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Kleine Glaubenslehre

   Diese Datei ist unter dem Titel "Gedanken zum Sonntag" in Buchform erschienen im Frommverlag

                      unter der ISBN - Nummer  978 -3 -8416 -0098 - 1

 

 

 

 

Kleine Glaubenslehre

 

Hiermit grüße ich alle meine ehemaligen Konfirmanden, mit denen ich diese Themen durchgesprochen habe und die auch alle ein Merkheft mit diesem Text erhalten haben

 

A. Wir leben in Kirche und Welt

 

I. Unsere Kirche

 

1. Wir  sehen die Kirche:

Wir besichtigen die heimatliche Kirche, machen uns mit ihren Einrichtungsgegenständen und ihrer Bedeutung vertraut und erforschen auch etwas ihre Geschichte. Hier ist jeden Sonntag Gottesdienst, hier werden Kinder getauft und konfirmiert, hier werden Ehepaare getraut und Trauerfeiern gehalten. Hier ist der Mittelpunkt des Gemeindelebens.

 

2. Wir gehen in die Kirche:

Gott ruft uns durch das Wort der Bibel immer wieder in den Gottesdienst. Dieser gehört zum Leben eines Christen wie das tägliche Brot. Wer sich nicht zur Gemeinde hält, trennt sich von Gott. Alle Gemeindeglieder sollen am Gottesdienst beteiligt sein, nicht nur der Pfarrer. Den entscheidenden Dienst aber tut Gott an uns.

 

Das Wort „Gottesdienst“  hat drei Bedeutungen.

(a) Dienst, den wir Gott tun (Lobpreis)

(b) Dienst, den Gott an u n s tut

(c) Dienst an der Welt im Namen Gottes.

Unser ganzes Leben ist also Gottesdienst im weitesten Sinne. Überall können wir im

Sinne Gottes handeln, indem wir anderen helfen. Aber das macht den Gottesdienst am Sonntag nicht überflüssig, weil der uns erst Kraft gibt für den Dienst im Alltag.

 

Gottesdienstordnung in Kurhessen-Waldeck:

Stilles Gebet, Lied „Komm heiliger Geist“ und Eingangslied (Morgenlied, Psalmlied).

Eingangspsalm (Pfarrer und Konfirmanden oder Gemeinde) mit „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!“ (Verknüpfung mit dem Neuen Testament.

Aufforderung zum Bittruf mit  „Herre Gott erbarme, Christe erbarme dich, Herre Gott, erbarme dich!“

Aufforderung zum Lobpreis mit „Allein Gott in der Höh sei Ehr! (EKG 131)

Pfarrer: „Der Herr sei mit euch!“ Gemeinde: „Und mit deinem Geist!“

Kollektengebet mit „Amen“

Schriftlesung (durch Spruch abgeschlossen), Gemeinde: „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis, Wochenlied, Predigt,  Predigtlied, Abkündigungen, Gebet, Fürbittengebet, Stillgebet, Vaterunser.

Pfarrer : „Gehet hin im Frieden des Herrn!“ Gemeinde: „Gott sei ewiglich Dank!“

Segen.           Gemeinde: „Amen, Amen, Amen!“

Die Ordnung des Abendmahlsgottesdienstes und weiterer Gottesdienste sind im Gesangbuch zu finden.

 

 

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3. Wir gehören zur Kirche:

Man wird Glied der Gemeinde durch die Taufe, einmal Glied der weltweiten Christenheit, aber natürlich auch der Gemeinde am Ort. Diese wird geleitet durch Gemeindeversammlung, Kirchenväter, Kirchenvorstand (und Ausschüsse), Pfarrer. Aufgaben sind: Predigt, Sakramente, Amtshandlungen, Krankenbesuche, Unterricht, Kindergarten, Friedhof usw.

Unsre Gemeinde gehört zu einem Kirchenkreis, der zu einer Landeskirche,  zur „Evangelischen Kirche in Deutschland“ und zum „Ökumenischen Rat der Kirchen“ gehört. Sie heißt zum Beispiel „Evangelische Kirchengemeinde“ und hat ……Glieder,  ……Kirchenvorsteher und weitere hauptamtliche und nebenamtliche Mitarbeiter und kirchliche Einrichtungen und Kreise.

Die Kirche ist

a. das Gebäude, in dem Christen zum Gottesdienst zusammenkommen

b. die Organisation der Gemeinden, z.B. die EKD

c. Die Kirche sind die Menschen, die zur Kirche gehören: Wir sind die Kirche!

 

II. Unsere Welt

Gott bejaht unsre Welt. Sie ist sein Geschenk, das wir mit Dank annehmen und vom Glauben

gestalten und für das wir Gott loben,

 

1. Wir leben in Gemeinschaft mit anderen Menschen:

in der Familie erfahren wir Liebe (4.Gebot),

in der Freundschaft Vertrauen (8. Gebot, 1.Sam 20),

 in der Gruppe Freude (Jesus und seine Jünger, Dienstgruppen von Christen).

Die Schule ist der Ort gemeinsamer Arbeit. Die Konfirmandengruppe ist unabhängig von der Schulklasse. Sie kommt zusammen zur Vorbereitung auf die Konfirmation, besonders um zu

überlegen, wie wir unsren Glauben in der Welt praktisch leben können. Der Konfirmandenunterricht ist nachgeholter Taufunterricht und vorgeholter Abendmahlsunterricht.

 

2. Unser Leben erfaßt einen weiten Räum:

Wir leben in einer Nachbarschaft mit anderen Menschen zusammen (5. und 7.Gebot), die Gesellschaft sorgt für die äußere Ordnung (4. Gebot).

Röm 13,1 : „Jedermann sei untertan der Obrigkeit!“ und

Apg 5,29 : „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

(Bonhoeffer, Geschwister Scholl).

Wir leben als Volk unter Völkern. Gott will Frieden und ist gegen Rassenhaß; vor allem die Christen sollen ein Segen für die Welt sein (M. L. King, „Brot für die Welt“).

 

3. Die ganze Welt dient unserem Leben:

Wir leben in einer technisierten Welt, aber wir sind auch ein Teil der Natur. Beides ist von Gott gegeben, aber wir sind auch für beides mit verantwortlich (Erklärung zum 1. Artikel, Psalm 8). Wir haben darüber zu wachen, daß die Schöpfung Gottes nicht zerstört wird (Atombomben, Luftverschmutzung). Wir dürfen uns an der schönen Natur freuen. Aber wir sollen auch durch die Technik und Wissenschaft die Schöpfung Gottes vorantreiben.

4. Die  Gebote Gottes für unsre Welt:

Den Willen Gottes erkennen wir vor allem aus seinen Geboten (20. Mose). Die Geschichte von Naboths Weinberg (1.Kön 21) zeigt uns, wie schnell man alle diese Gebote übertreten kann. Das wichtigste Gebot ist das erste. Es hat einen Vorspruch: „Ich bin der Herr, dein Gott!“ Das hat das Volk Israel besonders beim Auszug aus Ägypten und Durchzug durchs Meer erfahren. Weil Gott hier geholfen hat, darf er auch etwas fordern; am Berg Sinai hat er deshalb das Gebot gegeben: „Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!“

Auch für uns hat Gott gesorgt (Nahrung, Kleidung, Gesundheit; vgl. Erklärung zum ersten Artikel); deshalb gelten die Gebote auch uns. Auch heute gibt es Mächte, die für uns zu Göttern werden können (Macht, Geld, Arbeit, Sport). Gott will uns durch die Gebote vor ihnen schützen, aber auch vor anderen Menschen und vor uns selber.

Die Gebote schützen im Einzelnen: Gottes Ehre, Gottes Namen, Gottes Wort (Feiertag), Eltern. Leben, Ehe und Familie, Freiheit (Menschenraub), Ehre (Wahrheit), Eigentum (9. und 10. Gebot).

Jesus faßt die Gebote zusammen in dem Doppelgebot der Liebe: „Du sollst lieben Gott deinen Herrn und deinen Nächsten wie dich selbst!“ Wie man positiv die Gebote erfüllen kann, zeigt er an der Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37).

 

B. Was hat Gott mit der Welt vor?

 

I. Gott schafft die Welt

 

1. Wir bekennen Gott als Herrn und Schöpfer

Luther sagt in der Erklärung zum 1. Artikel des Glaubensbekenntnisses: Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat!“ Er hat dazu unsre Eltern als Werkzeuge benutzt. Aber er hat nicht nur

einzelnen Menschen von heute geschaffen, sondern ist auch der Schöpfer Himmels und der

Erde. Er hat dazu die Naturgesetze in seinen Dienst gestellt.

Die Weltanschauungen und Weltbilder haben sich im Lauf der Entwicklung verändert.

Wir wissen heute, daß das Weltall ungeheure Ausmaße hat die .Erde nur ein winziges Staubkorn in ihm. Wahrscheinlieh ist vor 5 Milliarden Jahren die sehr dichte Ur-Materie explodiert und breitet sich seitdem im Weltall aus. Es gibt aber auch die Theorie vom ständigen Weltall. Doch auf jeden Fall hat unser Weltall einen Anfang und ein Ende.

Aus einem Teil der Materie entstand unsre Milchstraße mit dem Sonnensystem und unsere Erde.

Auf der Erde hat sich dann aus einfachen Eiweißverbindungen

Das Leben entwickelt. Es ist zu immer höheren Formen fortgeschritten bis hin zu den Wirbeltieren, den Säugetieren und Menschen. Der Mensah hat also Vorfahren im `Tierreich, ist aber dennoch weit von den Tieren unterschieden (Sprache, Bewußtsein, Handwerkszeug, Feuer, Kultur, Glaube); er ist eine besondere Schöpfung Gottes.

Die Bibel hat .zwei Erzählungen über die Erschaffung der Welt:

1. Sieben Tagewerke mit dem Menschen als Krone der Schöpfung (1. Mose 1)

2. Der Mensch (Adam und Eva) im Paradiesgarten als Mittelpunkt der Schöpfung (1. Mose 2). Beide Geschichten wollen aber nicht berichten, wie es bei der Schöpfung zugegangen ist.

 

Die Schöpfungserzählungen der Bibel bezeugen den Glauben: Gott hat die Welt und den Menschen geschaffen! Über die Einzelheiten der Schöpfung wissen wir heute genauer Bescheid als die Menschen damals. Vielleicht wird es auch einmal möglich sein, das Leben künstlich zu erzeugen. Aber den Glauben an Gott den Schöpfer berührt das nicht. Die beiden wichtigsten Sätze der Bibel über die Schöpfung werden immer Geltung behalten:

a.  Am Anfang schuf Gott das Weltall (1.Mose 1,1).

b. Gott der Herr machte den Menschen (1.Mose 2,7).

Mit naturwissenschaftlichen Mitteln können wir das nicht beweisen - wir glauben es aber. Der Bibel geht es nicht um Naturwissenschaft, sondern um den Glauben. Wissenschaft und Glaube können jeweils nur auf ihrem Gebiet Aussagen machen.

 

2. Gott macht uns zum Verwalter der Welt:

Der Mensch führt in Technik und Wissenschaft die Schöpfung bis heute fort. Er kann vieles machen, aber er hat auch eine Grenze an der Macht Gottes. Der Mensch ist nicht selber Gott, sondern er steht in einer Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Welt Gottes.

 

II. Gott gibt die entfremdete Welt nicht auf

 

1. Der Mensch verfehlt seinen Auftrag:

Der Mensch hat immer wieder versucht, selber zum Herrn der Welt zu werden. In der Erzählung vom Sündenfall (1. Mose 3) ist das symbolisch dargestellt: Das Böse wurde immer schlimmer in der Welt.

 

2. Gott hält an der Welt als seinem Eigentum fest:

Er beruft den Abraham, holt sein Volk aus Ägypten, schließt am Sinai einen Bund, gibt das Land - schließlich schickt er seinen Sohn Jesus von Nazareth. Nach den Bundesschlüssen im Alten Testament schließt Gott in Jesus Christus einen neuen Bund ( = Neues Testament).

 

III. Gott heilt die Welt

 

1. Was tat Jesus Christus?

Er rief  zur Umkehr, zur Entscheidung, zum Heil. Er half gegen Krankheit, Sünde, Hunger und Tod. Er litt für uns, weil Gott die Welt liebt.

 

2. Wer ist Jesus Christus?

Er ist die Antwort auf die Erwartungen der Menschen des Alten Testaments. Er sah aus wie ein Mensch (geboren, gelitten, gestorben, begraben), ist aber wahrer Gott und auch heute der lebendige Herr (Gottes einziger Sohn, empfangen, auferstanden). Luther sagt in der Erklärung: „Ich glaube, daß Jesus Christus sei mein Herr. Weil er für uns sorgt, darf er befehlen; weil wir von ihm Hilfe erfahren, sollen wir gehorchen.

Ohne ihn wären wir verlorene und verdammte Menschen wie Adam und Eva (1. Mose 3). Doch Jesus hat am Kreuz die Strafe für unsere Schuld getragen und wir sind frei (Karfreitag). Gott hat ihn aber nicht im Tod gelassen, sondern hat ihn  auferweckt und zum Herrn der Welt gemacht (Ostern, Himmelfahrt).

 

C. Was hat Gott mit der Kirche vor?

 

I. Der Auftrag der Kirche:

 

1. Der Herr verpflichtet die Gemeinde zum Dienst:

Jeder Christ ist verpflichtete, sich zu Gott und zu Christus zu bekennen mit Wort und Tat (vgl. Bonhoeffer: Innere und Äußere Mission). Christus hat keine Hände; deshalb müssen wir in seinem Auftrag der Welt dienen und uns für den Fortschritt einsetzen.

 

2. Der Herr schenkt die Gemeinschaft mit anderen:

Für seinen Auftrag braucht der Christ die Gemeinde der Heiligen, die durch den Heiligen Geist zusammengehalten wird. Diese Kraft Gottes hat Paulus zum Apostel gemacht (Apg 9).

und gibt auch uns heute Kraft und Mut.

 

 

II.  Der Ursprung der Kirche

1. Der Herr gründet die Gemeinde:

Die Gründung der ersten christlichen Gemeinde wird in der Pfingsterzählung (Apg 2) bildhaft dargestellt. Gott beruft auch uns heute durch das Evangelium zum Glauben. Durch die Taufe gehören wir zu Gott (= wir sind Heilige).  Aber der Geist Gottes (= Heiliger Geist) muß uns immer wieder neu zu einem Men­schen Gottes machen.

 

2. Der Herr hält die Gemeinde lebendig:

Auch heute noch zieht Gott wie ein Fischer die Menschen in seine Gemeinde. Diese ist nicht ein von Menschen gegründeter Verein, sondern die ausgewählte Streitschar Gottes,  die zu­sam­menkommt zu Lehre, Abendmahl und Gebet (Apg 2,42); diese drei Dinge sind auch heute noch die wichtigsten Kennzeichen der Kirche. Christus ist ihr Haupt, die Christen die Glieder seines Leibes. Der Leib Christi hat auch seine Schäden. Aber wenn er wieder in das Kraftfeld des Heiligen Geistes gerät, kann auch eine tote Gemeinde wieder auferweckt werden.

 

III.  Die Vollendung der Kirche:

 

1. Der Herr will nur  e i n e  Kirche. Aber:

2. Wir leben in getrennten Kirchen (Katholische Kirche, Freikirchen, Sekten).

Wir können nicht bestimmen, wer zur wahren Kirche gehört; aber Gott wird sie am Ende alle zusammenführen.

 

3. Der Herr macht uns frei von Sünde : Gott hat uns vergeben (verlorener Sohn). Nun sollen wir auch den anderen vergeben (Apg 16: Kerkermeister von Philippi und Mt 18: Schalksknecht).

 

4. Der Herr will uns auferwecken vom Tod:

Mit dem Tod ist nicht alles aus. Unser irdischer Körper zerfällt zwar. Aber unsere Person (nicht „Seele“) steht weiter in einem Verhältnis zu Gott, der uns in der Auferstehung einen neuen Leib geben will (Vergleich mit Weizenkorn, l. Kor 15). Sterben bedeutet Gericht, aber auch unbeschwertes Leben bei Gott. Zur rechten Vorbereitung gehören Gebet und Beichte (Anhang des Gesangbuchs). Gottes Geist ist auch heute noch am Werk. Aber seine Herrschaft über die Kirche soll einmal am der Tage zur Herrscehaft über die  ganze Welt werden

 

D. Was hat Gott mit der Welt vor

 

I. Gott fordert und beauftragt mich

Gott hat Anspruch auf meine Zeit und meinen Besitz, die ich für mich. und meine Mitmenschen verwenden soll. Er will mich als Mitarbeiter für Frieden, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in der Welt.

 

II. Gott hat mich geschaffen

Gott schenkt mir Leib und Leben (auch Krankheit). Er gibt mir Verstand und Fähigkeiten, um bestimmte Berufe und Tätigkeiten auszuführen, er gibt mir auch meine Umwelt (Familie, Volk). Wenn ich mich von Gott entferne, verliere ich mein Menschsein und bleibe nur das höchst entwickelte Säugetier, eines unter vielen. Aber als Mensch vor Gott kann ich in der modernen Industriegesellschaft, selbst als funktionierendes Rädchen  im Getriebe, mein Menschsein bewahren und bewähren.

 

III.  Gott bewahrt und führt mich

1. Er beschenkt mich durch die Taufe:

Die Taufe ist ein sichtbares Zeichen der Treue und Vergebung Gottes, sie sagt mir, daß ich mich auf Gottes Wort verlassen kann.

Im Taufbefehl (Mt 28, 16-20) fordert Jesus uns auf, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Weil er bei Gott („im Himmel“) ist und alle Macht hat, möchte er der Herr über alle Menschen sein.

Wer wie Petrus und Johannes (Apg 4, 1-22) „i m“ Namen Gottes steht, der möchte, daß auch die anderen „i n“ den Namen „hineingetaucht“ werden. Mit der Taufe kommt man in die christliche Gemeinde hinein, in der Bereich ,wo Menschen den Namen Gottes anrufen und in seinem Namen handeln.

Die Taufe ist also nicht nur eine fromme Sitte, sondern bei ihr wird unser Name zusammen mit dem Namen Gottes genannt, um anzudeuten: die beiden gehören von nun an immer zusammen. Bekräftigt wird das durch das Wasser und die Taufformel: „Ich taufe dich in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ Beides zusammen - Zeichen und Wort - macht die Taufe zu einem Sakrament.

Die Taufe ist wie das Wässer einer Quelle, das den müden Wanderer erfrischt, die Pflanzen und Tiere am Leben erhält und vieleicht einen Kranken heilt.

Wasser hat aber auch Reinigungskraft und manchmal eine zerstörerische Wirkung. So wäscht auch die Taufe all das Böse vom Menschen ab, das einmal an ihn kommen wird; dazu muß er aber erst sterben, ehe er ganz neu geboren werden kann (Röm 6,3-4). Die Taufe gibt uns die Gewißheit, daß wir immer zu Gott gehören. Aber sie ist nur ein Anfang, es geht weiter mit dem Abendmahl.

Nicht der Pfarrer tauft das Kind, sondern Gott selber nimmt es in die Gemeinde auf, auch wenn es zunächst nichts davon versteht. Gott garantiert, daß die Taufe wirksam ist, unabhängig vom Glauben des Kindes und den Versprechungen der Eltern. Aber der Glaube und der nötige Unterricht sollen dann nachher dazu kommen. In der Konfirmation bekennt sich dann der Getaufte nachträglich zu seiner Taufe und stimmt dem Handeln seiner Eltern

zu (manchmal werden auch Erwachsene getauft).

Mit der Taufe ist es wie bei einem Geldschein, der dem Kind bei der Taufe geschenkt wird:

Es kann noch nichts damit anfangen, aber die Eltern verwalten das Geld. Später wird das Kind es gebrauchen und sinnvoll anwenden. Und es wird sich dann herausstellen, daß dieses Stück Papier wirklich etwas wert ist. So steht auch hinter dem Taufwasser die Vollmacht Gottes, daß durch die Taufe wirklich ein Bund zwischen Gott und Mensch geschlossen ist, der sich für das ganze Leben auswirkt. Eltern und Paten wachen darüber und helfen bei der christlichen Erziehung (Gebet, Unterricht, christliche Bücher, gutes Beispiel).

 

2. Er geleitet mich durch das Wort:

Gottes Wort redet mich an in Predigt, Andacht,  Unterricht, Gespräch. Es kommt zu mir durch Bibel, Andachtsbuch, Losung, Gesangbuch, Disks, Fernsehen, Internet. Dieses Wort kann mein Leben gestalten und ausrichten (Beispiel: Bonhoeffer „Widerstand und Ergebung“).

 

3. Er erhört mich im Gebet:

In der Geschichte von der Gefangennahme des Petrus (Apg 12) wird uns gezeigt, daß auch betende Hände etwas in unsrer Welt auszurichten vermögen. Das bekannteste Gebet ist das Vaterunser. In ihm fordert Jesus seine Jünger auf, Gott als Vater anzureden. Vor ihm dürfen wir unser ganzes Leben ausbreiten,

Das Vaterunser Tat gegliedert in: Anrede, sieben Bitten, Lobpreis und Amen. Die ersten drei Bitten handeln mehr von dem, was Gott am Herzen liegt: Gottes Name wird heilig gehalten, 

wenn wir ihn in allen Nöten anrufen. Gottes Reich kommt, wenn wir ihn über unser Leben herrschen lassen. Gottes Wille geschieht an allen Menschen (selbst an Jesus in Gethsemane).

Die anderen Bitten liegen uns vielleicht mehr am Herzen, denn sie betreffen unser Leben und das unsrer Mitmenschen.

Beten kann man überall: im stillen Kämmerlein oder mitten im Verkehrslärm der Straße. Man kann reden, wie man es etwa in der Familie tut, nicht frech, aber auch nicht geschraubt.

Der Inhalt des Gebets sind: Dank, Bitte, Fürbitte, Lobpreis.

Viele Menschen beten nicht, weil sie sich selber helfen wollen, weil sie sich nicht konzentrieren können, weil manche Bitten nicht erfüllt worden sind. Doch Jesus hat uns Mut gemacht, Gott so zu bitten, wie Kinder ihren Vater bitten.

Allerdings werden nicht alle Gebete erhört, weil Gott ja nichts tut, was uns oder anderen schaden könnte. Er ist kein Automat, der prompt das Gewünschte liefert. Aber er läßt sich auch durch ein unaufhörliches Bitten einmal umstimmen. Muster für unsre Gebete sind die Psalmen des Alten Testaments, viele Gesangbuchlieder und die Gebete im Anhang des Gesangbuchs.

 

4. Er hilft mir zur Gemeinde durch die Beichte:

Die Beichte ist der Schlüssel, der unser Herz wieder für Gott öffnen kann, wenn wir eine Schuld auf uns geladen haben und ein schlechtes Gewissen haben. Man kann Gott beichten oder einem Mitmenschen. Inhalt sind Sündenbekenntnis und Lossprechung von Sünden im Namen Gottes. Es gibt auch. besondere Beichtgottesdienste („Beichtspiegel“ im Anhang des Gesangbuchs). Wenn man bei einem Pfarrer beichtet, hat man den Vorteil, daß er verschwiegen sein muß („Beichtgeheimnis“).

 

5. Er stärkt mich durch das Abendmahl:

Taufe und Abendmahl sind die beiden Sakrament der Evangelischen Kirche. Brot und Wein sind die äußerlich sichtbaren Zeichen; dazu werden die Einsetzungsworte zum Abendmahl gesprochen. Diese beziehen sich auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern (Gründonnerstag). Auch sonst hat Jesus oft die verachteten und armen Menschen an seinen Tisch eingeladen und sie damit wieder in die Gemeinschaft mit Gott gerufen.

Auch uns heute wird im Abendmahl die Verbindung mit Gott geschenkt,  obwohl wir Sünder sind. Gott lädt uns ein an seinen Tisch (auch der Pfarrer ist nur Gast bei Gott) und versöhnt sich dabei mit uns. Weil er uns verziehen hat, sollen wir uns auch mit denen vertragen, die zum Abendmahl kommen.

 

6. Er segnet mich durch die Konfirmation: Er bestätigt mich in seinem Dienst:

In der Konfirmation erkläre ich mich bereit, unter Gottes Segen und in seinem Dienst zu bleiben. Ich weiß mich in Gottes Hand und bin berufen, seinen Willen mit meinem Wort und Handeln zu verwirklichen.

Aus dem Konfirmationsgottesdienst:

„Liebe Konfirmanden.....Wißt ihr, daß ihr durch. das Evangelium berufen seid, Christus nachzufolgen und mit der Kirche zu leben?“ -  „Niemand kann aus eigener Kraft Gottes Forderung erfüllen. Ein Christ bedarf sein Leben lang der Gnade Gottes und der Fürbitte der Gemeinde Deshalb frage ich euch: Wollt ihr konfirmiert werden? so antwortet: Ja, betet für uns!” -

„Herr Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der du allein alles Gute in uns anfängst und vollendest, wir bitten dich für diese Konfirmanden, die du uns anvertraut hast, gib ihnen deine Gnade, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, daß sie bewahrt werden zum ewigen Leben!“