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Religionsunterricht Jesus I

 

 

Religionsunterricht als Christenlehre

 

Neues Testament

 

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                                   Jesus II (Wirken Jesu)  

 

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Alternativ ist auch das Einfügen in ein Bildbearbeitungsprogramm (z.B. Photoshop) möglich.  Eine Kompaktdisk mit Bildern in Druckqualität kann beim Verfasser bezogen werden (nur Portokosten).

 

Die Reihenfolge dieser Ausarbeitung richtet sich nach der Bibel. Aber selbstverständlich sind die Bibelabschnitte den jeweiligen Lehrplänen zuzuordnen

 

Geburt Jesu

 

 

A. Die Vorgeschichten zu Weihnachten nach Lukas

Einstieg:

Ehe es beim Skispringen richtig losgeht, kommt immer erst ein Vorspringer. Er kündigt den Zuschauer an: „Paßt jetzt auf! Gleich geht es wirklich los, gleich beginnt der Wettkampf!“  Außerdem wird dabei geprüft, ob auch alles in Ordnung ist und für alle die gleichen Bedingungen herrschen. Ähnlich ist es beim Abfahrtslauf oder Slalom im Wintersport.

Bei einem Festzug laufen auch oft Kinder vorneweg, die gar nicht zum Zug gehören, die nur den Leuten zurufen: „Bald kommt der Zug! Er ist schon in der XY-Straße!“ Oder denken wir auch an eine Hochzeit, da gibt es auch Kinder, die als erste rufen: „Jetzt kommt das Brautpaar!“

Auch Gott hat einen Vorläufer geschickt, ehe er seinen Sohn zu den Menschen sandte. Die Menschen hatten ihn ja noch nie gesehen. Damit sie ihn nicht verpaßten, schickte Gott einen voraus, der den Menschen sagen sollte: „Bald ist es soweit. Macht euch schon fertig. Bald kommt der, auf den ihr wartet!“ Zuerst sollten aber die Eltern des Kindes erfahren, welche Aufgabe ihr Kind haben sollte.

 

Erzählung: Verkündigung an Zacharias

Im Gebirge Juda wohnte der Priester Zacharias mit seiner Frau Elisabeth. Sie waren beide sehr fromm und lebten streng nach den Geboten Gottes. Aber sie hatten einen großen Kummer: Sie hatten keine Kinder! Jeden Tag beteten sie: „Lieber Gott, schenke uns doch einen Sohn!“ Aber nun waren sie schon alt und es bestand nur noch wenig Hoffnung, daß sie einmal ein Kind haben würden.

Zacharias war ein Priester und hatte immer wieder einmal im Tempel von Jerusalem den Gottesdienst zu halten. Es gab 24 Priestergruppen, von denen  jede zweimal im Jahr für eine Zeit von einer Woche den Priesterdienst zu versehen hatte. Die einzelnen Aufgaben im Tempel wurden innerhalb der Priestergruppe ausgelost. Zacharias gehörte zur Gruppe des Abia. Auch seine Frau stammte aus einer Priesterfamilie. Wie schön wäre es doch, wenn sie auch einen Sohn hätten, der könnte dann doch auch Priester werden! Schon oft hatte Gott einem Ehepaar noch in letzter Minute ein Kind geschenkt, das dann ein wichtiger Mann in seinem Volk wurde. So hofften auch Zacharias und Elisabeth noch auf' ein Eingreifen Gottes. Sie hofften auf ein Kind für sich. Aber sie hofften auch auf einen Helfer für ihr ganzes Volk.

Eines Tages hat Zacharias wieder im Tempel Dienst. Er wird zum Opfergottesdienst ausgelost. Da freut er sich, denn das Räucheropfer gilt als der heiligste Dienst. Da darf man bis ins Innere des Tempels gehen und ein geschlachtetes Tier in das Feuer auf dem Altar legen. Und wenn es dann in den Flammen verbrannte, dann stellte man sich vor, Gott habe das Tier aufgegessen und das Opfer angenommen.

 Heute muß Zacharias nicht draußen im Vorhof bleiben, um auf einem der großer Altäre zu opfern, sondern er darf in das Innere des Tempels zu dem goldenen Rauchopferaltar: Feierlich schreitet er mit seinem weißen Priestergewand zu dem Altar. Der siebenarmige Leuchter hinter dem Altar brennt schon. Er legt das Opfertier in die Glut und betet dazu: „Herr, vergiß dein Volk nicht. Hilf doch den vielen Leuten. Schicke doch bald deinen Sohn auf die Erde!“ Der aus der Öffnung des Tempeldaches abziehende Rauch galt der Gemeinde draußen im Vorhof als Zeichen der zu Gott aufsteigenden Gebete.

In diesem Augenblick greift Gott ein. Rechts neben dem Altar steht auf einmal ein Engel, ein Bote Gottes. Zacharias erschrickt: Wird er ihm eine Strafe Gottes ankündigen? Zacharias ist Gott begegnet, das versetzt einen Menschen immer in Panik und Schrecken.

Doch der Engel sagt: „Fürchte dich nicht. Ich habe dir etwas Gutes zu sagen. Dein Gebet ist erhört: Das Gebet um einen Sohn und das Gebet für das Volk. Ihr werdet einen Sohr haben, den sollt ihr Johannes nennen, denn Gott hat sich über euch erbarmt. Er wird sein Leben lang ein Gottgeweihter sein, der keiner Alkohol trinken darf, sich die Haare nicht scheren lassen darf und sich nicht an einem Leichnam verunreinigen darf. Er wird die Söhne Israels wieder zu Gott hinführen und in der Kraft des Propheten Elia vor Gott hergehen. Es wird nicht zum Gericht kommen, sondern ihr dürft euch freuen, weil Gott euch jetzt nahe kommt und euch erlösen will!“

Doch Zacharias kann es nicht glauben. Das ist alles so neu und so schön! Er fragt den Engel: „Wie soll ich denn merken, daß dies alles wahr wird? Wir sind doch beide alt und können kein Kind mehr kriegen!“ Jetzt wo die Erfüllung so nahe ist, kann er es nicht glauben und ist völlig unsicher.

Der Engel sagt: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht. Von ihm bin ich gesandt, um dir das alles anzukündigen. Damit du siehst, welche Macht ich habe, sollst du stumm werden. Du wirst nichts mehr reden körnen, bis das Kind geboren ist!“ Das ist zwar eine Strafe. Aber Zacharias hat damit auch ein Zeichen für das Eingreifen Gottes: Wenn Gott ihn stumm machen kann, dann kann er ihm auch einen Sohn geben.

Die Gemeinde draußen wundert sich schon, wo Zacharias nur so lange bleibt. Sonst geht doch immer alles sehr schnell: Endlich kommt er wieder aus dem Tempel heraus. Er hebt die Hände und will der Gemeinde den Segen mit auf den Weg geben. Aber er kann nicht sprechen, so sehr er sich auch abmüht.

Da merkt das Volk, daß dem Zacharias etwas Wunderbares widerfahren ist. Gott muß ihm begegnet sein, so daß es ihm die Sprache verschlagen hat. Sie fragen ihn, was denn passiert ist. Aber er macht nur Bewegungen mit den Händen. Er kann ihren die frohe Botschaft noch nicht sagen, kann ihnen noch nicht von dem Retter erzählen, der schon zu ihnen unterwegs ist. Gott selbst wird aber reden, wenn es an der Zeit ist.

Elisabeth aber kann als Erste spüren, wie Gott hilft: Sie merkt, daß sie ein Kind bekommen wird. Sie zeigt sich zunächst nicht vor den Leuten. Aber sie sagt: „Gott hat mir geholfen, indem er die Schmach vor den Menschen von mir nahm!“So wird sie froh und kann nur Gott

danken.

 

Erzählung: Verkündigung an Maria

Sechs Monate später wird der Engel Gabriel in eine Stadt in Galiläa mit dem Namen Nazareth geschickt. Dort wohnt eine junge Frau mit Namen Maria. Sie ist verlobt mit dem Zimmermann Joseph. Bald wollen sie heiraten, im Grunde sind sie schon verheiratet, aber sie wohnt noch nicht bei ihrem Mann. Joseph stammt aus der Familie Davids, Maria ist eine Verwandte der Elisabeth.

Plötzlich steht groß und hell eine Gestalt vor Maria. Sie spricht: „Sei gegrüßt, du Gesegnete, Gott der Herr ist mit dir!“ Maria erschrickt: Schon daß ein fremder Mann sie anspricht, ist verwunderlich: Eine Frau grüßte man damals nicht, und eine Botschaft hätte man ihr erst recht nicht übermittelt. Noch mehr muß sie sich aber wundern, daß sie hier als eine Auserwählte bezeichnet wird. Sie ist doch nur eine einfache Frau aus dem Volke, und auch vor Gott stellt sie doch gar nichts dar.

Der Engel sieht, wie erschrocken Maria ist. Er sagt: „Fürchte dich nicht, Maria! Gott ist freundlich zu dir, er hat dich lieb. Achte gut auf das, was ich dir von ihm auszurichten habe: Du wirst einen Sohn bekommen. Dem sollst du den Namen Jesus geben. „Sohn des Höchsten“ werden die Menschen zu ihm sagen. Und er wird ein König sein über Himmel und Erde. Gott wird durch ihn den Menschen helfen!“

Gott hat also einen Namen schon ausgesucht. Jesus soll also auch sein Kind sein. Der Name ist zwar häufig in Israel. Aber hier hat er doch eine besondere Bedeutung. Er heißt soviel wie: „Gott hilft“.  Das ist ein Zeichen dafür, daß Gott etwas besonderes mit diesem Kind vorhat. Die anderen Bezeichnungen für ihn erinnern an Worte aus dem Alter Testament. Dadurch wird deutlich: Jetzt gehen die Versprechungen Gottes in den alten Schriften in Erfüllung.

Maria aber fragt: „Wie soll das denn alles werden? Wie soll das zugehen?“ Da antwortet der Engel: „Warte nur ab und freue dich. Gott wird alles tun, denn bei ihm ist kein Ding unmöglich. Der Geist Gottes wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten wie eine Wolke. Sein Wirken bleibt für dich ein Geheimnis. Aber du sollst noch ein helfendes Zeichen haben: Deine Verwandte Elisabeth erwartet auch ein Kind; das soll dir die Gewißheit geben, daß es dir auch so ergehen wird!“

Maria kann nur antworten: „Ich bin die Dienerin Gottes. Mir geschehe, wie du gesagt hast! Gott mag allein bestimmen!“ Dann ist der Engel wieder fort. Aber Maria fürchtet sich nun nicht mehr. Jetzt freut sie sich von ganzem Herzen, weil sie die Mutter des Gotteskindes sein soll.

 

Fra Angelico da Fiesole: Der Engel kündet die Geburt Jesu an.

Der Dominikanermönch (1387-1455) war einer der bedeutendster italienischen Maler. Er schuf viele Altäre und Wandgemälde mit Szenen aus dem Leben Jesu, die von einer starker Innigkeit des Glaubens und der Liebe zeugen. Das Bild vor der Ankündigung der Geburt Jesu ist ein fast zwei Meter breites Altargemälde, das sich ursprünglich in einer Kapelle in Florenz befand.

Maria sitzt in einer lichter Halle, die von schlanken Säulen getragen wird und an deren Decke der Sternenhimmel nachgebildet ist. Maria ist ein langes Gewand mit Mantel gekleidet. Der zarte Schleier wird durch einen schmalen, goldenen Stirnreif. gehalten. Um ihr Haupt ist ein Lichtschein mit feinem Muster gelegt. Die demütig gekreuzten Arme wehren noch ab, aber die Abwehr ist im Aufschlagen des Mantels schon überwunden. Sie hat sich andächtig ihr das Gebetbuch auf ihren Knien vertieft. Im Hintergrund ist die einfache Kammer Marias zu sehen. Aber draußen hat sie einen fast königlichen Sitz. An der Ward hängt ein Teppich, der sich auch zu ihren Füßen ausbreitet.

Der Engel Gabriel tritt soeben in die stille Halle ein (beachte den Vogel an der Säule). Mit ehrfurchtsvoller Gebärde verneigt er sich und sieht Maria an. Sein Blick geht in gleicher Richtung wie der aus dem Gotteslicht kommende Strahl, der Maria trifft. Er ist reich gekleidet, die schönen Flügel und die Gloriole weisen kunstvollen Zierat auf, denn er kommt ja aus der himmlischen Welt. Dennoch verneigt er sich vor Maria, weil er weiß, daß dieser

die Maria liebhat.

Gott ist so sehen auf dem Bild über der mittlerer Säule und in Gestalt der Taube in dem Lichtstrahl links vor der mittlerer Säule. Ganz links sind Adam und Eva zu sehen, wie sie aus dem Paradies vertrieben werden. Nun aber wendet sich Gott in Jesus wieder voller Erbarmer den Menschen zu. Maria hilft ihm dabei.

 

Miniatur aus dem Hitda-Kodex:

Die Häuser von Nazareth symbolisieren die Welt der Maria. Gegen sie dringt Gottes Welt heran, schiebt den Vorhang zusammen und schafft Platz für die Botschaft von dem Erlöser. In großem Schwung rauscht der Bote in den Raum und sprengt ihn gleichsam auf. Selbst die Verzierungen auf der linken Seite unterstreichen die Bewegung, während es rechts ruhiger ist. Maria ist abwartend, hat die Hand noch abwehrend erhoben. Nur die Füße zeigen eine Bewegung zu dem Engel an. Beide haben ein helles Obergewand, das ihre Übereinstimmung andeutet: „Siehe, ich bin des Herren Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast!“ (Äbtissin Hitda von Meschede).

 

Erzählung: Begegnung der Frauen

Maria freut sich auf den Tag, an dem sie ihr Kind in den Armen halten wird. Sie kann nicht recht begreifen, wie ihr Sohn ein König sein soll, wo doch der König Herodes auf dem Thron sitzt?! Gerne möchte sie mit jemanden darüber reden. Da fällt ihr Elisabeth ein. Sie ist nicht nur irgendeine Verwandte, sondern auch ihre Freundin.

Sie muß ein ganzes Stück wandern, bis sie ins Gebirge Juda, kommt. Merkwürdige Dinge sind ja von Elisabeth und Zacharias erzählt worden. Maria weiß, daß Elisabeth ein Kind erwartet. Ein Engel hat die Geburt des Kindes im Tempel angekündigt. Es war also ganz ähnlich wie bei Maria. Nur daß Zacharias seit der Zeit die Sprache verloren hat.

Als Maria in das Haus eintreten will, kommt ihr Elisabeth entgegen. Doch plötzlich bleibt sie stehen, ihre Augen beginnen zu leuchten, eine seltsame Veränderung geht mit ihr vor. Plötzlich ruft Elisabeth, erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes: „Gesegnet bist du unter allen Frauen. Hochgelobt ist das Kind, das du unter dem Herzen trägst. Welch eine Ehre wird mir zuteil, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt. Als du hereinkamst, bewegte sich das Kind vor Freude in mir. Selig bist du Maria, die du geglaubt hat. Was Gott dir angekündigt hat, wird alles geschehen!“

Elisabeth kann etwas sehen und verstehen, was andere Menschen nicht bemerken. Doch sie lobt nicht Maria als die schönste und frömmste aller Frauen, sondern sie lobt den Glauben der Maria, denn sie traut Gott zu, was Menschen nicht für möglich halten. Und Maria ist nicht stolz, weil Gott sie ausgesucht hat. Sie weiß, daß sie alles nur Gott verdankt. Er erniedrigt die Hohen, um die Niedrigen wie Maria zu sich zu erheben.

Auch über Maria kommt eine große Freude. Sie sinkt auf die Knie und stimmt einen Lobgesang zur Ehre Gottes: „Meine Seele rühmt den Herrn und hebt ihn über alles empor. Mein Geist freut sich über den Herrn, den Gott, der mir hilft. Denn er ist seiner Magd, die so niedrig ist, freundlich begegnet. Glücklich werden mich preisen die Menschen und Völker aller Zeiten. Er hat Großes an mir getan, der unendliche Macht hat, und der zu heilig ist für den Dank, mit dem unser Mund ihn nennt. Seine Gerechtigkeit reicht über alle Geschlechter der Menschen. Freundlich begegnet er denen, die ihn fürchten. Hungrige sättigt sein Reichtum, Reiche treibt er mit leeren Händen davon. Er nimmt sich seines Dieners Israel an und gewährt ihm seine Barmherzigkeit. Unseren Vätern hat er es angesagt, und in Ewigkeit gilt es Abrahams Volk - dem Volk, das ihm dient!"

Dann umarmen sich die beiden Frauen mit Tränen der Freude in den Augen. Sie sind zwei Frauen, die Gott erwählt hat zu seinem Dienst. Beide waren dazu bereit. Durch sie wird Gott deshalb sein Heil zu aller Welt bringen.

So geht es auch uns als Christen und der ganzen Kirche: Vor uns aus sind wir nicht mächtig und bedeutend. Im Gegenteil: Wir müssen uns oft unter die Macht anderer Menschen beugen und haben nur wenig zu sagen. Und doch will Gott durch uns große Dinge tun. Durch die Kirche will er der Welt helfen. Er will die Menschen zu sich rufen und ihnen sagen, wie es mit ihnen weitergehen soll. Die Christen erfahren das im Gottesdienst von Gott. Da sind wir vielleicht auch manchmal unzufrieden heimgegangen, weil wir die Predigt nicht verstanden haben oder unser Lieblingslied nicht drankam. Doch wer nur eine erhebende Feier erleben will, wird vielleicht nichts wahrnehmen vor Gottes Botschaft. Wer aber so aufmerksam und bescheiden wie Maria und Elisabeth auf Gott hört, wird so reich nach Hause gehen, daß er auch anderen von dieser frohen Botschaft erzählen muß. Er wird am Ende auch sagen können: „Der Herr hat große Dinge an mir getan!“

 

Geburt Johannes des Täufers (Lk 1 ,57-80):

Hinführung: Wenn ein jüngeres Geschwisterchen geboren wird, überlegen sich die Eltern, wie es heißen soll. Meist sucht ja die Mutter den Namen aus. Bei den Juden hatten nur die Väter (oder auch andere männliche Verwandte) darüber zu bestimmen. Aber einen Namen muß ein Kind ja haben, damit man diesen Namen zum Beispiel bei der Taufe nennen kann. Bei der Taufe erhält man neben Vornamen und Familiennamen noch einen dritten „Namen“: man wird ein Christ, ein Kind Gottes. Besonders dieser Name ist wichtig für den Menschen und sagt viel über ihn aus. Früher legte man auch den Vornamen eine große Bedeutung bei. Das wird deutlich bei der Geburt des Kindes der Elisabeth.

 

Erzählung: Im Hause des Zacharias und der Elisabeth herrschte eine große Freude. Elisabeth hatte einem Kind das Leben geschenkt, und es war ein Junge. Nun hatte sie euch mithelfen können, das Gottesvolk aufzubauen, das so zahlreich werden sollte wie die Sterne am Himmel.

Die Verwandten, Nachbarn und Freunde kommen, um die Freude der Eltern mitzuerleben. Sie sagen: „Gott hat Elisabeth und Zacharias besonders liebgehabt, denn er hat ihnen in ihrem Alter noch einen Sohn geschenkt. Es muß schon etwas besonderes mit diesem Kind sein!“

Sie fragen natürlich auch: „Wie soll denn das Kind heißen?“ Zacharias kann immer noch nicht sprechen. Deshalb fragen sie Elisabeth. Alle denken sie: „Sicherlich wird er Zacharias heißen wie sein Vater!“ So war es damals üblich, so soll es auch Elisabeth machen.

Doch Elisabeth sagt: „Er soll Johannes heißen, denn Gott hat sich über uns erbarmt!“ Da werden die anderen ganz aufgeregt und rufen: „Aber Elisabeth, was soll denn das bedeuten? So heißt doch keiner in unserer Verwandtschaft. Er könnte wenigstens nach seinem Großvater heißen!“

Das letzte Wort hat allerdings der Vater, ihn wollen sie jetzt doch fragen. Sie geben ihm Zeichen, damit er sich äußert. Er verlangt ein Täfelchen und schreibt darauf: „Er heißt Johannes!“ Also der gleiche Name, wie ihn schon Elisabeth gesagt hat. Da wundern sie sich doch alle.

Es ist der achte Tag nach der Geburt, an dem man ein Fest macht und an dem die kleinen Jungen in das Volk Gottes aufgenommen wurden. Da mußte dann auch endgültig festgelegt werden , wie das Kind heißen soll. Zacharias bleibt bei seiner Anordnung. Kaum hat er das Täfelchen herumgezeigt, da kann er auf einmal wieder reden. Weil er gelernt hatte, voll und ganz auf Gott zu hören und seinem Wort zu vertrauen, wird ihm die Sprache wiedergegeben. Er hatte ja auch nicht geschrieben: „So soll er heißen!“ sondern: „Er heißt so!“ Gott hatte ihm in Wahrheit den Namen gegeben. Das spüren jetzt auch die anderen.

Doch Zacharias benutzt die wiedergewonnene Sprache nun nicht, um den neugierigen Nachbarn die rätselhaften Vorgänge zu erklären, sondern zuerst lobt und preist er Gott. Er erzählt nicht von seinem persönlichen Geschick, sondern vom Handeln Gottes an seinem Volk. Er sagt: „Gepriesen sei der Gott Israels, denn er hat erlöst und besucht sein Volk. Was er versprochen hat, das hat er auch gehalten. Nun wollen wir bei dir bleiben und dich liebhaben unser Leben lang!“

Dann geht er zu dem Kind hin und sagt: „Du Kind, wirst ein Vorläufer des Sohnes Gottes sein. Du wirst vor ihm hergehen und allen Leuten zurufen, daß er kommt. Dann wird es auf einmal strahlend hell werden, er wird uns Leben und Frieden bringen!“ Die Zuhörer sind ganz still geworden. Jetzt ist ihnen klar: Das kommt alles von Gott! Da wird wohl aus dem Kind etwas Großes werden.

Aber sie fürchten sich auch etwas, weil sie dem heiligen Gott so nahe begegnet sind. Sie erzählten es aber überall weiter, so daß es bald alle Leute in der ganzen Gegend wußten. Das Kind wuchs heran und Gott war mit ihm. Johannes wurde nicht Priester wie sein Vater, sondern Gott hatte noch eine größere Aufgabe für ihn.

 

Bild: Die Verwandten fragen Zachäus nach dem Namen des Kindes

 

 

 

B. Geburt Jesu

 

Martin Schongauer (etwa 1450-1491 in Colmar und Breisach am Oberrhein), ein großer Maler und Kupferstecher des ausgehenden Mittelalters, hat das Bild geschaffen. Er war schon zu seinen Lebzeiten bekannt und berühmt. Seine Werke geben Zeugnis von seiner verhaltenen, tiefen Frömmigkeit, seinem Gemütsreichtum, seinem hochentwickelten Schönheitsgefühl. Zart und innig wirken seine Gestalten, die mitten in deutscher Landschaft leben, umgeben von altdeutschem Gerät und gekleidet in die Gewänder seiner Zeit. Unser Bild ist mit das schönste unter seinen Werken. Es ist ein Gemälde in leuchtenden Farben, nur 37,5 mal 28 Zentimeter groß. Es stammt aus dem Jahre. 1478 oder 1479 und gehört zum Besitz des Deutschen Museums in Berlin.

Einzelheiten des Bildes in ihrer Beziehung zum biblischen Text.

Es ist eine deutsche Sommerlandschaft. Vielleicht hat der Maler seine Heimat vor Augen gehabt. Wir sehen hügeliges Gelände, einen Fluß mit hohen felsigen Ufern, belaubte Bäume und blühende Sträucher, einige prächtige Bauten im Hintergrund, dazu weiße Herden im Tal. Steht vielleicht noch der Stern über dem Stall? Die Wolken oben links sind hell angestrahlt. Weit außerhalb des Ortes scheint die saubere und festgefügte Schutzhütte zu liegen, in der Maria und Josef Obdach gefunden haben. Der Felsen bildet die einzige Wand, sonst ist sie nach allen Seiten offen, Wind und Wetter können hineinblasen. Schilf vom Ufer des Flusses deckt das Dach.

In eine große Einsamkeit und Stille stellt der Maler das Ereignis der Menschwerdung des Gottessohnes. Vielleicht will er besonders darauf hinweisen, daß es sich ganz abseits vom öffentlichen Interesse vollzieht und daß die vielen Menschen, die zur Volkszählung in Bethlehem zusammengeströmt waren, gar keine Notiz davon nehmen.

Links unten in der Ecke hat Josef seinen Wanderstab abgelegt, um den das Bündel mit den geringen Habseligkeiten geschlungen ist. Es mag ein notvoller Weg gewesen sein, den beide zurückgelegt haben, voll von körperlichen Anstrengungen für Maria, seelisch beschwert durch die außergewöhnliche Lage, die beiden von Gott zugemutet wird.

Und auch das Ende der langen Wanderung bringt keine Erleichterung und Hilfe, sondern nur eine notdürftige Unterkunft.  Das Kind ist auf ein Strohlager gebettet, über das eine rote Decke gebreitet ist. Sparsam ist es mit weißem Linnen umhüllt. Die Tiere bilden seine nächste Nachbarschaft. Kein festes Haus, nur die offene Hütte dient zum Schutz. Aber nicht diese äußere Armut ist das Wesentliche. Viel bedeutungsvoller ist es, darin zu sehen, daß der Sohn Gottes die Niedrigkeit der Menschen angenommen hat. Er hat die Herrlichkeit des Himmels, die Mitregentschaft beim Vater aufgegeben, um unser Bruder zu werden.

Die Masse der Menschen in Bethlehem geht an der Krippe vorüber. Das Kind ist genau so unscheinbar wie alle anderen Neugeborenen. Kein himmlischer Glanz leuchtet, keine Lichtgloriole verklärt das kleine Haupt. Und doch sehen einige wenige recht und schauen in ihm den verheißenen Retter und Heiland. Sie halten sich an die Verheißungen des Alten Testaments, an das Wort Gottes, das in besonderer Weise an sie erging. Sie haben die große Gabe Gottes erkannt, die ihnen zuteil geworden ist. Es ist ein Anliegen des Bildes, das zum Ausdruck zu bringen.

Alles auf dem Bilde ist dem Kinde z u g e w a n d t. Maria kniet in stiller Anbetung neben dem Lager des Kindes. Sie ist schön in ihrer mädchenhaften Anmut und Zartheit, in ihrem blau getönten reichfallenden Gewande, mit ihrem blonden, lockigen Haar. Die feingliedrigen Hände sind in der Gebärde des Betens zusammengelegt. Aber was uns am meisten beeindruckt, ist, daß die ganze Gestalt von der Haltung der Andacht geprägt ist. Nicht jubelndes Mutterglück allein beherrscht sie. Sie scheint die Worte des Engels in ihrem Herzen zu bewegen, daß ihr Kind zugleich der „Sohn des Höchsten“ ist, der Gottgesandte, der das Werk seines Vaters zur Rettung der Menschen durchführen wird. Sie ist „des Herrn Magd“, die bereit ist, Werkzeug des Heilswillens Gottes zu sein. Demutsvoll kniet sie vor dem Kinde, das auch ihr Heiland und Erlöser ist.

Ganz dicht zur Krippe gehören auch die Tiere: Ochs und Esel, Vertreter der unvernünftigen Kreatur. Auch sie schauen auf das Kind. Wollen sie es beschützen oder erwärmen? Es hat einen tiefen Sinn, daß sie kaum auf einem Weihnachtsbild fehlen. Nach einem alten Prophetenwort (Jes. 1, 3) sind sie eine Mahnung für uns, daß wir nicht etwa zu denen gehören, die an dem Christuskind vorübergehen. Die beiden Tiere unseres Bildes scheinen ahnend zu erfassen, daß dieses Kind der Mitschöpfer und Herr der Welt ist, der einst auch ihre Erlösung heraufführen wird (

Am Bildrande links steht Josef still und versunken mit gefalteten Händen.  Er ist dargestellt als alter Mann in Reisekleidung (Bart; feste Stiefel, Geldtasche seitlich am Gürtel). Seinen faltenreichen Mantel haben wir uns in leuchtend roter Farbe zu denken. Auch Josef ist voll dem Christuskinde zugewandt. Auch ihm ist von Gott selbst eine Deutung des Geschehens und ein besonderer Auftrag zuteil geworden (Mt 1, 18 ff.). Und er ist dem Befehl Gottes gehorsam und übernimmt die Vaterschaft.

Seine Blickrichtung geht auf die drei Gestalten am Bildrande rechts, die H i r t e n. Es sind gebräunte, wetterfeste Gestalten in schadhafter Kleidung mit Hirtenstab, Strohhut und Flöten in den Händen. Eiligen Laufes haben sie sich auf den Weg gemacht - ihre Herden im Tal zurücklassend - und drängen sich nun, das Kind zu sehen. Aber sie bleiben demütig am Eingang der Hütte, einen Raum der Ehrfurcht einhaltend. Zwei beugen die Knie, der Ältere scheint ganz überwältigt zu sein. Der Dritte steht, um besser schauen zu können.

Die Hirten werden nicht unsicher, als sie nur ein hilfloses Kind in armseligen Verhältnissen ohne Glanz und Strahlenkrone finden. Sie haben das Geheimnis der Heiligen Nacht verstanden. Gott hat ihnen den frohen Glauben ins Herz gegeben, daß dieses Kind der erwartete Helfer und Retter ist. Die Hirten wissen: Die Rettung, die allem Volk widerfahren soll, ist auch für sie ganz persönlich da. Und so beugen sie sich vor dem menschgewordenen Gottessohn in ehrfürchtigem Staunen. Bald wird die Freude über das große Geschenk Gottes durchbrechen und sie werden lobpreisend und dankend „ausbreiten“, was sie erlebt und erfahren haben.

Der fromme Maler, der kurz vor Beginn der Reformation lebte, will zum Ausdruck bringen, wenn er das geschichtliche Ereignis der Geburt Jesu von Palästina in die deutsche Landschaft und in die Weite seiner heimatlichen Berge verlegt, daß die Heilstaten Gottes nicht gebunden sind an ein bestimmtes Land oder einen einzelnen Volksstamm. Die Liebe Gottes meint die ganze W e 1 t.  Er gab seinen einzigen Sohn, damit alle gerettet werden können. Auch wir sind gemeint, wenn Gott die Botschaft verkünden läßt: „Euch ist heute der Heiland geboren!“ Auch uns gilt die große Freude, die allem Volk widerfahren soll. Und unaufhaltsam und unüberhörbar dringt die Kunde von dem Christuskind in der Krippe, von der rettenden Liebe Gottes in die Weite. Den vollen Reichtum dieser frohen Botschaft werden wir kaum je ausschöpfen können. Aber jedes Jahr kann uns ein neuer Blick in die Fülle der Gnade und Barmherzigkeit Gottes geschenkt werden, die sich hier kundtut. Wir alle sind gerufen, weiterzusagen, was wir gehört haben und was uns geschenkt wurde, nämlich daß Jesus Christus gekommen ist, unser Bruder und Erlöser zu werden, der alles Heil für uns in Händen hält.

 

 

 

Eine Erzählung nach dem Lukasevangelium findet sich im Kapitel „Anfangsunterricht“.  Deshalb werden hier noch einige theologische Überlegungen zu den Erzählungen über die Geburt nach dem Matthäusevangelium angefügt.

 

Die Geschlechtsregister (Mit 1, 1-17) dienen dazu, das Walten der Macht Gottes über den menschlichen Geschlechtern aufzuzeigen. Sie wollen einen Einblick geben in Gottes Heilsplan mit der Welt. Matthäus führt den Stammbaum Jesu auf Abraham zurück. Damit will er erweisen, daß mit dem letzten Sproß aus Abrahams Geschlecht die Zeit und der Träger der Weltvollendung gekommen ist. Auch wird deutlich: Ein vor aller Welt sündiges Geschlecht bringt den Christus hervor, der der Welt die Vergebung bringt. Der Stammbaum läuft aber auf Joseph hin. Durch die Adoption des Kindes der Maria fügt Joseph der Kette ein neues Glied hinzu. Nun kann Jesus auch der Erbe Davids heißen.

Im Rechtsverständnis des Volkes Israel kam die Verlobung rechtlich einer Eheschließung gleich (in Mt 1, 19 und 24 werden Joseph und Maria als Mann und Frau bezeichnet). Wenn Maria nun überraschenderweise ein Kind erwartet, muß das als Ehebruch aufgefaßt werden. Joseph hätte Maria vor den Ältesten des Ehebruchs anklagen können, die Verlobung wäre aufgelöst worden und Maria käme öffentlich in Schande.

Hätte Joseph ein Tagebuch geführt, dann hätte er vielleicht geschrieben: „Acht Tage vor der richtigen Hochzeit. Jetzt ist alles aus. Das hätte ich nie von Maria gedacht. Ich wollte sie bald zu mir holen. Ein festlicher Tag sollte das sein. Und jetzt? Ich darf gar nicht daran denken. Wer mag der Vater des Kindes sein? Wenn der mir unter die Augen kommt, dann weiß ich nicht, was ich tue?“

Joseph entschließt sich für einen anderen Weg. Er handelt nach der Gerechtigkeit Gottes, der sich der Armen und Elenden aus Liebe erbarmt. Er hält Maria für schuldig. Aber er will die Schuld auf sich nehmen und heimlich fliehen. Dann läge die Schande auf ihm, aber er fürchtet sich nicht davor. Doch er fürchtet sich vor Gott und kann deshalb die Ehebrecherin nicht heiraten.

Aber Gott setzt Joseph zum Vater des Kindes ein. Er gibt ihm durch den Engel den Auftrag, dem Kind den Namen zu geben und es damit als sein Kind anzuerkennen. So ehrt auch die Mutter des Gotteskindes, indem er erst nach der Geburt Jesu die eheliche Gemeinschaft mit ihr eingeht.

So gehorchen Maria und Joseph beide den Anweisungen des Engels. Beide setzen sich über die Sitten der Zeit hinweg, beide beugen sich dem unfaßlichen Ratschluß Gottes  auch wenn der ihren überkommenen Anschauungen völlig widerspricht. Er heiratet Maria in einem Akt des Gehorsams und gibt ihr damit Schutz und ein Zuhause. Er ist gehorsam und gerecht.

Verwiesen wird dabei auf ein Wort aus dem Propheten Jesaja. Danach wurde dem zweifelnden König Ahas ein Zeichen geboren in der Geburt eines „Immanuel“ (=Gott mit uns). Das Kind wird nach dem Urtext von einer „jungen Frau“ geboren. Die griechische Übersetzung machte daraus eine „Jungfrau“. Doch das Gewicht liegt in beider Fällen auf dem Namen des Kindes. Jesus heißt ja „Gott hilft“. In seinem Leben und Sterben erfüllt sich, daß Gott nun mit den Menschen ist. Es geht also nicht darum, wie Gott Mensch wurde, sondern daß und wozu

er Mensch wurde.

Aber es wird auch deutlich: Das Kommen dieses Jesus schafft Unruhe. Es durchbricht die Regeln, die zwischen den Menschen bestehen. Deshalb erfährt Jesus Widerspruch, auch nachher in seinem ganzen Leben. Aber das ist eben der Weg, auf dem Gott handelt.

 

Bildbetrachtung: Karl Kaufmann: Weihnachten, Handreichung zur Unterweisung im Neuen Testament, Nr.1:

Wir sehen einen Menschen des Industriezeitalters, das durch Hochhäuser, Fabrik und Kran gekennzeichnet ist. Die Fenster leuchten, aber es ist nur ein innerweltliches Licht. Der Mensch im Vordergrund aber ist aus dieser Welt herausgerufen. Er lebt von einem anderen Licht, das von Gott kommt. Die Botschaft  „Euch ist heute der Heiland geboren“ bezeichnet den Einbruch des Lichtes Gottes in die Welt der Menschen. Mit Jesus ist ein neues Licht in die Welt gekommen. Gott hat sich so tief herabgelassen, daß der Mensch sich beugen muß, um Gottes Gabe zu erkennen. Wenn er es aber tut, dann fällt das Licht von der Krippe auf sein Gesicht; er erhält dadurch erst sein Gesicht. Das Kind in der Krippe ist durch das Kreuz angedeutet, von ihm geht an sich alles Licht aus. Der Mensch verbeugt sich mit einer Geste der Ergebenheit vor dem Kind und gibt ihm die Ehre. Er hat die Augen geschlossen, vielleicht weil er sich von dem Menschenwerk im Hintergrund abwenden Will. Seine Gedanken richten sich nur auf Krippe und Kreuz, die ihm den Sinn seines Lebens geben. Der Mensch erkennt sich als der Geliebte Gottes, der in dieser Liebe sein Leben hat und für Zeit und Ewigkeit bewahrt bleibt.

 

Karl Kaufmann: Das Licht darf nicht verlöschen, ,,Flucht nach Ägypten, Nr.3

Kaum ist das Licht in der Welt da, das die Herzen der Menschen erwärmen kann, da erhebt sich schon die Finsternis dagegen. Unbarmherzig plant Herodes den Mord an dem  Jesuskind. Seine Hand greift nach dem Kind, um es zu vernichten. Sie ist wie die Pranke eines Ungeheuers, ein Werkzeug satanischer Macht. Aber diese Hand reicht nicht weit, sie reicht nicht bis zum Jesuskind.

In dem hellen Licht ist eine andere Hand zu sehen, die sich schirmend und bewahrend auf das Kind und seine Eltern herabneigt. Die Familie schreitet aus dem Bereich der Finsternis und des Todes heraus. Keine Macht kann das Licht auslöschen, das Gott selber angezündet hat. Der Lichtkegel symbolisiert die Hilfe Gottes. Auch Maria birgt das Kind in der Armen, Joseph ist der schützende Begleiter.

So kann die Klaue des Herodes das Handeln Gottes nicht hindern. Sie kann nur eins: unschuldige Kinder umbringen. Stellvertretend sehen wir zwei weinende Mütter an den Gräbern ihrer Kinder. Doch Gott ist an ihrem Leid nicht schuld, sondern hier haben sich Menschen gegen den Plan Gottes erhoben. Gott will, daß allen geholfen wird. Wenn Menschen dagegen handeln, ist es ihre Schuld. Letztlich aber durchkreuzt Gott immer der Plan der Menschen. Nicht was Herodes will geschieht, sondern was Gott will.

Weil Menschen auf die Warnung Gottes gehört haben und ihm gehorsam waren, war das Kind schon weit weg, als Herodes zugreifen wollte. Er ist sogar noch zum Handlanger Gottes geworden, denn Gott wollte ja, daß der Heiland aus Ägypten geholt wird, so wie er einst das Volk Israel von dort zurückgeholt hatte. Auch uns will Gott führen und leiten  Er hat uns dazu Vater und Mutter und manch anderen Menschen gegeben, die für das Kind sorgen, auch für uns.

 

 

C. Die Darstellung Jesu im Tempel Lk 2,21-38

Erzählung:

Das Kind des Joseph und der Maria hatte den Namen „Jesus“ erhalten. Aber das war noch nicht alles, was man mit einem neugeborenen Kind tat: Nach 43 Tagen machen sich die Eltern auf zum Tempel in Jerusalem, um dort das Kind von einem Priester segnen zu lassen und um das vorgeschriebene Opfer darzubringen. An sich konnte man das auch zu Hause bei einem Priester tun. Aber Jesu Eltern wollen es gern im Tempel tun und nehmen deshalb der Weg auf sich.

Der erstgeborene Sohn gehörte bei den Israeliten an sich immer Gott. Er hätte also Priester werden müssen. Doch es gab ja der Stamm Levi, der sich um den Priesterdienst kümmerte, weil die Leviten alle Priester wurden, brauchten es die anderen nicht zu werden. Aber die Eltern mußten zum Ausgleich eine Geldzahlung leisten. Auch Jesu Eltern halten sich an die jüdischen Gesetze und Sitten, obwohl das bei dem Gottessohn an sich nicht nötig gewesen wäre.

Sie verbinden den Loskauf auch gleich mit dem Reinigungsopfer, das nach. der Geburt eines Kindes gebracht werden mußte. Reiche Leute gaben dabei ein Lamm. Jesu Eltern aber konnten nur zwei Tauben geben, wie es die armen Leute taten.

In Jerusalem lebte nun ein Mensch mit Samen Simeon, der sich an sich in nichts von anderen unterschied. Er gehörte aber zu einer Gruppe von frommen Menschen, deren Herz ganz darauf gerichtet war, Gottes Willen zu erfüllen. Auch trug er die Hoffnung in sich, daß der Messias, der Retter Gottes, bald kommen werde. Er glaubte fest daran, daß er den Erlöser Israels noch sehen werde. Das muß nicht heißen, daß er bei all dem Warten schon alt geworden wäre. Simeon kann durchaus noch ein junger Mann gewesen sein. Er will nur seinen anstrengenden Dienst nicht eher aufgeben, als bis er den Heiland gesehen hat.

Er war ein Prophet, denn der Geist Gottes war mit ihm. Dieser Geist läßt die Menschen den Willen Gottes für die Gegenwart und Zukunft erkennen. Der Prophet ruft die Menschen zur Umkehr und sagt ihnen, was Gott noch mit ihnen vorhat. Nur weil Simeon diesen Heiligen

Geist in sich hat  ist er aus der Menge anderer Menschen etwas herausgehoben.

Der Heilige Geist weckte in Simeon aber nicht nur die Erfüllung, sondern teilt ihm auch den richtigen Zeitpunkt mit. Er kommt gerade in den Tempel, als die Eltern mit dem Kind Jesus da sind. Simeon nimmt das Kind auf die Arme und sieht es an: Das soll also der Heiland der Welt sein? Ein armes kleines Kind von 40 Tagen?! Aber der Heilige Geist gibt ihm die Kraft, hinter der unscheinbaren Hülle doch das Handeln Gottes zu erkennen. In dem unbekannten Kind armer Leute erkennt er den von Gott gesandten Christus.

Da kann er nicht mehr anders, er muß Gott loben und preisen für das, was er an ihm und der Menschen getan hat. Er will den Eltern und allen Menschen bezeugen, daß dieses Kind wirklich der Heiland ist. So singt er ein Loblied auf Gott: „Herr, nun kann dein Diener in Frieden sterben, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. Jetzt brauchst du mich nicht mehr, denn du hast einen anderen, der mein Amt ausführen wird. Ich habe genug gewartet, der Er­wartete ist nun da. Er bringt das Heil für alle Völker. Auch die Heider brauchen jetzt keine Angst mehr zu haben ! Auch ihnen wird deutlich werden, daß Israels Gott der Schöpfer und Erhalter der Welt ist!“

Maria und Joseph sehen sich verwundert an. Was soll das nur wieder bedeuten? Aber Simeon läßt sich nicht beirren. Er hebt die Hand und segnet die Eltern. Dann wendet er sich noch einmal besonders an Maria, die Mutter des Kindes. Er sagt: „Dein Sohn wird großen Streit hervorrufen. Er ist das Zeichen Gottes, an dem niemand vorbeikann. Wer ihn nicht als Zeichen Gottes anerkennen will, wird ihm widersprechen. An ihm werden sich die Menschen scheiden. Alle werden sie erst einmal „Nein“ zu ihm sagen und dabei zu Fall kommen. Die einen werden dann in ihrem Widerspruch verharren, die anderer aber werden zum Glauben kommen. Auch du selber wirst von diesem Kampf nicht verschont bleiben. Dein Inneres wird bluten, als habe ein Schwert es durchbohrt. Aber dadurch werden auch die Gedanken der Menschen offenbar werden, es wird sich herausstellen, wie jeder denkt!“

Maria und Joseph wundern sich noch mehr. Soll das etwa ein Segen sein, wenn so Schweres vorausgesagt wird?  Maria wird hier doch als eine „Mutter der Schmerzen“ bezeichnet, wie das auch schon in ihrem Namen zum Ausdruck kommt, der ja „Bitternis“ oder „Betrübnis“ bedeutet. Schwere Schmerzen wird sie durch den Sohn erfahren. Aber Simeon will ihr helfen, auch das als einen Segen zu verstehen, denn sie nimmt dadurch ja an Gottes Handeln unmittelbarer Anteil.

Simeon hat noch immer das Kind auf den Armen. Da kommt eine Frau dazu. Sie wohnt ständig im Tempel, denn ihr Mann ist schon früh gestorben und sie war viele Jahre Witwe. Sie hat immer wieder gebetet: „Herr, laß mich dein Heil schauen!“ Nun erkennt sie in dem unscheinbaren Kind den Christus Gottes. Sie erkennt, daß ihr Wunsch in Erfüllung gegangen ist und die Zeit nun erfüllt ist. So wie Simeon muß sie nun Gott loben und preisen für seine große Tat.

Maria und Joseph brachten dann noch das Opfer dar und verließen die Stadt. Sie kehrten wieder zurück nach Nazareth, wo sie ja wohnten. Dort wuchs Jesus nun auf, und die Gnade Gottes war mit ihm.

 

Frage: Können wir Jesus heute auch noch sehen? Gott hat der Heiland den Hirten und Weisen gezeigt, der Hanna  und dem Simeon. Er will ihn auch uns zeigen durch die Bibel. Hier im Religionsunterricht erfahren wir von ihm.

 

 

D. Der zwölfjährige Jesus im Tempel (Lk 2,41-52)

Einstieg:

Bei uns dürfen Kinder schon zum Kindergottesdienst, auch wenn sie noch ganz klein sind. Manchmal dürfen sie auch zum Gottesdienst der Großen mit, zum Beispiel wen n Familiengottesdienst ist. Aber die Eltern werden ihre Kinder wohl kaum mit zum Kirchentag nehmen. Das ist für Kinder zu lang und anstrengend.

So war das auch schon zur Zeit Jesu. Als Kind durfte Jesus in Nazareth zum Gottesdienst. Aber die Eltern nahmen ihn nicht mit, wenn sie einmal im Jahr zum Passahfest nach Jerusalem reisten, um dort im Tempel die Gottesdienste mitzuerleben. Oft hatten sie aber schon dem kleinen Jungen von Jerusalem erzählt, wie schön es dort sei und wie sehr sie sich immer wieder darauf freuten. Jesus konnte es gar nicht erwarten, bis sie ihn auch einmal mitnahmen.

 

Erzählung:

Einmal im Jahr kamen besonders viele Menschen nach Jerusalem. Das war, wenn das Passahfest gefeiert wurde. Dann machten sich die frommen Leute aus dem ganzen Land auf, um an den Gottesdiensten im Tempel teilzunehmen. Nur alte und kranke Leute und die Kinder blieben daheim. Aber sonst machte sich das ganze Dorf auf den Weg. Man ging nicht allein, denn das war gefährlich wegen der Räuber, die gern solche Reisenden überfielen. Von Nazareth aus dauerte die Reise mehrere Tage, man mußte unterwegs übernachten, irgendwo in einer Scheune bei einem Gasthaus. Aber all das nahm man auf sich, um an dem großen Fest teilnehmen zu können.

Wenn man dann endlich von ferne die Stadt auf dem Berge liegen sah, dann begann man fromme Lieder zu singen und ging noch einen Schritt schneller, um bald in der Stadt zu sein. Das war ein Leben und Treiben und große Freude bei allen. Acht Tage dauerte das Fest. Das Schönste aber waren die Gottesdienste im Tempel, in denen man Gott lobte und dankte. Hier wurden die vorgeschriebenen Opfer gebracht, hier erklangen Posaunen und Harfen, hier sangen Chöre die Psalmen im feierlichen Sprechgesang.

Als Jesus zwölf Jahre alt ist, darf er zum ersten Mal mit in den Tempel. An sich ist er noch nicht dazu verpflichtet. Erst wenn ein Junge seinen 13. Geburtstag gefeiert hatte, mußte er sich feierlich verpflichten, alle Gebote der jüdischen Religion einzuhalten; dazu gehörte dann auch, daß man einmal im Jahr in den Tempel in Jerusalem ging. Aber oft nahmen die Eltern ihr Kind schon ein Jahr früher mit, damit es sich an seinen Pflichten schon gewöhnen konnte. Auch Jesus soll alle Pflichten eines jüdischen Jungen übernehmen, auch wenn er der Gottessohn ist. Die Eltern wollen nichts Besonderes aus ihm machen.

Die Eltern bleiben nicht nur zum eigentlichen Passahfest, sondern sie sind fromm und halten sich noch die ganze Festwoche in Jerusalem auf. Erst dann wollen die Eltern wieder die Heim­­reise antreten. Da erst merken sie, daß Jesus nicht bei ihnen ist. Er ist immer in den Höfen und Hallen des Tempels herumgelaufen, um sich alles anzusehen. „Sicher ist er mit seinen Freunden und derer Eltern schon losgegangen!“ denken die Eltern. Sie machen sich weiter keine Sorgen und wandern  los zu dem Dorf , wo sie übernachten wollen. Sie wollen endlich aus dem Trubel herauskommen, denn außer den über 50.000 Einwohnern waren noch über 100.000 Festpilger in der Stadt.

Aber als sie endlich in dem Dorf ankommen, ist Jesus nicht da. Sie fragen die Verwandten und Nachbarn. Aber niemand hat Jesus gesehen. Da mußte er wohl noch in Jerusalem sein. Voller Angst eilen die Eltern nach Jerusalem zurück. Sie beginnen gleich zu suchen, obwohl es doch schon Nacht ist. Die suchen ihn in allen Ecken der Stadt, wo etwas Besonderes los war. Doch ohne Erfolg, Jesus ist wie vom Erdboden verschwunden.

Immer wieder gehen sie auch in den Tempel und suchen alle Hallen und Höfe durch. Am nächsten Tag endlich sehen sie Jesus mitten unter den Schriftgelehrten sitzen. Diese ließen sich gern in den Vorhöfen des Tempels nieder und gaben der Leuten Auskunft auf ihre Frager. Sie kannten sich ja gut aus in den Heiligen Schriften und konnten deshalb viele Fragen beantworten.

Auch Jesus hat die Gelegenheit genutzt. Er hört zu, er fragt, er antwortet auch. Die anderen aber wundern sich: „Was stellt dieser Junge für vernünftige Fragen! Was gibt er für fromme und kluge Artworten!“ Maria aber entsetzt sich, denn ihr Sohn sitzt da bei den Gelehrten, als sei er einer ihrer Schüler. Mit keinem Gedanken scheint er daran zu denken, daß es Zeit für die Heimkehr ist. Er sitzt hier im Tempel, als könnte es gar nicht anders sein.

Maria ruft: „Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich überall voller Sorge gesucht!“ Jesus aber sieht sie ganz verwundert an. Er sagt zu ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Ich muß doch im Haus meines Vaters sein!“

Da wundern sich die Eltern noch mehr. Was spricht er da von seinem Vater? Joseph ist doch sein Vater?! Will er etwa Gott als seinen Vater bezeichnen? Zählt die Sorge seiner irdischen Eltern nichts? Jesus weht alle Ansprüche auf ihn ab: Erst einmal geht es ihm um der himmlischer Vater, dann erst um seine irdischen Eltern.

Doch Jesus ist nicht aus Neugier oder Wißbegierde in Jerusalem zurückgeblieben, sondern weil sein Leben nach dem Plan Gottes abläuft. Gott hatte einst sein Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten gerettet. Daran dachte man am Passahfest und dankte Gott für die Hilfe. Aber diese Errettung konnte ihre volle Erfüllung erst durch der Sohn Gottes finden. Als Junge hat sich Jesus erstmals in Jerusalem zu seinem himmlischen Vater bekannt; an einem anderen Passahfest wird er im Gehorsam gegen diesen himmlischen Vater in Jerusalem sterben. Doch damit erfüllt er, was schon der Schriften des Alten Testaments von Gott versprochen wurde: Mit ihm beginnt die neue Welt Gottes.

Diese Erkenntnis blitzt hier schon einmal kurz auf, so wie manchmal die Sonne durch dunkle Wolken bricht und die Landschaft in helles Licht taucht. In den Worten und dem Verhalten des zwölfjähriger Jesus leuchtet etwas auf vor der Herrlichkeit Gottes, die aber dann sogleich wieder verborgen ist. Von daher erklärt sich auch sein eigentümliches Verständnis der Heiligen Schriften. Weil Gott sein Vater ist, ist er auch im Wort des Vaters zu Hause. An wörtlicher

Kenntnis der Heiligen Schriften sind ihm die Schriftgelehrten überlegen; aber keiner reicht an sein Verständnis des Wortes Gottes heran.

Danach aber bleibt alles beim Alten. Jesus kehrt wieder mit seinen Eltern nach Nazareth zurück. Gott hat im vierten Gebot gesagt, daß Kinder ihre Eltern ehren sollen; das tut Jesus. Eines Tages wird Gott ihn für ganz aus dem Elternhaus herausrufen, dann wird er dazu bereit sein. Aber vorerst wächst er noch in der Geborgenheit seines irdischen Elternhauses heran. Seine Mutter Maria aber vergißt die seltsamen Worte ihres Sohnes nicht. Jesus aber wird größer und klüger, und Gott und die Menschen haben ihn lieb.

 

Antwortgespräch:

Diese Geschichte muß nicht unbedingt so passiert sein. Sie will nur zeigen, daß Jesus schon als Junge ganz eng mit Gott verbunden war. Hier hat die christliche Gemeinde dargestellt, wie Jesus nach ihrer Meinung schon als Kind gewesen war. Vor allem wollte sie zeigen, daß der Weg Jesu von der Krippe bis zum Kreuz unter einem göttlichen Muß stand. Er geht dieser Weg zu unser aller Heil, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Gott will aber, daß wir ihn verstehen und uns gern an ihn halten Dazu will uns die Konfirmation helfen (Näheres über die Konfirmation ausführen). Sie erfolgt in einem Alter, in dem auch Jesus in dieser Geschichte war, weil man in diesem Alter sich schon ganz für Gott entscheiden kann, so wie Jesus.

 

Karl Kaufmann: Unterweise mich, so lebe ich, Nr.11:

Wie ein Blitz das Dunkel der Nacht für einen kurzen Augenblink durchbricht, so wird hier plötzlich das Geheimnis gelüftet, wer dieses Kind eigentlich ist. Damit dies geschehen konnte, mußte der Junge erst seinen Eltern verlorengehen. Sie finden ihn in einer Gruppe von Menschen, die die Heilige Schrift lehren und verkündigen. Gott hat diese Gruppe zusammengeführt. Seine Hand durchbricht das Dunkel des göttlichen Willens. Die hier versammelten Menschen stehen in diesem Augenblick in seinem Licht. Mit Jesu Antworten an die Schriftgelehrten und seiner Antwort an die Eltern fällt auch ein Licht auf die Schriften des Alten Bundes. Vor allem aber sehen sich Jesu Eltern plötzlich in einem neuen Licht. Als Jesus davon spricht, der Sohn Gottes zu sein, da erkennen sie, daß Gott in unbegreiflicher Weise in ihr Leben eingegriffen hat. Aber das geschieht nur blitzartig, das göttliche Zeichen leuchtet nur kurz auf. Dann geht das Leben wieder seinen normalen Lauf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Wirken Jesu

 

 

Das Auftreten Johannes des Täufers und Taufe Jesu Lk 3,1 - 20 (22)

 

Einstieg:       

Wir haben von der Geburt des Johannes und von der Geburt Jesu gehört. Wir haben auch eine Geschichte gehört, die deutlich machen soll, daß Jesus schon als Kind ganz mit seinem himmlischen Vater verbunden war. Aber so richtig ins Licht der Öffentlichkeit getreten sind beide erst, als sie erwachsene Männer waren. Johannes sollte doch der Vorläufer Jesu sein. Er war eher geboren worden als er, nun sollte er ihm auch als Erwachsener voraufgehen. Wie er das gemacht hat, wollen wir heute hören. Er wollte schon den Weg vorbereiten, auf dem Jesus dann leichter vorankommen sollte. So wie früher ein König einen Herold vorausschickte, wenn er eine Stadt besuchen wollte, so schickte auch Jesus einen Vorläufer, der die Leute zum festlichen Empfang bereit machen sollte. Wir wissen alle, wie das ist, wenn hoher Besuch kommt. Dann wird schnell noch das Haus in Ordnung gebracht, das Essen vorbereitet und eine festliche Kleidung angezogen. Dazu will der erwachsene Johannes helfen.

 

Erzählung:

Im alten Israel gab es Männer, die hatte Gott immer wieder dem Volk geschickt, damit es seinen Willen erfährt. Oft war ihre Botschaft hart und unangenehm und man hat sie deswegen verspottet und verfolgt. Doch sie schwiegen nicht, sondern richteten immer wieder das Wort Gottes aus. Sie mußten einfach weitersagen, was Gott ihnen aufgetragen hatte. Der letzte jener Propheten sollte Johannes, der Sohn des Zacharias und der Elisabeth werden. Er ist also ein Prophet wie die früheren auch. Aber er darf erleben, was die anderem nur geahnt haben:

Gott hat seinen Sohn schon zu den Menschen geschickt. Johannes hatte ein schwere Aufgabe. Er sollte sein Volk auf der von Gott gesandten Retter vorbereiten. Dazu ging er nicht dorthin, wo man üblicherweise die frommen Leute antreffen konnte. Er ging nicht nach Jerusalem in den Tempel, sondern zunächst in die Wüste in der Nähe des Flusses Jordan, etwa dort, wo der Fluß in das Tote Meer mündet.

Johannes lebte sehr einfach, so wie die alten Propheten auch. Er hatte kein Haus und nährte sich vor dem wenigen, was er finden konnte. Nur gelegentlich kamen Hirten in diese Gegend, und ab und zu einmal Kaufleute. Johannes kam mit ihnen ins Gespräch; und sie erzählten

dann in der Dörfern und Städten von dem merkwürdigen Mann in der Wüste. So wurde Johannes bald zu einer bekannten Persönlichkeit. Viele gingen hinaus zu ihm an den Jordan.

Johannes predigt ihnen. Er ist wie der Ausrufer, der die Erlasse des Königs dem Volk mitteilt. Gott ist sein Herr, der ihm diesen Auftrag gegeben hat. So wie die alten Propheten hat er nicht seine eigene Weisheit, sondern Gottes Willen weiterzusagen.

Und Johannes tauft die Menschen. Nachdem er ihnen erklärt hat, was Gott mit ihnen vorhat, nimmt er diese äußerliche Handlung an ihnen vor, damit sie auch ganz fest mit Gott verbunden werden. Zur Taufe steigen die Menschen bis zum Bauch in das Flußwasser, und Johannes taucht sie darr ganz unter. Damit soll deutlich gemacht werden: Durch Gott wirst du zu einem neuen Menschen gemacht. Er wäscht alles Böse von dir ab und du kannst als ein anderer wieder aus dem Wasser heraussteigen.

Es ist eine besondere Taufe, die Johannes da vollzieht. Sie soll helfen zur Umkehr des Menschen. Er soll nicht nur seinen Sinn ändern, sondern auch sein ganzes Leben und Handeln. Viele fromme Leute waren sicher nur gekommen, um ihren vielen guten Taten noch eine weitere hinzuzufügen. Durch die Häufung frommer Übungen wollten sie ganz sicher gehen, daß Gott auch Gefallen an ihnen hat. Johannes aber macht ihnen deutlich: Ihr müßt wirklich Reue empfinden über eurer bisherigen Weg und wirklich ein neues Leben anfangen. Die Taufe soll dazu helfen.

Mit seinem Prediger und Handeln bezieht sich Johannes auf ein Wort bei dem Propheten Jesaja. Dort hieß an sich: „In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg! Alle Täler sollen erhöht werden und alle Berge eingeebnet werden! Dann kann der Retter Gottes kommen und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen!“

Aber es gab auch die Übersetzung jener Jesaja-Stelle, die lautete „Es ist die Stimme eines Predigers in der Wüste!“ Nun meinte man, Johannes sei dieser Prediger, den schon der Prophet Jesaja angekündigt habe. Solche alten Worte behalten ihre Kraft auch in späteren Zeiten. In diesem Fall wird dadurch deutlich gemacht: Die Sache mit Johannes ist nicht nur ein Zwischenspiel, sondern geschieht nach dem Willen Gottes. Jetzt wird die letzte Gerichtszeit Gottes eingeleitet, aber auch die letzte Gnadenzeit.

Letztlich ist auch Johannes ein Freudenbote, genauso wie Jesus. Johannes gehört schon in die Geschichte Jesu hinein, auch wenn er noch ein Prophet wie die alten Propheten ist. Aber auch er kann schon davon sprechen, daß Gott sich jetzt allen Menschen zuwendet, nicht nur den Juden. Alle sollen die frohe Botschaft und das Heil Gottes erfahren. Aber wenn das so ist, dann ist es umso notwendiger, ganz schnell das Leben zu ändern. Gott will ja dazu helfen, wenn er ankündigen läßt: „Ich bin schon zu euch auf dem Weg!“

Deshalb macht Johannes noch einmal den ganzen Ernst der Lage deutlich, indem er mit harten Worten zu den Leuten spricht, die zu ihm hinaus in die Wüste gekommen sind: „Ihr Schlangenbrut, niemand kann euch garantieren, daß ihr einmal dem göttlichen Zorn entrinnen werdet. Wer hat euch denn so etwas gesagt? Ihr seid vor Gott wie die Heiden. So wie alle Menschen braucht auch ihr angeblich so frommen Juden die Reinwaschung von Sünden. Ihr meint es ja gar nicht ehrlich mit der Taufe. Ihr tut so, als müßte Gott euch vergeben, weil ihr doch zum Volk Gottes gehört!“

Und weiter droht Johannes: „Aber Gott muß gar nicht. Wenn er will, kann er sich aus dieser Steinen hier ein neues Volk schaffen. Durch die Taufe können auch die Heiden zu ihm gehören. Mit euch aber kann Gott es so machen, wie ein Bauer, der im Herbst die schlechten Bäume einfach abhackt und dann ins Feuer wirft und verbrennt. So könnte auch Gott euch mit dem Tod bestrafen, so daß ihr für alle Ewigkeit verloren und fern von ihm seid. Die Axt ist den Bäumen schon an die Wurzel gelegt. Wenn ihr euch nicht schnell ändert, seid ihr verloren!“

Da sind viele doch erschrocken. Sie merken: „Gott meint es ernst!“ Sie fragen: „Was sollen wir denn tun? Wie ist das denn mit der Umkehr?“ Johannes sagt ihnen: „Damit könnt ihr gleich jetzt anfangen, mit dem neuen Leben. Es werden ja gar keine Sonderleistungen von euch verlangt, sondern nur das, was ihr im Grunde schon längst aus den Geboten Gottes wißt. Wenn euer Verhältnis zu Gott neu geworden ist, dann handelt jetzt so, wie ich es euch sage. Manche von euch haben eine ganze Menge zu Essen mitgebracht, und manche haben gleich zwei Röcke mitgebracht, weil die Nächte hier am Jordan immer sehr kalt sind. Jeder gebe also dem etwas ab, der nichts mitgebracht hat!“

 Johannes weiß auch, daß manche so arm sind, daß sie nur e i n Hemd oder Rock besitzen. Deshalb möchte er, daß die anderen mit diesen Ärmeren teilen, auch wenn sie vielleicht selber gar nicht besonders reich sind.

Es sind auch Zöllner und Soldaten gekommen, also die Leute, die damals die Macht über die Menschen ausübten. Sie fragen auch: „Was sollen wir tun?“ Vielleicht wollen sie damit sagen: „Für uns kann das doch nicht gelten. Gibt es nicht Sonderregelungen für uns?“ Zu den Zöllnern sagt Johannes: „Fordert nicht mehr Geld von den Leuten als ihr nach dem Gesetz dürft!“ Und zu den Soldaten, die sich oftmals selber ihr Essen von der Leuten erpressen mußten, sagt er: „Tut niemand Gewalt oder Unrecht und gebt euch mit eurem Sold zufrieden!“

Johannes verlangt nicht, daß sie ihrer Beruf aufgeben, ehe sie zu Gott gehören können. Es ist sicher schwierig, als Zöllner und als Soldat immer ehrlich und anständig zu sein. Aber Johannes erwartet von ihren, daß sie auch in ihrem Alltag den Willen Gottes zu erfüllen suchen. Sie sollen allen Verlockungen ihres Berufes widerstehen und allen Menschen Gerechtigkeit und Güte erweisen. Also ist es gar nicht erforderlich, große Dinge zu tun, sondern sie sollen nur ihre Mitmenschen liebhaben und ihnen helfen.

Einige meinen sogar, Johannes sei selber der Messias, der sei schon der von Gott gesandte Retter. Als Johannes das merkt, sagt er zu den Menschen: „Ich taufe mit Wasser, es kommt aber ein Stärkerer als ich. Der wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen!“ Auch Johannes ist ein Starker, aber es kommt ein noch stärkerer, der der eigentliche Bahnbrecher ist.

So ermahnt Johannes das Volk. Aber letztlich will er ihren doch deutlich machen: Wenn ihr euch wirklich ändert, dann dürft ihr euch freuen. Er spricht von dem Heil und der Barmherzigkeit Gottes, der durch die Taufe des Johannes sein Volk sammeln will und schon den Kom­­menden auf den Weg geschickt hat.

Johannes macht mit seiner Botschaft aber auch nicht vor dem Fürsten seines Landes halt. Sein Landesherr Herodes hatte seine erste Frau verstoßen und dafür die Frau seines Bruders geheiratet. Außerdem legte er dem Volk große Steuerlasten auf . Johannes ruft auch ihm zu: „Kehre um, ändere dein Leben, auch dir kann Gott noch vergeben!“

Aber Herodes hört nicht darauf, sondern läßt der unbequemen Propheten ins Gefängnis werfen und später umbringen.

Als aber Johannes ins Gefängnis kam, da nimmt das Jesus als ein Zeichen, nun seinerseits öffentlich zu predigen. Er will das Werk des Täufers fortsetzen und vor allem auch überbieten. Allerdings wirkt Jesus nicht im Jordanland wie Johannes, sondern er geht in seine Heimat Galiläa und später nach Judäa. Johannes hatte nur vorzubereiten, in Jesus aber kommt das Heil Gottes.

 

Rembrandt: Die Täuferpredigt.

Johannes hat gerade aufgefordert, mit den anderen zu teilen. In dem inneren Kreis um den Täufer sitzen Leute, die seinen Worten folgen wollen (dicht bei Johannes mit Barett der Maler selbst). In dem äußeren Kreis aber sind Menschen, die nur von einer Seite hell sind, die zwar von dem Wort des Johannes getroffen sind, aber sich noch nicht entschieden haben (Pharisäer). In einem dritten dunklen Kreis sind alle, die unbeteiligt sind an dem Geschehen. Die Kreise sind in sich geschlossen, die Lichtlinie geht diagonal und trifft den Betrachter nicht Johannes ist der letzte Prophet des Alten Bundes und gehört zu einer abgeschlossenen  Zeit. Das Bild Rembrandts „Predigt Christi“ dagegen zwingt der Betrachter, in der Kreis der Zuhörer zu treten, denn die Lichtlinie geht direkt auf der Betrachter zu. Bei den Worten des Johannes kann man noch Zuschauer sein, bei Jesus nicht.

 

Die Taufe Jesu: Mt 3, 13 - 17  (Mk 1,9-11 / Lk 3,21-22)

Einleitung:

Weil es regnet und Astrid nichts anderes zu tun hat, geht sie mit ihrer Freundin zur Kinderstunde im evangelischen Gemeindehaus. Alles ist ihr fremd. Woher soll sie es auch wissen? Frau Krämer erzählt eine Geschichte. Auf einmal fragt Astrid: „Wer ist denn nur dieser Jesus?“ Einige lachen. Aber Frau Krämer fragt zurück: „Na, könnt ihr es Astrid erzählen und erklären?“ Thomas antwortet: „Jesus ist Gottes Sohn!“ Aber damit kann Astrid nichts anfangen. Sie meint auch: „Gott gibt es doch gar nicht!“

Aber so haben die Menschen schon immer nach Jesus Christus gefragt. Zunächst kannten sie ihn ja auch nicht, wußten, nicht, wer er war. Aber er hatte einen Boten, der ihr ankündigte. Er hieß Johannes der Täufer und wirkte am Jordanfluß.

Er hatte genau erkannt: Das Volk lebte nicht so, wie Gott es erwartet hatte. Es hatte den Bund mit Gott gebrochen und würde seine Strafe dafür noch erhalten. Nur eine Lücke gab es noch für sie: Noch schnell ein neues Leben beginnen und so die Vergebung der Sünder erlangen, ehe der von Gott gesandte Messias kommt. Denn wenn er kommt, dann bedeutet das Gericht über die Menschen.

Ein Mittel dazu sollte die Taufe sein. Dazu trat der Täufling bis zum Bauch ins Wasser eines Flusses und der Täufer übergießt ihn mit Wasser oder taucht ihr sogar ganz unter. Dieses Untertauchen ist gewissermaßen die Vorwegnahme des Todes, der als Strafe für die Sünder zu erwarten ist. Wer aber durch die Wassertaufe „Ja“ sagt zum Gericht Gottes und sich Gott treu zuwendet, der kann hoffen, der letzter Vernichtung zu entgehen. Die Getauften dürfen hoffen, zu dem Rest der Geretteten des Volkes zu gehören.

In diesem Sinne taufte Johannes die Leute. Er stammte wahrscheinlich aus der Gruppe der Essener, die sich darauf vorbereiteten, der heilige Rest Israels zu sein. Die große Menge des Volkes galt ihnen als gesetzlos und unrein. Nur wer sich taufen ließ und das Gesetz

Gottes in Zukunft ganz genau einhielt, sollte gerettet werden. Aber Johannes sprach zum ganzen Volk und wollte es neu sammeln. So wie Gott einst das Volk Israel in der 'Wüste gesammelt hatte nach dem Auszug aus Ägypten, so predigte Johannes in der Wüste Judas und sagte: „Ändert euer Leben , denn die Herrschaft Gottes beginnt bald. Ich taufe euch nur mit Wasser. Nach mir kommt aber einer, der ist stärker als ich. Der wird euch mit Feuer und mit dem Heiliger Geist taufen!“ Wer diese Worte ernst nahm, der ließ sich von Johannes im Jordan taufen Eines Tages aber geschieht etwas Ungewöhnliches.

 

Erzählung:

Eines Tages steht Jesus von Nazareth unter denen, die sich taufen lasse wollen. Dreißig Jahre lang hat er unauffällig in seinem Heimatort Nazareth gelebt und gearbeitet. Jetzt ist er nach Jerusalem und an den Jordan gekommen. Es ist das erste Mal in seinem Leben. Und wenn er das zweite Mal kommen wird, dann wird man ihn kreuzigen. Jetzt schon beginnt für ihn der Weg in den Tod. Aber Gott hat ihn hierher geschickt, er will seinem himmlischen Vater gehorsam sein.

Nichts Besonderes ist an Jesus zu sehen. Er schreit nicht herum: „Seht her, ich bin der Sohn Gottes!“ Er ist ein Mensch wie alle. Ja, er tritt sogar unter die Sünder, obwohl er doch als Einziger keinen falschen Weg gegangen ist und keine Schuld hat.

Johannes erkennt ihn sofort. Er weiß auch: „Dies ist der versprochene Messias!“ Aber wenn das so ist, dann hat es Jesus doch gar nicht nötig, so wie die anderen getauft zu werden. Johannes will die Menschen doch taufen, damit sie zu Gott umkehren. Dieser aber kommt doch von Gott und braucht nicht erst zu ihm umzukehren.

Johannes wünschte sich einen anderer Messias. Er sollte mit aller Gewalt und Herrlichkeit kommen, die Bösen sofort bestrafen und die Guten belohnen. Nur aber steht er dort in aller Niedrigkeit, ein Bruder unter Brüdern. So arm und verborgen hatte er sich den Retter Gottes nicht vorgestellt.

Deshalb sagt Johannes: „Ich hätte es nötig, von dir getauft zu werden. Nun kommst du zu mir. Was soll das?“ Jesus aber antwortet: „Laß es nur jetzt geschehen. Es muß geschehen, wenn alles recht sein soll. So gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen! Gott will, daß ich ganz auf der Seite der Menschen stehe. Wir beide müssen jetzt tun, was Gott will!“

Johannes versteht nicht, weshalb das alles sein soll. Er fühlt sich für diesen Dienst zu gering und verweigert ihn. Umgedreht wäre es nichtig, e r bedarf doch der Taufe durch den Gottgesandten. Den Menschen ist es unbegreiflich. Aber Jesus ist Gott ganz gehorsam und unterstellt sich seinem Willen.

Jesus möchte, daß alle Gerechtigkeit erfüllt wird. Gottes Recht ist durch die Sünde der Menschen, durch Ungehorsam und Auflehnung, zertreten worden. Nur die Vernichtung und der Tod der Sünder könnte das Recht wieder herstellen. Nun aber will Jesus das Todesurteil auf sich nehmen und für alle Menschen sterben.

Dadurch aber darf er dann aber auch den Menschen wieder die Gnade Gottes verkündigen, darf ihnen sagen: „Ihr steht als Gerechte vor Gott, ihr dürft wieder mit Gott und für Gott leben!“ Schließlich gibt Johannes doch nach und tauft Jesus so wie alle anderen. Doch der eigentlich Handelnde ist Jesus selbst. Er geht das völlige Risiko des Menschseins ein und tritt an die Stelle der Sünder. Mit dieser Stunde geht der Auftrag des Täufers zu Ende. Er tritt nun in der Hintergrund und Jesu Werk beginnt.

Als Jesus wieder aus dem Wasser steigt, tut sich der Himmel auf. Gott hatte sich bis dahin verborgen gehalten. Aber jetzt ist er in Jesus zu den Menschen gekommen, die eigentlich ohne ihn leben wollten. Nun ist für die Menschen der Weg zu Gott frei. Die Sünde trennt nicht mehr Gott und die Menschen, Gottes Himmel ist allezeit offen für uns, in Jesus neigt sich Gott zu uns herab.

Gleichzeitig sieht Jesus den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Noch einmal wird deutlich gemacht: In Jesus kommt Gott zu der Menschen. Er nimmt sogar Gestalt an und ist nicht eine unpersönliche Macht, sondern etwas Greifbares. Jetzt ist die Zeit des Messias angebrochen, denn der vorher entschwundene Geist Gottes kommt wieder zu den Menschen; das aber sollte ein Zeichen für das Kommen des Messias sein.

Gleichzeitig aber spricht eine Stimme vom Himmel herab: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ Eine solche Stimme galt als Zeichen der göttlichen Vollendung. Nun bekennt sich Gott voll und ganz zu seinem Sohn. Jesus gehört ganz fest zu Gott. Jesus stellt sich auf unsere Seite, aber Gott steht zu ihm.

Damals verstand man unter einem „Sohn Gottes“ einen Übermenschen. Große und bedeutende Männer erhielten diesen Ehrennamen, zum Beispiel der Kaiser in Rom. Aber Jesus ist nicht von den Menschen zum Sohn Gottes erklärt worden,  sondern er ist wirklich der Sohn Gottes. Gott selbst spricht ihm die Sohnschaft zu. In völliger Freiheit wählt er Jesus zu seinem Sohn, weil er Wohlgefallen an ihm hat. „Hier fängt Christus an, ein Christus zu ein!“(Martin Luther).

Zunächst sieht es so aus, als sei dieser Neue nur ein Schüler und Jünger des Johannes. Jesus läßt sich dann sogar auch von Johannes taufen. Aber in Wirklichkeit ist er doch wie der Hohepriester, der allein in das Allerheiligste des Tempels gehen darf, während Johannes im Grunde noch nicht einmal würdig ist, ihm wie ein Tempelsklave die Riemen seiner Sandalen zu lösen.

Jesus wird den Weg gehen, der in der Taufe nur symbolisch dargestellt ist: Er wird tatsächlich sterben und auferstehen. Deswegen kann er auch mit Feuer und mit heiligem Geist taufen. Das Feuer deutet dabei auf das Gericht, das er halten wird. Aber der Geist macht deutlich, daß Gott doch keinen Menschen verderben will, sondern ihn für immer bei sich haben will.

 

Antwortgespräch:

Der Evangelist Matthäus sagt uns, wer Jesus ist. Er will vier Aussagen machen:

Ein Mann aus Galiläa, getauft wie alle, er steht zu uns, gehorcht Gott.  Und er sagt weiter:

Er ist gleichzeitig Bruder der Menschen und Sohn Gottes! Viele schütteln über diesen Jesus den Kopf und sind. Aber das ist tatsächlich die einzige und wichtigste Antwort, die wir Astrid geben können: „Jesus ist der Sohn Gottes!“

 

Tafelbild:

Jesus Christus                                                       Gottes Sohn

Aus Galiläa                                                             Gott ist bei ihm

Getauft wie alle                                                      Gott gibt ihm Kraft

Er stellt sich zu uns                                                           Gott steht zu ihm

Auch heute ist der dreieinige Gott gegenwärtig bei jeder Taufe. Er sagt auch zu dem Täufling: „Dies ist mein. lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ Das ist möglich, weil Jesus die Sünden der Menschen aller Welt auf sich genommen hat. Gott hat ihm den Heiligen Geist gegeben, damit er diese Last tragen kann. Am Kreuz erleidet er die Strafe für die Sünden. Dadurch sind die Getauften erst wirklich ihre Sünde los. Jetzt ist der Himmel wieder offen und der Weg zu Gott frei.

Schon in der Berufungsstunde Jesu wird die ganze Spannung deutlich, die über seinem Leben liegt. Schon zu Johannes besteht die Spannung zwischen Erwartung und Erfüllung. Aber es ist auch die Spannung da zwischen Jesu Weg des Gehorsams in Niedrigkeit und seine Vollmacht und sein Herrsein über die Welt. Seine Gemeinde steht auch in dieser Spannung, denn sie lernt den Weg des Leidens kennen und wird doch immer wieder seines Herseins gewahr.

 

Bildbetrachtung: Kaufmann, Handreichung, Nr. 4:

 Ein Strom des Geistes Gottes ergießt sich, durch ein Strahlenbündel dargestellt, auf Jesus und das Wasser des Flusses. Die Richtung geht von oben nach unten. Mit einem deutlichen schwarzen Grenzstrich ist das Wasser von dem Strahlenkegel geschieden: Jesus ist mitten unter die Sünder getreten.

Er sieht aber auf das göttliche Licht, die Haltung der Arme drückt völlige Ergebung in den Willen des Vaters aus. Die Jünger sind in ehrfürchtiger Beugung Zeugen des Geschehens. Der Geist stößt in Überbreite auf das Geschehen herab. Er ist keine Friedenstaube, sondern hier ist ein Kelch angedeutet.

 

 

Die Versuchung Jesu (Mt 4,1 -11)

Einstieg:

In dem Lied „ Ach bleib mit deiner Gnade“ ist von dem „bösen Feind“ die Rede. In der Bibel ist manchmal (ebenso wie im Gesangbuch) die Rede vom „Teufel“. Doch wir wissen genau: Den Teufel gibt es nicht wirklich, jedenfalls nicht die Spottfigur, wie wir sie aus dem Kasperletheater kennen oder wie ihn die Maler dargestellt haben: Im Jägerkleidung mit Schwanz und Pferdefuß, über und über mit schwarzer Haaren bedeckt und 100 Meter gegen den Wird stinkend. Wenn es so leicht wäre, den Teufel zu erkennen, dann könnten wir uns leicht gegen ihn schützen.

Der Teufel als Person gibt es nicht. Und doch haben wir jeden Tag mit ihm zu tun. Jeder Mensch lebt in ständiger Versuchung, etwas zu tun, was er eigentlich nicht tun sollte. Manchmal schafft man es, das Böse nicht zu tun. Aber manchmal kann man auch nicht wiederstehen. Und dann vergiftet das Böse das Leber zwischen der Menschen und zwischen Gott und den Menschen.

Diese Kraft, die oft unser Leben zerstört, wird in der Bibel als eine Person dargestellt und als „Teufel“ oder „Satan“ bezeichnet. Man kann die entsprechenden Worte auch wiedergeben mit „Ankläger, Verführer, Zerstörer“. Aber diesen Verführer können wir nicht wirklich sehen. Wie müssen das Bild immer gleich übertragen. So geschieht es auch in der Redewendung: „Mal doch nicht gleich den Teufel an die Wand!“

 

Die fratzenhafte Gestalt des Teufels kann uns gut deutlich werden an einem Bild von Paula Jordan (nicht aus „Schild des Glaubens“): Auf der Spitze eines hoher Berges stehen Jesus und der Teufel. Winzig klein liegen die Dörfer und Städte wie Spielzeug unten im Tal. Ebenso reicht der Blick unermeßlich in die Weite, Berg hinter Berg türmt sich auf. Von der Bergspitze aus kann man „alle Reiche der Welt“ sehen, die Herrlichkeit der Welt liegt zu Jesu Füßen ausgebreitet.

Der Teufel steht hinter Jesus. Geschmeidig wie eine Schlange beugt er sich zu Jesus herab und paßt sich ihm genau an. Wie Schlangen sind auch die Arme, die wie bei einer Frau mit Armbändern geschmückt sind. Sie weisen auf all die Schönheit im Tal. Die Augen sind zu schmalen Schlitzen geschlossen und bohren sich beschwörend in die Augen Jesu hinein. Züngelnd spielt der Wind mit dem flatternder Mantel des Teufels, so als wollte er Jesus im nächsten Augenblick einhüllen als seine Beute. Selbst die Haare des Teufels zucken auf Jesus hin. Jesus mag uns fremd anmuten. Er sieht anders aus als auf den gewohnten lieblichen Bildern. Für Jesus gibt es keine Gemeinschaft mit dem Teufel. Eng zieht er sein Gewand um sich. Alle Linien des Mantels sind stark und gradlinig, wie ein strenger Rahmen. Streng und klar ist das Gesicht, das in eine andere Welt hineinschaut als die, die der Teufel ihm zeigt. Auch die Hände sprechen ein sehr bestimmtes Nein. Den linken Fuß hat er schreitend vorgesetzt. Er will vom Berg herabsteigen und damit das Gespräch beenden. Jesus hat dem Teufel widerstanden. Dadurch hat er ihn besiegt und gibt auch uns Kraft, ihm zu widerstehen. Aber der große Ernst der  Auseinandersetzung wird auf diesem Bild sehr gut deutlich.

 

Wie leicht auch wir dem Teufel erliegen, zeigt etwa die Beispielgeschichte von Wilhelm Lobsin  „Im Nebel“: Ein Junge wird ins Geschäft geschickt,  um eine Christbaumspitze zu kaufen. Dabei stiehlt er eine elektrische Maus, mit der er seinen Bruder ärgern will. Erst hat er nur die Maus gestreichelt, dann schnappte die Hand zu, dann war sie in der Tasche. Erst draußen merkt der Junge: Jetzt muß ich zu Hause lügen! Erst hinterher merkt er, wohinein er geschliddert ist. So fallen wir rein, weil wir anfangs gar nicht merken, mit wem wir es zu tun haben.

Wie schnell glauben wir doch: „Stehlen  ist doch nicht so  schlimm! Schlechte Worte sind doch nichts Böses! Vater oder Mutter kann man schon einmal belügen!“ Erst wollten wir es gar nicht tun. Aber dann finden wir Ausreden, flüchten zu Heimlichkeiten, das Vertrauen ist gestört. Aber dadurch werden wir auch von Gott weggebracht.

Auch Erwachsene  haben manchmal schwere Entscheidungen zu fällen. Auch sie werden vom Teufel versucht. Sogar  Jesus wurde mehrmals in seinem Leben versucht. Immer wieder haben Menschen ihn von seinem Weg abbringen wollen: seine Freunde, weil sie ihm einen leichteren Weg wünschten, seine Feinde, weil sie ihn haßten oder fürchteten. Noch als er am Kreuz hing, haben sie gerufen: „Steig doch herab vom Kreuz, dann wollen wir an dich glauben!“ Jesus aber wollte bis zuletzt den Weg gehen, den Gott ihm bestimmt hatte, auch wenn dieser Weg am Kreuz endete.

Seine Jünger  haben die inneren Auseinandersetzungen alle miterlebt. Später haben sie das weitererzählt, weil es für andere eine Hilfe sein könnte. Matthäus hat das alles in einer einzigen Geschichte  zusammengefaßt. Nun sieht es so aus, als ob Jesus alle diese Versuchungen an e i n e m Tag und am Anfang seiner Wirksamkeit erlebt hätte, aber in Wirklichkeit waren das mehrere Ereignisse. Wie Matthäus die Versuchung Jesu erzählt, wollen wir nun hören.

 

Zunächst aber betrachten wir ein Bild  der Landschaft, in der alles beginnt: die Wüste Juda, ein kahles Land mit nur wenig Pflanzen, vor allem aber nicht von Menschen bewohnt, ohne Dörfer und Städte (Bild zeigen).

 

Erzählung:

Gott hatte Jesus den Auftrag gegeben, die Menschen zu erlösen. Aber wie sollte er das machen?  Gab es dafür nicht verschiedene Wege? Welchen sollte er  gehen? Jesus mußte sich das einmal genau überlegen. Gott wollte auch, daß Jesus ganz klar wußte, welches der richtige Weg für ihn war. Deshalb führte er ihn in die Berge, wo es leer und einsam war wie in der Wüste. Hier sollte er versucht werden wie die Menschen, sollte einmal kennenlernen, wie das ist, wenn das Böse auf den Menschen zukommt.

In der Wüste gibt es einen Menschen. Da gibt es auch nichts zu essen. Aber Jesus will ja auch nichts essen. Er will Zeit haben  und Stille, um herauszufinden, wie er nach Gottes Willen den Menschen helfen sollte. Er will beten und mit seinem himmlischen Vater reden. Er will sich ganz zu Gott hinwenden und deswegen nicht einmal etwas essen. Nur so wird er für den kommenden Kampf gerüstet sein, den man nur mit Gott durchstehen kann. Da er eine „höhere Verbindung“ sucht, fällt das Suchen nach den „niederen Dingen“ fort.

Vierzig Tage soll er in der Wüste geblieben sein. Wir werden daran erinnert, daß einst das Volk Israel vierzig Jahre von Gott in die Wüste geführt wurde. Als sie Hunger hatten, murrten sie gegen Gott. Gott aber hat sie erhalten durch das Manna-Brot, das vom Himmel fiel, und durch das Wasser, das aus dem Felsen kam. Die Wüste ist nicht eine gottfeindliche Gegend, sondern auch in der Wüste ist Gott unmittelbar gegenwärtig und trägt und führt die, die an glauben.

Aber nach der vierzig Tagen bekommt Jesus doch Hunger. Er steht nicht über der Not der Welt, wie man das im Altertum von den Göttersöhnen behauptete, sondern hat an der Not der Welt Anteil. Jesus ist ein Mensch wie andere auch und muß deshalb etwas essen. Hier liegt auch die verwundbare Stelle, an der der Versucher ihn angreifen kann.

Wo soll Jesus etwas zu essen herbekommen? Er blickt sich um. Da sieht er viele Steine her­umliegen, die genauso aussehen wie die Gerstenbrötchen, die man beim Bäcker immer kaufen kann. Wäre das nicht eine Möglichkeit, durchzuckt es Jesus? Du könntest doch aus diesen Steinen Brot machen. Du bist doch Gottes Sohn! Du kannst das doch! Wenn das wirklich so ist, dann nütze das doch aus. Gott hat doch auch mit seinem Wort die ganze Welt geschaffen. Da brauchst du doch auch nur ein Wort zu sagen, und aus den Steinen wird Brot. Du kannst doch diese Not sofort beseitigen!“

Und weiter überlegt er: „Es wäre ja nicht nur für dich, sondern auch für alle Menschen. Dann wirst du die Massen für dich gewinnen und mit einem Schlag die Brotfrage gelöst haben. So einen brauchen die Menschen doch. Du brauchst nur ein Wunder vor ihren Augen zu vollbringen und sie werden dir Beifall klatschen. Du bist doch der Messias, der Heilskönig. Das hat doch Johannes der Täufer gerade erst bei deiner Taufe gesagt. Wenn du dir erst die funkelnde Krone eines irdischen Königs aufgesetzt hast, dann wirst du von den Menschen verlangen können, was du willst, und die werden dir folgen. Der König hatte schon immer Erfolg bei den Massen, wenn er ihnen Brot verschaffte, für das man nicht zu arbeiten brauchte. „Brot für die Welt“ - war das Gottes Wille?

Aber es kommt Jesus so vor, als sei der Teufel neben ihn getreten und sagte: „Da siehst du nur, wie weit du mit deinem Beten kommst! Davon wird keiner satt. Von Gott kann man nicht leben. Essen muß der Mensch, das ist die Hauptsache! Jesus weiß, daß Brot eine wichtige Sache ist. Sollte es Gottes Wille sein, die Menschen vom Hunger zu erlösen?

Aber der Mensch braucht mehr. Wenn er zum Beispiel krank ist, dann nützt ihm alles Brot und alle andere Nahrung nichts. Gott will den Menschen mehr geben als nur Brot. Die Menschen sollen auf ihn hören, ihn und die Menschen lieben - nur so kann ihnen wirklich geholfen werden. Er kann sich nicht selber helfen, sondern ihm muß umfassend von Gott geholfen werden.

Deshalb antwortet Jesus: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das Gott zu ihm spricht! Nur weil Gott es will, wird das Leben des Menschen erhalten!“ Jesus beruft sich hier auf ein Gotteswort aus dem Alten Testament (Dt 8,3), das auf die wunderbare Speisung  des Volkes Israel in der Wüste verweist.

Damals wurde doch gerade deutlich, daß der Mensch nicht allein vom Brot lebt. Brot ist nur eins der Mittel, durch die Gott das Leben erhält. Aber wenn er es nicht jeden Tag neu gibt, dann ist der Mensch verloren. Ohne Gott kann er nicht existieren. Deshalb gibt sich auch Jesus ganz in die Hand Gottes.

 

Weil Jesus sich auf das Wort Gottes berufen hat, zitiert der Teufel aber nur auch die Bibel. Er führt Jesus nach Jerusalem und stellt ihn auf die Zinne des Tempels. Das war wohl so ein balkonartiger Vorsprung an der Tempelmauer, von dem aus man den ganzen Tempel und die ganze Stadt überblicken konnte. Viele Menschen sind im Tempel. Sie müßte doch eigentlich sehen, daß Jesus dort oben steht. Genügend Publikum ist ihm gewiß.

Da hört er wieder die Stimme: „Du bist doch Gottes Sohn!“ Da wird dich doch Gott retten aus allen Gefahren! Spring doch hinab in die Tiefe. Es wird dir schon nichts passieren, du wirst heil unten ankommen. Gottes Engel werden dich über den Abgrund tragen. Denn in der Bibel steht doch geschrieben: „Gott wird seinen Engeln befohlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßen wirst!“

Bei dieser Worten muß Jesus gleich an das denken, was die Leute immer sagen, wenn sie vom Kommen des Messias reden: „Im Tempel von Jerusalem wird er sich zuerst zeigen!“Er wird sich von der Höhe herablassen und doch am Leben bleiben, der der Messias kann fliegen und andere Wunder tun. Dann werden alle wissen, daß er der von Gott erwählte Retter und Helfer ist.

Jesus denkt bei den Worten des Teufels: „Ja, Recht hat er! Ich könnte das! Und dann hätte ich es leicht bei den Leuten. Alle wüßten dann, wer ich bin und keiner würde mehr an mir zweifeln. Mit einem Schlag könnte er ihm ganzen Volk bekannt werden und die Menschen überzeugen.

Und was der Teufel sagt, das steht doch wirklich in der Bibel. Er kennt sich offenbar dort auch gut aus. Aber das Bibelwort ist anders  gemeint, als der Teufel es anwendet. In jenem Psalmwort (Ps 91,11-12) wird dazu aufgefordert, auf die Hilfe Gottes zu vertrauen, wenn man unverschuldet in Not  geraten ist. Aber man darf sich nicht mutwillig in Gefahr begeben, um zu probieren, ob Gott hilft. Man darf Gott nicht zwingen wollen und zu seinem Diener machen wollen. Damit würde man sich über Gott  stellen und ihn nicht mehr Gott sein lassen.

Jesus schlägt den Teufel mit seinen eigenen Waffen. Er beruft sich auch auf die Schrift, nur verdreht er sie nicht, sondern versteht sie nicht richtig. Er sagt: „Es steht aber auch in der Bibel: Du sollst Gott, deinen Herr, nicht versuchen! Du darfst ihn nicht auf die Probe stellen wollen!“ Damit wehrt Jesus auch diese Versuchung ab.

 

Da geht der Versucher in einem dritten Vorstoß aufs Ganze. Bisher war er scheinbar persönlich ganz urbeteiligt. Aber nur läßt er die Katze aus dem Sack und bietet selber etwas an. Er führt Jesus auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt. Da liegen die weiten Fluren vor ihm ausgebreitet. Dort sind die großer Städte mit ihrer stolzen Schlössern. Jesus kann alle Schönheit und Herrlichkeit der Welt überschauen. So ähnlich muß Mose von einem hohen Berg auf das gelobte Land gesehen haben, das er aber nicht mehr erreichen würde.

Der Teufel merkt, wie Jesus sich an diesem Anblick erfreut. Und er sagt: „Das alles (und er macht dabei eine entsprechende Handbewegung) will ich dir geben, wenn du vor mir niederfällst und mich anbetest!“  Jesus weiß selber auch, daß er in der Augen der Welt nur ein Bettler ist. Er hat kein Königreich, keine Soldaten, kein Gold. Macht hat man nur in der Welt, wenn man etwas hat. Wer die Macht in Händen hält, kann die Welt verändern, zum Bösen oder zum Guten.

Natürlich würde Jesus nur Gutes tun. Er würde es schon schaffen, die Gottesherrschaft auf der Welt aufzurichten. Jesus hätte tatsächlich das Zeug dazu gehabt, als Kaiser der ganzen Welt den Menschen Wohlstand und Frieden zu geben; er wäre wirklich der Heiland auf dem Kaiserthron gewesen. Daran können wir erkennen, wie tief und schwer diese Versuchung für ihn gewesen sein muß.

Und nun steht da der Versucher und sagt zu ihm: „Komm, du König ohne Land, ich will meine Macht mit die teilen. Er ist in einem gewissen Sinne tatsächlich der „Fürst dieser Welt“, der die Herrschaft ausübt. Er hat bisher seine Macht dem römischen Kaiser verliehen. Aber nun körnte sich Jesus an die Stelle des Kaisers setzen. Er würde die Weltherrschaft gleich antreten und könnte sich und seiner Gemeinde den Umweg über die Erniedrigung und den Tod ersparen.

Nur eine kleine, eine ganz kleine Bedingung ist damit verbunden: Er soll vor dem Teufel niederfallen. Das heißt aber: Er soll ihm eine Ehre geben, die man sonst nur dem Staatsoberhaupt oder Gott erwies. Aber Jesus weiß auch, daß damit das erste Gebot übertreten wäre: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir!“ Und die Menschen zum Guten zwingen zu wollen, das ist der Weg des Teufels. Gott will, daß die Menschen ihm freiwillig dienen.

Deshalb geht Jesus auch aufs Ganze und weist diese Versuchung scharf zurück. Er weiß genau, mit wem er es zu tun hat: Das ist der Teufel, der ihn von Gott abbringen will. Jetzt rennt er ihr beim Namen: „Hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst Gott anbeten und ihm allein dienen!“ Wieder hat Jesus mit einem Bibelwort den Versucher abgewiesen.

Da gibt es der Teufel auf und verläßt Jesus. Die Versuchungen sind damit nicht ein für allemal beerdet. Aber Jesus bleibt auch nicht allein. Gott zeigt ihm, daß er ihn liebhat und zu ihm steht: Die Engel Gottes treten zu Jesus und dienen ihm.

 

Antwortgespräch:

Jesus kann uns verstehen in unserem Angefochtensein, weil er selber auch versucht wurde. Aber er blieb ohne Sünde und hat dadurch die Vollmacht, denjenigen aus der Fängen des Widersachers zu lösen, der dem Bösen verfallen ist.

Seine Versuchungen bestanden darin, Brotkönig, Wunderkönig oder  Weltkönig zu werden. Will er verzweifelt vom Brot leben oder sich von Gott durchhalten lassen? Will er trotzig mit Gott experimentieren oder auf solche Demonstrationen im Glauben an den ursichtbaren Herrn verzichten? Will er sich der politischen Macht verschreiben oder dem Ewigen allein die Ehre geben? Oder anders gesagt: Will er als Wirtschaftsreformer, Sozialrevolutionär, Sensationsheld oder als politischer Führer das Heil bewirken, oder will er das Reich Gottes heraufführen durch das Wort Gottes, den Gehorsam, den Glauben und die wahrhafte Anbetung?

Wir vergleichen die Messiaserwartungen mit dem Leben und Wirken Jesu.

 

Messiaserwartungen                                 Leben Jesu

Römer verjagen                                          Keine politische Macht

Macht haben                                               Haß, Tod

            Ruhm                                                           Einsamkeit

Ehre                                                              Verachtung

            Reichtum                                                     Armut

Dazu sagt Jesus „Nein“                            Dazu sagt Jesus „Ja“.

Darum ist Jesus der Messias.

 

Matthäus berichtet in seiner Erzählung kein einmaliges Ereignis aus dem Leben  Jesu, das einmal so passiert ist. Vielmehr will er zeigen: Jesus ist ständig versucht worden, aber er hat die Versuchung bestanden. Die Gemeinde des Matthäus bezeugte: Jesus ist nicht Gottes Sohn  nach der Art der damaligen angeblichen „Göttersöhne“  Er lebte in unbedingtem Gehorsam gegen Gott. Deshalb konnte er der Versuchung widerstehen, seine Gottessohnschaft durch Wunder zu erweisen. Wunder sind nur notwendig, wenn man Gott roch mißtraut.

Die Gemeinde wird dadurch vor  der Versuchung bewahrt, Jesus falsch zu verstehen. Er beseitigt nicht mit einem Handgriff alle Not. Er verwehrt auch den Ausweg, sich zu einer geschlossener Gesellschaft zu vereinigen, wo man seine Ruhe hat und überleben kann. Gottes Wort ruft sie vielmehr auf, auch in persönlicher Bedrängnis Liebe zu üben und barmherzig zu sein.

 

Kaufmann-Bild: Durchbrechung des Teufelskreises (Nr. 5 )

Die Versuchungen werden nicht einzeln dargestellt, sondern in diesem einen Bild zusammengefaßt. Der Satan in Gestalt einer  Schlange umschlingt Jesus mit mächtigem Schwung. Sie erreicht ihn mit ihrer gespaltenen Zunge, die das Zeichen für die verlogenen Worte des Teufels ist.

Jesus aber steht unerschütterlich, ruhig und fest. Seine linke Hand  wehrt den Angriff des Teufels ab. Seine rechte Hand  streckt sich dem Vater entgegen, mit dem er in einer niemals abreißenden Verbindung des Gebets steht. Diese Hand nimmt aber auch das Kreuz  entgegen , das Gottes Hand seinem Sohn reicht. Das Kreuz aber ist zugleich Zeichen des Sieges. Gott hat immer den Sieg in seiner Hand. Dem Satan ist keine letzte Macht gegeben, er vermag Jesus nicht ganz zu umschlingen.

Jesus ist in den Teufelskreis hineingestellt, so wie jeder vor uns. Aber er durchbricht ihn mit seinem Gehorsam (vgl. Phil 2). Aber der Gehorsam bedeutet Leiden und Kreuz, aber auch erfolgreiche Abwehr aller Angriffe der widergöttlicher Macht.

 

Unsere Versuchungen  heute:

„Glaube doch der Quatsch nicht, den sie dir in der Kirche erzählen!“

„Wir suchen selber etwas zu erreichen, anstatt uns von Gott helfen zu lassen!“

 

Die Versuchungen Jesu:

Ort

Versucher

Versuchung

Sieg

Wüste

Teufel

Brotwunder- Schauwunder -

Weltherrschaft

Es steht geschrieben

Berg

Volk

zum König machen (Speisungs-

wunder)

Jesus entweicht

Cäsarea Philippi

Petrus

Das widerfahre dir nur nicht!

Gehe hinter mich, du Satan

Gethsemane

Angst

Nimm diesen Kelch von mir!

Dein Wille geschehe

Gethsemane

Petrus

Petrus schlägt mit dem Schwert

Soll ich den Kelch nicht trinken?

Golgatha

Volk

Steige herab vom Kreuz!

Es ist vollbracht!

                                                                      

                                                                                 

Jesus gibt den Elenden Hoffnung: Mt 4, 12-17                               

 

Tafelanschrift: ELEND . Was fällt euch ein bei diesem Wort? „Mir ist ganz elend“ oder „Ist das ein Elend auf der Welt“ oder „Er sitzt im Elend“ , usw.  Ihr wißt auch, wie elend einem zumute ist, wenn er Vater und Mutter urgehorsam war.

Zum Elend gehören (unter das Wort schreiben): Krankheit, Schmerzen, Hunger, Armut, Haß, Krieg, Leid, Schuld, Tod.

Warum gibt es denn  solches Elend? Wie kommen wir aus ihm heraus?

Elend bedeutete früher soviel wie „Ausland: Wer im Elend ist, der ist im Ausland.

Das karr uns auch die Zeichnung deutlich machen:

 

 

 

 

 

 

Die Menschen sitzen im Elend. Da gibt es Unfriede, Haß, Ungerechtigkeit. Sie sind wie von einer Schlange, das heißt: vom Bösen eingeschlossen. Nun wollen sie aus dem Elend herauskommen. Sie wollen zum Beispiel Frieden - und kämpfen deshalb für den Frieden. Sie wollen Gerechtigkeit und kämpfen deshalb gegen die Urgerechtigkeit! Sie wollen gesund sein und haben Angst vor dem Tod.

Zur Zeit  Jesu wollten die Menschen aus dem Elend herauskommen durch genaue Befolgung der jüdischer Gesetzesvorschriften. Zur. Zeit Luthers versuchter sie es durch Ablaß, Wallfahrt, Reliquien. Heute  versuchen sie es durch Leistung, Wohlstandspolitik, usw. Viele Politiker versprechen den „Himmel auf Erden“.

Wie sind denn die :hersehen in das Elend hineingekommen? Sie gehören doch eigentlich ganz woanders hin! Sie gehören in  das Vaterhaus ihres himmlischer Vaters (obere Hälfte der Zeichnung). Dort ist Friede, Gerechtigkeit, Wahrheit, Leben.

Weil die Menschen aber mehr auf die Stimme des Böser gehört haben, sitzen sie jetzt wie die Gefangenen im Ausland und möchten gern aus dem Elend heraus. Aber das Elend wird immer schlimmer. So geht es im Grunde uns allen. Wir wollen aber hören, was Jesus zu den Menschen  sagt, die im Elend sind:

 

 

Erzählung:

Jesus hatte sich von Johannes taufen lassen. Nicht lange danach aber ging eine aufregend Nachricht durchs Land. Von und zu Mund wurde sie weitergesagt: „Wißt ihr schon? Johannes der Täufer - er ist verhaftet worden!“- „Wer hat ihn denn verhaften lassen? Was hat er denn getan? Das ist doch nicht möglich! Er hat doch nichts Schlimmes getan.  Er hat doch nur gepredigt und die Menschen getauft!“ So reden die Leute.

Aber dann fällt ihnen auch ein: „Die Wahrheit hat er gesagt. Daß wir gar nicht so sind, wie es Gott gefällt! Und auch dem König Herodes hat er die Wahrheit gesagt. Aber der hat sich das nicht gefallen lassen!“

So ist Johannes ins  Gefängnis gekommen. Die Leute sind erschüttert und traurig. Fast alle haben ja von Johannes gehört. Viele kennen ihn persönlich. Sie waren alle ja in die Wüste hinausgegangen, wo er gepredigt hatte. Nun stöhnen sie: „Was ist das doch für ein Leben in dieser Welt! Soviel Ungerechtigkeit und Unfriede unter den Menschen. Es ist doch wirklich ein Elend, in dem wir leben!“

Johannes kann nun nicht mehr predigen. Er sitzt in seiner Gefängniszelle und hofft, daß jetzt bald ein Stärkerer kommt. Der wird ihn und das ganze Volk aus dem Elend befreien können. Das wüßte wohl einer sein, der ein schreckliches Gericht über alle Menschen hält.

Auch Jesus hat davon gehört, daß Johannes ins Gefängnis gekommen ist. Da weiß er: „Jetzt ist meine Zeit zum predigen gekommen!“ Er geht in seine Heimat nach Galiläa. Aber er bleibt nicht in Nazareth, sondern zieht nach Kapernaum  am See Genezareth.

Hier wohnt er und beginnt schließlich zu  predigen. Er geht wie alle anderen am Feiertag in das Bethaus. Dort werden die Worte der Propheten vorgelesen und nachher erklärt. Vielleicht kennen die Leute dort auch das Wort aus dem Propheten Jesaja: „Das Volk am See Genezareth, das im Elend sitzt, hat ein großes Licht gesehen!“ Ob sie aber auch wissen, was das  bedeutet?

Jesus liest den Abschnitt vor. Dann beginnt er zu predigen, genauso wie Johannes es getan hatte: „Ihr Menschen im Elend. Haltet ein! Tut Buße und ändert euer Leben! Das Himmelreich ist nahe herangekommen! Ihr könnt nicht von euch aus hineinkommen, sondern es ist zu euch gekommen!“

Ob die Leute wohl verstanden  haben, was Jesus meinte? Ob sie wohl begriffen haben, daß er ihnen das Himmelreich bringen wollte, damit das Elend in der Welt überwunden werden kann?

Er kam ja selbst ins Elend. Er wurde ein Mensch wie wir und lernte alles Elend der Marschen kennen. Er kannte Not und Angst, Hunger und Durst, Haß, Lüge und Falschheit. Schon bei seiner Geburt wurde deutlich, wie sehr er ins Elend kam.

Wo aber Jesus ist, da ist das Himmelreich ins Elend hineingekommen. Wenn wir auf Jesus sehen und auf sein Wort hören, dann ist es ganz nahe zu uns herangekommen. Dann brauche-

wir nicht mehr durch unsere eigenen Leistungen und Anstrengungen aus dem Elend herauszukommen. Jesus kehrt alles um. Und wenn wir ihm darin folgen, dann tun wir „Buße“.

In der Welt gibt es immer noch Elend. Aber der Schlange ist schon das Rückgrat gebrochen. An einer Stelle wird schon etwas vom Himmelreich deutlich. Dort setzen sich Menschen für Liebe, Gerechtigkeit,  Friede ein, da handeln sie im Sinne Jesu. Er steht am Schnittpunkt zwischen Himmel und Erde und hilft uns, daß wir auf der Erde schon im Sinne Gottes und des Himmelreiches handeln können.

Das vierte Bild weist auf das Abendmahl  hin, durch das wirk mit dem Himmelreich und mit Jesus in Verbindung kommen.

 

 

 

 

 

Die Berufung des Levi: Mk 2, 13 -17 (Mt 9,9-13 und Lk 5,27-32)

Einstieg:

Als Tafelanschrift das Sprichwort: „Zeige mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist!“ Wenn man etwas über das Wesen eines Menschen erfahren will, sollte man ihn im Umgang mit seinen Freunden betrachten. Deshalb wollen auch die Eltern gern wissen, mit wem

ihre Kinder spielen und wer ihre Freunde sind und wen sie zum Beispiel. zum Geburtstag einladen.

Aus Bildern kleben wir eine Tischrunde unter dem Gesichtspunkt: Wen laden wir zum Geburtstag ein? Wir spielen die Diskussion zwischen Mutter und Kind.

Wenn man sich die Freunde eines Menschen ansieht, kann man seine Menschenkenntnis verbessern. Man wird sich aber auch selber überlegen, wen man zum Freund haben will. Ein Jugendlicher wird sich zum Beispiel fragen: Möchte ich vor meiner Eltern oder Lehrern in Gesellschaft dieses Jungens oder Mädchens gesehen werden?

Die Frage ist nur: Nach welchen Gesichtspunkten beurteilt man einen Menschen? Hier hat das Sprichwort auch seine Grenzen: Man ordnet die Menschen zu leicht und zu schnell irgendwo ein und stempelt sie ab. Wir meiden dann vielleicht den Umgang mit einem Menschen, weil er äußerlich abstoßend wirkt, unsauber oder laut ist und vielleicht auch weniger klug. Wir wissen vielleicht, daß er gestohlen hat und im Gefängnis gesessen  hat, und bedenken gar nicht, daß er sich ja inzwischen gebessert haben kann.

Oder wir schicken bei einem Gemeindefest einen weg,  der sonst auch nicht kommt. Oder ein Kinderchor löst sich auf, weil einer mitsingen will, den die anderen nicht haben wollen. Weil wir leicht Vorurteile haben,  sind wir dann ungerecht in der Beurteilung anderer Menschen. Wir wollen aber sehen, wie Jesus zu dem Sprichwort steht: „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist!“

 

Erzählung:

Jesus wollte vom See Genezareth wieder zurück in die Stadt Kaperraum. Am Stadttor muß er wieder an der Zollschranke vorbei, denn Kaperraum ist Grenzstation. Dort sitzt seit Jahr und Tag der Zöllner Levi und kassiert den Zoll ein. Zöllner zu sein, das war damals mehr als eine Berufsangabe, das beschrieb die ganze äußere und innere Situation dieses Mannes. Er arbeitete eng mit der römischen Besatzungsmacht zusammen. Der Römern mußte er im voraus eine bestimmte Summe Zoll zahlen. Dafür ließen sie ihm freie Hand, soviel aus den Leuten her­aus­zupressen, wie nur irgend ging. Notfalls standen die römischen Soldaten bereit, um der Zahlungswilligkeit der Leute nachzuhelfen.

Der Überschuß über das Soll floß in die Tasche des Zöllners. Deshalb trieb dieser zum eigener Nutzen die festgesetzten Zolltarife willkürlich in die Höhe. Deswegen waren die Zöllner die  bestgehaßten  Leute im Volk Israel. Sie wurden von der Gesellschaft ausgestoßen und verachtet. Zu ihnen führte kein Weg, mit ihnen wollte man nichts zu tun haben und man übersah sie einfach. Sie waren und blieben Diebe und Ausbeuter. So dachten die Leute damals, und sie hatten Recht damit.

Doch heute geht Jesus nicht so einfach an der Zollstation vorüber. Er sieht sich den Levi an und weiß sofort, was mit ihm los ist. Da gibt es kein Verstecken mehr! So wie ein Arzt erkennt Jesus die Krankheit dieses Mannes: Er ist ein Betrüger wie alle anderen Zöllner auch, und niemand will etwas mit ihm zu tun haben.

Aber Jesus sagt ganz einfach zu ihm: „Folge min!“ Da geschieht das Erstaunliche: Der Mann verläßt alles und gehorcht. Er macht nur erst noch die Schranke hoch und schließt die Kasse ab. Dann geht er mit Jesus. Der nimmt Levi mit in sein Haus und lädt ihn zum Abendessen ein.

Zu dem Essen kommen aber noch viele andere Leute. Zum Teil sind es Berufskollegen des Levi. Aber es sind auch Leute darunter, die er überhaupt nicht kennt. Es sind alles entweder arme Leute oder Menschen mit einem unehrenhaften Lebenswandel oder Beruf. Es sind ver­achtete und ausgestoßene Menschen, so wie Levi es bisher auch war. Aber nun hat er Menschen gefunden, die ihn nicht wegjagen. Auch die Jünger Jesu sind mit da. Alle essen sie nun zusammen mit Jesus an einem Tisch.

Draußen aber kommt ein Pharisäer vorbei, einer von der ganz Frommen, die es mit den Geboten Gottes übergenau nehmen und es den Menschen damit nur unnötig schwer machen. Er wirft einen kurzer Blick durch das niedrige Fenster in das Haus Jesu. Da sieht er ihn doch wahrhaftig inmitten all dieser Zöllner und Sünder sitzen und ganz gemütlich mit ihren speisen.

Das geht ihm doch über die Hutschnur! Das ist doch gegen die Ordnung Gottes! Er ruft einen anderer Pharisäer herbei und zeigt auf das Haus: „Guck doch nur einmal, mit wem dieser Jesus da an einem Tisch zusammensitzt! Es ist kaum zu glauben! Das ist doch unerhört!“

Als zufällig einmal einer der Jünger nach draußen kommt, fragen sie ihn: „Warum ißt euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?“ Jesus aber hat mitgekriegt, was sie fragen wollen. Er ruft ihnen nach draußen zu: „Die Starken bedürfen des Arztes nicht, aber die Kranken. Ihr haltet euch für die Starken, da habt ihr mich auch nicht nötig. Aber diese hier, die brauchen mich. Ihr müßt erst umdenken lernen, ehe ihr verstehen könnt, was hier geschieht: „Ich bin der von den Propheten Verheißene, der gekommen ist, um die Menschen zu heilen und frei zu machen. Was ihr für Sünde haltet, ist in der Augen Gottes Barmherzigkeit. Denn ich bin gekommen, um all die einzuladen, die Not, Verlassenheit und Verachtung erleben. In ihrem Leben, soll es von nur an anders werden!“

 

Bildbetrachtung: Kaufmann, Wort im Bild, Nr. 6:

Levi (Matthäus) hat nicht nur hinter der Zollschranken seines Berufs gesessen, sondere auch hinter der unsichtbaren Schranken seiner Schuld. Doch diese sind gleichzeitig auch die Schranken der Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit der anderen. Diese Schranken wird er nicht aufheben oder durchbrechen können. Ein hartes Gesetz hat ihn verurteilt, hinter diesen Schranken zu Leben. Er ist ein Gescheiterter und Verstoßener.

Aber so wie das helle Licht  plötzlich die Dunkelheit durchbricht, so unerwartet und unvorbereitet trifft der Ruf Jesu den hinter den Schranken lebenden Zöllner. Gerade diesen unmöglichen Menschen spricht Jesus an, ruft ihr zu sich und macht ihn zum vertrauten Mitarbeiter. Sein Wort hat die Macht, Schranken aufzuheben und gibt der Weg frei zu einen neuen Leben.

Der Gerufene kann nun die Einladung annehmen. Er kann aber auch Bedingungen stellen und die Nachfolge verweigert. Doch Levi folgt bedingungslos, überwältigt von solch grenzenlosem Vertrauen und solch schrankenloser Liebe.

Levi steht am Scheideweg seines Lebens. Seine leeren Hände streckt er Jesus entgegen. Er läßt sich von den einladenden Händen Jesu gewissermaßen herbeiziehen, denn er ist im Dunkel, aber dort ist Licht. Natürlich läßt er sich auf ein Abenteuer  ein, dessen Ausgang völlig offen ist. Aber Jesus hat ihr auf diesen Weggerufen und er folgt ihm - und das ist dann Glaube!

Die anderen aber gehen in das Dunkel hinein, in die „Hölle“ (= weg von Jesus). Die öffentliche Meinung hat das Urteil über den Zöllner Levi bald gesprochen: „Mit so einem hat man möglichst nichts zu tun!“ Sie denken und leben ganz in der Schranken der Gesetzesreligion. Sie halten fest an Ordnung, Gesetz und religiösem Recht. Ja, wenn Jesus den Levi und sich selbst in die Gemeinschaft der Pharisäer eingegliedert hätte, dann  hätten sie sich schon um den Gestrauchelten gekümmert, dann hätten sie ihm geholfen, gegen die Sünde zu kämpfen.

Aber bei diesem Jesus gilt ja Liebe statt Recht. Sie können sich nur über seine schrankenlose Liebe ärgern.

In gewisser Weise kann man sie schon verstehen, denn das Handeln Jesu läuft dem natürlichen Denken vieler Menschen entgegen. Jesus hält ihnen ja auch nicht einmal eine Moralpredigt, sondern er läßt sie einfach gehen. Aber dadurch bleiben sie selbst hinter der Schranke und merken nicht einmal, wie hinter ihnen die Schranke wieder zugeht. Sie waren auch auf den Weg des Heils gestellt.

Aber sie sind am Scheideweg ihres Lebens von diesem Weg abgekommen. Sie gehen selbstbewußt der „linken“ Weg der eigenmenschlichen Entscheidung; dieser führt sie aber nur von der Herrlichkeit des Gottesreiches fort. Levi aber geht der „rechten“ Weg der Gnade und findet dort bei Jesus sein Heil und seinen Auftrag.

 

Antwortgespräch :

Die Pharisäer handeln nach dem Sprichwort: „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist!“ Sie wollen erst dann barmherzig sein, wenn der andere auch das Gesetz erfüllt hat. Solange das nicht geschehen ist, sagen sie: „Von dem nehmen wir kein Stück Brot“ und „Zwischen ihm und uns ist das Tischtuch zerschnitten!“

Jesus aber handelt nicht nach solchen Redensarten. Denn da könnte er mit keinem essen: weder mit einem Zöllner noch mit einem Pharisäer noch mit irgendeinem anderen Menschen - alle sind sie seiner Gemeinschaft nicht wert. Vor Gott sind wir alle Versager und Schuldige. Wir brauchen seine Liebe und Hilfe genauso wie die, auf die wir herabsehen und die wir als Außerseiter ablehnen. Mit welchem Recht körnten wir uns für so viel besser und anständiger halter als andere?

Jesus aber tut den Willen Gottes, indem er seine Liebe allen zuwendet, ohne Ansehen der Person und ihrer Verdienste. Er nimmt es dabei auch in Kauf, in den Augen der Gesetzestreuen in Mißkredit zu geraten. Bis zur letzter Konsequenz erleidet er Verachtung und Verfolgung und gibt sogar sein Leben dafür hin, daß Gottes Liebe alle Menschen erreicht.

Deshalb schließt er keiner aus seiner Gemeinschaft aus, sondern nimmt ihn so wie er ist. Er ist ein Freund all derer, die ihr brauchen, die abstoßend, arm, alt und krank sind.

 

Tafelanschrift:

Wir überlegen: Wer in der Bibel ist sonst  noch der Freund Jesu?

Wem aus unserer Gemeinde ist Jesus ein Freund?

Bin ich auch sein Freund? (Fragezeichen hinter „ich“)

Schlußstrich ziehen, Summen errechnen: „Jesus ist mein Freund!“

Deutlich wird das heute auch beim Abendmahl in der Kirche. Da stehen oder sitzen wir alle um einen Tisch und sind mit Jesus und vor allem auch untereinander verbunden.

[Lesespiel von Ernst Lange: „Der fromme Fehlschlag“: Versagen einer christlicher Familie gegenüber einem haftentlassenen jungen Mann, dem sie wirklich ehrlich helfen wollen, aber es wird zum Fehlschlag].

Welcher Arbeitgeber stellt einen aus dem Gefängnis Entlassenen wieder ein?

 

 

G. Ein Arbeitstag Jesu in Kapernaum Lk 4,31 - 44  (Mk 1,21 -39)

 

Erzählung:

Die Leute von Nazareth hatten Jesus nicht nur abgelehnt, sondern tödlich bedroht. So ging er über das Bergland hinweg an den See Genezareth. Dort suchte er sich in der Stadt Kaperraum eine Wohnung und sammelte Jünger um sich, die ihn unterstützen sollten. Jetzt soll seine eigentliche Tätigkeit beginnen.

Am Feiertag geht Jesus wie alle anderen ins Bethaus. Wieder beginnt er dort zu predigen. Die Leute wundern sich über ihn, denn er kann so reden, daß er alle überzeugt. Mit seinem Wort gewinnt er Macht über die Menschen. Er predigt den Menschen, daß sie los sein sollen. Er hat aber auch die Macht, das zu bewirken, was er sagt. Da ist nämlich ein Mann im Bethaus, der von einem bösen Geist ergriffen ist.

Plötzlich schreit er auf: „He, was haben wir miteinander zu tun, Jesus von Nazareth. Du bist gekommen, um uns zu verderben. Ich weiß, wer du bist: Du bist der Heilige Gottes!“ Aus dem kranken Menschen spricht ein böser Geist oder gleich mehrere, die ganz schlimme Feinde Jesu sind. Es geht also gar nicht so sehr um diesen Kranken, sondern um der Kampf gegen die böser Geister. Jesus ist gekommen, nicht nur gegen sie zu predigen, sondern auch gegen sie zu handeln. Aber dagegen wehren sie sich. Deswegen schreit der Geist der Namen heraus: „Du bist der Heilige Gottes!“ Wer der Geheimnamen des Gegners kennt, kann ihm die Macht nehmen, dachte man damals.

Doch wo Jesus die Gottesherrschaft ausruft, da müsse alle Mächte der Finsternis weichen. Jesus sagt: „Verstumme und fahre aus von ihm!“ Er befiehlt dem Dämon zu schweigen, wie man einen bellenden Hurd zur Ruhe bringt. Der böse Geist reißt den Menschen noch einmal hin und her, schreit noch einmal laut und verläßt den Menschen. Der Mann selber aber erleidet keinen Schaden.

Die anderen Leute aber sind erstaunt und entsetzt. Sie sprechen darüber und fragen sich: „Was ist das für ein Wort? Er gebietet den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm!“ Bald erzählt man überall in der Gegend von diesen Jesus und fragt sich: „Wer ist dieser Jesus und was ist sein Auftrag?“

Jesus aber verläßt mit seiner Jüngern wieder das Bethaus und geht in das Haus des Petrus. Dort liegt die Schwiegermutter des Petrus krank im Bett. Wahrscheinlich hat sie Malariafieber, das in Abständen den Kranken in Schüttelfrost versetzt und nach dem Anfall eine große Mattigkeit zurückläßt. Eine solche Krankheit führte man damals auch auf einen bösen  Geist zurück. Deswegen fragen die Leute, ob Jesus sie nicht auch heilen könne.

Da geht Jesus hin. Mit schlichter Selbstverständlichkeit bedroht Jesus das Fieber, auch diese Frau soll seine hilfreiche Macht erfahren. Da weicht das Fieber vor ihr. Die Frau steht auf und nimmt ihre Arbeit im Haus wieder auf und bewirtet die Gäste.

Bis zum Abend hat es sich in ganz Kapernaum herumgesprochen, daß Jesus Kranke geheilt hat. Und als der Feiertag vorbei ist, kommen sie alle, die an Körper und Geist Kranken und wollen Hilfe von Jesus. Ein richtiger Zug des Elends ist es, der da auf Jesus zukommt. Er steht an der Tür des Hauses des Petrus und weiß: „Denen muß ich helfen, ich muß die Mächte der Finsternis zurückdrängen!“Da legt er die Hand auf sie und die bösen Geister fahren aus ihnen aus. Sie schreien wieder: „Du bist der Sohn Gottes!“ Aber Jesus bedroht sie, daß sie das nicht sagen sollen. Sie sind ja nicht im Inneren davon überzeugt, daß Jesus der Sohn Gottes ist. Deshalb sollen sie so etwas nicht sagen, weil dadurch die Menschen eher noch gehindert werden, die wahre Bedeutung Jesu zu erkennen.

Als die Jünger am anderen Morgen aufwachen, ist Jesus verschwunden. Er muß schon ganz früh weggegangen sein. Sie beginnen ihn gleich zu suchen. Viele Leute aus Kapernaum schließen sieh ihnen an. Endlich finden sie ihn an einer einsamen Stelle, wo sie ihn gar nicht vermutet hätten. Sie laufen zu ihm und wollen ihn festhalten, damit er nicht fortgeht und sie allein läßt. Er aber sagt zu ihnen: „Ich muß auch in den anderen Ortschaften die Botschaft von der Herrschaft Gottes über die Menschen und bösen Geister sagen, denn dazu hat Gott mich geschickt!“

So geht er mit seinen Jüngern, um in den anderen Bethäusern Judäas zu predigen. Auch die Jünger haben ihn wohl nicht so recht verstanden. Warum hat er nicht alle Kranken geheilt? Weshalb verläßt er nach seinem großen Erfolg die Stadt wieder? Die Leute suchen ihn aber wohl nur wegen seiner Wunder. Sie wollen einen haben, der ihr irdisches Glück sichert. Aber Jesus ist nicht nur für die kleine Stadt am See Genezareth da. Gott hat ihn zu aller Menschen in seinem Volk gesandt, ja sogar noch über sein Volk hinaus sollen sie die frohe Botschaft erfahren, daß Gott zu den Menschen gekommen ist. Seine Wundertaten sollen nur noch seine Worte verdeutlichen und bekräftigen. Der Sinn seiner Sendung ist zunächst das Predigen und nicht das Heilen. Aber für jeden hat er die richtige Hilfe bereit. Jedem hilft er so, wie er es gerade braucht: Einen tröstet er, weil er traurig ist. Einem anderen gibt er Mt, weil er sich fürchtet. Wieder einen anderen behütet er in großer Gefahr. Auch für jeden von uns hat er die richtige Hilfe bereit.

 

 

Die Kindersegnung: Mk 10,13 - 16  (Mt 19,13-15  und Lk 18,15-17)

Einstieg:

Kinder sind heute der Mittelpunkt der Familie und Gegenstand der Fürsorge des Staates. Man kann sagen, daß es in vieler Hinsicht die Kinder noch nie so gut gehabt haben als heute! Bei uns muß keiner hungern, er hat Wohnung und Kleidung; die Kinder können zur Schule gehen, Bücher lesen, Fernsehen sehen; sie können in vielen Dingen mitreden und werden von den Erwachsenen ernstgenommen.

Aber für viele Leute werden die Kinder aber erst interessant, wenn man etwas mit ihnen anfangen kann, wenn man sie erziehen und unterrichten kann. Sie wollen die Kinder dann nach ihrer Vorstellungen formen und ihnen nicht eine freie Entfaltungsmöglichkeit geben. Vielfach werden die Kinder von Erwachsenen noch beiseite gedrängt, werden falsch verstanden und müssen das tun, was die Erwachsenen sagen. Wenn man die Kinder fragt, könnten  sie sicher manches aufzählen, was noch anders werden könnte.

In der Kirche haben die Kinder einen geachteten Platz. Sie können schon als Säuglinge zur Kirche gehören durch die Taufe. Auch wenn sie noch nicht verstehen können, was da mit ihnen gemacht wird, so gilt das doch schon für das ganze Leben. Aber das war nicht immer so. Schon am Anfang der Kirche gab es Leute, die den Kindern die Taufe nicht geben wollten, die sagten: „Dazu muß man erst erwachsen sein!“

Damals waren Kinder ja völlig rechtlos und zählten noch nicht mit. Sie galten als unterentwickelte Menschen, die erst noch nichtige Menschen werden sollten. Sie galten als Eigentum, über das die Eltern frei verfügen können. Am Gottesdienst durften sie noch nicht teilnehmen, da mußten sie erst ungefähr 13 Jahre alt sein. Jesus aber sah die Kinder als Eigentum Gottes an und handelte entsprechend.

 

Erzählung:

Wenn Jesus unterwegs war, dann hatte er immer allerhand zu tun. Er predigte und lehrte, beantwortete die Fragen der Leute, heilte Kranke und half den Traurigen. Jedesmal wenn er in ein Dorf kam, da liefen immer Leute herbei und wollten etwas von ihm.

Manchmal wollte Jesus dann aber auch seine Ruhe haben. Man muß sich auch einmal ausruhen und wieder innerlich sammeln können, sonst schafft man eine solche Arbeit nicht. So war es auch einmal, als Jesus wieder unterwegs war. Wir wissen nicht, wo es war, ob in einem Haus oder auf der Landstraße. Aber jedenfalls war Jesus froh, einmal ein wenig Luft schöpfen zu können. Sonst ließen sie ihn ja kaum zum Essen kommen. Auch die Jünger sind froh, daß sie ihren Herrn endlich einmal für sich haben. Wenn der Herr sich ein wenig ausgeruht hat, dann wollen sie ihn einmal fragen und alles mit ihm bereden, was sie so auf ihrem Herzen haben.

Aber da kommen schon wieder Leute, die sogar noch Kinder mitbringen. Es sind Väter und Mütter, größere Kinder, Onkel und Tanten. Sie führen kleinere Kinder an der Hand oder tragen sie auf dem Arm. Die Jünger können sich schon denken , was diese Leute von Jesus wollen. Es war ja der Brauch im Volk Israel, daß man vor allem am Abend vor dem großen Versöhnungstag die Kinder zu einem Glaubenslehrer brachte, damit er für sie betet, sie ermahnt und sie segnet. Nun werden sie wohl so etwas auch von Jesus erwarten, den sie ja auch für einen Lehrer des jüdischen Gesetzes halten.

Nun war es natürlich aus mit der Ruhe. Lärm von Stimmen und Geschrei störten das ernsthafte Gespräch der Männer. Die Jünger wollen deshalb die Störenfriede unsanft fortweisen. Es sind ja nur Kinder. Für die ist die Zeit Jesu zu kostbar. Von der großen Dingen der Herrschaft Gottes verstehen sie ja doch nichts. Jesus wird es sicher recht sein, wenn sie diese Störung von ihm fernhalten. So denken die Jünger Jesu.

Sicher haben viele Menschen damals gemeint, denn Kinder fehle ja doch das rechte Verständnis für die Botschaft Jesu. Vor allem die Jünger haben erfahren, daß manches Opfer notwendig ist, wenn man Jesus nachfolgen will. Das ist eine schwere und ernsthafte Sache. Wenn jetzt auch die Kinder da mitmachen sollen, dann wird die Größe der Aufgabe nicht mehr erkannt und der Eindruck erweckt, als könnten da schon Kinder mittun. Außerdem fehlt den Kindern der nötige Ernst, die Größe des Gesetzes Gottes zu erkennen. Erst mit 12 oder 13 Jahren hielt man sie für fähig, das jüdische Gesetz zu verstehen und auch einzuhalten. Erst dann konnte es ein Verhältnis zu Gott haben.

Die Jünger wollen darüber entscheiden, wer am Gottesreich Anteil haben kann. Kinder dürfen nach ihrer Meinung nicht dazu gehören. Deshalb fahren sie die Leute an, die Kinder zu Jesus bringen wollen: „Was wollt ihr hier? Ihr habt bei Jesus nichts zu suchen. Macht, daß ihr fortkommt!“

Jesus hat bemerkt, was die Jünger da tun und  regt sich auf wie selten. Das kann doch nicht wahr sein. Da will jemand zu ihm kommen, und die Jünger wollen das verhindern. Das darf nicht sein. Zu Jesus soll jeder zu jeder Zeit kommen können. Deshalb sagt er:“Laßt die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen ist das Himmelreich!“

Wer zu Gott gehören will, braucht dazu keine menschlichen Voraussetzungen mitzubringen. Ja, gerade die Kinder sind solche, die nach Gottes Willen zum Reich Gottes gehören. Es geht dabei nicht um das Alter: Man gehört noch nicht automatisch zu Gott, nur weil man ein Kind ist. Vielmehr geht es um die Wesensart der Kinder: Sie sind noch ganz auf Schutz und Hilfe angewiesen. Ein Kind  nimmt Hilfe und Fürsorge ganz selbstverständlich hin. Und es antwortet auf Liebe uneingeschränkt mit Liebe und vertrauendem Gehorsam. Wer Jesus gegenüber so ist wie die Kinder gegenüber ihren Eltern, der kann auch zu Gott kommen und zu ihm gehören, egal wie alt er ist.

Es geht in dieser Geschichte also nicht nur um die Kinder, die wegen ihrer angeblicher Unschuld zu Jesus kommen dürfen. Die Kinder sind nur ein Beispiel, weil sie es noch nicht verlernt haben, sich ganz beschenken zu lassen und die leeren Hände auszustrecken. Die Botschaft Jesu richtet sich vor allem auch an Erwachsene, an Zöllner und Sünder, doch auch so zu kommen wie die Kinder.

Wer zu Jesus kommt, erlangt damit Anteil an der Herrschaft und am Reich Gottes. Jesus ist der, der uns mit Gottes Reich in Verbindung bringt und jedem das Reich Gottes schenken kann. Jeder Mensch kann es erlangen, kann ein Kind Gottes werden. Wenn er sich Gott so nähert, wie es die Kinder in dieser Geschichte tun. Sie können keine guten Werke vorweiser, sondern müssen sich beschenken lassen; das müssen viele Erwachsene erst wieder lernen: Vor Gott hat der Mensch nichts zu bieten, sondern er muß sich alles geben lassen.

Deshalb sagt Jesus auch:  „Wahrlich ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen!“ Und dann legt er die Hände auf die Kinder, drückt sie  herzlich und segnet sie. Damit stellt er eine unlösliche Verbindung zu ihnen her. Er werdet sich ihnen ohne Einschränkung zu und knüpft ein festes Band zwischen ihnen und sich. Damit werden alle bisher geltenden Regeln auf den Kopf gestellt und den Zuhörern ein völliges Umdenken zugemutet.

Die Jünger werden sich wohl geschämt haben, weil sie Jesus zu wenig verstanden haben. Nun sehen sie: Jesus hat die Kinder so lieb, wie Gott alle Menschen liebhat. So hat Jesus wieder am Beispiel der Kinder ein wichtiges Stück seiner Botschaft erläutert. Er hat nicht nur davon geredet, sondern auch entsprechend gehandelt. Deshalb dürfen wir auch heute schon der Kindern die Botschaft Jesu sagen, sie in die Gemeinschaft mit Gott rufen und taufen.

 

Antwortgespräch:   

Der Erwachsene verdient sich selber sein Geld. Wenn er in Not kommt, hilft er sich selbst, er ist ja groß genug dazu. Ein Kind aber ist noch unselbständig. Die ganz kleinen Kinder müssen noch getragen, behütet, gepflegt und gefüttert werden. Vater und Mutter müssen ihnen alles noch geben.  

Jesus aber gibt den Kindern nicht Essen und Trinken, nicht Spielzeug oder so etwas. Er schenkt ihnen den Gottes Segen; das ist das Beste, was der Mensch haben kann für Zeit und Ewigkeit. Dabei sind sie nicht einmal besonders artig oder fromm. Was Jesus an ihnen gefällt, das ist ihre Bereitschaft, sich beschenken zu lassen.    

Kinder bleiben aber nicht Kinder. Sie werden einmal selbständig und sollen das auch. Aber Gott gegenüber sollen sie doch immer wie Kinder bleiben. Bei ihm können sie nicht auf ihr Geld oder ihre Macht oder ihre Leistung pochen. Gott muß ihrer die Vergebung schenken, muß ihnen überhaupt erst den Glauben möglich machen. Sie sollen nicht wieder zurückkehren in  ein angebliches „Kinderparadies“, sondern sollen vorwärtsgehen in eine Zukunft, die bestimmt ist durch die Vaterschaft Gottes.          

 

 

Die „Kleinen“ als Vorbild:  Mt 18, 1 - 6

Wir befinden uns am Anfang der matthäischen Gemeindeordnung, die von den „Kleinen“ im Himmelreich redet. Es geht um die schlichten, einfachen, auch einfältigen Christen in der Gemeinde. Es geht also nicht speziell um die Kinder in der Gemeinde. Das Kind in der Mitte des Jüngerkreises ist nur das eindrucksvolle Veranschaulichungsmittel für das, was er sagen will. Es geht darum, sich klein zu machen, so daß man wieder wird wie ein Kind. Ein Jünger soll sich so klein machen, wie ein Kind im Verhältnis zum Erwachsenen klein ist oder sich als klein empfindet.

Allerdings geht dann doch ein Satz in den Text ein, der wirklich von einem Kind redet, nämlich der Vers 5 (Kind nicht mehr nur ein Gleichnis). Es geht um die Aufnahme eines einzigen verwaisten Kindes - was in Israel sehr empfohlen und geschätzt wurde. Neu aber ist, daß der Fordernde sich mit dem identifiziert, für den er fordert. Aber an sich wird gesagt: Nicht der Bedeutende, Angesehene, Geachtete, der in der Welt als groß gewertet wird, gilt vor Gott als groß, sondern der Geringe, Unscheinbare. im Hintergrund Stehende.

 

Wir sollten wie die Kleinen werden:

Das Oben-sein-wollen richtet auch in der Kirche viel Schaden an. Natürlich muß es auch in ihr abgestufte Verantwortungsbereiche geben. Das Unglück aber besteht darin, daß man sich größer dünkt als der andere. Man läßt den anderen seine Überlegenheit spüren, manchmal sogar auf die Weise, daß man sich gütig zu ihm hinabneigt. Noch schlimmer aber ist, wenn man das Höherstehen sogar vor Gott geltend macht und seinen Platz im Himmel beansprucht

nach Vermögen und Verdienst (Kinder in der Kirche tun das oft gegenüber denen, die erst später dazugekommen sind).

Der Glaube soll im Laufe des Lebens natürlich euch reifer, verständiger, durchdachter, erfahrener, verantwortlicher werden. Der Kinderglaube wird abgelöst durch einen fragenden, prüfenden, sich durchklärenden Glauben. Aber die geistige Leistung ist kein Maßstab für den Platz im Reich Gottes. Das Kind glaubt auf seine Weise. Und sein Glaube gilt bei Jesus nicht geringer als der des Erwachsenen.

Jesus sieht nicht im Kind den späteren Erwachsenen, sondern im Erwachsenseien das verlorene Kind. Das Kind weiß, daß es auf die Eltern angewiesen ist. Es läßt sich beschenken, ohne jede Berechnung, daß man etwas „zurückschenken“ müßte. Sich liebhaben lassen - mehr bedarf es nicht, auch im Reich Gottes. Ein Kind hat natürlich auch seine Untugenden wie jeder andere Mensch (ichbetont, eigensinnig, trotzig). Niemand sagt, daß es sündlos sei. Vorbild ist das Kind, weil es seine Kleinheit und Niedrigkeit selbstverständlich hinnimmt.

Das Gegenteil von dem, was Jesus meint, ist das Sich-Großmachen, das Sich-Aufspielen, das Sich-nach-vorn-Drängen- Dazu gehört auch die Gesinnung, in der man sich anderen überlegen fühlt. Dazu gehört auch eine erzwungene und vielleicht nur gespielte Demut, der der Hochmut aus allen Knopflöchern schaut.

Sich klein machen, das heißt: sich in die rechte Stellung vor Gott bringen, nämlich einer werden, der alles von Gott und nichts von sich selbst erwartet im Blick auf das Himmelreich. Wir sind alle vor Gott in einer Lage, in der es nichts auszuspielen gibt: ob ich mich auf einem Berg befinde und mein Mitmensch im Tal (oder umgedreht), zur Sonne haben wir praktisch beide den gleichen Abstand. Vielleicht brauchte ich objektiv gesehen die Barmherzigkeit Gottes ein kleines bißchen weniger als mein Mitmensch, aber wir beide leben davon, daß Gott zu uns so unverdient gütig ist.

Wenn ich aber stolz bin, dann habe ich Gott mehr abzubitten als ein „Kleiner“ dessen äußere und innere Situation ihn gar nicht auf den Gedanken kommen läßt, sich über mich zu erheben. Wir leben aber beide davon, daß Gott auf wunderbare Weise und ohne erkennbaren menschlichen Grund f ü r uns ist. Die Szene mit dem Kind mitten unter den Jüngern ist eine schlichte eindrucksvolle Darstellung der Rechtfertigung allein aus Gnaden. Die mir zugedachte „Größe“ (V.4) besteht darin, daß ich dies einsehe und annehme.

Wir sollten uns schützend vor die Kleinen stellen:

Ab Vers 5 ist die Blickrichtung eine andere. Jetzt werden die Kleinen zum Gegenstand besonderer Fürsorge und besonderen Schutzes. Den Kleinen gehört das Himmelreich, wir sollten uns schützend vor sie stellen, so wie Jesus sich hinter sie stellt.

Wer ein Kind aufnimmt, der nimmt Jesus auf. Jesus weiß sich mit den einfachen und hilfsbedürftigen Menschen seiner Gemeinde verbunden, daß er in allem mitbetroffen ist, was ihnen auch widerfährt. Mit den Menschen, mit denen wir zu tun haben, geht er bei uns ein und aus. Ihre Enttäuschung ist seine Enttäuschung. Ihr Aufatmen läßt ihn aufatmen. Ihr Frohwerden macht ihn froh. Wenn wir einen Menschen übersehen oder meiden, dann leidet er selbst Einsamkeit (wichtig für Verhältnis in der Schulklasse). Er selbst findet ein Zuhause, wo ein verwaistes Kind aufgenommen wird und Liebe erfährt.

Im Klein-Sein liegt, daß ein Mensch auf Hilfe und Liebe anderer angewiesen ist. Die Gemeinde hat hier eine unendliche Aufgabe. Wir sollten keinen Menschen abschieben, der aufgenommen werden möchte. Noch größer müßte die Sorge sein, daß niemand im Glauben an Jesus beirrt werden darf. Die Kleinen können ihren angefochtenen und allen möglichen Belastungen ausgesetzten Glauben nicht selbst verteidigen, die also in hohem Maße verletzlich sind. Jesus bangt sich gerade um die geringen Christen. Wer sich an ihrem Heil schuldig machte, dem droht er das ewige Gericht an. Der Vers 6 b ist nur der „leichte“ Teil des Vergleichs, den größeren Teil soll man sich denken.

Wir sollten die himmlische Würde der Kleinen achten:

Wir sagen schnell einmal „nur diese Kleinen“, als wären sie nicht vollwertige Christen und als müßten sie von der Gemeinde eben nur so mitgeschleppt werden. Bei den Kinder sagt man sich, daß sie ja einmal heranwachsen werden. Aber bei mancher alten Oma zweifeln wir daran, ob sie wohl etwas von der Predigt mitbekommen hat. Soll sich die Gemeinde nicht doch lieber an ihre ansehnlicheren Glieder halten, mit denen man sich sehen lassen kann und die im Ganzen der Gemeinde etwas bedeuten?

Doch Jesus fordert auf, keinen von diesen Kleinen zu verachten. In Vers 10 gibt es da noch eine andere Begründung: Jeder Mensch hat eine Art Doppelgänger im Himmel. Gott sieht uns ja schon als Menschen in Christus. Dieser vergegenständlichte sich zur Gestalt eines Engels, der dem Menschen auf der Erde zugeordnet ist. Dieser „Engel“ vor Gottes Angesicht ist unsere Zukunft, der in den Augen Gottes schon Wirklichkeit ist. Gott hat schon vor Augen, was er aus einem getauften Kind macht. Er sieht auch ein einfältiges Gemeindeglied ganz anders an als ich.

Wer einen Menschen so betrachtet, daß er sein himmlisches Gegenstück immer gleich mit­ sieht, der verachtet niemanden mehr. Vielmehr sieht er in jedem Menschen den Wert und die Würde, die Gott ihm in Christus beigelegt hat. Wir werden in der Gemeinde noch anders miteinander umgehen, wenn wir in dem anderen die neue Kreatur sähen, nämlich den kommenden Menschen, den Gott schon vor sich hat.

 

 

Jesu erstes Auftreten in Nazareth Lk 14,14 - 30 

Einstieg:

Wir erzählen vom Gottesdienst. Es gibt verschiedene Formen des Gottesdienstes, vor allem wenn wir andere Kirchen betrachten (Afrika). In Israel war wieder alles anders. Da gab es einmal die Gottesdienste im Tempel, bei denen Tiere geopfert wunden. Und dann gab es die Gottesdienste in den Städten und Dörfern außerhalb von Jerusalem. Dort hatte man ein Bet­haus (die Synagoge), wo an der Feiertagen der Gottesdienst für die Bewohner des Ortes gehalten wunde, die ja nicht jede Woche nach Jerusalem reisen konnten (dort fuhr man nur einmal im Jahr hin).

Wir betrachten das Bild einer Synagoge in Tell Chum. Bei einem solcher Gottesdienst wunde gebetet und gesungen, vor allem aber aus den Heiligen Schriften vorgelesen. Der Synagogen­diener nahm eine Schriftrolle aus dem Schrank, in der die für dieser Tag festgelegten Lesungen aus dem Gesetz oder den Propheten standen. Jeder zur Gemeinde gehörende Mann konnte sich dann melden, um einen Abschnitt zu lesen oder auszulegen. Es gab Älteste und Leiter der Synagoge, die mit der regelmäßiger Leitung und Beaufsichtigung des Gottesdienstes beauftragt waren. Aber ansonsten hatte jeder Erwachsene dann das Recht auf Mitwirkung. Er stand dann einfach auf und deutete damit seine Bereitschaft an, etwas vorzulesen. Wenn er dann den Abschritt auch auslegen wollte, setzte er sich hin. Es konnte aber auch ein anderer die Auslegung übernehmen.

 

Erzählung:

Nach der Taufe durch Johannes ging Jesus wieder in seine Heimat nach Galiläa. Bald erzählte man überall in den Orten von ihm. Er ging nämlich überall in die Gottesdienste und las aus den Heiligen Schriften vor und legte sie aus. Gottes Geist hatte ihn dazu getrieben.

Eines Tages kam er auch nach Nazareth, wo er aufgewachsen war. Er geht nach seiner Gewohnheit in das Bethaus, um dort eine Bibelstelle vorzulesen und auszulegen. Er steht auf, um anzudeuten, daß er gern etwas sagen möchte. Ein anderer hatte aus dem Gesetz gelesen. Dieser Text war für der betreffenden Feiertag vorgeschrieben. Aber für die zweite Lesung aus den Prophetenbüchern kann man sich den Text selber aussuchen.

Dann reicht Jesus die Buchrolle mit den Worten des Propheten Jesaja. Er rollt sie auf und sucht sich eine Stelle aus, die besonders gut die Gnade und Barmherzigkeit des Messias schildert, der Gott zu den Menschen senden will. Kaum hat er mit Lesen angefangen, da sind die Zuhörer schon sehr gespannt, was er denn wohl dazu sagen wird. Wie wird das denn sein mit dem Messias? Kommt er nun bald?

Jesus liest vor: Der Geist des Herrn ist bei mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündige die frohe Botschaft den Armen. Er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen. Die Blinden sollen sehend werden, die Zerschlagenen sollen frei und ledig sein. Ich verkündige das Gnadenjahr des Herrn!"

Dann gibt Jesus die Buchrolle wieder zurück und setzt sich, um die Bibelstelle auszulegen. Alle sind sie gespannt, was er wohl dazu zu sagen hat. Jesus sagt zunächst nur den einen Satz: „Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!“  Was der Prophet nur angekündigt hat, das wird jetzt Wirklichkeit. Jesus ist von Gott gesalbt worden wie ein König, daß er diese frohe Botschaft allen Menschen bringe. Vor allem die Armen und Unterdrückten dürfen aufatmen, denn der Retter ist schon da und unterwegs zu ihnen.

Jesus hat absichtlich die Verlesung abgebrochen an der Stelle, an der vom Gnadenjahr Gottes die Rede ist. Nachher ist auch vom Gericht Gottes die Rede, davon daß er die Menschen strafen will. Aber darauf kommt es Jesus nicht an. Er hat heute das Heil Gottes anzubieten. Diese Gelegenheit muß man ergreifen, sonst ist sie vorbei. Wer nicht nichtig zuhört, verpaßt das Angebot Gottes und muß die Folgen dann selber tragen.

Die Leute von Nazareth aber wundern sich, weil er so etwas sagt, solche Gnadenworte zu sprechen. Sie fragen sich: „Ist das nicht Josephs Sohn? Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns, den wir alle kennen?" Sie fragen sich: „Darf er das denn überhaupt? Wie kommt er zu solchen Behauptungen, wo er doch ein ganz einfacher Mann ist wie wir?“

Jesus kann sich denken, was die Leute so meinen. Er sagt zu ihnen: „Ihr denkt sicher, ich würde nur große Worte machen. Ihr habt von Wundertaten gehört, die ich in der Stadt Kapernaum vollbracht haben soll. Und nun meint ihr, ich solle doch auch einmal in meiner Vaterstadt so ein Wunder vollbringen, damit ihr etwas merkt von der neuen Zeit. Wenn ihr Taten seht, würdet ihr eher glauben. Doch da will ich euch an die Propheten erinnern, die wunden auch in ihrer Vaterstadt abgelehnt. Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland! Die Vaterstadt hat keinen Vorzug gegenüber der Stadt der Fremden!“

Jesus verweist dann noch auf den Propheten Elia, der ausgerechnet zu einer heidnischen Frau geschickt wunde, um dort Essen zu erhalten. Und sein Schüler Elisa hat sogar einen Aussätzigen aus dem heidnischen Syrien geheilt. Der Messias, auf den ihr wartet, ist ein Retter für alle Menschen. Euch wird das Heil Gottes zuerst angeboten. Aber wenn ihr nicht wollt und die Gelegenheit nicht ergreift, werden andere die Hilfe Gottes erfahren.

Das können die Gottesdienstbesucher nicht mehr ruhig mit anhören. Jesus spricht nicht vom Gericht über die Völker und bezeichnet sie selbst als Arme und Gebeugte, deren er das Heil bringen will. Was bildet er sich eigentlich ein? Sie fühlen sich doch gar nicht so hilfsbedürftig. Und ausgerechnet der Sohn eines Zimmermanns will ihnen helfen?! Er will ihren sagen: Es ist eure Schuld, wenn ihr nicht glaubt! Aber ein Wunder lehnt er ab. Das wäre doch ein Beweis, dem würden sie glauben. Aber so erlaubt sich dieser Jesus nun Frechheiten und behauptet noch, der Messias zu sein.

Voll heiliger Entrüstung wollen sie für die Ehre Gottes eintreten. Das ist bestimmt ein falscher Prophet. Er schmäht die Frommen in Israel und lobt die Fremder. Er ist ein Gotteslästerer: Das ist das Urteil der Leute von Nazareth über Jesus. Auf Gotteslästerung aber steht die Todesstrafe.

Sie erheben sich von ihren Plätzen und jagen Jesus aus der Stadt hinaus. Sie treiben ihn auf einen Abhang zu und wollen ihn dort herunterstürzen. Jesus aber ist unantastbar. Er geht mitten durch die Menge hindurch und niemand kann ihm etwas antun. Gott hilft ihm, daß nichts passieren kann, die Stunde seines Leidens es ist noch nicht gekommen.

 

Antwortgespräch:

Das war ein gestörter Gottesdienst in Nazareth. Die Frommen lehnen Jesus ab, weil er anders ist, als sie es sich vorgestellt hatten. Da geht Jesus zu denen, die ihn nicht kennen und doch so nötig brauchen, In der Heimat wunde er abgelehnt, aber in der Fremde hat er Zulauf. Erst nach der Ablehnung in der Heimatstadt ist er frei, sich den Fremden zuzuwenden (bei Matthäus beginnt Jesus seine Tätigkeit in Kapernaum, Lukas hat hier bewußt umgestellt). So war es auch später, als die Boten Jesu in alle Welt gingen.

Auch zu uns sagt Jesus: Heue ist diese Schrift erfüllt! Ich will, daß du heute meinem Wort vertraust und dich nicht herausredest: „Ich habe jetzt keine Zeit!“ Er will bei uns der Erste sein. Andernfalls geht er zu den anderen.

 

 

 

In seiner Heimatstadt will man nichts von Jesus wissen: Mk 6, 1 - 6

Spiele:           (es geht um genaues Hinhören und Hinsehen)

1. Pantomimische Spiele wie zum Beispiel „Beruferaten“

2. Kind verändert draußen etwas an sich, die anderer raten

3. Geräusche raten

4. Spieler mit verbundenen Augen bewacht Gegenstand, den die anderen ihm wegzunehmen versuchen müssen.

Genaues Hinhören und Hinsehen ist notwendig, sonst weiß man nicht, worum es geht (Beispiele aus Familie und Schule). Wichtiges kann einem entgehen, wenn man nicht richtig hinsieht, zum Beispiel im Verkehr. Es kann schlimme Folgen haben, nur halb bei der Sache zu sein.

Das gilt auch für das Verhalten anderen Menschen gegenüber. Leicht macht man sich doch ein falsches Bild von einem anderen. Man gibt sich oft wenig Mühe, den anderen wirklich kennenzulernen. Da kommt ein Kind neu in eine Gruppe; es sieht etwas anders aus als die anderen (rote Haare, abstehende Uhren) oder es weiß in der erster Stunde nichts Rechtes zu sagen: schon ist es abgestempelt. Die anderen wissen auch in Zukunft  angeblich immer schon, wie der andere ist. Wir sagen dann: „Sie haben ein Vorurteil!“ Ehe wir uns ein richtiges Urteil bilden, haben uns wir schon vorher eins zurechtgemacht, was aber gar nicht stimmt. Aber dann sagen wir: „Der ist doof!“ oder „Der ist faul!“ aber auch: „Der ist prima!“ Besonders wenn einer umgezogen ist und dann neu in eine Klasse kommt, dann kann schon der erste Fehler ihn leicht stempeln.

Das Gefährliche daran ist, daß wir in Zukunft dann nur noch das wahrzunehmen meinen, was mit unserem Vorurteil übereinstimmt. Es ist so, als hätten wir einen Kreis um den anderen

der nur an einiger Stellen durchbrochen ist. Durch die Lücken gelangen nur die Eindrücke und Erfahrungen, die das schon vorhandene Bild vom anderen bestätigen; alles andere prallt einfach ab. Vorurteile sind sehr zählebig, sie werden oft schon in der Jugend erworben und bleiben das ganze Leben über bestehen.

 

Erzählung:

Auch über Jesus meinten die Leute genau Bescheid zu wissen. Viele kannten ihn ja von Kind auf! Ob sie da aber nicht auch irgendwelche Vorurteile hatten? Jesus ist unterwegs  in den Städten und Dörfern am See Genezareth. Er spricht zu der Menschen von Gott. Er tröstet die Traurigen und heilt die Kranken. Seine Freunde, die Jünger, sind bei ihm. Sie hören alles, was er spricht, und sehen alles, was er tut. Sie vertrauen ihm und folgen ihm nach. Sie erwarten noch viel von ihm.

Jetzt gehen sie alle nach Nazareth, in die Stadt, in der Jesus aufgewachsen ist. Es ist Sabbat, der Feiertag der Juden. Da gehen sie alle in das Gotteshaus, wie das ihre Gewohnheit ist. Im Gottesdienst der Juden wird auch gebetet und aus der Bibel vorgelesen. Danach spricht immer einer zu den Leuten und legt ihnen das Gehörte aus. Jeder kann dabei das Wort ergreifen, auch wenn er kein Schriftgelehrter ist..

Heute fängt Jesus an zu predigen. Die Menschen hören ihm zu. Sie wundern sich und staunen. Er sagt: „Ihr könnt euch freuen. Ich bringe euch eine gute Nachrieht von Gott. Er läßt euch sagen: Jetzt ist es soweit. Ihr braucht nicht mehr länger zu warten. Meine Zeit ist gekommen. Jetzt wird alles gut. Jetzt wird alles heil. Ich mache alles neu. Und ihr seid eingeladen zu mir. Wenn ihr kommt, werdet ihr eine große Freude erfahren. Kommt doch nur! Kehrt um? Laßt eure Wege sein und kommt auf der Weg zu mir!“

Die Leute in Nazareth wundern sich und einer fragt der anderen: „Wo hat er diese Weisheit denn her? Was sind das für Taten, die durch ihn geschehen? Das kann er nicht von sich haben - das muß von Gott kommen. Aber das kann doch nicht sein! Wir wisse doch, wo er herkommt: Hier aus unserer Stadt. Hier bei uns ist er groß geworden. Hier hat er doch das Bauhandwerk gelernt. Er ist doch Zimmermann, wir kennen ihn doch genau. Er ist doch der Sohn der Maria. Jakobus, Joses ,Judas und Simon sind doch seine Brüder. Und seine Schwestern wohnen auch noch hier. Wie kann er nur so reden?! Der hat uns doch gar nichts zu sagen!“

So reden sie untereinander und ärgern sich  über ihn, weil er so anders ist, als sie es erwartet haben. Sie wollen nichts mehr von ihm wissen. Da sagt Jesus zu ihnen: „So war das schon immer, so ist das auch jetzt: Einer der etwas :kann und etwas zu sagen hat, der wird überall geachtet, nur nicht in der Heimat. Ein Prophet gilt nichts in seinem Vaterland, bei seiner eigener Leuten, die ihn genau zu kennen  meinen!“

Hier in Nazareth kann Jesus keine helfenden Taten tun. Sie wollen seine Hilfe nicht, da sind solche Taten auch sinnlos. Sie wollen sein Wort ja nicht wahrhaben: „Gottes Zeit ist gekommen, jetzt wird alles heil“ Nur ganz wenige kommen zu Jesus und wollen sich vor ihm helfen lassen. Jesus wundert sich über den Urglauben der anderen, die seine guten Gaben nicht haben wollen. So geht er von ihnen fort. Er geht in die Dörfer der Umgebung und bringt der Menschen dort die gute Nachricht: „Ihr seid eingeladen, „eingeladen zu großer Freude bei Gott!“

 

Arbeitsbogen:

Bei einer Neueinstellung in einer Firma wird ein Personalbögen angelegt. Wir wollen einmal prüfen, ob wir von Jesus so viel wissen, daß wir einen Personalbogen aufstellen könnten.

Name: Jesus                        Vater  Joseph           Mutter: Maria

Heimatort: Nazareth           Land: GaliIäa

Geschwister:  Jakobus, Joses, Judas, Simon, Schwestern

Beruf: Zimmermann           Tätigkeit: Prediger

Die Leute in, Nazareth meinen über Jesus Bescheid zu wissen. Aber Markus sagt: „Sie haben nichts von ihm begriffen. Gerade ihre natürliche Bekanntschaft mit Jesus macht sie blind für sein eigentliches Weser. Sie erwarten nun vor ihm, daß er genauso ist  wie sie, wie auch seine Brüder und Schwestern sind. Ihr einmal festgelegtes „Fremdbild“ macht sie unfähig, Jesus offen und ohne Vorurteile zu begegnen.

So wird ihnen Jesus zum Geheimnis und zum ärgerlichen Außenseiter.  Sie nehmen Anstoß an Jesus und sehen, hören und verstehen nichts. Ihre Verschlossenheit nimmt Jesus jede Möglichkeit zu zeigen, wer er ist, und erstickt jede Möglichkeit des Glaubens. Am Ende werden sie noch dafür sorgen, daß er sterben muß.

Auch heute gibt es Menschen, die über Jesus und seine Sache abfällig urteilen oder sie haben überhaupt kein Gespür dafür, wer Jesus ist. Hier aber im Unterricht erfahren, wer Jesus wirklich ist. Dabei lernen wir nie aus.  Wenn wir es besser machen wollen, dann müssen wir genau hinsehen und hinhören. Wir haben ja von anderen gehört, die Jesu Ruf gefolgt sind; wir können ihm auch folgen

Aber dann werden wir genauso handeln müssen wie Jesus: Keinen Menschen auf irgend etwas festlegen, keine Vorurteile gegenüber andersartigen Menschen, sondern Offenheit füreinander und Gespräche, damit wir einander kennenlernen und so einander begegnen, wie Jesus den Menschen begegnet ist.

 

Jesu wahre Verwandte: Lk 8,19 - 21 (Mk 3,31-35 und Mt 12,46-52)

Einstieg:

Zwei Schwestern schreiben an ihren 17 jährigen Bruder, der auswärts zur Schule geht: „Lieber Klaus, große Neuigkeit: Wir haben endlich eine größere Wohnung gekriegt. Dann kriegen wir auch ein ewigeres Zimmer. Aber vorerst sieht es noch mies aus. Der Putz fällt von

der Wand! Kannst Du uns nicht helfen? Vater hat schon eine tolle Tapete erwischt. Hilfst Du mit bei der Malerarbeiten? Es grüßen: Marlies und Annett!“

Es ist oft recht günstig, Verwandte zu haben, die einem helfen können. Vielleicht kann man auch seine Urlaubsreise zu Verwandten unternehmen. Und wenn Hochzeit ist, dann wird man dazu eingeladen.

Aber es gibt auch Verwandte, mit denen verträgt man sich nicht. Man hat kaum Verbindung mit ihnen oder ist sogar böse mit ihnen. Selbst unter Geschwistern kommt das vor (gerade unter ihnen, meist über Erbschaftssachen). Aber es kann auch sein, daß man sich in Glaubensdingen nicht mit der Verwandtschaft versteht. Das kann schon für die eigenen Geschwister oder sogar für die eigenen Eltern zutreffen. Es gibt eben Menschen, die Jesus nicht verstehen und ihn ablehnen. Aber in der Gemeinde Jesu finden wir auf jeder Fall eine Gemeinschaft, die uns dann Halt und H:ilfe sein kann. Manchmal kann eben die Gemeinschaft mit Christus und mit den Christen stärker sein als die Beziehung zur eigenen Familie und den Verwandten.

 

Erzählung:

Jesus wanderte durch Dörfer und Städte, um die guten Nachrichten von Gott zu verbreiten. Seine Jünger waren immer bei ihm,  auch einige Prauen, die er geheilt hatte. Dazu immer einige Mitläufer, die einmal einige Zeit bei ihm blieben. Er sagte zu ihnen: „Ihr hört zwar zu, wenn ich zu euch spreche. Aber verhaltet ihr euch auch so, wie ich es euch sage?“

Eines Tages kommt er auch nach Nazareth, in seine Vaterstadt. Dort ist er aufgewachsen. Er kennt die Familien, die Häuser, das Gotteshaus. Und alle kennen ihn noch, den Sohn des Zimmermanns Joseph. Ob sie deswegen wohl besonders auf ihn hören?

Auch seine Mutter und seine Brüder kommen. Sie wollen ihn einmal reden hören. Vielleicht erhoffen sie auch einen Beweis seiner göttlichen Macht von ihm, vielleicht daß er einen Kranker heilt.

Doch sie können nicht zu ihm vordringen, weil zu viele Menschen sich um Jesus drängen.

Doch sie lassen nach vorne durchsagen, daß sie da sind. Man sagt es Jesus: „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen!“ Das hört sich so an, als wollten sie nur einmal einen Verwandtenbesuch machen, wollten nur Jesus wieder einmal sehen und sprechen. Sie denken sicher auch: „Die haben doch das Recht dazu, wir sind doch seine Verwandten!“ .

Vielleicht wollen sie ihn aber auch nach Hause holen. Es könnte sein, daß der Vater Joseph inzwischen gestorben ist (denn sonst wäre er doch wohl mitgekommen). .Jesus als dem Ältesten in der Familie wäre dann die Pflicht zugefallen, der Familienvorsteher zu werden und für die Familie zu sorgen. Dieser Pflicht hatte er sich entzogen, als er sich von Johannes taufen ließ. Nun wollen sie ihn wieder nach Hause holen. Er soll sein Heilandswerk sein lassen und nur noch für die Familie da sein, wie es sich für einen gehorsamen Sohn gehört.

Wahrscheinlich haben sie auch gedacht: „Was gibt er sich nur mit diesen Leuten ab? Dabei kommt doch nichts heraus. Er bringt sich doch bloß in Gefahr und uns auch. Viel vernünftiger wäre es doch, zu Hause in der Werkstatt mitzuhelfen: Bretter zu hobeln und Türen zu bauen. Das ist wenigstens eine produktive Arbeit.

So bleiben  die Mutter und die Brüder draußen. Sie sind nicht nur außerhalb des Kreises, der um Jesus herumsteht, sondern sie nehmen auch eine ablehnende Haltung der Sache Gottes gegenüber ein, sie sind im Grunde nichts anderes als mancher Gegner Jesu, der nichts mit ihm zu tun haben will.

Deshalb sagt Jesus zu denen, die um ihn herumstehen: „Meine Mutter und meine Brüder sind die, die Gottes Wort hören und tun!“ Diese haben sich ihm angeschlossen und sind damit seine Brüder geworden. Sie bedeuten ihm das, was einem sonst die Mutter ist. Er hat sie nicht auf Grund ihrer treuen Gesetzeserfüllung ausgewählt oder wegen ihrer vorbildlich frommen Haltung. Aber sie sind in eine Bindung hineingekommen, die fester ist als die doch so starken Bindungen des Blutes.

Allerdings läßt Jesus es offen, daß seine Mutter und seine Brüder doch noch zur Gemeinde kommen können. Wir wissen ja auch, daß sie später dazu gehört haben, ja sogar führende Stellungen eingenommen haben. Aber zunächst einmal entscheidet sich Jesus für Gottes Auftrag und gegen den Unverstand derer, die ihm leiblich am nächsten stehen.

Aber er sagt ausdrücklich: „Mein Jünger kann nur sein, wer auch nach Gottes Wort handelt. Eine bloße Zugehörigkeit macht es noch nicht. Wer ein Jünger Jesu sein will, der läßt sich wieder zu allen Diensten aussenden. Wer von Jesus gesammelt wunde, der wird gleich wieder losgeschickt, um die Botschaft Jesu weiterzusagen.

So entsteht eine neue Gemeinschaft, die so eng zusammenhält wie eine Familie. Wenn man einen Menschen seiner Familie trifft, so hat man das Gefühl, zu ihm zu gehören. Genauso aber fühlt man sich auch mit dem verwandt, dem man im Glauben verbunden ist. Man kann auch zu Jesus in ein persönliches Verhältnis treten, wenn man nicht mit ihm verwandt ist. Entscheidend ist nicht die Blutsverwandtschaft, sondern der Gehorsam gegenüber Gott.

So hatte sich der Fischer Simon Petrus zum Jünger Jesu berufen lassen. Der ausgestoßene Zöllner Zachäus hat sich wieder in die Gottesfamilie zurückholen lassen. Ausgerechnet die Frommen und die Blutsverwandten Jesu versagen sich dem Ruf Jesu. Doch es gibt genug andere, die ihm folgen und den Willen Gottes tun.

 

Antwortgespräch:

Mit Hilfe von Halmasteinen machen wir uns noch einmal die Situation klar: Um Jesus stehen im Halbkreis einige Menschen. Petrus und andere kommen zu diesem Kreis hinzu. Draußen bleiben aber die Verwandten Jesu. Auch Petrus und die anderen standen zunächst draußen (grüne Bogenlinien machen das deutlich). Aber Jesus holt sie herein (einen großen gelben Bogen um sie legen, der die grünen Bogen umschließt). Die anderen aber grenzen sich ab, lassen sich nicht hereinholen (grüne Bogen um sie).

 

Was sollen wir tun, wenn die Eltern den Besuch des Religionsunterrichts verbieten?

Was können wir tun, um andere heranzuholen?

Müßten wir nicht euch einmal die besuchen, um die sich selten jemand kümmert?

 Alte, Behinderte, Kranke freuen sich über ein Lied oder

eine selbstgemalte Spruchkarte oder einen Strauß Blumen.

Eine solche Aktion wird in der nächsten Stunde durchgeführt.

 

Kaufmann: In  Gottes Namen fang ich an, Nr. 7 bis 10:  [Bilder fehlen]

 

 

Die Anfrage des Täufers: Mt 11, 1 - 11

Hinführung:

Auch heute denken wir vielleicht: Wenn Jesus doch endlich einmal wiederkäme und all das Böse in der Welt beseitigte wie ein großer König. Aber sicher hat er mehr Geduld als wir. Und er ist kein König, der unterdrückt, sondern ein echter König, der hilft, der für jeden da ist und der sich sogar für uns hat ans Kreuz schlagen lassen.

Wir stellen uns einen König nur vor wie einen großen und mächtigen Menschen. Aber wenn Jesus wirklich nur so ein Mensch gewesen wäre, dann wären wir sicher auch enttäuscht gewesen. Denn dann hätte er keine Zeit für uns gehabt. Oder kennt ihr einen hohen Herrn, der Zeit für einen gewöhnlichen Menschen hätte?

Dem Volk Israel ging es auch so und geht es bis heute so: Sie können nicht glauben, daß dieser armselig aussehende Jesus von Nazareth der König Gottes gewesen sein soll. Sie hatten schon Jahrhunderte gewartet auf den Gesalbten des Herrn, auf den Messias, auf den Christus, auf einen König wie David. Die Propheten hatten davon geredet. Die Pharisäer versuchten, durch strenge Einhaltung der Gebote diesen Tag des Messias herbeizuzwingen.

Man erwartete auch bestimmte Zeichen für das Erscheinen des Messias: Der Messias wird manche Kranke heilen. Die Blinden werden wieder sehen, die Tauben werden wieder hören, die Lahmen wieder ihre Glieder bewegen können ,die Stummen werden reden. So hatte es der Prophet Jesaja angekündigt.

Man erwartete den Messias als einen König mit größer Pracht, der auch die äußeren Feinde des Volkes besiegen und das Volk Israel zur Weltherrschaft führen würde. Der Tag des Messias sollte ein Tag des Gerichts und der Rache sein, an dem alles Böse von der Erde vertilgt würde.

Zu den Leuten, die sehnsüchtig auf den verheißenen Messias warteten, gehört auch Johannes der Täufer. Er hatte auch Jesus getauft und hatte dabei den anderen Leuten zugerufen: „Das ist der Messias, auf den ihr wartet. Ich bin der letzte aller Propheten, ich bin der Vorläufer, der das Kommen des Messias ankündigt. Jetzt dauert es nicht mehr lange. Bereitet euch nur nichtig auf den großen Tag vor!“

Wir wollen heute hören, wie Johannes beinahe an Jesus irre wird und wie er erst lernen muß, daß Jesus doch der Messias Gottes ist.

 

Erzählung:

Johannes der Täufer sitzt auf der Festung Machärus am Toten Meer in Gefangenschaft. Herodes Antipas, der Landesherr von Galiläa und Peräa, hatte ihn verhaften lassen, weil er sich in seine Eheangelegenheiten eingemischt hatte. Er hatte dem Herodes zum Beispiel. Vorhaltungen gemacht, weil er die Frau seines Bruders geheiratet hatte und nun alles tat, was sie ihm sagte. Das hat dem Fürsten nicht gefallen. Und deshalb hat er den unbequemen Mahner einfach ins Gefängnis werfen lassen.

Doch die Verbindung zur Außenwelt ist nicht völlig unterbrochen. Johannes darf Besuch empfangen. So ist er über alles unterrichtet, was draußen im Land vorgeht. Heute kommen wieder zwei seiner Jünger zu ihm in die Festung. Sie werden ihm helfen, endlich Klarheit zu bekommen.

Johannes quält sich nämlich in der Einsamkeit seines Gefängnisses schon wochenlang mit der Frage herum: „Wie ist das mit diesem Jesus von Nazareth? Damals am Jordan habe ich gesagt: Das ist der verheißene Messias. Aber man hat noch nichts weiter von ihm gehört. Sollte ich mich getäuscht haben?“ So wunde Johannes von schweren Zweifeln geplagt.

Nun fragt er seine zwei Jünger: „Sagt mal, was hört man Neues über Jesus von Nazareth?“ Gespannt sieht er die zwei Männer an. Doch die können ihm nur berichten: „Es ist immer dasselbe. Jesus hat zwar auch vom Reich Gottes gesprochen. Aber er verhält sich so gar nicht wie der Messias. Er sitzt mit Sündern an einem Tisch. Er spricht zwar auch von Buße, aber noch mehr ist von Vergebung die Rede. Er hat manche Kranke geheilt und einige Jünger gesammelt. Aber den großen Gang des Weltlaufs hat er nicht geändert!“ Johannes schüttelt den Kopf. Herodes würde also weiterregieren und ihn gefangenhalten können. Er durfte seinen Mutwillen an dem Propheten Gottes austoben und würde ihn am Ende gar noch umbringen! Da war also nichts von Zorn und Gericht zu spüren. Jesus würde nicht wie der Blitz zwischen das gottlose Volk schlagen. Und er würde auch Johannes nicht befreien.

Weil er an keinem Morgen wußte, ob er den Abend noch erlebt ,weil er aber auch gar zu gern gewußt hätte, ob er sich damals getäuscht hat oder nicht, schickt er seine zwei Jünger zu Jesus, um eine deutliche Antwort zu verlangen.

Die beiden Johannesjünger haben Jesus bald gefunden. Viele Menschen drängen sich wieder um ihn. Sie müssen sich erst nach vorne drängen. Alle recken sie die Hälse und sind neugierig. Endlich stehen sie vor Jesus und fragen ihn sofort: „Johannes der Täufer läßt fragen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Auch die anderen sind gespannt: Jetzt muß er doch „Ja“ oder „Nein“ sagen und sich als Messias bekennen. Dann muß er aber auch seine Armut und Niedrigkeit ablegen und sich als König auf Davids Thron setzen und die verhaßten Römer aus dem Lande treiben. Ja, die Leute wissen alle sehr gut Bescheid über das, was Jesus müßte und sollte.

Jesus gibt eine deutliche Antwort, die aber doch wieder verhüllt ist. Er antwortet mit einem Wort aus dem Alten Testament, aus dem Propheten Jesaja, das dem Johannes auch bekannt war: „Geht hin und meldet Johannes, was ihr seht und hört: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet. Und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert und zum Abfall von Gott verleitet wird!“

Ein seltsames Wort! Will Jesus die Verheißung des Alten Testaments auf sich beziehen? Ist sie in ihm erfüllt? Dann ist er also doch der Messias.

Bisher hatten die Johannesjünger immer nur gedacht: Im Alten Testament geht es nur um das Gericht Gottes. Aber nun begreifen sie: Auch das Heil ist schon angekündigt, allerdings vor allem für die Armen und Unterdrückten. Aber Jesus kümmert sich ja gerade um die Armen. Und er hat zu den Werken des Messias sogar noch zwei dazu gefügt: „Die Toten stehen auf“ und „den Armen wird die frohe Botschaft verkündet“, die Botschaft von dem Gott, der sie liebt und ihnen helfen will. Johannes hatte gedacht: Die Werke dieses Christus sind zu gering, als daß sie die Werke des Messias sein könnten. Aber Jesus deutet an: „Mit meiner Predigt und mit meinen Wundern hat die Messiaszeit schon angefangen.

Johannes soll sich mit den Taten des Messias zufrieden geben und keinen Anstoß mehr daran nehmen. Sein Glaube soll nicht daran zerbrechen, sondern im Gegenteil gerade wachsen. Nur der Glaubende wird in Jesus den verheißenen Messias sehen. Alles ist auf den Glauben gestellt. Auch für den Täufer gibt es keinen anderen Weg. Jesus sieht so unscheinbar aus, er kommt so gar nicht mit Macht und Herrlichkeit dieser Welt. Aber wer ihm nicht trotz allem vertraut, dem kann er auch nicht helfen. Es kommt allein auf den Glauben in jedem Menschen an.

Als die Johannesjünger wieder gegangen sind, sagt Jesus nun seine Meinung über Johannes den Täufer: „Ihr kennt den Täufer doch auch alle. Ihr habt ihn doch nie für einen Menschen gehalten, der sein Mäntelchen nach dem Wird hängt und sich vor den herrschenden Meinungen oder dem Willen des Herodes beugt. Er ist auch keiner, der nur seine Behaglichkeit sucht und sich dem Wohlleben und dem Luxus hingibt, wie es an den Königshöfen üblich ist. Ihr habt ihn für einen Propheten gehalten und habt überlegt, ob er vielleicht Elia oder gar der Messias selber sei. Ich aber sage euch: Er ist mehr als ein Prophet, er ist der letzte der Propheten und damit der Vorläufer des Messias.

Aber er gehört noch ganz auf die Seite der Menschen und des Menschlichen. Zwar ist er der Größte unter den bisherigen Menschen, aber er wartet immer noch auf das Reich Gottes. Ihr aber gehört in diese Herrschaft Gottes hinein. Und deshalb ist der Kleinste im Reich Gottes noch größer als er. Wer etwas von dem Messias weiß, der weiß mehr als alle Menschen aus der Zeit des Alten Testaments. Die Stimme des Johannes reicht zwar noch in die neue Zeit, aber er selbst bleibt in der alten. Im Reich Gottes wird man nicht groß durch die eigene, fromme Leistung, sondern durch die Größe des Geschenks, das man bekommt.

 

Antwortgespräch:

Wer ist die Hauptperson in dieser Geschichte? Es geht nicht um das Schicksal des Täufers, sondern um Wort und Tat und Bedeutung des Christus. Johannes ist nur das Mittel, um Jesus die entscheidende Frage zu stellen: „Bist du, der da kommen soll?“

Doch man hätte die Antwort Jesu mißverstanden, wenn man die Zeichen als einen Beweis für die Gottessohnschaft Jesu annähme. Man kann auch noch an Jesu Worten und Taten Anstoß nehmen. Wer sie hört und sieht, ist dennoch zum Glauben aufgerufen. Wir werden alle vor eine Entscheidung gestellt und Beweise werden nicht gegeben. Natürlich ist uns der Zweifel nicht verwehrt; er kommt ja auch ganz von selbst. Wir sehen die Niedrigkeit und Armut Jesu, seine scheinbare Erfolglosigkeit und Ohnmacht gegenüber dem Bösen - auch im Laufe der Kirchengeschichte. Der Glaube an Jesus ist kein sicherer Besitz und muß unter Umständen hart erkämpft werden. Die „Tatsachen“ sprechen so oft gegen Jesus und seine Sendung. Und doch werden wir aufgefordert, diesen Zweifel zu überwinden und Jesus unsern Herrn sein zu lassen.

 

Zachäus : Lk 19,  1 - 10

 

Hinführung:

Warum gehen wir nicht nur zur Schule und zu außerschulischen Veranstaltungen, sondern auch zum kirchlichen Unterricht? Warum gehen die anderen nicht hin, warum brauchen sie es nicht? Wer sind denn die, die so denken wie wir, die auch zur Kirche gehen? Sind Christen bessere und andere Menschen als andere? Warum sieht man vieler Christen nicht an, daß sie zu Christus gehören? Wie wird man ein „richtiger“ Christ? Warum gibt es so viele  Menschen, die gar nicht zu Christus gehören wollen? Liebt Gott diese Menschen auch? Liebt er die Christen mehr?

Viele Menschen rufen uns und wollen etwas vor uns: Freunde rufen zum Spiel, Eltern und Lehrer rufen uns, wir hören Hilferufe und Angebote, uns erreichen auch gefährliche Rufe (gegen Aufgaben und Anordnungen, gegen Straßenverkehrsregeln, beim Eislauf auf dünner Eisdecke). Welche Rufe beachten wir? Die uns Freude verschaffen und Vorteile bringen, die mit einer Strafandrohung verbunden sind, die wir für wichtig halten. Manche Rufe beachten wir auch nur ab und zu, manchmal gern und manchmal ungern.

Meist ist es so: Ich stehe in der Mitte und die Rufe greifen wie Angelhaken nach mir. Viele Kinder finden sich schon überfordert: Außerschulische Arbeitsgemeinschaften und zwischenschulische Wettbewerbe (Sport, Mathematik) stellen Ansprüche. In der Familie sind tägliche Hilfeleistungen für Einkauf, Haushalt, Garten eingeplant.

Unter den Angeboten sind auch viele verlockende. Am ehesten wird ausgewählt, was Spaß macht oder Nutzen bringt. Es ist notwendig, eine Auswahl zu treffen. Schließlich werden ja Zeit, Kraft und Interessen beschlagnahmt; meist wird auch eine Beteiligung auf Dauer oder doch auf längere Zeit erwartet.

Oft suchen die Eltern für die Kinder aus, welche Aufforderungen sie für günstig erachten. Nicht immer sind die Kinder mit den elterlichen Entscheidungen einverstanden. Manchmal bleibt ihnen aber auch die Entscheidung selbst überlassen, gerade auch was den kirchlichen Unterricht angeht.

Mancher meint dann, eine solche Verpflichtung brauche man nicht so wichtig zu nehmen.

Hier hilft sehr die Einbettung in eine Gruppe von Gleichaltrigen. Gemeinsames Leben und gemeinsame Aktionen haben prägenden Gewinn. Das Mitmachen ergibt Bekanntwerden mit Glaubensgütern bis hin zum religiösem Erleben und Formen von Glaubensleben. Leitbilder sind andere Kinder oder Jugendliche, aber auch die eigene Familie oder einzelne Mitglieder in ihr.

Die Frage ist aber immer, welchen Stellenwert wir dem Ruf Jesu geben. Ist er  nur ein Ruf unter vielen oder ist er der entscheidenden Ruf für uns? Vor einem Mann, dem plötzlich Jesus das Wichtigste im Leben wurde,  will ich heute erzählen.

 

Erzählung:

Ihr seid vielleicht schon einmal über eine Grenze gekommen. Da kann man nicht so einfach weiterreisen, sondern muß erst seine Papiere vorzeigen. Ein Grenzbeamter verlangt die Ausweise und untersucht vielleicht auch den Inhalt des Autos und der Koffer. Wenn man etwas Verbotenes bei sich hat,  wird es eingezogen und man muß obendrein Strafe bezahlen. Solche Zollstationen gab es auch schon im Altertum. Eine von ihnen war in der Nähe von Jericho, der Stadt im Jordantal in der  Nähe des Toten Meeres. Wer von Osten her in das Land wollte, mußte seine Waren erst verzollen. Da paßten die Zöllner schon auf, daß keiner ohne Kontrolle und vor allem ohne Bezahlung über die Grenze kam.

Mit dem Zoll war es nämlich so: Der Zoll mußte von einem Zollpächter im voraus an die Römer abgeliefert werden., die ja die eigentliche Macht im Lande hatten, weil sie das jüdische Volk besiegt hatten. Nur Leute, die schon etwas Geld hatten, konnten also Zöllner werden. Aber auf der anderen Seite hielten sie sich dann an den Reisenden schadlos. Die Höhe der einzelnen Gebühr war nicht so genau festgelegt. Es lag an dem Zöllner, wieviel er aus den Leuten herauspreßte. Je mehr er den Leuten abnahm, desto größer war sein Gewinn, desto mehr wuchs sein Reichtum.

Meist hatten so vier oder fünf Zöllner noch einen Oberzöllner über sich. Dem mußten sie den Zoll abgeben. Aber jeder wollte natürlich dabei verdienen. Man kann sich vorstellen, wie unbeliebt die Zöllner waren. Es ging ja nicht nur darum, daß sie zu viel Geld verlangten und die Leute betrogen. Viel schlimmer war, daß sie dabei mit den verhaßten Römern zusammenarbeiteten. Sie stellten sich der Besatzungsmacht zur Verfügung und dienten somit den ungläubigen Heiden ,die das Volk Gottes unterdrückten.

Zöllner waren also ehrlose und vaterlandslose Gesellen, die die Verachtung der Juden verdienten. Besonders die Oberzöllner waren die eigentlichen Erpresser. Sie waren öffentlich als Sünder am laufenden Band bekannt. Sie galten als unrein und durften nicht zum Gottesdienst oder wurden doch zumindest schief angesehen, wenn sie doch einmal auftauchten. Alle sagten: „Wer ein Zöllner ist, der ist für Gott verloren. Wenn der  Messias kommt, wird er wird die Zöllner ausstoßen!"

Weil die Zöllner so verachtet wurden, klammerten sie sich umso mehr an das Geld. Das entschädigte sie für manches. Sie konnten sich wenigstens etwas leisten, wenn die Leute sie schon nicht liebten. Das aber steigerte nur noch den Haß der anderen. In gewisser Hinsicht waren die Zöllner durchaus zu bedauern. Das war auch in Jericho nicht anders.

 

In der Stadt Jericho herrscht große Aufregung. Die Leute laufen auf der Straße zusammen. Kommt etwa der König Herodes, der in der schönen Palmenstadt immer den Winter verbrachte?  Nein, diesmal ist es nicht Herodes, sondern ein anderer König, der auf dem  Weg nach Jerusalem ist: Jesus kommt mit seinen Jüngern! Das haben die Leute erfahren.

Viele Menschen sind auf dem Weg nach Jerusalem, um dort an dem jährlichen Passahfest teilzunehmen. Unter ihnen ist auch Jesus mit seinen Jüngern. Der  Weg wird ihn durch Jericho führen, denn die Durchgangsstraße führt mitten durch die Stadt.

Jesus zieht in Jericho ein. Schnell hat es sich herumgesprochen. Er kommt, von dem man schon so viel gehört hat. Die Leute laufen zusammen. Dichtgedrängt stehen sie an den Straßen. Einige laufen noch hin und her. Jeder will ihn sehen. Vielleicht bleibt er stehen

und predigt. Vielleicht wird er einen Kranken heilen. Vor der Stadt, so erzählt man, hat er schon einen Blinden geheilt. Jeder will einen guten Platz an der Straße haben.

 

 

Einige rufen schon: „Jetzt kommt er durchs Stadttor!“ Da kommt noch einer gelaufen und will ihn auch sehen..Es ist der Oberzöllner Zachäus. Es hat ihn nicht mehr in seinem Haus gehalten. Er hat schon oft von diesem Jesus gehört, wenn die Leute bei ihm an der Zollstation vorbeikamen. Jetzt will er doch einmal persönlich sehen, wer dieser Jesus ist und was an ihm Besonderes dran ist.

Die Leute stecken die Köpfe zusammen und sagen: „Was will der denn hier? Der soll sich fortmachen! Laßt ihn nicht durch!“ An der Zollstation gibt Zachäus immer den Ton an. Da müssen sie ihm gehorchen. Aber jetzt ist es umgedreht: Sie lassen ihn nicht nach vorne durch, sie machen sogar die Schultern und die Ellbogen besonders breit, damit er nur ja nicht durchkommt. Und dann  ist Zachäus auch noch klein von Gestalt ist, hat er keine Chance gegen diese Mauer der abweisenden Leute.

Armer Zachäus! Er kann sich zwar alles leisten, was sein Herz begehrt. Aber er ist doch ein armer Mann. Die Leute mögen ihn nicht. Wo er erscheint, da wendet man sich von ihm ab. Jeder zeigt ihm die kalte Schulter. Die Leute machen deutlich: „Mit so einem haben wir keine Gemeinschaft, der hält es mit den Gottlosen; und wo der seinen Reichtum her hat, das wissen wir auch!“ Was nützt ihm nun all sein Geld. Er ist verachtet und verdammt. Er hat Geld, aber keine Liebe.

Aber Zachäus weiß Rat. Er beginnt plötzlich zu rennen. Er will zu einem Maulbeerfeigenbaum. Er steht dicht an der Straße, seine Zweige reichen bis zum Boden, er hat dichtes Laub. Was macht Zachäus nun? Es ist fast zum Lachen: Der kleine Mann klettert geschwind auf den Baum. Von dort schaut er gespannt auf den herankommenden Zug. Das Laub ist dicht, es verbirgt ihn gut. Aber er kann doch gut sehen, was auf der Straße vor sich geht. So hat er also einen prima Platz, niemand hat ihn bemerkt.

Doch als Jesus mit seinen Jüngern kommt, da stockt der Zug plötzlich. Jesus bleibt stehen und blickt zu dem Baum hoch, so als hätten die neugierigen Augen des Zachäus ihn angezogen. Der hat gar keine Zeit, Jesus eingehend zu betrachten. Es kommt umgedreht: Jesus sieht ihn. Er sieht ihn an, wie Gott die Menschen sieht. Zachäus fühlt sich entdeckt und durchschaut. Er erschrickt. Jetzt wird er wohl etwas zu hören kriegen. Und dann wird er mich fortjagen, weil ich mich in seiner Nähe nicht aufhalten darf.

Jesus fragt einen: „Wer ist denn das?“ Die Antwort: „Das ist doch nur der Obergauner Zachäus, den hier jeder nur zu gut kennt!“ Da ist Jesus auf einmal alles klar. Er weiß, weshalb der Mann auf den Baum geklettert ist und sich dort versteckt hat. Jesus erfaßt auch sofort, womit er Zachäus helfen kann. Ein langes Gespräch ist hier nicht möglich. Einem Ausgestoßenen kann man nur helfen,  indem man ihn öffentlich ehrt. Das sagt mehr als viele Worte und lange Erklärungen.

Jesus sagt zu Zachäus: „Zachäus, steig eilend hernieder; denn ich muß heute in deinem Hause einkehren!“ Das hat niemand erwartet, auch Zachäus nicht. Er weiß gar nicht, wie ihm geschieht, Jesus hat ihn sogar beim Namen gerufen. In sein Haus will er einkehren? Wie kommt er nur zu einer solchen Ehre? Dann ist Gott doch freundlich zu ihm?

Zachäus steigt schnell vom Baum herunter. Er ist voller Freude. Noch nie ist jemand zu ihm ins Haus gekommen und hat mit ihm gefeiert. Ausgerechnet dieser Fremde will ihm die Ehre antun, sein Gast zu sein. Das Essen ist schnell hergerichtet. Auch noch einige Berufskollegen werden eingeladen.

Jesus und seine Jünger kommen in das Haus des Oberzöllners Zachäus. Die anderen Leute in Jericho können es nicht fassen. Ihre Gesichter verändern sich plötzlich. Sie sind erstaunt und schwer enttäuscht. Wer ist dieser Jesus, daß er es wagt, bei einem Sünder einzukehren? Warum kommt er denn nicht zu ihnen, die doch so oft in der Tempel und das Gotteshaus gehen und alles tun, was die Priester und Schriftgelehrten sagen? Sie geben sich doch wirklich große Mühe, anständige Leute zu sein; sie meinen es auch tatsächlich ernst damit.

Mit diesem Jesus stimmt doch etwas nicht. Warum sagt er: „Ich m u ß heute in deinem Hause einkehren?“ Das scheint ein gefährlicher Mensch zu sein. Der hält sich wohl überhaupt nicht an die Vorschriften und Gesetze unseres Glaubens. Es ist unerhört, daß Jesus zu einem stadtbekannten  Sünder geht, wo es doch so viele fromme Leute in Jericho gibt. Enttäuscht und mit zornigem Herzen wenden sie sich ab und gehen in ihre Häuser und in ihr altes Leben zurück.

 

Im Haus des Zachäus aber beginnt ein neues Leben. Jesu Wort ist dem Oberzöllner ins Herz gedrungen und hat es neu gemacht. Er erkennt seine Schuld. Die Liebe Jesu verwandelt ihn. Weil Jesus ihm eine Freude bereitet hat, will er jetzt auch anderen Menschen eine Freude bereiten. Er muß an die Armen denken, die er bisher betrogen hat. Mit einem Male sind sie ihm nicht mehr gleichgültig. Jetzt will er die beschenken, die nichts haben. Er sagt: „Herr, die Hälfte meines Reichtums werde ich den Armen geben. Und wenn ich jemand betrogen habe, dann werde ich ihm viermal soviel zurück geben!“

Jesus hat das nicht verlangt von ihm. Aber weil er dem Zachäus so ganz anders begegnet ist als der es erwartet hat, ist er ein neuer Mensch geworden. Er hat auf einmal ganz von selber gemerkt, was bei ihm anders werden muß. Er tut sogar mehr, als die frommen Leute erwartet hätten. Die sagten: „In einem solchen Fall genügt es, wenn man ein Fünftel seines Besitzes hergibt und zu dem zurückerstatteter Betrag noch ein Fünftel hinzulegt!“Sie hätten auch erst

die völlige Wiedergutmachung verlangt und dann vielleicht dem Zachäus verziehen. Bei Jesus aber ist es umgedreht: Erst nimmt er den Menschen an. Das andere ergibt sich dann von selbst.

Zachäus ist das Geld auf einmal nicht mehr wichtig. Er fängt wirklich ein neues Leben an. Er wird auch weiter seinen Beruf ausüben. Doch bei allem, was er jetzt tun wird, wird er an Jesus

denken. Vieles wird anders sein. Jesus freut sich über die Wandlung des Zachäus, aber er lobt ihn nicht. Die gute Absicht des Zachäus ist ja nicht sein Verdienst. Vielmehr hat Gott an diesem Menschen ein Wunder vollbracht, indem er ihm ein neues Herz gab.

Zu den Leuten von Jericho aber sagt Jesus: „Auch Zachäus gehört zum Gottes Volk. Auch er ist ein Nachkomme Abrahams. Heute ist diesem Hause Heil wiederfahren. Zachäus und seine ganze Familie sind gerettet worden. Denn ich bin gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!“ Das ist ja der eigentliche Sinn seiner Sendung und der Inhalt des Lebens Jesu.

Heil ist dabei mehr als Glück. Zachäus wird es in Zukunft nicht leicht gehabt haben. Es hat gewiß nicht an heimlichem Spott und offenem Hohn gefehlt, als er zu diesem oder jenem ging, um sein Unrecht wieder gut zu machen. Sicher haben auch seine Berufskollegen versucht, ihn beim „Geschäft“ zu halten. Aber das kann ihn nicht mehr irre machen. Er blieb ja seinem Heilbringer Jesus verbunden. Dabei wurde das Heil sicherlich aber auch zum Glück, freilich zu einem Glück besonderer Art, das nicht jeder faßt.

 

Antwortgespräch:

Wir wiederholen die Geschichte mit einem szenischen Spiel:

1.Am Zoll streiten sich Zöllner, Kaufleute, Zuschauer um die Höhe des Zolls. Zachäus ermuntert die Zöllner zu hohen Forderungen.

2. Ein Reisender kommt mit der Nachricht: Jesus ist auf dem Weg nach Jericho. Die Leute reagieren in typischer Weise unterschiedlich

3.Vor dem Hause des Zachäus empören sich Priester, Pharisäer, Neugierige, weil Jesus sich bei dem Oberzöllner eingeladen hat

4. Am nächsten Tag am Zoll:. Die Kaufleute wundern sich über die niedrige Zollgebühr. Zachäus fragt sie, ob sie das letzte Mal zu viel bezahlt haben, Er läßt Beträge wieder zurückzahlen. Die Leute fragen sich, wieso Zachäus so verändert ist. Sie hören, daß Jesus gestern bei Zachäus gewesen ist.

Manche  Menschen ziehen aber unsichtbare Grenzen um andere herum. Da ist kein Grenzstein, kein Graben, kein Stacheldraht - und doch spürt man: Der will nichts mehr mit mir zu tun haben. Mar redet nicht miteinander oder man redet schlecht voneinander.

In der Tat darf man auch nicht zu vertrauensselig sein. Man wird sonst wirklich oft enttäuscht. So denken wir im Grund auch moralisch: „Wer Böses tut, ist böse!“ Wir empfinden es vielfach auch anstößig, wie Jesus hier handelt.

Nur gut, daß Gott da anders mit uns handelt. Die Sünde könnte uns von Gott trennen. Aber Jesus hilft uns, daß das nicht eintritt. Deshalb sollt er wir auch bereit sein, die Zäune niederzureißen, die wir errichtet haben, um uns von anderen abzugrenzen.

 

Zöllner Zachäus

Jesus Christus

wird verachtet

sieht ihn an

ist unbeliebt

geht zu ihm

ist ein Sünder

hält Gemeinschaft mit ihm

hält die Gebote nicht

vergibt ihm

verloren

gerettet

                                  

           

           

 

Bildbetrachtung: Kaufmann: Neues Leben durch Gottes Güte (Unterweise mich 3/4):

Zachäus sitzt isoliert in der Finsternis. Halten seine Hände das Geld fest? Wie eine Zange umklammert ihr ein breites Bard. Ob er sich wohl fühlt in dieser Gebundenheit? Er ist in sich verschlossen, sein Blick geht in die Ferne. Wen sucht er? Zachäus hat sich durch eigene Schuld von den anderen abgewendet und die haben sich von ihm abgewendet; auch sie sind im Finstern.

Es müßte einer kommen, der die finsteren Mächte im Herzen der Menschen aufsprengt .Mit explosiver Kraft bricht das Licht hervor. Zachäus ist aus seinen Fesseln befreit. Auf seinem Gesicht leuchtet Freude über das neue Leben, das er gerade begonnen hat. Er ist umgekehrt und wendet sich der anderen zu, seine Hände öffnen sich zur Linderung der  Not der Menschen. Er ist umschlossen von der Gestalt Jesu.

 

Bildbetrachtung: Linolschnitt von Kaufmann

In wie viele Gruppen können wir das Bild einteilen? Zwei oder drei? Wer ist der Mittelpunkt des Bildes? Jesus.

Die eine Gruppe wendet sich von Jesus ab;. Sie haben sich über ihn geärgert und drohen mit den Fäusten. Als geschlossener Block werden sie von Jesus weggetrieben (beachte die starke Linie am linken unteren Rand!).

Hier wird schon der Grund für die Passion Jesu angedeutet: Die Menschen sind mit ihm nicht einverstanden und deshalb wird er ans Kreuz geschlagen. Von daher gesehen paßt das Bild viel besser zu den Passionsgeschichte. Allerdings stirbt Jesus auch für die, die sich von ihm abwenden.

Auf der anderen Seite sitzt ein Mann im Baum. Ihm wendet sich Jesus zu. Wenn die anderen sich abwenden, dann sieht er nach dem, der ihn braucht. Sein Gesicht und das Gesicht des Mannes im Baum sind hell: Von Jesus gehen Strahlen aus und machen alles hell, wie von einer Lampe wird die ganze rechte Bildhälfte erleuchtet. Weil Jesus nach ihm sieht, wird es bei dem Mann hell.

(Das Folgende vielleicht erst nach der Erzählung).

Wer hat denn wohl den Zaun gebaut, hinter dem Zachäus auf dem Baum sitzt (In der Erzählung war doch keine Rede davon!)? Den haben die Menschen gebaut, die mit Zachäus nichts zu tun haben wollen. Aber Jesus reckt über den Zaun hinweg seine Arme zu Zachäus und

lädt ihn ein. Das Licht, das von ihm ausgeht, dringt auch durch diesen Zaun und macht ihn unwirksam. Die Schuld des Zachäus wird überbrückt und der Verlorene wird eingeladen.

 

Bildbetrachtung: Linolschnitt von Kaufmann II

Zachäus sitzt wie in einem Dorngestrüpp weil die anderen ihn abgewiesen haben. Von Jesus sind nur die einladenden Hände zu sehen. Die Mitte des Bildes muß so erst gesucht werden: Alle Blicke richten sich auf ihn, seine Einladung gilt allen. Aber auf den Gesichtern der Menschen sieht man Wut, Erstaunen, Erschrecken und kühles Überlegen.

Zachäus wird aus seinem alten Leben herausgehoben in das Licht, das im Hintergrund wie die Sonne aufgeht. Das Licht entlarvt ihn zwar als Sünder. Aber Jesus sagt zu ihm: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren!“ Jesus zeigt mit der linken Hand auf das Haus des Zachäus, in das er einkehren will. Der Weg nach dort ist hell erleuchtet. Vorher steht bei Lukas das Gleichnis von dem verlorenen Schaf, dem der Hirt aus den Dornen heraushilft. Hier hat Jesus einem verlorenen Menschen aus seiner Verstrickung herausgeholfen. Jesu Predigt ist eine Einheit mit seinem Handeln.

 

Miniatur aus dem Perikopenbuch Heinrichs II. (11.Jahrhurdert),

Jesus Christus ist auf beiden Bildern als der entscheidende Handelnde dargestellt. Er und sein Wort sind die Mitte des Textes. Das ganze Heilsgeschehen ist von ihm abhängig. Er will uns in dem Text begegnen.

Oben sehen wir den Zöllner im Geäst des Baumes. Von rechts kommt Jesus mit drei Jüngern (nicht Zuschauer). Petrus ist durch einen Heiligenschein etwas hervorgehoben. Zachäus beugt sich etwas vor, streckt die Hand verlangend aus. Es scheint so, als wolle er Jesus einen Schritt entgegengehen. Das ist die Antwort auf die Geste Jesu und seinen Blick.

Unten sehen wir eire Halle, deren Ziegeldach vor Säulen getragen wird. An einem runden Tisch mit lang herabhängendem Tafeltuch sitzen Jesus und die Jünger (in der gleicher Reiherfolge wie oben). Brot, Fisch und Wein sollen vielleicht an das Abendmahl erinnern. Jesus ist der Größte und der Handelnde. Sein Kopf mit dem Kreuznimbus erscheint wie in einem Dreieck.

Zachäus tritt von links heran. Sein Blick ist auf Jesus gerichtet. Die Hände streckt er ihm verlangend entgegen. Sie sind leer und halten nicht mehr das Geld fest. Er ist noch kleiner als der kleinste Jünger Jesu, ist aber in ihre Gemeinschaft einbezogen. Er ist ein Jünger Jesu und Gottes Kind.

 

Geschichtlicher Hintergrund:

In der Gemeinde des Lukas gab es wohl Geldleute, aber auch viele arme Leute. Die Regierung ist nicht gut auf die Christen zu sprechen und hat einigen ihren Besitz beschlagrahmt. Deshalb fordert Lukas auch durch eine solche Geschichte auf: „Verteilt Geld, damit jeder genug hat. Verzichtet auf euren Reichtum, denn wir gehören doch alle zur Familie Gottes!“

Lukas hat wahrscheinlich den Vers 8 eingefügt als Illustration zu dem Gemeindebekenntnis Vers 10. Der Vers stört den Gang der Handlung, Vers 9 nimmt das Murren von Vers 7 wieder auf. Der Vers 9 ist ursprünglich ein Wort über Zachäus (er wird in der dritten Person erwähnt) nicht an ihn. Auch der Herrentitel in Vers 8 deutet auf lukanische Verfasserschaft.

Aber es geht Lukas nicht um Moral, sondern um das Neuwerden des Lebens, das sich in einem neuen Wandeln äußert. Die Menschen, die Zachäus bisher erpreßt hat, sind ihm jetzt Brüder geworden. Er erfüllt keine bittere Verpflichtung, sondern er gewinnt ja mehr als er gibt. Er befreit sein Leben von einer schweren Last der Vergangenheit. Er folgt keiner Ermahnung, sondern er handelt aus freiem Entschluß. Das ist der radikale Neuanfang, der allein

dem Reich Gottes gemäß ist. Hätte es uns Lukas nicht so berichtet, wir müßten es uns so denken. Die Konsequenz für unsere Zeit wäre so etwas wie „Brot für die Welt“.

 

 

Reicher Jüngling: Mk 10, 17 - 27  (und Mt 19,16 - 26)

 

Einstieg:

Kinder denken oft: „Wenn ich erst einmal groß bin, dann geht es erst richtig los!“ Wann aber beginnt das eigentliche Lebern Wofür leben und arbeiten wir eigentlich? Wir wollen viel Geld haben , Erfolg im Beruf, für der Frieden und die Überwindung des Hungers arbeiten, überhaupt Zufriedenheit finden. Unser Leben soll ausgefüllt und lebenswert sein. Besonders in Krisenzeiten, besonders zum Beispiel wenn jemand aus unserer Umgebung gestorben ist, fragen wir nach dem Sinn des Lebens. Wir sehen ihn durchaus nicht nur in privater Wünschen, sondern auch im Einsatz für die Mitmenschen. Wir wünschen uns nicht nur viel Geld, sondern auch ein langes Leben und daß wir „in der Himmel“ kommen.

Aber doch müssen wir uns immer wieder fragen: „Was ist dir das Liebste im Leben?" Das, was wir am schwersten hergeben könnten, ist uns sicher das Liebste. Manchem ist es mehr wert als Gott. Für Kinder zum Beispiel ist der Fernseher wichtiger als die Oma, die krank ist und auf einen Besuch wartet. Gott will aber, daß wir auch einmal unser Liebstes vergessen und Zeit haben für andere und für Gott. Das wird auch deutlich an der Begegnung Jesu mit einem jungen Mann.

 

Erzählung:

Bei der Predigt Jesu hat auch ein junger Mann zugehört. Er hat schon viel von Jesus gehört und weiß, daß er für jeden ein gutes Wort hat. Da wagt er es auch, ihm eine Frage zu stellen, die ihn schon lange bewegt. Bisher hat ihm noch keiner eine befriedigende Antwort geben können.

Als Jesus schon weiterwandern will, läuft der junge Mann zu ihm hin, kniet ehrerbietig vor ihm nieder und fragt: „Guter Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben gewinne?“ Das ist eigentlich doch eine gute Frage: Er möchte das Eigentliche, das vor Gott wesentliche und sinnvolle Leben finden. Wenn er in dieser Frage noch etwas vorankommt, wird er ein richtiger Mann sein, denkt er. Jetzt fühlt er sich noch unfertig im Glauben, es fehlt ihm noch etwas zur Vollkommenheit; das hofft er bei Jesus zu finden.

An sich ist er doch ein liebenswerter Mensch. Er fragt nach dem Leben bei Gott und nimmt Gottes Gebote ernst. Er ist schon immer in den Gottesdienst gegangen. Aber er will es noch genauer wissen, als es im Gottesdienst gepredigt wird. Er möchte sicher sein, daß er vor Gott bestehen kann ,und er möchte unbedingt einen Ehrenplatz im Himmel bekommen. Er ist überzeugt, das normale Soll erfüllt zu haben. Aber er möchte noch etwas Außerordentliches leisten. An sich kann man sich doch nur über so einen ernsthaften jungen Mann freuen, auch Jesus hätte seine Freude an ihm haben können.

Aber er sagt zu ihm: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!“ Eine so ehrenvolle Anrede wie „guter Meister“ gebührt nur Gott allein. Jesus verweist auf Gott, der den Menschen doch gesagt hat, was sie tun sollen. Jesus stellt nicht eigene Gebote auf, sondern gibt Gott die Ehre. Der junge Mann aber scheint andeuten zu wollen, daß Gott die Menschen doch im Unklaren gelassen hat über seinen Willen.

Deshalb sagt Jesus zu ihm: „Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch Zeugnis reden, du sollst niemand berauben, du sollst Vater und Mutter ehren!“

Der junge Mann aber ist enttäuscht. Hat Jesus auch keine andere Antwort? Weiß er auch nichts Zusätzliches, das man tun könnte? Er sagt zu Jesus: „Meister, das habe ich alles gehalten von Jugend an!“ Offenbar hat er große und schwierige Forderungen erwartet. Aber die Gebote, die hat er doch von klein auf gelernt und eingehalten, das ist doch nichts Neues.

Der junge Mann hat tatsächlich nicht gestohlen, nicht gelogen, keinen Menschen totgeschlagen. Er hat ein gutes Gewissen und ist sich keiner Übertretung bewußt. Aber er kann nicht glauben, daß er damit schon am Ziel sein soll.

Jesus sieht den jungen Mann freundlich an. Er gefällt ihm, solche gibt es nicht viele. Der hat sich wirklich Mühe gemacht und alles sehr ernst genommen. Er will ihm gar nicht beweisen, wie oft er dennoch die Gebote übertreten hat, er macht ihm keine Vorwürfe. Jesus hat den jungen Mann sogar lieb. Aber er merkt auch, daß er gar nicht fest auf Gott vertrauen kann. Er hat den ehrlichen Willen, aber er ist tatsächlich noch nicht auf dem richtigen Weg. Er ist in der Tat noch nicht so vollkommen, daß er vor Gottes Augen bestehen könnte. Sein Ziel ist noch nicht erreicht.

Doch Jesus ist bereit, ihm weiterzuhelfen. Er spricht zu ihm: „Eins fehlt dir noch: Gehe hin und verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen; dann wirst du einen Schatz im Himmel haben. Und darr komm und folge mir nach und werde mein Jünger und nimm das Kreuz auf dich!“ Jesus weiß also doch den Weg, auf dem man unter Garantie zu Gott kommt: „mit Jesus gehen“.

Aber für den junger Mann bedeutet das sehr viel: Er soll alles hergeben, was er besitzt und so arm werden wie die Jünger Jesu. Er soll alles verlassen, was ihm bisher das Leben gesichert hat , und alles von Gott erwarten. Aber er wird dabei nicht arm werden. Er erhält ja dafür einen Schatz bei Gott; als Jünger Jesu wird er einen Reichtum haben, der niemals erschöpft werden kann. Er wird frei davon sei,  nur an sich denken zu müssen, und auch für andere da sein können. In der Nähe Gottes wird er froh sein können. Was Jesus zu geben hat, wird für ihn und alle anderen reichen.

Aber der junge Mann erschrickt und wird betrübt. Was will er denn mit einem „Schatz im Himmel“, den man nicht sehen, sondern nur glauben kann? Dieser Schatz ist ihm zu unsicher, das Wagnis des Glaubens zu groß, die Forderung Jesu zu schwer. Schließlich wird der junge Mann sogar ärgerlich über dieses Wort Jesu und geht traurig davon, denn er hat viele Güter.

Bisher hat er nicht besonders darüber nachgedacht, das war alles so selbstverständlich. Jetzt aber wird auf einmal deutlich, wie sehr der Besitz doch sein Leben bestimmt hat. Jetzt erst merkt er auf einmal, daß er sich davon nicht lösen kann. Er möchte gern die von Jesus angebotene Gabe annehmen. Aber er ärgert sich, daß er nicht die Kraft aufbringt, auf seine bisheriger Sicherungen zu verzichten. Und so stellt sich heraus, daß er nicht in der Lage ist, das größte und vornehmste Gebot zu halten, nämlich Gott über alle Dinge zu lieben. Weil er das nicht kann ist er auch nicht bereit, seine Mitmenschen zu lieben und ihnen all seinen Besitz zu geben.

Jesus hat nicht von allen seinen Jüngern verlangt, daß sie ihrer Besitz verkaufen sollen. Aber wer sein Jünger wurde, dem werde ganz von selber klar, daß er jetzt sein bisheriges Leber aufgeben mußte. Der Besitz sollte nicht daran hindern, mit Jesus zu gehen. Aber Jesus macht kein allgemeine Gesetz aus jenem Rat an den Reichen Jüngling. Für dieser war das der besondere Rat, den Jesus geben konnte; hier war seine schwache Stelle. Aber einem anderen hätte Jesus vielleicht einen ganz anderer Rat gegeben.

Bei diesem einen aber hat Jesus die schwache Stelle erkannt. Dieser junge Mann ist viel zu sehr an seinen Besitz gebunden. Er hat immerzu Angst, noch nicht genug zu haben. Auch gegenüber Gott denkt er so: immer noch mehr tun, damit es ja reicht. Anstatt sich von Jesus alles schenken zu lassen, will er sich selber den Himmel verdienen. Er setzt sein Vertrauen auf das, was er hat, anstatt auf das, was Jesus ihm geben will.

Jetzt wendet sich Jesus an seine Jünger und sagt: „Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!“ Es wird ihrer schwer fallen, sich der unsichtbaren Liebe Gottes anvertrauen zu müssen. Sie sollen alles aus der Hand geben und sich nur der Hand Gottes anvertrauen. Nicht der Besitz an sich hindert den Menschen, zu Gott zu kommen. Aber das Gefühl der Sicherheit, das der Besitz zu geben scheint, hindert viele, sich ganz Gott anzuver­trauen.

Die Jünger erschrecken, als sie das hören, denn sie denken auch an sich. Sie haben zwar alles verlassen, aber sie sollen sich doch auch angesprochen fühlen. Jesus sieht ihre Hilflosigkeit und redet sie freundlich an: „Wie schwer ist es ,in das Reich Gottes zu kommen, liebe Kinder! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes kommt!“

Da erschrecken die Jünger noch mehr und sprechen untereinander: „Wer kann denn da überhaupt zu Gott kommen? Wer kann darr selig werden!“Sie haben doch auch manches, was sie noch lieber haben als Gott. Dann kann wohl keiner sich das ewige Leben verdienen. Das kann er in der Tat nicht. Verdienen kann er es sich nicht, auch wenn er sich noch mehr anstrengt als der Reiche Jüngling. Aber er kann es sich schenken lassen.

Deshalb sagt Jesus zum Schluß: „Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott. Denn alle Dinge sind möglich bei Gott!“ Gott hat den Menschen alles hingegeben, er hat sogar seinen Sohn in ihre Hände gegeben. Er kann es auch schaffen, daß ein Mensch frei wird von dem Vertrauen auf seinen Besitz. Wenn Gottes Stunde kommt, dann kann ein Reicher seinen Besitz fahren lassen und getrost und fröhlich mit Jesus gehen. So wird er das ewige Leben nicht verdienen, sondern geschenkt bekommen.

 

Gespräch:

Es geht in dieser Geschichte nicht in erster Linie um das Verhältnis zum Besitz, sondern um das Verhältnis zu Jesus. Geld brauchen wir alle. Und wenn wir vielleicht auch nicht gerade reich sind,  so haben wir doch alle Besitz. Das muß wohl auch so sein. Aber der Besitz darf nicht zu unserem Götzen werden.

Andererseits gilt auch: Wenn wir unserer Besitz hergeben, sichert uns das noch nicht einen Schatz im Himmel. Der Dichter Leo Tolstoi hat im Alter all seinen Besitz weggegeben. Diakonissen geben alles her und verzichten auf ein Gehalt, die evangelischer Salzburger und

die Hugenotten haben ihre Heimat hergegeben, Albert Schweitzer hat auf eine Karriere als Orgelspieler, Theologe und Musikwissenschaftler verzichtet (er ist ja so etwas wie ein reicher Jüngling von heute) - aber all das macht noch nicht selig.

Wir wollen doch auch gern Gutes tun , oft sogar ohne die Hilfe Jesu. Unsere eigene Klugheit und Geschicklichkeit, unsere Leistungsfähigkeit und Erfahrung soll uns voranbringen. Auch in vielen Religionen wird eine Leistung von dem Gläubigen verlangt (im Buddhismus gilt Armut als Weg der Selbsterlösung.

In der Bibel aber geht es um das „allein aus Glauben“ Dabei kommen wird durchaus nicht zu kurz, sondern können einen Sinn für unser Leben finden. Es geht dabei nicht nur um die eigene Sicherheit und Geborgenheit, um das eigene Vorwärtskommen und die sinnvolle Gestaltung unserer Zeit, sondern auch um Tätigkeit für andere und das Bleiben in Gemeinschaft mit Jesus. Wenn wir das versuchen, werden wir nicht mehr nur hinter Jesus herhinken, sondern wirklich Nachfolgende sein. Der Sinn unseres Lebens liebt in der Freude, zu Gott zu gehören, im Eingehen auf Gottes Willen und im Einsatz für andere. Und wenn wir Jesu Wort ganz vertrauen, dann beginnt für uns das eigentliche (ewige) Leben.

 

 

 

 

Naturwunder

 

Die Stillung des Seesturms Mk 4,35 - 41 /(Mt 8,23-27 und Lk 8,22-25)

 

Hinführung:

Jeder Mensch hat schon einmal Angst gehabt, vor anderen Menschen oder vor bestimmten Dingen oder auch nur so eine unbestimmte Angst. Auch Christen haben Angst. Kinder haben Angst , wenn sie nachts allein auf die Straße gehen sollen oder wenn sie allein zu Hause sind. Die Mutter hat Angst, wenn ihr Kind krank ist. Der Vater hat Angst, wenn sein Kind nicht lernt. Alle haben sie Angst vor einem Unglück.

Aber nicht so schlimm ist es mit der Angst, wenn man noch einen hat. Das Kind braucht dann die Eltern und die Erwachsenen, brauchen andere Erwachsene. Alle aber brauchen sie Gott, der ihren die Angst wegnehmen kann.

Das haben auch Männer erfahren wie Paul Schneider, Dietrich Bonhoeffer und Maximilian Kolbe, die wegen ihres Glaubens verhaftet und umgebracht worden sind. Sie hatten sicher auch Angst. Aber sie haben auch im Gefängnis auf Gott vertraut und sind im Glauben an ihn in den Tod gegangen. Schon Jesus hat seinen Jüngern die Angst nehmen wollen. Davon wollen wir heute hören.

 

Erzählung:

Jesus ist oft mit seinen Jüngern am See Genezareth. Viele Leute kommen zu ihm, um zu hören, was er ihnen von Gott zu sagen hat. Sie sind am Ostufer des Sees. Jesus hat von einem Fischerboot aus zu den Menschen gesprochen. Am Abend aber sagt er: „Laßt uns hinüberfahren auf die andere Seite des Sees. Wir wollen wieder heim!“ Zu den Leuten sagen sie: „Geht nun auch nach Hause!“ Darr rudern sie los. Jesus legt sich im hinterer Teil des Fischkutters hin, um zu schlafen.

Der See ist zunächst ganz glatt und ruhig. Als sie aber schon weit weg vom Ufer sind, bricht plötzlich ein Sturm los. Die Jünger kennen das, diese plötzlichen Winde, die das Wasser aufpeitschen und jedes Bott hin und her werfen. Sie sind Fischer und wissen, wie gefährlich ihre

Lage ist. Wie ein kleine Nußschale wird das Schiff hin und her gezerrt. Die Wellen werden immer höher. Das Boot verschwindet einen Augenblick in einem Wellental, um gleich darauf wieder auf dem Kamm einer Welle zu tanzen. Wasser schlägt über den Bootsrand, so daß es bald voll Wasser steht. Die Jünger versuchen es auszuschöpfen. Aber so schnell können sie gar nicht arbeiten, wie das Wasser steigt. Die Not ist ganz groß, sie ist nicht mehr zu überbieten.

Jesus aber schläft ganz ruhig hinten im Schiff. Er hat sich ein Kissen unter der Kopf geschoben, auf das sich sonst die Ruderer setzen. Er schläft, als läge er zu Hause im Bett. Ist er wirklich so müde, daß er gar nichts merkt? Oder zeigt sich hier in seine Hoheit und sein Verbun­den­sein mit Gott? Welch ein Gegensatz: Die Jünger sind nervös, sie sehen schon alles zerbrechen und untergehen. Sie regen sich auf, weil er schläft, wo er doch unbedingt etwas tun hätte. Schrecken ergreift sie, Angst um das eigene Leben. Sie werden ganz kopflos und wissen nicht, was sie tun sollen.

Dabei hätten die Jünger doch eigentlich keine Angst zu haben brauchen.  Den ganzen Tag haben sie der Predigt Jesu von der Herrschaft Gottes über die Welt und die Menschen zugehört. Sie haben zu allem gläubig genickt und waren überzeugt: Jesus wird noch Großes heraufführen.

Aber da kommt ein Sturm - und ihr Glaube an das Kommen Gottes ist wie weggeblasen. Jetzt wo der Sturm sich brüllend auf sie wirft, ist ihr Vertrauen zu Gott dahin. Sie sehen nur noch den Sturm und wollen gegen ihn kämpfen, jeder für sich allein mit seiner schwachen Kraft. Als sie Jesus nachfolgten, hatten sie ihr eigenes Leben ganz aufgegeben und sich in der Dienst Gottes gestellt. Aber nun geht es ihnen nur noch um sie selbst, ums nackte Leben.

Jesus aber ist völlig ohne Angst. Er bleibt auch ruhig, als er geweckt wird, er läßt sich nicht in die Panik hineinreißen. Doch wir sollten nicht meinen: „Er wußte ja, daß ihm nichts passieren konnte!“ Er ist ja kein Zauberer, der den Sturm wegzaubern kann. Jesus ist so ruhig, weil Gott ihm ja einen Auftrag gegeben hat. Dieser Auftrag ist noch nicht erfüllt. Aber so ein Sturm wird ihn nicht hindern, Gottes Willer auszuführen. Das wäre Unglaube, wie ihn die Jünger zeigen. Er weiß, daß er auch gefährdet ist.

Aber um ihn geht es gar nicht. Viel wichtiger ist, daß Gottes Sache dann gefährdet wäre. Wenn er in einer solchen Lage Angst hätte, würde er ja an Gottes Auftrag und Gottes Macht zweifeln, dann würde ja der Sturm Gottes Absichten verhindern können. Das darf doch nicht sein. Jesus weiß auch, daß noch weit Schlimmeres für ihn kommen wird: Er wird Verrat, Gefangenschaft, Spott und Tod erleben. Davor hätte er Angst haben können. Was sind demgegenüber schon Wind und Wellen? Im Vertrauen auf Gottes Güte wird er seinen Weg zuende gehen. Er hat vielleicht im Inneren auch so eine leichte Angst, aber er geht der Weg Gottes doch im sicheren Glauben. Das ist das eigentliche Wunder in dieser Geschichte.

Eins machen die Jünger allerdings richtig: In ihrer Not wenden sie sich an Jesus. Sie wecken ihn auf und sagen: „Meister, fragst du nichts danach, daß wir verderben?“ Sie wissen also, daß er ihr Meister ist. Aber sie gestehen ihm nicht ihre Angst ein, damit er sie wieder da heraus heraushole. Vielmehr klagen sie Jesus an und machen ihm Vorwürfe. Sie werfen ihm Gleichgültigkeit vor und bitten ihn nicht einmal direkt um Hilfe. Aber in Wirklichkeit steckt dahinter natürlich eine verzweifelte Anfrage, denn sie wissen natürlich, daß nur er helfen kann.

Jesus aber ist enttäuscht wie ein Führer, der seine Truppe gut ausgebildet hat, aber nun sehen muß, daß sie im Kampf versagt. Wenn eine tapfer kämpfende Truppe um Unterstützung bittet, mag es ja noch angehen. Aber das Versagen dieser Jünger ist doch sehr beschämend und zeigt eine Kluft zwischen Jesus und den Jüngern. Diese Panik ist kein erhebendes Bild; und die Jünger werden sich nachher noch lange deswegen geschämt haben.

Jesus aber steht auf, bedroht der Wird und spricht zu dem Meer: „Schweig und verstumme!“ Da legt sich der Wird und es wird eine große Stille. Nur gut, daß Jesus mit im Boot ist. Daran werden die Jünger durch das Wort Jesu erinnert. Mag mit dem Boot passieren, was will. Selbst wenn es unterginge, dann ginge er auch mit unter, aber die Jünger gingen nicht verloren.

Jesus spricht nur wenige Worte, so als wollte er Dämonen beschwören. Wind und Wellen müssen ihm gehorchen. Bald legt sich der Wird, so plötzlich wie er gekommen war, ist er auch wieder fort. Nach dem großen Aufruhr kommt die große Stille. So wie die Israeliten einst am Schilfmeer durch das Wasser kamen, so sind auch die Jünger nun gerettet.

Jesus aber sagt zu ihnen: „Weshalb  seid  ihr so furchtsam? Habt ihr denn keinen Glauben?“ Die Jünger sind fassungslos. Erst bringt Jesus den Sturm zum Aufhören. Dann sagt er ihnen: „Eure Angst kommt daher, daß ihr zu wenig Glauben habt!“ Sie sind zwar nicht ganz ungläubig. Aber ihr Glaube ist Belastungen (noch) nicht gewachsen. In einer entscheidenden Situation kam es zu panikartiger Verwirrung. Sie haben Jesu Macht aus den Augen verloren, wo sie sie besonders nötig gehabt hätten. Wo sie Jesu Hand fester hätten ergreifen sollen, ließen sie sie fahren. Statt auf Gott zu schauen, machen sie erschreckt die Augen zu. Weil sie Gott vergessen hatten, wurden sie feige.

Jesus hilft ihnen aber dennoch, so lieb hat er sie. Er hilft denen, die ihn mit Ernst anrufen, auch wenn ihr Glaube schwach ist. Die Jünger können darüber nur staunen. Noch mehr staunen aber die Menschen am Ufer, die das alles mitgekriegt haben. Sie sagen: „Wer  ist der? Selbst Wind und Meer sind ihm gehorsam!“ Wer nicht mit im Boot sitzt, begreift eben nicht, was da vor sich geht. Die Jünger aber dürfen sich über die Gegenwart ihres Herrn freuen.

 

Antwortgespräch:

Im Jahre1911 ist der Dampfer „Titanic“ auf der Fahrt von Europa nach Amerika mit einem Eisberg zusammengestoßen. Er galt als das größte, modernste und sicherste Schiff seiner Zeit. Es sollte auch unter Beweis stellen, daß es das schnellste Schiff der Welt ist. Deshalb wählte man eine weit nördlich verlaufende Route, weil das der kürzeste Weg ist. Dabei kam es zu dem folgenschwerer Zusammenstoß.

Wir wollen die Schilderung eines Augenzeugen hören: „Als um1 Uhr morgens das letzte Boot abgefahren war, blieb uns nichts mehr zu tun übrig, als das Ende abzuwarten. Der ganze Vorderteil der Titanic stand jetzt unter Wasser. Die Decks waren mit Männern besetzt, die ihre Frauen, mit Vätern, die ihre Kinder hatten abfahren sehen. Leute, die ihre Angehörigen nicht mehr wiederfinden konnten, und Frauen in Nervenkrisen. Ich sah einige Gruppen, die sich zum Gebet versammelt hatten. Von der zweiten Klasse her drangen die Töne eines irischer Chorals: Näher mein Gott zu dir! Nähr mein Gott zu dir! Männer und Frauen sangen das, und es übertönte das Jammern und Seufzen. Ein Fahrgast machte mich darauf aufmerksam, daß vorn die Kommandobrücke in die Flut tauchte. Man spürte jetzt sehr deutlich, wie das Schiff allmählich sank. Der Lärm der Fahrgäste war fürchterlich. Einige fluchten wie Besessene. Eine Frau hörte ich rufen: ‚Herr, der du allmächtig bist, erbarme dich, rette mich!‘ Das aus dem Wasser emporragende Heck stieg vor uns an wie ein steiler Berg. Überall hielten sich weinende Gruppen angeklammert, und man konnte sie selbst dann noch deutlich unterscheiden , als das Licht erloschen war. Plötzlich sagte ein Herr neben mir: ‚Ich kann dieses Schreien  nicht länger aushalten. Lieber will ich ein Erde machen!‘ Und noch bevor ich eine Bewegung tun konnte, hatte er den Lauf des Revolvers in den Mund gesteckt und sich eine Kugel durch den Kopf gejagt. Er brach zu meinen Füßen zusammen. Trotz aller Anstrengungen, die ich machte, um in dieser furchtbaren Lage Herr meiner Gedanken zu bleiben, muß ich doch gestehen, daß ich anfing, den Kopf zu verlieren. Das Grauen ringsum auf diesem langsam in der Abgrund sinkenden Schiffe, an das sich fünfzehnhundert jammernde und schreiende Menschen anklammerten, wollte mich fast um der Verstand bringen. Ich erlebte einen Augenblick entsetzlicher Verzweiflungsausbrüche. Ich hörte aber immer auch noch das ruhige Singen: Näher, mein Gott, zu dir! Später konnte ich mich an den Kiel eines gekenterten Rettungsbootes kalten und wurde so gerettet!“

Mit der Titanic sind auch Christen untergegangen. Sie haben auch Angst gehabt, aber sie waren wohl nicht so verzweifelt wie die anderen. Sie haben sich durch ihr Singen ruhig gemacht und waren doch recht gefaßt. Sie konnten zwar nicht vor dem Tode gerettet werden, aber sie wurden aus dem Tode gerettet. Sie wußten sich auch im Tode nicht verlassen und vertrauten weiter auf Gott. Sie wußten: Wenn er uns jetzt nicht rettete, dann nachher, wenn es um das ewige Leben geht. Deshalb hatten sie keine Todesangst.

Manche haben in großer Seenot gebetet und sich doch untergegangen. Aber wenn sie diese Geschichte von der Stillung des Seesturms nicht umsonst gehört haben, dann haben sie sich von Jesus Christus die Angst nehmen lassen. Sie wußten sich bei Gott geborgen, da konnten Wind und Wellen ihnen nichts anhaben. Sie konnten ihr Geschick nur vertrauensvoll aus der Hand des Vaters nehmen. Im Vertrauen auf Gottes Güte sind sie den Weg Gottes zuende gegangen.

So schrieb etwa Gorch Fock, der 1916 in der Schlacht am Skagerrak gefallen ist, in sein Bordbuch: „Das Meer, in das mein Leib versinkt, ist auch nur die hohle Hand meines Heilandes, aus der mich nichts reißen kann!“

Es ist also nicht immer so wie in der biblischer Geschichte von der Stillung des Seesturms. Wir können uns nur schwer vorstellen, daß so etwas möglich sein soll. Aber eine wirkliche Begebenheit dieser Art muß wohl stattgefunden haben, wenn man sie vielleicht auch nachher ausgeschmückt und das Wunder verstärkt hat. Jesus hat wirklich Außerordentliches und seinen Zeitgenossen Unerklärbares getan.

Man kann damit nicht fertigwerden, indem man sagt: „Es war eben Zufall, daß der Ruf Jesu und das Aufhören des Sturm zusammenfielen!“ Das wäre ein Erklärungsversuch von der Vernunft her, ginge aber an der Sache vorbei. Die Vernunft kann aber auch nicht den Beweis erbringen, daß ein solches Wunder nicht geschehen sein kann. Eine biblische Geschichte ist nicht Unsinn, weil in ihr das natürliche Geschehen durchbrochen wird. Gerade die „Wunder gegen die Natur“ machen deutlich, daß Jesus Christus überhaupt ein einziges Wunder ist.

Aber man kann solche Wundergeschichten nicht als „objektiven Beweis“ für das Dasein Gottes oder für die Macht Jesu benutzen. Der Glaube hängt nicht an solchen Wundern. Er wäre auch da, wenn sich überhaupt nichts derartiges ereignet hätte und die Geschichte von Anfang bis Erde erfunden wäre. Dann wären diese Wundererzählungen nur so etwas wie ein Gleich­nis, das Glaubensdinge verdeutlichen will, nicht aber von tatsächlichen Ereignissen berichten will. Die Entscheidung fällt nicht an den Wundern, sondern an Jesus Christus selber.

Jesus lehnt solche Wunder ab, die nur auf Demonstration, Eigenhilfe, Rache oder Politik aus sind. Fast alle seine Wunder sind Rettungstaten, die die Freundlichkeit und helfende Liebe des Vaters deutlich machen. Er hilft, weil er die Not der Menschen sieht. Seine Wunder machen auch den Glauben nicht überflüssig; sie stellen vor die Glaubensentscheidung, erzwingen diese aber nicht.

Jesus war auch kein Zauberer. Den Lauf der Winde und der Strömungen des Sees konnte er nichts ändern, er war nicht Herr über die Naturerscheinung „Seesturm“. Aber er ist der Herr über das, was das Versinken im Wasser bedeutet: Er ist der Herr über Leben und Tod. Die Gemeinde hat die Erfahrung gemacht, daß ihr Herr sich durch nichts hindern läßt, zu den ver­ängstigter Seinen zu kommen. Jene Erzählung, die wie ein historischer Bericht klingt, ist dann nur Niederschlag der Glaubenserfahrung.

Diese Geschichte geht ja nicht nur die Leute an, die in Seenot geraten sind. Es geht ja um eine Nachfolgegeschichte und um Jesu Handeln an den Jüngern (und nicht am Unwetter!). Seine Jünger müssen mit vielen Nöten und Schwierigkeiten rechnen, sie werden Angst bekommen und meinen, ihr Herr merke nichts von ihrer Not. Es ist nicht immer leicht, diesem Jesus zu folgen. Das ist die Not der Nachfolge. Ihre Verheißung aber ist: Wer an Jesus glaubt, kann frei werden von Angst, er darf Jesus anrufen, der mit an Bord ist.

 

Tafelbild:

Nicht ohne Grund hat der Weltrat der Kirchen (die „Ökumene“) sich ein Schiff als Symbol gewählt. Mal schlagen die Wellen um das Schiff höher, mal niedriger (das hat tatsächlich im Laufe der Jahre bei der Darstellung gewechselt). Aber Jesus ist mit im Schiff (dargestellt in Form eines Kreuzes), da kann nichts passieren. Manchmal spricht man ja auch beim Kirchengebäude vom „Kirchenschiff“, also dem Inneren der Kirche, wo die Bänke stehen. Manche Kirche erinnert ja auch tatsächlich an ein Schiff. Zumindest können die in der Kirche sich fühlen wie in einem großen Schiff, in dem Jesus Christus der Steuermann ist.

Angst ist eine Sache, die sich überall im Leben findet. Überall da aber stellt auch Christus die Frage: „Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?“ Dabei kann es sich um Krieg, Krankheit, Firma, Zensuren, Dunkelheit, Alleinsein und noch manches andere handeln. Gott bewahrt nicht alle Menschen vor Unglück und Leid. Aber er nimmt alle mit in sein Schiff, die das wollen. Hier geht es also um unsere ureigene Sache, um unsre Angst und wie wir davor loskommen körnen.

Die Menschen im Boot fürchten sich vor den Wellen. Aber Jesus ist bei ihnen. An ihn können sie sich wenden im Gebet, auch heute noch. Unsere Ängste sind vielleicht Angst vor Dunkelheit, vor einem Hurd, vor dem Alleinsein im Wald, vor einer Klassenarbeit. An die Stelle Jesu kommt nun das Kreuz, weil Jesus ja nicht mehr sichtbar unter uns ist; auch die Jünger fallen weg, weil es ja um uns heute geht, so daß wiederum das Symbol der Ökumene entsteht.

 

 

Speisung der fünftausend: Mt 14.13-21

(Mk 6,30-44 und Mk 8,1-9 und Mt 15,13-19 und  Lk 9,10-17 und Joh 6,1-13

 

Hinführung:

In einer Ecke des Raumes sind verschiedene Teller mit Süßigkeiten vorbereitet. Alle dürfen sich darauf stürzen und sich etwas nehmen. Anschließend wird ausgewertet, was man beobachten konnte: Hatten nicht viele Angst, zu kurz zu kommen und nicht das Beste zu erwischen? Was hat die Gemeinschaft zerstört? Wer hat überhaupt nichts bekommen? Wir kommen auch anderswo zu kurz: In der Familie, in der Schule, unter den Spielkameraden. Es gibt viele Menschen, die fühlen sich zu kurz gekommen.

Jesus aber möchte, daß alle etwas kriegen und keiner dabei zurückgesetzt wird. Er hat selber auch entsprechend gehandelt, als viele Menschen einmal in Not gekommen waren. Gleich sechsmal ist im Neuen Testament die Geschichte erzählt. Da muß sie doch für die Christenheit von besonderer Bedeutung gewesen sein und bis heute sein.

Jesus hatte seine Jünger als Apostel losgeschickt in viele Dörfer und Städte, um den Menschen dort von Gott zu erzählen. Viele hatten auf sie gehört, manche aber lehnten auch ab. Aber mancher war froh, von Gott zu hören. Deswegen half man auch den Jüngern, daß sie nicht zu hungern brauchten. Jesus hatte ihnen ja verboten, Brot mitzunehmen.  Aber sie erfuhren, daß sie dennoch erhalten wurden. Aber eines Tages bekamen die Jünger doch wieder Angst, als einmal kein Brot da war.

 

Erzählung:

Jesus fuhr mit seinen Jüngern in einem Boot über den See Genezareth. Dort war es einsam und öde, eine dem Menschen feindliche Landschaft. Hier würde sie niemand stören. Hier würde Jesus auch ungestört mit Gott reden können, denn die Wüste galt von alters her als ein Ort, an dem Gott sich besonders zeigt       (Wüstenwanderung des

Volkes Israel).

Aber die Leute am Westufer des Sees haben die Abfahrt Jesu aus der Entfernung beobachtet. Sie wollen Jesus noch keine Ruhe lassen, sie haben immer noch Wünsche an ihn. Manche wollen noch mehr von ihm hören über Gott, manche wollen ihre Kranken zu Jesus bringen, damit er sie heilt. Auf jeden Fall laufen sie schnell am Ufer entlang auf die andere Seite des Sees.

Als Jesus am anderen Ufer aussteigt, findet er dort schon wieder eine große Volksmenge vor. Wie sie es nur gemacht haben, so schnell um den See herum zu kommen? Wo nur die vielen Leute herkommen, wo es doch dort drüben kaum Dörfer gibt? Soll Jesus die Leute wieder heimschicken? Nein, das kann er nicht.

Er muß noch einmal zu ihnen reden und ihnen deutlich machen, wer er wirklich ist. Sie halten ihn noch immer für einen Wundertäter  und Wunderarzt. Aber er hatte ihnen deutlich machen wollen, daß Gott alle Menschen liebhat. Aber nur wenige ahnen, was Jesus wirklich will. Er wird jetzt bald nach Jerusalem gehen, um die Auseinandersetzung mit den Führern des Volkes zu führen. Hier in seiner Heimat kommt er nicht weiter, er muß in die Hauptstadt.

Aber gerade deswegen kann er die Menschen hier nicht so einfach stehen lassen. Er muß ihnen ein Zeichen der bleibenden Zusammengehörigkeit und der Hoffnung geben. Als er sie so da stehen sieht, tun sie ihm leid. Sie wissen zu wenig von Gott, dem Vater. Keiner sagt ihnen, wie sie nichtig beten sollen. Keiner heilt die Kranken. Das Herz tut Jesus weh, als er die Leute sieht.

Sie sind wirklich wie Schafe, die keinen Hirten haben. Die Schriftgelehrten und Pharisäer waren solche Hirten nicht, sie verachteten das einfache Volk. Und von dem König Herodes hatten sie erst recht nichts Gutes zu erwarten.

Jesus spricht zu den Leuten und heilt ihre Kranken. Dabei merken sie gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Langsam wird es schon Abend. Da gehen die Jünger zu Jesus und sagen“ „Es wird schon langsam Nacht. Schicke doch die Leute fort, denn sie werden Hunger haben. Hier in der Gegend aber ist es einsam und öde. Sie müssen in die Dörfer gehen, um sich etwas zu essen zu kaufen. Oder noch besser wäre, sie gingen gleich nach Hause!“

Jesus aber scheint gar nicht zu verstehen, was ihm die Jünger deutlich zu machen versuchen. Er sagt den erstaunten Jüngern: „Es ist gar nicht nötig, daß sie fortgehen. Gebt ihr ihnen doch zu essen!“ Jesus hat die Menschen in eine unangenehme Lage gebracht. Wenn sie aber noch schnell loslaufen, könnten sie sich noch in der Nähe Brot kaufen.

„Das ist doch auch nötig“, denken die Jünger. Sie haben doch nur früh ein kleines Frühstück gekriegt. Es wird höchste Zeit für eine richtige Mahlzeit. Aber ums Essen muß sich jeder selber kümmern. „Das geht Jesus nichts an“, denken die Jünger. Das ist eine weltliche Sache und hat mit dem eigentlichen Auftrag Jesu nichts zu tun.

Er hat nur Gottes Wort zu sagen.

Die Jünger sehen sich erstaunt an. Sie verstehen nicht, was Jesus meint. Jesus denkt offenbar gar nicht an eine Speise, die man in den umliegenden Dörfern holen könnte, sondern an das, was sie dabei haben.  Sofort zählen sie den geringen Vorrat auf: „Wir haben hier nichts als fünf Brote und zwei Fische! Wie soll so etwas ausreicher unter so viele!“ Die Jünger können nicht glauben, daß man damit etwas anfangen kann.

Jesus aber will den Anspruch Gottes auf alle Bereiche des Lebens verkündigen. Auch die Brotfrage ist Gottes Sache. Sie sollen ihn aber nicht daran hindern, Gottes Wort zu verkündigen und die Kranken zu heilen. Die Jünger meinen: „Jetzt ist es erst einmal genug. Jetzt müssen wir uns erst einmal um das Essen kümmern!“ Aber Jesus macht ihnen deutlich:  „Wer bei ihm ist, der hat an nichts einen Mangel. Jesus sorgt für alles.

Er sagt: „Bringt mir das Brot und die Fische her!“ Jetzt körnen die Jünger nichts mehr von sich aus tun, sie haben nur das zu tun, was Jesus ihnen sagt. Aber sie sind nicht nur Gesprächspartner Jesu, sondern sie haben einen wesentlichen Anteil an dem, was jetzt geschieht.

Zunächst befiehlt Jesus dem Volk: „Lagert euch alle hier im Gras!“ Dann nimmt er die fünf Brote und die Fische, sieht hinauf in den Himmel, spricht ein Dankgebet und bricht das Brot auseinander. So tat es immer der Vater in der Familie, wenn sie abends sich alle zum Abendessen versammelten. Nun ist Jesus der Hausvater für all diese vielen Menschen, der für sie sorgt und ihren alles gibt, was sie zum Leben brauchen. Jetzt sind die Menschen nicht mehr wie ein Schafherde ohne Hirten, sondern wie eine Gemeinde, die einen Gott hat und miteinander Gottesdienst hält.

 

Jesus gibt den Jüngern die Brote. Diese dürfen sie an die anderen weitergeben. Sie sind die Helfer Jesu. Sie gehen durch die Reihen und teilen das Brot aus. Jeder bekommt ein Stück, keiner geht vergessen. Sie essen alle davon und werden auch alle satt, Jesus sorgt schon dafür.

Es bleibt sogar noch etwas übrig. Als die Jünger die Brocken einsammeln, werden zwölf Körbe davor voll. Es hat also nicht jeder seinen Rest mitgenommen, sondern alle sollten sehen, wieviel noch übrig war. Dabei war es eine große Zahl von Leuten, die bei jenem Abendbrot dabei waren. Der Evangelist Matthäus spricht sogar

von 5.000 Männern ohne die Frauen und Kinder. Jesus hat für sie alle gesorgt, mit seinem Wort und mit seiner Tat.

 

Antwortgespräch:

In dieser Geschichte gibt es einige unglaubhafte Dinge:

1. Wie können die Leute eher am anderen Ufer sein als das Boot?

2. Wo sollen die Menschen herkommen bei nur 2000 Einwohnern in Kapernaum?

3. Wie soll Jesus zu 5.000 Menschen ohne Lautsprecher reden?

4. Wo kommt auf einmal grünes Gras in der Wüste her?

5. Wo kommen plötzlich die Körbe zur Einsammlung der Reste her?

6. Vor allem aber: Die ungeheure Vermehrung der Brotmenge!

 

Vor zwei Erklärungsversuchen sollten wir uns hüten:

a. ) Kritische Fragen können wir nicht abschneiden mit der Behauptung: „Jesus kann das eben!“ Wir können dabei auch nicht auf das Wachsen in der Natur verweisen, wo ja jedes Jahr ein Samenkorn viele andere Körner hervorbringt; das natürliche Wachstum lebendiger Zellen ist doch etwas anderes als die Vermehrung toter Brotlaibe.

b.) Am Sinn der Geschichte geht auch folgender Erklärungsversuch vorbei: Das Beispiel der Jünger, von dem wenigen etwas abzugeben, habe ein Wunder in den Menschenherzen bewirkt; sie hätten nun auch ihre Beutel geöffnet und mit denen geteilt, die nichts hatten. Dann wäre alles also ein großes christliches Liebesmahl gewesen.

Es geht auch nicht um ein Märchen wie im „Tischlein-deck-dich“.

 

Es geht nicht um auserlesene Gerichte, sondern um ein übliches Abendbrot. Die Nahrung wird nicht ins Ungemessene vermehrt (wie in dem Märchen „Der süße Brei“). Jesus hat das Wunder nicht alle Tage wiederholt, sondern e s ging um ein Zeichen für die Jünger!.  Außerdem ist Jesus keine erfundene Figur, sondern ein wirklicher Mensch. Jesus spricht keinen Zauberspruch, sondern ein Gebet. Das Wunder wird nicht beschrieben, das „Wie“ interessiert gar nicht.

Es handelt sich also um eine Bildgeschichte, die mit einem Märchen nichts zu tun hat. An sich kann man nur sagen: „Jesus hat viele Menschen erst gelehrt und dann mit wenig Brot gespeist!“Niemand konnte begreifen, daß sie alle satt wurden. Den Jüngern und anderen erschien das alles wie ein Wunder. Vielleicht hat Jesus bewußt in der Zeit vor dem Passahfest mit den Seinen ein gemeinsames feierliches Mahl gehalten, das für sie der Hinweis auf den Anbruch der Heilszeit sein sollte.

Hinter der Erzählung steht die Glaubenserfahrungen von mehreren Generationen der Urchristenheit: Der Herr nimmt sich auch der leiblichen Not der Gemeinde an, er wird auch mit der Macht des Hungers fertig. Der Hunger ist allerdings nur ein Beispiel für die Nöte, die die Menschen haben. Insofern ist die Erzählung nicht Abbild einer einmaligen Erfahrung, sondern Inbegriff vieler Erfahrungen.

Ob die Geschichte wirklich auf ein punktuelles Ereignis mit dem historischen Jesus zurückgeht, muß offen bleiben. Auf jeden Fall weist sie über ein vergangenes und punktuelles Geschehen hinaus. Sie greift nach dem Hörer von heute. Sie ruft ihn heraus aus seiner Angst ums tägliche Brot und fordert zum Dienst.

Auch heute gibt es viele Menschen, die Hunger haben. Jesus macht sie nicht satt ohne die Mithilfe der Jünger. So etwas wie die Aktion „Brot für die Welt“ ist unbedingt nötig.

Jesus ist der gute Hirte. Aber er ist der Heiland der Seele u n d des Leibes. Er hält die Seinen durch in ihrer inneren und äußeren Existenz und schenkt ihnen oft mit geringen Mitteln die Fülle.

Er gibt uns aber auch sein Wort in Religionsunterricht und Kindergottesdienst. Er hat uns jedesmal etwas Neues von Gott zu sagen, das ist heute vor allem seine Gabe an uns.

 

Bildbetrachtung:

Die Tischgemeinschaft hatte für die Menschen im Altertum eine große Bedeutung. Jesus hat sie nicht nur mit seinen Jüngern, sondern auch mit Zöllnern und Sündern gehalten. Sie hat die Menschen freigemacht von Bindungen, durch die sie bislang beherrscht wurden. Sie war Urbild für die engste Gemeinschaft und für die Freudenzeit des Messias.

Gerade bei Matthäus aber wird die Speisungsgeschichte nach der Art des späteren Herrenmahls dargestellt. Er gebraucht die gleichen Worte wie in der Erzählung vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern (Mt 26,26). Die Fische werden zwar zunächst erwähnt, aber sie werden nachher nicht mit ausgeteilt (entweder gehörten sie

nur zur normaler Abendmahlzeit und störten den Bezug auf das Herrenmahl. Oder sie wurden später eingefügt von einer Gemeinde, die zum Herrenwahl auch Fisch verwendete). Besonders stark werden die Jünger hervorgehoben: Sie waren es ja, die später das Herrenmahl ausgeteilt haben. Überhaupt erinnert die ganze Erzählung stark an den Ablauf des urchristlichen Gottesdienstes: Sammlung, Predigt, Mahlfeier, Entlassung.

Auf das Abendmahl weist auch der Linolschnitt vor Sigrid Baumann-Senn hin: „Die Speisung der Fünftausend“. Der Mittelpunkt ist die helle Gestalt Christi, die sich deutlich von dem schwarzen Hintergrund abhebt. Er ist das Licht in der Finsternis. Die Jünger sind auf ihn ausgerichtet. Zu ihm hin und von ihm weg geht eine Bewegung von Geben, Nehmen und Weitergeben.

Die den Wartenden zugewandten Jünger: Zwei Jünger sind den Wartenden zugewandt. Sie stellen die Verbindung zwischen Christus und der erwartungsvollen Menschen her. Es führt eine Linie von den Händen Christi über die Hände der Jünger zu den verlangenden Händen der Menschen. Die Jünger geben das weiter, was sie empfangen haben.

Sie sind nicht nur fromme Konsumenten,  die lediglich ihre eigenen religiösen Bedürfnisse befriedigen. Sie bleiben nicht lebenslang Flaschenkinder, sondern sie lassen sich senden und geben weiter. Mit der einen Hand geben sie weiter, aber mit der anderen nehmen  sie Brot und Fisch aus der Hand Jesu.

Die Christus zugewandten Jünger: Merkwürdig stehen im Hintergrund vier weitere Jüngergestalten. Mit Augen und Armen sind sie ganz auf Christus ausgerichtet. Sie teilen Brot und Fisch nicht gleich aus, obwohl unten doch viele darauf warten. Die Geber sollen erst durch Jesu Hände gehen. Erst wenn er sie segnet, sind sie das,

was sie sein sollen. Das Brot ist nicht mehr nur gewöhnliches Brot, das der knurrende Magen sättigen könnte. In diesem Brot kommt Jesus selber zu den Menschen und macht „den ganzen Menschen satt und heil“.(Diese Jünger könnten übrigens auch die Jünger darstellen, die das Übriggebliebene wieder zurückbringen).

Die Warterden: Das untere Drittel des Bildes ist ausgefüllt von einer Menge wartender Menschen. Auch im Hintergrund sind Menschen zu erkennen. Erwartungsvolle Gesichter, ausgestreckte Hände sind nach oben gerichtet. Aber sie blicken nicht direkt auf Christus. Sie scheinen hungrig zu sein, obwohl sie wohlgenährt aussehen. Ihr Verlangen gilt der Gabe aus den Händen der Jünger, die aber mehr ist als ge­wöhn­liches Brot. Christus hat für alle etwas: die Rundung deutet die Erde an, Christus ist für alle Menschen gekommen. Jesus ist gekommen, um den Hunger der Menschen zu stillen. Aber er braucht dazu Mitarbeiter. Doch diese körnen nicht aus dem Eigenen geben. Sie müssen ihre Hände immer wieder falten und bitten, daß Christus die Gaben segnet. Hier wird das Wesen des Jüngersenrs und des Christseins überhaupt dargestellt. Der Christ ist auch in seiner diakonischen Aktivität immer ganz gar Nehmender. Das ist immer die Ausgangsposition des Christen.

 

Tafelanschrift:

Die Speisung der Fünftausend

„Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden!“

„”Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von einem jeden Wort,

das durch den Mund Gottes geht!“

Jesus gibt zuerst das Wort Gottes: Der Herr ist mein Hirte Ich bin der gute Hirte

Jesus gibt danach Speise,

nicht aus Steinen

sondern wirkliche Brote und Fische

nicht für sich selbst,          

sondern für die anderen (Erbarmen)

nicht aus eigener Macht,  

sondern durch das Dankgebet

 

 

Heilungswunder

 

Heilung eines Aussätzigen Lk 5,12-16 (Mt 8,1-4 und Mk 1,40-45)

Einstieg:

Wenn Kinder krank sind haben sie doch die Eltern, die sich um sie kümmern: Sie holen den Arzt und die Arznei, pflegen das Kind, beten mit ihm und für es. Aber so gut haben und hatten es die Kranken nicht immer. Was würdet ihr wohl sagen, wenn ihr krank im Bett liegt und die Nachbarn jagten euch aus der Wohnung hinaus und sagten: „Laß dich ja nicht wieder bei uns blicken!“So etwas gibt es noch bis heute, vor allem bei ansteckender Krankheiten.

Zumindest war es so zur Zeit Jesu. Da konnte es vorkommen, daß ein Mann oder eine Frau plötzlich einen schlimmen Ausschlag bekamen, der nicht wieder wegging. Schließlich bildeten sich Geschwüre, die nicht wieder weggingen. Vor allem war die Krankheit stark ansteckend. Einen solchen Kranken durfte man nicht berühren, sonst konnte man die Krankheit auch kriegen.

Für uns hat eine eklige Krankheit, zum Beispiel ein Ausschlag, ja auch etwas Abstoßendes. Wenn ein Kind so etwas hat, dann will niemand neben ihm sitzen oder mit ihm spielen. Vielleicht wird es sogar noch verspottet. So ein Mensch wird oft alleingelassen.

Eine besonders schlimme Krankheit dieser Art war der Aussatz, der in manchen Ländern heute noch vorkommt, aber heute viel besser behandelt werden kann als früher. Man nennt diese Krankheit auch „Lepra“.

Dabei wachsen die Geschwüre so weit an, daß schließlich das Fleisch am Körper verfault und die Gliedmaßen nacheinander abfallen: erst die Finger und Zehen, dann Harde und Füße, usw. Und weil das so eine furchtbare Krankheit war, an der sich niemand anstecken wollte, vertrieb man die Kranken aus den Wohnstätten der anderen Menschen. Die Städte durften sie nicht betreten. Nur in der Nähe von Dörfern durften sie sich in eigenen kleinen Siedlungen aufhalten. Mitleidige Leute stellten ihnen Essen an den Weg, wo sie es sich dann holen konnten. Unter besonderer Vorsichtsmaßnahmen durften sie auch am Gottesdienst teilnehmen. Doch wenn ihnen auf der Straße gesunde Menschen entgegenkamen, dann mußten sie „ unrein, unrein“ rufen, um die anderen zu warnen.

Es ging dabei aber nicht nur um die Ansteckungsgefahr, sondern man  sagte: „Er macht das Gottesvolk unrein. Er hat bestimmt Böses getan, und nun wird er von Gott dafür bestraft!“ Deshalb wurde er aus der Gemeinschaft des Gottesvolkes ausgestoßen. Er durfte kein Haus mehr betreten, weil er sonst alles in dem Haus „unrein“ gemacht hätte, so daß auch die Leute dort nicht mehr zum Gottesdienst gedurft hätten.

Ein Aussätziger war so gut wie ein Toter. Nur ganz selten wurde ein Aussätziger wieder gesund. Dann mußte er zum Priester gehen, der ihn dann für gesund erklärte. Das lag nicht nur daran, daß die Priester damals vielfach auch Ärzte waren, sondern vor allem sollte der Priester ja erklären, daß die böser Taten jenes Menschen nicht mehr zählen, daß Gott ihm vergeben hat und er auch in diesem Sinne wieder rein geworden ist. Heilung konnte im Grunde nur von Gott her kommen und wurde der Auferweckung eines Toten gleichgestellt. Wenn der Messias kommen sollte, dann würde er auch den Aussatz beseitigen, so sagte man.

So war der erhoffte Messias die einzige Hoffnung für die Leprakranken. Andernfalls konnten sie nur denken: Gott straft mich, er hat mich verlassen, ich kann nie wieder gesund werden. Mancher konnte auch gar nicht mehr beten, weil er dachte: Gott will ja doch nichts von mir wissen. Das war wohl das Allerschlimmste. Meist mußte dann so ein Kranker irgendwo allein in seiner Hütte oder Höhle sterben.

 

Erzählung:

in einer Stadt kommt ein Mann auf Jesus zu, der voller Aussatz ist. Irgendeiner mußte ihm von Jesus erzählt haben. Er soll schon Kranke geheilt haben. Manche sagen sogar, er sei der Messias, der alle Krankheiten beseitigen werde. Einst hatte ein Priester ihn für unrein erklärt. Nur ein Priester (oder noch besser: der Messias) konnte ihn wieder für rein erklären. Bisher hatte er fern von menschlichen Ansiedlungen gelebt. Aber nun wagt er sich in die Stadt, obwohl die Leute sicher mit ihm gezankt und ihn bedroht haben; aber es wagt sich ja keiner an ihn heran, weil die Krankheit so ansteckend ist. Er ruft nicht einmal „unrein, unrein“, sondern rennt geradewegs auf Jesus zu.

Jesus läuft nicht weg und schimpft auch nicht. Er weiß ja: Gott hat mich auch zu den Aussätzigen geschickt! Der Kranke wirft sich vor ihm nieder, so wie man sich sonst nur vor einem König niederwirft.

Er sagt: „Herr, wenn du willst, so kannst du mich rein machen!“ Er traut also Jesus zu, daß er all seiner Not ein Ende machen kann. Jesus ist in gleicher Weise traurig und zornig über die Macht, die die Krankheit über diesen Menschen hat. Er sieht das große Vertrauen dieses Menschen und denkt daran, daß er doch der Helfer der geplagten Menschen sein soll.

Da streckt Jesus die Hand aus, rührt damit sogar den Kranken an und sagt: „Ich will es tun, sei rein!“ Jesus zuckt nicht zurück, er hat keine Angst vor der Ansteckung, er will nur helfen. Die Jünger aber sind erschrocken. Sie haben Angst, ihr Herr könne sich auch anstecken. Vor allem aber denken sie daran, daß doch nur Gott selbst den Aussatz heilen kann. Wie kann Jesus etwas versprechen, was an sich nur Gott erfüllen kann? Ist er vielleicht doch der versprochene Messias?

Der Kranke aber merkt, wie die Krankheit von ihm weggeht. Er wird wieder rein. Nun könnte er wieder nach Hause gehen zu seiner Familie und sein altes Leben wieder aufnehmen. Am liebsten hätte er es allen Leuten erzählt. Aber Jesus will nicht, daß die Leute nur wegen solcher Taten an ihn glauben. Deshalb droht er dem Geheilten ganz ernsthaft: „Sage niemand etwas davon. Gehe aber und zeige dich dem Priester. Bringe auch das vorgeschriebene Opfer von zwei Tauben. Dann werden alle merken: Die Heilung kommt von Gott. Wenn der Priester dich für rein erklärt, dann bist du rein!“

Doch die anderen, die alles miterlebt haben, erzählen überall von dem Ereignis. Viele Leute kommen zusammen und wollen von Jesus hören und durch ihn gesund werden von ihren Krankheiten. Er konnte sich gar nicht mehr in der Stadt sehen lassen. So flieht Jesus in eine einsame Gegend, um dort beten zu können. Die Gemeinschaft mit seinem himmlischen Vater war ihm das Wichtigste. Bei allem Erfolg stellt er sich doch unter Gott. Es geht ihm nicht um die Zustimmung des Volkes, sondern um die Verbindung mit dem Vater.

 

Antwortgespräch:

Die Bitte des Aussätzigen um Reinigung zeigt seinen Glauben: „Jesus ist der Messias!“ Jesus bestätigt diesen Glauben durch Wort und Tat. Auch uns kann Jesus helfen. Er kann zum Beispiel helfen, daß aus einem bösen Kind ein richtiger Christ wird (Lied: Ein reines Herz). Doch es geht dabei um den Glauben und nicht um besondere Wundertaten. Er will die Menschen wieder zu richtigen Menschen machen, die in der Gemeinschaft der anderen sein dürfen, die aber auch mit Gott Gemeinschaft haben.

 

Reichenauer Buchmalerei: Jesus heilt einen Aussätzigen.

Ein Aussätziger - an seinen Flecken deutlich erkennbar - kommt auf Jesus zu. Er hat ein Horn umgehängt, um die Gesunden warnen zu können, weil er nicht mehr rufen kann. Die Krankheit zwingt ihn, so gebeugt zu gehen. Aber er verbeugt sich auch vor Jesus. Er streckt ihm die Hand entgegen wie zum Empfang einer Gabe.

Jesus ist größer dargestellt als die anderen, in einen Purpurmantel gehüllt, mit einem Lichtstrahl (Kreuznimbus) umgeben. Seine Hand scheint dem Aussätzigen etwas zu geben. In allem ist dargestellt: „Jesus ist der Messias!“ Hinter ihm stehen drei Jünger, die ihre Hände abwehrend gehoben haben , weil sie fürchten, daß der Aussätzige Jesus auch unrein macht.

Unten sehen wir den Geheilten, und den Priester im Tempel. Der Geheilte hat neue Kleider an und bringt eine Taube als Opfer. Vor Jesus hat er sich gebeugt. Aber hier steht er aufrecht, um Zeugnis abzulegen von Jesus, der ihn gesund gemacht hat. Der Priester hat auf dem Schoß ein dickes Buch, in dem das Gesetz des Mose steht mit seinen Bestimmungen über den Aussatz. Seine Hände deuten Verwunderung an über das, was der Geheilte sagt. Aber die Tatsache der Heilung läßt sich nicht leugnen. Und er kann auch nicht verhindern, daß der Geheilte bezeugt: Jesus ist der Messias.

 

 

 

Heilung des Gelähmten Mk 2,1 - 12  (Mt 9,1-8 und Lk 5,17-26)

Einstieg:

Wenn heute ein Wundertäter bei uns erschiene, dann würden ihm doch die Leute in Scharen rachlaufen. Denn alle haben sie Angst vor Krankheit und frühem Tod. Die Gesundheit ist auch wirklich ein hohes Gut, für das wir Gott nicht genug danken können. Viele Leute leben nur für ihre Gesundheit und bringen dafür alle Opfer und tun alles mögliche. Viele sagen: „Gesundheit, das ist die Hauptsache!“ Wenn aber eine Krankheit kommt, dann sagt man umgekehrt: „Das ist das Schlimmste, das mir passieren konnte!“

Es gibt noch andere Dinge, bei denen wir meinen. das ist aber jetzt das Schlimmste, das mir passieren konnte:

1.) Eine junge Frau wird krank. Sie geht zum Arzt. Sie bekommt den Bescheid: Schwer krank!  Nur durch jahrelange Kuren ist eine Besserung des Leidens möglich. Die Frau kann sich damit nicht abfinden. Sie meint: „Das ist das Schlimmste, das mir passieren konnte!“.

2.) In einem Internat werden die Zimmer neu verteilt. Jeder hat dabei seine eigenen Wünsche. Ein Mädchen kommt mit niemandem zusammen, der sie bisher hat gut leiden können. Die anderen Mädchen sind ihr alle fremd. „Das ist das Schlimmste, das mir passieren konnte“ ,denkt sie und sagt sie ihrer besten Freundin.

3.) In einer Abschlußklasse sprechen sie darüber, welchen Beruf jeder ergreifen möchte. Viele suchen noch eine passende Lehrstelle. Ein Mädchen hat gerade den Bescheid gekriegt, daß nirgends eine Lehrstelle für sie frei ist. Es sind ihr aber andere Stellen angeboten worden, doch die möchte sie nicht. So sagt sie: „Das ist das Schlimmste, das mir passieren konnte!“

Krankheit und Tod, ein ungeliebter Beruf, kein Verständnis bei anderen, Zusammenleben mit unausstehlichen Leuten sind durchaus schon schlimme Dinge. Wir spüren, daß wir uns da allein nicht helfen können und an die Grenzen unseres Wollens          und Könnens stoßen.

Aber im Grunde ist das noch längst nicht das Schlimmste im Leben eines Menschen. Was das Zusammenleben der Menschen untereinander so schwer macht, das trennt uns auch von der Gemeinschaft mit Gott. In der Bibel wird dann von der „Sünde“ gesprochen, die uns von Gott trennt. Wir merken das auch, wenn uns eine solche Sünde drückt:  Dann sind wir unsicher und bedrückt,  wir wollen den Eltern aus dem

Weg gehen, kriegen vielleicht Bauchschmerzen und können nicht schlafen. Wir fühlen uns durchschaut und wissen nicht, wie wir da wieder heraus kommen sollen. Da hilft nur ein gutes Wort der Mutter oder des Vaters. Es führt dazu, daß wir unsere Schuld aussprechen und dann Vergebung erlangen. Dann wird einem wieder leichter ums Herz, wir merken, daß wir wieder angenommen werden.

So ist also nicht nur die äußere Gesundheit unseres Körpers notwendig, sondern auch die Gesundheit unserer Seele. Viel schlimmer als eine körperliche Krankheit ist eine innere Krankheit unserer Seele (die manchmal auch zu einer körperlicher Krank­heit führen kann) .So hat es jedenfalls Jesus zum Ausdruck gebracht, als ihm einmal ein schwerkranker Mann vorgestellt wurde.

 

Erzählung:

Jesus hält sich wieder einmal in der Stadt Kapernaum am See Genezareth auf. Schnell verbreitet sich die Nachricht: „In dem kleinen Fischerhaus unten am See ist er!“ Viele Leute kommen gelaufen. Sie wollen etwas von Jesus hören. Manche kommen nur aus Neugier. Andere wollen Material gegen Jesus sammeln, damit sie ihn anklagen können. Immer mehr Leute drängen in das Haus und den Hof. Jesus stellt sich mehr nach der Tür zu, damit sie ihn drinnen und draußen hören können. Er erzählt ihnen von Gottes Liebe zu allen Menschen und von der Herrschaft, die er über die Welt aufrichten will.

Plötzlich entsteht Bewegung unter den Menschen. Eine Gruppe von Menschen nähert sich. Vier von ihnen tragen einen auf einer Trage. Die Leute kennen ihn. Er ist  auch so gesund gewesen wie die anderen und hat als Fischer auf dem See gearbeitet. Aber dann wurde er krank, konnte seine Glieder nicht mehr bewegen und mußte seiner Beruf aufgeben. Seine Gelenke sind wohl verkalkt, so daß er am Ende gelähmt wurde.

Seit er krank geworden ist, geht es der Familie schlecht. Seine Frau muß zu anderen Leuten arbeiten gehen, kriegt aber nicht viel dafür. Es langt gerade noch so zum Leben. Aber neue Kleider können sie sich nicht kaufen. Und am Haus können sie auch nichts reparieren lassen. Es geht ihnen wirklich schlecht.

Aber noch schlimmer ist etwas anderes. Die Leute sagen nämlich: „Das ist die Strafe Gottes. Du bist nicht fromm genug gewesen, du hast die Gebote Gottes nicht gehalten. .Jetzt straft Gott dich dafür!“ Deswegen darf er auch nicht zum Gottesdienst gehen bzw. gebracht werden.

In der Tat: Manche böse Tat steht vor ihm. Er möchte sie gern vergessen. Aber Gott kann sie sicher nicht vergessen, denkt er. Manchmal sagt ihm eine böse Stimme: „Gott ist urgerecht. Solches  Elend hast du nicht verdient! „ Er ist nicht nur getrennt von seinem Beruf und den Freuden des Lebens, sondern auch von Gott.

Aber er hat noch ein paar Freunde, Verwandte und Bekannte. Die bringen ihn nun zu Jesus. Aber bei dieser großen Menschenmenge gibt es kein Durchkommen. Nur ein Weg ist noch frei: über die Außentreppe auf das flache Dach hinauf. Dort hacken sie die Decke auf und lassen die Trage mit dem Kranken an Stricken ins Haue hinab. Der Kranke läßt das alles mit sich geschehen. Er landet direkt vor Jesus. So ist er also doch noch zu ihm gekommen.

Jesus begreift sofort, was die Männer wollen. Er sieht die außerordentliche Mühe, die sie sich mit dem Kranken gemacht haben. Er erkennt ihren Glauben und ihr Vertrauen. Sie wollen doch zum Ausdruck bringen: „Nur du, Jesus, kannst diesem Gelähmten helfen!“ Wer so zu ihm kommt, der muß Hilfe erfahren. Das ist doch wirklicher Glaube, wenn man in einer so handgreiflichen Not wirklich mit Gott rechnet.

Jesus sagt zu dem Kranken: „Mein Sohn‚ deine Sünden sind dir vergeben!“ Alles Unrecht, das dich von Gott trennt, ist weggewischt. Deine Schuld braucht dich nicht mehr zu belasten; sie ist durchgestrichen und du darfst ein neues Leben beginnen. Jetzt ist alles wieder gut, deine Not hat ein Ende! Du bist jetzt kein Ausgestoßener sein, sondern du darfst ein Kind Gottes sein.

Als Kind wird er ein Zuhause in der Familie Jesu finden. Gott ist es ja, der die Sünde vergibt. Er hat damit schon begonnen bzw. sie ist schon geschehen. Dadurch erst wird der Kranke ganz gesund werden können. Was nützt ihm denn die körperliche Heilung, wenn ihm die Sünde beleibt? Diese ist doch seine eigentliche Not, die sich unter anderem auch in der Krankheit zeigt. Die Krankheit ist nicht Folge einer bestimmten Sünde. Umgedreht ist die Vergebung nicht die Ursache der nachfolgenden Heilung. Aber beides hängt doch miteinander zusammen.

Die Umstehenden sind erstaunt über dieses Wort Jesu. Das hatte keiner erwartet. Vor allem die Schriftgelehrten sind empört. „Wie kann dieser Jesus so etwas sagen? Sünden darf doch nur Gott vergeben!“ Er lästert Gott! So denken sie im Stillen. Vor allem kritisieren sie an ihm: „Jesus greift doch damit Gott vor, der allein vergeben darf. Er spricht bedingungslos die Vergebung zu ohne vorherige Umkehr. Und er spricht einem Einzelnen die Vergebung zu, das ist zu speziell!“

Sie würden es noch gelten lassen, wenn Jesus nur den Kranken wieder gesund gemacht hätte. Aber Sünden vergeben, das darf keiner. Ob einem die Sünden vergeben sind, wird man erst erfahren, wenn man vor Gott steht. Wenn Jesus jetzt schon die Sündenvergebung gewährt, dann macht er sich zum Stellvertreter Gottes, und das ist Gotteslästerung.

Auch die anderen Zuschauer sind verwundert. Alles hätten sie erwartet, nur das nicht: Der Mann wollte doch gesund werden. Nun aber spricht Jesus von Gottes Liebe. Aber das bedrückte Gesicht des Kranken ist hell geworden. Die Gesundheit ist für ihn nicht mehr die Hauptsache. Seine Krankheit bedrückt ihn nicht mehr so wie vorher. Das schönste Geschenk hat er schon erhalten.

Jesus kann sich denken, was in seinen Gegnern vor sich geht. Da braucht man gar keine übernatürlichen Fähigkeiten zu haben, über die Wirkung seiner Worte mußte er sich im Klaren sein. Jetzt sagt er zu den Schriftgelehrten: „Was denkt ihr so etwas in eurem Inneren? Was ist leichter zu sagen zu so einem Gelähmten: ‚Dir sind deine Sünden vergeben!‘ oder: ‚Stehe auf, nimm dein Bett und gehe heim?“

Jesus selber hält die Heilung des Kranken für die leichtere Sache. Aber die Leute werden sagen: „Von Sündervergebung kann jeder reden. Das ist leicht gesagt. Das kann man ja nicht nachprüfen!“ Aber letztlich ist beides gleich schwer und für unser menschliches Verständnis gleich unwahrscheinlich. Für einen Menschen ist das eine so unwahrscheinlich wie das andere. Aber Gott kann beides tun. Er hat Jesus seine große Macht gegeben, auch beides zu tun. So kommt wieder in Ordnung, was in Un­ordnung geraten war.

Jesus wartet gar keine Antwort ab, sondern spricht weiter: „Ich will euch zeigen, daß ich der Auftrag habe, alles wieder gut zu machen. Ich bin für die Heilung der äußeren und der inneren Krankheit zuständig!“ Und zu dem Gelähmten spricht er: „Nimm dein Bett und geh nach Hause!“ Da steht der Mann auf, nimmt seine Trage und geht fort. Alle können es sehen: Er ist gesund geworden. Da sollen sie auch glauben können: Wenn Jesus ihn heilen kann und alle es sehen können, dann kann er auch Sünden vergeben, auch wenn man das nicht sehen kann .

Die Gottesherrschaft hat nicht erst mit der Heilung begonnen, sondern schon als er sagte: „Dir sind deine Sünder vergeben!“ Darauf kommt es eigentlich an: Jesus redet heute schon in 'der Kraft Gottes! Und dann geschieht etwas: Bei Gott die Vergebung der Sünden und auf der Erde die Heilung von einem unheilbarer Leiden.

Viele geraten außer sich und erschrecken, weil sie genau spüren: Hier hat Gott gehandelt. So etwas haben sie noch nie erlebt, das muß etwas mit Gott zu tun haben. Einige beginnen auch, Gott zu loben und zu preisen für das, was er getan hat.

 

Gespräch:

Jesus gebraucht das Wort „Sünde“ nur sehr selten. Daran könnten wir uns ein Beispiel nehmen, denn wir wissen oft gar nicht, was dieses Wort wirklich bedeutet. Haben wir wirklich schon erkannt, daß all unsre Nöte ihren tiefsten Grund in der Trennung von Gott haben? Aus manchen Nöten können wir uns selbst befreien; aber aus der Not der Sünde kann nur Jesus helfen.

Wir kennen alle die große Erleichterung, wenn Vater und Mutter uns wieder verziehen haben. Sie sind erst mit Recht sehr böse über uns gewesen. Aber weil sie die Eltern sind und uns liebhaben, lassen sie es doch wieder gut sein. Ob Gott auch so schnell zur Vergebung bereit sein wird? Jesus will es uns gewiß machen!

Ob der Gelähmte wirklich das alles auch erkannt hat und gerettet wurde? Er hat ja nicht um die Vergebung der Sünde gebeten. Es ist nicht einmal die Rede davon, daß er selber auch an Jesus geglaubt und ihm vertraut hat (nur vom Glauben der Träger ist die Rede!).

Nachher geht er ohne ein Wort des Dankes fort. Ob ihm nur die Heilung wichtig war? Aber geschenkt worden war sie ihm doch zur Befestigung seines Glaubens.

Die Schriftgelehrten scheinen diesen Widerspruch auch zu spüren. Sie widersprechen Jesus, weil sie nicht erkennen, daß in Jesus die Zeit des Messias angebrochen ist. Theoretisch wissen sie genau Bescheid über alles. Aber als er vor ihrer Augen seine Macht zeigt, können sie es nicht glauben. Jesus hat auch ihnen in jeder Hinsieht helfen wollen. Aber sie beginnen, ihn zu kritisieren:

1.) Du greifst dem Handeln Gottes vor, denn erst vor Gottes Thron erfährt man, ob einem vergeben worden ist, nicht eher.

2.) Du stellst keine Bedingungen für die Vergebung, verIangst keine Opfer, Gelübde und Almosen, überhaupt keine Erfüllung des Gesetzes

3.).Du sprichst die Vergebung dem Einzelnen zu, obwohl es doch nur die Vergebung für das Volks als Ganzes gibt

4.) Du verstehst unter Sünde nicht eine einzelne böse Tat, sondern eine Last, die auf dem ganzen Menschen liegt und die er nicht selber beseitigen kann, sondern die nur Gott ihm wegnehmen kann.

Die Erzählung von der Heilung des Gelähmter ist wie alle Geschichten in den Evangelien eine Predigt. Sicherlich geht sie auf ein tatsächliches Ereignis mit Jesus zurück. Aber ihre jetzige Form hat die Geschichte in der späteren Gemeinde erhalten.

Petrus hatte zum Beispiel an Pfingsten in seiner Predigt gesagt: „Jeder lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung seiner Sünden!“ Dann waren auch Leute gekommen und hatten flehentlich gesagt: „Ein reines Herz, Herr, schaff in mir, schließ zu der Sünde Tor und Tür!“

Zu ihnen sagt Petrus: „Wenn ihr den Namen Jesu anruft, dann darf jeder von euch hören: Gott hat dich lieb! Gott vergibt dir die Schuld!“ Da wurden sie wieder froh.

Die Schriftgelehrten aber wurden zornig und schimpften: „Das könnt ihr den Leuten nicht versprechen. Nur Gott kann Sünden vergeben. Auch euer Jesus hat solche Macht nicht gehabt!“

Da haben die Apostel dann Zeugnis abgelegt von der Macht Jesu. Sie haben gepredigt über das Wort Jesu: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden!“ Manchmal erzählten sie dabei auch jene Geschichte von der Heilung des Gelähmten, die in den Evangelien gleich dreimal überliefert ist. Eine solche Geschichte ließ sich besser merken als eine Predigt; aber sie ist selber auch eine Predigt.

Während Markus nur von der Vollmacht Jesu spricht, erwähnt Matthäus am Schluß auch die Vollmacht, die Jesus seinen Jüngern gegeben hat. Sie haben ja nach Jesu Tod seine Taten fortgeführt: Sie haben Kranke geheilt und die Vergebung der Sünden zugesprochen.

Auch heute geschieht das noch in der Kirche, daß wir aus dem Mund eines Menschen hören dürfen: „Dir sind deine Sünden vergeben, Gott ist dir wieder gut!“ Das geschieht in jedem Beichtgottesdienst, aber auch wenn ein Einzelner etwa zum Pfarrer kommt, seine Sünden bekennt und die Vergebung der Sünden zugesprochen bekommt. Solche Macht hat Gott den Menschen gegeben. In seinem Auftrag dürfen sie solche wichtigen Dinge mitteilen. So wie Gott seinem Sohn Vollmacht gegeben hat, den Freispruch zu verkünden so tun es nunmehr unter Nennung seines Namens die, die zu ihm gehören.

Den Streit Jesu mit den Schriftgelehrten hatte die Gemeinde Jesu später genauso zu führen. Jene Tat Jesu half ihr, das Recht zur Sündenvergebung zu begründen. Die Geschichte ist ein Dokument des urchristlichen Glaubens, der sich auf Jesus beruft, wenn er die Vergebung ausspricht.

Heute begegnet uns die Vergebung Gottes

im Gottesdienst durch das Wort

            im Abendmahl durch die Zeichen

 im täglichen Miteinander durch die gegenseitige Vergebung.

In Matthäus 11 fragt Johannes der Täufer bei Jesus an, ob er der erwartete Messias sei. Jesus antwortet ihm: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet!“ Das Evangelium war vor allem auch die Botschaft von der Vergebung. Jesus hat beides gebracht: Heilung und Heil. Auch für uns heute gehört beides zusammen.

 

Vergleich der Markusvorlage mit der Matthäusfassung:

Nachdem in der einen Stunde die Geschichte nach Markus erzählt wurde, liest nun zu Beginn der nächsten Stunde der Lehrer die gleiche Geschichte aus der Bibel vor,

allerdings in der Matthäusfassung. Dies wird aber vorerst nicht gesagt, sondern der Lehrer unterbricht sich wiederholt beim Lesen und sagt: „Wo steht denn das mit dem Haus, das hier spielt doch auf der Straße?“ oder „Sind sie denn nicht auf das Dach

gestiegen?“ oder „Von dem 'Sei getrost' haben wir doch gar nichts gehört!“

Der Lehrer zeigt schließlich sein Neues Testament den Schülern vor, damit diese das Rätsel lösen können. Sie stellen dann (hoffentlich) fest, daß nicht „Markus“ über der Seite steht, sondern „Matthäus“. Dann wird gesucht, wo die Geschichte bei Markus steht.

Wir stellen fest: Das Neue Testament hat den Text gleich zweimal in zwei Evangelienbüchern (Lukas wird nicht erwähnt). Beide Erzählungen weichen etwas voneinander ab. Das ist nicht verwunderlich. Wenn sich irgendwo ein Verkehrsunfall ereignet hat und die Polizei befragt die Zeugen, dann kommt es auch oft zu widersprüchlichen Aussagen..Jeder hat auf etwas anderes geachtet, jedem ist etwas anderes wichtig gewesen.

Wir wissen auch alle, daß eine Aussage schnell interessengefärbt ist. Wenn einer selber an dem Unfall schuld war,  wird er ihn anders darstellen als der Geschädigte. Was man nicht wahrhaben will, blendet man ab. Was den eigenen Wünschen entgegenkommt, wird dagegen groß herausgestrichen.

Wenn eine Familie etwa ein Auto kaufen will, dann haben die einzelnen Familienmitglieder auch unterschiedliche Fragen und Wünsche: Der elfjährige Andreas interessiert sich für Spitzengeschwindigkeit, Motor, Art des Antriebs, Parkleuchten usw. Die Mutter möchte alles wissen über Farbe, Federung, Polsterung, große Scheiben, Autoradio, Kofferraum. Der Vater wird nach Lebensdauer, Benzinverbrauch und Preis fragen. Wenn sie dann nach Hause kommen und der Oma erzählen, wird jeder etwas anderes wissen, obwohl sie doch alle von dem gleichen Auto erzählen.

So wird auch im Neuen Testament das gleiche Ereignis unterschiedlich dargestellt. In diesem Fall wird uns vielleicht die Markusfassung besser gefallen. Aber vielleicht gefällt uns auch an der Art des Matthäus das eine oder andere. Wir wollen einmal die beiden Geschichten nebeneinander halten und genau vergleichen, um so hinter die Eigenart der beiden Evangelisten zu kommen.

Zunächst ist auf den Zusammenhang zu achten: Matthäus stellt die drei Streitgespräche in Matthäus 9 zwischen zwei große Blöcken, die Jesus als Gebieter über Sturm und Dämonen und nachher als Herrn über Krankheit und Tod zeigen. In dem Mittelteil ist nicht die Heilung des Gelähmten, sondern der Zuspruch der Sündenvergebung das eigentliche Anliegen.

Es geht um Fragen der Lehre und des Rechts und die Auseinandersetzung mit der Schriftgelehrten. Markus hat solche scharfen Gegensätze nicht. Vor allem folgt nicht urmittelbar eine ausgesprochen sichtbare Tat Jesu. Bei ihm stehen Sündenvergebung und Krankenheilung stärker nebeneinander, mehr im Gleichgewicht.

Nach Matthäus (V.1) kehrt Jesus in „seine eigene Stadt“ zurück. Dort ist er zu Hause, dort hat er Bürgerrecht. Matthäus ist mit den Verhältnissen im Lande vertraut und kann deshalb so schreiben. Klar ist ihm und seiner Lesern, daß damit nur Kapernaum gemeint sein kann. Markus ist nicht so landeskundig und erwähnt deshalb extra der Namen der Stadt, nämlich Kapernaum.

Doch gerade diese Stadt wird in Matthäus 11,25-24 von Jesus verdammt, weil sie nicht auf die großen Taten Jesu geachtet hat, die in ihren Mauern geschehen sind. Es gab zwar auch einige Glaubende in ihr, wie gerade diese Geschichte zeigt. Aber das wird ihr nicht angerechnet. Viel schwerer wiegt, daß es auch in dieser Stadt manche Schriftgelehrten gab, die Material für ein Todesurteil gegen Jesus zusam­menzutragen halfen. insofern ist Kaperraum ein galiläisches Gegenstück zu Jerusalem.

Bei Matthäus ereignet sich alles am Wege. Jesus kehrt vor einer Überfahrt zurück und ist auf dem Wege in die Stadt. Die einzelnen Gruppen von Menschen kommen (allerdings schnell nacheinander) hinzu( Krankenträger, Schriftgelehrte, Leute). Es fehlt die Predigt Jesu und vor allem die interessante Einzelheit mit dem Aufgraben des Daches (Matthäus ist also der erste Kritiker dieser Geschichte mit dem Dach). Auf den Kranken wird keine ungewöhnliche Aufmerksamkeit gelenkt, er ist nur der Anlaß für ein Lehrgespräch. Das Eingangsstück wird zu einer knappen Einleitung, nicht einmal die Zahl der Träger wird genannt.

Das Wort Jesu an den Kranken lautet bei beiden Evangelisten gleich: „Mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben!“ Aber Matthäus setzt noch davor: „Sei getrost!“ Dieses Wort findet sich noch bei der Heilung der blutflüssigen Frau ( Mt 9,22) und als Zuruf an die Jünger, die in Seenot geraten sind (Mt 14,27). Markus hat diesen Zuruf nur als Wort der Volksmenge an den blinden Bartimäus (Mk 10,49). Matthäus läßt es in dieser Geschichte aus, so daß dieses Wort nur im Munde Jesu vorkommt.

Dieses Wort richtet sich nicht eigentlich an Kranke, sondern es unterstreicht die Vollmacht Jesu zur Sündenvergebung. Wo es um die Lossprechung von Sünden geht, da hat Matthäus mehr geschrieben als Markus, darauf kommt es ihm also an; er ist seelsorgerlicher und innerlicher.

Der Vers 3 beginnt wie Vers 2 mit „Und siehe“. Dadurch werden die beiden Gruppen der Hilfsbedürftigen und der Ankläger scharf gegeneinander gestellt. Matthäus führt nur die mittlere Anklage des Markus an, die schwerste im Volk Israel mögliche Anklage: „Dieser lästert Gott!“ Auch die Antwort Jesu ist schärfer. Bei Markus bleibt offen, ob die Schriftgelehrten sich nicht doch noch eines Besseren belehren lassen. Bei Matthäus aber sieht Jesus, daß die Schriftgelehrten Böses in ihrem Herzen planen; sie haben den Beschluß gefaßt, den Gotteslästerer zu beseitigen. Sie sind Feinde Jesu, die satanischen Mächten zum Opfer gefallen sind.

Jesus fragt knapper und bedrängt seine Gegner stärker. In Vers 5 hat Matthäus gekürzt und sowohl „dem Gelähmten“ als auch „nimm dein Bett“ ausgelassen. In Vers 6 stellt er „auf Erden“ voran, um zu betonen: Die Vergebung der Sünden ist nicht erst der Entscheidung eines künftigen Gerichts vorbehalten. Das Recht der Gemeinde, die Sündenvergebung zuzusprechen, wird damit unterstrichen.

Der Abschluß der Geschichte ist bei Matthäus anders. Es tritt noch einmal eine neue Gruppe auf, das „Volk“. Diese allein „fürchten“ sich, die Schriftgelehrter haben sich auf jeden Fall dem Gotteslob entzogen. Markus bleibt im alltäglichen Bereich, es geht nur um die Heilung, denn mehr haben die Leute ja nicht gesehen. Bei  Matthäus aber sagen die Leute etwas von geistlichem Gewicht, sie preisen Gott, der seiner Gemeinde die Vollmacht gegeben hat, die Sünden zu vergeben. Während Markus ausführlicher ist und gewissermaßen ein Bild malt, ist Matthäus kürzer und theologischer, hat mehr die Kirche im Blick. Beide wollen aber das Gleiche erzählen, nur jeder etwas anders.

 

 

 

Heilung des fallsüchtigen Knaben Mk 9,14 - 27 (Mt 17,14-21 und Lk 9,37-43)

Hinführung:

Es gibt Krankheiten, da kann kein Mensch helfen. Da stehen auch die Ärzte machtlos am Krankenbett und sind mit ihrer Kunst am Erde. Besonders schwer ist es auch für die Familienangehörigen, die das alles mit ansehen müssen und bestenfalls der Kran­kenpfleger können und ihm das Leben so angenehm wie möglich machen. Wie Jesus aber handelt, wenn er auf einen kranken Menschen trifft, davon wollen wir heute hören.

 

Erzählung:

Jesus hat seine Jünger für kurze Zeit allein gelassen. Als er wieder zu ihnen kommt, steht eine große Menschenmenge um die Jünger herum. Die Leute streiten mit den Jüngern. Vor allem die Schriftgelehrter führen das große Wort.

Sie scheinen sich über Jesus zu streiten. Offenbar haben die Schriftgelehrten Jesus kritisiert; sie stehen ja immer feindselig zu Jesus, auch wenn sie letztlich nichts gegen Ihn auszurichten vermögen. Sie trauen Jesus nicht zu, daß er Macht vor Gott hat.

Aber als Jesus kommt, ändert sich die Lage schlagartig. Er will gar nicht wissen, worüber man streitet, er läßt sich nicht zum Gegenstand der Diskussion machen. Wenn er kommt, dann muß aller Streit verstummen. Er wird die Spannung lösen können, die durch das Für und Wider der Meinungen entstanden ist.

Die Leute wenden sich ihm zu. Sie sind voll Freude und grüßen ihn. Eben noch haben sie an ihm gezweifelt,  jetzt behandeln sie ihn wie einen König. Das Volk ist halt immer wankelmütig und leicht entflammbar und läßt sich bald von dem und bald von dem beeinflussen, sie haben keine feste Meinung.

Jesus fragt die Leute: „Was streitet ihr euch mit meinen Jüngern?“ Er will gar nicht der Inhalt des Streitgesprächs erfahren, sondern seine Ursache. Es meldet sich einer, der die ganze Sache erst ausgelöst hat. Er sagt: „Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir. Er hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, da reißt er ihn hin und her. Er schäumt und knirscht mit den Zähnen und wird starr!“

Der Junge hat eine Krankheit, die wir „Epilepsie“ nennen oder auch „Fallsucht“. Diese kann leichter oder schwerer auftreten, aber sie ist nicht heilbar. Heute kann man durch Medikamente höchstens die Schwere der Krankheit etwas dämpfen. Früher führte man diese Krankheit auf einen bösen Geist zurück. Wenn man diesen durch einen mächtigen Befehl nötigen kann, aus dem Menschen auszufahren, dann wird er auch wieder gesund. So dachte man damals.

Der Vater hat sich zunächst an die Jünger gewandt, weil er Jesus nicht antraf. Ein Schüler hat ja die Macht seines Meisters, dachte man damals; und an der Macht des Schülers kann man auch die Macht des Meisters ablesen.. Aber mit diesem Fall werden die Jünger nicht fertig, der böse Geist ist zu stark für sie.

Ein solches Versager ist aber auch für der Meister bedenklich. Ein solches Versagen fällt auch auf den Meister zurück. Der Vater des Jungen ist offenbar auch in seinem Vertrauen zu Jesus erschüttert worden: Er schildert Jesus nur die Situation, bittet ihn aber nicht um Hilfe.

Auch die Schriftgelehrten nutzen die Gelegenheit sofort aus. Sie sagen: „Euer Meister behauptet, ein Herr über Krankheit und Tod zu sein!“ Viele Menschen trauen ihm große Kraft zu und halten ihn wohl gar für der Messias. Aber wenn er fort ist, können seine Jünger nichts tun. Wer weiß, ob er nicht selber in diesem Fall auch ohnmächtig ist! Jetzt sind alle gespannt, was Jesus vermag. Sie wollen sehen, ob er mehr kann als seine Jünger.

Jesus antwortet auf die Klage des Vaters ebenfalls mit einer Klage. Er sagt: „Ihr ungläubigen Menschen! Wie lange soll ich bei euch sein  Wie lange soll ich euch noch ertragen?“ Er meint damit nicht direkt die Jünger und auch nicht die umstehenden Leute, denn die hatten ja noch keine Gelegenheit, ihren Glauben zu beweisen. Jesus spricht hier ganz allgemein und gibt einem schon längeren Ärger Ausdruck. Jesus kommt aus einer anderer Welt und geht in eine andere Welt. Nur für kurze Zeit befindet er sich auf der Erde. Von den Menschen dort ist er innerlich tief geschieden. Nun ist er es müde, noch länger unter diesem glaubenslosen Volk zu leben. Er hält es nur noch bei ihnen aus, weil das Gottes Wille ist. Und er will helfen, wo er nur helfen kann.

Jesus sagt: „Bringt den Jungen her zu mir!“ Er wird gebracht. Da ist es, als erkenne der böse Geist seinen Gegner. Vor den Augen aller zeigt er noch einmal seine ganze Macht. Der Kranke bekommt erneut einen Anfall: Er stürzt zu Boden, schlägt um sich, Schaum tritt ihm vor den Mund, er wälzt sich hin und her.

Jetzt können es alle sehen, was das für eine schlimme Krankheit ist.  Jetzt ist es noch schwerer, an eine Heilung zu glauben. Aber Jesus bleibt ganz ruhig. Wie ein Arzt fragt er nach der Dauer der Krankheit. Der Vater sagt: „Das hat er schon von Kind an!“ Dadurch wird die Schwere der Krankheit noch deutlicher und das Versagen der Jünger erklärlich.

Der Vater macht sogar noch deutlich, daß die Krankheit lebensgefährlich ist: „Oft hat der böse Geist den Jungen schon ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn um­zubringen. Unsre ganze Familie ist dauernd in Angst und Sorge deswegen. Wenn du etwas kannst, dann erbarme dich über uns und hilf uns!“  Es ist nicht ganz deutlich, ob der Vater an Jesus zweifelt oder ob er voraussetzt, daß Jesus wirklich helfen kann. Aber er scheint doch ein gewisses Vertrauen zu Jesus zu gewinnen. Seine Bitte ist schon ein erster Schritt aus der Not heraus. Er beginnt zu ahnen, daß nicht menschliche Kunst, sondern nur göttliches Erbarmen helfen kann.

Jesus greift die Worte des Vaters auf, wendet sie aber anders: „Alles kann, wer glaubt!“  Jesus selber ist der Glaubende. Er will auch den Vater zu einem ganzen Glauben führen. Er will ihm sagen: „Glaube doch, daß ich alles vermag, auch deinen Sohn zu heilen. Glaube an mich, so wird dir geholfen!“

Da schreit der Vater auf: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Seine Not ist nicht nur die Krankheit des Sohnes, sondern es kommt dazu, daß er selber zwischen Glaube und Unglaube hin und her gerissen wird. Nun soll er aber doch glauben, sonst kann sein Sohn nicht gesund werden. Das ist seine besondere Not. Er möchte glauben;  und doch ist er immer noch gebannt von der Macht der bösen Geister. Erst muß diesem Vater geholfen werden.

Jesus hilft diesem Mann zum Glauben. Er macht ihm sein Versagen deutlich. Aber er hilft ihm auch aus der Not heraus. Der Vater kann den Glauben nicht selber hervorbringen, aber Jesus schenkt ihn ihm. Nun kann auch der zweite Schritt der Hilfe erfolgen. Jesus hat mit dem Vater etwas abseits von den Leuten gesprochen. Als der Mann aufschreit, kommen die anderen herbeigelaufen.

Jesus sagt: „Du sprachloser und unsauberer Geist. Ich gebiete dir, daß du von ihm ausfährst und nicht wieder in ihn hineinkommst!“ er läßt sich also gar nicht weiter mit dem Geist ein, sondern betrachtet ihn als erledigt. Ein letztes Mal übt er noch einmal seine Macht aus, dann muß er weichen: Er schreit und reißt den Kranken noch einmal hin und her, dann ist Ruhe.,

Die Leute denken: Jetzt ist er tot! Sie wollen schon auseinandergehen. Aber Jesus richtet den Kranken auf, und er ist gesund. Die Lebenskraft Jesu strömt in ihn ein und er lebt wieder. Jesus hat den Sieg errungen.

Als Jesus wieder mit seinen Jüngern allein ist, fragen sie ihr: „Warum konnten wir die Krankheit nicht vertreiben?“ Da merkt Jesus, daß sie immer noch nichts gelernt haben. Er sagt: „Alles Böse, das uns Angst und Not macht, kann nur von Gott vertrieben werden. Deshalb hilft nur, sich auf Gott verlassen und zu ihm zu beten. Solche bösen Geister und Krankheiten kann man nur durch Gebet austreiben. Heilen kann nur, wer wirklich beten kann!“

 

Gespräch:

Die Frage der Jünger ist auch unsere Frage. Wir erfahren doch auch oft, daß wir nichts vermögen, gerade wenn es um Krankheit geht. Wir möchten manchmal gern glauben, können es aber nicht. Was hindert uns aber, Jesus volles Vertrauen ent­gegenzubringen? Sind es die „Verhältnisse“, sind es die Menschen, sind wir selber es? Wir werden doch auch mit dem Unheil in der Welt (Mißtrauen, Hetze, Alkohol, Hunger, Krieg, Rüstung) genausowenig fertig wie die Jünger.

Aber es wäre Unglaube, wenn wir aus eigener Kraft Abhilfe schaffen wollten. Viele wollen es auch einmal mit der Religion versuchen, schaden kann das nichts. Aber mit einer Tat Jesu, die wirklich alles verändert, rechnet so richtig keiner.

Enttäuschung, Verzweiflung und Angst können nur überwunden werden durch den Glauben. Die Schriftgelehrter lehnen Jesus ganz ab und zeigen nur Unglauben. Das Volk schwankt hin und her und weiß noch nicht, ob es glauben soll. Die Jünger glauben nicht genug und haben nur einen Kleinglauben. Vor dem Vater des Jungen aber fordert Jesus der Glauben, der sich voll und ganz und ohne alle Zweifel auf Jesus verläßt. Solcher Glaube kann auch das kranke Kind mittragen.

Allerdings gibt es beim Glauben auch Höhen und Tiefen. Er muß also ständig gefestigt werden. Wir können im Kampf gegen das Böse nur in jeder Situation standhalten, wenn wir uns ganz auf Gott verlassen. Wenn wir im Gebet die Verbindung zu Gott halten, wächst der Glaube. Ob wir einem Menschen vertrauen können, merken wir oft, wenn wir mit ihm reden. Wenn wir mit Gott reden, merken wir, daß wir ihm die Rettung zutrauen können.

Der Glaube ist allerdings kein Werk, das wir selbst vollbringen könnten. Jesus tritt an die Stelle des fehlender Glaubens, er hilft uns zum vollen Glauben. Manchmal kann auch ein anderer Mensch uns Hilfe geben.  Aus seinen besseren Erfahrungen heraus kann er uns zum Beten und zum Glauben helfen.

Umgekehrt sollen auch wir anderen helfen. Wenn einer allerdings unter einer Krankheit leidet, ist das oft schwer. Man kann ihm doch nicht einfach sagen: „Du wirst wieder gesund!“ Aber man kann ihm helfen,  innerlich damit fertigzuwerden, damit die Krankheit nicht zur Katastrophe wird.

Das Gebet macht das Handeln nicht überflüssig. Bei einer Krankheit geht man natürlich auch zum Arzt. Das Beten aber ist damit nicht überflüssig. Es kann uns davor bewahren, daß Krankheit und Tod uns wie dämonische Mächte überfallen und die Familie zerrütten.

Wir können auch rein äußerlich etwas machen. Es werden Krankenhäuser und Heime gebaut. Dafür werden Menschen gebraucht, die bereit sind, andere zu pflegen. Andere tun das auch. Wir müßten uns fragen: Welchen eigenen Beitrag leisten wir als Christen? Liegt er nur darin, daß wir auch die Hände falten?

 

 

Heilung  eines Taubstummen Mk  7, 32 - 37 (Mt 15,29-31)

Hinführung:

Wir spielen „Stille Post“: Einer sagt seinem Nachbarn leise einen kurzen Satz ins Ohr, und der sagt ihn wiederum seinem Nachbarn und so weiter bis zum Letzten. Dann sind alle gespannt, ob der Satz auch nichtig angekommen ist.

Es ist schlecht, wenn man nicht nichtig hören kann. Wenn Opa oder Oma schlecht hören, dann kann man sich schlecht mit ihnen verständigen und sie können schlecht an einem Gespräch der anderen teilnehmen. Noch schlimmer aber ist es, wenn einer überhaupt nichts mehr hören kann, wenn er ganz taub ist.

Tun gibt es aber Menschen, die sind von Kind an  taub gewesen. Sie haben nie die Sprache ihrer Eltern oder anderen Menschen hören können. Deshalb haben sie die Sprache auch nicht lernen können. Sie sind dann nicht nur taub, sondern auch stumm; oder wir sagen auch: Sie sind taubstumm.

In einem Film wurde das einmal dargestellt: Ein Vater ließ aus Versehen einen ganzen Stoß Teller fallen. Aber das kleine Kind in der Nähe rührte sich nicht, sondern spielte selbstvergessen weiter, weil es nichts gehört hatte. Solche Kinder müssen dann in ein Heim und sollen versuchen, dennoch unsere Sprache zu lernen. Mit viel Geduld und Mühe gelingt das dann, aber die Aussprache ist doch unnatürlich, weil diese Kinder nie die nichtige Sprache haben hören können. Meist lernen sie auch die Zeichensprache, um sich untereinander verständigen zu können.

Solche Menschen haben es besonders schwer. Es ist sehr umständlich, ihnen etwas zu erklären. Wie will man ihnen zum Beispiel  erklären, wer Gott ist? Aber sie sollen auch etwas von Gott erfahren. Zur Zeit Jesu war es noch schlim­mer mit diesen Menschen. Man sagte: „Ihre Krankheit ist eine Strafe Gottes; deswegen wurden sie verachtet und durften auch nicht zum Gottesdienst.

An der Flanellwand legen wir einen Kreis von Menschen (alle in einer Farbe), und außerhalb dieses Kreises steht ein einzelner Mensch (in einer anderer Farbe); bei ihm ist ein großes durchgestrichenes Ohr und ein durchgestrichener Mund (das  Bild wird am Schluß der Stunde noch einmal aufgenommen).

                                  

Erzählung:

Als Jesus noch mit seiner Jüngern durch sein Land zog, da kam er in viele Städte und Dörfer und auch in das Nachbarland. Dort leben Heiden, die nichts von Gott wissen, wenn sie auch eine hohe Bildung und Kultur haben. Ein frommer Jude ging da nicht hin, denn die Juden verachteten die Heiden und wollten nichts mit ihnen zu

tun haben. Ob die Menschen wohl dort auf Jesus hören würden, ob sie ihn gebrauchen können?

Jedenfalls erzählt Jesus ihnen vor Gott. Es war so wie immer: Einige hörten auf ihn, andere wieder nicht. Mancher paßte das nicht, was er tat. Er besuchte zum Beispiel diejenigen, mit denen keiner etwas zu tun haben wollte. Er sagte oft: „Habt auch die lieb, die euch unangenehm sind!“

Aber einer ist da, der kann nicht hören, was Jesus sagt: Er ist taubstumm und kann nicht hören und nicht sprechen. Seine Familienangehörigen aber haben gehört, daß Jesus schon kranken Menschen geholfen hat. Da überlegen sie nicht lange: Sie nehmen den Taubstummen an der Hand und bringen ihn zu Jesus. Sie bitten Jesus: „Heile ihn doch, damit er hören und sprechen kann!“ Jesus brauchte ja nur die Hand auf ihn zu legen, da würde es schon anders mit ihm werden.

Der Taubstumme versteht nicht, was man mit ihm vorhat; er läßt aber alles mit sich geschehen. Erwartungsvoll blicken alle auf Jesus. Er schickt den Kranken nicht fort, wie die Ärzte es so oft getan haben. Er nimmt der Taubstummen beiseite, weil nicht alle mitkriegen sollen, was jetzt geschieht. Was jetzt geschieht, geht nur ihn und den Kranken an, niemand soll sie stören können. Jesus möchte auch nicht, daß man ihn für einen Wunderdoktor hält. Gewiß kann er Wunder tun; aber die Leute sollen nicht deswegen an ihn glauben. Außerdem könnten sie denken: Jesus ist auch nur so ein Wunderdoktor wie mancher andere auch, er macht so ein bißchen Hokuspokus, um damit hat sichs. Aber darum geht es gar nicht so sehr, Jesus will ja etwas anderes erreichen.

Der Taubstumme sieht Jesus mit erwartungsvollen Augen an. Er spürt ganz deutlich: Hier ist einer, der hat mich lieb, zu dem darf ich Vertrauen haben, hier werde ich nicht verachtet. Aber Jesus kann sich ihm ja nicht verständlich machen. Er muß etwas tun, das der Taubstumme versteht, auch ohne Worte. Da steckt er ihm die Finger in die Ohren und macht seine Zunge mit Speichel naß (vormachen), denn um Ohren und Zunge geht es ja.

Doch dann erst kommt das Entscheidende: Jesus blickt zum Himmel auf, so als wollte er beten. Hier können nicht Menschen helfen, sondern allein Gott. Dann seufzt er, weil er an die vielen Krankheiten und an das viele Leid denkt, das es in der Welt gibt. Und schließlich spricht er zu dem Kranken gewandt: „Hephata!“ Das bedeutet so viel wie :“Tue dich auf!“ Die Ohren sollen sich auftun, aber auch der Mensch soll bereit sein, auf das zu hören, was Jesus ihm eigentlich zu bringen hat.

Da merkt der Taubstumme: Jetzt wird etwas anders mit mir! Er hört das Gezwitscher der Vögel und das Gemurmel der Leute. Seine Zunge wird locker und leicht, er kann auf einmal reden. Was er spricht, das ist auch nichtig, die anderer können ihn verstehen. Gott hat ihr auch klug gemacht zum Reden. Jesus hat ihn wieder zu einem Menschen gemacht. Er hat für ihn zu Gott gebetet, und Gott hat das Gebet erhört. Jetzt erst hat er die Möglichkeit, alles über Gott zu erfahren.

Jesus geht mit dem Geheilten  zu den anderen zurück. Der vorhin noch krank und ausgeschlossen war, kann jetzt wieder hören und sprechen und in die Gemeinschaft der Menschen aufgenommen werden. Und nun kann er auch Gott loben und danken für alles, was er an ihm getan hat.

Die Menschen aber wundern sich sehr, sie können es kaum begreifen: „Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und Sprachlose reden!“ Gott hatte einst die Welt gut geschaffen. Krankheit zerstört die gute Ordnung Gottes. Aber Jesus stellt die gute Schöpfung Gottes wieder her und erfüllt damit gleichzeitig, was schon die Propheten des Alten Testaments als eine besondere Tat Gottes angekündigt hatten.

 

Der Evangelist Markus aber, der uns diese Geschichte aufgeschrieben hat, meint noch, Jesus hätte den Leuten verboten, von dieser Tat zu erzählen. Sicher hat er befürchtet, die Leute würden alles noch mißverstehen. Sie würden ihn nur für einen Wundertäter halten und nicht begreifen, daß Jesus auch wird leiden und sterben müssen. Erst n a c h Tod und  Auferstehung wird man Jesus richtig verstehen können.

Deswegen sollen die Leute bis nach Ostern schweigen und erst dann alles sagen, was sie von Jesus wissen. Aber ich glaube kaum, daß sie so etwas gemacht haben. Sie hatten ein Wunder erlebt. Das müssen sie gleich allen Leuten erzählen. Und sie erzählten dabei auch von Jesus, der das alles mit der Hilfe Gottes vollbracht hatte.

 

Antwortgespräch:

Es ist nicht immer so, daß wir gesund sind oder gesund gemacht werden. Es gibt auch heute raubstumme Menschen. Sie müssen meist in Heimen leben, jedenfalls solange sie noch lernen müssen. Manche Heime sind nach dem Wort genannt, das Jesus in unserer Geschichte gebraucht hat, nämlich „Hephata“. In diesen Heimen des Diakonischen Werkes geschehen keine Krankenheilungen wunderhafter Art. Aber es soll versucht werden, den Menschen dort auch das Herz für Jesus zu öffnen. Vielleicht haben gerade Taubstumme ein offenes Ohr für Jesus! Mancher Gesunde aber steht Jesus verständnislos gegenüber. Wer nicht glaubt, der ist in einem ganz anderen Sinn „taubstumm“.

Was können wir tun, daß wir recht auf Jesus hören? Wozu haben wir denn unsere fünf Sinne erhalten?! Das Taubstumm-Sein braucht kein Dauerzustand zu sein!

Jesus schenkt dem einen Kranken das Leben neu, denn vorher, das war doch kein Leben. Aber das geschieht nicht bei allen so. An dem einen Menschen hat Jesus zeigen wollen, daß er die Macht hat zu solchem Tun und daß er einmal alle Krankheit besiegen will . Aber er möchte auch, daß sich Menschen finden, die so einem Taubstummen helfen. Wenn wir Jesus recht verstanden haben, dann sind wir auch bereit zur Hilfe an solch armen Menschen, soweit wir das können.

 

Flanellbild:

An einem Flanellbild zeigen wir,  wie der Taubstummen immer außerhalb des Kreises der anderen Menschen stand. Aber dann verändern wir das Flanellbild, indem wir den Taubstummen in der Kreis der anderen mit hineinnehmen ( herumdrehen, so daß er die gleiche Farbe hat wie die anderen). Indem Jesus so handelt, erfüllt er den Willen seines Vaters im Himmel. Aber Gottes Wille geschah auch schon, als sie den Kranken zu Jesus brachten., Auch nachher, als sie ihn in ihre Gemeinschaft aufnahmen.

Wir heften das Spruchband an die Flanellwand: „Vaterunser, dein Wille geschehe!“ Das hat schon Jesus seinen Jüngern beibringen wollen. Sie sind an sich der Kreis, in der der Taubstumme hineingehört. Sie sind ganz nahe an die Vaterunser bitte heranzurücken und auch eng zueinander, so            daß sie sich mit den Händen fassen. Wenn wir uns so verhalten, erfüllen wir den Willen des Vaters im Himmel.

 

Spiel zur Geschichte vor der Heilung des Taubstummen:

Wir bilden zwei Kreise. Der eine Kreis steht etwas abseits und stellt Taubstumme dar. Der andere Kreis steht unter dem Kreuz und soll die Gebärden verstehen. Der Lehrer gibt Anweisung, was dargestellt werden soll bzw. macht die Gebärden vor.

Zunächst werden Tätigkeiten vorgemacht, die Taubstumme ausüben können: Schneider, Tischler, Gärtner, Schlosser, Schuhmacher, Küche, Schreibmaschine usw. Die anderer raten die Tätigkeit.

Dann wird die biblische Geschichte pantomimisch dargestellt: Mit dem Finger auf sich selbst zeigen, beide Hände an die Ohren, Mund mit dem Finger verschließen, mit den Achseln zucken. Ein Kind faßt das andere an der Hand,  sie führen sich gegenseitig unter das Kreuz, dem anderen Halbkreis gegenüber. Alle erheben die Hände und drücken damit Flehen und Bitten aus. Ein Kind streichelt dem anderen den Backen und deutet damit an, daß es dieses Kind liebhat (aus der Taubstummensprache).

Die Gruppe der Gesunden ruft: „Hephata!“ Die anderen antworten: „Tu dich auf!“

Dann bilden alle gemeinsam einen Kreis und drohen mit dem Finger und legen den Finger auf der Mund.

 

 

Die zehn Aussätzigen Lk 17,11 - 19

Hinführung:

im Wartezimmer eines Arztes kann man oft hören, was man alles unternommen hat, um gesund zu werden. Da werden bewährte Familienmittel genannt, Doktorbücher empfohlen, die Namen von Ärzten erwähnt. Vielleicht kann man auch hören, daß das „Gesundbeten“ und das „Besprechen“ geholfen habe. Hinter allen Gesprächen aber steht die Sehnsucht nach umfassender Gesundheit. Manche haben allerdings die Hoffnung schon aufgegeben; und manche wollen besonders fromm sein und alles Gott überlassen.

Aber die meisten wollen gesund werden, weil sie arbeiten wollen und etwas vom Leben haben wollen und weil sie Leid und Schmerzen nicht auf sich nehmen wollen. Grundsätzlich ist nichts dagegen zu sagen, denn unser Leben hat viele Aufgaben und Freuden für uns bereit, die wir nur als Gesunde erfüllen können. Aber jeder hat auch schon merken müssen, daß es Grenzen gibt und daß nicht jeder Weg recht gewesen ist.

Sicherlich ist auch das Beten bei einer Krankheit notwendig. Aber das heißt nun nicht, daß wir den Weg zum Arzt meiden müßten. Gott hat uns Ärzte gegeben, damit wir uns helfen lassen. Und wenn sie auch nicht alles können, so kann Gott doch helfen. Wer aber den Arzt ganz ablehnt, der sage nicht, das sei das Kennzeichen für die Echtheit des Christseins.

Aber wir sollten auch nicht meinen, eine Krankheit hätte gar nichts mit Gott zu tun. Wäre es nicht richtig, die medizinischen Durchhilfen als Hilfen Gottes anzusehen? Es könnte ja sein, daß Gott dem Chirurgen das Messer führt oder dem Facharzt für innere Medizin den Weg zur Behandlung weist. Gott kann auch heute dem äußer­lichen Elend in großer Barmherzigkeit helfend begegnen. So geht Jesus im Grunde auch heute noch durch die Krankensäle.

Aber ist das alles, was Jesus will? Geht es nur um die Gesundmachung oder geht es nicht vielmehr um die Begegnung mit dem lebendigen Gott? Sollte Jesus seine Vollmacht einfach an die Chirurgen abgeben? Dazu wollen wir eine Geschichte hören.

 

Erzählung:

Jesus geht mit seinen Jüngern auf ein Dorf zu. Am Eingang trifft er auf zehn Männer, die krank zu sein scheinen. Sie haben eine ganz schlimme Krankheit, die man „Aussatz“ nennt. Sie beginnt mit einer zerstörenden Fäulnis der Haut, die allmählich auch die inneren Organe erfaßt. Kleine Geschwüre treten auf, die immer weiter um sich greifen. Schließlich verfallen die Gliedmaßen, so daß sie schließlich abfallen. Am Ende muß der Mensch dann sterben.

Weil die Krankheit stark ansteckend ist, mußte man die Kranken streng isolieren. Ein Aussätziger mußte zerrissene Kleider tragen, den Bart verhüllen und bei Annäherung anderer Menschen sich mit dem Ruf  „unrein, unrein“  bemerkbar machen. Kein Aussätziger durfte in den Tempel und in das Bethaus nur unter strengen Sicherheitsmaß­nahmen.

Der Priester stellte fest, ob man die Krankheit hatte. Sie galt als eine Strafe Gottes. Gelegentlich kam auch einmal eine Heilung vor. Dann mußte aber der Geheilte trotzdem Gott um Vergebung bitten und im Tempel ein Opfer bringen.

Gar mancher Familienvater, der von der Krankheit befallen wurde, mußte seine Arbeit aufgeben, Haus und Dorf verlassen und irgendwo draußen vor dem Dorf mit Leidensgenossen hausen. Mitleidige Leute stellen ihnen etwas zu essen hin. Aber es spricht niemand mit ihnen, alle haben sie Angst vor der Ansteckung.

Doch die Kranken, auf die Jesus trifft, halten sich nicht an die Vorschriften. Sie rufen laut: „Jesus, Meister, erbarme dich über uns!“ Sicherlich haben sie schon von  Jesus gehört, können sich denken, daß er es ist. Sie wollen nichts urversucht lassen. Sie reden Jesus an, wie das nur die Jünger tun. Sie erkennen ihn  auch als ihren Herrn, und Meister an, der ihnen helfen kann.

Jesus weicht nicht zurück vor ihnen, er macht nicht einen großen Bogen um sie. Er merkt gleich: Das Erbarmern besteht bei diesen Männern darin, daß er sie wieder gesund macht und in die Gemeinschaft der anderen Menschen zurückkehren laßt. Jetzt gelten sie als nutzlos, aber ihr Leiden soll doch noch einen Sinn haben.

Doch Jesus berührt die Kranker nicht, er untersucht sie nicht und gibt ihnen keine Medizin oder Salbe. Er sagt ihnen auch kein Heilswort und hält auch keine Predigt über die ihm von Gott gegebene Vollmacht. Er sagt nicht einmal: „Ihr seid rein!“ Er mutet der Kranken etwas Ungeheures zu. Er sagt nur: „Geht hin und zeigt euch den Priestern!“ Die werden dann entscheiden, ob ihr gesund seid!“

Wie denkt er sich das nur? Als Aussätzige sollen sie sich unter die Gesunden wagen?. Man wird sie doch gleich erkennen und mit Steinen nach ihnen werfen, damit sie sich verziehen? Doch die zehn Männer lassen es darauf ankommen. Sie vertrauen Jesus und gehorchen ihm, ohne einen Beweis in der Hand zu haben. Ihr Vertrauen wird belohnt: Sie sind wirklich geheilt, als sie endlich einen Priester gefunden haben, der sie ansieht und für rein erklärt. Heimlich und unbemerkt, wie die Krankheit gekommen war, ist sie auch von ihnen abgefallen.

Als das feststeht, haben sie nur einen Gedanken: Nun aber schnell heim zu unseren Familien. Wir dürfen wieder bei ihnen leben!“ Nur einer von ihnen kehrt erst noch einmal um und läuft zu Jesus zurück. Er ruft mit lauter Stimme: „Gott hat mich gesund gemacht, Gott hat mich geheilt, Gott hat es gut gemacht!“ Er fällt vor Jesus nieder, so wie man nur vor einem König oder vor Gott niederfällt, und dankt ihm. Er sucht die Gemeinschaft mit dem Retter aus der Not.

Die Israeliten warteten ja schon lange auf den Heiland, der auch die Aussätzigen wieder gesund machen würde. Dieser eine hier erkennt, daß er in Jesus gekommen ist, in ihm ist Gott auf die Erde gekommen. Deswegen gefällt er Gott mehr als die anderen, die sicher dann nachher noch im Tempel ihr Dankopfer gebracht haben. Das Wichtige bei allem war der Glaube dieses Mannes.

Ausgerechnet dieser eine ist aber ein Samariter. Er kommt aus dem Lande Samaria, um das die frommen Juden immer einen großen Bogen machen. Die Samariter glauben zwar auch an den gleichen Gott wie die Juden, aber sie verehren ihn nicht im Tempel von Jerusalem, sondern in einem eigenen Tempel. Sie haben sich vom Gottesvolk getrennt und werden nun als Feinde angesehen. Nur durch die Krankheit waren die zehn Männer miteinander verbunden worden, die Krankheit hatte alle gleich gemacht, denn sie waren alle aus der Gemeinschaft der anderen ausgestoßen worden.

Jesus aber wundert sich und fragt: „Waren es nicht zehn, die gesund wurden? Wo sind denn die anderen neun? Hat sich denn sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte um Gott die Ehre zu geben, nur dieser Fremde? Im Unglück hatten die Aussätzigen zusammengehalten, aber nicht im Dark. Nur einer bedankt sich und das ist ausgerechnet ein „gottloser“ Samariter.

Die anderer nehmen die Heilung hin als etwas, das ihnen als Gliedern des Gottesvolks zusteht. Sie mißachten zwar nicht Jesu Gabe, aber sie mißachten ihn selbst. Es ist ihnen überhaupt nicht aufgegangen, daß ihnen der Herr begegnet ist. Sie sehen in ihm einen üblichen Wundertäter, den sie bald weiterempfehlen wollen. So darf nur der Samariter das Wort Jesu hören: „Stehe auf, gehe hin. Dein Glaube hat dich gerettet!“ Dieser Mann ist nicht nur äußerlich gesund geworden, sondern er wird sein Leben in Zukunft mit Jesus führen

 

Flanellbild:

Die Aussätzigen werden aus der Gemeinschaft der anderen Menschen ausgeschlossen. Sie suchen in Felsenhöhlen ihren Unterschlupf. Die Gesunden meiden die Kranken. Die Aussätzigen finden in einer Notgemeinschaft zusammen. Zu ihr gehört auch ein Samariter, mit dem die Juden normalerweise nichts hätten zu tun haben wollen (Bild 1).

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem zum Passahfest. Viele Menschen ziehen mit ihm. Vor allem sind es seine Jünger, also die Männer, die ganz zu ihm gehören (gleiche Farbe wie Jesus). Jesus weiß, daß er diesen Weg nicht mehr zurückkommen wird; aber er geht ihn doch, für diese Aussätzigen, für uns, für alle. Jesus sieht ihre Not und ihr Vertrauen. Er hilft ihnen, allerdings anders, als sie es erwartet haben. Es geschieht das Unbegreifliche: Sie vertrauen dem bloßen Wort gegen allen Augenschein und gehen (Bild 2).

Indem sie gehorchen, werden sie rein. Nur einer geht den Weg zurück und sucht den Herrn. Er kann unterwegs nicht schweigen, er muß von dem Geschenk singen und weitersagen. Er findet Jesus und erweist ihm königliche Ehren (Bild 3).

Einer kehrt als ganz anderer heim. Er hat jetzt einen mächtigen Herrn, auch zu Hause. Der ist immer mit dabei und kann auch in Zukunft helfen (rote Figur).

Die Geschichte von der wunderbaren Heilung will uns nicht zur Dankbarkeit gegenüber Gott und den Menschen ermahnen, so wie etwa ein Patient seinem Arzt dankt und hoffentlich auch das Dankgebet an Gott nicht vergißt. Vielmehr geht es um die Bewährung des Glaubens nachempfangenem Heil. Es geht darum, daß Gottes Herrlichkeit in Jesus gegenwärtig ist und Gott die Ehre gegeben wird. Doch nicht die Juden (die das an sieh hätten wissen müssen) erkennen das als Erste, sondern ausgerechnet ein Samariter. Er ist in dieser Schicksalsbegegnung offen für die Erfahrung Gottes.

Er fühlt sich doppelt beschenkt, weil er bisher angenommen hat, daß ihm die Gnade Gottes gar nicht zustehe; weil ihm mehr gegeben wurde, ist er auch mehr dankbar. Weil er erkannt hat, daß ihm Barmherzigkeit von Gott (!) widerfahren ist, wurde ihm die Heilung des Körpers zum Heil seines Lebens.

Auch uns wurde schon von Gott geholfen. Haben wir es gleichgültig hingenommen und haben wir uns dafür bedankt? Sind wir etwa auf halber Strecke steckengeblieben wie jene Neun? Sagen wir nur: „Da habe ich noch einmal Glück im Unglück gehabt!“ oder habe ich das Ereignis als eine Begegnung mit der Macht Gottes erfahren? Fest steht: Gott wartet immer noch auf jeden Einzelnen von uns.  Wenn wir es noch nicht getan haben, dann können wir es noch tun.

 

 

 

Totenauferweckungen

 

Der Jüngling zu Nain Lk 7,11- 17

Hinführung:

Wenn, ein Mensch gestorben ist, dann sind seine Familienangehörigen traurig. Wenn wir aber einmal über der Friedhof gehen, dann sehen wir auf vielen Grabsteinen Kreuze  eingehauen. Sie weisen hin auf Jesus, der vom Tod auferstanden ist und auch unseren Tod überwinden wird. Mit dem Tod ist nicht alles aus. Wir sind auch dann nicht allein. Gott nimmt uns auf. Am Ewigkeitssonntag und an Ostern denken wir besonders daran.

Jesus hat aber schon zu seinen Lebzeiten gezeigt, daß er der Herr über den Tod ist. Der Tod hat nur eine gewisse Zeit Gewalt über die Menschen. Aber dann kommt Jesus und nimmt sie ihm wieder weg und holt sie zu sich.

 

 

Wenn wir uns allerdings Todesanzeigen ansehen (Beispiele mitbringen), dann kommt darin oft das Schreckliche und Sinnlose des Todes zum Ausdruck. Unsere menschliche Ohnmacht gegenüber dem Tod wird herausgestellt, man meint eben: Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen. Wir wissen: Tote können nicht zurück. Bei der Beerdigung wird gesagt: „Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staub!“

Viele Menschen wollen das nicht wahrhaben. Sie möchten möglichst lange  (wer möchte das nicht?!) und rennen deshalb zum Arzt und in die Apotheke. Sie möchten noch viel Geld verdienen, Reisen machen, gut essen und trinken, ins Kino gehen, noch dies oder jenes mehr. Aber beim Apotheker gibt es keine Medizin, die uns das ewige  Leben verschaffen könnte.

Auch in früheren Zeiten fragten sich die Leute schon: Wie kann man ewig leben? Das jüdische Volk wußte mehr davon. Es hoffte auf den Heiland der Welt, der alle Menschen zum ewigen Leben einladen wird. Dieser Heiland wird auch Tote auferwecken. Niemand wird mehr weinen müssen.

In einer Beispielgeschichte wollen wir nun hören, wie Jesus andere Menschen wieder froh macht, die untröstlich traurig sind.

 

Erzählung:

Jesus ist mit seinen Jüngern und vielen Leuten auf dem Weg durch sein Heimatland. Sie gehen auf die Stadt Nain zu, die etwa 8 bis 9 Stunden von der Stadt Kapernaum entfernt ist , wo Jesus sich meist aufhält. Wie ein Heerführer geht Jesus vor der Volks­menge her auf das Stadttor zu.

Doch da kommt aus der Stadt ein Leichenzug heraus. In dem offenen Sarg liegt ein junger Mann. Daneben geht seine Mutter, die heftig weint und sich nicht trösten lassen will. Schon vor mehreren Jahren war ihr Mann gestorben. Damals war ihr Junge noch ein Kind. Sie hat hart gearbeitet, um ihm Essen und Kleidung kaufen zu können. Immer hatte sie gedacht: Wenn der Junge erst groß ist, dann werde ich es besser haben. Dann wird er selber Geld verdienen und für sie sorgen.

Aber nun ist der einzige Sohn gestorben. Sie ist ganz allein. Sie hat keinen, der für sie sorgt. Und sie hat auch keinen, der sie gegenüber anderen Menschen beschützt. Eine Frau durfte damals nicht auf die Ämter gehen, nicht vor Gericht erscheinen, keine Verträge abschließen. Das durfte nur ihr Mann oder ihr Sohn. Wenn aber beide tot waren, dann ging es so einer Witwe schlecht. Jeder dachte, er könne mit ihr machen, was er wolle. Ud so war diese Frau nun schutzlos und rechtlos.

Es sind zwar viele Leute mit zur Beerdigung gegangen. Aber das ist natürlich nur ein schwacher Trost für die Frau. Außerdem flüstern einige: „Sie müssen etwas Böses getan haben. Dafür werden sie jetzt von Gott gestraft!“ Ein früher Tod galt damals als Folge der bösen Tat. Wahrscheinlich haben beide etwas Böses getan, dachten die Leute. Aber sie gehen mit zur Beerdigung, sie reihen sich mit ein in den Heerzug des Todes. Man wird sie nicht mehr aufhalten können, man wird das nicht aufhalten können, was nun kommt.

Dann bewegen sich die beiden Menschengruppen aufeinander zu: Jesus, der das  Leben bringt, der Leichenzug, der den Tod bringt. Was wird geschehen, wenn sie ein­ander begegnen, wenn sie aufeinander stoßen Wer wird wem Platz machen? Bisher war es immer so, daß die Lebenden dem Tode Platz machten.

Hier aber übernimmt Jesus auch die Befehlsgewalt über die zweite Gruppe. Er sieht sofort, daß er hier helfen muß. Die arme Witwe kann vor lauter Tränen nichts mehr sehen. Aber Jesus sieht sie. Ihr Leid geht ihm durch und durch bis ins Innerste. Das ist nicht nur menschliches Mitleid, sondern  ein einzigartiges göttliches Erbarmen. Ihm muß auch die Tat folgen. So kann sich nur Jesus einem Menschen in Not zuwenden.

Er sagt zu der Frau: „Weine nicht!“ Wer weint , gibt dem Tod die Macht. Er meint, jetzt sei doch alles zu spät. Dagegen aber will Jesus ankämpfen. Er kümmert sich zunächst gar nicht um den Toten, sondern um die Frau. Ihr muß erst einmal geholfen werden. Er will sie nicht trösten, wenn er sagt: „Weine nicht!“  Vielmehr ist das ein hartes Wort, mit dem er die Frau auffordern will , dem Tod den Gehorsam aufzusagen. Damit nimmt er der Mutter das Letzte, was ihr geblieben ist: die Möglichkeit, ihrem Schmerz Ausdruck zu geben  Er untersagt ihr, was doch menschlich so verständlich ist, um die Verzweiflung beim Tod eines Menschen überwinden zu können.

Jesus spricht kein Gebet, sondern er befiehlt. Er tritt dem Tod entgegen und weicht nicht. Aber so kann nur sprechen und handeln, der wirklich der Herr ist, der auch Macht über den Tod hat. Durch sein entschiedenes Wort zeigt Jesus den Menschen „Ich bin der Herr. Eure Vorurteile gegenüber dieser Frau sind falsch!“

Die Frau weiß auch nicht, wer das ist, der zu ihr gesagt hat: „Weine nicht!“  Wenn sie es gewußt hätte, dann hätte sie wirklich aufgehört zu weinen. Wenn er so etwas sagt, dann ist alles gut. Die Frau muß nur von dem Toten weg auf Jesus sehen .Jetzt wird er auch handeln müssen.

Jesus tritt an der Sarg und berührt ihn. Er hat keine Angst, sich die Finger dreckig zu machen und vom Gottesdienst ausgeschlossen zu werden (damals wurde nämlich vom Gottesdienst ausgeschlossen, wer einen Toten berührte). Die Träger bleiben stehen, weil sie diese Bewegung der Machtübernahme richtig verstehen. So etwas ist ihnen noch nicht vorgekommen, daß einer dem Tod trotzt. Aber dieser Jesus muß wohl etwas Besonderes sein.

Jesus spricht nun mit dem Toten, so als lebe er noch und als körne man ihm Befehle geben wie einem Lebenden. Jesus sagt: „Jüngling, ich sage dir, stehe auf!“ Das göttliche Wort erweist auch seine Kraft. Der Tote richtet sich auf und beginnt zu reden. Damit wird deutlich, daß er wieder lebendig ist. Das Leben hat über der Tod gesiegt. Das Heer des Todes kann nur umkehren oder sich in die Gruppe des Lebens einreihen..

Jesus gibt den Sohn seiner Mutter wieder. Um sie war es ja vor allem gegangen. Sie soll merken, wer das ist, der ihr geholfen hat. Sie erhält ihren Sohn wieder als Zeichen und Unterpfand, daß sie dem barmherziger Gott begegnet ist, der selbst die Toten wieder lebendig machen kann.

Die Menschen, die das erleben, erschrecken zunächst. Furcht kommt über sie, weil sie dem lebendigen Gott begegnet sind. Hier war nicht irgendein Zauberkünstler am Werk, sondern Gott selber. Deshalb geben sie auch Gott die Ehre und loben und preisen ihn, weil er hier eingegriffen hat. Auch die Mutter schließt sich diesem Lobpreis an.

Die Kunde vor diesem Ereignis wird weitergetragen in das ganze Land. Alle sollen es wissen: Der Messias ist da, der Heiland!“ Gott hat sein Volk nicht vergessen, sondern er ist zu seinem Volk gekommen.

 

Bildbetrachtung: Kaufmann Nr. 12

Auf einem Kreuzweg, irgendwo auf den Straßen dieser Welt, begegnen sich der Zug des Todes und der Zug des Lebens. Die unter der Macht des Todes Gebeugten begegnen dem, der Vollmacht über Leben und Tod hat. Die Mutter und die Mittrauern­den sind tief vom Leid gebeugt. Todesdunkel liegt über ihnen.

Jesus hält diesen Zug mit erhobener Hand auf. Wie ein Blitz ist er in die Welt gekommen und hat sie hell gemacht. Für einen Augenblick leuchtet einmal die Welt Gottes ohne Krankheit und Tod auf. Wo Jesus steht, da ist alles hell.

Aber Jesus weist auch auf Gott, der allein alles anders machen kann. Der weist auf den Kommenden hin, der ihm aber jetzt schon Vollmacht gibt. Mit seiner Linken gibt er diese Kraft weiter zu dem Toten hin, der aber gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht: In erster Linie geht es um die Begegnung der beiden Menschengruppen.

Alles steht aber auf dem Kreuz Jesu. Der Tod wird noch nicht endgültig aus der Welt beseitigt. Jesus selber hat ja am Kreuz sterben müssen, damit wir einmal bei Gott leben können: Das Kreuz ist von leuchtendem Weiß überstrahlt, vom Licht der Auferstehung.

Das Verkehrszeichen „Vorsicht Kurve“ ist nicht die Kurve selber, sondern es weist hin auf eine Kurve. Man darf nicht auf das Zeichen sehen, sondern muß auf die Kurve achten. So geht es auch in dieser Geschichte vor allem um Jesus, der von Gott gesandt wurde, um die Menschen trösten zu können.

Es  kann natürlich auch sein, daß wir es nicht so erleben wie die Witwe von Nain. Es kann sein, daß jemand nicht wieder gesund wird, den wir sehr gern haben. Es könnte so aussehen, als kümmere sich Gott nicht um uns, auch wenn wir zu ihm beten. Die Geschichte aber will uns deutlich machen: Gott kann die allertraurigsten Menschen wieder zu getrösteten Menschen machen.

Es geht dabei nicht darum, daß ein Scheintoter wieder zum Leben erweckt wird oder daß man bei einem Herzstillstand das Herz durch Druckmassage wieder zum Schlagen bringt. Wir sollten uns auch nicht davon irre machen lassen, daß Ähnliches auch von anderen Leuten berichtet wird, schon in  der Bibel selber (Elia, 1. Kön 17, 17 ff, Elisa 2.Kör 4,32ff), aber auch bei dem Wanderprediger Apollonius von Thyana: Die Propheten beten nur zu Gott, und Apollonius weckt eine nur scheintote Braut wieder auf. Jesus aber tritt mit Befehlsgewalt dem Tod gegenüber,  weil er von Gott kommt.

Wir können uns nicht vorstellen, was hier wirklich passiert ist. Wir waren ja auch nicht dabei. Aber eins können wir gewiß sagen: Jesus kann helfen und froh machen.

Wir dürfen auch nicht vergessen, daß hier eine Predigt vorliegt, die exemplarisch geschichtliche Erfahrungen verkündet. Es geht nicht um das Abbild einer einmaligen Erfahrung, sondern sie ist Inbegriff vieler Erfahrungen. Diese Geschichte ist „wahr“, auch wenn nicht jede Einzelheit der Handlung so war. Es kommt nur darauf an, daß wir mit einer richtigen Frage an die Geschichte herangehen. Wir können ja auch nicht fragen: „Wie schwer ist ein Meter?“ Und so können wir hier auch nicht fragen: „Ist das wirklich so passiert?“ sondern wir sollten fragen: „Was will Gott uns hier sagen?“

 

 

Der Hauptmann von Kapernaum Mt 8, 5 - 13

Hinführung:

In einem Buch wird ein Mann Mitte der Vierzig geschildert, der eines Tages Schmerzen im Unterleib verspürt. Der Arzt vermutet zunächst, der Mann habe Krebs. Schockiert von der Vorstellung eines frühen Todes zieht er Bilanz und muß sich eingestehen, daß seine glänzende Laufbahn auch voller moralischer Niederlagen und Verfehlungen gegenüber seinen Mitmenschen war.

Hals über Kopf versucht er, sein Verhältnis zur Umwelt zu bereinigen. Dadurch möchte er sich ein ehrendes Andenken bei den Überlebenden verschaffen. Er handelt bloß aus eigennützigen Motiven und nicht aus Einsicht in sein Versagen. Die Geschwulst stellt sich dann aber als harmlos heraus. Er wird damit zum  Leben verurteilt. Er muß noch einmal von vorn anfangen. Aber er hat auch die Möglichkeit zu wirklicher Bewährung.

Hier hat ein Mensch voll auf die Diagnose des Arztes vertraut. Dieses Vertrauen läßt ihn sein Leben noch in den letzten Tagen ändern. Mit der veränderter Situation muß er dann weiterleben. Es kann sein, daß wir einem Wort viel zutrauen. Dabei wird es darauf ankommen, wer dieses Wort zu uns sagt. Nur wenn derjenige uns vertrauenswürdig erscheint, werden wir ihm glauben.

Von einem Mann der ganz auf das Wort Jesu vertraut und dem deshalb geholfen wird,  wollen wir heute hören:.

 

Erzählung:

Das Volk Jesu war vor dem mächtigen Volk der Römer besiegt worden. Nun mußten sie dem römischen Kaiser gehorchen. Deshalb gab es auch in Kapernaum, wo Jesus wohnte, römische Soldaten. Ihr Oberster war ein Hauptmann.

Die Juden aber wollten mit dieser Soldaten nichts zu tun haben. Sie waren Ausländer und glaubten nicht an Gott. Wer ein richtiger Jude sein wollte, der sprach nicht mit ihnen. Man konnte ihnen nicht ganz aus dem Weg gehen, aber wenn es möglich war, machte man einen großen Bogen um sie. Und selbst wenn er gelegentlich zum Gottesdienst der Juden kam und der Gemeinde gelegentlich auch Geld gab, so blieb er doch ein Fremder und ein Feind.

Als Jesus wieder einmal nach Kaperraum zurückkehrt und durch das Stadttor schreitet, tritt der römische Hauptmann auf ihn zu. Es macht ihm nichts aus, einen Juden anzusprechen. Schließlich ist er ja ein Hauptmann, der nichts auf das Gerede der Leute zu geben braucht. Vor allem aber treibt ihn eine schwere Sorge, er hat ein Problem, mit dem er nicht allein fertig werden kann.

Er sagt zu Jesus: „Herr, mein Untergebener liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen!“ Er spricht keine ausdrückliche Bitte aus . Aber seine flehentliche Anrede  „Herrn“ macht an sich alles deutlich: Hier ist ein Soldat, der hat auch ein Herz für seine Leute hat, auch wenn natürlich jener Soldat etwas Besonderes war, weil er den Hauptmann jeden Tag bediente und besonders mit ihm verbunden war.

Jesus versteht jedenfalls, was der Mann will. Seine Antwort ist doppeldeutig. Entweder hat er gemeint: „Ich werde kommen und ihn gesund machen!“ Es kann aber auch sein, daß er entrüstet eine Frage gestellt hat: „Was, ich soll kommen und ihn gesund machen?“ Dann hätte er zum Ausdruck bringen wollen: Es ist eine Zumutung für einen Juden, das Haus eines Heiden zu betreten oder auch nur irgendwie mit ihm in Berührung zu kommen.

Aber der Hauptmann weiß längst einen Ausweg. Er weiß um die Schranke, die ihn als Heiden von den Juden trennt. Er will Jesus das Betreten eines heidnischen Hauses ersparen. Er hält ihn für einen besonderen Propheten Gottes. Daß er auch Menschen geheilt hat, wird er wohl gehört haben; aber das ist ihm nicht das Wichtige. Er weiß vielmehr: Dieser Mann ist vor allem ein Prediger, der durch sein Wort unter den Menschen wirkt. Da wird er auch durch sein Wort einen Kranken wieder gesund machen können.

Deshalb sagt er: „Herr, ich bin es nicht wert, daß du unter mein Dach gehst  Aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Helfer gesund werden!“ Und dann zieht er einen Vergleich, wie ihn nur ein echter Soldat bringen kann. Er sagt: „Mein Wort hat doch auch Macht. Wenn ich zu einem Soldaten sage: ‘Gehe hin!‘  so geht er. Und wenn ich zu einem anderen sage: ‚Komm her!‘ dann kommt er. Und wenn ich zu meinem Helfer sage: ‚Tu das!‘ so tut er es. Aber mein Wort wirkt nur in einem begrenzten Bereich: Ich habe nur Befehlsgewalt über meine Soldaten. Du aber hast doch Anteil an der Macht Gottes. Dein Wort kann doch wirken, was es will!“

Der Hauptmann weiß auch, daß dem Kaiser in Rom über tausende von Kilometern hinweg die Soldaten folgen. Er selber gehorcht dem Kaiser ja auch. Und nun denkt er, Jesus könne so etwas auch, wenn es um die Heilung einer Krankheit geht. Jesus wundert sich ,daß ausgerechnet so ein heidnischer Hauptmann so groß von ihm denkt. Die Menschen aus seinem eigenen Volk, die etwas von ihm wollten, hatte er immer erst zum vollen Vertrauen führen müssen. Dieser Mann aber nimmt sogar an, daß die Grenzen des Volkes und der Religion nicht mehr gelten. Er vertraut fest darauf, daß Jesus jedem hilft, der Hilfe von ihm erwartet. Auf einen solchen Menschen hat Jesus schon immer gehofft. Nun ist es ausgerechnet ein Heide, der so spricht, wie Jesus es erhofft hat.

Er sagt zu den Umstehenden: „Wahrhaftig, ich sage euch, solchen Glauben habe ich im Volk Israel bei keinem gefunden!“ Er läßt den Glauben des Hauptmanns als echten Glauben an Gott gelten. Er weiß: „Wahrer Glaube wird immer von Gott selbst hervorgebracht. Wo aber Gott bereits in einem Menschen gewirkt hat, da darf Jesus keine trennende Linie ziehen und seine Hilfe verweigern!“

Zu den Umstehenden sagt er: „Viele werden von allen Enden der Welt kommen und am Freudenmahl im Reich Gottes teilnehmen. Aber die anderen, die an sich mit dazu gehört hätten, werden nach draußen gestoßen in die Finsternis. Da wird man nur noch Heulen und Zähneklappen hören!“

Damit will er seinem Volk nicht drohen, sondern er will noch einmal um sie werben: Besinnt euch doch darauf, was euch angeboten wurde. Ihr könnt doch auch beim großen Mahl dabei sein. Das Reich Gottes hat doch schon begonnen mit den Wundern, die ich vollbracht habe. Aber ihr werdet nur dazu gehören, wenn ihr mich als den anerkennt, den Gott zu euch geschickt hat.

Zu dem Hauptmann aber sagt er: „Gehe hin. Dir geschehe, wie du geglaubt hast!“

Es war also nicht so, daß erst das Wunder den Glauben hervorgebracht hätte. Vielmehr erhält der Glaubende, worum er gebeten hat. Der Hauptmann geht froh nach Hause. Jesus hatte ihm Hilfe versprochen, nun würde der Soldat bald gesund werden. Als der Hauptmann in sein Haus tritt, bleibt er erstaunt stehen: Der Soldat

ist tatsächlich wieder gesund. Er war in der gleicher Stunde gesund geworden, als Jesus sein Wort gesprochen hatte.

 

Antwortgespräch:

Ein Herr ist einer, der uns etwas zu sagen hat. Wir lassen uns nicht von jedem etwas sagen, wir gehen zum Beispiel nicht mit jedem mit. Viele Menschen wollen aber nicht, daß Gott etwas über sie zu sagen hat. Deshalb sagen sie: „Ich glaube nicht an Gott!“

Jesus aber möchte sein Volk zum rechten Glauben führen. Sie sollen den rechten Zeitpunkt nicht verpassen und durch den Glauben des Hauptmanns angereizt werden. An dem Glauben an Jesus entscheidet sich die Zukunft bei Gott. Auch die Juden dürfen sich ihrer Erwählung nicht zu sicher sein, denn ihr Verhältnis zu Gott entscheidet sich jeweils neu durch ihre Stellung zu Jesus.

Glaube heißt, etwas zu erwarten: Der Hauptmann erwartet eine Veränderung der Situation, und das bringt ihn dazu, etwas Außergewöhnliches zu riskieren. Solcher Glaube erhält die Verheißung, nicht allein zu bleiben, sondern bei den „vielen“ am Tisch Gottes zu sitzen. In der Gemeinschaft der vielen will sich Gott finden lassen, in der Gemeinschaft begegnet der Einzelne Christus.

Gottes Erwählung wurde aber auf die Völker ausgeweitet. Auch wir sind erwählt seit unserer Taufe. Wir dürfen zu Gott beten, und er wird uns helfen, wenn wir ihn als Herrn anerkennen. Aber wir müssen uns wirklich fragen: „Was unterscheidet uns von denen, die der Kirche fernstehen? Warum gehen wir zur Kirche und was erwarten wir dort?

 

 

Auferweckung der Tochter des Jairus Mk 5,22 - 24 und 35 - 43

(Mt 9,18-26 und Lk 8,40-56)

 

Hinführung:

Martin Luther hatte eine kleine Tochter mit Namen Magdalene. Als sie 13Jahre alt war, wurde sie schwer krank. Man mußte damit rechnen, daß sie sterben würde. Da fragte der Vater sie: „Gell, du bliebst gern bei mir, deinem irdischen Vater. Aber du gingst auch gern zu Gott, deinem himmlischer Vater?“ Magdalene antwortete: „Ja, lieber Vater, wie Gott will!“

Wenn ein Mensch so vom Sterben sprechen kann, dann kann man nur froh sein. Wir haben doch Angst vor dem Sterben. Aber wer weiß, daß er durch den Tod nur zu seinem himmlischen Vater kommt, der braucht keine Angst mehr zu haben. Mit dem Tode ist nicht alles aus, sondern da beginnt noch einmal ein Neues .Das wird auch deutlich an einer Erzählung, die von der Begegnung Jesu mit einem gestorbenen Mädchen erzählt.

 

Erzählung:

Als Jesus wieder einmal am Ufer des Sees Genezareth zu vielen Leuten predigte, kommt ein Mann zu ihm gelaufen. Ehrfürchtig machen die Leute ihm Platz, denn es ist Jairus, der Vorsteher des Gotteshauses. Er ist ein angesehener Mann und nicht ohne Vermögen. Was will wohl der vornehme Herr bei einem armen Wanderprediger wie Jesus? Er hat es sehr eilig, ist ganz aufgeregt, achtet gar nicht auf die Leute. Was ist nur los mit ihm?

Endlich ist er bis zu Jesus vorgedrungen. Jetzt kniet er sogar mitten zwischen den Leuten vor Jesus nieder und ehrt ihn damit wie einen König. Es wird ihm nicht leicht gefallen sein, angesichts der Leute sich vor diesem Mann in der Staub zu werfen. Was treibt ihn wohl zu solchem Tun?

Er bittet Jesus: „Meine Tochter liegt in der letzten Zügen. Komm doch und lege deine Hände auf sie, daß sie gesund werde und lebe!“ Damals hat man oft Älteste oder angesehene Gemeindeglieder an das Sterbelager eines Menschen gebeten. Aber dieser Vorsteher hat sogar das Vertrauen zu Jesus, daß er seine Tochter noch retten kann. Außerdem möchte er bei den Leuten nicht als Sünder gelten, denn wenn das

Kind stirbt, wird man doch sagen: „Was mag er wohl Böses getan haben, wenn Gott ihn so straft? Kann er denn dann sein Amt in der Gemeinde behalten?“

Jesus erkennt die Angst und Not dieses Vaters und hat Mitleid mit           ihm. Er will auch gleich mitgehen, weil schnelle Hilfe nötig ist. Er ist sich sicher, daß er noch helfen kann. Aber da kommt eine Frau dazwischen, die auch noch etwas von Jesus will. Er wird aufgehalten. Der Vater des Kindes aber sieht seine Hoffnung fahren. Eben noch hat er hoffen dürfen, daß alles noch gut geht in diesem Wettrennen zwischen Leben  und Tod. Aber nun brechen seine letzten Hoffnungen zusammen, die kostbaren Minuten gehen vorüber.

Als Jesus noch mit der Frau redet, kommen Boten aus dem Haus des Jairus. Dem stockt das Herz vor Schreck: Was ist wohl mit dem Kind? Sie sagen ihm: „Deine Tochter ist gestorben. Was machst  du dem Meister weiterhin Mühe!“ Jesus hat das auch mitgehört. Aber er bleibt ruhig. Jairus soll noch eine besondere Hilfe für seinen Glauber erfahren. Jesus ist nämlich nicht der Meinung, daß man nun nichts mehr machen könne und alles aus ist.

Er ruft dem Jairus zu: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Er will ihn damit zum Glauben rufen, auch wenn er noch keine Wendung sehen kann. Jairus soll Bedenken und Zweifel fahren lassen und sich allein auf den verlassen, der sein Helfer sein will. Es geht dabei gar nicht allein um den Glauben, daß Jesus etwas gegen den Tod unternehmen kann. Vielmehr will Jesus den Vater zum vollen Glauben an Gott führen, denn solcher Glaube kann alle Angst im Leben überwinden.

Jesus nimmt nur seine Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit in das Haus. Der Vater des Kindes wird gar nicht mehr erwähnt, weil allein das wichtig ist, was Jesus tut. Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen. Jesus will keine Sensation bieten, die Menge soll das Wunder nicht direkt miterleben können. Erst später wird davon erzählt werden, was in dem Haus geschieht.

Im Haus hat man schon die Totenklage angestimmt. Die Flötenbläser und die Klagegeister sind gekommen, um die bösen Geister zu vertreiben, die die aus dem Körper entwichene Seele an sich reißen wollen; so dachte man damals. Es bleibt also nichts anderes übrig, als alles für die Bestattung zu ordnen. Der Tod ist endgültig. Was soll da Jesus noch, er ist doch völlig überflüssig?!

Aber Jesus läßt sich auch davon nicht beeinflussen. Er sagt zu den Schreienden und Klagenden: „Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft!“ Da fangen die anderen an zu lachen :Tot ist tot, denken sie, da kann auch Jesus nichts machen! Er hat das Kind ja noch nicht einmal gesehen !Soll doch er doch hineingehen in ihre Kammer, da wird er sehen, was los ist!

Jesus aber geht sehr respektlos mit dem Tod um. Er setzt ihn herab zum Schlaf. Man spricht ja bis heute abmildernd von „entschlafen“, wenn einer gestorben ist. Aber für Jesus ist das Sterben wirklich nur ein Schlafen. Er sieht der Tod mit der Augen Gottes und seine Worte sind wie mit Gottes Mund gesprochen. Wo Jesus hinkommt, da muß alle Totenklage verstummen. Vor dem Herrn des Lebens muß auch der  Tod weichen.

Die anderen aber haben das noch nicht erkannt, sie bleiben ungläubig. Da wirft Jesus die ganze Gesellschaft kurzerhand hinaus. Nur die Eltern und seine drei Jünger nimmt er mit, als er in das Zimmer des Mädchens geht. Er will sich nicht vor ungläubigen Zuschauern zeigen. Aber er will den glaubenden Eltern zu Hilfe kommen. Doch er sieht auch: Das Mädchen atmet nicht mehr, leblos und totenbleich liegt es auf seinem Bett. Es ist wirklich tot.

Doch Jesus ergreift die Hand des Mädchens und sagt: „Talitha kumi! Mädchen, ich sage dir, stehe auf!“ Er hat kein Zauberwort gebraucht, das hat Jesus nicht nötig; das entscheidende Wort ist uns nur in der Ursprache überliefert. Er ruft das Mädchen ganz alltäglich, so als ob er eine Schlafende aufwecken wollte. Die Mutter hätte das Kind lange rufen und rütteln können, das hätte nichts geholfen. Für Jesus aber ist die Auferweckung einer Toten nicht mehr, als wenn, morgens einer vom Schlaf erweckt wird.

Das Mädchen richtet sich auch tatsächlich auf, beginnt wieder zu atmen, öffnet die Augen, blickt umher, erhebt sich und läuft durchs Zimmer. Sie ist nicht nur dem Tod entrissen ,sondern auch von ihrer Krankheit befreit. Es sieht so aus, als habe sie wirklich nur geschlafen und sei nun aufgeweckt worden.

Die Eltern und die anderen aber erschrecken. Sie spüren genau: Hier hat einer im Auftrag Gottes gehandelt, hier ist Gott mit dabei gewesen. Vielleicht fürchten sie auch, daß es sich nur um ein Scheinleben handele. Jesus aber zerstreut alle Befürchtungen, indem er ganz nüchtern sagt: „Gebt ihr etwas zu essen!“ Damit wird der Erfolg seines Handelns eindeutig.

Jesus befiehlt noch: „Erzählt nichts von alledem weiter!“ Er will nicht, daß die Leute nur aus Neugier zu ihm gelaufen kommen. Außerdem ist diese Aufhebung des Todes ja nur vorläufig. Später ist das Mädchen ja doch einmal endgültig gestorben. Aber es hat wissen dürfen: Auch der endgültige Tod ist nur ein Schlaf, Gott wird uns wieder auferwecken zu einem neuen Leben  bei ihm.

 

Antwortgespräch:

Ist so etwas möglich, wie es hier geschildert wird? Das können wir doch nicht glauben! Das müssen wir auch nicht unbedingt so wörtlich glauben. Entscheidend an der Erzählung ist das Wort Jesu: „Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur!“ Das will er uns sagen für die Zeit nach unserem Tod. Er will sagen: Der Tod ist nur wie ein Schlaf, ihr braucht keine Angst zu haben, denn dann seid ihr bei Gott. Diese Beispielgeschichte will nur zeigen, was mit uns allen einmal bei der Auferstehung der Toter geschehen wird.

Das Verhalten der Menschen zu allen Zeiten bei einem Todesfall ist geprägt

Lärm, Klage, Furcht, Unglaube, Tod und Teufel.       

Wo aber Jesus zu Sterbenden oder Trauernden kommt, da gibt es nur noch:

Stille, Zuversicht, Vertrauen, Glaube, Leben, Gott.

Der Besuch Jesu war ein entscheidender Tag im Leben des Jairus. Er mußte sich entscheiden. Er hätte ja auch sagen können: „Es ist zu spät. Ich verzichte. Auch du kannst nichts mehr ändern!“ Er sagt das aber nicht, sondern geht mit Jesus, obwohl er ja noch nicht weiß, wie Jesus helfen wird.

So wird es auch ein entscheidender Tag für das Leben des Mädchens. Wenn wir diese Geschichte hören, kann es auch ein entscheidender Tag für uns werden: Hier können wir die Angst vor dem Sterben verlieren und frohe und getroste Menschen werden.

 

 

Wunder

           

Die Moderne Naturwissenschaft macht den Wunderglauben leichter, denn sie sieht in den Wundern „Kraftwirkungen“ und Jesus hätte dann im Kraftfeld Gottes gestanden. Es wäre jedoch ein Armutszeugnis gewesen, wenn er sie nötig gehabt hätte. Es wäre aber auch Mißtrauen, wenn man dem Sohn Gottes unterstellen wollte, er hätte Wunder getan, um Jünger zu werben. Deshalb hat Jesus auch manchmal Wunder abgelehnt und das Weitererzählen verboten. Jesus will keine Schauwunder um etwas zu erreichen (Luk 14) Schauen, so daß auch alle daran glauben, gibt es erst im jüngsten Gericht.

Wunder auf Zeit sind im Augenblick des Geschehens nicht zu erklären, aber vielleicht in nächster Zukunft. Wenn man Wunder als psyschologischen Vorgang sieht, dann wären sie mit Hilfe der Naturgesetze geschehen, aber anscheinend durch eine Durchbrechung der Naturgesetze.

Das Wunder gehört zum Glauben, aber es stützt ihn nicht. Es gehört insofern dazu, als der Christ mit der Möglichkeit der göttlichen Hilfe in Form des Wunders rechnet, denn sonst wäre ja jedes Fürbittengebet sinnlos.

Gegen die Meinung, die Wunder sollten die unsichtbaren, anzweifelbaren göttlichen Dinge sichtbar und unbezweifelbar machen, wird festgestellt, daß solche den Glauben durch das Schauen ersetzen wollende Beweiswunder die biblische Botschaft nicht erhöhen, sondern untergraben, denn dann traut man Gott nichts zu.

Das Wunder beweist und überbietet nicht das göttliche Wort von der Vergebungsvollmacht Jesu, sondern Gott legt dasselbe aus, indem es zeigt, daß es dabei nicht um eine Lehre geht, sondern um eine Tat, die den Menschen in eine ganz persönliche Entscheidung gegenüber Christus stellt. Ein Religionsstifter gibt Rezepte und verkündet eine Lehre, Christus jedoch vollbringt die Tat.

Aber Predigt und Wunder treffen nicht alle, weil man sie nicht annehmen will. Die noch sündigen Menschen verlangen ein Wunder. Aber nur wer Gottes Willen tun will, wird keine Fragen mehr haben (Joh 7 ,17). Es geht nicht um Denkvorgänge (Theologiestudium), sondern um die Tat, den Einsatz, das Leben.

Jesus lehnt das Wunder überall da ab, wo man sich unter allerlei Vorwand vor einer persönlichen Entscheidung und einem tathaften Einsatz des Glaubens drückt. Man macht einen Bogen um den unbekannten Gott, um den unbequemen Gott, indem man Vorwände bringt. Aber nicht der mangelnde Verstand ist der Grund, sondern man will nicht Gottes Willen tun. Man gibt dann Jesus die Schuld am Unglauben, weil er keine Wunder tut. Dabei vergißt man ganz, welch große Unfreiheit es wäre, wenn Jesus dann ein Wunder täte und den Menschen dann gewissermaßen auf seine Seite zwänge.

Die Wunder wollen Jesu Sendung deuten, sie sind Predigt: Wie das Wunder die Naturgesetze durchbricht, so ist die Sündenvergebung eine Durchbrechung des Gesetzes von Schuld und Sühne; Wunder und Predigt gehören also durchaus zusammen.

Auch das anerkannte Wunder 1äßt die Entscheidungs- und Anfechtungsfrage offen, ob das Wunder von Gott oder Dämonen stammt (Matth. 21,23) und führt somit entweder zur Erhellung oder zur Verdunklung der biblischen Botschaft. Das bedeutet: Da der Teufel auch Wunder tut, kann man ein Wunder nicht als einen Beweis für die Hilfe Gottes ansehen, es hat keine große Bedeutung. Es liegt nicht an der „religiösen“ Veranlagung, ob man hinter dem Wunder Gott oder einen Dämonen oder das Naturgesetz sieht, sondern allein an der Bereitschaft zur Hingabe und zum Gehorsam gegenüber Gott.

 

 

 

 

Verkündigung Jesu

 

Seligpreisungen:

Was würden wir verändern, wenn wir die Welt verändern könnten? Schule abschaffen, Einkauf ohne Bezahlung einführen, kein Hunger und kein Elend mehr, immer Friede und Gerechtigkeit, keine Unterdrückung und Ausbeutung, kein Böses mehr in der Welt.

Immer wieder haben die Menschen sich bemüht, die  Welt zum Guten zu verändern: Tolstoi, Gandhi, Martin Luther King. Auch der Sozialismus ist ein solcher Versuch, die Welt zu verbessern. Die Welt hat eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Gott weiß davon. Und Jesus sagt: „Es ist gut, wenn ihr diese Sehnsucht habt!“

Jesus kennt auch die Angst vieler Menschen um ihr Glück. Wenn einer etwas erreicht hat, dann strebt er weiter.  Es gehört offenbar zum Menschsein, daß wir nicht ausruhen können. Und auch wenn  einer nicht über das Erreichte hinausstrebt, dann sucht er es doch zu sichern und zu schützen. Es gibt Augenblicke, da fühlen wir uns glücklich. Aber wir haben auch Angst, das Glück wieder zu verlieren. Wer ist da schon  wirklich glücklich?

Matthäus hat in seiner sogenannten „Bergpredigt“ eine Reihe von Jesusworten zusammengestellt, die von glücklichen Menschen erzählen.  Alle diese Sätze fangen mit „selig sind…“ an, und meist wird das ausführlicher übersetzt „glückselig zu preisen sind...!“ (Wir lesen Mt 5,1-10 oder auch eine freie Umschreibung).

Hier ist die Rede von Menschen, die wissen, daß sie nicht vollkommen sind und sich doch nach Vollkommenheit sehnen („geistlich arm“), die einen Kummer haben wegen eines Todesfalls oder eines Unglücks („Leid tragen“), die sich um Frieden  zwischen anderen bemühen und selber auf ihr Recht verzichten („sanftmütig“), die Gerechtigkeit noch mehr ersehnen als bei leiblichem Hunger die Sättigung („hungert und dürstet“), die bereit sind zum Helfen („barmherzig“).

Wir würden doch erwarten, daß Jesus die Klugen und Starken selig preist. Aber er nennt ganz andere Leute, die nach den üblichen Maßstäben als unglücklich gelten. Im Altertum wurde das Glück als etwas verstanden, was nur die die Götter erlebten und den Menschen also vorenthalten war. Jesus aber sieht es anders.

Er spricht zu den einfachen, aber frommen Leuten. Sie wollten die Gebote Gottes streng und treu halten und verzichteten lieber auf soziale Sicherheit, als daß sie ihr Heil verscherzten, weil sie es mit den Geboten ernst nahmen, kamen sie im Leben nicht so sehr voran. Aber sie erwarten alles von Gott, auf den sie angewiesen sind.

Die „geistlich Armen“ haben also nicht einen Mangel an heiligem Geist oder gar an Verstand, sondern die Demut vor Gott ist ihre innere Lebenshaltung. Sie  können glücklich sein, auch wenn sie nichts haben, was nach unserer landläufigen Meinung zum Glücklichsein dazugehört.

Das liegt daran, daß ihnen das Glück von Jesus zugesprochen wird. Er gibt ihnen keine Empfehlungen und macht ihnen keine Versprechungen. Er vertröstet sie auch nicht auf ein besseres Jenseits (auch nicht in Vers 4 und 6), sondern er trifft einfach die Feststellung: Ihr seid glücklich, und zwar schon hier und heute. Sie sind deshalb glücklich, weil sie Frieden schaffen unter den Menschen um sie herum, sie lösen Freude aus und das Glück strahlt förmlich von ihnen aus.

Das ist natürlich nur möglich, weil Jesus für das Heil und das Glück dieser Menschen eingetreten ist. Vorher waren sie gefangen von den Vorurteilen und der Verachtung der anderen Menschen. Aber nun hat Jesus von außen ihr Gefängnis aufgebrochen, indem er am Kreuz gerade für diese Menschen starb. Nicht erst sein Tod hat Heilsbedeutung, sondern schon sein Leben. Schon hier stellte er sich ganz auf die Seite der Menschen, die unter einer Last gebeugt waren  und in Angst und :Einsamkeit lebten (deshalb hat man diese Jesusgeschichten auch für die Nachwelt erhalten, weil hier besonders deutlich wird, wie Jesus der Christus für andere ist).

Die rein menschlichen Wünsche werden dadurch zwar nicht erfüllt oder weggeblasen. Auch die Wirklichkeit bleibt unverändert. Aber sie ist keine Bedrohung  mehr für das Glück. Gott  sagt „Ja“ zu uns, auch wenn wir ein Kreuz zu tragen haben. Er hat ja selber beim Kampf um das Glück der Menschen seinem eigenen Sohn das Kreuz auferlegt, damit es die Menschen nicht mehr tragen müssen. Was dann noch bleibt, das ist im Glauben an Gott zu tragen.

Vor allem kann man auch die Not der Mitmenschen erkennen. Wenn wir sehen, daß sie es vielleicht noch schwerer haben, dann werden wir wieder zufrieden mit dem, was wir haben. Dann fragen wir auch nach den Wünschen der anderen und versuchen ihnen zu helfen. Wir werden selber am meisten davon haben. Zum Glücklichsein ist nicht erforderlich, daß  alle unsere Wünsche in Erfüllung gehen, sondern daß Jesus Christus in unser Leben kommt und uns den Blick frei macht für unsere Mitmenschen.

Deutlich werden kann uns das auch an der Erzählung „Der kleine Prinz“ von Saint Exupery. Auf den ersten vier Planeten trifft er auf Menschen, die befehlen wollen, die bewundert sein wollen, die vergessen wollen und die besitzen wollen.

All das gehört angeblich zum Glück, aber im Grunde

machen sich alle etwas vor und sie beschäftigen sich nur mit sich  selber. Der kleine Prinz dagegen hat nur ein kleines Ziel: Er will seine Blume pflegen.. Aber er kann sagen: „Es ist gut für meine B1ume, daß ich sie besitze!“ Glück ist nicht da, wo der Mensch für sein privates  Wohlergehen sorgt, sondern wo er sein Leben einsetzt für Andere.

 

Wie sähe es wohl in unserer Welt aus, wenn wir zu den „Seligen“ gehörten?`

Wenn wir um unsere Grenzen und Mängel wüßten                                      Vers 3

Wenn wir unsere Traurigkeit zugäben, uns aber trösten ließen      Vers 4

Wenn wir Mißverständnisse und Vorurteile aufgäben                                  Vers 5

Wenn wir uns alle um Gerechtigkeit bemühten                                  Vers 6

Wenn wir Hilfsbereitschaft und Mitgefühl zeigten                              Vers 7

Wenn unsere Gedanken und Wünsche  rein und liebevoll wären Vers 8

Wenn wir auf eine Sache verzichteten oder eine Bemerkung unterdrückten.

 

Es gibt aber solche Menschen, die nach der Bergpredigt leben und von denen ein Segen auf die Menschheit ausgeht. Man muß dabei  nicht nur an berühmte Leute denken (Albert Schweitzer),. sondern es gibt solche Menschen auch in unserer  Nähe. Sie sind nicht tyrannisch und hochmütig, sondern friedfertig; sie haben selber Leid erfahren, können aber dennoch andere trösten. Sie verbreiten eine Welt des Friedens um sich herum und das ist ansteckend.

Wenn wir nun aber nicht zu diesen Menschen gehören? Vielleicht gehören wir doch dazu. Viele wollen doch die Welt verändern. Dann sollen sie bei sich selber anfangen. Denn das kann jeder: Es ist zwar unbequem, aber sehr wirksam.

 

Aufgaben:

Suche in der Weihnachtsgeschichte nach Menschen, die geistlich arm sind, die nach Gerechtigkeit hungert, die friedfertig sind (dazu gehören auch Simeon und Hanna)

 

 

 

Von der Feindesliebe: Mt 5, 43  48

 

A. So machen es alle:

Flanellbild I:  Strichzeichnung

Auf der Flanellwand erscheint ein Mensch: Das bin ich? Um mich herum stehen andere Menschen: Eltern, Geschwister, Freunde. Die nehme ich gern in meinen Umkreis hinein, auch oft einen Lehrer oder eine Lehrerin oder noch andere Menschen.

Warum habe ich diese Menschen lieb? Weil sie sich um mich kümmern, zum Beispiel am Geburtstag. Aber oft lieben sie sich dabei auch selbst, denn Eltern versuchen bei aller Liebe doch immer wieder, ihre Kinder zu einem Abbild ihrer selbst zu machen. Aber das ist halt nichts Besonderes in der Welt: So machen es alle!

Außerhalb unsres engeren Umkreises sind andere: Fremde (blau) und Feinde (schwarz). Sie gehen mich nichts an, die kümmern mich nicht, auch wenn sie vielleicht mit im gleichen Haus wohnen oder mit in die gleiche Klasse gehen. So haben die  Pharisäer ihre Gegner bekämpft: Die Zöllner, Sünder, die Römer, sogar die Kranken. Aber auch wir heute bekämpfen unsere Feinde. Aber so machen es halt alle!  Doch wo hat uns dieser Haß hingebracht ? Judenverfolgungen des Dritten Reiches!

Schon zur Zeit Jesu war es nicht anders: Samaritaner verfluchen Galiläer. Die zischen zurück: „Wartet nur, das wird euch heimgezahlt!“ Ein samaritanischer Kaufmann hat einen Unfall, sein Lasttier ist gestürzt. Doch ein Galiläer geht mit steinernem Gesicht vorüber: „Wie du mir, so ich dir!“

Ist es nicht schön dumm, seine Feinde zu lieben? Wenn der Feind das nun ausnutzt? Darf man sich alles gefallen lassen?

 

Spiel: An der Bushaltestelle .

Es warten viele Leute. Der Bus hat Verspätung. Sie werden ungeduldig. Endlich kommt der Bus. Doch er ist schlimm voll. Es werden nicht alle mitkommen. Alle drängeln sich zur Tür. Die anderen können kaum aussteigen. Einer hat den Ellenbogen des anderen in die Seite gekriegt. Er schreit ihn an: „Hau bloß ab!“ und versucht, selber mit Hilfe seiner Ellenbogen nach vorne zu kommen.

 

II  Jesus aber sagt:

„Ihr wißt, wie es alle machen! Ich aber sage euch: „Liebet eure Feinde!“ Auch wenn euch ein noch so großes Unrecht zugefügt wurde! Der Text wird aus dem Neuen Testament gelesen! (Predigttext kann nicht erzählt werden).

Wir wollen natürlich sofort sagen: „Das können wir nicht, das ist unmöglich!“ Jesus weiß auch, daß es oft über unsre Kraft geht. Deshalb spricht er hier ein Machtwort, um unser Vertrauen zu wecken und uns an sich zu binden. Er bietet sich an, in uns solche unmöglichen Dinge zu bewirken.

 

Flanellbild II:

Das Ich wird aus dem Mittelpunkt geholt und Jesus (weiß mit einem Kreuz) wird in die Mitte gestellt. Dadurch sind alle Menschen in die gleiche Lage versetzt: Sie stehen in gleichem Abstand zu Jesus, sie sind alle miteinander solidarisch und Jesus ist der Mittelpunkt. Wer aber von sich selber befreit ist, der ist erlöst.

Wenn Jesus im Zentrum steht, dann kann ich auch für den Feind beten, der selber vielleicht gar nicht einmal betet. Stellvertretend stelle ich mich neben ihn und bete für ihn. Dann kann er mich auch nicht mehr verfluchen, denn die Strahlen Jesu erreichen ja uns beide („Die Sonne, die mir lachet“).. Ein anderer Geist ist in mich hineingekommen, ich mache es nicht mehr so wie alle, sondern wie Jesus, der noch am Kreuz seinen Feinden verzieh (Lk 23,34). So entsteht und so lebt die Gemeinde Christi!

 

 

Der gute Hirte lebt für die Herde: Joh 10, 11-18 und 27-30

Hinführung

Wo kommt das Bild vom Hirten in der Bibel sonst noch vor?  In Psalm 23 geht es um den guten Hirten, der seine Schafe zur frischen Weide führt. In Johannes 10 dagegen läßt der Hirte sein Leben für die Schafe, aber ergibt ihnen auch das ewige Leben.

Folgende Geschichte verdeutlicht das Bild vom guten Hirten:

Ein Bauernhof war nachts in Brand geraten. Helfer kamen erst nach und nach heran, weil der Hof etwas für sich lag. Man wollte auch die Schafherde retten. Mit viel Gewalt und Geschrei hatte man sie endlich aus dem Stall heraus . Aber da drehten die ersten wieder um und rannten in den brennenden Stall zurück. Die Herde wäre nicht zu retten gewesen. Doch plötzlich hob der Leithammel den Kopf. Auf einmal drängen die Schafe von selbst zum Ausgang. Was war geschehen?

Der Schäfer kam herbei! Durch das Geschrei der Menschen und das Prasseln der Flammen hindurch hatten die Schafe seinen Ruf und seinen Pfiff gehört. Sie konnten ihn noch nicht sehen, aber sie folgten ihm dorthin, wo er sie hinführt. Kein Schaf blieb zurück. Die Stimme des Hirten hatte sie gerettet. Die anderen Menschen meinten es auch gut mit den Schafen und wollten sie bewahren, aber auf ihre Stimmen haben die Schafe nicht gehört.

 

Auslegung:

10.)  Die Hirtenrede und die Rede vom wahren Weinstock sind die beiden einzigen ausgeführten Ich-bin-Bildreden im Johannesevangelium. Die Hirtenrede ist die letzte vor dem Volk gehaltene Offenbarungsrede (Joh 15 nur vor den Jüngern). Sie ist letzter Appell an die Welt, indem das Wechselverhältnis zwischen Jesus und den Seinen als höchste Möglichkeit des Glaubens hingestellt.

Der Hintergrund zur Hirtenrede ist das Tempelweihfest (Chanukka). Es wird in der Regenzeit eine Woche lang gefeiert. Es erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels durch Judas Makkabäus im Jahre 165 vCh, nachdem die Syrer das Heiligtum entweiht hatten. Zu den gottesdienstlichen Lesungen des Festes gehört Hesekiel  34, in dem von den guten und schlechten Hirten Israels gesprochen wird.

(11.) Schon vorher war von dem Hirten und dem Dieb die Rede. Jetzt geht es um den g u t e n Hirten und den Mietling. Ein Hirte hat zwar gelegentlich sein Leben für die Schafe riskiert. Aber dieser Hirte gibt es sogar hin (V.15).

(12.) Der gemietete Hirte läßt die Schafe im Stich, um sein eigenes Leben zu retten. Er hat ja keine echte Beziehung zu den Schafen, es gibt keine gegenseitige Vertrautheit. Das „kennen“ drückt in der Bibel eine persönliche Beziehung aus („Adam erkannte sein Weib“). Die alttestesmentlichen Hirten waren Herrscher, Jesus aber ist der Erlöser, der die Seinen persönlich kennt.

(13.) Ein erläuternder Zusatz des Evangelisten, der schlecht anschließt, wie noch die Arbeit der späteren Abschreiber zeigt.

(14.) Die Verse 14 - 18 und 27 - 30 enthalten die  Deutung der beiden Gleichnisse durch Johannes. Vers 14 wiederholt das Ich-bin-Bildwort, allerdings wird jetzt das gegenseitige Kennen und Sichkennen herausgestellt, das den Seinen Anteil an der himmlischen Welt gibt.

(15.) Das Verhältnis der Seinen zum Hirten entspricht dem Verhältnis des Offen­barers zum Vater. Die Sprache stammt aus der hellenistischen Mystik und gnostischen Literatur; dort geht es aber um die wesensmäßige Einheit des Mysten mit der Gottheit, während es bei Johannes auf das gegenwärtige Kennen ankommt. Die Innigkeit des Verhältnisses hat aber ihren Grund in  der  Selbstaufopferung Jesu. Ab Vers15 b und in den Versen 17 - 18 wird der zweite Hauptgedanke der Bildrede gedeutet: der Lebenseinsatz des Hirten für die Schafe.

(16.) Eine polemische Einfügung der kirchlichen Redaktion, die eine Weissagung auf Heidenmission und die universale Kirche eingetragen hat. Der  „Stall“ wird auf das jüdische Volk bezogen. Die zu Jesus gehörenden  „Schafe“ leben aber nicht nur in Israel, sondern auch in der Weite der Heidenvölker. Jesus ist der Heiland der Welt und nicht nur der Juden. Das Endziel wird sein: eine Herde und ein Hirt!

(17.) Der Gedanke von Vers 15 wird wieder aufgenommen. Der Opfertod Jesu ist freiwillig. Aber er  „nimmt“ sein Leben auch wieder. Bei Johannes wird Jesus nicht von Gott auferweckt, sondern sein Tod ist die souveräne Rückkehr zum Vater.

(18.) Hingeben wie Nehmen war Auftrag des Vaters an Jesus. Jesus Sterben ist die Tat seines Gehorsams. Er legt sein Leben hin wie ein Gewand, das er nachher aber wieder anzieht.

(27.) Die beiden Sätze von Vers 14 werden nun zweimal in umgekehrter Reihenfolge variiert. Der Gedanke der Sicherheit des Glaubens wird nun zum eigentlichen Thema. Die subjektive Sicherheit liegt darin, daß die Seinen den Offenbarer kennen und ihm folgen. Aber es gibt auch eine objektive Sicherheit, weil man im Glauben auf den hört, der auch die Seinen kennt.

(28.) Die Verheißungen des ewigen Lebens unterstreichen das noch. Nicht einmal durch den Tod kann man von dem Hirten getrennt werden.

(29.) Der Wille des Vaters ist stärker als alle Widersacher! Jesus weiß sich mit ihm völlig eins. Der Vater und Jesus handeln völlig solidarisch an den Schafen.

(30) Knapper kann man es nicht formulieren. Aber man sollte dabei nicht dogmatisch über das innergöttliche Wesensverhältnis spekulieren.

 

 Gespräch :  

Wer hat uns etwas zu sagen, auf           wen hören wir? Staatsorgane, Eltern, Nachbarn, Mode, Gespräche am Arbeitsplatz‚ Medien.

Die Beantwortung dieser Frage kann uns deutlich machen, wer heute unser guter Hirte ist bzw. wenn wir dafür ansehen. Es gibt begründete  und unbegründete Ansprüche an uns. Auch Jesu Anspruch war zunächst überheblich. Mit seinem „Ich bin!“ wirkt er wie ein Angeber und Hochstapler. Aber bei ihm ist es doch etwas anderes als das Versprechen Kaiser Wilhelms II. „Ich führe euch herrlichen Zeiten entgegen!“oder der Ausspruch Goethes über die „himmlischen Mächte“: „Ihr führt ins Leben uns hinein, Ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Pein; denn alle Schuld rächt sich auf Erden!“ (Wilhelm Meisters Lehrjahre). Der „Mietling“ hat keinen Idealismus, er setzt sich bei seiner Arbeit nicht ein, er hat kein Verhältnis zu ihr, pfuscht bei der Arbeit und denkt nur an den eigenen Vorteil.

Jesus dagegen setzt sich mit seinem Leben ein, um Liebe unter die Menschen zu bringen. Das unterscheidet das Christentum von allen Religionen: Jesus Christus ist der Gekreuzigte, seine „Überheblichkeit“ ist in seinem Opfertorf begründet. Im Ge­gen­satz zu den „himmlischen Mächten“ läßt Jesus die Seinen in ihrem Versagen nicht allein.

Die Deutung der Hirten in Hesekiel 34 gibt uns das Recht, auch die heutigen Politiker zunächst einmal als „gute Hirten“ anzusehen. Zumindest wollen sie es doch nach  ihrem eigenen Selbstverständnis sein. Sie wollen das Beste für ihr Volk, nur. Will das Volk es im Augenblick noch nicht so recht einsehen.

Die Politiker sagen: „Wir wissen um die Entwicklung im Großen und Garzen. Ihr dürft nicht nur auf der Augenblick und eure persönlichen Wünsche sehen. Im Augenblick mag manches hart für euch sein. Aber ihr dürft sicher sein: Auf die Dauer gesehen ist das richtig, was wir für euch entschieden haben.

Um die Herde muß zum Beispiel ein Zaun gelegt werden, damit sie sich nicht verläuft und damit Fremde nicht einbrechen können. Für den Einzelnen führt das zu unerträglichen Härten. Aber angeblich nützt das dem Volk insgesamt. Der gute Hirte allein entscheidet, was für seine Schafe gut ist.

Diese sind oft „dumme Schafe“. Dabei sind Schafe gar nicht so dumm, wie ihnen oft nachgesagt wird. Das Bild vom Hirten und der Herde ist nicht so beliebt, wegen der „dummen“ Schafe. Aber es hat auch etwas Positives: Wenn Jesus wirklich der gute Hirte ist, warum sollte man sich ihm nicht anvertrauen? Es kann doch nur gut für uns sein, wenn wir dem wahren Hirten folgen!

Das Gegenbild des  „Mietlings“ kennen wir auch. In unserem Alltagsleben verhalten wir uns oft selber so. Viele möchten möglichst nur zwei Stunden am Tag arbeiten, aber im Monat 5.000 Euro dafür erhalten.

Für die Qualität der Produkte sind wir nicht verantwortlich. Und auch dabei findet man nichts, wenn man das Firmeneigentum  „in persönliche Pflege“ nimmt. Der Erfolg der Firma geht uns nichts an. Wir gehen nur hin, weil wir eben etwas tun müssen. .Aber das ist nicht unser Leben.

Anders sieht es aus, wenn einer eine eigene Firma hat oder wenn er etwas in seiner Freizeit tut oder wenn er ein eigenes Haus hat. Das Eigene pflegt man. Aber ein Christ hat die Pflicht, auch dann ordentlich zu arbeiten, wenn es nicht um das Eigene geht.

 

Jeder neue Herrscher wird mit großen Hoffnungen begleitet. Er will zunächst nachweisen, daß vorher alles falsch gemacht worden ist. Jetzt erst beginnt eine neue Zeit. Bald werden alle erkennen, daß sie es jetzt besser haben. Dann steht in der Zeitung: „Es wurden Maßnahmen getroffen im Interesse der Bürger!“ Wenn so etwas drinsteht, dann kann man damit rechnen, daß das Leben erschwert wird und wieder ein Stück Fortschritt und Freiheit zurückgedreht wird. Es stellt sich heraus, daß der neue „Hirte“ auch nur mit Wasser kocht. Und je länger er dran ist, desto mehr wünschen die Leute seine Ablösung. Wenn dann wieder ein „Neuer“" kommt, dann weist er wieder nach, daß vorher alles falsch gemacht wurde und jetzt erst mit ihm die neue Zeit beginnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleichnisse Jesu

 

Das  Gleichnis vom Sämann: Mk 4, 1 - 20   (Mt 13,1-23 und  Lk 8,4-15)

Einstieg:

In Illustrierten und Zeitungen suchen wir nach Erfolgsmeldungen. Wir fragen uns: Woher kommen die Erfolge? Werden auch Mißerfolge berichtet? Hat die Kirche auch Erfolge zu melden? Es sind doch nur relativ wenig Leute im Gottesdienst. Und bei denen, die da sind, weiß man nicht, ob sie das Wort Gottes wirklich annehmen. Fast zweitausend Jahre wird die Botschaft von Jesus verkündet, aber die Welt hat sich nicht verändert. Die Kirchengruppen werden kleiner. Nur relativ wenig junge Leute entschließen sich zu einem kirchlichen Beruf. Wenn wir jemanden zur Kirche einladen wollen, erhalten wir viele Absagen und kriegen Ausreden zu hören. Das enttäuscht uns dann.  Aber in der Bibel wird uns vielfach von der Ablehnung des Wortes Gottes berichtet; besonders die Propheten klagen darüber. Weshalb soll es da bei uns anders sein?

Andererseits können wir auch von Erfolgen und Leistungen in der Kirche reden. Da wird Geld gesammelt für Hilfsbedürftige bei uns und anderswo, an Weihnachten kommen viele in die Kirche, es werden große kulturelle Leistungen vollbracht. Erstaunlich ist, daß es immer wieder neue Christen gibt, daß auch heute noch Menschen zu Gott finden.

Jesus hat einmal dazu gesagt: „Das ist doch ganz üblich, der Mißerfolg und der Erfolg. Da braucht ihr euch nicht zu wundern!“ Was er meinte, hat er mit einem Gleichnis deutlich zu machen versucht.

 

Erzählung: I :

Wir betrachten eine Handvoll Samen und sprechen darüber, wie aus dem Samenkorn langsam eine Pflanze und nachher eine Frucht wird. Die Bauern müssen sich viel Mühe machen, ehe auf den Feldern etwas wächst. In früheren Zeiten war das noch mühsamer. Im Lande Jesu konnte man dem Boden nur wenig Ertrag abringen. Besonders die Heimat Jesu, die Landschaft Galiläa, war ziemlich unfruchtbar. Aber die Leute mußten ja von etwas leben und machten sich deshalb immer wieder Jahr für Jahr große Mühe.

Die Felder waren nicht sauber abgeteilt. Wege und Trampelpfade führten oft mitten über die Äcker. Der Boden war steinig, oft lag nur eine dünne Ackerkrume auf dem felsigen Untergrund. Dann dörrte die Sonnenhitze den Boden aus und erhitzte die Steine. Die Pflanzen gingen dort zwar schnell auf, weil es warm war und keine dicke Erdschicht zu durchdringen war. Aber wenn dann der heiße Glutwind kam, waren die Pflanzen schnell wieder versengt und vertrocknet.

Oft waren die Felder auch voller Dornengestrüpp, Unkraut und Disteln, die bis zu zwei Metern hoch werden konnten. Mit dem einfachen Holzpflug konnte man diese Gewächse natürlich nicht mit der Wurzel ausrotten. Überhaupt säte man erst den Samen auf den völlig unvorbereiteten Acker. Dabei fiel manches natürlich auf den Weg, die felsigen Stellen oder unter die Dornen. Aber das ließ sich gar nicht anders machen. Erst danach wurde der Boden mit dem Pflug notdürftig aufgerissen. Bei solchen Methoden war der Ertrag natürlich mangelhaft.  

Aber es gab auch gute Felder. Und auch auf den wenigen guten wuchs am Ende doch noch etwas. Von einem solchen Ackerfeld erzählt Jesus, um uns etwas über Gott deutlich zu machen.

 

Erzählung II:

„Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen!“Durch einen solchen starken Ausruf will Jesus die Aufmerksamkeit seiner Hörer erregen. Sie sollen nicht nur mit den Ohren hören, sondern auch in ihrem Inneren etwas wahrnehmen .Die Zuhörer kennen das , wie man den Samen aussät: Der Bauer greift mit der Hand in sein Tuch, in dem er die Körner trägt. Er nimmt eine Handvoll heraus und wirft sie in großem Bogen vor sich auf das Land. Sie fallen überall hin. Der Bauer kann nicht darauf achten, daß sie nur auf guten Boden fallen.

„Indem er säte, fiel einiges auf den Weg; da kamen die Vögel und fraßen es auf. Über den Acker haben Leute einen Weg getreten. Dort kann der Same nicht eindringen. Die Vögel kommen und picken ihn weg. Er war ganz nutzlos gesät.

„Einiges fiel auf das Felsige, wo es nicht viel Erde hatte. Es ging bald auf, weil es nicht von viel Erde bedeckt war. Aber als die Sonne hochstieg, verwelkte es. Und weil es keine tiefen Wurzeln hatte, verdorrte es.

„Beim Säen kann man nicht sehen, wie der Untergrund ist, die Oberfläche sieht ja normal aus. Der Bauer freut sich sogar, daß an einigen Stellen sehr schnell die Saat aufgeht. Aber bald ist die Herrlichkeit zuende.

„Einiges fiel unter die Dornen. Diese wuchsen zusammen mit dem Getreide auf und erstickten es, so daß es keine Frucht brachte!“ Vor allem die Disteln haben breitere Blätter und wachsen schneller. Zunächst denkt man: Dort wächst wenigstens etwas. Aber bald sind die Disteln größer und stärker und die eigentliche Frucht kann nicht kommen. Sie erhält nicht genug Wasser, Regen und Nahrung und muß verwelken und eingehen. Das ist also ein sehr trauriges Erde: Soviel Mühe hat sich der Bauer gemacht, soviel Samen hat er ausgestreut, aber vieles ist dann doch wieder kaputtgegangen.

Wir könnten nun meinen: Da bleibt doch gar nichts mehr übrig. Wenn drei Viertel des Samens verlorengehen, dann wird ja kaum noch etwas wachsen!  Aber es geht hier nicht um vier nebeneinanderliegende Flächen. Es ist nur e i n Acker, auf dem es verschiedene Möglichkeiten des Ertrages gibt. Es sind nur wenige kleinere Stellen, die keinen Ertrag bringen. Die muß der Bauer in Kauf nehmen, die kann er nicht aussparen, sonst wird alles zu umständlich.

Er muß zwar mit einigem Mißerfolg rechnen. Aber das Meiste fällt doch auf gutes Land. Und jedes einzelne Samenkorn bringt wiederum 35 neue Körner hervor, manchmal waren es auch 60 und vereinzelt sogar 100 Körner in einer Ähre. So gibt es doch noch eine erstaunlich große Ernte: „Einiges fiel auf gutes Land und ging auf und wuchs und brachte Frucht und trug dreißigfach und sechzigfach und hundert= fach!“

 

Erzählung III:

Die Zuhörer werden sich gefragt haben: Was hat er damit wohl gemeint? Mit dem Sämann meint er wohl Gott oder sich selber. Er hat das Wort Gottes ausgestreut wie ein Bauer den Samen. Einige nehmen das Wort Gottes freudig auf. Aber ihr Herz ist glatt und hart und der Glaube bewährt sich nicht im Leben. Schon wenn ihnen Spott wegen des Glaubens droht, ziehen sie sich zurück. Wenn ihnen wegen ihres Glaubens Nachteile entstehen könnten, sind sie nicht mehr zu sehen. Erst haben sie begeistert in der Gemeinde mitgearbeitet, nun sind sie völlig gleichgültig.

Bei anderen geht die Saat zunächst auf, aber sie erhält nicht genügend Platz, um sich ausbreiten zu können. Allzu fromm will man dann doch nicht sein, das könnte unbequem werden. Es gibt ja noch so vieles anderes im Leben, das wichtig ist. Die erste große Begeisterung hält nicht lange vor. So vertrocknet das Wort Gottes wieder.

Ähnlich ist es mit der dritter Gruppe. Das Wort Gottes wird im Gottesdienst gehört und schlägt auch Wurzeln. Aber dann ist anderes stärker: die Angst vor der Zukunft, die Jagd nach Reichtum, schnelles berufliche Fortkommen - das prägt dann das Leben. Manche sind jahrelang in der Jungen Gemeinde aktiv, aber dann gewinnt doch anderes Macht in ihrem Leben. Gottes Wort erstickt wieder bei ihnen.

Aber es gibt auch eine reiche Ernte. Wo das Samenkorn auf guter Boden fällt, da hat es eine große Kraft in sich und bringt viel Frucht. Da lernt ein ungehorsames Kind gehorchen und hat die Eltern lieb, da wird ein zänkisches Kind friedlich, da sieht eins, wo man Hilfe braucht und greift zu. Seit Jesus Christus ist die Gottesherrschaft angebrochen und gelangt trotz Mißerfolg und Ablehnung doch zu einem unerwartet herrlichen Ziel, auch bei uns.

 

Gespräch:

Während der Erzählung wurde das Gleichnis an der Flanellwand dargestellt. Der Same wird ausgestreut und wieder weggenommen. Die Vögel kommen, die Dornen gehen auf, die Halme legen sich um. Aber Einiges wächst doch heran, es ist sogar der größte Teil. Nun fügen wir die Deutung des Gleichnisses noch hinzu:

Wie der Sämann den Samen ausstreut

... so läßt Gott sein Wort ausstreuen

Wie das meiste davon verlorengeht....

...so geht von Gottes Wort vieles verloren

Wie die Ernte am Ende doch sehr groß ist...

...so ist Gottes Gemeinde am Ende groß .

Heute wird Gottes Wort ausgestreut. Die Strahlen gehen in alle Richtungen: Das Wort wird gesagt in Gottesdienst, Kindergottesdienst, Christenlehre, Kinderstunde, bei Taufe und Abendmahl, es trifft uns beim Beten und Bibelleser, durch Bücher und Kirchenzeitung, durch Rundfunk und Fernsehen; es gibt Schaukästen, CD’s, Kunst, Verkündigungsspiele. Auch die Besuchsdienste und die Heime sind nicht zu vergessen.

Aber dann kommen andere Dinge, die diese Strahlen wieder verdecken: Keine Zeit, lieber Fernsehen, Sport, aber auch Angst und Sorge. Da bleibt kein Platz mehr für Gottes Wort. Oder doch? Es gibt Menschen, die füllt Gottes Wort so aus, daß sie es gar nicht für sich behalten können; sie sind so froh, daß sie auch andere froh machen wollen (neue Strahlen werden hinzugefügt).

Hier können wir uns fragen: Welche Art Acker bist du? Gehörst du zum guten Land? So wie es in dem Nachtwächterlied heißt: „Vierfach ist das Ackerfeld. Mensch, wie ist dein Herz bestellt?“ Doch in dem Gleichnis ist nicht so sehr die Art des Ackers im Vordergrund, sondern das Schicksal des Samens, also des Wortes Gottes.

Es hat den zweifelnden Thomas dazu gebracht, daß er an den auferstandenen Jesus glauben konnte; es hat dreitausend Menschen dazu geführt, sich an Pfingsten von Petrus taufen zu lassen; Christen haben sich im Glauben an das Wort Gottes den Löwen vorwerfen lassen und haben doch ihren Glauben behalten. Missionare sind in ferne Länder gezogen, um dieses Wort auszubreiten und junge Menschen lernen Krankenpflege, um dieses Wort auch in die Tat umzusetzen.

Nun sehen wir auf einmal ein fröhliches Bild vor unseren Augen: Das Wort Gottes ist stark und mächtig und schafft viel Frucht. Alle Ablehnung kann nicht verhindern, daß Gott herrschen wird. Manchmal meinen wir, es sei kümmerlich um das Reich Gottes bestellt. Aber es hat schon angefangen, wo einer das Wort Gottes aufnimmt. Auch wenn es heute manchmal so aussieht, als gäbe es Mißerfolge, so wird doch

einmal deutlich werden, daß dem Wort eine reiche Ernte geschenkt ist

 

 

Verlorenes Schaf - Verlorener Groschen: Lk 15,1 - 10

Einstieg:

Es ist schlimm, wenn man etwas verloren oder verlegt hat und es nicht finden kann. Wir machen einige Suchspiele (Heiß-kalt, usw.), um uns das zu verdeutlichen. Manchmal sieht man dreimal an der gleichen Stelle nach und findet endlich doch noch das Gesuchte. Dann ist die Freude groß, die Ungewißheit ist vorbei, man kann wieder seine eigentliche Arbeit tun. - Vom Suchen und Wiederfinden handeln auch die beiden folgenden Gleichnisse Jesu.

 

Erzählung:

Wie schon so oft kommen allerhand Menschen zu Jesus, die von den anderen für schlecht gehalten werden. Aber sie wollen ihn hören und erhoffen sich Hilfe von ihnen. Es  sind „Zöllner und Sünder, stadtbekannte Diebe und Betrüger, Säufer und Ehebrecher. Sie kümmern sich nicht um die Gebote Gottes, sondern denken nur an sich, wie sie sich möglichst viel Geld beschaffen können.

Jesus aber spürt ihre Hoffnungslosigkeit und Verlorenheit. Er will um einen freien Raum für diese Sünder kämpfen. Deshalb lädt er sie sogar an seinen Tisch ein und ißt mit ihnen. Jesus redet nicht nur von der Vergebung, sondern handelt auch entsprechend. In ihm wird die Liebe Gottes zum Ereignis, er handelt, wie Gott handeln würde. Er weiß, was das für Leute sind.  Aber er verlangt nicht, daß sie erst ein Sündenbekenntnis ablegen und erst versprechen, andere Menschen zu werden.           

Es sind aber andere da, die sich über ein solches Verhalten Jesu ärgern. Sie sagen: „Diese hat Freude an Zöllner und Sündern und ißt mit ihnen!“  Es sind die Pharisäer und Schriftgelehrten, die schon oft etwas an Jesus auszusetzen hatten. Sie fordern eine Trennung von den Sündern. Sie sind ja doch verloren; man darf sich ihnen nicht einmal nähern, um ihnen Gottes Wort nahezubringen. Wer sich doch mit ihnen einläßt, muß selber ein Sünder sein.

Wenn einer zurückkehren will, dann muß man ihm mindestens seine Reue ansehen; er muß seine Gesinnung wandeln und seine Schuld wiedergutmachen. Nur so wird der Gerechtigkeit Gottes Genüge getan und Raum für die Vergebung geschaffen. Wenn aber Jesus diese Sünder auch so wieder annimmt, dann wiegt er sie in einem Schaf der Sicherheit, da müssen sie doch denken, es sei alles in Ordnung mit ihnen. Dann macht man es ihnen mit dem Gesetz zu leicht.

So denken die Pharisäer. Sie lassen es sich sauer werden mit dem Einhalten der Gebote Gottes. Nun aber fürchten sie, ihren Vorteil zu verlieren, wenn auch die Sünder ohne eine eigene Leistung angenommen werden. Warum sucht Jesus nicht Tuchfühlung mit ihnen, den Frommen? Warum kümmert er sich gerade um diese zerbrochenen und zerstörten Menschen? Das ist doch ein öffentlicher Skandal, eine Verhöhnung des frommen Lebens,  ja fast eine Gotteslästerung.

Um diesen Kritikern gegenüber sein Verhalten zu rechtfertige, spricht Jesus zu ihnen in Gleichnissen. Die beiden ersten handeln von einem Tier und einem Gegenstand, die nichts tun können für das Wiederfinden. Das dritte handelt dann von einem Menschen, der sich selber auf den Heimweg machen muß. Jesus sagt:

I. Stellt euch vor, ihr hättet unter euch einen, der eine Schafherde hat. Es ist eine Herde mittlerer Größe mit 100 Schafen. Er weidet sie im Gebirge, in einem einsamen und unübersichtlichen Gelände. Plötzlich stellt er fest, daß eins seiner Schafe fehlt. Da läßt er doch die 99 allein und geht dem einen nach und sucht es. Er verzichtet auch auf dieses eine nicht, weil er an jedem Schaf mit gleicher Liebe hängt. Der Besitz der übrigen ersetzt ihm nicht den Verlust des einen.

Wenn er aber das Schaf gefunden hat,  jagt er es nicht unbarmherzig zurück, sondern sorgt sich noch in besonderer Weise um es. Es könnte ja gar nicht allein zur Herde zurücklaufen, so ermattet ist es. Da nimmt es der Hirte auf seine Schultern und trägt es freudig heim. Zuhause ruft er noch seine Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: „Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!“ Je mehr Mühe und Sorge man sich gemacht hat, je größer die Gefahr war, desto größer ist die Freude.

Die Zuhörer Jesu sollen erkennen: In Jesus begegnet die suchende Liebe Gottes dem Sünder. Darüber kann man sich nur freuen. Auch die Frommen sollen sich da mitfreuen. Gott schaut auch nach denen aus, die gar nicht daran denken, nach ihm auszuschauen. Auch die Frommen sind nicht ausgeschlossen. Auch sie sind gefunden worden und hatten damit Glück gehabt.. Aber sie sollen sich auch mitfreuen.

Jesus fügt hinzu: „So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der umkehrt. Es wird mehr Freude sein als über 99 Gerechte, die die Umkehr nicht nötig haben!“ Deshalb darf sich auch Jesus mit den Zöllnern und Sündern abgeben. Gott freut sich über sie, wenn wie zu ihm umkehren. Er freut sich so über sie wie über die anderen, die bei ihm geblieben sind. Deshalb wird die Kirche, die nach ihm kommt auch den Menschen die Sündenvergebung Gottes verkünden dürfen: Wer will, darf immer zu Gott zurückkehren.

Jesus erwartet von seinen Zuhörern Einverständnis, daß sie sich mitfreuen, wenn Zöllner und Sünder zu Gott zurückkehren. Wenn Gott sich über sie freut, sollen sie sich auch mitfreuen. Und zwar soll das schon jetzt geschehen, nicht erst, wenn einmal das Endgericht über die Menschen kommt. Das ärgert ja gerade die anderen, daß das schon jetzt so sein soll. Aber Jesus handelt entsprechend. Er weiß, daß der Mensch nicht aus eigener Kraft zu Gott umkehren kann, wie das die Pharisäer wollen, sondern daß er von Gott gefunden werden muß. Erst wenn der Mensch gefunden ist, kann er sein Leben ändern, nicht umgekehrt: erst Leben ändern, dann Vergebung.

II. Damit sie das noch besser verstehen, schließt Jesus ein ähnliches Gleichnis an: Wenn eine Frau 10 Silbermünzen hat und eine verliert, dann sucht sie doch auch danach. Wenn es gar eine Schmuckmünze ist, die zum Kopfschmuck bei ihrer Hochzeit gehört hat, dann wird sie besonders eifrig danach suchen. Sie zündet ein Licht an, weil der eine Raum in ihrem Haus nur ein kleines Fenster hat. Sie fegt alles

sorg­fältig aus, damit sie die Münze vielleicht auf dem Boden klirren hört. Sie untersucht jede Ecke und jeden Winkel.

Wenn sie aber die Münze wiedergefunden hat, dann läuft sie und ruft die Bekannten aus der Nachbarschaft herbei. Sie ruft: „Freut euch mit mir, denn ich habe meine Münze gefunden, die ich verloren hatte!“ Es war ein empfindlicher Verlust. Der eigentliche Geldwert macht es nicht einmal. Es geht vielmehr darum, daß es sich um ein Andenken handelt, das für den Besitzer eines besonderen Wert hat.

Die Nachbarinnen nehmen es der Frau ab, daß sie sich so sehr freut. Es wurde zwar nur der frühere Zustand wiederhergestellt, aber das ist doch auch großer Grund zur Freude. Man gibt etwas Verloreneres nicht einfach auf, sondern man hält sein Eigentumsrecht aufrecht.

„So ist es aber auch bei Gott!“ sagt Jesus. „So wird auch Freude sein vor den Engeln

Gottes über einen Sünder, der zu Gott umkehrt!“  Gott sucht auch die Geringen, weil sie bei ihm einen hohen Wert haben. Er schickt Jesus zu den Menschen, damit er den Verlorenen nachgeht. Aber das Entscheidende ist nicht das Suchen, sondern die Freude beim Wiederfinden. Diese Freude soll auch die Gemeinde Gottes im Himmel und auf der Erde empfinden. Sie soll dem verlorenen Bruder die Heimkehr zu Gott leicht und schön machen.