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Taunus II Hochtaunus

 

Ausflüge Taunus

 

Anmerkung: Bei dieser Datei handelt es sich zum gewissen Teil nur um eine

Materialsammlung, die noch nicht vollständig selbst erarbeitet ist

 

Vordertaunus:

 

Friedrichsdorf:

Friedrichsdorf wurde vom Landgrafen Friedrich II.. von Hessen-Homburg 1687 für Hugenotten und andere Flüchtlinge gegründet, die unter Benutzung besonderer Rechte ein blühendes Färber- und Textilgewerbe entwickelten. Die Amtssprache war bis 1885 französisch. In Friedrichsdorf erfand Philipp Reis den Fernsprecher. In seinem Wohnhaus befindet sich eine Philipp-Reis-Sammlung. auf dem Friedhof sein Grab. In Friedrichsdorf sind viele industrielle Großbetriebe ansässig.

(Wanderung in Elvira Klein, Rhein-Main, 62).

 

Bad Homburg

Parken in Gonzenheim oder am Südostende des Kurparks beim Freibad. Man kommt vorbei an Taunustherme, Kurzentrum, Spielbank, Kaiser-Wilhelm-Bad.

 

Geschichte

Der Frankfurter Archäobotaniker Arie J. Kalis und seine Mitarbeiterin Astrid Schweizer fanden in bis zu 1,82 Meter tiefer Erdschichten unter einem Spielplatz in der Altstadt Holzkohle aus der Bronzezeit, die darauf schließen läßt, daß um 1400 bis 1300 v. Chr. Menschen auf dem Areal der heutigen Bad Homburger Altstadt lebten. Sie fanden fingernagelgroße Keramiksplitter, die Experten in die Eisenzeit um 800 v. Chr. datieren. Sie fanden Schlamm, der bestätigt, daß das Untersuchungsgebiet dereinst häufig überschwemmt war.

Eines aber fanden sie nicht: Hinweise darauf, daß es um 782 herum eine Siedlung am Fuße jenes Hügels gegeben haben könnte, auf dem rund 400 Jahre später die Burg jenes Ritters von Hohenberch stand, von der Bad Homburg seinen Namen ableitet. Noch nicht einmal Pollen von Getreide oder Hornmoosen, wie sie für das frühe Mittelalter typisch sind, waren in der ausgegrabenen Erde zu entdecken. Die These, daß Bad Homburg gut 1200 Jahre alt sei, ist falsch, die aufwendigen Feierlichkeiten von 1982 waren ungerechtfertigt.

Bestätigt sieht sich hingegen der 59 Jahre alte Geschichtslehrer und Hobby-Archäologe Rüdiger Kurth, auf dessen Initiative hin das Seminar für Vor- und Frühgeschichte der Universität Frankfurt im Frühjahr mit den Ausgrabungen an zentraler Stelle der Altstadt begonnen hatte. Kurth war die 1200-Jahre-These seit langem suspekt. Sie ging zurück auf die Urkundensammlung „Lorscher Codex“, in der es heißt, ein Mann namens Scerphuin habe anno 782 dem südhessischen Kloster Lorsch Land in einem Dorf namens „Tidenheim“ vererbt. Dieses vermutete man am Ufer jenes Mußbachs, der heute in Rohren unter der Homburger Altstadt dahinplätschert. In jener Erbschaftsurkunde wird jedoch als Abt ein Mönch genannt, der 782 nachweislich längst tot war.

Schon frühere Historiker hatten skeptisch vermerkt, daß die Landschaft um den Mußbach seinerzeit ein unwohnlicher Sumpf gewesen sei. Oberbürgermeister Wolters will jetzt mit jenen Autoren, die gerade an der Geschichte Bad Homburgs nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiten, darüber sprechen, in welcher Form die Urgeschichte der Kurstadt am Taunus aktualisiert werden kann. Der Leiter des Seminars für Vor- und Frühgeschichte an der Frankfurt Universität, Joachim Henning, denkt unterdessen bereits über einen internationalen Kongreß zur Analyse von Stadtgeschichte unter Einbeziehung archäologischer Methoden nach. Die in Bad Homburg angewandte Integration von Geo- und Geschichtswissenschaft sei beispielgebend.

 

Es gibt Spötter, die behaupten. Kaiser Wilhelm II. sei nur deshalb so oft nach Bad Homburg gekommen. weil er ein eigenes Bad besitzen wollte. Daß Preußen 1866 mit der Annexion Kurhessens, Frankfurts und Nassaus in hiesigen Landen noch nicht genug hatte und sich auch noch Bad Homburg von Hessen-Darmstadt abtreten ließ, ha­ben alteingesessene „Homburger“ lange nicht verwunden. Immerhin konnte das Städtchen vor den Taunushöhen auf fast 250 Jahre Selb­stän­digkeit zurückblicken, die wenigen Monate unter der Kuratel Hessen-Darmstadts nach dem Ableben des letzten erbenlosen Hom­burger Landgrafen fielen da nicht weiter ins Gewicht. Aber jetzt kamen die Preußen. Mit Macht und unübersehbar.

Vorbei war es nach dem Einzug der großen weiten Welt mit der kräh-winkligen Beschaulichkeit der kaum eine Handvoll Dörfer zählenden Minilandgrafschaft. Die gesellschaftliche Rangerhöhung des Ortes durch hohe und höchste Kreise aus Aristokratie und Finanzwelt zeichnete sich zwar schon zuvor ab, nach der Wiederentdeckung einer Heilquelle 1834 und der Eröffnung des Spielkasinos 1841. Doch erst die regelmäßigen Sommeraufenthalte der Hohenzollern samt vielköpfiger Entourage haben den Ort regelrecht geadelt und ihn zum führenden Modebad Europas gemacht. Es errang einen Ruf, von dem Bad Homburg bis heute zehrt.

Warum es Kaiser Wilhelm II. mehr noch als seinen Großvater mit Vorliebe in den Vortaunus zog, hat schon zu manchen Spekulationen Anlaß gegeben. Überliefert ist, daß es weniger die Heilquellen waren, die ihn anlockten: zunächst, so meinte er, sei es die „gute Taunus­luft“. die eine spürbare Besserung seiner Schlafstörungen brachte. Eine gewisse romantisch verklärte Anhänglichkeit an die Homburger Landgrafen dürfte bei Wilhelms Hang zu Symbolik und geschicht­licher Überhöhung ebenfalls mitgespielt haben, will man sein Faible für die Vortaunusgemeinde erklären: Der Kleistsche „Prinz von Hom­burg“. Landgraf Friedrich II., jener mit dem Silberbein, war es, dem der Große Kurfürst in der Schlacht bei Fehrbellin 1675 seinen Sieg trotz Unterlegenheit entscheidend mitzuverdanken hatte — der Anfang von Preußens Aufstieg zu Glanz und Gloria.

Sich noch in später Dankespflicht fühlend stiftete Wilhelm II. 1906 dem Andenken Hessen-Hom­burgs einen zwölf Meter hohen Porphyr-Obelisken. Er steht genau auf der Hauptachse im Kurpark. der Brunnenallee, zwischen dem goldenen Siamesischen Tempel und dem nach Plänen Wilhelms gefaßten Elisabethenbrunnen. Zu Füßen des Obelisken liegen Krone, Zepter, Lorbeerblätter und ein ausgerolltes Pergament: „Lieber will ich mein Silbergeraete verkaufen. als diesen armen Leuten die Aufnahme versagen.“

Auch an dieser Parallele zwischen Preußen und Homburg wollte der Kaiser mit seinem Landgrafendenkmal erinnert wissen: Die großher­zige Aufnahme hugenottischer Glaubensflüchtlinge hat beiden Län­dern entscheidende Impulse für ihre merkantile und aufgeklärte Entwicklung gegeben. Nur von der hugenottischen Tugend der Selbstbescheidung hatten Homburgs Friedrich und Preußens Wil­helm nicht allzuviel gehört.

Das heute noch sehr beeindruckende Schloß muß nach seiner Vollendung 1695 die kleinen Häuschen der Hugenotten entlang der neu angelegten Dorotheen- und Louisenstraße (heute Fußgängerzone) schier erschlagen haben. Die späteren Bauten nach Entwürfen des Kaisers oder solchen, die er gebilligt hatte, lassen sich heute als der ferne Spiegel einer ganzen Epoche betrachten. Zu Beginn des Jahrhunderts haben der überdimensionierte Bahnhof im typisch wilhelminischen Neobarock, der Backsteinbau des Wilhelmsbades im Kurpark und der goldglänzende neuromanisch-byzantinische Innenraum der Erlöserkirche - der Kaiser verarbeitete hier die Eindrücke einer Orientreise - nicht gerade Begeisterungsstürme bei der Bevölkerung hervorgerufen. Aber so war es schon immer. Die beeindruckende Symmetrie der Schloßanlage konnte nur durch den Abriß einer gotischen Kirche erreicht werden, die notwendige Erweiterung des Stadtkerns durch den der Stadtmauer. und erst in jüngster Zeit machten die Erfordernisse modernster Hotellerie auch nicht vor einer altehrwürdigen Institution wie Ritters Parkhotel halt.

Kaiser Wilhelm II. zeigte sich übrigens selten mit ziviler Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit. Er bevorzugte während seiner sommerlichen Aufenthalte in Bad Homburg die Kürassieruniform, auf dem Haupt oder unter dem Arm trug er die obligatorische Adler- oder Pickelhaube. Mehrere Bilder im Schloß zeigen den Kaiser in diesem martialischen Aufzug zur Abwechslung auch im Jägerwams. Eine Fotografie aus dem Jahr 1902 hält die Rückkehr von einer Jagdpartie fest. Die zahlreichen Geweihe im sogenannten Hirschgang stammen allerdings nicht allein aus den Wäldern um Bad Homburg. Sie wurden aus dem ganzen Reich zusammengetragen. „Schorfheide“ steht auf einigen der Zehn- und Zwölfender, sie kommen von dort, wo später die braunen und roten Preußen durchs Unterholz pirschten. Auch eine Tradition.

Die aus drei Jahrhunderten stammende Einrichtung im Schloß konnte bis auf die ausgelagerte und später verbrannte Bibliothek genauso erhalten werden, wie sie Kaiser Wilhelm bei seinem letzten Homburger Aufenthalt im Januar 1918 verlassen hat, inklusive einiger kulturhistorisch interessanter Raritäten, die das Kaiserpaar auf der Höhe der Zeit zeigen. Mehrere Schränke offenbaren ein überraschendes Innenleben – in dem einen konnte telefoniert werden, in den anderen – recht geräumigen – zog man sich für dringliche Geschäfte zurück. Sensationellerweise war darin ebenso für fließendes Wasser gesorgt wie an der eichenholzgefaßten Nickelbadewanne Wilhelms. Sage noch einer, der Kaiser habe kein eigenes Bad gehabt.

 

Rundgang:

Kurpark: Wenn man von der Autobahn kommt fährt man in der ersten Linkskurve rechts ab in Richtung Seedamm-Freibad: Durch die Straße „Am Hohle Brunnen“ fährt man im Kreisverkehr geradeaus in die Friesenstraße und dann rechts in die „Kaiser-Friedrich-Promenade“. Dort kann man parken (oder auch im Parkhaus am Seedamm-Freibad). Im Seedammweg geht es nach links in den Park.

Zwölf Trink- und Badequellen sowie der berühmte Homburger Heil-Ton haben schon zur Belle Epoque allerlei prominente Gäste angezogen. Wilhelm II. überwachte mitten im Ersten Weltkrieg persönlich die Gestaltung der noch heute kostenlosen Trinkbrunnen seiner Sommerresidenz. Nach Kaiser Wilhelm ist auch das historische Badehaus benannt, das jüngst einer aufwendigen Restaurierung unterzogen wurde und erst kürzlich als „Kur-loyal Day Spat“ wieder eröffnet hat.

Rund 44 Hektar misst das grüne Herz der Innenstadt. Dass es schlägt, haben die Bad Homburger, Kurgäste und Besucher von einst und heute den Spielbank-Vätern Francois und Louis Blanc und Landgraf Philipp von Hessen-Homburg zu verdanken. Sie schlossen 1840 einen Vertrag, der die Spielbänker verpflichtete, ein Kurhaus zu bauen und dazu einen öffentlichen, englischen Garten anzulegen. Peter Joseph Lenné, Maximilian Friedrich Weyhe, Ferdinand Jühlke, Gustav Meyer und Philipp Siesmayer haben mit der Anlage ein denkmalgeschütztes Erbe hinterlassen. Die Lage des ausgedehnten Parks, zu dem seit Jahren ein Blindengarten gehört, ist ideal. Die Patienten der meisten Kurkliniken, Pensions- und Hotelgäste brauchen nur die Straßenseite zu wechseln, um unter alten Baumriesen und zwischen Blumenbeeten zu flanieren

Rund 2100 große Bäume und ungezählte Sträucher, darunter botanische Raritäten aus vielen Teilen der Welt, stehen in Deutschlands größtem Kurpark. Geschlitzblättrige Buchen befinden sich in Nachbarschaft zum Amberbaum und Schotenbaum. Ein Liebesperlenbaum steht in Sichtweite zu einem Urweltmammutbaum. Vor allem zur Zeit der Rhododendronblüte ist der Park ein Feuerwerk von Farben.

Rechts liegt gleich die Taunus-Therme. Man bleibt aber auf dem Weg, der in den Park hineinführt. An der geteerten Straße geht man rechts und dann wieder nach links in den Kurpark. Hier steht links ein Denkmal von 1866, das Kaiser Wilhelm für die Landgrafen von Homburg hat setzen lassen.

Ein Stück weiter befindet sich die Elisabethenquelle. Die eigentliche Quelle ist die tief liegende Brunnenfassung, über deren Eingang das Zitat von Justus von Liebig geschrieben ist:

„Es möchte wohl schwer sein in Deutschland, ein Mineralwasser zu finden, welches gleichen Reichtum an wirksamen Bestandteilen wie der Homburger Elisabethenbrunnen darzubieten vermochte!“ Der Elisabethenbrunnen ist der bekannteste und auffälligste Brunnen, der Bad Homburgs einst weltweiten Ruf als Heilbad begründete. Hinter der Quelle liegt ein Blindengarten.

Wie Perlen auf der Kette sind entlang der Brunnenallee zwölf Trink- und Badequellen aufgefädelt. Aus zum Teil aufwendig gestalteten Fassungen sprudeln die Wässerchen. Diese Quellen sowie der berühmte Homburger Heil-Ton haben schon zur „Belle Epoque“ allerlei prominente Gäste angezogen. Wilhelm II. überwachte mitten im Ersten Weltkrieg persönlich die Gestaltung der noch heute kostenlosen Trinkbrunnen seiner Sommerresidenz. Über den bekanntesten und auffälligen Elisabethenbrunnen, der Bad Homburgs einst weltweiten Ruf als Heilbad begründete, befand der Chemiker Justus von Liebig: „Es möchte wohl schwer sein in Deutschland, ein Mineralwasser zu finden, welches gleichen Reichtum an wirksamen Bestandteilen wie der Homburger Elisabethenbrunnen darzubieten vermochte!“

 

Links befinden sich das Restaurant „Zum Römerbrunnen“ und der Golfplatz, der der älteste Golfplatz Deutschlands ist (um 1880). Zeitzeugnisse des Nobelbads sind auch der Tennisplatz und der Golfplatz im Kurpark. Im Jahre 1876 führten englische Kurgäste in Deutschland das Tennisspiel ein - in Bad Homburg. Wenige Jahre später folgte das Golfspiel als Zeitvertreib. Der älteste Golfplatz Deutschlands ist inzwischen öffentlich.

Rechts liegen der Landgrafenbrunnen und die Auguste-Viktoria-Quelle von 1906, ein Rundtempel mit Weihe-Inschriften. Sie ist benannt nach der Frau Kaiser Wilhelms II. und ist 53 Meter tief und hat eine Schüttung von vier Litern pro Sekunde. Dorthin führt der Dostojewskiweg. Der Dichter hielt sich zwischen 1863 und 1867 mehrfach in Bad Homburg auf und erhielt dort bleibende Eindrücke für seinen Roman „Der Spieler“. Der nächste Weg ist der Rhododendronweg. Vor allem zur Zeit der Rhododendronblüte ist der Park ein Feuerwerk von Farben.

 

Das nächste Gebäude ist die Spielbank im historischen Brunnensälchen. Ihre Ursprünge reichen zurück bis in das Jahr 1825. Die Kassen der Landgrafen waren wieder einmal leer, die Schulden wuchsen. So kam man auf die Idee, Geld mit einer Spielbank zu verdienen, was zunächst nicht so recht funktionierte. Erst als die Brüder Francois und Louis Blanc aus Frankreich das Heft in die Hand nahmen, rollte dann seit dem 23. Mai 1841 die Roulettekugel. Die traditionsreiche Spielbank wurde 1949 wieder eröffnet.

Die Spielbank-Väter Francois und Louis Blanc und Landgraf Philipp von Hessen-Homburg schlossen 1840 einen Vertrag, der die Spielbänker verpflichtete, ein Kurhaus zu bauen und dazu einen öffentlichen, englischen Garten anzulegen. Peter Joseph Lenné, Maximilian Friedrich Weyhe, Ferdinand Jühlke, Gustav Meyer und Philipp Siesmayer haben mit der Anlage ein denkmalgeschütztes Erbe hinterlassen.

Rund 44 Hektar mißt das grüne Herz der Innenstadt. Rund 2100 große Bäume und ungezählte Sträucher, darunter botanische Raritäten aus vielen Teilen der Welt, stehen in Deutschlands größtem Kurpark. Geschlitzblättrige Buchen befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Amberbaum und Schotenbaum. Ein Liebesperlenbaum steht in Sichtweite zu einem Urweltmammutbaum.

Nach der Spielbank kommt man zur Kaiserquelle und etwas weiter hin rechts das Kaiser-Wilhelm-Bad. Das historische Badehaus verspricht „Genuß für alle Sinne“. Vier Stunden Verwöhnzeit schlagen allerdings mit 40 Euro zu Buche. Dafür ist die Benutzung hauseigener Handtücher gratis, und der Gast erhält einen Sarong übereicht, der während des Thermenbesuchs zusätzlich zur Badebekleidung getragen werden soll. Im Eintritt inbegriffen ist die Benutzung des Sole-Bassins sowie des „Odorium“ und „Caldarium“, wie die Warmlufträume mit und ohne Aromazusatz heißen. Das kleine Sandlichtbad mit Wüstendekor überwältigt allerdings ebenso wenig wie die „Wave Dreams“, denn hier handelt sich schlicht um einen zusätzlichen Ruheraum, in dessen Mitte eine mit bunten Lichtern angestrahlte Wasserlache wabert. Auch der milde Dampf des Steinofenbades sowie das mit duftenden Tannenzweigen ausgelegte Kräuterdunstbad sind im teuren Basispreis inbegriffen. Piekfein in edlen Pastelltönen renoviert präsentiert sich heute das Bad. Es wurde einer aufwendigen Restaurierung unterzogen und als „Kur-loyal Day Spat“ wieder eröffnet.

 

Wenn man die Straße überquert hat, kommt man zu den Tennisplätzen. Im Jahre 1876 führten englische Kurgäste in Deutschland das Tennisspiel ein - in Bad Homburg. Man geht links herum und dann wieder rechts zu dem siamesischen Tempel. Zu den illustren Kurgästen, die vor dem Ersten Weltkrieg in Bad Homburg um Heilung für ihre Leiden nachsuchten, war auch König Chulalongkorn aus Siam (heute Thailand). Der König genas, und als sichtbares Zeichen seines Dankes schenkte er  der Stadt einen Tempel im Kurpark (heute Thai Sala). Das kleine, grazile Gebäude aus Fernost steht seit 1914 im Park.

Hinter dem Tempel geht man ein Stück die Paul-Ehrlich-Straße entlang. Links liegt der Schwanenteich mit der großen Fontäne. Man geht aber nach rechts in den Jenny-Baumstock-Weg und in den Kaiser-Wilhelm-Jubiläumspark. Er wurde 1913/14 zum Thronjubiläum angelegt, wie es ein Denkmal in Höhe des Spielplatzes aussagt.

Am Ende des Parks geht es nach links in die Castillo-Straße und die Obergasse. Dort kommt man in eine Fußgängerzone mit schönen Fachwerkhäusern. In der Rathausstraße steht links eines der ältesten Häuser Bad Homburgs. Dann kommen der Rathausturm und der Stumpfe Turm. Es folgt die Landgraf-Ludwig-Schule  von 1869. Dann kommt links das Gasthaus „Zum Korkenzieher“ mit Gewölbekeller und rechts ein Stadttor auf der Ritter-von-Marx-Brücke.

Durch die Herrengasse geht es zum Schloß. Wenn man sich den Schloßpark ansehen will, muß man schon vor dem Schloß nach rechts in den Park gehen. Beeindruckende Bäume, ein großer Teich mit Insel, prächtig bestückte Blumenbeete in dem 17 Hektar großen Park verdrängen den Lärm und erlauben eine Reise in die Vergangenheit.

Im nordwestlich gelegenen Herrengarten stehen zwischen geometrisch angelegten Wegen Apfelbäume und erinnern an den Ökonomie- und Obstgarten der landgräflichen Schloßbewohner.

Südwestlich des Schlosses erstreckt sich stark abfallend der Landschaftsgarten. Am Ufer des Weihers, in dessen Mitte die nach dem Philosophen und Literaten Rousseau benannte Insel liegt, steht ein Ur-Mammut. Alte Zypressen und Korkenzieherweiden säumen die Wege zum ältesten Teil des Parks.

Bad Homburgs Schloßpark ist ein „Platz von Liebesleid und Herzensfreud“. Dafür haben Goethe und Hölderlin gesorgt. So verfaßte Goethe nach einem Besuch in Homburg die Verse „An Lila“. Deshalb heißt ein lauschiges Plätzchen in einer Mulde eben „Goethes Ruh“. Hier stand einst ein Gartenhäuschen unter Schatten spendenden Gehölzen, mit kleinem Gartenvorplatz, in dessen Mitte eine Fontäne sprudelte. Später wurde daraus ein Steinbruch, Mitte der 90er Jahre wurde der Schmuckplatz nach Gemälden aus Ende des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt.

Ein Spaziergang durch den Park führt weiter in den Ende des 17. Jahrhunderts von Landgraf Friedrich II. (der mit dem Silbernen Bein) im holländischen Stil angelegten barocken Teil der Gartenlandschaft vor der Ostfront des Königsflügels. Auffallend sind die ovalen oder rosettenförmigen Teppichbeete, in denen etwa 16.000 Pflanzen sitzen. Sie beschreiben den Park in der Zeit von 1880 bis 1920. Er hat eine Fülle botanischer Raritäten aufzuweisen: eine Eiche- Hainbuche-Mutation oder die gewaltigen Libanon-Zedern, die 1820 vor dem Königsflügel gepflanzt wurden - ein Geschenk des Duke of Cambridge zur Hochzeit seiner Schwester Elizabeth mit Landgraf Friedrich VI.

An dem Brunnen an der östlichen Parkmauer entlang der Löwengasse  befand sich zur Landgrafenzeit ein Belvedere mit Grotte. Just an diesem Fleck soll Hölderlin gestanden haben, um übers freie Feld nach Frankfurt zu seiner (verbotenen) Liebe Susette Gontard zu blicken. In Homburg schrieb Hölderlin den zweiten Teil seines „Hyperion“, Gedichte und Teile von „Tod des Empedokles“.

 

Der Zugang zum Landgrafenschloß ist nur von Norden möglich. Man kommt erst in einen Innenhof und dann in einen zweiten, in dem der Weiße Turm steht. Die Geschichte des Schlosses Homburg reicht bis ins Mittelalter zurück. Noch heute zeugt hier von der Weiße Turm, der ehemalige Bergfried der mittelalterlichen Hohenburg. Die Geschichte des Schlosses Homburg reicht bis ins Mittelalter zurück. Noch heute zeugt hier von der Weiße Turm, der ehemalige Bergfried der mittelalterlichen Hohenburg.

Schon 1192 wird die alte Burg von Gottfried von Eppstein als Stammschloß seiner Vorfahren bezeichnet. Im 13. Jahrhundert kam die Burg zur Hälfte an den Grafen von Katzenellenbogen. Im Jahre 1294 erhielt Graf Eberhard I. vom englischen König Eduard I. die Burg zu Lehen. Im Jahre 1330 kaufte Gottfried V. von Eppstein den Katzenellenbogischen Teil der Burg und gab ihn 1334 dem Kurfürsten Rudolf von der Pfalz zu Lehen. Der 50 Meter hohe Bergfried „Weißer Turm” ist letzter Zeuge der Eppsteinschen Burg (um 1180).

Im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts entstand an der Stelle kleinerer Anlagen eine größere Burganlage unter Ritter Johann Brendel von Hoenberg. Davon blieben nur der tonnengewölbte Keller nördlich des Bergfrieds (der ehemalige Palas) und der heutige „weiße Turm“ erhalten. Am Turm wurde ein 1723 an der Saalburg gefundener Dioritstein angebracht mit der Inschrift: „Der Kaiser Marcus Aurelius Antoninus, dem frommen glücklichen Augustus, obersten Priester, dem größten Britannischen, dem größten Parthischen, im fünfzehnten Jahre seiner Tribunsgewalt, als er dremal Consul war, dem Vater des Vaterlandes, dem Proconsul, seiner Göttlichkeit  hat die ihm ergebene vierte Cohorte der Vindelicier, die die Antonianisiche genannt,  diesen Denkstein geweiht“.

Im Jahre 1486 verkaufte Gottfried X. von Epp­stein Homburg für 19.000 rheinische Gulden an den Grafen Philipp I. von Hanau Münzenberg. Im Jahre 1504 wurde Homburg vom Landgrafen Wilhelm II. von Hessen erobert. und 1521 offiziell an Hessen abgetreten. Nach dem Tod Philipps des Großmütigen erhielt 1567 sein jüngster Sohn Georg I. die Burg, der Gründer der Hessen-Darm­städtischen Linie. Im Jahre 1622 kamen Schloß und Amt Homburg an Landgraf Friedrich I., den Gründer der Hessen-Homburgischen Linie.

Hätte Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt besser mit Geld umgehen können, gäbe es das Homburger Schloss wahrscheinlich überhaupt nicht. Denn dass die kleine Stadt vor der Höhe des Taunus 1622 in den Rang einer eigenen Landgrafschaft erhoben wurde, lag nur daran, dass der Darmstädter Landgraf Ludwig die üppige Apanage nicht mehr bezahlen konnte, die sein Vorgänger, Landgraf Georg L, seinem jüngsten Sohn hinterlassen hatte: 15.000 Gulden im Jahr. Der Sohn, der von 1585 bis 1638 lebte, erhielt anstelle des Geldes Stadt und Amt Homburg und wurde zu Landgraf Friedrich I. von Hessen-Homburg. Er blieb indes ein Herrscher mit beschränkter Macht: Die landesherrliche Gewalt blieb noch lange Zeit beim Darm­städter Hof; erst 1768 erlangten die Homburger Grafen die Souveränität.

Auf eine standesgemäße Residenz mochten die neuen Herren von Homburg freilich trotzdem nicht verzichten. Sie zu errichten blieb dem jüngsten Sohn des ersten Landgrafen, Friedrich II., vorbehalten. Er wurde, da seine Brüder in der Erbfolge vor ihm standen, zunächst Offizier im Dienste des schwedischen Königs. Der rechte Unterschenkel mußte amputiert und durch eine Prothese mit silbernen Scharnieren ersetzt werden, die heute im Schloss ausgestellt ist. Das trug ihm den Beinamen „Landgraf mit dem silbernen Bein“ ein. Dennoch leistete er mit dem versilberten Holzbein („mit dem silbernen Bein“) dem Großen Kurfürsten Dienste als Kavalleriegeneral. In vielen Schlachten hat er sich als „Prinz von Homburg“ Ruhm erworben. Friedrich II. ist auch das historische Vorbild für den „Prinzen von Homburg“ in Heinrich von Kleists gleichnamigem Drama

 

Friedrich II. legte am 14. Mai 1680 den Grundstein zum Schloß. Im Jahre 1680 ließ er auf den Fundamenten einer aus dem 14. Jahrhundert stammenden mittelalterlichen Burg das Homburger Schloss bauen. Von der ursprünglichen Anlage übernahm er nur den knapp 48 Meter hohen Bergfried, den berühmten „weißen Turm“..

Im Jahre 1686 war das Schloß vollendet und wurde 1723 erweitert. Wenn das anspruchsvolle Bauvorhaben auch nie vollendet wurde, so bildet es mit seinen zwei Höfen doch eine der bedeutendsten und größten Palastanlagen des Frühbarocks in Hessen.

 

Der untere Hof wird begrenzt durch die Schlosskirche, den Uhrturm-, den Hirschgang- und den Englischen Flügel sowie den überdachten ehemaligen Durchgang zur lutherischen Schlosskirche. Den oberen Hof umschließen der Archiv-, der Königs-, der Hirschgang- und der Bibliotheksflügel. Auch die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen, in deren Obhut das Schloss sich heute befindet, ist in den Gebäuden untergebracht.

 

Der obere Hof ist nach Westen hin offen. Dort gewährt eine Terrasse einen schönen Blick auf den Taunus und den Schlosspark. Wer weiter blicken will, kann die 174 Stufen des „weißen Turmes“ nach oben steigen. Von dort hat man freie Sicht über Bad Homburg, die Wetterau und den Taunus, im Süden gar bis in den Odenwald hinein. Dieses eindrucksvolle Panorama genossen nicht nur zahlreiche gekrönte Häupter, sondern auch einige berühmte deutsche Dichter und Denker: Neben Heinrich von Kleist auch Friedrich Hölderlin, der um 1804 einige Zeit als Hofbibliothekar in Homburg arbeitete (woran auch eine Dauerausstellung im Schloss erinnert), und Johann Wolfgang von Goethe. Der große Frankfurter lustwandelte 1772 mit der Hofdame Luise von Ziegler in den romantischen Parkanlagen. Deshalb heißt eine kleine, etwas versteckt im Boskett liegende Schmuckanlage heute auch „Goethes Ruh“.

 

Die um zwei Höfe gruppierten Ge­bäude haben barocke Prachtportale und eine Schloßkirche. Das Andenken Friedrich II. verewigt ein über dem Schloßtor in Stein gehauene Reiterfigur sein von Schlüter angefertigtes Brustbild ist über der Tür des rechten Flügels angebracht. . Im nordöstlichen Flügel wurde 1697 die Schloßkirche mit der Fürstengruft darunter geweiht. Zahlreiche Ergänzungs- und Umbauten wurden im 19. Jahrhundert von Georg Moller vorgenommen. Nach dem Aussterben der Homburger Linie kam Homburg 1866 an Hessen-Darmstadt.

Das Homburger Schloss bietet Zeugnisse der Raumkunst vom Barock bis zur Kaiserzeit. Besonders eindrucksvoll präsentieren sich die durch Georg Moller um 1835 geschaffenen Repräsentationsräume im Königsflügel. Einen Höhepunkt klassizistischer Raumkunst stellt der im pompejanischen Stil ausgemalte Speisesaal im Englischen Flügel dar. Landgräfin Elisabeth, Tochter des englischen Königs Georg III., ließ sich hier 1829 ihren Witwensitz einrichten.   Schon legendär ist der eigentümliche Sattelsitz Kaiser Wilhelms II., der für seine Arbeitszimmer üblich war. Die Beinprothese Friedrichs II. ist  ein Meisterwerk historischer Orthopädie

 

Seine Blütezeit erlebte das Homburger Schloss im 19. Jahrhundert. Voraussetzung war, dass Landgraf Friedrich V. von Homburg als einziger der 1803 mediatisierten, also ihrer Hoheitsrechte entkleideten Fürsten 1815 sein an das Haus Darmstadt gefallenes Land zurückerhielt. Es wurde noch vermehrt durch das Amt Meisenheim am Glan, Teil des ehemaligen französischen Departements Sarre. Im Jahre 1818 heiratete Friedrichs Sohn, Landgraf Friedrich VI., die Prinzessin Elisabeth von Großbritannien und Irland, eine Tochter des englischen Königs Georg III. Die „englische Landgräfin“ brachte eine stattliche Mitgift in die Ehe ein, und schon bald begann das Paar, das Homburger Schloss zu einem herrschaftlichen Wohnsitz im Stil des deutschen Klassizismus umzubauen. Am deutlichsten zum Ausdruck kommt der Einfluss Elisabeths im „Englischen Flügel“, ihrem Witwensitz, den sie sich nach dem Tode ihres Mannes 1829 einrichten ließ und der nach langen Renovierungsarbeiten erst seit 1995 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Hier wohnte Kaiserin Viktoria, bis sie das Schloß Friedrichshof in Kornberg bezog. Kaiser Wilhelm stellte 12906 das schloß dem Reichskanzler Bülow zur Erholung zur Verfügung. Wer Bad Homburg einmal zu seinen Füßen liegen sehen will und Treppensteigen nicht scheut, dem sei ein Aufstieg auf den Weißen Turm empfohlen (er ist aber nicht immer geöffnet). Wenn man vom Turm zurückblickt, sieht man das Prunkportal des Landgrafen Friedrich II.

Nach der Annexion Homburgs durch Preußen wählte König Wilhelm I. das Schloss als Sommersitz und ließ für sich und seine Gemahlin zwei neue Wohnungen schaffen - die einzigen kaiserzeitlichen Appartement- folgen, die in einem deutschen Schloss bis heute erhalten geblieben sind. Ein Zeugnis für den Fortschritt der Zeit um 1900 und die damalige Technikbegeisterung ist der Telefonschrank der Kaiserin.

Denn die kleine, aber als souveräner Staat zum Deutschen Bund gehörende Landgrafschaft Homburg fiel nach dem Tod des letzten männlichen Erben 1866 abermals an die Grafen von Hessen-Darmstadt zurück. Die aber mussten das Land nach dem preußischen Sieg gegen Österreich noch im selben Jahr an Preußen abtreten, das Homburg nur zu gern in seine neue Provinz Hessen- Nassau eingliederte. Schon bald entdeckte das preußische Königshaus die Vorzüge eines geräumigen Schlosses in der Taunusstadt, die inzwischen dank ihrer Elisabethen-Heilquellen und eines mondänen Spielkasinos internationale Bekanntheit erlangt hatte (den Zusatz „Bad“ erhielt Homburg gleichwohl erst 1912). Der preußische König und spätere Kaiser Wilhelm I. kam hin und wieder selbst nach Homburg. Vor allein seine Schwiegertochter Victoria aber hielt sich dort gerne und oft auf. Möglicherweise lag das an den überall erkennbaren englischen Einflüssen, denn wie ihre Großtante Elisabeth stammte auch Victoria aus dem englischen Königshaus: Vicky, wie sie oft genannt wurde, war die älteste Tochter von Queen Victoria.

Damals konnte sie nicht ahnen, dass sie irgendwann für immer in den Taunus kommen würde. Doch nach dem Tod ihres Mannes, der nach nur 99 Tagen als Kaiser Friedrich III. einem Krebsleiden erlegen war, kam es zum Zerwürfnis mit ihrem ältesten Sohn, dem neuen Kaiser Wilhelm II. Victoria wäre gerne in der Umgebung von Berlin geblieben, am liebsten im Neuen Palais in Potsdam, wo sie mit ihrem Mann dreißig Jahre lang gelebt hatte. Wilhelm verweigerte seiner Mutter jedoch diesen Wunsch, da er selbst dort einziehen wollte. Victoria erwarb daraufhin nach längerer Suche die Villa Reiss in Kronberg und ließ sie zu Schloss Friedrichshof ausbauen, dem heutigen Kronberger Schlosshotel. Die Aussicht, im Taunus, also weit weg vom Berliner Hof, aber trotzdem noch in Preußen, in einem eigenen Haus leben zu können, tröstete sie bis zu einem gewissen Grade über den Verlust ihres alten Zuhauses hinweg.

Bis ihr neues Domizil bezugsfertig war, wohnte Victoria im „Englischen Flügel“ des Homburger Schlosses. Damit sie die Bauarbeiten besser beaufsichtigen konnte, wurde eigens für

sie ein Reitweg durch den Wald von Oberstedten nach Kronberg angelegt, der heute „Kaiserin-Friedrich-Weg“ heißt. An einer kleinen Brücke erkennt man noch immer die eingemeißelten Initialen V und F für Victoria und Friedrich sowie die Jahreszahl 1891.

 

Schloß-Park:

Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts wird an der mittelalterlichen Hohenburg ein Garten erwähnt. Mit dem Umbau zur landgräflichen Residenz ab 1679 erfolgte unter Friedrich II. die Anlage des repräsentativen barocken Obergartens im holländischen Stil vor der Ostfront des Königsflügel des Schlosses.

Ende des 17. Jahrhunderts errichtete man an der nördlichen Grenze des Obergartens die Orangerie und angrenzende Gewächshäuser. Neben der Kultivierung von Kübelpflanzen nutzte man die Gebäude auch für die Seidenraupenzucht. Die mächtigen Zedern wurden 1822 gepflanzt. Sie stammen aus den Royal Botanic Gardens in Kew und sind ein Geschenk König Georgs IV. an seine Schwester Landgräfin Elisabeth. Die Verzierung der Rasenparterres mit Teppichbeeten geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück.

 

Und natürlich im Garten: Zwar wurde der alte barocke Schlosspark schon um 1770 zu einem zwölf Hektar großen Landschaftspark nach englischem Muster umgestaltet. In dieser Zeit entstand auch der tiefer gelegene gestaltete Gartenbereich mit dem großen Teich, in den man durch das Boskett gelangt. Die Bepflanzung mit exotischen Hölzern stammt aber aus Elisabeths Zeit. Die mächtigen Libanonzedern im Obergarten zum Beispiel waren ein Geschenk des englischen Königs Georg IV. an seine Schwester Elisabeth. Ihren Höhepunkt erreichte die Gestaltung des Parks mit Terrassen, Alleen, Staudengärten und üppig bepflanzten Teppich­beeten auf den Rasenparterres aber erst später unter der Regie der preußischen Hofgartendirektion in Potsdam.

In den tiefer gelegenen, ab 1770 landschaftlich gestalteten Gartenbereich gelangt man durch das Boskett. Ein Spaziergang rund um den Schlossteich eröffnet Blicke in die Umgebung. Die im „Herrschaftlichen Obstgarten“ geernteten Früchte wurden zu Zeiten der Nutzung als Sommerresidenz an den kaiserlichen Hof nach Sanssouci geliefert. In Anlehnung an die lange Tradition des Obstanbaus im Schlosspark erfolgte 2003 die Neubepflanzung des „Herrschaftlichen Obstgartens“ nach historischen Inventarlisten.

Auffallend sind die ovalen oder rosettenförmigen Teppichbeete, in denen etwa 16.000 Pflanzen sitzen. Sie beschreiben den Park in der Zeit von 1880 bis 1920. Er hat eine Fülle botanischer Raritäten aufzuweisen: eine Eiche- Hainbuche-Mutation oder die gewaltigen Libanon-Zedern, die 1820 vor dem Königsflügel gepflanzt wurden - ein Geschenk des Duke of Cambridge zur Hochzeit seiner Schwester Elizabeth mit Landgraf Friedrich VI.

Beeindruckende Bäume, ein Teich mit Insel, prächtig bestückte Blumenbeete in dem 17 Hektar großen Park verdrängen den Lärm, erlauben eine Reise in die Vergangenheit, in die Geschichte der Landgrafen und Landgräfinnen und Dichter.

Bad Homburgs Schloßpark ist ein „Platz von Liebesleid und Herzensfreud“. Dafür haben Goethe und Hölderlin gesorgt. So verfaßte Goethe nach einem Besuch in Homburg die Verse „An Lila“. Deshalb heißt ein lauschiges Plätzchen in einer Mulde eben „Goethes Ruh“. Hier stand einst ein Gartenhäuschen unter Schatten spendenden Gehölzen, mit kleinem Gartenvorplatz, in dessen Mitte eine Fontäne sprudelte. Später wurde daraus ein Steinbruch, Mitte der 90er Jahre wurde der Schmuckplatz nach Gemälden aus Ende des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt.

An dem Brunnen an der Parkmauer entlang der Löwengasse  befand sich zur Landgrafenzeit ein Belvedere mit einer Grotte. Just an diesem Fleck soll Hölderlin gestanden haben, um übers freie Feld nach Frankfurt zu seiner (verbotenen) Liebe Susette Gontard zu blicken. In Homburg schrieb auch Hölderlin den zweiten Teil seines „Hyperion“, Gedichte und Teile von „Tod des Empedokles“.

Südwestlich des Schlosses erstreckt sich stark abfallend der Landschaftsgarten. Am Ufer des Weihers, in dessen Mitte die nach dem Philosophen und Literaten Rousseau benannte Insel liegt, steht ein Ur-Mammut. Alte Zypressen und Korkenzieherweiden säumen die Wege zum ältesten Teil des Parks. Im nordwestlich gelegenen Herrengarten stehen zwischen geometrisch angelegten Wegen Apfelbäume und erinnern damit an den Ökonomie- und Obstgarten der landgräflichen Schloßbewohner.

Als weit in die Landschaft ausgreifende Sichtachse verband die Tannenwaldallee den Homburger Schlossgarten mit weiteren Gärten. Landgraf Friedrich VI. ließ sie Anfang des 19. Jahrhunderts verlängern und zu Ehren seiner Frau „Elisabethenschneise“ nennen. Die Gartenlandschaft wird in Teilen zurzeit wiederhergestellt.

 

Heiliges Grab

Auf dem Reformierten Friedhof am Untertor in Bad Homburg, südlich der Saalburgstraße,  steht seit 175 Jahren eine Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem. Nachbildungen des Heiligen Grabes waren in früheren Jahrhunderten nicht selten. Einige bauten sie für Reliquien, andere ließen sie als Andachtstätte für Daheimgebliebene errichten oder als Ersatz für Pilgerfahrten. Das große Interesse an den Orten Leidens Christi einerseits und die unsäglichen Beschwernisse und Behinderungen der Pilgerfahrt zur Grabeskirche in Jerusalem andererseits  führten seit dem Mittelalter zu architektonischen Nachbildungen des „Bethauses um die heilbringende Höhle“. Insbesondere  die  Kreuzfahrer wünschten auch in der Heimat das Heilige Grab durch architektonische Kopien sichtbar zu machen.  Oftmals wurde es als persönliche Erinnerung gestiftet, etwa für die glückliche Heimkehr vom Kreuzzug. Eine Nachbildung ersetzte eine Wallfahrt, galt sie doch gleichsam als „Pilgerfahrt im Geiste“.

Vorher befand sich die Kapelle seit 1490 auf dem kleinen „Todtenhof“ neben der Marienkirche in Gelnhausen. Doch das Gebäude, das angeblich ein Ratsherr und Tuchhändler der Barbarossa-Stadt als Erinnerung an seine Pilgerreise hatte bauen lassen, war den Stadtoberen von Gelnhausen 1825 ein Dorn im Auge. Sie wollten die Leipziger Straße erweitern, deshalb mußte das Gemäuer weichen. Landgraf Friedrich Vl. von Hessen-Homburg indes wollte das Bauwerk für 500 Gulden kaufen und vor der Zerstörung retten.

Im Jahre 1824 hatten der Landgraf und seine Frau Elisabeth von einem mittelalterlichen Grabmahl in Gelnhausen gehört, das eine Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem sei. Friedrich zeigte sich interessiert  und  generös  und beschloss, die Kapelle für 500 Gulden Stück für Stück abtragen und in Bad Homburg originalgetreu wieder aufbauen zu lassen. Es wurde ein genaues Verzeichnis angelegt, jeder Stein numeriert und auf Wagen nach Homburg transportiert. Beim Aufbau entdeckte man auf dem Grundstein die Jahreszahl 1490. Der Bau stammte von einem Ratsherrn und Tuchmacher der Stadt, der ihn nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land errichtet hatte.

Stein um Stein wurde die Heiliggrab-Kopie abgetragen und nach Homburg verfrachtet. Sechs Wochen dauerte der Wiederaufbau. Doch trotz Skizzen, Bauplänen und großer Sorgfalt sah das Heilige Grab nach der Umsiedlung anders aus.

Die Restaurierung des Monumentes, zu der eine Friedhofsbegehung am „Tag des offenen Denkmals“ den Anstoß gegeben hatte, begann Anfang des Jahres 2003. In Bad Homburg sind Gemeinschaftsaktionen zum Erhalt bedeutender  Kulturdenkmäler  nichts Ungewöhnliches. Bei diesem Vorhaben, an dem das „Landesamt für   Denkmalpflege Hessen“, die „Evangelische Kirche in Hessen und Nassau“, die Bad Homburger  Erlöserkirchengemeinde, die Stadt, der Lions-Club, sowie Architekten und Handwerker beteiligt waren, spielte gleichwohl eine Besonderheit hinein: Das historische Monument hat keinen   Eigentümer. Das  „Heilige  Grab“ steht zwar auf dem Friedhof, den die Erlöserkirchgemeinde pflegt, Pfarrer Alexander von Oettingen weiß aber aus dem Studium alter Schriftwechsel, dass die preußische Verwaltung im 19. Jahrhundert alle Verpflichtungen zur Unterhaltung stets weit von sich gewiesen hat.

Pfarrer von Oettingen hat, stellvertretend für alle Helfer und Sponsoren, 2004 den Hessischen Denkmalschutzpreis erhalten. Am „Tag des offenen Denkmals“ ist das „Heilige Grab“ auf dem ehemaligen reformierten Friedhof von 11.00 bis 15.00 Uhr zu besichtigen.

 

Man verläßt das Schloß wieder auf dem Weg, den  man gekommen ist, geht aber nun nach rechts durch die Orangeriegasse. An ihrem Ende sieht man rechts durch die Löwengasse die Evangelische Erlöserkirche von 1908, eine neuromanisch Kirche unter Jugendstilein­fluß, mit Marmor und Goldmosaiken ausgestattet, vor allem mit dem großen Christus-Mosaik.

Man geht aber nach links zum Markt mit dem Laternenbrunnen und nach rechts in die Louisenstraße, die Einkaufsstraße Bad Homburgs. Man kommt an einem Kriegerdenkmal von 1871 vorbei und blickt zur Marienkirche. Rechts kommt dann das Kaiserliche Postamt und links das Kurhaus. An diesem geht man rechts vorbei wieder über die Kaiser-Friedrich-Promenade nach rechts in den Kurpark.

Man kommt zu den Denkmälern der Kaiserin Friedrich und Kaiser Friedrichs III. Dort geht es erst links weiter und dann wieder nach rechts in den Kurpark. Man geht dann aber nicht in den Lindenweg, sondern etwas weiter links zum Restaurant „Am Römerbrunnen“. Dort steht links der „Samariterbrunnen“.

 

In der Ferdinandstraße geht man nach links zur englischen Kirche und zur russischen Kirche. Am 31. Dezember 1872 rollte die Kugel in der Spielbank zum letzten Mal, die russischen Spieler und Gäste aber blieben in der Kurstadt, sie hatten Bad Homburg liebgewonnen. Um ihre Verbundenheit mit der Kurstadt auch äußerlich zu dokumentieren, ergriff der in Bad Homburg wohnende Wirkliche Geheime Staatsrat Alexander von Proworoff die Initiative, eine Kapelle im Kurpark errichten zu lassen. Er bemühte sich in St. Petersburg auch um die Beschaffung der Mittel für den Bau. Mit der Planung und Bauausführung wurde der Architekt Professor Louis Benois aus St. Petersburg (1856-1928) beauftragt. Der Entwurf ist dem altrussischen Baustil des 16. und 17. Jahrhunderts nachempfunden.

Am 16. Oktober 1896 erfolgte in Gegenwart des Zaren Nikolaus II. und seiner Gemahlin Alexandra die Grundsteinlegung, wobei der Zar selbst die beiden untersten Ziegelsteine kreuzweise über den Grundstein vermauerte. Das Grundstück für die Allerheiligen-Kirche wurde auf einem von der Stadt Bad Homburg zur Verfügung gestellten Grundstück im Kurpark errichtet. Der Kaiserliche Baurat Prof. Louis Jacobi aus Homburg übernahm die örtliche Überwachung der Bauarbeiten und erstellte die Werkpläne für die Bauausführung.

Der Architekt entwarf einen im Innern pfeilerlosen, kuppelgewölbten Raum mit einer kleinen Vorhalle. Die lichte Höhe des Innenraumes beträgt 7,50 Meter, die Gesamthöhe des Gebäudes 16 und des vergoldeten Kreuzes 2,30 Meter. Auf schiefergedecktem Dach ruht der Zentraltambour mit der traditionellen, mit vergoldetem Kupfer belegten Zwiebelkuppel mit orthodoxem Kreuz.

Südöstlich ist dem Gebäude eine unterkellerte Sakristei angebaut, deren Dach von einem vergoldeten Kreuz gekrönt wird. Der Portikus ist von einem steilen Satteldach gedeckt, auf dem sich wiederum ein orthodoxes Kreuz befindet. Im Giebelfeld, über dem Eingang ist das „Nicht von Menschenhand geschaffene Christusbild“ oder „Mandylion“ dargestellt. Die ornamentalen, vergoldeten Dachfriese, sowie die bunten Majolikakacheln aus Mettlach, zeigen den Zeitgeschmack des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Der Innenraum mit der reich geschnitzten lkonostase wurde im Laufe der Zeit mehrmals neu gestaltet. Eine figürliche Ausmalung, wie sie auch in den Originalplänen des Architekten vorgesehen war, wurde aber erst im Jahr 1981 realisiert, als der lkonenmaler Adam W. Russak (geb. 1921) mit der Ausmalung beauftragt wurde.

Im Jahre 1899 wurde die russisch-orthodoxe Kapelle geweiht. Auch heute noch zählt die Russische Kapelle zu den Sehenswürdigkeiten in der Kurstadt. Sie wird heute noch von der Russisch-Orthodoxen Gemeinde als Gotteshaus genutzt. Entlang der Kaiser-Friedrich-Promenade kommt man wieder zum Parkplatz.

 

Radtour durch die Gartenlandschaft:

Westlich des Homburger Schlosses sind zwischen 1770 und 1830 monumentale Gärten unter der Leitung des Landgrafen Friedrich V. (1748-1820) und seiner Frau Caroline (1748–1821) und  dann unter Friedrich VI. und der englischen Königstochter Elisabeth entstanden. Den Gedanken der Aufklärung folgend und beeinflußt von Rousseau wurde der Schloßpark in einen Landschaftsgarten umgewandelt. Landgraf Friedrich und seine Gattin Caroline waren von einem romantischen Naturver­ständnis beseelt, das aus der kleinen Residenz Homburg ein gärtnerisches Gesamtkunstwerk machte.

Die Eheleute hatten fünf Söhne: Der älteste Sohn war Friedrich (später Landgraf Friedrich VI., 1769-1829), dann Louis, Ferdinand, Gustav und Philipp. Im Jahre 1818 heiratete Friedrich VI. die englische Königstochter Elisabeth (1770-1840), die auch wieder neue „Gärten“ schuf. Nicht weniger als zehn Flächen wurden im „englischen” Landschaftsstil ge­staltet oder umgewandelt - vom Schloßpark bis zum Großen Tannenwald. Die Bad Homburger Gartenlandschaft besteht aus Schloßpark, Tannenwaldallee, Prinzengärten (Englischer Garten,  Louisgarten, Ferdinandsgarten, Gustavsgarten, Philippsgarten), Kleiner Tannenwald, Großer Tannenwald mit gotischem Haus, Hirschgarten, Forstgarten und Elisabethenschneise.

Diese Gartenlandschaft wird auf der Radtour in umgekehrter Reihenfolge besucht. Wenn man westlich um das Schloß herumfährt, kommt man an der Straße nach Usingen (Saalburgstraße) vorbei und biegt ein kleines Stück weiter links in die nächste Straße (Am Heuchelbach) ein. Dort ist ein großer Parkplatz. Dann fährt man mit dem Rad wieder das Stück zurück bis zur Saalburgstraße. An ihrem Beginn befinden sich zwei Friedhöfe. Der linke ist der reformierte Friedhof mit der Nachbildung des Heiligen Grabes in Jerusalem (siehe Rundgang durch die Stadt).

Dann fährt man die Saalburgstraße hoch (ein Weg nördlich des Heuchelbaches bringt nichts). Man kommt in die Lindenallee und biegt am Landgraf-Friedrich-Platz  (Schild Hirschgarten) nach links ab in den Güldensöllerweg. Man muß aber auf der aufwärts führenden Allee bleiben (nicht nach links in den Tannenwaldweg einbiegen).

Nach links biegt man durch ein schmiedeeisernes Tor in das Gestüt Erlenhof ein, dessen Pferde mehrfach den Deutschen Derbysieger stellten. In dem parkähnlichen Gelände stehen mehrere schöne Fachwerkhäuser, die Ställe für die Tiere. Von den zentralen Gebäuden aus müßte auch noch ein Weg nach Westen und Süden direkt zum Hirschgarten gehen. Oder man fährt um das Zentrum des Gestüts herum und links hinunter (der Weg nach oben führt schon sehr ins Gebirge). Es geht stark bergab und man kommt wieder am Tannenwaldweg in Höhe des Forellenteichs heraus.

Man biegt nach rechts ab und muß nun ständig aufsteigen. Wenn m an sich schon kurz vor dem Gotischen Haus befindet, geht es rechts hoch, an der Forellenzucht vorbei und immer weiter bis zum Hirschgarten. Hier ist man dann im Großen Tannenwald, dem Endpunkt einer gestalteten Landschaft zwischen Schloß und Taunus.

Gotisierende Bauwerke in Landschaftparks waren in England und bald darauf auch auf dem Kontinent vor allem zu Beginn des 19. Jahrhunderts beliebt. Die Verbindung von Landschaft und gotischer Architektur entsprach dem romantischen Lebensgefühl. Grotten und Bauernhäuschen, verschlungene Pfade und Teichanlagen, Pavillons und Chinoiserien, Kaskaden und Jagdhäuser, Tiergärten, Fasanerien und Krausbäumchen waren ein Gegenbild des französischen Absolutismus. Die schwelgerisch und ungeometrisch entworfenen Anlagen lassen jene Pracht erahnen, die den „blos dem Patriotismus gewidmeten Wald“ und seinen Landuradel trennte von der armen Bauernbevölkerung, von den städtischen Handwerkern, den Waldarbeitern und den allzu republikanischen Gesinnungen einiger Dichter.

Der Große Tannenwald wurde ab 1771 von Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg angelegt  als „Lusthain“ im Geist der Empfindsamkeit des ausgehenden Rokoko bzw. frühen Klassizismus. In dieser Phase gewinnt der natürlich gewachsene einzelne Baum Bedeutung in der Gartenkunst. Der Taunus war bis in das 17. Jahrhundert ein reiner Laubwald. Der Große und Kleine Tannenwald trugen ihre Namen zu Unrecht: Sie waren stets durch Laubbäume geprägt und hatten in ihrer Blütezeit eher den Charakter von Lustgärten als von Wäldern. Mit dem Begriff „Tanne“ wurden Nadelgehölze damals allgemein bezeichnet und sie galten als exotisch. . Kein Wunder, daß sich ein Johann Heinrich Merck in ein Feenreich versetzt fühlte, als er im „Großen Tannenwald“ mit Goethe und dem Homburger Landgrafenpaar wandelte.

Der Große Tannenwald war als annähernd gleichseiti­ges Dreieck angelegt, durchzogen von regelmäßigen, sich kreuzenden Wegen. Dazu gesellten sich scheinbar „gewachse­ne” Pfade, hinführend zu versteckten Ruhestätten, Holz- und Birkenhütten, „Eremitagen”, und den viel bestaunten Nadelgehölzen, in erster Linie als „Solitäre” gepflanzte Douglasien und Tannen. Selbst der natürliche Landbau fehl­te nicht. Ein Nutzgarten und vier Fischteiche versorgten den landgräflichen Hof. Vieles davon ist verloren. Dafür wirken die Bäume heute fast urtümlich, knorrige Eichen und hohe Buchen wechseln mit den dunkel dräuenden Na­delbäumen.

Als Besonderheit findet sich noch heute das „Pferds Begräbnis“', das Grab des Leibpferdes des Landgrafen mit der Inschrift: „Hier liegt das schönste Pferd begraben - das alle Tugenden vereint - könnt man mit Tieren Freundschaft haben - so läge hier mein Freund“.

Der heutige Baumbestand weist Fichten, Douglasien, Buchen und Eichen auf. Der Große Tannenwald als überregional bedeutendes Belegstück für den „Einbruch des Natürlichen“ in die deutsche Gartenkunst des 18. Jahrhunderts vermittelt heute dem unvorbereiteten Besucher den Eindruck eines gewöhnlichen Waldstücks. Jedoch sind trotz der Vernachlässigung die Grundstrukturen der ursprünglichen Anlage vorhanden. Deren Herausarbeiten z. B. durch Freilegen der zugewachsenen Wegeachsen und Wiedergewinnung der Gewässer wäre ein denkmalpflegerisches Ziel, dessen Verwirklichung sich lohnte.

 

Landgraf Friedrich VI. verlängerte die Tannenwaldallee mit der Elisabethschneise, an der seine Frau den Forstgarten mit Teich, Teehaus und Lindenallee anlegte und eine Baumschule errichtete.

Später wur­de dieser Weg als Elisabethenschneise auf den Taunuskamm verlängert. Auf ihr kann man noch einen Abstecher machen zum Peter-Schall-Haus und zu den Elisa­bethensteinen, einer Felsgruppe, und noch ein Stück weiter bis zum Leopoldstein.

Etwa 200 Meter oberhalb des Hirschgartens gegenüber der Buswendeschleife geht es rechts in den anfangs schnurgeraden Weg mit der Markierung rotes Kreuz. Die Tafeln eines Waldlehrpfades orientieren über die Zusam­mensetzung des Bad Homburger Stadtwaldes: „Nur” 40 Prozent der Bestände sind Fichten. Selbst dieser Anteil soll noch zurückgedrängt werden. Teilweise wurden die nach den großen Stürmen 1990 frei gewordenen Flächen sogar der na­türlichen Sukzession überlassen. Als erstes hat sich dort die Birke angesiedelt. Im Forstgarten sind noch das Teehäuschen und ein großer Teil der exotischen Gehölze vorhanden.

 

Der Hirschgarten. besteht be­reits seit 1696. Eine kleine Pforte führt zu Minigolf und Gaststätte, die Autozufahrt ist etwas weiter oben. Das nächste Ziel ist das gotische Haus. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Vom Leopoldstein kann man abwärts zum Obelisken und auf der Obeliskenschneise nach Osten fahren. Auf dem König-Wilhelm-Weg geht es dann nach Süden zur Mölschermühle und auf dem Mühlenweg östlich zur Hardertsmühle und Fischersmühle. Nach Norden kommt man über den Furthweg und die Kreuzallee zu einer Wegspinne. Man kann die Strecke aber auch abkürzen, indem man an der Kreuzung oberhalb des Hirschgartens nach Süden auf den König-Wilhelm-Weg fährt und dann gleich wieder links auf der Ferdinandschneise parallel zu der Teerstraße nach unten oder den zweiten Weg links auf der Obeliskenschneise zur Kreuzallee. Von der Wegespinne geht es dann in direkter Verlängerung der Elisabethenstraße rechts von der Teerstraße hinunter zum Gotischen Haus.

 

Das Gotische Haus war zwischen 1823 und 1826 am Rande des Großen Tannenwaldes, dem bevorzugten Jagdrevier des Landgrafen Friedrich VI.  mit dem Bau des Gotischen Hauses begonnen.

Der Hessische Oberbaurat Moller konnte es zusammen mit der Landgräfin Elisabeth erst nach dem Tod des Landgrafen vollenden.

Das  Lusthaus hatte in seiner baulichen und gartenarchitektonischen Wirkung sein Vorbild in Horace Walpoles neugotischem Landhaus Strawberry Hill von 1751. Als Mittlerin und Initiatorin hat Landgräfin Elisabeth Einfluß auf die Architektur des Gotischen Hauses genommen. Als Architekt gilt der Darmstädter Georg Moller, obwohl für ihn wobei für Moller lediglich ein unausgeführter Entwurf zur Ausstattung eines Saales überliefert ist.

Das Gotische Haus wurde nie vollendet. In romantischer Empfindsamkeit stellte die Landgräfin das Bauvorhaben ein, als mehrere Handwerker durch ein einstürzendes Gerüst zu Tode kamen. Das unfertige, ungenutzte Jagdschloß, am Waldrand gelegen. war von Anfang an in seiner Substanz gefährdet und bedurfte des Schutzes.

Dieser war spätestens vonnöten, als 1913 das Anwesen von der staatlichen Forstbehörde an einen Privatmann verkauft wurde. Keinem Geringeren als Wilhelm II. persönlich lag der Erhalt des Gotischen Hauses am Herzen. Er zeichnete den Kaufvertrag mit dem Zusatz ab: „Denkmalschutz grundbuchlich sichern“. Die Eintragung in das Grundbuch zugunsten des Denkmalschutzes war die einzige Rechtsgrundlage, mit der die Erhaltung des Gotischen Hauses bis 1974 durchgesetzt werden konnte. Vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, den Jahren des Wiederaufbaues und des wirtschaftlichen Wohlstandes, wurde der Druck zur baulichen Veränderung bis hin zum Abbruch immer stärker.

In den ersten Nachkriegsjahren wurde zwar noch in der alten Form ein Ausflugscafé mit Gartenwirtschaft betrieben. Doch schon 1956 wurde es durch einen dunkelblauen Außenanstrich mit signalroten Tür- und Fenstergewänden zur Kneipe, über deren Zugang knapp zehn Jahre später der Name „Ponderosa“ um Gäste warb.

Dies war jedoch noch nicht die schlimmste Zeit für das Gotische Haus, sie kam erst 1967, als Spekulanten das Anwesen erwarben. Durch geschicktes Taktieren und Täuschung versuchte man, den Abbruch des historischen Gebäudes durchzusetzen. Mit der Unterstützung nur sehr weniger Bad Homburger Bürger kämpfte der damalige Landeskonservator von Hessen, Prof. Kiesow, rechtlich abgesichert lediglich durch den kaiserlichen Grundbucheintrag, bis vor das Verwaltungsgericht für den Erhalt des Gotischen Hauses. Den Neubau von mehreren Hochhäusern mit bis zu sieben Geschossen in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem historischen Gebäude konnte er jedoch nicht abwenden, denn der Rechtsbegriff des Umgebungsschutzes, wie er heute im § 16, Absatz 2 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes formuliert ist, war aus der Grundbucheintragung nicht interpretierbar.

Am 9. und am 10. Dezember 1980 brannte durch vorsätzlich gelegte Feuer das Innere des längst zur Ruine gewordenen Jagdschlosses völlig aus. Durch das Löschwasser bildete sich in Kürze eine dicke Eisschicht rund um das Gebäude, so daß Streufahrzeuge zum Einsatz kommen mußten. Es wurde viel spekuliert, warum gerade jetzt, nachdem die Instandsetzung des Anwesens endlich in greifbare Nähe gerückt war, ein Brandstifter glaubte, auf seine Weise vollendete Tatsachen schaffen zu müssen.

Die eigentliche Wende kam erst, als eine Großbank das Gotische Haus aus der Konkursmasse der Immobilienspekulanten übernahm. In der Zeit zwischen 1981 und 1984 wurde das Gebäude instand gesetzt. Es beherbergt heute das Stadtarchiv und das Hutmuseum. Der „Homburg“, ein in aller Welt bekannter Hut, wurde 1882 kreiert. Der Prinz von Wales, später König Eduard VII. von England, weilte in der Kurstadt und entdeckte bei der Hutmacherfamilie Möckel einen Hut, der ihm gefiel. Es war ein silbergrauer Filzhut mit einer leicht hochgezogenen Krempe und schwarzem Rand. Was dem modebetonten Prinzen gefiel, wollte bald die ganze Welt haben. Der „Homburg“ trat seinen Siegeszug an. Der Clou: In einen geteilten, bis an die Decke reichenden Chapeau claque kann man wie in einer kleinen Höhle hineingehen. Modell und Texttafeln in beiden Huthälften erklären, was der Mann von Welt mit einer lässigen Handbewegung ausführt: mit Hilfe des Klapp­mechanismus den zusammengedrückten Zylinder zur vollen Größe aufspringen lassen.

 

Vom Gotischen Haus führt die Tannenwaldallee schnurgerade in die Stadt auf den nördlichen Eckpavillon des Schlosses zu. Der Große Tannenwald bildete den Endpunkt dieser Allee und gab ihr den Namen. Als bauliche Attraktion und als Fixpunkt entstand das Gotische Haus.

Landgraf Friedrich V. ließ 1770 die Tannenwaldallee anlegen und mit Säulenpappeln bepflanzen. Im Jahre 1770 zunächst als Pfad angelegt und 1820 begradigt, wurde die Allee nie von Tannen gesäumt, sondern von Pappeln. Heute ist die Tannenwaldallee nur noch als Achse erkennbar, eine einheitliche Bepflanzung fehlt. Die Allee wird durch die Hohemarkstraße brutal unterbrochen, man kann sie nur zu Fuß überqueren.

 

Im unteren Teil der Tannenwaldallee schließen sich links und rechts die Prinzengärten an. Landgraf Fried­rich V. schenkte seinen fünf Söhnen Grundstücke entlang der Tannenwaldallee. So entstanden der spätere Englische Garten des ältesten Sohnes Friedrich (später Friedrich VI.), der Louisgarten, der Gustavsgarten, der Ferdinandsgarten und der Philippsgarten. Ferdinands- und Philippsgarten werden heute als Baumschule und Ackerland genutzt.

Zum Schutz der 838 (!) Pappeln an der Tannenwaldallee wurde eigens ein Wärter eingestellt werden - an der heutigen Hausnummer 76 stand daher seit 1775 das „Alleehaus“. Es ist etwas von der Straße zurückgesetzt, aber oberhalb der Hausnummer 76 zu finden (auf der westlichen Seite der Straße).

 

Nach Westen zweigt die Kreuzallee ab, über die man zum Kleinen Tannenwald kommt. Im Jahre 1818 heiratete Friedrich VI. die englische Königstochter Elisabeth (1770-1840), eine mit den Ideen der englischen Gartenkunst eng vertraute und begabte Künstlerin. Landgräfin Elisabeth war als Engländerin mit den Parklandschaften ihrer Heimat vertraut und erweiterte die Gartenanlage des Schlosses bis weit in den Taunus hinein. 

Die besondere Liebe Elisabeths aber galt dem Kleinen Tannenwald, den sie von ihrer Schwiegermutter als Geschenk erhielt. Gemeinsam mit seiner Frau Caroline legte Friedrich V. südlich der Allee den Kleinen Tannenwald im anglo-chinoisen Stil an. Er hat im heutigen kleinen Tannenwald eigenhändig Nadelbäume (Fichten) gepflanzt.

Nach dem Tode seiner Eltern überließ Ludwig VI. den Kleinen Tannenwald seiner Frau zur freien Gestaltung und Nutzung auf Lebenszeit, der so zum wertvollsten Schmuckstück der gräflichen Gartenkunst wurde. Fünfstellige Summen wurden in den Jahren 1822 bis 1825 für Pflanzen und Stecklinge ausgegeben. Diese investierte die Landgräfin Elisabeth in den Kleinen Tannenwald, um aus ihm ein Schmuckstück landgräflicher Gartenlandschaft zu kreieren. Der Kleine Tannenwald galt als die „unstrittig schönste Partie um ganz Homburg“. Er wird gerühmt als „ein Zauberwald mit mächtigen Buchen, bizarren Baumstümpfen und einem dichten Teppich aus Efeu und Kräutern“.

Der „Wald“ war damals kunstvoll mit „unzähligen. blühenden Gehölzen“ angelegt war. Es gab chinesische Tempelchen, ein kleines Teehaus, einen großen Teich mit Insel, darauf eine offene Kolonnade. Elisabeth errichtete am Rand des Kleinen Tannenwalds auch einen Musterbauernhof  mit Schweizerei und Meierei  und bezog dort eine  eigene Wohnung.

Der Wald steht seit 1988 unter Denkmalschutz und konnte im Jahr 2000 mit Hilfe des Rotaryclubs von der Stadt erworben werden. Seitdem konnten einzelnen Elemente wie das Eingangstor, der Teich mit Insel, Brücke und Kolonnade wieder hergestellt werden. Aber im Grunde ist er heute nichts anderes als ein gewöhnlicher Wald mit einem großen Teich am Anfang. Auch von den Ruinen der Meierei (sie wurde 1892 auf Fundamenten von 1832 wieder erbaut) ist nichts mehr zu sehen, in dem Wald findet sich nur ein etwas heruntergekommenes Privathaus jüngeren Datums.

 

Man fährt vom Kleinen Tannenwald wieder zurück Richtung Tannenwaldallee. Heute beginnen hier die noch einigermaßen erhaltenen Prinzengärten. Die Söhne von Landgraf Friedrich V. sind allerdings nicht als Kinder, sondern erst nach seinem Tod als reife Männer zu den Grundstücken gekommen - und zwar über Landgraf Friedrich VI., ihren ältesten Bruder. Ferdinand etwa hat den „Ferdinandgarten“ am 24. April 1823 zu seinem 41. Geburtstag geschenkt bekommen.

An der Ecke Kreuzalle/Tannenwaldallee liegt rechts der Gustavsgarten, der einer Klinik als Park dient. In ihm ließ 1899 Bankier Julius Wertheimer eine Villa errichten. Die jüdische Familie wurde von den Nazis enteignet. Im Jahre 1948 übernahm der Verein „Hirnverletztenheim“ den Garten, in dem jetzt eine neurologische Klinik ist. An dem großen Tor in der Tannenwaldallee kann man auf die offene Wiese sehen. Hier kann man noch die Weitläufigkeit des ursprünglichen englischen Landschaftsgartens erahnen - auch wenn viele Büsche überaltert sind. Aber den 1830 errichteten dorischen Tempel mit vier Säulen, der heute als Kapelle dient, kann man nicht sehen. Unterhalb dieses Gartens ist noch die Straße „Im Prinzengarten“ zu finden.

Auf der anderen Seite der Kreuzung ist heute auf der nördlichen Seite der Tannenwaldallee ein Garten angelegt, der etwas von der einstigen Gartenlandschaft vermitteln soll. Hier sind aus Buchsbaumhecken Tiere und andere Gegenstände geschnitten.

Daran schließt sich der Englische Garten an, der ursprünglich bis zum Schloßgarten reichte. Landgräfin Elisabeth entwarf den Plan für den Englischen Garten mit exotischen Bäumen, Laubengängen, Pavillons und blühenden Sträuchern. Er ist heute ist parzelliert und bebaut, seit 1966 wurde er für Bungalows aufgeteilt. Er halten blieb nur ein öffentlicher Spazierweg. Er führt oberhalb des Hauses Nummer 26 an einem Riesenlebensbaum vorbei zum 1871 errichteten Landgrafendenkmal. Der steinerne Stamm mit vier Löwen erinnert an das 1866 ausgestorbene Haus, dem Bad Homburg die Gartenlandschaft verdankt.

Gegenüber lag der Louisgarten, der im 19. Jahrhundert eine „Heil- und Kaltwasserbadeanstalt“ beherbergte (Rhein-Main, 18).

 

 

Kirtorf:

Wenn man westlich um das Schloß herumfährt ist die zweite Straße nach der links abbiegenden Saalburgalle der Gluckensteinweg. Hier steht in Höhe der Altkönigstraße auf der rechten Seite unterhalb der Glascontainer einer der wenigen Menhire in Hessen, der Gluckenstein. Er war ursprünglich ein über zwei Meter hoher, unbehauener Quarzitblock. Er wird bereit 1536 erwähnt als „Grenzstein am Hubeweg“ (heute Gluckensteinweg) zwischen den Gemarkungen Kirdorf und Homburg. Der Gluckensteinweg führt zum Vorort Kirtorf. And er Straße ist auch links ein jüdischer Friedhof.

Der Bad Homburger Stadtteil Kirdorf hat ein Freiland-Apfel­baum-Museums aufzuweisen. Nicht unbeteiligt an der Gesamtkonzeption des Kurparks war das benachbarte Dörfchen Kirdorf. Seine Gemarkung reichte bis ins heutige Quellenzentrum hinunter. Noch bis 1820 beacker­ten die Kirdorfer Bauern dort ihre Felder. Dieses Tal tauschte Homburg als Luxusbad der Kaiser und Könige weitsichtig gegen einen Landstreifen außerhalb ein. Er fiel wieder an die Stadt zurück, als Kirdorf 1901 eingemeindet wurde. Die katholische Pfarrkirche St. Johannes (1858–62) hat eine Jugendstilausmalung von 1925 (Wanderung in Elvira Klein, Rhein-Main, 39).

 

Herzberg

Eine Anfahrt ist über die Straße von der Saalburg nach Südwesten möglich.

Tatsächlich ist der 591 Meter hohe Bad Homburger Hausberg auf dem Taunuskamm nordöstlich des Sandplacken, nördlich des Bleibiskopfs, mit der Berggaststätte und dem Aussichtsturm ein beliebtes Ziel für gemeinsame Unternehmungen von Eltern, Schülern und Lehrern. Vom Saalburg-Kastell wählt man den ruhigen Waldweg mit dem Dreieck-Symbol statt der viel begangenen Fahrstraße für den Aufstieg. Zuerst geht es durch Laubwald über Stock und Stein, das Rauschen der Bundesstraße noch im Ohr, bis ein breiter Weg durch dunkle eintonige Fichtenkulturen führt. Kurz vor dem Ziel mündet der Weg in die Fahrstraße.

Oben besteigt man den steinernen, im Jahre 1910/11 vom Taunusklub erbauten Aussichtsturm und blickt von der geschlossenen Plattform auf Bad Homburg und Oberursel herab. Im bewaldeten Osten sieht man die weißen Quarzitwerke bei Wehrheim. Im Treppenhaus stehen auf einer alten Schrifttafel die Namen der mit dem Bau des Turmes beauftragten Handwerker aus Anspach und Homburg. Den Rückweg geht man über die kürzere, bequeme Fahrstraße. Östlich des Herzbergs ist der Marmorstein.

Berggaststätte Herzberg, Telefon 06172/1455951. Öffnungszeiten Dienstag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag und Samstag, 10 bis 23 Uhr, Sonn- und Feiertag 10 bis 21 Uhr.

 

Ober-Eschbach

Landwirte wünschen sich fürs wirtschaftliche Arbeiten große, freie Ackerflächen und wollen sich nicht mindestens zehn Meter breite, gestaltete Grünstreifen durch die Fluren pflanzen lassen. Bei der Bauernfamilie Maurer in Ober-Eschbach ist das anders. Sie haben ihren Hof westlich der Autobahn nördlich der Homburger Straße von Ober-Erlenbach nach Ober-Eschbach. Von der Homburger Straße biegt nach Norden als erste Straße die Straße „Bienäcker“ ab.

Maurers haben sich gleich mit ihrem gesamten Hof in den Regionalpark Rhein-Main eingebracht: als Lernbauernhof für Kinder aus dem verstädterten Ballungsgebiet, die eher die Nashörner im Frankfurter Zoo aus der Nähe kennen als Kühe und Schweine im Stall. Morgen für Morgen pilgern seit drei Jahren Schulklassen und Kindergartengruppen zum Maurerschen Hof am Ortsrand Ober-Eschbachs, streicheln die sieben Kühe samt dem Kälbchen im Stall, probieren sich im Melken, locken die Schafe auf der Weide, schmusen mit Katz und Hund, ernten Erbsen, Rüben oder Kartoffeln vom Lernacker und nehmen Basiswissen in Sachen Ackerbau und Viehzucht mit nach Hause.

Zwei Biologen, die sich als Halbtagskräfte eine ABM-Stelle auf dem Hof teilen, erarbeiten mit Gerhard Maurer Unterrichtsmaterial für die landentwohnten Kinder. Da werden dann Eier geholt, wird aus Körnern Mehl gemahlen, werden aus den frisch geholten Zutaten in der Versuchsküche Pfannkuchen gebacken. Ein andermal dreht sich alles um Getreide, um Arten der Tierhaltung oder um Methoden der Landwirtschaft im Wandel der Zeit.

Für den 53jährigen Gerhard Maurer hat sich mit der Idee des Lernbauernhofs entlang der Regionalparkroute eine ideale Alternative zur Hofaufgabe eröffnet. Seine Kinder ergreifen alle andere Berufe, er und seine Frau hätten den Hof nicht alleine weitergeführt. Unterstützt vom Landesamt für Landwirtschaft in Usingen, baute Maurer die Hälfte seines Kuhstalls zum Tagungs- und Spielraum um mit Küche, Toiletten und Schaufenstern direkt zu den Kühen und Schweinen. Ein Trägerverein hat die Lehrräume zunächst für fünf Jahre gemietet, sonstige Kosten werden über Eintritte der Kindergruppen und Sponsoren gedeckt. Mit dem Ausbau der Regionalparkrouten im Hochtaunuskreis soll ein Lehrpfad durch den Hof und das angrenzende Feld führen.           

Lernbauernhof Maurer, Bienäcker 4, 61325 Bad Homburg/Ober-Eschbach, Telefon und Fax: 06172142208 (www.lernbauerhof-rheinmain.de). Trägerverein: 069/95730276. Nach Voranmeldung sind auch private Ausflügler willkommen.

 

 

Oberursel:

Oberursel war Hauptort der Hohen Mark, die sich zwischen Homburg, Oberursel und Reifenberg erstreckte. Diese Hohe Mark umfaßte nur den Wald an sich, machte aber die Ansiedlung im Wald unmöglich. Am St. Katharinentag versammelten sich die Märker auf dem Märkertag in Oberursel, um dem königlichen Waldboten (meist ein Graf aus der Nähe) die Rechte der Mark zu „weisen“. Das erste Weistum ist aus dem Jahre 1401. Es gab Märkermeister, die den Fürsten ebenbürtig waren, denn die Mark unterstand keinem Herren. Es wurden Waldschäden und Waldfrevel  besprochen. Das Märkerding wurde auch noch gehalten, als der Wald längst verfallen war.

 

Schon 781 bestand in Oberursel ein „monasterium ad Ursellam“, ein Ursulakloster. Der Ort wird  791 als „Ursella“ erwähnt. Später ist der Ort der Sitz einer der drei Zehntschaften im Niddagau, zu der 14 Ortschaften gehören. Kaiser Friedrich IV. verlieh 1444 die Stadtrechte. Unter den Linden wurde der Zehntgerichtstag abgehalten und auch der „Märkergeding“, der Holzgerichtstag für die zahlreichen Taunusdörfer.

Nach 1462 übersiedelten zahlreiche Mainzer Buchdrucker nach Oberursel und machten die Druckangabe „Ursellis“ vor allem in der Reformationszeit berühmt. Ab 1525 war Erasmus Alberus aus Sprendlingen als Rektor der Lateinschule in Oberursel tätig. Dietrich Sartorius aus Frankfurt, der in der Katharinenkirche die neue Lehre gepredigt hatte, floh 1525 nach Oberursel und wirkte als Prediger in Luthers Sinn.

 

Wenn man von der Autobahn kommt (Ausfahrt Oberursel, nicht Oberursel-Nord) fährt man auf der Homburger Landstraße) an den Schienen entlang bis es geradeaus nicht mehr weiter geht. Man fährt rechts ab in die Adenauer Allee. Dann nach links zum heutigen Rathaus und danach rechts in die Rathausstraße und Hospitalstraße. Dort kann man parken (50 Cent für 20   Minuten).

Rechts in der Strackgasse steht ein schönes altes Fachwerkhaus. Es ist erbaut in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts  und wurde 1978 ind en ursprünglichen Farben renoviert.  Links steht gleich die Hospitalkirche, erbaut 1720 bis1728 aus Mitteln des Hospiotalfonds und St. Barbara geweiht. Dort geht man weiter nach links in die Strackgasse. Dort steht links ein Fachwerkhaus, dessen Oberstockwerk in nicht fachgerechten Fachwerk erneuert wurde. Man kommt zum Markplatz, wo am Samstag auch noch Markt ist. Links ist das Vortaunusmuseum mit dem größte Bestand keltischer Werkzeuge in Europa. Außerdem ist dort die Tourist-Information.

 

Geradeaus geht es durch den Torbogen des Alten Rathauses. Das ursprüngliche Rathaus wurde 1441/46 über dem gotischen Haupttor aus der ersten Stadtbefestigung errichtet. Es wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1658 /59 wieder aufgebaut. Es hat eine getäfelte Ratsstube.

In der Ursulagasse steht dann links eine Schule, die später Stadthaus war. Oben rechts ist ein Haus, wo die Mädchenschule stand (nur das Hinterhaus ist noch in Fachwerk). Geradeaus steht

die katholische Pfarrkirche St. Ursula. Diese ist ein spätgotischer Hallenbau mit Stadtturm von 1481 und dem Hochaltar von 1671 und spätgotischem Taufstein. Links steht das Pfarrhaus, das nach dem Brand von 1645 im Jhare 1657 als Pfarrhaus und Kaplanei wieder aufgebaut wurde.  Darüber ist das Rektorat, die Wohnung des Rektors und Winterschule der Lateinschule bis 1820. .

 

 

 

 

Haus der Gewerkschaftsjugend (zwischen Oberursel und Kronberg)

Das Tor hat etwas Verwunschenes und ist meistens geöffnet. Es ist überschattet von Bäumen. Und wenn nicht ab und zu ein Auto, ein Fahrrad oder Fußgänger das Tor passierten könnte man dahinter ein verwildertes Gelände vermuten, privat und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Doch die Tür führt in ein 10.000 Hektar großes Paradies. Der Park und Landschaftsgarten am Haus der Gewerkschaftsjugend an der alten Bundesstraße 455 zwischen Oberursel und Kronberg in Taunus lädt jedermann zum Spaziergang ein. Auch wenn die Wege tatsächlich privat sind, bestimmt für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Studien und Lehrgängen des DGB‑Hauses.

Vor mehr als 100 Jahren baute dort der Fabrikant Ludwig Wilhelm Gans seine Villa im englischen Landhausstil. Bis dahin war das Areal mit Eßkastanien, im heimischen Sprachgebrauch „Keste“ genannt, bewachsen. Deshalb nannte Gans sein Anwesen auch „Kestehöhe“. Von den fast 200 Jahre alten Bäumen stehen auch heute noch viele, mit knorrigen Stämmen und exotisch geformten Zweigen. Die riesigen Kastanien sind nicht die einzigen himmelwärts strebenden Gewächse, die fast schwindlig machen, wenn man an ihnen hinaufschaut.

Mehr als 300 Bäume aus allen Regionen der Welt haben Studenten der Gesamthochschule Kassel in einer Studienarbeit aufgelistet. So stehen im landschaftlichen Teil des Parks 60 verschiedene Laubbäume, darunter die sehr seltene rosablättrige Buche oder die Scharlacheiche. Dazu kommen 50 Nadelbaumarten, von der amerikanischen Hellockeiche bis zum japanischen Lebensbaum. Alle diese Bäume sind wie in einer Theaterinszenierung arrangiert und lassen den Blick frei auf Wiesen. Sie stehen in Gruppen zusammen oder als Solitär, eingezogen in die Inszenierung sind die uralten Kastanienbäume, die schon bei Anlage des Parks im Jahr 1906 dort standen. Ein ungewöhnliches Arrangement für die englischen Landschaftsgarten, die im 19. Jahrhundert Mode wurden.

Die Anlage ist inzwischen „verwaldet“, wie die Fachleute sagen. Doch die mächtigen Bäume haben sich bis jetzt behauptet. Im symmetrischen Teil des Parks befanden sich unter anderem auch Blumenbeete und ein Gewächshaus. Die Linienführung der Spazierwege sind noch zu erkennen, auch wenn viele Details den modernen Zeiten und Veränderungen zum Opfer fielen. Erleben können die Besucher des Parks aber noch blühende Rhododendronbüsche und Magnolienbäume.

Und in einer hinteren Ecke der großen Anlage ist auch der Theaterplatz wieder aktiviert: Der Theaterverein Oberursel führt dort in jedem Sommer auf einer Naturbühne ein Stück auf. In der Theaterpause können die Besucher im Park lustwandeln. Ein wenig kehrt dabei die Zeit zurück, als der Park entstand ‑ und die Erinnerung an viele vergnügte Feste, zu denen die Oberurseler sich einst im Kestehain getroffen haben.

 

 

Hohemark:

Zur Hohemark gelangt man, wenn man den Wegweisern „Großer Feldberg“ folgt. Entlang der U-Bahn kommt man zur Endhaltestelle. Noch ehe man zum Kreisel kommt, biegt man links ab

zum Taunus-Informationszentrum (Hohemarkstraße 192). Es ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Das Restaurant ist von 9 bis 23 Uhr geöffnet. Zum Aufzug gelangt man durch das Restaurant. Auch das WC im Keller ist nur so zu erreichen. Im ersten Stock ist ein einziger Raum, in dem mit vielen interaktiven Aktionen über den Taunus informiert wird. Der Eintritt ist frei.

Rechts vom Taunus-Informationszentrum beginnt  der im Jahr 2002 eröffnete sieben Kilometer lange archäologische Rundwanderweg durch Teilbereiche des keltischen Heidetränk‑Oppidums ( Bereich „Goldgrube“). Eine riesige Siedlung der Kelten, umgeben von einer heute noch als Wall sichtbaren Stadtmauer, erstreckte sich in den letzten Jahrhunderten vor Christus über die beiden Höhenrücken „Altenhöfe“ und „Goldgrube“ beiderseits des Heidetränkbaches bis zur heutigen Hohemark ins Tal: Die erste Großstadt im Rhein-Main-Gebiet.

Auf dem archäologischen Rundwanderweg über die Goldgrube lernt man  einen wesentlichen Teil dieses größten vorgeschichtlichen Geländedenkmals auf hessischem Boden kennen. Der Weg führt Sie über die Fußgängerbrücke auf einer Strecke von etwa 4,3 Kilometern zu den markantesten Stellen der keltischen Stadt. Man benötigt für die kleine Wanderung etwa zwei Stunden.

Man folgt dem Rundwanderweg mit Hilfe des Wegesymbols, das an allen Weggabelungen angebracht ist: Dem stilisierten Kopf eines Kelten auf einer hier geprägten Münze, einem so genannten „Nauheimer Quinar“. An 16 Stationen erläutern Tafeln mit Rekonstruktionen, Karten und Bildern die im Gelände sichtbaren Überreste wie Stadtmauern, Tore und Siedlungsflächen und bieten einen Einblick in das Leben der Kelten im Taunus. Der Großteil der Funde aus dem Heidetränk-Oppidum befindet sich heute im Vortaunus-Museum in Oberursel. Ein Besuch lohnt sich.

 

 

Heidetränk‑Oppidum:                                                                               Führungsblatt 10

Woher haben der Heidetränkbach und das gleichnamige Tal diesen Namen? Und was bedeutet er? Man weiß es nicht genau. Ob er von Heiden, die das Tal bevölkerten, herrührt oder von Viehtränke, ist laut Karl-F. Rittershofer ungeklärt. Den Namen trägt jedenfalls das Heidetränk-Oppidum, weil Tal und Bach quasi sein Mittelpunkt waren.

Heute durchschneidet die Landesstraße 3004 zum Sandplacken und zu Großen Feldberg den markanten V‑förmigen Einschnitt des Heidetränktals in den Taunus‑Vorkamm, dessen flankierende Bergrücken die Keltenfüsten von einst wegen der günstigen topographischen Bedingungen und aus taktischen Erwägungen heraus als Wohnsitz ausgesucht haben.

Etwa ab 450 v. Chr., in der Jüngeren Eisenzeit, wurde die große Siedlung zwischen dem Goldgrubenfelsen und der Anhöhe Altenhöfe erbaut. Von der Goldgrube (490 Meter hoch gelegen) rechts der Straße bis zu den Altenhöfen (575 Meter) auf der anderen Bachseite reichte das in der größten Ausdehnung knapp zwei Kilometer lange Areal.

Tausende Menschen sollen hinter den mächtigen Wallanlagen, bestehend aus mehreren Schutzringen, gelebt haben. Wo der Laie nur eine Abstufung des Geländes sieht und mit viel Fantasie einen früheren Wall erahnen kann, entstehen vor dem geistigen Auge des Archäologen vergangene Welten. Professor Karl‑Friedrich Rittershofer am Deutschen Archäologischen Institut Frankfurt ist der perfekte Führer durch das Heidetränk‑Oppidum, eine keltische Höhensiedlung, in der nach Erkenntnissen der Forscher in den letzten drei Jahrhunderten vCh tausende Menschen gewohnt und gearbeitet haben. Das Oppidum, gilt unter Fachleuten als bedeutendste vorgeschichtliche Ringwallanlage des Mittelrheingebietes und größte befestigte Siedlung Hessens der Jüngeren Eisenzeit.

Das Heidetränk-Oppidum bei Oberursel nimmt die ersten über die Rhein-Main-Ebene sich erhebenden Höhen des Taunus ein, liegt aber noch vor dessen Kammlinie. Zwei über dem Tal des Heidetränkbaches auf den gegenüberliegenden Bergkuppen „Altenhöfe“ und „Goldgrube“ vermutlich primär angelegte Kernanlagen vom Charakter vorgeschichtlicher Abschnittswälle wurden in einer sekundären Ausbauphase von einer Umfassungsmauer mit ehemals sechs Zangentoren (davon vier heute noch sichtbar) zu einer Einheit zusammengefaßt. Dabei wurden Höhenunterschiede bis zu 230 Meter kunstvoll überwunden und der Tal-Einschnitt in die Befestigung einbezogen.

Fünf Meter hoch und fünf Meter breit waren diese Befestigungsmauern und in ihrer Länge zehn Kilometer. Gewaltige Lehm-, Bruchstein- und Erdmassen wurden bewegt: 700.000 Tonnen Material und 250.000 Tonnen Erde bildeten den Schutz für die 130 Hektar große Stadt. Dabei nutzten die Kelten äußerst geschickt die natürliche Beschaffenheit der Vortaunushöhen, um die Wehrhaftigkeit des Oppidums noch zu verstärken.

Hoch über dem Heidetränk-Oppidum saß auf dem Altkönig - der sich von der höchsten Stelle der Goldgrube hinter dem Bergrücken der Altenhöfe erhebt - der keltische Fürst. Er sah auf sein Volk hinab und weit übers Wetterauer Land bis zum Glauberg, wo die Entdeckung eines keltischen Fürstengrabs 1997 weltweit Aufsehen erregte. Ein Grab wurde im weiträumigen Heidetränk-Oppidum noch nicht gefunden.

 

Die zumindest zweiperiodige Anlage gehört der Jüngeren Eisenzeit (= Latènezeit, etwa 450 vCh bis um Christi Geburt) an. Innerhalb dieses Zeitraumes muß nach Aussage des Fundstoffes mit einer Besiedlung während der letzten drei Jahrhunderte vCh gerechnet werden. Die besonders markanten Merkmale der zweiten Ausbauphase bestimmen die Anlage als Oppidum. Darunter versteht man einen stadtähnlichen zentralen Siedlungsplatz der Kelten. Solche Oppida sind im 2.-1. Jahrhundert vCh entstanden. Caesar widmet ihnen in seinem Kommentar zum gallischen Krieg anschauliche Beschreibungen.

Langjährige Forschungen des Frankfurter Architekten und Königlichen Baurates Ch. L. Thomas vom Ende des vorigen Jahrhunderts dokumentieren das Geländedenkmal in jetzt bereits zerstörten Partien. Thomas verdanken wir den ersten Gesamtplan im Maßstab 1:5.000. Er hat ferner in einer großen Zahl von Grabungsschnitten wichtige Aufschlüsse über den Bau der Befestigung sowie über die Besiedlung des Innenraumes gewonnen.

Auf „Altenhöfe“ konnte er für die Mauern von Außenring, Zwinger und den nördlichen oberen Umfassungswall eine Stein-Holz-Konstruktion mit senkrechten Frontpfosten, waagrechten Querankern und Stein-Erdfüllung zwischen den Steinfronten nachweisen. Sie entspricht dem sogenannten Bauschema Altkönig-Preist.

Alle Befestigungen der „Altenhöfe“ sind heutzutage reine Steinwälle, abgesehen vom untersten Teil des nördlichen Umfassungswalles, einem Erdwall mit vorgelagertem, nach oben auslaufendem Graben. Die Mauern bestanden demnach aus gemischtem, vorwiegend aber Steine aufweisendem Material.

Auf der „Goldgrube“ dagegen hat Thomas das Bausystem mit Frontpfosten und Querankern nur an der Nordwestecke der Kernanlage angetroffen, und zwar da, wo der vom Nordwest-Zangentor herunterkommende Wall (= nördlicher Umfassungswall der zweiten Ausbauphase) in den unteren westlichen Randwall umbiegt. Der von hier weiter steil ins Tal hinabziehende Umfassungswall (nur in spärlichen Resten noch vorhanden) war nach dem Grabungsbefund mit seiner Stirnseite ohne Verband an diese Ecke angesetzt. Erdwälle mit loser Steinfüllung und ehemals steinverkleideten Fronten kennzeichnen die Bewehrung auf der „Goldgrube“. Grundsätzlich gilt, daß auch hier auf die Verwendung von Steinen an keiner Strecke verzichtet wurde.

Über Pfostenkonstruktionen wissen wir noch so gut wie nichts. Bei Anerkennung einer fortifikatorischen Gesamtplanung für beide Höhen und in beiden Phasen wird man Gleichwertigkeit der dem Material nach so verschiedenartigen Mauern postulieren und die Ursache für den mehrfachen Konstruktionswechsel in dem am jeweiligen Standort überwiegend vorhandenen Füllmaterial suchen. Die Breite der zumeist ihrer Steinfronten beraubten, auseinandergeflossenen Wälle auf „Altenhöfe“ und der „Goldgrube“ beträgt an der Basis zwischen 4,50 Meter und 15 Meter, ihre Höhe noch bis zu 2,50 Meter. Die Breite der verflachten Gräben schwankt zwischen 4,50 Meter und 12 Meter, ihre Tiefe kann noch 2,30 Meter erreichen.

Aus den Grabungsprofilen von Thomas wird deutlich, daß man bei den Hauptzügen der Befestigung mit Mauerbreiten von 4 Meter bis 5 Meter rechnen muß. Trotz vieler Zerstörungen schließen sich die leidlich erhaltenen Strecken auch heute noch zu einem eindrucksvollen Denkmal zusammen.

 

Hinein und hinaus führten zwei Zangentore, die man sich als lang gestreckte Torgassen vorstellen muss. Das an besten erhaltene Nordost-Zangentor belegt die ursprüngliche Dimension: Die aus Lehm und vor allem großen Steinen errichtete Torgasse war 9,6 Meter breit und 35 Meter lang. In der Mitte angelegt war ein Kiesbett, ein Meter stark, als Fahrweg. Pflastersteine mit Reifenspuren, die von keltischen Streit- und Transportfahrzeugen stammen, sind im Oberurseler Vortaunusmuseum zu sehen.

In der Kernanlage der Altenhöfe fällt die Vorstellung von der Keltenstadt leichter. Hier gibt es noch jede Menge Steinreste von Zwinger und Umfassungswällen. Tausende von Arbeitern müssen damals mit einfachsten Mitteln Hunderttausende Tonnen Material transportiert und eine Viertelmillion Kubikmeter Erde verfüllt haben, um die vier bis sechs Meter hohe Wehrmauer zu bauen, die eine Fläche von 130 Hektar einschloss. Man vermag auch die Relikte der etwa 160 Wohnpodien zu erkennen, die Siedlungsstellen, auf die Pfostenlöcher, Feuerstellen und aus ausgegrabene Keramikscherben hinwiesen.

Kennzeichnend für die Kernanlagen auf den beiden gegenüberliegenden Bergkuppen ist die hervorragend gute Anpassung des Mauerverlaufs an die Geländeform. Die Befestigungen sichern hier ausschließlich die beiden hochliegenden Plateaus, wobei mehrfache Höhenabstufungen in Kauf genommen werden. Die im Umfassungswall steckende Mauer hingegen ist ein Kunstbau, der beträchtliche Steigungen und Gefälle geschickt überwindet und der außerdem das ganze Vorfeld der zum Tal abfallenden, mitunter steilen Hänge mitsamt dem Talboden einbezieht. Es entsteht auf diese Weise der Vorzug eines vielfach gegliederten und mehrfach gesicherten Innenraumes.

 

Behausungen als Zeugnisse der Innenbesiedlung dürfen nach den Beobachtungen von Thomas auf den in die Berghänge einplanierten Wohnpodien vermutet werden. Etwa 160 dieser runden bis ovalen Podien von durchschnittlich 10 Meter Länge und 6 bis 8 Meter Breite sind über dem Talgrund hauptsächlich an der begünstigten West- und Südflanke der „Goldgrube“ lokalisierbar. Thomas hat auf den wenigen von ihm ausgegrabenen Podien Pfostenlöcher, Feuerstellen, Keramik und Bruchstücke von Mühlsteinen gefunden. Gewerbliche Nutzung bleibt vorerst fraglich.

Bemerkenswert ist, daß diese Wohnpodien nicht regelmäßig in Reihen (wie Häuserzeilen), sondern gegeneinander versetzt angelegt wurden. Der Abstand zwischen ihnen beträgt oftmals nur wenige Meter. Würde man diesen vorläufigen, noch unbefriedigenden Befund zur Grundlage einer Rekonstruktion nehmen, so ergäbe sich das Bild einer vielfach gestaffelten, ausgedehnten Bergsiedlung mit Ober- und Unterstadt und einer großen Zahl von Häusern an den hinter den Mauern aufsteigenden Hängen.

 

Das an der Nordgrenze der rechtsrheinischen Ausbreitung spätkeltischer Stadtanlagen und somit in einer besonderen Kontaktzone mit der germanischen Welt gelegene Heidetränk-Oppidum steht nach bisheriger Kenntnis in keinerlei Beziehungen zu nachgewiesenen oder vermuteten römischen Militärstationen der frühen Kaiserzeit im Rhein-Main-Wetterau-Gebiet. Von dem später errichteten Limes (Pfahlgraben), der hier etwa der Kammlinie des Taunus folgt und nur 2,5 Kilometer entfernt ist, muß es zeitlich schon durch beinahe ein Jahrhundert getrennt gewesen sein.

Der bisher zutage gekommene, jedoch nicht aus planmäßigen Flächengrabungen stammende Fundstoff macht eine kontinuierliche Besiedlung während der letzten Jahrhunderte vCh sehr wahrscheinlich. Er umfaßt keltische Gold-, Silber- und Potinmünzen, an Trachtbestandteilen Fibelfragmente, Gürtelhaken und Glasarmringbruchstücke, ferner Waffen, Pferdegeschirr, Wagenteile, Beschläge von Holzeimern, Reste von Bronzegefäßen und eisernen Kesseln, figürliche Kleinbronzen, Schmiede- und Holzbearbeitungswerkzeuge, Haus- und Küchengeräte, Mühlsteinstücke, Pflugscharen, Hacken, Eisenbarren und Keramikscherben, vorwiegend von grober handgemachter Siedlungsware. Die Mehrzahl dieser Materialien ordnet sich dem bekannten Erscheinungsbild spätlatènezeitlicher Oppida-Zivilisation ein. Die der gut repräsentierten Spätzeit vorausgehenden älteren Funde lassen sich indessen nicht ausschließlich mit den Kernanlagen verbinden. Die für das Gesamtareal angenommene Gliederung der Wehranlagen findet so zwar in der zeitlichen Tiefe des Fundstoffes eine Bestätigung, noch nicht aber in seiner flächenmäßigen Verteilung.

Als noch ungesichert muß die von Thomas vertretene Zugehörigkeit des Heidengrabens bewertet werden. Er verläuft 2 Kilometer unterhalb (östlich) des Südost-Zangentores als Sperre quer über das hier schon weit geöffnete, flache Tal. Nur die nördliche Strecke des aus Wall und Graben bestehenden Denkmals ist erhalten, seine ursprüngliche Gesamtlänge jedoch belegt. Von der Topographie her kann die Befestigung sinnvoll nur auf das dahinter ansteigende und sich zunehmend verengende Heidetränktal bezogen werden, so daß vieles für eine Bestimmung als zusätzliche Vorfeldsicherung spricht. Man findet den Heidengraben am Nordwestrand von Oberursel im Wald unmittelbar hinter (nördlich) der Einzäunung des „Camp King“ und westlich der Eichwäldchen-Siedlung (Haltestelle Kupferhammer der Linie U 3, Zugang über Eichwäldchenweg).

 

Auf demWeg zum Sandplacken kommt man an dem rechts liegenden Grundstück des Künstlers Hendoc vorbei. Dann geht es durch die berühmte Haarnadelkurve, ehe man den Sandplacken mit seinen zwei Gasthäusern erblickt (nicht gerade billig)..

 

 

Wanderung Hohemark - Herzberg - Hohemark                                                                 

Rechts vom Taunus-Informationszentrum beginnt  der im Jahr 2002 eröffnete ar­chäo­logische Rundwanderweg durch Teilbereiche des keltischen Heidetränk‑ Oppi­dums.  Auf dem archäologischen Rundwanderweg über die Goldgrube lernt man  einen wesentlichen Teil dieses größten vorgeschichtlichen Geländedenkmals auf hessischem Boden kennen. Der Weg führt Sie über die Fußgängerbrücke auf einer Strecke von etwa 4,3 Kilometern zu den markantesten Stellen der keltischen Stadt. Man benötigt für die kleine Wanderung etwa zwei Stunden. Der Großteil der Funde aus dem Heidetränk-Oppidum befindet sich heute im Vortaunus-Museum in Oberursel.  - Zu dem Heidetränkoppidum vergleiche den Abschnitt oben.

 

Man überquert die Landstraße auf der Fußgängerbrücke am Taunuszentrum und biegt dann bald danach links ab auf den Schluß des Keltenwegs (dieser soll an sich bei der Tafel 1 am nächsten Weg nach links beginnen). Man kommt an die der Informationstafel „Vor den Toren der Stadt“ und  „Wohnen in Hütten“. Am nächsten Abzweig nach rechts verläßt man den Rundweg, um aber bei der Tafel 6 (Umfassungswall) an die Grenze der keltischen Stadt zu gelangen. Der Wall liegt von hier an etwas unterhalb des Weges. An der Viermäulerschneise (Schild links) biegt der Keltenweg nach Westen ab und führt in die Kernanlage an der Goldgrube hinein.

Hier hatte man früher eine schöne Aussicht über den Goldgrubefelsen ins Tal. Im 18. Jahrhundert kam es an der Goldgrube zu einem Goldrausch, an sich auch der landgräfliche Hof beteiligte, allerdings ohne jeden Erfolg. Der Stollenbau ist heute noch Fledermausrefugium

Hier stehen auch - etwa 100 Meter voneinander entfernt - die beiden Adelheidsteine, auf Sockeln stehende Obelisken aus Buntsandstein, etwa 1,40 Meter hoch. Geschmückt jeweils mit Rangkrone und Rautenkranz. Sie wurden von Landgräfin Elizabeth (die „englische“ Landgräfin) zur Erinnerung an einen gemeinsam mit ihrer Schwägerin Adelheid (von Sachsen-Mei­nin­gen, Gemahlin des Herzogs von Clarence, 1830-37 als William IV. König von Großbritannien und Irland) unternommenen Spaziergang aufgestellt.

 

Weiter geht es geradeaus etwas bergab. Am Schild „Wasserschutzgebiet“ geht es halblinks hoch bis zur Schutzhütte am Rettungspunkt HG 13. Kurz danach - wo die Elisabethenschneise kreuzt - geht es ein kleines Stück rechts und dann gleich wieder links mit dem Wegweiser „Schmitten“ und dem Wanderzeichen „Roter Strich“.

Auf dem Forstweg geht es ein Stück nach rechts, aber gleich wieder  links und gleich wieder rechts durch eine Taleinschnitt steil hoch und über einen Forstweg hinweg.  Wo es wieder flacher wird geht es nicht geradeaus in den Hohlweg, sondern links immer mit dem Wanderzeichen „Roter Strich“. Die Wegweiser zeigen jetzt nach „Butzbach“ und „Saalburg“.

Schließlich kommt man auf den Limesweg über den Taunuskamm,. Hier geht es nach rechts in Richtung Saalburg mit den Wanderzeichen „Römerturm“ und „blaues Kreuz“. Der nächste markante Punkt ist das Kleinkastell Heidenstock. Achtung: An einem Grenzstein geht es einmal kurz auf einen breiten Weg, aber danach gleich wieder rechts auf den Limesweg.

Dieser führt dann im steilen Anstieg über den Roßkopf. Bald darauf kommt man an einen Wegweiser mit dem Schild  „Zuführung zum Herzberg 1,2 km“. Diesem folgt man nach rechts bis zum Herzberg Zum Herzberg vergleiche Datei „Bad Homburg“).

Wenn man aus dem Herzberggelände wieder herauskommt, geht man gleich nach links auf einem Trampelpfad steil hinunter. Man kommt dann auf einen breiteren Weg, der nach links hinabführt. Bald taucht ein blauer Punkt auf, dem man nun immer folgt bis zum Eisentor des Gestüts Erlenhof.

Dort geht man rechts und am Ende des Gestüts nach rechts und gleich wieder links. Hier ist rechts schon ein Tiergatter, das zum Hirschgarten gehört. An diesem Gatter geht es rechts hinauf zum Spielplatz und dann nach links durch den Torbogen. Man kommt zur Elisabethschneise, auf der man rechts hoch geht (zum Hirschgarten und zur Elisabethschneise vergleiche die Datei Bad Homburg).

Der steile Anstieg führt zum Elisabethstein und noch ein Stück weiter nach links über die Brücke, noch ein Stück aufwärts und dann nach links zum „Krausbäumchen“, einem Naturdenkmal (eine nicht sehr hohe Buche mit dünnen Ästen, die aber sehr in die Breite gegangen ist).

Es geht westlich um das Forellengut herum (in dem Tal sind in Richtung Oberstedten verschiedene Mühlen). Ein Wegweiser zeigt noch einmal rechts zum Obelisken am Ende der Obeliskenschneise. Er wurde 1819 nach Angaben Friedrich V. und nach Entwurf des in Homburger Diensten tätigen Baumeisters Hess aus Wertheimer aus Sandstein gefertigt. Das ursprüngliche Projekt hatte ihn, mit Inschrift und vier Basreliefs versehen und umgeben von zwölf Abweissteinen mit Ketten, als Zentrum einer kleinen Anlage am Schnittpunkt Kreutz-Allee/Stedter Straße vorgesehen. Er sollte als Gabe der Kinder an das 50. Ehejubiläum (27. September 1818) des Landgrafenpaares erinnern. Das Denkmal wurde jedoch erst nach Anlage der Obeliskenschneise um 1825 am Sangeberg aufgestellt.

Vor dem Wasserwerk geht es rechts ab und nach einem Links-Rechts-Knick  immer geradeaus auf einer unendlich langen Schneise. Wenn dann das Schild 1 des Keltenwegs auftaucht, ist man bald wieder an der Hohemark.

 

 

 

 

 

Bommersheim:

Bei dem Ort (Im Himmrich, Ostteil des Ortes) lag eine Burg, die aber gänzlich verschwunden ist. Sie wurde erbaut im 12. Jahrhundert, lag  strategisch günstig in der Nähe der Saalburgstraße, einem mittelalterlichen Handelsweg, und wurde 1382 zerstört und erst 1988 wiederentdeckt.

 

Wanderung in Elvira Klein, (Rhein-Main, 24.

 

 

Falkenstein

Burgruine Nüring und Burgruine Falkenstein

Zur großen Familie der rund 300 Burgen und Schlösser Hessens trat nach Abschluß archäologischer Grabungen Ende 1991 eine weitere hinzu. In unmittelbarer Nähe zur Burg Falkenstein konnte der Turmstumpf des Vorgängerbaus namens Nüring freigelegt werden: ein Quadrat mit einer Mauerstärke von gut zweieinhalb Metern. Für den Zugang zur Burg Nüring achte man auf die Erdstufen rechts vom Eingang der Falkenstein. Ein Pfädchen führt vom Turmstumpf eines vermutlich 30 bis 40 Meter hohen Turms.

Heinrich vom Meyenburg , der sich im 11. Jahrhundert in der Wetterau niedergelassen hatte, baute eine Feste, die er Nürung nannte. Was im Vergleich zur weitläufigen und gut erhaltenen Burgruine Falkenstein eher unscheinbar wirkt, entpuppte sich in baugeschichtlicher Hinsicht als kleine Sensation. Die Nüring ist nach Art und Anlage vermutlich die einzige Hessens und somit eines der raren Beispiele, wie befestigte Adelssitze aussahen, bevor sie aus machtpolitischen und wehrtechnischen Gründen die uns heute vertrauten Formen und Größen annahmen.

Doch das Geschlecht starb 1169 im Mannesstamm aus. Die Tochter Jutta heiratete Werner II. von Boland. Dessen Enkel Philipp II. erbaute die neue Burg Falkenstein und nannte sich selbst danach. Für das Geschlecht derer von Falkenstein-Bolanden, dem Anfang des 13. Jahrhunderts die Grafschaft Nüring zufiel, war dann auch die Turmburg überholt, und man errichtete nebenan die erstmals 1330 erwähnte, mit Sicherheit aber ältere Burg Neu-Falkenstein, die 1688 zerstört wurde. Der kleine Ort zu Füßen behielt noch bis ins 18. Jahrhundert den Namen Nüring bei.

Die Falkensteiner waren immer Unruhestifter. Sie befehdeten 1365 Ulrich von Hanau. Die Reifenberger kämpften 1374 erfolgreich gegen Philipp von Falkenstein. Im Jahre 1377 raubten die Falkensteiner und Cronberger der Stadt Frankfurt 163 Kühe und anderes Vieh. Im Dreißigjährigen Krieg ließ General Graf Stolberg die Burg bei seinem Abzug zerstören, die Kaiserlichen bauten sie wieder auf, aber danach verfiel sie doch.

 

Vom Turmstumpf der Nürung geht es weiter zur Felsnase mit dem Dettweiler Tempel. Hier errichtete man Peter Dettweiler (1837-1904), dem „Entdecker” der Freiluftliegekur als wichtiges Heilmittel der Tuberkulose, einen schmiedeeisernen Erinnerungstempel.. Das Felsmassiv heißt auch „Teufelskanzel“ Die großartige Sicht, auch vom Bergfried der Falkenstein, läßt nachvollziehen, weshalb an dieser Stelle die Turmburg entstand. Der Blick reicht bis in die Rhein-Main-Ebene.

Östlich von Falkenstein steht das Naturdenkmal Kocherfels. Als wollte der durch die Gesteinsformationen führende Weg dem Wanderer nichts vorenthalten, so schlängelt er sich durch die Monolithe aus rund 350 Millionen Jahre altem Quarzit.

 

Zur historischen Kulturlandschaft gehören auch die Spuren des jüdischen Lebens in der Region: Der jüdische Friedhof im Königsteiner Stadtteil Falkenstein ist solch eine gut erkennbare Spur. Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts angelegt und diente der recht großen jüdischen Gemeinde in Falkenstein als Begräbnisstätte. Heute existieren noch etwa 50 Gräber, das älteste aus dem Jahr 1842.

 

Kronberg

Das Taunusstädtchen Kronberg trägt in seinem Wappen eine Krone. Es ist naheliegend, sie Kaiserin Friedrich zuzu­schreiben, der Witwe des Hohenzollernkaisers Friedrich III., die Kronberg als Ruhesitz wählte und sich in dem von ihr erbauten Schloß Friedrichshof 1894 niederließ. Im Zei­chen der Wappenkrone hatte zu der Zeit Kronberg allerdings schon mehr als 600 Jahre gestanden, ausgehend von der auf einem Felsen über dem Ort thronenden Burg Kronberg, die die Ritter von Eschborn im 13. Jahrhundert errichteten. Sie nannten sich von Kronberg nach der neuen Reichsburg und nahmen eine goldene Krone in ihr Wappen auf. Ihr imaginä­rer Glanz in Form von Architektur, Kultur und Natur ist nie verblaßt und strahlt heute mehr denn je.

In geschützter Lage am Südhang des Altkönig (798 Meter) lockt der hübsche Luftkurort Kurgäste und Wochenendausflügler an. Lang den Berg hinauf zieht sich die Altstadt bis unter die Burg. Die mächtige Anlage aus dem 13.-16. Jahrhundert wird seit 1994 restauriert, das Burgmuseum neu eingerichtet. In den bereits fertig gestellten Räumen finden Theater- und Konzertveranstaltungen statt. Unten in der Stadt besitzt die spätgotische Johanniskirche ein reich bemaltes Tonnengewölbe und zahlreiche Grabdenkmäler. Kurios ist die „Streitkirche“, 1737-1739 vom Mainzer Fürstbischof erbaut, aber nach Protesten der durchweg evangelischen Bevölkerung nie geweiht. Heute ist sie Apotheke und Kunstmuseum. Kronberg ist idealer Ausgangspunkt für Wanderungen zum Altkönig mit der Burgruine Falkenstein und zum Großen Feldberg.

 

Rundgang:

Der Bau der Burg um 1220 bis 1230 fällt mit der Gründung der Stadt zusammen. Sie soll von der reichen Familie von Eschborn gebaut worden sein. Nach 1500 erfuhr sie einen starken Ausbau.

Eberwein von Cronberg wurde 1299 Bischof von Worms, Walther von Cronberg 1527 erster Hovch-und Deutschmeister zu Mergentheim, Johan Schweikard von Cronberg 1604 Kurfürst von Mainz.

Am 8. Januar 1389 sagten die Kronberg der Stadt Frankfurt die Fehde an. Die Frankfurter verloren die Schlacht bei Eschborn gegen den Ruprecht (Pfalzgraf bei Rhein), Ulrich von Hanau und Johann Walter und Frank von Cronberg und mußten 73.000 Gulden für den Freikauf ihrer Gefangenen zahlen.

Weil man allein vom Rittersein nämlich nicht leben kann und die Herrschaft der Kronberger arg klein war, wurden einige Ritter „arbeitslos”. Sie traten dann ganz zivil als kurmainzische oder kurpfälzische Amtmänner ihren Dienst an. Daß sie ganz so „übler” Gesinnung tatsächlich nicht gewesen sein können, zeigt sich schon an der liebevollen Art, wie die Kronberg-Ritter die Wände ihres Kinderzimmers ausgemalt haben. Regelrechte Bildergeschichten mit Maus, Spinne, Iltis und Blumenranken zieren das Schlafgemach der kleinen Ritter. Und weil die Treppen in der Burg recht düster, eng und gefährlich sind, ist die Kinderzimmertür die einzige, die nicht auf Treppe oder Flur endet, sondern im Wohnzimmer der Eltern. Ganz schön raffiniert die Bauweise der Küche: Es sind nicht nur alte Feuerstellen, Töpfe, Fleischhaken und Hobel zu bewundern, sondern auch eine praktische Fußbodenkonstruktion. Dank einer leichten Neigung lief das Abwasser bis zu einem kleinen Loch, durch das die Brühe abfließen konnte.

Nach dem Aussterben des Geschlechts 1692 im Mannesstamm (nach anderer Angabe 1704) fiel die Burg an den Erzbischof vom Mainz. Konfessionelle Streitigkeiten mit Preußen konnten erst 1768 durch Vergleich beigelegt werden. Als die Katholiken aber eine Kirche bauen wollten, mußte der Bau gestoppt werden. Sie heißt noch heute „Streitkirche“ und enthielt zum Beispiel eine Apotheke.

Kaiser Wilhelm II., erwarb die Burg 1890 und machte sie 1891 seiner Mutter zum Geschenk. Nach ihrem Tod erbte ihre Tochter  Margarethe, die Frau des Prinzen Karl von Hessen, Schloß Friedrichshof und die Burg.

Wer dann noch vom 42 Meter hohen Bergfried aus die herrliche Sicht weit in den Taunus genießt oder sich im Burghof eine Weile in die Sonne setzt, dort, wo Efeu, wilder Wein und Hortensien am alten Gemäuer hochranken, der mag sich wohl vorstellen, daß es sich leben ließ zu Zeiten von Hartmut und Walter von Cronberg.

Die Burg ist täglich, außer montags, von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet, letzte Führung jeweils 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeiten. (Wenn der Burgführer Urlaub macht, ist geschlossen. In den Wintermonaten ist sie geschlossen, aber der herrliche Fernblick kann hier dennoch genossen werden). Erwachsene zahlen 1,50 Mark Eintritt, Kinder von fünf bis 15 Jahren eine Mark.

 

Man geht dannvon der Burg aus die verwinkelte „Obere Höllgasse” hinunter zur Schirn und macht dann einen Rundgang durch die kleinen Gassen mit den vielen Fachwerkhäuschen bis zum alten Rathaus, der „Villa Bonn”. Beim Rundgang durch den alten Ortskern kann man die bunt bepflanzten Vorgärten und Fachwerkbalken bewundern. Oder rätseln, welche Geschäfte sich hinter den originellen Ladenschildern verbergen.

Die St. Johanneskirche in der Friedrich-Ebert-Straße ist 1440 von den Kronbergern erbaut. Sie

besticht durch das hölzerne, bemalte Tonnengewölbe ebenso wie durch den Reichtum der Epitaphien Kronberger und Reifenberger Ritter (um 1500). Im Jahre 1617 wurde sie von Meister Spangenberg ausgemalt. Sehenswert auch der Marienaltar.

Räumlich etwas in den Schatten gestellt wird die St.-Johannis-Kirche durch die sich davor aufbauende „Streitkirche”, die nie ein Gotteshaus war. In der kurzen kurmainzischen Zeit des 18. Jahrhunderts begonnen, ließen die schon früh reformierten Kronberger Bürger keine katholische Kirche an dieser Stelle zu. Das Bauwerk dient bis heute profanen Zwecken. Heute stellt der attraktive Bau eine Art Dienstleistungszentrum mit exclusiven Boutiqen dar. Links und rechts der Friedrich-Ebert-Straße zweigen Gassen ab, die in die mittelalterliche Fachwerkwelt führen.

Die Schutt-Treppe verbindet die Königssteiner Straße mit der tiefer gelegenen Eichenstraße. Zum Auffüllen des Abhangs wurde hier früher Schutt hinuntergekippt. Ganz in der Nähe befindet sich der letzte erhaltene Torturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Zwischendrin bieten sich immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die Burg und in die Taunuslandschaft. Mittelpunkt der Fußgängerzone ist indes die Schirn mit Brunnen. Rings um den Platz drängen sich kleinere Geschäfte.

Am Fuße der Burg, noch vor dem Hellhof, offeriert die Galerie Hanna, Friedrich-Ebert-Straße 26, Keramik aus der Werkstatt Margaretenhöhe und Geschenke aus fernen Ländern.

Zum Kronberger Weihnachtsmarkt am dritten Advent erwacht die Burg der Ritter von Cronberg jedoch für ein Wochenende aus ihrem Winterschlaf. Dann wird hier ein Weihnachtsmarkt für Kinder aufgebaut - mit Ponyreiten, Flohmarkt und einer Ausstellung mit historischem Spielzeug.

 

Schloß Friedrichshof: Die Anlage ist ein Teil des einst etwa 75 Hektar großen, zum Schloß Friedrichshof gehörenden Parkareals, in dessen Genuß der schattenspendenden Bäume eigentlich erst die folgenden Generationen gekommen sind. Kaiserin Friedrich starb bereits 1901 im Alter von 61 Jahren. Die gebürtige Engländerin, älteste Tochter Königin Viktorias, hat in den wenigen Jahren ihrer Kronberger Residenz viel für das Städtchen bewirkt, die Burg ebenso renoviert wie die Stadtkirche. Allenthalben trifft man auf ihren Namen und den der nach-folgenden Erben des Hauses Hessen.

 

Zu längeren Spaziergängen lädt der Forstlehrpfad im Stadtwald oder der Stadtpark mit „Schillerweiher” und Kinderspielplatz ein.

 

Malerkolonie

Die Kronberger Malerkolonie entstand um 1858 in der Tradition der Landschaftsmaler in Barbizon - jener Künstlertruppe im Wald von Fontainebleau bei Paris, die seit den 1830er Jahren eine neue Landschaftsauffassung in die Kunst des 19. Jahrhunderts trug. Laut dem neuen Faltblatt zum Rundweg „Die Schwanheimer Alteichen“, das im Umweltamt (Telefon 212-3 9100) zu haben ist, aber auch am Rundweg ausliegt, reagierte sie als grüne Gegenbewegung auf eine durch die Industrialisierung sich stark verändernde städtische Umwelt. Dabei ging es „um eine möglichst naturgetreue Wiedergabe des meist ländlichen Sujets“. Die Künstler um Anton Burger, der seit 1858 in Kronberg lebte und zentrale Gestalt der Kolonie war, pflegten einen regen Austausch untereinander, von einem „Kronberger Stil“ könne jedoch nicht gesprochen werden, heißt es in dem Faltblatt. Zur Gruppe gehörte unter anderen Ludwig Christian Wagner, Karl Peter Burnitz, Adolf Hoeffler und später Fritz Wucherer. Informationen zur Kolonie gibt es beim Kronberger Museumsverein (Telefon 0 6173 / 92 94 90) oder im Haus Giersch 069/63304-128).

Was im Herbst 2001 als Versuchsballon gestartet wurde, soll nun zur allmonatlichen festen Größe im Angebot für Kunstinteressierte werden: Die Kunsthistorikerin und ehemalige Geschäftsstellenleiterin der Kronberger Museumsgesellschaft, Monika Öchsner-Pischel, führte am Sonntag 20 Teilnehmer quer durch die Stadt auf den Spuren der Kronberger Malerkolonie. Unter diesem Begriff faßt die Kunstgeschichte all jene Maler zusammen, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Städel’schen und anderen Kunstakademien entfernten, um an den Anhöhen des Taunus großformatigen Historienszenen ade zu sagen.

Sie zogen mit der Staffelei hinaus in die Natur; malten die Landschaft und den Alltag der bäuerlichen Bevölkerung. Anton Burger, Jakob Fürchtegott Dielmann und Philipp Rumpf gelten als Gründer der mehr als 20 Künstler umfassenden Malerkolonie, zu der auch Fritz Wucherer gehörte. Die Kunsthistorikerin weiß in fast jedem Winkel der Altstadt eine Geschichte über die Maler zu erzählen, die in den Gasthöfen „Zum Adler“ und  „Frankfurter Hof“ logierten, bis sie nach kurzer Zeit recht prächtige Villen entlang der Hainstrasse kaufen konnten. Ihre Kunst war bei den wohlhabenden Frankfurtern sehr beliebt, die ab 1870 einen Villenkranz rund um Kronberg legten. Andächtig stehen die kunsthistorischen Wanderer auch vor den Herbergen von Norbert Schrödl in der Hainstraße, von Anton Burger, Philipp Rumpf und Adolf Schreyer in der Doppestraße.

Die Hanglage von Kronberg, die vielen Mauern, Treppen und die Burg hat die Maler immer wieder angezogen. Unzählige Kronberger Szenen, viele davon mit winterlichem Weiß garniert, zeugen von der damaligen Begeisterung für das Ambiente der Stadt. Neben vielen kunsthistorischen Bezügen - etwa der Tatsache, daß die Kronberger noch Anfang des 20. Jahrhunderts sehr traditionell malten - erfahren die Zuhörer Anekdotisches: Etwa über den „König von Kronberg“, Anton Burger der immer mit einem Schwarm junger Schülerinnen durch die Stadt gezogen sein soll.

Das Fritz-Best-Museum, benannt nach dem Meisterschüler am Frankfurter Städel und Mitbegründer der Kronberger Malerkolonie, liegt etwas abseits. Ein Plan zur Orientierung ist dennoch nicht nötig, denn verlaufen kann man sich in der kleinen Innenstadt Kronbergs kaum.

 

Hünerberg:

Wir starten vom Parkplatz des Kronberger Freibades. Leicht aufwärts folgen wir dem Taunusklub Wanderzeichen mit schwarzem Punkt bis zu einem Schild, das uns auf den Forstmeister-Valentin-Pfad und damit zum Hünerberg führt.

Schnell noch die Lektion 1: Wir passieren einen kleinteiligen Mischwald mit alten und jungen Eichen, Buchen, einigen Lärchen am Rande, wenigen Hainbuchen und sogar einer Gruppe Lebensbäumen, was beweist, daß Förster auch ihre Launen haben. Bemerkenswert: Im Unterholz kämpfen sich hier und da Ilex- Bäumchen hoch. Jetzt im Frühjahr ist ihr stacheliges dunkelgrünes Blattwerk gut zu sehen.

Lektion 2: Nachdem die Alemannen im dritten Jahrhundert den Limes überrannten und die Römer heimwärts jagten, betraten im fünften Jahrhundert die Franken die Bühne der Geschichte. Sie siedelten am Rande des südlichen Taunus. So entstanden Reichsgüter, Königshöfe und Königsforste; der Kronberger Stadtteil Oberhöchstadt beispielsweise ist eine fränkische Gründung.

Das Plateau des 375 Meter hohen Hünerbergs befestigten die Franken mit einer ringförmigen Mauer aus Steinen und Holzbindern zu einer Fluchtburg, vielleicht? Sehr viel mehr wissen die Archäologen auch nicht. Im Mittelalter tilgten die Menschen aussagefähige Spuren, weil sie große Teil des Ringwalles als Steinbruch nutzten. Möglicherweise sind ja Steine der Hünerburg ab dem Jahr 1220 für den Bau der stolzen Kronberger Burg verwertet worden.

Da wir dem schwarzen Punkt gefolgt sind, treffen wir nach Aufstieg auf eine natürliche Terrasse, auf der die Kappenbank zum Verschnaufen und zum Genuß eines eindrucksvollen Panoramas einlädt. Wir sehen ganz rechts die Burg Falkenstein, daneben die Burg Kronberg, die Schwalbacher Limesstadt, am Horizont die Jahrhunderthalle Höchst, bei gutem Wetter erspähen wir sogar den Melibocus und (leider bei jedem Wetter) links drei häßliche Wohnhochhäuser auf dem höchsten Hügel des feinen Stadtteils Schönberg. Die fantastisch geformten Felsen hier oben stammen aus dem unterdevonischen Erdaltertum, dem Paläozoikum, sind also schlappe 350 bis 400 Millionen Jahre alt.

Lektion 3: Tonschiefer, Grauwacken und Quarzit sind die bestimmenden Gesteine des Taunus. Auf den Höhen, also auch auf dem Hünerberg, fällt besonders der sehr harte, manchmal weiß blitzende Quarzit auf, der allen Erosionen widersteht. Es geht wieder abwärts, dem schwarzen Punkt nach bis zum bemoosten Naturdenkmal Hauburgstein. Im Sommer kann man den bizarren Felsen gut besteigen. Nach 250 Metern biegen wir nach links ab und durchqueren ein von zahlreichen Rinnsalen und Bächen durchzogene Feuchtgebiet. In diesen Tagen grünt hier in großen Teppichen das junge Scharbockskraut.

Lektion 4: Die herzförmigen Blätter enthalten viel Vitamin C. Die jungen Blätter lassen sich mit Feldsalat vermischt zu einem leckeren Salat verarbeiten. Wenn das zu den Hahnenfußgewächsen zählende Krau blüht, ist es für die Küche aber nicht mehr verwertbar. Bleiben wir noch bei den gesundheitsfördernden Gaben, die uns die Natur jetzt gratis anbietet: Löwenzahn Gänseblümchen (besonders die Knospen), Sauerampfer, Pimpinelle, junge Brennessel und Gundermann.

Bestimmt haben hier vor zweieinhalbtausend Jahren die Kelten ihr Vieh weiden lassen. Die Kelten? Dieses rätselhafte Volk siedelte hier etwa 500 vor der Zeitrechnung. Auf dem Altkönig errichteten sie eine von hohen Mauern geschützte Fliehburg.

Wir wandern auf dem Haderweg, passieren einen Wasserbehälter und stoßen auf den Kaiserin-Friedrich-Weg, benannt nach der aus England stammenden Frau des nur 99 Tage regierenden Kaisers Friedrich III., die sich als Witwensitz Schloß Friedrichshof, heute Schloßhotel Kronberg, auserwählt hatte, womit Lektion 5 die jüngere Geschichte streift.

Jetzt geht es nur noch bergab, erfrischt durch ein Schluck aus „Bartmanns Brünnchen“. Wir sehen noch nicht das Gasthaus, das den Namen einer für Kronberg wichtigen Wasserschürfung trägt. Aber wir riechen schon den Bratenduft aus der Küche. Im Sommer eröffnet sich von der Gasthaus-Terrasse ein weiter Blick über die Rhein-Main-Ebene mit den in den Smog ragenden Frankfurter Wolkenkratzern. Hier oben ist die Luft gut.

 

Hardtberg-Aussichsturm:

Er ist seit kurzem um 2,20 Meter über sich hinausgewach­sen, der Hardtberg-Aussichsturm zwischen Königstein und Mammolshain. Die Bäume hatten ihn im Laufe der Jahre überragt und den Blick in die Ferne versperrt. Bereits 1884 gab es an dieser Stelle eine hölzerne Konstruktion, der die stählerne folgte. Sie war 1972 zum letzten Mal saniert worden und nun von Grund auf wieder. Von seiner Plattform aus kann man wie früher über die Mainebene bis zum Spessart blicken. In diese Wanderung soll der Genuß des „Fernse­hens” einbezogen werden.

Vom Bahnhof Kronberg geht man nach rechts, die Bleich­straße hinauf zum Berliner Platz, weiter rechts die Friedrich-Ebert-Straße zur Altstadt, überragt von der Burg, deren Er­bauer, die Ritter von Cronberg, die Geschichte des Städt­chens und der weiten Umgebung in ununterbrochener Folge mehr als 500 Jahre geprägt hatten.

Burg (13. Jahrhundert), Stammsitz der 1707 ausgestorbenen Ritter von CronTextfeld: 34	35berg, im 15. Jahrhundert verfallen, 1891 von Kaiser Wilhelm II. seiner Mutter, Kaiserin Viktoria, geschenkt; Oberburg mit Bergfried (13. Jahrhundert, 46 Meter hoch), Mittel­burg im 15. und 16. Jahrhundert zum Adelssitz ausgebaut; in der Unterburg, Burgtor (um 1692), Kapelle (1342) mit alten Grabsteinen.

In der Johanniskirche, der evangelischen Pfarrkirche aus der Zeit um 1440 (mit Deckengemälde von 1485), reihen sich Grabdenkmäler dieses großen Geschlechts.

Die Streitkirche wurde 1737 als katholische Kirche erbaut und ist unvollendet geblieben.

Die Wanderung führt links ab in die Eichenstraße und damit zum malerischen Fachwerkkern der 1330 gegründeten Stadt, in der Treppen und Treppchen die steilen Gassen untereinander verbinden, man geradezu auf den Ziegeldächern spazieren gehen möchte. Den Schluß­punkt setzt das Eichentor, das letztverbliebene Torturm der einstigen Stadtbefestigung (1330).

Eichenbäume wuchsen hier nicht, der Name rührt von Eigentum her, „not oak, but own” bekommen Englisch sprechende Gäste erklärt.

Hinter dem Eichentor beginnt der Philosophenweg, der sich lauschig über dem Rentbachtal zwischen hohen Hecken und aufgelassenen Schrebergärten bis zum Opelzoo zieht. Ist dessen äußerste Spitze erreicht - erkennbar an einem grünen Gatter -, nehmen wir den linken Wegestrang am Zaun ent­lang und haben damit gleichzeitig Einblick in die verschiede­nen Tiergehege (auch wenn man den Philosophenweg wei­tergeht). Sobald sich der Wald am Kinderspielplatz öffnet, geht es den Wiesenweg hinauf zum großen Parkplatz, links entlang zur Straße und genau gegenüber mit der Markierung schwarzer Punkt aufwärts im hohen Forst weiter.

Nicht lan­ge, und die Spitze des Hardtberges (409 Meter) ist erreicht, die weit gespannte Rundsicht zu genießen. Im Zuge der Turmrestaurierung sind gleichzeitig die Wege saniert wor­den. So kann der Wanderer auf federndem Untergrund dahinziehen. Kurze Zeit geradeaus, dann führt die Markierung schwarzes Andreaskreuz nach links durch die fast mediterran wirkenden Mammolshainer Edelkastanienwälder. Die wär­meliebenden Eßkastanien oder „Keste”, wie sie hier heißen, sind im Vordertaunus keine Seltenheit. Wahrscheinlich schon von den Römern hergebracht, erfreuen sie sich seit Jahrhun­derten als Delikatesse großer Beliebtheit.

Am Waldende schließen sich große Obstwiesen an. Ein nicht markierter Asphaltweg links ab führt zum Ortsrand von Mammolshain. Am Friedhof hält man sich links, biegt in die Schwalbacher Straße ein, die rechts abwärts durch die Obstwiesen des Sauerbornbachtales führt. Am beginnenden Waldrand links treten neue Zeichen in Erscheinung, gelber Strich, und für uns maßgeblich bis hinauf nach Kronberg, schwarzer Kreis und schwarzer Punkt. Sie streifen den Kronthaler Quellenpark, gefaßte Quellen in einem steiner­nen Halbrund (am Fachwerkhaus vorbei, vor der Abfüllan­lage links auf den Wiesenpfad). Am Brunnen weisen die Zeichen nach rechts und den Treppenaufgang hinan zum Thalerfeldweg, mit dem man wieder ins Rentbachtal überwechselt und von dort aus hinauf in die Stadt klettert (Rhein-Main, 33).

 

Östlich der Kronthaler Quellen an der Straße nach Bad Soden ist der Schafhof der Olympiasiegerin Anne-Katrin Linsenhoff.

 

Bad Soden:

Bei jedem Wetter hat das Altenhainer Tal zwischen Bad Soden und Altenhain großen Reiz. Sanft ist die Mulde, durch die der Sulzbach fließt, eingerahmt von Hügelrücken, Kiefernwald und Obstbaumplantagen. Dazu wetterfreundliche, asphaltierte Wege. Früher führte der Schäfer seine Herde in das stille Tal. Heute haben ihn Hundebesitzer mit ihren großen und kleinen Lieblingen abgelöst.

 

Bereits seit 1701 sprudeln in Soden am südlichen Taunusabhang heilkräftige Quellen - zehn sind mittlerweile staatlich anerkannt und seit 1922 darf sich der in Wälder gebettete Ort „Bad“ nennen. Gleich vier Kurparks wetteifern um die Gunst des Gastes, wobei sich vor allem der Alte Kurpark von 1823 mit seinen Gingkos und anderen exotischen Bäumen zu einem geruhsamen Spaziergang anbietet. Eine andere Art von Exotik verströmt am Quellpark in der Altstadt das Hundertwasser-Haus mit seiner eigenwilligen -Formgebung und interessanter Farbgestaltung.

 

Gleich an der S-Bahnendstation Bad Soden befindet sich ein Wegweiser. Der Terrainkurweg Nr. 4 (besser ausgeschildert: rotes Rechteck Richtung Altenhain) muß erst die Einkaufstraßen des Badeortes passieren, ehe er hinter dem Figurenbrunnen und evangelischer Kirche auf den gemütlich altmodischen Quellenpark trifft. Der Sulzbach fließt durch seine Wiesen vorbei an Blumenbeeten.

Im gründerzeitlichen Brunnentempel grüßt die Sodenia, Symbol für die Sodener Kur, deren Ankurbelung im vorigen Jahrhundert dem „Sanitätsrath” Thilenius und „Commerzienrath” Reiss zu verdanken ist. Ein Säulendenkmal auch für „Sanitätsrath” Koehler. Er sorgt für die Erbauung der ersten Trinkhalle. Sie mußte dem gläsernen Kurcafe im Park weichen, wo sich täglich (montags Ruhetag) Pärchen zu Tanztee und Tanzabend treffen.

An Alt-Soden erinnert am Parkeingang auch Haus „Saxonia” mit dem Hinweis auf Richard Wagner. Daß er nach seiner Flucht als politisch Verfolgter hier 1860 nächtigte, soll aber nicht stimmen. Es soll das linke Nebenhaus gewesen sein, denn in Saxonia, wo seine erste Frau Minna sich aufhielt und jetzt eine Ausländerfamilie herausguckt, sei kein Platz gewesen. Ein Rest von Alt-Soden am Parkrand ist auch das Heimatmuseum (offen mittwochs, samstags, sonntags, 15 bis 18 Uhr), ein hübsches, bäuerliches Fachwerkanwesen. Für den Quellenpark ist ein Becher vonnöten. Allein sechs von den 30 Sodener Mineralquellen sprudeln hier, eine sogar aus einer Grotte, zu der Treppchen hinabführen. Jede von anderem Geschmack und anderer Temperatur - mineralisch-salzig, säuerlich, still oder pitzelig.

Weiter durch ruhige, angenehme Wohnstraßen an Schwimmbad und Sportplatz vorbei, wobei eine weitere Tafel leicht übersehen wird. In der Talstraße wurde bei den Pogromen der „Reichskristallnacht” auch die „Israelitische Kuranstalt” niedergebrannt, wo wohlhabende Juden ärmeren Kuraufenthalte finanziert hatten.

Das Altenhainer Tal öffnet sich plötzlich wie der Vorhang zu einer Bühne bei der dicken alten Linde. Wunderschön die Aussicht von der Bank unter dem „Naturdenkmal”. Eines der vielen Brückchen überquert den Sulzbach erneut. Ungestört geht es gesäumt von Bachdickicht, Wald- und Obsthängen neben Trimmgelegenheiten auf weitere Tal-Einschnitte und die Anglerteiche zu. Von dort bringt das Asphaltband Spaziergänger nach kurzem Aufstieg nach Altenhain. Zuerst durch Bungalowstraßen, dann plötzlich in die alte, ein bißchen verträumte Dorfstraße.

Mitten drin auch ein Bauernhof, das alte Fachwerkhäuschen und eine Wirtschaft, wo Autoansammlungen donnerstags schon auf die Schlachtfestsitte hinweisen. Nach der Labung am Apfelwein können Fußmüde mit dem Bus zurückfahren.

 

Königstein

Königstein mit seinen angrenzenden Taunuswäldern ist ei­nes der beliebtesten Naherholungsziele der Frankfurter, und das seit über 100 Jahren. Begonnen haben diese Ausflüge lite­rarisch, als der Mundartdichter Malß seinen baumwollenen und wollenen Warenhändler Hampelmann auf „Die Land­partie nach Königstein” schickte. Der zweite berühmte Lokaldichter, Friedrich Stoltze, festigte den Ruhm des um die Mitte des vorigen Jahrhunderts entstehenden heilklimati­schen Kurortes, der Burg und des alten Städtchens in Huldi­gungs- und Dankgedichten, besonders aber mit seinem Glanzstück „Die Flucht von Königstein”.

Was die Dankschreiben Stoltzes betrifft, nehmen sie vor­nehmlich Bezug auf die Heilung von Schlafstörungen, die Dr. Georg Pingler, der Begründer des Bades, durch Verord­nen von Laufen in frischer Luft und Kaltwasseranwendungen beheben konnte. Selbst Holzsägen gehörte zur Therapie.

Wen zöge es bei herrlich klarem Winterwetter mit strah­lend blauem Himmel und Sonnenschein nicht auch hinaus in die Natur? Ski- und Schlittenfahrer kennen ihre Pisten, Bah­nen und Rodelhänge, Wanderer und Spaziergänger weichen diesem Getümmel gerne aus und bewegen sich lieber in Randzonen, was nicht Flachland heißen muß. Mit dem Tau­nus vor der Haustür sind die Bürger im Rhein-Main-Gebiet ganz schnell in 500 Meter Höhe. Beispielsweise von Königstein aus zum Naturfreundehaus am Fuß des Steinkopfes (570 Meter). Dort wartet auf den Ausflügler eine rustikale Einkehr mitten im Wald.

 

Heilklimatischer Kurort, der zu den son­nenreichsten in Deutschland gehört. 1215 als Kunigestein erwähnt. erhielt 1313 Stadtrechte. Die Burg, 1225 erstmals erwähnt. ist vermutlich eine Gründung der Staufer. war bis 1255 Besitz der Herren von Münzenberg. danach der Herren von Falkenstein. Von 1418–1535 gehörte Königstein den Herren von Eppstein. 1793 nahm der französische General Custine Königstein ein und sprengte 1796 die Festung. – Kronberg: 1230 als Cronenberg erwähnt, erhielt 1330 Stadtrechte. Die Burg wurde vor 1230 erbaut. Schloß Friedrichshof wurde von Kaiserin Friedrich 1889–94 im englischen Stil erbaut (heute Hotel). Johanneskirche aus dem 13. bis 15. Jahrhundert mit einem Relief der Kaiserin Friedrich an der Außenwand. Apotheke von 1738, sogenannte Streitkirche. weil das Gebäude ursprünglich eine Kirche werden sollte, die Bürger sich darüber aber nicht einigen konnten. Eichentor, letztes von fünf Stadttoren. Schöne Bürgerhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. In der Umgebung: Edelkastanienwald und Opel-Zoo.

 

Altes Rathaus: Sein gotischer Torbogen war ursprünglich der Zugang zur Burg. Der Fachwerkaufbau von 1673 auf gotischem Burgtor, der der Stadtverwaltung bis 1909 als Rathaus gedient hat, birgt heute in seinen Räumen das Heimatmuseum. Die meisten Ausstellungsstücke stehen im Zusammenhang mit der Burg, ihrer bewegten Geschichte. Kernstück ist das Modell der Burg vor ihrer Zerstörung (Rhein-Main, 49)

 

Katholische Pfarrkirche St. Marien (18. Jahrhundert), Turm (1689); prachtvoll. Rokoko-Hochaltar und Kanzel.

 

Burg:

Diese Burg ist die mächtigste Burgruine im Taunus. Von den Hohenstaufen bzw. durch die Herren von Münzenberg, zum Schutz der Reichsstraße Frankfurt – Köln erbaut, wurde sie durch Jahrhunderte zur mächtigsten Wehranlage im Taunus erweitert. Entstehung und Gründungsdatum der Burg sind nicht be­kannt, sie werden aber der Sage nach mit dem Frankenkönig Chlodwig in Zusammenhang gebracht. Er habe mit dem Kreuzzeichen eine in Felsen eingeschlossene Jungfrau be­freit, an diesem „Kunegistein” anno 496 im Tal eine Kapelle errichtet und auf dem Berg darüber die Burg.

Im 12. Jahrhundert erfolgte wahrscheinlich der Bau der Burg Königstein. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1225. Von 1239 bis  1255 ist sie  Besitz der Reichsministerialen von Münzenberg, von 1255 bis 1418 im Besitz der Herren von Falkenstein. Die Söhne Philipps von Falkenstein mußten die Burg an Ulrich von Hanau und die Stadt Frankfurt verpfänden. Erst nach 1385 konnten die Falkensteiner die Burg wieder freikaufen.. Werner von Falkenstein, Erzbischof von Trier, ließ die Burg 1409 bis 1410 ausbauen und außergewöhnlich stark befestigen.

Von 1418 bis 1535 war die Burg eine  Residenz der Herren von Eppstein. Es folgten 1535 bis 1581 die Grafen von Stolberg. Von 1581 bis 1803 stand sie unter der Herrschaft von Kurmainz. Ab 1792 war die Burg stark umkämpft, bis sie 1796 durch die Franzosen gesprengt wurde. Der tiefe, mit Pulver gefüllte Brunnen vollendete schließlich das vorher begonnene Zerstö­rungswerk. Ab 1803 war die Festung im Besitz des Herzogtums von Nassau, 1922 wurde sie von Großherzogin Hilda von Baden der Stadt Königstein geschenkt

Erhalten sind in der mittelalterlichen Kernburg Gebäude um den Hof, darunter Palas und quadratischer, 34 Meter hoher Bergfried; im 16. Jahrhundert und nach 1664 zur stärksten Taunusfestung mit Bastionen und Kasematten ausgebaut. Öffnungszeiten: Burgruine Königstein, April bis Sept. 9 - 19 Uhr, Okt. 9.30 - 16 Uhr, Nov. bis Febr. 9.30 - 15, Samstag und Sonntag 9.30 - 16 Uhr, März 9.30 - 16.30 Uhr.

 

Es gibt Spötter. die halten Königstein für den westlichsten Vorort Frankfurts. Das hört man in der Taunusgemeinde natürlich nicht so gerne. Doch spätestens seitdem Medizinalrat Dr. Georg Pingler er­folgreich die sogenannte Kaltwasserkur 1851 eingeführt hatte. ent­deckte Frankfurt sein Kleinod vor der Haustüre. Viele der bei Dr. Pingler Kurenden oder einfach nur das „Reizklima“ im Schutze des Altkönigs Genießenden blieben gleich ganz da. Schmucke Hotels und die zahlreichen Villen mit schloßähnlichem Charakter der Frankfurter Großbürger verwandelten das ehedem ärmliche Mittel­gebirgsnest zu einer der ersten Adressen im weiteren Umland. Eine Entwicklung – man weiß es wohl – an der sich ungeachtet eines überstürzten prominenten Abgangs so schnell nichts ändert.

Ob Tagesausflügler. Kur- oder Dauergäste. Frankfurter zieht es nach Königstein. Nicht alle werden ihren Carl Malß oder Friedrich Stoltze im Kopf haben. Die beiden Frankfurter Lokalpoeten dürften aber un­terschwellig einiges dazu beigetragen haben, das Städtchen im Schutze des Altkönigs populär zu machen. Schon der Titel der Lo­kalposse »Landpartie nach Königstein« von Carl Malß aus dem Jah­re 1832 wurde im übertragenen Sinne Programm. Gerne nahm man die Kerb oder Kirchweih zum Anlaß, in drei bis vier Stunden hinauf-zusteigen.

Was Frankfurter Honoratioren einmal taten, den Fußmarsch zu ver­meiden. hat Friedrich Stoltze in seiner köstlichen Novelle »Der Schiff­bruch des Raddampfers Freie Stadt Frankfurt« beschrieben. die von jener Fahrt in einem auf Räder gesetzten, von Pferden gezogenen Boot berichtet. die alle physikalischen Gesetze aufzuheben schien. Stoltze nannte es »des große. seit der Sindflut net widder dagewe­sene Ereignis, daß e Schiff em e Beerg enuff gefahrn is. un aach noch gege de Strom.«

Friedrich Stoltze wurde so etwas wie der heimliche Ehrenbürger Königsteins. Die gegenseitige Dankbarkeit war auf beiden Seiten groß. Der Dichter vergaß Dr. Pingler nie. daß er ihn von seinen Schlafstörungen und Nervenleiden befreite. und die Stadt ihrem pro­minenten Gast gegenüber nicht die überschwenglichsten der je auf Königstein gemünzten Verse: »Und neu zu deinem Ruhme/ Soll es gesungen sein./ Des Taunus schönste Blume., 0 du. mein König‑

 

Reichenbachtal (nordwestlich): Der Weg zieht am Fuße des Speckkopfes (527 m) entlang, das Reichenbachtal aufwärts, das typisch für den Vordertau­nus ist. Im Gegensatz zu den oft kilometerweiten Wiesentä­lern des flacheren Hintertaunus sind hier an den Steilhängen die Wiesen nur klein, in ihnen gedeiht jedoch vom Frühling bis zum Herbst eine artenreiche Flora. Das Tal wurde als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Zwischen Königstein und Fuchstanz muß man einen Höhenunterschied von 320 Metern überwinden. Die Jösch-Hütte kün­digt die Nähe des Wander-, Dreh- und Angelpunktes Fuchstanz (682 m) mit seiner rustikalen Einkehr an.

 

Schloßborn (westlich von Königstein)

Der Ort hieß ursprünglich Brunnon, später Burne. Die erste Kirche ist 1043 erwähnt und gehörte dem Stefansstift in Mainz.. Im Jahre 1369 wurde die Befestigung erneuert und mit neun Türmen versehen. Im Jahre 1442 gelangte der Ort durch Kauf an die Eppsteiner, die eine Burg anlegten, die ihnen später als Jagdschloß diente. Seit der Übernahme durch die Eppsteiner hieß der Ort „Schloßborn’“. Die Burg stand an der Stelle, an der sich heute die „Wirtschaft zur Burg“ befindet. And en noch vorhandenen Turm schließt sich westlich ein Stück alte Ringmauer an. Das verließ des Turmes ist fünf Meter hoch. Im Scheitel des Gewölbes  befindet sich eine viereckige Öffnung, oberhalb des Verließes eine rundbogige Tür.

 

Schneidhain: Kirche

Auf den ersten Blick ist die Besonderheit am Kruzifix in der katholischen St. Johannes‑Kirche kaum zu er­kennen: Die Christusfigur hoch oben auf dem spanischen Feldaltar von 1718 hat Kugelgelenke in Achseln und Ellbogen. „Das Kreuz ist sicherlich das Wertvollste in dieser Kirche“, sagt Pastoralreferent Mark Fachinger. Das Alter der Figur schät­zen Fachleute auf rund 500 Jahre. Soweit Fachinger weiß, handelt es sich um das ein­zige Exemplar dieser Art in Hessen. Im süddeutschen Raum soll es noch einen klappbaren Christus geben ‑ und dann noch welche in Italien und Spanien.

Wie der klappbare Christus nach Schneidhain kam, gibt es nur Mutmaßun­gen. Vermutlich kommt die Figur aus Italien, denn dort stellten Künstler im Mittel­alter bewegliche Figuren her. Damals wur­de die Geschichte Christi gern in Bildern erzählt: Am Karfreitag nahm der Priester die Christusfigur vom Kreuz ab und legte sie in ein heiliges Grab. Dazu mußten die Arme an den Körper gelegt werden. Am Ostersonntag, dem Tag der Auferstehung, war das Grab dann leer. Später wurde die Figur wieder am Kreuz befestigt. „Das half den Gläubigen, die Geschichte zu ver­stehen, denn die meisten konnten die Bi­bel nicht lesen“, sagt der Pastoralreferent.

Um die Arme beweglich zu machen wur­den sie ausgehöhlt und Lederbänder einge­zogen. Der Künstler, der das Schneidhai­ner Kreuz schnitzte, höhlte die gesamte Fi­gur aus: Das war ebenfalls in Italien eine gängige Technik,  damit das Holz bei größeren Witterungsschwankungen nicht reißt. Das Kruzifix wurde in den 80er Jahren vom Königsteiner Restaurator Kurt Knüttel überarbeitet. Er tränkte die innen liegen­den Lederbänder mit einem speziellen Lederpflegemittel, das das Offenbacher Ledermuseum ­wickelt hatte. Es soll dafür sorgen, daß die Bänder sich nicht verhär­ten. Knüttel entdeckte bei seiner Arbeit, daß es unter der jetzigen, vermutlich barocken Farbschicht  eine andere, weitaus älte­re mit einem dunkleren Körperton gibt.

Der Königsteiner Heimathistoriker und Autor Wolfgang Erdmann hat sich einge­hend mit der Geschichte des Kreuzes be­schäftigt, Er vermutet, daß es sich um je­nes Exemplar handelt, das um 1500 in der Königsteiner Burgkapelle stand und wahr­scheinlich vom Grafen Eberhard IV. ge­kauft wurde. Manche Figuren konnten sogar „bluten“: Im ausgehöhlten Rücken war ein Gefäß angebracht, das mit der Seitenwunde verbunden war, schreibt der Königsteiner Lokalhistoriker Wolfgang Erdmann.

 

 

Fischbach

In Fischbach fährt man hinter dem Friedhof auf der Durchgangsstraße nach links und immer geradeaus durch den Ort. Unten radelt man unter der Brücke hindurch, es folgt ein etwa 250 m langer Anstieg. Auf der Kuppe fährt man dann rechts in die Staufenstraße und die zweite Straße links (Zum Gimbacher Hof) (Markierung „rotes Rechteck”)  Gundelhardt u.a.

Dort fährt man einfach geradeaus, an der Gabelung hinter den letzten Häusern rechts etwas bergab und weiter zum Hof Gimbach. Der seit 1731 das Schankrecht besitzende Hof kann auf eine über 1000jährige Geschichte zurückblicken: 1890 wurde auf seinem Gelände der sog. „Roteldis-Stein” gefunden, ein Grabstein aus der Zeit um 730, der be­weist, daß hier schon damals eine Siedlung bestand.

Weiter radelt man geradeaus, an der Wohnwagenkolonie vorbei, in den Wald. Der Weg trifft schließlich auf die asphaltierte Zufahrt – der man nach rechts folgt – zur  Waldgast­stätte Gundelhardt” (Montags Ruhetag), einem beliebten Wanderertreff.

Man setz den Weg im Halbrechtsbogen fort, biegt aber vor Beginn des Gefälles links vom Hauptweg in den Wald ab (Markierung „gelber Balken").

Zunächst fährt man kurz bergan und dann schnurgerade auf der Langen Schneise. Auf der Hälfte eines sachten Anstiegs befindet sich links eine Infotafel, die Auskunft über den Ringwall gibt. In keltischer Zeit diente er der Befestigung des Ber­ges. Seine Toranlage ist auch heute noch deutlich erkennbar.

Auf der nächsten Kuppe wartet dann der Meister­turm. Eine nach ihrem Erbauer benannte Stahlgerüstkon­struktion von 1929, die einen herrlichen Rundumblick über die Taunuswälder, Hofheim und die Rhein-Main-Region bietet.

Man rollt geradeaus weiter. Links liegt eine Kapelle von 1793, errichtet an der Stelle einer Vorgängerin, die 1666 zum Dank für das Ende der Pest gebaut worden war. Nun rauscht man auf der asphaltierten Zufahrt nach Hofheim runter.

 

Rettershof

Wenn Steine sprechen könnten würden sie die lange Geschichte des Rettershofs in Kelkheim nahe der Bundesstraße 455 zwischen dem Kelkheimer Stadtteil Fischbach und dem Königsteiner Stadtteil Schneidhain erzählen. Begonnen hat alles mit einem Prämonstratenserkloster, das im Jahr 1145 (oder 1146) erstmals urkundlich erwähnt wird.

Die Parolen der Kreuzfahrer drangen seinerzeit auch zu Gerhard von Nürings, den letzten Gaugrafen des Niddagaues. Der wäre freilich besser auf seiner Fal­kensteiner Burg geblieben, als sich einer abenteuerlichen Reise nach Jerusalem anzuschließen. Die meisten seiner Mit­streiter fielen, er selbst geriet bei Edessa in Gefangenschaft und konnte erst nach fast zwei Jahren mit viel Glück fliehen. Im Herbst 1146 hatte ihn dann die Hei­mat wieder, wo er auch umgehend sein Gelüb­de einlöste und zum Dank für seine Erret­tung das Kloster Retters stiftete.

Der Name allerdings soll von „Rodung“ stammen. Zunächst wurde Ret­ters einer Gemeinschaft von Augustinern übergeben. Mit dem Zuzug von Prämon­stratenser‑Nonnen nach etwa 20 Jahren wurde es vorübergehend als Doppelklo­ster geführt, aber nach 1222 lebten aus­schließlich Ordensfrauen dort. Seine Blütezeit erlebte das Kloster zwischen 1190 und 1360.

Hier schlüpften die unverheirateten Töchter des niederen Adels unter, so waren sie versorgt und konnten sich der Seelsorge, der Krankenpflege und der Armenfürsorge widmen. Dem Kloster bekam dies bestens. Die frommen Damen, zumeist Adelige aus gu­ten Familien der Region, führten es zu einem Aufschwung, der sich nicht zuletzt auch an dem enormen Wachstum der Be­sitzungen ablesen ließ. In die Blütezeit des Klosters fällt auch die Geschichte der Christina von Retters, die als zehnjähri­ges Mädchen nach Retters kam und dort um 1292 im Alter von 22 Jahren starb. Ih­re ekstatischen Visionen machten sie so populär, daß sie noch über Jahrhunderte nach ihrem Tod als Selige verehrt wurde.

Der lange, aber stetige Niedergang des Klosters, an dessen Ende die völlige Verarmung der Gemeinschaft stand, begann mit einer Brandkatastrophe im Jahre 1374. Ein trauriges Häuflein von drei Nonnen bildete 1569 nur noch den Kon­vent, und der Widerstand war nur gering, als das Mainzer Erzstift 1581 das Kloster in ein weltliches Hofgut überführte. Im 16. Jahrhundert lebten aber nur noch drei Nonnen dort, und das Kloster wurde vom lutherischen Landesherren Graf Ludwig von Stolberg‑ Königstein aufgelöst und in ein gewöhnliches Hofgut umgewandelt.

Im Dreißigjährigen Krieg brannten die Klostergebäude ab und auch die kleine Klosterkirche, die an der Stelle des heuti­gen Reitplatzes gestanden haben soll, ver­wandelte sich in ein trauriges Häufchen Asche. Das Hofgut wurde Domänengut im Besitz häufig wechselnder Pächter.

Der reiche Englän­der Frederick Rodewald ließ im 19. Jahrhundert das Schloß­hotel im Tudorstil für seine Tochter Alice und den adligen Schwiegersohn bauen. Die repräsentative Architektur zeugt vom guten Geschmack des Bauherren und von dessen wohlgeordneten Vermögensverhältnissen. Schon beim Bau des Schlosses 1884  betrugen die Kosten annähernd 200.000 Mark. Im Jahre 1973 zog die Hare‑Krishna‑Sekte im Rettershof ein.

 

Im Jahr 1980 kaufte die Stadt Kelkheim das Anwesen mit allen Gebäuden, Inventar, Vieh, Wald, Ackerland, Wiesen und Weiden für 9,1 Millionen Mark von der letzten Eigen­tümerin Felicitas Bienzle, geborene Rich­ter‑Rettershof. Seither verwaltet die eigens gegründete Gutsherrenverwaltung Rettershof GmbH das 110 Hektar große Anwesen mit Reitstall. Dazu gehören auch das Café Restaurant „Zum fröhlichen Landmann“ (montags und dienstags geschlossen), im Jahre 1938 von der Fa­milie Richter‑Rettershof erbaut, um Milch, Eier, Fleisch und Obst besser verwerten zu können, und das Schloßhotel (mit 69 Betten in 35 Zimmern), das  ein Hotel mit Konferenzräumen und dem Restaurant „Le Duc“ beherbergt. Pläne, dort zusätzlich einen Golfplatz einzurichten, scheiterten am Votum der Bürger. Statt dessen sucht die Kommune nun einen Pächter, der die landwirtschaftlichen Flächen nutzt.

 

Die Säkularisierung scheint nachhaltig gelungen, und wer heute noch ein Quent­chen der einstigen Spiritualität des Ortes zu verspüren hofft, wird enttäuscht. Ma­donnengrotte, Wandkruzifixe, Muttergot­tesstatuen und dergleichen sind bloße De­koration. Einen starken Eindruck hinter­läßt Retters heute als ein repräsentatives Hofgut, ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Die Pferdeställe und Wirt­schaftsgebäude bilden ein properes Hofge­viert, dahinter dampft der Misthaufen. Das schmiede­eisernen Tores zum Hofeingang wurde im Winter 1931/32 von einem arbeitslosen Eppsteiner Kunstschlosser im Tausch gegen Nahrungsmittel geschmiedet.

„Huhn, Geiß und Kuh, ein Haus da­zu, und Land ein Stück ‑ ist Hei­matglück“, so lautet eine der un­gezählten Botschaften, die die Wände des Rettershofes zieren. Munter rät, prophe­zeit und unkt es hier vom Fachwerk, bald jedes freie Fleckchen ist mit einem Sinn­spruch voll bäuerlicher Weisheit garniert. Und es wundert fast, daß Retters  einst tatsächlich als Ort der Sinnfindung begründet wurde.

Auf den Hängen um das Gut breiten sich Weiden und Obstwiesen aus. Vieles dreht sich in Retters um die Reiterei. Deshalb sollte man einen Blick in die Reithalle werfen. Die liebenswerte alte Halbtonnenkonstruktion ist ganz aus Holz g baut und innen duftet es nach Holz, Sägemehl und ein bißchen nach Pferd.

Eine andere Form, Bäume wirtschaftlich zu nutzen, war der Niederwald. Bei dieser Art der Waldbewirtschaftung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der gesamte Holzbewuchs einer Waldfläche alle 15 bis 30 Jahre abgeholzt. Die zur Regeneration fähigen Arten wie Hainbuchen und Eichen schlugen an den Stümpfen oder an den Wurzeln wieder aus. Dadurch entstand die typische Wuchsform. Spuren einer solchen historischen Waldnutzung zeigt der Niederwald südlich von Ruppertshain, einem Stadtteil von Kelkheim, aber auch das Riederwäldchen südwestlichlich von Hochstadt..

Im angrenzenden Wald versteckt sich der kleine Privat­friedhof der Familie Richter‑ Rettershof, derjenigen Familie, die den Hof von 1924 bis 1979 be­sessen hat.

Er liegt im Wald und ist mit Findlingen gestaltet. Von 1944 bis 1990 fanden vier Beerdigungen der Familie statt, danach wurde der Friedhof nicht mehr genutzt.

 

Eppstein

Klein - fein - Eppstein: Knapp 13000 Einwohner zählt das mittelalterliche Main-Taunus-Städtchen mit seinen fünf Stadtteilen. Die Altstadt ist auf felsigem Untergrund gebaut, kuschelt sich in tiefe Täler und ist mit ihrer Burg, dem Museum, den mittelalterlichen Mahlzeiten und den Burgfestspielen zu allen Jahreszeiten einen Ausflug wert.

Im Jahre 1535 starben die Herren von Eppstein aus und ihre Besitzungen kamen einschließlich Bremthal, Ehlhalten, Niederjosbach und Vockenhausen an Kurmainz. Die einstige Residenz Alt‑Eppstein wurde jedoch nur zur Hälfte kurmainzisch. Den anderen Teil hatten die Herren von Eppstein schon 1492 an den hessischen Landgrafen verkauft. So saß der hessische Amtmann in der westlichen Burghälfte und war für die lutherischen Bürger zuständig, ein kurmainzischer Verwaltungsbeamter agierte von der östlichen Burghälfte aus und hatte die katholischen Orte im Blick. Die staatlichen Verhältnisse blieben bis 1802 gespalten, als die geistlichen Staaten im Deutschen Reich aufgelöst wurden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Eppstein zu einem Urlaubsort für erholungsbedürftige Großstädter. Um ihr idyllisch im Taunus gelegenes Städtchen für den Fremdenverkehr noch anziehender zu gestalten, ließen der Verschönerungsverein und andere Eppsteiner Institutionen auf den Anhöhen rundum kleine Aussichtstempel erbauen. Sie existieren bis heute, etwa der attraktive Kaisertempel.

 

Von der B 455 nach rechts in die Burgstraße gelangt man in die mit Fachwerkhäusern besetzte Altstadt. Sie hat einen gotischen Zwinger mit Flankentürmen und Rundturm. Weiter gibt es die katholische  Kirche (1765–1903). Am Werner-Platz, vor der gotischen Talkirche, die auch auf die Eppsteiner zurückgeht (1498,mit Bildnisgrabsteinen der Herren von. Eppstein) beginnt der Aufstieg zur Burg.

 

Die Burg wurde gebaut als große Rechteckanlage und im gotischen und barocken Baustil erweitert. Die Burg wurde um 1100 als Stammsitz der Herren von Eppstein erbaut. Urkundlich wird sie 1124 erwähnt, als Kaiser Heinrich V. die Hälfte der Burg dem Erzstift Mainz schenkte. Dem Geschlecht entsprossen im 13. Jahrhundert vier Erzbischöfe von Mainz. Georg II. von Eppstein, Erzbischof von Mainz, brachte nach dem Tod des Kaisers Rudolph seinen Vetter Adolf von Nassau auf den Thron. Weil dieser aber nicht das gefügige Werkzeug des Erzbischofs sein wollte, wurde Albrecht von Österreich als Gegenkaiser gewählt.. Adolf von Nassau verlor in der Schlacht bei Göllheim  am 2. Juli 1298 sein Leben. Als Albrecht aber in Aachen gekrönt war, kam es zum Zerwürfnis mit dem herrschsüchtigen Erbbischof, das mit dem völligen Niederlage des stolzen Eppsteiners endete.

In der Reformationszeit kam Eppstein an Hessen, aber es hatte zwei Jahrhunderte mit Mainz um den Besitz zu kämpfen. Seit 1776 verfiel die Burg.. Erhalten ist ein 26 Meter hoher Bergfried (14. Jahrhundert), dreistöckiger Palas, Küchenbau, nördlich Teil des Mainzer Schlosses.

Die Burg überdauerte die Fährnisse der Zeit unbeschadet bis zum Jahr 1804, als sie teilweise abgebrochen wurde. Erst im Jahr 1823 wurde die Zerstörung gestoppt und seit 1929 befindet sich das Wahrzeichen im Besitz der Stadt, die seither viel Geld in den Wiederaufbau gesteckt hat.

Der Palas, einst repräsentatives Wohngebäude der herrschenden Adelsfamilie, präsentiert sich heute als Ruine: 1908 war die Burg Eppstein durch ihren damaligen Herren, den Herzog von Nassau, zum Abbruch freigegeben worden. Öfen und Gebälk sowie schöne Treppensteine wurden damals herausgeholt. Vom einst zweigeschossigen Palas blieb im Laufe der Zeit nur noch Reste des Mauerwerk zurück, in den unteren eineinhalb Geschossen türmt sich Abbruchschutt.

Auch am Gang um den Bergfried, den so genannten Altan, und am alten Toilettenturm nagt der Zahn der Zeit. Die Zwingermauer, auch Apothekengarten genannt, außerhalb der Kernburg muß stabilisiert werden, ebenso wie die Ringmauer zwischen dem inneren Tor und dem Palas. Renovierungsbedürftig ist schließlich auch die alte Türmerstube im Burgfried.

Der Burgverein mit seinen 716 Mitgliedern hat mit viel Liebe die alte Kemenate aufgemöbelt und die Stadt vermietet das Räumchen samt Küche für Privatfeiern. Wer seine Hochzeit stilvoll feiern will. hat in der Burganlage Gelegenheit dazu ‑ er muß nur Geduld mitbringen, denn die begehrten Wochenendtermine sind monatelang im voraus ausgebucht.

Der Burgverein lädt in unregelmäßigen Abständen zu mittelalterlichen Mahlzeiten ein. Vor dem Essen gibt Stadtarchivar Bertold Picard, Doktor der Geschichte, Heimatforscher mit Leib und Seele und Museumsleiter, Informationen zur Burg, zum mittelalterlichen Leben und macht eine Führung in der Burganlage. Wer will, kann auch einen Blick ins Stadtmuseum werfen. Das weitere Sanierungsprogramm für die Burg umfaßt fünf Schritte: Der Rest des Palas wird saniert, wobei vor allem Schutt abgetragen und die Mauern stabilisiert werden müssen.

Öffnungszeiten: Burgruine Eppstein, April bis Oktober 10–12 und 13–17 Uhr, Nov. bis März 11-12 und 13–15 Uhr, Dienstag geschl.  Heimatmuseum in der Burgkapelle, April bis Okt. Sa. 14–17 Uhr, Sonn- und Feiertage 11–12 und 13–15 Uhr. 

Im Jahre 1998 war der Startschuß für das Museum gefallen; es enthält Exponate aus dem 10. bis 19. Jahrhundert und veranschaulicht die Alltags‑ und Lebenswelt der früheren Bewohner. Fundstücke wie Rüstungen, Bodenfliesen Waffen, Geschirr, Haushaltsgeräte und Ähnliches sollen nicht einfach nur in Vitrinen ausliegen: Mit Hilfe von Videoinstallationen, Modellen und modernen Schaukästen wird der stolze Geist „derer von Eppstein“ wiederbelebt.

 

Schon von unten ist der prächtige Kaisertempel zu sehen. Hoch oben thront er, auf einem Felsvorsprung des Staufen, von der Sonne angestrahlt. Die vier weißen Säulen und der dreieckige Giebel blitzen aus dem Dunkel der Bäume heraus. Der Weg dorthin ist steinig, auch mit dem Auto. Er führt vom Stadtrand über eine schmale, gewundene Straße, die am Ende nicht mehr als ein Schotterpfad ist.

Am Parkplatz angelangt, fällt zunächst das große Gebäude auf, das ein Ausflugslokal beherbergt. Recht unscheinbar liegt links davon das kleine Tempelchen. Durchschreitet man das Eisentor in der eher schmucklosen Rückwand, eröffnet sich ‑ an den mächtigen Säulen vorbei ‑ ein herrlicher Blick auf die Burgstadt und die umliegenden Taunushügel. Eine kleine Treppe führt auf ein etwas tiefer gelegenes Aussichtsplateau, wo man sich auf einer der zwei Bänke niederlassen kann.

Welch ein Panorama, welche Stille! Nur ganz von Ferne dringen die Geräusche der Stadt und der Bundesstraße nach oben herauf. Viel lauter ist das Zirpen einer Grille zu hören. Ein Schmetterling und eine Wespe taumeln in der Mittagshitze. Die Sonne sticht. Zurück zur schattenspendenden Halle des Tempels.

Anlaß für die Errichtung dieses Ehrenmals 1894 waren der Sieg im Deutsch-Französischen Krieg und die Reichsgründung 1871, thematisch also mit dem Niederwalddenkmal bei Rüdesheim vergleichbar.

Von den Wänden grüßen hohe Herren: Kaiser Wilhelm I., Friedrich III., Kanzler Bismarck und Generalsfeldmarschall Moltke. Die Medaillon‑Reliefbildnisse und Büsten stiftete der Frankfurter Bankier Baron de Neufville, der in Eppstein ein großzügiges Landhaus besaß.

Gebaut wurde er in den Jahren 1897 bis 1894 auf Veranlassung des 1878 gegründeten Verschönerungsvereins, 3 300 Goldmark haben sich die Stadt und der Verschönerungsverein den Bau kosten lassen.

Patriotische Eppsteiner Bürger hatten den Verein 1878 auf Initiative von Josef Heinrich Flach, dem Besitzer der Stanniolfabrik, ins Leben gerufen Hauptgrund dafür war der Wunsch, den historisch bedeutsamen Sieg über den damaligen „Erbfeind“ mit einem kleinen Steintempel ein Denkmal zu setzen. Ein weiteres Ziel der Vereinsgründer war es, die Naturschönheiten ihrer Heimat zu erschließen und somit den Fremdenverkehr zu fördern. Eine Widmungstafel im Inneren des Säulen‑Baus nennt den Stifter“ „Den Einigern Deutschlands, gewidmet vom Verschönerungsverein Eppstein“.

Eingeweiht wurde der Kaisertempel am 2. September 1894, dem Jahrestag der Sedansschlacht von 1870. Mehr als 40 Vereine nahmen an der Feier teil. Aus nah und fern kamen zahlreiche Besucher zu dem Ereignis ‑ viele von ihnen, auch Frankfurter Bürger, hatten zur Finanzierung des Baus beigetragen.

Bau‑ und kunstgeschichtlich ist der Kaisertempel in weitem Umkreis einmalig. In klassizistischem Stil erbaut, ahmt er das Vorbild eines griechisch‑dorische Tempels nach. Allerdings besteht er nicht aus der Vorhalle eines antiken Gotteshauses, das eigentliche Heiligtum fehlt. Die vier weißen Säulen sind fast vier Meter hoch. Gekrönt werden sie von dorischen: Kapitellen aus rotem Sandstein.

Erst zu seinem hundertsten Geburtstag wurde der Kaisertempel von Grund auf saniert. Ursprünglich sollte er nur „herausgeputzt“ werden. Dann stellte sich jedoch heraus, daß das alte Gebäude schon recht baufällig war. Für die aufwendigen Arbeiten hatte der Verschönerungsverein, der sich heute vor allem um den Erhalt der alten Aussichtstempel in Eppstein kümmert, um Spenden den gebeten.

 

Die Burgstraße weiter kehrt man zum Bahnhof zurück. Dort steht auch der Neufvilleturm (Öffnungszeiten:1. April bis 31. Oktober, Samstag, Sonntag. und Feiertage 10–18 Uhr (Rhein-Main, 15)

Berühmte Einwohner:

Große Söhne hat die Stadt hervorgebracht. Aus Vockenhausen stammt Reichsfreiherr Johann Adam von Ickstadt (1702 bis 1776), der sich als Jurist und Staatsmann in bayerischen Diensten einen Namen machte. In Eppstein wurde Theodor Fliedner (1800 bis 1864) als Sohn des Pfarrers geboren, der Gründer des Diakonissenmutterhauses in Kaiserwerth und einer der großen Namen der deutschen Kirchen‑ und Sozialgeschichte.

Häuser und Straßen tragen heute die Namen der berühmten Männer und über allem prangt die Eppsteiner Burg, 1122 erstmals urkundlich erwähnt. Sie war Verwaltungs‑ und Schutzmittelpunkt der Herren von Eppstein, die zu den großen mittelalterlichen Adelsfamilien des heutigen Rhein‑Main‑Gebietes gehörte.

 

Schinderhannes:

Johannes Bückler, den man den Schinderhannes nannte, wehrte sich energisch. Die Morde, die ihm vor Gericht vorgeworfen wurden, wies er weit von sich. Nur einmal, da habe er im Taunus bei Eppstein einen Boten niedergeschlagen. Das Teilgeständnis verblüffte sogar das Opfer. Der berüchtigte Schinderhannes sollte es gewesen sein, der ihm zwei Jahre zuvor auf dem Weg von Höchst aufgelauert hatte und an die Tasche wollte? Bote Johann Sauer erschien als Zeuge. Zur Verblüffung - diesmal des Täters - lebte Johann Sauer noch.

Nachdem ihm der Schinderhannes einen Holzknüppel über den Kopf geschlagen hatte und er eine Weile blutüberströmt im Wald danieder lag, fanden ihn Bewohner von Eppstein und brachten ihn nach Hause, wo er nach vielen Wochen Bettruhe wieder genesen konnte. Elf Jahre später - im Jahre 1813 - setzte Johann Sauer, von Beruf Zimmermann, an jene Stelle, wo ihn der Wegelagerer aufgespürt hatte, ein Holzkreuz zur Erinnerung daran, daß er dem Tod nur knapp entronnen war. Auf den Spuren des Schinderhannes führt uns der heutige Ausflug nach Eppstein zum Sauerkreuz.

Weithin unbekannt ist das Vagabundenleben des populären Schinderhannes in und um Eppstei. Lange Zeit wurde es nur mündlich überliefert, bis der Eppsteiner Stadtarchivar Berthold Picard in den Akten blätterte und nach einiger Mühe Interessantes zutage förderte.

Es war eine wilde Zeit um 1800. Johannes Bückler war noch keine 20 Jahre alt. Als es dem verwegenen „Hannes dorch de Wald” - wie er sich auch nannte - 1801 im Hunsrück zu heiß wurde, setzte er sich mit seiner Geliebten in den Taunus ab.

Eppstein mit seinen Stadtteilen ist nicht nur eine mittelalterliche Burgenstadt, sie ist auch eine Schinderhannesstadt. Noch in den dreißiger Jahren führte der katholische Pfarrer Wilhelm Reuter im Stadtteil Vockenhausen Schinderhannes-Festspiele auf, um seinen Kirchenanbau zu finanzieren. und in Ehlhalten spricht heute noch jeder von der Schinderhanneshöhle, die versteckt im Silberbachtal liegt.

Nur wenige Wanderer wissen heute noch, daß auf dem Staufen zwischen Kaisertempel und der Lorsbacher Gundelhard in der Nähe des Waltersteins das Schinderhannes- oder Sauer-kreuz steht. Auf den Wanderkarten der drei Städte Eppstein, Kelkheim und Hofheim ist es nicht einmal eingezeichnet. Nachkommen des Johann Sauer haben an dieser Stelle inzwischen ein steinernes Kreuz errichtet.

In Eppstein führt der Weg zunächst zum Kaisertempel. Hier hat der Wanderer einen herrlichen Blick über das Taunus-Städtchen und seine Burgruine. Der Markierung „Schwarzes Rechteck” Richtung Lorsbach folgend, kommt man am Martinsfelsen vorbei, wo schon Felix Mendelssohn-Bartholdy zu seinen schönsten Melodien inspiriert wurde. Wir nehmen den schmalen dunklen Pfad nach Lorsbach - nicht den breiteren Richtung Gundelhard oder Kelkheim - und verschwinden im finsteren Wald.

Keine zwei Kilometer weiter gabelt sich der Weg. Rechts runter geht's nach Lorsbach, geradeaus schnurstracks auf das Sauerkreuz zu. Der Weg ist nicht mit Schotter reguliert, also bei Regen sehr matschig.

Der Kreuzsockel trägt die Inschrift des Stifters. Gehen wir den Weg weiter, stoßen wir alsbald auf eine Kreuzung, an der uns ein Pfeil den direktesten Weg zum Ausflugslokal „Gimbacher Hof” weist. Dort hatte einst der Schinderhannes mit seinem Julchen genächtigt. Das Lokal hat täglich außer montags von 11 bis 24 Uhr geöffnet. Bei gutem Wetter kann man im Freien sitzen. Kühe und Ziegen leisten Gesellschaft. Kinder können sich auf dem Spielplatz austoben.

Von dort führt das gelbe Rechteck über den Staufen (451 Meter über dem Meeresspiegel) zurück zum Kaisertempel. Ohne Rast ist die Strecke in eineinhalb Stunden gemütlich zu bewältigen.

 

Kelkheim

Die Wanderung beginnt zwischen dem Königsteiner Stadtteil Schneidhain und dem Kelkheimer Stadt­teil Fisch­bach auf einem Parkplatz der Bundesstraße 455. Wir starten direkt an dem Waldpark­platz hinter der Schranke, Schildchen mit der Kennung R 7 (Wanderweg rund um den Rettershof) begleiten uns. Rechts und links dieses gut ausgebauten Forstweges salutieren Weiden, Hasel und Hainbu­chen. Buschwindröschen und Maiglöck­chen in dem dahinter liegenden Wald wecken Frühlingslust. Die Strecke ist ideal für Kinder Am Weg locken zu großen Hau­fen gestapelte mächtige Baumstämme zum Klettern und Balancieren.

Bevor wir beim Wasserhoch­behäl­ter links abbiegen, sehen wir im noch blattlosen Unterholz links und rechts mehrere ein bis zwei Me­ter hohe vorgeschichtliche Grabhügel. Wir unterqueren eine Hochspannungsleitung und stehen vor einem Hindernis, das wir mit Vorsicht überwinden: das Gleis der Bahn, die Frankfurt mit Königstein ver­bindet. Trampelpfade weisen den nicht ganz legalen Über­weg Spätestens hier bewahren sich gute Wanderschu­he. An einem Tief­brunnen vorbei und durch einen von knorrigen Hainbu­chen beherrschten Wald öffnet sich vor uns eine Talaue, deren Reize wohl nur ein Dichter wie der Freiherr von Eichendorff angemessen beschreiben könnte. Das klei­ne Bächlein werden wir später wiedertref­fen, bevor es sich im größeren Liederbach auflöst.

Ein Zeichen mit dem Emblem der Apfelweinroute und eine Informationsta­fel über den Unsinn eines „aufgeräumten Waldes“ signalisieren uns, auf dem rech­ten Weg zu sein. Wir steigen aufwärts in der Gewißheit eines baldigen Abstiegs in das Tal des Liederbachs mit saftig-grünen Weiden und alten Streuobstwiesen.

Wir biegen nach rechts ab und stoßen bald auf die Beidenauer Mühle, die be­kannter ist unter dem Namen „Rote Müh­le“. Die Wasserkraft, des Liederbaches treibt schon lange kein Mühlrad mehr an. Das Anwesen hat sich wegen seines einzig­artig gelegenen Biergartens zu einem at­traktiven Landgasthof entwickelt. Er ist täglich von 12 bis 24 Uhr geöffnet. Im Hochsommer bieten die Blätter mächtiger Linden und Ahornbäume sowie eindrucks­voll drehwüchsiger Speierlinge Schutz vor der Sonne. Das offene Tal gewährt einen Blick auf die Ruine der Burg Königstein.

Wenn der Handkäs mit Musik verzehrt und das gerippte Glas geleert ist, bre­chen wir auf und biegen direkt vor der Brücke über den Liederbach rechts in die Wiesen­aue. Einige hundert Meter begleitet uns das Murmeln des mäandrierenden Ba­ches. Am Wasser­werk von Kelkheim treffen wir das be­reits erwähnte na­menlose Bächlein wieder. Wir folgen dem Hauptweg, staunen über die Ap­fel‑ und Kirsch­baumriesen, die un­geachtet ihres ho­hen Alters in voller Blüte stehen, und darüber, daß durch dieses Paradies tat­sächlich die neue Bundesstraße 8 ge­baut werden soll.

Wir verdrängen diese häßlichen Ge­danken, schlagen einen Haken nach rechts auf einen anstei­genden Asphaltweg, überschreiten die Bahnlinie abermals, passieren das dritte Wasserwerk auf dieser Rundtour und schließlich eine größere Sportanlage. An deren Ende biegen wir rechts ab und kön­nen uns auf die Suche nach den Bäumen machen, die um die Ecke wachsen. Man muß genau hinschauen. In dem Wald links stehen etwa zwei Dutzend dieser drei bis acht Meter hohen botanischen Uni­kate. Sie heißen „Süntelbuchen“, weil sie im Süntel in der Grafschaft Schaumburg in größerer Zahl wachsen und dort auch er­forscht wurden. Diese Buchen haben ei­nen kurzen Stamm, ihre Äste wachsen schlangenförmig, unterbrechen ihre Wuchsrichtung jäh im rechten Winkel, bil­den Schlingen und lassen ihre äußeren Zweige zu einer Trauerkrone nach unten hängen. Voll belaubt, bilden sie zum Ver­gnügen der Kinder wundersame Baum­häuser.

Der Wald bietet Kindern wie Erwachse­nen noch mehr: Kurz vor der Wochenendhaussiedlung sehen wir mitten im Wald Abraumhügel und eingefallene Stollenzugänge. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hie Eisenerz gewonnen. 22 Gruben soll es hier gegeben haben, deren Erz in dei Taunushütte zu Höchst und in der Rheinhütte Biebrich ausgeschmolzen wurde. Wer geduldig sucht, entdeckt in dem Unterholz hinter dem letzten Wochenendgrundstück noch Erz‑Aufschüttungen. Vor 150 Jahren hatte es sich vielleicht nicht mehr gelohnt, dieses Erz zu verladen. In das Gezwitscher der Vögel mischt sich bald das Geräusch der Autos auf der Bundesstraße 455. Wir haben den Waldparkplatz erreicht und etwa drei Stunden Naturgenuss hinter uns.

 

Hofheim:

Römische Funde wurden in zwei Siedlungen gemacht, die Vorposten des Mainzer Legionslagers an der Straße von Mainz nach der Wetterau waren:

1. Auf der Anhöhe „Hochfeld“ südlich des Stadtkerns (östlich der Kreuzung  B519 mit der L 3011): Die heutige Römerstraße durchschneidet das Erdlager. Etwa 90 Meter östlich davon war ein Steinkastell (im freien Feld, heute Kreishaus). Vorher waren Kelten und Germanen dort. In römischer Zeit gehörte es zu Wiesbaden. Südlich des Erdlagers liegt das Gräberfeld Gotenstraße.

2.Auf den nördlich davon gelegenen Talhängen des Schwarzbachs östlich der Stadthalle (damals zu Heddernheim gehörend, heute Krifel). Auf dem Kapellenberg stand ein Wachtturm.

 

Der Kapellenberg, an dessen Fuß sich das historische Hofheim entwickelt hat, ist einer der interessantesten Berge des Taunus. Seine prägnante Lage mit den steil abfallenden Seiten hebt ihn seit jeher im Landschaftsbild heraus. Auf dem Berg ist eine erstaunlich große Zahl von Bauwerken aus den unterschiedlichsten Zeithorizonten zu finden, die alle von ihrer Bedeutung für das lokale Gemeinwesen und auch auf Grund ihrer optischen Fernwirkung für die Region sehr bedeutsam sind beziehungsweise waren.

Bei der Aufzählung der Nutzungen des Berges bleibt ein unscheinbares Bodendenkmal meist unerwähnt. Aber an der Stelle, wo heute der Fahrweg zum Meisterturm auf der Höhe der Wallfahrtskapelle in einer scharfen Kurve verläuft, wurde 1895 eine kleine Anlage entdeckt. Fritz-Rudolf Herrmann, der langjährige oberste Experte für die hessischen Bodendenkmale: Ein weiteres unscheinbares Denkmal auf dem Kapellenberg darf besonderes Interesse fordern, da es ungewöhnlich und in seiner Bedeutung noch unklar ist. Es handelt sich um die teilweise auch als Rundschanze bezeichnete, kreisrunde Umgrabung oberhalb der Kapelle. Eine wehrtechnische Bedeutung kann die Anlage nicht gehabt haben, ebenso wenig ist eine andere praktische Nutzung denkbar. Daher muß man in der Anlage wohl ein Heiligtum sehen. War es ein Heiligtum der Großen Mutter? Diese Frage ist insofern berechtigt, als Hofheim seit altersher in Verbindung gebracht wird mit einer Frauengestalt mit dem Namen Ambet.

In der regionalen Tradition gab es, wie Hans Henninger, langjähriger Vorsitzender des Karnevalvereins Hofheim, in seinem Büchlein über die „Hofheimer Ambet“ beschrieben hat, zwei sehr konträre Images für die Ambet: einmal die „schlächt Ambett“ im Spott der Nachbarorte und zum anderen die liebevolle Erinnerung der alteingesessenen Hofheimer an „unsere liebe Mudder Ambee“. Die „liebe Mudder Ambet“ war jedoch nicht nur die Helferin in Kindsnöten und bei schwerer Krankheit, sondern auch die Hüterin jener Gesetze, auf die die Gemeinschaft aufbaute; sie bestrafte diejenigen, die die Normen mißachteten. Wenn wir davon ausgehen, daß sich hinter dem Namen Ambet die Große Mutter verbirgt, wofür vieles spricht, dann war der religiöse Kult der Ambet bereits Tausende von Jahren vor unserer Gegenwart lebendig gewesen.

Hans Henninger zitiert unter anderem eine Broschüre von 1926, herausgegeben von der katholischen Kirchengemeinde Hofheim, in der die vorchristliche Bedeutung des Kapellenberges kurz erwähnt wird. Der Text bezieht sich auf den Bau der Bergkapelle zum Dank für die Abwendung der Pest, und er beschreibt, wie sich die Bevölkerung offensichtlich den gemiedenen „Raubberg“ beziehungsweise „Räuberberg“ genannten Hausberg wieder aneignete. Wir wissen, so Hans Henninger, daß die Menschen in ihrer großen Not durch die Pest sich wieder mehr den alten Gottheiten zuwandten. Auch hier in Hofheim hatte allem Anschein nach die Verteufelung des Berges und die Verspottung der Ambet nicht ausgereicht, die alten Gottheiten vollends zu verdrängen. Der damalige Pfarrer Johann Gleidner änderte spontan die bisherige Strategie der Verteufelung des Berges. So wurde im Jahre 1667 die Bergkapelle erstmals erbaut. Sie wurde der heiligen Maria und den Schutzheiligen St. Rochus und St. Sebastian geweiht.

In Hofheim wurden Maria und die beiden Pestheiligen auf den vorchristlich heiligen und anschließend verteufelten und nun wieder geheiligten Hofheimer Hausberg eingesetzt.

Es ist hilfreich zu wissen, daß das 17. Jahrhundert, in dem die Hofheimer Bergkapelle entstand, von einer gravierenden Klimaverschlechterung gekennzeichnet wurde, in deren Folge Mißernten, Tiersterben und Krankheiten auftraten. Pestwellen schlimmsten Ausmaßes brandeten durch Europa und erfüllten die Menschen mit Angst und Entsetzen. Dies dürfte einer der Grunde gewesen sein für ein erneutes Aufflackern der alten Naturreligionen. Offensichtlich deckten Frauen noch im 16. Jahrhundert den drei heiligen Frauen, von denen eine immer „Ambet“ oder „Aubet“ oder „Einbet“ heißt, heimlich den Tisch und legten drei Messer und Speise und Trank für sie hin, etwa in den Rauhnächten und auch wenn ein Kind zur Welt kam, damit die heiligen Frauen das Kind und die Mutter vor Krankheit und Tod schützten.

Das zähe Festhalten an den alten Gottheiten, auch noch in Zeiten, in denen sich offiziell längst die christliche Religion durchgesetzt hatte, wird in vielen Hinweisen in kirchenamtlichen Schriften deutlich, die widerspiegeln, wie diese unerwünschte Rückwendung zu vorchristlichen Glaubensinhalten im Mittelalter bis zur Schwelle zur Neuzeit von der Kirche als Gefahr und Sünde eingeschätzt wurde. Beichtspiegel, Bußordnungen, bischöfliche Erlasse und Synodenbeschlüsse deuten auf einen erbitterten Kampf gegen die Verehrung der vorchristlichen Frauengestalten.

Besonders in den ländlichen Regionen Europas war die Erinnerung an die alten Wohltäterinnen nicht ganz erloschen. So wurde in Meransen in Tirol, wo in der Dorfkirche die drei Jungfrauen Aubet, Coubet und Guerre noch heute einen Ehrenplatz haben, bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein Gebet an die drei Jungfrauen gerichtet. In Hofheim kennen wir nur den Namen Ambet. Wir können davon ausgehen, daß der Nennung der Ambet alleine noch ältere Vorstellungen zu Grunde liegen als der weiblichen Dreier‑Form mit drei unterschiedlichen Namen. An manchen Orten heißt die Ambet auch Einbet: Die Eine, die alle Aspekte in sich vereinigte. Diese eine große Göttin tritt uns im frühen Christentum versteckt noch in der Gestalt der Sophia, der großen Weisheit, entgegen.

In Hofheim hat die vorgeschichtliche Herkunft der Ambet inzwischen eine öffentliche Würdigung erfahren. Neben dem Hofheimer Ambet‑Brunnen, der vom Karnevalverein gegenüber dem Bahnhof auf der ehemaligen Bleiche, einem alten Frauenarbeitsplatz, aufgestellt wurde, befindet sich eine Bronzetafel mit folgendem Text: „Erbaut 1964 von der Karnevalgesellschaft 1900 e. V.“ Wer war die Ambet, die seit 1960 Zentralfigur der Hofheimer Fastnacht ist? Hofheim war im Mittelalter Amtsstadt. Die Nachbarn verspotteten die Hofheimer mit "Hofem‑Schlofem“ und nannten sie die „Ambetten“. Die Hofheimer selbst sprachen immer nur von der Mutter Ambet. Vieles deutet darauf hin, daß diese Mutter Ambet eine Gestalt ist, die aus grauer Vorzeit die Zeit überdauerte. Der Kapellenberg, der bis zum Bau der Pestkapelle 1667 verteufelt war und Räuberberg hieß, ist seit mehr als 5000 Jahren besiedelt.

Das neu erwachte Interesse an der Ambet‑Gestalt und damit der geistigen Orientierung der Menschen der Frühzeit in der Besiedelung des Vordertaunus öffnet zugleich auch den Blick für die auf die Natur bezogene Religiosität unserer Vorfahren. In jedem Fall hilft uns die Beschäftigung mit dem Thema, wieder etwas von der Sprache der uns umgebenden Landschaft und ihrer kulturellen Aneignung durch die unterschiedlichen Zeithorizonte hindurch zu verstehen.

 

Wer hat die besten Aussichten im Rhein-Main-Gebiet? Für die Hofheimer ist das keine Frage: Einen besseren Standort für die Gesamtschau über den Ballungsraum zwischen Taunus und Spessart als ihr Hausberg, der knapp 300 Meter hohe Kapellenberg, läßt sich kaum vorstellen. Gekrönt wird der lang gezogene Bergrücken vom 30 Meter hohen Meisterturm - 173 Stufen erklommen und das in die Ebene gegossene Häusermeer Frankfurts und seiner Vorstädte liegt dem Betrachter zu Füßen.

Die überwältigende Fernsicht hat schon früh die Menschen angezogen. Besiedlungsspuren lassen sich bis ins Jungneolithikum, die so genannte Michelsberger Kultur vor 4 500 Jahren, zurückverfolgen, während die an einigen Stellen gut sichtbaren Hügelgräber etwa

2 000 Jahre jünger sind. Nachgewiesen wurden weiterhin eine römische Rundschanze so-wie ein ausgedehntes Ringwallsystem. Allerdings stammt das 1,3 Kilometer lange Oval, das ein 46 Hektar großes Areal umschloß, nicht von den Kelten, wie man lange glaubte: Neuere Forschungen schreiben die Befestigung dem Frühmittelalter zu. Ein „Historischer Rundweg” um das Hochplateau erleichtert die Identifizierung der geschichtlichen Topografie.

Abschnittsweise folgen wir auf unserer Wanderung dem Lehrpfad. Zuerst einmal gilt es, aus Hofheim herauszufinden. Am S-Bahnhof halten wir uns links, umrunden eine Verkehrsinsel und biegen bei der Apotheke in die Straße mit dem Namen „In der Witz“. Bis zur Brücke begleitet uns nun der Schwarzbach. Man wechselt auf die andere Seite, weiter links durch Kleingärten. In Höhe eines grünen Tores geht es rechts hinauf durch einen Heckenschlupf zur Kurhausstraße, die schließlich in den Wald mündet. Die schon zuvor mehrfach gesichtete Markierung schwarzer Strich führt uns jetzt am westlichen Abhang des Kapellenberges kurvenreich leicht bergan. Der aufgelockerte Laubwald gibt immer mal den Blick frei ins Lorsbachtal, der Weg wendet sich dann aber halb rechts mit der Möglichkeit für einen kurzen Abstecher zur beliebten Einkehr Gundelhard.

Von dort eröffnet sich ein ungewohnter Blick auf den bekannten Baha'i-Tempel in Hofheim-Langenhain. Wie von einem anderen Stern gelandet, erhebt sich auf der gegenüber-liegenden Talseite der markante, von 27 Rippen und Hunderten von Waben gegliederte Kuppelbau der aus Iran stammenden, die Prinzipien aller neun großen Glaubensgebäude zusammenführenden Baha'i-Religion

Zurück von der Einkehr, wechselt man auf den roten Strich und läuft geradeaus die Langschneise hinauf. Nach dem Linksabzweig in den Gimbacher Weg, wo deutlich Hügelgräber erkennbar sind, geht es schon wieder bergab mit der Gelegenheit, in der Gaststätte „Viehweide” einzukehren. Nach einer schönen Partie durch den Buchenwald hat man die Wahl, auf bequemem Weg dem roten Strich, vorbei an einem kleinen Wildpark, zurück nach Hofheim zu folgen. Oder man läuft - ohne Markierung - zunächst weiter geradeaus und biegt am oberen Tierparkrand rechts ab in den Kreuzweg. Der Name deutet es an, begleitet von einigen Kreuzwegstationen wird man hinaufgeführt zur Waldkapelle, die weithin sichtbar am vorderen Rand des Kapellenbergs nach einem Pestgelübde 1666 errichtet wurde; das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1857.

Noch einige Meter weiter und man steht vor dem Meisterturm, einer eleganten Stahlkonstruktion, die 1928 den hölzernen Vorgängerbau von 1895 ablöste. Zu Füßen des Turmes hat man Gelegenheit zur Einkehr.

Zurück, vertraut man sich dem gelben Strich an. Mit ihm geht es in Zickzacklinie durch den Rest der frühmittelalterlichen Ringwallanlage wieder gen Tal, nicht ohne den kleinen Schlenker zum Cohausentempel eingelegt zu haben. Erbaut wurde er zu Ehren August von Cohausens, der sich Ende des 19. Jahrhunderts bei der Erforschung des Kapellenbergs verdient gemacht hatte. Wer unterhalb mit dem roten Strich gelaufen ist, stößt nun hinzu.

Gemeinsam wird man durch das bekannte Anfangsstück zurück zum Bahnhof geführt. Empfohlen sei ein Abstecher durch die von Fachwerk gesäumten Gassen zum Hofheimer Stadtmuseum (von der Kurhaus-, zur Haupt- und Burgstraße). Das in vier Abteilungen gegliederte Haus - Römerzeit, allgemeine Stadtgeschichte, moderne Kunst sowie Industrialisierung am Beispiel der örtlichen Lederindustrie - besticht vor allem durch seine gelungene didaktische Präsentation. Im Wortsinn ist alles auf Begreifen und Nacherleben ausgerichtet. Allenthalben kann etwas berührt, ertastet, gedreht, gewendet und hautnah betrachtet werden.

Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul mit spätgotischem Turm und Chor, Hochaltar um 1750.

Rathaus (1529) mit Fachwerkfassade (1890), davor Brunnen

Hexenturm u. Reste der Stadtbefestigung (nach 1352) • Kellereigebäude (1720) • Fachwerkhäuser • Katholische Marienkapelle (1672) auf dem Kapellenberg, 1795 zerstört, seit 1851 restauriert (Rhein-Main, 45).

 

Steinbruch

Der ehemalige Steinbruch im Wald zwischen Hofheim und Lorsbach ist ein beliebtes Ziel für Kletterer. Doch das Kraxeln in den Schieferfelsen ist nicht ungefährlich. In den vergangenen zwei Monaten sind drei Menschen abgestürzt und haben sich zum Teil lebensgefährlich verletzt. Wer in Hofheim‑Lorsbach klettern geht, tut dies auf eigene Gefahr. Der Erste Beigeordnete des Main‑Taunus‑Kreises, Hans Jürgen Hielscher, selbst begeisterter Sportkletterer, kommt zu dem Schluß, daß alle drei Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen seien. „Klettern ist eine gefährliche Sportart, und man muß voll konzentriert sein, wenn man sie ausübt“, sagt er.

Immer mehr Kletterer suchten die wenigen Ziele in Hessen auf, da die Sportart „in“ sei, sagt Hielscher. In pädagogischen Programmen werde mit Jugendlichen und Erwachsenen geklettert, das diene der Persönlichkeitsentwicklung. Aber es ist etwas anderes, ob man nur in einer Halle übt, in trockener und sicherer Umgebung, oder ob man in die Natur geht. Das unterschätzen viele.“ Deshalb sei bundesweit ein Anstieg der Kletterunfälle an Felsen verzeichnen.

„Die Lorsbacher Wand wegen der jüngsten Unfälle zu sperren, kommt für Melscher aber nicht in Frage. Wir sperren auch keine Bundesstraße, auf der sich viele Unfälle ereignen.“ Deshalb wird die Allgemeinheit auch künftig Rettungsaktionen wie die vom vergangenen Wochenende bezahlen müssen; mit Feuerwehr, Höhenrettungszug und Rettungshubschrauber. Lediglich der Einsatz der Arzte und Sanitäter wird der Krankenkasse der verunglückten Frau in Rechnung gestellt.

Das etwa 25 Meter hohe Fels‑Ensemble von Lorsbacher Wand und Walterstein im Schwarzbachtal zwischen Hofheim und Lorsbach gilt als eines der bedeutendsten Klettergebiete Südhessens. In dem ehemaligen Steinbruch wurde bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Taunusschiefer abgebaut. Bald danach entdeckten die Kletterer das Gebiet für ihren Sport.

Gefährlich war das Klettern in Lorsbach schon immer, denn Schiefer ist nicht das festeste Gestein. So beobachtet die Interessengemeinschaft Klettern und Naturschutz immer wieder, daß kleine und große Brocken aus dem Felsen brechen. Von 1988 an wurde der Felsen zwischen Anfang Februar und Ende Juni jeden Jahres gesperrt, um Tiere und Pflanzen zu schützen. Die Kletterer protestierten: Es lägen keine Gutachten vor. Gut zehn Jahre später wurde ein Kompromiß ausgehandelt. Nachdem die Untere Naturschutzbehörde, die für das Gebiet zuständig ist, ein Gutachten über die Folgen des Kletterns hatte erstellen lassen, gab sie die Wand vom 1. April bis 30. November frei. Die umliegenden natürlichen Felsen sind ganzjährig gesperrt. Tafeln informieren über das Naturdenkmal und das Schutzkonzept. Umlenkhaken, an denen sich die Kletterer abseilen können, wurden fest im Fels verankert, damit Kletterer die Felsköpfe nicht mehr betreten müssen. Sie können sich auf 36 Routen vergnügen, die alle mit neuen Sicherungshaken versehen sind. Von leicht (4) bis schwer (9) reichen die Schwierigkeitsgrade.

 

Hofheim-Langenhain:

Dass Hofheim, der zentrale Verwaltungssitz des Main-Taunus-Kreises, den Zusatz „am Taunus”, also vor dem Gebirge führt, rührt sicher noch aus der Zeit vor der Gemeindereform, als zu der Stadt noch nicht Orte wie Lorsbach, Langenhain oder Wildsachsen gehörten, die mit ihrer Höhenlage nahe an der 400-Meter-Grenze und mit ihrem Wald-bestand gewiss dem Taunus zuzurechnen sind (Wanderung inElvira Klein, Rhein-Main, 27).

 

 

 

 

 

Hochtaunus

 

 

Altkönig

Zugang: Der Altkönig ist nur zu Fuß zu erreichen, am einfachsten von Nordwesten her auf markiertem Wanderweg über den Fuchstanz. Zum Fuchstanz gelangt man auf Waldwegen von verschiedenen Parkplätzen entlang der Straße Oberursel - Schmitten bzw. - Feldberg (A 5 Ausfahrt Bad Homburger Kreuz auf die A 661 bis Oberursel-Nord) oder von der Straße (anfänglich B 8) Königstein - Oberreifenberg. Andere Zugänge von Süden her von Parkplätzen am Nordrand von Falkenstein

Der Altkönig (798 Meter) ist neben dem Großen und Kleinen Feldberg der höchste Berg des Taunus. Er erhebt sich über die weite, fruchtbare, lößbedeckte Ebene zu seinen Füßen. Dort, in der südlichen Wetterau und der Mainebene, muß das Siedlungsgebiet des keltischen Stammes gelegen haben, der die Befestigungen auf dem Berggipfel erbaute. Die markante Kuppe des Berges, der aus dem Taunusmassiv nach Südosten vorspringt, ist - gleich von welcher Seite der Ebene man sich nähert - weithin sichtbar und stellt die beherrschende Höhe des gesamten Vortaunuslandes dar.

Wo es nicht so steil ist, vor allem an der südöstlichen Seite, kann man heute auf den Geröllmassen nach Herzenslust herumkraxeln. Eine Sichtschneise belohnt den Wanderer mit einem spektakulären Blick über das in die Ebene gegossene Frankfurt. das mit seinen Satellitenstädten zu einer einzigen Megalopolis zu verwachsen scheint: ein weißes Häusermeer. umrahmt vom Kranz der Mittelgebirge Odenwald. Spessart, Vogelsberg und dem Taunus im Rücken.

 

Forschung:

Die Geröllfelder auf dem Altkönig im Taunus haben schon immer die Phantasie und den Forschergeist beflügelt. Anschaulich beschreibt Mutter Aja Goethe, wie sie von ihrem Fenster im Frankfurter Hirschgraben aus die damals noch vollständig geschlossenen Ringwälle in der Sonne glänzen sah. Deren Herkunft und Bedeutung konnte sich noch bis ins Jahrhundert niemand erklären, wild schossen Spekulationen ins Kraut. Wie der in Oberursel lehrende Dichter, Humanist, Pädagoge und Reformator Erasmus Alberus (1500 bis 1553) glaubte man lange, ein vom römischen Kaiser Trajan vertriebener „Teutscher König” habe sich auf den Berg zurückgezogen. Oder es sollen die Römer selbst gewesen sein, die sich hier oben gegen die Germanen verschanzt hätten, verbreitete noch eine Landschaftsbeschreibung 1802.

Auch ohne Luftbild-Archäologie ahnte man, daß die beiden ovalen Steinringe auf der Spitze des knapp 800 Meter hohen Berges mehr und anderes waren als die zufällige Anhäufung von Taunusquarzit. Noch bis weit ins 19. Jahrhundert war man aber zu stark in den biblischen Zeitvorgaben und Vorstellungen zur Entstehung des Menschen verhaftet, als daß man hier die kulturtechnische Großtat eines prähistorischen Volkes hätte erkennen können.

Das sich Alberus damals bietende Bild wird dem geähnelt haben. das J. F. Morgenstern in seiner „Malerischen Wanderung auf den Altkönig im Sommer 1802“überlieferte: „Höher hinauf siehet man noch Ueberbleibsel von einer der drey Verschanzungen, welche die Römer zur Schutzwehr gegen die alten Deutschen sollen aufgeworfen haben. Sie bestehet wie die andern beyde, wovon die oberste noch um den ganzen Berg gehet, aus Steinen verschiedener Größe, welche über einander geworfen sind, jetzt aber durch die Zeit ziemlich zusammen gestürzt worden, daß man sie allenthalben übersteigen kann. Hier und da befinden sich große Rundeln, wo vermuthlich Wachthürme gestanden haben.“

Erst als sich der verdienstvolle Erforscher des Limes, Carl August von Cohausen, der Steinringe annahm, kam Licht ins geschichtliche Dunkel. Seine Grabungen in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben den keltischen Ursprung der Anlage aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert zweifelsfrei geklärt. Außerdem konnte der keltische Namensstamm entschlüsselt werden, „altkin” bedeutet „große Höhe“.

Es waren weniger die spärlichen Funde in den Geröllmassen, die auf die hochstehende Keltenkultur hindeuteten. Anlage und Technik der Ringwälle selbst verweisen eindeutig auf das vorgermanische Volk. Die Nachwelt kannte die Kelten bislang vor allem als Erbauer gewaltiger Sicherungsanlagen auf höchsten Bergeshöhen. Dabei bedurfte es gut organisierter Völker, um mit kilometerlangen Steinwällen die Gipfellagen zu umwehren. So hatten sie es auch auf dem knapp 800 Meter hohen Altkönig meisterlich verstanden, das vorhandene Material – hier den sehr harten Taunusquarzit – mit der Geländetopographe zu verbinden.

Meisterlich verstanden es die Kelten, für ihre Bauten vorhandene Materialien mit der Geländetopographie zu verbinden. So wurden die beiden Wälle am Altkönig - der innere 980 Meter, der äußere 1390 Meter lang - nicht nur einfach aufgeschichtet. Vielmehr bildeten beide im sogenannten „Pfostenschlitzverfahren“, aufgetürmt zu fünf bis zehn Meter hohen und sechs Meter breiten Mauern. Da sie nach vorn senkrecht abfallen, konnten Angreifer von der hölzernen Umwehrung bekämpft werden. Erst mit dem Verwittern der Balkenkonstruktion fielen die Mauern in sich zusammen. Sie sind zwar in sich zusammengesunken, aber auch als ausgedehnte Geröllfelder in ihrem Verlauf noch sehr gut erkennbar.

 

Die Ringe:

Der innere Ring hatte auf der flacheren Ostseite ein einziges Tor abweichender Konstruktion. Es war eine einfache Mauerunterbrechung, in der sicher ein hölzerner Torbau stand. Wie bei den Toren der äußeren Mauer ist uns dessen Aussehen unbekannt, da es bisher durch Grabungen nicht nachgewiesen wurde. Zwar hat von Cohausen gerade an diesem Tor gegraben und dort auch eine Reihe von Funden gemacht, doch waren die Methoden damals noch nicht so entwickelt, daß man Holzbauten hätte feststellen können.

Die Tatsache, daß der innere Ringwall erheblich besser und großartiger erhalten ist als der äußere, hat zu der Vermutung geführt, daß äußere und innere Mauer nicht gleichzeitig bestanden hätten. Danach wäre der äußere Ring mit dem Annex eine ältere Anlage, und erst nach deren Zerstörung oder Zerfall wäre die innere Mauer erbaut worden. Dem äußeren Ringwall sei dann Material zum Bau des inneren entnommen worden. Diese Vermutung läßt sich nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand nicht widerlegen, aber auch nicht beweisen. Bei seiner Ausgrabung hat von Cohausen im inneren Wall eine Mauerstärke von 6,20 - 6,50 Meter, im äußeren nur eine von 4 Meter festgestellt.

Im äußeren Ring befanden sich einst zwei Tore, die durch überlappende Mauerenden besonders geschützt waren. Diese Überlappung ist vor allem beim Südwesttor deutlich ausgeprägt. Dort geht es in den Annex hinein. Der zum Schutz und dem sicheren Zugang zur über 100 Meter tiefer am Berghang liegenden heute noch fließenden Quelle erbaute Annex war nach dem heutigen Befund anscheinend mit dem äußeren Ring nicht direkt verbunden. Das gilt besonders für die südöstliche Mauer des Annexes, die etwa 60 Meter unterhalb des äußeren Ringes aufhört und somit einen breiten Zugang zum Tor des Ringes offenzulassen scheint. Es ist allerdings fraglich, ob die Lücke ursprünglich ist.  Die nicht vollständig erhaltenen Wälle des Annexes maßen rund 1000 Meter. Insgesamt umfaßt die Befestigung etwa 26 Hektar, wovon 15 Hektar auf die Hochfläche,  11 Hektar auf den Annex fallen.

 

Die Mauern:

Die Mauern wurden durch senkrechte Pfosten an den Innen- und Außenfronten sowie durch verbindende waagerechte Balken zusammengehalten. Bei der Ausgrabung 1883 wurden die senkrechten Schlitze in den freigelegten Mauerfronten aufgedeckt. in denen einst die Pfosten in durchschnittlichem Abstand von 1,50 Meter standen. Die Pfosten hatten etwa 25 Zentime­ter Durchmesser oder Kantenlänge. Es ist nicht bekannt, ob für den Mauerbau die Baumstämme rund belassen oder zugehauen wurden; bei dem Stand der keltischen Zimmermannskunst wäre es durchaus denkbar, wenn auch vielleicht weniger wahrscheinlich, daß viereckige Pfosten und Balken verwendet wurden. Die Holz-Stein-Mauer war etwa 4 - 6 Meter breit und hatte auf der Feindseite bis zum Wehrgang etwa die gleiche Höhe. Darüber erhob sich noch eine hölzerne Brustwehr.

Die Grabung von Cohausens gehört zu den ersten Untersuchungen, bei denen der technische Aufbau einer vorgeschichtlichen Befestigung geklärt wurde. Aus diesem Grund hat man den hier festgestellten Bautypus einer vorgeschichtlichen Wehrmauer auch nach dem Altkönig und einem anderen bekannten Beispiel als Typus „Altkönig-Preist“ benannt (W. Dehn). Dieser Typ der sogenanten „Pfostenschlitzmauern“ ist nicht zu verwechseln oder gar gleichzusetzen mit dem von Cäsar beschriebenen „Murus Gallicus“, der auf einem ganz anderen System von nur waagerechten Balkenrosten beruhte und außerdem in der Regel eine hintergeschüttete Erd­rampe besaß. Auch zeitlich besteht ein Unterschied, da der „Murus Gallicus“ erst in einem späteren Abschnitt der Latènezeit im 2./1. Jahrhundert vCh auftritt.

 

Funde:

Fundstücke kennt man fast nur aus den schon erwähnten Grabungen von Cohausens. Sie sind zwar spärlich, erlauben aber doch die Datierung der Anlage in die hiesige Frühphase der Latènezeit (etwa um 400 vCh). Mit einem langen Bestehen der Wehrbauten ist wegen der beschränkten Lebensdauer der Holzkonstruktionen nicht zu rechnen, zumal die klimatischen Bedingungen auf der Berghöhe besonders ungünstig sind.

Spätlatènefunde und Funde der römischen Kaiserzeit fehlen vollständig. So war die Befestigung beim Eindringen der Römer in diese Gegend um Christi Geburt längst zerfallen. Allein aus diesem Grund hatte sie bei den Kämpfen zwischen Römern und Germanen keine Bedeutung mehr.

 

Zweck:

Die umfänglichen Grabungen konnten allerdings nicht zweifelsfrei Funktion und Zeitpunkt der Aufgabe der Anlage klären. Der große Außenring mit dem Annex kann durchaus zumindest gelegentlich als Fluchtburg gedient haben. In anderen, etwa gleichzeitigen Wehrbauten hat man Fürstensitze jener Zeit nachgewiesen. Diese Möglichkeit kommt auch für den Altkönig als die wahrscheinlichste in Betracht. Zusätzlich kann die Mauer ein Bergheiligtum umschlossen haben. Beweise dafür gibt es nicht. Nur in Notzeiten bot die Anlage größeren Menschenmassen Platz. Ausge­prägte Siedlungsschichten sind trotz zahlreicher Aufschlüsse nie entdeckt worden. Die Befestigung ist daher während ihres Bestehens wohl nur von wenigen Menschen dauernd bewohnt gewesen. Größere Menschenmengen können höchstens kurzfristig den Schutz der Mauern in Anspruch genommen haben.

Die Anlage war auch Teil der gegen Osten gerichteten Verteidigungslinie quer durch das heutige Hessen. Gewiß ist, daß der Altkönig anders als der Dünsberg bei Gießen oder der Glauberg in der Wetterau, die auch Spuren späterer Besiedlung zeigen, ausschließlich von den Kelten genutzt wurde.

Warum der Altkönig von den Kelten schon lange vor ihrer eigentlichen Hochblüte aufgegeben wurde, kann mit den unwirtlichen Wetterverhältnissen zusammenhängen. Vielleicht zog man auch nur eine Etage tiefer in das im zweiten vorchristlichen Jahrhundert angelegte Heidetränk-Oppidum nahe der Hohemark. Mit Sicherheit war der weithin sichtbare Berg beim Vordringen der Germanen aus dem Osten und der Römer aus dem Westen schon geräumt gewesen. Es gibt keinen Hinweis auf Kampfesspuren. auch nicht auf römische Besitznahme.

Dafür bestand auch keine Notwendigkeit. Strategisch klug angelegt, verlief der seit Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts gezogene Limes aus nördlicher Sicht vor den höchsten Taunuserhebungen.

 

 

Sandplacken- Herzberg

Wanderung Saalburg-Sandplacken:

Von der Bundesstraße hoch in Richtung Saalburg biegt man kurz vor der Höhe nach links ab auf das Saalburgrestaurant zu. Etwas unterhalb der Gaststätte geht nanch Westen ein Weg ab, der nach 200 Metern zu der Jupitergigantensäule führt. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als weitere Attraktion für das gerade rekonstruierte Römerkastell Saalburg aufgestellt. Bei der Steinsäiule handelt es sich umd eine ergänzte Kopie eines Denkmals aus Mainz,  die von einem Bildhauer in Kalkstein nachgearbeitet wurde.

Das Original war dort im Bereich der ehemaligen römisichen Siedlung in völlig zerstörtem Zustand ausgegraben worden. In mühevoller Kleinarbeit konnten die nahezu 2000 Bruchstücke aus Kalkstein wieder zu einer Säule zusammengesetzt werden. Die originalen Teile befinden sich heute im Landesmuseum  Mainz

Von der Statue des Jupiter aus vergoldeter Bronze, die das Denkmal bekrönte, wurde nur wenige Stücke gefunden.Sie wurde  nach besser erhaltene Vorbildern rekontruiert. Nicht alle abgebildeten Gottheiten ließen sich eindeutig bestimmen. Das ganze Denkmal einschließlich Statue mißt 12, 50 Meter. Die Säule war ursprünglich bemalt.

Der Opferaltar zeigt eine ähnliche Inschrift wie die Säulöe in verkürzter Form. Darüber hinaus sind Geräte dargestellt, die bei Opferzeremonien gebraucht wurden. Man fährt dann noch ein Stück auf der alten Landstraße nach oben. Dort ist rechts ein Parkplatz.

Am oberen Ende steht der Gedenkstein für das Gordon Bennett Rennen 1904. Am 17. Juni 1904 wurde an dieser Stelle das erste Internationale Automobilrennen auf deutschem Boden gestartet: Das Gordon bennett Rennen. Im Jahre 1899 hatte der Herausgeber der New York Harald Tribune, James Gordon Bennett, denWanderppokal gestiftet. Das Rennen wurde unter je drei Rennwagen aus Belgien, England, Frankreich, Italien  Östzerreich und Deutschland sowie einem Teilnehmer aus der Schweiz ausgetragen. Die Rundstrecke wurde viermal umfahren und mit knapp 509 Kilometern gewertet. Der Franzose Thery gewann auf Richard Brasier imiti einer Durchschnittsgeschwindigkeit  von nahezu 90 Kilometern vor seinem Erzrivalen Jenatzky, dem Vorjahressieger auf Mercedes. Die Tribüne hier an Start und Ziel faßte 2500 Zuschauer. Unter den Rängen befanden sich ein Postamt, Salons und ein Restaurant auf der rechten Seite war die Loge, von der auch Kaiser Wilhelm das Renmen verfolgte.

 

Von dort geht man östlich um die Saalburg herum, vorbei an den Bauten vor dem Osttor. Das rekonstruierte Saalburgkastell stellt den Zustand ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts nCh dar. Schon vor dieser Zeit gab es hier auf dem Saalburgpass Schanzen, d h. befestigte Unterkünfte für Soldaten. Sie zeichnen ich heute als Wälle und Gräben im Gelände ab. Die noch sichtbaren Mauerzüge gehören zu einem späteren Gebäudekomplex. Die Ausgrabungen am Anfang des 20. Jahrhunderts konnten nicht eindeutig klaren, in welchen Zeiträumen diese Bauwerke bestanden und welchem Zweck sie dienten. Durch den Vergleich mit Ausgrabungen an anderen Orten lassen sich jedoch Vermutungen anstellen:

Schanze A: Die älteste Anlage in diesem Bereich war von Erdwall, Graben und einem hölzernen Flechtwerkzaun  umgeben. Feste Gebäude im Inneren gab es nicht, dafür aber Zelte. Das Lager wurde noch vor Anlage des Limes erreichtet, vielleicht um das Jahr 75 nCh.

Schanze B: Zwei Gräben und Wälle schützen diese jünger eSchanze.Sie war für einen längerebnAufenthalt des Mlilitärs eingerichtet. Die Besatzung war in einer U-förnigen Baracke mit Innenhiof untergebracht. Die Anlage entstand im Zuge des Krieges gegen den germanischen Stamm der Chatten (83-85 nCh) oder kurz danach. Der Limes war schon angelegt. Die Schanze sicherte den nahegelegenen Limesdurchgang.

Gebäudekomplex C: Das rechtwinklige Gebäude aus Stein  und Fachwerk war um einen Hof herum errichtet worden. Es entstand in der ersten Hälfte  des zweiten Jahrhunderts, zur gleichen Zeit wie ein kleineres Vorgängerkastell im Inneren der rekonstruierten Saalburg. Bisher konnte dieFunktion dieser Anlage nicht eindeutig festgestellt werden. Möglichkeiten: 1. Landgut, 2. Kommandantenwohnung, die im Kastell keinen Platz hatte, oder 3. Handelsgebäude (Kaufhaus) , in dem Waren kontrolliert, gelagert und verkauft wurden (siehe auch die Fotos).

 

Dann geht man weiter parallel zur Mauer und zu einem Durchgang durch den Limes, den man auch jetzt noch gut erkennen kann. Hier verließ der römische Paßweg, der aus der Rhein-Main-Ebene kam, das Römerreich. Bei den Ausgrabungen fand man neben dem Durchgang die Spuren eines hölzernen Wachthauses. Heute ist neben dem alten Grenzübergang ein Stück des Limes rekonstruiert und mit der Palisade versehen worden. Schautafeln informieren über die Ausbaustufen des Limes.

Schon bevor die Römer ins Land kamen, wurde der Saalburgpass als Übergang von der Rhein-Main-Ebene ins Usinger Becken genutzt. Mit der Einrichtung des Limes entstand Ende des 1. Jahrhunderts nCh eine Grenzlinie zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Stammesgebieten. Die Besatzung des benachbarten Kastells Saalburg sicherte den Limesdurchgang auf dem Pass.

Der Limes war keine unüberwindliche militärische Sperranlage, wie es zum Beispiel die deutsch-deutsche Grenze gewesen war. Er sollte vielmehr verhindern, dass unkontrolliert Personen die Grenze passierten und Waren ein- und ausgeführt wurden. Nur an den Limesduurchgängen konnte man rechtmäßig ein- und ausreisen. Hier gab es Passierscheine, die mitgebrachten Guter wurden verzollt. Das Wachhaus diente den Kontrollbeamten als Büro, der Hof als Zwischenlager

Der Limesdurchgang wurde im Jahr 1911 archäologisch untersucht Der Ausgräber ging davon aus, dass Wall und Graben ausschließlich aus der Römerzeit stammten, Tatsächlich ist die Anlage in ihrer heutigen Form der Überrest einer mittelalterlichen Grenzwehr. Diese war über dem ehemaligen Limes angelegt worden. Auch heute markiert der Wall an dieser Stelle noch die Grenze zwischen Bad Homburger und Wehrheimer Gemarkung.

 

Nach links geht es dann weiter. Man kommt vorbei an den Saalburgschanzen, die im Kaiserreich von Soldaten zu Übungszwecken aufgeschüttet wurden (eine „Preußenschanze“ gibt es südwestlich der Saalburg). Die an dieser Stelle im Wald erkennbaren Wälle und Gräben stammen nicht aus der Römerzeit. Es handelt sich vielmehr um Überreste von Modellschanzen, die 1913 von preußiischen Pionieren errichtet wurden.Sie erprobten dabei die technischen Möglichkeiten, wie sie den Römern für den Bau solcher Anlagen zur Verfügung standen. Es galt unter anderem herauszufinden, wie tauglich die Werkzeuge aus römischer Zeit waren und wie viel Zeit augewendet werden mußte. Dieses damals neartige Experiment wurde auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II durchgeführt, der auch die Rekonstruktion  des Rämerkastells Saalburg veranlaßt hatte. Es ist eines der frühesten Zeugnisse der experimentellen Archäologie.

Hier trifft man dann auch auf den Waldlehrpfad von der Saalburg (er beginnt westlich der Saalburg) zum Hessenpark (siehe Saalburg). Man geht den Weg weiter, vorbei am Wasserbehälter bis zu einer Schutzhütte. Dort dann rechts ab zum Hessenpark und vor dem Eingang dann links am Waldrand entlang. Im rechten Winkel dann weiter am Waldrand entlang in einem Linksbogen. Am Ende des Schafstalls geht links ein Weg ab. Den nimmt man aber nicht, sondern geht fast geradeaus auf einem kurzen Trampelpfad durch den Wald. Dann kommt man auf die Wiesen, wo die Pferde des Reitstalls weiden. Man geht bis zur Teerstraße. Dort ist rechts das Gasthaus Talmühle. Die grundsolide Ausflugskneipe mit grundsoliden Eier‑ und Schnitzelspeisen ist Montag und Dienstag geschlossen. Man geht aber links hoch vorbei an der Ernst-Ahrens-Mühle zum Reitstall Wintermühle.

Man   befindet sich hier im „Stahlnhainer Grund“, der vom Erlenbach durchflossen wird. Der Name kommt von der Waldschmiedesiedlung, die von 1200 bis etwa 1400 auf der westlichen Talseite am Waldrand existierte. Die einst dort verstreut siedelnden Menschen glühten in mindestens 50 nachgewiesenen Rennfeueröfen Rasen­eisenstein, den sie vor Ort in einem halben Meter Tiefe förderten. Das Holz für die Holzkohle zur Befeuerung dieser frühen „Hochöfen“ wuchs in der sumpfigen Aue des Erlenbachs. Man hat Reste von mehr als 500 Kohlenmeilern entdeckt. Das heute so verlassen wirkende Tal des Oberlaufs des Erlenbachs war einst eine Art „Industrieregion“. Im 14. Jahrhundert entstanden entlang des Erlenbachs wassergetriebene Hammerwerke, mit denen das Eisen effektiver geformt werden konnte als zuvor mit der Hand auf dem Amboß. Man erkennt die Reste von Terrassen, Belege früher Landwirtschaft.

Vom Reiterhof „Wintermühle“ am Ende der geteerten schmalen Straße könnte man nun weiter am Erlenbach entlang gehen bis zur Erlenbachquelle. Der Bach führte früher viel mehr Wasser führte. Wasserstollen beiderseits des Taunuskamms, also auch auf der Bad Homburger und Oberurseler Seite unterhalb des Quellniveaus, haben den Bach fast trockengelegt. Vorbei am Eingang zum Wasserstollen geht es  zu einer kleinen Lichtung mit Erlen und Fichten und weiter steil bergauf zu einem kleinen Tümpel, der vom Erlenbach gespeist wird. Die Quelle tritt direkt an der Wurzel eines Buchenzwillings aus der Erde. Im übrigen weist ein hölzernes Schild auf den Born hin.

Empfohlen wird jedoch ein anderer Weg ab der Wintermühle. Etwas halblinks geht ein Weg ziemlich steil hoch, zuerst gerade, dann geschwungen. Am Querweg geht es rechts weiter mit dem Wanderzeichen Hirsch, dann an der Spitzkehre links und an der nächsten Spitzkehre wieder rechts mit dem Wanderzeichen Hirschkäfer. Den Querweg braucht man nicht zu beachten, es geht weiter auf gleicher Höhe. An der nächsten Kreuzung steht ein Wegweiser „Sandplacken 1 km“. Dort geht man links, aber auf der Höhe dann rechts ab mit dem Wanderzeichen „Hirschkäfer. Am Parkplatz geht es dann rechts hinunter zum Sandplacken.

Kurz vorher steht rechts noch ein Gedenkstein an den Aufenthalt der Amerikaner. Er trägt den Text: „Im Namen des gesamten Militärpersonals, das seit dem 2. Weltkrieg auf diesem Berg

stationiert war, drücken wir unsere Dankbarkeit gegenüber den Bürgern der umliegenden

Gemeinden aus, die uns so offen aufnahmen und unseren Aufenthalt In Deutschland so angenehm und unvergesslich machten. Danke!“ Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die US-Truppen auf dem Kolbenberg südwestlich des Sandplackens  eine Radarstation, von der noch Überreste vorhanden sind. Man kommt zu ihr auf der geteereten Straße, die östlich des Kleinklastells „Altes Jagdhaus“ beginnt.

 

Der Sandplacken (669 Meter) ist die Paßhöhe zwischen Oberursel und Schmitten und damit in das Weiltal, das eine natürliche Verbindung Richtung Lahntal und Weilburg darstellt. Keltische Fundstellen am Taunushang zeugen davon, daß bereits in vorgeschichtlicher Zeit Menschen diesen Paß nutzen. In der Römerzeit sicherte das Kleinkastell Altes Jagdhaus den Paß, über den der obergermanisch-rätische Limes verläuft. Von Oberursel aus führt die Paßstraße relativ gleichmäßig bei durchschnittlich 5 bis 6 Prozent bis zur Paßhöhe. Die Abfahrt nach Schmit­ten ist steiler und schmaler. Auf der Paßhöhe zweigen die Landstraße 3024 zum Großen Feldberg und von dieser wieder die L 3276 nach Oberreifenberg ab.

Die Straße trägt auch den Namen „Kanonenstraße“. Als sie 1871 bis 1877 gebaut wurde, wurde sie (was im Taunus bis dahin unüblich war) mit so festem Untergrund gebaut, daß auch schwere Fahrzeuge bei schlechten Wetterverhältnissen darauf fahren konnten. Die Einwohner befürchteten daraufhin den Transport von (ebenfalls schweren) Kanonen, und der Volksmund gab ihr den Namen „Kanonenstraße“. Obwohl der Transport sehr wahrscheinlich ausblieb, setzte sich der Name fest und ist heute offizielle Straßenbezeichnung in Schmitten.

Auf dem Sandplacken befinden sich zwei Hotels/Restaurants. Während des Höhepunktes des Zustroms von Asylbewerbern vor dem Asylkompromiss 1992 wurde es als Asylbewerberheim genutzt. Im Tannenhof kann man gut, aber teuer essen. Hier amSandplacken muß auch ein römischer Wachturm (3/53) gestanden haben, der aber längst verschwunden ist

Der weitere Weg führt dann wieder ein Stück zurück auf der Straße, auf der man gekommen ist. Doch jetzt biegt man gleich nach rechts ab zum Kleinkastell „Altes Jagd­haus“. Zwischen den großen Kastellen wurden in der Mitte des 2. Jahrhunderts kleine Kastelle für eine Besatzung von 20 bis 30 Mann gebaut. Das Kleinkastell „Altes Jagdhaus“ wurde zur Sicherung der Paßstraße über den Sandplacken errichtet. Das einzige Tor des kleinen Wehrbaus (630 Quadratmeter) ist gegen den Limes gerichtet, der zehn Meter entfernt vorbeiläuft.

 

 Die Wehrmauer des Kastells verbirgt sich heute unter einem Schuttwall. Sie wurde mit groben behauenen Steinen aus dem anstehdnen Taunusquarzit aufgemauert. Auf der Ostseite ist die Mauer noch heute gut zu sehen.. Die Bbsatzung wurde waherscheinlich von dem vier Kilometer enfernten Kastell am Kleinen Feldberg gestellt. Die Soldaten waren in Holzbaracken im Inneren des Kastells untergebracht. Das Kastell ist sicherlich erst während der Ausbauphase des  in der Mitte des zweiten Jahrhunderts entstanden.

Seinen Namen erhielt es von einem kleinen Bauwerk, dessen Fundamente man bei Grabungen im Innenraum fand und wieder aufmauerte. Es handelt sich um ein Jagdhaus aus dem 16. Jahr­hundert, ein Jagdhaus des „Waltboten“ der Hohen Mark. Diese war eine mittelalterliche Markgenossenschaft zur Waldnutzung im Taunus. Der Waltbote war der Schirmherr oder Obermärker der Hohen Mark („Forstdirektor“). Das Amt existierte bereits im 12. Jahrhundert und war erblich an die Herrschaft des Fürsten von Hessen-Homburg gebunden. Der  Waltbote führte den Vorsitz in der Versammlung der Hohen Mark, dem „Märkerding“, und hatte verschiedene Priviilegien. So durfte er drei Tage früher mit der Jagd beginnen als andere Märker. MiT dem Ende der Hohern Mark erlosch zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch das Amt des Waltboten. Der Hauptraum des Jagdhauses war ursprünglich mit Steinplatten gepflastert, hatte einen Kamin und in den Ecken eingemauerte Sitzplätze. Unter dem Nebenraum war ehemals ein Vorratskeller in den Boden eingetieft.

 

Man geht dann wieder zurück auf die breite Forststraße. Im weiteren Verlauf der Strecke ist immer die Frage, ob man dem Limes direkt folgen will und dabei oft über Stock und Stein muß, oder ob man lieber auf der bequemen Forststraße geht. Wenn man das jetzt tut, kann man rechts im Wald den  Limes erkennen. Wo die Straße ihn überquert, muß man sich wieder entscheiden, ob man auf der Straße bleibt oder dem  Limes folgt .

Er steigt jetzt an auf den Klingenkopf. Hier steht ein außerordentlich harter Quarzit an, in den die Römer den Graben nicht eintiefen mochten. Sie haben daher zu Beginn des Limes-Bauzu­standes 4 nicht Wall und Graben angelegt, sondern statt dessen aus Quarzitsteinen, die man am Hang auflesen kann, eine Mauer gebaut. Solche Mauerstücke kommen bis zur Saalburg noch mehrfach über harten Quarzitbänken vor.

Auf der Höhe  stand der Wachtposten 3/55: „Auf dem Klingenkopf“, ein Holz- und ein Steinturm. Beide waren vor wenigen Jahren noch gut sichtbar, sind inzwischen aber stark beschädigt worden. Die Mauer läuft - als flacher Schuttwall kenntlich - den Hang des Klingenkopfs nach Osten hinunter. Am Fuß der Bergkuppe setzen Wall und Graben wieder ein. Hier trifft man auf wieder auf den Forstweg.

Nach einem Kilometer gelangt man zum Kleinkastell „Heidenstock“. Ein Teil der steinernen Umwehrung ist konserviert, der Rest als Schuttwall kenntlich. Das einzige Tor richtete sich nach Norden zum Limes hin, der indessen wenigstens heute an dieser Stelle aussetzt, weil hier wahrscheinlich ein Grenzdurchgang war. Das Kleinkastell  (440 Quadratmeter) dürfte genauso wie das Alte Jagdhaus in der Mitte des 2. Jahrhunderts zur nachträglichen Verstärkung der Grenzlinie erbaut worden sein.

Die Römer überwachten den Limes durch eine dichte Kette von Wachttürmen und Kastellen. Zwischen den großen Kastellen, in denen 500 Soldaten stationiert waren, wurden in der Mitte

des 2. Jahrhunderts nCh kleinere Kastelle für eine Besatzung von 20 bis 30 Mann gebaut. Sie bewachten kurze Limesabschnitte mit Grenzübergängen und stellten die Mannschaften der benachbarten Wachttürme. Meistens liegen etwa vie rKilometer zwischen den Kastellen, geringere Abstände finden sich dort, wo bergiges Gelände die Sichtverbindung entlang des Limes einschränkt. Die Besatzungen der Kleinkastelle wurden von den Truppen der nächst größeren Kastelle abgestellt. Die Soldaten im Kleinkastell Heidenstock gehörten wahrscheinlich zu der Truppe, die auf der Saalburg untergebracht war.

Ein gutes Stück weiter kommt man zu einem Wegweiser, der zwei Wege zur Saalburg weist. Wenn man links geht und gleich wieder rechts kann man zwar ein kurzes Stück auf der Außenseite des Limes entlanggehen, aber man kommt immer weiter vom Limes ab. Der Weg geht bequem bergab, nachher sogar als geteerter Weg. Aber man geht nördlich des Holler­kopfs vorbei und kommt erst nach einer Rechtsbiegung zu einer Stelle, wo man etwa 50 Meter oberhalb auf der rechten Seite das Symbol des Limeswegs wieder sieht. Dort geht man links und kommt wieder auf den Limesweg.

Besser ist es aber wenn man hinter dem Kastell Heidenstock geradeaus den anderen Weg zur Saalburg geht. Der Limes läuft hier wohl erhalten in Richtung auf den Roßkopf weiter. Am Fuß der Bergkuppe werden Wall und Graben wieder durch eine Steinmauer ersetzt, die man als Schuttwall mehr oder weniger deutlich über den Roßkopf verfolgen kann.

Bei den Ausgrabungen fand man oben auf der Höhe des Wachtposten 3/59 „Roßkopf“ zwei Holzturmstellen nebeneinander; eine von ihnen wird von der Grenzmauer überschnitten. Außerdem sind zwei deutlich erkennbare Steinturmhügel vorhanden. Hier haben sich demnach im Lauf der Zeit vier Wachttürme abgelöst. Etwa 80 Meter ostwärts vom Wachtposten hört die Mauer auf, und Wall und Graben setzen wieder ein, jedoch nur für eine Strecke von etwa 250 Meter, dann haben es die Römer wie­derum aufgegeben, in dem harten Quarzit einen Graben zu ziehen und haben lieber eine Mau­er gebaut.

Man folgt dem Schuttwall der Mauer und gelangt nach knapp 500 Metern zum Wachtposten 3/60 „Einsiedel“. Hier war nur ein Steinturm, der in der Mitte des 2. Jahrhunderts nachträglich zwischen die Wachtposten 3/59 und 3/61 eingefügt worden ist. Man sieht unmittelbar hinter dem Limes den Schutthügel des Turms mit einigen zerfallenen Fundamentmauern. Wenige Meter westlich davon bemerkt man eine Grube, die wohl den Rest einer Zisterne darstellt. Sie war für die Wasserversorgung der Wachtmannschaft bestimmt und wurde bei den Grabungen der Reichskommission freigelegt.

Der nächste Wachtposten 3/61 „Auf dem Kieshubel“ wird links umgangen. Hier wurden zwei Holzturmstellen und zwei Steinturmfundamente vorgefunden. Diese Wachtposten lagen allerdings auf der Höhe, waren sehr dem Wetter ausgesetzt und mußten daher mehrmals erneuert werden. Heute sieht man die konservierten Grundmauern der beiden Steintürme und auch Reste der Holzturmstellen westlich von ihnen. Die Holzturmreste werden von der (hier kaum sichtbaren) Mauer überschnitten. Diese läuft als Schuttwall noch 700 Meter weiter (oft schwer erkennbar).

Dann folgt wieder ein Abschnitt mit Wall und Graben, jedoch nur für 200 Meter. Ungefähr 500 Meter von dem Wacht­posten am Kieshubel liegt der Wachtposten 3/62 „Am Hol­ler­kopf“ hinter der Mauer. Hier ist nur ein undeutlicher Steinturmrest zu finden. Man fand hier keinen Holzturm, und so wird der Steinturm ähnlich wie Wachtposten 3/60 nachträglich in der Mitte des 2. Jahrhunderts eingefügt worden sein.

Bald beginnt die Quarzit-Rippe des Weiße­stein, eine natürliche Felsrippe, die ungefähr in Richtung des Limes  läuft (auf der Landkarte ist er zu weit nördlich eingezeichnet). Die Römer haben sie nicht in die Grenzwehr einbezogen, sondern die Mauer in ungefähr 15 Meter Entfernung südöstlich vorübergeführt, wo man heute allerdings nur noch ganz schwache Spuren wahrnehmen kann. Auch diese Linienführung des  entspricht nicht den taktischen Forderungen, die in der Antike an Wehranlagen gestellt wurden; es konnte ja ohne weiteres eine Gruppe von Feinden hinter der Felsrippe Deckung nehmen. So erweist sich auch hier, daß die Grenzlinie keine Wehranlage war. 

Etwa 150 Meter nach dem Ende der Felsrippe erblickt man den Steinturmhügel Wachtposten 3/63 „Weißestein“ mit konserviertem Turmfundament. Dicht daneben fand man bei Grabungen den Rest eines zweiten Turms, von dem aber nichts mehr zu sehen ist. Etwa 25 Meter vor dem Steinturm lief die hier nicht klar erkennbare Steinmauer. Sie überschneidet zwei Holzturmstellen, über die der heutige Waldweg hinwegläuft. Wer die Bodenoberfläche aufmerksam beobachtet, kann die flachen Ringgräben erkennen, die allerdings durch die Ausgrabungen der Reichskommission gestört worden sind.

Auch bei diesem Wachtposten steigt der Berghang vor der Grenzlinie steil an. An einer so ungünstigen Stelle hätte man nie eine Wehranlage errichtet; der Angreifer kommt von oben und hat alle Vorteile auf seiner Seite. Der Limes hatte keineswegs die Funktion einer Wehranlage in der Art antiker Stadtmauern, sondern war weiter nichts als eine überwachte Grenzlinie, die erst seit dem Bauzustand zusätzliche Annäherungshindernisse erhielt. Sie wurden nicht direkt verteidigt, sondern nur von den Türmen aus beobachtet und überwacht. An dieser Stelle haben die Römer die geschützte Lage unterhalb des Bergkamms vorgezogen; auf der Höhe kann ein sehr rauher Wind wehen.

Etwa 70 Meter nördlich von Wachtposten 3/63 hört die Mauer auf, und Wall und Graben beginnen wieder. In vorzüglicher Erhaltung zieht der Limes hinunter zur Saalburg. Wo der Limes nach Norden aus auf die Saalburgschanzen zu abbiegt, kann man nach rechts zur Saalburg gehen. Der Limes läuft in einem Bogen in etwa 200 Meter Abstand an der Saalburg vorbei.

 

 

Großer Feldberg

Wenn man vom Sandplacken zum Feldberg fährt, verläuft der Limes zunächst südlich der  Straße im Wald. Nach rechts geht dann die Straße nach Oberreifenberg ab. Man fährt aber links weiter. Ein Stück weiter geht links ein Weg ab, der ein Einstieg in das Klimawege-Netz des Hochtaunus mit Informationstafeln und mit drei Rundwegen und unterschiedlichen Anforderungen. Außerdem beginnt hier der Tilmannsweg zum Fuchstanz.

In diesem Bereich wechselt der Limes auf die nördliche Seite. Nur zu Fuß kann man den    Wacht­­­­­posten 3/52 „Auf dem Mittelberg“ erreichen.  Der Schutthügel des Steinturms, 15 Meter hinter dem Limes, ist noch erhalten. Unmittelbar am Pfahlgraben, vom Limeswall überschnitten, findet man die Holzturmstelle. Sie ist heute durch ein großes Grabungsloch kenntlich. Hier kann man noch die vier Bauzustände des Limes erkennen und auseinanderzuhalten. Von hier an in östlicher Richtung findet man Holz- und Steinturm nebeneinander; so daß von hier bis zum Ende der Hochtaunusstrecke die Grenzlinie nicht mehr verlegt worden ist. Der Pfahlgraben kann erst entstanden sein, als der Holzturm schon längst aufgegeben worden war, weil man den Limes darüber legte.

Der nächster Wachtturm steht an der an der Straße zum Feldberg. Auf der rechten Seite ist ein kleiner Parkplatz, von dem nach allen Seiten Wege abgehen.

Der  Wacht­­posten 3/51. „Stockborn“ war etwas unterhalb dieses Parkplatzes auf der südlichen Seite der Straße (gelbe Hinweisschilder). In den zwei Schutthügeln, die von der Straße angeschnitten werden, stecken die Fundamente zweier Steintürme. Der Pfahlgraben läuft dicht an der anderen (nördlichen) Seite der Straße. Doch die Fundamentreste, den man dort erblickt (zum Beispiel ein steienrner Posten), rühren von einer neuzeitlichen Ruhehütte her, die längst abgerissen worden ist.

Am oberen Ende des Parkplatzes geht im rechten Winkel ein Weg nach Norden, der mit dem schwarzen Limesturm gekennzeichent ist (nicht der Weg, der im spitzen Winkel abgeht und mit dem orangefarbernen Limesturm des „Limeserlebnispfades“ gekenneichnet ist). Wo der Weg das zweite Mal einen leichten Knick nach links gemacht hat, steht dfas Ehrenmal des Taunusklubs. Links davon (gelbe Hinweistafel) geht ein Trampelpfad steil hinauf zu dem Wachtposten 3/50.  „Am Steinkopf“, rund 70 Meter hinter dem Pfahlgraben. Hier steht das wohlerhaltene, konservierte Fundament eines Steinturms. Mit diesem Turm hat die Grenzlinie den Taunuskamm erreicht und folgt ihm nun nach Nordosten, wo die Kammlinie des Mittelgebirges sich absenkt in Richtung auf den Paß am Sandplacken.

 

Rund 700 Meter weiter sind die Wachttürme am Teufelsquartier. Man erreicht sie aber vielleicht besser vom Feldberg aus. Der  Wachtposten  3/49  „Teufels­quartier unten“ ist ein gut sichtbares, konserviertes Steinturm­fundament. Man findet den Wachtposten trotzdem nicht auf Anhieb, weil er 75 Meter hinter dem Pfahlgraben am aufsteigenden Hang des Feldbergs liegt. Ein so hoher Abstand von der Grenzlinie kommt sonst am Limes nur selten vor. Er könnte vielleicht damit erklärt werden, daß der Nordhang des Feldbergs im Altertum nicht mit Hochwald, sondern mit niederem Buschwald oder Heide bedeckt war, so daß der in 75 Meter Abstand über die Grenzlinie gesetzte Turm Vorteile bei der Überwachung bot.

An der jüngeren Linie ist der Pfahlgraben vortrefflich erhalten, stellenweise hat er - von der germanischen Seite her gesehen - fast noch sein antikes Profil. Wer genau hinschaut, kann bisweilen etwa ein Meter jenseits des Grabenrandes eine ganz flache, schmale Einsenkung wahrnehmen. Hier stand die Palisade. Die Einsenkung ist dadurch entstanden, daß die Erde nach dem Verfaulen der Palisadenstümpfe ein wenig eingesackt ist.

Der Vorgänger des Steinturms liegt noch höher am Hang: Der Wachtposten 3/49*  „Teufelsquartier oben“ ist schwer zu finden. Er liegt 200 Meter südlich vom Pfahlgraben. Man erkennt aber die an sich recht deutliche Kreisgraben der Holzturmstelle. Seine Existenz an dieser Stelle erweist, daß die ältere Limeslinie nordöstlich vom Feldbergkastell anders verlief als die jüngere, die durch den Pfahlgraben gekennzeichnet ist. Mit rund 820 Meter über NN ist Wachtposten 3/49* der höchste Limeswachtturm am gesamten obergermanisch-raetischen Limes.

 

Mit dem Auto fährt man von der Landstraße vom Sandplacken zum Roten Kreuz scharf recht ab zum Feldbergplateau. Für Autos gibt es aber nur einige wenige Parkplätze rechts unterhalb des Plateaus. Es wird davor gewarnt, auf den Busparkplätzen oder anderen verbotenen Stellen zu parken, die Ordnungshüter sind auch am Wochenende da.  Motorradfahrer können noch weiter oben parken, Besucher der Gaststätte auf einem eigenen Parkplatz. Weiter hinten befindet sich nur noch eine Bushaltestelle mit Wendeschleife, die von Königstein und Oberursel-Hohemark aus mit der Linie 57 regelmäßig angefahren wird. Wer keinen Parkplatz findet, muß wieder hinunter fahren bis auf die Straße zum Sandplacken, wo es einige große kostenlose Parkplätze gibt. Von der Straße führen schöne Wanderwege zum Gipfel.

Der Große Feldberg ist ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer, Wanderer, Fahrradfahrer und Ausflügler aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet. Der Große Feldberg (im Volksmund zumeist nur „Feldberg“ genannt) ist der höchste Berg des im südwestlichen Teil von Hessen gelegenen Mittelgebirges Taunus und mit 881,5 Meter über dem Meer und auch der höchste Berg des gesamten Rheinischen Schiefergebirges (häufig wird auch 878,5 Meter als Höhe genannt). Er ist einer der markantesten Mittelgebirgsgipfel in Deutschland. Das Feldbergmassiv, bestehend aus Großem Feldberg und dem nahen Kleinen Feldberg (826 Meter) und dem der Altkönig (798 Meter) ist Bestandteil des Taunushauptkamms (Hoher Taunus oder auch Hochtaunus genannt).

 

Klima:

Das Klima des Großen Feldbergs hebt sich deutlich vom Klima seiner Umgebung ab. Es ist kühler und auch feuchter als im Flachland. So sind Temperaturunterschiede von 5 Grad und mehr keine Seltenheit. Aufgrund sogenannter Inversionswetterlage ist es gelegentlich nachts milder als im Tal. Vor allem im Sommer ist es mit kaum 20  Grad  rund 5 Grad kühler als im Flachland. Die jährlichen Niederschläge liegen bei rund 1000 Millimeter. Während der Ballungsraum dann in Smog getaucht ist, kann man auf dem Feldberg noch relativ frische Luft genießen. Der Frühling hält im Hochtaunus dagegen etwa 4 Wochen später Einzug als im milden Rhein-Main-Gebiet. Die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes für das Feldbergmassiv steht übrigens auf dem kleinen Feldberg in 805 Meter Höhe. Der Große Feldberg liegt innerhalb des Heilklimaparks Hochtaunus.

 

Besteigung:

Einer der ersten, dessen „Besteigung“ des Großen Feldbergs belegt ist, war Johann Wolfgang von Goethe. In Dichtung und Wahrheit schreibt Goethe „Durch zufällige Anregung, sowie in zufälliger Gesellschaft stellte ich manche Wanderung nach dem Gebirge an, das von Kindheit an so fern und ernsthaft vor mir gestanden hatte. So besuchten wir Homburg, Kroneburg, bestiegen den Feldberg, von dem uns die weite Aussicht immer mehr in die Ferne lockte.“ Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Große Feldberg zum beliebten Ausflugsziel, vor allem für die Frankfurter Bevölkerung.

 

Wandern:

Das Feldbergmassiv lädt zu schönen Wanderungen ein. So gibt es zum Beispiel im Heilklima-Park Hochtaunus, in dem der Feldberg liegt, 34 ausgeschilderte Rundwanderwege mit insgesamt 180 Kilometer Länge.

Von Mai bis Oktober fährt regelmäßig samstags, sonn- und feiertags ein Bus mit Fahrrad-Anhänger (Linie 245) zwischen der Endatation der Frankfurter U-Bahn (U3) Oberursel-Hohemark (300 Meter) über den Paß Sandplacken (669 Meter) nach Weilmünster und Weilburg. Die Fahrradmitnahme ist kostenlos.

Auf dem Großen Feldberg trennen sich die beiden von Schloßborn bei Glashütten kommenden Europäischen Fernwanderwege E 1 und E 3. Der E1 führt nach Frankfurt, der E 3 über den Herzberg (692 Meter) mit seinem Aussichtsturm zum rekonstruierten Römerkastell Saalburg. Die drei Taunus-Gipfel Großer Feldberg, Kleiner Feldberg (826 Meter) und Altkönig (798 Meter) mit ihren schönen Aussichten liegen dicht bei einander und können in wenigen Stunden bequem erwandert werden.

Einkehrmöglichkeiten bestehen auf dem Großen Feldberg, an den Pässen Sandplacken und Rotes Kreuz und auf dem Weg zum Altkönig auch am Fuchstanz. Vom Altkönig geht es abwärts über den Fernwanderweg E 1 zur U-Bahn-Endhaltestelle „Oberursel-Hohemark“ oder zur Burg Falkenstein und Burg Königstein, von wo man mit der Regionalbahn zum Frankfurter Hauptbahnhof gelangen kann. Wer weniger weit laufen möchte, erreicht auf den beiden Paßstraßen die Buslinie 57 und Regionalbusse.

 

Fernmeldeturm (der höhere Turm auf der rechtne Seite):

Im Jahre 1937 wurde auf dem Großen Feldberg ein Fernmeldeturm aus einem Stahlbetonunterbau und einem Holzaufbau errichtet, der ursprünglich als Fernsehsendeturm dienen sollte und im Zwei­ten Weltkrieg zunächst als Radarturm genutzt wurde. In diesem Krieg brannte der Turm nach Bombentreffern komplett aus. Seit dem Wiederaufbau steht er heute wegen seiner einzigartigen Konstruktion unter Denkmalschutz, den er ist einzigartig, weil auch jetzt wieder die obersten Stockwerke als metallfreie Holzkonstruktion ausgeführt sind.

Daneben existiert links vom Feldbergturm  ein 116,17 Meter hoher, abgespannter Sendemast des Hessischen Rundfunks für die Verbreitung von Radio- und TV-Programmen. Radio wird digital im DAB-Standard und analog per UKW ausgestrahlt, TV im DVB-T- und Handy-TV im DVB-H-Standard. Im Fernmeldeturm und im Aussichtsturm sowie auf dem hr-Rohrmast sind außerdem noch einige Amateurfunkrelais untergebracht.

 

Feldbergturm:

Der „Frankfurter Turnvater“ Friedrich August Ravenstein gründet die „Kommission für die Erbauung eines Hauses auf dem Feldberg“, um ein Jugend- und Wanderheim sowie einen Aussichtsturm für die Turnausflügler errichten zu lassen. Nach der Grundsteinlegung 1859 wurde am 12. August 1860 mit dem „Feldberghaus“ nach einem Entwurf des Architekten Heinrich Velde das erste feste Bauwerk eingeweiht, mit zehn Betten für Wanderer. Im Jahr 1868 gründete sich im „Feldberghaus“ unter dem Namen „Bund der Feldbergläufer“ der erste deutsche Wanderverein, der heutige „Taunusklub“.

Der 40 Meter hohe Aussichtsturm wurde 1902 errichtet und unter anderem von Kaiser Wilhelm II. besucht. Die Grundsteinlegung für den Turm erfolgte am 7. Juli 1901 und die Einweihung am 12. Oktober 1902. Ursprünglich trug der Turm auf seinem Dach einen Reichsadler. Der Turm wurde 1943 von einem deutschen Flugzeug im Nebel gerammt. Im Jahre 1949 baute der Hessische Rundfunk den Turm wieder auf als Aussichtsturm mit Antennenträger auf der Spitze. Diese dient heute noch als Reserveanlage für UKW.

Das Gipfelplateau des Feldbergs selbst ist baumfrei. So hat man auch ohne Besteigung des Aussichtsturms schöne Blicke in den Hintertaunus. Das gilt allerdings nicht für die Sicht Richtung Frankfurt und Rhein-Main-Gebiet. Hier verdecken Bäume weitgehend die Sicht. Wer in diese Richtung schauen möchte sollte den Turm besteigen.  Der Turm verfügt über ein geschlossenes Treppenhaus und eine verglaste Aussichtsplattform . Öffnungszeiten des Turms: Geöffnet ist Mo - Sa ab 9 Uhr, Sonntags bereits ab 8 Uhr). Der Turm schließt mit Einbruch der Dunkelheit. Im November ist geschlossen. Der Besuch des Turms kostet aber Eintritt. Der Turm ist das Wanderheim des Taunusklub-Stammklubs mit Gastronomie. Im Wanderheim können Wandergruppen bis 20 Personen nach Anmeldung übernachten (weiteres siehe www.taunusklub-stammklub.de).

 

 Gasthaus Feldberghof:

Auf Hessens höchster Höhe kann geheiratet werden. Denn im Gasthaus Feldberghof, auf dem Gipfel des Großen Feldbergs, gibt es ein Standes­amt. Gegenüber im Fernmeldeturm ist die Bergwacht untergebracht. Die rettungsdienstliche Versorgung wird an Wochenenden und Feiertagen durch die „DRK Bergwacht Hessen Bereitschaft Großer Feldberg“ gewährleistet. An diesen Tagen ist ganzjährig ein geländegängiger Rettungswagen sowie in den Wintermonaten zusätzlich ein geländegängiger Krankentransportwagen stationiert.

 

Falknerei:

Die Greifvogelwarte „Falkenhof“ ist die älteste Greifvogelstation in Hessen. Bei entsprechendem Wetter finden täglich um 14 Uhr Freiflugvorführungen mit Falken, Adlern und Geiern statt. Etwa 40 Greifvögel leben hier. Zur Falknerei gehört eine Pflege- und Aufzuchtstation für verletzte Vogel oder auch Jungtiere, die aus dem Nest gefallen sind.

Öffnungszeiten: 1. April bis 30. Oktober (kann sich je nach Wetter aber ändern) täglich von 10 - 18 Uhr. Die Flugvorführungen finden täglich um 14 Uhr statt. Eintritt: Erwachsene: 4,50 Euro, Kinder (3-15 Jahre) 3 Euro. Weitere Infos: www.falkenhof-feldberg.de

 

Spielplatz:

Seit dem 16. September 2009 können Kinder auf dem Römer-Spielplatz direkt auf dem Plateau spielen. Der Spielplatz ist optisch an römische Limeswachtürme angelehnt und Teil des Limeserlebnispfad.

 

Leichtathletik:

Bei den Sportlern der Region ist der Große Feldberg auch als Sportstätte bekannt. Im Frühjahr findet der Feldberglauf statt. Der Lauf führt von Oberursel-Hohemark (Endstation der U-Bahn aus Frankfurt) auf den Feldberg. Die Laufstrecke ist etwa zehn Kilometer lang. Die Veranstaltung findet jährlich statt. Außerdem findet jeweils im August das älteste Bergturnfest im deutschsprachigen Raum statt, das Feldbergfest. Die Sportstätte ist auf der Nordseite des Feldbergmassivs.

 

Wintersport

Der Große Feldberg war einst ein beliebtes Wintersportgebiet; wegen des in den vergangenen Jahren häufigen Schneemangels verlor er aber unter Wintersportlern an Attraktivität. Eine gespurte Höhenloipe führt vom Kastell Saalburg über das Feldbergmassiv bis nach Rod an der Weil. Am Feldberg führt der Weg nördlich vorbei. Ab dem Roten Kreuz (am kleinen Feldberg) knickt die Loipe nach Norden ab und nutzt den westlichen Höhenkamm des Weiltals. Bei guter Schneelage endet der Skiwanderweg erst in Rod an der Weil.

Für Snowboarder und Abfahrtsläufer besteht seit 1991 keine Beförderungsmöglichkeit mehr, weil das wegen der schneearmen Winter entstandene Defizit nicht mehr aufgefangen werden konnte. Auch einen Skilift gibt es seit 1991 nicht mehr. Früher gab es an der Westseite der Sportfläche den „Siegfriedsschuß“, an der Ostseite war der Ende der 1960er Jahre erbaute  „Ankerlift“ oder „Nordbahnlift“. Auf der Nordbahn sind im Sommer immer noch einige Spätfolgen zu besichtigen: Um die Attraktivität des Großen Feldbergs zu steigern, wurden Kunststoffmatten verlegt, um so ein Sommer-Skifahren zu ermöglichen. Dieser Versuch scheiterte – übrig geblieben sind immer noch Reste der weißen Kunststoffmatten.

In der Nähe der Bergstation des ehemaligen Nordbahn-Liftes befindet sich versteckt ein Grenzstein, welcher einst die Grenze zwischen dem Herzogtum Nassau und der Landgrafschaft Hessen-Homburg markierte. Ein weiterer Grenzstein ist östlich des Brunhildisfelsens.

 

Brunhildisfelsen:

Auf dem Plateau des Großen Feldbergs gibt es an vielen Stellen den für den Hohen Taunus typischen Quarzit. Der am nördlichen Rand des Plateaus liegende Quarzit-Felsen wird im Volksmund als „Brun­hildisfelsen“bezeichnet. Dies soll der Legende nach auf die Siegfried-Sage zurückgehen, da hier Brünhild einmal in Schlaf versetzt worden sein soll und Siegfried sie hier erweckt haben soll. Wahrscheinlicher ist schon eher die These, dass der Felsen nach der Merowinger Königin Brunhild benannt wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Felsen im Jahr 1043 als „lectulus Brunhildi“ („Bettlein der Brunhilde“). Aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind Postkarten überliefert, auf denen er „Brunhildenfels“ benannt wird.  Auf jeden Fall hat man vom Felsen eine schöne Aussicht in Richtung Nordwesten.

 

Schlittenhunderennen:

Seit 2004 findet jedes Jahr im Februar ein Internationales Schlittenhunderennen rund um den Feldberg statt, an dem bis zu 80 Teams mit insgesamt 300 Hunden aller Rassen teilnehmen.

 

Europäische Gradmessung:

Wenn man das Plateau umrundet hat, sieht man noch oberhalb des Parkplatzes einen Stein für die europäische Vermessung - ein Großprojekt Europas schon im Jahre 1867:

Wie groß ist die Erde, welche Form hat Sie? Zu allen Zeiten stellten sich die Menschen diese Frage. Heute wissen wir: der Umfang der Erde am Äquator beträgt 40.000 Kilometer. Die Kugelform der Erde ist zum Nord-und Südpol leicht abgeflacht. Diese Erkenntnis verdanken wir vor allem einem europäischen Großprojekt, der europäischen Gradmessung im Jahre 1867. In dieser Arbeitsgemeinschaft haben erstmals in der Geschichte Europas Fachleute auf wissenschaftlichem Gebiet international zusammengearbeitet. Europa wurde von Skandinavien bis Sizilien mit einem Dreiecknetz überzogen, in welchem Winkel bestimmt und danach Strecken abgeleitet wurden. In dieser Messungskampagne wurden alle Richtungen mit Theodoliten Beobachtungspfeilern gemessen, wie einer auf dem Feldberg steht. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums wurde an dem geodätischen Beobachtungspfeiler eine Erinnerungstafel vom Deutschen Verein tür Vermessungswesen e.V. (DVW) angebracht.

 

 

Weiterer Verlauf des Limes Richtung Westen:

Der Limes verläuft nördlich des Feldbergs. Zwischen Wachtposten 3/49 „Teufelsquartier“ und dem in 1,5 Kilometer Entfernung gelegenen Feldbergkastell vermutet man im sumpfigen Quellgebiet der Weil zwei bisher nicht entdeckte  Wachtposten 3/47 und 3/48; der letztere müßte an dem scharfen Limesknick am Nordhang des Feldbergs gestanden haben.

Hier verdoppelt sich der Pfahlgraben wiederum, diesmal auf  600 Meter. Ausgrabungen haben gezeigt, daß die südliche gebogene Strecke zuerst gebaut worden ist; man hat sie später durch das nördliche, gerade Stück ersetzt. Die Limesverlegung erfolgte an dieser Stelle ausnahms­weise erst nachdem der Limes bereits den Bauzustand 4 erreicht hatte, frühestens am Ende des 2. Jahrhunderts. Alle übrigen Limesverlegungen an der Hochtaunusstrecke fanden in der Mitte des 2. Jahrhunderts statt.

Bei der Ausgrabung zeigte sich nicht nur an dem älteren, sondern auch an dem jüngeren Pfahlgrabenstück die Spur der Palisade im Boden, und zwar vor dem Graben. So ergab sich hier der Beweis dafür, daß während des Bauzustands 4 (der durch Wall und Graben gekennzeichnet ist) „die Palisade noch einen notwendigen Bestandteil des Limesabschlusses bildete“ (E. Fabricius). Das war eine wissenschaftlich interessante und für das Verständnis der letzten Ausbauphase der Grenzwehr wichtige Erkenntnis. Die Limesverdoppelung ist im Hochwald vorzüglich zu erkennen.

 

 

Kleiner Feldberg (829 Meter)

Der kleine Feldberg ist eine Art „Vorgipfel“ des großen Feldbergs. Der Bergkegel liegt etwa1, 5 km südöstlich seines großen Bruders. Ab Windeck (Bushaltestelle; KFZ-Parkplatz) an der Straße Sandplacken - Rotes Kreuz führt ein Rundwanderweg um die Bergspitze. Der Gipfel des Kleinen Feldberges ist nicht zugänglich. Im frei zugänglichen Bereich gibt es keinen richtigen Aussichtspunkt. Der Berg ist touristisch daher eher uninteressant. Auf dem Berggipfel betreibt die Universität Frankfurt im Taunusobservatorium u.a. eine automatische metereo­logische Station und eine seismische Messstation (Erdbebenmessung). Daneben gibt es natürlich das eigentliche Observatorium. Das Gelände ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Unterhalb des Großen und Kleinen Feldberg verläuft der Limes. In der Nähe des Pass Rotes Kreuz und unterhalb des kleinen Feldberg liegen Reste des noch gut erhaltenen Feldbergkastell.

 

Die Landstraße verläuft weiter zum Roten Kreuz und nördlich nach Oberreifenberg. Der Limes verläuft nördlich des Feldbergs. Der nächste Steinturm Wachtposten aus Stein  3/49 folgt erst in 1,5 Kilometer Entfernung vor dem Feldbergkastell. Dazwischen werden zwei bisher nicht entdeckte  Wachtposten 3/47 und 3/48 vermutet; der letztere müßte an dem scharfen Limesknick am Nordhang des Feldbergs gestanden haben.

Hier verdoppelt sich der Pfahlgraben wiederum, diesmal auf  600 Meter. Ausgrabungen haben gezeigt, daß die südliche gebogene Strecke zuerst gebaut worden ist; man hat sie später durch das nördliche, gerade Stück ersetzt. Die Limesverlegung erfolgte an dieser Stelle ausnahmsweise erst nachdem der Limes bereits den Bauzustand 4 erreicht hatte, frühestens am Ende des 2. Jahrhunderts . Alle übrigen Limesverlegungen an der Hochtaunusstrecke fanden, wie schon dargelegt, in der Mitte des 2. Jahrhunderts statt. Bei der Ausgrabung zeigte sich nicht nur an dem älteren, sondern auch an dem jüngeren Pfahlgrabenstück die Spur der Palisade im Boden, und zwar vor dem Graben. So ergab sich hier der Beweis dafür, daß während des Bauzustands 4, der durch Wall und Graben gekennzeichnet ist, „die Palisade noch einen notwendigen Bestandteil des Limesabschlusses bildete“ (E. Fabricius). Das war eine wissenschaftlich interessante und für das Verständnis der letzten Ausbauphase der Grenzwehr wichtige Erkenntnis. Die Limesverdoppelung ist im Hochwald vorzüglich zu erkennen.

 

 

Feldbergkastell:

Zugang: Mit dem Bus oder mit dem Auto fährt man auf der Straße Königstein - Oberreifenberg zur Paßhöhe des Taunus am „Roten Kreuz“. Direkt am Roten Kreuz zweigt von der Straße ein befestigter Waldweg nach Osten ab, an dem nach 200 Metern der Parkplatz „Heidenkirche“ liegt. Von hier aus ist das Kastell in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen.

 

Der Taunusübergang am Roten Kreuz

Westlich vom Feldberg, am Roten Kreuz, liegt der höchste Paß des Taunus (688 Meter), über den heute die Straße Königstein - Oberreifenberg führt. Als die Römer am Ende des 1. Jahrhunderts nCh unter Kaiser Domitian den Limes im Taunus anlegten, sperrten sie den Paß mit einem hölzernen Wachtturm (Wp. 3/45). Die Spuren dieses Wachtpostens sind noch zu sehen. Damals hat wohl nur ein schmaler Saumpfad den Taunus am Roten Kreuz überquert. Er lief anders als die heutige Straße. Vermutlich kam er vom Fuchstanz her, umrundete den Kleinen Feldberg im Norden und zog dann zum Roten Kreuz. Von dort ging er auf der langgestreckten Höhe oberhalb von Reifenberg am Weilsberg vorbei („Hühnerstraße“) und wird über den Hühnerberg, den Eichelbacher Hof und Hasselbach zum Lahntal bei Weilburg geführt haben. Von Bedeutung kann der Weg am Ende des 1. Jahrhunderts nicht gewesen sein, sonst hätten ihn die Römer gleich mit einer größeren Befestigung gesichert.

 

 

Das Kastell am Feldberg

Das Kastell ist einige Jahrzehnte später entstanden. Bald nach der Mitte des 2. Jahrhunderts wuchs der Druck der Germanen auf die römische Provinz. Die Römer verstärkten allenthalben den Limes. Am Feldberg begradigten sie den ursprünglich etwas unregelmäßig verlaufenden Limes und errichteten steinerne statt der hölzernen Wachttürme. Vor allem aber errichteten sie unweit vom Roten Kreuz einen Wehrbau. Da die Paßhöhe keine Möglichkeit für die Wasserversorgung bietet, entstand das Kastell dicht an der Weilquelle in der Mulde zwischen dem Großen und dem Kleinen Feldberg. Mit 700 Meter Höhe ist es das höchstgelegene Kastell am gesamten römischen Limes in Deutschland. — Eine hölzerne Wasserleitung, die neben dem Kastell gefunden wurde, konnte mit Hilfe der Jahrringmessung (Dendrochronologie) in die Zeit „um 170 nCh“ datiert werden. Die Wasserleitung ist wohl gleichzeitig mit dem Kastell oder nur wenige Jahre später gebaut worden.

Heute gehört die Kastellruine zu den am besten erhaltenen antiken Bauwerken des obergermanischen Limes. Die Umwehrung ist rundum gut zu erkennen. Sie schließt eine Fläche von 0,7 Hektar ein. Sie ist damit wesentlich kleiner als die des nahegelegenen Römerkastells Saalburg (3,2 Hektar). Wie bei der Saalburg bestand die Umwehrung aus einer Steinmauer an der Front, hinter der ein Erddamm aufgeschüttet war. Dieser ist noch überall erhalten. An manchen Stellen ragt der Stumpf der Wehrmauer hervor. Vor der Mauer lag ein Verteidigungsgraben. Durch jede der vier Kastellseiten führte ein Tor. Die Grundmauern der Tortürme wurden ausgegraben und konserviert; die Lage der einstigen Torbauten wird dadurch deutlich markiert. Wie üblich, sind die Ecken des Kastells abgerundet und mit innen eingebauten Ecktürmen versehen. Das Haupttor des Kastells liegt im Nordwesten und weist auf den Limes, der in geringer Entfernung vorbeiläuft.

Mitten im Kastell erblickt man das Fundament F eines rechteckigen Raumes mit Rundapsis. Es trug das Fahnenheiligtum (aedes). Der Raum war nur ein Teil des Stabsgebäudes (principia), das sonst hauptsächlich aus Fachwerk bestand. Die Flügel des Gebäudes schlossen einen offenen Innenhof ein. Das Gebäude war für die Verwaltung der Truppe bestimmt und enthielt die dazu nötigen Schreibstuben. An der Eingangsseite (im Nordwesten) lag eine hölzerne Vorhalle.

Durch diese Halle lief die Querstraße des Kastells (Via principalis), die die beiden Seitentore miteinander verband. Von vorne führte die Via praetoria vom Haupttor des Kastells zur Vorhalle des Stabsgebäudes.

Der Name der Besatzung wird auf einem Inschriftstein überliefert. Dieser war einst zu Ehren der Kaiserin-Mutter Julia Mamaea und ihres Sohnes, des Kaisers Severus Alexander (222 - 235) im Fahnenheiligtum aufgestellt worden. Der schwere Basaltblock trug vermutlich eine Statue der Julia Mamaea. Das Fahnenheiligtum war - wie üblich - zugleich dem Kaiserkult geweiht. Nach der Ermordung des Kaisers und seiner Mutter in Mainz im Jahre 235 wurde der schwere Inschriftstein aus dem Fahnenheiligtum entfernt und für eine Reparatur des Kastellbades verwendet. Dort wurde er bei der Ausgrabung gefunden. Einige Bruchstücke kamen jedoch im Fahnenheiligtum zutage und verrieten den ehemaligen Aufstellungsort. Wie die Inschrift überliefert, war die Besatzung des Kastells eine leichte Aufklärungstruppe,-die Exploratio Halicanensium. Sie umfaßte etwa 150 - 200 Mann. Vielleicht ist sie ursprünglich in Halicanum in Pannonien (heute Ungarn) ausgehoben worden.

Die Inschrift lautet (Abkürzungen aufgelöst): „Juliae Mameae Augustae matri Severi Alexandri Augusti nostri. castrorum, senatus patriaeque. Exploratio Halicanensium Alexandriana devota numini eiius“. Übersetzt heißt das: „Der Kaiserin Julia Mamaea geweiht, der Mutter unseres Kaisers Severus Alexander, Mutter der Truppenlager, des Senats und des ganzen Vaterlandes. Von der Ihrer Majestät ergebenen Exploratio Halicanensium Alexandriana“.

Die Truppe führt hier den Beinamen Alexandriana nach dem Namen des Kaisers. Die eigentümlichen Titel der Kaiserin als Mutter der Truppenlager usw. umschreiben gewisse Ehrenrechte der Julia Mamaea. Ihr galt unter anderem der offizielle Kaiserkult der Truppe. Die selbstbewußte Herrscherin hatte diese Sonderrechte durchgesetzt. Ihr Sohn war bei seinem Regierungsantritt erst dreizehn Jahre alt gewesen; Julia Mamaea hat daher das Imperium lange Jahre an seiner Stelle regiert.

 

Das Mauerrechteck „H“ im vorderen Teil des Kastells rührt von einem Speicher (Horreum) her. Dieser stand an der gleichen Stelle innerhalb des Kastells wie das wesentlich größere Horreum der Saalburg.  „S“ war wohl nur eine Stützmauer. Zu welchem Bauwerk die Mauern bei „P“ gehörten. ist unsicher. Bei „S“ und „P“ sind jedoch die Reste von steinernen Statuetten zutage gekommen, die Schutzgöttern (Genien) von Unterabteilungen der Besatzung geweiht waren. Ihre Sockel trugen Inschriften.

Wir erfahren dadurch, daß die Truppe in Centurien (Hundertschaften) gegliedert war. In dem kleinen Kastell können nur zwei Centurien gelegen haben. Diese wurden damals nach ihrem jeweiligen Chef benannt, einem Centurio (Hauptmann). Tatsächlich erwähnen die Inschriften

zwei Centurien. die Centuria Januari („Centurie des Januarius“) und die Centuria Verecundi („Centurie des Verecundus“). Eine der Inschriften lautet: „In honorem domus divinae. Genio centuriae centuriae Verecundi. Saturio sub cura (Ti?)tiani Favorini fecit”. Übersetzt auf Deutsch: „Zu Ehren des Kaiserhauses. Dem Centurien-Genius der Centurie des Verecundus geweiht. Saturio hat das Bildnis unter Aufsicht des (Ti?)tianus Favorinus gefertigt“.

Die Fundstellen der Steine weisen darauf hin, daß sich die Mannschaftsbaracken der beiden Centurien an den beiden Seiten des Stabsgebäudes befanden; sie reichten vermutlich von der Via principalis bis zur rückwärtigen Umwehrung.

Völlig unbekannt ist die Bebauung im nördlichen Viertel des Kastells. Vielleicht stand dort das Wohngebäude des Kommandeurs.

 

Limes. Kastellbad und Kastelldorf

Der Pfahlgraben (Limes) ist in rund 100 Meter Entfernung vom Kastell noch als flacher Damm sichtbar. Man erkennt dort auch zwei Unterbrechungen, die als Durchgänge dienten. Vor ihnen zieht ein kurzes Dammstück entlang, das vielleicht die Durchgänge schützen sollte.

 Zwischen dem Limes und dem Kastell liegen die Grundmauern des Kastellbades unter einem flachen Ruinenhügel. Die Ruine führte einst im Volksmund den Namen „Heidenkirche“. Der Grundriß des Bades ist durch Ausgrabungen bekannt, doch ist von den Mauern heute fast nichts mehr zu sehen.

 Vom rückwärtigen Tor des Kastells ging eine Straße aus, der „Pflasterweg“. Er verband das Kastell mit dem Hinterland. Diese römische Straße war allerdings nicht gepflastert, sondern nur geschottert. Sie ist in der Nähe des Kastells heute kaum noch zu erkennen.

Die Ausgrabungen deckten außerdem die Spuren eines kleinen Dorfes auf, das sich im Südosten und Südwesten an das Kastell anlehnte. Trotz des rauhen Höhenklimas lebten hier Angehörige der Soldaten. Zu den besonderen und seltenen Funden gehören Lederschuhe. Sie haben sich hier ausnahmsweise gehalten: Als die Schuhe unbrauchbar geworden waren, warf man sie in den Sumpf vor dem Nordosttor des Kastells. Der feuchte Boden mit seinem hohen Gehalt an Humussäuren hat das Leder bis heute konserviert.

Ausgrabungen fanden schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Sie gingen zunächst vom Verein für Nassauische Altertumskunde in Wiesbaden aus (1841 und 1845). An ihnen war der Reifenberger Pfarrer Hannappel beteiligt, der vor allem das Kastellbad untersucht hat. Im Jahre 1892 begannen umfangreichere Ausgrabungen durch die Reichslimeskommission (L. Jacobi). Sie dauerten bis 1904 und bildeten die Grundlage der Kastellveröffentlichung von 1905 im Limeswerk (ORL). Etwa zwanzig Jahre später hat H. Jacobi weitere Grabungen unternommen (1926 - 28), über die er im Saalburg-Jahrbuch berichtet hat. Seitdem ist im Feldbergkastell nicht mehr gegraben worden. Die Ausgrabungsfunde werden im Saalburgmuseum, Bad Homburg v.d.H., und im Museum Wiesbaden aufbewahrt. Sie waren in den folgenden Jahrzehnten mehrmals das Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen (vor allem die Ledersachen, die Fibeln und die eisernen Werkzeuge).

 

 

Oberreifenberg:

Von einem „Indian Summer”, dem expressiven Farbenspiel der nordamerikanischen Wälder im Herbst, hat in Deutschland noch niemand gesprochen. Dafür dominieren zu stark die Nadelgehölze und dafür lässt die häufig vorherrschende nebelartige Bewölkung die Blätter zu wenig „leuchten”. Wo aber Laubbäume in ausreichender Höhenlage stehen, werden durchaus Reminiszensen an das amerikanische Naturwunder wach. So lohnt im Herbst der Blick „hinter” den Großen Feldberg im Taunus. Auf seiner Rückseite rund um Oberreifenberg erstrahlen die Eichen, Linden und Birken in den schönsten gelben und rötlich-braunen Tönen.

Die beste Sicht über das bunte Blätterkleid eröffnet das Rundpanorama von der Oberreifenberger Burgruine ganz im Norden des Ortes. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten kann einer der beiden Bergfriede wieder bestiegen werden.

Die Burg (vermutlich 12. Jahrhundert) der Herren von Reifenberg, Wohnturm und Schildmauer (14. Jahrhundert) wurde 1646 zerstört, erhalten sind unter anderem zwei mächtige, 25 Meter hohe Türme und eine vier Meter dicke und 43 Meter lange Schildmauer. Eng winden sich 83 Stufen im rechteckigen Wohnturm zur Aussichtsplattform. Sie ist jetzt mit einem Glasdach geschützt. Im nächsten Sanierungsschritt hofft der „Burgverein Reifenberg” auch den zweiten, runden Bergfried begehbar zu machen sowie die mächtige Schildmauer zu sichern.

Kaum eine der Burgen im Taunus hat so viele Kriege, Belagerungen, Fehden und Machtkämpfe mitgemacht - die Raubritterzeit im 14. und 15. Jahrhundert schlug sich hier in ihrer übelsten Form nieder. Verwirrend sind die wechselnden Sympathien derer zu Reifenberg: Das fehde­lustige Geschlecht verbündete sich anno 1380 mit Frankfurt gegen die Stadt Kronberg, um bereits neun Jahre später mit den Kronbergern gegen Frankfurt zu ziehen. Mit allen Mitteln der damaligen Kriegsführung: Walther von Reifenberg nahm den Frankfurtern das Vieh weg und beraubte Messekaufleute. Auch das Niederbrennen von Dörfern war an der Tagesordnung - vor Mord und Entführung schreckten die Reifenberger ebenfalls nicht zurück.

Schaurige Geschichten einer idyllischen Burg. Trotzdem ist die Ruine eine der am besten erhaltenen im Taunus und damit beliebtes Ausflugsziel für Familien. Der alles überragende 25 Meter hohe Bergfried stammt aus dem 13. Jahrhundert, der schlanke, rechteckige Wohnturm ist dagegen 100 Jahre jünger, erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg schon Ende des 10. Jahr­hunderts.

Den Wohnturm kann man besteigen und hat von oben eine gute Sicht ins Weiltal. Den Kindern hat's vor allem die dicke Schildmauer mit den Rundtürmen angetan - sogar eine „Pulverkam­mer” aus dem 16. Jahrhundert ist noch zu besichtigen. Auf dem abschließenden Rundturm im Norden war in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg ein Zuchthaus. Und dort, wo heute eine Ruhebank steht, kann man noch die Reste eines Brunnens sehen. Der Brunnenturm wurde zweistöckig angelegt, so daß die Pferde unten und die Soldaten oben trinken konnten.

 

Bassenheimer Palais:

Zwischen der Burg und der Kirche liegt das Palais Bassenheim. Bauherr war Graf Casimir Ferdinand Adolf Waldbott von Bassenheim, der niemand geringeren als den Hofbaumeister Benedikt Burtscher mit dem Bau beauftragte. Nachdem es in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts fertig gestellt war, diente es allerdings nicht als Residenz, sondern lediglich als gräflicher Verwaltungssitz des Amtes Reifenberg.

Casimir Ferdinand Adolf Graf Waldbott von Bassenheim (1642  bis 6. November 1729) war Domherr zu Mainz und Trier, kaiserlicher und königlich polnischer Kämmerer, kaiserlicher Oberstleutnant des Kürassier-Regiments Metternich, Chorbischof zu St. Moritz in Tholeja zu Trier, Domscholaster und kurfürstlicher Kammerpräsident zu Mainz und Oberamtmann in Mombach.[ Im Taunus besaß er das Amt Kransberg und eben die Herrschaft Reifenberg, die mit dem Aussterben des Geschlechtes derer von Reifenberg an seine Familie gefallen war.

 

 

Der Bauherr war mit seinen hohen Ämtern viel zu ausgelastet war, um hier residieren zu können. Bis 1803 blieb das Palais Bassenheim in Familienbesitz, ehe es im Zu­sammenhang des Reichsdeputationshauptschlusses an das Herzogtum Nassau-Usingen und in der Folge an das Herzogtum Nassau übertragen wur­de. Es richtete hier 1823 die neue, standesherrliche Oberförsterei von Reifenberg ein.

Nur zwanzig Jahre später, genauer gesagt 1852, verkauften die Bassenheimer Grafen das Palais Bassenheim allerdings an einen unbekannten Privatmann. Im Laufe der nächsten 150 Jahre wechselten die Eigentümer mehrmals; in öffentliche Hand kam es aber nicht mehr. Im Jahre 2011 wurde das Gebäude zuletzt saniert. Anschließend wurde der Festsaal für öffentliche Nutzungen freigegeben.

Das Palais Bassenheim selbst besteht aus einem zweigeschossigen Haupthaus und niedrigeren Nebengebäuden. Zum Ensemble gehört auch ein auf einem Abhang lie­gen­der Garten. Erwähnenswert ist, dass die meisten Bauelemente des Schlosses wie Vertäfelungen, Böden und Stuckarbeiten noch original sind.

Das Gebäude ist aber nicht nur von außen schmuck anzusehen, auch im Inneren ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Die jetzigen Besitzer Bernhard und Jeanette Eschweiler haben es seit 2009 in jahrelanger Arbeit saniert und die Gemälde wieder freigelegt. Sie erhielten dafür den Denkmalpreis 2013. Die Gesamtsanierung des Objekts wird überwiegend durch die Bauherren selbst getragen. Sie wollen künftig ein Nutzungskonzept entwickeln, das Wohnen und kulturelle Nutzung in Einklang bringt, wobei der Festsaal mit den für diese Region außergewöhnlichen Malereien ausschließlich öffentlich genutzt werden soll.

 

Die Hofanlage besteht aus einem zweigeschossigen verputzen Haupthaus und einem eingeschossigen, ebenfalls verputzen Nebengebäude. Der Eingang zu dem mit der Giebelseite quer zum Hang errichteten Hauptbau befindet sich auf der Hofseite. Eine zweiläufige Treppe führt in der Mitte der Traufseite zu einem zweiflügeligen Stichbogenportal mit Oberlicht. Hohe zweiflügelige Stichbogenfenster, gerahmt von Natursteingewänden, gliedern die Fassaden symmetrisch, teilweise sind sie mit Läden versehen. Ein umlaufendes Geschossgesims aus Naturstein gehört ebenfalls zu den Gliederungselementen. Ein hohes Mansarddach mit achsensymmetrischen Gauben schließt das Gebäude ab.

Das Palais besteht aus einem zweigeschossigen verputzen Haupthaus und einem eingeschossigen, ebenfalls verputzen Nebengebäude. Die Umfassung des Grundstücks ist an der Ecke Schlossstraße/Königsteiner Straße mit einem Türmchen geschmückt. Das Palais ist an der heutigen Schlossstrasse errichtet. Der dazugehörige Garten ist ein Hang mit deutlicher Neigung. Der Eingang zum Hauptgebäude befindet sich auf der Hofseite. Eine zweiläufige Treppe führt in der Mitte der Traufseite zu einem zweiflügeligen Stichbogenportal mit Oberlicht. Hohe zweiflügelige Stichbogenfenster, gerahmt von Natursteingewänden, gliedern die Fassaden symmetrisch, teilweise sind sie mit Läden versehen. Ein weiteres Gestaltungelement ist das umlaufende Geschossgesims aus Naturstein. Das Gebäude hat ein hohes Mansarddach mit achsensymmetrischen Gauben.

Die bauzeitliche Ausstattung ist weitgehend original erhalten.Hierzu gehören Türen, Vertäfelungen, Stuckarbeiten und Böden sowie eine Treppe mit Balustergeländer. Unter einem später aufgetragenen Spritzputz fanden sich im Festsaal des Obergeschosses Wandmalereien auf den Lehmunterputz.

Kunsthistorisch besonders bedeutend ist die weitgehend original erhaltene bauzeitliche Ausstattung. So haben sich Türen, Vertäfelungen, Stuckarbeiten und Böden sowie eine Treppe mit Balustergeländer erhalten. Im Rahmen früherer Sanierungsversuche erhielten die Wände und Decken einen zementhaltigen Spritzputz. Dieser hielt die darunterliegenden Putzschichten zwar weitgehend zusammen, reagierte jedoch auf Grund seiner Härte nicht auf die Verformungen der Konstruktion, so dass er an manchen Stellen abriss. Nach der Abnahme des Spritzputzes fanden sich im Festsaal des Obergeschosses Wandmalereien, die man auf den Lehmunterputz aufgetragen hatte. Dargestellt waren Canalettos nachempfundene Prospektmotive Venedigs.

 

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Schmitten:

Wanderung in Elvira Klein: Rhein-Main, Seite 59.

 

Ortsteil Arnoldshain: Die Isabellengrube im Weihergrund wurde von den Herren von Reifenberg zur Eisengewinnung angelegt, ihre mehrere Meter breiten und tiefen Pingen und Einsturztrichter sind heute noch gut zu erkennen. Neben dem (allerdings unrentablen) Bergbau, der bis ins 19. Jahrhundert betrieben wurde, waren Hammerwerke und Nagelschmieden in dieser Gegend weit verbreitet.

Der ummauerte Kirchhof rund um die evangelische Laurentiuskirche in Schmitten-Arnoldshain war vom 12. bis 18. Jahrhundert Begräbnisstätte für die verstorbenen christlichen Einwohner aus Arnoldshain, Schmitten, Ober- und Niederreifenberg. Seit 1848 finden die Bestattungen auf dem Arnoldshainer Friedhof statt. So ruhen hier viele tausend Seelen aus dem Hochtaunus.

 

 

 

Wanderungen im Gebiet  Pferdskopf

 

Wanderung I:

Landsteiner Mühle (Gemeinde Weilrod,  355 Meter hoch): Eine schon im 15. Jahrhundert vorhandene Kornmühle mit Gasthaus ging im Dreißigjährigen Krieg unter. Das wüst gewordene kleine Dorf wurde nicht mehr besiedelt. Aber Ende des 17. Jahrhun­derts entstand die Korn-, Öl- und Schneidemühle wieder, heute ein beliebtes Ausflugslokal.

Mehr fällt die dahinter aufragende Kirchenruine Landstein ins Auge. Die Kirche, Ende des 13. Jahrhunderts errichtet, war noch bis zur Reformation als Wallfahrtsort bekannt. Nach dem verheerenden Krieg wurde die große Glocke im Brandschutt gefunden und nach Ober­ursel verkauft.  

Von der Landsteiner Mühle geht man zuerst ein Stück die Straße nach Finsternthal hoch und dann rechts über die Brücke. Nun geht es auf zwei Kilometer entlang von Taunusschieferklippen durch schönen Buchwald. lang gezogen aufwärts. Am nächsten Abzweig geht es links weiter mit dem Wanderzeichen „Schwarzer Punkt“, am nächsten Abzweig rechts hoch und am zweitenWeg nach links. Jetzt geht es ein ganzes Stück geradeaus bis zu einer Terstraße, an der man am gegenüberliegenden Hang schon den Anfang des Ortes Mauloff sieht. .

Man geht die Terstraße ein Stück nach rechts und wo links der Wald beginnt nach links am Waldrand entlang (man könnte an dieser Stelle allerdings auch geradeaus gehen, aber der Weg nach links ist eine Abkürzung). Am Waldrand  entlang (Wanderzeichen „Blauer Schmetterling) hat man eine schönen Blick auf Mauloff und zum links davon liegenden Pferdskopf. Kurz nach dem Wanderparkplatz geht man nach links auf den Ort zu.

 

Mauloff:

Natürlich kennt jedes Kind die Ge­schichte, wie Mauloff zu seinem Namen kam: Einst versammelten sich die Männer des Ortes, um für ihr Dorf einen Namen zu suchen. Vorschläge und Einwände gingen hin und her, ohne daß die Versammelten sich einigen konnten. Schließlich mahnte der Schultheiß, endlich zum Ergebnis zu kommen. Das erste Wort, das nun falle, solle der Ortsname sein. Darauf trat große Stille ein ‑ bis dem Schultheiß der Kragen platzte: „Maul off, ihr Leut!­“ Der Ortsname war gefunden und mit ihm der Spott der umliegenden Dör­fer.

Natürlich ist die­se schöne Geschich­te nicht wahr, auch das weiß jedes Kind. Der Ursprung des Namens Mauloff liegt im Dunkel der Geschichte. Maul­off, 1156 erstmals als „Mulefo“ erwähnt, soll wie andere Orte mit Endungen „apa, ‑affa“ und de­ren Abwandlungen ein Gewässername sein, entweder kelti­schen oder germani­schen Ursprungs. Später hieß es „Mulefo“, „Mulffe“, „Mulloff“ und „Mauluff“.

Ursprünglich lag Mauloff am Kreuzpunkt zweier bedeutender Straßen: der Rennstraße von Frankfurt nach Köln und der Verbindung vom Goldenen Grund, dem Tal zwischen Limburg und Bad Camberg hin zur Wetterau. Auf 620 Meter Höhe war Mauloff kein guter Siedlungsplatz, da flogen wirklich keine gebratenen Tauben ins Maul. Neben der kargen Landwirtschaft lebten die Mauloffer von Holzwirtschaft und Leinweberei. Einst stand sogar eine Eisenerz­schmelze im Dorf.

Heute scharen sich um die alten Höfe des kleinen Dorfs Mauloff ein Neubaugebiet und die in die Jahre gekommene groß­flächige Familiener­holungsstätte, de­ren baldige Schließung das Dorf in Ungewißheit stürzt. Arbeitsplätze im Dorf stehen auf dem Spiel. Auch der von der Gemeinde Weil­rod angedachte Ver­kauf der Kapelle treibt die Mauloffer um. Einig sind sie sich, daß sie dies dörfliche Kleinod, das auch Schule und später Back­haus war und ihnen treu die Uhrzeit schlägt, nicht herge­ben wollen.

Nicht nur Er­holungssuchende finden den Weg ins 330 Einwohner zählen­de Mauloff abseits der Bundesstraße 275, sondern auch pas­sionierte Aquarien­freunde. Am schmiedeeisernen Dorfbrunnen füllen sie geduldig Kanister um Ka­nister für ihre Fi­sche, denn so reines, so weiches Wasser gebe es nirgendwo. Ein Teil der Einwohner hat sich in einer Bürgerinitiative gegen Fluglärm zu­sammengeschlossen, womit bewiesen wä­re, daß die Maulof­fer doch ihr Maul aufmachen.

 

An der Bushaltestelle „Pfaffenkopf“ geht es steil rechts hoch. Man kommt oben zu einer Kreuzung, an der man links abbiegt mit dem Wegweiser „Seelenberg“ und dem Wanderzeichen „Eichörnchen“. Jetzt geht es immer geradeaus mit dem Wanderzeichen „Liegendes, nach links offenes  U“.

Schließlich kommt man zu einer Gabelung, wo ein Weg links hinunter geht. Man geht aber rechts  hinauf mit dem Wanderzeichen „Spitzer, nach rechts offenen Winkel“. Man gelangt zu den ersten Häusern von Seelenberg, das 580 Meter hoch liegt und  245 Einwohner hat. Bei den ersten Häusern geht man rechts vorbei fast wieder in den Wald, dann aber links hinunter in die Straße „Am Windhain“, die in die Brunnenstraße führt. An deren Ende geht man rechts herum zur Kirche, wo sich auch der  Gasthof „Zur Schönen Aussicht“ befindet. Für den Weg zum Pferdskopf steht auch der Parkplatz „Tuttmannswald“ in Richtung Schmitten zur Verfügung.

Schräg gegenüber die Gaststätte in der Camberger Straße 18 steht an der Ecke ein gelb gestrichenes Fachwerkhaus aus der Zeit nach der Wiedergründung des Dorfes Seelenberg im Jahre 1696. Das Haus ist das Geburtshaus von Antonius Abt (1841-1895), Domkapitular und Geistlichzer Rat in Limburg. Außerdem wurde hier Ludwig Abt geboren (1851-1921), Stadtpfarrer in Frankfurt..

Von der Gaststätte geht man steil die Camberger Straße Richtung Schmitten hinauf. Am Ortsrand geht es über den Parkplatz nach links Richtung Reiterhof, vor dem man nach rechts abbiegt mit dem Wegweiser „Treisberg“ und dem Wanderzeichen „Blauer Schmetterling“. Der  vier Kilometer lange Weg zum Pferdskopf bietet wun­derbare Ausblicke auf die Burgruine Oberreifenberg oder die Gertrudis­kapelle. Man kommt zur Schutzhütte am „Weißen Stein“, schon fast am Ortsrand von Schmitten. Von dem  sternförmigen Wegekreuz geht man nach halblinks in Richtung Finsternthal, links an der Schutzhütte vorbei.

 

Der Weg führt auf den Pferdskopf zu. Zuerst trifft man auf eine Wegweiser, der nach links auf den Waldlehrpfad weist, der um den Berg herumführt. Der Waldlehrpfad bringt die Flora und Fauna der typischen Mittelgebirgslandschaft näher. Das etwa 400 Hektar große Erholungsgebiet „Pferdskopf“ bietet schöne Fernsichten. Von den Wegen aus lassen sich zahlreiche Pflanzen und Tiere beobachten, sofern man sich der Ruhe des Gebietes anpaßt. Der Liebhaber einsamer Wälder kommt hier voll auf seine Kosten (Faltblatt „Waldlehrpfad Pferdskopf“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“).

Ein Stück weiter - kurz nach einer Schutzhütte auf der linken Seite und einigen Forsthütten auf der rechten Seite  - kommt man am oberen Ende des Leistenbachtales zum sogenannten „Malerwinkel“ (nach rechts). Dieser idyllische Ort verdankt seine Namensgebung wohl dem schönen Blick auf den gegenüberliegenden Taunuskamm mit dem Großen Feldberg, der in früheren Jahren zahlreiche Maler inspirierte.

Im Pferdskopfgebiet herrscht der Buchenwald vor. Er bildet eine interessante Abwechslung zu den ausgedehnten Nadelwäldern der angrenzenden Hochtaunuslandschaft. Im Sommer läßt das dichte Kronendach der bis zu 150 Jahre alten Buchen nur vereinzelt Sonnenstrahlen durch, so daß Strauch und Kraut kaum eine Chance haben, sich zu entwickeln. Dort jedoch, wo das Licht der Sonne den Waldboden erreicht, beleben die purpurnen Tupfer des Fingerhuts den Sommerwald. Am Wegesrain, auf Lichtungen und an Waldrändern machen sich Waldhimbeere, Brombeere, Heckenrose, Holunder und Weißdorn gegenseitig den Platz streitig. Neben dem dominierenden Buchenwald ergänzen Fichtenhorste und vereinzelte Eichen das Landschaftsbild.

Die zwischen den Wäldern eingebetteten Wiesentäler sind unterschiedlich feucht und haben so verschiedene Pflanzengesellschaften ausgebildet. Neben Binsen und allerlei Wildkräutern findet man im engeren Auenbereich der Wiesenbäche auch Erlen und Weidengebüsch. In den Wäldern um den Pferdskopf ist die typische Tierwelt des Taunus vertreten: Rotwild, Rehwild, Wildschwein, Fuchs, Dachs und Hase sowie zahlreiche heimische Vogelarten. Hier kann zum Beispiel vereinzelt der Neuntöter beobachtet werden, eine vom Aussterben bedrohte Vogelart. 

 

Wenn man aber rechts um den Berg weiter geht, kommt man zu einer Stelle, wo es mit einem Winkelzeichen und dem Wanderzeichen „Schwarzes Andreaskreuz“ bei knapp 100 Höhenmetern auf den 500 Meter entfernten Berg geht Hier wird allerdings deutlich, daß der Aufstieg von Treisberg kürzer ist als der von Seelenberg aus).

                                              

Der Pferdskopf ist mit seinen 663 Metern eine der höchsten Erhebungen nördlich des Taunuskammes. In der Gemarkung Schmitten gelegen, wird das Erholungsgebiet begrenzt von dem tiefeingeschnittenen Weiltal im Osten . Von den umliegenden Siedlungen Seelenberg, Schmit­ten, Dorfweil, Brombach, Hunoldstal, Treisberg, Landstein und Finsternthal ist der Pferdskopf zu Fuß gut erreichbar. Hier kann der Erholungsuchende in der Stille einer abwechslungsreichen Mittelgebirgslandschaft mit ihren sanften Kuppen und geschwungenen Tälern wandern und die Natur erleben.

Der Taunus als Teil des Rheinischen Schiefergebirges entstand vor etwa 310-350 Millionen Jahren im Zuge der variskischen Gebirgsbildung. Hebungs-, Verwitterungs- und Abtragungsprozesse schufen darauf in Abhängigkeit von den anstehenden Gesteinen das heutige Landschaftsbild mit seinen Höhenzügen, Hochflächen und eingeschnittenen Tälern.

Der Pferdskopf bildet die nördlichste und markanteste Erhebung eines Bergrückens (Langhals ­- Pferdskopf-Scholle), der im rechten Winkel zum Taunuskamm liegt. Das aus Schieferstein bestehende Pferdskopfgebiet hebt sich mit seinen abgerundeten Kuppen und tiefeingeschnittenen Tälern deutlich von dem aus Quarzitgestein bestehenden Höhenrücken des Taunuskammes ab.

Mehrere kleine Bäche, die zum Teil im Bereich des Pferdskopfes entspringen, bringen mit ihren Tälern, Wiesen und Auen Abwechslung ins Landschaftsbild des Gebietes. Besonders idyllische Situationen begleiten den nach Norden fließenden Niedges-Bach und seinen Zu­fluß Saubach im Westen des Pferdskopfbereiches. Sie alle fließen der im Osten und Nordosten verlaufenden Weil zu. Von den nach Süden und Südosten verlaufenden Bächen ist insbesondere der Leistenbach mit seinem reizvollen Tal zu erwähnen.

Bereits 1895 war auf der Kuppe des Pferdskopfes ein Turm errichtet und mit großer Feierlich­keit eingeweiht worden. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die 18 Meter hohe Stahlkonstruktion jedoch durch den wachsenden Baumbestand überragt und mußte in den 60er Jahren aufgrund bautechnischer Mängel abgerissen werden. Im Jahre 1987 baute der Umlandverband Frankfurt - im Rahmen seiner Aufgabe, überörtliche Freizeit- und Erholungsgebiete zu planen, zu bauen und zu betreiben - an gleicher Stelle einen 34 Meter hohen neuen Aussichtsturm mit 178 Stufen.

Der neue Aussichtsturm gibt dem Besucher, der dem Erholungsgebiet am Pferds­kopf traditionell verbunden ist, ein lang vermißtes Erlebnis zurück: den herrlichen weiten Ausblick auf den Taunuskamm mit dem Großen Feldberg, in das tiefeingeschnittene Weiltal, das sanft einfallende Usinger Becken und über die geschwungenen Hochflächen des Hin­ter­taunus. Bei klarer Sicht sind in der Ferne Westerwald und Vogelsberg zu erkennen.

Am 10. November 1987 wurde der Turm der Gemeinde Schmitten übereignet. Seitdem ist wieder den Ausblick über die Taunuslandschaft möglich. Um den Bewuchs zu schonen, wurde der neue Turm auf einer bereits vorhandenen kleinen Lichtung auf der Kuppe erbaut. Für die Konstruktion wählte man bewußt den natürlichen Baustoff Holz, der sich in Fachwerkbauweise harmonisch in den Buchenwald einpaßt.

 

Wieder zurück vom Berg geht es weiter nach Treisberg, das man über die Straße „Am Pferds­kopf“ erreicht.  Beim Auftreffen auf die Durchgangsstraße (Hunoldstaler Straße) steht links die Alte Schule. Sie wurde 1846 als Rathaus erbaut, aber nie als solches genutzt, sondern ab dem 11. Dezember 1860 als Zwergschule betrieben. Bevor die Schule bestand, besuchten die Kinder des Dorfes die Schule in Finsternthal. Die Schule bestand aus der Lehrerwohnung im Erdgeschoß und dem Klassenzimmer im ersten Stock. Im Jahre 1860 wurden 15 Kinder unterrichtet. Die höchste Schülerzahl wurde 1904/04 mit 25 Kindern, die niedrigste 1885/86 mit drei Kindern erreicht. Im Jahre 1965 wurde die Schule geschlossen und heute vom Heimatverein genutzt. Es sind aber auch noch viele andere Häuser im Ort mit Hinweistafeln gekennzeichnet

 

An vielen Häusern in Treisberg sind Schilder angebracht, die etwas über die Geschichte des Hauses und vor allem ihrer Bewohner erzählen. Der Inhalt ist hier „von unten nach oben“ wiedergegeben, also von dem Haus gegenüber dem Feuerwehrhaus die Hunoldstaler Straße hoch und dann nach rechts in die Straße „Am Pferdskopf“.

 

Hennes

An diesem Hausnamen zeigt sich sehr schön eine Treisberger Eigenheit: 1850 wird das Haus von Heinrich Böcher, einem Abkömmling der Großfamilie Böcher gebaut. Es ist das letzte Gebäude im Dorf, steht also hinten, sprich: „Henne“. Haus und Bewohner werden somit „Hennes“ genannt.

 

Cunrods

Im Jahre 1774 ist Hausherr P'eter Weber als Tresiberger 5chultheiß erwähnt. Über die Jahre hat sich der Familienname durch Einheirat mehrmals geändert. Eine Familie namens „Conrad“ hat es hierjedoch nie gegeben, wohl aber zwei Männer mit Vornamen „Conrad“: 1802 Conrad Henrizi und 1839 Philipp Conrad Henrizi. Der Hausname „Cunrods“ wird sich hiervon abgeleitet haben. Seit Ende des 19. Jahrhunderts heißt man hier Ott. Von 1961 bis 1972 bekleidet Hausherr Heinrich Ott das Amt des Bürgermeisters. Im Rahmen der hessischen Gebietsreform wird Treisberg anschließend ein Ortsteil der Großgemeinde Schmitten.

 

Millersch

Im Jahre 1845 wird Johann Peter Müller als Besitzer dieses Anwesens genannt. Der Hausname „Millersch“ leitet sich hiervon ab. Von Beruf ist der Mann jedoch Schneider, nicht Müller. In der Höhenlage von Treisberg gibt es keine Mühlen. Enkelsohn Heinrich Müller bekleidet von 1933 bis 1960 das Amt des Bürgermeisters (mit Unterbrechung von zwei Jahren). Nebenher führt er mit viel Sackkenntnis die Dorfchronik. Als der Familienname sich Mitte des 20. Jahhrunderts durch Einheirat ändert, bleibt der Hausname  „Millersch“bestehen.

 

Staametze

Im Jahre 1774 ist Johann Philipp Steinmetz als Eigentümer dieses Hauses registriert. Obwohl sich der Familienname in späteren Jahren durch Einheirat mehrmals ändert, heißt das Haus seit damals „Staametze“. Von Bewohnern aus Nachbargemeinden indes wird das Haus auch „Beckersch“genannt. Im Jahre 1845 nämlich besitzt eine Witwe namens „Becker“ das Anwesen. 1n den Jahren 1 877 bis 1 897 ist Hausherr Philipp Heinrich Ott Bürgermeister des Ortes. Der Name Ott setzt sich heute in sechster Generation fort.

 

Heeserch

Im Jahre 1817 taucht vier Name „Höser“erstmals auf. Seitdem heißt das Haus „Hösers“, in Treisberger Mundart „Heeserch“. Die Einheirat von Ernst Habig aus Altweilnau im Jahre 1922 ändert am Hausnamen nichts. 1933 gründet Ehefrau Elise die Pension und Gaststätte „Zur Taunushöhe“. Im Jahre 1975 wird der Pensionsbetrieb eingestellt. Das Haus ist seither vor allem Gaststätte mit Spezialitäten für Wild und Süßwasserfisch.

 

Schitze

Sowohl die Bauart des Fachwerks - oben im Original noch erhalten - wie auch die eingemeißelte Jahreszahl 1765 im mittleren Torpfosten weisen darauf hin, dass es sich hier um ein Maus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts handelt. Es ist somit eines der ältesten Häuser von Treisberg. Im Jahre 1895 wird Heinrich Schütz als Eigentümer genannt. Dieser Familienname gibt dem Haus fortan seinen Namen „Schitze“. Im Jahre 1905 erwirbt Schmiedemeister Ludwig Henrizi das Anwesen. Die zugehörige Schmiedewerkstatt steht zwei Häuser weiter auf dergleichen Straßenseite in Richtung Ortsausgang. Im Jahre 1964 wird sie abgerissen. Neben seiner Tätigkeit als Schmied und Landwirt bekleidet Ludwig Henrizi lange Jahre das Amt des Ortsdieners  bis 1959.

 

Backes

Bis 1947 befindet sich an dieser Stelle das alte Backhaus. Ein Jahr später wird das jetzige Gemeindehaus gebaut und auf dieser Seite des Gebäudes ein Backhaus mit einem großen holzbefeuerten Steinofen eingerichtet - „das Backes“. Roggenbrote und Blechkuchen werden hier gebacken. Die Einrichtung ist nach wie vor in Betrieb. Allen Treisberger Bürgern steht das Backes zur Nutzung offen.

 

Viehwoh/ Melchkisch

Bis 1947 befindet sich an dieser Stelle das sogenannte Hirtenhaus, im ersten Stock die Wohnung für den Vieh- bzw. Schafhirten, im Parterre die Viehwaage. Ein Jahr später wird das jetzige Gemeindehaus gebaut und eine neue Viehwaage im hinteren Bereich eingerichtet. Vorne entsteht eine Milchküche, sprich Milchsammelstelle. Angehörige aus dem Hause Millersch betreuen die Einrickhung. Ein Milchauto holt die gefüllten Kannen ab, später kommt ein Tankwagen. Als in den 1980er Jahren kaum noch ein Treisberger Bauer Milchwirtschaft betreibt, wird die „Melchkisch“ geschlossen - ebenso die „Viehwoh“.

 

Bachons

Der Familienname „Bachon“ erscheint erstmals im Jahre 1817 und zwar mit dem Eigentümer Johann Philipp Bachon. Im Jahr 1927 ändert sich der Familienname durch Einheirat von Willi Blumer aus Altweilnau. Der Hausname „Bachons“ wird jedoch beibehalten. Von 1961 bis 1972 übt Hausherr Erich Blumer das Amt des Gemeinderechners aus. Er ist der letzte Treisberger, der dieses Ehrenamt ausübt.

 

Alte Treisberger Poststelle

Von 1900 bis 1975 befidnet sich die Poststelle des Ortes in diesem Haus. Bis 1933 steht hier auch das einzige Telefon des Dorfes. Hausherr Friedrich Moos ist von 1897 bis 1933 Bürgermesiter von Treisberg.

 

Gurackersch           

Der Famillenname „Gutacker“ erscheint erstmals im Jahre 1802 mit dem Besitzer Joann Philipp Gutacker. Die Hausbewohner werden also „Gutackers“ genannt, in Treisberger Mundart: „Gurackersch“. Im Jahre 1860 ändert sich der Familienname durch Einheirat von Philipp Henrizi. Der alte Hausname bleibt jedoch bestehen.  Phiulipp Henrizi ist einige Jahre lang Gemeinderechner des Ortes. Enkeli Albert erwirbt 1930 als erster Treisberger ein Auto, Marke Hanomag. Der Familienname ändert sich anschließend abermals durch Einheirat.              

Soxe

Der Familienname „Sachse“erscheint erstmals im Jahre 1836 mit dem Eigentümer Christian Sachs. Die Hausbewohner werden daher „Saschse“ genannt, in Treisberger Mundart „Soxe“. Im Jahre 1 895 ändert sich der Familienname durch WEinheirat in „Steinmetz“, später in „Scheid“. Der alte Hausname „Soxe“ wird jedoch beibehalten.

 

Scholze

Im Jahre 1802 wird Johan Philipp Sachs als Besitzer dieses Hauses genannt. Er ist Schultheiß des Ortes. Der Hausname „Scholdese“ - kurz „Scholze“ - leitet sich hiervon ab. Auch Sohn Johann Peter und dessenSohn Philipp Sachs üben das Amt des Schultheißen aus - letzterer nennt sich bereits Bürgermeister (1867 bius 1876). Nach der Nassauischen Amtordnung wird  der Titel „Schultheiß“ im jashre 1855 abgeschafft.  Der Familienname „Sachs“ ändert sich ab  Mitte des 20. Jahrhunderts durch Einheirat.

 

Schulirersch

Das 1923 errichtete Wohnhaus ist bis zur Auflösung der Treisberger Dorfschule 1964 Dienstwohnung des jeweiligen Dorfschullehrers. Der Berufsstand – in Treis-

berger Mundart „Schulirer“gibt dem Haus seinen Namen. Mitte der  1930er Jahre wird hier die erste Autogarage des Ortes gebaut.

 

Maxe

Gastwirtschaft seit 1900, zunächst im Besitz der Familie „Wolfsheimer“, ab 1906 in Händen von Familie „Marx“. Im Jahre 1961 ändert sich der Familienname per Einbeirat in „Reitz“, als Hausname wird jedoch „Maxe“ beibehalten. Der frühere Eigentümer des Speiselokals, Heinrich Marx sen., ist im Nebenberuf Nagelschmied. Sohn Heinrich ist der letzte Wiegemeister an der Treisberger Viehwaage, ebenso der letzte Haumeister im hiesigen Holzwald.

 

Hiwwe Leewe

Der Familienname „Löw“ erscheint erstmals im Jahre 1804. Er bleibt vier Generationen lang erhalten und gibt dem Anwesen seinen Namen, in Treisberger Mundart „Leewe“. Die Männer ergreifen allesamt den Beruf des Schäfers. Seit es im Jahre 1860 eine Glocke auf dem Schulgebäude gibt, wird diese von der Familie geläutet - bis 1995. Anschließend übernimmt ein elektrisches Läutwerk die Arbeit. Ab Mitte des 20. Jahrhudnerts ändert sich der Familienname durch Einheirat. Hausherr Ludwig Wick übt lange Jahre das Amt des Gemeinderechners aus - bis 1960. Der Zusatz „hiwwe“im Hausnamen - für „hüben“- bürgert sich allmählich ein, als Unterscheidungs-Merkmal zum Haus gegenüber.

 

Driwwe Leewe

Von 1860 bis in die späten 1 920er Jahre bewohnt eine Familie „Schmid“ dieses Haus. Mehrere Generationen lang stellt sie den Schweinehirten des Dorfes, Sohn Friedrich ist 1870 außerdem Qrtscliener. Ende der 1920er Jahre kauft Adolf Wick von gegenüber das Haus. Er nimmt seinen alten Hausnamen Leewe mit, wobei sich als Zusatz der Begriff  „Driwwe“ -für „drüben“ - einbürgert. Der Familienname Wirk ändert sich anschließend mehrmals durch

Einheirat.

 

 

Böchers sind die älteste Familie von Treisberg. Als nach dem 30-Jährigen Krieg nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung überleben, sind dies die Familien Böcher und Hoffmann. Letztere setzt sich vom Namen her im Ort nicht fort. Böchers hingegen gründen neue Familien im Dorf. Ihr Name findet sich in vielen Treisberger Familienstammbäumen wieder z.B. in den Häusern Scholze, Maxe und Millersch. In den 1950er Jahren stirbt der Name Böcher  in Treisberg aus.

 

Treisberg wird erstmalig im Jahr 1272 als Besitz der Herren von Eppstein erwähnt. Im Jahre 1369 wird das Gericht Landstein als Gericht Treisberg erwähnt (Drasberg). Bis 1535 gehörte Treisberg kirchlich nach Landstein. Mit der Übernahme des königsteinischen Anteils an Alt­weilnau durch Kurtrier wird die Pfarrei aufgehoben und Treisberg pfarrt danach nach Altweil­nau. Treisberg war bis zur Gebietsreform am 1. August 1972 eigenständig und ist seither ein Orts­teil der Gemeinde Schmitten.

In Treisberg finden sich zwei Lifte, die die steilste Piste des Taunus erschließen. Bei entsprechender Schneelage gibt es auch einen guten und vielbenutzten Rodelhang fast hinunter bis an die Straße nach Mauloff.

An der Feuerweht geht es rechts hinab in die Straße „Im Grund“, dann aber nicht mit der Teer­straße nach links, sondern geradeaus weiter auf einem Weg, der mit Schieferplatten befestigt ist. Man könnte auf diesem Weg weiter laufen und unten auf dem Forstweg nach links abbiegen und dann wieder rechts hinunter zur Landsteiner Mühle. Kürzer ist ein Weg, der nach einem ebenen Stück  nach links abgeht mit einem Winkel und dem Wanderzeichen „Schwarzes Andreaskreuz“. An einem Bach entlang geht es auf die Kreisstraße und zur Landsteiner Mühle.

 

Wanderung II:

Ausgangspunkt ist Hunoldstal, und zwar die Gaststätte „Feldbergblick“ im Panoramaweg.

Man geht zunä hilosophenweg und folgt weiter dem Wegweiser „Rotes Kreuz“.

Man kommt zum Bärenfichtenseee (rechts hoch geht es zur Bärenfichte) und geht immer weiter an der Weil entlang. Rechts ist dann ein kleiner Wegweiser „Seelenberg“. Hier steigt man in einer Viertelstunde etwa 100 Höhenmeter höher und sieht dann schon Seelenberg vor sich. An der ersten Straße geht man links hinunter und dann rechts direkt auf die Gaststätte „Zur Schönen Aussicht“, die allerdings nur noch Samstag und Sonntag geöffnet hat. Hier steht die Kirche mit dem Brunnen, der an die 300-Jahr-Feier erinnert.

Dann geht es die Camberger Straße hinauf und nach links in den „Beidteweg“, der etwas nach rechts abbiegt. An der Grünschnittsammelstelle geht man rechts und an der Gabelung links hinunter. An der Wegspinne kommt man zum  „Weißen Stein“ und trifft hier wieder auf den Weg um den Pferdskopf auf die Tour Pferdskopf I.

Man folgt dem Pfeil „Finsternthal“ und geht links an der Schutzhütte vorbei. Man kommt wieder an die beiden Hütten links und rechts. Kurz dahinter ist am Leistenbach der „Malerwinkel“ mit Blick auf Schmitten. An der Gabelung bleibt man links. Kurz darauf geht es links ab den Berg hoch. Man geht aber nicht um den Pferdskopf herum, sondern nach rechts direkt auf den Gipfel. Der Abstieg erfolgt dann geradeaus in Fortsetzung des bisherigen Wegs beim Aufstieg hinunter bis kurz vor Treisberg. Man kann natürlich auch geradeaus weitergehen direkt nach Treisberg und damit den Berg auslassen.

In Treisberg geht man an der Schule rechts und am Ortsrand nach links in die Straße „Am Hopfengarten“ und dann rechts am Waldrand entlang und dann in den Wald. Vor dem Waldrand (man ist jetzt kurz vor dem Weg von Treisberg zur Landsteiner Mühle) geht es auf dem Waldweg nach rechts. Am Hochsitz geht es wieder rechts. Wo der Weg einen Bogen nach links macht, bleibt man ganz links und geht am Bach hinab.

Man kommt an die Straße nach Treisberg, geht auf ihr links hinunter und dann wieder links  und an der Bushaltestelle rechts nach Treisberg hinein. Auf der Anspacher Straße steht links das Alte Backhaus. An der Haltestelle Ginsterberg geht es sehr steil den Panoramaweg hinauf bis zur Gaststätte. Die Länge der Strecke beträgt ohne Pferdskopf 17,2 Kilometer, mit Pferdskopf 19 Kilometer.

 

 

 

 

Neu-Anspach

Wir besuchen die Quelle des Erlenbachs unterhalb des Sandplackens im Taunus. Der Bach plätschert durch Neu‑Anspach, streift die Gemarkung von Wehrheim, fließt schließlich durch Friedrichsdorf weiter durch den Bad Homburger Stadtteil Ober‑Erlenbach und mündet schließlich bei Massenheim in die Nidda.

Die Quelle liegt 560 Meter hoch und heißt korrekt „Mückenborn“. Um dort einen labenden Schluck reinsten Wassers genießen zu können, müssen wir 160 Meter Höhenunterschied überwinden. Dazu brauchen wir nur gutes Schuhwerk und eine Stunde Zeit und nicht einmal eine Wanderkarte, weil es immer bergauf geht und entlang des Baches. Ausgangspunkt der Bacherforschung ist der Parkplatz der „Talmühle“, heute eine gastliche Stätte, die unserer Tour ein angenehmes Ende verheißt.

Ein idealer Wanderführer wäre Eugen Ernst, Geografie‑ und Geologieprofessor, bekannt als „Vater des Hessenparks“. Beim Aufstieg würde er uns spannende Geschichte(n) erzählen: Das kleine Tal auf der Nordseite des Taunus, in dem der Erlenbach seine Kindheit verbringt, heißt Stahlnhainer Grund.

Diesen Name erklärt er mit einer Waldschmiedesiedlung, die von 1200 bis etwa 1400 auf der westlichen Talseite am Waldrand existierte. Die einst dort verstreut siedelnden Menschen glühten in mindestens 50 nachgewiesenen Rennfeueröfen Raseneisenstein, den sie vor Ort in einem halben Meter Tiefe förderten. Das Holz für die Holzkohle zur Befeuerung dieser frühen „Hochöfen“ wuchs in der sumpfigen Aue des Erlenbachs.

Wer heute von der „Talmühle“ die vorwiegend als Pferdekoppeln genutzten Wiesen betrachtet, erkennt die Reste von Terrassen, Belege früher Landwirtschaft. Eugen Ernst hat bei seinen Forschungen Reste von mehr als 500 Kohlenmeilern entdeckt. In diesem malerischen Tal muß also vor 700 Jahren geschäftig produziert worden sein. Hufeisen in Massenerzeugung, Rüstungen für die Herren auf den umliegenden Burgen, Haumesser für die Waldbauern. Das heute so verlassen wirkende Tal des Oberlaufs des Erlenbachs war einst eine Art „Industrieregion“. Im 14. Jahrhundert entstanden entlang des Erlenbachs wassergetriebene Hammerwerke, mit denen das Eisen effektiver geformt werden konnte als zuvor mit der Hand auf dem Amboß.

Doch zurück zur Gegenwart. Von den Hammerwerken ist nichts mehr zu sehen. Sie wurden umgewandelt in Getreide- und Ölmühlen. Von ihnen zeugen nur noch die Namen. Es rauscht kein Mühlbach und klappert kein Mühlrad mehr. Schwere Geländewagen ziehen große Pferdetransporter zu riesigen Reitställen und Reithallen. Der Geruch von Pferdemist liegt in der Luft, der Stahlnhainer Grund dürfte heute weit und breit die höchste Dichte von edlen Rössern pro Hektar aufweisen.

Pferdefreunde erleben am Reiterhof Wintermühle am Ende der geteerten schmalen Straße eine Augenweide. Uns aber zieht es weiter, höher hinaus zur Quelle, vorbei an verwunschenen Wochenendhäusern in dem sich schließenden Wald, nur weniger Meter vom Erlenbach entfernt, der zu einem Bächlein schwindet. Professor Ernst, unser virtueller Wanderführer, würde erklären, daß der Erlenbach früher viel mehr Wasser führte. Wasserstollen beidseits des Taunuskamms, also auch auf der Bad Homburger und Oberurseler Seite unterhalb des Quellniveaus, haben den Bach fast trockengelegt.

Bei unserem Aufstieg erst links und dann nach dem Eingang zum Wasserstollen rechts des Baches begegnen uns immer wieder Reitersleute. Der Weg ist ein Trampelpfad und richtig. wenn er uns zu einer kleinen Lichtung mit Erlen und Fichten am Rande führt. Es gibt kein Hinweisschild, keine Wegemarkierung. Nicht unsicher werden, solange es aufwärts führt. Wie erreichen einen festen Weg, der nach wenigen hundert Metern im spitzen Bogen nach links kehrt. Ein kleiner Tümpel, gespeist vom Erlenbächlein, bestätigt: Das Ziel ist nahe. Jetzt beginnt ein schweißtreibender Aufstieg über einen Trampelpfad, der mehrfach das Bachbett kreuzt.

Der Erlenbach tröpfelt, der Schweiß rinnt, der Aufstieg wird immer steiler, wir gehen über einen wundervollen Nadelfilz, unterbrochen von Moospolstern, und stehen vor der Quelle, die direkt an der Wurzel eines Buchenzwillings aus der Erde tritt. Im Übrigen weist ein hölzernes Schild auf den Born hin. Es ist absolut still, abgesehen von den Vogelmusik. Wer die Augen schließt, sieht auf der von Vogel‑ und Mehlbeeren gesäumten Lichtung Elfen und Waldschrate, wer sie öffnet, eine Szene wie von Caspar David Friedrich gemalt.

Wir können denselben Weg oder einen anderen zurück wandern. Wir kommen früher oder später wieder zur „Talmühle“, wenn es nur abwärts geht. Die „Talmühle“ (Montag und Dienstag geschlossen) ist eine grundsolide Ausflugskneipe mit grundsoliden Eier‑ und Schnitzelspeisen.

 

Im stetig wachsenden Neu-Anspach im Taunus erzählt man sich noch heute gelegentlich, daß in der Nähe des Freilichtmuseums Hessenpark einst das Dorf Stahlnhain gestanden habe, um dessen Verschwinden sich im Lauf der Zeit so manche Mär gebildet hat. Der Name selbst - nach dem Mittelhochdeutschen „stahel” für Stahl, „haue” für Grund - gibt Aufschluß über die Entstehung des Ortes. Er bezieht sich auf die Eisenverhüttung und Köhlerei. Ausgrabungen ergaben, daß Stahlnhain ein landwirtschaftlicher Industrieort war, der zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert im Tal des Erlenbachs angelegt wurde und nur 200 bis 250 Jahre bestanden hat. Die Natur gab nichts mehr her. Geblieben ist die abwechslungsreiche Wald-Wiesen-Landschaft am Taunus-Nordhang. Sie bildet den Hintergrund für die seit nunmehr über 25 Jahren aus allen hessischen Regionen in den Hessen-park versetzten historisch-ländlichen Gebäude. Schauen wir uns wandernd in dieser Gegend um.

Beginn ist in Neu-Anspach, das Schild „Wanderweg Hessenpark 5 km” am Bahnhofsvorplatz weist nach rechts mit der Markierung schwarzer Punkt. Es geht die Durchgangsstraße entlang, schließlich gegenüber der Tankstelle links in die Taunusstraße und sofort rechts ab auf den gepflasterten Fußweg, der zwischen Gärten parallel zur Verkehrsader verläuft. Die Punkt-Route mündet noch einmal in die Straße, folgt ihr links aufwärts über die Kreuzung und weiter dem Friedhofsweg. Vor Erreichen des Waldes noch ein Blick zurück über die sanft-wellige Hintertaunuslandschaft, dann Wechsel vom Asphaltband auf einen Grasweg am Ende der Friedhofsmauer und das schattige Grün der Bäume umschließt den Wanderer.

Ist die Höhe und damit das freie Feld erreicht, steuert das Zeichen nun den leicht terrassenförmigen Hang abwärts in den Stahlnhainer Grund. Im Rechts-links-Schwenk werden vereinzelt alte Höfe sichtbar, am Erlenbach unverkennbar eine einstige Mühle. Nach dem Untergang der Waldschmieden und des Dorfes im 17. und 18. Jahrhundert hatten sich hier verschiedene Mühlen angesiedelt. Als letzte stellte die Talmühle ihren Betrieb erst 1943 ein.

Durch Weidekoppeln wird nochmals ein Waldstück erreicht. Wenige Meter einwärts, dann wechseln wir zur Markierung liegendes U. Nach rechts ist ein Abstecher zur rustikalen Einkehr in der Talmühle möglich, nach links bringt das Zeichen durch hohen Buchenwald direkt zum Hessenpark.

In den vergangenen Jahren hat sich organisatorisch einiges im Hessenpark geändert. So liegen das historische Wirtshaus „Zum Adler” und der große Marktplatz für Musik- und andere Open-Air-Veranstaltungen nun vor der weitläufigen Kassenzone. Das Freilichtmuseum hat fast 30 erfolgreiche Jahre hinter sich, die im September 1974 unter Professor Eugen Ernst mit der Grundsteinlegung der Kirche von Niederhörlen begannen.

Freilichtmuseum Hessenpark, seit 1974 im Aufbau und weiter wachsend; alte Fachwerk- und historische, vom Abbruch bedrohte Gebäude hierher umgesetzt; die Entwicklung aus vorindustrieller Zeit Hessens zeigen u. a. Handwerksbetriebe wie Töpferei, Weberei, Schmiede, Backstube; landwirtschaftliche Demonstrationen; Storchenaufzucht-Station. Öffnungszeiten: Freilichtmuseum Hessenpark, 1. März bis 31. Okt. Täglich außer Montag, 9 - 18 Uhr (Tel. 06081—5880).

Für den Rückweg erwartet uns am Parkausgang das Zeichen schwarzer Strich. Es zeigt vor den Parkplätzen nach links auf einen lindengesäumten Fußweg entlang der Zufahrt, weist an der Straße Neu-Anspach -  Obernhain nach links und leitet durch die Unterführung hinaus ins Freie. Hier heißt es, sich vom Segelflugplatz weg nach links, rechts und wiederum links zu orientieren. (Das Zeichen fehlt im freien Feld.) Ist die Landstraße gequert, geht es geradeaus, bis der Weg in die Taunusstraße mündet, die hinunter in den Ort bringt. Abkürzend kann man auch rechts über die Gleise den Stabelsteiner Weg nehmen (Rhein-Main, 42).

 

Hessenpark

Seit 1974 verfolgt der Hessenpark das Ziel, ein möglichst lebensnahes Abbild des ländlichen Hessens der vergangenen 400 Jahre an seine Besucher weiterzugeben. Eingebunden in den Verband der Europäischen Freilicht­museen und in den internationalen Museumsbund ICOM hat der Hessenpark damit einen Rahmen für seine Aufgaben und Ziele gesteckt, die sich in der grundsätzlichen Präsentation gegenüber dem Besucher ausdrücken.

Aufgaben für Freilichtmuseen und damit auch für den Hessenpark gibt es zahlreiche. Einige der wichtigsten sind:

die Bewahrung historischer Bausubstanz, wenn sie am Original‑Standort nicht gewährleistet werden kann,

die Erforschung der bauhistorischen Entwicklung und Bedeutung eines Gebäudes,

die Erforschung der sozial‑ und wirtschaftshistorischen Zusammenhänge und Verflechtungen, die mit einem Gebäude, deren Bewohnern und der Region, aus der das Gebäude stammt, verbunden sind,

die auf den eben genannten Grundlagen aufbauende Präsentation der Gebäude im Hessenpark und schließlich die Vermittlung und Darstellung dieser Inhalte gegenüber den Besuchern.

           

Wie sieht diese Präsentation heute aus?

Der Hessenpark präsentiert sich als zeitgemäße Kultur­- und Bildungseinrichtung des Bundeslandes Hessen.

Aufgrund der (kulturellen, wirtschaftlichen und sozialhisto­rischen) Vielschichtigkeit des heutigen Bundeslandes Hessen und seinen unterschiedlichen Landschaftsformen (z. B. das Rheintal, die Wetterau, die Mittelgebirgszonen von Westerwald, Taunus, Vogelsberg etc.) ist das ca. 60 ha große Areal des Hessenparks in fünf  „Baugruppen“ nach Regionen geordnet, zu denen die je­weiligen Gebäude präsentiert werden.

 

Baugruppe Marktplatz (A)

Die Baugruppe „A“ wird in ihrem Endzustand von seinem äußeren Erscheinungsbild einen kleinstädtischen Marktplatz nebst seinem Umfeld darstellen, wie er für viele hessische Land­städtchen typisch war. Innerhalb der fünf Baugruppen des Freilichtmuseums Hessenpark fällt ihr jedoch eine Sonderstellung zu. Hier sind Häuser aus dem gesamten Bundesland Hessen ver­treten, nur hier sind die wesentlichen „Serviceeinrichtungen“ des Freilichtmuseums wie z. B. die Verwaltung und die wenigen Läden angesiedelt. Darüber hinaus kommt es immer wieder vor, daß die Hessische Denkmalpflege dem Freilichtmuseum Gebäude anbietet, die ‑ meist wegen ihres schlechten Zustandes ‑ nicht komplett übernommen werden können, von denen Teile jedoch durchaus erhaltenswert sind. In diesem Fall bietet es sich an, die erhaltenswerten Teile, wie zum Beispiel einen Hausgiebel, in der Baugruppe „A“ zu errichten, den Baukörper selbst jedoch in modernen Baustoffen zu ergänzen und das Gebäude bewußt und erkennbar einer aktuellen Nutzung (z. B. eine Ausstellung) zuzuführen. Die Alternative für diese Gebäude und Gebäudeteile wäre der Abriß und damit der endgültige Verlust gewesen. Dieses Aufbau‑ und Nutzungskonzept gilt nicht für die ande­ren Baugruppen. Dort werden die Gebäude nach den Vorgaben freilichtmusealer Grundlagen konzipiert und wiedererrichtet. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Baugruppe „A“ frei zugänglich ist.

 

Baugruppe Lahn‑Dill‑Ohm (H)

Diese Baugruppe repräsentiert im wesentlichen den mittel­hessischen Bereich, der von naturräumlichen Gegensätzen bestimmt wird. Der hessische Teil des Westerwaldes, die Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges (Hin­terland und Dillgebiet) sowie die nordwestlichen Ausläufer des Vogelsberges haben Mittel­gebirgscharakter. Kurze Vegetationsperioden, ein rauhes Klima, damit eine relativ junge Besiedlung, verbunden mit einer Ab­seitslage der alten, bedeutenden Verkehrs‑ und Transportwege lassen diese Bereiche als Ungunsträume erscheinen. Das Gießener Becken, die Tallandschaften der Lahn um Marburg mit dem „Ebsdorfer Grund“, das Limburger Becken mit dem sich anschließenden „Goldenen Grund“ sind mit ihrem milden Klima, den fruchtbaren Böden und der Anbindung an alte Handelswege naturräumliche Gunsträume und seit der Vorzeit besiedelt. Diese Gegensätze spiegeln sich unter anderem in differen­zierten Haus‑ und Hofformen, in typischen Dorfformen, tradi­tionell verankerten Handwerken sowie in einem unterschiedlich ausgeprägten Brauchtum wider. Im Freilichtmuseum wird diese Region in Form eines unregel­mäßigen Reihendorfes im Übergang zu einem kleinen Haufen­dorf dargestellt. Diese Situation ist an zahlreichen Beispielen im Zusammen­hang mit dem Bevölkerungswachstum und der damit verbunde­nen Ausweitung der Dorfanlagen nachvollziehbar. Neben den typischen Haus‑ und Hofformen sind als prägende Gewerbe die Holzkohlegewinnung, die Eisenverarbeitung im weitesten Sinne angesiedelt. Die Baugruppe ist weitestgehend fertiggestellt.

 

Baugruppe Eder‑Diemel‑Weser (F)

Nordhessen läßt sich als Region am ehesten fassen, wenn darunter die meisten Bereiche der ehemaligen Landgrafschaft Hessen‑Kassel, ganz Waldeck und im Süden der Raum bis zum ehemaligen Kreis Ziegenhain verstanden werden. Schon seit der Urzeit ist dieses Kerngebiet der Chatten auch als Durchgangsgebiet von Völkerwanderungen bekannt. Bereits im frühen Mittelalter bildete sich durch Wanderungsbewegun­gen im fränkisch‑sächsischen Übergangsbereich die noch heute z. B. bei den Hausformen erkennbare Grenze zwischen dem hessischen und dem niedersächsischen Kulturraum heraus. Alle diese Wanderungsbewegungen haben aber bis in die Gegenwart an der Bodenständigkeit und einer gewissen „konservativen Lebenseinstellung“ der Bevölkerung wenig verändert. Auch der im Spätmittelalter sich entwickelnde, bedeutende Handelsverkehr zwischen dem Rhein‑Main‑Gebiet im Süden und dem Ostseeraum bzw. Thüringen/Sachsen im Norden und Osten hat daran wenig geändert. An den bedeutenden Handelswegen entstanden bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts zwar wichtige Handelsorte, sie hatten aber als „Innovationszentren“ nur eine geringe Ausstrahlungskraft in das Umland.

So war und ist Nordhessen als überwiegend ländlich struktu­rierter Raum zu beschreiben. Dies begründet sich auch auf der naturräumlichen Kleinkammerung. Herausragende Landschafts­formen wie z. B. die Wetterau oder der Vogelsberg fehlen hier. Charakteristisch sind vielmehr eine Vielzahl von kleineren Becken­land­schaften (wie z. B. das Hersfelder, das Fritzlar‑Borkener, das Eschweger oder das Kasseler Becken), die zugleich die Kern­räume für die spätere Industrialisierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts darstellen. Von der Fläche her überwiegen aber die Berglandschaften (wie Waldecker Upland, Knüll und Habichtswald). Sie sind ihrerseits wiederum in kleine, räumliche Einheiten gegliedert.

Diese Grundstruktur führte in Verbindung mit dem Einfluß der Landesherren auf die Siedlungsentwicklung und den wirtschaft­lichen Fortschritt zu einem uneinheitlichen Erscheinungsbild der nordhessischen Kulturlandschaft. Die Ausgestaltung der Baugruppe basiert auf einer Reihe von Untersuchungen nordhessischer Dörfer. Hier wurden die Dorf­grundrisse bezüglich ihrer Grundstruktur, der Form der Grund­stücke, der Zusammensetzung der Hofanlagen im Hinblick auf Wohn‑ und Wirtschaftsgebäude, die vorhandenen Hausformen und der Sozialstruktur analysiert.

Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse ist es notwendig, die Baugruppe in zwei Bereiche aufzuteilen, deren Grenze in etwa mit dem Übergangsgebiet des niedersächsischen zum hessischen Kulturraum übereinstimmt.

Der auch im Freilichtmuseum nördlich liegende Bereich wird Gebäude aus dem an Niedersachsen angrenzenden Raum auf­nehmen. Hier ist der Typ des niederdeutschen Hallenhauses in verschiedenen Formen vorzufinden. Als Siedlungstyp soll hier eine Reihensiedlung (Anlehnung an ein Straßendorf) verwirklicht werden.

Der südliche Dorfteil lehnt sich von der Gebäudestruktur an die in Oberhessen vorkommenden „Ernhäuser“ an. Bezüglich der Dorfgrundrisse wird hier das für diese Region typische oder weniger komplizierte Haufendorf dargestellt.

 

Baugruppe Fulda‑Haune‑Werra (G)

Diese Baugruppe betrachtet im wesentlichen Osthessen mit dem östlichen Vogelsberg, der hessischen Rhön und dem „Land­rücken“ als bestimmende Landschaften. Dabei ist die Wasser­kuppe in der Rhön mit einer Höhe von 950 m der höchste Punkt aller hessischen Bergländer. Eingebettet in das osthessische Bergland liegt das „Fuldaer Land“ als eine Art Kernlandschaft. Von hier aus wird auch seit dem Mittelalter in Form des Hochstifts Fulda die Kulturlandschaft mit einer unmittelbaren Einflußnahme auf die Siedlungstätigkeit und die Siedlungsformen geprägt.

Als ein Beispiel mag der Bereich der Kuppenrhön (Milseburg-Wasserkuppe‑Gersfeld mit der Steinwand) dienen, wo seit der Mitte des 18. Jahrhunderts das katholische Hochstift Fulda inmitten geschlossener Waldflächen landwirtschaftliche Höfe (Einzelhofanlagen) anlegte. Die Gründe hierfür sind neben einer territorialen „Festigung“ dieser Region gegenüber dem Bistum Würzburg auch „Sach­zwänge“, die sich aus dem Erbrecht (Anerbenrecht) ergeben. Nicht Erbberechtigte, die sich in dieser Zeit aufgrund der schlech­ten wirtschaftlichen Verhältnisse mit dem Gedanken der Aus­wanderung trugen, sollten im Land ansässig bleiben. Diese weit­flächige traditionsgebundene Besiedlung mit einer entsprechen­den Sozialstruktur hat sich bis heute erhalten. Damit steht heute die Stadt Fulda als geistliches und wirt­schaftliches Zentrum Osthessens den peripher gelegenen Mittel­gebirgslagen mit seiner von Landwirtschaft geprägten Wirt­schaftsstruktur konträr gegenüber.

Im Freilichtmuseum soll die für diese Mittelgebirgsregion typische Siedlungsstruktur der Einzelhöfe bzw. Weiler (ein loser Zusammenschluß von wenigen Hofanlagen) dargestellt werden. Dies kann nur in einer „verkleinerten“ Form verwirklicht werden, da die am Originalstandort um die Höfe gruppierten landwirt­schaftlichen Flächen den zur Verfügung stehenden Raum im Freilichtmuseum sprengen würde. Dennoch läßt sich mit dieser Konzeption ein realitätsnaher Eindruck der Ursprungsregion ver­mitteln.

 

Baugruppe Werkstätten (B)

Diese Baugruppe orientiert sich an keiner Region Hessens. Hier sind vielmehr unter der Überschrift „Werkstätten“ Hand­werksbetriebe räumlich zusammengefaßt. Damit soll dem Besucher die Möglichkeit gegeben werden, in konzentrierter Form einen Einblick in Handwerke unterschiedli­cher Ausprägung und aus verschiedenen Zeitepochen zu erhal­ten. Einige Handwerksbetriebe stellen sich in Originalgebäuden mit einer entsprechenden Originalausstattung dar, andere sind in Betriebsgebäuden des Freilichtmuseums untergebracht.

Die einzelnen Werkstätten sind entlang eines Weges angeord­net. Neben einer Schmiede, einer sich im Aufbau befindlichen Schreinerei und einer Zimmerhalle ist auf einem Freigelände eine Ziegelei sowie ein Schmeerofen eingerichtet. Darüber hinaus wird eine Halle für einen Steinmetz entstehen. Auffällig ist eine große Remise, in der z. Zt. landwirtschaftliches Gerät (Dresch­maschinen, Wagen, Eggen, Pflüge etc.) untergebracht sind. Diese Geräte sind hier zwischengelagert.

Die unmittelbare Anbindung an den museumseigenen Bauhof ermöglicht es zudem, daß die Besucher zu bestimmten Terminen im Rahmen von Vorführungen Handwerkern bei ihren Vorarbei­ten zu Wiedererrichtung von Gebäuden oder z. B. bei Restaurie­rungsmaßnahmen über die Schulter sehen können. Damit soll eine Brücke zwischen alten, heute in dieser Form nicht mehr praktizierten Handwerkstechniken und der aktuellen Tätigkeit der unterschiedlichen Gewerke im Freilichtmuseum hergestellt werden.

Damit ist eine wesentliche Brücke zum Selbstverständnis des Hessenparks geschlagen, ein lebendiges Museum zu sein. Vor­führungen alter Handwerke (z. B. in der Schmiede, der Seilerei, der Korbmacherei, der Töpferei, der Blaufärberei, der Landwirt­schaft etc.) sollen historische oder traditionelle Arbeitstechniken sowie den Umgang mit alten Werkstoffen und altem Gerät demonstrieren und soweit als möglich zum „Mitmachen“ ein­laden. Diese Vorführungen finden in den entsprechenden histori­schen Werkstätten oder in Vorführräumen statt. Dabei kommt ‑ wenn aus konservatorischer Seite nichts dagegen spricht ‑ altes Arbeitsgerät zum Einsatz, ansonsten Replikate. Selbstverständlich lassen sich die früheren Arbeits‑ und Lebensbedingungen der Handwerker, ihre langen Arbeitszeiten, die oftmals harte, lang­wierige und schmutzige Arbeit, die Auswirkungen auf die Gesundheit sowie die Rollenverteilung bei der Arbeit nicht ausschließlich durch Vorführungen vermitteln. Hier sei auf weitere schriftliche und mündliche Information des Museums verwiesen. In diesem Zusammenhang sind auch Projekte für Schulklassen zu sehen.

Veranstaltungen, die in das Museumskonzept passen, sind eine zweite Schiene, Besucher für den Hessenpark zu interessie­ren. Hierbei beschreiten wir zwei Wege:

Im eintrittspflichtigen Bereich des Freilichtmuseums finden nur diejenigen Veranstaltungen statt, die unmittelbar mit den eigent­lichen Museumsinhalten in Verbindung stehen. So ist beispielsweise der Töpfermarkt eine Plattform, bei der sich die hessische Töpferinnung mit ihren Betrieben und ihren Produkten präsentieren kann. Industriell gefertigte Massenware werden Sie hier vermissen. Vom Ansatz her vergleichbar sind auch vielfältige, auf tradi­tionelles Brauchtum begründete Veranstaltungen z. B. zu Ostern oder rund um das Erntefest.

 

Bis zum 1. März 2003 sollen sechs Wohn‑ und Geschäfts­häuser aus dem 17. Jahrhundert, die einst am Gießener Marktplatz standen, nachge­baut werden. Die Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört. Erhaltene Fotos und Zeichnungen ermögli­chen die originalgetreue Rekonstruktion, die sich allerdings nur auf die Fassade be­schränkt. Das Häuserensemble, 35 Meter breit und maximal 18,40 Meter hoch, schließt die letzte Baulücke auf dem viereckigen Museumsmarktplatz, der sich vor dem ein­trittspflichtigen Museumsteil befindet und das ganze Jahr über gratis zugänglich ist. Die so genannte Nordzeile soll ein Ho­tel mit 58 Betten in 33 Zimmern und Kon­ferenzräume für bis zu 150 Teilnehmer so­wie fünf Läden beherbergen. Für die Läden sind nach Angaben von Renz eine Goldschmiedin, eine Landhausmode‑Bou­tique, ein Geschäft für heimische Lebens­mittel, eine Kunstgewerbehandlung und ein Korbflechter vorgesehen. Rund sechs Millionen Euro zahlt das Land Hessen für das Projekt.

Mer als 300 Me­ter vom Eingang entfernt baut der Hessenpark das Taunushaus, das erste Ge­bäude der Region „Taunus / Wetterau Kin­zig“, auf. Wohnhaus, Scheune und Schwei­nestall des Ensembles, die aus Neu‑An­spach stammen und etwa 200 Jahre alt sind, sind schon im Rohbau zu sehen.

 

Eine etwas andere Zielsetzung verfolgt das Freilichtmuseum mit Veranstaltungen im eintrittsfreien Bereich des „Markt­platzes“. Mit dem A‑Capella‑Festival „Vocal‑Pur“ werden z. B. erfolg­reich Besucher angesprochen, die von vornherein nicht unbe­dingt den Hessenpark als Ausflugsziel gewählt hätten. Viele von ihnen nutzen dann aber doch die Gelegenheit, sich mit den Museumsinhalten auseinanderzusetzen. Im gleichen Zusammen­hang ist auch die Veranstaltung des DGB zum 1. Mai zu sehen. Somit übernehmen diese Veranstaltungen eine Mittlerfunktion, um neue Besuchergruppen für das Freilichtmuseum Hessenpark zu gewinnen.

Zum Festkalender der Saison, die am 3. November endet, zählen der Tag des Bie­res, die Maifeier des Deutschen Gewerk­schaftsbundes, der Deutsche Mühlentag sowie das Hopfenfest und Erntedank. Erst­mals lädt der Hessenpark zu einem Tanz in den Mai‑ ein. Ausstellungen, Vorführun­gen alter Handwerkskunst sowie allerlei Angebote zum Mitmachen ergänzen das Programm.

Das Freilichtmuseum Hessenpark ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise wurden nicht erhöht. Erwachsene zahlen vier Euro, Kinder 2,50 Euro. Kontakt und weitere Informationen unter der Telefonnummer 06081/5880.

 

 

Saalburg

Die Saalburg ist das einzige Römerkastell in Deutschland, das  wieder aufgebaut wurde (1898–1907). Von Anfang an war das wiederaufgebaute Römerkastell auf dem Taunuskamm bei Bad Homburg als Freilichtanlage und als archäologisches Museum gedacht, dessen ungeheurer Bestand der wissenschaftlichen Auswertung dient. Es gibt kaum ein anderes so vollständig ausgegrabenes Kastell mit so reichhaltigen Funden wie die Saalburg, die einen umfassenden Eindruck vom hiesigen Leben der Römer gibt.

Die Besucher machen unweigerlich eine Zeitreise in eine längst vergangene Epoche und gewinnen eindrucksvolle Einblicke in die damaligen Lebensverhältnisse. Die Saalburg war ein ganz normales römisches Kohortenkastell, wie es entlang des Obergermanisch-Raetischen Limes über 60 weitere Garnisonsorte gab. Sie liegt auf einem Taunussattel und bewacht einen natürlichen Gebirgspass. der das Rhein-Main-Gebiet mit dem Usinger Becken und Oberhessen verbindet.

Auf den antiken Fundamenten des einstigen Römerkastells entstand in den Jahren zwischen 1897 und 1907 die Rekonstruktion des Saalburg‑Kastells. Der Bad Homburger Architekt und Limesforscher Louis Jacobi konnte mit der Unterstützung des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., nach umfangreichen Ausgrabungen und Forschungen den Wiederaufbau vornehmen. Dabei orientierte er sich an den Bauformen antiker Vorbilder, so daß die heutige Anlage einen annähernd originalgetreuen Eindruck einer römischen Militäreinrichtung bietet (Abb. 14).

 

Seitdem ist die Saalburg römisches Freilichtmuseum mit einer überaus reichen archäologischen Sammlung und zugleich Forschungsinstitut, das sich im Laufe der Zeit ein überragendes Renommee im In‑ und Ausland erwarb. Fast elf Millionen Menschen haben das Römerkastell auf dein Taunuskamm zwischen Bad Homburg und Wehrheim seit dem Wiederaufbau besucht, alljährlich kommen weitere 200.000 Besucher dazu.

Gerade das Erleben, die bewußte Ansprache der Emotionen bei gleichzeitiger Vermittlung, daß das Ganze auf fundierter wissenschaftlicher Basis ruht, sind das Erfolgskonzept, das bei der Saalburg bis heute wirkt. Man nimmt es ihr ab, daß sie kein Phantasieprodukt eines „verrückten“ Kaisers ist, der Römer spielen wollte. Jeder Besucher erkennt in der Anlage und der Art, wie ihr wissenschaftlicher Inhalt allgemeinverständlich transportiert wird, eine seriöse Angelegenheit und das Bemühen, alle Besucher, historisch vorgebildet oder nicht, offen zu informieren und bei der Suche nach Wissen zur Antike ernst zu nehmen.

Die offene Konzeption von Louis Jacobi, Protagonist des Wiederaufbaus, die sich an breite Besucherschichten wandte und bewußt Emotionen weckte, um über dieses Vehikel die Besucher für römische Geschichte einzunehmen, rückte später zuweilen in den Hintergrund. Eine allzu akademische Sichtweise ließ das Kastell zeitweise zur privaten wissenschaftlichen „Spielwiese“ der Gelehrten werden. Amüsant lesen sich Berichte, wonach Saalburg‑Arbeiter das ganze Kastellgelände mit selbstgebundenen Reisigbesen kehren mußten, damit keine Maschinen die Authentizität des antiken Umfelds störten.

Was heute die Saalburg dem Besucher zu bieten vermag, spricht in erster Linie den Archäologen, den Geschichtsforscher und Kulturhistoriker an. Was man hier oder an anderer Stelle fand und barg, erhebt sich selten über das Niveau provinziellen Kunstgewerbes, bietet aber in seiner Gesamtheit einen interessanten Einblick in ein Zeitalter, dessen künstlerischer Ausdruck und Kultur nicht nur durch Marmorbildwerke und Mosaikfußböden seiner großen Zentren belegt werden muß.

Die Saalburg setzt als „archäologisches Experiment“ noch heute auf die 100 Jahre alte Mischung aus Erlebnis, Bildung und Erholung, für zigtausende Besucher jedes Jahr. Jetzt feiert die Saalburg ihr Jubiläum mit einem großen Römerfest am Wochenende und einer aufwendigen Sonderschau.

Im Jahre 2011 war fetzustellen, daß die das ganze Kastell mit einem häßliche Metallzaun umgeben ist, so daß man die Bauten vor dem Kastelleingang und auch die Außenmauer nur erreichen kann, wenn man Eintritt bezahlt hat. Dafür sind aber im Vorfeld zwei neue Wohnhäuser rekonstruiert worden

 

 

Geschichte der Saalburg

Schon in vorchristlicher Zeit begannen die Berührungen der germanischen und keltischen Bewohner unserer Heimat mit der Kultur und Zivilisation des römischen Weltreiches. Zweimal, 55 und 53 vCh hatten Caesars Truppen den Rhein überschritten und die Eroberungen späterer Jahrzehnte eingeleitet. Es waren Eroberungen, denen ein jähes vorläufiges Ende gesetzt wurde, als im Regen der Urwälder des Weserberglandes die Legionäre des Quintilius Varus dem germanischen Ansturm erlagen, um den blauen Himmel des Südens nie wiederzusehen. Ins Zeitalter späteren Vordringens fallen Entstehung und Ausbau des Limes und der Kastelle, von denen eines, die Saalburg, heute wiedererstanden ist.

 

 

Die Wetterau, eine fruchtbare Ebene nördlich von Frankfurt stellte in allen Zeiten ein Einfallstor für Kriegszüge dar, die vom mittleren Rhein in das Innere Deutschlands oder in umgekehrte Richtung erfolgten. Seit der Regierung Kaiser Vespasians (69-79 nCh) befand sich dieses Gebiet unter römischem Einfluß. So brach auch das Heer, das Kaiser Domitian zum Chattenkrieg 83 nCh zusammengezogen hatte, aus der großen römischen Militärbasis Mainz auf, um durch die Wetterau gegen die Chatten zu ziehen. Zwei Jahre später war die Ebene endgültig in römischer Hand.

Zur Sicherung der Vormarschwege legten die Römer als Flankendeckung im Taunus einen Postenweg an, der von Holztürmen überwacht wurde. Zu dieser ältesten Limesanlage gehörten wohl auch die zwei Schanzen A und B vor dem Osttor der Saalburg, die ältesten Bauten im Bereich des Saalburgkastells. Bald darauf, um 90 nCh, entstand das kleine Holzkastell (etwa 80 mal 84 Meter). Es liegt heute unter dem späteren größeren Kastell und wurde bei dessen Anlage eingeebnet. Den Namen der Truppeneinheit von etwa 120-150 Mann stärke, die darin lag, kennen wir nicht.

Zwischen 125 und 139 nCh, wahrscheinlich um 135 unter Kaiser Hadrian (117-138) wurde die 2. Raeterkohorte auf die Saalburg verlegt. Sie war ursprünglich in der Provinz Raetien ausgehoben worden. Später sind die Ersatzmannschaften hauptsächlich aus der Provinz Obergermanien gekommen. Die Einheit war 500 Mann stark und verblieb bis zum Ende des Limes auf der Saalburg.

Diese Cohors II Raetorum civium Romanorum errichtete das größere Kohorten­kastell, das etwa 147 mal 221 Meter maß (500 mal 750 römische Fuß). Es wurde im Lauf der Zeit mehrmals umgebaut. Die älteste Umwehrung, die wir sicher kennen, war eine Mauer aus festem Stein-Holz-Verband. Später, wohl in der zweiten Hälfte de 2. Jahrhunderts, wurde die Stein-Holz-Mauer durch eine Mörtelmauer ersetzt, hinter der sich ein Erddamm befand. Diese Mauer hat man beim Wiederaufbau des Kastells um die Jahrhundertwende vollständig rekonstruiert.

Ähnlich wie die Umwehrung mußten auch die Innenbauten mehrmals erneuert werden. Sie bestanden anfangs alle aus Holz (Fachwerk), sind aber später teilweise in Steinbauweise ausgeführt worden. Die Erneuerungen waren zum Teil notwendig, weil das Kastell bei Germaneneinfällen beschädigt oder zerstört worden war. Erste Zerstörungen hat es anscheinend schon in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts gegeben. Besonders katastrophal muß im 3. Jahrhundert der Angriff der Alemannen im Jahre 233 gewesen sein. Das Kastelldorf, das im friedlicheren 2. Jahrhundert neben der Saalburg, entstanden war, ist danach offenbar nicht wieder aufgebaut worden. In der Mitte des 3. Jahrhunderts, spätestens 260, wurde nach weiteren Germaneneinfällen mit dem Limes auch die Saalburg aufgegeben.

 

Wiederaufbau:

Anderthalb Jahrtausende konnten vergehen, ohne daß die zerfallenen Mauerreste des Kastells am Rande der alten Römerstraße durch den Taunus größere und allgemeine Beachtung gefunden hätten. Dem Zeitalter der Romantik blieb es vorbehalten, sich der erregenden Tatsache zu erinnern, daß vor langen Jahrhunderten ins Erdreich versunkene Bauten hier eine Stelle bezeichneten, die mehr als einen willkommenen und bequemen Steinbruch bedeutete, von der man genaue Kenntnis hatte oder erlangen konnte, daß hier ein Stützpunkt an der Grenze des römischen Imperiums gewesen war.

Es waren ja nicht vage Vermutungen, hier müsse mit gewisser Sicherheit ein römisches Kastell gewesen sein; nein, es standen noch die tiefen, mit Schutt und Erde gefüllten Ziehbrunnen, aus denen römische Soldaten das Wasser geschöpft hatten. Gräben, Mauern und Tore waren in ihrer Anlage noch genau zu erkennen. Und die Grabungen förderten in unübersehbaren Mengen Dokumente damaligen Lebens zutage.

Nach der Zerstörung verfiel die Saalburg weiter und diente zuletzt im 18. und frühen 19. Jahrhundert als Steinbruch. Erst als sich Wilhelm Habel, August von Cohausen und der Bad Homburger Architekt Louis Jacobi mit den römischen Resten beschäftigten, wurde der antike Fundplatz dem Vergessen entrissen. Ausgrabungen entdeckten immer wieder wichtige römische Fundstücke, und die noch immer eindrucksvollen Kastellreste ließen den Wunsch reifen, die Anlage auf ihren Grundmauern zu rekonstruieren.

 

Im August 1878 besucht der spätere Kaiser Wilhelm II. als 19-Jähriger zusammen mit seinen Geschwistern und seiner Mutter eine Grabung. Die Familie weilt zu einem Kuraufenthalt in Bad Homburg, und selbstverständlich machen die blaublütigen Herrschaften bei der Feldforschung eine spannende Entdeckung. Zusammen mit den Archäologen stößt Wilhelm in einem ehemaligen römischen Keller nicht nur auf feines Geschirr aus Ton, sondern auch auf verschiedene Metallteile und drei Münzen.

Am 18. Oktober 1897 verkündete Kaiser Wilhelm II. seinen Entschluß, „die weitere Wiederherstellung der Saalburg selbst in Angriff zu nehmen“. Beim Bankett am 18. Oktober 1897 im Stadtschloß Wiesbaden ließ er die allerhöchsten Beschlüsse folgen: Die Saalburg wird wieder aufgebaut. Wilhelm II. hatte schon als Kind die Saalburg kennengelernt und sich für die Ausgrabungen August von Cohausens und dessen Assistenten Louis Jacobi begeistert Dann beauftragte er  den Bad Homburger Baumeister und Forscher Louis Jacobi, das Römerkastell auf den antiken Grundmauern wiederaufzubauen. Der deutsche Kaiser verband mit den Ruinen nicht nur Kindheitserinnerungen, sondern auch einen imperialen Anspruch: Mit Pomp und Gloria wollte er sich in eine Linie mit den römischen Cäsaren stellen.

Klar standen für Wilhelm II. neben wissenschaftlichem Interesse politische Absichten hinter dem Entschluß, die Saalburg wiederaufzubauen. Schließlich sollte die Rekonstruktion eines so herausragenden Denkmals dokumentieren, daß die Hohenzollern auch ideell mit dem Taunus etwas anfangen konnten, der ihnen 1866 zugefallen war. Sie fühlten sich ja auch offensichtlich hier ganz wohl, nicht umsonst kamen alle Preußenkaiser mit ihren Familien gerne nach Bad Homburg und bezogen Logis im Schloß. Die Kaisermutter nahm sogar ihren Witwensitz in Kronberg. Zwei Jahrzehnte später ist sein Kaiserreich zumindest genauso untergegangen wie das antike Vorbild. Die Saalburg aber hat überlebt.

Der Kaiser verbringt im Laufe seines Lebens noch zahlreiche Kuren in Bad Homburg, und auch sein Interesse an den Ausgrabungen rund um die Saalburg hat Bestand. Am 18. Oktober 1897 erlässt er offiziell den Beschluss, das Kastell zu rekonstruieren. Bis die dafür notwendigen Vorarbeiten erledigt und die entsprechenden Gelder bereitgestellt sind, dauert es volle drei Jahre.

 

Die Grundsteinlegung im Jahr 1900 geriet zu einem aufwendig inszenierten Spektakel, das der ganzen Welt die wissenschaftlichen und politischen Absichten vor Augen führte. Am 11. Oktober 1900 kann dann vor den Toren von Bad Homburg endlich ein ganz besonderes Spektakel stattfinden. Pünktlich um elf Uhr fährt die königliche Familie vor. Der deutsche Kaiser, der sich als Nachfahre der römischen Imperatoren versteht, legt den Grundstein für den Wiederaufbau der Saalburg vor einer beeindruckenden, eigens errichteten Kulisse. Statisten spielen römische Feldherren und germanische Fürsten. Die Feier ist ein Musterbeispiel der historischen Inszenierung, die der Medienkaiser Wilhelm II. so liebt. Gestaltet wird sie von Louis Jacobi, der die Baumaßnahme leiten wird, und Georg Graf von Hülsen-Haeseler. dem Intendanten des Wiesbadener Hoftheaters.

Natürlich stellte sich der Kaiser dabei in die Nachfolge der römischen Cäsaren. Preußisch‑deutsche Großmannssucht wurde mit dem Imperium Romanum in eine Linie gebracht ‑ freilich mit dem Manko, daß sich gerade das „Deutsche“ auf der Saalburg gar nicht so sehr manifestieren konnte. Denn der „Überlegenheit des Germanentums“, des Deutschtums, gedachte man an einer Stelle, an der gerade die Antike und deren zivilisatorische Leistungen jedem Besucher in aller Deutlichkeit vor Augen traten. Deshalb wirkten die Theatergermanen beim Festakt der Grundsteinlegung auch so unwirklich.

Sieben Jahre später wird die rekonstruierte Saalburg eröffnet, nicht ganz dem historischen Vorbild entsprechend. Der relativ enge Abstand der Zinnen auf der vorderen Kastellmauer beruht eher auf mittelalterlichen Vorbildern, entspricht aber einem persönlichen Wunsch des Kaisers. „Interessant ist, dass Jacobi die richtigen, breiteren Zinnenabstände schon errichtet hatte und der Kaiser sagte, dass ihm das nicht gefällt“, bemerkt Egon Schallmayer, der neben seiner Aufgabe als oberster Archäologe Hessens auch Direktor des Römerkastells Saalburg ist. Auf der Rückseite des rekonstruierten Kastells sind die originalgetreuen Abstände zu sehen. Der Kaiser höchstpersönlich hat die Rekonstruktion der Saalburg strikt überwacht, ergänzt Schallmayer: „Er hat alle Pläne vorgelegt bekommen und hat immer sein ‚Einverstanden‘ darauf vermerkt!“ Auch die Außenmauern aus Bruchstein entsprechen vermutlich eher dem Geschmack der wilhelminischen Zeit. Römische Gebäude waren in der Regel weiß verputzt und hatten einen roten Fugenstrich, zu sehen an einem Mauerstück in der Nähe des Haupttores der Saalburg. Aber das sind Ungenauigkeiten, die das Erlebnis Antike keineswegs schmälern.

Vor dem majestätischen Haupttor begrüßt eine Statue des Kaisers Antoninus Pius (138-161) die Besucher. Die Inschriften, die Kaiser Wilhelm II. anlässlich der Rekonstruktion anbringen ließ, machen klar, warum er sich so für die römische Geschichte und den Limes interessierte. „Ganz im Stile der Römer, so hätte Trajan auch geschrieben“, urteilt Schallmayer. „Unten steht: Er, Wilhelm, weiht die Saalburg Antoninus Pius, und zwar auf gleicher Augenhöhe. Der Imperator Germanorum dem Imperator Romanorum. Die Hohenzollern hatten ja das Problem, dass sie keine Tradition im Kaiseramt hatten. Deshalb haben sie versucht, an diese alten Kaisertraditionen anzuknüpfen.“

Wurde auch die Anregung erst an ihn herangetragen, gebührt dennoch dem letzten deutschen Kaiser, Wilhelm II., ein großes Verdienst unter denjenigen, die den Wiederaufbau der Saalburg förderten und dessen Vollendung bald nach der Wende zu unserem Jahrhundert erleben konnten. Seine im Kastell errichtete lebensgroße Büste zeigt den Stil einer kaum vergangenen, nun auch schon abgeschlossenen und historisch gewordenen Epoche.

Wissenschaftlich kam aber neben allem Pomp eine Sache in Bewegung, die noch heute durch ihre moderne Konzeption beeindruckt: gründliche archäologische Forschung, sorgfältiges Studium bauhistorischer Gegebenheiten, die in die Rekonstruktion einflossen, Erschließen eines Erholungsgeländes auf den Taunushöhen. Es war der „Archäologische Park Saalburg“, der durch Wilhelm II. entstand. Bildung und Erholung, Relaxen an historischer Stelle mit dem freibleibenden Angebot, die kulturellen Einzelheiten aufzunehmen ‑ auf einmal, in Teilschritten bei mehreren Besuchen oder immer wieder, wenn einem der Sinn danach stand, ein Stück Antike im Taunus zu erleben.

 

Erste Kastellanlagen:

In den achtziger Jahren des ersten nachchristlichen Jahrhunderts ließ Kaiser Domitian (80‑96 nCh) im Krieg gegen die germanischen Chatten die beiden ersten Befestigungsanlagen auf der Paßhöhe des Taunusgebirges anlegen ließ, um den wichtigen Fernverkehrsweg vom Rhein‑ Main-Gebiet ins Usinger Land zu schützen.

Es handelte sich um kleine Erdschanzen, in der sich Backöfen und ein Brunnen befinden. Ar­chäologische Hinweise auf Gebäude sind in der Anlage nicht entdeckt worden. Die Forscher vermuten deshalb, dass es sich bei der sogenannten Schanze A, deren Umrisse sich heute noch östlich des wiederaufgebauten Saalburg‑Kastells im Wald zu erkennen geben, um ein nur kurzfristig besetztes Zeltlager gehandelt hat, das eine Truppe in der Stärke einer Centurie (80‑100 Mann) aufgenommen hat. Die in zehn Lederzelten um das größere Zelt des Kommandanten (centurio) in der Lagermitte untergebrachten Soldaten, die auch ihre Last‑ und Reittiere innerhalb des kleinen Kastells bei sich hatten, sollten den Paßübergang bewachen und damit die Flanke der im Maintal vorrückenden geschlosenen Verbände sichern.

In der nahe gelegenen Schanze B gab es hingegen eine hölzerne Mannschaftsbaracke in U-Form. Sie dürften kaum mehr als jeweils 40 bis 80 Mann Unterkunft geboten haben. DieAnlalgen entstanden, als die älteste Limesstrecke auf den Taunushöhen als Schneisen in die germanischen Wälder angelegt wurde, um dem Guerilla‑Kampf der Germanen zu begegnen. Überfälle der germanischen Krieger auf römische Marschkolonnen waren nun nicht mehr möglich, und es gelang den Römern, Feindesland unter Kontrolle zu bringen.

 

Es entsprach der Bedeutung des Saalburg‑Sattels, daß um 90 nCh die Errichtung eines Kleinkastells aus Holz und Erde erfolgte, das „Saalburg‑Erdkastell“, weil seine Umwehrung an der Vorderseite aus einem mit Holz verstärkten Erdwall errichtet worden war. Im Zentrum des Kastells befand sich das Stabsgebäude (principia), dahinter das Wohnhaus (praetorium) des Kommandanten (praepositus numen). Die Mannschaften waren in vier Baracken (centuriae) untergebracht. Zum Kastell gehörte ein in Stein erbautes Badegebäude vor dem Nordtor des Kastells. Die Toranlage selbst war auf den Limes hin ausgerichtet, der ja in dieser Zeit zunehmend die vertraute Gestalt annahm: Patrouillenweg mit Holzwachtürmen und seit 122 nCh eine davor errichtete hölzerne Palisade als Grenzmarkierung. Das Numeruskastell auf dem Saalburgpaß bestand bis um das Jahr 135 nCh, wie dies die Fundmünzen erkennen lassen.

 Mit 0,7 Hektar Innenfläche beherbergte es die Mannschaftsstärke eines Numerus, also etwa 160 Mann (Numeruskastell). Einige Funde deuten an, daß es sich um sogenannte „Brittonen“ gehandelt hat, die in Britannien, dem heutigen England, ausgehoben und an den germanischen Limes verlegt worden waren. Das Numeruskastell bestand gut 40 Jahre, dann wurde es niedergelegt und über die Kastellgräben einplaniert. In der archäologischen Forschung ist dies von besonderer Bedeutung, denn die Funde, die beim Planieren in die Gräben geraten sind, lassen sich genau in die Existenzdauer des Kastells von etwa 90 bis 135/139 nCh datieren. Damit können Vergleichsfunde an anderen Orten zeitlich exakt bestimmt werden.

 

Kastell Saalburg:

Über dem einplanierten Numeruskastell entstand nun unter Kaiser Hadrian ab 130 nCh eine viereinhalbmal größere Anlage (221 mal 147 Meter), das „Kohortenkastell“. Eine Weiheinschrift aus dem Jahr 139 berichtet von der Erweiterung des Lagers auf seine endgültige Fläche von 3,25 Hektar und von der dort stationierten, teilweise berittenen 2. Kohorte Raetorum. Für die etwa 500 Soldaten starke Einheit allein ist das Kastell aber zu groß. Wahrscheinlich bleibt nach dem Ausbau auch der britannische Numerus. für die Cohors II Raetorum Civium Romanorum, eine Truppe von500 Mann.  Zunächst erhielt das neue Kastell rundum eine Befestigung aus Holz und Erde.  Diese wurde vermutlich erst ab Mitte des 2. Jahrhunderts durch eine Steinmauer ersetzt. Im Inneren hatte man an sie eine Rampe angeschüttet, die es den Soldaten ermöglichte, bei einem Angriff schnell auf den Wehrgang zu gelangen und die Angreifer abzuwehren.

Türme flankieren die vier Tore, die jeweils in der Mitte jeder Seite liegen. Durch sie hindurch verlaufen die beiden Hauptwege des Lagers. An ihrem Schnittpunkt im Zentrum liegen das Stabsgebäude (principia) mit einer beeindrukenden Grundfläche von knapp 2400 Quadratmetern und das Wohnhausdes Lagerkommandanten (praetorium), in dem sich heute unter anderem das Büro von Egon Schallmayer befindet. Beide Gebäude sind in der Spätphase in Stein gebaut worden und so auch rekonstruiert, Gleiches gilt für den Speicherbau (horreum). Aus Holz wurden zwei Mannschaftsbaracken (centuriae) nachgebaut.   

Im Innern des Kastells entstanden nun weitere Steinbauten. So etwa das im Zentrum gelegene Stabsgebäude (principia), die Getreidespeicher (horrea) und das Kommandantenwohnhaus (praetorium). Hier wohnte der praefectus cohortis, der Truppenchef, der von Hause aus römischer Ritter war. Sonstige Gebäude, vor allem die Mannschaftsunterkünfte, dürften zumeist Holz‑Fachwerkbauten auf Steinsockeln gewesen sein.

Heute erscheint den Besuchern der Saalburg das Areal relativ leer, doch zur Römerzeit war das Kastell großflächig bebaut. Und noch ein anderer, ganz natürlich scheinender Eindruck täuscht gewaltig. Die Saalburg liegt heute idyllisch mitten im Wald, wie überhaupt der ganze Taunus überwiegend bewaldet ist. Doch Egon Schallmayer berichtet von dem Raubbau, den die Römer an der Natur begingen: „Eine ökologische Katastrophe. Eichenholz gab es schon bald nicht mehr. Das haben die Römer sofort für Baumaßnahmen gebraucht. Das andere Holz wurde verheizt. Der Taunus war deshalb weitgehend unbewaldet, bestenfalls verbuscht.“ Was für die Römer durchaus vorteilhaft war, denn dadurch sei der Ausblick gut gewesen, so Schallmayer. „Den Römern war es natürlich auch wichtig, gesehen zu werden. Wenn die Germanen aus dem Tal hinaufsahen, erblickten sie das weiß verputzte Kastell hier oben. Dazu behinderten Palisade oder Wall und Graben den Weg. Da kommt man nicht rüber. Überall stehen Wachttürme. Das war eine Demonstration der römischen Macht.“

Auf dem Gelände der Saalburg wurde eine ganze Batterie Backöfen nebeneinander gefunden, die aus einer späteren Phase des Kastells stammen und belegen, dass die Backwaren für die Soldaten wie am Fließband produziert wurden. In den Mannschaftsbaracken gab es aber gleichzeitig Herdstellen, an denen sie sich selbst versorgen konnten und mussten.

 

Lagerdorf:

Außerhalb des Kastells entstand vor dem nun nach Süden hin orientierten Haupttor (porta praetoria) eine große Badeanlage mit angefügtem Hotel (mansio). Das Lagerdorf entwickelte sich entlang der Ausfallstraßen. Eine vom Haupttor aus durch die Siedlung führende Straße verband die Saalburg mit dem Verwaltungsmittelpunkt Nida/Heddernheim. An beiden Seiten standen die charakteristischen langrechteckigen Streifenhausparzellen, eine Bebauung, die sich wie die Reihenhäuser der Antike ausnimmt. Von den Häusern von zeugen noch die Kellerbauten. Das sich schon in Zeiten des Numeruskastells etablierende Lagerdorf, in dem die Familienangehörigen der Soldaten, Händler, Handwerker, Gastwirte und Tagelöhner wohnten, erhielt durch den Zuzug weiterer Bevölkerung eine noch größere Ausdehnung.

Die zivile Siedlung erstreckte sich aber über einen weitaus größeren Bereich. So stößt man bei einem Spaziergang durch den Wald unweigerlich auf romantisch gelegene römische Ruinen. Dort finden sich auch die Grundmauern des für jede römische Siedlung unverzichtbaren Badegebäudes, für dessen Benutzung die Bewohner der Zivilsiedlung Eintritt zahlen mussten, für die Soldaten war der Badebesuch gratis.

Im Lagerdorf konnten die Soldaten einkaufen und eine Kneipe besuchen. Dort haben auch die Familienangehörigen gewohnt. Man muss es sich wohl vorstellen wie bei jedem modernen Truppenstandort: Das Militär bringt viel Geld mit sich. den Lohn der Soldaten, von dem das Wohlergehen der benachbarten Zivilbevölkerung abhängt. „Ein Kastell war so etwas wie eine Landeszentralbank“, so Egon Schallmayer, „die Soldaten bekommen dort ihren Sold, schwärmen aus und verteilen es. So kommt das Geld in die Provinz.“

Am südlichen Rand der Siedlung lagen die kultischen Einrichtungen wie Tempel und heilige Bezirke, an die wiederum das ausgedehnte Gräberfeld von Kastell und Lagerdorf angrenzte.

Ein Stück weiter, außerhalb des Siedlungsbereichs, lagen an der gleichen Straße die Gräber. Meist handelte es sich um Brandgräber, da die Römer ihre Toten auf Scheiterhaufen verbrannten. Weitere Gebiete waren Tempeln und anderen kultischen Bauten vorbehalten. Insgesamt ergibt sich so das Bild einer römischen Ansiedlung, die mindestens 1500 bis 2000 Einwohner umfaßt haben mag. Kastell und Lagerdorf haben bis zum Fall des Limes um das Jahr 260 bestanden. Dann stürmten die Alemannen, ein germanischer Stammesverbund, den obergermanischen Limes, eroberten die Kastelle und zerstörten sie.

Etwas abseits der Saalburg, unmittelbar hinter der Palisade, lag ein Kontrollposten direkt am Grenzdurchgang. Nur diejenigen durften passieren, die die Römer in ihr Reich lassen wollten. „Es ist kurios“, wundert sich auch der Experte Schallmayer über die Praktiken am Limes, „Stämme wie die Vandalen oder die Goten haben eigentlich immer erst an der Grenze gestanden, angeklopft und gefragt: Dürfen wir rein? Entweder war es opportun. dann haben die Römer sie hereingelassen. Wenn nicht, dann mussten sie draußen bleiben. Erst dann ging es los, und die Stämme versuchten, sich gewaltsam Eintritt zu verschaffen.“

 

Die Erforschung des Kastells:

Nach dem Ende der römischen Besetzung verfiel das Kastell und wurde vom Wald überwachsen. Während die Erinnerung an den Pfahlgraben lebendig blieb und er auch noch späterhin Landes- und Gcmarkungsgrenzen bildete, geriet das Römerlager selbst in völlige Vergessenheit. Wir kennen nicht einmal den alten römischen Namen, denn der Name Saalburg ist verhältnismäßig jung und erst seit 1604 nachweisbar. Leider veranlaßt er manche Besucher zu einem unzutreffendem Vergleich mit mittelalterlichen Burgen.

Im Mittelalter diente das Kastell als bequemer Steinbruch für die ganze Umgegend. Erst als beim Steineholen 1723 der heute im Fahnenheiligtum des Mittelgebäudes ausgestellte Caracalla-Stein zutage kam, wurde man aufmerksam. Obgleich bereits 1747 der Hessen-Homburg­ische Regierungsrat Elias Neuhof auf die Bedeutung der Saalburg als einer „römischen Schanze“ hingewiesen hatte, wurde dem Steinabbrechen erst 1818 durch den Erlaß des Landgrafen Friedrich V. Ludwig von Homburg Einhalt geboten. Im Jahre 1821 kaufte Landgraf Friedrich VI. Josef den Walddistrikt, in dem die Saalburg liegt. Größere Untersuchungen erfolgten 1853-1862 durch den Archivar F. G. Habel aus Schierstein, z. T. aus Einnahmen der Hlomburger Spielbank. Seit dem Jahre 1870 wurden die Forschungen systematisch und mit staatlichen Mitteln durch den Obersten A. v. Cohausen aus Wiesbaden und den späteren Geh. Baurat Prof. Louis Jacobi aus Bad Homburg weitergeführt. Nach v. Cohausens Tod (1894) leitete Jacobi die Ausgrabungsarbeiten und das von ihm 1873 im Homburger Kurhaus gegründete Saalburgmuseum allein.

Nach dem Wiederaufbau des Kastells hat Jacobi 1910 das Museum auf die Saalburg überführt. Alos Louis Jacobi 1910 starb, ging die Leitung auf seinen Sohn und Mitarbeiter über, den Baurat  Dr.Ing.h.c. Heinrich Jacobi ( gestorben 3.3.1946).

 

Das  Kastell ist damals vollständig ausgegraben worden, ebenso seine unmittelbare Umgebung. Die Ergebnisse stellen eine bedeutende wissenschaftliche Leistung dar. Doch konnte die Untersuchung selbstverständlich nur mit den seinerzeit bekannten archäologischen Methoden erfolgen. Manche Fragen hätten sich beim Einsatz der heutigen weiter entwickelten  Ausgrabungstechnik besser klären lassen. Insbesondere begann man um die Jahrhundertwende gerade zu lernen, wie die Spuren von Holzbauten auszugraben sind. Von ihnen, die innerhalb der Saalburg häufig ghewesen sein müssen, wissen wir daher zu wenig: sie sind infolgedessen nicht rekonstruiert worden

 

Der Wiederaufbau

In den Jahren 1898-1907 entstanden die wiederaufgebauten Teile des Saalburgkastells. Der Wiederaufbau ließ sich nur dadurch verwirklichen, daßProfessor Louis Jacobi den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. dafür zu gewinnen verstand. Auf dessen Anregung hin wurde über dem Haupttor anstelle der römischen Bauinschrift eine Inschrift in Bronzebuchstaben gebracht, die besagt, daß Kaiser Wilhelm II. das Kastell Saalburg zum Andenken an seine Eltern wieder aufbauen ließ. In ähnlichem Sinn wurde  die Bronzestatue des römischen Kaisers Antoninus Pius mit der Sockelinschrift vor dem Haupttor aufgestellt. Sie ist von dem Berliner Bildhauer Götz antiken Panzerstatuen nachgebildet worden. Weitere Mittel sind von zahlreichen Privatleuten, auch von amerikanischen Stiftern und vom preußischen Staat zur Verfügung gestellt worden.

Alle Bauten stehen über den alten römischen Grundmauern. Allerdings sind nur solche Gebäude wieder entstanden, die ein steinernes Fundament besaßen. Eine Ausnahme bilden nur die beiden Mannschaftsbaracken hinter dem Horreum, die Rekonstruktionen nach Ausgrabungsergebnissen in anderen Kastellen darstellen; sie stehen also nicht über antiken Fundamenten. Wie schon gesagt, war es damals noch kaum möglich, die Spuren von Holzbauten im Boden zu erkennen. Mit solchen Bauten war aber das Kastell dicht gefüllt, mit Mannschaftsbaracken, Schuppen für Gerät, mit Ställen und Werkstätten. Das antike Kastell bot also nicht jenen parkartigen Anblick innerhalb seiner Mauern, den der heutige Besucher vorfindet. Man hat seinerzeit die Rekonstruktion mit aller wissenschaftlicher Sorgfalt ausgeführt. Die Nachrichten antiker Autoren wurden ebenso verwertet wie Ausgrabungsergebnisse in anderen Kastellen.

 

Um sichere Unterlagen für den Wiederaufbau zu gewinnen, hat H. Jacobi Forschungs-Reisen unternommen, die ihn bis nach Nordafrika führten, wo römische Wehrbauten heute noch recht gut erhalten aufrecht stehen (zum Beispiel das Legionslager Lambaesis). Die rekonstruierten Saalburghauten zeigen daher den Forschungsstand, der uni 1900 erreicht war. Inzwischen ist die Wissenschaft weiter fortigeschritten. Manches würde man heute anders bauen, aber auch dann ohne die letzte Gewißheit, daß alles dem antiken Zustand entspricht. Von den oberirdischen Teilen römischer militärischer Holzbauten ist beispielsweise so gut wie nichts erhalten geblieben, so daß man in dieser Hinsicht grundsätzlich auf Vermutungen angewiesen bleibt. Die wichtigsten Änderungen, die man nach den heutigen Kenntnissen an den Saalhurghauten vorschlagen müßte, sind folgende: Sämtliche Bauten waren verputzt. Der Verputz war entweder weiß und glatt oder er trug in manchen Fällen, besonders bei den Wehrrmauern, eine rot aufgemalte Scheinquaderung. Die Zinnenabsthinde der Wehrmauer sind zu eng. Rechts des Nordtores ist ein Teilstück der Wehrmauer mit dem richtigen Zinnenabstand zu sehen: es vermittelt dem Besucher ein zutreffendcs Bild vorn Aussehen der römischen Kastellmauer. Der zweite offene Hof im Mittelgebäude vor dem Fahnenheiligtum war in Wirklichkeit eine gedeckte Halle. Andere Abweichungen von der antiken Bauweise sind von der Notwendigkeit bestimmt, die heutigen Bauten als Museum zu nutzen. Die Saalburg gibt dennoch, so wie sie steht, einen zutreffenden allgemeinen Eindruck von der Form und der Größe der Wehranlagen und der wiedererrichteten Innenhautcn. Zur Ergänzung findet der Besucher ein Modell der Saalhurg in der Museumsaussteloung, bei dem sämtliche Innenbauten dargestellt sind

 

Die Besatzung des Saalburg-Kastells

Mehrere Inschriften, die in der Saalburg gefunden worden sind, nennen als Besatzung die 2. Raeterkohorte (Steininschriften im Fahnenheiligtum. ausgestellt, Ziegelstempel im ehemaligen Hlorreum). Die Kohorte war etwa 500 Mann stark. Sie gehörte zu den teilweise berittenen Kohorte  (Cohortes equitatae). Ihr Chef war ein Offizier aus dem römischen Ritteradel im Rang eines Praefectus. Zwei Präfekten der 2. Raeterkohorte kennen wir namentlich, nämlich C. Mogillonius Priscianus und L. Sextius Victor (Inschriften im Fahnenheiligtum).

Die Kohorte war in sechs Infanterie- und vier Kavalleriezüge gegliedert, wobei der Infanteriezug (Centuria) ungefähr 80 Mann, der Kavalleriezug (Turma) etwa 30 Mann umfaßte. Bei der Centurie hieß der Chef „Centurio“, während der Führer der Turma „Decurio“ genannt wurde. Jede Centurie besaß im Kastell eine langgestreckte Mannschaftsbaracke. Zwei solcher Baracken sind in der Saalburg wieder aufgebaut worden (hinter dem Horreum). Die Mannschaften wohnten einer Reihe gleichgroßer Räume darin und bildeten Stubengemeinschaften (Contu­bernia). Der Centurio bewohnte eine größere Raumflucht an einem Ende der Baracke, die er aber mit seinem Stellvertreter (Optio) und zwei weiteren Unteroffizieren (Signifer, Tesserarius) teilte. Es gab nicht nur einfache Soldaten, sondern auch Gefreite (Immunes), die im Rahmen des Dienstes Spezialaufgaben hatten, meist als Handwerker, aber auch als Schreiber oder Musiker.

Ähnlich waren die Reiter untergebracht. Ihre Unteroffiziere wurden „Duplicarius“ und „Ses­qui­plicarius“ genannt. Die Pferde standen in langen Ställen innerhalb des Kastells. So straff wie die Einteilung der Kohorte war auch ihr Dienst eingerichtet. Nach antiken Berichten, Aktenstücken und Inschriften dürfen wir uns den Tageslauf etwa folgendermaßen vorstellen: Die Truppe wurde ungefähr zur Zeit des Sonnenaufgangs durch ein Hornsignal geweckt. Die Unterführer ließen die Leute zum Dienst heraustreten und eilten dann zur Morgenmeldung in das Mittelgebäude (Principia). Der Praefectus oder sein Stellvertreter, der Offizier vom Dienst, nahm die Meldung entgegen und gab sie einem Schreiber zu Protokoll, verlas den Tagesbefehl mit Losungswort, gab Abkommandierungen bekannt und teilte die Tagwachen ein. Der Vormittag war Waffen- und Gefechtsübungen vorbehalten, an denen jedoch nur ein Teil der Soldaten teilnehmen konnte, weil durch Wachen, Außendienst und die Arbeit in den Werk­stätten viele der lange dienenden Berufssoldaten schon beschäftigt waren. Ebenso wurde die Mittagszeit durch ein Hornsignal bezeichnet. Der Nachmittag galt für die wachtfreien Soldaten als Freizeit, doch benötigten sie die Zeit auch zum Bereiten des Essens, das jede Stubengemeinschaft für sich kochen mußte, sowie zum Instandhalten der Ausrüstung. Nachmittags stand das große Badegebäude außerhalb des Kastells der Benutzung offen. Die Hauptmahlzeit des Tages war abends. Nach Einbruch der Dunkelheit gab ein Hornsignal den Zapfenstreich an, ebenso kündigten Signale Anfang und Ende der vier Nachtwachen an. Jede Wache wurde schriftlich zu Protokoll genommen, auch über sonstige Vorgänge gab es einen ausgedehnten Schriftverkehr.

Den Dienst unterbrachen zahlreiche Feiertage zu Ehren der Götter und des Kaiserhauses; außerdem stand den Soldaten Urlaub zu. Der jährliche Sold wurde in drei Raten gezahlt und betrug etwa 250 Silberstücke (Denare, siehe Münzausstellung im Horreum) für den einfachen Soldaten, er war auch für damalige Verhältnisse gering.

Rundgang durch das Kastell

 

Wehrmauer, Haupttor:

Die wiederaufgebaute Wehrmauer stellt den letzten Bauzustand dar. Wie schon gesagt, müssen wir uns die \Wehrmauer weiß verputzt denken, wobei auf den Verputz mit roten Linien Quader gemalt waren (Rekonstruktion an der Südostecke der Umwehrung). Außerdem war bei der römischen Wehrmauer der Abstand zwischen den einzelnen Zinnen größer, damit die Soldaten bei der Verteidigung der Mauer genügend Platz zum Schleudern ihrer Wurfspeere hatten. An der nördlichen Kastellmauer ist an einem Teilstück der Wehrmauer der richtige Zinnenabstand ergänzt worden. Der doppelte Graben vor der Mauer war ein Annäherungshindernis, das nie mit Wasser gefüllt war. Der V-förmige Querschnitt ist für römische Verteidigungsgräben typisch.

Das Haupttor, an dem wir den Rundgang beginnen, hieß hei großen Militärlagern „Porta praetoria“. Es war einst genauso verputzt und bemalt wie die Wehrmauer. Die Schießfenster in den Türmen werden durch Holzläden nach altem Muster verschlossen. Sie sind so angelegt, daß der Verteidiger auch dann in Deckung bleibt, wenn er sie zur Verteidigung des Tores ein wenig öffnet. Vor dem Tor lief eine Holzbrücke über den inneren Graben (keine Zugbrücke); der äußere Graben war vor demTor durchbrochen. Das Kaiserstandbild, das vor dem Haupttor steht, ist eine neuzeitliche Nachbildung. In der Antike stand eine Kaiserstatue im Mittelgebäude.

 

Horreum:

Wir betreten das Kastell durch das Haupttor. Etwa zehn Schritt dahinter erblickt man rechts ein größeres Gebäude, das Horreum, den einstigen Getreidespeicher. Bei der Ausgrabung zeigten sich im Inneren zahlreiche parallele Mauern. Sie waren zur Unterstützung des Holzfußbodens notwendig, der durch das Getreide schwer belastet war. Vor den beiden Eingängen sieht man Schutzdächer, die nach Grabungsbeobachtungen rekonstruiert worden sind. Der Befund hätte allerdings auch die Rekonstruktion von Laderampen erlaubt. Das Gebäude war einst außen verputzt.

In die Außenmauer ist zwischen den Eingängen die Nachbildung einer Bauinschrift vom Nachbarkastell Kapersburg eingelassen, die dort ein gleichartiges Gebäude als „Horreum“ bezeichnet. Ein solches Gebäude fehlte in keinem römischen Militärlager. Daraus spricht die Absicht, die Truppe für längere Zeit vom Nachschub unabhängig zu machen. Vor dem Horreum steht die Büste des Begründers des Saalburgmuseums, des Geheimen Baurats Prof. Louis Jacobi.

Das Horreum ist heute als Museum eingerichtet und enthält Originalfunde von der Saalburg und anderen Limeskastellen im Taunus. Dabei handelt es sich nicht um Kunstwerke, sondern um Gerätschaften und Erzeugnisse zahlreicher Gewerbe, wie sie im täglichen Leben der Soldaten und Grenzbewohner benutzt worden sind. Mit Staunen wird der Besucher bemerken, daß viele Werkzeuge und Geräte seit der Antike bis heute fast unverändert geblieben sind, man sehe sich nur die Äxte, Hämmer und Hobel an. Andere sind überraschend fremdartig, und dabei kompliziert und zweckmäßig wie zum Beispiel die Schlösser.

Die Handwerksgeräte deuten darauf hin, in welchem Umfang die Soldaten damals handwerklich geübt waren, so daß die Truppe auch bei der Ausrüstung nicht so sehr auf den Nachschub angewiesen war, wie es heute der Fall ist. Sogar die Ziegel fertigte das Militär selbst, was sich aus den Ziegelstempeln ergibt. Es sind aber nur die Ziegel mit den Stempeln der 2. Raeter­­kohorte bei der Saalburg gebrannt worden, die übrigen (mit Stempeln der 8. und 22. Legion sowie der 4. Vindelikerkohorte) haben andere Militärziegeleien geliefert.

Einige Vitrinen enthalten die gefundenen Waffen: Schwerter, Dolche, Speerspitzen und manches andere. Am Beispiel der aufgehäuften Speerspitzen mag man erkennen, welche Fülle von Fundstücken in der rund 170  Jahre währenden Benutzungszeit der Saalburg in den Boden gekommen ist. Bei manchen Fundgattungen konnte wegen der Menge der Gegenstände nur ein kleiner Teil ausgestellt werden.

Eine besondere Seltenheit sind die ausgestellten Holz- und Ledergegenstände. Fast alle stammen aus den Brunnen der Saalburg und verdanken ihre Erhaltung dem Wasser, das sie tief im Boden unter Luftabschluß konservierte. Erstaunlich gut sind daher sogar die Schuhe erhalten, unter denen man auch Frauen- und Kinderschuhe bemerkt (aus dem Kastelldorf). Einen großen Anteil an den Grabungsfunden stellt das Tongeschirr, weil es dauerhaft ist. Man sieht feines rotes Tafelgeschirr (sogenannte „Terra Sigillata“), das zum Teil mit Reliefs geschmückt ist, daneben aber auch einfaches Küchengeschirr, Kochtöpfe, Siebe, Teller, Näpfe und Krüge, die meisten Lampen waren ebenfalls aus Ton. Es sei schließlich auf die ärztlichen Instrumente. die Schreibgeräte, die Schmucksachen und auf die Gläser hingewiesen: eine Vitrine zeigt einen Querschnitt durch die römischen Fundmünzen der Saalburg (insgesamt sind 3250 Münzen gefunden worden). Bemerkenswert sind schließlich die Steinplastiken, besonders die Schutzgötter (Genien) der Centurien.

So vielfältig die ausgestellten Fundgegenstände auch sind, immer muß man sich vor Augen halten, daß nur eine einseitige Auswahl vorliegt. Vieles, was die Menschen einst im täglichen Leben umgab, ist bei unserem Klima nicht über Jahrtausende haltbar, es sei denn, daß besondere Zufälle mitwirkten. Wir denken an Lebensmittel und Textilien, von denen wie von den Holzgegenständen und Ledersachen nur selten Reste gefunden werden. Auch die Farbigkeit der leichter vergänglichen Dinge ist verschwunden; ihre meist braungraue oder schwarze Farbe gibt nicht den richtigen Eindruck von dem ursprünglichen Aussehen. In Wirklichkeit waren die Sachen oft farbig. Einen Eindruck von der Farbenfrceudigkeit jener Zeit geben die Fibeln mit Emaileinlage. Die Bronzegegenstände muß man sich goldglänzend vorstellen, nicht grün patiniert.

Die Römer kannten eine wirksame, angenehme Fußbodenheizung, das Hypokaustum. In einer Ecke des Ausstellungsraums ist aus Originalziegeln ein Stück eines Hvpokaustums aufgebaut worden. In der Vitrine daneben sieht man das Modell eines Kastellbades, dessen Warmräume mit Hypokausten geheizt worden sind.

Bevor wir das Horreum verlassen, werfen wir noch einen Blick auf das große Modell des Kastells, das den Zustand am Anfang des 3. Jahrhunderts wiedergibt. Ein anderes Modell zeigt die Lage der Saalburg in der Landschaft zur Römerzeit. Dort sind auch die vorgeschichtlichen Ringwälle der näheren Umgebung eingetragen, die aber schon längst zerfallen waren, als die Römer kamen.

Eine Vitrine nahe dem Ausgang weist auf die Gliederung des Römerreiches hin und auf die Organisation des römischen Heeres.

 

Museum:

In den Räumen des wieder aufgebauten Kastells wurde das Saalburgmuseum untergebracht. Hier werden vor allem im ehemaligen Getreidespeicher (horreum) die umfangreichen und vielfältigen Ausgrabungsfunde der Öffentlichkeit gezeigt. In den Museumsräumen sind über 30.000 Funde aus dem Limesbereich ausgestellt, vor allem Gegenstände des täglichen Lebens ausgestellt: Waffen, Werkzeuge, Geschirr, Kleidung und kleine Schmuckstücke. Sie vermitteln ein Bild davon, wie und womit die Soldaten der zweiten Raeterkohorte im Kastell lebten. Die Raeter, das waren Kelten aus dem Alpenvorland, das 15 vCh unterworfen wurde. Anschließend wurden die Raeterkohorten aufgestellt, die sich im gesamten Imperium von Britannien bis nach Syrien finden.

Die Ausstellung ist vor allem den Hinterlassenschaften des täglichen Lebens gewidmet. Verschiedene Werkzeuge und Geräte, Küchen‑, Koch‑ und Eßgeschirr, sonstige Keramik, Bronze‑, Eisen‑, Leder‑ und Holzgegenstände verdeutlichen, wie die Menschen vor annähernd 2000 Jahren gelebt haben. Reste von Nahrungsmitteln lassen Rückschlüsse auf ihren Speiseplan zu. Schmuck und Kleidungsstücke lassen sie in ihrem äußeren Erscheinungsbild nachvollziehen.

 

Aus dem täglichen Leben stammen all die Erzeugnisse römischen Kunstgewerbes, keltischer und germanischer Volkskunst, die hier in vorbildlich übersichtlicher Anordnung im Museum des Kastells ausgestellt sind. Genaue und auch dem Laien verständliche Beschriftung weist auf die Fundorte hin, die Saalburg selbst und andere römische Niederlassungen, von denen nur noch Bodenfunde und vom Unkraut überwucherte Hügel, Mauerreste und Gräben auf unsere Tage gekommen sind.

Tonkrüge in allen nur denkbaren Varianten zeigen unkomplizierte und ausgewogene Einfachheit, zeigen bisweilen überraschende Übereinstimmung mit chinesischen Gefäßformen frühester Zeit. Vom Geheimnis primitiven und naturnahen Denkens umwittert sind die beinahe kunstlos geformten Gesichtsurnen, die in krassem Gegensatz zu den oft elegant wirkenden Terrasigillata‑Gefäßen stehen, von denen das Museum jede denkbare Spielart zeigt. Reinsten Ausdruck „antiker Sachlichkeit“ zeigen Schalen und andere Gefäße neben Stücken, deren mit Modeln aufgetragene Jagdszenen, Göttergestalten und sonstige Ornamentik die vielfältige und heitere antike Welt ähnlich wiederspiegeln wie die Fresken von Pompeji.

Eine wohlerhaltene Schale, deren glatte Fläche nur durch henkelartige Löwenköpfe unterbrochen wird, mag dem heutigen Ideal formschönen Kunstgewerbes besonders nahekommen. Kleinkunst aus Bronze und anderen Werkstoffen, Beschläge und Ringe, Schnallen und Fibeln, Schildbuckel und unzählige andere Dinge von oft fragmentarischer Erhaltung können einem oberflächlichen Beschauer vielleicht nur als Schutt der Jahrhunderte erscheinen, ‑ Dinge, die in Wirklichkeit bis in Einzelheiten die Vorstellung vom Leben damaliger Zeit mannigfaltig erweitern.

Zurück zur allerdings schon römisch beeinflußten Volkskunst der hier heimischen keltischen und später germanischen Bewohner führen die Tonfigürchen von Genien und Hausgöttern, eines Wildschweines und anderer Tiere, wobei die oft kurze und gedrungene Formung menschlicher Gestalten bisweilen an die Jahrhunderte später entstandenen Schnitzfiguren in Herrgottswinkeln bäuerlicher Heimstätten erinnern. Steinerne Fragmente an Umfang größerer Plastiken wirken namentlich bei der Darstellung von Tieren eindrucksvoll und beachtenswert und sind oft gerade durch Primitivität einfacher und vereinfachter Gestaltung zu monumentaler Wirkung gebracht. Vom Heiligtum im Kastell Zugmantel stammen zwei Konsolstiere, andere Steindenkmäler zeigen Tauben oder den damals noch heimischen Raben, Wotans heiligen Vogel.

Besitzt das Museum auch viele Dinge, die im einzelnen unscheinbar sein mögen, aber kaum in einem der landläufigen Museen alten Kunsthandwerkes in solcher Menge anzutreffen sind, so gehört doch zu seinen Höhepunkten vor allem die Sammlung alter Gläser meist kölnischer Manufakturen römischer Zeit, die Stiftung des Konsuls Niessen. Deckelurnen von beachtlicher Größe, Becher, Kannen, Schalen und Krüge von makelloser Schönheit und Erhaltung, Gläser mit farbigen Nuppen, in Muschelform, mit Auflagen und in glatter Arbeit würden allein schon den Besuch des Kastells und seines Museums inmitten der weiten Wälder am Südhang des Taunus zu einem nachhaltigen Erlebnis gestalten.

Unter den Steindenkmälern im Museum der Saalburg erinnern Tafeln an den Kaiser Antoninus Pius, der ‑ selbst kein Römer ‑ von 138 bis 161 nCh mit den altrömischen Tugenden sein Reich regierte, an Caracalla, den düsteren zweiten Kaiser des dritten nachchristlichen Jahrhunderts.

Herausragende Bedeutung haben bronzene und eiserne Teile der römischen Militärausrüstung. Schwerter, Lanzen, Schilde und Helme können im Saalburgmuseum ebenso bestaunt werden wie höchst aufwendig gestaltete Gewandnadeln (Fibeln). Auch die Reiterei ist mit Pferdegeschirr, Sattelteilen und Zaumzeugbeschlägen vielfältig vertreten.

Nahezu sämtliche antiken Handwerksberufe lassen sich durch Funde auf der Saalburg nachweisen. Eisenzangen, Hämmer und Meißel weisen den Schmied nach, Guß‑Tiegel den Buntmetallhandwerker. Lederschuhe, die im feuchten Boden der 99 Kastell‑Brunnen hervorragend erhalten blieben, belegen den Schuster, Webutensilien den Weber, Knochenhalbfabrikate den Knochenschnitzer. Die Werke von Zimmermann und Schreiner haben sich in den Brunnen so gut erhalten, daß Details des antiken Fachwerkhaus am originalen Holz studiert werden können.

Daß die römischen Soldaten (und wohl auch ihre Familienangehörigen) schreiben konnten, belegen die zahlreichen Griffel (stili) aus Bronze, Eisen und Knochen. Zu ihnen ließen sich auch die Holzteile der Wachstäfelchen finden, die als Schreibuntergrund dienten.

Spielsteine zeigen, daß sich die Soldaten ihre Freizeit zuweilen mit Brettspielen vertrieben haben. Ein ausgeklügeltes Dienstreglement ließ dafür allerdings nur wenig Zeit. Zumeist waren die Soldaten zu Wachen, Verwaltung und Geleitdienst eingeteilt oder sie sorgten in den Werkstätten (fabricae) für die Produktion und Wiederherstellung von Waffen und Ausrüstung. Zudem hatte jeweils ein Soldat Küchendienst für seine Stubengemeinschaft. Dabei war er vor allem damit beschäftigt, aus der Tagesration Getreide ‑ je Soldat und Tag ein Kilogramm ‑ mit kleinen Handmühlen Mehl zu mahlen.

Bei der Auswahl aus hunderttausenden von Keramikscherben, die das Saalburgmuseum zeigt, stechen vor allem die „terra sigillata“ ins Auge. Sie war das „gute Geschirr“ der Römer, mit glänzend rotem Überzug und zum Teil ausgeprägten Bildstempeln. Anfangs belieferten südgallische (heute südfranzösische) Sigillata-Manufakturen die Saalburg; ihnen folgten Waren aus Mittelgallien (Lezoux, bei Lyon) und Ostgallien (Argonnen, Elsaß). Schließlich überschwemmte ab 150 n.Chr. die industrielle Fertigung des Herstellungszentrums Rheinzabern (gegenüber Karlsruhe) den gesamten Markt der germanischen Provinzen, ergänzt durch die Produktion Trierer Werkstätten. So geben die Funde zugleich Anhaltspunkte für den römischen Handel und Warentransport.

Das gilt auch für die zahlreichen Amphoren, große Keramikbehältnisse mit zwei Henkeln und Standzapfen, ohne Standboden. Vor allem die kugelbauchigen tragen häufig Stempel der Hersteller, Ölproduzenten oder Händler. Sie enthielten Olivenöl aus der Baetica, dem heutigen Andalusien ‑ römische Soldaten wollten auch in den entferntesten Winkeln des Reiches beim Kochen und Backen nicht auf ihr Olivenöl verzichten.

 

Erst 1997 konnte darüber hinaus in den Räumen des ehemaligen Stabsgebäudes (principia) eine neue Dauerausstellung eingerichtet werden, die sich sowohl der Wiederaufbaugeschichte als auch umfassend den Themen der provinzialrömischen Archäologie widmet. Herausragende Räume stellen das Fahnenheiligtum, der Keller unter diesem Gebäudeteil mit der Truppenkasse, der Raum mit dem Echzeller triclinium, dem Speisezimmer eines Hauptmanns aus dem Reiterkastell Echzell in der Wetterau sowie der Raum mit den römischen Schutz- und Belagerungswaffen, darunter Geschütze, dar. In einer der Mannschaftsbaracken hinter dem horreum ist zudem eine Mannschaftsunterkunft wie in antiker Zeit wieder hergerichtet worden, in der anderen centuriae befindet sich heute die Taberna, das Museumscafe.

In den Räumen des ehemaligen Kommandantenhauses (praetorium) wurde das Saalburg‑For­schungsinstitut untergebracht, das neben den notwendigen Verwaltungsräumen und Zimmern für die Wissenschaftler auch eine umfangreiche Bibliothek beherbergt. Die Wissenschaftler der Saalburg widmen sich insbesondere der Erforschung des römischen Limes und seiner Anlagen im nationalen und internationalen Rahmen. Darüber hinaus führen sie archäologische Ausgrabungen an römischen Fundplätzen durch und veröffentlichen die gewonnenen Ergebnisse in der hauseigenen Zeitschrift, dem „Saalburg‑Jahrbuch“, das ebenfalls vom Museum herausgegeben wird.

Daneben bietet das Museum ein umfangreiches museumspädagogisches Angebot, das von der einfachen Führung über den Kindergeburtstag und die berufsbezogene Sonderführung bis hin zum archäologischen Experiment reicht. Die Anlage selbst oder einzelne Räumlichkeiten können darüber hinaus von Privatpersonen und Firmen zu Sonderveranstaltungen gemietet werden. Ein reichhaltiges Programm ermöglicht die stilvolle Feier, die geschäftliche Zusammenkunft oder die werbewirksame Präsentation. Die Saalburg als modernes Museum versucht mit ihrem umfangreichen Angebot einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt des Rhein‑Main‑Gebietes zu leisten.

 

Kastellstraßen und „Institutsbau“

Dem Horreum gegenüber erblickt man ein kleineres Bauwerk. Es enthält heute Räume für die Verwaltung und für die wissenschaftliche Arbeit des Museums. Früher war dieser „Institutsbau“ vermutlich Bestandteil eines größeren Gebäudes, das dem Chef der 2. Raeterkohorte als Wohnung diente (Praetorium).

Zwischen Horreum und Institutsbau läuft eine Straße vom Haupttor zum Mittelgebäude. Sie wurde in großen Militäranlagen „Via praetoria“ genannt. Eine zweite Straße verbindet die beiden         Seitentore des Kastells (Via principaliis); sie läuft durch die große Vorhalle des Mittelgebäudes hindurch. Die Vorhalle ist sozusagen über der Kreuzung der beiden wichtigsten Kastellstraßen errichtet worden. Die beiden     Straßen stehen rechtwinklig zueinander. Sie entsprechen den Hauptstraßen der römischen Koloniestädte, wie denn überhaupt die Militärlager

Abbilder der regelmäßig angelegten antiken Städte sind, sie sind natürlich den besonderen militärischen Bedürfnissen angepaßt worden.

 

Der Institutsbau - das Praetorium der Saalburg

Der früher kleinere Institutshau aus Bruchsteinmauerwerk im südwestlichen vorderen Kartellareal (praetenturar) wurde in den Jahren 2003/4 durch einen dreiseitigen Anbau zum modernen Verwaltungsgebäude des Saalbure-Kastells erweitert. Da an dieser Stelle des Kastells wahrscheinlich das Kommandantenwohnhaus (praetorium) stand, erfolgte die Ergänzung des vorhandenen Baukörpers analog des üblichen Aussehens solcher Bauten in Form einer vier­flügligen Anlage (Peristyl). Schon hei den älteren Grabungen waren in der Südwestecke des Kastells die Fundamentmauern eines Baukomplexes von 26  Meter Länge und einer Breite von bis zu 6 Meter freigelegt worden. Dieser bestand aus acht Räumen, von denen zwei mit Unterflurheizung (hvpocaustum) versehen waren.

Von Bedeutung für die Ansprache als Praetorium waren Befunde, die unmittelbar nördlich der durch das Fundamentmauerwerk ausgewiesenen Raumflucht aufgedeckt werden konnten und sich in einigen Mauerwinkeln, einem  Kellergeviert, einer kleinenHeizanlage und einem Bassin zu erkennen gaben,  die zu dem antiken Bau gehört haben dürften. In dem Bassin ist das Wasserbecken zu suchen, welches oft im Innenhof eines Kommanantenwohnhauses vorhanden war. Der Erweiterungsbau erhielt ein nach heutigem Forschungsstand rekonstruiertes Aussehen. Zum wilhelminischen Baukörper hin wurde eine deutliche Abgrenzung durch  „Gelenkstellen“ zwischen Alt- und Neubau in Form von in Holz ausgeführten Zugangsbereichen vorgenommen,  deren östlicher zum neuen Haupteingang des Institutsgebäudes wurde. Im Inneren des Neubaus - besonders in dessen Umgang und Innenhof - wurde das antike Ambiente nachgebildet. Angesichts der Nutzung der dahinter liegenden Räume zu Verwaltungs- und Bürozwecken musste hier von einer in allen Details getreuen Umsetzung an tiker Befunde abgegangen werden.

 

Der neue Anbau fügt sich harmonisch in die Gesamtanlage des Kastells ein, setzt sich aber durch seine ruhigen Dachflächen dennoch deutlich vom kleinteiligen wilhelminischen Baubestand mit seiner lebhaften Dachlandschaft ab. Er ist nach heutigem Kenntnisstand verputzt und mit einer pompejanisch-roten Sockelzone versehen. In den noch weichen Oberputz wurde in Handarbeit eine aus zahlreichen archäologischen Befunden belegte Quaderung eingeritzt und schließlich mit rotem Fugenstrich nachgezogen. In gleicher Technik erhielten die Fenster einen Sturz in Form eines Tympanons.

Bei der Gestaltung der Fenster wurde darauf verzichtet, wie im Altbau sogenannte „ Zwillingsfenster“ einzusetzen. Diese sind für die römische Zeit nicht nachgewiesen. Vielmehr lassen sich schmale, hoch sitzende Einzelfenster rekonstruieren. Bei dem Neubau mussten allerdings auf Grund seiner modernen Nutzung als Bürogebäude Zugeständnisse bei der Einbauhöhe und Größe der Fenster gemacht werden. In römischer Zeit saßen die noch kleineren Fenster höher unter der Dachtraufe. Ebenfalls ein Zugeständnis an die moderne Nutzung und Pflege - Vermeidung von Bauschäden durch Spritzwasser - stellt die Anbringung von Regenrinnen dar. Diese konnten bisher an römischen Gebäuden noch nicht nachgewiesen werden. Für den Bau auf der Saalburg, diente vor allem der Grundriss des Praetoriums von Housesteads am Hadrianswall als Vorbild, ein Kastell, das - wie die Anlage auf den Taunushöhen - unter dem römischen Kaiser Hadrian erbaut wurde.

Allgemein kann die Innenraumeinteilung eines antiken Praetoriums wie folgt beschrieben werden: Betrat man das Gebäude von der Straße her, gelangte man meistens in eine Eingangshalle, die von kleinen Räumen flankiert sein konnte, vielleicht eine Art Empfang oder Wachstube für die Stabswache. Die Eingangshalle führte zumeist direkt zum Innenhof, der über eine nach innen liegende überdachte Wandelhalle (porticus) betreten werden konnte.

Direkt gegenüher dem Haupteingang, und jenseits des Innenhofs lag bei vielen Kommandantenhäusern ein größerer Raum. Es dürfte sich dabei um das Speisezimmer des Kommandanten gehandelt haben. Lm übrigen bestand das Haus vor allein aus  Fluchten kleinerer und größerer Räume, die jeweils zum privaten Wohntrakt des Kommandanten - meist in den zu den ruhigen Kastellarealen hin orientierten Flügeln des Gebäudes gelegen - zu einem Gäste- und Dienertrakt sowie zu einem Dienst- und Bürobereich gehört haben. Öfters fanden sich auch Räumlichkeiten für ein Bad. Fast all diese funktionalen Raumzuweisungen sind in einem übertragenen Sinn auch im heutigen Institutsau des Saalburg-Kastells verwirklicht worden.

Zwar handelt es sich bei dem überdachten Wandelgang an den drei neu angebauten Flügeln nicht mehr - wie in der Antike - um eine zum Innenhof hin offene Portikus, sondern um einen durch breite Fensterflächen aus kleinteiligen Sprossenfenstern geschlossenen Umgang, von dem aus die einzelnen Räume zugänglich sind, doch wirkt die Gestaltung und Ausstattung nahezu originalgetreu. Das Holz der Überdachung ist sichtbar. Die Tragbalken liegen auf Konsolsteinen aus Basalttuff auf, die aus den Wänden herausragen. An den Wänden sind Leuchten angebracht, die das Licht hinter antik anmutenden Fackelfächern verstecken. Die Türen zu den einzelnen Räumen wurden in Schalbretterweise ausgeführt und deuten antike Form an. Über den Türen befinden sich Oberlichter, die mit Sprossen in Form von Andreaskreuzen versehen sind. Im ganzen Umgang sind Abgüsse von antiken Denkmälern zu sehen, die hier in römischer Zeit ähnlich gestanden haben dürften. In der Mitte des Innenhofes befindet sich ein Wasserbecken, das mit einem Mosaik (freie Nachahmung des Meerwesenmosaiks aus Bad Vilbel, Original im Landesmuseum Darmstadt) und einem Wasserspeier (Bronzeabguss  einer Okeanus-Maske  aus Treuchtlingen- Schambach, Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen, Ori ginal  im Römermuseum Weißenburg / Bayern) geschmückt ist.  Der Gartencharakter dieses Gehaudetellswird durch ansprechende Bepflanzung hervorgehoben. (Die Besichtigung des Praetoriums ist im Rahmen von Sonderführungen möglich).

Der nun vollständig rekonstruierte Praetoriumsbau auf der Saalburg lässt, indem er den antiken Grundrissplänen und Maßen folgt, den bei solchen Gebäuden in römischer Zeit gewünschten repräsentativen Charakter deutlich hervortreten. Seine Größe, sein Aussehen und seine Ausstattung reflektieren den Status der Bewohner des Hauses. Es handelte sich im Fall des Saalburg-Kastells um die Hausgemeinschaft (familia) des Kohortenpraefekten, also einerseits die leiblichen Familienmitglieder des Truppenkommandanten andererseits auch dessen Bedienstete, Sklaven, Freunde und Gäste.

Der Kohortenpraefekt entstammte dem Ritterstand, dem nach dem Senatorenstand zweithöchsten gesellschaftlichen Rang im Römischen Reich. Dessen Mitglieder bekleideten hohe Ämter in der römischen Armee und in der Reichsverwaltung, wobei das Kommando über eine Hilfstruppe meist am Anfang der Karriere stand. Die Rangunterschiede zwischen dem Chef der auf der Saalburg einst stationierten zweiten, teilweise berittenen Riiterkohorte mit römischem Bürgerrecht (praefectus  cohortis II Raetorum cilviumr Romanorum equitata) und seinen Offizieren und Mannschaften äußert sich nirgends deutlicher als an dem Praetorium. Während einem einfachen Soldaten in seiner Mannschaftsstube kaum mehr als drei Quadratmeter zur Verfügung standen. residierte der Praefekt regelrecht in einer palastartigen Wohnanlage. Die beiden namentlich überlieferten Pracfekten des Saalburg-Kastells, Caius Mogillonius Priscianus und Sextius Victor. dürften sich in einem solchen Gebäude wohl gefühlt haben.

 

Das Fahnenheiligtum (aedes principiorum)

Kaiser Augustus schreibt in dem von ihm selbst verfaßten Tätigkeitsbericht, den res gestae divi Augusti (V. 29):  „Zahlreiche militärische Feldzeichen (signa militaria), die durch andere Heerführer verloren worden waren, habe ich durch die Niederringung der Feinde in Hispanien und Gallien sowie von den Dalmatern wiedererlangt. Die Parther habe ich veranlaßt, mir die Beute und Feldzeichen (signa) dreier römischer Heere zurückzugeben und demütig die Freund­schaft des römischen Volkes zu erbitten. Diese Feldzeichen aber ließ ich im innersten Heiligtum des Mars-Ultor-Tempels aufbewahren.“ Die große Wertschätzung, die aus diesen Worten für die „signa“ zu erkennen ist, läßt sich während der gesamten römischen Kaiserzeit belegen. Die „signa“ und „vexilla“ besaßen die Kraft des „numen“(göttlichen Waltens) und bildeten deshalb zusammen mit der imago (Bild) eines Kaisers das geistige Zentrum und den ideellen Mittelpunkt der Truppe. Aus diesem Grund genoß auch der Raum. in dem die Standarten aufbewahrt worden sind, solange sich die Truppe nicht im Einsatz befand, als tempelartiger Kultraum im Kastell höchste Bedeutung. Die Ausstattung, eines solchen Fahnenheiligtums ist auf der Saalburg rekonstruiert worden.

 

Das um 135 nCh für die cohors II Raetorum civium Romanorum equitata errichtete Saalburgkastell zeigt den typischen Grundriß einer Militärgarnison des 2. Jahrhunderts nCh. In dieser Anlage nimmt das Kommandanturgebäude (principia) einen zentralen Platz ein. Vom Haupttor (porta practoria) aus führt die Hauptstraße (via practoria) direkt zu den principia.

Das Gebäude mit zwei Höfen besteht aus mehreren Raumeinheiten. Den rückwärtigen Flügel bilden fünf Räume, von denen der mittlere direkt in der Verlängerung der Hauptachse liegt. Bei ihm handelt es sich um das Fahnenheiligtum (aedes) des Kastells. Der leicht trapezförmige Raum mit sehr massiven Mauern von 0,.88 - 0,95 Meter Breite lag etwas erhöht, so daß er nur über eine Trreppe zugänglich war. Auf der Rückseite sprangen die Mauern deutlich vor die Gebäudeflucht vor. In anderen Kastellen kann anstelle dieser vorgezogenen Rückwand auch eine Apsis als Raumabschluß angefügt worden sein. Unter dem erhöhten Fußboden des Fahnenheiligtums befand sich oft ein Tresorraum, in dem die Soldkasse der Einheit sowie die ersparten Gelder der Soldaten aufbewahrt worden sind. Ein solcher Raum ist für die Saalburg nicht nachgewiesen. Dennoch nehmen die Archäologen an, daß die Gelder in den dem Fahnenheiligtum unmittelbar benachbarten Rüiumen thesauriert worden sind. Da vor dem Fahnenheiligtum stets eine Wache postiert war, gehörte dieser Bereich zu den bestgeschütiten Teilen des Kastells.

Das Fahnenheiligtum der Saalburg steht am Ende einer Entwicklung in der Kartellarchitektur. Nachdem in den Marschlagern das Feldherrnzelt sowohl als Kommandantur (principia) wie auch als Wohnraum (praetorium) des Truppenkommandeurs diente, zeigt sich bei den ersten Standlagern im frühen 1. Jahrhundert nCh ebenfalls keine Trennung zwischen diesen beiden Bereichen. In den ältesten Lagern ist es sogar schwer, die principia mit dem Fahnenheiligtum

das prarctorium gegeneinander abzugrenzen. Dies wird erst möglich, nachdem sich im Laufe des 1. Jahrhunderts für die Standlager ein festes Schema entwickelt hatte,  in dem das Wohnhaus des Truppenkommandeurs als eigenes Gehüude meist im vorderen Kastellbereich errichtet wird. Im Zuge dieser Entwicklung läßt sich gut verfolgen, wie man die aedes in den Kastellen durch die Architektur zunehmend betont hat.

Von der Ausstattung des Fahnenheiligtums ist auf der Saalhurg wie in vielen anderen Kastellen auch durch die erhöhte Lage relativ wenig erhalten geblieben. Dennoch lassen die bekannten Reste eine einigermaßen gesicherte Rekonstruktion des Raumes zu, weil sich die Architektur der römischen Kastelle im gesamten Imperium Rotnanum stark ähnelt.

Wie neuere Ausgrabungen zeigen, war Wandmalerei in den Kastellen verbreiteter, als man früher annahm. Obwohl sich bisher in keinem Fahnenheiligtum mit Ausnahme des spätantiken Theben/Luxor (Ägypten) eine vollständige Ausmalung gefunden hat, lassen farbige Putzreste auch in anderen Kastellen auf eine gemalte Dekoration des Raumes schließen. Deswegen ist im Fahnenheiligtum der Saalburg mit Kalk-Kasein-Farben eine raumhohe Ausmalung imitiert worden. Für den Sockel in „opus-sectile-Technik“ läßt sich als Vorbild das Fahnenheiligtum von Novae/Bulgarien benennen. Aber auch die im benachbarten Echzell im Centurionenbau gefundenen Fresken dienten als Vorlage, bei denen ebenfalls Marmorinkrustationen angedeutet werden sollen. Da die Fahnen auf bildlichen Darstellungen oft von

Aediculen (Kapellen) gerahmt erscheinen und deswegen in kleinen Nischen aufgestellt gewesen sein könnten, soll mit der Säulenarchitektur dieser Nischencharakter angedeutet werden. Girlanden (taeniae) gehören bereits im Hellenimus zu .jedem Opferritus und finden sich seit augusteischer Zeit (Ara pacis Augustae) bis zum 3. Jahrhundert. immer wieder bei Kulthandlungen. Ein die Wand nach oben abschließendes Stuckgesims, wie es etwa in Novae (Bulgarien) nachgewiesen werden konnte, ist nicht rekonstruiert worden.

An der Rückwand des Raumes wurde ein Podium aufgemauert, für das es im Fahnenheiligtum der Saalburg keine Hinweise gegeben hat. Allerdings sind solche Bänke aus den Fahnenheiligtümern von Vindolanda (Chesterholm, England), Urspring und Aalen, El Lejjun (Jordanien) und Chemtou (Tunesien) bekannt. Außerdem gehören sie regelmäßig zur Ausstattung von Tempeln. Auf diesem Podium sind Fahnen und Standarten ebenso wie das Kaiserbild und verschiedenste Weihegeschenke aufgestellt worden. Reste von solchen Weihungen haben sich bei Ausgrabungen in manchen Fahnenheiligtümern gefunden, wo sie hei der Zerstörung des Raumes in einen darunterliegenden Tresorraum stürzten. Neben vollplastisch ausgearbeiteten Skulpturen handelt es sich um Inschriftensteine, auf denen vcrschiedenste Gottheiten angerufen worden sind.

Auch für das die aedes zum Hof hin abschließende Gitter haben sich mit Dübellöchern im Boden bzw. im Türgewände Hinweise in Vindolanda (Chesterholm), Arlaincs bei Soissons (Frankreich) sowie Chemtou (Tunesien) gefunden. Offenbar war das Fahnenheiligtum nicht immer zu betreten, sondern wie eine kleine Kapelle nur einzusehen, wenn keine Kulthandlungen stattfanden.

 

Feldzeichen und Kaiserbild:

Wie der Name schon sagt, diente das Fahnenheiligtum vor allem zum Aufbewahren der Standarten und Feldzeichen,  wenn sich die Einheit nicht im Krieg befand. Allerdings haben sich die Reste davon nur in seltenen Fällen erhalten. Das wohl bekannteste Beispiel ist der Fund eines Fahnentuches aus Ägyptcn. das heute im Pushkin-Museum in Moskau aufbewahrt wird. Das Leinentuch mit Webkanten an beiden Seiten und einer Naht am unteren Ende war am Saum mit einer Fransenborte geschmückt. Auf dem scharlachrot gefärbten Tuch hatte man mit Goldfarbe die Göttin Victoria aufgemalt. Die Farbigkeit der Fahnen ist auch auf den Wandmalereien in Dura-Europos (Syrien) zu sehen.

Die heute im Fahnenheiligtum der Saalburg ausgestellten. nachgearbeiteten Fahnen sind von verschiedenen Einheiten geführt worden und zeigen so die Vielfalt der signa. Als ranghöchstes Feldzeichen galt der nur von einer Legion geführte Legionsadler (aquila), der deshalb in der Mitte der Fahnen aufgestellt worden ist. Die bekrönende Adlerfigur saß auf einer etwa 2-2.5 Meter langen Stange, die keinen weiteren Schmuck zeigte. Abbildungen auf Münzen oder der Trajanssäule stellen den Vogel mit ausgebreiteten Schwingen auf einem Blitzbündel hockend dar. Wenn eine Einheit belohnt werden sollte, konnte der Adler noch mit einem Lorbeerkranz geschmückt werden. Die Adlerfigur war aus Silber getrieben und vergoldet, teilweise auch ganz aus Gold gefertigt. So wird das Blitzen und Leuchten der aquilae verständlich, von dem antike Schriftsteller wiederholt berichten. Während des Marsches wurden die Adlerfiguren in einem schützenden. käfigartigen Behältnis mitgeführt. Als aquilifer (Adlerträger) diente ein bewährter Unteroffizier. der zugleich der ranghöchste Fahnenträger einer Einheit war.

Zu beiden Seiten des Legionsadlers sind signa (Feldzeichen) zu sehen, die denjenigen entsprechen, die die auf der Saalburg stationierte 2. Raeterkohorte geführt hat. Diese Feldzeichen bestanden aus einem langen, in einer Lanzenspitze endenden Schaft. Unterhalb der bekrönenden Spitze war ein Schild angebracht, auf dem der Name der Einheit eingepunzt worden war. An beiden Seiten des Schildes hingen mit kleinen, bronzenen Zierscheiben versehene Lederstreifen herab, die in einem herzförmigen Anhänger endeten.

Ein Lanzenschuh am unteren Ende des Schaftes ermöglichte das Aufpflanzen des signum bei den verschiedensten Gelegenheiten wie Paraden oder Feldzügen. Während des Marsches stützte der signifer (Fahnenträger) das etwa 7 Kilogramm schwere Feldzeichen auf der Schulter ab. Bei einer Parade und einem Angriff wurden die Zeichen aufrecht vor der Truppe hergetragen. Auf sehr vielen Abbildungen ist der Schaft des Feldzeichens mit runden Scheiben, den „ phalerae“, geschmückt. Diese phalerae sind bei besonderer Tapferkeit als Auszeichnung der gesamten Truppe verliehen worden. Daraus erklärt sich auch ihr zahlenmäßig unterschiedliches Vorkommen. Als unterste Verzierung ist ein halbkreisförmiges Element angebracht, von dem Quasten herabhängen.

Reitereinheiten (alae) führten als Feldzeichen das „vexillum“. An dem ebenfalls in einer Lanze endenden Schaft war unter dem Truppennamen ein Querholz angebracht, von dem mehrere, mit Bronzescheiben verzierte Lederlaschen herabhingen. Auch sie endeten in herzförmigen Anhängern.

Es gab noch eine weitere Art der vcxilla, die man wohl am ehesten mit neuzeitlichen Fahnen vergleichen kann. Bei diesen Standarten schmückte ein buntes, reich bemaltes Fahnentuch die Querstange. Solche vexilla wurden als Behelfsstandarten kleineren Detachements übergeben, die vorübergehend für Sonderaufgaben abkommandiert worden waren.

Kein Feldzeichen im eigentlichen Sinn, sondern Kultsymbole von hoher Bedeutung waren die imagines genannten Kaiserbilder, die mit zunehmendem Kaiserkult ebenfalls wie Standarten von der Einheit mitgeführt worden sind.

Neben den Fahnen galt das Kaiserbild. die Imago, als wichtigster Bestandteil des Raumes. Früher hatte man selbstverständlich angenommen, daß die in der aedcs aufbewahrte Kaiserimago eine vollplastisch ausgearbeitete, lebensgroße Bronicstatue gewesen sein müßte. Heute wird dies wesentlich zurückhaltender beurteilt.

Sicher hat es in vielen principia und Fahnenheiligtümern lebensgroße Bronzestandbilder einzelner Kaiser gegeben, die die Truppen aus besonderem Anlaß. etwa einer Auszeichnung oder einem Kaiserbesuch weihten. Bei der Imago. auf die jedes Jahr am 3. Januar der Truppeneid geschworen wurde, wird es sich aber eher um ein gemaltes Tafelbild gehandelt haben, das leicht zu transportieren und bei einem Herrscherwechsel auch leicht austauschbar gewesen war. Vom Herausbringen der imagines aus den aedes berichten zahlreiche Schriftsteller wie z.B. Tacitus.

Das heute im Fahnenheiligtum der Saalburg zentral aufgestellte Kaiserbild ist auf Holz gemalt worden. Als eines der wenigen erhaltenen Beispiele solcher Holzbilder kann der Severertondo aus Agvpten gelten (jetzt Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz), dessen goldfarbener, bei dem Bild imitierter Grundton sicher ganz bewußt als Hoheitssymbol für die kaiserliche Familie des Septimius Severus (193-211 nCh) gewählt worden ist. Die den einzelnen Abschnitten vorangestellten Vignetten der Notitia Dignitatum (Staatshandbuch) belegen die

Verwendung solcher Bilder  auch noch während de r Spätantike.

 

Die Weihegeschenke

In jedem Fahnenheiligtum fanden sich zahlreiche Weihegeschenke. und man kann sich einen solchen Raum mit Statuen und Steindenkmälern nicht gefüllt genug vorstellen. Eine bildliche Illustration davon findet sich auf den Fresken der Synagoge von Dura-Europos (Syrien), wo vor einem zerstörten Heiligtum  zahlreiche zerschlagene Statuen und Basen neben d er weiteren Ausstattung des Tempels zu sehen sind.

Wie schon erwähnt, sind in manchen Fahnenheiligtümern Bruchstücke von solchen Weihungen zutage gekommen. Neben den Skulpturen von Heroen wie Hercules handelt es sich um Altäre für so unterschiedliche Gottheiten Jupiter. Minerva oder Mars. Beliebt waren auch Weihungen an die Genien des Ortes (genius loci) oder die für uns heute vollständig abstrakt erscheinende „disciplina Augusti“ (kaiserliche Disziplin).  Aber auch Weihinschriften für den Kaiser selbst kann man dort vermuten.

Auf der Saalburg haben sich keine Bruchstücke von Weihesteinen erhalten. Deshalb sind auf dm Podium neben den Fahnen zahlreiche Geniusstatuen aufgestellt worden, die Centurien für ihre Einheit stifteten. Sie sollen einen Eindruck von der mit zahlreichen Weihegeschenken gefüllten Sockelbank vermitteln.

Die Inschriftenausstattung des Raums:

Bei den heute in der aedes ausgestellten Inschriftensteinen handelt e es sich um die Weihinschriften. die die cohors II Raetorim civium Romanorum equitata zu Ehren der Kaiser Antoninus Pius (139/40 nCh) und Caracalla (212 nCh) aufstellen ließ. Da die meisten Inschriften auf der Saalburg in den principia selbst oder unweit davon zutage kamen, ist ihre Aufstellung direkt im Fahnenheiligtum oder im Hof davor nicht unwahrscheinlich.

Die Kaiserinschriften stellen gute Beispiele für die stereotyp wiederholtem Weiheformeln dar, die bei solchen offiziellen Anlässen immer wieder verwendet worden sind. Weil die gesamte Kaisertitulatur aufgeführt wird, lassen sich die Steine oft auf das Jahr genau datieren. Interessant ist der Beiname Antoniniana. den sich die Kohorte auf dem Stein zu Ehren von Caracalla zulegt. Sie nimmt damit Bezug auf den Namen des Herrschers Marcus Aurelius Antoninus.

In der Nähe des Fahnenheiligtums sind bei den Ausgrabungen Reste einer bronzjenen,  überlebensgroßen Statue gefunden worden, die nach der Panzerung mit einem thorax (Muskelpanzer) zu einer Kaiserstatue gehört haben könnten. Vielleicht stand eine solche Statue auf einem der Inschriftensteine.

Kultgeräte und Kulthandlungen

In der Antike gehörten zu jeden Opfer für Kaiser oder Götter auch Kultgeräte wie Kanne, Griffschale. Weihrauchkästchen, Messer und Axt. Diese Geräte sind 7oft auf den Seiten von Weihealtären skulpiert. Nach den bildlichen Darstellungen etwa aus Dura-Europos (Syrien) sind bei den Opferhandlungen auch Weihrauchständer oder -becken (Thymiateria) benutzt worden, in denen Weihrauch verbrannt und mit Wein gelöscht worden ist. Alle diese Geräte finden sich natürlich nur noch in seltenen Fällen, weil sie bei Gefahr leicht in Sicherheit zu bringen oder mitzunehmen waren bzw. um ihres Materialwertes willen eingeschmolzen worden sind. Die für Opferhandlungen notwendigen Weihrauchbecken sind als Kopien im Fahnenheiligtum aufgestellt worden.

Für die regelmäßig stattfindenden Kulthandlungen ist das feriale Duranum, der 1931/32 in Dura-Europos (Syrien) gefundene Festkalender der dort stationierten Einheit, die wichtigste Quelle. Außer den Kaisergeburtstagen. Erinnerungstagen für vergöttlichte Herrscher und die Kaiserinnen wird vor allem der Gründungstag der Einheit (natalis aquilae - Geburt des Adlers) gefeiert. Auch der Festtag rosalia signorum (Bekränzung der Feldzeichen), der im feriale

Duranum zweimal genannt wird, ist speziell auf die militärischen Erfordernisse der Truppe abgestimmt. Die Kulthandlungen fanden nicht im Fahnenheiligtum selbst, sondern davor statt, wie es auch sonst bei römischen Tempeln üblich war. So konnte die ganze in den principia versammelte Truppe an den feierlichen Handlungen teilnehmen.

 

Principia (Kommandanturgebäude):

Wir betreten nun die große Halle am Eingang der Princip ia in der Mitte des Kastells. Sie diente im Altertum als Antretehalle der Kastellbesatzung. Einige Wandzeichnungen verdeutlichen die Geschichte des Saalburgkastells. In der Halle sind zwei Nachbildungen römischer Kaiserstatuen        aufgestellt. Sie stellen die Kaiser Hadrian (117-138) und Severus Alexander (222-235) dar. Die Kaiser sind in der Offiziersausrüstung dargestellt, die sich sehr von der Rüstung des einfachen Soldaten unterscheidet.

An die Vorhalle schließt sich das Kommandanturgebäude an, das um einen Innenhof gebaut ist. Es war Sitz der Truppenverwaltung und wurde „Principia“ genannt. Die beiden Seitenflügel hinter dem offenen Umgang enthielten Kammern für Waffen und Ausrüstung (Armamen­taria). Heute befinden sich Ausstellungsräume darin. Der linke Seitenflügel gibt einen Einblick in die Zeit Kaiser Wilhelms II. und den von ihm initiierten Wiederaufbau der Saalburg um die Jahrhundertwende. Dargestellt werden sowohl der Stand der Archäologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts als auch die bis zum heutigen Tage anhaltende touristische Nutzung des rekonstruierten Kastells.

Im gegenüberliegenden Seitenflügel der Principia erwartet den Besucher eine technikgeschichtliche Ausstellung. Sie enthält einzigartige Nachbildungen griechischer und römischer Schleudergeschütze (Katapulte) mit einem Überblick über ihre technische Entwicklung. Es ist allerdings unwahrscheinlich, daß die einstige Besatzung der Saalburg. die 2. Raeterkohorte, zur Verteidigung ihres Kastells solche Geschütze besaß. Diese schweren Waffen wurden hauptsächlich von den Legionen geführt.  Andere Ausstellungsstücke. darunter das älteste

bisher gefundene Zahnrad-Kraftgetriebe der Welt, geben einen Eindruck von der Überlegenheit de römischen Kultur über jene der östlichen Nachbarvölker.

Wenn man den Innenhof durchquert hat, gelangt man in einen zweiten Hof. Diesen muß man sich allerdings nach den Ausgrabungsergebnissen in anderen Kastellen, die beim Wiederaufbau der Saalburg noch nicht bekannt waren, überdacht vorstellen. Es entstand so eine Halle, die quer zur Achsrichtung des Gebäudes lag („Querhalle“). Folgt man der Gebäudeachse über den zweiten Hof (ehemalige Querhalle), so gelangt man in einen durch seine Höhe besonders ausgezeichneten Raum, das Fahnenheiligtum (Aedes). Es enthielt außer den Fahnen der Truppe ein Standbild des regierenden Kaisers. Zwei Steinsockel solcher Statuen sind an der Rückwand des Heiligtums aufgestellt, während Bruchstücke einer überlebensgroßen Kaiserstatue, die vor dem Heiligtum zutage gekommen sind, heute im Horreum zu sehen sind. — Das Fahnenheiligtum war den Schutzgöttern des römischen Reiches und dem Kaiserkult geweiht. Tagsüber zog eine besondere Ehrenwache davor auf, und die offiziellen Kulthandlungen der Truppe fanden in der schon erwähnten Querhalle vor dem Fahnenheiligtum statt. Zumeist diente ein Kellerraum unter dem Heiligtum als Aufbewahrungsort der Truppenkasse.

Heute sind in dem Fahnenheiligtum Nachbildungen römischer Feldzeichen und die wichtigsten Steininschriften von der Saalburg aufgestellt.

Neben dem Fahnenheiligtum waren einst Amtsräume und Schreibstuben für die Verwaltung, der Truppe untergebracht. Heute ist in dem Raum rechts vom Fahnenheiligtum eine römische Wandmalerei aus dem Limeskastell Echzell ausgestellt. Es handelt sich um einen kleinen, lebhaft ausgemalten Raum aus dem Offiziersquartier einer Mannschaftbaracke. Die dargestellten Szenen sind der griechisch-römischen Mythologie entnommen. In dem Raum auf der gegenüberliegenden Seite sind außer originalen Steindenkmälern auch Abgüsse römischer Reliefs zu sehen.

 

Das kleine Holzkastell:

Wenn man sich heim Verlassen des Mittelgebäudes scharf nach rechts wendet, gelangt man auf die Straße zum Westtor. Nur wenige Schritte vom Mittelgebäude entfernt erblickt man zur Rechten einen Graben, der mit einer Rundung um vier eingerammte Pfähle läuft. Diese deuten die Stelle des einstigen südwestlichen Eckturms des kleinen Holzkastells an.. Das kleine Kastell ist bald nach 90 nCh entstanden und war der Vorgänger des späteren größeren Kohorten­kastells. Der Verteidigungsgraben des kleinen Kastells ist erst durch die Ausgrabung wieder sichtbar geworden. Die Römer hatten ihn völlig eingeebnet, als sie das Kohortenkastell errichteten. Das neue Kohortenkastell erhielt auch eine andere Achsrichtung als das kleine Holzkastell, so daß alle Bauten des kleinen Holzkastells auf dem Plan zu den späteren Bauwerken des Kohortenkastells schräg stehen.

Man kann den Graben des kleinen Kastells neben der Westseite des Mittelgebäudes weiter verfolgen und findet hinter den Principia das einzige Tor, dessen Ort durch zwei kräftige Vierkantpfosten angegeben ist. Dem Tor war ein kurzer Schutzgraben (titulum) vorgelagert. Die Umwehrung bestand aus einem Holz-Erde-Werk von etwa 3,60 Meter Breite, dessen Vorderseite durch eine Flechtwerk- oder Bohlenwand senkrecht gehalten wurde. Die Innenbauten waren ebenfalls aus Holz, und von dieser Bauweise rührt die Bezeichnung „Holzkastell“ her. Den Namen der Besatzung von etwa 120-150 Mann Stärke kennen wir nicht.

Stellt man sich mit dem Rücken gegen das kleine Holzkastell vor dessen Tor, so erblickt man schräg rechts einige Ruinen, die noch innerhalb der Mauern des späteren Kohortenkastells liegen. Es handelt sich um das Badegebäude des kleinen Holzkastells; als einziger Bau ist er damals außerhalb des kleinen Kastells in Steinbauweise errichtet worden. Seine Achsrichtung ist die gleiche wie die des kleinen Holzkastells.

Im Kastellgcbiet sicht man zahlreiche Brunnen; insgesamt sind neunundneunzig ausgegraben worden. Ihre verhältnismäßige große Anzahl erklärt sich daraus, daß durch die Ausgrabungen praktisch alle Brunnen bekannt geworden sind, die jedoch im Altertum nicht alle gleichzeitig bestanden haben. Während der etwa 170 Jahre langen Zeit der römischen Besetzung sind alte Brunnen aufgegeben und neue angelegt worden. Außerdem: haben wegen der schwierigen geologischen Verhältnisse des Untergrundes manche Brunnen wohl auch nicht genügend Wasser geliefert, so daß man mitunter an einer anderen Stelle nochmals einen Brunnen anlegen mußte. Daher sind in anderen Limeskastellen auch niemals so viele Brunnen wie in der Saalburg gefunden worden. Zum Teil erhielten die Brunnen eine runde Ausmauerung, zum Teil auch eine rechteckige Holzverschalung. Für beide Bauweisen sind im Kastell Beispiele zu sehen. Schutzdächer. wie sie im Innenhof des Mittelgebäudes über zwei Brunnen rekon­struiert worden sind, dürften im Altertum allerdings nur selten vorgekommen sein.

Mancherlei Gebrauchsgegenstände gerieten während der Benutzung oder beim absichtlichen Zufüllen in die Brunnen. Sie erhielten sich durch Luftabschluß vorzüglich und sind nach Jahrhunderten durch den Spaten der Ausgräber wieder gehoben worden. Heute sind sie im Museum (Horreum) zu sehen.

 

Wall und Wallstraße:

Am Fuße des Walles zieht innen im Kastell die Wallstraße entlang. Der Wall gehört zum letzten Ausbauzustand der Umwehrung. Er ist hinter der zinnengekrönten Wehrmauer aufges­chüttet worden und trügt den Wehrgang. Seine schräge Böschung erlaubte es, den Wehrgang überall vom Kastellinneren rasch zu erreichen.

Bei den Ausgrabungen fand man unter dem Wall die Reste einer älteren Wehrmauer, die aus Holz und Steinen bestand. Hinter dieser älteren Holz-Stein-Mauer befand sich kein Wall. Sie war etwa 3,60 Meter breit und konnte daher zugleich als Wehrgang benutzt werden. Der Aufstieg zur Mauer erfolgte über schmale Rampen, die parallel zur Mauer verliefen und von unten her schräg anstiegen. Zwei dieser Rampen sieht man in der Nord- Westecke des Kastells; ebenso wie die Innenfront der Holz-Erde-Mauer sind sie an den Balkenlöchern erkennbar, in denen einst die horizontalen Balken steckten, die die Mauer zusammenhielten.

Die Innen- und die Außenfront der Holz-Stein-Mauer bestanden aus etwa 80 Zentimeter dicken Bruchsteinwänden, die aber im Gegensatz zu der späteren Steinmauer keinen Mörtelverband hatten. Diese zwei Wände standen in rund zwei Meter Abstand und waren durch zahlreiche Querbalken miteinander verbunden. Der Zwischenraum war mit Bauschutt und Erde ausgefüllt. So entstand die Wehrmauer aus Baustoffen, die in der Umgebung des Kastells leicht zu beschaffen waren: Holz, Stein und Erde.

Unter dem Erdwall kamen bei den Ausgrabungen auch Backöfen zutage (heute unter Schutzdächern). Sie lagen ehemals hinter der Holz-Stein-Mauer und sind zugeschüttet worden, als die Steinmauer mit dem Erddamm errichtet wurde. Ein funktionsfähiger Backofen ist mit seiner ehemaligen runden Überwölbung wieder hergestellt worden. Die Soldaten benötigten die Ofen zum Brotbacken. Sie erhielten ihre Getreideration nämlich ungemahlen und mußten sie mahlen: sie haben auch da: Brot selber gebacken.

 

Rundgang durch das Kastelldorf

Wir verlassen die Saalburg durch das Haupttor. Der Limes liegt nun hinter der gegenüberliegenden Kastellseite (Nordseite). Man erreicht ihn, wenn man außen um das Kastell geht und der vom Nordtor ausgehenden Schneise folgt. Nach 200 Metern steht man auf dem Limeswall, der hier ebenso wie der vorgelagerte Graben gut erhalten ist.

Der Kern des Kastelldorfs lag vom Limes abgewendet an der Straße, die vom Haupttor der Saalburg schnurgerade in die Ebene hinabführte. Zunächst wenden wir uns vom Haupttor nach rechts, wo die Ruinen zweier größerer Bauten unter den Bäumen liegen. Beide (Mansio und Bad) waren keine Zivilbauten, sondern gehörten zum militärischen Bereich.

Die Mansio:

Das erste Gebäude hat einen rechteckigen Umriß; die Räume gruppieren sich um einen offenen Innenhof. Ein ähnliches Gebäude hat man auch vor den Toren anderer Limeskastelle gefunden. Es handelt sich um einen Bau, in dem durchreisende Offiziere oder Beamte in dienstlichem Auftrag eine Unterkunft fanden. Der Südflügel enthält als Besonderheit zwei geheizte Räume. Der mittlere Raum besitzt die besterhaltene Fußbodenheizung der Saalburg: der Fußboden (aus Ziegeln und Mörtelmasse) wurde von Pfeilern getragen. Auf diese Weise entstand ein Hohlraum unter dem Fußboden, durch den der heiße Rauch aus der Feuerung zog. Der Rauch stieg dann an der Wand in Kachelsträngen nach oben. Ostlich schließt sich ein anderer Raum an, der eine Kanalheizung besaß. Hier zog der Rauch unter dem Fußboden durch Kanäle, und dann wiederum durch Kachelstränge an der Wand nach oben.

 

Das Bad des Kohortenkastells:

Einige Schritte weiter stößt das Bad (Balineum) an die Mansio. Beide Gebäude bildeten eine bauliche Einheit. Sie wendeten ihre Hauptfronten dem Kastell zu und grenzten so einen etwas unregelmäßigen viereckigen Platz schräg vor dem Haupttor ab. Mit 41,5 Meter Länge ist das Bad größer als manche Thermen in römischen Kleinstädten. Der Eingang war dem Haupttor des Kastells zugewandt und führte in den Umkleideraum A (Apodyterium). Dessen Mauern liegen über den Resten eines älteren Raums mit Kanalheizung, der in einem älteren Bauzustand das Hpodyterium erwärmte. Vielleicht ist die Kanalheizung später für den Raum A beibehalten worden.

Üblicherweise badete man in der Reihenfolge heiß - kalt, so daß zuerst der Schwitzraum S (Sudatorium) von A aus aufgesucht wurde (die Lage der Tür von A nach S ist unbekannt). Dieser Raum wurde von einem Hypokaustum kräftig geheizt. Durch die beiden mäißig geheizten Räume T' und T' (Tepidarium) ging man sodann in dasWarmbad C (Caldarium). Die beiden halbrunden Nischen sowie der rechteckige Anbau nach dem Heizraum H hin enthielten große Wannen mit warmem Wasser. Hier hielt man sich länger auf.  Über T 1 und T 2,  in denen sich ähnliche Wannen mit lauwarmem Wasser befanden, ging man schließlich in das Kaltbad F (Frigidarium), dem ein Kaltwasserbecken P (Piscina) angeschlossen war. Jetzt kleidete man sich in dem Raum A wieder an, dem übrigens eine Toilettenanlage L angeschlossen war.

Mit Ausnahme von F, P und A wurden alle Räume durch Hypokausten geheizt; die Heizkanäle, in denen das Feuer brannte (Praefurnium), gingen von den Heizräumen H in die Hypokausten. Das Bad hatte Glasfenster, es war innen reich bemalt, außen weiß verputzt und besaß ein rotes Ziegeldach. Üblicherweise badete man nachmittags. Zur Badeausrüstung gehörten außer Badetüchern der Schaber (Strigilis), das Fläschchen mit parfümiertem Öl zum Einsalben (Balsamarium) und wohl auch Holzpantoffeln, weil der Fußboden in einigen Räumen für nackte Füße ziemlich heiß war. Ein Modell eines solchen Kastellbades ist im  Horreum zu sehen.

 

Die Häuser des Kastelldorfs:

Wir kehren zur römischen Straße zurück, die vom Kastell-Haupttor ausgeht. Etwa 30Meter unterhalb der Mansio, von ihr durch einen Zwischenraum deutlich getrennt, beginnt eine Reihe von Kellern auf jeder Straßenseite. Die Keller gehörten zu langgestreckten Häusern, die nur teilweise unterkellert waren. Sie stießen mit den Schmalseiten an die Straße. An einigen Stellen erblickte man noch die rückwärtigen Mauern der Häuser. Hier haben sich kleine Handwerker, Gastwirte und wohl auch Soldaten nach ihrer Entlassung angesiedelt. Die Kastellbesatzung bot mit ihrer - wenn auch bescheidenen - Kaufkraft doch einen Anzreiz für kleine Gewerbetreibende. Vielleicht gab es auch Wochenmärkte auf der Straße vor den Häusern, zu denen Bauern unten aus der Ebene kamen. Der Verkehr über die Grenze dürfte bei der Saalburg aber gering gewesen sein. Die Bewohner des freien Germanien sind kaum bei der Saalburg über die Grenze in das Römerreich gekommen. Weitere Häuser ähnlicher Bauart findet man vereinzelt auch abseits der Römerstraße an den beiden Seiten des Kastells.

Bemerkenswert ist noch der große Bau vor dem Osttor, dessen Grundriß dem eines ländlichen Gutshauses ähnelt; seine Verwendung neben der Saalburg ist unbekannt. Hinter dem Bau erkennt man die rekonstruierte kleine Schanze A, eine der ältesten römischen Anlagen auf der Saalburg. Die Tatsache, daß so viele Häuser ungeschützt außerhalb des Kastells liegen konnten, zeigt recht deutlich, ein wie sicherer Schutz des Limes für längere Zeit gewesen sein muß.

 

Heiligtümer und Gräber am Rand des Kastelldorfs:

Am Rande des Kastelldorfes befanden sich einige Heiligtümer. Keines von ihnen war altrömischen Gottheiten geweiht. Diese wurden von der Truppe, wie schon ausgeführt wurde, an bestimmten Tagen im Kastell vor dem Fahnenheiligtum verehrt. Im Laufe der Kaiserzeit fanden aber zunehmend orientalische Gottheiten Eingang im Römerreich. Wenn sie auch nicht im offiziellen Festkalender des Militärs erschienen, so gewannen sie doch mehr und mehr Anhänger, weil die alte Religion viele Menschen nicht mehr befriedigte.

Weit verbreitet war die Verehrung des persischen Gottes Mithras. Ein Mithreum ist am Rande des Kastelldorfs neben einer Quelle rekonstruiert worden, obgleich der Mithraskult an der Saalburg nicht sicher nachgewiesen werden konnte. Das Bauwerk zeigt eigentümlich dunkle und höhlenartig anmutende Kultstätte. Ein wenig oberhalb des Mithreums (in Richtung auf das Kastell) liegen einige schwach wahrnehmbare Mauerreste. Nach einer dort gefundenen Inschrift handelt es sich um die Ruinen des Heiligtums der „mater deum“ (Göttermutter) Kybele aus Kleinasien, auch als „Metroon“ bezeichnet.

Nicht mehr sichtbar ist der Tempel des Jupiter Dolichenus aus Syrien (eine Inschrift heute im Fahnenheiligtum). Das gilt auch für das gallische Heiligtum, das im Zuge der heutigen Bundesstraße lag. In seiner Nähe kamen zwei Sandsteinskulpturen zutage, die vielleicht den Unterweltsgott Succellus und seine Kultgenossin Nantosvelta darstellen.

Unterhalb der Heiligtümer beginnen an beiden Seiten der Römerstraße die Gräberfelder. Von ihnen ist nichts mehr zu sehen. Die Toten wurden auf einem Scheiterhaufen verbrannt und die Asche mit einigen beigegebenen Gefäßen bestattet. Der Verstorbene erhielt darin eine Wegzehrung für die Unterwelt und wohl auch eine kleine Münze für Charon, den Fährmann des Totenreichs. Ein Grabstein, meist wohl nur ein Holzpfahl mit einer Inschrift, in einer Einfriedung an der Straße aufgestellt, hielt das Andenken wach.

 

Saalburg‑Restaurant:

Zur Erinnerung an den 100. Geburtstag Kaiser Wilhelms I. am 22. März 1897 verschickten Feriengäste Postkarten mit dem Konterfei des Kaisers aus Bad Homburg und von der Saalburg in alle Welt. 100 Jahre später, am 22. März 1997, wurde im Saalburg‑Restaurant eine Ausstellung eröffnet, mit Plänen, Postkarten und Fotos, die Amüsantes und Historisches über das Landgasthaus berichtet, das sich im 19. Jahrhundert aus einer Post‑ und Pferdewechselstation zum beliebten Ausflugsziel entwickelte. An den Wänden des Restaurants haben Pächterin Charlotte Gassner und William Knüttel Dokumente der Gasthausgeschichte dekoriert, die sie in den Archiven der Stadt Bad Homburg und des Saalburg‑Museums gefunden haben.

Bereits 1858, wenige Jahre nachdem im Römerkastell Saalburg Archäologen mit ihren Grabungen begannen, entstand nebenan das „Schweizerhäuschen“, Vorgänger des heutigen Landgasthauses. Dort wohnte der Kastellan, der darauf achtete, daß die Kastell-Steine nicht gestohlen wurden. Später beherbergte das Haus auch die Archäologen. Daß die schon vorhandenen Bauten in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erweitert wurden, mag auch auf den Einfluß Kaiser Wilhelms zurückzuführen sein; der Kaiser sei in den Jahren 1868 bis 1873 oft in Bad Homburg gewesen. Genau zu belegen sei das nicht, unbestritten aber, daß sich 1872 ein Verein „Zur Förderung der Saalburgbauten“ gründete und im Lauf der nachfolgenden Jahre rund um Gasthaus und Kastell ein Park entstand, in den Knüttel, auch den Herzberg‑Turm mit einbezieht.

Die Bilder zeigen kaiserliche Besuche auf der Saalburg,  vieles über den Bau der „Elektrischen“ (Straßenbahn) und den dazugehörenden Bahnhof, vom Gordon‑Bennett‑Rennen und die vielen Ausbaustufen des Gasthauses.

 

Zwischen Gasthaus und Saalburg geht die Straße zum Herzbergturm ab. Er ist über Wanderwege sowie eine Zufahrtsstraße erschlossen. Frau Gaby Pilgrim vom Bürgerreferat der Stadtverwaltung Bad Homburg v.d. Höhe schrieb aber am 11. Mai 2011: „Sie können am Wochenende bis zum beschriebenen Parkplatz fahren!“ Daraus geht hervor, daß man die Straße trotz des Sperrschilds befahren darf, am Wochenende bis zu dem ersten Parkplatz, unter der Woche auch bis zum Turm.

 Der Herzberg ist an sich kein Gipfel, sondern die Südostschulter des Roßkopf (632 Meter), der ohne nennenswerten Höhenverlust unweit über einen Wanderweg zu erreichen ist. Der Name des Bergs stammt von Hirschen. Aus ursprünglich „Hirschberg“ wurde über „Hirz­berg“ der heutige Name „Herzberg“.

Auf dem Gipfel des Homburger Hausberges auf  591,4 Meter Höhe befindet sich der so genannte Herzbergturm mit einem 24,50 Meter hoher Stein-Turm mit Gastronomie. Er bietet den Blick auf die Mainebene, die Wetterau und den Taunus bis zum Feldberg.

Bereits 1875 wurde auf dem Gipfel des Herzberges der Bad Homburger Ableger des Frankfurter Taunusklubs gegründet, mit dem Ziel, auf der Kuppe des Herzberges eine Aussichtsplattform zu realisieren. Das Vorhaben hatte aber mangels finanzieller Mittel zunächst keinen Erfolg. Als Ersatzmaßnahme wurde am 9. April 1878 ein Holzgerüst aufgestellt, das etwa 18 Meter hoch war und kaum mehr als ein Hochsitz.

Unter der Führung des Bad Homburgers Georg Schmidt wurde 1885 ein eigenständiger Homburger Taunusklub gegründet. Ziel des Clubs war die Errichtung eines steinernen Aussichtsturmes, der auch Wind und Wetter Widerstand bieten sollte. Im Jahre 1891 starteten die Planungen.

Im Januar 1891 wurde auf der Hauptversammlung des „Homburger Taunusklub“ der Bau eines größeren Turms in Angriff genommen. Doch zunächst stritt man sich erst einmal um den Namen. Im Jahre 1902 hatte sich man sich „endlich durchgerungen, den neuen Turm „Kaiser-Wilhelm-Turm“ zu nennen. Aber auf Drängen von Baurat Jakobi, der die Saalburgausgrabungen leitete, wurde der noch gar nicht existierende Bau in „Bismarckturm“ umbenannt.

Im April 1906 wurde dem Kaiser ein Modell des geplanten neuen Turms vorgestellt. Aber er lehnte es entschieden ab mit der Begründung: „Es gibt keinen Bezug auf das benachbarte Kastell Saalburg und den Limes.“

Aber erst 1910 hatte man die nötigen finanziellen Mittel von 25.000 Goldmark für die Realisierung zusammen. Am 12. April 1910 unterzeichnete Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich den Entwurf für den Bau des Herzbergturmes mit einem „Genehmigt“. Angefertigt war er von dem Bildhauer Jakob May (anderer Angabe: Baurat Louis Jacobi) auf der Basis der Entwürfen des Architekten H. Foeller. Er sieht so aus, wie man sich damals einen römischen Wachturm vorstellte.

Am 20. Juli 1910 wurde der Grundstein zum Turm gelegt. Hierzu wurde feierlich eine 70 x 20 Zentimeter große Urkunde mit einer Abbildung des Turmes und der eigenhändigen Unterschrift des Kaisers mit dem Wort „Genehmigt“, in die östliche Turmecke eingemauert.

Zum Bau wurden Taunusquarzit-Findlinge verwendet, für den hölzernen Dachaufbau Eichenholz aus dem Taunus. In einem inneren Treppenhaus führen 110 Stufen zur geschlossenen Aussichtsplattform. Ein Holzdach aus Taunus-Eichen und mit einer 6,60 x 6,60 Meter messenden Aussichts-Plattform drohnt seitdem auf dem Herzbergturm als direkter Konkurrent mit dem Feldbergplateau. Das untere Drittel der Turmhöhe wurde durch eine massive Schutzhalle mit Erdanschüttung bedacht. Die Baukosten betrugen damals 28 000 Mark. Der Weg zum Aussichtsrondell führt über 110 Stufen, am Turmwärterzimmer und Klubzimmer vorbei nach oben. Am letzten Treppenabsatz kann man auf einer Schrifttafel die Namen aller am Bau beschäftigten Handwerker ablesen. Am 30. Juni 1911 wurde das Bauwerk feierlich mit Fanfaren vom Turm, Liedern eines Männerchores sowie Ansprachen eingeweiht.

Im weiteren Sinne mag der Turm als Mahnmal zweier untergegangener bedeutender Epochen gelten, der des römischen Kaiserreiches und der des deutschen Kaiserreiches, das ihn, nichts ahnend vom eigenen, nahen Untergang, errichten ließ. Heute mutet uns dieses drollige, aber originelle Bauwerk bereits wie ein Denkmal „der guten, alten Zeit“ an.

Der Turm war im Besitz des Taunusklubs Bad Homburg und ging vor einigen Jahren in den Besitz der Stadt Bad Homburg über. Ab 2005 wurde an einer Planung für die umfassende denkmalpflegerische Sanierung gearbeitet und der Turm wegen Einsturzgefahr gesperrt. Im Juli 2006 wurde die Dringlichkeit der Sanierung bekannt, so dass seitens der Stadt sofort Mittel für die Sanierung bereitgestellt wurden.

Die Arbeiten begannen schließlich im Frühsommer 2007. Seit dem 8. Dezember 2008 ist der Turm gegen 50 Cent Eintritt, der dem Wirt des Berggast­hofs zugute kommt, wieder für jeden zugänglich. Die Sanierung hat insgesamt 1,25 Millionen Euro gekostet. Länger als ursprünglich geplant dauerten die Arbeiten wegen des nötigen Aufwands, der sich erst während den Arbeiten zeigte. Statt einer Überarbeitung der Fugen wurden diese teilweise komplett ausgetauscht. Auch die Quarzitsteine wurden gereinigt oder durch 20 Kubikmeter neue aus den Werken im Köpperner Tal ersetzt. Auch die Kappendecken wurden durch Stahlbeton ersetzt, die Fensterrahmen bestehen nun aus Stahl und neuem Eichenholz. Neben der Erneuerung der Böden wurden diese in den Innenräumen mit Parkett ausgelegt.

Ungeachtet seiner Lage in 591,4 Meter Höhe bleibt der Gasthof, der inmitten der weiten Waldgebiete des Naturparks Hochtaunus liegt, dem Blick verborgen. Doch kann der Reisende den genauen Ort schon von weitem aus der Mainebene her ausmachen, überragt doch der sich neben dem Gasthof erhebende Herzbergturm, unübersehbar wie der benachbarte Feldbergturm, die Wipfel des Taunuskamms.

An klaren Tagen kann man den 80 Kilometer entfernten Odenwald erkennen. Des Abends, wenn die Konturen der Landschaft langsam zurücktreten, erstrahlt das Lichtermeer des Rhein-Main-Gebiets nah, und doch auch wieder unwirklich fern. Denn hier oben, fernab der Straßen und Siedlungen, rauschen nur die Wälder. Es mag gerade dieser starke Kontrast zwischen Kernballungsgebiet und freier Natur sein, der den Reiz dieses Ortes ausmacht.

 

Das Team des Berggasthofs schreibt: Der Berggasthof, der 1914 zu Füßen des Herzbergturms errichtet wurde, ist ganzjährig geöffnet. Auf regennasses und lehmverkrustetes Schuhwerk und Hundepfoten sind wir naturgemäß bestens vorbereitet. Für berittene Besucher werden in Kürze Einrichtungen installiert, die das Anbinden der Pferde gestatten. Für alle vierbeinigen Gäste wird Wasser bereitgestellt.

Bei geeignetem Wetter können Sie darüber hinaus zwischen zwei ganztägig bewirtschafteten Freiluft-Plattform des Turmes, schon von  der Sonnenterrasse mit zwei Plattformen (insgesamt 50 Plätze) mit Südblick in die Main-Ebene, oder unseren Biergarten auf dem Herzberg-Plateau, wie ein Innenhof windgeschützt umrahmt von Herzbergturm, Gasthaus und Wald (insgesamt 100 Plätze).

So variabel das Ambiente, so flexibel die Speisekarte! Kinder, Burschen, Ehepaare und Seniorengruppen; Sportler, Wanderer und Reiter; Naturliebhaber und Schöngeister - die Erwartungen solch bunten Publikums sind weiter gefächert als anderswo. So reicht unser Angebot von Leichtbekömmlichem zu Deftigem, vom Vegetarischen zum Fleischgericht, vom kräftigen Mittagsmahl bis zu Kaffee und Kuchen und schließlich von der Stammkarte zum Saisongericht.

Wie es sich für einen Berggasthof mitten in der Natur und in unserem Raum gehört, ist unsere Küche ländlich und urhessisch orientiert. Einfach, aber „saugut“. Natürlich darf hier draußen der Beerenwein nicht fehlen (wir haben Fruchtweine sehs verschiedener heimischer Früchte im Angebot - auch zum Mitnehmen), selbstverständlich ist der Äbbelwoi ein Muß wie auch Opas Kräuterschnaps (Fünf Brände im Angebot). Auch bei Fruchtsäften, Wein und Bier entdecken Sie Altbewährtes.

 

Öffnungszeiten von Turm und Gaststätte:

Wir haben das ganze Jahr wie folgt für sie geöffnet:

Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr, Freitag und Samstag von 10 bis 23 Uhr,

Sonntag und Feiertage von 10 bis 21 Uhr. Vom 2. Januar bis 1. April ist von 11 bis 18 Uhr. Bei schönem Wetter verlängern wir gerne die Öffnungszeiten. Montag haben wir Ruhetag. Wir haben durchgehend warme Küche bis eine Stunde vor Geschäftsschluß.

 

Wanderung Saalburg-Sandplacken:

Von der Bundesstraße hoch in Richtung Saalburg biegt man kurz vor der Höhe nach links ab auf das Saalburgrestaurant zu und fährt dann noch ein Stück auf der alten Landstraße nach oben. Dort ist rechts ein Parkplatz.

Am oberen Ende steht der Gedenkstein für das Gordon Bennett Rennen 1904. Am 17. Juni 1904 wurde an dieser Stelle das erste Internationale Automobilrennen auf deutschem Boden gestartet: Das Gordon bennett Rennen. Im Jahre 1899 hatte der Herausgeber der New York Harald Tribune, James Gordon Bennett, denWanderppokal gestiftet. Das Rennen wurde unter je drei Rennwagen aus Belgien, England, Frankreich, Italien  Östzerreich und Deutschland sowie einem Teilnehmer aus der Schweiz ausgetragen. Die Rundstrecke wurde viermal umfahren und mit knapp 509 Kilometern gewertet. Der Franzose Thery gewann auf Richard Brasier imiti einer Durchschnittsgeschwindigkeit  von nahezu 90 Kilometern vor seinem Erzrivalen Jenatzky, dem Vorjahressieger auf Mercedes. Die Tribüne hier an Start und Ziel faßte 2500 Zuschauer. Unter den Rängen befanden sich ein Postamt, Salons und ein Restaurant auf der rechten Seite war die Loge, von der auch Kaiser Wilhelm das Renmen verfolgte.

 

Von dort geht man östlich um die Saalburg herum, vorbei an den Bauten vor dem Osttor.

Das rekonstruierte Saalburgkastell stellt den Zustand ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts nCh dar. Schon vor dieser Zeit gab es hier auf dem Saalburgpass Schanzen, d h. befestigte Unterkünfte für Soldaten. Sie zeichnen ich heute als Wälle und Gräben im Gelände ab. Die noch sichtbaren Mauerzüge gehören zu einem späteren Gebäudekomplex. Die Ausgrabungen am Anfang des 20. Jahrhunderts konnten nicht eindeutig klaren, in welchen Zeiträumen diese Bauwerke bestanden und welchem Zweck sie dienten. Durch den Vergleich mit Ausgrabungen an anderen Orten lassen sich jedoch Vermutungen anstellen:

Schanze A: Die älteste Anlage in diesem Bereich war von Erdwall, Graben und einem hölzernen Flechtwerkzaun  umgeben. Feste Gebäude im Inneren gab es nicht, dafür aber Zelte. Das Lager wurde noch vor Anlage des Limes erreichtet, vielleicht um das Jahr 75 nCh.

Schanze B: Zwei Gräben und Wälle schützen diese jüngere Schanze.Sie war für einen längerebnAufenthalt des Mlilitärs eingerichtet. Die Besatzung war in einer U-förnigen Baracke mit Innenhiof untergebracht. Die Anlage entstand im Zuge des Krieges gegen den germanischen Stamm der Chatten (83-85 nCh) oder kurz danach. Der Limes war schon angelegt. Die Schanze sicherte den nahegelegenen Limesdurchgang.

Gebäudekomplex C: Das rechtwinklige Gebäude aus Stein  und Fachwerk war um einen Hof herum errichtet worden. Es entstand in der ersten Hälfte  des zweiten Jahrhunderts, zur gleichen Zeit wie ein kleineres Vorgängerkastell im Inneren der rekonstruierten Saalburg. Bisher konnte dieFunktion dieser Anlage nicht eindeutig festgestellt werden. Möglichkeiten: 1. Landgut, 2. Kommandantenwohnung, die im Kastell keinen Platz hatte, oder 3. Handelsgebäude (Kaufhaus) , in dem Waren kontrolliert, gelagert und verkauft wurden (siehe auch die Fotos).

 

Dann geht man weiter parallel zur Mauer und zu einem Durchgang durch den Limes, den man auch jetzt noch gut erkennen kann. Hier verließ der römische Paßweg, der aus der Rhein-Main-Ebene kam, das Römerreich. Bei den Ausgrabungen fand man neben dem Durchgang die Spuren eines hölzernen Wachthauses. Heute ist neben dem alten Grenzübergang ein Stück des Limes rekonstruiert und mit der Palisade versehen worden. Schautafeln informieren über die Ausbaustufen des Limes.

Schon bevor die Römer ins Land kamen, wurde der Saalburgpass als Übergang von der Rhein-Main-Ebene ins Usinger Becken genutzt. Mit der Einrichtung des Limes entstand Ende des 1. Jahrhunderts nCh eine Grenzlinie zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Stammesgebieten. Die Besatzung des benachbarten Kastells Saalburg sicherte den Limesdurchgang auf dem Pass.

Der Limes war keine unüberwindliche militärische Sperranlage, wie es zum Beispiel die deutsch-deutsche Grenze gewesen war. Er sollte vielmehr verhindern, dass unkontrolliert Personen die Grenze passierten und Waren ein- und ausgeführt wurden. Nur an den Limesduurchgängen konnte man rechtmäßig ein- und ausreisen. Hier gab es Passierscheine, die mitgebrachten Guter wurden verzollt. Das Wachhaus diente den Kontrollbeamten als Büro, der Hof als Zwischenlager

Der Limesdurchgang wurde im Jahr 1911 archäologisch untersucht Der Ausgräber ging davon aus, dass Wall und Graben ausschließlich aus der Römerzeit stammten, Tatsächlich ist die Anlage in ihrer heutigen Form der Überrest einer mittelalterlichen Grenzwehr. Diese war über dem ehemaligen Limes angelegt worden. Auch heute markiert der Wall an dieser Stelle noch die Grenze zwischen Bad Homburger und Wehrheimer Gemarkung.

 

Nach links geht es dann weiter. Man kommt vorbei an den Saalburgschanzen, die im Kaiserreich von Soldaten zu Übungszwecken aufgeschüttet wurden (eine „Preußenschanze“ gibt es südwestlich der Saalburg). Die an dieser Stelle im Wald erkennbaren Wälle und Gräben stammen nicht aus der Römerzeit. Es handelt sich vielmehr um Überreste von Modellschanzen, die 1913 von preußiischen Pionieren errichtet wurden.Sie erprobten dabei die technischen Möglichkeiten, wie sie den Römern für den Bau solcher Anlagen zur Verfügung standen. Es galt unter anderem herauszufinden, wie tauglich die Werkzeuge aus römischer Zeit waren und wie viel Zeit augewendet werden mußte. Dieses damals neartige Experiment wurde auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II durchgeführt, der auch die Rekonstruktion  des Rämerkastells Saalburg veranlaßt hatte. Es ist eines der frühesten Zeugnisse der experimentellen Archäologie.

Hier trifft man dann auch auf den Waldlehrpfad von der Saalburg (er beginnt westlich der Saalburg) zum Hessenpark (siehe Saalburg). Man geht den Weg weiter, vorbei am Wasserbehälter bis zu einer Schutzhütte. Dort dann rechts ab zum Hessenpark und vor dem Eingang dann links am Waldrand entlang. Im rechten Winkel dann weiter am Waldrand entlang in einem Linksbogen. Am Ende des Schafstalls geht links ein Weg ab. Den nimmt man aber nicht, sondern geht fast geradeaus auf einem kurzen Trampelpfad durch den Wald. Dann kommt man auf die Wiesen, wo die Pferde des Reitstalls weiden. Man geht bis zur Teerstraße. Dort ist rechts das Gasthaus Talmühle. Die grundsolide Ausflugskneipe mit grundsoliden Eier‑ und Schnitzelspeisen ist Montag und Dienstag geschlossen. Man geht aber links hoch vorbei an der Ernst-Ahrens-Mühle zum Reitstall Wintermühle.

Man   befindet sich hier im „Stahlnhainer Grund“, der vom Erlenbach durchflossen wird. Der Name kommt von der Waldschmiedesiedlung, die von 1200 bis etwa 1400 auf der westlichen Talseite am Waldrand existierte. Die einst dort verstreut siedelnden Menschen glühten in mindestens 50 nachgewiesenen Rennfeueröfen Rasen­eisenstein, den sie vor Ort in einem halben Meter Tiefe förderten. Das Holz für die Holzkohle zur Befeuerung dieser frühen „Hochöfen“ wuchs in der sumpfigen Aue des Erlenbachs. Man hat Reste von mehr als 500 Kohlenmeilern entdeckt. Das heute so verlassen wirkende Tal des Oberlaufs des Erlenbachs war einst eine Art „Industrieregion“. Im 14. Jahrhundert entstanden entlang des Erlenbachs wassergetriebene Hammerwerke, mit denen das Eisen effektiver geformt werden konnte als zuvor mit der Hand auf dem Amboß. Man erkennt die Reste von Terrassen, Belege früher Landwirtschaft.

Vom Reiterhof „Wintermühle“ am Ende der geteerten schmalen Straße könnte man nun weiter am Erlenbach entlang gehen bis zur Erlenbachquelle. Der Bach führte früher viel mehr Wasser führte. Wasserstollen beiderseits des Taunuskamms, also auch auf der Bad Homburger und Oberurseler Seite unterhalb des Quellniveaus, haben den Bach fast trockengelegt. Vorbei am Eingang zum Wasserstollen geht es  zu einer kleinen Lichtung mit Erlen und Fichten und weiter steil bergauf zu einem kleinen Tümpel, der vom Erlenbach gespeist wird. Die Quelle tritt direkt an der Wurzel eines Buchenzwillings aus der Erde. Im übrigen weist ein hölzernes Schild auf den Born hin.

Empfohlen wird jedoch ein anderer Weg ab der Wintermühle. Etwas halblinks geht ein Weg ziemlich steil hoch, zuerst gerade, dann geschwungen. Am Querweg geht es rechts weiter mit dem Wanderzeichen Hirsch, dann an der Spitzkehre links und an der nächsten Spitzkehre wieder rechts mit dem Wanderzeichen Hirschkäfer. Den Querweg braucht man nicht zu beachten, es geht weiter auf gleicher Höhe. An der nächsten Kreuzung steht ein Wegweiser „Sandplacken 1 km“. Dort geht man links, aber auf der Höhe dann rechts ab mit dem Wanderzeichen „Hirschkäfer. Am Parkplatz geht es dann rechts hinunter zum Sandplacken. Kurz vorher steht rechts noch ein Gedenkstein an den Aufenthalt der Amerikaner. Eer trägt den Text: „Im Namen des gesamten Militärpersonals, das seit dem 2. Weltkrieg auf diesem Berg

stationiert war, drücken wir unsere Dankbarkeit gegenüber den Bürgern der umliegenden

Gemeinden aus, die uns so offen aufnahmen und unseren Aufenthalt In Deutschland so angenehm und unvergesslich machten. Danke!“ Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die US-Truppen auf dem Kolbenberg südwestlich des Sandplackens  eine Radarstation, von der noch Überreste vorhanden sind.

 

Der Sandplacken (669 Meter) ist die Paßhöhe zwischen Oberursel und Schmitten und damit in das Weiltal, das eine natürliche Verbindung Richtung Lahntal und Weilburg darstellt. Keltische Fundstellen am Taunushang zeugen davon, daß bereits in vorgeschichtlicher Zeit Menschen diesen Paß nutzen. In der Römerzeit sicherte das Kleinkastell Altes Jagdhaus den Paß, über den der obergermanisch-rätische Limes verläuft. Von Oberursel aus führt die Paßstraße relativ gleichmäßig bei durchschnittlich 5 bis 6 Prozent bis zur Paßhöhe. Die Abfahrt nach Schmit­ten ist steiler und schmaler. Auf der Paßhöhe zweigen die Landstraße 3024 zum Großen Feldberg und von dieser wieder die L 3276 nach Oberreifenberg ab.

Die Straße trägt auch den Namen „Kanonenstraße“. Als sie 1871 bis 1877 gebaut wurde, wurde sie (was im Taunus bis dahin unüblich war) mit so festem Untergrund gebaut, daß auch schwere Fahrzeuge bei schlechten Wetterverhältnissen darauf fahren konnten. Die Einwohner befürchteten daraufhin den Transport von (ebenfalls schweren) Kanonen, und der Volksmund gab ihr den Namen „Kanonenstraße“. Obwohl der Transport sehr wahrscheinlich ausblieb, setzte sich der Name fest und ist heute offizielle Straßenbezeichnung in Schmitten.

Auf dem Sandplacken befinden sich zwei Hotels/Restaurants. Während des Höhepunktes des Zustroms von Asylbewerbern vor dem Asylkompromiss 1992 wurde es als Asylbewerberheim genutzt. Im Tannenhof kann man gut, aber teuer essen.

 

De weitere Weg führt dann wieder ein Stück zurück auf der Straße, auf der man gekommen ist. Doch jetzt biegt man noch vor dem Parkplatz nach rechts ab zum Kleinkastell „Altes Jagdhaus“. Die zerfallene Wehrmauer ist deutlich sichtbar. Das einzige Tor des kleinen Wehrbaus (630 Quadratmeter) ist gegen den Limes gerichtet, der zehn Meter entfernt vorbeiläuft. Das Kastell ist sicherlich erst während der Ausbauphase des  in der Mitte des zweiten Jahrhunderts entstanden. Seinen Namen erhielt es von einem kleinen Bauwerk, dessen Fundamente man bei Grabungen im Innenraum fand, einem Jagdhaus aus dem 16. Jahrhundert, das vermutlich dem Waldboten („Forstdirektor“) der Fürsten von Hessen zur Verfügung stand. Das Jagdhaus ist völlig verschwunden.

Man geht dann wieder zurück auf die breite Forststraße. Im weiteren Verlauf der Strecke ist immer die Frage, ob man dem Limes direkt folgen will und dabei oft über Stock und Stein muß, oder ob man lieber auf der bequemen Forststraße geht. Wenn man das jetzt tut, kann man rechts im Wald den  Limes erkennen. Wo die Straße ihn überquert, muß man sich wieder entscheiden, ob man auf der Straße bleibt oder dem  Limes folgt .

Er steigt jetzt an auf den Klingenkopf. Hier steht ein außerordentlich harter Quarzit an, in den die Römer den Graben nicht eintiefen mochten. Sie haben daher zu Beginn des Limes-Bauzu­standes 4 nicht Wall und Graben angelegt, sondern statt dessen aus Quarzitsteinen, die man am Hang auflesen kann, eine Mauer gebaut. Solche Mauerstücke kommen bis zur Saalburg noch mehrfach über harten Quarzitbänken vor.

Auf der Höhe  stand der Wachtposten 3/55: „Auf dem Klingenkopf“, ein Holz- und ein Steinturm. Beide waren vor wenigen Jahren noch gut sichtbar, sind inzwischen aber stark beschädigt worden. Die Mauer läuft - als flacher Schuttwall kenntlich - den Hang des Klingenkopfs nach Osten hinunter. Am Fuß der Bergkuppe setzen Wall und Graben wieder ein. Hier trifft man auf wieder auf den Forstweg.

Nach einem Kilometer gelangt man zum Kleinkastell „Heidenstock“. Ein Teil der steinernen Umwehrung ist konserviert, der Rest als Schuttwall kenntlich. Das einzige Tor richtete sich nach Norden zum Limes hin, der indessen wenigstens heute an dieser Stelle aussetzt, weil hier wahrscheinlich ein Grenzdurchgang war. Das Kleinkastell  (440 Quadratmeter) dürfte genauso wie das Alte Jagdhaus in der Mitte des 2. Jahrhunderts zur nachträglichen Verstärkung der Grenzlinie erbaut worden sein.

Die Römer überwachten den Limes durch eine dichte Kette von Wachttürmen und Kastellen. Zwischen den großen Kastellen, in denen 500 Soldaten stationiert waren, wurden in der Mitte

des 2. Jahrhunderts nCh kleinere Kastelle für eine Besatzung von 20 bis 30 Mann gebaut. Sie bewachten kurze Limesabschnitte mit Grenzübergängen und stellten die Mannschaften der benachbarten Wachttürme. Meistens liegen etwa vie rKilometer zwischen den Kastellen, geringere Abstände finden sich dort, wo bergiges Gelände die Sichtverbindung entlang des Limes einschränkt. Die Besatzungen der Kleinkastelle wurden von den Truppen der nächst größeren Kastelle abgestellt. Die Soldaten im Kleinkastell Heidenstock gehörten wahrscheinlich zu der Truppe, die auf der Saalburg untergebracht war.

Ein gutes Stück weiter kommt man zu einem Wegweiser, der zwei Wege zur Saalburg weist. Wenn man links geht und gleich wieder rechts kann man zwar ein kurzes Stück auf der Außenseite des Limes entlanggehen, aber man kommt immer weiter vom Limes ab. Der Weg geht bequem bergab, nachher sogar als geteerter Weg. Aber man geht nördlich des Holler­kopfs vorbei und kommt erst nach einer Rechtsbiegung zu einer Stelle, wo man etwa 50 Meter oberhalb auf der rechten Seite das Symbol des Limeswegs wieder sieht. Dort geht man links und kommt wieder auf den Limesweg.

Besser ist es aber wenn man hinter dem Kastell Heidenstock geradeaus den anderen Weg zur Saalburg geht. Der Limes läuft hier wohl erhalten in Richtung auf den Roßkopf weiter. Am Fuß der Bergkuppe werden Wall und Graben wieder durch eine Steinmauer ersetzt, die man als Schuttwall mehr oder weniger deutlich über den Roßkopf verfolgen kann.

Bei den Ausgrabungen fand man oben auf der Höhe des Wachtposten 3/59 „Roßkopf“ zwei Holzturmstellen nebeneinander; eine von ihnen wird von der Grenzmauer überschnitten. Außerdem sind zwei deutlich erkennbare Steinturmhügel vorhanden. Hier haben sich demnach im Lauf der Zeit vier Wachttürme abgelöst. Etwa 80 Meter ostwärts vom Wachtposten hört die Mauer auf, und Wall und Graben setzen wieder ein, jedoch nur für eine Strecke von etwa 250 Meter, dann haben es die Römer wie­derum aufgegeben, in dem harten Quarzit einen Graben zu ziehen und haben lieber eine Mau­er gebaut.

Man folgt dem Schuttwall der Mauer und gelangt nach knapp 500 Metern zum Wachtposten 3/60 „Einsiedel“. Hier war nur ein Steinturm, der in der Mitte des 2. Jahrhunderts nachträglich zwischen die Wachtposten 3/59 und 3/61 eingefügt worden ist. Man sieht unmittelbar hinter dem Limes den Schutthügel des Turms mit einigen zerfallenen Fundamentmauern. Wenige Meter westlich davon bemerkt man eine Grube, die wohl den Rest einer Zisterne darstellt. Sie war für die Wasserversorgung der Wachtmannschaft bestimmt und wurde bei den Grabungen der Reichskommission freigelegt.

Der nächste Wachtposten 3/61 „Auf dem Kieshubel“ wird links umgangen. Hier wurden zwei Holzturmstellen und zwei Steinturmfundamente vorgefunden. Diese Wachtposten lagen allerdings auf der Höhe, waren sehr dem Wetter ausgesetzt und mußten daher mehrmals erneuert werden. Heute sieht man die konservierten Grundmauern der beiden Steintürme und auch Reste der Holzturmstellen westlich von ihnen. Die Holzturmreste werden von der (hier kaum sichtbaren) Mauer überschnitten. Diese läuft als Schuttwall noch 700 Meter weiter (oft schwer erkennbar).

Dann folgt wieder ein Abschnitt mit Wall und Graben, jedoch nur für 200 Meter. Ungefähr 500 Meter von dem Wacht­posten am Kieshubel liegt der Wachtposten 3/62 „Am Hol­ler­kopf“ hinter der Mauer. Hier ist nur ein undeutlicher Steinturmrest zu finden. Man fand hier keinen Holzturm, und so wird der Steinturm ähnlich wie Wachtposten 3/60 nachträglich in der Mitte des 2. Jahrhunderts eingefügt worden sein.

Bald beginnt die Quarzit-Rippe des Weiße­stein, eine natürliche Felsrippe, die ungefähr in Richtung des Limes  läuft (auf der Landkarte ist er zu weit nördlich eingezeichnet). Die Römer haben sie nicht in die Grenzwehr einbezogen, sondern die Mauer in ungefähr 15 Meter Entfernung südöstlich vorübergeführt, wo man heute allerdings nur noch ganz schwache Spuren wahrnehmen kann. Auch diese Linienführung des  entspricht nicht den taktischen Forderungen, die in der Antike an Wehranlagen gestellt wurden; es konnte ja ohne weiteres eine Gruppe von Feinden hinter der Felsrippe Deckung nehmen. So erweist sich auch hier, daß die Grenzlinie keine Wehranlage war. 

Etwa 150 Meter nach dem Ende der Felsrippe erblickt man den Steinturmhügel Wachtposten 3/63 „Weißestein“ mit konserviertem Turmfundament. Dicht daneben fand man bei Grabungen den Rest eines zweiten Turms, von dem aber nichts mehr zu sehen ist. Etwa 25 Meter vor dem Steinturm lief die hier nicht klar erkennbare Steinmauer. Sie überschneidet zwei Holzturmstellen, über die der heutige Waldweg hinwegläuft. Wer die Bodenoberfläche aufmerksam beobachtet, kann die flachen Ringgräben erkennen, die allerdings durch die Ausgrabungen der Reichskommission gestört worden sind.

Auch bei diesem Wachtposten steigt der Berghang vor der Grenzlinie steil an. An einer so ungünstigen Stelle hätte man nie eine Wehranlage errichtet; der Angreifer kommt von oben und hat alle Vorteile auf seiner Seite. Der Limes hatte keineswegs die Funktion einer Wehranlage in der Art antiker Stadtmauern, sondern war weiter nichts als eine überwachte Grenzlinie, die erst seit dem Bauzustand zusätzliche Annäherungshindernisse erhielt. Sie wurden nicht direkt verteidigt, sondern nur von den Türmen aus beobachtet und überwacht. An dieser Stelle haben die Römer die geschützte Lage unterhalb des Bergkamms vorgezogen; auf der Höhe kann ein sehr rauher Wind wehen.

Etwa 70 Meter nördlich von Wachtposten 3/63 hört die Mauer auf, und Wall und Graben beginnen wieder. In vorzüglicher Erhaltung zieht der Limes hinunter zur Saalburg. Wo der Limes nach Norden aus auf die Saalburgschanzen zu abbiegt, kann man nach rechts zur Saalburg gehen. Der Limes läuft in einem Bogen in etwa 200 Meter Abstand an der Saalburg vorbei.

 

Die Umgebung der Saalburg

Wer von der Gegend um Bad Homburg einen Blick auf den Taunus wirft, bemerkt nördlich von der Stadt eine deutliche Einsenkung im Taunusamm. In dieser Einsenkung, die wie ein Paß auf der Berghöhe liegt, befindet sich die Saalburg, während der Limes ungefähr der Kammlinie des Gebirges folgt. Die Lage der Saalburg ist offenbar durch alte Wege bestimmt worden, die schon immer über den Paß liefen. Sie konnten durch das Kastell gesperrt werden. Heute führt die Bun­desstraße 456 von Bad Homburg über den Saalburgpaß in Richtung Usingen.

 

Der Besuch der Saalburg läßt sich mit schönen Ausflügen und Wanderungen verbinden:

1. Am Limes entlang zum Sandplacken: Man folgt dem Limes nach Westen, am besten auf dem Limes-Wanderweg des Taunusklubs. Eine längere, landschaftlich schöne Wanderung. Am Sandplacken Bushaltestelle und Restaurant.

2. Zum Limeskastell am Kleinen Feldberg: Man fährt mit dem Auto von der Saalburg über Anspach, Schmitten, Oberreifenberg zum Roten Kreuz am Kleinen Feldberg (17 Kilometer). Man stellt den Wagen entweder dort ab oder besser einige hundert Meter weiter östlich (Waldweg) auf dem Parkplatz „Heidenkirche“. Etwa 200 Meter oberhalb von diesem Parkplatz läuft der Limes, und dahinter liegt das Kastell.

3. Zum Herzberg: Der Herzberg befindet sich wenige Kilometer südwestlich von der Saalburg (Wanderwege durch den Wald benutzen). Darauf Aussichtsturm mit guter Fernsicht und Restaurant.

4. Nach Bad Homburg: Man benutzt den Weg, der unterhalb des Saalburgrestaurants zur Jupitersäule führt. An der Jupitersäule folgt man dem unteren Weg (Lindenweg). Am Gotischen Haus vorbei gelangt man nach Bad Homburg (7 Kilometer).

 

 

Taunus-Lehrpfad Saalburg - Hessenpark

Wer durch den Taunus ändert, kann nicht nur die Natur erleben, sondern begegnet auch auf Schritt und Tritt Zeugen unserer Vergangenheit. Dies will der Taunus-Lehrpfad, der von der Saalburg zum Hessenpark und wieder zurück führt, bewußt machen. Dabei werden die Themen dort aufgegriffen, wo sie in der Landschaft erlebbar sind. Gleichzeitig werden die nur drei Kilometer voneinander entfernt liegenden Ausflugsziele miteinander verbunden. Denn jährlich kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland etwa 200.000 Besucher zur Saalburg und 250.000 zum Hessenpark.

Im Mai 1980 wurde der Taunus-Lehrpfad vom Umlandverband Frankfurt fertiggestellt und der Öffentlichkeit übergeben. Er wurde als Rundweg angelegt. Diejenigen Besucher, die nur von der Saalburg zum Hessenpark oder in die andere Richtung wandern wollen, können sich nach den thematischen Schwerpunkten für einen der beiden parallel zueinander verlaufenden Wege entscheiden.

Die Wanderzeit für den einfachen Weg beträgt etwa 45 Minuten, für den Rundweg also etwa eineinhalb Stunden - nicht eingerechnet die Zeit zum Lesen der Tafeln oder zum Verweilen an reizvollen Ausblicken. Die vielen Wanderer und die zahlreichen Schulklassen, die den Lehrpfad benutzen, zeigen, daß es richtig war, ihn hier anzulegen.

Er biegt an der Westseite an der Saalburg nach Nordwesten ab und kommt dann wieder auf eine breite Fahrstraße. Von dieser knickt rechtwinklig ein Weg ab zum Hessenpark. Diesen Weg benutzt man zunächst auf dem Rückweg, biegt aber jetzt vorher nach Osten ab, der zum Wasserbehälter und zu den Saalburgschanzen führt und dann östlich der Saalburg vorbeiführt (siehe Kartenskizze)..

 

1.  Fremdländische Baumarten:

Um möglichst schnell einen hohen Holzertrag zu erzielen, wurden im 18. und 19. Jahrhundert Bäume aus klimatisch vergleichbaren Zonen Nordamerikas nach Europa importiert. Dabei machte man sich zunutze, daß dort in der Natur mehr Baumarten (etwa 600) als bei uns (etwa 50) vorkommen. Vor den Eiszeiten war aufgrund der Landverbindung über Grönland die Vegetation in Europa und Amerika annähernd gleich. Es kamen in Mitteleuropa viele jener Baumarten vor, die heute noch in Amerika und Ostasien heimisch sind: Douglasie, Weymouthskiefer, Lebensbaum, Ginkgo, Magnolie, Tulpenbaum, Serbische Fichte und Roßkastanie.

In Nordamerika konnte die Vegetation in den Eiszeiten vor dem aus Norden vorrückenden Eis nach Süden ausweichen und in den Nacheiszeiten die Gebiete wieder besiedeln. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gebirge (Rocky Mountains) waren kein Hindernis. Anders in Nord- und Mitteleuropa: Hier kamen die Gletscher aus Norden und aus den quer zu deren Fließrichtung verlaufenden Gebirgen, insbesondere den Alpen. Das Eis kreiste Mitteleuropa sozusagen ein. Baumarten, die sich nicht in eisfreie Gebiete im Südwesten oder Südosten zurückziehen konnten, starben aus.

Doch schon vor über 2.000 Jahren wurden Bäume und andere Pflanzen wegen ihrer Früchte oder ihres Aussehens nach Mitteleuropa eingeführt. Exotische Bäume waren als Lehr- oder Schauobjekte schon immer eine Bereicherung für Parks und Gärten. In der Nähe des Römerbades legte der Bad Homburger Taunus-Club 1888 einen „römischen Garten“ nach historischen Beschreibungen an. Man importierte dazu Buchsbäume und Stechpalmen, die man heute noch in der unmittelbaren Umgebung der Saalburg in verwilderter Form antrifft.

Von den im 18. und 19. Jahrhundert aus forstwirtschaftlichen Gründen nach Europa eingeführten Baumarten sind heute in unseren Wäldern am häufigsten:

Die Weymouthskiefer: Als erster vielversprechender „Ausländer“ wurde die Weymouthskiefer (Pinus strobus), auch Strobe genannt, aus dem östlichen Nordamerika in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeführt und als Waldbaum angebaut. Sie hat eine höhere Wuchsleistung als die heimische Kiefer, ihr Holz ist äußerst elastisch, leicht und vielseitig zu verwenden. Die schweren Schäden durch den von einem Pilz verursachten Strobenblasenrost schienen in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts das Schicksal der Strobe zu besiegeln, doch hat sich gezeigt, daß der Strobenblasenrost kein Hindernis für ihren Anbau in Mischbeständen ist.

Die Douglasie: Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von ihrem Entdecker und Namensgeber, dem schottischen Botaniker David Douglas, aus dem Westen Nordamerikas nach Europa gebracht. Sie nahm rasch den ersten Platz im Anbau unter den neueren, ausländischen Baumarten ein. Sie ist heute ein häufiger Begleiter der einheimischen Baumarten in den Mittelgebirgslagen. Die Douglasie ist in der Wuchsleistung der Fichte weit überlegen. Einzelne Bäume erreichen auch in Mitteleuropa eine Höhe von weit über 40 Meter.

Die Roteiche: Aus den östlichen Laubwaldgebieten Nordamerikas eingeführt, wird die Rot­eiche (Quercus rubra) seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa in größerem Umfang angebaut. Wegen ihrer guten Bodendurchwurzelung, ihres raschen Wachstums, ihrer reichlichen Laubproduktion und ihrer schönen Herbstfärbung wird sie häufig zur Bepflanzung von Waldrändern und an Wegen verwendet.

 

2.  Der Limes im Taunus:

Nach der Eroberung Galliens durch Caesar (58 - 49 vCh) bildeten Rhein und Donau für über 100 Jahre die Grenze des Römischen Reiches. Doch immer wieder kam es zu germanischen Überfällen und immer wieder unternahmen römische Truppen ausgedehnte Feldzüge in das Gebiet zwischen Rhein und Elbe, ohne das Gebiet endgültig zu befrieden. Unter Kaiser Vespasian (69 - 79 nCh) stabilisierte sich die Herrschaft am Rhein. In Obergermanien, im Grenzabschnitt zwischen dem Westende des Bodensees und Koblenz, waren zu dieser Zeit vier Legionen, mit Hilfstruppen etwa 40.000 Soldaten, stationiert.

Doch nicht durch militärische Siege, sondern durch das Bauen von Straßen und deren Absicherung durch Kastelle wurden vorsichtig rechtsrheinische Gebiete dem römischen Reich einverleibt:

• Eine Straße von Straßburg nach Augsburg, der Hauptstadt der römischen Provinz Raetia, trennte den Schwarzwald und den oberen Neckar vom übrigen Germanien ab.

• In den rechtsrheinischen Gebieten der Oberrheinebene wurden Kastelle gegründet und Mainz über Heidelberg an die Straße Straßburg-Augsburg angebunden.

• Man besetzte von Mainz aus wieder die Mainmündung und den unteren Main und baute Straßen und Kastelle bis in die Wetterau.

Endgültig befriedet wurde die Grenze in Obergermanien erst durch die Chatten-Feldzüge 83 bis 85 und 89 nCh. Jetzt sicherten zwei Legionen von Mainz und Straßburg aus die Grenze. Für die Grenzregion begann eine Zeit des wirtschaftlichen Wohlstands.

Mitte des 2. Jahrhunderts scheint die Bedrohung durch die Germanen wieder stärker geworden zu sein. Der Taunus-Limes wurde in dieser Zeit durch den Bau dreier weiterer Kastelle verstärkt. Im 2. und 3. Jahrhundert wird der Limes, der ursprünglich nur eine Schneise im Wald war, weiter ausgebaut mit Palisade, Wall und Graben (Pfahlgraben). Die hölzernen Wachtürme wurden in Stein neu errichtet. Anfang des 3. Jahrhunderts erhalten die grenznahen Hauptorte Stadtmauern.

Im Jahre 213 kommt es dann zu einem erfolgreichen römischen Präventivschlag gegen die Alemannen und die mit ihnen verbündeten germanischen Stämme (u.a. Chatten). Während Truppen aus Obergermanien zu den Parther-Kriegen nach Kleinasien abkommandiert sind, überfallen die Alemannen im Jahre 233 die römischen Provinzen Raetien, Noricum und Obergermanien. Noch während des erfolgreichen Gegenangriffs beginnt die Krisenzeit der Soldatenkaiser, in der die zentrale Macht im Römerreich immer mehr zerfällt. Die Kastelle entlang des Limes und die Legionslager in Mainz und Straßburg waren nur schwach besetzt, weil Teile der Einheiten abkommandiert waren oder sich im Bürgerkrieg beteiligten. Die verbleibenden Truppen konnten die rechtsrheinischen Gebiete nicht auf Dauer gegen die germanischen Übergriffe verteidigen. Um 260 wird der obergermanische Limes als Grenzlinie aufgegeben. Bis zum Fall des Römischen Reiches bildet der Rhein wieder dessen Grenze.

 

3.  Blick über die Taunuslandschaft:

Das Oberflächenrelief des Taunus ist das eines Mittelgebirges. Während sich die Strukturlinien der Landschaften vor etwa 65 Millionen Jahren, im Tertiär, herausbildeten, wurden vor etwa zwei Millionen Jahren, im Quartär, während der Eiszeiten und Nacheiszeiten die Oberflächenformen geschaffen.

Der Vordertaunus:  Senkungsfelder des Oberrheingrabens, die Mainebene und die Wetterau begrenzen den Taunus im Süden und Osten. Der Vordertaunus als Übergang von der Mainebene zum Hochtaunus verläuft in zunächst sanften, dann steiler werdenden Anstiegen.

Der Taunuskamm: Der Taunuskamm bestimmt das Erscheinungsbild des Hochtaunus. Er ragt über den Vorder- und Hintertaunus heraus. Im Rheinengtal bei Bingen beginnend setzt er sich in nordöstliche Richtung über den Winterstein zum Johannesberg bei Bad Nauheim fort. Von dort an taucht er steil unter die tertiären Ablagerungen der Wetterau. Die markantesten und zugleich höchsten Erhebungen des gesamten Taunus sind: Großer Feldberg (879 Meter), Kleiner Feldberg (825 Meter) und Altkönig (798 Meter). Durch zahlreiche Brüche, Senken und Verwerfungen wird der aus widerstandsfähigen Quarziten und Glimmersandsteinen aufgebaute Kamm unterteilt, insbesondere in den südlich angeschweißten Schollen des Vorgebirges (Vordertaunus).

Die Querverwerfungen: Von der Kammlinie nach Nordwesten zweigen die Bergkämme der Querverwerfungen im rechten Winkel ab. Die bedeutendsten Taunusquerverwerfungen sind der Kemeler Rücken in der Gegend um Bad Schwalbach und die Langhals-Pferdskopf-Scholle. Der Kemeler Rücken reicht weit bis in den Hinter­taunus. Seine höchste Erhebung ist die Hohe Wurzel mit 614 Metern. Er trägt die Bäderstraße und führt über die Kemeler Heide (Heidenroth), über Schlangenbad und Bad Schwalbach nach Bad Ems. Die Langhals-Pferdskopf-Scholle wird durch die Weil der Länge nach in zwei Abschnitte geteilt: In einen kleineren östlichen (Langhals) und einen größeren westlichen (Pferdskopf).

Der Hintertaunus: Die flächenmäßig größte Ausdehnung haben die in nördlicher Richtung zur Lahn hin abdachenden Hochflächen des Hintertaunus. Die allmählich abnehmenden Höhen liegen in der Regel zwischen 300 und 450 Meter. Der Hintertaunus, der zumeist aus Grauwacken- und Tonschiefergesteinen besteht, wird von zahlreichen Tälern durchzogen und besitzt so den Charakter einer sanft gewellten Hügellandschaft. Diese Oberflächenformen spiegeln die Andersartigkeit des Untergrundes im Vergleich zum Taunuskamm wieder.

Senken und Becken: Gleichzeitig mit dem Einbrechen des Oberrheingrabens entstehen auch innerhalb des Taunusgebiets Senken und Becken: Die Idsteiner Senke mit ihrer Fortsetzung im Limburger Becken und das Usinger Becken.

 

4.  Die Geologie des Taunuskamms:

Der Taunuskamm, an dessen Nordhang wir uns befinden, wird von den Gesteinsablagerungen des Unterdevon aufgebaut. Die Ablagerungen begannen vor etwa 410 Millionen. Jahren im Devonmeer und endeten mit der Heraushebung der Rheinischen Masse im Zuge der varis­kischen Gebirgsbildung vor etwa 350 Millionen Jahren.

 

Bunte Schiefer: Die untersten Ablagerungsschichten des Devonmeeres bestehen aus stark tonhaltigen Schiefern, die aufgrund ihrer violetten bis rotbraunen Farbe als „Bunte Schiefer“ bezeichnet werden. Die feingefältelten Gesteine wurden stellenweise durch Zersetzung in Kaoline umgewandelt. Diese wurden zur Porzellan- und Steingutherstellung verwendet. Ihre Modellierfähigkeit zeigt sich heute auch am Taunuskamm, z.B. an den Hängen des Feldbergs, die Eintiefungen des Sattels des „Roten Kreuzes“ und die zwischen Feldberg und Altkönig eingesenkte Fuchstanzmulde. In der näheren Umgebung dieses Lehrpfades bildet dieses Gestein den Untergrund des Saalburgsattels, was dessen Einmuldung bewirkt haben dürfte.

 

Sandsteine: Nach der Ablagerung der weichen Schiefer veränderte sich die Zusammensetzung des Sedimentmaterials hin zu Quarz (Sand). Die den Taunuskamm bildenden Sandsteine lassen sich in zwei Gruppen gliedern:

Hermeskeilschichten: Die Hermeskeilschichten erhielten ihren Namen durch ihr besonderes Vorkommen in der Umgebung des Dorfes Hermeskeil im Hunsrück. Es sind rötliche, grobsandige Glimmersandsteine, die sich zwar in großen, dicken Platten brechen lassen, aber durch ihre geringe Festigkeit kaum Verwendung finden. Im östlichen Taunusgebiet kommen sie eher selten vor. Westlich der Linie Roßkopf-Bleibeskopf nimmt ihre Verbreitung rasch zu; z. B. bilden sie das anstehende Gestein an Einsiedler und Eichkopf und fast am gesamten westlichen Taunuskamm.

Taunusquarzit: An der Küstenzone des Devonmeeres kam es zu starken Sandablagerungen. Der daraus entstandene Taunusquarzit erhebt sich bis zu einer Mächtigkeit von stellenweise

400 Meter über den Hermeskeilschichten. Er bildet das eigentliche Gerüst der „Höhe“, wie

der östliche Taunuskamm auch bezeichnet wird.

Der Taunusquarzit ist meist gräulich-weiß und besitzt eine außerordentliche Härte und Widerstandsfähigkeit. Dies hat entscheidend zur Herauspräparierung der markanten Kammlinie beigetragen. Er bildet auch das anstehende Gestein an Roßkopf, Kieshübel, Hollerkopf, Weißenstein und Herzberg im Lehrpfadgebiet. Aufgrund seiner Härte findet er Verwendung als Straßenschotter, in der Glas- und chemischen Industrie und zur Herstellung feuerfester Gefäße. Die Römer z.B. erbauten die Saalburg aus Taunusquarzit.

 

5.  Der artenreiche Mischwald:

Wälder sind hochentwickelte, relativ stabile Ökosysteme. Diese setzen sich aus mehreren Lebensräumen (Biotopen) und Lebensgemeinschaften (Biozönosen) zusammen. Unter einem Biotop versteht man den aus den physikalischen und abiotischen (nicht belebten) Elementen bestehenden Lebensraum: Gestein, Wasser, Luft, Wind und Wärme. Biozönosen dagegen sind Gemeinschaften lebender Organismen, wie Tiere und Pflanzen, Bakterien und Pilze.

 

Warum Mischwälder?

Die Wälder heutzutage müssen einerseits die Holzerträge für die Zukunft sichern, andererseits aber auch Schutz- und Sozialfunktionen erfüllen. Nur ein bewirtschafteter, artenreicher, stufig aufgebauter und strukturierter Wald kann diese Funktionen erfüllen.

Die Vorteile eines Mischwaldes gegenüber einer Reinbestandswirtschaft sind:

• In einem artenreichen Mischwald kommen durch die kleinflächig wechselnden Standortbedingungen viele verschiedene Lebensräume mit unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten vor.

• Mischbestände nutzen durch die unterschiedlichen Ansprüche das Potential des Standortes besser aus und erschließen die verschiedenen Schichten des Wurzelraumes. Die tiefere Durchwurzelung des Bodens verbessert die Nährstoffversorgung der Bäume und das Bodenleben.

• Mischbaumarten mit leicht zersetzlicher Streu fördern die Bodenmikroorganismen und den Stoffumsatz.

• Der Wärme-, Licht- und Wasserhaushalt der bodennahen Vegetation kann durch Mischbaumarten entscheidend verbessert werden.

• Mischbestände sind auf vergleichbaren Standorten wesentlich artenreicher und stabiler gegen biotische (Pilze, Insekten) und abiotische (Sturmwurf, Schnee, Feuer) Schadeinflüsse. In Reinbeständen bietet die Gleichförmigkeit der Pflanzenmasse ideale Voraussetzungen für die Entwicklung von Schadorganismen, denen in Mischbeständen in der Regel ausreichende Regulatoren gegenüberstehen.

 

6. Fichtenreinbestände:

Um den gestiegenen Holzbedarf zu decken, wurden Anfang des 19. Jahrhunderts die weitgehend zu Busch- und Heideformen herabgesunkenen Wälder mit schnell wachsenden Nadelhölzern wieder aufgeforstet. Dabei wurde die Waldfläche um 1,2 Millionen Hektar vergrößert. Mitte des 19. Jahrhunderts wollte man als Ziel der Forstwirtschaft einen möglichst hohen Holzertrag erzielen. Deshalb pflanzte man reine, gleichaltrige Fichten- und Kiefernbestände, die im Kahlschlagbetrieb bewirtschaftet wurden. Die Fichte eroberte alsbald weite Gebiete ehemaliger Laubwaldstandorte.

 Besonders in den Hochlagen der Mittelgebirge wurden die Nachteile der Fichtenreinbestände früh sichtbar. Schon 1878 waren die Wälder am Kleinen Feldberg großflächigen Schädigungen zum Opfer gefallen. Die Flächen waren wiederum kahl und der Erosion ausgesetzt.

In Reinbeständen sind Fichten vor allem für folgende Schädigungen anfällig:

• Sturmwurf: Im Dichtstand aufgewachsene Fichtenreinbestände bieten dem einzelnen Baum nur geringe Möglichkeiten der Verankerung im Boden. Insbesondere auf weniger günstigen Standorten bildet die Fichte flache „Wurzelteller“ aus. In Verbindung mit den schlechten statischen Eigenschaften der Fichte im Reinbestand (langer Schaft, kurze Krone) kommt es oft zu großflächigen Sturmschäden.

• Krankheiten: Ein großes Problem stellt die Rotfäule der Fichte dar. Diese Schäden entstehen hauptsächlich dadurch, daß das Rotwild die Rinde abschält. In die so entstehenden Wunden dringen Pilze ein, die das Holz zersetzen. Eine andere Art der Rotfäule wird durch Pilze hervorgerufen, die aus dem Boden über die Wurzeln in den Stamm eindringen. In dichten Reinbeständen, wo die Wurzeln der einzelnen Fichten häufig zusammenwachsen, also keine anderen Baumarten als Puffer dazwischen stehen, kann die Krankheit rasch von Baum zu Baum übertragen werden.

• Insektenschäden: Nach großen Stürmen sind die umgeworfenen Bäume eine ideale Grundlage für eine Massenvermehrung von Borkenkäfern. Diese befallen dann auch gesunde Fichten und können sie zum Absterben bringen. Die Gefahr eines Massenbefalls ist in Fichtenreinbeständen größer als im Mischwald.

 

7.  Das Wild in den Taunuswäldern:

Wild und Jagd:

Im Mittelalter war das Jagen von Hochwild (Rothirsch und Wildschwein) nur Kaisern, Königen und Adeligen vorbehalten, während das „gemeine“ Volk sich mit der Jagd auf Niederwild (Reh, Hase und alles andere Wild) zur Nahrungsgewinnung begnügen mußte. Seit 1848 ist das Jagdrecht untrennbar an Grund und Boden gebunden. Damals konnte jeder, der Wald besaß, dort nach eigenem Ermessen jagen. Dies hatte zur Folge, daß die Wilddichte stark abnahm. Das Bundesjagdgesetz von 1952 legt fest, daß das Jagdrecht zwar grundsätzlich den Grundeigentümern zusteht, es aber nur dann ausgeübt werden kann, wenn der Waldbesitz eine bestimmte Größe hat.

Wildschäden am Wald: Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Zahl von Rot-, Reh- und Schwarz­wild stetig angestiegen. In vielen Regionen sind die Bestände überhöht. Es kommt zu Schädigungen vor allem, weil die Tiere in ihren Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind (z.B. durch eine große Zahl der Besucher im Wald), sich in Dickungen verstecken müssen und so an einer ungestörten Nahrungsaufnahme gehindert werden.

Das Rotwild ist bei uns die größte und bedeutendste Säugetierart auf freier Wildbahn. Das Rotwild schält die Rinde der Laub- und Nadelbäume. Die geschälten Bäume faulen, haben Wachstumsprobleme, brechen bei Stürmen leicht ab. Zum einen kommt es dadurch zu einer ökologischen Instabilität des Waldes, zum anderen entstehen zum Teil erhebliche ökonomische Verluste.

Zuviel Rehwild verursacht Verbiß- und Fegeschäden, insbesondere durch Abäsen der Keimlinge und jungen Waldpflanzen. Durch den auslesenden Verbiß vor allem der Weichhölzer (Selektionsverbiß) wird die natürliche Verjüngung von Mischbeständen erheblich beeinträchtigt und die Struktur des Waldes und seine Mischung verändert.

 

Ökologisches Gleichgewicht:

Um das ökologische Gleichgewicht von Wald und Wild herzustellen oder zu erhalten, sind gezielte Maßnahmen erforderlich:

• Regulierung des Wildbestandes auf der Grundlage von Lebensraum- und Verbißgutachten mit dem Ziel, daß sich die standortgemäßen Hauptbaumarten ohne Zaun- und Einzelschutzvorrichtungen verjüngen können;

• Anlage von Wildäsungsflächen und Verbißgehölzen;

• Schaffung von Ruhezonen für das Wild, die von allgemeinen Betretungsrechten ausgenommen sind.

 

8.  Die Waldnutzung seit dem Mittelalter:

Durch die Zunahme der Bevölkerung und die Vergrößerung der Siedlungen wuchs im Mittelalter der Bedarf an Holz für den Hausbrand und den Bau neuer Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Wald und Landwirtschaft:

Für die Landwirtschaft war der Wald vor allem als Weidefläche nutzbar. Die Schweine, damals die wichtigsten Fleischlieferanten, wurden im Herbst, wenn die Eicheln und Buchecker reif waren, in den Wald getrieben. Ihre Wühlarbeit förderte eine natürliche Verjüngung der Bäume, weil damit Eicheln und Buchecker in den Boden eingebracht wurden. Das Weiden von Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen im Wald führte zu Verbiß- und Trittschäden und behinderte eine natürlichen Verjüngung vor allem der Laubbäume. Der Übergang zur Stallfütterung entlastete den Wald zwar von der Weide, dafür entnahm man nun dem Wald große Mengen an Laubstreu zur Stallunterlage und zur Düngung in der Landwirtschaft. So wurden dem Wald wichtige Nährstoffe entzogen. Bodenversauerung und eine Verschlechterung der Bodenstruktur führten zu geringeren Erträgen. Die degenerierten Böden erlaubten oft nur noch die Anpflanzung der weniger anspruchsvollen Nadelbaumarten.

 

Gewerbliche Holznutzung:

Die Art der gewerblichen Holznutzung änderte sich ab dem 16. Jahrhundert. Die aufkommenden Großgewerbe - erzerzeugenden Bergwerke, eisenverarbeitende Hütten- und Hammerwerke, aber auch Salinen und Glashütten - benötigten enorme Mengen an Holz als Werkstoff und als Energielieferanten in Form von Holzkohle. Berg- und Hüttenwerke entstanden an Orten, an denen Erze gewonnen wurden, oder Wälder zur Holzgewinnung vorhanden waren. Bei der Glasherstellung wurde Holzkohle zum Schmelzen des Glases und aus dem Holz gewonnene Pottasche - wegen des hohen Gehaltes an Kaliumcarbonat - benötigt.

Der Bedarf an Bau- und Grubenholz und die Arbeit der Kohlenmeiler und Aschenbrennereien führten vielerorts zu großflächigen Kahlhieben. Um das Jahr 1800 waren die meisten deutschen Wälder ausgebeutet. Zu dieser Zeit glich z.B. die Lüneburger Heide durch Salinenbetrieb einer Steppenlandschaft und der Schwarzwald bestand - ähnlich wie der Taunus - aus Kahlflächen. Erst, seit der Mensch in der Lage war, in Tiefgrabungen Steinkohle zu gewinnen und Kalisalze in Gruben abzubauen, verlor das Holz für die Wirtschaft an Bedeutung.

 

9.  Naturschutz im Wald:

Wald ist ein besonders naturnahes Landschaftselement, das eine große Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Wälder bieten für den Naturkreislauf Voraussetzungen, wie sie in der intensiv bewirtschafteten Landschaft kaum mehr vorkommen.

Die naturgemäße Waldwirtschaft erhält den Wald als Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Dazu fördert die Forstverwaltung den Arten- und Biotopschutz mit einer über die ganze Fläche vernetzt wirkenden Gestaltung spezieller Waldbereiche:

• Waldränder schützen den Wald vor abiotischen, nicht belebten, Schadeinflüssen, wie Wind, und schaffen die so wichtige ökologische Verbindung zwischen Wald und offener Landschaft.

• Historische Waldnutzungsformen, wie Nieder- und Mittelwald, bieten wegen ihres günstigen Wärme- und Lichthaushaltes besonderen Pflanzen- und Tierarten ideale Lebensbedingungen. So repräsentieren die Niederwälder den Lebensraum des ehemals im Taunus vorkommenden Haselhuhns.

• Altholzinseln dienen der Sicherung seltener Tierarten, die auf Höhlenbäume und einen hohen Anteil an Tot- und Bruchholz angewiesen sind. Dazu zählen Schwarzspecht, Hohltaube und viele Insektenarten.

• Mit der Ausweisung von Naturwaldreservaten werden in Hessen die „Urwälder von morgen“ geschaffen. Die vollständig aus der forstlichen Bewirtschaftung herausgenommenen Bestände sollen Erkenntnisse über die Entwicklung sich selbst überlassener Waldökosysteme im Vergleich zu bewirtschafteten Wäldern liefern.

• Die Wiederherstellung und der Schutz von grund- und fließwasserbeeinflußten Waldgesellschaften (Aue- und Bruchwälder) sichern den Lebensraum verschiedener hochgradig bestandsgefährdeter Tierarten, wie Schwarzstorch, Biber, Fischotter u.a.

• Der Naturschutz im Wald umfaßt eine Reihe weiterer spezieller Waldstandorte und Strukturelemente, wie Waldwiesen, Gräben, Böschungen und Schneisen sowie besonders gestaltete alte Bäume und seltene Baumarten.

 

10.  Niederwaldwirtschaft:

Niederwald ist eine seit dem Mittelalter bekannte, historische Bewirtschaftungsform des Waldes zur Gewinnung von Brennholz oder Gerbrinde. Während im allgegenwärtigen „Hochwald“ die Bäume aus Samen hervorgegangen sind (auch eine frisch gepflanzte Kultur ist Hochwald), entsteht der Niederwald, wenn die Stöcke von abgeschlagenen Bäumen wieder austreiben und neue Stämme bilden. So kann der Niederwald nur mit Baumarten betrieben werden, die in der Lage sind, aus dem Stock auszuschlagen. Dazu gehören insbesondere Eiche, Erle, Hainbuche, Weide, Esche und Eßkastanie.

Da nur relativ junge Bäume vitale Ausschläge bilden, mußte das Abholzen, „das Auf-den-Stock-Setzen“, in kurzen Abständen von nur 10 bis 40 Jahren aufeinander folgen. Das geschah in Form radikaler Kahlhiebe. Doch waren die zumeist im Winter eingeschlagenen Niederwälder bereits im nächsten Herbst wieder von dicht stehenden Stockaustrieben bedeckt. Die enorme Wuchskraft des Niederwaldes begründet sich in der Möglichkeit, daß die aus dem Stock austreibenden Knospen von Anfang an auf das voll ausgebildete Wurzelwerk des Mutterbaumes mit den darin gespeicherten Reservestoffen zurückgreifen können.

Während der Brennholzniederwald als Energielieferant diente, gewann man im Eichenschälwald vor allem Gerbrinde. Die im Frühjahr von den Eichenstämmchen geschälte Rinde wurde zunächst getrocknet, dann zermahlen und anschließend mit Wasser aufgeschwemmt. In dieser Gerberbrühe mußten die Häute für mehrere Monate lagern. Die Gerbsäure machte das Leder haltbar.

Der Niederwald hat heute seine wirtschaftliche Bedeutung verloren. Seine Hauptprodukte, Brennholz und Gerbrinde, werden nicht mehr benötigt. An den Steilhängen des Taunus verhindern „durchgewachsene“, nicht mehr genutzte Niederwälder die Erosion und bieten vielen Tieren einen idealen Lebensraum. Die Anlage neuer und die Reaktivierung durchgewachsener Niederwälder geschieht heute auf wenigen ausgewählten Standorten aus forsthistorischen, landschaftsästhetischen und ökologischen Gründen.

 

11.  Die Funktionen des Waldes:

Die wirtschaftliche Funktion des Waldes (Holzproduktion), seine Funktion als Freizeit und Erholungsraum der Menschen und seine Bedeutung für die Erhaltung der natürlichen Umwelt werden heute durch Luftverunreinigungen und Waldsterben bedroht. Es ist gerade die luftreinigende Funktion des Waldes, die ihn bei einem Übermaß an Schadstoffen daran zugrunde gehen läßt.

Die wichtigsten Quellen der vom Menschen verursachten Luftverunreinigungen sind Industrie- und Autoabgase, sowie das Verbrennen fossiler Brennstoffe in Kraftwerken, Öfen und Heizungen. Die Schadstoffe, wie Schwefeldioxyd, Stickoxide, Fluor-Chlor-Kohlenwasser­stoffe und Schwermetallverbindungen werden vom Wind weitergetragen. Unter Sonneneinstrahlung kommt es zu photochemischen Reaktionen, wodurch neue Schadstoffe entstehen (sekundäre Luftverunreinigungen).

Gelangen die Schadstoffe über Waldgebiete, werden sie durch das hochgewachsene, weitverzweigte Blätterwerk „herausgefiltert“. Mit den Niederschlägen gelangen sie in den Waldboden. Luftverunreinigungen können so von Blättern und Wurzeln aufgenommen, weitergeleitet und eingelagert werden und Schäden hervorrufen. In den Höhenlagen „kämmt“ der Wald die Schadstoffe aus der Luft: Ein Übermaß schadet ihm.

Die mit den Niederschlägen in den Waldboden eingedrungenen Schadstoffe tragen zu einer Versauerung des Bodens bei. Dem Boden werden die basischen Nährelemente entzogen, Schwermetallionen freigesetzt, die Kleinlebewelt (Bodenfauna und -flora) beeinträchtigt und die Bodenstruktur verschlechtert.

Sobald der Boden übermäßig belastet ist, kann er die Schadstoffe nicht mehr binden. Seine Filterwirkung läßt nach. Die Niederschläge gelangen ungereinigt in das Grundwasser. Die Bodenversauerung kann zu irreversiblen Schäden an den Bäumen führen. Die Nährstoffverarmung schwächt den gesamten Baum und macht ihn anfälliger für Sekundärschäden. Die Bodenversauerung beeinträchtigt auch die natürliche Verjüngung der Laubwälder.

Hier in den Taunuswäldern nehmen die Waldschäden deutlich zu. Um die Schäden an den Böden und auch an den Wäldern wenigstens in Grenzen zu halten, versucht man mit Kalk der Versauerung zu begegnen.

 

12.  Die Wasserversorgung:

Wenn wie 1992 nach ausgesprochenen Trockenjahren, das Wasser in manchen Gebieten rationiert werden muß, wird deutlich, daß Trinkwasser knapp ist. Zwar gab es immer wieder Jahre, in denen es weniger geregnet hat. Heute ist unsere Wasserversorgung aber neuen, zusätzlichen Gefährdungen ausgesetzt.

Die Wasserverschmutzung: Im Hochtaunuskreis werden hundert Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. So sind Beeinträchtigungen der Grundwassergüte ein vorrangiges Problem. Vor allem im Bereich durchlässiger Böden, die kaum Filterwirkung besitzen, und bei einem geringen Abstand des Grundwassers von der Oberfläche ist es durch Verschmutzungen besonders gefährdet.

Unsachgemäße Herstellung und Verwendung wassergefährdender Stoffe, Emissionen aus Hausbrand, Industrie und Verkehr (Schwermetalle, Schwefel- und Stickoxide) sowie alte Mülldeponien oder illegale Müllablagerungen, aber auch eine Landwirtschaft, die über viele Jahre hin große Mengen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln eingesetzt hat, belasten die Böden. Durch Auswaschung gelangen die Stoffe ins Grundwasser, welches dadurch für die Trinkwassergewinnung unbrauchbar werden kann.

Der Wasserverbrauch: In den letzten 70 Jahren ist der Wasserverbrauch um ein Vielfaches gestiegen. Das geänderte Hygienebewußtsein und die Benutzung von Wasch- und Spülmaschinen ließ den Bedarf pro Kopf und Tag im Bereich des Usinger Wasserbeschaffungsverbandes von damals 10 Liter auf über 170 Liter im Jahre 1983 ansteigen. Durch sparsamen Umgang mit Wasser ist seitdem der Verbrauch wieder unter 140 Liter (1992) gesunken. Gleichzeitig hat die Bevölkerung allerdings von 1970 auf 1992 um 75 Prozent zugenommen.

Die Sicherung der Versorgung mit Trinkwasser: Zur Sicherung der Versorgung mit Trinkwasser sollte das Grundwasser vor Verunreinigungen geschützt werden. Dazu müssen wassergefährdende Schadstoffemissionen reduziert werden. Der Einsatz von Dünger und Herbiziden in der Landwirtschaft sollte noch zielgerichteter und in noch geringeren Mengen erfolgen. Gebiete, in denen Trinkwasser gewonnen wird, müssen unter besonderen Schutz gestellt werden (Wasserschutzgebiete). Mit Trinkwasser, unserem wichtigsten Lebensmittel, sollte aber auch sparsam umgegangen werden. Man kann den Verbrauch reduzieren durch den Einsatz wassersparender Armaturen in Toilette, Bad und Küche oder auch durch den Ersatz von Trink- durch Regenwasser (z.B. beim Gießen des Gartens).

 

13.  Die Entwicklung des Laubwaldes:

Das heutige Bild des Waldes ist nur ein kleiner, sich kaum sichtbar verändernder Ausschnitt aus einer langen Waldgeschichte. Ohne Eingriffe der Menschen würden wir auch heute noch überwiegend Laubmischwälder in Mitteleuropa antreffen.

Die Wanderungen der Baumarten: Bäume als Individuen wandern nicht, aber ihre Verbreitungsareale können sich in langen Zeiträumen verändern bzw. verschieben. Über die Wanderungen der Baumarten geben Pollenanalysen Auskunft. Im Torf der Moore sind die Blütenpollen unserer Bäume über Jahrtausende konserviert worden. Die verschiedenen Pollenarten lassen sich gut voneinander unterscheiden. Ordnet man die Torfschichten bestimmten Zeiträumen zu, so kann man anhand der Pollen feststellen, welche Baumarten damals in unseren Wäldern wuchsen. Durch so angelegte Pollenspektren erhält man auch Aussagen über die sich im Vormarsch oder im Rückzug befindenden Arten.

 

Die Wiederbewaldung nach den Eiszeiten: Nach dem Ende der Eiszeiten bis etwa 8000 vCh herrschte in den Gebieten Mitteleuropas eine baumlose Kältesteppe. Die Silberwurz war zu dieser Zeit die bestimmende Pflanzenart. Aber schon bald siedelten sich die ersten Zwergsträucher von Weide und Birke an. Die zuerst „einwandernden“ Baumarten mußten vor allem Frost vertragen und überstehen können. Aber auch die Art und die Menge der erzeugten Samen bestimmten, welche Arten schneller weite Strecken überwinden konnten. Leichte Samen wurden weithin getragen, während schwere den Kronenbereich des Mutterbaumes kaum verließen.

Mit der beginnenden Erwärmung in der „Vorwärmezeit“ (8000-6600 vCh) wanderte in die wieder aufkommenden Birkenwälder die Kiefer ein. Auf Grund des Vorherrschens dieser Baumarten wird diese Phase als „Birken- Kiefernzeit“ bezeichnet.

Durch einen weiteren Temperaturanstieg in der „frühen Wärmezeit“ (66005400 vCh) ent­wickelte sich ein trockenwarmes kontinentales Klima, in dem die Hasel (Haselzeit) ausgezeichnete Wuchsbedingungen vorfand. Aber auch die allmählich stärker auftretende Eiche mit den Begleitholzarten Ulme, Linde, Erle, Esche und Hainbuche trugen dazu bei, daß die meisten Gebiete Mitteleuropas mit geschlossenen Wäldern bestanden waren.

In der „mittleren Wärmezeit“ (5400-2500 vCh),, in der die Eiche die Hauptholzart darstellte (Eichenmischwald zeit), änderte sich das Klima zu einem feuchtwarmen Seeklima, das Buche und Tanne ermöglichte, sich anzusiedeln, während sich die Kiefer auf Sonderstandorte (Sandböden) zurückzog. Buchen und Tannen breiteten sich dann besonders gut in der „späten Wärmezeit“ (2500-400 vCh) in den Hochlagen aus (Eichenmischwald-Buchenzeit).

Nach einem Temperatursturz herrschte in der „Nachwärmezeit“ (ab 400 vCh) ein feuchtkühles Seeklima. In dieser Zeit übernahmen Buchen in ganz Mitteleuropa, Tannen im Südwesten und Fichten im Osten die Vorherrschaft (Buchen- oder Buchen- Tannenzeit).

           

14.  Die Limesrekonstruktion:

Als die Römer den Rhein bei Mainz überschritten und den Boden des heutigen Bundeslandes Hessen betraten, fanden sie keineswegs „germanischen Urwald“ vor. Zwischen Untermain und Taunus sowie in der Wetterau befand sich schon eine alte, offene Kulturlandschaft mit frucht­baren Ackerböden. Seit über drei Jahrtausenden hatten Menschen hier gesiedelt. Sie hatten Wald gerodet, Äcker angelegt, für ihre Siedlungen Bau- und Brennholz geschlagen und ihr Vieh zur Weide in die Wälder getrieben.

Nachdem sich die Römer hier niedergelassen und das eroberte Gebiet durch den Limes gesichert hatten, wandelte sich das Aussehen der Landschaft zusehends. Wo in vorrömischer Zeit nur wenige Landwege existierten, erschlossen die Römer mit gerade angelegten Militärstraßen das eroberte Gebiet. In die Wälder wurden Schneisen geschlagen für Zufahrts- und Versorgungsstraßen, insbesondere aber für den Limes, und Lichtungen für die Kastelle.

Die Römer bauten eine zivile Verwaltung auf. Zwischen 85 und 90 nCh gründeten sie die Provinz Germania Superior, an deren Spitze ein Statthalter mit Sitz in Mainz stand. Zwischen Rhein, Main und Limes gab es zwei Civitates (Gebietskörperschaften), die Civitas Mattiacorum mit dem Hauptort Aquae Mattiacorum (Wiesbaden) und die Civitas Taunensium mit dem Hauptort Nida (Frankfurt-Heddernheim). Ihre Grenze bildete der Schwarzbach bei Hofheim am Taunus.

Von sogenannten Villae Rusticae (Landgüter) aus wurde eine für die damalige Zeit relativ intensive Landwirtschaft betrieben, die das Rückgrat der Wirtschaft war. Die Produktionsüberschüsse der Villae Rusticae ermöglichten erst das Entstehen von Städten und von Gewerbe.

Die vorrömischen Siedlungen verschwanden damit in unserem Raum. Neben den Landgütern gab es keine Bauerndörfer, sondern kleine gewerbliche Siedlungen (Vici). Solche Vici finden wir auch bei den Kastellen. Hier profitierten die zivilen Ansiedlungen von der Kaufkraft des Militärs.

Zur Finanzierung des Militärs und der anderen staatlichen Aufgaben erhoben die Römer Steuern. Grundlage der Besteuerung war die Erfassung aller Personen und ihres Vermögens durch eine etwa alle 20 - 30 Jahre stattfindene Volkszählung (Census). Neben den staatlichen Steuern gab es Kommunalsteuern und Stiftungen reicher Privatpersonen, die der Finanzierung

der örtlichen Verwaltung, der öffentlichen Bauten, von Straßen und technischen Einrichtungen (Wasser- und Abwasserleitungen) dienten.

Mit den Römern kam auch ihre höher entwickelte Technik in unser Land. Vor der römischen Besetzung gab es in Mitteleuropa keine mörtelgebundenen Steinmauern, Gewölbekonstruktionen, verputzte und bemalte Steinwände, Heizsysteme, Glasfenster oder Ziegeldächer.

Vor allem in den ersten Jahrzehnten nach der Eroberung des Landes hat das römische Heer technisch anspruchsvolle Bauten (Thermen in Wiesbaden, steinerne Rheinbrücke bei Mainz, Kastelle, Wasserleitungen) errichtet. Es war „Schrittmacher“ beim Export der römischen Technik.

 

Zeittafel

2. Jahrh. vCh

In der Gegend leben keltische Stämme

erste Hälfte 1. Jahrhund.

Die ersten Germanen lassen sich hier nieder, doch bleibt die Grundbevölkerung keltisch

58-51

Caesar erobert Gallien; dadurch wird der Rhein zur Grenze des Römerreichs

12 vCh

Beginn der Germanenfeldzüge unter Kaiser Augustus mit dem Ziel, statt des Rheins die Elbe als römische Grenze zu gewinnen

9  nCh          

Niederlage des Varus, Verlust von 3 Legionen

16 nCh

Tiberius bricht die Germanenfeldzüge ab.  Der Rhein bleibt Grenze.

73

Bau einer Straße durch den Statthalter Cn. Pinarius Clemens von Straßburg zur Donau: Besetzung rechtsrheinischer Gebiete einschließlich der Wetterau.

83-85

Kaiser Domitian führt Krieg gegen die Chatten. Endgültige Eroberung des rechtsrheinischen Limesgebiets. Erste römische Spuren und Baureste am Limes, auch bei der Saalburg.

88/89

Rebellion des obergermanischen Statthalters L. Antonius Saturninus; sie wird vom römischen Heer der Nachbarprovinz Niedergermanien niedergeschlagen. Zerstörungen am Limes durch die Chatten; danach Neuaufbau und Neuorganisation des Limes. Das kleine Holzkastell der Saalburg wird errichtet.

um 135

Die 2. Raeterkohorte wird auf die Saalburg verlegt; sie baut ein größeres Kastell

Erste Hälfte bis Mitte d. 2. Jahrhundert

Eine Zeit der friedlichen Entwicklung. Hinter dem Limes entstehen kleine städtische Mittelpunkte, Straßen sowie zahlreiche Landgüter und Bauernhöfe mit Steinbauten

Zweite. Hälfte des 2. Jahrhunderts

Mehrfache Bedrohung des Grenzgebietes durch Germanenstämme. Vorboten der beginnenden Völkerwanderung. Die Saalburg wurde - wohl in den achtziger Jahren des Jahrhunderts - zerstört, aber so­gleich wieder aufgebaut

233

Zerstörung der Saalburg durch die Alamannen. Danach Wiederaufbau, jedoch dann weitere Germaneneinfälle und zeitweise schwächere Besetzung durch die Römer

259/60

Der Limes und damit auch die Saalburg werden von den Alamannen endgültig erobert. Der Rhein wird von nun an bis zum Ende des Römerreichs wieder Reichsgrenze. Die Saalburg zerfällt und gerät in Vergessenheit

seit 1853

Ausgrabungen in der Saalburg

1898-1907

Teilweise Rekonstruktion der Saalburg über den alten römischen Fundamenten

                                  

 

Lochmühle

Wenn man über die Saalburg kommt, fährt man an der großen Kreuzung rechts Richtung Friedrichsdorf. Links sieht man die Gebäude des Klosters Thron stehen, dahinter die Saalburgsiedlung. Ein Stückchen weiter sieht man schon die Geräte des Freizeitparks Lochmühle. Bis zur Einfahrt ist es noch ein Stück. Man kann gleich links parken, man kann aber auch noch weiter hoch fahren. Rechts ist der Bahnhof Saalburg. Bis zum Eingang des Freizeitparks muß man ein Stück laufen. Links stehen die Gebäude des ehemaligen Hotels. Der Eintritt kostet 11 Euro, Rentner 9,50 Euro, Kinder unter 1,20 Meter und unter 1,00 Meter billiger.

Im Bereich des Erlenbaches der Gemeinde Wehrheim, waren damals auf 6 km Länge 7 Mühlen, heute besteht keine mehr. Alle Mühlen hatten früher auch Landwirtschaft. Die alte Lochmühle stand  neben dem Haus mit dem Turm. Sie war noch bis zum Bau der Eisenbahn, um 1898, voll in Betrieb. Im Jahre 1957 war die Lochmühle noch ein Bauernhof. Die heutige SB-Gaststätte war ein Gasthof, das Haus daneben ein Hotel.

Im Gelände stehen einige Modelle von früheren Häusern, so ein Lochmühle gleich links vom Eingang und eine weitere Mühle im Nordwesten. Auch landwirtschaftliche Geräte und Fahrzeuge sind  an verschiedenen Stellen ausgestellt. Im Nordwestern steht ein weiteres Modell einer Mühle. Dort heißt es: Dieses alte Mühlengebäude mit dem Mühlrad hat einen Übergang zum Wohnhaus, auf dem sich der Fruchtspeicher befand und die Getreidesäcke mittels Überlenkrolle auf denselben transportiert wurden. Unter dem Speicher befinden sich die Schlafzimmer und im unteren Stock der Wohnraum mit großer Wohnküche. Neben dem Wohnraum ein Holzschuppen, in dem auch gewaschen wurde, sowie diverse Gebrauchsgegenstände gelagert wurden. Im Mühlengebäude sieht man die so genannte „Transmission”, sie besteht aus einer Welle, die mit dem Mühlrad verbunden ist, welches durch Wasserkraft angetrieben wurde. Über dieser Riemenscheibe mit dem Treibriemen wurde der ganze Mahlvorgang abgewickelt. In unserer Mühle sieht man allerdings nur einen Schleifstein und eine Schrotmühle, um zu demonstrieren, wie die Kraft des Wassers eingesetzt werden kann. Neben den Gebäuden sieht man Strauchobst, Heil -und Küchenkräuter. Das Ackerland und der Garten sind bei der Traktorbahn zu sehen.

Die Lochmühle ist nicht nur ein Freizeitpark, sondern sie bietet eine Fülle von Informationen über die Geschichte der Mühle und über Landwirtschaft und Tierwelt. Es gibt Enten, Hähne, Kaninchen, Ziegen, Schweine, Ponys. Man kann unter Umständen Küken beim Schlüpfen beobachten. Es gibt eine große Spielhalle und Filmvorführraum, eine Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte, Naturkunderaum, Miniatur-Bauernhof mit Acker und Garten und ein Feuchtbiotop an dem nördlichen Mühlenmodell. Der Park hat seine besondere Note durch die herrliche Blumenpracht und die liebevoll gestalteten Anlagen.

 

Geschichte:

Im 16. Jahrhundert gehörte Wehrheim mit der Lochmühle je zur Hälfte zum Grafenhaus Nassau - Dillenburg und zum Erzbistum Kurtrier und ging zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts im Herzogtum Nassau auf, während jenseits des Limes hessisches Gebiet war.

Durch diese „Grenzlage“ der Lochmühle blieb es nicht aus, daß dunkle Elemente hier immer wieder ein strategisch günstigen Unterschlupf suchten und fanden. Die jeweiligen Besitzer der Lochmühle mussten diese Leute. wenn auch ungern. akzeptieren. denn bei einer Verweigerung des „Gastrechts“ wären diese Burschen bestimmt nicht zimperlich mit den Müllern und ihren Familien umgegangen. und sie selbst wären dann schnell in ein anderes Hoheitsgebiet geflüchtet. In diesen Jahrhunderten wird sich so manche Tragödie in und um die Lochmühle abgespielt haben. die nie bekannt wurde. Bekannt ist. daß der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. um 1730 die Werber für seine „langen Kerls“ in der Lochmühle einquartiert hatte, die mit allen Tricks junge, großgewachsenen Männer anwarben. um sie dann in Berlin dem preußischen Heer zu unterstellen.

Etwa 30 Jahre später wurde die Lochmühle bekannt, weil hier eine Räuberbande dingfest gemacht wurde. Im Volksmund spricht man von der Bande des Schinderhannes. In Wirklichkeit war es eine Zigeunerbande. deren Anführer „Heidenernst“ genannt wurde, denn die Zigeuner nannte man auch „Heiden“.

Gegen Ende des Siebenjährigen Krieges trieb in den schönen Wäldern des Taunus bei Wehrheim, besonders im Hauberggrunde, eine Heidenbande unter Führung ihres Hauptmanns Ernst, „Heidenernst“ genannt, ihr Räuberunwesen. Nach einer Postberaubung (40.000 Gulden in Gold) zwischen Camberg und Würges Spätherbst 1763, entdeckte man die Bande in ihrem Versteck in der Lochmühle. Im Schlafe wurden sie von dem Wehrheimer Bürgerausschuß unter Führung ihres Wachtmeisters Griedelbach (Grillbach, gestorben 1815) überwältigt und abgeführt, später durch die   Jäger nach Siegen und Koblenz geführt und samt ihren Weibern gehenkt. Der Räuberhauptmann entkam durch einen Sprung über den Kendel des Mühlrads, nachdem er das Stroh der Mühle in Brand geschossen hatte.  Er kam nicht weit, sondern wurde er im in der Pfalz  gefangen und in Neckargemünd gehängt.

Nach diesem Räuberfang auf der Lochmühle im Jahre 1762 kam fünf Jahre später am 6. Januar 1767 in Wünschenmoos im Vogelsberg Johann Conrad Münker zur Welt. Er betrieb vor etwa zweihundert Jahren die Mühle mit Landwirtschaft und war der Urahn der heutigen Lochmühlenbesitzer. Als es keinen männlichen Nachfolger gab, kam Heinrich Christian Ernst als Schwiegersohn auf die Lochmühle. Er wurde am 25. Dezember 1791 in der Obermühle in Hundstall (dem heutigen Hunoldstal) geboren.

Sein Enkelkind war Catharina Sophie Ernst, die am 14. März 1855 in der Lochmühle geboren wurde. Sie war verheiratet mit Willibald Ferdinand Zwermann, der am  29. Oktober 1847 in Wehrheim geboren wurde. Sie heirateten am 24. Februar 1873 und bekamen neun Kinder, fünf Mädchen und vier Buben. Der Mann hatte Maurer gelernt, arbeitete einige Zeit als Maurerpolier und betrieb dann eine kleine Ziegelei in Wehrheim am Mühlberg, oberhalb des heutigen Wehrheimer Bahnhofs. Um 1890 gab Willibald Ferdinand Zwermann  die Ziegelei auf und kam zur Lochmühle, aus der ja seine Frau stammte, um dort die Mühle mit der Landwirtschaft zu betreiben.

Das Getreide wurde mit dem Pferdefuhrwerk von den Landwirten geholt und das Mehl wieder zu ihnen gebracht. Um 1900 machte die Industrialisierung auch vor den kleinen Mühlen nicht halt. Sie hatten mit der großen Konkurrenz sehr zu kämpfen. In dieser Zeit wurden viele bäuerliche Mühlen still gelegt, es lohnte sich nicht mehr. So war es auch bei der Lochmühle.

 

Durch den Bahnbau. der genau in dieser Zeit abgeschlossen war und sonntags viele Besucher aus Frankfurt in den Taunus brachte, speziell zur Saalburg, entschloss sich Wilibald Zwermann, statt der Mühle eine Gastwirtschaft zu betreiben. Er wurde dabei von seinen beiden Vettern, die von

Amerika zurückkamen, unterstützt. Diese Vettern wanderten um 1870 nach Amerika aus. Sie betrieben in Baltimore eine Emalliefabrik, die sehr gut florierte, denn in der damaligen Zeit wurden sehr viele Gebrauchsgegenstände emailliert. Nach drei Jahrzehnten Amerikaaufenthalt verkauften Sie ihre Fabrik und kamen mit dem Erlös und dem Ersparten nach Deutschland zurück, kauften Immobilien in Bad Nauheim und liehen Willibald Zwermann das Geld zum Um- und Neubau einer Gaststätte mit Hotel.

So wurde ein Saal an das alte Mühlengebäude gebaut und darüber 1zwölf Fremdenzimmer. Im Jahre 1906 wurde das Haus mit Turm nur für Gästezimmer gebaut, sowie der „Waldfriede“, auf der anderen Seite der Bahnlinie als modernes Hotel-Restaurant. Auch eine eigene Gärtnerei mit zwei Gewächshäusern und einem Heiz- und Arbeitsraum wurde errichtet, um die Gästehäuser immer mit frischen Blumen schmücken zu können. Gerade der Bau der Gärtnerei war ein besonderer Wunsch der Amerikaner - wie sie in der eigenen Familie und bei den Bürgern Wehrheims genannt wurden - weil sie große Blumenfreunde waren, was auch immer wieder auf ihren emaillierten Gegenständen zum Ausdruck kam. Sie wollten ein schönes Ambiente antreffen, wenn sie von ihrem Wohnort Bad Nauheim zur Lochmühle kamen.

Im ersten Jahrzehnt dieses enormen Umbruchs lief alles sehr gut. Die Städter kamen in die „Sommerfrische“ zur Lochmühle und die Ausflügler füllten die Lokale mit den großen Terrassen. Willibald Zwermann  konnte in Pfaffenwiesbach die Jagd pachten, und alle hatten den Eindruck, dass es den Lochmüllern gut geht, denn sie wussten ja nichts von dem Geld aus Amerika. Leider starb Willibald Zwermann 1910. Dann kam 1914 der Erste Weltkrieg und 1923 die Inflation, die guten Zeiten waren vorbei.

Als Catharina Zwermann nach der Inflation ihren Besitz aufteilte, waren die Schulden bei den Vettern noch vorhanden. Sie wollte das wertlose Geld während der Inflationszeit nicht an ihre Verwandten zurückzahlen, das hätte ihr widerstrebt. So war ihr Besitz finanziell sehr belastet, da alle Hypotheken noch vorhanden waren. Bei dieser Aufteilung bekam Jacob, der Älteste, das Hotel „Waldfrieden“, Heinrich, der Zweitälteste, das „Hotel Lochmühle“, der dritte Sohn Theodor, erhielt die Landwirtschaft und das halbe Gästehaus (Haus mit Turm), und Jean, der Jüngste, bekam die Gärtnerei mit zwei Morgen Land und die andere Hälfte des Gästehauses. Die Schulden wurden von den älteren Brüdern zu je einem Drittel übernommen, auch mussten sie die Schwestern auszahlen. Jean mit dem kleinsten Erbteil wurde von diesen Verpflichtungen befreit.

Der zweitjüngste Sohn war Theo Zwermann, der am 11. Februar 1884 in Wehrheim zur Welt kam. Er heiratete eine Frau, die am 4. Juli.1899 in Bochum (Westfalen) geboren wurde als jüngste von neun Kindern. Ihre Eltern  stammten aus der Schwalm und sind 1880 ins Ruhrgebiet abgewandert, wo sie aus kleinsten Anfängen heraus ein Textilgeschäft aufbauten.

Theo Zwermann war damals 39 Jahre alt und noch ledig. Er sprach oft davon, dass er nicht heiraten wolle, er hatte sich an das Junggesellenleben gewöhnt, besonders in dieser Zeit, als er als junger Mann die jeweiligen Jagdgäste im Jagdhaus betreute und für sie kochte. Zwei Jahre später lernte er seine spätere Frau kennen. Sie war in Bad Homburg in Stellung und wollte eine Köchin aus Bochum besuchen, die in der Lochmühle bei Heinrich Zwermann tätig war. An seinem 42. Geburtstag haben sie geheiratet. Die Frau  war fast 16 Jahre jünger als der Mann.

Am 9. Oktober1926 wurde Theo Zwermann geboren, worüber seine Eltern sehr erfreut waren. Es war ein sonniger Tag und die Großmutter sagte: „Ein Bub, bei einem so wunderschönen Wetter,  an ihm werdet ihr sicher einmal viel Freude haben“. Dieses besondere Geschenk wurde dem Kind praktisch in seinem ganzen Leben zuteil, denn es war nur ganz selten schlechtes Wetter an den Geburtstagen.

Der Sohn nahm sich schon als Kind vor, irgend etwas Besonderes an seinem Geburtstag zu tun, und wenn es nur eine kleine Arbeit war. Als er 8-9 Jahre alt wurde, hat er an diesem besonderen Tag schon mehr getan: Entweder hackte er für Mutter einen gröberen Haufen Holz, oder er holte mit dem Handwagen eine Fuhre Leseholz aus dem Wald. Mit dem Feuerholz war das immer so ein Problem. Den ganzen Sommer über wurde nur mit Holz gekocht, da musste immer Nachschub her. Im Winter wurde bei ganz strenger Kälte auch einige Zentner Kohlen gekauft, meistens wurde jedoch mit Holz gefeuert.

Natürlich habe er sich immer sehr gerne am Erlenbach aufgehalten, hat die Forellen beobachtet, die damals in sehr grober Zahl vorhanden waren, weil auch in den trockenen Sommermonaten bedeutend mehr Wasser im Erlenbach war als heute, nachdem durch die steigenden Einwohnerzahlen viele Quellen der Trinkwasserversorgung zugeführt wurden. Auch hat er Fische, Salamander. Krebse und Frösche gefangen, um sie in meinem kleinen selbstgebauten Teich zu setzen.

Die Kindheit war belastet durch die Sorgen und den Kummer, den die Mutter wegen der großen Geldnot hatte. Die Landwirtschaft, in diesem zum Teil sehr versumpften Land, brachte kaum einen Ertrag. Die Schuldenlast, die der Vater durch die Erbteilung mit übernehmen musste, war so hoch, dass kaum die Zinsen aufgebracht werden konnten. An einen Abtrag der Schulden war überhaupt nicht zu denken. Hinzu kam, dass es der Mutter es von Heinrich Zwermann sehr schwer gemacht bekam, dem es am liebsten gewesen wäre, wenn die Mutter mit den drei Kindern nach Bochum gegangen wäre, wo ihre Familie war. Heinrich Zwermann ist lange Zeit fest davon ausgegangen,

dass er das Gästehaus mit der Landwirtschaft wieder zusammen führen könnte, wie es zu den Zeiten seines Vaters war. Da Jean kurz nach der Teilung mit dem Motorrad tödlich verunglückte, musste  Theo Zwermann das halbe Haus von seiner Schwägerin Catha kaufen, was auch wieder neue finanzielle Belastungen mit sich brachte. Solange er ledig war, wäre nicht allzu viel dagegen einzuwenden gewesen, dann wäre er der Erbonkel geworden und hätte sicher ein sorgloses Leben gehabt.

Durch die Heirat hat sich das aber grundlegend geändert, zumal auch drei Kinder da waren. Heinrich Zwermann hat aber nicht von seinen Vorstellungen abgelassen und somit die ganze Situation sehr belastet.

Durch sein gut gehendes Ausflugslokal wäre er finanziell dazu in der Lage gewesen, den Hof bekommen. Theo Zwermann war von seinem Naturell her ein Lebenskünstler. Er ist allem Unangenehmen aus dem Weg gegangen, er wollte mit jedem in Frieden leben. Seine Maxime war „Edel sei der Mensch. hilfreich und gut“. Danach hat er auch tatsächlich gelebt, er war immer hilfsbereit und liebenswert. Durch seine Art zu leben hat er sich nicht so gesorgt wie seine Frau, die das Leben viel ernster und schwerer nahm. Ihr hat die Geldnot immer großen Kummer bereitet. wenn sie anstehende Zahlungsfristen nicht immer einhalten konnte. Sie hatte in der Familie immer das Problem, mit wenig Geld auszukommen. Durch den moralischen Druck von Seiten Heinrich Zwermanns hat sie sehr viel geweint und war oft sehr verzweifelt.

Als der älteste Sohn Theo mit zehn Jahren zur ersten heiligen Kommunion ging, hat er sich von all Verwandten Geld gewünscht und hat dafür Eintagsküken gekauft, um später mit den Hühnern (wenn sie Eier legten) Geld einzunehmen. Auch kam ihm bald zum Bewußtsein, dass das versumpfte Land ganz schädlich für einen Bauernhof war, weil darauf so gut wie nichts geerntet wurde. In den Schulferien fing er damals schon an, kleine Gräbchen zu ziehen, damit das Wasser, welches an manchen Stellen an der Oberfläche heraustrat, besser in den Erlenbach fließen konnte und nicht noch mehr trockenes Land versumpfte.

Er wollte auch einen schönen schuldenfreien Bauernhof haben wie der Nachbarn Groos von der Sandelmühle. Herrn Hermann Groos nahm er sich schon als Bub zum Vorbild, denn er hatte schon lange seine feuchten Wiesen und Ackerflächen drainiert. Er hatte zudem nicht nur einen vorbildlichen Bauernhof, sondern auch noch eine gut gehende Dampfwaschanstalt.

Theo Zwermann hat sich langsam mit den Arbeiten auf dem Bauernhof vertraut gemacht. Im Sommer Heu nachrechen und im Herbst Kartoffeln sammeln ging ganz einfach, dafür brauchte man kein großes Geschick, nur der Wille war maßgebend. Die Zügel am Fuhrwerk halten war ganz einfach, weil das Pferd genau wusste was es zu tun hatte. Das Pflügen war wieder schwieriger, weil da schon ganz viel Kraft in den Armen erforderlich war, um den Pflug in dem steinigen Boden halten zu können. Die Arbeit bei den Hühnern, den Hasen sowie die im Stall, auf dem Feld oder auf der Wiese haben ihm große Freude bereitet.

Nie gefreut hat er sich über die Schule. Nicht nur der weite Weg nach \\ehrheim, bei jedem Wind und Wetter, nein, für alles was mit der Volksschule zusammen hing, konnte ich sch nicht begeistern, da eriel lieber bei meinen Tieren in der Lochmühle gewesen wäre. Erst später auf der landwirtschaftlichen Berufsschule anschließend die Landwirtschaftschule im Winterhalbjahr auf freiwilliger Basis hat ihn sehr interessiert und er ist gerne nach Usingen in diese Schulen gegangen.

 

Zwei Jahre nach der Entlassung aus der Volksschule musste er zum ersten Mal von der Lochmühle Abschied nehmen, um im Wehrertüchtigungslager in Gent in Belgien eine vormilitärische Ausbildung zu bekommen. Bald darauf wurde er zum Reichsarbeitsdienst nach Metz eingezogen.

Anschließend kam der Stellungsbefehl zum Militär und er musste in die Kaserne auf den Heidenberg in Siegen. Nach dieser Ausbildung kamen sie an die Front. In einem Gemisch aus Worten und Gedanken brachte er zum Ausdruck, dass er wieder heim kommen würde, denn er musste doch den Sumpf trocken legen, damit sie einen schönen Bauernhof bekommen.

Erst kurz vor Weihnachten 1946 konnte er nach zweijähriger Kriegsgefangenschaft im Alter von zwanzig Jahren wieder zur Lochmühle zurückkehren. Die Auswirkungen des totalen Krieges gingen auch an der Lochmühle nicht spurlos vorüber. Auf demdamaligen Grundbesitz von 7,5 Hektar, dem Kernstück des jetzigen Freizeitparks, waren 13 Bombentrichter. Zwei davon so groß wie eine Baugrube für ein Haus, nur noch tiefer. Das Wohnhaus und das Dach waren stark beschädigt, nicht in einem einzigen Fenster ist das Glas heil geblieben. Mit einfachem Drahtglas waren die Fenster dicht gemacht, denn Fensterglas gab es damals nicht. Ein Nebengebäude und die Giebelwand der Scheune waren ganz zerstört.

Im benachbarten Kloster Thron gab es Tote. Sein Vater mit seiner Schwester Hannelore wurden mit Bordwaffen beschossen, als sie auf dem Feld arbeiteten. Die sofortige Flucht in den nahen Wald, um sich hinter dicken Bäumen zu verstecken, hat ihnen das Leben gerettet. Im Köpperner Tal ist ein Personenzug von diesen Tieffliegern angegriffen worden, wobei über dreißig Menschen starben. Eine ganze Wehrheimer Familie mit Kindern ist dabei ums Leben gekommen.

 

Nun gab es Arbeit in Hülle und Fülle. Abends und an den Wochenenden hat der Bruder Karlheinz Zwermann, der den Beruf des Feinmechanikers erlernt und ausgeführt hat, sehr viel geholfen. Die kommenden Jahre waren geprägt von sehr viel Arbeit. Aber er merkte bald, dass der Ertrag den die Landwirtschaft damals erbrachte, hinten und vorne nicht reichte, um notwendige Investitionen zu realisieren. So hat er alle Arbeiten angenommen. die sich boten. Es fing mit Waldarbeit an, indem er Holz mit den Pferden aus den Waldbeständen an die Wege rückte, damit es von dort mit großen Lastwagen abgefahren wurde. In den Sommermonaten arbeitete er in dem nahen Taunus-Quarzit-Werk, in dem er Steine an der Wand brach und in die Loren geladen hat. Diese Arbeiten wurden nach Leistung bezahlt, pro Festmeter Holz und pro geladene Lore gab es den vorgegebenen Akkordlohn. Wenn im benachbarten Kloster Thron, auf der Staatsdomäne, der Melker Urlaub hatte oder krank war, so hat er denselben vertreten. Wenn in der benachbarten Wäscherei oder im Kinderheim der Stadt Frankfurt Arbeitskräfte kurzzeitig ausfielen, hat er ausgeholfen. Zehn Jahre lang hat er Sonn- und Feiertags im benachbarten Hotel Restaurant Lochmühle „Parkwächter” gemacht, indem er die Autos auf dem Parkplatz eingewiesen hat und auf dieselben aufpasste. Dafür bekam er von den meisten Autobesitzern ein Trinkgeld, worüber er sich sehr freute, denn jede Mark, die er außerhalb der Landwirtschaft verdiente, konnte er in den Aufbau des Bauernhofes stecken.

Im Jahre 1959 hat er seine Frau Lina geheiratet. Vom ersten Tag an stand sie ihm voll zur Seite und hat neben der Arbeit in der Landwirtschaft noch zehn Jahre als Bedienung im Restaurant Lochmühle gearbeitet. Alles Geld wurde in die Landwirtschaft gesteckt. Die Einnahmen in der Landwirtschaft nahmen auch von Jahr zu Jahr zu und so konnten sie einen schönen Bauernhof (Grünland-betrieb) mit einer erstklassigen Kuh- und Rinderherde und einem Maschinenbestand, der auf dem neuesten Stand war, aufbauen. Dieses Ziel, einen schönen und schuldenfreien Bauernhof mit Frau und Kindern, hatten sie nach etwa zehn Jahren Ehe erreicht. Ein Wunschtraum war in Erfüllung gegangen.

Durch die schwere Arbeit, die oft bei Nässe gemacht wurde, besonders beim Drainieren der Sumpfflächen, waren die Gelenke so verbraucht, dass er ohne Stock nicht mehr gehen konnte und durch die Arthrose hatte er auch entsprechende Schmerzen. Schweren Herzens musste er sich entschließen, die Viehherde zu verkaufen. Er wollte einen Pförtnerjob annehmen, da er ja keine schweren Arbeiten mehr verrichten konnte. Das Pachtland, das neben der Sandelmühle noch in Wehrheim gepachtet war, wollten sie abgeben. Nur das Eigentum, das Lochmühlenland, sollte weiter genutzt werden. Man wollte eine Shetlandponyzucht betreiben. seil das arbeitsextensiv ist. Bald kamen aber Kinder und wollten auf den Pony reiten. So dauerte es nicht lange und es entstand ein Ponyhof. Später kamen Großpferde hinzu und es wurde ein Reiterhof mit bis zu siebzig Pferden insgesamt. Von 1970 bis 1978 wurde dieser Reiterhof betrieben.

Zwischenzeitlich wurde ich an der Hüfte operiert, sodass es mit dem Gehen wieder etwas besser ging.

Im Jahre1975 wurde eine Straße (Antobahnzubringer) direkt neben dem Anwesen gebaut, so dass der Reitbetrieb gefährlicher und eingeengt wurde. Für die Kinder waren schon kleine Spielgeräte aufgebaut. sowie ein paar Grillplätze angelegt und mit jungen Birken umrandet. Von nun an wurde begonnen, das ehemalige Reitgelände als Spiel- und Erholungsfläche auszubauen und von den  Benutzung der Anlage, die dann eingezäunt wurde, eine geringe Eintrittsgebühr von den Besuchern zu nehmen. Das Ponyreiten wurde im kleinen Rahmen beibehalten. So entstand ganz allmählich der Familienfreizeitpark Lochmühle.

Die Besitzer sahen sich einige Freizeitparks an, die in dieser Zeit in der Bundesrepublik aufgebaut wurden. Vorher gab es diese Freizeitparks noch nicht. deshalb wurden dieselben sehr stark von der Bevölkerung angenommen. Sie konnten sich jedoch für diese Art Freizeitparks nicht begeistern, die hoch technisiert waren, weil damit das schöne Lochmühlental belastet oder gar verschandelt worden wäre. Es lag der Familie sehr am Herzen, den natürlichen Tal-Charakter zu erhalten. Der Ursprung als Bauernhof sollte immer noch zu erkennen sein. Deshalb hielt man außer den Ponys noch verschiedene andere Tiere eines Bauernhofes. Auch baute man ein kleines Landwirtschaftliches Museum und stellte alte Landwirtschaftsgeräte und -maschinen zum Anschauen und Herumturnen auf.

Die Anlage sollte einmal ein Erholungspark für die ganze Familie werden. Es gab einen schönen Wiesengrund mit einem Bachlauf. Der Teich wurde schon 1976 gebaut. Hier kann man in natürlicher Umgebung mit den Flößen fahren oder mit kleinen Booten auf dem Teich. Es gab nicht die großn Fahrgeschäfte. Man sollte innere Ruhe und Entspannung vom Alltags- und Berufsstress bekommen.

Im Park sind dennoch sehr viele kleine Attraktionen, die die Kinder immer wieder begeistern. Bei vielen muss man selbst aktiv werden, was sehr oft das Vergnügen steigert. Dieses Angebot ist gerade für Familien interessanter ist als in den größren hochtechnisierten Parks mit 10-15 Großattraktionen, vor denen sich aber zwangsläufig lange Warteschlangen bilden, bis man zum Fahr-vergnügen kommt. Das Konzept wurde auch gut angenommen, so dass man das Parkgelände durch Landzukauf verdoppeln konnte. Sogar auf der anderen Seite des Limes wurde ein Waldstück erworben, auf dem die Umrisse eines ehemaligen römischen Kleinkastells noch zu sehen sind. Ein Teilstück des Limes, der ja von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen werden soll, ist auch in diesem Waldstück vorhanden. Gerade in diesem Bereich wird man in Zukunft den Besuchern der Lochmühle viel Interessantes und Wissenswertes vermitteln können.

Die Kinder haben die Parkleitung übernommen, als Theo Zwermann 1991 sein 65. Lebensjahr erreichte. In eigener Regie haben sie 1991 die Brückenmühle, einen Bauernhof, der am Erlenbach unterhalb Wehrheims liegt und früher auch eine Mühle war, gekauft. Im Jahre 1992, nur ein Jahr später, wurde ihnen das Hotel- Restaurant Lochmühle zum Kauf angeboten, welches sie aus den verschiedensten Gründen kauften, obwohl es sehr teuer war. Aber viele Probleme wurden durch den Kauf gelöst und der Kreis der wechselvollen Historie hat sich damit in ungeahnter Weise geschlossen.

Es blieb den Kindern auch keine andere Wahl, wieder ein Jahr später, also 1993 den Tier- und Botanikpark in Steinau an der Straße zu kaufen, denn es gab große Schwierigkeiten mit den Nachbarn aus der Saalburgsiedlung wegen dem vom Park ausgehenden Kinderlärm. Mit diesen drei Großinvestitionen haben sich die Kinder natürlich in jeder Beziehung unvorstellbar in Form enormer Mehrarbeit und der Finanzierung. engagiert.

Der ehemalige Tierpark Talhof (meist exotische Tiere) in Steinau wurde vom Konzept her ähnlich dem der Lochmühle. aus- und umgebaut. weil man die Erfahrung machten, dass das Angebot. vieles selbst zu machen, sich sehr gut bewährte. Einheimische Tiere und Pflanzen sowie das große Angebot an Picknick- und Grillplätzen (beziehungsweise Grillhäuser) wurden auch sehr gut angenommen. In Steinau konnte eine sehr große, zweihundert Jahre alte Scheune zu einem landwirtschaftlichen Museum eingerichtet werden. Es ist das größte private Landwirtschaftsmuseum Hessens.

In der Lochmühle gibt es schon seit langen Jahren ein kleines landwirtschaftliches Museum. Auch der Ausbau der Lochmühle ist stark auf Landwirtschaft und einheimischer Tierhaltung ausgerichtet, so wurde z.B. 2004 ein richtiger Bauernhof mit entsprechender Tierhaltung und einer Traktorbahn gebaut, diese Traktoren fahren an Wiesen. Ackern und einem Garten vorbei. Eine gelungene Sache die sehr gut von den Besuchern angenommen wird. weil sich Gott sei dank immer mehr Menschen wieder zur Natur und den Tieren hingezogen fühlen.

 

 

Auch der Schwiegersohn Andreas, der mit Tochter Christine die Lochmühle betreibt, ist voll bei der Sache und setzt sich mit all seiner Kraft für den Erhalt und die Zukunft der Lochmühle ein. Sohn Theo als das jüngste der Kinder hat es im Steinauer Park auch alles andere als leicht und ist von morgens bis abends auf den Beinen, um seinen Park weiter auszubauen. Zusätzlich hat er die Gastronomie in eigener Regie, die ja auf der Lochmühle die älteste Tochter Bärbel betreibt.

Theo Zwermann hat sechs Enkelkinder und jedes Enkelkind hat in der Lochmühle einen eigenen Lindenbaum zur Geburt gepflanzt bekommen. Die Enkelkinder helfen an den Wochenenden und in den Schulferien schon tüchtig mit.

Theo Zwerenz schreibt: „Jedem dem es hier im Lochmühlental gefällt, bringe ich Symphatie und Dankbarkeit entgegen. aus dem einfachen Grund. weil mir die Lochmühle, meine Heimat so unendlich viel bedeutet. Ich bin glücklich und dankbar dafür, dass ich auf der Lochmühle lange und intensiv leben und wirken konnte. Denn als Kind habe ich mir in sehr schwerer Zeit ein Ziel gesetzt, wenn ich groß bin einen schönen Bauernhof zu haben! Dieses Ziel durfte ich erreichen. Es wurde mir sogar noch viel mehr zuteil, denn mein Leben hat dazu beigetragen, dass jedes Jahr unzählige Menschen, vor allem Kinder auf der Lochmühle und in Steinau viele schöne Stunden verleben können.

Dass die junge Generation genau in meinem Sinn die Lochmühle und Steinau weiter gestaltet, erfüllt mich mit unsagbarer Freude. ich bin sehr stolz auf sie. Der Beweis, dass sie ihre Parks hervorragend führen, ergibt sich aus der Tatsache, dass es im Internet unter  „Parkscout“ eine Beurteilung über die deutschen Freizeitparks gibt. die sich aus den Eingaben der Parkbesucher in Bezug Preis Leistungsverhältnis und Spaßfaktor ergibt. und im Parkscout benotet wird. In dieser Benotung steht die Lochmühle schon seit Jahren mit an vorderster Stelle. Der Erlebnispark Steinau ist ebenfalls im oberen Bereich vertreten. Die vier hessischen Freizeitparks wurden vom Hessenfernsehen getestet, dabei bekam die Lochmühle die Note eins. also auf den ersten Platz. Steinau kam auf den zweiten Platz mit der Note gut. So dass das hessische Ergebnis dem auf Bundesebene ähnlich ist.

Es geben uns sehr viele Gäste in \Wort und Schrift eine große ideelle Entlohnung, wenn sie ihr Lob über die gepflegte Anlage, die Sauberkeit, den Ideenreichtum und die wunderbare Blumenpracht zum Ausdruck bringen. Wir freuen uns sehr, wenn sie uns ein kleines  „Dankeschön“ für einen erlebnisreichen Tag in einem unserer Parks zum Ausdruck bringen. In beiden Parks wird besonders die Natur, die Tiere und die Landwirtschaft in Form von Museen und landwirtschaftlichem Lehrpfad in den Vordergrund gestellt. Mit diesem landwirtschaftlichen Angebot erfüllen beide Parks einen gewissen pädagogischen Lehr- und Lernauftrag. besonders bei Schulklassen. Kindergärten sowie bei vielen interessierten Familien mit Kindern.

 

Man sollte aber nicht versäumen, durch die Unterführung unterhalb des Eingangs in den südwestlichen Teil des Parks zu gehen. Dort sind nicht nur Spielgeräte und ein Ponyreitplatz (zwei Runden zwei Euro extra). Links von den Gebäuden geht es zu einem Römerparcours. Wo er beginnt, wird der Limes gekreuzt, als mächtiger Wall noch gut zu sehen. Dann geht man an verschieden Stationen vorbei und kann in spielerischer Form einige Fragen beantworten.

Gleich links sind  auch die Reste des römischen Kleinkastells Lochmühle zu sehen. Etwa in Höhe des Gasthauses Lochmühle (das schon jenseits der römischen Grenze liegt) befindet sich 37 Meter hinter dem Pfahlgraben im Wald das Kleinkastell Lochmühle. Der flache Schuttwall der steinernen Umwehrung ist sichtbar. Der kleine Wehrbau (400 Quadratmeter) besaß nur ein Tor, das dem Limes zugewandt war. Das Kastell dürfte genauso wie die übrigen Kleinkastelle der Hochtaunuslinie nachträglich in der Mitte des 2. Jahrhunderts entstanden sein. Vielleicht ging ihm ein hölzerner Wachtturm voran.

Das Kastell und der Limes sind aber nur im Inneren des Zauns erreichbar. Am Ausgang des Parcours kreuzt man wieder den Limes. Rechts steht noch ein Grenzstein von 1861 mit den Initialen „HN“ (Hessen-Nassau).

 

Wehrheim

Wenn man von der Saalburg kommend geradeaus nach Wehrheim hineinfährt, steht gleich am Anfang ein Hinweisschild auf das „Apfeldorf“. Rund um die Gemeinde gibt es viele Streuobstwiesen , und im September hat auf den Wiesen der Bürgermeister seinen Auftritt - dann werden die Apfelbäume an den Meistbietenden zum Ernten versteigert. Die Gemeinde Wehrheim gibt auf ihren Grundstücken, wie in jedem Jahr, gemeindeeigenes Obst kostengünstig zur Selbstwerbung ab. Interessierte Bürgerinnen und Bürger, aber auch Kinder, für die das Abernten von Obst immer ein großer Spaß ist, sind wieder herzlich eingeladen, Obst selbst zu pflücken. Sei es zur Lagerung über Winter, zur Herstellung von Apfelsaft und -wein, für die eigene Marmelade und Gelee oder zur Herstellung von Dörrobst.

Im Dorf geht es rechts in die Hauptstraße und dann gleich wieder links in die Dorfbornstraße. Ihren Namen hat die kleine Straße von einem Brunnen vor dem heute verschwundenen Haus des „Säuschnit­ters“. Nachdem eine Schmiede-&-Landmaschi­nen-Werkstatt die Gasse verlassen hat, ist es hier ruhig ge­worden.

Gleich links in der Straße - gegenüber der leeren Schmiede - steht das alte Gasthaus. Nur wer genau hin­schaut, wird kaum noch erkennbar die Zahl „1897“ im Sandstein über der Ein­gangstür sehen. In jenem Jahr wurde demnach der Anbau in Backstein hochgezogen. Eine Treppe, altersschwach, führt steil in einen düsteren Schacht und gleichsam in eine andere Zeit. Von einem abgegriffenen Handlauf geleitet, steht man endlich vor der niedrigen Tür, die sich nur mit Mühe aufdrücken läßt  Dahinter öffnet sich ein Raum auf 14 Metern Län­ge, der im ehemaligen Marktflecken Wehrheim nicht seinesgleichen hat. Ein historischer Wirtssaal dieser Art findet sich vielleicht noch als Postkarten-Motiv einer längst entwichenen Epoche.

Die vier hohen Fenster zur Hofseite ha­ben der Zeit ihren Tribut entrichtet. Die Scheiben sind zerbrochen und die Flügel nicht mehr zu schließen, dennoch ist der Innenraum von Wind und Wetter ver­schont geblieben. Ohne Fehl und Lücke spannt sich in fast vier Metern Höhe die kastanienfarbene Holzdecke bis über die Empore, wo an Jubeltagen die Musiker ih­re Instrumente auspackten. Die geschnitz­ten Ornamente der Brüstung sind dem Ju­gendstil entlehnt und wiederholen sich in den Mustern der imposanten Stützwinkel, welche die Deckenteile tragen.

In einer merkwürdigen Mischung finden sich auch volkstümliche Blumen-Motive in den Schnitzarbeiten. Die abblätternde Tapete verrät ihre Gestaltung nicht mehr: In un­definierbarer Farbe rahmt sie die blau­graue Wandvertäfelung. Nur der abgenutz­te Dielenboden spricht von fast hundert Jahren bäuerlicher Beanspruchung. Eine einzelne Säule aus Metallguß mar­kiert die Grenze zu dem anschließenden Wohnhaus. Hier wurde der Saalbau auf eine Breite von sieben Metern in den ersten Stock des älteren Gebäudes hineingeschoben.

Der ursprüngliche Gastraum, die Keimzelle der Wirtschaft „Zum Engel“, muß sich im Erdgeschoß des Hauses befunden haben. Zum Hof hin gelegen und von einer erstaunlichen Größe, dient er heute als Wohn- und Arbeitszimmer eines Mieters. Dahinter befand sich die Küche, aus der die einfachen Speisen eine Treppe hinauf und in den Saal getragen wurden.

Nicht nur das Entstehungsjahr des Saales ist dem Werk eingeschrieben, auch der Besitzer hat sich verewigt: die Buchstaben H und W prangen in rostigem Eisen an der Außenwand und erinnern an Heinrich Wagner, den letzten Wirt des „Engel“. Wagners Großvater Fritz erbt 1840 den Hof von seinen Schwiegereltern und leitet das sechs Jahrzehnte währende Gastspiel der Wagnerschen Familie in der Dorfborngas­se ein. Auf dem Grundstück befindet sich, so die Aufzählung im amtlichen Stock­buch, ein zweistöckiges Wohnhaus, dazu Scheune, Stall, Nebengebäude und Holz­schuppen. Neben dem bäuerlichen Betrieb entsteht unter dem Sohn August eine Gastwirtschaft. Über deren Beginn hat sich bislang kein Dokument im Gemeinde­archiv gefunden - nur im Kirchenbuch wird August Wagner als „Gastwirt zu Wehrheim“ geführt. Zum Hof gehören im Jahre 1860 schon stattliche „39 Morgen, 12 Ruthen, 95 Schuh“ an Ackern und Wiesen. Am Ende des Jahrhunderts übernimmt Heinrich Wagner mit seiner aus Rodheim stammen­den Frau Anna den Betrieb und versucht, das Schankgeschäft auszuweiten.

Neben dem Saal gibt es noch eine Kegel­bahn, die unter den Obstbäumen des gro­ßen Gartens errichtet wird. Wie allseits üb­lich, fließt der hauseigene Apfelwein aus einem Faß im Keller, das Lagerbier aus Flaschen. Schnaps, aus Korn und Obst gebrannt, gehört zum Tagesprogramm. Werktags treffen sich Handwerker und Bauern zum Dämmerschoppen, der Stammtisch versammelt Händler und Kar­tenspieler.

Die Ausstattung ist anspruchslos - dem Anlaß angemessen. Eine Musikwalze ist der einzige Luxus: Von Geldstücken ange­stoßen erklingen beliebte Melodien. Zu Fassenacht, Kerb und an Feiertagen darf es jedoch mehr sein. Musiker erklimmen die schmale Empore, der Raum füllt sich mit den Dorfbewohnern, und das schwere Tagwerk scheint für wenige Stunden ver­gessen. Noch heute erinnern sich ältere Wehrheimer an eine Begebenheit, die da­mals einer Sensation gleichkam und von den Vorfahren überliefert wurde: Eine „Da­menkapelle“ soll im Saal gastiert und für unglaubliche Furore gesorgt haben.

Sang- und klanglos endet jedoch nach weiteren 15 Jahren die Epoche der Wirts­familie. Im Jahre 1914 die Wagners das Anwe­sen in der Dorfborngasse und ziehen in den Bierhausweg. Heinrich Pauli über­nimmt mit seinen Leuten den Hof und be­treibt fortan ausschließlich Ackerbau und Viehzucht. Die Zugänge zwischen dem Haus und dem Anbau werden mit Brettern ver­schalt, Tische und Bänke abgeräumt.

Zwischen den Weltkriegen mietet die Firma Leisler den Saal, um Brieftaschen und andere Lederartikel maschinell herzustellen. Im Jahre 1939 verschwindet die Leder-Fabrikation, und die braunen Machthaber besetzen den Raum: 50 polnische und französische Kriegsgefangene sind hier während der Kriegsjahre untergebracht. Tagsüber müs­sen sie bei den Bauern oder im nahen Steinbruch arbeiten, die Nächte verbrin­gen sie in Stockbetten hinter der abgerie­gelten Saaltür. Auch das Wachpersonal ist auf dem Hof untergebracht.

Während der 80er Jahre basteln die Mit­glieder von Angelverein und Vogelschüt­zern hier für kurze Zeit an ihren Räucher­kisten und Nistkästen. Bis 1995 bleibt das Anwesen im Besitz der Pauls, dann er­lischt die Familie, die Gemeinde erwirbt Haus und Hof. Heute sind in den Wohnräumen des ers­ten Stocks die Sozialschwachen der Ge­meinde untergebracht. Der Saalbereich wird von der Theatergruppe „Spielbühne“ als Proberaum und Lager genutzt.

Die Tage der gesamten Be­bauung zwischen Dorfborngasse und dem Stadttor scheinen gezählt: Die Gemeinde­spitze arbeitet schon seit einigen Jahren an einem Konzept für „Wehrheim Mitte“. Sobald alle Grundstückskäufe getätigt und potente Geschäftspartner gefunden sind, soll „ein ansprechendes Einkaufs- ­und Geschäftscenter mit Restaurations­- und Wohnmöglichkeiten“ auf den alten Grundmauern entstehen. Noch werden Ideen zur Gestaltung des Quartiers gesammelt. Ob sich dieser Neu­beginn auch als Chance für den alten En­gel-Saal erweisen kann? Es ist zweifel­haft, ob die Bauherren auf ein einzelnes Gebäude Rücksicht nehmen - auch wenn das Innere dieses Gebäudes Zeugnis ab­legt von 100 Jahren hessischer Dorfkultur und deutscher Geschichte - ablesbar an je­dem verstaubten Gegenstand, der hier überdauert hat.

 

Am Ende der Dorfbornstraße geht es nach links durchs Stadttor und dann wieder links Richtung Hauptstraße. Rechts steht der einst berühmter „Taunus“-Saal, der im Zuge der Umbauten neuen Gästezimmern gewichen ist. Man kommt  nach links wieder auf die Hauptstraße und fährt dann Kirche und Rathaus vorbei, bis links die Pfaffenwiesbacher Straße abbiegt. Dort steht gleich links

(Haus Nummer 6) der ehemalige Kurtrierscher Amtshof. Er wurde nach 1600 gebaut. Seit 1811 ist er im Besitz der Familie Etzel, die seit 1993 dort einen Hofladen eingerichtet hat.. Um 1980 begann Bauer Etzel als einer der Ersten konsequent auf ökologischen Anbau und Tierzucht zu setzen. Heute ist der Begriff „Bio-Bauer Etzel“ weit über die Grenzen von Wehrheim hinaus bekannt. Öffnungszeiten: Mo-Do 9-13 Uhr und 15-19 Uhr,  Fr 9-19 Uhr, Sa 9-14 Uhr. Parkplätze im Hof .

 

Wildverkauf am Jagdhaus Wehrheim: 

Frisches Wild aus den Wäldern rund um Wehrheim - entweder am Stück oder schon küchenfertig zerlegt. Einige Preisbeispiele: 1 Kilo Reh- oder Hirschfilet kostet 22 €, das Kilo Wildschweinrücken oder Wildschweinkeule 18 €. Das Wild wird immer samstags zwischen 9 und 12 Uhr am Jagdhaus verkauft oder nach telefonsicher Voranmeldung: Kontakt: Siegfried Gräfe Tel: 0176 - 51571855

Anfahrt zum Jagdhaus: Auf der Hauptstraße nach Osten, vorbei an der Kirche und dem Friedhof. Nach dem Ortsende von Wehrheim etwa. 250 Meter geradeaus. Nach drei Gärten führt eine Asphaltstraße rechts auf die Höhe. Auf der Höhe geht es dann links auf einem weiß gekiesten Weg in den Wald. Diesem Weg folgen, bis man an einem Zaun rechts abbiegt. Dem Weg weiter folgen bis zum Jagdhaus. Ein Stückchen oberhalb verläuft der Limes, die Saalburgsiedlung liegt südwestlich.

Bei der Rückfahrt von Wehheim muß man darauf achten, daß man auf der großen Kreuzung südlich von Wehrheim erst rechts und dann links fahren muß, um zur Saalburg und nach Bad Homburg zu kommen.

 

Pfaffenwiesbach:

Das „Bachrecht“ ist eine ganz besondere Auszeichnung, die nur an besonders verdiente Einwohner von Pfaffenwiesbach verliehen wird. Neben dem „Bachrecht“ gibt es in Pfaffenwiesbach aber noch viele weitere Eigenarten, die das Dorf so ganz besonders machen: Über eine Ortsrufanlage werden die 1800 Einwohner noch heute über wichtige Ereignisse informiert, der genialer Erfinder und Hubschrauberkonstrukteur Anton Flettner war Anfang des 20. Jahrhunderts in Pfaffenwiesbach Dorflehrer, und der junge Organist in der mächtige Kirche kennt viele Anekdoten aus der bewegten Geschichte des Ortes.

In der Kirche von Pfaffenwiesbach ist nur noch der Vorraum tagsüber zugänglich - man kann aber immerhin einen Blick in die Kirche werfen. Oder man besucht - zu den üblichen Zeiten - einen Gottesdienst. An der Kirche auf der anderen Straßenseite ein schönes Fachwerkhaus mit einer Figur am Eckbalken.

In Pfaffenwiesbach gibt es immerhin vier Gaststätten - erstaunlich für einen Ort mit knapp 1800 Einwohnern. Die „Dorfschänke“ hat täglich außer Montags von 12 - 14 Uhr und ab 17 Uhr geöffnet. Jeden Mittag bietet der Wirt ein Stammessen an für 5 € einschließlich Suppe!

Nauheimer Str. 14, 61273 Pfaffenwiesbach.

 

 

Friedrichsthal - Holzbachtal

Das Holzbachtal, ein Nebental der vom Taunus in die Wetterau fließenden Usa, ist weithin unbekannt, wenig besiedelt und besteht aus kleinen Stückchen Wald, Wiese, Aue und Acker. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Holzbachtal mangelhaft erschlossen. Hier wird dem Vorschlag in dem Faltblatt „Eine Wanderung durch die Zeit um das Holzbachtal“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“ gefolgt, die dortigen Ausführungen sind ergänzt durch weitere Materialien. Dieser Waldlehrpfad erzählt anhand kurzer Texte die geologische sowie die Besiedlungsgeschichte des Usinger Landes. Er geht dabei auch gleichzeitig auf die Hinterlassenschaften menschlicher Aktivitäten, wie zum Beispiel Bergwerke ein. Startpunkt des Waldlehrpfades ist der Parkplatz des „Bürgerhauses Holzbachtal“ in Friedrichsthal im Süden des Dorfes am „Zwerchweg“. 

 

Friedrichsthal:

Friedrichsthal ist eine sehr junge Siedlung. Sie entstand nach einem großen Brand in Krans­berg, bei dem am 13. September 1814 rund 80 Prozent der Häuser vernichtet wurden. Der Brand führte zu einer Welle der Hilfsbereitschaft von Wiesbaden bis in die Wetterau. Ein Teil der so obdachlos gewordenen Menschen wurde im Bereich des heutigen Friedrichsthal angesiedelt. Die obdachlos gewordenen Menschen siedelten neu im jungfräulichen Holzbachtal, nicht wissend, daß sie auf uralter Siedlungserde ihre neuen Fundamente errichteten. Heute wohnen in dem Tal gerade mal 500 Menschen. Friedrichsthal, das kleinste aller Taunusdörfer, gehört zur Großgemeinde Wehrheim.

 

Station 1 (am Bürgerhaus): 7000 Jahre alte Besiedlungsspuren am „Holzbach“:

Bereits um 5000 vCh wurde das Usinger Land entlang der Usa von der Kultur der Linearbandkeramiker in Besitz genommen. Diese Kultur, die aus der ungarischen Tiefebene kam, wanderte über die Wetterau (5700 vCh) in das Usinger Land ein. Sie besaß bereits eine hochentwickelte Kultur, die sie gegen die vorher in unserem Gebiet lebenden Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit deutlich abgrenzte. So führten die Linearbandkeramiker Ackerbau und Viehzucht ein, errichteten mit Lehm verkleidete Fachwerkbauten von imposantem Ausmaß (35 Meter lang und 7 bis 8 Meter breit) und verarbeiteten Ton zu kunstvoll mit Ritzlinien und Einstichen geschmückten Keramikgefäßen, welche ihnen auch ihren Namen Linearbandkeramiker gaben.

Noch heute kann man die Spuren ihrer Siedlungstätigkeit in Form von Keramikscherben sowie Resten von Steingeräten finden und Abfallgruben, Hausgrundrisse als auch seltenere Erdwerke durch Geomagnetik nachweisen. Hier ist einer dieser Siedlungsplätze. Es handelt sich zusammen mit weiteren Fundstellen um Usingen um die ältesten Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit im Usinger Land.

 

Station 2: Bachübergang seit dem Mittelalter

Man geht vom Bürgerhaus erst ein Stück nach Südwesten, dann nach links am Sportplatz vorbei und dann nach rechts auf der verlängerten Taunusstraße am Bach entlang bis zum Anfang des Waldes. Hier überquert der Weg den Holzbach. Naturfreun­de jubilieren: massenweise Herbstzeitlose, leuchtender Rotdorn, verwilderte Pflau­men. Stille und weit und breit kein Mensch. Eigentlich unvorstellbar: In einer Luftlinie von nur 25 Kilometern, in der Frankfurter City, schlägt das Herz der Re­gion, laut und bar jeder Natur.

Dieser Übergang existiert wohl schon seit dem Mittelalter und der Zeit der Mörler Mark unverändert. Hier gab es zwei Wege: Der eine kam von Krans­berg und führte nach Nauheim und Friedberg, der andere kam von Pfaffenwiesbach, traf sich kurz vor dem Holzbach mit dem ersten und trennte sich nach dem Übergang wieder, um in Richtung Ober-Mörlen weiterzuführen. Wenn man diesem Weg noch ein Stück bis zum Waldesrand folgt, sieht man rechter Hand noch tiefe Wegspuren im Wald. Man geht am westlichen Waldrand entlang und dann immer am Waldrand entlang nach Südwesten bis zu einer Stelle, wo scharf links ein Weg abbiegt.

 

Station 3: Einst Landesgrenze, heute Kreis- und Gemeindegrenze

Hier steht der erste Grenzstein. Die Grenzsteine wurden in den Jahren 1827 bis 1828 zwischen dem Erlenbach und der Usa gesetzt und zeigen die Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Nassau und dem Großherzogtum Hessen an. Heute scheidet die Grenze die Landkreise Hochtaunus und Wetterau sowie die Großgemeinden Wehrheim und Ober-Mörlen.

Man geht auf dem scharf abknickenden Weg weiter und an der nächsten Gabelung rechts. Die Buchstaben auf den Grenzsteinen entlang des Grenzwegs bedeuten:

HN      =          Herzogtum Nassau

GH      =          Großherzogtum Hessen

C         =          Kransberg (damals noch mit C)

OM      =          Ober-Mörlen

NM      =          Nieder-Mörlen

PW     =         Pfaffenwiesbach

L          =          Langenhain

VD      =          Von Diede (siehe auch Station 6)

 

Wo der Weg einen Bogen nach links macht sieht man wieder die Rinne des Weges nach Ober-Mörlen von Station 2, der hier den Weg kreuzt, sowie nach rechts die kaum erkennbaren Spuren des „Hühnerpfades“, der wohl im Mittelalter von Köppern über das Vogeltal nach Langenhain führte. Der Name „Hühnerpfad“ könnte auf das Wort „Hüne“ zurückzuführen sein, wobei es keine abschließende Klarheit über den Namen sowie den weiteren Verlauf des Pfades gibt. Der Weg macht dann wieder einen Bogen nach rechts. Lag hier die Ansiedlung Oberholzburg?

 

Station 4: Die „Schloth“.

Als „Schloth“ oder „Slot“ bezeichnet man nach Grimm (Deutsches Wörterbuch) einen Graben bzw. Pfütze, welche sich hier im Nordosten als dreieckiges, eingetieftes Gebiet erstreckt. Die sonst gleichmäßig verlaufende Grenze macht einen Haken und umschließt diese feuchte Senke. Unterhalb, Richtung Holzbach wird die Siedlung „Oberholzburg“ vermutet. Nach einem Weistum von 1447 war das Dorf bereits „ausgegangen“, also wüst gefallen. Bis heute wurden keine Funde gemacht, die den Standort bestätigen. Bald nach einem erneuten Rechts­bogen liegt rechts eine Bergwerksgrube

 

Station 5: Die Grube „Wundershecke“

Im Jahre 1859 erschürfte die Taunusbergbaugesellschaft unter Leitung von L. Storch in 25 Meter Tiefe silberhaltiges Bleierz. Ausgangspunkt des Unternehmens war ein Schacht, von dem mehrere Gänge in unterschiedliche Tiefen abgingen. So erfolgte 1860 die Verleihung für dieses Feld an die Erben des L. Storch und fünf Mitwerker. Von 1860 bis 1862 wurden aus 60 Tonnen Roherz etwa 27 Tonnen Schmelz-Erz gewonnen. Diese Menge ist für hiesige Verhältnisse schon recht beachtlich. Im Jahre 1884 wurde die Grube an eine Friedberger Gesellschaft überführt, die Verkaufsgespräche mit mehreren Interessenten führte, von denen schließlich eine Düsseldorfer Gesellschaft um die Jahrhundertwende den Zuschlag erhielt. Aufgrund von Wassereinbrüchen und nur noch geringen Mengen an Bleiglanz wurde die Grube aber nicht mehr in Betrieb genommen. Um die Jahr­hundert­wende stiegen zum letzen Mal Bergmänner in den Schacht. Im Jahre 1922, nach dem Fund einer Leiche, ist der über die Jahre offene Schacht zugeworfen worden. Heute sieht man nur noch die Abraumhalde der ehemaligen Grubenanlage im Wald.

Den rechten Weg bestäti­gen immer wieder Grenzsteine mit den Initialen HNC (Herzogtum Nassau-Crans­berg) auf der einen und GH (Großherzog­tum Hessen) auf der anderen Seite. Noch heute stellen diese alten Markierungen auch die Grenzen der neuzeitlichen Gebietskörper­schaften dar. Der Weg geht weiter nach Norden. Wo ein Weg nach rechts abbiegt, liegt der Kirchwald.

 

Station 6: Waldgeschichte: Der Flurname „Kirchwald“

Neben dem bei günstigem Wetter hervorragenden Fernblick gibt es an dieser Station auch geschichtlich Interessantes zu erfahren. Hier grenzte die ehemalige Mörler Mark an den noch heute so genannten „Kirchwald“. Dieser gehörte wohl schon unter den Herren von Falkenstein zur Burg Ziegenberg. Im Hochmittelalter kann die Zugehörigkeit zur Mörler Mark vermutet werden. Die Grenzsteine tragen ab hier ein L (Gemarkung Langenhain) und vD (von Diede, Eigentümer von Burg Ziegenberg). Ein Stück weiter nördlich kommt man zu den Hügelgräbern.

 

Station 7: „Hainer Weg“ und Gräber berichten aus ihrer Zeit

Hier wird der Weg von einem befestigten Fahrweg gekreuzt. Er war schon vor der Gründung Friedrichthals 1814 die Verbindung zwischen Pfaffenwiesbach und Langenhain. Im Kreisarchiv von Bad Homburg liegen die Ergebnisse einer Untersuchung des historischen Wegeverlaufes zur Einsicht. Die Topographische Karte TK 25 zeigt rechts neben dem Weg fälschlich ein Hügelgrab, etwas weiter im Wald liegt jedoch ein echtes Hügelgrab. Sie stammen wohl aus der Hügelgräberbronzezeit (etwa 1600 bis 1300 vCh) oder aus der Hallstattzeit (etwa 750 bis 450 vCh).

Eine zeitliche Einordnung ist meist erschwert, da diese Grabanlagen um die Jahrhundertwende schon das Interesse der Forscher erweckten, was zu einer regen Grabungsaktivität führte. Leider sind viele der Aufzeichnungen durch die Weltkriege verloren gegangen, so dass viel Wissenswertes über die Gräber nicht mehr existiert.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Hügelgräber im Laufe der Jahre durch die intensive Land- und Forstwirtschaft eingeebnet wurden und ihr Inhalt beim Bestellen der Felder nach und nach zum Vorschein kommt. In solchen Fällen ist dann meist eine Notgrabung erforderlich, bei der Zustand und Lage des meist vom Pflug erfassten Grabes durch Vermessungen, Zeichnungen und Fotos festgehalten werden, um seinen Aufbau später rekonstruieren und zumindest so der Nachwelt erhalten zu können. Gerade durch die Hügelgräber erhalten wir einen Einblick in die Lebensweise unserer Vorfahren, so dass es tragisch ist, wenn Gräber noch zusätzlich von Plünderern meist mit Metallsonden auf der vergeblichen Jagd nach Schätzen zerstört werden.

Die Fachleute können nicht genau be­stimmen, wann dort unsere Vorfahren ihre Toten betteten, da wichtige Befunde von Freizeit-Archäologen mißachtet oder von Raubgräbern mit Metallsonden geplündert wurden. Auf jeden Fall liefern diese Hügelgräber und weitere vorgeschichtliche Funde im Holzbachtal reizvollen Stoff für fantastische Ausflüge in die Vergangenheit. Erst in jüngster Zeit wurden den Spuren einer jungsteinzeitlichen Siedlung im Holzbachtal gefunden, also Zeugnisse von Menschen, die dort vor sieben oder achttausend Jahren lebten.

Man bleibt jetzt immer am Waldrand, knickt also kurz hinter der Station Hügelgräber im rechten Winkel nach links ab und dann wieder rechts. Überall im Wald sind hier Hügelgräber.

 

Station 8: Aufgegrabene Hügelgräber

Schon unter Station 7 wurde auf die Problematik der zerstörten Hügelgräber hingewiesen, hier stehen wir vor einem von Grabungen deutlich gekennzeichneten Hügelgräberfeld. Auch hier ist noch keine Datierung der angetroffenen Gräber erfolgt. Die Hügelgräber haben meist einen runden Querschnitt und ein halbrundes ovales Profil. Trotz variierendem Innenaufbau liegt meist eine Zentralbestattung mit verschiedenen Beigaben (meist Keramikgefäße, seltener wenige Metallbeigaben) vor. In manchen Fällen existierte eine hölzerne oder steinerne Grabkammer, über der Stein und Erde zu dem typischen Hagelgrab aufgeschichtet wurde.

Häufig sind die Gräber für Nachbestattungen wieder geöffnet worden, so dass sich mehrere Bestattungen in einem Hügelgrab finden. Die häufig in Siedlungsnähe errichteten Gräber wurden in kleinen Gruppen als so genannte „Totenlandschaft“ errichtet.

Der Weg führt jetzt wieder durch den Wald, dann wieder ein Stück am Waldrand entlang. Hier finden sich Schlehe, Pfaffenhütchen, Feldahorn, Ginster und an einigen nassen und schatti­gen Stellen leuchten sogar die roten Per­len des geschützten Aronstabes. Eichen bestimmen im Wechsel mit Hainbuchen und Buchen den Knüppelwald. Er entstand, weil die Stock­ausschläge immer wieder als Brennholz ge­erntet wurden. Dem Eichenblatt folgend geht es an einer Freizeitanlage vorbei, wo sich ein weiter Blick über das Holzbachtal öffnet. Man geht aber noch ein Stück in den Wald hinein. Direkt östlich der Marienkapelle liegt das Bergwerk „Anna“.

 

Station 9: Das Bergwerkfeld „Anna“

Die Schürfrechte an dieser Grube für Eduard Lück, der hier Bleierz fördern wollte, wurden für Taunusverhältnisse erst sehr spät (1903) vergeben. Die Grube wurde bis 1906 durch einen 80 Meter langen Gang erschlossen, dessen Reste man noch heute erahnen kann. Bei den Arbeiten wurden nur geringe Mengen an Bleiglanz gefunden. Die wirtschaftlich nicht lohnende Grube wechselte bezeichnenderweise auch häufig ihren Besitzer, so wurde sie 1904 von Karl Heinzerling (Butzbach) erworben, von welchem sie im Rahmen einer Zwangsvollstreckung vom Sparkassenverein Butzbach übernommen wurde. Im Jahre 1923 ging die Grube je zur Hälfte an die Gewerkschaft Therese und C.W. Achterrath. Die Grube ruhte trotz Besitzerwechsel weiterhin. Im Jahre 1936 gab es noch einmal die Versuche, die Nutzungsrechte mit denen anderer Gruben zusammenzulegen, doch auch dieser erfolglose Versuch konnte die endgültige Aufgabe nicht verhindern. Die Spuren des vergeblichen Strebens nach Glück durch Geld sind heute immer noch in Lö­chern und Aufschüttungen sichtbar.

 

Station 10: Die „Holzburg“, eine Wallanlage mit Besonderheiten

Auf dem Weg auf den Berg kreuzt man zwei gut sichtbare frühmittelalterliche Ringwälle. Sie sollten einst die vermutlich hölzerne Turmburg schützen. Die Erbauer und auch der zeitliche Rahmen der Errichtung der Burganlage ist nicht bekannt, sie war aber wohl wie der gesamte Landesteil Reichsgut im Besitz der Grafen von Peilstein-Cleeberg und Mörlen. Wie lange die Anlage als Befestigung genutzt wurde, ist nicht überliefert. Jedoch wird 1218 erstmalig mit der Schenkung der Anlage an den Deutschen Orden eine Kapelle erwähnt.

Die gesamte Bergkuppe wurde schon von Plünderern mit Metallsuchgeräten heimgesucht. Wissenschaftliche Ausgrabungen fanden noch nicht statt, so dass über die Siedlungsstruktur innerhalb der Wallanlage nur spekuliert werden kann. Aufgrund von Keramikscherben, vermutlich aus der späten Bronze- oder frühen Eisenzeit, kann jedoch schon auf eine längere Besiedlungsgeschichte geschlossen werden. Ob die Wälle bereits aus dieser Zeit stammen ist unklar, aber denkbar.

Einige Funde aus der spätrömischen Kaiserzeit (4./5. Jahrhundert nCh) beweisen die Nutzung der Anlage in alemannischer Zeit, als die Römer den Taunus verlassen hatten. In den letzten Jahren wurden bei intensiven Begehungen auch Keramikscherben aus dem Mittelalter gefunden, welche in das 13./14. Jahrhundert datiert werden können.

Nach der mündlichen Überlieferung lag unweit der Kapelle das Dorf „Niederholzburg“, das ebenfalls 1447 ausgegangen war (siehe Station 4). Der Standort konnte ebenfalls bisher nicht gesichert werden. Im Jahre 1437 wurden die Herren von Eppstein als Herren des „Gerichts Holzburg“ erwähnt.

Die überarbeitete Originalzeichnung von Kurt Sauer aus dem Jahre 1966 zeigt die Größe der Anlage auf der Bergkuppe, von der man auch beim Umwandern der Kapelle (innerhalb der Wallanlage) einen Eindruck erhält. Von der Ausdehnung der Anlage kann man sich hier   durch­aus eine Siedlung vorstellen.

 

An der Stelle einer früheren Burganlage steht seit Beginn des 13. Jahrhunderts eine kleine Wallfahrtskapelle, die der Gottesmutter Maria ge­weiht ist. Vermutlich wurde sie auf den Resten des von Ringwällen umgebenen Holzturms errichtet. Sie war eine Filiale der Kirche auf dem Johannesberg bei Bad Nauheim. Im Jahre 1218 gehörte sie dem Deutschen Orden. Bis Ende des 16. Jahrhunderts war die Kapelle die Pfarrkirche für Kransberg und Wernborn. Ein um die Kapelle bestehender Friedhof wurde bis zum Ende des 19. Jahrhundert von der Familie aus der Herren- und Kreuzmühle genutzt.

Der re­gional bedeutende Wallfahrtsort erscheint wie aus dem spröden Taunusschiefer ge­wachsen, umgeben von schlanken Eichen. In dem stets geöffneten Gotteshaus beten notbeladene Christen offensichtlich sehr erfolgreich, wie die vielen Schildchen an der Wand mit der Aufschrift „Maria hat ge­holfen“ bezeugen. Jeden Tag ist dort Vorabendmesse oder Wochengottesdienst. Nach Westen ist ein Außenaltar mit Sitzgelegenheiten, um die Kirche herum stehen Kreuzwegstationen.

Wenn man nur die Marienkapelle besuchen will, kann man das auch von der Bundesstraße 275 aus tun. Dazu muß man von Obermörlen kommend (links abbiegen Richtung Wehrheim und dann gleich wieder links in Richtung Friedrichsthal. Zur Marienkapelle kommt man vom Parkplatz des Klär­werks, schräg gegenüber dieser Anlage beginnt der romantische Aufstieg zum Holzberg mit der Marienkapelle. Man kann aber auch noch ein Stück weiter die Straße entlang fahren, bis ein Wegweiser nach links zur Marienkapelle zeigt. Hier kann man r noch ein Stück den Weg hinauf fahren, bis kurz nach Beginn der Teerdecke ein Fußweg nach links abgeht (Wegweiser).

 

Station 11: Die „Goldkaute“ oder „Silberkaute“ bei Kransberg

Von der Marienkapelle aus muß man auf die andere Talseite wechseln. Östlich der Kapelle führt ein Weg nach Nordosten den Berg hinunter, an der Klärgrabe vorbei und um den Berg herum bis zur Kreisstraße. Auf ihr geht man ein Stück nach links und dann wieder rechts nach Süden, zuerst im Linksbogen, dann gerade aus. Westlich liegt die Herrenmühle. Wo der Weg endet geht man links und dann wieder rechts auf einem Weg, der sich zunächst etwas vom Waldrand entfernt, aber dann wieder auf diesen stößt. Am Ende des Waldrands geht man rechts. In dem Gebiet nördlich der Neubausiedlung (mehr im Westen)  stößt man noch einmal auf das Thema „Bergbau“. 

Aus dem Jahre 1496 liegen Dokumente vor, in dem die Rechte zum Abbau von Mineralien im Umkreis von einer Meile um das Schloß Kransberg an eine Frankfurter Bergbaugenossenschaft vergeben werden. Diese Angabe ist natürlich sehr ungenau, doch wird 1524 von einer Silberkaute im fraglichen Gebiet gesprochen. Bereits 1586 tritt dieser Name nicht mehr in Erscheinung, jetzt wird von einer „Goldkaute“ gesprochen, ob diese jedoch identisch sind, ist unklar. Trotz des Fehlens jeglicher Betriebsakten sind die Zeichen des Bergbaus hier nicht zu übersehen. In geologischen Karten wird das Feld östlich von Kransberg mit geringfügigen Vorkom­men von Kupfer und Blei beschrieben. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen der hier zu sehenden Reste der Abraumhalde sollen in nächster Zeit Klarheit liefern.

 

Kransberg:

Kransberg war „Dolles Dorf Hessens 2006“. Es liegt in sehr schöner Umgebung und hat ein Schloß, das auch angefahren werden kann. Es ist die Burg der Craniche von Cranichsberg, die 1326 ausstarben. Hier findet alljährlich ein großes Mittelalterfest stattfindet. Die Burg hat einen halb-kreisförmigem Bergfried und einen Palas und Wirt­schafts­gebäude. In der neugotischen Kirche (1872–75) im Dorf steht die alte Kanzel des Limburger Domes, ein Werk des Manierismus von 1609. 

 

 

Rückweg

Durch das ein Neubaugebiet von Kransberg oder an seinem östlichen Rand entlang kehrt zum Ausgangsort nach Friedrichsthal zurück. Wo links die Straße „Am weißen Stein“ abzweigt, geht man halblinks und kommt auf die Straße „Auf der Feldwiese“ und dann zum Bürgerhaus. Länge des Weges etwa neun Kilometer.

 

 

 

Kapersburg : Das Numeruskastell Kapersburg.                                Führungsblatt 59

 

Der Zugang ist von verschiedenen Seiten aus möglich:

1. Von der Autobahnabfahrt Friedberg Richtung Wehrheim, Auto am Parkplatz rechts stehen lassen. Dann nach Norden laufen bis zu einer Teerstraße. Diese dann links hoch und den letzen Weg vor dem Zaun des Munitionslager rechts hoch (direkt am Zaun entlang geht es nicht). Das Auto kann man am Parkplatz Johanneshecke an der neuen Autobahnbrücke stehen lassen.

2. Zufahrt von der Straße Saalburg – Usingen nach Wehrheim, erste Straße rechts (Friedrich-Ebert-Straße), dort parken. Dann die Straße geradeaus weiter und am gegenüberliegenden Hang rechts ab auf dem Weg, der mit einer Eule gekennzeichnet ist durch den Haubergsgrund. Am Zaun des Munitionslagers um die Ecke herum gehen und am Zaun entlang. Wo der Zaun endet ist nach einigen Metern rechts das Kastell Kapersburg erreicht. Von dort kann man weiter gehen zum Kleinkastell Ockstadt und hinter dem Wachtposten 14/2 nach links ab nach Pfaffenwiesbach.

3. Der beste Zugang erfolgt aber im Zusammenhang mit einer Radtour zum Winterstein(siehe Obermörlen).

 

Das alte Kastell Kapersburg liegt 420 Meter über NN, noch in Ober‑Rosba­cher Gemarkung am Hang des 485 Meter hohen Saukopf. Es ist sieben Kilome­ter von der berühmten Saalburg entfernt. Es ist versteckt direkt am Drahtzaun des Wehrheimer Sperrge­bietes und ist an sich nur auf Fußwegen erreich­bar.

Zuerst kommt man zur Hütte der Ver­einigten Wanderfreunde Friedberg/Bad Nauheim auf der rechten Seite. Um deren Existenz gab es in den 80iger Jahren eine heftige Auseinandersetzung. Denn in unmittelbarer Nähe begann das Areal eines Munitionsdepots der US‑Ar­mee. Und gekämpft wurde seinerzeit mit harten Bandagen. Die Hütte, die um die Jahrhundertwende den Ausgräbern von der Limes‑Kommission als Unterkunft diente, brannte aus ungeklärten Gründen nieder. Ebenso gingen einige Wochenendhütten in unmittelbarer Nähe in Flammen auf. Von ih­nen sind heute keine Spuren mehr zu erken­nen. Die Hütte indes darf von dem Wander­verein wieder benutzt werden. Aus dunk­lem Holz auf die steinerne Grundmauer ge­baut, reckt sie sich zwei niedrige Stockwerke dem Licht entgegen. „Regelmäßig haben wir nur noch ein Mal im Monat geöffnet“, erzählt Jackwerth, der seit dem Jahre 1994 als Hüttenwart hier nach dem Rechten sieht.

„Ansonsten vermieten wir sie an Wandergruppen oder für Feiern an Vereinsmitglieder.“ Die Wanderfreunde haben sich in dem Zusammenschluss der ehemaligen Ortsgruppen von Vogelsberger Höhen Club (VHC) und Taunusklub organisiert. Wie in jedem Verein seien darunter aber auch viele „Karteileichen“, 30 von ihnen würden regelmäßig noch aktiv wandern. Bei Pfadfindergruppen und Schulklassen erfreue sich die Hütte allerdings großer Beliebtheit. An 120 Tagen im Jahr ist sie belegt, erzählt Jackwerth. Mit Schlafsäcken und Proviant ausgestattet, können die Gäste hier Natur und Geschichte erleben, Bei Regenwetter dient die überdachte Veranda als Wetterschutz, wenn man sich nicht in der Hütte aufhalten will. Aber auch das hat seine Reize. Ein großer Bollerofen wärmt den Gemeinschaftsraum, hier kann auch gekocht werden.

Ein kleiner Schlafraum schließt sich im Erdgeschoss an. Bei den jungen und Mädchen besonders hoch im Kurs steht allerdings das große Matratzenlager unter dem Dach,. Doch die Zukunft der traditionsreichen Hütte ist einmal mehr gefährdet, erzählt Jackwerth. Denn die Hütte entspricht nicht den Brandschutzbestimmungen. Ein zweiter Ausgang für den großen Schlafraum unter dem Dach fehle. Eine Schließung würde er natürlich sehr bedauern, und auch der Museumspädagogische Dienst, der hier in unmittelbarer Nähe zur Kapersburg Schulklassen die römische Geschichte ihrer Heimat höchst anschaulich vermittelt, würde mit der Hütte ein ideales Basislager verlieren.

 

Die Kapersburg gilt zwar als eine der best erhaltenen Limeskastelle in Hessen, doch sie ist zum Teil noch archäologisches Neuland. Mit 1,6 Hektar Grundfläche war die Kapersburg halb so groß wie die Saalburg. Es gibt größere Flächen inner­halb der Anlage, auf denen noch nie gegra­ben wurde (dieses Feld ist übrigens deut­lich zu sehen). Für die Denkmalpflege ist die abseits ge­legene Kapersburg ein idealer Ort der For­schung. Nach dem Zerfall des Limes um 270 n. Chr. kam es dort zu keiner weiteren Besiedlung, auch blieben die Ruinen weit­gehend unangetastet.

 

In der kleinen Militäranlage waren etwa 200 römische Soldaten stationiert. Sie hat den typischen „Spielkarten“- Grundriß aller Limeskastelle. Gut zu erkennen sind die Außenmauern und die jeweils von zwei Türmen flankierten Tore. Aber auch einige Innenbauten wie das halbrunde Lagerheiligtum oder der Getreidespeicher sind noch zu erkennen.

In der Kapersburg lag als Besatzung der Numerus Nidensium (siehe Bau-Inschrift ). Sein Name weist auf Nida hin, den Haupt­ort der Civitas Taunensium, dessen Ruinen im Bereich der heutigen „Römerstadt“ von Frankfurt-Heddernheim liegen. Die Aufstellung der Truppe bei ihrer Gründung und die Rekrutierung der Mannschaften er­folgte demnach in Nida. Im letzten Ausbaustadium des Kastells ist dem Numerus noch eine Abteilung Veredarii (Reiter) beigegeben.

 

Der antike Name der Kapersburg ist nicht bekannt. Der heutige Name ist als „Karpesserburgk“ durch eine Urkunde von 1482 in der ältesten uns bekannten Form überliefert. Schon 1796 bis 1798 hatten die Ruinen als kommerzieller Stein­bruch dienen müssen. Seit 1832 nutzte man sie abermals als Steinbruch, um Material zum Bau von Schule und Kirche in Pfaffenwiesbach zu gewinnen. Eine ersten Beschreibung durch Philipp Dief­fenbach erfolgte 1843.

Gleichzeitig mit der massiven Zerstörung des Kulturdenk­mals begannen jedoch 1832 die ersten Ausgrabungen, denen weitere 1833 und 1878/79 folgten, bis die Forschungen der Reichslimeskommis­sion durch L. Jacobi 1896/97, 1901 und 1905 und von P. Helmke 1906 bis 1914 die Grundlagen unseres Wissens von der Mehrperiodigkeit der Umwehrung und des Inneren legten.

Die Stellen, die die Reichsli­meskommission vor mehr als einem hal­ben Jahrhundert untersucht hat, liegen bis zu eineinhalb Meter tiefer als die jung­fräulichen Gebiete. Man fand zum Beispiel ein rechteckiges Gebäudefundament mit nur drei Wänden, auch ein Mauerrest, der im Nichts endet, sowie ein Bauwerk an höchst ungewöhnli­chem Ort. Die Archäologen wollen nicht nur das Gesamtbild der Anlage rekonstru­ieren, sondern auch Beginn und Erlöschen der Garnison bestimmen.

 

Dieses Kastell hatte drei Ausbaustadien. Mehr als 150 Jahre lang war der Platz von römischen Hilfstruppen besiedelt, zweimal wurde das Lager verändert. Die Funda­mente des letzten Lagers sind (teilweise konserviert) noch am besten sichtbar. Von der zweiten Ausbauperiode ab hat das Truppenlager über ein Badegebäu­de (balineum) verfügt, dessen steinerne Teile des Unterbaus ebenfalls sichtbar sind (Ziffern und Buchstaben weisen auf den Kastellplan).

 

1. Holzkastell (a). Am Ende des 1. Jahrhunderts, wohl spätestens unter dem Kaiser Traian (98-117), wurde zunächst ein Holzkastell von 0,8 Hektar Größe erbaut. Von ihm ist nur der umgebende Spitzgraben und die Lage eines Tores in der Nordfront, der porta praetoria (1), bekannt.

2. Älteres Steinkastell (b). Vermutlich unter dem Kaiser Hadrian (117-138) oder vielleicht erst in den frühen Regierungsjahren des Kaisers Antoninus Pius (138-168) hat man das Truppenlager in östlicher und südlicher Richtung erweitert und auf 1,3 Hektar vergrößert. Die Umwehrung bestand aus einer zweischaligen Steinmauer ohne Mörtel, aber mit Holzver­ankerungen. Zwischen die vordere und hintere Steinschale wurde Erde und Bauschutt eingestampft. Wiederum unbekannt ist die Innenbe­bauung, nur am Osttor - es sind jetzt vier Tore bekannt - konnte ein Keller ermittelt werden. Die Kastellachsen, die ungewöhnliche Ausrich­tung parallel zum Limes, die Lage des Hauptfores (1) und die der Kom­mandantur, der principia (P), werden beibehalten, nur das rückwärtige Tor, die porta decumana (4), wird in die Mitte der Dekumanfront gelegt. Somit präsentiert sich das Steinkastell als unsymmetrische Anlage (Wenn man von unten kommt, geht man durch das Westtor).

 

3. Jüngeres Steinkastell (c). Die konservierten und sichtbaren Mauern gehören dieser Bauperiode an. Die neue Wehrmauer, eine massive ver­mörtelte Steinmauer, vor der ein Spitzgraben liegt, wird nach allen Seiten um rund 7 Meter nach außen verschoben, die Außenmaße betragen nunmehr rund 126 x 112,75 Meter. Dieses 1,6 Hektar große Kastell dürfte wohl in der zwei­ten Hälfte des 2. Jahrhunderts errichtet worden sein, vielleicht unter dem Kaiser Marc Aurel (161 - 180). Es fällt auf, daß alle vier Frontmauern ausbiegen und die Tore jeweils am weitesten nach außen liegen. Der Grund dafür mag sein, daß während der Ausbauarbeiten die Verteidi­gungsfähigkeit der älteren Anlage zunächst erhalten und die alten Tore so lange in Funktion bleiben mußten, bis die neuen fertiggestellt waren.

Von dieser Umwehrung sind alle Tortürme bekannt, aber nur ein Eckturm im Nordwesten. Die Tortürme sind ungleich dimensioniert, das Dekuman­tor (4) hatte nur Torwangen. Wegen der unveränderten Orientierung bleibt die Lage der porta praetoria (1) unverändert, dasselbe gilt für die Seitentore, porta principalis dextra (2) und sinistra (3).

Die Nord-Süd-Achse ist nicht durchgehend, sondern in der Mitte versetzt. Dort ist das Stabsgebäude heute mit Steinplatten markiert.

Von den principia (P) ist das Fahnenheiligtum, aedes (F), sichtbar. Auf beiden Seiten schlie­ßen sich beheizbare Räume, Schreibstuben (tabularia) an. Die aus Holz erbauten Teile, darunter die dreischiffige Querhalle, sind ergraben, aber ebenso wie eine Mannschaftsbaracke (B) westlich davon nicht mehr sichtbar. Das Magazingebäude (Getreidespeicher) horreum (H), ist in seiner Funktion durch eine Bauinschrift belegt. Daneben finden sich im Nordostteil weitere konservierte Fundamente von Gebäuden, die in ihrer Funktion nicht sicher bestimmbar sind; teilweise dürften sie zum Wohnhaus des Kommandanten gehören.

Aus den zwei Grabungs­stellen beim „horreum“, dem Getreidespei­cher, konnten nun reichlich Scherben von Kochgeschirren und Alltagskeramik ge­sammelt werden. Hier verweist zudem ei­ne dunkle Erdverfärbung auf das älteste der drei Kastellbauten. Im dritten Gra­bungsfeld sind die quadratischen Funda­mente eines Turms sichtbar. Dort entdeck­ten die Forscher einen vollständig erhalte­nen Topf, der nun im Labor durchleuchtet wird: Befinden sich darin versteckte Wert­gegenstände, ist es ein Vorratsbehälter oder eine römische Mausefalle?

 

Die sichtbaren Mauern gehören zum zweiten Steinkastell. Das Ost- und das Westtor waren verbunden durch die via principalis, die Querstraße, die durch die Vorhalle des Kommandanten (principia) führte. Das Nordtor war das Haupttor. Vom Osttor ging eine Straße nach außerhalb ab, an der Häuser lagen.

Das Kastell hatte eine gute Wasserversorgung im Gegensatz zum Kleinkastell Ockstadt.. Auch beim Bad ist eine heute noch laufende Quelle.

 

Das zwischen dem Kastell und dem rund 60 Meter entfernten um 160 nach Christus  entstandene Limes gelegene Badegebäude, direkt vor dem Westtor des Kastells (erkennbar am feuchten Boden), ist in den aus Stein errichteten Teilen konser­viert. Von dem hölzernen Umkleidebau (apodytenum) A ist nichts mehr sichtbar. Trotzdem vermitteln die sichtbaren Teile einen guten Gesamt­eindruck vom Aufbau eines römischen Militärbades. Der Limeswall läßt sich über zwei Kilometer verfolgen bis etwa auf die Höhe des Waldweges von Pfaffenwiesbach nach Ockstadt.

 

Die Grabungsfunde werden zum größten Teil im Wetterau-Museum Fried­berg verwahrt. Erwähnenswert sind insbesondere die Steindenkmäler, neben der Bauinschrift vom Horreum ein Epona-Relief mit Inschrift (CIL 7438; datiert 202) aus dem nordwestlichen Eckturm, das Hochrelief eines Genius mit Inschrift (CIL 7439; darauf genannt eine Reiterabteilung), ein Deciusaltar als Spolie und eine Geniusstatuette (Höhe 44 Zentimeter) aus dem Fahnenheiligtum.

 

 

In den Alamannenstürmen der Mitte des 3. Jahrhunderts geht die Kapers­burg mit ihren Besatzungen unter. Der Limes im Taunus wird von den Römern um diese Zeit endgültig aufgegeben. Der Rhein ist nun wieder die Grenze des Imperiums.

 

Seit Anfang Mai 2003 mußten rund 150 Eichen und Buchen in der Burgruine und um sie herum fallen. Nun können die Archäologen ran und Anfang Juni werden sie mit wis­senschaftlicher Begleitung des Saalburg­-Museums und mit technischer Beratung des Landesdenkmalamtes zu arbeiten be­ginnen. Es soll aber nicht nur gründlich erforscht werden. Vielmehr werden die erhaltenen Mauerreste erneut konserviert. Wie der Archäologe Thomas Richter vom Saal­burg‑Museum erläutert, sind die uralten Gemäuer vor einhundert Jahren zum letz­ten Mal gesichert worden.

Im Rahmen eines ge­planten Limes‑Erlebnispfades vom Kleinen Feldberg über Schmitten und die Saalburg bis zur Kapersburg ist eine informative Ausschilderung beabsichtigt. An der Kapersburg wird als erstes dieses Informat­ionssystem für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet und damit der Limeserlebnis­pfad gestartet.

 

Seit Pfingsten 2003 beschäftigen sich das Hessische Landesamt für Denkmalpflege und das Saalburgmuseum mit der Kapersburg. Umfangreiche Grabungen sollen in dem Römerkastell neue Erkenntnisse ans Tageslicht bringen. Derzeit sind die Arbeiten der archäologisch-paläontologischen Abteilung in vollem Gange. Man will einige Rätsel lösen: In den Bestandsaufnahmen der Reichs-Limes-Kommission, die den gesamten „Pfahlgraben“ vor hundert Jahren erforscht hat, findet sich zum Beispiel ein rechteckiges Gebäudefundament mit nur drei Wänden, auch ein Mauerrest, der im Nichts endet, sowie ein Bauwerk an höchst ungewöhnlichem Ort. Die Archäologen wollen nicht nur das Gesamtbild der Anlage rekonstruieren, sondern auch Beginn und Erlöschen der Garnison bestimmen.

Mehr als 150 Jahre lang war der Platz von römischen Hilfstruppen besiedelt, zweimal wurde das Lager verändert: Aus dem Holzbau erwuchs ein Steinkastell, welches nach einer gewissen Zeit ausgebaut wurde. Man vermutet, daß die Soldaten sich in der Mitte des 3. Jahrhunderts auf einem Viertel der Kastellfläche einigelten - wohl wegen der wachsenden Bedrohung durch die Germanen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schlossen die Wissenschaftler der Limes-Kommission noch analogisch auf das Alter - die Saalburg diente damals als Vorbild. Heute halten die Forscher sich an die geborgenen Fundstücke und die Beschaffenheit des Bodens. Aus den zwei Grabungsstellen beim „horreum“, dem Getreidespeicher, konnten nun reichlich Scherben von Kochgeschirren und Alltagskeramik gesammelt werden, Hier verweist zudem eine dunkle Erdverfärbung auf das älteste der drei Kastellbauten. Im dritten Grabungsfeld sind die quadratischen Fundamente eines Turms sichtbar. Dort entdeckten die Forscher einen vollständig erhaltenen Topf, der nun im Labor durchleuchtet wird: Befinden sich darin versteckte Wertgegenstände, ist es ein Vorratsbehälter oder eine römische Mausefalle?

 

Das Kleinkastell Ockstadt: siehe Limes.

 

Bei der Rückfahrt von Wehheim muß man darauf achten, daß man auf der großen Kreuzung südlich von Wehrheim erst rechts und dann links fahren muß, um zur Saalburg und nach Bad Homburg zu kommen.

 

Winterstein

Der Ausläufer des Taunus in die Wetterau war vor gut zwei Jahrtausenden schon von den Römern  befestigt worden.. In den ausgedehnten Wäldern ging der sonst eher Sozialisten jagende Reichskanzler Otto von Bismarck auf die Pirsch nach Rehen und auch Zar Ferdinand von Bulgarien legte hier die Flinte an.

Beginn der  Wanderung ist am Parkplatz nahe dem Forsthaus Winterstein. Das 1750 errichtete Gebäude beherbergt eine gemütliche Gaststätte. Die Waldgaststätte gibt es seit 1881. Hier speiste einst Kaiser Wilhelm der II. Auch die als „Sissi“ in die Adelsgeschichte eingegangene Kaiserin Elisabeth von Osterreich verweilte in dem abgelegenen Gasthaus. Die Lichtung mitten im Wald ist ein guter Bauplatz für ein Lebkuchenhäuschen. Das kann allerdings nicht der Grund gewesen sein, warum sich Erna und Walter Langsdorf 1965 dort mit eine, Gaststätte selbstständig gemacht haben. Wäre ohnehin schlecht fürs Geschäft die Spaziergänger nur am Forsthaus Winterstein vorbeigingen, um sich eine Printe vom Giebel abzubrechen, wo die Wirtin in der Stube doch hausgemachten Apfel‑ und Stachelbeerkuchen serviert. Ihren Strom zapfen die Langsdorfs erst seit 1989 vom Netz. Vorher saßen die Gäste im Schein von Gaslichtlampen in der Stube, um nach den Schusseltreiben ihre Jagdtrophäen zu feiern. Wenn das die Wildschweine wüßten, die sich von Erna Langsdorf mit Brot füttern lassen. Auch wenn sie mit 74 Jahren in zwischen ein bißchen langsamer tun muß, hat die Waldgaststätte immer noch an fünf Tagen der Woche geöffnet. Die Gaststätte Forsthaus Winterstein ist mittwochs und donnerstags von 14 bis 18 Uhr, freitags und samstags von 14 bis 22 Uhr und sonntags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Montags und dienstags ist sie geschlossen.

 

Am Winterstein‑Parkplatz empfiehlt eine Wanderkarte zwei gut ausgeschilderte Touren: Den Keilerweg, der zum Aussichtsturm auf den Winterstein führt, und den Alttierweg zum nachgebauten Limesturm. Zunächst folgt man dem Alttierweg. Man orientiert sich am roten Kreuz. Es zweigt bald rechts auf einen Waldpfad ab, der parallel zur Zufahrtsstraße verläuft. Je nach Witterung bleiben wir auf der Fahrbahn. An einer Kreuzung ohne Markierung geht man nach links.

 

In der Mitte zwischen dem Weg zum Forsthaus Winterstein und dem Knick des Limes nach rechts liegt links die „Kaisergrube“. Die kleine steinerne Militäranlage (Abb. 47), die als Wachtposten Wp 4/15 zählt, hatte einen Vorgängerbau aus Holz, von dem keine Spuren erhalten sind. Die spätere Umwehrung aus Stein umschloß eine Fläche von 730 Quadratmetern. Die Innenbebauung war in Holz/ Fachwerk ausgeführt, bei den Grabungen fanden sich verbrannte Holz- und Lehmbrocken, wohl Reste der Barackenbauten.

Obwohl schon im Jahr 1862 große Teile der Steinmauern zur Errichtung der nahegelegenen Bergwerksbauten ausgebrochen worden waren, fand der Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission, Friedrich Kofler, bei seinen Grabungen 1893 noch Reste der Umfassungsmauer bis zu einer Höhe von 1,30 Meter mit gut erhaltenen, abgerundeten Ecken. Das Kleinkastell ist etwas größer als das im Holzheimer Unterwald, für das eine Mannschaftsstärke von 20–30 Soldaten angenommen wird. Am besten zu sehen sind heute Wall und Graben der Südseite des kleinen Lagers.

Große Teile fehlen, weil ein altes Blei- und Silberbergwerk die Anlage beschädigt und z. T. überdeckt hatte. Man nahm früher an, daß die Kaisergrube bereits in römischer Zeit ausgebeutet wurde, da man im nahe vorbeiziehenden Limes römisches Werkzeug fand, das als Bergbaugerät gedeutet wurde Der römische Chronist Tacitus erwähnte die Grube.. Auch wurde ein alter Stollen, auf den man im 19. Jahrhundert stieß, aufgrund seiner Bauart als römisch angesehen. Mittelalterlicher Bergbau ist an dieser Stelle nicht bezeugt. Aus welcher Zeit die ältesten Schächte stammen, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Erste Urkunden des neuzeitlichen Bergwerkes stammen von 1837, als trichterförmige Erdeinstürze im Ober-Mörler Wald an die Existenz der alten Stollen erinnerten. Der hessische Berginspektor August Storch begann als erster mit dem Vortrieb neuer Stollen und hatte zunächst mit der Anlage des über 23 Meter tiefen Mathildenschachts im Jahre 1854 kleine Erfolge. Die Grube wurde fortan „Alte Kaisergrube” genannt. Drei Jahre später gründete er die Taunusbergbaugesellschaft, die schon nach kurzer Zeit in der Gewerkschaft Kaisergrube aufging. Aber erst sein Sohn Ludwig hatte mit der Anlage des Wilhelminenschachts mehr Glück und förderte größere Mengen Erz. Im Jahre 1853 ging die Grube für 14 Jahre in Betrieb. Es wurden vor allem Bleierze gewonnen, der Silbergehalt war jedoch gering. Im Jahre 1891 entschloß man sich daher endgültig zur Schließung der Gruben. Von den alten Gebäuden steht heute nur noch ein Wohnhaus, einst ein Verwaltungshaus, privat genutzt wird. Ein Imker lebt hier und bietet seinen Honig feil.

 

Vom Kleinkastell Kaisergrube geht es nun zurück zum Limes, der hier durch seinen noch hohen Wall gut zu erkennen ist; die Wanderstrecke verläuft teilweise direkt auf dem Limeswall weiter. Nach rund 200 Metern erreicht man den Wachtposten Wp 4/14 „Im Friedberger Burgwald Winterstein” (Punkt 4). Her liegen drei Wachtturmreste: ein hoher, zerwühlter Steinturmhügel direkt hinter der Biegung des Limes und südlich davon zwei sehr gut erhaltene Holzturmstellen mit Ringgräben. Der Steinturm hatte etwa 5,50 Meter Seitenlänge, aus dem Friedrich Kofler 1892 u. a. die Reste einer Inschrift des im Kastell Kapersburg stationierten Numerus Nidensium barg. Auf der Ostseite des Steinturmes stellten die Ausgräber ein gemauertes Viereck fest, das nicht gedeutet werden kann.

Wenige Meter weiter südlich findet man die Kreisgräben der beiden älteren Holztürme, die bereits bei den planmäßigen Untersuchungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark durchwühlt vorgefunden worden waren. Spuren der Holzpfosten und wenige schlecht erhaltene römische Scherben konnten gesichert werden, außerdem stellte man etwa 46 Meter nordwestlich der Holzturmstellen auch hier den Verlauf des Zaungräbchens fest, das als Vorläufer der späteren Palisade gedeutet wird. Grabungen an der Grenzlinie selbst ergaben, daß diese anfänglich einen etwas anderen Verlauf nahm als der heute noch sichtbare Pfahlgraben.

 

Der Limes läuft nun geradlinig nach Süden weiter. Im Gelände passiert man etwa dort, wo der Wall den kleinen Holzbach überquert, die vermutete Stelle von Wachtposten Wp 4/13 (Punkt 5). Diese Turmstelle konnte im unübersichtlichen Waldgelände bis heute nicht eindeutig erkannt werden. Schon Friedrich Kofler fand bei seinen Untersuchungen nur noch Reste des Fundamentes und große Mengen Mörtel- und Verputzbrocken vor. Im Jahre 1829 sollen die Steine zur Pflasterung der Straßen von Pfaffenwiesbach ausgebrochen worden sein.

 

Die Wanderstrecke (Abb. 48) kreuzt nun einen ausgebauten Waldwirtschaftsweg, durchquert auf gerader Strecke eine sehr schön gelegene Nadelholzschonung und gelangt zu Wachtposten Wp 4/12 „Unkenkippel”, einem flachen, stark durchwühlten Steinturmhügel, der im Gelände nicht ganz einfach zu finden ist (Punkt 6). Schon Friedrich Kofler fand bei seinen Untersuchungen nur noch Reste des Fundamentes und große Mengen Mörtel- und Verputzbrocken vor. Im Jahre 1829 sollen die Steine zur Pflasterung der Straßen von Pfaffenwiesbach ausgebrochen worden sein.

 

Weiter dem Limeswall bis Punkt 7 folgend erreicht man die Stelle, wo ein Weg nach Osten abzweigt und zum Kleinkastell Ockstädter Wald führt. Die gut sichtbaren Reste der Anlage des Holzkastells (A) liegt etwa 60 Meter hinter dem Pfahlgraben auf einer kleinen Anhöhe etwas versteckt auf einer kleinen Lichtung. Diese befindet sich inmitten einer älteren Nadelholzschonung und ist vom Forstamt Butzbach als Naturschutzzone eingerichtet.

Das Kastell  wurde errichtet im Zusammenhang mit den Chattenkriegen des Kaisers Domitian 83 - 85 n.Chr .Das nach Südosten ausgerichtete Kleinkastell orientierte sich wahrscheinlich an der wichtigen Straße nach Friedberg, wendet sich also vom Limes ab. Das Holzkastell war das älteste Bauwerk an dieser Stelle; vielleicht war es der Vorgänger der Kapersburg . Die erste Bauphase der Kapersburg gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. könnte dann das Ockstädter Kleinkastell, das zu dieser Zeit nur noch als normaler Wachtposten genutzt wurde, ersetzt haben. Erst die Einbeziehung dieses Kleinkastells und seiner Nachfolgebauten in den Ablauf der Bauvorgänge an diesem Limesabschnitt macht die Geschichte der Kapersburg mit ihrem Umfeld deutlich. Es dürfte gleichzeitig mit den älteren Holztürmen von Wachtposten 4/5, 4/8 und 4/14 bestanden haben.

Die Umfassungsmauer des kleinen Kastells, ein fast regelmäßiges Quadrat mit abgerundeten Ecken von 35 x 35 Meter wurde als eine der ältesten Anlagen dieses Limesabschnitts in Holzbauweise errichtet. Die Umwehrung ist noch als flacher Erdwall von etwa einem Meter Höhe (A) mit dem Tor auf der Ostseite (B) im Gelände zu sehen,

Nachdem das Kleinkastell als älteste Limesanlage in diesem Abschnitt  aufgelassen und durch das Kastell Kapersburg ersetzt worden war, erbaute man zunächst nahe der Nordwestecke einen hölzernen Wachtturm (C) (Wp. 4/11 nach der Zählung im ORL), der die Kastellumwehrung überschnitt. Man erblickt dort einen Schutthügel, der die Umwehrung überschneidet. Er enthält auch die Reste eines Steinturms, der den Holzturm ablöste. Der viereckige Steinturm (D) von 5,10 x 4,65 Meter errichtet hat seinerseits die Befunde des Holzturmes sehr stark stört. Die beiden Ruinen sind als etwa einen Meter hoher Hügel erkennbar.

Ungefähr in der Kastellmitte zeigt sich eine flache Erhebung. Sie ist der Rest eines weiteren Steinturmes (E) mit sechseckigem Grundriß, dessen zeitliches Verhältnis zum Steinturm D nicht geklärt ist. Seine Mauerstärke beträgt 1,05 Meter, die Seitenlängen etwa 5 Meter. Man sieht aber nur noch eine ganz flache Erhöhung in der Mitte der Anlage. Es könnte sich um einen der am Limes seltenen, sechseckigen Wachttürme handeln. Münzen der Kaiser Traian und Hadrian datieren dieses ungewöhnliche Gebäude, das zu ebener Erde keinen Zugang hatte und daher wohl als Wachtturm angesprochen werden kann, in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.

Die Umwehrung ist als flacher Erddamm sichtbar, das einzige Tor war nach Südosten gerichtet, vom Limes abgekehrt. Sie bildet mit dem etwa ein Meter hohen Erdwall und dem davorliegenden Spitzgraben, der noch als flache Mulde kenntlich ist, ein nicht ganz regelmäßiges Quadrat mit 58 Meter Seitenlänge. Das einzige Tor (B) liegt in der Mitte der Ostseite. Die freie Fläche im Innern mit 35 x 35 Metern macht 0,12 Hektar aus. Zwischen dem Kleinkastell und dem Pfahlgraben fand man die Spur des Flechtwerkzauns, der hier der Palisade voranging.

 

Weiter auf dem Weg erreicht man Punkt 8; von hier aus hat man einen großartigen Blick nach Osten auf den 490 Meter hohen Kuhkopf. Es besteht außerdem die Möglichkeit, nach wenigen Gehminuten in südlicher Richtung das Kastell Kapersburg zu erreichen (siehe eigene Datei).

 

Direkt neben dem geschichtsträchtigen Ort liegt eines der größten Munitionslager Europas. Die US‑ Streitkräfte hatten hier bis vor wenigen Jahren ihr todbringendes Material gestapelt. Inzwischen ist das Depot in die Hände der Bundeswehr übergegangen. Neben der Kapersburg befand sich ein Gasthaus mit drei Fremdenzimmern. Es war ein beliebtes Ausflugslokal, zu dem regelmäßig Pferdekutschen verkehrten. Unter mysteriösen Umständen brannte die Gaststätte Anfang der 70er Jahre ab. Sie durfte nicht mehr aufgebaut werden, weil sie im Sicherheitsbereich des US‑Munitionslagers lag.

Von der Kapersburg aus folgen wir dem Weg, der in östlicher Richtung den Berg hinauf führt, bis zum „Marienbild“. Der Bildstock wurde vermutlich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts aufgestellt, wahrscheinlich um an eine Auseinandersetzung zwischen Förstern und Wilderern zu erinnern.

Wir biegt man nach links ab und wandert den Weg in nördlicher Richtung. Weiter geht es nach Nordosten auf den 482 Meter hohen Winterstein, ein mächtiger Quarzitblock mit einem Holzturm, von dem aus man über die Baumwipfel blicken kann: Die Wetterau liegt zu Füßen, ein atemberaubendes Panorama. Ein recht neues Schild verheißt: „Aussichtsturm 200 Meter“. Wer das letzte Stück des steil ansteigenden Weges auf den Gipfel des 517 Meter hohen Wintersteines bewältigt hat, erlebt eine Enttäuschung: Die Treppe des Holzturmes ist abgesägt. Auf einem Brett steht ungelenk in verblassender gelber Farbe geschrieben: „Einsturzgefahr. Betreten verboten“.

Der etwa zehn Meter hohe Turm ist im vergangenen Jahr 2002 gesperrt worden, weil die Holzkonstruktion baufällig ist. Die tragenden Balken sind morsch. Wann er wieder hergestellt werden kann, ist ungewiß. Vielleicht noch in diesem Jahr; meint Josef Tiefenbach vom Forstamt Butzbach. Sein Amt verhandle mit dem Forstbetrieb des Landes über die Turm‑ Sanierung, wegen dessen Freizeitwertes.

Wie alt der Turm ist, ist ungewiß. Ein Vorläufer war im Mai 1988 in Betrieb genommen worden. Der Taunusclub hatte ihn errichten lassen. Der heutige Turm ist junger. Walter Langsdorf, der die Gastwirtschaft Forsthaus Winterstein betreibt, hat eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1905, die noch einen anderen Turm zeigt: Es ist eher eine Aussichtsplattform, niedriger als der heutige Turm.

Der Aussichtspunkt auf dem Winterstein‑Gipfel hat eine kleine Odyssee der Zuständigkeiten hinter sich. Nach dem Taunusclub hatte sich das Staatsbad Bad Nauheim um den Turm gekümmert. Mit seinem Blick über die Wetterau zum Vogelsberg hinüber ist er eine Attraktion für die Gäste der Badestadt. Das zum Sparen verdonnerte Staatsbad zog sich aus der Unterhaltung des Turmes zurück. Die Verantwortung ging ans Forstamt Butzbach.

Auch ohne Turm ist der Winterstein-Gipfel eine Wanderung wert. Zwar fehlt die Aussicht in die Wetterau, aber die bizarren, gewisse Ähnlichkeiten mit einer Burg aufweisenden Felsen auf der Bergspitze entschädigen dafür. Wie der Winterstein zu seinem Namen kam, erklärt der Friedberger Heimatforscher Hermann Mangels übrigens so: Der Berg sei schon seit Urzeiten für die östlich davon lebenden Menschen Orientierungspunkt für den Wechsel der Zeiten gewesen. Wenn die Sonne genau hinter den Felsen des Gipfels untergeht, dann steht der Winter bevor. Vom Winterstein geht es zurück zum Gasthaus Winterstein (Frankfurt II, Seite 246).