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Odenwald Rand

 

Ausflüge Odenwald  II Rand

 

 

 

 

 

Allgemeines

 

 

 

Burgenweg:

Man muß kein Frühaufsteher sein, um die Bergstraße im Herbst zu genießen. Die ehemalige „strata montana“, schon bei den Römern wichtige Handelsstraße, verläuft an den lieblichen Westhängen des Odenwalds und profitiert vom Licht der Nachmittagssonne. Wer nicht nur spazieren gehen, sondern zu Fuß den Burgenweg Bergstraße erobern will, fährt am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis Darmstadt-Eberstadt und macht sich von hier aus auf den Weg. Kondition ist notwendig, denn die Strecke zum Alsbacher Schloß ist gute 18 Kilometer weit, nach Heppenheim sind es noch einmal 12 Kilometer mehr. Der Burgenweg ist mit einem blauen B ausgewiesen und führt überwiegend durch liebte Buchenwälder.

 

 

 

Blütenweg:

Zwischen Darmstadt und Heidelberg, auf einer Länge von 56 Kilometern, zieht am Rande des Odenwaldes die Bergstraße entlang - ein keltisch-germanischer Völkerweg, von den Römern als strata montana zur Heerstraße ausgebaut. Galt früher die Bezeichnung Bergstraße nur für den Straßenzug selbst, so ist heute der gesamte Landstrich gemeint. Wo einst sich der Ur-Rhein sein Bett aushöhlte, entstand auf eiszeitlichen Ablagerungen und Flugsanddünen eine fast südländisch anmutende fruchtbare Landschaft, die „deutsche Riviera“. Aufgehalten durch die Westabhänge der Odenwaldberge kann die vom Oberrhein hereinströmende warme Luft gemeinsam mit intensiver Sonnenbestrahlung hier vier bis sechs Wochen früher als in anderen Gegenden Deutschlands dem Frühling Einzug gewähren.

Für den Wanderer wurde über der alten Bergstraße der mit einem gelben B gekennzeichnete Blütenweg angelegt, der an der Straßenbahnhaltestelle Malchen beginnt und entlang des Magnetberges und des Langen Berges zunächst nach Seeheim bringt, aber bis Zwingenberg führt.

 

 

 

 

Burg Frankenstein

Zur Burg kommt man von der Autobahnabfahrt Pfungstadt, indem man zunächst auf der Bundesstraße in Richtung Höchst im Odenwald fährt. Die Auffahrt zur Burg ist auf der rechten Seite ausgeschildert. Man parkt auf dem rechten Parkplatz. Man geht aber auf der geteerten Straße (nicht über den oberen Parkplatz) zur Burg. Rechts steht der von Konrad Dippel zerstörte Pulverturm. Durch das Burgtor kommt man zuerst zu dem Restaurant, das mit seinem Beton nicht so recht zur Burg paßt.

Burg Frankenstein steht auf einer dem Odenwaldmassiv vorgelagerten, extrem schmalen Bergzunge, an nördlichster Stelle der Bergstraßenhöhenburgen. Von hier aus ließen sich Bergstraße wie auch der Zugang zum eigentlichen. Odenwald bestens kontrollieren. Von diesem dominierenden Platz auf dem nördlichen Ausläufer des Magnetberges (403 Meter) die Herren von Frankenstein einen Großteil ihrer Besitzungen überblicken: Beerbach, Eberstadt, Pfungstadt, Weiterstadt.

 

Geschichte:

Die Angaben über die erste Erwähnung der Burg schwanken von 1225 über 1240 bis zu 1252. Am wahrscheinlichsten ist eine Ersterwähnung in einer Urkunde aus dem Jahr 1252. Die Burg dürfte einige Jahrzehnte älter sein. Ritter Konrad II. Reitz von Breuberg soll sie erbaut haben, der durch eine Heirat mit Elisabeth von Weiterstadt zu dem Bau gekommen war. Seine Nachkommen legten ihren alten Titel ab und nannten sich nach der Burg Frankenstein.

Aber einen Ritter Arbo­gast von Frankenstein, der der erste Besitzer von Frankenstein gewesen sein soll, hat es nie gegeben. Es wird erzählt, er habe tüchtig Zölle von den Händlern zwischen Fulda und Lorsch kassiert. Die mußten über seinen Berg ziehen, weil der Rhein und der Urstrom-Neckar unpassierbare Sümpfe hinterließen.

Das Herrschaftsgebiet der Frankensteiner, das zunächst Teile von Nieder-Beerbach und Eberbach umfaßte, vergrößerte sich Ende des 13. Jahrhunderts, als Friedrich von Frankenstein den mächtigen Grafen von Katzenelnbogen das Öffnungsrecht an seiner Burg einräumen mußte. Die Katzen­elnbogener als Landesherren konnten fortan im Kriegsfall frei über die Burg verfügen, während der Burgherr ihnen mit seinen Rittern und Soldaten zur Seite stehen mußte. Die Frankensteiner erhielten im Gegenzug Rechte in Groß-Gerau, Zwingenberg und Darmstadt. Das Verhältnis der beiden Häuser blieb indes gespannt. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Burg weiter ausgebaut, mit Ringmauer und Halsgraben befestigt.

An Streitereien hat es auf dem Frankenstein nie gefehlt. Mal zankte sich die Familie untereinander wegen nicht abgesprochener An- und Umbauten, mal lag man mit dem übermächtigen Landgrafen von Hessen über Kreuz, dessen Gebiet die kleine Grafschaft der Frankensteins fast vollständig umschloß. Obgleich immer wieder mächtige Nachbarn die Hände nach dieser Burg ausstreckten, ist sie nie durch Gewaltanwendung zerstört worden. Sie verwahrloste nach und nach.

Vor allem während der Reformation versuchten die Hessen ihre Nachbarn mit List und Gewalt zum protestantischen Glauben bekehren - vergeblich. Im Gegenzug legte Ludwig von Frankenstein 1606 in seinem Testament fest, daß sein „Schloß“ „nimmermehr an das Haus Hessen gelangen“, sondern höchstens an die Kurpfalz oder Kurmainz verkauft werden darf.

Doch Papier ist geduldig. Die Erben, des mehrhundertjährigen Streites mit den Neidern müde, verkauften die Burg schließlich 1662 an Hessen-Darmstadt für 88.000 Gulden. Die Zeit der Frankensteiner war damit vorbei. Die Frankensteiner sind nach Franken übergesiedelt, wo noch heute Nachfahren ansässig sind.

Immer wieder kam es zu Querelen, etwa darüber, wer am Frankenstein Wegezoll kassieren durfte. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts starben die beiden Hauptlinien des Geschlechts der Frankensteiner aus. Schon länger beanspruchten die Landgrafen von Hessen als Erben der ebenfalls ausgestorbenen Grafen von Katzenelnbogen die Oberhoheit über die kleine Herrschaft Frankenstein. Im Jahre 1662 schließlich verkauften die Nachfahren der Frankensteiner die Burg samt Herrschaft an das Darmstädter Fürstenhaus. Mit dem Erlös aus dem Verkauf erwarben die ehemaligen Herren von Frankenstein einen neuen Besitz in Mittelfranken.

Die Burganlage begann in den Jahren nach dem Verkauf zusehends zu verfallen; die neuen Herren hatten kein großes Interesse an ihr. Von 1765 an existierte nur noch ein Forsthaus auf dem Gelände. Bis zum 18. Jahrhundert diente sie als Invalidenhaus und Militärstrafanstalt. Die Burgmauern wurden abgetragen, die Steine andernorts verbaut. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Ausbeutung der Anlage gestoppt und ihrem Verfall entgegengewirkt, es begannen Sanierungs- und Restaurierung. Der Darmstädter Großherzog Ludwig III. gab Anweisung, sie in „romantischer Weise“ zu sichern. Leider wurde sie in der Folge mehr schlecht als recht restauriert, und viele Spuren der ur­sprünglichen Anlage gingen verloren. Ihre heutige Gestalt trägt die Burg erst seit wenig mehr als 100 Jahren. Was jetzt noch zu sehen ist, sind im 19. Jahrhundert rekonstruierte Teile der ursprünglichen Feste.

 

 

 

 

Rundgang:

Gut erhalten ist der Torturm (Brückenturm), durch den man heute den Innenhof der Anlage betritt. Er ist auf der Rückseite offen und sollte es in das Burginnere eingedrungenen Feinden unmöglich machen, sich dort zu verschanzen. Tatsächlich ist die Burg in ihrer langen Geschichte allerdings niemals angegriffen worden.

Dann geht es nach rechts, wo zuerst die Burgkapelle ins Auge fällt. Links ist der Grabstein eines Ritters von Frankenstein zu sehen. Heute dient die Kapelle als Standesamt der nahen Gemeinde Mühltal.

Durch einen Torturm kommt man in den inneren Hof. Rechts sieht man einen Keller. Zur Rechten liegen die Reste des Palas, des Hauptwohngebäudes der Burg, und des Küchentraktes. Daran an schließt sich ein Wohnturm, der turmartige Aufbau, der sich über dem ehemaligen Wohntrakt zum höchsten Aussichtspunkt der Burg erhebt. Er ersetzt zugleich den nicht vorhandenen Bergfried (aus Platzgründen verzichtete man auf den strategisch notwendigen Bergfried).

Von ihm aus hat man einen weiten Blick über das Rheintal im Westen und bis zum Spessart jenseits des Mains im Osten. Durch die sandsteinumrahmten Fenster im obersten Geschoß pfeift aus allen Himmelsrichtungen der Wind. „Von höchster Zinn des Frankenstein die Blicke ringsum freudig schweifen“, besang vor 150 Jahren der Dichter Hermann Weber die sensationelle Aussieht, die man über Rheinebene und Bergstraße hat.

Die anderen inneren Gebäude sind nicht erhalten, mit Ausnahme einer Kapelle, in der heute noch Trauungen stattfinden. In ihr findet man außerdem mehrere zum Teil reichverzierte Grabmale aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Im nördlichen Teil der Anlage, wo sich früher Pferdeställe, Scheune und Wohnhaus für Knechte und Mägde befanden, wurde in den sechziger Jahren ein Restaurant mit Aussichtsterrasse errichtet. Vom früheren Angebot an Speis und Trank auf der Burg zeugt eines der wohl ältesten Schankrechte Deutschlands.

Doch mindestens so aufregend wie der Blick in die Ferne, muß der Blick ins Innere des Berges unter dem alten Gemäuer gewesen sein. Der Sage nach soll es hier ein Gewölbe geben, in dem sich „unermeßliche Schätze an Gold und Silber sowie ein großer Vorrat an köstlichem Wein befindet“. In drei Anläufen versuchten Schatzgräber im 18. Jahrhundert das Gold und die köstlichen alten Weine zu bergen. Im Jahre 1763 sei ein „ganzes Complott Schatzgräber“ auf die Burg gekommen und habe den Berg kreuzweise und in der Länge durchgraben, die allerfürchterlichsten Höhlen und Keller hineingehackt, berichtete der damalige Pfarrer zu Nieder-Beerbach, Philipp Moritz Scriba, im Kirchenbuch. Erst nachdem dem dritten Versuch 1787 nachdem zwei Männer von herabfallendem Gestein erschlagen worden waren, stellten die Schatzgräber ihre sinnlose Sucherei ein (die gleiche Geschichte wird auch im Zusammenhang mit dem Magnetberg erzählt).

Eine besondere Bewandtnis hat es mit dem „Eselslehen“. Gegen eine Entlohnung von zwölf Malter Korn, zwei Gulden und zwölf Albus durch die Stadt Darmstadt wurde auf der Burg ein Esel gehalten. Dieser wurde am Aschermittwoch nach Darmstadt geschickt. Dort mußten Frauen, die im Zustand aufgestauter Aggression ihre Männer kräftig verprügelt hatten, rückwärts auf dem Esel durch die Stadt reiten, „uff daß die übermütig, stolz, gifftig und bosse Weibsgewalt mag unterdruckt werden und nit weiter einreißt“. Das „Eselslehen der Frankensteiner“ erlosch aber im Jahre 1588.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der „Mythos Frankenstein“:

Auf der Burg Frankenstein finden seit einigen Jahren zu „Halloween“ an drei Wochenenden  ein großes Grusel-Spektakel statt (Eintritt 20 Euro). Es waren in Darmstadt stationierte amerikanische Soldaten, die der Burg in den siebziger Jahren zu neuer Popularität verhalfen, indem sie dort erstmals eine große Halloween-Party veranstalteten. Dabei wurde ein Zeitungsreporter in die Burg geschickt und durch allerhand „Späße“ erschreckt.

Heute lassen sich die Besucher von professionellen Schauspielern und zahlreichen Spezialeffekten erschrecken und unterhalten. Das Fest läuft etwa so ab: Als sich endlich die Tür zum mit roten Tüchern verhängten Speisesaal öffnet, durchdringen jammernde, seufzende Töne die Nebelschwaden des nur von Leuchtern erhellten Raumes. Es ist die Filmmusik des Ur-Frankenstein-Films, die mit fernen Schüssen und Stöhnen in die 60er Jahre zurück holt. Die Bestecke, in Mikado-Manier auf den Tisch geworfen, entzünden die Fantasie.

Frankenstein, das zusammengeflickte, sabbernde Monster, wird mangels zielgenauer Blitze von Damenhand zum Leben erweckt und erringt schnell die Sympathien des Publikums. Am Ende tanzt dieser Riese auf dicken Holzklötzen mit einer Schönen aus dem Publikum, entführt sie vielversprechend, während die Gäste sich zu wehren haben, nicht mit einer Schnaps-Infusion ins Reich der willenlosen Opfer abzugleiten.

 

Das seit Urzeiten ritualisierte Spiel keltischer Herkunft stammt von dem Meer umtosten westirischen. Auswanderer nahmen diesen Brauch in die USA mit. Nach dem Glauben der Druiden (keltische Priester) sammelte Samhain, Fürst des Totenreichs, in der Nacht zum ersten November die Seelen der Toten des vergangenen Jahres ein. Wegen ihrer Sündhaftigkeit mußten sie in Tierkörpern zum Himmel aufsteigen.

 

Eine Quelle für diese Veranstaltung ist eine keltische Legende von der  irischen Insel Inishmore, nach der in der Nacht zu Allerseelen (31. Oktober/  1. November), die im Laufe des Jahres Verstorbenen als Geister zurückkehren. Dabei versuchen sie, sich der Körper der Lebenden zu bemächtigen, um selbst wieder lebendig zu werden. Um das zu verhindern, löschten die Menschen am Abend vor Allerheiligen, am „All Hallows Evening“, alle Lichter, hüllten sich in Lumpen und verunstalteten ihre Gesichter mit Dreck und Farbe. Über Auswanderer nach den USA kam die Legende dann wieder nach Deutschland zurück. Das Spektakel auf der Burg Frankenstein hat nicht unwesentlich zur Verbreitung der Halloween-Bräuche beigetragen.

 

 

 

Die zweite Quelle ist der Roman der englischen Schriftstellerin Mary Shelley, die mit ihrem späteren Mann Percy Shelley am Genfer See den Sommer im Hause Lord Byrons verbrachte. Da es unablässig regnete, vertrieben der Hausherr und seine Gäste sich die Zeit mit dem Schreiben von Schauergeschichten. Dabei soll Mary Shelleys 1818 veröffentlichter Roman „Frankenstein oder Der neue Prometheus“ entstanden sein. Der Roman erzählt die Geschichte des jungen Schweizer Arztes Victor Frankenstein, der als Student an der damals sehr angesehenen Universität Ingolstadt aus Leichenresten einen menschenähnlichen Körper formt und diesen zum Leben erweckt. 

 

 

 

 

 

Heute kann man Schriften kaufen, worin allen Ernstes behauptet wird, der hiesige Frankenstein sei die „wahre Heimat des Monsters“. Die Dichterin Mary Shelley wäre durch den Alchemisten Johann Konrad Dippel zu ihrem berühmten Roman Frankenstein inspiriert worden. Demnach entlehnte sie den Namen „Frankenstein“ dem Geburtsort Dippels, der Burg Frankenstein. Auf ihrer Reise durch das Rheintal habe sie die Burg besucht und hier von Experimenten eines Wissenschaftlers mit Leichenteilen gehört und örtliche Sagen erfahren und das in ihrem Roman verarbeitet. Auch aus Briefen der Brüder Grimm sei ihr diese Geschichte bekannt gewesen.

 

Widerlegung der Behauptungen:

Für all diese Schauergeschichten gibt es freilich nicht den geringsten Beleg, und die Quellen, die vorgelegt werden, halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Besonders trifft das für folgende Behauptungen zu:

  • Johann Konrad Dippel, das angebliche Vorbild für den Wissenschaftler Victor Frankenstein, ist zwar auf dem Frankenstein 1673 geboren. Er studierte in Gießen Theologie, Medizin und Chemie. Man schreibt Dippel Experimente auf der Suche nach einem „Elixier des Lebens“ mit Leichen zu. In den umliegenden Dörfern munkelte man, Dippel stehe mit dem Teufel im Bund, er grabe Leichen aus und trenne ihnen „Arm und Bein vom Rumpf ab, schneide ihnen den Leib uff ...“ Auch soll er jungen Mädchen und Kindern Blut abgezogen und es in seinem Labor im Keller der Burg in Flaschen aufbewahrt haben.  Doch gibt es keinen Beleg, daß er als Erwachsener dort irgendwelche Experimente gemacht hätte. Vielmehr gibt es zuhauf Dokumente, die das Gegenteil beweisen.  Auch gibt es keine Belege  dafür, daß Mary Shelley die Biographie kannte,
  • Dippel soll es auch gewesen sein, der bei einem seiner Versuche mit explosiven Chemikalien  den halben Pulverturm der Burg in die Luft gejagt hat. Doch das angeblich von ihm erfundene Nitroglyzerin gab es damals noch nicht. Auch der Bezug zu anderen Naturwissenschaftlern des 18. und 19. Jahrhunderts kann nicht zweifelsfrei bewiesen werden. Der zerstörte Turm -etwas außerhalb und hinter der Südmauer gelegen - wurde nicht wieder aufgebaut. In Neumond-Nächten sei noch heute sein Geist zwischen Burgkapelle und Pulverturm unterwegs, um klagend nach dem Eingang zu seinem verschütteten Laboratorium zu suchen.
  • Die Verbindung eines Romans von Mary Shelley mit der Burg Frankenstein am nördlichen Ende der Bergstraße ist erst später erfolgt, weil die Hauptfigur des Romans zufällig den Namen „Frankenstein“ trägt. Doch zunächst kam niemand kam auf die Idee, diese erfundene Geschichte mit Burg Frankenstein zu verbinden.
  • Ein Aufenthalt von Mary Shelley auf Burg Frankenstein ist nicht zu belegen. Sie hat von der Existenz dieser Burg vermutlich gar nichts gewußt. Angeblich soll sie 1814 oder 1816 vom Rhein aus bei nächtlichem Kurz-Aufenthalt in Gernsheim die Ruine gesehen haben. Das war aber völlig unmöglich, weil der Wald die damals nur halb so hohen Türme verdeckte, und nachts konnte man erst recht nichts sehen. Angebliche Zitate von Mary Shelley, die dennoch einen Besuch der Burg beweisen sollen, haben sich als plumpe Fälschung erwiesen.

 

 

 

  • Die Autorin hat weder behauptet noch angedeutet, die Burg Frankenstein und der dort geborene Alchemist Johann Konrad Dippel wären das historische Vorbild für ihren Frankenstein-Roman. Tatsächlich erwähnte Shelley die Burg Frankenstein oder Johann Konrad Dippel nicht ein einziges Mal, weder im Zusammenhang mit ihrem Roman noch zu einer anderen Gelegenheit. Selbst als sie 1840 (22 Jahre nach der Veröffentlichung von Frankenstein) die Bergstraße bereiste, kam ihr nicht in den Sinn darauf hinzuweisen, daß sich hier die angebliche Inspiration für ihr bekanntestes Werk befindet. Anders als in einigen Verfilmungen ist eine Burg im Roman auch nicht Teil der Handlung.
  • Als weiterer „Beweis“ für Horrorgeschichten wird ein Brief von Jakob Grimm angeführt, worin von einem Monster auf dem Frankenstein die Rede sei. Nachforschungen ergaben aber: Geschichte wie Brief sind dreiste Erfindungen.
  • Das „Monster“ ist wahrscheinlich entstanden  aus der Figur des  Ritter Georg, der in voller Lebensgröße auf seinem Grabmal in der Kirche im benachbarten Ort Nieder-Beerbach verewigt ist - einen Lindwurm zu seinen Füßen. Der Sage nach mußte dem scheußlichen Untier jedes Jahr das schönste Mädchen des Tales geopfert werden. Um seine Geliebte, die reizende Förstertochter Annemarie, zu retten, stellte sich Georg zum Kampf und besiegte den Drachen. Doch diesem gelang es mit letzter Kraft, sein tödliches Gift mit dem Schweif in das Knie des Ritters zu spritzen, der daraufhin mit dem Ungeheuer sterben mußte. In der Nähe der Burg Frankenstein ist eine Quelle, an der Georg den Drachen getötet haben soll. Aus diesem Lindwurm ist dann bei den Verfechter des Frankenstein-Mythos das „Monster“ geworden.

 

Wirtschaftliche Interessen:

Bücher, Reiseführer, TV-Reportagen, Zeitungen und Internetseiten verbreiten diese Behauptung mit ausdauernder Beständigkeit. Auf Burg Frankenstein werden überteuerte Burgführungen veranstaltet, die ausdrücklich mit dieser Aussage werben. Vor allem der selbsternannte „Burgschreiber“ Walter Scheele  aus Pfungstadt - der sich wiederum auf einen Florescu beruft - hat in seinem Buch „Burg Frankenstein - Mythen, Märchen und das Monster“ aufzeigen wollen, daß die Ruine nicht nur mit ihrem Namen Pate für die bekannte Romanfigur des Doktor Frankenstein stand, sondern wirklich der Ursprung dieses Mythos ist. Aber Scheele hat einfach ein wirtschaftliches Interesse als Buchautor, Fremdenführer und jahrelangem Mitarbeiter des Monsterfestes.

Wirtschaftlich profitiert die Region von dem Besucherstrom. Scharenweise kommen doch Touristen, sogar aus Übersee, um hier etwas von diesem Monster aufzuspüren. Sollte man diesen Leuten nicht gefällig sein und das erzählen, was sie hören wollen, und wofür sie gut bezahlen, obwohl alles Unsinn ist?

 

 

Besorgnis erreget jedoch die Art, wie eine Information völlig ungeprüft ihren Weg durch die Medien findet. Kaum einer hat offenbar nachgesehen, ob die Burg von Gernsheim überhaupt sichtbar ist. Hochschulprofessoren erzählen Behauptungen nach, die nur durch das anonyme Zitat eines „international renommierten Geisterjägers“ belegt werden. Offenbar werden hier wissenschaftliche Grundsätze schnell unter dem Druck wirtschaftlicher Produktion und dem Vorsatz zur Herstellung eines unterhaltsamen und gut verkäuflichen Produktes preisgegeben. Dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf die privaten Sendeanstalten. Regelmäßig ist Scheele persönlich oder durch die Wiedergabe seiner Thesen in Beiträgen des Hessischen Rundfunks vertreten. 

 

Als ebenso unzuverlässig erweist sich die freie Enzyklopädie Wikipedia, in  der Florescus und Scheeles Thesen völlig ungeprüft und unwidersprochen nachzulesen sind, wenn auch zum Teil mit relativierenden Hinweisen. Auch einige Lehrer der Region haben die  Behauptung von dem  Monster längst in ihren Lehrstoff übernommen. Doch Dokumente, die nur einem zugänglich sind, Zeugen die auf Nachfrage von nichts wissen, Verzicht auf Literaturangaben, Ausgedachtes, fehlende Sach-, Quellen- und Literaturkenntnis - man muß die Wirklichkeit schon sehr verbiegen, will man dieser weitverzweigten „Beweiskette“ folgen.

Der Geschichtsverein Eberstadt/Frankenstein hält sich lieber an die Fakten, wie sie sind und nicht, wie man sie gerne hätte, und diese Fakten sind eindeutig: Es gibt keinerlei Zusammenhang zwischen Mary Shelleys Romanfigur „Frankenstein“ und der. Burg Frankenstein, die auch ohne erfundenen „Monstermythos“ genug zu bieten hat und allemal einen Besuch wert ist

Unter „www.eberstadt-frankenstein.de“ hat der Verein die wahre Geschichte der Burg dargestellt. Besonders die umfangreichen Aufsätze von Michael Müller „Any monsters at home?“ und von Jörg Helène „Konstruktion eines Mythos“ haben Monster-Phantastereien widerlegt.

 

Führungen auf Burg Frankenstein:

Von einem Wissenschaftler, der hier mit Leichen experimentiert, gar ein Monster erschaffen habe, davon werden Sie bei unseren Burgführungen nichts hören.Burg Frankenstein hat mit alledem nichts zu tun; es sind lediglichgeschäftstüchtige Erfindungen für gutgläubige Besucher.

Unsere Burgführer sind Historiker, die nur das erzählen, was durch wissenschaftliche Forschung einwandfrei belegt ist. Das ist genauso spannend wie erfundene Monstergeschichten.

- Baugeschichte der Burg

- Herrschaft und Familie Frankenstein

- Verfall und Rekonstruktion der Burg

- Grabmale der Kapelle

-  Angebliche Legenden und Schauergeschichten

Unsere Burgführer:

Dipl-Ing. Michael Müller forscht seit Jahren über die Baugeschichte der Burg, über Familie

und Herrschaft Frankenstein. Autor mehrerer Aufsätze über den Frankenstein in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, Schöpfer eines virtuellen Computermodells der Burg um 1545.

Dr. Erich Kraft, Oberstudienrat i. R., Historiker, seit Jahrzehnten Beschäftigung mit der Geschichte Eberstadts und des Frankensteins, Mitorganisator historischer Ausstellungen und Jubiläen, Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte, ehem. Lehrer für Geschichte, Geographie und Musik an einem altsprachlichen Darmstädter Gymnasium.

Elke Riemann, Oberstudienrätin i. R., Forschungen über Genealogie der Familie Frankenstein, Frankensteiner in Frankfurt und Dieburg. Ehem. Lehrerin für Physik und Mathematik am Darmstädter Ludwig-Georgs-Gymnasium.

Die Führungen sind kostenlos. Anmeldung „ Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. “. Die Burgführer arbeiten ehrenamtlich, daher frühzeitige Absprache erbeten, auch telefonisch: 06151/57424. Auf Wunsch auch in englischer Sprache. Anerkannt von der Staatlichen Verwaltung Schlösser und Gärten Hessens

 

 

 

Entstehung der Legende vom Monster:

Schon am 06. August 1950 stand in der europäischen Ausgabe von Stars and Stripes, einer Tageszeitung, die sich in erster Linie an Mitglieder der US-Streitkräfte richtet, dass in der Kapelle der Burg Frankenstein die Steinstatue des Barons, der das Monster erschlug, zu besichtigen wäre. Wahrscheinlich war damit das Grabmal des Ritters Georg gemeint, auch wenn dieses sich nicht in der Kapelle der Burg, sondern in der Kirche von Nieder-Beerbach, im Tal östlich des Frankensteins, befindet. Dieses Grabmal zeigt den 1531 verstorbenen Ritter im Kampf mit einem Ungeheuer, vermutlich eine Anspielung auf die Drachentöterlegende des Namenspatrons des Ritters, dem Heiligen Georg.

Darauf aufbauend entstand eine volkstümliche Sage, die vom Kampf des Ritters Georg mit einem Lindwurm erzählt, den beide – Ritter wie Ungeheuer – nicht überleben. Gut möglich, dass den US-Soldaten, die in der Nachkriegszeit unter anderem auch in den noch halbwegs bewohnbaren Gebäudeteilen der Burg einquartiert waren, diese Geschichte erzählt wurde und sie den Lindwurm allgemein zu einem Monster machten.

Am 31. Oktober 1952 erschien ebenfalls in Stars and Stripes die Ankündigung einer AFN-Halloween-Sondersendung Live von Burg Frankenstein. Am selben Abend noch, eben an Halloween, sollte diese Sendung beweisen oder widerlegen, ob etwas dran ist an der Legende, dass ein Monster die Burg alle hundert Jahre heimsucht.

 

Diese Legende von dem Monster gab es aber überhaupt nicht. Der Journalist John A. Keel, der später mit Büchern über UFOs und paranormale Phänomene bekannt wurde, hatte sie sich für einen Halloween-Scherz ausgedacht und die Burg entsprechend präpariert. Insgesamt drei Reporter (die nicht eingeweiht waren) berichteten dann in der Halloween-Nacht von der Burg. Einer dieser Reporter, Carl Nelson, wurde mit einer schwachen Taschenlampe und einem Mikrofon in einen Gebäudeteil geschickt, der als Gruft bezeichnet wurde. Es ist nicht mehr ganz nachvollziehbar, welcher Teil der Burg damit gemeint war, denn eine Gruft gibt es auf Burg Frankenstein nicht. Allerdings befinden sich seit 1851 drei Grabdenkmäler der Frankensteiner in der Burgkapelle, so dass vermutlich diese gemeint war.

Die „Gruft“ war gut vorbereitet worden. Über Lautsprecher hörte man seltsame Geräusche und man hatte einiges an Gerümpel so platziert, dass Nelson in der Dunkelheit darüber stolpern und sich erschrecken musste. Schließlich geriet die Sendung außer Kontrolle. Die Produktionscrew hatte hinter Nelson die Tür verschlossen und in der Dunkelheit wurde der Reporter mehr und mehr desorientiert und verängstigt. Als er im Schein seiner Taschenlampe schließlich einen als Monster verkleideten Soldaten erblickte, brach er in Panik aus, rannte zur Tür und schrie verzweifelt um Hilfe, als er diese verschlossen vorfand. Am Ende nahm ihn das Erlebnis so sehr mit, dass er sogar kurzzeitig das Bewusstsein verlor.

Die Übertragung sorgte für heftige Reaktionen. Unzählige Hörer riefen beim Sender an, um sich über den Gesundheitszustand von Nelson zu erkundigen. Die amerikanische Militärpolizei wurde verständigt und schickte mehrere Einheiten auf die Burg. Da die Sendung auch in England zu empfangen war, meldete sich gar die Londoner Tageszeitung Daily Express mitten in der Nacht bei Keel, um ihn zu fragen, was dort auf der Burg los war. Der Bericht der Zeitung, der tags darauf erschien, machte die Burg Frankenstein einem größeren englisch­sprachigen Publikum als die echte Burg Frankenstein bekannt. Ausschnitte aus der Sendung wurden von verschiedenen US-Radiosendern in der Folgezeit immer wieder zu Halloween wiederholt.

 

 

Zwar klärte Keel den Daily Express noch in der Halloween-Nacht auf, dass alles nur ein Spaß gewesen war, doch gleichzeitig war er auch der Überzeugung, dass er diesen Scherz tatsächlich am Ursprungsort von Shelleys Roman gemacht hatte. In seinem autobiographischen Buch „Jadoo“ von 1957 erklärte er, dass es im 13. Jahrhundert tatsächlich ein Frankenstein-Monster gegeben hätte, das von einem der Barone von Frankenstein getötet wurde, der dabei jedoch eine tödliche Wunde am Knie erlitt. Auch er bezog sich dabei offenbar auf die Sage vom Ritter Georg. Keel behauptete jedoch darüber hinaus, Shelley hätte diese Geschichte als Inspiration für ihren Frankenstein-Roman genutzt. Wie er zu dieser Erkenntnis gekommen war, verriet er nicht. Dass Shelley ihren Frankenstein auf Basis der Ritter-Georg-Sage geschrieben hat, ist ausgeschlossen, da zwischen beiden Geschichten überhaupt keine Ähnlichkeiten bestehen.

 

Die Lawine kommt ins Rollen

Die Bekanntheit der Burg wurde durch Keels Halloween-Scherz so gesteigert, dass von nun an in den USA regelmäßig Zeitungsartikel darüber erschienen. Schon am 11. November 1952 berichtete eine Mabel Alston für „The Washington Afro-American“ von der Burg. In dem etwas wirren Beitrag war zu lesen, dass sich das Original-Namensschild von Dr. Frankenstein immer noch am Toreingang befände. Vielleicht ein übrig gebliebenes Requisit der Halloween-Nacht?

Ein Jahr später, Halloween 1953, erschien erneut eine kuriose Meldung in der Europaausgabe

von Stars and Stripes. Mit ausdrücklichem Bezug auf die Sendung vom Vorjahr, allerdings ohne zu erwähnen, dass es bloß ein Scherz gewesen war, wurde dort angekündigt, dass sich in dieser Nacht mehrere Soldaten mit drei Bernhardiner-Suchhunden und zwei Affen auf die Suche nach dem Monster begeben würden, das nach diesem Bericht jetzt bereits alle 50 Jahre zu „All Hallows Eve“ (also Halloween) erscheinen soll, ungeachtet der Tatsache, dass man in Deutschland Halloween zu dieser Zeit noch überhaupt nicht kannte.

Neben einem Bezug zur Ritter-Georg-Sage (hier reduziert auf Legenden von menschenfressenden Monstern) wurden nun auch andere Ortslegenden mit in die Geschichte verwoben, so die Gerüchte von geheimen Tunneln, die die Burg mit verschiedenen Gebäuden in der Umgebung verbinden und in denen große Schätze lagern sollen. Diese Gerüchte, die es in ähnlicher Form auch für etliche andere Schlösser und Burgen in Südhessen gab, hatten im 18. Jahrhundert mehrfach zu recht wilden Grabungen geführt, bis sie 1788 verboten wurden.

Was aus der Aktion wurde, ob sie überhaupt in dieser Form stattfand (und wozu die Affen gut waren), ist nicht mehr nachvollziehbar. In den Folgeausgaben von Stars and Stripes wurde, zumindest nicht von einem Ergebnis berichtet. Dennoch belegt diese Meldung, dass sich das Thema bereits ein Jahr nach Keels Halloween-Streich verselbstständigt hatte. Keel war hierfür nämlich nicht mehr verantwortlich. Er befand sich zu Halloween 1953 für eine Sondersendung in Ägypten, wo er – allerdings mit deutlich weniger Erfolg – versuchte, einen ähnlichen Unsinn in der Cheops-Pyramide anzurichten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine neue Legende wird geboren

Im Jahr1960 erschien in verschiedenen US-amerikanischen und kanadischen Tageszeitungen ein wohl von der British Overseas Airways Corporation (BOAC)10 lancierter Artikel, der mit den einleitenden Worten begann: „Wussten Sie, dass sich nur eine halbe Stunde Fahrt südlich von Frankfurt, eines der verschiedenen europäischen Ziele der British Overseas Airways Corporation, die Heimat des echten Frankenstein Monsters befindet?“

Autor des Artikels war ein gewisser Bob Morris aus Chicago, so hieß es zumindest in der Zeitschrift „BOAC-  Review“, einem konzerneigenen Magazin, in dem der Artikel zwei Jahre später erneut veröffentlicht wurde. Die Erstveröffentlichung habe ich leider nicht ausfindig machen können, die Formulierung im BOAC- Review, dass dieser Artikel ursprünglich zur Unterhaltung von Europareisenden gedacht war, legt allerdings die Vermutung nahe, dass er für eine Broschüre der BOAC entstanden war. Vielleicht war es aber auch bloß eine einfache Pressemitteilung gewesen, die dann von verschiedenen Zeitungen abgedruckt wurde.

Das Bemerkenswerte an dem Artikel ist, dass er die Lücke zu schließen versuchte, die die bisherigen Artikel hinterlassen hatten. Bislang hatte man das Problem, dass die Ritter-Georg-Sage mit Shelleys Roman keine Gemeinsamkeiten hat, damit gelöst, dass man sich einfach auf den Kern „Frankensteiner tötet Monster“ beschränkte. Man konnte sie aber nicht nacherzählen, weil dann wohl den meisten aufgefallen wäre, dass das eine ganz andere Geschichte ist als die vom Frankenstein-Monster. Um mehr Fluggäste dazu zu bewegen, einen Flug nach Frankfurt zu buchen, wollte die BOAC. aber offenbar eine ausführlichere Hintergrundgeschichte und da die Sage vom Ritter Georg nicht genug hergab, formte man sie um, veränderte sie bis zur Unkenntlichkeit und schuf eine völlig neue Legende.

 

 

Im 16. Jahrhundert, so heißt es da, sollen rund um die Burg Frankenstein Menschen, die sich nachts ins Freie trauten, am nächsten Morgen tot aufgefunden worden sein, ihre Leichen furchtbar verstümmelt. Die Bauern der Gegend beschlossen daher, Jagd auf den Mörder zu machen. Eines Nachts kamen sie auf ein Feld nahe des Waldes, als sich plötzlich der Mond verdunkelte. Sie wandten sich um und sahen ein fürchterliches Monster, das seinen Schatten auf sie warf. Nach einer wilden Flucht baten sie Baron Frankenstein um Hilfe, der seinen Sohn, einen Ritter, losschickte, das Monster zu jagen.

 

Am nächsten Morgen fand man den enthaupteten Körper des Ritters in einem Teil des Waldes, der aussah, als hätte ein Sturm ihn verwüstet. Das Monster aber war verschwunden. In der Kapelle der Burg könnte man heute noch Überreste des Kampfes ausgestellt sehen, zusammen mit einer Büste des jungen Ritters, die jemand angefertigt haben soll, der ihn persönlich kannte.

Einige rudimentäre Überreste der Sage vom Ritter Georg sind noch vorhanden. So sind beide Geschichten im 16. Jahrhundert angesiedelt, ein junger Ritter von Frankenstein nimmt den Kampf gegen ein Monster auf und stirbt dabei. Ritter Georg der tatsächlichen Sage tötet den Lindwurm, in dem Zeitungsartikel verschwindet das Monster nach dem Kampf. Von Ritter Georg existiert ein Grabmal, das heute noch in Nieder-Beerbach besichtigt werden kann, vom Ritter des Zeitungsartikels eine Büste.

Der Rest dürfte jedoch in erster Linie durch die Frankenstein-Filme inspiriert sein. Die sehr visuellen Effekte (ein sich plötzlich verdunkelnder Mond und der Schatten, der auf die Dorfbewohner fällt) erinnern auffällig an die teils expressionistischen Stilmittel der frühen Horrorfilme und nicht an Shelleys Roman oder gar Legenden der deutschen Folklore. Hinzu kommt, dass eine solche Sage historisch in Südhessen nicht nachweisbar ist und die Behauptung, es gäbe in der Burgkapelle noch Überreste des Kampfes sowie eine Büste des Ritter, war auch 1960 falsch.

Alte Ortssagen, die vor Ort niemand kennt

Diese Geschichte, die vor Ort bis heute völlig unbekannt ist, verbreitete sich in den Folgejahren schnell in den USA und wurde wieder und wieder in unterschiedlichen Fassungen publiziert. Schonam 26. November 1961 behauptete ein Steve Libby in der Tageszeitung Reading Eagle, dass Mary Shelley zweifellos von den Mythen der Frankensteiner gehört hatte. Einen Beleg oder eine Quelle hierfür nannte er nicht. Statt dessen gab er die Geschichte der BOAC zum Besten, nahezu wörtlich. Dass diese Geschichte mehr an die Frankenstein-Filme als an das Buch erinnert und es doch sehr merkwürdig ist, dass Shelley von Erzählmotiven beeinflusst gewesen sein soll, die nicht in ihrem Buch, sondern erst in den Verfilmungen auftauchen, schien niemand zu bemerken.

Etwa ein Jahr später, am 23. September 1962, tauchte dann in den Independent Star-News (Pasadena, Kalifornien) vermutlich erstmals in diesem Zusammenhang der Name Johann Konrad Dippel auf, wenn auch in falscher Schreibweise. So heißt es: „Mary Wollstonecraft Shelley, die zweite Frau des Dichters Percy Bysshe Shelley, hörte von Gippel [sic!] und seinen Experimenten im frühen 19. Jahrhundert und wurde davon inspiriert, ihren Horrorklassiker ‘Frankenstein, oder der moderne Prometheus’ zu schreiben“.

Leider wird auch hier wieder nicht erwähnt, auf wen man sich mit dieser Aussage eigentlich beruft. Die auffällig falsche Schreibweise von Dippels Namen lässt jedoch den Schluss zu, dass der Verfasser des Artikels seine Informationen mündlich erhalten hatte. Gut möglich, dass als Reaktion auf die vielen amerikanischen Touristen, die die Geschichte von der Heimat des echten Frankenstein-Monsters angelockt hatte, einige Leute mit Ortskenntnissen begannen, den Touristen immer neue scheinbare Verbindungen zwischen der Burg und Shelleys Roman zu präsentieren. Auch die zahlreichen inder Nähe stationierten US-Soldaten, die häufig die Burg besuchten, nahmen solche Geschichten begierig auf.

Abgesehen von diesen nur zu vermutenden Einzelpersonen war das Ganze aber weder unter Historikern noch unter den deutschen Bewohnern der Gegend ein Thema. Noch 1966, als der heutige Restaurantbau gerade geplant wurde, antwortete der damalige Pächter Gerhard Meißner auf die Frage, was von dem Neubau zu erwarten wäre: „Wir hoffen, dass wir den Besuchern fast alles bieten können, das heißt alles bis auf das Monster. Das ist alles erfunden. Bis zu 50 Prozent der Leute, die hierher kommen, sind Amerikaner. Sie fragen uns oft, wo das Frankenstein Monster gelebt hat. Und alles, was ich ihnen sagen kann, ist, dass wir damit nichts zu tun haben. Ich muss doch die Wahrheit sagen, oder?“

Es waren also nach wie vor nur Amerikaner, die nach Frankensteins Monster gefragt haben. Deutsche Besucher sahen diese Verbindung damals üblicherweise noch nicht, was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass alles angeblich auf uralte Ortslegenden zurückgehen soll. Uralte Ortslegenden, die vor Ort niemand kennt und die in schriftlicher Form erstmals nach dem zweiten Weltkrieg in amerikanischen Zeitungen erscheinen?

Erst für das Jahr 1970 lässt sich erstmals auch ein deutschsprachiger Zeitungsartikel ausfindig machen, der nicht nur die Burg Frankenstein, sondern auch Johann Konrad Dippel als Vorbild für Victor Frankenstein ins Gespräch bringt. Der vor allem für seine Arbeiten über Goethe bekannte Fritz Ebner widmete sich am 22. August 1970 mit einem Artikel im Darmstädter Echo dem Thema unter dem reißerischen Titel: „Frankenstein lebt: Das Monstrum und die Burgruine. Gibt es Zusammenhänge? - Unbekanntes über ein bekanntes Thema“.

 

Der Artikel hält jedoch nicht das, was er verspricht. Unbekanntes wird dort gar nicht erwähnt, bestenfalls ein paar weniger bekannte Dinge. Ebner präsentiert zunächst einen kurzen Abriss der Geschichte der Burg und eine wenig aufschlussreiche Kurzbiographie Dippels, dann fasst er – sehr fehlerhaft – Shelleys Frankenstein-Ge­schich­te zusammen, macht einen kleinen Exkurs zum Datterich-Autoren Ernst Elias Niebergall, der unter dem Pseudonym E. Streff auch einige Schauergeschichten verfasst hat, erwähnt noch weiterführende Literatur zum Thema wie Gustav Meyrinks fast 100 Jahre nach Frankenstein entstandenen Roman „Der Golem“ und schließt dann, ohne noch einmal auf Dippel einzugehen, mit der Behauptung, die Burg Frankenstein wäre der Ursprung von Shelleys Roman. Es ist ein reichlich wirrer Artikel. Wo denn nun die Verbindung zwischen Shelleys Roman und Dippel sein soll, erklärt Ebner nicht, schlussfolgert aber genau das.

Zudem macht er auffällige Fehler. So behauptet er beispielsweise, Shelleys Roman handle von einem Schlossherrn. Möglicherweise soll das eine Verbindung zwischen dem Frankenstein des Romans und Johann Konrad Dippel sein. Doch weder Dippel noch der Frankenstein des Romans waren Schlossherrn. Nur in einigen späteren Verfilmungen lebt Frankenstein auf einer Burg. An dieser Stelle dürfte die Frage erlaubt sein, ob Ebner den Roman überhaupt jemals gelesen hatte.

 

Ein Dracula-Experte jagt Frankenstein

Im Jahre 1975 veröffentlichte der Historiker Radu Florescu sein Buch „In Search of Frankenstein“, das sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, ob Mary Shelley Kenntnis von Dippel und der Burg Frankenstein gehabt hatte.

Florescu ist nicht irgendwer. „In Search of Frankenstein“ war das Nachfolgebuch von „In Search of Dracula“, das bis heute ein Standardwerk zu den historischen Ursprüngen von Bram Stokers „Dracula“ ist und in dem Vlad III. Draculea, auch Tepes („der Pfähler“) genannt, als historisches Vorbild für Graf Dracula identifiziert wird. Lange galt es als anerkannt, dass der walachische Fürst die Inspiration für Stoker war.

Durch den großen Erfolg von „In Search of Dracula“ ermutigt, wollte Florescu nun auch die

historische Person hinter der anderen berühmten Figur des klassischen Horrorfilms identifizieren: Mary Shelleys Frankenstein. Dabei fiel ihm auf, dass Shelley 1814 während einer Reise auf dem Rhein in Gernsheim16, nur etwa 15 Kilometer Luftlinie von der Burg Frankenstein entfernt, einen dreistündigen Aufenthalt hatte. Das war eine vielversprechende Spur, also flog Florescu nach Deutschland und besuchte die Burg. Dort will er als Indiz für seine Vermutung verschiedene Ortslegenden erfahren haben, die aber merkwürdigerweise anderweitig nicht nachweisbar sind.

Dass Shelley die Burg tatsächlich bemerkt hatte, ist äußerst unwahrscheinlich. Ohnehin ist die

Burg von Gernsheim aus nur sehr schwer auszumachen, auch heute noch, obwohl die Türme nach den Restaurierungsarbeiten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich höher sind als während Shelleys Reise. Zu allem Überfluss aber erreichten die Shelleys Gernsheim erst nach Anbruch der Dunkelheit. Laut dem Tagebuch von Claire Clairmont, Marys Stiefschwester, die ebenfalls an der Reise teilnahm, war es sogar so, dass der Aufenthalt nur deshalb stattfand, weil der Kapitän des Schiffs den Mondaufgang abwarten wollte. Vermutlich war es ihm ohne Mondlicht zu dunkel. Anzunehmen, Shelley hätte da die Burg Frankenstein erkennen können, ist absurd.

 

 

 

Ein Detektiv mit Verschwörungstheorien

Florescu war sich durchaus bewusst, dass sich seine These mit den Quellen, sprich Shelleys und Clairmonts Tagebüchern, nicht vereinbaren lässt. Er behauptete daher, dass die beiden alle Spuren der Inspiration für Frankenstein vernichteten, um Shelleys Anspruch auf Originalität zu wahren. Deshalb hätten sie ihre Tagebucheintragungen der Reise von 1814 so verfälscht, dass jeder Hinweis auf Burg Frankenstein verschwand.

Doch das ist ein Hirngespinst. Florescu kann es nicht beweisen, bietet nicht einmal handfeste Indizien an. Statt dessen weist er darauf hin, dass es auffällige Lücken in den Tagebüchern Shelleys gäbe. So fehle beispielsweise der Aufenthalt in Lord Byrons Villa, während dem sie begann, an Frankenstein zu schreiben. Auch sonst würden keine Tagebucheintragungen über den Entstehungsprozess des Romans existieren.

Florescu geht davon aus, dass Shelley diese Tagebucheintragungen bewusst vernichtet hat. Nur: Wieso hat sie dann nicht das Gleiche mit den Tagebüchern ihrer Rheinreise gemacht? Warum sollte sie einmal den zweifelsfrei einfacheren Weg wählen, nämlich die Aufzeichnungen zu vernichten, und das andere Mal eine aufwendige Verfälschung durchführen? Diese auffällige Änderung des Modus Operandi scheint Florescu, der sich selbst als literaturwissenschaftlichen Privatdetektiv bezeichnet, nicht zu stören. An dieser Stelle ist er tatsächlich beides: ein schlechter Historiker und ein schlechter Detektiv.

Auch das Motiv, das er für diese Fälschung anbietet, ist an den Haaren herbeigezogen: Shelley soll ihre Inspiration verschleiert haben, weil sie als besonders originell gelten wollte. Doch schon der vollständige Titel des Romans „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ gibt ja eine ihrer Inspirationen preis, nämlich die Prometheus-Sage. Das große Interesse, ihre Inspiration zu verschleiern, das nötig wäre, um solch eine aufwendige Fälschungsaktion durchzuführen, hat sie ganz offensichtlich nicht gehabt. Auch an einem übersteigerten Ego dürfte sie zumindest im Bezug auf ihren Roman nicht gelitten haben, Frankenstein erschien zunächst anonym.

Der Strohhalm, an den sich Florescu klammert, ist der dreistündige Aufenthalt der Shelleys in

Gernsheim. Es ist der einzige Fakt, den er nicht mit rhetorischen Taschenspielertricks herbeizaubern muss. In dieser Zeit, von der Mary Shelley nicht mehr schreibt, als dass sie zusammen mit Percy Shelley spazieren gegangen ist, sollen die beiden laut Florescu zur Burg Frankenstein und wieder zurück gelaufen sein und dabei von den Einheimischen noch unzählige Sagen und Gerüchte über Johann Konrad Dippel gehört haben. Drei Stunden waren dazu aber sicher nicht ausreichend. Außerdem war es dunkel, sie kannten das Gelände nicht, sprachen kaum Deutsch, waren knapp bei Kasse und mussten rechtzeitig zurück an Bord sein, sobald der Kapitän wieder ablegen wollte. Längere Exkursionen ins Hinterland dürften da ausgeschlossen gewesen sein.

 

 

 

Experten weisen Florescus Thesen zurück

Interessant ist eine Aussage Florescus zu seiner Motivation für „In Search of Frankenstein“. Die New York Times zitiert ihn am 21. Oktober 1975 mit den Worten: „Ich schrieb Bücher, die niemand las. Ich wäre glücklich gewesen, wenn meine Vorlesung  ‚Ein Überblick über die Geschichte des Balkans‘ von 30 Studenten besucht worden wäre.“

 

 

Dann veröffentlichte er „In Search of Dracula und hielt seither Vorträge in den ganzen USA vor vollbesetzten Sälen. „In Search of Frankenstein“ war bewusst als Nachfolgebuch konzipiert. Die „In Search of …“- Buchreihe ist also letztendlich das Produkt eines frustrierten Hochschulprofessors, der damit den Weg aus seinem Alltagstrott fand und es mit den Quellen nicht so genau nahm, nur um nicht wieder vor weniger als 30 Studenten Vorträge halten zu müssen.

Anders als von „In Search of Dracula“ war die Fachwelt von „In Search of Frankenstein“ jedoch wenig beeindruckt. Leonard Wolf, wie Florescu gebürtiger Rumäne und Experte für die sogenannte „gothic fiction“, bezeichnet in dem Standardwerk „The annotated Frankenstein“ von 1977 Florescus Ausführungen als nicht überzeugend und als Verschwörungstheorie. Aija Ozolins beschuldigt Floresu in dem Fachmagazin „Science Fiction Studies“ (Ausgabe Juli 1976) gar fragwürdiger Beweisführung, die die Regeln der Wissenschaft verlasse.

Verglichen mit dem Vorgängerbuch war es ein Flop. Der Mangel an handfesten Belegen und Florescus unfreiwillig komischer Versuch, gar eine Verbindung zwischen Vlad Tepes und den Freiherren von Frankenstein herzustellen, war dann den meisten doch zu viel des Guten.

 

Das alljährliche Halloween-Festival

Ein Jahr nach der Veröffentlichung von „In Search of Frankenstein“ organisierte der in Darmstadt als Fotojournalist der US-Armee arbeitende Brian Hill erstmals ein Halloween-Festival in der Burg – für die nahe der Burg stationierten US-Soldaten, denn die Deutschen hatten zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Interesse an Halloween. Der Erfolg der Veranstaltung kam für Hill völlig überraschend. Laut eigenen Aussagen kamen mehr als zehnmal so viele Besucher wie erwartet.

Mit Hills Erfolg begann sich alles zu ändern. Jährlich wurde das Festival größer und weckte nun auch das Interesse der Deutschen. Schon 1979 wird Hill in einer Meldung der Associated Press mit der Aussage zitiert, dass mittlerweile die überwiegende Zahl der Besucher Deutsche wären. Das Festival trug maßgeblich dazu bei, dass Halloween in Deutschland bekannter wurde.

 

 

 

Johann Konrad Dippel von Frankenstein?

Etwa zu dieser Zeit muss auch die Behauptung aufgekommen sein, Dippel hätte sich als ein von Frankenstein ausgegeben. Die Idee geht wohl ebenfalls auf Florescu zurück, der behauptete, dass Dippel sich in der Universität Gießen als Frankensteiner eingeschrieben hätte. Das stimmt zwar im Prinzip, aber Florescu versuchte damit zu suggerieren, dass Dippel sich als Frankensteiner stilisierte und somit auch als Frankensteiner bekannt gewesen wäre.

Das jedoch ist Unsinn. Es war damals in den Matrikeln von Schulen und Universitäten lediglich üblich, den Namen des Studenten um dessen Herkunftsort zu ergänzen. So ließen sich beispielsweise Verwechslungen bei Namensgleichheit verhindern. Es wurde also in den Matrikeln lediglich zu Verwaltungszwecken Dippels Geburtsort festgehalten. Ihm selbst dürfte das herzlich egal gewesen sein.

Nun könnte man allerdings noch einwenden, dass es ja nicht darum geht, wie Dippel zum Namen Frankenstein stand, sondern Mary Shelley. War sie vielleicht bei Recherchen auf diesen Matrikeleintrag gestoßen und hatte sich danach dazu entschlossen, Dippel nicht Dippel sondern Frankenstein zu nennen, damit es nicht zu offensichtlich war?

 

 

Auch das ist bei näherer Betrachtung nicht plausibel. Denn tatsächlich steht in den Matrikeln der Universität Gießen für den 09. Mai 1691 nicht etwa Johann Konrad Dippel Frankenstein, sondern:  „Joh. Conr. Dippelius, Strataemontano-Francoste­nensis“. Wer würde aufgrund dieses Eintrags auf die Idee gekommen, eine Romanfigur Victor Frankenstein zu nennen? Außerdem darf nicht vergessen werden, dass diese Matrikel zu der Zeit, da Shelley ihren Roman verfasste, noch nicht veröffentlicht waren. Sie hätte also vor Ort recherchieren müssen. In Gießen war sie jedoch nie gewesen.

Eher ins Bild passt Dippels „Disputatio de Nihilo“, eine Art Abschlussarbeit für sein Grundstudium aus dem Jahr 1693. Bei der Autorenschaft wurde auch hier Dippels Name um eine Herkunftsbezeichnungergänzt:  „Joh. Conradus Dippelius, Franckensteina-Strataemontanus“. Es dürfte aber mehr als nur ein bisschen unwahrscheinlich sein, dass Shelley von einer unbedeutenden Studienarbeit Dippels Kenntnis hatte. Und falls doch, warum nannte sie ihren Victor ausgerechnet Frankenstein und nicht Dippel? Oder Strataemontanus? Oder zumindest Johann oder Konrad? Warum hätte sie ausgerechnet die Hälfte einer Herkunftsbezeichnung für den Namen ihrer Hauptfigur verwenden sollen?

Wenn Shelley Dippels Disputation kannte, wieso spiegelt sich dann absolut nichts von Dippels dort geäußerten philosophischen Ansichten im Charakter des Victor Frankenstein wider? Mehr noch: Wieso spiegelt sich auch sonst nichts von Dippels Ansichten in Victor Frankenstein wider?

Zu guter Letzt bliebe noch Dippels Eintrag in den Matrikeln des Darmstädter Pädagog. Dort wird er am 27. März 1691 als „Johannes Conradus Dippelius Franckensteinensis“ geführt. Auch hier ist es eine Herkunftsbezeichnung. Die lateinische Grammatik ist da eindeutig. Mit ungenügendem Wissen in Latein könnte man dies aber tatsächlich als Namen missdeuten. Um von diesem Eintrag Kenntnis zu erlangen, hätte Shelley jedoch auch hier direkt im Darmstädter Pädagog recherchieren müssen. Und das alles während eines dreistündigen, abendlichen Aufenthalts in Gernsheim. Schon aus zeitlichen Gründen ist das ausgeschlossen.

 

 

 

Ein Burgschreiber sorgt für Wirbel

Als dann Mitte der 1990er-Jahre eine Neuauflage von „In Search of Frankenstein“ anstand, dachte Florescu nicht etwa daran, die Sache noch einmal genauer zu untersuchen und seine Fehler zu korrigieren. Statt dessen erkannte er, dass man die Geschichte einfach nur besser vermarkten musste. Da traf es sich gut, dass sein Sohn John einer der Produzenten des populären Fernsehmoderators David Frost war. John Florescu überzeugte Frost, das Zugpferd in einer Fernsehdokumentation zu spielen, die die These von Radu Florescu bekannter machen sollte. Neben Letzterem trat in dieser Dokumentation auch der Pfungstädter Walter Scheele auf, der sich selbst später als Burgschreiber der Burg Frankenstein bezeichnet. Dieser sorgte mit einer Reihe von Buchveröffentlichungen in den Folgejahren dafür, dass auch in Deutschland endlich die These von Dippels Vorbildfunktion für Mary Shelley bekannter wurde.

Während Florescu nur annimmt, dass Shelley ihre Tagebücher verfälscht hat, behauptet Scheele, er hätte die unverfälschten Tagebücher einsehen können. Diese befänden sich im Besitz einer Schweizer Bankiersfamilie. Wer diese geheimnisvollen Besitzer dieses zumindest literaturhistorisch sensationellen Dokuments sind, verrät Scheele jedoch nicht. Er verlangt von seinen Lesern, ihm ohne Beleg zu glauben.

Wissenschaftlich ist so etwas von vorne herein wertlos, weil die Möglichkeit der Überprüfung und der Falsifizierung gar nicht gegeben ist. Aber auch rein hypothetisch stellt sich die Frage,

warum Shelley ein solches zweites Tagebuch hätte führen sollen. Selbst wenn sie Dinge aus ihrem Privatleben verheimlichen wollte, sie hatte ja nie vor, ihre Tagebücher zu veröffentlichen. Statt dessen veröffentlichte sie Reiseberichte, die auf ihren Tagebüchern basieren. Teilweise übernahm sie ganze Textpassagen wörtlich. Ihre Tagebücher an sich waren allerdings rein privater, persönlicher Natur und nicht dazu gedacht, von Fremden gelesen zu werden. Dass sie da noch ein zweites, noch geheimeres Tagebuch geführt haben soll, ist nicht plausibel.

Den einzigen Beweis für dieses Phantomtagebuch, den Scheele anbietet, ist ein Zitat, das zu veröffentlichen ihm die mysteriösen Besitzer nach langem Hin und Her gestattet hätten. Doch dieses Zitat ist in einem so auffallend holprigen Englisch verfasst, dass es zumindest sehr wahrscheinlich ist, dass es nicht von einem Muttersprachler stammt. Auch ist die darin enthaltene Szene sehr kurios. Es wird eine neblige Nacht im November beschrieben, gleichzeitig aber das silberglitzernde Wasser des Rheins und ein Kirchturm auf der anderen Flussseite erwähnt. In einer nebligen Novembernacht dürfte man das von der Burg Frankenstein aus kaum erkennen können.

Dass Shelley zudem im September 1814 in Hessen war und im November längst wieder in England, dürfte dann endgültig belegen, dass das Zitat eine plumpe Fälschung ist. Dennoch wird in unzähligen Publikationen darauf hingewiesen und so getan, als handle es sich um eine tatsächliche Aussage Shelleys.

 

 

 

Ein geheimnisvoller Brief

Hat Scheele diesen Tagebucheintrag also einfach erfunden? Oder ist er selbst auf einen Schwind­ler hereingefallen? Wenn dem so gewesen sein sollte, dann ist es ihm gleich zweimal passiert. Denn er will auf noch eine literaturhistorische Sensation gestoßen sein. In einem Brief, den Jacob Grimm an Mary Shelleys Stiefmutter Mary Jane Clairmont geschrieben haben soll, erwähnt Grimm eine Sage der Burg Frankenstein, die bemerkenswerte Ähnlichkeit mit Shelleys Roman hat. Dumm nur, dass der Brief unauffindbar ist. Außer Walter Scheele hat ihn nie jemand gesehen und Scheele selbst ändert seine Meinung darüber, wo dieser Brief denn überhaupt ist, nach Belieben. So behauptete er im Jahr 2001: „In britischem Privatbesitz liegt, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, ein Brief von Jacob Grimm an Mary Jane aus dem Jahre 1813.“

Im Jahr 2006 erklärte er dagegen in der eher fragwürdigen amerikanischen Fernsehdokumentationsreihe „Decoding the Past“,  der Brief befände sich in der University of Oxford. Dort weiß man jedoch nichts davon. Ein solcher Brief ist nicht im Bestand der Universität und war es auch nie.

Angeblich soll der Autor und Filmemacher Donald F. Glut den Brief ebenfalls gesehen haben, so Scheele. Glut selbst widerspricht jedoch dieser Behauptung. Auf Anfrage des Geschichtsvereins Eberstadt-Frankenstein erwiderte Glut in einer E-Mail vom 11. August 2008 erstaunt, dass er zum ersten Mal von diesem angeblichen Brief höre.

In diesem Zusammenhang behauptete Scheele auch, dass Mary Jane Clairmont die englische Übersetzerin der Märchen der Gebrüder Grimm gewesen wäre: „Bekannt sind jedoch große Teile der Briefwechsel zwischen den Begründern der deutschen Philologie und der Übersetzerin ihrer Märchen“. Solch eine Korrespondenz existiert aber gar nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsinn im Minutentakt

Um Florescus These von Dippel als Vorbild von Frankenstein zu unterstützen, stellt Walter Scheele auch sonst reihenweise Behauptungen auf, die vollkommen unhaltbar sind. So nennt er Johann Konrad Dippel konsequent Johann Konrad Dippel von Frankenstein, obwohl er so nicht hieß und sich auch nie so nannte. Außerdem soll Dippel gar nicht der Sohn von Johann Philipp Dippel, sondern von einem Konrad von Frankenstein gewesen sein, der eine außereheliche Beziehung mit Johann Konrad Dippels Mutter gehabt haben soll. Den Beleg bleibt Scheele ebenso schuldig wie nähere Angaben zu jenem Konrad von Frankenstein oder Aussagen zu seiner Quelle hierfür.

Dann soll Dippel höchstpersönlich den Pulverturm der Burg Frankenstein bei einem missglückten Experiment mit Nitroglyzerin gesprengt haben, was allein schon deshalb erstaunt, da Nitroglyzerin zu Dippels Zeit noch gar nicht bekannt war. An anderer Stelle behauptet Scheele, Dippel sei einmal zum Tode verurteilt worden, hätte jedoch als Graf nicht hingerichtet werden können. Eine Aussage, die unzählige Male zitiert und für bare Münze genommen wurde.

Doch Dippel wurde nie zum Tode verurteilt, sondern zu lebenslanger Haft, von der er allerdings nur sieben Jahre absitzen musste. Er war auch kein Graf gewesen. Und selbst wenn er es gewesen wäre, müsste es immer noch sehr zu denken geben, wenn Scheele der Meinung ist, Grafen hätten im 18. Jahrhundert nicht hingerichtet werden können.

 

 

 

Wenn Professoren Quellen manipulieren

Die Masse an inhaltlichen Fehlern ist in Scheeles Büchern so gewaltig, dass man ein Ge­sell­schaftsspiel daraus machen könnte: Wer findet die meisten? Oder (wenn es schneller gehen soll): Wer findet die meisten in einem Kapitel/auf einer Seite? Das Bizarre jedoch ist, dass trotz der offensichtlichen Fehler, mit denen seine Bücher überfüllt sind, Scheele in der Folgezeit die Richtung der Diskussion vorgab und sogar Unterstützung bei Historikern fand, die eigentlich gelernt haben sollten, Quellen kritisch zu lesen.

Charles Robinson von der University of Delaware zitiert in der bereits erwähnten Dokumentationsreihe „Decoding the Past“ aus Shelleys (tatsächlichen) Tagebüchern eine Stelle, an der sie eine Burg mit einem verfallenen Turm und zerstörten Fenstern beschreibt, die auf dem Gipfel eines Hügels stehen würde. Robinson suggeriert, dass das die Burg Frankenstein sein könnte.

Das Ganze ist aber eine ziemlich dreiste Manipulation. Denn liest man an der entsprechenden Stelle in Shelleys Tagebuch nach, stellt man fest, dass es sich dabei um den Eintrag vom 30. August 1814 handelt, als sich die Reisegruppe zwischen Basel und Straßburg befand. Folglich muss die Ruine, die Mary beschreibt, auch in dieser Gegend zu finden sein. In der Nähe von Burg Frankenstein befinden sie sich erst am 2. bzw. 3. September. Daher ist es ausgeschlossen, dass es sich hierbei um Burg Frankenstein handelt. Robinson sagt dagegen, es handle sich um die Einträge für August und September 1814. Dies würde den Aufenthalt in Gernsheim beinhalten. Das ist eine manipulative Aussage, bei der er sich – offensichtlich im vollen Bewusstsein - die Wahrheit zurechtgebogen hat.

 

 

 

Geisterjagd

Anfang 2008 erreichte die Absurdität der Sache schließlich einen besonderen Höhepunkt. Für denamerikanischen „Sci-Fi Channel“ tauchte eine Gruppe Geisterjäger in der Burg auf, die mit tatkräftiger Unterstützung von Walter Scheele versuchten, mit Dippels Geist Kontakt aufzunehmen.

Sie verbrachten eine bitterkalte Nacht in der Burg, um mit bestem Kaugummi-Englisch deutsche Geister zu beschwören, auf dem Torturm herumzuklettern und in völliger Dunkelheit Fotos zu schießen. Ergebnis der Untersuchung war eine aus ungeklärten Gründen klappernde Türklinke, eine Geisterjägerin, die in totaler Finsternis glaubte, einen Schatten gesehen zu haben, und zwei Tonbandmitschnitte, die eine mysteriöse, aber völlig unverständliche Stimme wiedergaben. Walter Scheele identifizierte diese mysteriöse Stimme dennoch als die von Arbogast von Frankenstein, dem ältesten bekannten Ritter der Frankensteiner, der bereits 948 auf der Burg gelebt hatte. So behauptet Scheele es zumindest. Historisch ist das nicht haltbar. Mag man noch über einen möglichen Vorgängerbau der erst im 13. Jahrhundert entstandenen Burg Frankenstein spekulieren können (alte Flurnamen weisen darauf hin), so ist die Existenz eines Arbogast von Frankenstein im 10. Jahrhundert schon lange widerlegt.

Zurück geht diese Legende auf das Rüxnersche Turnierbuch aus dem 16. Jahrhundert. Dort wird tatsächlich ein Arbogast von Frankenstein im Zusammenhang mit einem Turnier in Konstanz genannt, das 948 stattgefunden haben soll.

Heute ist jedoch klar, dass Rüxners Turnierbuch weniger der Dokumentation als vielmehr der

Legitimation der dort erwähnten Adelshäuser diente. Üblicherweise gelten alle bei ihm erwähnten Turniere vor 1284 als frei erfunden. Auch spätere sind oft fragwürdig. So hat beispielsweise das bei Rüxner erwähnte Turnier zu Darmstadt im Jahr 1403 nie stattgefunden.

 

 

 

Tatsachen sind langweilig

Einige Monate nach dem Besuch der Geisterjäger auf der Burg widmete sich Michael Müller vom Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein ausführlich dem Thema. In seiner 29-seitigen Arbeit „Any Monsters at home?“ werden die wichtigsten Behauptungen von Florescu und Scheele widerlegt. Besonders hervorzuheben ist hier, dass Müller zeigt, dass Shelley die Burg während ihrer Rheinreise gar nicht gesehen und Dippel die von Walter Scheele behaupteten Experimente auf Burg Frankenstein nicht durchgeführt haben kann.

Einen sonderlichen Eindruck hat diese Widerlegung der Thesen auf die Diskussion jedoch nicht hinterlassen. Zwar wird vor allem im deutschsprachigen Raum seither gelegentlich hinzugefügt, dass die Thesen von Florescu und Scheele umstritten sind, dass sie tatsächlich widerlegt sind, würde aber die schöne Geschichte kaputt machen und wird daher nicht eingestanden. Viele bleiben gar bei der Formel: Wahrscheinlich ließ sich Mary Shelley von Dippel inspirieren, was zwar allen Fakten widerspricht, sich durch das vorgesetzte „wahrscheinlich“ aber jeglicher Beweispflicht entzieht.

Im englischsprachigen Raum hat die Dippel-These seither sogar noch Aufwind bekommen.Längst ist Dippel dabei auch im belletristischen Bereich angekommen. Da hier ja (völlig zurecht) künstlerische Freiheit geltend gemacht werden kann, sind diese Bücher in Anbetracht der schon sehr fantasievollen Sachbüchern natürlich noch weitaus skurriler. Vorläufiger Höhepunkt ist der Roman „Blood Oath“ von Christopher Farnsworth. Hauptfigur des Romans ist ein Vampir, der als Geheimagent des US-Präsidenten regelmäßig die USA vor übernatürlichen Bedrohungen rettet, aber nur, wenn er nicht gerade bei den Anonymen Alkoholikern ist, um seinen Blutdurst zu unterdrücken. Bösewicht des Romans ist Dippel, der heute immer noch lebt, weil er ein Elixier entwickelt hat, das ihn unsterblich macht. Der Geheimdienstvampir muss ihn davon abhalten, eine Armee von Frankenstein-Monstern zu schaffen, was er schon einmal - im Auftrag von Adolf Hitler - versucht hatte.

 

Und wieso nun Frankenstein?

Ein letzter Einwand bleibt: Auch wenn konkrete Belege fehlen, auch wenn sie die Burg niemals erwähnte, niemals besuchte, muss Mary Shelley sie nicht allein deswegen gekannt haben, weil sie ihren Namen verwendete? Den kann sie doch nicht einfach erfunden haben!

Musste sie auch gar nicht. Die Burg Frankenstein ist nicht der einzige Ort dieses Namens. In der Pfalz nahe Bad Dürkheim gibt es ebenfalls eine Burg Frankenstein, samt eines dazugehörigen Dorfes gleichen Namens. Eine dritte Burgruine existiert bei Bad Salzungen. In Sachsen nahe Freiberg gibt es ein Dorf mit Namen Frankenstein und zu Shelleys Zeit existierte im heutigen Polen und im heutigen Tschechien jeweils ein Ort gleichen Namens.

Auch wenn er nicht an jeder Ecke und in jedem Dorf zu finden war, war der Name „Frankenstein“ alles andere als ungewöhnlich. Selbst heute ist das noch so. Der Internetdienst „Geogen“ errechnet etwa 1.040 Namensträger in ganz Deutschland, was normal häufig ist. Es mag die langweiligste Erklärung sein, aber es ist auch die wahrscheinlichste: Shelley dürfte den Namen rein zufällig irgendwo gehört und ihn ohne einen sonstigen Bezug zu der Person, die diesen Namen trug, verwendet haben. Deshalb findet sich auch weder in ihrem Werk noch in ihrem Nachlass irgendeine Spur auf eine tiefere Bedeutung des Namens Frankenstein: es gibt keine.

Es gibt lediglich seit einigen Jahrzehnten ein großes kommerzielles Interesse daran, einen realen Ort und eine reale Person zu haben, die man als Vorbild für Shelleys Frankenstein ausgeben kann. Dieses Interesse scheint jede kritische Auseinandersetzung zu über­treffen. Welcher TV-Sender würde auch eine Dokumentation produzieren, deren zentrale Aussage Dippel hat nichts mit Shelleys Frankenstein gemeinsam ist? Wie hoch wäre die Einschaltquote einer Reportage über Dippel, die keinen Bezug zu Frankenstein herstellt? Höch­stens für Kurzbeiträge wäre das für einen TV-Sender vertretbar. Aufwendige Produktionen im 45-minütigen Format benötigen jedoch mehr kommerzielles Potential.

Das zentrale Problem des modernen Infotainments wird an diesem Beispiel besonders deutlich. Es ist keineswegs so, dass Dippels Biographie langweilig wäre, im Gegenteil, sein unstetes Leben, seine Neigung sich mit den Obrigkeiten anzulegen, seine Entwicklung vom scharfen Gegner des Pietismus zum radikalen Pietisten und seine exzellente Rhetorik bieten viele Ansätze für eine interessante Geschichte.

Doch um in der modernen Medienlandschaft bestehen zu können, reicht das nicht aus. Es genügt nicht, dass man eine interessante Geschichte zu erzählen hat, es muss die Geschichte sein, die die größtmögliche Anzahl an Personen interessant und spannend findet. Ein Bezug zu popkulturellen Phänomenen wie das Frankenstein-Monster, das nur noch wenig mit dem in Shelleys Roman beschriebenen Wesen gemeinsam hat, ist da naheliegend. Die Verlockung, sich die Wahrheit zurechtzubiegen, ist offenbar zu groß, so dass man schnell in Fantastereien verfällt. Das ist mit Burg Frankenstein und Johann Konrad Dippel geschehen.

Eine Rückkehr zur historischen Wahrheit ist genauso wenig erfolgversprechend wie eine Frankenstein-Verfilmung, die sich eng an die Romanvorlage hält. Der Versuch einer werkgetreuen Umsetzung scheiterte 1994 trotz Starbesetzung und großem Budget interessanterweise kurz bevor die These von Dippel als Vorbild für Frankenstein noch einmal richtig Fahrt aufnahm. Es ist nicht Shelleys Roman, sondern die Darstellung Boris Karloffs in den frühen Verfilmungen, die die Vorstellung von Frankensteins Monster bei den meisten Menschen prägt. Diese Darstellung ist zu einer weltweiten Folklore geworden.

An die Romanvorlage haben sich diese Filme aber nur sehr oberflächlich gehalten. Etwas Ähnliches ist nun auch mit der Burg Frankenstein und Johann Konrad Dippel geschehen.

Behauptungen, die allein aus kommerziellem Interesse getroffen worden waren, sind zur Folklore geworden, die ihren Ursprung bei einem kleinen Halloween-Scherz Anfang der 1950er hatte, von der PR-Abteilung einer Fluggesellschaft ausgebaut, von Radu Florescu verfeinert und von Walter Scheele in einer Weise vollendet wurde, die so absurd ist, dass rationale Argumente kaum noch Wirkung zeigen. Es stimmt nachdenklich, dass sich an dieser Mythenbildung auch Historiker beteiligt haben.

 

 

Sehenswertes in der Nähe der Burg:

Vom rechten Parkplatz führt ein kurzer Rundwanderweg aufwärts zu den Magnetischen Steinen führt. Glimmer- und Quarzpartikel glitzern hier allenthalben im Gestein. Die Magnetsteine sollen so erzhaltig sein, daß, so wird gesagt, ein Kompaßnadel „verrückt“ spielt.

Der so genannte „Felsenweg“ führt knapp drei Kilometer durch den Odenwald, vorbei an den Magnetsteinen und einer Schutzhütte. Gekreuzt wird er von dem 1,1 Kilometer langen Magnet-Weg und dem Burgenweg, der von Darmstadt-Eberstadt über Heppenheim bis nach Heidelberg führt.

Auf dem Parkplatz vor der Burg Frankenstein steht eine Tafel, auf der die einzelnen Rundwege genau nachgezeichnet sind. Wanderkarten sind aber auch über den Naturpark Bergstraße-Odenwald zu beziehen. Gestartet wird vom Parkplatz gegenüber der Burg. Dort führt ein Weg vorbei an der Felsing-Hütte direkt in den Wald. Nach nur wenigen Metern befindet sich links des Weges ein Barfußlehrpfad.
Kurze Zeit später zeigt sich eine kleine Anhöhe. Der Ilbes-Berg soll nach dem Brocken im Harz der zweitbekannteste Hexenkultplatz in Deutschland sein. Außerdem haben die Amerikaner hier einst eine Funkanlage betrieben. Der Funkverkehr wurde allerdings häufig gestört. Grund dafür: Die nur 50 Meter entfernten Magnetsteine. Sie sind heute geologisches Naturdenkmal. Vor Tausenden von Jahren soll ein Blitzeinschlag das Gestein magnetisch aufgeladen haben.

 

 

 

 

Der Jungbrunnen, der durch den burgeigenen Kräutergarten zu erreichen ist, soll einst eine Kultstätte der Kelten gewesen sein. Der Sage nach mußten hier in der ersten Vollmondnacht nach Walpurgis die alten Weiber aus dem Dorf Mutproben bestehen. Diejenige, die den Gang durch Feuer und Wasser am besten überstand, wurde jung wie in der Hochzeitsnacht.

Zu Füßen der Burg liegt außerdem ein verwunschen-schöner Steinbruch:
Einst soll hier ganz in der Nähe Ritter Georg von Frankenstein mit einem Drachen gekämpft haben. Der Lindwurm hatte die Menschen im Beerbacher Tal in Angst und Schrecken versetzt. Nur mit der Braut des Ritters als Opfer hätte dem Treiben ein Ende gesetzt werden können. Doch Georg besiegte das Ungetüm. Im Todeskampf spritzte der Drache allerdings Gift. So starb nicht nur das Tier, sondern auch der Ritter. Aus Gram über den Tod des Geliebten am Ende auch die Braut. Ein steinerner Lindwurm erinnert heute noch an das Geschehen. Er „wacht“ ganz in der Nähe des Steinbruches direkt über dem Spielplatz „Lindwurmanlage“.

 

 

 

Vom Parkplatz fährt man dann auf der anderen Seite des Bergs hinab. Man kommt nach Nieder-Beerbach. Hier soll eine Vorgängerburg der Burg Frankenstein gestanden haben. Man fährt durch das Dorf und trifft auf einen Brunnen, der den Namen der Gemeinde Mühltal darstellen soll. Dort geht es links ab bis zur die Dorflinde. Hier tagte 1581 bis 1815 das Haingericht. Unter der Linde im Erdreich war das Gefängnis, die sogenannte „Betzenkammer“, die später zugeschüttet wurde. Oben am Hang steht die Kirche mit dem gotischen Torturm, in der  noch Grabmäler der Frankensteiner vorhanden sind. Zurück durch den Ort fährt man in Richtung Ober-Beerbach, biegt aber rechts ab in Richtung Seeheim (Fortsetzung seihe dort).

 

Abstecher von Nieder-Beerbach: Wir laufen die Obergasse von der Linde weiter nach rechts, biegen mit dem gelben Kreuz links ab in die Quergasse und rechts „Am Viehtrieb“ Richtung Ortsteil Frankenhausen. Wieder beginnt es zu steigen, der Name Himmelberg spricht für sich. Die Häuser bleiben zurück, frei schweift der Blick über die hügelig gestaffelte Landschaft bis hin zum Melibokus. Fast auf der Höhe, bei Waldbeginn, ist ein Zeichenwechsel notwendig. Unmittelbar nach der Bank wechseln wir von dem Sträßchen, auf dem wir heraufkamen vom gelben Kreuz zum weißen Doppelring und folgen ihm nach links auf den gesplitteten Waldweg, leicht abwärts in ein  offenes Wiesental. Der Doppelring verbleibt zunächst auf dem Hangweg, nähert sich dem Steinbruch, in dem das Tiefengestein Gabbro gebrochen und verarbeitet wird, schwenkt an den Obstkulturen rechts ein, quert die Parkplätze am Fuße des Steinbruchs und zieht durch das liebliche Tälchen weiter.

Der letzte Wanderabschnitt beginnt in dem kleinen Weiler am Rande des Mühlentals, von dem sich der Verbandsname Mühltal herleitet. Weg vom Doppelkreis, nehmen wir den weißen Punkt auf, kommen zur Straße, queren sie an der Bushaltestelle und setzen drüben rechts aufwärts den Weg fort. Auch im Anstieg bleibt man im Abstand parallel zur Straße. Ist nach einigen Serpentinen der Prömsterweg erreicht, verlassen wir den Punkt, folgen dem Forstweg links hinauf und fädeln uns damit in die Route der gelben Ziffer 3 ein, die uns bis zur Fußgängerbrücke über die B 426 leitet,  wo uns der weiße Strich wieder in Empfang nimmt (Odenwald, Seite 139; Frankfurt I, Seite 193; Wochenende, Seite 30).

 

 

 

 

 

Pfungstadt

Pfungstadt ist eine alte fränkische Siedlung an der Modau. Der alte Ortskern wurde aus Anlaß des Hessentages 1973 auf Hochglanz gebracht. Das in alten Chroniken genannte „Punckstatt” hat sein 1200jähriges Jubiläum schon hinter sich. Schon 785 wurden in einer Urkunde die Mühlen und eine Braustätte erwähnt. Diese Tradition reicht bis in die Gegenwart. Von 14 Mühlen aus der Blütezeit im Mittelalter arbeitet noch eine, vom Gerstensaft war schon die Rede. In der Neumühle- Ursprung 1676 - lassen immer noch einige Pfungstädter das Korn mah­len, das sie von den Bauernhöfen beziehen, die mitten in der Stadt betrieben werden.

Die wechselhafte Entwicklung von Pfungstadt zeichnet sich in seinem Stadtbild ab. Vieles trifft darin hart und übergangslos aufeinander. Der jüngste Umbruch ist noch nicht vollendet, ein paar Gebäude, die es sich gelohnt hätte, zu retten, sind ihm zum Opfer gefallen, andere gerade noch erhalten. So die Kirchmühle mit Unterbau von 1570, die - fast zu perfekt restauriert - in ein originelles Lokal umgewandelt wurde, das Gäste auch von aus­wärts anzieht.

 

Fährt man nach rechts in Richtung Autobahn, so kommt im Industriegebiet auf der linken Seite am Galgen vorbei: Je sechs Schritte voneinander entfernt stehen im Dreieck Säulen aus Bruchstein, die ursprünglich durch Balken miteinander verbunden waren (wie der bekannte „dreischläfrige Galgen“ in Beerfelden), an denen die Gehängten für die auf der Wormser Straße Vorüberziehenden als abschreckendes Beispiel noch einige Tage nach der Hinrichtung baumelten. Das Gebiet um den Galgen ist ältestes Naturschutzgebiet in diesem Raum, eine Flugsanddüne, bedeckt mit einem Steppenrasen, wie er nur nördlich und östlich des Schwarzen Meeres beheimatet ist.

Dies ist die mittelalterliche Richtstätte der ehemaligen Zent Pfungstadt. Zehn Orte gehörten zu einem Zentgericht, Malefiz- oder Halsgericht genannt, vor das Diebstahl, Mord, Räuberei und Ketzerei zur Aburteilung gebracht wurden. Ein vom Volk gewählter Centenarius oder Zentgraf, aus dem sich der spätere Gemeindeschultheiß entwickelte, fällte das Urteil über Leben und Tod des Delinquenten.

 

Im Ort steht rechts das renovierte prächtige alte Rathaus von 1614 mit den ge­schwungenen Schneckengiebeln, vor dem das Zentgericht getagt hat, wie alte Urkunden aussagen. Seine Säulenhalle mit mächti­gen Ständern und schöner Stuckdecke zeigt der Archivar auf Voranmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten von Veranstaltungen oder Ausstellungen. Die Pfarrkirche gegenüber der Mühle hat eine Innenausstattung ganz im Stil der Gründerzeit.

 

Ein paar Fachwerkhäuser sind sehenswert, ein Torbogenan­wesen, das zur Malzfabrik mitten in der Stadt gehört, die alles Übrige überragt. Gnadenlos mitten hinein, wo zwecks Sanierung immer noch allerlei wegrasiert wird, setzte die Stadt ihr glattes neues Stadthaus. Die Modau davor wurde als Parkplatz überdeckt. Sie taucht erst wieder vor dem alten Rathaus ein Stück auf, das sie dann unterfließt. Entlang dem Flußlauf kann man an Anbauten noch an manchem älteren Gebäude erkennen, welches einmal eine Mühle war.

Die Entwicklungen waren hier wechselhaft und kraß. Das Heimatmuseum in der alten „Borngas-Schul” vermittelt davon ein Einblick. Zu Anfang die waldige Urlandschaft, aus welcher der Unterschenkel eines Mammuts geborgen wurde. Dann die Urbanisierung auch durch die Römer, von denen ein verkruste­ter hölzerner Brunnen zurückblieb. Schließlich bis zum 30jähri­gen Krieg die florierende Mühlenzeit.

Aus der Frankensteiner Mühle von 1358 wurde einer der ersten hessischen Industriebetriebe, die Krapp­fabrik (rote Farbe), die später der Bruder des Dichters Georg Büchner in eine Ultramarinfabrik umwandelte.

Das „Herrenhaus“, in dem Wilhelm Büchner wohnte, soll erneuert und dann öffentlich genutzt werden. Er und der Brauereibesitzer Justus Ullrich, beide Gemeinderäte und Reichstagsabgeordnete, führ­ten erste soziale Errungenschaften für ihre Arbeiter ein: Ge­winnbeteiligung, Invalidenversicherung und Ziegenzucht - das zu einer Zeit, in der bei der bodenständigen Zündholzindu­strie von Pfungstadt die Kinderarbeit noch gang und gäbe war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bickenbach

Von Pfungstadt fährt man in Richtung Seeheim-Jugenheim. Gleich hinter der Autobahn geht es rechts nach Bickenbach. Der Ort trägt den Namen nach einem einflußreichen Geschlecht, das hier im 11. Jahrhundert seine Burg erbaute. Unter Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1688-1739) erstand hier wieder ein Schloß, eines der zahlreichen Jagdschlösser, mit denen er seiner ausgeprägten Jagdleidenschaft fröhnte. Die Anlage ist eine der weitläufigsten in Hessen und ist stark verändert noch erhalten. Sie steht dort, wo die Straße nach rechts abknickt und in den Ort hineinführt. Heute ist in dem Schloß das Rathaus untergebracht. (Frankfurt II, Seite 132).

Das älteste Bauwerk Bicken­bachs, das „Kolbsche Haus“ (erbaut im Jahre 1583 ) wurde in den vergangenen Jahren renoviert und beherbergt heu­te das Heimatmuseum, das im Rahmen von Sonderausstel­lungen immer neue Aspekte Bickenbachs bzw. der gesam­ten Region zeigt.

Jagdschloß, Kaiserstein und alte Fachwerkhäuser erinnern an die Geschichte. Die Frei­zeitanlage Erlensee, Spazier­wege, Bücherei, Kegelanlagen und Schießsportanlagen laden heute zur sportlichen Betäti­gung ein. In Bickenbach gibt es auch die Reste einer Turmburg („Motte“), die hier auf einem hoch aufgeschütteten Hügel stand.

Von Bickenbach führen zwei Straßen nach Norden, die aber beide zur Autobahnauffahrt Bensheim-Jugenheim führen. Man fährt unter der Autobahn hindurch nach Pfungstadt.

 

Etwa drei Kilometer westlich von Bickenbach in der Gewann „Schifflache“ zwischen Neuhof und Harterau gab es eine 300 Meter lange hölzerne Sumpfbrücke an der Straße von Gernsheim über Eberstadt nach Dieburg, aus dem Jahre 145 nCh bis etwa 200 nCh

die dann 1967-1976 weitgehend aufgenommen und teilweise ausgegraben wurde. Sie überquert hier an der im weiteren Umkreis engsten Stelle des Sumpfes einen vermoorten Arm des Alt-Neckars und liegt im Zuge der für das 2. Jahrhundert gesicherten römischen Straße von Gernsheim über Darmstadt-Eberstadt nach Dieburg. Die ursprünglich mindestens 300 Meter lange Brücke he konnte auf einer Länge von 225 Metern nachgewiesen werden. Sie bestand aus 4,5 Meter breiten Jochen aus je drei Eichenpfählen von etwa 5 Meter Länge und 25 bis 40 Zentimeter Durchmesser; die Jochabstände betrugen 3 Meter. Einige Pfosten zeigten Spuren der Verzapfungen. Nach der dendrochronologischen Untersuchung ergab sich ein Baubeginn im Jahr 145  nCh (± 5 Jahre). Wie zahlreiche Reparaturen an da Jochen zeigen - ein Pfosten wurde 20 Jahre später erneuert - hatte das Bauwerk längere Zeit Bestand. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts oder etwas später geriet die Brücke in Verfall. Eine horizontale Lage von Hölzern wurde auf die Mooroberfläche aufgebracht und durch Bedeckung mit einer Kiesschicht ein Straßendamm hergestellt. Eine unter dieser Schicht gefundene, zwischen 176 und 180 nCh geschlagene Münze gibt hierfür einen terminus minus post quem. Auf ein noch späteres Datum könnte eine im Randbereich unter der Schüttung gefundene Fibel aus dem 4. oder 5. Jahrhundert weisen, doch muß mit der Möglichkeit einer nachträglichen Verschleifung der Deckschicht gerechnet werden.

Vorgänger dieser Brücke war eine Konstruktion aus etwa 15 Zentimeter starken Eichenpfählen, die ihrerseits Nachfolgerin einer aus Weichholzpfählen errichteten Brücke war.

 

Bei den Grabungen kamen, meist im westlichen Randbereich, zahlreiche Funde zutage, darunter 11 Münzen und 11 Fibeln, unter ihnen eine Fibel mit Trompetenkopf mit engen Parallelen in Britannien. Das Fundmaterial setzt in frühvespasianischer Zeit ein.

Die sehr zahlreiche Keramik dieser frühen Periode entspricht etwa dem durch die Anlage des Kastells Groß-Gerau repräsentierten Horizont und reicht damit in die älteste Zeit der römischen Okkupation dieses Gebietes zurück. Bei diesen Funden handelt es sich sicher nicht um die Hinterlassenschaft einer Ansiedlung der einheimischen Bevölkerung - nur wenige germanische Scherben kamen zutage - und auch die Annahme, daß in dieser ersten Zeit der römischen Besetzung hier Jahre später eine Zivilsiedlung ohne militärischen Schutz entstand, ist wenig wahrscheinlich. Einige Funde, wie ein Dolch- oder Schwertscheidenbeschlag, das Fragment eines Panzerhakens und auch die  häufig in militärischem Zusammenhang begegnenden Lunula-Anhänger und Ziernägel geben Hinweise auf die Existenz eines Militärpostens in unmittelbarer Nachbarschaft, dessen Funktion die Sicherung des Moorübergangs gewesen sein dürfte.

 

 

 

 

 

 

 

Seeheim (nördlicher Ortsteil):

Von Nieder-Beerbach kommend fährt man die Straße nach Seeheim hinunter. Links geht es ab zum Lufthansa-Schulungszentrum. Dort fährt man auf dem Parkplatz so weit hinauf, wie es geht. Nach links geht ein steiler Fußweg hinauf zur Ruine Tannenberg (lauf steinernem Wegweiser 20 Minuten). Eine Brücke führt über den Burggraben, man geht halb um die Burg herum und dann nach rechts hinauf zum Hauptbau der Burg. Das älteste Gebäude ist der Münzenberger Bau, der um 1232 von Ulrich I. von Münzenberg (Wetterau) erbaut wurde. Davor liegt eine Steinkugel, die aber wahrscheinlich aus Worms stammt. Die Burg wurde 1239 als adeliger Wohnsitz erwähnt und im Laufe der Erbteilungen ständig vergrößert. Sie hat einen Brunnen und eine Zisterne. Von ihr hat man einen schönen Blick auf Seeheim und den Melibokus.

Ihren Namen hat sie nicht von üppigen Tannenbeständen auf dem Berg erhalten. Wie meist kommt er von dem Namen eines Geschlechtes. In diesem Fall war es ein Godebold von Tanneberc, der 1254 bei einer drohenden Verpfändung der Anlage  mit seinem Namen bürgte, der Anfang vom Ende der in finanzielle und Erbschwierigkeiten geratenen Burg.

Ungemein liebevoll muß es in den Anfängen der Burg unter den Herren von Hagen, den späteren Münzenbergern, zugegangen sein. Da schwört Konrad I., eine Fahrt ins Heilige Land zu unternehmen, wenn sein Weib Anneels von einer Krankheit gesunde. Er gerät als Sklave eines türkischen Herrn in Gefangenschaft, während Anneels Jahr um Jahr auf die Rückkehr ihres Gemahls wartet. Schließlich nimmt sie ihre Harfe, verkleidet sich als Jüngling und segelt zum Hof des Fürsten. Mit ihren Harfenklängen betört sie den Herrscher und hat dafür jeglichen Wunsch frei.

Als die Burg zum Raubritternest geworden war, wurde es von einem Landfriedensheer 1399 ausgehoben und bis auf den Grund zerstört. Dabei machte eine Frankfurter Büchse von sich reden. Sie wog siebzig Zentner, und man brauchte zwanzig Pferde, um sie fortzubewegen. Sie beinhaltete Steinkugeln von 52 Zentimeter Durchmesser und 170 Kilogramm Gewicht. Mit achtzehn Pfund Pulver je Schuß aufgeladen, brachte sie Festungsmauern zum Wanken. Am 21. Juli 1399 entschied sie das Schicksal der Burg Tannenberg.

Hier hat sich Hartmut von Kronberg, ein Anteiliger der Zwölfer-Besitzergemeinschaft der Burg, mit 62 verwegenen Spießgesellen festgesetzt, aus 340 Meter Höhe die Bergstraße „kontrolliert“, indem Kaufleute, die aus der Schweiz und dem Elsaß gen Frankfurt zur Messe zogen, überfiel, beraubte, einsperrte und Lösegeld forderte.

Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, schlossen sich der Erzbischof von Mainz, der Pfalzgraf und das Landfriedensheer mit Frankfurt, Trier, Worms, Speyer und anderen Freien Reichsstädten zusammen, um das Raubnest auszuheben. Die ersten Angriffe der Belagerer wurden abgeschlagen, zur großen Verwunderung schossen die Burgmannen mit Blei, verteidigten sich also mit einer bis dahin in Deutschland unbekannten Handfeuerwaffe. Doch die Frankfurter Büchse entschied den Kampf. Damit ist die Tannenburg, soweit bekannt, die erste Burg, die durch Schießpulver zerstört wurde.

Aus archäologischem Interesse ließ 1848 Großherzog Ludwig III. die Burg ausgraben und fand in seinem „Pompeji der Bergstraße“ einen Raum, der vollständig mit Beute aus Raubüberfällen angefüllt war, darunter eine Handfeuerbüchse aus Bronze, die älteste in Deutschland (heute im Museum in Nürnberg).

Der Rückweg führt zunächst auf der anderen Seite ein Stück den Berg hinunter. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine führt in einem großen Bogen nach Osten (Odenwald, Seite 52; Wochenende, Seite 11). Mit dem weißen Doppelstrich geht eslinks abwärts, an der Sophienhütte vorbei bis zum Zusammentreff mit dem gelben F. Wer sich laben möchte, kann von dieser Stelle der Ausschilderung folgend einen Pfad zur Friedensquelle hinuntersteigen. In bisheriger Wanderrichtung geht es weiter bis zur nächsten Kreuzung im Buchenhochwald, „Märchenteich 2 km“ heißt es da und Brunnenweg, markiert mit den örtlichen Ziffern 17 und 18. Märchenteich, eine Überraschung mitten im Wald. Eigentlich sind es zwei idyllische Teiche, im unteren eine kleine baumbestandene Insel. Vom linken Ufer laufen wir mit dem roten S abwärts zur Straße Seeheim-Oberbeerbach, nach links entlang bis Abzweigung Schulungszentrum Lufthansa.

Die andere Möglichkeit führt westlich um den Berg herum. An einer Weggabelung geht es nach links zum Alexandertempel. Man geht aber rechts weiter zum Schulungszentrum. Dieser Westhang des Tannenberges einschließlich des Lufthansageländes war Teil des riesigen Goldschmidt-Parks, der die gleichnamige Ville umgab (Erstbau 1870), die heute ein Restaurant mit Aussichtsterrasse ist. Den Namen erhielten Park und Villa nach Dr. Karl Goldschmidt, dem vierten und letzten privaten Eigentümer. Er erwarb der beides im Jahr 1913 und ließ sie geradezu fürstlich erweitern und ausgestalten. Heute ist der Besitz in städtischer Seeheimer Hand.

Man fährt wieder hinunter und nun weiter in Richtung Seeheim. Links liegt die kleine Elsbacher Mühle, an der kurioserweise das Wasser aufwärts fließt. Dann fährt man weiter in die Stadt.

Nach Norden geht die Schloßstraße ab. Hier liegt das Schloß Seeheim. Bereits 1791 wurde ein Haus mit Park angelegt, das im 19. Jahrhundert von den Großherzögen von Hessen- Darmstadt umgestaltet wurde. Nach verschiedenen Nutzungen im 20. Jahrhundert wird das Schloß seit 2002 von einem Investor saniert und die Gartenanlage teilweise rekonstruiert.

Dann geht es direkt auf das Alte Rathaus zu. Es ist von 1599 und hat ein Uhrtürmchen, davor steht der Floriansbrunnen. Hier hat  das Heimatmuseum seinen Standort, in dem auch das Modell der Burg Tannenberg zu sehen ist. Das Pfarrhaus, in dem Tilly übernachtete, ist aus dem Jahre 1592.

 

 

Man fährt bis zur Alten Bergstraße und biegt links ab auf die Straßenbahnschienen. Nach links geht es zum Neuen Rathaus, und zu der dahinter liegenden  Laurentius­kirche. Man biegt aber recht­­­zeitig nach rechts ab und dann nach links wieder auf die Bergstraße Richtung Alsbach-Hähnlein.

 

Im Wanderbuch „Odenwald“ ist der Weg andersherum von Jugenheim über die Ruine Tannenberg in Richtung Oberbeerbach beschrieben. Doch der Einstieg in Jugenheim an der Haltestelle Ludwigstraße ist etwas sehr weit entfernt (Markierung weißes F, von der Alten Bergstraße zur Hauptstraße, am Gasthaus Krone links kurz weißes R, am „Tannenberg“ roten Rhombus. Man klettert dies Sträßchen steil hinauf, den letzten Abschnitt vor dem Wald über Treppenstufen. Nach links wird an der nächsten Gabelung noch einmal ein Zeichenwechsel vorgenommen, jetzt ist es der weiße Doppelstrich, der rechts aufwärts weist). Besser ist schon die andere Möglichkeit (Ziffer 9, durch die Ludwigstraße, am Kreiskrankenhaus vorbei und links in die Hauptstraße. Ab der Seeheimer Straße nimmt die rote Raute den gleichen Verlauf wie die 9. Nach rechts, über ein steiles Pfädchen, gelangt man auf den Dom- oder Herrenweg, geht nach links weiter, vor dem Umsetzer links und wieder rechts steigend auf dem Pfad, wird voraus der große Alexandertempel sichtbar, auf dem Burgweg  zur Ruine Tannenberg).

 

Anmerkung zu den Ziffern für die Wanderwege: Als Grundregel sei angemerkt, daß gelbe arabische Ziffern, gelb umringt als Rundwanderwege von entsprechenden Parkplätzen aus gehen, während weiße arabische Ziffern, weiß umrandet von Ortschaften kommen und dort wieder hinführen.

 

 

 

 

 

 

Jugenheim (Süd: Heiligenberg)

Wenn man von der Autobahn kommt fährt man geradeaus über die Bergstraße in Richtung Balkhausen. Man biegt aber noch nicht am Wegweiser „Schloß Heiligenberg“ ab, sondern erst eine Straße weiter oben an der Gaststätte „Zur Krone“ nach links. Man kommt zu einem fein herausgeputzten Fachwerkhaus auf der rechten Seite. Es ist das alte Rathaus mit einem Brunnen davor. Links steht die ehemalige Kellerei der Grafen von Erbach mit einem tiefen Keller, seit 1852 Forstamt.

Rechts vom Rathaus geht es durch ein Eisentor mit der Inschrift „Schloß Heiligenberg“ in einen Park. Dort geht es links weiter an der „Bergkirche“ vorbei, der evangelischen Pfarrkirche Jugenheims. Oberhalb der Kirche geht man den gut ausgebauten Weg halblinks hinauf zum Schloß Heiligenberg.

(Der Weg nach links führt zunächst leicht abwärts ins Stettbachtal, dann wieder aufwärts und dann hinunter zum Brandhof, der aber nur ein modernes Hotel ist. Mit der weißen 5 im Kreis geht es im großen Rechtsbogen am Waldrand entlang. An der Wegekreuzung, vor der markanten Kaiserbuche, geht es weiter mit der weißen 4. Nach dem Rechtsknick am Talhof ist man bereits im Balkhäuser Tal kommt. Man bleibt auf dem breiten Hangweg - nicht der Spitzkehre der gelben 4 nachgehen! - auch wenn die weiße 4 seltener auftritt, und gelangt direkt aufs Schloßgelände des Heiligenbergs, Odenwald Seite 14).

 

Die Anlage „Schloß Heiligenberg“ wurde ursprünglich 1814 als Landgut vom hessischen Hofkammerrat A. K. Hofmann  erstellt. Wer an einem sonnigen Tag die herrliche Anlage um das Schloss bei Seeheim-Jugenheim besucht, wird an Italien oder Südfrankreich erinnert. Das schlichte weiße Gebäude mit den grünen Klappläden und den beiden Vierecktürmen entstand 1831; es war das Lieblingsschloss von Wilhelmine, Prinzessin aus dem Hause Hessen-Darmstadt. Nachdem sie es dem Hofkammerrat August Conrad Hofmann 1827 abgekauft hatte, ließ sie das Schloss 1830 im klassizistischen Stil von dem Darmstädter Oberbaudirektor Georg Moller umbauen. Eine vierflügelige Anlage mit Innenhof entstand, die Proportionen blieben aber eher bescheiden.
Nach dem frühen Tod der Großherzogin im Jahr 1836 ging das Schloß an ihre jüngsten Kinder über. Die Anlage erhielt nach mehreren Um- und Anbauten ihre jetzige repräsentative, nachklassizistische Vierflügelform zwischen 1863 und 1877. Sie gehört heute dem Land Hessen und wird als Lehrerfortbildungsstätte genutzt. Von der Bank über dem Springbrunnen hat man einen schönen Blick auf die Rheinebene.
Das Schloss beherbergte bald berühmte Gäste: Wilhelmines Tochter Marie heiratete den späteren russischen Zar Alexander II, und im Sommer kam das Paar häufig zu Besuch. Hausherr wurde nach Wilhelmines Tod ihr Sohn Prinz Alexander von Hessen, der die bürgerliche Julie von Hauke heiratete. Für die Zarenfamilie stattete die Main-Neckar-Eisenbahngesellschaft den Bickenbacher Bahnhof mit einer Empfangshalle aus, die nur von hohen Gästen betreten werden durfte.
Das Hofgefolge brachte viel Geld nach Jugenheim, und prächtige Villen entstanden. Doch die Angst vor Attentaten wuchs, und die Polizei versetzte den kleinen Ort immer häufiger in eine Art Belagerungszustand. 1881 wurde Zar Alexander II in Petersburg ermordet. Marie war bereits ein Jahr zuvor, von ihrem Gatten betrogen und vereinsamt, gestorben. Ihr Bruder starb 1888, dessen Frau Julie 1895. Sie wurden in einem kleinen Mausoleum an der Spitze des Heiligenbergs beigesetzt.

 

Vom Schloß geht man wieder etwas nach unten und an dem Teich links nach oben mit dem Zeichen „B“ für „Burgenweg“. Bald ist man an der künstlichen Kirchenruine, die die Großherzogin Wilhelmine auf  den Fundamenten  Einst befand sich hier ein Klarissenkloster, das jedoch schon 1413 aufgelöst wurde und von dem nichts erhalten ist.
der alten Klosterkirche eines um 1230 hier gegründeten Nonnenklosters erbauen ließ.

Dahinter beginnt ein umzäunter Garten, dessen Tor verschlossen ist. Man sieht aber die uralte Zentgerichtslinde,  die durch Eisenstützen zusammengehalten wird. Sie wurde schon 1447 genannt und ist der letzte Vertreter des über Jahrhunderte hier ansässigen Haingerichts ist. Diese schmale Bergzunge ist historisch gesehen der älteste Teil des Heiligenbergs.

Dahinter steht das Mausoleum des 1888 verstorbenen Sohnes der Großherzogin Wilhelmine, des Prinzen Alexander von Hessen. Prinz Alexander begründete die Linie Battenberg-Mountbatten, zusammen mit Julie von Haucke, Hofdame seiner Schwester, aufgeadelte Prinzessin von Battenberg. Westlich des Mausoleums steht ein weit in die Rheinebene leuchtendes vergoldetes Kreuz. Das ließen die Kinder der Großherzogin im Jahre 1866 zum Gedächtnis der 1866 verstorbenen Fürstin errichteten. Neben der Grabstätte steht ein goldenes Kreuz zum Andenken an Wilhelmine.

Wenn man weiter um den Zaun herum geht, kommt man zu einer großen Wiese. Von dieser Stelle streift der Blick auf Taunus, Hunsrück, Donnersberg, den Wormser Dom und die Katharinenkirche von Oppenheim.

 

 

Der Abstieg erfolgt entweder auf dem gleichen Weg wie beim Aufstieg oder die Teerstraße hinunter (eine Schranke verwehrt dem Unberechtigten die Auffahrt zum Schloß) zur Kirche und durch die Louis-Mountbatten-Straße zum alten Rathaus (Odenwald, Seite 14; Frankfurt II, Seite 132).

Wenn man die Straße am Rathaus weiter fährt kommt man ins Stettbacher Tal. Es führt hinauf nach Ober-Beerbach. Dort fährt man weiter nach Schmal-Beerbach  Dort nicht nach rechts nach Staffel und Balkhausen, sondern erst einmal links und dann nach rechts nach Beedenkirchen und weiter nach Reichenbach und Bensheim-Schönberg.

 

 

 

 

 

Alsbach-Hähnlein

Ausrichtung Seeheim-Jugenheim kommt man zum Bürgerhaus und zum Gasthaus „Zur Sonne“, an deren Ostseite sich eine Gedenkstätte für die jüdischen Einwohner befindet.

Rechts geht es ab in den Weilerweg und von diesem links ab in die Straße „Am Hinkelstein“.

Unmittelbar westlich neben dem Sportplatz steht ein Menhir, der auch auch Hünen- oder Hühnerstein genannt wurde und im Volksmund zum „Hinkelstein“ wurde. Er ist eines der ältesten Kulturdenkmäler des Landkreises Darmstadt-Dieburg

Peter Keller schreibt am 21.12.2015 im „Darmstädter Echo“:Vor nicht allzulanger Zeit fand der viertausend Jahre alte Menhir seinen Weg zurück ins kollektive Gedächtnis. Seither dient der 67 Zentner schwere Kaventsmann als Namensgeber für alle Arten von Neubauten: Schule am Hinkelstein! Straßenbahn-Endhaltestelle am Hinkelstein! Und ganz aktuell: Hinkelsteinhalle!

Der Begriff Menhir leitet sich ursprünglich aus dem bretonischen ab: „Maen hir“ bedeutet dabei „langer Stein“. In Thüringen wurden die Findlinge zum „Hünenstein“. Mit Hünen waren vorzeitliche Riesen gemeint, denen zugetraut wurde, die schweren Kolosse transportieren zu können. Aus „Hünenstein“ wurde jedoch mit der Zeit „Hühnerstein“. Und weil Hühner im Volksmund auch „Hinkel“genannt werden, war es zu „Hinkelstein“ nicht mehr weit. Der Name beruht also dem Grunde nach auf einem Missverständnis.

Der Monolith aus der jüngeren Steinzeit (2000 vor Christus) ist drei Meter lang ragt er jetzt noch 1,56 Meter aus dem Boden, ist 1,03 Meter breit und 47 Zentimeter dick. Er besteht aus Malachit, einem seltenen plutonischen Ganggestein, das durch Vulkanismus entstand.

Dabei wäre das Kulturdenkmal im 19. Jahrhundert in der Versenkung verschwunden. Denn 1812 ließ der Darmstädter Hofkammerrat August Konrad von Hofmann unter dem Stein graben. Dabei wurde zwar nichts zutage befördert. Allerdings war der Untergrund danach so instabil, dass der Hinkelstein umfiel und kurzerhand eingegraben wurde.

Zum Glück notierte der Besitzer des Ackers, Landwirt Adam Dörr, genau die Stelle, wo „der Stein, den man nennet Hinkelstein“ versenkt wurde. Mit diesen Angaben konnte der Historische Verein für Hessen im Jahr 1866 den Menhir an der alten Stelle wieder aufstellen. Im Jahr  1887 wurde eine Inschrift feierlich enthüllt. Allerdings steht er nicht mehr ganz genau, auf der altenStelle, aber ziemlich genau.

 

 

Spezialist für den Hinkelstein ist Peter Lähn, Am Hinkelstein 6, ein Lehrer. Er  hat sich die Mühe gemacht, betriebswirtschaftliche Berechnungen anzustellen. es geht davon  aus, daß der Stein erst im Steinbruch gebrochen werden mußte. Er stammt aus dem Luftlinie rund zwei Kilometer entfernten Steinbruch am Luciberg zwischen Zwingeberg und Melibokus. Dort mußten erst Löcher gebohrt werden, um den Stein abzusprengen. Etwa fünf Leute waren nötig, um den rund 3,5 Ton­nen schweren Stein fortzubewegen (Gewicht aufgeteilt auf fünf Personen). Dazu legte man ihn auf Holzschienen und hebelte ihn jeweils etwa zehn Zentimeter weiter (mit einfachem Hebel oder Doppelhebel in der Übersetzung 1 : 10). Die Schienen waren notwendig, weil sonst sowohl Stein als auch Hebel im Sand versunken wären.

In der damaligen Jungsteinzeit rechnet man mit nur fünf Familien im Bereich zwischen Eberstadt und Zwingenberg. Diese hatten natürlich ihre übliche Arbeit und konnten nur zeitweise an dem Stein arbeiten Fünf Erwachsene dürften demnach neun Monate für die Hinkelstein-Lieferung gebraucht haben. Das war sicher eine Knochenarbeit. Und schließlich mußte der Stein auch noch exakt aufgerichtet werden. Lähn schätzt die Kosten für den Hinkelstein ab, wenn an die Arbeitsstunden im Haushalt einer Gemeine mit den Kosten für einen Außendienstarbeiter einplnan  würde. Er komnt auf 5 Millionen Euro.

 

Die Frage erhebt sich natürlich: Warum tut man so etwas, wenn es nicht von existenzieller Bedeutung ist?  Darauf gibt es eine einfache Antwort: Der Menhir ist nicht eine Grenzmarkierung wie die anderen „Hinkelsteine“, sondern er ist ein Kalenderstein wie die Anlage auf dem Glauberg in der Wetterau oder in Stonehenge in England.

Mit Hilfe dieses Steins konnte man die Wintersonnenwende exakt bestimmen und hatte damit einen gewaltigen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber den Nachbarn, denn mit diesem Wissen konnte man das Futter für die Tiere viel genauer bis zum Frühjahr einteilen und waren nicht mehr nur auf das Wetter abgewiesen.

Wer zu Sonnenaufgang über die Spitze des Brockens auf die Bergstraße peilt, stellt fest, dass sich am Tag der Wintersonnenwende (21. Dezember) der Menhir in Deckung mit dem Melibokus befindet. Zur Tag- und Nachtgleiche (23. März und 21. September) geht die Sonne über dem Dars­berg auf. Bei der Sommersonnenwende (21. Juni) geht sie über der Alexanderhöhe auf. Doch dazu mußte zum Beispiel am 21. Dezember um 9.40 Uhr die Sonne scheinen, damit man sie über dem Hang des Odenwalds aufgehen sah.

 

 

Durch den täglich wandernden Schatten des Hinkelsteins konnte man dann bei Sonnenaufgang den Abstand bis zum Frühling bestimmen. Dazu war allerdingdie Hügelkette der Bergstraß notwendig. Wissenschaftlich durchgeführte Nachmessungen haben das bestätigt. Der Kalender soll bis in die Römerzeit genutzt worden sein.

So wurde es auch ab 1978 auf einer Panoramatafel beschrieben, die die Silhouette der Odenwaldhöhen zeigte. Im Jahre 2004 wurde sie abgebaut, weil sie immer wieder beschädigt und beschmiert wurde. In der Folge verschwanden auch die den Stein umgebenden Hecken, um Vandalismus vorzubeugen. Derzeit stehen zwei Bänke vor der kleinen Anlage, von denen aus der Blick über den Kalenderstein auf die Bergstraße schweifen kann.

Der Alsbacher Hinkelstein war also kein Teil eines Megalithgrabes und auch keine Kultstelle zur Götterverehrung. Er diente allein der Bestimmung des jahreszeitlichen Natural­laufs, ist aber deshalb ein umso bedeutenderes Kulturdenkmal.

 

 

Die nahegelegene Hinkelsteinschule könnte über den Stein auf ihrer Webseite informieren und ihn auch einmal zum Gegenstand einer Projektwoche machen, mit Ausflug zum Steinbruch, Messung und Berechnng des Gewichts, Fotografien, Zeichnungen zum Sonnenstand, geschchtliche Dokumente, usw.

 

Wieder zurück auf der alten Bergstraße fährt man nach Süden.Wenn man links abbiegt in Richtung Alsbacher Schloß, kommt man zunächst zur Kirche. Sie ist 1604 entstanden und hat an den Emporen bäuerliche Malereien von 1628.

 

Wieder zurück auf der alten Bergstraße fähr tman jetzt geradeaus in Richtung Hähnlein und danneinmal rechts auf die neue Bergstraße. Gleich links liegt der jüdische Friedhof. Man fährt an ihm vorbei und dann nach links in die Straße „In der Pfarrtanne“. Am Aldi oder Lidl kann man parken. Zwischen den Wohnblocks hindurch geht es zum heutigen Eingang des jüdischen Friedhofs.

In Hessen gibt es etwa 350 jüdische Friedhöfe. Etwa 60 davon haben Steine aus der Zeit vor 1800. Alle Friedhöfe wurden 1938 beschädigt, die Steine zum Teil umgetreten, zum Teil aber auch zerschlagen und abgeräumt. Etwa 50 dieser Friedhöfe sind Sammelfriedhöfe. Dazu gehören Altengronau (der schönste jüdische Friedhof in Hessen), Birstein, Eckartrod, Großen Linden, Groß Gerau, Dieburg, Michelstadt und Offenbach-Bieber. Auch zwischen Burghaun und Eschwege findet sich eine große Zahl solcher Sammelfriedhöfe. Diese reichen bis ins späte Mittelalter zurück. Sonst gibt es große Friedhöfe vor allem in den Städten wie Worms, Mainz, Frankfurt und Hanau.

Der Sammelfriedhof für den Raum südlich von Darmstadt war Alsbach. Er ist der größte Landfriedhof in Hessen und hat 2.128 Steine. Die Texte sind alle abgeschrieben und übersetzt worden und in einem Buch von Dr. Heinemann und Frau Wiese dokumentiert worden. Der Friedhof wurde 1616 gegründet, wie aus dem Gerichtsbuch von Alsbach hervorgeht. Zwei Jahre vorher waren die Juden aus Worms vertrieben worden. Der älteste erhaltene Stein ist von 1682.

Es gibt etwa 20 bis 30 Familien, deren Angehörige 350 Jahre hier beerdigt wurden und deren Grabsteine erhalten sind. Es sind bis zu 50 Angehörige aus einer Familie, deren Steine auf diesem Friedhof zu finden sind.

Hier wurden Juden bestattet aus dem Raum zwischen Pfungstadt und Heppenheim und vom Rhein bis zur Bergstraße. Es bestand eine Friedhofsgemeinschaft zwischen 14 jüdischen Gemeinden in 32 Orten. Im Umkreis von etwa 25 Kilometern hat sich keine jüdische Gemeinde einen eigenen Friedhof zugelegt, der Friedhofsverband hat also funktioniert. Die größte Gemeinde, die in Alsbach beerdigt, ist Pfungstadt.

Die Akten dieses Verbandes sind allerdings nicht erhalten, aber vieles läßt sich aus anderen Quellen erschließen: Die Mauer wurde 1743 errichtet, der Vertrag ist noch erhalten und auch der Grabstein des beim Bau Verantwortlichen. Im 18. Jahrhundert gab es drei Erweiterungen und auch Mitte des 19. Jahrhunderts noch einmal drei Erweiterungen. Ein Personenstandsregister gibt es seit 1876 und ein Beerdigungsbuch ab 1889, von dem noch eine Abschrift erhalten ist. Eine Friedhofsordnung mit Verweisen auf ältere Vorschriften gibt es seit dem Jahre 1881.

Es gab eine Beerdigungsbruderschaft, von der noch vier Pokale erhalten sind. Drei davon stehen im jüdischen Museum in Berlin. Der schönste (Silber-) Pokal wurde für 60.000 Dollar von einer Privatperson in Israel gekauft. Auf diesem Pokal stehen 60 Namen von Mitgliedern der Bruderschaft, von denen zwei Drittel auf den Inschriften der Grabsteine wiederzufinden sind. Der Mann mit der Krone ist der Stifter des Pokals, zu dem auch noch ein komplettes Tafelgeschirr gehörte.

Es gab damals wahrscheinlich drei Beerdigungsbruderschaften in Alsbach, Heppenheim und Lorsch (die beiden letzten Orte gehörten zu Kurmainz). Es gab Festmahle, bei denen man aus dem Pokal trank. Diese Vereine hatten aber auch noch andere soziale Aufgaben. Sie wurden vor allem von den wohlhabenderen Gemeindegliedern gebildet. Es mußte zwar jeder an den Beerdigungsverband einen Beitrag zahlen (man war fast Zwangsmitglied), aber dafür wurde auch die Beerdigung besorgt und er Stein besetzt.

Der Friedhof ist der orthodoxen Richtung des Judentums zuzurechnen. Im 19. Jahrhundert gibt es zum Beispiel keine barocken Formen der Grabsteine mehr. Die Inschriften sind zunächst nur auf Hebräisch verfaßt. Ab 1850 tragen einzelne Steine auf der Rückseite deutsche Inschriften. Während dabei der hebräische Name zum Beispiel „Mordechai, Sohn des Isaaks“ lautet, ist bei der deutschen Inschrift der bürgerliche Name „Max Bendheim“ angegeben (Man muß dabei beachten, daß sich die deutsche Inschrift auf der Seite der Grablege befindet, die eigentliche - hebräische - Inschrift aber auf der Außenseite des Grabes. Dadurch wurde verhindert, daß man über die Grabstellen läuft).

Auf liberalen Friedhöfen paßte man sich mehr den Sitten der übrigen Bevölkerung an: Die Gräber wurden mit Steinen oder Eisenzäunen eingefaßt, es gab mehr deutsche Inschriften und notfalls errichtete man eine Mauer zwischen dem orthodoxen und dem liberalen Teil des Friedhofs. Davon ist in Alsbach nichts zu spüren. Hier hat man die hebräische Schrift an den Außenseiten der Grabsteine durchgehalten.

Es handelt sich um einen Friedhof für die Landbevölkerung. Das sieht man schon daran, daß die Steine nicht so prunkvoll gestaltet sind wie etwa das Rothschild-Grab in Frankfurt. Es finden sich (anders als in Hanau) kaum sogenannte „Hauszeichen“ (außer den Händen für die Priester und der Wasserkanne für die Leviten).

Man sieht es aber auch an der Art der Leute, die hier beerdigt wurden: Es gibt nur das Grab eines berühmten Rabbiners und noch einige andere bedeutende Leute. Aber es gibt Gräber der Vorfahren berühmter Leute, die ausgewandert waren und anderswo Erfolg hatten: Die Familie Oppenheimer kam aus Reichenbach im Odenwald und die Familie Hochschild (die Blei in Bolivien gefördert hat) aus Biblis. Die Großeltern der aus Mainz stammenden Dichterin Anna Seghers kamen aus Auerbach (und vorher aus Alzheim in Rheinhessen). Die Familie Guggenheim stammt aus der Schweiz, aber ein Mitglied ist auch in Alsbach beerdigt mit dem    Vermerk, daß er aus der Schweiz stamme.

Im Jahre 1938 wurde der Friedhof geschändet. Dabei waren Hunderte von Leuten zugegen. Ganze Schulklassen mit ihren Lehrern traten hier an, um 600 Steine umzuwerfen. Nach dem Krieg haben die Amerikaner die Steine wieder aufrichten lassen. Allerdings wurden einige Steine so in Beton eingegossen, daß man ausgerechnet die Jahreszahl des Todes nicht mehr sehen kann. Es kam auch nach dem Krieg immer wieder zu Schändungen, zuletzt im Juni 2004 (Hakenkreuze). Auf dem neueren Teil des Friedhofs wurden im Jahre 2000 Steine wieder aufgestellt. Allerdings hat man nicht in jedem Fall auf die richtige Ausrichtung geachtet.

 

Die Gesamtüberwachung für die jüdischen Friedhöfe hat der Landesverband der jüdischen Gemeinden, der für jeden Friedhof einen Beauftragten ernennt. Die Pflege übernimmt die bürgerliche Gemeinde, die Kosten dafür trägt je zur Hälfte das Land und der Bund. Bei größeren Arbeiten gibt es einen Zuschuß vom Regierungspräsidenten.

 

 

Der heutige Eingang wurde 1850 geschaffen und nach altem Vorbild 1950 wieder errichtet. Dabei wurde der Schuppen für den Leichenwagen beseitigt. An der Außenseite der Mauer etwa 25 Meter in östlicher Richtung befindet sich ein Trittstein (nicht sehr groß, mit Efeu zugewachsen). Er diente den Angehörigen der Kohanim“. Diese führen sich auf die Priester der Antike zurück, hatten aber keine priesterliche oder sonstige religiöse Funktion mehr. Die Gräber sind kenntlich an den zwei Händen, die oft gespreizt sind und wahrscheinlich segnende Hände darstellen (nur bei erwachsenen Männern). Diese Gruppe bestand oft aus ganz strengen Juden, die nicht auf den Friedhof gehen durften, weil sie sich dann verunreinigt hätten. Deshalb hat man draußen diese Trittsteine angebracht, damit sie von dort aus besser auf den Friedhof sehen konnten. Deshalb befinden sich diese Gräber vor allem am Rand des Friedhofs.

Der Plan des Friedhofs enthält mit den Buchstaben A, B und C eine ältere Aufteilung und mit den Ziffern 1 bis 9 die Aufteilung von 1890. Seit damals wurde auf allen Feldern des Friedhofs beerdigt.

Wenn man durch das Tor geht, kommt man auf den neueren Teil des Friedhofs. Zunächst befinden sich dort die Plätze der „Kohanim“, vor allem auf  Grabfeld 5 auf der rechten Seite. Dahinter liegen dann die Gräber im Grabfeld 6. Hier liegen Verheiratete ab dem Jahre 1867: Jetzt wurden auch Mann und Frau zusammen beerdigt, während es vorher streng der Reihe nach ging.

Vor allem auf der linken Seite bestehen die Grabsteine nicht mehr aus einem Monolith (einem einzigen Stein), sondern aus drei Teilen: Sockel, Stein und Abdeckung. Ab 1880 findet sich auch Basalt und Marmor als Material. Hier findet man auch ein Beispiel, dafür, daß man auf verwitterten Grabsteinen eine neue Grabplatte angebracht hat (Ehepaar Hahn). Ansonsten hat man auch Grabsteine ganz erneuert (und dann mit der Grabnummer des Plans von 1890 versehen).

Man geht dann weiter nach links zum Grabfeld 4. Dies ist der jüngste Teil des alten Friedhofs von 1830 bis 1865 und Kinder von 1800 bis 1860. Hier befindet sich eine große Freifläche, die dadurch entstand, daß man hier die alte Mauer abriß, als man 1860 einen neuen Teil des Friedhofs dazukaufte. Außerdem befinden sich hier Kindergräber, aber nicht jedes Kind erhielt einen Stein (Es starben ebenso viele Kinder wie Erwachsene). Hier befinden sich an der Außenseite auch Gräber für Durchreisende und Kriminelle.

Es folgt mit Grabfeld 3 der neue Teil des alten Friedhofs von 1800 bis 1850 (die gestrichelte Linie gibt die Grenze seit 1810 an). Ein großer Grabstein ist von Salomon Marx, New York. Er wurde von einem nach Amerika ausgewanderten Sohn errichtet und mußte deshalb geduldet werden, auch wenn er aus der sonst strengen Ordnung des Friedhofs herausfällt. Im 19. Jahrhundert sind viele Juden aus Deutschland ausgewandert. Akten darüber gibt es kaum, aber solche Grabsteine zeugen von der Auswanderung. Der hohe rote Grabstein mit einer ausführlichen deutschen Inschrift gehört zu einem Vorsteher des Friedhofsverbandes, nämlich Anschel Bendheim aus Auerbach. Die hebräische Inschrift ist dabei blumiger als die deutsche („gefallen ist die Krone Auerbachs“)

Im Bereich C sind wieder Gräber des Priesterstammes von 1733 bis 1869. Das Grabfeld 2 ist das alte Feld bis 1810 mit einer großen Freifläche (vielleicht für Kindergräber). In diesem Bereich stehen viele Bäume. Ursprünglich war der Friedhof aber eine Freifläche und trug keine Büsche und Bäume, höchstens einmal einen einzelnen Baum.

 

 

Der älteste Grabstein steht unter den Eichen in der Nordost-Ecke. Der einzeln stehende Stein ist der Stein des Rabbi Gernsheimer. In der Nähe ist ein Nachfahre beerdigt, der aus Darmstadt stammte, aber weil er sich dort Feinden ausgesetzt sah, in Alsbach beerdigt wurde. Rechts davon stehen die Steine einer Gruppe von Männern, deren Frauen westlich unter einer Eiche beerdigt sind. Weiter östlich steht eine kleine Gruppe von kleinen Steinen mit barocken Formen des 18. Jahrhunderts.

And er östlichen Mauer befindet sich eine Gedenktafel von 1988 an der Stelle, wo das alte Torhaus gestanden hat. Es wurde im Jahr 1850 aufgestockt und dort ein Betraum geschaffen. Aus diesem Grund hat man wohl dieses kleine Gebäude im Jahre 1938 gesprengt. Dabei bediente man sich der Mithilfe von Steinbrucharbeitern. Die Haupttäter wurden nach dem Krieg bestraft wegen Vergehens gegen das Sprengmittelgesetz (nicht wegen Schändung des Friedhofs). Heute sind nur noch einige Fundamente des Torhauses zu sehen. Rechts von diesem alten Tor sind in Grabfeld 1 Kindergräber von 1857 bis 1890.

Auf der Anhöhe an der Südseite des Friedhofs (Feld A) stehen die ältesten Steine vom Ende des 17. Jahrhunderts bis 1730, mit Rosetten und anderen Schmuckformen: Hier sind begraben der Vorsteher der Landjudenschaft und der Mann, der sich um die Mauer um den Friedhof verdient gemacht hat. An der Mauer liegen die Wöchnerinnen von 1750 bis 1886 (Feld B). Westlich von dieser Stelle steht ein breiter Stein mit Aufsätzen links und rechts: Hier ruht ein Ehepaar aus Worms, das einem Raubmord zum Opfer fiel, der in allen Einzelheiten geschildert wird.

Wenn man weiter nach Westen geht, kommt man zu einer Reihe, wo die die Familie Bodenheimer aus Biblis es geschafft hat, diese Reihe für sich allein zu reservieren (sie ist wirklich eine Familie, während der häufig vertretene Name „Bendheim“ verschiedenen Familien zuzuordnen ist).

Dann kommt man wieder zum Hauptweg mit den Ledigen ab 1865 (Feld 8). Die Kinder ab 1873 liegen  im Südwesten (Feld 9) erkennbar an den kleineren Steinen (Die kleinen Steine zwischen den großen Steinen in Feld 8 dagegen sind Markierungssteine für die Grabfelder). Dort ist auch eine Fläche für Ostjuden, die nach dem Krieg in einem Lager für „Displaced Persons“ starben und mit ganz anderen Riten beerdigt wurden als die Einheimischen (die Bräuche sind also im Judentum nicht einheitlich). Und schließlich befindet sich hier noch ein schmales Feld für die Wöchnerinnen ab 1881 (Feld 7), die ja auch als unrein galten und deshalb ein eigenes Feld erhielten.

Wenn man den Hauptweg wieder in Richtung Tor geht und am letzten Querweg links abbiegt, kommt man zu den letzten Beerdigungen. Hier stehen auch echte Doppelgrabsteine (vor 1880  gab es nur Doppelgräber, wenn verwandte innerhalb eines Jahres gestorben waren und deshalb der Stein noch nicht gesetzt war). Es sind auch zwei Soldatengräber aus dem 1. Weltkrieg zu sehen  (mit Pickelhaube). Zwei Steine liegen auf der anderen Seite des Weges auf dem Boden. Das sind Bestattungen nach 1938, bei denen man die Steine nur noch liegend verwenden konnte. Die letzte Frau wurde 1941 beerdigt ohne Stein neben ihrem Mann.

Westlich ist noch eine Fläche bis an die Eisenbahn frei. Die Regel, daß jüdische Friedhöfe nicht wieder belegt werden dürfen, ließ sich in Alsbach durchhalten, weil dort Platz war. Die Fläche umfaßt 22.000 Quadratmeter. Der Ort ist etwa einen Kilometer entfernt.

Auf dem Rückweg sieht man noch auf der anderen Seite des Hauptwegs in der zweiten Reihe einen Stein mit einem Vorhang als besondere Schmuckform. Die häufig verwendeten Fortsätze auf den Steinen sind nur eine Schmuckform und haben keine besondere Bedeutung.

 

Zwingenberg

Man fährt von Norden in den Ort und biegt nach rechts Richtung Altstadtparkplatz in die „Wiesenpromenade“ ein. Dort kann man auf der linken Seite parken. Entlang dem Bahndamm kommt man in die Scheuergasse und durch diese zum Löwenplatz vor dem Gasthaus „Zum Löwen“. Nach rechts kommt man zum „Schlößchen“, früher Sitz eines Burgmannen, dem heutigen Rathaus. Von dort läuft man außen and er Stadtmauer entlang und wieder nach links zum Marktplatz mit dem Amtsgericht und den Schulen.

Der Platz wird überragt von der Bergkirche von 1258. Die hochgelegene Kirche war ehemals befestigt und gehörte früher dem Grafen von Katzenelnbogen. Das Treffen von König Rudolf von Habsburg mit Graf Diether V. von Katzenelnbogen im Jahr 1274 in Oppenheim zählt zu den wichtigsten Begebenheiten, die Zwingenbergs Geschichte bestimmt hat.

Per Königsurkunde, mit der sich Rudolf beim Grafen für dessen Unterstützung zu Beginn seiner Regentschaft bedankte, ist vor 725 Jahren ein Dorf zur Stadt und damit ein bißchen mächtiger geworden. Deshalb führt die Stadt nur zu gerne den Untertitel „älteste Stadt an der Bergstraße“ und ist ein Kleinod mittelalterlicher Fachwerkromantik. Im 30jährigen Krieg wurde die Stadt wiederholt geplündert und verwüstet.

Der Marktplatz entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts und trägt noch heute deutlich die Schrift seiner Baumeister. Fachwerkhäuser und stattliche Steinhäuser sind noch in ihrer ursprünglichen Form zu sehen.

Die Scheuergasse wurde um 1500 errichtet, um den Lebensraum auf den Hausgrundstücken etwas zu erweitern. die heutigen Scheunen wurden nach einem Großbrand um 1850 errichtet.

Bekannt ist die Bergstraßenstadt nicht nur wegen ihre schmucken Altstadt, sondern auch durch den Wein: Vier Winzer sind aktiv, insgesamt werden 18 Hektar Rebfläche mit den Lagen Auerbacher Rott, Steingeröll und Alte Burg bewirtschaftet. Das milde, niederschlagsarme Klima der Bergstraße begünstigt das Reifen von Riesling und Spätburgunder. Dennoch hat der Bergsträßer Wein nicht einmal den Ruf eines Geheimtips, einfach weil die Anbaufläche zu klein für einen überregionalen Verkauf ist. Zwischen Zwingenberg und Schriesheim trinkt man sein Traubenerzeugnis am liebsten selbst.

Wanderung zum Auerbacher Schloß in Elvira Klein, Odenwald, Seite 106.

 

Auerbach

Die evangelische  Pfarrkirche von 1479 liegt über der Stadt. Sie hat gotisierende Maßwerkfenster und Chor. In der Stadt sind viel Fachwerkhäuser.

 

Auerbacher Schloß

Man fährt den Schildern „Melibokus“ nach Wenn man vom Melibokus kommt, fährt man hoch zum Schloß auf dem 340 Meter hohem Bergkegel, nicht nur bis zum Parkplatz „Auerbacher Schloß, sondern bis zum Parkplatz unmittelbar vor der Brücke.

Dass man den Rhein selbst, der auf Höhe der Burg ungefähr die halbe Strecke zwischen Ludwigshafen und Mainz zurückgelegt hat, in der Ferne nur erahnen kann, dürfte den Grafen eher gefreut als geschmerzt haben. Konnte er daran doch ermessen, wie reich und mächtig sein Geschlecht mittlerweile geworden war. Die Stammburg der Familie befand sich nämlich mehr als einhundert Kilometer entfernt in dem kleinen Ort Katzenelnbogen im nördlichen Taunus nahe der Loreley, wo sie Heinrich I., Vogt des Klosters Bleidenstadt, um 1095 erbaut hatte.

Dort also begann im 12. Jahrhundert der märchenhafte Aufstieg der Familie. Ihren schnell wachsenden politischen Einfluss verdankten die Katzenelnbogener nicht zuletzt ihren verwandtschaftlichen Beziehungen zu den damals in Deutschland herrschenden Staufern. Im Jahre 1138 wurde Heinrich II. von Katzenelnbogen von König Konrad III. in den Reichsgrafenstand erhoben. Drei Jahre später berief Konrad III. Philipp von Katzenelnbogen zum Bischof von Osnabrück, 1174 ernannte Kaiser Friedrich I. Hermann von Katzenelnbogen zum Bischof von Münster. Hermanns Bruder Diether war Kanzler des Kaisers und starb 1191 bei dessen Italienfeldzug. Sieben Angehörige der Familie unternahmen Orientreisen oder nahmen an Kreuzzügen teil.

Die Burg wurde vermutlich vom Kloster Lorsch gegründet. Um 1235 wurde sie begonnen. Als Besitz der Grafen von Katzenelnbogen wird sie 1224 erwähnt. Der hohe dreistöckige Palas und die kleinen Blendarkaden lassen die einstige höfische Pracht zur Zeit der Katzenelnbogener Grafen, der Erbauer, noch erkennen. Ihr Behauptungswille zeigt sich am hoch aufragenden Mauerwerk und am tiefen Halsgraben an der gefährdetsten Stelle des nach drei Seiten steil abfallenden Berges. Die Vorburg entstand um 1370. Im Jahre 1424 wurde die Burg als Lehen an Mainz gegeben, seit Aussterben der Grafen von Katzenelnbogen ist sie seit 1510 hessisch.

Die Grafen von Katzenelnbogen waren aber nicht nur einflussreich in der Politik, sie waren auch geradezu unermesslich reich. Dazu verhalfen ihnen vor allem ihre zahlreichen Zoll- stellen am Rhein, wie etwa Gernsheim, Mainz, Kaub, St. Goar, Boppard, Oberlahnstein, Linz, Bonn und Düsseldorf. Im Jahr 1245 ließ Diether V. von Katzenelnbogen die linksrheinische Zollburg Rheinfels bei St. Goar errichten. Darüber hinaus warfen auch die zahlreichen landwirtschaftlichen Güter der Grafen erhebliche Gewinne ab. Hinzu kamen schließlich noch nicht weniger als sechzehn Burgen, die sich im Besitz der Familie befanden. In der Reichssteuerliste des Jahres 1431 stand das Haus Katzenelnbogen hinter dem Haus Württemberg an zweiter Stelle.

Die Familiengeschichte war bis dahin allerdings nicht immer harmonisch verlaufen. So hatte sich das Haus Karzenelnbogen 1260 in zwei Linien gespalten. Die ältere Linie mit Sitz auf der Burg Rheinfels herrschte fortan über die Niedergrafschaft Katzenelnbogen mir den Orten Katzenelnbogen, Hohenstein, Braubach, Reichenberg, Burgschwalbach, Neu-Katzenelnbogen und St. Goar. Die jüngere Linie verwaltete die südlicher gelegene Obergrafschaft mit Darmstadt, Reinheim, Lichtenberg, Auerbach, Zwingenberg, Dornberg und Rüsselsheim. Eberhard I., der Begründer der jüngeren Linie, trat 1275 in die Dienste des Königs Rudolf von Habsburg und wurde einer seiner bewährtesten Räte. Sein Nachfahre Wilhelm I. erhielt 1330 von Kaiser Ludwig IV. das Stadtrecht für seinen Ort Darmstadt. Erst 1402 wurde durch die Heirat der Gräfin Anna (ältere Linie) mit Graf Johann IV. (jüngere Linie) das Haus wieder geeint.

Bei der Sicherung und Verteidigung ihrer umfangreichen Besitzungen an der Bergstraße profitierte die jüngere Linie davon, dass die Katzenelnbogener schon um 1230, also gut 30 Jahre vor der Teilung der Grafschaft, auf dem Urberg bei Bensheim im Odenwald eine mächtige Wehrburg errichtet hatten. Das Land hatten sie hauptsächlich vom Kloster Lorsch erworben. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ließen die neuen Herren dann umfangreiche Neu- und Erweiterungsarbeiten ausführen, durch die die Anlage in etwa ihre heute noch sichtbare Gestalt erhielt und die ihr auch die Bezeichnung „Schloss“ eintrugen.

 

Unter einem Schloß mag man sich etwas anderes vorstellen, die Bezeichnung ist erst seit der vorigen Jahrhundert geläufig, nachdem Teile der Burg restauriert worden waren. Vorher hieß es „Burg Bickenbach“. Wahrscheinlich war es Gottfried I. von Bickenbach (bezeugt 1211-1241, gestorben vor 1245), der die Burg erbauen ließ. Er hatte seinen eigentlichen Stammsitz auf einem Hügel in der Ebene in Bickenbach, der eine Turmburg mit doppeltem Wassergraben trug.

Als der letzte Graf von Katzeneinbogen, Philipp der Ältere, am 14. Juli 1479 ohne männliche Nachkommen starb, fiel sein gesamter Besitz - 225 Ortschaften, neun Städte und ein Dutzend Schlösser und Burgen - an seinen Schwiegersohn Heinrich III., den Landgrafen von Hessen. Bis heute ist der Titel „Graf zu Katzenelnbogen“ Bestandteil des Familiennamens im Hause Hessen. Und das mit gutem Recht, denn erst mit dem Katzenelnbogener Erbe begann unter Philipp dem Großmütigen (1517-1567) der Aufstieg der kleinen Landgrafschaft Hessen zu einem der bedeutenderen Staaten des Alten Reiches.

Nach Philipps Tod allerdings war es damit auch schon wieder vorbei. Das Land zerfiel in vier Teile: Hessen-Kassel, Hessen-Marburg, Hessen-Rheinfels und Hessen-Darmstadt. Die Linien Rheinfels und Marburg starben schon bald wieder aus; danach stritten Kassel und Darmstadt lange um das hessische und damit auch um das Katzenelnbogener Erbe, das zwischen den beiden konkurrierenden Häusern aufgeteilt wurde. Nach der Gründung des Rheinbundes 1806 gehörten die südlichen ehemals katzenelnbogischen Gebiete zum neu entstandenen Großherzogtum Hessen (Darmstadt), die nördlichen Teile fielen an das Herzogtum Nassau (Kassel), 1866 dann an Preußen. Erst 1945 wurde das geteilte Katzenelnbogener Land wieder im neuen Bundesland Hessen vereint, mit Ausnahme der linksrheinischen Besitzungen wie St. Goar, die seitdem zu Rheinland-Pfalz gehören.

Hier fand Herzog Ulrich von Württemberg Zuflucht, als er vom schwäbischen Bauernaufstand vertrieben worden war, bis er 1534 zusammen mit Landgraf Philipp sein Land zurückeroberte. Das Alsbacher Schloß wurde zerstört, wurde aber wieder aufgebaut. Im Jahre 1536 gab es Neubauten und Erweiterungen.

Im Jahre 1551 kam es zu Geheimverhandlungen auf Burg Bickenbach zwischen den Unterhändlern des Kurfürsten Moritz von Sachsen und des Königs von Frankreich. Durch deren Bündnis wurde Kaiser Karl V. gezwungen, Deutschland zu verlassen. Die Regierung übernahm sein Bruder Ferdinand I. Die Burg war im Dreißigjährigen Krieg Zufluchtstätte der Alsbacher Bürger, wurde dann Raubritternest und verfiel langsam und wurde. Im Reunionskrieg 1674 wurde sie durch den französischen Feldherrn Turenne zerstört. Im Jahre 1863 wurde die Burg durch den Großherzog von Hessen restauriert.

Solange Schloss Auerbach den Landgrafen von Hessen- Darmstadt gehörte, wurde es von einem Amtmann oder Burggrafen verwaltet. Im Jahre 1674 wurde die Anlage zum ersten Mal in ihrer Geschichte erobert und schwer beschädigt. Im Krieg des französischen Königs Ludwig XIV. gegen Holland zog der französische Marschall Turenne den Rhein herunter und fiel mit seinen Truppen in die Städte und Dörfer an der Bergstraße ein. Die Bewohner von Auerbach, Hochstätten und Balkhausen suchten Schutz hinter den vermeintlich sicheren Mauern der Burg. Doch durch einen unterirdischen Gang drangen Turennes Soldaten in die Burg ein und beschädigten sie schwer.

In den folgenden Jahrzehnten begann die Anlage immer weiter zu zerfallen, und nur ihre schwer zugängliche Lage verhinderte, dass das Mauerwerk vollständig abgetragen und zum Häuserbau benutzt wurde. Im Jahre 1820 stürzte der nördliche Turm ein. Erst dreißig Jahre später baute man ihn wieder auf. Der Burgenromantik des 19. Jahrhunderts war es zu verdanken, dass der Großherzog von Hessen sich nun wieder intensiver um seinen Besitz kümmerte.

 

Durch das mächtige Doppeltor kommt man zur eigentlichen Burg. Diesen Eingang mit dem doppelten Tor heißt „Barbacan“, hier konnten Eindringlinge mit glühendem Pech übergossen werden. Im Burghof stehen eine Steinschleuder und andere Geräte. Eine Tafel informiert über eine Parforcejagd im Jahr 1758.

Besonders markant ist der dreieckige Grundriss, auf dessen Südseite sich der vierstöckige Palas erhebt. In der Ostecke des Burghofs befand sich der Brunnen. Von den ursprünglich drei Türmen sind zwei erhalten. Der dicke runde Turm, die Außenmauern mit den Toren und der Graben lassen die Besucher die Dimensionen erahnen, die die Burg früher hatte.

Anstelle des im 14. Jahrhundert nach einem Erdbeben eingestürzten Bergfrieds errichtete man an der dem Berg zugewandten Ostseite der Burg eine starke Bastion zur Aufstellung der Kanonen. Zwei Ringmauern umfassen die Anlage. Die ältere ist mit einem Wehrgang ausgestattet, den man erklimmen kann.

Auf dem Weg zum nördlichen Turm passiert man in luftiger Höhe eine im Mauerwerk wurzelnde Waldkiefer, die mehr als 300 Jahre alt ist. Nach den schweren Zerstörungen  waren alle Zu- und Aufgänge für Generationen verschüttet. So konnte sich auf der Schildmauer ein dahergewehter Same ungestört entfalten, eine Kiefer wurde der heimliche Star des Schlosses. Wie alte Ansichten zeigen, hat der Baum wenigstens seit dem frühen 19. Jahrhundert sein Wachstum eingestellt. Nur so konnte er gegen die ungebremst heran brausenden Stürme und auf einem extrem nahrungsarmen Boden bestehen. Ganze sieben Meter mißt dieses Wunder der Anpassung an die unwirtlichen Bedingungen. Seit den ersten Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hat es niemand gewagt, die Kiefer zu entfernen.

Spätestens beim Erklimmen des Auerbacher Schlosses weiß man, was der Habsburger Kaiser Joseph II. angesichts des hiesigen müden Klimas gemeint hat, als er ausrief: „Hier fängt Deutschland an, Italien zu werden!“ Von der Mauerkrone reicht der Blick an klaren Herbsttagen bis zum Taunus.

Der Bergfried kann bestiegen werden. Im Zwinger kann man um die Burg herumgehen. Dort ist auch ein Teil des Kräutergartens. Die ehemalige, dem Zwinger vorgelagerte Scheune ist in ein stilvolles Restaurant umgewandelt worden. Mit ihm erhielten die langjährigen Restaurierungsarbeiten am Schloß ihren repräsentativen Abschluß. Im Sommer gibt es im Burghof zuweilen Freilichtaufführungen oder Ritterspektakel. Im Sommer kann es gut sein, dass der Burghof zu einer Freiluft-Bühne umfunktioniert wird: Regelmäßig finden auf Schloss Auerbach Theateraufführungen und Konzerte statt.

 

Vom Auerbacher Schloß fährt man wieder ein Stück zurück bis zum Parkplatz „Auerbacher Schloß“ und von dort auf der anderen Seite des Berges hinunter (die Straßen dort sind Einbahnstraßen). Man kommt in den Mühlgrund und fährt dort über Balkhausen und Hochstätten nach Fürstenlager.

 

Bensheim:

Römischer Gutshof und Straßenstück

Der römische Gutshof (villa rustica) liegt am Südwest-Rand des „Hemsberges“, dessen Kuppe sich zwischen Bensheim und Heppenheim erhebt. Auf halber Höhe gelegen hatte das Gebäude den ganzen Tag Sonne. Die Wasserversorgung wurde durch den in nur 30 Meter Entfernung vorbeifließenden Klingenbach gewährleistet. Bereits 1898 untersuchten am Hemsberg H. Gieß und E. Anthes die römische Mauern und legten das Hauptgebäude des Gutshofs, in dessen Innern damals nur zwei „für sich abgeschlossene Einbauten“ gefunden und als Keller bzw. Feuerungsanlage gedeutet wurden, frei. Nach Angabe der Ausgräber lagen im Keller ausgedehnte Brandschuttschichten.

Im Jahre 1962 untersuchte das Landesamt für Denkmalpflege in Hessen den Bau und ermittelte den Grundriß einer Risalitvilla (26,8 x 21,25 Meter), deren Hauptfront zum Rheintal hin ausgerichtet war. Die Innenraumeinteilung war nicht in allen Teilen befriedigend zu klären. In der Südost-Ecke eines 15 x 12,50 Meter großen Innenhofes wurde die bereits von Gieß festgestellte Feuerungsanlage wieder aufgefunden.

Die drei Räume der Nord-Front des Baus waren teilweise unterkellert, westlich schloß sich ein kleiner langrechteckiger Raum an, vor dem der Nordwest-Eck-Risalit lag. Die Raumeinteilung an der Süd-Front des Baus konnte aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Mauern nicht mehr festgestellt werden. Durch Suchschnitte ließen sich aber die Fortsetzung der östlichen Gebäudeabschlußmauer sowie die Reste des Eck-Risalit-Fundaments feststellen. Die schwächere Fundamentierung dieses Teils deutet auf einen späteren Anbau. Zwischen den Eck-Risaliten der Hauptfront lag wohl eine an wenigen Mauerstücken erkennbare Vorhalle (porticus). Das aus dem Bereich der Villa geborgene Fundmaterial gehört in die 2. Hälfte des 2. und in das beginnende 3. Jahrhundert nChr. Viele Scherben zeigen Brandspuren, die das Ende der Villa durch eine Feuerbrunst anzeigen.

 

Geschichte:

Die Ersterwähnung der Stadt erfolgt 765, im Jahre 772 kam die Stadt an Lorsch, 1232 mit Lorsch an Mainz und 1461 an die Pfalz, 1648 an das Kurfürstentum Mainz und 1802 wurde sie hessisch.

 

Rundgang:

Wenn man aus Richtung Lautertal kommt, fährt man zunächst nicht Richtung Autobahn, sondern nach links Richtung Markt. Dann fährt man um die Altstadt herum und parkt im Westen der Fußgängerzone in der Nähe des Rinnentors (Rest der Stadtbefestigung). Hier steht das Denkmal der „Frau von Bensheim“ mit Laterne, Stock und Kater. An der Bergstraße gibt es ein geflügeltes Wort, dessen Ursprung wohl jeder dort Ansässige kennt: „Hinnerum wie die Fraa vun Bensem“.

Es soll im Jahre 1644 gewesen sein, als Schweden und Franzosen in die Stadt eindrangen und so fürchterlich brandschatzten und mordeten, daß das Blut der Erschlagenen den Marktplatz herunterfloß. Die nachrückenden Bayern versuchten vergeblich, den Feind aus den wehrhaften Mauern zu vertreiben. Da zeigte ihnen eine alte Frau aus der Vorstadt einen geheimen unterirdischen Gang, durch den sie die Befreier „hinnerum“ in die Stadt eingeschleust haben soll und damit der grausamen Besatzung ein Ende bereitete.

Dort geht man die Straße „Am Rinnentor“ parallel zum Bach und kommt zur Brücke mit den Heiligenstandbildern ist von 1745. In der Nähe ist auch die katholische Pfarrkirche St. Georg, die  1826 von Georg Moller erbaut wurde anstelle einer romanischen Michaelskirche. Im originellsten Fachwerkhaus neben der St. Georgkirche ist das Stadtmuseum untergebracht. Es gibt Reste der Stadtbefestigung mit dem quadratischen Bürgerturm (15. Jahrhundert) und dem „Roten Turm“.

Der über 1200 Jahre alte Ort besitzt noch zahlreiche Bauzeugen vergangener Tage. Zwischen vollständig eingerichteten Barock-, Biedermeier- und Gründerzeitzimmern (inklusive Giraffenhalsklavier) sind - als einzigartige Rarität Südhessens - Ausmalungen im freigelegten Innenfachwerk aus dem 16. Jahrhundert zu bewundern. Zahlreiche Adelshöfe stehen am Marktplatz und in den alten Gassen.

Das Dalberger Anwesen von 1590 ist heute Restaurant und Kulturzentrum. Dann geht man nach rechts durch die breite Straße. Die Stadt hat zahlreiche Fachwerkhäuser. Es gibt weitere Herrenhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Die Straße führt zum Hospital mit der Seminarkirche von 1662 mit einem großen Ölgemälde im Chor. Nach rechts geht es wieder zum Rinnentor.

(Nicht gefunden: Der Rodensteiner Hof von 1739. Der schön restaurierte Fachwerkbau der „Alten Dorfmühle“. In Bensheim gibt es auch schöne Villen und auch ein Beispiel für den Jugendstil. Typisch für den Heimatstil mit dem gelben Sandstein und großen behütende Walmdächer ist das Haus Metzendorf in der Ernst-Ludwig-Straße in Bensheim).

 

Im Städtischen Weinberg über der Stadt ist das Weinberghäuschen mit dorischen Säulen. Wenn dort die Fahne gehißt wird, ist die Gaststätte geöffnet. Spät erst reift der Bergsträßer Riesling an den Hängen des Bensheimer Kirchbergs, der unmittelbar an der Stadt aufsteigt. Das Weinlaub ist gelb, die Beeren schrumpeln schon, versprechen einen feinen, rassigen Wein. Etwas Besonderes ist der Bergsträßer ohnehin, begünstigt durch Klima und Lage, zudem noch rar und vorwiegend nur dort selbst zu kosten. Nur drei bis vier Millionen Liter werden davon jährlich geerntet.

Der Bensheimer Hausberg ist vom Bahnhof aus, wo man auch parken kann, schnell erreicht. Die Rodensteiner- und Nibelungenstraße links hoch beginnt der Aufstieg am Stadtpark - auch „Kurpark”. Alte Bensheimer nennen ihn sogar „Hessenfriedhof”, denn das Heer der hessischen Landgrafen ist 1504 hier verblutet und begraben, als es vergeblich gegen die damals starke Stadtbefestigung anrannte. Bensheim wurde erst 1802 hessisch. Ein Wegstein mit dem Mainzer Rad in der Anlage erinnert, daß es davor teils kurmainzisch, teils kurpfälzisch war.

Der Park, begrenzt durch den barocken „Rodensteiner Hof” mit schmuckem Turm, wirkt etwas ungepflegt, darin wie verloren steinerne Putten und ein ungelenker bronzener Rübezahl für das böhmische Patenstädtchen Arnau. Ungeachtet dessen ist der Kurpark seit vielen Generationen ein Lieblingsplatz von Liebespärchen.

Rechts oberhalb stößt der Wingert unmittelbar an. Die Gesamtsicht stimmt noch weitgehend mit einem Stich von Merian überein. Im Einzelnen hat sich spätestens seit der Umlegung Einschneidendes verändert. Die typischen Hohlwege sind beseitigt. Breite, nackte Asphaltbänder führen jetzt in die Höhe - freilich trockenen Fußes und sehr aussichtsreich. An der Spitze lockt das klassizistische „Kirchberghäuschen” (einige Bensheimer betonen die dritte Silbe), mit einem Säulenvorbau wie ein griechisches Tempelchen.

Weht die rot-weiße Fahne, hat das beliebte Ausflugslokal geöffnet (täglich 9 bis 19 Uhr, im Sommer 8 bis 24 Uhr, außer dienstags).

Einer der bedeutendsten Architekten der Epoche hat es erbaut, der Darmstädter Hofbaudirektor Georg Moller. Für Bensheim entwarf Moller 1824 die nach Kriegszerstörungen stark verändert wieder aufgebaute Pfarrkirche am Markt. Das Kleinod auf dem Kirchberg war ein Nebenprodukt, das dem Großbaumeister Vergnügen bereitet haben dürfte - wie anschließend einigen Bensheimer Familien, die zu dem Lusthäuschen Schlüssel besaßen.

 

Schönberg:

Zwei nebeneinander stehende Bergvorsprünge mit Kirche und Schloß bestimmen das Landschaftsbild. Dem „Schönen Berg“ oder Schönberg bei Bensheim an der Bergstraße hat schon früh das Augenmerk der geistlichen und weltlichen Obrigkeit gegolten. Diese Bergnase war prädestiniert für Verteidigungszwecke. Im Jahre 1230 errichteten die Schenken von Erbach als pfälzische Lehnsherren hier erstmals eine Burg zum Schutze des Amtes Schönberg, Herren waren die Fürsten von Erbach-Schönberg. Burg Schönberg wurde 1504 zerstört. Ihr Wiederaufbau vollzog sich im 16. und 17. Jahrhundert nicht mehr unter dem Gesichtspunkt der Wehrhaftigkeit, sondern wurde dem Wandel der Zeiten entsprechend als Schloß ausgeführt. Mit der Erweiterung der Residenz durch die Grafen Erbach-Schönberg 1728 und der Anlage eines Lustgartens war man auf dem Schönberg ganz modern.

Wenn man von Lautertal kommt, sieht man rechts das Schild „Alte Schloßstraße“ (gegenüber der Sparkasse). Man fährt aber die danebenliegende „Neue Schloßstraße“ hinauf bis zur katholischen Kirche. Von dort man muß laufen. Links ist die Fürst-Alexander-Ruhe. Sie führt zu einem Denkmal für Alexander von Battenberg, der 1879 erster Fürst des neu entstandenen Staates Bulgarien wurde; er war ein Bruder der Fürstin.

Auf der Fahrstraße geht es hinauf zum Schloß. Halbkreisförmig gruppieren sich um den Hof das Herrenhaus mit Treppengiebeln und halbrundem Treppenhaus und die Wirtschaftsgebäude. Als Ruhrknappschafts-Erholungsheim ist das Schloß für die Öffentlichkeit leider nicht freigegeben. Aber den östlich gelegenen gepflegten „Lustgarten“ kann man besuchen. Hier

ist der größte Teil der Exoten erhalten. Eine doppelzeilige Lindenallee links und rechts einer Wiese, seltene Arten wie Gingko- und Tulpenbäume konnten zu Naturdenkmälern erklärt werden. Der Park ist eine Ergänzung zum nahegelegenen Fürstenlager (Odenwald, Seite 43).

Diesen Park kann man auch erreichen, wenn man in Schönberg ein Stück weiter in Richtung Bensheim fährt und dann nach rechts zum Naturparkplatz Sportplatz (am Ortsrand nach links abbiegen, ziemlich oben auf der Höhe. Dort beginnt der Herrschaftswingert und man kann zu dem oberen Teil des Staatsparks wandern,

 

Kriegsgräberstätte:

Die Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach gehört zu den größten in Hessen. Insgesamt wurden hier 1961 Opfer des Zweiten Weltkriegs (davon 576 ausländische) beigesetzt. Neben deutschen Wehrmachtssoldaten, Angehörigen der Waffen-SS und Bobenopfern haben auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Ost- und Südosteuropa ihre letzte Ruhe gefunden.. Die Todestage reichen bis ins Jahr 1946 hinein. Im April 1945 wurden von den amerikanischen Streitkräften verschiedene Gräberfelder angelegt. Die Soldaten unterschiedlicher Nationalitäten waren in den Kampfgebieten um Ludwigshafen, Würzburg, Nürnberg und Heilbronn (vor allem junge Leute von siebzehn oder achtzehn Jahren) gefallen. Einige deutsche Kriegsgefangene kamen Ende März 1945 bei einem Unglücksfall auf dem Weg ins Lager ums Leben: Eine provisorische Fähre mit 15ß Gefangenen  wurde durch ein Schnellboot zum Kentern gebracht, weil die Besatzung die Gefangenen hatte fotografieren wollen. Nur etwa 20 Männer konnten sich schwimmend retten.

 

Im nördlichen Teil der Kriegsopferstätte liegt ein Massengrab für 385 sowjetische Gefangene, die in der als Lazarett dienenden Heil- und Pflegeanstalt Heppenheim ums Leben kamen  (zum Teil durch gezielte Vernachlässigung der Ernährung und der medizinischen Versorgung).

Viele westeuropäische Kriegstote wurden in ihre Heimatländer überführt. Der Friedhof für die osteuropäischen und deutschen Kriegstoten blieb erhalten. Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge hat die Grabfelder Ende der 50iger Jahre zusammengefaßt. . Es wurden weitere Überführungen, vor allem aus Heppenheim, vorgenommen. Hinzu kamen über 500 verstorbene Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Polen, Griechenland, Ungarn, der Sowjetunion und Jugoslawien, darunter auch Frauen und Kinder. Am 29. September 1957 wurde die Stätte eingeweiht und in die Obhut der Stadt Bensheim übergeben.

 

Weine aus „Deutschlands Frühlingsgarten“: An der Hessischen Bergstraße beginnt der Früh-

ling ein wenig früher, bleibt die herbstliche Sonnenwärme ein bisschen länger erhalten als in anderen deutschen Weinbauregionen. Inmitten des 450 Hektar deinen, klimabegünstigten Anbaugebietes, im Schutz des Odenwalds, liegt die Staatsdomaine Bergstraße in Bensheim. Wo Mandelbäume und Blütenpracht toskanisches Flair verbreiten, gedeihen anspruchsvolle Weinreben vorzüglich. Gleichzeitig bringt die Vielfalt an Bodentypen eine Vielzahl von Rebsorten und Geschmacksvarianten hervor. In den Toplagen der Staatsdomaine, dem Heppenheimer Centgericht, Steinkopf oder Schönberger Herrnwingert, wachsen neben dem dominierenden Riesling vorwiegend Grau-, Weiß- und Spätburgunder.

Das 1904 vom Großherzog von Hessen-Darmstadt gegründete Weingut erweiterte in seiner rund einhundertjährigen Geschichte die Rebflächen auf 38 Hektar. Die Staatsdomaine ist damit das größte Gut an der Bergstraße. Wie es von einem mit Musterfunktion beauftrag-

ten Betrieb erwartet werden darf, gibt das Weingut seit Jahren Impulse für den hiesigen Weinbau. Dass in Bensheim die erste Beerenauslese und der erste Eiswein an der Bergstraße erzielt werden konnten, ist als Resultat vorbildlicher Weinbergspflege und Kellerwirtschaft zu werten. Auch in puncto Weinvermarktung beschritt die Domaine neue Wege. Im gutseigenen Versteigerungssaal werden alljährlich die inzwischen traditionellen Herbstauktionen ausgerichtet. Sie setzen Maßstäbe für Qualität und Preise der Bergsträßer Gewächse.

Wanderung nach Fürstenlager in Elvira Klein, Rhein-Main, 193.

 Wanderung nach Schönberg in Elvira Klein, Odenwald, Seite 124).

 

Staatspark Fürstenlager:

Auf das schöne Flecken Erde wurde der Landgraf von Hessen-Darmstadt aufmerksam geworden, weil die Untertanen dort auf die heilende Wirkung einer Mineralquelle schwörten. Zu den heilkräftigen Quellen kamen „die Leute aus Darmstadt, Frankfurt, Heidelberg, Mannheim und sogar über Rhein und Main in großen Scharen, um in Krügen und Fässern Wasser allhier zu holen“.

Im Jahre 1738 wurde das Rinnsal durch Oberschultheiß Gerst Auerbach als Brunnen gefaßt, es begann ein leidlich florierender Kurbetrieb. Die Kunde von der Heilkraft veranlaßte die Regierung, ein „Badbiet“ zu errichten: Der „Gute Brunnen“ wurde in einer Rundanlage für wassertrinkende Gäste gefasst. Ein provisorisches Badehaus entstand im Jahre 1766, ein pavillonartiger Kursaal und ein Brunnenwärterhäuschen folgten.

 

Das Fürstenlager verdankt seine Entstehung einer 1739 entdeckten und gefassten Heilquelle. Am Gesundbrunnen errichtete man schon bald ein Badehaus sowie zwei Pavillons und plante das enge Tal als repräsentatives Kurbad auszubauen. Diese Pläne kamen nie zur Ausführung. Stattdessen entstand Ende des 18. Jahrhunderts für die Landgrafen und Großherzöge von Hessen-Darmstadt ein Sommersitz mit einem weitläufigen Landschaftspark, der zu den frühesten seiner Art in Deutschland zählt.

Zusammen mit den im Zentrum liegenden herrschaftlichen Gebäuden, dem so genannten Dörfle, stellt der Park ein bedeutendes und einzigartiges Gesamtkunstwerk in Deutschland dar.

Das Fürstenlager bei Auerbach an der Bergstraße ist ein Gesamtkunstwerk, das seinen ursprünglichen Charakter bis heute weitgehend bewahrt hat. Seine Entstehung beruht auf einer 1739 entdeckten mineralischen Heilquelle. Ein höfischer Kurbetrieb konnte sich auf Dauer jedoch nicht etablieren. Ab 1783 entstand unter Ludwig X. und Luise von Hessen-Darmstadt ein ländlicher Sommerssitz abseits der strengen Hofetikette der Residenzstadt Darmstadt.

Für das Landgrafenpaar und die Mitglieder des Hofes wurden Pavillons errichtet, die sich dorfartig um den Gesundbrunnen gruppieren. Bezüglich ihrer Bauweise unterschieden sich Wohn- und Wirtschaftsgebäude kaum voneinander. Nur das Herrenhaus trat aus dem Ensemble gestalterisch hervor. Während viele Dörfer in den Parks dieser Zeit lediglich als Staffage entstanden, damit der Adel an der scheinbaren Idylle des bäuerlichen Lebens teilhaben konnte, waren die Gebäude im Fürstenlager tatsächlich bewohnt.

Kavalier-, Prinzen- und Damenbau dienten als Wohnung für die Hofgesellschaft, ersterer auch als Unterkunft für Kurgäste. Das Herrenhaus blieb der Landgräflichen und Großherzoglichen Familie vorbehalten. Im ersten Stock des Fremdenbaus war ab 1821 die Wohnung des zweitältesten Sohns Luises, Prinz Emil, untergebracht. Einen Eindruck der Einfachheit und Intimität biedermeierlicher Wohnkultur, wie sie hier zur Zeit der Großherzogin Luise vorgeherrscht hatte, vermitteln diese seit 1997 wieder eingerichteten Wohnräume.

Die kleinen, fast schmucklosen Räume sind heute mit adäquaten historischen Objekten ausgestattet. Angepasst an die Vorstellung des einfachen, idyllischen Landlebens repräsentieren sie durch ihre schlichte Eleganz und lichte Farbigkeit das damals vorherrschende Bedürfnis nach Behaglichkeit und Genügsamkeit. Eine Dauerausstellung gibt Auskunft über das Gebäude und den Park. Gemeinsam bieten die Räume dem Besucher einen lebhaften Einblick in die Geschichte des Fürstenlagers.

Eine alte Lindenallee führt zum Fürstenlager, vorbei am Schwanenweiher, dem Nadelöhr des Parkes. Schon taucht zwischen Trauerweide, Bleistiftzeder und anderen Baumriesen am Ententeich der Fremdenbau auf, wo einst gräfliche Gäste logierten und heute seltene Weihrauchzedern stehen. Es folgen die Meierei und die Küchenbauten, der Stallbau mit den ehemaligen Remisen und Pferdeboxen. Daran schließt sich der Kavalierbau an, den im 19. Jahrhundert Darmstädter Beamte zur Sommerfrische frequentierten. Nicht zu versäumen der Riesenlebensbaum gegenüber.

Zu besichtigen sind im „Fremdenbau” einige historische Räumlichkeiten sowie ein Informationszentrum des „Vereins Naturpark Bergstraße-Odenwald”. Im Herrenhaus hat ein gehobenes Hotel mit Restaurant-Cafe adäquate Räumlichkeiten gefunden.

Dem Herrenhaus vorgelagert (heute Restaurant) sind rechts der Prinzenbau und links der Damenbau samt Brunnen, an den fast „angeklebt“ das niedliche Weißzeughäuschen. Das Wachhäuschen mit Uhrturm steht am Rande der Herenwiese mit einem Vogelhäuschen als Pendant auf der gegenüberliegenden Seite. In der Mitte überragt alle seltenen Gehölze der mit 53 Metern größte Mammutbaum Deutschlands.

 

Die Landgrafen von Hessen-Darmstadt ließen das Tal zwischen 1766 und 1807 zu einem rund 30 Hektar großen Landschaftsgarten im englischen Stil gestalten. Großherzog Ludwig I., 1790 an die Regierung gekommen, ließ nach seinem Regierungsantritt 1790 die Gebäude erbauen, wie sie heute noch stehen. Er ließ seinen favorisierten Aufenthaltsort bei Auerbach zu einem repräsentativen Sommersitz ausbauen. Regelmäßig kam er samt Hofstaat für mehrere Monate von Darmstadt herüber.  Vom landgräflichen Schloß in Darmstadt rollten Federbetten, Geschirr, Lampen, Bücher,  sogar das Klavier die Bergstraße hinunter zur Sommerresidenz Fürstenlager, wo Großherzog Ludwig I. im Geleit von Hausmeister, Lakaien, Lichtkämmerer, Konditor und Weißzeugnäherinnen die Badesaison „an den Wassern von Auerbach“ eröffnete.

Nach Plänen des Hofgärtners Carl Ludwig Geiger entstand ab 1790 der weitläufige, heute rund 42 Hektar große Landschaftspark nach dem Vorbild der in England weit verbreiteten „ornamental farm“ (gestaltetes Gut). Geiger berücksichtigte sowohl ästhetische als auch wirtschaftliche Aspekte und bezog vorhandene Acker- und Wiesenflächen, Weinberge und Obstwiesen in die Parkgestaltung ein.

Nicht nur der längliche Charakter der Anlage sondern auch die spannungsreiche Topografie des Geländes tragen wesentlich zum besonderen Reiz des Fürstenlagers bei. Vom Dorf im Zentrum der Anlage erschließt ein Netz aus geschwungenen Alleen das enge, lang gestreckte Tal und zu Schmuckplätzen, kleinen Parkgebäuden und Aussichtspunkten auf den Kuppen der umgebenden Anhöhen. Dort bieten sich vielfältige Blicke zum Dörfchen, in den Park oder in die abwechslungsreiche Landschaft des Odenwaldes.

Hainartige Waldpartien, weite Wiesen, teils mit Obstgehölzen bestanden, und ausgedehnte Alleen bestimmen auch heute noch den besonderen Charakter des Landschaftsparks, der inmitten einer vielfältigen Kulturlandschaft gelegen ist. Von kleinen Schmuckplätzen oder Pavillons eröffnen sich reizvolle Ausblicke in die Landschaft der Bergstraße.

 

Typisch für sentimentale Landschaftsparks ist die Vielzahl an Parkbaulichkeiten, die zur Erinnerung an Personen oder bestimmte Ereignisse aufgestellt wurden. Ebenso wie mystisch gestaltete Bereiche, beispielsweise Grotten, oder lichte Haine sollten sie beim Betrachter wechselnde Gefühle hervorgerufen und zum Innehalten anregen. Auf einem Rundgang passiert der Besucher die Grotte und das Luisendenkmal im Norden sowie den Freundschaftstempel und den Freundschaftsaltar im Süden des Parks.

Am Übergang von der Parklandschaft zum Wald liegt abgeschieden die Eremitage. Sie wurde um 1787 in Form einer Kapelle mit Apsis und Glockenturm im östlichen Parkteil errichtet und diente dem Adel als Rückzugsort in die Einsamkeit der Natur. Das Bauwerk ist mit Rinde verkleidet und mit Schilfrohr gedeckt.

Hofgärtner Georg Friedrich Schnittspahn ließ ab 1865 auf der Herrenwiese und an der Voliere zahlreiche exotische Gehölze pflanzen. Aus dieser Zeit ist auch einer der ältesten Mammutbäume Deutschlands erhalten. Weitere dendrologische Kostbarkeiten sind eine Pyramideneiche, eine Gurkenmagnolie oder ein Ginkgo.

 

Im Rahmen der Gartendenkmalpflege wird von der Schlösserverwaltung auf Basis von historischen Abbildungen und Spuren im Gelände der Zustand vom Anfang des 19. Jahrhunderts wiederhergestellt. So konnte der Freundschaftstempel 1999 rekonstruiert werden, der am Ende der Herrenwiese wieder einen besonderen Blickfang bildet. Außerdem wurden die charakteristischen Pappelalleen teilweise wieder angelegt. Auch die „Neun Aussichten“, ehemals neun Sichtschneisen zu markanten Punkten in der Umgebung, und die Jawandtsburg sollen wieder erlebbar gemacht werden.

Man muß heutzutage nicht unbedingt erholungsbedürftig sein, um auf den alten Alleen zu lustwandeln, den Blick auf weite Rasenflächen. Weinberge und exotische Bäume zu genießen und überdies barocke Architektur zu inspizieren: Der Spaziergang durch den Park, den die Orkanstürme 1989/90 so arg zerzaust hatten, daß die Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten ein Intensivpflege-Programm auflegen mußte, beginnt natürlich am Entree auf der Lindenallee.

 

An dem ockergelben Gebäude hat man die Wahl, geradeaus in den mit heimischen und exotischen Gehölzen bepflanzten Park weiterzugehen oder gleich rechts hinauf mit der für den Rückweg gültigen Markierung blaues B an der Herrenwiese entlang zum achtsäuligen Monopteros-Tempel.

Bergan führen Pfade an den Hängen des Parks entlang. Am Parkende, oberhalb des Herrenhauses, beginnt links mit der Ziffer 7, Schild Champignonhöhe, die Rundwanderung zu den „Rastplätzen“ für Kurzweil und Besinnung, wie sie dem Geist des neunzehnten Jahrhunderts entsprachen. Da sind zunächst die kleinen terrassenförmig angeordneten Steintischgruppen, die in ihrer Gestalt an Champignons erinnern und an denen man mit Gästen ein Picknick einnahm, plauderte und hinunter auf das Fürstenlager schaute.

Weiter hinauf und über den Kamm ein Stück abwärts gelangt man zur Grotte, von deren Wänden ursprünglich Gesteinskristalle aus dem Bergwerk Ems an der Lahn glitzerten. Es geht wieder zurück und weiter mit der 7 über das Luisendenkmal zu den 247 Meter hohen Neun Aussichten, deren Blick auf Melibocus, Auerbacher Schloß, Felsberg, Krehberg und Schönberg nicht mehr ganz frei ist.

Und weiter führt die 7 zur Eremitage, einem Rindenrasthäuschen mit Reetdach, in dem der Anfang zu Ernst Paques Liebesgeschichte „Es steht ein Baum im Odenwald“ gespielt hat. Kommt man den Hügel der Eremitage herunter, geht man kurz links dann mit der gelben 2 wiederum links. Sie führt über freies Gelände zurück zum Efeutempel am oberen Ende der Herrenwiese. Mit der 5, am Fuße der Wiese, steigt man noch einmal bergan, zum Altarberg, dem schönsten Aussichtspunkt der Umgebung, von dem der Blick über die Rheinebene zum Hunsrück reicht. Mit der 2 geht der Wanderer nach Auerbach zurück (Odenwald, Seite 26).

Empfehlenswert ist auch die Apfelallee nach Schönberg. Im südlichen Teil des Parks wollen Ludwigslinde, Efeutempel und der Altarbergplatz entdeckt werden.

 

Die Wege im Park wurden ursprünglich nur für Spaziergänger und Pferdefuhrwerk, nicht aber für den neuzeitlichen Autoverkehr angesagt. Aus diesem Grund kann das Befahren und Parken von Fahrzeugen jeglicher Art sowohl zum Wohle des Besuchers, als auch um Schutz der Anlage nicht gestattet werden.

 

Parkplätze:

Nahe dem Fürstenlager stehen Ihnen folgende kostenlose Parkplätze zur Verfügung:

P 1: Parkplatz am Schönberger Sportplatz, Zufahrt über die Schön berger Straße (Fußweg ca. 10 Min.)

P 2: Mehrere Parkplätze sowie Parkstreifen entlang der Bachgasse (Fußweg ca. 10 Min.)

P 3: Parkplatz vor der Kirche am Kirchweg (Fußweg ca. 6 Min.)

P 4: Parkplatz am Friedhof Bensheim-Auerbach, am Kirchweg (Fußweg ca. 5 Min.)

P 5: Parkplatz an der oberen Bachgasse, in Höhe des Abzweig Mühltalstraße (Fußweg ca. 6 Min.); hier sind zusätzlich zwei Busstellplätze ausgewiesen

P 6: Parkplatz vor dem Fürstenlager, unterhalb des Friedhofs an der oberen Bachgasse (Fußweg ca. 5 Min.). Achtung: Dies ist die letzte Parkmöglichkeit vor der Parkanlage! Keine Wendemöglichkeit mehr!

 

 

Melibokus

Am Nordrand von Auerbach zeigt ein Wegweiser östlich zum Auerbacher Schloß und zum Melibokus. Man fährt die Straße hinauf bis zum Parkplatz „Not-Gottes-Kapelle“ (wo die Straße scharf rechts zum Auerbacher Schloß abbiegt). Eine Schautafel orientiert über den Weg zur Wallfahrtkapelle „Not-Gottes“, die 1557 abgebrochen wurde, aber wieder aufgebaut wurde (das Kruzifix ist von 1893).

Der eigentliche Parkplatz liegt etwas links im Wald, and er Zufahrt zum Melibokus. Leider ist die Auffahrt zum Melibokus gesperrt. Wenn man die Teerstraße hinauf laufen will, so hat man einen Weg von etwa vier Kilometern vor sich, mit 15 Kurven (ohne die Schwenks der Straße zu rechnen).

Im oberen Teil kommt man an einer Quelle vorbei und dann an der Forstmeister-Paul-Kurz-Hütte und der Förster-Dörr-Eiche. Von dort sind es noch etwa 650 Meter. Auf dem Berg sieht man zuerst die Station zur Überwachung des Funkverkehrs, die aber nicht mehr in Betrieb ist. Man muß links herum gehen und kommt zum Aussichtsturm.

Seit fast vierhundert Jahren hat einer der schönsten Berge des Odenwaldes, die höchste Erhebung der Bergstraße, die offizielle Bezeichnung „Melibocus“ (517 Meter). Bis heute wurden die Einheimischen mit diesem Namen nicht vertraut und sagen statt dessen liebevoll „Malchen“, was soviel heißt wie: „weit sehen“. Er wird auch als „Malsen“ oder „Malschenstein“ bezeichnet. In einer Urkunde von 1012 wird er „mons Malscus“ genannt. . Zum Spitzberg wurde er im 16. Jahrhundert (althochdeutsch malsc = steil, hochragend).

Der Namenswechsel zu „Melibokus“ geht wohl auf die Humanisten zurück. Den Namen haben sie einer Schrift des Geographen Ptolemäus (um 91 bis 160 n. Chr.) über Germanien entlehnt. Nur hatte der Grieche mit „Melibocus“ den Harz gemeint, wie Generationen später einwandfrei bewiesen werden konnte. Doch da hatte sich der fremdartige Name längst eingebürgert.

Der Malchen (517 Meter) ist einer der schönsten und wegen seiner Aussicht besuchenswertesten Berge des Odenwalds. Der weit gegen die Ebene heraustretende Berg gewährt schon von der Ferne, besonders von Südwesten, einen prächtigen, charakteristischen Anblick; seine Form wird mit der des Vesuvs verglichen. Er ist bis zum Gipfel mit herrlichem Laubwald bedeckt. Der 21 Meter hohe steinerne Aussichtsturm wurde 1772 errichtet; im Sommer Erfrischungen.

Die Rundsicht vom Turm ist außergewöhnlich malerisch und weitreichend. Am Fuß des Berges zieht sich die reiche Bergstraße hin mit ihren vielen stattlichen Orten, ihren Ruinen, Gärten und Weinbergen. In der Ebene breiten sich Wiesen, Felder und Nadelwälder aus. Jenseits des blinkenden Rheins schließen die Mittelgebirge vom Taunus über Hunsrück, Donnersberg, Haardt bis zu den Vogesen den Horizont ab. Man erblickt die Türme von Mainz und die Dome von Worms und Speyer. Im Osten  Felsberg, Otzberg, Neunkircher Höhe und die dunklen Höhen des Spessart.

 

Der Berg hat im Laufe der Jahrhunderte ungezählte Menschen auf seine Spitze gezogen. Nur zur Anlage eines Ringwalls oder zum Bau einer Burg schien er nicht geeignet. Aber die Kunde von der prächtigen Aussicht, die der Pädagoge Heinrich Campe 1785 als „wohl unstrittig als eine der größten, mannigfaltigsten und schönsten in Deutschland“ gepriesen hat, drang auch an den Hof in Darmstadt. Landgraf Ludwig IX. ließ 1772 einen 21 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Melibocus errichten. Doch der Standort war schlecht gewählt der Turm stürzte ein, bevor er fertiggestellt war. Erst im zweiten Anlauf wurde der Turm vollendet.

Nun unternahmen auch im 19. Jahrhundert die Kurgäste aus Jugenheim Ausflüge zum „Weißen Turm“, nicht nur zu Fuß, sondern auch auf Eselsrücken.

Der Turm wurde 1945 wurde als „militärisches Objekt“ von deutschen Soldaten wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs gesprengt. Durch Privatinitiative ist er 1966 wieder aufgebaut und ein kleines Restaurant unter dem Turm untergebracht worden Zugang über die Treppe). Allerdings hat der Hüttenwirt den Turm und die kleine Gaststätte nur am Wochenende und Feiertagen geöffnet. Nur von ihm kann man auch den Schlüssel zur Besteigung des Turms erhalten. Ansonsten muß man mit der Aussicht von der Terrasse vorlieb nehmen, die aber nur in einer Richtung möglich ist.

 

Der Turm aber bietet, um noch einmal Campe zu zitieren, „eine grenzenlose Fläche gleich einer ausgebreiteten Landkarte“, entsprechendes Wetter vorausgesetzt, die Sicht vom Taunus über das Ried und den Rhein bis Haardt und Pfälzerwald. Auf der anderen Seite blickt man über das Balktal zum Felsberg mit Ohlyturm und sieht den Fernsehmast auf der Neunkircher Höhe (605 Meter) .

Dabei mögen auch einig Felsstücke in unmittelbarer Nähe auffallen, sie erinnern an einen Riesen, der hier auf dem Berg gehaust habe und aus purem Übermut einen solchen Brocken bis an oder in den Rhein schleudern wollte. Es mißlang, der Stein war ihm aus der Hand gerutscht und flog nur bis Alsbach, wo er noch heute liegt „Hinkelstein“).

 

Aufstieg von Jugenheim:

Von Jugenheim, am Eingang ins Balkhäuser Tals rechts ab, am Leserberg entlang, dann rechts auf dem alten Weg oder links auf dem neuen Weg (über Robertsruhe), zuletzt durch die Kattenberger Schneise zum Gipfel) oder über Alsbacher Schloß.

An der Haltestelle Ludwigsstraße der Linie 8 in Jugenheim überquert man zunächst die „Alte B 3“, orientiert sich dann am weißen Rhombus, bis die Ludwigstraße auf die Hauptstraße trifft. Hier wechselt man zum roten Rhombus nach rechts bis hinauf zum Melibokus. Ab dem Helene-Christaller-Weg beginnt der Wald, und mit diesem Zeichen steigt der Weg bis zum Ziel fast ständig an. Erste Station ist die Schutzhütte auf dem Darsberg. Ab der Hütte geht es weiter nicht auf dem festen Weg, sondern auf dem mit Gras bewachsenen nach links. Kurz nach der Forstmeister-Kurz-Hütte kommtman auf die Terrasse am „Weißen Turm“ auf dem Melibokus.

Der Rückweg gleicht einer Ski-Slalomstrecke mit vielen Kurven und Kehren und ist deshalb doppelt so lang wie der Hinweg. Der rote Rhombus führt nach kurzem, schwierigem Gekraxel über klitschige Steine abwärts, dann geht es auf dem festen Hangweg nach links. Man kann auch den bequemeren Fahrweg mit der weißen Raute benutzen, die an einer Schranke vom gelben Viereck abgelöst wird.

Später, viel weiter unten, an einer markanten Kreuzung, läßt man den roten Rhombus talwärts ziehen und beachtet den weißen, der bis Jugenheim gilt. Das Umrunden tiefer Taleinschnitte und Bergnasen scheint kein Ende zu nehmen. Dann ist das Alsbacher Schloß auf einem Vorberg des Melibocus erreicht.

Unser Weg beschreibt weiterhin einige große und kleine Schnörkel, führt aber oberhalb von Alsbach dahin. Ab dem Entenweiher im Sperbergrund sind es gemäß einer Tafel noch 1,5 km bis Jugenheim (Frankfurt II, Seite 147). Man kann aber auch mit der 3 und der 2 absteigen, über den „Fußweg Marienruh“ und durch den Ort Alsbach. Man folgt dem R des Odenwald-Randweges, kommt durch den Pauer- und Hicklerweg in die Hauptstraße (weißes R, nachher blaues Wanderdreieck) zur Haltestelle Ludwigstraße (Frankfurt II, Seite 147: in: Wochenende, Seite 32, ist die Tour andersherum beschrieben).

 

Aufstieg von Zwingenberg I:

Von Zwingenberg östlich. Kürzester Anstieg, schön, aber teilweise steil. Vom Gasthaus zum Löwen Feld-, später Waldweg über den Luziberg (schöne Aussicht).

Vom Bahnhof geht es los mit dem roten Rhombus. Es geht nach rechts Richtung Jugendherberge, von der Bahnhofstraße über die B 3, den Löwenplatz und zwischen schmalbrüstigen Giebelhäusern den Berg hinan, auf dessen Höhe beherrschend die Wehrkirche thront. Durch die verbliebene Stadtmauer werden wir ins Freie entlassen zum Serpentinenanstieg, stellenweise über Treppen. Mit Erreichen der Reben herrliche Sicht zurück über die Stadt in die Rheinebene, nach links zum Auerbacher Schloß.

 

 

Hoher Laub-Mischwald nimmt uns auf, die Steigung läßt zunächst etwas nach. Aber dann folgen Bogen, die es in sich haben, und zum Abschluß, wenn das gelbe Quadrat sich noch hinzugesellt hat, heißt es nach einer Rechtskurve auf ein Pfädchen und etwa 500 Meter über Stock und Stein zum Gipfelplateau mit überragendem Aussichtsturm.

Der Weg für den Abstieg ist anfänglich der gleiche mit rotem Rhombus und gelbem Quadrat wie beim Aufstieg. Wenn die beiden Zeichen sich trennen, folgen wir dem gelben abwärts durch aufgelockerten Mischwald bis zum Scheitel der großen Spitzkehre. Der kleinere Rundweg beginnt sich an der Spitzkehre mit dem weißen Rhombus zu schließen. Vom gelben Quadrat rechts ab auf breitem Forstweg mündet dieser in die Route des roten Rhombus ein, mit ihr geht es zurück nach Zwingenberg (Odenwald, Seite 97).

 

Aufstieg von Zwingenberg II:

Am Bahnhof von Zwingenberg angekommen, wenden wir uns (Bahnhofstraße) bergwärts, überqueren die Darmstädter Straße (B3) und den Löwenplatz und gehen geradeaus Richtung Wetzbach. Nach wenigen Metern folgen wir rechts dem Schild Jugendherberge (Lange Schneise) und erreichen nach dem gastlichen Haus rasch die Weinberge. Dort hat der Rebenhof, die Residenz der Deutschen Weinkönigin von 2001/2002, Petra Gärtner, ein Werbeschild plaziert.

Zum Schloß Auerbach voraus auf der Höhe  wollen wir diesmal nicht hin, sondern im rechten Winkel links hinauf, an einer Bank mit dem Hinweis „Weinlehrfad“. Der „Commoder Weg“ gibt uns Halt. Ein teilweise idyllischer Hohlweg mit viel Efeu und Wacholder. Mal ist es steil, aber dann schlängelt sich der Weg auch schon wieder und läßt uns zur Puste kommen. Immer geradeaus, die Markierung weißer Balken plus Richtungspfeil signalisiert: wir sind richtig.

Auf Serpentinen durch lichten Buchwald erreichen wir nach einer Stunde den Gipfel.

Die Förster-Dörr-Eiche in einer scharfen Kurve unmittelbar am Asphaltband ist nach wenigen hundert Metern unser nächster - entscheidender - Fixpunkt. Hinter der Eiche (von der Straße aus gesehen) geht es ein paar Schritte ostwärts bis zu einer Sitzgruppe, die wir rechts liegen lassen - dann weiter Richtung Norden via Jugenheim.

Auf einem wunderschönen Höhenweg kommen wir flott voran und erreichen die Darsberghütte an einer Wegekreuzung - eine gute Möglichkeit für eine zünftige Rast. Wir meiden den Fahrweg, halten die vorgegebene Richtung und schlagen uns hinter der Hütte links quasi in die Büsche. Es geht leicht aufwärts bis zu einem Mini-Felsenmeer mit Blick auf Marienberg und Tannenberg und die Häuser von Seeheim-Jugenheim.

Wir folgen einem Pfad abwärts durch die Brombeeren, überqueren einen Waldwirtschaftsweg (einzige sichtbare Markierung „107 Jossa“). Vor einer Bergkuppe links runter (Hinweis Burgenweg) zu einem weiteren Waldwirtschaftsweg (nach rechts), den wir bis Jugenheim nutzen (blaues B auf weißem Grund). Nach etwas mehr als einem Kilometer eine rot-weiße Barriere - kurz davor biegen wir nach links und wandern ab jetzt bis Zwingenberg in Sichtweite zu den Häusern von Jugenheim und danach von Alsbach - einzige verläßliche Markierung: das blaue B.

Halten Sie ab jetzt die Höhe und Blickkontakt erst zu Jugenheim und dann eine lange Weile zu Alsbach. Der Parkplatz Sperbergrund ist ein weiterer Fixpunkt. Wir gehen links am Teich vorbei, geradeaus bergauf und gleich wieder nach rechts, wenn das blaue B auftaucht (gelbe 1 auch hilfreich). Unser Nahziel: das Alsbacher Schloß. Beim ersten Hinweis „Zum Schloß“ geht es rechts runter ins Wohngebiet und immer dem „B“ nach hinauf zur Ruine.

Da die Zeit fortgeschritten ist und sich der immer wieder schlängelnde Weg zu vielen Kilometern addiert, wollen wir nur noch eines: zurück nach Zwingenberg.. Schief gehen kann jetzt eh nichts mehr. Weiter dem „B“ nach in südlicher Richtung und rechts runter beim Hinweis „Zwingenberg“ auf dem Commoder Weg. Der Bahnhof ist bald zwischen Buchen auszumachen.

 

Lohnendste Wanderung:

Auerbach - Auerbacher Schloß - Malchen - Felsberg - Neunkircher Höhe. Bis zur Neunkircher Höhe gelb, dann rot  bezeichnet. Noch lohnender in umgekehrter Richtung, da hierbei die schönsten Punkte am Schluß der Wanderung liegen.

 

Vom Malchen zum Felsberg:

Einige Minuten nördlich, dann rechts ab  östlich durch Wald ziemlich steil bergab. Am Waldrand mündet rechts der „Neunkrümmeweg” vom Auerbacher Schloß. Weiter durch Feld, auf der Sattelhöhe (290 Meter) die Straße Hochstädten -Balkhausen (Auerbach-Jugenheim) kreuzend, dann bergan durch hohen Laubwald zum Felsberg.

 

Von Malchen nach Seeheim:

Am Naturparkplatz bei Malchen geht man dem roten Rhombus nach, überquert in der engen Biegung die Straße und taucht auf der gegenüberliegenden Seite wieder in den Wald ein, den südlichen Teil des Magnetberges. Der gut markierte Rhombusweg, der immer wieder Blicke über Odenwaldtäler und auf den Melibocus schenkt, führt schließlich an dem Naturdenkmal der H-förmig zusammengewachsenen Galgenbuche vorbei zur Ernst-Ludwig-Hütte. Von hier geht es abwärts mit der 14, später mit dem F zurück nach Seeheim (Wochenende, Seite 30 und Seite 26).

Zwingenberg

Man fährt von Norden in den Ort und biegt nach rechts Richtung Altstadtparkplatz in die „Wiesenpromenade“ ein. Dort kann man auf der linken Seite parken. Entlang dem Bahndamm kommt man in die Scheuergasse und durch diese zum Löwenplatz vor dem Gasthaus „Zum Löwen“. Nach rechts kommt man zum „Schlößchen“, früher Sitz eines Burgmannen, dem heutigen Rathaus. Von dort läuft man außen and er Stadtmauer entlang und wieder nach links zum Marktplatz mit dem Amtsgericht und den Schulen.

Der Platz wird überragt von der Bergkirche von 1258. Die hochgelegene Kirche war ehemals befestigt und gehörte früher dem Grafen von Katzenelnbogen. Das Treffen von König Rudolf von Habsburg mit Graf Diether V. von Katzenelnbogen im Jahr 1274 in Oppenheim zählt zu den wichtigsten Begebenheiten, die Zwingenbergs Geschichte bestimmt hat. Per Königsurkunde, mit der sich Rudolf beim Grafen für dessen Unterstützung zu Beginn seiner Regentschaft bedankte, ist vor 725 Jahren ein Dorf zur Stadt und damit ein bißchen mächtiger geworden. Deshalb führt die Stadt nur zu gerne den Untertitel „älteste Stadt an der Bergstraße“ und ist ein Kleinod mittelalterlicher Fachwerkromantik. Im 30jährigen Krieg wurde die Stadt wiederholt geplündert und verwüstet.

Der Marktplatz entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts und trägt noch heute deutlich die Schrift seiner Baumeister. Fachwerkhäuser und stattliche Steinhäuser sind noch in ihrer ursprünglichen Form zu sehen.

Die Scheuergasse wurde um 1500 errichtet, um den Lebensraum auf den Hausgrundstücken etwas zu erweitern. die heutigen Scheunen wurden nach einem Großbrand um 1850 errichtet.

Bekannt ist die Bergstraßenstadt nicht nur wegen ihre schmucken Altstadt, sondern auch durch den Wein: Vier Winzer sind aktiv, insgesamt werden 18 Hektar Rebfläche mit den Lagen Auerbacher Rott, Steingeröll und Alte Burg bewirtschaftet. Das milde, niederschlagsarme Klima der Bergstraße begünstigt das Reifen von Riesling und Spätburgunder. Dennoch hat der Bergsträßer Wein nicht einmal den Ruf eines Geheimtips, einfach weil die Anbaufläche zu klein für einen überregionalen Verkauf ist. Zwischen Zwingenberg und Schriesheim trinkt man sein Traubenerzeugnis am liebsten selbst.

Wanderung zum Auerbacher Schloß in Elvira Klein, Odenwald, Seite 106.

 

 

Hemsbach

Wir bewegen uns inzwischen innerhalb des schmalen badischen Streifens auf Hemsbacher Gebiet. Das Städtchen hat sich im Verlauf seiner Geschichte längst an diesen Außen-Posten gewöhnt unter zweimaliger Herrschaft der Kurpfalz und zwischenzeitlich des Fürstbistums Worms. Sie alle haben dem Ort im Laufe der Jahrhunderte ihren Stempel aufgedrückt, beginnend mit dem Bau einer Wasserburg um 1264.

Einst galt der Ort zwischen Heppenheim und Weinheim als „Kellerei”, in welcher neben dem Schultheiß der „Keller” fast ebenso viele Befugnisse hatte. Den Weinbau an den oberhalb der Bergstraße aufsteigenden Odenwaldhängen hat es laut Lorscher Codex schon um die Zeit gegeben, als das Dorf Hemsbach darin 795 vermerkt wurde.

Trotz bedauerlicher Sanierungskahlschläge und trotz rasanten Wachstums in den letzten 20 Jahren um mehr als die Hälfte auf 13 000 Einwohner hat Hemsbach zumindest in seinem Herzen dörflichen Charakter behalten. Alte Dorfhäuser, Güter, Höfe, Scheuern, Tore, rundbogige Kellereingänge mit Jahreszahlen aus dem 16. und 17. Jahrhundert dienen allerdings seit der Aussiedlung der Bauern vor allem dazu, die Zahl der immer schon reichlich vorhandenen Gasthäuser zu vermehren. Ausgediente Scheunen und Keller geben heute urige Lokale ab, in denen der Hemsbacher Rittersberg kredenzt wird. Aus einer solchen Scheune machte ein Sammler-Wirt ein „Weinbaumuseum” mit alten Eichenkeltern, Fässern und tonnenschweren Winzergeräten, das allabendlich außer montags zum Umtrunk einlädt.

Auch das älteste Gebäude ist heute Lokalität. Fälschlicherweise heißt es „Zehntscheuer”. Die eigentliche Zehntscheuer ist an der Frankfurter Straße nur noch zur Hälfte vorhanden. Das, was sich jetzt so nennt, ist das gebliebene Ritterhaus einer früheren Wasserburg. Das Wasser hat diesem früheren „Alten Schloß” der Erbauer des neuen abgegraben, ein Regierungs-, Hofkammer- und Jagdrat der Kurpfälzer Herrschaft des 18. Jahrhunderts. Die Hemsbacher machen so wenig Aufhebens auch von diesem historischen Bau, der später von der Frankfurter Bankiersfamilie Rothschild gekauft wurde, daß sie ihn nur nach ihrer jetzigen Funktion bezeichnen: Rathaus. Und auch sein Aussehen erinnert kaum an ein Schloß, eher an ein Kurhaus.

Hemsbach ist auch sonst gut für Entdeckungen und Überraschungen. Jenseits der Bundesstraße 3, der Bergstraße, steigt der Mühlweg hoch zum Kreuzberg mitten im Naturpark Neckartal-Odenwald. Am Weg gegenüber der ehemaligen Ölmühle am plätschernden Hemsbach weist Eingeweihte ein fast unscheinbarer Kruzifixus auf die Geheimnisse des Berges hin. Der weiße Hirsch mit Kreuz zwischen dem Geweih am Fuß des Bildstocks soll einst einem Oberjäger erschienen sein. Er verzichtete daraufhin auf den Schuß, berichtet eine Version der Sage. Die andere, daß er nach dem Schuß blind wurde, Quellwasser vom Berg ihn aber heilte. Jedenfalls stiftete er aus Dankbarkeit das Kreuz, und der Berg benannte sich danach, hatte er doch schon lange kultische Bedeutung. Nicht nur, weil die Natur einen Granitblock in Form eines „Steinernen Gaul” ihm aufgeladen hat.

Dichtung und Wirklichkeit umspinnen den Berg, hinter dem sich die weite, stille Odenwaldlandschaft auftut, dort, wo der „Vierritterturm” steht. Der Name täuscht ebenfalls. Die Ruine ist nur ein Überbleibsel eines mittelalterlichen Hofs.

Zum Schluß noch ein Leckerbissen für den Sonntagsbesucher: Das Musikmuseum über dem zweistöckigen „Bacchuskeller”, Mittelgasse 2 (Eingang Rückseite). Es ist das Hobby eines Privatmannes, der alte Musikgeräte sammelt, restauriert und in Gang setzt, welche die Urgroßelterngeneration in Schwung brachten. Die Weisen der schrankgroßen Orchestrions, Kirmesorgeln, spanischen Straßenklaviere gehen heute den Besuchern in die Beine, die für einen Groschen dabei sein können. Einziger Lohn für die viele Mühe ist dem Besitzer, der selbst Museumswärter spielt, wenn sich die Besucher sonntags zwischen 15 und 18 Uhr mit ihm freuen.

 

Das lebensfrohe Weinstädtchen verfügt über eine gut geführte Gastronomie. Hier wird so manches Fest gefeiert. Das Hemsbacher Rathaus ist eines der gut erhaltenen Hemsbacher historischen Gebäude. Hemsbach verfügt über ein großes Freizeit und Erholungsgelände, den Wiesensee mit Strandbad und Campingplatz. Bei der Jugend ist die Hemsbacher Rollsporthalle überaus beliebt. Die Gemeinde organisiert Weinproben und geführte Wanderungen. Auf einem Wein- und Waldlehrpfad wird der Wanderer in die Geheimnisse der Natur eingeweiht.

 

Weinheim:

Der Kupferstecher Matthaeus Merian fertigte im Jahre 1645 ein Bild der Stadt Weinheim an. In seiner Beschreibung, dazu heißt es unter anderem: Es sollen schon vor 700 Jahren viel Weingärten hier gewesen sein. Es gibt außer Fisch und Wein auch gute „Schnabelweid“ hier, zum Beispiel in großer Anzahl aus dem angrenzenden Odenwald.“ So ist es bis heute geblieben: Weinheim ist ein Anziehungspunkt für Kenner der Bergsträßer Spitzenweine und der guten Küche. folgt. Eine Bergsträßer Besonderheit sind die Weinberge mit dem begrasten Boden.

Den Odenwald im Rücken, die Rheinebene zu Füßen, reiht sich entlang der Bergstraße zwischen Darmstadt und Heidelberg Städtchen an Städtchen. Mit wenigen Ausnahmen sind sie auf halber Bergeshöhe angesiedelt, meist burgengekrönt, und gerade diese Lage macht den besonderen Reiz aus. Hinzu kommt natürlich die üppige Vegetation in dem vom Klima so begünstigten, fast südländischen Landstrich. Ein Beispiel ist Weinheim, weniger Weinort, als der Name vermuten läßt, vielmehr ein Hort seltener Baum- und Pflanzenarten in Schloßgarten, Exotenwald und Staudengarten Hermannshof.

Wenn man von der Autobahn kommt, fährt man an der ersten Abfahrt nach rechts vorbei und and er zweiten dann (nicht in Richtung Fürth) nach rechts in Richtung Weinheim-Stadtmitte. In der Stadt fährt man zuerst ein Stück links auf die Bergstraße (B 3) und dann rechts in die Bahnhofstraße. Von ihr geht es dann gleich rechts ab in die Albert-Ludwig-Grimm-Straße. Man kann auch den Schildern „Schloß“ und „Exotenwald“ folgen. Man muß aber nicht auf den ausgewiesenen gebührenpflichtigen Parkplätzen parken, sondern auch in den Straßen unterhalb des Schlosses (in der Albert-Ludwig-Grimm-Straße allerdings nur eine Stunde, das ist für Exotenwald, Schloß und Stadt zu kurz). Dafür gibt es noch die andere Möglichkeit, über die Lützelhauser Straße nach links in die Bodelschwingh-Straße zu fahren und dort unterhalb des Altenheims zu parken (z.B. gegenüber dem Mausoleum).

 

Man geht zuerst zum ehemaligen Schloß. Es setzt sich aus Bauteilen verschiedener Epochen zusammen. Zum ältesten Baubestand aus der Zeit um 1400 gehört die Durchfahrt des Obertorturms, der durch den Umbau Ende des 17. Jahrhunderts seinen wehrhaften Charakter verlor. Nördlich schließt sich der Renaissancebau des Kurpfälzischen Schlosses von 1537 an. Hier verbrachten Mitglieder der kurfürstlichen Familie wie Ottheinrich, Johann Wilhelm und seine Frau Anna Maria Luisa Medici sowie Elisabeth Auguste längere Zeit. Dann folgt der von der Familie Berckheim in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umgebaute Schloßteil mit dem 1868 errichteten neugotischen Turm. Der südlich des Obertors gelegene barocke Schloßteil wurde 1725 durch die Familie Ullner von Dieburg errichtet. Heute ist das ehemalige Schloß das Rathaus und der Sitz der Stadtverwaltung

Das Schloß war Sitz der Adelsfamilie Ulner von Diburg, die einst Honore de Balzac als Gast beherbergten. Angeblich soll Balzac auch in Weinheim seinen Roman „Louis Lambert“ vollendet haben.

Hinter dem Schloß überquert man die Obertorstraße, das Obertor ist rechts. Auf der anderen Seite der Straße steht das Schloß Berckheim, entstanden aus dem Adelshof der Schwende und Ulner und dem Kurpfälzischen Schloß von 1537, der Turm ist von 1868,

 

Man geht auch durch dieses Schloß hindurch und rechts vorbei zum „Blauen Turm“. Seinen Namen verdankt der Blaue Hut der Farbe seines ehemaligen Schieferdaches. Er ist südwestlicher und wohl ältester Teil der Stadtbefestigung aus der Zeit um 1250 bis 1300. Der nur über den Wehrgang zugängliche Tür diente in früheren Zeiten als Gefängnis mit einem acht Meter tiefen Verließ. Hier sind ein Teil der Stadtmauer und des ehemaligen Zwingers erhalten.

Etwas unterhalb des Turms ist ein Heilpflanzengarten angelegt und eine Vogelvoliere mit ihrem exotischen Tierbesatz. Nach rechts geht es weiter und durch ein Türbogen in den Exotenwald.

Hier stehen ganze Bestände fremdländischer Bäume, die es in anderen europäischen Waldregionen nicht gibt, abgesehen von meist künstlich angelegten Parkanlagen, die jedoch mit einer Waldlandschaft von der Größe des Weinheimer Exotenwaldes nicht zu vergleichen sind, er ist der größte seiner Art in Mitteleuropa, die einzige zusammenhängende Waldfläche dieser Art in ganz Europa.

Die ersten Pflanzungen nahm Christian Freiherr von Berckheim in den Jahren 1872 bis 1884 (nach anderer Angabe 1860-68) vor. Ausschlaggebend war das Interesse des Grafen an der Fähigkeit exotischer Pflanzen zu Anpassung an andere Umweltbedingungen, das ihn veranlaßte, Pflanzensamen von Reisen nach Amerika und Asien in seinem heimatlichen Besitz auszustreuen und den Waldpark in englischem Stil anzulegen. Er pflanzte zunächst längs der Wege baumartenreiche und von wertvollen Bäumen geprägte Alleen. Zwischen den Alleen legt er Waldbestände mit interessanten fremdländischen Bäumen an. Sie stammen vorwiegend aus Nordamerika, Kleinasien, Nordafrika und dem Mittelmeergebiet. Während ein Großteil der Alleen bereits früh ausfällt, entwickeln sich die Waldbestände zu hochinteressanten und beeindruckenden Baumbeständen. Der Anbau dient sowohl der Präsentation interessanter Baum- und Straucharten als auch der Beobachtung und Dokumentation des Wachstumsverhaltens der Bäume unter Weinheimer Bedingungen.

Nach einem „Dornröschenschlaf“ von 50 Jahren beginnt in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine zweite Anbauphase, die neben Tochterbeständen der Gründerzeit insbesondere japanische und ostasiatische Baumarten einbringt. Im Jahre 1955 erwirbt das Land Baden-Württemberg das besondere Waldgebiet und leitet damit eine dritte, bis heute andauernde Anbauphase ein. Durch Geländezukäufe wächst der Exotenwald auf nahezu 60 Hektar. Neben dem weiteren Anbau interessanter fremdländischer Bäume und Sträucher wird er auch als stadtnahes Ruhe- und Erholungswaldgebiet gestaltet.

Hier finden sich Himalaya-Zedern, kanadische Weißfichten, japanische Tannen (Sicheltanne), japanischer Kataurabaum, China-Eschen, Gingko-Baum, russischer Korkbaum, kalabrische Schwarzkiefer, Lärchen aus den  Karpaten, Orientbuchen aus der Türkei, Serbische Fichten, Silberlinden aus Kleinasien und Morindafichten aus Indien und Afghanistan.

Bemerkenswert ist, daß Waldbestände und keine Einzelbäume, wie in Parks, angepflanzt werden. Im Exotenwald sind heute rund 140 verschiedene Baumarten aus 18 Waldregionen in Europas, Amerika, Asien und Afrika zu bewundern. Jährlich kommen drei bis fünf neue dazu. Die höchsten Bäume – im Jahre 2002 bereits 130 Jahre alt - sind mehr als 55 m hohe Mammutbäume (Sequoiadendron giganteum) mit mächtigen, rotberindeten Stämmen. Ihre Heimat ist ursprünglich das westliche Nordamerika. Sie zählen zu den höchsten Bäumen in Europa.

Botaniker, Forstfachleute, Studiengruppen, natürlich auch viele Touristen, kommen von überall her Vor allem aus den USA, aus lateinamerikanischen Ländern, aus dem Nahen Osten, Indien und Japan machen die Besucher Station.

Der Exotenwald ist heute ein stadtnaher Erholungswald. Auf gut begehbaren, gekennzeichneten Rundwegen können die Laub- und Nadelbaumarten besichtigt werden. Das Waldgebiet ist Eigentum des Landes Baden-Württemberg und öffentlich zugänglich. Der Eintritt ist frei. An den Exotenwaldeingängen weisen Tafeln auf drei Rundwege verschiedener Länge hin. Diese Rundwege sind im Wald ausgeschildert. Ein Teil des Baumbestandes wird durch Hinweistafeln erläutert.

 

Auf drei verschiedenen Wanderwegen erfährt durch informative Beschilderung alles Wissenswerte über diesen Zauberwald. Man folgt am besten dem Wanderzeichen roter Strich, den mittleren Weg. Wo er sich teilt, geht es links auf dem geteerten Weg zur Kneippanlage. Man geht aber den geschotterten Weg rechts hinauf (Nummer 3). Er führt zu den Umweltmammutbäumen, die aus China stammen und lange Zeit als ausgestorben galten. Sie stehen in der ersten Linkskurve.

Um die Wendthütte herum (nur ein kleine Schutzhütte) geht es dann rechts weiter und wieder abwärts zu den Riesenmammutbäumen. Diese stammen aus Amerika, wo Exemplare mit einem Alter von 3000 Jahren stehen. Die Weinheimer sind jetzt etwa 125 Jahre alt sind und haben eine Höhe von über 50 Meter erreicht. Amerikanische Wissenschaftler bezeichneten die Bestände an Mammutbäumen im Weinheimer Exotenwald als die schönsten, die sie je außerhalb Amerikas gesehen haben.

Am Altersheim kommt man wieder aus dem Wald heraus. Dort steht auch eine Übersichtstafel über den Exotenwald. Etwas unterhalb steht das Mausoleum der Adelsfamilie Berckheim, in den Jahren 1908 - 13 entstanden. Vor diesem geht man rechts hinab wieder zum Eingangstor in den Exotenwald..

Man kann aber auch beim Altersheim parken und zu nächst den westlichen Weg am Hochbehälter vorbei in den Wald gehen. Nach einem Stück Weg zweigt dann rechts der Weg Nummer 1 ab, der zur Kneippanlage und zum Teich führt. Dieser Weg führt dann wieder zurück zu der Stelle, wo der Weg mit dem roten Strich aufwärts zu den Urweltmammutbäumen führt. Hier kann man noch den anfangs beschriebenen Weg gehen oder auch den Weg nach rechts wieder direkt zum Altersheim (Weg Nummer 2/3).

Der Exotenwald ist aber noch größer. Die Übersichtskarte gibt die Grenze des Waldes an, der dann in den üblichen Wald übergeht. Ein ausgezeichnetes Beispiel, wie harmonisch ein Park und ein „natürlicher“ Wald ineinander übergehen können, bietet die Umgebung Weinheims.

Der „Naturpark Odenwald“ ist neueren Datums, größeren Ausmaßes und weniger ausdrucksvoll. In ihm soll schlicht die Schönheit der Landschaft bewahrt und dem Menschen für seine Erholung zugänglich gemacht werden, worin Parks in herkömmlichem Sinn mit eingeschlossen sein können.

 

Vom Eingangstor zum Exotenwald geht man geht man aber links um die Springbrunnen herum durch den Schloßpark. Den Ursprung des Schloßparkes bilden um 1700 zwei Barockgärten, ehe vermutlich der Kurfürstliche Gartendirekt Ludwig von Sckell den Schloßpark zu einem englischen Garten umgestaltet. Ihre endgültige Form erhält diese großzügige Parkanlage im 19. Jahrhundert durch Gräfin Auguste von Waldner-Freundstein und was später durch Freiherrn Christian von Berckheim. Ihm ist vor allem der Artenreichtum des wertvollen Baumbestandes zu verdanken. Im Jahre 1938 geht das Schloß und der Park in den Besitz der Stadt über.

Aufgrund seiner Vielfalt lässt sich der Park aus jedem Blickwinkel neu erleben. Als botanische Entdeckungsreise, zum Verweilen, Entspannen: Für die einen ist er Ort der Ruhe und Entspannung, für die anderen jedoch eine Insel exotischer Schönheit mit seltenen und teils sehr alten Gehölzen. Mit seinen neu gestalteten Spielplätzen bietet er auch Kindern die Möglichkeit, sich in der Natur auszutoben.

Es gibt historische und moderne Skulpturen. In der Mitte steht der Schlossparkweiher mit seinen Fontänen. Ein Rundweg führt zu herrlichen Ausblicken auf Odenwald, Schloß und Burgen. Große Rhododendren und Eiben sowie Buchs, Stechpalmen, Tannen, Fichten, Eßkastanien und Kiefern prägen das Bild des Parks.

Glanzpunkte sind: Die älteste Zeder Deutschlands im Kleinen Schloßpark unmittelbar am Schloß, den man durch ein Tor erreicht. An der Mauer stehen alte Grabsteine. Hier steht die mit 250 Jahr älteste und größte Libanon-Zeder Deutschlands von viereinhalb Meter Umfang.

Weitere markante Gehölze oder Gehölzgruppen sind: Eisenholzbaum, Bitterzitrone, Japanische Schnurbäume, Ginkgo, Sassafras, Amberbaum,  Geweihbaum und Stieleiche.

 

Man geht jetzt wieder über den Schloßplatz zur Obertorstraße, aber nach links zum Marktplatz hinunter. Auf dem Marktplatz endet der Sommertagszug, bei dem seit rund 100 Jahren der Winter symbolisch verbrannt wird.

Links steht die katholische St. Laurentius-Kirche. Sie wurde neu erbaut in den Jahren 1911/13 und birgt in ihrem Innern zahlreiche Grabdenkmäler aus dem 13.-18. Jahrhundert und einige aus dem 14. Jahrhundert stammende Wandmalereien aus der alten Kirche. Die Hoch- und Seitenaltäre stammen aus der Zeit um 1730. Überragt wird das Langhaus der Laurentiuskirche durch den bereits 1850 nach Plänen des in Weinheim geborenen badischen Baumeisters Heinrich Hübsch errichteten Turm.

Gegenüber im Eckhaus Obertorstraße / Mittelgasse (Obertorstraße 1) wohnte von 1818 bis 1838 der Pädagoge, Schriftsteller und Politiker Albert Ludwig Grimm (1786-1872). A. L. Grimm, nicht verwandt mit den Brüdern Grimm, veröffentlichte u. a. als Erster eine Bearbeitung des Märchens „Schneewittchen” in deutscher Sprache. Das „Fürstenzimmer” im 1. Stock zeigt noch die ursprüngliche Ausstattung mit reichen Stuckarbeiten vom Ende des 18. Jahrhunderts. Hier starb 1795 Fürst Friedrich zu Schwarzenberg.

Unten rechts steht das Alte Rathaus von 1557 mit einem Turm. Das Erdgeschoß des um 1557 als Kaufhaus geschaffenen Baus war ursprünglich eine offene Halle. Darüber befindet sich der mit reicher Renaissancemalerei ausgestattete Bürgersaal. Ab 1752 bis nach dem Ersten Weltkrieg diente das Gebäude als Rathaus. Der Staffelgiebel und der hölzerne Balkon wurden 1861/62 stilgerecht erneuert. In den Jahren 1968 und 1997-2002 wurde das Gebäude einer umfassenden Renovierung unterzogen. An der Vorderfront zeigt ein Schildhalter im zweiten Obergeschoß die drei Bestandteile des Weinheimer Wappens: den pfälzischen Löwen, die weiß-blauen Wittelsbacher Rauten und die Weinleiter. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen der Marktbrunnen aus dem Jahre 1928 mit der Statue der Justitia und der prächtige Fachwerkbau der Löwenapotheke aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

 

Vom Marktplatz biegt man rechts in die Hauptstraße. Dort steht links die evangelische Stadtkirche. Sie ist in die Häuserreihe der Hauptstraße eingefügt. Im Jahre 1731 wurde der Grundstein gelegt, die Kirche jedoch erst 1736 eingeweiht.

Wenn man die Hauptstraße weiter geht kommt man rechts zum Müllheimer Tor, an das ein Sandsteinrelief erinnert. Es war das östliche der drei Weinheimer Stadttore, wurde 1608 errichtet und 1882 abgerissen. Der Torbogen mit der Inschrift wurde erhalten und bildet nun den Eingang zum Schloßpark.

Etwas weiter links in der Gundelbachstraße steht der Hexenturm. An dem heute unterirdisch fließenden Grundelbach gelegen, stehen die Überreste des im 13. Jahrhundert erbauten Hexenturms; ein ehemaliger Doppelturm, worauf der noch halber Höhe sichtbare Verbindungssteg hinweist. Der Name entstand erst im 19. Jahrhundert: in den Unterlagen der Stadt gibt es keine Hinweise auf Hexenprozesse.

 

Weiter geht es am offenen Bach entlang in die Stadtmühlengasse und nach rechts in das Gerberbachviertel, das besterhaltene kleinstädtische Gerberviertel des Mittealters (man kann auch von der Hauptstraße gleich links die Höllenstaffel hinuntergehen). Im Wasser des offenen Bachlaufs wurde früher Leder gegerbt, heute wird er von Kindern zur Gerberbachregatta des Altstadtfestes genutzt. Das Gerberbachviertel wirkt mit seinen winkligen Gassen und alten Fachwerkhäusern sehr malerisch. In diesem am Bach gelegenen Viertel sind noch heute zahlreiche ehemalige Gerberhäuser und -werkstätten zu sehen, z. B. Gerbergasse 14, Lohgasse 5, Gerbergasse 3. Quergasse 1 und Münzgasse 8.

Links, wo es die Höllenstaffel hinauf geht, steht das Geburtshaus des Pfarrers Georg, Friedrich Schlatter, Alterspräsident des badischen Landtags  von 1849. Nach links geht es durch die Gerbergasse am offenen Bach entlang. Rechts steht ein nur 2,35 Meter breites Haus, das als Ferienhaus genutzt wird. Links steht ein Gerberhaus vom Ende des 16. Jahrhunderts. Die Münzgasse wird gequert.

In der Münzgasse 13 steht das „Kerwehaus“. Das 1559 erbaute Fachwerkhaus ist seit 1970 im Besitz des „Heimat- und Kerwevereins Alt Weinheim“. Es bildet den Mittelpunkt des jährlich Anfang August stattfindenden Weinheimer Kerwe (Kirchweih). Bei der „Kerwe“ findet hier ein Handwerkermarkt statt.

In die Stadtmühlgasse 2 gehört die Ullner Kapelle, die aber nur Chor und Langhaus von der Gerberbachseite aus sichtbar sind. Sie wurde um 1350 dank einer Stiftung der Hildegund von Weinheim erbaut. Das Hauptportal der Kapelle, von einem Wohn- und Geschäftshaus zur Marktplatzseite überbaut, zeigt im Schmiedewerk das Wappen der Ullner, der späteren Besitzer der Kapelle. Das zur Stiftung gehörende, an die Kapelle angebaute frühere Armen- und Altenspital wurde mehrfach umgebaut.

Die nächster Straße ist die Judengasse, in die man nach links einbiegt. Dort steht rechts der Büdinger Hof von 1582, wahrscheinlich das Zunfthaus der Gerber. Am 1582 errichteten Treppenturm sind u.a. die Initialen des Erbauers Thomas Büdinger und das Schabmesser als Zunftzeichen der Gerber zu sehen. An der Stelle des Nebengebäudes auf der linken Seite befand sich im Mittelalter vermutlich die Synagoge der 1298 erstmals erwähnten jüdischen Gemeinde Weinheims. Ein Stück weiter in der Straße steht rechts der Judenturm. Im Hof des Hauses Judengasse 9 sind Fundamente des im 14. Jahrhundert erbauten, viereckigen, ehemals mächtigen Turmes erhalten. Er stand in der Nord-Ost-Ecke der befestigten Stadt.

 

Man überquert dann die Hauptstraße. Links steht das Museum, das ehemalige Deutschordenshaus (Amtsgasse 2). Es wurde 1710 unter dem Hochmeister Franz Ludwig von der Pfalz errichtet. Sein Herrschaftswappen schmückt das stattliche ehemalige Eingangsportal. Im Innenhof des Gebäudes befindet sich eine 1949 geschaffene Nachbildung des Merian-Stiches von Weinheim aus dem Jahr 1618. Das Museum zeigt u. a. Funde der Vor- und Frühgeschichte, den Nächstenbacher Bronzefund, Fresken des 13. und 14. Jahrhunderts aus der Peterskirche, Ansichten Weinheims und seiner Umgebung, Biedermeier- und Historismusmöbel aus dem Weinheimer Schloß und bietet Informationen zur Stadtgeschichte. (Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr. Sonntag 10 bis 17 Uhr)

Durch das Schlossergäßchen kommt man zur Institutsstraße, in die man nach links einbiegt. Rechts steht das Molitorsche Haus, ein ehemaliger Adelshof, der sich im Besitz der Familie Ullner von Dieburg befand. Der Massivunterbau und der achtseitige Treppenturm entstanden 1557/58. Die Konstruktion des Fachwerkobergeschosses und des Giebels datiert aber von 1344 und gilt damit als das älteste Fachwerk zwischen Rhein, Main und Tauber.

 

Man kommt wieder zum Marktplatz und geht nach rechts in die Rote-Turm-Straße. Links steht das katholische Pfarrhaus. Dieses war das ehemalige Karmeliterkloster (Rote Turmstraße 1). Der Klosterbau, dessen Grundstein 1720 an der Stelle eines Vorgängerbaus gelegt wurde, dient seit der Aufhebung des Klosters im Jahre 1802 als katholisches Pfarrhaus.

Rechts steht der Rote Turm aus dem 14. Jahrhundert. Er diente bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als Gefängnisturm. Der Pyramidenkegel über dem Zinnenkranz trug früher ein rotes Ziegeldach, das dem Turm seinen Namen gab. Im nneren ist in der pyramidenförmiger Steinspitze das Holzgebälk aufgehängt.

 

Wenn man nach links weitergeht kommt man wieder zum Schloßeingang und geht nach rechts hinunter in die Albert-Ludwig-Grimm-Straße. Von dieser zweigt nach rechts die Babostraße ab.

Dort ist links der Stadtpark, der an der Stelle von Weinbergen und später zwei Friedhöfen angelegt wurde. Drei bedeutende Denkmäler hat diese Parkanlage zu bieten: Das 1999 aus rotem Odenwälder Sandstein errichtete Mahnmal für die Opfer von Gewalt. Krieg und Verfolgung, das Babo-Denkmal und das Kraused'Avis-Grabmal, das an die frühere Nutzung des Geländes als Friedhof erinnert. Interessant ist auch der historische Geißenbrunnen.

 

Rechts geht es in den Hermannhof, der große Staudengarten „Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof“ mit einem großen Myrtenbaum, der im Winter gegen die Kälte eingehaust wird. Die ursprünglich über 200 Jahre alte, rund 2,2 Hektar große Gartenanlage inmitten der Stadt wurde 1981 - 83 von der Industriellenfamilie Freudenberg zu einem Schau- und Sichtungsgarten für Stauden umgestaltet.

Der Park ist kein botanischer Garten im üblichen Sinn, sondern ein lebendiges Gartenlehrbuch, das Pflanzbeispiele und Gestaltungsideen zeigt. . Mit seinen 22.000 Quadratmeter großen, über 200 Jahre alten Gartenanlage,  dient er als gärtnerisch-botanische Versuchsstätte für Stauden unzähliger Arten und Größenordnungen. Er beherbergt über 2.500 Staudenarten und seltene Gehölze. Ferner prägen alte, in Deutschland zum  Teil sehr seltene Gehölze die Anlage. Ein Besuch gibt Gartenfreunden Fachleuten viele Anregungen für neuartige, ansprechende Gartengestaltung.

Das Konzept lautet:

o Der Hermannshof arbeitet wissenschaftlich und experimentell an der Entwicklung einer modernen Pflanzenverwendung. Drei Ziele stehen dabei im Vordergrund:

o Die Untersuchung der Konkurrenzverhältnisse zwischen den Pflanzen bei unterschiedlichen Wachstums- und Standortbedingungen.

o Die Gestaltung von Pflanzenkombinationen, die aufgrund von Harmonie bzw. Kontrast der Formen und Farben von hohem ästhetischem Reiz sind. Hier werden Pflanzenbilder mit natürlich Charakter gestaltet

o Die Etablierung dauerhafter Pflanzungen mit vermindertem Pflegeaufwand und einer lang-anhaltenden Attraktivität.

o Die häufigsten Standortsituationen von Stauden werden in 7 verschiedenen Lebensbereichen dargestellt: Gehölz, Gehölz, Freiflächen, Steinanlagen, Wasserrand und Wasser sowie Beet.

 

Zwei Burgen:

Von der Autobahn kommend fährt man erst ein Stück links und dann rechts in die Bahnhofstraße. Die Wegweiser „Zwei Burgen“ weisen den Weg.

Kurz vor der Weschnitz kommt man an der Alten Post vorbei (Alte Postgasse 41). Die Alte Post am Südufer der Weschnitz wurde nach fünfjähriger Bauzeit 1582 fertiggestellt. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts beherbergte sie als Wirtshaus „Zum Goldenen Bock” auch berühmte Leute, etwa Goethe auf dessen Durchreise 1775. Im Jahre 1801 kam das Gebäude in den Besitz des kaiserlichen Posthalters Hübsch, der es nach einem Umbau bis 1840 als Posthalterei benutzte. Das 1836 in klassizistischer Form erbaute, zweigeschossige Haus mit seinen drei Arkaden im Erdgeschoß beherbergt seit über 150 Jahren die Gemeinde- und Ortsteilverwaltung Sulzbach. Über dem mittleren Bogen ist das Sulzbacher Wappen, ein fünfstrahliger silberner Stern im blauen Feld, angebracht.

Ein Stück weiter in der Birkenauer Talstraße steht die Peterskirche. Die erste Nachricht über eine Kirche in Weinheim stammt aus dem Jahre 861. Möglicherweise handelte es sich hierbei um einen Vorgängerbau der um 1000 errichteten Peterskirche. Die Peterskirche erfuhr im Lauf der Jahrhunderte viele bauliche Veränderungen. 1910 wurde sie abgerissen und durch den jetzigen neo-romanischen Bau ersetzt. Die mittelalterlichen Fresken sind heute im Museum der Stadt Weinheim zu sehen.

Seit Einführung der Reformation in der Kurpfalz 1555/56 diente die Peterskirche, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, der evangelisch-reformierten Gemeinde.

 

Ruine Windeck:

Das Zeichen offenes weißes Viereck führt für den Fußweg vom Bahnhof nach rechts zunächst durch die Neustadt und schließlich über einen Treppenabgang durch das Gewinkel der Gassen zum Schloßberg. Mit dem Auto fährt man den Wegweisern „Zwei Burgen“ nach. Es geht nach rechts in die Gundelbachstraße und dann nach links in die Schloßbergstraße, die zu beiden Burgen führt. Zuerst geht es an einer Bank rechts ab zur Windeck. Man kann auf dem ausgewiesenen Parkplatz parken, aber auch noch auf dem Weg zum Burgtor.

Die Burg steht auf dem 222 Meter hohen Schloßberg und gilt als das älteste Baudenkmal Weinheims. Ihre Geschichte ist auf das engste mit der des Klosters Lorsch verbunden. Im Jahre 773 hatte Karl der Große dem Kloster die gesamte Mark Heppenheim bis Weinheim geschenkt. Als die Fronhöfe zu klein wurden, den Pachtzins der Hübner in Form von Wein, Getreide und Früchten aufzunehmen, entschlossen sich die Äbte 1107 auf dem Berg über der Weschnitz eine größere, befestigte Kellerei zu bauen, besonders für die Lagerung des Weines (Weinmagazin). Die Windeck war also eine Schutzburg des Klosters Lorsch.

Festungscharakter hatte die Anlage allerdings zunächst nicht. Erst nachdem auf Befehl Kaiser Heinrichs V. im Jahre 1114 die Burg geschleift worden war, wurde sie in ihrer heutigen Ausdehnung errichtet. Im 30jährigen Krieg wurde sie stark zerstört. Im Jahre 1674 wurde sie endgültig durch den französischen General Turenne zerstört. Seit 1978 ist die Burgruine im Besitz der Stadt Weinheim, die sich um den Erhalt der Burg bemüht.

Es ist erstaunlich, wieviel Mauerwerk noch von der Burg erhalten ist. Immerhin diente sie den Weinheimern Ende des 17. Jahrhunderts über Jahre als Steinbruch für die Wiederherstellung ihrer Häuser, die Generalfeldmarschall Turenne bei der Pfalzverwüstung 1674 zerstört hatte.

Achtundzwanzig Meter ragt der Bergfried empor, von dem die große Heerstraße des Mittelalters, die Bergstraße, beobachtet werden konnte. Eine architektonische Rarität ist die in die Mauer des Bergfrieds eingelassene Wendeltreppe. Der Turm kann bestiegen werden.

Im Südosten der Anlage ist der vierstöckige ehemalige Palas zu erkennen, unter dem sich das mächtige Kellergewölbe befindet. Von den Wirtschaftsräumen auf der Westseite ist nur noch der Grundriß vorhanden, eine Burgschänke steht an dieser Stelle.

Man fährt wieder zurück bis zu der Bank und dann rechts hinauf zu Wachenburg. Man kann auf dem zunächst angezeigten Parkplatz parken. Es gibt aber auch noch weiter oben einen Parkplatz links vom Eingang zur Burg.

 

Wachenburg:

Die Wachenburg liegt auf dem der Windeck gegenüberliegenden Bergkegel in 328 Meter Höhe, fast auf der Kuppe. Man könnte die Burg für die besterhaltene mittelalterliche Anlage halten, mit ihrem Bergfried, Palas, Ehrenhof, Toren und der Burgschänke, wüßte man nicht, daß sie erst kurz vor und nach dem Ersten Weltkrieg entstanden ist (1907 bis 1928).

Erbaut wurde sie vom Weinheimer Seniorenkonvent der Vereinigung studentischer Korps an den deutschen Technischen Hochschulen und Bergakademien als Gedenk- und Begegnungsstätte des Weinheimer Senioren-Convents und seiner aktiven studentischen Corps. Über dem Wappentor sind die Embleme der 62 angeschlossenen Korporationen eingelassen. Die Burg ist Mahnmal für die Gefallenen des Korps. Ein Mahnmal für die Gefallenen des Weinheimer Seniorenkonvents, der Vereinigung des studentischen Korps an den deutschen Technischen Hochschulen, wurde 1938 errichtet. Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens des WSC ist das alljährlich in der Himmelfahrtswoche stattfindende Treffen.

Der Panoramaradius von der „Studentenburg“, wie der Volksmund sie nennt, ist noch umfassender, weitreichender als der von der Windeck. Das Zeichen roter Strich weist den Weg zur Vogesenschau, einem Aussichtspavillon (vgl. Elvia Klein, Odenwald, Seite 29).

Wanderung nach Hemsbach in Elvira Klein Wochenende, Seite 22.

Wanderung nach Nächstenbach in Elvira Klein, Odenwald, Seite 29.

Wanderung nach Lützelsachsen in Elvira Klein,Wochenende, Seite 42.

 

Ortsteile:

In den Jahren 1971 bis 1973 wurden die umliegenden Ortschaften Hohensachsen, Lützelsachsen, Oberflockenbach, Ofling, Rippenweier, Ritschweier, Sulzbach und Waid eingemeindet. In den Bergstraßenorten Hohensachsen, Lützelsachsen und Sulzbach spielte der Wein- und Obstbau eine große Rolle. Die im Odenwald gelegenen Ortsteile werden durch bewaldete Höhen und Wiesen geprägt.

 

Lützelsachsen, Evangelische Kirche

Die 1773 erbaute reformierte Kirche war der erste Kirchenbau im Ort. Im Jahre 1908 wurde an den dreiachsigen Saalbau ein neubarocker Glockenturm angefügt. In den Jahren 2000 und 2001 wurde die Kirche renoviert und der Innenraum neu gestaltet.

 

Hohensachsen:

Das Rathaus brannte 1674 nieder. Es wurde 1538 erbaut, wie die Jahreszahl auf dem Giebelstein ausweist. Zwölf Jahre später wurde das Rathaus wiederaufgebaut und im 18. Jahrhundert mit einem Dachreiter gekrönt.

Die St. Jakobuskirche wurde 1772 nach Plänen des Heidelberger Maurermeisters Matthias Morath errichtet. Im Jahre 1813 setzte Baudirektor Dyckerhoff dem Bau noch einen Dachreiter auf. Das Pfarrhaus entstand 1787. Das Deutschordenskreuz im Portalsturz weist darauf hin, daß das Patronatsrecht dem Deutschen Orden übertragen war.

 

Ritschweiher: Bildstock „Am kalten Stein“:

Der an der Kreuzung der Wege von Ritschweier nach Oberkunzenbach und von Weinheim nach Oberflockenbach gelegene Bildstock stammt aus dem 16./17. Jahrhundert. vielleicht sogar aus spätgotischer Zeit. Seinen Namen „Am kalten Stein” bzw. „Kalter Herrgott” trägt er wohl nach dem kalten Wind, der über diese Hochfläche weht.

 

Oberflockenbach:

Das Oberflockenbacher Ortsbild weist noch eine Reihe schöner, größtenteils in das 18. und 19. Jahrhundert zu datierender Hofanlagen auf. Der „Atzelhof“ (Bildstockweg 7) mit einem Fachwerkbau aus dem frühen 17. Jahrhundert ragt durch Alter und Ausstattung daraus hervor.

 

Rippenweiher/Heiligkreuz:

Die 1545 erstmals erwähnte Hessenmühle (Odenwaldstraße 2) wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Das große Fachwerkgehöft mit Mühlenbau stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde zeitweilig als Papiermühle und Kupferschmelze genutzt.

Die Kapelle zum Heiligen Kreuz wurde erstmals 1496 erwähnt. Sie wurde von 1699 bis 1969 als Simultankirche von beiden Konfessionen genutzt. Chor und Ostteil des Langhauses der heutigen evangelischen Kirche reichen in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück. Der Turm mit Spitzhelm stammt aus dem 15. Jahrhundert. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Langhaus umgebaut und verlängert.

 

 

 

Badische Bergstraße südlich von Weinheim

Diese Tour hat die Schwierigkeit, daß man immer von der Bergstraße erst wieder in die Dörfer hineinfahren muß, eine direkte Verbindung der Dörfer gibt es nicht. Deshalb ist immer angegeben, ob sich der Abstecher lohnt oder nicht. Ladenburg kann man auch mit einer Fahrt nach Mannheim und zurück durchs hessische Ried verbinden.

Auch der Einstieg ist schwierig zu finden. Wenn man von der Autobahn kommt, muß man schon nach einem kurzen Stück rechts abbiegen und dann immer weiter diese Straße entlang fahren bis über die Eisenbahn und dann gleich rechts.

 

Friedrichsfeld-Nord:

In Weinheim muß man schon nach rechts auf die B 38 einbiegen (Richtung Burgen), darf aber noch nicht nach rechts in die südliche Bergstraße einbiegen, sondern muß noch weiter in die Stadt fahren und erst nach Querung der Schienen gleich nach rechts. Friedrichsfeld ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt (nach Darmstadt, Heidelberg. Mannheim, Schwetzingen) mit bedeutende Industrie. Der Ort wurde 1684 von französischen Emigranten gegründet; Hier fand 1462 die Schlacht bei Seckenheim statt, in der Friedrich der Siegreiche seine Feinde gefangennahm: den Herzog Urich von Württemberg, den Markgrafen Karl von Baden und dessen Bruder, den Bischof Georg von Metz. (Gedicht: „Das Mahl zu Heidelberg” von Schwab).

 

Lützelsachsen:

Bald nach dem Ende der vielen Schienen in Friedrichsfeld muß man von der Bergstraße einmal nach links abbiegen, um auf die Weinheimer Straße und nach Lützelsachsen zu kommen. In Lützelsachsen  wächst ein ausgezeichneter Wein („Lützelsachser Roter"). Von dort geht ein bequemer Weg auf den Geiersberg und von dort durch den Kastanienwald nach Weinheim. Die 1773 erbaute reformierte Kirche war der erste Kirchenbau im Ort. Im Jahre 1908 wurde an den dreiachsigen Saalbau ein neubarocker Glockenturm angefügt. In den Jahren 2000 und 2001 wurde die Kirche renoviert und der Innenraum neu gestaltet. An der Kirche in Leutershausen vorbei kommt man dann nach Hohensachsen.

 

Hohensachsen:

Das Rathaus brannte 1674 nieder. Es wurde 1538 erbaut, wie die Jahreszahl auf dem Giebelstein ausweist. Zwölf Jahre später wurde das Rathaus wiederaufgebaut und im 18. Jahrhundert mit einem Dachreiter gekrönt. Die St. Jakobuskirche wurde 1772 nach Plänen des Heidelberger Maurermeisters Matthias Morath errichtet. Im Jahre 1813 setzte Baudirektor Dyckerhoff dem Bau noch einen Dachreiter auf. Das Pfarrhaus entstand 1787. Das Deutschordenskreuz im Portalsturz weist darauf hin, daß das Patronatsrecht dem Deutschen Orden übertragen war. Der Ort ist sehenswert, man fährt aber wieder nach rechts zur Bergstraße (aber nicht geradeaus auf die Scheune zu, sondern links ab).

 

Großsachsen:

An der Bergstraße hat Großsachsen im Tal des Apfelbaches seinen Charakter als Bauerndorf am meisten bewahrt. Dank des bekannten Bergsträßer Klimas und der fruchtbaren Böden wachsen hier edle Obstsorten und manch edles Tröpfchen.

Etwa ein Kilometer westlich von Großsachsen liegt die Villa rustica  „Alter Weg“. Der Bau dieses römischen Gutshofes wurde bereits im ersten Jahrhundert n. Chr. begonnen und wurde bis Mitte des dritten Jahrhunderts zu einem stattlichen Gebäudekomplex ausgebaut. Die Villa rustica ist einer der wenigen systematisch ergrabenen Gutshöfe des Neckarmündungsgebietes und läßt viele weiterführende Schlüsse in Bezug auf die römische Besiedlung der Bergstraße zu. Die freigelegten Fundamente sind jederzeit zu besichtigen, der Weg zur Villa rustica ist ausgeschildert.

Von Großsachsen zieht östlich ein reizendes Tal nach Heiligkreuz hinauf, das in der Richtung nach dem Eichelberg viel durchwandert wird: Aufstieg auf rot-blau bezeichnetem Weg über den Hundskopf, mit Schutzhütte und schöner Aussicht, und weiter über die Rottmannshöhe.

Ein sehr beliebter Spaziergang führt von Großsachsen über Hohensachsen durch das Tal nach Ritschweier und von da über den Geiersberg nach Weinheim.

Die drei  „Sachsendörfer", von Karl dem Großen gegründet, sind schöne, wohlhabende Orte und geschätzte Ausflugsziele mit guten Weinwirtschaften. Hirschberg an der Bergstraße ist eine Gemeinde-Neubildung, die seit 1975 aus den Ortsteilen Großsachsen und Leutershausen besteht.

 

Leutershausen:

Der Ort wurde erstmals im Codex des Klosters Lorsch erwähnt, in dessen Besitz es im Jahre 877 überging. Später war er Lehen der Herren von Hirzberg, von deren Schloß Hirschburg hoch oben im Wald noch überwachsene Trümmer zu finden sind. Sehenswert sind das Schloß, die Wallfahrtskirche und die vielen Fachwerkhäuser, die noch heute den Charakter des Ortes bestimmen. Diese liegen aber im nördlichen Teil des Ortes, man muß erst wieder von der Bergstraße nach links abbiegen.

 

Schriesheim:

Ein sehr alter, großer und wohlhabender Marktflecken. Es gibt Wein- und Obstbau und bedeutende Porphyrwerke und Mühlen. An mehreren Stellen des Tals wurde früher Bergbau auf Graphit und Schwerspat betrieben. Bekannt ist es auch durch viele preisgekrönte Weine. In der Stadt gibt es einen Zehntkeller.

Am Abhang des 450 Meter Ölbergs steht die romantische Ruine Strahlenburg (204 Meter) mit Burgwirtschaft und reizender Aussicht in die Rheinebene. Von der nicht sehr umfangreichen Burg sind der gotische Palas, eine mächtige Schildmauer und der runde Bergfried erhalten; letzterer ist durch eine im Innern angebrachte steile Holztreppe besteigbar. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert erbaut und gehörte ehemals der Abtei Ellwangen, dann kam sie als Lehen an die Herren von Strahlenburg, dann durch Verkauf an die Pfalz, später wieder in andere Hände und wurde 1470 durch Friedrich den Siegreichen von der Pfalz erobert und zerstört. Jetziger Eigentümer der Ruine ist Graf von Oberndorff. Der besteigbare Turm ist noch heute, ummantelt von einigen Mauerresten, das Wahrzeichen Schriesheims. Ein Hauch Romantik umweht das Mauerwerk der Ruine. Sie ist mit der Sage des „Käthchen von Heilbronn” verbunden, Heinrich von Kleist hat sie zum Schauplatz eines Teils seines gleichnamigen Ritterdramas gewählt. Die Burg ist von der Bergstraße aus zu sehen, man muß nicht unbedingt zu ihr hinfahren.

Das wegen seiner Schönheit vielbesuchte Schriesheimer Tal oder Ludwigstal, ein Wald- und Wiesental, ist durch Mühlen belebt. Reichlich eine halbe Stunde oberhalb des Ortes liegt, im Waldtal eingebettet, die Lungenheilanstalt Stammberg.

In der Grube „Anna Elisabeth“ (östlich des Ortes, an der Straße nach Stamberg) wurde im 15. und 16. Jahrhundert Silbererz abgebaut, später Eisenvitriol. Im Jahre 1985 wurde die Grube von einem privaten Trägerverein zu einem Besucherbergwerk ausgebaut und seither erhalten Interessierte (immer am ersten Sonntag im Monat von Mai bis Oktober) unter fachkundiger Führung einen Einblick in die über 500 Jahre alte Grubenbaue und die Arbeitsweise der Bergleute.

Eine Rarität für den Kunstkenner ist das Museum Theo Kerg. Dem Mitbegründer des Taktilismus ist hier eine ständige Ausstellung gewidmet.

 

Ladenburg:

Der Ort liegt westlich von Schriesheim, der Besuch kann aber auch mit einer Fahrt nach Mannheim und zurück durchs hessische Ried verbunden werden.

 „Lokwodunon“ lautete der Name Ladenburgs in grauer Vorzeit. Auf einem keltischen Steinkastell entstand 98 n. Chr. ein Verwaltungsmittelpunkt. Die Römer nannten es „Lupodunum“. Der nächste Name der Stadt von 500 bis 538 war „Lobdenburg. Hauptstadt des Lobdengaus“.. Das Lobdengau-Museum erzählt noch heute von dieser Zeit. Danach bestimmten die Bischöfe von Worms ein Jahrtausend lang die Geschicke der Stadt.

Einmalig in der Region Bergstraße ist die Ladenburger Altstadt-Sanierung. Erhalt von Bausubstanz und Erneuerung von Gebäuden wurden nahezu perfekt realisiert und bei einem Bundeswettbewerb ausgezeichnet. Am Wormser Tor steht das Standbild des heiligen Martin zu Pferde. Die einschiffige St. Galluskirche ist ein gotischer Bau aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, die Türme sind von 1412 und 1416. Außen ist ein Ölberg zu sdehen, innen Grabmäler der Sickingen, unter dem Chor finden sich Reste von Wandgemälden. Im Jahre 1912 wurden hier Quadern von einer römischen Basilika, etwa aus dem 3. Jahrhundert aufgedeckt. Andere römische Bauteile sind an der Westseite der romanischen St. Sebastianskirche, die karolingische Tierbilder und Masken aufweist. Ferner sind sehenswert der Wormser Bischofshof mit Wappen von 1431 (heute noch eines der besterhaltenen Bauwerke) und verschiedene Adelshöfe.

Ein berühmter Einwohner Ladenburgs war Carl Benz. Seine Villa ist heute noch zu besichtigen, ebenso wie das Mechanische Musik- und Fahrzeugmuseum. Ein alljährlich an Pfingsten stattfindendes Mercedes-Veteranen-Treffen erinnert an den weltbekannten Bürger. Hertha Benz ließ sich bei ihrer ersten Überlandfahrt ihren „Patent-Motor-Wagen“ auftanken in der Stadtapotheke von Wiesloch (etwas weiter südlich), die damit die erste „Tankstelle“ der Welt wurde.

 

Dossenheim:

Der Ort gehörte früher dem Kloster Lorsch und war später im Besitze der Herren von Schauenburg. Die alte Kirche ist 1375 von den Herren von Handschuhsheim  erbaut worden. In einem Seitental finden sich die Reste einer mittelalterlichen Burganlage, die Kronenburg. Dossenheim hat große Porphyrbrüche und ausgedehnten Obst- und Gemüsebau; insbesondere werden Kirschen und Erdbeeren weithin versandt. Aber ein Besuch ist nicht unbedingt notwendig.

Dossenheim hat keine sehenswerte Altstadt wie seine berühmten Nachbarn Bensheim, Heppenheim oder Weinheim. Aber man kann eine kleine Wanderung zu einem sehr ungewöhnlichen Ort unternehmen: zu der Höhle eines Einsiedlers, der im 18. Jahrhundert einsam im Wald hauste. Auch die Ruine Schauenburg über Dossenheim ist ein lohnendes Ziel.

Anfahrt zur Ruine Schauenburg: Durch Dossenheim Richtung Osten bis Ortsende, letzte Möglichkeit zwischen Waldrand und Ort links Richtung Norden, Parkplatz am Ende der Straße. Von dort auf Weg R etwa 25 Minuten bergauf.

Die Burg wurde um 1100 vom Kloster Lorsch zur Absicherung und Verwaltung seines Besitzes erbaut. Ehemals war es eine große Anlage. Im Jahre 1130 wohnte hier Gerhard von Schauenburg, ein Lehensmann des Klosters. Seine Familie herrschte über Dossen-, Handschuhs- und Seckenheim, denn diese Dörfer gehörten alle dem Kloster Lorsch. Um 1280 starb der Letzte aus der Familie Schauenburg, ohne einen Erben zu hinterlassen. 1320 erwarb das Bistum Mainz die Burg. Im Jahre 1460 wurde die Burg durch Friedrich den Siegreichen von der Pfalz zerstört.

Kurfürst Friedrich I. zerstörte Mitte des 15. Jahrhunderts die Dörfer Dossen- und Handschuhsheim und belagerte auch die Schauenburg. Deren Besatzung - 18 Ritter und 30 Schützen - verteidigte sich tapfer. Doch schließlich musste sie sich der feindlichen Übermacht ergeben. Die Burg wurde binnen sechs Wochen niedergerissen. Seitdem dienten ihre Überreste als Baumaterial für die umliegenden Dörfer. Die evangelische Kirche in Dossenheim soll aus Steinen der Schauenburg bestehen.

 

Ein etwas längerer Spaziergang führt zur Klause des Eremiten. Der Weg beginnt linker Hand des Parkplatzes. Überhaupt gilt für diese Rundtour: immer links halten. Der Spaziergang verläuft auf einem breiten Weg, es gibt kaum Steigungen. Nach etwa 45 Minuten erreicht man die Zimmerholzhütte an den gleichnamigen Wiesen, durch die sich der Mühlbach schlängelt.

Von der Schutzhütte aus geht es weiter links auf dem breiten Weg, bis zur Klause. Hier hauste im 18. Jahrhundert der Eremit Johann Georg Kernstock mitten im Wald in einer Erdhöhle unter einem großen Felsbrocken. Die Höhle ist nur durch zwei schmale Eingänge zu erkrabbeln. Der Raum, wo der Einsiedler lebte, ist etwa zwei Meter breit und drei Meter lang. An der Rückseite schloss Kernstock ihn mit einer Mauer ab; vorne ist das Erdloch nur knapp 60 cm hoch. Kaum vorstellbar, dass hier wirklich jemand hauste. Laut Eintrag in einem katholischen Kirchenbuch von 1765 war Kernstock ein konvertierter Lutheraner.

Um die Klause herum stehen mächtige Eichen, die als Naturdenkmäler gekennzeichnet sind. Der Rundweg folgt nun ein Stück dem Waldlehrpfad Mühltal-Kirchberg. Jetzt geht es stetig bergab, etwa 25 Minuten, bis zum Tennisplatz im Tal. Der Waldlehrpfad Mühltal-Kirchberg beginnt beim Parkplatz hinter dem Tennisplatz und führt drei Kilometer den Mühlbach entlang wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Anfahrt zur Eremitenklause: in Dossenheim Richtung Osten auf die Kuppen des Odenwaldes zufahren. Am Tennisplatz mit Gaststätte und Parkplatz vorbei, die Straße rechts den Berg hinauf. Dann am ersten Parkplatz im Wald auf der linken Seite parken. Der Rundweg zur Klause des Eremiten dauert etwa 2,5 Stunden.

 

Handschuhsheim:

Das Dorf mit hübschen Landhäusern ist nach Heidelberg  eingemeindet. Es ist sehr alt und wurde schon 765 im Lorscher Codex erwähnt. Wie der größte Teil der Bergstraße, kam es unter den Frankenkönigen durch Schenkung an das Kloster Lorsch, welches seine Dienstmannen damit belehnte.

Die Burg, ehemalige Lorscher Vogtsburg, ist jetzt noch als Ruine vorhanden. Sie wurde vermutlich im 16. Jahrhundert erbaut, ist quadratisch angelegt und war von einem breiten Wassergraben umgeben (Wasserburg oder Tiefburg). Im Jahre 1689 wurde die Tiefburg zerstört. Mitten im Ort liegt die restaurierte Ruine, sie  duckt sich im längst trockengelegten Graben. Ihre Wehrmauern sehen romantisch aus, besonders wenn sie in der Abendsonne rötlich leuchten.

Die Tiefburg ist mehr als Kulisse, vielmehr werden Hof und Rittersaal für zahlreiche Stadtteilfeste genutzt. Am dritten Wochenende im Juni zur „Hendsemer Kerwe” öffnet sich die efeuumwucherte Tiefburg zu Besichtigung und Gelage, und das Gedränge kann beängstigend werden. Aber die Burgruine im tiefen Graben gibt auch zu sonstigen Öffnungszeiten (dienstags 9 bis 11, freitags 16 bis 18 und sonntags 11 bis 12.30 Uhr, Voranmeldung Telefon 062211400843), ihre Geheimnisse preis; der Eintritt ist dafür frei.

Die Geschichte der Burg und ihrer Herrschaft ist lückenhaft überliefert. Im 13. Jahrhundert sollen die Edlen von Handschuhsheim die Tiefurg erbaut haben, ohne daß sie auch gleichzeitig das umgebende Dorf regierten. Vielmehr gehörte Handschuhsheim selbst zur Nachbarburg Schauenburg. Das Geschlecht der Handschuhsheimer war schon erloschen, als im 30jährigen Krieg der siegreiche Feldherr Tilly sein Hauptquartier in der Burg aufschlug und furchtbar in der Gegend wütete.

Immer noch beflügelt die Burggeschichte die Fantasie. Im Jahre 1997 erst erschien das Kinder- und Jugendbuch „Das Geheimnis der Tiefburg“. Eine Gedenktafel an der Tiefburgmauer erinnert an den letzten Ritter Hans von Handschuhsheim, der im Jahre 1600 als 15-Jähriger an den Folgen eines blutigen Streites mit dem jungen Friedrich von Hirschhorn starb.

Hans von Handschuhsheim hatte mit 16 Lenzen ein Wundfieber zu Silvester 1600 hingerafft. Es war die Folge eines Schwerthiebes, den ihm der Herr von Hirschhorn beigebracht hatte.

Bei der Prunkhochzeit von Kurfürst Friedrich IV. im großen Heidelberger Schloß waren sie aneinandergeraten, als der Jüngling zum Ritter geschlagen wurde. Der Länge nach soll der Hirschhorner dem Handschuhsheimer das Schwert in den Schenkel getrieben und dann auch noch in der Wunde herumgedreht haben, ehe er es auf Flehen des Getroffenen wieder herauszog. Bewirkte es der Fluch der trauernden Mutter, daß Reuetaten dem Wüterich nicht halfen und auch mit ihm sein Geschlecht ausstarb? Ohne männliche Erben gelangte die Burg der Ritter von Handschuhsheim anschließend in den Besitz der Grafen von Helmstatt.

Im Ritterhaus sind nicht nur Rüstungen, Waffen, Bilder, Dokumente seiner einstigen Geschichte zu bestaunen, sondern auch das Rätsel des „eingemauerten Ritters”. Beim Blick in die berühmte Mauernische im Burginneren wird sich mancher in Johann Ferdinand Joseph von Helmstatt hineinversetzen, der 1770 hinter der hohl klingenden Wand einen geharnischten Ritter entdeckte. Beim Aufbrechen der Mauer sollen dessen menschliche Überreste in sich zusammengesackt sein. War er einst als Gefangener nach mittelalterlicher (Un-)Sitte auf diese Weise umgebracht worden? Zum Bedauern heutiger Historiker verschenkte Helmstatt die anschließend verschollene, reich mit Gold verzierte uralte Ritterrüstung. Der Geharnischte wurde nachgestellt, wie er in der zugemauerten Nische stehend gefunden worden sein soll.

Mitten im Leben steht auch das benachbarte Schlößchen, das Anfang des 18. Jahrhunderts etwa sein heutiges Aussehen erhielt, und das die Musikschule beherbergt. Im Park des „Schlößchens” steht das Geburtshaus des Malers Carl Rottmann (1797 bis 1850). Von Vater Rottmann bewahrt das Kurpfälzische Museum in der Stadt eine Grafik der historischen Stunde auf, als 1795 bei Handschuhsheim die Österreicher die Franzosen schlugen. Sohn Carl Rottmann ist mit einer monumentalen Vorarbeit „Aegina” vertreten. Sie gehört zum Griechenlandzyklus, den der spätere Hofmaler im Auftrag des Bayernkönigs Ludwig I. für die Neue Pinakothek in München schuf. Handschuhsheim ist stolz auf diesen schwelgerischen Künstler.

Die  St. Vituskirche ist die älteste Kirche Heidelbergs. Man findet sie, wenn man an der Gabelung der Hauptstraße nach links abbiegt in die Rottmannstraße und dann wieder nach links fährt, und erst dann zur Burg kommt. Der Turm der Kirche stammt noch von der ersten (romanischen) Anlage. Die von Abt Arnold von Lorsch um die Mitte des 11. Jahrhunderts errichtete, später umgebaute Kirche enthält im Innern schöne Grabmäler des Handschuhsheimer Rittergeschlechts. Eine der vielen Grabplatten erinnert an den Toten Hans und sein mit 13 Jahren gestorbenes Schwesterchen. Die Kirche überstand als einzige die schlimmen Brandschatzungen durch die Franzosen 1674 und 1689, als Dorf und Burg zerstört wurden. Hier begegnen Besucher dem bereits von der Tiefburg vertrauten Wappenschild wieder: ein Handschuh. Auch heute noch beliebtes Symbol des Stadtteils und hie und da auf Werkstatt- und Hausschildern zu finden. Der heilige Vitus ist Schutzpatron der Bauern. Zumindest Gemüse- und Obstbauern gibt es in Handschuhsheim noch, die auch den Frankfurter Markt mit ihren im Bergstraßenklima früh reifenden Früchten versorgen.

Mitte des 19. Jahrhunderts erkoren Heidelberger Studenten Handschuhsheim zum Ausflugsziel, nachdem einer von ihnen 1845 im Handschuhsheimer „Roten Ochsen“ bei der Wirtin Felicitas Brunner seinen Jagdausflug hatte ausklingen lassen. Folglich avancierte „Tante Felix“ mit ihrem urwüchsigen Humor schnell zur Studentenmutter und half so, die Wirtsstuben des damals noch eigenständigen Dorfes zu füllen - bis heute übrigens: ein Nebenraum des „Roten Ochsen“ wurde nach ihr benannt.

 

Heiligenberg

Viele Wanderwege haben den Heiligenberg erschlossen. Immer aber kann man noch aufsteigen durch die uralten Hohlwege durch Gärten und Wald mit Eßkastanien, wo einst  Prozessionen oder fromme Büßer unter Geißelungen sich hinauf bemühten. Man kann den Berg aber auch mit dem Auto erreichen:

Wenn man von Norden auf der Bergstraße kommt, muß man aber rechtzeitig nach links abbiegen, und zwar kurz nachdem sich die Straße aufteilt nach links in die Mühltalstraße. Man kommt südlich an der Tiefburg vorbei und fährt dann immer weiter, bis ein Schild nach rechts zum Heiligenberg weist (geradeaus geht es in das reizvolle Siebenmühlental). Auf dem Chaisenweg geht es dann immer den Schildern nach zum Heiligenberg. Er ist aber nur von dieser Seite aus zu erreichen.

Zuerst trifft man links auf das „Heidenloch“, wenn man rechts schon den Aussichtsturm sieht. Der Schacht ist überdeckt mit einem Gebäude, das man als Wanderhütte ansehen könnte. Wenn man in die Hütte kommt, ist rechts ein Lichtschalter, durch den man den Schacht beleuchten kann.

Im Jahre 1936 ließ die Stadt Heidelberg das Heidenloch durch P. H. Stemmermann vom Kurpfälzischen Museum freilegen und untersuchen. Der drei bis vier Meter weite Schacht war 56 Meter in den Pseudomorphosen-Sandstein des Berges hineingetrieben. Zuoberst mußte vorher ein mittelalterliches Tonnengewölbe mit Schöpfloch beseitigt werden, das die Mönche des naheliegenden Stephansklosters im 12. Jahrhundert angelegt hatten. Bis in eine Tiefe von etwa 30 Meter kamen spätmittelalterliche Funde aus Metall und Keramik zutage. Die beigemengten Baureste stammten offensichtlich aus dem im 16. Jahrhundert zerstörten Stephanskloster.

In größerer Tiefe hörten die Funde völlig auf, nur Steinschutt und Erde füllten den Schacht. Überraschend stieß man in 52 Meter Tiefe auf einen 2,10 Meter hohen Brunnenmantel von 1,08 -1,28 Meter Durchmesser, der unten von einer Bodenplatte abgeschlossen wurde.

Darunter entdeckte man nach Entfernung des Steinmantels im Jahre 1937 eine römische Ziegelschicht und eine gleichzeitige Vermauerung einer Felsspalte. Im Jahre 1938 würden die Untersuchungen eingestellt und der Schacht für lange Jahre mit Baumstämmen abgedeckt. Trotzdem gelangte immer wieder Schutt in das Heidenloch, das zuletzt wieder bis 18 Meter über der Schachtsohle verfüllt war.

Im Jahre 1987 faßte die Stadt Heidelberg auf Anregung der Schutzgemeinschaft Heiligenberg e.V. den Beschluß, das Heidenloch erneut freizulegen und über dem Schachtkopf mit Unterstützung der Schutzgemeinschaft, des Forstamtes Heidelberg und des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg ein Schutzgebäude errichten zu lassen.

Bei der erneuten Freilegung des Schachtes konnten weitere wichtige Beobachtungen gewonnen werden. Die Sohle lag bei 56 Meter Tiefe. Die dort wiederentdeckten Quader des 1938 heruntergestürzten Brunnenmantels zeigten in Bearbeitungstechnik und lateinischer Numerierung, daß sie um 1100 gefertigt wurden. Weit älter sind die Meißelspuren im Fels, die eingetieften Balkenlöcher oder die eigenartige Gestaltung des sogenannten Frauenbildnisses.

Wie alt genau das Heidenloch ist, kann schwerlich beantwortet werden. Sehr wahrscheinlich ist es aber in der Keltenzeit entstanden und als Brunnen oder Kultschacht genutzt worden (Zugang zur Unterwelt). Nur im 5. - 3. Jahrhundert gab es in der Zeit der großen befestigten Höhensiedlung die Voraussetzung für seine Entstehung. Als keltische Anlage wäre der Schacht wegen seiner Weite und Tiefe als einzigartig zu bezeichnen. Seine Entstehung beruht jedenfalls auf einer gewaltigen technischen Leistung.

Klimatische Veränderungen ließen das aus Tonschichten einsickernde Wasser mehr und mehr versiegen. In der Römerzeit hat man zwar die Felsspalten ausgemörtelt, vermutlich aber kaum Wasser gewonnen. Um 1100 wird noch einmal der Versuch unternommen, das Sickerwasser durch einen eingesetzten Brunnenmantel aufzufangen; weil aber das Wasser ausblieb, begann man schon wenig später mit der Verfüllung.

Schon in der Klosterzeit von St. Michael war der auf die vorchristliche Zeit hinweisende Name „Heidenloch” in Gebrauch. Der tief in die vordere Kuppe des Heiligenberges reichende Schacht wurde als Werk der Heiden gedeutet. Er mußte also bereits lange vor dem Mittelalter entstanden sein. Zahlreiche Sagen und Vermutungen hat diese geheimnisvolle Örtlichkeit angeregt. Die Phantasie der letzten Jahrhunderte beschäftigte sich besonders damit.

Von einer unheimlichen Nacht auf dem Heiligenberg berichtet 1542 Graf Froben Christoph von Zimmern und fügt seiner Erzählung hinzu, daß dort ein später zugeschüttetes Loch liege, in das man einst eine Gans hineingelassen habe, die beim Kloster Neuburg wieder herausgekommen sei. Im Jahr 1548 erwähnt Sebastian Münster in seiner „Cosmographia“ alte heidnisch gemauerte Löcher. Auch der Berner Pfarrer Johann Ampelander gibt 1605 in einer Beschreibung des Heiligenberges einen ähnlichen Hinweis, daß nämlich die Heiden früher in den Berg ein tiefes Loch gegraben hätten, worin vor Zeiten der Satan gesessen und seine falschen Weisungen verkündet habe. Er fügt noch hinzu, daß das Loch vielleicht auch deswegen geschaffen worden sei, um das Neckarwasser auf die Bergesspitze zu bringen.

Genauere Auskunft über das Heidenloch gibt der Geograph Matthias Quad kurz nach 1600, der den viereckigen Einstieg in das Gewölbe am Schachtkopf und den Felsschacht aufzählt, der mit Schutt von der Kirchenruine St. Stephan in der Tiefe gefüllt sei. Er fügt die phantastische Geschichte von einem unterirdischen Raum hinzu, in dem von Kettenhunden bewachte Schatzkisten gestanden hätten.

Zuletzt hat der große französische Dichter Victor Hugo um 1840 dem Heiligenberg einen nächtlichen Besuch abgestattet und sein unheimliches Erlebnis in einer Schrift festgehalten. Darin wird vermutet, das Heidenloch könne das leere Grab eines Riesen sein, vielleicht auch ein Druidenzimmer oder der Schacht eines Römerlagers, das Wasserbecken eines verschwundenen byzantinischen Klosters oder gar der Beinkeller eines zerstörten Galgens. Wohl im Zusammenhang mit dem Bau der „Thingstätte” tauchte 1934 die Vermutung auf, das Heidenloch müsse eine germanische Sternbeobachtungsstätte oder ein Heiligtum gewesen sein.

Im April 1986 wurde der Planungsauftrag an das Architekturbüro Frauenfeld in Heidelberg-Handschuhsheim gegeben. Ein Jahr später, im März/April 1987, genehmigten Bau- und Finanzausschuß des Gemeinderats die Ausführung. Im Mai 1987 begann man mit der Räumung des Brunnenschachts; im Juli war dann Baubeginn.

Die Räumung des Brunnenschachts wurde mit einem Autokran vorgenommen, der auch zur Personenbeförderung zugelassen war. TÜV-Messungen ergaben. daß man im Brunnenschacht ohne zusätzliche Sauerstoffversorgung arbeiten konnte. So fuhren dann zwei Arbeiter mit dem Förderkorb in die Tiefe und förderten jeden Tag einen bis anderthalb Kubikmeter Schutt zutage, bei zunehmender Tiefe war es dann nur noch ein halber Kubikmeter. In 25 Tagen wurde eine etwa 18 Meter starke Schuttschicht herausgeholt. Es war harte Arbeit, die da geleistet werden mußte, denn bei 50 Meter Seillänge schwankte der Greifer beträchtlich, und der Regen tropfte im Grund des Schachtes von den Wänden.

Nimmt man allen Aufwand zusammen: Sicherung und Erneuerung des „Heidenlochs” samt dem Bau des achteckigen Pavillons kosteten 270.000 Mark. Die „Schutzgemeinschaft Heiligenberg” beteiligte sich an diesen Kosten mit 50.000 Mark, und das Landesdenkmalamt gab einen Zuschuß von 43.700 Mark. Die Dachdeckerarbeiten stellen eine Stiftung der Heidelberger Firma Krämer dar. Am 19. September 1987 konnte das fertige Erneuerungswerk der Bevölkerung übergeben werden.

Die achteckige Schutz- und Informationshütte war zunächst nicht öffentlich zugänglich, es gab nur Führungen. Man ließ  nur an den Ecken Sichtschlitze frei. Vorder- und Rückwand stellen eine Gitterkonstruktion dar, durch die man ins Innere sehen konnte. Der First des Daches, das auf einer soliden Holzkonstruktion ruht, wurde in Glas ausgebildet, so daß genügend Tageslicht ins Innere fallen kann. Der Brunnenschacht ist nun mit einem Gitter abgedeckt. Wie das Gebäude, so kann auch der Schacht beleuchtet werden. Heute ist die Hütte allerdings frei zugänglich.

 

Ein Stück oberhalb des Heidenlochs liegt rechts das Stephanuskloster, das jüngere der beiden Klöster. Ein „Verschönerungsverein“ hat 1885 das Kloster bis auf die Grundmauern abgetragen. Aus den Trümmern des Vierungsturms der Kirche und des Stephanusklosters entstand in den Jahren 1885/86 der beliebte Aussichtsturm mit freier Sicht auf Heidelberg.

Hinter dem Parkplatz steht ein Hinweisschild auf die keltischen Ringwälle. Der vom Gebirge durch einen Einschnitt getrennte Heiligenberg gewährt einen vorzüglichen Blick über die Ebene und ins Neckartal. Er wurde deshalb schon in den frühesten Zeiten aufgesucht. Um 1000 vChr ließ man sich dauerhaft auf ihm nieder. Man schützte sich dann durch einen umfangreichen doppelten Ringwall (Auf einem Stein weiter oben steht, er sei 400 vCh von den Kelten gegen die vordrängenden Germanen angelegt worden). Er ist  2,1 Kilometer lang und Teil eines großen Ringwallsystems mit heute noch sichtbarem Gesteinsband. Ein Wanderweg erschließt die Ringwälle. Auf dem Heiligenberg befand sich vermutlich auch eine keltische Fliehburg.

Der Heiligenberg war ein Zentrum keltischer Macht. Auch in keltischer Zeit erlaubte der karge Boden Ackerbau und Viehzucht nur in sehr geringem Umfang. Deutliche Hinweise auf die Erwerbsgrundlage der Höhenbewohner geben Stücke von Eisenerz, zahllose Eisenschlacken und Reste tönerner Gußtiegel, die Abbau und Verhüttung der Eisenerzvorkommen schon durch die Siedler der Frühlatènezeit vermuten lassen. Die Ausbeute lokaler Rohstoffvorkommen, wie das Eisenerz, schaffte der Höhensiedlung ein Machtmonopol, das nur Familien der sozialen Oberschicht inne hatten. Anscheinend war der Heiligenberg im 5. und 4.  Jahrhundert vCh. politisches, religiöses und kulturelles Zentrum des gesamten Umlandes und verlor erst im 3. Jahrhundert seine Mittelpunktfunktion an Lopodunum (Ladenburg).

Der Hauptgipfel trug möglicherweise bereits in keltischer Zeit ein Heiligtum. Schon bei den Sueben war die Spitze des 440 Meter hohen Berges ein Heiligtum, wo sie Wotan anbeteten. Jedenfalls entstand in der Römerzeit hier ein heiliger Bezirk mit gut ausgestatteten Steinbauten.

 

Hinter der Gaststätte „Waldschänke“ verbirgt sich rechter Hand hinter einem Hang die so genannte „Thingstätte“ der Nationalsozialisten. Das heils- und wunderträchtige Fluidum des Berges machten sich die Nazis zunutze und legten ein Amphitheater als „Thingstätte” an für ihre großsprecherischen Veranstaltungen. In zwölfmonatiger Bauzeit schuf der Reichsarbeitsdienst 1934/35 mit Hilfe Heidelberger Studenten auf dem angeblichen germanischen Kultplatz die sogenannte „Thingstätte auf dem heiligen Berg“, eine Freilichtanlage für NS-Veranstaltungen. Großes hatten die Nazis vor mit ihrem gigantischen Bauwerk, wollten sie doch alte germanische Volksversammlungsplatze wieder aufleben lassen. Die Thingstätte ist ähnlich gebaut wie die Waldbühne in Berlin und hat 8.000 Sitzplätze.

Bombastisch und wortgewaltig war die Eröffnung am 22. Juni 1935 als riesige Sonnenwendfeier.

Propagandaminister Joseph Goebbels übernahm Einweihung der Thingstätte, die er als „wahre Kirche des Reichs“ und Stätte des „steingewordenen Nationalsozialismus“ rühmte. Goebbels Auftritt samt Fahnenwald, Uniformen, Musik und Riesenchor lockte über 20.000 Menschen auf die steinernen Zuschauerränge, eine Zahl, die bei späteren Sonnenwendfeiern und Singspielen nie mehr erreicht wurde.

Der Heiligenberg gehörte in den ersten  Jahren nach der Machtergreifung zum festen Bestandteil der nationalsozialistischen Blut- und Bodenmystik. Im Jahre 1936 wurde per Erlaß der Begriff „Thingstätte“ durch „Feierstätte Heiligenberg“ ersetzt. Die Nationalsozialisten hatten das Interesse an der „Thingbewegung“ verloren. An ihre Stelle traten Film und Rundfunk mit dem Volksempfänger, einem wirkungsvollen Propagandainstrument.

Der Eingang zur leeren Bühne wirkt heute bedrückend düster, davor erhebt sich das grasüberwachsene weite Theaterhalbrund. Erst in jüngster Zeit finden dort sporadisch Open-Air-Konzerte statt. Die Akustik ist hervorragend. Ohne die Stimme laut zu erheben, ist eine Verständigung zwischen Bühne und Treppenspitze möglich.

 

 

Erst ab dem 7. Jahrhundert gibt es wieder Belege für die Anwesenheit von Menschen. Der Berg wurde mit einem Wall befestigt, der im Wesentlichen der Trasse des keltischen Ringwalls folgte und sie lediglich im Süden am Rand (etwa oberen am Rand der Thingstätte) abschnitt. Auf der Spitze des Berges begann man um 600 nCh, die antiken Baureste als Begräbnisstätte zu nutzen. In der Karolingerzeit entwickelte sich über ihnen eine Gruppe von festen Steinbauten, vielleicht Sitz eines Vertreters des Königs. Die in ihrer Gesamtheit als Relikte eines befestigten Königshofes angesehene Anlage, wird im 9. Jahrhundert in den Quellen „Aberinsburg” genannt. Im Jahre 882 erfahren wir nämlich, daß „Aberinsburg” bis dahin dem König gehörte und nun Besitz der Abtei Lorsch wurde.

Die Schriftquellen berichten, daß der Lorscher Abt Thiotroch um 870 auf dem Berg ein Kloster errichtet habe, von dem kaum Baureste erhalten blieben. In der Folge kam die Kirche durch Schenkungen und Verehrung des hier verstorbenen Hirsauer Abtes Friedrich zu beträchtlichem Besitz. Um 1025 wurde durch Abt Reginbald ein regulärer Konvent eingerichtet, verbunden mit einem Neubau von Kirche und Klausurgebäuden.

Im Innern wurden die teilweise noch aufrecht stehenden Reste eines Merkurtempels zum Ausgangspunkt aller späteren Sakralbauten. Christliche Wallfahrtsstätte wurde das im neunten Jahrhundert erbaute Michaeliskloster mit dreischiffiger Pfeilerbasilika in der Form eines lateinischen Kreuzes. Der Besucher wandelt heute durch die eindrucksvollen Grundmauern von Kirche und angrenzendem Kloster. Der Zustand entspricht im Wesentlichen dem des elften Jahrhunderts. Der monumentale Charakter dieser Anlage wird durch die streng axiale Aufeinanderfolge von drei Bereichen unterschiedlicher Funktion bestimmt: Im Westen eine Grablege im Westvorhof, daran anschließend der mächtige Westbau (flankiert von zwei Türmen); der kirchliche Bereich der dreischiffigen Basilika mit dreiabsidialem Abschluß; schließlich der mönchische Bereich mit Kreuzgang und Klausurgebäuden.

Der frühromanische Kirchenbau entstammt mit seinen Ostteilen wohl dem späten 10. Jahrhundert, mit seinen mächtigen westlichen Teilen der Zeit des Abtes Reginbald um 1030. Dieser gehört wohl auch der Entwurf zu der großartigen Gesamtanlage an. Besondere Merkmale sind die Anlage einer zweiten Krypta, die bedeutenden Abmessungen der flankierenden Treppentürme, die Anlage eines gesonderten Begräbnishofes westlich vor der Kirche, die Anordnung der Klausurbauten östlich hinter der Kirche (nicht. wie zumeist, seitlich derselben).

St. Michael ist aber nie selbständig. sondern (wie das Stephanskloster auf dem vorderen Gipfel) stets eine Propstei von Lorsch gewesen und hat dessen Schicksale geteilt. Im 13. Jahrhundert nahm der Erzbischof von Mainz alle Lorscher Klöster an sich und besetzte sie neu mit Prämonstratensern aus Allerheiligen im Schwarzwald. Diese bauten das Michaelskloster mehrmals um, zum Teil sogar ganz neu auf. Bedeutend war die Wallfahrt zum Grab des Mönches Friedrich von Hirsau. Bevor sich das Kloster nach der Reformation auflöste, begrub ein einstürzender Vierungsturm 1503 noch die drei letzten Mönche in ihren Betten unter sich. Danach ist nur noch von der Schwarzkünstlerei eines der letzten Gottesmänner die Rede. Die Anlage wurde um 1550 vom Pfalzgrafen aufgehoben. Die Gebäude erhielt die Universität, welche sie 1589 zum Abbruch freigab.         .

St. Michael wurde bald zum unsicheren, legendenumwobenen Ort. Handchuhsheimer-Bäuerinnen, die auf der Klosterweide Heu machten - seit alters her ein Ärgernis - sollen nach der Begegnung mit ihm Schwänze gewachsen sein. Später habe der Berg Gesindel als Unterschlupf gedient, bis die Erforschung der einstigen Besiedlungsspuren Ende des 19. Jahrhunderts den Berg aus seinem Dämmerschlaf riß. Die Wiederfreilegung ab 1886 brachte zugleich die Probleme der Erhaltung und des Schutzes vor neuerlicher Zerstörung. In den letzten Jahren hat die Stadt Heidelberg mit der Hilfe des Landes Baden-Württemberg außerordentliche Anstrengungen zur Sicherung und Ergänzung der bedrohten Bauteile unternommen. Die Ruinen des Michaelskloster wurden restauriert, zwei Türme wurden hochgezogen, der Blick vom höchsten reicht bis zur Pfalz. Die Krypta ist wiedererstanden (Besichtigung täglich von 8 bis 17 Uhr).

 

Stationen der Rundgänge:

1) Eingangshalle der Kirche. im 12.Jh. nachträglich an deren Langhaus angefügt.

2) Mittelschiff des Kirchenlanghauses. mit besonderen Einbauten (Laienbrüderchor? Altarplatz?) am Ostende. Das Langhaus als Pilgerkirche war von den Querhäusern im Osten durch Schranken geschieden. Die Säulen zeigen typisch frühromanische Formen des 11.Jahrhunderts.

3) Westbau der Kirche. einst vermutlich eingewölbt. Der Eingang in der westlichen Außenwand wurde erst spät eingebrochen. als der Westvorhof genügend aufgehöht war. Ein Emporengeschoß war durch die seitlichen Treppentürme zu erreichen.

4) Abgang zur Krypta des Westbaus. Der mit seinen 10 Kreuzgewölben wiederhergestellte Raum dient jetzt der Aufbewahrung von Architekturstücken.

5) Vierung der Kirche. Dies war der von einem Turm überragte Chorraum der Mönche. mit Aufgang zum Hauptaltar im Osten.

6) Östliche Krypta, unter dem Altarhaus des späten 10. Jahrhunderts,. einst mit neun Kreuzgewölben eingewölbt. In den Felsgrund eingetieft das Grab des heiligen Friedrich von Hirsau (gest. 1070). Der erste Abt der Schwarzwälder Benediktinerabtei war als wundersamer Wohltäter suspekt geworden, abgesetzt und ins Gefängnis geworfen worden. Da flüchtete er sich in das Michaeliskloster auf dem Heiligenberg und sorgte von dort aus für Arme und Kranke. Dabei kam er im eisigen Winter 1070 selbst um.

7) Südliches Querhaus der Kirche. gleich dem nördlichen tiefer gelegen als Langhaus bzw. Chor und als Begräbnisstätte dienend.

8) Westlicher Raum des Klausur-Südflügels. ursprünglich gegen den Kreuzgang offen. als Kapitelsaal gedeutet. Die unterirdische Kammer in der Mitte vermutlich eine späte Zisterne.

9) Südlicher Kreuzgangsflügel. mit frühgotischen Fensterbänken. darunter Kanal der Hofentwässerung. Unter der Südostecke des Kreuzganges noch Reste eines vorklösterlichen turmartigen Gebäudes, an der ehemals höchsten Stelle des Gipfels.

10) Großer Saal des Klausur-Südflügels. vermutlich Arbeitsraum der Mönche. Das östliche Viertel nachträglich abgeteilt. Beachte den kleinen (zum Schlafsaal führenden?) Treppenschacht in der Innenwand.

11) Raum mit Eckkamin, vermutlich Wärmeraum, von 10 durch Erschließungsgang getrennt. nachträglich unterteilt.

12) Östlicher Kreuzgangsflügel. mit Zutritt zu dem als Begräbnisstätte dienenden Hof.

13) Räume des Küchentraktes. aus Unterteilung eines größeren Saales entstanden. Der südliche Teilraum vermutlich Speiseraum. Beachte den Fischkasten im mittleren. den Herdunterbau im nördlichen Teilraum.

14) Kellerräume der Klausur, von 13 durch Erschließungsgang getrennt (beachte dort die Luke neben dem Außeneingang).

15) Nördlicher Kreuzgangsflügel. mit hochgotischen Strebepfeilern und Fensterbänken sowie (zu einer Wohnung des Klosterverwalters führender?) Treppe.

16) Nebenraum, nachträglich dem Nordquerhaus angefügt, vielleicht Sakristei.

17) Ort der Apsis eines (nach Norden gerichteten) Baues des römischen Merkurheiligtums. unter dem Kirchenlanghaus. In der Mitte der Michaelskirche sind Reste eines römischen Merkurtempels zu erkennen. Bemerkenswert ist, daß die Erinnerung an das Gipfelheiligtum des heidnischen Seelengeleiters Merkur die Völkerwanderung überdauerte

18) Unterer Abschnitt des Westvorhofes. mit späterem Zugang zum Mittelteil. Vor Errichtung der starken Quermauer war der Vorhof eine einheitliche Anlage des 11.Jahrhunderts. Die Pfeiler an den Außenwänden waren für (nicht ausgeführte) Gewölbe bestimmt. Auch die im oberen Abschnitt noch sichtbaren Umgangspfeiler gehören einem älteren Stadium an. Nach Aufhöhung führte dort ein Aufgang zur Kirche hinauf (vgl.3).

Lange Zeit war der Vorhof Begräbnisstätte: in seinem Untergrund fanden sich, wie auch unter der Kirche, fränkische Gräber.

19) Nebenraum. dem Kellerflügel im 15.Jahrhundert nachträglich angefügt, vielleicht Küche für Verwalterwohnung in dessen Obergeschoß.

20) Zisterne, vom Klausurhof aus gespeist (vgl. bei 9), in der Spätzeit vermutlich aufgegeben.

 

Nach der Besichtigung des Klosters geht man erst noch einmal links herum um den Gipfel. Der Weg führt wieder zur Spitze der „Thingstätte“. Etwas vorher geht ein Weg links ab, an dem eine Informationstafel über den fränkischen Königshof steht (der aber in Wirklichkeit in der Mitte der Klosterkirche stand). Von dort kann man auch südlich um die „Thingstätte“ herumgehen.

 

Wanderwege:

Das in das Gebirge, zwischen Heiligenberg und Nistler, aufwärts ziehende Siebenmühlental mit zahlreichen Mühlen ist ein beliebtes Ausflugsziel. Von hier führen schöne Wege über den Heiligenberg und Zollstock nach Heidelberg.

Von Neuenheim steigt man zu dem aussichtseichen Philosophenweg zur Bismarcksäule und zum Heiligenberg empor.

Zum Schriesheimer Hof  führt eine Straße, auch Radfahrern sehr zu empfehlen, durch das freundliche Schriesheimer oder Ludwigs-Tal, und vom Schriesheimer Hof östlich, weiter über das nahe Wilhelmsfeld nach Altneudorf im Steinachtal.

Von hier im Steinachtal aufwärts nach  Schönau. Nach Heiligkreuzsteinach auch von Wilhelmsfeld auf blau bez. Fußweg, nach Schönau auf rot-blau bezeichnetem Fußweg über „Linde”, zwei Stunden vom Schriesheimer Hof.

Nach Dossenheim Bergstraßen-Randweg über Strahlenburg und Schauenburg oder über den Hartenbühl

Nach Heidelberg über den Hartenbühl, Wegkreuzung  „Sieben Wege“, Hohen Nistler (496 Meter), das Siebenmühlental kreuzend und über die Mönchberghütte.

 

Bei der Rückfahrt biegt man auf dem Mühltalweg am Karl-Kollnig-Platz links ab und fährt dann links in die Bergstraße und auf dieser immer weiter bis Neuenheim und am Neckar dann links abbiegen. Am nördlichen Ufer hat man einen ausgezeichneten Blick auf Alt-Heidelberg. In Neckargemünd fährt man dann über den Neckar.

 

Mannheim

Mannheim, über 250.000 Einwohner, größte badische Stadt, an der Mündung des Neckars in den Rhein gelegen, war im 18. Jahrhundert Residenz der pfälzischen Kurfürsten. In diese Zeit fällt das Aufblühen des kulturellen und künstlerischen Lebens der Stadt, die damals weltbekannter Mittelpunkt des geistigen Lebens wurde, trotz aller Rückschläge in rascher Entwicklung seit ihrer erst 1607 erfolgten Erhebung zur Stadt. Seine überragende Bedeutung als Wirtschaftszentrum und Handelsplatz erlangte Mannheim vornehmlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts und verdankt es der um diese Zeit in Angriff genommenen Rheinkorrektion. Bedeutendster Handelsplatz Süddeutschlands; Industrie von Weltruf. Die Hafenanlagen (Hafenrundfahrt) gehören zu den größten und sehenswürdigsten des europäischen Binnenlandes.

Die Straßen der durch einen alleeartigen Ring begrenzten Altstadt durchqueren diese in geraden Linien und bilden hierdurch in diesem Teil der Stadt regelmäßige Rechtecke, die Mannheim das charakteristische Gepräge verleihen. Die Außenstadtteile haben moderne Bauweise, besonders die neu erschlossenen Villenviertel der Oststadt mit ihren Prachtbauten.

Von Wissenschaft förderndem Bürgersinn zeugt die 1908 gegründete Hochschule für Wirtschaftswissenschaften, die einen hervorragenden Lehrkörper aufweist. Großen Ruf genießt das Mannheimer Musikleben.

Unter den musikalischen Veranstaltungen sind vor allem die bekannten „Akademien” des Nationaltheater-Orchesters zu nennen. Mannheim besitzt eine Musikhochschule mit beachtenswertem Namen.

Links vom Hauptbahnhof das Schloß, das größte deutsche Fürstenschloß der Barockzeit, 1720 -60 erbaut, 1896 bis 1903 erneuert, mit prunkvollen Räumen. Es beherbergt das Schloßmuseum. Reiche kulturgeschichtliche, kunstgewerbliche und archäologische Sammlungen, welche teils Eigentum des Staates, der Stadt und des Altertumsvereins sind; Schloßgalerie im rechten Flügel des Schlosses. Gemälde des 16. -18. Jahrhunderts. Kupferstichkabinett mit großer Sammlung von Graphik bis 1800; Städtische Schloßbücherei mit herrlichem Rokokosaal (Holzschnitzereien, Deckengemälde von Brahe). Im linken Schloßflügel die sehenswerte Schloßkirche. Im Schloßhof das Kaiser-Wilhelm-Denkmal von Eberlein und zwei monumentale Brunnen von demselben Künstler.

In der Innenstadt zahlreiche hervorragende Barock-bauten. Nahe dem Schloß die Jesuitenkirche, 1733 - 56 erbaut, eine der bedeutendsten Architekturschöpfungen des süddeutsch-italienischen Barockstils. Ihr gegenüber der langgestreckte Bau des Nationaltheaters (bekannt durch die Uraufführung von Schillers „Räuber"). Vor dem Theater Standbilder von Schiller (1862, von Cauer), Iffland und Dalberg. In der Nähe das ehemalige Zeughaus, im bolognesischen Barockstil, mit Museum für Natur- und Völkerkunde, davor das Moltkedenkmal (1902, von Uphues), ein Veteranendenkmal und die Kurfürst-Friedrich-Schule, der größte Schulbau Deutschlands, mit Relief-Reiterbild des Stadtgründers, und andere moderne Schulbauten. Am Markt das Alte Rathaus, 1700 erbaut, ältestes öffentliches Gebäude Mannheims; eigenartige Turmverbindung mit der Unteren Pfarrkirche. Auf dem Platz Sandsteindenkmal von Peter und Johannes Match. van den Branden. Dem Alten Rathaus ähnelt das am Paradeplatz zentral in der Innenstadt gelegene neue, 1730 - 1746 erbaute Rathaus (früher Kaufhaus) mit prächtiger Fassade und Arkaden, Stadtratssaal mit Marmorstandbild Großherzog Friedrichs I. und Bürgerausschußsaal.

Auf dem Paradeplatz ein Brunnen mit einer von Grupello gegossenen Statue und acht phantastischen Figurengruppen.

Am Ostrand der Altstadt liegt der von hohen Arkadenbauten umschlossene Friedrichsplatz, einer der schönsten und größten städtischen Schmuckplätze Deutschlands, mit dem 1885/86 von Halmhuber erbauten Wasserturm und der Stadt. Fest- und Konzerthalle Rosengarten, erbaut von Bruno Schmitz 1899 - 1903. Im Nibelungensaal (5.000 Personen) und Musensaal (2.000 Personen) große musikalische und sonstige Veranstaltungen; Neues Theater (Vorstellungen des Nationaltheaters). Gegenüber die 1906/07 von Billing erbaute monumentale Städtische Kunsthalle Sie enthält Gemälde und Skulpturen des 19. und 20. Jahrhunderts, u. a. von Feuerbach, Thoma, Trübner, Liebermann, Kallmorgen, Schönleber, Schuch, Slevogt, Corinth, Delacrois, Manet).

 

Schwetzingen

Im Rhein‑Neckar‑Dreieck, zwischen den großen Zentren Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg, liegt ein historisches Städtchen, das 2002 ein Jahr der Jubiläen feiert: Schwetzingen. Die Schwetzinger Festspiele, ein hochklassiges, alljährliches Event, findet zum 50sten Mal statt, das Rokokotheater wird 250 Jahre alt, ganz zu schweigen vom Land Baden‑ Württemberg, das sein 50‑jähriges Jubiläum feiert. Gründe genug also zu feiern und Schwetzingen einmal genauer zu betrachten. Mit etwa 22.000 Einwohnern und einem unverhältnismäßig großen Angebot an gastronomischer Vielfalt und Locations für alle möglichen Anlässe in gutem Preis‑Leistungsverhältnis zieht das Städtchen nicht nur abends Besucher an.

Der Höhepunkt ist zweifelsohne das fast überdimensioniert wirkende Schwetzinger Schloß. Das Barock‑ und Rokoko‑Gebäude beherbergt Räume für bis zu 1.100 Personen, darunter das 1752 erbaute Rokoko‑Theater mit 500 Sitzplätzen, das dank modernster Technik für Präsentationen geradezu prädestiniert ist.

Der rekultivierte Schloßgarten lädt nicht nur zu ausgedehnten Spaziergängen ein ‑ hier sind Outdoor‑Veranstaltungen der verschiedensten Art möglich. So kann die Moschee, die einst eher als exotischer Lustpavillon denn als Gotteshaus erbaut wurde ‑ weder jemals als Moschee geweiht und benutzt, noch den Vorschriften entsprechend erbaut, aber wunderschön anzusehen ‑ zur Kulisse für einen Empfang oder eine Tanzvorführung werden.

Besonders gefragt ist der Schloßgarten, wenn die zahlreichen Kirschbäume blühen. jährlich besuchen hunderttausende Besucher den 72 Hektar großen Schloßgarten. Die weitläufige Gartenanlage vereint das französische Gartenparterre mit dem Stil englischer Landschaftsgärten. Nicht zuletzt wegen seines außergewöhnlichen Gesamtzustandes wurde der Schloßgarten in die Vorschlagsliste der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen.

In den restaurierten Räumlichkeiten des komplett mietbaren Schlosses, den Zirkelsälen und dem Rokokotheater herrscht die verspielte Leichtigkeit des Rokoko. Es eignet sich also für fast jede Art der Veranstaltung, vom Vortrag bis zur Travestie‑Show.  Insgesamt herrscht im Schloß natürlich ein eher gediegenes Ambiente.

Die Erweiterung des Schloßgartens und seine Ausstattung mit Wasserspielen, Brunnen, der Moschee, Pavillons, Tempeln und Skulpturen ist auf Geheiß des letzten pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor vollzogen worden. Namhafte Architekten und Landschaftsgestalter wie Nicolas de Pigage sorgten dafür, daß sich der Mannheimer Hofstaat des 18. Jahrhunderts im Schwetzinger Schloß in den Sommermonaten wohl fühlte. Dazu trugen auch die Darbietungen des jungen Mozart im Jahre 1763 oder die Besuche von Voltaire bei, dessen Werke im damals neuen Rokokotheater Begeisterung auslösten.

Carl Theodors Erbe der bayerischen Kurwürde (1777) und die Verlegung der Residenz nach München brachten den Niedergang der Kurpfalz als Herrschaftsgebiet und ließen auch die Bedeutung des Schwetzinger Schlosses sinken. Heute ist das Schloß wieder ein Ort der Begegnung und der unterschiedlichsten Veranstaltungen. Ausstellungen mit bis zu 60.000 Besuchern haben hier schon stattgefunden.

Vor dem Schloß, am idyllischen Schloßplatz, sitzt man etwa von März bis Oktober draußen, zum Beispiel im trendigen Cafe „Journal“ oder im Kaffeehaus am Schloßplatz, das seit etwa 20 Jahren einer der Schwetzinger Treffpunkte ist. Betreiber Harald Zimmermann ist auch Initiator des jährlich am letzten Juliwochenende stattfindenden Schlossplatzfestes. Zeitgleich strömen auch Besucher aus Hockenheim nach Schwetzingen, die zum Großen Preis von Deutschland anreisen. Überhaupt arbeiten Schwetzingen, Hockenheim und das nahe gelegene Speyer mit dem berühmten Dom eng zusammen und nutzen die Synergien, die sich aus den unterschiedlichen Angebotsprofilen ergeben.

Alle zwei Jahre wird neben weiteren Festen das traditionelle Lichterfest gefeiert, aber Höhepunkt der Festivitäten sind die Schwetzinger Festspiele, die im Mai 1952 erstmals das Schloß in einen Konzertsaal verwandelten. Seither sind die Festspiele bei internationalem Publikum, Künstlern und Medien gleichermaßen geschätzt. In 2002 werden Stadt, Schloß, Künstler und Südwestrundfunk gemeinsam das 50ste Jubiläum feiern, wobei traditionell die Gegenüberstellung von Altem und Neuem bei Oper und Konzert im Mittelpunkt stehen wird.

Zwischen dem Palais „Hirsch“ und dem Schloß, jeweils nur wenige Meter voneinander entfernt, liegt das Schwetzinger Brauhaus, wo neben dem gastronomischen Betrieb noch richtig Bier gebraut wird. Eins von ehemals vielen Brauhäusern. Als nämlich das Schwetzinger Schloß die Sommerresidenz des Kurfürsten Carl Theodor (1724-1799) war, erlebte das Städtchen eine Blütezeit, die dank des durstigen Hofstaates auch zahlreiche Brauereien hervorbrachte, von denen bis heute nur wenige überlebt haben. Im Rittersaal (mit Bühne) finden bei Veranstaltungen ohne Bestuhlung 800 Personen Platz. Ansonsten gibt es dort Sitzplätze für 220 Gäste.

 

 

Ein weiteres Kleinod aus der Bierbrauer-Szene ist die „Weide-Bierwelt“, die Interessierte am Rande Schwetzingens, in Plankstadt, finden. Die kleine, aber feine Privatbrauerei feiert im nächsten Jahr ihr 250stes Jubiläum. Das Stammhaus steht noch in Schwetzingen. Aus Platzmangel zog Inhaber Dr. Spielmann 1971 sozusagen aufs freie Feld nach Plankstadt, wohin ihm inzwischen andere Firmen nachgezogen sind. Die eigene Quelle auf dem Gelände tut dem Gerstensaft offensichtlich gut, was die „Hall of Fame“, ein mit Auszeichnungen und Zertifikaten geradezu plakatierter Flur, hinreichend belegt.

Neben dem Thema Bier wird bei Weide das Thema Kunst ganz groß geschrieben. Bei einem Preisgeld von 25.000 DM bewertet eine unabhängige Jury jährlich Arbeiten von Künstlern weltweit, im Jahr 2002 gab es sogar eine Bewerbung aus Australien. Die Kunstwerke der Gewinner werden in limitierter Auflage als Flaschen-Etiketten gedruckt und sind begehrte Sammlerstücke ...

Aber Weide ist auch in anderer Hinsicht etwas Besonderes. Nicht nur, daß das Bier statt in Six- in Sevenpacks verkauft wird. Lichtdesigner haben den Produktionsbereich gestaltet, der bei Führungen (in deutscher und englischer Sprache bis maximal 30 Personen) in unterschiedliche Farben getaucht ist. In den leeren Tanks, die bestaunt werden, haben schon mal acht Nationen gemeinsam Platz gefunden. Führungen finden sonntags von 11 bis 17 Uhr jede halbe Stunde statt, auf Wunsch natürlich auch zu anderen Zeiten.

Das Highlight aber ist die urige Bierwelt, ein von einem Spanier mit „Zutaten“ aus verschiedenen Ländern gestalteter Raum, nachmittags ab 25, abends ab 30 Personen mietbar. 75 Gäste können hier feiern, bei Empfängen max. 80. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Caterern, u.a. dem ehemaligen Koch von Steffi Graf, wird für das leibliche Wohl gesorgt, meist in Form eines Buffets. Alles ist möglich, von edel bis rustikal. Die Getränke werden selbst gezapft. Auf Wunsch wird ein Rahmenprogramm organisiert g wie wär’s beispielsweise mit einem Zauberer? Im Sommer lädt auch der Biergarten auf dem Gelände zum Verweilen ein.

 

 

 

 

Ausflüge Odenwald Neckar

 

 

Heidelberg

Die Stadt ist 116 Meter hoch gelegen, berühmte Universitätsstadt mit etwa 80.000 Einwohnern, liegt unvergleichlich schön an der Flußmündung des Neckartals in die Rheinebene. Gleich zwei mächtigen Hütern stehen im Süden der Königstuhl (568 Meter), im Norden der Heiligenberg (437 Meter) am Eingang des hier ziemlich engen Neckartals. Das Klima (+ 10° C durchschnittliche Jahrestemperatur) des durch die Berge geschützten Tals ist eines der mildesten Süddeutschlands. Auf den Berghängen gedeihen Reben, Kastanien, Mandeln und Kirschen. In der Ebene wird vielfach Tabak und Hopfen gebaut. In den letzten Jahren wurde bei Heidelberg eine stark radiumhaltige Thermalquelle erbohrt.

Vom Hauptbahnhof rechts zur Leopoldstraße (nicht die Bahn überschreiten). Nr. 2 das Städtische Verkehrsamt. Rechts der Stadtgarten (Sommerwirtschaft, Konzerte). Weiter zur Peterskirche aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammend und 1865 - 70 genau nach dem alten Grundriß wiederhergestellt. Prachtvoller Turm aus rotem Sandstein. Die Kirche liegt inmitten des ehemaligen Friedhofs der Universität mit efeuumrankten Denksteinen und Grabstätten. Etwa 200 teilweise sehr gut erhaltene steinerne Grabplatten von bekannten Heidelberger Gelehrten und Familien. Gegenüber die Universitätsbibliothek mit über 600.000 Bänden, über 1000 Inkunabeln und 4000 Handschriften, darunter die berühmte Heidelberger Liederhandschrift (sog. Manessische), eine der wichtigsten und reichsten Quellen mittelhochdeutscher Lyrik (um 1300), die 1888 vom Deutschen Reich für 360.000 Mark der Bibliotheque Nationale in Paris abgekauft und Heidelberg zurückgegeben wurde.

Durch die Grabengasse zum Ludwigsplatz. Südlich das Neue Kollegienhaus mit Antikensammlung, Hörsälen, Festsaal usw., nördlich die Universität Ruperto-Carola, gegründet 1386, deren Aula 1886 in einen prächtigen Festsaal umgewandelt wurde (in einer Nische großes Bild „Siegeseinzug der Pallas Athen in Heidelberg"); interessanter Karzer.

Die Universität wurde im Jahre 1386 vom Kurfürsten Ruprecht I.. mit Unterstützung des gelehrten Marsilius von Inghen, der auch der erste Rektor war, als „General-Studium zu Heidelberg” gestiftet. Ende des 18. Jahrhunderts dem gänzlichen Verfall nahe, wurde die Universität vollständig neu wiederhergestellt und organisiert durch Kurfürst Karl Friedrich (später Großherzog von Baden). der unter dem 13. Mai 1803 das für die spätere Entwicklung der Universität bedeutungsvolle 13. Organisations-Edikt erließ.

Neben der Universität die Archäologische Sammlung (Gipsabgüsse klassischer Kunstwerke, eine Sammlung griechischer Vasen, Münzen usw.). Dahinter die Jesuitenkirche, 1709 - 50 von den Jesuiten erbaut, 1870 im Innern erneuert. Zur Hauptstraße und rechts durch diese zum Marktplatz mit der Heiliggeistkirche, einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche; 1400 begonnen. Turm aus dem  Jahre 1500 mit Barockhaube von 1698. Die Kirche wurde 1893 restauriert.

Im Innern trennt die wegen Religionsstreitigkeiten errichtete Mauer Chor und Langhaus. Wandgemälde von Prof. Nagler, Karlsruhe: Kopie der Verklärung von Raffael (Vatikan).

Der Kirche gegenüber das Haus zum Ritter, 1592 erbaut (jetzt Hotel), mit reicher Renaissancefassade, das einzige Haus, das der Zerstörung durch Mélac 1689 entgangen ist, weil er selbst darin gewohnt hat. Es hat einen interessanten Rittersaal, Diele u. a. m.  Vom Rathaus (1923 restauriert) führt die Hauptstraße weiter aufwärts zum Karlstor, 1775 von der Stadt zu Ehren des Kurfürsten Karl Theodor aufgeführt.

Am Neckar entlang geht es flußabwärts zur Alten oder Karl-Theodor-Brücke, 1786 - 88 unter Kurfürst Karl Theodor erbaut. Sie ist  225 Meter lang und verdient deshalb so große Beachtung, weil sie die erste Steinbrücke war, die über den Neckar führte. Eine Statue des noblen Fürsten steht auf dem zweiten Brückenpfeiler. Die beiden Türme an den Brückentoren sind älter und haben je einen Kerker, in denen im Mittelalter die Missetäter eingesperrt wurden.

Von der Brücke hat man ein schöne Aussicht auf Schloß und Stadt.

Am linken Neckarufer entlang, an der Pfaffengasse mit dem Geburtshaus des ersten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert vorbei, zum ehemaligen Marstall (15. Jahrhundert), jetzt Mensa academica, Fechtboden und studentische Turnhalle. Am Krahnenplatz links abbiegend, erreicht man die Hauptstraße, die Haupt- und Verkehrsstraße von Heidelberg.

Rechts Nr.97 das Kurpfälzische Museum der Stadt Heidelberg, 1810 gegründet. Das Museum enthält Gegenstände aller Art, die sich auf die reiche Kunst und Kultur der alten Kurpfalz beziehen. Dabei sind besonders erwähnenswert: Eine besonders reiche Sammlung der Pfälzer Maler der Barockzeit, ein Heidelberger Maler der Romantik, Gemälde von Feuerbach, Trübner u. a., altdeutsche und niederländische Gemälde, kostbare Frankenthaler Porzellane, Plastiken, darunter Apostelaltar von Tilman Riemenschneider, reiches Münzkabinett. Auch die Vorgeschichte ist durch wertvolle Funde von der Zeit des „homo Heidelbergiensis“ abwärts vertreten, die Römerzeit durch gute Steindenkmäler.

Zurück zum Neekar; links an der Stadthalle vorbei, mit großem 5.000 Personen fassenden Festsaal (wechselnde Ausstellungen des Kunstvereins). Weiter am Neckar entlang zur Neuen oder Friedrichs-Brücke, die nach Neuenheim hinüberführt. Südlich am Bismarckgarten mit Denkmal vorüber, durch die Sophien-, Bergheimer und Rohrbacher Straße zum Hauptbahnhof.

 

Das Heidelberger Schloß.

Eintritt in den Schloßgarten, Schloßhof und zum großen Altan frei. Karten für das Innere der Schloßbauten nur an der Kasse im Schloßhof rechts. Im Sommer mehrmals Schloßbeleuchtungen.

Zum Schloß gelangt man  mit der Drahtseilbahn vom Kornmarkt in drei Minuten zum Westportal oder auf verschiedenen Fußwegen in 12 - 30 Minuten: a) Vom Bahnhof durch die Anlage (Leopoldstraße) zur Peterskirche, hier rechts über die Bahn (2. oder 3. Bahnübergang, nicht den 1.). Rechts bleibt das Klingentor liegen. Man biegt links in die gepflasterte, mit „Schloßberg” bezeichnete Straße ein. Wegteilung;  links der Neuen Schloßbergstraße folgend, mit schöner Aussicht, langsam aufwärts. Treppen rechts aufwärts zum westlichen Schloßeingang (25 Minuten). — b) Etwas länger (35 Minuten). Vom Hauptbahnhof durch die Anlage zum 1. Bahnübergang (Wegtafel: „zum Schloßhotel"). Rechts über diesen, die Klingenteichstraße aufwärts, dann dem Graimbergweg folgend und durch die Neue Schloßstraße ebenfalls zum westlichen Schloßeingang. — c) Vom Kornmarkt den steilen, schattigen Burgweg (12 Minuten) zur Nordseite des Schlosses. Durch ein langes Torgewölbe zum Schloßaltan.

Geschichtliches: Auf dem Berg über der Stadt lagen zwei Schlösser, deren erster Ursprung unbekannt, aber wahrscheinlich nicht römisch ist. Von dem ältesten und höchsten Schloß zu Heidelberg, dessen Begründer Ludwig I., der Kehlheimer (1214—31), war, stammt die erste Nachricht aus dem Jahre 1225; es war die alte Obere Burg, auf der Stelle der heutigen Molkenkur. Seit das untere Schloß bewohnt und vergrößert war, wurde der alte Bau auf der Höhe mehr und mehr verlassen. In Kriegszeiten mochte er seine Besatzung haben; zur Friedenszeit wurde hier nur Pulver aufbewahrt. 1537 wurde die Obere Burg durch Blitzschlag zerstört, aber zum Teil wiederhergestellt; zu Beginn des Dreißig-jährigen Krieges leistete die Besatzung der alten Burg Tilly (1622) noch hartnäckigen Widerstand. Von jener Zeit an aber verschwindet sie aus der Geschichte; es bleibt ungewiß, wann sie verwüstet wurde. Gedenkstein im Garten der Wirtschaft auf der Molkenkur. Urkundlich wird das Untere Schloß 1303 zum erstenmal erwähnt. Der Bau wurde vermutlich unter Rudolf 1. (1294—1319) begonnen. Die ältesten, heute noch vorhandenen Teile stammen aus der Zeit von 1400-1550. Im 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden die berühmtesten und schönsten Teile des Schlosses. der „Gläserne Saalbau”, der „Otto-Heinrichs-Bau” und der „Friedrichs-Bau”. Den sog. „Englischen Bau” ließ Friedrich V. zu Ehren seiner Gemahlin, Elisabeth von England, errichten. Während des Dreißigjährigen Krieges hatten Schloß und Stadt Heidelberg sehr zu leiden.

Im Jahre1689 zerstörte Mélac auf Befehl Ludwigs XIV., der vergeblich die Pfalz an Frankreich zu bringen versucht hatte, das Schloß durch Pulver und Feuer. Spätere Kurfürsten ließen einzelne Teile des Schlosses wiederherstellen, doch zerstörte 1764 der Blitz fast alles, was die Kriege überdauert hatte und neu aufgebaut worden war. Die Ruine verfiel, bis die badische Regierung Schutzmaßnahmen ergriff. Der Friedrichs-Bau wurde mit großen staatlichen Mitteln in alter Pracht wiederhergestellt.

Das  Schloß (195 Meter) ist die großartigste und schönste Schloßruine Deutschlands, in wunderbarer Lage, 100 Meter über dem Neckar. Man wendet sich im Schloßgarten gleich links und genießt vom Stückgarten oder Englischen Garten die Aussicht auf den westlichen Teil der Stadt und nach der Ebene; Gedenktafel an Goethes Besuch. Nun in den malerischen Schloßhof. Links der Ruprechts-Bau, aus der ältesten Bauperiode (1400—1410), ein äußerlich schmuckloses gotisches Gebäude aus Bruch- und Mauersteinen. Er enthält im zweiten Stock den Kamin Friedrichs II. (1546) mit herrlichen Frührenaissanceformen, ein Glanzstück deutscher Bildhauerkunst.

Geradeaus der  Friedrichs-Bau (1601—1607), ein Werk des Straßburger Meisters Johannes Schoch und ein Meisterwerk später deutscher Renaissance. Als Vorbild diente der Otto-Heinrichs-Bau. 1898 - 1903 von K. Schäfer, Karlsruhe, vollkommen restauriert.

Rechts der Otto-Heinrichs-Bau (1556—63), ein Meisterwerk deutscher Frührenaissance; im Gegensatz zum Friedrichsbau von zarten Ebenmaßen und großer Zierlichkeit des architektonischen Beiwerks. Wundervolles Portal in der Art der antiken Triumphbogen.

Durch den Torweg unter dem Friedrichs-Bau gelangt man auf den Altan, von wo aus man sowohl eine gute Ansicht der Nordfassade des Schlosses, als auch eine umfassende Aussicht auf die Stadt und Umgebung hat. Nach der Besichtigung des Schloßinnern und des großen, 1751 erbauten Heidelberger Fasses (9 Meter lang, 8 Meter hoch, 6,9 Meter breit, 221.726 Liter) kommt man, unter dem Otto-Heinrichs-Bau hindurchgehend, in den östlichen Teil des Burggrabens und zum Gesprengten Turm (auch Kraut- [d. h. Pulver-] Turm; 1400), einem der malerischsten Teile des Schlosses. Aus dem Burggraben steigt man auf in den Schloßgarten und geht zum Scheffeldenkmal auf der Schloßterrasse mit prächtiger Aussicht auf Schloß und Stadt (Sonnenuntergang!).

 

Apotheken-Museum im Heidelberger Schloss

Nach Kopfschmerztabletten fragen Sie hier vergebens. Und Ihr Rezept für den Choleste-

rinsenker löst Ihnen auch niemand ein - obwohl Sie mitten in einer Apotheke stehen. Einer wunderschönen sogar: Wie auf einer Zeitreise sind Sie in der Offizin (dem Verkaufsraum) des Klagenfurter Ursulinenklosters gelandet. Wir schreiben das Jahr 1730. Sieben weitere vollständig eingerichtete Apotheken aus verschiedenen Epochen. von der Renaissance über das Biedermeier bis ins 21. Jahrhundert, erwarten die jährlich rund 600000 Besucher - allen voran Japaner und Amerikaner - im Deutschen Apotheken-Museum in Heidelberg.

Kürzlich kam sogar die thailändische Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn mit ihrem 22-köpfigen Hofstaat angereist und war begeistert vom prunkvollen Mobiliar, den reich verzierten Apparaturen und Gefäßen.

Zum faszinierenden Gesamteindruck trägt natürlich auch das Ambiente bei. „Seit 1957 sind unsere Exponate in diesem herrlichen Renaissance-Gemäuer des Heidelberger Schlosses untergebracht“, erzählt Museumsleiterin Elisabeth Huwer stolz. „Mit rund 20000 Objekten handelt es sich um die weltweit umfangreichste pharmaziegeschichtliche Sammlung.“ Zu bestaunen gibt es unter anderem eine Material- und Kräuterkammer, die mit Originalen nachgestellt wurde. Schubladen, Korbflaschen und Krüge dienten damals dem Apotheker zum Lagern pflanzlicher Ausgangsstoffe und Chemikalien für die Medikamentenherstellung. Die Rohdrogen - so die Fachsprache - wurden mit Wiegemessern, Mörsern und Mühlen zerkleinert.

 

Der Raum nebenan präsentiert Apothekenwahrzeichen: den Kopf eines riesigen Fabelwesens, der einst eine „Einhorn-Apotheke“ zierte. Den reich geschmückten Elefanten als Namenspatron einer Regensburger Apotheke. Und das „Drei-Löffel-Emblem“, das als Vorläufer unseres heutigen Apotheken- „A“ in den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Patienten

daran erinnern sollte, dass viele Arzneimittel dreimal täglich eingenommen werden müssen.

Erste Vorläufer unserer heutigen Apotheken wurden übrigens bereits im 13. und 14. Jahrhundert gegründet. Schon lange davor widmeten sich die Klöster der Heilkunde, indem sie das medizinische und pharmazeutische Wissen der Antike bewahrten und weiterentwickelten.

Damit auch kleinen Besuchern nicht langweilig wird, gibt es die „Kinderapotheke“. Hier dürfen sie in einen weißen Kittel schlüpfen und selber Apotheker spielen, können ihren Geruchssinn testen oder nach bunten Rezepten verschiedene Tees gegen Halsweh oder Schnupfen mischen und zu Hause ausprobieren.

Das Deutsche Apotheken-Museum (Schlosshof 1, 69117 Heidelberg, Telefon 06221/25880) hat von April bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, in den Monaten November bis März von 9.45 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt ist im Preis für das Schlossticket (Erwachsene: 3 Euro) bereits enthalten.

 

Spaziergänge und Ausflüge von Heidelberg.

Südlich des Neckars:.

1. Vom Bahnhof oder von der Stadt über das Schloß oder durch Klingenteich zur Molkenkur, vorzügliches Restaurant mit wunderbarer Aussicht; hier stand die Obere Burg. Von der Molkenkur zum Königstuhl (568 Meter), Endstation der Bergbahn, gutes Restaurant. Von dem 28 Meter hohen Aussichtsturm genießt man eine Rundsicht, die bei günstiger Witterung vom Taunus bis zum Schwarzwald und den Vogesen reicht.

Vom Königstuhl südlich zur Sternwarte und zum Kohlhof (480 Meter), als Sommerfrische und Ausflugsziel sehr beliebt.

Von der Peterskirche zum Klingentor; von hier zur  Kanzel (schöne Aussicht). Unterhalb die Riesensteine. Über das Rondell zur Schutzhütte und zur Sprunghöhe.  Zum Gaisberg (vom Turm schöne Rundsicht), auf bequemen Wegen abwärts zum Speyerershof (beliebte Kaffeewirtschaft und Mittelstandssanatorium).

 

Nördlich des Neckars (Odenwald).

Der Philosophenweg führt von Neuenheim am Hang des Heiligenbergs entlang; man kommt am Physikalischen und Radiologischen Institut, dann an der Philosophenhöhe (Hotel) und am Lieselotte-Platz vorüber und genießt auf dem ganzen Weg einen prachtvollen Blick auf Stadt und Schloß, Neckartal und Rheinebene. Weiter zur Engelswiese (Privatbesitz). Etwas oberhalb Schutzhäuschen. Rechts zweigt die Hirschgasse ab, in der das Pauklokal (Fechtplatz) der Studenten liegt; sie führt zum Neckar bergab. Von der Engelswiese macht der Philosophenweg eine Schleife nach Norden und führt am Webersbrunnen vorüber zur Moltkehütte an der Küblerswiese (Aussicht). Von hier Fußpfad südlich abwärts, der sich bald in zwei Arme teilt: Rechts zur Hirschgasse (beim Gasthaus zur Hirschgasse),links in Serpentinen abwärts zum Neckar. Auf einem der in der Richtung des Philosophenwegs von der Moltkehütte nach Osten verlaufenden Wege („Guckkastenwege”) gelangt man zum Stift Neuburg und zur Stiftsmühle

Auf den Heiligenberg (445 Meter).. Von Neuenheim auf dem Philosophenweg bis zur Philosophenhöhe. Zwischen dieser und dem Lieselotte-Platz zweigt links der Bismarcksäulenweg ab; von der Bismarcksäule Aussicht; der Weg führt am Spielplatz (links) vorüber, kreuzt den Oberen Philosophenweg und erreicht die Mönchsberghütte. Hier biegt der Weg im spitzen Winkel nach Südosten um; man folgt ihm bis zur nächsten Wegteilung. Links ab in nördlicher Richtung, den Äußeren Ringwall  kreuzend, wieder bis zur Wegteilung. Hier schneidet man den Inneren Ringwall).

Rechts zum  Aussichtsturm auf dem Heiligenberg (445 Meter), von dem man eine prachtvolle Fernsicht auf Stadt und Schloß, Neckartal und Bergstraße genießt.

Geradeaus auf dem Heiligenbergweg bis zu einer neuen Wegteilung. Man folgt dem mittleren Weg und stößt auf den Rundweg. Rechts und links führen Fußpfade von diesem ab zur Michaelsbasilika.

Oder von Heidelberg-Neuenheim auf dem Philosophenweg von der Mönchsberghütte rechts. zum Michelsberg (380 Meter) mit Aussichtsturm und prächtigem Blick auf die Stadt, weiter zum Heiligenberg.

Abstieg: Den Wegweisern nach durchs Siebenmühlental nach Handschuhsheim.

Nördlich von der Ruine vereinigen sich mehrere der um den Heiligenberg führenden Wege zu einem, der. zum Zollstock (Schutzhütte) führt.

Auf den Weißenstein (550 Meter) entweder von Heidelberg-Neuenheim über den  Heiligenberg, dann am Zollstock vorbei oder von Handschuhsheim durch das Siebenmühlental zu den „Sieben Wegen”.

 

Schlierbach-Ziegelhausen:

Auf dem nördlichen Neckarufer liegt prächtig am grünen Talhang über der Mündung des Mausbachtals  Stift Neuburg, 1130 vom Abt Anselm des Benediktinerklosters Lorsch gegründet, 1195 in ein adliges Frauenkloster umgewandelt, später im Besitz der Jesuiten; 1804 -1926 Privateigentum, jetzt wieder im Besitz des Benediktinerordens. Am Fuß des Stifthügels liegt am Neckar die vielbesuchte Stiftsmühle

Schlierbach und Ziegelhausen sind durch eine Brücke verbunden. Schlierbach, ein sich an dem schmalen linken Neckarufer bis Heidelberg hinziehender Vorort von Heidelberg, ist beliebtes Ausflugsziel. Gegenüber Schlierbach liegt Ziegelhausen, mit 3760 Einwohnern an dem in den Neckar mündenden Steinbach auf dem rechten Neckarufer reizend gelegen. Viel besucht von Heidelbergern. Unterhalb von  Schlierbach-Ziegelhausen wird das Tal wieder sehr eng, in den prachtvollen Felspartien tritt der Granit hervor, besonders auf dem südlichen Ufer (Teufelskanzel).

 

Der nördliche Neckar-Randweg führt durch sehr hügeliges Gelände; er ist besonders im Frühjahr, Herbst und Winter zu empfehlen. Von der Felsenberghütte durch das Bärenbachtal nach Ziegelhausen, von da über die Büchsenäcker und durchs Mausbachtal nach dem „Oberen Guckkastenweg” und an der Moltkehütte vorüber zum „Philosophenweg” und auf diesem nach Heidelberg-Neuenheim herrlichste Aussicht auf das Tal und besonders auf Stadt und Schloß Heidelberg mit dem Königstuhl.

Der südliche Neckar-Randweg führt zunächst auf der Talstraße abwärts zum Kümmelbacher Hof, dann auf dem „Pfalzgrafensteinweg” an der Bergwand steil aufwärts zum Bussestein am Osthang des Auerhahnenkopfs (360 Meter), auf dem „Winterhöhlenweg” am Aukopf vorüber, mit herrlichen Ausblicken auf Schlierbach und Ziegelhausen, den blau  bezeichneten querend zur Klingelhütte und auf Schloßvereinsweg und Wolfsbrunnenstraße zum Scheffeldenkmal auf der Schloßterrasse. Oder auf dem „Pfalzgrafensteinweg” zum Pfalzgrafenstein, zum Hohlen Kästenbaum (Schutzhütte) und über den Eisenlohrweg zum Königstuhl (568 Meter). Abstieg über Molkenkur und. Schloß zur Stadt. Oder über den Wolfsbrunnen und das Felsenmeer zum  Königstuhl

 

Neckargemünd

Die Stadt liegt 124 Meter hoch  in einem lieblichem, weitem Talkessel, an der Mündung der ziemlich wasserreichen Elsenz in den Neckar. Sie ist geschützt gelegen und hat ein mildes Klima. Sie ist ein viel benutzter Ausflugsort für die Heidelberger und Mannheimer.

Es gibt hübsche Landhäuser, eine schöne Waldumgebung. Obst und Weinbau, Gerberei und Schiffahrt. Der Neckar wird hier 200 Meter breit, die Elsenzmündung ist ausgebaggert und zu einem Winterhafen ausgebaut.

Der Ort hat zwei Kirchen, einen Marktplatz, an seinem Rand ein Rathaus (heute Museum mit Museumsgarten). In der Hauptdurchgangsstraße stehen auch das ehemalige Katholische Pfarrhaus von 1772, ein Barockbau mit Ohrengewänden und die ehemalige lutherische Kirche von 1771, von 1823 – 1984  Rathaus. Ein Stadttor steht im Osten, ein Ehrentor, 1788, erbaut für den Kurfürsten Karl Theodor durch den Hofkammerrat F. Chr. Dyckerhoff .

 

Über dem Stadtteil Kleingemünd liegt der 480 Meter hohe Felsenberg  mit prächtigem Blick ins Tal und über die südlich vom Neckar gelegene Landschaft. An den Talhängen befinden sich bedeutende Sandsteinbrüche.

 

Spaziergänge:

1. Burg Reichensteingarten, beliebter Erholungsaufenthalt mit prächtigem Ausblick ins Elsenztal.

2. Schützenhaus, Restaurant mit schattigem Garten.

3. Bockfelsen (Pavillon) und Tillystein

4.  Am Viktor-Lenel-Stift (Mannheimer Kindererholungsheim) vorüber zum Dreieckstein und zum Dilsberger Hof und zurück über Neuhof und Rainbach nach Neckargemünd

5. Rainbach - Dilsberg – Neckarsteinach – Burgen - Kleingemünd

6.  Über den Hollmuth nach Wiesenbach - Langenzeller Hof - Dilsberger Hof und über Rainbach.

 7. Nach dem Neckarriedkopf mit schönem Ausblick ins Elsenztal.

Neckarhausen:

Am jenseitigen Ufer liegt der Neckarhäuser Hof. Es gibt einen schönen Waldweg über den „Steinernen Tisch” nach Mückenloch und weiter nach Dilsberg. Vom Neckarhäuser Hof durch das schöne bewaldete Finsterbachtat aufwärts nach Haag, um einen vorgeschobenen Bergkegel, dann überraschender Blick auf das hochgelegene Dilsberg und auf Neckarsteinach mit seinen Burgen.

 

Dilsberg

Vor Millionen Jahren bildeten die Schleifen des Neckars die Landschaft und dabei Dilsberg heraus. Erste geschichtliche Spuren hinterließen die Römer. Der Bau einer Burg um 1150 und die spätere Entwicklung eines mauerumrandeten Städtchens machten Dilsberg im Mittelalter zu einem bedeutenden Ort für die Kurpfalz und das Schloß Heidelberg. Nach 1800 wurde die Burg bedeutungslos und zum Teil abgetragen. Zu dieser Zeit schon wurde die Bedeutung Dilsbergs und seiner Landschaft entdeckt. Der äußere Rundweg um den ganzen Ort ist etwa 600 Meter lang.

Der Ort liegt  333 Meter hoch und hat eine ringsum geschlossene Stadtmauer, Fachwerk aus dem 17. und 18 Jahrhundert und eine mächtige Burgruine. Die Burg Dilsberg entstand um das Jahr 1150. Erbauer waren die Herren von Lauffen. Sie nutzten damals als erste die exponierte Lage des Dilsberges hoch über dem Neckar.

Von diesen ersten Anfängen profitierten vor allem die Heidelberger Kurfürsten. Unter ihrer Regie wuchs Dilsberg zur trutzigen Festung, die jahrhundertelang als uneinnehmbar galt. Selbst der legendäre Tilly scheiterte zwischen 1621 und 1622 gleich zweimal. Im Herbst 1622 jedoch, nach dem Fall Heidelbergs, ergaben sich auch die Dilsberger Verteidiger. In der Folge sollten noch einige Truppen die Bergfeste belagern. Nunmehr mit wechselndem Erfolg. Den Schweden gelang dabei die Einnahme ebenso wie dem französischen General Melac im Jahre 1688. Gut hundert Jahre später bewies Dilsberg aber alte Stärke: Ein französisches Revolutionsheer mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Im Jahre 1803 schließlich kam die Burgsiedlung zu Baden, was die Dilsberger wohl kaum erfreut haben dürfte. Fortan dienten ihre Mauern als Verbannungsort, Staatsgefängnis und Karzer für Heidelberger Studenten. 1827 endete vermutlich auch dieses Kapitel. In jenem Jahr verfügten die Badener den Abbruch der völlig unversehrten Burg.

Zum Glück blieben davon einige recht sehenswerte Überbleibsel erhalten

Der Parkplatz ist unterhalb des Ortseingangs (notfalls kann man auch auf der gesperrten Straße noch ein Stück höher fahren auf den Parkplatz 1 auf der linken Seite). Man betritt den Ort durch den Torturm mit der Sonnenuhr und der Jahreszahl „1684“ an der linken Seite. Bis 1878 war er Wachhaus des Nachtwächters. Um 1900 war er Herberge für die Wanderbewegung. Wenn man durch das Tor geht, liegt auch links die heutige Jugendherberge. Auf der unteren Straße geht man links weiter. Kurz vor ihrem Ende geht es rechts über eine Treppe hoch zur katholischen Kirche. Diese wurde 1734-37 erbaut, der Kirchturm ist von 1864. Im Chorraum sind Teile der um 1378 errichteten Oswald-Kapelle verbaut.

Weiter geht es auf der Oberen Straße etwas abwärts. Links ist das katholische Pfarrhaus von 1736. Rechts steht die ehemalige evangelische Kirche, die um 1763 errichtet wurde und deren Chorraum im Osten noch erkennbar ist. Dann geht es links den Burghofweg hinauf. Dabei kommt man aber nicht an dem runden Turm vorbei, der der Wasserturm ist (von der Burg aus gut zu sehen).

Rechts liegt dann die evangelische Kirche. Sie wurde 1870 bis 1873 in neugotischer Form errichtet. Für den Turmbau wurde Keupersandstein aus dem Kraichgau verwendet. Links ist der Eingang zur Freilichtbühne, auf der seit 1910 von der Dilsberger Dorfgemeinde das Volksstück „Die Rose von Dilsberg“ aufgeführt wird. Etwas weiter höher kommt man dann zunächst zur Vorburg. Die Häuser gegenüber dienten als Wachthaus, Fruchtscheuer und Kaserne.

Weiter geht es zur Burg. Der Unterbau des Torhauses wurde als Gefängnis benutzt. Im Burghof steht ein über 100 Meter tiefer, in den Fels eingetriebener Ziehbrunnen. Die Überreste sind ausgebessert: der Bergfried und der Wehrgang sind besteigbar. Die Besteigung beschert eine herrliche Rundumsicht ins Neckartal. Besondere Beachtung verdienen aber auch die gewaltige polygone Mantelmauer und das Kommandantenhaus, das östlich der Burg steht. Die Öffnungszeiten der Burgruine von Ostern bis 31. Oktober (im Winter geschlossen): Täglich von 10 bis 19 Uhr. Erwachsene zahlen für die Turmbesteigung zwei Euro.

 

Die Dame an der Kasse hält außerdem den Burgbrunnenschlüssel gegen ein Schlüsselpfand bereit. Man geht aus der Burg heraus, dann an der Vorburg links, am Kommandantenhaus vorbei nach rechts zum Rundweg. Dort geht es wieder rechts abwärts und dann nach links eine Treppe hinunter. Wo der Weg wieder eben wird, ist der Eingang zum Brunnenstollen.

Man steht urplötzlich in einem sandsteinernen Felsenstollen. Er wurde in den Jahren zwischen 1650 und 1680 angelegt und 1926 freigelegt.  1,60 Meter bis 2,20 Meter hoch, gut ausgeleuchtet und gefahrlos begehbar. Exakt 82 Meter geht es dann hinein in den Berg, bis zu dem 52 Meter tiefen Brunnenschacht. Nach oben sieht man in den Brunnen, der im Burghof steht. Spätestens dort wird der einstige Fluchtweg der Dilsberger klar: 35 Meter per Seil den Burgbrunnen hinunter in den Felsentunnel, danach ins Freie. Auf dem Rückweg geht man am Ende der Treppe nach links und dann wieder aufwärts. Dann kommt man in den Burggarten mit modernen Skulpturen. An der evangelischen Kirche vorbei geht man nach rechts wieder zur Burg, um den Schlüssel abzugeben.

Umgeht man den ummauerten Ort, so bieten sich jeden Augenblick neue Bilder. Die Bahn führt unter der Hinterburg entlang, zieht sich am steilen Felsen hin, führt über den Neckar auf einer 180 Meter langen, doppelstöckigen Gitterbrücke und über die Elsenz.

 

Wanderung Eberbach - Neckargemünd

Unterhalb von Eberbach fließt der Neckar in westlicher Richtung. Die bis zu 500 Meter emporsteigenden Talwände treten nahe zusammen. Die Neckar-Randwege vermeiden die vielbefahrene Talstraße fast ganz, ziehen am Hang der bewaldeten Berge, die das Tal eng umschließen, hin und berühren alle Burgen und Schlösser sowie alle Ortschaften der an Naturschönheiten und geschichtlichen Erinnerungen ungewöhnlich reichen Landschaft.

 

Neckarsteinach

Ein hessisches Städtchen an der Mündung der Steinach in den Neckar, zu Füßen burgengekrönter Waldberge, sehr malerisch gelegen, einer der schönsten Punkte im Neckartal.

Wenn man von Osten kommt, gelangt man an dem Rest der Stadtmauer in die Altstadt. Rechts steht die spätgotische Kirche (1481 bis 1483, 1778 erweitert) mit schönen Glasgemälden und Grabmälern aus dem 14. bis 16. Jahrhundert des Geschlechts der Steinach mit dem Beinamen Landschaden (nur zu Gottesdienstzeiten zu besichtigen)

In der Stadt selbst gibt es wunderschöne Fachwerkhäuser, alte Ringmauern, stattliche Barock-Bürger-Häuser und ein klassizistisches Rathaus.

Bezeichnend ist aber, daß Neckarsteinach, das „Vierburgenstädtchen“ genannt wird. Die Mitglieder der Familie Bligger waren die ersten Bewohner von Neckarsteinach. Sie bauten um 1100 die erste Burg. Im Jahre 1142 wurden die Herren erstmals erwähnt, zu denen auch der Minnesänger Bligger II. von Steinach nach gehörte. Das Wappen der Stadt trägt eine überreich gestaltete Harfe. Seit dem 14. Jahrhundert führte das Geschlecht den Namen „Landschaden von Steinach“. Nachdem alle Kinder verheiratet waren, gab es in Neckarsteinach noch drei Burgen mehr. Das Geschlecht starb 1653 aus.

Die interessanteste der vier Burgen ist  die Vorderburg oder Landschadenburg. Sie wurde nach 1200 erbaut (im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts). Sie hat eine 21 Meter hohe Schildmauer, die den sonst üblichen Turm (Bergfried) ersetzt. Oberhalb der Burg liegt das Heiligkreuzkirchlein (1516), eine Kapelle mit spätgotischen Fenstern.

Links ragt die von Efeu umrankte Mittelburg, die größte der Burgen, nach 1165 erbaut und  1550 und 1820  neugotisch umgebaut. Sie ist von hübschen Parkanlagen umgeben, doch nicht allgemein zugänglich. Die Aussicht von der Schloßterrasse ist wunderbar schön.

Fünf Minuten im Wald liegt die malerische Ruine der Hinterburg, mit besteigbarem viereckigen Turm und doppelten Ringmauern; vom Turm hat man eine sehr schöne Aussicht.

Ganz oben liegt die Ruine Schadeck, auch Schwalbennest oder Rabenschloß genannt. „Landschad“ oder „Schadeck“ deutet vermutlich „Landscheide“ und ist auf den Riegelsberg zu zuführen, der das Neckartal vom Steinachtal trennt. Im Volksmund bedeutet  der Name aber Rauchschwalbe („Ruchschad“), daher der Name „Schwalbennest“.

 

Hirschhorn

Rund 25 Kilometer flußaufwärts von Heidelberg bildet der Neckar eine Doppelschleife zwischen den Höhen des Odenwaldes. Die dicht bewaldeten Hänge reichen bis an die Ufer des wieder in sein Bett zurückgekehrten Flusses und prägen hier eine Landschaft, deren Zauber sich niemand entziehen kann. Die Krönung bildet die Stadt Hirschhorn: Umgeben von starken Mauern schmiegen sich die Fachwerkhäuser an Burg und Kloster.Der Ort ist 131 Meter hoch gelegen, ein sehr malerisches hessisches Städtchen an der Einmündung des forellenreichen Ulfen- und des Finkenbachs außerordentlich schön gelegen.

Ein Land, ein Fluß: Auf seiner gesamten Länge durchzieht der Neckar Baden-Württemberg, nur zwei Orte an seinen Ufern liegen außerhalb, Neckarsteinach und Hirschhorn am südlichsten Zipfel Hessens. Daß dort, umschlossen von drei badischen Seiten, der hessische Löwe gewissermaßen seine Schwanzhaare in den Neckar tauchen kann, geht auf die verwickelten Territorial- und Rechtsverhältnisse des Mittelalters zurück.

Vermutlich im 11. Jahrhundert entstand eine Enklave des Klosters Lorsch inmitten wormsischen Gebietes. Im Mittelalter war der Ort Sitz der Herren von Hirschhorn, deren Burg um 1200 entstand.

Der Lorscher Besitz wurde später mainzisch (1364). Im Jahre 1396 erhielt Hirschhorn Stadtrechte. Im Jahre 1632 fiel es an Kurmainz und gelangte nach Aufhebung des Kurfürstentums 1802 an Hessen (-Darmstadt).

Die bei der Lehnsübertragung an Mainz festgeschriebene Teilung mancher Dörfer wirkt bis heute fort. So gehört zum Beispiel der westliche Part des 400 Seelen zählenden Ortes Igelsbach zu Hessen (Kreis Bergstraße), der östliche Teil gehört zu Baden-Württemberg. Ein Besuch lohnt aber nicht, man muß auf der gleichen Straße wieder zurück

 

Die Stadtmauer ist fast gänzlich erhalten. Unter der Burg liegt der ältere Stadtteil, das „Hinterstädtel“; auf den Neckar zu die Vorstadt. Der Marktplatz ist aus dem 15. Jahrhundert. Das Karmeliter-Kloster wurde 1406 gegründet und hat mit Wandmalereien aus der Zeit um 1505 (Elias- Zyklus). Die katholische Pfarrkirche wurde 1628–1630 erbaut. Es gibt schöne Fachwerkhäuser des 16. und 17. Jahrhunderts.

 

Als Keimzelle der Stadt gilt der erstmals 773 in einer Urkunde des Klosters Lorsch erwähnte Ortsteil Ersheim jenseits des Neckars auf der Landspitze in der Neckarschleife. Dort befindet sich auch die älteste Kirche des unteren Neckartales, die spätgotische Ersheimer Kapelle, dem einzigen Überrest eines durch Kriegs- oder Wassernot untergegangenen Dorfes. Zum „Glück im Neckarwinkel“, wie Theodor Heuss dieses beeindruckende Panorama in seinen Reisebeschreibungen „Von Ort zu Ort“ empfand, gehört auch die Keimzelle Hirschhorns, die am linken Ufer einer engen Neckarschleife liegende Ersheimer Kirche.

Seit dem Bau der Brücken-Schleuse ist sie ohne Schwierigkeiten zu erreichen. Über Jahrhunderte hinweg aber mußten die Hirschhorner für den Gottesdienst mit Kahn oder Fährboot übersetzen, sofern nicht die katastrophalen Hochwasser oder schwerer Eisgang dies verhinderten. Erst im 15. Jahrhundert. als die Gemeinde die Kirche des Karmeliterklosters besuchen durfte. verlor das Ersheimer Gotteshaus seine Bedeutung als Pfarrkirche und Grablege der Hirschhorner Ritter, was diese aber nicht am weiteren Ausbau hinderte.

Das Langhaus erhielt seine jetzige Gestalt um 1460. Erst 1517 entstanden die feinen Maßwerkfenster und das Netzgewölbe im Chor. Auf den Schlußsteinen ist, wie auch in der Klosterkirche und an vielen anderen Stellen der Stadt, das Hirschhorner Wappen. ein fünfstangiges Hirschgeweih angebracht. Daß es vom bürgerlichen Gemeinwesen als Stadtwappen beibehalten wurde, versteht sich fast von selbst. An der nördlichen Längsseite der Kapelle steht der „Elendstein”, eine gotische Sandsteinsäule mit Lichtnische aus dem  Jahre 1412. Ein hier gefundenes Steinbeil aus der jüngeren Steinzeit läßt vermuten, daß aber schon vor etwa 6000 Jahren Menschen in dieser Gegend gelebt haben.

 

Im 13. und 14. Jahrhundert mehrten sich die Überfälle wilder Horden auf die Bewohner der Orte Ersheim,  Krautlache, Weidenau und Ramsau. Was diese Krieger stehen ließen, wurde ein Raub der Überschwemmungen des Neckars. Die Menschen flohen in den Schutz der Burg und gründeten hier die Ortschaft Hirschhorn. Kaiser Wenzel gab 1391 den Rittern von Hirschhorn das Recht, das Dorf zu ihren Füßen zu befestigen, und verlieh zugleich das Stadtrecht.

Ohne die Tatkraft der Hirschhorner Ritter, ihre mehr auf Verhandlungsgeschick und Erwerbssinn, denn auf kriegerische Händel gründende Politik. hätte sich die kleine Herrschaft kaum gegen die übermächtigen Nachbarn, Kurpfalz, Speyer oder Worms, behaupten können. Die Verschmitztheit, mit der sich das Geschlecht durchsetzte. scheint noch das hintergründige Lächeln Ritter Engelhards I. zu verraten, wie es der Schöpfer von Engelhards Grabplatte in der Ersheimer Kirche festhielt.

Dieser bedeutendste Vertreter seines Hauses verstarb 1361, sein Enkel Hans V. 1426. Unter ihm erreichte Hirschhorn den Höhepunkt seiner Bedeutung. Als Zeichen seiner errungenen Macht gründete Hans das Karmeliterkloster und verfügte, daß er dort auch begraben werden sollte.

Der Aufstieg der Hirschhorner erscheint um so bemerkenswerter, als er gegen die allgemeine Zeitströmung verlief. Bei ihrem territorialen Ausgreifen bis auf linksrheinische Gebiete, bei ihrer Geldpolitik. die selbst Kaiser und Kurfürsten zu Schuldnern werden ließ, und der ungebrochenen Bautätigkeit - gipfelnd im Renaissance-Palas von 1586 - war die hohe Zeit des Ritterwesens schon lange abgelaufen. Erst die Unwägbarkeiten der Natur besiegten das stolze Geschlecht. Ohne Nachkommen verstarb 1632 der letzte Hirschhorner. Am Ende hat Hessen das Haus beerbt.

 

Besonders eindrucksvoll zu beobachten, baut sich vor dem Betrachter das den Hang hinaufkletternde Städtchen auf. Unten, zum Teil auf die Befestigung gestützt, stehen alte Fischerhäuschen. dahinter, leicht erhöht, die Fachwerkbauten der Händler und Handwerker, dazwischen kaum herausragend die Pfarrkirche, 1630 von der lutherischen Gemeinde in gotischen Formen errichtet. Unübersehbar dagegen ist die kühn auf einer Felsnase sitzende, genau geostete Kirche des früheren Karmeliterklosters.Der spätgotische Bau aus dem 15. Jahrhundert wurde von den Herrschern über Stadt und Fluß, den Herren von Hirschhorn gestiftet. Deren Stammsitz auf dem „Horn der Hirzen“ (= Hirsche), eine weitläufige Burganlage aus dem 13. und 14. Jahrhundert, thront an exponierter Stelle über ihren Gründungen.

Auf einem Sandsteinfelsen thront  den Ort hoch überragend Burg Hirschhorn (13. Jahrhundert) durch Wehrmauern verbunden. Um das Jahr 1200 bauten die Ritter von Hirschhorn auf dem von Hirschen gern aufgesuchten Vorsprung am Stökkelberg ihre Burg, die sie in den folgenden 400 Jahren ständig erweiterten und befestigten. Wegen des 1585 vollendeten Renaissancepalas wird die Burg nun Schloß genannt und befindet sich im Besitz des  Landes Hessen. Von der Schloßterrasse hat Besucher einen herrlichen Blick auf den Neckar und die Odenwaldhöhen. Es gibt eine Sehenswerte Altertümersammlung im Rittersaal und wertvolle alte Fresken in der ehemaligen Schloßkapelle. Mit staatlichen Mitteln wurde in den fünfziger Jahren die Burg vor dem weiteren Verfall bewahrt und mit einem Hotel-Restaurant veredelt. Vom begehbaren Bergfried und der Terrasse des Hotels kann in Ruhe das Blickfeld genossen werden, wie es sich den Hirschhornern dereinst geboten hat.

Von der Burg führt ein steiler Weg hinab in wenigen Minuten zur spätgotischen Karmeliterkirche, eines 1406 von den Edlen von Hirschhorn errichteten Karmeliterklosters mit seiner im gotischen Stil erbauten Kirche. Im Jahre 1514 erfolgte die Erweiterung der Kirche durch die Annakapelle. Infolge der Säkularisation im Jahre 1803 wurde das Gotteshaus seiner Bestimmung beraubt und zerfiel, konnte jedoch vor dem Abbruch bewahrt werden. Heute sind Kirche und Annakapelle wieder Gotteshaus, und aus dem Klostergebäude wurde ein Pfarrzentrum. Die herrlichen Figuren des Barockhochaltars erregen genau so die Bewunderung der Besucher wie die prachtvollen Malereien und Grabdenkmäler.

Die Marktkirche verdankt ihre Existenz dem letzten Ritter von Hirschhorn, Friedrich. Nach Rückgabe des Karmeliterklosters und der Kirche an den Orden waren die Protestanten ohne Gotteshaus. Ritter Friedrich ließ 1628 bis 1630 für sie die Marktkirche bauen, die aber nur zwei Jahre lang genutzt werden konnte, denn die Ausübung des evangelischen Gottesdienstes wurde verboten, die Kirche geschlossen. Rund 100 Jahre lang war sie Scheune und Vorratshaus. Als die Karmeliterkirche zu klein geworden war, wurde die Marktkirche zur katholischen Pfarrkirche umgebaut. Der Kirchturm war früher das Stadttor. Die steinerne Kanzel in der Kirche erinnert an die evangelische Zeit.“

Eine andere Erinnerung an vergangene Zeiten ist das „Langbein-Museum“, das im „Haus des Gastes“ sein Domizil hat. Carl Langbein (1816-1881), ein gebürtiger Hirschhorner, war nicht nur ein guter Gastwirt, sondern auch ein leidenschaftlicher Sammler von Kunstgegenständen. Einige hundert von ihm selbst gefertigte Tierpräparate ergänzen seine Sammlung. In seinem Gasthaus „Zum Naturalisten“ schmückte er die Wände mit seinen Sammelobjekten (geöffnet dienstags bis samstags von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr).

 

Zurück zur Gegenwart: Die Hauptstraße ist Fußgängerzone und lädt zu einem Bummel ein. Dabei sollte man auch einmal über die Neckarbrücke zur Schleuse gehen. Es ist immer wieder ein Erlebnis, zu sehen, wie die Schiffe in die Schleusenkammer einfahren und dann weiter den Neckar auf- oder abwärts fahren. Wer Lust hat zu einer Schiffahrt auf dem Neckar, dem kann auch geholfen werden. Unterhalb des Stadtgrabens befindet sich die Schiffsanlegestelle.

 

Ausflüge von Hirschhorn:

1. Durch herrlichen Wald über Forsthaus Michelbuch und Darsberg nach Neckarsteinach, kurz vor dem Abstieg wunderbarer Blick von der Kaisereiche auf die vier Burgen und Dilsberg.

2. Auf einem mit gelb-rotem Kreuz bezeichneten Weg zum „Steinernen Tisch” (bei Igelsbach; nicht zu verwechseln mit dem „Steinernen Tisch“ an der Straße Neckarhäuser Hof - Waldwimmersbach), nach Igelsbach und Randweg über den Feuerberg zurück nach Hirschhorn.

3. Über den Dammberg mit lohnender Aussicht zum Bußkopf und weiter bis zur Kreuzung mit dem rot-gelben Kreuz, mit diesem Zeichen westlich, hinab nach Heddesbach im Ulfenbachtal und über Langental (Fastnacht, Feuerradwälzen und Spinnstubenabend) an der Leonhardsklause (Felsenhöhle) vorüber nach Hirschhorn zurück

oder (mit Zeichen weiß-gelb) auf der Höhe weiter über den Flockenbusch, hinab nach Unter-Schönmattenwag; im Tal zurück nach Hirschhorn

4. Über das Schloß nach Rotenberg und über die Hirschhorner Höhe nach Beerfelden

5. Übersetzen auf das 1inke Flußufer und aufsteigen zur Hirschhorner Steige, von dieser mit gelbem R (Randweg) abzweigen, östlich nach Pleutersbach oder westlich zum Neckarhäuser Hof, sehr lohnend, ungewöhnlich schöne Ausblicke ins Neckartal.

6. Nach Wald-Michelbach

 

Der nördliche Neckar-Randweg:

Er überschreitet beim Wirtshaus zur Itterburg am westlichen Stadtausgang von Eberbach die Bahn, biegt dann sofort nach 1inks und läuft mit der Bahn parallel am Waldrand entlang zum Gammelsbachtal (Eisenhammer) und in gleicher Richtung auf gutem Feldweg weiter zum Gretengrund (in der Nähe Bahn-Haltestation Pleutersbach); Aufstieg zum badisch-hessischen Weiler Igelsbach; der Randweg führt links durch Wiesen, Feld und Wald zum Rücken des Feuerbergs (prächtige Aussicht), durch den Kapellengrund abwärts, dann wieder ansteigend am Berghang hin zum Schloß und hinab zum Städtchen Hirschhorn. Nach Überschreiten des Ulfenbaches von der Landstraße in Hirschhorn rechts ab, unter dem Bahnkörper durch und 1inks, fast immer in gleicher Höhe neben der Bahn durch Wald und Wiesen nach Neckarhausen; aufwärts am Schloßbuckel entlang, abwärts zur Straße, auf dieser etwa 800 Meter talabwärts, dann im Lanzenbachtal aufwärts durch Wald und Wiesen über das Bitterbachtälchen, am Friedhof vorüber nach Neckarsteinach. Beim Bahnhof links auf die Straße; von Neckarsteinach an erhebt sich der Randweg zu größerer Höhe; er führt über die vier Burgen mit herrlichen Ausblicken immer durch Wald zur Felsenbergrotte, gegenüber von Neckargemünd.

 

Der südliche Neckar-Randweg:

Er berührt auf dem 1inken Ufer das Dorfchen Neckarwimmersbach sowie das. unterhalb gelegene Pleutersbach; der Anschluß an den linksseitigen Randweg ist also bei einem der beiden Orte zu suchen. Das hochgelegene, teils zu Baden, teils zu Hessen gehörige Dorf Igelsbach liegt  290 Meter hoch. Hier beginnt der große Doppelbogen des Neckars, der bei der Mündung des Ulfenbaches endigt.

Die Luftlinie zwischen den beiden Wendepunkten beträgt nur 450 Meter, während der Fluß einen Weg von 3,7 Kilometern zurücklegt. Die Bahn schneidet die Windung durch einen Tunnel ab. Nach dem Austritt aus dem Tunnel links die Ersheimer Kapelle.

Von Neckarwimmersbach über den Bocksberg, dann über Wiesen nach Pleutersbach; von hier durch Wald langsam ansteigend durch die Moosklinge zur Hirschhorner Steige, dann auf dem Unteren Neckarberg-Weg (sehr angenehme Wanderung mit lieblicher Aussicht) hinab zu den Neckarwiesen und nach dem am Ausgang des Finsterbachtals gelegenen  Neckarhäuser Hof (gute Wirtschaft und Brauerei), gegenüber die Station Neckarhausen. Nun im Tal am Waldrand entlang abwärts bis zum Neckarknie bei Mückenloch und Aufstieg nach Dilsberg. Hinab nach Rainbach; am untern Ausgang des Dorfes wieder aufwärts zum Tillystein und über den Bockfelsen nach Neckargemünd.

 

Eberbach

Die badische Stadt mit 6.800 Einwohnern liegt zwischen bewaldeten Berghängen, Gärten und Wiesen in eine Talbucht gebettet, am Neckar. Hier mündet die aus dem Odenwald kommende, fischreiche Itter. Ausgedehnte Waldungen (viertgrößter Waldbezirk Badens, über 3000 Hektar) mit berühmter Hochwildjagd. Die Bewohner treiben Ackerbau, Waldarbeit, Steinhauerei (in der Nähe Sandsteinbrüche), Schiffahrt und Fischfang, besonders Forellenfischerei. Es gibt einen bedeutenden Handel mit Holz und Eichenrinde für Lohgerberei.

 

Geschichtliches.

Durch Schenkung des Frankenkönigs Dagobert kam die Gegend in den Besitz des Bistums Worms, das im 11. Jahrhundert die Burg erbaute. Die Bischöfe sind die Erbauer der Burg (11. Jahrhundert); diese wurde 1403 geschleift. Gegen 1300 Mark feines Silber kamen Burg und Stadt 1227 an die Staufer. Im Jahre 1230 wurde Eberbach Freie Reichsstadt. Kaiser Ludwig der Bayer verpfändete es 1330 an die Pfalzgrafen, in deren Händen es bis 1803 blieb. Kurze Zeit war sie im Besitz der Fürsten von Leiningen. bis sie 1806 an Baden fiel.

Vermutlich wurde der Neckar weniger beachtet, da er weder wirtschaftlich noch als Territorialgrenze eine bedeutsame Rolle spielte. Erst mit Regulierung und Ausbau bis in die sechziger Jahre fand er Anschluß an die großen Wasserstraßen. Eine Uferstraße gab es schon gar nicht. Über Jahrhunderte waren viele Orte wie abgeschnitten. Mehr schlecht als recht lebten die Menschen vom Fischfang und der Flößerei. Dank der abseitigen Lage wurden die Städtchen jenseits von Heidelberg dafür kaum in kriegerische Auseinandersetzungen gezogen. Vieles blieb so, wie über Jahrhunderte gewachsen.

 

Rundgang:

Der trapezförmige Straßengrundriß wurde planmäßig im 13. Jahrhundert angelegt. Die Stadt ist im Kern unverändert. Die Stadtmauer ist teilweise erhalten. Von einstmals acht stehen noch vier Türme. Von den Parkplätzen am Neckarufer kommt man durch einen Fußgängertunnel zum Thalheim'schen Haus.

Das Thalheim'schen Haus von 1390 (vor 1427) ist das älteste Gebäude der Stadt. Es ist ein hübsch renoviertes Bauwerk mit Treppengiebel. Zunächst als Vogtei und Kellerei; später bewohnten es auch einmal die Eltern der englischen Königin Victoria I. Von Interesse sein dürfte zudem der Blick in den angrenzenden Innenhof.

Dort entdeckt man nicht nur den Fischerbrunnen, sondern auch den Zugang zum Eberbacher Kurzentrum. Hinter dessen Türen wird gewöhnlich kräftig kuriert. Akupunkturbehandlungen fehlen da ebensowenig wie Inhalationen, Fangopackungen oder Trink- und Badekuren mit den beiden Eberbacher Heilquellen. Drei bis vier Wochen dauern solche Kuren, die besonders bei Kreislaufstörungen, Erschöpfungszuständen, Rheuma sowie Leber- und Gallenerkrankungen nachhaltigen Erfolg versprechen.

Neben dem Haus steht der der markant über Eck gestellte Mantel- oder Pulverturm, auf dem Platz davor den Kurpfalzbrunnen mit dem kurpfälzischen Löwen (1966).

Am Thalheim'schen Haus beginnt die Kellereistraße. Sie führt nun, gesäumt von Boutiquen und Geschäften, an den „Alten Markt” heran. Dort imponiert die kunstvolle Sgraffitomalerei am „Hotel Karpfen”. Sämtliche Darstellungen zeigen die Handschrift des Kunstmalers Richard Hemberger, der damit im Jahre 1934 die Eberbacher Geschichte dokumentierte.

Danach geht es links vorbei am Gasthof „Engel” zur Weidenstraße, die zwei der vier Stadttürme verbindet. Rechts ragt der schiefergedeckte „Blaue Hut” empor, etwa hundert Schritte weiter nach links markiert der runde Rosenturm (2 Meter Mauerstärke) die Nordost-Ecke des alten Eberbach. Dem Rosenturm gegenüber älteste Schau Badens von 1483.

Vom Rosenturm aus schlendert man dann etwa 20 Meter zurück und zweigt rechts ab in die Adolf-Knecht-Straße. Wenig später erfolgt der Übergang in die Obere Badstraße, die vorbei am sgraffitogeschmückten Gasthaus „Krabbenstein” auf den Lindenplatz zuhält. Hier dreht sich fast alles um das mittelalterliche „Alte Badhaus”. Die frühere öffentliche Badeanstalt birgt heute ein Feinschmeckerlokal.

Ebenfalls gesehen haben sollte man den benachbarten Haspelturm, einen wertvollen Eckpfeiler der staufischen Stadtbefestigung, der heute Zinnfiguren-Dioramen mit Szenen zur Ortsgeschichte birgt.

Ein kurzer Abstecher rechts ab über die Friedrichstraße führt zur barocken zweitürmigen Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk (1884-1887) im italienischen Barock mit der originellen Taufkapelle und der herrlichen Glasmalereien im Chor.

Mit der Friedrichstraße hat man bereits den Lotsen für den Rückweg im Visier. Sie passiert dabei wiederum den Lindenplatz und erreicht schließlich wieder das eingangs erwähnte Thalheim'sche Haus.

 

In der Stadt steht auch das Haus der Herzogin von Kent geborene von Leiningen, der Mutter der Königin Viktoria von England (die aber nicht in Eberbach geboren ist). Heute gibt es in der Stadt noch die Queen-Viktoria-Torte.

 

Man kann auch vom Bahnhof zur katholischen Kirche gehen, am Post- und Realschulgebäude und dem hübschen Stadtgarten vorbei zum Markt mit der evangelischen Kirche (romanischer Stil, 1841), dann zum Rathaus, Amtsgericht mit dem alten Pulverturm, zum Leopoldsplatz mit Kriegerdenkmal. Sehenswert sind verschiedene alte Häuser an der früheren östlichen Stadtbefestigung. Sehenswert sind das Thalheim'sches Haus, Kraft'sches Haus (um 1500) und weitere Fachwerkhäuser, so auch der »Hof" (um 1470).

 

Überragt wird die Stadt von dem Bezirkskrankenhaus auf dem Scheuerberg und der Burg Eberbach, einst größte Burg der Hohenstaufen (12. Jahrhundert). Ausgangspunkt für dieses Vorhaben ist der Parkplatz „Burg Eberbach”, etwa 600 Meter nach dem Eberbacher Ortsende in Richtung Buchen-Mudau. Der knapp 15 minütige Aufstieg beschert neben dem prächtigen Ausblick auf Eberbach und ins Neckartal die stattlichen Grundmauern der Burg. Die Burg hat ihre Anfänge im 11. Jahrhundert. Nach anderer Angabe erst anfangs des 13. Jahrhunderts erbaut, begann bereits anno 1403 der Abriß. Zwischen Blattwerk und dichtem Gestrüpp erheben sich heute auf 200 Metern Länge die Mauern mit ihren so charakteristischen, säulengestützten Rundbogenfenstern. Bei näherem Hinsehen erkennt man, daß hier drei Burgen hintereinander gestaffelt waren. Die älteste ist die Vorderburg. Etwas tiefer liegt die Mittelburg mit gewaltigem Bergfried (3 Meter dicke Mauern) und Palas. Die Hinterburg liegt 60 Meter weiter und ist stärker zerstört. Nie von strategischer Bedeutung, verfiel die Anlage noch im Mittelalter, ehe sie in mühevoller Arbeit zwischen 1908 und 1932 aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wurde

Wanderung in Elvira Klein, Rhein-Main, 226.

Spaziergänge:

Rechtes Ufer.

1. Ins idyllische Karlstal  zum Hirschsprung am Itterberg, Kaiser-Wilhelms-Linde und Felsenquell. über Hammer und Gretengrund zurück.

2. Fortsetzung des ersten Weges bis zum Rondell, Blockhaus mit schöner Aussicht, zur Waldquelle

3. Auf den Ohrsberg, nördlich mit Aussicht auf die Stadt

4. Auf die Burghalde mit herrlicher Aussicht und Ruine der Burg Eberbach, vermutlich von den Bischöfen von Worms im 11./12. Jahrhundert erbaut, 1227 an König Heinrich VII. verliehen, 1235 vom Kaiser eingezogen, 1403 geschleift, 1909/11 freigelegt, 1911/12 und 1927 verschiedene Bauteile wieder aufgerichtet. Weiter zur Emichsburg, Rückweg über die Klause.

5. Zur Teufelskanzel, dicht am Neckar, und zum Kranichusberg,

6. Im Ittertal aufwärts zum Itterkfraftwerk mit Talsperre und weiter zur Station Gaimühle.

Linkes Ufer:

7. Über die Neckarbrücke zur Odinsquelle, Marienhöhe (prächtige Aussicht). Weiter zum Ohrsbrunnen und über Neckarwimmersbach zurück, B. Von der Marienhöhe hinauf zum Kirchel (440 Meter), hinab zur Ruine Stolzeneck und über Rockenau nach Eberbach zurück,

9. Neckarabwärts nach Pleutersbach.

 

 

Neckarelz (von Neckarelz bis Eberbach):

Von Jagstfeld bzw. Wimpfen bis Neckarelz.

Jagstfeld, malerisch gelegenes württembergisches Städtchen und Solbad an der Mündung der Jagst in den Neckar, führt die Bahn an der rechten Seite des breiten, offenen Neckartals, mit prächtigem Blick links auf das hochgelegene Wimpfen am Berg, nach Offenau, mit Wimpfen im Tal durch Brücke verbunden; Saline Klemenshall.  Heinsheim, badisches Dorf am linken Ufer (Fähre), überragt von der Burg Ehrenberg.

 

Gundelsheim, 150 Meter, etwa 1.400 Einwohner, hübsches, malerisches Städtchen am Neckar, mit Stadtmauer, Tortürmen und altertümlichen Giebelhäusern. Auf einem Felsen über der Stadt das umfangreiche Schloß Hornegg, ehemaliges Deutschordensfeste, jetzt berühmtes, vielbesuchtes Sanatorium (Dr. Römheld); Besichtigung nicht gestattet.  Gundelsheim gegenüber am linken Ufer Schloß Guttenberg und Dorf Neckarmühlbach.

Vom Schloß auf dem rechtsseitigen Neckar-Randweg über das Ahnbachtal zur Miehaelskapelle (240 Meter), mit prachtvoller Aussicht auf Wimpfen und die Burgen Hornegg, Hornberg, Guttenberg und Ehrenberg. Weiter zur Ruine Hornberg oder nach Mosbach

Die Bahn führt durch einen Tunnel (badische Grenze), dann im enger werdenden Tal nach Haßmersheim und Neckarzimmern. 650 Einwohner, großes Gipswerk (außer Betrieb).

Hochhausen,  das Dorf liegt am linken Ufer (Fähre).

 

Neckarelz:

Etwa 150 Meter, 1550 Einwohner, Knotenpunkt der Bahnen von Würzburg. Heilbronn, Heidelberg und Meckesheim, am Einfluß der Elz den Neckar. Katholische Kirche aus dem 12. Jahrhundert Stützpunkt für Ausflüge ins Neckartal und in den Odenwald. Schöne Aussicht von der Eisenbahnbrücke. Eisengießereien und Kalkwerke.

Vorrömische, römische und frühdeutsche Besiedlung ist durch Funde nachgewiesen. Als Alantia (773) erwähnt, seit 1650 ist der Name Neckarelz belegt. Das Templerhaus, eine ehemalige Johanniterburg (bis 1350) diente bis 1707 als Zehntscheune. In den Jahren 1730-34 erfolgte der Umbau zur barocken Pfarrkirche. Die Evangelische Martinskirche ist ein nüchterner Saalbau von 1773 und besitzt einen Turm an dem 13. Jahrhundert. Der Marktbrunnen von 1600 trägt das kurpfälzische Wappen.

Am Hamberg steht der Bismarckturm (1905). Auf der linken Neckarseite steht die Neuburg (1388 erwähnt). Seit 1855 ist sie im Besitz des Grafen von Leiningen-Billigheim.

Unterhalb von Neckarelz macht der Neckar einen großen Bogen nach Westen, während die Strecke für die Bahn durch einen Tunnel abgekürzt wird. Bei Obrigheim liegt das Schloß Neuburg (204 Meter), früher dem Deutschorden gehörend, jetzt Besitz des Fürsten von Leiningen.

Bei Binau beginnt der Durchbruch des Neckars durch die Buntsandsteinformation des Odenwalds. Das Tal ist eng mit schroffen, waldbedeckten Felswänden. Die evangelische Pfarrkirche ist aus dem 14. Jahrhundert, barock umgebaut, mit gotischen Fresken (1927 freigelegt). Sie enthält Grabdenkmäler der Herren von Bödigheim aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das Schloß ist von 1717, ein Werk von Johann Jakob Rischer. Das Portal von 1784. Der Bahnhof Binau liegt 20 Minuten oberhalb des am Neckar gelegenen Dorfes. Hoch darüber, auf steilem Fels, stehen die Reste der Burg Dauchstein aus dem 12. Jahrhundert.. Östlich des Dörfchens Guttenbach (Sandsteinbrüche) liegt die Margaretenschlucht.

 

Neckargerach ist wegen seiner schönen Lage als Sommerfrische beliebt. Gegenüber liegt die Ruine Minneburg (264 Meter). Vier mächtige Rundtürme begrenzen die Ringmauer. Bergfried und Hauptbau (Rittersaal) sind gut erhalten. Zwei Tore und die Grundmauern des Herrschaftshauses sind wohl erhalten. Die stattlichen Überreste der Burg sind mit Efeu umrankt. Prächtiger Blick vom schönen, alten Erker.. Um die Burg spinnt sich ein Kranz von Sagen und geschichtlichen Erinnerungen. Ihren Namen soll sie zu Ehren des Edelfräuleins Minna von Hornberg (Minnaburg) erhalten haben.

 

Zwingenberg liegt 148 Meter hoch, einer der schönsten Punkte im Neckartal, eine beliebte Sommerfrische. Über dem Ort liegt auf 50 Meter hohem, steilem Felsen das malerische Schloß Zwingenberg, eine der besterhaltenen Burgen aus dem 15. Jahrhundert, mit Bergfried und Schildmauer. Sie wird 1338 erwähnt und 1403 neu aufgebaut. Seit 1808 ist sie im Besitz der großherzoglichen badischen Familie. Am Neckar gibt es eine Fischreiherkolonie.

Die Wolfsschlucht liegt östlich von Zwingenberg (Richtung zwischen Ober-Dielbach), eine

wildromantische Schlucht, die vor 100 Jahren noch „Schloßklinge“ hieß (Klinge: kurze, steile Talrinne). Sie diente Carl Maria von Weber als Vorbild für die Szenerie in seiner Oper „Der Freischütz“.

Auf der anderen Seite des Neckars und im Tal abwärts geht es zur ehemals berüchtigten Raubritterburg Stolzeneck (211 Meter). Einsam steht die Ruine auf steilem Felsen; an sie knüpft sich eins unserer schönsten Rabenmärchen.

 

Wimpfen am Berg

 mittelalterliche Stadt in prachtvoller Lage auf dem Steilrand des Neckartals, etwa 60 Meter über dem Fluß, mit prächtigen Bauten und idyllischen Winkeln, Türmen und Toren, weithin einen sehr malerischen Anblick bietend. Ehemalige Kaiser- und Reichsstadt, später zu Hessen gehörig. Solbad und Luftkurort, als Erholungsaufenthalt sehr geeignet.

Vom Bahnhof am luftigen Nürnberger Türmchen vorbei, durchs malerische Hohenstaufentor und durch alte Winkel hinauf zur romanischen Kaiserpfalz, von der nur ein geringer Rest erhalten ist.

In der wiederhergestellten Pfalzkapelle Erinnerungen an die Hohenstaufen (Geschichtlich nachgewiesen ist, daß Barbarossa. Friedrich II., Heinrich VII. und andere Kaiser hier ihre Residenz hatten). Vom alten Palast steht noch eine zweifache, fünfteilige Arkadenreihe mit stark gekuppelten Säulen hoch über dem mit Bäumen bestandenen, schattigen Steilabhang, der zum Neckar hinabführt. Das fünfgeschossige Steinhaus, der Rote und Blaue Turm (Besteigung sehr zu empfehlen) mit 4 Erkertürmchen, sowie das oben erwähnte Hohenstaufentor sind Teile der ehemaligen Kaiserpfalz.

Am Markt die zweitürmige gotische Stadtkirche (evangelisch); das Langhaus 15./16., der schöne frühgotische Chor Ende des 13. Jahrhunderts. Malerische Fassadenkomposition mit Vorhalle. Im Innern Hochaltar von 1519, Sakramentshäuschen von 1451, an der Nordseite Altar von 1500, u. a.

Zahlreiche schöne alte Fachwerkhäuser (16. u. 17. Jahrhundert) mit Sprüchen. Durch die malerische Klostergasse gelangt man zum ehemaligen Dominikanerkloster (jetzt Schule) mit schönem gotischem Kreuzgang; Südflügel 13., Westflügel 14., Nordflügel 15. Jahrhundert. Die Dominikanerkirche, jetzt katholische Pfarrkirche, stammt aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, das Innere wurde 1713 im Barockstil umgestaltet; reiche Ausstattung, künstlerisch am wertvollsten die an der Südseite aufgestellten Heiligenstandbilder vom ehemaligen Hochaltar (1480). Über den Neckar führt die neue Hindenburgbrücke

 

Ausflüge:

Schönster Spazierweg ist der Weg außerhalb der Stadtmauer und der Kaiserpfalz hoch über dem Neckar. Wimpfen ist von einem Kranz von Wäldern umgeben. Auf schattigen Fußwegen gelangt man in den Kurwald, den Mühlwald, den Einsiedel - und Bonfelder Wald und den Dornetwald.

 Neckaraufwärts: Kochendorf mit Besichtigung des Salzbergwerks und des Neckarkanals mit Schleuse, Jagstfeld, Heilbronn, Weinberg mit der Weibertreu.

Neckarabwärts: Ruine Ehrenberg bei Heinsheim, Gundelsheim, Schloß Guttenberg usw..

 

Der linksseitige Neckar-Randweg (bezeichnet gelb R) beginnt beim alten Friedhof in Wimpfen, an der „Kirschenbank”, und führt mit herrlichen Ausblicken an der Neckarhalde abwärts zur Talstraße, links ab, nach wenigen Schritten,  dann am Berghang nach Heinsheim, badisches Dorf, hochgelegene Pfarrkirche mit Aussichtsterrasse. 5 Minuten entfernt eine der schönsten Neckarruinen, Feste Ehrenberg, Stammschloß derer von Ehrenberg seit 1157, seit 1805 der Familie von Racknitz gehörig. Umfangreiche Reste, mächtiger Wartturm, reizende Aussicht nordwärts.

Straße nach Neckarmühlbach; bei der Wegteilung 1inks aufwärts, an der Feste Ehrenberg vorbei, Fußpfad rechts ab zur Höhe; rechts zum Wald und  zum stattlichen, mit Efeu bewachsenen Schloß Guttenberg (242 Meter), das seit fast 500 Jahren den Freiherren von Gemmingen gehört. Gewaltiger Turm auf ragender Höhe, gegenüber Gundelsheim. Prächtige Aussieht.

Unterhalb der alten Grabkapelle das Dörfchen Neckar-Mühlbach. Von Neckarmühlbach bergauf am linken Neckarufer zur Eduardshöhe, Schutzhütte mit einzig schönem Blick auf den Neckar, der hier einen S-Bogen beschreibt.

Von der Eduardshöhe abwärts zur Talstraße nach Haßmersheim, 153 Meter, 1700 Einwohner, einem großen, schön gelegenen Schifferdorf. Fähre zum rechten Ufer, dann am Bahnhof Haßmersheims vorbei zur Steinbacher Mühle; hier Fabrikanlage der Badischen Anilin- und Sodafabrik zur Gewinnung von Schwefel aus Gips (jetzt eingestellt). Etwas mühsamer Aufstieg zur

Ruine Hornberg (280 Meter), der wohl schönsten und interessantesten des unteren Neckartals. Hornberg war Lieblingsaufenthalt des Ritters Götz von Berlichingen, der hier 1562 starb. Seit 1612 ist die Burg Eigentum der Freiherrn  bei Gemmingen. - Durch das mit dem Speirer Wappen gezierte Tor betritt man den äußeren Burg das Vorwerk mit dem sogenannten. Mantelbau; dieser enthält neben vielen Familienbildern die eiserne Rüstung des Götz mit Helm, Schwert und Lanze. Sehr lohnend ist ein Besuch der eigentlichen Burg (Karten im Hof; geringe Gebühr; Führung). Vom Bergfried prächtige Aussicht. Der sehr angenehme weiß bez. Weg führt von Ruine Hornberg durch Wald und hochgelegenes Feld am Stockbrunner- und Hardhof vorüber. nach Mosbach.

Der rechtsseitige Neckar-Randweg (bez. rot R fuhrt von Burg Hornberg nach Neckarelz durch Rebenhänge hinab nach Neckarzimmern, von hier durch Weinberge. Wiesen und Feld nach Neckarelz.

 

 

Ausflüge Odenwald Osten

 

 

 

Mosbach

Der Ort ist 160 Meter hoch gelegen, ein malerisches altes badisches Städtchen , Handel und Gewerbe (Brauereien, Kunstmüh­len), drei Kilometer vom Neckar, liegt geschützt und sehr hübsch im unteren Elztal, von Weinbergen und bewaldeten Höhen umgeben. Beliebter Luftkurort und Stützpunkt für Ausflüge in den südlichen Odenwald und das Neckartal. Im 18. Jahrhundert bestand hier eine Saline; die Salzquellen werden noch heute zu Trinkkuren bei Verdauungsstörungen verwandt.

Geschichtliches. Mosbach entstand im 8. Jahrhundert und wurde 976 als Abtei durch Kaiser Otto II. an das Hochstift Worms verliehen, unter Rudolf von Habsburg wurde es zur Stadt erhoben, kam 1331 (1297) an die Pfalz. Im Jahre 1410 wurde es Residenz der neuen Linie Pfalz-Mosbach, 1499 kam es wieder an die Kurpfalz. Im Dreißigjährigen Kriege wurde es wiederholt gebrandschatzt und 1723 durch einen Brand fast vernichtet. Im Jahre 1803 wurde es dem Fürsten von Leiningen zugeteilt und kam 1806 an Baden.

Die Stadt zeichnet sich durch schöne alte Fachwerkbauten aus: Palm'sches Haus (1610, mit Erker), Haus Lindenlaub (1589), Haus Schwing (17. Jahrhundert), Haus Stadler (16. Jahrhundert).

Das Rathaus entstand 1558-59. Es beherbergt heute das Stadtarchiv und Museum mit reichhaltigen Fayencen aus der von Kurfürst Karl Theodor gegründeten Mosbacher Manufaktur (1771-­­1836).

Am malerischen Markt steht die spätgotische Stadtkirche St. Juliana aus dem 14.-15. Jahrhundert. Sie wurde 1708 geteilt: Den Chor (16. Jahrhundert) erhielten die Katholiken, das Langhaus (15. Jahrhundert) die Pro­testanten. Die neue katholische Kirche von 1935 steht am Südhang mit herrlichem Geläute aus der Abtei Grüssau/ Schlesien.

Das alte Hospital ist von 1521. Die Friedhofkapelle aus dem 15. Jahrhundert hat Fresken.

 

Lohrbach (nördlich von Mosbach):

Der Ort wird 769 erstmals genannt, im Jahre 976 ist er im Besitz des Bistums Worms. Im Jahre 1293 ist er in den Händen der Johanniter. Danach hatte er eine wechselvolle Geschichte. Im Jahre 1413 kam der Ort an den Pfalzgrafen Otto von Mosbach. In den Jahren 1577-1603 war er Wohnsitz der Witwe des Kurfürsten Friedrich III., Amalie. Im Jahre 1803 kam er an Leiningen, 1806 zu Baden.

 

Mudau:

Eine 460 Meter hoch gelegene, einfache Sommerfrische. Im Jahre 849 wird es als „mutaha“ erwähnt. Es gehörte dem Kloster Amorbach, kam an Kurmainz, 1803 an Leiningen und 1806 zu Baden. Es war einst Sitz des Zentgrafen und somit Mittel­punkt der Zent Mudau. Heute sind Mudau acht Nachbargemeinden angeschlossen.

Das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert trägt am Eingang das Wappen des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Dieter von Erbach, an der Giebelseite das des Bischofs von Henneberg. Die Mariensäule ist von 1736. An der Mudbachquelle gibt es Arnika-Wiesen.

 

Scheidental (südwestlich von Mudau):

In Scheidental hat die Elz ihren Quellgrund, durchfließt als Elzbach die sanften Talmulden an Langenelz und gräbt sich tief in den Buntsandstein ein. Eilig (ihr keltischer Name lautet Alantia = die Eilende) strebt sie südwestwärts, um sich nach etwa 35 Kilometer langem Lauf im Neckars „ertränken“. 

Der Odenwaldlimes lief von Wörth am Main verlief über Breitenbrunn, Vielbrunn, Würzberg, Hesselbach-Schlossau, Scheidental, Ro­bern. Trienz. Neckarburken bis Wimpfen. Der „Limes Germanicus Hadriani“ war im 2. bis 3. Jahrhundert die Grenze des römischen Reiches gegenüber Germanien.

In Scheidental war ein ehemaliges Kohortenkastell (Kohorte = 10. Teil einer Legion etwa 400–600 Mann) der Rauracer und Sequaner. Erhalten sind die Fundamentmauern der Flankentürme der „Porta dextra“, Zwischen Wagenschwend und Robern und in Trienz standen römische Kleinkastelle.

 

Im südöstlichsten Teil des Odenwaldes ist der Arme-Leute-Winkel mit dem Hauptort Reisenbach, mit 543 Metern die höchstgelegene Siedlung des Odenwalds..

 

Buchen

Zwischen Main, Neckar und Tauber liegt das Madonnenländchen, jene Landschaft am Ostrand des Odenwaldes, die ihren Namen den vielen Mariensäulen, Bildstöcken, kleinen Kapellen und Heiligtümern verdankt. Und mittendrin das romantische Städtchen Buchen.

Sooft man auch nach Buchen fährt, in dem liebenswerten fränkischen Odenwaldstädtchen, gibt es immer wieder Neues zu entdecken; in den Spitzweggassen der Altstadt, zwischen den volkskundlichen Sammlungen des Bezirksmuseums, aber auch in den dörflichen Ortsteilen der Umgebung.

Buchen wird als „Buchheim“ erstmals 773 im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. Buchener Bürger machten damals dem Kloster Lorsch namhafte Schenkungen. Unter den Dynasten von „Dürn“ erhielt Buchen 1280 die Stadtrechte. Um diese Zeit begann auch der Bau der Stadtbefestigung. Im Jahre 1309 verkauften die Dürner die „Zent“ Buchen an Mainz. Unter dem Krummstab erlebte die junge Stadt einen großen Aufschwung, der sich bis zur Sage vom „Talerstädtchen“ verdichtete. Die Mainzer  haben dem Ort ihren Stempel aufgedrückt, wenn auch durch Bauernkrieg, Dreißigjährigen und Pfälzer Erbfolgekriege arg lädiert.

Die Kriege der vergangenen Jahrhunderten verschonten auch Buchen nicht. Mal waren es die Franzosen, mal die Schweden, die im Gebiet von Buchen wüteten. Beim Bauernkrieg im Jahre 1525 führte Götz von Berlichingen hier das Regiment. Der schwärzeste Tag in der Geschichte der Stadt war der 1. September 1717: Durch Blitzschlag wurden an diesem Tage 124 Wohnungen und Stallungen, das alte Rathaus und Teile der Kirche zerstört. Im Jahre 1803 fiel die Stadt an Leiningen und 1806 an Baden.

 

Ein Wahrzeichen Buchens ist der Stadtturm. Ursprünglich hatte Buchen innerhalb der Stadtbefestigung vier Tortürme. Die im 13. Jahrhundert erbaute Stadtmauer wurde 1490 erweitert und 1688 geschleift. Übriggeblieben ist der Stadtturm, der ursprünglich einmal „Mainzer Tor“ hieß. Oberhalb des äußeren Torbogens befindet sich das Buchener Fastnachtssymbol „Der Blecker“. Eine Spottfigur), die im Wahrzei­chen der Stadt. Erhalten ist. Der Barockhelm ist von 1719.

Neben dem Stadtturm steht die „Mariensäule“ auf dem Platz „Am Bild“. Diese Barocksäule, im Volksmund „Das Bild“ genannt, mit dem korinthischen Kapitell, auf dem die Himmelskönigin mit dem Kind thront, wurde 1754 errichtet.

Am Stadtturm beginnt die Marktstraße, heute Hauptgeschäftsstraße und Fußgängerzone. Typisch sind hier einige Treppen an Hauseingängen und Klapptüren als einziger Kellereingang von der Straße her. Am anderen Ende der Straße der Marktplatz mit dem Alten Rathaus und dem Brunnen, den eine Figur des Minnesängers Pilgrim von Buchheim ziert.

Die katholische Pfarrkirche St. Oswald wurde 1503-1507 erbaut, eine spätgotische Hallen­kirche, die 1960 erweitert wurde. In ihr ist das Grabdenkmal des in Buchen geborenen Gelehrten Dr. Konrad Koch, genannt „Wimpina“. Er war Rektor der Universität Leipzig und ist 1531gestorben. Neben der Stadtkirche steht das „Klösterle“, ein Beginenhaus von 1489.

Das Alte Rathaus, errichtet nach dem Brand von 1717, wurde 1723 fertiggestellt. Es hat eine Barockfassade und eine offene Halle. An den Torbögen befinden sich steinerne Neidköpfe. Das Untergeschoß wurde einst als Markthalle benutzt. Heute finden in dem Haus kulturelle Veranstaltungen statt. Links vom Alten Rathaus macht ein 1719 errichtetes „Buchener Bürgerhaus“ mit einem herrlichen Torbogen auf sich aufmerksam.

Auf der Ostseite des Marktplatzes befindet sich das stattliche Fachwerkhaus „Zum Riesen“ Gedenktafeln erinnern an den Geschichts- und Schlachtenmaler Wilhelm Emelé (1830-1905), und an Gottfried Bessel (1672-1749), Abt des Benediktinerstiftes Göttweig in Österreich, das unter seiner Amtszeit wieder aufgebaut wurde. Beide Männer erblickten in Buchen das Licht der Welt. In der Kellereistraße stehen zahlreiche Fachwerkhäuser mit schönen Schnitzarbeiten.

Ebenfalls in der Kellereistraße die „Kurmainzische Kellerei“. Hier befand sich einst das Verwaltungszentrum des Mainzischen Amtes Buchen. Der „Steinerne Bau“ beherbergt heute das Heimatmuseum. Die Mariensäule ist von 1753.

Im heutigen Museumshof verpflichtete im April 1525 der „Helle Haufen“ der Odenwälder Bauern Götz von Berlichingen als seinen Hauptmann. Im Jahre 1848 rebellierten hier erneut die Bauern gegen die Obrigkeit und plünderten das Rentamt und den Fruchtspeicher. Der „Steinerne Bau“ erinnert an den Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg, er ließ sich das Haus als Sommerresidenz bauen. Heute befindet sich darin das Bezirksmuseum, das im Jahre 1911 von Hauptlehrer Karl Tunzer gegründet wurde.

In der ehemaligen Zehntscheune befindet sich heute das Stadtarchiv und die Heimatbücherei. Im früheren Marstall hat heute eine kirchliche Organisation ihren Sitz. Am Ende der Kellereistraße stand einst das Würzburger Tor. Nun den Grabenweg, entlang der Stadtmauer, in Richtung Ausgangspunkt benutzen. Unübersehbar ist dabei ein stilvoller Brunnen, aus einer Querflöte sprudelt Wasser. Er erinnert den in Buchen auf gewachsenen Komponisten Joseph Martin Kraus. Im weiteren Verlauf ein ehemaliger Wehrturm, dem der Volksmund den Namen „Storchennest“ gegeben hat. Fast wieder am Ausgangspunkt angekommen, erinnert der Lohplatz daran, daß hier einmal die Lohgerber angesiedelt waren. Auf der anderen Seite der Straße befindet sich der Röhrenbrunnen, einst die Haupt-  Wasserentnahmestelle für die Bewohner der Altstadt.

 

 

Eberstadt (südlich von Buchen):

Das Schloß wurde erbaut um 1700. Keller, Wehrturm und der Innenhof mit beiden Türmen stammen vom ursprünglichen Bauwerk.

Eberstadter Tropfsteinhöhle: Die Höhle wurde am 13. Dezember 1971 bei Sprengarbeiten entdeckt. Fachleute bewerten sie als einmalig in Süddeutschland. Länge etwa 600 Meter. Rollstuhlgerecht. Besichti­gung: 1.3. bis 31.10. täglich 10 bis 16 Uhr; 1.11. bis 28.2. Sams-, sonntags und an Feiertagen von 13 bis 16 Uhr.

 

Bödigheim:

Der Ort ist unverkennbar an der Silhouette seines aus dem engen Tal herausragenden Bergfrieds.

Der alte Ort gehörte wie Buchen einst der Abtei Amorbach. Das Kloster gestattete 1286 Weprecht Rüdt von Collenberg hier den Bau einer Burg. Bis zum großen Brand 1634, nach dem nur der Bergfried blieb, hatte sie Bestand. Knapp hundert Jahre später erbauten Nachfahren ein barockes Schloß, das von Angehörigen der Familie noch heute bewohnt wird. Die Bödigheimer Schloßanlage vor dem Hintergrund pittoresken Gemäuers ist wenig bekannt. Der ausgedehnte Hof mit mächtigen Kastanienbäumen steht jedem Besucher offen. Grabmäler des alten Adelsgeschlechtes reihen sich in der Kirche von 1686 und auf dem Dorffriedhof.

 

Osterburken (südlich von Buchen):

liegt auf ehemals römisch-fränki­schem Siedlungsboden (Limes-Kastell), wurde 776 als Burgheim erwähnt, kam 1409 an Kurmainz. 1803 an Leiningen, 1806 an Baden Zur Zeit wird in Osterburken ein römisches Militärbad freigelegt und restauriert. In einem zweiten Bauabschnitt entsteht ein Museum mit Funden aus der römischen Vergangenheit.

 

Adelsheim (südlich von Buchen):

Die frühfränkische Siedlung wird 779 erstmals genannt. Sie ist Sitz der Reichsritter von Adelsheim, erhielt 1374 Stadtrechte, kam 1803 an Bayern und 1806 an Baden. Das Oberschloß stammt von 1504, das Unterschloß oder die Tiefburg ist von 1734-38. In der Jakobskirche von 1489 stehen die Grabdenkmäler der Herren von Adelsheim und spätgotische Skulpturen (Odenwald, Seite 79).

 

Walldürn

Von Amorbach fährt man östlich im Marsbachtal aufwärts. Bei Schneeberg mündet rechts das Morretal  Südwestlich geht es nach Rippberg. Walldürn liegt 400 Meter, hoch und ist ein hübsch gelegenes altertümliches Städtchen und vielbesuchter Wallfahrtsort.

Das Madonnenländchen, der südöstliche Teil des Odenwaldes, ist eine in sich ruhende Landschaft, heiter und anmutig wie die unzähligen Marienstatuen, die ihr den Namen gaben. Sie stehen an Feld­wegen, auf Marktplätzen, über Hausportalen. Des weiteren begegnet man den Wappen geistlicher und weltlicher Territorialherren, die sich hier so häufig wie kaum anderswo durch Kirchen- und Profanbauten verewigt haben. Ein Beispiel unter vielen ist Walldürn. Es gehört zu den Orten, die ihre Bedeutung über Jahrhunderte durch die Wallfahrt bewahrt haben. Seit Beginn des 15. Jahrhunderts strömen die Pilgerscharen jährlich vier Wochen lang, beginnend mit dem ersten Sonntag nach Pfingsten, zum Blutaltar.

Walldürn wurde bekannt durch das Blutwunder: Priester Heinrich Otto verschüttete um 1330 während einer Messe den konsekrierten Kelch. Der Wein ergoß sich über das Korporale, auf dem sich ein Kruzifixus und elf Christusköpfe (Dornenhäupter) abzeichneten. Auf dem Totenbett gestand der Prie­ster die Erscheinung und verriet den Aufbewahrungsort. Im Altar verborgen, wurde das Tuch nach dem Tode des Geistlichen zum Ursprung der Wallfahrt. Die Nachricht verbreitete sich rasch. Pilger kamen nach Walldürn und es entwickelte sich eine immer größere Wallfahrt. Aus dem anfänglichen St.-Georgs-Kirchlein von 1497 erwuchs im 17. und 18. Jahrhundert  (1700-1715) die heutige Basilika, deren Innen­ausstattung erst 1751 beendet wurde. Der Heilig-Blut-Altar enthält den silbernen Schrein (Augsburger Arbeit von 1684) für das Kor­porale.

Die Stadt­kirche ist die ehemalige Wallfahrtskirche, 1698 bis 1709 nach Angaben von Leonhard Dientzenhofer im Barockstil erbaut. Das Innere ist wegen der reichen und vornehmen, farbig be­handelten Ausstattung sehenswert. Der Hochaltar ist von Christian Meyer gefertigt. Die Kirche hat eine prächtige Kanzel und einen prächtigen Orgelaufbau und einmalig herrlichen Freskomalereien des Francesco Marchini.

Neben der Kirche im Pfarrheim ist die Walldürner Elfenbeinschau. Gezeigt werden kostbare Elfenbeinschnitzereien aus den vergangenen acht Jahrhunderten. Als Glanzstück gelten die mit Intarsienarbeiten verzierten Möbelstücke aus dem bayeri­schen Königsschloß Moos.

Walldürn wurde erstmals 795 als „Turninu“ erwähnt. Es war Residenz der Edelherren (später Grafen) von Dürn. Seit 1408 heißt es Walldürn. Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte 1346. Von 1292 bis 1803 war Walldürn kurmainzisch (Zentgericht, Amtskellerei). Im Jahre 1806 kam es von Leiningen an Baden.

Es gibt ein Fachwerk-Rathaus von 1448 (das älteste benützte Rathaus Deutschlands), den Gasthof „Zum Riesen“ (1756) und den ehemaligen Gasthof „Zum goldenen Engel“ von 1588. Das Schloß, an der Stelle der alten Burg, wurde 1865 völlig umgebaut.

 

 

Römer­bad: Konservierte Fundamente eines um 150 n. Chr. errichteten Bades, das um 230 verfiel und nach Neuerrichtung am 13. 2. 232 n.Chr. geweiht wurde. Das Kastell ist nicht mehr sichtbar (siehe Hinweistafeln). Der Marsbach. der hier entspringt und einst das Wasser zum Bade spendete, ist im Mühlsteinbrunnen gefaßt worden.

Kleinkastell „Hönehaus“, etwa um 150 erbaut und um 260 wieder verlassen. Nähere Angaben sind den Hinweistafeln zu entnehmen.

 

Hardheim, etwa 2.200 Einwohner, Marktflecken mit Burg und altem Bergfried.

 

 

Amorbach

In einer der reizvollsten Urlaubslandschaften, dem Naturpark „Bayerischer-Odenwald“, liegt die liebenswerte und romantische Barockstadt Amorbach. Inmitten einer herrlichen Kulturlandschaft, im Dreiländereck von Baden-Württemberg, Bayern und Hessen, bietet der staatlich anerkannte Luftkurort die besten Voraussetzungen, gemeinsam die Hetze des Alltags zu vergessen.

Die um 5.000 Einwohner zählende Stadt ist der ideale Ort für Freude an Natur und Kultur. Die malerische, verkehrsberuhigte Altstadt mit schmucken Gassen und heimeligen Winkeln ist beliebtes Ziel für Einkauf und Geselligkeit. Rund 3000 Hektar Mischwald sind die grüne Lunge der Stadt, die sich windgeschützt in ein liebliches Tal schmiegt.

Das 159 Meter hoch gelegene bayerische Städtchen liegt außerordentlich anmutig inmitten bewaldeter Berge an der Vereinigung von fünf Tälern. Sehr mildes Klima, daher für Erholungsbedürftige besonders geeignet. Vorzüglicher Stützpunkt für Ausflüge und Wanderungen im östlichen Oden­wald, ins Maintal und zum Spessart. Wohnsitz des Fürsten von Leiningen. Die Bevölkerung beschäftigt sich mit Obst- und Ackerbau sowie Gewerbe (Mühlen, Gerberei, Tuch- und Holzwarenherstellung.)

 

Sage und Geschichte:

Der Legende nach begann die Ge­schichte Amorbachs im Jahre 713 an der Stelle des heutigen Amorbrunnens. Um das Christentum im Odenwald zu ver­breiten, soll im Jahre 714 der heilige Pirmin an der Stelle des heutigen Amor­brunnens ein Kirchlein gegründet haben. Sein Nachfolger war der Sage nach der heilige Amor, der 734 die nach ihm benannte Benediktiner­abtei Amorbach gründete. Die Entstehung des Namens, der naturgemäß zu Deutungen in Verbindung mit dem Gott Amor Anlaß gab, ist übrigens nicht geklärt.

Die Stadt wurde im Jahre 734 von Benediktinermönchen gegründet. Die Abtei kam im 10. Jahrhundert an das Bistum Würzburg, später an das Erzbistum Mainz.

Im Jahre 1170 kam Amorbach in den Besitz der Herren von Dürn (Konrad von Durne), die es 1252 zur Stadt erhoben. Im Jahre 1272 wurde Amorbach an Mainz ver­kauft. Schwere Leiden brachten der Bauernkrieg (1525) und der Dreißigjährige Krieg. Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt noch einmal einen großen kulturellen Aufschwung. Unter bedeuten Baukünstlern entstanden monumentale Schöpfungen höchst entwickelter Barock- und Rokokokunst. Im Jahre 1803 wurde Amorbach mit der aufgehobenen Abtei dem Fürsten von Leiningen zugesprochen, 1806 kam es an Baden, 1810 an Hessen und 1816 an Bayern.

 

Sehenswürdigkeiten:

Die Abteikirche steht an der Stelle einer romani­schen Kirche (die Abtei wurde im 8. Jahrhundert gegründet), deren zwei Türme stehen blieben. Der Neubau wurde 1747 vollendet. Er ist ein prunkvoller Rokokobau mit grandioser In­nenausstattung (Deckengemälde. Kanzel. Orgel, Chorgitter). Heute ist die Abtei das Schoß der Fürsten von Leinin­gen. Hier befinden sich die Diensträume der Leiningenschen Ver­waltung.. Im Ostflügel (Konventbau von 1742–47) befindet sich der Bibliothekssaal (Besichtigung gestattet) von 1790 mit ihrer klassizistischen Ausstattung und mit interessanten Deckenmalereien und schönen Schnitzereien; er enthält die Reste der früher sehr bedeutenden Klosterbibliothek (330.300 Bände) aus verschiedenen Wissensgebieten. Im Südflügel ist der der Grüne Saal von 1795 als Festsaal. Von dem Kreuzgang des alten Romanischen Baues sind 20 vorzüglich gearbeitete kleine Säulen und. Bildwerke erhalten, die in einem offenen Gang neben der Kirche aufgestellt sind.

Katholische Pfarrkirche St. Gangolf (1751-55), dreischiffiger Hallenbau des Rokoko in rotem Sandstein, 1752 - 54 errichtet; am Hochaltar vorzügliche Bildwerke (hervorzuheben der heilige  Sebastian). Der Name „St. Gangolf und Sebastian“ weist auf den Märtyrer aus Burgund hin. Obgleich schon Rokoko, ist sie ein Spiegelbild der Abteikirche..

Templerhaus von 1291, mit dem gesicherten Baudatum von 1291 zählt es zu den ältesten deutschen Fachwerkhäusern, im Jahre 1988 restauriert, eines der ältesten Fach­werkgebäude Deutschlands.

Ehemalige Mainzer Amtskellerei aus den 15. Jahrhundert (1482–85), ein schlößchenartiger Bau, erinnert an den mainzi­schen Stadtherrn und beherbergt das Heimatmuseum.

Ehemaliges kurmainzisches Amtshaus, 1725 erbaut, gegenüber der Kirche, das Wohnhaus des Fürsten von Leiningen.

Ehemalige Kellerei, heute  Amtsgericht.

Ehemalige Klostermühle von 1448 (nahe der Abtei), heute Café Schloßmühle.

Spätgotisches Fachwerk- Rathaus aus der Zeit um 1500.

Der romantische Seegarten wurde vom Fürstenhaus als Kurpark zur Verfügung gestellt.

 

Kirche:

Im Rahmen von Führungen werden Teile der Klosteran­lage mit der Originalausstattung, Bibliothek und „Grüner Salon", sowie die Kirche gezeigt. Meister aus ganz Süd­deutschland besorgten die Innenausstattung, das reich ge­schnitzte Chorgestühl, die einmalige Kanzel über doppel­läufiger Treppe, das schmiedeeiserne Chorgitter und die herrlichen Stukkaturen, mit den Decken- und Wandfresken eine Einheit bildend.

Seit die Abtei 1803 in den Besitz der Fürsten zu Leiningen überging, dient die Kirche als evangelisches Gotteshaus. In den Gottesdiensten, und im Sommerhalbjahr in weitbekannten durch das Fürstenhaus veranstalteten Konzerten und Orgelvorführungen besteht Gelegenheit, die Königin der Instrumente in ihrer ganzen Klangfülle zu hören.

Die Abteikirche  ist im Kern romanisch, aus einer kreuzförmigen Basilika umgebaut, von der die beiden Türme und die seitlichen Außenmauern erhalten sind. Der Umbau erfolgte 1742-47 nach dem Entwurf des kurmainzischen Hofbaumeisters General von Welsch. Der Turmseite ist eine sehr wirkungsvolle Barockfassade aus rotem Sandstein mit Freitreppe vorgelagert.

Das Innere ist durch die „in unübertroffenem Gleichmaß der Gesamtwirkung durchgeführte Dekoration“ ausgezeich­net, die zu den besten Werken des deutschen Rokoko gehört. Stuckarbeiten und  Seitenaltäre  von Feichtmayer und Uebelher. Deckengemälde von Mathias Günther aus Augsburg, besonders durch perspektivische Wirkung ausgezeichnet. Das fein gearbeitetes Chorgitter ist von Gattinger. Die Chorstühle sind einfach geschnitzt. Der große Hochaltar ist aus Marmor.

 

Zu Ostern und Pfingsten gibt es einen Grund mehr, das Barockstädtchen Amorbach im Odenwald anzusteuern. Dann erklingt in der Abteikirche die nach Expertenauffas­sung „größte und klangprächtigste Orgel Europas” im Rah­men von Sonderkonzerten. Die Akustik in der Barockkirche begeisterte schon Carl Maria von Weber oder Mendelssohn-Bartholdy. Zu ihrer Zeit umfaßte das aus der berühmten Or­gelbauschule Stumm stammende Instrument bereits 3.000 Pfeifen. Ergänzt 1868 um weitere 2.000 Pfeifen, kann mit vier Manualen und 66 Registern eine fast unendliche Tonvielfalt in den sakralen Raum gezaubert werden.

Fast will es scheinen, das Gotteshaus sei als Klangkörper für die Orgel errichtet worden. Dabei war man bei Fertig­stellung der Barockanlage 1757 weit davon entfernt, ein Ins­trument dieser Größe einzubauen. Es dauerte fast ein Vier­teljahrhundert, ehe an die Anschaffung gedacht werden konnte. Zu sehr hatte der aus Anlaß des tausendjährigen Be­stehens der Benediktinerabtei 1734 begonnene Neubau die Kapazitäten erschöpft, denn das Beste war dabei gerade gut genug um dem geistlichen wie weltlichen Selbstverständnis des Ordens repräsentativ zu entsprechen.

Die prachtvolle äußere und innere Ausgestaltung vereinigt sich mit dem herrlichen Klang eines der größten Barockorgelwerke in Europa, der berühmten Stumm-Orgel, zu beglückender Harmonie. Gipfel des Kunstgenusses ist es, wenn zwischen Fresken, Stuck und Schnitzwerk die größte Barockorgel des Kontinents ertönt - nur von Mai bis Oktober - dienstags bis samstags um 11 und um 15 Uhr; sonntags um 12 Uhr.

 

Auf den Spuren Adornos

Schon der Name des kleinen Barockstädtchens im bayerischen Odenwald erzählt vom sehnsüchtig erwarteten Frühling, von der Lust und von der Liebe: Amorbach. Theodor W. Adorno, großer Frankfurter Philosoph und Soziologe, widmete seinem „Lieblingsstädtchen“ sogar ein Buch voller Kindheitserinnerungen. Bereichert mit dieser charmanten Lektüre erscheint die pittoreske Altstadt mit ihrer Spätgotik gleich in einem ganz neuen Licht: Wie hat der junge Adorno wohl das „Alte Rathaus“, die ehemalige Kurmainzer Amtskellerei, das Benediktinerkloster oder das so genannte Templerhaus erlebt? Auf welchen Pfaden mag er gewandelt sein?

 

Amorsbrunn:

Im lieblichen Otterbachtal steht an der Einmündung zur Mudau die Amorsbrunner Kapelle. Die Kapelle aus dem 12. Jahrhundert wurde 1521 erweitert wurde. Sie hat eine sehenswerte Innenausstattung und eine Marien­säule von 1720. Die Wallfahrtskapelle ist gotisch, steht aber über einem heidnischen Quellheiligtum. Die Quelle am Boden der Kirche speist jetzt wie damals das Becken im Garten. Wo einst rituale Waschungen vorgenommen wurden, tummeln sich heute Forellen.

Der heilige Gangolf wird von alters her durch die katholische Bevölkerung Amorbachs und des Umlandes hoch verehrt. Zeichen überkommener Volksfrömmigkeit ist der traditionelle Gangolfsritt mit der Pferdesegnung bei der Kapelle Amorsbrunn.  „Zum Amorsbrunn e Vertel Stunn“, belehrt ein Wegweiser in der Stadt.

Auf einem heidnischen Quellheiligtum sollen in dem Tal der Mudau irische und schottische Mönche im 8. Jahrhundert eine Kapelle errichtet haben, der bald das Benediktinerkloster Amorsbrunn angeschlossen wurde. Was läge näher, als mit diesem Namen den römischen Liebesgott in Zusammenhang zu bringen, zumal denen, die von der Quelle im Kapelleninneren trinken, Kindersegen vorhergesagt wird. Doch nicht er stand Pate, sondern der heilige Amor. Wem wollte man es verwehren, trotzdem nach der kleinen Putte mit Pfeil und Köcher Ausschau zu halten?

 

Gerhardsberg:

Wer nun noch von der Höhe auf Amorbach herabschauen möchte auf die Wälder und Täler, die die Barockstadt umschließen, der sollte auf den Turm der Klosterruine des Gerhardsberges (auch: Klosterruine Gotthard auf dem Gotthardsberg) steigen. Auch dieser Berg ist mit der Geschick Amorbachs aufs engste verbunden. Hier soll Ruthard, der Gründer Amorbachs, die Feste Frankenberg besessen haben, die Kaiser Barbarossa 1168 „auf ewig“ auslöschen ließ, weil sich die Schutzvögte des Klosters Amorbach als Raubritter betätigten. Im 13. Jahrhundert entstand ein Nonnenkloster, das 1439 aufge­hoben wurde. Verwüstungen und Blitzschlag (1714) vernichteten das Gebäude. Der Blick vom Turm geht in sieben Täler (Odenwald, Seite 23).

Am Fuß des Gotthards­berges liegt die Prinzenvilla in schönem Garten. In der Umgebung sind sehenswert eine Wildschweinfütterung und das nahe Freilandmuseum Gottersdorf.

 

Gottersdorf (östlich von Amorbach):

Das Odenwälder Freilandmuseum breitet sich auf einem großen Gelände hinter einem Teich in dem kleinen Ort Gottersdorf aus. Das Museum ist selbst wie ein Dorf, es zeigt euch, wie die Menschen früher lebten. Ihre Häuser wurden wieder aufgebaut, komplett mit Möbeln und Haushaltsgeräten, Werkzeugen, Ställen und Hühnerhäuschen, sämtlich aus verschiedenen Regionen des Odenwalds - vom Tagelöhnerhäuschen über eine dörfliche Poststelle bis zum Großbauernhof ist alles vertreten, was zu einem Dorf gehört. Die Lebensweise der Menschen, wie sie kochten, schliefen und arbeiteten, wird sehr anschaulich. Stellt euch vor, daß in dem winzigen Tagelöhnerhaus mit zwei Kammern damals zeitweise 13 Personen wohnten! Kinder und Erwachsene mußten sich die Betten teilen.

Interessant ist auch das ehemalige Armenhaus. Früher gerieten besonders alte oder kranke Menschen in Not, denn es gab noch keine Krankenkasse und keine Rentenversicherung, durch die sie abgesichert waren. Sie konnten nur in ein Zimmer des Armenhauses einziehen. Außerdem wohnte in diesem Haus die Hebamme der Gemeinde, und es gab ein Krankenzimmer.
Außerdem solltet ihr nicht vergessen, den Großbauernhof anzusehen, der vor dem Museumsgelände ausgeschildert ist. Dieses Gebäude einer wohlhabenden Bauernfamilie steht seit 200 Jahren an seinem Platz, daneben befinden sich Werkstätten, in denen Räder für Kutschen, Möbel und andere Dinge selbst hergestellt wurden.

Auch eine Küferei und einen Bauerngarten kann man besichtigen. Hier ist auch die einzige Ziegelei aus vorindustrieller Zeit aus dem Jahre 1788 in einem Freilandmuseum in Deutschland. Gelegentlich wird vorgeführt, wie man Grünkorn herstellt, nämlich aus halbreifem Emmer, der getrocknet und geröstet wird.

Tourist-Info, 74731 Walldürn-Gottersdorf, Tel. 06286 320: Öffnungszeiten: April + Okt täglich 10-17 Uhr,  Mai-September bis 18 Uhr, Montag geschlossen

 

Weil­bach (nördlich von Amorbach):

Seit 1170 im Besitz der Herren von Dürn; 1272 Verkauf an Mainz, wo es bis 1803 blieb. Danach kam es an Leiningen. Hessen und Baden. 1806 wurde es bayrisch. Die Kirche entstand im Jahre 1789.

 

Weckbach (östlich von Michelstadt, norswestlich von Amorbach):

Von Ulrich III. von Dürn 1272 an den Mainzer Erzbischof verkauft, blieb Weckbach bis 1803 bei Mainz. Hinter dem Gasthof „Rose“ Grundmauern einer verfallenen Wasserburg.

 

Reinhardsachsen (östlich von Amorbach):

Dorfkirche aus dem 18. Jahrhundert.

 

Steinbach (südlich von Amorbach):

Unterhalb der Dorfkirche steht eine spätgotische Kapelle. erbaut 1494. umgebaut 1514, zu Ehren des HI. St. Martin und Veit. Im Fischbla­senmaßwerk der Chorfenster Skulpturen der Kirchenpatrone. Glasmalereien. Spätgotische Kanzel. Schnitzaltar von 1520 mit ei­ner Beweinungsgruppe und Szenen aus der Geschichte Christi. Sei­tenaltäre von 1703.

 

Schneeberg (südwestlich von Amorbach):

Seit 1170 Besitz der Herren von Dürn. Von 1272 bis 1803 gehörte es zu Kurmainz, danach Leinin­gen, Baden, Hessen und Bayern. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts Wallfahrt „auf dem Holderstock“. Dreiteilige Wallfahrtskirche (außen Gnadenkapelle von 1521 mit Marienaltar aus Alabaster von 1680; Mittelbau von 1474, der 1718 erweitert wurde; an der Bergseite neue Kirche von 1931).

 

Rippberg (südöstlich von Amorbach):

Erstmals 1197 erwähnt. Konrad von Dürn erbaute um 1250 eine Wasserburg. die nach 1575 von Dieter Echter von Mespelbrunn in einen Herrensitz umgebaut und 1835 abgebrochen wurde. Nur der Torbau und ein Renaissance-Brunnen sind erhalten geblieben. Im Friedhof Pfarr­kirche St. Sebastian von 1591 mit Adelsgrabmälern.

 

Hettigenbeuern (südlich von Amorbach):

Berlichingen’sches Kastell. Viereckiger Turmbau aus dem 14. Jahrhundert. Sta­tion Museumsstraße Odenwälder Bauernhaus mit dem Thema „Tabakanbau“.

 

Zwischen Scheidental, Schlossau und Hesselbach ver­lief der südliche Odenwaldlimes. Restaurierte und konservierte Reste von Wachtürmen und dem Kleinkastell »Seitzenbuche« lie­gen unweit der Landstraße nach Hesselbach.

 

Wildenberg:

Keinesfalls entgehen lassen sollte man sich dort die stauferzeitliche Ruine Wildenberg. Der leichteste Anstieg erfolgt vom Parkplatz bei Kirchzell-Buch.

Seit 1171 wird die Burg genannt, erstmals 1215 bezeugt und 1225 von Conrad von Dürn zu einem stolzen Herrensitz ausgebaut. Ein Stein im Torturm kündet: „Diese Burg machte Herr Ruprecht von Durn“, ein treuer Vasall Kaiser Barbarossas. Im Jahre 1271 erfolgte der Verkauf von Ulrich von Dürn an den Mainzer Erzbischof. Aus dieser Zeit stammt noch die Vorburg. Der Bergfried ist 20 Meter hoch, die Mauerns drei Meter dick. Es gibt einen Torturm mit Kapelle, einen Palas mit zwei Festsälen, große Kaminwangen und feine Fensterarka­den.

Die Buckelquadern an Mauern und Türmen, Schmuckformen im Palas oder den gewaltigen Kamin Mauern hatte Wolfram von Eschenbach angeblich vor Augen, als er die Gralsburg beschrieb. Wolfram von Eschenbach, der hier zeitweise gelebt hat, soll sie als Modell für die Gralsburg im Parzifal gedient haben. Ob Wolfram von Eschenbach allerdings Teile seines Parzival (er nennt die Gralsburg „Munsalwasch“, das heißt Wildenburg) hier um 1200 schrieb, wird wohl kaum zu klären sein.

Zum Schutze des Benediktinerklosters erbaut, war die Wildenburg seit ihren Anfängen in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts aufs engste mit Amorbach verbunden. Im Bau­ernkrieg wurde die Burg 1525 zerstört und ist seitdem Ruine

Bis auf wenige Veränderungen hat die Feste der staufischen Reichsministerialen von Dürn aber ihren rein romanischen Stil bewahrt. Die Burg ist eine der schönsten und größten Burgen der Romanik und weist Reste feinster romanischer Kunstformen auf, ein großartiges Beispiel staufischer Bau­kunst.

In den Jahren 1937-39 wurde die Burg vor dem Verfall gesichert. Sie hat einen 25 Meter hohen Bergfried mit guter Aussicht.

 

Wir wenden uns wieder dem roten Rhombus am Eingang zu und klettern mit ihm weiter bergan zu dem auf einem Plateau gelegenen Dorf Preunschen. Auf der Ebene oberhalb der Ruine Wildenberg liegt das Waldmuseum „Watterbacher Haus“, ein Fachwerkbau von 1475. Es ist das älteste Odenwälder Bauernhaus in Firstständer-Bauweise. Man erreicht das Watterbacher Haus von Amorbach aus über die Staatsstraße Richtung Mudau, indem man drei Kilometer nach Kirchzell-Buch rechts nach Preunschen abbiegt. Vom Ortseingang aus liegt das Fachwerkgebäude auf einem Hügel rechter Hand.

Das Haus beherbergt ein kleines Museum, in dem die historische und heutige Waldbewirt­schaftung erläutert wird. Was damit gemeint ist, kann der Besucher im Inneren leicht erkennen. Das niedrige Unter- und das in den Dachstuhl übergehende Obergeschoß geben den Blick auf senkrechte Balkenreihen frei, die vom Grund bis zu den Dachpfetten reichen. Gleich im Eingangsbereich dokumentieren zudem ein Modell und Großdias Konstruktion die Geschichte dieses wandernden Hauses. Sein Name erinnert daran, daß man es um 1475 in dem Ort Watterbach baute, heute ebenfalls Teil der Marktgemeinde. Mitte unseres Jahrhunderts entging es knapp dem Abriß. Man baute es in einem abgelegenen Weiler neu auf, wo es ungenutzt war - der Zerstörungswut mancher Zeitgenossen und natürlichem Verfall ausgesetzt. Im Jahr 1981 wurde das Baudenkmal an den heutigen Standort verpflanzt. Als Waldmuseum hat es wieder eine Bestimmung, eine über die Region hinaus strahlende dazu.

Das Prachtexemplar eines Wildschweins, das „durch die Lappen geht“, ist nachgebildet. Die fürstlich-leiningensche Aufdrucke zeigen den Hosenband-Orden, den ein Mitglied des heimischen Adelshauses tragen durfte. An örtlichen Beispielen weist die Ausstellung aber immer wieder Zusammenhänge auf, die auf ganz Mitteleuropa übertragbar sind.

Die Extreme der waldwirtschaftlichen. Entwicklung macht gleich zu Beginn ein Kabinett deutlich, in dem ein Laub-Urwald und eine Fichten-Monokultur gegenüber stehen. Seit Gründung des Klosters Amorbach im achten Jahrhundert, drängten Menschen den einstigen Urwald zurück. Im elften Jahrhundert wurde die einst unbegrenzt verfügbare Ressource Wald so knapp, daß Konflikte aufbrachen.

Ein mächtiger Grenzstein macht klar: Bis hierher dürfen die von Otterbach ihr Rindvieh treiben, aus Gnaden des Klosters. Es wurden 167 solcher Steine gemeißelt. Der Aufwand half wenig. Der zur Mast von Kühen, Schafen, Ziegen, Schweinen genutzte Wald versteppte unweigerlich, da Naturverjüngung nicht mehr stattfand. Im Museum steht dafür die Silhouette eines mittelalterlichen Hausschweins, das im Wald Eicheln frißt. Eine Rarität ist das Hörnchen, mit dem „Hesse-Velde“, der Schweinehirt, der noch in den 50er Jahren trottend durch ein Nachbardorf zog.

Der Niedergang des ursprünglichen Waldes brachte Förster auf den Plan. Die kostbare Holzbibliothek, ein Herbarium aus hölzernen „Büchern“ für jede Baumart, zeugt von den Anfängen wissenschaftlich-rationeller Beschäftigung mit Wald. Neu angepflanzt wurde oft der heute kritisch beurteilte pure Nadelforst.

Objekte, Bilder, Szenerien, von präzisen Texten knapp auf den Punkt gebracht, zeugen davon, daß der Wald jahrhundertelang Arbeitsplatz war. Da kokelt nicht allein der Köhler; da bestellte nicht nur der Tagelöhner ein karges Äckerlein auf der Lichtung - beides übrigens bis ins 20. Jahrhundert. Vor der Erschließung von Steinbrüchen hatten Steinmetz in Findlingen ihr Rohmaterial und verhökerten im Hochmittelalter Odenwälder Sarkophage bis zu den ostfriesischen Inseln. Für arme Leute war Beerenernte oft di einzige Quelle des Gelderwerbs, so daß es in der Schule extra Ferien gab. Im viktorianischen England schnabulierte man Heidelbeeren, die per Bahn und Schiff aus dem Odenwald herbeigeschafft wurden. Und Zapfenbrecher wie jener, der im Obergeschoß einen Stamm hochkraxelt, leben dort bis heute. Sie verdienen ihr Brot unter Lebensgefahr, pflücken für Baumschulen das wertvolle Saatgut aus den Wipfeln.

Das Waldmuseum in Kirchzell-Preunschen ist Oktober bis März wochenends- und an Feiertagen. 12 bis 16 Uhr, sonst mittwochs, donnerstags, feiertags und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr offen.

 

Spaziergänge von Amorbach

1. In den Seegarten unmittelbar bei der Abtei.

2. St. Amorsbrunn, Eingang ins Otterbachtal.  Die Quelle war schon den Römern bekannt, im Mittelalter galt sie als heilkräftig. u. a. gegen Kinderlosigkeit. In der Kapelle (1521) ein guter Schnitzaltar.

3. Hübsche Spaziergänge am Wolkmann (431Meter) im Westen der Stadt: Zum Botzenstübchen- Pulvermühle - Seegarten, oder zum Botzenstübchen – chafhof – Amorsbrunn.

4. Gotthardsberg (305 Meter) , aussichtreicher, aber schattenloser Weg am Bahnhof vorbei, dann am wein- und obstbedeckten Abhang aufwärts. Auf der Höhe stand einst eine Burg, seit dem 13. Jahrhundert ein adliges Frauenkloster. Malerische romanische Kirchenruine, 1714 durch Blitzschlag zerstört. Der Turm ist besteigbar und bietet malerische Aussicht in sieben Täler. Abstieg nach Amorbach durchs Wiesental oder nach Weilbach.

5. Nach Reuenthal,  über den Sattel zwischen Gotthards- und Sommerberg oder vom Sattel zur Blockhütte und über die sog. Albertsanlagen zurück.

6. Zur Ruine Wildenburg (370 Meter). Straße im Mudautal aufwärts bis Buch, dann den Weg durch Laubwald hinauf. Die im Wald versteckte Ruine, etwa 1170—1250 erbaut, ist eine der größten und schönsten romanischen Burgbauten, die erhalten sind. Noch die Reste zeigen einen großen Reichtum feinster romanischer Kunstformen, vor allem die Fensteröffnungen. Der mächtige Bergfried ist nicht besteigbar. Die Burg gehörte einst den Herren von Walldürn.

Sie soll Wolfram von Eschenbach als Vorbild der Gralsburg im „Parzifal” gedient haben, den er zum Teil hier geschrieben hat. Im Bauernkrieg (1525) wurde die Wildenburg zerstört.

7. Zum Beuchener Berg (450 Meter), prächtige Aussicht, besonders auf die Ruine Wildenburg. Rückweg durchs Mudautal  oder zur Zittenfeldener Quelle und über die Waldabteilung Küntelacker zurück.

8. Über den Gotthards- und Sommerberg  östlich nach dem hochgelegenen Neudorf und zurück nach Amorbach.

9. Über Schneeberg und Hambrunn südöstlich nach Rippberg und zurück nach Amorbach.

 

Ausflüge von Amorbach

a.) Nach Ernsttal und Waldleinigen  anfangs im Mudautal aufwärts, vor Buch rechts ab nach Kirchzell, großes Dorf mit 1100 Einwohnern, und südwestlich weiter über Ottorfzell und die badische Grenze nach Ernsttal.

 b) Fußweg über die Wildenburg, Weiter durch Wald aufwärts, auf der Höhe durch Feld über  Preunschen und  Mörschenhardt (500 Meter ). dann wieder im Wald steil bergab nach Ernsttal,

 c) Fußweg über Kirchzell, am Westhang des Mudautals entlang, um den Wolkmann herum,1inks abwärts nach Kirchzell (oder Weg am Amorsbrunn und Schafhof vorbei, jenseits der Straße steil bergan, vor dem Wald herrliche Aussicht, nach Preunschen und weiter wie bei Weg b).

Ernsttal, 280 Meter, ist ein kleiner badischer Weiler, einsam in engem Talkessel gelegen, von herrlichsten, wildreichen Wäldern umschlossen. Die Ansiedlung besteht nur aus dem Gasthaus, der ehemaligen Brauerei und einigen Beamten- und Arbeiterwohnungen. Empfehlenswerte Sommerfrische.

Westlich von Ernsttal, auf schöner Waldstraße bequem zu erreichen, liegt in wunderbarem Waldesgrund Jagdschloß Waldleiningen, der Sommersitz des Fürsten zu Leiningen (Wintersitz ist Amorbach), eine zierliche Nachbildung von Schloß Windsor. Das sehenswerte Innere ist nicht zu besichtigen. Vor dem Schloß dehnt sich ein weiter, abfallender Wiesenplan aus, auf dem häufig Damwild äst oder lagert; der anschließende Wildpark, einer der umfangreichsten und bedeutendsten Deutschlands, ist außerordentlich reich an Rehen, Dam- und Edelhirschen wie auch Wildschweinen. Gegenüber vom Schloß zeigt ein Wegweiser steil aufwärts nach Hesselbach, Weiterweg zur Station Schöllenbach der Odenwaldbahn.