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Ehejubiläum

 

 

Predigten zu Ehejubiläen

 

 

 

„Bis hierher hat der Herr uns geholfen!“       (1. Sam 7, 12)

Natürlich halten wir an einem solchen Tag Rückschau auf ein halbes Jahrhundert einer Ehe. Nicht alle von denen , die damals getraut wurden , dürfen diesen Tag erleben. Es war damals sicher keine leichte Zeit.... und die Zukunft war ungewiß.

Aber aus einer solchen Lage heraus wurde dieses Bibelwort gesprochen: „Bis hierher hat der Herr uns geholfen!“ Die Israeliten sind von ihren Nachbarn überfallen worden;  sie sind verloren, wenn Gott ihnen nicht hilft. Da bitten sie den Propheten Samuel: „Bete zu Gott, schreie zu ihm, daß er uns helfe aus der Hand der Feinde!“ Und nun hatte Gott geholfen, Israel hatte gesiegt. Zum Dank stellt Samuel den „Stein der Hilfe“ auf und sagt: „Bis hierher hat der Herr uns geholfen!“

Zweierlei können wir aus diesem Vorgang lernen: Wenn man in Not ist, dann hilft nichts anderes als beten.  Gott muß die Not kennen, dann kann er sie auch wenden. Natürlich heißt das nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen sollen und gar nichts tun. Das haben Sie sicher auch nicht getan, wenn es einmal Schwierigkeiten zu meistern gab.

Aber vielleicht haben Sie dabei doch auch gespürt: Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren!“ Wir können uns noch so mühen und abplagen - wenn Gott seinen Segen nicht dazu gibt, ist alles vergeblich.

Nach 50 Jahren zieht man Bilanz und fragt sich: „Was habe ich erreicht im Leben? Kann ich zufrieden sein?“ Man nimmt sich doch manches vor, wenn man jung ist. Aber vieles läßt sich dann eben nicht verwirklichen. Von hinten her sieht manches anders aus, da muß man das Scheitern mancher Pläne zugeben.

Aber man hat auch manches erreichen können, wenn auch oft nur noch großem Kampf und vielen Mühen. Vielleicht wäre es auch gar nicht so schön, wenn einem alles in den Schoß fiele. Aber am Ende darf man dann dankbar bekennen: Mit Gottes Hilfe haben wir den heutigen Tag erreicht. Wir wollen das nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern sagen: „Bis hierher hat der Herr uns geholfen!“

Sicher hat jeder sich auch selber viel helfen können. Bei anderen Dingen hat der Ehepartner und nachher die Kinder helfen können. Dazu ist die Familie ja da, daß man sich gegenseitig hilft. Manchmal hat man auch getreue Nachbarn und Freunde, die mit einspringen, wenn einmal Not am Mann ist. Aber man darf sich glücklich schätzen,  wenn man Gott zum Beistand hat und dankbar bekennen kann: „Er hat mir auch geholfen!“Dann hat man eigentlich die richtige Hilfe erfahren.

Wenn man aber solche guten Erfahrungen gemacht hat, dann wird man sich auch weiter auf diesen Herrn verlassen. Dann wird man gleich vor vornherein die eigene Schwäche erkennen und einsehen und sich von Anfang an auf Gott verlassen.

Doch auch der Dank nach der geschehenen Hilfe sollte man nicht vergessen. Viele lassen sich ja gerne helfen. Aber sie nehmen die Hilfe als selbstverständlich hin und begreifen gar nicht, daß sie ein unverdientes Geschenk ist. Dankbarkeit ist aber nicht nur eine Sache der Höflichkeit, sondern ein inneres Bedürfnis, wenn man die Hilfe Gottes erfahren hat.

Vielleicht könnten Sie jetzt manches erzählen von den Schwierigkeiten, in denen Sie gestanden haben, seien sie wirtschaftlicher, beruflicher oder familiärer Art.

Vielleicht könnten Sie aber auch erzählen, wie oft Gott Ihnen durch alle Nöte und Schwierigkeiten hindurchgeholfen hat.

Und vielleicht könnten Sie davon auch weitersagen an Ihre Kinder und Enkel. Die ältere Generation hat ja vor allem die Aufgabe‚ ihre guten und schlechten Erfahrungen auch Jüngeren weiterzugeben, damit diese dann eines Tages auch einmal das Gleiche sagen können.

Damit sind wir bei einem dritten Punkt. Zuerst hatten wir gesagt: „In Not kann uns nur Gott helfen“ und „Wir sollen ihm dafür danken!“ Aber er verspricht uns auch für die Zukunft seine Begleitung. An so einem Tag wie heute wollen wir auch den Blick nach vorne richten und unsre Zuversicht weiter auf den Herrn setzen.          

Der Gott, der Sie 50 Jahre lang durch die Ehe begleitet hat, der wird Sie auch weiter führen. Heute erneuert er mit ihnen den Bund, den er Ihnen vor einem halben Jahrhundert zugesagt hat. Was sich bewährt hat, sollte man auch weiter beibehalten. Gott jedenfalls möchte weiter ihr Gott sein. Er möchte mit Ihnen zu tun haben und Ihnen nahe sein. An Ihnen liegt es, ob Sie in seinem Bund bleiben wollen und was sie aus dieser Zusage machen. Eins steht fest: Mit diesen Gott können Sie es wagen!

 

„Wer bin ich, Herr, und was ist mein Haus, daß du mich bis hierher gebracht hast!“                                                                                                                   (2. Sam 7 ,18 )

Wenn man heiratet, dann wünscht mach sich natürlich, daß man möglichst lange beisammen bleiben kann. Das ist ja eigentlich der Hauptsinn der Ehe: Man ist nicht mehr allein, sondern darf mit einem anderen zusammen alle Probleme angehen. Und eigentlich soll das doch

nie ein Ende nehmen.

Dennoch wagt bei der Hochzeit kaum einer schon an die Goldene Hochzeit zu denken. Wir wissen ja auch, daß es nur verhältnismäßig wenigen vergönnt ist, ein halbes Jahrhundert in der Ehe zusammenzuleben. Zuviele Lücken werden durch den Tod gerissen. Keiner kann sicher sein, ob er das Alter von 70 oder 80 Jahren erreicht.

Deshalb darf man Gott umso dankbarer sein, wenn man dieses Fest der Goldenen Hochzeit erleben darf. Und man kann sich schon fragen: „Wer bin ich, Herr, und was ist mein Haus, daß du mich bis hierher gebracht hast!“

Man kann nur staunen, wenn man so sehr die Gnade Gottes verspürt hat. Verdient hat es nämlich keiner, im Gegenteil: Manchmal wäre es vielleicht besser, wenn unserem Leben ein Ende gesetzt würde, damit sich nicht noch mehr Böses bei uns aufhäuft.

Wenn uns aber trotzdem noch Zeit gelassen wird, dann sollten wir das ausnutzen. Und so ein Tag zum Gedächtnis der Trauung ist auch mit dazu da, daß man seinen vergangenen und seinen künftigen Lebensweg überdenkt und in Zukunft vielleicht doch noch manches anders macht als bisher. Gott gibt uns jedenfalls die Möglichkeit, immer noch einmal alles zu überprüfen.

Für jeden sind dabei die Chancen gleich. Gott behandelt nicht alle Menschen gleich, wenn es um die Zahl der Lebensjahre geht. Da gibt es Unterschiede, die wir nicht erklären können und die ihren Grund in einem Beschluß Gottes haben. Aber gleich ist für jeden die Möglichkeit, in jedem Augenblick seines Lebens neu mit Gott anzufangen. Dazu ist keiner zu jung und keiner zu alt.

Gott führt uns manchmal sonderbare Wege. Manchmal macht er solche Umwege, daß man meint, er komme nie an sein Ziel. Aber eines Tages hat er den Menschen doch eingeholt und nimmt ihn in seinen'  Dienst. Umgedreht kann er einen Menschen auch verschlungene Wege führen und am Ende sagt der Betreffende doch: „ Es war richtig so!“

Sie, liebes Jubelpaar, haben neben vielen Freude sicher auch manches Leid erfahren. Wir staunen oft darüber, wo Gott uns in unserem Leben hinbringt. Zunächst mag manches wie ein Nachteil aussehen. Aber dann spüren wir doch, welch großes Geschenk uns da gemacht wird. Und wir wundern uns darüber, daß wir für würdig gefunden wurden, dieses Geschenk zu empfangen.

Wir können ja nichts dazu tun. Wir können unser Glück nicht sichern und wir können unser Leben nicht sichern. Wir können uns höchstens so verhalten, daß wir dem Handeln Gottes nicht entgegenarbeiten. Dann wird uns Gott schon dahin bringen, wo er uns hinhaben will und  wo es am besten für uns ist.

Gott will aber nicht nur mit einem Einzelnen zu tun haben, sondern mit dem ganzen „Haus“, d.h. mit der ganzen Familie. Er sieht uns immer in der Verbindung zu anderen Menschen. Gerade bei der Goldenen Hochzeit wird das ja deutlich, wie Gott immer z w e i Menschen durchs Leben geführt hat.

Wir dürfen froh sein, daß wir einen solchen Gott haben, der nicht nach unseren Verdiensten und Leistungen fragt, sondern uns so nimmt, wie wir sind . Das wollen wir ihm nie vergessen.

Heute erneuert er den Bund, den er vor 50 Jahren mit Ihnen geschlossen hat. Aber auch Sie sollen ihm wieder ihr Jawort geben. Wenn man begriffen hat, was Gott für uns tut, dann sollte das doch nicht zu schwer fallen.

Wir wissen nicht, was die nächsten Jahre bringen werden. Aber eins wissen wir: Es  können Jahre mit Gotte sein, wenn wir uns jetzt wieder seines Beistandes versichern. Gott will uns helfen, er will uns und alle unsre Lieben führen und geleiten. Er streckt uns immer wieder seine Hand entgegen und wir brauchen sie nur zu ergreifen und uns führen lassen.

Wir sind schon etwas bei Gott. Wir sind nicht nur eine Nummer, sondern von ihm geliebte Menschen. Er denkt groß von uns. Da sollten wir uns auch dieses Vertrauens als würdig erweisen und uns zu ihm halten. Es wird uns nicht schlecht dabei ergehen.

 

 „Unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen. Von dir ist alles gekommen und von deiner Hand haben wir dir's gegeben!“ (1. Chron 29,13-14)

Vielleicht sieht nicht jeder ein, daß man nach 50jähriger Ehe auch Grund hat zum danken. Mancher wird sagen: „Was ich mir im Leben geschaffen habe, das ist doch alles mein Werk. Da hat mir kein Gott und kein Mensch geholfen! Ich werde auch weiterhin alles allein schaffen!“

Doch Sie sind hierher zum Gotteshaus gekommen, um Gott zu danken für alle seine Wohltaten. Sie sind ja in einer Zeit getraut worden‚ als es nicht leicht war. „Wie gewonnen, so zerronnen!“ konnte man sicher manches Mal von den Dingen sagen, die man sich erworben hatte. Aber irgendwie ist es doch immer wieder weitergegangen, hat sich doch noch ein Weg gefunden.

Das war auch ein Werk unsres Gottes, der keinen allein läßt, der ihn braucht. Er hat doch immer wieder weitergeholfen und alles noch zu einem guten Ende geführt. Heute hat er Ihnen nun diesen Tag beschert.

In der heutigen Zeit ist ein solches Fest nicht mehr ganz so selten wie früher. Aber es ist doch immer ein ganz großes Geschenk der Gnade Gottes, wenn man einen solchen Tag erleben darf. Sehr viele Ehepaare sind längst auseinandergerissen worden. Sie aber dürfen im Kreise Ihrer Lieben und hier im Gotteshaus ein solches Jubelfest begehen.

Allerdings wollen wir auch nicht die schweren Tage vergessen. Keiner hat es nur leicht gehabt im Leben. Aber heute haben doch immerhin den Vorteil, daß sie alles gemeinsam tragen und bewältigen können. Und schließlich ist ja auch Gott da, der Hilfe und Stärkung in den schweren Zeiten gibt. Auch wenn sich natürlich das Alter bemerkbar macht und die Gesundheit nicht mehr ganz so ist wie früher, so dürfen Sie dennoch dankbar sein, auch für all die anderen Dinge, die in Ordnung sind; alles auf einmal kann man eben selten haben.

Diese Bibelworte aus dem 1. Chronikbuch: „Unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen. Von dir ist alles gekommen und von deiner Hand haben wir dir's gegeben!“ stehen in einem Dankgebet des Königs David. Er hatte zu Spenden aufgerufen für den Bau eines Tempels. Die Gemeinde hatte tüchtig gegeben. Der König bedankt sich aber nicht nur bei den einzelnen Spendern, sondern bei Gott, der ihnen erst die Möglichkeit zum Opfer gegeben hat.

Das eine schließt also das andere nicht aus. Wenn wir etwas geleistet haben im Leben können wir uns für uns selber freuen. Aber wir sollten auch dem Dank an Gott nicht vergessen, der uns das erst alles ermöglicht hat.

Gott verurteilt uns nicht zur Untätigkeit. Er will unseren Einsatz und unser Bemühen. Aber letztlich müssen wir wie David sagen: „Was bin ich schon? Von dir ist alles gekommen! Und was wir dir geben, das haben wir doch alles nur von dir empfangen!“ Alles, was wir sind und haben‚ kommt doch von Gott. Wir geben nur weiter, was er uns zuvor gegeben hat.

Das ist wie bei einem Kind, das seinen Eltern etwas schenkt. Die Mittel dafür hat es doch vorher von den Eltern erhalten. Nun verzichtet es auf einen Teil davon und gibt ihn voller Dankbarkeit zurück. Die Eltern freuen sich sehr darüber, obwohl sie doch im Grunde nur das Eigene wieder erhalten. Aber inzwischen ist es eben doch durch die Liebe des Kindes angereichert worden und zu einem echten Geschenk geworden.

So freut sich auch Gott über jeden kleinsten Dank, den wir ihm aussprechen. Schon dieser Gottesdienst zum Gedächtnis der Trauung ist ein solches Zeichen des Dankes. Aber auch sonst haben wir sicher im Leben vielfach Gelegenheit, unseren Dank zum Ausdruck zu bringen: in Gesprächen, in unserem Handeln, in unserem Denken - alles kann zum Zeichen des Dankes werden.

Der Dank ist auch nicht nur eine bloße Höflichkeit, sondern ein Herzensbedürfnis, jedenfalls wenn er ernst gemeint ist. Gerade wenn man sich schwach und hilflos vorkommt, wird man das so empfinden ,wird man sich zum Dank gedrängt fühlen. Aber in Wahrheit sind wir ja gar nicht schwach. Gott steht ja auf unserer Seite und will uns von Tag zu Tag geleiten und helfen.

Ohne diesen Gott wären wir tatsächlich nichts. Unser Leben wäre nur ein flüchtiger Augenblick im Ablauf der Weltgeschichte, auch wenn es noch so lange dauerte. Aber ehe wir da waren, kannte er uns schon; und er wird auch dann noch bei uns sein, wenn wir nicht mehr auf dieser Erde sind.

So wie wir täglich etwas essen müssen, so brauchen wir auch Gott an jedem Tag für unser Leben. Er gibt uns aber auch alles, was wir brauchen. Wenn unser Leben auch in Ewigkeit gesichert sein soll, dann gilt es, sich zu diesem Gott zu halten. Er hat noch viel mit Ihnen und mit uns allen vor, wenn  wir  Menschen sind, die  dankbar alles aus seiner Hand nehmen und seinen Namen rühmen.

 

„Die auf der Herrn harren‚ kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden!“ (Jes 40,31)

Wen man älter wird, dann lassen die Kräfte nach  Und man kann nicht mehr so wie früher. Das ist der Lauf der Welt, daran läßt sich nichts ändern. Am besten schickt man sich in diese- Entwicklung hinein und trauert nicht lange der Vergangenheit nach.

Im Gegenteil: An einem solchen Tag wie heute denkt man voll Dankbarkeit zurück auf das, was gewesen ist. Fünfzig Jahre lang haben Sie sich in der Ehe helfen können, haben Freude und Leid miteinander geteilt und sind miteinander älter geworden. Da gibt es dann auch von vielem Schönen und Guten zu berichten, hinter dem man doch die gnädige Hand Gottes spüren kann.

Es wäre schade, wenn man sein ganzes Leben nur als reiner Abstieg betrachten wollte. Jedes Lebensalter hat seine guten Seiten, es hat seinen Sinn und seine Aufgaben. Wenn man eine Stufe erreicht hat, dann kann man nicht so tun, als sei man noch in einer früheren Stufe. Man kann nur froh sein‚ daß man weitergekommen ist, und dankbar auf die Vergangenheit schauen.

„Die auf der Herrn harren, kriegen neue Kraft!“ rief der-Prophet Jesaja seinem Volk zu, das in der Gefangenschaft war und nicht mehr an eine gute Zukunft glaubte. Viele hatten sich schon innerlich aufgegeben und mit ihrem Schicksal abgefunden. Aber Gott hat immer noch Wege, wo wir keine Auswege sehen.

Wenn man älter wird, dann wird die zur Verfügung stehende Zeit zwar knapp, aber das heißt nicht, daß man keine Zukunft mehr hätte. Gott hat noch seine Pläne mit uns, bis ins hohe Alter hinein, er gibt uns noch die Zukunft, die wir brauchen.

Mit den körperlichen Kräften wird es zwar weniger werden. Aber es kommt beim Menschen ja nicht darauf an, daß er ein Kraftprotz ist, sondern daß er auch in seinem Inneren heranwächst und eine in sich gereifte Persönlichkeit wird. Für einen Christen wird es darauf ankommen, auch im Glauben heranzureifen, wenn er das Ziel seines Lebens erreichen will.

Wer von Gott alles erwartet hat und sich auch in Zukunft auf ihn verlassen will, der wird dann auch neue Kraft von Gott erhalten. Nicht eine Kraft, mit der man dann Bäume ausreißen kann, aber eine innere Kraft, die hilft, das Leben zu bewältigen.

Gerade wenn es einmal schwerer wird und Probleme im Leben auftauchen, dann braucht man diese Kraft von Gott, um mit allem fertig zu werden . Es ist etwas Schönes um Menschen, die im Laufe ihres Lebens an Weisheit gewonnen haben und im Glauben gereift sind. Die haben viel gewonnen und können  glücklicher sein als einer, der nur das Äußere sieht. Sie sind dann auch mit einer Kraft erfüllt, die wieder mitreißen kann und somit segensreich für die ganze Umgebung wirkt.

Der Prophet spricht davon, daß man mit einer solchen Kraft hochfliegen kann wie ein Adler und daß man damit laufen kann und doch nicht müde wird. Hieran sieht man schon, daß es sich nicht um eine körperliche Kraft handelt, sondern um eine Gabe Gottes für das innere Leben, die man sich immer wieder erbitten muß.         

So ist auch der Glaube an Gott etwas, das unser Leben beflügelt. Wer an Gott glaubt, der zweifelt nicht am Sinn des Lebens, sondern wird  zuversichtlich durchs Leben gehen. Er wird sich nicht durch Schwierigkeiten aus der Bahn werfen lassen, sondern auf Gottes Hilfe vertrauen. Er wird die freudige Stunde dankbar aus Gottes Hand nehmen und wissen, daß alles nur Gnade ist.

Sie‚ liebes goldenes Hochzeitspaar, haben vielleicht auch manchmal eine solche Stunde des Gottvertrauens gehabt. Vielleicht empfinden Sie auch den heutigen Tag als einen solchen Augenblick, wo ihnen neue Kraft geschenkt wird.

Gott möchte Ihnen gerne helfen. Wer in Verbindung mit ihm bleibt, der wird auch immer wieder seine Hilfe erfahren. Gott möchte ja so gerne einem jeden helfen. Wer bereit ist, die ausgestreckte Hand Gottes zu ergreifen, den wird er auch halten und führen von einem Tag zum anderen.         

Wenn wir heute dankbar zurückschauen in die Vergangenheit, so wollen wir doch auch den Blick nach vorne richten. Wir wollen auf das hoffen, was Gott noch mit uns vorhat. Wir wollen ihm vertrauen, daß er es richtig mit uns macht. Und wir wollen uns täglich neu wieder die Kraft von ihm schenken lassen.

 

„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“    (Jes 41,10)

Es gibt viele Dinge, die man im Leben fürchten wird. Auch am Beginn einer Ehe hat man vielleicht noch Angst vor dem Neuen. Das ist ganz natürlich und niemand findet etwas dabei. Zwei Menschen stehen am Ufer und blicken hinüber auf die andere Seite, zu neuen Ufern. Dort drüben  ist Neuland, das man sich erst erobern muß, das man erst kennenlernen muß und das man erst liebgewinnen wird.

Allerdings: So ganz neu wird es auch nicht sein. Man hat sich ja schon vorher gekannt und Pläne gemacht. Aber wenn es dann ernst wird, sieht alles noch einmal ganz anders aus. Wenn man erst einmal im richtigen Wasser schwimmen muß, dann ist das etwas anderes als alle Trockenschwimmübungen vorher. Deshalb darf sich jeder freuen, der sich in das neue Element gestürzt hat.

Das Schöne dabei ist: Es geht nicht allein! Sicher hat es auch seine Vorteile, wenn man allein und ungebunden  ist und auf niemanden Rücksicht zu nehmen braucht.

Aber dann ist man halt auch allein, wenn man einmal einen anderen Menschen braucht; dann ist man eben einsam und hat niemanden, mit dem man sich über alles aussprechen kann.

Mancher wird das sehr oft spüren und deshalb Ergänzung und Austausch mit einem Partner suchen. Ein anderer dagegen meint, er begehe einen Fehler, wenn er eine Ehe eingeht, weil er dann sein Ungebundensein aufgibt.

Ein Glück nur, daß doch immer wieder Menschen diesen Fehler machen und schließlich doch in  den Hafen der Ehe einlaufen. Denn in der Ehe werden sie schon bald eines Besseren belehrt: Es läßt sich doch alles besser durchstehen‚ wenn man zu zweit ist, sowohl in Freude

wie in Leid.

Doch das ist noch nicht alles. Eine Ehe ist nicht nur eine Privatangelegenheit zweier Menschen .Gott will mit dabei sein in Freude und Leid: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir!“  sagt er uns hier: Er will sich damit nicht aufdrängen .Aber er bietet seine Hilfe denen an, die darauf warten. Gott steht uns bei, wenn wir nicht mehr weiter wissen; er will uns helfen, gerade die schwierigen Situationen zu meistern.

Diese Hilfe kann sicher jeder für seine Ehe gebrauchen. Es ist nicht leicht, in der Welt von heute zu bestehen. Vom Beruf her kommen starke Anforderungen, die Beziehungen zu anderen Menschen und zur Gesellschaft müssen  ausgewogen sein, man möchte etwas Vergnügen und Erholung  finden. Unser Glaube ist da ein Angebot, mit all diesen Fragen fertig zu werden.           

Keiner braucht sich zu fürchten vor den Anforderungen,  die auch in der Ehe auf ihn einstürmen. Gott steht denen zur Seite, die auf ihn vertrauen. Wir dürfen uns im Gebet mit allen Dingen an ihr wenden. Wenn wir selbst nicht mehr weiterkönnen, dann dürfen wir uns doch bei ihm neue Kraft holen.     

Er fordert uns auf: „Weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“ Man kann manchen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen, indem man ihnen ausweicht. Gott aber sagt: „Bleib stehen, ich helfe dir schon!“ Auf Gott können          wir uns verlassen.  

Aber auf der anderen Seite wird uns damit auch gesagt: Gott kannst du nicht entweichen! Du bist ihm verantwortlich für alles, was du tust in deinem Leben. Jeder Ehepartner ist für den anderen verantwortlich vor Gott. Luther hat es so ausgedrückt: „Eins soll das andere in den Himmel bringen!“Das gilt in guten wie in bösen Tagen, in Freude und Leid.. Da gibt es keine Ausreden: „Der andre war schuld!“ Jeder muß seinen Teil an Verantwortung selber übernehmen.  

Sie aber haben Ihre Ehe unter den Schutz Gottes gestellt. Sie sind hierher gekommen, um sich trauen zu lassen und den Segen Gottes für Ihre Ehe zu empfangen. Nun erwartet       man auch etwas von Ihnen. Wer sich auf die Seite Gottes stellt, der muß auch so leben, wie es sich bei Gott gehört, das ist ganz selbstverständlich. Sie sind von heute an nicht nur irgendeine Familie, sondern eine christliche Familie, über der als Verheißung und Auftrag stehen soll: „Fürchte  dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“     

Vor allem die Verheißung wollen wir heute hören. Wir brauchen immer wieder viel Schwung, schon für dem Anfang, aber auch für das Durchstehen. Gott kann Ihnen diese Kraft schenken. Wir wollen ihn in unserem Gebet immer wieder darum bitten.

 

 

 

 

„Ich will euch tragen. bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich will es tun, ich will heben und tragen und erretten!“                                                                               (Jes 46,4)

Als wir klein waren, hat uns die Mutter auf den Armen getragen. Wir waren noch ganz auf die Pflege der Eltern angewiesen und waren völlig von ihnen abhängig. Ohne Eltern kann kein kleiner Mensch existieren. Er braucht einfach jemanden, der sich um ihn kümmert. Dazu gehören nicht nur Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung, sondern zum Leben brauchen wir ja noch mehr.

Überlegen wir uns doch einmal, wann eine Mutter ihr Kind auf die Arme nimmt? Sie tut es, wenn sie dem Kind ihre Liebe zeigen will, wenn sie zum Ausdruck bringen will: „Du gehörst zu mir und ich würde dich niemals hergeben!“

Aber sie nimmt das Kind auch, wenn es getröstet werden muß. Die Mutter soll helfen, über alles hinwegzukommen. Dazu trägt sie das Kind auf den Armen, um es wieder zu beruhigen.

Später ist man dann selber Vater und Mutter geworden und hat die eigenen Kinder auf den Armen getragen. Und mancher darf auch noch Enkelkinder auf dem Arm haben. Und immer geht es dabei um die gleiche Aufgabe: beschützen und bewahren, trösten und wieder aufrichten.

Und nun sagt uns die Bibel: „Gott will uns so tragen, wie die Eltern ihr Kind tragen!“ Es ist sogar ein ganzes Volk, das von Gott getragen wird. Als die Israeliten aus Ägypten befreit sind, sagt Gott zu ihnen: „Ich habe euch getragen auf Adlersflügeln und habe euch zu mir gebracht!“ Und als das Volk erneut in Babylon in der Gefangenschaft sitzt, heißt es wieder: „Ich will euch tragen bis ins Alter!“ Das Volk wird nicht ein unrühmliches Ende fern von der Heimat finden, sondern Gott wird es weiter erhalten, so wie er das bisher getan hat und in alle Zeit weiter tun wird.

Diese Verheißung gilt aber auch für das Leben des einzelnen Menschen oder auch eines Ehepaares: Sie gilt auch für unsere Zeit. Wer einmal mit diesem Gott in Verbindung getreten ist, der bleibt auch für immer mit ihm verbunden. In der Taufe wurde dieser Bund geschlossen. In der Trauung wurde er bestätigt. Und bewähren können hat er sich nun schon ein ganzes Leben lang.

Sicher haben Sie in diesen  ….. .Jahren öfter die Hilfe Gottes verspüren dürfen. Gewiß, manchmal ist einem nicht gleich so deutlich. Manchmal erkennt man erst in der Rückschau, wie Gott aus allem herausgeholfen hat.

Gerede wenn man älter wird, erkennt man immer mehr, wie sehr Gott geholfen hat. Aber man erkennt auch, was man alles falsch gemacht hat im Leben, was man versäumt hat und wo man in manchen Dingen zu voreilig gewesen ist. Es mag sein, daß einem das auch an so einem Tag vor Augen steht und man daß man denkt: „Das könnte sich zwischen mich und Gott schieben!“

Aber solche Gedanken  sollen uns nicht irre machen können an Gott. Er hat .gesagt: „Ich will euch tragen bis ins Alter!“ Gott hört nicht mittendrin wieder auf und läßt uns einfach fallen. Er wirft uns nicht gleich weg, wenn wir versagt haben. Im Gegenteil: Wenn wir gefallen sind, dann' hilft er uns wieder auf und trägt uns und errettet uns.

Gott zeigt uns immer wieder seine Liebe, auch wenn wir sie nicht verdient hätten..Eltern ärgern sich ja auch manchmal über ihre Kinder. Und doch haben sie sie lieb und verzeihen ihnen wieder. Wenn das Kind in Not ist, dann helfen die Eltern, ganz gleich, was vorher gewesen ist. So hilft uns aber auch Gott, wenn wir ihr brauchen und uns an ihn wenden. Er weist uns dann nicht ab, denn er hat uns versprochen, uns zu retten.

Bis ins Alter und bis wir grau werden will Gott unser Gott sein. Ja, man müßte sagen: Gerade dann will er es sein. Gerade wenn die Kräfte abnehmen, wenn wir auf Hilfe angewiesen sind, dann haben wir auch einen Helfer. Wen wir jung sind, fühlen wir uns oft noch stark und fragen nicht immer gleich nach Gott. Aber wenn wir grau werden, dann ist es uns lieb, wenn er an uns festgehalten hat. Heute dürfen Sie erneut hören, daß Gott ihnen beistehen will. Am Gedenktag Ihrer Trauung verheißt er Ihnen /erneut auch für die Zukunft seinen Beistand. Keiner weiß wie viele Jahre seines Lebens ihm noch geschenkt sind. Aber jeder darf wissen, daß es Jahre mit Gott sein können.

Es liegt an uns, ob wir dieses Angebot Gottes annehmen. Entscheiden müssen wir uns immer wieder für ihn, genauso wie am ersten Tag. Aber er hilft uns dann auch wie am ersten Tag. Auch wenn unsere Tage jetzt vielleicht beschwerlicher werden, wenn uns das Alter Mühe macht, dann bleibt Gott doch ewig jung und kräftig genug, um uns zu tragen.

Wir waren nicht immer auf Rosen gebettet. Aber er hat uns doch immer auf Händen getragen. Es gab schwere Stunden, aber auch viel Schönes. Für beides wollen wir dankbar sein und uns erneut unserem Gott zuwenden .Er hat alles in den Händen, die Welt, die Menschen und uns.

Was er mit uns vorhat, das führt er zum guten Ende.

 

„Suchet mich, so werdet ihr leben“                                                               (Am 5,4)

Wir suchen so vieles in unserem Leben: Anerkennung durch die Menschen, Erfolg im Beruf, eine gute Familiengemeinschaft, ein bißchen Glück und Freude. Das ist ganz natürlich so, und das ist bei jedem Menschen so. Immer wieder sind wir auf der Suche.

Am heutigen Tag werden Sie sich erinnern an den Tag Ihrer Hochzeit. Mit großen Hoffnungen geht man in die Ehe. Es soll gut und immer noch besser werden. Man sucht nach neuen Wegen, sucht Verbündete und Helfer, sucht das Glück.

Aber eigentlich hat unser Leben nur dann einen Sinn gehabt, wenn wir nach Gott suchen. Gott hat uns seit unserer Taufe dazu aufgefordert, hat uns eingeladen, ihn zu suchen. Er ist auch nicht schwer zu finden. Gott versteckt sich nicht vor uns, sondern er will sich finden lassen.

Immer wieder stoßen wir auf ihn. Durch Gottesdienst und Gemeindeabende, durch Rundfunk und Zeitung begegnet uns sein Wort. Manches wird auch von Mund zu Mund weitergesagt. Auch das Gedächtnis der Trauung ist so eine Gelegenheit, wieder intensiv mit ihm in Berührung zu kommen. Keiner kann heute sagen, er wüßte nichts von Gott, nicht einmal die, die nichts mit ihm zu tun haben wollen.

Gott fordert auch uns auf, daß wir ihn wirklich suchen. Er weiß, daß wir nicht unbedingt von ganz alleine kommen. Aber er sagt es uns, weil er uns auf sein Geschenk hinweisen will. Gott hat ja etwas zu bieten?  gibt uns seine Verheißung mit, er bietet uns seine Hilfe und seinen Beistand an. Damit wir nicht aus Unachtsamkeit daran vorbeigehen, weist er uns extra noch einmal darauf hin.

Gott will uns das Leben schenken! Wir möchten doch alle leben und haben direkt einen Hunger nach Leben. Was tun wir nicht alles, um etwas vom Leben zu haben, um das Leben zu genießen und um das Leben noch etwas zu verlängern. Wir meinen, der Herr unseres Lebens zu sein und darüber frei zu verfügen. Und doch können wir das wahre Leben nirgends anders finden als bei Gott, vor allem das Leben, das den Zeitraum unsres irdischen Lebens überdauern soll.

Mancher sucht erst noch etwas anderes, das vermeintlich besser ist. So wie man in der Ehe erst seinen Weg suchen und finden muß, so wird man vielleicht auch zunächst nicht so besonders mit Gott zurechtkommen. Aber wenn dann die Stürme des Lebens kommen, wenn Angst und Leid kommen, dann ist man doch froh, wenn man sich zu Gott flüchten kann. Dann macht man die Erfahrungen, die dann für das ganze Leben Bestand haben.

Wenn wir einen falschen Weg zu gehen drohen, dann sucht und findet Gott u n s und nimmt uns sogar in seinen Dienst. Gott geht uns nach und läßt uns nicht verkommen. Wir bleiben immer seine Kinder, die er liebt und die er bei sich haben möchte.

Nur Gott gibt uns das Leben, das lebenswert ist. Vielleicht haben Sie in den 50 Jahren ihrer Ehe viel davon gespürt. Sie haben sicher viele schöne Tage gehabt, sind glücklich und zufrieden gewesen, durften dankbar und hilfsbereit sein.

Aber Sie haben sicher auch Tage gehabt, an denen Sie verzweifelt waren und keinen Ausweg mehr sahen.  Manche Hoffnungen haben sich zerschlagen, Pläne ließen sich nicht verwirklichen, manches ist schiefgelaufen. 

Aber heute am Tag Ihrer Goldenen Hochzeit dürfen Sie sicher auch mit Dankbarkeit zurückschauen und Ihr Versprechen von damals erneuern. Heute ist Gelegenheit, erneut auf Gottes Wort zu hören‚ miteinander zu beten und erneut den Segen Gottes zu empfangen.

Gott will Sie auch weiter auf Ihrem Lebensweg begleiten. Der Sie bisher geleitet hat, wird auch in Zukunft bei Ihnen sein. Gottes Geschichte mit Ihnen geht noch weiter. Sie dürfen noch viel von ihm erhoffen. Und dieser Spruch aus dem Amosbuch kann auch in Zukunft über Ihnen stehen: „Suchet mich, so werdet ihr leben!“

 

„Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder. Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster!      (Ps 9, 2-3)

Warum begehen wir den 50. Hochzeitstag mit einem Gottesdienst in der Kirche? Soll das nur der feierliche Auftakt zu einem Familienfest sein? Ist es nur eine alte Tradition, die man halt so mitmacht? Oder verbinden wir nicht doch höhere Erwartungen mit einem solchen Tag?

Dieser Gottesdienst soll unseren Dank gegenüber Gott ausdrücken, der Sie 50 Jahre lang in der Ehe behütet und begleitet hat.

Schon alleine, daß man einen solchen Gottesdienst wünscht, ist doch ein Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer und Erhalter. Wenn man ins Gotteshaus geht, dann macht man damit ja schon deutlich, daß ein solcher Tag mit Gott zu tun hat. Wenn wir einen Gottesdienst halten, dann tun wir damit ja nicht Gott einen Dienst. Er kann auch ohne unseren Dank und unsere Anbetung auskommen. Wenn wir ins Gotteshaus kommen, dann tut uns Gott damit einen Dienst. Er läßt uns erkennen, was wir ihm verdanken, und er will uns aufs Neue seine Hilfe versichern.

Wir können ja Gott nichts bieten. Das merkt man sicher, je älter man wird. Wenn die Kräfte nachlassen und sich allerhand Beschwerden einstellen, dann ist man doch auf die Hilfe anderer Menschen und den Trost und den Beistand Gottes angewiesen.

Gott aber begleitet uns ein ganzes Leben hindurch, in guten wie in bösen Tagen. Sie haben ja auf sicherlich viele gute und schöne Tage erleben dürfen. Gott hilft aber gerade auch in den schwe­ren Zeiten und gibt die Kraft, mit allem fertig zu werden, was einem so zustößt. Wenn es einmal schwer wird, dann hilft nicht das Wehklagen und die Niedergeschlagenheit, sondern nur der Dank an Gott. Es mag widersprüchlich klingen, aber es ist tatsächlich gemeint, daß der Dank dann noch am bester hilft. Beim Danken erinnert man sich an die Wohltaten Gottes in der Vergangenheit. So heißt es ja auch in dem Psalmvers: „Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder!“

Aus diesem Dank heraus wächst dann auch die Zuversicht, daß es auch in Zukunft gut weitergehen wird. Wer danken kann, für den ist die Welt kein Jammertal, sondern der Ort, wo er die Hilfe Gottes erfahren hat und auch in Zukunft erfahren wird. Dann kann man sogar anderen davon erzählen und auch ihnen Mut zum Leben machen. Wenn man sich von den eigenen Schwierigkeiten wegwendet und seine Aufgabe gegenüber anderen Menschen erkennt, dann wird man noch am ehesten mit allem fertig.

Wenn Sie sich heute freuen und glücklich sind, dann liegt das ja nicht allein daran, daß Sie diesen seltenen Tag der Goldenen Hochzeit erleben durften. In dieser Freude kommt vielmehr der Dank an Gott zum Ausdruck; denn ihm allein verdanken wir es, daß wir heute diesen Tag begehen können. Keiner von uns hat es in der Hand, wen er zum Ehepartner kriegt. Wir können viel dazu tun, daß die Ehe gelingt. Aber ob sie wirklich der „Himmel auf Erden“ wird, das liegt auch mit am Segen Gottes.

Dieser Segen ist Ihnen bei der Trauung zugesprochen worden. Er soll Ihnen auch heute erneut wieder zugesagt werden. Gott ist noch nicht am Ende seiner Wege mit Ihnen. Deshalb können Sie auch am heutigen Tage fröhlich sein und Gott loben. Wir hoffen noch auf viele gemeinsame Jahre. Ob alles gut gehen wird, wissen wir nicht. Aber Sie können sicher sein, daß Gott auch weiterhin mit dabei sein wird. Wenn Sie weiterhin dankbar sind, dann werden Sie auch fröhlich sein können. Gott wird Sie führen und leiten zu dem Ziel, das er uns bestimmt hat.

 

 

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser!“                                                     (Ps 23,1-2)

Wir können uns heute kaum noch vorstellen, was ein guter Hirte ist. Den Beruf gibt es kaum noch, aber auch die Sache, die in diesem Psalm damit gemeint ist. Gedacht ist an einen Menschen, der sich ganz gar einsetzt sowie ein Hirte für seine Schafe.

Ein Hirte hatte früher einen gefährlichen Beruf. Er mußte nicht nur seine Herde zusammenhalten, sondern mußte sie auch gegen wilde Tiere und Räber verteidigen , d.h. er mußte oft seine eigene Sicherheit und Bequemlichkeit zurückstellen und für die ihm anvertrauten Schafe kämpfen.

Heute gibt es eine solche Einstellung nur noch selten unter den Menschen. Doch in dem Psalm heißt es: „Gott ist mein Hirte“ in dem guten alten Sinne des Wortes „Hirte“. Was wir vielleicht bei den Menschen nicht mehr finden, das ist bei Gott noch ganz da: Er verteidigt uns gegen die Gefahren des Lebens und sieht zu, daß uns nichts Böses widerfahren kann. Wenn wir schon keinen Menschen zum Beistand haben, dann dürfen wir uns doch auf Gott verlassen.

Bei diesem Gott wird es uns an nichts mangeln. Überlegen wir uns doch einmal, was Gott uns im Laufe eines langen Lebens schenkt: Dazu gehören doch nicht nur Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung, sondern auch ein bißchen Freude im Leben, Glück und Gesundheit. Das brauchen wir doch auch unbedingt zu unserem Leben dazu. Sicher hat auch jeder einmal schöne Stunden in seinem Leben gehabt, wenn auch sonst vielleicht manches Schwere auf

ihn zugekommen ist.

Denken wir nur an den Anfang dieser Ehe. Es war eine schlechte Zeit und sicherlich äußerlich gesehen kein guter Start. Aber auch die Jahre danach waren von Sorgen erfüllt, bis eigentlich fast zur Silberhochzeit. Dazu kommt all das, was so das Leben eines Menschen ausmacht: die Sorgen um das tägliche Brot, um die Kinder, um die Gesundheit.

Da ist es gut, wenn man nicht allein ist, wenn man noch einen Ehepartner hat, der einem beisteht. Auch Mann und Frau können einander so etwas wie ein guter Hirte sein. Das ist ja mit ein Sinn der Ehe, daß man nicht allein steht, sondern wenigstens noch einen Menschen an seiner Seite hat.

Es gibt sehr viele Anlässe, bei denen man den anderen braucht: Das fängt an bei kleinen Handgriffen, die der andere vielleicht besser ausführen kann oder wo man von vornherein zwei Leute dazu braucht. Einmal übernimmt der eine bestimmte Aufgabe, dann wieder

der andere, je nachdem, wer besser geeignet ist. Vor allem aber kommt es auch auf den inneren Beistand an. Man kann sich besser freuen, wenn der andere sich mitfreut. Aber man kann auch Sorgen leichter tragen, wenn man sie mit einem anderen teilt. Im tagtäglichen Mit­einan­der geschieht hier viel Hilfe, ohne daß man viele Worte darum machen müßte. Dafür dürfen sie nur dankbar sein. 

Aber Gott gehört auch mit zu unsrem Leben dazu. Auf ihn können wir uns verlassen und nachsprechen: „Der Herr ist mein Hirte!“ Gerade wenn man es schwer hat, darf man die Führung und die Hilfe Gottes verspüren. Er führt uns zu den frischen Weiden‚ die wir für unser Leben brauchen.

Das soll nicht heißen, daß er uns alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt. Gott ist nicht nur dazu da, uns das Leben bequem zu machen. Unser Einsatz ist schon auch gefordert. Aber wir sollen dabei auch erkennen, daß wir nicht allein hinkommen, sondern Gott als den guten Hirten brauchen.     

Mit dem „frischen Wasser“ sind wiederum nicht nur Essen und Trinken gemeint und all das, was wir zum äußeren Leben brauchen. Auch unser innerer Mensch braucht Nahrung und eine frische Quelle. Zum rechten Leben gehört auch das Wort Gottes, das unserem Leben erst die richtige Richtung gibt.

Gott läßt es uns daran nicht mangeln. Er bietet uns sein Wort immer wieder an. Ein ganzes langes Leben lang haben wir Gelegenheit, uns von diesem frischen Wasser stärken zu lassen. Heute ist wieder Gelegenheit dazu.

Es ist recht, wenn man an einem solchen Tag in die Kirche kommt und Gott dankt für viele Jahre gnädiger Bewahrung. So wie sie unseren Gott bisher als den guten Hirten erfahren haben, so wird er auch in Zukunft bleiben. Er erneuert Ihnen das Versprechen, das er Ihnen vor

50 Jahren gegeben hat. Im Vertrauen auf ihn dürfen Sie Ihren Weg weitergehen.

 

„Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit vor  mir nicht wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten!“                                                                       (Ps 40,12)

Natürlich halten wir an einem solchen Tag Rückschau. Wir denken an die vielen Jahrzehnte einer Ehe, die nun vergangen sind. Man könnte manchmal neidisch werden, wenn man sieht, wie lange doch ein Ehepaar zusammen sein darf. Es weiß ja keiner von uns, ob er einmal ein solches Fest erleben wird.

Doch leicht haben Sie es sicher auch nicht gehabt. Denken wir nur einmal an den Anfang Ihrer Ehe. Das war eine schlechte Zeit mit wirtschaftlicher  Not und manchem Elend. Da gehörte nicht nur Mut dazu, sondern auch Gottvertrauen, um eine Ehe zu schließen. Sie haben es gewagt und haben dabei die Barmherzigkeit Gottes erfahren dürfen. Sie waren nicht die einziger in jener Zeit und haben so wie viele andere immer wieder die Durchhilfe Gottes verspüren dürfen. Gerade wenn unsere menschliche Kraft nicht mehr ausreicht, dürfen wir die Hilfe Gottes besonders erfahren und werden sie auch zu würdigen wissen.

Voller Dankbarkeit dürfen Sie auf die Vergangenheit zurückschauen. Neben all den Schweren (…….) hat Gott Ihnen doch auch viel Schönes geschickt. Je älter man wird, desto mehr verblassen doch die schlimmen Eindrücke und vorwiegend das Schöne bleibt im Gedächtnis. So soll es ja sein, und so ist es sicherlich auch eine Hilfe Gottes, daß man vieles einfach vergißt.

Aber der Blick in die Vergangenheit soll uns nicht nur eine schöne Erinnerung sein, sondern auch ein Anlaß zur Freude und zur Dankbarkeit gegenüber Gott. Keiner hat sich das Schöne allein errungen, sondern es ist ihm von Gott geschenkt worden. Seine Barmherzigkeit ist jeden Morgen neu und Sie haben sie sicher oft spüren können.

Der Beter dieses Psalms darf dankbar bekennen: Gottes Barmherzigkeit war oft in meinem Leben zu spüren. Es waren Höhen und Tiefen da. Aber immer ist es wieder weiter gegangen. Manchmal hat man sich gefreut und gemeint, es müsse immer so weitergehen. Aber dann kam wieder ein Schlag und man war am Boden zerstört. Aber auch das ging mit Gottes Hilfe vorbei. Letztlieh bin ich doch gut gefahren unter dem Schutz Gottes. Nun blicke ich voller Dankbarkeit zurück und bitte Gott: „Bleibe nur weiter bei mir und wende dich nicht ab!“

Aber sein Blick geht auch in die Zukunft. Er denkt an die Gefahren und Nöte, die noch kommen können. Deshalb bittet er: „Laß deine Güte und Treue allewege mich behüten!“ Er denkt an seinen weiteren Lebensweg und fragt sich: „Wie wird er wohl aussehen? Werde ich alles bestehen könnten? Muß Ich ihm vielleicht allein gehen? Was wird noch alles kommen?“

Mancher Weg ist ja in der Tat steinig und holprig. Er läßt sich nicht nur schwer gehen, sondern er ist auch gefährlich. Leicht kann man in ein Loch treten oder in einen Graben fallen. Manchmal tauchen auch Feinde an diesem Weg auf, die einem schon das Leben ganz schön schwer machen können.

Es könnte aber auch sein, daß man ganz auf dem falschen Weg ist, ohne es zunächst zu merken. Am Ende kommt man ganz woanders hin oder man endet in einer Sackgasse. Wievielmal muß man doch im Leben erkennen, daß man etwas falsch gemacht hat! Man möchte umkehren und wieder von vorne anfangen. Aber dann erkennt man, daß es zu spät ist.

Deshalb steht in diesem Psalm die Bitte um Schutz und Bewahrung auf dem Lebensweg. Die Güte und Treue Gottes sind wie zwei Mauern, die links und rechts von unserem Weg stehen. Sie zeigen uns den richtigen Weg, sie schützen uns vor Gefahren und behüten und vor einem Fehltritt. Wenn wir uns auf die Güte und Treue Gottes verlassen, verläuft unser Weg auch richtig.

Allerdings werden die Gefahren damit nicht weggenommen. Sowie man sich nicht mehr innerhalb der Güte und Treue Gottes bewegt, gerät man sofort in den Bereich der Gefahr. Die Aufgabe in der Ehe ist es deshalb, daß einer den anderen warnt, damit er die Grenze nicht überschreitet. Wenn man seinen Weg auf diese Weise gemeinsam geht und ihn unter der Schutz Gottes stellt, wird er sicherlich auch gut verlaufen.

Mögen Sie deshalb auch sicher unter dem Schutz Gottes auf Ihrem Lebensweg weitergehen. So wie Gott Sie bisher geleitet hat, so will er Sie auch weiter führen. Heute erneuert er sein Versprechen, das er Ihnen vor …....Jahren gegeben hat. Und Sie sollen ihm auch erneut Ihr Jawort geben, damit Ihr Weg tatsächlich gesegnet sein möge. So dürfen Sie im Vertrauen auf Gott weitermachen.

 

 

„Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder“                                                                                                                             (Ps 71 ,17)

Die meisten unsrer älteren Gemeindeglieder können noch viele Dinge auswendig hersagen, die sie einmal in der Schule oder im Konfirmandenunterricht über den christlichen Glauben gelernt haben. All die Lieder, Bibelsprüche und Katechismusstücke sind für viele ein unverlierbares Gut und Trost und Stärkung in vielen Wechselfällen des Lebens.

Aber vielleicht haben Sie, liebes Goldenes Hochzeitspaar, doch auch im Laufe ihres Lebens gemerkt, daß das Auswendiglernen allein noch nichts nützt. In zunehmendem Maße kommt es heute vor, daß man gefragt wird und über seinen Glauben Auskunft geben soll. Da genügt es nicht mehr, wenn man einige auswendig gelernte Sätze hersagt, sondern man muß es mit den Worten unsrer Zeit sagen können und vor allem auch selber dahinter stehen.

Aber das, was wir in der Jugend gelernt haben, das kann uns eine Hilfe für das ganze Leben sein. Viele schöpfen noch heute aus dem Schatz dessen, was sie einst gelernt haben, und verkünden auch heute noch die Wunder Gottes. Doch mit dem Reden allein ist es auch nicht getan. Man muß heute auch mit seinem ganzen Leben dahinterstehen.

Das haben Sie selber in vieler Hinsicht zeigen können. Vor 50 Jahren war es noch nichts besonderes‚ wenn man in der Kirche getraut wurde. Heute kommt es schon einem Bekenntnis gleich, wenn man aus einem solchen Anlaß auch in die Kirche geht. Heute haben Sie nun den Gang von damals wiederholt. Ein halbes Jahrhundert sind Sie in Treue als Eheleute miteinander verbunden gewesen, in guten und in schweren Zeiten.

Schon allein diese Tatsache der langen Verbundenheit miteinander kann vielen jungen Leuten von heute ein Vorbild sein. Aber Vorbild ist noch mehr, vor allem geht es auch darum, Vorbild im Glauben zu sein. Es genügt nicht, nur einmal bei der Trauung in die Kirche zu gehen, sondern es kommt darauf an, ständig in Verbindung mit Gott und seiner Kirche zu bleiben, bis hin zum tatkräftigen Einsatz für Gottes Sache. Der Besuch des Gottesdienstes ist sicher eine Hilfe für die Ehe und das Leben. Aus Gottes Wort kommen doch erst die Kräfte, die uns helfen, unser Leben zu meistern. Da wird vieles abgehalten, was einem sonst Schwierigkeiten macht.

Vielleicht ist es nicht jedermanns Sache, Gottes Wort selber weiterzusagen. Doch auch das stille Vorbild ist eine deutliche Verkündigung und heute nötiger denn je. Wir brauchen heute gerade Leute, die nicht nur Worte machen, sondern auch mit der Tat hinter allem stehen und die  Worte dadurch unterstreichen.

Man kann nur dankbar sein, wenn man mit seinen bescheidenen Kräften hier etwas hat tun können für die Sache Gottes in der Welt. Aber man kann sich natürlich auch freuen, daß man einen solchen Ehrentag hat erleben dürfen, und kann nur dankbar dafür sein. Es ist nicht selbstverständlich, daß man einen solchen Tag erleben darf. Deshalb ist heute eine gute Gelegenheit, im Kreise der Verwandten in großer Dankbarkeit miteinander zu feiern und Gottes Wunder weiterzusagen.

Aber Gott schickt uns nicht nur Schönes, sondern auch schwere Dinge, an denen wir hart zu tragen haben. Auch das kann man im Grunde nur im Glauben an Gott aushalten. Doch auch davon könnte man berichten, wie man schwere Zeiten mit der Hilfe Gottes durchgestanden hat. Es ist immer ein Wunder, wenn wir trotz allem haben weiterleben dürfen und vorangekommen sind und nun Gelegenheit haben, Gottes Taten weiterzusagen.

Unser Blick sollte mehr auf die schönen Stunden unseres Lebens ausgerichtet sein. Dadurch kann all das andere in den Hintergrund treten und uns Mut für die Zukunft geben: Wir brauchen solche schönen Stunden und solche Festtage wie heute, um über alles andere hinwegzukommen. Wir sollten aber immer wissen, daß wir all das Schöne nur Gott zu verdanken haben.        

Dafür wollen wir immer danken und Kraft daraus schöpfen für unsere Zukunft. Gott will Sie auch weiter begleiten auf Ihrem Lebensweg. Vielleicht hat er noch viel mit Ihnen vor und braucht Sie noch für manches. Seine Gnade, die er Ihnen vor 50 Jahren  zugesagt hat, gilt Ihnen auch heute noch. Dieser Gott, der Sie durch lange Jahre geführt und begleitet hat, der wird auch in Zukunft bei Ihnen sein und wird Ihnen helfen, daß Sie jenen Bibelspruch nur noch immer fester bejahen können: „Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder!“

 

„Verlaß mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich deinen Arm verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen!“                 (Ps 71,18)

Wenn man.....Jahre verheiratet ist und seine ....... Hochzeit feiern kann, dann ist das zunächst einmal Grund zur Freude und zur Dankbarkeit. Die Gedanken gehen zurück auf das, was gewesen ist. Es sind nicht immer gute Zeiten gewesen. Es gab persönliches Leid in der Familie.

Wenn man so lange hat zusammensein dürfen, dann hat man auch viel miteinander durchgemacht .Doch Sie haben sich dabei auch gegenseitig eine Hilfe sein können. Das ist ja mit der Segen, der über einer Ehe liegt: Man muß nicht allein durchs Leben gehen, sondern hat mindestens noch einen Menschen, der mit Rat und Tat zur Seite steht.

Aber noch wichtiger ist eigentlich der Beistand Gottes. Sie haben ihn damals vor .....Jahren um seine Hilfe und seinen Segen gebeten. Heute könnten Sie sicher manches erzählen von dem, was Sie mit diesem Gott erlebt haben. Ja, es ist sogar Ihre Aufgabe, immer wieder davon zu erzählen.

Vielleicht hat Gott Sie nur so alt werden lassen und diesen seltenen Tag erleben lassen, weil er Sie noch braucht und ihnen ein, Aufgabe zugedacht hat. Hier in dem Psalmvers heißt es: „Bis ich deinen Arm verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen!“ Ein, alter Mensch ist zwar körperlich vielleicht schwach. Aber er ist deshalb noch nicht nutzlos und nur noch gut für dem Schrottplatz.

In unsrer heutigen Leistungsgesellschaft besteht natürlich sehr schnell die Gefahr, alte Menschen abzuschreiben. Wer nicht mehr produktiv tätig ist, wird leicht als nutzlos und überflüssig betrachtet. Gott aber denkt nicht so. Er hat jedem von uns seine Aufgabe zugedacht, auch einem alten und selbst einem kranken Menschen. Niemand ist so alt und schwach, daß er nicht doch noch von der Güte Gottes weitersagen könnte.

Gottes Macht und Kraft soll auch den nachfolgenden Generationen deutlich werden, die vielleicht noch nicht solche Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Solange man jung ist, verläßt man sich noch gern auf die eigene Kraft. Aber wenn man älter wird, braucht man immer mehr die Macht Gottes.

Diese Erkenntnis sollen Sie noch weitergeben. Gott braucht Sie noch, damit sein Reich wachsen kann. Der Glaube der kommenden Generationen lebt immer von den Traditionen der Vorfahren, von dem, was sie an ihre Kinder und Enkel weitergegeben haben. Es kann uns sicher nicht gleichgültig sein, wie die junge Generation einmal über den Glauben denkt. Es genügt nicht, wenn wir vielleicht das Heil gewinnen‚ aber die anderen gehen daran vorbei. Deshalb hat jeder von uns die Aufgabe, von den großen Taten Gottes zu erzählen, die er in seinem Leben erfahren hat.

Aber an so einer Tag richten wir natürlich auch den Blick nach vorne. Wir wissen, daß wir auch dann noch die Hilfe Gottes noch brauchen werden. Deshalb heißt es ja auch hier in diesem Psalmvers: „Verlaß mich nicht, Gott , im Alter, wenn ich grau werde!“ Wer sein Leben über gut mit Gott gefahren ist, der möchte ihn auch weiterhin bei sich haben. Es könnte ja sein, daß uns die Menschen im Alter verlassen. Einmal müssen wir manchen lieben Verwandten oder Bekannten hergeben an den Tod. Andere können uns vielleicht nicht mehr besuchen wegen körperlicher Gebrechen oder aus anderen Gründen. Da kann es leicht einsam werden. Nur wird man dann umso dankbarer sein, wenn man wenigstens einige der nächsten Angehörigen noch mit im Haus oder in der Nähe haben darf. Und man darf vor allem dankbar sein,  daß Gott uns nie und nimmer allein läßt.

Heute am Gedenktag Ihrer Trauung, sagt er ihnen das erneut zu. Er will sein Versprechen von damals bestätigen und erneuern. Er sagt.:“Ich verlasse Euch nicht im Alter!“ Wir sprechen ja nicht umsonst von einem Ehebund; es ist der Bund, den Gott mit einem Ehepaar schließt. Dieser Bund wurde nun jahrzehntelang praktiziert, und es könnte ja stillschweigend alles so weiterlaufen. Aber es ist doch gut, wenn man an solch einem Jubiläumstag wieder einmal zusammenkommt und seine Zufriedenheit mit diesem Bund zum Ausdruck bringt: einmal in der Form des Dankes, zum anderen auch als Bitte für die Zukunft.

Sie werden Gott auch in Ihrem weiteren Leben  brauchen. Vor allem werden Sie einen Beistand brauchen‚ wenn dieses Leben einmal ein Ende hat. Aber auch dann will er Sie nicht verlassen, sondern erst recht Ihr Helfer und Beschützer sein. Zu ihm dürfen Sie sich flüchten, so wie ein Kind sich in die Arme der Mutter oder des Vaters flüchtet. Er wird Sie nicht abweisen, sondern sagen: „Komm her, mein Kind, ich verlaß dich nicht!“

 

„Er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen!“

(Ps 91,11)

Die Hochzeit ist ein wichtiger Schritt in unserem Leben, neben der Berufswahl vielleicht der entscheidenste Punkt. Dabei legt man sich ja nicht nur für ein paar Tage fest, sondern für das ganze Leben. Deswegen muß  man sich das gut überlegen. Eine falsche Berufswahl kann man immer noch einmal korrigieren, eine fasche Ehe - jedenfalls nach Gottes Willen - nicht mehr. Leider nimmt man es heute damit nicht mehr so genau. Bei manchen hat man den Eindruck, sie heiraten erst einmal „ins Unreine“. Früher hatte man darüber andere Ansichten, und viele haben sie auch heute noch.

Wenn wir heute das 50jährige Gedächtnis der Trauung begehen dürfen, dann ist das doch auch ein Zeichen der Liebe und Treue zweier Eheleute zueinander. Sie haben gezeigt, daß man so lange miteinander leben und gut zusammenleben kann.  Insofern werden Sie ein Vorbild sein für viele jüngere Leute.

Vielleicht hat eine Ehe aber gerade dann Bestand, wenn man manches in ihr durchzumachen

hat. Das klingt widersprüchlich. Aber gemeinsam getragenes Leid und gemeinsam erlebte Freude verbindet doch und festigen das Band der Ehe. Deswegen hat man ja geheiratet, daß man leichter durchs Leben kommt. Man hat wenigstens einen Menschen, der einem beistehen will, komme was da wolle. Es sind oftmals hohe Belastungen, denen ein Ehepaar von außen her ausgesetzt ist. Krankheit und Tod greifen in das Leben ein, es gibt Sorgen um das tägliche Brot und Auseinandersetzungen mit anderen Menschen. Da ist es gut, wenn man zusammensteht und bei solchen Ereignissen auch immer mehr zusammenwächst. Das Schwere im Leben hat dann durchaus auch seine guten Seiten.

Aber die Goldene Hochzeit ist auch ein Zeichen für die Liebe und Treue Gottes zu uns. Er ist unser Schöpfer und Erhalter, er hat auch Sie diesen Tag erleben lassen. Es ist ja nicht selbst­verständlich, wenn man ein solches Alter und einen solchen Tag erreicht. Alles, was wir sind und haben, verdanken wir ja doch nur  letztlich diesem Gott. Deswegen soll unser Dank am heutigen Tag vor allem ihm gelten. Und  wie könnte man diesen Dank besser zum Ausdruck bringen als durch eine Gottesdienst in der Kirche?

Heute will Gott noch einmal bestätigen, daß er Sie mit seinem Segen begleiten will. In dem Psalmwort ist die Rede von den Engeln, die uns behüte sollen. Das ist eine Ausdrucksweise der damaligen Zeit. Gemeint ist aber doch, daß er selber uns auf unserem Lebensweg begleitet. Er selber ist ja unser wahrer Schutzengel, der uns warnt vor manchen Gefahren des Lebens und der uns wieder zurechtbringt, wenn wir uns verlaufen haben.

Gott hat alle Fäden in der Hand. Allerdings nicht so wie ein Marionettenspieler, der die Puppen tanzen läßt. Gott gibt den Menschen auch Freiheit. Wir können uns auch gegen seinen Willen entscheiden. Allerdings müssen wir dann auch die Folgen tragen. Das kann man auch in vielfältiger Hinsicht im Leben feststellen. Sie werden heute vielleicht auch an manches Versagen und manchen Fehlschlag zurückdenken.

Aber wir haben ja auch einen Gott, der uns vergeben will. Er streicht immer wieder unsere Schuld durch und ermöglicht uns einen neuen Anfang. Dessen dürfen wir uns immer wieder versichern, wenn wir nur auf Gottes Wort hören. Auch heute ist so ein Tag, an dem wir besonders mit Gott in Berührung kommen sollen.

Das Schönste wäre doch, wenn Sie heute bekennen könnten: „Ja, er hat uns behütet auf allen unseren Wegen!“ Gottes Wege mit uns sind manchmal verschlungen, so wie das Leben überhaupt kompliziert ist. Aber wenn wir dann an einem Ziel angekommen sind, dann erkennen wir: Gott hat uns doch den richtigen Weg geführt!

Sie haben heute einen Abschnitt auf ihrem Lebensweg erreicht. Aber es wird ja noch weitergehen. Deshalb können Sie im Vertrauen auf Gott in  die Zukunft blicken. Gott, der Sie bis hierher geführt hat, wird auch weiter bei Ihnen sein, so wie er mit uns allen ist. Er wird nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Da bleiben manche Steine liegen, an denen wir unseren Fuß stoßen können. Da bleiben Löcher und Gräben. Aber Gott wird uns durch alles gut hindurchführen.

Heute haben Sie erst einmal Grund zur Dankbarkeit. Diese wird Ihnen Kraft geben, auch weiterhin auf Gott zu vertrauen. Er freut sich darüber, wenn er jemand auf seinem Weg behüten kann, wenn Menschen da sind, die auf ihr hören wollen. Wenn Sie sich ihm anvertrauen, wird er auch weiter  bei ihnen sein und sie auch in Zukunft führen und leiten.

 

„Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“         (Ps 103,1-2)

Ein solcher Bibelspruch hört sich bei einer Goldenen Hochzeit anders an als zur Trauung. Damals wäre er eine Aufforderung gewesen, die Dankbarkeit nicht zu vergessen. Heute aber dürfen Sie voller Dankbarkeit zurückschauen auf einen gemeinsamen langen Weg. Heute brauchen Sie nicht mehr dazu aufgefordert werden, sondern da kommt der Gedanke an die Dankbarkeit ganz von selber.

Nicht viele dürfen diesen Tag der Goldenen Hochzeit erleben. Zwar ist die Lebenserwartung gegen früher gestiegen und das Fest der Goldenen Hochzeit häufiger als früher. Aber es sind doch immer noch wenige, die so lange zusammenbleiben dürfen. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, wenn man gemeinsam ein solches Alter erreichen darf und voller Dankbarkeit zurückschauen kann.

Wofür können wir nun dankbar sein? Viele würden als erstes sagen: „Für die Gesundheit!“ Jeder ist in seinem Leben einmal krank gewesen‚ vielleicht auch schwer krank. Jede Krankheit macht uns Mühe, weil sie uns am ruhigen Leben hindert , und uns Schmerzen und Sorgen bereitet. Deshalb sind wir froh und dankbar, wenn es vorüber ist. Wir erkennen dann erst richtig, wie wichtig dieses Gut der Gesundheit doch ist.

Ein anderer wieder ist dankbar für die Kinder und Enkel, die ihm geschenkt wurden. Es ist doch schön, wenn man auf seine alten Tage nicht allein sein muß, sondern im Rahmen der Familie etwas Abwechslung und auch noch eine Aufgabe hat. Es ist ja auch nicht selbstverständlich, daß man Kinder haben darf und sich an Enkeln erfreuen kann. Manche Ehe bleibt ja kinderlos; und dann empfindet man vor allem im Alter doch einen Mangel. Wenn man aber Kinder haben darf, dann ist das über die Gemeinschaft von Mann und trau hinaus doch ein zusätzliches Geschenk, für das man dankbar sein darf.

Man könnte auch dankbar sein, wenn es in wirtschaftlicher Hinsicht einigermaßen gegangen ist. Sicherlich waren auch schwere Zeiten in diesen fünfzig Jahren dabei, wo man sich sogar Sorgen um das tägliche Brot machen mußte, um den Arbeitsplatz und um Wohnung und Kleidung. Doch verhungert ist Keiner. Auch diese Zeit ist vorübergegangen und wir können uns heute doch eines gesicherten Lebens erfreuen, was so die äußeren Dinge des Lebens angeht.

„Vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Dazu gehören auch diese ganz äußerlichen Dinge des Lebens. Wir sollten sie nicht zweitrangig ansehen oder meinen, das hätte doch nichts mit Gott zu tun. Gott will, daß wir ihm auch dafür danken und nicht alles als selbstverständlich hinnehmen. Oft ist es doch so: Wenn wir in Not sind und uns etwas fehlt, dann denken wir an Gott, dann bitten wir ihn auch, dann erwarten wir etwas von ihm. Wenn es aber dann eingetroffen ist, vergessen wir leicht, wie es gewesen ist. Und oft vergessen wir dann auch das Danken.

Sie, liebes Goldenes Hochzeitspaar, wollen es anders machen. Dieser Gottesdienst ist ja ein Dankgottesdienst für all das Gute, das Sie in Ihrem bisherigen Leben von Gott empfangen haben. Sie erfüllen den Willen Gottes, wenn Sie ihm hier danken wollen. Sie bekennen sich damit zu dem Gott, in dessen Namen Sie damals eingesegnet worden sind und der Ihren Lebensweg mit seinem Segen und seiner Hilfe begleitet hat.

Das wäre nun ein weiterer Punkt, für den Sie dankbar sein können. Ja, ich denke , hier kommen wir an den entscheidenden Punkt: Vor allem dürfen wir auch dankbar dafür sein, daß Gott uns im. Glauben erhalten hat. Auch der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das wir gebrauchen und anwenden sollen. Sehr oft wäre, die Gelegenheit, von Gott wegzugehen und eigene Wege zu suchen. Wer aber dankbar ist, der kehrt immer wieder zu Gott zurück. Die Dankbarkeit ist das beste Mittel, um bei Gott bleiben zu können.

Gerade wenn man älter und wieder schwächer wird, erkennt man doch, wie sehr man Grund zur Dankbarkeit hat. Und dabei sind wirklich alle Dinge zur Dankbarkeit geeignet, sowohl die ganz äußerliche als auch die zutiefst persönlichen Fragen wie zum Beispiel alles, was mit dem Glauben zusammenhängt. Gott klammert kein Gebiet aus, er ist für alles zuständig. Deshalb sollten wir auch nichts beim Danken auslassen.

Der heutige Gottesdienst aus Anlaß der Goldenen Hochzeit soll dazu wieder einmal Gelegenheit geben. Nutzen  Sie diese Möglichkeit aus, danken Sie mit uns unserem Gott, der schon so vielen Menschen geholfen hat und der auch Ihnen beigestanden hat -  und Ihnen beistehen wird. Dann werden Sie erneut auch für die Zukunft seinen Segen verspüren können.

 

 „Lobe den Herrn, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit!“                                                                                      (Ps 103,4)

Über einen Tag wie den heutigen kann man sich nur freuen. Es ist nicht selbstverständlich, daß man die Goldene Hochzeit erleben darf. Fünf Jahrzehnte haben Sie zusammen bleiben dürfen, haben Freude und Leid miteinander geteilt und vieles gemeinsam erlebt. Sie haben die Kinder großgezogen und dürfen sich nun an den Enkeln freuen . Sie haben Befriedigung und Freude in Ihrem Beruf finden können und eine geachtete Stellung erworben. All das kann dazu beitragen, heute einen schönen Tag zu verleben.

Aber es geht ja dicht nur darum, heute ein menschliches Jubiläum zu begehen. Wir wollen vor allem auch den Dank an Gott aussprechen, der das letztlich alles geschenkt hat. Deshalb ist es gut‚ wenn man an einem solchen Tag ins Gotteshaus geht, um auf Gottes Wort zu hören, mit­einander zu beten und den Segen Gottes zu empfangen, so wie vor 50 Jahren.

Als Sie damals eingesegnet wurden, da blickten Sie noch vorwiegend in die Zukunft, wie in ein neues unbekanntes Land. Heute haben Sie dieses Land zu einem großen Teil durchschritten und können schon Rückschau halten. Nicht alles wird so gewesen sein, wie Sie es sich gewünscht haben. Nicht alle Pläne haben sich verwirklicht und manches ist auch direkt mißlungen.      

Aber sicherlich werden Sie auch von viel-Schönem berichten können, von Erfolgen und guten Erfahrungen, von freudigen Ereignissen und glücklichen Stunden. Dafür können Sie nur dankbar sein. Manches werden Sie sich auch selber zu verdanken haben. Aber letztlich gebührt aller Dank doch Gott, der uns das Leben gegeben hat, der uns die Ehe als Ort gemeinsamen Lebens gegeben hat, der uns jeden Tag neu beschützt und erhält.

Wir können ihn nur loben, weil er sich um unser Geschick kümmert und uns persönlich seine Liebe und Fürsorge zuwendet. Er ist der große Gott und wir, sind nur kleine Menschen. Er braucht uns nicht aber wir brauchen ihn. Er läßt uns nicht alleine dahin wursteln, sondern er gibt uns sein Wort als Hilfe mit auf den Weg, wir dürfen uns im Gebet an ihn wenden, wir können (manchmal offen, manchmal verdeckt) seine Hilfe erfahren.

Sicherlich gibt es auch manche Beispiele in Ihrem Leben, die das belegen könnten. Wenn man so lange hat zusammen sein dürfen, da hat man manches mitgemacht und da kann man was erzählen.

In dem Psalm heißt es: „Der dein Leben vom Verderben erlöst!“ Sicher stehen wir oftmals in der Gefahr, ins Verderben zu laufen oder von einem Verderben überfallen zu werden. Gott aber will uns davor bewahren bzw. wieder daraus befreien. „Erlösen“ heißt ja: einen Gebundenen wieder losmachen ? Wenn wir schon Schweres durchmachen mußten, dann will Gott uns doch immer wieder daraus befreien.

Andere Menschen. kommen uns dabei zu Hilfe. Deswegen stellt er uns ja den Ehepartner zur Seite, damit immer wenigstens einer in der Nähe ist, der helfen kann. Unter diesem Gesichts­punkt könnte man die Ehe auch einmal sehen. Sie ist eine gute Ordnung Gottes, nicht nur ein menschlicher Vertrag; sie .ist eine Art und Weise, wie Gott uns hilft.

Gott braucht uns Menschen ja als seine Helfer. Der Ehepartner ist vorzüglich dazu geeignet, ein solcher Helfer zu werden. Wir sollten die Ehe auch einmal unter diesem Blickwinkel sehen: Alles, was wir dem anderen an Gutem und Liebem tun, das geschieht auch im Auftrag Gottes.

Er will daß wir selber Hilfe erfahren, aber auch umgedreht bereit sind, anderen zu helfen und so seine Diener werden. Dadurch wird das Verderben in der Welt zurückgedrängt und ein Stück vom Himmel auf Erden sichtbar.

Dadurch wird auch deutlich, daß Gott uns krönt mit Gnade und Barmherzigkeit. Zur Goldenen Hochzeit trägt man oft ein Kränzchen im Haar. Das könnte auch Hinweis sein auf den, der uns eine unsichtbare Krone aufsetzt. Es ist ja nicht unser Verdienst, wenn wir einen solchen Tag erleben dürfen .Wir können nur immer wieder darauf hinweisen: Gott ist es, der das alles vollbracht hat. Seine Gnade und Barmherzigkeit haben wir viele Tage erfahren dürfen und erfahren sie alle Tage wieder neu.

Wir werden sie auch in Zukunft brauchen. Gottes Werk ist ja noch nicht zu Ende. Es soll ja noch weitergehen und auch in Zukunft an den Eheleute und ihrer Familie sich wirksam erweisen. Gott sagt Ihnen heute erneut seine Hilfe zu. Er will Sie auch weiter begleiten mit seiner Gnade und Barmherzigkeit. Auf ihn dürfen Sie vertrauen, was auch noch kommen mag.

So wünschen wir Ihre heute ein schönes Fest im Kreise Ihrer Lieben. Aber vor allem wünschen wir Ihnen die Gnade und Barmherzigkeit des Herrn‚ der unser Leben vom Verderben erlöst und dem wir darum nur immer wieder danken können und den wir loben sollen unser Leben lang

 

„Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut? Ich will den Kelch des Heils nehme und des Herrn Nahmen anrufen. Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen vor all seinem Volk!“                                                           (Ps 116,12-14)

Gott tut an jedem Menschen Wohltaten. Sicherlich, keinem fliegen die gebratenen Tauben in den Mund. Jeder hat einmal klein anfangen müssen, jeder hat einmal schwere Zeiten durch­gemacht, jeder war einmal verzweifelt. Das bleibt keinem Menschen erspart und das gehört einfach mit zum Leben dazu.

Aber wir haben auch immer wieder Gelegenheit, die Wohltaten Gottes zu erfahren. Gerade wenn es einem schlecht geht, wird man umso mehr erkennen, daß nur noch Gott helfen kann. Manche sagen: „Du hast halt noch einmal Glück gehabt!“ Aber wer an Gott glaubt, der erkennt hier die schützende und wieder aufhelfende Hand Gottes. Wenn man nur darauf achtet, wird man viele Hilfestellungen Gottes bemerken können.

Wenn nun hier gefragt wird: „Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut?“ dann ist die Antwort eigentlich sehr einfach: „Gar nicht sollen wir vergelten! Wir können es ja auch gar nicht!“

Wie sollten wir Gott etwas anbieten können? Er braucht doch gar nichts, und schon gar nicht von uns, die wir doch selber nichts haben, sondern auf seine Hilfe angewiesen sind. Bei Gott geht es nicht nach dem Grundsatz : „Gibst du mir, geb ich dir!“ sondern es ist alles nur Gnade und Geschenk.

Zwischen Gott und den Menschen geht es nicht zu wie zwischen Geschäftspartnern, sondern wie zwischen Eltern und Kindern. Wie könnten denn Kinder jemals das wieder gutmachen, was die Eitern an ihnen getan haben? Gewiß, sie werden für die Eltern sorgen, wenn diese

alt geworden sind. Aber es bleibt doch immer ein Rest, der sich nicht aufrechnen läßt und der immer als eine Wohltat im Gedächtnis haften bleibt. Entscheidend wird nur sein, daß wir die Wohltat auch als Wohltat erkennen. Mancher ist ja nachher undankbar und hat schon wieder alles vergessen. Er schreibt die Erfolge sich selber zu und schiebt die Mißerfolge am Ende noch Gott in die Schuhe.

Sie aber wollen es nicht so machen. Sie wollen Ihren Ehrentag als einen Tag der Freude und des Dankes hier in der Kirche begehen. Man kann natürlich solch einen Tag auch sang- und klanglos vorübergehen lassen.

Aber wer die Zusammenhänge durchschaut, der begreift auch, daß man an einem solchen Tag durchaus Grund hat, Gott zu loben und zu preisen für seine Wohltaten. Deshalb geht man an einem solchen Tag in die Kirche und bringt damit zum Ausdruck: Wir wollen Gott heute danken.

Sie dürfen auch in Zukunft auf diesen Gott vertrauen. Wenn man Gott seine Wohltaten vergelten will, dann nur so, wie es in diesem Psalm heißt  „Ich will den Kelch des Heils nehmen und des Herrn Namen anrufen!“ Sie können Ihre Dankbarkeit am Besten zeigen, indem Sie Gott auch weiterhin Ihre Bitten vortragen und den Kelch des Abendmahls nehmen. Gott immer wieder um dasselbe zu bitten, das heißt, ihm die schuldige Ehre antun.

Sie haben heute Gelegenheit‚ Ihr Versprechen von vor 50 Jahren zu bestätigen und zu erneu­ern. In dem Psalm heißt es ja: „Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen vor all seinem Volk!“ Damals haben Sie sich nicht nur einander das Versprechen gegeben, immer beieinander bleiben zu wollen. Sie haben auch Gott versprochen, als ein Ehepaar bei ihm zu bleiben.

Heute zeigt sich nun, daß Sie sich daran gehalten haben.  Sie zeigen es hier vor Ihren Angehörigen und vor der Gemeinde, daß Ihnen am Segen Gottes durchaus etwas liegt und daß Sie ein einmal gegebenes Versprechen halten wollen.

Allerdings müßte man auch hier wieder sagen: Es geht ja gar nicht um ein Gelübde, das wir Gott gegenüber leisten könnten. Luther hat einmal gesagt: „Wenn du etwas geloben willst, dann versprich, dir nicht die Nase abzubeißen, denn das kannst du halten!“ Er hat damit sagen wollen: Man darf von keinem Menschen ein wirkliches Gelübde verlangen, denn keiner könnte es hundertprozentig halten. Es soll nur jeder seinen ehrlichen Wille erklären, aber auch damit rechnen, daß er einmal versagen wird.

Luther betont demgegenüber: „In Wirklichkeit gelobt Gott sich uns an. Er leistet ein Gelübde, daß er uns auch halten wird. Er allein bindet sich an uns!“ Das dürfen Sie auch heute wieder hören, wo Sie hier am Altar stehen. Gott verspricht Ihnen erneut, daß er Sie führen wird bis an Ihr Lebensende. Das Entscheidende ist nicht so sehr der Bund zwischen zwei Menschen, sondern der Bund Gottes mit Ihnen.

 

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege!“     (Ps 119, 105)

Früher gab es keine Straßenbeleuchtung und es war nachts völlig dunkel auf den Straßen. Man war daran gewöhnt, es ging auch ohne. Aber es war eben doch sehr schwierig, besonders für ältere Menschen. Als dann die Beleuchtung eingeführt wurde, war das doch eine große Erleichterung und rief große Freude hervor.

So ist es auch in unserem Leben, ein Unterschied, ob wir eine hell erleuchtete Straße zu gehen haben oder durch ein dunkles Tal. Wenn man einen fragte, dann würde er sicher sagen „Ich gehe lieber auf der hellen Straße!“ Aber in Wirklichkeit suchen viele auch die dunklen Ecken und tun Dinge in ihrem Leben, die das Licht zu scheuen haben.

Man kann es natürlich auch auf dunklem Weg versuchen. Aber dabei macht man es sich unnötig schwer. Und man geht das Risiko ein, den richtigen Weg verfehlen zu können. Manchmal scheint der dunkle Weg der kürzere zu sein. Aber am Ende ist er dann doch oft der beschwerlichere gewesen.

Gott will es uns leichter machen im Leben. Er gibt uns sein Wort, damit wir uns zurechtfinden. In seinen Verheißungen stellt er uns vor Augen, was er uns schenken will. In seinen Geboten gibt er uns Hinweise, wie wir es machen müssen, daß wir auf seinem Weg bleiben.

Beides gehört zusammen: Gottes Gabe und Gottes Forderung. Erst sollten wir uns aber klar machen, was Gott uns schenkt. Und wenn wir das begriffen haben, dann wird uns ganz von selber deutlich, was Gott von uns dann auch erwartet.

Gerade in einer Ehe kann man das erleben. Ihnen, liebes Jubelpaar wurde sicher vor …..Jahren die Gnade Gottes vor Augen gestellt. Gerade dieser Psalmvers macht ja deutlich, daß Gott uns auf unserem Weg durchs Leben und in der Ehe begleiten will. Gott mutet uns ja gar nicht zu, daß wir uns alleine durchkämpfen, sondern er bietet uns seine Hilfe an.

Heute könnten Sie in der Rückschau sicher manches erzählen, was die Führung und das Geleit Gottes deutlich macht. Dem soll ja besonders dieser Tag und diese Feier dienen: Wir wollen unseren Dank ausdrücken für viele Jahre gemeinsamen Lebens, für manche gnädige Bewahrung und für manchen schönen Erfolg. Wenn wir es recht überlegen, ist sicherlich viel Grund zum Danken.

Aber es könnte auch sein, daß wir einmal eine dunkle Straße geführt wurden und nichts vom Licht Gottes zu erkennen meinten. Es geht nicht immer alles so glatt im Leben  so wie wir uns das vorgestellt und eingeplant haben..Manchmal kann uns dann sogar Gott dunkel werden und sein Wille unverständlich.      

Dann kann uns nur eins helfen: Das Hören aufn Gottes Wort, das uns immer wieder seinen guten und gnädigen Willen deutlich machen will. Gott will immer das Beste für uns. Nur erkennen wir es nicht gleich immer, sondern halten etwas anderes für besser. So werden wir oft einen Weg geführt, den wir zunächst für einen Umweg oder gar für falsch halten, der sich dann aber doch als der Weg Gottes herausstellt.

Bei einer (goldenen) Hochzeit kann man sicher schon ganz gut seinen bisherigen Lebensweg beurteilen. Und es wäre doch schön, wenn man sagen könnte: „So, wie mein Leben verlaufen ist, mußte es verlaufen, ich hätte es nicht anders haben wollen!“ Damit sagt man dann auch aus: Gott hat es gut gemacht mit uns, wir können ihm nur danken und um weiteren Beistand bitten.

Heute wollen wir auch den Blick nach vorne richten, auf das, was noch kommen soll. Unser künftiger Lebensweg liegt im Dunkel. Nur die nächsten Schritte sind vielleicht schon teilweise erleuchtet. Aber wir dürfen sicher sein: Gott geht mit uns, er erleuchtet immer wieder das nächste Stück Wegs vor uns. Wo das alles am Ende noch einmal hinführen wird, brauchen wir nicht unbedingt zu wissen. Nur das Grundsätzliche steht fest, daß Gott uns nämlich ans richtige Ziel bringt. Und eben die nächsten Schritte möchten wir schon wissen können.

Aber das genügt ja auch für uns. Im Vertrauen auf Gott dürfen wir so unseren Weg gehen. Heute erneuert er sein Versprechen, daß er Sie auch weiterhin begleiten will. Wenn Sie mit ihm in Verbindung bleiben und sich durch sein Wort bestimmen lassen, dann wird Ihr Weg auch weiterhin gesegnet sein.

 

 „Ihr seid teuer erkauft;  darum preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes!“                                                                                                (1. Kor 6, 20)

Als erstes dürfen Sie heute hören‚ was Gott für Sie und für uns alle getan hat. „Ihr seid teuer erkauft!“ Es ist gar nicht so selbstverständlich, daß  wir zu Gott gehören dürfen . Es ist gar nicht selbstverständlich, daß nach der Eheschließung noch die Trauung kommt und man an einem solchen Tag auch mit Gott zu tun bekommt.

Gott hat es sich schon etwas kosten lassen, daß wir zu ihrs gehören dürfen. Er hat seinen eigenen Sohn in den Tod gegeben, damit wir gerettet würden  So hat er uns von allen bösen Mächten freigekauft.. Nun kann niemand mehr über uns verfügen als Gott allein. Deshalb-steht auch die Ehe zweier Menschen ganz unter dem Schutz und der Hilfe Gottes.

Wenn wir uns in der Bäckerei ein Brot kaufen , dann dürfen wir damit machen, was wir wollen. Dann kann der Bäcker nicht noch nachträglich kommen und sagen: „Ich will das Brot selber essen!“ Verkauft ist eben verkauft  So hat uns auch Gott gekauft, und wir sind voll und ganz sein Eigentum.

Auch auf eine Ehe kann kein anderer Anspruch erheben. Da darf sich kein Dritter hin eindrängen. Da darf auch keiner diesen zwei Menschen Böses zufügen. Sie stehen ja unter dem Schutz Gottes, der Ihre Ehe sichern will nach  innen und außen. Er hilft bei dem menschlichen Zusammenhalt und wehrt Gefahren von außen ab, die kommen könnten.         

Wer seine Ehe unter den Schutz Gottes stellt und ihm alles zutraut, der wird auch seinen Segen erfahren. Wir sind ihm ja so ans Herz gewachsen, daß er uns nicht wieder hergeben will. So wie sich zwei Leute lieben, so liebt er uns auch.  Man muß das  nur erst einmal ausprobiert haben, wie das ist, wenn man sich auf Gott verläßt und ihm allein vertraut.      

Der Spruch geht dann weiter mit der Aufforderung: „Darum preiset Gott an eurem Leibe!“ Weil Gott. Uns hilft, sollen wir ihn preisen. Es mag für uns überraschend sein, wenn es hier heißt: Auch unser Leib dient dem Lobpreis Gottes! Viele sehen darin doch nur etwas, was auf die weltliche Seite unsres Lebens gehört, aber nichts mit Gott zu tun hat.

Gott hat auch unsren Leib gekauft, und wir soll ihn nun zu seinem Ruhm einsetzen. Unsere Hände sind zum Beispiel dazu da , anderen  Menschen viel Gutes zu tun. Das fängt an beim Kohlenholen für die Frau und beim Knopfannnähen für den Mann. All unsere Berufsarbeit dient dem Wohl anderer Menschen. Mancher kann sogar durch seine Freizeitbetätigung noch anderen Freude bereiten.

Wir dürfen Gott aber auch danken, daß er den anderen Menschen so schön geschaffen hat  zu unserer Freude. Wir dürfen uns zu ihm hingezogen fühlen und eng mit ihm zusammensein. Auch dabei können wir Gott preisen, der dem Menschen soviel Schönes schenkt. Aber wir müssen auch mit Krankheit und Not rechnen. Auch dann sind unsre Hände dazu da, um zu helfen und zu bewahren und zu stärken.

Paulus redet hier sehr nüchtern von ganz menschlichen Dingen. Er bringt sie aber alle in Verbindung mit Gott. Ein späterer Leser seines Briefes dachte dann:  Das ist doch etwas wenig, wenn wir Gott nur mit unserem Leib preisen sollen. Deshalb hat er noch hinzugefügt: „Preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes!“ So steht es noch in der alten Lutherbibel! Heute ist dieser Zusatz weggelassen, um den ursprünglichen Text herzustellen.

Dennoch lohnt es sich auch-heute noch, den Sinn dieses Zusatzes zu überdenken: Auch unsre Gedanken gehören Gott. Wieviel schlechte Gedanken kommen doch in uns auf, wenn wir so unseren Tageslauf bedenken. Aber wir könnten Gott auch auf diesem Gebiet loben und preisen: durch ein liebes Wort an den anderen, durch tröstenden  Zuspruch, durch ein offenes Bekenntnis zu Gott, der uns Gutes getan-hat.

Unser Leib und unser Geist gehören beide Gott. Mit der Trauung unterstellen wir sie ihm. Er soll sie unter seine Verantwortung nehmen, und seinen Segen auf uns wenden. Wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott mit uns geht durchs Leben und uns hilft, den richtigen Weg zu finden .Dann werden wir auch Gott mit großer Freude loben können in dem Bewußtsein: „Ihr seid teuer erkauft, darum preiset Gott an eurem Leibe und an eurem Geiste, welche sind Gottes!“

 

„Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist!“                                                               (1. Kor 15,10)

Ein Mensch stellt doch vieles dar. Was hat man doch alles geleistet in einem langen Leben. Viele Menschen haben den Nutzen und die Freude davon gehabt. Auch was die Frau zuhause geleistet hat, ist doch der ganzen Familie zugutegekommen. Und man darf sicher dankbar sein für alle diese Jahre.

Man kann überhaupt nur dankbar sein, wenn man ein solche Fest erleben darf.  Nur wenigen Eheleuten ist es ja vergönnt, bis ins Alter zusammenzubleiben. Sehr oft ist es anders gekommen, als man es sich bei der Hochzeit gewünscht hat.

Sie aber dürfen heute am Tag des Gedächtnisses Ihrer Trauung sagen: „Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin!“ Keiner von uns kann sein Leben sichern oder verlängern. Alle Mittel der ärztlichen Kunst helfen nicht, wenn Gott es anders bestimmt hat.

Wir verdanken es aber auch der Gnade Gottes, wenn wir Kinder haben dürfen, wenn wir ein Haus haben, wenn wir Freunde haben. Wir wissen ja auch, wie schnell alles einmal wieder genommen werden kann, so daß man wieder vor dem Nichts steht.

 

Mancher versucht ja mit Gewalt etwas im Leben zu erreichen. Er vertraut auf seine Kraft und auf seine guten Beziehungen. Vielleicht kann man damit auch Augenblickserfolge erringen. Aber letztlich ist man doch zum Scheitern verurteilt, wenn der Segen Gottes fehlt.

Auch im Glauben haben wir alles unsrem Gott zu verdanken. Von uns aus sind wir ja denkbar schlecht zum Glauben geeignet. Es liegt uns eher, ohne Gott zu leben und unser Leben nach eigenem Gutdünken zu führen. Gott müßte uns eigentlich bestrafen, weil wir nicht so sind, wie er es von uns erwartet. Er müßte uns s gen: „Du bist untauglich, ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!“

Aber Gott ist nicht so. Es geschieht das Unfaßbare, das keiner erwarten konnte: Gott erkennt uns trotzdem als seine geliebten Kinder an! Er läßt uns alle Rechte und wendet uns ganz seine Liebe zu. Das ist so, wie wenn einer dauernd in seinem Beruf versagt hat und dann doch noch einen findet, der ihn nimmt und wo es dann auch gut geht.

Vielleicht haben Sie, liebes Goldenes Hochzeitspaar, auch manchmal in ihrem Leben diese Gnade Gottes verspüren können. Gerade wenn man ganz am Ende ist und nicht mehr weiterkann, zeigt er doch immer wieder einen Ausweg. Gottes Wege sind zahlreicher, als wir es uns denken können.

Wenn man das begriffen hat, ist die Gnade Gottes nicht vergeblich gewesen. Er wendet sie allen Menschen zu. Aber nicht alle nehmen sie an. Dann war sie eben vergeblich für diese Menschen. Wenn sie aber ein offenes Tor bei den Menschen findet, dann kann sie auch ihren Segen auswirken. Es kommt also für uns nur darauf an, dieser Gnade Gottes nicht entgegenzuwirken.

Es ist doch schön, wenn man sagen kamen: „Ich habe nichts allein erreicht in meinem Leben.  Es war nur möglich durch die Gnade Gottes, die mit mir war und mit mir ist!“ Paulus konnte von sich selber mit Recht sagen: „Ich habe mehr gearbeitet als sie alle!“ Aber er schreibt das nicht seinen eigenen Fähigkeiten zu, sondern der Hilfe Gottes. In den Augen der Menschen mögen wir schon viel geleistet haben; aber in Wahrheit zeigt sich hier nur das Wirken Gottes an uns.

Diese Gnade Gottes soll Sie auch weiterhin auf ihrem gemeinsamen Weg geleiten. Ein großes Stück dieses Weges haben Sie nun schon hinter sich. Aber das ist längst nicht alles, was Gott mit Ihnen vorhat. Heute soll ihnen erneut zugesagt werden, daß Gottes Gnade Sie begleiten will.

An sich ist uns das ja sowieso sicher. Seit der Taufe hat Gott uns dies Versprechen gegeben. Aber es ist doch sicher auch gut, wenn uns dies hin und wieder an besonderen Punkten des Lebens ganz persönlich gesagt wird. Gott will an diesem Tag in ganz besonderer Weise mit Ihnen in Berührung kommen.

Das geschieht, wenn wir ihm dankbar sind für die Vergangenheit und wenn wir ihn bitten für die Zukunft. Wir dürfen ihm auch bitten; er wartet ja direkt darauf. Er hat einen solchen Reichtum an Gnade, daß er ihn gern loswerden möchte.

Heute ist Gelegenheit, viel davon mitzunehmen für den weiteren Weg. Dann wird das eine gute Sache sein. Dann wird sich auch dieser Spruch noch mehr bewahrheiten: „Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin!“

 

 „Seid dankbar in allen Dingen; denn' das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch!“                                                                                                      (1. Thess 5, 18)

Ein solcher Spruch hört sich anders an, wenn man ihn mehr am Anfang des Lebens hört; dann ist er eine Aufforderung, die Dankbarkeit nicht zu vergessen. Etwas anders wird man ihn sehen an einem Tag wie heute, wo man Voller Dankbarkeit zurückschauen darf auf einen gemeinsamen Weg. Sie brauchen gar nicht erst aufgefordert zu werden, denn der Gedanke an die Dankbarkeit kommt ganz von selber.

Nicht viele dürfen diesen Tag der Goldenen Hochzeit erleben. Zwar ist die Lebenserwartung gegenüber früher gestiegen und so ein Fest häufiger als früher. Aber es sind doch immer noch wenige, die solange zusammenbleiben dürfen. Gar mancher stirbt schon im frühen Alter. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, wenn man gemeinsam ein solches Alter erreichen darf und voller Dankbarkeit zurückschauen kann.

Wofür wollen wir nun dankbar sein? Viele würden als erstes sagen: „Für die Gesundheit!“  Jeder ist in seinem Leben einmal krank gewesen, vielleicht auch schwerer krank. Jede Krankheit macht uns Unruhe, weil sie uns am ruhigen Leben hindert und uns Schmerzen und Sorgen bereitet. Deshalb sind wir froh und dankbar, wenn es vorüber ist. Wir erkennen dann erst richtig, wie wichtig dieses Gut der Gesundheit doch ist.

Ein anderer wieder ist dankbar für die Kinder und Enkel, die ihm geschenkt wurden. Es ist doch schön, wenn man auf seine alten Tage nicht allein sein muß, sondern im Rahmen der Familie etwas Abwechslung und auch noch eine Aufgabe hat. Manche Ehe bleibt ja auch kinderlos, und das empfindet man besonders im Alter als Mangel. Aber wenn man Nachkommen hat, dann ist das über die Gemeinschaft zwischen Mann und Frau hinaus doch ein zusätzliches Geschenk, für das man dankbar sein darf.

Man könnte auch dankbar sein, wenn es in wirtschaftlicher Hinsicht einigermaßen gegangen ist. Sicherlich waren auch schwere Zeiten in diesen 50 Jahren dabei, wo man sich Sorgen um das tägliche Brot machten mußte, Sorgen um den Arbeitsplatz und um die Wohnung und Kleidung. Doch verhungert ist keiner. Auch diese Zeit ist vorübergegangen und wir können uns heute doch eines gesicherten Lebens erfreuen‚ was so die äußeren Dinge des Lebens angeht.

„Seid dankbar in allen Dingen!“ sagt das Bibelwort. Dazu gehören auch die ganz äußerlichen  Dinge des Lebens. Wir sollten sie nicht zweitrangig ansehen oder meinen, das hätte doch nichts mit Gott zu tun. Gott will, daß wir ihm auch dafür danken und nicht alles als selbstverständlich hinnehmen. Oft ist es doch so: Wenn wir in Not sind und uns etwas fehlt, dann denken wir an Gott, dann bitten wir ihn auch, dann erwarten wir etwas von ihm. Wenn es aber dann eingetroffen ist, vergessen wir leicht, wie es gewesen ist. Und oft vergessen wir dann auch das Danken.

Sie, liebes goldenes Hochzeitspaar, wollen es anders machen. Dieser Gottesdienst ist ja ein Dankgottesdienst für all das Gute, das Sie in ihrem bisherigen Leben von Gott empfangen haben. Sie erfüllen den Willen Gottes, wenn Sie ihm hier danken wollen. Sie bekennen sich damit zu dem Gott, in dessen Namen Sie damals eingesegnet wurden und wer Ihren Lebensweg mit seinem Segen und seiner Hilfe begleitet hat.

Das wäre ein weiterer Punkt, für den Sie dankbar sein können. Hier kommen wir an den entscheidenden Punkt:  Vor allem dürfen wir auch dankbar dafür sein, daß Gott uns im Glauben erhalten hat. Auch der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das wir gebrauchen und anwenden sollen. Sehr oft wäre die Gelegenheit, von Gott wegzugehen und eigene Wege zu suchen. Wer aber dankbar ist‚ der kehrt immer wieder zu Gott zurück. Die Dankbarkeit ist das beste Mittel, um bei Gott bleiben zu können.

Gerade wenn man älter wird, erkennt man doch, wie sehr man Grund zur Dankbarkeit hat. Und dabei sind wirklich a 1 1 e Dingen zur Dankbarkeit geeignet, sowohl die ganz äußerlichen als auch die zutiefst persönlichen Fragen wie zum Beispiel alles‚ was mit dem Glaube zusam­men­hängt. Gott klammert kein Gebiet aus, er ist für alles zuständig. Deshalb sollten wir auch nichts beim Danken auslassen.

Der heutige Gottesdienst aus Anlaß der Goldenen Hochzeit soll dazu wieder einmal Gelegenheit geben. Nutzen Sie diese Möglichkeit aus, danken Sie mit uns unserem Gott, der schon so vielen Menschen geholfen hat und der auch Ihnen beigestanden hat und Ihren auch weiter beistehen wird. Dann werden Sie erneut auch für die Zukunft seinen Segen verspüren können.