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Offenbach und Main

 

 

Ausflugsziele Offenbach und Kreis Offenbach

 

 

Ausflüge rund um Steinheim:

Von Steinheim nach Großauheim

Die Wanderung führt nach Steinheim, Klein‑Auheim und Großauheim, Orte, die bis 1802 zum Kurstaat Mainz gehörten und in denen der katholische Einfluß bis heute deutlich spürbar ist. Dieses linksmainische Gebiet ist im Zuge der Gebietsreform im Jahr 1974 an Hanau gefallen.

Am Steinheimer  Bahnhof unterquert man die stark befahrene Bundesstraße B 45 am besten mit Hilfe des S‑Bahn‑Zugangs und wendet sich anschließend nach links. Dem Mainuferweg folgt man stromaufwärts. Man passiert zuerst Klein‑Steinheim, das jahrhundertelang selbständig war und erst 1942 mit Groß‑Steinheim zwangsweise zur Stadt Steinheim vereinigt wurde. Der Blick fällt auf die katholische St.‑Nikolaus‑Kirche, jahrhundertelang auch Pfarrkirche für die Großauheimer.

Groß‑Steinheim wird von dem Schloßbau dominiert, anschließend können wir einen Blick auf das Maintor werfen, durch das schon Dürer gezogen sein soll. Unter der Linde vor dem Tor tagte das Zehntgericht. Durch den Abriß der Illert‑Fabrik hat man zur Zeit einen freien Blick auf die Steinheimer Befestigungsanlagen.

Groß‑Steinheim verdankt einen Teil seiner Bedeutung dem Basaltfelsen, der im Main eine Furt nach Hanau geschaffen hat. Der Basaltuntergrund zwang den Main, vor dem Hindernis noch einen Bogen zu schlagen, der zu eng war, um die großen „Europaschiffe“, die im Schubverbund bis 180 Meter lang sein können, passieren zu lassen: Also wurde ein Durchstich vorgenommen, die alte Schleife bildet heute ein Biotop.

 

Um einen Blick auf Klein‑Auheim werfen zu können, setzen wir ab der Autobahnbrücke die Wanderung auf dem oberhalb des Mains gelegenen Hochwasserdamm fort. Das Erstaunliche an Klein‑Auheim ist, daß es zu den wenigen kleinen Orten zählt, die in diesem Jahrhundert einen Arbeitsplatzüberschuß aufweisen konnten. Neben vielen Kleinbetrieben ‑ hauptsächlich Diamantschleifereien ‑ lag das an drei Großbetrieben, die sich im Ort angesiedelt hatten: die Hessischen Gummiwerke, bekannt als „Gummi‑Peter“, an den Bauerwerken, in denen jährlich über 4.000 Fahrräder produziert wurden, und an der Druckerei Illert, die in Klein‑Auheim hauptsächlich Etiketten herstellte. Von dem Damm aus erkennt man, daß diese industrielle Blütezeit lang zurückliegt.

Der Damm wurde im Jahr 1882 errichtet, er war es, der den industriellen Aufschwung des Ortes erst möglich gemacht hat. Denn vor dem Dammbau war Klein‑Auheim regelmäßig von schweren Hochwasserkatastrophen heimgesucht. Dafür konnte man in trockenen Sommern nach Hanau zu Fuß den Fluß durchwaten.

Fast gleichzeitig mit dem Damm wurde die Eisenbahn von Hanau in Richtung Odenwald gebaut. Prominentester Fahrgast war der Großherzog, der einmal im Jahr mit der Odenwaldbahn von Darmstadt kam und dann mit der Kutsche vom Klein‑Auheimer Bahnhof zur Jagd in die Fasanerie gebracht wurde.

 

Südlich von Steinheim

Von der Steinheimer Mainbrücke fährt man etwa 1,8 km in Richtung Mühlheim. Rechts geht die Straße „Zur Römerbrücke“ ab. Sie führt zu der Stelle am Main, wo die Römer am Ende des 1. Jahrhunderts eine Holzbrücke über den Main gebaut. Heute ist dort die Gaststätte „Nizza“. Etwa 800 Meter weiter gegenüber dem Schloß Philippsruhe gab es eine Furt durch den Main.

Man biegt aber nach links vor einer weißen Kalksandsteinmauer ein an dem Schild Offenbacher Straße 102-124 und parkt dort. Man unterquert die Bahnlinie Hanau‑Frankfurt und gelangt an das westliche Ende der Steinheimer Pfaffenbrunnenstraße.

 

Eine Pestkapelle befindet sich neben dem Haus Pfaffenbrunnenstraße 131. Davor eine Pietà von 1709 mit sehr einfacher, aber ausdrucksstarker Darstellung.

 

Dort geht es links von der Trafostation an der Schranke hinein in den Wald. Links ist ein Teich, der aber relativ trocken liegen kann. Nach dem schmalen Weg kommt man auf die schnurgerade und gut hergerichtete Forstmeisterschneise.

Wo diese nach rechts abbiegt, kommt links der Weg von Möbel-Erbe her dazu. Man biegt aber nach rechts ab bis zu dem Wegweiser, der zu den Steinbrüchen bei Dietesheim weist. Dort gibt es nur einen Weg nach halblinks (nicht zwei, wie auf der Karte dargestellt). An der nächsten Kreuzung geht es links wieder zu Möbel-Erbe, geradeaus zu der Kleingartenanlage und zum Sportplatz.

Man biegt aber nach rechts ab zum Steinheimer Galgen. Zwei Steinsäulen stehen noch rechts und links des Weges, etwa fünf Meter hoch aus Bruchsteinbasalt mit einem Durchmesser von 76 Zentimetern und über vier Meter voneinander getrennt. Bänke laden zum Picknick ein.

Steinheim war bereits unter den Herren von Eppstein Sitz eines Hochgerichts. Es tagte unter der Gerichtslinde am Maintor und sprach auch Todesurteile aus. Der Galgen steht auf der höchsten Stelle einer langgezogenen Sanddüne. Das Gebiet war früher nicht bewaldet, denn zur Abschreckung sollten Galgen schon von weitem zu sehen sein. Nach einer alten Gemarkungskarte stand der Galgen schon 1579. Der Galgen besteht aus zwei aus Basalt aufgemauerten runden Säulen von etwa 75 Zentimeter  Durchmesser und etwa 5 Meter Höhe. Die beiden Säulen waren bei Hinrichtungen durch einen Holzbalken verbunden. Eine genaue Nachricht haben wir von einer Hinrichtung aus dem Jahre 1734, weil dazu ein neuer Querbalken angebracht werden mußte.

Das Amt bzw. das Oberamt Steinheim besaß die Hochgerichtsbarkeit. Es hatte seit alter Zeit den Blutbann und konnte Verbrecher hinrichten lassen. Neben anderen schweren Strafen, wie Ertränken und Rädern, war die Hinrichtung mit dem Strange am Hochgericht üblich. Zur Zeit der Frankfurter Herbstmesse im Jahre 1732 hatte der vorbestrafte Wegedieb Clomann mit einem anderen Dieb mit Namen Lorenz und einer Mittäterin Margarete Will von dem Reisewagen des Handelsmannes Mändel aus Mannheim kurz vor Frankfurt einen Koffer, der hinten auf den Wagen gebunden war, abgeschnitten und Geld und Kleider geraubt. Clomann und Margarete Will waren gefaßt worden. Beide saßen seit zwei Jahren in Haft. Der Dieb im Verlies des Steinheimer Bergfrieds und die Diebin im Zentgefängnis des Rathauses. Endlich kam nach zwei Jahren von den weltlichen Räten der Kurmainzer Regierung der Befehl, daß Clomann mit dem Strang hingerichtet, und der Galgen mit einem neuen Querbalken versehen werden sollte. Mit einer feierlichen Zeremonie wurden die Vorbereitungen getroffen. Acht Tage vor der Hinrichtung zogen die Steinheimer Zünfte. die Schiffer und Fischer, die Bäcker, die Metzger, die Häfner, die Leineweber und die Schäfer, an der Spitze 20 Mann Miliz mit dem Zentgrafen, dem Amtsschreiber und den Schöffen des Steinheimer Landgerichts nach dem eine halbe Stunde entfernten Galgen.

 

Als die Zünfte sich auf der Erhöhung hinter dem Galgen aufgestellt hatten, trat der Zentgraf vor und gab mit einem Beil den ersten Schlag auf den neuen eichenen Galgenbalken im Namen des Kurfürsten von Mainz, den zweiten Schlag im Namen des Domkapitels und den dritten im Namen der kurfürstlichen Gerichtsräte. Dann folgten die zwölf Schöffen des Amts und der Zent Steinheim und führten den Beilhieb im Namen des Oberamtmanns, im Namen des Amtskellers und sämtlicher Schöffen. Nach diesen schlugen die Meister sämtlicher Zünfte den Balken an. Diese feierliche Handlung wurde auch mit einem Hammer in derselben Reihenfolge an den beiden steinernen Säulen vollzogen. Darauf zogen die Zünfte zu einem Umtrunk nach dem Stadtwirtshaus, während eigens dazu bestimmte Handwerksleute zurückblieben und den Holzbalken auf den beiden Steinsäulen befestigten.

Am 19. September 1734 fand die feierliche Verurteilung in dem Rathaus auf dem Marktplatz statt. Sämtliche Zünfte aus dem Amte waren zu der feierlichen Gerichtsverhandlung entboten worden. Im unteren Raum des Rathauses saßen der Amtsschreiber und die Schöffen: Johann Hamann, Daniel Bauer und Henne Wagner von Obersteinheim, Peter Vollert von Niedersteinheim, Peter Spahn von Dietesheim, Jörg Vetter von Mühlheim, Marzellin Kaiser von Bieber, Endres Roth von Lämmerspiel, Kaspar Sattler von Rembrücken, Philipp Ricker von Weißkirchen, Peter Wenzel von Hainstadt und Niklas Bauer von Klein‑Auheim. Die Zünfte hatten sich mit Fahnen und Abzeichen ihres Gewerbes vor dem Rathaus aufgestellt. Vor dem schwarz verhängten Richtertisch, auf dem ein Kruzifix stand und ein Stab lag, stand der Angeklagte Clomann.

Der Zentgraf eröffnete das Gericht und fragte den ältesten Schöffen, ob es Zeit, Ort und Recht sei, das Gericht zu hegen. Als die Frage bejaht war, verlas der Amtsschreiber folgende sententia (Urteil): „In der Inquisitions‑Sachen (Klagesache) contra Johann Adam Clomann und Margaretha Willin wird auff die an Churfürstlich‑Maintzische weltliche Herrn Räthe von allhiesigem Ambt nach und nach erstatteten Berichte und beygeschlossen gewesene protocolle von dannen anhero ergangenen Befehl von Zentgraffen und Schöpffen des hieselbstigen Churfürstlichen Land‑ und Zentgerichts hiemit zu recht erkandt, daß erwehnter Adam Clomann, weillenn er nach langem hartnäckigenn Leugnen endlich eingestanden hat, wie er in Anno 1732 wehrender damaliger Frankfurter Herbst‑Meß‑Zeit mit beyhillff eines sicheren fremden Purschens Nahmens Lorenz von Gießen, ohnweit Sachsenhausen vor dem sogenannten Affentor einen Coffre von einer von Darmstadt nacher Frankfurt gekommenen Chaise abgeschnitten und das darinn gefundene Geld ad 1137 Gulden nebst anderen Effecten und Kleidungen mit der coninquisitorischen (mitangeklagten) Margaretha Willin und berührten Lorenz getheilet habe. Daß diesem also sey, sich bey der von den Kauffmann Nahmens Mändel von Mannheim wegenn des in dem Coffre befindlich gewesenen bahren Geldes und effecten Übergebenenn und in Gegenwart der Inquisiten beschwohrenenn Specification geäußert hat. Annebens dieser Clomann ohnangesehenenn der zum zweytenmahl ex capite funti vorher empfangenen Correktion und verrichteter Schantzenarbeit sich annoch in drey unterschiedlichen Diebstahlen sich betretten lassen, folglich als ein incorrigibler und habitualer Dieb sich die Todes‑Straff zugezogen hat, ihn zu wohlverdienter Straff, andern aber zum abscheulichenn Exempel mit dem Strang vom Leben zum Tode zu bringen. Groß‑Steinheim, den 18. Septembris 1734. Der Zentgraf: von Reuß. Die Schöffen“.

Die Schöffen und der Zentgraf hatten sich schon vor der Verlesung des Urteils erhoben. Nun ergriff der Zentgraf den Stab, der vor dem Kruzifix zwischen zwei brennenden Kerzen lag, zerbrach ihn, warf ihn dem Angeklagten vor die Füße und löschte die Kerzen aus. Darauf wurde die Angeklagte Margaretha Will von dem Prangerstein vor dem Rathaus von dem Schergen gelöst und zu dem Angeklagten Clomann gebracht, denn „sie sollte eine halbe Stunde am Pranger stehen, darauf mit dem coninquisitorischen Adam Clomann, um die Todesstraff an ihm vollziehen zu sehen, an das hohe Gericht (den Galgen) hinausgeführt werden, diesem nach dreymahl umb selbigen mit Ruthen gestrichenn, und nach dessen Vorgang gebrandmarket, endlich der hohen Ertzstifftlichen (Mainzischen) Lande für ewig verwiesenn werden“. Die Angeklagte mußte jetzt einen Eid, die Urfehde, ablegen, nach dem sie ihre Strafe für gerecht ansah und sich dafür nie an der Landesherrschaft, an den Behörden, an den Schöffen oder an einem anderen Untertanen rächen und nie mehr die Mainzischen Lande betreten werde.

Vor dem Rathaus stellten sich die Zünfte auf. Der Scharfrichter und seine Schergen nahmen den Verurteilten in Empfang. Die Landmiliz begleitete die Verbrecher, die an Handschellen von dem Scharfrichter und seinen Gesellen geführt wurden. Dann folgten Zentgraf und Schöffen. Der Zug bewegte sich durch die Langgasse, an der Kirche vorbei, von deren Chortürmchen das Armesünderglöckchen ertönte, durch das Obertor und Pfortenfeld auf dem Dietesheimer Weg nach dem Richtplatz. Dort starrten die beiden runden Säulen in die Höhe mit dem Querbalken, von dem ein Strick zur Erde herabhing. Pater Battoni, der Pfarrer von Steinheim, betete kniend die Sterbegebete. Der Zentgraf gab das Zeichen, ein Trommelwirbel ertönte und der Scharfrichter waltete seines Amtes.

Nachdem der Verurteilte hochgezogen war, wurde seine Mitschuldige Margaretha Will in den Kreis um den Galgen geführt, der Rücken entblößt und von einem Schergen unter Rutenschlägen dreimal um den Galgen geführt. Dann wurde sie mit einem erhitzten Stempeleisen, welches das Kurmainzer Rad trug, gebrandmarkt. Während den Körper des gehängten Wegdiebs die letzten Zuckungen durchbebten, wurde die Gebrandmarkte vom Henker nach Steinheim an den Main geführt, wo sie übergesetzt und drüben am roten Stein auf Hanauer Gebiet freigelassen. Der Gehängte wurde auf dem Schindanger begraben. Jedes Zunftmitglied erhielt im Stadtwirtshaus auf Kosten des Amtes Steinheim ein halbes Maß Wein und für einen Kreuzer Brot.

 

Vom Galgen fährt man weiter bis zu einem Querweg (Der Weg etwas rechts führt westlich des Silbersees auf die Landstraße Steinheim-Lämmerspiel. Dieser Weg ist jedoch von Pferden sehr zertreten und nicht zu empfehlen). Auf diesem geht man ein Stück links und dann gleich wieder rechts. So kommt man wieder auf die schnurgerade Forstmeisterschneise. Sie führt

direkt zum „Silbersee“, einem ehemaligen Steinbruch aus der Zeit, als in diesem Gebiet Basalt gebrochen und zu Pflastersteinen verarbeitet wurde. Der See reicht (anders als auf der Karte dargestellt) bis an den Weg heran. Der alte Förderturm ist nicht mehr zu sehen. Unmittelbar am See ist der Parkplatz an der Straße Steinheim-Lämmerspiel.

Etwas rechts-links versetzt geht es auf der anderen Seite weiter über den Bach (am Bach entlang geht nicht). Wo es über den Bach geht, liegt östlich das Naturschutzgebiet Rauhensee.

Eine seltene Wildorchidee steht Mitte Mai in Steinheim in voller Blüte. Unweit des Rauhensees findet sich die botanische Besonderheit zudem noch recht häufig. Um das breitblättrige Knabenkraut zu schützen, hat die Stadt Hanau nach langen Verhandlungen eine 2000 Quadratmeter große Wiese zwischen Steinheim und Lämmerspiel erworben. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung hat „Dactylorhiza majalis“, so die botanische Bezeichnung der Zierpflanze, äußert rar werden lassen. Denn die Orchidee gedeiht nur auf Feuchtwiesen, die erst spät im Jahr gemäht und nicht mit Kunstdünger behandelt werden dürfen. Entsprechend wird das Areal an einen extensiv wirtschaftenden Landwirt verpachtet und nach naturschutzfachlichen Vorgaben gepflegt.

Auch der Naturschutzbund (Nabu) Steinheim, Eigentümer der benachbarten Flächen im Bereich des Naturschutzgebietes Rauhensee, kümmert sich um das Knabenkraut. Bereits in der Vergangenheit hat die Stadt Hanau schwerpunktmäßig in Mittelbuchen, Steinheim und Klein‑Auheim mit Unterstützung des Landes eine Reihe von Grundstücken zu Naturschutzzwecken erworben. In der Mehrzahl waren dies landwirtschaftlich genutzte Acker‑ und Wiesenflächen, die danach eine ökologische Aufwertung erfuhren. So wurden etwa Ackerflächen durch Pflanzen von Bäumen und Sträucher in Feldhecken verwandelt oder kleine Teiche und Tümpel angelegt, die Wasservögeln, Amphibien und Kleintieren wie etwa Libellen neue Lebensräume schafften.

Diese Naturschutzprojekte sind Inhalt des kürzlich beschlossenen Landschaftsplanes. Auf diese Weise entstehen über ein Ökokonto zugleich Ausgleichsflächen für etwaige neue Baugebiete (Rauhensee und Amerikafeld, siehe: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 1, Main-Kinzig-Kreis, Seite 88 -90).

Auf einem geteerten Weg geht es weiter zum Häuser Weg. Diesen erreicht man an der Anlage des Geflügelzuchtvereins Steinheim-Nord. Im spitzen Winkel geht es nach rechts auf dem Häuser Weg wieder in den Wald. Der Weg knickt etwas nach links ab und geht bis zum Friedhof in Hausen. Dort biegt man im rechten Winkel nach links ab (nicht geradeaus).

Wo die lange Schneise kurz vor der Bundesstraße 45 endet und links der Radweg R 4 abbiegt geht es im spitzen Winkel nach rechts auf dem Alten Weiskircher Weg bis zur Gaststätte „Kreuzung“.

Um das Jahr 1900 herum übernahm die Familie Bayer das ehemalige Straßenwärterhäuschen, das damals direkt am Knotenpunkt der Straßen Seligenstadt‑Offenbach und Hanau‑Dieburg lag. Die Zeiten, in denen es hier „Fernfahrerfrühstück“ gab, sind lang vorbei. Als die jetzt durch ein Brückenbauwerk abgelöste Tannenmühl‑Kreisellandschaft an der B 45 errichtet wurde, war es aus mit der zentralen Lage an der „Kreuzung“, später ging die direkte Zufahrt durch den Ausbau der B 448 verloren. Die Traditionsgaststätte bietet ihren Gästen Hausmannskost zu günstigen Preisen. Stammgäste schwören auf die Hähnchen, die frisch zubereitet werden, damit sie immer schön knusprig sind. Die Attraktion sind die vielen Tiere, die die Familie Germain hält. In zehn Volieren kann man Vögel und Sittiche beobachten, Gänse und Enten wuseln mit ihren gelbflauschigen Jungen frei im Biergarten herum.

Über die Bundesstraße geht es zur Gaststätte „Tannenmühle“. Im spitzen Winkel fährt man zurück zur Bundesstraße und an dieser entlang unter dem ersten Kreisel hindurch und ein Stück neben der Landstraße nach Hainstadt her. Wo der Radweg endet, geht es nach rechts und dann wieder nach links auf die „Frankfurter Schneise“. Diese heißt im östlichenTeil „Leintrittschneise“. Wo diese endet, geht es links weiter und dann wieder rechts.

Man quert eine Wiese mit zwei Bachläufen, ein Naturschutzgebiet. Der Weg biegt nach links. Zwei Informationstafeln am Weg erläutern den Verlauf der früheren Mainarme. Man fährt dann rechts und kommt auf den Triebweg. Auf diesem fährt man weiter bis zu einer Wegspinne. Geradeaus geht es zur Gaststätte „Tannenhof“ (wie bei jedem Wallfahrtsort ist die Gaststätte nicht weit).

 

Liebfrauenheide:

Zur Liebfrauenheide geht es halb rechts ab zur Wallfahrtskirche mit dem Brunnen. Obwohl seit 1802 „weltliche“ Herren das Sagen haben, ist der katholische Einfluß in dem ehemals mainzischen Gebiet um Klein‑Krotzenburg unverkennbar. Ausdruck dieser religiösen Verwurzelung ist bis heute die Liebfrauenheide. Die kleine Wallfahrtskapelle, mitten im Klein‑Krotzenburger Wald, war und ist an Wallfahrtstagen Ziel zahlreicher Pilger. Dreifaltigkeitssonntag nach Pfingsten, Sonntag nach Mariä Heimsuchung (2. Juli) und Sonntag nach dem „Tag der Sieben Schmerzen Marias“ (15.September).

Das Gnadenbild ist von 1620. Mitte des 17. Jahrhunderts begann die Verehrung und die Wallfahrt zur „Schmerzhaften Mutter Gottes“. Die erste Kapelle wurde 1736 erbaut. Im Jahre 1753 war es der Stadt Dieburg zuviel. Waren früher an Mariä Geburt über 10.000 Wallfahrer zum Muttergottesheiligtum nach Dieburg gekommen, so haben nach dem Aufkommen der Liebfrauenwallfahrt bei Klein‑Krotzenburg die Besucherzahlen so stark abgenommen, daß sich 1753 nur 4.000 in Dieburg einfanden. Die Dieburger schrieben in ihrem Protestschreiben an den Mainzer Bischof, die Wunder von Klein-Krotzenburg seien noch nicht einmal von einer richtigen Kommission untersucht worden. Lediglich die „angenehme Laag“ der Kapelle sei es, die besonders die jungen Leute von Dieburg abzöge.

Die Dieburger hatten Erfolg: Der Erzbischof verbot 1755 die Wallfahrten zur Liebfrauenheide. Als Bischof Ketteler 100 Jahre später versuchte, die Wallfahrt neu zu beleben, stieß er bei dem Klein‑Krotzenburger Pfarrer Klein auf heftigen Widerstand:

„Es gibt jetzt schon ledige Personen, die in den Wald gehen, nicht aus Verehrung der heiligen Gottesmutter, sondern um im Wald zusammen zu kommen“, antwortete Klein auf die bischöfliche Anregung.

Erst sein Nachfolger setzt sich für den Bau einer neuen Kapelle ein. Diese wurde 1868 durch den Mainzer Bischof von Ketteler eingeweiht. Dieser predigte 1869 vor über 10.000 Arbeitern über das Verhältnis von Arbeitswelt und Religion. Ketteler vertrat dabei Positionen des Arbeiterstands: Erhöhung des Arbeitslohns nach dem „wahren Wert der Arbeit“, Verkürzung der Arbeitszeit, Verbot der Kinderarbeit und der Fabrikarbeit für schulentlassene Mädchen. Ein Teil seiner Forderungen wurde später Grundlage der Sozialgesetzgebung.

 

Die Gnadenkapelle auf der Liebfrauenheide bei Seligenstadt ist nicht nur ein Wallfahrtsort für Marienverehrer, die aus dem Rodgau, dem Kahlgrund und dem Maingebiet viermal im Jahr dorthin pilgern, sondern auch Treffpunkt christlicher Arbeiter, die hier die Erinnerung an Wilhelm E. Freiherr von Ketteler pflegen, dem bedeutenden Vorstreiter christlicher Gewerkschaften des 19. Jahrhunderts. 1869 hielt er, ein Abgeordneter des Frankfurter Parlaments und des Reichstages, später Bischof von Mainz, von der Kanzel unter freiem Himmel vor zehntausend Arbeitern eine seiner berühmten Reden über soziale Forderungen und Rechte der Arbeiterschaft.

Die Kapelle steht inmitten eines Waldes an der Stelle, an der nach dem Dreißigjährigen Krieg ein Schäfer ein Marienbild in der Höhle eines Eichbaumes gefunden haben soll. Es ist der zweite Bau, errichtet 1868, der, nachdem der erste, über der Fundstelle des wundertätigen Bildes erstellte, sich als zu klein erwiesen hat, die Schar der heilungssuchenden Menschen aufzunehmen.

 

Für den Rückweg fährt man den gleichen Weg zurück, fährt aber geradeaus in Richtung Hainstadt. Wo der Weg endet geht es aber auf einem schmalen Durchlaß nach rechts in die Danziger Straße. Auf dieser fährt man links weiter, auch wenn nur noch ein schmaler Weg zwischen den Wohnblöcken bleibt. Schließlich geht es noch einmal rechts und man kommt auf die Königsberger Straße, auf der man nach links zur Landstraße nach Offenbach kommt. Auf dieser fährt man ein Stück nach links und biegt beim Bauhof Kohl nach rechts in die Straße  „Am Brünnchen“. Der Weg führt nach rechts in den Wald. Man fährt etwas halblinks immer geradeaus bis zum Naturschutzgebiet „Am Woog von Hainstadt“. Dort geht es rechts-links versetzt weiter an dem Schild „Fasanerie, Haupttor“.

„Alte Fasanerie“

Der Name „Alte Fasanerie“ des Wildparks Klein-Auheim stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die Jagdleidenschaft des Mittelalters und der neueren Zeit hatte auch die geistlichen Fürsten ergriffen. Die Mainzer Kurfürsten, die jährlich für ein bis zwei Monate im Schloß Steinheim ihren Sommersitz hatten, hatten in der Nähe des alten Schönfelds, der Märkerdingstätte der Klein‑Auheimer Mark und der Wildhufe des Dreieicher Wildbannes, ein Jagdhaus errichten lassen, die „Fasanerie“.

Die Untere Fasanerie war die alte Fasanerie. Sie umfaßte 15 Hektar Wald und 22 Hektar Wiesen und Äcker. Zur Zeit des Kurfürsten Franz Lothar von Schönborn (1695‑1729) war der Palisadenzaun der Fasanerie zum größten Teil verfallen, so daß die Fasanen nicht mehr gehegt werden konnten und von Füchsen und anderem schädlichem Wild gefressen wurden. Es wurde deshalb im Jahre 1705 der Befehl zur Neueinfriedigung gegeben. Er ließ deshalb im Jahre 1705 eine Fasanerie auf rund 40 Hektar Wiesengelände anlegen. Im Amorbacher Wald wurde das Holz geschlagen, nach Miltenberg gefahren und von dort nach Steinheim geflößt. Rund 600 eichene Stämme waren abzufahren. Über 1200 Fuhren wurden zur Neueinfriedigung und zum Hausbau benötigt. Später wurde die untere Fasanerie umgeben von einer älteren, weitgehend zerfallenen Mauer. Ihr oberer Teil wurde als „Steinbruch“ für die neue Mauer verwendet.

Im Zuge der Errichtung der unteren Fasanerie wurde auch das ansehnliche, heute noch stehende Jagdhaus errichtet. Über der Osttüre ist das Wappen von Lothar Franz von Schönborn angebracht. Die vom eigens angestellten Fasanenmeister gut genährten Vögel konnte er von da an bequem erlegen, bevor er 1729 starb. Im 19. und 20. Jahrhundert war hier die Forstdienststelle und die Wohnung des Försters. Die untere Fasanerie (seit 1981 unter Naturschutz) litt aber sehr unter dem stets wiederkehrenden Hochwasser.

Deshalb ließ der zu diesem Zeitpunkt residierende Erzbischof Johann Karl Friedrich von Ostein 1746 die „Obere Fasanerie“ erschließen. Sein Wappen kann man in Rokokoform noch in der oberen Fasanerie an der West- und Ostmauer sehen. Das rund 107 Hektar (andere Angabe 122 Hektar) große Gelände wurde um 1750 mit einer rund 3,8 Kilometer langen Basaltsteinmauer eingegrenzt. Der Kurfürst ließ fünftausend Fuhren Basaltsteine anfahren und in Frondiensten die  Mauer errichten. Die Untertanen des Amtes Steinheim und der Zent Bachgau (Groß‑ Ostheim‑Obernburg) mußten dazu Hand‑ und Spanndienste leisten. Als Ausgleich hatten die Steinheimer Amtsuntertanen im Jahre 1778 bei der Anlegung des „Schönen Busches“ bei Aschaffenburg Frondienst zu leisten.

Am Haupteingang war bis nahc 1880 ein Chronostichon (eine Zeitinschrift in Versen) vorhanden. Die Inschrift besagte, daß im Jahre 1752 die Fasanerie unter dem Oberjägermeister von Schleifras neue Anpflanzungen erhielt. Ein Wappen trägt folgende Unterschrift: „lohannes frIDerlCVS CaroLVs prlnCeps eLeCtor In hoCXVIrlDarlo WoLVpe IVbet VtILI Ivngere“. Aus den großen Buchstaben ergibt sich auch die Jahreszahl 1752.

Die ursprünglich fast ohne Mörtel errichtete Mauer ist in einem ganz unterschiedlichen Erhaltungszustand. Anfänglich sind die defekten Stellen recht primitiv mit Zement zugeschmiert. Dann sieht man an der Westseite die Mauer teilweise in ihrem ursprünglichen Zustand und kann die recht fein geschichteten Steine bewundern. Auf der Ostseite hat der Zahn der Zeit viele Breschen in das Mauerwerk geschlagen, die nicht renoviert sind. Diese offenen Stellen geben einen guten Einblick in die Bauweise. Die Außenseite wurde mit relativ kleinen, regelmäßigen Steinen gemauert ‑ der Zwischenraum zwischen den Außenschalen mit recht groben Steinen gefüllt. Sie steht heute unter Denkmalschutz und bildet die Einfriedung des Wildparkes.

Nachdem 1803 die Fasanerie durch den Reichsdeputationshauptschluß an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Großherzog Ludwig I., fiel, wurde sie bis Ende des Ersten Weltkrieges als Hofjagdrevier für Dam-, Reh- und Schwarzwild genutzt. Über den damaligen Volksstaat Hessen gelangte die Fasanerie nach 1945 im Wege der Rechtsnachfolge in das Eigentum des Landes Hessen und ist nun der hessischen Landesforstverwaltung unterstellt.

Die günstige Lage im Ballungsgebiet Frankfurt-Offenbach-Hanau führte dazu, daß das Gelände mit kommunaler Unterstützung zu einem Wildpark umgestaltet und im Jahr 1967 der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Im Jahre 1967 wurde der völlig heruntergekommene Wildpark von einem Förderverein übernommen, der dem Park zu großer Beliebtheit bei der Bevölkerung verhalf. Die alte Mauer wurde instand gesetzt. Fünfzehn Kilometer Wanderwege wurden in diesem ausgedehnten Gelände angelegt. Ziel der Einrichtung ist es, den Menschen Wild- und Vogelarten näher zu bringen, die im hiesigen Raum heimisch waren und sind. Gehalten werden sie dazu unter annähernd natürlichen Bedingungen.

Höhepunkt für die zwei Fördervereine - einer kümmert sich mehr um den Wildpark, der andere um Museum - war die Eröffnung des rund 1,5 Millionen Mark teuren Forstmuseums im August 2001. Das Land Hessen, die Flughafenbetreibergesellschaft Fraport und die Fördervereine stemmten die Finanzierung, während die Deutsche Stiftung Umweltschutz eine zunächst versprochene Fördermillion plötzlich verweigerte.

 

Das Forstmuseum am Eingang des Parks befand sich früher in Biebergemünd-Bieber und wurde im Jahre 2001 in die Alte Fasanerie verlegt wurde. Bei jährlich 150.000 Besuchern im Wildpark würde ein großer Personenkreis davon profitieren. Auch die fachliche Betreuung wurde als Argument für den Standort Hanau aufgezählt. Konzept und Ausstattung sind nicht auf die Jagd, sondern fast ausschließlich auf die Waldbewirtschaftung zugeschnitten, schwerpunktmäßig auf den Spessart. Schautafeln dokumentieren den Raubbau im Wald in jener Zeit, als Bieber Industriestandort war und Hunderte von Menschen mit Baumstämmen die Stollen in den Erzbergwerken abstützten und Holz in Glashütten verfeuerten. Baumstämme, Tierfelle, eine Zeichnung der Schwanheimer Hute-Eichen und ein Wolf sind  zu sehen. Exponate wie Nivellierinstrumente und Winkelspiegel zeugen von der Wiederaufforstung. Uniformen und Erntemaschinen ergänzen die Sammlung.

Eine Besonderheit ist der Baumkalender ganz links hinten. Die 21 Baumarten bestimmen den Jahresverlauf (die in der keltischen Zahlenmystik heiligen Zahlen drei und sieben miteinander multipliziert ergeben 21). Davon bestimmen vier Bäume jeweils nur einen Tag 21. März (Frühlingsanfang) die Eiche, 24. Juni (Sommeranfang) die Birke, 23. September (Herbstanfang) der Olivenbaum, 22. Dezember (Winteranfang) die Buche. Alle anderen Baumarten ‑ mit zwei Ausnahmen ‑ dominieren jeweils eine Dekade, das heißt ein Drittel eines jeweiligen Tierkreiszeichens, aber auch genau die oppositionelle Dekade. Die Kiefer z. B. bestimmt die erste Dekade Fisch (19. bis 28. Februar) als auch die erste Dekade Jungfrau (21. August bis 2. September). Die beiden Ausnahmen sind Pappel und Nußbaum. Pappel umfaßt die Zeiten 4. bis 8. Februar und 1. bis 14. Mai sowie 5. bis 13. August. Der Nußbaum regiert die Tage vom 21. bis 30. April und vom 24. Oktober bis 11. November. Wer z. B. in der Zeit vom 15. bis 24. Mai oder vom 12. bis 21. November geboren wurde, ist den Eigenschaften der Eßkastanie zuzuordnen.

 

Es gibt Wildpark-Rallyes für Kindergruppen oder Kindergeburtstage, Tierpatenschaften und eine Gaststätte mit Spielplatz. Rund 350 Tiere aus 35 Arten leben derzeit in den Freigehegen und Volieren. Pro Jahr strömen rund 150.000 Besucher in den ganzjährig geöffneten Park mit seinem 15 Kilometer langen Wegenetz. Es wird empfohlen, nach rechts zu beginnen, weil hier die Dichte der Tiere größer ist, und den größeren Rundweg etwas abgewandelt zu wählen (gekennzeichnet mit dem Fuchs).

Nach dem Besuch des Forstmuseums geht man nach rechts. Gelegenheit zur Rast bietet ein Picknickplatz im Eingangsbereich mit vielen Bänken, Holzspielgerät und einer Grillstelle. Das das 1994 entstandene Informationszentrum ist nur für Lehrveranstaltungen vorgesehen wie Wildpark-Schule (Beobachtung und Lernen vor Ort), Führungen, Vorträge, Sonderveranstaltungen, Projekttage und Projektwochen. Es folgen die Parkplätze für die Mitarbeiter und den Bauhof. Rechts sind  Volieren für die Pflegestation. Hier kann man zum Beispiel schon Fasane sehen. Rechts gibt es dann noch einen Streichelzoo mit Ziegen, ein Buntes Hausschwein mit einem Wildschwein, das von Hand aufgezogen wurde, Esel, Rhönschaf und Thüringer Waldziege.

Man sollte in diesem Bereich aber unbedingt nach links in die zweite Reihe gehen. Dort trifft man zunächst auf eine runde Voliere mit einem Kolkraben, der „Jakob“ sagt, wenn man einzelnen an den Käfig herantritt (bei mehreren Personen krächzt er nur). Hinter dem Raben ist links das Gehege für die Waschbären und Marderhunde. Rechts sind  verschiedene Eulen zu sehen. Wenn man ein Stück weiter geht, kommt man zu den Füchsen, die aber nur schwer im Gelände auszumachen sind; auch der Dachs zeigt sich nicht einmal den Pflegern, holt sich aber immer sein Essen.

 

Die Vogelhäuser sind besetzt mit Falken, Fasanen, Grau‑ und Silbergänsen, Stockenten und Milanen, wurden am Eingang errichtet. In einer Ausstellungshütte kann sich der Besucher anhand von reichem Anschauungsmaterial über die Lebensweise unserer einheimischen Vögel informieren oder sich mit einem Hebeldruck eine gewünschte Vogelstimme aus einer Musikbox vorzwitschern lassen.

Der Hauptweg führt an der Mauer entlang zum Steinheimer Tor (zusätzlicher Eingang an Sonntagen). Dort geht es nach links. Rechts sind  zunächst Wildschweine, dann ein Elch. Links stehen Störche und Sitka-Hirsche. Die anschließenden Rothirsche pflegen sich zu verstecken. Dann kommen die drei weißen Wölfe, die von Hand aufgezogen wurden und in der Wolfsheulnacht zu hören sind. Im nächsten Gehege links ist ein dunkler Wolf, der gern auf einer Platte auf einem Steinhaufen liegt.

Mit dem Fernglas und etwas Geduld lassen sich die Waldbewohner entdecken. „Der Mensch muß die Tiere suchen, sie sollen ihm nicht präsentiert werden“, ist das Motto des Fördervereins, auch auf die Gefahr hin, nichts zu erspähen, wenn sich Wolf und Luchs ins Dickicht zurückgezogen haben. Doch meist lohnt sich die Ausdauer. Immer zu Gesicht bekommt man die Publikumslieblinge, die Wildschweine, die sich zu Hunderten im Schlamm suhlen und morgens ungeduldig auf ihr Futter warten, das die Besucher an der Kasse gekauft haben. Auch Dam‑ und Rotwild, Auerochsen, Wisente und etliches Kleinvieh einschließlich der schönen Pfauen lassen sich bewundern.

Rechts sind  dann wieder Wildschweine, ehe es nach links am Wolfszaun entlang zu den Luchsen auf der rechten Seite geht. Auch sie sind nur schwer auszumachen und verbergen sich gern hinten den Gesteinsbrocken. Am Ende dieses Weges ist rechts die Falknerei und dahinter der Hochseilgarten.

Dann geht es wieder links herum nach Norden. And er nächsten Kreuzung kann man nach rechts gehen zum Gesteinsgarten und dem Barfußpfad: In einem Halbkreis liegt der kleine Pfad unter den großen, schattigen Bäumen. Von Holzbalken umrahmt sind die Naturmaterialien wie große Hüpfkästchen beim Himmel‑und‑ Hölle‑Spiel hintereinander aufgereiht. Ein Fach enthält Moosflächen, ein nächstes abgerundete Holzpfähle, große Kieselsteine, Kiefernzapfen, Waldlaub oder schlichte Erde, Rindenmulch oder kleine Steinchen. Mit bloßen Füßen sollen Besucher/innen die Materialien mit geschlossenen Augen ertasten ‑ und so ihre Sinne für die Natur schärfen. Die Kinder oder die Erwachsenen sollen sich ganz ihrer Begleitperson anvertrauen und sich führen lassen. So hat der Naturtastpfad für sie auch einen sozialen Aspekt.

Auf dem Hauptweg weiter gibt es rechts Auerochsen und links Wildschweine. Man geht bis fast an die Mauer und dann links herum. Am Weg rechts stehen Auerochsen. Links sind  Wisente, die im Jahre 2007 durch die Blauzungenkrankheit sehr dezimiert wurden. Frei herum laufen im Gelände Enten.

 

Vom Haupteingang der Fasanerie fährt man nach rechts hinunter zum Klein-Auheimer See. Diesen kann man links umrunden und  am Holzbrücker Weg zunächst auf dem Radweg an der linken Seite in Richtung Klein-Auheim fahren und dann nach links zur Brücke über die Bundesstraße 43a. Schöner ist aber der Weg rechts um den See herum und dann zur Brücke über die Bundesstraße.

An der Offenbacher Landstraße beim Hellenwäldchen liegt die Hellenhütte, ein beliebter Ausflugsort der Steinheimer. Unter der viele Jahrhunderte alten Eiche hat man einen herrlichen Blick auf die saftigen Wiesen des alten Mainbetts zu unseren Füßen, auf die buntfarbigen Fluren der Klein‑Auheimer Gemarkung und auf das weite Maintal, das mit seinen Dörfern und Auen von den blauen Höhen des Spessarts eingerahmt wird.

 

Helenenhütte:

Die Hellenhütte war von altersher eine Ziegelei, die den in unmittelbarer Nähe gefundenen Ton zu Backsteinen, Ziegeln und Röhren verarbeitete. Die Ziegelei besteht auch heute noch, hat aber als Kleinbetrieb gegenüber den Großbetrieben einen schweren Stand. Seit 140 Jahren ist die Hellenhütte im Besitz der Familie Rachor.

Nach rechts geht es dann weiter ins reizvolle Hellenbachtal. Man wirft einen Blick auf den 49 Meter hohen Wasserturm, der zwischen 1936 und 1938 von dem Darmstädter Architekten Erich Minder erbaut wurde. Man kommt vorbei an einem Teich und einer Mariensäule  (beide auf der rechten Seite). Kurz vor Steinheim fährt man um die Kneippanlage herum.

Nach links geht es in die von Eiff-Straße. An der Darmstädter Straße geht es etwas links-rechts versetzt weiter  durch das Steinheimer Neubaugebiet. Wo die Straße endet geht es links in den Gailingsweg, unter der B 43 a hindurch und an Möbel-Erbe vorbei in die Senefelder Straße.

Links liegt das „Amerikafeld“, ein unter Naturschutz stehendes Trockenrasengebiet mit seltenen Orchideenarten und Eidechsen, das außerdem ein Lebensraum für Neuntöter, Blauracke und Pirol ist. Im Wald fanden sich zahlreiche Hügelgräber, deren Bestattungsbeigaben teilweise im Museum des Steinheimer Schlosses gezeigt werden. Aber vom Weg aus sind sie nicht zu sehen. Man kommt wieder zu demWegweiser „Dietesheimer Seen“. Hier zweigt man aber nicht rechts ab auf die Forstmeisterschneise (auf der man gekommen ist), sondern fährt in Richtung des Wegweisers (Dieser Weg führt durch den östlichen Rand der Seenlandschaft: an der Straße „Am Grünen See“ auf dem unbefesdtigten Weg geradeaus zu der Eisenbahnunterführung und zur Bundesstraße und dort rechts bis zur Abzweigung zur Schleuse nach links). Nach der Schranke biegt man wieder rechts ab. Vor der Eisenbahn geht es wieder rechts ab in die Pfaffenbrunnenstraße (Wochenende, Seite 142; Kinzig, Seite 54; Frankfurt 13, 37, 57; Hanau, Seite 18, 36, 39, 46, 61).

 

Alte Fasanerie, siehe auch: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 1, Main-Kinzig-Kreis, Seite 100.

Zur Stadt Steinheim vergleiche Hanau, Steinheim.

 

 

Dietesheim - Lämmerspiel - Mühlheim 2010 (15,5 Kilometer)

 

Dietesheim:

Von der Mühlheimer Fähre fährt man auf dem Mainuferweg (nicht auf dem Damm) bis kurz vor die Schleuse. Die Dietesheimer, liebevoll auch „Basaltköpp“ genannt, haben ihre Eingemeindung vom 1. April 1939 nie richtig verwunden und sind nach wie vor stolz auf ihre Eigenständigkeit, die sich bis zum Jahr 1013 zurückverfolgen lässt. Damals wurde der Name Dietesheim zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als Heinrich II. seinen Besitz in Dietesheim mit dem Kloster Lorsch tauschte.

Dietesheim verfügte über kein Fließwasser, das eine Mühle hätte treiben können. Daher verlegten sich die Dietesheimer auf die Mainfischerei neben der allgemeinen dörflichen Feldwirtschaft. Die Mainfischerei war ein Spezialgewerbe, das seit dem Mittelalter als Zunft organisiert ist.

Die heutige katholische Pfarrkirche ist in der Kirchstraße im Westen des Ortes (mit dem schlanken Turm). Älter ist die Gustav-Adolf-Kirche in der Untermainstraße im Ortskern mit der geschwungenen Haube, die heute von der evangelischen Gemeinde genutzt wird. Eine dritte Kirche ist die  St. Wendelinus-Kapelle am Alten Friedhof in der Bettinastraße. Sie wurde 1450 erstmals urkundlich erwähnt und immer wieder restauriert und zuletzt 1987 neu geweiht. Die Kapelle ist aus Basaltstein gebaut, ihr Vorbau ist aus Holz. Im Inneren befindet sich heute eine Statue des Hl. Wendelinus. Der früher im Innern aufgestellte „Anna-Selbdritt-Altar“ steht heute in der Dietesheimer Pfarrkirche St. Sebastian.

 

Steinbrüche Dietesheim:

An der Schleuse geht es nach rechts zur Bundesstraße. Auf dieser fährt man erst ein Stück in Richtung Steinheim, überquert sie an der Fußgängerampel und fährt in  Richtung Erholungsgebiet. Die Straße führt unter der Bahn hindurch. Danach geht es nach links zum Erholungsgebiet. Am Vereinsheim „Concordia“ geht es links weiter Richtung Grüner See. Hinter dem Anglerheim geht es rechts weiter auf den Rabenlohweg. Am zweiten Weg, genannt „Am Spatzenrain“, biegt man links ab zur Brücke über den Canyon. 

Seit 1830 wurde hier Basalt abgebaut, Pflaster‑ und Schottersteine handgeschlagen über Generationen. Im Jahre 1865 ließ die Familie Krebs erstmals Basalt mit der Hand abbauen und mit Loren zum Main transportieren. Der Name des Frankfurter Sees zeigt, daß neben Privatfirmen auch die Stadt Frankfurt sich in Dietesheim bediente.

Der Basaltabbau hat die Landschaft nachhaltig verändert, Dort, wo früher große, ruhige Wälder waren, entstanden Steinbrüche mit zum Teil gefährlich steil abfallenden Wanden. Um 1900 begann die industrielle Nutzung der Steinbrüche. Man fertigte Schotter an. Das Grundwasser leitete man mit Pumpen in den Main. Die Wunden, die dabei im Erdreich entstanden, waren winzig im Vergleich den riesigen Löchern der maschinellen Ausbeutung von 20 Jahren. Nachdem die Verwendung von Pflastersteinen immer mehr zurückging, wurde der Steinbruch 1982 stillgelegt. Die jahrelangen Detonationen hatten die Häuser der Anrainer gefährlich erschüttert und waren letztlich der Grund zum Aufgeben der Steinbrüche.

Die Besucher konnten auf der Sohle der Steinbrüche durch die abenteuerliche Landschaft mit ihren steil aufragenden, zerklüfteten Felswänden spazieren gehen. Nach der Beendigung des Basaltabbaus wurde das Grundwasser nicht mehr abgepumpt und es entstand eine große Wasserflache. Diese wild‑ romantische Seenlandschaft zog mehr und mehr Badegäste an. Sie drängten sich an den wenigen flachen Uferzonen. Im Winter kamen Jugendliche zum Schlittschuhlaufen. Angler nahmen die Ufer in Besitz. Dies gilt auch für die beiden Kiesseen im Norden des Erholungsgebietes, den Hansteinweiher und den Neuen See mit ihren dichten Schilfgürteln entlang der flachen Ufer.

 

Kletterer, Badende, Reiter und Spaziergänger beschädigten die Uferbereiche mit den seltenen Pflanzen, vernichteten die Anpflanzungen und verdrängten die Tiere, die hier neue Lebensräume gefunden hatten. Nach einem Ausflugstag blieben Müll und Unrat zurück, für den sich niemand verantwortlich fühlte. Einigen diente das Gebiet gar als Müllkippe: Sie entledigten sich ihres Autos im See oder luden ausgediente Möbel und Bauschutt ab. Um die Ansprüche der Erholungsuchenden im Rhein‑Main‑Ballungsraum mit den Schutzinteressen dieses einzigartigen Biotops in Einklang zu bringen, war eine ausgewogene Gestaltung des Gebietes notwendig.

Zusammen mit der Stadt Mühlheim hat der Umlandverband Frankfurt anschließend das Areal innerhalb von elf Jahren zu einem Erholungsgebiet ausgebaut. Das gesamte das Gelände  mißt 150 Hektar, davon 25 Hektar Wasserfläche. Etwa 61 Hektar wurden vom Basaltabbau in Anspruch genommen. Die Fläche wurde mit insgesamt 120.000 neuen Bäumen, überwiegend Eichen und Buchen, aufgeforstet. Schon von Dietesheim her lockt eine Allee die Spaziergänger in das Erholungsgebiet; dazu wurden 98 Ahornbäume gepflanzt. Fast 7.000 vorwiegend stachelige Sträucher wie Schlehen, Wildrosen und Brombeeren sollen allzu neugierige Besucher davon abhalten, den sensiblen Naturbereichen zu nahe zu treten.

Die Natur versucht mit Macht aufzuholen. Aufgelassene Steinbrüche stellen einen einmaligen Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar. Sogar an den nackten und steilen Basaltwänden mit wenig Verwitterungskrume setzt die Spontanvegetation ein. Dies gilt auch für die angrenzenden Steilhänge mit Trockenbereichen. Flora und Fauna fühlten sich in den aufgelassenen Brüchen wohl. Auf den Land‑Wasser-Wechselzonen konnten sich Pflanzengesellschaften entwickeln, wie das gefährdete Sumpfweidenröschen, die Sumpfsternmiere, der Roßkümmel und die weiße Seerose.In den Klüften und Höhlen der Seilwände richteten sich Turmfalken und Fledermäuse häuslich ein. Bunte Eisvögel flattern umher. Die flachen Uferbereiche sind Laichgebiete für Fische und Lebensraum für seltene Libellen und Wasservögel. In den feuchten Mulden im angrenzenden Wald fanden bedrohte Froscharten, Kröten öder Molche Unterschlupf. Von den Ufern sind vier sogenannte Flachwasserbereiche mit Röhricht, Rohrkolben, Schilf und Schwertlilien zu bewundern. Käfer und Insekten, wie  der selten gewordene Sandlaufkäfer und die Grabwespe, bevorzugen trockene Sandböden.

Es entstand ein attraktives Ausflugsziel. Neben einem Bereich am Eingang wurde auf einer Waldlichtung eine große Grillanlage mit Spielplatz und Toilettengebäude errichtet. Auch viele Mühlheimer Vereine feiern hier gerne ihre größeren Feste. Im Eingangsbereich befinden sich auch die Parkplätze, so daß das übrige Erholungsgebiet nicht durch Autos beeinträchtigt wird. Am Grünen See ist ein Gartenlokal. Auch die Gelände von Kleintier‑ und Hundezuchtvereinen befinden sich hier. Fünf Angelseen, die von den örtlichen Vereinen genutzt werden, schließen sich daran an. Wegen der schmalen Uferbereiche und der gefährlichen Steilwände kann das Baden und das Bootfahren nicht gestattet werden.

 

Am Vogelsberger See ragen Felswände teilweise zehn bis zwanzig Meter hoch. Von seiner Krone erfaßt das Auge die Mainniederung ebenso wie Altkönig und Feldberg. Ein rund 2,5 Kilometer langer Rundweg führt die Besucher um den See. Mit dem Bau dieses Pfades, der sich an vielen Stellen an der Bruchkante entlang schlängelt und schöne Ausblicke auf die Seen gewahrt, wurden Schutzhütten und Rastplätze errichtet. Nur einmal führt die Strecke hinunter und verläuft auf einem Steg über eine Feuchtwechselzone, in der sich allerhand Kleingetier tummelt. Am Canyon, der den Vogelsberger See vom Oberwaldsee trennt, wurde der Rundweg mit einer rund 30 Meter langen Stahl-Brücke geschlossen.

Von hier fährt man dann weiter, bis nach einer kleinen Steigung eine Wegspinne kommt. Hier biegt man gleich links in den Weg ein, der nur schmal und fast zugewachsen ist, sich nachher aber erweitert. Er führt zu einer Kreuzung. Hier geht es links auf den Bruchweg, der zu einer Ausssichtsplatform am Oberwaldsee führt.

 

Oberwaldsee:

Der Oberwaldsee bleibt seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Er wurde wegen seiner für die Region einmaligen Flora und Fauna 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Um die Tierwelt hier nicht zu stören, führen die Wege abseits des Sees durch den Wald. Nur an zwei Aussichtspunkten können interessierte Besucher die Besonderheit des Gebietes erleben. Fünf neue Feuchtbiotope wurden angelegt. An den Ufern wurden vier Flach­wasserbereiche geschaffen und als Röhrichtzonen mit Rohrkolben, Schilf und Schwertlilien bepflanzt. Zwei ökologisch eher bedeutungslose Wiesen wurden durch Abgraben in Feuchtwechselzonen umgewandelt. Über eine dieser Zonen führt der Rundweg, damit der Besucher von einem Steg aus die einmalige Fauna und Flora erleben kann.

Geologisch betrachtet liegt das Erholungsgebiet in der Hanau‑Seligenstädter Senke. Es wird angenommen, daß die Basaltdecke des „Maintrapp“ vor 13,5 Millionen Jahren ‑ im Miozän ‑ entstanden ist. Hier, wo eine nordsüdlich verlaufende Verwerfung auf das sich senkende Hanauer Becken stieß, konnte Lava in zwei Schüben bis zur Erdoberfläche empor dringen. Da­zwischen liegt eine lehmige, fettige Trennschicht mit Kohle-Einlagerungen. Die beiden Lavaströme und die Trennschicht sind heute am Oberwaldsee noch sehr gut zu erkennen: Die untere Basaltschicht setzt sich aus sechseckigen Säulen zusammen, während die obere aus Platten besteht. Darüber befindet sich eine Schicht aus verwittertem Basalt und Flußschotter des Mains.

Erst geht es noch auf dem Bruchweg weiter, dann in mehreren Knicken rechts ab. An einer Kreuzung, an der links zwei Bänke stehen, geht es wieder rechts ein Stück stark ansteigend ab. Der Weg führt zum Steinheimer Galgen.

 

Galgen:

Zwei runde Steinsäulen stehen noch rechts und links des Weges, etwa fünf Meter hoch aus Bruchsteinbasalt aufgemauert mit einem Durchmesser von 76 Zentimetern und über vier Meter vonein­ander getrennt. Die Säulen sind grün überzogen und deshalb von den Baumstämmen kaum zu unterscheiden. Die beiden Säulen waren bei Hinrichtungen durch einen Holzbalken ver­bunden. Wer will, kann an dieser besonderen Stelle auf den zwei Bänken ein Picknick halten.

Der Galgen steht auf der höch­sten Stelle einer langgezogenen Sand­düne. Das Gebiet war früher nicht bewaldet, denn zur Abschreckung sollten Galgen schon von weitem zu sehen sein. Nach einer alten Gemar­kungs­­kar­te stand der Galgen schon 1579. Steinheim war bereits unter den Herren von Eppstein Sitz eines Hochgerichts. Es tagte unter der Gerichtslinde am Maintor und sprach auch Todesurteile aus. Neben anderen schweren Strafen, wie Ertränken und Rädern, war die Hinrichtung mit dem Strange am Hochgericht üblich.

Eine genaue Nachricht haben wir von einer Hinrichtung aus dem Jahre 1734, weil dazu ein neuer Querbalken angebracht wer­den mußte. Zur Zeit der Frankfurter Herbstmesse im Jahre 1732 hatte der vorbestrafte Wegedieb Clo­mann mit einem anderen Dieb mit Namen Lorenz und einer Mittäterin Margarete Will von dem Reisewagen des Handelsmannes Mändel aus Mannheim am Affentor kurz vor Frankfurt einen Koffer, der hinten auf den Wagen gebunden war, abgeschnitten und Geld und Kleider geraubt. Clomann und Margarete Will waren gefaßt worden. Beide saßen seit zwei Jahren in Haft. Der Dieb im Verlies des Steinheimer Bergfrieds und die Diebin im Zentgefängnis des Rathauses.

Endlich kam nach zwei Jahren von den weltlichen Räten der Kurmainzer Regierung der Befehl, daß Clomann mit dem Strang hingerichtet, und der Galgen mit einem neuen Querbalken versehen werden sollte. Mit einer feierlichen Zeremonie wurden die Vor­bereitungen für da sAnbringen des Balkens getroffen. Acht Tage vor der Hinrichtung zogen die Stein­heimer Zünfte, die Schiffer und Fischer, die Bäcker, die Metzger, die Häfner, die Leineweber und die Schäfer, an der Spitze 20 Mann Miliz mit dem Zentgrafen, dem Amtsschreiber und den Schöffen des Stein­heimer Landgerichts nach dem eine halbe Stunde entfernten Galgen.

Als die Zünfte sich auf der Erhöhung hinter dem Galgen aufgestellt hatten, trat der Zentgraf vor und gab mit einem Beil den ersten Schlag auf den neuen eichenen Galgenbalken im Namen des Kurfürsten von Mainz, den zweiten Schlag im Namen des Domkapitels und den dritten im Namen der kurfürstlichen Gerichtsräte. Dann folgten die zwölf Schöffen des Amts und der Zent Steinheim und führten den Beilhieb im Namen des Oberamtmanns, im Namen des Amtskellers und sämtlicher Schöffen. Nach diesen schlugen die Meister sämtlicher Zünfte den Balken an. Diese feierliche Handlung wurde auch mit einem Hammer in derselben Reihen­folge an den beiden steinernen Säulen vollzogen. Darauf zogen die Zünfte zu einem Umtrunk nach dem Stadtwirtshaus, während eigens dazu bestimmte Handwerksleute zurückblieben und den Holzbalken auf den beiden Steinsäulen befestigten.

Am 19. September 1734 fand die feierliche Verurteilung im Rat­haus auf dem Marktplatz statt. Sämtliche Zünfte aus dem Amte waren zu der feierlichen Gerichtsverhandlung entboten worden. Im unteren Raum des Rathauses saßen der Amtsschreiber und die Schöffen: Johann Hamann, Daniel Bauer und Henne Wagner von Obersteinheim, Peter Vollert von Niedersteinheim, Peter Spahn von Dietesheim, Jörg Vetter von Mühlheim, Marzellin Kaiser von Bieber, Endres Roth von Lämmer­spiel, Kaspar Sattler von Rembrücken, Philipp Ricker von Weißkirchen, Peter Wenzel von Hainstadt und Niklas Bauer von Klein‑Auheim. Die Zünfte hatten sich mit Fahnen und Abzeichen ihres Gewerbes vor dem Rathaus aufgestellt. Vor dem schwarz verhängten Richtertisch, auf dem ein Kruzifix stand und ein Stab lag, stand der Angeklagte Clomann.

Der Zentgraf eröffnete das Gericht und fragte den ältesten Schöffen, ob es Zeit, Ort und Recht sei, das Gericht zu hegen. Als die Frage bejaht war, verlas der Amtsschreiber folgende sententia (Urteil): „In der Inquisitions‑Sachen (Klagesache) contra Johann Adam Clomann und Margaretha Willin wird auff die an Churfürstlich‑Maintzische weltliche Herrn Räthe von allhiesigem Ambt nach und nach erstatteten Berichte und beyge­schlossen gewesene proto­colle von dannen anhero ergangenen Befehl von Zent­graffen und Schöpffen des hieselbstigen Churfürstlichen Land‑ und Zentgerichts hiemit zu recht erkandt, daß erwehnter Adam Clomann, weillenn er nach langem hartnäckigenn Leugnen endlich eingestanden hat, wie er in Anno 1732 wehrender damaliger Frankfurter Herbst‑Meß‑Zeit mit beyhillff eines sicheren fremden Purschens Nahmens Lorenz von Gießen, ohnweit Sachsenhausen vor dem soge­nannten Affentor, einen Coffre von einer von Darmstadt nacher Frankfurt ge­kommenen Chaise abgeschnitten und das darinn gefundene Geld ad 1137 Gulden nebst anderen Effecten und Kleidungen mit der coninquisitorischen (mitange­klagten) Margaretha Willin und berührten Lorenz getheilet habe. Daß diesem also sey, sich bey der von den Kauffmann Nahmens Mändel von Mannheim wegenn des in dem Coffre befindlich gewesenen bahren Geldes und effecten Übergebenenn und in Gegenwart der Inquisiten beschwohrenenn Specification geäußert hat. Annebens dieser Clomann ohnangesehenenn der zum zweytenmahl ex capite funti vorher empfangenen Correktion und verrichteter Schantzenarbeit sich annoch in drey unterschiedlichen Diebstahlen sich betretten lassen, folglich als ein incorrigibler und habitualer Dieb sich die Todes‑Straff zugezogen hat, ihn zu wohlverdienter Straff, andern aber zum abscheulichenn Exempel mit dem Strang vom Leben zum Tode zu bringen. Groß‑Steinheim, den 18. Septembris 1734. Der Zentgraf: von Reuß. Die Schöffen“. Die Schöffen und der Zentgraf hatten sich schon vor der Verlesung des Urteils erhoben. Nun ergriff der Zentgraf den Stab, der vor dem Kruzifix zwischen zwei brennenden Kerzen lag, zerbrach ihn, warf ihn dem Angeklagten vor die Füße und löschte die Kerzen aus.

Darauf wurde die Angeklagte Margaretha Will von dem Prangerstein vor dem Rathaus von dem Schergen gelöst und zu dem Angeklagten Clomann gebracht, denn „sie sollte eine halbe Stunde am Pranger stehen, darauf mit dem coninquisitorischen Adam Clomann, um die Todesstraff an ihm vollziehen zu sehen, an das hohe Gericht (den Galgen) hinausgeführt werden, diesem nach dreymahl umb selbigen mit Ruthen gestrichenn, und nach dessen Vorgang gebrandmarket, endlich der Mainzischen Lande für ewig verwiesenn werden“.

Die Angeklagte mußte jetzt einen Eid, die Urfehde, ablegen, nach dem sie ihre Strafe für gerecht ansah und sich dafür nie an der Landesherrschaft, an den Behörden, an den Schöffen oder an einem anderen Untertanen rächen und nie mehr die Mainzischen Lande betreten werde.

Vor dem Rathaus stellten sich die Zünfte auf. Der Scharfrichter und seine Schergen nahmen den Verurteilten in Empfang. Die Landmiliz be­gleitete die Verbrecher, die an Handschellen von dem Scharfrichter und seinen Gesellen geführt wurden. Dann folgten Zentgraf und Schöffen. Der Zug bewegte sich durch die Langgasse, an der Kirche vorbei, von deren Chortürm­chen das Armesünderglöckchen ertönte, durch das Obertor und Pfortenfeld auf dem Dietesheimer Weg nach dem Richtplatz. Dort starrten die beiden runden Säulen in die Höhe mit dem Querbalken, von dem ein Strick zur Erde herabhing. Pater Battoni, der Pfarrer von Stein­heim, betete kniend die Sterbegebete. Der Zentgraf gab das Zeichen, ein Trommelwirbel ertönte und der Scharfrichter waltete seines Amtes.

Nachdem der Verurteilte hochgezogen war, wurde seine Mitschuldige Margaretha Will in den Kreis um den Galgen geführt, der Rücken ent­blößt und von einem Schergen unter Rutenschlägen dreimal um den Galgen geführt. Dann wurde sie mit einem erhitzten Stempeleisen, welches das Kurmainzer Rad trug, gebrandmarkt. Während den Körper des gehängten Weg­diebs die letzten Zuckungen durchbebten, wurde die Gebrandmarkte vom Henker nach Steinheim an den Main geführt, wo sie übergesetzt und drüben am roten Stein auf Hanauer Gebiet freigelassen. Der Gehängte wurde auf dem Schindanger begraben. Jedes Zunft­mitglied erhielt im Stadtwirtshaus auf Kosten des Amtes Steinheim ein halbes Maß Wein und für einen Kreuzer Brot.

Vom Galgen fährt man ein kleines Stück weiter bis zu einem Querweg. Dort ein wenig rechts und dann gleich wieder links kommt man mit einigen Biegungen von Westen her zum Silbersee.

 

Silbersee:

Der See ist ein ehemaliger Steinbruch aus der Zeit, als in diesem Gebiet Basalt gebrochen und zu Pflasterstei­nen verarbeitet wurde. Der See reicht (anders als auf der Karte dargestellt) bis an den Weg heran. Der alte eiserne Förder­turm ist nicht mehr zu sehen. Aber im Wald links steht ein Steinturm, der wohl auch mit dem Steinbruch zusammenhängt. Über den Parkplatz kommt man zur Straße Steinheim-Lämmerspiel. Etwas rechts-links versetzt geht es auf der anderen Seite. Links sieht man am Ende der Wiese das Schild „Naturschutzgebiet“.

 

Rauhensee:

Um das breitblättrige Knabenkraut zu schützen, hat die Stadt Hanau nach lan­gen Verhandlungen eine 2000 Quadrat­meter große Wiese zwischen Steinheim und Lämmerspiel erworben. Die intensi­ve landwirtschaftliche Nutzung hat die Zierpflanze äußert rar werden lassen, auch wenn sie auch sonst noch in der Umgebung zu finden ist. Denn die Orchidee ge­deiht nur auf Feuchtwiesen, die erst spät im Jahr gemäht und nicht mit Kunstdün­ger behandelt werden dürfen. Entspre­chend wird das Areal an einen extensiv wirtschaftenden Landwirt verpachtet und nach naturschutzfachlichen Vorga­ben gepflegt. Auch der Naturschutzbund (Nabu) Steinheim, Eigentümer der be­nachbarten Flächen im Bereich des Naturschutzgebietes Rauhensee, kümmert sich um das Knabenkraut, das Mitte Mai in voller Blüte steht.

Ein Wegweiser zeigt rechts nach Lämmerspiel. Der Weg führt zunächst durch den Wald, dann neben der Straße her. Ein Stück vor Lämmerspiel steht auf der anderen Seite der Landstraße ein Feldkreuz. Hier biegt man rechts ab und kommt nach einem Links-Rechts-Knick zum

Naturschutzgebiet Mayengewann.

 

 

 

Naturschutzgebiet „Mayengewann“:

Im Mühlheimer Naturschutzgebiet „Mayengewann von Lämmerspiel“ östlich von Lämmer- spiel konnte durch die sukzessive Rodung einer standortfremden Hybridpappelgruppe und die Entfernung von Pappel-Jungwuchs die wertvolle, orchideenreiche Flachland-Mähwiese in ihrer Entwicklung befördert werden.

Die Gesamtfläche des Wiesen- und Waldgebiets in Größe von sieben Hektar genießt inzwischen als FFH-Gebiet europäischen Schutzstatus. Auch die umgebenden, lediglich unter allgemeinem Landschaftsschutz stehenden Wiesen im Osten von Lämmerspiel sind dank ihrer überwiegenden Mäh- und Weidenutzung sehr artenreich.

Der artenreich Eichen       -Ulmenwald ist umgeben von extensiv genutzten Flachlandwiesen, nämlich Feuchtwiesen, Magerrasen und Großseggenbeständen. ­Hier gibt es seltene Pflanzengesellschaften trockener bis frischer bzw. wechselfeuchter Standorte. Hier finden sich trau­bige Trespe, Fuchs-Segge, Breitblättriges Knabenkraut, gewöhnliche Natternzunge, Kleines Knabenkraut und Pfirsichblättriges Veilchen.

Die Naturschutzbehörde mit engagierten Naturschützern vor Ort konnte in einer erstmals in dieser Form im Kreis Offenbach praktizierten Unisiedlungsaktion die Teilpopulation einer seltenen Orchideenart vor der Zerstörung durch Baggertätigkeit gerettet werden. Die betroffenen Knabenkräuter wuchsen just inmitten des neuen Baugebietes an der Stauffenbergstraße, das sich inzwischen in der Erschließungsphase befindet.

Dazu kommt eine reichhaltige Insektenfauna mit seltenen Schmetterlingsarten, vor allem Ameisenbläulinge (Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Heller Wiesenknopf-Ameisen­bläuling). Seltene Tiere sind Springfrosch, Grasfrosch und Taufrosch sowie Neuntöter (Brutnachweis), Rotmilan und Grauspecht als Nahrungsgast

Die Pflegepläne sehen eine extensive Wiesennutzung vor, auch bei derzeitigen Brachflächen. Eichenwald und Obstbäume sollen erhalten bleiben, standortfremde Pappeln, Fichten und Kiefern entfernt werden.

Auf dem weiteren Weg kommt man an einem anderen Feldkreuz vorbei. Am Ende des Wegs geht es links auf einem geteerten Weg in die Kolpingstraße.

 

Lämmerspiel:

Der Name „Lämmerspiel“ erschien erstmals in der Schenkung eines Johannes und seiner Verwandten Antonia aus Meielsheim (eingegangener Ort in der Nähe Mühlheims) an das Kloster Pa­ters­hausen aus dem Jahr des Herrn 1289.  Dem Kloster wurde eine Meielsheimer „curia“ (ein Bauernhof) übertragen. Für die Lämmerspieler Geschichte interessant ist die Namensliste der Zeugen, denn darunter war Johannes „decanus de Lymmirsburo“ (Dekan von Lämmerspiel). Johannes war nicht nur Pfarrer von Lämmerspiel, er war eine bedeutende Persönlichkeit in der Region, denn im zehnten Jahrhundert übertrugen die Bischöfe den sogenannten Archi­diakonen räumlich begrenzte Zuständigkeitsbereiche, um eine wirksamere Ausübung der kirchlichen Gerichtsbarkeit zu erreichen. Unterhalb der Archidiakonate gabe s dann noch die Archipresbyteriate oder Landkapitel. Als weitere Schreibweisen des Ortsnamens sind u.a. überliefert Limmersbure, Lymmersbuhl, Limmerspüell. Um etwa 1750 wurde Lämmerspiel gebräuchlich. Die weit verbreitete Ableitung von spielenden Lämmern hat also mit dem Ortsnamen nichts zu tun.

Nach den vorhandenen Urkunden besaß Lämmerspiel nur eine einzige Mühle, die neben der Kirche lag. Soweit bekannt, war die Mühle immer im Besitz des Klosters Seligenstadt und in Erbpachten den jeweiligen Müller verliehen. Im Jahre 1490 erfolgte die früheste urkundliche Erwähnung in einem Rechnungsbuch der Seligenstädter Abtei. Die Mühle ist jedoch mit Sicherheit älter. Beim Mühlenprotokoll von 1755 wurde sie als reine Mahlmühle mit nur einem einzigen Mahlgang angegeben.

 

Im Jahre 1884 kaufte Nikolaus Karg, ein protestantischer Mühlenarzt, der bei Bedarf Mühleneinrichtungen reparierte, die Mühle. Um die Rentabilität des Betriebes zu erhöhen, wurde 1887 ein Bäckereibetrieb angegliedert und um 1900 nahm die Witwe von Nikolaus Karg noch einen Handel mit „Landesprodukten und denaturiertem Viehsalz“ auf. Das Anwesen wurde 1914 an die Katholische Kirche in Lämmerspiel verkauft. Nachdem es eine Zeitlang als Lagerraum gedient hatte, wurde das Gelände später teils für die Erweiterung des Kirchengebäudes, teils zur Errichtung von Bauten wie z.B. des Jugendzentrums der katholischen Pfarrgemeinde verwendet.

Wo die Kolpingstraße auf die Mühlheimer Straße trifft, geht es auf dem Radweg ein Stück nach rechts, dann aber gleich über die Straße in einen schmalen Weg, der zum Regenklärbecken führt (mit Schilfteil). Man folgt aber nicht dem Schild „Mühlenwanderweg“, weil dieses den südlichen Teil des Weges meint, sondern biegt noch vorher nach rechts ab auf den Mühlenwanderweg nach Mühlheim.

Durch den Wiesengrund geht es über die Ulmenstraße bis zur Müllerstraße. Hier fährt man nicht geradeaus in die Straße „An der Hildebrandsmühle“, sondern ein kurzes Stück nach links auf der Müllerstraße und noch vor der Brücke wieder nach rechts in den Hennigweg. Dort steht links der Gedenkstein für die Hildebrandsmühle.

 

Mühlenweg:

Mühlen sind das überkommene Wahrzeichen der Stadt. Schon der Name spricht für sich. An Rodau‑ und Bieberbach standen früher bis zu zehn Mühlen, die unter ihren adligen und klerikalen Grundherren über Jahrhunderte klapperten. Die Einführung der Kartoffel aber brachte die Mühlen in Bedrängnis.

Als dann noch die Dampfmühlen hinzukamen, hatte für die Mühlen an der Rodau zwischen 1890 und 1919 die letzte Stunde geschlagen. An die meisten Mühlen erinnern lediglich Gedenksteine auf ihrem einstigen Standort, einige sind in Teilen ihrer Bausubstanz noch in Wohngebäuden erhalten.

Die Hildebrandsmühle oder Weißkopfmühle wurde 1576 mit dem Namen „Holzmühle“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war der kurmainzischen Kellerei in Steinheim tributpflichtig. Im Jahre 1755 wurde das Anwesen beim Mühlenprotokoll als baufällig und die wirtschaftliche Lage als sehr schlecht angegeben. Den späteren Besitzer Peter Hillebrand fand man Anfang 1810 ertrunken unter dem Rodau-Eis, sein Erbe Martin Hillebrand starb 1830 als „Müller auf der Weißkopfmühle an Verstopfung“. Nicht zuletzt wegen der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse wechselten häufig die Mühlenbesitzer. Zwischen 1868 und 1896 investierte die Familie Schmidt viel in den Mühlenbetrieb, dennoch war ein Wertverfall unvermeidbar. Im Jahre 1896 wurde die gesamte Anlage von der Frima Eppstein aus Frankfurt-Niederrad aufgekauft und bis 1909 als Gerberei genutzt. Von der ursprünglichen Mühle ist heute nichts mehr vorhanden, lediglich der Straßenname „An der Hildebrandsmühle“ in dem heutigen Wohngebiet erinnert noch an sie.

Kurz vor demGedenkstein mündet die Bieber in die Rodau. Auch hier standen verschiedene Mühlen: Die Seipelsmühle ist erstmals 1574 erwähnt und stand an der Stelle der Wohnblocks. Auch die Rickertsmühle etwas weiter oberhalb ist heute Teil der Siedlung Markwald. Sie wurde 1709 erstmals erwähnt und 1780 neu gebaut. Ein Mühlstein trug die Jahreszahl 1582. Noch weiter oben ist die Käsmühl, die ihren Namen daher hat, daß zwei wandernde Handwerksburschen dort nur einen Käse erhielten und sich darüber lustig machten.

 

Nach Unterquerung der Lämmerspieler Straße und der Eisenbahnlinie fährt man nun nach links über die Rodau und rechts weiter, bis zur Friedensstraße. Links steht ein Gedenkstein für die Straßenmühle und ein Stück weiter ein Denkmal, das die Arbeit der Müllerburschen würdigt.

Jenseits der Friedensstraße geht es westlich der Rodau am Bürgerpark entlang.  Rechts sieht man die bekannte Gaststätte „Alte Wagnerei“. Nach der Überquerung der Rodaustraße wechselt man auf die östliche Seite der Rodau

Bald kommt man auch zur „Brückenmühle“, der einzigen Mühle im heutigen Ortszentrum, die Urzelle des Ortes. Die Mühle wurde 1576 erstmals urkundlich erwähnt als „des Schultheißen Mühl“. Mit „zwei Maltern drei Simmern Korn“ war die Brückenmühle abgabenpflichtig an die Kellerei Steinheim und damit dem Kurfürsten und Erzbischof von Mainz. Indirekt genannt wurde sie schon 1551 in einem speziellen Verzeichnis, das zur Eintreibung einer Sondersteuer aufgestellt wurde, um ein Reichsheer gegen die von Südosten vordringenden Türken finanzieren zu können.

Durch den Einbau eines Walzwerks konnte die Mühle überdauern. Im Gebäude sind alle technischen Stufen der Müllerei erhalten, vom „altdeutschen Mahlgang“ bis zum elektrischen „Walzstuhl“. Bis in die sechziger Jahre blieb das (elektrisch) betriebene Mahlwerk intakt. Das Wasserrad mit frisch erneuerten Holzschaufeln. ist das einzige erhaltene im Kreis Offenbach. Antonie Krebs, letzte Müllerin der Stadt, hat das Mühlrad von Fachleuten aus dem Erzgebirge nachbauen lassen. Seit 30 Jahren liegt auch diese Mühle brach. Sie ist aber die letzte noch funktionierende Mühle. Doch nur am „Mühlentag“ zu Pfingsten wird zu Schauzwecken Korn gemahlen, aber täglich (außer bei Frost) das Mühlrad in Bewegung gesetzt.

Man fährt schon an der Rampe zum Parkplatz hinunter und kommt in die Fußgängerzone. Dort fährt man weiter in Richtung Main, bis man auf die St. Priest-Straße trifft. Dort geht es weiter in nach rechts in Richtung Fähre, zu der man dan links abbiegt.

 

 

Mühlheim am Main

Die Wurzeln unserer Stadt reichen weit zurück. Bereits die Jäger der Altsteinzeit hinterließen Spuren ihrer Kultur in Dietesheim und Lämmerspiel. Gefunden wurden u.a. Abschlagstücke aus Chaldeon aus der Zeit um 50.000 vCh .Das 1985 eröffnete Stadtmuseum Mühlheim gehört dank seiner Konzeption, bei der das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz Pate stand, zu den modernsten Museen der Region. Auf rund 180 Quadratmeter Fläche zeigt es die Funde, die die 1966 von Günter Meyer gegründete vor- und frühgeschichtliche Arbeitsgruppe Mühlheim entdeckt und in ständigem Kontakt mit der Wissenschaft geborgen und restauriert hat. Die Funde umfassen einen Zeitraum von mehr als 50.000 Jahren - von der „Werkzeugfabrik“ der Neandertaler bis zum Römischen Imperium - mit Schwerpunkt Ältere und Jüngere Bronzezeit.

Die Radnadeln hielten einstmals das Gewand einer wohlhabenden Dame im Schulter- und Brustbereich zusammen. Die Herstellung dieses Bronzeschmucks, der am Stück gegossen wurde, setzt metallurgische Spezialkenntnisse und andere Berufszweige wie Metall-Bergbau, Metallhandel und Kohlenbrennerei voraus. Diese Schmuckstücke dürften zu ihrer Zeit so kostbar gewesen sein, dass sich nur wenige ein solches Stück leisten konnten.

 

Die Jüngere Bronzezeit oder Urnenfelderkultur

Der Name stammt von der Sitte dieser Menschen, ihre Toten zu verbrennen und die Asche in teilweise sehr großen Tongefäßen auf regelrechten Friedhöfen beizusetzen. Die Produktion so großer Stücke setzte umfangreiches Fachwissen voraus. Daraus lässt sich auf berufliche Spezialisierungen und fortgeschrittene Arbeitsteilung in dieser Kultur schließen.

Die Entwicklung von der Bauern-, Arbeiter- und Industriegemeinde zu unserer heutigen Stadt im europäischen Wirtschaftszentrum, der Metropolregion Frankfurt Rhein-Main, hat auch etwas mit der günstigen geographischen Lage der Stadt zu tun. So führten wichtige Versorgungs- und Handelswege durch Mühlheim.

Zu Zeiten der römischen Besatzung war das die römische Heerstraße von Frankfurt-Heddern­heim nach Steinheim und Seligenstadt. Vermutet wird, dass die fruchtbare Mainaue auf beiden Seiten der Rodaumündung von den Römern bis in das dritte Jahrhundert systematisch landwirtschaftlich genutzt wurde. Im Mittelalter verlief eine der großen Kauffahrtstraßen von Augsburg und Nürnberg in die Messestadt Frankfurt über Mühlheim.

Doch erst die Mühlen machten die Stadt zu einer florierenden Ansiedlung. Am Höhepunkt dieser Entwicklung gab es zehn Mühlen an Rodau und Bieber. Die Brückenmühle, die einzige noch funktionierende Mühle der Stadt, liegt unmittelbar südlich der Rodaubrücke. Schon in den Kirchenbüchern des 18. Jahrhunderts heißt sie „molendinum supra pontem“ - die Mühle oberhalb der Brücke. Der mündlichen Überlieferung nach wurde sie um 1545 erbaut, doch erfolgte ihre früheste urkundliche Erwähnung erst 1576 als „des Schultheißen Mühl“. Mit „zwei Maltern drei Simmern Korn“ war die Brückenmühle abgabenpflichtig an die Kellerei Steinheim und damit dem Kurfürsten und Erzbischof von Mainz. Indirekt genannt wurde sie schon 1551 in einem speziellen Verzeichnis, das zur Eintreibung einer Sondersteuer aufgestellt wurde, um ein Reichsheer gegen die von Südosten vordringenden Türken finanzieren zu können.

 

Ortskern:

Sankt Markus - ein Wahrzeichen Mühlheims:

In der Schenkungsurkunde Kaiser Ludwigs an seinen Verwalter und Biographen Einhard aus dem Jahre 815 wird noch nicht von einer Kirche in Mühlheim gesprochen. Die erste steinerne Kirche stammt wohl aus dem Jahre 1239, erwähnt wird sie 1356, von ihr steht noch der Turm. Die heutige Kirche wurde  1876 erbaut. und durch einen modernen Bau erweitert. Sie hat zwei Nebenkapellen und noch einige alte Schnitzfiguren. Das Äußere wie das Innere der Kirche wurden mehrfach verändert, zuletzt 2001, um sie den Platzbedürfnissen der Gemeinde und liturgischen Verhältnissen anzupassen.

 

Abtshof:

Nur wenige Schritte von der St. Markuskirche entfernt stehen westlich in der Pfarrgasse Nr. 10 und 12 zwei sorgfältig renovierte Fachwerkhäuser, die zum ältesten Baubestand der Stadt gehören, heute Gasthaus „Alt Mühlheim“. Die beiden Gebäude gehörten der Benediktinerabtei Seligenstadt und bildeten den sogenannten Fron- oder Abtshof, mitunter auch Klosterhof genannt. Von diesem Hof aus kontrollierten die Hofschultheißen jahrhundertelang die Bewirtschaftung der klösterlichen Ländereien in Mühlheim und der näheren Umgebung. An dem kleinen Haus mit den vorgestellten Säulen an der Ostseite des Platzes ist eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus und an die frühere Synagoge in der Friedrichstraße (Verlängerung der Marktstraße nach Süden).

 

Museum:

An der Einmündung der Marktstraße in die Dietesheimer Straße steht das Alte Rathaus am Markt. Es wurde 1786 als Gasthaus „Zum Goldenen Engel“ erstellt, zu Schule und Rathaus umfunktioniert. Nach grundlegenden Umbauten wurde es zum Museum für kunst- und kulturgeschichtliche Ausgrabungsstücke aus dem Mühlheimer Raum, einem der wichtigsten spätpaläolithischen Fundstätten Mitteleuropas. Das Mühlenmuseum wurde allerdings nach kurzem Dasein eingemottet.

Seitdem ein Mainfischer 1909 unverhofft ein schwarzes Steinbeil an Land zog, war der Ehrgeiz kundiger Heimatforscher geweckt. Auf weitere mehr oder weniger zufällige Funde folgten mit Beginn der sechziger Jahre systematische Grabungen.

Die schon in den zwanziger Jahren geborgenen Steinreste von Faustkeilzurichtungen werden auf etwa 40 000 vCh datiert. Diese Artefakte stehen im Mittelpunkt der auch didaktisch und pädagogisch sehr gut gestalteten vorgeschichtlichen Abteilung im Stadtmuseum. Funktion und Zuordnung von Faustkeilen, Schabern, Schlagwerkzeugen oder Speerspitzen werden ausführlich erläutert. Große Bildtafeln veranschaulichen den Lebensstil der prähistorischen Kulturen, Pläne und Karten lokalisieren die Fundstellen, Tafeln ermöglichen die zeitliche Einordnung. An die große Auswahl von Werkzeugteilen aus der sogenannten Federmesserkultur reihen sich Funde aus der Jungsteinzeit, der Bronze- und Eisenzeit. Stein-, Baum-. Kisten-, Hocker- und Urnengräber werden in Illustrationen und durch ihre Grabbeigaben dargestellt – ausgezeichnet gelungen in einem gläsernen Schneewittchensarg.

Nicht zufällig machten die Jäger und Sammler im Mühlheimer Raum Station oder wurden, wie die sogenannten Bandkeramiker, ganz seßhaft. Hier fanden sie das begehrte Chalzedon­gestein, das sich sich gut bearbeiten läßt und messerscharf ist. Viele der steinzeitlichen Funde wurden um die höchste Erhebung der Gemarkung, den 130 Meter hohen Gailenberg, gemacht, der sich als Beobachtungsposten oder zum Fischfang eignete. Der Main war damals nicht nur ungleich breiter, sein Bett lag auch 30 Meter höher.

 

 

 

Geschichte:

Mühlheim am Main zählt heute gut 26.000 Einwohner. Meielsheim wurde 793, Mühlheim 815, Dietesheim 1013 und Lämmerspiel 1290 erstmals urkundlich erwähnt.

Schon im vorigen Jahrhundert profitierte Mühlheim von seiner Lage. In der Konkursmasse eines Adelsgeschlechts fanden sich die Dörfer um Mühlheim im Jahr 1425 wieder. Die schlechte Ertragslage kleinerer Grundherrschaften zwang auch die Herren von Eppstein, die einmal höchste Rechtsämter bekleidet hatten, Teile ihrer Besitzungen, so auch das gesamte Amt Steinheim mit Mühlheim, Dietesheim, Lämmerspiel und Meielsheim, an den kapitalkräftigeren Kurfürsten von Mainz zu verkaufen.

Meielsheim, bisher ein kleines Dorf südlich von Mühlheim, wurde ebenfalls in diesen Jahr-zehnten Opfer der allgemeinen Agrardepression. Es verschwand von der Landkarte und seine Bewohner zogen nach Mühlheim. Meielsheim  war  sozusagen Mühlheims erste Eingemeindung und dies schon im 15. Jahrhundert.

Elendszeiten besonderer Härte standen für Mühlheim am Übergang von agrarischer Wirtschaftsweise zur industriellen Fertigung. Mit dem Auftakt der Napoleonischen Kriege wurde Mühlheim aus seinem ländlich barocken Schlaf gerissen. Verschärfte „Großherzoglich Hessische“ Steuern, Gemeindeverschuldung,  Überbevölkerung, Arbeitslosigkeit, Kleinstgewerbe bestimmten das Bild in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neue und weiter verbreitete Formen der Armut werden zum Alltag, begrenzte Auswanderung ist die Folge. Mühlheims Lage zwischen den großen Städten ermöglichte es aber, daß diese Entwicklung schneller als andernorts  abgefangen  werden konnte.

Gründerzeitlich explodierten die Nachbarstädte Offenbach und Hanau nach 1870/71: Als unmittelbare Folge entwickelte sich in Mühlheim die Baumaterialförderung als auffälligster Wirtschaftszweig. Basaltförderung,  Zementsteinfabrikation, Kiesabbau und Ziegelei waren die Branchen, die sich durch Nachfrage der großen Städte ergaben. Damit war Mühlheim in der Lage, eine eigene wirtschaftliche Dynamik zu entwickeln, die Arbeitskräfte am Ort binden konnte. Nachgeordnete Dienstleistungen wie die Lohnwäscherei für Frankfurter Kunden blieben Nebenerscheinungen.

Auf dem Weg zur Stadt befand sich das noch immer dörflich geprägte Mühlheim, als es zum Standort großer Industriebetriebe wurde. 1880 eröffneten die Farbwerke A. Leonhardt die industrielle Phase Mühlheims, als deren Folge die Stadt zur überregionalen Arbeitsstätte und einem Ort mit wachsender Arbeiterbevölkerung wurde. Neben der chemischen Industrie: Farbwerk, Gummi-Werk, Kunstlederfabrikation und Gerbereien wurde es auch zum Standort der Metallindustrie.

Ein barsches Verwaltungsschriftstück aus nationalsozialistischer Feder machte 1939 die hessische Landgemeinde Mühlheim, durch unfreiwilligen Zusammenschluß mit Dietesheim, zur Stadt im Rechtssinne, nachdem die ökonomischen Voraussetzungen zur Verleihung der Stadtrechte bereits lange vorausgegangen  waren.  Mühlheim blieb damit selbständig und wurde nicht wie Bürgel, Rumpenheim und Bieber zu einem Stadtteil von Offenbach.

Nach der Wirtschaftswunderzeit, die dem Zweiten Weltkrieg folgte, wandelte sich die Wirtschaftsstruktur Mühlheims erneut. Die großen industriellen Arbeitgeber, die noch wesentlich den  wirtschaftlichen   Aufschwung getragen hatten, gaben ihren Industriestandort Mühlheim in den 70er Jahren auf (Stahl-Schanz, Dienes, „Poron“, „Pelzbude“, Basalt- und Kieswerke, Lederfabriken). Stattdessen wuchs eine breite Palette mittelständischer Betriebe. Die Sogwirkung von Offenbach, Frankfurt und Hanau blieb ebenfalls dominant, so daß der Anteil der Mühlheimer Bürger, die dort arbeiteten, wuchs. Die Stadt wurde 1977 als Folge der Gebietsreform um die Gemeinde Lämmerspiel erweitert.

Von der günstigen geographischen Lage profitieren die Stadt und ihre Einwohner nach wie vor in beeindruckender Weise. So konnten in Mühlheim auch Zeiten mit besonderen Härten am Übergang von der agrarischen Wirtschaftsweise zur industriellen Fertigung schneller als andernorts abgefangen werden. Geradezu explosionsartig entwickelte sich die Wirtschaft in den 1870er Jahren nach dem Bau der Eisenbahn 1871. Diese dynamische Wirtschaftsentwicklung setzte sich in Mühlheim nach dem II. Weltkrieg fort und hält bis heute an.

 

Mühlenwanderweg Mühlheim:

Unmittelbar neben dem Rathaus der Rodaustadt steht der Müllerborsch. Der steinerne Geselle weistauf längst vergangene Zeiten hin: Auf den Ursprung der Gemeinde Mühlheim am Main.

Die Ursprünge der Stadt am Main symbolisiert bis beute die letzte noch intakte Mühle: die Brückenmühle, deren beeindruckendes Mühlrad sich noch immer dreht. Die renovierte Mühle an der Rodau ist die letrte von einstmals zehn Mühlen, die an Main und Rodau klapperten und denen Mühlheim seinen Namen verdankt.

Der Name Mühlheim ist wie alle Orte auf „heim“ fränkischen Ursprungs und bedeutet etwa Ort der Mühle“. Die Urzelle des Ortes ware ein einzige Mühle, die wahrscjheinlich lange bevor mit der Lindenmühle 1352 die erste Mühle urkundlich erwähnt worden ist, an der Stelle der späteren Dorfmmühle im Zentrum des Ortskerns stand. Später standen in der Gemarkung Mühlheim an der Rodau und  dem Bieberbach bis zu neun Mühlen.Jedoch klapperten diese

neun Mühlen zur gleichen Zeit. Sie wurden bei Bedarf gebaut, liefen einige Müllergenerationen und verfielen wieder.

Dabei warm es überhaupt nicht einfach,eine Mühl ezu bauen, denn das war im Hoch- und Spätmittelalter juristisch an den Besitz von Land gebunden. Nur Grundherren, Also der Adel und der Klerus kamen als Erbauer In Frage. Es muss allerdings dazugesagt werden, dass die Grundherren auch die einzigen waren, die damals das erforderliche Kapital zum Bau und zur Unterhaltng einer Mühle aufbringen konnten.

Die Mühlen wurden zunächst gegen einen Pachtzins, der anfangs in Naturalien, später zunehmend in Geld entrichtet werden musste, auf Zeit verpachtet. Der Müller konnten die Mühlen weder vererben noch verkaufen. Für die Instandhaltung waren die Grundherren verantwortlich

Dieses Pachtverhältnis änderte sich Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Grundherren dazu übergingen,die Mühlen in Erbpacht zu vergeben. Nun konnten  die Müller die Mühlen tauschen, verererben oder veräußern, sofern die Obereigentümer, die weiterhin den Grund und Boden besaßen, ihr Einverständnis gaben. Diese neuen Rechte der Müller waren jedoch mit der Pflicht verbunden, die Mühlen selbst instand zu halten und auch die Kosten hierfür zu übernehmen. Offenbar war letzteres den Grundbesitzern, deren Rechte sich nun auf die Einnahme der jährlichen Pachtabgaben und eine Entscheidungsbefugnis bei eventuell auftretenden Streitigkeiten beschränkte, zu teuer geworden.

Die Pflicht zur selbststandigen Instandhaltung  war mit zwei neuen Anforderungen an das Müllerhandwerk verbunden.  Zum einen wurde es sinnvoll und möglich, längere Zeiträume in die wirtschaftliche Kalkulation  (Abschreibung von Investitionen, Vererbungsmöglichkeiten) mit einzubeziehen.

Der Wechsel zur Erbpacht am Übergang des Spätmittelalters zur Renaissance machte den Müller vom abhängigen Pächter zum selbsständig kalkulierenden Unternehmer. Zudem ist zur Instandhaltung einer Mühle ein erhebliches Maße an technischem Verstand und handwerklichem Können erforderderlich. Auf die Müller dieser Zeit zurückblickend schreibt ein englischer Ingenieur 1861: „Das ganze mechanische Wissen des Landes fand in den Müllern seinen Mittelpunkt!“'

Die Pachtabgaben der Mühlheimer Mühlen waren am Ende des 16. Jahrhunderts im Vergleich zu anderen Gemeinden, die keine geistlichenHerren hatten, gering. Aus diesem Grund dürfte diese Zeit die wirtschaftliche Hochphase der Mühlheimer Müller gewesen sein.

Die Zeit der Blüte wurde durch den Dreißigjährigen Krieg unterbrochen, in dessen Verlauf die meisten Mühlen zerstört wurden und die meisten Müller abwanderten, vertrieben oder getötet wurden, sodass sich um 1650 nur noch eine ehemalige Müllerfamilie im Kirchenbuch findet. Die Grundbesitzer waren froh, daß Zugewanderte die zerstörten Mühlen wieder aufbauten und der Pachtzins wieder auflebte. Die wirtschaftlich besten Zeiten aber waren Ende des 17. Jahrhunderts endgültig vorbei.

Neben der zunehmenden Konkurrenz um 1720 kamen zu den sieben vorhandenen Mühlen zwei weitere hinzu. Es war vor allem die Auflösung der klassischen Dreifelderwirtschaft

im 18. Jahrhundert, die zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Müller beitrug. Die Mühlen verloren  den Anschluss an die technische Entwicklung ihrer Zeit. Um 1890 arbeiteten die meisten von ihnen noch genauso wie im Mittelalter.

Die schon seit Ausgang des 18. Jahrhunderts unter großem Kapitaleinsatz in den Städten errichteten Dampfmühlen mit Walzenmahlwerk waren den alten Wassermühlen mit scheibenförmigen Mühlsteinen hinsichtlich Leistung, Kapazität, Produktivität, Qualität des gemahlenen Mehls, Unabhängigkeit des Standortes und Unabhängigkeit von natürlichen Einflüssen (Hoch-, Niedrigwasser) schon weit überlegen.

Als Ende des 19. Jahrhunderts diese Mühlen durch die noch moderneren Mühlen mit Benzin- oder Elektromotoren abgelöst wurden, hatte auch die letzte Stunde der Mühlheimer Mühlen endgültig geschlagen. Zwischen 1890 und 1910 wurde eine nach der anderen stillgelegt. Nur die Brückenmühle erfuhr durch den Einbau eines Walzenmahlwerks und einer halbautomatischen Siebanlage 1910 eine technische Modernisierung, die sie den Ersten und Zweiten Weltkrieg überdauern ließ.

Von den Gebäuden der ehemals vorhandenen Mühlen, die im Folgenden kurz beschrieben

werden, sind heute nur noch die der vier unteren Rodaumühlen zu sehen.

 

Mainmühle:

Die Mainmühle war die jüngste aller Mühlen, und die erste, die wieder aufgegebe n wurde. Im Jahre 1717 erbaut, war die Mainmühle schon 1810 nicht mehr Im Mühlenverzeichnis enthalten. Möglicherweise ist sie einem der zahlreichen Hochwasser im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts zum Opfer gefallen. Wahrscheinlich ist aber, daß sie wegen ihrer ungünstigen Lage (wegen des Hochwasserrückstaus aus dem Main konnte konnte fast den ganzen Winter nicht gemahlen werden) um 1780 aufgegeben und an den Unterlauf der Bieber verlegt wurde.

 

Kretzermühle:

Einen ersten urkundlichen Hinweis auf die Mühle findet man 1497. Man vermutet, dass sie ursprünglich nicht als Mahlmühle erbaut wurde, da sie im gesamten 18. Jahrhunderts in den Seligenstädter Klosterrechnungen als Schleifmühle geführt wird. Von 1638 bis 1842 war die Mühle im Besitz der Familie Zahn. Bereits 1719 war neben dem gewöhnlichen Mahlgang zum Kornmahlen auch eine Vorrichtung zum Schälen von Hirse vorhanden. Im Jahre  1842 ging die Mühle an Ferdinand Kretzer, dessen Bruder Paul die Mühleinrichtung zur Erzeugung von Farben benutzte. Im Jahre 1843 kam noch ein Ofen zum Branntweinbrennen hinzu, der aber zwischen 1879 und 1896 wieder aufgegeben wurde. Bereits 1907 war die Mühle außer Betrieb. Es war kein Mühlrad mehr vorhanden und der damalige Besitzer hatte sich eine kleine Wäscherei eingebaut.Dananch diente die Mühel nur nioch zu Wohnzwecken.

 

Lindenmühle:

Die Lindenmühle wird 1352 als erste Mühle von Mühlheim urkundlich erwähnt. Ab 1490 sind zahlreiche Pächter und Besitzer - meist Erbengemeinschaften - urkundlich belegt. Die Lindenmühle war 1867 die beste der Mühlheimer Mühlen, an die auch ein Bäckereibetrieb angegliedert war. Sie war mit zwei Wasserrädern, zwei Kanälen und Schleusen sowie einem Mühlbett mit zwei Gängen, Kammrädern und Kasten ausgestattet.

Aufgrund der allgemeinen technischen Fortentwicklung verlor sie ab 1876 immer mehr an Wert. Um 1890 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Im Jahre 1920 war die Mühle Bestandteil einer Schlosserei, in der die Wasserkraft zum Eisensägen benutzt wurde. Im Jahre 1924 wurde sie wegen des Baus des Rodaudammes stillgelegt. Die Obergeschosse blieben weiterhin als Wohnräume erhalten, die alten Wirtschaftsräume wurden staatliches Materiallager.

Im Jahre 1951 kam die Mühle wieder in Privathand und diente seither zu Wohn- und Gewerbezwecken. Die Stadt Mühlheim wurde 1986 Eigentümer und vergab das Anwesen 1988 in Erbpacht.

 

Dorfmühle:

Der Zeitpunkt ihrer Erbauung ist unbekannt, doch lässt ihre Lage im Dorfzentrum vermuten, dass sie wesentlich älter ist als ihre erste urkundliche Nennung 1490. Durch die ständigen Kriegszerstörungen und die großen Menschenverluste durch die Pest wurde von 1632 bis 1638 kein Getreide geerntet und die einzelnen Mühlen standen in hartem Konkurrenzkampf.

Dagegen war die Dorfmühle 1755 wiederum die einzige Mühle mit zwei Mahlgängen, was auf wirtschaftliche Erholung und einen hohen Beschäftigungsgrad hinweist. Ab 1881 erfolgte eine allmähliche Vergrößerung des Wohntraktes auf Kosten der Mühleneinrichtung. Im Jahre 1894 wurde die Mühle stillgelegt, später erfolgte der Umbau zum Wohnhaus.

 

Brückenmühle:

Die Mühle wurde 1576 erstmals urkundlich erwähnt als „des Schultheißen Mühl“. Mit „zwei Maltern drei Simmern Korn“ war die Brückenmühle abgabenpflichtig an die Kellerei Steinheim und damit dem Kurfürsten und Erzbischof von Mainz. Indirekt genannt wurde sie schon 1551 in einem speziellen Verzeichnis, das zur Eintreibung einer Sondersteuer aufgestellt wurde, um ein Reichsheer gegen die von Südosten vordringenden Türken finanzieren zu können.

Von 1687 bis 1855 befand sich die Mühle in Besitz der Familie Faller. Nach zwischenzeitlich wechselnden Inhabern wurde sie 1871 von der Familie Krebs erworben, die sie technisch modernisierte. So wurde eine eigene Anlage zum Trennen von Kleie vom Mehl und kurze Zeit später eine Vorrichtung, die das Getreide zwischen Metall-Walzengängen zerkleinerte und so einen wesentlichen höheren

Feinheitsgrad des Mehls ermöglichte, eingebaut. Durch Elevatoren, die Vorläufer der heutigen Fließbänder, wurde das geschrotete Getreide transportiert. Die Kapazität dieser Anlage war um ein Mehrfaches höher als die der alten Steinmahlgänge, so dass auch das nächtliche Aufstehen entfiel, um Getreide in den Trichter nachzuschütten. Die Mahleinrichtung ist noch in mahlfähigem Zustand enthalten. Außerdem gibt es noch einen Quetschstuhl für Hafer und einen Schrotgang für Futtergetreide, die auch heute noch genutzt werden. Die Brückenmühle steht unter Denkmalschutz.

 

Straßenmühle (Reutersmühle):

Der Erbauungszeitpunkt der Mühle und die damaligen Obereigentümer sind unbekannt. Vermutet wird eine Zugehörigkeit zum Stift St. Peter in Mainz. Auf einer kurmainzischen Landkarte von 1550 ist sie als einzige Mühle draußen auf dem freien Feld dargestellt. Wechselnde Besitzer und Leerstände ließen die Mühle verfallen, bis sie 1713 von Hans Völper (Felbert) von der Deutschherrnmühle in Frankfurt wieder aufgebaut wurde.

Im Jahre 1755 befand sich abermals alles in baufälligem Zustand. In den folgenden 50 Jahren wurde sie wieder aufgebaut und um eine Ölmühle ergänzt. Die Reutermühle war die am höchsten besteuerte Mühle dieser Zeit, bei der jedoch im ausgehenden 19. Jahrhundert ein deutlicher Wertfall zu beobachten war. Um 1900 war sie schon mehr eine Gastwirtschaft als ein Gewerbeunternehmen. Hinter der stark verfallenen Mühle lag ein Gärtchen, in dem sich alltäglich Mühlheimer Prominenz und auswärtige Gäste bei Handkäse und Bier trafen. Im Jahre 1907 war die Mühle außer Betrieb. Von den alten Mühlenbauten hat sich keine Spur erhalten. Sie befanden sich an der Stelle, an der heute die Gebäude der Schreinerei Noll stehen.

 

Hildebrandsmühle (Weißkopfmühle):

Die Mühle wurde 1576 mit dem Namen „Holzmühle“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war der kurmainzischen Kellerei in Steinheim tributpflichtig. Im Jahre 1755 wurde das Anwesen beim Mühlenprotokoll als baufällig und die wirtschaftliche Lage als sehr schlecht angegeben. Den späteren Besitzer Peter Hillebrand fand man Anfang 1810 ertrunken unter dem Rodau-Eis, sein Erbe Martin Hillebrand starb 1830 als „Müller auf der Weißkopfmühle an Verstopfung“.

Nicht zuletzt wegen der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse wechselten häufig die Mühlenbesitzer. Zwischen 1868 und 1896 investierte die Familie Schmidt viel in den Mühlenbetrieb, dennoch war ein Wertverfall unvermeidbar. Im Jahre 1896 wurde die gesamte Anlage von der Frima Eppstein aus Frankfurt-Niederrad aufgekauft und bis 1909 als Gerberei genutzt. Von der ursprünglichen Mühle ist heute nichts mehr vorhanden, lediglich der Straßenname „An der Hildebrandsmühle“ in dem heutigen Wohngebiet erinnert noch an sie.

 

Rickertsmühle (an der Bieber):

Im Jahre 1709 erbauten Christoph Kraus und seine Frau Appolina, geborene Würth, die Mühle, die auch Teufelsmühle genannt wurde und führten sie zusammen mit dem ebenfalls protestantischen Müllerehepaar Andreas und Sophie Bach. Als Lutheraner waren sie zu jener Zeit Außenseiter der Gesellschaft. Nach dem Tod der Witwe Kraus 1728 scheint die Mühle längere Zeit weder bewohnt noch in Betrieb gewesen zu sein, denn im Steinheimer Mühlenprotokoll von 1755 ist sie nicht aufgeführt. Im Jahre 1780 wurde eine neue Mühle errichtet, die bis 1838 im Besitz der Familie Rickert blieb. Im Jahre 1852 soll sie als Knochenmühle gedient haben, vielleicht wurde auch Leim hergestellt. Zwischen 1853 und 1856 brannte die Mühle ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Im August 1974 fand man bei Baggerarbeiten auf der Sohle des alten Biebermühlgrabens den

oberen Mühlstein aus dem Mahlwerk der Rickertsmühle mit der eingehauenen Jahreszahl 1582. Der ehemalige Standort der Mühle ist heute Bestandteil der Wohnsiedlung Markwald.

 

Seipelsmühle (an der Bieber):

Am 23.08.1574 erwarb Paulus Burkhardt die „Holzbrücker Mühle an der Bieber“, die 1576 im Salbuch des Amtes Steinheim die „Neue Mühl“ genannt wurde. Im 30jährigen Krieg wurde die Mühle stark zerstört und lag noch fast 20 Jahre nach Kriegsende brach. Im jahre 1755 wurde die Mühle beim Mühlenprotokoll als baufällig und die wirtschaftliche Lage als schlecht festgehalten. Im Jahre 1880 hatte sie sich wieder zu einem beachtlichen Anwesen mit zwei Mahlgängen und zwei Wasserrädern entwickelt. Wegen des großen Gefälles war die Mühle auch die einzige in Mühlheim, die einen oberschlächtigen Antrieb besaß.

Im Jahr 1884 übernahmen die Brüder Seelmann aus Offenbach die Mühle und ersetzten die alten Mühlräder durch eine Turbine. In den folgenden Jahren erfolgte ein zunehmender Umbau der alten Mühlenanlagen in Fabrikbetriebe verschiedener Sparten. Nachdem eine Hutfabrik, eine Schleiferei und eine Stockfabrik bestanden hatte, errichtete die Firma Mayer und Sohn aus Offenbach 1905 eine Gerberei. Wegen der mit dem Ersten Weltkrieg verbundenen Rezession wurde die Gerberei jedoch aufgegeben und das Gelände verpachtet, zuletzt an die Poronwerke, die 1968 abbrannten. Heute stehen Wohnhäuser an der Stelle, wo die Seipelsmühle stand.

 

Lämmerspieler Mühle (bei der Kirche):

Nach den vorhandenen Urkunden besaß Lämmerspiel nur eine einzige Mühle, die neben der Kirche lag. Soweit bekannt, war die Mühle immer im Besitz des Klosters Seligenstadt und in Erbpachten den jeweiligen Müller verliehen. Im Jahre 1490 erfolgte die früheste urkundliche Erwähnung in einem Rechnungsbuch der Seligenstädter Abtei. Die Mühle ist jedoch mit Sicherheit älter. Beim Mühlenprotokoll von 1755 wurde sie als reine Mahlmühle mit nur einem einzigen Mahlgang angegeben. Im Jahre 1884 kaufte Nikolaus Karg, ein protestantischer Mühlenarzt, der bei Bedarf Mühleneinrichtungen reparierte, die Mühle. Um die Rentabilität des Betriebes zu erhöhen, wurde 1887 ein Bäckereibetrieb angegliedert und um 1900 nahm die Witwe von Nikolaus Karg noch einen Handel mit „Landesprodukten und denaturiertem Viehsalz“ auf. Das Anwesen wurde 1914 an die Katholische Kirche in Lämmerspiel verkauft. Nachdem es eine Zeitlang als Lagerraum gedient hatte, wurde das Gelände später teils für die Erweiterung des Kirchengebäudes, teils zur Errichtung von Bauten wie z.B. des Jugendzentrums der katholischen Pfarrgemeinde verwendet.

 

 

 

Rundgang:

„Stadt der Mühlen“ nennt sich naheliegend Mühlheim. Bis zu zehn. wenn auch nicht gleichzeitig, klapperten über Jahrhunderte am rauschenden Rodaubach und seinem Nebenflüßchen der Bieber. Ein historischer Mühlenwanderweg führt quer durch die Stadt zu den einstigen Standorten. Die Mühlenromantik muß allerdings weitgehend in der Phantasie stattfinden – nur zwei, die Linden- und Brückenmühle haben überdauert.

Nach Überquerung des Mains kommt man über die Fährenstraße in die Ludwigstraße. Nach rechts biegt man dann ab in die Heinestraße. Man kommt über den Ludwigsplatz in die Uhlandstraße. Vor der Rodau fährt man nach links, über die Friedensstraße und links an der Post vorbei unter Eisenbahn und Lämmerspieler Straße hindurch.

Hier ist man schon auf dem ,,Mühlenwanderweg“. Mühlen sind das überkommene Wahrzeichen der Stadt. Schon der Name spricht für sich. An Rodau‑ und Bieberbach standen früher bis zu zehn Mühlen, die unter ihren adligen und klerikalen Grundherren über Jahrhunderte klapperten. Die Einführung der Kartoffel aber brachte die Mühlen in Bedrängnis. Als dann noch die Dampfmühlen hinzukamen, hatte für die Mühlen an der Rodau zwischen 1890 und 1919 die letzte Stunde geschlagen. An die meisten Mühlen erinnern lediglich Gedenksteine auf ihrem einstigen Standort, einige sind in Teilen ihrer Bausubstanz noch in Wohngebäuden erhalten.

Der befestigte Weg nimmt seinen Verlauf durch den lichten Wiesengrund. Vor den Hochhäusern fährt man erst bis zum Müllerweg, dann nach rechts über die Rodau und am anderen Ufer wieder ein Stück zurück bis zur Einmündung der Bieber und dann nach links in das Wiesental der Bieber.

Auch hier standen verschiedene Mühlen: Die Seipelsmühle ist erstmals 1574 erwähnt und stand an der Stelle der Wohnblocks. Auch die Rickertsmühle etwas weiter oberhalb ist heute Teil der Siedlung Markwald. Sie wurde 1709 erstmals erwähnt und 1780 neu gebaut., Ein Mühlstein trug die Jahreszahl 1582.

Der Weg entlang der Bieber trifft dann auf die Ulmenstraße. Dort fährt man ein Stück nach rechts und dann wieder nach links auf der anderen Seite der Bieber weiter. Allerdings nicht sehr weit, denn der Weg geradeaus verläuft sich im Wiesengelände. Man biegt nach rechts ab und fährt durch den Wald bis zum Bieberer Weg. Dort geht es links weiter bis zur Kastanienallee. Diese fährt man ein Stück nach links weiter und biegt dann gleich wieder nach links ab. Dieser Weg führt wieder zur Bieber.

Vorher macht man aber noch einen Abstecher nach rechts zur „Käsmühl“. Den Namen gab der Volkswitz, nachdem der Besitzer Adam Ball im Jahre 1763 zwei vorbeiziehenden Handwerksburschen einen Handkäs als Almosen gegeben hatte und die sich auf ihrem Weg nach Bieber allenthalben über die „Käsmühl“ lustig gemacht hatten. Das Mühlrad dreht sich schon lange nicht mehr in der Bieber. Aber die Ausflugsgaststätte ist wieder geöffnet.

Wieder zurück an der Bieber kreuzt man diese und fährt auf dem linken Weg weiter, auf der Häuser-Weg-Schneise. Am zweiten Weg (Wegweiser Mühlheim) geht es auf geteertem Weg nach links in die Neue Schneise und die Forsthausschneise. Am Ortsrand rechts liegt der Seerosenweiher, links das Ausflugslokal „Zum Forsthaus“, Forsthausstraße 67, ein  gutbürgerlichen Ausflugslokals. Es ist eine Familiengaststätte in dritter Generation, begonnen 1928 im tiefsten Markwald  neben dem Forsthaus. Wer verreiste damals schon? Man ging im Wald spazieren, trank sein Schöppche und vesperte in der Heckenwirtschaft. Man hat die Qual der Wahl aus einer reichhaltigen Speisekarte. Zusätzlich gibt es unter der Woche einen preiswerten Mittagstisch. Ein Schlachtessen wird am Donnerstag angeboten. Freitags werden Haxen gegrillt. Täglich sind selbstgebackene Kuchen und Torten zu haben. Öffnungszeiten: ab 11 Uhr, Dienstag Ruhetag.

Auf der Forsthausschneise geht es weiter bis zum Müllerweg (der Wegweiser Mühlenwanderweg zeigt nach links, aber diese Strecke kann man sich sparen, weil man auf dem Hinweg ja schon an der Bieber die Hinweisschilder auf die Mühlen gelesen hat). Man fährt wieder über die Rodau und biegt wieder auf den Weg östlich des Baches ein, den man schon auf dem Hinweg benutzt hat.

Kurz vor dem Kinderspielplatz erinnert ein Schild an die Hildebrands- oder Weißkopfmühle von 1576. Nach Unterquerung der Eisenbahnlinie fährt man nun nach links über die Rodau und rechts weiter zur Friedensstraße, wo links ein Denkmal steht, das die Arbeit der Müllerburschen würdigt.

Jenseits der Friedensstraße geht es westlich der Rodau am Bürgerpark entlang.  Rechts sieht man die bekannte Gaststätte „Alte Wagnerei“. Bald kommt man auch zur „Brückenmühle“, der einzigen Mühle im heutigen Ortszentrum, die Urzelle des Ortes. Schon im Jahre 815 wurde sie im Zusammenhang mit dem Kloster Seligenstadt erwähnt. Durch den Einbau eines Walzwerks konnte die Mühle überdauern. Antonie Krebs, letzte Müllerin der Stadt, hat das Mühlrad von Fachleuten aus dem Erzgebirge nachbauen lassen. Im Gebäude sind alle technischen Stufen der Müllerei erhalten, vom „altdeutschen Mahlgang“ bis zum elektrischen „Walzstuhl“. Bis in die sechziger Jahre blieb das (elektrisch) betriebene Mahlwerk intakt. Das Wasserrad mit frisch erneuerten Holzschaufeln. ist das einzige erhaltene im Kreis Offenbach. Seit 30 Jahren liegt auch diese Mühle brach. Sie ist aber die letzte noch funktionierende Mühle. Doch nur am „Mühlentag“ zu Pfingsten wird zu Schauzwecken Korn gemahlen, aber täglich (außer bei Frost) das Mühlrad in Bewegung gesetzt. An der Mühle geht es etwas nach rechts und dann wieder links durch die Bahnhofstraße. Ab der Dietesheimer Straße geht es nach links zum Museum an der Einmündung der Marktstraße.

 

Museum:

An der Einmündung der Marktstraße in die Dietesheimer Straße steht das Alte Rathaus am Markt. Es wurde 1786 als Gasthaus „Zum Goldenen Engel“ erstellt, zu Schule und Rathaus umfunktioniert. Nach grundlegenden Umbauten wurde es zum Museum für kunst- und kulturgeschichtliche Ausgrabungsstücke aus dem Mühlheimer Raum, einem der wichtigsten spätpaläolithischen Fundstätten Mitteleuropas. Das Mühlenmuseum wurde allerdings nach kurzem Dasein eingemottet.

Seitdem ein Mainfischer 1909 unverhofft ein schwarzes Steinbeil an Land zog, war der Ehrgeiz kundiger Heimatforscher geweckt. Auf weitere mehr oder weniger zufällige Funde folgten mit Beginn der sechziger Jahre systematische Grabungen.

Die schon in den zwanziger Jahren geborgenen Steinreste von Faustkeilzurichtungen werden auf etwa 40 000 vCh datiert. Diese Artefakte stehen im Mittelpunkt der auch didaktisch und pädagogisch sehr gut gestalteten vorgeschichtlichen Abteilung im Stadtmuseum. Funktion und Zuordnung von Faustkeilen, Schabern, Schlagwerkzeugen oder Speerspitzen werden ausführlich erläutert. Große Bildtafeln veranschaulichen den Lebensstil der prähistorischen Kulturen, Pläne und Karten lokalisieren die Fundstellen, Tafeln ermöglichen die zeitliche Einordnung. An die große Auswahl von Werkzeugteilen aus der sogenannten Federmesserkultur reihen sich Funde aus der Jungsteinzeit, der Bronze- und Eisenzeit. Stein-, Baum-. Kisten-, Hocker- und Urnengräber werden in Illustrationen und durch ihre Grabbeigaben dargestellt – ausgezeichnet gelungen in einem gläsernen Schneewittchensarg.

Nicht zufällig machten die Jäger und Sammler im Mühlheimer Raum Station oder wurden, wie die sogenannten Bandkeramiker, ganz seßhaft. Hier fanden sie das begehrte Chalzedon­gestein, das sich sich gut bearbeiten läßt und messerscharf ist. Viele der steinzeitlichen Funde wurden um die höchste Erhebung der Gemarkung, den 130 Meter hohen Gailenberg, gemacht, der sich als Beobachtungsposten oder zum Fischfang eignete. Der Main war damals nicht nur ungleich breiter, sein Bett lag auch 30 Meter höher.

 

Sankt Markus - ein Wahrzeichen Mühlheims:

In der Schenkungsurkunde Kaiser Ludwigs an seinen Verwalter und Biographen Einhard aus dem Jahre 815 wird noch nicht von einer Kirche in Mühlheim gesprochen. Die erste steinerne Kirche stammt wohl aus dem Jahre 1239, erwähnt wird sie 1356, von ihr steht noch der Turm. Die heutige Kirche wurde  1876 erbaut. und durch einen modernen Bau erweitert. Sie hat zwei Nebenkapellen und noch einige alte Schnitzfiguren. Das Äußere wie das Innere der Kirche wurden mehrfach verändert, zuletzt 2001, um sie den Platzbedürfnissen der Gemeinde und liturgischen Verhältnissen anzupassen.

 

Abtshof:

Nur wenige Schritte von der St. Markuskirche entfernt stehen westlich in der Pfarrgasse Nr. 10 und 12 zwei sorgfältig renovierte Fachwerkhäuser, die zum ältesten Baubestand der Stadt gehören, heute Gasthaus „Alt Mühlheim“. Die beiden Gebäude gehörten der Benediktinerabtei Seligenstadt und bildeten den sogenannten Fron- oder Abtshof, mitunter auch Klosterhof genannt. Von diesem Hof aus kontrollierten die Hofschultheißen jahrhundertelang die Bewirtschaftung der klösterlichen Ländereien in Mühlheim und der näheren Umgebung. An dem kleinen Haus mit den vorgestellten Säulen an der Ostseite des Platzes ist eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus und an die frühere Synagoge in der Friedrichstraße (Verlängerung der Marktstraße nach Süden).

 

Man geht wieder rechts an der Kirche vorbei und lins an der Rodau auf dem Mühlenwanderweg weiter. Dort stehen Hinweistafeln auf die Dorfmühle (1490), die Lindenmühle (1352)

(das Untergeschoß in Bruchstein, darüber Fachwerk, die einzige erhaltene Mühle neben der Brückenmühle), die Kretzermühle (die nur noch als Skizze vorhanden ist, aber sehr idyllisch gewesen sein muß) und am Ende des hohen Dammes die Mainmühle (1717), die wahrscheinlich von Hochwassern weggespült wurde und 1780 an den Unterlauf der Bieber verlegt wurde. Über den Mainuferweg geht es wieder nach rechts zur Fähre (Frankfurt I, Seite 40; Frankfurt II, Seite 30).

Man kann diesen Rundgang auch erweitern: Am Anfang durch einen Besuch der Steinbrüche und am Ende durch einen Besuch Rumpenheims.

 

Dietesheim verfügte über kein Fließwasser, das eine Mühle hätte treiben können. Daher verlegten sich die Dietesheimer auf die Mainfischerei neben der allgemeinen dörflichen Feldwirtschaft. Die Mainfischerei war ein Spezialgewerbe, das seit dem Mittelalter als Zunft organisiert ist.

Die Dietesheimer, liebevoll auch „Basaltköpp“ genannt, haben ihre Eingemeindung vom 1. April 1939 nie richtig verwunden und sind nach wie vor stolz auf ihre Eigenständigkeit, die sich bis zum Jahr 1013 zurückverfolgen lässt. Damals wurde der Name Dietesheim zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als Heinrich II. seinen Besitz in Dietesheim mit dem Kloster Lorsch tauschteDie Pfarrkirche St. Sebastian ist in der Kirchstraße im Westen des Ortes (mit dem schlanken Turm). Älter ist die Kirche in der Untermainstraße mit der geschwungenen Haube. Eine dritte Kirche ist die  St. Wendelinus-Kapelle am Alten Friedhof. Sie wurde 1450 erstmals urkundlich erwähnt. Sie wurde immer wieder restauriert und zuletzt 1987 neu geweiht. Die Kapelle ist aus Basaltstein gebaut, ihr Vorbau ist aus Holz. Im Inneren befindet sich heute eine Statue des HI. Wendelinus. Der früher im Innern aufgestellte „Anna-Selbdritt-Altar“ steht heute in der Dietesheimer Pfarrkirche St. Sebastian..

 

Lämmerspiel:

Der Name Lämmerspiel erschien erstmals in der Schenkung eines Johannes und seiner Verwandten Antonia aus Meielsheim an das Kloster Patershausen aus dem Jahr des Herrn 1289  Dem Kloster wurde eine Meielsheimer „curia“ (ein Bauernhof) übertragen. Für die Lämmerspieler Geschichte interessant ist die Namensliste der Zeugen, denn darunter war Johannes „decanus de Lymmirsburo“ (Dekan von Lämmerspiel). Johannes war nicht nur Pfarrer von Lämmerspiel, er war eine bedeutende Persönlichkeit in der Region, denn im zehnten Jahrhundert übertrugen die Bischöfe den sogenannten Archidiakonen räumlich begrenzte Zuständigkeitsbereiche, um eine wirksamere Ausübung der kirchlichen Gerichtsbarkeit zu erreichen. Zwischen den Archidiakonaten und den Pfarreien hatte man im Bistum Mainz noch eine weitere Instanz geschaffen, die Archipresbyteriate oder Landkapitel. An der Spitze eines solchen Landkapitels stand der „decanus“ oder „archipresbyter“.

Als weitere Schreibweisen des Ortsnamens sind u.a. überliefert Limmersbure, Lymmersbuhl, Limmerspüell. Um etwa 1750 wurde Lämmerspiel gebräuchlich. Die weit verbreitete Ableitung von spielenden Lämmern hat also mit dem Ortsnamen nichts zu tun.

 

Naturschutzgebiet Mayengewann von Lämmerspiel:

Im Mühlheimer Naturschutzgebiet „Mayengewann von Lämmerspiel“ östlich von Lämmerspiel konnte durch die sukzessive Rodung einer standortfremden Hybridpappelgruppe und die Entfernung von Pappel-Jungwuchs die wertvolle, orchideenreiche Flachland-Mähwiese in ihrer Entwicklung gefördert werden.

Die Gesamtfläche des Wiesen- und Waldgebiets in Größe von sieben Hektar genießt inzwischen als FFH-Gebiet europäischen Schutzstatus. Auch die umgebenden, lediglich unter allgemeinem Landschaftsschutz stehenden Wiesen im Osten von Lämmerspiel sind dank ihrer überwiegend extensiven Mäh- und Weidenutzung sehr artenreich.

Der artenreiche Eichen-Ulmenwald ist umgeben von extensiv genutzten Flachland-Mähwiesen, nämlich Feuchtwiesen, Magerrasen und Großseggenbeständen.

Hier gibt es seltene Pflanzengesellschaften trockener bis frischer bzw.

wechselfeuchter Standorte. Hier finden sich traubige Trespe, Fuchs-Segge, Breitblättriges Knabenkraut, Gewöhnliche Natternzunge, Kleines Knabenkraut und Pfirsichblättriges Veilchen.

Naturschutzbehörde mit engagierten Naturschützern vor Ort konnte in einer erstmals in dieser Form im Kreis Offenbach praktizierten Umsiedlungsaktion die Teilpopulation einer seltenen Orchideenart vor der Zerstörung durch Baggertätigkeit gerettet werden. Die betroffenen Knabenkräuter wuchsen just inmitten des neuen Baugebietes an der Stauffenbergstraße, das sich inzwischen in der Erschließungsphase befindet.

Dazu kommt eine reichhaltige Insektenfauna mit seltenen Schmetterlingsarten, vor allem Ameisenbläulinge (Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Heller Wiesenknopf-Ameisen­bläuling). Seltene Tiere sind Springfrosch, Grasfrosch und Taufrosch sowie Neuntöter (Brutnachweis),  Rotmilan und Grauspecht als Nahrungsgast

Die Pflegepläne sehen eine extensive Wiesennutzung vor, auch bei derzeitigen Brachflächen. Eichenwald und Obstbäume sollen erhalten bleiben, standortfremde Pappeln, Fichten und Kiefern entfertn werden.

 

Wanderung:

Ausgangspunkt der Wanderung ist der S-Bahnhof Hanau-Steinheim. Vom Treppenabgang wendet man sich An den Günthergärten halb links, unterquert auf der B 43 die Gleise

und wechselt jenseits der Kreuzung auf die B 45 Richtung Dieburg. Man entdeckt das blaue M für den Mainwanderweg, das kurz dem Fußweg neben der Straße folgt, den Abstand im Freien auf einem Feldweg auch vergrößert, die Ausgangsrichtung aber beibehält. So erreicht man ein neues Wohnviertel, das seinen Abschluß in einem Industriegebiet hat. Hier ist das M etwas verblasst. Man orientiert sich an dem großen „Euro-Store”, läuft zwischen ihm und dem Gebäudekomplex „Wohnwelt 2000” hindurch und geht an dessen Ende rechts auf den Wald zu. Holzschilder weisen in das Erholungsgebiet Steinbrüche Mühlheim-Dietesheim ein. Inzwischen ist auch das wieder erblaute M zur Stelle und übernimmt die Führung durch Wald zu der Seenplatte. Ist man erst „An der Bruchgrenze” links eingebogen, wird sogleich ein erster Blick in die Tiefe freigegeben. Und wenig später überblickt man von einer Plattform die fjordartige Landschaft als Ganzes.

Das Gelände ist von acht Kilometern Wanderwegen durchzogen, die immer wieder neue Aus- und Einblicke eröffnen. Unser M führt bald in eine offenere, besonders reizvolle Passage entlang der südlichen Seenkette und zeichnet schwungvolle Wege nach. Einen letzten Richtungshinweis zum Gailenberg nehmen wir mit dem Zeichen nur bis zu einer rot-weißen Schranke wahr.

Als eine der ergiebigsten Fundstätten prähistorischer Stücke gilt das Untermaingebiet zwischen Mühlheim und Hanau-Steinheim. Was 1909 mit einem schwarzen Steinbeil begonnen hatte, das einem Fischer unverhofft ins Netz gegangen war, verdichtete sich durch systematische Grabungen zu einem 14.00 Jahre zurückreichenden Nachweis menschlicher Anwesenheit in der wildreichen und fruchtbaren Mainsenke. Im Stadtmuseum von Mühlheim sowie im Steinheimer Schloß können die prähistorischen Exponate -Faustkeile, Speerspitzen, Tongefäße, Grabbeigaben -besichtigt werden. Viele der steinzeitlichen Funde wurden um die höchste Erhebung Mühlheims, den 130 Meter hohen Gailenberg gemacht, der sich gut als Beobachtungsposten und zum Fischfang geeignet hatte. Der Main war damals nicht nur ungleich breiter, sein Bett lag auch 30 Meter höher.

Das Landschaftsbild, das sich dem Menschen heute im Basaltgebiet um den Gailenberg bietet, wirkt wie hinübergerettet aus ferner Zeit und ist doch nur wenige Jahre alt. Von 1860 an hatte man dem Gelände durch den Abbau des vulkanischen Gesteins tiefe Wunden gerissen. Vor über 20 Jahren wurden diese mit Millionenaufwand vom Umlandverband Frankfurt wieder geschlossen. Auf rund 150 Hektar rekultivierte man die Fläche und flutete die Steinbruchsohle zu einer ausgedehnten Seenplatte. Noch schneller als erhofft halfen dabei die Selbstheilungskräfte der Natur mit. Die Flora hat sich an den Steinbrüchen wie auch in den Flachwasserzonen prächtig entwickelt, die Fauna bereichern so sensible Tiere wie Eisvogel, Wanderfalken oder Fledermäuse. Von Wanderwegen und Aussichtspunkten läß sich das seit einigen Jahren unter Schutz stehende Naturidyll gut einsehen.

Wenn das M hier nach links weist, laufen wir geradeaus auf einen Pferdehof zu. Dort vorbei und den asphaltierten Weg rechts steuert man die große Sportanlage an, biegt abermals rechts auf den Fußweg ein und mit Erreichen der Querstraße Am Wingertsweg links. Am Rand des Sportfelds entlang, bietet sich bald im Sportheim Einkehrmöglichkeit. Unmittelbar dahinter geht es in die Untertunnelung von Schiene und Straße, die den Abgang zum Main ermöglicht.

Jenseits kurz rechts, links die Luisenstraße hinunter, die Hanauer Landstraße gequert, und am jenseitigen Häuserrand kommt man zum Treppenabgang über einen Wiesenpfad zum Uferweg. Rechts parallel zum weidengesäumten Fluß beginnt die zweite Wanderhälfte. Schleusenbetrieb, jenseitiges Ufer mit Schloß Philippsruhe und Kinzigmündung setzen weitere Akzente. Nach der Mainschleife hält man auf die Bogenbrücke zu. Kurz davor dreht man rechts ab auf die Häuser in der Weingartenstraße. Von ihr links in die Hadrianstraße, steht man nach wenigen Schritten am Aufgang zur S-Bahn (Rhein-Main, 173).

 

Steinbrüche Dietesheim:

Wenn man über die Dörnigheimer Schleuse kommt, fährt man erst ein Stück in Richtung Steinheim und dann im Rechtsbogen zur Bundesstraße. Dort ein Stück links und an der Fußgängerampel über die Straße in Richtung Erholungsgebiet. Die Straße führt unter der Bahn hindurch. Danach geht es nach links zum Erholungsgebiet. Am Vereinsheim Concordia geht es rechts zur ehemaligen Lederfabrik. Man fährt aber links weiter Richtung Grüner See. Hinter dem Anglerheim geht es rechts weiter auf den Rabenlohweg. Dieser führt westlich am Vogelsbergsee vorbei. Am Ende geht es links weiter. An einer Sitzgruppe kann man noch ein Stück weiter fahren und dann rechts auf die Ulrich-Schneise, auch wenn der Weg am Anfang nicht sehr gut ist. Man kann aber auch an der Sitzgruppe wieder zurückfahren, entweder auf dem breiten Weg oder immer nahe am Ufer entlang (dann muß man allerdings an einer Stelle über eine Treppe steil bergan steigen). Ziel ist auf jeden Fall die Brücke über den Canon.  Hinter dieser Brücke

geht es links ab und man kommt wieder auf den Rabenlohweg, auf dem man nach rechts abbiegt, damit man wieder zum Anglerheim kommt. Wenn man diese Rundfahrt andersherum machen will, muß man aufpassen, daß man auf dem Rabenlohweg hinter der „artificial family“ links auf den Spatzenweg abbiegt.

Vor 40.000 Jahren wohnten hier bereits Menschen in einer Siedlung, die als eine der ältesten in Hessen gilt. Geologisch betrachtet liegt das Erholungsgebiet in der Hanau‑Seligenstädter Senke. Es wird angenommen, daß die Basaltdecke des „Maintrapp“ vor 13,5 Millionen Jahren ‑ im Miozän ‑ entstanden ist. Hier, wo eine nordsüdlich verlaufende Verwerfung auf das sich senkende Hanauer Becken stieß, konnte Lava in zwei Schüben bis zur Erdoberfläche empor dringen. Da­zwischen liegt eine lehmige, fettige Trennschicht mit Kohle-Einlagerungen. Die beiden Lavaströme und die Trennschicht sind heute noch sehr gut zu erkennen: Die untere Basaltschicht setzt sich aus sechseckigen Säulen zusammen, während die obere aus Platten besteht. Darüber befindet sich eine Schicht aus verwittertem Basalt und Flußschotter des Mains.

Seit 1830  wurde hier Basalt abgebaut, Pflaster‑ und Schottersteine handgeschlagen über Generationen. Im Jahre 1865 ließ die Familie Krebs in der Hanau-Seligenstädter-Senke  erstmals Basalt mit der Hand abbauen und mit Loren zum Main transportieren. Der Name des Frankfurter Sees zeigt, daß neben Privatfirmen auch die Stadt Frankfurt sich in Dietesheim bediente.

Der Basaltabbau hat die Landschaft nachhaltig verändert, Dort, wo früher große, ruhige Wälder waren, entstanden Steinbrüche mit zum Teil gefährlich steil abfallenden Wanden. Die Wunden, die dabei im Erdreich entstanden, waren winzig im Vergleich den riesigen Löchern der maschinellen Ausbeutung von 20 Jahren. Um 1900 begann die industrielle Nutzung der Steinbrüche. Das Grundwasser leitete man mit Pumpen in den Main. Man ließ auch Schotter industriell anfertigen. Nachdem die Verwendung von Pflastersteinen aber immer mehr zurückging, wurde der Steinbruch 1982 stillgelegt. Die jahrelangen Detonationen hatten die Häuser der Anrainer gefährlich erschüttert und waren letztlich der Grund zum Aufgeben der Steinbrüche, obgleich die Basaltvorkommen nach vierstufigen Vulkanausbrüchen vor fünfzehn Millionen  Jahren unerschöpflich scheinen.

Bis 1982 konnten die Besucher auf der Sohle der Steinbrüche durch die abenteuerliche Landschaft mit ihren steil aufragenden, zerklüfteten Felswänden spazieren gehen. Nach der Beendigung des Basaltabbaus wurde das Grundwasser nicht mehr abgepumpt und es entstand eine große Wasserflache. Diese wild‑romantische Seenlandschaft zog mehr und mehr Badegäste an. Sie drängten sich an den wenigen flachen Uferzonen. Im Winter kamen Jugendliche zum Schlittschuhlaufen. Nachdem die Steinbrüche voll Wasser liefen, nahmen Angler die Ufer in Besitz. Dies gilt auch für die beiden Kiesseen im Norden des Erholungsgebietes, den Hansteinweiher und den Neuen See mit ihren dichten Schilfgürteln entlang der flachen Ufer.

 

Kletterer, Badende, Reiter und Spaziergänger beschädigten die Uferbereiche mit den seltenen Pflanzen, vernichteten die Anpflanzungen und verdrängten die Tiere, die hier neue Lebensräume gefunden hatten. Nach einem Ausflugstag blieben Müll und Unrat zurück, für den sich niemand verantwortlich fühlte. Einigen diente das Gebiet gar als Müllkippe: Sie entledigten sich ihres Autos im See oder luden ausgediente Möbel und Bauschutt ab. Um die Ansprüche der Erholungsuchenden im Rhein‑Main‑Ballungsraum mit den Schutzinteressen dieses einzigartigen Biotops in Einklang zu bringen, war eine ausgewogene Gestaltung des Gebietes notwendig.

Zusammen mit der Stadt Mühlheim hat der Umlandverband Frankfurt anschließend das Areal innerhalb von elf Jahren zu einem Erholungsgebiet ausgebaut. Die etwa 61 Hektar vom Basaltabbau in Anspruch genommene Fläche wurde mit insgesamt 120.000 neuen Bäumen, überwiegend Eichen und Buchen, aufgeforstet. Schon von Dietesheim her lockt eine Allee die Spaziergänger in das Erholungsgebiet; dazu wurden 98 Ahornbäume gepflanzt. Fast 7.000 vorwiegend stachelige Sträucher wie Schlehen, Wildrosen und Brombeeren sollen allzu neugierige Besucher davon abhalten, den sensiblen Naturbereichen zu nahe zu treten. Das gesamte das Gelände  mißt 150 Hektar, davon 25 Hektar Wasserfläche.

Es entstand ein attraktives Ausflugsziel. Neben einem Bereich am Eingang wurde auf einer Waldlichtung eine große Grillanlage mit Spielplatz und Toilettengebäude errichtet. Auch viele Mühlheimer Vereine feiern hier gerne ihre größeren Feste. Im Eingangsbereich befinden sich auch die Parkplätze, so daß das übrige Erholungsgebiet nicht durch Autos beeinträchtigt wird. Am Grünen See ist ein Gartenlokal. Auch die Gelände von Kleintier‑ und Hundezuchtvereinen befinden sich hier. Fünf Angelseen, die von den örtlichen Vereinen genutzt werden, schließen sich daran an.

Wegen der schmalen Uferbereiche und der gefährlichen Steilwände kann das Baden und das Bootfahren nicht gestaltet werden. Auch das Angeln ist nur an den kleineren Seen im Norden und im Westen des Gebietes möglich.

 

Felswände, teilweise zehn bis zwanzig Meter hoch, ragen aus dem klaren Wasser auf. Säulenbasalt, antiken Säulentrommeln gleich, rahmen den Vogelsberger See ein. Von seiner Krone und der Aussichtsplattform über dem Oberwaldsee erfaßt das Auge die Mainniederung ebenso wie Altkönig und Feldberg.

Im Zentrum des Erholungsgebietes liegen die beiden großen  Basaltseen. Vom Eingangsbereich im Nordwesten führt der rund 2,5 Kilometer lange Rundweg die Besucher um den Vogelsberger See. Mit dem Bau dieses Pfades, der sich an vielen Stellen an der Bruchkante entlang schlängelt und schöne Ausblicke auf die Seen gewahrt, wurden Schutzhütten und Rastplätze errichtet. Nur einmal führt die Strecke hinunter und verläuft auf einem Steg über eine Feuchtwechselzone, in der sich allerhand Kleingetier tummelt. Am Canyon, der den Vogelsberger See vom Oberwaldsee trennt, wurde der Rundweg mit einer rund 30 Meter langen Stahl-Brücke geschlossen.

Im Osten liegt der Oberwaldsee, der seiner natürlichen Entwicklung überlassen bleibt. Er wurde wegen seiner für die Region einmaligen Flora und Fauna 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Um die Tierwelt hier nicht zu stören, führen die Wege abseits des Sees durch den Wald. Nur an zwei Aussichtspunkten können interessierte Besucher die Besonderheit des Gebietes erleben, einmal einen von steilen Felswänden begrenzten, völlig geschlossen erscheinenden See und an der anderen Steile sich weit hinziehende enge Wasserläufe, die sich zu kleineren Seen erweitern.

Fünf neue Feuchtbiotope wurden angelegt. An den Ufern wurden vier Flachwasserbereiche geschaffen und als Röhrichtzonen mit Rohrkolben, Schilf und Schwertlilien bepflanzt. Zwei ökologisch eher bedeutungslose Wiesen wurden durch Abgraben in Feuchtwechselzonen umgewandelt. Über eine dieser Zonen führt der Rundweg, damit der Besucher von einem Steg aus die einmalige Fauna und Flora erleben kann.

 

Die Natur versucht mit Macht aufzuholen, seit die letzten Sprengungen 1981 verstummt sind.

Aufgelassene Steinbrüche stellen einen einmaligen Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar. Sogar an den nackten und steilen Basaltwänden mit wenig Verwitterungskrume setzt die Spontanvegetation ein. Dies gilt auch für die angrenzenden Steilhänge mit Trockenbereichen. Auf den Land‑Wasser-Wechselzonen konnten sich Pflanzengesellschaften entwickeln, wie das gefährdete Sumpfweidenröschen, die Sumpfsternmiere, der Roßkümmel und die weiße Seerose.

Flora und Fauna fühlten sich in den aufgelassenen Brüchen wohl. In den Klüften und Höhlen der Seilwände richteten sich Turmfalken und Fledermäuse häuslich ein. In überschwemmten Böden schlugen Sumpfweidenröschen, Sumpfsternmiere, der Roßkümmel sowie die weiße Seerose Wurzeln. Bunte Eisvögel flattern umher. Die flachen Uferbereiche sind Laichgebiete für Fische und Lebensraum für seltene Libellen und Wasservögel. In den feuchten Mulden im angrenzenden Wald fanden bedrohte Froscharten, Kröten öder Molche Unterschlupf. Von den Ufern sind vier sogenannte Flachwasserbereiche mit Röhricht, Rohrkolben, Schilf und Schwertlilien zu bewundern. Käfer und Insekten, wie  der selten gewordene Sandlaufkäfer und die Grabwespe, bevorzugen trockene Sandböden.

 

Nach dem Ausbau schlossen Umlandverband und Kommune ein Vertrag zur Unterhaltung des Refugium: Seither zahlen die Partner jeweils jährlich 30.000 Euro, um das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet, das Besucher aus der gesamten Region anzieht, in Schuß zu halten. Die Trägerschaft muß jetzt allerdings neu geregelt werden: Folge des Ballungsraumgesetzes, das den Planungsverband nur noch bis Ende 2002 als Mitbetreiber der überörtlichen Freizeiteinrichtung vorsieht. Als Geschäftsstelle des Rates der Region sei es deshalb die Pflicht des Planungsverbandes, Vorschläge für eine künftige Trägerschaft zu unterbreiten, erklärt Jens Scheller, Erster Beigeordneter des Verbandes.

Mühlheims Verwaltungschef Müller wäre bereit, auch allein die Trägerschaft für das Dietesheimer Naherholungsgebiet zu übernehmen. Ein Zweckverband erfordert doch einen hohen Verwaltungsaufwand. Seine Kollegen Seib (Obertshausen) und Müller (Hanau) präferieren dagegen eher die Integration in den Regionalpark. „Die Steinbrüche sind in der ganzen Region bekannt, da sollten sie auch in den Park eingegliedert und darüber finanziert werden“, sagt Seib.

 

 

Rumpenheim

 

Das Dorf Rumpenheim:

Schon im Jahre 770 besaß das Kloster Lorsch hier Güter und pflanzte Weinreben an. Das Dorf kam an die Herren von Münzenberg, die die Hanauer Dynasten mit Rumpenheim belohnten. Diese gaben den Ort an andere Rittergeschlechter, von denen eins den Namen „von Rumpenheim“ führte und aus der Wetterau kam. Petrus von Rumpenheim wird 1430 erwähnt. Das Dorf wurde 1622 von den Spaniern unter Spinola verbrannt. Im Jahre 1769 kaufte Landgraf Karl von Hessen-Cassel das Dorf. Rumpenheim war nach der Landseite hin von einem wehrhaften Mauerzug umgeben, durch den zwei Tore führten. Von der Ummauerung bestehen noch wenige Überreste. Nachd em Umbau des alten Hofguts zum Schloß wurde das Hofgut am Westrand des Ortes (Mainkurstraße, heute Eigentumswohnungen).

 

Übersicht:

 

   770

 Frühe Nennung eines Weingartens zu Rumpenheim im Lorscher Codex

14. Jahrh.

Eine Pfarrei am Ort wird genannt

1526

Konrad Demuth predigt lutherisch

1541

Reformation: Jakob Klein wird als evangelischer Pfarrer von den Fürsten von Hanau in  Rumpenheim eingesetzt

1596  

Die Grafschaft Hanau wird calvinistisch-reformiert (sog Zweite Reformation)

1639  

Im 30jährigen Krieg wird Rumpenheim von spanischen Truppen geplündert

1680

Errichtung eines Herrenhauses am Mainufer mit Garten durch Johann Georg Seiffert von Edelsheim (heutiger Mittelteil des Haupttrakts)

1736  

Das Gebiet von Rumpenheim fällt an die Landgrafen von Hessen-Kassel

1756 

bis 1761   

Bau der heutigen Schlosskirche als Rumpenheimer Pfarrkirche (das jetzige Kirchengebäude). Die mittelalterliche, vermutlich romanische Kirche war eingestürzt

1770  

Erste Erweiterung des Herrenhauses um zwei seitliche Anbauten durch Prinz Karl und Landgräfin Marie. Vergrößerung des Gartens

1787/88

Bau der Seitenflügel unter Landgraf Friedrich (ab 1803 Landgraf). Gleichzeitige Umgestaltung des Gartens in Anlehnung an englische Landschaftsgärten mit Staffagebauten

bis 1811  

Ausbau des Schlosses zur Dreiflügelanlage. Verlegung des Ortskerns nach Westen

1804/05

Bau der Ecktürme an der Mainfront, des Uhrturms und eines dritten Stockwerks an der Mainseite. Damit erhält das Schloss seine heutige Gestalt

1800/02

Bau des Mausoleums (Mittelteil)

1818

Lutherisch-calvinistische Union in Hanau (Kurfürstentum Hessen)

1837

bis 1864  

Schloß Rumpenheim ist Treffpunkt des europäischen Hochadels

 

1838

Schloßpark anstelle des Kirchhofes

1851 

Stiftung von Tauf-, Abendmahlsgeschirr und Voigt-Orgel durch die Fürstenhäuser, ab 1866 Teil des Großherzogtums Hessen

1858

Vergrößerung des Schlossparks auf die doppelte Fläche und Errichtung weiterer

Staffagebauten. Blütezeit von Schloss Rumpenheim. Regelmäßige Familientreffen und Besuche des europäischen Hochadels

1884

Erweiterung des Mausoleums um zwei seitliche Anbauten gemäß der heutigen

Erscheinungsform

 

 

1893

bis 1902 

Kaisertochter Margarethe mit Familie letzte Bewohnerin des Schlosses. Die landgräfliche Familie verlässt das Schloss und verlegt ihren Wohnsitz nach

Kronberg. Damit beginnt der Verfall der Gesamtanlage durch Leerstand und

mangelnde Pflege

1930

Katholische Hl-Geist-Kapelle eingeweiht

1942

Eingemeindung nach Offenbach a. M.

1943

Der Mittelbau wird durch Fliegerbomben stark beschädigt. Zunehmender Verfall und Vandalismus machen den Bau zur Ruine

1964  

Umbettung der Särge des fürstlichen Mausoleums in die Grablege am Chor

1964

Die Stadt Offenbach erwirbt Schloss, Park und Mausoleum und gestaltet den Park in der Folge als öffentliche Grünanlage mit einem einzigen Rundweg

1966/73

Pläne zum Abriss des Schlosses und zur Errichtung von Hochhäusern führen zur

Gründung der Bürgerinitiative Rumpenheim, die sich für die Erhaltung der denkmalgeschützten Anlage einsetzt

1985

Seitenflügel und Marstall werden in Privatinitiative zu Eigentumswohnungen

ausgebaut

1989

Die Stadtverordneten beschließen die Wiederherstellung des Parks gemäß dem

Jordan-Plan in Anlehnung an den historischen Landschftsgarten. Grundsatz-Entscheidung zum Wiederaufbau des Schloss-Mitteltrakts

1994

Jüngste Renovierung des Kirchenraums

2000

Vertragsabschluss mit einem privaten Investor zum denkmalgerechten

Aufbau des Mitteltrakts

2002/03

Fertigstellung des Mitteltrakts als private Wohnanlage

 

 

Schloß:

Rumpenheims Aufstieg zur zeitweiligen Residenz begann 1674 mit dem Landhaus des Hanauer Kammerpräsidenten Georg Seiffert von Edelsheim. Wahrscheinlich besaß bereits dieser 1680 auf hochwassersicherem Gelände erbaute Sommersitz einen Garten, der sich auf der Ostseite an das Herrenhaus anschloß. Es war Keimzelle der späteren Residenz, die heute noch mit ihren Umfassungsmauern im „Corps de Logis“ (dem Mittelteil des Schlosses) erhalten ist. Bald kam der Besitz an Hanau zurück und fiel 1736 als Erbe an Hessen-Kassel.

 

Landgraf Friedrich I. (1747-1837) wurde durch seine acht an in- und ausländische Höfe verheirateten Kinder zum „Großvater Europas“. Doch nach dem Übertritt des Erbprinzen Friedrich II. zum katholischen Glauben trennte sich 1755 die Landgräfin Marie (eine geborene Prinzessin von Großbritannien und Tochter von König George II.) von diesem und nahm 1763 in Hanau ihren Wohnsitz, um dort die Regentschaft für ihren ältesten Sohn auszuüben.

Im Jahre 1768 erwarb ihr zweiter Sohn Carl die Edelheim’schen Güter in Rumpenheim und stellte sie seiner Mutter zur Verfügung. Die Landgräfin verbrachte ihre Sommermonate ab 1769 nicht mehr in Schloß Philippsruhe, sondern in den fürstlichen Gemäuern am südlichen Mainufer in Rumpenheim.

Karl und und seine Mutter Landgräfin Marie erweiterten 1770 das Herrenhaus um zwei seitliche Anbauten und vergößerten den Garten. Diese Anbauten kann man noch an der Mainfront erkennen, noch besser aber im Innenhof, wo noch zwei kleine Türme angedeutet sind. Von 1787 bis 1788 wurden zwei Seitenflügel direkt an das Schloß angebaut.

 

 

 

 

Von 1804 bis 1805 wurden die beiden erhöhten Ecktürme (Pavillons) an der Mainfront errichtet. Dazu der Uhrturm und ein drittes Stockwerks. Damit erhält das Schloss seine heutige Gestalt.  In Verbindung mit dem Uhrturm auf dem mittleren Hauptgebäude und der längs des Kranzgesims hinziehenden Attika verhelfen die Pavillons der im Ganzen schlichten dreigeschossigen Uferfassade zu einer gewissen architektonischen Wirkung.

Entsprechend der Herkunft der Landgräfin Maria erhielt der Rumpenheimer Sommersitz englische Gartenarchitekten. Im Jahre 1780 erhielt das Schlößchen zwei seitliche dreiachsige Anbauten und auf der Rückseite die für eine kleine Holhaltung notwendigen Ökonomie- und Nebengebäude sowie eine Vergrößerung und Verfeinerung des Parks mit verschiedenen Lustbauten. Der Garten wurde im anglo-chinoisen Stil umgestaltet, vielleicht auch erweitert und mit verschiedenen Staffagen ausgestattet.

Nach den Tod der Landgräfin 1772 verkaufte Carl Ende 1780 Rumpenheim an seinen jüngeren Bruder Friedrich, Begründer der nicht-regierenden Seitenlinie Hessen-Rumpenheim. Landgraf Friedrich baute das Schloß weiter aus. Er kaufte Bauernhöfe hinzu und umgab das Schloß mit einem großen Garten. Die 1756 erbaute Kirche kam dadurch in den Bereich des Schloßgartens.

Obwohl Friedrich bis 1794 als Gouverneur der Festung Maastricht in niederländischen Diensten stand, ließ er bereits im Januar 1781 Schloß und Garten zeichnerisch aufnehmen und eine Erweiterung planen. In kurzer Zeit wurden die beiden Seitenflügel angefügt und 1787 als Gelenk zwischen diesen und dem Mittelbau ein Pavillon eingepaßt und 1788 ein Uhrturm  aufgesetzt. Er ließ ein drittes Geschoß auf der Mainseite und das Mausoleum (in dem zeitweise ein Architekt wohnte) erbauen.

Gleichzeitig vergrößerte er den Garten beträchtlich nach Osten und Süden durch sukzessive Geländekäufe, wofür die ursprünglich dort befindlichen Hofreiten sowie das Pfarr- und Schulhaus des Dorfes Rumpenheim niedergelegt und weiter westlich neu errichtet werden mußten. Eine Gouache belegt das Aussehen des Schlosses um 1790, dessen Äußeres sich baulich später nur noch geringfügig mit der Aufstockung des mainseitigen Mansarddaches zu einen dritten Geschoß verändern sollte (Abb. 1).

Dagegen wurde der Garten immer wieder im Zeitgeschmack überformt. Nach dem Tod von Friedrich 1837 übernahmen es insbesondere seine beiden Söhne Georg und Friedrich, Rumpenheim weiter auszugestalten und die Gärten zu verschönern. Die Anlage einer Wasserleitung ermöglichte ab 1850 die Inbetriebnahme von Springbrunnen. Im Jahre 1857 konnte durch den Ankauf von 4 Hektar Gelände mainaufwärts die Gartenfläche nahezu verdoppelt werden.

Das Schloß wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Treffpunkt der Fürstlichkeiten aus aller Welt. Hier promenierten Kaiser Franz Joseph von Osterreich, die Könige von Sachsen, Bayern und Hannover anläßlich des Frankfurter Fürstentages 1863. Die Besucher kamen gerne, weil es in dem „Familienschloß“ auch familiär zuging. Die Verwandtschaft - die bis nach England und Dänemark reichte - kam gern nach Rumpenheim.

Der Abglanz der hessischen Landgrafen hat Rumpenheim einen „gewissen Wohlstand“ und viel Aufmerksamkeit verschafft. Etwa, wenn für die Hochzeit der Prinzessin Elisabeth mit dem Erbprinzen von Anhalt 1884 die Generalüberholung des ganzen Hauses anstand. Oder im gleichen Jahr zur Trauerfeier für Landgraf Friedrich Wilhelm. Im „Grünen Saal“ aufgebahrt unter der Ehrenwache seiner Offiziere, zwischen Kerzen, Ordenskissen, täglich mehr Blumen, schien das Defilee der Trauergäste nicht zu enden.

Großereignisse waren auch seit Landgraf Friedrich die „Familientage“ fürs Volks, begehrter Anlaß zur „Adelsschau“ und für die Geheimpolizei höchste Wachsamkeitsstufe. Von einem dieser Feste holten sich Griechen gleich ihren neuen König nach Athen, Friedrichs Enkel Wilhelm von Schleswig-Holstein-Glücksburg  (1863). Letzter monarchischer Besucher war Kaiser Wilhelm II. zum Geburtstag seiner hessisch verheirateten Schwester Margarethe (1898).

Die landgräfliche Familie bewohnte Rumpenheim regelmäßig bis 1902. Preußen hatte kein Interesse an der südmainischen Exklave und trat Rumpenheim an Hessen-Darmstadt ab. Der Ort wurde 1942 nach Offenbach eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg erhielt der Mittelteil des Schlosses im Jahre 1943 Bombentreffer und brannte aus und ist seitdem eine Ruine. Ist auch sein Schloß seit fast 100 Jahren verwaist hat es die kulturelle Ausstrahlung auf den Ort nicht eingebüßt. Im Jahre 1965 gingen Schloß und Park von der Kurhessischen Hausstiftung in den Besitz der Stadt Offenbach über, ohne daß allerdings Klarheit über die künftige Nutzung dieser ehemals feudalen Residenz bestanden hätte.

Immer noch ist die Sorge um seine Zukunft groß, seitdem es die Stadt als Besitzer an Pläneschmieder in Erbpacht gab, die es weiter brachliegen lassen. Obschon Schloß, Park und Kirche seit 1921 unter Denkmalschutz standen, begann sich in einem 1973 durchgeführten Wettbewerb abzuzeichnen, daß an ihrer Stelle Wohnhochhäuser die künftige Mainsilhouette bestimmen sollten. Nur durch die Gründung einer Bürgerinitiative und deren engagierten Einsatz über Jahre ließ sich der drohende Abbruch verhindern.

Seit 1985 sind die Seitenflügel des Schlosses sowie der ehemalige Marstall (westlich und parallel zu dem westlichen Seitenflügel)  zu Wohnungen ausgebaut worden, wobei im Äußeren der Zustand der Zeit um 1805 wiederhergestellt ist. Es scheint, daß der Wiederaufbau des Corps de Logis bevorsteht. Im Jahre 2004 wurden die Eigentumswohnungen im Mittelbau samt Uhrturm fertig. Bleibt noch die vielleicht sensibelste Aufgabe zu lösen: die Rettung von Garten und Park.

Das Rumpenheimer Schloß wurde im Zweiten Weltkrieg teilweise bis auf die Außenmauern zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die umgebende Idylle ist geblieben: ankernde Boote, unter den schattigen Weiden geduldig auf den Biß wartende Angler, plaudernde Alte auf den Bänken vor den ehemaligen Kutscher‑ und Dienerhäuschen, fröhliche Runden im „Schiffchen“ und spielende Kinder im verwilderten Park, den einst 32 Gärtner pflegten.

 

Das Gartenkunstwerk:

Die im 17. und 18. Jahrhundert an einen Sommersitz gestellten Ansprüche lassen vermuten, daß schon das 1680 in Rumpenheim  errichtete Landhaus einen Garten hatte. Die auf der Nordseite, zum Main hin gelegene Terrasse ließ sich dafür nutzen, ebenso wie der sich östlich anschließende Geländestreifen, der vom Schloß durch einen Graben getrennt und nur über eine Brücke zugänglich war. Solange allerdings genaue Unterlagen fehlen, ist man, was Größe und Aussehen dieses Gartens betrifft, auf Spekulationen angewiesen. Zweifellos war es eine formale Anlage nach französischem Vorbild, die sich vorzüglich auf flachem und nicht sehr ausgedehntem Gelände verwirklichen ließ.

Rumpenheim ist geradezu ein Lehrbeispiel dafür, wie ein Garten seit dem 18. Jahrhundert von seinen wechselnden Eigentümern verändert worden ist, aber dennoch immer darauf geachtet wurde, daß ältere Teile mit vielleicht wertvollem Gehölzbestand oder Erinnerungswert so integriert wurden, daß sie die insgesamt modernisierte Anlage bereicherten. Der älteste bis jetzt bekannte Plan, 1781 datiert (Abb. 2), Bestandsaufnahme und Planung zugleich, zeigt Gartenanlagen, die entsprechend ihrer Bestimmung und Lage zum Schloß unterschiedlich gestaltet sind. Trotz der geradezu schon fast manisch zu nennenden Schnörkelung und Mäandrierung der Wege im größten Teil des Lustgartens im Stil des späten Rokoko, schimmert durch das gesucht unregelmäßige Wegenetz ein früherer formaler Garten hindurch, dessen Spuren sich an einigen Achsen und Plätzen noch festmachen lassen.

Der Plan von 1781 stellt noch den Zustand der Zeit der Landgräfin Marie dar, die schon durch ihre Herkunft mit frühen englischen Landschaftsgärten vertraut war und gleichzeitig Einflüsse anderer hessischer Gärten, so vor allem den Park von Wilhelmshöhe bei Kassel im Zustand der Veränderung durch ihren Gemahl, den Landgrafen Friedrich, als Inspiration für Rumpenheim benutzen konnte. Der noch erhaltene Monopteros (links oben im Plan), eine typische  Staffage englischer Landschaftsgärten, ging auf sie zurück, worauf das kurhessisch-großbritannische Allianzwappen im Scheitel der Stuckkalotte hindeutet.

Ihrem Sohn Friedrich, der englische Landschaftsgärten aus eigener Anschauung kannte, gelang es, in seiner kleinen Residenz durch gezielte Geländearrondierungen  einen Garten zu schaffen, dem man zwar auf den Plänen (Abb. 3) die Entstehung in verschiedenen Abschnitten durchaus noch ansieht, dessen einzelne Teile jedoch so geschickt miteinander verklammert waren, daß sie sich dem zeitgenössischen Spaziergänger als großzügige Anlage mit einer Vielzahl unterschiedlich geladener Stimmungsträger präsentierten. Die in Hirschfelds „Theorie der Gartenkunst“ im 5. Band (1785, pp. 323/4) vorgebrachte Kritik an Rumpenheim, daß dort nämlich noch einiges zur Verbesserung des Gartens getan werden könnte - namentlich müßten die „noch übrigen alten Hecken“ niedergerissen und die „Verteilung des großen Gebüsches in schönere Gruppen bewerkstelligt werden“ - gilt gewiß nicht mehr für die Anlage Friedrichs.

Noch in ganz barocker Attitüde hatte er die seine Planungen störenden Dorfbauten niederlegen und die Bewohner durch neue Gehöfte an anderer Stelle entschädigen lassen. Selbst der Kirchhof mit seinen sentimental-pittoresken Grabsteinen war in die Gesamtgestaltung mit einbezogen. Der Bau eines Familienmausoleums, bald nach 1800, in unmittelbarer Nähe der Kirche mit passender Trauerbepflanzung aus Eiben, ist denn auch gekonnte Umsetzung von garten-theoretischem Gedankengut der Zeit. Zahlreiche Anekdoten belegen Friedrichs Interesse an Hortikultur und Botanik

Nachdem sich die politisch Verantwortlichen bewußt geworden waren, welches bedeutende Gartenkunstwerk endgültig zu verschwinden drohte, war der erste Schritt in die richtige Richtung die Beauftragung eines Landschaftsarchitekten mit der Bestandsaufnahme des Garten- und Naturdenkmals Rumpenheim. Erst jetzt und durch intensive Archivforschung wurde das ganze Ausmaß des Schadens sichtbar: die Gesamtkontur des Gartens war verwischt, seine Beziehungen zur ebenfalls als Kunst-Landschaft zu verstehenden Umgebung gestört, das für die Erlebniswirkung eines Landschaftsgartens unabdingbare differenzierte Wegenetz überwachsen und verschüttet, der Artenreichtum des Gehölzbestandes durch falsche oder unterlassene Pflege zurückgegangen, die Balance zwischen offenen, hellen Parkwiesenflächen und geschlossenem, dunklerem Waldhintergrund schon lange aus dem Gleichgewicht geraten und die meisten Staffagen entfernt, zerstört oder von Vegetation überwuchert.

Obwohl Übereinkunft insoweit erzielt werden konnte, daß oberstes Prinzip aller Bemühungen um Schloßgarten und -park das Bewahren des noch vorhandenen Bestandes sein muß und dessen neuerliches, schrittweises Einbinden in ein gestaltungs- und pflanzenartenreicheres Konzept (ein Plan um 1900 gibt hierzu verläßlich Auskunft, vgl. Abb. 5), werden sich noch an manchen Detailfragen Konflikte entzünden. Ein heutiger, der Öffentlichkeit zugänglicher Park wird grundsätzlich ganz anders benutzt und beansprucht, als dies in einer nicht öffentlichen und nur einem exklusiven Besucherkreis vorbehaltenen Anlage der Fall ist.

Im Park gibt es einen Tanzpavillon oder Theaterpavillon. Wo noch ein Haufen Steine liegt (nordöstlich der Kirche) war früher ein künstlicher Felsen, auf dem ein Vogelhaus stand. Das Mausoleum wird heute als Veranstaltungsstätte genutzt Die fürstlichen Gebeine hat man hinter der Kirche in einem Grab beigesetzt).

Da der Schloßpark eine von vielen Offenbacher Grünanlagen ist und vom städtischen Garten- und Friedhofsamt unterhalten wird, werden auch Vereinfachungen und Reduzierungen gegenüber dem Zustand um 1900 unumgänglich sein (In Rumpenheim waren in landgräflicher Zeit zwölf Gärtner tätig).

Erste Zeichen für eine Wende zum Besseren sind erkennbar: Im Innenhof des Schlosses ist das ovale Rasenbeet des frühen 19. Jahrhunderts wieder angelegt, die Bürgerinitiative Rumpenheim erhielt vom Landgrafen Brunneneinfassungen und die Monogrammvase (vgl. Abb. 4) zur Aufstellung im Park. An Plänen auf der Grundlage des dokumentierten historischen Bestandes wird gearbeitet.

Mit viel Eigenhilfe sind wenigstens die Schloßflügel und Nebenbauten als Wohnungen wiedererstanden und wohlgehegt. Vom Hessenbesitz blieb noch hinter der Kirche ein Fleckchen exterritorial, Grablege für 17 Landgrafen, Prinzen, Prinzessinnen. Daß deshalb der jetzige Hessenchef, Landgraf Moritz, sich manchmal mit Gärtnern für die Grabpflege blicken läßt, vermerken Rumpenheimer gern mit einem Anflug von Hochgefühl.

 

 

Kirche:          

Am 13. August 1756 legten die Rumpenheimer den Grundstein für ihre Evangelisch-Refor­mierte Rokoko-Kirche - aus eigener Kraft. Schon zu Luthers Zeiten, im Jahre 1526, hatten die Bewohner kirchliche Dinge selbst in die Hand genommen und gegen den Willen der Obrigkeit die Reformation eingeführt. Das alte Kirchengebäude war 230 Jahre später zu klein geworden. In der neuen Kirche von 1756 trafen sich durch die Jahrhunderte Bauersleute und Handwerker mit den Grafen aus dem Schloß und ihren königlich-kaiserlichen Gästen zu Predigt und Abendmahl.

 

Das Äußere: Der Rundgang beginnt außen am Chor der Kirche, der im Süden an der Parkmauer zur Schloßgartenstraße liegt. Dort ist die Grablege des Hauses Hessen-zu-Rumpenheim: Landgraf Friedrich erweiterte zwischen 1781 und 1811 das Schloß Rumpenheim. Bis 1964 standen die Särge im fürstlichen Mausoleum nördlich der Kirche.

Der Turm im Norden der Kirche gegenüber vom ehemaligen fürstlichen Mausoleum ist 32,10 Meter hoch. Die vier Glocken sind 1952 nach dem Krieg wieder eingeholt worden. Über der Eingangstüre im Turm ist das Wappen des Hauses Hanau angebracht. Darunter lautet die lateinische Inschrift:

„Unter der egierung Wilhelms VIII., des Fürsten von Hessen und Hanau, des frommen Vaters des Vaterlandes, ist dieses Haus, welches der Pflege der reineren Religion geweiht ist, im Jahre 1756 erbaut worden."

Die „reinere Religion“ bezeichnet die reformiert-calvinistische Linie der evangelischen Reformation gegenüber der lutherischen Konfession – eine innerprotestantische Polemik. Jean Calvin aus Genf vertrat eine sehr strenge Form des evangelischen Glaubens, bei dem kein Bilderschmuck zugelassen war. Ein am Wort orientierter Gottesdienst mit einer ausführlichen Predigt war typisch dafür. Heute gehört die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau einer Union von lutherischen und calvinistischen Gemeinden an.

Im Eingangsbereich der Turmhalle ist auf die Opfer der Weltkriege durch die Jahreszahlen 1914-18 und 1939-45 verwiesen. Über dem Zugang zum Kircheninnern steht die Jahreszahl der Grundsteinlegung 1756.

Das Kirchenschiff: Im Innern der Kirche fällt die helle und freundliche Farbgebung auf. Im Jahre 1994 wurde die ursprüngliche blaue Farbgebung wieder hergestellt. Jüngere Ausmalungen und Schriftzüge aus dem 20. Jahr-hundert wurden entfernt. In den sog. Pfarrständen im Chor saß der gewählte Kirchenvorstand. Früher gab es solche Verschläge für die unbeobachtete Teilnahme der Schloßbediensteten an beiden Wänden unter den Emporen. Unter der Orgelempore sind die Logen der Fürsten. Der Kronleuchter stammt aus

Der Altar: Unter der Kanzel liegt die Bibel auf einem Altartisch aus Holz. Die im Kirchenraum ungewöhnliche Nähe von Altar und Kanzel, die für den evangelischen Kirchenbau typisch ist, führte in der Kunstgeschichte zum Begriff des „Kanzelaltars“.

Der silberne Kruzifixus ist eine Stiftung des Landgrafen Alexander von Hessen aus dem Jahre 1889. Dazu gehört das silberne Abendmahlsgeschirr mit Kelch, Weinkanne und Brotschale. Es wurde 1851 von Prinz Georg von Hessen gestiftet, wie auch das silberne Taufgeschirr: zur Taufe wird eine Taufschale auf den Altar gestellt, dazu eine Wasserkanne.

 

Die Kanzel: Das Wort Gottes soll im Mittelpunkt der Versammlung der christlichen Gemeinde stehen. In der Schloßkirche wird das deutlich durch die gewaltige Kanzel, die alle Blicke auf sich zieht. Die Fensteröffnung hinter der Kanzel wurde noch in der Bauzeit zugemauert, als sich ein Stifter für den Schalldeckel gefunden hatte.

Das Innere der Schloßkirche ist ein typisches Beispiel für die Konzentration des Gottesdienstes auf die Predigt des Evangeliums im reformiert-calvinistischen Geiste der Reformation, in dem dieser Kirchenraum 1756/61 eingerichtet wurde.

Der einzige Kirchenschmuck ist an der Kanzel zu finden: auf dem Schalldeckel sitzt ein goldener Vogel, der seinen langen Hals zur Brust neigt. Es soll einen Pelikan darstellen: von diesem Vogel wird erzählt, daß er in der größten Not sich selbst mit dem Schnabel Verletzungen beibringt, um seine Jungen zu füttern - in der christlichen Kunst ein Symbol für das Selbstopfer Christi.

Unten an der kelchartigen Kanzel hängt eine geschnitzte Weinrebe: Sie verweist auf das Abendmahl in Brot und Wein, mit dem sich die Gemeinde Tod und Auferstehung Jesu vergegenwärtigt.

Die Paramente, die in den vier Gottesdienstfarben weiß, rot, violett und grün an der Kanzel als Antependien hängen, wurden in den 1990er Jahren von Herbert Aulich geschaffen.

Die Empore: Die erste Orgel wurde 1776 in die Schloßkirche gestellt, war aber nach etwa einem halben Jahrhundert unbespielbar geworden. Bei der Hochzeit mit der Enkelin des Landgrafen Friedrich von Hessen, Adelheid von Anhalt, stiftete 1851 der Herzog Adolph von Nassau, später Großherzog von Luxemburg, der Rumpenheimer Kirche eine Orgel.

Erst im Rahmen der jüngsten Orgelüberholung hat sich die Herkunft der Orgel geklärt: Der Orgelbauer hieß Friedrich Voigt aus Igstadt in Nassau. Die Orgel hat eine bewegte Geschichte: 50 Jahre nach der Stiftung wurde ein Register der Frankfurter Paulskirche in die Orgel eingebaut, 1917 mußten die wertvollen Prospektpfeifen für die Rüstungsindustrie abgegeben werden. Es ist geplant, die Zinnpfeifen zu restaurieren. 1955 wurde die Orgel völlig umgestaltet, was nicht zu sehen ist, aber zu hören war: aus einem dunklen Gesamtklang der Orgel wurden durch Umbau von zehn Registern ein heller, obertöniger Klang, der sich damals für die neu entdeckte barocke Orgelmusik eignete. Im Jahre 2003 wurde die Orgel nach gründlicher Erforschung ihres Innern in den vom Orgelbauer entworfenen ursprünglichen Klang zurückgeführt. Hinter der Orgel auf der Empore ist in der Decke eine Holzverschalung zu sehen. Die fünf Meter hohen Holzorgelpfeifen (Violonbass 16`) ragten bis 1955 in den Dachstuhl hinein.

Zum Jubiläum „250 Jahre Schloßkirche” erscheint ein Jubiläumswein. Der Kirchenvorstand hat die Reben im Rumpenheimer Weingarten selbst gelesen. Der örtliche Winzer hat den Rivaner im Holzfaß ausgebaut. Sie können ihn ab dem Osterfest zu den Jubiläumsfeierlichkeiten kaufen und genießen. Einmal im Monat und zu hohen christlichen Feiertagen wird der Jubiläumswein zur Heiligen Mahlfeier im Gottesdienst der Gemeinde gereicht.

Wer genau hinschaut, kann an der Kanzel der Schloßkirche eine geschnitzte Rebe entdecken. Urkundlich wurde ein Rumpenheimer Weingarten schon im Jahr 770 nach Christi Geburt erwähnt. Seit 1998 werden Müller-Thurgau-Reben aus Rumpenheim gekeltert und als Wein angeboten.

 

 

Weg von Rumpenheim nach Offenbach

 

Die Fähre:

Die Fähre, schon im Jahre 770 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch erwähnt und in nachfolgenden Besitzwechseln des Kammergutes Rumpenheim stets als obligat dazugehörig gefordert, gleitet noch heute hinüber und herüber, lautlos, um Autos, Fahrräder, Camper, Schüler, Angler, Sportler und Ausflügler überzusetzen. Die Fähre wird von Udo Dill als Familienbetrieb betrieben. Im Jahre 2008 waren die Gutachter des Wasser- und Schiffahrtsamtes Aschaffenburg vor Ort und haben die Neuerungen an seiner Fähre begutachtet. Alles ist in Ordnung, ab sofort durfte er wieder bis 2,60 Meter Wasserhöhe übersetzen - zuvor waren nur 2,10 Meter erlaubt.

„Wir haben die Seile und die Befestigung der Oberstrommastanlage verstärkt“, erklärt Dill. Zudem sei das Gierseil, das die Fähre mit dem Hochseil verbindet, von zwölf auf 16 Millimeter verstärkt worden. Udo Dill ist glücklich über diese Freigabe, bis 2,60 Meter Wasserhöhe fahren zu dürfen. Aufgrund der vorherigen Einschränkung auf 2,10 Meter musste er im Januar und Februar jeweils eine Woche den Fährbetrieb aussetzen, im März und April waren es ins­gesamt sogar acht Wochen. „Das war für uns absolut existenzbedrohend“, erklärt Dill.

Die Investition, um die Fähre für eine Wasserhöhe von 2,60 Meter zuzulassen, beläuft sich auf einen fünfstelligen Betrag. Dennoch ist Dill überzeugt, dass sich diese Investition gelohnt habe. Die nächste Prüfung steht erst wieder in sechs Jahren an. Die Stammkunden wird die Nachricht freuen, sie können wieder wie üblich einmal hin und einmal zurückfahren, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Für ein Auto ist ein Euro und 50 Cent für ein Rad zu zahlen.

Fußgänger 30 Cent.

Die Fähre, der Landgrafen „fliegende Brücke“, war immer wichtig für das Schloß, die ohne Gasthaus nicht denkbar ist. Das „Schiffchen“ steht hier seit dem 18. Jahrhundert, äußerlich sich treu geblieben, innen neuerdings fein geschniegelt, aber immer noch mit üppigen Portionen und den Offenbachern allein einen Spaziergang wert.

Unterhalb des Gasthauses geht es am Main entlang. Am Ende der Kleingärten geht es nach links und dann wieder rechts neben dem Damm entlang auf der Teerstraße bis zum Schultheisweiher, zu dem man nach links einbiegt.

 

 

Mainbogen Rumpenheim:

Die Firma Schultheis begann 1928 mit dem Kiesabbau im Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen. Durch die  Auskiesung entstanden mehrere Seen, die vom Grundwasser, gespeist wurden. In den 60er Jahren war, als der Kiesabbau aufgegeben wurde, der Schultheis‑Weiher viel größer als heute. Damals begann man, den See zu verfüllen. Im Jahre 1975 verhinderte dann die Stadt Offenbach durch einen Bebauungsplan, daß weiterhin Erdmassen in den See gekippt werden konnten und rettete so den Schultheis‑Weiher. Die Lkw‑Ladungen, die nicht mehr in den See geschüttet werden durften, waren die Grundlage für die Hügel am Nordufer des Sees.

Der ehemalige Baggersee „Schultheisweiher“ wurde rekultiviert,  um im Naturschutzgebiet Freizeitaktivitäten zu erlauben.

Die Natur und der Mensch ergreifen Besitz. Aufgelassene Kiesgruben sind kein Niemandsland: Auf Brachflächen setzt sofort Spontanvegetation ein. Seltene, extreme Standorte, wie Steilufer, Land‑Wasser‑Wechselzonen, Trockenbereiche, feuchte Mulden und Erdhügel, sind Lebensräume für spezielle Pflanzen und Tiere, die ‑ auf diese besonderen Lebensräume angewiesen ‑ in unserer Kulturlandschaft nur noch selten vorkommen oder gar vom Aussterben bedroht sind. Feuchte Mulden bieten Lebensraum für Kröten, Frösche und Molche. Diese wiederum sind eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Vogelarten. Auf Kiesbänken brüten Flußregenpfeifer, in Trockenzonen tummeln sich Käfer und Insekten. Im Schultheis‑Weiher konnten sich die Dreikantmuschel und die Große Teichmuschel besonders gut entwickeln. Von beiden ernähren sich verschiedene Wasservogelarten.

Aufgrund seiner geographischen Lage im Kreuzungspunkt zweier wichtiger Vogelzuglinien wurde der Schultheisweiher zu einem bedeutenden Rastplatz für nordeurasische Wasserzugvögel, die hier ihre Nahrung finden und ‑ je nach Art und Witterung ‑ eine kurze Rast auf dem Weg nach Süden einlegen, oder auch den ganzen Winter über bleiben. Immer wiederkehrende Gäste sind vor allem Entenarten, wie Reiher‑, Tafel‑, Löffel‑, Schell‑, Moor‑ und Pfeifenten, Taucherarten wie Hauben‑, Zwerg‑, Rothals‑, Schwarz‑ und Prachttaucher sowie Kormorane und Fischadler. Zu den Tierarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind, gehören der Fußuferläufer, der Steinschmätzer, das Braunkehlchen, die Beutelmeise, der Kiebitz, das Rebhuhn und der Fasan.

Schon in den 30er Jahren, also noch während des Kiesabbaus, kamen die ersten Badegäste zum Schultheis‑Weiher. Später nahmen Angler die Ufer in Besitz. Tauchsportler trainierten im See. Segler und Windsurfer drängten sich auf dem Wasser. Auf dem Gelände wurde gezeltet, gelagert und Feuer angezündet. Es entwickelten sich chaotische Zustände. Die Erholungssuchenden kümmerten sich wenig um die Besonderheiten der Natur. Meist ohne es zu wissen, zertrampelten sie wertvolle Pflanzen und störten oder verdrängten selten gewordene Tiere. Sie hinterließen Abfall und Müll. Und mancher entsorgte hier sogar sein Auto oder seine Couchgarnitur.

Der Umlandverband Frankfurt und die Stadt Offenbach am Main haben sich deshalb ab 1981 der Gestaltung und Herrichtung des Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen angenommen und ihn unter Wahrung seiner Funktionen für Klima, Natur‑ und Landschaftsschutz sowie der landwirtschaftlichen Nutzung zu einem relativ naturbelassenen Gebiet für die ruhige Erholung entwickelt.

Vor allem ging es dabei um die Reparatur eines Landschaftsschadens, die Rekultivierung des Sees im Zentrum des Erholungsgebiets. Der Kiesabbau hatte rechteckige, sich an dem Zuschnitt der Grundstücke orientierende Wasserflächen hinterlassen, mit steilen Ufern und kahlen Böschungen. Diese wurden wieder harmonisch in die Landschaft eingegliedert. Dazu waren Geländemodellierungen und gezielte Initialpflanzungen erforderlich. Die Maßnahmen wurden in einem bundesweiten ldeen‑ und Realisierungswettbewerb entwickelt.

Die Bauarbeiten begannen im September 1983. Insgesamt wurden 125.000 Kubikmeter Erde bewegt, 180.000 Bäume und Sträucher sowie 11.000 Wasserpflanzen gepflanzt. Im Sommer 1984 war der Sandstrand schon soweit hergerichtet, daß hier wieder gebadet werden konnte. Im Jahre 1985 stand dann auch die Badeterrasse bereit. Man hatte die Kaimauer, auf der früher der Ladekran lief, dazu umgebaut. Die Arbeiten an der Ufer‑ und Geländemodellierung an der südlichen Seeseite dauerten noch bis Frühjahr 1986. Im Sommer 1987 konnte dann der Badebetrieb offiziell beginnen, nachdem Sanitäranlagen errichtet und Informations‑ und Hinweistafeln aufgestellt waren.

Im Norden wurde etwa die Hälfte des Gebietes als Bereich abgegrenzt, in dem sich die Natur ungestört entwickeln kann. Er ist an Land durch Zäune und im See durch eine Bojenkette von dem übrigen Gelände getrennt und darf von den Besuchern nicht betreten werden.

Durch seine Lage im Kernbereich des Ballungsraumes zwischen den Städten Frankfurt am Main und Offenbach am Main ist der Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen mit seinem 115.000 Quadratmeter großen Badesee zu einem beliebten naturnahen Freizeitgebiet geworden. Das Baden ist nur vom 1. Mai bis zum 15. September gestattet. Surfen und Segeln konnten nicht erlaubt werden. Sandstrand und Liegewiese wurden so angelegt, daß die abgeflachten Ufer einen bequemen Zugang zum See gestatten und auch Kinder und Nichtschwimmer sich ins Wasser wagen können. Die alte Kaimauer der Kranbahn wurde zu einer attraktiven Badeterrasse umgebaut. Von hier aus hat man einen schönen Ausblick über die Landschaft und den See. Umkleidekabinen und Kiosk sucht man deshalb hier vergebens. Duschen und Toiletten sind aber selbstverständlich vorhanden.  Ein etwa zweieinhallb Kilometer langer Rundweg führt um den See, mal direkt am Seeufer entlang, dann durch Felder und Wiesen. Vom Hochwasserdamm hat man Einblick in das Naturschutzgebiet und eine schöne Aussicht über das weitläufige Mainvorland.

Fest angestellte Aufsichtskräfte und freiwillige Helfer von Vereinen und Verbänden helfen den Erholungssuchenden, diese „Spielregeln“ zu beachten. Zwar können Verstöße mit einem Bußgeld geahndet werden, doch ist dies in der Regel nicht erforderlich. Fast immer reichen Hinweise der Aufsicht aus.

 

Jüdischer Friedhof:

Auf dem jüdischen Friedhof in Bürgel wurden bereits im 17. Jahrhundert die Toten der jüdischen Gemeinden Bürgel, Offenbach und Mühlheim am Main beigesetzt. Der Friedhof wurde 1821 und 1842 erweitert und mit einer Mauer umgeben, die mit Hilfe einer Spende von Dr. Elsaß aus Kopenhagen, dessen Eltern aus Bürgel stammten, finanziert werden konnte. Der älteste Teil des Friedhofes wird der östliche Teil sein, in dem keine Grabsteine mehr erhalten sind. Von 1840 bis 1874 fanden etwa 130 Beerdigungen statt. Auch nach der Eingemeindung Bürgels nach Offenbach wurde der Friedhof weiterhin benutzt (mindestens bis 1938). Während des Zweiten Weltkrieges befand sich auf dem Friedhofsgelände eine Flakstellung. Möglicherweise wurden dadurch die älteren Gräber zerstört. Die Friedhofsfläche umfasst 26,59 Ar.

 

Bürgel: Jüdische Gemeinde

Auf dem Mittelweg fährt man dann weiter nach Bürgel. Im Ortsbreich bleibt man aber nicht auf dem Damm, sondern fährt auf der Teerstraße entlang der Häuser. Nach links blickt man in die Schifferstraße und hält an der nächsten Straße, der Bürgerstraße, weil hier einmal die Synagoge war. Sie stand links inder Straße (Hausnummer15) und ist heute ein Privathaus.

In Bürgel bestand bis 1938/40 eine zeitweise große jüdische Gemeinde. Erstmals werden Ende des 16. Jahrhunderts Juden am Ort genannt: In Bonn und Friedberg wird ein Rabbi Moses von Bürgel (R. Mose ben Jisai oder Josef Bürgel) genannt. Er soll 1575 in Bürgel geboren sein und nach 20-jährigem Wirken in Friedberg am 5. Oktober 1643 gestorben ist. Im Jahre 1603 wird die Bürgeler jüdische Gemeinde in einer Liste der damals erhobenen „Türkensteuer“ erstmals erwähnt.  

 Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die Zahl der jüdischen Familien am Ort zu (Mitte des 17. Jahrhunderts 10 Familien). Mitte des 18. Jahrhunderts gab es etwa 25 jüdische Familien am Ort.  Um 1800 waren es etwa 40 jüdische Familien und 1905 gab es 149 jüdische Einwohner. Zur jüdischen Gemeinde in Bürgel gehörten auch die in Mühlheim am Main und Dietesheim lebenden jüdischen Familien. Ab 1887 bildeten diese eine eigene Gemeinde mit Sitz in Mühlheim.   

Im Jahre 1933 lebten noch etwa 60 jüdische Personen in Bürgel (in etwa 15 Familien). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 haben weitere jüdische Personen den Ort verlassen. Im Jahr 1939 wurden noch 27 jüdische Einwohner gezählt. Von den letzten jüdischen Einwohnern wurden 1942 wurden drei jüdische Bewohner in das Ghetto Theresienstadt deportiert, neun weitere Personen in die Vernichtungslager nach Polen.   

 An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (1781 genannt) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schochet tätig war. Im Jahre 1837 wird als Lehrer in Bürgel Elias Birkenstein genannt (zuvor Lehrer in Battenberg und Battenfeld). In den Jahren vor 1895 war ein Lehrer Feuchtwanger am Ort. Letzter Lehrer der Gemeinde war von 1895 bis 1923 Abraham Weinberg. Er war Lehrer in Bürgel von 1895 bis 1923. Er ist 1863 in Allendorf a.d. Lumda geboren. Er unterrichtete auch an der Bürgeler Volksschule. Nach seiner Pensionierung 1923 verzog er nach Offenbach, von wo er mit seiner Frau 1942 deportiert wurde. Abraham Weinberg ist in Theresienstadt umgekommen. Seine Frau hat überlebt und wanderte nach 1945 in die USA aus, wo sie 1955 gestorben ist.  Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Offenbach am Main. 

Zur Geschichte der Synagoge: Zunächst war ein Betraum vorhanden, der sich in einer Stube im „Falltor“ (einem Torturm) der Ortsbefestigung befand (am östlichen Ende der Bürgerstraße noch jenseits des Bürgerplatzes).  Im Jahre 1824 wurde eine Synagoge in der Bürgerstraße (frühere Borngasse) erbaut und eingeweiht. Im Jahre 1856 wurde das Gebäude renoviert. Auch nach der Eingemeindung Bürgels nach Offenbach fanden in der Bürgeler Synagoge Gottesdienste statt. Im Jahre 1924 konnte das 100-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden. Die Synagoge hatte zuletzt 66 Plätze für Männer und 38 für Frauen.  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Das Gebäude wurde im Jahr 1939 zwangsweise verkauft. Den Kaufvertrag unterzeichneten der Kaufmann Leo Grünebaum und der Metzgermeister Salomon Reiß. Im Jahre 1943 wurde das Synagogen­gebäude durch eine Luftmine schwer beschädigt. Nach 1945 wurde das Gebäude zu einem privaten Wohnhaus umgebaut. 

Ursprünglich aus der Synagoge der Gemeinde stammt eine 1767 von dem damals in Bürgel lebenden jüdischen Ehepaar Leiser und Breinle Wimpfe der Gemeinde gestiftete Menora (siebenarmiger Leuchter). Sie ist aus Kupfer hergestellt und sehr kunstvoll gearbeitet. Im Jahre 1913 wurde sie von Dr. Siegfried Guggenheim (Offenbach, später Flushing, New York) erworben und in Amerika dem Jewish Museum in New York zur Verfügung gestellt. Dort erwarb sie David Ben Gurion, als er anlässlich seines Staatsbesuches in den USA ein geeignetes Geschenk für Präsident Truman suchte und ihm die Menorah am 8. Mai 1951 überreichte. Auch Präsident George W. Bush wurde bei einem Empfang zum Chanukka-Fest im Dezember 2008 die Menora aus Bürgel präsentiert und die erste Kerze wurde durch Professor Yariv Ben-Eliezer, einen Enkel von David Ben Gurion. entzündet. 

Unter den jüdischen Vereinen der Gemeinde ist neben den Wohltätigkeitsvereinen vor allem der jüdische Gesangverein „Concordia“ zu nennen. Er wurde 1866 zunächst als Synagogen­chor­verein gegründet, um „den Gottesdienst in der Synagoge zu heben“. Später nahm der Chor mit weltlichem Gesang auch an Sängerfesten teil (Fahnenweihe 1868). Der Chorleiter war erst der Musiker Lerch, danach (bis 1895) der jüdische Lehrer Feuchtwanger, zuletzt Simon Mayer aus Offenbach.    

Aus Bürgel stammte der Kantor Isaac Eberst (auch Juda Eberscht genannt; Vorfahren aus der Rhön oder aus Eberstadt). Er wurde 1779 hier geboren und heiratete ein Mädchen aus der Bürgeler jüdischen Familie Schlesinger. Ebersht nahm später den Namen „Offenbach“ an. Sein Sohn Jacques Offenbach wurde 1819 in Köln geboren und wurde ein berühmter Operetten­komponist. Dieser war der Vetter der damaligen Inhaber des Café Schlesinger (Ecke Schifferstraße/Mainstraße). Das Gebäude stand bis nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Spezialität des Cafés war das sogenannte „Judenplätzchen“, ein Gebäck mit Mohn in Untertassengröße. Letzter Inhaber war der Schwiegersohn Schlesingers mit Namen Reinwald.   

Von den in Bürgel geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit unter anderen umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): William Ehrlich (1872), Else Grünebaum (1890), Helene Grünebaum (1890), Moritz Haas (1862), Lina Hecht geb. Herrscher (1861), Julius Horn (1881), Lina Katz geb. Frankfurter (1895), Moritz Katz (1879), Sophie Marx geb. Wartenberg (1871), Rosa Rosental (1878), Auguste Sänger geb. Grünebaum (1886), Klara Seel geb. Wolf (1867), Hedwig Stern (1887), Mathilde Stern (1892), Lehrer Abraham Weinberg (1863).  Hinweis: Weitere aus Bürgel stammende jüdische Personen werden in den Listen unter „Offenbach“ genannt, da seit 1908 Bürgel als Stadtteil zu Offenbach gehört.

An weitere ermordete jüdische Personen erinnern seit Februar 2009 einige „Stolpersteine“ in Bürgel: Vor dem Haus Offenbacher Straße 7: für das Ehepaar Salomon und Lilli Reiss mit den vier Töchtern Selma, Bertha, Irene und Gertrude. Alle sechs wurden deportiert in ermordet; vor dem Haus Sternstraße 12: für Jenny Steigerwald und die drei Kinder Minna, Max und Julius, die alle vier ermordet wurden. 

 An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (1781 genannt) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schochet tätig war. Im Jahre 1837 wird als Lehrer in Bürgel Elias Birkenstein genannt (zuvor Lehrer in Battenberg und Battenfeld). In den Jahren vor 1895 war ein Lehrer Feuchtwanger am Ort. Letzter Lehrer der Gemeinde war von 1895 bis 1923 Abraham Weinberg. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Offenbach am Main. 

Man kann jetzt noch nach Offenbach fahren: Wo die Maingartenstraße endet, geht es nach rechts durch das Hochwassertor und dann gleich wieder links am Main entlang zum Isen­burger Schloß in Offenbach. Man fährt durch das Hochwassertor. Links sind auf einer Säule die großen Mainhochwasser von 1687, 1764 und 1845 markiert. Über die ampelgesicherte Straße kommt man zum Schloß. Man kann aber auch am Mainufer wieder zurück fahren, vorbei am Carl-von-Weinberg-Steg

 

Carl-von-Weinberg-Steg:

Nach Fechenheim führt der Carl-von-Weinberg Steg. Die jüdischen Brüder Carl und Arthur führten lange das Chemiewerk Cassella, Ernährer des halben Frankfurter Ostens. Ihren Reichtum setzten sie - wie viele ihrer Zeit - auch großzügig für Wohltaten ein. Das schützte den Mitbegründer der Frankfurter Universität, Arthur von Weinberg, nicht vor der Nazi-Verfolgung. Er erlag einer Krankheit in der Haft.

Arthur von Weinberg wurde geboren am 17. August 7860 in Frankfurt. Er studiert Chemie, Physik, Mathematik und Altphilologie in Straßburg und München und promoviert 1882. Ein Jahr später wird Arthur von Weinberg Teilhaber und technischer Leiter der Firma Cassella. Im Jahre 1908 läßt er die Villa Buchenrode in Niederrad errichten. Sie wird 1944 zerstört. Im Ersten Weltkrieg ist von Weinberg Reserveoffizier. Aufgrund seines sozialen Engagements wird er zahlreich geehrt: 1927 bekommt er die silberne Plakette der Stadt Frankfurt, 130 wird er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. 1932 bekommt er die Goethe‑Medaille des Reichspräsidenten.

Nach 1933 ist Arthur von Weinberg auf Druck der Nationalsozialisten gezwungen, seine Wirt­schaftsämter niederzulegen. Im Jahre 1938 muss er seine Villa an die Stadt verkaufen. Er verläßt Frankfurt und zieht zu seiner Tochter noch Oberbayern.

Anfang Juni 1942 wird er dort verhaftet. Im Alter von 81 Jahren wird er in dos Durchgangs-­ und Konzentrationslager There­sienstadt verschleppt. 1943 im März stirbt er dort an den Folgen einer Operation.

 

 

Radtour: Mühlheim - Offenbach- Fechenheim - Rumpenheim - Mühlenwanderweg 

 

Von der Mühlheimer Fähre geht es auf dem Mainuferweg nach Rumpenheim. Auf demWeg kommt man nur renaturierten Rodaumündung: In der Mitte liegt eine kleine Insel als Fischkinderstube. Rechts ist ein Feuchtbiotop und eine Ruhezone für den Naturschutz. Links befinden sich Schmeterlingswiese, Ruhebänke (mit Blick zur Stadt), eine Liegeweise mit Bank und ein Erlebnisspielplatz  mit Wasserzugang. Bald ist man in Rumpenheim.

 

Das Dorf Rumpenheim: siehe Datei Rumpenheim

 

Schloß Runmpenheim: siehe Datei Rumpenheim

 

Die Fähre: siehe Datei Rumpenheim

Unterhalb des Gasthauses geht es am Main entlang. Am Ende der Kleingärten geht es nach links und dann wieder rechts neben dem Damm entlang auf der Teerstraße bis zum Schultheisweiher, zu dem man nach links einbiegt.

 

Mainbogen Rumpenheim: siehe Datei Rumpenheim

 

Jüdischer Friedhof: siehe Datei Rumpenheim

 

Bürgel: Jüdische Gemeinde: siehe Datei Offenbach

Wo die Maingartenstraße endet, geht es nach rechts durch das Hochwassertor und dann gleich wieder links am Main entlang zum Isenburger Schloß in Offenbach. Man fährt durch das Hochwassertor. Links sind auf einer Säule die großen Mainhochwasser von 1687, 1764 und 1845 markiert. Ünd über die ampelgesicherte Straße kommt man zum Schloß.

 

Schloß in Offenbach: siehe Datei Offenbach

Weiter am Mainufer geht es bis zur Carl-Ulrich-Brücke. Dort steigt man am Besten über die Treppe nach links ab. Man kann aber auch erst weiter unten nach linsk abbiegen und dann im Bogen utner der Brücke hinduruchfahren. Wenn man nach rechts abbiegt, kommt man durch die Kleingärten zur Starkenburger Straße und über sie wieder zum Main.

 

Carl-Ulrich-Brücke: siehe Datei Offenbach

 

Fechenheimer Mainbogen: siehe Datei Frankfurt Osten

 

 

 

Fechenheim: siehe Datei Frankfurt Osten

Fechenheim bleibt man links der Straßenbahnschinen. Erst an der Plessengasse wechselt man im Bereich der Straßenbahnhaltestelle auf die andere Seite, um zur Mainbrücke zu gelangen.

 

Carl-von-Weinberg Steg: siehe Datei Frankfurt Osten

Auf der anderen Seite des Stegs geht es zunächst nach rechts auf dem Almeiweg in Richtung Naherholungsgebiet. Nach etwa 100 Metern geht es aber gleich wieder im spitzen Winkel nach links und dann wieder rechts. Wenn man diesenWeg verpaßt, kann man auch weiterfahren bis zum Beginn der Gerhard-Becker-Straße und dann erst links auf dem geteerten Mittelweg und den zweiten Weg rechts (dieser ist allerdings unscheinbar und geht mitten durch die Kleingärten). Er führt zum Entensee, dem Rest eines alten Mainarms und Naturschutzgebiet seit dem Ende der vierziger Jahre. Es wird empfohlen, links vorbei zu fahren, auch wenn der Weg

teilweise etwas schmal ist. Aber man kommt zu zwei gepflasterten Wegen ins Innere, die zu einer etwas erhöhten Stelle führen mit einer hufeisenförmigen Sitzbank. Von hier aus konnte man früher sicher in das Gebiet hinein sehen. Aber heute ist alles zugewachsen, eine offene Wasserfläche kann man nicht mehr sehen.

Auf dem Seegewannweg kommt man zum Friedhof und in die Mainkurstraße, wo links das herrschaftliche Hofgut steht. Über die Breite Straße kommt man in den Schloßgarten, wo man nach rechts zur Kirche fährt.

 

Schloßpark Rumpenheim / Kirche: siehe Datei Rumpenheim

Man fährt in den Schloßpark und sieht noch einmal die Rückseite des Schlosses mit seinen Seitenflügeln, links davon den den Marstall. Etwas nach rechts geht es zur Kirche. Man fährt weiter durch den Park, der üpppig von Bärlauch bestanden ist. AmZaun geht es rechts, durch das Tor und dann gleich wieder links außen am Zaun entlang.

 

Mühlenwanderweg I:  siehe Datei Mühlheim

Auf dem Damm (nicht wieder am Mainufer) geht es in Richtung Mühlheim. Hier trifft man auf den nördlichen Teil des Mühlenwanderwegs mit den vier unteren Rodaumühlen:

 

Ortskern von Mühlheim: siehe Datei Mühlheim

Durch die Marktstraße fährt man zur Dietesheimer Straße. Hier steht an der Westseite das Alte Rathaus. Es wurde 1786 als Gasthaus „Zum Goldenen Engel“ erstellt, zu Schule und Rathaus umfunktioniert. Nach grundlegenden Umbauten wurde es zum Museum für kunst- und kulturgeschichtliche Ausgrabungsstücke aus dem Mühlheimer Raum, einem der wichtigsten spätpaläolithischen Fundstätten Mitteleuropas. Das Mühlenmuseum wurde allerdings nach kurzem Dasein eingemottet.

 

Mühlenwanderweg II: siehe Datei Mühlheim

Straßenmühle (Reutersmühle). Unmittelbar neben der Straßenmühle steht der Müllerborsch. Der steinerne Geselle weist auf längst vergangene Zeiten und die harte Arbeit der Müllerburschen hin. Durch die Friedrichstraße (Fortsetzung der Marktstraße) mit der Gedenktafel für die frühere Synagoge  kommt man nach rechts in die Rodaustraße und fährt dann nach links an der Rodau entlang zur Brückenmühle.

 

 

Weg von Rumpenheim nach Offenbach

Die Fähre, schon im Jahre 770 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch erwähnt und in nachfolgenden Besitzwechseln des Kammergutes Rumpenheim stets als obligat dazugehörig gefordert, gleitet noch heute hinüber und herüber, lautlos, um Autos, Fahrräder, Camper, Schüler, Angler, Sportler und Ausflügler überzusetzen. Die Fähre, der Landgrafen „fliegende Brücke“, war immer wichtig für das Schloß, die ohne Gasthaus nicht denkbar ist. Das „Schiffchen“ steht hier seit dem 18. Jahrhundert, äußerlich sich treu geblieben, innen neuerdings fein geschniegelt, aber immer noch mit üppigen Portionen und den Offenbachern allein einen Spaziergang wert. Unterhalb davon am Main oder oberhalb die Mainkurstraße ganz durch, wird unweigerlich ein für Rumpenheim bekannter Reiterhof passiert, was sich rund um den Ort schon an Pferdeäpfeln ankündigte. Und dann geht es im Mainbogen, aus dem der Frankfurter Umlandverband eine Freizeitoase mit dem Schultheisweiher gemacht hat.

 

Fähre:

Rumpenheimer Fähre darf wieder bis 2,60 Meter fahren                             19.12.2008

Udo Dill vom Familienbetrieb der Rumpenheimer Fähre atmet auf Kürzlich waren die Gutachter des Wasser- und Schiffahrtsamtes Aschaffenburg vor Ort und haben die Neuerungen an seiner Fähre begutachtet. Alles ist in Ordnung, ab sofort darf er wieder bis 2,60 Meter Wasserhöhe übersetzen - zuvor waren nur 2,10 Meter erlaubt.

„Wir haben die Seile und die Befestigung der Oberstrommastanlage verstärkt“, erklärt Dill. Zudem sei das Gierseil, das die Fähre mit dem Hochseil verbinde, von zwölf auf 16 Millimeter verstärkt worden. Udo Dill ist glücklich über diese Freigabe, bis 2,60 Meter Wasserhöhe fahren zu dürfen. Aufgrund der vorherigen Einschränkung auf 2,10 Meter musste er im Januar und Februar jeweils eine Woche den Fährbetrieb aussetzen, im März und April waren es insgesamt sogar acht Wochen. „Das war für uns absolut existenzbedrohend“, erklärt Dill.

Die Investition, um die Fähre für eine Wasserhöhe von 2,60 Meter zuzulassen, beläuft sich auf einen fünfstelligen Betrag. Dennoch ist Dill überzeugt, dass sich diese Investition gelohnt habe. Die nächste Prüfung steht erst wieder in sechs Jahren an. Die Stammkunden wird die Nachricht freuen, sie können wieder wie üblich einmal hin und einmal zurückfahren, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Die Preise sind gleich geblieben, für eine 20er Karte werden 12,50 Euro für ein Auto fällig, Fahrradfahrer zahlen 5,50 Euro, Fußgänger 4,50 Euro. Eine anderen Möglichkeit sind Monats- (25 Euro) oder Wochenkarten (sechs Euro) für Autofahrer, die jedoch nur selten genutzt würden, wie Dill aus Erfahrung weiß.

Wer die Rumpenheimer Fähre seltener benutzt, für den rentiert sich eher ein Einzelticket, das für ein Euro (Auto), 40 Cent (Rad) oder 30 Cent (Fußgänger) zu haben ist. Bei anderen Wünschen ist der Familienbetrieb gerne bereit, mit sich reden zu lassen - einfach nachfragen.

Und nicht vergessen: Die Karten für die Fähre haben andere Konditionen als beispielsweise Monatskarten für Busse und Bahnen. Einmal hin und zurück sind auf der Rumpenheimer Fähre erlaubt, wer mehr will, sollte sich besser gleich für eine 20er Karte entscheiden.

 

Mainbogen Rumpenheim

Der ehemalige Baggersee „Schultheisweiher“ wurde rekultiviert,  um im Naturschutzgebiet Freizeitaktivitäten zu erlauben. Vom 1. Mai bis zum 15. September darf man sogar im  See baden. Die Firma Schultheis begann 1928 mit dem Kiesabbau im Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen. Durch die Auskiesung entstanden mehrere Seen, die vom Grundwasser, gespeist wurden.

In den 60er Jahren war, als der Kiesabbau aufgegeben wurde, der Schultheis‑Weiher viel größer als heute. Damals begann man, den See zu verfüllen. Im Jahre 1975 verhinderte dann die Stadt Offenbach durch einen Bebauungsplan, daß weiterhin Erdmassen in den See gekippt werden konnten und rettete so den Schultheis‑Weiher. Die Lkw‑Ladungen, die nicht mehr in den See geschüttet werden durften, waren die Grundlage für die Hügel am Nordufer des Sees.

Die Natur und der Mensch ergreifen Besitz. Aufgelassene Kiesgruben sind kein Niemandsland: Auf Brachflächen setzt sofort Spontanvegetation ein. Seltene, extreme Standorte, wie Steilufer, Land‑Wasser‑Wechselzonen, Trockenbereiche, feuchte Mulden und Erdhügel, sind Lebensräume für spezielle Pflanzen und Tiere, die ‑ auf diese besonderen Lebensräume angewiesen ‑ in unserer Kulturlandschaft nur noch selten vorkommen oder gar vom Aussterben bedroht sind. Feuchte Mulden bieten Lebensraum für Kröten, Frösche und Molche. Diese wiederum sind eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Vogelarten. Auf Kiesbänken brüten Flußregenpfeifer, in Trockenzonen tummeln sich Käfer und Insekten.

Im Schultheis‑Weiher konnten sich die Dreikantmuschel und die Große Teichmuschel besonders gut entwickeln. Von beiden ernähren sich verschiedene Wasservogelarten.

Aufgrund seiner geographischen Lage im Kreuzungspunkt zweier wichtiger Vogelzuglinien wurde der Schultheisweiher zu einem bedeutenden Rastplatz für nordeurasische Wasserzugvögel, die hier ihre Nahrung finden und ‑ je nach Art und Witterung ‑ eine kurze Rast auf dem Weg nach Süden einlegen, oder auch den ganzen Winter über bleiben. Immer wiederkehrende Gäste sind vor allem Entenarten, wie Reiher‑, Tafel‑, Löffel‑, Schell‑, Moor‑ und Pfeifenten, Taucherarten wie Hauben‑, Zwerg‑, Rothals‑, Schwarz‑ und Prachttaucher sowie Kormorane, Fischadler und Gansesäger.

Schon in den 30er Jahren, also noch während des Kiesabbaus, kamen die ersten Badegaste zum Schultheis‑Weiher. Später nahmen Angler die Ufer in Besitz. Tauchsportler trainierten im See. Segler und Windsurfer drängten sich auf dem Wasser. Auf dem Gelände wurde gezeltet, gelagert und Feuer angezündet. Es entwickelten sich chaotische Zustände. Wenn der See im Winter zugefroren war, kamen die Schlittschuhläufer. Die Erholungssuchenden kümmerten sich wenig um die Besonderheiten der Natur. Meist ohne es zu wissen, zertrampelten sie wertvolle Pflanzen und störten oder verdrängten selten gewordene Tiere. Sie hinterließen Abfall und Müll. Und mancher entsorgte hier sogar sein Auto oder seine Couchgarnitur.

Planung und Gestaltung

Der Umlandverband Frankfurt und die Stadt Offenbach am Main haben sich deshalb ab 1981 der Gestaltung und Herrichtung des Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen angenommen und ihn unter Wahrung seiner Funktionen für Klima, Natur‑ und Landschaftsschutz sowie der landwirtschaftlichen Nutzung zu einem relativ naturbelassenen Gebiet für die ruhige Erholung entwickelt.

Vor allem ging es dabei um die Reparatur eines Landschaftsschadens, die Rekultivierung des Sees im Zentrum des Erholungsgebiets. Der Kiesabbau hatte rechteckige, sich an dem Zuschnitt der Grundstücke orientierende Wasserflächen hinterlassen, mit steilen Ufern und kahlen Böschungen. Diese wurden wieder harmonisch in die Landschaft eingegliedert. Dazu waren Geländemodellierungen und gezielte Initialpflanzungen erforderlich. Die Maßnahmen wurden in einem bundesweiten ldeen‑ und Realisierungswettbewerb entwickelt.

Die Bauarbeiten begannen im September 1983. Insgesamt wurden 125.000 Kubikmeter Erde bewegt, 180.000 Bäume und Sträucher sowie 11.000 Wasserpflanzen gepflanzt. Im Sommer 1984 war der Sandstrand schon soweit hergerichtet, daß hier wieder gebadet werden konnte. Im Jahre 1985 stand dann auch die Badeterrasse bereit. Man hatte die Kaimauer, auf der früher der Ladekran lief, dazu umgebaut. Die Arbeiten an der Ufer‑ und Geländemodellierung an der südlichen Seeseite dauerten noch bis Frühjahr 1986. Im Sommer 1987 konnte dann der Badebetrieb offiziell beginnen, nachein Sanitäranlagen errichtet und Informations‑ und Hinweistafeln aufgestellt waren.

Nach starken Regenfällen im Juni 1987 sickerte an einer Stelle im Sandstrand Wasser aus, das eigentümlich roch. Die sofortige Analyse ergab einen hohen Cyanid‑ und Phenolgehalt. Der Umlandverband Frankfurt und die Stadt Offenbach am Main ließen das Gelände gründlich untersuchen und aufgrund der Ergebnisse sanieren.

 

Naturschutz

Im Jahre 1983 wurde das Gelände um den Schultheis‑Weiher als Naturschutzgebiet ausgewiesen, in dem Erholung und bestimmte Freizeitaktivitäten erlaubt sind. Um Pflanzen und Tieren trotzdem eine Entwicklung ohne die Belastung durch die Erholungssuchenden zu ermöglichen, wurde im Norden etwa die Hälfte des Gebietes als Bereich abgegrenzt, in dem sich die Natur ungestört entwickeln kann. Er ist an Land durch Zäune und im See durch eine Bojenkette von dem übrigen Gelände getrennt und darf von den Besuchern nicht betreten werden.

Wildkräuterwiesen, Sandinseln, Feucht‑Trocken‑Wechselzonen und Nachwasserzonen fördern die Vielfalt von Flora und Fauna. Der Schultheis-Weiher wurde nicht nur als Rastplatz für Zugvögel erhalten‑, neue Lebensräume für bisher hier nicht ansässige Tierarten sind entstanden. Zu den Tierarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind und am Schultheis‑Weiher wieder einen Lebensraum fanden, gehören der Fußuferläufer, der Steinschmätzer, das Braunkehlchen, die Beutelmeise, der Kiebitz, das Rebhuhn und der Fasan.

 

Freizeit und Erholung

Durch seine Lage im Kernbereich des Ballungsraumes zwischen den Städten Frankfurt am Main und Offenbach am Main ist der Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen mit seinem 115.000 Quadratmeter großen Badesee zu einem beliebten naturnahen Freizeitgebiet geworden. Wegen der Sicherstellung des Rastplatzes für Wasserzugvögel müssen die Freizeitaktivitäten nicht nur räumlich sondern auch jahreszeitlich beschränkt werden: Das Baden ist nur vom 1. Mai bis zum 15. September gestattet. Surfen und Segeln konnten nicht erlaubt werden. Sandstrand und Liegewiese wurden so angelegt, daß die abgeflachten Ufer einen bequemen Zugang zum See gestatten und auch Kinder und Nichtschwimmer sich ins Wasser wagen können. Die alte Kaimauer der Kranbahn wurde zu einer attraktiven Badeterrasse umgebaut. Von hier aus hat man einen schönen Ausblick über die Landschaft und den See.

Dem Charakter eines Badesees im Naturschutzgebiet angemessen, wurde nur das Notwendige gebaut und auf alles verzichtet, was Unruhe in die Anlage bringen würde. Umkleidekabinen und Kiosk sucht man deshalb hier vergebens. Duschen und Toiletten sind aber selbstverständlich vorhanden.

Ebenso verfuhr man mit der Verkehrserschließung. Da ein Parkplatz für Pkw im Naturschutzgebiet unangemessen wäre, hat man der Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit Fuß‑ und Radwegen Vorrang eingeräumt. Wer mit dem Auto kommt, muß einen etwa zehnminütigen Fußweg in Kauf nehmen. Etwa die gleiche Zeit benötigt man von der nächsten Straßenbahnhaltestelle in Frankfurt‑Fechenheim. So kommen 65 Prozent der Besucher mit dem Fahrrad zum See, wie eine an der Technischen Universität Berlin gefertigte Diplomarbeit nachweist.

Der Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen mit dem Schultheis‑Weiher ist aber nicht nur Ziel von Badegästen. Viele Erholungssuchende gehen hier spazieren oder fahren Rad. Ein etwa zweieinhallb Kilometer langer Rundweg führt um den See, mal direkt am Seeufer entlang, dann durch Felder und Wiesen. Vom Hochwasserdamm hat man Einblick in das Naturschutzgebiet und eine schöne Aussicht über das weitläufige Mainvorland.

Fest angestellte Aufsichtskräfte und freiwillige Helfer von Vereinen und Verbänden helfen den Erholungssuchenden, diese „Spielregeln“ zu beachten. Zwar können Verstöße mit einem Bußgeld geahndet werden, doch ist dies in der Regel nicht erforderlich. Fast immer reichen Hinweise der Aufsicht aus.

Das Verständnis der Besucher für die Belange des Naturschutzes und ihre Zufriedenheit mit der Anlage wurde in der Berliner Diplomarbeit sowie einer Untersuchung am Fachbereich Geographie der Universität Frankfurt belegt.

 

Nach Fechenheim führt der Carl-von-Weinberg Steg. Die jüdischen Brüder Carl und Arthur führten lange das Chemiewerk Cassella, Ernährer des halben Frankfurter Ostens. Ihren Reichtum setzten sie - wie viele ihrer Zeit - auch großzügig für Wohltaten ein. Das schützte den Carl überlebenden Mitbegründer der Frankfurter Universität, Arthur von Weinberg, nicht vor der Nazi-Verfolgung. Er erlag einer Krankheit in der Haft.

 

Offenbach

 

Geschichte:

Offenbach ist ein früher Siedlungsplatz. Römer, Alemannen und Franken lösten sich nacheinander ab. Unter Karl dem Großen war es eine der 36 Windhuben des Reichsforstes Dreieich. Es war ein Fischer- und Bauerndorf.

Erstmals wurde es 977 (oder 970) erwähnt, war aber bis in die Reformationszeit so unbedeutend, daß es nur Untergemeinde der Kirche von Mühlheim war.

 

Unter Karl dem Großen war Offenbach eine der 36 Windhuben des Reichsforstes Dreieich. Früher Siedlungsplatz. Römer, Alemannen und Franken lösten sich nacheinander ab.  Im Jahre 977 wird es erstmals erwähnt. Im Jahre 1372 wird es von Falkensteinern an Frankfurt verpfändet. Von 1486 - 1815 war es Residenz der Grafen von Isenburg. Im Jahre 1698 erfolgte erste Aufnahme von Hugenotten, mit Privilegien durch Graf Johann Philipp. Um 1700 Anfang der Lederindustrie und des wirtschaftlichen Aufschwungs. 1718 Weihe der französischen reformierten Kirche. 1794 hebt Fürst Wolfgang Ernst II. die Leibeigenschaft in seinem Gebiet auf. 1815 Stadt vorübergehend unter österreichischer Verwaltung. 1816 zum Großherzogtum Hessen. 1819 Schiffsbrücke am Schloß, 1887 durch feste Brücke ersetzt. 1828 -1836 und seit 1949 wieder Messestadt. 1848 erste Gasbeleuchtung und Eröffnung der Lokalbahn Frankfurt-Offenbach. Im 2. Weltkrieg mehrere Bombenangriffe, der schwerste mit Zerstörung der Altstadt am 20.12.43. Seit 1954 Bundesmonopolverwaltung, seit 1957 Deutscher Wetterdienst in Offenbach ansässig.

 

Über den Ort am Nordrand des Forstes Dreieich waren die Herren von Hagen als Vogt eingesetzt. Sie nannten sich später nach dem von ihnen erbauten Schloß „Münzenberg“, erloschen aber 1255 im Mannesstamm. Offenbach fiel an Philipp von Falkenstein, der das Dorf 1372 aber an Frankfurt verpfändete.

Von 1486 bis 1815 war es Residenz der Grafen von Isenburg. Im Jahre 1500 wurde Offenbach durch einen Vergleich mit dem Grafen von Hanau (Tausch mit Besitzungen in Bischofsheim) der Gerichtsbarkeit des Bornheimer Zentgerichts entzogen. Die Reformation wurde durch die Grafen von Ysenburg eingeführt. Graf Reinhard förderte zunächst die Lutherischen, , sein Enkel Wolfgang Ernst ging 1597 zum reformierten Bekenntnis über. Im Dreißigjährigen Krieg wollte Wolfgang Heinrich den Ort befestigen, aber der Kurfürst von Mainz ließ die Befestigungen wieder abtragen, weil Frankfurt keine Befestigungen ins einer Nähe zu dulden brauchte. Später wurde Wolfgang vertrieben, weil er sich auf die Seite der Gegner des Kaisers gestellt hatte. Doch die Schweden setzten ihn wieder ein. Aber nach der Schlacht bei Nördlingen schenkte der Kaiser den Ort an den Landgrafen von Hessen. Erst 1642 erhielt Ysenburg wieder seine Besitzungen zurück. Die Enkel Wolfgang Heinrichs teilten das Land: Wilhelm erhielt Birstein mit seinen Landesteilen, Johann Philipp erhielt Offenbach. Er holte Juden und französische Hugenotten nach Offenbach und entwickelte es zur Stadt. Im Jahre 1698 erfolgte die erste Aufnahme von Hugenotten, mit Privilegien durch Graf Johann Philipp. Um 1700 war der Anfang der Lederindustrie und des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Im Jahre 1718 starb die Linie Isenburg-Offenbach aus und die Birsteiner Linie kam zur Erbfolge. Nach dem Wiener Kongreß kam Offenbach an das Großherzogtum Hessen. Im Jahre erfolgte 1718 Weihe der französischen reformierten Kirche. Im Jahre 1794 erhob Fürst Wolfgang Ernst II. die Leibeigenschaft in seinem Gebiet auf. Im Jahre 1815 kam die Stadt vorübergehend unter österreichischer Verwaltung, aber 1816 zum Großherzogtum Hessen.

Im Jahre 1819 wurde die Schiffsbrücke am Schloß gebaut, 1887 durch feste Brücke ersetzt. Von 1828 bis1836 und seit 1949 wieder war Offenbach Messestadt. Im Jahre 1848 gab es die erste Gasbeleuchtung und die Eröffnung der Lokalbahn Frankfurt-Offenbach. Im Zweiten Weltkrieg gab es mehrere Bombenangriffe, der schwerste mit Zerstörung der Altstadt am 20. Dezember 1943. Seit 1954 ist hier der Sitz der Bundesmonopolverwaltung, seit 1957 ist der Deutsche Wetterdienst in Offenbach ansässig.

 

 

Rundgang:

Der Rundgang beginnt am Parkplatz an der Carl-Ulrich-Brücke (von Frankfurt her fährt man über diue Brücke, dann gleich links in die Mainstraße hinein und erst ein ganzes Stück weiter nach links auf den Parkplatz. Man fährt auf einer Einbahnstraße hinein und auf einer Einbahstraße wieder hianus).

Man geht zunächst in die Kaiserstraße. An der Ecke Goethestraße steht das Capitol, heute ein Veramstaltungsort, früher aber die Synagoge, die 1954 an die Stadt verkauft wurde. Die heutige Synagoge mit Gemeindezentrum steht seit 1956 fast gegenüber in der Kaiserstraße 109.

An der Nordostecke der Kreuzung Kaiserstraße/ Berlinerstraße beginnt der Büsingpark. Hier steht zunächst auf einer Erhöhung ein kleiner Rundtempel (Monopterpos), der einmal für Musikaufführungen gedacht war. Nach links geht es in die Berliner Straße.

Bei den Wasserspielen erinnern zwei Stelen (Säulen) an die „Grillenhütte“ der Schriftstellerin Sophie Laroche, Großmutter der Dichterin Bettina Brentano.  Sophie La Roche geborene Gutermann wird am 6. Dezember 1730 In Kaufbeuren als Älteste von 12 Geschwistern geboren. - Nach dem Tod der Mutter geht sie ein Verlöbnis mit einem italienischen Arzt ein, das später auf Drängen des Vaters gelöst wird. Sie wird in den Pfarrershaushalt Wieland nach Biberach an der Riß zur Erziehung gegeben. Verlobung mit ihrem „Seelenfreund“ Christoph Martin Wieland. Auf einem Teenachmittag lernt sie den kurmainzischen Hofrat Georg Michael La Roche kennen. Nach wenigen Tagen macht er ihr einen Heiratsantrag, welchen sie annimmt (Wieland hat sich in der Zwischenzeit in der Schweiz in eine junge Witwe verliebt). Sophie La Roche bekommt vier Söhne und zwei Töchter, von denen die bekannteste Maximiliane, genannt „Maxe“, die spätere Ehefrau von Peter Anton Brentano, ist. Die Familie La Roche lebt in Ehrenbreitstein, hier verkehrt Goethe zeitweilig.

Unter dem Namen von CM. Wieland wird ihr erster Roman „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ 1771 veröfentlicht, der ihren Ruhm als Schriftstellerin begründet. Goethe schickt ihr 1774 das Manuskript des Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“zur ersten Begutachtung.

Georg Michael La Roche wird 1775 der Adelstitel verliehen - von nun an nennt sich die Familie von La Roche. Nachdem ihr Ehemann als Kanzler entlassen wurde, findet die Familie Unterkunft in Speyer.

Sophie von La Roche veröffentlicht 1783-84 die erfolgreiche Zeitschrift „Pomona für Teutsch­­lands Töchter“ womit sie teilweise den Familienunterhalt finanziert. Eine Vielzahl von Romanen, Erzählungen und Reiseberichten folgen.

Familie von La Roche zieht 1786 nach Offenbach in die Domstraße 23 („Grillenhütte“). Erstdrucke ihrer Schriftenerfolgen in der Offenbacher Druckerei Weiß und Brede in der Frankfurter Straße.

Frau Rat Goethe flüchtet im Juli 1796 aus dem von Franzosen belagerten Frankfurt zu Sophie von La Roche nach Offenbach. Clemens und Bettine Brentano (die Enkelkinder von Sophie vonLa Roche) verbringen Teile ihrer Jugend im Haus der Großmutter.

Das Haus von La Roche wird im zweiten Weltkrieg teilzerstört und später abgerissen.Eine Stele erinnert heute im Büsingpark (an der Berliner Straße) an den Standort. Sophie von La Roche stirbt am 18. Februar 1807 in Offenbach.

Hier steht auch das Sheraton- Hotel und nördlich davon das Parkbad. An der Ecke Berliner Straße/Herrnstraße sieht man die Französische Reformierte Kirche.  Ab 1699 wurden in Offenbach Hugenotten, evangelische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, aufgenommen. 1717 wurde der Grundstein für die Kirche gelegt. 1718 fand in ihr der erste Gottesdienst statt. Bei der 1874/75 vorgenommenen Renovierung wurde die Fassade in Neorenaissance - Formen verändert. Schlichter Saalbau; über dem Portal das Isenburger Doppelwappen. Durch Bomben 1943 beschädigt, wurde die Kirche 1947 wieder hergestellt.

Das Wappen der Gemeinde erinnert an eine dramatische Flucht. Mit der zweiten Siedungswelle ist der Fortbestand der Gemeinde gesichert. Im Jahre 1717 wird der Grundstein zu einer eigenen, am 1. Mai 1718 eröffneten Kirche gelegt. Sie dient als Versammlungsraum, um Gottes Wort zu hören, zu beten und das Abenmaht zu feiern. Ihr Innenraum ist äußerst schlicht gehalten. Die einstmals ebenfalls schlichte Fassade erhält erst im Jahr 1874/75 ihre aufwendigere neobarocke Gestalt. Das Plarrhaus in der Herrnstraße gelangt 1775 als Vermächtnis der Pfarrerswirtwa Anna Maria Romagnac in den Besitz der Gemeinde.

Aus dem Dreißigjährigen Krieg geht die Grafschaft geschwächt hervor. Die Einwohnerzahl wächst im 17. Jahrhundert kaum. Johann Philipp von Isenburg, geboren 1655 in Offenbach, gibt dem kriegsverheerten Landstrich einen Impuls mit einer liberalen Einwanderungspolitik. Als bekennender Calvinist erlaubt er ab 1698/99 die Niederlassung hugenottischer Glaubensflüchtlinge und stattet sie mit Privilegien aus. Im Jahre 1699 gründet sich die französisch-reformierte Gemeinde. Ihre Mitglieder genießen das Recht auf Selbstverwaltung, freie Religionsausübung nach ihrer französischen Kirchenordnung, bauen eine eigene Kirche sowie eine Schule und wählen Pfarrer und Lehrer frei.

Im Jahre 1703 folgt eine zweite Ansiedlungswelle hugenottischer Flüchtlinge. Es sind überwiegend Gewerbetreibende und Handwerker: Wollweber, Strumpfwirker, Hutmacher und Goldarbeiter. Sie lassen das 800-Seelen-Dorf Offenbach zu einem größeren, nicht mehr allein bäuerlich geprägten Ort anwachsen. Ende des 18. Jahrhunderts existieren mehr als 50 Manufakturen, zumeist im Textilbereich. Der Erfolg ist durch die Nähe zur Reichsstadt Frankfurt begründet: Das Handelszentrum bietet einen Kapital- und Absatzmarkt für Offenbacher Produkte.

Johann Philipps Nachkommen dürfen sich ab 1744 statt Grafen sogar als Fürsten bezeichnen. Der aufgeklärte Fürst Wolfgang Ernst von Isenburg-Birstein verzichtet auf die Residenz im Isenburger Schloss und zieht mit seiner Familie in großbürgerliche Wohnhäuser in der Frankfurter Straße. Nach dem Ende der isenburgischen Herrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts wird Offenbach ein Teil des Großherzogtums Hessen-Darmstadt.

Mit der Zuwanderung der Hugenotten ist in der bürgerliche Gemeinde Offenbach eine Alt-Gemeinde  und eine Neu-Gemeinde entstanden. Erst am 1. Januar 1824 werden beide Teile rechtlich zu einer einzighen Stadtverwaltung  vereinigt. Mit Peter Georg d'Orville wird der Nachfahre einer hugenottischen Einwandererfamiie erster Bürgermeister. Zu diesem Zeitpunkt sind die Hugenotten längst in der heimischen Bevölkerung aufgegangen. Der letzte französichsprachige Gottesdienst wird 1828 gefeiert.

Seither liegt der Akzent der französisch-reformierten Gemeinde weniger auf dem Verständnis als französische, sondern auf dem Dasein als reformierte Gemeinde. Dennoch sind im kirchlichen Leben, besonders im Psalmengesang, in den Abendmahlsbräuchen oder in der Bildlosigkeit des Gotteshauses, aber auch in der Verwaltung der Gemeinde durch ein Presbyterium (Kirchenvorstand), viele hugenottische Traditionen erhalten geblieben. Die zentrale Position der Kanzel verdeutlicht, dass das Bibelwort im Mittelpunkt des Gottesdienstes und des Gemeindelebens steht. Die moderne Gemeinde zählt rund 230 Mitglieder, wobei deren Zahl seit Gründung der Gemeinde stets mit wenigen Hunderten zu bemessen war. Unter den Mitgliedern sind noch vier bis fünf französische Namen. Das Wappen im Kirchenraum - eine Kopie des im Zweiten Weltkrieg verbrannten Originals - verdeutlicht die Gemütsverfassung der einstigen Glaubensflüchtlinge: „Domine serva nos perimus“ (Herr, rette uns, wir gehen zu Grunde).

Im Gegensatz zu anderen ist die französisch-reformierte Gemeinde keine Wohnsitz-, sondern eine Bekenntnisgemeinde mit einem Einzugsbereich über die Offenbacher Stadtgrenzen hinaus. Das Kirchlein behauptet sich heute an zentralem Standort gemeinsam mit dem 2009 umfassend sanierten Pfarrhaus gegen die moderne Büroarchitektur in seiner Umgebung.

An der Südseite der Berliner Straße steht das neue Rathaus von 1971 (72 Meter hoch). Hinter dem Rathaus steht die Evangelische Stadtkirche. Der Grundstein zu der Kirche wurde 1739 gelegt. Sie war 1748 fertiggestellt, ihr Turm erst im folgenden Jahr (Baumeister: Johann Wilhelm Beck, Johann Fleischmann, Johann Hartmann Leipolt). Einfacher rechteckiger Saalbau mit dreiseitigem Chorschluß; über dem Eingangsportal das Isenburger Wappen. Die Kirche brannte 1944 aus und wurde bis 1949 unter Veränderung von Fassade und Innenraum wieder aufgebaut.

Auf Herrnstraße geht man nach links und kommt zum Büsingpalais (1780). Es wurde von den Fabrikaten Bernard und d’Orville für die Zwecke ihrer Tabakfabrik gebaut (Schnupftabak!). Als es 1921 zum Rathaus wurde, hat man es Büsing-Palais genannt. Es diente bis 1943 als Rathaus, brannte dann nach Bombenangriff aus. Die Seitenflügel wurden wieder aufgebaut. In ei­nem Flügel ist das Klingspormuseum (Nr. 80, gegründet 1953) mit Büchern, Einbänden, Buchillustrationen. Der Name kommt von den beiden Brüdern Karl und Wilhelm Klingspor, die im Jahr 1900 Anstöße zur Erneuerung der Schriftkunst gaben. Im nördlichen Flügel befindet sich die Stadtbücherei. Dazwischen ist das „Büsingtor“, ein schmiedeeisernes Kunstwerk.

Rechts ist das Stadtarchiv: Eine ehemalige Schnupftabakfabrik, der Bernardbau, beherbergt das Haus der Stadtgeschichte mit Museum und Archiv.

An der Straße „Linsenberg“beginnt der Lilipark mit dem „Lilihäuschen“. An sich handelte es sich um den Metzlerschen Badetempel. Im Volksmund erscheint der klassiszistische Bau aber immer noch als Ort, wo Johann Wolfgang von Goethe mit seiner Verlobten Elisabeth „Lili“ Schönemann den Sommer des Jahres 1775 verbrachte, obwohl der Bau erst 17 Jahre  (? Nach anderer Angabe: 1798) später errichtet wurde.

Der bekannte Offenbacher Komponist und Musikverleger Johann André war vielfach gern gesehener  Freund des Paares, der bis tief in die Nacht hinein „unterrichtend, meisternd, ausführend“ Lilis Klavierspiel begleitete und die angenehme Gesellschaft der Verlobten genoss. Goethes frühes Werk „Erwin und Elmire“ entstand hier, André komponierte die Musik dazu. Goethe arbeitete hier auch am „Faust“, eine Gedenktafel weist darauf hin. 

Noch zwei Jahre vor seinem Tod schrieb Goethe an einen Vertrauten über die noch im selben Jahr von ihm beendete Beziehung: „Sie war die erste, die ich tief und wahrhaft liebte, und vielleicht war sie auch die letzte!“ Die Wissenchaft sagt allerdings, daß Goethe hier irrte, das treffe vielmehr auf Friderike Brion zu.

Das mit größtem Luxus der Ausstattung erbaute Badehaus lag früher direkt am Main. Errichtet wurde es für den Frankfurter Bankier Friedrich Metzler, der in diesem vornehmsten Teil der werdenden Stadt seinen Alterssitz genommen hatte. Das Gartenhäuschen, in dem sich die Liebenden tatsächlich trafen, befand sich ungefähr dort, wo der Eckpavillon des Gartens die Herrnstraße mit der Mainstraße verbindet. Nach der Sanierung durch einen Privatinvestor (2006-2007) erhielt der Badetempel einen Anbau mit Wohnung und Atelierräumen. Mehrmals im Jahr wird er für den Publikumsverkehr geöffnet.

 

Man geht dann nach Osten und sieht rechts den Rest des Turm des ehemaligen Schloßkirche. An der Stelle einer bereits 1270 urkundlich erwähnten Pfarrkirche, die 1700 niedergebrannt war, wurde 1700-1703 ein barocker Neubau errichtet und der 1709 gegründeten deutsch-reformierten Gemeinde zugewiesen. Einen Glockenturm erhielt die Kirche erst 1713. Durch Bomben wurde sie 1943 bis auf den Turmstumpf zerstört. Der Ausbau der Turmruine zu einer Wohnung durch einen Privatmann war im Gespräch, wurde aber bisher nicht verwirklicht. In der längst verschwundenen Baumwollfabrik neben der damaligen Schloßkirche stand einst die erste Dampfmaschine Hessens. Der wohlhabende Besitzer wohnte in der Nähe in einem Fachwerkhaus nach Schweizer Art, das sich in diesem Industriegebiet seltsam ausgenommen haben muß.

 

Man kommt an die Nordseite des Isenburger Schlosses. Links am Durchgang durch den Main­damm  auf der Höhe des Schlosses steht eine Hochwassermeßsäule. Im 15. Jahrhundert erlangen die Isenburger die Herrschaft über Offenbach und erheben den Ort im 16. Jahrhundert zu einer Residenz. An der Stelle des Isenburger Schlosses stand eine Wasserburg aus der Mitte des 15. Jahrhunderts (1448), von der im heutigen Schloß noch das Erdgeschoß mit dem Rundbogenfries und die halbrunden Vorbauten (Überreste der alten Flankentürme) erhalten ist. Trutzig zeigt sich das Schloß zum Main hin, wehrhaft und abweisend.

Auf diese Burg folgte dann ein Schloß, das 1556 begonnen wurde und 1559 fertig wurde, so daß die Residenz von Birstein nach Offenbach verlegt werden konnte. Dieses Schloß brannte 1564 ab, von ihm ist im heutigen Schloß die Nordseite mit Ausnahme des obersten Geschosses erhalten.

Das heutige Schloß wurde 1569-1578 unter Graf Reinhard von Isenburg erbaut. Nach der Inschrift über einer Tür am Eckturm wurde es 1572 vollendet. Mit der Verlegung der isenburgischen Residenz nach Offenbach 1559 wird das Schloß bis 1578 unter Verwendung an älterer Bausubstanz errichtet.

Ein Merianstich von 1642 zeigt die ursprüngliche Dachlandschaft mit allerlei Türmen undZwerchhäusern, die erst im 18. Jahrhundert verschwinden, als das Gebäude um ein Geschoß aufgestockt und ein Mansarddach aufgesetzt wird. Das Gebäude ist an sich Teil einer Vierflügelanlage, deren weitere Ausführung jedoch unterblieb.

Man geht um das Schloß herum auf die Südseite und sieht, daß es ist eines der schönsten Renaissancebauten ist, besonders die Hoffassade mit den zweigeschossigen Laubengängen und den kunstvollen Turmportalen. Der wehrhaft wirkenden Mainfront des langgestreckten Rechteckbaus entspricht auf der Hofseite eine in Loggien aufgelöste, zwischen zwei Treppentürme eingespannte Architektur. Der reiche baukünstlerische Schmuck stammt vermutlich von Conrad Büttner aus Büdingen. Nach Kriegsbeschädigungen wurde das Schloß 1952/53 in dem äußeren Gesamtumriß des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt.

Hier ist ist das Wappen der Isenburger und Verwandten zu sehen. Rechts (nch der Straße zu) ist eine Gedenktafel für Alois Senefelder (1771 - 1834), Erfinder der Lithographie, der zeitweise in Offenbach wohnte. Links am Schoß sind die großen Mainhochwasser von 1687, 1764 und 1845 markiert. In der Mitte der Südfront steht der Epitaph der Familie von La Roche, um 1800 im Stil des Klassizismus aus rotem Main-Sandstein gefertigt. Ursprünglich auf dem Kirchhof St. Pankratius in Offenbach-Bürgel aufgestellt, 1928 in den Arkadengang des Isenburger Schlosses versetzt. Auf dem Epitaph aufgeführt sind die Namen: Georg Michael Edler von La Roche, Franz Wilhelm von La Roche (Sohn) und Sophie von La Roche (geborene Guterrnann)

Das Schloß hatte einst Seitenflügel. Beim Ausschachten einer Neubaugrube für die „Hochschule für Gestaltung“  kam eine Brücke ans Licht. Rätsel gibt eine gleichfalls entdeckte Mauer aus grauem Kalkstein auf, die möglicherweise von der einstigen Wasserburg stammt.

Adelssitz ist das Schloss seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht mehr als die Fürstenfamilie von Isenburg-Birstein komfortablere Wohnhäuser in der Stadt vorzieht und im Schloss die Verwaltung der Ländereien ansässig bleibt.

Seit etwa 1820 werden die Räume höchst unterschiedlich genutzt: als Wohnungen, Buntpapierfabrik, Buchdruckerei, Schriftgießerei und als lithographische Werkstätten. Von einem Puppenmacher und von Näherinnen ist die Rede. Auch einer der ersten Fotografen in Offenbach unterhält im Isenburger Schloss sein Atelier. Im Erdgeschoss nutzen Turner ab Mitte des 19. Jahrhunderts den Saal, auch der Turnunterricht für die Realschüler findet dort statt.

Im Jahre 1900 gibt die vom Konkurs bedrohte Fürstenfamilie das Schloss zur Versteigerung frei. Neuer Eigentümer ist das Großherzogtum Hessen, das die dringend notwendige Renovierung veranlasst. Im Jahre 1907 findet im Obergeschoss unter städtischer Regie die Volkslesehalle, ein Vorläufer der Stadtbücherei, ihr neues Domizil.

Die Nationalsozialisten missbrauchen die herrschaftliche Kulisse im Mai 1933 für die Verbrennung missliebiger Bücher aus dem Bibliotheksbestand. Der Zweite Weltkrieg hinterlässt das Isenburger Schloss als Ruine - schwer getroffen beim Luftangriff im Dezember 1943. Nach dem detailgetreuen Wiederaufbau in den 1950er Jahren nutzt die Stadt das Gebäude als Jugendzentrum. Nach zweijähriger Umbau- und Sanierungsphase bezieht die Hochschule für Gestaltung im Jahr 2000 das Gebäude.

Unter dem Torbogen der Hochschule für Gestaltung kommt man auf die Schloßstraße. Hier stand früher die Krafft’sche Tabakfabrik. Auf der Ostseite sthet das Haus Nummer 25, ein klassizistisches Wohnhaus, eine der wenigen erhaltenen historischen Bauten der ganzen Altstadt. Ein Flügel des originalen Holztores, der halbverbrannt die Bombennächte  überstanden hat, sollte in der Nische an der Ostseite des Hauses installiert werden, aber das ist bisher nicht erfolgt. An der Stelle des DGB-Haus am Französischen Gässchen stand das Bezirksgefängnis, in dem der spätere hessische Ministerpräsident Carl Ulrich wegen seiner aufrührerischen sozialistischen Zeitungsartikel einsitzen mußte

Geradeaus geht es in die Straße Marktplatz. Dort links kommt man über die Bieberer Straße kommt man zum Wilhelmsplatz, wo heute der Markt stattfinfdet. Hier steht das Denkmal des „Streichholzkarlche“. VomWilhelmsplatz geht man wieder zurück zur Straße Markplatz, ei stück nach Norden und dann links in die Fußgängerzone in der Frankfurter Straße.

Dort findet man in der Nummer 86 das  Deutsche Ledermuseum mit Schuhmuseum (gegründet 1917), das größte und umfassendstes Spezialledermuseum der Welt. Die volkskundliche Abteilung im zweiten Stock zeigt die Lederverarbeitung in Afrika, Nordamerika und am Polarkreis, im ersten Stock ist das Schuhmuseum mit Schuhen aus der Römerzeit bis heute (z.B. die Turnschuhe von Joschka Fischer und die Fußballschuhe in Uwe Seeler und Sepp Mayer), einer Schuhmacher und einer Polstererwerkstatt, im Erdgeschoß ist eine Gerberwerkstatt mit Bucheinbänden zu sehen.

Links in der Straße ist die Kaiser-Friedrich-Quelle (Mineraltrinkwasser, mit Entdeckung 1888 entstand die Idee von „Bad Offenbach“, die aber bald wieder aufgegeben wurde). Ganz im Westen hinter dem Kaiserlei-Kreisel ist der Deutsche Wetterdienst. In der weiter südlich gelegenen Parkstraße befindet sich das Stadtmuseum und der Dreieichpark.

 

Lehrpfade

 

Das Kulturkarree:

01  Messe Offenbach Kaiserstraße 108-112

02  Capitol, Goethestraße 1-5

03 Deutsches Ledermuseum/ Schuhmuseum Offenbach, Frankfurter Straße 86

04 Rosenheim-Museum, Parkstraße 60

05 Galerie im Turm (EVO), Eingang Goethering

06 Caritasverband Offenbach e. V. Platz der Deutschen Einheit

07 Staatliches Schulamt Platz der Deutschen Einheit

08  Rathaus, Berliner Straße

09 Stadthaus, Berliner Straße

10 Metzlerscher Badetempel, Herrnstraße 100

11 Stadtbibliothek, Herrnstraße 84

12 Kinder- und Jugendbücherei, Herrnstraße 59

13 Büsingpalais, Herrnstraße

14 Klingspor-Museum, Herrnstraße 80

15 Pfarrhaus Französisch-Reformierte Kirche, Herrnstraße 43

16 Haus der Stadtgeschichte - Museum, Herrnstraße 61

17 Haus der Stadtgeschichte - Archiv, Herrnstraße 61

18 Evangelisches Dekanat Offenbach, Ludo-Mayer-Straße 1

19 Hochschule für Gestaltung, Schlossstraße 31

20 Jugendkunstschule, Herrnstraße 61

21 Volkshochschule, Berliner Straße 77

22 Evangelische Familienbildungsstätte, Kirchgasse 17

23 Frieda-Rudolph-Haus (Café und Veranstaltungsort)

24 Isenburger Schloss

25 Ostpol, Hermann-SteinhäuserStraße 43-47

26 Musikschule Offenbach am Main e. V., Hermann-Steinhäuser Straße 41

27 Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum, Sandgasse 26

28 Sparkasse Offenbach, Berliner Straße 46

     OF-Info-Center

29 RMV-Mobilitätszentrale, Salzgässchen

30 Theater im t-raum, Wilhelmstraße 13

31 Theateratelier Bleichstraße 14

32 Salon 13/ Bund Offenbacher Künstler, Kaiserstraße 13

 

Tradition und Moderne, Kultur und Bildung, Uferlandschaft und Stadtgarten: Das Kulturkarree verbindet Sehenswürdigkeiten und herausragende Institutionen, aber auch die Stadt mit ihrem Fluss, dem Main. Hier studieren hinter der Renaissance-Fassade des Isenburger Schlosses Designer und Künstler. Das Büsingpalais ist heute repräsentatives Tagungszentrum, aber auch Sitz der Stadtbibliothek und des Klingspor-Museums. Eine ehemalige Schnupftabakfabrik, der Bernardbau, beherbergt das Haus der Stadtgeschichte mit Museum und Archiv.Im Büsingpark genoss einst der junge Goethe die Gesellschaft seiner Verlobten Lili Schönemann. Die erste deutsche Erfolgsautorin, Sophie von La Roche, lebte nahe des Parks von 1786 bis zu ihrem Tod 1807. Der Metzlersche Badetempel und die Französisch-Reformierte Kirche mit ihrem Pfarrhaus sind Kleinode Offenbacher Baukultur.

 

Die Apfelweinroute

Rund 30 Kilometer Straßen und Wege in Offenbach zählen zur Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute. Sie sind mit dem roten Apfel-Logo gekennzeichnet.

Es symbolisiert die lange und innige Verbindung zwischen der Stadt, der Region und ihrem Stöffche. Bereits die Germanen kelterten ihren „Ephiltrank“ (Apfeltrank). Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Apfelwein in den Wohnstuben der Weinbauern (Häcker) ausgeschenkt. Die Route verbindet typische Apfelweinlokale, Keltereien und Streuobstwiesen. Sie lädt ein, regionale Spezialitäten in gemütlichen Gärten zu genießen.

 

Die Route der Industriekultur

Das industriekulturelle Erbe der Region zeigt sich unübersehbar in ehemaligen Fabriken, Verwaltungsgebäuden und Arbeiterwohnungen. Unternehmen von Weltrang haben hier gewirkt und ihre Spuren hinterlassen, auch und gerade in Offenbach. Den Schatz an lebendigen Zeugnissen des produzierenden Gewerbes wieder zugänglich und erlebbar zu machen, ist das Anliegen der „Route der Industriekultur Rhein-Main“.

 

Hugenotten- und Waldenserpfad

An das kulturelle Erbe der Hugenotten und Waldenser erinnert der 1.800 Kilometer lange Wanderweg, der von Frankreich bis nach Bad Karlshafen reicht. Über knapp 16 Kilometer verläuft die Route durch Offenbach. Verschiedene Stationen dokumentieren den entscheidenden Einfluss hugenottischer Glaubensflüchtlinge auf die Entwicklung der Stadt.

Von Neu-Isenburg her kommend führt der Weg durch die City und weiter zum Main in Richtung Mühlheim. Stationen sind unter anderem die Kirche der französischreformierten Gemeinde, die Ende des 17. Jahrhunderts gegründet wurde, und das Isenburger Schloss.

Hugenottenorte in Offenbach

9 Waldcafé Hambachtal

10 Waldgaststätte Rosenhöhe

11 Apfelwein-Klein

12 Stadtcafe (Frieda-Rudolph-Haus)

13 Wochenmarkt

14 Markthaus am Wilhelmsplatz

15 Tafelspitz & Söhne

16 Bürgerhaus Rumpenheim

 

Hugenottenorte in Offenbach:

Französisch-Reformierte Kirche

Französisch-Reformiertes Pfarrhaus

Musikhaus Andre

Gedenkstein Büsingpark

Büsingpalais (ehemalige Bernard-d'Orvillesche Schnupftabakfabrik)

D'Orvillesches Puppenhaus (im Haus der Stadtgeschichte)

Ehemalige Textilfabrik André (Standort) am Isenburger Schloss

 

Der Grünring vom Main zum Main:

Der Grünring vom Main zum Main, seit dem Jahr 2000 Teil des Regionalparks RheinMain, bietet auf einer Strecke von 17 Kilometern mitten in der Stadt Naturerlebnisse. Als Landschaftsband umschließt er die Kernstadt: vom Main am Kaiserlei zum Main bei Bürgel

Die teils alleenartigen Wege verbinden Stadtgärten wie den Dreieichpark im Westen und den Leonhard-Eißnert-Park im Osten. Sie führen an renaturierten Bachläufen vorbei zu Aussichtspunkten und Orten aktiver Freizeitgestaltung wie Wetterpark oder Kletterpark.

 

Der Industriebahnweg:     

Die Gleise der Industriebahn sind längst demontiert. Einst versorgten hier Güterzüge zwischen der Sprendlinger Landstraße und dem Lämmerspieler Weg Offenbacher Betriebe, seit 1996 ist der Industriebahnweg eine beliebte Strecke für Fußgänger und Radler. Der ehemalige Bahndamm ist Teil der Route der Industriekultur und bietet interessante Informationen zur Offenbacher Wirtschaftsgeschichte.

 

Die Klimaroute:

Globale Zusammenhänge vor Ort sichtbar machen: Das ist die Idee einer Route zum Thema Klimawandel (Climate Change, kurz: C-Change). Im C-Change-Projekt werden lokale Maßnahmen im Flussraum des Mains ins Verhältnis gesetzt zu globalen Veränderungen. So wird die Brücke zu anderen Regionen der Erde geschlagen, denn durch das Wasser ist die ganze Welt umfassend vernetzt. Der Weltwasserkreislauf kommuniziert über Ströme, Flüsse, Bäche und Meere, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Der Main ist ein kleines Puzzleteil in diesem weltweiten Netz.

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts haben Studierende der Hochschule für Gestaltung fünf Stationen am Offenbacher Mainufer entwickelt. Vier davon führen an den Indus auf dem indischen Subkontinent, an den Yukon in Nordamerika, an den türkischen Fluss Kizilirmak und an den Tajo, der durch Spanien und Portugal fließt.

 

Ziele am Rand von Offenbabch
Kaiserlei:

Er geistert als Europas größter Verkehrskreisel durch die Gazetten, lehrt jeden Führerscheinanfänger das Fürchten. In seinem Zentrum sagten sich lange Zeit die Karnickel gute Nacht, der Ring drumherum fungiert als Autokarussell im Dauerbetrieb. Kaiserlei - der Name ist für viele Bewohner der Region Synonym für den Kreisel. Nur Ortskundige wissen, daß damit der Offenbacher Stadtteil rund um den Betonring gemeint ist.

Und noch weniger bekannt ist, daß der Name an den Kalkfelsen erinnert, der wie eine Zunge von der Frankfurter Seite her in den Main ragte. Er brachte manchen Lastkahn auf dem Weg von Würzburg nach Aschaffenburg zum Kentern -  leichte Beute für den hungrigen rothaarigen Nix, der dort Jahrhunderte mit seinen beiden Söhnen hauste. Der Einzug der Technik vertrieb den Nix samt Anhang. Im Jahre 1852 wurde der Kaiserleifelsen gesprengt, um die Fahrrinne zu begradigen. Die Reste räumten die Arbeiter 50 Jahre später bei der Kanalisation des Mains oberhalb der Frankfurter Stadtgrenze beiseite.

Nicht nur zu Wasser wuchs der Verkehr. Auch zu Lande mußte die Infrastruktur den Bedürfnissen angepaßt werden. Nach siebenjähriger Planungszeit begannen im Jahr 1964 die Arbeiten an dem Kreisel mit europarekordverdächtigen 250 Meter Durchmesser. Noch als Provisorium hatte er im Dezember bereits seinen Ruf als Unfallschwerpunkt und Alptraum eines jeden Autofahrers weg. Mit Ampeln, Verkehrspolizisten, Radarkontrollen und Verkehrsschildern versuchte die Ordnungsbehörde, das Chaos zu lindern. Erfolglos. 220 Unfälle registrierte die Offenbacher Polizei im Jahr 1969 am Kaiserleikreisel, Bagatellfälle nicht mitgerechnet.

Die Inbetriebnahme des Kreisels fand kaum Beachtung. Die ebenfalls 1964 eröffnete Kaiserleibrücke, deren Realisierung ein halbes Jahrhundert gedauert hatte, stahl ihm die Schau. Vermutlich waren die Offenbacher auch nicht sonderlich stolz auf das häßliche Rondell, das allerhöchstens Motorradfahrern Lustgewinn verspricht. Die Brücke hingegen wurde als schönste und technisch interessanteste Bogenbrücke in Europe gefeiert. Mit ihren 35,80 Meter Breite übertraf sie wesentlich die nur 21 Meter breite Großbrücke zwischen Deutschland und Dänemark.

Der Autowahn ging weiter. Im Jahre 1972 übergab der hessische Verkehrsminister Heinz Herbert Karry die Hochbrücke über dem Kreisel dem Verkehr. Die Pläne für eine Untertunnelung des Kreisels oder eine Kabinenbahn legten die Kommunalpolitiker ad acta. Zumal ein Jahr später ein S-Bahn-Anschluß in Aussicht gestellt wurde. Ein Hirngespinst blieb auch die Bepflanzung des Inneren des Kreisels, in dem bis zum heutigen Tag nichts als Unkraut und Brombeerhecken wuchern.

Dafür tummelten sich auf dem Kreisel gerne die Bauarbeiter. Höhere Bordsteine für Rechtsabbieger, veränderte Verkehrsführungen. Immer wieder sorgte das Autokarussell für Überraschungen. „Ein Verkehrsunfall ist ab einer gewissen Größe bei Ortsfremden nicht ganz unproblematisch“, sagt Josef Michael Rösch, Polizeisprecher aus Offenbach. Dieser Zustand ist schon seit Jahren erreicht. Deshalb hat die Polizei nichts dagegen, wenn das Bauwerk einem modernen System aus Unter- und Überführungen weicht. Offenbach würde dann allerdings ein Wahrzeichen verlieren, das immer wieder Zeitgenossen zu emotionalen Ausbrüchen hinreißt. „Ein gesunder Mensch“, sagte jüngst die Frankfurter Autorin Eva Dehmski, „müßte doch am Kaiserleikreisel laut schreien.“

 

Wetterpark Offenbach:

Zum Wetterpark kommt man über die B 43. Entweder fährt man von der Autobahnabfahrt Offenbach-Taunusring nach Osten und nah der zweiten leichten Linksbiegung recht ab in die Goerdeler Straße oder über Mühlheim bis zur Unteren Grenzstraße und dann in die Rhönstraße (Verlauf der B 43) und links ab in die Goerdeler Straße (Hinweisschild „Wetterpark“). Ziemlich am Ende der Straße ist rechts der Parkplatz. Von dort muß man noch ein Stück laufen. Man darf aber nicht den ganz rechten Weg gehen, weil der zur Schule führt. Vielmehr geht man durch den Lehrpark und an seinem Ende an der Straße (verlängerte Buchhügelallee) etwas nach links. Westlich der Tennisplätze, südlich des Buchhügels, ist dann der Wetterpark, parallel zu der Von Nordosten und Südwesten verlaufenden Straße in Richtung Weserstraße.

Alle reden vom Wetter. Aber kaum jemand weiß, wie Hagelschauer oder Stürme entstehen und wie man sie gar vorhersagt. Antworten auf solche und ähnliche Fragen sollen Spaziergänger im Wetterpark am Buchhügel finden können. Neben der Stadt Offenbach sind der Deutsche Wetterdienst sowie der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main beteiligt.

Der Magistrat hatte im Dezember 2003 die Errichtung eines Wetterpfades befürwortet. Am 22. Januar 2004 beauftragte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, eine Rahmenvereinbarung mit dem Planungsverband abzuschließen, um das Projekt Wetterpfad zu realisieren. Am 19. Februar 2004 teilte der Magistrat mit, der Stadt entstünden durch das Projekt jährliche Folgekosten in Höhe von 16.800 Euro. Im Juni schlossen die Stadt, der Planungsverband und der Wetter

dienst eine Rahmenvereinbarung.

Der Wetterpark Offenbach, der Anfang Juni 2005 eröffnet wurde, ist als Erholungsanlage und Ausstellung im öffentlichen Landschaftsraum konzipiert, mit dem Ziel der Darstellung und Erklärung von Wetterphänomenen. Auf einer Fläche von etwa 20.000 Quadratmetern werden dem Besucher die Aspekte des Wetters und seine Erscheinungsformen anhand von Objekten und erläuternden Grafiken dargestellt.

Als Standort haben sich die drei Kooperationspartner auf ein Gelände am Buchhügel, zwischen Buchhügelallee und Weserstraße, geeinigt. Ein Teil der ehemaligen Stadtgärtnerei ist in die Anlage einbezogen worden. Die Gesamtkosten betrugen 400.000 Euro, von denen die Stadt Offenbach 41.000 Euro übernommen hat. Zudem stellte sie das Gelände zur Verfügung. Die restlichen Kosten wurden von der Europäischen Union (EU) und vom Planungsverband getragen. Die EU honoriert mit ihrem Zuschuss in Höhe von 200.000 Euro die Idee, das Image Offenbachs als Wetterstadt weiter zu fördern. Die Förderung erfolgt im Rahmen von Interreg IIIB - Programm Sustainable Open Spaces (SOS). Der Lead Partner ist die Niederlande.

Das Konzept des Wetterparks sieht vor, Besucher auf einfache Weise in die Beobachtung komplexer Wetter-Zusammenhänge und die wissenschaftlichen Hintergründe einzuführen. Die sinnliche Wahrnehmung wird an den Exponatstationen durch eine Aufforderung zu aktiver Beobachtung oder Interaktion ergänzt. Dies macht den Besuch auch für Familien mit Kindern oder Schulklassen interessant, die den Wetterpark in ihr Lehrprogramm aufnehmen können.

Der Wetterpark ist Teil des Grünrings vom Main zum Main, der auf der Trasse der ehemaligen Südumgehung vom Kaiserlei über das Lauterborn zum Buchhügel und weiter zum Kuhmühlgraben vorhandene Landschaftsräume verbindet und unerschlossene Landschaftsteile zugänglich macht. Der Landschaftsraum auf dem Buchhügel soll langfristig als Grünraum mit besonderer Qualität für Erholung und Unterhaltung aufgewertet werden. Um dieses Ziel zu erreichen und langfristig zu sichern, wurde für den gesamten Buchhügel ein Freiraumentwicklungskonzept entwickelt, in dem der Wetterpark einen zentralen Stellenwert hat.

Außerdem ist der Wetterpark Teil des Regionalparks Rhein-Main, dessen Ziel es ist, Freiräume für Erholung und Belüftung im gesamten Ballungsraum zu sichern und miteinander zu verbinden. Der Wetterpark ist ein weiterer Trittstein entlang der Regionalparkroute, die sich durch das gesamte Rhein-Main-Gebiet zieht.

Das Thema Wetter in Offenbach zur Förderung der lokalen Identität und Werbung zu nutzen, ist durch den Hauptsitz des Deutschen Wetterdienstes vor Ort gegeben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) finanziert eine vollautomatische Messstation, die Teil des weltweiten Wetternetzes ist und in das Besuchsprogramm des Wetterparks einbezogen wird. Zusätzlich betreibt der Deutsche Wetterdienst einen Phänologischen Garten, der zur Beobachtung des Klimas dient.

Der Themenpark ist mit Ausnahme des eingezäunten Messfeldes des DWD überall uneingeschränkt öffentlich zugänglich. Er hat daher den Charakter einer öffentlichen Parkanlage.
Durch den Wetterpark zieht sich von der Buchhügelallee bis zur Weserstraße ein etwa 1,80 Meter breiter einfacher Kiesweg und verbindet die einzelnen Ausstellungsexponate miteinander. Die Eingänge werden durch Fahnenstangen mit einem „Windsack“ gekennzeichnet. Vom Weg führen Stege zu den Exponaten mit Grafik- und Texterläuterung. Abseits der Stationen bleibt das landschaftliche Erscheinungsbild unangetastet.

 

Exponatstationen und Themen: (vom Eingang Buchhügelallee)

Pavillon Meßstation mit den Inhalten:

Erläuterung der Messstation und ihrer Instrumente

Darstellung der Messwerte und Prognosen/ Warnungen (auf Display)

Selbstdarstellung Aufgabengebiete DWD

Gewitter

Erläuterung Entstehung Gewitter und Darstellung der Kraft von Blitzen

Luftdruck

Entstehung von Hoch und Tief durch das Gewicht der Luft

Atmosphäre

Atmosphäre als Ort des Wettergeschehens, Zusammensetzung der Luft, Aufbau der Atmosphäre

Wind

Erklärung wie Winde entstehen und die Einteilung in der Beaufortskala

Sonne

Die Sonnenenergie als Motor des Wetters

Wie entsteht Wärme und dem Einfluss der Temperatur auf Wetterphänomene

Der Sonnenstand entscheidet über Jahreszeiten und Tag/ Nacht- Unterschiede

Wetter

Was ist Wetter?

Wie entstehen die Wetterphänomene

Diagramme typischer Wetterläufe

Niederschlag

Das Wasser im Wetterkreislauf

Niederschlagsformen

Aktuelle Messung der Niederschlagsmenge

Phänologie/ Klima

Das Wetter beeinflusst Pflanzen und Leben

Klimaforschung durch Beobachtung des Pflanzenwachstums

Klima/ Klimageschichte

Wetterverläufe in großen Perioden (Eiszeit...)

Klimaschwankungen am Beispiel der Apfelblüte in Geisenheim seit 100 Jahren

Wolken

Wie eine Wolke entsteht und wie viel sie wiegt

Vorstellung der Wolkenarten

Wetteraussicht

Sicht: wie entsteht Dunst und wie wird sein Grad bestimmt

Wetterlagen: aus welcher Himmelsrichtung sind welche typischen Wetterlagen zu erwarten und warum?

 

Kontakt: ESO Service-Telefon: 069/8065-4545, http://www.wetterpark-offenbach.de/
(Weitere Informationen und eine genaue Anreiseskizze für Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und Benutzer Öffentlicher Verkehrsmittel.)

Der Wetterpark ist eine öffentliche Parkanlage und in der Zeit von 8:00 bis 22:00 Uhr zu besichtigen. Adresse: Buchhügelallee 400, 63071 Offenbach. Der Eintritt ist frei. Der Themenpark ist so aufgebaut, dass die Stationen ohne Erläuterungen oder Führungen verständlich sind.

Der alte Schlachthof an der  Buchhügelalleee

(wo die Rhönstraße im Süden Offenbachs in den Spessartring übergeht, geht nach Norden die Buchhügelalle ab. Nach dem Abzweig Erlenbuchstraße kommt der ehemalige Schlachthof)

Bei der Umwidmung des alten Schlachthofes in Offenbach ging kein Schritt ohne die Bauforschung, das heißt: die Erfassung der historischen Baukonstruktionen, der Baubefunde, die Prüfung des Bau- und Materialzustandes, maßnahmenorientierte Bauvoruntersuchung und die Klärung, ob die neue Nutzungsplanung auch denkmalgerecht sein würde. Dies alles stellen die Kernaufgaben der Bauforschung dar.

Im Jahre 1904 wurde das Schlachthofareal in Betrieb genommen. Die beispielhafte Industrieanlage mit insgesamt 14 Gebäuden war damals mit modernster Technik ausgestattet und wurde als absolut zukunftsweisend angesehen: Strom und Energie lieferte eine eigene Dampfkesselanlage, eine Eisfabrik konnte täglich 17 Tonnen Blockeis herstellen, und die Wasserversorgung wurde durch einen eigenen Wasserturm gesichert. Sehr hübsch und ansehnlich ist die Durchgestaltung aller Fassaden der Anlage in verschiedenfarbigem Klinker (ockerfarbenem und rostrotem Backstein) in historisierenden Formen. Dunkle Basaltsockel und rote Sandsteingesimse und -gewände gliedern die Gebäude; gelegentlich sind die Eingänge mit aufwändiger Verdachung mit Fachwerk und glasierten Ziegeln dekoriert. Im Mittelpunkt des Schlachthofgeländes steht die 15 Meter breite und 100 Meter lange Verteiler- oder Verbindungshalle, von einem gewölbten Glasdach überspannt, die die Schlachthallen und das Kühlhaus verband. Einige Architekturelemente, wie etwa die Fenstergewände, sind sorgfältig aus Formsteinen gearbeitet. Die Triforien sind teilweise verglast, Rautenfriese und Granitsäulen mit Würfelkapitellen im neoromanischen Stil ausgebildet (Sonja Bonin).

 

Bedenkt man, dass dies ein ganz auf Funktionalität konzentriertes Bauwerk ist, dann verblüffen besonders das große Schmuckbedürfnis und die oft pittoreske Gestalt mancher Gebäude - die wundersame, gleichwohl genuine Architektursprache der Erbauungszeit. Diese architektonische Manifestation der Epoche macht die Anlage (neben weiteren Kriterien) schützenswert.

Nach der Schließung des Schlachthofes lobte die Stadt Offenbach 1990 einen Investorenwettbewerb aus, mit der Vorgabe, ein Wohn- und Gewerbequartier zti projektieren und dem Quartier eine städtebauliche Neuordnung zuzuführen; fast eine Gratwanderung, denn für die denkmalgeschützten Gebäude sollte einerseits eine zeitgemäße Nutzung gefunden werden, andererseits mussten sich Wohnquartiere und Geschäfte in den Baubestand behutsam einfügen. Zusätzlich sollte ein Angebot an Kultur und Freizeit ein neues Zeichen setzen. Das später umgesetzte Entwicklungskonzept für das etwa 40.000 Quadratmeter große Areal zwischen Buchhügelallee und Erlenbruchstraße stammt von dem Frankfurter Büro Albert Speer & Partner.

Heute finden wir auf dem ehemaligen Schlachthof-Gelände Büros, Lofts, ein Vier-Sterne-Ho­tel und eine Bar, in der ehemaligen Maschinenhalle ein Restaurant und in einem früheren Stall­gebäude Wohnungen. Das Kesselhaus ist integriert, die Eisfabrik und das Kühlhaus wurden einer attraktiven Ladennutzung zugeführt, und der ehemalige Kleinviehstall sinnigerweise in einen Kindergarten umgerüstet. Durch die dominante Verteilerhalle, die nun als kultureller Treffpunkt und Geschäftszentrum eine besondere Rolle übernommen hat, wirkt das gesamte Bauwerk sozusagen als „Herz“ des neuen Stadtquartiers. Die Neubauten, die vor allem für die Wohnnutzung konzipiert wurden, ergänzen mit feinem Gespür den Altbaubestand und bilden in ihrer Ausformung (in Kubatur und konsequenter Geschosshöhe) ein harmonisches, städtebauliches Ensemble von großer Qualität und mit viel Atmosphäre.

Das Schlachthofviertel grenzt im Westen an eine Kleingartenzone, die das Areal großzügig im Vorfeld eingrünt. Der parkartige Charakter des Umfeldes ist zweifellos ein zusätzlicher Reiz dieses neuen städtebaulichen Gebildes.

 

Freizeitgelände in Osten Offenbachs:

Hier finden sich verschiedene Freizeitgebiete. Über die Mühlheimer Straße, Untere Grenzstraße und Bieberer Straße (B 448) kommt man zum Leonhard-Eißnert-Park mit Minigolfanlage undHochseilgarten („Abenteuerspielplatz“) (Die Bierbrauerstraße ist nur für Anlieger, also an sich nicht zum Parken gedacht).

Zu den Schneckenbergen maß man schon gleich nach Unterquerung der Eisenbahn nach links in den Lämmerspieler Weg einbiegen und dann unbedingt nach links unter der Eisenbahn nach Heusenstamm hindurch und dann wieder nach rechts in die Straße Schneckenberg

Mülldeponie Grix: Früher wurde Hausmüll unsortiert deponiert. In Offenbach geschah das auf dem Gelände der ehemaligen Kalkgrube. Hier sammelten sich zwischen 1963 und 1983 rund 2,6 Millionen Kubikmeter Abfälle. Die inzwiischen mit Gras bewachsene Halde ist 40 Meter hoch und damit der höchste Punkt im Offenbacher Stadtgebiet. Zum Untergrund hin wurde die Deponie abgedichtet. Um zu verhindern, daß Jahr für Jahr Schadstoffe vom Regen ins Grundwasser gespült werden, wird die Mülldeponie  nun saniert. Sie erhält eine Oberflächenabdichtung mit einem modernen Kapillarsperrensystem. Bekannt ist das Gebiet auch als „Schneckenberg“.

 

Bürgel: Jüdische Gemeinde

Auf dem Mittelweg fährt man dann weiter nach Bürgel. Im Ortsbreich bleibt man aber nicht auf dem Damm, sondern fährt auf der Teerstraße entlang der Häuser. Nach links blickt man in die Schifferstraße und hält an der nächsten Straße, der Bürgerstraße, weil hier einmal diei Synagoge war.

In Bürgel bestand bis 1938/40eine zeitweise große jüdische Gemeinde. Erstmals werden Ende des 16. Jahrhunderts Juden am Ort genannt: In Bonn und Friedberg wird ein Rabbi Moses von Bürgel (R. Mose ben Jisai oder Josef Bürgel) genannt. Er soll 1575 in Bürgel geboren sein und nach 20-jährigem Wirken in Friedberg am 5. Oktober 1643 gestorben ist. Im Jahre 1603 wird die Bürgeler jüdische Gemeinde in einer Liste der damals erhobenen „Türkensteuer“ erstmals erwähnt.  

 Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die Zahl der jüdischen Familien am Ort zu (Mitte des 17. Jahrhunderts 10 Familien). Mitte des 18. Jahrhunderts gab es etwa 25 jüdische Familien am Ort.  Um 1800 waren es etwa 40 jüdische Familien und 1905 gab es 149 jüdische Einwohner. Zur jüdischen Gemeinde in Bürgel gehörten auch die in Mühlheim am Main und Dietesheim lebenden jüdischen Familien. Ab 1887 bildeten diese eine eigene Gemeinde mit Sitz in Mühlheim.   

Im Jahre 1933 lebten noch etwa 60 jüdische Personen in Bürgel (in etwa 15 Familien). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 haben weitere jüdische Personen den Ort verlassen. Im Jahr 1939 wurden noch 27 jüdische Einwohner gezählt. Von den letzten jüdischen Einwohnern wurden 1942 wurden drei jüdische Bewohner in das Ghetto Theresienstadt deportiert, neun weitere Personen in die Vernichtungslager nach Polen.   

 An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (1781 genannt) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schochet tätig war. Im Jahre 1837 wird als Lehrer in Bürgel Elias Birkenstein genannt (zuvor Lehrer in Battenberg und Battenfeld). In den Jahren vor 1895 war ein Lehrer Feuchtwanger am Ort. Letzter Lehrer der Gemeinde war von 1895 bis 1923 Abraham Weinberg. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Offenbach am Main. 

Zur Geschichte der Synagoge: Zunächst war ein Betraum vorhanden, der sich in einer Stube im „Falltor“ (einem Torturm) der Ortsbefestigung befand (am östlichen Ende der Bürgerstraße).  Im Jahre 1824 wurde eine Synagoge in der Bürgerstraße (frühere Borngasse) erbaut und eingeweiht. Im Jahre 1856 wurde das Gebäude renoviert. Auch nach der Eingemeindung Bürgels nach Offenbach fanden in der Bürgeler Synagoge Gottesdienste statt. Im Jahre 1924 konnte das 100-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden. Die Synagoge hatte zuletzt 66 Plätze für Männer und 38 für Frauen.  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Das Gebäude wurde im Jahr 1939 zwangsweise verkauft. Den Kaufvertrag unterzeichneten der Kaufmann Leo Grünebaum und der Metzgermeister Salomon Reiß. Im Jahre 1943 wurde das Synagogen­gebäude durch eine Luftmine schwer beschädigt. Nach 1945 wurde das Gebäude zu einem privaten Wohnhaus umgebaut. 

Ursprünglich aus der Synagoge der Gemeinde stammt eine 1767 von dem damals in Bürgel lebenden jüdischen Ehepaar Leiser und Breinle Wimpfe der Gemeinde gestiftete Menora (siebenarmiger Leuchter). Sie ist aus Kupfer hergestellt und sehr kunstvoll gearbeitet. Im Jahre 1913 wurde sie von Dr. Siegfried Guggenheim (Offenbach, später Flushing, New York) erworben und in Amerika dem Jewish Museum in New York zur Verfügung gestellt. Dort erwarb sie David Ben Gurion, als er anlässlich seines Staatsbesuches in den USA ein geeignetes Geschenk für Präsident Truman suchte und ihm die Menorah am 8. Mai 1951 überreichte. Auch Präsident George W. Bush wurde bei einem Empfang zum Chanukka-Fest im Dezember 2008 die Menora aus Bürgel präsentiert und die erste Kerze wurde durch Professor Yariv Ben-Eliezer, einen Enkel von David Ben Gurion. entzündet. 

Unter den jüdischen Vereinen der Gemeinde ist neben den Wohltätigkeitsvereinen vor allem der jüdische Gesangverein „Concordia“ zu nennen. Er wurde 1866 zunächst als Synagogen­chor­verein gegründet, um „den Gottesdienst in der Synagoge zu heben“. Später nahm der Chor mit weltlichem Gesang auch an Sängerfesten teil (Fahnenweihe 1868).

Aus Bürgel stammte der Kantor Isaac Eberst (auch Juda Eberscht genannt; Vorfahren aus der Rhön oder aus Eberstadt). Er wurde 1779 hier geboren und heiratete ein Mädchen aus der Bürgeler jüdischen Familie Schlesinger. Ebersht nahm später den Namen „Offenbach“ an. Sein Sohn Jacques Offenbach wurde 1819 in Köln geboren und wurde ein berühmter Operetten­komponist. Dieser war der Vetter der damaligen Inhaber des Café Schlesinger (Ecke Schifferstraße/Mainstraße). Das Gebäude stand bis nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Spezialität des Cafés war das sogenannte „Judenplätzchen“, ein Gebäck mit Mohn in Untertassengröße. Letzter Inhaber war der Schwiegersohn Schlesingers mit Namen Reinwald.   

Wo die Maingartenstraße endet, geht es nach rechts durch das Hochwassertor und dann gleich wieder links am Main entlang zum Isenburger Schloß in Offenbach. Man fährt durch das Hochwassertor. Links sind auf einer Säule die großen Mainhochwasser von 1687, 1764 und 1845 markiert. Ünd über die ampelgesicherte Straße kommt man zum Schloß.

 

 

 

 

Wanderung: Elvira Klein: Frankfurt II, Seite 49

 

 

Neu-Isenburg:

 

Geschichte:

Neu-Isenburg ist 1699 als Hugenottensiedlung gegründet worden. Südlich von Frankfurt war nichts als Wacholderheide, Wald und Wiesen. Exakt 250 mal 250 Meter mißt dort jenes Grundstücksquadrat, das 1699 der in Offenbach residierende Graf Johann Philipp von Ysenburg-Büdingen 30 französisch-reformierten Familien überläßt. Sie haben den Treue-Eid auf ihn, den Landesherren, geschworen, der ihnen die Religionsfreiheit zusichert und die französische Sprache erlaubt. Die Hugenotten stampfen ihre Siedlung aus dem Boden und legen den Grundstein für Neu-Isenburg. Noch heute ist im Alten Ort die historische Aufteilung zu erkennen: ein Viereck, dessen Diagonalen als Hauptgassen gepflastert sind und sich auf dem Marktplatz schneiden. Sternförmig kommen noch vier kleinere Gäßchen hinzu.

Von der ursprünglichen Bausubstanz ist allerdings fast nichts mehr erhalten - abgesehen von dem ehemaligen Schulhaus. Die Neu-Isenburger hatten schon 1876 das erste Rathaus auf der Mitte des Marktplatzes abbrechen lassen. Die Marktplatzkirche, Zentrum der Evangelisch- Reformierten Gemeinde im Alten Ort, wurde - wie auch viele Privathäuser - bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut.

Nach Angaben der Hugenottengesellschaft waren - nachdem der französische König Ludwig XIV. 1685 das Toleranz-Edikt von Nantes aufgehoben hatte - schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Hugenotten in alle Welt geflüchtet, etwa 44.000 davon nach Deutschland. Allein nach Brandenburg-Preußen kamen zirka 20.000 Hugenotten, nach Hessen-Kassel 3.800 und ins Rhein-Main-Gebiet 3.400.

Der Blick ins Telefonbuch der Stadt Neu-Isenburg erinnert an die Hugenotten. Typische Namen sind Delzieux, Diacont, Remy und Cezanne. In der Stadt fand der 42. deutsche Hugenottentag statt. Neu-Isenburg - seit 1894 Stadt - hatte 1999 sein 300-jähriges Bestehen gefeiert. Die Evangelisch-Reformierte Gemeinde wird 2002 mit diesem Jubiläum folgen.

 

Rundgang:

Autobahnabfahrt an der A 661 „Neu-Isenburg“, nach links auf die Landstraße einbiegen und gleich wieder rechts nach Isenburg-Nord. An der Wiesenstraße (Einbahnstraße) rechts abbiegen und in die Bansastraße. An deren Ende - am Übergang zum Gravenbruchring - steht im Rechtsknick mit der Hausnummer 29 die Bansamühle.

Die herrschaftliche Bansamühle am nördlichen Stadtrand Neu-Isenburgs wurde im Jahre 1705 vom Erbauer der Hugenottensiedlung Andreas Löber als Wassermühle am kleinen Luderbach errichtet. Am Eingang des Parks steht noch das Mühlengebäude im ausgehenden barocken Baustil. Doch der Betrieb funktionierte nur nach heftigen Regenfällen reibungslos, was der Mühle schnell den Spottnamen „Blitz-und-Donner-Mühle“ einbrachte.

Im Jahre 1766 kauften die Frankfurter Bankkaufleute Conrad und Johann Matthias Bansa das Anwesen mit dem weitläufigen Gelände drumherum und richteten es sich als Landsitz ein. Die Familien Goethe, Willemer und Brentano gingen dort ein und aus. Doch 1860 war auch diese glanzvolle Ära im Rampenlicht des gesellschaftlichen Lebens der Frankfurter High Society beendet. Die Bansamühle wechselte fortan mehrfach Besitzer und Funktion und war unter anderem lange Zeit beliebtes Ausflugslokal.

Im Jahre 1974 kaufte die Stadt Neu-Isenburg das Anwesen. Sie ließ die Mühle dank einer Stiftung des Bansa-Familienverbandes 1976 abtragen und leicht versetzt von Grund auf neu hochziehen. Zum 300- Jährigen Jubiläum Neu-Isenburgs 1999 sorgte die Stadt dafür, daß die Mühle innen renoviert und auch das Drumherum hergerichtet wurde. Das örtliche Standesamt hat dort eine Trauzimmer eingerichtet. Außerdem werden in der Mühle Lesungen und Konzerte veranstaltet.

Die barocke Gartenanlage des Landsitzes ist 1998 wieder angelegt worden, in absehbarer Zukunft soll die angrenzende Wiese als Landschaftspark gestaltet werden, der Verbindung in die freie Landschaft der Erlenbachaue schafft. Zunächst will man den Teich entschlammen und verschönern. Das Buschwerk und einige Bäume sollen verschwinden, um eine freundlichere Atmosphäre zu schaffen. An einer Uferseite soll eine Holzterrasse entstehen, die auch einen guten Blick auf die Insel mitten im Weiher gewährt. Als Blickfang soll eine Skulptur aufgestellt werden. Das gesamte Wegenetz soll so ausgebaut werden, daß die Spaziergänger stets trockenen Fußes durch den Park lustwandeln können. Wohl den größten Aufwand erfordert das Freilegen des Luderbachs, der bislang in einem Rohr den Park unterquert.

In der Bansastraße fährt man dann wieder zurück und geradeaus in die Pfarrgasse. Am Anfang links steht die alte Schule von 1703. Die Straße führt zum Marktplatz, nach rechts geht es zur Kirche, links steht u.a. das Gasthaus „Grüner Baum“. Nach links geht es durch die Hirtengasse wieder heraus aus dem alten Stadtkern.

 

Das alte Schulhaus

Graf Johann Philipp von Isenburg, der den hugenottischen Flüchtlingen 1699 zwecks Gründung einer neuen Colonie Grund und Boden gab, stellte 1703 Holz und Steine für das erste Schulhaus zur Verfügung.

Die Gemeinden sammelten in den Niederlanden, England und Deutschland Geld. Sprachunterricht: Die Hugenotten sprachen lange Jahre Französisch. Von 1818 an wurde elf Jahre lang zweisprachig unterrichtet, bis Französisch als Amtssprache

Das älteste Haus in der Stadt ist nicht das schönste, doch es soll bald schöner werden. Die Eigentümerin des ersten Schulhauses von Neu-Isenburg -1703 erbaut - will das unter Denkmalschutz stehende Gebäude bald modernisieren.

Keine Frage - das älteste Haus in der Stadt Neu-Isenburg ist mehr als jedes andere Gebäude in die Jahre gekommen. Die Farbe der dicken Balken verblasst, das Weiß zwischen dem Fachwerk ist nicht mehr frisch und der Putz im unteren Teil des an der Schulgasse gelegenen Domizils bröckelt. Die Besitzerin Kerstin Lillack hat das 1703 errichtete Gebäude vor drei Jahren von ihrem Vater geerbt und wohnt - aus Berlin zurückgekehrt - seitdem in der Pfarrgasse 29. Sie möchte das erste Schulhaus von Neu-Isenburg sukzessive sanieren. Die Behörde spricht ein Wörtchen mit, weil das Haus unter Denkmalschutz steht. Das sei nicht einfacher, meistens aber teurer.

Doch Stress hat Kerstin Lillack mit der Behörde nicht. Ganz im Gegenteil, sie sagt, dass es zwischen ihr, dem Denkmalschutz und auch der Stadt Neu-Isenburg Konsens gebe. Der Magistrat begrüßt es ausdrücklich, dass Kerstin Lillack sich jetzt stärker um das Aussehen und den Erhalt des historischen, von den Hugenotten nur vier Jahre nach der Gründung des Ortes erbauten Hauses, kümmern möchte. Die Besitzerin will marode Balken ausbessern und den Putz an der unteren Seite des Hauses erneuern lassen. Derzeit werde ein Kostenvoranschlag erstellt, der wegen möglicher Zuschüsse der Denkmalschutzbehörde und der Stadt zu Dritt diskutiert wird.

Was die Arbeiten und die Sanierung des Gebäudes angehe, werde die Stadt die Eigentümerin des ältesten Neu-Isenburger Hauses auf keinen Fall im Regen stehen lassen, betont Erster Stadtrat Herbert Hunkel. Er bekräftigt dies auch als Vorsitzender des örtlichen Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK), der ein großes Interesse habe, das historische Gebäude bald in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Herbert Hunkel hat aber noch mehr Wünsche. Am liebsten wäre ihm, die Stadt könnte das Gebäude kaufen, komplett renovieren und der Allgemeinheit zugänglich machen. Aber er habe auch Verständnis dafür, dass die Eigentümerin an dem Haus ihrer Familie hänge.

„Das älteste Haus von Neu-Isenburg würde ich aber gern in einem besseren Zustand sehen”, sagt der Erste Stadtrat klipp und klar. Hunkel betont im gleichen Atemzug, er könne verstehen, dass „die Kerstin”, die er schon von Kindesbeinen an kennt, wegen der hohen Kosten jetzt nicht alles auf einmal zu sanieren in der Lage sei. Hunkel ist aber froh darüber, dass die Besitzerin großes Interesse am Erhalt des Gebäudes habe und geschichtlich interessiert sei. Wenn sie an das von ihren Vorfahren erbaute Haus denkt, falle ihr nicht sofort die Geschichte der hugenottischen Glaubensflüchtlinge ein, sondern sie habe mehr die Zeiten vor Augen, als ihre Familie eine Wäscherei in dem Haus hatte, sagt sie. Kerstin Lillack (Jahrgang 1964) hat Geschichte studiert und arbeitet freiberuflich als Dokumentarin.

Die Neu-Isenburgerin denkt darüber nach, das alte Haus für die Bürger zu öffnen. Zwei Räume im Erdgeschoss des ehemaligen Schulhauses wolle sie örtlichen Vereinen zur Verfügung stellen. Herbert Hunkel hört das gern und versichert, „wir geben auch Geld”.         

 

Frankfurter Würstchen

Die einzig wahre Würstchenstadt ist nicht Frankfurt am Main, sondern das benachbarte Neu- Isenburg. Es bleibt aber beim „Frankfurter“, das heute in Neu-Isenburg von den Firmen Hans Wirth und G.A. Müller produziert und nicht nur nach Frankfurt, sondern global exportiert wird - stets paarweise in Folien oder Konservendosen mit mehrsprachigen Beschriftungen, damit beim Heißmachen (maximal acht bis zehn Minuten) auch ja nix schief geht.

 

Denn werden die Würstchen im Natursaitling richtig gekocht, platzen sie auf Original Frankfurter - im Unterschied zu profanen Bockwürstchen ist der starke Rauchgeschmack wie bei Aal typisch - bekamen schon 1893 bei der Weltausstellung in Chicago einen Preis. Man ißt das Würstchen aus der Hand mit etwas Meerrettich. Ein Brötchen als Beilage ist nicht verpönt, doch der Genuß von Frankfurtern mit Senf soll getrost den Touristen in Sachsenhäuser Äppelwoikneipen überlassen bleiben. Markenzeichen eines 15 bis 20 Zentimeter langen Frankfurters ist eine Wurstmasse, die zu 100 Prozent aus magerem Schweinefleisch besteht. In den USA haben die Frankfurter einiges durchmachen müssen, bis sie in die Klemme geraten sind - als äußerst fragwürdige „Hot Dogs“ mit Zwiebeln, gehackten Gurken und Synthetiksoße in matschigen Brötchen.

Ursprünglich stammen die Frankfurter natürlich aus Frankfurt. Die Schweinemetzger bildeten einst eine Elite unter den Fleischern, die in den Gassen an den Schirn ihrem Gewerbe nachgingen. Erst im Späten 19. Jahrhundert bekam die Zunft die Erlaubnis, vor die Tore Frankfurts auszuweichen. So entwickelte sich Neu- Isenburg zur heutigen Heimat der „Original Frankfurter Würstchen“, wie es in einer Chronik der Firm Wirth heißt. Daß im frühen 20. Jahrhundert weltweit Frankfurter nachempfunden wurden, machte dem hiesigen Gewerbe zu schaffen. Sogar Wiener, deren Hersteller das Rezept vom Main mit an die Donau brachten, hießen zunächst Frankfurter. Bis das Kammergericht Berlin 1929 urteilte, daß nur ein im Wirtschaftsgebiet Frankfurt am Main produziertes Würstchen den Namen Frankfurter tragen darf . Im Jahre 1955 wurde das höchstrichterlich bestätigt.

 

Buchschlag:

Zuerst standen nur drei bis vier Häuser in der Gartenstadt Buchschlag. Sie sollten eine Art von idyllischem Ruhesitz sein für Menschen, die im Leben mehr als ihre Pflicht getan hatten und nun inmitten des Waldes ruhig und zufrieden ihre Tage beschließen sollten. Unter den Händen dieser ersten Siedler entstanden Häuser im gleichen Baustil: Das Giebeldach mit den roten Ziegeln war tief herabgezogen, das obere Stockwerk umfassend. Erker und Veranden verzierten das untere Geschoß. Der Eingang war überdacht, ringsum war Garten. Es stand nicht Haus an Haus, sondern Zaun an Zaun. Das alte Baugelände sah eine Grundstücksgröße von 1000 Quadratmeter vor, in der Eigenheimsiedlung im Osten waren es 600 bis 700 Quadratmeter.

 

Sprendlingen

Von einer Ruhbank vor Sprendlingen an der Frankfurter Straße ist heute nichts mehr bekannt.

Wenn man von Norden kommt, fährt man an der Stelle, wo die Straße nach rechts abbiegt, geradeaus in die Alberusstraße. Diese führt zum Kirchplatz mit der Erasmus-Alberus-Kirche. Dieser war ein Freund Luthers und Reformator der Dreieich und von 1528-39 erster evangelischer Pfarrer in Sprendlingen. Von der gotischen Vorgängerkirche befindet sich noch der Rest eines Portals in der Westwand. Die Kirche wurde 1716-18 umgebaut. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche und eines Königsguts geschah 880. Westlich der Kirche steht das Pfarrhaus, das 1778-80 als gräfliches Forsthaus erbaut wurde.

Von der Alberusstraße geht nach  Osten die Hellgasse ab. An ihrem Ende, schon an der Schulstraße, steht rechts der Bauerhof Hausnummer 15. In dessen Keller befindet sich ein Mikwe, ein jüdisches Ritualbad.

Das Auffinden, die Freilegung und das Sichern der Sprendlinger Mikwe ist den „Freunden Sprendlingens“ (Verein für Heimatkunde e.V.) zu verdanken: Laut Angaben der Eigentümer eines Hauses in der Hellgasse wurden bei einem Umbau hebräische Buchstaben in einem Türbalken festgestellt. Während eines Gespräches fiel dann das Wort „Judeloch“ mit dem Hinweis auf die Hofreite Hellgasse 15-17. Wie sich herausstellte, war auch dem Besitzer, Fritz Schäfer, dieser Name von seinen Eltern her bekannt.

Mit der Erlaubnis von Schäfer fingen die „Freunde Sprendlingens“ (Verein für Heimatkunde e.V.) im Juni 1979 an, dort zu graben. Durch einen Einstieg von etwa 75 mal 75 Zentimeter wurden 11 Kubikmeter meist schlammiger Morast mit einer Unzahl von Keramikscherben und sonstigem Abfall nach oben geschafft. Nach 175 Arbeitsstunden war die als Kartoffelkeller und später als Hausmülldeponie genutzte Mikwe wieder freigelegt. Ihre Größe beträgt 340 mal 235 Zentimeter, ihre Gewölbehöhe 168 Zentimeter. Sie ist überwiegend aus Naturbruchsteinen gebaut, mit einer kleinen als Lichtquelle dienenden Öffnung im Deckengewölbe. Das eigentliche Tauchbecken erreicht man über sieben Stufen. Es ist 130 mal 110 Zentimeter groß und hat eine Tiefe von 143 Zentimetern. Das Alter des Bauwerks wurde auf etwa 300-350 Jahre geschätzt; es wurde also im 17. Jahrhundert erbaut.

Der erste urkundliche Hinweis auf jüdische Bürger in Sprendlingen stammt zwar schon aus dem Jahre 1563. Doch weder bei den von den „Freunden Sprendlingens“ befragten, im Ausland lebenden Sprendlinger Juden noch in den Judenmatrikeln des Stadtarchivs wurde etwas gefunden, was bereits auf eine alte jüdische Gemeinde hinweisen würde. Der größte Einschnitt im Leben der hiesigen Bevölkerung war der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), und nach ihm lebten in Sprendlingen nachweislich nur noch fünf Familien, worunter sich keine jüdische Familie mehr befand. Es wäre denkbar, daß die damaligen Juden abgewandert oder umgekommen sind und die später neu zugezogenen Juden nichts von ihren früheren Glaubensbrüdern und der noch vorhandenen Mikwe erfuhren.

 

Dreieichenhain

Wenn man von Westen kommt, fährt man aber erst um die Burg und den Weiher herum zu einem Parkplatz außerhalb der Stadtmauer. Durch das Untertor kommt man zu den Resten der Wasserburg Hain, einst Verwaltungsmittelpunkt des Reichsforstes und späteren Wildbannes Dreieich. In der Burg befinden sich die Kirche, das Dreieichmuseum und der Burggarten. Am Tor steht das Amthaus.

Schon die Römer könnten hier gesiedelt haben denn in der Mauer des viereckigen Turms wurde ein römischer Grabstein gefunden. Unmittelbar hinter dem Eingang zur Burgruine, dem ehemaligen Stammsitz der Herren von Hagen in der Dreieich, befindet sich an der rechten Seitenwand ein verschleppter und sekundär vermauerter römischer Grabstein mit Inschrift, die in der Übersetzung lautet: »Den Schattengöttern für Quintius Liberalis, der 51 Jahre gelebt hat, und für Proximonia, seine noch lebende Gattin, haben die Kinder, die Liberalinii, Juvenis und Juventina und Maternus und Faustus und Tibernalis dem unvergleichlichen Vater (den Grabstein) zu setzen besorgt.«

Unter der Inschrift ist ein Rechteck abgesetzt, in das deutlich die Umrisse eines liegenden Kreuzes eingemeißelt sind. In gleicher Größe ist im oberen Teil des Steins ein Rechteck abgeteilt. Das aus Mainsandstein gehauene Grabdenkmal war bis um 1600 im oberen Teil des viereckigen Burgturms eingemauert. Möglicherweise fand es vor seiner Einmauerung als Altarvorsatzstein (Predella) Verwendung, wobei das Kreuz eingemeißelt wurde. Dem Schriftcharakter nach gehört die Inschrift in die 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts nChr. Der ursprüngliche Standort des Steines ist unbekannt.       

 

Die Burg Hayn war jahrhundertelang der Mittelpunkt des kaiserlichen Reichsbannforstes „Dreieich“. Im 12. Jahrhundert wurde das Reichsforstamt von der Familie von Hagen (vom Hayn) versehen. Das Schloß wurde „Hagen“ genannt und war durch eine Graben von dem Ort getrennt.

Unterm Rasen des Hainer Burggartens, dort, wo die große Birke wurzelt und die Ränge der Naturbühne ansteigen, liegen die Relikte eines vor tausend Jahren gemauerten zweistöckigen Gebäudes: das Haus des Kaisers. Der Archäologe Karl Nahrgang hatte 1925 den Grundriß freigelegt und im Grabungsreport als Absteigequartier der Kaiser während der Zeit ihrer Jagden in der Dreieich« identifiziert. Ein wuchtiges Rechteck-Fundament von 9,75 mal 11,25 Meter. Mauern von 1,10 Meter Dicke. Gemäuer- und vermoderte Holzbalken-Reste von Vorsprüngen, Rundbogentüren, Treppen, Vor- und Seitenanbauten, eines Balkons. Nahrgangs Einschatzung: Vom Grundrißschema und vom Typus her eindeutig ein zweistockiges fränkisches Herrenhaus.

Dessen Überreste sind von den Forschern beschrieben, aufgelistet, kartografiert und dann - vor jetzt 78 Jahren - wieder zugeschüttet worden. Roger Heil will sie nun ein zweites Mal freilegen, richtig restaurieren lassen und das Haus des Kaisers zugänglich machen.

Im 13. Jahrhundert kam der Ort zum größeren Teil an Falkenstein, zu einem Sechstel an Graf Reinhard von Hanau. Im Jahre 1418 brachten die Grafen von Ysenburg Burg und Stadt zum größten Teil an sich, Hanau –Münzenberg behielt ein Sechstel. Die Ysenburger hatten aber oft Streit mit Frankfurt, dem ein Teil des Reichswaldes gehörte. Im Jahre 1710 kam Hayn durch Tauschvertrag in den alleinigen Besitz der Ysenburger, ein Teil des Wildbanns verblieb jedoch den Hanauern.

 

Schaut man auf den Stadtplan von Dreieichenhain, in dem bis Mitte vorigen Jahrhunderts kein Haus außerhalb der Stadtmauer gebaut wurde, wirkt der Ortskern heute im Verhältnis zu den angrenzenden Neubaugebieten so winzig wie ein Apfelkern. Jedenfalls gibt es die Ursprungszelle noch mit ihren ineinander verschachtelten Fachwerkhäuschen. Man sollte einen Bummel durch die engen Gassen machen.

 

Das Museum, das 1910 mit zwei Ausstellungsräumen eröffnet wurde und seit 1956 in einem eigenen Gebäude im Burggarten untergebracht ist, sammelt geologische, archäologische und volkskundliche Gegenstände der Landschaft Dreieich. Die in einem Raum des Untergeschosses ausgestellten römischen Objekte stammen aus umliegenden Fundplätzen sowie aus den Beständen des Hessischen Landesmuseums, Darmstadt.     

 

Götzenhain

Römischer Gutshof mit Kalkbrennofen: Etwa 800 Meter nördlich der Landstraße auf halbem Weg zwischen Götzenhain und Dietzenbach liegt in der Flur »Am Kirchbornweiher» („Lichteichen“) eine größere römische Siedlungsstelle. Bei Ausgrabungen, die 1917 und 1930 hier durchgeführt wurden, kam unweit der Kirchbornquelle ein römischer Kalkofen zum Vorschein. Es handelte sich um einen Kuppelofen mit kreisrundem Brennraum von 5,10 Meter innerem Durchmesser und 0,73 Meter Mauerstärke. Der Innenraum war ausgefüllt mit Plattenkalkbruchstücken und verhärteter Kalkmasse. Die Brennraumöffnung (Schnauze) lag nach Süden und wurde von einem falschen Gewölbe überkragt. Der Schnürraum (Küche) war von zwei 0,45 Meter breiten Wangenmauern begrenzt. In der Mitte des ummauerten Raumes konnte ein Pfostenloch festgestellt werden, das vermutlich zur Aufnahme eines die Überdachung tragenden Holzpfostens diente. Der Brennraum (Feuerkammer) war in den anstehenden Boden eingetieft. Offenbar in der Höhe der nicht mehr vorhandenen Ofentenne (Himmel) befand sich nördlich und nordöstlich des Ofens eine Pflasterlage, die wohl das ursprüngliche Gehniveau anzeigte. Der Aufbau des Götzenhainer Ofens läßt sich mit Kalköfen, die im Rheinland ausgegraben und deren Funktionsweise dort erforscht wurde, vergleichen.

Nur 70 Meter nordwestlich des Kalkofens wurde 1967 das Fundament eines Wohnhauses freigelegt, zu dem vermutlich weitere Gebäude und der Kalkofen gehörte; wahrscheinlich handelte es sich um einen römischen Gutshof (villa rustica), der seinen zu Bauzwecken benötigten Kalk an Ort und Stelle aus dem anstehenden Plattenkalkstein herstellte und darüber hinaus das Kalkbrennen als Nebenerwerb betrieb. Das auf einer leichten Geländekuppe gelegene Gebäude mit einer Größe von 15,40 x 11,60Meter hatte in der Nordwest- Hausecke einen etwa 2,50 x 2,30 Meter großen Kellerraum. Einige Pfostengruben und in Nord-Süd-Richtung verlaufende Pfostengräbchen lassen die Inneneinteilung des Gebäudes erkennen. In der südwestlichen und nordöstlichen Hausecke lag jeweils eine Feuerstelle, die von Kalksteinen kreisrund eingefaßt war. Die Funde, vor allem Keramik, stammen aus der Mitte des 2. Jahrhunderts nChr bis ins 3. Jahrhundert nChr. Es ist anzunehmen, daß die Villa erst mit dem Limesfall um das Jahr 260 nChr verlassen wurde. Wie es scheint, fanden die Besitzer noch Zeit, ihre Habe in Sicherheit zu bringen.      

 

Stangenpyramide:

Von Dreieichenhain fährt man in Richtung Götzenhain. Nach links geht ein Feldweg „Auf der Hub“ ab. Er führt zu der Stangenpyramide westlich der Deutschen Flugsicherung mit ihren Antennenanlagen. Die Pyramide besteht aus 450 verleimten Rundhölzern, alle akkurat 24 Zentimeter im Durchmesser und von 0,65 bis sechs Metern Länge. Sie stehen auf einem Kiesfeld von 18 mal 24 Metern zur Pyramide in Reih und Glied. Die Installation hat 650.00 Mark gekostet, die die Frankfurter Flughafengesellschaft im Frühjahr 2000 als Attraktion an der Regionalparkroute spendierte.

Was soll das Gebilde mitten im Gelände, wo nichts ist außer Wiese und den Antennen der

Landschaftsarchitekten aus Neu-Isenburg haben die Pyramide entworfen. Wer sich Zeit nimmt für die Pyramide, begreift allerdings schnell, weshalb das Objekt stehen muß, wo es steht: Ein schmaler Mittelgang durch das Stangenfeld rückt die Frankfurter Skyline vor dem Taunuskamm ins Blickfeld - und offenbart das grandiose Panorama, das sich just an dieser schmucklosen Stelle eröffnet.

Kinder brauchen diese Sichtachsen-Nachhilfe nicht, um die Stangenpyramide auf Anhieb zu lieben: Zwischen dem Stelenlabyrinth läßt sich vortrefflich Fangen und Verstecken spielen.

Der Ausflug zur Stangenpyramide läßt sich mit einem Besuch des Hofguts Neuhof (Golfplatz) oder durch den Isenburger Wald verbinden. Der Radweg der Deutschen Fachwerkstraße und die Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute führen zudem daran vorbei.

 

Schloß Philippseich

Zwischen Götzenhain  und Offenthal liegt das Schloß Philippseich mit Fasanerie.

 

 

Langen:

Im Ortskern steht ein klassizistisches Rathaus und einige schöne Fachwerkhäuser gibt es noch. Daneben aber stehen Hochhäuser. Es gibt eine südliche Ringstraße und eine nördliche Ringstraße als Umgehung des Ortskerns. Geplant ist der Bau einer Grillhütte in Anlehnung an das historische Wingertshäuschen.

 

Schloß Wolfsgarten

An 361 Tagen im Jahr läßt seine Königliche Hoheit Landgraf Moritz von Hessen niemanden in den Park seines Jagdschlosses Wolfsgarten in Langen. Oft lädt er sich Gäste ein, von europäischem Hochadel, zum Beispiel Windsors, Hohenlohes, Welfen. Der riesige, verwunschen wirkende Park, den ein Vorfahr Moritz, der Großherzog Ernst Ludwig, um die Jahrhundertwende anlegen ließ, verbirgt alles vor den Augen und Ohren der Bürgersleut. Von außen kann man nichts sehen. Deshalb sollte man nur an zwei Wochenenden im Mai, wenn der Rododendron blüht, das Schloß und den Park besuchen (Öffnungstage unter Schloß Wolfsgarten + Langen im Internet nachsehen, Samstag und Sonntag von 10 – 18 Uhr).

Dann darf das gemeine Volk gegen einen Wegezoll von 2,50 Euro das Tor passieren. Begründet wurde die Tradition von Prinzessin Margaret von Hessen und bei Rhein, einer Verwandten des englischen Königshauses, die Schloß Wolfsgarten bis zu ihrem Tod 1997 bewohnte. Damit wollte sie  den 67 Hektar großen Park wenigstens einmal im Jahr der Öffentlichkeit zugänglich machen und die Eintrittsgelder für einem guten Zweck zu spenden.

Man fährt auf der Autobahn über das Frankfurter Kreuz nach Süden und in Langen ab. Durch den Wald geht es bis zum Wegweiser Egelsbach und dort rechts ab. Parken kann man an der Straße (auf der Ostseite ist es meist nicht so voll).

Das ganze Schloß mit den weitläufigen Grünanlagen wirkt in dieser Atmosphäre irgendwie verwunschen, wie ein Ort, an dem die Zeit schon vor vielen Jahren stehengeblieben ist. Efeu wächst entlang der Mauern.  Begehbar ist der große englische Garten mit uralten Solitärbäumen und Hainen., Skulpturen und Brunnen, wuchtige Hecken und wilde Blumenwiesen mit Statuen und Amphoren bestückt, Laubengänge,  Spaliergärten und Barockbeete in den Höfen. 

Vom Eingangstor geht man zunächst auf das Schloß zu und kurz vorher nach rechts um das Schloß herum zu dem Prinzessinnenhäschen, die Attraktion des Parks. Es wurde 1902 erbaut von dem Jugendstil‑Architekt Joseph Maria Olbrich für die damals siebenjährige Elisabeth von Hessen und bei Rhein im Park, eine filigrane Ziegel/Fachwerk Villa im Puppenstuben‑Design, ein Spielhaus wie für die sieben Zwerge mit einer vergoldeten Krone auf dem Dach.

„Es war einmal, so fing das Märchen an, doch aus den Kinderworten wurde That und dieses Häuschen ist nun immer mein, und für mich selbst erbaut im Jahre 1900 zwein“ steht über der Eingangstür des kleinen Hauses zu lesen. Innen gibt es zwei Zimmer: einen Salon mit kleinen Sitzmöbeln und kunstvollen Wandschränken, eine Küche, in der die kleinen Tassen mit dem Initial „E“ sorgfältig an der Wand aufgehängt sind. Die zwei Räume haben eine  Höhe von 1,90 Meter.

Hausherrin war die 1895 geborene Prinzessin Elisabeth. Sie starb jedoch jung, im Alter von acht Jahren, an Scharlach (oder Typhus). „Mein Sonnenschein“, wehklagte der Vater, der bis 1918 regierende letzte Großherzog von Hessen‑Darmstadt. 

Im Hintergarten von Elisabeths Häuschens steht heute eine ganze Reihe von kleinen Grabsteinen, über die sich mancher Besucher wunderte. Molly, Kerry, Chantu und Bonifazius sind die Namen, die auf den Mini‑Grabsteinen stehen: Die adligen Bewohner des Schlosses haben hier ihre Möpse begraben.

Man geht dann weiter um das Schloß herum zum Teehaus, hinter dem noch eine Garage und en Bungalow für ein Rot-Kreuz-Treffens steht. Dann führt der Bogen weiter zu den Seerosenteichen in der Südwestecke des Parks. Man kann sie ganz umrunden oder über die Brücke gehen. Dann umrundet man weiter das Schloß, geht and er Gabelung nach rechts und dann wieder im rechten Winkel nach links. Links am Weg stehen besonders schöne rote Rhododendron.

Dann geht der Weg nach rechts ab zu der Kapelle mit Gedenktafel für Mitglieder der Fürstenfamilie. Auf dem weiteren Weg sieht man rechts die Russische Kapelle) im Blockhausstil und kommt dann zu der  fast tausend Jahre alten Eiche.  Von dort geht man nun in den Schloßhof hinein.

Der Schloßbau mit Turm, Freitreppe und Stallungen wurde erbaut als Jagdschloß des Landgrafen Ernst Ludwig. Baumeister war Remy de la Fosse in den Jahren 1722 bis 1724. Betreten können die Besucher das Schloß und die dazugehörigen Gebäude allerdings nicht. Sie werden zur Zeit von Landgrafen Moritz von Hessen und Rhein und seiner Familie bewohnt.

 

Koberstadt

Auf der Autobahn 661 fährt man bis zur Abfahrt Langen und fährt in Richtung Dieburg und dann nach links in Richtung Dreieichenhain. Man parkt gleich rechts auf dem Parkplatz östlich des Naherholungsgebiets. Von dort geht es weiter auf dem Götzenhainer Weg und dann nach rechts  auf der Breiten Haagwegschneise weiter. Die Bundesstraße wird gequert und unmittelbar vor dem Waldparkplatz schwenkt man nach rechts und dann bald wieder nach links auf den Dammweg.

Er führt zunächst zur Koberstädter Hütte und dann zum Koberstädter Falltorhaus. Es wird gesagt, der Name sei ein allgemeiner Begriff für einstige Zollhäuser, in denen Reisende Wegegeld zahlen mußten, das zum Unteralt der Überlandstraßen verwendet wurde. Mit Falltor bezeichnete man aber auch Wildgatter, die ein Überwechseln des Wildes verhindern sollten und sich dazu automatisch schlossen (von selber zufielen).

An der Stelle, wo heute das Koberstädter Falltorhaus steht, hatten die Ysenburg‑Ronneburger im 16. Jahrhundert mit dem Bau ihres Schlosses begonnen, bis sie dann schließlich den Platz auf der Höhe der Kelsterbacher Terrasse verzogen. Der Sage nach soll hier einst ein heidnischer König regiert haben, dessen Stadt mit ihren Bewohnern untergegangen sei. Noch immer streiche der König nachts in Hirschgestalt durch den Wald und bringe Wanderer vom rechten Weg ab.

Nach einer anderen Sage erregte der Lebensstil der Bewohner der Koberstadt den Unwillen Gottes. Er schickte sie deshalb in den Untergang. In der Überlieferung wird behauptet, daß die rote Färbung des Erdreiches rund um Langen vom Blut der Bewohner der Koberstadt herrühre. Heute weisen in dem dichtbepflanzten Waldstück zwischen Langen und Sprendlingen keine sichtbaren Spuren mehr auf die Existenz einer Stadt hin. Aber das Gelände mit seinen hohen alten Bäumen heißt noch heute „Koberstadt“.

Weiter geht es immer nach Süden. Mna kommt an einem Gedenkstein für einen Naturschützer vorbei zum Naturschutzgebiet Hegbachaue. Kurz vor dem Hegbach steht die Joachim-Lütkemann‑Hütte. Man fährt über den Bach und nach rechts in die Parkschneise, die nachher Hanauer-Stein-Schneise heißt. Etwa zwei Kilometer läuft sie geteert nach Westen. Die Speierhügelschneise wird gequert, links geht die Feldschneise ab.

Wenn das Gelände etwas zu fallen beginnt, geht es nach rechts in die Dreischläger Allee (Schild nur links). Links ist Bannwald, rechts Naturwaldreservat

 

Wieder über den Hegbach geht es auf das Forsthaus „Krause Buche“ zu (das aber offiziell auch „Forsthaus Koberstadt“ heißt). Vor dem Forsthaus geht es nach rechts weiter bis zur Speierhügelschneise (Schild nur rechts). Dort fährt man wieder links und quert die Brandschneise. Wenn man schon diese Wiese sieht und den Lärm der Autobahn hört, geht es nach rechts auf die Knippelswiesenschneise (Schild nur rechts)(Der Weg links um den Eselswog existiert nicht, es gibt aber einen Trampelpfad, der schräg links von der Knippelwiesenschneise durch den Egelswog führt). An der Höllschneise geht es wieder links, an der Autobahn entlang zum Forsthaus Koberstadt. Dort fährt man halbrechts zwischen den Gebäuden hindurch. Auf diesem Weg und vor allem auf dem Weg, der östlich des Forsthauses zu dem Parkplatz führt, gibt es viele Eßkastanien.

In der Senke kann man nach rechts hinauf gehen auf den St. Albanusberg. Hier lebten vor  zweieinhalbtausend Jahren im Dreieck zwischen Langen, Egelsbach und Messel keltische Siedler. Auf einer kleinen Anhöhe ist das Zentrum der Kultur der Hügelgräber. Zwischen den Bäumen und unter dem Laub verborgen liegen dort die keltischen Vorfahren der Langener begraben. Sie fürchteten Götter wie die Urmutter Danu, Og, den Riesen, oder Gowan, den Schmied.

Ihre Gräber sind von der Anhöhe aus nicht zu sehen. Sie wurden vor über hundert Jahren von dem Archäologen Friedrich Kofler geöffnet und auf ihren Inhalt untersucht. Unter den Hügeln aus Erde und Steinen ‑ teils mit einem Durchmesser von knapp 18 Metern ‑ fanden sich neben den Toten auch Gefäße aus Keramik und Schmuckstücke aus Kupfer und Zinn, einige verziert mit Bernsteinperlen. Nachbildungen dieser Stücke sind heute im Dreieicher Heimatmuseum zu besichtigen. Die Originale lagerten im Darmstädter Landesmuseum und wurden im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff zerstört.

Man kreuzt die Bundesstraße und fährt auf die Straße nach Dreieichenhain. Man biegt noch einmal nach links ein in das Naherholungsgebiet Mühltal. Zunächst fährt man die gepflasterte Straße entlang, dann nach rechts in Richtung Merzenmühle. Vor der Mühle geht es links ab zum Paddelteich und um diesen rechts herum und wieder zurück auf dem Weg zum Parkplatz

(vgl .Rlvira Klein, Frankfurt I, Seite 55). Auf dem Rückweg kann man noch dem Ort Dreieichenhain einen Besuch abstatten (siehe dort).

 

Egelsbach:

Geplant ist die Gestaltung des Bereiches östlich des Bruchsees.

 

Rödermark Ober-Roden

Pfarrkirche: Von der Holzkirche zum Rodgauer Dom

Im alten Ortskern von Ober-Roden steht heute die mächtige katholische Pfarrkirche Sankt Nazarius, ein in neugotischem Stil errichteter Bau mit 52 Meter hohem Spitzturm, der als „Dom les Rodgaus“ das Ortszentrum überragt. Er wurde in den Jahren 1894-96 von dem Frankfurter Architekten Josef Röder erbaut. Das mit dem Chor nach Norden ausgerichtete Gotteshaus steht an der Stelle eines alten Kirchenbaus, der geostet war. Über dessen Aussehen geben zwei Fotoplatten sowie Aufrisspläne in den Bauakten Auskunft, die es bereits zuließen, die Bauphasenabfolge des alten Kirchenbaus zu erstellen. Das älteste Denkmal Ober-Rodens, die Grabplatte des im Jahr 1393 verstorbenen Pfarrers Johannes Schank, die von dem Anbau eines Chores berichtet, spielt dabei eine Rolle. Sie weist nach, dass der auf den Bildern zu erkennende gotische 5/8-Chorabschluss anstelle eines älteren, wohl rechteckigen Chores errichtet worden war, der vor das Jahr 1393 zurückgehen muss.

Durch archäologische Ausgrabungen, die zwischen 1985 und 1991 durchgeführt wurden, ließ sich die weitere Baugeschichte klären. Nach allem, was sich chronologisch anführen lässt, dürfte es sich beim ersten Bau um eine Holzkirche karolingischer Zeit handeln, die vermutlich gegen Ende des 8. oder zu Beginn des 9. Jahrhunderts durch eine Steinkirche ersetzt wurde. Diese besaß eine Gesamtlänge von 25 Metern, die Breite des Kirchenschiffs betrug 8,80 Meter. Von diesem Steinbau ausgehend, kann mit Hilfe der Grabungsbeobachtungen die spätere Abfolge der einzelnen Kirchenbauphasen nachgezeichnet werden. Der alte Rechteckchor wurde vor 1393 durch einen gotischen Chor mit 5/8-Abschluss ersetzt. Im Jahr 1517 - belegt durch ein Baudatum - erweiterte man die Kirche um den Anbau des nördlichen Seitenschiffes. Die Kirche behielt ihr Aussehen bis zum Dreißigjährigen Krieg. Damals wurde sie niedergebrannt, Ende des 17. Jahrhunderts aber wieder instand gesetzt und anschließend bis zu ihrem Abriss im Jahr 1894 genutzt.

Die Grabungsergebnisse lassen sich mit der urkundlichen Überlieferung bestens verbinden. Zwei Urkunden aus dem Lorscher Codex aus den Jahren 786 und 903 benennen ein Nonnenkloster in Roden. Der kleine Nonnenkonvent konnte sich aber aus politischen Gründen nicht sehr weit entwickeln. Dies ist wohl der Grund dafür, dass sich auch seine weitere bauliche Entwicklung in Grenzen hielt und seit dem Abbruch der alten Kirche 1894 keine sichtbaren Zeugnisse mehr vorhanden sind. Wie die Grabungen auf den der Kirche benachbarten Grundstücken zeigten, war das kleine Kloster nicht auf jungfräulichem Gelände, sondern innerhalb einer bis in das 6. Jahrhundert zurückreichenden fränkischen Siedlung errichtet worden, die sich offenbar über die ganze hochwasserfreie, eiszeitliche Sanddüne erstreckte, die den Kirchenhügel von Ober- Roden bildet (Egon Schallmayer).

 

„Thomashütte“:

Mit dem Auto ist die Anfahrt etwas umständlich. Man muß von der B 45 an der Abfahrt Eppertshausen abfahren und wird dann im Dreieck weit durch den Wald geführt, ehe man wieder an die Bundesstraße herankommt und neben ihr in Richtung Thomashütte fahren kann.

Hier im nördlichen Odenwaldvorland mit seinen reiche Vorkommen an Ton, den schon die Römer abgebaut haben, entstanden im Mittelalter bedeutende Töpferzentren von überregionaler Bedeutung, über das ganze Land verstreut. Im vergangenen Jahrhundert drehten sich in Urberach noch in jedem zehnten Haus die Töpferscheiben. Aber auch die Herstellung von Baukeramik war üblich, beispielsweise da Brennen von Ziegeln, wie es in der Thomashütte von 1698 auch mit Erlaubnis von Graf Philipp Reinhard zu Hanau betrieben wurde. Dazu gehörten auch Landwirtschaft und der Unterhalt einer Herberge für Reisende, Fuhrleute und Pferde. Unübersehbar leuchtet das Weiß der Häusergruppen von Scheunen und Stallungen herüber, zum Teil noch mit Ziegeln der einstigen Brennerei gedeckt, die ihren Betrieb erst nach 225 Jahren in den zwanziger Jahren eingestellt hat.

 

Ausgangspunkt für eine Wanderung ist die Endstation Siedlung Breidert der Buslinie 963 in Rödermark-Ober Roden. Man geht die Wendeschleife zurück zur Straße, quert sie und ist drüben auf der Eisenbahnbrücke. Am Ende führ rechts ein schmaler Treppenabgang die Böschung hinunter Unter der Brücke hindurch treffen wir auf die Markierung rotes Dreieck, folgen ihr nach rechts auf festen Wegen zwischen Waldsaum und versteckt liegenden Industriegebieten Ein Linksbogen, und weiter, bis man nach der Schranke rechts abbiegt.

Die B 486 wird gequert, drüben geradeaus im lichten Hochwald kommt man zu einer Gabelung, hier drehen wir links ab. Das Zeichen macht sich nun etwas rar, auch vor einer erneuten Gabelung an einer Lichtung. Wieder heißt es rechts durch Hochwald bis zur nächsten Straße. Das Zeichen zeigt links versetzt hinüber in eine fast dschungelartigen Landschaft, durch die man sich quasi von Baum zu Baum hangeln muß bis zum Wald-Ende. Hier beginnen die ausgedehnten Weiden der Thomashütte. Nach rechts hält man auf die Anlage zu. Empfehlenswerter bei ungünstiger Witterung jedoch ist, das Zeichen zu ignorieren und die wenigen hundert Meter nach rechts der Straße zu folgen bis zur Thomashütte.

Den Rückweg nehmen wir über Eppertshausen. Dazu quert man die Wiesenseite der Häusergruppe, kommt zum Waldrand, nimmt die Zeichen blaue Raute und abermals das rote Dreieck auf, folgt ihnen nach links am Wiesensaum entlang, dann durch Hochwald und über die B 45 zielsicher zum Ortsrand von Eppertshausen. Die Hüttenstraße geradeaus weiter lotst die Raute über Geleise bis zur Kreuzung nach der Sparkasse. Hier schwenken wir links ein auf den Bahnübergang zu. Unmittelbar dahinter geht es rechts ab auf einem Fußweg, der mit mehr oder weniger Abstand parallel zu den Schienen durch den Wald verläuft und an der bekannten Stelle unter der Eisenbahnbrücke endet (Frankfurt II, Seite 18).

 

 

Dietzenbach

Geschichte:

Die erste Erwähnung des Ortes „dicenbah“ erfolgte in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Patershausen (auf Heusenstammer Gebiet) um 1220. Darin überträgt Puphridus, Pfarrer in Preungesheim - bestrebt „Frömmigkeit zu üben“ -  dem Kloster einen Hof und Wiesen in „dicenball“. Doch Dietzenbach ist nachweislich älter. Der älteste Kerndes Dorfes liegt an einer kleinen, dem Wingertsberg vorgelagerten Anhöhe und ist, wie die Endung -bach und das St. Martinspatrozinium zeigen, in der fränkischen Siedlungsperiode von 561 bis 686 nach Christus entstanden.

Im Heimatmuseum steht ein großes Stadtmodell, das das Bild Dietzenbachs im 19. Jahrhundert zeigt. Es lässt im Kern noch das ursprünglich oval angelegte Haufendorf des Mittelalters erkennen. Dieses besaß zum Schutz vor Feinden und auch wilden Tieren einen tiefen Graben und eine dichte Hecke, ein Gebück. Im Zusammenhang mit einem Gerichtsfall entstand im Jahre 1572 eine Art Faustskizze, die älteste erhaltene Ansicht des Dorfes. Demnach gab es zwei Dorfeingänge, die Niederpforte und die mit einem Turm gesicherte Oberpforte, davor jeweils ein Falltor. Wer in das Dorf hinein wollte, musste zunächst einen Schlag und dann die eigentliche Pforte passieren. Zusätzlich gab es noch einen erst Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissenen Wehrturm, der auch als Gefängnis diente und als letzte Zuflucht den ursprünglich frei stehenden Turm der Kirche.

Kaiser und Könige haben den Ort nie besucht; glanzvolle Zeiten gab es hier nicht, wohl aber zur Genüge. Durchzüge von Truppen, Zerstörungen, Plünderungen, die Pest. Im Jahre 1634, da tobt der Dreißigjährige Krieg gegen Land und Leute, klagt die Kirchenchronik: „Da sind wir zu Dietzenbach durch schwitischs Kriechsvolck vertrieben worden und in vier Jahren niemant hatt können hir wonnen. Es sindt in unser gemein damals 75 Man gewest.

Es ist selbigen Wintter die Kirchen abgebrenntt worden und das ganss Dorf bis auf 16 heuser und 6 scheuern.“ Nur ein harter Menschenschlag konnte hier überleben und, zäh am Bewährten festhaltend und fest in der lutherischen Konfession verankert, den Kampf um das tägliche Brot führen.

 

Aussichtsturm (im Südwesten):

Wenn man von Götzenhain in Richtung Dietzenbach fährt, biegt man and er Kreuzung nach Links ab in Richtung Dietzenbach. An der Jungfernwingertstraße geht es links ab zum Aussichtsturm mit 115 Stufen.

Mit dem Aussichtsturm auf dem Wingertsberg ist eine kühne, 33 Meter hohe Seil-Stabkonstruktion aus Stahl entstanden, die zum Wahrzeichen Dietzenbachs werden könnte. Auf einer Spindel, um die sich die Treppe windet, sind drei Ringe angeordnet: die Aussichtsplattform auf 21 Meter Höhe, das Speichenrad vier Meter darüber - es ist Teil des Tragwerks und über acht Stahlseile mit dem Fundament verbunden, noch einmal vier Meter höher ist ein „Windrad“ angeordnet. Die drei Ringe sind jeweils azentrisch übereinander gelagert. Um den dünnen Turmmast schraubt sich eine Gitterspirale nach oben, bis zu drei exzentrisch gelagerten Stahlringen, die wie überdimensionale Radspeichen um den dünnen Turmmasten zu kreisen scheinen - wobei das oberste Rad tatsächlich rotiert, während sich die unterste beim Aufstieg als absolut feste Plattform erweist.

Der Frankfurter Architekt, Professor Wolfgang Rang, hat seinem Entwurf deshalb den Namen „Ballett der Bewegungen“ gegeben, wobei sich das Windrad je nach Windstärke tatsächlich bewegt. Der Aussichtsturm ist auf der höchsten natürlichen Erhebung im Kreis Offenbach, dem Wingertsberg, entstanden.

Je 200.000 Mark spendierten das Land Hessen und die Fraport, den Rest des 835.000 Mark teuren Projekts bezahlten der frühere Umlandverband Frankfurt und die Stadt Dietzenbach. Zur vollkommenen Illusion schwereloser Schwebebewegungen wird nun noch ein Sponsor für die künstlerische Farbbeleuchtung gesucht, die der Lichtkünstler Thomas Emde für den Turm entwickelt hat. Dabei übersetzt eine kleine elektronische Steuereinheit die Drehungen des obersten Rades in ständig wechselnde Farbstrahlen für die bewegende Vorstellung an Dietzenbachs herausragendster Stelle.

Vom Aussichtsturm fährt man wieder hinunter und in den Ort hinein. Am Kreisel geht es rechts und dann gleich wieder rechts in die Darmstädter Straße. Man kommt zum Heimatmuseum in einer alten Hofreite und einem Neubau und mit dem Teufel vorne an der Straße (geöffnet Sonntag von 15-18 Uhr).

 

Heimatmuseum:

Das Heimatmuseum zeigt einen Querschnitt auf von Funden frühester keltischer Besiedlung, in diesem Raum bis hin zu Gegenständen aus Leben und Arbeit der Dietzenbacher im vergangenen Jahrhundert. Das Ganze wird von einem kleinen restaurierten Fachwerk-Wohnhaus aus dem Jahr 1765 umrahmt und steht inmitten des Altstadtkerns in enger Nachbarschaft zum Alten Rathaus und zur Alten Schule. Es werden die Wohnverhältnisse um 1900 gezeigt, eine an das Haus angesetzte Großgerätehalle stellt bäuerliches Arbeitsgerät vor und im Erdgeschoss des langgestreckten dreistöckigen Neubaus wartet die historische Abteilung auf Entdeckung. Der Gang durch die Ausstellung ist so strukturiert, dass der Gast die Entwicklung von den ersten Siedlungsspuren in der Vorgeschichte bis zur Stadt an ausgewählten Exponaten nachvollziehen kann.

Zu den Attraktionen der Ausstellung zählen die reichen Funde aus der vorgeschichtlichen Besiedelung. Unter anderem sind drei Gräber in den Boden eingelassen und mit begehbaren Glasplatten abgedeckt, die zeigen, wie die historischen Grabstätten aussahen, als sie gefunden wurden. Das im Osten Dietzenbachs an der so genannten Russenhütte zu Tage getretene Gräberfeld ist hervorragend erforscht.

Römische Töpferwaren zeugen davon, dass dieses Gebiet auch in der Römerzeit schon besiedelt war. Vermutlich gab es hier einen, vermutlich sogar zwei Gutshöfe (villa rustica) genannt. Es gibt Hinweise auf Speisegewohnheiten und antike Feinschmeckerrezepte. Wer Lust bekommen sollte, selbst einmal römisch zu kochen - kein Problem: Am Ausgang gibt es das Kochbuch des Apicius zu kaufen, eines wahren Meisters seines Faches.

In Dietzenbach wurde sogar ein richtiger Schatz gefunden. Karl Knecht, der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins, fand 1966 einen Trinkbecher aus Ton mit vielen Silbermünzen der vermutlich zwischen 1350 und 1360 vergraben worden war. Anfangs hielt ich diesen Gegenstand für einen Stein, beim näheren Betrachten erkannte ich, dass es sich um ein Gefäß handelte und „beim ersten leichten Aufkratzen der Öffnung fielen mir schon die ersten Münzen entgegen. Insgesamt barg der Becher 194 Heller.“

Um 1900 lebten erst 2207 Menschen im Ort, als Bauern Arbeiter und Handwerker. In diese Welt führt im Heimatmuseum eine kopfsteingepflasterte alte Dorfstraße hinein. Aber Vorsicht. Zwar liegen da nicht mehr Kuhfladen herum, wie es eben früher so war jedoch ist die Straße holprig und hervorragend geeignet, mit genagelten Schuhen aus ihr Funken zu schlagen, eine Lieblingsbeschäftigung der Dietzenbacher Jugend von anno dazumal. Zu sehen sind Fotos vom alten Ort, seinen Häusern, seinen Menschen, komplett eingerichtete Werkstätten aus Dietzenbach: Schuster, Bäcker, Sattler, Wagner, Glaser und Schreiner, Zeugnisse soliden Hanwerks, des Fleißes und der Biederkeit.

Dietzenbach hatte in den 30er Jahren - da lebten hier etwa 3.000 Menschen - sage schreibe zwei Kinos, die bei guten Gelegenheiten „gestoppte voll“ waren. Als zu Beginn Vorstellung des Films „Bis früh um Fünfe“ einige junge Leute mit riesigen Brotpaketen zum Kino kamen, antworteten sie auf die Frage nach dem Grund für diesen Proviant: „Ei, der Film gieht doch bis morje froih um Fünf!“

Ein noch funktionsfähiger Vorführapparat aus dem Kino „Löwen-Lichtspiele“ entdeckt der Besucher im Heimatmuseum, ebenso wie drei Filme über die Stadt, die in einen kleinen Fernsehraum abgespielt werden können. Sie zeigen das Feuerwehrfest 1928, ein Turnfest von 1956 und das Sägewerk Knecht in der heutigen Zeit. Im Museum wird auch dokumentiert, was die Dietzenbacher im Ersten und im Zweiten Weltkrieg erlebten. Vor allem ein versehentlicher Luftangriff in der Nacht vom 20. / 21. September 1941 ist viel Bewohnern noch tief in Erinnerung. Bitter war auch das Los der Kriegsgefangenen, wovon nicht nur ausgestellte Kleidungsstücke, sondern auch Tonbandberichte zeugen. Der historische Rundgang im Museum endet mit einer Fotomontage, die die Entwicklung von Dorf zur modernen Stadt mit ihren etwa 34.000 Einwohnern aus mehr als 100 Nationen zeigt. Sie soll ein Zeichen sein für unverwüstlichen Lebenswillen, ein Symbol für die Zukunft.

Das zweite Museum ist etwas ungewöhnlich, aber auch aufs engste mit der Geschichte und dem regen Vereinsleben der Stadt verbunden: ein Feuerwehrmuseum. Was in dem restaurierten alten Feuerwehrgerätehaus mit Schlauchturm an Exponaten zusammengetragen ist und übersichtlich dargeboten wird, läßt so manches Männerherz höher schlagen. Zum einen die Darstellung der hundertjährigen örtlichen Feuerwehrgeschichte durch Uniformen, Helme, Löschgeräte der verschiedenen Epochen, vom Ledereimer über die Handspritze zum Opel- Blitz LF-8 mit Magirusaufbau, zum anderen faszinierende Ausstellungsstücke, die aus den verschiedensten Ländern kommen ebenso wie Kinderspielzeug zum Thema Feuerwehr. Keinen Platz gefunden hat hier die Sammlung „Plakat und Feuerwehr“. Sie kommt mit Hunderten von Postern wirkungsvoll in den Gängen der neuen Feuerwache Mitte zur Geltung

Wanderung nach Süden: in Elvira Klein, Frankfurt I, Seite 25.

 

Heusenstamm

Erste urkundliche Erwähnungen in einem Eppsteinischen Lehensbuch verzeichnen 1211 Burg und Dorf „Huselstam“, das später „Husinstam“, im 15. Jahrhundert auch „Heussenstain“ genannt wird.

Nach den Auswirkungen des 30-jährigen Krieges wurde Heusenstamm 1637 wieder mit 120 Einwohnern besiedelt. Im Jahr 1661 verkauften die inzwischen zu Reichsgrafen avancierten Herren von Heusenstamm die Besitzung an den Freiherrn Philipp Erwein von Schönborn. Er ließ 1663-68 das neue Schloss auf dem Vorhof der alten Burg errichten.

Das Schönborn’sche Schloss, das in mehreren Kriegen seit der französischen Revolution als Truppenquartier und Hospital gedient hatte, im zweiten Weltkrieg teilweise zerstört worden war und nach dem Wiederaufbau zeitweilig von der Post genutzt wurde, ist 1978 von der Stadt aufgekauft und als Rathaus erweitert worden.

Die Einwohnerzahl war bei Verleihung der Stadtrechte 1959 auf 6.000 angestiegen und liegt heute bei etwa 20 000.

 

Von der Frankfurter Straße betritt man durch den verkleinerten Triumphbogen in den Ortskern. Wie sich im Laufe der Jahrhunderte innerhalb einer Gemeinde die Gewichte, gewissermaßen von Achse zu Achse, verlagern können, dafür bietet Heusenstamm ein gutes Beispiel. Pulsiert heute das Leben in der geschäftigen Frankfurter Straße, stellte früher die Schloßstraße im alten Stadtkern die Verbindung zwischen den drei ansehnlichsten Bauwerken Heusenstamms her. „Es ist keine Übertreibung”, stellte einmal der Kunsthistoriker Georg Dehio fest, „in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ... hat die Familie Schönborn für die Baukunst mehr vollbracht als irgendein weltlicher Fürst der Zeit.”

In der Tat, viele der besten Beispiele deutschen Barocks gehen auf die rastlose Bautätigkeit dieses ursprünglich aus dem Hintertaunus stammenden Geschlechtes zurück. Über hundert Jahre, zwischen 1642 und 1756 besetzten die Schönborner nicht weniger als 14 geistliche Fürstenthrone im süddeutschen Raum. Mit jedem neuen Amt schienen sie sich zu einer einzigartigen Bau- und Sammelleidenschaft zu steigern. In den Schönbornern nagte ein familienspezifischer „bauwurmbh“, für dessen Umsetzung sie mit Balthasar Neumann über einen kongenialen Meister verfügten. Nur hierzulande haben die Schönborner fast keine bedeutsamen Bauwerke hinterlassen - mit einer Ausnahme. Ausgerechnet im kleinen Heusenstamm südlich von Offenbach finden sich gleich drei Objekte, die mit dem Namen Schönborn verbunden sind, nachdem diese auf dem Kaufwege den Stammsitz der Ritter von Heusenstamm 1661 erworben hatten.

 

Der Torbau an der Frankfurter Straße erinnert an einen Besuch von Kaiser Franz  I.und seines Sohns Joseph im Jahre 1764, die auf der Fahrt zur Königswahl in Frankfurt eine Woche Gäste im Heusenstammer Schloß der Familie von  Schönborn waren. Während letzterer in Frankfurt gewählt wurde, mußten sie sich entfernt in Heusenstamm aufhalten.

 

Die Kirche St. Cäcilia, von 1739 an gebaut, ist ein feines, aber vergleichsweise kleines Werk des Barockbaumeisters Balthasar Neumann. Sie gilt als wichtiges Übergangswerk zu seinen Meisterschöpfungen in Vierzehnheiligen und Neresheim. Sie wurde im Auftrag der Gräfin Maria Theresia von Schönborn als Begräbnisstätte für ihre Familie erbaut. Die Witwe Anselm von Schönborns, Maria-Theresia, beauftragte Balthasar Neumann, der in Würzburg im Dienst der Schönborns stand, 1735 mit dem Entwurf für die Kirche St. Cäcilia. Der bekannte Baumeister wurde ihr von ihrem Schwager, dem Würzburger Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn „ausgeliehen“. In Heusenstamm erkennt man das wichtige, mehrfach variierte Grundprinzip der neumannschen Architektur, die kreuzförmige Verschmelzung eines einschiffigen Langbaus mit einem Zentralbau wieder, das den Eindruck der Weitläufigkeit erzielt.

Der halb eingestellte Turm an der Portalseite zeigt ebenso seine Handschrift wie die Gestaltung des Inneren, einer Verschmelzung von Längs- und Zentralraum. Sie entfaltet aber vor allem innen eine äußerlich kaum zu ahnende Dekorationsfülle. Die Deckengemälde stammen von Christian Thomas Scheffler und zeigen in einem dreiteiligen Zyklus die Themen Tod, Auferstehung und ewiges Leben. Der fränkische „Kriegs-und Staatsbaumeister . . . geliebt von großen Fürsten wegen seiner Kunst und Erfahrung in der Architektur” hat die Fertigstellung seines Baues nicht mehr erlebt. Er starb drei Jahre vorher, 1753, betrauert im ganzen Schönbornschen Machtbereich, der sich über Würzburg bis Bamberg erstreckte.

 

Am Ende der mit Fachwerkhäuschen gesäumten Straße steht das Schönbornsche Schloß. Die ehemalige Wasserburg geht auf eine Gründung des Eberhard Waro von Hagen-Heusenstamm in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück; 1211 erstmals urkundlich erwähnt. Im sogenannten hinteren Schloß sind noch die Reste der alten Burganlage der Ritter von Heusenstamm zu sehen, deren prominentester Vertreter, Sebastian von Heusenstamm, 1545 bis 1555 Erzbischof und Kurfürst von Mainz war.

Zwei wappentragende Löwen lassen an der Pforte die Ankömmlinge in den symmetrisch barock gestalteten Garten. Dahinter macht sich das Wasserschloß mit seinen Ecktürmen breit. Das in Süddeutschland in kirchlich-weltlichen Machtfunktionen einst einflußreiche Geschlecht derer von Schönborn ließ es ab 1663 aus der früheren Burg errichten.

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts zogen sich die Herren von Heusenstamm auf ihre Besitzungen in Österreich zurück; 1661 verkauften sie die Besitzung an den Freiherrn Philipp Erwein von Schönborn. Er ließ zwischen 1663 und 1668 das neue Schloß auf dem Vorhof der alten Burg errichten.

Entgegen der ursprünglichen Planung des Architekten Clemens Hinckh kam jedoch nur die Vorderfront der geplanten Wasserburg zur Ausführung, die kurzen, rückwärtigen Seitenflügel sind erst Ende des 19. Jahrhunderts angefügt worden. Die alte Burg wurde in die Anlage mit einbezogen und über eine Brücke verbunden. So ist hinter dem Schloß noch die Burg der Ritter von Heusenstamm zu sehen, Reste des Wohnturms und Herrenhauses sind erhalten und neugotisch verändert.

Durch den Rundbogen des giebelgeschmückten Eingangs fällt der Blick auf den modernen Granitbrunnen im Innenhof. Dahinter ein Neubau, der das nie fertig gewordene Schloß zum Geviert abschließt. Hier führt ein Durchgang zum noch wilden, unzugänglichen Park, zum „Alten Schlößchen” und zum Bannturm. Möglicherweise stammen Teile des Turms noch aus dem 13. Jahrhundert.

Über die Fassade des langgestreckten, kaum gegliederten Renaissancebaus sind 22 Fensterachsen in nahezu gleichmäßiger Reihung verteilt; beidseitig Ecktürme mit Schlüsselscharten im Erdgeschoß und geschweifter Haube. Die Frontmitte wird durch ein kleines Zwerchhaus mit geschwungenem Giebel, darunter das Portal mit einer Schreckensmaske im Schlußstein und dem Allianzwappen der Häuser Schönborn und Greiffenclau betont.

Von den Außenanlagen sind noch Teile der äußeren Umfassungsmauer vorhanden. Der Eingang wird von zwei Sandsteinpfeilern mit einem Löwenpaar das Wappen des Erbauers Philipp Erwein von Schönborn haltend, flankiert. Sein Nachfolger Anselm Franz trieb im 18. Jahrhundert den Ausbau der Residenz voran und ließ einen großen Lustgarten mit Alleen, Teichen und Orangerien anlegen.

Im Jahre 1978 erwarb die Stadt Heusenstamm die Schloßanlage, durch moderne Anbauten wurde der Gebäudekomplex zu einer Vierflügelanlage erweitert und als Rathaus genutzt, auch der Barockgarten ist in neuerer Zeit wieder angelegt worden.

Klagte schon sein Erbauer, Philipp Erwein von Schönborn, er sei „wegen des Heusenstammer Bauhwes ganz ausgesekkelt“, erlaubte ein ähnlicher Engpaß eines späten Nachfahren 1977 der Stadt, das Renaissancewasserschloß zu übernehmen. Mit erheblichem Aufwand hat sie bis 1985 zu ihrem Rathaus erweitert.

Zehn Jahre später stand die Restaurierung der Fassaden an, zu dem auch Reste der früheren Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert gehören. Der Putz bröckelte und das ehedem strahlende Weiß hatte unter saurem Regen und den Industrieabgasen, ziemlich gelitten. Allein vier Schichten eines atmungsaktiven Spezialputzes wurden schließlich aufgelegt, um das 300 Jahre alte Palais künftig besser vor den Emissionen aus Auspufftöpfen und Industrieschloten zu schützen. Dazu war der alte Mainsandstein völlig freigelegt worden. Als Farbe wählten die Sanierer ein blendendes Weiß, das sie mit dem kräftigen Rot der ehemals sichtbaren Sandsteinpartien um die Fenster, die Türen und an den Ecken der stattlichen Außenmauern kontrastieren ließen.

Ausgebessert wurde auch das Dach und zwei Erker neu eingedeckt. Im rückwärtigen Bereich der Anlage um den historischen Bannturm wurde eine halbhohe Brüstung abgesenkt und rund um das hintere Schlößchen ein 800 Quadratmeter großer Platz bepflastert. Dort sollen kleine Feste stattfinden oder historische Märkte. Zu Füßen des uralten Bannturms werden schon lange Freilichtaufführungen geboten.

Interessenten für Heusenstamms Geschichte und früheres Aussehen werden an Werktagen auch außerhalb der Sprechzeiten in die erste Etage des Rathauses hinaufgelassen, um Fotodokumentation, Schloßmodell und Geschichtstafeln zu studieren.

 

Von dem Anfang des 18. Jahrhunderts angelegten Garten sind heute nur noch Teile des Lustgartens, zwei Wasserbecken und die Blumenrabatten am Schloß Schönborn erhalten. Der dazugehörige „herrschaftliche Forst“ mit seiner Allee, dem Forstteich und dem runden Platz am Ende der Allee wurden schon vor rund 100 Jahren durch den Bau der Eisenbahnlinie vom Park getrennt. Durch den S-Bahn-Bau werde diese Trennung noch verstärkt. Schon seit mehreren Jahren arbeitet die Stadt Heusenstamm mit dem Planungsverband an dem Ziel, den Heusenstammer Park in den Regionalpark einzugliedern.

Die beiden Teile des Parks sollen zwei jeweils selbständige Landschaften werden. Der Forst westlich der Bahnlinie soll nach den überlieferten Plänen wieder als englischer Landschaftspark hergerichtet werden. Entlang der Schneise wird das Unterholz ausgelichtet und links und rechts des Weges wird jeweils ein Wiesenstreifen freigelassen, so daß die Schneise wieder zur Allee wird. Wege, die nach dem historischen Achsensystem angelegt sind, sollen wieder zum Spazierengehen an den Teichen und Wiesen einladen. Herrschaftlich wie früher sollen auch die Eingänge zum Park aussehen: großzügige Plätze, von Natursteinmauern begrenzt, mit Löwen auf den Pfeilern der Tore. Der barocke Schloßpark soll nur geringfügig verändert werden. Um die Blickachse vom Schloß  um Platz an der Alten Linde zu betonen, sollen Sandstein-Obelisken aufgestellt werden.

 

 

Heusenstamm ist aber auch ein Revier für Naturfreunde. Nicht nur wegen der Pfauenzucht. Auf Ferienreise zu Frankreichs Prunkschlössern war dem Rathaus-Hausmeister die Idee gekommen, ein Schloß sei nicht vollständig ohne diese Prachtvögel. Mit dem ersten Pärchen hatte die Stadt allerdings kein Glück. Der Hahn wurde von einem Hund gerissen, die Henne eine Beute des Fuchses. Inzwischen werden Hennen und ein Hahn in einer Voliere gehalten.

In freier Wildbahn, aber von Vogelschützern auch vor störenden Menschen behütet, hat eine Reihe inzwischen sonst selten gewordener Vögel am See im Naturschutzgebiet am Goldberg ein wildwucherndes Refugium. Neben Kiesgruben, die noch ausgebeutet werden, ist der See in wenigen Jahren romantisch verlandet, ideal auch für Wasservögel.

Rechts vom Schloß gelangt man bald wieder durch den Wald zum nächsten See. Dieser Angelweiher gehört schon zu Obertshausen, ein Baggersee, zum Erholungsgebiet rekultiviert. Vom künstlichen Rodelberg hat man einen Überblick über die weiteren Sehenswürdigkeiten, die am Rückweg durch die Stadt liegen.

 

Radtour nach Patershausen (siehe auch Jügesheim):

1.) Nur wenige Schritte von St. Cäcilia und dem Torbau entkamt wollen wir unseren Rundgang durch die herrlichen Wälder um Heusenstamm beginnen. Nahe der Bushaltestelle Bahnhof an der Frankfurter Straße biegt man rechts in den Patershäuser Weg. Dort empfängt uns auch die Markierung, das blaue Quadrat. Eines Zeichens bedarf es allerdings kaum. Es geht geradeaus durch eine Einfamilienhaus-Siedlung, auf breitem Forstweg kurz durch Wald und schließlich entlang einer großen Weide bis zum Patershäuser Hof.

Mit Linksknick folgt man dem unteren Ende der Weide und biegt dann scharf rechts ab. Jetzt verändert der Wald mehrfach sein Gesicht. Dominierten anfangs hohe Eichen, prägt nun dichte Mischwaldbestockung das Bild. Doch das ist nicht lange von Bestand. Mit dem Zeichenwechsel auf das gelbe offene Quadrat halblinks an einer fünfarmigen Wegekreuzung bestimmen Tannen die Vegetation. Und auch diese haben nur einen kurzen Auftritt: Ein großer Kiefernjungwald gibt einen Vorgeschmack auf die vorherrschende Baumart der zweiten Wanderhälfte.

Am Ende der Kiefernschonung zweigt man links - nun ohne Markierung - in den Heusenstammer Weg, eine Schneise, die auf direktem Wege nach Heusenstamm zurückführt. Dabei mischen sich zwischen die urigen Kiefern immer mal wieder Buchenabschnitte - fast könnte man vergessen, daß der Kreis Offenbach zu den am dichtesten besiedelten Regionen Hessens gehört. Nach leichtem Linksbogen begleitet man zum Schluß das Wiesental des Bieberbaches. Die Ringstraße wird gequert, weiter geradeaus in den Niederrodener Weg, an dessen Ende geht es links über die Bieber, rechts ab, zwei, drei Haken und die Frankfurter Straße ist wieder erreicht (Rhein-Main, 190).

 

2.) Vor dem Torbau in der Frankfurter Straße orientiert man sich am Zeichen rotes Dreieck, mit dem man bald in einen unscheinbaren Fußweg rechts abbiegt. Er und der Bieberbach geben die Richtung an zur Umgehungsstraße, die wir kurz nach links gehend, am ampelgesteuerten Überweg queren. Für die nächsten Kilometer brauchen wir nicht links noch rechts zu sehen, hinter einer Felderpartie schließt sich der von Kiefern dominierte Wald an. Den baldigen Abzweig des Dreiecks ignoriert man zugunsten des leicht nach rechts schwenkenden, immer ebenen Hauptweges. Im Zweifelsfall steht ein schwarzer Winkel bereit. Erst an einer markierter Wegekreuzung heißt es eine größere Richtungsänderung nach rechts in den als „Viehtriebschneise“ ausgewiesener Weg vorzunehmen. Eigentlich müßte er Quellenweg heißen, so dicht folgt hier Brunnen auf Brunnen. Die zweite und letzte scharfe Richtungsänderung folgt mit Blick auf die burgähnliche Anlage des Patershäuser Hofes, an einem Transformatorenhäuschen nach rechts mit rotem Dreieck plus G und S.

Ähnlich wie das Schönbornsche Schloß übernahm die Stadt in den siebziger Jahren den Hof. Maria Theresia Schönborn hatte die Ländereien des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters 1741 vom Erzbistum Mainz erworben, in dessen Hände der reiche Besitz nach Auflösung des Klosters übergegangen war. Unter Einbeziehung der Reste alter Wirtschaftsgebäude ließ die Gräfin den Hof im barocken Stil neu erstehen. Ungeachtet anderer Pläne vom Golfplatz bis zum Landhotel läßt die Gemeinde seit dem Erwerb der Schönborn’schen Besitzungen 1978 das Gut (nach ökologischen Kriterien) bewirtschaften. So darf denn auch eine große Rinderherde die Wiesen ringsum abgrasen. Zurück geht es auf dem Patershäuser Weg (Frankfurt I, Seite 22).

 

Heusenstamm-Rembrücken: Die neue Kirche Mariä Opferung

Wenn man von Heusenstamm nach  Osten in Richtung Rodgau-Hainhausen fährt, kommt man nach Rembrücken. Südlich der Straße (Wegweiser „Alte Schule“) steht die Kirche „Mariae Opferung“. Der Eingang ist an der linken Seite. Die Kirche steht aber nicht nur im räumlichen Mittelpunkt des Heusenstammer Stadtteils, auch im Mittelpunkt des dörflichen Lebens soll sie stehen. Denn die 50 Sitzplätze seien - obwohl die Bänke wirklich unbequem sind - immer noch zu wenig für die 1.000 Mitglieder starke Gemeinde. Etwa 250 Personen kann man wirklich zu aktiven Gemeindemitgliedern zählen.

Auf den ersten Blick erscheint Mariä Opferung dem Betrachter als Barockkirche, auf den zweiten Blick entpuppt sie sich anhand der Bausubstanz als neobarockes Haus. Die Kirche wurde 1925 anstelle der alten Kapelle gebaut, die hierfür abgerissen und deren Steine beim Neubau verwendet wurden. Dies ist einem Hauruck-Verfahren nach dem ersten Weltkrieg geschehen.

Und was auf den ersten Blick wie ein Druckfehler anmutet, ist ein Zeugnis des Rembrücker Fleißes: Am 3. Juni 1925 wurde die viel zu kleine, 1756 erbaute Kapelle Mariä Opferung abgerissen und am 18. Oktober des gleichen Jahres die neu erbaute Kirche eingeweiht. Der neobarocke Baustil war damals modern. Die Menschen wollten die Schrecken des Krieges vergessen und sich mit der üppigen Bauweise ein Stück des Himmels auf die Erde holen. Leider hat es finanziell wirklich nur für ein kleines Stück Himmel gereicht. 31.000 Mark kostete der ganze Bau nach der Inflation. Damals war das eine Menge Geld. Diesen Betrag brachten die Rembrücker Christen ganz alleine und ohne Zuschüsse auf. Allein bei den Verwandten in den Nachbarkommunen wurde gesammelt.

Das einzig echte Stück barocker Kunstgeschichte in Mariä Opferung ist der Hochaltar aus dem Jahr 1690. Der wurde von einer reichen Bauernfamilie gestiftet, die ihn der Gemeinde Ober-Roden abgekauft hatte. Die Kaufsumme ist aber nicht überliefert. Ansonsten ist hier alles Zeitgeist und vieles selbst gebaut - auch die Bänke. Die Blenden zur Verzierung kamen erst vor einigen Jahren dazu.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Obertshausen

Aufgrund ihrer günstigen Lage konnte sich die Stadt Obertshausen zu einem industriellen Schwerpunkt der Lederwaren- und metallverarbeitenden Industrie entwickeln. Von der wechselhaften Geschichte ihrer im 9. Jahrhundert erstmals erwähnten Stadtteile Hausen und Obertshausen zeugen nur noch vereinzelte Fachwerkhäuser und freigelegte Mauerreste und Fundamente einer Turmburg „Burg im Hain“ aus dem 11. Jahrhundert.

Die ehemals selbständigen Gemeinden Hausen und Obertshausen wurden im Jahre 1977 zur Gemeinde Obertshausen zusammengeschlossen. Obertshausen wurde im Jahr 1979 die Stadtrechte verliehen. Heute zählt die Stadt rund 25.500 Einwohner.

 

„Atlantis“:  Ausfahrt Obertshausen, parallel zur A 3 Richtung Industriegebiet Hausen dann Beschilderung. Öffnungszeiten: Mo - Fr   9 - 23 Uhr, Samstag 9 - 24 Uhr, Sonntag 9 - 22 Uhr. Zwei Stunden kosten 4 €, Familien 12, 19 und 26 €.

Rödermark:

Integration der Hügelgräber der Kelten und Straßen der Römer in den Regionalpark.

 

 

Hainburg

Im Jahre 1977 erfolgte der Zusammenschluss von Hainstadt und Klein-Krotzenburg zur Großgemeinde Hainburg.

 

Hainstadts Wurzeln liegen in der römischen Zeit, als hier ein Kastell zum Schutz einer Mainbrücke errichtet worden war. Das 0,9 Hektar große Kastell (am frühen Mainlimes) lag südlich der Hauptstraße  rund um die Kastellstraße. Es war Endpunkt des Wetteraulimes.

In Hainburg gab es eine Feldbahn zur Tongrube. Das Lehm- und Tongrubenfeld auf dem Katzenbuckel bei Hainstadt in der Gemeinde Hainburg ist über nicht mehr betriebene Lorengleise im Wald mit den sieben ehemaligen Ziegeleien in Hainstadt verbunden. Dort war die Ziegelherstellung ein traditionsreicher Wirtschaftszweig, bereits die Römer brannten hier Ziegel. Eine der Ziegeleien am westlichen Ortsrand ist noch in Betrieb, jedoch wird am Katzenbuckel nur noch sehr wenig Ton abgebaut, da die Qualität des Rohstoffs nachlässt. Die nun verwilderten und aufgeforsteten Lehm-, Ton- und Sandgruben sind zusammen mit den alten Lorengleisen, Weichen, Gleisbrücken und der denkmalgeschützten Ziegelei erhaltenswerte kulturhistorische Landschaftselemente im Maintal.

 

Woog, siehe auch: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 1, Main-Kinzig-Kreis, Seite 94.

 

Klein-Krotzenburgs erste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahr 1175, als der Abt von Seligenstadt einen Rechtsstreit mit dem Sankt-Peter-Stift in Mainz führte. Neben Landwirtschaft und Fischerei stand das Zigarrenmacherhandwerk in hoher Blüte und machte Klein-Krotzenburg über die engere Umgebung hinaus bekannt.

 

Hausen:

Hochbruch, siehe auch: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 1, Main-Kinzig-Kreis, Seite 92.

 

Mainhausen

In Seligenstadt erst in Richtung Aschaffenburg fahren, dann aber nicht in die Aschaffenburger Straße nach rechts, sondern geradeaus in Richtung Klein-Welzheim. Rechts steht dann ein kleiner grüner Wegweiser „Wasserburg“. Dort kann man parken. Die Wasserburg in Klein‑ Welzheim wurde 1705 von dem Seligenstädter Abt Franciscus II. an der Stelle einer mittelalterlichen Befestigung erbaut. Diese ist mit ihrer Zugbrücke wirklich sehenswert Einst war sie Mittelpunkt einer barocken Parkanlage.

Über einen Wiesenweg gegenüber (nur etwas links versetzt) oder über den Schleifbachweg (etwas weiter links) kommt man zum Mainufer. Dort fährt man auf dem Leinpfad weiter, vorbei an Klein-Welzheim und verschiedenen Raststationen. Gegenüber liegt Groß-Welzheim.

Am Anfang von Mainflingen spannt sich eine Fußgänger‑ und Radfahrerbrücke über den Main, die Kilianusbrücke von 1989. Sie verbindet Hessen (Mainflingen) und Bayern (Dettingen) und ersetzt eine alte Fährverbindung über den Main.

Vor der Schlacht bei Dettingen am 27. Juni 1743 lagen auf dem Mainufer bei Mainflingen 50.000 Franzosen gegenüber der  „Pragmatischen Armee“ mit 16.000 Engländern, 16.000 Hannoveranern, 20.000 Österreichern und 6.000 Hessen unter Führung des englischen Königs Georg II. Der Kampf, den die „Pragmatische Armee“ für sich entschied, forderte etwa. 5.000 Tote und Verwundete.

 

Mainhausen hat mit seinen Ortsteilen Mainflingen und Zellhausen etwa 8.400 Einwohner.

Sehenswürdigkeiten: Klassizistischer Kirchenbau St. Kilianus, vor- und frühgeschichtliche Funde, Hügelgräber, Mainbrücke.

 

 

Südlich des Ortes liegen die Mainflinger Seen, wo in der 1960er und 1970er Jahren

Kies abgebaut wurde. Danach füllten sich die Gruben mit Wasser. Die beiden nordwestlichen Becken werden als Bade‑ und Anglersee genutzt, der südliche Teil ist seit 1977 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

 

Etwa 200 Meter vor der Autobahnbrücke steigt man rechts die Treppenstufen hoch und kommt auf einen Rundweg, der links um den See herumführt. Wo dieser auf die alte Landstraße trifft, ist nach rechts nur ein schmaler Trampelpfad. Wenn dieser zu mühsam zu befahren ist, kann man auch über die alte Landstraße und dann ein Stück neue Landstraße erst nach rechts auf diesen schmalen Pfad hinüber wechseln.

An Ende des Sees biegt man nach rechts ab auf die Straße in den Ort. Links liegt der Anglersee, dann der Badesee. An diesem stehen viele Bäume. Das Wasser ist allerdings von schwimmenden Grünpflanzenteilen durchzogen. Vom Badesee fährt erst noch ein Stück weiter in Richtung auf den Ort, biegt aber dann nach links in die Straße „Am Sportplatz“ und kommt zur „Zellhäuser Straße“. Der Rad dort auf der linken Seite führt bis zum Ortsschild Zellhausen. Dort biegt man rechts ab in Richtung Königsee. Man biegt aber nicht mit dem geteerten Weg nach rechts ab, sondern fährt auf einem schmalen Weg nach links und über eine kleine Brücke zum Königsee, wo auch ein Strandbad ist.

Von dort fährt man links um den See herum. Man benutzt aber nicht die Babenhäuser Straße, sondern biegt auf dem schmalen Weg nach rechts ab und fährt weiter am westlichen Ufer entlag. Dann geht es noch ein Stück nach Osten und dann nach links auf einer Schneise immer geradeaus zu den Sportplätzen, Tennisplätzen und zum Freibad.

Erst hinter dem Freibad kann man nach rechts abbiegen und kommt zur Aschaffenburger Straße. Diese fährt man ein Stück nach rechts (am Besten auf dem Gehweg auf der linken Seite) und dann durch das Gelände an der Reitsporthalle nach links. Der Weg biegt nach links ab zur Wasserburg.. Über den Weg, der noch vor der Wasserburg nach rechts abbiegt kommt man wieder zum Parkplatz an der Klein Welzheimer Straße (Frankfurt I, Seite 49).

 

In Mainhausen ist geplant die Herrichtung des ehemaligen Klosters Zellkirch.

 

Grasbrücke:

Die Brücke liegt südlich von Mainhausen-Mainflingen, noch südlich der Autobahn A 45 in der Nähe des Mains, offenbar direkt an der heutigen bayrischen Grenze. Über die Grasbrücke mussten die Kaufleute ziehen, um zur Messe nach Frankfurt zu gelangen, d.h. sie war damals ein viel benutzter Verkehrsweg. Mit dem Bau der ersten Brücken wurde das Überqueren eines Gewässers wesentlich erleichtert. Die Grasbrücke aus dem Mittelalter ist eine solche historische Brücke. Sie liegt an der alten Messegeleitstraße von Augsburg/Nürnberg nach Frankfurt, die die Kaufleute benutzten, und markierte die Grenze zwischen dem Kloster Seligenstadt und dem Zehntbezirk Bachgau. Auf der ältesten bekannten Darstellung von 1594 erscheint sie mit dem Namen „Krafftsbrücke“. Der derzeitige Bauzustand dürfte der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstammen.

An der Grenzbrücke, die auch Teil der Bachgauer Landwehr war, wurde der Mainzoll eingezogen, und die den Geleitzug schützenden Reiter lösten sich an der Herrschaftsgrenze ab. Der jetzige Bauzustand der Rundbrücke aus großen behauenen Steinen stammt aus der Zeit nach ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg.

 

Bongsche Tongrube: Seit 1933 wurden die beiden hier liegenden Tongruben von der Firma Bong erschlossen. Das Luftbild zeigt die beiden Bong'schen Tongruben. Während in der linken heute noch Ton abgebaut wird, sollte die rechte nach der Stilllegung zu einer Giftmülldeponie umfunktioniert werden. Dies konnte durch engagierte Proteste verhindert werden. In Kürze soll hier ein Naturschutzzentrum entstehen.

Häuser Schößchen: Das Häuser Schlösschen steht mit einer nahe gelegenen Wüstung in Verbindung, dem „Zellerhof“. Beide Siedlungen seien abgebrannt. Der Legende nach hätten die Bewohner vom Zellerhof und die vom Häuser Schlösschen eine neue Siedlung errichtet, wobei sie bei der Namensgebung die Namen beider Vorgängerdörfer verwendeten. Daraus sei das nahe gelegene Zellhausen entstanden.

 

(12) Sendefunkstelle Mainflingen: Seit den 1990er Jahren dient die Anlage auch zur Ausstrahlung des Programms des Evangeliumsrundfunks. Das Gelände hat eine Vorgeschichte: hier befand sich ein geheimes Flugfeld der deutschen Luftwaffe, das im Zweiten Weltkrieg genutzt wurde. Heute gibt Mainflingen ganz Europa die Zeit vor. Über Langwellensender wird das Signal der Atomuhr in Braunschweig verbreitet. Die hochkomplexen Atomuhren, unter ihnen die Masterclock CS2, sind auf Jahre so vorprogrammiert, dass sie den Langwellen-Sender DCF77 in Mainflingen dazu veranlassen, die richtige Zeit europaweit zu verbreiten. Selbst wenn in der entsprechenden Nacht deutschlandweit der Strom ausfällt, geht die korrekte Zeit nicht verloren.“ Die geräuschlosen, supergenauen Uhren laufen in diesem Fall mit Hilfe einer Batterie oder eines Generators weiter.

Über die Mainflinger Sendemasten für Langwelle wurde Anfang 2006 das Zeitzeichen DCF77, das Signal der Europäischen Funkrundsteuerung (EFR) DCF49 verbreitet. Derzeit wird das DGPS‑Signal DCF42 gesendet, das von der Deutschen Telekom AG in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie betrieben wird und hochgenaue Positionsbestimmungen ermöglicht.

Die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) 1980 im „Gesetz über die Zeitbestimmung“ als gesetzliche Hüterin der Zeit bestimmt und ist damit für die Umstellung der Uhren auf Sommerzeit am letzten Märzwochenende zuständig. „In der Nacht selbst müssen wir aber gar nicht viel tun“, sagt Dirk Piester. Eigentlich können gar keine Pannen passieren. Trotzdem wird Piester in der Nacht zum Sonntag seinen Funkwecker kontrollieren, ob er tatsächlich um 2 Uhr früh auf 3 Uhr vorspringt und die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) anzeigt.

 

Käthe Paulus: Am 28. August 1893 hielten bei einem Volksfest in Nürnberg mehr als 60.000 Zuschauer den Atem an: Ein gewisses Fräulein Katharina („Käthchen“) Paulus, am 22.12.1868 in Zellhausen geboren, sprang als erste Frau in Deutschland mit einem selbstgenähten Fallschirm aus einem Ballon aus 1500 Metern Höhe zur Erde. Käthe Paulus erfand den Paketfallschirm, der im Ersten Weltkrieg unzähligen Piloten das Leben rettete. Im Jahre 1935 starb sie in Berlin‑Reinickendorf, wo ihr die Stadt ein Ehrengrab errichtete.

 

Schachenbrunnen: Der Schachenbrunnen entstand im 19. Jahrhundert, um durchziehende Vieh‑ und Schafherden mit Wasser zu versorgen. Bis in das 18. Jahrhundert war der Wald Zankapfel zwischen dem Kloster und der Stadt Seligenstadt. Die nahe liegenden und kürzlich von Bäumen befreiten Grabhügel stammen aus der Zeit um etwa 600 vCh.

Mainlimes (Strecke 6, Landkreise Offenbach, Aschaffenburg und Miltenberg)

 

 

Jügesheim

Von Jügesheim zum Patershäuser Hof

Am Bahnhof des Rodgauer Stadtteils Jügesheim  wenden wir uns nach links und laufen neben der Eisenbahnstraße bis zum Bahnübergang, den wir überqueren. Dem Alten Weg folgen wir stadtauswärts ‑ vorbei an der Kinderburg ‑ bis zur Am­pelkreuzung (Rodgau‑Ringstraße). Das weiße Schild mit der Aufschrift „Zum Wald‑Trimmpfad“ gibt uns Halt ‑ gera­deaus, Wald voraus. Im Westweiler Hof, den wir schon nach weni­gen Minuten passieren (und auf dem Rückweg nach mehr als zwei Stunden wieder), gibt es Hausmacher Wurst aus eigener Schlachtung zu kaufen (montags und dienstag von 8.30 bis 13 Uhr, don­nerstags 14‑18.30, freitags 8.30 bis 18.30 und samstags von 8.30 bis 13 Uhr).

Gerade mal 15 Minuten sind wir unter­wegs ‑ und schon im Wald, an der Frei­zeitanlage, die nach dem Förster Heinrich Roßbach benannt ist. Es empfiehlt sich eine Stippvisite des Waldlehrpfades (Hin­weistafel vor dem Festplatz rechts). Auf einigen hundert Metern ist viel Wissenswertes über Bäume und Sträu­cher, über Ursachen der Waldschäden, über Vogel‑, Insekten‑ und Amphibien­schutz anschaulich dargestellt.

Weiter im Wald. An der Kreuzung hin­ter der Barriere des Parkplatz geht es nach rechts ‑ vorbei an Hinweisen auf den Trimmpfad. Nach hundert Metern überqueren wir eine Waldkreuzung und erreichen kurz danach eine weitere Que­rung mit Verbundpflaster, auf dem wir nach links einschwenken (überall kleine Hinweistafeln auf das Waldgebiet „Schä­ferheide“). Von nun an bis zum Paters­häuser Hof immer geradeaus ‑ vorbei an etwa zwanzig eingezäunten Tiefbrunnen des nahen Wasserwerks. Weitere Gehhil­fen: Schildchen mit der logischen Auf­schrift „Brunnenschneise“.

Da jetzt eigentlich nichts mehr schief gehen kann, richten wir die Blicke auf stattlichen Bäume, die uns von überall zu­nicken: sicherlich die längsten Kiefern weit und breit, wahre Wolkenkratzer. Rie­senfichten gibt es auch und ab und an bejahrte Eichen. Irgendwann hört der Wald auf, rechter Hand Weideland und voraus ein Gehöft: der Patershäuser Hof. Überall Bänke, von denen aus das Idyll wirkt.

Wenig später stehen wir vor dem Ein­gang des Gehöfts und einer Grabplatte der Elisabeth Brendel von Homburg, Mut­ter des Sebastian von Heusenstamm, und einer Hinweistafel, die uns erschöpfend Auskunft gibt: „Ursprung Benediktiner­kloster, seit 1252 umgewandelt in Zister­zienserkloster; aufgehoben in der Refor­mationszeit 1561; von Maria Theresia von Schönborn 1741 gekauft und zu Wirt­schaftsgebäuden umgestaltet; Übergang mit Feldern und Wäldern in Eigentum der Stadt Hausenstamm 1970.“

Doch der Hof ist nicht nur Relikt der Vergangenheit ‑ von hier aus wird Land­wirtschaft betrieben ‑ in Bioland‑Quali­tät, wie es heißt. Leckeres bietet der Hofladen feil (donnerstags von 15 bis 19 Uhr und freitags von 9.30 bis 12 Uhr. Klar, dass auch selbstgemachte Brat­wurst und ebensolcher Apfelwein kre­denzt wird ‑ im Garten unter uralten Bäumen, allerdings nur an Sonn‑ und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr und nur bei schönem Wetter.

Weiter geht es bis zu einem Brückchen Wir bleiben nun vorerst am Waldesrand (kleine Hinweistafeln Richtung Heusenstamm und Bieber), wandeln teilweise, unter Eichen. Wenn sich der asphaltierte Weg erneut gabelt, halten wir uns w rechts am Waldesrand (Mühlweg) bis wir im hohen Tann hinter einer weiteren Brücke unserer Richtung (rechts) treu bleiben. Wir verweilen kurz vor einem Revierkalender über einer Bank, der das Neuste aus dem Forst bereithält. Jetzt geradeaus bis zu unserer Brunnenschneise (Hinweis „Nach Jügesheim“, links) auf bekanntem Pfad wieder zurück.

 

 

Seligenstadt

Ihn Seligenstadt siedelten schon die römischen Soldaten. Das Kastell liegt im Bereich der Altstadt auf dem Hochufer des Mains. Es erstreckt sich von dem Gelände der staufischen Pfalz über den Marktplatz in West-Ost-Richtung und von der Kleinen Maingasse bis zur Mohrmühlgasse in Nord-Süd-Richtung.

 

Römer:

Ausgangspunkt für die römische Forschung am Ort war das in den Jahren 1819 und 1840/41 ergrabene Kastellbad, das unterhalb der Hans-Memling-Schule in unmittelbarer Nähe des heutigen Anlegeplatzes der Mainfähre lag. Die Versuche, das zugehörige Kastell zu finden, blieben bis ins 20. Jahre erfolglos. Erst 1914 vermutete E. Fabricius, die römische Befestigungsanlage müsse auf dem Altstadtplateau liegen. Durch dort durchgeführte umfangreiche Kanalisationsarbeiten im Jahr 1937 konnten Kastellmauer und -graben an mehreren Stellen beobachtet und die Größe des Kastells (160 x 190 m = 3 Hektar) festgestellt werden. Der ermittelte Flächeninhalt des Steinkastells, der nach jetzt erfolgter genauer Einmessung sogar 3,11 Hektar betragen hat, stimmt sehr gut überein mit der Kastellgröße, die für die inschriftlich belegte Besatzungstruppe Seligenstadts, die Cohors I civium Romanorum equitata erforderlich war. Diese Truppe wird auf einem Inschriftenfragment, das oberhalb der Kanzel in der Einhards‑Basilika vermauert ist, genannt.

In den Jahren 1975 und 1976 wurden auf dem Gelände hinter dem heutigen Rathaus die ersten systematischen Grabungen innerhalb des Kastellareals durchgeführt. Zunächst konnten die Reste der Steinphase freigelegt werden. Erkennbar war die Vorderfront eines Steingebäudes, von dessen Fundament nur noch die letzte Steinlage erhalten war. Davor lag ein Pfostengräbchen, auf dessen Pfosten ein Vordach (porticus) ruhte und parallel dazu ein zweiperiodiges Trauf- oder Abwassergräbchen. Weitere zum Teil ausgebrochene Mauerzüge ließen im Innern des Gebäudes zwei Räume von etwa 3 x 3 Meter Größe erkennen. Im hinteren Raum waren noch Estrichreste vorhanden. Unter der Vorderfront zeigte sich das Pfostengräbchen mit Pfosten eines älteren Holzgebäudes, vor dem sich ebenfalls ein Vordach befand, das auf großen Pfosten auflag. Zu den Holzresten gehörte die ältere Einfüllzone des Traufgräbchens.

Die Datierung der beiden Bauperioden ergab sich aus dem vor allem in der Taufgräbchenfüllung eingelagerten Fundmaterial. Einige Funde sprechen für einen Beginn des Holzkastells spätestens in trajanischer Zeit. Möglicherweise ist das Kastell auch etwas älter. Der Steinausbau des Kastells erfolgte um die Mitte des 2. Jahrhundert nChr. Mit den bei dieser Grabung angeschnittenen Bauresten dürfte ein Teil der Stabsgebäude (principia) freigelegt worden sein. Allerdings läßt sich dies nicht ganz sicher sagen, da ähnliche Raumgrößen sowohl bei Stabsgebäuden als auch bei Mannschaftsbaracken vorkommen können.

Ebenfalls 1976 konnte in der Freihofstraße ein Graben auf über 50 Meter Länge freigelegt werden, der möglicherweise zu einem kleineren, dem späteren Steinkastell vorausgehenden Holz-Erde-Kastell gehört.

Das südöstlich des Kastells unmittelbar am Main gelegene Kastellbad wurde im 19. Jahrhundert nur zu einem Teil ausgegraben. Nach der vorhandenen Zeichnung handelt es sich um ein Bad des Reihentyps, bei dem die unterschiedlich temperierten Baderäume hintereinander begangen wurden. Die aufgedeckten Reste waren zum überwiegenden Teil hypokaustiert, so daß wohl der Warm- und Heißbadetrakt der Therme angeschnitten worden war. Die Wasserzuleitung erfolgte von Südwesten. Die aus dem Bad stammenden Ziegelstempel nennen die Kastellbesatzung, die Cohors I civium Romanorum equitata. Die teilweise berittene Einheit in der Stärke von 533 Mann war noch um die Wende des 1. zum 2. Jahrhundert nChr in Niedergermanien stationiert, wurde aber bald danach versetzt, da sie bereits 116 nChr in Obergermanien bezeugt ist. Schon zu dieser Zeit dürfte sie in Seligenstadt gestanden haben, wo sie bis zum Limesfall um 263 nChr verblieb. Offenbar hat die Truppe am Ort Ziegel über den eigenen Bedarf hinaus zum Versand produziert, da sich auch an anderen Kastellplätzen Ziegelstempel dieser Kohorte gefunden haben.

In Seligenstadt existierte ein ausgedehntes Lagerdorf, dessen Spuren sich an allen drei Landseiten des Kastells gefunden haben. Nach der Fundstreuung zu urteilen, bestand es bereits seit der Zeit des älteren Holzkastells. Aus einer 1953 auf dem Marktplatz gefundenen Terra-Sigillata-Scherbe mit Graffito „... ogabi Nundinensium“ (Name einer Marktgottheit?) hat man auf einen Markt in römischer Zeit beim Kastell Seligenstadt geschlossen.

Jeweils an den aus den Kastelltoren herausführenden Straßen lagen die Friedhöfe. Ein großes Gräberfeld befand sich im Bereich des heutigen Steinheimer Tores. Die Funde datieren die geborgenen Gräber, allesamt Brandgräber, in den Beginn des 3. Jahrhunderts nChr. Weitere Gräberfelder lagen im Bereich der evangelischen Kirche und an der Froschhäuser Straße. Möglicherweise zu einem römischen Gutshof gehört das Gräberfeld am Fürgebrüchsweg. Die Grabung 1975 hinter dem Rathaus lieferte bedeutsame Hinweise auf die Weiterbesiedlung des Kastellareals in der frühen Völkerwanderungszeit.

Unmittelbar über den römischen Strukturen lagen an zwei Stellen Gruben mit zahlreichem Keramik- und Knochenmaterial. Die Keramik setzt sich zusammen aus einigen Randstücken der spät-römischen Terra-Nigra-Ware sowie den Fragmenten ihrer handgemachten germanischen Nachahmung, die an Ort und Stelle gebrannt wurden. Ein beinernes Dreilagenkammbruchstück, das mit in der Siedlungsgrube lag, verweist auf den elbgermanischen Zusammenhang.

Die Funde sind absolut datiert durch eine römischeMünze, geprägt im Rom 341-346 nChr. Damit lassen sie sich in die Mitte bis 2. Hälfte des 4. Jahrhundert datieren. Eine ebenfalls bei der Grabung gefundene rädchenverzierte Sigillata-Scherbe des 4. Jahrhunderts unterstützt diesen zeitlichen Ansatz in willkommener Weise.        

 

Geschichte:

Zwischen den Resten ihres Kastells  bildete sich die fränkische Siedlung „Obermulinheim“. Diese erhielt 815 Einhard, der Biograph Karls des Großen und Berater Ludwigs des Frommen. An seinem Hof in Aachen und auf seinen vielen Reisen durch das Reich umgab Karl sich gern mit einem Kreis aus Freunden und Beratern, zu denen einige der größten Gelehrten der damaligen Zeit gehörten. Unter ihnen war auch der erwähnte Alkuin, ein aus York in England stammender Theologe, der nicht nur zum einflussreichsten Ratgeber Karls des Großen in Staats- und Kirchenfragen wurde, sondern auch dessen Hofschule in Aachen leitete und maßgeblich zu den Bildungsreformen der „Karolingischen Renaissance“ beitrug.

Einhard wiederum, geboren um 770 im ostfränkischen Maingau und erzogen im Kloster Fulda, kam als Schüler Alkuins an den Hof Karls des Großen. Wegen seines handwerklichen Geschicks übertrug Karl ihm später die Aufsicht über die kaiserlichen Bauten, etwa über das Aachener Münster, betraute ihn aber immer wieder auch mit politischen Missionen.

Für seine treuen Dienste schenkte der Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme, Einhard ein Jahr nach dem Tod seines Vaters die Mark Michelstadt im Odenwald und die Domäne Mulinheim superior - das heutige Seligenstadt.

Eigentlich hatte Einhard vor, sich zusammen mit seiner Frau lmma, einer Schwester des Bischofs Bernhard von Worms, im Odenwald zur Ruhe zu setzen. In Steinbach hei Michelstadt ließ er sich einen Herrensitz errichten, in dessen Zentrum eine 827 vollendete Kirche stehen sollte. Die Steinbacher Einhardsbasilika zählt heute zu den ältesten noch erhaltenen Sakralbauten aus karolingischer Zeit. Warum Einhard seine Pläne wenig später änderte, ist nicht ganz klar. Angeblich waren es böse Träume, die ihn in Steinbach plagten und ihn veranlassten, nach Seligenstadt umzuziehen.

 

Dort jedenfalls gründete er um 830 eine Abtei, deren erster Abt er wurde, dort ließ er eine neue, größere Kirche nach römischem Vorbild bauen, und dort schrieb er auch seine große Biografie Karls des Großen. Seinen Odenwälder Besitz hatte er schon 819 der Lorscher Abtei vermacht, und es spricht einiges dafür, dass er mit seiner eigenen Gründung nicht im Schatten dieses mächtigen Reichsklosters stehen wollte und deshalb nach Seligenstadt auswich. Bis zu seinem Tod am 14. März 840 lebte Einhard in Seligenstadt. Seine Gebeine ruhen wie die der 836 gestorbenen Imma in einem Sarkophag in der zum Kloster gehörigen Basilika. Im Jahr 2005 erbrachte eine wissenschaftliche Untersuchung der Überreste deutliche Anhaltspunkte dafür, dass es sich bei den Toten tatsächlich um Einhard und seine Frau handelt.

Für die ebenfalls in Seligenstadt ruhenden sterblichen Überreste der römischen Heiligen Marcellinus und Petrus, denen die Basilika geweiht ist, lässt sich ein solcher Nachweis nicht erbringen. Sicher ist nur, dass Einhard selbst diese wertvollen Reliquien 827 aus Rom zunächst nach Steinbach und von dort nach Seligenstadt schaffen ließ, wo sie ähnlich wie die Gebeine des heiligen Nazarius in Lorsch dazu beitrugen, das Prestige und damit auch die weltlichen Besitztümer des neugegründeten Klosters zu mehren. Daran vermochte auch die eher zweifelhafte Herkunft der Gebeine nichts zu ändern: Ratleik, Einhards Sekretär, hatte in Rom erst einen Vertrag mit einem professionellen Reliquienhändler schließen und den Boden einer Kirche umgraben müssen, um die Gräber der Heiligen zu finden und die nötigen „Beweise“ für ihre Echtheit zu bekommen.

 

 

Zunächst hat er sie in sein Eigengut (Michelstadt-) Steinbach gebracht. Offenbar war aber Michelstadt nicht der geeignete Aufbewahrungsort, nach einigen Erscheinungen und einer Blutspur an ihrem Sarge, fasste Einhard den Entschluss, sie nach Seligenstadt in die dortige Krypta zu überführen. Durch Traumvisionen veranlaßt, überführte er die Heiligen in einer zweitägigen Prozession am 16. und/17. Januar 828 nach „Obermulinheim“.

Die von Einhard selbst beschriebene „Translatio“ haben beide Gemeinden, Michelstadt und Seligenstadt, nun zum Anlaß genommen, mit der Einrichtung eines 60 Kilometer langen Rad- und Wanderwegs auf die gemeinsamen historischen Wurzeln hinzuweisen. Vor den von Einhard erbauten Basiliken in Steinbach und Seligenstadt finden sich jeweils Erläuterungstafeln zu Wegeverlauf und geschichtlichem Hintergrund.

Infolge zahlreicher Wunderberichte der Pilger wurde der Ort dann in „Seligenstadt“ umbenannt. Über den Gräbern der Märtyrer in Rom errichtete man Kirchen und ermöglichte den Pilgern einen Zugang über vertieft gelegene Kammern. Berichte von Wundern führten zu dem Glauben, dass die Heiligen hier in ihren Reliquien besonders wirkkräftig seien, so daß deren Besitz zu einem erstrebenswerten Gut wurde.

 Im Jahre 828 gründete Einhard das Benediktinerkloster  und errichtete eine Wallfahrtskirche über dem Grab der frühchristlichen Märtyrer Petrus und Marcellinus, um die Stadt aufzuwerten.

Die beiden Märtyrer wurden 304 in Rom hingerichtet. Die Reliquien befanden sich in einer Kirche in Rom. Einhard ließ sie dort rauben und zunächst in seine Kirche nach Steinbach bei Michelstadt bringen und dann nach Seligenstadt überführen. Nach angeblichen Traumvisionen wurden sie in einer zweitägigen Prozession am 16./17. Januar 828 in das damaligen Obermühlheim gebracht, das infolge zahlreicher Wunderberichte der Pilger in „Seligenstadt“ umbenannt wurde.

 

Im Jahre 1045 erhielt Seligenstadt das Stadtrecht. Hier hielten besonders die salischen Kaiser  des öfteren Hof- und Fürstentage ab Auf sie dürfte auch die Kaiserpfalz zurückgehen. Die salischen und staufischen Kaiser benutzen Seligenstadt neben Gelnhausen als Stützpunkt ihrer Herrschaft am Main.. Nach ihrem Aussterben stritten sich Könige und Fürsten um den Besitz der Stadt, bis schließlich der Erzbischof von Mainz sich ihrer bemächtigte (1308). Aber er räumte der Bürgerschaft Freiheiten und Rechte ein, die sie den Bewohnern der Reichsstädte gleichstellte. Seine schönste Blüte erlebte Seligenstadt um das Jahr 1500, wo neben einer großen Anzahl von Künstlern (Maler, Bildhauer, Glasmaler), der Maler Mathias Grünewald hier lebte und bis zu seinem Tod im Jahr 1528 in Halle dennoch der Leineweberzunft von Seligenstadt angehörte.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gingen die Freiheiten größtenteils verloren, nur mit Bitterkeit ertrug die Bürgerschaft den immer stärker werdenden Druck des kurfürstlichen Regiments. Aus dieser Zeit stammt der interessante Wappenstein, der am Rathaus eingemauert ist und als Schildhalter zwei Hunde zeigt, die zwei Krummstäbe (Erzbischof und Abt) verschlingen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erholte sich die Abtei innerhalb eines Menschenalters von den erlittenen Schäden und war am Ausgang des 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu umfangreichen Erneuerungs- und Erweiterungsbauten in der Lage. Das Wappen der baulustigen Äbte dieser Zeit schmücken die Portale and er Klostermauer, die Prälatur und das vor der Stadt gelegene Wasserschloß.

Seligenstadt war auch bekannt für seine Wein und war eine Haupttrinkstation der Nürnberger und Augsburger Kaufmannszüge, die mit den beiden Seligenstädter Geleitslöffeln ein einzigartiges feuchtfröhliches Brauchtum trieben und darum nicht selten mit Verspätung zur Frankfurter Messe kamen.

 

Rundgang:

Seit dem Mittelalter verbindet eine Fähre das Kloster Seligenstadt mit seinen Besitzungen im Vorspessart, wo der Weinbau von besonderer Bedeutung war. Nach der Auflösung des Erzstifts Mainz und der Teilung der beiden Mainufer in einen hessischen und einen bayerischen Teil wurde die Fähre zum Grenzposten. Seit 1970 transportiert eine frei fahrende Fähre Menschen und Fahrzeuge von Seligenstadt (Hessen) nach Karlstein (Bayern).

An der Mainfähre empfängt den Besucher ein Fischerkahn mit dem Wappen der Fischerzunft Seligenstadt. Man geht man durch die große Maingasse mit den Fachwerkbauten aus dem 15./16. Jahrhundert  zur Einhard-Basilika. In Seligenstadt stehen 177 Gebäude unter Denkmalschutz, darunter zwei der ältesten Hessens, neben der Basilika auch das vor einigen Jahren mit großem Aufwand gerettete Romanische Haus aus der Zeit um 1200.

 

Von weitem schon sieht man die größte noch aufrecht stehende karolingische Basilika nördlich der Alpen. Auf den Stufen zum Eingang stehen die Standbilder von Marcellinus und Petrus, der Patrone der Kirche. Der langjährige Berater und Biograph Karls des Großen Einhard gründete im Jahr 828 in Seligenstadt ein Kloster, das er mit einer großen Basilika für die Reliquien der heiligen Marcellinus und Petrus ausstattete. Die Basilika zählt zu den größten im Kern karolingisch erhaltenen Kirchenbauten nördlich der Alpen.

Die Gebeine der beiden um 304 in Rom hingerichteten Märtyrer Marcellinus und Petrus birgt ruhen in einem silbernen Schrein unter dem vorderen Altar im Chorraum, wo sich zu Einhards Zeit ihr Grab in einer engen Ringkrypta befand. Diesen Reliquien verdankt die Stadt Seligenstadt letztlich ihre Gründung. Den Gepflogenheiten der Zeit gemäß hatte Einhard die Gebeine um das Jahr 815 aus den Katakomben auf wenig christliche Weise in Rom entwenden lassen. Da der Raub gelang, schloss man auf die Zustimmung der Heiligen.

Aus der von Einhard gegründeten Pfeilerbasilika entwickelte sich über Jahrhunderte ein Benediktinerkloster. Die Ordensregel des Heiligen Benediktus sah vor, daß alle für das Kloster und seine Versorgung wichtigen Gebäude sich innerhalb der Klostermauern befanden, „damit die Mönche nicht draußen umhergehen, was für ihre Seelen nicht zuträglich ist“. Hinter den Klostermauern lebten und arbeiteten Mönche fast tau send Jahre nach den Regeln des heiligen Benedikts, bis das Kloster 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde. In der ehemaligen Benediktinerabtei erwartet die Besucher heute ein unvergesslicher Einblick in das klösterliche Leben.

Betritt man die von Mauern umschlossene Anlage von Westen her, gelangt man zunächst in den Wirtschaftshof des Klosters. Im abgetrennten Mühlgarten grasen Schafe, die große Getreidemühle wurde 1993 restauriert, im Backhaus wird einmal in der Woche Brot im Fränkischen Steinofen gebacken, in den ehemaligen Scheunen befindet sich die Stadtbücherei. An Pfingsten zum Mühlentag wird die Mühle in Betrieb gesetzt und es wird auch das berühmte Klosterbrot gebacken.

Vom in der Mitte des Hofes gelegenen „Engelsgärtchen“ aus blickt man auf die ehemaligen Abteigebäude, die im 17. und 18. Jahrhundert ihre heute sichtbare zweiflügelige barocke Gestalt erhielten. In dem einen Flügel, der parallel zum Langhaus der Basilika verläuft, lassen sich die Wohnung des Abtes, Bibliothek, Gästezimmer, Küche, das Sommerrefektorium, der Prälaturgarten und der Kreuzgang besichtigen. Das 1699 erbaute Prälaturgebäude, in dem der Abt wohnte, wurde in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand restauriert und vermittelt einen lebendigen Eindruck der einstigen barocken Pracht. Mehrere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation übernachteten dort auf dem Weg zu den Krönungsfeierlichkeiten in Frankfurt.

Der eigentliche Klausurbereich mit Dormitorium, Kapitelsaal, Winterrefektorium, Krankentrakt, Kapelle und großzügigem Weinkeller befindet sich im zweiten Flügel, der vom Kreuzgang aus in rechtem Winkel anschließt. Darin sind auch eine historische Apotheke, ein Landschaftsmuseum und ein Cafe untergebracht.

Hinter diesem Gebäudetrakt liegt der rund dreißigtausend Quadratmeter große Konventgarten. Ursprünglich ein reiner Nutzgarten, in dem Kräuter, Obst und Gemüse angebaut wurden, ließen ihn die Äbte gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu einem repräsentativen Barockpark umgestalten.

 

Die Äbte des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts ließen viele Gebäude erneuern und neu ausstatten. Abt Franziskus II. errichtete 1699 eine prachtvolle Prälatur, die eine Abtswohnung, Gästeunterkünfte und ab 1730 eine Bibliothek aufnahm. Für kaiserliche Besuche stand ein separates Appartement zur Verfügung, in dem 1711 und 1792 deutsche Kaiser logierten. Die Alte Abtei beherbergte bis 1699 die Abtswohnung, danach wohnte der Abt in der prachtvoll ausgestatteten Prälatur. In den vergangenen Jahren behutsam in seinen ursprünglichen Zustand zu rückversetzt, präsentiert sich das Prälaturgebäude ab Mai 2007 in neuem Glanz. Ort für die Wissenschaft ist die ehemalige Bibliothek der Prälatur.

Ein besonders schönes Beispiel der barocken Erneuerungen stellt das Sommerrefektorium dar. Der Raumeindruck dieses Speisesaals wird seit 1725 durch ein Tonnengewölbe mit illusionistischer Architekturmalerei bestimmt. Die Apotheke wurde um 1720 vom gichtkranken Abt Petrus IV. eingerichtet. Seit ihrer Wiedereröffnung im Jahr 2002 bildet sie einen Höhepunkt jeder Klosterführung. Wie in einer kleinen Stadt gruppieren sich in Seligenstadt die Wirtschaftsgebäude. Höfe und Gärten um das Kloster und die Kirche. Ab 1986 wurden die Gärten auf Basis von Quellen und Grabungsfunden gemäß ihrer historischen Struktur und Bepflanzung rekonstruiert. Sie vermitteln ein authentisches Bild vom vielfältigen Einsatz der in barocker Zeit hier kultivierten Nutz- und Zierpflanzen.

Das karolingische Gotteshaus wurde im frühen 18. Jahrhundert vollständig im Barockstil umgestaltet  und ist inzwischen vorsichtig wieder zum karolingischen Baustil zurückgeführt worden. Der schlichte Raum des Kirchenschiffs trägt an den Wänden die Standbilder der zwölf Apostel. Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche durch eine spätromanische Choranlage mit mächtigem Vierungsturm ergänzt. Bemerkenswert ist das schmiedeeiserne Chorgitter. Etwas versteckt im nördlichen Querhaus der Basilika liegt der im Jahr 840 verstorbene Laienabt Einhard in einem prachtvollen Marmorsarkophag mit seiner Gattin Imma, Tochter Karls des Großen, begraben.

 

Man muß die Kirche dann erst wieder verlassen und an der Mainseite um sie herumzukommen, um den Konventsgarten betreten zu können. Zu ihm gehört neben einer Orangerie auch ein Kräutergarten, in dem wie einst zur Zeit der Mönche gegen fast jedes Zipperlein ein Kraut wächst.

Die Benediktiner galten als die Gärtner Europas - deshalb der große Klostergarten. Sogar Ananaszucht wurde von den Mönchen betrieben. Etwas versteckt steht in der Südwestecke des Konventgartens das Gewächshaus aus dem 18. Jahrhundert, das mit seiner schrägen Glaswand und weit vorspringenden Dachkehle die Sonnenenergie nutzt.

Welch hohes Ansehen die Gartenkultur der Seligenstädter Abtei einst genoss, verdeutlicht die Figurengruppe am Minerva-Tor. Das Tor zur Innenstadt wird von Minerva, der römischen Göttin für Kunst und Wissenschaft bekrönt. Ihr beigeordnet sind Flora und Pomona als Allegorien für den Frühling und den Obstbau.

Gut ein Drittel der Gesamtfläche der Abtei nimmt der ehemalige klösterliche Nutzgarten, der Konventgarten, ein. Im Schutze der Klostermauern wachsen hier auf acht mit Blumen und Zwergobstbäumen eingefassten Beeten vielerlei Sorten Gemüse, Salat und Kräuter.

In 14 Beeten blühen und wachsen die Kräuter, die nicht nach einem botanischen System, sondern nach ihrer Heilwirkung angepflanzt sind. Im ersten Beet mit den Kräutern gegen Magen- und Darmkrankheiten findet man krampflösende Pflanzen und Abführmittel (Gemeiner Wurmfarn und Aloe, die blähungseindämmender Pasternak).

Bärentraube und Preiselbeere sind in der Abteilung gegen Nieren- und Blasenerkrankungen zu finden. Baldrian und Kaffeestrauch wachsen in dem Beet für die Nerven-, Schlaf- und Beruhigungsmittel.

Hier findet sich ein Lehrgarten aller möglichen einheimischen Pflanzen, wie sie früher für einen Klostergarten üblich waren. Diese sind meist geordnet nach ihrem Verwendungszweck in der Medizin oder bei der Färberei. Die Bäume haben nur Kleinformat, doch viele alte Sorten sind dabei. Orientiert an den Aufzeichnungen des Klostergärtners aus dem Jahre 1746 ist es gelungen, den Garten wieder als barocken Zier- und Nutzgarten zu präsentieren, mit Springbrunnen und Terrassen und einer Orangerie, in der Orangen, Zitronen, Feigen und Ananas gezogen werden. Im Klostergarten duftet es recht intensiv. Alles steht in Blüte. Darunter auch ein Großteil der 320 Pflanzenarten, die in den drei großen Kräuterbeeten wachsen und gedeihen. Madesüß und Stiefmütterchen etwa lindern - richtig zubereitet - den Schmerz. Nur gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen.

Die Seligenstädter Orangerie ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele dieses Bautyps aus dem

18. Jahrhundert. In der um 1757 erbauten Orangerie mit dem typischen Schwanenhalsdach überwintern bis heute Zitronen- und Orangenbäume, Granatäpfel und Feigen. Auch die Tradition der Ananas-Treiberei, die im Barock zu den größten gärtnerischen Erfolgen zählte, wird gepflegt.

 

In unmittelbarer Nähe zur Klosterapotheke in der Alten Abtei lädt der Apothekergarten ein, die Vielfalt der historischen und neuzeitlichen Heilpflanzen zu entdecken. Er veranschaulicht die einstige Bedeutung der Medizin in den Benediktinerklöstern. Grabungen haben ergeben, daß der Kräuter- oder Apothekergarten ehemals etwa 1,80 Meter tiefer als heute lag. Er weist auf eine Aufteilung von 1712 hin, nach der das dritte Beet doppelt so groß wie das zweite und das wiederum doppelt so groß wie das erste gewesen ist. Schon damals, davon geht auch die Museologin der Staatlichen Verwaltung, Martina Paethke, aus, müssen in Seligenstadt aus dem Mittelmeerraum importierte Pflanzen und Kräuter angebaut worden sein.

Die Kräuterabteilung ist nach historischem Vorbild vor zwei Jahren wieder im Klostergarten hergerichtet worden, der bis zum Herbst täglich von 7 bis 20 Uhr geöffnet ist. In den Beeten sind Pflanzen, aus denen Mittel gegen Herz- und Kreislaufkrankheiten, Magen-, Darm-, Leber-, Gallen-, Nieren- und Blasenbeschwerden sowie Krebs produziert werden können. Aus Holunder und Mohn wurde eine kühlende Salbe bereitet, Rosen und Wacholder vermengte man zum stärkenden Lebersirup und für magenkranke Patienten gab es ein Öl aus Muskatnuß und Nelken. Mehrere Arten wie Schierling oder Fingerhut sind giftig. Doch in geringen Dosierungen können sie heilende Wirkung haben.

Nebenan in der Abtei läßt die Staatliche Verwaltung die alte Klosterapotheke restaurieren, um sie Ende August als Museumsattraktion eröffnen zu können. Auch der Apothekengarten wurde wieder angelegt. Die Mönche waren in der Krankenpflege aktiv, sie kannten die Heilwirkung vieler Kräuter, sie betrieben für Seligenstadt und Umgebung eine Apotheke und sorgten für die Wissensverbreitung.  In Vorträgen setzen sich Referenten eingehend mit der Klosterapotheke und Experimenten und Pharmazeutika aus dem dortigen Laboratorium auseinander Die Apotheke wird derzeit restauriert und in Kürze wieder eröffnet.

Manfred Schopp hat ein Buch geschrieben über die damalige Heilkunde: „Heilkunde im 17. Jahrhundert“. Einige der Rezepte waren schon damals sehr alt. So wurde das Universalheilmittel „Theriak“ - eine Mixtur, die man unter anderem aus Opium, Rhabarber und Baldrian herstellte - schon im ersten Jahrhundert nach Christus verwendet: Der Leibarzt des römischen Kaisers Nero beschreibt das Rezept in seinen Aufzeichnungen. Theriak kam übrigens bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht aus der Mode, eine leicht abgeänderte Mixtur findet sich noch 1872 im Deutschen Arzneibuch.

Überhaupt sind viele Inhaltsstoffe der Heilmittel von anno dazumal auch heute noch in der Homöopathie aktuell: Baldrian und Ringelblumen zum Beispiel oder die getrockneten Blätter des Fingerhuts. Im Kräutergarten des Seligenstädter Klosters, einem wahren Apothekergarten, wachsen die meisten dieser heilenden Pflanzen. Der Garten der ehemaligen Benediktinerabtei in der Seligenstädter Innenstadt kann täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Weitere Informationen zu Führungen und Vorträgen im Kloster gibt es unter der Rufnummer 06182/87177.

 

Zu den umfangreichen Ländereien, die die Versorgung des Klosters gewährleisteten, zählten zuletzt auch 42 Morgen (8 Hektar) Weinberge. Auf den sonnigen Südwesthängen des „Hahnenkamms“ bei Hörstein, Zentrum des klösterlichen Weinbaus, wird seit mindestens tausend Jahren Wein kultiviert.

Die Weine des Hörsteiner Abtsberges, der heute vom Staatlichen Hofkeller Würzburg bewirtschaftet wird, werden seit jeher hoch geschätzt. Auf den kristallinen Urgesteinsböden wachsen edle Rieslinge, Silvaner und Müller-Thurgau. In alter Tradition werden in unseren Weinkellern natürlich nur die Weine ausgeschenkt, die auf den ehemals klösterlichen Weinbergen unter den Händen des Staatlichen Hofkellers Würzburg gedeihen (Staatlicher Hofkeller Würzburg Residenzplatz 3, 97070 Würzburg, Tel. 0 931 / 30 50 923, Fax 0 931 / 30 50 966, wvw.hofkellen.de, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“Das wussten auch die Benediktinermönche von Seligenstadt. Auch wenn die Speisekarte häufig Anlass zur Klage gab - Wein durfte auf der klösterlichen Tafel nicht fehlen. Darüber hinaus schätzten ihn die Mönche aufgrund seiner reinigenden und belebenden Wirkung bei allerlei Gebrechen, ob Seelenkummer. Magenbeschwerden oder Fieber. Und nicht zuletzt waren Brot und Wein Christi Fleisch und Blut - ein unverzichtbarer Bestandteil bei der Messfeier.

Die Abtei benötigte jedoch den Wein nicht nur für den eigenen Bedarf. Bekannt waren die Mönche für ihre Gastfreundschaft, die auch in der Benediktsregel verankert ist. In dieser Tradition laden wir Sie ein: In den alten Weinkellern der Abtei finden Sie ein stilvolles Ambiente für private oder geschäftliche Anlässe - für Ihre Geburtstagsfeiern ebenso wie für Firmenjubiläen.

 

Vom Garten kommt man durch das Portal der „Alten Abtei“ zunächst in das „Kellerhöfchen“ mit den Zugängen zu den Weinkellern. Von dort kommt man in die Benediktinerabtei (6), die 830 gegründet wurde. Die „Klosterstadt“ mit ihrem Gärten, Wirtschaftshöfen, Vorratskellern, Brunnen, Skulpturen, Mönchszellen und Prunkräumen ist ein Musterbeispiel barocker Klosterarchitektur. Der Hauptbau ist das Franziskus-Blechinger-Haus von 1699. Es ist Prälatur, Gäste- und Repräsentationshaus und Wohntrakt des Abtes. Rechts davon sieht man eine Klappe, an der die Armen aus der Klosterküche versorgt wurden. Donnerstag ab 8 Uhr wird dort „Klosterbrot“ verkauft.

Als das Spital abgebrochen wurde versorgte das Kloster weiterhin Kranke in einem Klostertrakt. Rekonstruiert wurde das Mahlwerk der Klostermühle von 1574. Taubenschlag, Bienenstock und Schafpferch spiegeln das Wirtschaften der Mönche wieder.

Da bis zu tausend Menschen in der Abtei lebten, waren viel „Personal“ und Gebäude erforderlich, um die Versorgung zu sichern: Vorratsräume und Küchen, eine Bäckerei, Brauerei, fünf Keltern, die Schusterwerkstatt und eine Schneiderei. Zu den Attraktionen zählt die Mühle von 1574. Das Mahlwerk wird sonntäglich wieder in Bewegung gesetzt; Führungen So 13.00 bis 17.00 Uhr.

 

 

Neben den Bewohnern mußten zusätzlich Arme gespeist werden. Die Inschrift am Fenster der verrußten Klosterküche, an der das Almosenessen ausgegeben wurde, vermittelt einen Eindruck von den Standesunterschieden beim Essen:

            Herbey zu Haferbreey

            hie in der Suppen hast du Gersten drey,

            in dem anderen Plechle den Haferbrey,

            an den Braten dich ganz nit kehr,

            droll dich hinweg,

            dir wirt nit mehr.

Im Rahmen der schrittweisen Renovierung der Abtei wurde auch die barocke Anlage wieder hergestellt. Das Benediktiner-Kloster bestand fast tausend Jahre bis zur Aufhebung 1803.

 

 

Zwei Museen befinden sich im Kloster, darunter das Landschaftsmuseum Das Museum ist in den Räumen der ehemaligen Benediktiner-Abtei hat die Schwerpunkte die römische, die Kloster- und Stadtgeschichte sowie die Volkskunde. Das Museum befindet sich in der Neuplanung. Im Untergeschoß der Prälatur wird nur eine Auswahl römischer Gegenstände gezeigt. Links neben dem Eingang findet der Besucher einen Weihestein, der 1840/41 beim Abbruch des Maintorturms freigelegt wurde. Die Inschrift lautet: »Der Diana Augusta und zum Wohl unserer Herren, der Kaiser Severus und Antoninus (Caracalla) und des Caesaren Geta sowie des gesamten vergöttlichten Kaiserhauses hat Lucius Gellius Celerianus, der Sohn des Lucius aus der Tribus Flavia ein Nemeter, Centurio der 22. Legion primigenia pia fidelis, den Altar und eine Tafel (Bildwerk?) für sich und die Seinen gestiftet unter dem Konsulat des Cilo und des Libo (204 nChr).« Auf der rechten Schmalseite des Steins ist ein nach links springender Hirsch dargestellt, auf der linken eine Hirschkuh, die ihr Kalb säugt. In einigen Vitrinen sind Gefäße aus den Grabungen im Stadtbereich ausgestellt. Der überwiegende Teil des römischen Materials wird im Magazin des Museums aufbewahrt. Bei der Führung kann man durch die mittelalterliche, rußgeschwärzte Küche, das Sommerrefektorium, dem Kaisersaal, der Bibliothek und den Kreuzgang schlendern und dabei das Leben der Mönche nachempfinden.

Wer mehr über das Leben der Mönche erfahren will, sollte an einer Führung durch die Benediktinerabtei teilnehmen, bei der auch die verräucherte Klosterküche, das Sommerrefektorium. der Kreuzgang und der Kaisersaal besichtigt werden können. Sie finden im Sommer durchgehend von 10.00-17.00 Uhr zur vollen Stunde statt.

 

Durch das Hauptportal der Benediktinerabtei kommt man zum Freihofplatz mit dem Schulhaus von 1713 (7). An der Klostermauer befindet sich ein sandsteinerner Erzengel Gabriel aus der Werkstatt des Mainzer Hofbildhauers Burkhard Zamels.

Man geht erst in Richtung Markt und dann nach rechts in die Palatiumstraße. Dort steht links das Steinerne Haus (im Innenhof des Rathauses)(3). Dieser romanische Bau wurde 1187 errichtet als Vogtei und war 1188 Stätte des Hoftags von Kaiser Barbarossa. Später wurde das Haus zeitweise als Markt- und Gerichtshalle genutzt. Der kleine Saal über der offenen Halle im Erdgeschoß mit Freskenfragmenten von 1595 ist beliebter Trausaal und Raum für Vorträge, Lesungen und Konzerte im kleinen Rahmen. Die große Rathausgasse, in der das Haus steht, war im 12./13. Jahrhundert das Stadtzentrum und war dann Judengasse. 

Am Ende der Palatiumstraße kann man den romanischen Bau des „Palatium“ sehen. Die staufische Kaiserpfalz ist  nach neuesten Grabungen weit älter als bisher angenommen. Nicht erst 1237 unter Kaiser Friedrich II. war demnach Baubeginn, sondern bereits im 12. Jahrhundert, wie die jetzt gefundenen Fundamente eines Ständerhauses nahelegen. Möglicherweise wurde es aus Anlaß eines 1188 hier abgehaltenen Hoftages errichtet. Sie wurde als Jagd- und Lustschloß errichtet.

Nach dem Niedergang der Staufer wurde das „Rote Schloß“ als Steinbruch genutzt. Nur die östliche Längsseite überdauerte, weil sie in die im 12. Jahrhundert errichtete Stadtbefestigung einbezogen war.

Man kann den Bau aber nicht besichtigen und geht deshalb rechts herum. An der Ecke zur Großen Fischergasse steht das Leinreiterhaus (Gasthof). Durch die Kleine Maingasse kommt man zu den Resten des Maintorturms, der 1840 abgebrochen wurde. Am Turmstumpf befindet sich die Waage der Fischerzunft.

Auf dem Mainuferweg und geht es Richtung Nordwesten weiter. Man kommt wieder am Palatium vorbei und kann die Ansicht von der Mainseite her sehen. Danach kommt man zu einer Altenwohnanlage, Standort des Hospitals von 1699 unter der Obhut des Klosters.

Danach kommt man zum alten Wehrturm, dem Pulverturm von 1463. Von dort führt der Weg wieder in die Stadt hinein zum Steinheimer Torturm (12). Dieser wurde von dem Straßburger Georg Riedinger im Jahre 1603 erbaut. Von dort geht man durch die Wallstraße. An der Kreuzung mit der Frankfurter Straße steht das Fachwerkhaus „Altes Haus“ von 1327 (5).  Durch die Frankfurter Straße kommt man zum Marktplatz mit seinen barocken Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Der Platz wird aber auch geprägt vom klassizistischen Rathaus (2). Dieses wurde 1823 an der Stelle eines früheren Baus errichtet, von dem noch die Wappensteine von 1539 am Eingang erhalten sind. Die Stadtrechte der Siedlung sind ab 1175 verbürgt. Links vom Rathaus ist die Alte Schmiede (heute Gasthaus).

Gegenüber dem Rathaus steht das Einhardhaus (1) von 1596 mit dem Spruch Karls des Großen: „Selig sei die Stadt genannt, in der ich meine Tochter wieder fand“. Seine Tochter war von Einhard gewissermaßen entführt worden, aber in Seligenstadt kam es wieder zum Zusammentreffen. Eine andere Erklärung besagt, daß der Name entstanden sei, nachdem die Reliquien der Märtyrer überführt worden waren. Am geschweiften Erker des reich verzierten Renaissancebaus von 1596 erkennt man einen holzgeschnitzten Kopf. Es ist Einhard, der da etwas grimmig in die Runde blickt. Dabei hätte der Berater und Biograf von Kaiser Karl dem Großen allen Grund wohlwollend und stolz auf „sein” Gemeinwesen zu schauen. Ihm verdankt Seligenstadt die Gründung im Jahre 815, nachdem Einhard von Kaiser Ludwig dem Frommen, Karls Sohn, den Ort am Untermain für seine Verdienste geschenkt bekommen hatte.

Ein Männerkopf, der aus dem Erker des Einhardhauses hervorlugt, erinnert an Kaiser Karl den Großen. Der Legende nach ließ Einhard sich mit Karls des Großen Tochter Imma (Emma) ein, die aber den Sohn des oströmischen Kaisers heiraten sollte. Als Einhard eines Abends wieder von seiner Liebsten fortgehen wollte, war frischer Schnee gefallen und seine Fußspuren hätten ihn verraten. Da trug ihn Emma kurzerhand über den Hof. Aber der Kaiser hat die beiden zufällig gesehen, weil er nicht schlafen konnte. Deswegen wurde das Paar von dem Hof des Herrschers verbannt und zog sich nach Obermühlheim zurück, wie Seligenstadt zur Karolingerzeit hieß. Als Karl der Große sich nach einer Jagd in ihre Herberge verirrte, versteckte sich Einhard unter dem Dach. Seine Tochter Imma, die der Kaiser nicht erkannte, bereitete ihm seine Leibspeise Eierpfannkuchen zu. Als er die probierte, erkannte er sie und rief: „Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter wiederfand“.

 

Links vom Einhardhaus steht das „Haus zum Stern“ von 1444. Der Anbau an das Einhardhaus (in der Wolfstraße) ist von 1500. Durch die Sackgasse (der „Riesensaal“ bezieht sich nur auf dem Saal des modernen Kulturzentrums „Riesen“) kommt man zur Mauergasse. Dort steht noch ein Teil der alten Stadtmauer. Sie geht bis zu dem Bollwerksturm in der Stadtmauer, dem „Stumpfaule“ von 1463.

 

 

Durch die Bahnhofstraße geht man zur Aschaffenburger Straße und dort rechts weiter. Man kommt zum Denkmal, das Bezug nimmt auf den Brauch mit dem Geleitslöffel. Dieser große aus Holz geschnitzte Löffel wurden von den nach Frankfurt zur Messe ziehenden Fremden in fröhlicher Kneipgesellschaft in Seligenstadt in Gemeinschaft mit den Frankfurter Geleitsreitern in der Runde geleert. Der Sage nach hat Karl der Große diesen Löffel von einem Hirten als Willkommensgabe erhalten.

Das Haus Aschaffenburger Straße 22 hat eine schöne Torfahrt. Das Haus Nummer 59 in der Aschaffenburger Straße ist die alte Poststation von 1622. Das Haus Nummer 81 an der Ecke Pfarrgasse ist das Katholische Pfarramt.

Das Haus Nummer 91 aus dem Jahre 1428 ist in den Obergeschossen als Ständerbau errichtet. Gegenüber ist das prachtvolle Portal zum Konventsgarten von 1715. An der Ecke des Konventsgartens befindet sich ein Brunnen.

Am Abzweig der Zellhäuser Straße steht die Gustav-Adolf-Kirche von 1846/47. Über den Friedhof mit der Mariensäule kommt man zum Wehrturm und dem ältesten Teil der Stadtmauer aus dem 11. Jahrhundert. Am Ausgang des Friedhofs steht die Not-Gottes-Kapelle mit dem Barockportal der Abteikirche. Von dort kommt man bald wieder zurück zur Fähre.

 

In der Römerstraße besteht die eine Seite aus Fachwerkhäusern, die andere aus Steinhäusern, weil 1903 während des Bürgermeisterwahlkampfs eine Brandstiftung vorkam.

 

Wendelinuskapelle: Auf der Frankfurter Straße aus dem alten Stadtkern heraus bis zur Kreuzung mit der Babenhäuser Straße.

 

 

Kulturweg „Mainzer Herz“ (Seligenstadt-Karlstein-Mainhausen)

Am Untermain erstreckt sich ein Landstrich beiderseits des Mains über die zwei Bundesländer Hessen und Bayern. Das war nicht immer so. Bis 1803 gehörten Seligenstadt und die Gemeinden mainaufwärts zum Erzstift Mainz, das damals ein eigenständiger Staat war. Sie verbindet eine gemeinsame Geschichte, die der Kulturradweg „Kurmainzer Herz“ aufgreift. Die 16 Stationen präsentieren die Geschichte der Landschaft am Main, die von der Natur über Jahrmillionen geformt wurde. Braunkohleflöze entstanden, Kiesbetten wurden abgelagert, Mainarme bildeten sich und verschwanden. Der Mensch hat in der vergleichsweisen kurzen Epoche von mehreren Jahrtausenden diese Naturlandschaft umgestaltet in eine Kultur‑ und Industrielandschaft von den prähistorischen Hügelgräbern am Schachenbrunnen bis zur Braunkohlehalde „Kipp“.

Insgesamt 16 Stationen präsentieren die Kulturlandschaft beiderseits des Mains. Die Gesamtlänge des Kulturradweges beträgt etwa 35 Kilometer und ist als Tagestour konzipiert. Man kann den Kulturradweg auch abschnittsweise befahren.

Der Inhalt der einzelnen Stationen ist bei den Orten Karlstein, Seligenstadt und Mainhausen erfaßt.

 

Kortenbach: Das Naturschutzgebiet Kortenbach westlich von Seligenstadt und südlich von Froschhausen ist in Relikt der ursprünglichen Auenlandschaft in der durch Siedlung und Nutzbarmachung kultivierten Mainniederung von Seligenstadt. Herausragend ist im Frühjahr das reiche Vorkommen von Bärlauch, der den Waldboden mit einem weißen Blütenteppich überzieht. Die über 100 Jahre alten Flatterulmen sind dank ihres besonderen Standortes bisher resistent gegen Baumschädlinge.

 

Liebfrauenheide: Ein aus Holz geschnitztes, farbig gefasstes Gnadenbild aus der Zeit um 1620 ist das Ziel der Wallfahrer, die zur Liebfrauenheide pilgern. Das Original wird in der Pfarrkirche zu Klein‑Krotzenburg aufbewahrt und an den Wallfahrtstagen zur Kapelle gebracht.

Zur Feier der Einweihung des Neubaus der Kapelle hielt der Mainzer Bischof von Ketteler bei einer Kundgebung am 25.07.1869 vor etwa 10.000 Arbeitern seine berühmte, vielbeachtete Predigt über die soziale Frage und die Zukunft der Arbeiter. Von Mai bis Oktober finden jedes Jahr auf der Liebfrauenheide zehn große Wallfahrten statt.

Zur Liebfrauenheide geht es halb rechts ab zur Wallfahrtskirche mit dem Brunnen. Obwohl seit 1802 „weltliche“ Herren das Sagen haben, ist der katholische Einfluß in dem ehemals mainzischen Gebiet um Klein‑Krotzenburg unverkennbar. Ausdruck dieser religiösen Verwurzelung ist bis heute die Liebfrauenheide. Die kleine Wallfahrtskapelle, mitten im Klein‑Krotzenburger Wald, war und ist an Wallfahrtstagen Ziel zahlreicher Pilger. Dreifaltigkeitssonntag nach Pfingsten, Sonntag nach Mariä Heimsuchung (2. Juli) und Sonntag nach dem „Tag der Sieben Schmerzen Marias“ (15.September).

Das Gnadenbild ist von 1620. Mitte des 17. Jahrhunderts begann die Verehrung und die Wallfahrt zur „Schmerzhaften Mutter Gottes“. Die erste Kapelle wurde 1736 erbaut. Im Jahre 1753 war es der Stadt Dieburg zuviel. Waren früher an Mariä Geburt über 10.000 Wallfahrer zum Muttergottesheiligtum nach Dieburg gekommen, so haben nach dem Aufkommen der Liebfrauenwallfahrt bei Klein‑Krotzenburg die Besucherzahlen so stark abgenommen, daß sich 1753 nur 4.000 in Dieburg einfanden. Die Dieburger schrieben in ihrem Protestschreiben an den Mainzer Bischof, die Wunder von Klein-Krotzenburg seien noch nicht einmal von einer richtigen Kommission untersucht worden. Lediglich die „angenehme Laag“ der Kapelle sei es, die besonders die jungen Leute von Dieburg abzöge.

Die Dieburger hatten Erfolg: Der Erzbischof verbot 1755 die Wallfahrten zur Liebfrauenheide. Als Bischof Ketteler 100 Jahre später versuchte, die Wallfahrt neu zu beleben, stieß er bei dem Klein‑Krotzenburger Pfarrer Klein auf heftigen Widerstand: „Es gibt jetzt schon ledige Personen, die in den Wald gehen, nicht aus Verehrung der heiligen Gottesmutter, sondern um im Wald zusammen zu kommen“, antwortete Klein auf die bischöfliche Anregung.

Erst sein Nachfolger setzt sich für den Bau einer neuen Kapelle ein. Diese wurde 1868 durch den Mainzer Bischof von Ketteler eingeweiht. Dieser predigte 1869 vor über 10.000 Arbeitern über das Verhältnis von Arbeitswelt und Religion. Ketteler vertrat dabei Positionen des Arbeiterstands: Erhöhung des Arbeitslohns nach dem „wahren Wert der Arbeit“, Verkürzung der Arbeitszeit, Verbot der Kinderarbeit und der Fabrikarbeit für schulentlassene Mädchen. Ein Teil seiner Forderungen wurde später Grundlage der Sozialgesetzgebung.

Die Gnadenkapelle auf der Liebfrauenheide bei Seligenstadt ist nicht nur ein Wallfahrtsort für Marienverehrer, die aus dem Rodgau, dem Kahlgrund und dem Maingebiet viermal im Jahr dorthin pilgern, sondern auch Treffpunkt christlicher Arbeiter, die hier die Erinnerung an Wilhelm E. Freiherr von Ketteler pflegen, dem bedeutenden Vorstreiter christlicher Gewerkschaften des 19. Jahrhunderts. 1869 hielt er, ein Abgeordneter des Frankfurter Parlaments und des Reichstages, später Bischof von Mainz, von der Kanzel unter freiem Himmel vor zehntausend Arbeitern eine seiner berühmten Reden über soziale Forderungen und Rechte der Arbeiterschaft.

Die Kapelle steht inmitten eines Waldes an der Stelle, an der nach dem Dreißigjährigen Krieg ein Schäfer ein Marienbild in der Höhle eines Eichbaumes gefunden haben soll. Es ist der zweite Bau, errichtet 1868, der, nachdem der erste, über der Fundstelle des wundertätigen Bildes erstellte, sich als zu klein erwiesen hat, die Schar der heilungssuchenden Menschen aufzunehmen (Wanderung zur Liebfrauenheide in: Wochenende, Seite 154.

 

Wanderung Richtung Norden in: Elvira Klein, Frankfurt II, Seite 15.

Wanderung: Elvira Klein, hein-Main, 180).

 

 

Der ältere Mainlimes

Der ältere Mainlimes begann gegenüber vom Kastell Großkrotzenburg am Main und erstreckte sich bis zum Kastell Wörth. Die Römer haben die ersten Grenzposten an dieser Strecke um 90 angelegt, noch in den letzten Regierungsjahren Kaiser Domitians. Bei Wörth verließ die Grenzlinie den Main und zog durch den Odenwald nach Süden. Einige Jahrzehnte später, in der Mitte des 2. Jahrhunderts, ist die Mainlinie nach Süden bis Miltenberg verlängert worden (jüngerer Mainlimes). Gleichzeitig haben die Römischer den Odenwaldlimes aufgegeben und ungefähr 20 Kilometer ostwärts eine neue Grenzlinie abgesteckt, die von Miltenberg über Walldürn und Osterburken nach Süden lief.

Jenseits des Mains dehnt sich das Waldgebirge des Spessart aus. Es war damals unbesiedelt und stellte eine natürliche Barriere vor der römischen Grenze dar. Der Grenzabschnitt war daher nur wenig gefährdet. Aus diesem Grund ist er verhältnismäßig spät mit stärkeren Auxiliareinheiten besetzt worden.

Der Main war nicht nur Grenze, sondern zugleich eine wichtige Verkehrslinie. In Stockstadt wurde eine Schiffsanlegestelle gefunden; auch andere Kastelle der Mainlinie werden eine solche besessen haben. Ebenso deuten die Benefiziarierstationen neben den Kastellen Großkrotzenburg, Obernburg, Stockstadt und wohl auch Seligenstadt auf die Verkehrsbedeutung des Flusses hin.

Die üblichen Annäherungshindernisse des obergermanischen Limes (Palisade, Wall und Graben) waren am Main unnötig und fehlen daher. Auf der gesamten Strecke hat man lediglich die Ruinen von zwei Wachtposten gefunden, die zwischen Obernburg und Wörth standen. Ihre Reste sind heute kaum zu sehen und schwer zu finden. Immerhin ergibt sich aus diesen Beobachtungen, daß das Flußufer zwischen den Kastellen sicherlich durchgehend mit Wachtposten besetzt war. Sie sind fast alle durch Überschwemmungen und durch das Mäandrieren des Flusses verschwunden. So hat die Maingrenze ähnlich ausgesehen wie die römische Donaugrenze in der Provinz Moesia, die am Beginn des Reliefbandes der Trajanssäule mit ihren Türmen abgebildet ist. Der ältere Mainlimes schützte die Civitas Auderiensium (Hauptort Dieburg). Er bestand bis um 260 nChr.

 

Der ältere Mainlimes ist anfangs nur mit kleinen Holzkastellen besetzt worden. Solche kleinen Kastelle kennt man von Hainstadt und Stockstadt.

 

  •  Hainstadt

Das 0,9 Hektar große Kastell lag südlich der Hauptstraße  rund um die Kastellstraße. Es war Endpunkt des Wetteraulimes.

 

  •  Stockstadt:

Am südlichen Ortsausgang von Stockstadt überquert die Landstraße nach Aschaffenburg eine Eisenbahnlinie. Unmittelbar südlich davon dehnt sich der umfangreiche Baukomplex der Papierfabrik PWA aus. Die Fabrik steht auf dem Gelände des ehemaligen Kastells und des Vicus; von den römischen Bauten ist daher in Stockstadt nichts mehr zu sehen.

Der Bau der Fabrik (seit 1897) hat jedoch jahrelange Ausgrabungen im Kastell und seiner Umgebung bewirkt. Schon vorher hatte W. Conrade Untersuchungen in der längst bekannten römischen Fundstätte unternommen und das Kastell entdeckt (seit 1885). Die Ausgrabungen beim Bau der Fabrik begannen 1898 und zogen sich bis 1907 hin; sie wurden von dem Fabrikingenieur C. Wirth beaufsichtigt. In den folgenden Jahren hat der Aschaffenburger Geschichtsverein noch einige Nachuntersuchungen angestellt. Wegen der großflächigen, intensiven Ausgrabungen sind die römischen Wehrbauten und das Lagerdorf von Stockstadt die am besten bekannten des älteren Mainlimes.

Folgende römische Wehranlagen sind festgestellt worden: 1. Kleinkastell aus Holz von 0,3 Hektar Fläche (H), das unmittelbar nördlich von der heutigen Eisenbahnlinie lag; 2. Holzkastell unbekannter Größe, von dem man nur etwa 50 eter der Nord-West-Umwehrung fand, und zwar neben der Eisenbahnlinie, dicht am vorhergenannten Holzkastell; 3. das Kohortenkastell (3,2 Hektar), das zunächst eine hölzerne Umwehrung besaß, die später durch eine Steinmauer ersetzt wurde.

Wahrscheinlich ist das kleine Holzkastell der älteste Wehrbau der Römer in Stockstadt. Es dürfte um 90 nChr errichtet worden sein. Das 2. Holzkastell ist wohl etwas später entstanden und könnte größer gewesen sein. Vielleicht war es nur ein vorübergehendes Baulager für die Cohors III Aquitanorum equitata civium Romanorum, die um 100 nChr südlich davon das Kohortenkastell baute.

Noch in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts ist die 3. Aquitanerkohorte in das Kastell Neckarburken versetzt worden. An ihre Stelle trat in Stockstadt die Cohors II Hispanorum equitata pia fidelis, die in Wimpfen gewesen war. Doch schon in der Mitte des 2. Jahrhundert wurde sie nach Neuwied-Heddesdorf kommandiert. Nun wurde die Cohors I Aquitanorum veterana equitata, die aus dem Kastell Arnsburg am Wetteraulimes kam, zur Besatzung des Kastells Stockstadt. Die Abfolge der verschiedenen Wehrbauten und der Besatzungstruppen scheint verwickelter gewesen zu sein als bei anderen Limeskastellen. Das ist aber wohl nur eine Folge der intensiveren Untersuchungen in Stockstadt, durch die sehr viele Einzelheiten zur Baugeschichte bekannt wurden. Andere Limeskastelle, die nur flüchtig untersucht werden konnten, mögen eine ähnlich komplizierte Baugeschichte haben, von der wir nur nichts wissen. Die Truppenbewegungen können zum Teil mit fernen Ereignissen im Römerreich zusammenhängen, etwa mit dem jüdischen Aufstand unter Kaiser Hadrian, zu dem auch Hilfstruppen aus den nördlichen Provinzen des Reichs nach Palästina abgezogen worden sind.

In der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts hat anscheinend ein Germaneneinfall das Kastell und den Vicus betroffen. Im Jahre 1962 förderte nämlich ein Bagger bei Umbauarbeiten in der Papierfabrik einen umfangreichen Münzschatz zutage. Er umfaßte 1316 Denare und 6 Goldstücke. Er ist um 170 nChr im Inneren des Kastells in einem Tonkrug vergraben worden. Sein Besitzer hat ihn nicht wieder herausholen können. Vermutlich ist es damals zu Zerstörungen im Kastell gekommen. Sie sind aber bald beseitigt worden. Der Wehrbau bestand weiter und hat seine Aufgabe bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts erfüllt.

Das Kastell richtete seine Hauptfront gegen den Main, der hier die wichtigste Verkehrsader war. Die Ecktürme der Umwehrung springen ungewöhnlich weit vor, sie sind wahrscheinlich erst während einer späteren Bauphase angefügt worden. In der Mitte des Kastells fand man den sehr klaren Grundriß der Kommandantur (principia), eines Steingebäudes. Leider haben die Ausgräber mit den Grabungsmethoden der Jahrhundertwende die zahlreichen Holzbauten im Inneren des Kastells nicht sicher erfassen können. Mit Ausnahme der principia waren alle übrigen, damals aufgedeckten Steinbauten ausnahmslos Teile einstmals größerer Bauwerke aus Fachwerk, deren Gesamtgrundrisse unbekannt geblieben sind. Der Vicus dehnte sich längs des Mains aus.

Vor dem Kastell fand man an der römischen Uferlinie den Anlegekai für Schiffe. Nicht weit davon lag eine Benefiziarierstation zur Überwachung des Verkehrs. Auch das Kastellbad ist vor dem Kastell aufgedeckt worden (1898). Nach der Ausgrabung hat es 70 Jahre lang sichtbar freigelegen, mußte dann aber einem Fabrikgebäude weichen. Die Ruine wurde nach Aschaffenburg-Nilkheim versetzt und dort im Park wieder aufgebaut.

Aus dem Vicus gibt es Zeugnisse eines regen, religiösen Lebens. Zwei Mithrastempel und ein Heiligtum des Jupiter Dolichenus waren östlichen Gottheiten geweiht. Außerdem fand man Hinweise auf einen Fortunatempel und ein Quellheiligtum der Nymphen. Bei den Heiligtümern sind zahlreiche Altäre, Steininschriften und Skulpturen gefunden worden.

Ähnliche hölzerne Wehrbauten kann es auch als Vorgänger der Kohortenkastelle Seligenstadt, Niedernberg und Obernburg.

 

  • Seligenstadt:

Ihn Seligenstadt siedelten schon die römischen Soldaten. Das Kastell liegt im Bereich der Altstadt auf dem Hochufer des Mains. Es erstreckt sich von dem Gelände der staufischen Pfalz über den Marktplatz in West-Ost-Richtung und von der Kleinen Maingasse bis zur Mohrmühlgasse in Nord-Süd-Richtung.

Ausgangspunkt für die römische Forschung am Ort war das in den Jahren 1819 und 1840/41 ergrabene Kastellbad, das unterhalb der Hans-Memling-Schule in unmittelbarer Nähe des heutigen Anlegeplatzes der Mainfähre lag. Die Versuche, das zugehörige Kastell zu finden, blieben bis ins 20. Jahre erfolglos. Erst 1914 vermutete E. Fabricius, die römische Befestigungsanlage müsse auf dem Altstadtplateau liegen.

Durch dort durchgeführte umfangreiche Kanalisationsarbeiten im Jahr 1937 konnten Kastellmauer und -graben an mehreren Stellen beobachtet und die Größe des Kastells (160 x 190 m = 3 Hektar) festgestellt werden. Der ermittelte Flächeninhalt des Steinkastells, der nach jetzt erfolgter genauer Einmessung sogar 3,11 Hektar betragen hat, stimmt sehr gut überein mit der Kastellgröße, die für die inschriftlich belegte Besatzungstruppe Seligenstadts, die Cohors I civium Romanorum equitata erforderlich war. Diese Truppe wird auf einem Inschriftenfragment, das oberhalb der Kanzel in der Einhards‑Basilika vermauert ist, genannt.

In den Jahren 1975 und 1976 wurden auf dem Gelände hinter dem heutigen Rathaus die ersten systematischen Grabungen innerhalb des Kastellareals durchgeführt. Zunächst konnten die Reste der Steinphase freigelegt werden. Erkennbar war die Vorderfront eines Steingebäudes, von dessen Fundament nur noch die letzte Steinlage erhalten war. Davor lag ein Pfostengräbchen, auf dessen Pfosten ein Vordach (porticus) ruhte und parallel dazu ein zweiperiodiges Trauf- oder Abwassergräbchen. Weitere zum Teil ausgebrochene Mauerzüge ließen im Innern des Gebäudes zwei Räume von etwa 3 x 3 Meter Größe erkennen. Im hinteren Raum waren noch Estrichreste vorhanden. Unter der Vorderfront zeigte sich das Pfostengräbchen mit Pfosten eines älteren Holzgebäudes, vor dem sich ebenfalls ein Vordach befand, das auf großen Pfosten auflag. Zu den Holzresten gehörte die ältere Einfüllzone des Traufgräbchens.

Die Datierung der beiden Bauperioden ergab sich aus dem vor allem in der Taufgräbchenfüllung eingelagerten Fundmaterial. Einige Funde sprechen für einen Beginn des Holzkastells spätestens in trajanischer Zeit. Möglicherweise ist das Kastell auch etwas älter. Der Steinausbau des Kastells erfolgte um die Mitte des 2. Jahrhundert nChr. Mit den bei dieser Grabung angeschnittenen Bauresten dürfte ein Teil der Stabsgebäude (principia) freigelegt worden sein. Allerdings läßt sich dies nicht ganz sicher sagen, da ähnliche Raumgrößen sowohl bei Stabsgebäuden als auch bei Mannschaftsbaracken vorkommen können.

Ebenfalls 1976 konnte in der Freihofstraße ein Graben auf über 50 Meter Länge freigelegt werden, der möglicherweise zu einem kleineren, dem späteren Steinkastell vorausgehenden Holz-Erde-Kastell gehört.

Das südöstlich des Kastells unmittelbar am Main gelegene Kastellbad wurde im 19. Jahrhundert nur zu einem Teil ausgegraben. Nach der vorhandenen Zeichnung handelt es sich um ein Bad des Reihentyps, bei dem die unterschiedlich temperierten Baderäume hintereinander begangen wurden. Die aufgedeckten Reste waren zum überwiegenden Teil hypokaustiert, so daß wohl der Warm- und Heißbadetrakt der Therme angeschnitten worden war. Die Wasserzuleitung erfolgte von Südwesten. Die aus dem Bad stammenden Ziegelstempel nennen die Kastellbesatzung, die Cohors I civium Romanorum equitata. Die teilweise berittene Einheit in der Stärke von 533 Mann war noch um die Wende des 1. zum 2. Jahrhundert nChr in Niedergermanien stationiert, wurde aber bald danach versetzt, da sie bereits 116 nChr in Obergermanien bezeugt ist. Schon zu dieser Zeit dürfte sie in Seligenstadt gestanden haben, wo sie bis zum Limesfall um 263 nChr verblieb. Offenbar hat die Truppe am Ort Ziegel über den eigenen Bedarf hinaus zum Versand produziert, da sich auch an anderen Kastellplätzen Ziegelstempel dieser Kohorte gefunden haben.

In Seligenstadt existierte ein ausgedehntes Lagerdorf, dessen Spuren sich an allen drei Landseiten des Kastells gefunden haben. Nach der Fundstreuung zu urteilen, bestand es bereits seit der Zeit des älteren Holzkastells. Aus einer 1953 auf dem Marktplatz gefundenen Terra-Sigillata-Scherbe mit Graffito „... ogabi Nundinensium“ (Name einer Marktgottheit?) hat man auf einen Markt in römischer Zeit beim Kastell Seligenstadt geschlossen.

Jeweils an den aus den Kastelltoren herausführenden Straßen lagen die Friedhöfe. Ein großes Gräberfeld befand sich im Bereich des heutigen Steinheimer Tores. Die Funde datieren die geborgenen Gräber, allesamt Brandgräber, in den Beginn des 3. Jahrhunderts nChr. Weitere Gräberfelder lagen im Bereich der evangelischen Kirche und an der Froschhäuser Straße. Möglicherweise zu einem römischen Gutshof gehört das Gräberfeld am Fürgebrüchsweg.

Die Grabung 1975 hinter dem Rathaus lieferte bedeutsame Hinweise auf die Weiterbesiedlung des Kastellareals in der frühen Völkerwanderungszeit.

Unmittelbar über den römischen Strukturen lagen an zwei Stellen Gruben mit zahlreichem Keramik- und Knochenmaterial. Die Keramik setzt sich zusammen aus einigen Randstücken der spät-römischen Terra-Nigra-Ware sowie den Fragmenten ihrer handgemachten germanischen Nachahmung, die an Ort und Stelle gebrannt wurden. Ein beinernes Dreilagenkammbruchstück, das mit in der Siedlungsgrube lag, verweist auf den elbgermanischen Zusammenhang. Die Funde sind absolut datiert durch eine römischeMünze, geprägt im Rom 341-346 nChr. Damit lassen sie sich in die Mitte bis 2. Hälfte des 4. Jahrhundert datieren. Eine ebenfalls bei der Grabung gefundene rädchenverzierte Sigillata-Scherbe des 4. Jahrhunderts unterstützt diesen zeitlichen Ansatz in willkommener Weise.       

Das Museum ist in den Räumen der ehemaligen Benediktiner-Abtei untergebracht. Schwerpunkte sind die römische, die Kloster- und Stadtgeschichte sowie die Volkskunde. Das Museum befindet sich in der Neuplanung.

Im Untergeschoß der Prälatur wird nur eine Auswahl römischer Gegenstände gezeigt. Links neben dem Eingang findet der Besucher einen Weihestein, der 1840/41 beim Abbruch des Maintorturms freigelegt wurde. Die Inschrift lautet: »Der Diana Augusta und zum Wohl unserer Herren, der Kaiser Severus und Antoninus (Caracalla) und des Caesaren Geta sowie des gesamten vergöttlichten Kaiserhauses hat Lucius Gellius Celerianus, der Sohn des Lucius aus der Tribus Flavia ein Nemeter, Centurio der 22. Legion primigenia pia fidelis, den Altar und eine Tafel (Bildwerk?) für sich und die Seinen gestiftet unter dem Konsulat des Cilo und des Libo (204 nChr).« Auf der rechten Schmalseite des Steins ist ein nach links springender Hirsch dargestellt, auf der linken eine Hirschkuh, die ihr Kalb säugt. In einigen Vitrinen sind Gefäße aus den Grabungen im Stadtbereich ausgestellt. Der überwiegende Teil des römischen Materials wird im Magazin des Museums aufbewahrt.

 

  • Niedernberg:

Das Kohortenkastell lag unter dem südlichen Ortskern, die Hauptstraße ist mit der via principalis deckungsgleich, die Kirchgasse führt über die porta praetoria an den Main, das Tor war in der Höhe der Querstraße vor der Kirche. Die Schulgasse läuft durch die Kommandantur (principia) auf die porta decumana an der nächsten Querstraße. Diese Rückwand deckt sich mit der mittelalterlichen Umwehrung. Das Bad lag südöstlich nach dem Main hin rechts vom Ende der Sackgasse).

 

  • Obernburg

Obernburg geht zurück auf ein Römerkastell, das um 83 n.Chr. unter Kaiser Domitian errichtet wurde. Er entstand auf dem Grundriß eines römischen Kastells. Die noch heute den Altstadtkern bestimmenden Straßenzüge wurden bereits von einem römischen Landvermesser festgelegt. Nach der Vorverlegung des Odenwald-Limes um die Mitte des 2. Jahrhunderts haben die Römer für gut hundert Jahre die Wacht am Main gehalten. Die archäologische Ausbeute war im Falle Obernburgs ungewöhnlich ergiebig, da durch die spätere Überbauung des Etappenortes „Nemaninga“ - die heutige Römerstraße in der Altstadt entspricht dem Verlauf der Via principalis im Lager - viele der antiken Hinterlassenschaften im Boden konserviert worden waren. Die Hauptstraße ist die via pricipalis, die Badgasse die via praetoria, die Schmiedgasse verläuft etwa in Richtung der via decumana. Die Kommandantzur lag westlich der Hauptstraße.

Rom wird hier mit Füßen getreten: Die Altstadt von Obernburg erstreckt sich exakt über dem Grundriß eines römischen Kastells, das als Teil des Limes die Wacht am Main hielt. Der Verlauf der Haupteinkaufsstraße, die nur Römerstraße heißen kann, ist deckungsgleich mit der 60 Zentimeter tiefer liegenden „Via principalis“ des Kohorten- und Numeruslagers Nemaninga. Es wird wohl nicht viel anders als die Saalburg ausgesehen haben und war wie diese mit einer 500 Mann starken (aquitanischen) Reiterkohorte nebst Spähertrupp besetzt.

Mag auch nach dem Alemannensturm 260 n. Chr. und der mittelalterlichen Überbauung vom Kastell nichts mehr übriggeblieben sein, der Römerzeit begegnet man noch immer auf Schritt und Tritt. Zum Abschluß der umfassenden Altstadtsanierung wählte man beziehungsreich norditalienischen Porphyr für die Pflasterung der Römerstraße. Bei den Arbeiten kamen weitere archäologische Fundstücke ans Tageslicht, die die umfangreiche Sammlung im „Römerhaus“ vervollständigen. Die Waffen, Amphoren, Teller, Sigillata-Schüsseln, Werkzeuge, Reste von Jupitersäulen und Plastiken vermögen einen guten Einblick in die römische (Alltags-) Kultur der Legionäre zu geben.

Mehr aber noch „sprechen“ die zahlreichen aufgefundenen Altäre und Grabsteine, die teilweise offen in die Hauswände eingelassen wurden. In der Römerstraße befindet sich ein Altar in einer Hauswand. Dank ihrer „Mitteilungen“ stellt sich das Obernburger Kastell wie ein Mikrokosmos Roms dar. Wir erfahren, welche Ärzte hier praktiziert haben, lernen einiges über die Handelsbeziehungen. die Hoffnungen und Ängste der Soldaten - gerne wurden Altäre bei Krankheiten und Verwundungen gestiftet. Wir kennen so die Größe des Lagers, seine Kommandanten und nicht zuletzt die Kämpfe der 4. Kohorte. Als Anerkennung für ihre »tapfere Haltung« bei der Niederschlagung des Saturninus-Aufstandes (88/89 n. Chr.) wurde ihr der ehrenvolle Beiname „Civium Romanorum“ verliehen, den Legionären demnach das römische Bürgerrecht.

 

Etwa seit 100 nChr ist die Maingrenze nach und nach mit stärkeren Auxiliartruppen besetzt worden. Wir wissen beispielsweise, daß um 100 eine Kohorte nach Stockstadt gekommen ist, während das Kohortenkastell in Niedernberg noch etwas später, zwischen 110 und 120 errichtet wurde. Auch nach Seligenstadt und Obernburg können die Kohorten um 100 gekommen sein, doch ist das weniger genau bekannt. Ebenso ist die Gründungszeit des kleinen Kastells Wörth unsicher.

 

  • Numeruskastells Wörth:

Vom Numeruskastell (um 120 n. Chr.). im Norden des Ortes, unmittelbar südlich der B 469 nahe Kilometer 25, sind noch Bodenerhebungen  in den Äckern und Obstgärten zu sehen. Allerdings ist es bis heute nicht gelungen festzustellen, wo die Grenzlinie (Palisade) auf den Höhenrücken stieg. Der Verlauf der Grenzlinie ist bis Wachtposten 10/7 hypothetisch. Das Kastell war wahrscheinlich Teil der älteren Mainlinie, nicht des Odenwaldlimes (der etwas später entstand, zum Beispiel Seckmauern).

 

Der jüngere Mainlimes

Als in der Mitte des 2. Jahrhunderts der Odenwald- und der Neckarlimes nach Osten vorverlegt wurden, haben die Römer gleichzeitig den Mainlimes um den Abschnitt von Wörth-Miltenberg nach Süden verlängert. Dabei errichteten sie das Kastell in Trennfurt und das in Miltenberg. Im Bereich der jüngeren Linie läuft das Maintal durch ausgedehnte Mittelgebirgswälder. Die Bedrohung der Grenze war daher gering. Der Holzreichtum der Gegend war wichtig für die Römer, besonders wegen der guten Transportmöglichkeit dieses Rohstoffs auf dem Fluß. Man fand in Trennfurt, aber auch in Obernburg und Stockstadt Inschriften von Holzfällerkommandos (vexillationes agentium in lignariis) der 22. Legion. Der jüngere Mainlimes ist ebenfalls bis um 260 nChr aufrechterhalten worden.            Nunmehr bildeten die beiden Miltenberger Kastelle den südlichen Eckpfeiler des Mainlimes. Von Miltenberg aus zog die neue Grenzlinie über Walldürn und Osterburken hinunter nach Lorch an der Rems.

 

 

 

  • Numeruskastell in Trennfurt:

Wenn man nach Norden weiterfährt geht es rechts nach Elsenfeld, links aber über den Main zum Klingenberger Ortsteil Trennfurt, der an der Stelle eines Römerkastells steht. Dort ist auch der Bahnhof von Klingenberg. Das Numeruskastell der jüngeren Mainlinie lag zwischen der B 469 und dem Bahnkörper am nördlichen Rand des alten Ortskerns. Die Vorderfront war mainwärts. Die Seitentore sind relativ weit hinten.. Am Eingang der Kirche ist ein Altar eingemauert, der 1751 entdeckt wurde und den eine Holzfällergruppe aus dem Kastell Mainz 212 nCh dem Jupiter, dem Silvanus Conservator und der Diana Augusta geweiht hat.

 

  • Kastelle in Miltenberg:

Es gab ein Altstadtkastell, ein Kohortenkastell am Südende des Löwensteinschen Parks in Kleinheubach, wo heute die Straße „In der Altstadt“ ist. Der Bahndamm durchschneidet die Südwest-Ecke. Aber im Mittealter wurden die Reste der Mauer verwendet, um den Ort Wallhausen zu befestigen, der im 13. Jahrhundert einging,. Es gibt aber nur noch Bodenerhebungen. Die and er Mainseite sichtbaren Mauern sind mittelalterlich auf römischen Fundamenten am Bahndamm (von Miltenberg her gesehen links). Aus dem Bad stammen eine Fortuna-Darstellung und ein Fortuna-Altar.

Es gab aber auch ein Numeruskastell östlich von Miltenberg  (2.300 Meter Luftlinie vom Altstadtkastell) zwischen Gartenstraße und Bürgstädter Straße (der Stichweg zur Gartenstraße 22 führte ins Innere des Kastells). Von hier aus wurden die Wachttürme am Limes besetzt.

Auf dem Greinberg sind 600 x  370 Meter große Ringwälle aus der Urnenfelderzeit. Darin fanden sich zwei Heiligtümer nicht-römischer Gottheiten, die dann mit Merkur verbunden wurden. Auf dem Plateau stand ein Merkertempel, ein weiterer an der Nordseite des Berges.

Der Toutonenstein steht jetzt im Hof der Mildenburg. Er stand aber ursprünglich südlich des Greinbergs am Weg nach Monbrunn. Er war wohl ein Grenzstein mit unvollständiger Inschrift, der halbfertig verworfen wurde. Der Name hat nichts mit den Kimbern und Teutonen zu tun.

 

 

 

Ausflugsziele Main

 

Nordseite

 

Regionalparkroute

Die Regionalparkroute Hattersheim - Flörsheim - (Hochheim) kann man sich an sich nur mit dem Fahrrad vornehmen. Deshalb wird diese Route hier zuerst vorgestellt, ehe dann noch ein Ausflug zu einigen Zielen mit dem Auto beschrieben wird.

 

Die Regionalparkroute beginnt am Mainufer in Okriftel. Wenn man mit der Bahn kommt, steigt man an der S-Bahn-Station Hattersheim aus und fährt über die Voltastraße nach Osten zum Hessendamm, auf diesem und auf der Mainstraße nach Süden und weiter über die Gartenstraße zur Jahn-Allee. Dort links bis zum Schwarzbach und dann nach links nach Norden über den Bornemühlweg zum Wehr am Schwarzbach. Über die Betthoven- und Händelstraße kommt man zur Mainstraße in Höhe des Friedhofs. An diesem geht man nördlich vorbei und dann weiter nach Norden zum Rosarium (nicht zu verwechseln mit dem Rosengarten in Hattersheim am Ende der Mainzer Landstraße).

 

Rosarium:

Die Anlage knüpft  an die dortige Tradition des Schnittrosen-Anbaus an. Inmitten der Anlage wird eine von Kletterrosen bewachsene Pyramide während der Rosenblüte wie ein Leuchtfeuer die Aufmerksamkeit der Regionalparkbesucher auf sich lenken.

Die Zahlen lassen schon vorm ersten leibhaftigen Eindruck staunen: gut 6500 Rosenstöcke, mehr als 100 Sorten, und das alles auf 16.000 Quadratmetern. Doch selbst die blühendste Fantasie bleibt hinter der Wirklichkeit zurück, die sich im Hattersheimer Rosarium eröffnet. Richtungsweisend und zur Einstimmung auf die königliche Blüten-Oase führt vom Friedhof im Stadtteil Okriftel eine Rosenbaumallee auf den prachtvollen Rosengarten zu. Ein standesgemäßes Entree für die Anlage, die als Pilotprojekt Hattersheim-Flörsheim-Hochheim 1997 eröffnet wurde.

Rosenbäumchen, Kletterrosen, Bodendecker, Buschrosen, Rosenstauden, Kartoffelrosen, Apfelrosen, Teerosen, Windrosen, Zuchtrosen, Wildrosen. Schneeweißchen und Rosenrot haben hier zahllose Schwestern in zahllosen Farben bekommen, die Bänke umsäumen, Holzpyramiden überziehen, Rundbögen umranken, zu dichten Hecken wuchern, Tümpel und Seen umstehen, sich meterhoch gen Himmel recken oder mit Hunderten von Blüten den Boden bedecken.                       

Beim Spaziergang durch die Farben- oder Blütenpracht erleben selbst Kenner noch ihr Rosenwunder, denn im Rosarium wachsen längst auch Neuzüchtungen der Gunst eines großen Publikums entgegen. Mit dem Namen „Rosarium Hattersheim“ ist eine neue Apfelrosensorte gar zum Markenbegriff der Anlage geworden.

Die Idee mit dem Rosengarten entlang der Regionalparkroute von Hattersheim nach Flörs­heim haben die Sulzbacher Landschaftsarchitekten Hanke, Kappes und Heide gefunden als Andenken an den einst blühenden Rosenanbau der Hattersheimer.

 

Nach Westen geht es dann über die Wasserwerk-Allee (Jugendstil-Wasserwerk), dort links und unter Bahn durch, nach links in den Hahnenpfad und dann  nach rechts in den Jörn­pfad. Vom Obstbaumrondell geht die Speierlingsallee zum Nußbaumquartier, ein von einer niedrigen Trockenmauer gefaßter Platz. Ihn ziert die große Skulptur eines Rabenvogels ziert und er wird von 28 Walnußbäumen beschirmt. Von hier hat man einen schönen Ausblick über die neue Wiesenlandschaft und das Naturschutzgebiet bis nach Bad Weilbach.

Rabe

Der Rabe ist sein Markenzeichen, Leitmotiv seines Kunstschaffens. Einen Raben schuf der Flörsheimer Künstler Thomas Reinelt denn auch, um ihn als erstes Kunstwerk im Regionalpark Rhein-Main aufzustellen. Genauer, inmitten eines Nußbaumquartiers, am Ende einer frisch gepflanzten Speierlingsallee im Regionalpark-Projektgebiet bei Hattersheim. Am 7. Mai 1998 war das, seither prangt der drei Meter hohe silberglänzende Aluminium-Rabe auf einem Natursteinsockel, als würde er darauf lauern, wann ihn die jungen Bäumchen um ihn herum endlich überragen.

Das Kunstwerk vereinigt zwei eng verschmolzene Symbole in sich: Zum einen stehe der realistisch dargestellte Rabe für den Wert und die Kraft der Natur, zum anderen für das menschliche Wirken, für das Auf- und Abbauen, Zusammenfügen und Verbinden. Um dies zu verdeutlichen, hat Reinelt eines der Rabenbeine als kristallartig angeordnete, geometrische Form geschaffen. Die Figur verkörpert nun mit einem Bein die Kraft und Unzerstörbarkeit der Natur, mit dem anderen die Schaffens- und Einflußkraft des Menschen.

Daß der Rabe steht, wo er steht, ist mehreren Unternehmen aus den umliegenden Städten zu danken, die den Kauf des Kunstwerks gesponsert haben.

 

Es geht dann immer weiter auf Nebenwegen nach Westen bis nach Bad Weilbach. Südlich liegen die ehemaligen Weilbacher Kiesgruben, heute ein Naturschutzgebiet. Hier hat sich die reiselustige Kreuzkröte („bufo calamaita“) niedergelassen und lockt Artgenossen, um sie mit ihren grünen Augen zu bezirzen. Die Kreuzkröte steht auf der Roten Liste gefährdeter Tiere, weil ihre Lebensräume schwinden. Überraschenderweise sind einige von den jungen Hüpfern in den Weilbacher Kiesgruben entdeckt worden. Die gehört zur Deponie im Flörsheimer Stadtteil Wicker im hessischen Main-Taunus-Kreis, die von der Rhein-Main Deponie (RMD) betrieben wird.

 

Auf der etwa 120.000 Quadratmeter großen Fläche „Am Kastengrund“ ist eine Landschaft entstanden, die von Feldgehölzen und Baumgruppen gegliedert wird - in ihrem Charakter einem englischen Landschaftspark ähnlich. Die Wiesen werden von Landwirten zum Heumachen genutzt. Dieses Gelände bildet in seiner extensiven Nutzung einen Puffer zwischen dem bestehenden Naturschutzgebiet „Weilbacher Kiesgruben“ und den ackerbaulich genutzten Flächen. Weiter geht es über den Hain, den nach rechts gebogenen Weg um Weil­bach und über die Bundesstraße 519 und ein Stück nach Norden und dann  über die Autobahn  in den Faulbrunnenweg, die Kir­schen­-Allee nach Bad Weilbach.

 

Gleich südlich der Autobahn geht es hinunter zur Natron-Lithionquelle. Die Schwefelquelle liegt am südlichen Ende des Faulbrunnenwegs in einem Park. Das ehemalige Kurhaus steht am Beginn der Allee, die zur Bundesstraße führt (Näheres unter Bad Weilbach). Nach Westen geht es dann auf dem Panoramaweg südlich an Wicker vorbei.

Entlang des „Panoramaweges“ fand im Sommer 1999 ein Bildhauersymposium statt. Unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung haben Künstler in sechswöchiger Arbeit vor Ort fünf große Steinobjekte geschaffen, die den Weg markieren, zum Verweilen und Schau­en anregen. Hier ist nahezu „Unvergängliches“ entstanden, denn diese großen Steinskulpturen werden noch in vielen Jahren den Weg und die Landschaft prägen.

Weiter geht es durch den Weinlaubengang. Er ist ein  Beispiel für die Bezugnahme von Regionalparkweg und überkommener Kulturlandschaft und zeigt die enge Verzahnung zwischen Regionalparkweg und Landschaft. Auf einem Stück des alten Landwehrweges bei Flörsheim stellte die Regionalpark GmbH neun große Rankbögen aus blauen Stahlträgern auf, die von Betonstelen getragen werden. Hier führt der Regionalparkweg durch Wingerte auf einem Hang, an dem schon die Römer Wein angebaut haben. Wilder Wein soll zu einem Spaziergang durch Riesling- und Burgunderreben in die Weinberge locken. Dazu müssen der Wickerbach und ein Feuchtbiotop überquert werden. Das nächste Ziel ist die Flörsheimer Warte (siehe Datei „Wicker“).

 

Von der Flörsheimer Warte aus kann man einen Rundweg nach Norden unternehmen, bei dem man aber das Stück von der Kriegergedächtniskapelle bis zur Wiesenmühle ausläßt. Erstes Ziel ist die Straßenmühle an der Straße von Wicker nach Hochheim.

 

Die Straßenmühle:

Auf einer Gesamtlänge von 24 Kilometern gab es am Wickerbach 23 Mühlen. In den Gemarkungen Flörsheim am Main und Wicker sind im Laufe der Jahrhunderte 8 Mühlen nachgewiesen. Die älteste ist die Wickerer Straßenmühle, erstmals genannt in einem Dokument von 1318 als „Eppsteiner Mühle“. Die Eppsteiner Grafen haben später, in riesigen Finanznöten steckend, die Mühle an den Landgrafen von Hessen verkauft. Die Mühle heißt in einem Dokument aus 1569 deshalb „landgräfliche Mühle“, später „Wickermühle“ oder „Straßenmühle“. Der Mühlbach wurde auf Massenheimer Gemarkung vorn Wickerbach abgeleitet. Den früheren Verlauf kann man heute noch an der Baumreihe erkennen, die parallel zum eigentlichen Wickerbach verläuft.

Die Mühle produziert schon seit 1929 kein Mehl mehr, der Name „Mühle“ ist ihr aber bis heute geblieben. Seit 1998 zieht das alte Herrenhaus innen und außen komplett restauriert bewundernde Blicke auf sich, und wo vor zehn Jahren noch das alte Mühlengebäude und die Scheune vor sich hingammelten, lockt jetzt eine neue Halle im alten Stil genußfreudige Ausflügler, Rheingauer Wein zu verkosten und sich mit heimischem Obst und sonstigen Delikatessen aus dem Hofladen des Flörsheimer Winzers Rainer Flick einzudecken. Der 43-Jährige kaufte das weitläufige Anwesen Mitte der 90er von der Gesellschaft zur Rekultivierung der Weilbacher Kiesgruben. Flick hat Platz für seinen expandierenden Betrieb, die Wochenend­tourer durch den Regionalpark als Laufkundschaft und die Routenplaner konnten eine weitere Attraktion auf ihrer Karte verbuchen. Dabei hätte nicht viel gefehlt, und die Attraktion wäre dem Erdboden gleichgemacht worden: Die Dyckerhoff AG kaufte Anfang der 80er Jahre Grund und Boden, um den Kalkstein im Untergrund zu schürfen. Zuvor war das Anwesen 20 Jahre lang als Bauernhof betrieben worden.

Alles in allem soll die Straßenmühle stolze 700 Jahre auf dem Buckel haben, ihr Standort war allerdings lange vorher belegt. Die erste urkundliche Erwähnung ist mit 1318 datiert. Sie gehörte den Herren von Eppstein, die das Anwesen aber angesichts knapper Kassen 1492 an den Landgrafen von Hessen verkauften. Die Mühle wurde zur protestantischen Enklave im katholischen Wicker und  über Jahrhunderte zum Zankobjekt zwischen Hessen und Kur­mainz. Es ging um Pachtforderungen, Leihbriefe, Pfändungen und sonstige Unannehmlichkeiten, bis einfallende französische Truppen zwischen 1792 und 1799 die Mühle zum ersten Mal dem Erdboden gleichmachten. Dies und noch einiges mehr kann man sich beim Schoppen Rheingauer im Flicksehen Weinlager oder auf den Bänken im Hof erzählen. Oder als Zaungäste beim Begutachten des üppigen Bauerngartens, der das Herrenhaus umwuchert.

 

Bachaufwärts vor der Straßenmühle lag die Wickerer Steinmühle, erstmals erwähnt 1597 unter dem Namen „steinmars mulin“. An sie erinnert heute nur noch der Name „Steinmühlenweg“ und das dortige alte Wohnhaus der Müllerfamilie. Die Mühlen waren oft Zielscheibe umherstreifender Soldatenhorden, wurden ausgeplündert und zerstört. In einem Dokument von 1648 wird berichtet, daß alle drei Wickerer Mühlen abgebrannt sind.

 

Nördlich der Straßenmühle fährt man ein Stück auf der Bundesstraße nach Osten und dann östlich des Wickersbachs nach Norden nach Massenheim. Am Ortseingang von Massenheim ist am „Pfortenborn“ eine kleine Parkanlage mit Streuobstwiese, Rosenhecken und Sitzplatz entstanden. Die Massenheimer haben nach altem Vorbild einen schönen Brunnen installiert, dessen Wasser von den Kindern zu vielfältigen Spielen genutzt wird.

Leider gibt es keinen durchgehenden Weg über den Golfplatz nach Hochheim. Deshalb fährt man erst noch weiter nach Nordwesten bis zur Wickerbachmühle und noch ein Stück weiter bis zur dortigen Straßenmühle. Hier geht es nach Südwesten weiter bis zur Straße von Delkenheim nach Hochheim. Auf dieser fährt man dann weiter bis zur Linksbiegung. Dort hindurch  und am nächsten Weg links und noch einmal links zum Aussichtspunkt „Vogelnest“:

 

Vogelnest (nördlich von Hochheim)

Die Natur holt sich das ehemalige Kiesgrubengelände „Silbersee“ zwischen Hochheim und Delkenheim zurück. Sie liefert auch die Vorlage für die Aussichtskanzel „Vogelnest“ im Regionalpark Rhein-Main. In eigenwilliger Konstruktion ließen die Darmstädter Architekten Karle und Buxbaum  um eine Aussichtsplattform acht kreisrunde Ringe aus Brettschichtholz so unregelmäßig wie die Zweige eines Nests ineinander winden. Nicht nur ein konstruktives, sondern auch ein optisches Wunderwerk, das seinem natürlichen Vorbild ziemlich nahe kommt. Das kühne Werk steht auf acht Balken von 25 Zentimeter Stärke, die unregelmäßig wie überdimensionale Mikadostangen zusammenstehen und gewissermaßen die Astgabel für das Aussichtsnest bilden.

Die ausgefallene Idee wurde von einer unabhängigen Jury der hessischen Architektenkammer für den diesjährigen Tag der Architektur als eines der Vorzeigeobjekte ausgewählt. Doch nicht nur der Anblick der Kanzel lohnt, sondern auch der Ausblick von ihr herunter, auf die gefluteten ehemaligen Kiesgruben, die sich allmählich zum wildromantischen Seen-Biotop mausern, in dem sich nicht nur selten gewordene Kröten tummeln, sondern inzwischen sogar wieder Eisvogel beim Fischen gesichtet wurden.

 

Jetzt geht es wieder nach Süden und am nächsten Abzweig nach Osten zum Spielpark und über die Straße von Delkenheim nach Hochheim und südlich der Seen zur Straße von Mas­senheim nach Hochheim. Weiter ein Stück  nach Nordosten und dann rechts nach Südosten an dem Hauptberg der Deponie Wicker vorbei. Südlich der Straße von Wicker nach Delkenheim ist die Installation „Nahtstelle Müll“:

 

Deponie:

Die 85 Hektar große Deponie war früher eine Kiesgrube und erstreckt sich vom Main bis zur Gemarkung Wiesbaden. Im Jahr 1968 begann der Main-Taunus-Kreis, Flächen ausgebeuteter Kiesgruben zwischen Wicker, Hochheim und Wiesbaden-Massenheim zu erwerben, aus denen Materialien für den Bauboom der sechziger Jahre gefördert wurden. Seither sind mehr als zehn Millionen Kubikmeter Hausmüll, Klärschlamm und hausmüllähnlicher Gewerbeabfall verfüllt worden. Jährlich setzt die 110 Mitarbeiter umfassende Rhein-Main Deponie (ZRMD) nach eigenen Angaben rund 40 Millionen Euro um. Seit 1999 ist der Hochtaunuskreis neben dem Main-Taunus-Kreis gleichberechtigter Gesellschafter der RMD. In einem Deponiegaswerk produziert das in Flörsheim angesiedelte Unternehmen 2,5 Kilowatt Strom, der den Eigenbedarf deckt.

Im Biomassekraftwerk werden seit 2004 an die 90.000 Tonnen aufgearbeitetes Altholz verbrannt. Es kann nach Firmenangaben 8.000 Megawattstunden Strom im Jahr erzeugen. Die heutige Deponie liegt auf einer leichten Hügelkuppe und umfaßt ein 5,5 Hektar großes Feuchtbiotop, in dem sich viele Tierarten tummeln. Seit 2005 ist die Deponie verfüllt und wird rekultiviert. Es sollen weitere Studien zur Tierwelt folgen, die in den Rekultivierungsplan einfließen. Angestrebt ist, bedrohten Arten das Überleben dauerhaft zu ermöglichen. Ferner soll die Deponie in den Regionalpark Rhein-Main aufgenommen werden als Beispiel eines umweltverträglichen und ökologischen Deponieabschlusses.

Auf den ersten Blick ähnelt die Deponie im Stadtteil Wicker der Main-Stadt Flörsheim einer zerklüfteten Mondlandschaft. Das 85 Hektar große Areal ist besonders menschenfeindlich. Aber ausgerechnet zwischen Müllbergen und Biokompostanlagen gedieh in den vergangenen Jahren eines der wichtigsten Biotope Hessens, das vom Aussterben bedrohte Tiere beheimatet. Die Deponie hat sich beinahe zu einem Paradies für bedrohte und fast ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten gemausert. Was meist wie ein Fremdkörper in der Natur ist, hat sich bei uns zu einer intakten Stätte für viele Tiere entwickelt. Auf der Deponie mitten im Rhein-Main-Gebiet wimmelt es nur so von seltenen Tierarten. Das haben der hessische Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie das Büro für angewandte Landschaftsökologie Hofheim nachgewiesen. Die Studie beschreibt 166 Pflanzenarten, 52 Vogelarten, elf unterschiedliche Tagfalter und Libellen, neun Heuschreckenarten, eine Reptilienart und zwei Amphibienarten - denen es ausgerechnet zwischen Müllbergen und Biokompostanlagen behagt.

Während die Pflanzenwelt aus weitverbreiteten Arten bestehe, macht die Tierwelt der Halden von sich reden. Sie könnten sich zu Hessens größtem Brutgebiet für den Steinschmätzer entwickelt haben. Der Bestand des Vogels hat sich in Hessen seit 1982 um 75 Prozent gemindert - nur noch gut 50 Brutpaare lebten in dem Bundesland. Allein auf der Deponie fühlen sich der Studie zufolge fünf Brutpaare des genügsamen Insektenfressers (oenanthe oenanthe) zu Hause. Der Singvogel mit schiefergrauem Mantel und schwarzer Augenbinde brütet zwischen Steinbrocken und bevorzugt die offenen Böden der Mülllandschaft.

Auch andere rar gewordene Tiere wie die Haubenlerche (galeridia cristata), das Rebhuhn (perdix perix). Der Grauammer (miliaria calandra) und der Flußregenpfeifer (charadrius dubius) treffen auf günstige Umstände.

. Vor einiger Zeit haben neun Störche im Feuchtbiotop „auf unserer Deponie wohl einen Familienrat abgehalten“. Die Stelzvögel mit ihren kräftigen, spitzen Schnäbeln und breiten Flügeln stießen auf reichhaltige Kost, die genügen, ihre Jungen - wahre Nesthocker - mit kleinen Tieren zu versorgen. Naturschützer vom Flörsheimer BUND hatten vor Jahren Storchennester in der angrenzenden Gemarkung aufgestellt und so die Vögel nach Flörsheim angelockt.

Als bemerkenswert stufen die Umweltexperten die Population der Wechselkröte (bufo viridis) ein. Mehrere hundert Larven haben Umweltschützer in Pfützen und Tümpeln nachgewiesen. Deshalb ist wichtig, das ein oder andere Wasserloch länger zu erhalten..

Daß so viele Arten von und mit dem Müll leben, liegt an den unterschiedlichen Zuständen auf der Deponie im Main-Taunus-Kreis. Es sind zum einen die Flächen, auf denen sich der Hausmüll türmt und sich zum Tummelplatz für Raben, Krähen und Möwen entwickelt hat, wie auch für Füchse und kleine Nager, die wiederum Beute für Greifvögel sind. Dann gibt es Areale, auf denen Bauschutt lagert, ideal für die Steinschmätzer. Wieder andere Ecken sind gerade für Frösche schön feucht-sumpfig.

Diese tierische Vielfalt auf der Deponie geht allerdings meist verloren, wenn eine verfüllte Teilfläche stillgelegt und rekultiviert wird. Die Tiere sollen langwierig auf Ausgleichsflächen ausweichen können. Auf einem gut 40 Quadratkilometer großen benachbarten Gelände will die „Rhein-Main Deponie“ den bedrohten Tier- und Pflanzenarten eine neue Heimstatt schaffen. So könnten Zugvögel abermals die Deponie anfliegen, die ihnen inzwischen als Rast- und Nahrungsbiotop dient. Und der Kreuzkröte bliebe genug Raum, den Bestand ihrer Art wieder mit Hingabe zu vermehren.

 

Nahtstelle Müll:

Die Natur hat sich Teile der Mülldeponie Wicker zurückgeholt. Doch unter der Erd- und Pflanzendecke ist doch nicht alles wieder gut. Mit einer Kunstinstallation „Nahtstelle Müll-Fenster zur Deponie“ kratzt die Eschborner Künstlerin Romana Menze-Kuhn an der scheinbar heilen Krume, schneidet die Bodenschichten auf, legt den Schnitt hinter Fensterglas frei wie ein Objekt zwischen Mikroskopierglasplättchen. Durch eine dunkle, 2,50 Meter lange Stahlträger-Gasse können Passanten die eingeschlossenen Abfallschichten hinter Glas betrachten. Gegenüber liegen zum Vergleich unberührte, natürliche Erdschichten hinter Fensterglas.

Der Riß zwischen beiden Seiten bleibt, sagt die Künstlerin. Wie immer auch eine ewige Sehnsucht des Menschen bleiben muß, verwundete Natur vollständig in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Trotz modernster Technik. Menze-Kuhn zeigt den Versuch des Heilens, Reparierens, des Wiederzusammenfügens mit einer Stahlseilnaht zwischen den beiden Stahlträgerseiten mit den unberührten und müllverfüllten Erdschnitten. Auch der Müllkegel der Deponie wird in absehbarer Zeit unter einer üppigen Pflanzendecke verschwinden, die Müllkegel dabei der hügeligen Weinberglandschaft angeglichen. Menze-Kuhns Werk soll deshalb auch nachfolgende Generationen daran erinnern, was unter der Wickerer Krume schlummert.

Die Arbeit, die einen weiteren Glanzpunkt entlang der Regionalparkroute zwischen Flörsheim und Hochheim bildet, ist aus einem zufälligen Kontakt zwischen dem Geschäftsführer der Rhein-Main-Deponie in Wicker und der Eschborner Künstlerin entstanden, die sich seit Jahren mit den Brüchen und Nahtstellen zwischen Eingriffe in die Natur und Renaturierung auseinander setzt. Die Idee, gleichsam mit einem Kunstwerk die Brücke von der Wickerer Deponie zur Regionalparkroute zu schlagen, die unmittelbar an den Müllkegeln vorbeiführt, drängte sich geradezu auf. Das Kunstwerk „Nahtstelle Müll - Fenster zur Deponie“ ist vom Eingang zum Deponiegelände aus zu sehen.

 

Am Ende des großen Müllbergs steht das Biomassekraftwerk. Hier ist eine Kletterwand, 19 Meter hoch und 27 Meter breit, die von vielen Sportbegeisterten genutzt wird. Dann führt der Weg weiter bis zur Wiesenmühle. Über einen 100 Meter langen Bohlenweg werden die Niederwiesen des Wickerbachs gequert,  wo sich Amphibien und Wasser liebende Pflanzen entfalten.

Jenseits des Wickerbachs, der an der Wiesenmühle vorbeifließt, sind noch  Reste des Kaste­ler Landwehrgrabens zwi­schen den einstigen Territorien von Mainz und Eppstein. Etwa 30 Meter der Befestigungsanlage aus dem 15. Jahrhundert, die aus einem Graben mit bepflanztem Erdwall bestand, wurden restauriert. Eine Streuobstwiese und Wildblumenflächen rahmen den historische Grenzpunkt ein.

 

Hier trifft man wieder auf die südliche Regionalparkroute, die von der Kriegergedächtniskapelle durch die hügelige Landschaft der Flörsheimer Schweiz geht. An die frühere Aufgabe der Wiesenmühle erinnern nur noch der Name und die Jahreszahl 1699 am Eingangsbogen. Statt der Mühlräder klappert schon seit vielen Jahren das Geschirr eines Ausflugsrestaurants (ohne Autoanfahrt!). Echten Zulauf findet der Müller erst, seit die Routen des Regionalparks an ihrem Kapellchen nebst Wiesenmühle vorbeifuhren. Tausende von Radfahrern und Wanderern legen seither an der exponierten Stelle eine Rast ein, packen Stullen aus oder genießen einfach den Blick über die Reb- und Obsthänge zwischen Flörsheim und Hochheim bis weit über die Mainebene. Von der Wiesenmühle steigt man auf dem eigens ausgebauten Weg hinauf zur St. Anna-Kapelle.

 

St. Anna-Kapelle:

Die Anlage wurde neu gestaltet. Eine Mauer aus Kalkbruchstein faßt den Platz vor der Kapelle ein, der mit Basalt gepflastert ist Schweiz thront sie über Rebhängen. Drei mal drei Meter im Grundriß klein, doch von großer ideeller Bedeutung. Und das schon seit Jahrhunderten: 1715 ließ der Müller Hans- Jacob Kiefer das St.-Anna-Kapellchen als Bet- und Andachtsstätte nahe seiner Wiesenmühle im Wicker­bachtal erbauen. Die Kerze auf dem Altar im Inneren wirft seither ihr mattes Licht auf eine Kopie des Bildnisses der heiligen Anna, eine „Anna Selbdritt“, ein Dreierbildnis der Marienmutter Anna mit Maria und dem Jesuskind.

Im Jahre 1724 übernahm Johann Edmund Gedult zu Jungenfeld, seines Zeichens Weihbischof von Mainz, die Wiesenmühle samt St.-Anna-Kapelle. 5000 Gulden zahlte er dafür.

 

Von der Anna-Kapelle aus sieht man schon den Eisenbaum: Die Installation der Hofheimer Künstlerin Ingrid Hornef besteht aus sieben Fernrohren, die alle auf die Mülldeponie Wicker gerichtet sind. Als Kontrast bettete sie in den Ausblick berühmte Bauwerke wie die Akropolis ein und schuf damit spannungsreiche „Tele-Visionen" zwischen Schein und Realität, Edlem und den Zeugnissen der Wegwerfgesellschaft.

Auf einer Schautafel wird gezeigt, daß man eine gentechnisch veränderte Pappel am äußeren Erscheinungsbild nicht erkennen könnte, ob ein solcher Baum gentechnisch verändert oder natürlich ist. Pappeln sind bevorzugte Objekte gentechnischer Versuche. Zum Beispiel, um schnelleres Wachstum, einen größeren Anteil an Zellulose oder Resistenz gegen Schädlingsbefall zu erzeugen. Der Eisenbaum aber ist so gestaltet, daß ihn jedermann sofort als Kunstprodukt erkennt: Als eine begehbare Skulptur, von Architekten entworfen und von Ingenieuren konstruiert, kann man ihn betrachten.

Der Eisenbaum soll zum Nachdenken anregen: Der Eingriff der Gentechnik ist unsichtbar. Es gibt viele Argumente für und gegen Gentechnik. Auf der einen Seite die Hoffnung auf neue Medikamente und neue ertragreiche Pflanzen und andererseits die Furcht vor unkalkulierbaren ökologischen Risiken und ökonomischen Abhängigkeiten etwa von Saatgutfirmen. Mit der Gentechnik ist die Frage, was ist natürlich, was ist Natur, immer schwerer zu beantworten.

Der stählerne Baum lehrt Demut An der Baumskulptur zeigt sich, welche unglaublichen Ingenieurleistungen die Natur in Jedem lebenden Baum verwirklicht. Und diese Ingenieurleistung ist nur ein Aspekt des wunderbaren Phänomens Baum: Seine Chemie und Physik. der Stoff. und Wassertransport von und zu den Ästen - bei den höchsten Bäumen über 115 Meter gegen die Schwerkraft - und vor allem die Fotosynthese, mit Hilfe der Baum sich selbst aus Luft, Wasser und Sonnenlicht schafft und Sauerstoff produziert. ist ein unglaublich wirkungsvoller und in mancher Hinsicht immer noch rätselhafter Prozeß. Und nicht zuletzt: Bäume und Pflanzen schaffen damit die Voraussetzung, daß alle anderen Lebewesen - auch die Menschen - auf der Erde atmen, sich ernähren, also existieren können

Bäume sind die größten Lebewesen, die es auf der Erde gibt. Sie können über 100 Meter

hoch werden. Bäume sind auch die ältesten Lebewesen. Nicht weit vom Flörsheimer stählernen Baum steht in Reinborn bei Idstein im Taunus eine Linde, die auf annähernd 1000 Jahre geschätzt wird. Der älteste lebende Baum der Erde, eine „Grannenkiefer“, ist etwa 4700 Jahre alt und steht in Kalifornien. Man denke nur, was in dieser Zeit alles passiert ist: Als Mainz von römischen Legionären gegründet wurde, waren diese Bäume schon über 2000 Jahre alt.

Wenn Sie wissen wollen, was der Baum über sich selbst zu sagen hat, dann steigen Sie auf die Plattform, nehmen sich zehn Minuten Zeit und hören zu! Aus Solarzellen auf drei seiner Blätter bezieht der Baum die Energie für die Tonanlage über die man seine Stimme hören kann. Je nach Sonnenstand mal mehr mal weniger - und Nachts schweigt er.

 

Naturschutzgebiet „Wickerbachaue“: Der reizvolle Landstrich zwischen den Flörsheimer Stadteilen Wicker und Keramag/Falkenberg wird von der einheimischen Bevölkerung auch als „Flörsheimer Schweiz“ bezeichnet. Er weist aufgrund seiner Geologie, seines Reliefs, des Klimas sowie der historischen Landnutzung seltene und sensible Landschaftsbereiche auf: die Mager- und Sandrasenfluren. Sie sind Teil des 1998 ausgewiesenen Naturschutzgebietes „Wickerbachaue“ und beherbergen eine Vielzahl seltener, gefährdeter Pflanzen- und Tierarten. Um den Lebensraum etlicher „Sandspezialisten“ - unter ihnen viele verschiedene Wildbienen - zu sichern wurde der Sandweg entlang der Regionalparkroute abschnittsweise in seinem ursprünglichen Zustand belassen!

 

Auf dem Weg nach Süden liegt östlich der ehemalige Kalksteinbruch Falkenberg. In der Umgebung von Hochheim am Main, Flörsheim und Wicker stehen - von jungen Lockersedimenten verdeckt - Tone und Tonmergel an, die im „Tertiärmeer“ des Mainzer Beckens während des Oligozäns (vor rund 30 Millionen Jahren) abgelagert wurden. Mit dem ausgehenden Oligozän (vor rund 24 Millionen Jahren) änderte sich im Zuge eines neuen Meeresvorstoßes die Sedimentation hin zu Kalken und Kalkmergeln. Kalksteine prägen heute als Härtlinge die Landschaft, wie auch hier am Falkenberg.

Bei Falkenberg wurden die Kalke durch Störungen kleinräumig in den Untergrund eingesenkt und waren daher besser vor Abtragung geschützt, während sie in der Umgebung bereits überwiegend abgetragen sind. Ab dem Jahre 1911 wurden die Kalklager durch die Firma Dyckerhoff AG abgebaut.

Die häufig vorkommenden fossilen Gehäuse der Schneckengattung Cerithium zeigen gemeinsam mit anderen Fossilien, daß die Kalke in einem mäßig salzigen (brackigen) Gewässer entstanden sind. Nach den häufig zu findenden Schneckengehäusen wurden die Schichten lange Zeit als Cerithien-Schichten bezeichnet.

Neben gebankten Kalksteinen findet man im Steinbruch auch massige Kalke, die Strukturen mit knubbelig-blumenkohlartigen Oberflächen bilden. Es sind Algenriffe. Sie werden von Cyanobakterien (Blaugrünalgen) gebildet, die Sedimentpartikel mit ihrem Schleim einfangen. Notwendig dafür ist ein hohes Strömungspotential, wie es an der Abhang-Kante zum Oberrheingraben vorhanden war. Vergleichbare Algenriffe sind heute aus West-Australien (Shark Bay) und in den Bahamas bekannt.

Geschützt durch Kavernen in den Algenriffen konnten Gehäuse von Landschnecken gut erhalten bleiben. Schon im 19. Jahrhundert war der Steinbruch für seine mit etwa 100 Arten sehr reiche Landschneckenfauna berühmt, so daß man die Algenriffkalke von Hochheim am Main ursprünglich als „Landschneckenkalke“ bezeichnete.

Im Gegensatz zu den Brackwasserschnecken lebten die Landschnecken nicht an Ort und Stelle, sondern wurden durch Gewässer von der nahen Küste eingeschwemmt. Inzwischen wurde der Steinbruch zur Typlokalität dieser Schichten definiert. Sie führen den Namen „Hochheim-Formation“.

 

Ein Stück weiter unten passiert man ein westlich des Weges 1750 aufgestelltes Kreuz am sogenannten Hexenberg, wo mehrere Dutzend Menschen dem Hexenwahn zum Opfer gefallen sind. Die Inschrift des Kreuzes am Fuß des vom Volksmund so bezeichneten Hexenberges lautet: „Anno 1750 hat Gott zu Ehren dieses Kreuz lassen aufrichten der Johann Kol und Anna Gertruda Kolin sein Hausfrau, Flörsheim Anno 1750.“

Inschrift auf der großen Gedenktafel:  „Zum Gedenken an die Frauen und Männer aus Flörsheim, Weilbach und Wicker, die als Hexen und Zauberer zum Tode verurteilt und in den Jahren 1595 - 1630 ihr Leben lassen mußten oder denunziert, verhaftet und gefoltert worden sind ihre Heimat als Verfolgte verlassen mußten.“  Außerdem sind die Namen aller Opfer aufgeführt.

Unten liegt dann die Obermühle: Die Flörsheimer Mühlen beginnen mit der 1699 erbauten Wiesenmühle. Die Obermühle (heute Traisermühle) wurde vermutlich Anfang 1600 erbaut. Sie schrotete und mahlte - wie die meisten Mühlen am Wickerbach - Getreide, das die Bauern der umliegenden Ortschaften anbauten. Während ab der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert der Einsatz von industriellen Großmühlen den „kleinen“ Mühlen zunehmend den Garaus machte, wurde das Müllerhandwerk auf der Obermühle noch bis 1972 betrieben. Das durch den Mühlgraben fließende Wasser des Wickerbaches treibt heute eine Wasserturbine an, die  Strom erzeugt und die Mühle mit Elektrizität versorgt.

Ganz in der Nähe befand sich de Untermühle, nach dem Namen einer Müllerfamilie auch Engelsmühle genannt. Die Flörsheimer Taubersmühle, 1370 erstmals in einem Dokument erwähnt, hat den Namen von einem der ersten Besitzer, Claus von der Tauber.

Die Hopfenmühle wurde erstmals 1445 in einem Gerichtsbuch genannt.

 

Kalkbrennöfen: Vorbei an der Obermühle stößt man auf die Ende der neunziger Jahre freigelegten Kalkbrennöfen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Von einem überdachten Steg kann man die für Hessen einzigartige Anlage einsehen. Viel ist nicht mehr zu sehen vom alten Kalkputz, den sich die Flörsheimer bis Anfang des vorigen Jahrhunderts als Fassadenverkleidung aus dem nahegelegenen Kalkbrennofen geholt haben. Um so besser kommen die Überreste  des jahrzehntelang verschütteten Ofens zwischen Flörsheim und Hochheim zur Geltung. Als Demonstrationsobjekt aus vorindustrieller Zeit und historische Attraktion im Regionalpark Rhein-Main wurde die Anlage mit ihren drei Brennkammern von 1997 bis 1998 freigelegt und im vorgefundenen Originalzustand konserviert. Eine Jahrhundert-Entdeckung für den leitenden Archäologen Klaus-Michael Schmitt aus Hattersheim: Nirgendwo sonst im Land sind Kalk- und Ziegelbrennöfen in derart gutem Zustand erhalten und entsprechend auch Brennverfahren und Ziegelproduktion für Laien so einfach nachzuvollziehen.

Damit Letzteres auch aus der Nähe geht, die erhaltenen Brennroste, Bodenpflasterungen, Brennkammerverkleidung und sonstigen technischen Details eingehend betrachtet werden können, ließ die Regionalpark Rhein-Main-Gesellschaft eine begehbare Dachkonstruktion aus Glas und Stahlgitter über den Ofen errichten, die aus allen Winkeln in alle Winkel blicken läßt. Die Kalkbrennerei zwischen Flörsheim und Hochheim hat nach Ansicht von Fachleuten eine lange Tradition. Schon die Römer sollen hier Kalkstein verarbeitet haben, erste archivarische Hinweise finden sich für das Jahr 1589. In den bis heute erhaltenen Öfen wurde vermutlich Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals Kalk gebrannt. Für diese Zeit steht der Flörsheimer Johann Jakob Gottron als Eigentümer der Ziegelhütte mit Kalkerei in den Büchern. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts übernahm der Flörsheimer Heinrich Martini die Anlage, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Familienhand blieb - und in  Betrieb.

Mit der S-Bahn kann man wieder zurückfahren, entweder durch die Weinberge nach Hochheim oder (etwas kürzer) nach Flörsheim.

 

 

 

Autofahrt:

Die Regionalparkroute mit ihren drei oder vier Enden im Westen ist mit dem Fahrrad nur zu bewältigen, indem man von Delkenheim zum Silbersee fährt und von dort nach Hochheim; dann läßt man nur das Stück zwischen Kriegergedächtnisstätte und Wiesenmühle aus. Deshalb wird hier noch einmal eine Auto- und Spaziergängerroute beschrieben, die die wichtigsten Stationen berührt. Diese sind auf der Fahrradtour beschrieben.

Wer das Rosarium besuchten möchte, fährt von Frankfurt kommend über das Krifteler Dreieck hinaus bis zur Anschlußstelle Hattersheim. Auf der Hattenheimer Straße dann nach Süden, auf der Mainzer Landstraße nach Osten und am Hessendamm nach Süde,  über die Bahn bis an den Ortsrand von Okriftel, wo rechts der Parkplatz des Friedhofs ist und von wo es zum Rosarium geht.

Wer aber das Rosarium auslassen will, beginnt in Bad Weilbach. Man verläßt die A 66 an der Anschlußstelle Hofheim nach Süden. Im Ort Weilbach macht die Straße einen Rechtsknick. Bald danach geht es rechts in die Schloßstraße und zum Weilbacher Schloß. Fast am Ortsende teilt sich die Durchgangsstraße. Man fährt nach links auf die Rüsselsheimer Straße Richtung Flörsheim. Von dieser geht es rechts ab in eine Platanenallee nach Bad Weilbach. Links ist das ehemalige Kurhaus, nach rechts geht es in den Faulbrunnen­weg. Die Natronquelle liegt in dem Park links, die Lithionquelle rechts kurz vor der Autobahn (siehe Datei „Bad Weilbach“). Man muß dann wieder zurück nach Weilbach und fährt nach links ab nach Wicker. Dort macht man eine Rundgang durch den Ort und läuft zur Flörsheimer Warte  (siehe Datei „Wicker“). Wieder zurück in Wicker fährt  man jetzt Richtung Hochheim. Links liegt die Straßenmühle. An der Deponie fährt man zunächst geradeaus, am Ende der Deponie auf der linken Seite steht die Installation „Nahtstelle Müll“. Von dort fährt man wieder ein Stück zurück und dann nach rechts Richtung Hochheim; am Biomassekraftwerk rechts ist die Kletterwand.

In Hochheim geht es dann links weiter und an der Frankfurter Straße wieder links. Im Stadtteil Keramag geht es am Schild „Chamäleon“ links ab zu den Kalkbrennöfen. Dort kann man parken oder noch ein Stück weiter oben an der Obermühle. Jetzt geht es zu Fuß weiter vorbei an dem Hexenkreuz auf der linken Seite und dem Naturschutzgebiet Steinbruch Falkenberg.

An der Gabelung geht man links zur St. Anna-Kapelle und zur Wiesenmühle. Auf dem Rückweg nimmt man die linke Route zum Eisenbaum. Dann geht es wieder zurück zum Auto. Jetzt fährt man nach Flörsheim hinein und biegt am Ende der Hauptstraße nach rechts ab in die Obermainstraße, um am Mainufer zu parken. Von hier aus macht man einen Rundgang durch Flörsheim (siehe Datei „Flörsheim“).

Über Eddersheim kommt man nach Okriftel (siehe Datei „Okriftel“), fährt aber jetzt weiter  nach Sindlingen und dort nach links in die Westenberger Straße und wieder links in die Hoechster-Farben-Straße auf die B 40 a und entweder zum Krifteler Dreieck oder zum Schwanheimer Knoten und zur A 3.

 

Bad Weilbach

Wer auf der Bundesstraße 519 durch den Flörsheimer Stadtteil Weilbach fährt, biegt rechts in die „Allee“ ein, eine denkmalgeschützte Platanenallee, die zum früheren Bad führt. Geblieben sind lediglich der Name und die beiden Quellen, die Bad Weilbach einst in Europa bekannt machten.  Es gibt zwei Mineralquellen: eine Schwefelquelle und eine Natron-Lithionquelle (östlich des Faulbrunnenwegs südlich der Autobahn).

Erwähnt wird die Schwefelquelle unter der Bezeichnung „Faulborn“ erstmals im Jahre 1650 im so genannten Beedbuch (Steuerbuch) der Gemeinde Weilbach. Nach mündlichen Überlieferungen soll das Wasser zur Heilung von Ausschlag und Geschwüren sowie zur Stärkung von Brust und Magen genutzt worden sein. Für chronische Katarrhe, bei Keuchhusten, Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit sollte das Bad Weilbacher Schwefelwasser helfen. Die Einwohner hatten die Quellen mit Bohlen aus Eichenholz eingefaßt, der Brunnen wurde einmal im Jahr von den Feldschützen gegen Zahlung von vier Käsen und einen Laib Brot von jedem Bürger gereinigt.

Die Resultate der Untersuchungen des Wasser auf seinen Gehalt an Schwefelwasserstoff waren gut, die Bad Weilbacher Quelle ist eine der an Schwefel reichsten Mineralquellen in Deutschland. So wurde beschlossen, die Schwefelquelle zu einem Gesundbrunnen auf Staatskosten zu machen. Im Jahre 1786 wurde die Quelle schließlich gefaßt. Der gute Ruf der Bad Weilbacher Schwefelquelle verbreitete sich schnell, 100.000 Krüge Schwefelwasser wurden jährlich versandt.

An die Quelle kamen jedoch nur wenige Menschen, dazu war ihre Lage zu einsam, waren die Verbindungswege zu schlecht, die Unterkünfte zu wenig. Die Herzoglich Nassauische Domä­nen­verwaltung übernahm 1803 die Quelle. Später wurde ein Kurhaus gebaut mit einem großen und einem kleinen Speisesaal, Räume zur Unterhaltung der Gäste sowie 80 große und kleine Zimmer. Das Badehaus bestand aus zwölf Badezellen und einem großen Saal, wo das Wasser inhaliert werden konnte. In der Nähe der Quelle wurde zudem ein Gurgelraum gebaut.

 

Einen prominenten Trinker des Bad Weilbacher Wassers gab es natürlich auch: Johann Wolfgang von Goethe lobte in einem Brief, den er am 4. Juni 1815 an seine Frau schickte, die „köstliche Wirkung des Weilbacher Wassers“. Im Jahr 1860 wurde dann auch die Natron- Lithionquelle gefaßt. Seit 1866 kamen beide Quellen sowie die Kurgebäude und Anlagen in den Besitz des Königlich Preußischen Domänenfiskus. Bis 1880 wurde das Wasser in großen Mengen in Süd- und Westdeutschland durch den Fachhandel verkauft.

Am 31. Mai 1911 verkaufte die Königliche Regierung die Kureinrichtungen von Bad Weilbach dem Reifensteiner Verband für Wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande. Der neue Besitzer verpflichtete sich, die auf den gekauften Grundstücken befindlichen Mineralquellen zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im Jahre 1911 eröffnete der Verband eine Frauenschule mit 75 Ausbildungsplätzen; die Frauen wurden als ländliche Haushaltsgehilfinnen ausgebildet. Angegliedert wurde später die Kolonialfrauenschule. Dort bereiteten sich Frauen darauf vor, in deutschen Kolonien als Farmgehilfinnen zu arbeiten oder selbstständige Anstellungen in Siedlungen zu übernehmen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Abteilung wieder aufgelöst, 1971 schloß auch die Landfrauenschule.

Heute sind dort Wohnungen am Rande des alten Kurparks mit seinem schönen Baumbestand. Die Platanenallee, die von der Landstraße zur Quelle führt, stammt aus der Gründungszeit und gilt heute als Naturdenkmal. Quelle, Park und Allee wurden von der Stadt Flörsheim saniert. Bad Weilbach ist heute ein zentraler Naherholungsort für die Stadt. Rad- und Wanderwege kreuzen diesen Bereich. Es gibt auch immer noch Menschen, die mit Kanistern zur Quelle kommen, um sich Wasser für die häusliche Trinkkur zu zapfen.

 

Wicker

Wicker liegt hoch über Flörsheim auf einem weit in die Mainebene vorgeschobenen Taunusausläufer. Es ist eine der ältesten Weinbau betreibenden Gemeinden des Rheingaus. Zahlreiche Funde belegen, daß bereits zur Römerzeit an den sonnigen Hängen des Wickerbachtals und des Maintals Wein angebaut wurde. Urkundlich erwähnt wird Wicker erstmalig im Jahr 910. In der Zeit der Ersterwähnung 910 lag das Dorf im fränkischen Königssondergau. Wicker gehörte vom 12. bis 15. Jahrhundert zur Herrschaft Eppstein. Um 1540 wurde es mit Mauern und Graben befestigt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es zum Kurfürstentum Mainz. Im Jahre 1803 kam Wicker zum neu gebildeten Herzogtum Nassau, 1866 zum Königreich Preußen. Das stets selbständige Dorf hat sich 1972 der Stadt Flörsheim angeschlossen. Wicker sah sich damit allein aber noch nicht ganz ins rechte Rheingauer Licht gerückt.

Ein Ort, der auf 1000 Jahre Geschichte zurückblickt, eingebunden in den Weinbau, möchte dies auch anschaulich weitervermitteln. Der Weinort Wicker ist weithin als „Tor zum Rheingau“ bekannt. Hier beginnt der Rheingau, ein kleines und erlesenes Weinanbaugebiet, das den international ausgezeichneten Ruf deut­scher Weine begründet hat. Hier beginnen die Rheingauer-Riesling-Route der Autofahrer (Wicker, Hochheim, Kostheim, Wiesbaden-Frauenstein, Nieder-Walluf, Ober-Walluf, Martinsthal, Rauenthal, Eltville, Erbach, Kiedrich, Kloster Eberbach, Hattenheim, Hallgarten, Oestrich-Winkel, Johannisberg, Rüdesheim, Assmannshausen, Aulhausen, Lorch, Lorch­hausen).

Die Riesling-Route ist als Auto­route ausgelegt bei der alle Weinorte des Rheingaus durchfahren werden können. Der Rheingauer-Riesling-Pfad dagegen führt den interessierten Weinfreund auf einer etwa 120 Kilometer langen Wanderstrecke durch alle weinbautreibenden Gemeinden des Rheingaus von Wicker bis Lorchhausen. Und nicht zuletzt beginnt hier auch der Wickerer Weinweg, ein geführter Spazierweg durch Wicker und seine Weinberge. Auf zahlreichen Informationstafeln ist viel Interessantes und Wissenswertes über den Weinort und seinen Wein zu erfahren. Der Wein-Weg beginnt am „Tor zum Rheingau“, einem Sandsteinbogen vor dem historischen Rathaus.

 

Schon in früheren Zeiten war Wicker ein gern besuchter Weinort mit vielen Gasthäusern und Straußwirtschaften. Man fährt fast durch den Ort hindurch bis man links die Weinberge sieht. Dort biegt man rechts ab in die Taunusstraße, wo man parken kann. Man geht in die Taunusstraße hinein und kommt rechts zu dem ehemaligen Rathaus, in dem heute die Sparkasse ist. Hinter dem ehemaligen Gasthaus „Zum Löwen“, welches von 1935 bis 1979 das Rathaus von Wicker beherbergte, entstand im Zusammenhang mit der Dorferneuerung ein Ortsmittelpunkt.

Jedes Jahr von Mai bis Oktober ist der Weinprobierstand geöffnet. Viele Besucher finden hier Rast und Erholung bei einem guten Gläschen Wickerer Wein. Das Weinfest in den Straßen und Höfen des historischen Ortskerns lockt am ersten Augustwochenende alljährlich Tausende von nah und fern nach Wicker.

Am Eingang zum Hof steht der Sandsteinbogen, der das „Tor zum Rheingau“ symbolisieren soll. Im Hof steht eine Säule, die den Heiligen Urban darstellt: Die Figur des heiligen Urban: Der heilige Urban, Bischof von Langres, lebte im vierten Jahrhundert. Nach der Legende. verbarg er sich vor seinen Verfolgern in einem Weinstock. Der heilige Urban ist der Patron der Winzer, er wird mit einer Traube in den Händen dargestellt. Die Bauernregel zum 25. Mai lautet: „Ist Sonnenschein am Urbanstag, gedeiht der Wein nach alter Sag‘!“ Zu Ehren des Heiligen spendete der Club Fidelio 1991 Wicker e.V. im Jahr 2000 die aus Holz geschnitzte Figur und die kunstvoll gefertigte Schutzhülle.  

An der Straßenecke steht der Ausrufer: Der „Ausscheller“ steht als Synonym für den Wickerer Gemeindeboten. Dieser gab amtliche Mitteilungen bekannt. Um die Aufmerksamkeit der Bürgerinnen und Bürger für die jeweilige Bekanntmachung zu er' langen, läutete der Gemeindebote zunächst mit der Schelle. In Wicker gab es bis 1966 das Amt des „Ausschellers“. Zum Gedenken an diese Funktion stiftete die Flörsheimer Bürgerstiftung im Jahr 2003, dem 50. Jahr seit Verleihung der Stadtrechte und 1175 Jahre seit der urkundlichen Ersterwähnung Flörsheims die bronzene Skulptur des „Ausschellers“. Theophil Steinbrenner, freischaffender bildender Künstler aus Schwarzach schuf dieses Sinnbild dörflicher Kultur.

Gegenüber an der Ecke Taunusstraße / Rat­hausstraße befindet sich das Standbild „Heilige Familie“: Das aus Holz geschnitzte Werk stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es zeigt Maria, Josef und das Jesuskind in idealisierter Form. Auf dem Sockel ist folgende Inschrift zu lesen: „Ja sie steht uns bei in der Not, wie im Leben so im Tod“. Im Jahre 2002 finanzierte Flörsheim zusammen mit der gemeinnützigen Stiftung der Taunussparkasse  die Restaurierung der Figurengruppe sowie des neu errichteten Bildstocks aus Sandstein. Dort, wo der Bildstock aufgestellt ist, stand ursprünglich das erste Wicker Rathaus, dem sich auch ein Schulraum befand.

 

Nach rechts geht man weiter in die die Vorderstraße mit den ältesten Häusern von Wicker und den malerischen Torfahrten (zum Teil erst neu hergestellt). Etwas versetzt geht es weiter in die Kirchstraße, wo man einen Blick in die katholische Wehrkirche St. Katharina werfen kann. Bereits in der Urkunde von 927 wird eine Kapelle in Wicker erwähnt. Seit 1294 ist eine Kirche und seit 1303 eine eigene Pfarrei gesichert. Die heutige Kirche geht auf das Jahr 1480 zurück. Ob der wehrhafte Turm wesentlich älter ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. Im Erdgeschoß des Turmes befindet sich der Chorraum der Kirche mit seinem schönen Sterngewölbe und dem Wappen der Eppsteiner Grafen als Schlußstein. Das Schiff der Kirche wird 1840 verlängert und erhöht und mit neuen Fenstern versehen. Wicker ist auch Station auf der Bonifatiusroute, die an der Flörsheimer Warte vorbei geht.

Westlich der Kirche in der Nähe des dortigen Ausgangs steht eine Restfigur (Torso) des Brückenheiligen „Johannes Nepomuk“. Sie stand seit dem 17. Jahrhundert auf der Wicker­bachbrücke in Wicker (Bild). Sie wurde zweimal durch LKW-Unfälle vom Sockel in den Bach gestoßen und schwer beschädigt. Dabei verlor sie den Kopf und den Arm mit dem Kreuz. In den 30iger Jahren bei der Brückenerweiterung wurde auch der Sockel entfernt und wahrscheinlich in der Straße mit verbaut. Nach 75 Jahren wurde zur Erinnerung an dieses traurige Ende des stattlichen Standbildes die Restfigur im September 2006 vom Historischen Verein Wicker an diesem Platz aufgestellt.

Vorbei an der alten Weinpresse von 1884 geht es am Ende der Kirchstraße nach rechts und an der Kirschgartenstraße (die Durchgangsstraße) wieder nach rechts, an einer Heiligensäule vorbei. Die Bundesstraße 40 ist eine alte Heerstraße zwischen Mainz und Frankfurt. Die Straße und die strategische Höhenlage brachten Wicker im Laufe der Jahrhunderte eine lebhafte, aber auch unruhige Entwicklung. Die Weinbaugemeinde wurde viele Male durch kriegerische Ereignisse heimgesucht, sowohl in der „Mainzer Fehde“, als auch vor, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg mit verheerenden Feuersbrünsten. Auch der Durchzug und die Einquartierung französischer und alliierter Truppen zu Beginn des 19. Jahrhunderts hinterließen ihre Spuren.

 

Man kommt wieder zur Taunusstraße. Vor der Gaststätte „Naussauer Hof“ am Eingang der Taunusstraße befindet sich immer noch an seinem ursprünglichen Standort das älteste erhaltene Wegkreuz im Kreis aus dem Jahr 1690. Errichtet als Zeichen religiöser Ehrerbietung dienten Wegkreuze zudem als Orientierungspunkte.

Jetzt geht man nach Süden in die Straße „Am Steinweg“ und an den Weinbergen entlang zur Flörsheimer Warte. Weinberge sind nordwestlich des Ortes im „Möchsgewannn“. Südlich der Straße gehört der nördliche Teil der Weinberge auch zum „Mönchsgewann“. Dann folgen „König-Wilhelms-Berg“, „Nonnberg“ und „Wickerer Stein“. Südlich des Landwehrwegs an der Warte ist der Weinberg „Herrnberg“.

 

Ein früherer Besitzer des König-Wilhelm-Bergs war der Weingutsbesitzer Georg Kroeschel. Er war Hoflieferant des preußischen Königs und späteren ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. Die acht Meter hohe Rundsäule tragt heute einen republikanischen Adler, der frühere preußische Adler wurde bei Kriegsende zerstört. Den Sockel ziert ein Porträt des Königs Wilhelm von Preußen (1861-1888), des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I. sowie die

Inschriften „Vom Fels zum Meer“ und „Gott mit uns“.

Wilhelm I. schätzte den Wickerer Wein offenkundig sehr, denn er gestattete im Jahr 1866 seinem Hoflieferanten Georg Kroeschell aus Hochheim am Main, anläßlich des Übergangs des Herzogtums Nassau an Preußen, diese Weinlage „König Wilhelmsberg“ zu nennen. Das Denkmal, ein Werk des Bildhauers Adam Kramer aus Fulda, wurde im Jahr 1875 für 1.500 Gulden errichtet. Seit 1928 ist die Weinbergslage im Besitz der Familie Hück (Hochheim am Main). Sie hat im Jahr 2001 mit Unterstützung der Stadt Flörsheim am Main und dem Kuratorium der Taunussparkasse das Denkmal restaurieren lassen.

Die Weinlage: Der Wickerer Berg verdankt seine Entstehung dem Wickerbach. Während der Eiszeiten tiefte sich der Bach in den Untergrund ein und schuf so die Grundlage jeder guten Weinlage - einen Hang: Der Südwesthang ist optimal zur Sonne ausgerichtet. Der Wickerbach sorgte dafür, daß alter Untergrund freigelegt wurde: schwerer Lehmtonmergel des Alttertiärs. Mergel sind kalkreiche feinkörnige Lockergesteine. Ton sind die kleinsten Bodenpartikel. Enthält ein Mergel viel Ton, spricht man von Tonmergel. Vor etwa 28-30 Millionen Jahren wurde der Ton als feiner Schlick im Stillwasser eines aussüßenden Meeres abgelagert. Die stark tonhaltigen und deshalb schwer bearbeitbaren Böden heißen im Volks­mund „Letten“ genannt.

Der Wein: Auf dem Letten-Boden der kleinen aber feinen Lage König Wilhelmsberg (2,4 Hektar) wachsen kräftige und fruchtbetonte Weine mit markanter Säure. Sie benötigen Reifezeit. Durch ein gut eingebundenes Säurespiel haben sie eine lange Lebensdauer. Folgerichtig zählt der König-Wilhelmsberg zu den Premiumweinlagen „Erstes Gewächs Rheingau“.

 

Die kleine Sandsteinstatue einer Nonne rechts am Beginn der Straße „Am Steinberg“  ist das Wahrzeichen des unmittelbar dahinter beginnenden Weinbergs mit der altbekannten Lagebezeichnung Wickerer Nonnberg. Diese Figur ist ein Abguß aus neuerer Zeit. Das Original stammt aus dem 18. Jahrhundert und befindet sich in der Straßenmühle. Der Weinberg gehörte früher zu verschiedenen Nonnenklöstern, zuletzt bis zur Säkularisation im Jahr 1803 dem Zisterzienserinnen-Kloster Tiefenthal im Rheingau. Danach wurde der Nonnberg Privatbesitz und wenig später mit einer Mauer eingefaßt und neu terrassiert. Mit seinem Gefälle nach Süd-Südwest hat er eine optimale Sonneneinstrahlung.

 

Von dem Weg zur Flörsheimer Warte geht rechts ein Weg ab zur Weidenmühle. Heute ist sie das Weingut Allendorff (Samstag 10- 14 Uhr oder nach Vereinbarung Weinverkauf in Flaschen). Sie wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut. Auch hier wurde das Mühlrad durch das Wasser eines separaten Mühlbachs angetrieben, den man vom Wickerbach abgeleitet hatte und der durch das Anwesen floß.

Schon den alten Römern war die Technik geläufig, wie man Wasserkraft über ein Mühlrad zum Mahlen von Getreide nutzen kann. Zunächst kannte man allerdings nur sogenannte unterschlächtige Mühlräder, deren unterer Teil im Wasser lag. Allein durch die Strömungskraft des Wassers wurde das Mühlrad in Bewegung gehalten. Im 14. Jahrhundert wurden die ersten oberschlächtigen Mühlräder eingesetzt, bei denen das Wasser auf dem Scheitel des Mühlrades zugeführt wird. Dies brachte bei gleicher Radgröße und gleicher Wassermenge eine Leistungsverdoppelung. Der Weinweg führt über den Steinweg zur Otto-Schwabe-Ruhe, dem Wendepunkt des Wein-Wegs. Auf einem anderen Weg kehrt man wieder in den Ort zurück.

 

Flörsheimer Warte:

Am 15. Juni 1996 stand die Flörsheimer Warte auf dem 130 Meter hohen Geißberg wieder. Für rund zwei Millionen Mark hatte die Gesellschaft zur Rekultivierung der Weilbächer Kies­gruben (GRKW) den einstigen Wachtturm hoch in den Weinbergen bei Flörsheim  nach historischem Vorbild wenige Meter neben den Fundamenten des historischen Turmes und in etwas modernerer Ausstattung als das historische Original neu errichten lassen.

Der Turm wachte seit dem 15. Jahrhundert über die nördliche Grenze der Mainzer Kurfürsten. Nachdem die Warte ihre Bedeutung verloren hatte, wurde sie als Steinbruch ausgebeutet und Ende der 90er Jahre in unmittelbarer Nähe wieder errichtet. Am Wochenende dient der Turm als Ausflugslokal und bietet einen herrlicher Blick über die Mainebene.

Ursprünglich war die Flörsheimer Warte ein Turm der Kastelller Landwehr, die der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Berthold von Henneberg zwischen 1484 und 1504 errichten ließ. Sie sollte den rechtsrheinischen Besitz des Fürsten vor Raubüberfällen aus dem Taunus schützen. Vom linksrheinischen Bauherren zeugt noch das Wappen am Turm.

Und weil das Gebiet heute nicht mehr mainzerisch, sondern hessisch sei, sitze neben dem Wap­pen der hessische Löwe. Das Gebiet jenseits der Landwehrgrenze, die parallel zum Main verlief, gehörte im 15. Jahrhundert den Fürsten auf der Burg Eppstein. Die Landwehr sollte Überfälle von dort erschweren. Nachdem die rechtsrheinischen Dörfer um Flörsheim 1803 den Nassauern zugeschlagen wurden, verlor die Warte ihren Zweck und wurde 1817 dem Erdboden gleichgemacht.

Rechts vor dem Eingang in den Turm empfängt der hessische Löwe die Besucher mit blitzenden Zähnen der Flörsheimer Warte. Das bronzene Tier soll demonstrieren, zu welchem Land die Feste gehört. Den Löwen schuf der rheinland-pfälzische Bildhauer Gernod Rumpf. Der aus dem Gebiet des früheren Mainzer Kurfürstentums stammende Künstler wollte die Figur nicht abschreckend gestalten: Sie ist als Spielplatz für Kinder gedacht.

Ein Flörsheimer Winzer stieg als Pächter des spitzen Rundturms ein und bewirtet seither Hunderte von Ausflüglern, die an den Sommerwochenenden Rast an dem idyllisch gelegenen Aussichtspunkt halten. Und der ist längst zum Geheimtip für Erholungssuchende aus der ganzen Region geworden. Denn aus knapp 30 Meter Höhe breitet sich bei gutem Wetter die gesamte landschaftliche Vielfalt der Region aus, mit Taunus, Odenwald, der Mainebene und dem Rheingraben.

 

Am „Befreiungsstein“ (Grenzstein mit Mainzer Rad), der an den Abzug der französischen Besatzungstruppen im Jahr 1929 erinnert, beginnt der Landwehrweg, der sich bis nach Bad Weilbach hinzieht. Der Landwehrweg ist ein alter Grenzweg zwischen der Herrschaft Eppstein, zu der Wicker gehörte, und dem Kurfürstentum Mainz. Hier stand bis 1817 die Warte, ein massiver hoher Steinturm, der bei kriegerischen Ereignissen als Kontroll-, Wehr- und Fluchtturm diente. Sie war Bestandteil der „Kasteller Landwehr“, die Ende des 15. Jahrhunderts auf Veranlassung des Mainzer Erzbischofs Berthold von Henneberg errichtet worden war. Damit sollten die unter Kurmainzer Herrschaft stehenden Untertanen in Amöneburg, Kastel, Kostheim, Hochheim und Flörsheim „gegen die Räubereien der Bergbewohner“ geschützt werden.

 

Am Aussichtspunkt ist auf der Rückseite der Mauer der Sinnsprich eingemeißelt: „Heimat ist die treibende Kraft, für das Volk Gutes zu wirken“ (amor patriae vis agens pro populo bona creare).Von hier sieht man hinab in das Maintal nach Flörsheim und hinüber bis zum Odenwald.

Im Vordergrund ist die Weinbergslage „Flörsheimer Herrenberg“. Die zu dieser Lage gehörenden Weinberge wurden erstmals 1270 als Besitz der Mainzer Domherren erwähnt. Ebenfalls zu den Flörsheimer Weinbergslagen zählt die Lage „Flörsheimer St. Anna-Kapelle“

im Bereich der Wiesenmühle.

Das Weinanbaugebiet Rheingau wird vom 50. Breitengrad durchzogen, der in Europa bis auf wenige Ausnahmen die Nordgrenze des Weinbaus darstellt. Trotzdem wird hier zu 82 Prozent die wohl anspruchsvollste und edelste Rebsorte, der Riesling, angebaut. Insgesamt sind die besten Weißwein-Anbaugebiete in nördlichen Gefilden zu finden.

Der Riesling beansprucht gute bis sehr gute Lagen. Er paßt sich allen Bodenarten an, bevorzugt aber warme Gesteinsböden mit viel Feinerde. Hier im Rheingau - einem der nördlichsten Weinanbaugebiete der Welt mit großer Sonneneinstrahlung und hoher Luftfeuchtigkeit -

hat er eine besonders lange Reifezeit. Dies gibt ihm die Möglichkeit, Weine von betont feinfruchtiger Eleganz zu entwickeln, die durch Lagerung an Feinheit und Reife noch

gewinnen. Das Klima ermöglicht die Ernte vorzüglicher Auslesen, edler Beeren- und Trockenbeerenauslesen und des auf der Welt wohl einmaligen Eisweins.

Im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal liegen die Weinbaugemeinden Assmannshausen und Lorch am Rhein. Sie bilden den Unteren Rheingau. Zwischen Rüdesheim und Wiesbaden, entlang eines schmalen Streifens rechts des Rheins, erstreckt sich der Mittlere Rheingau. Die Orte Kostheim, Hochheim am Main mit Massenheim und Flörsheim-Wicker bilden den Oberen Rheingau. Dieser schöne Flecken Erde ist mit etwa 3.100 Hektar Reben bepflanzt. Hier ist vor allem die Heimat des Rheingauer Rieslings, der auf 2.500 Hektar Rebland wächst, und die des Spätburgunders, für den Assmannshausen bekannt ist. Das Anbaugebiet ist in zehn Großlagen und 119 Einzellagen unterteilt.

 

Von der Warte geht man den linken Weg zur Kriegergedächtnisstätte. Rechts vor der Gedenkstätte ist ein Steinlabyrinth. Die Flörsheimer „Krieger Gedächtniskapelle“ wurde 1928 zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs erbaut. Heute dient sie zur Erinnerung an die Opfer beider Weltkriege.

Von hier kann man auf einem Zweig der Regionalparkroute zur Wiesenmühle gehen oder nach Norden auf dem anderen Zweig zur Straßenmühle.

 

 

Flörsheim

Der Name Flörsheim entstand aus der Bezeichnung „Flaritesheim“ oder „Flaradesheim“ (Wohn­sitz des Flarido). Ein Mann namens Flarido hatte also soviel Einfluß und Macht, daß er ein ganzes Dorf nach sich benennen konnte. Um 828 wurde „Flaritesheim“ zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Die Bezeichnung „Stadt“ hat der Ort erst 1953 erhalten, obwohl Flörsheim schon seit Jahrhunderten ein wichtiger Marktflecken und Handelsplatz war

 

Das Dorf war in Form eines Ringes - „Ringdorf“ - angelegt, dessen Zentrum sich ungefähr unterhalb der heutigen Gallus-Kirche befand. Später wurde es zu einem „Wegedorf“ erweitert und war ab Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1764 mit Mauern und Gräben umgeben. Die zur Stadtbefestigung gehörenden Türme standen bis 1818. Um den Ort vergrößern zu können, ebnete man den Graben ein und riß Mauern und Türme ab. Flörsheim dehnte sich im Laufe der Jahre bis hin zur heutigen Bahnstrecke (die schon 1839 hier verlief) aus.

Wir wissen aus alten Rechnungen Bescheid über den Bau der Ortsmauer, denn am 28. Dezember 1547 quittierten Bertin Althen und Peter Duchmann den Erhalt von 80 Gulden durch das Domkapitel. Dafür sollte bis Sommer 1548 die Ortsmauer bis zur Oberpforte  fertiggestellt sein. Die Ortsmauer verlief also parallel zur östlichen Obermainstraße bis zum Obertor, führte dann einen Graben entlang (der heutigen Grabenstraße) bis zum Untertor (30) und weiter bis an den Main. Dort führte sie nach Osten wieder bis zum Mainturm. Neben dem Mainturm wissen wir noch von weiteren Türmen. Ein Turmstumpf ist sichtbar vom Stadtgarten aus als umgebaute Laube des Anwesens „Obermainstraße 6“, Fundamente eines Turms fanden sich bei Grabungen in der Grabenstraße (parallel zum Mainufer) in Höhe des Rathenau-Platzes (29). In einigen Straßennamen Flörsheims haben sich Namen erhalten, die auf die Ortsbefestigung Bezug nehmen, z.B. „Am Strohpförtchen“, das an einen Fußweg in den befestigten Ort erinnert. Die Ortsmauer leistete über 200 Jahre ihre Dienste; im April 1767 begann man mit der Schleifung, da sie in der Neuzeit funktionslos geworden war.

 

Rundgang nach der Rallye für Kinder im Internet, ergänzt durch Angaben aus der allgemeinen Internetseite:

 

(1) Oberpforte (Obere Pforte):

Die Obere Pforte befand sich in der Obermainstraße ungefähr dort, wo heute das Haus mit dem Optikergeschäft steht. Sie war früher eine von mehreren Pforten in den Ort. Wer zum Beispiel aus Richtung Weilbach oder Eddersheim nach Flörsheim hinein wollte, mußte durch dieses Tor. Für die Bewohner waren die Mauern, die das Dorf umgaben, sowohl ein wichtiger Schutz gegen Angreifer in kriegerischen Zeiten als auch vor Räubern und Dieben, die durch das Land streiften.

 

(2) Christ-Königs-Kapelle:

Wenn man nun von der Ampel aus in Richtung Main geht und der Obermainstraße folgt, sieht man gleich auf der linken Seite die Christ-Königs-Kapelle von dem Bildhauer Schichtel. Sie wurde 1927 eingeweiht, also mehr als ein Jahrhundert später als der Abriß der Stadtmauer und ist seitdem einer der vier Prozessions-Altäre an Fronleichnam und am „Verlobten Tag“ in Flörsheim.

 

(3) Dreihäusergasse:

Mit dem Rücken zur Kapelle schaut man in eine Gasse hinein - die Dreihäusergasse (nördlich der Hauptstraße, die östlichste der kleinen Straßen). Auf die Zahl der drei Häuser kommt man, wenn man nur die Häuser nimmt, die wirklich zu der Straße zählen und nicht auch die, die zu den angrenzenden Straßen gehören.

Wie die Ortsmauer ausgesehen hat, kann man gut am Mauerwerk des ersten Hauses in der Obermainstraße und in der Dreihäusergasse erkennen. Man verwendete Bruchsteine, also Felsstücke aus Steinbrüchen, die eine unregelmäßige Form, unbearbeitete Flächen und scharfe Kanten haben. Sie wurden auf gewünschte Größe gebrochen oder grob behauen, um ein bestimmtes Format zu erhalten.

 

(4) Fachwerkhaus:

In der Hauptstraße sieht man gegenüber der Dreihäusergasse ein Fachwerkhaus, das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde, wie man aus der Art des einfachen Fachwerks schließen kann. Es ist typisch für diese Zeit. Natürlich muß man sich den modernen Anbau wegdenken.

 

(5 ) Patrizier-Haus:

Das herrschaftliches Patrizier-Haus Obermainstraße 6 ist aus dem Jahre 1661. Um das Jahr 1740 wurde ein Frankfurter Bürger namens Johann Philipp von Uffenbach als Besitzer erwähnt. Im Jahre 1758 fiel dann das Haus an die Familie des kurmainzischen Rates Gottfried von Gall. Um 1800 wechselte es in den Besitz des Oberschultheißen Martin Neumann und 1825 an dessen Schwiegersohn Oswald Weilbacher. Ein Turmstumpf ist sichtbar vom Stadtgarten aus als umgebaute Laube des Anwesens „Obermainstraße 6“,

 

(6 ) Apothekengasse:

Das Haus, in dem sich auch einmal die heutige Schlosserei Dasbach befand, war ab 1868 die erste Apotheke in Flörsheim.

 

(7) Obermainstraße 9:

Auf der anderen Seite der Obermainstraße steht das Haus Nummer 9. Dieses Haus ist durch seine Bauart nämlich etwas ganz besonderes. Es war im 17. und 18. Jahrhundert üblich, die Häuser nach fränkischer Bauart mit der Giebelseite zur Straße hin zu bauen, so daß man von der Straße aus nur die schmale Seite des Hauses sah.

Der Erbauer dieses Hauses aber wollte etwas Besonderes. Er hieß Martin Neumann und war ein angesehener und vermögender Mann. Als Gerichtsschreiber und Schultheiß gehörte er dem Flörsheimer Gericht an.

In seinem Haus befand sich außerdem auch die Gastwirtschaft „Zum Löwen“, die er neben der Landwirtschaft und seinen anderen Pflichten betrieb.

Um allen seinen Wohlstand zu beweisen und die Breite seines Grundstücks hervorzuheben, ließ er sein Haus mit der Traufseite, demnach der breiten Seite, zur Straße hin bauen.

Im oberen Teil des Sandsteinbogens der Hofeinfahrt hat er das Baujahr des Hauses  1766  und seine Initialen „M+N“ verewigt. Sein Sohn war der Oberschultheiß Martin Neumann, dem nach 1800 das Patrizier-Haus gehörte.

Im Rahmen der Altstadtsanierung ist die Obermainstraße zur „Dorfstraße“ rückgebaut worden. Wir finden hier wieder ein eher verwinkeltes Straßenbild mit typischen Elementen der Dorfstraße, wie z.B. einem Brunnen. Überhaupt ist die städtebauliche Entwicklung der Ortskerne seit Jahren für die Stadt Flörsheim ein wichtiges Ziel: Im Jahre 1986 wurde Flörsheim in das Städtebauförderungsprogramm aufgenommen. Dies konnte natürlich nur geschehen, weil die Stadt schon Jahre zuvor, aus eigenem Antrieb und ohne Hilfestellung von außen, mit der Ortskernsanierung begonnen hat

 

(8) Brunnen mit Schwengelpumpe:

Mitten in der Straße steht ein Brunnen mit Schwengelpumpe. Wer Wasser wollte, mußte es Eimer für Eimer hier oder an anderen Brunnen im Ort holen und nach Hause schleppen. Es bedeutete Mühe, das Wasser zum Kochen und Waschen oder auch das Trinkwasser für das Vieh ins Haus zu holen, also ging man sehr sorgsam damit um. Die zentrale Wasserversorgung in Flörsheim wurde 1927 in Betrieb genommen - kaltes Wasser versteht sich.

 

(9) Mainturm:

Der Mainturm ist das älteste noch erhaltene Flörsheimer Bauwerk und Teil der früheren Befestigungsanlage von Flörsheims Altstadt, die 1548 fertiggestellt wurde. Es war für Flörsheim die zweite ihrer Art, denn schon im 14. Jahrhundert war Flörsheim befestigt worden. Bei der alten Ortsbefestigung hatte es sich jedoch lediglich um eine aus Holz gehandelt.

Der Mainturm war aber  lediglich einen Durchlaß für Fußgänger, Karren und Gänse bot. Fuhrwerke mußten an anderen Stellen, zum Beispiel an der Ankerpforte, der großen Mainpforte oder dem Untertor in den Ort hinein oder hinaus.

Der Main spielt in unserer Stadt eine große Rolle. Zum einen diente er als Ernährungsgrundlage durch seinen Fischreichtum, zum anderen war er Transportweg für Waren. Es war einfacher, Handelsware auf einem Schiff zu transportieren, als sie auf Ochsenkarren über holprige Straßen zu befördern und die Gefahr einzugehen, überfallen zu werden.

Und mit dem Main war auch das Hochwasser im Laufe der Jahrhunderte in Flörsheim immer wieder ein Thema. Vor allem die Bewohner der Obermainstraße hatten dadurch oft große Schäden an ihren Häusern. An der Hochwassermarke am Mainturm ist zu erkennen, wann das Wasser wie hoch stieg.

 

(10) Der Außenbrunnen am Kunstforum Mainturm:

Er  stellt wichtige Ereignisse in Flörsheims Geschichte dar: Die römische Legionsstandarte weist auf das römische Reich, also die Anwesenheit der römischen Legionen bis in das 4. Jahrhundert nCh hin. Der Landsknecht-Stiefel erinnert an die Kriege des Mittelalters, die auch Flörsheim nicht verschonten. Ein Hinweis auf die jüdische Gemeinde in Flörsheim ist der siebenarmige Leuchter. Der Bischofsstab besagt die ehemalige, über 1000-jährige Zugehörigkeit zum Erzbistum Mainz. Sogar die Französische Revolution im Jahre 1789 wird durch eine Mütze symbolisiert. Damals war der Mainzer Raum durch die französische Armee besetzt und als Antwort auf diese Zeit entstand das fassenachtliche Treiben, indem man die Soldaten mit ihren Uniformen im Spaß imitierte. Die Fische im Netz erinnern an die Fischer, die hier lebten.

 

(11) Mainstein:

Die Idee stammte vom damaligen Bürgermeister Dieter Wolf. Die Konzeption und Ausführung im Jahre 1984 vom Steinbildhauermeister Rainer Uhl. Dargestellt sind auf der Sand­stein-Stele Ereignisse der gesamten Stadt. Zwischen Frankfurter und Mainzer Dom windet sich der Main um die Stele und präsentiert für Flörsheim und seine Stadtteile wichtige Figuren, Ereignisse und Gebäude. Da sind der Fischer und das Netz mit Fischen als Lebensgrundlage und der Main als Handelsweg. Hinweise zur Landwirtschaft mit Gänsen, Getreide und Rebstöcken sind ebenso zu sehen wie der Mainzer Dom mit seinem Erbauer Erzbischof Willi­gis und der Frankfurter Dom mit dem fränkischen König Karl dem Großen.

Markante Gebäude und Einrichtungen sind zu sehen. Ebenso sind Motive des Rheingaus, mit dem uns der Wein verbindet, wie das Schloß Johannisberg und der Oestricher Kran in Stein gehauen. Und auch, nicht zu vergessen, die bildliche Schilderung der Prozession am Verlobten Tag. Ganz oben aber, an der Spitze des Steines, sitzt der Narr, das Symbol der Fassenacht, mit seinem Spiegel.

 

(12) Ankerpforte:

Vom Mainstein aus gehen wir jetzt durch die ehemalige Ankerpforte, die groß genug war, um auch Fuhrwerke durchzulassen, wieder in die Obermainstraße hinein. Der Name „Ankerpforte“ kommt von dem Gebäude gleich auf der linken Seite, dem früheren Gasthaus „Zum Anker“. Erbaut wurde das Haus im Jahre 1647, wie man im Gasthausschild mit Anker, Krug und Pokal an der eingefügten Jahreszahl erkennen kann. Im Jahre 1670 wird es erwähnt als Besitz einer Eva Pfannkuch, wahrscheinlich der Witwe eines kurmainzischen Rittmeisters gleichen Namens. Ein ebenfalls bemerkenswertes Fachwerkhaus finden wir an der Ecke zur Borngasse

Der Charakter der Altstadt hat sich hier, nach nur wenigen Metern Entfernung von der Obermainstraße, gründlich gewandelt. Ist die Obermainstraße geprägt durch große Gehöfte, liegen die Häuser in der Fischergasse und Borngasse eng gedrängt aneinander. Für das Fachwerkhaus an der Ecke der Borngasse ist das Datum 1667 nachgewiesen. Das eingebaute Wappen ist nicht geklärt. Es kann sich um das Wappen des Besitzers handeln, es kann aber auch nur ein Stein sein, die als Zierstein beim Bau des Hauses eingesetzt worden ist.

 

(13) Mainschlößchen:

Direkt gegenüber, an der anderen Seite der heutigen Hochwassersperre, steht ein Haus, das sehr viel später erbaut wurde - nämlich um 1900 herum. Diese Zeit nennt man Jugendstil.

Die Größe des Hauses macht wieder deutlich, daß der Erbauer ein wohlhabender Mann war, der sein Geld durch unternehmerische Tätigkeiten verdiente. Es war die Zeit der Industrialisierung in Deutschland.

(14) Die Hochwassersperre soll die Bewohner der Obermainstraße vor Hochwasser schützen. Starke Regenfälle oder auch Schneeschmelze führen immer wieder zu Pegelhochständen der Flüsse und damit oft zu Überschwemmungen.

 

(15) Gasthaus „Zum Stern“ :

Mit dem Rücken zur Hochwassersperre schauen wir direkt auf das Gasthaus „Zum Stern“. Das große Grundstück weist auf die einst betriebene Landwirtschaft hin. Es war durchaus üblich, daß Landwirte zusätzlich noch eine Gaststätte betrieben und somit wohlhabend wurden.  Im Zweiten Weltkrieg wurde das alte Fachwerkgebäude durch Bombenangriffe in der Nacht vom 8. auf den 9. September 1942 zerstört. Beim Wiederaufbau erscheint das Fachwerk des Obergeschosses nur als Imitation.

 

(16) Wohn- und Gasthaus „Zum Engel“:

Man geht ein paar Schritte nach rechts und steht wieder vor einem Wohnhaus wohlhabender Leute (Hausnummer 19), eines der prächtigsten Privatgehöfte aus dem 17. Jahrhundert. Das Erdgeschoß ist zum Schutz der Bewohner gegen Hochwasser sehr hoch gelegen.

Es ist eines der ältesten Wohnhäuser Flörsheims und durch seine Bauweise und das schöne Fachwerk etwas besonderes. Eine Inschrift am rechten Eckbalken lautet: „Dieses Haus steht in Gottes Hand, Gott bewahre es vor Wasser und Brand. Gg. Bernhardt, seine eheliche Hausfrau, Christina, Anno D. 1667.“ Georg Bernhardt war Oberschultheiß von Flörsheim und muß es zu erheblichem Wohlstand gebracht haben, wie das Haus in der Obermainstraße und zwei noch erhaltene, von ihm gestiftete Flurkreuze (eins an der Riedstraße und eines am Kreuzweg) und eine Kirchenstiftung berichten.

 

(17) Fischergasse (erste Straße rechts):

Hier sind die Häuser Grundstücke merklich kleiner als die der Bauern in der Obermainstraße oder in der Hauptstraße. Neben Lagermöglichkeiten für Fischereigerät war immer noch genug Platz für eine Ziege oder ein Schwein, die den Speiseplan durch frische Milch oder einen Schinken von Zeit zu Zeit aufwerteten.

Die Boote der Fischer, die Nachen, lagen angebunden am Flußufer. Nur bei Hochwasser wurden sie an Land gebracht.

 

(18 ) Borngasse (zweite Straße rechts):

Auch in der Borngasse wohnten Fischer, aber auch Handwerker. Wie in der Fischergasse sind hier die Häuser und Grundstücke relativ klein, bis auf das untere rechte Eckhaus. Es wurde 1667 gebaut und hat drei, statt zwei Stockwerke und ein besonders kunstvolles Fachwerk.

Der Name Borngasse leitet sich von Born = Brunnen ab, der einmal in dieser Gasse stand und der täglichen Wasserversorgung diente.

 

(19 ) Gasthaus „Zum Hirsch“:

Früher trafen sich die Menschen am Abend in der Wirtschaft bei einem Glas Apfelwein, um miteinander zu reden, Nachrichten auszutauschen und Karten zu spielen. Das Wirtshaus war ein wichtiger Treffpunkt. Hier wurden Geschäfte abgeschlossen, Ehen vermittelt und Klatsch und Tratsch ausgetauscht.

Das Gasthaus  ist dreihundert Jahre alt und wurde von Anfang an bis heute ständig bewirtschaftet. Damit dürfte es das älteste, heute noch bestehende Gasthaus in Flörsheims sein. Bis etwa 1960 gab es hier noch eine großen Saalbau, in dem zum Beispiel der Kerbetanz, Theatervorführungen und Maskenbälle stattfanden.

Auf der Mauer, die die Terrasse umgibt, steht die Figur des Heiligen Nepomuk. Eigentlich ist er ein Brückenheiliger, steht aber ebenfalls oft in der Nähe von Gewässern, da er der Legende nach den Märtyrertod starb, indem er nach Folterung von der Prager Karlsbrücke gestoßen wurde. Er wollte dem König nicht verraten, was ihm dessen Frau während der Beichte anvertraut hatte.

 

(20) Große Mainpforte:

Die Große Mainpforte, durch die man Zugang um Landeplatz (Konrad-Adenauer-Ufer) für Schiffe und Flöße und zum Stapelplatz für Waren verschiedenster Art (Steine, Holz, Weinfässer) hatte, befand sich am Ende der heutigen Pfarrer-Münch-Straße (dritte rechts), links vom Gasthaus „Zum Hirsch“ (vom Main aus gesehen).

Als der Main noch ein wichtiger Transportweg war, reichte der Landeplatz vom Bootshaus bis hin zum Berliner Brunnen, wo sich der Fähren-Anlegeplatz befand. Zur Erinnerung an die Fähre von „hibb nach dribb“ wurde dort und auf der Raunheimer Seite eine Steinstele aufgestellt.

Wichtig war die Fähre, die schon im 13. Jahrhundert existierte, um zum Beispiel in den Flörsheimer Wald zu kommen, der schließlich auf der anderen Mainseite liegt.

Erst im Jahre 1928 wurde zwischen Rüsselsheim und Flörsheim die erste feste Brücke gebaut, die „Opel-Brücke“. Sie wurde wegen des wachsenden Verkehrsaufkommens durch eine neue, größere Brücke, die „Main- Brücke“ ersetzt.

 

(21) Malzfabrik:

Oberhalb des Gasthauses „Zum Hirsch“ befand sich eine Mälzerei, erbaut 1885, die „Malzfabrik“. Hier wurde Gerste zu Malz verarbeitet, um es später mit Hopfen und Wasser zum Bierbrauen verwenden zu können. Es gab um 1900 sechs solcher Mälzereien in Flörsheim. Die ortsansässigen Bierbrauer hatten nämlich, wahrscheinlich um sich lange Transportwege zu sparen, auch gleich eine hauseigene Mälzerei. Diese Mälzerei hier in der Untermainstraße wurde 1973 abgebrochen und auf dem Grundstück wurde eine Wohnanlage errichtet, die selbstverständlich den Namen „Alte Malzfabrik“ trägt.

 

(22) Pfarrer-Münch-Straße (dritte Straße rechts):

Pfarrer Münch war der Mann, der während der Pest in Flörsheim den Bewohnern in jeglicher Hinsicht zur Seite gestanden hat und nicht bereit war, aufzugeben - also ein wahrer Held seiner Zeit. Als die Pest im Sommer 1666 wütete und etliche Flörsheimer dahinraffte, wurde die Situation für die rund 700 Flörsheimer scheinbar ausweglos. Pfarrer Münch vermerkt im Kirchenbuch 160 Tote - und das bei 700 Einwohnern!

Da leisteten Pfarrer Laurentius Münch und die Gemeinde am 28. Juli 1666 ein Versprechen für sich und ihre Nachkommen: „Solange in Flörsheim steht Stein auf Stein, wollen wir eine Dankprozession zum Lobpreis des Allerhöchsten alljährlich durchführen, wenn wir von der Pest erlöst werden.“  Am 27. Januar 1667 schreibt er in einer Randbemerkung, daß die Pest zu Ende ist.

Seitdem halten die Flörsheimer dieses Versprechen und feiern jedes Jahr den „Verlobten Tag“ mit einer Prozession wie am Fronleichnamsfest („mit brennenden Kerzen“) - auch in schweren Zeiten. Daß es der letzte Montag im August ist, war nicht von Beginn an so. Erst seit 1866 begehen die Flörsheimer an diesem Montag ihren Verlobten Tag. Nicht nur für die Katholiken, für die ganze Gemeinde ist dies ein hoher Feiertag. Bis in die 1930er Jahre nahmen auch die jüdischen Flörsheimer an der Feier teil, indem sie mit einer Station auf dem Prozessionsweg an die jüdischen Opfer der Pest erinnerten. Dazu wurde das Memorbuch der jüdischen Gemeinde ausgestellt

Aber auch am Vorabend des Verlobten Tages wird ein Versprechen eingelöst. Die Mitglieder des Flörsheimer Gesangvereins „Sängerbund“ 1847 e. V. haben anläßlich ihres 100-jährigen Bestehens im Jahre 1947 gelobt, zur Einstimmung auf den Verlobten Tag am Abend davor ein Vermächtniskonzert abzuhalten, welches seitdem jedes Jahr immer wieder aufs Neue mit großem Zuspruch stattfindet. Nach dem Konzert gibt es eine ökumenische Prozession zum Pestkreuz in der Hauptstraße. 

 

(23) Fachwerkhaus:

Das Fachwerkhaus, das an der linken oberen Ecke der Pfarrer-Münch-Straße steht, wurde 1700 erbaut. Das beweist ein Ziegel, den der jetzige Besitzer bei der Sanierung seines Daches fand. Die auf dem Ziegel dargestellten Motive hat er, für jeden sichtbar, an die Wand seines Hauses gemalt. Nicht nur das Dach, sondern das gesamte Fachwerk wurde im Rahmen der Altstadtsanierung, die 1975 begann und bis heute noch nicht abgeschlossen ist, erneuert und verschönert.

In früheren Jahren wurden Häuser mit Fachwerk verputzt, in dem Glauben, die Holzkonstruktion dadurch zu schützen. Doch leider war das Gegenteil der Fall. Beim Freilegen der Balken, mußten viele der Holzteile ausgesägt und durch neue ersetzt werden, um die Stabilität des Hauses weiter zu gewährleisten. Durch etliche Sanierungsmaßnahmen in der Flörsheimer Altstadt hat sich das Stadtbild zu seinem Vorteil hin verändert. Für diese Stadterneuerung erhielt die Stadt Flörsheim am Main auch Auszeichnungen von Bund und Land.

 

(24) Untermainstraße:

Hier in der Untermainstraße finden wir heute noch einige große Anwesen, die früher landwirtschaftliche Betriebe waren. Von der Pfarrscheune und dem Pfarrhof, die sich dort befanden, wo heute das Gemeindezentrum St. Gallus steht, ist leider gar nichts mehr zu sehen. Das Haus, in dem sich die Gaststätte „Zum Karpfen“ befand, links vom Pfarrhof, steht allerdings noch. Es war - wie so oft - Gaststätte und Bauernhof in einem.

Außerdem war es einmal im Besitz der „Prediger-Herren“ (Mönche des Dominikaner-Ordens aus Frankfurt). Dieser Orden besaß in Flörsheim große Ackerflächen und einen Weinberg, wie auch andere Ordenshäuser, zum Beispiel die Kartäuser.

Ein Stück weiter die Untermainstraße entlang sieht  man  im Torbogen eines ehemaligen Bauernhofes (Hausnummer 15) die in Stein gehauene Jahreszahl 1683.

Da die Untermainstraße direkt an der Stadtmauer verlief, gab es natürlich auch einige Durchlässe zu den Mainwiesen hin, wie zum Beispiel das Strohpförtchen, was der Straßenname heute noch beweist oder das Gänsepförtchen (zwischen Hausnummer 44 und 46). Woher der Name Strohpförtchen kommt, ist leider nicht geklärt. Aber sicher ist, daß durch das Gänsepförtchen die Gänse auf die Mainwiese zum Gänskippel getrieben wurden.

Auch hier sind die alten Häuser und Grundstücke viel kleiner sind als die Häuser, die beispielsweise in der Nähe des Gemeindezentrums stehen. Hier wohnten wohl eher Fischer oder Tagelöhner mit ihren Familien, ähnlich wie in der Fischer- oder Borngasse.

 

(25) Karthäuser Hof (auch: die Kartause):

An der Kreuzung von Untermain- und Kartäuserstraße steht der ehemalige Wirtschaftshof des Kartäuserklosters in Mainz. Dort, wo man gegenwärtig im Restaurant essen oder Gäste im Hotel übernachten können, hatten im 18. Jahrhundert Mönche des Mainzer Kartäuser-Ordens ihren Wirtschaftshof. Die Anlage stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Mainzer Kartäuser besaßen in der Gemarkung Flörsheims viele Felder, deren Erträge sie in ihrem Wirtschaftshof, 1733 erbaut, weiterverarbeiteten oder lagerten. Das Mainzer Kartäuserkloster zählte in Flörsheim zu den reich-begüterten Orden der Gemeinde. Im Jahre 1781 wurde das Kloster durch den Mainzer Kurfürsten Friedrich Carl Joseph von Erthal aufgelöst, wobei dessen Besitz an die Mainzer Universität fiel. Nicht zu übersehen ist eine Statue des Hl. Bruno, des Gründers des Ordens, die auf dem überdachten Balkon der abgerundeten Hausecke steht.

 

(26) Pelzfabrik:

Direkt links neben dem Kartäuser Hof sehen wir das Modellhaus der ehemaligen Fayence-Fabrik, in dem die Formen zur Herstellung der Fayence erstellt und aufbewahrt wurden. Gleichzeitig auch als Wohnhaus des Direktors jener Fabrik diente. Die Fayence-Manufaktur war 1765 vom Mainzer Kurfürsten in Flörsheim angesiedelt worden und stellte hochwertige Steingutwaren her.

Am Ende des 19. Jahrhunderts, der Kurstaat war schon lange zugrunde gegangen, siedelte sich in dem Gebäude eine Pelzschneiderei an. Aus dieser Zeit stammt der im Flörsheimer Volksmund existierende Name für das Haus: „Pelz-Fabrik“. Ende des 19. Jahrhunderts hat der

Steingutfabrikant Wilhelm Dienst das Haus als Fertigungsstätte für seine Waren genutzt.

Folglich eine ähnliche Ware, viel grober, aber dafür bruchfester und für den alltäglichen Gebrauch einfacher Leute gemacht.

Im gleichen Gebäude war bis 1900, dem Jahr, in dem Flörsheim eine eigene evangelische Kirche erhielt, der Gebetssaal der evangelischen Gemeinde untergebracht. Die heutige Evangelische Kirche (Bahnhofstraße 14) wurde 1901 erbaut von Ludwig Hoffmann im Stil des Historismus und hat vorwiegend gotische Stilelemente. Bei der Renovierung 1998 wurde die  ursprüngliche Bemalung wieder hergestellt. 

 

(27 ) Gänskippel:

Deutlich für jeden steht hier die Gänsemutter mit ihren Küken und zeigt genau, an welcher Stelle die Gänse auf die Weide durften. Der Kippel ist ein Wort für eine kleine Anhöhe, die im Falle des Gänskippels aus dem Abbruch eines Turms der Ortsbefestigung entstanden ist. Der Bauschutt wurde verteilt und wölbte sich zu einem fast nicht sichtbaren Hügel.

„Bewacht“ werden die Metall-Gänse vom „Gänskippelschorsch“, dessen Steinbildnis an der Wand angebracht ist. Diesen Mann hat es nie wirklich gegeben. Der Flörsheimer Journalist und Ehrenbürger Jakob Altmaier (* 1889, † 1963) hat ihn erfunden, um in seinem Namen Glossen über Flörsheimer Geschehnisse zu schreiben. Ein Pseudonym also mit gewissem Bekanntheitsgrad.

Am Konrad-Adenauer-Ufer steht ein Reliefstein. Es zeigt den „Gänsekippelschorsch“. Unter diesem Pseudonym schrieb der Flörsheimer Journalist Jakob Altmeier in den 1920er Jahren in der Flörsheimer Zeitung. Im Jahre 1889 in eine große jüdische Flörsheimer Familie hineingeboren (Elternhaus in der Hochheimer Straße 4) war er Soldat im Ersten Weltkrieg, lebte anschließend u. a. in Frankfurt und Berlin und reiste häufig ins Ausland. Früh war er Mitglied bei der SPD; Korrespondent der „Frankfurter Zeitung“, des „Vorwärts“ u.a.m.; nahm am spanischen Bürgerkrieg teil. Als Jude und Sozialdemokrat war er den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten von Beginn an besonders heftig ausgesetzt, so daß er bereits 1933 emigrierte. Er lebte während des Zweiten Weltkrieges in Kairo. Im Jahre 1948 kehrte er auf Bitten des SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher nach Deutschland zurück. Er vertrat den Wahlkreis Hanau-Gelnhausen seit 1949 als Mitglied des Bundestages in Bonn. Seit 1949 war er bis zu seinem Tod 1963 in Bonn Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Im Jahre 1954 wurde er Ehrenbürger der Stadt Flörsheim. Er hatte Beziehungen zu zahlreichen Politikern seiner Zeit (Eisenhower, Kennedy, aber auch Papst Pius XII. und Johannes XXIII.). Jakob Altmeier war maßgeblich am Aufbau der Beziehungen zwischen Israel und der Regierung Adenauer beteiligt. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Flörsheim beigesetzt. Nach der Familie Altmaier ist gleichfalls eine Straße in Flörsheim benannt.

 

(28) Pestkreuz:

Wenn man vom Spielplatz aus wieder in Richtung Hauptstraße geht, kommt wir direkt an das Pestkreuz. Es wurde im Jahre 1712 in Erinnerung an das Pestjahr 1666 an der früheren Ortsmauer, die die linke Seite der Untermainstraße bildete, von den Eheleuten Goßlar (Seßler?) errichtet. Als die Mauern abgebrochen wurden, versetzte man das Pestkreuz an die heutige Stelle. Die westliche Straßenseite der Hochheimer Straße wurde erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts bebaut. Bis zum 19. Jahrhundert verlief hier die Ortsmauer. Es ist zu vermuten, daß das Kreuz an die Ortsmauer gelehnt war, bis man diese abriß, um dort eine Häuserzeile zu bauen. Im Jahre 1966 wurde das alte, kleine Haus abgerissen und ein neues, zweigeschossiges Haus erbaut. Das Kreuz blieb während der Bauzeit an seinem Platz stehen, wie alte Fotos zeigen. Am Verlobten Tag ist das Pestkreuz immer einer der vier Altäre der Prozession.

 

(29) Untere Pforte:

Die Untere Pforte befand sich in der Hochheimer Straße ungefähr zwischen der Bleich- und der Grabenstraße. Ging man durch die Untere Pforte, gelangte man auf die Wege nach Hochheim, Mainz und Wicker. Im Jahre 1818 wurden beide Pforten, also Untere und Obere Pforte, bei Abbruch versteigert, das heißt, die Menschen kauften nicht das Bauwerk, sondern die Steine, aus denen die Türme mit den Pforten errichtet waren.

Wie viele andere Straßennamen hat auch die Grabenstraße den ihren zu Recht. Hier lief der Graben entlang, der zusammen mit der Ortsmauer die Bewohner vor Eindringlingen und Überfällen schützen sollte. Bereits 1764 war mit der Niederlegung, dem Abriß, der Ortsmauer begonnen worden. Die Gräben wurden eingeebnet. Nach 1820 baute man dann die ersten Häuser in der heutigen Grabenstraße.

 

(30) Fayence-Fabrik (westliche Hauptstraße):

Im Haus Hauptstraße 42 war ab 1765 die Flörsheimer Fayence Fabrik. Hier wurden also die feinen Keramikwaren gefertigt, für die Flörsheim so bekannt ist, daß man das Markenzeichen, nämlich FFF, 1952 mit in das Stadtwappen übernommen hat.

Die Flörsheimer Fayence Fabrik entsteht aufgrund eines Vertrages des Kartäuser-Klosters in Mainz und der künftigen Pächter. Für die Produktion benötigten die Pächter aber noch die Verleihung eines Privileges durch den Landesherrn, den Kurfürsten. Damit verbunden war unter anderem die Zollfreiheit für die Einfuhr der notwendigen Rohstoffe und die Ausfuhr der hergestellten Produkte, außerdem Einfuhrverbote für Konkurrenz-Erzeugnisse. Zeitweise waren in der Flörsheimer Fayence Fabrik 60 Arbeiter beschäftigt, für die damalige Zeit eine beachtliche Anzahl.

 

Mikwe (Hausnummer 55):

Wenn man die Hauptstraße entlang geht, kommt man an der Hausnummer 55 vorbei, einer Hofanlage mit drei Fachwerkwohnhäusern und überdachtem Hoftor.  Die beiden Wohngebäude an der Hauptstraße sind giebelständig mit Krüppelwalm, beide mit massiv erneuertem Erdgeschoß auf Bruchsteinsockel und einem Fachwerkobergeschoß. Das schlichte, konstruktive Rähmfachwerk der Nr. 53 gehört in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Rähmkonstruktion der Nr. 55 mit gebogenen Streben und profiliertem Kranzgesims in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das traufständige Haus Brunnengasse 2 mit Satteldach ist ein verputzter Rähmbau mit massivem Erdgeschoß, geringem Geschoßüberstand, 17./18. Jahrhundert.

Die Mikwe stammt in ihrer Anlage aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg, vielleicht aber auch erst aus dem 17./18. Jahrhundert. Sie war bis um 1838 (1837 bis 1839) in Betrieb. Dann wurde sie im Zusammenhang mit den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert eingeführten Vorschriften der Behörden über die Ritualbad-Anlagen aufgegeben, dann wurde eine neue in der nahen Synagoge erbaut.

Zusammen mit dem 1447 ersterwähnten jüdischen Friedhof und der 1718 erbauten Synagoge  ist die Mikwe Zeugnis für aktives jüdisches Leben in Flörsheim, das über Jahrhunderte dauerte, bis es in der Zeit des Nationalsozialismus zerstört wurde.

Die Anlage wurde 1983 anläßlich von Renovierungs- und Aufräumungsarbeiten wieder entdeckt und bis 1988 auf Grund einer privaten Initiative der Familie Reinelt restauriert. Zu dem 4,80 Meter tief liegenden Tauchbecken führt eine geradlinige steile Steintreppe mit 16 Stufen. Der Treppenhals hat mit schmiedeeiserne Ösen sowohl am Tonnengewölbe als auch an einem Fasen-Rücksprung des Gewölbeansatzes.

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde vergleiche den Menüpunkt „Juden, andere Orte“.

 

(31) Fachwerkhäuser:

Leute wie Bauern, Handwerker oder Fischer wohnten zumeist in Fachwerkhäusern, die bis­lang einige hundert Jahre überstanden haben. Diese Fachwerkhäuser wurden ohne Baukran und Betonmischmaschine gebaut. Der Maurer legte hier nur für Fundamente, Keller, Sockelaufbau und eventuell am Erdgeschoß Hand an. Der Rest war Sache des Zimmermanns und des Dachdeckers.

An der Größe des Hauses und an der Art des Fachwerks konnte man erkennen, ob der Erbauer wohlhabend war. Je größer das Haus, je schmuckvoller das Fachwerk umso mehr Geld war vorhanden. Ging man im 18. Jahrhundert durch die Straßen und Gassen, sah man bis auf wenige Ausnahmen nur Fachwerkhäuser, allerdings nicht mit farbig gestrichenen Balken und eingefaßten Gefachen.

Heute fallen die restaurierten Häuser durch ihre Farbenpracht jedem ins Auge. Leider gingen viele alte Häuser im Laufe der Zeiten durch Zerfall, mangelnde Unterhaltung oder durch Abbruch verloren. Man schätzte den Wert dieser Bauart eine Zeitlang nicht so sehr wie heute und errichtete lieber neue Häuser aus Stein, als die alten Holzkonstruktionen zu erhalten.

Aber dennoch haben etliche Einwohner unserer Stadt keine Kosten und vor allem keine Mühen gescheut. Sie haben viel Zeit und Kraft investiert und erhielten wahre Schmuckstücke, so wie auch das Haus in der Hauptstraße

 

Das Haus Hauptstraße  67 fällt durch vier nebeneinander liegende Fenster in beiden Geschossen auf, da die meisten übrigen Fachwerkhäuser in Flörsheim lediglich drei Fenster in jedem Stockwerk haben. Noch mehr Fachwerkhäuser, die vortrefflich restauriert sind: Nr. 57 und Nr. 53/55. In der Hausnummer 55 wohnt die Familie Reinelt. Sie machte einen ganz besonderen Fund in ihrer Hofanlage mit zwei Häusern. Beim Aushub des Kellers im rechten Haus fanden sie eine mit Schutt bedeckte Treppe, die zu einem jüdischen Ritualbad, einer Mikwe, führte. Ein weiterer Hinweis auf die jüdische Gemeinde in Flörsheim.

 

(32) La Fayence:

Für seine feine, gehobene Küche ist das „La Fayence“ mittlerweile bekannt. Aber der Gebäudekomplex mit Wintergarten ist auch ein gutes Beispiel für die Sanierung von Altbauten mit optisch angepaßten Neubauten. Im älteren Haus war über viele Jahrzehnte  eine Metzgerei.

Das Restaurant erhielt seinen Namen in Anlehnung an die Flörsheimer Fayence Fabrik, die sich ja in der Nachbarschaft befand.

 

(33) Altes Rathaus (Hauptstraße 41/43)::

Etwa hundert Meter weiter trifft man auf die größte noch erhaltene Flörsheimer Hofreite. Die ursprüngliche Bedeutung ist uns nicht bekannt, doch ist anzunehmen, daß es sich um den Wirtschaftshof eines Klosters gehandelt hat, erbaut etwa Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Anlage, die ursprünglich von der Haupt- bis zur Grabenstraße reichte (Stadtmauer und Graben), ging 1878 in den Besitz der Gemeinde über.

Das Hauptgebäude wurde erbaut im 17./18. Jahrhundert als stattlicher Gasthof, eine Fachwerkanlage mit Herrenhaus, Nebengebäude, Toranlage und tonnengewölbten Kellerräumen. An dem hohen Erdgeschoß und dem wuchtigen Fachwerk erkennt man, daß beim Bau dieses Hauses nicht gespart werden mußte

Links, also dort, wo heute das Heimatmuseum untergebracht ist, hatte der Verwalter des Wirtschaftshauses seine Wohnung. Von 1878 bis 1918 war hier das Flörsheimer Rathaus (Hauptstraße 43). Es fällt vor allem durch seine Dachform auf. Abweichend von anderen Häusern im Ort wurde hier kein Sattel- sondern ein Walmdach errichtet, auf dem zu früheren Zeiten noch ein Dachreiter saß. Der Keller des Hauses wurde 1988 zum „Flörsheimer Keller“ umgebaut, einem Kulturtreff mit Bühne für Kleinkunst. Das rechte Gebäude ist einfacher und diente als Gesindehaus des Wirtschaftshofes.

Zur Hofreite gehörte ursprünglich noch eine Scheune, die aber 1882 abgerissen wurde. Hier wurde zwei Jahre später die sogenannte „Grabenschule“ errichtet, heute Verwaltungsgebäude der Stadt Flörsheim am Main.

 

(34) Scharfes Eck:

Der Name weist auf den Standort des Hauses hin, nämlich direkt an der Ecke von Hauptstraße und Pfarrer-Münch-Straße. Es war das Frühmesser-Haus und wurde wie das Alte Rathaus und das Patrizier-Haus in der Obermainstraße in der Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut und zu Beginn der Altstadtsanierungsmaßnahmen umfassend restauriert. Genau wie das Alte Rathaus hat auch das Scharfe Eck ein Walmdach und hebt sich durch eine besondere Struktur im Fachwerk hervor, die aussieht, als würde ein Mann die Arme heben. Diese Gebälkform nennt man „Wilder Mann“.

 

(35) Marktplatz:

Heute ist der gepflasterte Platz um die St. Gallus-Kirche herum der Marktplatz. Hier findet jeden Freitag der Wochenmarkt statt, im Advent der Weihnachtsmarkt, der Frühlings- und Töpfermarkt breiten sich bis hierhin aus und auch das Sommerfest hat auf diesem Platz seinen schon fast traditionellen Standort. Im 18. Jahrhundert allerdings, als Flörsheim nur ein kleiner Marktflecken war, mit wenigen Straßen, von Mauern umgeben, wurde der Markt wahrscheinlich in der Hauptstraße abgehalten. Die zurückgesetzten Häuser gegenüber der Kirche lassen den Schluß zu, daß hier der Umschlagplatz für Waren aller Art gewesen sein kann.

 

(36) Synagogengasse:

Hier stand von 1718 bis 1938 die Flörsheimer Synagoge (das Gotteshaus der Juden). Die Synagoge mit gut erhaltenen Darstellungen von Psalmen (Ps 29) an der Giebelinnenwand gilt als die älteste im Nassauer Gebiet.

Die erste Erwähnung eines Juden in Flörsheim datiert aus dem Jahr 1290. Einen ersten urkundlichen Hinweis auf die jüdische Gemeinde in Flörsheim gibt es im Jahre 1448. Es wird in einem Eintrag des Flörsheimer Gerichtsbuches ein Judenfriedhof erwähnt. Den neuen jüdischen Friedhof gibt es seit dem Jahr 1666. Man findet ihn, wenn man auf der Straße nach Hochheim fährt und  im Stadtteil Keramag gegenüber der Falkenbergstraße nach Norden fährt (zweiter Weg nach dem Schild „Chamäleon“). Dieser Friedhof beweist, so komisch das auch klingen mag, ein aktives jüdisches Leben in Flörsheim, denn dort wo Menschen leben, begraben sie auch ihre Toten.

Einen Betsaal gab es bereits im 17. Jahrhundert. Er befand sich bis 1672 in einem jüdischen Privathaus. Im Jahre 1672 brannte dieses Haus jedoch ab. Vermutlich wurde in der Folgezeit ein anderer Betsaal in einem jüdischen Privathaus eingerichtet. Das Gemeindehaus aus dem 17. Jahrhundert ist noch vorhanden.

Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts bemühten sich die Flörsheimer Juden um den Bau einer Synagoge. Im Jahre 1710 konnte ein Grundstück erworben werden, auf dem in den folgenden Jahren eine Synagoge erstellt wurde. Sie ist am Sabbat Nachamu des Jahres 1718 (13. August 1718 = 16. Aw 5478) eingeweiht worden. Im Jahre 1852 brach in der Synagoge ein Brand aus, der jedoch gelöscht werden konnte. Freilich sind alte Urkunden, vor allem das Memor­buch der Gemeinde, dabei zerstört worden. 

Am Sabbat Nachamu des Jahres 1918 (20. Juli 1918 = 11. Aw 5678) wurde das 200jährige Bestehen der Synagoge in Anwesenheit des Bezirksrabbiners Dr. Adolf Kober aus Wiesbaden feierlich begangen. Im Jahre 1927 wurde die Synagoge umfassend renoviert und erneut eingeweiht.

Am Tage nach der Reichspogromnacht (10.11.1938) wurde sie jedoch derart stark beschädigt, daß sie kurze Zeit später abgerissen werden mußte. Von der ehemaligen Synagoge steht heute noch eine Außenmauer in der Synagogengasse.

Seit 1968 erinnert ein Gedenkstein an die Synagoge mit der Inschrift: „Hier stand von 1718-1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde Flörsheim am Main. Zur Erinnerung an den 250. Jahrestag der Errichtung und anläßlich der 30. Wiederkehr des Tages der Zerstörung dieses Gotteshauses wurde von der Bürgerschaft der Stadt am 9.11.1968 dieser Gedenkstein gesetzt.“ Damals wurden 52 jüdische Bürger vertrieben oder ermordet. Ihnen soll nun mit Namenstafeln an der ehemaligen Synagoge ein ständiges Mahnmal gesetzt werden, kündigte der Bürgermeister an. 

 

(37) Hauptstraße (östliche Hauptstraße):

Die Hauptstraße ist sozusagen die jüngste Straße, die innerhalb der bis 1767 existierenden Mauern bebaut wurde. Es gibt viele renovierte Fachwerkhäuser, die auf eher größere landwirtschaftliche Gehöfte schließen lassen, wobei in den Seitengassen die Häuser kleiner sind und einst von Handwerkern, Tagelöhnern und Kleinbauern bewohnt wurden. Die Namen der Seitengassen bezeichnen zum Teil handwerkliche Berufe. Und es war tatsächlich so, daß in der Schustergasse ein Schuster und in der Seilergasse ein Seiler gewohnt hat.

In der Hauptstraße, im Bereich zwischen Gallus-Kirche und Obermainstraße, finden wir in den Häusern Nr.11 und 12  und 2 schöne Beispiele von Fachwerkkunst. Das Haus Nr. 2 , das mit 1665 datiert ist, zählt somit zu den ältesten vorhandenen Wohnhäusern Flörsheims. Auf der gegenüberliegenden Seite, verdeckt durch eine große Toreinfahrt und Fabrikanbauten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, steht ebenfalls ein Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert. Eine Datierung über dem Kellergewölbe trägt die Zahl 1661. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts sind dessen Besitzer nachweisbar. Im Jahre 1740 wird der Frankfurter Herr von Uffenbach erwähnt. Von ihm kaufte es 1758 der kurmainzische Rat Freiherr von Gall. Im Jahre 1800 erwarb es dann der damalige Oberschultheiß Martin Neumann, der es 1825 seinem Schwiegersohn Oswald Weilbächer vermachte. In der Familie Weilbächer blieb das Anwesen bis 1896; dann ging es in den Besitz des Fabrikanten Noerdlinger über, der es mit den schon erwähnten Anbauten erweiterte.

 

(38) Alte Kirchschule:

Die 1764 erbaute Alte Kirchschule hatte Platz genug für zwei Klassenräume und eine Lehrerwohnung. Gegenwärtig wird sie als Trauraum, für Empfänge der Stadt und für Sitzungen des Magistrats genutzt. Nach dem Bau der (neuen) Kirchschule diente die Alte Kirchschule etwa 60 Jahre lang als Wohnhaus.

 

(39 ) Kirchschule:

Als Flörsheim wuchs und immer mehr Kinder in die Schule gingen, wurden die Grabenschule (1884) und die (neue) Kirchschule (1899) gebaut. Jeweils vier Klassen waren darin untergebracht. Im Jahre 1912 kam dann noch die Riedschule dazu. Alle drei waren Volksschulen, vergleichbar einer Mischung aus der heutigen Haupt- und Realschule, an der man aber schon nach acht Schuljahren einen Abschluß hatte. Mit dem Bau der Gesamtschule (Graf-Stauffenberg-Schule) 1968 wurde die Riedschule zur Grundschule, und die Graben- und Kirchschule wurden zu anderen Zwecken genutzt. Gegenwärtig befindet sich in den Räumen der Kirchschule die Finanzverwaltung der Stadt Flörsheim.

 

(40) Pfarrzentrum St. Gallus:

Das Pfarrgemeindezentrumwurde 1977 anstelle des früheren Pfarrhauses und Pfarrhofes gebaut und beherbergt unter anderem die Wohnung des Pfarrers, das Pfarrbüro und im großen Bau natürlich Gruppenräume, Kegelbahn und einen großen Saal für Veranstaltungen oder Vereine.

 

(41) St. Galluskirche:

Aus Urkunden aus dem 14. Jahrhundert geht hervor, daß die Flörsheimer Kirche und die umliegenden Gebäude festungsartig ausgebaut waren. Im Jahre 1332 gebietet Kaiser Ludwig der Bayer seinen Vasallen „... daz ir dann den Bischof von Trier (Balduin von Luxemburg) bitend, daz er das hus zu Vlersheim, daz er gebowen hat abbreche...“. Im Jahre 1336 wird er deutlicher: „... das ir mit gewalt für den vorgenannten Baw ze Flörsheim ziehent und den abbrechent und die graben ouch füllet und zu werfen heizzet und iuch des dheinerlei sache lazzent irren wan wir mit nichte wollen, das der baw, der da geschehen ist fürbas lenger beleib...“.

Der burgartige Ausbau in Flörsheim hatte dazu gedient, die Stadt Mainz von der Versorgung aus Frankfurt abzuschneiden und sie so gefügig zu machen. Der 1346 noch einmal unter Heinrich von Virneburg verstärkte Bau wurde erst in der Mainzer Stiftsfehde von 1462 zerstört. Zwei Kontrahenten kämpften dabei um den Mainzer Erzbischofsstuhl. Flörsheim, das auf seiten Diethers von Isenburg kämpfte, war von dessen Gegnern erobert worden: Die „Burg“ wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Eine Kirche ist an diesem Platz seit 1184 belegt, wobei vermutet wird, daß hier bereits Ende des 7.Jahrhunderts ein Gotteshaus stand. Über Kirchenbauakten rekonstruierbar ist ein Kirchenbau aus der Zeit 1664-1666, der im Jahre 1706 noch durch einen Kirchturm ergänzt worden ist. Diese kleine Kirche drohte aus den Nähten zu platzen, da die Einwohnerzahl Flörsheims ständig stieg. Also beschloß man, eine größere Kirche zu bauen.

Man baute das Langhaus der heutigen St. Gallus-Kirche um die alte Kirche herum, bis die Außenmauern bis unter das Dach fertig waren. Erst dann riß man die kleinere Kirche ab. Zwischen 1766 und 1780 kam es dann zum Bau der jetzigen Kirche, einem typischen Beispiel für ländliche spätbarocke Kirchenbaukunst im Mittelrheingebiet. Mit ihrem Bau wurde im Mai 1766 begonnen, wobei der Glockenturm 1706 schon fertiggestellt. Richtfest feierte man 1768. Endgültig fertiggestellt wurde das große Bauwerk nach dem Innenausbau erst im Jahr 1780, und am 9. Juli 1780 konnte die Kirche dann schließlich eingeweiht werden.

Für eine Gemeinde wie Flörsheim mit einer Einwohnerzahl von 1200 Menschen Ende des 18. Jahrhunderts übertrifft die St.-Gallus-Kirche in ihren Ausmaßen die übliche Größe einer Dorfkirche um einiges. Der große Bau im typischen Barock-Stil des Mittelrheins stellt eine imponierende Leistung dar.

Die St.-Gallus-Kirche ist ein Saalbau ohne Querschiff und ohne Kreuzgang. Sie wurde in Ost-West-Richtung erbaut, das bedeutet, der Hochaltar liegt im Osten, der Haupteingang im Turm im Westen. Sie hat feine Stuckdekoration und drei große Deckengemälde aus der Zeit ab 1769 und bedeutende Altäre.

Mit dem Blick auf den Hauptaltar sieht man links, also nach Norden hin, die Pieta und rechts, nach Süden hin, die Kanzel. Auch  in der Pfarrkirche gibt es natürlich wieder Hinweise auf die Pestzeit, zum Beispiel durch die Figuren der Pestheiligen Sebastian und Rochus und eine Szene aus der Pestzeit im unteren Teil des Hauptaltares.

Beeindruckend ist aber auch die im Jahre 1809 von der Kirchengemeinde erworbene Barockorgel. Sie stammt aus der Karmeliterkirche in Frankfurt und wurde 1709 von dem Mainzer Orgelbauer Dahm geschaffen. Diese Orgel umrahmt nicht nur musikalisch die Gottesdienste, sondern ist auch ein bedeutendes Instrument für die Gallus-Konzerte, die seit 1981 stattfinden.

Der Glockenturm weist eine Höhe von 45,5 Metern auf und seine Form ist nicht mehr ganz die ursprüngliche. Als die Kirche 1906 ein neues Geläut erhielt wurde es zu eng für fünf Glocken. Also hat man den Turm erweitert und mit Dachgauben ausgebaut. Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Mai 1942 die vier größten Glocken eingezogen und für die Waffenproduktion eingeschmolzen. Im Herbst des Jahres 1948 weihte man dann wieder vier neue Glocken ein und hängte sie im Turm auf. Zum 300. Jubiläum des Verlobten Tages 1966 wurde die größte Glocke, die Jubiläums-Glocke gegossen. Sie hat ein Gewicht von 2731 kg. Im Vergleich dazu die kleinste Glocke: Sie wiegt 250 Kilogramm.

Durch das südliche Portal, also in Richtung Main, gelangt man direkt auf den ehemaligen Kirchhof. Aber auch hier herrschte irgendwann einmal Platzmangel, und man verlegte den Friedhof 1817 außerhalb der Stadtmauern, dorthin wo heute der Rathenauplatz und der Kindergarten St. Michael sind. Einige Zeit später legte man den Alten Friedhof in der Jahnstraße und noch später den neuen Friedhof am Ende der Riedstraße/Philipp-Schneider-Straße an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Okriftel

Der frühere Name „Acruftele“ tauchte das erste Mal in der Schenkungsurkunde von 1103 auf. Aber auch wenn dies die Erstnennung Okriftels ist, siedelten die Menschen schon früher an dieser Stelle. Die Lage direkt am Main ist günstig. Als Transportweg, zum Handel und auch als Nahrungsquelle ist der Main ideal und macht diese Stelle besonders attraktiv. Dies beweisen zahlreiche jungsteinzeitliche Funde, die auf erste Ansiedlungen ab 4000 vCh weisen. Ebenso wurden ein römischer Bauernhof und ein Friedhof aus der Zeit der Merowinger gefunden. Das läßt auf eine dauerhafte Besiedlung schließen.

Von 1547 bis 1803 war Okriftel als einziges Dorf im Umland nicht unter der Herrschaft des Kurfürstentums Mainz, sondern gehörte zum Fürstentum Isenburg. Zusätzlich zu den unterschiedlichen Herrschaftshäusern kamen noch die unterschiedlichen Glaubensrichtungen hinzu: Das Kurfürstentum Mainz war katholisch geprägt und die Isenburger hingen im Gegensatz dazu dem evangelischen Glauben an. Kein Wunder, daß es immer wieder zu Streitigkeiten mit dem „Ausland“ kam. In einem Fall stritten sie sich um einen Bereich, etwa wo heute das Hattersheimer Kleingartengelände ist. Das Gelände sollte, so war es 1468 beschlossen worden, sowohl von den Okriftelern wie auch von den Hattersheimern genutzt werden. Nach 250 Jahren Streitereien wurde der Bereich dann 1713 geteilt und mit Grenzsteinen befestigt.

Die Städte Wiesbaden und vor allem Frankfurt zeigten im 20. Jahrhundert ein starkes Interesse an dem Gebiet. Um Integrationsplänen entgegenzuwirken, schlossen sich Hattersheim, Eddersheim und Okrif­tel 1972 zur Stadt Hattersheim zusammen. So entkamen sie der Eingliederung zu Frankfurt.

 

Die versilberte Eiche

Ein Denkmal wollten die Okrifteler ihrer großen Eiche setzen, als sie sie 1938 auf ihr Gemeindewappen einfügten - ohne natürlich zu ahnen, daß einige Jahrzehnte später wirklich nur noch das Wappen vom einst stolzen Baum kündet. Das Wahrzeichen Okriftels, das früher auf dem so genannten „Dallas“ (Dorfplatz) stand, ist nun nur noch versilbert auf dem Wappen zu bewundern. Im Jahre 1954 mußte sie gefällt werden - nach zahlreichen Bauten und Aufschüttung an der Straße war sie erstickt.

Legenden um das Alter und die Größe der Eiche gibt es viele. So versuchte der Gärtner und Feuerwehrmann Georg Stiehl das Alter des Baumes, nachdem er gefällt wurde, anhand seiner Jahresringe zu schätzen. Da der Stamm stark zersplittert war, mußte er sein Werk bei etwa 360 gezählten Jahresringen beenden.

Die Eiche am Rande des Dallas, unmittelbar dort, wo heute das Rathaus steht, war Knotenpunkt sowohl für die Bewohner wie auch für Besucher. Die Okrifteler trafen sich dort, um zu schwatzen oder einfach nur beieinander zu sitzen. Reisende kamen immer, egal welchen Weg sie wählten, an diesem Platz vorbei, da sich die Hauptstraßen nach Hattersheim und Sindlingen dort gabelten. Nun ist die Eiche nur noch versilbert auf schwarzem Grund auf dem Wappen zu sehen. Diese Farben sind aber nicht zufällig gewählt worden. Das Isenburger Wappen hatte ebenfalls diese Farben. Es war silbern mit zwei schwarzen Querstreifen.

 

 

Sagen, Vermutungen und Spekulationen zur Herkunft des Namens Okriftel

„Kriftheim“ oder „Okriftingen“ wären wohl zeitgemäßere Ortsname für dieses fränkisch geprägte Gebiet gewesen. Denn mit „heim“ oder „ingen“ enden viele der umliegenden Gemeinden und Städte. Die Herkunft des untypischen Namens „Okriftel“ ist nicht eindeutig geklärt, jedoch gibt es einige Ansätze und Vermutungen dazu. Das erste Indiz liefert der Schwarzbach, welcher durch Okriftel fließt. Verfolgt man seinen Verlauf, stößt man auf einige Namensvetter. Die Gemeinden „Kröftel“ und „Kriftel“ liegen ebenso an diesem Flüßchen. Es wird vermutet, daß früher der Schwarzbach „Kröftelbach“ genannt wurde. Die Namen Kröftel, Kriftel und Okriftel wurden dann gewählt, um zu verdeutlichen, daß alle am Kröftelbach liegen. Das sollte die Orientierung erleichtern. Ein weiterer Ansatz beruht auf dem Aspekt, daß Okriftel älter als die anderen Gemeinden ist und daher keinen fränkischen Namen bekommen hat. Okriftel könnte keltischer Herkunft sein.

Die Okriftler gaben sich mit diesem Erklärungswirrwarr allerdings nicht zufrieden und liefern ihre eigene Begründung. Die volkstümliche Sage wird wie folgt erzählt: Durch ein schweres Unwetter stieg der Schwarzbach an, überflutete Teile von Kriftel und riß ganze Häuser mit sich. Ein altes Mütterchen, das an der Stelle des heutigen Okriftels stand, sah die Häuser und rief entsetzt: „Oh, Kriftel“. Der Sage nach fischte sie die Häuser aus dem Schwarzbach und die Menschen siedelten sich daher an dieser Stelle an.

 

Okriftel als Lagerplatz von Sinti und Roma

In den frühen 50er Jahren kamen regelmäßig Sinti und Roma nach Okriftel. Sie saßen nachts am Feuer, sangen ihre Lieder und waren nach ein paar Tagen wieder verschwunden. Die Nazi-Diktatur war vorbei und Sinti- und Roma wagten es wieder, während ihrer Reisen auf Okrifteler Gemarkung Station zu machen. Wenn ihre Kinder für einige Tage in die Schule kamen, wollte niemand neben ihnen sitzen. Aber wirklich gestört habe die Anwesenheit der Familien niemanden. Sie waren ja auch irgendwie immer ein Attraktion.

Außerdem waren die Okrifteler längst an das Zusammenleben mit den Sinti und Roma gewöhnt. Schon seit dem 19. Jahrhunderts nutzten Zigeunerfamilien die Gemeinde am Main als Lagerplatz. Wo genau sie damals ihre Zelte aufschlugen, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Sicher ist aber, daß sich einige Zigeunerfamilien in Okriftel niederließen. Sie fanden Arbeit und integrierten sich in die örtliche Gemeinschaft. Die Familien Keck und Eskoles waren über mehrere Generationen im Ort vertreten.

Ein gewisser Josef Hack, der besser, unter dem Namen „Hareseppel“ bekannt war, trug schließ­lich maßgeblich dazu bei, daß die Zigeuner im Ort sogar einigermaßen populär wurden. Er tauchte irgendwann um die Jahrhundertwende in Okrif­tel auf, schloß sich der Familie Keck an und übernahm die Lebensgewohnheiten der Zigeuner. Als virtuoser Harfenspieler und Sänger war der „Hareseppel“ in der ganzen Region bekannt und beliebt. Das führte dazu, daß sich die Okrifteler mit ihm und der Lebensart der Zigeuner identifiziertem. Noch heute sind die älteren Bürger  geschmeichelt, wenn sie die „Zigeuner aus Okriftel“ genannt werden.

Der „Hareseppel“ wurde 70 Jahre alt und starb 1930 im Höchster Krankenhaus. Damit entging er einem Schicksal, das die übrigen Okrifteler Zigeunerfamilien ebenso wie die Juden während des zweiten Weltkriegs erleiden mußten. Ab 1942 wurden sie von den Nazis ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gebracht und dort umgebracht. Von den etwa 20 deportierten Sinti und Roma überlebte nur eine einzige Frau. Sie lebte nach ihrer Befreiung in Darmstadt. Seit dem ließen sich nie wieder Zigeuner in Okriftel nieder Die durchreisenden Familien blieben seit den 60er Jahren auch aus (Anmerkung: „Hare“ bedeutet „Zigeuner“).

 

Der Fortschritt kommt

Gepflasterte Wege, eine Kanalisation, das Rathaus und ein Volksbad brachte die Cellulose-Fabrik und deren langjähriger Inhaber Philipp Offenheimer der Stadt. Jedoch hatten 152 Menschen durch diese Fabrik im Nationalsozialismus eine schwere Zeit. Sie wurden wegen des Mangels an Arbeitskräften im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiter nach Okriftel gebracht. In einer großen historischen Ausstellung im alten Kino werden alle Seiten dargestellt.

Der Übergang von Landwirtschaft zur Industrie begann 1873, als die Fetthütte gegründet wurde. Die bedeutendere Rolle in der Geschichte Okriftels sollte allerdings erst die 1885 errichtete Cellulose-Fabrik spielen. Schon 1886 übernahm der Geschäftsmann Philipp Offenheimer die Fabrik und baute sie weiter aus. Offenheimer wurde zum großen Wohltäter der Stadt.

Viele der Okrifteler fanden Arbeit in der Fabrik und die Landwirtschaft wurde zunehmend in den Hintergrund gerückt. Durch Offenheimer kam der Fortschritt in die Stadt. In den Jahren 1929/30 erbaute er ein großes Rathaus für Okriftel und finanzierte auch das Volksbad mit. Ein Luxus, den bis dahin nur wenige Städte hatten. Ebenso verdanken ihm die Okrifteler die Kanalisation, die Straßenbeleuchtung und die Pflastersteine. Im Okrifteler Wäldchen ließ er hübsche Alleen einrichten und pflanzte exotische Bäume, die teilweise heute noch dort stehen.

Nach Philipp Offenheimers Tod 1930 kamen auf seine Nachfolger Sohn Ernst und Schwager Dr. Siegfried Bloch schwere Zeiten zu. Durch das nationalsozialistische Regime wurden die beiden Juden gezwungen, in die USA zu emigrieren. Die Firma mußten sie den Nationalsozialisten überlassen. Als der Krieg begann, mangelte es schnell an Arbeitskräften, da nach und nach alle Männer eingezogen wurden. Ersetzt wurden diese durch Zwangsarbeiter, die unter primitiven Verhältnissen in einem Lager lebten. Nur in Ausnahmefällen kam ein Kontakt zwischen den Zwangsarbeitern und den Okriftelern zustande. Sie begrüßten die Entwicklungen nicht, aber sie unternahmen auch nichts dagegen.

Doch zur 900-Jahr-Feier sollen diese Zeit und die damaligen Verhältnisse nicht übersehen werden. Alle 152 Zwangsarbeiter wurden durch eine Originalliste der Fabrik identifiziert und zu einem Treffen im November eingeladen. Organisator dieses Treffens, ist der Förderverein der Heinrich-Böll-Schule. Es haben nicht alle zugesagt und der Teil, der sich entschlossen hat zu kommen, hat sehr gemischte Gefühle, wieder nach Okriftel zurückzukehren.

Die Cellulose-Fabrik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an Ernst Offenheimer übertragen. Dieser hatte einen Rückerstattungsantrag gestellt. Schnell verkaufte er die Fabrik aber dann an die Phrix AG. Diese hatte große Pläne mit der Fabrik und erweiterte sie 1951/52 enorm. Rund 90 Prozent der Okrifteler haben zu dieser Zeit in der Fabrik gearbeitet und es gab auch viele von außerhalb, die hierher gependelt sind. Doch Phrix geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten und mußte die Fabrik 1967 an die BASF verkaufen. Der Konkurrent BASF nutzte die Gunst der Stunde und kaufte die Cellulose-Fabrik auf - um sie 1970 zu schlie­ßen. Ein Konkurrent weniger, so lapidar wurde über das Schicksal der Traditionsfabrik und ihrer Arbeiter geurteilt.

 

Das Glas zum Jubiläum

Jedes Glas Apfelwein erinnert mit dem Jubiläumsbecher an die 900-Jahr-Feier im Jahre 2003.

Die Stadtverwaltung Hattersheim bietet dieses besondere Glas, ideal für Apfelwein, mit dem Okrifteler Wappen und dem Schriftzug „900 Jahre Okriftel“ für alle Liebhaber an. Zwei Euro kostet das Apfelweinglas und es kann an einigen Verkaufsstellen erworben werden: In Okriftel gibt ihn in der Verwaltungsstelle, bei Getränke Eisenhauer und im Papierladen Rummel. In Hattersheim kann man es in der Drogerie Becker und im Stadtpunkt erwerben. Die Verwaltungsstelle Eddersheim und Lebensmittel Reuter bieten in Eddersheim das Jubiläumsglas zum Verkauf an.

 

Mechtildshausen

Die Staatsdomäne Mechtildshausen bei Wiesbaden-Erbenheim gehört zu den historischen Stätten Hessens. Ihr Ursprung reicht bis in die Karolingerzeit zurück als Versorgungsgut und Gerichtsstätte in einem Reichssondergau, der unmittelbar dem Kaiser unterstand. Als Hochgericht wurden hier Todesurteile gefällt und an Ort und Stelle vollstreckt. Sondergaue dienten der Machtausübung und Kontrolle des Reiches gleichermaßen. Der im Rhein-Main-Gebiet erstreckte sich von der Mainmündung entlang dem Rhein bis Walluf und nördlich entlang dem Limes. Nicht nur den römischen Grenzwall machten sich die Franken zunutze, auch die von den Römern schnurgerade angelegte „Steinerne Straße“ zwischen Wiesbaden/Mainz und den Kastellen Friedberg, Echzell, die später als bedeutender Handelsweg den Westen mit dem Osten bis Sachsen verband und Wallfahrtsstraße zum Grab der heiligen Elisabeth wurde.

Mechtildshausen verlor als Gerichtsstätte an Bedeutung, nachdem um 1200 die Eppsteiner als Lehnsherren auftraten und damit eine wechselvolle Geschichte begann. Der Hof gehörte schließlich über Jahrhunderte zu Hessen-Darmstadt und ging nach der Gründung Hessens in den Besitz des Landes über. Heute ist die Domäne ein beispielhafter „Biolandbetrieb“, in dem jeder Besucher willkommen ist.

Durch den Torbogen betritt man den riesigen Innenhof, um den sich im Geviert Häusergruppen, Stallungen, Pferdeboxen und Reithalle angeordnet sind. Die Domäne umfaßt heute eine Nutzfläche von 320 Hektar, davon 185 am Ort, der Rest außerhalb liegt als Weiden im Taunus und am Rhein. Durch die Wiesbadener Jugendwerkstatt GmbH als Pächter vom Land Hessen wurde die Umstellung der Produktionsweise nach organisch-biologischen Grundsätzen 1987 begonnen.

Das beinhaltet unter anderem den Verzicht auf mineralische Dünger und auf Giftstoffe in der Schädlingsbekämpfung. Neben dem Ackerbau werden Feldgemüse gezogen. Feingemüse gibt es in Gewächshäusern, Obst in Plantagen. Eine vielfältige Tierhaltung ist wichtiger Bestandteil des Betriebes. Pferde und Reitsport spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Alle Lebensmittel werden auf der Domäne verarbeitet und in Schlachterei, Käserei und Bäckerei und vermarktet, entweder direkt auf dem Hof oder draußen im Naturkosthandel. Darüber hinaus wird auf der Domäne ein Gästehaus mit vorzüglichem Restaurant für den verwöhnten Gaumen geführt. All Türen der Anlage stehen dem Besucher zur Besichtigung offen. Allein die Geflügelhaltung mit „Wanderhäusern“ in Wiesen, dazwischen weiße Pfauen, gleicht einem Blick in Tierparadies.

 

Hochheim

Seit mehr als 500 Jahren feiert Hochheim im November seinen „Markt” mit Volksfestcharakter. Es spricht für ein intaktes Gemeinwesen, daß dieser auf ein kaiserliches Privileg von 1484 zurückgehende Viehmarkt die Jahrhunderte ohne Unterbrechung überdauert hat.

Im Jahre 1825 wurde von der nassauischen Landesregierung zwischen Hochheim am Main (Großherzogtum Hessen) und Mainz-Kostheim (Herzogtum Nassau)  an der Bundesstraße 40 eine Grenzsäule aus nassauischem Marmor aufgestellt. Nachdem das Herzogtum Nassau 1866 von Preußen annektiert worden war, brachte man die königlich-preußischen Embleme an der Säule an.

Der Altstadtkern präsentiert sich noch in einer Ursprünglichkeit, die erahnen läßt, was andernorts verloren gegangen ist - die Gassen auf Kutschenbreite ausgelegt, jedes Haus eine kleine Welt für sich. Viele der überwiegend aus dem 18. Jahrhundert stammenden Höfe haben noch die gleiche Funktion: Hinter den Rundbogenportalen wird Wein ausgebaut, heute oft in Verbindung mit einem Gasthof oder einer Straußwirtschaft. Bei einem Bummel durch das Altstadtgewinkel vermeint man den jungen Wein im Herbst förmlich zu riechen. Es gibt viele alte Weingutshöfe und viele Fachwerkhäuser (17./18. Jahrhundert).

Der Zutritt zur historischen Altstadt erfolgt durch das Maintor. Die Kirchstraße mündet am „Plan“. Die Ortsbefestigung ist von 1548, ein Torbau an der Kirche ist mit einem Fachwerkhaus überbaut. Das Fachwerk-Rathaus ist von 1698.

Historisch und konfessionell war die „Stadt auf der Höhe” über Jahrhunderte auf das gegenüberliegende Mainz ausgerichtet. Die schöne Rokoko-Madonna, die seit 1770 auf der Mariensäule auf dem Marktplatz „Am Plan“ steht, und vor allem das Wahrzeichen Hochheims, die gleichsam über den Weinbergen schwebende Barockkirche St. Peter und Paul, verweisen auf die enge Bindung. Und deshalb, sagt man hier, streckten sich die Reben nach Südwesten den Mainzer Domtürmen entgegen.

Stolz ragt die Kirche Peter und Paul aus den Weinbergen. Sie ist das Wahrzeichen der Wein- und Sektstadt Hochheim und Ausgangspunkt der Bonifatius-Route auf hessischem Gebiet.

Sie ist die einzige Barockkirche in Hessen mit Fresken. Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul steht im ehemaligen Wehrfriedhof über dem Main. Die 1731 geweihte Kirche beeindruckt durch ihre leuchtenden Deckengemälde des Malers Johann Baptist Enderle. Die seit 1996 freigelegten und zum Teil bereits mustergültig restaurierten Fresken gelten als Kostbarkeiten der Rokokomalerei in Hessen, die nur nach einem besonderen Verfahren gerettet werden konnten. Die Kirche ist die einzige Freskokirche Hessens von Johann  Baptist Enderle aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Die Kirche hat einen bedeutenden Hochaltar und Kanzel.

Links neben der Kirche liegt das Schlößchen, ehemals Witwensitz der Hessen-Nassauischen Herzöge, samt Staatsweingut des Landes Hessen. 200 Meter weiter in der Aichgasse trennt ein rostiges Gittertor mit dem Frankfurter Adler im Wappen von städtischem Grund - oder besser: vom städtischem Weinberg. Gegenüber versperrt ein mächtiges, grünes Holztor den Zugang in das ehemalige Nonnenkloster. Gebäude und Land des Karmeliter-Ordens waren 1803 im Zuge der Säkularisierung der Stadt Frankfurt zugefallen.

 

Weingut der Stadt Frankfurt:

Mit gut 200 Hektar ist Hochheim die größte Weinbau treibende Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet, prominentester Besitzer ist die Stadt Frankfurt, der davon ein (jetzt verpachtetes) Zehntel gehört.

Seit neun Jahren nun führt Familie Rupp aus Alzey das Weingut der Stadt Frankfurt. Auf 30 Jahre wurde der Pachtvertrag geschlossen. Zumindest für diese Zeit bewirtschaftet Winzermeister Armin Rupp mit Sohn Jürgen die etwa 20 Parzellen, die sich von Flörsheim bis Kostheim entlang dem Main erstrecken. Und nicht zu vergessen auch die 1,3 Hektar Land auf dem Frankfurter Lohrberg - dem einzigen Weinberg auf Frankfurter Gemarkung. Immerhin, „Null auf Null“ komme der Familienbetrieb inzwischen aus dem Wirtschaftsjahr. Schrieb doch das Gut vor der Verpachtung noch einen Verlust von rund einer Million Mark im Jahr. Damals arbeiteten zwölf städtische Beamte, Angestellte und Arbeiter auf dem Gut. Heute schaffen drei Leute die Knochenarbeit zwischen Rebstöcken und Weinfässern.

Die Presse angesetzt haben die Rupps zuerst mal bei den Kosten. Weniger Personal, weniger Energie, Investitionen nur für das Nötigste. Denn seit die Stadt Frankfurt das Weingut im Jahr 1803 übernommen hatte, war der Betrieb wenig rentabel. So wenig warf das, Weingut mit seinen 25 Hektar fruchtbarem Land für die Stadtkasse ab, daß die Magistratsleute immer wieder erwogen, die Weinberge einfach zu verkaufen. Da sich aber kein Käufer fand, führten die Frankfurter den Betrieb weiter. 191 Jahre lang, bis 1994.

Schön liegt sie, die Hauptdomäne des Weinguts der Stadt Frankfurt - im Main-Taunus-Städtchen Hochheim. Wer mit der Bahn von Frankfurt kommt, dessen Blick fällt zuerst auf die katholische Kirche St. Peter und Paul. Hell strahlt der weiße Barockbau aus dem Jahr 1730 in der warmen Oktobersonne auf dem Südhang. Die Bahnhofstraße fährt leicht nach oben steigend zur Altstadt. Links und rechts neben der Straße liegen Weingärten. Die Turmuhr schlägt Viertel nach zehn. Ein Mann mit blauem Kanister auf dem Rücken erntet Trauben, drei Autos mit polnischem Kennzeichen parken am Bürgersteig.

Bereits seit 1200 Jahren wird in Hochheim Weinbau betrieben, schreiben Stadthistoriker. An den sonnigen Kalkhängen des rechten Mainufers bauten schon die Römer Reben an, später pflegten Geistliche die edlen Pflanzen. Hochheimer Weine genießen Weltruf, nicht zuletzt die englischen Königin Victoria pflegte eine Vorliebe für Hochheimer Tropfen. Mit mehr als 200 Hektar bewirtschaftetem Land gehört Hochheim heute zu den großen Weinproduzenten im Rheingau. Rund 100 Winzer leben in der Gemeinde mit 16.000 Einwohnern ganz oder teilweise vom Ertrag des Weinbaus.

Die Rupps leben von zwei Weingütern, neben dem in Hochheim bewirtschaftet die Familie parallel einen Betrieb in Framersheim. Den Laden dort schmeißt der Großvater, 74 Jahre ist der alt, erzählt Jürgen Rupp. Enkel Jürgen ist erst 30, eine Ausbildung zum Winzer und Wirtschafter hat er gemacht. Seit zehn Generationen ist die Familie dem Wein verbunden. „Es war unser Wunsch, das städtische Gut so zu führen, als sei es unser eigener Betrieb“, sagt Jürgen Rupp. Die Familie habe den Maschinenpark von der Stadt gekauft und halte den Betrieb auf eigene Kosten instand.

Ein Großteil der Weinberge werde maschinell bewirtschaftet, erzählt Jürgen Rupp, nur auf dem Lohrberg werde wegen des steilen Hangs noch mit der Hand geerntet. Insgesamt 180.000 Liter Wein erntet die Familie im Jahr auf den 25 Hektar des Weinguts der Stadt. 70.000 Flaschen füllen die Rupps mit dem edlen Saft für den Selbstverkauf im Frankfurter Römer ab. Den Rest nehmen der Großhandel, Kellereien und Sektindustrie ab. „Es ist unser Vorteil, daß wir den besten Wein für uns behalten können“, sagt Rupp. Mehr als 400.000 Euro erwirtschaftet das städtische Weingut jährlich mit Weißem und Rotem - aber keine roten Zahlen mehr.  Den eigenen Wein mit Adler und Römer auf dem Flaschenetikett verkauft das Weingut der Stadt privaten Weinliebhabern und Gaststätten. Aber auch die Stadtpolitiker kommen nicht zu kurz. 25.000 Flaschen liegen in zwei Gewölbekellern unter dem Römer. Wein, der auch bei offiziellen Empfängen der Stadt ausgeschenkt wird. Mit grünen Gummistiefeln an den Beinen steigt Jürgen Rupp die enge, steile Wendentreppe hinunter in den Keller. Süßlich riecht es dort, in den Fässern gärt der Jungwein. Presse und Rührwerk rumpeln und rattern um die Wette. Ein aufwendig geschnitztes Riesenfaß - „gefügt am Tag der deutschen Einheit 1990“ - liegt schwer neben kleineren Holzfässern.

Im Raum nebenan hat die Moderne das Winzerhandwerk fest im Griff. 15 silberne Edelstahltanks mit Temperaturfühler stehen dort hoch in Reih’ und Glied. „Man muß die Waage halten zwischen Tradition und Technik“, sagt Jürgen Rupp und grinst ein wenig stolz. Dann beugt er sich über den Laptop in der Ecke des Raumes und aktiviert den „Gär-Manager“.

Mit einem Klick zeigt das Computerprogramm dem Winzer die aktuelle Temperatur des Dornfelders in Tank 4. Wo früher Handarbeit und Gefühl gefragt war, regelt heute der „Gär-Manager“ den gesamten Prozeß. „Der ist schneller und präziser“, sagt Jürgen Rupp, „es kann weniger schief gehen“.

Eines kann der „Gär-Manager“ Jürgen Rupp aber nicht abnehmen: das Verkosten des Weines. Der junge Winzer nimmt ein Glas und öffnet einen kleinen Hahn an einem der Fässer. Weiß-trüber Saft fließt heraus. Jürgen Rupp schwenkt das Glas ein wenig, dann nimmt er einen Schluck. Über Zunge durch Kehle und Magen ins Gehirn, wo der Winzer das Urteil fällt. Die Note für den Wein schreibt er auf ein kleines Kärtchen. Und weil er diesen Test mehrmals am Tag machen muß, betont er: „ach der Arbeit fahren wir nicht mehr mit dem Auto.“

Eigene Weinberge besitzen zwar auch andere Großstädte, das Gut der Stadt Frankfurt aber gilt als eines der größten und ältesten. Bis zum Jahr 1802 war das Weingut im Eigentum des Karmeliterordens, der in Hochheim ein Nonnenkloster unterhielt. Mit der so genannten Verweltlichung und dem damit verbundenen Einzug geistlichen Besitzes, fielen Land und Gebäude des Guts vor Jahren der Stadt Frankfurt zu. Auf einer Fläche von 25 Hektar reifen auf zehn Lagen 50 verschiedene Weinsorten. „Domdechaney“, „Hölle“, „Stielweg“ und „Kirchenstück“ heißen die bekannten Riesling-Lagen des früher als Amt geführten städtischen Gutes. Seit 1994 bewirtschaftet die Winzerfamilie Rupp das Weingut der Stadt Frankfurt. Insgesamt 180.000 Liter Wein jährlich ergeben die in den städtischen Weingärten geernteten Trauben. Einen Teil dieser Ernte kaufen Großhandel, Kellereien und die Sektindustrie auf. 70.000 Flaschen im Jahr aber füllt die Winzerfamilie Rupp für das Frankfurter Weingut ab. Die Verkaufsstelle für den edlen Tropfen ist nur im Römer. In der Limpurgergasse 2 kann man montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr Wein kaufen. Informationen und Bestellung unter der Telefonnummer 069 / 21 23 36 80.

 

In Hochheim am Main befindet sich auch die kleine aber feine Staatsdomäne Hochheim (Hessische Staatsweingüter). Während ihrer fast 800-jährigen Geschichte ging die Domäne 1273 in den Besitz des Mainzer Domkapitels über. Aus jener Ära stammen die Weingärten „Dom­dechaney“: Sie bezeichnen die bekannteste Hochheimer Lage und die zugleich größte zu­sam­menhängende Rebfläche des 17 Hektar großen Staatsweingutes. Auf den tonreichen Mergelböden der Lagen Domdechaney und Kirchenstück wachsen stoffige, körperreiche Weine von bester Qualität.

 

 

Rund um die Mainmündung

Vom Bahnhof Mainz-Bischofsheim (wie er irreführend heißt, obwohl die 11.000-Einwohner-Kommune seit Kriegsende zum hessischen Kreis Groß-Gerau gehört) treten wir 3,5 Kilometer die Pedale stadteinwärts, links Richtung Ginsheim zum Altrheinufer mit kleinem Yacht-Hafen. Dort beginnt der landschaftlich reizvolle Teil der Strecke durch Wald, Auen, Landschafts- und Naturschutzgebiet, immer auf dem Damm lang.

Wo der Weg, der auch als überregionaler R 6 (Mannheim-Bad Arolsen) gekennzeichnet ist, bei Kilometer acht unserer Tour eine Zickzack-Kurve macht, bietet sich als lokal verfeinerte Kostprobe geradeaus ein Abstecher nach Astheim an. Der Ort feierte bereits sein 1150-jähriges Bestehen.

Wir biegen hinterm Sportplatz rechts ab ins freie Feld, wo links zwei Störche ihren Horst haben. Weiter geht es bis zum Riedweg (Kilometer 10,7), wo Auswahl besteht. Links läßt sich ein Abstecher nach Trebur machen (und von dort den Weg zurück). Am Ortseingang lockt eine Eisdiele. Trebur, das zur Deutschen Fachwerkstraße gehört, bietet keine schmucke Flaniermeile, aber das einzigartige Kunstwerk „Luther mit Schwan“ in der Laurentiuskirche. Und von Trebur begann Heinrich IV anno 1076 seinen berühmten Gang nach Canossa, um sich mit dem Papst zu vergleichen.

So viel zur Kultur. Wer darauf keinen Wert legt (so wie wir an diesem Tag), kann am Riedweg auch direkt rechts Richtung Steindamm fahren und befindet sich wieder auf dem R 6. Am Dammloch zwischen Rhein und Altrhein paddeln Wildwasserkanuten gegen die reißende Strömung. Velozipedisten passieren pausenlos den Biergarten, erfahren die Halbinsel Nonnenaue bis sich linker Hand ein Umweg über das im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Hofgut Langenaue lohnt. Das wird von Familie Kreuzer bewirtet und lädt schon der Aussicht auf den Rhein wegen zum Verweilen.

Weiter führt der holprige Pfad, nichts für Beton-Gewohnte, zur Fähre Johanna, die Nonnenaue und Ginsheim verbindet.

Von Ginsheim geht es nun gen Gustavsburg, dem R 6-Schild nach. Man kommt durchs vergleichsweise architektonischschmucke Industriegebiet, an der denkmalgeschützten MAN-Fassade vorbei, hinter der nun ein Technologie-Innovations- und GründerInnen- Zentrum. residiert.

Hinterm Bahnübergang links kommen wir alsbald Richtung Mainz zur Eisenbahnbrücke, die auch Radelnden eine schmale Gasse bietet. Bei Gegenverkehr ist Absteigen vom Rad ratsam. Die Betonbohlen der Brücke geben beim Überfahren Töne wie ein Xylophon von sich, die sich mit dem Donnern des vorbeibrausenden Zuges mischen. Die abenteuerliche, 900 Meter lange Überquerung von Deutschlands längstem Fluß gewährt optimalen Einblick in die Mündung des 524 Kilometer langen Mains in den größeren Rhein. Anders als das Deutsche Eck ist die Mainspitze touristisch null erschlossen, aber durch Wiesen zu Fuß erreichbar.

Auf der rheinland-pfälzischen Seite der Brücke fahren wir rechts runter, die Promenade entlang, wo man am Gutenberg-Pavillon und der Ausstellung „Gegenwart und Medien“ nicht vorbei kommt, ebenso an der ab 17 Uhr geöffneten Spielbank. Wer Zeit und Lust besitzt, braucht nur wenige Meter zum Dom und zur Altstadt der Landeshauptstadt. Wir aber lassen uns nicht aufhalten, fahren auf die 1885 erbaute Theodor-Heuss-Brücke und an derem Ende scharf rechts runter, sind nun in Kastel, das zur Landeshauptstadt Wiesbaden gehört, und somit wieder auf hessischem Terrain.

Auf dem R 3 (Rüdesheim / Tann in der Rhön) wird - über einen Eisensteg und am Büro der Hessischen Wasserschutzpolizei vorbei - rheinaufwärts geradelt. Bei Kilometer 31 nähern wir von der anderen Seite der Rhein- Main-Mündung. Von da an geht es den Main entlang, bis sich die Weinberge von Hochheim im Main-Taunus-Kreis zeigen. Ein Holzschild weist unvermittelt rechts auf einen Trampelpfad zur Staustufe Kostheim. 39 Treppenstufen ist das Rad zu schultern, um empor zu steigen. Auf der Schleuse, die es seit dem Jahr 1886 gibt, läßt sich beobachten, wie Schiffen das Gefälle seicht gemacht wird.

Von der Schleuse wieder runter geht es mit dem Rad links übern Damm nach Bischofsheim. An der Auffahrt zum Bahnhof findet sich auf der Wiese ein Biergarten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Südseite

 

Walldorf

 

Neu-Isenburg-Zeppelinheim

Auf der Hinfahrt besucht man Zeppelinheim. Über die Autobahnabfahrt Frankfurt-Süd kommt man auf der B 44 nach Zeppelinheim. Nach der Abfahrt muß man gleich wieder nach rechts abbiegen (die Straße geradeaus führt zur Autobahnauffahrt an der A 5). Die Hauptstraße besteht aus einer breiten Allee, nach rechts geht es zum Zeppelinmuseum. Durch den Forsthausweg und die Kapitän-Lehmann-Straße sind es nur wenige Schritte hinübe zum Zeppelinmuseum in einem Nebenbau des Bürgerhauses. Das halbrunde, bis zum Boden reichende Dach und die Außenfassaden sind dem Rumpf eines Luftschiffs nachgebildet, die Stahlrohr- Fachwerkbinder im Inneren dem Tragewerk aus Leichtmetallringen und Längsträgern.

Im überaus kenntnisreich gestalteten Zeppelinmuseum hält man die Erinnerung an die „Könige der Lüfte“ wach. Die spektakuläre Geschichte der Starrluftschiffe ist untrennbar verbunden mit dem Lebenswerk des Grafen Ferdinand von Zeppelin, dem es erstmals im Juli 1900 gelungen war, sein Konstruktionsprinzip „lenkbarer Ballons“ erfolgreich zu testen. Auch nach seinem Tod 1917 ging die Entwicklung stürmisch weiter, gipfelte in Arktisfahrten, Weltumrundung und transatlantischem Liniendienst.

Man erhält eine Vorstellung von den Ausmaßen und der Bauweise der Luftschiffe. Die Ausstattungsgegenstände von Passagier- und Besatzungsräumen geben eine Ahnung von dem bis dahin allenfalls in der ersten Klasse der Ozeandampfer erreichten Reisekomfort. Die erhöhte Tragfähigkeit erlaubte es bei „LZ 129“ statt der Gondel den Innenraum als Fahrgastbereich zu nutzen. Der gewonnene Platz kam der Geräumigkeit der mit fließend kalt und warm Wasser ausgestatteten Zweibettkabinen zugute. Man tafelte im Speisesaal von edlem Porzellan, lauschte dem Pianisten am Leichtmetallklavier oder promenierte entlang der Aussichtsdecks. ja, man leistete sich die Herausforderung eines hermetisch abgeschlossenen Rauchersalons.

Im Jahre 1938 hatte man die „Deutsche Zeppelin-Reederei“ von Friedrichshafen in das meteorologisch und verkehrstechnisch begünstigte Frankfurt verlegt. Für die Bediensteten der Luftfahrtgesellschaft wurde eigens eine selbständige (heute zu Neu-Isenburg gehörende) Gemeinde gegründet: Sie konnte nur „Zeppelinheim“ heißen und die Straßen nach verdienten Luftschiffkapitänen benannt werden. Ehemalige Besatzungsmitglieder waren es auch, die hier ein sehenswertes Museum schufen. Anhand von frei schwebenden Modellen unter der Decke und zahllosen Originalexponaten vom Steuerrad bis zum verschmorten Wecker aus dem Wrack der „Hindenburg“ werden noch einmal Triumph und Tragik eines Sonderwegs der Luftfahrt lebendig.

Vermutlich wäre aber auch ohne die Katastrophe von Lakehurst 1937, bei der der 245 Meter lange „LZ 129 Hindenburg“ explodierte, die Ära der Zeppeline zu Ende gegangen. Im Vergleich zum Flugzeug waren sie zu langsam, zu teuer, zu witterungsabhängig. Endgültig besiegelt wurde das Ende der ersten Luftschiffära im Jahre 1940 mit dem Abwracken des letzten Himmelsgiganten und dem Abriß der zugehörigen Hallen auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen.

Ganz aktuell hängt übrigens auch schon ein Modell des „NT“ im Museum. In der Formgebung unterscheidet sich das nach neuester Technologie gebaute Luftgefährt kaum von seinen Ahnen. Den luxuriösen Reisekomfort vergangener Tage - Kabinett, Speisesaal, Raucherzimmer oder Promenadenumgang - wird es freilich nicht bieten. Das Museum wird von Nachkommen der 1938 in Zeppelinheim angesiedelten Bediensteten der „Deutschen Zeppelin-Reederei“ ehrenamtlich geleitet. Durch ihre Schilderungen gewinnen die Modelle und Exponate zusätzliche Authentizität (die in Frankfurt I und II beschriebenen Wandertouren im Gebiet von Zeppelinheim lohnen nicht).

 

Walldorf

Auf der B 44 fährt man dann weiter bis in Höhe des Walldorfer Badesees. Dort biegt man rechts ab in die Aschaffenburger Straße. Nach Überqueren der Bahnlinie biegt man nach links ab in die Farmstraße. In der Platanenstraße geht es nach rechts und dann wieder links in die Flughafenstraße. Man kommt am Rathaus und dem Friedhof vorbei. Am Ende der Flughafenstraße biegt man rechts ab in die Langstraße zur Kirche.

Walldorf entstand auf dem Boden des Hofes Gundheim, der zwischen dem Gundhof und Mörfelden lag. Landgraf Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt (1678-1739) siedelte hier im Jahre 1699 waldensische Glaubensflüchtlinge aus den Savoyer Alpen an. Daraus entwickelte sich gegen allerlei Widerstände das heutige Walldorf. Der Name Walldorf spielt nicht auf die Waldenser selbst an, es war einfach das „Dorf im Wald“.

Mit der „Declaration“, einem Vertragswerk zur freien Religionsausübung in deutscher und französischer Sprache, Steuerbefreiung und anderen Privilegien, schloß er sich den Fürstenhäusern an, in deren Gebieten hugenottische oder waldensische Glaubensflüchtlinge Zuflucht fanden. Es waren vor allem mittellose Bergbauern und einige Handwerker, denen der Landgraf Chance bot, auf einer Rodungsinsel im dichten Forst Dreieich zu siedeln.

Eine einfache Skizze des Waldenser Pfarrers Jaques Papon von 1702 gibt die Siedlungsanfänge wieder. Danach standen sich in der Langstraße je sieben Fachwerkhäuser geradlinig gegenüber mit rechtwinklig angesetzten Querstraßen. Die Dorfmitte bildeten eine Kirche und das Pfarrhaus. An diese Anfänge erinnern das Gotteshaus, der Waldenserhof und links eine restaurierte Fachwerkhofreite von 1717, in der das Heimat- und Waldensermuseum seine stilvolle Bleibe hat.

Die Bewohner des südlich gelegenen Mörfelden wachten wie auch der mainzische Weiler Gundhof eifersüchtig darüber, daß sich die Siedler in Walldorf auf ihre zugewiesenen Parzellen beschränkten. Ein Jahrhundert benötigten die Waldenser, bis sie von Nachbarn akzeptiert worden waren.

Geradeaus geht es weiter bis auf die Hauptdurchgangsstraße. Über Okrifteler Straße und Nordring kommt man wieder in die Aschaffenburger Straße. An der Farmstraße biegt man nunmehr links ab in die Farmstraße, an deren Ende man rechts in der Nordendstraße im Industriegebiet parkt.

Mit dem Fahrrad geht es weiter. Zunächst geht es wieder zurück durch die Farmstraße und die Aschaffenburger Straße und über die Bundesstraße 44 (einen Weg weiter nördlich gibt es wegen der Eisenbahnlinie nicht, es sei denn, man überquerte ungesichert sie Schienen). Doch jetzt geht es geradeaus in den Wald. Wo links eine Industrieanlage liegt, biegt der Weg etwas nach rechts und führt zu einer Antennenanlage der Amerikaner. Am Tor biegt man rechts ab in den Waldweg und kommt zum Bürgermeisterstein auf der rechten Seite. Er e5rinnert an den Bürgermeister Peter Jourdan, der am 18. August 1876 „durch ........... erschossen wurde“. Wahrscheinlich stand hier „durch Mörderhand“, aber die Schrift ist herausgemeißelt.

Am nächsten größeren Weg bei der Schutzhütte geht es nach links und dann wieder nach rechts auf den R 8. Er führt über die Autobahn zum Stadtteil „An den Eichen“. Schon an der Schutzhütte biegt man links ab (Straße „An den Eichen“) und kommt zum Forsthaus Mörfelden. Dort geht es nach rechts auf einem Naturlehrpfad und

um den Oberwaldsee und den Schnepfensee, von denen aber kaum etwas zu sehen ist. Die Mülldeponie dagegen ist nicht zu übersehen, auch wenn sie begrünt wird. Am Anglersee links vorbei kommt man zum Hotel „Express“ an der Bundesstraße B 486, die überquert wird. Links liegt das Naturfreundehaus, rechts der Campingplatz Mörfelden. Immer geradeaus kommt man am ehemaligen Forsthof Mörfelden vorbei zum Bombruchsee. Der Weg südlich des Sees ist sehr schmal und holprig und von Abbrüchen bedroht, führt aber an einer schönen Wiese vorbei. Einfacher ist wahrscheinlich der Weg nördlich des Sees, aber noch imWald. Auf jeden Fall kommt man auf der anderen Seite des Sees zu einer Schutzhütte, an der es nach Süden weiter geht über den Bach. Dahinter geht es erst rechts und dann links weiter und auf dem nächsten breiten Weg wieder rechts. Das ist die Dachsbergschneise, die südlich des Hegbachs nun immer geradeaus führt . Man kommt über die Darmstädter Straße und am Schluß etwas nach rechts zu einem Schienenübergang mit Rufschranke und über die Bundesstraße. Die Nikolauspforte läßt man rechts liegen und fährt über die Landstraße in den Wald. Nach rechts geht es dann in die Steigbergschneise. Dann muß man aufpassen: An der Kreuzung mit dem Schild „Naturschutzgebiet“ geht es geradeaus in das Naturschutzgebiet „Mönchbruch“ und zum Schützenverein. Man muß schon vor der Wiese links abbiegen und nach Westen weiter fahren auf der Langschneise (Eine andere Möglichkeit ist die südlicher gelegene Alte Rüsselsheimer Straße). Hinter der „Hirtenhäuserschneise“ wird der Weg wieder schlechter und am Ende sogar ein Stück morastig. Aber dann geht es auch nach rechts auf dem Mönchbruchpfad zur „Müller Stube“ und zum Jagdschloß Mönchbruch. Links vor dem Schloß steht ein alter Kilometerstein. Der Weg links am Schloß vorbei führt aber sehr weit nach Westen ab (der Weg am Bach entlang ist nicht befahrbar).

 

Jagdschloß Mönchbruch:

Das 1732 erbaute Schloß, das Darmstadts Landgraf Ernt Ludwig errichten ließ, um im Mönchbruch Wild zu jagen, besteht neben dem Wirtschaftstrakt, von der Straße aus zu sehen, im hinteren Bereich aus drei Pavillons.

Das denkmalgeschützte Ensemble gehört heute der Familie Grothe, die dort ein Hotel eröffnen will. Aus dem Wirtschaftstrakt Schlosses wollten die Eigentümer eigentlich Seminar- und Veranstaltungsräume machen. Doch die Statik läßt das im ersten Stock des alten Gebäudes nicht zu. Auch Hotelzimmer brauchten Fluchtwege, die es bisher nicht gibt. Ein dazu notwendiges zusätzliches Treppenhaus würde einen Umbau des Ostflügels des Hauses erforderlich machen. Dann könnte aber der Förderverein sein Info-Zentrum dort kaum mehr unterbringen. Er will im Jagdschloß Mönchbruch mit Blick aufs Hessens zweitgrößtes Naturschutzgebiet ein Umwelt- und Kulturzentrum einrichten.

Die Grothes sind deshalb auf die Idee gekommen, nördlich vom Wirtschaftsflügel einen Neubau zu errichten. Der soll den drei Pavillons entsprechen, die es dort früher gegeben hat. Der Neubau soll mit einer Tiefgarage unterkellert sein - doch das bedeutet einen Eingriff in den Wasserhaushalt des Naturschutzgebiets. Die Grothes wollten den Neubau mit zwei Vollgeschossen, historisch belegt ist jedoch nur eines.

Falls keine Einigung mit den Ämtern zustande kommt, werde das Schloß weiter genutzt wie

zur Zeit. Der Wirtschaftsflügel wird an Arbeiter bzw. Firmen vermietet, die auf Baustellen im

Rhein-Main-Gebiet zugange sind. Saniert würde dann nichts an dem altehrwürdigen En

semble. Das wiederum beunruhigt auch den Förderverein, dessen Info-Zentrum dann nicht

zustande käme.

Man fährt auf dem Radweg auf der rechten Seite der Bundesstraße in östliche Richtung bis zum Waldrand. Dort geht es nach links in den Gundweg. Dort steht auch wieder ein Info-Tafel über das Naturschutzgebiet Mönchbruch. Nach einiger Zeit steht rechts ein origineller Wegweiser in Form einer Steinfigur. Der Weg heißt auch „Kaiserallee“ zum Andenken an eine Waldarbeiterin, weil nach dem Krieg die Frauen wieder den Wald aufgeforstet haben.

An einer Kreuzung steht ein Wegweiser, der den Weg geradeaus zum Bahnhof und nach links zum Gundhof anzeigt. Es geht nach links, um den Anglersee herum und dann wieder nach rechts nach Norden. Am Campingplatz Walldorf geht es links herum in die Aschaffenburger Straße und an der Zigeuner-Eiche  vorbei nach rechts zum Gundhof.

 

Gundhof: Hier führte eine uralte Handels- und Heerstraße durch das damalige Sumpfgebiet, die auch die Römer zu nutzen wußten. Es gab nördlich vom heutigen Walldorf bis ins 13. Jahrhundert einen Ort Gundheim mit häufig wechselnden Besitzern, von den Grafen von Münzenberg über die Falkensteiner zum Erzbistum Mainz und gleichzeitig den Isenburgern, bis nach der Säkularisation alles an Hessen-Darmstadt fiel. Heute erinnert allein die Waldgaststätte Gundhof an die einstige Bebauung in diesem Gebiet. Hier wurde schon vor mehr als 200 Jahren Bier gebraut und für den Ausschank Schnaps gebrannt. Seit 225 Jahren wird der Gundhof als Gasthof geführt. Am Gundhof kann man rechts fahren und kommt in die Aschaffenburger Straße

 

Vom Gundhof fährt man erst wieder ein Stück nach Norden und dann wieder nach recht. Nach einiger Zeit kommt man an den Nordrand des Lehrpfades rund um die KZ-Gedenkstätte, ein Außenlagers des Konzentrationslagers Natzweiler im Elsaß. Der Lehrpfad beschreibt auf 16 Tafeln mit Bildern und Zitaten das Leiden jüdischer Frauen aus Ungarn, die auf dem Flughafen eine erste betonierte Rollbahn für das erste deutsche Düsenflugzeug bauen mußten. Am Weg rechts - etwas im Wald - sieht man noch einige Treppenstufen, die zu dem Keller der Lagerküche führten. Man folgt dem Lehrpfad nach rechts und kommt zu dem Gedenkstein aus dem Jahre 1980. Ein Stück weiter ist dann wieder die Nordendstraße.

Zu prüfen wäre noch einmal, ob man nicht doch von der Nordendstraße zum Nordrand des Baggersees kommt. Als ich die Autobahn unterquert hatte, ging es nur westlich der Eisenbahn weiter, und dann kommt man nicht mehr über die Schienen. Laut Karte geht es aber nach der Unterquerung der Autobahn nach rechts und nach Süden und zum See. Nach Südwesten käme man dann auch zu den Industrieanlagen westlich des einen Baggersees. Der Walldorfer Badesee ist übrigens nichts Besonderes, er hat nur and er Südseite viel zu wenig Flachufer. Der Langener Badesee ist da geeigneter (Frankfurt 1, Seite 34, Frankfurt II, Seite 24 und 27).

 

Radtour vom Jagdschloß Mönchbruch nach Süden bis Nauheim und zum Hegbachsee siehe Frankfurt I., S. 28. Mönchbruch auch bei Darmstadt.

 

 

Raunheim-Mönchhof

Die Mönchhofkapelle liegt zwischen Schleuse Eddersheim und Autobahnbrücke direkt am Main. Sie wurde 1687 erbaut  als Nachfolgebau einer Kapelle von 1118 und ist versteckt auf einem Friedhof. Im Jahre 2008 wurde sie renoviert.

 

 

Rüsselsheim

Autobahnabfahrt Rüsselsheim Süd, über die B 519 in die Stadt, nach Querung der B 43 nach rechts in Richtung Festung/Museum östlich des alten Ortskerns. Eine Parkmöglichkeit besteht östlich des Stadtparks (sonntags frei). Ein Blick entlang des Mains lohnt sich. Nach Osten sieht man zunächst die Opel-Villen. Die Opel-Villen als Ort der Begegnung und Zentrum für zeitgenössische Kunst füllen sich mit Leben. Als erste Ausstellung sind im Jahre 2003  „Zitronen“ von Diether Ritzert zu sehen. Auch gibt es nun Gastronomie. Bei schönem Wetter können Besucher von der neuen Terrasse auf den Main blicken, aber noch stört die Dammsanierung den Blick.

Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Bürger sind am Samstag in die Ludwig-Dörfler-Allee geströmt, um bei Teil eins der Eröffnung der Opel-Villen dabei zu sein. Sie nutzten die Möglichkeit, durch die 1916 im Jugendstil erbaute und nun sanierte Villa Wenske zu flanieren und an Führungen teilzunehmen. Die kleinere der beiden Villen ist benannt nach dem ehemaligen Fabrikdirektor Wilhelm Wenske und beherbergt nun ein italienisches Café-Restaurant und im Obergeschoß ein Trauzimmer. Zugänglich ist nun auch der gläserne Anbau, der die beiden Villen verbindet, sie behindertengerecht erschließt und in dem sich auch die Sanitäranlagen befinden.

Im Verbindungstrakt gibt es einen Gang, den Kulturamtsleiter Kurt Röder Spielraum nennt und in dem am Samstag eine Ausstellung mit zwei Dutzend Werken des 1987 mit 60 Jahren verstorbenen Rüsselsheimer Malers Diether Ritzert eröffnet wurde. Ritzert war 1986 der erste Kulturpreisträger der Stadt. Die nun gezeigten Werke drehen sich um das Thema „Zitrone“. Kurator Uwe Wenzel erläuterte im Beisein von Ritzerts Frau Elisabeth die gegenständlichen Ölbilder und Druckgraphiken, in denen er auch eine Verbindung und einen Vorgeschmack auf die erste große Ausstellung sieht: In der Herrenhaus genannten größeren Opel-Villa, die Fritz von Opel 1931 im Bauhaus-Stil erbauen ließ, werden von Ende September an Werke der expressionistischen Künstlergruppe „Brücke“ zu sehen sein. Der zweite Akt erfolgt zuvor am 23. Mai, wenn es im Trauzimmer die ersten standesamtlieben Eheschließungen geben wird.

Oberbürgermeister Stefan Gieltowski (SPD) wertete den großen Andrang am Samstag als gutes Zeichen für die Zukunft der Opel-Villen. Ein gutes Omen für einen besonderen Tag sei auch das Wetter: Sonne, strahlend blauer Himmel, Westwind und deshalb keine lärmenden Flugzeuge im Landeanflug gibt es in Rüsselsheim selten. Gieltowski verwies auf die wechselvolle Geschichte der Villen, die den Krieg überdauerten, danach Krankenhaus, Standesamt und Amtsgericht waren.

Die Stadtverordneten beschlossen 1998 die notwendige Sanierung der Häuser. Für diese 1,5 Millionen Euro teure Aufgabe wurde 2001 die Stiftung Opel-Villen gegründet, finanziell getragen von der Stadt und dem Automobilkonzern Opel.

Bürgermeister und Kulturdezernent Werner Rebenich (Liste Rüssel) wertete die Opel-Villen als wichtig für die Zukunft und Identität von Rüsselsheim, um von einem verschlafenen Arbeiterdorf zu einer modernen selbstbewußten Stadt zu werden. Seiner Meinung nach kann Rüsselsheim den vor zehn Jahren verlorenen Anschluß an die Moderne wiedergewinnen. Diskussionen im Vorfeld hatte es um den gläsernen und mit einem Betonbogen versehenen Anbau gegeben, weil nach Meinung mancher dieser architektonische Stil nicht zu den denkmalgeschützten Villen paßt.

 

Dann geht man zur Festung der Grafen von Katzenelnbogen aus dem 15. Jahrhundert. Diese kann man von außen besichtigen durch einen Rundgang durch den Graben. Innen ist bemerkenswert das gotische Tor. Außerdem gibt es im Hof Neubauten für das Museum. Das Museum fußt auf Sammlungen eines 1905 gegründeten Heimatvereins. Es zeigt anhand von Funden, ausgewählten Objekten, Kunstwerken und Textdokumenten Schwerpunkte in der Entwicklungsgeschichte  der Stadt an: so die Zeit der fränkischen Landnahme bis zum Bau der Festung; die Festung selbst, dargestellt durch Pläne, Urkunden, Modelle; vorindustrielle Technik und natürlich Rüsselsheim im Zeitalter der Industrialisierung (1830-19459, der Wandel zum Fließband am Beispiel Rüsselsheimer Firmen, vor allem dem Opelwerk.

 

Die Kalkblöcke am Falkenberg hat schon die XXII. Legion für ihre Bauten genutzt. Die Entstehung Rüsselsheim dürfte ins 6. Jahrhundert fallen. Der Frankenführer Ruzillo wird als Gründer der Stadt bezeichnet. Er hat sie zu beiden Seiten der Aschaffenburger Straße angelegt. Ein freier Platz in der Mitte diente als Versammlungsstätte, Grenzgräben wurden angelegt.

Spätere Besitzer waren die Herren von Münzenberg, Falkenstein und Katzenellenbogen (aus der Obergrafschaft Katzenellenbogen entwickelte sich das Großherzogtum Hessen). Anfang des 15. Jahrhunderts wurde das Amt Rüsselsheim gebildet, das bis 1821 bestand. Im Jahre 1479 kam die Burg Rüsselsheim an Hessen, und 1491 kam es zu einem Vergleich mit Kurmainz. Landgraf Wilhelm II. legte die Wallbefestigung an, sein Sohn Philipp errichtete vier Ecktürme und eine Vorschanze an der Zugbrücke. Im Schmalkaldischen Krieg widerstand die Burg im Jahre 1547 den Anstürmen des kaiserlichen Generals Büren. Im Jahre 1689 sprengten die Franzosen die Festung in die Luft.

Dann geht es weiter durch den Stadtpark, durch das Türchen in der Mitte. Man kommt zu einer Vogel-Voliere und dann zu einem Tempel ind er Mitte des Parks. Dieser ist im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt und birgt immer wieder Überraschungen. Rechts von dem See kann man eine Pyramide entdecken. Zwischen Bäumen versteckt ist ein Parkwärterhaus.

Vom westlichen Ausgang geht man durch die Schäfergasse bis zur Mainstraße. Nach links kommt man über den Marktplatz mit der barock-klassizistischen Kirche zur Fußgängerzone.

Seine erste Kirche erhielt Rüsselsheim im Jahre 1514. Sie stand südlich der Festung, fiel aber wohl einem Brand zum Opfer. Deshalb wurde die in Trebur abgebrochene St. Albanskirche  wieder vor dem Schloß in Rüsselsheim aufgebaut., brannte aber auch 1524 ab. Auch eine auf dem Marktplatz neue errichtete Kirche brannte ab. Die Wetterfahne auf dem alten Pfarrhaus trägt die Jahreszahl 1609 und die Gestalt des Hl. Alban. Eine hölzerne Figur Albans ist im Flur des alten Pfarrhauses aufgestellt. Er hält sein Haupt in der Hand, weil er nach seiner Hinrichtung in Mainz noch bis nach Rüsselsheim gelaufen sein soll.

Die Bevölkerung des benachbarten Haselach, wo auch eine Burg stand, besuchte die Rüsselsheimer Kirche bis 1618, als der Ort kurmainzisich und wieder katholisch wurde. Die 1593 neu erbaute Kirche bestand bis 1790. Dann wurde die jetzige Kirche errichtet. Die katholische Kirche wurde 1903 geweiht.

Nach links kommt man zum Löwenplatz und durch die Löwengasse zum Friedensplatz. Hier geht man erneut in den Stadtpark, geht aber jetzt mehr durch den südlichen Teil. Kurz vor der Parkschule steht eine künstliche Ruine. An der Straße steht das Amtshaus (früher Palais, heute Ordnungsamt).

Die Weiterfahrt geht über die Frankfurter Straße und entweder über die B 43 nach Frankfurt, oder nach Süden über die Ringstraße zum Stadtteil Haßloch. Doch ein Besuch der Horlache lohnt sich nicht. Über die B 486 geht es nach Osten. An der Straße steht das Jagdschloß Mönchbruch (siehe Zeitungsartikel). Mörfelden wird erst westlich, dann nördlich umfahren, ehe man wieder auf die B 44 in Richtung Frankfurt-Süd kommt. Geplant ist, den freien Raum nach Rüsselsheim in einem Streifen parkartig umzugestalten.

 

Hoheitliche Grenzen trennten Land und Leute. Schon in der Antike wurde das Recht auf Grund und Boden, Nutzung oder auch die Besteuerung mit Grenzen und Grenzsteinen als Markierungszeichen festgelegt. Nachdem sich die Besiedelung nördlich der Alpen im Hochmittelalter immer mehr verdichtete, wurden natürliche Grenzmarkierungen wie Bergrücken, Flüsse, Straßen oder Einzelbäume immer mehr von beschrifteten Grenzsteinen abgelöst.

Ein schönes Beispiel bietet ein Grenzstein aus dem Jahr 1716 am Loogweg im Rüsselsheimer Wald. Der Grenzstein ist einer von mehreren entlang des Loogweges (loog stammt von messen), der die großherzoglich genehmigte Grenze in einer Waldgemeinschaft zwischen Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf markierte.

 

 

Nauheim:

Heimatvertriebene brachten nach dem Krieg die Kunst des Instrumentenbaus mit. Viele Vereine pflegen das orchestrale und gesangliche Brauchtum. Das 1987 eröffnete Heimatmuseum verfügt über eine umfangreiche Sammlung historischer Blechblasinstrumente.

Über die Bahnhofstraße, die Mühl- und Schulstraße kommt man zur Grundschule, in der das Museum untergebracht ist. Nach rechts geht es in den alten Ortskern um den Heinrich-Kaul-Platz. Das hübsch renovierte frühere Rathaus aus dem späten 16. Jahrhundert nahmen die umliegenden Hauseigentümer zum Anreiz, sich den Sanierungsbemühungen um die historische Bausubstanz anzuschließen.

Geplant ist ein Rundweg, an dem steinerne Klangkörper den Bezug zur örtlichen Musikinstrumenten- Fertigung herstellen.

 

 

Trebur:

Autobahnabfahrt Bischofsheim oder Ginsheim-Gustavsburg nach Astheim und Trebur. Die Kaiserpfalz Trebur war wichtiger Stützpunkt im Pfalzensystem der fränkischen und deutschen Herrscher, bis zum Hochmittelalter gleichrangig mit Mainz, Frankfurt, Worms und Ingelheim. Das „palatium tribur“ befand sich  im umwehrten Kirchenbezirk. Es muß eine Anlage riesigen Ausmaßes gewesen sein, die den Hofstaat mehrerer Herrscher aufnehmen konnte. Der erste Besucher war König Ludwig der Fromme, der am 14.10.829 kam.  Mindestens 57 Aufenthalte von Regenten lassen sich bis 1077 nachweisen. In diesem Jahr mußte Heinrich IV. von Trebur aus den „Gang nach Canossa“ antreten.

Die Pfalz ging 1234 an die Grafen von Katzenelnbogen über. Sie wurde teils geschleift, teils ging das Mauerwerk in geistliche und weltliche Bauten ein. Auch in der barocken Laurentiuskirche befinden sich noch karolingische Steine. In der Kirche  befindet sich ein Standbild Luthers mit einer Gans. Eine römische Weiheinschrift befindet sich am Kirchturm, etwa 2,90 Meter über dem Boden: „Zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses und der Göttin Virodacti haben der Ort der Nidenser und die Einwohner des vicus Augsut(anus) aus öffentlichen Mitteln (das Bauwerk) errichten lassen“. Es könnte sich auch um eine Weihegeschenk an die Göttin handeln, wohl eine Muttergöttin.

 

Auf der Groß-Gerauer-Straße kommt man zur Hauptstraße, biegt links ein und kommt zum Rathaus von 1577. Dahinter, im Gasthaus „Zum Erker“, kann man Spargel schlemmen, dem typischen Produkt der Gegend. Ursprünglich mündete hier der Neckar in den Rhein. Das Gebiet ist im Gespräch für einen Fließpolder für Hochwasser, um das Rheintal zu entlasten.

 

Erstmals haben Archäologen in Südhessen die 400-jährige Geschichte einer spätrömischen Kleinfestung lückenlos dokumentiert. In Trebur bei Rüsselsheim legten Studenten der Universität Frankfurt Reste einer Festung aus dem Jahr 370 n.Chr. sowie Gräber aus den folgenden Jahrhunderten frei. Nach den bisherigen Erkenntnissen diente die Anlage mit kleinem Hafen bis zum Ende der Römerzeit um 430 der Sicherung der Rheingrenze. Dort sollen Patrouillenschiffe stationiert gewesen sein, wie sie vor einigen Jahren in Mainz ausgegraben wurden. Die etwa zehnköpfige Mannschaft des Forts bestand wahrscheinlich aus Burgundern, den römischen Bündnispartnern. Sie wurden später von elbgermanischen Gruppen überrannt. Um 500 übernahmen dann die Franken das Gebiet. Zum Beleg verweisen die Archäologen auf das Grab eines fränkischen Adeligen. Die Beilagen von zwei Schwertern, einer Lanze und Reitsporen lassen auf einen bedeutenden Mann schließen. In weiteren Gräbern jüngerer Zeit wurden keine Beigaben mehr gefunden. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Christen Einzug gehalten haben. Das Ende der etwa Fußballfeld großen Anlage kam voraussichtlich im neunten Jahrhundert. Das Mauerwerk wurde komplett abgetragen. Die Wissenschaftler vermuten, das es für den Bau der Königspfalz im nahe gelegenen Trebur verwendet wurde, die 829 erstmals urkundlich erwähnt ist.

 

 

Bischofsheim

Seit ungefähr 150 Jahren waren und sind Eisenbahnen unerlässliche Transportmittel. Relikte der aufgegebenen Schienenstrecken formen die Kulturlandschaft mit. Besonderes Zeugnis ist die denkmalgeschützte Eisenbahnlandschaft von Bischofsheim im Kreis Groß-Gerau. Bischofsheim entwickelte sich von 1904 an zum Eisenbahnverkehrsknoten im südlichen Rhein-Main-Gebiet. Bis zu 1.000 Bahnbedienstete arbeiteten hier in Wartung, Reparatur und am Güterbahnhof. Zwei 50 Meter lange und von Zwangsarbeitern gemauerte Untersuchungsgruben aus dem Zweiten Weltkrieg sind Reste des früher riesigen Werkes, das die in Reparatur befindlichen Loks vor Bombenschäden schützen sollte. Heute hat die Bischofsheimer Eisenbahnlandschaft Aufnahme in die Route der Industriekultur Rhein-Main gefunden.

 

 

 

Rund um die Mainmündung

Vom Bahnhof Mainz-Bischofsheim (wie er irreführend heißt, obwohl die 11.000-Einwohner-Kommune seit Kriegsende zum hessischen Kreis Groß-Gerau gehört) treten wir 3,5 Kilometer die Pedale stadteinwärts, links Richtung Ginsheim zum Altrheinufer mit kleinem Yacht-Hafen. Dort beginnt der landschaftlich reizvolle Teil der Strecke durch Wald, Auen, Landschafts- und Naturschutzgebiet, immer auf dem Damm lang.

Wo der Weg, der auch als überregionaler R 6 (Mannheim-Bad Arolsen) gekennzeichnet ist, bei Kilometer acht unserer Tour eine Zickzack-Kurve macht, bietet sich als lokal verfeinerte Kostprobe geradeaus ein Abstecher nach Astheim an. Der Ort feierte bereits sein 1150-jähriges Bestehen.

Wir biegen hinterm Sportplatz rechts ab ins freie Feld, wo links zwei Störche ihren Horst haben. Weiter geht es bis zum Riedweg (Kilometer 10,7), wo Auswahl besteht. Links läßt sich ein Abstecher nach Trebur machen (und von dort den Weg zurück). Am Ortseingang lockt eine Eisdiele. Trebur, das zur Deutschen Fachwerkstraße gehört, bietet keine schmucke Flaniermeile, aber das einzigartige Kunstwerk „Luther mit Schwan“ in der Laurentiuskirche. Und von Trebur begann Heinrich IV anno 1076 seinen berühmten Gang nach Canossa, um sich mit dem Papst zu vergleichen.

So viel zur Kultur. Wer darauf keinen Wert legt (so wie wir an diesem Tag), kann am Riedweg auch direkt rechts Richtung Steindamm fahren und befindet sich wieder auf dem R 6. Am Dammloch zwischen Rhein und Altrhein paddeln Wildwasserkanuten gegen die reißende Strömung. Velozipedisten passieren pausenlos den Biergarten, erfahren die Halbinsel Nonnenaue bis sich linker Hand ein Umweg über das im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Hofgut Langenaue lohnt. Das wird von Familie Kreuzer bewirtet und lädt schon der Aussicht auf den Rhein wegen zum Verweilen.

Weiter führt der holprige Pfad, nichts für Beton-Gewohnte, zur Fähre Johanna, die Nonnenaue und Ginsheim verbindet.

Von Ginsheim geht es nun gen Gustavsburg, dem R 6-Schild nach. Man kommt durchs vergleichsweise architektonischschmucke Industriegebiet, an der denkmalgeschützten MAN-Fassade vorbei, hinter der nun ein Technologie-Innovations- und GründerInnen- Zentrum. residiert.

Hinterm Bahnübergang links kommen wir alsbald Richtung Mainz zur Eisenbahnbrücke, die auch Radelnden eine schmale Gasse bietet. Bei Gegenverkehr ist Absteigen vom Rad ratsam. Die Betonbohlen der Brücke geben beim Überfahren Töne wie ein Xylophon von sich, die sich mit dem Donnern des vorbeibrausenden Zuges mischen. Die abenteuerliche, 900 Meter lange Überquerung von Deutschlands längstem Fluß gewährt optimalen Einblick in die Mündung des 524 Kilometer langen Mains in den größeren Rhein. Anders als das Deutsche Eck ist die Mainspitze touristisch null erschlossen, aber durch Wiesen zu Fuß erreichbar.

Auf der rheinland-pfälzischen Seite der Brücke fahren wir rechts runter, die Promenade entlang, wo man am Gutenberg-Pavillon und der Ausstellung „Gegenwart und Medien“ nicht vorbei kommt, ebenso an der ab 17 Uhr geöffneten Spielbank. Wer Zeit und Lust besitzt, braucht nur wenige Meter zum Dom und zur Altstadt der Landeshauptstadt. Wir aber lassen uns nicht aufhalten, fahren auf die 1885 erbaute Theodor-Heuss-Brücke und an derem Ende scharf rechts runter, sind nun in Kastel, das zur Landeshauptstadt Wiesbaden gehört, und somit wieder auf hessischem Terrain.

Auf dem R 3 (Rüdesheim / Tann in der Rhön) wird - über einen Eisensteg und am Büro der Hessischen Wasserschutzpolizei vorbei - rheinaufwärts geradelt. Bei Kilometer 31 nähern wir von der anderen Seite der Rhein- Main-Mündung. Von da an geht es den Main entlang, bis sich die Weinberge von Hochheim im Main-Taunus-Kreis zeigen. Ein Holzschild weist unvermittelt rechts auf einen Trampelpfad zur Staustufe Kostheim. 39 Treppenstufen ist das Rad zu schultern, um empor zu steigen. Auf der Schleuse, die es seit dem Jahr 1886 gibt, läßt sich beobachten, wie Schiffen das Gefälle seicht gemacht wird.

Von der Schleuse wieder runter geht es mit dem Rad links übern Damm nach Bischofsheim. An der Auffahrt zum Bahnhof findet sich auf der Wiese ein Biergarten