns links. Der Wanderweg steigt zum Scheppel hin an und führt von dort das Bachtal Richtung Hammelbach aufwärts. Kurz hinter dem Waldrand biegen wir mit „F 7“ rechts ab und laufen dann völlig eben stets in der Nähe des Waldrandes am Hang entlang. Bei der Schutzhütte bleiben wir auf dem Weg „F 7“ und laufen weiter längs des Hanges. Vom Waldrand haben wir einen schönen Blick auf Fahrenbach und Lörzenbach. Der leichte Rückweg „F 7“ verläuft durch Wiesen und Felder hinab nach Fahrenbach zur Haltestelle der Weschnitztalbahn hinter der Wendelinusbrücke.

3.) Nach Erlenbach (Wanderkarte)

Wir folgen dem Zeichen „F 9“ auf einem abwechslungsreichen Wanderweg durch Wiesen, Äcker und kleine Wäldchen. Auf dem Weg dorthin hat man immer wieder schöne Ausblicke auf die nähere und weitere Umgebung. An den Kreuzungen stehen überall Wegweiser, die die Wegemarkierung ergänzen und die Orientierung erleichtern. „F 9“ endet am Tierpark. Für den Rückweg laufen wir wieder in den Ort zurück, bis wir auf die OWK-Linie „blauer Balken“ stoßen. Dieser folgen wir dann nach rechts und wandern auf einem aussichtsreichen Weg zur Gemarkung „In der Tränke“, und von dort nach Lauten-Weschnitz. Im Ort biegt unser Wanderweg links ab und führt erneut auf die Höhe. Bei Lörzenbach unterqueren wir die Bundesstraße, laufen durch eine kleine Parkanlage und erreichen bei Fahrenbach die Haltestelle der Weschnitztalbahn.

4.) Nach Lindenfels: Der Wanderlotse rotes Quadrat erwartet uns auf dem zentralen Marktplatz Fürths. Im Zickzack geht es durch einige Straßen, an der Friedhofsmauer aufwärts und an deren Ende halbrechts mit einem Graspfad auf den Umsetzer und Hochbehälter zu. Hinter dem Wäldchen beginnt sich die Sicht gen Westen über die vielgestaltige Odenwaldlandschaft zu öffnen. Lindenfels klebt wie ein Schwalbennest voraus auf dem Kapp (347 m).

Die Aussicht vom Feldweg über den Kranz der Berge wird mit zunehmender Höhe umfassender. Wir kommen zu einer muldenförmigen Gemarkung, die den Namen „Linsenschüssel“ trägt aus den Tagen, als hier noch Linsen, das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung, angebaut wurden. Der einfache barocke Bildstock zwischen zwei Nußbäumen könnte in Zusammenhang mit jener Notzeit stehen. Er soll zur Erinnerung an einen Bauern gesetzt worden sein, der dreißig Jahre im Burgverlies zu Lindenfels wegen Wildfrevels geschmachtet hatte. Als man ihm nach dem Tod des Schloßherrn die Freiheit wieder gab, trugen die Füße den Unglücklichen nur noch bis hier hin.

Kurzes Bergab, dann heißt es aufwärts nach Lindenfels in luftiger Höhe. Dem roten Quadrat folgen wir bis zur Durchgangsstraße  (Nibelungenstraße), nehmen das offene rote Dreieck auf, halten uns rechts, um wiederum rechts in die Kappstraße abzubiegen und kräftig abwärts durch Neubauviertel, Wald und freies Feld nach Krumbach zu gelangen. Die B 460 wird gekreuzt, jenseits liegt das Dörfchen Kröckelbach. Wenn hier das rote Dreieck links abbiegt, kann man rechts ohne Zeichen abkürzend nach Fürth zurückkehren (Odenwald, Seite 121).

 

Erlenbach:

Der Ort ist um 1094 als Waldhufensiedlung entstanden. Westlich des Ortes sieht man einen Steinbruch. An der Hauptstraße rechts steht das Gasthaus „Beim Schorsch“. Der Wirt Georg („Schorsch“) hat es auf die größte private Uhrensammlung im Odenwald gebracht. Etwa 700 Exemplaren aller Größen und Jahrgänge ticken an den Wänden seines „Museums“, das in Wirklichkeit eine Gastwirtschaft ist, in der vor allem Hausgemachtes obenan auf der Speisekarte steht.

Die Gemeinde hat ihre Abgeschiedenheit auf besondere Weise genutzt. Sie unterhält einen Gebirgstiergarten. Man fährt durch den Ort steil hinauf, einige wenige Parkplätze sind rechts und links vom Kassenhäuschen. Das Areal ist sechs Hektar groß, über 200 Tiere fühlen sich dort heimisch. Etwa 20 Arten aus Europa, Asien, Südamerika und Australien tummeln sich im Freigehege nebeneinander. Keine Gatter und Zäune trennen die europäischen Wisente von den asiatischen Jaks, den Last- und Reitrindern aus dem Himalaja. Südamerika ist mit drei Kamelarten vertreten, dem Lama, dem Guanako und dem Zwergkamel Alpaka.

Ein Rundweg führt um das gesamte Gelände. Man hält sich erst rechts und geht auch den Bogen bis ganz oben aus. Bei den Emus kann man den Tiergarten verlassen und außen herum zum Kassenhäuschen gehen. Man kann aber auch über die überdachte Brücke wieder zurück gehen. Von Erlenbach fährt man wieder zurück auf die Bundesstraße und hinein nach Fürth.

 

Rimbach

Rimbach im Weschnitztal wird 795 erstmals erwähnt und gehört im 8. Jahrhundert zu Kloster Lorsch, 1232 zur Pfalz, kam 1409 an Erbach. 1806 an Hessen.

Die ältesten Teile der evangelischen Kirche stammen aus dem 14. Jahrhundert. Eine Turmerhöhung erfolgte 1589/1590. Die Kirche besitzt einen der schönsten Zwiebeltürme landesweit. Der heutige Bau ist von 1778. Der Jüdische Friedhof kann in Absprache mit der Gemeindeverwaltung/Ordnungsamt besichtigt werden. Rimbach war die bedeutendste jüdische Gemeinde im Gebiet des heutigen Kreises Bergstraße. Sehenswert und zurecht bekannt ist der Rimbacher Pfingstmarkt. Der Ortsteil Zotzenbach, 877 erstmals als „Willa Zozunbach“ erwähnt, ist eine der ältesten Waldhufensiedlungen in Deutschland.

 

Wanderungen:

Vorbemerkung: Alle Wanderungen in Rimbach gehen von der Ortsmitte (Marktplatz) aus. Vom Bahnhof geht man rechts am Edeka-Markt vorbei bis zur Fußgängerampel. Hier überquert man die Bundesstraße, biegt in die Bismarckstraße Richtung „Litzel-Rimbach“ ein und geht bis zum Marktplatz.

 

1. „Büchertshüttenweg“

Wir folgen dem „weißen Dreieck“ Richtung evangelischer Kirche. An der Bundesstraße gehen wir rechts bis zur Abzweigung zum Albersbacher Weg. Hier weiter Richtung Albersbach. Unmittelbar hinter der Bahnschiene biegen wir rechts in die Jahnstraße. Hier Richtung OWK Hütte Alzenau. Kurz vor dem Kreiswald biegt die OWK-Markierung nach rechts ab, und wir folgen dem Rundweg „5“ des Naturparks geradeaus zum Gasthof. Hier biegen wir links ab und gehen an einem kleinen Weiher vorbei zum nahe gelegenen Naturpark-Parkplatz. Rundweg „11“ führt uns nun durch den Wald zur Taschengrube. Am Waldrand verlassen wir den Rundweg, biegen nach rechts ab und laufen etwa 150 Meter am Waldrand entlang. Dann stoßen wir auf Rundweg „5“ und folgen diesem nach links. Nach 250 Meter biegt dieser nach rechts ab. Wir gehen jedoch mit „M 12“ geradeaus weiter zu den Fischteichen an den Hoppershöfen entlang den Bahnschienen bis zum vorbezeichneten Bahnübergang und dann zurück zum Marktplatz.

Alternativ: Wir folgen dem weißen Dreieck Richtung evangelischer Kirche. An der Bundesstraße gehen wir rechts bis zur Abzweigung zum Albersbacher Weg. Hier weiter Richtung Albersbach. Unmittelbar hinter der Bahnschiene biegen wir rechts in die Jahnstraße. Am Büchertshof stoßen wir auf Rundweg „11“ und folgen diesem nach links abwärts über die Gertelsklingen, Helmsberg und Taschengrube zum Naturpark-Parkplatz „Kreiswald“. Von dort folgen wir Rundweg „5“ nach links zum Gasthof und von dort weiter zum Hasselberg. Hier stoßen wir auf die OWK- Markierung „weißes Dreieck“ und folgen dieser geradeaus zurück nach Rimbach.

 

2. Trommwanderweg

Vom Marktplatz folgen wir dem „weißen Dreieck“ über die Brunnengasse und die Realschule an den Fuhrshöfen vorbei zur Tromm und von dort dem „roten Quadrat“ in südliche Richtung. Unser Wanderweg führt am „Ireneturm“ vorbei und dem Trommrücken abwärts. Dieser Weg zählt aufgrund seiner einmaligen Aussicht zu den schönsten Höhenwegen im Odenwald. Nach etwa einer Stunde stoßen wir auf einen asphaltierten Wirtschaftsweg, den wir nach rechts bergab gehen.

Wir laufen am Wald-Michelbacher Ortsteil Stallenkandel vorbei zur Fahrstraße (L 3409), folgen dieser etwa 150 Meter rechts, biegen dann erneut nach rechts nach Ober-Mengelbach ab und laufen die dortige Fahrstraße etwa 300 Meter nach links aufwärts. Beim Steinbruch biegen wir nach rechts von der Straße ab und laufen mit der OWK-Markierung „blauer Balken“ über Zotzenbach zurück nach Rimbach.

 

3. Rund um Zotzenbach

Ausgehend vom Bahnhof Zotzenbach überqueren wir die Bundesstraße und gehen bis nach Zotzenbach. Fast am Ortsende biegen wir nach links zum Naturparkplatz „Im Kreuz“ ab. Hier folgen wir der Wegemarkierung Nr. 9 nach steilem Anstieg bis zum Irenenturm auf der Tromm. Selten schöne Rundblicke und ein lohnender Aufstieg zum 23 Meter hohen Irenenturm, erlauben bei günstiger Wetterlage einen einzigartigen Panoramablick bis in die Rheinebene. Weiter auf dem Wanderweg Nr. 9 geht es zurück nach Zotzenbach, biegen dort auf der Hauptstraße nach rechts zur Ortsmitte ab und dann erneut nach rechts Richtung Münschbach. Am Sportplatz in Zotzenbach halten wir uns links und gelangen über die Grüne Au zum Zotzenbacher Bahnhof.

 

 

Mörlenbach

Erstmals erwähnt wird der Ort 795 als „Morlenbach“. Der älteste Teil der katholischen Kirche „St. Bartholomäus“ stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Orgel stammt aus der Kapelle des Friedrichbaus des Heidelberger Schloßes.

 

1. Nach Kreiswald und Albersbach

Am Bahnhof wenden wir uns Richtung Weinheim, bis wir direkt hinter dem Bahnübergang rechter Hand, die Weschnitz querend, auf den Wanderweg „M 13“ stoßen. Dieser Markierung folgen wir Weschnitz aufwärts in nördlicher Richtung auf die Höhe „Wolfsgarten“. Dort treffen wir auf den Europäischen Fernwanderweg Nr. 1 und folgen diesem nach rechts. An der schön gelegenen Schutzhütte des OWK eröffnet sich uns ein großer Weitblick nach Osten zu den Hängen der Tromm oder nach Westen mit den Weinheimer Burgen „Windeck2 und „Wachenburg“. Wir bleiben auf der Höhe und folgen dem „weißen Andreaskreuz“, dem Zeichen für den Europäischen Fernwanderweg, zur Juhöhe und von dort weiter zur Salzkopfhütte. Hier biegen wir rechts ab und folgen Rundweg „82 des Naturparks zum Kreiswald (Einkehrmöglichkeit). Ab dem nahegelegenen Parkplatz folgen wir dem Rundweg „42 nach rechts über die Taschengrube zum Waldsee. Von dort führt uns Rundweg „22 in Richtung Klein-Breitenbach und die örtliche Markierung „M“ zurück nach Mörlenbach.

 

2. Nach Rimbach

Ein besonders beschaulicher Weg ohne Höhenunterschiede entlang der Weschnitz mit ihren urwüchsigen Talauen, begleitet von mehreren Pferdeweiden und dem Plätschern des kleinen Flüßchens. Ein kurzes Stück entlang der Bundesstraße kommen wir zur Bahnstraße, folgen dann dieser nach Norden, bis wir wieder auf die Bahngleise stoßen. Diese führen uns an Kirche und neuen Rathaus vorbei, welche rechter Hand liegen, bis wir an der Bahnkreuzung „M 12“ finden. Dieser Wanderweg ist gleichzeitig auch als Radwanderweg ausgeschildert und führt über die Kreisstraße nach Groß-Breitenbach, an der Weschnitzmühle vorbei, an den Teichanlagen des Hoppershofes nach Rimbach, wo wir wieder den Bahnhof erreichen und Rückfahrtmöglichkeiten haben. Besonders empfehlenswert ist diese Wanderung für Eltern mit Kinderwagen.

 

3. Nach Ober-Mumbach

Vom Bahnhof aus gehen wir entlang der B 38 in Richtung Ortsmitte, halten uns dann rechts zur Brücke über den Weiherer Bach. Diesem folgen wir bis zum Ende der Wohnbebauung, gehen am Rückhaltebecken, vorbei zum landwirtschaftlichen Gehöft „Langklinger Hof“. Hier stoßen wir auf die Markierung „M 14“, die uns auf der Gesamtwegstrecke begleitet. Unter der Eisenbahnlinie Mörlenbach - Wald-Michelbach hindurch erreichen wir dann den Tannenbuckel und sodann Nieder-Mumbach. Von dort wandern wir auf dem Fußweg zur Sportanlage Ober-Mumbach, rasten in der dortigen idyllischen Grillhütte und schlagen dann den Rückweg ein. Dabei benutzen wir ein Stück die Dorfstraße in Ober-Mumbach, dann durch den Hirtengraben auf die Höhe zwischen Ober-Mumbach und Weiher.

Wiederum überqueren wir die Eisenbahnlinie, passieren das Gasthaus „Zur Haltestelle“ und können uns dann im Tal entscheiden, den direkten Weg zurück zu nehmen, oder aber in einem Bogen über die Gewannlage „Im Birkets“ und die Kisselhöhe zu laufen. Die Abkürzung ist als „M 14a“ gekennzeichnet.

 

Birkenau

Im Birkenauer Tal soll einst die mit einem Tor verschlossene Eingangspforte zu einem heiligen Hain des germanischen Gottes Odin gewesen sein. Im Tal liegen mehrere Mühlen. Die Eisenbahn fährt durch mehrere Tunnel und über mehrere Viadukte und in Birkenau mitten durch den Ort.

Dieser wurde im Jahre 795 erstmals urkundlich erwähnt. Insgesamt wohnen 10.500 Einwohner in der Großgemeinde Birkenau, die sich zusammensetzt aus der Kerngemeinde Birkenau und den Ortsteilen Nieder-Liebersbach, Reisen, Löhrbach, Hornbach und Buchklingen.

 

Wenn man aus Richtung Löhrbach kommt, sieht man links hinter dem Bahnübergang das Alte Rathaus. Es ist das älteste vollkommen erhaltene Rathaus im Kreis Bergstraße. Es stammt aus dem Jahre 1552 und besticht durch seine wunderschönen Fachwerkschnitzereien und seinen Pranger mit Hand- und Halseisen (Die Normal-Elle, die für den damaligen Handel sehr wichtig war, ist allerdings nicht mehr zu sehen, vielleicht ist sie im Inneren des Hauses).

Wenn man von Weinheim kommt und am Porphyrsteinbruch vorbeifährt kommt man wieder nach Hessen in den Ort Birkenau. Direkt an der Straße liegt bald nach der Kirche links das Barockschloß des Freiherrn von Wamboldt von Umstadt, ein prunkvoller Barockbau aus dem Jahre 1772. Zum Schloß gehört ein herrlicher Schloßpark auf der anderen Seite der Bundesstraße, der 1787 von dem Baumeister Friedrich Ludwig von Sckell im englischen Stil angelegt wurde. Darin befindet sich eine Teichanlage mit Springbrunnen, und eine Vielzahl von Wasservögeln sind hier zuhause. Hier tummeln sich schwarze Schwäne und Pfauen, zum Teil handzahm. Zum Rathaus muß man in diesem Fall aber nach rechts über die Schienen fahren

 

Einen besonderen Namen gemacht hat sich Birkenau durch die vielen Sonnenuhren, die man überall an Häusern, in Gärten und Anlagen vorfindet. Mehr als 80 Exemplare mit unterschiedlicher Gestaltung, oftmals versehen auch mit sinnvollen Sprüchen, geben dem Ort ein besonderes Gepräge.  „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur“, oder „Erst der Schatten zeigt das Licht“ - zwei Sinnsprüche nur aus einer Vielzahl ähnlicher Aussagen.

Birkenau gilt als das Dorf mit den meisten Sonnenuhren in Deutschland. Diese „Bergstraßer Sonnenuhren Ära“  geht zurück in die Zeit um das Jahr 1950. Damals lebte hier der Regierungsbaumeister a.D. Otto Seile. Und Otto Seile wollte zu seinem Haus, gut sichtbar, eine Uhr haben. Jedoch keine mit Räderwerk, sondern eine Sonnenuhr, die ihm nur die sonnigen Stunden des Tages anzeigen sollte. Gedacht, getan. Seit dieser Zeit ziert eine Sonnenuhr die Südseite seines Anwesens.

Nun wollten auch andere Bürger in Birkenau eine Sonnenuhr an ihrem Haus haben. Otto Seile hatte alle Hände voll zu tun. Bis zu seinem 80. Lebensjahr hatte er 53 Sonnenuhren gebaut. Ihm gelang es, Einheimische dafür begeistern, mit entsprechendem Nachhilfeunterricht im Ausloten der Wandrichtung und Anbringen des Schattenstabs. Da die Konstruktionszeichnungen von Otto Seile auch nach seinem Ableben erhalten blieben, konnten die lautlosen Zeitmesser  in den unterschiedlichsten Formen weiter gebaut werden. Längst sind die Birkenauer selbst Sonnenuhrexperten geworden, egal ob es sich um Horizontal-, Vertikal- oder Äquatorialformen handelt. Bei einem Rundgang kann der Besucher sich von der Vielfalt beeindrucken lassen. Nicht selten sind diese Uhren mit mehr oder weniger schlauen Sprüchen versehen. Selbst an einer Trafostation läßt sich bei gutem Wetter die Zeit ablesen.

Die Uhren ohne Werk gehören zu den uralten Chronometern der Menschheit. Vor rund 4000 Jahren waren es die Ägypter und Babylonier, die als erste Sonnenuhren entwickelten. Dabei ging es ihnen nicht so sehr um die Uhrzeit im Sinne heutiger Präzisionsnotwendigkeit. Vielmehr war es für die Menschen am Nil wichtig zu wissen, wann die nächste Flut kommt.

Da der Schatten des Stabes, je nach Jahreszeit, unterschiedlich lang ist, konnten die Priester am Nil recht genaue Datumsangaben machen.

In Deutschland wurden die ersten Sonnenuhren um das Jahr 800 verwendet. Auch in dieser jüngeren Zeit war das Interesse an einer genauen Uhrzeit noch geringer, wenn überhaupt, ging es darum, den Punkt des höchsten Sonnenstandes als Teilung des Tages in Vor- und Nachmittag zu ermitteln. Verfeinert wurden die Sonnenuhren um das Jahr 1200. Die Menschen hatten inzwischen herausgefunden, daß die Neigung des Stabes der Uhr vom Breitengrad des Standortes abhängig war. Kaum zu glauben, daß im 16. Jahrhundert winzige tragbare Sonnenuhren mit eingebautem Kompaß der Renner waren.

Im Ortsbild fallen allerdings die Sonnenuhren nicht besonders auf. Eine ist an dem Haus neben dem alten Rathaus. Eine weitere sieht man, wenn man aus Richtung Löhrbach an der Eisenbahn entlang fährt auf der rechten Seite. Und wenn man die Bahn überquert hat, ist auch links und rechts eine zu sehen.

 

Wanderungen

1. Birkenau - Saukopf - Weinheim - Birkenau

Vom Bahnhof Birkenau wandern wir vorbei am Alten Rathaus durch den alten Ortskern. Beim Schloß überqueren wir die B 38 und folgen dem „weißen Andreaskreuz“ aufwärts zum Tannenbuckel, dem Sportplatz des TSV Birkenau. Von dort haben wir entlang des Höhenweges herrliche Blicke ins Weschnitztal in Richtung Reisen und Mörlenbach und ins Liebersbacher Tal. Wir überqueren die Trasse der B 38a, die als Umgehungsstraße die Gemeinde Birkenau entlastet und hinter Reisen wieder auf die alte B 38 trifft. An der Verbindungsstraße zwischen den Ortsteilen Nieder-Liebersbach und Reisen biegen wir links ab und gehen in den Ort hinunter. Bei der „Rose“ biegen wir nach links in die Balzenbacher Straße ein und folgen der örtlichen Markierung B 14, die uns am Watzenhof vorbei auf den Höhenweg führt. Auf der Höhe angelangt, folgen wir nach links, vorbei am Waldners Turm (auch „Vierritter-Turm“ genannt) der Markierung „roter Balken“. Dieser Weg führt über den Saukopf, Hirschkopf hinunter nach Weinheim.

Über die Nördliche Hauptstraße, Weschnitzbrücke, Peterskirche und Grundelbachstraße kommen wir zur historischen Altstadt von Weinheim. Wenn wir die Besichtigung der Altstadt beendet haben, überqueren wir bei der Schweizgasse die Grundelbachstraße. Über den Burgpfad, einem steil aufwärts führenden Weg mit vielen Treppen, kommen wir zur Burgruine Windeck und von dort weiter aufwärts zur Wachenburg. Dort treffen wir auf die Markierung „weißes Viereck“ und später den Birkenauer Weg „B 5“, der uns wieder ins „Dorf der Sonnenuhren“ und zu unserem Ausgangspunkt, dem Bahnhof Birkenau bringt.

 

2. Birkenau - Buchklingen - Löhrbach - Hornbach - Birkenau

Unser Weg führt vom Bahnhof Birkenau zum historischen Alten Rathaus. Dort treffen wir auf die Markierung „weißes Andreaskreuz“ dem Europäischen Fernwanderweg Nr. 1, der uns aus Birkenau hinaus auf die Höhe zum alten Grenzweg bringt. Hier treffen wir auf die Markierung „weißes Quadrat“ und folgen dieser nach links nach Buchklingen, dem kleinsten Birkenauer Ortsteil. Von dort wandern wir um den Steinkopf. An der Straße wenden wir uns nach rechts und folgen dem Rundweg „T“ des Naturparks (gelbe Ziffer im gelben Kreis). Der Weg führt durch Löhrbach zum Schnorrenbacher Skilift, wo wir auf den örtlichen Rundweg „B 82 treffen, der uns nach Rohrbach bringt. Ab Rohrbach folgen wir dann „B 7“", der auch an der Orchideenzucht Netzer in Hornbach vorbeigeht. In Hornbach wechseln wir erneut unsere Markierung und laufen mit „B 10“zum Reitplatz und von dort mit „B 1“ unterhalb des Waldfriedhofs wieder zurück nach Birkenau. Über die Ringstraße, entlang der Bahnlinie, erreichen wir wieder den Bahnhof.

 

3. Birkenau - Franzosenkreuz - Reisacker - Götzenstein - Vöckelsbach - Geisenbach - Mumbach - Reisen - Birkenau

Vom Bahnhof Birkenau wandern wir über den Sandbuckelweg immer bergauf und folgen der örtlichen Markierung B 1 zum „Franzosenkreuz“, dem ältesten von Menschenhand erschaffenen Kulturdenkmal auf Birkenauer Gemarkung. Dort soll der Überlieferung nach ein französischer Offizier begraben liegen, der von einem Bauern erschlagen wurde, weil er mit seinen Soldaten ein Feld geplündert haben soll. Das Kreuz wurde als Sühnekreuz errichtet und erinnert an die Franzoseneinfälle von 1673/74, 1689/90 und 1789. Vom Franzosenkreuz folgen wir dem Rundweg B 12 zur Reisackerhütte, von der man einen herrlichen Weitblick ins Weschnitztal hat. Ab Reisackerhütte gehen wir mit B 7 und ab Schnittpunkt B 7/13 8 mit B 8 geradeaus weiter zum Kisselbusch. Zur Bergkuppe hin steigt der Weg steil an, und wir folgen nun der OWK-Markierung „rotes Dreieck“ bzw. ab 1999, nach erfolgter Neuordnung der Wanderwege durch den Odenwaldklub, dem „gelben Punkt“ zum Götzenstein. Der Götzenstein ist ebenfalls ein sagenumwobenes Kulturdenkmal, der im Gegensatz zu anderen Berggipfeln nicht aus einer Bergkuppe besteht, sondern aus einer größeren ebenen Fläche (90 bis 95 Schritte Länge und 60 Schritte Breite). Dabei soll es sich um eine Kult- und Opferstätte für „Altvater Wotan“ gehandelt haben. Vom Götzenstein laufen wir den Rundweg „3“ des Naturparks wieder ein Stück zurück und folgen ihm dann nach rechts bergab nach Vöckelsbach. Am Parkplatz gehen wir geradeaus weiter. An der zweiten Wegekreuzung biegen wir dann mit Rundweg „T“ nach links ab. Der Weg führt hinab nach Geisenbach und zum Lempelstieg und von dort hinauf zu einem aussichtsreichen Höhenweg. Hier folgen wir weiterhin Rundweg „3“, dann Rundweg „2“ über diesen eindrucksvollen Höhenweg und biegen schließlich mit der OWK-Linie „gelber Punkt“ nach links ab, der uns in den Birkenauer Ortsteil Reisen bringt. Von hier aus können wir wieder mit dem Zug nach Birkenau zurück fahren, oder immer der Bahnlinie entlang, vorbei am Birkenauer Schwimmbad und durch die Hornbacher Straße zum Bahnhof zurückwandern (in Elvira Klein, Odenwald, Seite 186.

 

Siedelsbrunn (östlich von Ober-Abtsteinach)

Durch das Eiterbachtal zum Lichtenklinger Hof: Von der Haltestelle „Hardberg“ laufen wir mit Rundweg „Si 4“. in den Ort und abwärts am Dreiröhrenbrunnen vorbei. Bei einer kleinen Teichanlage biegt „Si 4“ nach rechts ab, wir aber laufen geradeaus das Tal weiter abwärts. Nach etwa 500 Metern stoßen wir auf Rundweg „3“ des Naturparks und folgen diesem bergab zum Naturschutzgebiet „Eiterbachtal“. Vom Parkplatz „Lichtenklingen“ folgen wir Rundweg „1“ zur Kapellenruine „Lichtenklinger Hof“. Danach führt uns die OWK-Markierung „weißes Quadrat“ bergauf, Nach etwa einer Viertelstunde stoßen wir auf den Rundweg „4“ und folgen diesem nach links zur „Steinernen Bank“ und zur Stiefelhütte (bewirtschaftet, Donnerstag Ruhetag). Für unseren Rückweg nach Siedelsbrunn halten wir uns an die örtliche Markierung „Si 5“.

 

Wenn auf eine Landschaft die Bezeichnung Naturpark in ihrer ursprünglichen Bedeutung des Gewachsenseins zutrifft, dann ist es der südliche Odenwald in seiner Geschlossenheit der Wälder, Berge und lieblichen Täler, eine Oase der Ruhe für den Wanderer. „Überwald“ nennt sich dieses Gebiet, das schon zum Neckar hin ausgerichtet ist in einer Höhe zwischen dreihundert und sechshundert Metern. Etwa zwanzig Ortschaften gehören dazu, bekannte wie Grasellenbach oder Wald-Michelbach, in der Mehrzahl jedoch Weiler, hineingetupft in die Täler des Steinach-, Ulfenbach- oder Finkenbachtales.

 

Heiligkreuzsteinach

Reste der Burg Waldeck westlich des Ortes.

Heiligkreuzsteinach und Eiterbach entstanden wie die anderen Dörfer der Kellerei Waldeck als Rodungssiedlungen erst im Hochmittelalter, nicht vor 1100. Der Hauptort Heiligkreuzsteinach wird im Jahr 1293 als „Heilecrutzsteina“ erstmals erwähnt. Der Name hängt mit dem Kirchenpatronizium zusammen, und dieses gehört wohl in die Zeit der Kreuzzüge.

Es gibt eine in Heiligkreuzsteinach eine katholische Kirche und eine evangelische Kirche.

Sehenswert ist das Fachwerkhaus am Marktplatz von 1813.

Die Orte waren Rodungssiedlungen, die von den Herren von Hirschberg-Strahlenberg in ihrer Herrschaft Waldeck angelegt wurden. Im Jahre 1357 wurden sie von der Kurpfalz erworben. Nach deren Auflösung 1803 gehörten sie zu Baden. Im Jahre 1828 versuchte Eiterbach selbständig zu werden und erlangte einige Rechte, wie einen eigenen Verwaltungsrat. Es blieb aber Nebenort von Heiligkreuzsteinach. Im Jahre 1840 wurde die sogenannte „Obergemeinde“, zu der Lampenhain, Bärsbach, Vorderheubach und Hilsenhain gehörten, vom Hauptort abgetrennt. Im Jahre 1935 wurde Hinterheubach in Lampenhain eingemeindet und Eiterbach wurde wieder voll in Heiligkreuzsteinach eingegliedert. Am 1. Januar 1975 entstand der heutige Ort durch die Eingemeindung des Ortes Lampenhain in Heiligkreuzsteinach.

Im Namen von Eiterbach (1316 Eyterbach) steckt vermutlich eine alte mit Euter zusammenhängende, im Odenwald bei der Itter nochmals wiederkehrende Gewässerbezeichnung. Die beiden Siedlungen wurden durch die Besitzer der Herrschaft Waldeck, wohl die Herren von Hirschberg-Strahlenberg, angelegt.

Eiterbach hatte deutlich den in der ganzen Kellerei Waldeck bevorzugten Charakter einer Einzelhofreihe, mit unregelmäßigen blockförmigen Grundstücken und Wald im Gemeinschaftsbesitz der Hofbauern. Die Heiligkreuzsteinacher Huben scheinen von Anfang an weniger geschlossen gewesen zu sein. Taglöhnersiedlungen aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert schlossen sich in Eiterbach an beiden Gemarkungsenden an, in Heiligkreuzsteinach hauptsächlich in der Hüttengasse an die erhöht gelegene Kirche.

Die Gebiete der Gemarkung Lampenhain stammen zum größten Teil aus dem historisch einheitlichen Bezirk der Kellerei Waldeck mit dem Zentrum in Heiligkreuzsteinach. Seit dem Spätmittelalter war Hinterheubach davon abgetrennt. Hilsenhain ist anderen siedlungs- und territorialgeschichtlichen Ursprungs.

Die Orte der Kellerei Waldeck wurden vom 12. Jahrhundert an in die ursprünglich dem Bistum Worms zustehenden Teile des Odenwaldes hineingesetzt. Bärsbach (Berlesbach, vielleicht von Berlin = kleiner Bär) ist zufälligerweise zuerst 1293 erwähnt.

Es folgen 1316 Lampenhain (Lampenhan, Einhegung vermutlich mit einem Personennamen gebildet), Vorderheubach (Heydebach) und das wieder ausgegangene, später zur Gemarkung Altenbach gekommene Hohenöd. Die ältesten unter diesen Ansiedlungen scheinen nach der Vorgeschichte der Burg Waldeck und den Zehntverhältnissen Bärsbach und Lampenhain zu sein. Die Anlage von Vorder- und Hinterheubach steht vielleicht im Zusammenhang mit der Verlegung der Burg. Hohenöd könnte als jüngste Siedlung im ganzen Bereich der Kellerei zusammen mit Altneudorf der Anlaß dazu gewesen sein, daß sich 1315 die Strahlenberger verpflichten mußten, keine neuen Dörfer mehr in der Ladenburger Allmend anzulegen.

 

Schönau:

Von Neckarsteinach kommt man in westlicher Richtung in das hübsche Wiesental der Steinach, das von hohen Waldbergen eingeschlossen ist und bald nach Norden umbiegt. Schönau liegt 180 Meter hoch und ist ein freundliches, gewerbreiches Städtchen in schöner Lage. M Jahre 1562 erhielt Schönau das Stadtrecht. Im Jahr 1562 erhielt Schönau das Stadtrecht, im Jahre 1803 kam der Ort an Baden.

Ehemals hatte es ein berühmtes Zisterzienserkloster, das 1142 gegründet wurde. Es war Grablege welfischer und wittelsbacher Pfalzgrafen. Im 30jährigen Krieg wurde es zerstört. Das ehemalige Sommerrefektorium des Klosters aus dem. 12. - 13. Jahrhundert ist jetzt zur evangelischen Kirche umgebaut. Es ist ein Rundgang durch die Stadt ausgezeichnet.

 

Die Kirche wurde vermutlich in der Zeit von 1167 bis etwa 1215/20 als dreischiffige romanische Basilika erbaut, Trotz aller zisterziensicher Schlichtheit symbolisierten die verwendeten Materialien die Vollkommenheit der Ausführung und die gewaltigen Ausmaße (Länge 84 m) die Bedeutung der Abtei. Fundamente der Westfassade sind restauriert. Das auf die Hauswand gemalte Portal soll einerseits den Eindruck von der Höhe der Klosterkirche (Giebelhöhe vermutlich 23 Meter) vermitteln.

Der im Westen der Klosterkirche befindliche Konversenbau: (Länge 66,5 Meter) war von den Klausurgebäuden durch die Konversenbau, so wie auch die Konversenmönche (Laienbrüder), die für die Klosterwirtschaft zuständig waren, eine eigene Gemeinschaft bildeten. Von sozialen Spannungen blieb deshalb auch die Zweiklassengesellschaft im Kloster Schönau nicht verschont. Im 16. Jahrhundert erfolgte unter Friedrich III. die Niederlassung wallonischer Tuchmacher. Die Perlenfischerei in der Steinach, die auf das Jahr 1760 zurückgeht, hat heute nur noch geringe Bedeutung.

 

 

 

Zentral Mitte:

 

Brensbach  (südlich von Groß-Bieberau):

175 Meter, 1.200 Einwohner, Marktflecken, in breitem Wiesengrund, Sommerfrische. Gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert mit beachtenswerter Steinkanzel von 1526. Schöne Buchen- und Nadelwälder. Aussicht von der Schäfereiche, dem Andenken des hier geborenen Odenwalddichters Karl Schäfer gewidmet.

 

Fränkisch-Crumbach

Etwa 1.800 Einwohner, in einem Seitentälchen der Gersprenz, mit Schloß und Park des Freiherrn von Gemmingen-Hornberg. In der 1485 erbauten Kirche Grabmäler der Herren von Rodenstein.

Der Ort gehörte Jahrhunderte zur Burg Rodenstein. In der Kirche dieses Ortes sind die Grabmäler der Rodensteinschen Geschlechter, unter ihnen ein Werk, von dem vermutet wird, daß es ein Tilman Riemenschneider oder Hans Backoffen sei.

Die Kirche war im 12. oder 13. Jahrhundert ein romanisches Langhaus, später eine gotische Kirche. Sie war ursprünglich Laurentius geweiht und erhielt 1579 den ersten evangelischen Pfarrer. Der Chor von 1485 (darunter die Gruft) wurde im Auftrag des Junkers erbaut. Sie hat eine Walkerorgel von 1866. An der Wand des Heimatmuseums westlich der Kirche befindet sich eine Darstellung des Rodensteiners in Stein gehauen.

Neben der Kirche steht der „Kellerbau“, der Sitz der Kellerei, der im Zusammenhang mit dem Schloß erbaut wurde. Heute ist dort das Heimatmuseum. An der Vorderfront befinden sich Wappen der Berufe, die 1987 im Ort vertreten waren.

Hinter diesem Bau westlich der Kirche steht das Herrenhaus der Freiherrn von Gemmingen.

Es wurde erstmals 1572 bis 1574 von Philipp von und zu Rodenstein erbaut. Im 30jährigen Krieg wurde es bis auf den Keller zerstört. Im Jahre 1645 erfolgte ein Neubau für Neithart von Rodenstein, der aber 1650 verkauft wurde an den General von Rabenhaupt. Dessen Frau verheiratete sich später mit Freiherr Werprecht von Gemmingen. Heute gehört das Haus der Familie von Gemmingen-Hornberg, die dort auch wohnt.

 

Sarolta-Kapelle mit Mausoleum im Schlosspark (Bahnhofstraße):

Ein „Klassiker” und Kleinod ist sie schon: die Saroltakapelle im Gemmingen'schen Park in Fränkisch-Crumbach. Wenn man vom Osten in den Ort hinein fährt, steht sie unübersehbar an der Kreisstraße 75 und erstrahlt  - im Frühjahr inmitten herrlicher Blütenpracht, in den Sommermonaten im Grün alter Parkbäume, im Herbst als idyllisches Bild in buntem Laub, und in den Wintermonaten schneebedeckt. Dann nimmt sie, in der Dunkelheit beleuchtet, gar eine märchenhafte Gestalt an.

Daß dem wieder so ist, verdankt sie dem Verein „Crumbacher-Denk-Mal“, der im Jahr 2000 gegründet wurde und die Kapelle seither restauriert. Im Jahre 1892 war der historische Sakralbau im neoromanisch-byzantinischen Stile auf Initiative des Bischofs Ketteler aus Mainz von Baron Adolf von Gemmingen-Hornberg und dessen Ehefrau Gräfin Sarolta erbaut worden. Der untere Teil des Mausoleums ist seither Ruhe- und Gedenkstätte der Familie von Gemmingen Hornberg.

Bis Anfang der 1960er Jahre diente die Kapelle kirchlichen Zwecken und wurde für Gottesdienste, Beichtgelegenheiten, Taufen und Hochzeiten genutzt. Danach wurde es still in und um die Kapelle. Wildwuchs im Park verhinderte den Blick von der Bahnhofstraße, und die Witterung sowie einiger Vandalismus beschleunigten den Verfall.

Jetzt ist die Kapelle, die neu bestuhlt wurde, ein Schmuckstück, das weit und breit ihresgleichen sucht. Da sind etwa die atemberaubenden und künstlerisch einzigartigen Marmorsarkophage, in denen die Gräfin Sarolta (eine Sternkreuzordensdame ihrer Majestät der Kaiserin und Königin von Österreich-Ungarn) und Adolf von Gemmingen-Hornberg (Hessischer Kammerherr) mit den Töchtern Franziska und Ernestine ruhen. Auch die Gedenktafeln ihrer weiteren fünf Kinder schmücken den Raum aus. Herrliche bleiverglaste Fenster zieren neben dem mit bunten Fliesen ausgelegten Fußboden, dem Klinkermauerwerk mit seinen Terrakotta-Säulen und der bemalten Holzdecke den Innenraum und die Außenansicht. Sehr dekorativ wirken dabei die weiße und die schwarze Madonna auf dem Altar mit Tabernakel, die 1935 in Altötting gesegnet wurden.

Im Jahre 2003 wurde die Kapelle mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. Seitdem finden hier wieder Taufen und Hochzeiten statt. Anfang 2008 wurde die Renovierung beendet.

 

Wanderung:

An der zentral gelegenen kleinen, trutzigen Kirche geht es los. Die Markierung weißer Doppelstrich hält sich an der Umfassungsmauer bereit, biegt um die Ecke gegenüber behäbiger Gasthöfe, zieht am Schloß vorbei die Darmstädter Straße hinauf und in die Felder hinaus.

Der asphaltierte Feldweg ist gleichzeitig Zufahrt zum vorbildlichen Grillplatz mit großer Grillhütte. Vom Weg besticht der Blick über das breite Gersprenztal bis zum Otzberg im Norden und Schloß Reichenberg über Reichelsheim im Süden. Der weiße Doppelstrich hält auf den Waldrand zu und strebt nach scharfem Linksknick die Nonroder Höhe an. Ihr Erkennungsmerkmal ist im freien Feld eine Baumgruppe mit Bänken, ausgerichtet auf Schloß Lichtenberg, das, einer Fata Morgana gleich, über den Bergen auftaucht. Von dieser Stelle an hat das inzwischen hinzugekommene offene rote Dreieck allein das Sagen. Der Weg steigt und fällt im prächtigen Buchenforst; Granitfelsen beginnen sich zu häufen. Auf dem Rimdidim (495 Meter) ist die höchste Stelle erreicht.

Nach einer abrupten Linkskurve stoßen wir auf das Zeichen einfacher weißer Querstrich, das, unterstützt von den Hinweisschildern „Hofgut Rodenstein“, abwärts lenkt, zuletzt im steilen Zickzack zur Ruine Rodenstein und der unterhalb liegenden Einkehr. Die Geschichte der Burg, die Mitte des 13. Jahrhunderts begann, ist in Abrissen auf einer Infotafel wiedergegeben. Zur Zeit werden weitere bauliche Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt.

Den kürzeren Rückweg bestimmt ab der Ruine ein gelber Querstrich. Nach links leicht bergauf, bleibt der Wald bald zurück. Mit Sicht über die malerischen Wiesen- und Felderhänge, vorbei an eingestreuten offenen und geschlossenen alten Höfen, nähern wir uns Fränkisch Crumbach (Odenwald, Seite 154).

 

An der Kirche vorbei fährt man Richtung Brensbach. An der B 38 geht es nach links Richtung Michelstadt und dann nach rechts durch Niederkainsbach hindurch nach Stierbach. Dort ist dann nach links der Weg zum Parkplatz ausgeschildert. Von dort führt der Weg erst im großen Bogen nach rechts um das Wildgehege herum bis zu einer Schutzhütte links im Wald. Von dort geht es mit dem waagrechten Strich hinauf zur Ruine.

Man kann aber auch schon am Beginn des Wochenendhausgebietes parken und durch diese Anlage links-rechts-links die geteerte Straße hinaufgehen. Beim Haus Nummer 26 geht man rechts den Feldweg hoch und rechts an einer Bank vorbei (schöne Aussicht auf Fränkisch-Crumbach). Im Wald hält man sich etwas links und kommt auf den Weg, der durch ein gelbe Sechs und den waagrechten Strich gekennzeichnet ist.

 

Rodenstein

Von der Burg Reichenberg fährt man wieder zurück in die Stadt, aber biegt jetzt nach rechts ab in Richtung Burg Rodenstein. Bald darauf geht es links ab (brauner Wegweiser) und durch Eberbach immer geradeaus. Wo sich der Weg teilt, geht es rechts zum Parkplatz Rodenstein. Zur Burg biegt man aber links ab zum Hofgut Rodenstein. Direkt hinter diesem ist die Burg am Hang gebaut. Die Burg Rodenstein war einst Stammsitz jenes Geschlechts gleichen Namens.

Fränkisch-Crumbach ist Stammsitz jener gleichnamigen Ritter, die um 1250 westlich des Ortes eine Hangburg im Wald erbauten und sie nach dem verwendeten Sandstein „Rodenstein“ nannten. Wohl kein Name ist mit der Geschichte des Odenwaldes so eng verknüpft wie dieser. Doch nicht außergewöhnliche Heldentaten haben den Ruhm des Rodensteins begründet, vielmehr hat der Volksglaube einen Kranz von Mythen und Sagen um ihn gewoben. Sie fanden Eingang in Balladen, Erzählungen und Dramen, vornehmlich die Gestalt des Wilden Jägers, der zwischen den Burgen Rodenstein und Schnellerts mit einem Heer durch die Lüfte saust. Dann geht es wieder zurück und links ab nach Fränkisch-Crumbach.

 

Ruine Rodenstein (320 Meter), die Burgruine, im Besitz des Freiherrn von Gemmingen, liegt am Berghang inmitten von Buchen- und Nadelwäldern. Die Grafen von Rodenstein starben 1671 aus. Der Sage nach reitet vor Ausbruch eines Krieges der letzte Rodensteiner, der „wilde Jäger”, durch die Luft zur Burg Schnellerts. Bekannt sind Scheffels Rodensteinlieder.

 

 

Schnellerts:                                                                                               Führungsblatt 142

Der Schnellerts erhebt sich am Ausgang des Kainsbachtales zum Tal der Gersprenz mit einer Höhe von 350 Metern über NN etwa 170 Meter über die Gersprenz-Auen. Die nach allen Seiten gleichmäßig abfallende Kuppe wird von den Gneisen des kristallinen Odenwalds gebildet.

Verkehrsgeographisch liegt der Schnellens recht günstig. Im Hügelland westlich von Kirchbrombach führt von Süden her die „Alte Erbacher Straße“ in knapp zwei Kilometer Entfernung an der Burgruine vorbei. Auch das Kainsbachtal dürfte von der Paßstelle der Erbacher Straße bei der Spreng aus als Zugang zum Gersprenztal genutzt worden sein.

Die in den Jahren 1975 bis 1993 von Helfern der Forschungsgemeinschaft Schnellerts e.V. freigelegten und auf Kosten dieses Vereins konservierten Mauerreste der ehemaligen Burg auf dem Schnellertsberg erheben nicht den Anspruch eines Weltkulturdenkmals. Was dieser Ruine zu überregionaler Berühmtheit verhalf, ist die Sage vom mysteriösen „Schnellertsgeist“, der im Inneren des Burghügels seine Behausung hat.

Er zieht mit seinem „Wilden Heer“ immer dann geräuschvoll und unsichtbar aus dem Berg aus und durch die Lüfte, wenn dem Reich Gefahr droht, und er kehrt erst dann wieder ebenso geräuschvoll zurück, wenn diese Gefahr vorüber war. Das Krieg und Frieden ankündigende Geisterheer - oder Totenheer wird begleitet von lautem Hundegebell, Peitschengeknall, Pferdegetrappel, Hui-Rufen und Wagengerassel. Nur zu sehen ist nichts, was von einem Geist fast zu erwarten war.

Es ist immer der gleiche Weg, den der Zug nimmt. Fast immer geht es zunächst durch die Scheunen des Haalbauern am Fuße des Burgberges, um einen Haken über Oberkainsbach zu schlagen oder oder auf direktem Wege, über Fränkisch-Crumbach, zur Burg Rodenstein zu ziehen. Aber auch durch die Küche eines ehemaligen Adelshofes in Brensbach soll er schon gezogen sein.

 

Jeder Auszug des „Schnellertsgeistes“ sprach sich schnell herum und verbreitete Angst und Schrecken, nicht nur unter den Bewohnern der Region. Auch den Territorialherren, deren Hoheitsgebiete seit dem 30jährigen Krieg durch Truppendurchmärsche immer wieder in Mitleidenschaft gezogen worden waren, saß die Angst im Nacken. Im Jahre  1742 ordnete der regierende Graf zu Erbach an, die Aussagen über den Schnellertsgeist aufzuschreiben. Vorgeladen, möglicherweise auch freiwillig, erschien der Bauer Simon Daum (1695-1752) aus dem Haalhof in Ober-Kainsbach am 28. August 1742 auf Burg Reichenberg und gab dort zu Protokoll, daß sowohl sein Vater, Jeremias Daum, als auch er selber den Geist mehrfach aus- und einziehen hörten, dabei aber noch nie etwas gesehen hätten.

 

Erster Protokollführer war der gräflich Erbachische Amtmann Georg Philipp Wittich, der auf dem Reichenberg 1742 u.a. festhielt: „Es befindet sich nächst dem Dorfe Ober-Kainsbach ... ein gewisser Berg und auf demselben ein uraltes Schloß, wovon nur noch wenige Rudera zu sehen sein sollen, der Schnellerts genannt, wovon aber, und wer eigentlichen die ehemaligen Possesores sotanigen Berg-Schlosses gewesen, keine weitere Nachricht zur Zeit bekannt geworden. ... Dieses also zum Voraus gesetztet, so ist die gemeine Rede ... nicht nur in alten und vorigen Zeiten schon gegangen, ... daß ein gewisser Geist auf dem Schnellerts zwar seinen Aufenthalt habe, doch aber sich niemalen merken lasse, außer wenn Kriegszeiten, außerordentliche wichtige Dinge vorkomme!“

Solche und ähnlich lautende Aussagen wurden in einem Protokollbuch auf dem Reichenberg zunächst von Amtmann Wittich, später von seinem Nachfolger Carl Ludwig Bock bis zum Jahre 1796 festgehalten. Sie decken sich haargenau mit den Beobachtungen früherer und späterer Geschlechter. Die Berichte über den Aus- und Einzug des „Schnellertsgeistes“ setzen sich bis weit in dieses Jahrhundert hinein fort. Ohrenzeugen versichern, den Geisterzug bei Beginn und Ende der beiden Weltkriege gehört zu haben. Es gibt Menschen, die schwören, daß sie den Schnellertsgeist und sein Gefolge beim Ausbruch des Ersten und des Zweiten Weltkrieges gehört haben. Andere sagen, daß er nach dem Ersten Weltkrieg nicht wiedergekommen ist. Das wäre logisch, denn der Schnellertsherr zog nur aus, wenn für das Reich Gefahr in Verzug war. Er gilt als kaisertreu, doch  Kaiser Wilhelm II. ging nach dem verlorenen Krieg ins holländische Exil.

Romantiker des 19. und 20. Jahrhunderts nutzten die Sage und die Berichte der Umwohner als Stoff für Dichtungen, Balladen, Erzählungen, Dramen und sogar Opern, was sich in zahlreichen Veröffentlichungen niederschlug. Der „Schnellertsgeist“ wurde dabei fälschlicherweise mit dem Geschlecht derer von Rodenstein in Verbindung gebracht, das sich bis zum Jahre 1671 nachweisen läßt. Die Überlieferung setzt den „Schnellertsherr“ gleich mit Hans von Rodenstein (1418-1520). Das ist aber völlig ungeschichtlich.

Die Originale der „Reichenberger Protokolle“ verbrannten im Zweiten Weltkrieg, ihr Inhalt ist jedoch durch zahlreiche Abschriften erhalten. Die Literaten meinen, Wodans Heere seien mit von der Partie. Die Naturforscher hingegen behaupten, die akustische Fata Morgana, die zu Beginn und zum Ende des Zweiten Weltkrieges zum  letztenmal vernommen wurde, sei auf eine Erdfaltung zurückzuführen, die ferne Geräusche nah ertönen läßt.

 

Bisher ist nicht ein Schriftstück aufgetaucht, in dem die Burg oder die dort lebende Adelsfamilie erwähnt ist. Das ist ungewöhnlich, denn häufig waren die Klöster Garanten der Überlieferung. Der Einflußbereich des mächtigen Klosters Lorsch ging bis dorthin und auch das Kloster Fulda hatte seine Herrschaft bis in den Odenwald ausgedehnt.

In der lokalen Literatur hat man die Burg zur Ganerbenburg gemacht. Beleg hierfür war ein bis heute nicht nachgewiesener, den Burghof angeblich für zwei Ganerbenfamilien teilender Mauerzug. Weder das eine noch das andere läßt sich nachweisen, solange nicht tatsächlich Schriftquellen darüber berichten.

Die bisherigen Nachforschungen erbrachten lediglich schwache Hinweise auf einen Konflikt zwischen den benachbarten und verwandten Herrschaften Breuberg und Erbach um Besitzrechte an der Erbacher Burg. Der Streit brach offenbar in der Zeit vor 1300 aus. Im Jahre 1303 wird in einer Schlichtungsurkunde erwähnt, daß es zu Waffenanwendung kam und daß auch „castra“, also Burgen, betroffen waren. Namen werden nicht genannt. Möglicherweise wurde der Schnellerts als Breubergische Anlage im Zuge dieses Streits mit erobert und wieder verlassen.

 

Da es keine Schriftquellen zu der Anlage gibt, bleibt es nun - nach der archäologischen Datierung -  dem Historiker überlassen, im entsprechenden Zeitraum nach möglichen Entstehungs- und Zerstörungsursachen zu suchen. Dieser „schriftquellenlose Zustand“ öffnet zuweilen auch wilden Spekulationen Tür und Tor. Ein vorsichtiger und verantwortungsbewußter Umgang mit vermeintlich die Burg betreffenden Quellen ist geboten.

So wurde der Schnellerts durch die Sage mit der Burg Rodenstein in Verbindung gebracht. Die Herren von Rodenstein residierten reichsunmittelbar über Fränkisch-Crumbach. Romantiker schrieben den Schnellertsgeist den Nachbarn auf dem Rodenstein zu. Vielleicht fanden es die Schriftsteller interessanter, weil man das Geschlecht der Rodensteiner bis ins 17. Jahrhundert nachweisen kann. Die Ursage hat aber mit dem Rodenstein nichts zu tun. Man glaubt zu wissen, daß die Burg nicht dem Rodensteinener gehörte.

Die Funde und die Gestalt der Burg datieren die Erbauung in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Besiedlungszeit der einphasigen Anlage war offenbar sehr kurz. Die stratigraphischen Befunde ergaben keinerlei Hinweise auf mehrere und längere Besiedlungsphasen. Es wurde nur ein Laufhorizont festgestellt. Im Keramikmaterial ist keine chronologisch faßbare Entwicklung ablesbar. Eroberung und Auflassung mögen spätestens um 1300 stattgefunden haben (nach anderer Angabe 1320).

Nun ist noch eine weitere Sage dazugekommen: Ein Gönner der Forschungsgemeinschaft aus Frankfurt berichtete von einem Bekannten, der 1998 mit einem Metallsucher auf dem Schnellerts zu Gange war und dem dort ein Mann und eine Frau begegneten, die „nicht wie Du und ich gewesen sind“. Sie hätten altmodisch geschraubt geredet, seien merkwürdig altertümlich gekleidet gewesen - und später einfach verschwunden. Und sie datierten die Zerstörung der Schnellertsburg auf das Jahr 1399. Nun steht sozusagen die Geistaussage gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft.

 

Der Baubestand der Schnellerts-Burg zeigt uns eine gängige Anlage des 13. Jahrhunderts: Eine Höhenburg mit sechseckiger Burgmauer. Dem Tor gegenüber stand, an die östliche Ringmauer gerückt, ein runder, recht schlanker Bergfried von knapp 7 Meter Durchmesser. Der 2 Meter im Durchmesser messende Innenraum bot kaum Bewegungsfreiheit. Die Mauerstärke betrug etwa 2,5 Meter. Der Turm erweist sich so als Gebäude mit reiner Wehr-, in erster Linie aber Repräsentationsfunktion.

Der Burghof war stellenweise mit Bruch des anstehenden Granits geschottert. Das Tor war von einem Torhaus - höchstwahrscheinlich in Fachwerkbauweise - überbaut. Die Torgasse selbst war wie Ringmauer und Turm aus dem anstehenden Gestein gemauert. Bei der Freilegung konnte einer der Tor-Angelsteine geborgen werden.

 

Viel Platz für eine Burg war auf dem Gipfel nicht. Vielleicht 20 Personen haben dort oben gewohnt. Mindestens zwei Wohnhäuser und einen Stall gab es. Anthes stellte bei seiner Untersuchung 1886 zwei parallel verlaufende Fundamentmauern an der südlichen Ringmauer fest. Die FGS fand die Reste eines zerstörten Fachwerkbaus am nordwestlichen Ringmauerabschnitt. In beiden Bereichen konzentrierten sich die Funde von spätmittelalterlichen Ofenkacheln, so daß auf beheizbare Wohngebäude geschlossen werden kann.

Die beiden tiefreichenden Mauerwangen des Anbaus im Nordosten könnten Stützmauern für die Nordostecke sein: eine Entstehung der Mauern im 19. Jahrhundert, vielleicht in Zusammenhang mit einem Schnellertsfest (Kühlraum?), muß aber auch in Betracht gezogen werden.

Zahlreiche Dachziegel belegen, daß die Dächer zumindest zum Teil mit der üblichen „Mönch- und Nonne-Dekkung“ versehen waren.

Befunde zur Wasserversorgung liegen nicht vor. Es ist recht unwahrscheinlich, daß die Burganlage einen Brunnen besaß. Wasser konnte  z.B. von den ziegelgedeckten Dächern  in Fässern aufgefangen oder mit Tragtieren aus dem nahegelegen wasserführenden Taleinschnitt nördlich der Burg besorgt werden.

 

Die Archäologie erlaubt es, einen Blick auf seine Lebensverhältnisse zu werfen. Die zahlreichen Funde zeigen uns das Leben auf einer Niederadelsburg, von ihrer Erbauung (Baubefunde) über den Alltag der Burgbewohner (Kochtöpfe, Weinbecher, Ofenkacheln, Werkzeug), die Repräsentationspflichten des Burgherren (goldene Beschläge Zaumzeugzier) bis zum gewaltsamen Untergang (Armbrustbolzen, Schleuderkugeln). Selbst der Speisezettel läßt sich erschließen (Knochenfunde).

Das Fundmaterial ist sehr einheitlich. Wie bei allen mittelalterlichen Fundplätzen überwiegt die Keramik. Der größte Anteil entfällt auf die einfache (Koch) Topfkeramik. In der Küche des Schnellerts fanden bauchige, hart gebrannte Töpfe mit einfach umgeschlagenen Rändern Verwendung, die möglicherweise in der näheren Umgebung hergestellt wurden. Bei den größeren Gefäßen wird es sich um Vorratsgefäße gehandelt haben.

Als Trinkgeschirr diente ein Service aus eiförmigen Bechern und mindestens einer Kanne aus rot engobierter Irdenware. Das Service stammt vermutlich aus der spätmittelalterlichen Töpferei von Aulendiebach bei Büdingen und nicht  - wie bisher angenommen - aus dem nahegelegenen Töpfereizentrum in Dieburg. Vergleichsfunde liegen außer aus Aulendienbach vor allem aus der Altstadt von Frankfurt am Main vor, wo die Becher in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert werden können.

Bei den Ofenkacheln handelt es sich um gängige Becherkacheln. Fast alle Kacheln sind aus derselben Produktion. Die Detailformen finden sich an einigen weiteren Fundplätzen des Odenwalds und angrenzender Regionen (z.B. Dieburg. Otzberg. Eberbach). Sie passen gut in das Formenspektrum des 13. Jahrhunderts. Anhand der Kacheln lassen sich zwei Kuppelöfen rekonstruieren, die den Burgbewohnern den Aufenthalt in rauchfreien Wohnstuben ermöglichten.

Ein von vielen Burganlagen bekanntes Fundstück ist das Wächter- oder Aachenhorn aus Keramik. Es gibt - wie Blasversuche mit einer Nachbildung ergeben haben - laute, durchdringende Signaltöne von sich. Diese Hörner waren im gesamten Mittelalter verbreitet. Vergleichsstücke liegen beispielsweise von der mittelhessischen Burgruine Wartenberg (zerstört 1265) und dem Tannenberg an der Bergstraße (zerstört 1399) vor. Bildquellen, wie die

Manessische Liederhandschrift, zeigen uns die Verwendung der Hörner bei der Jagd.

Eine Spardose aus Keramik entspricht ebenfalls in Form und Ausführung vielen Vergleichsstücken aus Burgen und Städten des späteren Mittelalters.

Alle sieben Münzfunde - die nicht in Zusammenhang mit der Spardose gefunden wurden - erhärten die Datierung der Anlage in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Es handelt sich ausschließlich um Handheller, von denen zwei ins frühe 13. Jahrhundert. alle anderen in dessen Mitte oder zweite Hälfte datieren. Bei einem Stück handelt es sich aber um eine Fälschung.

Bei den weiteren Metallfunden fällt zuerst die große Gruppe der Armbrustbolzeneisen auf. Sie lagen überall im Burghof verstreut, einige der Stücke zeigen deutliche Schußeinwirkungen. Die Bolzen, einige Schleuderkugeln und die Zerstörungsspuren an mindestens einem der Gebäude belegen, daß im Innern der Burg gekämpft wurde. „Die Bewohner sind vielleicht überrascht worden. Der Kampf hat wohl hauptsächlich im Innenbereich stattgefunden.“

Zahlreiche Pfeilspitzen und Armbrustbolzen haben die Forscher innerhalb der Anlage gefunden. Die Waffen und außerdem Keramikgefäße, ein Bronzesteigbügel oder Ofenkacheln sind im „Schnellerts-Museum“ in Brensbach ausgestellt.

Nach dem Kampf wurde die Anlage aufgegeben. Das erklärt, warum insgesamt doch recht viele Metallgegenstände gefunden wurden. Metalle wurden in der Regel der Wiederverwertung zugeführt, da ihr Wert wegen der aufwendigen Gewinnung sehr hoch war. Auf dem Schnellerts konnten nach den Kämpfen viele Metallgegenstände nicht mehr geborgen werden. So blieben zahlreiche Messer, eine eiserne Schöpfkelle, Schlüssel, Tür- oder Truhenschlösser und Bauelemente wie Nägel und Bauklammern genauso liegen wie einige vergoldete Bronzeblechbeschläge, Riemenschnallen und -zungen und die Reste eines prunkvollen Pferdegeschirrs.

Die vergoldeten und verzierten Bronzebeschläge stammen sicher von Kästchen, wie sie in der adeligen Welt des Spätmittelalters gebräuchlich waren. Die kleinen Bronzeschnallen wurden an Schuhen getragen, eventuell dienten sie auch der Steigbügelaufhängung. Der vergoldete Bronzesteigbügel ist mit einer Palmettenranke, einem im gesamten Mittelalter beliebten Ornament. verziert.

Der Kreuzanhänger mit seiner Rosette zeigt nun zwei weitere weit verbreitete Verzierungselemente des Mittelalters. Die Rosette begegnet auf vielen Materialien immer wieder: geprägt auf Schuhleder, gestickt auf Textilien (Pferdedecken), als metallener Besatz von Kleidern, Gürteln und Pferdezaumzeug. Auch in Inventaren spätmittelalterlicher Adelssitze werden - gerade bei der Kleidung  immer wieder „geslagen Rosen“ genannt. Das Kreuz als offen getragenes Symbol bedarf im christlichen Mittelalter wohl keiner Erklärung. Ähnliche Kreuzanhänger sind außer als archäologische Vergleichsfunde (Wartenberg) von Bildquellen und aus der Plastik bekannt. So tragen beispielsweise die Pferde einiger der Ritter in der Manessischen Liederhandschrift (1300-1320) solche Kreuzanhänger am Stirniemen des Zaumzeugs. Vergoldete Schmuckstücke dieser Art gehörten zum Erscheinungsbild des Adeligen im Mittelalter. Ein gewisses repräsentatives Auftreten war nötig. um den eigenen Stand zu unterstreichen. Beim Schnellerts handelt es sich sicher nicht um eine wohlhabende Burg. Der Burgherr war kein mächtiger Territorialherr, er ist eher als Abhängiger anzusehen. Aber auch er - als „Niederadeliger“ - mußte den Repräsentationspflichten seines Standes nachkommen.

 

Die Tierknochen von der Burgruine Schnellerts weisen vielfach zum Teil Hackspuren vom Schlachtvorgang, Schnittspuren von der Zerlegung, Bratspuren oder eine Zertrümmerung der Röhrenknochen für die Markgewinnung auf und zeigen damit an, daß es sich überwiegend um Speisereste handelt. Nur wenige Knochen - etwa vom Siebenschläfer oder von der Erdkröte - sind möglicherweise zu späterer Zeit durch natürliche Umstände, wie dem Verenden beim Überwintern, in den Boden und damit in das Fundmaterial gelangt.

Die Auswertung der Knochenuntersuchung gestattet Aussagen über die Tierarten, die Tierartenanteile und unter Zugrundelegung der Knochenmaße über die Wuchsform der Tiere. Weiterhin kann u. U. eine Alters- und Geschlechtsbestimmung erfolgen.

Bezogen auf die Gesamtknochenzahl beträgt der Haussäugeranteil etwa 85 Prozent, der der Wildsäuger knapp 30 Prozent, Der Hausgeflügelanteil ist mit etwa 11 Prozent bemerkenswert hoch. Lediglich zwei Fischknochen (0, 1 Prozent der Gesamtknochenzahl) gelangten zur Untersuchung und wurden tierartlich als Salmonide bzw. Schellfisch angesprochen. Besondere Beachtung verdient dabei der bis weit ins Inland verbrachte und vermutlich als Trockenfisch konservierte Meerwasserfisch, der wohl als Freitags- oder Fastenspeise diente.

Untersucht man die Verteilung der Säugetierknochen näher, so ist das nahezu völlige Fehlen von Pferdeknochen auffällig. Im vorliegenden Material befindet sich nur ein Zahnbruchstück vom Pferd. Dennoch ist anhand vieler Funde die Pferdehaltung auf der Burg dokumentiert.

 

Der Hauptfleischlieferant war offenbar das Rind mit dem überwiegenden Anteil von 50 Prozent der Haus- und Wildsäugerknochen. An zweiter Stelle steht das Schwein mit etwa 31 Prozent, Schaf und Ziege folgen mit etwa 10 Prozent. Wenige Knochen liegen vom Haushund und der Hauskatze vor. Spuren, die von der Fleischgewinnung herrühren könnten, sind nicht festzustellen.

Bei den Wildsäugern sind Knochenzahl und Tierartenspektrum klein. Rothirsch, Reh, Feldhase, Rotfuchs und Siebenschläfer ließen sich nachweisen. Lediglich die Knochen vom Feldhasen sind etwas häufiger vertreten.

Beim Hausgeflügel überwiegt deutlich der Anteil des Haushuhns. der fast 80 Prozent der Geflügelknochen ausmacht. Hierin spiegelt sich die wichtige Funktion des Haushuhns im mittelalterlichen Abgabensystem wider. Demgegenüber ist der Prozentanteil der Hausgans mit 20 Prozent wesentlich geringer, ganz abgesehen von der unbedeutenden Knochenanzahl von Haustaube bzw. Hausente.

Bei den Wildvögeln fanden sich Knochen vom Rebhuhn, der Raben- oder Saatkrähe und dem Eichelhäher. Aus dem Mittelalter wird neben Hetzjagden auf Wildschwein, Hirsch und Reh auch eigens von Rebhuhnjagden berichtet. Bekannt ist ebenfalls, daß die verschiedensten Wildvogelarten auf dem Speiseplan standen. Dies könnte man für den Eichelhäher und für die Krähe ebenso annehmen.

Die Rinder wiesen die für das Mittelalter typische kleine Statur auf und wurden überwiegend -  um sie länger als Dung- bzw. Milchlieferanten oder auch als Zug- und Zuchttier nutzen zu können - im Erwachsenenalter geschlachtet. Eine ausgeprägte Kleinwüchsigkeit ist gleichfalls beim Haushuhn zu beobachten. Bei Schaf Ziege und beim Schwein ist eine ähnliche Schlachtalterverteilung wie beim Rind gegeben. Die Schweineknochen lassen auch eine Angabe über die Geschlechterverteilung zu. Die männlichen Tiere sind eindeutig in der Überzahl.

Die bearbeiteten Knochen stammen vom Rind. mit der Ausnahme einer Geweihsprosse vom Rothirsch. Die tierartliche Zuordnung eines kleinen Spielwürfels mit fünf bis sechs Millimeter Seitenlänge bleibt dabei unbestimmt. Ein Langzinkenkamm und ein Bruchstück eines ebensolchen sind aus Mittelfußknochen, ein mit Kreisaugen verzierter Messergriff aus einem Mittelhandknochen vom Rind angefertigt. Ein kubisches Knochenstück von einer Speiche sowie die oben erwähnte zur Bearbeitung vorbereitete Geweihsprosse deuten auf die Herstellung von Werkstücken auf der Burg hin.

 

So hat die Erforschung dieses archäologischen Denkmals die gesicherte Datierung der Anlage erbracht. Ausstattung und Gestalt können ansatzweise rekonstruiert werden. Einige Hinweise auf die geschichtlichen Zusammenhänge können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Identität des „Schnellertsherrn“ noch immer ungeklärt ist.

Als Fachmann für den Schnellerts gilt Georg Dascher, im Odenwald als „Herr Schnellerts“ bekannt. Er hat noch nie das Getöse des „Wilden Jägers“ gehört, wie der Schnellertsgeist auch genannt wird. Georg Dascher ist historisch an der Ruine interessiert. Er hat vor mehr als 23 Jahren mit der Gründung der Forschungsgemeinschaft Schnellerts (FGS) dazu beigetragen, daß die kleine Burgruine heute als eine der am besten konservierten Ruinen im Odenwald gilt. Die FGS entstand aus Angst vor „Schatzsuchern“: „Zweimal habe ich Leute erwischt, die dort unauthorisiert gegraben haben.“ Er überredete sie, dem Museum ihre Funde zu stiften. Seit mehr als 20 Jahren wird nun offiziell jeden Samstag zwischen den niedrigen Mauerresten gearbeitet.

Wanderungen zum Schnellerts in Elvira Klein, Wochenende, Seite 24).

 

Ober-Kainsbach: Geo-Naturpark-Lehrpfad „Baustein, Erz und schwerer Spat“

 

 

Reichelsheim

Das Städtchen liegt  230 Meter hoch, ist hübsch gelegenes im oberen Gersprenztal, an der Mündung des Mergbaches. Wenn man von Süden nach Reichelsheim kommt, biegt man nach links ab bei den braunen Schildern „Burg Reichenberg und „Burg Rodenstein“.

 

Zuerst geht es dann rechts ab zur Burg Reichenberg. Auf dem über 300 Meter hohen Reichenberg thront die Burg gleichen Namens. Beherrschend rücken sich die Bergbauten ins Landschaftsbild, sie krönen die Kuppe. Darum auch wurde Burg Reichenberg in früheren Jahren gerne liebevoll „Krone des oberen Gersprenztales” genannt. Die Burg, die zur Odenwaldgemeinde Reichelsheim gehört, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Die Burg Reichenberg ist die älteste Burganlage der Gegend. Sie soll um 1250 von Schenk Johann I. von Erbach als Stützpunkt und Befestigungsanlage errichtet worden sein. Die Burg wurde 1307 zuerst urkundlich erwähnt. Sie hat einen romanischem Ring, Palas und Bergfried.

Die Schenken von  Erbach waren ursprünglich Ministerialen und Vögte des Klosters Steinbach. Dieses unterstand dem Königsklosters Lorsch, dessen Bedeutung aber im Laufe der Zeit sank. Diesen Niedergang und die damit verbundenen Streitigkeiten nutzten die Erbacher aus und bereicherten sich vor allem an klösterlichem und kirchlichem Grundbesitz (auch die mainzische Wasserburg Fürstenau gelangte so in ihre Hand). Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen war es ihnen eine Zeitlang möglich, ihre Burgenpolitik erfolgreich auf eigene Faust zu betreiben. Schließlich mußten sie sich aber dem Druck der mächtigeren Kurpfälzer beugen, deren treue Anhänger und Bundesgenossen sie wurden.

Zwar ging die Schloßchronik bei einem Brand verloren, aber die wesentlichsten Daten blieben erhalten Auch kriegerische Ereignisse fehlen nicht in der Reichenberg-Geschichte: 1504 ließ Landgraf Wilhelm II. von Hessen die Burg belagern. Fast 150 Jahre später - im Sommer 1652 - setzten plündernde Kroaten zur Erstürmung der Burg an. Da ihr Angriff erfolglos blieb, ließen sie ihre Wut in Reichelsheim aus und zündeten dort 16 Häuser an. Die Burg war unter anderem Verwaltungsmittelpunkt des Amtes Reichenberg, in Kriegszeiten Fliehburg und Zufluchtsort für die Bewohner des Umlandes, diente zeitweilig als Residenz der Grafen von Erbach, danach als gräflicher Witwensitz.

Als ältester Bauteil der Reichenberg ist die obere Burg mit dem „Krummen Bau” anzusehen. In den starken Außenmauern seines östlichen Abschnitts sind noch Reste des romanischen Palas aus dem 13. Jahrhundert erhalten, während der jüngere Verlängerungsflügel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts datiert.

Bauliche Erweiterungen erfuhr Burg Reichenberg im 14. Jahrhundert durch die Anlage einer Vorburg. Aus dieser Zeit stammt auch die kleine, gotische Burgkapelle, die wie einige andere Bauwerke der Burg im Laufe der Jahrhunderte zerfallen ist. Größere Neu- und Umbauten fanden schließlich im 17. und 18. Jahrhundert statt. Die noch erhaltenen Bauten stammen aus dem 14. bis 18. Jahrhundert

Von dem einstmals etwa 25 Meter hohen Bergfried kündet noch ein nachgemauerter Stumpf. Im Hof der unteren Burg springt die gotische, aus dem 14. Jahrhundert stammende Burgkapelle ins Auge. Ferner befindet sich im inneren Burghof ein Renaissance-Ziehbrunnen von 1557. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam das Amtshaus im Vorburgbereich hinzu, der Sitz des Verwalters des Erbacher Amtes Reichenberg.

Hier wurde 1776 Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck als Sohn des Rentmeisters Johann Conrad Nees geboren, und auf dem Reichenberg verbrachte er seine Jugend. Er war einer der bekanntesten Botaniker seiner Zeit.

Nach einer Professur in Erlangen wechselte Nees von Esenbeck nach Bonn und avancierte zum Präsidenten der Kaiserlich Leopoldinischen-Karolingischen Akademie der Naturforscher. Im Odenwald blieb er als „Wissenschaftler vom Reichenberg” bekannt.

Schon lange zuvor - im 15. Jahrhundert - hatte auf Burg Reichenberg Dieter von Erbach, der spätere Mainzer Kurfürst und Erzbischof, seine Jugendjahre verlebt. Seltsame Spukgeschichten, Sagen und Legenden haben sich von der Burg auf dem Reichenberg erhalten, solche von Gespenstern in eisernen Rüstungen, dem unheimlichen blauen Licht, einem winzigen Kobold und geisternden Trompetern. Schließlich bezogen in den Gebäuden eine Erziehungsanstalt, ein DRK-Müttergenesungsheim, ferner ein privates Kur- und Erholungsheim sowie eine Erholungsstätte für Postbedienstete Domizil.

Heute ist die Oberburg Privatbesitz. In der Unterburg etablierte sich eine christliche Tagungs- und Begegnungsstätte. Empfehlenswert das Burgcafé - von seiner Terrasse genießt der Besucher freien Ausblick auf die Berg-und-Tal-Landschaft des vorderen Odenwaldes.

 

Mehr als 700 Jahre spannende Vergangenheit werden auf Schloss Reichenberg lebendig. In der mittelalterlichen Burganlage ist für Wagemutige der Verliesturm zugänglich, der einst finsteren Gesellen zu einer besseren Gesinnung verhelfen sollte.

In den letzten beiden Jahren lieferte die Bergbauforschung um Reichelsheim vollkommen neue Einblicke in die Geschichte des Odenwälder Bergbaues, die nun im Regionalmuseum Reichelsheim präsentiert werden. So wurden z.B. in mühsamer Kleinarbeit in einer durch die Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald durchgeführten montanarchäologischen Untertagegrabung die Spuren einer einstmals bedeutenden Eisenerzgrube aus dem Mittelalter freigelegt. Der dabei geborgene, hervorragend erhaltene Holzausbau wurde in einem Diorama in der neu gestalteten Bergbauabteilung des Museums wieder aufgebaut. Der Besucher erhält hier nicht nur einen Einblick in einen historischen Bergwerksstollen mit Originalausbau, sondern wird auch aktuell über die neuesten Forschungsergebnisse informiert. Auch die Dauerausstellung wurde durch interaktive Elemente neu belebt und eignet sich vor allem für Kinder, Familien und Schulklassen.

Geopark-Lehrpfad „Bergbaulandschaft Reichelsheim“ im Odenwald

Der 13 Kilometer Rundweg mit Infotafeln und Bergwerksstollen ist eine Reise in die Geschichte des Erz- und Manganabbaus, der einmal ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region war.

Es gibt Expertenführungen nach Vereinbarung. Sonst täglich bewanderbar. Die Sonderausstellung im Regionalmuseum ist sonntags von 15:00 - 17:00 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

Weitere Infos: Telefon: 06164 50826, -2369 oder –2483

Internet: www.geo-naturpark.net

 

Kirchen: Die evangelische Michaelskirche, Rathausplatz 6, vereint die Stilrichtungen Gotik und Barock.

Erst im Jahre 1890 wurde die aus hellem Sandstein errichtete, selbstständige evangelisch-lutherische Christuskirche am Krautweg 12 eingeweiht.  Hinweistafeln zur Abbaustätte des eigenartigen weißen Sandsteins mit dem die Kirche erbaut wurde, verweisen auf den neu eröffneten Geo-Naturpark-Lehrpfad „Baustein, Erz und schwerer Spat“ in Ober-Kainsbach.

 

Reichelsheim hatte eine bedeutende jüdische Gemeinde. Im Gerichtsbuch des Amtes Reichenberg ist bereits 1733 ein Flurstück am Kirchpfad erwähnt, das „Der Judenfriedhof“ genannt wird. Bis zum Jahre 1857 beerdigten die Juden von Reichelsheim, Pfaffen-Beerfurth und Fränkisch-Crumbach ihre Verstorbenen in der Regel auf dem Judenfriedhof in Michelstadt.

Da aber eine Überführung der Verstorbenen in Seuchenzeiten über große Strecken untersagt war, behalf man sich mit einem eigenen Begräbnisplatz, der jedoch nur für Notfälle vorgesehen war.

Im Jahre 1856 kaufte der „Israelische Bruderverein Reichelsheim“ dann das Stück Acker „An der Ruh“ und beantragte die Einrichtung eines jüdischen Friedhofs. Er war zunächst Begräbnisplatz für die Juden von Reichelsheim und Fränkisch-Crumbach. Im Jahre 1860 wurden auch die Juden von Pfaffen-Beerfurth in den Friedhofsverband aufgenommen. Seit 1906 war dann die Israelische Religionsgemeinschaft Reichelsheim Eigentümerin des Friedhofs, der 1929/30 erweitert wurde. Heute hat die Gemeinde Reichelsheim die Betreuung des jüdischen Friedhofs übernommen. Sie erhält dazu einen Landeszuschuß.

Nachkommen ausgewanderter Juden besuchen von Zeit zu Zeit den Friedhof. Zum Zeichen der Trauer und Verehrung legen sie Steine auf die Grabstätte. Im Jahre 1992 hat ein Angehöriger der jüdischen Familie Meyer für seine ermordeten Eltern und Geschwister auf dem Gelände einen Gedenkstein setzen lassen.

 

Reichelsheim-Rohrbach:

Auch der „Alte Stollen“ der Manganerzgrube Georg ist geöffnet. Der Stollen war von 1890 bis 1904 in Betrieb, besitzt eine gut erhaltene Ziegelmauerung und wurde im Rahmen der Arbeiten für den Bergbaulehrpfad „Manganerzbergbau“ wieder hergestellt und gesichert.

Der Stollen befindet sich im Ortsteil Rohrbach, oberhalb der Gaststätte „Zum Fürstengrund“, direkt am Verlauf des Lehrpfades.

 

Neunkirchen (nordwestlich Reichelsheim)

Neunkirchen ist älter. Erste Nennung 1222, um 1400 hieß es Nuwenkirchen. Wallfahrtskirche St. Cosmas und Damian von 1222, wurde 1742 zum barocken Saalbau umgebaut.

Die Neunkircher Höhe (605 Meter) ist die zweithöchste Erhebung des Odenwaldes mit Kaiserturm und Radarstation. Quellgebiet vieler Bäche und Flüsse (unter anderem Gersprenz, Modau, Lauter, Fischbach).

Zu Brandau gehören die Orte Lützelbach und Neunkirchen. Lützelbach, 1346 erstmals erwähnt als Besitz der Junker von Rodenstein. Schöne alte Fachwerkhäuser.

 

 

Weschnitz:

Östlich von Weschnitz an der Nibelungenstraße ist der Parkplatz Kapellenberg mit einer  Schau­tafel mit Wanderwegen. Von dort läuft man zur Walpurgiskapelle. Der Weg führt zunächst schräg den Hang hinauf in Richtung zum mit lauter Holzkreuzen geschmückten originellenFriedhof (keine Parkmöglichkeit). Links auf dem Berg sieht man schon die Kapelle liegen. Der Anstieg ist steil. Ein Serpentinenweg (Markierung F 3 oder gelbe zwei) führt hinauf (nicht auf den kreuzenden Forstwegen weitergehen). Im oberen Teil kommt man an einem Steinbruch vorbei (die Informa­tionstafel ist kaum noch zu lesen).

Die Kapelle ist an sich nichts Besonderes, denn die Kapelle aus dem 14. Jahrhundert besteht nicht mehr. Nach wechselvoller Geschichte wurde 1815 die jetzige Kapelle errichtet. Hinter ihr befindet sich ein Außenaltar. Aber hier wird ein keltisches Quellheiligtum vermutet. Am Wochenende ist die Kapelle geöffnet.

Von der Rheinebene her haben die Menschen vom Weschnitztal Besitz ergriffen. Schon der Name „Weschenz“ - aus dem keltischen „Visgoz“, was soviel wie „zwei Quellbäche“ bedeutet - spricht für sich. Die Christen übernahmen die Opferstätte der Kelten und weihten sie der heiligen Walburga.

Etwas weiter oben (300 Meter) liegt der Kahlenbergstein (476 Meter). Er ist der wahrscheinlich älteste Grenzstein im Überwald von 1575. Außerdem  dokumentiert ein alter Wegweiserstein mit Orts- und Zeitangaben diesen Wanderweg als alten Handelsweg. Hier gibt es drei Generationen von Grenzsteinen zwischen Fürther und Hammelbacher Cent. Außerdem ist hier die Weschnitzquelle.

Darüber liegt der Kahlenberg. Die beherrschende Lage ermöglicht eine freie Weitsicht. Der Berg wurde auf Geheiß Karls des Großen 795 als Versammlungsort eines Schiedsgerichtes gewählt, das die Grenzen der neuen Mark Heppenheim festzulegen hatte. Es ging um  Besitzstreitigkeiten zwischen dem reichsunmittelbaren Kloster Lorsch einerseits und Mainz, Worms und  Amorbach (die sich die Königsmark Heppenheim teilten) andererseits. Diese Grenze galt danach fast tausend Jahre zwischen der Fürther Zent (Oberamt Heppenheim) gegenüber der Grafschaft Erbach, bis sie 1806 zur heutigen Kreisgrenze wurde. Von diesem Stein kann man auf dem ausholenden Panoramaweg zum Parkplatz zurückkehren.

Man kann aber auch, nachdem man zuerst dem Weg 3 gefolgt ist, nach links abbiegen in Richtung Wegscheide. Dabei läuft man in großem Bogen parallel zur Bundesstraße um den Kahlenberg herum auf dem „Steinbruchweg“ oder „Grenzweg“. Zwischen den Bäumen heben sich deutlich erkennbar unnatürliche Erhebungen an der Bergflanke ab, Spuren, die der einstigen Erzabbau am Kapellenberg hinterlassen hat. Erzgruben werden bereits 795 urkundlich erwähnt. Bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat man hier Mangan-Erz im Tagebau gefördert und teilweise vor Ort in primitiv Schmelzen verhüttet. Gänzlich erlosch der Erzabbau 1883.

Vom Naturparkplatz Wegscheide geht es steil zum Kahlenberg hinauf und von dort über die Walpurgiskapelle wieder zum Parkplatz (Odenwald, Seite 20).

 

 

Ober-Ostern

Entzücken erfaßt den Besucher beim Anblick des lieblichen Ostertals. Mit der Idylle einer Heimatfilm-Kulisse schlängelt sich das Teilstück der Deutschen Fachwerkstraße entlang des Osterbachs bergan. Einhard, der Biograf Kaiser Karls des Großen, fand die Gegend 735zu langweilig. Er schätzte das kaiserliche Lehen zwischen Gersprenz und Mümmling gering und zog mit seiner Frau nach Seligenstadt. Überliefert ist seither der alte Name des Ortes: „Osternaha“.

Der Name kommt vielleicht von „Moortal“. Tatsachlich findet man noch heute zwei bis drei Meter tief dunklen Moorboden unter der Grasnarbe. Schon drei Mal in der Vergangenheit hat man das Tal, das von unsäglich vielen Rinnsalen wie ein Schwamm bewässert wird, trocken gelegt: Im Jahr 1850 mit eingegrabenen Astbündeln, um 1900 mit ausgebohrten Eichenstämmen und 1937 mit - reichsarbeitsdienstlichen - Tonrohren, die noch heute die Drainage besorgen.

Die Sage erzählt auch etwas von der silbernen Ostara-Höhle, das ehemalige Silberbergwerk der Grafen von Erbach. Reich wurde damit niemand. Ergiebiger war der Abbau von Schwerspat, ein Mineral mit hoher Dichte, auch Baryt genannt, das man im 18. und 19. Jahrhundert säckeweise als feingemahlenes Mehl an Lebensmittelproduzenten verkaufte. Die mischten es unter Butter, Mehl und Zucker, um die Käufer im Gewicht zu betrügen.

Ober-Ostern ist noch ein richtiges Bauerndorf. Die weit auseinander liegenden Hofreiten gliedern sich seit dem neunten Jahrhundert vertikal vom Tal den Berg hinauf in so genannte Huben: im Tal die Weiden, darüber Ackerflächen, Höfe, riesige Ställe mit Milchvieh und Wald und unter dem Himmel die Almen.

Am Eingang des Ortes steht links die „Villa Kunterbunt“. Der 1900 als Schule entworfene Fachwerkbau zählt zu den wenigen Jugendstilgebäuden des Künstlers Josef  Maria Olbrich außerhalb der Mathildenhöhe in Darmstadt. Hier wird alljährlich das Bild eines großen Osterhasen aufgestellt, das ins Guinessbuch der Rekorde aufgenommen wurde. Bei der Gaststätte „Zum Ostertal“ gibt es einen Teich und viele freilaufende Haustiere.

 

Der historische Stollen am Ranzenberg entstand in den Jahren 1923 bis 1925 als Versuchsstollen auf Schwerspat. Der Stollen wird im Rahmen der Führungen des Regionalmuseums „Geologie für Kinder“ als Besucherstollen genutzt. Der Weg zum Stollen ist ab dem Gasthaus „Zum Ostertal" im Ortsteil Ober-Ostern ausgeschildert.

Wanderung in Elvira Klein, Odenwald, Seite 142. Den Osterhasen kann man übrigens doch noch in Ober- Ostern finden. Zwei Tischler bastelten im Jahr 2000 den größten Hampelmann-Osterhasen für das Guinessbuch der Rekorde.

 

Nach links biegt man ab nach Unter-Ostern. Links liegt das Freilandmuseum Keilvelterhof. Man fährt nicht rechts ab Richtung Mossautal, sondern fährt weiter durch den Ort und nach Reichelsheim.

 

Grasellenbach

Die Kur- und Erholungsgemeinde Grasellenbach besteht aus fünf Ortsteilen: Hammelbach (mit dem Sitz der Verwaltung und den beiden Kirchen), Wahlen, Gras-Ellenbach (Kneippheilbad mit dem Kurzentrum), Scharbach (mit der Tromm) und Litzelbach. Es existiert ein gut markiertes örtliches Wanderwegenetz (weißer Kreis mit Buchstaben „G“, „H“, „Wa“ und „S“ als Kürzel für die Ortsteile).

Im 8. Jahrhundert war der Ort ein Teil einer Schenkung Karls des Großen an das damals mächtige Kloster Lorsch. Im Jahre 795 wurde Alt-Hammelbach als „Richgisesbura“ erstmals erwähnt. Die erste urkundliche Erwähnung mit dem Namen Hammelbach und von Gras- Ellenbach geht auf das Jahr 1324 durch König Ludwig der Bayer zurück. Im Jahre 1320 wurde der Ortsteil Litzelbach als „Lützelbach“, und 1359 die Ortsteile Wahlen als „Waldau“ und Scharbach als „Scharpach“ erwähnt. Die Gemeinde hat eine außergewöhnliche Geschichtsträchtigkeit, liefen doch die Grenzen von Kurpfalz, Kurmainz und der Grafschaft Erbach durch die Gemarkung. Der Ort ging schließlich an Kurpfalz, 1803 an Hessen.

 

Sehenswürdigkeiten:

Das Zentgefängnis mit Pranger, Lindenstein, Krumme Tanne, Weschnitzquelle, Kalter Brunnen und das Hirtenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Daß ein bekannter und geschätzter Kurort eine Oase der Ruhe bleiben kann, dafür ist das Kneippheilbad Gras-Ellenbach im Odenwald beispielhaft. Selbst den Siegfriedbrunnen am nahen Spessartkopf braucht es als Anreiz für den Fremden nicht, das Überland, die einzigartige Mittelgebirgslandschaft, spricht für sich. Autofahrer können an der Post oder an der Nibelungenhalle parken

Für einen Ort, an dem sich derart Blutrünstiges abgespielt haben soll, wirkt die Gemeinde heute erstaunlich beschaulich. Das einzige Kneippheilbad im Odenwald lockt seine Gäste mit „lauschigen Plätzchen“, „saftigen Wiesen“ und „stimmungsvollen Seitentälern“. Doch die historische Komponente hat dem Dorf seit Entdeckung des Siegfriedbrunnens ein besonderes Flair gegeben und Touristen angelockt. Gaste können in Pension Kriemhildenruh oder im Gasthaus Gudrun übernachten und im Gasthaus Hagen speisen, bevor sie sich auf die Spuren der nordisch-germanischen Nibelungen begeben.

Die Gemeinde hat sich ganz den Nibelungen verschrieben. Kaum ein Hotel, das nicht Siegfried, Kriemhild, Gunter oder Hagen im Namen führt. Und zuletzt kam noch aus Anlaß der Feierlichkeiten „800 Jahre Nibelungenlied” ein neuer Nibelungenbrunnen vor der Nibelungenhalle hinzu.

 

Wanderung zum Siegfriedbrunnen:

Gegenüber der Bushaltestelle nimmt man an der alten Kastanie die Markierung rotes Kreuz auf und steigt mit ihr, unter dem gleichzeitigen Hinweis „Siegfriedbrunnen“, die Siegfriedstraße hinauf. Die wenigen Häuser, meist schmucke Pensionen, bleiben zurück. Beim kurzen Gang durch die Felder offenbart sich der ganze Liebreiz dieser schmalen Tallandschaft des Ulfenbaches, an dessen grünen Wiesenhängen auch rote Dächer in der Sonne leuchten. Dann schließt sich der Wald hinter uns für lange Zeit. Die hohe Fichte dominiert, doch die Ränder der Wege sind hell und freundlich aufgelockert durch Birken, Farn und Gräser.

Den steilen Waldweg hinauf zum Siegfriedsbrunnen säumen Werke des Künstlers Guntram Proschaska, der die Nibelungensage in Holzskulpturen nachgeformt hat. Vorbei an „Brunhild, der Unbesiegbaren“ und „Tarnkappen-Alberich“, der aussieht wie eine Figur von den Osterinseln, geht es Schritt für Schritt der Quelle entgegen.

Nach ständigem Anstieg weist die Markierung vom Hauptweg einen Haken zum Siegfriedbrunnen, der aus lose aufgesetzten Steinen rinnt. Der sagenhafte Ort auf der Waldlichtung ist unscheinbarer als erwartet: An dem Brunnen, an dem Siegfried sein Leben ausgehaucht haben soll, plätschert ein kleines Rinnsal aus dem moosigen Stein. Darüber steht ein gotisches Kreuz mit der eingravierten Strophe aus dem Nibelungenlied, das vom tödlichen Ende der Lindenblatt-Geschichte berichtet: „Er schoß ihm durch das Kreuzte, daß aus der Wunde sprang. Das Blut von seinem Herzen an Hagens Gewand.“

„Da der Herr Siegfried an der Quelle trank, traf Hagen ihn durch das Zeichen hindurch mit dem Speer, daß sein Herzblut im hohen Bogen aus der Wunde an Hagens Wams spritzte. Eine so schwere Untat kann heute kein Held mehr begehen.” So wird im „Nibelungenlied”, Strophe 981, der berühmteste Mord der deutschsprachigen Literaturgeschichte beschrieben. Wo aber war der Tatort? Das in der Zeit um 1200 entstandene Versepos läßt der Phantasie und freihändigen Lokalisierung immerhin soviel Raum, daß ein realer Hintergrund denkbar ist. Wenn schon Worms als Hauptstadt des Burgunderreiches und der nahe Odenwald als der edlen Recken liebstes Jagdrevier genannt wird, warum soll sich dann nicht auch Hagens Racheakt in Odins Wald abgespielt haben?

Seit der akribischen Namenserforschung durch den Geheimen Hofrat Dr. Knapp aus Darmstadt zur Mitte des 19. Jahrhunderts glaubt man zwischen Rhein und Main gerne daran, im Mittelpunkt der Heldensaga um die Nibelungen zu stehen. Danach meint man sogar nahe Grasellenbach die Quelle der Quellen entdeckt zu haben.

Der Darmstädter Hofrat Dr. Johann Friedrich Knapp brachte Mitte des vorigen Jahrhunderts diese Quelle mit der Nibelungensage in Zusammenhang. Bei seinen Forschungen war er 1844 im Wald oberhalb von Gras-Ellenbach auf die Quelle gestoßen und hatte geographische Ähnlichkeiten mit den Angaben im Nibelungenlied entdeckt. Danach fand die verhängnisvolle Jagd im Gebirge statt, und zwar im „Otenwalde“ oder auch „Waskenwalde“. Den Ort „Ottenhain“, wo die Siegfriedquelle fließen sollte, identifizierte er mit dem Flurstück nahe Gras- Ellenbach.

Die Zahl der Siegfriedbrunnen, die im Odenwald, den frühen Jagdgründen der Burgunder, plätscherten ist groß. Dies ist durchaus verständlich, denn der Dichter des Nibelungenliedes im 12. Jahrhundert machte über die Ortsangabe, an der der Recke Siegfried „wart erslagen“, nur vage Andeutungen. Platz zwei der „Echtheit“ nimmt der „Lindelbrunnen“ bei Hüttenthal, und an dritter Stelle steht eine Quelle in Odenheim zwischen Wiesloch und Bruchsal. Fand Siegfried am Lindelbrunnen in der Gemeinde Mossautal sein Ende? Oder wurde er gar im Reichenbacher Felsenmeer erdolcht? Weder noch, lautet die Antwort aus Gras-Ellenbach, denn die Gemeinde wähnt sich selbst auf dem wahren Nibelungenboden: Gras-Ellenbach nennt sich selbstbewußt „Nibelungendorf“ und feiert sein Brunnen-Jubiläum drei Tage lang.

 

Fortsetzung der Wanderung (wenn man nicht den gleichen Weg zurückgehen will) inElvira Klein, Odenwald, Seite 109.

Wanderung über Waldmichelbach ijnElvira Klein, Rhein-Main, 216).

Wanderung nach Hammelbach und Wahlen in Elvira Klein, Odenwald, Seite 70.

 

Hammelbach

Hammelbach wird 753 erstmals genannt, gehörte zu Kurpfalz und kam 1803 zu Hessen.

In Hammelbach steht eine gotische Kirchenruine und ein Pranger (Kirchen stehen nach Westen zu in der Schulstraße, Abzweigung Gasse, und im Südosten, Am Schwimmbad).

Am südlichen Ortsende ist ein natürlicher Springbrunnen (rechts in den Grasellenbacher Weg). Im Bereich des Ortes liegen im Norden die Weschnitzquelle (nach links in den Weschnitzquellenweg)  und im Westen die Ulfenbachquelle (Hammelbach?), die nach Süden fließt. Hier verläuft die Wasserscheide von Rhein, Main und Neckar.

In der Gaßbach östlich von Hammelsbach (keine Autozufahrt?) liegt ein Gasthaus, das Café Bauer mit einer Kaffeetassensammlung mit 1200 Tassen. In der Nähe ist die bekannte Felsenquelle, an der sich Frauen und Mädchen das Osterwasser holten und wo die Burgunder angeblich ihre Küche während der Jagd aufbauten.

 

Wanderungen

1. Höhenrückenweg Tromm nach Rimbach:

Wegebeschreibung: Vom Ortsteil Hammelbach, in dem die Wasserscheide von Rhein, Main und Neckar verläuft, folgen wir der OWK-Markierung „gelbes Andreaskreuz“ bzw. ab 1999 „umgedrehtes gelbes T“ in westlicher Richtung. Nach knapp einer Viertelstunde stoßen wir auf die örtliche Markierung „G 2“, der wir nach links zum Wagenberg und zum Brandschneiderkreuz folgen. Dort stoßen wir auf die OWK-Markierung „rotes Quadrat“ und folgen dieser nach links zum Schardhof (Einkehrmöglichkeit) und weiter zum Lindenstein (ND). Wenig später biegen wir mit Rundweg 1 des Naturparks nach rechts ab und kommen zum „Rimbacher Blick“ mit herrlicher Aussicht ins Weschnitztal, der Rheinebene bis zum Donnersberg. Unterhalb der Tromm stoßen wir auf die OWK-Markierung „weißes Dreieck“, der wir bergab folgen. Über die Fuhrhöfe erreichen wir Rimbach.

 

3. Nach Fürth durch das Gaßbachtal

Von Grasellenbach wandern wir erst mit „G 5“, dann mit „H 7“ das Gaßbachtal aufwärts nach Hammelbach. Unterwegs kommen wir an der bekannten Felsenquelle vorbei, an der sich Frauen und Mädchen das Osterwasser holten und wo die Burgunder angeblich ihre Küche während der Jagd aufbauten. In Hammelbach laufen wir am Rathaus vorbei und folgen Rundweg „H 5“ nach rechts zum Gasthof „Altlechtern“. Von hier führt uns Rundweg „F 3“ talwärts nach Fürth zur Haltestelle der Weschnitztalbahn.

 

Wahlen:

Am südlichen Eingang des Ortes soll links die Ruine einer ehemaligen Burg liegen, gleich bei den ersten Häusern auf der anderen Seite des Baches. Davon ist aber nichts zu sehen.

In Wahlen links ab Richtung Scharbach und Tromm.

Wenn man von dieser Straße nach Norden fährt, kommt man nach Hüttenthal. Wenn man dort im Richtung Westen fährt geht links die Molkereistraße ab. Dort ist die einzige Privatmolkerei Hessens, gegründet 19802, geführt von Kurt Kohlhage.

Waldmichelbach

Die Gemeinde wurde im 11. Jahrhundert von den Mönchen des Klosters Lorsch angelegt. Die Waldhufensiedlung „Michinbach“ wurde Mittelpunkt der gleichnamigen Zent und 1238 erstmals urkundlich erwähnt.

Im ehemaligen Fachwerk-Rathaus aus dem Jahre 1594 wurde das Überwälder Heimatmuseum eingerichtet. Schwerpunktthema ist der „Wald als Lebensgrundlage im Überwald“. Eine Besonderheit ist die über 250 Exponate umfassende Kleiderbügelsammlung. Dem Arzt und Heimatdichter Dr. Adam Karillon, Ehrenbürger von Wald-Michelbach, wurde ein eigenes Zimmer gewidmet. Verschiedene Ensembles aus einer alten Dorfschule, der Werkstatt des letzten Küfers im Überwald, Schuster-, Sattler- und Schneiderwerkstatt runden das Bild ab. Die Abteilung Bergbau weist auf den um die Jahrhundertwende florierenden Manganerzbergbau hin.

Einen Eindruck von der mühevollen Arbeit im Berg bekommt man beim Besuch des Besucherstollens der ehemaligen Grube Ludwig. Öffnungszeiten des Museums: Mitte März bis Ende Oktober: Do. von 15.00 Uhr - 18.00 Uhr, So. von 14.00 Uhr - 17.00 Uhr. Besucherstollen geöffnet an 3 - 4 Bergwerkstagen. Gruppenführungen auf Anfrage.

Im Ort gibt es außerdem das Stöwer-Museum für alte Autos, Eintritt frei, geöffnet am ersten Sonntag im Monat, und das Hamer-Schlößchen am Ulfenbach.

 

Wanderungen:

1. Nach Fürth über die Tromm

Von der Haltestelle „Amtsgericht“ gehen wir die Ludwigstraße aufwärts und biegen rechts in die Rudi-Wünzer-Straße ein. Ab hier folgen wir dem Rundweg „T2 des Naturparks nach Gadern und von dort links abbiegend, hinauf zum Tromm-Höhenweg. Hier stoßen wir auf die OWK-Markierung „rotes Quadrat“, der wir fortan bis zu unserem Wanderziel in Fürth folgen. Dieser Höhenweg, der zu den schönsten im Odenwald gezählt wird, bietet unvergeßliche Aussichtspunkte. Einkehrmöglichkeiten bestehen unterwegs auf der Tromm und am Schardhof.

Vom Ireneturm auf der Tromm hat man eine wundervolle Aussicht über die Höhe des Odenwaldes und das Ried bis in den Pfälzer Wald. Der Turm ist 23 Meter hoch und trägt den Namen der Prinzessin Irene, der Schwester des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen. Er wurde 1910 von der Ortsgruppe des OWK Wald-Michelbach erbaut und hat, dank seiner Verkleidung, den Witterungseinflüssen bis heute standgehalten.

 

2. Durch das Dürr - Ellenbacher Tal

Von der Haltestelle „Amtsgericht“ wandern wir die Ludwigstraße abwärts und laufen mit der OWK-Linie „gelber Punkt“ an Aschbach vorbei zu dem idyllisch gelegenen Forsthaus Dürr-Ellenbach, dem einzig erhaltenen Wohnhaus einer früheren Siedlung. Im Jahre 1939, vor der Eingliederung nach Aschbach, war Dürr-Ellenbach die kleinste selbständige Gemeinde Deutschlands mit 3 Personen: der Förster, sein erwachsener Sohn und eine Haushälterin. Ab hier folgen wir Rundweg „Ab 42 das stille und unberührte Dürr-Ellenbacher Tal abwärts. Am Talausgang stoßen wir auf den ältesten Waldlehrpfad Deutschlands. Wir folgen der Markierung „Ab 4“ um den Lannertskopf herum (herrlicher Blick auf Schönmattenwag und ins Ulfenbachtal) und laufen dann mit Rundweg „W 9“ zurück nach Wald-Michelbach.

 

Weschnitz:

Östlich von Weschnitz an der Nibelungenstraße ist der Parkplatz Kapellenberg mit einer  Schautafel mit Wanderwegen. Von dort läuft man zur Walpurgiskapelle. Der Weg führt zunächst schräg den Hang hinauf in Richtung zum mit lauter Holzkreuzen geschmückten Friedhof (keine Parkmöglichkeit). Links auf dem Berg sieht man schon die Kapelle liegen. Der Anstieg ist steil. Ein Serpentinenweg (Markierung F 3 oder gelbe zwei) führt hinauf (nicht auf den kreuzenden Forstwegen weitergehen). Im oberen Teil kommt man an einem Steinbruch vorbei (die Informationstafel ist kaum noch zu lesen).

Die Kapelle ist an sich nichts Besonderes, denn die Kapelle aus dem 14. Jahrhundert besteht nicht mehr. Nach wechselvoller Geschichte wurde 1815 die jetzige Kapelle errichtet. Hinter ihr befindet sich ein Außenaltar. Aber hier wird ein keltisches Quellheiligtum vermutet. Von der Rheinebene her haben die Menschen vom Weschnitztal Besitz ergriffen. Schon der Name „Weschenz“ - aus dem keltischen „Visgoz“, was soviel wie „zwei Quellbäche“ bedeutet - spricht für sich. Die Christen übernahmen die Opferstätte der Kelten und weihten sie der heiligen Walburga.

Etwas weiter oben (300 Meter) liegt der Kahlenbergstein (476 Meter). Er ist der wahrscheinlich älteste Grenzstein im Überwald von 1575. Außerdem  dokumentiert ein alter Wegweiserstein mit Orts- und Zeitangaben diesen Wanderweg als alten Handelsweg.

Hier gibt es drei Generationen von Grenzsteinen zwischen Fürther und Hammelbacher Cent. Außerdem ist hier die Weschnitzquelle.

Darüber liegt der Kahlenberg. Die beherrschende Lage ermöglicht eine freie Weitsicht. Der Berg wurde auf Geheiß Karls des Großen 795 als Versammlungsort eines Schiedsgerichtes gewählt, das die Grenzen der neuen Mark Heppenheim festzulegen hatte. Es ging um  Besitzstreitigkeiten zwischen dem reichsunmittelbaren Kloster Lorsch einerseits und Mainz, Worms und  Amorbach (die sich die Königsmark Heppenheim teilten) andererseits. Diese Grenze galt danach fast tausend Jahre zwischen der Fürther Zent (Oberamt Heppenheim) gegenüber der Grafschaft Erbach, bis sie 1806 zur heutigen Kreisgrenze wurde. Von diesem Stein kann man auf dem ausholenden Panoramaweg zum Parkplatz zurückkehren.

Man kann aber auch, nachdem man zuerst dem Weg 3 gefolgt ist, nach links abbiegen in Richtung Wegscheide. Dabei läuft man in großem Bogen parallel zur Bundesstraße um den Kahlenberg herum auf dem „Steinbruchweg“ oder „Grenzweg“. Zwischen den Bäumen heben sich deutlich erkennbar unnatürliche Erhebungen an der Bergflanke ab, Spuren, die der einstigen Erzabbau am Kapellenberg hinterlassen hat. Erzgruben werden bereits 795 urkundlich erwähnt. Bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat man hier Mangan-Erz im Tagebau gefördert und teilweise vor Ort in primitiven Schmelzen verhüttet. Gänzlich erlosch der Erzabbau 1883.

Vom Naturparkplatz Wegscheide geht es steil zum Kahlenberg hinauf und von dort über die Walpurgiskapelle wieder zum Parkplatz (Odenwald, Seite 20).

 

Tromm

In Wahlen links ab in Richtung Scharbach und Tromm. Die Trommstraße macht eine Spitzkehre nach Norden. Nach Westen geht davon der Birkenweg ab, der auf die Straße „Auf der Tromm führt. Hier ist in Nummer 13 das Hoftheater von Jürgen Flügge, wo der „Trommer Theatersommer“ durchgeführt wird.

Der Berg Tromm ist ein knapp 600 Meter hohes Bergmassiv, das sich von Fürth bis Wald-Michelbach erstreckt. Es ist eine reizvolle Landschaft am Übergang vom vorderen zum hinteren Odenwald, oder in der Sprache der Geologen ausgedrückt: an der Grenze zwischen westlichem kristallinem (Granit) und östlichem Bundsandstein-Odenwald.

Anfahren kann von Hammelbach über Litzelbach und Scharbach, von Wahlen über Scharbach, von Affolterbach über Kocherbach, aber jeweils über das Dorf Tromm und zum Parkplatz

Auf dem Gipfel (aber etwas vom Parkplatz entfernt) steht der 23 Meter hohe Irene-Turm, genannt nach Prinzessin Irene von Hessen (1866-1953), Schwester des letzten hessischen Großherzogs. Gebaut wurde der Aussichtsturm 1893 vom Odenwaldclub und im Jahre 1900 erneuert. Von seiner Plattform schweift der Blick über Odenwald und Rheinebene bis zum Pfälzer Wald.

 

 

Affolterbach

Naturparks im behördlichen Sinn sind abgegrenzte Landschaften, die offiziell als Erholungsgebiete ausgewiesen und von Gemeinden, Kreis- und Forstverwaltung entsprechend gepflegt werden. Naturpark Spessart, Bergstraße-Odenwald, Hoch- und Rheintaunus - es gibt mehr als fünfzig in Deutschland. Wenn auf eine Landschaft die Bezeichnung Naturpark in ihrer ursprünglichen Bedeutung des Gewachsenseins zutrifft, dann ist es der südliche Odenwald in seiner Geschlossenheit der Wälder, Berge und lieblichen Täler, eine Oase der Ruhe für den Wanderer.

Überwald nennt sich dieses Gebiet, das schon zum Neckar hin ausgerichtet ist in einer Höhe zwischen dreihundert und sechshundert Metern. Etwa zwanzig Ortschaften gehören dazu, bekannte wie Grasellenbach oder Wald-Michelbach, in der Mehrzahl jedoch Weiler, hineingetupft in die Täler des Steinach-, Ulfenbach- oder Finkenbachtales. Über die Höhenrücken im Bereich der beiden letzten zieht unser Wanderweg, ausgehend von Affolterbach.

 

Waldmichelbach:

Die Gemeinde wurde im 11. Jahrhundert von den Mönchen des Klosters Lorsch angelegt. Die Waldhufensiedlung „Michinbach“ wurde Mittelpunkt der gleichnamigen Zent und 1238 erstmals urkundlich erwähnt. Später kam es  zu Kurmainz.

Katholische Laurentiuskirche ist von 1739, evangelische Kirche von 1752.

Im ehemaligen Fachwerk-Rathaus aus dem Jahre 1594 wurde das Überwälder Heimatmuseum eingerichtet. Schwerpunktthema ist der „Wald als Lebensgrundlage im Überwald“. Eine Besonderheit ist die über 250 Exponate umfassende Kleiderbügelsammlung.

Dem Arzt und Heimatdichter Dr. Adam Karillon(1853–1938), Ehrenbürger von Wald-Michelbach, wurde ein eigenes Zimmer gewidmet. Verschiedene Ensembles aus einer alten Dorfschule, der Werkstatt des letzten Küfers im Überwald, Schuster-, Sattler- und Schneiderwerkstatt runden das Bild ab. Die Abteilung Bergbau weist auf den um die Jahrhundertwende florierenden Manganerzbergbau hin. Einen Eindruck von der mühevollen Arbeit im Berg bekommt man beim Besuch des Besucherstollens der ehemaligen Grube Ludwig. Öffnungszeiten des Museums: Mitte März bis Ende Oktober: Do. von 15.00 Uhr - 18.00 Uhr, So. von 14.00 Uhr - 17.00 Uhr.

Im Ort gibt es außerdem das Stöwer-Museum für alte Autos, Eintritt frei, geöffnet am ersten Sonntag im Monat, und das Hamer-Schlößchen in Aschbach am Ulfenbach (die Hammerstraße geht rechts von der L 3105 Richtung Affolterbach ab)

Östlich von Aschbach liegt (nur zu Fuß zu erreichen, „gelber Punkt“) das idyllisch gelegene Forsthaus Dürr-Ellenbach, dem einzig erhaltenen Wohnhaus einer früheren Siedlung. Im Jahre 1939, vor der Eingliederung nach Aschbach, war Dürr-Ellenbach die kleinste selbständige Gemeinde Deutschlands mit 3 Personen: der Förster, sein erwachsener Sohn und eine Haushälterin.

 

Heddesbach:

Ruine Harfenberg, erbaut um 1200 von Bligger III. von Steinach, Sohn des Minnesängers Bligger II. Bligger III. nahm für sich und sein Geschlecht den Namen „Harfenberg“ an (Harfe im Wappen), das 1322 ausstarb.

 

Schönmattenwag (Ober-, Unter-) Schönmattenwag):

»Schimetewoog« = schäumende Woog = Teich heißt es im Odenwälder Dialekt.

In Unter-Schönmattenwag gibt es die barocke katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist (1719 bis 1779), die  ab 1755 nach Plänen des Mainzer Architekten Jakob Schneider erbaut wurde Die ursprünglich barocke Innenausstattung ist weitestgehend erhalten, Altäre und Kanzel wurden 1789 geschaffen. Das Turmgeschoß der Kirche war einst Chor einer 1461 von den Herren von Hirschhorn erbauten Kapelle.

[Nach rechts geht es in die Raubach, vielleicht zusammen mit Amt Rothenberg].

 

Raubach:

Raubach und Kortelshütte sind Gründungen des 18. Jahrhunderts. In den Wäldern um Rothenberg wird vor allem der Rothirsch gehegt.

Die Raubach besteht aus drei Gasthöfen und einigen Wohnhäusern. Und doch hat Raubach einen legendären Ruf im Überwald. Den verdankt es dem Raubacher Jockel, mit bürgerlichem Namen Jakob Ihrig, einem Original, das von 1866 bis 1941 lebte. Er war Gemeindediener, Totengräber, Feldschütz, Köhler, Uhrmacher, Töpfer, vor allem aber Musikant, der sechs Instrumente beherrschte. Sein Mutterwitz und seine Streiche sind noch heute im weiten Umkreis bei den Einheimischen in aller Munde. Selbst den Grafen von Erbach-Fürstenau duzte er respektlos, als dieser ihm eines Tages im Wald begegnete und nach dem Weg bis Raubach fragte. „Doo muscht erscht de Buckel nuff, dann de Buckel nunner und dann wirrer enuff und nochher kimmscht in die Raubach.“ Der Graf, verärgert ob der Anrede, wies den Jockel zurecht, doch der antwortete ungerührt: „Wenn de aach de Graf bischt, gehste net de Buckel enuff un wirrer nunner, kimmscht de del Lebtag riet in die Raubach.“ Liebevoll pflegten die Raubacher das Grab ihres Jockels auf dem kleinen Waldfriedhof.

Rothenberg. (nördlich Hirschhorn)

Im Jahre 1353 erstmals urkundlich erwähnt wurde es als Lehen vom Kaiser an die Herren von Hirschhorn gegeben. Es ist Mittelpunkt des Amtes Rothenberg. Seit 1806 gehört Rothenberg zu Hessen.

Evangelische Kirche von 1882 ist Nachfolgebau einer Wehrkirche

Die Alte Pumpe ( L 3410 zwischen Rothenberg und Kortelshütte) wurde 1902 erbaut mit einem Antrieb durch den Schmid‘schen Wassermotor (Unikat).

 

Mossautal:

„So lang wie Mosse“ sagt man im  Volksmund). Es ist ein typisches langgestrecktes Straßendorf im mittleren Odenwald. Im Jahre 1443 wird Kirch-Mossau genannt. Die Johanniterkirche ist aus dem 12. Jahrhundert. Seit 1558 heißt der Ortsteil Ober-Mossau. Interessant sind die Waldhuben- oder Waldhufenhöfe und Dörfer, deren älteste Formen sich im Odenwald befinden (Reihendorf in Rodungsgebieten, bei dem sich der Landbesitz des Eigentümers in gereihten Streifen an die Hofanlage anschließt).

 

Unter-Mossau:

Natur- und Wildpark „Brudergrund” mit seinem Rot- und Damwild. Und wo sonst ein Kassenhäuschen die Besucher empfängt, steht lediglich ein geschnitztes Schild mit einem röhrenden Hirschen, der Eintritt ist frei.

 

Rehbach (westlich von Michelstadt):

Glaubt man einer römischen Sage, nimmt das Dorf plötzlich ganz andere Dimensionen an: An seiner Stelle in der Rehbacher Gemarkung soll einmal eine „blühende Stadt” mit Namen Klein-Worms gestanden haben. Doch über den sagenhaften „verflossenen Reichtum” schweigen die historischen Quellen, von einer „versunkenen Stadt” sind aber bislang keine Spuren zu entdecken.

Neben der Landwirtschaft gab es noch einen anderen Erwerbszweig: eine im Rehbacher Tal - stellenweise im Tagbau - betriebene Roteisensteingewinnung. Eine alte Odenwälder Eisenhammer-Chronik berichtet, daß erstmals 1576 für einen Schmelzofen die neue Bezeichnung „Hochofen” zu hören war. Aus jenen Aufzeichnungen geht hervor, daß der gräflich-erbachische Hochofen zu Rehbach die Erze aus den Gruben zu Mossau und Momart verarbeitete. Schon bald aber wurde der in Rehbach stationierte Hochofen in das gräfliche Hammer- und Hüttenwerk bei Michelstadt verlagert.

Mauerfragmente deuten darauf hin, daß der gefällig in die Landschaft eingebettete Rehbacher See im Mittelalter ebenfalls in Beziehung zur Erzgewinnung stand: Die Altvorderen hatten das Gewässer zur Waschung des Erzgesteins angelegt. Überliefert ist weiter, daß eine Serie haushoher Schlackenhalden in Rehbach und Umgebung - also Rückstände aus der Eisengewinnung - im Ersten Weltkrieg „in außerordentlich großen Mengen” abtransportiert wurden; das Abfallmaterial wurde in neuzeitlichen Hochöfen nochmals verhüttet.

 

Noch zwei Jahre nach Friedensschluß nach dem Dreißigjährigen Krieg war Rehbach „menschenleer”. Schließlich wurden die Ackergründe im Jahre 1690 zu drei Hofgütern zusammengefaßt und in Erbpachtbewirtschaftung gegeben, jedoch nicht an Einheimische: Pächter aus Tirol und aus der Schweiz übersiedelten nach Rehbach.

In Rehbach findet man zwei alte herrschaftliche Höfe. Einer liegt südlich der Bundesstraße.  Der andere liegt an der Abzweigung nach rechts nach Brombachtal. Dieser „Hohenloher Hof“ ist das größte Hofgut im Odenwald. Dort sind im Kuhstall nahe der Straße romanische Säulen zu sehen. Heute ist der Hof ein Reiterhof  mit  Lamas.

Am Ortsausgang links ist der Friedhof mit einem auffälligen Chorturm. Dieser gehörte zu einer aus dem zwölften Jahrhundert stammenden Kirche. Zunächst gehörte diese Kirche den Benediktinern in Steinbach. Nach 1200 stand das Gotteshaus für längere Zeit unter dem Patronat des Ordens der Johanniter mit Stützpunkt in Ober-Mossau. Im Dreißigjährigen Krieg blieb von dem ganzen Dorf nur der Turm erhalten. Als ältestes Rehbacher Baudenkmal wurde der 1860 renovierte und mit einem Satteldach versehen und in jüngster Zeit bei der Errichtung der Friedhofskapelle integriert.

Links vom Eingang des Friedhofs erinnern steinerne Särge an eine noch ältere Epoche Rehbachs. Für wen diese aus einem Stein gehauenen Särge aus der Karolingerzeit einmal bestimmt waren, ist ungeklärt. Wahrscheinlich stehen sie im Zusammenhang mit der Einhardsbasilika im Stadtteil Steinbach. Einer soll einen verzierten Deckel gehabt haben. Sie wurden die Mitte des 19. Jahrhunderts ausgegraben.

Auf der knapp 300 Meter hohen Rehbacher Höhe steht rechts die Russeneiche (erst zu sehen, wenn man ganz oben ist), die schon von weither sichtbar ist. Das mehrhundertjährige Naturdenkmal, wiederholt vom Blitz getroffen, hat alle Wirrnisse der Vergangenheit gut überstanden. Unter dem heute knapp 30 Meter hohen Baum - sein Umfang beträgt fast sechs Meter - sollen im Jahre 1813 russische Soldaten gelagert haben. Daraufhin haben die Rehbacher den Baum einfach „Russeneiche“ genannt. So will es zumindest die Legende. Tatsache ist, daß im Jahre 1813 etwa 900 Russen im benachbarten Höchst einquartiert waren. Wahrscheinlich gehörten sie zu den Truppen, die Napoleon auf seinem Rückzug verfolgten.

 

In Langenbrombach geht es links ab nach Kirchbrombach. Dort kann man die St. Alban geweihte Wehrkirche besichtigen. Die Fahrt geht weiter Richtung Nieder-Kinzig. Vor dem Ort geht es links ab nach Mittel-Kinzig, Ober-Kinzig und Richtung Hummetroth. Vor dem Ort geht es rechts ab (an der „Villa Haselburg“ vorbei) in Richtung Höchst.

 

Brombachtal: (nicht zu verwechseln mit „Brombach“ östlich von Heddesbach)

Kirchbrombach:

Die Kirche hat einen Schnitzaltar aus der Riemenschneiderzeit (er zeigt den Heiligen Alban mit einem Plan der Stadt Mainz im Hintergrund) und ein Kruzifix von Riemenschneider. Etwas oberhalb in der Straße ist der Burghof.

 

Der Sattelhof Balsbach wird 1426 erstmals erwähnt, seine einstige Nutzung war als kaiserlicher Jagdhof, im Jahre 1784 wurde das Wohnhaus umgebaut, 1844 erfolgte ein Scheunenanbau und 1935 der Neubau eines Stalls mit Tenne.

 

 

Hummetroth-Haselburg                                                                         Führungsblatt 55

Zufällig war 1979 auf einem landwirtschaftlich genutzten Gelände beim Verlegen einer Erdgas-Pipeline zwischen der Sowjetunion und Frankreich eine römischeVilla entdeckt worden.

Völlig überrascht waren Fachkreise allerdings nicht, auf Mauerwerk gestoßen zu sein. Schon vor 180 Jahren wußte man von Häuserresten römischen Ursprungs. Untersuchungen im Auftrag Graf Franz zu Erbach-Erbach ergaben, daß es sich um ein Kastell handele. Das dabei zutage geförderte Steinmaterial findet sich noch heute in mancher Häuser- und Scheunenwand umliegender Dörfer wieder. Der „Steinbruch“ verfiel alsbald einen Dornröschenschlaf. Die vornehmlich dort wuchernden Haselnußsträucher gaben der wieder zum Leben erwachten Ausgrabungsstätte ihren jetzigen Namen „Haselburg“.

Unter den rund 300 in Hessen bisher bekannten römischen Villen (villae rusticae) ist die Haselburg bei Hummetroth eine der größten Anlagen. Solche „Villen“ waren eine Art „Aussiedlerhof“, einzeln liegende Gutshöfe oder größere Gutsbetriebe, von denen aus das Land bewirtschaftet wurde. Die Haselburg ist erbaut auf der Hochfläche zwischen Gersprenztal im Westen und Mümlingtal im Osten, rund viereinhalb Kilometer südwestlich von Höchst im Odenwald. Wenig westlich der Anlage entspringt einer der Quellzuflüsse des Flüßchens Kinzig. Sie liegt an der Grenze zwischen Sandstein-Odenwald und Vorderem (Granit-) Odenwald, bei einem der wenigen Kalkvorkommen des Mittelgebirges. Sie hat ihren Namen von den früher an drei Seiten auf den damals noch vorhandenen Schuttwällen der Umfassungsmauer dicht wachsenden Haselstauden.

Die Römer waren nicht die ersten, die hier auf der Hochfläche siedelten. Grabfunde aus vorgeschichtlichen Zeiten belegen. daß das Mittelgebirge zumindest in seinen Randzonen schon früh erschlossen wurde. Bei der Grabung 1985 fanden sich ein Hockergrab vom Ende der Jungsteinzeit (3. Jahrtausend v.Chr.) mit einem großen Gefäß (hinten links) sowie Gräber aus frühkeltischer Zeit (4./3. Jahrhundert v. Chr.) mit Gefäßbeigabe und Trachtbestandteilen aus Eisen und Bronze, dabei ein prächtiger Scheibenhalsring mit Koralleneinlagen. Ein Zusammenhang des Kultbezirkes mit in der Nähe liegenden über 400 Jahre älteren keltischen Bestattungen ist nicht gegeben.

 

Der Gutshof entstand wohl im zweiten Viertel des 2. Jahrhunderts n.Chr., nachdem um 90 n. Chr. das Land unter römische Herrschaft gekommen und um 100 n.Chr. der Odenwaldlimes angelegt worden war, der um 159 an den Main vorgeschoben wurde. Er lag auf dem Gebiet des zivilen Verwaltungsbezirkes civitas Auderiensium mit dem Hauptort Dieburg, gegründet zwischen 120 und 130 n.Chr. Der Besitzer war sicher ein wohlhabender Mann, der vielleicht hier nur seinen Landsitz hatte und sonst in der Stadt, dem Verwaltungssitz Dieburg tätig war. 

Sein Ende fand er wie die anderen römischen Siedlungen im rechtsrheinischen Gebiet um 260 n.Chr., als unter dem Ansturm germanischer Stämme der Limes aufgegeben und die Grenze des Römischen Reiches an den Rhein zurückverlegt wurde.

Die Umfassungsmauer mit Seitenlängen von 183,5 Meter der Südwest- und Nordostseite und 185,5 Meter der Nordwest- und Südostseite umschließt einen fast quadratischen Hofbezirk von knapp 3,5 Hektar Fläche. Bisher wurde ein Tor mit 3,60 m Durchfahrtsbreite etwa in der Mitte der Nordwestseite aufgedeckt (in der Nähe des Parkplatzes); nach alten Berichten wurden an ihm um 1880 „zwei mächtige Sandsteinquader mit eingelassenen Torpfannen ausgebrochen“.

Seine Grundmauern sind heute restauriert, ebenso wie die vier Ecken der Hofmauer, und lassen zusammen mit Hecken, die zur Verdeutlichung im Verlauf der Mauern gepflanzt sind, die Gesamtausdehnung des Gutshofes hervorragend überblicken. Ein weiteres Tor lag vielleicht in der Nordostmauer nahe der Ostecke, wo die geophysikalische Prospektion einen nach außen springenden Mauerwinkel andeutet. Ein früher vermutetes Tor an der Südostseite ist bisher nicht gefunden.

 

Die Idealrekonstruktion eines römischen Gutshofes sieht so aus: Die Höfe sind stets nach einem ähnlichen Schema gebaut. Innerhalb einer steinernen Umfassungsmauer, die den Hofbezirk einschloß. stand ein repräsentatives Wohnhaus für den Besitzer. Mit Vorliebe hat man das Herrenhaus an einen sonnigen Hang oder auf eine beherrschende Höhe mit schöner Aussicht gebaut. Dieses Haus, das wohl auch von einem Ziergarten umgeben war, überschaute einen ausgedehnten Wirtschaftshof, in dem sich Ställe, Scheunen, Schuppen und die Unterkünfte von Sklaven oder anderem Gesinde befanden; die Wirtschaftsgebäude konnten aus Stein oder aus Fachwerk bestehen.

Der Plan der Haselburg zeigt die Gesamtausdehnung und die Bebauung des Gutshofes, soweit er bis jetzt ergraben oder geophysikalisch prospektiert wurde und ergänzt werden kann. Innerhalb der Umfassungsmauer mit einem Tor auf der Nordwestseite lag nicht ganz zentral das Jupiterheiligtum und in der Mitte der Osthälfte das Hauptgebäude (Herrenhaus). Östlich daran anschließend befand sich ein rechteckiger ummauerter Bereich mit Pfostenstellungen, dabei ein Keller, zweifellos ein Wirtschaftstrakt. An die Nordostmauer waren in Stein und Holz Schuppen angebaut. Ein bisher nur aus der geo-elektrischen Prospektion bekannter, nach außen gerichteter Maueransatz könnte für ein weiteres Tor in diesem Bereich sprechen. Südlich vor dem Herrenhaus fand sich ein Wasserbecken, nach der Mitte zu ein Mauerwinkel von einem größeren Gebäude oder abgetrennten Hofbereich. In der Südecke, an die Hofmauer der Südwest- und der Südostseite angebaut, lag ein größeres, unterteiltes Wohn-(?) Gebäude. Drainagen und Kanäle durchziehen die Anlage, deren Wasserversorgung von den westlich und nordwestlich in höherhegendem Gelände entspringenden Quellen her erfolgt sein muß.

 

Die Beschreibung der Einzelheiten folgt dem auf einem in der römischen Villa ausliegenden Merkblatt vorgeschlagenen Rundgang (Beginn an der Nordostseite):

 

1.) Kopie einer Säulentrommel der Jupitergigantensäule aus dem Heiligtum. Sie stand etwa in der Hofmitte, etwa 50 Meter westlich vom Hauptgebäude entfernt. Wenn man durch das Nordwesttor in den Gutsbezirk kam, gelangte man an dem Jupiterheiligtum vorbei zum Hauptgebäude. Es kann als Glücksfall gelten, daß hier einmal der genaue Standort einer Säule festgestellt worden ist. Meist finden sich nur die Bruchstücke der als heidnische Götzenwerke zerschlagenen und vergrabenen Säulen. Dieses Schicksal hat allerdings auch die Säule von der Haselburg erlitten.

Die Säule bestand aus zwei mehrseitigen Sockeln mit Götterdarstellungen und einem hohen Schaft, darauf eine Gruppe, bestehend aus Jupiter zu Pferd und einem Giganten. Die - übliche - Jupitergigantensäule des Gutshofes war ungewöhnlich groß. Sie stand in einem rund 17 x 10 Meter großen rechteckigen, durch eine Innenmauer geteilten Mauergeviert.

Daneben ist das Modell einer römischen Wasserleitung zu sehen, wie sie im unteren Hofgelände in 1,8 Meter Tiefe gefunden wurde. Der Wirtschaftstrakt wurde durch einen Wasserkanal mit Frischwasser versorgt. Das Modell zeigt im Maßstab 1:1 den Aufbau des Kanals und ist aus Originalbauteilen errichtet.

2.) Darstellung eines Anbaues (annex) durch Plattenreihen. Es wurden keine Mauern errichtet, weil der Annex aus einer anderen Bauphase stammt als die halbrunde Apsis. Der Zweck des Annex ist noch unbekannt.

 

3.) Auf der Plattform, Schild am Geländer, Blick nach Südwesten.

Vorn das Herrenhaus der Villa; rechts der Wohntrakt. links Hof oder Garten, umgeben von einem Säulengang (einer Portikus). Dahinter liegt das Bad. Hinter den Bäumen befindet sich das Heiligtum, Standort der Jupitergigantensäule. Halbrechts sieht man das rekonstruierte Tor, ganz hinten rechts oben ist die Westecke, links unten die Südecke der Umfassungsmauer. Vor der Südecke wurde durch Erdwiderstandsmessungen der Grundriß eines 15 x 20 Meter großen Gebäudes mit 50 Meter langer Hofmauer ermittelt.

4.) Blick nach Südosten. Vorn Wirtschaftsgebäude oder Wirtschaftshof mit überdachtem Umgang (Portikus). Links Umfassungsmauer, daran angebaut kleines Gebäude. Im Hintergrund unten rekonstruierte Ostecke der Umfassungsmauer. Am Horizont Sendemast des Hessischen Rundfunks bei Würzberg an der Stelle eines römischen Limeswachturms.

5.) Nordostseite der Anlage und Rekonstruktionszeichnung der Villenansicht von Nordosten. Gebäudehöhen und Tür- und Fensteranordnungen sind von bestehenden Rekonstruktionen abgeleitet.

6.) Abflußkanal, original, früher abgedeckt. Im unteren Bereich rekonstruiert.

 

7.) Anbau (Annex) an die Umfassungsmauer: Kleines Wirtschaftsgebäude oder kleiner Torbau, dahinter Fundamentsteine für Holzpfosten eines Daches. Von hier führte ein Streifen Granitgrus (der Rest des Unterbaus eines Weges?) vor die Mitte des Herrenhauses.

Etwa 20 - 30 Meter südlich vom Annex bezeichnet ein Viereck aus Buchsbaum ein Wasserbecken aus römischer Zeit, vielleicht eine Zisterne.

 

8.) Großes Wirtschaftsgebäude oder Wirtschaftshof. Vielleicht stand hier ein Vorgängerbau. Er kann nicht mit dem Herrenhaus zusammen bestanden haben. Oder es war ein Wirtschaftshof, der einen umlaufenden Portikus mit Unterstellmöglichkeit für Geräte und Vieh enthielt. Zwei originale Fundamentsteine, die Pfosten eines Gebäudedaches oder eines Portikusdaches trugen. Ein originaler Stein mit eingemörtelter Öse. Hinten rechts Aufschüttung zum Schutz moderner Versorgungsleitungen.

Das eigentliche Wirtschaftsgebäude des Gutshofes sind noch nicht ergraben, mit Ausnahme einiger östlich des Hauptgebäudes an die Umfassungsmauer angelehnten schuppenartigen Überdachungen. Von diesen war ein Raum aus Stein erbaut, die anderen nur an Unterlegsteinen für Holzpfosten erkennbar und unbekannt, ob offen oder mit geschlossenen Wänden. Ein Wasserbecken unterhalb des Hauptgebäudes mag Wirtschaftszwecken gedient oder auch nur Wasser für einen Nutzgarten oder zur Tränkung des Viehs geliefert haben.

Ob der Mauerwinkel südwestlich des Herrenhauses von einem Gebäude stammt, ist noch ungewiß. Vielleicht war es nur eine Mauer zur Abtrennung eines Teiles des Hofbezirks, wie es auch für eine Pfostenreihe im nordwestlichen Hofbereich anzunehmen ist. Weitere Gebäude sind also noch zu erwarten.

Ein größeres Steingebäude wurde schon 1886 teilweise ausgegraben. Es lag - verbunden mit der Hofmauer - in der Südecke. Die geophysikalische Prospektion der vergangenen Jahre hat seine Ausmaße erbracht. Danach war es ein rechteckiger Bau von insgesamt etwa 22,5 Meter Länge und 15 Meter Breite, der durch eine Längsunterteilung (im schmäleren Teil eine oder zwei Querteilungen) gegliedert ist. Aus dem Grundriß geht nicht klar hervor, ob es sich um ein Wohn- oder ein Wirtschaftsgebäude handelt.

Etwa 16 Meter vor dem Gebäude läuft parallel zur Umfassungsmauer der Südwestseite eine Struktur, vielleicht eine Hofabtrennung, die mindestens 50 Meter weit zu verfolgen ist. Eine sichere Deutung ist, wie auch bei anderen Strukturen, allein aufgrund des Meßbildes nicht möglich.

 

9.) Rekonstruktion des Kellers: In einer römischen Villenanlage ist ein Keller (vermutlich mit darüberliegender Küche) außerhalb des Hauses nicht üblich. Der vorgefundene Keller mit seitlichem Zugang war stark zerstört. Er mußte mit Rücksicht auf die darunterliegende Ferngasleitung etwas erhöht und versetzt neu aufgebaut werden. Dieser Bauteil war sicher ein Wirtschaftstrakt mit Küche, Vorratsräumen, Öfen, Herden und anderem mehr. Wahrscheinlich war es ein großer, hallenartiger Bau mit Pfostenstützen und Innenteilungen.

Aber es ist noch nicht geklärt,  welche Mauern überhaupt gleichzeitig bestanden haben und wie der Keller in den Komplex eingebunden war. Die verbindende Mauer steht nicht auf römischen Fundamenten. Der Keller ist innen wie außen mit Sandsteinen verkleidet, besitzt einen Steinfußboden (früher einen Dielenfußboden) und eine Holzdecke und enthält einige Bauteile als Anschauungsmaterial und das Modell eines Raumes mit Hypokaustheizung.

Links die Nachbildung eines Reliefsteines, der drei Fruchtbarkeitsgöttinnen (Matronen) eines keltisch-germanischen Kultes vom römischen Niederrhein zeigt. Das Original unbekannter Herkunft befindet sich in Mümling-Grumbach, aber die ursprüngliche Herkunft ist unbekannt.

 

10.) Wohntrakt der römischen Villa:

Das Hauptgebäude geht in seinem Grundriß auf den in unseren Breiten ungewöhnlichen und von den Römern aus dem östlichen Mittelmeerraum übernommenen Typ des Peristylhauses zurück. In der Mitte ein Saal mit Apsis als Wohn- oder Empfangsraum (oecus), in dessen Apsis das C-förmige Speisesofa (triclinium) stand. An beiden Seiten Eß- und Schlafräume, wenn das Haus Wohnzwecken gedient hat. Sonst wäre es auch möglich, daß es sich um Versammlungs- und Speiseräume gehandelt hat. Die Räume waren teilweise mit einer Unterflur-Wand-Heizung (Hypokaustum) versehen. Apsis und der westlich anschließende Raum waren durch Hypokaustanlagen teilweise heizbar, der östliche Raum erwärmbar.

Die Mauerverstärkungen an den Enden der hinteren Räume deuten darauf hin, daß die Räume teilweise überwölbt waren. Im Eingang liegt die originale Türschwelle aus Sandstein mit Türanschlag und Löchern für Riegel und Türflügelstützen.

Vielleicht war links vorne ein Schlafraum (cubiculum) und links hinten ein teilweise geheizter Speiseraum (triclinium). Vielleicht war rechts vorne ein Schlafraum und rechts hinten ein Speiseraum für den Sommer.

Die Ausstattung war prächtig genug mit Wandmalereien, nach Funden von Bauteilen (Verkleidungsziegeln) wahrscheinlich auch bemalten Decken und verglasten Fenstern. Außen war der Bau verputzt und weiß, der Sockel rot gestrichen. Einige Räume waren durch Hypokaustanlagen teilgeheizt (Zirkulation von in Feuerungskanälen erhitzter Luft unter dem auf Ziegelpfeilern hohl liegenden Estrichfußboden und, durch kleine Kamine aus Hohlziegeln in den Wänden). Die Dächer waren mit Ziegeln gedeckt.

Vor dem Wohntrakt befand sich ein Hof oder Garten (Gartenhof, peristylium), der an drei Seiten umgeben war von einem überdachten Gang (Säulengängen, Portikus). Das Dach wurde von Holzpfosten getragen, die auf der Einfassungsmauer des Gartenhofes standen. Die Quermauern dienten vielleicht zum Gefälleausgleich oder stammen von verschiedenen Bauphasen. Im Hof liegt ein Stück des originalen Abwasserkanals frei, der vom Keller kommend am, Badetrakt vorbeiführt.

 

11.) Badetrakt der römischen Villa:

Das an der Südwestecke angebaute Badegebäude ist über die Säulengänge des Gartenhofes erreichbar, in deren Apsiden sicher Statuen standen. Das Bad enthält alle Räume, die auch in großen Thermen zur Verfügung waren. Gewöhnlich badete man von Warm nach Kalt, doch war dies dem Geschmack des einzelnen überlassen.

 

 

Hinten rechts befindet sich der Feuerungsraum mit Feuerstelle (praefurnium) für die Unterflurheizung (hypokaustum). Heizkanäle führen in die angrenzenden Räume. An der Oberseite des Präfurniums ist eine Öffnung für den Metallkessel (testude), aus dem das heiße Wasser im Überlauf in das Warmwasserbecken des Warmbades floß.

Hinten links ist der Warmbaderaum (caldarium) mit Hypokaustum. Dahinter ist ein Anbau für die Warmwasserwanne. Die Grundmauern der Warmwasserwanne und Plattenreihen am Boden deuten auf einen älteren Bauzustand, der bedeutend kleiner war.

Mitte links der Lau-Baderaum (tepidarium) mit Hypokaustum, aber niedrigerer Temperatur wegen der größeren Entfernung von der Feuerstelle. Er diente zur Anpassung des Körpers an die Temperaturunterschiede zwischen Warm- und Kaltbad.

Vorne links der Kaltbaderaum (frigidanum) mit der Kaltwasserwanne (piscina). Mitte rechts Schwitzbad (sudatorium) wegen seiner Nähe zur Feuerstelle oder Winterapodyterium wegen seiner Größe, auch Salb- und Gymnastikraum, mit Hypokaustum. Vorne rechts der ungeheizte Umkleideraum (apodyterium). Der an den Umkleideraum anschließenden große Raum könnte ein Schwitzbad (sudatorium) gewesen sein oder auch ein weiterer gering geheizter Raum (tepidarium), der als Winterapodyterium diente.

Ganz vorne links kleiner Korridor mit Eingang zur Toilette (latrina). Dort Platz für mehrere Sitze (wahrscheinlich vier), ein Sitz (durchlochter Sitz) rekonstruiert, darunter restaurierte Grube mit Abfluß, Wasserspülung aus der Kaltwasserwanne. Vor den Sitzen Wasserrinne zur Körperreinigung. Wie sinnreich und überlegt die ganze Anlage errichtet war, sieht man daran. daß das ablaufende Wasser der Wanne des Kaltbades (F; mit einem Plattenfußboden anderer Art als dem heute rekonstruierten) zugleich zur Spülung der Toilette genutzt wurde.

Wichtig, auch für den Betrieb des Bades, war die Versorgung mit Frischwasser. Im Westen des Gutshofes liegende Quellen konnten dazu dienen. Eine Wasserleitung hat sich allerdings noch nicht gefunden.

 

12.) Restaurierter Abflußkanal: Er führte das aus Kaltwasserwanne und Toilette und

vom Keller her kommende Wasser ab.

13.) Frontseite der Anlage und Rekonstruktionszeichnung der Villenansicht von Südosten. Gebäudehöhen und Tür- und Fensteranordnungen sind von bestehenden Rekonstruktionen abgeleitet. Etwa 20 - 30 Meter südlich vom Bad bezeichnet eine Hainbuchenhecke einen Mauerwinkel aus römischer Zeit. Im Hintergrund unten die rekonstruierte Südecke der Umfassungsmauer.

 

14.) Südwestseite der Anlage und Rekonstruktionszeichnung der Villenansicht von Südwesten. Gebäudehöhen und Tür- und Fensteranordnungen sind von bestehenden Rekonstruktionen abgeleitet.

15.) Rückseite der Anlage und Rekonstruktionszeichnung der Villenansicht von Nordwesten. Gebäudehöhen und Tür- und Fensteranordnungen sind von bestehenden Rekonstruktionen abgeleitet. Darüber Blick auf die Nordwestseite des Hauptgebäudes, besonders mit dem Feuerungsraum für die Hypokaustheizung. Der Anbau war aus Dachziegeln aufgeführt. Die Feuerstelle ist nicht rekonstruiert.

 

16.) Das Jupiterheiligtum: Einfriedigung und Standplatz - bisher nur durch Steine markiert - einer Jupitergigantensäule. Diese gehört zu einem keltisch-römischen Kult, der nicht in Italien, sondern in den römischen Nordprovinzen verbreitet war. Im Hintergrund oben die rekonstruierte Westecke der Umfassungsmauer.

Geplant: Im Raum hinten Fundament und eine Säulentrommel der Jupitergigantensäule. Die Säule bestand zwei mehrseitigen Sockeln, dem Schaft und einer Figurengruppe (Jupiter zu Pferd und Gigant). Ihre Höhe wird auf annähernd zehn Meter geschätzt.

Links am Weg zum Tor bezeichnen die kleinen Bäume eine Pfostenreihe von vielleicht einem Zaun aus römischer Zeit.

17.) Rekonstruktion der bisher einzigen nachgewiesenen Toranlage in der Umfassungsmauer. Die Umfassungsmauer wird rundum durch Hainbuchenhecken markiert.

18.) Rekonstruktion der Nordecke der Umfassungsmauer des Villenareals.

 

Insgesamt ist aus dem Verlauf bzw. der Überschneidung einiger Mauerzüge und unterschiedlichen Ausrichtungen zu ersehen, daß der gesamte Komplex des Herrenhauses verschiedene Bauphasen hatte, wohl auch einmal eine fast vollständige Neuerrichtung erfolgte. Bisher ist es nicht gelungen, ein Gesamtbild der ursprünglichen Anlage und ein sicheres Bild des letzten Bauzustandes zu gewinnen.

 

Das weithin sichtbare, aufwendige Bauwerk muss recht exotisch auf die damalige Bevölkerung gewirkt haben. Mit Fußbodenheizung und ausgedehntem Bade-Bereich, war das Römer-Domizil auch im Innern sehr luxuriös ausgestattet - einschließlich antiker Stein-Toiletten.

Die Römer legten großen Wert auf eine schöne Aussicht bei ihren Villen; hier ist der Anspruch voll erfüllt. Hier hat man eine wunderbarn Aussicht auf die schöne Landschaft des Odenwaldes: nach Westen die ansteigende Höhe, nach Nordosten ein Blick über die Berge in Richtung Main, im Osten in das Mümlingtal und vor allem der Blick nach Südosten über Einschnitte und Berge hinweg bis zur Höhe zwischen Michelstadt und Eulbach, 500 Meter hoch und 15 Kilometer entfernt.

Heute sieht man dort am Horizont den Sendemast des Hessischen Rundfunks bei Würzberg, damals an der gleichen Stelle möglicherweise ein Fackellicht auf einem Wachtturm des Limes, der dort vorüberzog, nach heutiger Bezeichnung der Wachtposten 24 der Limesstrecke 10.

Lebensgrundlage auch dieses großen und reichen Gutshofes war die Landwirtschaft. Daneben hat man möglichst viel der benötigten Geräte, Werkzeuge und Kleidung im Hause selbst hergestellt, und es mag, wie auch bei anderen größeren Gutshöfen, außerhalb der landwirtschaftlichen Saison eine weitere spezialisierte Produktion hinzugekommen sein. Für die Haselburg böte sich hier wegen ihrer Lage bei einem der wenigen Kalkvorkommen des Odenwaldes Kalkbrennerei und Ziegelproduktion an. Dies ist auch schon vor nunmehr fast einhundert Jahren von den damaligen Ausgräbern H. Gieß und E. Anthes erwogen worden, doch fehlen bis heute die Beweise für beides, die nur durch die Auffindung der Produktionsstätten erbracht werden könnten (dagegen ist Kalkbrennerei wie auch Erzabbau in der Umgebung für das Mittelalter bis in die Neuzeit erwiesen).

So kann eine schon 1839 im Hauptgebäude gefundene Ziegelplatte mit eingeritzter Kontrollinschrift des Ziegeleibetriebes, die mit einer normalen Ziegellieferung auf die Haselburg gekommen sein wird, nicht dafür herangezogen werden. Und für die ins Auge fallenden hellen Ziegelplatten, die zur besseren Haftung des Verputzes mit Rollstempelmustern versehen sind, konnte eine Produktion im Civitas-Hauptort Dieburg wahrscheinlich gemacht werden.

Von der Haselburg stammt ein beträchtlicher Teil dieser vor allem in Südhessen verbreiteten Ziegel der „Dieburger Gruppe“, von deren fünf Stempeltypen einer als „Typ Haselburg“ bezeichnet wird. Ihr häufiges Vorkommen im Bereich des Hauptgebäudes legt nahe, daß sie als Deckenverkleidung verwendet wurden, vor allem wohl in den geheizten Räumen des Herrenhauses. Möglicherweise bildeten die Verkleidungsplatten dort die Grundlage eines bemalten Deckenverputzes, wie er von anderen Fundorten unseres Raumes bekannt ist.

Ein großer römischer Gewerbebetrieb käme wegen der ungünstigen Verkehrslage - die Antike nutzte für schwere Lasten den Wasserweg - für die Haselburg sowieso nicht in Frage. Immer notwendig war jedoch die Versorgung mit Lebensmitteln der Bevölkerung in den größeren Siedlungen und Städten und nicht minder der Truppen am Limes. Daran wird auch die villa rustica „Haselburg“ ihren guten Teil gehabt haben.

 

 

 

 

Zentral Ost

 

Mümling-Grumbach:

In der nördlichen Längswand der Friedhofkapelle ist ein 1,5 Meter hohes und 1,25 Meter breites Sandsteinrelief eingemauert: ein Matronenstein, der Fruchtbarkeitsgöttinen mit Fruchtkörben zeigt. Er ist aus der Zeit um 300 von einem einheimischen Meister geschaffen worden.

 

Bad König

Bad König, der hessischen Kurort im Odenwald, wurde 1980 Stadt. Wenn man so will, nach fast acht hundertjährigern Bemühen. Ende des 13. Jahrhunderts war es unter den Mainzer Kurfürsten beinahe soweit, aber der Geistlichkeit gehörte nur eine Hälfte von „Kuntichen“ - was etwas mit Grenzzeichen aus der Karolingerzeit zu tun hat - die andere Hälfte nannten die Erbacher Grafen ihr eigen, die strikt gegen die verbrieften Freiheiten waren. Als der Ort im 15. Jahrhundert gänzlich in ihren Besitz kam, ging „das früheste Kapitel der Stadtwerdung“ zu Ende.

Wesentlich einfacher war es für den Kurort, sich mit dem begehrten Vorsatz „Bad“ schmücken zu dürfen. Die notwendigen Voraussetzungen dafür wurden bereits 1948 anerkannt. Kurgäste und Urlauber kommen in die Stadt Bad König, wie sie früher in die Gemeinde kamen, wo schon die eisen- und manganhaltigen Quellen sprudelten. Sie erfreuen sich am Kurpark im Mümlingtal, der nahtlos in den Waldpark des umgebenden Odenwaldes übergeht, und ziehen dort ihre erholsamen Wanderrunden, was wir ihnen gleichtun wollen. Der Ort ist ein bedeutendes „Stahlbad“ (Heilung von leichten Herzerkrankungen, Erschöpfungszuständen) mit eisen- und manganhaltigen Quellen. Einziger Badeort im Odenwald.

 

Die evangelische Kirche mit Barockorgel ist aus dem 17. Jahrhundert. Am Kirchturm befindet sich  in zwölf Meter Höhe neben dem Fenster der Grabstein eines Römers mit (leerer Nische im Giebel). Der Stein wurde sekundär verwendet, die Herkunft ist unbekannt.

 

Im Schloß von Bad König hat sich folgende Romanze zugetragen: Nach dem Mittagsmahl im Gartensaal zogen sich die Tafelgäste des Erbacher Grafen dezent zurück, damit die jungen Liebenden unter vier Augen reden konnten. „Wir wurden uns in sehr kurzer Zeit einig, und nach kaum zehn Minuten erschienen wir als verlobtes Paar bei den anderen“, erinnerte sich später die niederländische Königin Wilhelmine an die für sie streng nach adligern Plan eingefädelte Romanze am 12. Oktober 1904 im Residenzort König im Odenwald.

Prinz Heinrich von Mecklenburg-Schwerin war der Auserwählte. Der hatte den Sommer über nur spärlich von sich hören lassen, bis er mehrere Zimmer nahe König mietete. Man verabredete sich mehrmals zum Kennenlernen, schließlich versprachen sich beide einander in den Gemächern des Erbach-Schönberger Grafenhauses in König, das stets rege Beziehungen zu den gekrönten Häuptern in Rußland, Bulgarien, England und Niederlande pflegte.

Ein paar Jahre später war die Zeit für anrührende Love-Storys der feinen Gesellschaft in König vorbei: Im Jahre 1920 verschenkte der Fürst von Erbach-Schönberg sein „altes Schloß“, den prachtvollen Renaissance-Bau aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, der 1757 durch Umbauten sein heutiges Gesicht bekommen hatte. Zwei Dutzend junge Familien fanden in dem ihnen überlassenen Anwesen zunächst Wohnraum, später wurde daraus ein Erholungsheim, nach 1945 eine Privatklinik, dann verfiel das Schloß.

An ihm war über die Jahrhunderte ohne Rücksicht auf Statik und Konstruktion immer wieder gewerkelt worden. Feuchte, Fäulnis und Holzschädlinge setzten dem Schloß zu. Bis man sich im Rathaus von Bad König (seit 1948 hat die Kommune dieses Prädikat) darauf besann, man könne mit der Modernisierung des historischen Ortskerns wieder mehr Touristen und Kurgäste in die heute 8700 Einwohner große Stadt locken, die ein Thermalheilbad und zwei kohlensaure Eisenwasserquellen für Trinkkuren vorzuzeigen hat.

Aus dem Förderprogramm „Einfache Stadterneuerung“ wurde das Alte Schloß von 1989 bis 1993 saniert - für 8,5 Millionen Mark. Jetzt beherbergt es Stadtverwaltung und Heimatmuseum (geöffnet sonntags 10.30 bis 12 Uhr oder nach Vereinbarung).

Abgehakt ist längst der Streit um die schließlich doch ausgeführte Auffrischung der „romantischen“ Fassadenbemalung in hellgelb, sandsteinrot und grau. Das Schmuckstück prägt nun ein schönes Platz-Ensemble aus Kirche, Rentmeisterei, Innenhöfen, Lustgarten, Kammerbau (heute Kindergarten und Wohnungen) sowie dem „Neuen Schloß“, dessen Bau 1793 durch Fronarbeit sowie Geldstrafen finanziert wurde, die Soldaten bei rebellierenden Bauern eintrieben. Das einstige Regierungs- und Kammergebäude, später als Residenz und Witwensitz genutzt, wurde nach 1900 umgestaltet und gehört seit 1937 der Kommune.

Wanderung inElvira Klein, Odenwald, Seite 88.

 

Die Momarter Eiche (südlich von Bad König, östlich von Momart) wurde am 18. Januar 2007 bei dem Sturm stark beschädigt.

 

Michelstadt

Das Städtchen liegt 208 Meter hoch offener Tallage an der Mümling. Es ist durch seine anmutige Umgebung und sein mildes Klima zum Sommeraufenthalt wie als Standort für Wanderer vortrefflich geeignet. Die alte Stadt, 741 zuerst erwähnt, seit 819 dem Kloster Lorsch und seit dem 12. Jahrhundert den Grafen von Erbach gehörig, ist reich an malerischen Winkeln und interessanter Architektur.

Wenn man von Norden kommt, fährt man nach links Richtung Innenstadt in die Bahnhofstraße, dann mit der abbiegenden Hauptstraße nach rechts in den Wiesenweg zu einem großen Parkplatz. Hier steht eine Informationstafel des Geoparks Odenwald. Der erste Weg beschreibt den Wandel der Kulturlandschaft und führt in das Gebiet östlich der Stadt. Der zweite Weg führt nach Asselbrunn, Steinbach und das Gebiet westlich davon Richtung Steinbuch und beschreibt Schloßpark, Hammerwehr, Hammerensemble, Steinbacher Teich, Stele Hilderhof, Firma Mühlhäuser, Sandgrube, Adalbertshöhe, Wasserversorgung,  Streuobstwiesen, Seckel Löbs Birne, Steinbacher Tongrube, Forsthaus Acht Buchen, Eisenverhüttung, Einhardsquelle, Bergbau und Kalksteingrube. Vom Parkplatz geht man in Richtung Altstadt und durch ein Tor durch die Stadtmauer hindurch.

Über dem Tor steht die alte Münze, daneben das Lehrerwohnhaus von 1748. Etwas rechts versetzt  kommt man zum Marktplatz. Der Markt bietet „ein kleinstädtisches Charakterbild von seltener Liebenswürdigkeit” (Dehio). Der Marktbrunnen aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts trägt auf einer Säule die Figur des heiligen Michael (im 18. Jahrhundert zur Justitia umgearbeitet).

Die Stadt hat das originellste Rathaus in Deutschland. Es ist weltbekannt und war schon oft war es Kulisse für Spielfilme. Hochzeitspaare lassen sich davor fotografieren. Der gotische Profanbau mit seinen drei Türmchen zählt zu den schönsten und bedeutendsten Fachwerkbauten Deutschlands. Welchem Baumeister die Ehre gebührt, ist nicht bekannt. Es ist der älteste Holzbau in Hessen, im Jahre 1484 erbaut (Das Baujahr ist mit gotischen Ziffern in das Holz des Mittelbalkens eingehauen, als Vier benutzte man die halbe Acht). Im Jahre 1743 und Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Rathaus erneuert. Das Erdgeschoß, mit der alten Ratswaage, ist offen, das Dach mit seinen Spitztürmchen außerordentlich steil und hoch. Zu Pfingsten ist Rathausbeleuchtung.

Hinter dem Rathaus steht die Kirche  mit Glockenspiel. Die spätgotische Hallenkirche aus dem 15./16. Jahrhundert (mit dem Bau wurde 1461 begonnen), enthält viele prächtige Grabmäler der Grafen von Erbach, die meisten aus dem 15. - 17. Jahrhundert sowie eine Bibliothek mit sehr alten Werken. 

Rechts neben der Kirche steht ein privates Elfenbeinmuseum, das von dem Elfenbeinschnitzermeister Ulrich Seiden eingerichtet wurde. Man sieht eine Fülle von Elfenbeinschnitzereien aus vielen Ländern und wunderhübsche Arbeiten von Seidenberg. Das Museum ist montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr, 14.30 bis I7 Uhr, samstags von 10 bis 12.30 Uhr, sonntags von 11 bis 12 Uhr und 14.15 bis 16 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen zwei, Schüler bis 12 Jahre eine Mark.

Vom Markt geht man nach Süden zum Diebssturm. Er ist vermutlich der Bergfried der vorfränkischen Burg Michelstadt, erbaut etwa um 650. Seit 1312 war er Kerker des Centgerichts Michelstadt. Ab 1400 war er gleichzeitig Wehrturm der Stadtbefestigung.  Im Jahr 1793 ist er eingestürzt. Im Jahre 1970 wurde er zusammen mit der Burg-Kellerei von der Stadt Michelstadt von den Grafen von Erbach-Fürstenau erworben. Im Jahre 1972 war er wieder hergestellt. Er wurde mit einem Aufbau versehen, an den Wehrgang angeschlossen und begehbar gemacht. Zum Michelstädter Bienenmarkt 1972 wurde er zur Benutzung freigegeben.Von der einstigen Stadtbefestigung sind weitere Teile der Mauer, des Grabens und Walles erhalten. Am Diebsturm ist in zehn Meter Höhe ein Merkurrelief, die Kopie eines wenig geschulten einheimischen Steinmetzen. Man geht durch die Stadtmauer nach draußen, nach links am Grabe entlang und an der nächsten Brücke wieder in die Stadt.

Dort liegt die gräfliche Erbach-Fürstenauische Kellerei (Einhardspforte 3), die auf Einhard zurückgeführt wird und aus einer um 950 errichteten Burg des Reichsklosters Lorsch hervorging. Das stattliche Renaissancegebäude mit hohem Giebeldach wurde 1517/19 erbaut und im Jahre 1539 (Inschrift) ein überdachter Freitreppenbau errichtet. Die Kellerei besteht aus Zehntscheune mit Amtshaus. Südflügel und Remise sind angebaut. In der Kellerei befindet sich auch die Kainsbacher Mühle  die 1426 in Brensbach-Nieder-Kainsbach erbaut wurde und 1981 umgesetzt wurde in die Remise der Michelstädter Kellerei.

In dem ehemaligen Speicherbau ist das Odenwaldmuseum untergebracht. Viele Gruppen sind den Handwerkern und der Stadtgeschichte gewidmet. In einem Stockwerk sind eine alte Bauernküche, Bauernstube und eine Odenwälder Kammer. Im Obergeschoß werden Arbeiten von Künstlern aus Michelstadt und Erbach gezeigt. Die untere Ebene der offenen Treppenkonstruktion bietet die Landschaft des Odenwalds: Die Geologie des Mümlingtalbeckens, die Geschichte des frühen Bergbaus, Waldarbeit einst und die Landwirtschaft mit ihren Geräten anno dazumal. Das Odenwaldmuseum ist vom zweiten Samstag vor Ostern bis 1. November täglich (außer montags) von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr geöffnet. Außerdem während des Odenwälder Weihnachtsmarktes in Michelstadt, sowie vom 26. bis 30. Dezember und nach Vereinbarung mit dem Verkehrsamt der Stadt, Frankfurter Straße 3, 6120 Michelstadt, Ruf 06061174146. Erwachsene zahlen zwei, Kinder eine Mark Eintritt.

Gleich daneben, im ehemaligen Amtshaus, ist das Spielzeugmuseum. Das Spielzeugmuseum hat die gleichen Öffnungszeiten und Eintrittspreise. Gezeigt werden von Kindern früher benutzte Spielsachen, Puppenküchen, Zimmereinrichtungen, Kaufläden, Spielzeug aus Papier, Puppen, Bilderbücher. Auch Puppenstuben und Spielzeug aus dem Nachbarland Frankreich und Mexiko. Auf dem Platz befinden sich außerdem Ateliers, die Stadtbibliothek und ein Lapidarium und eine Drechslerwerkstatt.

Man geht dann wieder Richtung Kirche. Links in der Straße „Im Storchenwinkel“ kann man auf der linken  Seite ein Haus mit einer ehemaligen „Freilufttoilette“ sehen. Im Stadtzentrum sieht man das Haus „die Träumerei“, das Elternhaus einer  Schauspielerin, die hier ein Hotel mit sechs Betten und eine Gaststätte eingerichtet hat. Außerdem liegt links das Elefantenhaus, das mit  verschiedenen Darstellungen von Elefanten verziert ist (eine Anspielung auf die Elfenbeinschnitzerei).

Man geht aber etwas weiter rechts durch die Mauergasse und kommt zur der alten Synagoge von 1791, deren Innenraum von den Nazis im November 1938 völlig verwüstet wurde. Hier wurde ein Museum eingerichtet, das den Namen des Landesrabbiners Dr. I. E. Lichtigfeld trägt, der den jüdischen Gemeinden in Hessen von 1954 bis 1967 als religiöses Oberhaupt vorstand. Ausgestellt sind Kultgegenstände, Archivalien und Fotos. Die Sammlung gibt einen Einblick in die religiösen, sozialen und politischen Verhältnisse der jüdischen Mitbürger im Odenwald in den vergangenen Jahrhunderten. Öffnungszeiten des Museums nach Vereinbarung. Anmelden kann man sich beim Verkehrsamt. Östlich der Stadt liegt an der Straße zum Stadtwald gegenüber dem Stadion am Berghang ein sehr alter jüdischer Friedhof. Man kann hier noch einmal einen Blick hinter die Stadtmauer werfen im Bereich „Am Bienenmarkt“, kann aber nicht um die Stadtmauer herumgehen. Man geht innen an der Stadtmauer entlang und kommt wieder zum Ausgangspunkt.

 

Schloß Fürstenau

An der Bundesstraße im Norden der Stadt steht der Wegweiser („Schloß, Basilika“). Dort fährt man über die Eisenbahn und dann nach links in die in die Walther-Rathenau-Allee. Dort ist auf der linken Seite das Motorradmuseum. Die Straße macht dann einen Bogen nach rechts.  Man kommt vorbei an einem Gartenpavillon von 1756 und an der im 16. Jahrhundert erbauten Schloßmühle (am Gebäude Jahreszahl 1733). Vor  dem Schloß kann man parken. Nach 16 Uhr ist der Zugang zum Schloßplatz verboten. Man geht hinein in den großen Gebäudekomplex. Rechts hinten ist das Stammschloß des Grafen zu Erbach-Fürstenau.

Es  wurde nach dem Zerfall des Klosters Lorsch um 1250 von Kurmainz zum Schutz seiner Besitzungen zunächst als Wasserburg errichtet. Daraus entwickelte sich eine jahrzehntelange Fehde zwischen Kurmainz und Kurpfalz. . Im Jahr 1355 verkaufte Kurmainz das Schloß an die Erbacher Schenken.

Von der alten Anlage sind die beiden nördlichen Türme erhalten. Die beiden südlichen Türme wurden durch den „Uhrturm“ (vorne) und den „Roten Turm“ (hinten) ersetzt. Unter Graf Georg II. entstand im Jahre 1588 der schöne große Schmuckbogen, der das ursprüngliche Tor mit der Zugbrücke ersetzte. Die Anlage, die vom Grafen Erbach-Fürstenau bewohn ist, zählt zu den schönsten deutschen Burgen und kann besichtigt werden. Der umgebende Schloßpark an beiden Ufern der Mümling ist Naturschutzgebiet, ist eine sehenswerte Anlage.

Südlich des Schlosses ist die Einhardsbasilika, an der der Einhardweg beginnt. Einhard, dem bekannten Biographen und Kunstbeauftragten Kaiser Karls des Großen, kommt in der frühmittelalterlichen Geschichte des Odenwald-Untermain-Gebietes eine herausragende Bedeutung zu. Dem um 770 in dieser Gegend (Maingau) geborenen Adeligen verdanken die Basiliken in Micheistadt-Steinbach und Seligenstadt ihre Entstehung. Sie ist eng verknüpft mit den Heiligen Marcellinus und Petrus. Deren Reliquien ließ Einhard 827 von Rom nach Michelstadt (hier sollten sie ursprünglich bleiben) und am 16. und 17. Januar 828 nach Selenstadt bringen.

An dieses historische Ereignis soll der auf Veranlassung der Städte Michelstadt und Seligenstadt markierte Einhardweg erinnern und drum einladen, den alten Fernwegen zwischen den beiden romantischen Fachwerkstädten und ihren berühmten Einhardbasiliken zu folgen. Innerhalb des Odenwaldes bieten sich zwei von der Geschichtsforschung empfohlene Routen an: Ein anspruchsvoller Wanderweg über die Höhen des östlichen Mümlingtals (Einhardweg- Markierung) sowie der kürzerer Rad- und Wanderweg über Höchst (Radweg-Markierung) und die Alte Frankfurter Straße (Wegweiser: Radheim). Im Bachgauort Mosbach, wo ein von Einhard erwähntes Nonnenkloster bestand, vereinigen sich beide Varianten und führen als ebener Wander- und Radweg (Einhardweg-Markierung) über Großostheim - hier übernachtete die Reliquienprozession - nach Seligenstadt.

 

Einhardsbasilika

Wenn man vom  Schloß  Fürstenau kommt,  fährt man auf der Schloßstraße weiter und dann nach rechts in die Straße „Am Berg“. Dort steht rechts die Basilika. Die Kirchenruine, bekannt unter dem Namen „Einhards-Basilika“, ist eines der wenigen erhaltenen Baudenkmäler aus karolingischer Zeit, kulturgeschichtlich eines der wichtigsten Baudenkmäler des Odenwaldes. Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit Stollenkrypta zählt zu den wenigen Bauten nördlich der Alpen, die noch einen authentischen Eindruck karolingischer Raumkunst vermitteln. In Deutschland gibt es nur  sechs Bauten, die ein authentisches Raumerlebnis aus der Karolingerzeit sind, darunter die Basiliken in Steinbach und Seligenstadt.

Einhard (um 770-840), ein enger Vertrauter Kaiser Karls des Großen, ließ sie zwischen 815 und 826 als Grablege für sich und seine Frau Imma errichten und aus Rom die Gebeine der Heiligen Marcellinus und Petrus beschaffen. Am 11. Januar 815 schenkte Ludwig der Fromme (ein Sohn Kaiser Karls des Großen) dem Biographen und Vertrauten seines Vaters die Mark Michelstadt. Einhard wohnte mit seiner Gemahlin Imma zunächst in Michelstadt. Hier fand er aber wenig Ruhe und ließ jenseits der Mümling eine Basilika errichten, die er 827 vollendete. Vorbild war die kleine  Klosterkirche in Kornelimünster bei Aachen, die Benedikt von Aniane, geistlicher Berater Kaiser Ludwigs des Frommen, um 817 errichten ließ. Da die Reliquien schon 828 nach Seligenstadt überführt wurden, verlor die Kirche ihre Bedeutung als Pilgerstätte. So blieben ihr Veränderungen und Erneuerungen erspart.

Die Basilika gehört in die Gruppe der dreischiffigen Kirchen mit drei Apsiden. Die Kirche wurde nach dem Vorbild altchristlicher Basiliken in Italien erbaut. Der künstlerische Anspruch zeigt sich im ausgewogenen Verhältnis der Bauteile zueinander.

Im Osten des dreischiffigen Langhauses mit Pfeilerarkaden befinden sich Chor und Nebenchöre,  unter denen eine Gangkrypta angelegt ist. Im Westen des Langhauses läßt sich ein in drei Räume aufgeteilter Vorbau nachweisen. Nach links geht es hinab zu einemRaum, in dem Schautafeln zum Leben Einhards und zur Abtei Seligenstadt stehen. Im 12. Jahrhundert errichteten Lorscher Mönche zwei mächtiger Westtürme, die ein gestuftes Portal einfaßten.  Im Norden wurde eine Sakristei an den Nebenchor angefügt.

 

Vom 11. bis zum 16. Jahrhundert wurde die Kirche als Klosterkirche genutzt. Durch den Einfluß des Klosters Lorsch (Einhard hatte seine Michelstädter Besitzungen dem Kloster vermacht) wurden zahlreiche bauliche Veränderungen vorgenommen. Es  entstand eine kleine Klosteranlage. Bis zur Reformation gehörte sie zum  Klosterbezirk.  Von 1232 bis zur Säkularisierung 1535 nutzten Benediktinerinnen die kleine Anlage als Kloster.

Bis in den 30jährigen Krieg hinein war die Kirche dann Hospital. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wandelten ließen die Grafen von Erbach beide Türme, das Portal und die Seitenschiffe wieder abbrechen. Von der Kirche blieb das Mittelschiff, der nördliche Nebenchor, der Hauptapsis und die kreuzförmige Gangkrypta erhalten. Später diente die Basilika als Jagdzeughaus. Ihr desolater baulicher Zustand führte im Sommer 1855 zum Einsturz der Hauptapsis. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie als bedeutendes historisches Bauwerk erkannt und baugeschichtlich wie archäologisch untersucht. Im Jahre 1872 erbrachte der Darmstädter Kunstprofessor Georg Schäfer den Nachweis, daß die Klosterkirche jener Bau ist, der von Einhard errichtet wurde. Seit 1968 laufen Sicherungsarbeiten. In den Jahren 1972/73 wurden dir Seitenschiffe zur statischen Sicherung des Mittelschiffs wieder aufgebaut.

In der Kirche steht ein mittelalterlicher Steinsarg, der früher die Gebeine Einhards und seiner Gemahlin Imma enthielt. Ferner 15 Grabmäler der Grafen von Erbach, größtenteils aus dem ehemaligen Kloster Steinbach bei Michelstadt. Hervorzuheben ist das Grabmal des Schenken Konrad III. (gest. 1279) und der Schenkin Margarethe (gestorben 1396). Der Altarschrein ist aus dem 15. Jahrhundert. Es gibt schöne Glasmalereien in der Kirche.

Einhard, der Vertraute und Biograph Karls des Großen, wird gern als Autorität für die Architektur der Karolingerzeit genannt. Um 770 wurde er im Maingau geboren und früh vom Abt zu Fulda an den Hof Karls des Großen geschickt, wo er an der Hofschule unterrichtet wurde. Tatsächlich fiel er hier schon bald wegen seines technischen Talentes auf, und so wuchs er erstaunlich früh in die Rolle eines Bauleiters hinein. Zahlreiche Baumaßnahmen Karls - wie etwa die Brücke zu Mainz, die Pfalzen zu Ingelheim und Aachen und die Basilika bei Michelstadt hat er teilweise oder ganz geleitet. Er war der Begleiter Karls und ging 806 als sein Gesandter nach Rom.

Im Jahre 815 wurde Einhard von Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls, die Mark Michelstadt geschenkt. Dort gründete er Steinbach, wie er in einer „Überführung der Hl. Marzellinus und Petrus“ berichtet. Steinbach war damals Teil der Gemarkung Michelstadt; es hieß noch im 12. Jahrhundert „cella Michlinstat“. Einhard hat dort von 815 bis zu seiner Übersiedlung nach Seligenstadt 828 gelebt und auch eine „prächtige Kirche“ erbaut. Die von ihm geplante, aber durch die Überführung der Reliquien der heiligen Märtyrer nach Seligenstadt unterbliebene geistliche Niederlassung wurde erst 1073 als Benediktinerpropstei durch Lorsch errichtet. Die Vogtei hatten damals die Grafen von Erbach inne, wohl einer der Ansatzpunkte ihrer späteren Macht.

Das Kloster wurde bei der Einführung der Reformation aufgehoben und die Kirche in ein Landeshospital verwandelt, das jedoch im Dreißigjährigen Krieg einging. Auch wenn die Bauten der Klausur restlos verschwunden sind, gehört die Klosterkirche (trotz des Abbruchs der Seitenschiffe und des nördlichen Nebenchors im 14. Jahrhundert, des Umbaus der Westfront 1588 und des Teileinsturzes der Hauptapsis 1855) zu den am besten erhaltenen karolingischen Kirchenbauten in Deutschland.

Die Einhards-Basilika ist für die Bauforschung schon immer von großem Interesse gewesen, da hier der starke Einfluss der römischen Baukunst besonders gut nachvollzogen werden kann: „Raumgestaltung, Proportionen, Lichtführung und Mauertechnik verraten einen an römischen Bauten geschulten, geistig hochstehenden Architekten, wohl Einhard selbst“ (G. Kiesow)

Seine profunde Kenntnis der römischen Bautechniken, des Handwerks, der Werkzeuge und der Baumaterialien kam nicht von ungefähr, denn auch Einhard hatte „De Architectura libri decem“ des Vitruv in seinem Gepäck. In der Klosterbibliothek zu Seligenstadt fand man den Archetypus dieses Werkes, auf den alle späteren Abschriften zurückgehen.

 

„Nach römischer Tradition“, so Kiesow, „bestehen die Mauern aus verschiedenem Material. Für die Apsiden, Nebenchöre, einst auch die Seitenschiffe wurde eine Verblendung aus hammergerecht zugehauenen BundsandsteinKleinquadern gewählt; Ostgiebel und Obergaden des Mittelschiffes bestehen aus Bruchstein, dessen Verputz noch in großen Partien vorhanden ist und wahrscheinlich mit einer Scheinquaderung bemalt war. Bei den Langhauspfeilern wird der römische Einfluss besonders deutlich, denn sie bestehen aus flachen Ziegeln, wie sie sonst außer bei den Bauten in Seligenstadt in der mittelalterlichen Baukunst Hessens nicht mehr vorkommen“.

In Vitruvs sechstem Buch über Architektur ist die Rede „von unterirdischen Räumen, Gewölben und auf Pfeilern errichteten Gebäuden“. Wie sehr Einhard von diesen Anleitungen profitierte, können wir hei der Basilika in den Apsiden, dem Chor, den Arkaden und der Krypta studieren, denn hier wurde eine der größten Errungenschaften der gesamt Baukunst angewandt: der gemauerte Bogen.

Die römischen Ingenieure hatten einen Weg gefunden, keilförmige Backsteine herzustellen - eine Innovation, die es den Baumeistern ermöglichte, dauerhaft stabile Bögen und Gewölbe zu mauern. Diese Technik verbreitete sich im gesamten römischen Baugebiet und wurde überall eingesetzt, beim Bau von Aquädukten genauso wie beim Bau von Wohnhäusern.

Die sorgfältig verputzten karolingischen Innenwände sind erkennbar für Malereien berechnet. Aus der Erbauungszeit sind Bruchstücke einer figurenreichen Darstellung in der Apsis und ein Konsolenfries unter der Mittelschiffdecke erhalten (in den Farben Rot, Ocker, Orange und Weiß).

Aus der Zeit 821-827 sind im Mittelschiff Reste eines Rankenfrieses zu sehen; an der Südwand auf den Füllungen der Arkaden finden sich Darstellungen von zwei disputierenden Gestalten. Auch hierbei war Vitruv der große Lehrmeister, denn die raffinierten Rezepturen für Putz, Stuck, Mörtel und die Zubereitung von natürlichen Farben finden wir ebenfalls in „De Architectura libri decem“. Einiges ist in nachkarolingischer Zeit an An- und Umhauten hinzugekommen.

Zudem wurde durch den Abbruch der Seitenschiffe im 14. Jahrhundert das ausgeklügelte statische System der Einhards-Basilika entscheidend geschwächt. In das Mauerwerk des Obergadens hatte man bei der Erbauung einen verdeckten hölzernen Zug-Anker eingefügt, der die Chorschranke im Osten mit der Westwand verspannte. Dadurch wurden auch die hohen, relativ dünnen Mittelschiffwände im gefährlichen Knickpunkt ausgesteift. Nach dem Abbruch der Seitenschiffe, der Chorschranke und der Westwand (sowie der Zerstörung des Holzankers durch Fäulnis) verformten sich im Laufe der Jahrhunderte die Wände bedrohlich, so dass 1968-1974 eine statische Sicherung dringend notwendig wurde.

Der damalige Landeskonservator Gottfried Kiesow hatte sich eine Sicherung ohne jede fremde Zutat gewünscht, denn bei einem Bau von solcher Qualität und derartigem Quellenwert verbieten sich alle verfälschenden Elemente. Deshalb entschloss man sich, das alte System wieder aufzunehmen; freilich nun mit einem Betonanker und mit Stützwänden im Umriss der verschwundenen Seitenschiffe.

Auch die je sechs schlanken Arkaden auf verputzten Ziegelpfeilern, die die Verbindung zu den Seitenschiffen herstellten und im 14. Jahrhundert zugemauert wurden, hätte man gern wieder geöffnet. Aber dieser Eingriff wäre wegen deren Bauschäden mit großen Substanzverlusten verbunden gewesen. Kiesow schreibt erleichtert: „So blieb die wertvolle gebaute Urkunde mit allen ihren Aussagen, aber auch Fehlstellen und Brandflecken für jedermann lesbar erhalten.“

Die gepflegte Anlage ist gegen Eintrittsgeld zu besichtigen. Die Basilika kann vom 15. März bis 15. Oktober täglich (außer montags) von 10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr besichtigt werden. Erwachsene zahlen eine Mark, Kinder 50 Pfennig Eintritt. Durch die Straße „Am Hang“ fährt man wieder zur Bundesstraße und auf ihr rechts in Richtung Brombachtal.

 

Erbach

Die 212 Meter hoch gelegene Kreisstadt liegt an einer der schönsten Stellen des Wiesentals der Mümling und ist als Sommerfrische und Standort für Wanderungen sehr geeignet. Die Höhen im Westen und Nordwesten werden von Buchenwald gekrönt. Das hübsche altertümliche Städtchen ist Sitz der Grafen zu Erbach. Der Name ist vom „Erdbach” abzuleiten, der von Dorf-Erbach bis Stockheim unterirdisch fließt. Neben Tuch-, Wollwaren-, Schuhindustrie und Diamantenschleiferei ist von besonderer Bedeutung die Elfenbein- und Beinwarenindustrie; Fachschule für Elfenbeinschnitzerei. An den letzten beiden Juli-Sonntagen Eulbacher Markt mit Pferderennen.

Geschichtliches. Ludwig der Fromme schenkte 815 das Gebiet von Erbach an Einhard, der es 819 dem Kloster Lorsch vermachte. Die Grafen von Erbach erwarben im Laufe der Zeit große Teile des Odenwald- und Spessartgebiets. Zahlreiche hervorragende Kriegsleute gingen aus dem Geschlecht hervor. Im Jahre 1717 spaltete es sich in die Linien Erbach-Erbach, Erbach-Fürstenau und Erbach-Schönberg. Der vielseitig gebildete Graf Franz I. (1754—1823) ist der Schöpfer der hervorragenden Sammlungen im Schloß.

 

Städtel:

Die enggebaute Altstadt, „Städtel” genannt, wird noch zum Teil von der alten Stadtmauer umgeben. Es ist der Bereich der ehemaligen Burgmannenhöfe, ein mit Leben erfülltes Museum, könnte man meinen, so gut ist die ehemalige Vasallensiedlung in ihrem mittelalterlichen Gepräge samt Resten der einstigen Wehranlage erhalten.

Durch einen Torbogen kommt der Besucher in die Altstadt, das „Städtel”. Sehenswert hier die Stadtkirche (1748), Teile der alten Stadtmauer oder das Tempelhaus, das vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammt. Daneben steht das 1545 erbaute Haus der Eltern des Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn.

Rechts an das gräfliche Schloß schließt sich das alte Rathaus aus dem Jahre 1593 an, an dessen Außenwand noch der berühmt-berüchtigte Pranger zu sehen ist.

 

Schloß

Das Adelsgeschlecht der Erbacher wird das erste Mal im Jahre 1148 urkundlich erwähnt. Aus dieser Zeit stammt der noch heute erhaltene Bergfried der ersten Residenz, einer einer von der Mümling umflossenen Wasserburg. Als letzter Zeuge der Wasserburg blieb der aus schweren Buckelquadern errichtete Bergfried von 1220 erhalten und ist zum Wahrzeichen Erbachs geworden, der Spitzhelm wurde 1497 aufgesetzt. Die Burg wurde 1497 umgebaut und dann 1736 weitgehend abgerissen.

Es entstand unter dem damaligen Graf Georg Wilhelm das langgestreckte dreigeschossige Residenzschloß im Barockstil, jedoch nüchtern und streng, wenn man es vergleicht mit Pracht und Überfülle anderer Barockschlösser wie Adolfseck bei Fulda, Arolsen oder Wiesbaden-Biebrich. Das Schloß besteht aus dem wohlgegliederten Hauptbau, in maßvollem Barock, und einigen Renaissancegebäuden aus dem 16. Jahrhundert: Archivbau mit Tor (rechts vom Hauptbau), Alter Bau (Fachwerk) und Kanzleibau. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die 75 Meter lange, barocke Fassade nochmals überarbeitet und grundlegend saniert.

 

Vor dem Schloß steht das Standbild des Grafen Franz I. Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754-1823) war nicht nur Begründer der bedeutenden Sammlungen im Schloß, er rief 1783 auch das Kunsthandwerk des Elfenbeinschnitzens ins Leben als Broterwerb für seine Untertanen. Mit dem Denkmal auf dem weiträumigen Marktplatz wird der überragenden Persönlichkeit und des leidenschaftlichen Sammlers gedacht, der das Ausgestellte in seinem Schloß auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

 

Von März bis Oktober finden täglich mehrere Führungen statt, und angetan mit Filzpantoffeln wegen der Mosaik- oder Holzböden erhalten die Besucher auf ihrem Rundgang interessante und auch kuriose Informationen. Die Eingangshalle ist eine Art Abnormitäten-Kabinett. An den Wänden hängen 155 Hirschgeweihe, die unregelmäßig gewachsen sind, ein Hinweis auf Krankheiten oder Verletzungen der Tiere. Ferner finden sich dort ethnographische Gegenstände und Elfenbeinschnitzereien. Die hervorragenden, sehr sehenswerten Sammlungen sind eine Schöpfung des Grafen Franz I. (1754 bis 1823).

 

Rechts schließt sich die Waffenkammer mit mehr als 300 Gewehren an, meist Vorderladern, das älteste Exemplar etwa aus dem Jahre 1518. Da ist beispielsweise eine Entenflinte mit einem 2,20 Meter langen Lauf zu bestaunen. Zum Schießen mußte das Gerät auf einer Astgabel postiert werden. Oder einer der ersten Granatwerfer aus dem Jahre 1690, da krachte nicht nur der Schuß, sondern häufig auch das Schlüsselbein des Schützen.

Vom Vorsaal rechts in die Gewehrkammer, eine Gewehrsammlung vom Anfang des 16. bis ins 19. Jahrhundert, und mächtige Hirschgeweihe enthaltend. Im Treppenhaus zahlreiche Rehbock-Gehörne, darunter seltene und eigenartige Stücke.

Die Antikensammlung wurde vom Grafen Franz in Italien erworben. Die Schätze hat vor allem Erbgraf Franz gesammelt, der 1775 die Regentschaft übernahm. Der Antiken-Freund unternahm etliche Reisen nach Italien, von denen er Grabungsfunde mitbrachte, darunter mehrere Büsten römischer und griechischen Kaiser und Feldherrn.

Zunächst ins „2. römische Zimmer” mit 18 Marmorbüsten von römischen Kaisern u. a.; besonders lebensvoll charakterisiert die des Claudius, Scipio (?), Tiberius, Perseus, Germanicus und Sertorius. Sitzende Statue des Trajan (?) aus der 2. Hälfte des ersten Jahrhunderts. Ferner antike Waffen sowie vorgeschichtliche Funde.  Im „1. römischen Zimmer” (Arbeitszimmer) ist eine antike Vasensammlung. Links von der Tür steht die Herme des Cicero(?).

Als Glanzstücke gelten die Büste von Alexander dem Großen in Lebensgröße, ein Helm von Cannae und die Statue Kaiser Hadrians (Arme und Beine ergänzt). Büste Alexanders des Großen u. a. Büsten und Hermen. über dem Schreibtisch Athlet (griechisch. 5. Jahrhundert v. Chr.), Kleinkunstwerke und Münzen. Die Familienzimmer (nur mit besonderer Erlaubnis zugänglich) enthalten wertvolle Gemälde, eine reichhaltige antike Vasensammlung, eine hervorragende Porzellansammlung und anders.

Zurück ins Erdgeschoß und in die Hubertuskapelle mit reichgeschnitztem Altar aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, den Stammbaum Christi darstellend, alten Glasmalereien und Gemälden.

Über die Treppe, wo 630 Rehbockgehörne ausgestellt sind, geht es nach oben in die Hirschgalerie, einen Saal mit einer sehenswerten geschnitzten Holzdecke aus dem 17. Jahrhundert, die aus dem schwäbischen Kloster Rot stammt. Die dort gezeigte Sammlung von über 70 Hirschgeweihen gilt als die bedeutendste ihrer Art in der Bundesrepublik. Prunkstück ist das Geweih eines 22-Enders, der vor rund 250 Jahren im Fränkischen Jura erlegt wurde. Den größten ausgestellten „Kopfschmuck” allerdings trug vor rund 30 000 Jahren ein Urhirsch aus dem Norden Irlands: 2,05 Meter ist die Spannweite seines Geweihs, der Bursche selbst dürfte an die 18 Zentner gewogen haben.

Die Hirschgalerie bietet weiterhin Platz für verschiedene reich verzierte Holzmöbelstücke, so einen Schrank aus dem Kölner Dom, oder für Prunk- und Jagdwaffen aus dem 16. und 17. Jahrhunderts.

In noch weiter zurückliegende Zeiten führen die beiden benachbarten „Römischen Zimmer”. Hier geben sich einige römische Kaiser ein Stelldichein, natürlich nur in Form von Büsten. Die sind dafür aber aus weißem Marmor und - wie der Führer versichert - original, zwischen 1786 und 1791 in Italien ausgegraben und per Ochsenkarren nach Erbach verfrachtet. Weiter gibt es Mosaik-Fußböden aus Pompeji zu sehen, römische Öllämpchen, griechische Vasen, antike Münzen, 3000 Jahre alten Bronzeschmuck und eine Büste Alexanders des Großen.

Den Abschluß des Rundganges bildet ein Besuch im Rittersaal mit gotischem Gewölbe und gotischen Glasfenstern aus dem 13. bis 17. Jahrhundert. Beeindruckend die Ritterrüstungen, zu Fuß oder zu Pferden, von denen keine jedoch größer als 1,70 Meter ist. Zu sehen sind sechs Ritter zu Pf erde in voller Rüstung aus dem 16. Jahrhundert. Rechts vom Eingang ist sehr seltenes Stechzeug (Ende des 15. Jahrhunderts) zu sehen. An der Nordwand kunstreiche italienische Rüstungen aus dem 16. Jahrhundert. Das Mittelgestell enthält die wertvollsten Stücke, darunter den Ortenburger Prunksattel, süddeutsche Arbeit der Hochrenaissance. Zwischen den Reitergestalten der bayerische Harnisch, Nürnberger Arbeit (1. Hälfte des 16. Jahrhunderts), ein kunstvoller italienischer Harnisch (um 1550) und andere. wertvolle Stücke.

Waren die alten Ritter auch durchweg kleine Leute, so mußten sie doch an ihrer Kampfmontur schwer tragen, 60 bis 70 Pfund wiegt so ein Metallkleid. Wer da vom Pferd fiel, der blieb wohl meistens unbeweglich liegen. Vor allem, wenn er so an die 115 Pfund auf dem Leib trug, wie etwa der Schwedenkönig Gustav Adolf, dessen Rüstung die schwerste der gräflichen Sammlung ist. Bequemer und fast schon elegant zu nennen sind dagegen die Kettenhemden, die aus bis zu 100.000 kleinen Eisenringen zusammengesetzt sind, Relikte aus der Zeit der Kreuzfahrer. Die wertvollsten Stücke im Rittersaal sind ein Goldpokal von 1440 und vor allem ein Prunksattel aus Eisen, bei dem die reichen Verzierungen von innen heraus getrieben sind. Ein Meister Siegmann aus Augsburg brachte das Werk 1555 zustande.

 

Den Sammlungen angegliedert ist das Afrikanische Jagdmuseum, unter anderem mit präparierten Antilopen, Riesenwaldschweinen, Löwen oder einer Giraffe. Schauräume zeigen weitere Tiere in ihrer natürlichen Umgebung.

Die Ausstellungsstücke können Erwachsene für vier, Kinder für 1,70 Mark besichtigen. Für Gruppen gibt es Ermäßigungen, für das Jagdmuseum wird noch ein Zuschlag von einer Mark fällig. Geöffnet ist das Schloß in den Monaten März bis Oktober täglich von 8.30 bis 12 und von 13.30 bis 17 Uhr. Mindestens zehn Leute müssen für eine Führung zusammenkommen. In den Monaten November bis Februar können Besuchstermine vereinbart werden (Telefon 0 60 62 / 37 00). Zum Schloß biegt man, von Michelstadt kommend, nach dem Erbacher Landratsamt rechts ab und folgt den Hinweisschildern.

 

Im Jahre 2005 hat die hessische CDU mit ihrer Mehrheit im Finanzausschuß 13,3 Millionen Euro für den Kauf des Erbacher Schlosses mit seiner historischen Sammlung freigegeben. Der Kauf wird mit der Finanznot des Grafenhauses begründet, die zu einem Ausverkauf der Sammlung führen könnte. Minister Corts will die einmalige, rund 200 Jahre alte Sammlung als Ganzes erhalten und außerdem mit Schloß und Sammlung den Tourismus im Odenwald ankurbeln. Der Kauf war zunächst zurückgestellt worden, nachdem Äußerungen von Erbgraf Eberhard zu Erbach-Erbach über seine finanzielle Lage für Verärgerung bei Landespolitikern aller Parteien gesorgt hatten. Es entstand der Eindruck, die finanzielle Lage des Grafen sei doch nicht so kritisch. Der Graf hatte von dem „größten Deal” seiner Familie gesprochen. Die Familie erhielt eine Eigentumswohnung im Schloß und Nutzungsrecht für das ganzd Schloß

 

In der dritten Etage des Schlosses ist neben Gesinderäumen auch ein kleines Theater für den Hofstaat des Grafen. Hinter dem Schloß ist ein öffentlicher Waschplatz.

 

Elfenbeinmusem:

Im Deutschen Elfenbeinmuseum kann man etwa 1000 Stücke aus der ganzen Welt sehen, darunter auch solche, die die Geschichte der Erbacher Elfenbeinschnitzkunst dokumentieren. Bekannt ist Erbach vor allem als ein Zentrum der Elfenbeinverarbeitung, und somit ist das Deutsche Elfenbeinmuseum hier am richtigen Ort (von der Hauptstraße schräg gegenüber vom Schloß nach links abbiegen).

Das Elfenbeinhandwerk in Erbach begründete der schon erwähnte Graf Franz I., der damit eigene künstlerische Ambitionen mit wirtschaftlichem Kalkül verband. Er hatte sich schon früh mit dem Elfenbeindrechseln beschäftigt und war dann auf die Idee gekommen, dieses Handwerk in seinem wirtschaftlich rückständigen Ländchen anzusiedeln, um so neue Verdienstmöglichkeiten zu schaffen. Als er 1783 eine eigene Zunft gründete, wurde er auch umgehend zum Obermeister ausgerufen, konnte er doch zwölf selbstgefertigte Schnupftabaksdosen vorlegen.

Vor mehr als 200 Jahren war Natur- und Artenschutz noch ein Fremdwort. Das Museum betont deshalb ausdrücklich, daß es selbstverständlich alle Bemühungen um Einhaltung des Artenschutzes unterstützt. Zu sehen sind damals aus Elefantenzähnen hergestellte Skulpturen und Broschen, Schachfiguren, Spiegelrahmen, Bierhumpen, Vasen oder Schiffsmodelle. Zu der Elfenbeinschau gehört auch das Bernsteinkabinett, unter anderem mit einem prunkvollen Schiffsmodell aus Gold und Bernstein, 1,50 Meter lang und 1,30 Meter hoch. Das Museum ist täglich von 10 bis 12.30 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen drei, Kinder eine Mark. Und dafür kann man auch - außer montags - einem Elfenbeinschnitzer bei der Arbeit zusehen (Telefon 0 60 62 1 30 18).

 

Landratsamt:

Das enorme Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert löste in den südhessischen Städten in der Zeit des Jugendstils einen regelrechten Bauboom aus. Nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Verwaltungsgebäude aller Art mußten neu errichtet werden. Aus dieser Zeit stammt beispielsweise das von Karl Hofmann gebaute Odenwälder Landratsamt in Erbach, ein schloßähnliches Bauwerk im Stil der Deutschen Renaissance.

 

Bierlehrpfad:

Nicht in Bayern, nicht in Köln und auch nicht in Belgien, sondern in Erbach wurde jüngst der angeblich weltweit erste Bierlehrpfad eröffnet. Wir parken am ausgewiesenen Parkplatz zum Touristik-Zentrum gegenüber dem Schloß und schlendern am Mümlingufer zum Erbacher Brauhaus. Da stehen schon die ersten kupferfarbenen Schilder in der Form einer Sudpfanne, die auf die Zutaten zu einem gescheiten Bier hinweisen: Hopfen, Weizen, Gerste. Auch Emmer ist eine Art Hartweizen, mit dem schon die Ägypter ihr Bier brauten. Beginnen wir mit einem Pils im Erbacher Brauhaus. „Die haben schließlich den ganzen Lehrpfad bezahlt“.

Die nächste Station ist jedenfalls keine Kneipe, sondern der Torbogen des Alten Rathauses und dann das Tempelhaus, ein mittelalterlicher Bruchstein-Speicher mit Treppengiebel. Durch die Erasmus-Pforte gelangen wir auf ein Brücklein, das die Mümling überquert. Ihr folgen wir in Fließrichtung.

Man läuft von Schild zu Schild und erfährt alles über das Reinheitsgebot, schlummernde Enzyme und das „Wölfchen“, wie der Hopfen, auf Lateinisch „humulus lupulus“, übersetzt heißt. Vor 150 Jahren soll es in Erbach zwölf Brauereien gegeben haben. Am Schwimmbad lernt man, was die Hefe veranstaltet und wie unser Lieblingsgetränk gärt, oben und unten. Während die Mümling über kleine Stufen mümmelt, spaziert man zum Schild „Abfüllung“. Alles nur Theorie. Besonders weil die Endstation, eine Brauereibesichtigung, nur für Gruppen ab zehn Personen und nur nach Anmeldung möglich ist. Anmeldungen für die Brauereiführungen, Telefon 06063 / 2469 (bei Sabine Brohm).

 

Noth Gottes:

Westlich der Stadt an einem Parkplatz liegt ein stiller Platz der Besinnung unter einem Kreuz: es ist die Stelle, an der sich die älteste Gottesdienststätte Erbachs befand, Not Gottes, eine kleine gotische Kapelle, deren Grundmauern noch erhalten sind. Hübsche Aussichtspunkte in der Nähe sind u. a. der Schollenberg und die Sophienhöhe.

Beiderseits des schmalen, von Wald umschlossenen Roßbachtales erstreckt sich einen Kilometer lang der Wildpark mit Dam- und Rotwild, Schutzhütten begrenzen Anfang und Ende. Das Tal wird im oberen Teil breiter, der Wald lichtet sich, so daß die roten Dächer des Weilers Roßbach sichtbar werden.

 

Erbach-Bullau

Die Evangelische Kirche St. Jakob (Fortunastraße 17) wurde erbaut im 12. Jahrhundert als Chorturmkirche, die heutige Gestalt ist von 1726. Sie enthält den  Fortuna­stein (römischer Votivaltar) und den Peststein von 1574 (Wanderung inElvira Klein, Odenwald, Seite 55.

 

 

Beerfelden

Beerfelden ist 795 Teil der Heppenheimer Mark; 1057 urkundlich erstmals erwähnt; 1328 Stadtrecht. Markt-, Kirchspiel- und Gerichtsort (auf dem Galgenberg). 1806 kam Beerfelden an Hessen-Darmstadt.

 

Mümlingquelle

Wenn man von Norden kommt, stößt man im Bereich der Brunnengasse auf der rechten Seite auf die Mümlingquelle. Die Löwenköpfe aus Messingguß speien unermüdlich Quellwasser aus zwölf Röhren. Leise plätschernd macht sich die Mümlimg von hier aus auf ihren gut fünfzig Kilometer langen Weg Richtung Norden durch den Odenwald, um dann nach Osten ins Unterfränkische abzubiegen und sich bei Obernburg dem Main zu ergeben. Der Zwölfröhrenbrunnen in der Brunnengasse ist eines der Wahrzeichen der Stadt Beerfelden im Odenwaldkreis.

Und war wohl bis vor rund hundert Jahren einer der belebtesten Plätze im Ort: Vor dem Bau der Wasserleitung zwischen 1895 und 1898 versorgten sich die Bewohner hier an der ergiebigsten Stelle mit Trinkwasser - wenn sie nicht an einem der zwanzig Ziehbrunnen Schlange standen oder aus einem Handbrunnen schöpfen konnten. Nahe der Mümlingquelle, gerade eben ein paar Schritte über die Gasse, einst Viehtränke und Waschplatz. Die Weber draußen vor den Toren der Stadt bedienten sich eigener Quellen zum Bleichen ihrer Leinwand-Tuchbahnen.

Das Laufbrunnen-Ensemble aus sechs hintereinander angeordneten Sandsteinwannen mit den sieben Rundsäulen und den obenauf sitzenden Urnen ist das Werk des gräflichen Baumeisters Jänisch nach dem verheerenden Stadtbrand von 1810. Vorher stand an dem Platz ein von Bäumen gesäumter Achtröhrenbrunnen. Im Jahre 1832 mußte das neugeschaffene Schmuckstück bereits für 1000 Gulden wieder instand gesetzt werden.

Vor drei Jahren brauchte die Anlage abermals eine Restaurierung - Auslaufrinnen und Bodenbelag wurden erneuert. Seit 1991 feiert die 7200 Einwohner große und stark vom Fremdenverkehr lebende Stadt jeweils im Mai ein Brunnenfest an dem von Sandsteinmauer und Eisengeländer eingefaßten bauhistorischen Denkmal.

 

 

Milchtankstelle  (im Norden der Stadt):

Am Bauernhof  Zimmermann gibt es eine "Milchtankstelle". Dort kann man sich selber in einem kleinen Holzhäuschen einen Becher Milch zapfen. Der Hof liegt imWalterbachweg 45. Wenn man von Norden kommt, biegt man rechts in die Hofwiese ein und dann die zweite Straße rechts.

 

Galgen (an der Landstraße nach Airlenbach)

Der schaurige Platz ist von flächigen Steinplatten wie von namenlosen Grabsteinen umrahmt. Einige Linden recken ihre knorrigen Äste wie Arme und Fäuste drohend gen Himmel. Etwa sechs Meter hoch sind die drei Sandstein-Säulen, die mit Querbalken zu einem so genannten Dreischläfer-Galgen verbunden sind.

Die Herren der Justiz vor vierhundert Jahren wählten den Ort mit Bedacht: Der Platz zur Hinrichtung von Delinquenten auf der Anhöhe nordwestlich von Beerfelden war weithin (zur Abschreckung) sichtbar und bietet überdies seit jeher ein prächtiges Landschaftspanorama. So bekamen Bösewichte nochmals die Schönheit der irdischen Welt vor Augen geführt, bevor das Todesurteil vollstreckt wurde.

An der einstigen Gerichtsstätte im südlichen Odenwald ist der einzige vollständig erhaltene „dreischläfrige“ Galgen (hier konnten drei Todesurteile gleichzeitig vollstreckt werden) in Deutschland zu sehen. Um 1550 wurde der in keinem Fremdenverkehrsführer als Tip ausgelassene Galgen am markanten Aussichtspunkt des damaligen Zentgerichts Beerfelden errichtet. Im Jahre 1597 ersetzten drei an die sechs Meter hohe Säulen aus Rotsandstein die hölzernen Pfähle. Sie bilden ein gleichförmiges Dreieck und sind mit Eisenstangen verbunden. er Galgen ist der besterhaltene dieser makabren Zeitzeugen in Deutschland.

An dem im 19. Jahrhundert wieder entdeckten und freigelegten Kreuz am Boden vor dem Galgen konnten die Todeskandidaten die Beichte ablegen und beten, bevor ihnen der Strick um den Hals gelegt wurde. Nacherzählte Geschichten von diesem schaurigen Ort gibt es etliche: So soll 1797 der Wilddieb Kaspar Sachs aus Kirch-Brombach straffrei davongekommen sein, weil er wegen seines dicken Kropfes aus der Schlinge rutschte.

Noch mehr Anekdoten gefällig? Die Eisengestänge am Galgen mußten erneuert werden, weil Kosaken, so wird kolportiert, 1814 nach der Völkerschlacht bei Leipzig hier lagerten und aus den Eisen Hufeisen für ihre Pferde schmiedeten. Und die Stadtchronik berichtet, ein in Beerfelden beim Zündeln erwischter Bäcker aus Wertheim sei zunächst mit einer glühenden Zange „gezwickt“ und dann am Galgen hingerichtet worden. Das Marterwerkzeug soll bis zum Stadtbrand 1810 am Rathaus gehangen haben.

Das letzte Opfer des Beerfelder Galgens war der Chronik zufolge im Jahre 1804 eine Zigeunerin, die wegen Diebstahls eines Huhns und zweier Laibe Brot für ihr krankes Kind vor einer gaffenden Menschenmenge mit dem Tod büßen mußte. Am „dreischläfrigen“ Galgen auf dem Galgenberg schlug ihr letztes Stündchen. Glaubt man den Überlieferungen, strömten die Einwohner Beerfeldens alle schnell zum Galgenberg, um ja nichts zu verpassen. Die Verurteilte hatte es a er nicht eilig und schrie wütend in die Menge: „Bevor ich nicht oben bin, geht’s doch nicht los!“

Der Galgenstrick hat nichts mit dem Galgen auf dem Galgenberg zu tun, sondern ist eine gedrehte, geräucherte und gut gewürzt Bauernwurst. Dazu paßt natürlich auch ein Gläschen „Galgenwasser“ und natürlich Apfelwein, der auch hier vorzüglich mundet.

 

Dicke Eiche (an der Landstraße nach Airlenbach)

Ein anderes Denkmal, diesmal von der Natur geschaffen, befindet sich im Stadtteil Airlenbach: die „Dicke Eiche“. Geschätzt wird ihr Alter auf 800 bis 1000 Jahre. Ihr Umfang beträgt 8,60 Meter und der Durchmesser 2,70 Meter. Der Stamm sieht aus, als gehöre er zu einem längst abgestorbenen Baum. Einige grüne Aste in der Kronenspitze zeigen, daß noch Leben in ihr ist. Der Baum gilt als einer der mächtigsten in diesem Lande.

Dieses Naturdenkmal ist vom Galgenberg aus zu Fuß in rund zwei Stunden zu erreichen, mit dem Auto in wenigen Minuten.

 

Viadukt:

Im Stadtteil Hetzbach ist das Himbächel Viadukt mit dem Krähbergtunnel zu sehen. Im vergangenen Jahrhundert galt es, die Odenwaldbahn an überregionale Strecken an zubinden. Dies brachte eine Reihe vor Problemen mit sich, da die Strecke nicht in der Talsohle lief, sondern auf den Hängen. So entstand das Himbächel-Viadukt mit einer Länge von 250 Metern und eine Höhe von 40 Metern. Das Tal wird vor zehn Halbkreisgewölben von je 20 Mete Durchmesser überspannt. Der Krähbergtunnel mit seinen 3100 Meter Länge ist der längste eingleisige Tunnel in Deutschland.

 

Kätchen Paulus

Am 22. Dezember 1868 zeigte der in Beerfelden geborene Maschinenschlosser Johann Wilhelm Paulus in Zellhausen bei Offenbach die Geburt einer Tochter an. Sie wurde auf den Namen Katharina getauft, aber Käthchen gerufen. Sie erhielt eine Ausbildung als Näherin und wäre es wahrscheinlich ihr ganzes Leben lang geblieben, wäre da nicht ein Hermann Lattermann gewesen, den sie mit 21 Jahren kennen- und lieben lernte. Lattermann war Ballonfahrer und Fallschirmspringer. Seine Leistungen überzeugten Käthchen Paulus so sehr, daß sie beschloß, den Beruf Näherin an den Nagel zu hängen und Luftschifferin zu werden.

Mit ihren Ballonfahrten und Fallschirmsprüngen erlangten Kätchen Paulus und Hermann Lattermann internationalen Ruf, so bei ihrem ersten Sprung in Frankfurt 1895. Von 1876 bis 1911 lebte sie in dieser Stadt. International bekannt wurde auch der von den beiden entwickelte „Kätchen-Palus-Fallschirm“ der vielen Piloten das Leben rettete. Am 26. Juli 1935 starb Kätchen Paulus und wurde in Berlin-Reinickendorf bestattet. Rund 25 Jahre später erinnerten sich die Stadtverordneten an diese Frau, deren Vater aus Beerfelden stammte, und benannten eine Straße nach ihr.

 

Etzean (nordwestlich):   Pferdehof (Rennpferde)

 

Gammelsbach (besuchen auf dem Weg nach Eberbach)

In Gammelsbach, in einem tiefen Taleinschnitt zwischen Hirschhorner und Sensbacher Höhe, ist Brennholz sauber gestapelt, sind alle Fenster geputzt und die Gardinen akkurat gefältelt. Selbst der Gammelsbach, der im Süden von Beerfelden entspringt und bei Eberbach in den Neckar rauscht, zeigt keine Gammel-Allüren. In beinahe poetischen Kurven schlängelt er sich zu Tal und scheitelt das rund drei Kilometer lange Dorf in zwei Hälften.

Mit Herumgammeln hat dieser schmucke Ferienort sicher nichts zu tun. Die Namensforscher stochern in verschiedene Richtungen. Kurt Siefert, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, verfolgte alle Spuren. Aus dem Keltischen stammt das Wort „gam“ für einen Ort am Wasser. Auch das Altgermanische mußte herhalten mit „gaman“, was so viel wie lustig oder freundlich oder heiter bedeutet. Möglich ist aber auch ein burgundischer Ursprung, denn die Burgunder kamen aus Skandinavien und dort gibt es heute noch das Wort „gamel“ für alt wie „Gamel dansk“ (Alter Däne), ein bitterwürziger Kräuterschnaps. Kurt Siefert legt nochmals nach: „Es gibt eine Urkunde aus 772, daß ein gewisser Herr Stangart dem Kloster Lorsch einen Wald im Gebiet Gaminesbach schenkte.“

Gammelsbach darf sich als größter Batzen im touristischen Umsatz des Beerfelder Landes fühlen. Rund 100 Gästebetten privat und in drei Gasthäusern sowie viele, viele Ferienwohnungen bleiben von Frühjahr bis Herbst selten leer. Der Landgasthof „Grüner Baum“ lockt mit Saunalandschaft und griffigen Wochenendpauschalen übers Internet viele Gäste aus Frankfurt, Mannheim und Heidelberg an. Kegelclubs zieht es in den Gasthof Krone, der sich vor 380 Jahren aus einer Schmiede mit Brotzeitstube entwickelt hat.

Gammelsbach ist bekannt für seine Wildgerichte. Walter Denninger vom „Grünen Baum“ wie auch Gertrud Gerbig von der „Krone“ pflegen beste Beziehungen zum Förster und zu den Jagdpächtern. Große Populationen von Rotwild und Wildschweinen bevölkern die heimischen Wälder. Nur die Einbürgerung der Auerhähne ist nicht gelungen.

Über allem thront die Ruine des Schlosses Freienstein aus dem 13. Jahrhundert auf der Kuppe des Weckbergs. Einst sicherte es die südliche Herrschaftsgrenze der Schenken zu Erbach und diente im 18. Jahrhundert als Witwensitz des Grafenhauses. Nach dem großen Stadtbrand von Beerfelden erlaubte 1810 der Graf, Dachziegel und Bauholz der Burg für den Wiederaufbau der Häuser zu verwenden. Der dadurch drohende Verfall war nur schwer aufzuhalten.

alkengesäß, Finkenbach (Alte, schön restaurierte Mühle), Rothenberg (im Gabelsbacher Tal unterhalb von Rothenberg ist eine Quelle, die einen Wassermotor speist, der Wasser aus dem Gammelsbacher Tal hochpumpt).

 

Rothenberg (nördlich Hirschhorn)

Im Jahre 1353 erstmals urkundlich erwähnt wurde es als Lehen vom Kaiser an die Herren von Hirschhorn gegeben. Es ist Mittelpunkt des Amtes Rothenberg. Seit 1806 gehört Rothenberg zu Hessen.

Evangelische Kirche von 1882 ist Nachfolgebau einer Wehrkirche

Die Alte Pumpe ( L 3410 zwischen Rothenberg und Kortelshütte) wurde 1902 erbaut mit einem Antrieb durch den Schmid‘schen Wassermotor (Unikat).

 

Ober-Hainbrunn gehörte seit 1353 mit zur „Herrschaft Rothenberg“.

 

 

Katzenbuckel (628 Meter):

Östlich von Eberbach liegt Waldkatzenbach, nördlich davon der Parkplatz Katzenbuckel, dann muß man laufen. Von Wald-Katzenbach  auf blau bezeichneten Weg zum Gipfel des Katzenbuckels, der sich auf dieser Seite als alleinstehender Kegel aus der Buntsandstein-Hochfläche erhebt. Der mit Laubwald bedeckte Gipfel besteht aus Nephelin, einem vulkanisehen Gestein. Er trägt einen 18 Meter hohen steinernen Aussichtsturm, von dem sich die umfassendste  Rundsicht im Odenwald bietet. Man blickt über die unendlichen Wälder des Gebirges, nur von wenigen Ackerflächen durchbrochen. Im Norden in der Tiefe das Ittertal, in der Ferne nordwestlich der Taunus, nordöstlich der Spessart. Im Osten das Bauland, im Süden und Südosten Neckartal, Kraichgau, Schwarzwald, Schwäbische Alb, im Westen die Rheinebene. Abstecher nahc Nordwesten zur Freyaquelle.

Ober-Finkenbach war seit 1347 ständiger Besitz der Grafen von Erbach, während Unter-Finkenbach ein Teil der „Herrschaft Rothenberg“ war.

Ober-Hainbrunn gehörte seit 1353 mit zur „Herrschaft Rothenberg“.

 

Hesseneck:

In Hesseneck, der kleinsten Gemeinde Hessens, leben knapp 800  Einwohner auf 3000 Hektar. Hesseneck besteht aus den Ortsteilen Hesselbach, Kailbach und Schöllenbach.

 

Hesselbach:

Bildstock am Ortsrand

Kirche mit Dachreiter und Schwarzer Madonna.

Gasthaus „Grüner Baum“.

Sehenswert ist der Verlauf des Limes durch den Ortsteil Hesselbach mit dem gleichnamigen Kastell und Wachtturm-Fundamenten.

 

Schloß Waldleiningen:

Von der Kirche Weg durch Wald bergan zu dem hochgelegenen Dorf Hesselbach, 480 Meter, einem ur­alten Ort an der Stelle eines Römerkastells. Weiter quer über die Hoch­fläche, die eine weite Aussicht bietet, zum Eingang des Fürstlich leinin­genschen Wildparks und in diesem steil abwärts zum Schloß Waldleiningen.

Ausflüge von Kailbach nach Schloß Waldleiningen bzw. Ernsttal. Bequeme Straße durch ein schönes Wald-Wiesen-Tal; von der Drehplatzbrücke (bei der badisch-hessischen Grenze) an rot bezeichnet; nach 10 Minuten Fußweg links ab und steil aufwärts zur Seitzenbuche (407 Meter), wo die Straße wieder erreicht wird. Ehemalige Wacht­station des Odenwald-Limes mit einem römischen Heiligtum (die Stand­bilder der Götter Mars, Victoria und Salus jetzt in Karlsruhe). Von der Seitzenbuche links (Weg nach Hesselbach) und rechts. zum Schloß Waldleiningen oder von der Seitzenbuche auf der Straße weiter abwärts nach Ernsttal.

 

Kastell Hesselbach (am Ostrand des Ortes):

Das südlichste Limeskastell Hessens liegt auf einer schmalen Hochfläche (500 m NN) des Buntsandstein-Odenwaldes am nordöstlichen Ortsrand von Hesselbach, am Weg nach Würzberg. Es ist schon seit der Frühzeit der Limesforschung bekannt. Ch. E. Hansselmann schrieb 1768 über Hesselbach: »Daselbsten findet man ... rudera eines alten römischen Schlosses« und vermutete, daß es an einer Limeslinie lag. Zwar sind heute keine Mauern mehr zu sehen, doch bilden die Reste der Umwehrung einen deutlich erkennbaren, flachen Erddamm, den man rundum in der Wiese und am Wegrand wahrnehmen kann. Als das Waldhufendorf Hesselbach im hohen Mittelalter gegründet wurde, stand das Mauerwerk der Ruine noch aufrecht, und daher mußte der Weg nach Würzberg außen um die Mauer geführt werden. Aus diesem Grund zeichnet das heutige Wegenetz den Umriß des Kastells so deutlich nach.

Das Haupttor wendet sich nach Nordosten, gegen die Limeslinie, die in etwa 145 Meter Entfernung vorbeizog. Sie ist hier wie überall im Odenwald nicht sichtbar, weil der Limes schon vor dem Bau von Wall und Graben verlegt worden ist. Doch fand man im Boden bei Ausgrabungen die Spur der hölzernen Palisade.

Das Kastell gehörte zu der Kette recht gleichartiger Numeruskastelle des Odenwaldlimes. Es hatte lediglich die Aufgabe, die Wachtmannschaften für die angrenzende Limesstrecke zu beherbergen. Die steil abfallenden Ränder der schmalen Hochfläche behindern jeglichen Verkehr in Ost-West-Richtung, so daß für dieses Kastell die Gefahr germanischer Oberfälle besonders gering war. Vermutlich ist es an dem sanft nach Südwesten in Richtung auf den Dorfkern geneigten Hang deswegen entstanden, weil dort eine Quelle zutage tritt. Im Mittelalter lag sie neben der Kirche; sie führte den Namen »Ottilienquelle« und galt als heilkräftig bei Augenleiden.

Das kleine Kastell (0,6 Hektar) war vermutlich für einen Numerus Britonum bestimmt. Es entstand um 100 nChr zunächst als reines Holzkastell, bei dem auch die Umwehrung aus Holz gebaut war. Unter Kaiser Hadrian erhielt es eine einfache, steinerne Umwehrung ohne Mörtelbindung (»Trockenmauer«), die in den 40er Jahren des 2. Jahrhunderts durch eine richtige Mörtelmauer ersetzt worden ist. Ihre Reste liegen dicht unter der Grasnarbe der Wiese.

Die Außenfronten waren mit schönen Hausteinen ausgeführt, die Torbauten mit steinernen Bögen versehen und mit Gesimsen und Profilen geschmückt. Hinter der Steinmauer befand sich ein Erddamm, dessen Reste man noch sieht. Der römische Wehrbau wurde wie die übrigen Militärbauten der Odenwaldlinie in der Mitte des 2. Jahrhunderts aufgegeben. Darauf hat für eine kurze Zeit ein römischer Handwerksbetrieb innerhalb der verlassenen Mauern Eisen verhüttet. Als er seine Tätigkeit bald nach der Mitte des 2. Jahrhunderts einstellte, fiel die Ruine für mehr als ein Jahrtausend der Vergessenheit anheim und wurde vom Wald überwuchert. Erst bei den Rodungen für das Waldhufendorf im hohen Mittelalter wurde sie wieder freigelegt.

Das Kastell gehört zu den wenigen Truppenlagern am Limes, deren Innenbauten vollständig untersucht worden sind. Diese bestanden in allen Bauphasen aus Fachwerk. Sie sind in den ungefähr 60 Jahren, in denen das Kastell besetzt war, zwar einmal grundlegend erneuert worden, wurden dabei aber nicht prinzipiell verändert. Der Plan zeigt den späteren Zustand. In der Mitte befand sich, wie üblich, das Stabsgebäude (princzpia), das hier recht klein war und nur die allernotwendigsten Räume enthielt. Seitlich wurde es von je zwei Unterkunftsbaracken flankiert, in denen die rund 150 Mann starke Besatzung wohnte. Unter den übrigen Innenbauten befand sich die Wohnung des Kommandeurs des Numerus, eines dafür abgestellten Legionscenturio, ferner gab es Magazine und Ställe. Obgleich Kastell Hesselbach nur ein recht kleiner, abgelegener Wehrbau war, ist er doch nach den strikten Normen des römische Heeres gebaut worden.

Die ersten Ausgrabungen unternahm F. Kofler im Mai 1895 im Auftrag der Reichslimeskommission. Er stellte den Verlauf der Umwehrung fest und veröffentlichte die Ergebnisse im Limeswerk. Umfangreichere Untersuchungen hat das Saalburgmuseum 1964–66 ausgeführt; sie wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt. Ihr Ziel war es, die Innenbauten genauer zu untersuchen und die Geschichte des kleinen Wehrbaus zu klären. Nach Abschluß der Ausgrabungen wurde der alte Zustand sorgfältig wiederhergestellt.

 

Kailbach:

Bei Kailbach befindet sich der Haintalviadukt der Odenwaldbahn. Er besteht bei einer Länge von 173 Metern und einer Höhe von 30 Metern aus neun Bögen mit je 15 Meter Spannweite.

Er ist in seiner Bauweise eine verkleinerte Kopie des Himbächel-Viadukts.

 

Schöllenbach:

Der östliche Ortsteil ist badisch. Die Quell- und Wallfahrtskirche (Kirchbrunnenstraße) wurde unter dem Erbacher Schenken Philipp IV. 1465 erbaut und geweiht (andere Angabe 1462). Die ursprünglich dreischiffige, spätgotische Wallfahrtskirche erhielt ihre heutige Gestalt 1782 und wurde  1865 neugotisch restauriert. Eine starke Quelle tritt unter der südlichen Kirchhofsmauer hervor, speist  einen ehemaligen Waschplatz und ergießt sich in den unmittelbar vorbei fließenden Euterbach. Sie war der heiligen Ottilie geweiht, ihr Wasser wurde wie das der Hesselbacher Quelle früher gegen  Augen- und Frauenleiden benutzt.

 

Eutersee (westlich von Hesselbach, an der Grenze nach Baden-Württemberg):

Heute bietet das Wasser im Sommer eine Menge Spaß und Freizeitvergnügen, zumindest im Eutersee. Dessen Wasser erwärmt sich durch den ständigen Zulauf  zwar kaum, der große See, von Wiesen und Wäldern umgeben, ist aber dennoch ein beliebtes Ausflugsziel - und ganz Mutige oder Hitzige scheuen auch das Schwimmen nicht. Mit 8 Grad ist der Eutersee der kälteste See Hessens.

Von Kailbach kommt man nach Schloß Waldleiningen und von dort entweder nach Würzberg oder Amorbach.

 

Vielbrunn

Der Name Vielbrunn weist auf den Quellenreichtum im Bereich des Ortes hin. Wahrzeichen des Luftkurortes ist der Vierröhrenbrunnen. Die Evangelisch-Lutherische Kirche (Ohmbachtalstraße 24) hat einen Turm von 1495, Fresken sind erhalten. Das Kirchenschiff von 1730 hat die originale Innenausstattung und Grabsteine des 18. Jahrhundert.

Das Vielbrunner Wasserwerk aber ist nur zugänglich über Bremhof, zu dem man in Höhe des Kastells Hainhaus nach Osten abbiegt. Man fährt nach Bremhof hinein und im Ort im rechten Winkel nach links.  Auch dann hält man sich weiter links bis zum  Waldrand.  Man darf aber nicht an der kleinen Gaststätte parken, sondern vielleicht am Weg vor dem  Wald rechts an der Schutzhütte. Der Fußweg durch den Wald ist etwa 900 Meter lang.

Man geht am Bach entlang immer weiter das Geierstal hinab. Wenn man an das moderne Wasserwerk (PW= Pumpwerk) kommt, sind es noch 300 Meter. Man muß aber noch nach links abbiegen zum Bach hinter. Dort steht das historische Wasserwerk Vielbrunn.

Es ist der erste Nutzbau im Jugendstil, den man so versteckte, damit es nicht so schlimm war, wenn er mißraten wäre. Erbaut wurde es 1905 als Jugendstil-Experiment: Damals wollte man ausprobieren, ob sich dieser Stil von Wohnhäusern auch auf Industriebauten übertragen läßt. Da aber kein Architekt das Risiko des ersten Versuchs auf sich nehmen und seinen Ruf aufs Spiel setzen wollte, kam der Auftrag für das Wasserwerk Vielbrunn wie gerufen: im Wald konnte man quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit ausprobieren, ob Industrie und Jugendstil zusammen passten.

Es funktionierte: Mehrere Jahrzehnte, bis 1967, war das Wasserwerk in Betrieb. Danach verfielen das Bauwerk und die Pumpe in seinem Inneren. Aber 1995 bekam der selbständige Dreher Bernd Weinthäter den Auftrag, die Pumpe zu konservieren. Ursprünglich sollte er lediglich den Rost entfernen - doch er hatte den Ehrgeiz, die Maschine wieder zum Laufen zu bringen. Sie wurde in Michelstadt gesandstrahlt und dann an Ort und Stelle gestrichen und wieder zusammengebaut. Nach zwei Jahren Arbeit war es soweit: längst ist das alte Wasserwerk wieder funktionsfähig.

Im Inneren gibt es zwei heute wieder funktionsfähige Peltonrad-Pumpwerke. Hierbei wird das vom Berg herabkommende Wasser genutzt, um die  Pumpe zu betreiben.  Diese pumpt dann das Wasser von etwa 300 Meter Höhe auf 450 Meter Höhe zum Hochbehälter von Vielbrunn. Eine Pumpe lief immer, die andere stand als Ersatz bereit.

Im Jahre 2005 war die Hundertjahrfeier des Wasserwerks mit Wildschweinessen am neuen Wasserwerk und einem Gottesdienst am alten Pumpwerk.

 

Eine  Informationstafel erläutert: Schauen Sie sich  das merkwürdige Wasserwerk Vielbrunn einmal genauer so. Die pompös geschwungene  Eingangspforte trägt einen dekorativ geschwungenen Spitzbogen, darunter ein halbrundes Oberlicht.

Auch die Brunnenkammer hat ein ähnliches Gesicht, und die Fassade ist mit mächtigen Buckelquadern verziert. An diesem historischen Wasserwerk aus dem Jähr 190d entdecken sie die Elemente des Jugendstils, ein seltenes Zeugnis  dieser Kunstrichtung der Jahrhundertwende. Doch wie kommt der Jugendstil ins abgelegene des Ohrenbachtal zwischen Bremhof und Geiersmühle? Und warum wurde die kunstvolle Gestaltungsweise in einem reinen Zweckbau, einem Wasserwerk, angewendet? Nicht allzu weit entfernt, in Darmstadt, gründete der letzte Großherzog arm Hessen Darmstadt 1899 eine Künstlerkolonie und schuf ein Zentrum des Jugendstils, dessen künstlerischer Geist auch in die Umgehung ausstrahlte.

Der Großherzog trieb zudem die Modernisierung ländlicher Wasserversorgung voran. So kam das Wasserwerk Vielbrunn zum Jugendstil, welcher das Ziel verfolgte, Kunst in den Alltag einzubeziehen. Alltäglichkeiten sollten im neuen Stil gestaltet werden, damit Kunst und Leben mit einander verschmelzen. „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst“, war die Vision des Darmstädter Kunstmäzens, und so begann selbst im abgelegenen Ohrenbachtal alsbald die Kunst zu erblühen. Auch in seinem Inneren erweist sich das Wasserwerk Vielbrunn als  prachtvolles Denkmal der Ingenieurskunst und Technikgeschichte. Das Herz der Anlage ist ein 1969

stillgelegter Pelton-Motor, der einst dazu diente frisches Quellwasser aus dem Tal in einen 168 Meter höher gelegenen Wasserbehälter zu pumpen. Mit solchen hydraulischen Pumpmotoren begann um 1900 das Zeitalter der zentralen Wasserversorgung im Odenwald. Das Peltonpumpwerk ist heute noch vollständig erhalten und wurde 1996 unter Leitung des Vereins Museumsstraße Odenwald-Bergstraße wieder wieder gangbar gemacht und fachgerecht restauriert.

Eine Miniaturausgabe des technischen Systems findet man ein Stückchen vor dem Pumpwerk.

Dort ist ein „Stoßheber“ oder „hydraulischer Widder“. Das ist eine Wasserhebemaschine, die keine fremde mechanische oder elektrische Energie benötigt. Das mit einem Gefälle aus einer Quelle zufließende Wasser dient als Antriebskraft. Seine Erfindung wird Montgolfiere 1796 zugeschrieben. Wenn fließendes Wasser in einer Rohrleitung plötzlich gestoppt wird, entsteht ein Druckstoß, der ein Mehrfaches des statischen Druckes erreicht. Diese Tatsache wird beim Stoßheber für die Förderung eines Teilwasserstromes ausgenutzt. Der Stoßheber kann das 25fache der Triebhöhe (Höhendifferenz zwischen Quelle und Stoßheber) in Förderhöhe umsetzen. Die Menge des geförderten Wassers ist vom Verhältnis Triebhöhe zu Förderhöhe abhängig.

Das Wasser wird hochgepumpt auf den breiten Forstweg. Dort ist etwas unterhalb der Abzweigung zum Pumpwerk  aus einem Trog und einem Mühlstein ein Brunnen gebaut worden, eine Sitzbank ergänzt den Brunnen.

Die Anlage kann man aber nur am „Tag des offenen Denkmals“ am zweiten Sonntag im September besichtigen. Oder man wendet sich an den Verein Museumsstraße Odenwald-Bergstraße

Information Bernd Weinthäter, Rudolf-Marburg-Straße 17, 64720 Michelstadt, Telefon: 06061 5427, Fax: 06061 71102, E-Mail: weinthä Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . eine Besichtigung ist nach Vereinbarung mit Bernd Weinthäter jederzeit möglich.

 

Der Name Vielbrunn weist auf den Quellenreichtum im Bereich des Ortes hin. Wahrzeichen des Luftkurortes ist der Vierröhrenbrunnen.

Das historische Wasserwerk Vielbrunn: Im Wald südöstlich des Bremhofes im Geierstal/ Vielbrunn-Bremhof liegt das Wasserwerk .Von Bremhof fährt man in Richtung Südosten, Markierung auf der Karte PW (=Pumpwerk).

Im Wald versteckt liegt ein Wasserwerk im Jugendstil, der erste Nutzbau im Jugendstil, den man so versteckte, damit es nicht so schlimm war, wenn er mißraten wäre. Es ist ein geheimnisvolles Bauwerk mitten im Wald - das ehemalige Wasserwerk bei Vielbrunn im Odenwald. Erbaut 1905, war es ein Jugendstil-Experiment:

Damals wollte man ausprobieren, ob sich dieser Stil von Wohnhäusern auch auf Industriebauten übertragen läßt. Da aber kein Architekt das Risiko des ersten Versuchs auf sich nehmen und seinen Ruf aufs Spiel setzen wollte, kam der Auftrag für das Wasserwerk Vielbrunn wie gerufen: im Wald konnte man quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit ausprobieren, ob Industrie und Jugendstil zusammen passten. Es funktionierte: Mehrere Jahrzehnte, bis 1967, war das Wasserwerk in Betrieb. Danach verfielen das Bauwerk und die Pumpe in seinem Inneren - bis 1995 der selbständige Dreher Bernd Weinthäter den Auftrag bekam, die Pumpe zu konservieren. Ursprünglich sollte er lediglich den Rost entfernen - doch er hatte den Ehrgeiz, die Maschine wieder zum Laufen zu bringen. Nach zwei Jahren Arbeit war es soweit: längst ist das alte Wasserwerk wieder funktionsfähig - auch wenn es zur Wasserversorgung natürlich nicht mehr gebraucht wird. Im Inneren gibt es zwei funktionsfähige Peltonrad-Pumpwerke.

Träger: Verein Museumsstraße Odenwald-Bergstraße

Information Bernd Weinthäter, Rudolf-Marburg-Straße 17, 64720 Michelstadt

Telefon: 06061 5427, Fax: 06061 71102, E-Mail: weinthä Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Besichtigung Nach Vereinbarung mit Bernd Weinthäter jederzeit möglich - und lohnt sich für Technik- und für Naturfreunde: Das ehemalige Wasserwerk liegt mitten im idyllischen Wald bei Vielbrunn-Bremhof. Am 1. und 28. Mai 2008 (Pfingstmontag) ist es zudem den ganzen Tag zugänglich.

 

Lützelbach-Rimhorn (östlich von Höchst):

Das ehemalige Pretlack‘sches Palais ist 1733 erbaut als Rimhorner Hof, ein neunachsiges Herrschafthaus mit zweiläufiger Freitreppe, Mansarddach und Zwerchhaus. Die Wirtschaftsgebäude sind abgerissen.

Es befindet sich in der Rathausstraße 29, die man erreicht, wenn man die erste Straße im Ort rechts hinauffährt und dann nach links einbiegt. Das Haus ist allerdings nicht besonders sehenswert, weil noch nicht restauriert.

 

Neustadt im Odenwald:

Ein freundliches altes Städtchen im weiten, fruchtbaren Tal der „Blumenau”, als ruhige Sommerfrische sehr zu empfehlen. Die Verleihung der Marktgerichtsbarkeit geschah im Jahre 1378, woran das Holzkreuz mit der Schwurhand und dem Schwert in der Stadtmitte erinnert (1646 aufgestellt, 1788 und 1949 erneuert). Über dem Ort Aufstieg thront auf steilem Kegel die mächtige Burg Breuberg (306 Meter)

 

Burg Breuberg

Schöner und prachtvoller denn je präsentiert sich die großartige Anlage über dem Mümlingtal im nordöstlichen Odenwald. Diese im Laufe von Jahrhunderten entstandene Anlage gehört zu den besterhaltenen deutschen Wehrbauten, ein Lehrbeispiel für Stilepochen von der Romanik über die Gotik zur Renaissance. Vom Bachgrund aus betrachtet, überragen die Dächer und der Bergfried kaum die Baumwipfel auf dem 150 Meter hohen Sandsteinfelsen.

Erst beim Nähertreten lassen sich die Gesamtdimensionen der Bauten und auch der Arbeiten ermessen, die zu ihrem Erhalt geleistet wurden. Die doppelte Ringmauer, Zwinger, Türme, Tore und die gewaltigen Geschützbastionen mit bis zu sechs Meter starken Mauern sind in ihrer ursprünglichen Wehrhaftigkeit wieder entstanden - besonders eindrucksvoll vom Zinnenkranz des quadratischen Bergfrieds zu überschauen.

Die Burg ist eine der besterhaltenen und umfangreichste Burganlagen, erbaut von etwa 1185 – 1610. Im 12. Jahrhundert wurde die Vogteiburg durch die Abtei Fulda gegründet. Vögte waren bis 1323 die Herren von Breuberg, bis 1556 die Grafen von Wertheim. Danach ging der Besitz an Erbach und Stolberg-Königstein. Anfang des 17. Jahrhunderts kam die Burg an die Grafen von Löwenstein, 1806 an Hessen. Heute ist die Burg gemeinschaftliches Eigentum der Fürsten von Schönberg und Löwenstein-Wertheim und Jugendburg.

Am Burgtor Kopf des „Breileckers“. Es handelt sich um einen Trutzkopf. der den unerbetenen Gast verspotten soll. Ober dem Burgtor Wappenstein, der an die letzte große Burgerweiterung von 1499 erinnert. 25 m hoher Bergfried (prächtiger Rundblick).

Aus romanischer Zeit stammen das Säulenportal und der mächtige Bergfried der Kernburg; um 1500 durch äußere Befestigungen mit vier Geschütztürmen zu einer starken Festung, Anfang des 16. und 17. Jahrhunderts schloßähnlich ausgebaut.

Spätgotischen Stil zeigen Palas, Frauenhaus, Kapelle und Altbau, darin der 85 Meter tiefe Brunnen mit Hebewerk; das Zeughaus.

Für die Besichtigung des schönsten Kleinods auf Burg Breuberg wird man sich einer Führung durch das Museum anschließen. Nur bei dieser Gelegenheit kann man die herrliche Stuckdecke im Kasimirsbau besichtigen. Der zu Beginn des 17. Jahrhunderts von einem unbekannten Meister ausgestaltete Saal zeigt eine Vielzahl von Ahnenwappen, Plastiken und allegorischen Figuren aus der römischen und griechischen Mythologie, die im hiesigen Raum ohne Beispiel sind. Im Museum Breuberg befindet sich ein Viergötterstein.

 

Der Arnheiter Hof unterhalb der Burg war ehemals ein römischer Gutshof. Hier wird eine alte Kapelle aus der Zeit Karls des Großen rekonstruiert, die als Holzstall genutzt wurde und erst jetzt wieder als Kapelle entdeckt wurde. Aus jener Zeit gibt es große Basiliken wie die Einhardsbasilika in Michelstadt, aber eine vergleichbare Kapelle aus dieser Zeit gibt es nördlich der Alpen sonst nicht mehr.

 

Breuberg-Wald-Amorbach (nördlich der Burg Breuberg):

Die Evangelische Kirche (Kirchstraße 1) wurde bis 1741 erbaut als Bartholomäus­kirche.

 

Sandbach: Gruftkirche der Wertheimer Grafen.

 

Römische Siedlung bei Breuberg-Sandbach:

In Sandbach folgt man dem Schild „Ernst-Ludwig-Klinik“ nach Norden und dann nach rechts.  Am Parkplatz unterhalb der Schranke kann man parken. Man geht dann die Teerstraße durch die Klinik aufwärts und dann auf einemWaldweg im Rechtsbogen um den Berg herum. Nach rechts geht dann im spitzen Winkel ein Weg hoch. Die dort eingezeichnete Wiese ist aber längst zugewachsen. Der Weg endet auf der Karte im Wald, ist aber jetzt wieder freigeschnitten. Wenn er nach links abbiegt, trifft er auf einen gut ausgebauten, geschotterten Forstweg, die alte Frankfurter Straße.

Hier geht man noch etwa 100 Meter nach rechts und sieht dort schon die Informationstafel für die römische Siedlung, im Volksmund das „Wamboltsche Schlößchen“ genannt.

Das Adelsgeschlecht der Wambolt ist seit dem 13. Jahrhundert im Umstädter Raum ansässig.  Zu seinen Besitzungen gehört auch das Waldstück am „Alten Frankfurter Weg“, was noch heute die historischen Grenzsteine von 1802 belegen. Die noch deutlich sichtbaren Schutthügel auf diesem Gelände, die Reste ehemaliger Steinbauten, nährten die Überlieferung, daß hier einmal eine Burg gestanden hätte, der eigentliche Stammsitz der Wambolt von Umstadt.

Der  historische Verein für das Herzogtum Hessen ließ im August 1878 im Rahmen eines Ausflugs zu den Ruinen des „Wambolt’schen Schößchens“ einen Schnitt durch den größten Hügels legen.

Der große, westlich der Straße gelegene Schutthügel wurde angegraben und einige Ziegel- sowie Mörtelbruchstücke neben dem Teil eines Mahlsteins konnten geborgen werden. Eine Mauer aus behauenen Steinen von ein Meter Stärke  wurde freigelegt. Die Frage nach Alter und Zweckbestimmung der Anlage wurde  aber nicht geklärt. In einer Nachgrabung im gleichen Jahr konnte anhand von Funden dann der römische Ursprung der Anlage nachgewiesen werden.

Die inzwischen aufgegebene Planung der Odenwald Autobahn, die das „Wamboltsche Schlösschen“ tangiert hätte, veranlasst das Landesamt für Denkmalpflege Hessen 1977 zu einer Sondierungsgrabung. Es wurden Teile vorn sogenannten „Gebäude I“ freigelegt, die Umfassungsmauern wurden zweimal geschnitten.

Der römische Ursprung wurde bestätigt,  die wenigen Funde lassen jedoch keine Zweckbestimmung oder genauere Datierung zu. Wegen der offensichtlichen Bedeutung der Anlage beauftragt die Obere Denkrnalschutzbehörde, Außenstelle Darmstadt, die „Archäologische und Volkskundliche Arbeitsgemeinschaft  e.V. (AVA) mit der Fortführung der Ausgrabungsarbeiten.

Ab 1980 erfolgte die systematische Ausgrabung von Gebäude I und den Anschlussstücken der Umfassungsmauern durch die  AVA. Neben laufendender Dokumentation des Grabungsfortgangs und wichtiger Befunde durch  Fotos und Zeichnungen und dem Vermessen der Mauern kam es zur Abtragung der zum Teil schiefen und gestörten  Mauern bis auf die Fundamentsteine. Auf den Fundamenten und in Originallage wurden die Mauern  in der vorgefundenen Schalenbauweise und bis zu einer durch die Ausgrabungen belegten Höhe wieder errichtet. Als letztes Teilstück wurde die Südost-Ecke der Umfassungsmauer freigelegt und restauriert.

Im 25. Lebensjahr der AVA, im Mai 19956, kam die in Teilen restaurierte und durch Informationstafeln ergänzte Anlage der Bevölkerung vorgestellt und übergeben werden. Sie ist das Beispiel  für eine Anlage im Hinterland des Limes, bei der sich das Mauerwerk in hervorragendem Zustand und in noch beträchtlicher Höhe erhalten hat und die nahezu 2000 Jahre in ungestörtem Zustand als Ruine überdauert hat.

Deutlich im Waldboden als Wall zu erkennen ist eine scharfwinklige Umfassungsmauer von unregelmäßiger Seitenlänge (Süd-West etwa 60 Meter, Nord-West 75 Meter, Nord-Ost etwa 80 Meter, Südostseite 90 Meter). In einen Mauerwinkel dieser Front ist ein Gebäude eingezogen, das in einer Grabung 1977 teilweise untersucht werden konnte. Dieses Gebäude I bestand bereits als die Umfassungsmauer errichtet wurde. Das aufgehende Mauerwerk war zwischen 6 und 10 Steinlagen erhalten. Reste eines Bodens waren nicht mehr vorhanden. In der Nordwest-Ecke des Gebäudes I wurde ein turmartiges Fundamentviereck freigelegt, das möglicherweise ebenfalls später hinzugefügt bzw. verbreitert worden ist. Innerhalb des von der Umfassungsmauer beschriebenen Areals zeichnen sich im Waldboden weitere Fundamentreste ab, deren Untersuchung noch aussteht. Das bisher geborgene Fundmaterial ist äußerst dürftig. Wenige Keramikscherben sowie eine stark korrodierte Eisenplatte, die in Gebäude I gefunden wurde, lassen es nicht zu, die Anlage exakt zu datieren.

 

Die Frage nach der Funktion des Gebäudes ist nur schwer zu beantworten, da bisher nur ein Bruchteil der Gesamtfläche untersucht wurde. Somit sind wir über die Innenbebauung nur ungenügend informiert. Auffallend sind jedoch der in seinen Winkeln unterschiedliche Verlauf der Außenmauer und die drei großen rechteckigen Baustrukturen im Inneren.  Da für eine militärische Nutzung das Objekt zu weit vom Limes entfernt ist, ist  von einer zivilen Funktion auszugehen. Möglich wäre die Funktion einer Straßenstation, zumal eine römische Straße unmittelbar an der Fundstelle vorbeiführt. Für einen Tempelbezirk könnten der nicht rechtwinklige Verlauf der Außenmauern und die rechteckigen Fundamente ohne Zugang sprechen. Da jedoch bisher noch keine solche Anlage in Hessen bekannt ist, muß das zunächst fraglich bleiben.

Wahrscheinlich handelt es sich aber um einen römischen Gutshof (villa rustica), der hier auf weidewirtschaftlicher Grundlage existierte. Römische Gutshöfe kommen hingegen häufig vor. Hier treten bei Hauptgebäuden jedoch normalerweise nur rechtwinklige Mauerverläufe auf, es sei denn, es handelt sich um Wirtschaftsbereiche.

 

Informationstafeln an der römischen Siedlung in Breuberg:

Die Mauern: Freilegung, Restaurierung, Dokumentation

Mauertechnik: Alle vorgefundenen Mauern und sind in der typisch römischen Schalenbauweise errichtet. Über einer etwa 60 Zentimeter in den Boden eingebrachten Fundamentstickung und den Fundamentsteinen wurde das aufgehende Mauerwerk errichtet.

Es besteht aus zwei äußeren Schalen, aus sorgfältig behauenen Schalsteinen und einer zwischen diesen Schalen eingebrachten Füllung aus Steinabschlägen, Steinbruchstücken und Mörtel. Diese Füllung bildet den Mauerkern. Die Schalsteine sind von gleichmäßiger Dicke. Die sichtbaren Frontsteine sind viereckig. Es entsteht so aus der Frontschicht das einer Backsteinmauer vergleichbare regelmäßige Mauerwerk.

Die Steine werden an der Frontseite ohne deutliche Fugen aneinander gestoßen. Um einen Verbund untereinander und mit dem Mauerkern zu erreichen, nimmt ihre Breite in das Innere stark ab (in der Aufsicht dreieckig). Im Gebäude I waren noch bis zu acht Steinlagen erhalten.

 

Freilegung der Mauern: Eine verstürzte Mauer zeichnet sich im ungestörten Gelände als flacher Wall ab. Bis zur noch erhaltenen Höhe ist der Mauerzug eingebettet ins Erdreich, das mit den Steinen der höheren Lagen durchsetzt ist. Durch mechanische Einwirkung wie zum Beispiel Anlage eines Weges, Pflügen) und durch Bewuchs (Bäume, Sträucher) kann das im Boden Erhaltene stark gestört sein. Alle später restaurierten Mauerstücke wurden bis auf den Fundamentbereich freigelegt.

Dokumentation: Eine Fotografie genügt nicht für die Dokumentation, weil es dabei zu Verzerrungen kommt. Vielmehr muß die Fundstelle auf Millimeterpapier übertragen werden. Mit einem Nivelliergerät werden markante Punkte in ihrer Höhe zu einem Bezugspunkt eingemessen.

Restaurierung: Nach Freilegung der Mauerzüge war ersichtlich, daß sie im Originalzustand nicht zu erhalten waren (Schieflage, Störungen). Alle Mauern wurden daher bis auf die Fundamentsteine abgetragen, die in Original („in situ“) verblieben. Die Mauern wurden sodann an das Original und in römischer Technik bis zu einer durch die Befunde vertretbaren Höhe wieder errichtet. Bewußt sind nur Teilstücke der Mauern in einem Umfang freigelegt und restauriert, der einen Gesamteindruck der Anlage vermittelt. Die übrigen Abschnitte sollen als Kulturdenkmal und Anschauungsobjekt so erhalten bleiben, wie sie nahezu 2000 Jahre überdauert haben.

Römische Militärarchitektur und Römisches Alltagsleben wurden nicht erfaßt, weil nicht lesbar.

 

Für den Rückweg geht man die Frankfurter Straße nach Norden weiter bis fast zum  Heidestock. Hier stehen Wegweiser für die Fahrradwege. Dort geht man rechts ab und bei den nächsten  Wegweisern wieder nach rechts Richtung Breuberg. Wo links ein hölzerner Wegweiser steht, geht rechts ein Weg hinunter zur Ernst-Ludwig Klinik (800 Meter), am Wasserwerk vorbei und am „Haus vorm Wald“ endend. Dort geht man links wieder hinunter zum Parkplatz.

 

Höchst

Der Ort liegt 156 Meter hoch und ist ein sehr alter Marktflecken mit Landwirtschaft und Gewerbe Er gehörte einst den Grafen von Wertheim, später denen zu Erbach, seit 1806 ist er hessisch. Die Kirche ist aus dem 16. Jahrhundert und hat einen romanischen Turm.

Der Ort wird 1158 erstmals erwähnt, er wurde von der Abtei Fulda verwaltet. Um 1200 erfolgte die Gründung eines Augustinerinnenklosters. das an die Benediktiner (1506) überging und 1548 (1567) aufgehoben wurde. Von der Klosterkirche ist der Turm noch erhalten. Heute wird da Kloster als Bildungsstätte der Evangelischen Kirche von Hessen-Nassau genutzt. Die Fachwerkhäuser sind teils mit Schnitzereien versehen. Die Pfarrkirche ist von 1568.

 

Schloß Nauses:

Wenn man von Westen kommt fährt man vor Höchst (noch vor der Eisenbahnunterführung) nach links in Richtung Otzberg und kommt zunächst nach Schloß Nauses. Dort liegt gleich am Dorfeingang links die Wasserburg. Wenn manche Burgen und Schlösser in ihrer wesentlichen Bausubstanz Jahrhunderte überstanden, dann lagen sie meist „weit weg vom Schuß“; die Bewohner waren unauffällig, ohne Machtgehabe, blieben weitgehend unbehelligt oder hatten einfach Glück, daß sich der „rote Hahn“ nicht auf ihrem Dache niederließ. Ein Beispiel dafür ist das ehemalige Wasserschlößchen Nauses.

Historisch gesehen kam der Anlage nie irgendwelche Bedeutung zu, entsprechend spärlich fließen die Quellen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte. Vermutlich wurde sie als Talsperre zum Otzberg errichtet, genannt erstmals 1357, als ein Ritter Eberhard Kilian sie an Diether Ganß von Otzberg verkaufte. Rund 350 Jahre blieb das „Sloßlin Nuwses“, das neue Schloß, im Besitz dieses Familienstammes.

Die Gebäude, auf steinernem Sockel mit Fachwerkobergeschoß, werden immer noch als Gutshof genutzt. Wie die Anlage vor etwa zweihundert Jahren als herrschaftliches Gehöft aussah, hat detailgetreu der Heidelberger Romantiker und Nazarener Carl Philipp Fohr (1795-1818) mit einem Aquarell der Nachwelt überliefert. Es hängt im Landesmuseum Darmstadt.

 

Otzberg

Die Veste Otzberg, im Volksmund so liebevoll despektierlich genannte „Weiße Rübe“, thront seit mehr als 800 Jahren auf dem 368 Meter hohen Basaltkegel und ist das Wahrzeichen des Dieburger Landes. Der 17 Meter hohe Bergfried überragt die .Mauern der birnenförmig angelegten Veste, einst Staatsgefängnis und nördlichster rechtsrheinischer Stützpunkt der Pfälzer Kurfürsten - zu Füßen das Dorf Hering.

Vom Dorf aus nimmt man den Burgweg, rechts die Großherzogliche Bürgermeisterei Hering, links die Katholische Pfarrkirche. Noch ein paar Stufen und etwas Kopfsteinpflaster - dann ist man in der Wehranlage, die Geschichte machte. Herrlich der Rundblick von Aschaffenburg über Frankfurt bis Darmstadt und den Odenwald. Das Museum mit seiner Sammlung zur Volkskunde in Hessen ist geöffnet mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 17 Uhr.

 

Weit ragt auf einem 367 Meter hohen Gipfel der siebzehn Meter hohe Turm der Veste Otzberg, das Wahrzeichen des Kreises Dieburg, ins Land. Sie ist eine der drei Befestigungsanlagen (Breuberg und Lichtenberg sind die beiden anderen), mit denen das Kloster Fulda den nördlichen Odenwald schützte, nachdem ihm Pippin der Kurze das Königsgut Autmundisstat im Maingau 766 zur Schenkung gemacht hatte.

Für den Zugbenutzer beginnt die Wanderung am Bahnhof Wiebelsbach-Heubach, der zwischen den beiden Ortschaften frei im Felde angelegt ist. Vor dem Gebäude wartet die Markierung rotes Kreuz, die nach links und hinter der Unterführung gleich wieder links am Saume der großen Weiden- und Ackerflächen zum jenseitigen Waldrand bringt. Von hier an geht es ständig aufwärts, bis eine Autostraße erreicht ist.

Hat sich die „Weiße Rüb“, wie der Turm volkstümlich wegen des hellen Verputzes genannt wird, bis jetzt hinter der sich ineinander verschachtelnden Hügelkette versteckt, so ragt sie

Nun plötzlich auf, das Landschaftsbild beherrschend. In ihrem Schatten, eng aneinandergedrückt, die puppenhaft anmutenden Häuser der bis zur Gemeindereform kleinsten hessischen Stadt Hering, heute Otzberg. Längst ist die einstige Burgzone durch Neubauten gesprengt und erweitert bis zum Waldrand. Man geht vom Waldweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite weiter, durch den Ort und den Burgberg hinauf. Die Burg ist in ihrer Größe und Ausdehnung dem Bergkegel angepaßt. Nachdem sie im fünfzehnten Jahrhundert in den Besitz der Pfalzgrafen übergegangen war, ließen diese zwei steile Schutzmauern errichten und machten sie damit fast uneinnehmbar. Einst von Ritter Gans, dem Knappen Heinrichs von der Vogelweide, zu Ehren Ottos II. als Ottosburg erstellt, änderte sie ihren Namen über Ottesberg, Odesberg,

Odyßburg, Otzpig zu Otzberg unter der pfalzgräfischen Herrschaft. Erst Tilly gelang es, die Burg im Dreißigjährigen Krieg zu erobern. Als Anerkennung gewährte er den tapferen Verteidigern einen „ehrenvollen Abgang mit Waffen, Lunten und Fahnen“. Die Burg wurde kurpfälzisch im Westfälischen Frieden und 1801 hessisch im Frieden von Luneville. Ab 1818 verfiel sie, nachdem das bis dahin dort untergebrachte Staatsgefängnis nach Babenhausen verlegt worden war. Heute ist im Palas eine Jugendherberge eingerichtet, und das Kommandantenhaus

Wurde Gaststätte. Weit reicht der Blick zum Taunus und Spessart im Norden und über die Odenwaldberge im Süden.

Man geht den Burgberg hinunter, mit der gelben 4 zurück bis zum Waldrand und trifft dort auf die 2, der man rechts zum Indianerdorf nachgeht, einer großzügigen Freizeitanlage. Und hier finden die Kinder ihr Eldorado harmonisch in den Wald eingebettet: ein Fort, Wigwams und Feuerstellen, die sich um den Marterpfahl gruppieren, ganze Rudel holzgeschnitzter Wildschweine, Pferde, auf denen man reiten kann, Ochsenkarren, Lokomotiven und Wagen, die schon einen Knuff vertragen.

Der Wanderer, der zur Bahn zurückgehen muß, hält sich weiterhin an die Ziffer 2, nunmehr bergab, bis in einer Haarnadelkurve einer Straße, kurz nach einem Fernsehumsetzer, ein asphaltierter Weg nach links ohne Markierung durch die Felder nach Wiebelsbach entlang der Hauptstraße zum Bahnhof bringt (Wochenende, Seite 20).

 

Wegen des wiedererwachten, starken Interesses an Volkskunst erfreuen sich die in weiten Teilen des Landes alljährlich stattfindenden Ostermärkte zunehmender Beliebtheit. Die Kunst, es in einer bestimmten Weise zu verzieren und zu beschriften, Wünsche und Hoffnungen damit zum Ausdruck zu bringen, wurde in manchen dörflichen Gegenden von Generation zu Generation weitergegeben. Sah man Anfang der achtziger Jahre mit zaghaftem Beginn der Ostermärkte ausschließlich heimische Techniken, beispielsweise Wachs-, Kratz- und Klebetechniken, demonstrieren auch zahlreiche Künstler aus dem Ausland, wie in ihrer Heimat Ostereier verziert oder aus Holz und Glas angefertigt werden.

Schauen wir hinein ins bunte österliche Treiben in einem besonders schönen Rahmen, im Museum auf der Veste Otzberg. Dazu gehört natürlich auch die vorösterliche Wanderung hinauf zur Burg. Sie beginnt „unten“ in Otzberg-Lengfeld.

Der Bahnhof liegt etwas außerhalb von Lengfeld, Zentrum der Großgemeinde Otzberg. Vor dem Bahnhofsgebäude nach links sichtet man die Wanderhinweistafel, von der wir den weißen Doppelstrich auswählen. Er zeigt die Straße hinauf zur Durchgangsstraße (B 426), in den Ort hinein, biegt an der Kirche links ab in die Pfarrhausstraße und strebt ausgangs einem befestigten Hohlweg hinan in die offene, leicht hügelige Felderlandschaft. Voraus setzt sich schon die Veste auf einem isoliert vor dem nördlichen Odenwald emporragenden Bergkegel (367 Meter) ins Bild. Was Wunder, daß dieser die gesamte Umgebung beherrschende Gipfel schon früh für Verteidigungszwecke genutzt wurde, die Abtei Fulda auf diesem ihrem Vorposten die Burganlage Ende des 12. Jahrhunderts begründete und die Pfalzgrafen sie noch im 16. Jahrhundert festungsartig ausgebaut haben. Es ist eine eindrucksvolle Anlage mit doppelter Ringmauer und dem mächtigen Bergfried (13. Jh.)

Wir nähern uns dem Dörfchen Zipfen, queren an dem kleinen Rondell die B 426, halten uns gegenüber kurz am Hinweis Veste Otzberg, drehen an dem ummauerten Herrensitz in die Forsthausstraße links ab und sofort wieder rechts auf einen Graspfad, der die Verbindung zum oberhalb beginnenden Hochwald herstellt. Dort leitet der Doppelstrich rechts-links versetzt weiter bergan. Damit wird die anfängliche Straße erholsam umgangen. Wir nähern uns ihr erst wieder an der einzigen Zufahrt zur Burg und dem winzigen, in seinem alten Kern am Burgberg klebenden Hering. Das Zeichen schwenkt in die lange Odenwaldstraße des neueren Teils ein

und überläßt uns im Ort dem Hinweis „Zur Veste Otzberg“ an der Schulstraße. Im Bogen geht es den Burgberg entlang der Befestigungsterrassen hinan und durch den mächtigen Torbau hinein zum Ostervergnügen.

Der Ostermarkt mit an den verschiedenen Wochenenden wechselnden Vorführungen ist integriert in das Museum „Sammlung zur Volkskunde in Hessen“ im Bandhaus mit seinen traditionellen handwerklichen Ausstellungsräumen einer gesonderten Trachtenschau. Neu hinzugekommen ist das wieder aufgebaute, 1996 fertiggestellte Korporalshaus nebenan, das für Sonderveranstaltungen genutzt wird, österlich stimmungsvoll mit einbezogen. Und natürlich rundet der Blick vom Bergfried ins weite Dieburger Land Ganze erst ab.

Wir verlassen das Torhaus und nehmen nach rechts den Treppenabgang durch das Häusergewinkel hinunter bis Ecke Odenwaldstraße, wo man auf die Markierung rotes hohles Dreieck trifft. Ihm schließen wir uns links die Zinselsgasse hinunter an, umrunden im Rechtsbogen ein Hausgrundstück, um dann abwärts auf befestigtem Weg durch die Felder nach Lengfeld zu laufen. Mit Erreichen der Straße heißt es links wiederum zur B 426 und nach rechts durch den Torbogen des Alten Fachwerk-Rathauses ((1717) mit Straßendurchfahrt, hier ein zur Burg gehörendes Spielzeugmuseum, geöffnet jeden ersten Sonntag im Monat 14 bis 17 Uhr) weiter geradeaus Richtung  Bahnhof (Frankfurt II, Seite 115).

 

In den evangelischen Landschaften Südhessens spielt der Palmhase als Vorbote des eigentlichen Osterhasen eine große Rolle. Das Ei, das man sich überreicht, ist noch weiß, noch ungefärbt. Als Symbol des Lebens und der Auferstehung schlechthin steht das Ei im Mittelpunkt österlicher Bräuche. Die Kunst, es zu bemalen, zu verzieren und zu beschriften, Wünsche und Hoffnungen damit zum Ausdruck zu bringen hat sich in manchen dörflichen Gegenden von Generation zu Generation weitervererbt. Aufgrund des wiedererwachten, allgemein starken Interesses an Volkskunst erfreuen sich die seit etwa einem Jahrzehnt stattfindenden Ostermärkte mit Anschauungsunterricht in weiten Teilen des Landes großer Beliebtheit.

Besonders überzeugend, wenn auch der Rahmen „echt“ ist wie beispielsweise im Volkskundemuseum auf der Veste Otzberg (Kreis Darmstadt-Dieburg). Wir starten von Lengfeld aus, dem Zentrum der Gemeinde Otzberg. Vom etwas außerhalb liegenden Bahnhof geht man in den Ort hinein, die Durchgangsstraße weiter bis zum stattlichen Bau des alten Rathauses.

Inzwischen hat man die Markierung hohles rotes Viereck aufgenommen. Sie zieht am Fachwerkbau halbrechts vorbei, um abseits des Verkehrs auf einen Wiesenrandweg der Höhe zuzustreben. Bei schlechtem Wetter empfiehlt es sich allerdings, entlang der B 426 Richtung Höchst zum Ort hinaus bis zum Parkplatz vor den Glashäusern einer Gärtnerei zu laufen. Von dort führt ein befestigter Weg direkt hinauf zur Veste Otzberg, deren mächtiger Rundturm, die „Weiße Rüb“, auf einem 367 Meter hohen Bergkegel das Dieburger Land beherrscht. Ihr zu Füßen das Gipfelnest Hering, die ehemalige Burgmannensiedlung.

Von der Odenwaldstraße steigt man den Burgberg hinan und betritt durch das gewaltige Tor den Burghof. Hier im Bandhaus, jetzt Museum, finden die Ausstellungen Demonstrationen kunsthandwerklichen Könnens statt in Wochen vor Ostern, ebenso als Weihnachtsmarkt in Adventszeit. Öffnungszeiten: mittwochs und samstags von 14 bis 17, sonntags von 10 bis 17 Uhr. Das angeschlossene Hessische Spielzeugmuseum hat im Alten Rathaus in Lengfeld seinen Standort, geöffnet jeden 1.Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

Mit Blick ins weite Rund verlassen wir das Burginnere, wenden uns vor dem Torhaus links, gehen die Zufahrtsstraße hinunter, biegen am Kiosk rechts um die Ecke und kurz darauf links in die Straße „Im Finkenhäuschen“. Naturschutzgebiet Kuhgraben. Bald heißt es im ausgedehnten Neubaugebiet rechts abwärts in die Waldstraße und beim Zusammentreffen mit der Feldstraße wieder rechts, jetzt markiert mit blauem Dreieck und weißem Punkt. Damit sind wir auf dem asphaltierten Verbindungsweg zwischen Hering und Niederklingen.

Niederklingen, in eine Talmulde gekuschelt, ist erst vor Erreichen auszumachen. Vom Ortsrand geht man bis zur Durchgangsstraße, diese nach rechts. Auch hier gilt bei schlechtem Wetter, dem Verbindungssträßchen nach Lengfeld gänzlich zu folgen. Der örtliche Wanderweg, mit der Ziffer 5 (selten) markiert, biegt von der Lengfelder Straße 1inks ab in die Steingärten. Auf dieser Straße nehmen wir die erste Abzweigung nach rechts. „Am See“, wie sie erst später heißt. Es ist ein Grasweg entlang dem alten Mühlbach. Mühlen, die er einmal trieb, sind stillgelegt und verkommen (Heydenmühle und Bunden-Mühle). Oberhalb, besser unterhalb um das Anwesen herum, zieht die 5 zur nächsten Mühle, trifft dort auf einen befestigten Weg: Mit ihm nach rechts finden wir uns in Lengfeld dam alten Rathaus wieder (Odenwald, Seite 37).

 

Otzberg

Hoch oben auf der Veste Otzberg östlich von Darmstadt weht seit 2007 ein frischer Wind. Das Ehepaar Silvia und Rolf Tilly, selbst Sammler aus Leidenschaft mit Vorliebe für das Mittelalter, haben das Volkskundemuseum in der ehemaligen Festung übernommen. Und sie haben viel vor: Mit Sonderausstellungen, Sommerkonzerten und einem Ritterfest für Kinder sollen endlich wieder mehr Menschen in das 800 Jahre alte Gemäuer am Fuße des Odenwaldes kommen.

Damit wollen die Tillys auch das Lebenswerk von Gerd Grein retten, der jahrzehntelang in ganz Hessen Trachten und Volkstümliches sammelte und es seit 1985 auf der landeseigenen Veste ausstellte. Der Volkskundler und Museumsgründer zog sich nach miserablen Jahren zurück, in denen sich die Besucherzahlen auf 1500 im Jahr halbierten.  .

„Wir wissen, dass wir hier kein Gold schürfen können. Aber damit sich das Museum rechnet, streben wir mindestens 6000 Besucher im Jahr an”, sagt Rolf Tilly selbstbewusst. Gleichzeitig müssten die Kosten gesenkt werden. Schon deshalb sei an eine Ausdehnung der Öffnungszeiten - samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie nach vorheriger Vereinbarung - derzeit nicht zu denken.

Wer sich ein modernes multimediales Museum erhofft, wird in der Ausstellung in dem dreistöckigen Gebäude auf der Festung leer ausgehen. Passend zum historischen Ambiente und den Exponaten aus vergangenen Zeiten sind trachtentragende Puppen hinter Glasvitrinen zu bewundern oder Keramik schlicht im Regal. „Das älteste Stück ist ein Keramikteller von 1600, alles andere ist höchstens 300 Jahre alt”, sagt der 52-jährige Rolf Tilly.

Besucher können auch Einblick in eine traditionelle Wohnstube und Küche, eine Spinn- und Webstube, eine Schuhmacherwerkstatt oder einen ehemaligen Tante-Emma-Laden gewinnen - das Geschäft wurde in den 70er Jahren in Dieburg aufgelöst und von Grein für die Nachwelt gesichert, berichtet Rolf Tilly. Er ist überzeugt, dass das Interesse am Ländlich-Brauchtümlichen derzeit zunimmt und wieder mehr Menschen aus den Städten am Wochenende aufs Land kommen wollen. Auch Silvia Tilly (48) betont: „Wir haben keine Angst, dass irgendwann keiner mehr kommt. Dazu haben wir zu viele tolle Ideen und zu viel Fantasie.”

Während die Renovierungsarbeiten begonnen haben und neben dem Museumsbetrieb weiter laufen, lassen sich die beiden neuen Pächter - die gleichzeitig das Standesamt auf der Veste mit bis zu 150 Trauungen im Jahr übernommen haben - einiges einfallen, um den Erfolg zurück auf den weithin sichtbaren Basaltberg zu holen. Für Schulklassen sollen nach der Renovierung Burgführungen angeboten werden, und überhaupt will das Paar speziell Kinder künftig gezielter ansprechen. „Die reine Volkskunde ist für kleine Kinder nicht sehr spannend. Sie kommen auf die Burg und wollen Ritter sehen”, sagt Rolf Tilly. Deshalb wolle er im Museum eine Ritterecke zum Anfassen mit Rüstung, Schwert und Kettenhemd einrichten.

Dazu passt ganz gut, dass die vierfachen Eltern „hauptberuflich“ unter anderem historische Veranstaltungen vom Mittelalter bis zum Barock organisieren. Außerdem betreiben sie eine Gewandnäherei. Die nach historischen Vorlagen genähten Kostüme vermieten sie ebenso wie die zeit-gemäßen Accessoires vom Degen über Körbe bis hin zu Zelten. Auf der Veste wollen die Tillys künftig auch Seminare anbieten, in denen traditionelles Handwerk gelehrt wird (Internet: www.museumotzberg.de).

 

 

Großostheim

Nur wenige Kilometer von Aschaffenburg entfernt - und doch fernab vom Touristenstrom -  liegt das städtebauliche Kleinod Großostheim. Mit über hundert Eintragungen in der Denkmalsliste steht es weit an der Spitze aller Gemeinden des Landkreises Aschaffenburg. Es darf sich nur „Markt“ nennen, denn Stadtrechte hat der Ort nie erworben.

Das angenommene Alter fußt auf der ersten urkundlichen Erwähnung 827 durch Einhart, den Geschichtsschreiber Karls des Großen. Nach dem Bericht des Biographen stand jedoch zu dieser Zeit schon ein St. Martins‑Kirche in Ostheim, in der für eine Nacht die Reliquien der Heiligen Petrus und Marcellinus während ihrer Überführung von Michelstadt nach Seligenstadt aufbewahrt wurden.

Im Jahr 1999 feierte man allerdings das 1200jährige Bestehen, belegt durch die Erstnennung 799 in einer Urkunde des Klosters Fulda. Aber natürlich reicht das „wahre” Alter weit über die schriftliche Überlieferung hinaus.

Großostheim gehörte zum Bachgau, jenem fruchtbaren Hügelland zwischen Babenhausen und Aschaffenburg, das einstmals begehrtes Siedlungsgebiet war. Schon Römer und Franken haben hier ihre Felder bestellt, wie zahlreiche, im Bachgau-Museum gezeigte Funde belegen.

Seine kulturelle und wirtschaftliche Hochblüte erfuhr Großostheim jedoch unter dem Kurfürstentum Mainz, das mehr als 500 Jahre, (bis 1803) die Ortsgeschicke lenkte. Aus dieser Epoche sind zahlreiche Kunst- und Baudenkmäler erhalten.

 

Rundgang:

1. Nöthiggut am Markt: Kurmainzer Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum

Die Hauptzierde des Marktplatzes stellt der alte Herrensitz „Nöthiggut“ dar, um 1500 erbaut. Der Hof war ein vom jeweiligen Mainzer Dompropst zu vergebendes Lehen, das vererblich, aber unteilbar und unveräußerlich war. Die Lehensinhaber hatten an den obersten Lehensherm eine Abgabe zu zahlen und als deren Faktoren den kirchlichen Zehnt in Großostheim und Pflaumheim zu erheben und abzuliefern; als Entlohnung fiel ihnen ein Teil der Abgaben zu. Es waren ausschließlich angesehene Familien, die mit dem Gut belehnt wurden. Der Besitz des Hofes und die damit verbundenen Einkünfte sowie die eingeräumte Vertrauensstellung gaben ihnen Gelegenheit, Ansehen und Wohlstand zu mehren.

Häufig bekleidete der Lehensinhaber auch das Amt des kurmainzischen Zentgrafen. Er war Vertreter des Kurfürsten, oberster Richter, zuständig für Verwaltung, Steuer, Militär, Polizei, Zoll und Geleit. Als erster bekannter Hofbeständer wird der Niederadlige Heinrich Clebiz genannt. Erzbischof Johann II. (1397 - 1419) verleiht ihm als mainzisches Mannlehen einen Hof, gelegen zwischen der Kirche und dem Spiel- haus, das bereits sein Vater besessen hatte. Auf ihn gehen die Kleeblätter im Gemeindewappen zurück.

Der erste namentlich bekannte Pächter war Hermann Kühlbrot, der im Jahre 1485 wegen Aussatzes den Hof aufgeben musste. Ihm folgte unter anderem die Familie Nöthig von 1762 bis 1921. Im Jahr 1929 erwarb die Gemeinde das Anwesen samt dem Grundbesitz. Heute ist das „Bachgau-Museum“ mit einer Ausstellungsfläche von 1100 Quadratmetern, im Fachwerkbau des „Nöthiggutes“ untergebracht.

Es verfügt über Bestände einheimischer Keramik und alter Handwerksgerätschaften aller Art, über eine beachtliche Zinn-Sammlung, eine Sammlung spätgotischer Flügelaltäre, eine bedeutende vor- und frühgeschichtliche Abteilung sowie einem echten „Tante-Emma-Laden“ mit allem, was dazugehört. Öffnungszeiten: 1. Sonntag im Monat, 14- 17 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon: 0 60 26/12 26. Zum Komplex des Nöthiggutes gehört das Gotische Haus

 

2. „Peter-und-Paul-Kirche“, Kleinode im „Bachgaudom“:

Die „Alt Keasch“ wie St. Peter und Paul im Volksmund genannt wird, bildet den östlichen Abschluss des von Fachwerkhäusern gesäumten Marktplatzes. Ihr erhöhter Standort auf einer Bergzunge zeigt den Bewohnern und Reisenden im Maintal den Machtanspruch ihrer Erbauer. Der dem Hl. Martinus geweihte Vorgängerbau wurde zwischen 750 und 800 von den adeligen Grundherren errichtet. Eine adelige Dame Anstrada, wohl Tochter oder Ehefrau des Erbauers, stiftete die Kirche in der Zeit zwischen 802 und 817 dem Kloster Fulda.

Unter Kurmainzischem Patronat fand um 1250/70 ein erweiterter Neubau und ein Wechsel der Kirchenpatrone in St. Peter und Paul statt. Von dem frühgotischen Bau blieben Chor und Turm erhalten. Als Mutterkirche für die benachbarten Orte (Pflaumheim bis 1926) wurde der Raum bald zu klein, und so erfolgte etwa zwischen 1480 und 1490 die dreischiffige Erweiterung des Langhauses. Im Jahre 1771 erfolgte eine Aufstockung mit Errichtung von Männeremporen.

Nie zerstört, birgt die Kirche eine Anzahl Kunstschätze der verschiedensten Epochen. Die wertvolle Ausstattung entstand in verschiedenen Kunstepochen. Die Deckenfresken sind aus dem  15. Jahrhundert. Unter den spätgotischen Ausstattungsstücken nimmt die Beweinung von Tilman Riemenschneider einen hervorragenden Rang ein, das früheste bekannte Werk des Meisters, das er 1489 schuf. Die Hand des Meisters ist besonders in den großformatigen Frontfiguren zu erkennen (nach Dr. Muth, Mainfränkisches Museum). Vermutlich war das Beste gerade gut genug. Die bewegte Figurengruppe stand wohl, wie üblich, in einem Schrein mit Flügeltüren und Türmchenaufbau.

Der Barockzeit entstammen die Seitenaltäre mit Kanzel, die Orgel und das farbenfrohe, bewegte Deckengemälde. Der Maler J. Konrad Bechthold aus Aschaffenburg holte sich dazu Anregungen aus der Stiftskirche St. Peter in Mainz. Durch reiche Stiftungen war man ab etwa 1500 in der Lage, fünf Priester zu beschäftigen. Das „Landkapitel Muntat“, eine Kirchensynode, tagte regelmäßig in St. Peter und Paul.

Der 1489 von Großostheimer Bürgern gestiftete Magdalenenaltar scheint vor der Aufstellung des Riemenschneideraltars an der Ostwand des südlichen Seitenschiffes erst mit Fresken dekoriert gewesen zu sein. Man erkennt Szenen aus dem Leben Jesu, in den Gewölbefeldern die vier Evangelistensymbole und musizierende Engel mit Instrumenten des Spätmittelalters wie Psalter und Harfe.

 

3. Alter Friedhof: Grabstätte der Familie Nöthig          

Der Großostheirner Friedhof wurde 1820 direkt an der Ortsmauer angelegt. Er ersetzte den ehemaligen Standort an der Peter-und- Paul-Kirche am Marktplatz. Am hinteren Ende des Friedhofes, direkt am Stumpfen Turm befinden sich die Grabmäler der Familie Nöthig, nach der das Renaissance-Ensemble am Marktplatz benannt ist.           

Die Familie Nöthig hat zwei imposante Grabdenkmäler hinterlassen, die beide aus weißem Bamberger Sandstein gearbeitet und sehr stark verwittert sind, so dass die Inschriften teilweise nur sehr schlecht zu lesen sind. Sie künden vom Landesgerichtspräsidenten Jakob Christian Nöthig, der Gründungsvorsitzender der „Spessartfreunde“ war, dem Vorgänger des Spessartbundes, sowie vorn Land- tagsabgeordneten Christian Nöthig, der Großostheims Antrag zur Stadterhebung unterstützte.

Der erste Nöthig kam von Miltenberg als Bäcker nach Großostheim. Seine Nachkommen erwarben eine Gastwirtschaft. Einer von ihnen wurde Landschöffe, ehe dann ein Christian Nöthig das Gut am Marktplatz zunächst pachtete und dann erwarb. In der Familie war es leider üblich, immer die gleichen Vornamen zu verwenden, so dass es heute schwierig ist, die verschiedenen Personen auseinanderzuhalten.

Der Letzte - Franz Nöthig - musste das Gut 1921 versteigern lassen. 1929 erwarb es die Gemeinde und richtete dort ein Altersheim ein.

Jakob Nöthig war von 1881 bis 1905 Bürgermeister der Marktgemeinde. In dieser Zeit setzte die Industrialisierung ein. Zusammen mit Pfarrer Johann Ignaz Schüßler, dessen Grabmal neben dem von Nöthig steht und der Ehrenbürger ist, kämpfte er für den Eisenbahnanschluss Großostheirns, der 1911 kam. Nöthig starb 1905 an einer schweren Krankheit. Das Grabdenkmal der Familie Nöthig befindet sich ganz hinten, linker Hand.

4. Stumpfer Turm: Der Turm des Kurfürsten

Der „Stumpfe Turm“, ein Rundturm, wird bereits 1500 in einem Zinsregister genannt. Er besteht aus unregelmäßigen Quadern, rechteckigen Scharten und hat nie eine Überdachung oder Spitze besessen. Außerdem weist er eine Wendeltreppe im Inneren auf. Auf der Nordseite sind drei Reliefwappen angebracht: das der Mainzer Kurfürsten, das der Familien Echter und Schad sowie eine verwitterte Inschrift.

In den Jahren 1937/38 wurde der Turm renoviert. Man stellte die Treppe zum Turmeingang wieder her und baute eine Feierstätte für die Jugendverbände des Dritten Reiches ein. Eine mündliche Überlieferung besagt, dass auf dem Mauerkranz einst die Köpfe der Hingerichteten ausgestellt waren. Die Regierenden im Bachgau ließen um 1520 ihre Wappen am Stumpfen Turm anbringen: links die drei Ringe von Hamann Echter als Vicedom, in der Mitte das große Wappen von Kardinal Albrecht v. Brandenburg und rechts der Bock des Centgrafen Schade v. Ostheim.

Der Stumpfe Turm diente der Centcompanie, den wehrfähigen Männern des Bachgaus als Pulvermagazin. Im benachbarten Schießberg, heute Friedhof, befand sich der Schießplatz der Ostheimer Schützen, die der Centgraf bei Streitfällen mit Erfolg einsetzte.         

           

5. Spitzer Turm: Wehrbau und Gefängnis

Am besten erhalten ist der 28 Meter hohe„Spitze Turm“ am Ortsausgang nach Pflaumheim, er war Teil der Turmpforte. Schon 1551 wird er als „Newl Thurn“ = neuer Turm im Türkensteuerregister ge nannt. Er besitzt bis zu 1,85 Meter starke Mauern. Früher war er über die Ringmauer durch eine Einstiegsöffnung auf halber Höhe zu erreichen. Ausgestattet mit Schießscharten, Pechnasen und Zinnen, stellte das Bollwerk seine Wehrhaftigkeit nicht in Frage.

Der„Spitze Turm“ war eines der Centgefängnisse. Die Strafrechtspflege und deren Kosten waren Sache der Cent. Wenn auch seit dem Bauernkrieg die schweren Verbrechen in Aschaffenburg abgeurteilt wurden, so blieb doch dem Centgrafen und später dem Obervogt die Vernehmung der Verhafteten und die Vollstreckung der Todesstrafe. Nach der Vereinigung der Ostheimer Obervogtei mit der Obernburger Stadtvogtei (1782) entfiel die Funktion der Türme für die Gefangenenverwahrung in Großostheim.

Der„Spitze Turm“ hat in 20 Meter Höhe einen Turmkranz, der heute bestiegen werden kann und einen guten Panoramablick bietet. Öffnungszeiten: nach Vereinbarung mit dem Geschichtsverein. Der Spitze Turin bietet einen weiten Blick über Großostheim, die Mainebene und die angrenzenden Spessartberge. Als Wach- und Signalturm war er von einem Turmwächter besetzt. Eine Bleistiftzeichnung um 1850 zeigt das Vortor der Turmpforte und dahinter den Einstieg über die Ortsmauer in halber Höhe des Spitzen Turms. Im Vortor wurde der Pflasterzoll erhoben.                               

                                  

6. Zehnthof: Das„alte“ Rathaus Großostheims

Das alte Rathaus steht an der Stelle der alten Zehntscheuer, ein Teilbereich des ehemaligen Zehnthofes. Großostheim und Pflaunheim hatten dem Domkapitel und dem Domprobst des Erzstiftes Mainz den zehnten Teil der Feldfrüchte, den kirchlichen Zehnt, abzuliefern. Die Eintreibung und Verwahrung oblag dem Inhaber des Domprobsteilehens, dem Verwalter des Nöthiggutes. Als zu Zeiten der Familie Lieb die Räumlichkeiten des Hofes zur Aufbewahrung der Zehntabgabe nicht mehr ausreichten, wurde der Zehnthof gebaut. Der Wirtschaftshof diente den darin Beschäftigten als Wohnung und Amtsraum. Im ersten Stockwerk befanden sich neben Wohnräumen ein Speicher für das gedroschene Getreide, daneben existierten noch weitere Scheunen.

Als Großostheim im Jahr 1814 an das Königreich Bayern fiel, ging das Zehntrecht und das Eigentum an dem Zehnthof an den Bayerischen Staat über. Jakob Nöthig erhob nun als königlich bayerischer Finanzbeamter den Zehnt, bis er 1827 in Ruhestand ging. Von da an übernahm das Rentamt diese Aufgabe, bis die Umwandlung der Naturalabgabe in eine finanzielle Abgabe erfolgte.

Teile des Zehnthofs wurden in der Folge verkauft. Ein Großteil des Anwesens, heutige Haarstraße 31, wurde aber 1860 in ein Forstamt mit Dienstwohnung umgewandelt. Nach der Verlegung des Forstamts nach Aschaffenburg verkaufte der Staat 1908 das Anwesen. Die große Scheune diente als Bauhof und als Stall für die Gemeindestiere.

 

7. Drippelskapelle: Reichtum durch Dienstleistung - die Werkstatt am Verkehrsweg    

Die Drippelskapelle (das „Drippelskerchelche“), die sich früher nahe der Kuhpforte befand, schmiegt sich heute in die benachbarte Häuserreihe in der Grabenstraße so ein, dass das Schmuckstück erst auf den zweiten Blick Beachtung findet.

Die Kapelle stammt aus der Zeit der Spätgotik, aus dem Jahr 1517, wie eine Inschrift über dem Fenster auf der Südseite dokumentiert. Erbaut wurde sie von Peter Drippel, der seines Zeichens Hufschmied war. Tartschen mit Hufschmiedwerkzeugen und einem Hufeisen zieren die Schlusssteine der spitzbogigen Türgewände. Die sehenswerten spätgotischen Flügelaltäre sind heute im Bachgaumuseum untergebracht. Vor Ort befindet sich eine Kopie. Der Hauptschrein zeigt Maria mit dem Kind, St. Katharina und Barbara. Die Innenflügel präsentieren eine bewegte Renaissanceansicht der Verkündigung Mariens, die Außenflügel die Schnitzreliefs von St. Eligius und Antonius.

Das kleine Hausaltärchen, „Großostheimer Krippchen“ genannt, birgt in feiner Schnitzarbeit die Geburt Christi. Die Flügel mit Szenen aus der Marienlegende tragen das Datum 1492. Die Außenflügel zeigen die Kirchenpatrone St. Peter und Paul. Das Hausaltärchen stammt von den Schwiegereltern von Peter Drippel.

 

8. Hexenturm: Unheimliches Gefängnis

An der Nordostseite der Stadtbefestigung ist der Kalk- oder Hexenturm eingebunden. Er zeigt eine ähnliche Gestalt wie der„Stumpfe Turm“, ist aber ein wenig niedriger und vermutlich früher entstanden. Der Hexenturm entstand als Wehrturm mit Zinnenkranz und Wehrplattform um 1500 zusammen mit der Ortsmauer.

Im Turm fanden die„peinlichen Befragungen“ (Folter) der als Hexen denunzierten Personen statt. Eine quadratische Öffnung im Boden ist der Eingang zum düsteren Verlies im Untergeschoss des Hexenturms, es war eines der Centgefängnisse. Durch das „Angstloch“ wurden die Delinquenten in den lichtlosen Raum hinuntergelassen. Im 19. Jahrhundert lagerten hier die Tüncher ihren gelöschten Kalk.

An die Tatsache, dass sich ein Tannenbäumchen auf der Plattform des Hexenturms angesät hat und sich zu einem stattlichen Baum entwickelte, der noch Ende des 19. Jahrhunderts zu sehen war, knüpft die Sage von der Ringenheimer Hexe an: Ein eigens dazu gedichtetes Heimatspiel von Philipp Höfling berichtet, dass in diesem Turmverlies Hexen gefangengehalten und gefoltert wurden.

 

9. Schmalzgrube: Großostheims Kleinhandwerker

Die Schmalzgrube liegt am tiefsten Punkt des alten Ortskernes, quasi im Schatten des Kirchberges. Es ist das Großostheimer  „Schwarzviertel“, in dessen kleinen Hofraiten Tagelöhner, kleine            Großostheim Handwerker und Kleinbauern wohnten. Der Name kann seinen Ursprung von dem hier anstehenden fetten, schwarzen Schwemmboden bekommen haben oder von dem Netz schmaler Gässchen. Zwei Bauernwagen kamen hier nicht aneinander vorbei.

Die Häuschen, bei denen man bequem an die Dachrinne greifen konnte, sind heute selten geworden, aber eine drangvolle Enge herrscht in den kleinen Hütchen und Gässchen immer noch. Eng sind die Gässchen im Schatten des Kirchberges, nur selten unterbrochen durch ein Gärtchen, dessen Mauerkrone als Regenschutz von sogenannten „Bischofsmützen“ gebildet wird. Kleine Häuschen mit weit heruntergezogener Dachtraufe prägen die Schmalzgrube. Von besonders großen Personen behauptete der Volksmund, sie könnten „aus dem Dachkandel saufen

10. Kreuzkapelle: Wallfahrt in Großostheim

Ein Kunstwerk besonderer Art birgt die von außen recht schlicht wirkende Heiligkreuzkapelle, im Volksmund „Heiligkreuz“ ge nannt: eine Kreuzigungsgruppe aus rotem Sandstein, deren Figuren Lebensgröße besitzen (1510), die aus der Schule von Hans Backoffen in Mainz stammt.

Früher stand das Gotteshaus allein auf weiter Flur, heute ist es in die Siedlung integriert. Seine heutigen Ausmaße mit einem Langhaus und Chor gehen weit über die einer Feldkapelle hinaus. Der ursprünglich quadratische Bau der Kapelle wie auch die Kreuzigungsgruppe können, laut einer Steintafel über dem Haupteingang, auf das Jahr 1513 datiert werden. Dort findet sich auch das Wappen des Erzbischofs Uriel von Gemmingen (Erzbischof von 1508-1514): zwei goldene Querbalken auf blauem Grund. Über den Stifter und den Erbauer des ursprünglichen Baues kann nur spekuliert werden.

Im Jahr 1656 stiftet Johann Lieb, uni 1670 Obervogt im Bachgau, zwei Altäre, je mit entsprechenden Inschriften versehen. Eine umfassende Umgestaltung des Gotteshauses erfolgte durch den Anbau des Chors, im Jahr 1743.

Der Gottesdienst in der Kapelle erfuhr auch von höchster kirchlicher Stelle eine geistige Förderung: Nach einer im Pfarrarchiv befindlichen Urkunde erteilte Papst Clemens XII. 1739 den Gläubigen einen vollkommenen Ablass.Welch hohes Ansehen die Heiligkreuzkapelle genoss, spiegelt sich auch in den Gemeindeberichten wider. Das Gotteshaus war bedeutender Wallfahrtsort für die ganze Umgebung. Aschaffenburger und benachbarte Gemeinden hielten hier besondere Andachten ab.

Der Wallfahrtsweg führte von Aschaffenburg entlang der Sieben- Fußfälle-Bildstöcke (siehe dazu auch Kulturweg Aschaffenburg- Nilkheim), die heute noch bestehen. Die Kreuzigungsgruppe stand ursprünglich, für die Pilger weithin sichtbar, unmittelbar hinter dem überhöhten, offenen Portalbogen. Durch kleine flankierende Spitzbogenpförtchen konnten die Pilger eintreten, die Gruppe umrunden und die Kapelle wieder verlassen. Die Kapelle war bis 1743 eine offene Halle mit seitlichen Arkadenöffnungen. Sie diente auch als Hauskapelle für das nahegelegene Siechenhaus.

Aus der Zeit um 1743 stammt auch die mit zehn Registern versehene Barockorgel des Aschaf­­fenburger Orgelbauers Hugo. Sie ist besonders kostbar, da original erhalten. Der Blasebalg kann noch getreten werden.

 

 

Hohlweg: Erosion im Löss

Die Entstehung des Hohlweges ist zu nächst auf Starkregenfälle zurückzuführen, die europaweit im 14. und 113,Jahrhundert auftraten.Aus dem Jahr 1762 liegen hierzu Berichte für Großnstheim vor. In dieser Zeit entstanden Standbilder zu Ehren des heiligen Johannes Nepomukdem Brückenpatron und Schutzheiligen vor Wassernöten. Hohlwege dienten als Verbindungswege zu Ackerterrassen auf den teilweise Steilen übergangen vom Lößhügelland zur anschließenden Sandsteintafel des Odenwaldes. Durch Fuhrwerke und Viehtritt kam es bei nicht befestigten, aber haufig frequentierten Hohlwegen permanent zu starker Verdichtung der Sohle. Niederschlagswasscr konnte so nicht versickern, Floss oberflächlich ab und schwemmte weiter die Abflussrinne, die im lauf der Jahre immer tiefer gelegt wurde. Für Großostheim sind Hohlwege aus dem 14. Jahrhundert urkundlich bekannt. So fuhrt z.B die „Steinhauershohl“ in Richtung Wendelinuskapelle. Dieser Hohlweg ist etwa 500 Meter lang und 4 Meter tief in den Löß eingeschnitten.Wurden die Hohlwege später in der Folge nicht mehr vom Menschen genutzt, überzogen sie sich schnell mit Gebüsch oder Gehölz-/Wald­vege­tation.Später wurden auch zahlreiche Hohlwege verfüllt, so dass sie heute nicht mehr sichtbar sind.

 

Weinbau:

Im Mittelalter reichten die Großostheimer Weinberge bis an die Stadtbefestigung, z.B. an die heutige Grabenstraße. Die Weinqualität spielte damals eine untergeordnete Rolle. Meist wurde er mit Gewürzen und Honig vermischt getrunken. Eine der ertragreichsten Weinlagen war der „Reischklinger“, die als erste im 13. Jahrhundert urkundlich belegt ist. Überalterung der Weinstöcke, steigender Bierkonsum und die Ausweitung der Futter- und Getreideanbauflächen sorgten für einen stetigen Rückgang des Anbaus Ende des 18.. Jahrhunderts. Später traten Missernten und Krankheiten an den Rebstöcken hinzu.

In der Steuerzählung von 1857 wird Wein überhaupt nicht mehr erwähnt. So kam es, dass beim Wechsel vom alten zu neuen Croßostheimer Ortswappen der Rebstock durch die 3 Kleeblätter ersetzt wurde. Doch bereits 1911 starteten mutige Winzer einen neuen Versuch, der von Erfolg gekrönt war. 1930 wurde die erste Winzergenossenschaft in Großostheim gegründet. Im Jahr 2005 betrug die Rebfläche 34 Hektar mit 8o % Weißwein und 20 % Rotwein. Das Besondere am Großostheimer Wein ist die dem hiesigen Boden eigene Mischung von Buntsandsteinverwitterungen und des fruchtbaren Löss.

 

Wendeliniuskapelle

Der heilige Wendelin wurde von der katholischen Bevölkerung als Schutzpatron des Viehs und der Haustiere angesehen. Besondere Verehrung genoss er hei den Schäfern. Die Wen­delinuskapelle wurde vermutlich, wie die Jahreszahl über dem Eingang doku mentiert, 1607 erbaut. Sie ist somit ein nachgotischer Bau des sogenannten „Juliusstiles“. Julius Echter v. Mespelbrunn war damals Fürstbischof von Würzburg. Die Kapelle ist dem Patron der Hirten geweiht. Sie liegt am Weintal, nahe dem königlichen Marktwald „Orlisa“. Er war Viehweide und Gemeinschaftswald der Anliegergemeinden.           

Den Altar der Kapelle ziert ein Gernälde, das die Muttergottes mit dem Jesukind, Elisabeth und den Verkündigungsengel darstellt. Auf den beiden Seitenflügeln erscheinen St. Petrus und Paulus. Seitwärts steht die Statue des Kapellenheiligen. 1907 wurden die Malereien durch den Aschaffenburger Kunstmaler Adalbert Hock erneuert und die Decke erhielt eine Holzvertäfelung. Unter starker Beteiligung findet alljährlich am Wendelinustag (oder am darauf folgenden Sonntag) die Wallfahrt der Pfarrei Großostheim zur Wendelinuskapelle statt.

Ein Gegenstück zur Wendelinuskapelle existierte am westlichen Ende der Aschaffenburger Mainbrücke. Dieses, von den Schäfern des Bachgaus gebaute Kirchlein, wurde aber 1784 von einem gewaltigen Hochwasser fortgerissen.

 

Ensemble von Feldkapellen:

Die ältesten urkundlichen Hinweise über drei Kapellen finden sich in Rechnungen aus dem frühen 17. Jahrhundert, die auch zeigen, dass eine gemeinschaftliche Stiftung für die drei Kapellen „Frauhäuschen“, Wendelinuskapelle und Altheiligkreuzkapelle bestand und von einem Baumeister verwaltet wurde. Einnahmen waren „gestiftete Kapitalien“, Gültzinsen und Opfergelder; sie nahmen aber im Laufe der Jahre ab, so dass später nur noch von einer Wendelinuskapellen-Stiftung gesprochen wurde.

Dort, wo die Odenwaldvorberge in die Mainebene übergehen, liegt die Altheiligkreuzkapelle, sie ist der heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Sie ist von der Sage umwoben, dass hier Ostheims erstes Gotteshaus gestanden habe. Die spätgotische Altheiligkreuzkapelle muß vor der 1513 erbauten Kreuzkapelle entstanden sein Sie liegt am. „Alten Weg“ und bietet kaum zwei Personen Platz.. Über den Stifter und die Zeit der Errichtung der kleinen, spätgotischen Kapelle ist nichts bekannt. Unter Pfarrer Dr. Eder wurden 1931 Wallfahrten dorthin für kurze Zeit wieder aufgenommen. Heute befindet sie sich in Privatbesitz. Der benachbarte Bildstock kündet von einem freudigen Ereignis. 1679 ließ ,Barbara Guttgerin“, verheiratet mit dem Fauth Konrad Gutiar und Tochter des Engelwirtes und kurfürstlichen Trompeters Kohl, ein Kind taufen und diesen Bildstock aufrichten.

„Frauhäuschen: In südöstlicher Richtung, jenseits der Grabenstraße, liegt eine Marienkapelle, der Mutter Gottes vom guten Rat geweiht. Im Volksmund wird sie „Frauhäuschen“ genannt.

 

 

 

Kulturweg Bachgau IV : Großostheimer Renaissance 

Der Ortsrundgang „Großostheimer Renaissance“ zeigt die Menge an erhaltenen Gebäuden des 16. Jahrhunderts im Ort. Vorgeschichtliche Funde sowie die nahe Römerstraße belegen, dass Großostheim wegen seiner Verkehrslage früh zu einem begehrten Siedlungsplatz wurde. Daraus erwuchs der Reichtum der vom Verkehr lebenden Handwerker (wie z.B. der Schmiede) zur Zeit der Renaissance.

Neben den etwas älteren beeindruckenden Bauwerken der Ortsbefestigung sind die von Hand­werkern gestifteten Kapellen ein Highlight des zentralen Ortes im Bachgau, in dem Adelige kaum eine führende Rolle spielten. Der Rundgang durch den Ort hat eine Länge von etwa 2 Kilometern. Folgen Sie auf 11 Stationen dem Wappen Großostheims.

 

Kulturweg Bachgau V : Früchte des Löss 

Der Wanderweg „Früchte des Löss“ führt durch die Großostheimer Kulturlandschaft.

Großostheim profitert heute noch von seinen guten Ackerböden. Sie gründen auf ein reiches Vorkommen von Löss, der hier in vergangenen Eiszeiten meterstark angeweht wurde.

Der Gang durch die Kulturlandschaft berührt auch die Großostheimer Weinberge, die seit dem Mittelalter bebaut werden.

 

Wanderung:

Unsere Wanderung beginnt, der besseren Parkmöglichkeiten wegen, am nördlichen Ortsrand, an der Bahnhofstraße. Hier nimmt der Wanderer die Markierung blaues Andreas-kreuz auf, läuft zurück bis zur Stockstädter Straße und biegt dort rechts ein. Man folgt ihr durch eine Randsiedlung, quert die Umgehungsstraße, behält die Geradeausrichtung bei und nach einem kleinen Links-rechts-Knick zwischen Feldern auf die Brücke über die B 469 zu. Drüben beginnt der Wald. Wenn jetzt das blaue Kreuz nach links abknickt, folgen wir einfach dem Weg entlang dem Feld-Wald-Saum mit freiem Blick hinüber zu den grünen Spessartkuppen. Es ist zugleich der Verlauf der örtlichen Markierung Ziffer 1.

Nach ausholendem Bogen stößt man auf das umzäunte Areal „Freizeitpark Sonneck”. Das ist ein idyllisch gelegener, mehrzüngiger Baggersee, an dessen Ufer großzügige Wochenendhäuser aufgereiht sind. Innerhalb der Einfriedung zieht sich ein Weg um das gesamte Gelände. Zugang besteht nur von der stark befahrenen Straße her, also als Abstecher kurz an ihr entlang.

Die reguläre Route bestimmt weiterhin die Ziffer 1. Noch wenige Meter am linken Zaun vorbei (Richtung Stockstadt), dann ein abrupter Linksschwenk, und es geht auf gepflegtem Forstweg erholsam weiter. Hat man schließlich die B 469 unterquert, heißt es kurz vor Erreichen der nächsten Straße aufgepasst: Die Markierung führt nach links in einen Grasweg. Erst nach wenigen Metern erscheint die 1 wieder schwarz auf weiß. In kleinen und größeren Bogen nähert man sich dem Flugplatzgelände. An ihm entlang weist das Zeichen den Weg zu seinem Ausgangspunkt, dem kleinen Parkplatz an der Straßenkreuzung. Der Wanderer quert die Straße und nimmt ab dem auffälligen Hinweis für eine Baumschule den hecken-gesäumten Fußweg zurück nach Großostheim. Von der Bahnhofstraße braucht man nur geradeaus weiterzulaufen, kommt zur Breiten Straße, die am Alten Rathaus vorbei sich bis zum historischen Marktplatz zieht (Rhein-Main, 170).

 

Wanderung:

Wir beginnen unsere Wanderung in die Umgebung Großostheims am Marktplatz. Man geht die Jahnstraße hinauf und findet am Friedhofseingang das rote Kreuz. Es ist eine ungewöhnliche Anlage mit festungsähnlichem Charakter. Sie entstand auf dem früheren Schießplatz der Bürgerwehr im Schutze eines verbliebenen Abschnitts der Ortsbefestigung aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Mit dem roten Kreuz strebt man durch die Maßpforte und die Kreuzhohle aus dem Ort hinaus auf die Höhe. Vom Standort einer freistehenden Kapelle schaut man in das weite Rund der Felder.

Im Weitergehen rückt der Ortsteil Pflaumheim näher heran; einen Obstplantagenhang aufwärts schließlich erreicht man am Schützenvereinshaus den Wald. Angesichts der sich hintereinander staffelnden Berge gelangt man in ein keines Tal zur rustikalen Einkehr im Zelterhof.

Hat bis jetzt das rote Kreuz geleitet, geht es nun zunächst ohne Zeichen seitlich am Zelterhof vorbei auf die Höhe der Wendelinuskapelle. Erbaut 1620, steht sie auf äußerstem Posten eines Großostheimer Sieben‑Kapellen‑Kranzes, in dem die Heilig‑Kreuz‑Kapelle mit einer Sandsteinkreuzigungsgruppe, die den Einfluß Hans Backoffen erkennen läßt, und die dem Weinbau gewidmete Drippellkapelle die bedeutendsten sind.

Hinter der Wendelinuskapelle findet man das Zeichen blaues Kreuz. Seine Route verläuft durch Wald‑ und Weinberge schließlich hinaus ins freie Feld. Mit Blick auf die Mainebene, aus der die Schloßtürme von Aschaffenburg herüberblinken, bringt das blaue Kreuz nach Großostheim zurück (Wochenende, Seite 140).

 

 

Ringheim (zu Großostheim):

Kulturpfad „Deckname Schafsweide“ (6 Kilometer):

Im Jahre 1937 wurde der Fliegerhorst von der Luftwaffe unter dem Decknamen „Schafsweide“ als einer von vielen getarnten Landeplätzen in Deutschland gebaut. Zunächst 1940 als Startpunkt mehrerer Fliegerangriffe auf Frankreich (unter anderem Vraux) genutzt, befand sich hier 1941/42 eine Luftwaffen-Forschungsstelle zur Entwicklung von Elektronen- und Röntgenstrahlen‑Waffen. Ab 1944 wurde von hier aus wieder geflogen, bis die Soldaten der Vereinigten Staaten 1945 den Fliegerhorst einnahmen und jeden Flugbetrieb unterbanden. Erst in den 1950er Jahren wurde zunächst der Segelflug zugelassen und später auch Motorflugzeuge. Das Gelände des heutigen Verkehrslandeplatzes Großostheim befindet sich östlich des ehemaligen Fliegerhorstes, auf dem sich die Siedlung Ringheim erstreckt.

Die Anzeige zur Eröffnung des als „Festplatz“ getarnten Fliegerhorstes im Jahr 1937 birgt interessante Details. Auf Tradition wird wert gelegt. eine bayerische und eine fränkische Tracht sind zu sehen, eine Schafherde samt Schäfer die Ortsansicht von Pflaumheim. Aber auch auf moderne Errungenschaften ist man stolz, wie die Feldbahn und der Löffelbagger rechts belegen. Einen Tipp auf die tatsächliche Verwendung des Festplatzes findet man ‑ ganz klein ‑ am rechten oberen Bildrand: hier schweben drei Flugzeuge am Himmel über dem Platz.

Der Militärflugplatz auf der Gemarkung des verschwundenen mittelalterlichen Dorfes Ringenheim war der Ursprung des modernen Großostheimer Ortsteils Ringheim. Nach Ende des Krieges und der Zerstörung des Fliegerhorstes kamen hierher vor allem Flüchtlinge, die gemeinsam mit der Gemeinde auf dem Flughafengelände die Siedlung Ringheim schufen. im Wald finden sich noch vielfach Spuren des Neubeginns von Ringheim, die durch den Geopark‑Pfad erschlossen werden. In Erinnerung an den mit dem Krieg verbundenen Anfang Ringheims besteht hier seit langem ein starkes Engagement für den Frieden, das ‑ in Verbindung mit dem Geopark‑Pfad ‑ zum Bau des Glockenturmes mit der Friedensglocke führte. Glocke, Turm und Geopark‑Pfad sollen das Symbol für den Willen sein, in Zukunft gemeinsam für den Frieden zu arbeiten.

 

(1) Start An der Waldspitze:

Der Geopark‑Pfad beginnt auf dem Parkplatz „Waldspitze“ nahe beim Großostheimer Verkehrslandeplatz. Die 6 km lange Runde durch den Ringheimer Wald führt nach dem Start zu vier weiteren Stationen. Eine separate Info‑Tafel steht an der St. Pius‑Kirche in Ringheim.

 

(2) Spuren des Krieges im Wald: Der erste Blick beim Spaziergang durch den Ringheimer Wald verrät noch nicht, dass es sich hier um ein Gebiet handelt, das bereits tiefgreifende Veränderungen erfahren hat. Wir befinden uns, was die Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges betrifft, geradezu in einer Un‑Kulturlandschaft. Der Fliegerhorst durchdrang nicht nur das eigentliche Fluggelände, sondern auch die angrenzenden Wälder. Unter dem schützenden Dach der Bäume konnten die logistischen Einrichtungen Platz finden, die für den Unterhalt und für die Sicherheit des Flugplatzes notwendig waren. Ein Fundamentblock auf Schaafheimer Gemarkung ist der letzte Rest des ehemaligen Flugabwehrturmes. Es gibt noch Reste der Munitionsbunker (Tafelstandort)

 

(3) Vom Fliegerhorst zum Wohngebiet: Die Gemeinde Großostheim übernahm im September 1945 das Gelände des Fliegerhorstes als kahle Fläche mit demolierten Gebäuden. Hierher kamen zunächst Flüchtlinge, für die das Gelände zur dauernden Ansiedlung zur Verfügung gestellt wurde, weil es über Strom, Wasser, Zufahrtsstraße und Gleisanschluss (bis 1964) verfügte. Nach mehrjährigen Verhandlungen wurde der aufgestellte Siedlungsplan mit dem Bau von 230 Häusern genehmigt. Seit dem 7. Juli 1950 hatte die neue Siedlung auch offiziell einen eigenen Namen: der Gemeindeteil von Großostheim erhielt in Erinnerung an das mittelalterliche Dorf auf dessen Gemarkung er entstanden war, den Namen „Ringheim. Die Wirtschaftsgebäude des Fliegerhorstes wurden im Krieg nicht zerstört und wurden im Anschluss als Wohnraum genutzt.

 

(4) Friedensglocke: Besonders im Bereich der Friedensglocke befinden sich Wald rechts und links des Weges Krater die beider Bombardierung des Fliegerhorstes 1944/45 entstanden sind.

Die Ringheimer Friedensglocke mit ihrem stählernen Turm wurde im Juli 2004 im Rahmen des UNESCO‑Geopark‑Kulturpfades Bachgau I errichtet. Der markante Turm ist ein Ergebnis des jahrzehntelangen Engagements der Ringheimer Kirchengemeinde für den Frieden, auf die auch die Entstehung des Kulturpfades zurückgeht. Dass gerade das Thema „Frieden“ in Ringheim aufgegriffen wurde, ergibt sich aus der Entstehung des Großostheimer Ortsteils. Der 1937 gebaute Militärflughafen brachte Zerstörung nicht nur in Frankreich (in Vraux, durch den in Ringheim gestarteten Angriff), sondern auch hier durch die Bombardierung des Fliegerhorstes und der Umgebung durch die Alliierten. Die Friedensglocke wurde im Mai 2004 im Auftrag der Pfarrgemeinde St. Pius in Ringheim gegossen. Auf der Friedensglocke steht: unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens“.

Die Landwehr, an der der Glockenturm steht, wurde Anfang der neunziger Jahre des 15. Jahrhunderts von den Mainzer Kurfürsten errichtet, um Hanauer und Mainzer Territorium zu trennen. Sie markiert noch heute die Landesgrenze zwischen Bayern und Hessen.

 

(5) Der Brunnen im Wald: Der Ringheimer Wald diente bis ins 19. Jahrhundert hinein vorwiegend als Weideplatz für Rinder und Schweine. Hier befindet sich ein alter Brunnen, von dessen Existenz nur wenige wussten. Vermutungen gingen sogar so weit, hier den Standort eines römischen Brunnens zu vermuten. Im Rahmen von Sicherungsmaßnahmen konnte die Funktion des Brunnens geklärt werden. Die Bergung des Inhalts und parallele archivalische Forschungen ergaben, dass der Brunnen 1805 gegraben wurde, um die Wasserversorgung des Viehs zu ermöglichen, das im Herbst zur Mast in den Wald getrieben wurde.

 

(6) St. Pius-Kirche: Kirche und Schule waren in Ringheim zunächst in Notunterkünften eingerichtet. Im Jahre 1967 erhielt Ringheim ein eigenes Pfarrzentrum (das „Haus Shalom“), 1974 wurde die Pius-Kirche geweiht. Das Pfarrzentrum ist zu einem Mittelpunkt des Gemeindelebens in Ringheim geworden. Zahlreiche Kunstwerke und Gedenksteine künden von den Aktivitäten der Ringheimer und der Kirchengemeinde. Das Kinderhändedenkmal „Manument“ steht hinter der Kirche.

Die Marienkapelle wurde 2002 von der Bürgervereinigung erbaut.

 

Pflaumheim (zu Großostheim):

Kulturradweg „Durch den Plumgau“ (18 Kilometer)

Auf einem mittelschweren Kurs führt der Kulturradweg durch die Landschaft des „Plumgaus“. Es erwarten Sie von den Kuppen weite ausblicke bis nach Frankfurt und am Pflaumbach Kleinode der Kunstgeschichte.

Eine sehr alte und heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung nennt die Landschaft des westlichen Bachgaus den „Plumgau“. Danach ist der Kulturradweg benannt, der die Orte Pflaumheim, Radheim, Mosbach und Wenigumstadt ‑ länderübergreifend ‑ erschließt. Die meisten kunsthistorisch interessanten Bauwerke (Dorfmauer, Rathäuser) haben ihren Ursprung im 15. und 16. Jahrhundert, als es der Region wirtschaftlich sehr gut ging. Insbesondere das Steinmetzhandwerk florierte in Pflaumheim ‑ zu sehen an den Neidköpfen und den Bildstöcken, die aus dem roten Buntsandstein entstanden. Auch die Kulturlandschaft ist seit Jahrtausenden besiedelt. Von der Steinzeit über die Bronzezeit bis ins Mittelalter hinein weisen die hervorragenden archäologischen Befunde auf hochstehende Persönlichkeiten hin, die hier bestattet wurden. Das Landschaftsbild seit dem 15. Jahrhundert wird vom Wartturm und der ihn flankierenden Landwehr geprägt.

 

(1) Kirchplatz: Das Ensemble am Pflaumheimer Kirchplatz mit Kirche und alter Schule ist das stimmungsvolle Umfeld für den Start des Kulturradweges. Gegenüber befindet sich die Werkstatt des letzten Pflaumheimer Steinmetzes.

 

(2) Wartturm: Die Schaafheimer Warte ist heute ein Aussichtsturm. Sie wurde 1492 unter dem Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg (1484‑1504) auf dem 216 m hohen Binselberg errichtet. Von hier war der Verlauf der Landwehr, die Mainzer von Hanauer Territorium trennte, gut zu überwachen.

 

(3) Laurentiuskirche Radheim: An der Stelle der Laurentiuskirche im Schaafheimer Ortsteil Radheim befand sich zu Römerzeiten eine Kultstätte. Bei Renovierungsarbeiten wurde ein römischer Opferstein gefunden, der in den Marienaltar eingemauert worden war. Auf ihm ist der Gott Merkur dargestellt. Heute wird der Kirchenbau durch zwei größere Umgestaltungen geprägt: Im Jahre 1578 war der Umbau im Renaissancestil abgeschlossen und 1764/68 wurden die prächtigen barocken Altäre aufgestellt

 

(4) Johanniterkommende Mosbach (zu Schaafheim): Im Schaafheimer Ortsteil Mosbach befinden sich Kirche und Gebäude einer ehemaligen Johanniterkommende. Sie wurde im 13. Jahrhundert an der Stelle eines Klosters erbaut, das in der Zeit Karls des Großen Erwähnung fand. Wegen der Hauptaufgaben des Ordens, der Betreuung der Kreuzritter und Pilger, bildeten Kirche und Hospital stets eine Einheit.

 

(5-7)  Durch Wenigumstadt führen drei Tafeln des Kulturpfades „Wilschenimschder Wallonen“. Hier lernen Sie die Geschichte der Kirche St. Sebastian, des Rathauses und der Balduinikapelle kennen.

 

(8) Bahnbrücke:Über die Bahnbrücke fuhr einst die Bachgaubahn, die 1912‑1974 von Höchst (im Odenwald) nach Aschaffenburg führte. Im Bereich der Orte Wenigumstadt und Pflaumheim ist die ehemalige Bahntrasse seit 1997 als geschützter Landschaftsbestandteil naturschutzrechtlich gesichert. Die Bahnbrücke ist heute Kultur- und Naturschutzdenkmal.

 

(9) Hesselburg: Die Flurgemarkung „Hesselburg“ stand stets mit einer geheimnisvollen Sage in Verbindung, dass sich hier Schätze und Ähnliches finden würden. Nachdem 1939 bei Bauarbeiten unabsichtlich ein Kellergewölbe freigelegt worden war, wurde das Gelände dann 1971 in einer Grabung untersucht, wobei man die Überreste eines römischen Gutshofes fand. Zur Konservierung des Befundes wurde er wieder mit Erde bedeckt.

 

(10) Pflaumheimer Grabhügel: Pflaumheim ist mit dem frühesten schriftlichen Beleg archäologischer Ausgrabungen am bayerischen Untermain verbunden. Bereits 1787 wurden durch „Jäger“ des Grafen Franz zu Erbach mehrere Grabhügel geöffnet, wobei die Ausgräber einige Urnen fanden. Sie wurden allerdings dabei beobachtet, woraufhin das Erzstift Mainz als Landeigner Anzeige erstattete. Es erhob zudem Anspruch auf die Funde, die jedoch nicht zurückkamen. Im Jahre 1902 wurde einem Grabhügel der reiche Trachtschmuck einer Frau der Spätbronzezeit entnommen.

 

(11) Steinmetze: Weithin bekannt waren die Pflaumheimer Steinmetze. Seit dem Mittelalter war ein gemeindeeigener Sandsteinbruch in Betrieb. Daneben gab es noch einige private Steinbrüche. Ein Dutzend Steindenkmäler und Bildstöcke im Ortsbereich und in der Flur geben davon Zeugnis. Sie stammen alle aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. An diese Zeit erinnert auch eine Reihe von Bildhauerarbeiten im Ortskern, zum Beispiel der Schneidersbildstock. Die Familie Zahn ist auch mit der jüngsten Generation als Steinmetze in Pflaumheim tätig.

 

(12) Annakapelle: Wohl einer der schönsten Aussichtspunkte im Bachgau ist die Annakapelle. Von hier hat man einen herrlichen Rundblick vom Spessart (rechts) über die Mainebene zum Taunus (mit Frankfurt im Vordergrund). Der aus dem 17. Jahrhundert stammende Vorgängerbau wurde wegen Baufälligkeit abgerissen. Der Neubau erfolgte dann nicht weit entfernt an dieser Stelle, eben wegen des Panoramablicks.

 

(13) Dorfarchäologie:

Die außergewöhnlichen, frühmittelalterlichen Fibeln, die im Stiftsmuseum in Aschaffenburg ausgestellt werden, wurden bei Bauarbeiten in Pflaumheim gefunden. In den Jahren 1969/70 wurden 23 Gräber eines vermutlich über 300 Gräber umfassenden frühmittelalterlichen Reihengräberfeldes freigelegt. Fast alle diese 23 Gräber waren aber schon von Grabräubern des Mittelalters beraubt worden.

 

(14) Altes Rathaus:  Das Pflaumheimer Rathaus aus dem Jahr 1548 ist das älteste noch erhaltene Rathaus im Bachgau. Es ist ein Beleg für den Wohlstand der Gemeinde im 16. Jahrhundert, als Pflaumheim etwa 500 Einwohner zählte. Im Jahre 1982 feierten die Pflaumheimer mit einem Rathausfest den Abschluss der Renovierungsarbeiten. Seitdem dient es als “gute Stube der Vereine”.

 

Wenigumstadt (zu Großostheim):

Wenigumstadt ist ein besonders europäischer Ort. Das liegt an den Jahrtausende alten archäologischen Zeugnissen wie z. B. Hügelgräbern, die uns ein lebhaftes Bild des Siedlungsverlaufs vermitteln. So können wir Römer identifizieren, Alemannen, Angelsachsen und Franken. Die letzte Siedlungswelle wirkte namensgebend für den Kulturpfad: Im 17. Jahrhundert sorgten vor allem Wallonen (aus dem heutigen Belgien) dafür, dass der im 30jährigen Krieg wüst gefallene Ort nicht ausstarb. Beim Gang durch die Wenigumstädter Kulturlandschaft erinnert manches an die europäische, insbesondere an die wallonische Vergangenheit. Höhepunkt dabei ist die Vierzehn‑Nothelfer‑ Kapelle, die 1698 der wallonische Pfarrer Balduini errichten ließ.

Das älteste Haus ist gleichzeitig das Schmuckstück Wenigumstadts: das Rathaus. In einer Zeit der wirtschaftlichen Blüte wurde es 1584 mit reichen Verzierungen errichtet. Die wunderbare Restaurierung zeigt, dass sich die Wenigumstädter ihm ganz besonders gewidmet haben. Zu beachten sind auch die Kratzputzbilder von Willy Jakob, dem gebürtigen Wenigumstädter Kirchenmaler, der auch in der Kirche St. Sebastian tätig war.

Entlang des Linienweges im Gottfriedswald wandelt man auf archäologischen Spuren. Hügelgräber und die Station „Altsiedellandschaft“ vermitteln die Spuren einer andauernden Siedlungstätigkeit. Auf dem Rückweg kann man an der „Marienruh“ innehalten, einer Anlage, die um 1920 als Mariengrotte gegründet wurde. Wenige Meter von hier kann man einen Ausblick genießen, der über Frankfurt hinaus bis zum Taunus reicht. Wenn man zum Abschluss einkehren und das Kartenspiel „Schafkopf“ kennen, kann man eine Partie mit Einheimischen riskieren ‑ aber Vorsicht: bei den Wilschenimschdern wird mit französischem Blatt gespielt!

 

Kulturpfad „Wilschenimschder Wallonen“ (6 Kilometer)

Durch Wenigumstadt führen drei Tafeln des Kulturpfades „Wilschenimschder Wallonen“. Hier lernt man die Geschichte der Kirche St. Sebastian, des Rathauses und der Balduinikapelle kennen.

Der Geopark‑Kulturpfad führt auf einer Länge von 6 Kilometern durch die Wenigumstädter Kulturlandschaft. Im ersten Teil verläuft die Route durch Wiesen und Felder bis zur Kirche und zum Rathaus. Nach der Durchquerung des Ortskerns folgt nach leichter Steigung ein Gang durch den Gottfriedswald. Am Waldrand lockt schließlich ein Aussichtsplatz zum Ausruhen. Die letzte Station vor dem Erreichen des Ausgangspunktes ist die Vierzehn-Nothelfer‑Kapelle des „Wallonen“‑Pfarrers Balduini.

 

(1) Viehweidsbrücke: Start des Kulturpfades. Zu Beginn führt der Kulturpfad durch Felde und Wiesen mit Blick auf den Wartturm (1492). Einer der Stifter des Rotkreuz‑Bildstocks (17. Jahrhundert) in der Nähe der Viehweidsbrücke ist der „Wallone“ Heinrich Mü…..(?)

 

(2) Kirche St. Sebastian:  Um 1903 wurde am Ortsrand eine neue Kirche im neugotischen Stil eingeweiht, da die alte im Ortskern baufällig und zu klein geworden war. Das heutige Aussehen bekam der Innenraum bei der letzten Restaurierung im Jahr 1993. Original ist der Figurenschmuck: Heiligenfiguren aus der Schnitzwerkstatt von Matthäus und Heinz Schiestl in Würzburg, von Josef Riefesser aus St. Ulrich in Südtirol und das große Chorbogenkreuz von Arthur Schleglmünig. Die Figuren sind zum Teil Stiftungen Wenigumstädter Bürger. Weiter zu erwähnen sind das spätgotische Tafelbild der Vierzehn‑Nothelfer (15. Jahrhundert, vermutlich aus fränkischer Schule), das früher in der Vierzehn‑Nothelfer‑Kapelle untergebracht war, die bis in die 1970er Jahre an der Marienstraße stand, heute Balduinistraße. Bemerkenswert ist auch die ebenfalls spätgotische Madonna (um 1490). Sei der Umgestaltung des Kirchenschiffes in den 1950er Jahren übernahm der Wenigumstädter Kirchenmaler Willy Jakob einen Großteil der Arbeiten.

 

(3) Rathaus und alte Kirche: Das Rathaus ist das älteste erhaltene Bauwerk Wenigumstadts. Es wurde 1584 während der Regierungszeit des Mainzer Kurfürsten Wolfgang Kämmerer von Dalberg im Renaissancestil errichtet. Durch die Verzierung mit ornamentalem Blattwerk, Spiralen, Sternen, Sonnen und Engelsköpfen ähnelt das Haus anderen mainfränkischen Bauten. Am Rathaus sind Schnitzarbeiten des 16. Jahrhunderts und Kratzputzbilder. Der heilige Sebastian ist auf dem Brunnen neben dem Rathaus dargestellt.

Etwas zurückgesetzt stand die alte ‑ heute profanierte ‑ Kirche am Platz eines mittelalterlichen Vorgängerbaus, von dem der Turm belassen wurde. Daneben wurde 1719 unter der Leitung des „Wallonen“‑Pfarrers Johannes Balduini ein barockes Langhaus errichtet und 1728 eingeweiht. Aufgrund der Feuchtigkeit und wegen Raummangels errichteten die Wenigumstädter im Jahr 1903 eine neue Kirche. Erst während eines Umbaus wurde 1910 der Turm vollständig abgerissen. Der in der alten Kirche eingelassene Gedenkstein erinnert an den „Wallonen“‑Pfarrer Balduini, mit dessen Unterstützung beide Bauten errichtet wurden.

 

(4) Altsiedellandschaft Wenigumstadt: Dank des fruchtbaren Lößbodens, des günstigen Klimas und der Verkehrslage ist der Bachgau seit der Jungsteinzeit (jungsteinzeitliche Pfeilspitzen) eine intensiv genutzte und dicht besiedelte Kulturlandschaft. Beweis dafür sind zahlreiche Funde der Völkerwanderungszeit. Nach Ende der römischen Herrschaft um 260 nCh ließen sich in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts wieder Menschen in diesem Landstrich nieder. Die Grabbeigaben lassen darauf schließen, dass es sich bei den Siedlern um eine bunt zusammen gewürfelte Lebensgemeinschaft handelte. Dazu gehörten Elbgermanen, Gallier und Ostgermanen. Danach folgten Franken und ‑ überraschend ‑ eine aus dem angelsächsischen Bereich stammende Familie, die ihre andersartige Gebrauchskeramik lange Zeit beibehielt.

 

(5) Marienruh und Ausblick: In der Wenigumstädter Flur finden sich eine Reihe von Bildstöcken und so genannten Mariengrotten. Letztere sind im 20. Jahrhundert entstanden, zumeist im Zusammenhang mit der glücklichen Heimkehr aus dem Krieg oder mit der Errettung aus einer schweren Bedrängnis. Die Anfänge der Grottenanlage Marienruh gehen in das Jahr 1924 zurück, als der Wenigumstädter Natur‑ und Vogelschutzverein gegründet wurde. Am Aussichtspunkt kann man  sich hinzusetzen und ‑ bei günstigem Wetter ‑ den Blick bis zum Taunus zu genießen.

 

(6) Wilschenimschder Wallonen: Im 30jährigen Krieg wüteten Söldner und die Pest im Kurfürstentum Mainz, wodurch mancherorts 90 Prozent der Bevölkerung hinweg gerafft wurden. Hierauf befahl der Mainzer Kurfürst Johann Philipp von Schönborn die Neubesiedelung von Dörfern, Städten und Märkten. Da enge Beziehungen zwischen dem Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg und der Diözese Lüttich bestanden, waren die meisten Ankömmlinge Wallonen aus dem Raum St. Trond Borgeloon nordwestlich von Lüttich. Im Jahre 1668 stellten die Wallonen bereits 75 Prozent der Wenigumstädter Bevölkerung. Wallonen und Einheimische blieben zunächst unter sich, näherten sich aber über den gemeinsamen Glauben allmählich an. Eine tragende Rolle spielte dabei Pfarrer Johannes Balduini, unter dessen Leitung 1698 die Vierzehn-Nothelfer‑Kapelle errichtet sowie später der Neubau der Kirche veranlasst wurde. Heute erinnern noch Namen wie z.B. Deboy, Fuhry oder Thyroff an die wallonischen Wurzeln.

 

 

 

Odenwald Ost:

 

Amorbach

In einer der reizvollsten Urlaubslandschaften, dem Naturpark „Bayerischer-Odenwald“, liegt die liebenswerte und romantische Barockstadt Amorbach. Inmitten einer herrlichen Kulturlandschaft, im Dreiländereck von Baden-Württemberg, Bayern und Hessen, bietet der staatlich anerkannte Luftkurort die besten Voraussetzungen, gemeinsam die Hetze des Alltags zu vergessen.

Die um 5.000 Einwohner zählende Stadt ist der ideale Ort für Freude an Natur und Kultur. Die malerische, verkehrsberuhigte Altstadt mit schmucken Gassen und heimeligen Winkeln ist beliebtes Ziel für Einkauf und Geselligkeit. Rund 3000 Hektar Mischwald sind die grüne Lunge der Stadt, die sich windgeschützt in ein liebliches Tal schmiegt.

Das 159 Meter hoch gelegene bayerische Städtchen liegt außerordentlich anmutig inmitten bewaldeter Berge an der Vereinigung von fünf Tälern. Sehr mildes Klima, daher für Erholungsbedürftige besonders geeignet. Vorzüglicher Stützpunkt für Ausflüge und Wanderungen im östlichen Odenwald, ins Maintal und zum Spessart. Wohnsitz des Fürsten von Leiningen. Die Bevölkerung beschäftigt sich mit Obst- und Ackerbau sowie Gewerbe (Mühlen, Gerberei, Tuch- und Holzwarenherstellung.)

 

Sage und Geschichte:

Der Legende nach begann die Geschichte Amorbachs im Jahre 713 an der Stelle des heutigen Amorbrunnens. Um das Christentum im Odenwald zu verbreiten, soll im Jahre 714 der heilige Pirmin an der Stelle des heutigen Amorbrunnens ein Kirchlein gegründet haben. Sein Nachfolger war der Sage nach der heilige Amor, der 734 die nach ihm benannte Benediktinerabtei Amorbach gründete. Die Entstehung des Namens, der naturgemäß zu Deutungen in Verbindung mit dem Gott Amor Anlaß gab, ist übrigens nicht geklärt.

Die Stadt wurde im Jahre 734 von Benediktinermönchen gegründet. Die Abtei kam im 10. Jahrhundert an das Bistum Würzburg, später an das Erzbistum Mainz.

Im Jahre 1170 kam Amorbach in den Besitz der Herren von Dürn (Konrad von Durne), die es 1252 zur Stadt erhoben. Im Jahre 1272 wurde Amorbach an Mainz verkauft. Schwere Leiden brachten der Bauernkrieg (1525) und der Dreißigjährige Krieg. Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt noch einmal einen großen kulturellen Aufschwung. Unter bedeuten Baukünstlern entstanden monumentale Schöpfungen höchst entwickelter Barock- und Rokokokunst. Im Jahre 1803 wurde Amorbach mit der aufgehobenen Abtei dem Fürsten von Leiningen zugesprochen, 1806 kam es an Baden, 1810 an Hessen und 1816 an Bayern.

 

Sehenswürdigkeiten:

* Die Abteikirche steht an der Stelle einer romanischen Kirche (die Abtei wurde im 8. Jahrhundert gegründet), deren zwei Türme stehen blieben. Der Neubau wurde 1747 vollendet. Er ist ein prunkvoller Rokokobau mit grandioser Innenausstattung (Deckengemälde. Kanzel. Orgel, Chorgitter). Heute ist die Abtei das Schoß der Fürsten von Leiningen. Hier befinden sich die Diensträume der Leiningenschen Verwaltung.. Im Ostflügel (Konventbau von 1742–47) befindet sich der Bibliothekssaal (Besichtigung gestattet) von 1790 mit ihrer klassizistischen Ausstattung und mit interessanten Deckenmalereien und schönen Schnitzereien; er enthält die Reste der früher sehr bedeutenden Klosterbibliothek (330.300 Bände) aus verschiedenen Wissensgebieten. Im Südflügel ist der der Grüne Saal von 1795 als Festsaal. Von dem Kreuzgang des alten Romanischen Baues sind 20 vorzüglich gearbeitete kleine Säulen und. Bildwerke erhalten, die in einem offenen Gang neben der Kirche aufgestellt sind.

* Katholische Pfarrkirche St. Gangolf (1751-55), dreischiffiger Hallenbau des Rokoko in rotem Sandstein, 1752 - 54 errichtet; am Hochaltar vorzügliche Bildwerke (hervorzuheben der heilige  Sebastian). Der Name „St. Gangolf und Sebastian“ weist auf den Märtyrer aus Burgund hin. Obgleich schon Rokoko, ist sie ein Spiegelbild der Abteikirche..

* Templerhaus von 1291, mit dem gesicherten Baudatum von 1291 zählt es zu den ältesten deutschen Fachwerkhäusern, im Jahre 1988 restauriert, eines der ältesten Fachwerkgebäude Deutschlands.

* Ehemalige Mainzer Amtskellerei aus den 15. Jahrhundert (1482–85), ein schlößchenartiger Bau, erinnert an den mainzischen Stadtherrn und beherbergt das Heimatmuseum.

* Ehemaliges kurmainzisches Amtshaus, 1725 erbaut, gegenüber der Kirche, das Wohnhaus des Fürsten von Leiningen.

* Ehemalige Kellerei, heute  Amtsgericht.

* Ehemalige Klostermühle von 1448 (nahe der Abtei), heute Café Schloßmühle.

* Spätgotisches Fachwerk- Rathaus aus der Zeit um 1500.

* Der romantische Seegarten wurde vom Fürstenhaus als Kurpark zur Verfügung gestellt.

 

 

 

 

Kirche:

Im Rahmen von Führungen werden Teile der Klosteranlage mit der Originalausstattung, Bibliothek und „Grüner Salon", sowie die Kirche gezeigt. Meister aus ganz Süddeutschland besorgten die Innenausstattung, das reich geschnitzte Chorgestühl, die einmalige Kanzel über doppelläufiger Treppe, das schmiedeeiserne Chorgitter und die herrlichen Stukkaturen, mit den Decken- und Wandfresken eine Einheit bildend.

Seit die Abtei 1803 in den Besitz der Fürsten zu Leiningen überging, dient die Kirche als evangelisches Gotteshaus. In den Gottesdiensten, und im Sommerhalbjahr in weitbekannten durch das Fürstenhaus veranstalteten Konzerten und Orgelvorführungen besteht Gelegenheit, die Königin der Instrumente in ihrer ganzen Klangfülle zu hören.

Die Abteikirche  ist im Kern romanisch, aus einer kreuzförmigen Basilika umgebaut, von der die beiden Türme und die seitlichen Außenmauern erhalten sind. Der Umbau erfolgte 1742-47 nach dem Entwurf des kurmainzischen Hofbaumeisters General von Welsch. Der Turmseite ist eine sehr wirkungsvolle Barockfassade aus rotem Sandstein mit Freitreppe vorgelagert.

Das Innere ist durch die „in unübertroffenem Gleichmaß der Gesamtwirkung durchgeführte Dekoration“ ausgezeichnet, die zu den besten Werken des deutschen Rokoko gehört. Stuckarbeiten und  Seitenaltäre  von Feichtmayer und Uebelher. Deckengemälde von Mathias Günther aus Augsburg, besonders durch perspektivische Wirkung ausgezeichnet. Das fein gearbeitetes Chorgitter ist von Gattinger. Die Chorstühle sind einfach geschnitzt. Der große Hochaltar ist aus Marmor.

 

Zu Ostern und Pfingsten gibt es einen Grund mehr, das Barockstädtchen Amorbach im Odenwald anzusteuern. Dann erklingt in der Abteikirche die nach Expertenauffassung „größte und klangprächtigste Orgel Europas” im Rahmen von Sonderkonzerten. Die Akustik in der Barockkirche begeisterte schon Carl Maria von Weber oder Mendelssohn-Bartholdy. Zu ihrer Zeit umfaßte das aus der berühmten Orgelbauschule Stumm stammende Instrument bereits 3.000 Pfeifen. Ergänzt 1868 um weitere 2.000 Pfeifen, kann mit vier Manualen und 66 Registern eine fast unendliche Tonvielfalt in den sakralen Raum gezaubert werden.

Fast will es scheinen, das Gotteshaus sei als Klangkörper für die Orgel errichtet worden. Dabei war man bei Fertigstellung der Barockanlage 1757 weit davon entfernt, ein Instrument dieser Größe einzubauen. Es dauerte fast ein Vierteljahrhundert, ehe an die Anschaffung gedacht werden konnte. Zu sehr hatte der aus Anlaß des tausendjährigen Bestehens der Benediktinerabtei 1734 begonnene Neubau die Kapazitäten erschöpft, denn das Beste war dabei gerade gut genug um dem geistlichen wie weltlichen Selbstverständnis des Ordens repräsentativ zu entsprechen.

Die prachtvolle äußere und innere Ausgestaltung vereinigt sich mit dem herrlichen Klang eines der größten Barockorgelwerke in Europa, der berühmten Stumm-Orgel, zu beglückender Harmonie. Gipfel des Kunstgenusses ist es, wenn zwischen Fresken, Stuck und Schnitzwerk die größte Barockorgel des Kontinents ertönt - nur von Mai bis Oktober - dienstags bis samstags um 11 und um 15 Uhr; sonntags um 12 Uhr.

 

Auf den Spuren Adornos

Schon der Name des kleinen Barockstädtchens im bayerischen Odenwald erzählt vom sehnsüchtig erwarteten Frühling, von der Lust und von der Liebe: Amorbach. Theodor W. Adorno, großer Frankfurter Philosoph und Soziologe, widmete seinem „Lieblingsstädtchen“ sogar ein Buch voller Kindheitserinnerungen. Bereichert mit dieser charmanten Lektüre erscheint die pittoreske Altstadt mit ihrer Spätgotik gleich in einem ganz neuen Licht: Wie hat der junge Adorno wohl das „Alte Rathaus“, die ehemalige Kurmainzer Amtskellerei, das Benediktinerkloster oder das so genannte Templerhaus erlebt? Auf welchen Pfaden mag er gewandelt sein?

 

Wanderung:

Vom Bahnhof Amorbach kommt man durch die Bahnhofstraße zunächst zur Stadtkirche St. Gangolf.. Am nahen Marktplatz laufen zentral die Wandermarkierungen zusammen. Eine Tafel am Rathaus gibt Auskunft. Wir wählen die weiße Raute und gehen mit ihr nach rechts über die Steinerne Brücke durch das ausgedehnte Neubaugebiet und auf dem Amorsbrunner Weg hinaus in ein kleines Seitental der Mudau.

 

Amorsbrunn:

Im lieblichen Otterbachtal steht an der Einmündung zur Mudau die Amorsbrunner Kapelle. Die Kapelle aus dem 12. Jahrhundert wurde 1521 erweitert wurde. Sie hat eine sehenswerte Innenausstattung und eine Mariensäule von 1720. Die Wallfahrtskapelle ist gotisch, steht aber über einem heidnischen Quellheiligtum. Die Quelle am Boden der Kirche speist jetzt wie damals das Becken im Garten. Wo einst rituale Waschungen vorgenommen wurden, tummeln sich heute Forellen.

Der heilige Gangolf wird von alters her durch die katholische Bevölkerung Amorbachs und des Umlandes hoch verehrt. Zeichen überkommener Volksfrömmigkeit ist der traditionelle Gangolfsritt mit der Pferdesegnung bei der Kapelle Amorsbrunn.  „Zum Amorsbrunn e Vertel Stunn“, belehrt ein Wegweiser in der Stadt.

Auf einem heidnischen Quellheiligtum sollen in dem Tal der Mudau irische und schottische Mönche im 8. Jahrhundert eine Kapelle errichtet haben, der bald das Benediktinerkloster Amorsbrunn angeschlossen wurde. Was läge näher, als mit diesem Namen den römischen Liebesgott in Zusammenhang zu bringen, zumal denen, die von der Quelle im Kapelleninneren trinken, Kindersegen vorhergesagt wird. Doch nicht er stand Pate, sondern der heilige Amor. Wem wollte man es verwehren, trotzdem nach der kleinen Putte mit Pfeil und Köcher Ausschau zu halten?

 

Gerhardsberg:

Wer nun noch von der Höhe auf Amorbach herabschauen möchte auf die Wälder und Täler, die die Barockstadt umschließen, der sollte auf den Turm der Klosterruine des Gerhardsberges (auch: Klosterruine Gotthard auf dem Gotthardsberg) steigen. Auch dieser Berg ist mit der Geschick Amorbachs aufs engste verbunden. Hier soll Ruthard, der Gründer Amorbachs, die Feste Frankenberg besessen haben, die Kaiser Barbarossa 1168 „auf ewig“ auslöschen ließ, weil sich die Schutzvögte des Klosters Amorbach als Raubritter betätigten. Im 13. Jahrhundert entstand ein Nonnenkloster, das 1439 aufgehoben wurde. Verwüstungen und Blitzschlag (1714) vernichteten das Gebäude. Der Blick vom Turm geht in sieben Täler (Odenwald, Seite 23).

Am Fuß des Gotthardsberges liegt die Prinzenvilla in schönem Garten. In der Umgebung sind sehenswert eine Wildschweinfütterung und das nahe Freilandmuseum Gottersdorf.

 

Gottersdorf (östlich von Amorbach):

Das Odenwälder Freilandmuseum breitet sich auf einem großen Gelände hinter einem Teich in dem kleinen Ort Gottersdorf aus. Das Museum ist selbst wie ein Dorf, es zeigt euch, wie die Menschen früher lebten. Ihre Häuser wurden wieder aufgebaut, komplett mit Möbeln und Haushaltsgeräten, Werkzeugen, Ställen und Hühnerhäuschen, sämtlich aus verschiedenen Regionen des Odenwalds - vom Tagelöhnerhäuschen über eine dörfliche Poststelle bis zum Großbauernhof ist alles vertreten, was zu einem Dorf gehört. Die Lebensweise der Menschen, wie sie kochten, schliefen und arbeiteten, wird sehr anschaulich. Stellt euch vor, daß in dem winzigen Tagelöhnerhaus mit zwei Kammern damals zeitweise 13 Personen wohnten! Kinder und Erwachsene mußten sich die Betten teilen.

 

Interessant ist auch das ehemalige Armenhaus. Früher gerieten besonders alte oder kranke Menschen in Not, denn es gab noch keine Krankenkasse und keine Rentenversicherung, durch die sie abgesichert waren. Sie konnten nur in ein Zimmer des Armenhauses einziehen. Außerdem wohnte in diesem Haus die Hebamme der Gemeinde, und es gab ein Krankenzimmer.

Außerdem solltet ihr nicht vergessen, den Großbauernhof anzusehen, der vor dem Museumsgelände ausgeschildert ist. Dieses Gebäude einer wohlhabenden Bauernfamilie steht seit 200 Jahren an seinem Platz, daneben befinden sich Werkstätten, in denen Räder für Kutschen, Möbel und andere Dinge selbst hergestellt wurden.

Auch eine Küferei und einen Bauerngarten kann man besichtigen. Hier ist auch die einzige Ziegelei aus vorindustrieller Zeit aus dem Jahre 1788 in einem Freilandmuseum in Deutschland. Gelegentlich wird vorgeführt, wie man Grünkorn herstellt, nämlich aus halbreifem Emmer, der getrocknet und geröstet wird.

Tourist-Info, 74731 Walldürn-Gottersdorf, Tel. 06286 320: Öffnungszeiten: April + Okt täglich 10-17 Uhr,  Mai-September bis 18 Uhr, Montag geschlossen

 

Weilbach (nördlich von Amorbach):

Seit 1170 im Besitz der Herren von Dürn; 1272 Verkauf an Mainz, wo es bis 1803 blieb. Danach kam es an Leiningen. Hessen und Baden. 1806 wurde es bayrisch. Die Kirche entstand im Jahre 1789.

 

Weckbach (östlich von Michelstadt, norswestlich von Amorbach):

Von Ulrich III. von Dürn 1272 an den Mainzer Erzbischof verkauft, blieb Weckbach bis 1803 bei Mainz. Hinter dem Gasthof „Rose“ Grundmauern einer verfallenen Wasserburg.

 

Reinhardsachsen (östlich von Amorbach):

Dorfkirche aus dem 18. Jahrhundert.

 

Steinbach (südlich von Amorbach):

Unterhalb der Dorfkirche steht eine spätgotische Kapelle. erbaut 1494. umgebaut 1514, zu Ehren des HI. St. Martin und Veit. Im Fischblasenmaßwerk der Chorfenster Skulpturen der Kirchenpatrone. Glasmalereien. Spätgotische Kanzel. Schnitzaltar von 1520 mit einer Beweinungsgruppe und Szenen aus der Geschichte Christi. Seitenaltäre von 1703.

 

Schneeberg (südwestlich von Amorbach):

Seit 1170 Besitz der Herren von Dürn. Von 1272 bis 1803 gehörte es zu Kurmainz, danach Leiningen, Baden, Hessen und Bayern. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts Wallfahrt „auf dem Holderstock“. Dreiteilige Wallfahrtskirche (außen Gnadenkapelle von 1521 mit Marienaltar aus Alabaster von 1680; Mittelbau von 1474, der 1718 erweitert wurde; an der Bergseite neue Kirche von 1931).

 

Rippberg (südöstlich von Amorbach):

Erstmals 1197 erwähnt. Konrad von Dürn erbaute um 1250 eine Wasserburg. die nach 1575 von Dieter Echter von Mespelbrunn in einen Herrensitz umgebaut und 1835 abgebrochen wurde. Nur der Torbau und ein Renaissance-Brunnen sind erhalten geblieben. Im Friedhof Pfarrkirche St. Sebastian von 1591 mit Adelsgrabmälern.

 

Hettigenbeuern (südlich von Amorbach):

Berlichingen’sches Kastell. Viereckiger Turmbau aus dem 14. Jahrhundert. Station Museumsstraße Odenwälder Bauernhaus mit dem Thema „Tabakanbau“.

 

 

Zwischen Scheidental, Schlossau und Hesselbach verlief der südliche Odenwaldlimes. Restaurierte und konservierte Reste von Wachtürmen und dem Kleinkastell »Seitzenbuche« liegen unweit der Landstraße nach Hesselbach.

 

Wildenberg:

Keinesfalls entgehen lassen sollte man sich dort die stauferzeitliche Ruine Wildenberg. Der leichteste Anstieg erfolgt vom Parkplatz bei Kirchzell-Buch. Seit 1171 wird die Burg genannt, erstmals 1215 bezeugt und 1225 von Conrad von Dürn zu einem stolzen Herrensitz ausgebaut. Ein Stein im Torturm kündet: „Diese Burg machte Herr Ruprecht von Durn“, ein treuer Vasall Kaiser Barbarossas. Im Jahre 1271 erfolgte der Verkauf von Ulrich von Dürn an den Mainzer Erzbischof. Aus dieser Zeit stammt noch die Vorburg. Der Bergfried ist 20 Meter hoch, die Mauerns drei Meter dick. Es gibt einen Torturm mit Kapelle, einen Palas mit zwei Festsälen, große Kaminwangen und feine Fensterarkaden.

Die Buckelquadern an Mauern und Türmen, Schmuckformen im Palas oder den gewaltigen Kamin Mauern hatte Wolfram von Eschenbach angeblich vor Augen, als er die Gralsburg beschrieb. Wolfram von Eschenbach, der hier zeitweise gelebt hat, soll sie als Modell für die Gralsburg im Parzifal gedient haben. Ob Wolfram von Eschenbach allerdings Teile seines Parzival (er nennt die Gralsburg „Munsalwasch“, das heißt Wildenburg) hier um 1200 schrieb, wird wohl kaum zu klären sein.

Zum Schutze des Benediktinerklosters erbaut, war die Wildenburg seit ihren Anfängen in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts aufs engste mit Amorbach verbunden. Im Bauernkrieg wurde die Burg 1525 zerstört und ist seitdem Ruine

Bis auf wenige Veränderungen hat die Feste der staufischen Reichsministerialen von Dürn aber ihren rein romanischen Stil bewahrt. Die Burg ist eine der schönsten und größten Burgen der Romanik und weist Reste feinster romanischer Kunstformen auf, ein großartiges Beispiel staufischer Baukunst.

In den Jahren 1937-39 wurde die Burg vor dem Verfall gesichert. Sie hat einen 25 Meter hohen Bergfried mit guter Aussicht.

 

Wir wenden uns wieder dem roten Rhombus am Eingang zu und klettern mit ihm weiter bergan zu dem auf einem Plateau gelegenen Dorf Preunschen. Auf der Ebene oberhalb der Ruine Wildenberg liegt das Waldmuseum „Watterbacher Haus“, ein Fachwerkbau von 1475. Es ist das älteste Odenwälder Bauernhaus in Firstständer-Bauweise. Man erreicht das Watterbacher Haus von Amorbach aus über die Staatsstraße Richtung Mudau, indem man drei Kilometer nach Kirchzell-Buch rechts nach Preunschen abbiegt. Vom Ortseingang aus liegt das Fachwerkgebäude auf einem Hügel rechter Hand.

Das Haus beherbergt ein kleines Museum, in dem die historische und heutige Waldbewirtschaftung erläutert wird. Was damit gemeint ist, kann der Besucher im Inneren leicht erkennen. Das niedrige Unter- und das in den Dachstuhl übergehende Obergeschoß geben den Blick auf senkrechte Balkenreihen frei, die vom Grund bis zu den Dachpfetten reichen. Gleich im Eingangsbereich dokumentieren zudem ein Modell und Großdias Konstruktion die Geschichte dieses wandernden Hauses. Sein Name erinnert daran, daß man es um 1475 in dem Ort Watterbach baute, heute ebenfalls Teil der Marktgemeinde. Mitte unseres Jahrhunderts entging es knapp dem Abriß. Man baute es in einem abgelegenen Weiler neu auf, wo es ungenutzt war - der Zerstörungswut mancher Zeitgenossen und natürlichem Verfall ausgesetzt. Im Jahr 1981 wurde das Baudenkmal an den heutigen Standort verpflanzt. Als Waldmuseum hat es wieder eine Bestimmung, eine über die Region hinaus strahlende dazu.

Das Prachtexemplar eines Wildschweins, das „durch die Lappen geht“, ist nachgebildet. Die fürstlich-leiningensche Aufdrucke zeigen den Hosenband-Orden, den ein Mitglied des heimischen Adelshauses tragen durfte. An örtlichen Beispielen weist die Ausstellung aber immer wieder Zusammenhänge auf, die auf ganz Mitteleuropa übertragbar sind.

Die Extreme der waldwirtschaftlichen. Entwicklung macht gleich zu Beginn ein Kabinett deutlich, in dem ein Laub-Urwald und eine Fichten-Monokultur gegenüber stehen. Seit Gründung des Klosters Amorbach im achten Jahrhundert, drängten Menschen den einstigen Urwald zurück. Im elften Jahrhundert wurde die einst unbegrenzt verfügbare Ressource Wald so knapp, daß Konflikte aufbrachen.

Ein mächtiger Grenzstein macht klar: Bis hierher dürfen die von Otterbach ihr Rindvieh treiben, aus Gnaden des Klosters. Es wurden 167 solcher Steine gemeißelt. Der Aufwand half wenig. Der zur Mast von Kühen, Schafen, Ziegen, Schweinen genutzte Wald versteppte unweigerlich, da Naturverjüngung nicht mehr stattfand. Im Museum steht dafür die Silhouette eines mittelalterlichen Hausschweins, das im Wald Eicheln frißt. Eine Rarität ist das Hörnchen, mit dem „Hesse-Velde“, der Schweinehirt, der noch in den 50er Jahren trottend durch ein Nachbardorf zog.

Der Niedergang des ursprünglichen Waldes brachte Förster auf den Plan. Die kostbare Holzbibliothek, ein Herbarium aus hölzernen „Büchern“ für jede Baumart, zeugt von den Anfängen wissenschaftlich-rationeller Beschäftigung mit Wald. Neu angepflanzt wurde oft der heute kritisch beurteilte pure Nadelforst.

Objekte, Bilder, Szenerien, von präzisen Texten knapp auf den Punkt gebracht, zeugen davon, daß der Wald jahrhundertelang Arbeitsplatz war. Da kokelt nicht allein der Köhler; da bestellte nicht nur der Tagelöhner ein karges Äckerlein auf der Lichtung - beides übrigens bis ins 20. Jahrhundert. Vor der Erschließung von Steinbrüchen hatten Steinmetz in Findlingen ihr Rohmaterial und verhökerten im Hochmittelalter Odenwälder Sarkophage bis zu den ostfriesischen Inseln. Für arme Leute war Beerenernte oft di einzige Quelle des Gelderwerbs, so daß es in der Schule extra Ferien gab. Im viktorianischen England schnabulierte man Heidelbeeren, die per Bahn und Schiff aus dem Odenwald herbeigeschafft wurden. Und Zapfenbrecher wie jener, der im Obergeschoß einen Stamm hochkraxelt, leben dort bis heute. Sie verdienen ihr Brot unter Lebensgefahr, pflücken für Baumschulen das wertvolle Saatgut aus den Wipfeln.

Das Waldmuseum in Kirchzell-Preunschen ist Oktober bis März wochenends- und an Feiertagen. 12 bis 16 Uhr, sonst mittwochs, donnerstags, feiertags und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr offen.

Wanderung in Elvira Klein, Odenwald, Seite 225 und Rhein-Main, 222.

 

Spaziergänge von Amorbach

1. In den Seegarten unmittelbar bei der Abtei.

2. St. Amorsbrunn, Eingang ins Otterbachtal.  Die Quelle war schon den Römern bekannt, im Mittelalter galt sie als heilkräftig. u. a. gegen Kinderlosigkeit. In der Kapelle (1521) ein guter Schnitzaltar.

3. Hübsche Spaziergänge am Wolkmann (431Meter) im Westen der Stadt: Zum Botzenstübchen- Pulvermühle - Seegarten, oder zum Botzenstübchen – chafhof – Amorsbrunn.

4. Gotthardsberg (305 Meter) , aussichtreicher, aber schattenloser Weg am Bahnhof vorbei, dann am wein- und obstbedeckten Abhang aufwärts. Auf der Höhe stand einst eine Burg, seit dem 13. Jahrhundert ein adliges Frauenkloster. Malerische romanische Kirchenruine, 1714 durch Blitzschlag zerstört. Der Turm ist besteigbar und bietet malerische Aussicht in sieben Täler. Abstieg nach Amorbach durchs Wiesental oder nach Weilbach.

5. Nach Reuenthal,  über den Sattel zwischen Gotthards- und Sommerberg oder vom Sattel zur Blockhütte und über die sog. Albertsanlagen zurück.

6. Zur Ruine Wildenburg (370 Meter). Straße im Mudautal aufwärts bis Buch, dann den Weg durch Laubwald hinauf. Die im Wald versteckte Ruine, etwa 1170—1250 erbaut, ist eine der größten und schönsten romanischen Burgbauten, die erhalten sind. Noch die Reste zeigen einen großen Reichtum feinster romanischer Kunstformen, vor allem die Fensteröffnungen. Der mächtige Bergfried ist nicht besteigbar. Die Burg gehörte einst den Herren von Walldürn.

Sie soll Wolfram von Eschenbach als Vorbild der Gralsburg im „Parzifal” gedient haben, den er zum Teil hier geschrieben hat. Im Bauernkrieg (1525) wurde die Wildenburg zerstört.

7. Zum Beuchener Berg (450 Meter), prächtige Aussicht, besonders auf die Ruine Wildenburg. Rückweg durchs Mudautal  oder zur Zittenfeldener Quelle und über die Waldabteilung Küntelacker zurück.

8. Über den Gotthards- und Sommerberg  östlich nach dem hochgelegenen Neudorf und zurück nach Amorbach.

9. Über Schneeberg und Hambrunn südöstlich nach Rippberg und zurück nach Amorbach.

 

Ausflüge von Amorbach

a.) Nach Ernsttal und Waldleinigen  anfangs im Mudautal aufwärts, vor Buch rechts ab nach Kirchzell, großes Dorf mit 1100 Einwohnern, und südwestlich weiter über Ottorfzell und die badische Grenze nach Ernsttal.

 b) Fußweg über die Wildenburg, Weiter durch Wald aufwärts, auf der Höhe durch Feld über  Preunschen und  Mörschenhardt (500 Meter ). dann wieder im Wald steil bergab nach Ernsttal,

 c) Fußweg über Kirchzell, am Westhang des Mudautals entlang, um den Wolkmann herum,1inks abwärts nach Kirchzell (oder Weg am Amorsbrunn und Schafhof vorbei, jenseits der Straße steil bergan, vor dem Wald herrliche Aussicht, nach Preunschen und weiter wie bei Weg b).

Ernsttal, 280 Meter, ist ein kleiner badischer Weiler, einsam in engem Talkessel gelegen, von herrlichsten, wildreichen Wäldern umschlossen. Die Ansiedlung besteht nur aus dem Gasthaus, der ehemaligen Brauerei und einigen Beamten- und Arbeiterwohnungen. Empfehlenswerte Sommerfrische.

Westlich von Ernsttal, auf schöner Waldstraße bequem zu erreichen, liegt in wunderbarem Waldesgrund Jagdschloß Waldleiningen, der Sommersitz des Fürsten zu Leiningen (Wintersitz ist Amorbach), eine zierliche Nachbildung von Schloß Windsor. Das sehenswerte Innere ist nicht zu besichtigen. Vor dem Schloß dehnt sich ein weiter, abfallender Wiesenplan aus, auf dem häufig Damwild äst oder lagert; der anschließende Wildpark, einer der umfangreichsten und bedeutendsten Deutschlands, ist außerordentlich reich an Rehen, Dam- und Edelhirschen wie auch Wildschweinen. Gegenüber vom Schloß zeigt ein Wegweiser steil aufwärts nach Hesselbach, Weiterweg zur Station Schöllenbach der Odenwaldbahn.

 

Buchen

Zwischen Main, Neckar und Tauber liegt das Madonnenländchen, jene Landschaft am Ostrand des Odenwaldes, die ihren Namen den vielen Mariensäulen, Bildstöcken, kleinen Kapellen und Heiligtümern verdankt. Und mittendrin das romantische Städtchen Buchen.

Sooft man auch nach Buchen fährt, in dem liebenswerten fränkischen Odenwaldstädtchen, gibt es immer wieder Neues zu entdecken; in den Spitzweggassen der Altstadt, zwischen den volkskundlichen Sammlungen des Bezirksmuseums, aber auch in den dörflichen Ortsteilen der Umgebung.

Buchen wird als „Buchheim“ erstmals 773 im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. Buchener Bürger machten damals dem Kloster Lorsch namhafte Schenkungen. Unter den Dynasten von „Dürn“ erhielt Buchen 1280 die Stadtrechte. Um diese Zeit begann auch der Bau der Stadtbefestigung. Im Jahre 1309 verkauften die Dürner die „Zent“ Buchen an Mainz. Unter dem Krummstab erlebte die junge Stadt einen großen Aufschwung, der sich bis zur Sage vom „Talerstädtchen“ verdichtete. Die Mainzer  haben dem Ort ihren Stempel aufgedrückt, wenn auch durch Bauernkrieg, Dreißigjährigen und Pfälzer Erbfolgekriege arg lädiert.

Die Kriege der vergangenen Jahrhunderten verschonten auch Buchen nicht. Mal waren es die Franzosen, mal die Schweden, die im Gebiet von Buchen wüteten. Beim Bauernkrieg im Jahre 1525 führte Götz von Berlichingen hier das Regiment. Der schwärzeste Tag in der Geschichte der Stadt war der 1. September 1717: Durch Blitzschlag wurden an diesem Tage 124 Wohnungen und Stallungen, das alte Rathaus und Teile der Kirche zerstört. Im Jahre 1803 fiel die Stadt an Leiningen und 1806 an Baden.

 

Ein Wahrzeichen Buchens ist der Stadtturm. Ursprünglich hatte Buchen innerhalb der Stadtbefestigung vier Tortürme. Die im 13. Jahrhundert erbaute Stadtmauer wurde 1490 erweitert und 1688 geschleift. Übriggeblieben ist der Stadtturm, der ursprünglich einmal „Mainzer Tor“ hieß. Oberhalb des äußeren Torbogens befindet sich das Buchener Fastnachtssymbol „Der Blecker“. Eine Spottfigur), die im Wahrzeichen der Stadt. Erhalten ist. Der Barockhelm ist von 1719.

Neben dem Stadtturm steht die „Mariensäule“ auf dem Platz „Am Bild“. Diese Barocksäule, im Volksmund „Das Bild“ genannt, mit dem korinthischen Kapitell, auf dem die Himmelskönigin mit dem Kind thront, wurde 1754 errichtet.

Am Stadtturm beginnt die Marktstraße, heute Hauptgeschäftsstraße und Fußgängerzone. Typisch sind hier einige Treppen an Hauseingängen und Klapptüren als einziger Kellereingang von der Straße her. Am anderen Ende der Straße der Marktplatz mit dem Alten Rathaus und dem Brunnen, den eine Figur des Minnesängers Pilgrim von Buchheim ziert.

Die katholische Pfarrkirche St. Oswald wurde 1503-1507 erbaut, eine spätgotische Hallenkirche, die 1960 erweitert wurde. In ihr ist das Grabdenkmal des in Buchen geborenen Gelehrten Dr. Konrad Koch, genannt „Wimpina“. Er war Rektor der Universität Leipzig und ist 1531gestorben. Neben der Stadtkirche steht das „Klösterle“, ein Beginenhaus von 1489.

Das Alte Rathaus, errichtet nach dem Brand von 1717, wurde 1723 fertiggestellt. Es hat eine Barockfassade und eine offene Halle. An den Torbögen befinden sich steinerne Neidköpfe. Das Untergeschoß wurde einst als Markthalle benutzt. Heute finden in dem Haus kulturelle Veranstaltungen statt. Links vom Alten Rathaus macht ein 1719 errichtetes „Buchener Bürgerhaus“ mit einem herrlichen Torbogen auf sich aufmerksam.

 

 

Auf der Ostseite des Marktplatzes befindet sich das stattliche Fachwerkhaus „Zum Riesen“ Gedenktafeln erinnern an den Geschichts- und Schlachtenmaler Wilhelm Emelé (1830-1905), und an Gottfried Bessel (1672-1749), Abt des Benediktinerstiftes Göttweig in Österreich, das unter seiner Amtszeit wieder aufgebaut wurde. Beide Männer erblickten in Buchen das Licht der Welt. In der Kellereistraße stehen zahlreiche Fachwerkhäuser mit schönen Schnitzarbeiten.

Ebenfalls in der Kellereistraße die „Kurmainzische Kellerei“. Hier befand sich einst das Verwaltungszentrum des Mainzischen Amtes Buchen. Der „Steinerne Bau“ beherbergt heute das Heimatmuseum. Die Mariensäule ist von 1753.

Im heutigen Museumshof verpflichtete im April 1525 der „Helle Haufen“ der Odenwälder Bauern Götz von Berlichingen als seinen Hauptmann. Im Jahre 1848 rebellierten hier erneut die Bauern gegen die Obrigkeit und plünderten das Rentamt und den Fruchtspeicher. Der „Steinerne Bau“ erinnert an den Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg, er ließ sich das Haus als Sommerresidenz bauen. Heute befindet sich darin das Bezirksmuseum, das im Jahre 1911 von Hauptlehrer Karl Tunzer gegründet wurde.

In der ehemaligen Zehntscheune befindet sich heute das Stadtarchiv und die Heimatbücherei. Im früheren Marstall hat heute eine kirchliche Organisation ihren Sitz. Am Ende der Kellereistraße stand einst das Würzburger Tor. Nun den Grabenweg, entlang der Stadtmauer, in Richtung Ausgangspunkt benutzen. Unübersehbar ist dabei ein stilvoller Brunnen, aus einer Querflöte sprudelt Wasser. Er erinnert den in Buchen auf gewachsenen Komponisten Joseph Martin Kraus. Im weiteren Verlauf ein ehemaliger Wehrturm, dem der Volksmund den Namen „Storchennest“ gegeben hat. Fast wieder am Ausgangspunkt angekommen, erinnert der Lohplatz daran, daß hier einmal die Lohgerber angesiedelt waren. Auf der anderen Seite der Straße befindet sich der Röhrenbrunnen, einst die Haupt-  Wasserentnahmestelle für die Bewohner der Altstadt.

 

Eberstadt (südlich von Buchen):

Das Schloß wurde erbaut um 1700. Keller, Wehrturm und der Innenhof mit beiden Türmen stammen vom ursprünglichen Bauwerk.

Eberstadter Tropfsteinhöhle: Die Höhle wurde am 13. Dezember 1971 bei Sprengarbeiten entdeckt. Fachleute bewerten sie als einmalig in Süddeutschland. Länge etwa 600 Meter. Rollstuhlgerecht. Besichtigung: 1.3. bis 31.10. täglich 10 bis 16 Uhr; 1.11. bis 28.2. Sams-, sonntags und an Feiertagen von 13 bis 16 Uhr.

 

Bödigheim:

Der Ort ist unverkennbar an der Silhouette seines aus dem engen Tal herausragenden Bergfrieds. Der alte Ort gehörte wie Buchen einst der Abtei Amorbach. Das Kloster gestattete 1286 Weprecht Rüdt von Collenberg hier den Bau einer Burg. Bis zum großen Brand 1634, nach dem nur der Bergfried blieb, hatte sie Bestand. Knapp hundert Jahre später erbauten Nachfahren ein barockes Schloß, das von Angehörigen der Familie noch heute bewohnt wird. Die Bödigheimer Schloßanlage vor dem Hintergrund pittoresken Gemäuers ist wenig bekannt. Der ausgedehnte Hof mit mächtigen Kastanienbäumen steht jedem Besucher offen. Grabmäler des alten Adelsgeschlechtes reihen sich in der Kirche von 1686 und auf dem Dorffriedhof.

 

Osterburken (südlich von Buchen):

liegt auf ehemals römisch-fränkischem Siedlungsboden (Limes-Kastell), wurde 776 als Burgheim erwähnt, kam 1409 an Kurmainz. 1803 an Leiningen, 1806 an Baden Zur Zeit wird in Osterburken ein römisches Militärbad freigelegt und restauriert. In einem zweiten Bauabschnitt entsteht ein Museum mit Funden aus der römischen Vergangenheit.

 

 

Adelsheim (südlich von Buchen):

Die frühfränkische Siedlung wird 779 erstmals genannt. Sie ist Sitz der Reichsritter von Adelsheim, erhielt 1374 Stadtrechte, kam 1803 an Bayern und 1806 an Baden. Das Oberschloß stammt von 1504, das Unterschloß oder die Tiefburg ist von 1734-38. In der Jakobskirche von 1489 stehen die Grabdenkmäler der Herren von Adelsheim und spätgotische Skulpturen.

 

Mosbach

Der Ort ist 160 Meter hoch gelegen, ein malerisches altes badisches Städtchen , Handel und Gewerbe (Brauereien, Kunstmühlen), drei Kilometer vom Neckar, liegt geschützt und sehr hübsch im unteren Elztal, von Weinbergen und bewaldeten Höhen umgeben. Beliebter Luftkurort und Stützpunkt für Ausflüge in den südlichen Odenwald und das Neckartal. Im 18. Jahrhundert bestand hier eine Saline; die Salzquellen werden noch heute zu Trinkkuren bei Verdauungsstörungen verwandt.

Geschichtliches. Mosbach entstand im 8. Jahrhundert und wurde 976 als Abtei durch Kaiser Otto II. an das Hochstift Worms verliehen, unter Rudolf von Habsburg wurde es zur Stadt erhoben, kam 1331 (1297) an die Pfalz. Im Jahre 1410 wurde es Residenz der neuen Linie Pfalz-Mosbach, 1499 kam es wieder an die Kurpfalz. Im Dreißigjährigen Kriege wurde es wiederholt gebrandschatzt und 1723 durch einen Brand fast vernichtet. Im Jahre 1803 wurde es dem Fürsten von Leiningen zugeteilt und kam 1806 an Baden.

Die Stadt zeichnet sich durch schöne alte Fachwerkbauten aus: Palm'sches Haus (1610, mit Erker), Haus Lindenlaub (1589), Haus Schwing (17. Jahrhundert), Haus Stadler (16. Jahrhundert).

Das Rathaus entstand 1558-59. Es beherbergt heute das Stadtarchiv und Museum mit reichhaltigen Fayencen aus der von Kurfürst Karl Theodor gegründeten Mosbacher Manufaktur (1771-1836).

Am malerischen Markt steht die spätgotische Stadtkirche St. Juliana aus dem 14.-15. Jahrhundert. Sie wurde 1708 geteilt: Den Chor (16. Jahrhundert) erhielten die Katholiken, das Langhaus (15. Jahrhundert) die Protestanten. Die neue katholische Kirche von 1935 steht am Südhang mit herrlichem Geläute aus der Abtei Grüssau/ Schlesien.

Das alte Hospital ist von 1521. Die Friedhofkapelle aus dem 15. Jahrhundert hat Fresken.

 

Lohrbach (nördlich von Mosbach):

Der Ort wird 769 erstmals genannt, im Jahre 976 ist er im Besitz des Bistums Worms. Im Jahre 1293 ist er in den Händen der Johanniter. Danach hatte er eine wechselvolle Geschichte. Im Jahre 1413 kam der Ort an den Pfalzgrafen Otto von Mosbach. In den Jahren 1577-1603 war er Wohnsitz der Witwe des Kurfürsten Friedrich III., Amalie. Im Jahre 1803 kam er an Leiningen, 1806 zu Baden.

Die Wasserburg mit Turm ist stark vernachlässigt worden. Der Torturm der Vorburg ist aus dem 13. Jahrhundert. Der „Alte Bau“ des Schlosses ist spätes 15. Jahrhundert, der „Fürstenbau“ aus dem Jahre 1572. Pfarrkirche (Langhaus 1818) mit mittelalterlichem Turmchor und Wandmalereien (wahrscheinlich 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts).

 

Trienz (nördlich von Mosbach):

Allerlei Kurioses erzählen sich die Odenwälder heute noch von den »Rielingern«, jenem fahrenden Volk das auf Anweisung der kurpfälzischen Regierung östlich von Trienz im Dorf Rieneck angesiedelt wurde. Aber der Boden war karg und die Leute scheuten die schwere Feldarbeit. Sie wurden zu Holzfrevlern. Wilderern, stahlen die Ernte vom Feld weg und holten das Vieh aus den Ställen. Der Schreckensruf »Die Rielinger kommen!« war im südlichen Odenwald bekannt, bis die »Rielinger« auf Staatskosten nach Amerika »verfrachtet« wurden.

 

Dallau (nordöstlich von Mosbach):

Der Ort wird 781 erstmals urkundlich genannt. Im13. Jahrhundert war hier die Adelsfamilie von Thalheim ansässig. Im 14. Jahrhundert gehörte es zu Lohrbach, 1716 zur Kurpfalz, seit 1806 ist es badisch. Das Wasserschloß, 1525 zerstört, wurde 1931 wiederaufgebaut. Bogenbrücke von 1574 über die Elz.

 

Neckarburken (nordöstlich von Mosbach):

Restauriertes römisches Bad und Westturm des Ostkastells.

 

Ausflüge von Mosbach

1. Zur Ruine Hornberg (280 Meter)

2. Von Mosbach südöstlich durch Wald und über hochgelegenes Feld am Hardhof und Stockbrunner Hof vorbei, empfehlenswert.

3. Nach Gundelsheim direkter Fußweg am  Stockbrunner Hof (350 Meter) und Böttinger Hof rechts vorbei zur St. Michaelskapelle und nach Gundelsheim.

4. Nach Wimpfen am Berg, zur Minneburg über den Henschelberg, mit Aussichtstempel, nach  Süstenbach (230 Meter) und über die Höhe zur Läufertsmühle, im Seebachtal abwärts nach Neckargerach

Mudau:

Eine 460 Meter hoch gelegene, einfache Sommerfrische. Im Jahre 849 wird es als „mutaha“ erwähnt. Es gehörte dem Kloster Amorbach, kam an Kurmainz, 1803 an Leiningen und 1806 zu Baden. Es war einst Sitz des Zentgrafen und somit Mittelpunkt der Zent Mudau. Heute sind Mudau acht Nachbargemeinden angeschlossen.

Das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert trägt am Eingang das Wappen des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Dieter von Erbach, an der Giebelseite das des Bischofs von Henneberg. Die Mariensäule ist von 1736. An der Mudbachquelle gibt es Arnika-Wiesen.

 

Scheidental (südwestlich von Mudau):

In Scheidental hat die Elz ihren Quellgrund, durchfließt als Elzbach die sanften Talmulden an Langenelz und gräbt sich tief in den Buntsandstein ein. Eilig (ihr keltischer Name lautet Alantia = die Eilende) strebt sie südwestwärts, um sich nach etwa 35 Kilometer langem Lauf im Neckars „ertränken“. 

Der Odenwaldlimes lief von Wörth am Main verlief über Breitenbrunn, Vielbrunn, Würzberg, Hesselbach-Schlossau, Scheidental, Robern. Trienz. Neckarburken bis Wimpfen. Der „Limes Germanicus Hadriani“ war im 2. bis 3. Jahrhundert die Grenze des römischen Reiches gegenüber Germanien.

In Scheidental war ein ehemaliges Kohortenkastell (Kohorte = 10. Teil einer Legion etwa 400–600 Mann) der Rauracer und Sequaner. Erhalten sind die Fundamentmauern der Flankentürme der „Porta dextra“, Zwischen Wagenschwend und Robern und in Trienz standen römische Kleinkastelle.

Im südöstlichsten Teil des Odenwaldes ist der Arme-Leute-Winkel mit dem Hauptort Reisenbach, mit 543 Metern die höchstgelegene Siedlung des Odenwalds.

 

 

Schloß Waldleiningen:

Von der Kirche Weg durch Wald bergan zu dem hochgelegenen Dorf Hesselbach, 480 Meter, einem uralten Ort an der Stelle eines Römerkastells. Weiter quer über die Hochfläche, die eine weite Aussicht bietet, zum Eingang des Fürstlich leiningenschen Wildparks und in diesem steil abwärts zum Schloß Waldleiningen.

 

Ausflüge von Kailbach nach Schloß Waldleiningen bzw. Ernsttal. Bequeme Straße durch ein schönes Wald-Wiesen-Tal; von der Drehplatzbrücke (bei der badisch-hessischen Grenze) an rot bezeichnet; nach 10 Minuten Fußweg links ab und steil aufwärts zur Seitzenbuche (407 Meter), wo die Straße wieder erreicht wird. Ehemalige Wachtstation des Odenwald-Limes mit einem römischen Heiligtum (die Standbilder der Götter Mars, Victoria und Salus jetzt in Karlsruhe). Von der Seitzenbuche links (Weg nach Hesselbach) und rechts. zum Schloß Waldleiningen oder von der Seitzenbuche auf der Straße weiter abwärts nach Ernsttal.

 

Walldürn

Von Amorbach fährt man östlich im Marsbachtal aufwärts. Bei Schneeberg mündet rechts das Morretal  Südwestlich geht es nach Rippberg. Walldürn liegt 400 Meter, hoch und ist ein hübsch gelegenes altertümliches Städtchen und vielbesuchter Wallfahrtsort.

Das Madonnenländchen, der südöstliche Teil des Odenwaldes, ist eine in sich ruhende Landschaft, heiter und anmutig wie die unzähligen Marienstatuen, die ihr den Namen gaben. Sie stehen an Feldwegen, auf Marktplätzen, über Hausportalen. Des weiteren begegnet man den Wappen geistlicher und weltlicher Territorialherren, die sich hier so häufig wie kaum anderswo durch Kirchen- und Profanbauten verewigt haben. Ein Beispiel unter vielen ist Walldürn. Es gehört zu den Orten, die ihre Bedeutung über Jahrhunderte durch die Wallfahrt bewahrt haben. Seit Beginn des 15. Jahrhunderts strömen die Pilgerscharen jährlich vier Wochen lang, beginnend mit dem ersten Sonntag nach Pfingsten, zum Blutaltar.

Walldürn wurde bekannt durch das Blutwunder: Priester Heinrich Otto verschüttete um 1330 während einer Messe den konsekrierten Kelch. Der Wein ergoß sich über das Korporale, auf dem sich ein Kruzifixus und elf Christusköpfe (Dornenhäupter) abzeichneten. Auf dem Totenbett gestand der Priester die Erscheinung und verriet den Aufbewahrungsort. Im Altar verborgen, wurde das Tuch nach dem Tode des Geistlichen zum Ursprung der Wallfahrt. Die Nachricht verbreitete sich rasch. Pilger kamen nach Walldürn und es entwickelte sich eine immer größere Wallfahrt. Aus dem anfänglichen St.-Georgs-Kirchlein von 1497 erwuchs im 17. und 18. Jahrhundert  (1700-1715) die heutige Basilika, deren Innenausstattung erst 1751 beendet wurde. Der Heilig-Blut-Altar enthält den silbernen Schrein (Augsburger Arbeit von 1684) für das Korporale.

Die Stadtkirche ist die ehemalige Wallfahrtskirche, 1698 bis 1709 nach Angaben von Leonhard Dientzenhofer im Barockstil erbaut. Das Innere ist wegen der reichen und vornehmen, farbig behandelten Ausstattung sehenswert. Der Hochaltar ist von Christian Meyer gefertigt. Die Kirche hat eine prächtige Kanzel und einen prächtigen Orgelaufbau und einmalig herrlichen Freskomalereien des Francesco Marchini.

Neben der Kirche im Pfarrheim ist die Walldürner Elfenbeinschau. Gezeigt werden kostbare Elfenbeinschnitzereien aus den vergangenen acht Jahrhunderten. Als Glanzstück gelten die mit Intarsienarbeiten verzierten Möbelstücke aus dem bayerischen Königsschloß Moos.

Walldürn wurde erstmals 795 als „Turninu“ erwähnt. Es war Residenz der Edelherren (später Grafen) von Dürn. Seit 1408 heißt es Walldürn. Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte 1346. Von 1292 bis 1803 war Walldürn kurmainzisch (Zentgericht, Amtskellerei). Im Jahre 1806 kam es von Leiningen an Baden.

Es gibt ein Fachwerk-Rathaus von 1448 (das älteste benützte Rathaus Deutschlands), den Gasthof „Zum Riesen“ (1756) und den ehemaligen Gasthof „Zum goldenen Engel“ von 1588. Das Schloß, an der Stelle der alten Burg, wurde 1865 völlig umgebaut.

 

Römerbad: Konservierte Fundamente eines um 150 n. Chr. errichteten Bades, das um 230 verfiel und nach Neuerrichtung am 13. 2. 232 n.Chr. geweiht wurde. Das Kastell ist nicht mehr sichtbar (siehe Hinweistafeln). Der Marsbach. der hier entspringt und einst das Wasser zum Bade spendete, ist im Mühlsteinbrunnen gefaßt worden.

Kleinkastell „Hönehaus“, etwa um 150 erbaut und um 260 wieder verlassen. Nähere Angaben sind den Hinweistafeln zu entnehmen.

 

Wanderung:

Der Odenwald zählt bekanntlich zu den geschichtsträchtigsten Landschaften Deutschlands. Geschichte geschrieben haben vor allem die Römer. Deren Herrschaft endete zwar schon um 260 n. Chr., die zahlreichen Reste des Limes erinnern jedoch nach wie vor an ihre einstige Odenwälder Präsenz. Auf interessante Grabungsstellen stößt man vor allem bei Walldürn. Für die dortigen Stadtväter lag es nahe, einen Lehrpfad entlang dem Limes anzulegen. Seine Route markiert ein Teilstück der folgenden 12-Kilometer-Wanderung rund um Walldürn.

Die Tour beginnt am Parkplatz hinter der kleinen Laurentiuskapelle. Wir laufen zunächst etwa 50 Meter den Feldweg entlang, dann übernimmt das weiße „L” die weitere Führung. Der Lotse wendet sich sofort nach links in schattigen Mischwald, direkt auf die frühere römische Begrenzungslinie. Wir folgen fortan dem „jüngeren” Limes. Jenem Bollwerk, das ab 150 n. Chr. die östliche Reichsgrenze im Bereich des südlichen Odenwaldes bildete. Pate stand dabei die etwas weiter westlich verlaufende „Mümling-Neckar-Linie”. Die hatte Kaiser Domitian bereits 60 Jahre zuvor errichten lassen. Als Wall zum Schutze der besetzten Gebiete gegen Überfälle der Germanen.

Wie „unser” Limes konzipiert war, wird recht bald deutlich: Schnurgerade, alle Querwege schneidend, gesichert von Wachtürmen in wenigen hundert Metern Entfernung. Davor ein fortlaufender Palisadenwall; als weiteres Hindernis diente ein tiefer Graben. Von der imposanten Befestigungsanlage ist heute freilich nicht allzuviel zu sehen.

Aber immerhin: Bereits 200 Meter nach Wanderbeginn entdecken wir das erste römische Überbleibsel. Es sind die 4,50 Meter langen Grundmauern des Wachturmes „Lindig-Süd”.

Doch der Lehrpfad bietet noch mehr. Informative Täfelchen leiten wenig später zum Wachturm „Lindig-Nord”. Danach führt die Wanderung über eine Staatsstraße hinweg in Richtung „Steinernes Haus”. Dort wurde schon anno 1879/180 fleißig gegraben. Mit beachtlichem Erfolg. Man fand die sehenswerten Reste eines Wachturmes und eines Gerätebaues. Die nach historischen Unterlagen rekonstruierte Palisadenwand indes ist erst wenige Jahre alt.

 

Am „Steinernen Haus” verlassen wir den Lehrpfad. Das weiße „L” knickt nach links, überquert bald ein schmales Teerband und trifft schließlich durch schöne Mischwaldbestände auf einen Forstweg. Nun geht es rechts ab. Die nächste Richtungsänderung signalisiert ein Bienenhaus am Ende des Waldstückes. An dieser Stelle lenken wir die Schritte nach links und gelangen kurz darauf über eine Staatsstraße hinweg in den Wald.

Der anfangs leicht fallende Weg steigt nunmehr zusehends an. Kurz vor einer weiteren Staatsstraße tastet sich das Zeichen abrupt einen Waldpfad hinab, überwindet zwei, drei Treppenstufen und nimmt Kurs auf Walldürn. Dazwischen liegen ein längeres Waldstück sowie die B 47, der wir links ab entlang marschieren müssen. Das weiße „L” entpuppt sich dabei als cleverer Gefährte.

Am nahen Freischwimmbad springt es auf den Gehsteig, der den Katzensprung nach Walldürn gefahrlos zu bewältigen hilft. Die letzten Wanderkilometer prägen Walldürner Straßen. Zuerst die Hauptstraße, danach links ab die Seestraße. Schiller-, Hebel- und Boschstraße heißen die nächsten Stationen, dann hat sich nach drei Stunden der Wanderkreis geschlossen.

Wanderungauch in Elvira Klein, Odenwald, Seite 168.

 

 

Hardheim, etwa 2.200 Einwohner, Marktflecken mit Burg und altem Bergfried.