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Religionsunterricht Jesus II

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                  Tod und Auferstehung

 

 

 

 

Gleichnis vom verlorenen Sohn:  Lk 15, 11 - 32

Hinführung:

Wir haben alle schon einmal etwas verloren. Wenn einer etwas verloren hat, dann beginnt er zu suchen, macht unter Umständen eine öffentliche Bekanntmachung, verspricht eine Belohnung, geht zum Fundbüro. Allerdings werden nicht alle Dirne gesucht, zum Beispiel eine verlorenen Zeitung oder ein heruntergefallener Pfennig im vollen Autobus. Wir suchen also verlorene Sachen, die für uns wertvoll sind. Und je wertvoller das Wiedergefundene ist, desto größer ist die Freude.

 

Spiel: Laut tickenden Wecker verstecken und dann von einem suchen lassen. „Heiß oder kalt rufen“, wenn sich der Suchende dem zu suchenden Gegenstand nähert.

Manchmal geht auch ein Mensch verloren. Wenn sich etwa ein Schaf verirrt oder ein Groschen verlorengeht, dann können die nichts dafür und können auch nichts dazu beitragen, daß sie wiedergefunden werden.  Wenn ein Mensch aber nichts mehr vom anderen wissen will und von ihm weggeht, dann ist das seine  Schuld; sie kann nur wieder gut gemacht werden, indem der Betreffende umkehrt.

Viele junge Leute verlassen zum Beispiel ihre Eltern, weil sie endlich einmal groß sein wollen. Sie wollen selbst über ihr Leben bestimmen, wollen tun können, was sie wollen, und können sich alle Wünsche erfüllen. Denkt ihr nicht manchmal auch so?

Zielangabe: Wir wollen eine Geschichte hören, in der es um die Freude  des Wiederfindens geht. Damit soll etwas deutlich gemacht werden von der Freude Gottes, die er empfindet, wenn ein Mensch wieder zu ihm zurückkehrt.

 

Erzählung:

Bei Jesus waren oft Menschen, die sich nicht an die Gebote Gottes hielten. Man bezeichnete sie als „Sünder“ und rechnete vor allem die Zöllner zu ihnen. Aber gerade solche Leute kamen immer wieder zu Jesus, um ihn zu hören. Er hat sie nämlich nicht geschimpft und verachtet, sondern er erzählte ihnen von der Liebe Gottes, der auch sie zu neuen Menschen machen will.

Das aber ärgert die Pharisäer und Schriftgelehrten. Wenn dieser Jesus der Sohn Gottes sein will, dann darf er sich doch nicht mit Betrügern und Verbrechern einlassen! Sie murren und sprechen: „Dieser nimmt die Sünder freundlich auf  und lädt sie mit ein an seinen Tisch!“ Um ihnen sein Verhalten zu erläutern, erzählt ihnen Jesus ein Gleichnis, eine Beispielgeschichte.

Ein Mann hatte zwei Söhne. Eins Tages sagt der jüngere von ihnen zum Vater: „Vater, gib mir der Teil des Besitzes, der mir zusteht!“ Das ist an sich nicht ungewöhnlich. Besonders wenn einer auswandern will oder sich eine eigene Existenz aufbauen will, konnte er sein Pflichtteil ausbezahlt kriegen.

Aber der junge Mann lehnt offenbar die Existenz ab, die ihm sein Vater bietet. Er will auf eigenen Füßen stehen. Beim Vater hatte er es gut. Aber er will doch endlich selbständig sein, nicht immer noch unter den Augen des Vaters, wo man doch immer irgendwie auf ihn Rücksicht nehmen muß.        

Den Bauernhof bekommt sowieso sein älterer Bruder. Und vom Vieh und Geld bekommt er auch den doppelten Anteil. Da ist es besser, sich schon rechtzeitig umzusehen und bald auf eigenen Füßen zu stehen. So stößt er die Tür des Vaterhauses auf und zieht hinaus in die vermeintliche Freiheit. „Ich werde es euch schon zeigen!“ denkt er. „Ich will nicht immer nur der Kleine und der Dumme sein!“ So will er also fort.

Dem Vater hat er damit bestimmt weh getan. Aber was will er machen? Er kann ihn nicht halten. Er muß auch den Eindruck haben, daß der Sohn nicht warten kann, bis der Vater gestorben ist. Er setzt also den Anteil der beiden Söhne fest: Der Ältere erhält zwei Drittel, der jüngere ein Drittel. Und bald darauf zieht auch der jüngere fort, nimmt all sein Geld mit und will in ein fernes Land.

Jetzt ist er ein reicher Mann und kann mit seinem Geld machen, was er will. Tor und Tür stehen ihm offen. Er gibt sein Geld mit vollen Händen aus. In der Wirtschaft bezahlt er eine Runde nach der anderen. Er hat bald viele Freunde und auch Freundinnen, ja er kann sich immer wieder eine andere Freundin leisten. Alles scheint ihm zu gelingen. Seitdem er nicht mehr bei dem Vater ist, hat er erst begonnen, als ein richtiger Mensch zu leben.

Aber als das Geld alle ist, da sind auch seine Freunde weg. Gerade in dieser Zeit bricht aber auch eine große Hungersnot in dem Land aus. Es gibt kaum noch etwas zu essen, die Lebensmittel werden teuer und  der junge Mann hat kein Geld mehr. Jetzt sind auf einmal alle Türen für ihn verschlossen. Keiner seiner früheren Freunde öffnet ihm sein Haus, jeder denkt nur an sich selbst.

Endlich findet er einen, der ihm Arbeit gibt. Aber was ist das für eine Arbeit! Der Sohn eines Großbauern muß bei einem anderen Bauern die Schweine hüten! Dieser Mann war ja ein Heide, er hielt sich nicht an das jüdische Gesetz: Die Juden haben keine Schweine, weil sie sie für unreine Tiere halten. Aber dieser Mann hat eine große Herde davon. Die muß nun bei Wind und Wetter draußen gehütet werden. Eine schwere und erniedrigende Arbeit und für einer frommen  Juden verboten. Aber was tut man nicht alles, wenn man Hunger hat.

Der junge Mann denkt :Da kriege ich wenigstens ab und zu etwas von dem Schweinefutter ab. Die Schoten des Johannisbrotbaumes sind zwar schwer verdaulich und bestenfalls als Schweinefutter geeignet.  Aber wenn man nichts anderes hat, ißt man auch das. Doch es stellt sich heraus: Nicht einmal von dem Schweinefutter darf er essen, sie verbieten es ihm. Die Schweine sollen fett werden, nicht er. Den Schwei­nen ging es also besser als ihm.

Aber der junge Mann will nicht zugrunde gehen. In dieser verzweifelten Situation beginnt er nachzudenken. Er sucht die Schuld nicht bei anderen, sondern sieht seinen Fehler ein. Er denkt an die Tür des Vaterhauses, die er durchschritten hat, um in die Fremde und in die Freiheit hinauszugehen. Jetzt erscheint ihm diese Tür wie das Paradies: Dort wird man ja nicht unterdrückt, sondern da hat man es gut, besser könnte man es nirgends in der Welt haben.

Er sagt sich: „Wie viele Tagelöhner hat mein Vater. Und alle haben sie Brot im Überfluß. Ich aber komme hier vor Hunger um.  Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: „Vater, ich habe gesündigt gegen Gott und gegen dich. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden .Mache mich zu einem deiner Tagelöhner!“

Er will gar nicht mehr der Sohn sein, nur ein Tagelöhner. Er merkt, daß er auf der falschen Seite steht. Er war verrückt gewesen, als er vom Vater wegging, wo er es doch gut hatte. Das alte Sprichwort ist eben doch wahr: „Wenn der Jude auf die Frucht des Johannisbrotbaums angewiesen ist, dann kehrt er um!“ Das will er jetzt auch tun. Er will umkehren, seine Schuld bekennen und seinen Vater um Hilfe bitten, auch wenn er von dem nichts Gutes mehr zu erwarten hat.

Die Tür des Vaterhauses ist aber immer offen geblieben. Manchen Tag hat der Vater in der Tür gestanden und nach seinem Sohn Ausschau gehalten. Er weiß genau: Eines Tages wird er wieder zurückfinden! Nun ist der Augenblick gekommen. In der Ferne sieht er einen herankommen, der aussieht wie eine Mischung zwischen Bettler und Verbrecher. Der Vater weiß sofort: Das ist mein Sohn!

Er läuft ihm entgegen, er fällt ihm um den Hals, ehe der Sohn noch vor dem Vater niederknie kann. Er küßt ihr, um ihm sofort deutlich zu machen: Du bist noch mein Sohn! Die Vaterliebe überwindet alles, die Schuld ist mit einem Schlag weggewischt.

Der Sohn aber schreit all seine Schuld heraus: „Vater, ich habe gesündigt gehen Gott und gegen dich. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden!“ Weiter läßt ihn der Vater nicht reden. Er kann nicht sagen: „Mache mich zu deinem Tagelöhner!“ Der Vater hat das Schuldbekenntnis gehört,  jetzt handelt er nur noch, jetzt muß allen deutlich gemacht werden, daß dieser noch sein Sohn ist.

Der Vater dreht sich um und ruft einem Arbeiter zu: „Bring schnell das Ehrenkleid, was wir für hohe Gäste im Schrank haben und zieh es ihm an!“ Gib ihm auch den Siegelring unserer Familie an die Hand! Und Sandalen braucht er auch wie jeder freie Mann! Und dann laß das Mastkalb schlachten und bereitet alles für ein Fest vor. Wir wollen essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden worden!“

Die Tür zum Vaterhaus öffnet sich wieder, der Sohn geht mit dem Vater ins Haus. Ihm ist vergeben, der Vater hat ihn lieb wie eh und je. Er wird wieder in die Tisch­ge­mein­schaft aufgenommen und alles ist wieder gut. Der Sohn ist wieder auf dem richtigen Weg.

 

Antwortgespräch:

Ob die Pharisäer verstanden haben, was Jesus ihnen mit dem Gleichnis sagen wollte? Man muß eher annehmen, sie haben ihn nicht verstanden, weil sie ihn nachher haben kreuzigen lassen. Wir wollen aber die Pharisäer nicht gleich verurteilen. Sie bezeichneten ja Menschen als Sünder, die sich tatsächlich schwere Verfehlungen gegen Gottes Gebote und die Gesetze der Menschen hatten zuschulden kommen lassen. Nur wenn sie sich deutlich änderten, konnten sie wieder Zugang zu Gott finden. Wie hätte euer Vater reagiert? Er hätte euch aufgenommen, aber geschimpft. Wie seht ihr das?

Jesus aber nimmt sie in seine Gemeinschaft auf, ohne daß man Anzeichen einer solcher Lebensänderung erkennen kann. Damit stellt er sich nach Meinung der Pharisäer den Sündern gleich. Wenn er so ein besonders enges Verhältnis zu Gott hat, kann er sich nicht mit Sündern abgeben, die ausgerechnet noch am weitesten von Gott entfernt sind.

Jesus will ihnen deutlich machen: Gott muß euch nicht lieber haben als die Sünder. Er freut sich auch über einer Sünder, der umkehrt. Und ihr solltet euch mitfreuen, daß so etwas möglich ist! Mit dem Gleichnis gibt Jesus eine Antwort auf die Vorwürfe der Frommen. Er will sie dadurch in Übereinstimmung mit ihm bringen.

Jesus kann dieses Gleichnis ja nur erzählen, weil er durch sein Tun und sein Wort den Sündern tatsächlich vergibt. indem er mit den Sündern verkehrt, versöhnt er sie mit Gott. Das Gleichnis macht deutlich, wer Jesus für die Menschen ist : Er ist die  Tür zum Vaterhaus! In Jesus neigt sich der Vater im Himmel allen verlorenen Söhnen zu. Jesus führt sie in die Gemeinschaft mit dem Vater zurück.

Haben wir denn verstanden, was Jesus will und von uns erwartet? Sind wir nicht selber auch solche verlorenen Söhne? Jeder denkt doch: „Wenn ich erst groß bin, dann...!“ Dann bin ich endlich selbständig, kann selber bestimmen, kann tun, was ich will und kann mir alle Wünsche erfüllen. Dabei denken wir: Ohne Gott  kann man viel besser leben, man braucht ihn gar nicht zum Leben. Und dann laufen wir auch davon. Erst wollen wir nicht beten und dann können wir es nicht mehr. Weil wir nicht mehr zum Gottesdienst gehen, hören wir des Vaters Stimme nicht mehr und können sie schließlich auch gar nicht mehr verstehen.

So gibt es heute viele Menschen, die sich nicht um  Gott kümmern und nichts von ihm wissen wollen. Doch wenn dann einmal einer zum Gottesdienst oder zu einer kirchlichen Veranstaltung kommt, machen wir es dann nicht auch oft so wie die Pharisäer und sagen:“Du hast hier gar nichts zu suchen!“ Sind wir wirklich besser als die anderen? Gott freut sich über jeden, der zu ihm kommt, weil er alle Menschen liebhat.

So müssen alle zur Kenntnis nehmen, daß der Sohn wieder nach Hause gefunden hat. Als er wegging, war es für ihn ein „Abschied für immer“. Seine Heimkehr bedeutet nun das Geschenk eines neuen Lebens. Er findet etwas wieder, was er unwieder­bringlich verloren geglaubt hat.  Aber im Grunde hat nicht er wieder zurückgefunden, sondern der Vater hat immer die Arme nach ihm ausgestreckt und auf ihn gewartet, daß er kommt.

 

Antwortgespräch:

Ein solcher verlorener Sohn war auch der Dichter Heinrich Heine. Im Vorwort zu seinem „Romancero“ bekennt er: „Seit ich selbst der Barmherzigkeit Gottes bedürftig, habe ich allen meinen Feinden Amnestie erteilt. Manche schöne Gedichte... wunden deshalb in vorliegender Sammlung nicht aufgenommen. Gedichte, die nur halbwegs Anzüglichkeiten gegen der lieben Gott selbst enthielten, habe ich mit ängstlichem Eifer den Flammen überliefert.

Es ist besser, daß die Verse brennen, als der Versemacher. Ja, wenn mit der Kreatur, habe ich auch mit dem Schöpfer Frieden gemacht, zum größter Ärgernis meiner aufgeklärten Freunde, die mir Vorwürfe machten über dieses Zurückfallen in den alten Aberglauben, wie sie meine Heimkehr zu Gott zu benennen beliebten

Ja, ich bin zurückgekehrt wie der verlorene Sohn, nachdem ich lange Zeit bei den Hegelianern (= eine Philosophenschule) die Schweine gehütet! Meine religiösen Überzeugungen und Ansichten sind freigeblieben vor jeder Kirchlichkeit; kein Glockenklang hat mich verlockt, keine Altarkerze mich geblendet. Ich habe mit keiner Symbolik gespielt und meiner Vernunft nicht ganz entsagt!

 

Der Dichter Wolfgang Borchert schrieb mit 26 Jahren kurz vor seinem früher Tod das Stück „Draußen vor der Tür“. Es handelt von der größten Not eines Menschen, der heimkehren möchte und doch nicht heimkehren kann, weil ihm alle Türen verschlossen sind. Der Ausgang des Stückes ist erschütternd: Der Heimkehrer erwacht zum Schluß aus einem langen, qualvollen Traum, und mit den folgenden Worten schließt das Stück:

„Und du - du sagst ich soll leben! Wozu? Für wen? Für was? Hab ich kein Recht auf meinen Tod? Hab ich kein Recht auf meinen Selbstmord? Soll ich mich weiter morden lassen und weiter morden? Wohin soll ich denn? Wovon soll ich leben? Mit wem? Für was? Wohin sollen wir denn auf dieser Welt? Verraten sind wir! Furchtbar verraten! Wo bist du, Anderer? Du bist doch sonst immer da! Wo bist du jetzt, Jasager? Jetzt antworte mir! Jetzt brauche ich dich, Antworte!  Wo bist du denn? Du bist ja plötzlich nicht mehr da! Wo bist du Antworter, wo bist du, der mir den Tod nicht gönnte!  Wo ist denn der alte Mann, der sich Gott nennt? Warum redet er denn nicht!

Gebt doch Artwort! Warum schweigt ihr denn? Warum? Gibt denn keiner Artwort? Gibt denn keiner Artwort??? Gibt denn keiner, keiner Antwort ???

Diese letzten Worte werden vor der Bühne her ins Publikum hineingerufen, ja hineingeschrien. Dann ist das Stück zu Ende - der Vorhang fällt. Es ist eigentlich ein grauen volles Stück. Aber wenn sich keine Tür für einen Heimkehrer auftut, dann ist das die größte Finsternis, dann ist das die Hölle.

 

 

Der zweite verlorene Sohn: Lk 15, 26 - 32

Hinführung:

Jedes Haus und jede Wohnung hat eine Tür. Verschlossene Türen  müssen aufgetan werden, wenn wir hineinwollen. Zu den meisten Türen haben wir ja keinen Schlüssel. Deshalb müssen sie von innen aufgetan werden. Wir müssen darum bitten, daß sie aufgetan werden. Wer Türen gewaltsam öffnet, ist ein Einbrecher.

Es ist nicht gleichgütig‚ durch welche Tür man geht. Kinder lernen sehr schnell, welches die nichtige Tür zum Vaterhaus ist. Sie erfahren auch sehr schnell, daß ihnen diese Tür immer aufgetan wird. Das furchtbarste, das einem Kind widerfahren könnte; wenn es nicht mehr heimkommen könnte, wenn die Tür verschlossen wäre. Es wäre heimatlos und verstoßen und würde in großes Elend geraten („Elend“ = Ausland).

Auch für Erwachsene ist es schlimm, wenn sie vor verschlossenen Türen stehen, wenn niemand etwas mit ihnen zu tun haben will und alle Türen verschlossen bleiben. Es ist schlimm, wenn man draußen vor der Tür steht. Wolfgang Borchert hat in seinem Stück „Draußen vor der Tür“ die Erlebnisse eines Kriegsheimkehrers geschildert, den niemand haben will.

Türen verschließen sich aber niemals von selbst. Es sind immer Menschen, die das tun. Hinter jeder verschlossenen Tür steht ein Mensch. Warum verschließt er die Tür? Warum halten wir unsere Türen nicht Tag und Nacht offen? Es gibt Länder, da ist so etwas möglich! Wir aber wissen, daß keiner dem anderen trauen  kann. Es gibt viel Schlechtigkeit in der Welt, so daß wir voreinander die Türen verschließen müssen. So sieht es eben aus in der Welt, wir brauchen eben eine Versicherung gegen Diebstahl.

Dieses Mißtrauen aber hat seinen Sitz im Menschenherzen. Dort wohnen Neid und Haß, Lüge und Verrat. Und weil sie dort wohnen, ist die „Tür des Herzens“ oft ver­schlossen. Die Stimme des Mitmenschen kann gar nicht mehr hineindringen. Selbst das Herz des Kindes kann sich schon verschließen, so daß es nicht mehr auf die Worte des Vaters oder der Mutter hört. Wieviel Leid und Tränen gibt es in der Welt, weil die Türen unserer Herzen verschlossen sind.

Wie groß sind aber das Glück und die Freude, wenn sich eine Herzenstür wieder auftut und ein Mensch Vertrauen findet.  Wir Christen müssen die Tür immer auftun. Wir müssen antworten, wenn einer draußen steht und uns fragt. Die Antwort übernehmen wir von Jesus. Er hat auch eine Geschichte vor einer Tür erzählt.

 

Erzählung:

Bei dem Fest, das der Vater für den heimgekehrten Sohn gab, fehlte einer: der älteste Sohn! Er war noch draußen auf dem Feld bei der Arbeit. Jetzt kommt er heim. Erstaunt hebt er den Kopf, als er den Hof betritt. Hört er recht? Aus dem Haus dringt laute Musik. Sofort wird er mißtrauisch. Welchen Grund wird der Vater wohl haben zu einem solchen Fest? Ihm ahnt nichts Gutes.

Als er draußen auf dem Feld gepflügt hat, war er noch so glücklich und zufrieden gewesen. Es war zwar alle Jahre dasselbe: Immer Pflügen -Säen -Ernten, immer die gleiche Arbeit und immer dasselbe Leben daheim auf dem väterlichen Hof. Er hat es sich nicht leicht gemacht im Leben. Aber der Lohn würde nicht ausbleiben: Einmal würde ihm alles gehören, der Hof, die Felder, die Wiesen, die Wälder - ihm ganz allein! Der Bruder ist ja fort. Wer weiß, wo er jetzt ist. Sein Erbteil hat er ja schon ausgezahlt bekommen. Wenn er sein Geld inzwischen verliedert hat, ist das seine Sache. Aber hier jedenfalls hat er nichts mehr zu suchen.

Was ist nur los, daß sie jetzt im Haus so laut feiern? Er ruft einen Arbeiter herbei: „Was hat das denn zu bedeuten?“  Der Mann ist etwas verlegen. Er sagt: „Dein Bruder ist nach Hause gekommen. Dein Vater hat sich so darüber gefreut, daß er gleich ein großes Fest für alle veranstalten läßt. Alle sollen sich mitfreuen. Er hat auch das Mastkalb schlachten lassen! 

Da langt es dem älteren Sohn aber. Jetzt geht er erst recht nicht hinein. Zorn und Wut steigen in ihm hoch. Da war er, der „Brave“ all die ganzen Jahre über der Dumme: Er ist beim Vater geblieben und hat sich ihm untergeordnet. Soll das nun

der Lohn dafür sein? Ärgerlich sagt er zu dem Arbeiter: „Was sagst du da: Mein Bruder? Ich habe keinen Bruder!“ Erschrocken sieht der Mann ihn an. Wie sich sein Gesicht plötzlich geändert hat!  Man muß sich ja fürchten vor ihm. Blaß und häßlich ist er geworden in seinem Zorn.

„Was stehst du noch hier und gaffst mich an? Nimm die Ochsen und mach, daß du fortkommst  Ich will nichts mehr hören. Und erst recht will ich nichts sehen von dem, was da drinnen los ist. Unter dieser Umständen verzichte ich lieber und bleibe draußen!“

Er bemerkt gar nicht, wie gestraft und geschlagen der Bruder ist. Er sieht nicht, wie gut er es all die Jahre beim Vater gehabt hat. Doch jetzt ist er dem Vaterhaus selber fremd geworden. Jetzt wird deutlich, daß Dienen und Gehorchen ihm eine harte Last war.

Doch der Vater hat ihn genauso lieb. Er steht schon in der Tür und wartet auch auf den älteren Sohn. Er hat nicht einen Arbeiter geschickt, sondern er kommt selber. Aus der Helle des Hauses tritt er hinaus, um auch den anderen Sohn aus der Dunkelheit zu holen. Er kennt auch die Not dieses Sohnes: Er hat die Herzenstür vor seinem Bruder verschlossen.  Aber der Vater wird nicht zornig, sondern er bittet den Sohn freundlich.

Der Vater bittet ihn: „Komm doch herein, mein Sohn! Ich bitte dich darum, ich, dein Vater!“ Muß sich der Sohn nun nicht schämen vor seinem Vater. Er schimpft ihn nicht, sondern er bittet ihn. Aber was muß er von seinem älteren Sohn hören. Nicht einmal die Anrede „Vater“ darf er hören.

Der Sohn sagt nur: „Jahraus, jahrein habe ich fleißig für dich gearbeitet . Ich habe dir gedient und nichts von deinen Gütern vertan. Mein ganzes Leben war nichts als Arbeit und Mühe. Freude und Fröhlichkeit habe ich nicht gekannt. Nichts habe ich mir gegönnt. Kein Fest, kein Mastkalb, niemals eine Freude!“ So klagt er den Vater an .Er rechnet nur mit Leistung und Gegenleistung, nicht mit Liebe. Er ist zwar immer zu Hause gewesen, aber innerlich war er vom Vater getrennt, er war auch ein verlorener Sohn.

Doch es geht gleich weiter: „Jetzt aber ist dein sauberer Herr Sohn nach Hause gekommen. Er hat dein Geld vertan und es mit liederlicher Weibern verjubelt. Jetzt kommt er heim und es wird ihm gleich alles geboten: Musik und Tanz, Essen und Trinken, Fröhlichkeit und Jubel im ganzen Haus!“

Der Vater sieht seinen Sohn lange an. Er schweigt zu den Anklagen, er macht dem Sohn keine Vorwürfe. Aber es tut ihm weh, daß der ihn nicht verstehen will. Er will ihm doch auch helfen! Im Haus herrscht Freude über den heimgekehrten Sohn. Und hier steht nun der Bruder und hat vergessen, daß er Sohn und Bruder ist. „Dein Sohn“ hat er gesagt, nicht „mein Bruder“.

Doch nun redet ihn der Vater doch liebevoll an: „Mein liebes Kind, du bist allezeit  bei mir gewesen. Alles was mein ist, das ist auch dein. Du solltest auch fröhlich sein und dich freuen. Denn dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden worden!“ Aber hat er hat das nicht selbständig gemacht, sondern Gott hat ihn wieder zurückgeführt. Der Vater sagt wieder „dein Bruder“ und er lädt damit den älteren Sohn ein, ihn doch auch wieder als Bruder anzuerkennen und sich mit den anderen zu freuen.

Der Schluß der Geschichte ist nicht erzählt. Ist der Sohr nun hineingegangen oder nicht? Wären wir hineingegangen? Stehen wir nicht vor der gleichen Entscheidung? Auch uns lädt der Vater ein. Die Hauptperson ist der Vater. Um seine Liebe zu den beiden Söhnen geht es. Das Hauptgewicht liegt auf dem zweiten Sohn, der zur Freude über die Heimkehr des verlorenen Sohnes eingeladen werden soll. Oder noch besser gesagt: Es geht um den barmherzigen Vater und seine beiden verlorenen Söhne!

 

Mit der zweiter Hälfte des Gleichnisses hält Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrter einen Spiegel vor. In dem zweiten Sohn sollen sie sich selber erkennen. Sie wollen sich ja auch nicht mitfreuen über die Aufnahme der Verlorenen.

Wir denken doch auch: So wie es der Vater in Gleichnis macht, so macht es doch kein Mensch! Kein verantwortlich handelnder Vater gibt seinem Sohn die Selbständigkeit, wenn dieser sie noch gar nicht gebrauchen kann. Kein irdischer Vater kann es sich leisten, seinem urgehorsamer Sohn in so schrankenloser Weise  entgegenzukommen!

Jesus aber übernimmt das Bild nicht, das die Pharisäer von Gottes Verhalten gegenüber dem Sünder hatten. Gott läßt die Menschen ihre eigenen Wege gehen, auch wenn diese in die Sünde und Gottferne führen. Im Grunde sind wir alle solche „verlorene und verdammte Menschen“(Erklärung zum 2..Artikel). Aber wir dürfen immer wieder heimkehren zu Gott. 'So groß ist seine Güte.

Diese Güte sollen auch die Pharisäer gern annehmen, für andere und für sich. Jesus weiß, wie sehr sie sich bemühen, fromm zu leben: Sie verzehren sich im Dienst für den Vater. Aber sind sie wirklich in der Gemeinschaft mit dem Vater geblieben? Ist ihre Frömmigkeit nicht zum Selbstzweck geworden? Sie dienen Gott in der Hoffnung, dadurch Ehre vor den Menschen und Lohn bei Gott zu finden. Deshalb empfinden sie die Vergebungsbereitschaft Gottes als Ungerechtigkeit. Sie freuen sich nicht mit, wenn der Verlorene zum Vater zurückkehrt und wieder angenommen wird. Deshalb murren sie auch, wenn Jesus als Zeichen der Liebe Gottes zu der Sündern ihnen seine Gemeinschaft gewährt.

Gott aber geht diesen murrenden Frommen mit der gleicher Liebe nach wie dem Menschen, der sich erst im Elend an seine Liebe erinnerte und zu ihm heimkehrte. Auch wenn die Erinnerung unter schwerer äußerer Not erwachte, bleibt sie doch die Erinnerung an Gott. Aus dieser Erinnerung an Gottes Güte kann ja erst nichtig die Umkehr erwachsen. Daß es diesen Weg der Umkehr gibt und er sogar der allein richtige ist, das sollen die Pharisäer erkennen. Und wir sollen es mit ihren erkennen, die wir doch auch oft kleine Pharisäer sind und uns etwas auf unseren Glauben und unsre Frömmigkeit einbilden wollen. Bei Gott zählt das nicht.  Aber wer zu ihm kommen will, der darf zu ihm kommen.

 

Antwortgespräch:

Mit der zweiten Hälfte des Gleichnisses hält Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrtem einen Spiegel vor. In dem zweitem Sohn sollen sie sich selber erkennen. Sie wollen sich ja auch nicht mitfreuen über die Aufnahme der Verlorenen.

Wir denken doch auch: So wie es der Vater im Gleichnis macht, so macht es doch kein Mensch! Kein verantwortlich handelnder Vater gibt seinem Sohn die Selbständigkeit, wenn dieser sie noch gar nicht gebrauchen kann. Kein irdischer Vater kann es sich leisten, seinem ungehorsamen Sohn in so schrankenloser Weise entgegenzukommen!

Jesus aber übernimmt das Bild nicht, das die Pharisäer von Gottes Verhalten gegenüber dem Sünder hatte. Gott läßt die Menschen ihre eigenen Wege gehen, auch wenn diese in die Sünde und Gottferme führen.  Im Grunde sind wir alle solche „verlorene und verdammte Menschen“ (Erklärung zum 2. Glaubensartikel). Aber wir dürfen immer wieder heimkehren zu Gott, so groß ist seine Güte.

Diese Güte sollen auch die Pharisäer gern annehme, für andere und für sich. Jesus weiß, wie sehr sie sich bemühen, fromm zu lebe; sie verzehren sich im Dienst für den Vater. Aber sind sie wirklich in der Gemeinschaft mit dem Vater geblieben? Ist ihre Frömmigkeit nicht zum Selbstzweck geworden? Sie dienen Gott in der Hoffnung,

dadurch ihre Ehre vor den Menschen und den Lohn bei Gott zu finden. Deshalb

empfinden sie die Vergebungsbereitschaft Gottes als Ungerechtigkeit.  Sie freuen sich nicht mit, wenn der Verlorene zum Vater zurückkehrt und wieder angenommen wird.  Deshalb murren sie auch, wenn Jesus als Zeichen der Liebe Gottes zu den Sündern ihnen seine Gemeinschaft gewährt.

Gott aber geht diesen murrenden Frommen mit der gleichen Liebe nach wie dem Menschen, der sich erst im Elend an seine Liebe erinnerte und zu ihm heimkehrte. Auch wenn die Erinnerung unter schwerer äußerer Not erwachte, bleibt sie doch die Erinnerung an  Gott. Aus dieser Erinnerung an Gottes Güte kann ja erst nichtig die

Umkehr erwachsen. Daß es diesen Weg der Umkehr gibt und er sogar

der allein richtige ist, das sollen die Pharisäer erkennen. Und wir

sollen es mit ihnen erkennen, die wir doch auch oft kleine Pharisäer sind und uns etwas auf unseren Glauben und unsere Frömmigkeit einbilden. Bei Gott zählt das nicht.  Aber wer zu ihm kommen will, der darf zu ihm kommen.

 

Bildbetrachtung:

Der Vater ist aus dem Haus herausgetreten. Er steht auf der Schwelle zur Tür, die weit offen ist. Es ist ganz hell im Haus des Vaters, denn wo Freude herrscht, da kann es keine düsteren Farben geben. Der Vater hat die Arme weit ausgebreitet. Man hat den Eindruck, als spräche er: „Kommt her zu mir, meine Söhne!“

Der eine Sohn geht  auch hinein aus der Finsternis ins Licht. Er hat in Demut den Kopf gesenkt, obwohl doch große Freude herrscht..Er war weit weg vom Vater. Aber nun hat ihm der Vater wieder seine Rechte und seine Ehre gegeben. Jetzt erst ist er wieder lebendig geworden.

Der ältere Sohn aber steht draußen vor der geöffneten Tür. Trotzig und hochmütig hat er sein Haupt  erhoben. Er ist empört über die Ungerechtigkeit des Vaters. Während der Vater seine Hände einladend über beide Söhne hält, hat der ältere Sohn seine  rechte Hand bei sich verborgen. Er hat dem Bruder nicht die Hand gegeben und kann darum auch nicht die Hand des Vaters ergreifen. Seine  linke Hand  ist im Zorn zur Faust geballt. Sie sieht aus, als sei sie verkrampft, weil er darin etwas festhalten will. Er kommt wohl von den guten Werken, die er getan hat, nicht los. Sie sind ihm mehr wert als die Liebe des Vaters. Man kann nur dafür bitten, daß ihm Herz und Hände geöffnet werden.

Der Vater wartet ja darauf. Seine Gestalt erinnert an den gekreuzigten Jesus. Gott war in Christus. In Christus ist er aus dem Vaterhaus herausgekommen und hat die Tür geöffnet. Jeder darf hinein, der sich nicht an ihm ärgert. Jesus hat ja gesagt: „Ich bin die Tür!“ (Joh 10,9).

Für uns ist sein Wort die Tür zum Leben und zur ewiger Freude. In der Kirche hören wir davon. Die dargestellte Tür sieht wie eine Kirchentür aus. Die Gottes Wort hören, gehen durch diese Tür. Sie versöhnen sich untereinander, sie werden zu Brüdern und gehen gemeinsam durch die offene Tür des Vaters. In  der Kirche wird Gottes Wort verkündet. Die sein Wort hören werden zu Brüdern und gehen gemeinsam durch die offene Tür des Vaters. So breitet der Vater seile Arme aus und wartet darauf, daß wir zu ihm kommen als seine  Kinder.

Aber nicht alle gehen durch diese Tür. Weshalb ist es denn so schwer, durch diese Tür hindurchzugehen? Was hält uns „draußen vor der Tür“ und läßt uns nicht hineingehen? Der Vater wartet doch darauf, daß alle seine Kinder kommen. Mancher ärgert sich eben darüber, daß wirklich alle kommen dürfen .Sie sagen: „Wenn so ein Lump zum Gottesdienst geht, dann gehe ich nicht. Mit dem setze ich mich nicht in

eine Bank!“

Wird aber die Tür immer offen bleiben? Könnte es nicht auch einmal heißen: „Jetzt Ist es zu spät!“ Wir dürfen auch die Gnade Gottes nicht verschleudern. Richtig ist es, wenn wir ihn bitten: „Herr, öffne mir die Herzenstür!“ (Gesangbuchlied).

 

Ein Vater ging einmal mit seinem Sohn in die Kirche. Es war kein Gottesdienst, sie wollten sich nur das Gebäude ansehen. Vorne vor dem Altar blieben sie stehen. Der Junge betrachtete eingehend das Kruzifix, das Kreuz, an dem Jesus hängt. Der Junge fragt: „Vater, was macht denn der Mann dort?“ Der Vater weiß im ersten Augenblick nicht, was er sagen soll. Wie will er auch einem kleinen Jungen klarmachen, was eine Kreuzigung bedeutet.  Aber der Junge hat inzwischen schon selber eine  Antwort gefunden. Er sagt: „Jetzt weiß ich's: Der macht „Komm in meine Arme!“

Das war  eine schöne Antwort. So etwas kannte er von seinem eigenen Vater, wie der die Arme ausbreitet und sein Kind in die Arme nimmt. Vielleicht hat er auch schon die Erfahrung  gemacht, wie schön es ist, wenn man böse war und der Vater oder die sagt doch wieder: „Komm in meine Arme!“

 

Der Sohn des verlorenen Sohnes

Ich habe keinen Glauben und keine Heimat. Ich bin in der Fremde geboren und erwarte nicht, daß jemand in einem fernen Vaterhaus auf mich wartet. Ich habe mich nicht von meinem Vater losgesagt, sondern er hat meine Mutter schon sehr bald verlassen. Ich kenne ihn nicht, er kennt mich nicht. Meine Mutter spricht gut von ihm. Sie bewahrt ein paar Erinnerungsstücke auf. Wir kennen den Acker, auf dem er die Säue hütete. Aus dem, was ich weiß, ergeben sich die Fragen: „Warum war mein Vater daheim weggegangen? Warum denkt er nicht mehr an die Menschen, die ihm in seiner Not nahe standen? Welches Verhältnis hat er zu seinem Vater?“

Meine Mutter hat mich ordentlich erzogen. Ich war freilich viel auf mich allein gestellt und mußte mir von Anfang an selbst helfen. Mutter kennt nur Arbeit. Ich habe einen Beruf erlernt, den ich nicht liebe, aber - wie ich meine - ordentlich ausübe. Ich verdiene angemessen, doch muß ich gestehen, daß ich nicht zufrieden bin. Mein Bruder kennt keine Probleme, er kennt seinen Vater. Ich bin manchmal, wenn es ruhig ist. unruhig. Woran soll ich glauben?

Was ist das überhaupt, glauben? Mutter sagt, solche Fragen zu stellen, hätte ich nicht von ihr. Hat Vater sie gestellt oder konnte er sie gar beantworten? Wenn er doch sagte: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Sohn gehen! Er muß doch noch wissen, wie das ist ohne Vater!“ Oder meint er, mir die Fremde sowieso nicht ersparen zu können; wenn schon, dann besser gleich?

Ich gestehe, es ist nicht leicht, so zu leben, wie ich es muß. Vater kannte seine Heimat, und als er sich davon getrennt hatte, konnte er zurückkehren. Ich werde immer auf der Suche bleiben, wahrscheinlich weniger nach ihm, als nach einem echten Ersatz.

So weit, liebe Leser, diese Beichte.  Sie werden zugeben müssen, sie ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Beinahe eine ganze Generation könnte so reden. Natürlich behält das Gleichnis vom verlorenen Sohn seine Wahrheit. Es ist unentbehrlich und unübertrefflich. Es wird die in den beiden Söhnen dargestellten Menschen in ihrem Verhältnis zu Gott immer geben.

Doch es gibt noch andere, die Söhne des verlorenen Sohnes. Sie sind nie aus der Kirche ausgetreten, weil sie nie zur Kirche gehörten. Falls sie noch getauft waren, wunden sie nicht in einer christlichen Heimat groß. Sie haben sich nie von Gott losgesagt, denn sie waren nie bei ihm, kennen ihn nicht. Sie stehen ihren Mann, beißen sich durch, haben Vorzüge und Nachteile. Sie bevölkern die Sportplätze, liegen in Krankenhäusern, sind nüchterne Rechner und Fernsehnormalverbraucher, sie streiten und helfen, ohne das alles mit Gott auch nur in Verbindung zu bringen. Sie beneiden uns nicht. Sie halten unseren Glauben für einen überflüssigen Luxus wie das Rauchen, eher schädlich als gut. Ihre Zahl wächst.

Was sollen wir tun? Vorüber ist die Zeit der großen Volksmissionare. Sie erreichten noch verlorene Söhne. Vorüber ist die Zeit der großen Kirchentage. Sie waren für viele so etwas wie ein Familientreffen. Vorüber ist die optimistische Meinung, die paar Abgefallenen schaffen wir schon. Statt dessen hat mancherorts müde Enttäuschung um sich gegriffen. Nicht vorüber sind die Versuche, wissenschaftlich durchdachte, originelle Einzelbeispiele, aus der Ökumene importierte, im Team erarbeitete, die Söhne des verlorenen Sohnes nicht verloren bleiben zu lassen. Sie dürfen auch nicht vorüber sein. Die naiv klingende Frage: „Wie würde sich der verhalten, der gekommen ist, die Verlorenen zu suchen?“ ist gut. Ihre Beantwortung darf uns keine Ruhe lassen.

Zwei Überlegungen mögen hilfreich sein. Gott ist kein Großvater. Wir reden von Menschen, für die er es zu sein scheint. Doch wie ehemals die Heiden nicht erst Juden werden mußten, um Christen zu werden, so müssen diese Söhne des verlorenen Sohnes nicht erst die Generation finden, die noch Erfahrung mit Gott gemacht hat, ehe sie dahinter dann Gott selbst entdecken können. Das bedeutet sogar, daß ein in der Fremde Geborener nicht erst in der Kirche heimisch sein muß, bevor er es bei Gott sein kann. Das Wort des Kirchenvaters: „Wer die Kirche nicht zur Mutter hat, kann Gott nicht zum Vater haben!“ gilt so nicht mehr. Die Mutter Kirche befindet sich in den Wechseljahren. Der Sohn des verlorenen Sohnes ist Gottes Kind, nicht sein Enkel. Was dieser Heimatlose sucht, ist Gott selbst, nicht einen, der ihm Gott vermittelt..

Dies führt zum zweiten: Es ist ganz verständlich, daß man jetzt immer wieder fragt, wie kann heute recht von Gott geredet werden? Die Skala der Antworten ist bekanntlich sehr groß. Sie reicht von: „Wie bisher auch!“ über: „Gott ist Mitmenschlichkeit!“ bis zu: „Gott ist tot!“ Ein Wegweiser nach ganz verschiedenen Richtungen mit der gleichen Aufschrift. Der arme Fremde! Der arme Sohn des verlorenen Sohnes! Werden die, denen seiner jammert, ihm die Klarheit geben können, daß eins not ist? Jesus hat liebevoll und ernst, lockend und persönlich von Gott geredet. Das sollen wir auch, aber dazu so, daß es Antwort gibt auf unsere heutigen Fragen.

Und die lauten für viele anders als zur Zeit Jesu. Nicht: „Wie finde ich zurück zum Vater?“ sondern: „Gibt es überhaupt Gott als Vater?“ Gerade junge Menschen können nicht einfach erinnert werden an etwas, das sie aufgegeben haben, vielmehr müssen ihnen ihre selbstgemachten Götter in Technik, Sport oder Sex zerstört werden, um den lebendigen Gott an ihre Stelle zu setzen. Daß dies in Wahrheit nur der Heilige Geist vermag, erwähne ich nur nebenbei. Die Bitte um diesen Geist darf nicht nur nebenbei geschehen.

Die folgende Veränderung des Gleichnisses lesen Sie recht, wenn Ihnen damit ein Spiegel vorgehalten wird: Eine Mutter hatte zwei Söhne. Der ältere unter ihnen, der uneheliche, sprach zu der Mutter: „Gib mir, Mutter, das Foto und die Briefe von meinem Vater!“ Und sie gab sie ihm. Und nicht lange danach sammelte der ältere Sohn alles zusammen und zog ferne über Land.

Da fand er einen Menschen, der aussah wie sein Vater und er redete, wie sein Vater schrieb. Und er ging hin und hängte sich an ihn und begehrte, heimisch zu werden. Aber das Haus wunde renoviert, und es konnte keine Einigung mit den Handwerkern erzielt werden. Er aber begehrte, heimisch zu werden, doch niemand half Ihm: Da schlug er in sich und sprach: „Wieviel problemloser leben die Menschen in der Umgebung meiner Mutter! Ich will mich aufmachen und zu meiner Mutter gehen und zu ihr sagen: Mutter, meine Sehnsucht war Unsinn!“ Und er machte sich auf und kam zu seiner Mutter. Die ersparte ihm alle Worte und sagte: „Ich weiß, du wolltest heim zu deinem Vater. Aber wer kann das? Komm, arbeite weiter. Und sie fingen an zu produzieren!“

Aber der jüngere Sohn, der eheliche, war auf einem Fest. Als er nun am Morgen nach Hause kam, hörte er den Maschinenlärm und fragte, was das wäre. Da sagte man ihm: „Dein Bruder ist gekommen, und deine Mutter hat ihn gleich in die Werk­statt geschickt!“ Da wunde er verlegen und wollte nicht hineingehen. Da ging seine Mutter heraus und sprach: „Siehe. dein Bruder wollte zu seinem Vater, aber er hat ihn nicht gefunden. Wie fleißig ist er gleich wieder! Du mußt immer mein Gebot übertreten und mit deinen Freunden fröhlich sein. und was wir verdienen, mit Dirnen verprassen. Er aber sprach zu ihr: „ Mutter, das ist mein gutes Recht. Ich kenne doch meinen Vater!“ (H. L.= Hans Lieberknecht?).

 

 

Der barmherzige Samariter: Lk 10, 25 - 37

Einstieg: Geschichte vor Joachim Schöne „Dieteldatsch“ (siehe Beilage)

Ähnlich war es mit der Versuch der Verkehrspolizei: Man hatte einen Unfall vorgetäuscht, ein Auto lag im Straßengraben, ein Verletzter in der Nähe. Es fuhren viele Autos vorbei, aber keiner hielt an. Erst der 27. Autofahrer kümmerte sich um den Verletzten? Wäre das bei uns auch so?

 

Rahmenerzählung:

Als Jesus einmal die Heilige Schrift in einem Gotteshaus auslegte, stand ein Schriftgelehrter auf und fragte ihn. Er kennt ja die Schrift gut und will nur sehen, ob Jesus auch in ihr Bescheid weiß und sie richtig auslegt.

Er fragt: „Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe!“ Das ist eine gute Frage. Heute fragt kaum noch jemand danach, wie er leben soll, so daß das Leben einen Sinn hat und man zu Gott kommt. Aber an sich müßte der Schriftgelehrte ja die Antwort auf die Frage kennen, denn in der Heiligen Schrift steht ja, daß man dazu die Gebote einhalten muß.

Der Schriftgelehrte aber will Jesus auf die Probe stellen: Sagt er etwas anderes, als es im jüdischen Gesetz niedergelegt ist, dann ist er ein Ketzer. Sagt er aber das Gleiche, dann ist er nicht mehr als jeder andere Gesetzeslehrer auch, weil er ja nur das sagt, was längst bekannt ist.

Jesus verweist ihn auch in der Tat auf das Gesetz und sagt: „Was steht denn im Gesetz geschrieben?  Wie liest du?“ Und der Schriftgelehrte kennt seine Bibel auch gut und antwortet: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben, und deinen Nächsten wie dich selbst!“ Jesus lobt ihr für diese Antwort und sagt: „Tu das nur, so wirst du leben!“

Jesus stimmt also voll und ganz mit dem Gesetz Gottes überein. Er kennt die Verbindung vor Gottesliebe und Menschenliebe, das sogenannte „Doppelgebot der Liebe“ aus dem Gottesdienst und sagt hier eigentlich auch nichts Neues. Er betont nur sehr, daß man dieses Gebot auch tun muß. Ob man das ewige Leben erlangt, hängt vom Lebensvollzug und vom Verhalten des Menschen ab.

Aber auch darin stimmt der Schriftgelehrte mit ihm überein. Aber er fragt weiter: „Wer ist denn mein Nächster, wer ist denn mein Mitmensch?“ Damit fragt er danach, ob er alle Menschen lieben muß oder ob die Liebe nicht eine Grenze hat.

Wir würden wohl auch sagen: „Mein Nachbar und mein Freund, die sind meine Nächsten. Vor allem die Menschen, die mir helfen. Und genauso hatten die Juden auch einer  Katalog  aufgestellt, wer denn zu den Mitmenschen, zu den „Nächsten“ gehört: Die Familienmitglieder, die Nachbarn, die Bekannten, die Angehörigen des eigenen Volkes und die Glaubensgenossen. Nicht dazu gehörten die Fremden und die Feinde.

Jesus aber macht diese Einteilung nicht          mit. Deshalb erzählt er eine Geschichte, die an einem Beispiel erläutert, was man tun soll, wenn man die Gebote Gottes und besonders das Doppelgebot der Liebe einhalten will.

In dieser Geschichte kommen verschiedene Personen vor, die ich zunächst einmal nennen will: Ein Mann, dessen Namen nicht genannt wird und dem etwas passiert. Ein Priester, der im Tempel von Jerusalem die Gottesdienste geleitet hat und die Tieropfer vollzogen hat. Dabei half ihm ein Levit, ein Tempeldiener, der auch bestimm­te Aufgaben im Gottesdienst zu übernehmen hatte. Immer eine Woche hatten sie Dienst, dann gingen sie wieder nach Hause. Man hielt sie für fromme Leute und sie waren sehr geachtet im Volk. Schließlich noch ein Samariter aus der Gegend um die Stadt Samaria in Mittelpalästina. Die Samariter waren zwar mit den Juden verwandt. Aber sie erkannten nur die ersten fünf Bücher Mose als ihre Bibel an und hatten ihren eigenen Tempel. Fromme Juden wollten mit ihnen nichts zu tun haben: Sie zogen nicht durch ihr Land und nahmen auch nichts von ihnen zu essen.

Die Erzählung spielt in dem Gebiet zwischen der Hauptstadt Jerusalem und der Kaufmannstadt Jericho. Jerusalem liegt auf dem Gebirge, Jericho etwa 30 Kilometer östlich in einer tiefer Talsenke. Der  Weg war einsam und verschlungen  und führte durch Gebirge und wüstes Gelände. Hier gab es viele Schlupfwinkel für Räuber und Diebe. Es war gefährlich, diesen Weg zu gehen, und niemand ging ihn gern und möglichst nicht allein. Und wenn er es doch tun muß, dann eilt er sich, um nur ja diese Gegend bald hinter sich zu bringen.

 

Erzählung:

Aber es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber. Plötzlich springen sie hinter einem Felsen hervor. Sie stürzen sich auf den Mann, reißen ihn zu Boden, schlagen ihn und rauben ihn aus: Sie nehmen ihm alles Geld und alle Wertsachen ab. Dann laufen sie schnell davon und lassen ihn halbtot liegen. Alleine konnte er sich nicht mehr helfen. Als er aber schon eine Weile gelegen hat, kommt ein Mensch vorbei. Der Überfallene hebt der Kopf und sieht: Es ist ein Priester! „Der wird mir helfen“, denkt er, „das ist doch ein frommer Mann und er kennt die Gebote Gottes gut!“ Er will nach Jerusalem, um dort für eine Woche die Gottesdienste zu halten. Er hat er es eilig, er geht mit großen Schritten.

Der Priester hat den Überfallenen auch gesehen. Er erschrickt: Was soll er tun? „Vielleicht sind die Räuber noch in der Nähe! Vielleicht warten sie nur darauf, mich auch ausplündern zu können!“ Dann könnte er nicht die Gottesdienste halten! Dort wird er nötiger gebraucht. Es wird schon noch ein anderer vorbeikommen, der gerausogut helfen kann. Er hat Wichtigeres zu tun. Er beeilt sich, an diesem gefährlicher Ort vorbei zu kommen, er geht an dem Verletzten vorüber. Ganz weit drüben auf der Straße geht er, um so tun zu können, als habe er nichts gesehen.

Es wurde wieder ganz still. Doch dann stöhnte der Mann, weil die Wunden schmerzten und die Sonne heiß vom Himmel brannte. Auf einmal hört er erneut Schritte. Ein Levit  kommt vom Tempeldienst zurück. Aber auch er geht schnell vorüber. Vielleicht hatte er noch eine wichtige Verabredung, wollte zu einer Familienfeier oder zu einer dringender Arbeit. Keine Zeit, sich da noch um einen Verletzten zu kümmern.

Aber wenn nicht bald etwas geschieht, wird der blutende Mann sterben müssen. Von wem kann er noch Hilfe erwarten, wenn schon ein Priester und ein Levit ihm nicht helfen? Doch da kommt noch einer. Es ist ein Mann aus Samaria, das kann er gleich an der Kleidung erkennen. Aber der wird nicht helfen, denn die Samariter hassen die Juden, weil diese sie so verachten. Die Samariter sind die Feinde der Juden, sie haben einen anderen Glauben und wollen nichts mit den Juden zu tun haben. Von dem ist nichts zu erhoffen. Der Verletzte sieht gar nicht nach ihm hin.

Doch der Fremde hält sein Reittier an. Er sieht sofort, was mit dem Mann los ist. Er hat Mitleid mit ihm und kommt sofort, um zu helfen. Er sieht nach dem Verwundeten. Und er hat Erbarmen mit ihm. Er fühlt ein tiefes Mitleid mit dem Mann, der hilflos am Straßenrand liegt.

Der Samariter hat  Wein dabei. Damit wäscht er dem Mann die Wunden aus. Dann gießt er Öl darauf, damit die Schmerzen etwas nachlassen. Der Überfallene fühlt sich gleich etwas besser. Er hilft dem Schwerverletzten auf sein Reittier und geht selber nebenher, bis sie zu einem Gasthaus kommen. Dort besorgt er ihm ein Zimmer, sieht wieder nach den Wunden, verbindet den Mann.

 

Am anderen Morgen muß er weiter, weil er Geschäfte zu erledigen hat. Er gibt dem Wirt zwei Silbergroschen als Pflegegeld für zwei Tage und sagt zu ihm: „Kümmere dich um ihn. Und wenn es länger dauert, will ich dir's bezahlen, wenn ich wieder einmal vorbeikomme!“

So hat ausgerechnet einer geholfen, von dem man es nicht erwartet hätte. Er hat das Gebot Gottes besser verstanden als die frommen Leute, die es doch eigentlich hätten wissen müssen . Der Samariter verläßt sich also nicht darauf, daß andere nun ihre Pflicht tun werden, sondern er sorgt selber dafür, daß alles in Ordnung geht .Er tut das, was notwendig ist, weil sein Mitmensch diese Hilfe braucht. Das ist für ihn entscheidend. Er behandelt den Kranken so, als ob er es selbst wäre; er liebt ihn wie sich selbst und hilft ihm deshalb aus Barmherzigkeit.

Nun schaut Jesus den Schriftgelehrten an und fragt ihn: „Welcher unter diesen Dreien ist nun der Nächste gewesen für den, der unter die Räuber gefallen war?“ Nun weiß zwar der Schrift­gelehrte die Antwort.  Aber er möchte nicht sagen „Der Samariter“ , weil er doch die Samariter verachtet und sich darüber ärgert, daß ausgerechnet ein Samariter barmherzig gewesen sein soll. Deshalb sagt er: „Der die Barmherzigkeit an ihm tat!“ Er hat genau begriffen: Das ewige Leben kann nur erlangen, wer nicht nur von Liebe redet, sondern auch danach handelt, ohne danach zu fragen, ob der andere ein Freund oder ein Feind ist. Deshalb sagt Jesus auch zu ihm: „So gehe hin und tue das Gleiche!“

 

Antwortgespräch: 

Tafelbild:

Anschauung der Juden: Das „Ich“ ist in der Mitte, darum herum sind Eltern, Freunde, Bekannte, Nachbarn. Um sie wird ein Kreis gezogen und außendran geschrieben; Fremde, Feinde, Verachtete, Heiden, Samariter.

Anschauung Jesu: In der Mitte steht der „hilflose Mensch“. Drumherum stehen Priester, Levit, Samariter, Du und Ich. Um sie alle herum wird ein Kreis gezogen.

 

Es wird absichtlich nicht gesagt, wer es gewesen ist, der unter die Mörder gefallen ist. Somit kann jeder Mensch, der in der in Not ist, damit gemeint sein, wenn Jesus sagt: „ u sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Der Nächste ist immer der, der uns gerade braucht.

Allerdings kann ein Nichtchrist  unter Umständen genauso anpacken wie ein Christ (oder sogar besser?). Von einem Christer aber gilt in besonderer Weise: Er hilft immer und überall und sucht nie im Helfen zurückzustehen! Die Geschichte fordert ja gerade unsere Zustimmung heraus: „Selbstverständlich ist das Tun des Samariters das Richtige. Ich will es ebenso machen! Im Gegensatz zu den Nichtchristen aber dürfen wir wissen: Wenn wir einmal in der Liebe versagen (und das geschieht jedem Menschen), dann haben wir den barmherzigen Samariter, der uns hilft.

 

Joachim Schöne: Dieteldatsch

An einem kalten, feuchten Märzsonntag ist Dieteldatsch aus dem Dorf gelaufen. Und dann immer so in den Straßengraben gepatscht! Schneematsch und Schlamm sind hoch aufgespritzt. Und Dieteldatsch hat gequiekt vor Vergnügen. Und sich bekleckert, na, das kannst Du Dir vorstellen. Schließlich aber wurde es ihm langweilig, das Spritzen und Quietschen. Es war ja keiner da, der es sehen und hören konnte. Und dann schmerzten ihm die Füße, und kalt war es ihm auch.

Da kuschelte sich Dieteldatsch im Straßengraben zusammen. Doch wurde es ihm nicht wärmer, sondern die Feuchtigkeit kroch in seinen Sachen hoch. Und nun hockte und winselte er: „Muttiiiii, Muttiiiii!“ Aber die Mutter hatte noch gar nicht gemerkt, daß Dieter weggelaufen war.

Nun aber kam eine Rettung aus dem Nachbardorf. Sie hieß Sabine und wollte in den Kindergottesdienst. Ein bißchen spät war es freilich schon. Und Sabine hatte ihren besten Mantel an, das wollen wir nicht vergessen. Dieteldatsch verstummte, als er das Mädchen kommen sah. Und dadurch gelang es Sabine, so zu tun, als sähe sie den kleinen und frierenden Schmutzfinken nicht. Sie guckte tatsächlich nicht nichtig hin. Und außerdem hatte sie es eilig! Und als Dieteldatsch zu heulen anfing, setzten gerade die Kirchenglocken ein. Tun mußte sich das Mädchen noch mehr beeilen.

Ja, was sollen wir zu Sabine sagen? Sie hatte die gute Absicht, in den Kindergottesdienst zu gehen und dieser Dieteldatsch hätte ja nicht wegzulaufen brauchen!

Doch sehen wir erst einmal weiter: Nun näherte sich zwar (und zwar aus Dietel­datschs Dorf) die Marion mit einem dicken Papierwickel in der Hand. Darin steckten, vor der Kälte geschützt, zarte Alpenveilchen. Marions Großmutter feierte nämlich an diesem Sonntag Geburtstag. Diesmal machte sich Dieteldatsch sofort bemerkbar. Marion blieb stehen, schnappte nach Luft und schimpfte: „Wie siehst du denn aus, du Ferkel! Was hast du denn überhaupt hier zu suchen? Wart nur, wenn ich heute abend heimkomme, erzähle ich alles meiner Mutter! Scher dich nach Hause! Ich habe jetzt keine Zeit für dich. Meine Großmutter wartet auf mich. Wenn ich nicht komme, macht sie sich Sorgen!“ Mit diesen Worten ging Marion weiter. Hat sie recht? Läßt man eine Großmutter warten, weil ein kleines Ferkel im Straßengraben hockt?

Ich weiß nicht recht. Jedenfalls war dem Dieteldatsch so jämmerlich zumute, daß er noch mehr in sich zusammenkroch.

Um ein Haar hätte ihn Michael wirklich nicht gesehen .Dieser hatte gerade den großen Gang eingeschaltet und wollte aufs Dorf zubrausen, stolz über sein neues Fahrrad. Endlich war der Winter gewichen, und man konnte sich sehen lassen!  Michael erblickte das jammernde Häufchen und bremste. Und wenn du denkst, nun habe er auch seine Rede angefangen und den Ausreißer bedroht, so täuschst Du Dich. Und wenn Du meinst, Michael sei mit dem Lausbengel verwandt oder verschwägert gewesen, so bist Du in einem Irrtum befangen. Nichts dergleichen!

Er bremste, stieg ab, packte den Dieteldatsch und hob ihn auf seinen Esel - Unsinn, auf sein Fahrrad natürlich. Wie komme ich nur auf den Esel? Und weil er spürte, daß der Kleine zitterte, zog er seinen Anorak aus und stülpte ihn über den Schmutzfinken. Ja, das tat er und fuhr los und brachte den Dieteldatsch zu seinen Eltern. Das war das Ende.

Und nun frage ich Dich: W e r hat nichtig gehandelt? So, daß Jesus sagen könnte: „Mach es genau so!“ Ja, das frage ich Dich! Muß man Dieter nicht auch einen Denkzettel geben, damit er aus Erfahrung klug wird?

 

 

Bildbetrachtung:

1.) Werner Juza: Barmherziger Samariter heute         

a) Wir betrachten mit den Kindern zunächst den Vordergrund des Bildes und fordern sie auf: Wir wollen gemeinsam zusammentragen, was wir in der Mitte des Bildes sehen! Auffällig ist die Gestalt eines Mannes mit großen Händen. Wahrscheinlich geht er nach getaner Arbeit nach Hause. Er ist also in seinen Arbeitsprozeß eingegliedert und hat eigentlich keine Zeit. Trotzdem hockt er nun hier am Straßenrand, beugt sich über einen Verletzten, hilft ihm. Über den Hilflosen ist nicht viel zu sagen. Er hat offenbar eine Kopfverletzung und schließt vor Schmerzen die Augen.

b) Ein bißchen könnt ihr lesen, was auf der Litfaßsäule steht: Hier finden wir vielversprechende Angebote (Glück, Geld, usw.) für die Menschen. (Mit den Kindern kann man ein bißchen darüber reden, welche Bedeutung diese Dinge im Leben eines Menschen haben). Für den Verletzten jedenfalls sind alle diese Angebote im Augenblick unwichtig. Für ihn ist jetzt allein lebensnotwendig, daß ihm jemand hilft.

c) Wir wollen jetzt schauen, was wir auf dem Hintergrund des Bildes sehen! Es fällt sofort auf, daß es sich um vorbeieilende Menschen handelt. Sie könnten eigentlich sehen, was hier am Straßenrand passiert. Aber der Künstler Wenner Juza hat sie als Unbeteiligte dargestellt, nur ihre Füße und Beine gezeichnet. Offenbar gehen diese Menschen zu einem Vergnügen und haben jetzt keine Zeit.

d) Wir werden uns selber manchmal in der Situation des Vorbeieilenden befinden. Es gehört zum Leben, daß wir oft in Anspruch genommen sind von unseren eigenen Dingen und weder einen Blick noch Zeit haben für das, was neben uns passiert. Das Evangelium vom barmherzigen Samariter sagt nicht, daß wir unsere Augen verschließen sollen vor den Dingen, die unser Leben schön und lebenswert machen.

Es will uns aber den Blick dafür schärfen, daß wir nicht nur von unseren eigenen Wünschen bestimmt werden, sondern auch bewußt Zeit für Hilfeleistungen einplanen. Auch dies sollten wir bedenken, und es trägt zu einer realen Lebenssicht bei, daß auch wir einmal auf Hilfe anderer angewiesen sind.

 

Leiden und helfen

 

Henri Dunant

Jeder von uns kennt die Krankenwagen mit dem Roten Kreuz, die oft mit Notsignal zum Krankenhaus fahren. Wenige aber wissen etwas von dem Gründer des Roten Kreuzes und Urheber der Genfer Konvention, dem Schweizer Henry Dunant (sprich: Aonri Dünaont).

Am 8. Mai 1828 wurde er in Genf geboren als Sohn einer calvinistischer Patrizierfamilie. Die Eltern waren gläubige Menschen und bemühten sich, überall Gutes zu tun, und begeistert für alles Große. Der junge Dunant besuchte mit der Mutter und später mit Gleichgesinnten Arme und Kranke. Er lernte das Unglück und das Elend kennen, das in der dunklen Gassen und in der Wohnungen herrschte. Er begriff, daß ein Einzelner angesichts von soviel Elend machtlos ist. Wenn man nur ein wenig helfen will, dann müssen alle Menschen antreten, um eine solche furchtbare Not zu beseitigen.

Im Jahre 1859 war Henry Dunant  31 Jahre alt und reiste als Geschäftsmann nach Oberitalien. Er hatte finanzielle Sorgen und wollte sie mit dem französischer Kaiser Napoleon III. besprechen. Dieser war gerade in einen Krieg gegen die Österreicher verwickelt und befand sich auf dem Schlachtfeld in der Nähe von Solferino und Castiglione bei Brescia.

Dunant kam mitten hinein in die Schlacht. In einem Kampf Mann gegen Mann standen sich 160.000 Österreicher und 100.000 Franzosen sowie 50.000 Italiener ge­genüber. Es war der 25. Juni, ein heißer Tag. Dunant trug einen weißen Leinenanzug und einen Tropenhelm.

Das Schlachtfeld war überall mit Leichen übersät. Menschen und Pferde lagen auf Straßen, in Gräben und Bächen, im Gebüsch und auf Wiesen. Das Herz des Mannes in Weiß krampft sich zusammen. Er läuft durch  die Reihen der blutenden, zerfetzten, verstümmelten Menscherleibern und Toten hin und her. Aber Mitleid hat noch niemandem geholfen. Dunant vergißt die eigenen Sorgen und die Schrecken der Schlacht und hilft selber, wo er nur kann. Mit seinen geringen Kräften versucht er, wenigstens etwas von der Qualen und Leiden zu lindern.  Aber Tausende warten vergeblich auf Hilfe.

Da schreit einer: „Lassen Sie mich nicht sterben!“ Ein anderer bittet: „Schreiben Sie doch meinem Vater, daß er meine Mutter trösten soll!“ Ein Gardegrenadier ruft laut: „Ich will nicht sterben, ich will nicht sterben!“ Angesichts der Überzahl der Hilfesuchenden drohen die pausenlos arbeitenden Ärzte und Sanitäter immer wieder zu verzagen.

Aber Dunant gibt nicht auf: Er bedeckt einem Verwundeten die Wunde mit Gazestoff, er spendet einem Sterbenden letzten Trost, er legt einer rettungslos Verstümmelten in eine bequemere Lage. Es gelingt ihm aber auch, einige Frauen zusammenzubringen, die sich von ihm anleiten lassen und die gleich ihm anpacken. Er weist sie auf ein Kruzifix hin und packt sie so, daß sie mithelfen.

Auch einige andere helfen: ein alter Seeoffizier, ein italienischer Pfarrer, ein Pariser Journalist, einige Offiziere. Der französische Kommandant von Castiglione stellt Gefangene zur Verfügung, die sich um die Verwundeten kümmern, eine nach damaligem Kriegsrecht unerhörte Tat.

Dunant eilt von Kirche zu Kirche, von Kapelle zu Kapelle. Überall liegen Verwundete. Er teilt ein, organisiert die Hilfsbereiten und sorgt dafür, daß die Frauen sich nicht allein denen widmen, die am lautesten schreien. Kleine Jungen spannt er ein. Sie laufen von den Sammelplätzen zu den nächsten Brunnen und holen Wasser. Er läßt Verbandszeug in großen Ballen da und dort niederlegen. Kraftbrühe wird ausgeteilt und Suppe.

Aber es fehlt an Hemden und Leinen. Er schickt einen Kutscher  nach Brescia, damit der Orangen und Zitronen holt. Aber auch  Hemden, Schwämme, Zigarren, Tabak, Kamille, Holunder, Binden und Stecknadeln hat er mitgebracht. Die Leute würden sonst an  Hunger  und Durst sterben. Es geht nicht nur um Operationen, sondern auch darum, die Wunden zu verbinden und die blutenden, mit Kot und Ungeziefer bedeckten Körper zu waschen.

Die Frauen wollen sich zuerst nicht um die Feinde kümmern. Aber das Vorbild Du­nants reißt sie mit: Sie gehen auch zu den Kroaten, Österreichern und Ungarn. Ein Stichwort macht die Runde: „Tutti fratelli“ - „Alle sind Brüder!“ Auch die Ärzte und Sanitäter handeln so. In den umliegenden Ortschaften sitzen die Bewohner und zupfen Verbandszeug zurecht. Sobald aber ein Transport vorüberfährt, springen sie auf und versuchen zu helfen und zu lindern. Alle begreifen sie „Wir sind Brüder!“ Die Bauersfrauen, die Herrin des Schlosses, Stadträte in Brescia, die  15.000 Betten haben auf stellen lassen, so gut es eben geht. Bis zum Abend hat Dunant 300 Helfer zusammen, die er in Gruppen einteilt und gezielt einsetzt.

Ein Professor der Anatomie aus Toronto eilt aus Straßburg herbei. Medizinstudenten aus Bologna und Pisa stellen sich ein. Durchreisende aus vieler Ländern wollen sich nicht beschämen lassen. Ein junger Soldat aus Piemont geht mit den Ärzten und dolmetscht. Ein Mädchen aus Piacenza leistet Dienste, die sie zu Hause nicht hätte tun müssen.

Außer 3 Feldmarschällen, 9 Generälen und 1.566 Offizieren hatte man etwa 40.000 Soldaten und Unteroffiziere zu der Toten und Verwundeter zu zählen. Nach zwei Monaten mußte man noch einmal  40.000 Tote hinzuzählen, die an Krankheiten aller Art gestorben waren trotz aller Hilfe.

Diese Tatsache brannte in der Seele Henni Dunants so, daß er ein Buch der Anklage und des Hilferufs  veröffentlichte: „Erinnerungen an Solferino“. I Jahr 1862 ging es in Tausenden von Exemplaren in die Welt, besonders an die regierenden Fürsten und Staatsmänner in Europa. Dunant schlägt die Gründung freiwilliger Vereinigungen vor, die Verwundeten und Kranken während eines Krieges Hilfe bringen sollen bzw. andere bei dieser Aufgabe unterstützen.

In Friedenszeiten  könnten sie bei größeren Unglücken, Epidemien und Feuersbrünsten und Überschwemmungen Hilfe leisten. Die Arbeit soll international organisiert werden und die Helfer sich verpflichten, Freunden und Feinden ohne Unterschied Hilfe zu bringen. Als einheitliches Erkennungszeichen schlug Dunant ein  rotes Kreuz auf weißem Grund vor, ein Gedanke, der ihm bald nach dem Tag von Solferino im Haus der Gräfin Borromeo gekommen war.

Der Vorsitzerde der Schweizer gemeinnützigen Gesellschaft griff freudig Dunants Gedanken auf. Er schuf ein internationales Komitee für Verwundetenhilfe, dessen Schriftführer Dunant wunde.  Am 26.10.1863 konnte er in Genf 36 Vertreter aus 16 europäischen Staaten begrüßen. Als Internationale Konferenz zur Beratung von Mitteln, mit denen man dem Sanitätsdienst im Felde zu Hilfe kommen könnte, schuf sie die Grundlage für die Verwundetenpflege im Krieg. Einer der vereinbarten Punkte lautete: „Als Kennzeichen tragen die freiwilligen Krankenpfleger in allen Ländern eine weiße Armbinde mit einem roten Kreuz“.

Am 22.8.1864 wunden die  zehn Artikel der 1.Genfer „Konvention zur Verbesserung des Schicksals der verwundeter Soldaten der Armeen im Felde“ unterzeichnet .An dieser Konferenz nahm Dunant nicht mehr teil. Er trat bescheiden zurück. Er sagte: „Ich war nur ein Werkzeug in Gottes Hand. Jetzt ist es Sache anderer, die besser geeignet sind, es voranzutreiben und in Gang zu halten!“

Doch drei Jahre später verlor Dunant sein ganzes Vermögen. Schwere Notjahre kommen. Dunant lebte in Paris, in England, in Stuttgart und schließlich im Bezirks­krankenhaus des kleinen Ortes Heiden im schweizerischen Kanton Appenzell. Dorthin hatte man der 64 Jährigen gebracht, als er durchgegangene Pferde aufhalten wollte und dabei verunglückte.

Nur wenige wußten um seine Not, auch nicht als er 1872 in London  sprach. In Plymouth brach er während eines Vortrags vor Hunger zusammen. Als 1892  das Internationale Rote Kreuz in Rom tagte, lief ein Telegramm ein: „Henni Dunant lebt und ist in Not. Wilhelm Sonderegger!“ Das Telegramm stammte von dem Lehrer des kleinen Ortes Heiden. Nun horchten nicht nur die Tagungsteilnehmer auf. Ehrungen aus aller Welt wurden Dunant zuteil. Im Jahre 1901 wurde er zusammen mit dem Franzosen Frederic Passy mit dem ersten Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er starb am 31.Oktober 1910. Der letzte Satz seines Testaments lautet: „Ich bin ein Jünger Christi  wie im ersten Jahrhundert und sonst nichts!“

Heute werden männliche und weibliche Kräfte zur ersten Hilfe bei Unfällen ausgebildet. Bei Katastrophen, im Rettungswesen und bei Grubenunglücken sind die Sanitäter mit der weißer Armbinde und der auch mit einem roter Kreuz gekennzeichneten Umhängetasche unentbehrlich. Mit aller Mitteln der moderner Wissenschaft kämpfen Ärzte unter dem Zeichen des Roten Kreuzes um das Leben der Menschen. Sie gebrauchen nicht nur feinste Instrumente, sondern sie haben auch Kraftfahrzeuge und Hubschrauber. Heute ist das Rote Kreuz eine weltweite Organisation, zum Teil als „Roter Halbmond“ oder als „Roter Löwe“. Es tut sehr viel für der Frieden in der Welt und ist international geachtet.

 

Fallbesprechung:

1.Gabis Vater war ganz plötzlich schwer erkrankt. Gestern fehlte Gabi in der Schule, und die Lehrerin teilte uns mit, daß Gabis Vater gestorben ist. Übermorgen wird sie wahrscheinlich wieder zur Schule komme. Gabi tut uns leid! Was können wir für sie tun?

2.In unserer Nachbarschaft ist eine neue Familie eingezogen. Sie haben einen kranken Jungen. Er kann gar nichts lernen und geht nicht einmal zur Sonderschule. Er hat einen so großen Kopf und macht mit seinen Armen so eigenartige Bewegurgen. Viele lachen über ihn. Uns tut der Junge so leid! Was können wir für ihn tun?

3. Jürgen stottert. Wenn er aufgeregt ist oder Angst hat, dann bekommt er kein Wort heraus und wird ganz rot ! Jürgen wird oft ausgelacht und aufgezogen. Manche machen ihn nach und rufen auf der Straße hinter ihm her. Uns tut Jürgen leid. Was können wir für ihn tun?

4. Thomas ist in den Ferien beim Spielen in ein Auto gelaufen. Sein rechtes Bein wird für immer steif bleiben. Thomas war begeisterter Fußballspieler. Er tut uns so leid! Was können wir für ihn tun?

 

Überlegung:

Wenn wir uns unser künftiges Leben vorstellen, dann wünschen wir uns Gesundheit, Arbeit, Freude, Freundschaft, Erfolg. Wir denken aber nicht an Krankheit, Armut, Einsamkeit, Trauer. Aber das kann ja auch kommen. Dann gilt es, ganz fest an Gott fest­zuhalten und ihm weiter zu vertrauen.

Davor spricht der 73. Psalm: „Dennoch bleibe ich stets an dir!“ Da hat ein Mensch schwere Erlebnisse mitgemacht. Aber er dankt Gott dennoch und spricht:  „Gerade jetzt will ich bei dir bleiben, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand und leitest mich nach deinem Rat!“.Trotz allen Leidens hat er doch immer auch Grund zum Freuen gehabt.

Manche meinen ja: Der liebe Gott steht einem immer bei, wenn man in Gefahr ist! Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Gott ist auch bei den fröhlichen Ereignissen unseres Lebens dabei, das sollten wir nicht vergessen. Vielleicht kommen wir sogar zu der Erkenntnis: „Auch das Leid kommt aus Gottes Liebe!“ Aber man kann einem Kranken nicht sagen: „Deine Krankheit ist ja gar nicht so schwer!“ Zu solcher Erkennt­nis kann er höchstens selber kommen. Eine Hilfe dazu kann der 73.Psalm sein.

 

Die Situation der Behinderten:

Behinderte kommen wenig heraus, manche gar nicht. Sie müssen auf ein normales Leben verzichten, zum Beispiel Schule, Beruf, Ehe, Kinder, Kino, Theater. Überhaupt ist der Besuch von Veranstaltungen jeder Art schwer möglich. Vor allem sind sie dadurch auch von Gleichaltrigen isoliert.

Es fällt ihnen schwer, immer auf Hilfe angewiesen zu sein. Sie haben kein Leistungs­vermögen und bleiben abhängig. Besonders schwierig ist die Begegnung mit Gesunden. Diese weichen ihnen entweder aus oder begegnen ihnen gehemmt oder falsch. Gesunde stempeln sie oftmals als Menschen zweiter Klasse und zu geistig Minderbemittelten oder sozial Minderwertigen.

Auch Leute aus der Gemeinde überfallen Behinderte oft mit tierischem Ernst und guten Sprüchen. Sie machen dann eine Aktion wie einen „Tag der Diakonie“, wo ein Behinderter dann fremden Menschen gegenüber sitzt und sich über Geschenke und Lieder nicht freuen kann, weil er nachher ja doch wieder allein ist. Bemitleidet werden möchte er nicht.

Ein Körperbehinderter ist niemals erfreut, wenn man ihn fragt: „Seit wann haben Sie ihr Leiden? Haben Sie das von Geburt an? Psychisch sind Sie doch gesund?“ Der Gefragte hört die Neugier heraus, die falsche Absicht. Aber auch übertriebene Höflichkeit mag er nicht, etwa: „Ach Sie armes Menschenkind, was mußten Sie schon alles durchmachen!“ Mehr Freude wird ihm bereiten, wenn man sich ganz unbefangen und natürlich mit ihm unterhält.

Besonders schwer ist es, eine Arbeitsstelle zu finden. Kein Chef möchte eine Körperbehinderte als Sekretärin haben, auch nicht in Anstalten. Und wenn man einen Körperbehinderten nimmt, dann gibt man ihm meist Schema-Arbeiten. Dabei kann eine sinnvolle Arbeit eine große Hilfe für einen Behinderten sein.

Manche meinen allerdings: Bei uns gibt es keine Behinderten! Dabei muß man auf 3.000 Einwohner mit einem jüngeren schwerstbehinderten Menschen rechnen. Noch größer ist die Zahl der geistig Behinderten.

Wir müssen uns um die kümmern, die nichts mehr oder überhaupt nichts für die Allgemeinheit leisten können, weil einer über die Erde gegangen ist, dem die Menschen nicht wegen ihrer Leistungen, sondern wegen ihrer Bedürftigkeit wichtig waren.

Es ist kein Verdienst, wenn wir gesund sind. Dankbarkeit kann zur Bereitschaft führen, sich für Menschen zu engagieren, die auf Kontakte warten. Man wird dabei Erfahrungen machen, die zur Führung des eigenen Lebens helfen. Es ist also ein gegenseitiges Dienen und Helfen, was dann geschieht.

 

Konkrete Hilfen:

1. Andere über die Lage Behinderter aufklären, um Verständnis werben

2. Behinderte vor Spott anderer schützen, selber nicht mit spotten

3. Spielzeug sammeln für behinderte Kinder in Heimen und Anstalten

4. Eltern auf Urlaubsmöglichkeiten bei der Kirche hinweisen

5. Auf Behinderte im Straßenverkehr achten und ihnen helfen

6. Wege bei Behörden erledigen, Pflegegeld besorgen usw.

7. Besuche, möglichst zu zweit und möglichst regelmäßig

8. Besuch einer Kindertagesstätte und gemeinsamer Spiele nachmittag

9. Manche machen die Hilfe an Behinderten zum Lebensberuf

Behinderte fallen immer noch in der Öffentlichkeit auf. Deshalb brauchen gerade Jugendliche den Mut, sich in der Öffentlichkeit mit einem Behinderten zu zeigen. Es ist eben noch nicht selbstverständlich, daß Behinderte bei Veranstaltungen dabei sind, auch bei kirchlichen Veranstaltungen. Eine große Hilfe ist da zum Beispiel ein Tierparkbesuch mit „Rollern“ und „Latschern“, wie man das in Berlin nennt,

Aber die Frage muß man sich immer stellen: Würden wir Körperbehinderte in unserer Gruppe oder im Jugendkreis begrüßen? Was müßte sich dann im Kreis ändern? Warum wurden Einladungen noch nicht ausgesprochen?

 

 

Das Gleichnis vom bittenden Freund: Lk 11, 1 -13

Hinführung:

Die Jünger Jesu haben mehrmals am Tage die vorgeschriebenen           Gebete

vernichtet. Sie kannten die altgewohnten Gebete ihres Volkes und sangen die Psalmen wie wir die Lieder aus dem Gesangbuch. Dennoch bitten sie eines Tages ihren Herrn, ihnen doch ein besonderes Gebet beizubringen. Einer sagte: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte!“ Durch ein solches Gebet könnte ihre Gemeinschaft neue Kraft empfangen. Der Meister würde es sicher besser können als sie, sie wollten noch etwas von ihm lernen.

Da lehrte Jesus sie das Vaterunser, das wir bis heute im Gottesdienst und bei anderen Gelegenheiten beten. Wir leben zwar in einer Welt, in der Gottes Name weithin nicht geheiligt wird, wo Gottes Reich unendlich weit entfernt zu sein scheint, wo Gottes Wille verlacht und verachtet wird. Aber wir bitten in diesem Gebet unseren Herrn um einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Das hilft auch, Gemeinschaft untereinander zu halten und mit bestimmten Nöten im Leben des Einzelnen fertigzuwenden. Bis heute ist das Vaterunser das einigende Band unter den Kindern der Welt. Bei allen christlichen Versammlungen von Vertretern verschiedener Kirchen wird es gebetet, wenn auch in unterschiedlichen Sprachen. So ist das Vaterunser tatsächlich ein einigendes Band in der Christenheit geworden.

Jesus wollte aber auch deutlich machen, daß es wirklich Sinn hat,  zu Gott zu beten. Gott will gebeten sein, er ist der Freund, der unsere Bitten gern erfüllt, wenn er sie erfüllen kann und sie gut für uns ist. Um das deutlich zu machen, hat Jesus sich eine Geschichte ausgedacht, die aber tatsächlich so passiert sein könnte.

 

Erzählung:

In einem kleinen Dorf trifft am späten Abend noch ein Reisender ein.  Abends läßt es sich besser gehen, weil es da schon etwas kühler ist.  Aber nun hat er sich verspätet und weiß nicht, wo er unterkommen soll. Er kennt jemand in dem Dorf. Ob der ihn wohl aufnehmen wird? Damals war Gastfreundschaft etwas heiliges: Selbst wenn ein Fremder an die Türklopfte, mußte man ihn aufnehmen. Es gab ja keine Gasthäuser und Hotels, man war auf die Hilfsbereitschaft anderer Leute angewiesen. Daß man solche Gastfreundschaft gewährt, war damals jedenfalls selbstverständlich, man konnte gewiß mit der Hilfe rechnen, das war gar keine Frage.

Aber in diesem Falle wird das alles sehr schwierig. Die Familie ist schon zu Bett gegangen. Zu essen ist auch nichts mehr da. Man backt ja nur das Brot für einen Tag, da gibt es so spät meist nichts mehr. Aber man kann einen Gast doch nicht ohne Bewirtung aufnehmen? Und die Füße muß er sich doch auch waschen können nach einer so langen Wanderung über die staubigen Straßen. Was soll der Gastgeber nur machen?

Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als nun wiederum seinen Freund zu bitten, daß der ihm wenigstens mit Brot aushilft. Vielleicht hat er noch etwas übrig. Es geht schon auf Mitternacht zu, als er bei seinem Freund anklopft und ruft: „Lieber Freund, leihe mir drei kleine Brote. Ein Bekannter ist zu mir gekommen und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann!“ Drei Brote aus Gersten- oder Weizenmehl, so groß wie ein Teller und etwa einer Daumen dick, sind gerade so eine Mahlzeit für einen Menschen.

Aber der Freund drinnen ist auch längst zu Bett gegangen mit seiner Familie. Die Tür ist längst zugeschlossen und mit einem hölzerner Riegel gesichert. Wenn man ihn aus den eisernen Ringen zieht, geht das nicht ohne Lärm. Dadurch werden aber sicher alle im Haus wach werden, denn es ist nur ein kleines Haus mit einem einzigen Raum, in dem alle zusammen auf ihren Schlafmatten schlafen.

Da ist es doch verständlich, wenn der Freund dem Gastgeber durch die Tür artwortet: „Mach mir keine Mühe und Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen. Meine Kinder liegen bei mir und schlafen. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben!"“

Doch der draußen läßt nicht locker. Wenn er noch länger ruft, werden die Kinder sowieso wach sein. Da ist es besser, doch aufzustehen und ihm etwas zu geben. Außerdem ist der Gastgeber ja auch wirklich in einer schlimmen Verlegenheit: Er hat die heilige Pflicht, einen späten Gast noch zu bewirten. Er kann es nicht. Aber sein Freund könnte es! Einen Freund, der ihn hier im Stich ließe, kann es doch gar nicht geben!

Deshalb sagt Jesus: „Er wird nicht aufstehen, weil der da draußen sein Freund ist. Aber weil er so unverschämt drängt, wird er doch aufstehen und ihm geben, soviel er braucht!“ Vielleicht hat er sich auch etwas geschämt, weil er den Freund im Stich lassen wollte. Er hat doch nur so rücksichtslos gebettelt, weil er selber der Pflicht der Gastfreundschaft nachkommen wollte.

Jesus aber fährt fort: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan!“ So wie jener Mann im Gleichnis darf man auch Gott bitten. Jesus weiß, daß Gott die Bitte erfüllen wird. Deshalb macht er den Jüngern mit dieser Geschichte Mut, Gott um alles zu bitten. Aber er erwartet auch von ihnen, daß sie bereit sind, anderen zu helfen, wenn sie um Hilfe gebeten werden. Und dabei muß es nicht nur ums Brot gehen, sondern um sehr viel mehr.

Aber Jesus spricht noch weiter: „Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch und der gibt ihm eine gefährliche Schlange,  die wie ein Fisch aussieht? Oder wenn er um ein Ei bittet, der ihm einen Skorpion biete, der sich wie ein Ei zusammengerollt hat?“ Die Zuhörer sollen antworten: „Nein, das tut keiner, niemals!“ Man kann seinen eigenen Kindern doch nichts Gefährliches geben, wenn sie Hunger haben, sogar etwas, das den Tod bringen kann.

Väter sind zwar auch manchmal boshaft und fügen Schaden zu. Aber ihren Kindern sind sie gütige Väter und wollen ihnen nur Gutes geben. Gott aber ist noch mehr darauf bedacht, seinen irdischen Kindern gute Gaben zu geben. Er gibt ihnen sogar seinen heiligen Geist, damit sie ihn bitten um alles, was sie nötig haben.

 

 

Pharisäer und Zöllner: Lk 18, 9 - 14

Hinführung:

Luther  hat das alles selbst erlebt, was er in dem Lied  „Nun freut euch, liebe Christengmein“ schildert, vor allem während seines Klosterlebens. Er hat gute Werke für Gott tun wollen, hat gefastet, sich ausgepeitscht, regelmäßig gebetet, gebettelt, Ablaß erworben, Wallfahrten unternommen. Er hat sich sehr abgequält; aber er wollte Gott damit zufriedenstellen und ihn zwingen, ihn in sein Reich aufzunehmen. Wie es damals in seinem Herzen aussah, erzählt der zweite und dritte Vers.

Mit jedem guten Werk dachte er, sich eine neue Stufe an der Treppe zum Himmel  gebaut zu haben (Gute Werke in Form einer Treppe an die Tafel malen). Aber er mußte erleben, daß Gott all seine guten Werke nicht annahm.  Gott aber hat ihm geschenkt, was Luther ihm hatte abzwingen wollen. Aus lauter Barmherzigkeit hat er seinen  Sohn  zu den Menschen geschickt, um ein Bruder der Menschen zu werden und sie zu erlösen.

 

 

 

Es hat schon bestimmt einmal jemand zu euch gesagt: „Da hast du dich aber verrechnet!?“ Wir rechnen heute viel, verrechnen uns aber auch oft - und das ist uns dann peinlich. Wir rechnen mit Geld, mit Zahlen, mit Maßen, mit Gewichten und mit der Zeit. Es kommt manchmal vor, daß wir uns verrechnen: in der Schule,  im Geschäft, beim Hausbau, usw. Es kann sehr unangenehm und sogar gefährlich sein, wenn man sich verrechnet. Der gefährlichste Rechenfehler ist aber, wenn man beim Ziel seines Lebens verrechnet, wenn man sein ganzes Leben verfehlt. Aber rechnen wir auch mit Gott? Denken wir nur an ihn, wenn wir ihn brauchen?

In Israel gab es Leute, die sehr gut rechnen konnten, nicht nur mit ihrem Geld, sondern mit Gott. Sie sagten: „Gott ist gerecht. Er kennt den Menschen durch und durch und kann jeden nach seinen Werken behandeln. So wird er die frommen Menschen gerecht sprechen und ihnen das ewige Leben als Lohn geben. Die Bösen aber wird er zum ewigen Tod verurteilen. Für sie war es klar, wie man sich das ewige Leben verdienen kann.

Sie nahmen ihren Glauben sehr ernst und versuchten, Gott zu gefallen, so wie es dann auch Luthers versucht hat. Sie hatten Angst; sie könnten ein Gebot übertreten, ohne daß sie es wollten oder auch nur merkten. Deshalb haben sie Einzelvorschriften wie einen Zaun um die Gebote herumgelegt, um gar nicht erst bis in den Bereich des eigentlichen Gebotes heranzukommen. Wer das Feiertagsgebot ernst nahm, legte das Anmachholz schon am Vortag in der Ofen oder hielt das Feuer die Nacht über in Gang.

Und doch stimmt etwas nicht in der Rechnung der frommer Pharisäer. Jesus deckt ihren Kernfehler auf, weil er nicht will, daß wir Menschen uns verrechnen, wo es um das ewige Leben geht‘

In der Geschichte von Zachäus haben wir schon von diesen Frommen gehört, die sich aber von Jesus abgewendet haben, weil er sich so sehr um diesen Zachäus gekümmert hat. Nein, diese Pharisäer wollten mit den Zöllnern nichts zu tun haben.

Sie sonderten sich streng ab von den weniger Frommen, damit sie nicht von ihnen angesteckt wurden. Voller Verachtung schauten sie auf diese „Ungerechten“, wie sie diese Menschen nannten. Ganz besonders verhaßt waren ihnen die Zöllner. Diese waren wirklich schlimme Leute. Die Pharisäer würden ganz gewiß viel besser vor dem Urteil Gottes bestehen können als die Zöllner.

Wie Jesus aber die Pharisäer und Zöllner beurteilt, hat er uns in einer Beispielgeschichte deutlich gemacht, die wir jetzt hören wollen: Jesus warnt uns dabei vor einem gefährlichen Rechenfehler!

 

Erzählung:

Um Jesus hatten sich wieder viele Menschen versammelt. Er hatte ihnen schon viel von seinem Vater erzählt, der alle Menschen liebt und sich gerade auch um seine ungehorsamen Kinder kümmert. Doch viele wollten den Worten Jesu nicht glauben. Sie dachten: „Was dieser Jesus hier sagt, geht uns doch alle nichts an. Wir halten doch die Gebote Gottes und geben unser Opfer.  Wir geben uns mit keinem unreinen Menschen ab. Uns ist das Reich Gottes doch sicher!“

Doch Jesus wußte, wie es in ihrem Herzen aussah, daß nämlich einer immer besser sein wollte als der andere. Aber er wußte auch, daß Gott keine selbstherrlichen Menschen haben will. Um diesen Menschen zu helfen, erzählt er ihnen deshalb eine Geschichte.

Geht einmal mit mir in Gedanken in den Tempel von Jerusalem. Hier will Gott mitten unter seinem Volk sein, hat er gesagt, und will auf alle Gebete hören. Deshalb gehen viele Menschen morgens um 9 Uhr und nachmittags um 15 Uhr zu den üblichen Gebetszeiten in den Tempel, um dort zu beten. Sie durchschreiten den großen Vorhof und betreten den inneren Vorhof. Sie sammeln sich zum gemeinsamen Gebet. Bis eine Gruppe versammelt ist, betet jeder allein.

Auch heute kommt wieder wie jeden Tag jener bekannte Pharisäer, einer von den ganz besonders Frommen. Zusätzlich zu den Zehn Geboten hatten sie noch 248 Gebote und 365 Verbote aufgestellt. Es war sehr schwer, sie alle zu wissen; noch schwerer war, sie alle zu halten. Doch die Pharisäer nahmen es sehr genau damit.

Ihm Gesetz des Mose war nur vorgeschrieben, daß die Bauern einen Teil ihrer Erzeugnisse verzehren mußten. Das heißt: Wenn sie hundert Sack Getreide geerntet hatten, mußten sie zehn Sack davon als Steuer an den Tempel abführen. Wenn das nicht geschehen war, durfte ein frommer Mann das Getreide nicht essen. Die Pharisäer wollten nun sicher gehen. Woher sollten sie denn wissen, daß alles verzehntet war? Lieber wollten sie noch einmal alles verzehnten, was sie gekauft hatten, als gegen ein Gebot Gottes verstoßen.

Dann haben sie sich ein strenges Fasten auferlegt. Das heißt: Sie haben einen ganzen Tag lang nichts gegessen und auch nichts getrunken; in einem so heißen Land bedeutet das schon etwas. Im Gesetz war nur e i n Fasttag vorgeschrieben, der große Versöhnungstag. Aber die Pharisäer fasteten sehr viel öfter, beteten dann sehr viel und gaben den Bettlern besonders viel Geld und legten ein großes Opfer in den Opferkasten im Tempel.

Diese Pharisäer haben wirklich viel Gutes getan. Und sie waren wirklich fromm. Sie gingen oft in den Tempel und wußten genau, was in der Bibel steht und hielten sich an die Gebote. Wir können nur den Hut abziehen vor dem Ernst dieser Leute, die ihren Glauben sehr ernst nahmen. Sie waren keine Heuchler, die nur so taten als ob.

Sie waren wirklich besser als andere Menschen. Und man weiß nicht, ob man sich nicht vor ihnen schämen müßte, denn so genau wie sie nehmen wir es doch alle nicht.

Solch ein Pharisäer kommt also heute wie jeden Tag in den Tempel. Er ist deutlich erkennbar als Pharisäer durch die Gebetsriemen und Quasten am Oberkleid, die ihn an das rechte Beten und die Gebote erinnern. Die Menschen grüßen ihn ehrfurchtsvoll und machen ihm Platz. Er kann sich wirklich sehen lassen, nicht nur vor den Menschen, sondern auch vor Gott. Er weiß, daß er zu Gott gehört. Aber mit den anderen Leuten steht es eben schlimm. Er will ihnen ein Vorbild sein und sie auf den rechten Weg führen.

Ganz vorne stellt er sich hin, so daß alle ihn sehen können. Aufrecht und für sich allein steht er an der Stelle, wo er auf Grund seines Lebenswandels hingehört. Halblaut spricht er sein Gebet vor sich hin, so wie es damals üblich war. Es ist ein Dankgebet. Aber der Pharisäer dankt gar nicht für Gottes Güte, sondern er spricht im Grunde nur mit sich selbst und dankt sich selbst für seine eigenen Leistungen. Er sagt: „Ich danke die, Gott daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem,  was ich habe!“

Und dabei deutet er auf einen Zöllner, der irgendwo hinten in der Ecke steht. Ihn kennen die Leute auch alle. Er sitzt doch immer in dem Zollhäuschen bei der Zollschranke und nimmt allen Leuten Geld ab für die Waren, die sie nach Jerusalem bringen. Doch alle wußten: In der Regel nimmt er mehr ab, als er laut Tarif darf, und steckt einen Teil des Geldes in seine eigene Tasche. Er war ein Betrüger. Und außerdem hält er es mit den Römern, mit den Feinden, die das Land besetzt halten. Wenn ein römischer Offizier kam, hat er immer große Verbeugungen gemacht.  Aber seine eigenen Leute ließ er nicht durch die Schranke, wenn sie nicht zahlten, was er verlangte. So einer ist dieser Zöllner!  Was will denn der eigentlich im Tempel, bei all den frommen Leuten? Daß er sich nicht schämt!“

Der Zöllner weiß, daß er ein schlechter Mensch ist. Er wagt sich gar nicht bis nach vorn, wo die frommen Leute beten. Er bleibt ganz hinten stehen, wo auch die Heiden sind. Von dort aus kann man in das Innere des Tempels sehen. Aber dieser Zöllner tut es nicht, sondern schlägt die Augen nieder. Er schämt sich und weiß genau: „Ich kann nicht zu Gott kommen. Ich bin viel zu schlecht. Ich werde in alle Ewigkeit draußen vor Gottes Tor stehenbleiben müssen!“

Er weiß, daß er durch seine große Schuld schon verurteilt ist. Er hat keine guten Werke aufzuweisen. Mit leeren Händen steht er da, Gott wird ihn von sich fortstoßen. Wenn ihn schon die Menschen verachten und heimlich die Faust in der Tasche ballen,  wenn er kommt, dann hat er bei Gott erst recht nichts Gutes zu erwarten, denn Gott ist ein gestrenger Richter, der die Bösen straft und die Guten belohnt.

Dieser Zöllner vergleicht sich nicht mit anderen Menschen, weder mit den besseren noch mit den schlechteren. Er sieht sich allein gemessen mit dem Maßstab Gottes und erkennt seine rettungslose Verlorenheit. Es war ihm ja unmöglich, sein Unrecht wieder gutzumachen, was nach der damaligen Anschauung unbedingt notwendig war, um Vergebung zu erlangen. Aber er konnte all das Geld samt zwanzig Prozent Zinsen unmöglich wieder zurückerstatten. Er wußte ja auch gar nicht mehr, wen er alles betrogen hatte.

Nur noch eine Hoffnung hat er: Er betet zu Gott. Doch er wagt nicht einmal, die Hände zum Gebet zu erheben, sondern er schlägt sich nur an die Brust, wie es bei der Totenklage üblich war, und betet aus vollem Herzen: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Er kann nur hoffen, daß Gott ein barmherziger Richter ist.

(Zwischenfrage: Wie wird Gott wohl entscheiden? Wenn die  Schüler die Geschichte noch nicht kannten und sie wurde nichtig erzählt, werden sie antworten: Der Pharisäer ist Gott lieber!).

Jesus bricht seine Erzählung plötzlich ab, schaut seine Zuhörer an und sagt: „Was ich jetzt erzählt habe, geht euch alle an. Das eine sage ich euch: Gott hat diesem Zöllner seine Last abgenommen und ihm die Schuld vergeben. Er hat das Tor in das himmlische Reich für den Zöllner weit aufgemacht. Er ging getröstet und gerecht gesprochen wieder zurück in sein Haus.

Der Pharisäer aber ging so wieder zurück, wie er gekommen war. Seine Gedanken waren nur bei dem, was er Gutes getan hatte. Gott brauchte er gar nicht. Für ihn war das Tor zu Gott noch zu. Jesus schließt:  „Wer sich selbst groß macht, wird erniedrigt werden, und wer sich selber niedrig macht, wird erhöht werden!“

So ist Gott also: Er sagt „Ja“ zum hoffnungslos verzweifelten Sünder und  „Nein“ zum Selbstgerechten. Er ist ein Gott der Verzweifelten und nicht der Stolzen und Gebildeten. Der Pharisäer bildete sich ja sogar noch ein, er könnte die Untaten seiner Mitmenschen wieder gutmachen, wenn er fastet und den Zehnten gibt. Denn er selber hat ja nichts gutzumachen, weil Gott doch eigentlich ganz zufrieden mit ihm sein mußte. Er merkt gar nicht, daß er auch wie alle anderen Menschen auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen ist.

 

Die Zuhörer Jesu werden gedacht haben: So eine Unverschämtheit! Da meint dieser Zöllner, so einfach kommen zu können und Gott um Gnade bitten zu können! Da könnte man sich doch alle Mühe ersparen. Was haben wir denn da noch vor einem Zöllner voraus? Wir sind doch für Gott mehr wert als ein Zöllner. Irgendwie muß unsere Leistung doch anerkannt werden, muß die Rechnung doch aufgehen!

 

Jesus aber sagt: „Der Zöllner ging hinab gerechtfertigt in sein Haus, nicht der Pharisäer!“ Dieses Urteil Jesu schlägt wie ein Blitz bei seinen Zuhörern ein. Wenn Gott so gnädig ist, dann stimmt ja ihre ganze Rechnung nicht. Wenn alles so einfach ist, dann lohnt sich ja alle Mühe gar nicht. Kopfschüttelnd gehen sie davon: Dieser Jesus ist doch ein sonderbarer Mensch.

 

Der Evangelist Lukas, der uns diese Geschichte aufgeschrieben hat, der hat noch als Bestätigung hinzugefügt: „Wer   erhöht, der wird erniedrigt werden. Und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden!“ Lukas versteht die Geschichte als Warnung vor Hochmut und Mahnung zur Demut, während Jesus doch die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer angreifen wollte und den Zöllnern und Sündern die Gnade Gottes zusprechen wollte.

Aber Lukas hat richtig erfaßt: Da stimmt etwas nicht  in der Rechnung des Pharisäers. Er macht sich selber groß und setzt sich auf einen Thron, von dem aus er auf die anderen herabsehen kann. Das aber ist lieblos und gegen Gottes Gebot. Der Zöllner aber nimmt den Platz ein, der ihm vor Gott zusteht. Er macht sich nicht niedriger, als er ist ,aber er will auch nicht mehr sein; als er ist. Diese Selbsterkenntnis, daß wir vor Gott nichts sind, nennen, wir „Demut“. Der Zöllner hat sie gehabt. Jesus möchte auch seine Zuhörer dafür gewinnen, daß sie seiner Auffassung zustimmen

 

Antwortgespräch:

Wir teilen folgende Prädikate auf Pharisäer und Zöllner auf:

Gesetzestreue, Gewissenhaftigkeit, praktische Frömmigkeit, Absonderung, Leistungsstolz, Selbstbewußtsein, Nüchternheit, Selbsterkenntnis. Selbstkritik, Diesseitstyp, Gewissensmensch, Außenseiter, Geldraffer, Beter, Sünder, Verzweifelter, Selbstgerechter, Schwindler, Gottsucher.

 

Auch kleine Kinder haben da schon ihre Geheimrisse: Wenn sie die Mutter angelogen haben, wenn sie mit dem Bruder gezankt haben, wenn   sie die Spielsachen mutwillig zerbrochen haben. Und die Großen  haben vielleicht etwas mitgenommen, das ihnen nicht gehört. Oder sie haben einem anderen Menschen schlimme Worte gesagt oder ihn gar geschlagen. Wen aber so etwas bedrückt, der darf damit immer zu Gott kommen und ihm alles erzählen. Er darf zu Gott beten und darum bitten, daß Gott ihm deshalb nicht mehr böse ist. Und dann werden wir auch erfahren: Wir können wieder froh werden, denn Gott ist uns wieder gut.

Wir sind doch zunächst einmal der Meinung:  „Gott kann doch nur den frommen Pariser liebhaben und. nicht den lumpigen Zöllner. Er  kann auch nur den treuen Kirchengänger lieben und nicht den, der sagt: „Alle Jahre wieder, aber alle Jahre nur einmal!“  Werden wir denn überhaupt nicht dafür belohnt, daß wir so treu zur Stange gehalten haben?  Entweder gelten die Gebote Gottes, und dann ist es nicht egal, ob man sie peinlich getreu einhält oder ob man sie öffentlich verachtet. Oder die Gebote Gottes sind nicht erst gemeint;  und dann ist der Lump fein heraus und alle Opfer und aller innerer Kampf sind entwertet

Sicherlich gibt es in der Kirche bestimmte Regeln, die unaufgebbar sind. Aber wir dürfen dabei nie die Liebe zu den anderen vergessen, die vielleicht tatsächlich noch nicht so weit sind wie wir. Aber das Gesetz zu predigen ist leicht . Das Gesetz zu halten ist schwerer. Sich nicht zu rühmen, weil man das Gesetz erfüllt hat, ist am schwersten.

Die Rechnung der Pharisäer war: „Gott ist ein gerechter Richter. Er verurteilt den Sünder zum ewigen Tod, er spricht die Frommen gerecht und gibt ihnen das ewige Leben. Wir sind gerecht:  Also haben wir das ewige Leben!“ .Jesus aber streicht die letzten beiden Aussagen durch und sagt: „Keiner ist gerecht, alle werden verurteilt!“ Aber er fügt auch die frohe Botschaft hinzu: „Gott macht den Sünder gerecht!“ Wenn die Pharisäer mit dem richtigen Maßstab messen würden, dann müßten sie erkennen, daß sie auch Sünder sind.  Aber auch ihnen würde dann die Barmherzigkeit Gottes zuteil.

In jedem Menschen steckt so ein Pharisäer, auch in uns.  Wir sagen auch gern: „So etwas wäre mir nicht passiert. So schlecht bin ich nicht.  Natürlich, ein Vorbestrafter, das kann nur dem passieren. Auch in der Schule verweisen wir gern auf die anderen, die noch schlechter sind. Wir sind alle kleine Pharisäer.

Wir prahlen auch oft damit: „Ich habe aber gestern der Mutter beim Abwaschen geholfen Ich habe dem Vater die Hacke zum Garten getragen!“ Andere Kinder aber haben fast jeden Tag beim Abwasch geholfen oder sogar die Stube saubergemacht, ohne große Worte darüber zu verlieren.

Eine alte Frau versucht möglichst unauffällig einen Fünf-Euro-Schein auf den Opferteller in der Kirche zu legen, während ein reicher Bauer sein Zwei-Euro-Stück ordentlich klingen läßt und dabei denkt: „Diesmal kann sich aber niemand beschweren, ich hätte zu wenig gegeben!“

Mancher von uns möchte sicherlich auch gern aufzählen: „Sieh mal, Gott, was ich dir alles zu bieten habe: einmal im Monat zum Gottesdienst, die Kinder gehen alle in den Religionsunterricht und im Kindergottesdienst, zehnmal bin ich Pate, fünfzig Euro habe ich für die :Erneuerung der Kirche gespendet und die Kirchensteuer auch immer pünktlich bezahlt!“ So gibt es unter den kleinen und großen Leuten von Heute auch solche Pharisäer, wie sie Jesus vor Augen gehabt hat.

 

Jesus hat damit auch seine Jünger gemeint. Die hatten sich das Denken der Pharisäer auch nicht so schnell abgewöhnen können (Mt 19,27). Und wir denken im Grunde unsres Herzens auch noch so. Wir sagen auch oft zu unseren Eltern „Aber so schlecht und so frech wie d e r bin ich doch nicht!“ Oder wir reden uns heraus: „Der hat es doch auch gemacht und noch viel schlimmer!“ Oder wir wollen nicht neben einem sitzen, der frech ist, vielleicht auch lügt oder stiehlt. Wir wünschen uns doch immer die neben uns, die wir gut leiden können und die unsere Freunde sind. Doch Gott will auch denen helfen, die nicht fromm und nicht anständig sind; und er will uns helfen, daß wir sie auch liebhaben können.

Es gibt allerdings nicht nur den hochmütigen Pharisäer, sondern auch den hochmütigen Zöllner. Für den ist das Schuldbekenntnis nur ein Trick. Heimlich schnalzt er mit der Zunge, wenn er an die Freude denkt, die Gott doch an so einen zerschlagenen Gewissen und an solcher Selbsterniedrigung haben muß. Ein solcher Zöllner sagt:

„Ich danke dir Gott, daß ich nicht so hochmütig bin wie dieser Pharisäer. Ich bin ein  Verbrecher, Lump und Ehebrecher. So ist nur einmal der Mensch, und ich bin auch so. Aber ich bin mir wenigstens darüber im Klaren und bis deshalb doch noch ein wenig besser als die anderen Ich bin ein anständiger Mensch, weil ich mir nichts vormache. Ich bin wenigstens ein ehrlicher Sünder und führe meinen inneren  Schweinehund offen spazieren und verstecke ihn nicht wie dieser verlogene Spießbürger in den Falten meines Gewandes!“

 

 

 

 

 

 

 

Antwortgespräch:

Der Pharisäer beginnt mit „Ich“, der Zöllner mit „Gott“.

Der Pharisäer zählt seine guten Taten auf, der Zöllner gesteht seine Schuld ein.

Der Pharisäer hat gewissermaßen einen Gutschein bei Gott:

(zweites Gebot, drittes Gebot, siebtes Gebot, Fasten, Verzehnten).

Der Zöllner aber hat nur einen Schuldschein vorzuweisen:

(Erstes Gebot, drittes Gebot, siebtes Gebot,

denkt nicht an Gott, nur an sein Geld).

 

Genauso hat es Luther erlebt, als seine Gemeindeglieder mit dem Ablaßzettel zu ihm kamen. Sie meinten, sie hätten die Vergebung Gottes nicht mehr nötig und hielten ihrem Pfarrer den Gutschein hin. Dabei hatte Luther im Kloster längst erkannt, daß man sich keine Treppe zu Gott bauen kann. Und auch der Pharisäer konnte durch sein Beten, Fasten und Almosengeben nicht zu Gott gelangen.

 

Der Pharisäer macht folgende Rechnung  auf:

„Gott ist ein gerechter Richter.

Ich bin fromm und tue gute Werke

Ich bin gerecht !

            Gott ist gerecht.

Zöllner sind Sünder

            Der Zöllner ist verurteilt

Da hat er sich aber gründlich verrechnet: Gott zerreißt den Gutschein und auch den Schuldschein (beide an der Tafel durchstreichen). Er urteilt nur: Keiner ist gerecht, keiner ist richtig! So wie Luther es in seinem Lied sagt: „Mein guten Werk, die galten nicht!“   Aber die frohe Botschaft lautet: „Gott macht  den Sünder gerecht“ (unter die Scheine schreiben).

 

Es geht hier also nicht um eine Unterweisung über das nichtige Beten, sondern um das Zeugnis von der Rechtfertigung des Sünders. Beim Pharisäer trat an die Stelle des Gottvertrauens das Selbstvertrauen; er suchte nur seinen eigenen Ruhm und hielt damit schon nicht das erste Gebot. Er fragt nur nach dem, was die Leute sagen, und nicht nach Gott.

Der Zöllner aber darf hören, wie es in den Seligpreisungen heißt: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit. Selig sind die geistlich Armen, die wissen, daß sie vor Gott nur wie ein Kind sind, das sich beschenken läßt!“ Vielleicht ärgern wir uns darüber, daß Gott so ist: „Das ist doch ungerecht!“

.Aber wir dürfen hören: „Wir sind die von Gott Beschenkten!“

 

 

 

Der reiche Kornbauer: Lk 12,  13- 21

Lied: „Befiehl du deine Wege“. In diesem Lied sind besonders wichtig die Wörter „Weg“ (= Lebensweg), „Lauf „ (= Lebenslauf), „Bahn“ (= Lebensbahn). Unser Leben ist mit einem Weg zu vergleichen.

Wohin fahrt ihr am liebsten? Wohin möchtet ihr am liebsten fahren? Es gibt kaum einen Menschen, der nicht Sehnsucht hätte, auf Reisen und auf Fahrt zu gehen. Man hat schon vorher  „Reisefieber“ und freut sich, wenn es endlich losgeht. Vor lauter Freude singt man Fahrten- und Wanderlieder („Auf du junger Wandersmann“ singen lassen, letzte Strophe einüben).

Wer auf Fahrt geht, muß aber auch dazu gerüstet sein. Man nimmt nichts Unnötiges oder Überflüssiges mit, wenn man auf Fahrt geht (kein Klavier). Wir freuen uns, wenn wir Reisegefährten haben. Jede Fahrt hat ein Ziel, das wir fest im Auge behalten müs­sen. Und dennoch können wir auch die Heimat nicht vergessen. Mancher bekommt Heimweh auf seiner Reise. Zuerst drängt es uns mit Macht in die Ferne, dann aber zieht es wieder nach Hause.

Unser Leben ist auch so eine „Lebensfahrt“. Die mit uns auf Fahrt sind, nennen wir „Gefährten“. Mann und Frau sind einander „Lebensgefährten“, die machen ihre Lebensfahrt bis zum Ende gemeinsam, sie helfen sich gemeinsam auf ihrem Weg.

Auf diesem Weg gibt es Markierungen, die unser Alter angeben, so wie die Kilometersteine an der Landstraße. Wir können aber auf unserem Lebensweg nur in eine Richtung gehen. Wenn wir etwas vergessen haben, können wir nicht mehr zurück und noch einmal von vorne anfangen.

Wir zeichnen den Lebensweg an die Tafel: Eine Straße mit Kilometersteinen und einem Richtungspfeil und einem Fragezeichen für die Zukunft.

Die einzelnen Stationen auf dem Weg sind: Geburt, Elternhaus, Kindergarten, Schule..Wie geht es weiter? Ihr seid jetzt 11 Jahre. Aber keiner weiß, ob ihr 12 Jahre alt werdet..Wir nehmen es alle an und hoffen es, aber keiner kann es sicher wissen Wir können Pläne  machen, aber wir wissen nicht, ob sie sich werden verwirklichen lassen.

Wir sind auf der Lebensfahrt ständig in Gefahr (aufzählen lassen). Aber es gibt auch noch größere Gefahren. Viele Menschen sagen: „Man will doch etwas vom Leben haben“.  Man will glücklich werden und sich alles leisten können. Dazu braucht man aber Geld (an die Tafel schreiben). Nun wird sich ein Ziel nach dem anderen gesteckt; Sparbuch,  Auto, Haus, Kleidung, Möbel,: Reisen, Freunde, Lebensversicherung...(Ziele zu dem Ausspruch an die Tafel schreiben).

Mancher erreicht nun wirklich den Zeitpunkt, wo er denkt: „So, nun habe ich es erreicht!  Auf mein Hab und Gut kann ich mich verlassen!  Nun kann mir nichts mehr geschehen.  Mein Leben ist gesichert!

Zielangabe I : Wir wollen von einem Mann hören, der glaubte, er brauche Besitz, um glücklich zu werden.

 

Erzählung I  :

Viele Menschen haben sich um Jesus versammelt, um zu hören, was er zu sagen hat. Die Menschen erwarten alles mögliche von ihm: Die einen hoffen auf ein Wunder von ihm, die anderen wollen einen guten Rat von ihm. Sie wissen alle :Jesus kann helfen in vielen Nöten des Lebens.

Da ruft einer dazwischen, er hat ein persönliches Anliegen: „Herr, meine Eltern sind gestorben. Sie haben Haus, Äcker und Geld hinterlassen. Aber mein Bruder will mir mein Erbteil nicht herausgeben. Aber ich muß doch etwas zum Leben haben. Sage doch meinem Bruder, daß er das Erbe mit mir teile!“

Die Umstehenden haben Mitgefühl mit dem Mann. Es ist doch schändlich, wenn man so um sein Recht gebracht wird. Doch Jesus kann sich vorstellen, wie dieser Mann denkt: Tag und Nacht macht er sich Sorgen um seinen Anteil und meint: Wenn ich das Geld nur habe, kann ich sorglos leben. Jesus aber will diesem Mann helfen, noch mehr, als dieser es erbeten hat, so wie ein Arzt vielleicht bei einem Patienten ein viel schwereres Leiden entdeckt als das, weshalb ihn der Mann ursprünglich aufgesucht hat.

Jesus antwortet dem Bittsteller: „Wer hat mich zum Schiedsrichter            in Erbangelegenheiten berufen? Ich bin nicht dazu da, eure Streitigkeiten zu schlichten? Ist denn die Geldfrage das Wichtigste im Leben? Sehet zu und hütet euch vor. der Habgier! Denn niemand lebt davon, daß er reich ist und viele Güter hat!“

 

Besprechung:

Es ist schon recht, daß der Mann zu Jesus geht und nicht zum Gericht oder zu den Schriftgelehrten. Er traut Jesus mehr Macht zu und denkt: „Wenn er etwas sagt, wird mein Bruder auf ihn hören!“ Aber Jesus will ja auch ihm helfen, glücklich zu werden. Der Mann ist bei Jesus genau an der richtigen Stelle, denn Jesus will ihm ganz anders helfen.

Jesus sagt: „Hütet euch vor der Habgier!“ (nicht, wie noch bei Luther, „Geiz“; gemeint ist das immer mehr haben            wollen). Er sagt nicht: „Hütet euch vor dem Besitz!“ Es ist nicht unrecht, wenn man Besitz hat und im 7.Gebot ist der Besitz auch ausdrücklich geschützt. Der Besitzende darf auch gar nicht alles weggeben, so daß er anderen zur Last fällt. Er soll auch frei bleiben von der gefährlichen Abhängigkeit, in die die Armut den Menschen oft bringt . Was der Mensch braucht zur Erhaltung seines Lebens, das ist sein rechtmäßiger Besitz. Die Frage ist nur, was mit dem Überfluß geschehen soll. Es geht nur darum, daß man nicht unnötig Schätze aufhäuft und seine Ansprüche immer mehr steigert („Je mehr er hat, je mehr er will!“). Und außerdem warnt Jesus davor, sich auf irdische Güter zu verlassen,  als könnten sie unser Leben sichern. Dieser Mann hofft, sein Leben sichern zu können. Jesus aber geht wehrlos nach Jerusalem, wo er sein Leben verlieren wird. Deshalb sagt er dem

Mann: „Deine Erbsache ist nicht das Wichtigste. Frage lieber danach, wie du dein Leben bei Gott sichern kannst.

 

Zielangabe II:

Deshalb erzählt Jesus nun von einem Mann, der sich überlegte, was für sein Leben wichtig ist und der sich danach einrichtete. Ob wir wohl auch so gedacht hätten wie dieser Mann?

 

Erzählung II :

Es gibt Jahre, da haben die Felder ganz besonders gut getragen. Da freuen sich die Leute über die reiche Ernte und sagen auch: „Der hat es gut, dem das alles gehört. Der braucht sich jetzt vorerst keine Sorgen zu machen!“

Doch der Besitzer läuft aufgeregt zwischen seinen Feldern hin und her. Er hat einen Notizblock in der Hand, schreibt, schätzt ab, überlegt, rechnet. Seine Stirn legt sich in sorgenvolle Falten: „Meine Scheunen werden nicht ausreichen, wenn all das Getreide eingefahren werden soll, das mir in diesem Jahr gewachsen ist. Was soll ich nur machen. ich kann es doch nicht verkommen lassen und mich im nächsten Jahr wieder abrackern!“

Doch auf einmal hellt sich sein Gesicht auf. Er schnalzt mit dem Finger und lacht vor sich hin. Warum wird er so fröhlich? Will er seinen Reichtum etwa verschenken? Nein, dieser Mann denkt nur an sich: „Ich will meine alten Scheunen abreißen und neue, größere bauen. Ich kann es nicht alles auf einmal gebrauchen, denn es ist doch viel zu viel. Aber es gehört doch ihm - ihm ganz allein!“

Er geht auf den Hof, ruft seine Leute zusammen und bespricht gleich alles mit ihnen. Am nächsten Morgen soll gleich mit allem angefangen werden. Am Abend sitzt er in seinem Sessel und denkt über seine Pläne nach. Er rechnet seinen Gewinn aus und überlegt, wie lange er jetzt wohl sorglos wird leben können.

Zufrieden streicht er sich über den Bart und spricht zu sich selber vor sich hin: „Liebe Seele, du hast nun Ruh. Du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre. Iß und trink und habe guten Mut!“ Er denkt: „Nun hab ich es geschafft. Nun bin ich ganz oben. Jetzt kann mir nichts mehr, passieren und mein Leben ist gesichert!“

Wir würden sagen: „Er ist ein kluger und ein glücklicher Mann!“ Aber eins hat dieser Mann vergessen bei all seinem rechnen: „Er hat nicht mit Gott gerechnet!“ Doch Gott spricht in der Nacht im Traum zu ihm: „Du Narr! Heute noch wird man dein Leben von dir fordern. Und wem wird das alles gehören, was du geschafft und vorbereitet hast?“

Am anderen Morgen warten die Arbeiter darauf, daß die Arbeitseinteilung bekanntgegeben wird. Doch der Chef kommt nicht.  Schließlich geht einer ins Haus, klopft an seinem Zimmer. Niemand antwortet. Da geht er hinein und findet ihn tot im Bett liegen.

Die Leute haben die Beispielgeschichte Jesu gehört. Aber haben sie auch verstanden, was ihnen Jesus damit sagen wollte? Vielleicht sind viele sehr nachdenklich geworden. „Niemand lebt davon, daß er viele Güter hat!“ hatte Jesus gesagt. Ja, wovon lebt der Mensch? Was ist das Wichtigste im Leben eines Menschen.

Später als man diese Geschichte weitererzählte, hat einer die Warnung hinzugefügt: „So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich für Gott!“ Er wollte damit darauf hinweisen: Es kommt in unserem Leben allein darauf an, ob wir uns Schätze im Himmel, bei Gott, sammeln.

 

Antwortgespräch:

Wir hören ein sehr hartes Urteil über diesen Menschen. Ob wir ihn auch einen „Narren“ nennen würden? Kann man nicht doch viel Gutes an ihm finden? (An der Tafel untereinander schreiben): Er ist fleißig, er plant, er rechnet, er denkt nach, er handelt schnell, er ist entschlossen, er ist vorsorglicher plant auf weite Sicht - Summe: Ein kluger Mann, ein tüchtiger, umsichtiger Geschäftsmann!

 

Kaufmann-Bild ohne Totenkopf zeigen: Der Bauer hat die Geldsäcke um sich herumgestellt, wie eine Burg, die ihn beschützt. Er fühlt sich sicher hinter diesem Wall und klammert sich an sein Geld. Er ist der Normalfall des gottlosen Menschen, der nicht mit dem Tod und nicht mit Gott rechnet.

 

Kaufmann-Bild mit Totenkopf zeigen: Der Mann ist nicht einfach ein Dummer (so verstehen wir heute oft das Wort „Narr“). Er hat sicher auch gewußt, daß er einmal wird sterben müssen und daß ihm dann all sein Reichtum nichts nützt.  Aber er denkt nicht, daß der Tod schon vor der Tür stehen könnte. Er vergißt Gott und ist deshalb gottlos; deshalb wird er als „Narr“ bezeichnet.

Tafelanschrift: Wie Gott den Bauern sieht: Er verläßt sich auf seinen Reichtum, er will sein Leben sichern, er vergißt den Tod, er vergißt Gott, er vergißt die Mitmenschen; Summe: Er ist ein „Narr“! Tafelanschrift:  „Verrechnet“!

Wo liegt der Fehler in dem Plan? Er rechnet nicht mit Gott und deshalb rechnet er auch nicht mit dem Mitmenschen. Aber nun gibt es kein Zurück mehr für ihn, seine Fehler sind nicht wieder gutzumachen.

Wir wünschen uns doch auch so vieles, das wir für unser Leben für wichtig halten. Doch wenn wir es dann haben, fällt uns etwas anderes auf und wir sagen: „Ich war ja dumm!“ Da ist es doch besser, wenn wir gleich richtig wählen.

Wir leben nur recht, wenn wir mit Gott rechnen und auf sein Wort hören. Gott legt un­seren Lebensweg fest und gibt uns auf diesem Weg alles, was wir brauchen. Deshalb brauchen wir uns keine Sorgen um das Ziel zu machen und wie wir dorthin kom­men! Gott kennt das Ziel und hilft uns auch, es zu erreichen.

Der Bauer aber hat nicht an das Ziel seiner Lebensfahrt gedacht. Er hat nicht erkannt, daß allein Gott für ihn sorgt und ihn auf seiner Fahrt bis zum Ziel erhält. Er weiß nicht, daß alles, was er brauchen und gebrauchen kann, Gottes gute Gabe an ihn ist.

Der Bauer denkt nur an sich. Er steht in der Mitte und redet nur zu sich selber. Gott aber redet dazwischen und spricht vom Tode. Da sucht der Mann einen Halt und will sich festhalten an seinem Besitz. Aber das hilft ihm nichts.

Manche Leute sagen: „Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt!“ Sie beneiden die Leute, die im Lotto oder Toto gewonnen haben. Oft haben die Gewinner mit ihrem Geld nichts rechtes anfangen können, sie machten sich Tag und  Nacht Sorgen darüber, wie sie es wohl anlegen könnten. Viele waren nach Jahren ärmer als zuvor und hatten viel Schlimmes durchgemacht, weil sie sich zu sehr ans Ausgeben gewöhnt hatten.

Jesus sagt: „Zur Ruhe kommen könnt ihr nur, wenn ihr reich seid in Gott!“ Wie hätte das wohl bei dem Bauern ausgesehen? Er hätte Gott danken können, er hätten offen sein können für die Not anderer Menschen, er hätte sich als Verwalter und nicht als Besitzer fühlen können, er wäre bereit gewesen ,jederzeit Besitz und Leben in die Hände Gottes zurückzulegen.

Nur so kann die Lebensrechnung dann stimmen. Nur so lebt man glücklich und beruhigt.. Nur so ist man klug. Im Alten Testament heißt es in einem Gebet: „Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden!“ Nur so haben wir etwas vom Leben. Der reiche Bauer hat nur ein Herz, indem steht „Geld“ drin. Gott aber will ein Herz, in dem „Gott“ steht, in dem aber auch die anderen Menschen nicht vergessen sind.

Der Bauer baut einen Zaun zwischen sich und seinem Besitz auf der einen Seite und den anderen Menschen auf der anderen Seite; deshalb steht er unter der Drohung Gottes. Gott aber will, da0 wir die anderen zu unserem Reichtum einladen und sie daran teilhaben lassen. Dann sind wir mit Gott und unseren Nächsten zu einem großen Kreis zusammengeschlossen. Wer aber den Weg zu Gott mit seinen Scheunen verbaut, der verliert das Ziel seines Lebens aus den Augen.

Der reiche Bauer spricht nur mit sich selber, aber er redet nicht mit Gott. Wir aber beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ Mit dem Wort „Brot“' ist all das gemeint, was wir zum Leben notwendig brauchen. Gott aber will uns all das geben, was wir brauchen, wenn wir auf unserer Lebensfahrt sind (Nahrung, Kleidung, Wohnung, Gesundheit, Liebe, Vertrauen, Freunde, Glaube, Gott).

 

Wir leben hier „im Elend“, in der Heimatlosigkeit, in der Fremde. Deshalb wissen wir auch: Wir können nichts von all den Sachen mitnehmen, wenn wir am Ziel unserer Fahrt angelangt sind.

Gott erhält allerdings auch die Menschen, die nichts von Gott wissen oder nichts von ihm wissen wollen. Das zeigt ja gerade das Beispiel des reichen Bauern. Es geht ihm ja anscheinend besser als denen, die beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“

Wenn wir Gott darum bitten, dann bekennen wir :“Gott ist unser Vater, der für uns sorgt und der uns erhält, der mit uns redet, wie ein Vater zu seinen Kindern spricht. Aber wir wissen dann auch, daß wir hier keine bleibende Stadt haben. Und eines Tages geschieht es dann, daß wir „heimfahrn aus diesem Elende“.

Bis dahin aber dürfen wir fröhliche Wanderer sein, weil wir wissen, daß Gott am Ende unserer Lebensfahrt steht und auf uns wartet. Deshalb dürfen wir ihm danken und ihn loben mit Herzen, Mund und Händen (vergleiche wieder die letzte Strophe von „Auf du junger Wandersmann“).

Am Erntedankfest bekennen wir vor aller Welt: Alles, was wir für unsere Lebensfahrt brauchen, ist Geschenk Gottes, unseres Vaters im Himmel. Darum singen wir auch in dieser Zeit: „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn!“ Wir können Erntegaben nicht direkt an Gott geben, wir geben sie anderen Menschen.

 

 

 

Reich -  Gottes - Gleichnisse

 

Von den Arbeitern im Weinberg: Mt 20, 1 -16

(Gleichnis vom gütigen Arbeitsherrn)

 

Hinführung:

Bilder von Menschen zeigen, die etwas geleistet haben (Arbeiter, Wissenschaftler, Sportler). Wenn die Mutter den größeren oder den kleineren Kindern mehr geben als den anderen, dann fühlen sich die Benachteiligten ungerecht beurteilt und behandelt. Jeder soll doch das Gleiche erhalten. In der Familie jedenfalls würde protestiert. Wenn die Geschichte, die wir jetzt hören wollen, heute so passiert wäre, hätte es bestimmt einen wütenden Protest oder sogar einer Prozeß gegeben. Aber wenn Jesus so eine Geschichte erzählt, will er ja nicht über ein wirkliches Ereignis berichten, sondern er will uns an einem solchen Beispiel etwas über Gott deutlich machen. So wollen wir jetzt auf die Geschichte hören.

 

Erzählung:

Ein Weinbergbesitzer geht früh am Morgen auf der Markt, um Arbeiter für seinen Weinberg zu finden. Er ist mitten in der Ernte, da kann er jede Hand gebrauchen. Ehe das Wetter wieder schlechter wird, soll noch alles drin sein. So geht er schon früh bei Sonnenaufgang los, so um 6 Uhr herum.

In der Tat stehen auch schon Männer auf dem Markt herum und warten auf eine Gelegenheitsarbeit. Nur für diesen einen Tag sollen sie angestellt werden. Der Bauer  einigt sich mit den Männern auf einen Silbergroschen. Das ist der übliche Tagelohn. Es ist nicht sehr viel, damit kann man gerade eine Familie ernähren kann; aber es ist immerhin mehr als nichts. Diese Männer schickt der Weinbergbesitzer in seinen Weinberg.

Um 9 Uhr geht er wieder zum Markt und sieht dort andere Männer untätig  herumstehen. Er spricht zu ihnen: „Geht ihr auch hin in meinen Weinberg. Ich will euch geben, was recht ist!“ Er macht keinen bestimmten Lohn mit ihnen aus; aber sie nehmen natürlich an, daß er den üblichen Lohn zahlen wird. So gehen sie also hin. Auch um 12 und um 15 Uhr findet der Weinbauer noch Männer, die in seinen Weinberg gehen.   

Schließlich geht er auch kurz vor Feierabend, so um 17 Uhr, noch einmal auf den Markt. Da stehen immer noch Männern herum. Er spricht sie an und fragt sie: „Was steht ihr hier denn den ganzen Tag untätig herum?“ Sie antworten: „Es hat uns niemand angeworben und verpflichtet. Wir haben es an verschiedenen Stellen versucht, aber es hat nicht geklappt. Da spricht der Weinbergsbesitzer: „Geht ihr auch hin in meinen Weinberg!“

Am Abend sagt der Henn des Weinbergs zu seinem Verwalter: „Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn. Fang an bei den Zuletztgekommenen und gehe dann weiter bis zu den Ersten!“ Der Verwalter hat schon verstanden: Er soll an alle den angemessenen Lohn auszahlen, er kennt ja seinen Herren!

Er beginnt bei denen, die erst eine Stunde vor Feierabend gekommen sind. Sie erhalten einen Silbergroschen, der vollen Lohn für einen ganzen Tag. Das hätten sie nicht erwartet! Sie sind hoch erfreut! Das ist aber ein gütiger Henn, denken sie. Jetzt ist wenigstens die Nahrung für den kommenden Tag gesichert.

Die anderen Arbeiter haben das natürlich mitgekriegt. Sie rechnen sich schon aus: Wenn die schon soviel kriegen, dann werden wir doch entsprechend mehr kriegen. .Aber auch die Erster bekommen nur einen Silbergroschen, so wie es vereinbart war. Sie werden also nicht übervorteilt oder ausgenutzt, sondern bekommen, was ihnen zusteht. Sie :werden gerecht entlohnt.

Doch sie beginnen zu murren gegenüber dem Weinbergbesitzer: „Diese letzten haben nur e i n e Stunde gearbeitet. Aber du hast sie uns gleichgemacht, die wir die Last und Hitze des Tages getragen haben. Das geht doch nicht!“ Der Weinbauer aber antwortet einem von ihnen: „Mein Freundchen, ich tue dir nicht Unrecht .Hast du dich nicht mit mir geeinigt auf einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh!“ Die Arbeiter haben ihn nicht höflich angeredet. Er aber will mit ihnen reden und wirbt um ihr Verständnis.

Deshalb erklärt er ihnen: „Ich will diesen letzten geben wie dir. Kann ich nicht mit dem Meinen tun, was ich will. Ich kann doch das verschenken, was mir gehört. Siehst du deshalb so böse drein, weil ich so gütig bin?“ Wie die Sache ausging, wissen wir nicht. Hoffentlich waren die anderen nun zufrieden.

Als der Evangelist Matthäus diese Geschichte aufgeschrieben hat, hat er noch ein anderes Wort Jesu angefügt, weil es ihm hier gut zu passen schien: „So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein!“

 

Antwortgespräch:

 Das Gleichnis will uns zeigen, wie es zugeht, wo Gott herrscht. Wir dürfen Gottes Handeln nicht mit unseren Maßstäben messen. Er stellt Menschen in seinen Dienst (als „Arbeiter in seinem Weinberg“). Dafür gibt es auch einen Lohn, aber er ist immer ein Gnadengeschenk, denn Gott gibt immer mehr, als man verdienen kann. Es liegt auch an Gott allein, wer er in seinen Dienst ruft und wann er ihn ruft. Für ihn lohnt es sich auch noch, wenn er einer in der letzter Stunde ruft. Hier wird nicht die Rechtsordnung gebrochen, sondern die Güte Gottes gezeigt; Güte aber kann man nicht mißbilligen.

Das Gleichnis ist zu Menschen gesagt, die an der Botschaft Jesu von der Güte Gottes Anstoß nehmen. Das können die frommen Pharisäer sein, die schon immer meinten, sie gehörten aber ganz sicher zu Gott.

Das können auch die Jünger Jesu sein, die alles verlassen haben und ihm nachgefolgt sind. Aber deswegen haben sie keine Ansprüche gegenüber Gott. Es gibt keinen höheren oder besserer Lohn für die, die länger an der Sache Jesu arbeiten. Auch die Jünger haben keine größerer Lohnansprüche zu stellen als andere Menschen auch, die mit Jesus ziehen und ihn verkündigen.

Selbst die Sünder können noch zu Gott kommen. Das macht ja Jesus mit seinem Verhalten deutlich. Sein Handeln ist Rahmen für die Gleichnisse. Jesus hat ja Gute und Böse einander gleichgesetzt und damit die heilige Ordnung gestört. Seine Gegner kritisieren ihn deswegen, weil er es auch an jeder erzieherischen Mahnung fehlen läßt. Jesus aber möchte Menschen anwerben für die Güte, das heißt daß

sie solche Güte üben wie der Weinbergsbesitzer im Gleichnis.

Andererseits können wir nicht aus Faulheit oder Bequemlichkeit uns noch Zeit lassen und zum Beispiel sagen: „Wenn ich Rentner bin, kann ich immer noch Christ werden!“ oder: „Die Kirche ist ja kein Frosch, sie hüpft nicht weg!“ Denn wer kann wissen, daß Gott ihn noch einmal rufen wird?

Keiner kann sagen: „Ich habe nichts von Gott gehört!“ Wir haben es von den Eltern, im Kindergarten, im Kindergottesdienst, im Religionsunterricht, in der Konfirmandenstunde, selbst im Radio und Fernsehen gehört. Jeden Tag rufen die Glocken zum Gebet und am Sonntag zum Gottesdienst.

Wir können zwar den Zeitpunkt einer „Bekehrung“ nicht von uns aus bestimmen. Aber keiner kann sagen: „Für mich ist es zu spät!“ Vielleicht hat man lange Zeit als unbeteiligter Zuschauer dabei gesessen. Aber auf einmal zündet es! Gott hat nicht schon alles von vornherein festgelegt, sondern er baut den freien Willen des Menschen in seinen Plan ein.

 

Miniatur aus dem Codex aureus von Echternach:

Auf dem Bild von 31 Zentimeter Höhe und 23 Zentimeter Breite ist das Gleichnis in drei Bildstreifen übereinander dargestellt. Oben sehen wir zweimal den Weinbergbesitzer in Verhandlungen mit Männern. Die Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger betont die Abmachung mit ihnen. Einige wenden sich schon zur Arbeit. Alles ist auf zwei Szenen konzentriert (nicht fünfmaliger Vertragsschluß).

In der Mitte sieht man viele Männer bei der Arbeit (im Gleichnis wird das nicht ausdrücklich erwähnt). Mit schweren Hacken lockern sie den Boden, mit großen Winzermessern beschneiden sie die Reben der Weinstöcke (also nicht die Erntesituation angenommen). Der Mann mit dem roten Rock gliedert den Bildstreifen. Er gehört zu denen, die in letzter Stunde kamen, vielleicht ist er überhaupt der letzte gewesen. Hier steht er schon in der Mitte des Bildes, unten wird er als erster bei der Auszahlung stehen.

Auf dem unteren Bild ist der Weinbergbesitzer zweimal zu sehen vor seinem Haus, um den Lohn auszuzahlen. Vornean steht der Mann mit dem roten Rock. Der Weinbauer zeigt mit der Hand nach oben: Im Gleichnis geht es gar nicht um die gerechte Entlohnung, sondern um die unverdiente Gnade Gottes. Der Mann im roten Rock folgt seiner Gebärde mit dem Blick und mit der Hand. Auf der rechten Bildhälfte dagegen strecken die „Ersten“ fordernd die Hände dem Verwalter entgegen, drohend haben sie die Hacken erhoben. Einer reckt sich vom Bildrand her ganz nach vorn und hält dem Verwalter empört sein Geldstück hin; sein Gesicht ist rot angelaufen, sein Auge sieht nach der Seite (er sieht „scheel“, wie Luther übersetzt hat). Der Weinbauer beruhigt und mahnt: „Siehst du darum so zornig, weil ich so gütig bin!?“

 

 

Der reiche Mann und der arme Lazarus: Lk 16, 19 - 31

Einstieg:

In Todesanzeigen lesen wir manchmal: „Er war ein guter Mensch, ein treusorgender Vater oder eine aufopferungsvolle Mutter“. Doch ob Gott auch so über den Menschen denkt, ist noch die Frage. Gott beurteilt die Menschen nach anderen Maßstäben. Vor allem fragt er danach, ob einer auf sein Wort gehört hat und entsprechend den Menschen geholfen hat.

Manche Kinder beten: „Lieber Gott, mach mich fromm, daß ich in den Himmel komm!“ Doch viele werden sich gar nicht überlegen, was damit gemeint ist. Man kann sich auch nur schwer vorstellen, was nach dem Tode sein wird. Die Menschen zur Zeit Jesu meinten, es sei ein herrliches Festessen. Dabei sollten Abraham und alle, die an Gott geglaubt hatten, mit dabei sein. Und eine besondere Ehre wäre es, ganz nahe an der Seite Abrahams sitzen zu dürfen.

Heute sagen viele: „Mit dem Tode ist alles aus!“ Das sagen sogar Menschen, die zur Kirche gehören: Wenn ein Mensch gestorben ist, dann sieht es doch auch ganz so aus, denn der Mensch kann nicht mehr essen trinken, nicht mehr arbeiten und sich freuen, nichts einkaufen oder verkaufen.

Deshalb leben viele Menschen nach dem Spruch: „Laßt uns essen und trinken und fröhlich sein, denn morgen sind wir tot!“ Sie wollen noch jeden Lebenstag genießen, gut essen und trinken, viel Geld verdienen und sich was leisten können, denn nachher geht es nicht mehr. Aber ist mit dem Tode wirklich alles aus? (Den Satz kann man dann auch auf Flanellstreifen schreiben und dann entsprechend umstellen: „Mit dem Tode / ist / alles aus“ wird umgestellt zu: „Ist / mit dem Tode / alles aus ?“)

Jesus jedenfalls hat eine Erzählung seiner Zeit aufgenommen, um deutlich zu machen: „Wir müssen in dieser Welt nach dem Willen Gottes leben, damit wir eine Zukunft bei Gott haben!“

 

Erzählung:

Einst lebte ein reicher Mann. Der wohnte in einem prächtigen Haus und kleidete sich in prachtvolle Gewänder wie ein König. Er trug ein purpurnes Obergewand, und sein Untergewand war aus kostbarer ägyptischer Leinwand. Er sah aus wie ein König und fühlte sich wie ein König. Er lebte alle Tage herrlich und in Freuden, feierte Feste mit seinen Freunden und ließ es sich wohl sein .Er hatte ja alles, er konnte es sich leisten.

Reichtum ist an sich nichts verwerfliches. Daran war der Reiche nicht schuld. Man kann höchstens sagen: „Nach Gottes Willen soll der Mensch arbeiten und nicht jeden Tag nur seinen Vergnügungen nachgehen!“ Aber an sich kann der Reiche ja nichts dafür, daß er reich ist.

Schlimm war nur, daß er bei seinen Festen nicht sah, wie das Elend vor seiner Tür lag. Es lag da in der Gestalt des armen Lazarus, eines Bettlers, der über und über mit Geschwüren bedeckt war. Außerdem ist er gelähmt, denn jeden Tag tragen seine Verwandten ihn vor die Tür des reichen Mannes.

Der Name „Lazarus“ war damals beliebt. Er bedeutet so viel wie „Gott hilft“. Damit soll wohl gesagt werden: Der Arme trug sein Los mit Geduld und Gott war seine einzige Zuversicht. Jedenfalls war er einer, der ganz auf die Hilfe Gottes angewiesen war. Menschlich gesehen war er ganz „auf den Hund gekommen“, denn immer wieder kamen die Hunde und leckten ihn an den Geschwüren und er konnte nichts dagegen tun.

Sicher hat der reiche Mann den armen Lazarus bemerkt. Aber er tut nichts für ihn, sondern sieht an ihm vorbei, als wäre er nicht vorhanden .Er hätte ihm wenigstens die Brotbrocken geben können, die von seinem Tisch fielen. .Man aß ja mit den Fingern und tauchte die Bissen in eine gemeinsame Schüssel. Bei reichen Leuten wischte man sich dann die Finger mit Brot ab und warf die Brocken unter den Tisch, wo sie von herumstreunenden Hunden gefressen wurden.

Offenbar konnte Lazarus immer wieder einmal einen solchen Brocken erwischen, denn sonst hätte man ihn nicht dorthin gebracht. Aber meist war es so, daß die Hunde an ihm herumleckten und seine Schmerzen vergrößerten. Und er konnte nichts dagegen tun. Außerdem galten die Hunde als unrein. Wer mit ihnen in Berührung kam, wurde selber auch unrein und wurde aus der Gemeinschaft der Menschen ausgestoßen. Lazarus war ganz unten angekommen.

Jesus hat sicher aus eigener Anschauung solche Elendsbilder gekannt. Aber die meisten Menschen seiner Zeit hielten solche Unterschiede für in Ordnung und von Gott gewollt. Man sagte: „Irdische Güter sind Segen von Gott. Man muß sie zu vermehren versuchen, um einen Beweis der Gunst Gottes in Händen zu haben!“ Mangel an Besitz war ein Zeichen einer Schuld. Wenn der Segen ausblieb, dann wollte Gott das so, dann mußte man sich damit abfinden.

Eines Tages aber sterben beide bald kurz nacheinander. Das Begräbnis des Armen wird nicht erwähnt, es wird armselig genug gewesen sein. Der Reiche dagegen wird mit allem Prunk beerdigt worden sein. Aber dann kommt das Erwachen: Der Arme wird von den Engeln Gottes getragen „in Abrahams Schoß“, das heißt: er darf bei dem himmlischen Festmahl ganz nahe an der Seite Abrahams sitzen. Man stellte sich damals vor, daß .die Verstorbenen in ein Totenreich kommen, das aus zwei nahe beieinanderliegenden Abteilungen besteht: Die Gläubigen kommen in das Paradies, wo sie warten und für das Leben bei Gott zugerüstet werden. Die Ungläubigen und Bösen aber kommen in die Hölle, wo schon das Gericht Gottes beginnt. Die Qual wird als ein verzehrender Durst beschrieben, verursacht von einer Flamme, die nicht zerstört, aber verschmachten läßt - eine schlimme Strafe.

An diesen Ort der Qual kommt der reiche Mann. Seine Qual wird noch dadurch gesteigert, daß er nun Lazarus immer vor Augen hat. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt:  Jetzt geht es Lazarus gut und dem Reichen geht es schlecht. Jetzt auf einmal nimmt der Reiche den Lazarus wahr, den er in seinem Leben immer übersehen

hat. Damals war er gewohnt zu befehlen, jetzt muß er selber bitten. Er möchte, daß der ihm einen Dienst erweist, dem er selber zu seinen Lebzeiten den Dienst schuldig geblieben ist. Es ist nur eine ganz kleine Sache: Bei Lazarus waren es einige Brocken, jetzt ist es ein einziger Tropfen Wasser.

Auf einmal erinnert sich der Reiche daran, daß auch Lazarus zum erwählten Volk gehört und ein „Sohn Abrahams“ ist. Er ruft hinüber: „Vater Abraham, erbarme dich über mich und sende Lazarus, daß er das Äußerste seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge, denn ich leide Pein in dieser Flamme!“

Abraham aber kann dem Wunsch des Reichen nicht entsprechen, weil Gott bereits sein Urteil gesprochen hat: Wer nicht an den hungernden Mitmenschen gedacht hat, kommt in die Gottesferne. Es geht nicht um eine ausgleichende Gerechtigkeit, daß im Himmel alles umgedreht sein soll, sondern angesprochen werden diejenigen, die alles für sich behalten wollen. Deshalb wird dem Reichen auch seine kleine Bitte versagt.

So muß Abraham sagen: „Mein Sohn, du hast das Gute in deinem Leben empfangen. Lazarus dagegen hat Böses empfangen. Nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt. Außerdem ist eine große Kluft zwischen euch und uns. Wir können unmöglich zu euch kommen und ihr nicht zu uns!“ Also kann auch Abraham nicht helfen, wie es damals viele Juden hofften. Auch der Reiche muß nun einsehen, daß es keine Hilfe gibt.

Da fällen ihm mit Schrecken seine Brüder ein. Sie leben ja noch heute so, wie er es getan hat und verbrauchen ihre Güter nur für sich selbst. Da werden sie unweigerlich ja auch hierher kommen, denkt er. Das ist nicht ein Zeichen dafür, daß er sich jetzt geändert hätte, sondern jetzt soll noch die Frage beantwortet werden: „Wie kann man noch schnell sein Leben vor Gott in Ordnung bringen?“

Deshalb bittet der Reiche den Abraham: „Sende doch Lazarus zu meinen Brüdern, damit er sie warne, damit sie nicht auch hierher kommen!“ Doch Abraham antwortet: „Sie haben doch Mose und die Propheten, auf die können sie hören!“ Sie haben doch das ganze Wort Gottes, sie haben Gottes Gebote und seine Verheißungen. Dort steht doch: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ oder „Brich dem Hungrigen dein Brot!“

Aber der Reiche ist mit dieser Antwort noch nicht zufrieden. Jetzt wünscht er von Abraham ein Zeichen, ein Wunder: das würde alle überzeugen! Der Reiche meint: Wenn ein Verstorbener zurückkäme und sagen könnte: „Es gibt tatsächlich eine Strafe Gottes“, dann würden die Menschen sich ändern.

Aber Abraham lehnt wiederum ab: „Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn einer von den Toten auferstünde!“ Wer Gottes Stimme überhört und den Nächsten übersieht, der läßt sich auch durch Wunder nicht stören, der hält von vornherein Gott und sein Gericht für Unsinn. Die menschliche Vernunft würde nicht ruhen und rasten, bis sie das Wunder „erklärt“ hat und damit beiseite geschoben hat. Angesichts von „Beweisen“ würde man die Änderung des Lebens auf die lange Bank schieben. Ein Wunder schafft nicht den Glauben, sondern setzt ihn voraus!

 

Antwortgespräch:

Anhand eines Flanellbildes wird der Umschwung in dieser Geschichte deutlich gemacht: Der Arme darf ganz bei Gott sein, der andere ist weit weg von Gott. Ein dicker schwarzer Balken zwischen ihnen macht deutlich: das ist nun endgültig! (Bild 1).

Wir hören aus dem Leben der Menschen (Balken entfernen): Der eine war reich mit allen Attributen des Reichtums, der zweite war arm mit allen üblichen Merkmalen. Aber beide kennen sie Gottes Wort und beide sind sie Abrahams Kinder. Beide hören sie die Gebote (in der Zusammenfassung Jesu)(Pfeile)(Bild 2).

Das Wort Gottes spielt bei Lazarus eine Rolle (Figur mit erhobenen Händen). Der Reiche aber meint, Gott nicht zu brauchen, er hat ja alles; es steht um ihn herum und schirmt ihn gegen Gott ab. Deshalb konnte er auch die Not des Menschen vor seiner Tür nicht sehen. Auch dem Armen hätte das passieren können, wenn die Not ihn so ausgefüllt hätte, daß Gott und die Menschen keinen Platz mehr bei ihm gehabt hätten(Bild 3).

Wir sind nicht in dieser  Weise reich oder arm wie die Menschen in dieser Geschichte. Aber auch zu uns redet Gott in seinem Wort. Aber auch uns könnten Dinge so ausfüllen, daß wir Gottes Wort nicht beachten und die Menschen übersehen, die uns brauchen. Nur wenn wir zu Gott und zu dem Mitmenschen in Beziehung treten, machen wir es richtig (Bild 4).

 

Jesus will hier keine Mitteilungen über Himmel und Hölle machen. Er greift die damals gängigen Vorstellungen darüber auf, setzt sich aber nicht mit ihnen auseinander. Die Qualen des Reichen und das Freudenmahl für den Armen sind Bilder, die das „fern von Gott“ und das „geborgen bei Gott“ ausdrücken sollen.

An sich findet gar keine Umkehrung im Jenseits statt: Lazarus hat das, was er im Leben auch schon hatte, nämlich Gottes Nähe. Der Reiche aber brauchte Gott in seinem Leben nicht, nun erlebt er die wahre Gottesferne.

Vielleicht hat sich die Geschichte an die Sadduzäer gerichtet, die meist reich waren, Diesseitsmenschen, politische Führer. Vor allem glaubten sie nicht an die Auferstehung und ein Gericht nach dem Tode - ganz wie die Brüder des reichen Mannes. Sie verlangten nach einem Zeichen ,wie es die Brüder erfahren sollen, aber es wird ihnen nicht gewährt.

Der Reiche kommt nicht an den Ort der Qual, weil er reich ist. Auch Abraham war reich und war doch gesegnet. Der Reiche war auch nicht hartherzig, denn er hat Lazarus immerhin nicht fortgejagt. Aber er kommt an den Ort der Qual, weil er sich nicht um den anderen gekümmert hat und nur an sich selbst und seine Freunde gedacht hat.

Hier wird also die fromme Anschauung zerschlagen, als verbürgten irdische Güter unbedingt das Wohlwollen Gottes, und als könne man sie ungestört genießen, ohne sich dem leidenden Mitmenschen verpflichtet zu wissen. Sicher ist auch der Reiche ein „Kind Abrahams“ (er darf ihn als „Vater Abraham“ anreden) . Aber das entschuldigt oder schützt ihn nicht, sondern verschlimmert seine Lage nur. Er hätte es ja wissen müssen. Ihm war die Bibel von klein auf bekannt; aber offenbar so bekannt, daß er es gar nicht mehr für nötig erachtete, auf das Wort der Bibel zu achten.

Man hat dem Christentum oft vorgeworfen, es nehme die sozialen Mißstände kritiklos hin und ermahne die Armen zur Geduld und vertröste sie auf ein besseres Jenseits. Doch es geht hier nicht um ein Trostwort für die Armen (Lazarus bleibt im Hintergrund), sondern um ein Gerichtswort gegen die Reichen und gegen deren Rücksichtslosigkeit, mit der sie die Armen übersehen. Ihnen wird ganz unmißverständlich gesagt: Mit dem Tode ist nicht alles aus. Im Gegenteil: Es gibt eine Trennung, die einen kommen in die „Seligkeit“, die anderen in das „ewige Verderben“. An Gottes

Wort entscheidet sich, wohin man kommt. Seine Gebote sind wie Wegweiser, die nach links und rechts zeigen und die unmißverständlich klar machen, welches der Weg Gottes ist.

 

 

Schalksknecht: Mt 18, 21 -35

Hinführung:

Habt ihr schon einmal der Ausspruch gehört: „Jetzt langt mir's aber!“ oder: „Das geht mir über die Hutschnur!“ oder: „Da platzt mir der Kragen!?“ Wenn Kinder frech sind, ist die Geduld der Erwachsenen einmal zu Ende und es folgt die Abrechnung. Wenn es zuviel wird, gibt es keine Vergebung mehr, sondern: „Wer nicht hören will, muß fühlen!“

Manchmal wäre es aber gut, wenn wir mehr bereit wären zur Verzeihung:

1.Frau Hamann war für die nächste Prämie vorgeschlagen. Frau Lindner aber hat das in wenig schöner Weise hintertrieben und selber die Prämie bekommen. Hinterher hatte sie ein schlechtes Gewisser und wollte die Sache wieder gut machen. Aber Frau Hamann sagt: „Das verzeihe ich der Lindner nie. Als sie neulich mit mir reden wollte, habe ich sie einfach stehen gelassen. Die ist für mich erledigt!“

2.Wenner trifft den Pfarrer und warnt ihn davor, den Heinz auf der Kirchenkasse an­zustellen: „Ich weiß nicht, ob sie das bereuen werden. Der Heinz hat nämlich einmal ganz schön tief in die Ladenkasse gegriffen, als er noch bei mir Verkäufer war. Als es herauskam, stellte sich heraus, daß er es aus einer Notlage heraus getan hatte und wir haben uns dann geeinigt: Er hat sich entschuldigt und gab alles zurück. Aber warnen möchte ich Sie doch vor ihm!“

Wenn wir aber einem verziehen haben, ist das Unrecht doch abgetan und muß vergessen sein. Wer immer noch davon redet, der kann nicht behaupten, er hätte sich mit dem anderen geeinigt. Wir sollten aber schon dann zur Vergebung bereit sein, wenn der andere noch gar nicht darum gebeten hat. Wir sollten nicht nur zu denen gut sein, die auch zu uns freundlich sind. Gott gibt uns ja auch viel Gutes,  wenn wir böse sind; da sollten wir auch zur Vergebung und zur Hilfe bereit sein.

Wie sieht es aber oft aus: Da kommt ein Mädchen zu ihrer Freundin und fragt, wie die Rechenaufgabe zu lösen ist. Gemeinsam gehen sie an die schwere Aufgabe. Aber noch am gleichen Tag kommt ein anderes Mädchen aus der Klasse und bittet: „Erklär mir doch einmal die Aufgabe!“ Doch da schüttelt das Mädchen mit dem Kopf und sagt: „Mach es doch allein!“ So ist es sicher nicht recht. Wie Jesus über solche Menschen denkt, wollen wir nun hören.

 

Erzählung:

Simon Petrus kann, sich noch gut erinnern, wie Jesus ihm alle Schuld vergeben hatte, damals als er ihn zu seinem Jünger berief. Er hatte sich auch immer bemüht, anderen zu vergeben, die ihm etwas angetan hatten. Aber nun fragt er Jesus: „Herr, wie oft muß ich denn meinem Mitmenschen vergeben, der mir etwas Böses getan hat? Genügt es, wenn ich ihm siebenmal wegen der gleichen Sache immer wieder vergebe?“

Petrus hat begriffen ,daß in der Gemeinde Jesu andere Regeln für das menschliche Zusammenleben gelten als sonst üblich. Sie gelten nicht nur in der Gemeinde, son­dern für das Verhalten eines jeden Christen zu einem anderen Menschen. Ohne Vergebung ist menschliche Gemeinschaft unmöglich.

Aber Petrus hat offenbar Bedenken, unbegrenzt oft zu vergeben. Aus erzieherischen Gründen muß man der Vergebung doch Grenzen setzen, sonst nutzt der andere das aus. Die Schriftgelehrten meinten: Zwei-  oder dreimal könne man schon vergeben, beim viertenmal aber wird nicht mehr vergeben. Petrus ist bereit, noch weiter zu gehen. Das ist an sich hoch anzurechnen.

Jesus aber sagt ihm: „Ich sage dir: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal!“ Damit will er sagen: „u mußt immer wieder vergeben, unbegrenzt oft, das Zählen ist dir untersagt. Petrus möchte das Vergeben als seine eigene Leistung auf sein Konto buchen; aber Jesus nimmt ihm das Kontobuch aus der Hand. Er soll erkennen,  daß er nicht nur anderen die Vergebung gewährt, sondern auch selber Vergebung empfängt. Ehe man selber ans Vergeben geht, muß man erst etwas vom Ausmaß der Vergebung Gottes wissen. Damit Petrus und die anderen Jünger das besser begreifen, erzählt ihrer Jesus eine Geschichte::

Ihr kennt doch die großen Könige in unserer Nachbarländern. Denen gehören so viele Städte und Dörfer, Äcker und Wiesen, Menschen und Tiere, daß sie gar nicht alles allein verwalten können. Sie haben dazu ihre Minister, die  „Knechte“ genannt wenden. Diese sind reiche Männer, die viel zu sagen haben. Sie können sich in ihrem Landesteil alles nehmen oder weggeben, wie sie wollen. Alles Geld aus ihrem Gebiet geht durch ihre Hände. Damit sollen sie Straßen und Gebäude bauen lassen, die Staatsdiener bezahlen und manches andere mehr. Aber wenn sie es in die eigene Tasche stecken, dann sagt zunächst auch niemand etwas.

Von Zeit zu Zeit aber müssen die Statthalter vor den König kommen und ihm vorrechnen, wie sie gewirtschaftet haben in des Königs Land.  Vor allem müssen sie ihm auch den Ertrag ihrer Provinz abliefern. Die Männer haben sich am Königshof eingefunden. Einzeln werde sie vor den König geführt.

Aber einer von ihnen wird erst aus dem Gefängnis geholt. Man weiß schon, daß er viel Geld unterschlagen hat. Bei der Abrechnung stellt sich heraus, daß die Summe ungeheuer groß ist: Zehntausend Pfund Silber! Das ist ein Millionenbetrag! Der König Herodes zum Beispiel nimmt im Jahr 900 Pfund ein, und ganz Galiläa und Peräa bringen 200 Pfund Steuern auf. Der Statthalter muß zugeben, daß die Abrechnung stimmt.  Aber als er bezahlen soll, hat er kein Geld.

Da sagt der König: „Wenn er das Geld nicht hat, dann verkauft ihn, seine Frau und seine Kinder in die Sklaverei. Verkauft auch all seinen Besitz, damit ich wenigstens einen Teil der Schulden wieder hereinkriege!“ Damit wäre der reiche Mann bettelarm geworden, nicht mehr ein Herr, sondern ein Sklave. Sein ganzes Leben und das seiner Familie wäre zerstört.

Da wirft er sich vor dem König auf die Knie und ruft: „Habe doch Geduld mit mir!“ Ich will die auch alles bezahlen!!“  Dieses Versprechen war sicher voreilig, denn wie soll er jemals wieder so viel Geld zusammenbekommen? Aber er bettelt um das Leben seiner Familie, da ist ihm jedes Versprechen recht.

Die Not dieses Mannes geht dem König an die Nieren und dreht ihm das Herz um. Er sagt: „Laßt ihn frei und streicht seine Schuld durch!“ Er hat also nicht nur Geduld mit ihm, sondern vergibt ihm auch seine Untreue. Man kann es kaum glauben: So ein unbarmherziger Herrscher hat doch einmal eine menschliche Stunde. Das Urmögliche ist geschehen: Der Betrüger wird freigelassen! (Hier die Kinder fragen: Wie wird

es wohl nun weitergehen?).

Überglücklich verläßt der Statthalter den Palast des Königs. Das hat er beim Hineingehen wirklich nicht zu hoffen gewagt. Jetzt kann er aufatmen, das Leben ist ihm neu geschenkt. Doch vor dem Schloßportal trifft er einen seiner Mitarbeiter. Der ist ihm auch etwas schuldig. Aber es ist eine vergleichsweise lächerlich kleine Summe: 100 Silbergroschen, etwa 80 Euro. Der Betrag ist keiner Rede wert, wenn man an die große Summe denkt, die eben gerade erlassen wunde.

Der Mann aber geht auf seiner Schuldner los, würgt ihn am Hals und  schreit: „Bezahle, was du mir schuldig bist!“ Gerade noch ist ihm eine große Schuld erlassen worden, aber nun besteht er auf seinem Recht. Das ist doch ein Urmensch, hart und unbarmherzig! An sich sollte er doch gar nicht anders können, als dem anderen auch zur Freiheit zu verhelfen. Aber dieser Mann hat längst alles vergessen, was eben mit ihm geschehen ist.

Da wirft sich der Schuldner vor ihm auf die Knie und ruft: „Habe Geduld mit mir! Ich will dir auch alles bezahlen!“ Aber der Statthalter will nicht warten. Dabei könnte der Mann sicher in einiger Zeit das Geld zurückzahlen, denn soviel ist es ja nicht. Doch der Statthalter läßt ihn ins Gefängnis werfen. Verkaufen darf er den Mann nicht, denn der Erlös wäre ja höher als seine Schuld. In einem solchen Fall kommt der Schuldner solange ins Gefängnis, bis er dort die Schuld abgearbeitet hat oder seine Verwandten die Schuld für ihn bezahlen. So kommt jener Schuldner jetzt in die Gefängniszelle, in der vorher der Statthalter saß.

Einige andere Statthalter aber habenalles mit angesehen. Sie haben erlebt, wie jenem erst die große Schuld erlassen wurde und wie er nun mit dem anderen verfahren ist. Sie erzählen es dem König. Der läßt den bösen Statthalter noch einmal holen und sagt zu ihm: „Du gemeiner Kerl, du Schalksknecht!“ Alle diese Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich darum batest. Solltest du dich da nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?“

Voller Zorn ruft der König: „Übergebt ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt hat, was er schuldig ist. Jetzt geht es auch bei ihm wieder nach Recht und Gesetz. Jetzt wird er für immer im Gefängnis bleiben müssen, denn eine solche Schuld kann er nicht abbezahlen. So geht es dem, der nicht barmherzig ist.

Zum Schluß wendet sich Jesus an seine Jünger und sagt: „So streng wie der König am Abrechnungstag mit seinem Statthalter gewesen ist, so streng wird auch Gott am Jüngsten Tag mit euch sein, wenn ihr nicht von Herzen dem anderen seine Fehler vergebt. Wer nicht gut ist, wird von Gott einmal bestraft werden. An sich ist Gott barmherzig. Aber seine Barmherzigkeit findet eine Grenze, wenn ein Mensch gegenüber dem anderen unbarmherzig ist.

Damit hat auch Petrus eine Antwort auf seine Frage erhalten: Er soll immer wieder vergeben, um nicht den Zorn Gottes herauszufordern. Ihm ist die große Schuld vergeben worden, nun soll er auch anderen vergeben.

 

Antwortgespräch:

Wir denken doch: „Kein König handelt so wie in dieser Geschichte!“ Aber Gott handelt wirklich so. Weil es bei ihm möglich ist, soll es auch bei uns möglich sein. Denn die Knechte des Königs sind untereinander Brüder. Wer ihm deshalb nicht von Herzen vergibt, hat keinen Anteil an der Herrschaft Gottes. Mit der Vergebung ist es wie mit einem Stafettenstab: Man muß ihn weiterreichen! Wenn man allein weiter rennen will, bricht man unter Garantie zusammen! Gottes Vergebung haben wir an andere weiterzugeben. Die Schuld unserer Mitmenschen ist dabei doch gering, gemessen an der Schuld, die wir gegenüber Gott haben.

Allerdings können wir nicht so sprechen wie der französische Philosoph Voltaire (1694-1778). Als man ihn fragte, ob ihm nicht Angst vor dem Tode sei, gab er zur Antwort: „Gott wird schon vergeben, das ist ja sein Geschäft!“ In der Tat ist die Vergebung Gottes Geschäft, aber nur solange, wie sie ernstgenommen wird und Gehorsam bewirkt und neue Vergebung auslöst. Gottes Vergebung ist aber nicht selbstverständlich. Selbstverständlich ist die Abrechnung, nicht aber die Vergebung. Wir können nicht leichtfertig mit seiner Vergebung spielen (das ist der eschatologische Zug des Gleichnisses)

Wer von uns glaubt aber wirklich, daß er 4.000.000 Mank Schulden hat? Jeder fühlt sich doch als anständiger Mensch. Aber Gott - und nur er - deckt die Schuld auf. Was wir schon als große Schuld ansehen, das ist bei ihm nur wie 80 Euro. Was andere uns antun, nehmen wir furchtbar ernst und wichtig, da sind wir empfindlich und nachtragend. Aber die Schuld gegenüber Gott juckt uns gar nicht so sehr. Um diese geht es aber Gott.

Diese Schuld kann nicht durch Erziehung beseitigt werden. Sie kann nicht durch eine Gegenleistung ausgeglichen werden. Sie ist so häufig und groß, daß Gott gar nicht erst anfängt zu zählen. Er sieht aber auch nicht durch die Finger, sondern - er mußte mit dem Tod seines Sohnes dafür bezahlen.

Weil Gott derart zur Vergebung bereit ist, sollen wir auch dazu bereit sein. Das heißt nicht, daß wir auf Rechtsansprüche verzichten sollten und zum Beispiel Geldschulden nicht einfordern sollten. Wir haben zunächst einmal das Recht, solche Dinge zurückzufordern. Aber auch hier sollten wir nicht wie Michael Kohlhaas auf jeden Fall Recht behalten wollen und irgendwelche Ansprüche an uns reißen.

Wir sollten auch Schluß machen mit dem Satz: „Vergeben will ich schon, aber nicht vergessen!“ Natürlich kann man nichts ungeschehen machen. Aber man sollte auch nicht immer alles nachtragen und immer wieder aufwärmen (zum Beispiel eheliche Untreue an der Ostsee). Wer vergibt, der vergißt auch langsam.

Wer dazu bereit ist, wird auch nach dem Lied handeln können: „…daß ich die Liebe, von der ich leb, liebend an andere weitergeb!“ So handelte ein kleines Mädchen, das von den Verwandten viele Geschenke bekommen hatte und nun mit vollen Händen Bonbons und Schokolade wieder austeilte; dabei fragte sie gar nicht danach, ob noch etwas übrigblieb. Sie wollte nur weiterschenken, damit sich auch andere freuen können.

 

 

Der ungerechte Haushalter: Lk 16, 1 - 9

Hinführung:

Wenn einer eine Strafe zu erwarten hat, dann versucht doch irgendwie, sie abzu­mildern. Ein Weg ist, daß man entsprechend vorsorgt. Wenn die Eltern sanft gestimmt werden sollen, dann macht man freiwillig alles mögliche, ist brav und hilfsbereit, damit das Donnerwetter nicht so schlimm ausfällt. Jesus hat dieses Bestreben gekannt und eine entsprechende Geschichte erzählt, die uns einen Sachverhalt des Glaubens deutlich machen soll.

 

Erzählung:

Ein Gutsbesitzer hat sein Landgut von einem Inspektor verwalten lassen. Jährlich muß der Verwalter ihm  Weizen und Öl als Pacht abliefern. Doch eines Tages hört der Gutsbesitzer: „Dein Verwalter bringt deine Güter durch!“ Da kündigt er ihm schnell und fordert ihn auf, ihm die Abrechnung vorzulegen.

Der Verwalter überlegt nun, was er tun soll. Wenn es zur Abrechnung kommt, wird sein Betrug deutlich werden. Er wird seinen Posten verlieren und dann vor dem Nichts stehen. Zu schwerer Landarbeit taugt er nicht. Und betteln möchte er nicht. Da kommt ihm der rettende Gedanke: „Ich muß mir Freunde schaffen, damit ich jemanden habe, der mir hilft, wenn ich keine Arbeit mehr habe!“

Schnell ruft er die Pächter seines Herrn zusammen. Noch ist er ja Verwalter und hat eine gewisse Macht. Er ruft sie einzeln herein und verhandelt mit ihnen. Den ersten fragt er: „Wieviel Pacht mußt du jährlich meinem Herrn zahlen?“ Er antwortet: „Den Ertrag von 160 Ölbäumen, nämlich 3 600 Liter Öl!“ Da sagt der Verwalter: „Wir ändern deinen Vertrag und setzen nur noch die Hälfte ein!“

Den Nächsten fragt er: „Wieviel bist du schuldig?“ Der antwortet: „Es sind 100 Doppelzentner Weizen im Jahr!“ Da sagt der Verwalter: „Wir schreiben lieber 80 Doppelzentner!“ In Geldwert ist das genausoviel wie der Wert des erlassenen Öls. So hat er es wahrscheinlich auch mit anderen Pächtern gemacht. Nun sind diese Männer ihm verpflichtet und von seinem Schweigen abhängig. Wenn er seine Stelle verliert und bei ihnen vorspricht, werden sie ihn bei sich aufnehmen müssen.

Jesus aber lobt den ungerechten Haushalter, weil er klug gehandelt hat. Er bezeichnet ihn zwar als ungerechten Haushalter, dessen Tun man sich eigentlich nicht zum Vorbild nehmen kann. Er betrügt seinen Herrn und handelt nicht recht gegen Gott. Jesus lobt nur an ihm, daß er verständig und vorausschauend gehandelt hat. Er ist in gewisser Hinsicht ein kluger Mann, auch wenn er an sich nicht gut handelt. Der Verwalter weiß, was er will.

Wenn das doch auch die wüßten, die zu Gott gehören wollen! Jesus nennt sie die „Kinder des Lichts“ und stellt sie den „Kindern der Welt“ gegenüber. Der Verwalter ist so ein Kind dieser Welt. Aber seine Jünger und alle Christen sollen doch Kinder Gottes, „Kinder des Lichts“, sein. Jesus sagt über sie: „Die Kinder dieser Welt sind untereinander klüger als die Kinder des Lichts!“

An sich sollten die Christen die Klügeren sein, denn sie haben eine Zukunft und ein Ziel. Aber oft machen es die Kinder der Welt besser: Sie sorgen für ihre Zukunft. In diesem Punkt können die Christen noch von ihnen lernen und müssen sich schämen, daß sie es nicht auch so machen. Sonst würden sie ja das Gericht Gottes ernst nehmen, denn für sie steht noch mehr auf dem Spiel als für die anderen. Sie können sich das ewige Leben zwar nicht verdienen, aber sie können es sich täglich verscherzen.

Abschließend sagt Jesus noch: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie euch in die ewigen Hütten aufnehmen, wenn das Geld zuende ist!“ Das Fremdwort „Mammon“ bezeichnet  an sich das, worauf man vertraut. Da viele aber allein auf ihr Vermögen vertrauen, ist damit alles gemeint, was einen Geldwert hat und uns vom Vertrauen auf Gott abhält.

Jesus aber will sagen: „Aller Besitz ist nicht Eigentum der Menschen, sondern Eigentum Gottes. Die Menschen sind nur Verwalter dieses Vermögens. Es ist ihnen gegeben, damit sie sich damit Freunde machen können. Aber nun nicht, um in dieser Welt reich zu werden, sondern um nach der Aufnahme in die „ewigen Hütten“ zu trachten.

Damit ist sicher die Welt Gottes gemeint. Der Mann im Gleichnis verschaffte sich nur eine Heimat auf Zeit. Den Christen aber kann eine unvergängliche Zukunft eröffnet wenden. Diese kann natürlich nur Jesus oder Gott selber geben. Wer seinen Besitz also nutzt, um anderen Menschen Gutes zu tun, wird damit Chancen haben, zu Gott zu gelangen „ in die ewigen Hütten“.

 

Antwortgespräch:

Das Gleichnis Jesu ist doch sehr anstößig. Warum nimmt er ausgerechnet ein solches Beispiel? Jesus will den Verwalter ja in seinem Handeln gerade nicht loben. Seine Jünger sollen gerade kein Geld horten, um so für ihre Zukunft vorzusorgen. Mit Geld kann man höchstens bis zu seinem Tode sorgen. Aber dann gilt diese Währung nicht mehr. Dann muß man etwas haben, das auch vor Gott gilt.

An dem Verwalter soll nur gelobt wenden, daß er sich seine Lage klar macht und sich auf die kommende Zeit einstellt. Er tut das mit untauglichen, menschlichen Mitteln. Als Christen müssen wir bessere Wege finden, die nicht dem  Willen Gottes widersprechen.

Jesus will uns mit dem Gleichnis deutlich machen: „Lernt aus dieser Geschichte! Ihr seid in derselben Lage wie jener Verwalter, dem das Messer an der Kehle saß. Nur ist die Krise, die euch droht und in der ihr schon mittendrin steht, unvergleichlich furchtbarer. Deshalb seid klug! Es steht alles auf dem Spiel!“

 

 

Vom großen Abendmahl: Lk 14, 15 - 24

Hinführung:

Lied: „Danke für diesen guten Morgen“.

An die Tafel wird geschrieben: „Wir sind eingeladen!“ Wenn man eingeladen

wird, dann, freut man sich und tut alles, um der Einladung nachkommen zu können.

Vielleicht muß man sich in der Schule oder in der Firma freiholen. Schon  die Vorbereitung macht Freude, und das Fest selber erst recht.

Im alten Israel gab es gelegentlich auch einmal ein großes Fest: Dazu wurde schon lange vorher eingeladen. Und wenn das Fest  anfangen sollte, dann schickte man erst noch Boten zu den Eingeladenen, um sie abzuholen.  Der Bote forderte auf: „Kommt, es ist alles bereit!“ und dann ging man mit und setzte sich mit an die große Tafel, aß und trank und war fröhlich. So ähnlich würde es wohl auch im Reich Gottes sein, stellten sich die Menschen, vor.

Wir tragen zusammen, was alles zu einer Hochzeit gehört: Gutes Essen, Trinken, schöne Kleider, Blumen, Gesang, Gäste, Zuschauer. Man kann auch manches nennen, was in dem „Dankelied“ erwähnt wird: Man kann auch die entsprechenden Symbole auf Flanell aufkleben und um den Satz herum gruppieren: „Der Herr lädt ein zur Freude!“.

Manchmal allerdings lassen wir uns auch nicht einladen oder kommen der Einladung  nur ungern nach. Vielleicht haben, wir zu der Zeit gerade Training oder müssen zur Musikschule oder die Großeltern besuchen oder es kommt ein schöner Film im Fernsehen. Dann, müssen wir uns entscheiden, was wir machen, was uns besser gefällt oder was wichtiger ist.

Heute wollen wir eine Geschichte hören, die Jesus erzählt hat, in der es auch um eine Einladung geht. Er will damit etwas über Gott sagen, und über die Menschen, wie die sich zu Gott verhalten.

 

Erzählung:

Ein Mensch wallte einmal ein großes Abendessen veranstalten und mit vielen Gästen zusammen feiern. Schon lange vorher wunden, die Vorbereitungen getroffen. Der Festsaal wurde neu ausgemalt, eine Musikkapelle bestellt; die Kochfreuen wurden gesucht und das Essen schon bestellt oder eingekauft. Und natürlich wurden auch die Leute schon eingeladen, die zu dem Fest kommen sollten. Der Hausherr war schon ganz aufgeregt; ob auch alles klappen wird. Aber er freute sich auch auf das Fest und die Gäste.

Endlich ist der große Tag gekommen. Noch einmal wird jemand zu allen Eingeladenen geschickt, um  ihnen zu sagen: „Kommt, denn es ist alles bereit!“ Sicher haben sich alle schon gefreut  und recht auf den Tag vorbereitet, denkt der Gastgeber.

Aber als sein Bote bei den Eingeladenen anklopft, da entschuldigen sich alle nacheinander und sagen, sie könnten nicht kommen.

Der Erste sagt: „Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen, um ihn

mir anzusehen.  Ich bitte dich, entschuldige mich!“  Der Zweite sagt:

„Ich habe fünf Ochsen für ein Gespann gekauft, und ich gehe jetzt hin, um sie mir anzusehen. Ich bitte dich, entschuldige mich!“ Der Dritte schließlich sagt sogar: „Ich heirate heute. Da kann ich doch nicht kommen!“ Eine Entschuldigung scheint dieser Letzte nicht nötig zu haben .

An sich sind das durchaus einleuchtende Gründe: Ein Kauf wurde erst rechtskräftig, wenn man die gekaufte Sache sich auch angesehen hatte. Und wer selber Hochzeit hat, geht nicht anderswo auf die Hochzeit. Die Arbeit und die Familie gehen vor, denkt          man doch, Ihnen zuliebe muß man auf ein Vergnügen schon einmal verzichten.

Doch was soll aus dem Fest werden? Die Braten sind schon fertig, der Wein ist aus dem Faß abgefüllt, die Blumen stehen auf dem Tisch. Jetzt           kann man das Fest nicht mehr verschieben. Als der Gastgeber die bestürzende Botschaft hört, kommt es ihm vor, als würde die Welt untergehen. Er hatte doch rechtzeitig eingeladen, jeder hätte sich auf den Termin einrichten können und nicht ausgerechnet an diesem Tag einen Kauf abschließen oder selber ein sollen. Was soll er denn nun machen? Er wird zornig über die Leute, die Freunde sein wollen und ihn jetzt so schmählich im Stich gelassen haben..

Doch dann faßt er sich wieder und entscheidet: „Das Fest findet trotzdem statt. Wir werden schon jemand finden, der mit uns feiert!“  Er sagt zu seinem Boten: „Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel, die Blinden und Lahmen herein!“ Der Mann wundert sich nicht schlecht, denn Kranke und  Verachtete lud man doch nicht zu einem großen Fest ein. Die mußten doch draußen bleiben und durften bestenfalls  von draußen hereinsehen. Aber der Mann gehorcht natürlich dem Befehl und sucht alle möglichen Leute auf der Straße zusammen und lädt sie ein. Die          lassen sich das nicht zweimal sagen und kommen sofort.

Aber es sollte je großes Fest werden  Aber der Tafel ist immer noch Platz. Da sagt er zu seinem Herrn: „Es ist alles geschehen, wie du es befohlen hast. Es ist aber immer noch Platz da!“ Da sagt der Henn: „Dann gehe hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und drängele die Landstreicher dort, doch hereinzukommen, damit mein Haus noch voll wird.  Aber keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken!“ So werden also noch einmal Menschen erbeigeholt, die ganz weit weg waren. Die zuerst Eingeladenen aber haben ihre Chance verspielt, sie werden nicht nur dieses Fest verpassen, sondern überhaupt nie mehr eingeladen werden.

Der letzte Satz hört sich so an, als würde nicht mehr der Herr im Gleichnis  ihn sagen, sondern Jesus, der das Gleichnis erzählt hat. Vorher könnte man noch unbe­teiligt  zuhören .Aber jetzt muß jeder begreifen, worum es geht: Um: die Gemeinschaft mit Jesus, die man ins einem Abendmahl haben kann. Jetzt wird jeder Hörer zur Entscheidung gerufen. Wer die Einladung ausschlägt, der wird nicht mit dabei sein beim Mahl im Reich Gottes.

 

Antwortgespräch:

Mit dem Herrn im Gleichnis ist Gott gemeint. Er hat immer wieder die Menschen eingeladen, durch die Propheten durch Jesus, durch die Pfarrer und  Religionslehrer.

Zunächst waren die religiösen Führer Israels und das ganze Volk Israel eingeladen. Aber sie haben die Einladung nicht angenommen. Jesus war ihnen zu niedrig. Aber indem sie Jesus ablehnen, verachten sie Gott selbst. Und dann reden sie sich ein, sie hätten Wichtigeres zu tun. Aber die Leute hätten ihre Geschäfte ja auch verschieben können. Man muß doch annehmen, daß sie dieses Geschäft absichtlich auf den Tag des Festes gelegt haben.

Aber die  Warnungen des Gleichnisses müssen wir auch auf uns beziehen: Gott lädt auch uns zu sich ein! Wenn wir aber nicht kommen und Entschuldigungen  haben, dann zürnt Gott und lädt andere Menschen zu sich ein. Wer nicht auf ihn hört, wird vorn Reich Gottes ausgeschlossen. Wir werden auch eingeladen durch Pfarrer, Religionslehrer, Jungscharleiter, Kinderdiakoninnen. Wir hören die Glocken, erhalten manchmal Handzettel und haben die Kirchenzeitung. Aber gar mancher sagt: „Ich kann nicht, ich muß erst meine Arbeit erledigen und meinen Pflichten nachkommen oder erst einmal ausschlafen. Später paßt es vielleicht einmal besser!“

Wenn dies geschieht, wird Gott seine Einladung weitergehen lassen. Schon damals sind seine Boten in andere Länder gezogen und haben von  Jesus gepredigt. Auch zu unseren Vorfahren sind sie einmal gekommen. Aber wenn wir nichts mehr von Jesus wissen wollen, dann  geht die Botschaft weiter zu Menschen in Ländern, wo sie viel freudiger auf das Wort Gottes hören, als wir. Noch können wir Gottes Einladung hören. Aber bald könnte es zu spät sein. Eine Gelegenheit, zu der Einladung Gottes „Ja“ zu sagen, ist die Konfirmation.

Wenn uns Jesus zu seinem Abendmahl          einlädt, sind wir nicht Zaungäste, sondern richtige Gäste. Wir müssen nicht draußen bleiben, sondern sind selber mit am Tisch dabei. Seit der Taufe gehören wir zu den Eingeladen. Und wenn, das Abendmahl in der Kirche gefeiert wird, dann heißt es: „Kommt, denn es ist alles bereit!“

oder auch ähnlich. Dann, wird es ernst für uns, ob wir die Einladung annehmen und zu wirklichen Gästen werden oder ob wir einen anderen Weg gehen.

Wenn wir aber zu Jesus gehen, dann werden wir teilnehmen können an der großen, Freude, die an seinem Tisch herrscht.

 

 

Das große Weltgericht: Mt 25, 31 - 46

Hinführung:

In einem Neubaugebiet arbeitete ein Pfarrer schon 5 Jahre. Er lud Menschen zum Gottesdienst ein, besuchte sie in ihren Wohnungen,  unterrichtete die Kinder, taufte und beerdigte. Eines Tages aber schickte die Kirchenbehörde einen Fragebogen und  wollte wissen, wie viele Menschen denn dort zur Gemeinde gehören.

Der Pfarrer wußte nicht recht, wen er alles zur Gemeinde zählen sollte: die Kirchensteuerzahler, die Gottesdienstbesucher, alle Getauften, die nur dem Namen nach in der Kirche sind , wer die Kirche irgendwie in Anspruch nimmt, die für  das „Christentum“ sind, Leute die für eine gute Sache viel Zeit und Geld einsetzen, Wonach soll der Pfarrer sich wohl richten?

 

In der Gemeinde, für die Matthäus sein Evangelium schrieb,  ist wohl auch die Frage entstanden: „Wer gehört zu uns? Sind es nur diejenigen, die sich ganz streng an den Wortlaut der Gesetze der Juden halten oder diejenigen, die sagen, Christus hat uns von der Befolgung der jüdischen Gesetze befreit? Die Gemeinde mußte sich abgrenzen gegen falsche Richtungen.

Es gab ja Leute, die sagten: Die Herrschaft Gottes hat schon begonnen. Wir gehören schon dazu, ganz gleich ,was wir tun, das kann uns nicht mehr verloren gehen.  Und dann gab es wieder gesetzestreue Leute, die durchaus fromm waren und viele alte Bräuche beachteten, aber doch am eigentlichen Willen Gottes vorbeigingen und nicht nach dem Sinn der Gebote Gottes lebten. Wer von ihnen sollte zur Gemeinde Jesu Christi gehören?  Indem Matthäus ein Gleichnis Jesu nacherzählt, versucht er auf diese Frage eine Antwort zu geben.

 

Erzählung:

Unsere Welt wird einmal ein Ende haben. Dann wird Jesus wiederkommen in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm. Er wird sich auf den Thron setzen wie ein König, der über seine Untertanen richten will. Die Menschen aus allen Völkern werden vor ihm erscheinen müssen und sich vor ihm verantworten müssen.

Natürlich werden Gute und Böse unter ihnen sein. Aber nur Jesus wird wissen, wo die Grenze zwischen ihnen zu ziehen ist. Er wird sie voneinander  trennen, so wie der Schafhirte abends die Schafe von den Böcken trennt. Die Menschen, die sich auf Gott verlassen haben, kommen auf die rechte Seite. Und die Gott verspottet haben, kommen auf die linke Seite.

Kein Mensch weiß vorher, zu welcher Seite er gehört. Nur Jesus als der Weltenrichter weiß, wer zu den Gesegneten und wer zu den Verfluchten gehört. Er sagt: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters. Ihr seid Gott recht, ihr dürft bei ihm sein. Ihr werdet das Reich Gottes ererben, das von Anbeginn der Welt für euch zubereitet ist. Denn ihr habt in eurem Leben gezeigt, wo ihr hingehört: Wenn ich hungrig gewesen bin, dann habt ihr mir zu essen gegeben. Wenn ich durstig war, habt ihr mir zu trinken gebracht. Ich war fremd bei euch und ihr habt mich in euer Haus hereingeholt. Ich habe gefroren und ihr habt mir Kleider gegeben. Ich war krank und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen!“

Doch die Menschen, die so angesprochen worden sind, können sich nur wundern. Sie fragen erstaunt: „Das verstehen wir nicht!  Wir können uns gar nicht mehr darauf besinnen, daß wir dir etwas zu essen gegeben haben oder zu trinken oder Kleider zum Anziehen. Wann haben wir dich ins Haus geholt oder dich besucht?“ Sie sind Jesus ja nie direkt begegnet;  sie haben nur von ihm gehört, aber ihn nie selber erlebt. Wie haben sie ihm da etwas Gutes tun können?

Der Richter aber wird ihnen antworten: „Was ihr irgendeinem Menschen in Not getan habt, einem Kranken, Armen, einen Hungrigen, einem Durstigen, einem Frierenden - das habt ihr mir getan! Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“

Die Brüder Jesu, das sind zunächst die, die zu seiner Gemeinde gehören . Aber wir dürfen sicherlich auch an all die anderen Menschen denken, die irgendwie in Not gekommen sind. Jesus möchte, daß wir ihnen helfen, denn er selber kann es ja nicht, er braucht uns als seine Helfer. Wenn wir aber einem anderen etwas Gutes getan haben, dann ist das so, als hätten wir es Jesus selbst getan.

Die Menschen auf der rechten Seite wenden sich dann natürlich freuen. Sie hatten ja nicht Gutes getan, weil sie von Jesus dafür belohnt werden wollten. Unbewußt haben sie das getan, was Jesus von ihnen erwartet hat.

Die auf der linken Seite aber werden ein hartes Urteil erfahren. Sie dürfen nie bei Gott sein, weil sie immer nur an sich selbst gedacht haben. Jesus sagt zu ihnen: „Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das von Beginn der  Welt für

den Teufel und seine Gesellen bestimmt ist. Nun kommt ihr auch dorthin. Das war nicht von Anfang an so vorgesehen. Ihr hättet die Möglichkeit gehabt, dem zu entgehen. Aber weil ihr so ein herzloses Leben geführt habt, bleibt jetzt nur noch das für euch!“

Doch die Verfluchten wollen sich entschuldigen und herausreden und sagen: „Wir haben dich ja nie hungrig oder durstig gesehen oder als einen Fremdling oder nackt oder gefangen. Du kannst uns doch nicht verantwortlich machen für das, was wir gar nicht tun konnten. Hätten wir es gewußt, dann hätten wir uns anders verhalten!“

Aber Jesus artwortet ihnen: „Ihr habt in eurem Leben viele Menschen gesehen, die Hilfe brauchten. Aber ihr habt nichts getan, um ihnen das Leben leichter zu machen. Was ihr denen nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan. Was ihr nicht getan habt einem unter dieser Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Deshalb sollt ihr ewig gequält werden und große Schmerzen erleiden!“

Es kommt also gar nicht so sehr auf die Klärung der Frage an, wer zur Gemeinde gehört und wer nicht. Viel entscheidender ist, wie man sich den Mitmenschen gegenüber verhält. Der gekreuzigte und auferstandene Christus ist allen Menschen bezeugt worden. Wenn aber nicht alle auf ihn gehört haben, dann wird sie das Gericht des  Christus treffen. Die Trennung liegt ganz in seiner Hand und wird manche Überraschungen mit sich bringen. Nicht die Menschen haben zu entscheiden, denn sie können ja nicht alles wissen und nicht erkennen, wie es im Inneren der anderen aussieht. Aber Jesus weiß, was in jedem steckt, deshalb kann er auch ein gerechtes Urteil sprechen.

Allerdings möchte er nicht, daß viele bestraft wenden. Er wünscht sich, daß Viele auf die rechte Seite kommen. Deshalb spricht er am Schluß noch einmal von den Gerechten, die in das ewige Leben gehen werden. Die Gott recht sind, die sich so verhalten haben, wie es Gott gefällt, die werden bei ihm leben in Zeit und Ewigkeit!

 

Antwortgespräch:

Bei einer üblichen Gerichtsverhandlung beachtet man die Umwelt des Angeklagten (das „Milieu“), seine körperliche und seelische Verfassung, die Motive der Tat, die Beurteilung der Arbeitskollegen‚ usw. Beim Weltgericht aber spielen alle diese Dinge keine Rolle, da steht der Angeklagte ganz schutzlos dem Richter gegenüber.

Allerdings nennt Jesus einen anderen, der zwischen Richter und Angeklagtem steht, nämlich der Notleidende. Und dann kommt noch die überraschende Aussage: der Richter und der Notleidende sind derselbe (bei Flanellbildern den Richter auf dem Notleidenden anbringen). Der Angeklagte wird allein nach seiner Tat am notleidenden Menschen gefragt (Beispiel aus der Literatur: Leo Tolstoi: Wo Liebe ist, da ist euch Gott.)

Aber an anderer Stelle des Neuen Testaments hören wir doch, daß nicht die guten Werke uns selig machen, sondern allein der Glaube und die Vergebung Gottes. Hier dagegen heißt es: Die Beurteilung erfolgt nach den Werken, die dem Herrn erwiesen wurden, indem man anderen Marschen Gutes getan hat. Es gibt also ein allgemeines Weltgericht als erdgültiger Abschluß aller Geschichte. Manche Untat wird zwar auch schon innenhalb dieser Weltzeit gerächt, aber die endgültige Abrechnung kommt erst am Erde.

Allerdings muß man beachten: Die guten Werke sind nicht aus den natürlichen Kräften der Menschen erwachsen, sondern die Werke der Liebe kommen aus der Kraft des heiligen Geistes. Auch kann sich keiner in die Gruppe der Gesegneten  hineinschmuggeln: Der Richter allein bestimmt, wer zu den Gesegneten dazugehört; mancher, den wir vielleicht zu den Verfluchten gerechnet hätten, wird doch auf der Seite der Gesegneten sein, weil Jesus sein geringes Werk anerkannt hat. Und der Lohn ist immer nur Gnadenlohn. Daß  man einen Hungrigen gespeist hat, bringt einem noch nicht in der Himmel; aber Jesus hat sich neben den Notleidenden gestellt und gesagt: Eure Hilfe habt ihr mir erwiesen, ich rechne euch das so an, als hätte ich selber die Hilfe empfangen.

Die guten Werke sind auch nur geringfügig im Verhältnis zum Lohn. Es wird ja euch gar nicht nach großartigen Leistungen gefragt, sondern nach den kleinen Hilfen im täglichen Leben. Wer einen echten Glauben hat, der wird sich ganz von selbst zu guten Werken gedrängt fühlen. Der Glaube ist das Erste, die Werke sind nur eine Folge davon, sie machen nur unter anderem den Glauben anschaulich.

Die Zugehörigkeit zur Kirche oder ein kirchlicher Beruf allein machen es allerdings nicht. Entscheidend ist, daß der Wille Gottes getan wird. Aber wer ihn tut, weiß im Grunde gar nicht darum und tut es nicht im Blick auf möglichen Lohn. Aber wenn er nach seinem Verhältnis zu Christus gefragt wird, dann werden seine Werke darüber Auskunft geben.

 

Perikopenbuch Heinrichs II : Des Weltgericht

Im Auftrag des Kaisers Heinrich II wurde in der Zeit zwischen 1002 und 1014 in der Klosterschule der Insel Reichenau im Bodensee ein Perikopenbuch hergestellt, das Bilder zu den Bibeltexten für die einzelnen Sonntage enthält. Heinrich schenkte es dem Dom zu Bamberg, damit es dort in der Gottesdiensten gebraucht werden konnte  (noch heute sind Wachstropfen auf manchen Blättern). Das Buch ist etwa 28 x 21 Zentimeter groß und aus feinem Pergament. Zur Verdeutlichung des Bibeltextes hat der Künstler Bilder aus dem Leben Jesu eingefügt.

Der obere Teil des Bildes zeigt den Vorgang im Himmel. Jesus als der Weltenrichter ist die beherrschende Gestalt. Er ist umgeben von einer Fülle von Gestalten, die mit zur Darstellung seiner Herrlichkeit gehören.  Sie sind in verschiedene Gruppen und Ebe­nen geordnet.

Oben sehen wir auf jeder Seite sechs Engel, die Flügel sind hochgestellt, der Heiligen­schein umgibt die Köpfe wie eine Scheibe. Ehrfürchtig neigen sie sich dem Herrn zu, die großen Augen sind voll Staunen und Erwartung auf ihn gerichtet . Auch die Arme und Hände weisen auf ihn. Man könnte an einen Gottesdienst in der oberen Welt denken, bei dem die himmlischer Heerscharen dem Herrn in feierlicher Liturgie einhellig ihren Lobpreis darbringen.

Die Gestalten darunter wirken bewegter und unruhiger. Es sind Männer verschie­de­nen Alters (Haarfarbe dunkel bis weiß). Sie sitzen auf Bänken. Einige halten Bücher in den Händen. Die beiden ersten sind Jesus zugewandt und blicken mit huldigender Gebärde der Hände zu ihm empor. Die nächsten zwei sprechen jeweils miteinander

Die anderen sehen auf Christus hin. Es sind die Apostel, die Jesus zu Beisitzern seines Gerichts bestimmt hat. Sie halten die Bücher in den Händen, die beim jüngsten Gericht aufgeschlagen werden, und unterhalten sich über das Urteil.

Jesus sitzt auf einem schlichter Thron, der einige wenige Ornamente zieren. Die Füße ruhen auf einem Schemel, auf dem Sitz liegt ein dunkles Kissen. Der große Heiligenschein ist am äußeren Rande mit weißen Perlen verziert. Ein leuchtendes Kreuz durchschneidet und überragt ihn. Seine Gestalt ist von überragender Größe, sie erreicht den oberen Bildrand. Mit durchdringendem Blick scheint er die ganze Welt zu erfassen.  Aus Liebe ist er für alle Menschen gestorben.

Nun versammelt er sie alle um seinen Thron. Die linke Hand stellt die Verbindung her zu den Engelscharen, derer Lobpreis er annimmt. Mit der Rechten umfaßt er das mächtige Kreuz, das Zeichen seines Opfertodes und zugleich seines Sieges. ­So ist es bis zum jüngsten Tag das Zeichen des Menschensohns, durch das nun alle Völker zum Gericht gerufen werden.

Der untere Teil des Bildes zeigt das Geschehen auf der Erde. Etwas von der ruhevollen Klarheit des oberen Teiles spiegelt sich aber auch in der unteren Hälfte. Unter dem Richterstuhl stehen zwei mächtige Engel. Sie sind größer dargestellt als die anderen Engel, weil sie hohe Beauftragte des Herrn sind. In den Händen halten sie große Spruchbänder.

Sie handeln in eigener Machtvollkommenheit, sondern geben allein das Urteil des Herrn weiter. Demütig führen sie ihren Auftrag aus, indem sie sich mit ihren Spruch­bändern der jeweiligen Menschengruppe zuneigen. Die inneren Flügel berühren sie‘ und weisen auf den hin, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist. Auf der Spruchbändern stehen die Bibelworte V.34 b und 41 b.

Die Verurteilten stehen Kopf an Kopf. Wir erkennen zwei Frauen an ihren Kopf­tüchern. Dem König mit der Krone legt einer der Höllenknechte eine Kette um der Hals. Ein anderer Helfer zieht mit einem gekrümmten Stab die ganze Gruppe dem Abgrund zu. Tiefbeugt schreiten sie dahin,  Entsetzen in den Augen. Zwei Menschen haben die Hände an den Kopf gelegt, weil sie ihre Schuld erkennen. Andere haben die Arme traurig gesenkt. Der König hebt die Hand in großer Bewegung dem Engel entgegen, so als wollte er das Wort des Herrn anerkennen, auch wenn es ihm Gericht bringt. Auch einige andere schicken einen langen Blick zu Christus empor, weil sie ihr verfehltes Leben erkennen.

Eine kleine sitzende Gestalt blickt zum Engel empor, linke Hand ans Herz gelegt, mit der rechten die Stirn berührend. Keiner der Höllenknechte hat an ihm Interesse. Vielleicht handelt es sich um ein .Kind oder um einen Menschen, der noch in letzter Stunde Gnade erbittet und empfängt. Den Satan selbst sehen wir am unteren Bildrand in Ketten gelegt. Zähnefletschend blickt er den Herrn an, der ihn besiegt hat. Seine Zeit ist zuende, seine Macht gebrochen.

Die Geretteten auf der linken Seite bilden auch eine geschlossene Gruppe. Einige blicken zu denen zurück, die noch kommen. Andere richten der Blick zu den Engeln bzw. zu Christus empor. Wieder erkennen wir zwei Frauen mit Kopftüchern und. einer König. Außerdem einer Bischof in farbenprächtigem Ornat, der die Arme in lobpreisender Gebärde emporhebt. Die anderen tun es ihm freudig nach. Auf den Gesichtern der Menschen ist ein Ausdruck des Gelöstseins, der Freude und des Friedens . Sie haben gehört: „Kommt her, ihr Gesegneten des Herrn, und erbt das Reich!“

 

 

 

 

Leiden und Auferstehung

 

Auf dem Weg nach Jerusalem

 

Jesus wird von einem Blinden als Messias erkannt: Mk 10,46 - 52

Hinführung:

Zu unsren Sinnen gehört euch das Sehen. Zum richtigen Sehen gehört aber mehr als das Hingucken .Man kann für etwas blind sein, obwohl man mit beiden Augen sehen kann. Dann sagen wir etwa: „Merkst du denn nicht, daß du nur ausgenutzt wirst? Weißt du nicht, daß das gut für dich ist? (zum Beispiel orthopädisches Turnen). Zur Sehen gehört das Merken und Fühlen, das „mit dem Herzen sehen“.

 

Spiele :

Verschiedene Gegenstände liegen verdeckt auf einem Tablett. Sie werden schnell aufgedeckt und wieder zugedeckt.  Wie viele Gegenstände habt  ihr euch merken können?

Postkutsche: Einem werden die Augen verbunden und er muß die beiden fangen, die ihre Plätze wechseln.

 

Es ist gar nicht schön, wenn man nichts sieht: Man ist unsicher und kommt sich verlassen vor (Spieler interviewen). Da könnt ihr ein wenig ahnen, wie es einem Menschen zumute ist, der nichts sieht. Für ihn ist es immer Nacht, er kann keine Blume sehen, weiß gar nicht,  was Farbe ist.

Dennoch muß ein Blinder nicht unbedingt traurig sein. Es gibt nämlich viele Menschen, die sich um Blinde kümmern. Sie können zur Schule gehen, studieren oder einen Beruf erlernen. Und auf der Straße gibt es auch immer wieder Menschen, die einem Blinden einmal helfen.

Zur Zeit Jesu war das anders. Man schaffte die Blinden vor das Stadttor und ließ sie dort betteln. Manche Leute gaben auch etwas, nicht unbedingt dem Blinden zuliebe, aber es galt als gutes Werk, das Gott gefallen würde. Was geschah, als Jesus einmal einem Blinden begegnete, davon will ich erzählen

 

Erzählung:

In Jericho wohnt ein Mann mit Namen Bartimäus. Er kann nicht allein durch die Straßen gehen, sondern er muß immer geführt werden. Er kann nicht wie die anderen zur Arbeit gehen, um Geld für das Essen zu verdienen. Er muß von seinen Verwandten oder guten Freunden geführt werden, denn seine Augen sind blind.

Jeden Morgen wird er durch die Stadt geführt, um draußen vor dem Stadttor zu betteln. Hier  kamen viele Leute vorbei. Er bettelt immer: „Gebt mir etwas, denn ich bin blind!“ Er hat seinen Mantel vor sich ausgebreitet. Mancher wirft ihm etwas hin, andere aber gehen achtlos vorüber. Abends wird Bartimäus dann wieder nach Hause geführt.. Sein größter Wunsch ist:  „Ach, wenn ich doch auch sehen könnte wie die anderen Menschen. Dann wäre ich nicht mehr auf die anderen angewiesen und könnte mir selber helfen. Wer würde ihm nun helfen können?

In der  Bibelstand doch etwas von einem Helfer ,der so sein sollte wie der König David es war. Er würde von Gott geschickt werden und die Blinden wieder sehend und die Lahmen wieder gehend machen, Taube sollten wieder hören und Kranke gesund gemacht werden. Dieses Versprechen kennen viele Menschen. Auch  Bartimäus hat davon gehört. Nun ist sein größter Wunsch, daß Gott doch diesen Heiland möglichst bald schickt.

Bartimäus hört oft die Gespräche der Vorübergehenden. So hat er auch etwas von Jesus gehört, der aus Nazareth stammt. Der hatte schon einmal. einen Schwerkranken gesund gemacht, daß er wieder laufen konnte. Andere erzählen von anderen Wundertaten, die er vollbracht hat. „Ob das wohl der Heiland ist, auf den wir warten?“ denkt Bartimäus. Das könnte doch der sein, der auch ihn wieder gesund macht..

In den letzten Tagen sind besonders viele Menschen an Bartimäus vorbeigekommen. Sie sind alle auf dem Weg nach Jerusalem, um dort ein großes Fest zu feiern. Auf einmal kommen besonders viele Menschen daher. Bartimäus kann es genau hören. Er fragt einen Vorübergeheden: „Weshalb kommen denn da so viele Leute?“ Der andere fragt erstaunt: „Du weißt es wohl noch gar nicht: Jesus von Nazareth ist in unserer Stadt. Er will jetzt weiterziehen nach Jerusalem, um auch an dem Fest teilzunehmen!“

Da fährt Bartimäus vor Freude zusammen. Das ist seine Chance,  jetzt oder nie. Er fängt ganz laut an zu schreien: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich über mich! Hilf mir aus meiner Not, denn ich bin blind und möchte doch so gern sehen!“

 

Er schreit wie ein Ertrinkender. Alle sehen sie zu ihm. Doch die Leute, die in der Nähe des Bartimäus stehen, werden ärgerlich und sagen: „Sei doch still. Glaubst du denn, daß Jesus Zeit für dich hat. Du siehst doch, wie beschäftigt er ist!“ Bartimäus kann das zwar nicht sehen, aber es ist ihm auch egal. Er will Hilfe haben. Die anderen können sich noch genug mit Jesus unterhalten. Aber bei ihm kommt er nur einmal vorbei.

Einige kommen gelaufen und drohen ihm :“Sei sofort still! Du kannst doch nicht hier einen solchen Auflauf machen!“ Der Blinde stört sie auf ihrem feierlichen Weg nach Jerusalem. Ausgerechnet so ein Bettler will den Herrn Jesus beanspruchen, das geht doch nicht. Bartimäus aber schreit nur noch lauter.

Jesus bleibt stehen und sagt: „Ruft ihr her!“ Einige sagen zu Bartimäus  „Du brauchst keine Angst zu haben. Steh auf, er ruft dich!“ Da springt Bartimäus auf. Er wirft seinen Mantel weg, damit er schneller laufen kann. Er weiß ungefähr die Richtung, wo Jesus ist.

Da spricht Jesus ihn an: „Was willst du, das ich dir tun soll?“ Seltsame Frage: Das kann doch jeder sehen, was der Blinde will. Aber Jesus will offenbar, daß Bartimäus noch einmal eindeutig sagt, was er mit der Bezeichnung „Jesus, du Sohn Davids“  gemeint hat. Jesus ist jetzt auf dem Weg nach Jerusalem, wo sie ihn umbringen werden .Aber hier in Jericho kann schon deutlich werden, wer Jesus wirklich ist: Nicht ein Verbrecher, sondern ein Helfer.

Bartimäus sagt: „Herr, ich möchte wieder sehen können!“Jesus kennt die Not dieses Mannes. Er merkt aber auch: Dieser Mann vertraut ganz auf Jesus und erwartet alles von ihm. Mit seinen Augen kann er nichts sehen. Aber er hat erkannt, wer Jesus ist.

Da artwortet ihm Jesus: „Du sollst wieder sehen können. Du hast geglaubt, daß ich dich gesund machen kann. Darum tue ich es jetzt auch. Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen!“

Da kann  Bartimäus wieder sehen: die Menschen, die Bäume, die Häuser. Jetzt muß er nicht mehr betteln, jetzt ist er wieder ein ganzer Mensch .Aber er geht nicht irgend­wohin,  sondern er geht mit Jesus nach Jerusalem. Er hat den Retter gefunden, den will er jetzt nicht wieder aus der Augen verlieren.

 

Antwortgespräch:

Bartimäus ist der letzte von Jesus berufene Jünger.  Er wird sehend, während in Jerusalem „Blinde“ Jesus ans Kreuz hängen. Man kann blind für Jesus sein, obwohl man ihn vor Augen hat. Bartimäus aber erkennt: Erst wenn ich jeden Tag mit Jesus lebe, dann bin ich wirklich sehend.  Er will das festhalten, was er einmal erkannt hat. Das wäre auch die Aufgabe für uns: Mehr als die anderen die Jesus sehen. Andere verspotten ihn vielleicht, halten ihr nur für einen gewöhnlichen Menschen. Sie sind blind für Jesus. Wir aber dürfen uns an ihn wenden und alles von ihm erwarten. Er kann uns helfen, er kennt unsere not und weiß auch Mittel dagegen. Wenn wir ihm nachfolgen, dann kann uns kein Leid mehr geschehen.

 

Messiaserwartungen

Schon vor vielen hundert Jahren haben die Menschen im Volk Israel auf einen Heiland und Retter gewartet. Viele Menschen glaubten nicht mehr en Gott, sogar die Könige beteten Götzen an, Feinde drohten dem Volk mit Krieg. Was müßte da der Retter tun, der helfen konnte? Was meint ihr? (Feinde besiegen, im Volk Ordnung schaffen, Gottes Gebote achte, Götzendienst beseitigen). Was die Bibel aber einen solchen Retter sagt, wollen wir uns an einigen Beispielen ansehen:

 

Jesaja 11,1 - 2: „Ein Zweig wird aus dem Stamm Isais aufbrechen, und ein Sprößling wird aus seiner Wurzel emporkeimen. Auf ihm wird der Geist Gottes ruhen, als der Geist der Weisheit und des Verstandes, als der Geist des Rates und der Kraft, als der Geist der Erkenntnis und Furcht Gottes!“

Hier wird ein Nachkomme Isais angekündigt. Dieser war der Vater des bedeuten­den Königs David. Man erwartete also, daß David selber wiederkommt. Er hatte das Reich des Volkes Israel zu neuer Blüte geführt. Dieses Reich galt nun als Bild für die kommende Herrschaft eines neuen Retters.

Dieser wird den Geist Gottes bekommen, wenn er in sein Amt eingesetzt wird. Im Volk Israel wurden sowohl der Königs auch der Hohepriester durch eine Salbung in ihr Amt eigesetzt (David wurde schon als junger Mann von Samuel gesalbt!). Der „Gesalbte“ heißt aber auf hebräisch „Messias“ und auf griechisch „Christus“. In Israel erwartete .man also einen Messias, mit dem das Heil und die Erlösung  aber auch die Befreiung von irdischen Unterdrückern anbrechen sollte.

Wir wissen heute, daß dieser Messias in Jesus Christus gekommen ist. Aber das Volk Israel mußte noch auf ihn warten. Die Propheten haben von ihm gesprochen und haben ihn angekündigt, haben auch beschrieben, wie er sein sollte.

Jesaja nennt: Weisheit (Erfahrung, die Dinge des s richtig zu beurteilen) und Verstand (Klugheit, Sachkenntnis), Rat (rechte  Mittel und Wege im rechten Augenblick) und Kraft (Tüchtigkeit, die getroffenen Entschlüsse auch durchzusetzen), Erkenntnis (W:issen um Gott und seinen Willen) und Furcht Gottes (Unterordnung unter Gott; höchste Vollkommenheit ist, den Willen Gottes zu kennen und zu tun).

 

Sacharja 9,9: „Tochter Zion, jauchze sehr; frohlocke, Tochter Jerusalem. Siehe, dein König kommt zu dir; sein Recht ist anerkannt, und er ist siegreich! Er ist demütig  und reitet auf einem Esel, auf dem Fohlen einer Eselin!“

Dem Volk in und um Jerusalem wird eine große Freude versprochen, denn sein König soll einziehen. Dieser macht jedoch einen recht merkwürdigen Eindruck: Er ist demütig, denn statt auf einem Streitroß reitet er auf einem Esel. Er setzt nicht auf Macht und Gewalt, sondern wird sich nur auf Gott verlassen. Aber von Gott her ist auch sein Königsrecht anerkannt, er kommt als der Gerettete, sein Recht ist von Gott anerkannt, er ist siegreich (nicht: Gerechter).

 

Jesaja 61,1 - 2: „Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil Gott mich gesalbt hat..r hat mich gesandt, den Geknechteten eine frohe Botschaft zu bringen zerbrochene Herzen zu verbinden, den Gefangenen die Freilassung anzusagen und den Gebundenen die Öffnung des Kerkers; auszurufen ein Gnadenjahr Gottes und den Tag der Rache unseres Gottes, alle Traurigen zu trösten.

Der auch an anderen Stellen als „Knecht Gottes“ bezeichnete Gesandte Gottes hat von Gott den Auftrag bekommen, die Not des Volkes zu beseitigen und die Befreiung aus der Unterdrückung. Er ist nicht nur Verwalter, sondern Bringer des Heils (in Lk  4,18 wird das auch auf die persönliche Not des Einzelnen bezogen, zum Beispiel die Krankheit). Der Knecht Gottes verkündet auch das Gnadenjahr Gottes, in dem jedem wieder sein Recht geschehen soll: Sklaven werden frei, der Besitz geht wieder an seinen ursprünglichen Besitzer. Die  „Rache“ Gottes besteht in der Wiederherstellung von Recht und Gerechtigkeit, mit dem Messias bricht eine Zeit des Rechtes und der Freiheit an.

 

Diese drei Weissagungen stammen aus verschiedenen Zelten und haben verschiedene Umstände zum Anlaß. Ihr Inhalt ist verschieden, weil eben die Erwartungen sehr vielseitig waren. Dennoch gibt es im Alten Testament eine stark ausgeprägte zukünftige Heilserwartung. Allerdings ist der Titel „König“ dabei fast ganz vermieden, weil Gott der eigentliche König des Volkes ist und auch der irdische König sich nach seinem Willen richten muß. Gott schafft das Heil, der Messias verwertet es nur.

 

Als Christen sehen wir diese Weissagungen aus der späteren Zeit her. Wir erkennen, daß sie sich in Jesus Christus in einem größeren und vollendeteren Sinn erfüllt haben. Wir müssen dabei aber bedenken, daß diese Weissagungen nicht gradlinig auf Christus hin gesprochen waren. Viele Stellen sind erst später messianisch gedeutet worden (zum Beispiel auch 1. Mose 3,15).

Die drei Texte aus dem Alten Testament wollen aber deutlich machen:

Jes 11  : W e r der Messias ist      - Herkunft      n  Sproß, aber stark

Sach 9:  W i e der Messias ist       - Gestalt         n König, aber arm

Jes 61  : W a s der Messias t u t   - Wirken         n Richter, aber barmherzig.

 

Allerdings hat Jesus jene Erwartungen in ganz anderer Weise erfüllt:

Messiaserwartung

 und Wirken Jesu

Reichtum

Armut

politische Macht

Machtlosigkeit

Ruhm

Verachtung

Ehre

Einsamkeit

Dazu sagt Jesus: „N E I N“

Dazu sagt Jesus: „J A“

           

Wie anders Jesus war als alle  Erwartungen zeigt auch die Geschichte von der Ver­suchung Jesu  die uns deutlich machen will, wie Jesus sich gleich zu Beginn seiner Wirksamkeit über seinen Weg klar werden mußte.

 

 

 

Das Bekenntnis des Petrus: Mt 16, 13 - 28                                      

Hinführung:

Wir zählen berühmte Leute auf und geben ihren Beruf an: Dichter, Musiker, Maler, Filmstars, Schlagersänger usw. Wer kann berühmte Leute aus dem Volk Israel nennen ? Mose, David, Salomo; vielleicht kommen auch schon Elia und Jeremia zur Sprache.  Dann auf Johannes den Täufer hinführen.

Die Namen werden in zwei Spalten an die Tafel geschrieben!

Warum sind diese Leute so berühmt geworden ? Sie haben Dinge geschaffen, die andere Menschen erfreuen oder ihnen helfen. Die Männer aus Israel sind so berühmt, weil Gott sie sich als besonderen Helfer auserwählt hat. Wie ist das nun mit Christus? Gehört der auch in diese Reihe mit solchen berühmten Männern? Jesus ist mehr als alle  diese Männer, Die Propheten konnten nur sagen, daß einmal der Messias kommen wird, selbst bei Johannes dem Täufer war das noch so. Aber Jesus ist der Verheißene. Zielangabe: Wir wollen heute hören, wie die Jünger sich zu ihrem Herrn Jesus bekennen.

 

Erzählung:    Jesus verließ  mit seinen Jüngern die Gegend um den See Genezareth, weil er wieder einmal mit ihnen allein sein wollte. Er wußte, daß nun schwere Wochen für ihn kommen würden: deshalb wollte er sich in Ruhe innerlich darauf vorbereiten. Sie waren nach Norden gezogen, in das Land der Heiden, in die Kaiserstadt des Philippus,  die der Fürst Philippus zu Ehren des Kaisers Tiberius erbaut hatte und die nun „Cäsarea Philippi“ hieß (früher hieß sie „Paneas“ und in ihr gab es eine Grotte des Pan).

Hieran der nördlichsten Grenze  des Gebietes, das Gott einst dem Volk Israel als Eigentum gegeben hatte, war der große Wendepunkt im Wirken Jesu erreicht. Er wußte, daß nun bald sein Leiden und Sterben beginnen sollte und wollte deshalb das Herz seiner Jünger festmachen. Sie sollten wissen, wem sie nachfolgten und warum sie das taten, damit niemand sie wieder aus der Hand Gottes fortreißen konnte. Jetzt war ein klares Bekenntnis für oder gegen Jesus von ihnen gefordert, denn nur so konnte eine Jüngerschar und Gemeinde entstehen, die in allen Gefahren zusammenhielt. 

Bisher hatte er immer erzählt oder andere Menschen hatten ihn gefragt. Er war der Geber und sie waren die Nehmenden. Aber nun bleibt er auf einmal mitten auf dem Weg stehen, sieht seine Jünger an und fragt sie: „Für wen halten mich denn die Leute? Was sagen sie vom Menschensohn und wer sagen sie, daß ich sei?“Da sprudelt es  aus den Jüngern heraus: „Einige sagen, du seist Johannes der Täufer. Andere halten dich für Elia oder Jeremia oder einen der Propheten!“ Jesus kennt diese Vorstellungen  des Volkes, daß große Männer wiederkehren, wenn das Reich neu ersteht. Und er weiß auch, daß man die Wiederkehr des Elia erwartete, wenn Gott sein Reich aufrichten wird.

Er predigt ja fast so wie Johannes. Die Leute reden halt über jeden und natürlich auch über Jesus. Was sie über ihn sagen, klingt nicht einmal schlecht, diese Namen haben ja im Volk eine guten Klang. Jesus könnte auch so einer werden, von dem man noch lange redet. Aber bei Jesus geht es nicht nur um die Botschaft, sondern auch um die Person dessen, der sie bringt, denn Botschaft und Person gehören aufs Engste zusammen.

Aber er spürt auch, daß sie ihn nur für einen Vorläufer halten, so wie Johannes den Täufer. Sie sehen in ihm eine gotterfüllte und außerordentliche Persönlichkeit, aber sie rechnen ihn doch zu den Menschen. Sie wollen nicht erkennen,  daß er in Wahrheit von Gott kommt.

Da sieht er seine Jünger an und fragt sie direkt: „Für wen haltet ihr mich denn? Wer sagt denn ihr, daß ich sei?“ Da tritt Petrus vor und spricht für sie alle: „Du bist Christus,  des lebendigen Gottes Sohn!“ Er will damit sagen: „Du bist nicht nur ein Wegbereiter, sondern der König des Reichs selbst.“

Jesus freut sich. Er sieht ihn an und sagt: „Selig bist du, denn du hast es begriffen. Selig bist du, Simon, Jonas Sohn. Denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, nicht Menschen haben dir das gesagt, sondern mein Vater im Himmel!“ Gott selbst hat dem Petrus die Augen geöffnet. Denn mit menschlichen Augen kann man an Jesus nicht mehr sehen, als daß er ein Prophet ist.

Im Grunde war Jesus doch ziemlich erfolglos geblieben. Nur wenige Menschen waren ihm gefolgt. Und am Ende würde die Mehrheit der anderen ihn noch umbringen. Doch hier bei Cäsarea Philippi ereignet sich das Wunder des Glaubens: Hier ist eine Schar Menschen, die dem bloßen Worte traut und nicht erst äußerliche Zeichen haben will, ehe sie glaubt: Hier ist zum ersten Mal eine Gemeinde  entstanden, nicht in Jerusalem, sondern im heidnischen Gebiet.

Jesus aber fährt fort: „Du heißt ‚Petrus‘' und das bedeutet ‚der Fels‘! Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen und die Pforten dem Totenreiches sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel zum Himmelreich geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein: Wen du auf der Erde von seiner Sünde losgesprochen hast, der soll auch im Himmel frei sein!“ Hier wird die Himmelsherrschaft so vorgestellt wie ein Haus, dessen Schlüssel an Petrus gegeben wird.

Doch im Grunde ist es nicht nur Petrus (und auch nicht der Papst, sein Nachfolger), sondern die ganze Gemeinde, der die Vollmacht zur Sündenvergebung erteilt wurde. Diese Gemeinde Jesu Christi wird also auch vom Tod nicht überwältigt werden, denn die zu Christus gehören, nehmen an seiner Auferstehung teil. Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung den Zugang zu Gott eröffnet. Petrus und die anderen Jünger erhalten Anteil an dieser Vollmacht: Sie dürfen verurteilen oder freisprechen, und wer an Jesus gebunden ist, der ist von anderen Bindungen los und freigesprochen.

Es ist ein großes Geheimnis, das die Jünger hier von ihrem Meister erfahren dürfen. Aber Jesus sagt zu ihnen: „Ihr dürft nichts davon weitersagen. Die Leute sollen es nicht erfahren, daß ich der Christus bin!“ Aber die Jünger werden sich wohl kaum an dieses Verbot gehalten haben.

Doch Jesus hat seinen Jüngern noch mehr zu sagen. Seit dem Tag von Cäsarea Philippi spricht er immer wieder davon, daß er bald wird sterben müssen. Er spricht: „Wir gehen jetzt nach Jerusalem“, sagt er, „und ich muß viel leiden von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und am dritten Tage wiederauferstehen!“

Die Jünger waren entsetzt, wenn er immer so redete. Petrus nimmt ihn beiseite und sagt: „Herr, das verhüte Gott! Das widerfahre dir nur nicht!“ Wenn Jesus von dem Reich Gottes sprach, dann dachten sie an Regierung, Besitz und Gewalt. Aber der Gedanke, daß das Reich Gottes nicht von dieser Welt ist und daß der König dieses Reiches leiden und sterben muß, das war ihnen ein fremder Gedanke.

Und daß die Führer des eigenen Volkes den Messias töten würden,  war ihren jüdischen Ohren gänzlich unverständlich. Sie konnten es nicht begreifen, daß Jesus nichts mit Gewalt erreichen wollte, sondern nur durch Dienst und Opfer. Jesus bereitet hier seine Jünger auf sein Leiden vor, damit sie ihm trotz des Leidens folgen können. Wenn Jesus ein leidender Messias ist, dann werden die Jünger in dieses Leiden hineingezogen. Davor aber schreckt Petrus zurück.

Jesus weist den Petrus mit  harten Worten  zurecht. Gerade noch hatte er ihn so gelobt, und nun fährt er ihn an: „Mach dich fort von mir, Satan! Denn du willst, daß ich mich an Gott ärgere und den Glauben an ihn verliere. Du meinst nicht, was göttlich ist, sondern was menschlich ist!“

Jesus weiß: Da ist er wieder, der Versucher! Der Teufel wird ihn noch einmal in Versuchung führen. Er wird mit allen Mitteln verhindern wollen, daß Jesus für die Sünden der Welt leidet. Er wird ihn auf den Weg der Gewalt führen wollen und damit vom Gehorsam gegen den Vater abbringen wollen. Es ist ein menschlicher Wunsch, dem Leiden auszuweichen. Und es sind menschliche Vorstellungen, nach denen der Messias durch alle Zeichen menschlicher und göttlicher Macht und Herrlichkeit bestätigt sein muß und direkt zur Herrlichkeit

aufsteigen muß.     

Jesus weiß, daß seine Jünger erschrocken  sind. Aber er sagt ihnen die Wahrheit. Er weiß auch, daß Petrus ihn liebhat und nur deshalb so etwas gesagt hat. Aber er muß sie alle auffordern:  „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden!“ Sie werden kein herrliches Leben und Reichtum haben, sondern mit dem Kreuz bekennen, daß sie zum Leiden bereit sind und alles mit Jesus teilen wollen.

Wer Jesus nachfolgt, der wird genauso fremd sein in der Welt wie Jesus selbst. Er muß den Weg Jesu zum Kreuz zu seinen eigenen Weg machen. Jeder Mensch versucht sich unter den anderen Menschen auszubreiten. Er ist wie ein Keil, der sich zwischen seine Mitmenschen zwängt und unter ihnen Raum gewinnen will. Der Mensch aber, der Jesus nachfolgen will, ist wie ein Kreuz,  das heißt ein Balken, der durch einen anderen ausgestrichen ist, also ein Mensch, der seine eigenen Wünsche ausstreichen muß. Aber das Leben, das er von Gott erhält, ist mehr wert als aller Besitz in der ganzen Welt.

Deshalb schließt Jesus mit dem Wort: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele!“ Das heißt: Wenn er zwar alle irdischen Güter hat, aber sein Leben bei Gott verliert, oder wenn einer alle Menschen für Christus gewinnt, aber selber an Gott vorbeigeht, nutzt es ihm nicht. Denn Jesus wird wiederkommen, nicht als Messias, sondern als Menschensohn, um die Menschen zu richten.

 

Antwortgespräch:

Wer  waren denn die ersten, die gewußt haben, wer Jesus wirklich ist? Maria, Joseph, Simeon, Johannes der Täufer, dann die Jünger. Doch wichtig ist für uns vor allem, daß auch wir sagen können:“Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unseren Herrn!“ Wir sind zwar alle getauft und gehören zur christlichen Gemeinde, aber wir müssen uns doch immer wieder für Gott entscheiden und zu Jesus bekennen.

Jeder von uns soll so ein Fels werden wie Petrus (Wer heißt Peter?). Der Fels ist allerdings nur der Untergrund und Jesus ist der Bauherr. Und Petrus ist nicht der einzige gute Untergrund, sondern andere treten neben ihn (Mt 18,18). In 1. Petr 4,10 steht ausdrücklich: „Jeder Christ ist ein Haushalter der mancherlei Gnade Gottes!“

Nicht Petrus ist also der Herr der Kirche, auch nicht sein angeblicher Nachfolger in Rom, sondern Christus allein. Er baut auf dem Grund der Apostel eine neue Kirche, die sich von der Gemeinde des Alten Bundes löst, während der Tempel in Jerusalem in Trümmern sinkt. Gott baut sich einen  neuen Tempel, in dem er ewig wohnen will. Petrus wird an seiner Tür stehen (natürlich nur bildlich) und verkünden, wer eintreten darf und wer nicht.

Eins aber steht vor allem fest: Die Macht des Todes wird nicht in dieses Haus Gottes hineinreichen.

 

 

Salbung in Bethanien: Mt 26, 1 - 13

Hinführung:

Es sind mache Menschen, die wir ehren, zum Beispiel Vater und Mutter, überhaupt erwachsene Leute. Am Frauentag werden besonders die Frauen geehrt und am Kindertag stehen sogar die Kinder im Mittelpunkt. Dann schenkt man sich auch oft etwas, um dem anderen eine Freude zu machen. Manchmal opfert man sogar viel Geld dafür.

Zur Zeit Jesu wurde besonders den Königen Ehre entgegengebracht. Ehe sie König wurden, hat man sie gesalbt mit teurem Öl: Eine ganze Flasche voll Öl wurde über ihrem Kopf ausgeschüttet. Wir mögen das als urappetitlich empfinden. Aber damals war das so etwas wie später die Krönung eines Königs. Auch Jesus ist einmal völlig überraschend so wie ein König gesalbt worden. Und das kam so:

 

Erzählung:

Jesus hatte schon mehrfach davon gesprochen, daß er bald würde sterben müssen. So sprach er etwa zu seinen Jüngern: „Ihr wißt, daß in zwei Tagen das Passahfest ist. Dann wird der Menschensohn verhaftet werden, damit er gekreuzigt wird!“

Die Hoherpriester und Ältesten des Volkes versammelten sich auch schon im Palast des Hohenpriesters Kaiphas. Sie wollten beraten, wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten. Aber sie wissen noch nicht, wie sie es anstellen sollen. Auf keinen Fall soll es während des Festes sein. Das würde zuviel Aufsehen erregen. Es hat schon genug Unruhe um diesen Jesus gegeben.

Vor allem darf den Römern kein Grund gegeben werden, irgendwie einzugreifen. So muß es entweder noch vor dem Fest geschehen oder aber erst nachher. Aber wer weiß denn, ob Jesus noch in der Stadt ist? Aber daß Jesus irgendwie zu Tode gebracht werden muß, das wird schon beschlossen.

Wer wird Jesus da nur helfen? Das Volk vielleicht. Sie hatten ihm doch beim Einzug in Jerusalem zugejubelt, sie schienen doch alle auf seiner Seite zu stehen. Aber man weiß doch auch, wie schnell sich die Menge begeistern läßt und wie schnell man wieder allein dasteht, wenn es erst einmal erst wird. Die Jünger hat Jesus noch. Aber werden sie nicht auch wankend werden, wenn es um ihr Leben geht?  Wer wird in dieser Tagen wirklich zu Jesus halten?

Mitten in der Welt des Hasses und des Todes kommt es zur Begegnung Jesu mit einer Frau, die unbedingt zu ihm hält. Wir wissen nicht einmal ihren Namen. Es geschieht auch gar nicht viel, jedenfalls nichts, was den Tod Jesu verhindert hätte. Aber es wird doch deutlich, daß Jesus nicht allein dasteht und doch einige begriffen haben, wer er wirklich ist und was nun mit ihm geschehen wird.

Jesus hält sich in dem Dorf Bethanien auf, nicht weit von Jerusalem entfernt. Dort war er schon öfters zu Gast bei den Geschwistern Maria und Martha und Lazarus. Dies­mal aber hat ihn ein Mann namens Simon eingeladen. Die Leute nennen ihn immer noch den „ Aussätzigen“. Sicher hat er einmal diese schlimme Krankheit gehabt. Und vielleicht hat Jesus ihn einmal davon geheilt.

Simon freut sich, daß Jesus auch einmal zu ihm kommt. Er hat ein festliches Mahl vorbereitet. Beim Empfang werden allen Gästen die Füße gewaschen, denn die Wege sind in der heißen Jahreszeit sehr staubig. Jeder bekommt zur Erfrischung auch etwas Öl auf die Stirn; man nimmt nur wenige Tropfen, weil Öl sehr viel kostet. Ganz besonders teuer war Nardenöl, das aus einer Wurzel gewonnen wird, die in Indien wächst. Aber Simon hatte sicher solches Öl nicht im Haus.

Die Männer lagern sich auf die Polster rund um den Tisch und beginnen mit dem Mahl. Da tritt eine Frau in den Saal. Was will sie wohl in dieser Gesellschaft von Männern? Da haben Frauen doch nichts zu suchen! Unwillig sieht man zu ihr hinüber.

Die Frau geht dahin, wo Jesus liegt. In der Hand hält sie eine Flasche aus weißem Alabaster, einem leicht zerbrechlichen durchscheinendem Gips. In solchen Gefäßen pflegte man kostbares Salböl aufzubewahren. In der Tat bricht die Frau auch das Gefäß über dem Haupt Jesu entzwei und läßt das Öl auf ihn tropfen. Sie behält nichts davon zurück, bis auf den letzter Tropfen soll Jesus alles haben. Dadurch will sie ihm ihre Verehrung und Liebe zeigen. Sie hat wohl Jesus nicht zum König salben, sondern nur ihre Dankbarkeit zeigen wollen.

Bald erfüllt ein herrlicher Wohlgeruch den ganzen Raum. Alle merken: Das ist echtes Nardenöl, nicht nur ein bißchen, sondern eine ganze Flasche voll. Bald beginnen einige der Gäste zu tuscheln. Sie sehen die Frau, die bei Jesus steht. Sie haben bemerkt, daß sie ihn mit dem kostbarem Öl gesalbt hat.

Auch die Jünger werden unwillig und fauchen die Frau an: „Wozu diese Vergeudung? Dieses Wasser hätte teuer verkauft werden können. Und der Ertrag hätte man den Armen geben können!“ In der Tat mußte man für eine solche Flasche 300 Silberstücke bezahlen, der Lohn eines Arbeiters für ein ganzes Jahr. Jesus war doch sonst gegen jeden Aufwand, er war doch gekommen ,um der Menschen zu dienen und besonders den Armen zu helfen. Wie viele Arme hätte man mit diesem Geld unterstützen können, sodaß sie sich zum Passahfest auch einmal eine gute Mahlzeit hätten leisten können.

Jesus aber nimmt die Frau in Schutz . Er spricht in die Unruhe hinein: „Laßt sie nur!  Was macht ihr der Frau nur Kummer? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Arme Leute habt ihr immer bei euch. Aber mich habt ihr nicht allezeit bei euch. Den Armen könnt ihr immer noch Gutes tun, mir aber nicht mehr lange!“

Jesus weiß eben schon mehr, er sieht schon weiter als seine Jünger. In dieser Stunde wird er der Allerverachtetste und Ärmste sein, der bald den Tod eines Verbrechers am Kreuz sterben wird. Und dann wird man nicht einmal Zeit haben, hm noch die übliche Totensalbung zu geben.

Deshalb erläutert Jesus jetzt: „Sie hat das Öl auf meinen Leib gegossen, um mich schon fürs Grab vorzubereiten!“ So weist Jesus die rücksichtslosen Angriffe zurecht und gibt er Tat der Frau einen zusätzlichen Sinn. Sie hat das getan, was im Augenblick notwendig war, was das Werk der Liebe in dieser Stunde war.

Zuletzt verspricht Jesus der Frau noch, daß man ihre Tat nie vergessen wird: „Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man sich an diese Frau erinnern und was sie getan hat. Immer wenn man vom Leiden Jesu erzählen wird, dann wird auch die Liebe dieser Frau mit dazugehören!“

Vor einem anderen wird man auch immer berichten. Aber der hat gerade das Gegenteil getan. Unfaßlich, daß es auch noch ein Jünger Jesu ist. Judas Ischarioth geht hinaus und läuft zu dem Hohenpriestern und sagt zu ihnen: „Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Ich weiß genau, wo er sich immer aufhält, ich weiß auch, wie er aussieht. Ich liefere ihn euch ans Messer!“ Da sind die Hoherpriester hoch erfreut und bieten dem Judas 30 Silberstücke für seine Tat. Wir wissen nicht, weshalb Judas so gehandelt hat. Aber er hat es getan. Von nun an wartet er auf eine günstige Gelegenheit, um Jesus in die Hände seiner Feinde ausliefern zu können.

 

Antwortgespräch:

Sonst sind immer Menschen zu Jesus gekommen, die Gesundheit oder Rat oder Sündenvergebung haben wollten. Diese Frau aber will nichts für sich selber, sondern sie will Jesus etwas schenken. Sie will Jesus als einen hohen Gast ehren. Vielleicht hat er ihr auch früher einmal geholfen. Auf jeder Fall äußert sie ihre schrankenlose Liebe zu diesem Herrn. Dabei setzt sie sich über alle Schranken der Sitte hinweg. Sie rechnet nicht, sie denkt nicht an die Zukunft - alles soll Jesus gehören.

Eine Totensalbung hat sie wohl nicht vorgehabt. Sie paßt ja auch nicht bei einem Lebenden und während so eines festliches Mahls. Aber Jesus gibt ihrem Handeln diese Deutung. Er weiß ja, daß andere da sind, die schon seinen Tod planen. Sie steigern sich noch einmal in einen letzten Haß, während diese Frau noch einmal ihre letzte Liebe erweist.

Jesus versteht diese Frau so gut, weil er selbst aus Liebe zu den Menschen in den Tod geht. Deshalb stellt er sich schützend vor sie, wie sie sich da plötzlich einer Grup­pe vor Gegnern gegenübersieht.

So stehen wie auch oft den vielen Gegenüber, die Jesus nicht haben wollen. Oft handeln wir nicht so wie diese Frau, die offen ihre Liebe zeigt. Sie fragt nicht danach, was die anderen sagen, ob sie spotten, ob sie vielleicht mit Nachteilen rechnen muß. Diese einzelne Frau beschämt uns.

Aber sie ist nicht allein, denn Jesus stellt sich zu ihr.  Was er am Kreuz tun will, das gilt ihr. Die Frau sagt ihm auf ihre Weise schon Dank dafür mit offenen Händen und offenem Herzen. Deshalb brauchen auch wir Jesus nicht nur heimlich lieb zu haben, brauchen unseren Glauben und unsre Liebe nicht zu verstecken, denn Jesus ist

da und steht uns bei.

 

Einzug in Jerusalem: Mt 21, 1 - 11

Hinführung:

Wenn ein hoher Staatsmann seinen Besuch in einem Ort ankündigt, dann werden einige Verantwortliche in dem Ort doch etwas aufgeregt. Schnell wird etwas unternommen, um den hohen Besuch würdig zu empfangen. An der Landstraße wird das vertrocknete Gras und Unkraut gemäht. Die Baustellen in der Stadt werden abgebaut. Kurz und gut: Alles wurde noch schnell in Ordnung gebracht.

Aber dann kommt einer von der Regierung und sagt, das sei gar nicht im Sinne des Besuchers, wenn man solchen Aufwand treibt. Aber all das zeigt doch, wie die Leute meiner, naß eine hohe Persönlichkeit empfangen werden müßte: Manchmal werden sogar Straßen und Häuser geschmückt mit Girlanden, Fahnen, Blumen. Absperrungen werden errichtet, Schulkinder sollen Fähnchen schwingen, Lautsprechermusik ertönt.

Wenn der Gast dann kommt, fährt die Polizei vorneweg. Im größten Auto sitzt der Höchste. Am Ziel wird manchmal sogar ein roter Teppich ausgerollt, damit der hohe Gast sich nicht die Schuhe schmutzig macht. Dann sagen Kinder Gedichte auf und überreichen einen Blumenstrauß. Vielleicht wird eine kleine Rede gehalten. So ist es und so war es auch schon früher, wenn ein hoher Gast zu empfangen war.

Wind man Jesus wohl auch wie einen hohen Herrscher empfangen, wenn er in Jerusalem einzieht? Wird er als der Davidssohn kommen, der als mächtiger König alle Feinde Israels überwinden wird? Oder wird er als ein Gerechter und ein Helfer kommen, der arm ist und auf einem Esel reitet?

 

Erzählung:    (dabei wird das Flanellbild zu Mt 21 gezeigt)

Lange Zeit war Jesus mit seinen Jüngern durch die Landschaft Galiläa gezogen. Nun aber wollte er in die Hauptstadt Jerusalem, um sein Volk und vor allem die Führer des Volkes vor die Entscheidung zu stellen: „Werdet ihr mich als den von Gott gesandten Messias anerkennen oder werdet ihr sagen, ich sei ein Schwindler?“

Jesus macht sich nichts vor. Er weiß genau, wie eng die Schriftgelehrten die alten Gesetze auslegen, wie viele Gesetze und Regeln sie noch hinzugefügt haben. Sie würden ihn mehr als streng prüfen und ihre Vorurteile nicht so schnell aufgeben. Aber er weiß auch: Was auch in Jerusalem geschehen wird, kann nur nach dem Willen Gottes sein. Seine Jünger hat er schon schonend vorbereitet, was ihn unter Umständen dort erwartet; sie sind schon Mitwisser und werden auch bald Augenzeugen sein.

Von Osten her nähert sich Jesus der Stadt. Das war an sich der übliche Weg, den alle Pilger aus Galiläa nahmen, wenn sie nach Jerusalem zogen. Aber vom Oster her, vom Ölberg her, erwarteten die Juden auch das Kommen des Messias: Von dort her wird er in Jerusalem einziehen.

Knapp unterhalb des Gipfels des Ölbergs liegt das Dorf Bethphage. Dort macht Jesus halt. Vor sich hat er die ganze Stadt Jerusalem (Bilder zeigen: Blick vom Ölberg, noch nicht den Tempel)

Jesus ist schon öfters hier gewesen. In der Nähe ist Bethanien, wo Maria und Martha und Lazarus wohnen. Jesus kennt in Bethphage einen Mann, der Esel an die Pilger verleiht. Auch die Religionslehrer haben sich hier gern noch einen Esel ausgeliehen, wenn sie nach Jerusalem wollten. Auch Jesus will es diesmal so machen.

Jesus sagt zu zwei seiner Jünger: „Geht schon voraus in das Dörfchen vor uns. Dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden; vielleicht ist auch das Füllen bei ihr. Bindet sie los und führt sie zu min! Und wenn einer etwas zu euch sagt, dann antwortet einfach: ‚Der Herr braucht sie!‘ Dann wind man euch die Eselin lassen!“

Das ist ein etwas rätselhafter Befehl. Aber die Jünger gehorchen. Vielleicht fällt ihnen das alte Wort aus dem Propheten Sacharja ein. Dort heißt es: „Sagt Jerusalem: Dein König kommt zu dir, er ist sanft und reitet auf einem Esel“ (nicht zwei Esel, Mißverständnis des hebräischen Textes). Dann wäre also Jesus der von den Propheten verheißene Messias! Doch er kommt nicht wie ein König auf einem Streitroß, sondern gewaltlos und friedlich, arm und niedrig. Einen Beweis haben die Jünger damit noch nicht, aber wer an Jesus glaubt, wird verstehen, was hier gemeint ist.

Die Jünger finde auch alles so, wie es Jesus gesagt hat. Sie bringen den Esel zu ihm. Der wird nun mehr zum Zuschauer als zum Handelnden. Er läßt mit sich geschehen, was sie mit ihm vorhaben. Sie ziehen ihre Überkleider aus und legen sie auf den Esel. Dann setzt sich Jesus

drauf und reitet auf Jerusalem zu.

An sich war es nichts besonderes, wenn ein Mann auf einem Esel nach Jerusalem ritt. Aber die Menschen hier spüren doch, daß Jesus mehr ist als nur irgendeiner. Deshalb reißen sie Zweige von den Bäumen und legen sie vor Jesus auf den Weg. Andere ziehen ihre Oberkleider aus und breiter sie wie einen Teppich vor Jesus aus. Es sind nicht die Großen von Jerusalem, sondern  die kleinen Leute, die auch mit zum Passahfest nach Jerusalem wollen. Viele laufen vorneweg, viele kommen hinterher.

Dann stimmen sie den Psalm an, der immer beim Einzug in Jerusalem gesungen wird: „Hosianna, dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt, in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“ Dieser Psalmvers wird nun zum Lobgesang für Jesus. Er ist doch ein Nachkomme Davids und kommt im Namen des Herrn. Viele freuen sich, daß sie dies beim Passahfest mit­erleben dürfen.

Als die Gruppe aber in die Stadt einzieht, da werden doch allerhand Leute aufmerksam. Die einen freuen sich mit. Andere aber regen sich auch auf und sagen: „Wer ist denn der?“ Da antworten die von draußen Gekommenen: „Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa!“ Dann wäre er also doch nur ein Prophet wie andere auch? Nicht der Davidssohn und verheißene Messias? Diese Antwort läßt wieder alles offen. Am Ende werden sie sich noch ganz gegen Jesus stellen.

 

Bildbetrachtung: H.-G. Anniès: Wir haben das Leben gesehen, Nr.13 [Bild fehlt]

Ein Knäuel menschlicher Gestalten blickt verbissen nach allen vier Himmelsrichtungen. Einer geht mit verschränkten Armen und selbstsicherem Gesichtsausdruck auf den Betrachter zu. Obwohl sie dicht beieinander sind, besteht zwischen ihnen keine innere Verbindung. Ihre Blicke und Füße gehen auseinander.

Über ihnen sieht man das Zifferblatt einer Uhr. Offenbar gilt für diese Männer: „Zeit ist Geld!“ Nur einer (hinten links) blickt auf das zeigerlose Zifferblatt und scheint sich zu besinnen, jedenfalls ist er nicht beteiligt am Treiben der anderen.

Aber der Mann sieht auch über die Uhr hinweg auf der Stern, der über dem Geschehen scheint. Der Mann rechts weist sogar energisch mit der Hand auf den Stern hin. Mit der linken Hand will er die auseinanderstrebenden Menschen aufhalten. Ihm ist der Christusstern aufgegangen als ein Zeichen der Hoffnung. Er will die Entdeckung weitergeben: „Siehe, dein König kommt zu dir!“Alle Figuren und Zeichen bilden ein Dreieck, das nach oben weist. Die Uhr gehört dabei zu der Welt der Menschen, die ihre eigenen Wege gehen. Der Stern aber überstrahlt alles. Die kreisförmigen Lichtwellen beziehen auch das Dunkle in die Welt Gottes ein. Jesus hat seine Liebe allen Menschen gebracht. Eigentlich ist das ein Weihnachtsbild. Aber die Ankunft Jesu auf der Welt und sein Einzug in Jerusalem gehören zusammen (wie Krippe und Kreuz). Wir sind gefragt, ob wir uns von ihm erleuchten lassen.

 

 

Die Tempelreinigung: Mt 21 ,12 - 16

Hinführung:

Es gibt Kirchengebäude in unserem Land, die sehen jämmerlich aus. Die Fenster sind eingeschlagen, die Dachrinnen hängen herunter, die Ziegel fallen vom Dach, auf dem Kirchhof liegt der Schutt und die Brennesseln wachsen. Vielleicht steht auch die Türe auf und die Kinder laufen darin herum und spielen Verstecken. Dann ist die Kirche zu einem Spielplatz geworden.

So darf es aber nicht sein. Auch wenn eine Kirche zur Zeit nicht benutzt wird, so ist sie doch das Haus, in dem Gottesdienst abgehaltem wurde oder wird. Es ist ein heiliger Ort, wo man sich ruhig und würdig verhalten soll. Wenn man in die Kirche kommt, dann geht man langsam, spricht nicht laut und setzt sich still auf einen Platz. Dort kann man ein kurzes Gebet sprechen, egal ob man die Kirche nur besichtigen will oder am Gottesdienst teilnehmen will. In der Kirche verhält man sich mindestens so wie im Theater oder im Museum. Das galt natürlich auch für den Tempel in Jerusalem.

 

Erzählung:    (dabei Flanellbild zu Mt 21 anheften)

Zum Passahfest in Jerusalem drängten sich wieder viele Menschen in den Straßen von Jerusalem. Viele Ausländer - vor allem Juden aus dem Ausland - waren zum Fest gekommen und gingen auf den Tempel zu. Mancher von ihnen sah den Tempel zum ersten Mal: Die hohen Mauern aus weißem Marmor schimmerten in der Sonne. Darüber breitete sich das goldene Dach.

Dieses kostbare Gotteshaus war damals in der ganzen Welt berühmt. Daheim in Griechenland oder in Italien oder auch in Afrika hatten sie zwar auch schöne Tempel. Aber in ihnen standen nur tote Götterfiguren aus Stein oder Holz. Hier in Jerusalem aber konnte man den lebendigen Gott, den Herrscher über Himmel und Erde anbeten.

Der Tempel war nicht nur ein Haus, wie wir das von unseren Kirchen gewöhnt sind. Es gehörte auch ein großer Platz dazu mit Hallen und Säulengängen. Dazu gab es vier Vorhöfe; sie waren zusammen einen halben Kilometer lang. Es hatte 46 Jahre gedauert, bis das Gotteshaus so prächtig ausgebaut war.

Wer den Tempel betreten durfte, schritt gewissermaßen eine Stufenleiter zu Gott empor. Um den eigentlichen Tempel herum lag der Vorhof der Heiden. Nur eine einzige Tür führte in das Innere, die „schöne Pforte“. Neben ihr waren Schilder angebracht, die den Heiden die Todesstrafe androhten, wenn sie hier weitergingen.

Im Inneren kam man zunächst in den etwas erhöhten Vorhof für die Frauen. Durch eine Mauer kam man in den Männervorhof, der wiederum durch eine Mauer vom Priesterhof getrennt war. Aber immerhin war die Mauer so niedrig, daß die Männer den Gottesdienst verfolgen konnten, den die Priester vor dem eigentlichen Tempelgebäude abhielten. In den eigentlichen Tempel durften nur die Priester hinein. Innen war noch einmal ein besonderer Raum abgeteilt, das „Allerheiligste“, in das der Hohepriester nur einmal im Jahr eintreten durfte.

Man merkt gleich: Die Frauen galten damals nicht viel. Und die Heiden schließlich mußten sogar ganz draußen bleiben. Aber auch Kranke und Kinder mußten draußen bleiben. Sie konnten nicht verstehen, was im Gottesdienst gesungen und gebetet wurde; nur ab und zu konnten sie die Posaunen hören. Aber viele waren dennoch gekommen, um wenigstens draußen im Vorhof zu dem lebendigen Gott beten zu können.

Doch das war gar nicht so einfach. Im Vorhof hatten die Priester nämlich all das organisiert, was man so im Tempel brauchte: Man konnte dort Tauben und andere Tiere kaufen, denn die konnte man ja nicht aus den fernen Ländern mitbringen. Hier konnte man auch sein Geld wechseln, denn im Tempel galt nur ein besonderes Tempelgeld. Außerdem liefen noch allerhand andere Leute über den Vorhof, weil das der kürzeste Weg quer durch die Stadt war (so wie auch bei uns die Leute über den Friedhof gehen, selbst wenn dort eine Beerdigung stattfindet).

So war es kaum möglich, in diesem Vorhof zu beten. Bei dem vielen Lärm ringsum gerieten die Worte durcheinander. Da waren die Heiden nun aus fernen Ländern gekommen. Aber vom Gottesdienst bekamen sie nichts mit. Und nun war nicht einmal Gelegenheit, ungestört zu beten. Es ist ein unbeschreiblicher Lärm, alles rennt und schreit durcheinander; es sieht eher aus wie auf einem Marktplatz als in einem Gotteshaus. Die Händler priesen ihre Ware an, die Tiere schrieen dazwischen, Geld wurde gezählt.

Doch was ist das? Auf einmal zornige Rufe. Geld rollt über die Pflastersteine. Ein Schwarm Tauben fliegt auf, Tische und Hocker poltern um. Die Wechsler hasten davon. Die Händler ziehen eilig ihr Vieh hinter sich her. Über allem aber hört man eine Stimme, die ruft: „Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus soll ein Bethaus sein für alle Völker?‘ Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!“

Es ist Jesus von Nazareth, der mit seinen Jüngern in den Vorhof des Tempels gekommen ist. Voller Zorn sieht er, daß die Händler und Geldwechsler nur ihr Geschäft im Sinn haben und die anderen Menschen am Gebet hindern .Das aber darf doch nicht sein. Jesus hat sicher nicht behaupten wollen, daß die Leute hier von den Händlern betrogen werden. Die Priester haben den Handel sicher gut überwacht. Aber die Tatsache des Handels im Gotteshaus überhaupt macht es schon zur „Räuberhöhle“.

Deshalb stößt Jesus voller Wut die Tische und Bänke der Händler und Geldwechsler um und jagt sie mit all ihrem Kram aus dem Vorhof des Tempels hinaus. Und er weist alle zurück, die über den Vorhof gehen wie über einen Marktplatz, nur weil sie abkürzen wollen.

Auf einmal liegt der Vorhof ganz menschenleer und verlassen da. Es gibt nichts mehr, was Andacht und Gebet stört. Jetzt können die Fremden wirklich von ganzem Herzen zu Gott beten. Jesus hat die Verheißung des Propheten wahr gemacht (Sach 14, 21): Wenn Gott kommt, dann wird es keine Händler mehr im Haus Gottes geben. Er hat den Tempel wieder zum Bethaus für alle Völker gemacht. In Jesus hat sich Gott selber bis zu den Menschen vorgearbeitet. Es gibt nun keine Vorzimmer mehr, sondern schon vom Vorhof der Heiden aus kann man zu Gott beten.

Doch der Vorhof bleibt nicht lange leer. Alle Tore und Türen stehen ja offen. Und draußen stehen andere, die gern in den Tempel hinein möchten. Die blinden und lahmen Bettler haben Jesus zuerst entdeckt. Jetzt ist endlich Platz im Tempel - auch für sie. Vorher durften sie nicht hinein;  man hielt sie für Menschen, die von Gott gestraft worden waren und deshalb nichts im Tempel zu suchen hatten. Doch mit der Ankunft des Messias sollte sich das ja alles ändern. Jetzt ist es soweit, jetzt ist er da. Auch die Blinden und Lahmen dürfen wie selbstverständlich im Tempel sein. Sie suchen nicht vergeblich Hilfe bei Jesus. Er heilt sie und macht sie von Herzen froh.

Plötzlich sind auch Kinder da, große und kleine. Niemand hat darauf geachtet. Man ließ sie nicht in den Tempel, weil sie angeblich zu klein waren und doch alles nicht verstünden. Aber sie haben sehr genau zugehört, was die Erwachsenen riefen, als Jesus in Jerusalem einzog. Jetzt rufen sie auch: „Hosianna, dem Sohne Davids!“ Zu solchem Lob Gottes ist der Tempel wahrhaftig da. Weithin war der Lobgesang der Kinder Jerusalems zu hören.

Da erscheinen die Priester, die für die Ordnung im Tempel verantwortlich sind. Sie sind entsetzt, als sie die Bescherung sehen: Da sind ja Kranke und Bettler im Tempel! Und dann diese Kinder: Die rennen überall herum und schreien! Das ist ja entsetzlich! Wie kommen sie dazu, Jesus zum Davidssohn und damit auch zum Sohn Gottes zu erklären? Bei all ihrer Klugheit bleibt ihnen verborgen, was Gott mit Jesus vorhat. Sie sind die Sachverständigen. Aber sie bleiben blind und unwissend, während die Blinden wieder sehend werden. Die über Gott so genau Bescheid wissen wollen, versagen hier. Aber die unmündigen Kinder loben Jesus als den Sohn Gottes. Wenn die Experten es nicht merken, dann ist Gott eben auf schreiende Kinder angewiesen.

Jesus soll dafür sorgen, daß die Kinder mit ihrem Geschrei aufhören. Die Priester sagen: „Hörst du eigentlich, was die Kinder über dich sagen?“ Dadurch wollen sie Jesus einschüchtern und wollen ihm zeigen, wer im Tempel die Macht hat. Doch Jesus hat keine Angst vor ihrem Zorn. Die Kinder sagen doch die Wahrheit.

Jesus nimmt sie in Schutz und sagt: „Ich habe gehört, was sie sagen. Dieses Lob hat Gott sich selber bestellt. Weil die Erwachsener stumm geworden sind, müssen die Kinder beten, loben und singen. So steht es doch schon im 8. Psalm geschrieben: Aus dem Munde der Unmündiger und Säuglinge hast du dir das Lob bestellt!“

Doch die Priester machen da nicht mit. Sie sind doch die Bibelkenner. Aber nun müssen sie sich vor den Kindern schämen, die mehr von der Bibel begriffen haben als die gelehrter Leute! Wo Jesus ist, da muß man ihn loben und Gott dafür danken.  Jesus läßt die Priester einfach stehen und geht aus dem Tempel und aus der Stadt hinaus.

 

Antwortgespräch:

Jesus ging es nicht darum, nur einmal Krach zu schlagen. Er protestierte nicht um des Protestes willen, sondern weil es ihm um Gott ging. Jesus hat die Verbotsschilder am Eingang zum eigentlicher Tempel nicht entfernt. Aber er hat ihre Gültigkeit praktisch aufgehoben, indem er den Vorhof zum heiligen Bezirk erklärte, an Rang und Würde den inneren Höfen gleich, ein Ort zum Beten.

Auch bei uns gibt es eine perfekt organisierte Religionsausübung. Man zahlt Kirchensteuer und wird dadurch vor einem „Spezialisten“ bedient mit Wort, Gebet und Segen. Er macht bestimmte Höhepunkte im Leben wie Taufe und Trauung zu Treffpunkten mit Gott. Beide Teile sind damit zufrieden.

Jesus will uns aus allem Gewohnheitschristentum herausholen. Auch der Alltag ist kein „Vorhof“ mehr, sondern unser ganzes Leben ist echter Gottesdienst. Dazu gehört auch, daß wir die Kranken nicht als minderwertig ansehen, nicht als hinderlich und lästig. Treffpunkt mit Gott ist nicht mehr ein bestimmtes Gebäude, sondern Jesus selbst.

Bei uns dürfen auch Kinder ins Gotteshaus kommen. Wenn sie auch einmal dazwischen quäken oder „Amen“ sagen, ist das nicht so schlimm. Nur wenn ein zu kleines Kind ständig den Gottesdienst stört, dann sollte man doch mit ihm hinausgehen oder wenigstens mehr nach hinten. Und die größeren Kinder sollten erst recht wissen, wie man sich in der Kirche und vor allem im Gottesdienst benimmt.

 

 

Die Fußwaschung:  Joh 13, 1 - 20

Hinführung.

Wir sind alle auf der Jagd nach dem ersten Platz, auf dem Sportplatz, in der Schule, überhaupt im Leben. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand fleißig ist und seine Körper- und Geisteskräfte übt. Aber gefährlich wird es, wenn es auf Kosten der anderen geht. Da will jeder die beste Stellung und das meiste Geld haben. Der erste Platz (ihn muß es ja irgendwie geben) wird  durch Herrschsucht  mißbraucht: Alle müssen mir dienen, alles dreht sich um mich.

Das Dienen dagegen ist nicht mehr modern. Wir wollen nicht Dienen sein, sondern Hausherren. Wenn man an die unterwürfigen und trottelige Dienerfiguren in den Filmen denkt , dann möchte man in der Tat nicht ein solcher Diener sein. In dieser Sicht sind Diener armselige, unterdrückte Menschen, die keinen eigenen Willen haben und immer nur nach der Pfeife ihres Herrn tanzen müssen.

Wir zeigen Bilder von Menschen bei unterschiedlicher Arbeiten: Baby füttern, Roll­stuhl fahren, Unkraut jäten, Schuhe putzen, mit kleinen Kindern spielen, ein krankes Kind versorgen, Geschirr spülen, bei Schularbeiten helfen. (unter der Fotos sollen sich etwa gleichviel „beliebte“ und „unbeliebte“ Tätigkeiten befinden. Die Tätigkeiten sollen auch unterschiedlich dringend und notwendig sein). Wir überlegen, welche Aufgabe wir gern übernehmen möchten und welche nicht (Nummer des Bildes auf Zettel schreiben und auswerten).

Es wird deutlich, was besonders häufig gewählt wurde und was wenig oder gar nicht gewählt wurde. Das Ergebnis wird anders sein , wenn in einer Gruppe viele Kinder sind, die zu Hause einen großen Garten haben oder wenn nur wenige Kinder am Wochenende in den Garten fahren. Was mal immer wieder tun muß, wird langweilig. Aber wenn man jemanden damit hilft, macht es doch auch Spaß. Wer helfen will, muß erst den anderen sehen und seine Probleme erkennen. Er muß allerdings auch etwas lernen, damit er auch wirklich helfen kann (Wenn einer in Erdkunde auf einer 5 steht, wird er kaum einem anderen helfen körnen). Einer, der anderen geholfen hat, war Jesus. Eine beispielhafte Erzählung wollen wir heute hören.

 

Erzählung:

Jesus ist mit seinen Jüngern nach Jerusalem gekommen. Es ist kurz vor dem Passahfest, einem der großen Feste der Juden. Viele Menschen aus aller Herren Länder sind gekommen. Es ist ein großes Gedränge in der Stadt, viele rufen und laufen. Aber Jesus beteiligt sich nicht an diesem Trubel, weil er ja vor dem Fest noch einen schweren Weg wird gehen müssen. Jetzt ist die Stunde seines Sterbens gekommen, jetzt wird er aus dieser Welt zu seinem Vater gehen.

Es wird schwer werden für seine Jünger, ihren Herrn leiden und sterben zu sehen. Sie hoffen, daß er nun endlich seine Herrschaft allen Leuten öffentlich zeigen wird. Er aber weiß, daß er von ihnen wird Abschied nehmen müssen. Er hat sie sehr lieb. Er geht auch für sie in den Tod, gerade weil er sie so lieb hat. Damit sie aber das Kom­mende nur gut durchstehen können, will ihnen Jesus noch einmal deutlich machen, wie lieb er sie hat.

Es ist beim Abendessen. Es ist die letzte Nacht vor dem Tod Jesu, am 13. Nisan, dem Tag vor dem Schlachten der Passahlämmer. Es handelt sich um eine ganz gewöhnliche Abendmahlzeit, nichts deutet auf die Besonderheiten des Passahmahles hin, das ja erst zwei Tage später begangen wurde. Die Erzählung findet sich nur im Johannesevangelium. Sie steht im Aufbau des Evangeliums ungefähr an der Stelle, wo bei den anderen Evangelisten  die Einsetzung des Abendmahls erzählt wird, von der bei Johannes ja nichts steht. Mit ihr beginnt die eigentliche Passionsschilderung.

Der Teufel, der Widersacher Gottes, hat schon zum entscheidenden Schlag angesetzt, denn er hat dem Jünger Judas der Gedanken ins Herz gegeben, seinen Herrn doch zu verraten an seine Feinde. So wie Jesus den Willen seines Vaters tut, so wird Judas den Willen des Teufels tun. Aber im tiefsten Sinne ist er auch wieder machtlos, denn er dient ja nur dazu, daß Gott sein Ziel erreicht

und daß die Liebe Jesu zu den Seinen vollkommen wird.

Jesus weiß um seine Macht, die ihm sein Vater gegeben hat. Und doch steht er plötzlich vom Tisch auf, legt sein Obergewand ab, bindet sich eine Schürze um, gießt Wasser in eine Waschschüssel und beginnt, den Jüngern die Füße zu waschen. Dann trocknet er ihnen die Füße mit seiner Schürze ab.

Das alles geschieht lautlos, ohne ein Wort. Die Jünger können sich nur wundern: Das ist doch eine Arbeit für Sklaven!  Wie kann der Herr denn  so eine niedrige Arbeit tun? Er beugt sich hier doch in den „Sündenschmutz“ der anderen hinab, stellt sich mit ihnen auf eine Stufe, als sei er der gleichen Bürde fähig!  Aber für Jesus ist diese Erniedrigung der  Anfang der Kreuzigung. Er demütigt sich, weil Gott das von ihm erwartet.

Jetzt kommt die Reihe auch an Petrus .Der aber will nicht zulassen, daß sein Herr sich so vor ihm erniedrigt. Er spricht das aus, was die anderen auch denken: „Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Warum tust du das?“ Wie so oft macht er sich zum Sprecher der anderen, um das ratlose Staunen und die peinliche Betroffenheit zu durchbrechen.

Jesus aber sagt ihm: „Was ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren!“ Jesus denkt schon an die Zeit nach seinem Tode. Dann wird ihnen deutlich werden, daß dieses Dienen nur ein Teil der gesamten Hingabe Jesu ist. Er gibt sogar sein Leben hin, um ihnen zu helfen.

Aber Petrus will nicht so lange warten. Eifrig lehnt er ab: „Nie und nimmermehr sollst du mir die Füße waschen!“ Jesus aber antwortet ihm: „Werde ich dich nicht waschen, so hast du keine Gemeinschaft mit mir!“ Das aber will Petrus auf keinen Fall. Er hat nur halb verstanden und will sich nun Hals über Kopf in das Tun Jesu hineinziehen lassen: „Herr, dann nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und den Kopf!“ Jetzt übertreibt er wieder nach der anderen Seite.

Jesus aber sagt zu ihm:  „Wer gewaschen ist, braucht sich nur noch die Füße zu waschen, denn er ist ganz rein!“ Zunächst denkt er dabei an das Reinigungsbad, das sie wie alle Festpilger beim Betreten der Heiligen Stadt hinter sich gebracht haben. Vor den einzelnen Festakten brauchte man sich dann nur die Füße zu waschen. Aber er will damit auch sagen: „Ich mache euch rein von aller Sünde, ich wasche das Böse von euch ab, so wie ich jetzt den Staub von eurer Füßen wasche. Diesen Dienst müßt ihr euch schon gefallen lassen, wenn ihr ganz rein sein wollt. Immer wieder muß diese Reinigung geschehen, denn jeden Tag neu werden sie schuldig.

Deshalb sagt Jesus: „Ihr seid rein. Aber nicht alle!“ Dabei denkt er an der Verräter, der seine Absicht schon zu verwirklichen beginnt.  Aber noch ist es nicht so weit. Jesus steht wieder auf, legt die Schürze ab, stellt die Schüssel an ihren Platz, zieht sein Gewand wieder an und setzt sich zu den Jüngern.

Dann fragt er: „Wißt ihr, was ich euch getan habe? Ihr heißt mich Meister und Herr, und ihr tut recht damit, denn ich bin es auch. Wenn aber ich als euer Meister euch die Füße gewaschen habe, dann sollt ihr es auch untereinander tun. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe!“

Jesus ist ein Herrscher.  Aber er herrscht durch das Dienen. So sollen es auch die Seinen machen. Sie werden nicht großartige Herrscher im Reich Gottes sein, sondern den Menschen zu dienen haben wie ein Sklave. Die Fußwaschung ist Vorbild für das Tun der Jünger untereinander und gegenüber anderen Menschen. Dazu brauchen sie sich nicht gegenseitig den Dreck von den Füßen zu waschen, sondern gemeint ist eher, daß sie sich auch untereinander vergeben. Aber dazu gehört auch ganz allgemein, daß sie sich der Not des Mitmenschen dienend und helfend zuwenden. Dazu will er sie durch sein Vorbild bereit machen.

 

Antwortgespräch:

Uns reinigt Gott, indem er uns durch die Taufe in seine Gemeinschaft aufnimmt. Aber wir laden immer wieder Schuld auf uns. Deshalb hat uns Gott das Abendmahl gegeben, das von neuem die Vergebung vollzieht;  so wie wir uns jeden Tag waschen müssen, so werden wir durch das Blut Jesu auch reingewaschen von aller Sünde.

Aber er erwartet von uns auch, daß wir zum Dienst an unseren Mitmenschen bereit sind. Wir könnten doch für eire begrenze Zeit einmal bestimmte Aufgaben übernehmen: Baby hüten, Einkaufen, bei alten Menschen vorlesen, Gartenpflege bei der Oma, Bastelei für ein kirchliches Heim, usw. Nach einiger Zeit tauschen wir unsere Erfahrungen aus: Was war schön und was war nicht schön? Haben wir alles geschafft? Was haben wir aus dieser Arbeit gelernt? Wie haben wir Jesus gedient?

 

Wir empfinden es als eine Zumutung, den anderen  „den Dreck wegzumachen“.  Das soll der tun, der ihn verursacht hat. Aber wer soll etwa einen kleinen Kind den Dreck wegmachen. Das macht selbstverständlich die Mutter (oder der Vater). Aber warum eigentlich „selbstverständlich“? Christen sind dazu da, anderen den Dreck wegzumachen!

Dabei ist nicht nur die Arbeit gemeint, die schmutzig macht. Es geht um jede Arbeit im Dienst des anderen‚ besonders die unbequeme Arbeit  Es geht auch nicht , die Faulheit anderer zu unterstützen und sich ausnutzen zu lassen. Und wir sollten uns intensiv bemühen, erst gar keinen „Dreck“ entstehen zu lassen. Es werden aber immer wieder Menschen gebraucht , die zum Einspringen bereit sind . Das tun auch viele Nichtchristen und nicht nur die Mütter.

Was Jesus tut, erregt natürlich Anstoß. Das ist so, wie wenn der Regierungschef persönlich die Klärgrube hinter seinem Haus ausschöpfen würde (manche halten das schon bei einem Pfarrer für anstößig). Alles muß im Rahmen bleiben, sagen wir.

Mancher will sich auch nichts schenken oder nachsagen lassen. Das Annehmen der Liebe Jesu ist gar nicht so einfach. Wo kämen wir denn hin, wenn alle es so machten? Ans Kreuz wie Jesus! Mit der Fußwaschung hat alles angefangen.

Jesus will nichts verlangen, was er nicht selber vorgemacht hat. Sein neues Gebot gilt zunächst innerhalb der Gemeinde. Aber wir haben auch eine Pflicht ohne Grenzen. So wie Jesus sich hingegeben hat, so haben wir uns hinzugeben an die Welt. Nur so lassen sich Haß und Elend überwinden.  Wenn der große Jesus uns diesen großen Dienst getan hat, dann können wir, die Kleinen, den kleinen Dienst nicht verweigern.

1. Beleidigungen kann man nur überwinden nach dem Beispiel Jesu. So können wir Außenseiter wieder in die Gemeinschaft hineinziehen.

2.Auch die unter unmenschlichen Verhältnissen lebenden Menschen sollen etwas von der Liebe Gottes zu den Menschen erfahren.

3.Der ferne Nächste soll uns nicht davon abhalten, auf die Probleme unserer nächsten Umgebung zu achten (zum Beispiel Altenarbeit, Altenclub, usw.)

 

Parteimitglieder erkennen sich untereinander an ihrem Abzeichen. Erkennen wir aber Christen an ihrem Verhalten? Zum Beispiel in der Eisenbahn: Als eine Gruppe Frauen einsteigt, schubsen und drängen sie und jeder will einen Fensterplatz haben. Eine Frau muß dann ganz allein sitzen. Aber nachher holen sie Bücher heraus und singen fromme Lieder.

 

 

Das Abendmahl: Mt 26, 17 - 30

Hinführung:

Kinder finden es gemein, wenn einer etwas verrät. Ein Verräter wird von den anderen verachtet und kann seine Tat nur schwer wieder gutmachen. Deshalb ist es besser, wenn es erst gar nicht zum Verrat kommen muß und wenn man dem Verräter noch eine Chance läßt, sein Vorhaben nicht auszuführen. Davor handelt die folgende Geschichte, die sich vor einer Schule ereignete.

Da wartete eine Klasse, bis der Unterricht beginnen sollte. Auf der Straße war ein Auto abgestellt. Die Jungen sahen sich das Auto an und spielten damit herum. Einer hat den Gedanken, eine bestimmte Schraube abzuschrauben und wegzuwerfen. Der Fahrer kommt und will wegfahren. Zum Glück merkt er den Schaden.

Er sagt zu den Jungen: „Wenn innerhalb von zwei Minuten die Schraube wieder da ist und auf dem Auto liegt, will ich alles vergessen. Sonst muß ich die Sache der Polizei übergeben!“ Keiner weiß, wer es eigentlich gewesen ist. Sie haben sich alle an Auto zu schaffen gemacht.  Nun suchen alle die weggeworfene Schraube. Einer allerdings weiß so ungefähr, wo sie liegt. Schnell hat er sie wieder gefunden und legt sie auf das Auto. So kann der Schaden wieder in Ordnung kommen, ohne daß der Name des Täters genannt wurde. Der Übeltäter hat sich noch einmal mahnen lassen und alles ist gut ausgegangen. Die Freundlichkeit des Fahrers half dem Täter, wieder aus der Sache herauszukommen.

Auch Jesus hat versucht, einen seiner Jünger wieder auf den rechten Weg zurückzubringen. Er hat ihn nicht aus der Gemeinschaft der anderen  ausgeschlossen, sondern hat ihm noch eine Möglichkeit zur Umkehr gegeben.

Erzählung:

Jesus war mit seinen Jüngern zum Passahfest nach Jerusalem gekommen. Aber für Auswärtige war es zu so einem Fest ganz besonders schwer, einen Raum für die Feier zu bekommen. Zum Glück kennt Jesus jemanden in der Stadt, der ihnen vielleicht das kleine Stübchen auf dem Dach seines flachen Hauses geben könnte. So schickt er seine Jünger hin, die sollen sagen: „Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe, ich will bei dir das Passahfest mit meinen Jüngern feiern!“ Es klappt auch alles, die Jünger können alles für das Fest vorbereiten.

Bei diesem Fest erinnerte man sich an die letzte unheimliche Nacht vor dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Damals waren viele Ägypter umgekommen, aber die Israeliten blieben verschont.  „Passah“ heißt „verschonen“ und war ein Fest der Dankbarkeit für Gottes große Taten. Man aß und trank miteinander, sang und betete. Alles war von einem feierlichen Ernst, aber auch von einer großen Freude erfüllt. Man gehörte in Gedanken mit zu den Israeliten von damals, die dankbar über die Rettung Gottes waren.

Jesus hatte schon oft mit seinen Jüngern und auch mit anderen Leuten bei solch festlichen Anlässen zusammengesessen. So ein gemeinsames Esser schaffte Verbindung untereinander. Wer dabei beteiligt war, vertraute dem anderen und sah ihn als seinen Bruder an. Der Gastgeber sprach immer ein Dankgebet, wenn er das Brot auseinanderbrach. Ebenso machte er es, wenn der Becher mit dem Wein herumgereicht wurde. Dann fühlte man sich mit Gott und untereinander verbunden, dann lag der Segen Gottes über einer solcher Tischrunde.

Aber diesmal war es doch etwas anderes als sonst. Nur mit seinen Jüngern wollte Jesus zusammen sein. In dunklen Andeutungen hatte er von seinem Tod gesprochen. Sollte es das letzte Mal sein, daß sie so mit ihm zusammensein konnten? Es war ein Passahmahl wie alle Jahre. Und doch schien es den Jüngern diesmal etwas anderes zu sein.

Die Jünger besorgten einer flachen Tisch und eine Reihe von Polstern und Teppichen, auf die sie sich rund um den Tisch lagern konnten. Einer ging zum Tempel und ließ dort ein einjähriges Lamm schlachten. Ein anderer besorgte ungesäuertes Brot und Wein, wie man es beim Passahfest verwendete. Das Lamm wurde gebraten und aus würzigen Kräutern eine Soße bereitet.

Am Abend beginnt dann die Feier. Jesus läßt sich mit seinen Jüngern rund um den Tisch nieder. Die Tafel ist festlich gedeckt, es werden Lieder gesungen und Gebete gesprochen. Es ist wie bei einem Gottesdienst. Man beginnt zu essen und zu trinken. Alle sind sie von einer Festtagsfreude erfüllt.

Da sagt Jesus auf einmal: „Einer unter euch wird mich verraten!“ Wie ein Blitz schlagen die Worte ein. Die Jünger sind bestürzt. Sie fragen sich: „Wer kann das wohl sein? Ich doch bestimmt nicht!“ Jesus gibt ihnen auch nur eine ausweichende Antwort: „Wer die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten!“ Aber das taten sie ja alle: Jeder nahm ein Stück Brot, tauchte es in die Soßenschüssel und aß es dann.

Jesus fährt fort: „Der Menschensohn muß sterben, wie es vor ihm in den alten Schriften steht. Aber wehe dem Menschen, durch den er verraten wird. Einer muß es ja tun, das ist so bestimmt. Aber der es dann tut, der wird dafür bestraft werden. Es wäre besser für ihn, wenn  er gar nicht geboren worden wäre!“

Judas Ischarioth fühlt sich getroffen. Er war es doch, der zu den Hohenpriestern gegangen war und sich auch noch selber angeboten hatte, seinen Herrn zu verraten. Aber jetzt sagt er scheinheilig: „Bin ich es, Meister?“ Jesus antwortet ihm ruhig und gefaßt: „Du sagst es!“

Dann nimmt Jesus das Brot, dankt Gott und bricht es auseinander. Er gibt seinen Jüngern jedem ein Stück und sagt dazu: „Nehmt und eßt, das ist mein Leib!“ Dann nimmt er den Kelch, dankt Gott und reicht ihr herum mit den Worten: „Trinkt alle daraus. Wenn ihr es trinkt, dann gehört ihr zum neuen Bund, der besiegelt wird durch mein Blut, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden!“

Jetzt ist ganz deutlich, daß es sich nichtmehr nur um ein Passahmahl handelt. Das Alte ist vergangen, es ist alles neu geworden. Jetzt geht es nicht mehr um das Passahlamm, sondern  um das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Es geht nicht mehr um die Begegnung mit dem Gott vom Sinai, sondern um das kommende Reich Jesu Christi.

Deshalb sagt Jesus auch zum Schluß: „Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, da ich es neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich!“ Er denkt schon über seinen Tod hinaus, an die Gemeinschaft derer, die sich auch dann noch um den Tisch des Herrn versammeln werden und die es einst mit Gott essen und trinken werden in seinem Reich.

Zum Schluß sprechen sie noch gemeinsam der üblichen Lobgesang und gehen dann hinaus vor die Stadt an den Ölberg. Jetzt wird das Schicksal seinen Lauf nehmen, seinen von Gott vorbestimmten Lauf!

Antwortgespräch:

Nach alter Erfahrung gewinnt ein Verräter nichts Gutes. Judas hat ja dann auch seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. Er war Sklave seiner eigenen Gedanken, die er über Jesus hatte. Jesus sollte stark und mächtig sein, alle Feinde vertreiben, ein eigenes Reich aufrichten und an seine Jünger Ehrenposten und Ministersessel verteilen.  Aber Jesus war ganz anders. Er war stark im Vergeben und Heilen.

Er hätte auch dem Judas noch vergeben. Er hat ihr ja nicht von seinem Tisch weggejagt, sondern hat ihm eine letzte Möglichkeit zur Umkehr gegeben. Aber einmal ist es zu spät.

Viele sind wie Judas. Sie lebten mit Jesus, falteten die Hände,  beteten zu ihm; sie hörten sein  Wort im Religionsunterricht und im Kindergottesdienst, sie waren eifrig und treu. Doch dann gingen  sie ihre eigenen Wege und blieben ohne Jesus, ohne sein Wort und Gebet. Sie meinten, das wäre bequemer, bringe mehr Geld, bessere Posten und mehr Glück. Sehr leicht hat man Jesus verraten, wenn man sagt: „Ich gehe nicht mehr in den Religionsunterricht, das ist doch Quatsch!“ Jesus aber will uns bei sich halten. Er will uns im Glauben stärken, durch das Abendmahl, das wie ja auch noch heute in der Kirche feiern.

Und wenn wie einmal etwas nicht verstehen, dann sollten wir lieber fragen, wie das alles zusammenhängt. Keiner muß fortgehen, wie Judas, wenn er sich zu Jesus hält.

 

 

Jesus in Gethsemane: Mt 26, 31 - 45  (Mk 14,27-42 und Lk 22,31-46),

Hinführung:

Die kleine Inge kam herein und heulte: „Mutti, auf der Straße sind Kinder, die schlagen mich!“ Warum kommt Inge wohl zur Mutter? Weil die ihr helfen soll! Ob die Mutter wohl helfen konnte? Sie konnte nicht die bösen Kinder wegschicken. Sie wollte aber auch Inge nicht im Zimmer behalten. Da hat sie gesagt: „Geh nur wieder! Ich sage der Kindern,  sie solle dich in Ruhe lassen. Und ich schaue immer einmal durchs Fenster, daß sie dir auch nichts tun!“

Es ist gut, wenn wir mit einer großer Sorge zu den Eltern gehen und uns von ihnen helfen lassen. So ging auch Jesus mit einer großer Sorge zu seinem himmlischer Vater und hat ihm alles anvertraut und sich sagen lassen , wie es weitergehen soll.

 

Erzählung:

In die größte Versuchung kam Jesus am Ende seines Lebens. Er hatte mit seiner Jüngern zusammengesessen, sie hatten ein letztes Mal  miteinander zu Abend gegessen. Sie sargen noch ein Danklied und gingen hinaus vor die Stadt Jerusalem. Sie mußten erst ein Stück der Berg hinuntersteigen und auf der anderer Seite ein Stück der Ölberg hinaufgehen. Dort war ein Park mit Namen „Gethsemane“, wo sie übernachten wollten. Es waren ja warme Nächte, da konnten sie wie viele der anderer Pilger im Freien übernachten.

Auf dem Weg spricht Jesus zu ihnen: „In dieser Nacht werdet ihr euch alle schämen, zu mir zu gehören, ihr werdet Ärgernis nehmen an mir. Es wird das geschehen, was schon in der Bibel steht: „Sie werden den Hinten schlagen und die Schafe werden sich zerstreuen! Aber ich werde auferstehen und vor euch hingehen nach Galiläa,

wo wie alle herkommen!“

Die Jünger sind erschrocken und traurig, weil er so etwas sagt. Petrus  aber verspricht ihm mit voller Überzeugung: „Wenn sich auch alle von dir abwenden, so will ich es doch nimmermehr tun!“ Simon Petrus war ja immer ein ganzer Kerl, tüchtig und tapfer. Er ließ sich nicht so schnell in Furcht versetzen.

Aber Jesus sagt zu ihm: „In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal sagen, daß du mich nicht kennst, du wirst mich dreimal verleugnen!“ Petrus aber behauptet ganz entschieden: „Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich doch nicht verleugnen und mich zu dir bekennen!“ Und die anderen Jünger stimmen ihm zu: „Wir werden immer zu dir halten!“

Inzwischen sind sie an dem Garten Gethsemane angekommen. Noch hätte Jesus die Möglichkeit zu fliehen. Sie hätten nur über den Berg weiterzugehen brauchen, dann waren sie bald aus dem Bereich der Stadt heraus und niemand würde sie mehr finden .Aber Jesus weiß ja, was ihm bevorsteht, was Gott von ihm will. Er darf nicht fliehen, er muß aushalten, was jetzt geschehen wird.

Er sagt zu seinen Jüngern: „Setzt euch hierher, während ich dorthin gehe und bete!“ Nur seine drei engsten Vertrauten, Petrus, Johannes und Jakobus, nimmt er noch mit. Das hat er auch sonst gelegentlich schon gemacht, daß er diese drei an Dingen teilnehmen ließ, die die anderer jünger erst später erfuhren.

Er will diese drei bei sich haben,  weil er so schlimme Angst hat. Jetzt, wo sein Leiden und Sterben unmittelbar bevorstehen, überfallen ihn Furcht und Entsetzen. Da hält er es nicht aus, allein zu sein. Er sagt zu seiner drei Vertrauten „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod. Bleibt hier und wacht mit mir!“ Das versprechen sie auch: Sie wollen bei ihm bleiben und mit ihm beten.

Jesus aber geht noch ein paar Schritte weiter in den Garten hinein. Er bleibt aber in Hör- und Rufweite. Er wirft sich auf den Boden, das Gesicht zur Erde. Er will beten. Und seine äußere Haltung macht deutlich, wie dringlich und ernst es ihm damit ist. Er bricht gewissermaßen vor Gott zusammen und will alle Not und Angst vor ihm ausschütten.

Er betet: „Mein Vater, wenn es möglich ist, dann laß doch diesen Kelch an mir vor­über­gehen. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Er denkt dabei an den  Giftbecher, den ein zum Tode Verurteilter austrinken mußte. Nur Gott wird ihn vor dem Sterbenmüssen bewahren können. Deshalb bittet er seinen himmlischen Vater, ihm den schweren Weg doch zu erlassen. Aber die Entscheidung über sein Leben überläßt er allein Gott. Noch stärker als sein Wunsch ist das Verlangen, daß Gottes Wille geschehen möge.

Jesus weiß genau: Jetzt ist wieder der Widersacher am Werk, der ihn schon am Anfang seiner Tätigkeit in Versuchung führen wollte. Jetzt will er ihm sagen: „Hau doch noch schnell ab! Du kannst ja deine Haut noch retten! Nur ein paar Schritte und du bist frei!“ Jesus weiß, daß man solche Gedanken nur abwehren kann, indem man sich ganz fest zu Gott hält und ihn über alles entscheiden läßt.

Aber er steht auch nicht so über der ganzen Sache, als ginge ihn das nichts an. Er ist eher auch ein Mensch wie wir, der alle Angst der Menschen kennengelernt hat. Aber damit zeigt er uns auch, wie man mit der Angst fertigwerden kann: Nur indem man mit Gott redet wird einem geholfen.

Jesus sucht aber auch die Gemeinschaft und den Beistand der ihm nächsten und vertrautesten Menschen. Auch das könnte ihm helfen.  Aber die Junger versagen völlig  in dieser schwerer Stunde: Als er wieder zu den drei Jüngern zurückkommt, sind sie eingeschlafen. Er rüttelt sie wach und sagt zu Petrus: „Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!“

Jesus weiß: Die Jünger haben ihn lieb und es fehlt ihnen auch nicht an gutem Willer. Aber sie sind auch wie alle Menschen schwach und schrecken vor manchem schwerer Weg zurück, den Gott sie führen will. Sich an Gott zu halten, das will gelernt und geübt sein.

Es wird ja noch schlimmer für die Jünger kommen. Wenn sie es dann nicht gelernt haben, sich im Gebet ganz Gott anzuvertrauen, werden sie umfallen und von Gott getrennt werden. Nur wenn Gott hilft, kann man Gefahr und Anfechtung bestehen. Jesus schimpft die Jünger nicht. Als er ihre Schwachheit sieht, vergißt er sein eigenes Leid und hilft den Jüngern zurecht. Er ist wirklich der gute Hirte für sie.

Aber er selber hat ja auch noch keine Antwort von Gott. Das gibt ihm schon einen Vorgeschmack der Gottverlassenheit, in die er noch hineinkommen wird. Aber er betet und ringt, bis er Gottes Artwort hat.

Er geht wieder ein Stück in den Garten hinein und betet erneut:  „Vater, wenn es nicht möglich ist, daß dieser Kelch an mir vorübergeht, dann will ich ihn trinken!“ Aber im Stillen hofft er doch noch, daß Gott ihm  Alles erläßt.  Gott könnte ja sagen: „Der gute Wille genügt!“ Aber im gleichen Atemzug sagt er auch wieder: „Dein Wille geschehe!“ Gottes Wille ist ihm das Höchste. Er ist bereit, alles zu leiden, wenn der Vater es so will, wenn es keinen anderen Weg gibt.

Als er zu der Jüngern zurückkommt, schlafen sie schon wieder.  So bleibt er allein und hat  niemand, mit dem er einmal alles besprechen könnte. Menschen können ihm nicht helfen. Er hat nur noch Gott, mit dem er weiter über alles sprechen kann.

Noch ein  drittes Mal geht er davon und betet die gleichen Worte wie vorher. Als er zurückkommt und die Jünger schlafend findet, sagt er zu ihnen: „Ihr wollt wohl immer noch schlafen!  Aber jetzt ist die Stunde da, daß in der ich in die Hände der Sünder übergeben werde. Steht auf, laßt uns gehen! Er ist da, der mich verrät!“

Jesus tadelt die Jünger nicht, weil er weiß: Hier ist ein ganz anderer Widersacher am Werk. Er führt Jesus in Anfechtung und die Jünger in Trübsal. Nur Gott kann da helfen und stärken.

 

 

 

 

 

Die Gefangennahme Jesu: Mt 26, 47 - 56

(Mk 14,43-52 und Lk 22,47-53 und Joh 18,1-11)

Hinführung:

Habt ihr schon einmal  das Spiel „Räuber und Gendarm“ gespielt?  Ich kann min vorstellen, daß da jeder bis zum Letzter versucht, nicht gefangengenommen zu werden. Auch ein echter Räuber setzt alles daran, nicht in die Hände der Polizei zu fallen.  Auch im Krieg begibt sich kein Soldat gern in Gefangenschaft. Jeder Mensch kämpft bis zum letzten Blutstropfen und mit aller Mitteln für seine Freiheit. Selbst ein Verbrecher tut das.

Wie ist es aber bei der Verhaftung Jesu  zugegangen? Ihr wißt, daß Jesus von den Römern hingerichtet worden ist. Aber dazu mußte er ja erst einmal gefangengenommen werden. Er wußte, worum es ging und was auf dem Spiel stand. Hat er sich da nicht versteckt? Hat er für seine Freiheit gekämpft oder hat er sich feige gefangennehmen lassen?

 

Erzählung:

Während Jesus im Garten Gethsemane betete und seine Jünger schliefen, waren andere Leute unterwegs, deren Ziel auch der Garten war. In dem sonst so stillen Park hört man Schritte und Stimmer, Laternen und Fackeln werden geschwungen. Dunkle Gestalten bewegen sich zwischen der Bäumer und nähern sich.

Unter dieser ist auch Judas, einer der Jünger. Er hatte sich heimlich aus dem Hause fortgemacht, in dem Jesus mit der Jüngern das Abendmahl gefeiert hatte. Er war zu der Hohepriestern und Schriftgelehrten gegangen und hatte gesagt: „Heute nacht geht er wieder in den Garten. Ich führe euch hin und zeige euch, wer er ist, damit ihr auch in der Dunkelheit der Richtigen findet!“

Ja, Judas wollte seinen Herrn verraten. Er hielt ihn für feige, weil er seine Macht nicht allen Leuten zeigte, sondern immer nur wie ein armer Wanderer durch das Land zog und zu den Leuten predigte.

Judas dachte sich: Wenn ihn seine Gegner erst einmal verhaften wollen, dann muß er zeigen, wer er wirklich ist . Wenn ihn die Feinde ergreifen,  wird er schon beweisen müssen, daß er Gottes Sohn ist und wer wirklich die Macht in der Welt hat.

In großer Eile hatte man die Tempelwache alarmiert. Die Gelegenheit war günstig. Heute würde ihrer Jesus in die Falle gehen. Aber waren sie denn auch genug Leute? Wenn nur die Jünger ihren Herrn verteidigten und Hilfe herbeiriefen? Ganz in der Nähe standen doch die Zelte der Galiläer, die mit Jesus gekommen waren. Am Ende hätte es noch einen Aufruhr gegeben!

Rasch wurde noch ein Bote zu dem römischen Statthalter Pilatus geschickt. Er bat um eine Abteilung Soldaten, um einer gefährlicher Aufrührer gefangenzunehmen. Pilatus gewährte sofort die Bitte, denn einen Aufrührer mußte man doch gefangennehmen!

So kommen sie nun in den Garten: die jüdische Tempelpolizei, die römischen Soldaten mit ihrem Hauptmann, einige Hohepriester und Schriftgelehrte - eine starke Truppe, mit Schwertern und Lanzen bewaffnet.

Judas hatte mit ihnen  ausgemacht: „Den ich küssen werde, der ist es, den müßt ihr ergreifen!“ Jetzt näherten sich Jesus und die anderen Jünger. Judas fällt Jesus um der Hals und deutet rechts und links einen Bruderkuß an. Jesus weiß ja, was nun kommt. Er läuft nicht davon, er läßt es geschehen.

Aber er sieht Judas fest und ohne

Furcht an und fragt: „Mein Freund, warum bist du gekommen?“ Da merkt Judas, daß er durchschaut ist. Im gleichen Augenblick  bereut  er es, Jesus an seine Gegner verraten zu haben. Aber nun war es zu spät. Er stand auf der falscher Seite, er hatte sich von Jesus getrennt. Die Soldaten kommen und nehmen Jesus fest . Sie fesseln ihn und wollen ihn abführen. Jesus ist ihr Gefangener.

Die Jünger hatten die ganze Zeit dabeigestanden. Doch nun hält es sie nicht mehr länger. Sie kochen vor Wut. Einer vor ihnen hat auf einmal ein Schwert  in der Hand, das er heimlich eingesteckt hatte. Er will für seiner Herrn Jesus kämpfen (ob es wohl der Petrus war, der das ja versprochen hatte?).Auf einmal schreit ein Soldat auf und greift sich an den Kopf: ein Ohr war ihm abgehauen worden! Jetzt ziehen auch die anderen Soldaten die Schwerter. Es sieht so aus, als sollte es jetzt zum Kampf kommen.

Aber Jesus sagt ganz ruhig zu dem Jünger: „Stecke dein Schwert  wieder an seinen Ort. Denn wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen! Meinst du, ich körnte nicht meinen  Vater bitten, daß er mir mehr als zwölf Legionen Engel zur Hilfe schickte? Aber es muß alles so geschehen, wie es schon in der Bibel vorausgesagt ist!“

Zu den Hohepriestern und Schriftgelehrter aber sagt Jesus: „Ihr seid mit Schwertern und Spießen ausgezogen, wie um einen Mörder zu fangen. Dabei habe ich doch jeder Tag im Tempel  gesessen und gelehrt. Aber da habt ihr mich nicht ergriffen. Doch es mußte ja alles so  kommen, damit das erfüllt würde, was in der alten Schriften steht!“ Seine Jünger aber verlassen ihn alle und fliehen.

 

Bildbetrachtung:  Kaufmann  Nr. 13  [Bild fehlt]

Leute, die etwas zu verbergen haben, kommen immer bei Nacht. Das ist ihre Stunde. Wo ist auf dem Bild die Finsternis zu sehen? Die Soldaten stehen in zwei Reihen, dicht an dicht. Sie stehen noch im Licht, aber hinter ihnen lastet die Finsternis (die Werkzeuge der Finsternis kleiden sich oft mit leuchtendem Weiß und haben doch Dunkles im Sinn).

Von weitem sehen diese Häscher aus wie die Zähne im dem Rachen eines Tieres. Die zwei Reihen schließen sich hinten keilförmig zusammen und drohen jeden zu zermalmen und zu verschlingen, der sich in ihre Fänge begibt.

Jesus aber geht aus freiem Willen in den Rachen des Todes. Er streckt die Hände nach vorne und geht mutig voran. Will er sich die Hände fesseln lassen? Oder will er beten? Weil er nur an den Willen Gottes gebunden ist, ist er in Wirklichkeit frei. Die Soldaten aber sind im Grund nur Werkzeuge Gottes und deshalb unfrei. Für sie mag es eine sonderbare Verhaftung gewesen sein: So etwas haben sie roch nicht mitgemacht, daß der zu Fangende sich nicht einmal wehrt!

Jesus ist ganz klein: Er begibt sich in die Gewalt der Menschen. In dieser Stunde scheinen seine Gegner die Oberhand zu haben. Aber die Macht, aus der sie handeln, stammt aus der Finsternis: Das Werk Jesu soll zerstört werden. Aber Jesus hält still, bis Gott mit seinem Handeln am Ziel ist.

Aber auch die Jünger lassen alles stehen und liegen und laufen davon. Angstvoll sind ihre Finger gespreizt, ihre Schritte sind groß. Im Verhältnis zu Jesus sind sie sehr groß gezeichnet: Erst hatten sie behauptet, sie könnten mit Jesus in den Tod gehen. Aber nur lösen sie selber die Gemeinschaft mit Jesus und werden alle an ihm schuldig.

Über allem aber steht das Auge Gottes (in der Zeichnung das Auge des Tieres). Gott ist auch bei diesem dunklen Geschehen mit dabei. Für ihn sind die handelnden Personen nur Werkzeuge. Er hat diesen Weg des Leidens für Jesus vorgesehen‚ damit er nachher zur Herrlichkeit erhöht wird.

 

           

Jesus vor dem Hohen Rat: Mt 26, 57 - 68 (Mk 14,55-56. 60-65 und Lk 22,63-71)

 

Hinführung.

Wer von euch weiß, was eine Gerichtsverhandlung ist ?Da wird einer verurteilt, der etwas verbrochen hat. Wenn er aber nichts getan hat, dann wird er freigesprochen.

In einem Gerichtssaal ist vorne ein langer Tisch, an dem die Richter sitzen. Links von ihnen sitzt der Ankläger und rechts der Verteidiger. Vor diesem Halbkreis steht der

Angeklagte und hinter ihm sitzen die Zeugen. Der Angeklagte und die Zeugen werden verhört, der Ankläger und der Verteidiger sprechen, und dann zieht sich das Gericht zur Beratung zurück. Die Richter und ihre Helfer entscheiden darüber, ob der Angeklagte schuldig gesprochen wird oder nicht. Es kommt dabei entscheidend auf die Aussagen der Zeugen und des Angeklagten an. Wenn aber die Schuld feststeht, dann haben die Richter ihre Gesetze, die das Strafmaß bestimmen. Und das Urteil wird dann von allen verkündet. Aber jedenfalls geht es vor Gericht ruhig, sachlich und gerecht zu .

Zur Zeit Jesu gab es auch ganz bestimmte Vorschriften  für eine Gerichtsverhandlung. Das oberste Gericht versammelte sich zum Beispiel immer im Tempel in der Halle Salomos. Es durfte nicht an Feiertagen zusammentreten und auch nicht bei Nacht, wenn es um Dinge ging, auf denen die Todesstrafe stand. Zuerst waren immer die Entlastungszeugen zu hören. Von den Belastungszeugen müssen mindestens zwei Zeugen gleichlautend aussagen, ehe eine rechtmäßige Verurteilung erfolgen darf. (Bei Meineid wurden die Zeugen zum Tode verurteilt!). Die Verhandlungen waren öffentlich und das Volk durfte zuhören. - Heute wollen wir einmal von einer ganz ausgefallenen Gerichtsverhandlung hören, die bei Nacht stattfand.

 

Erzählung:

Jesus war von den Juden gefangengenommen worden. Durch die nächtlichen Gassen von Jerusalem hört man den Marschtritt der Soldaten und das Klirren der Waffen. In ihrer Mitte geht Jesus: gefesselt. Er soll vor Gericht und verurteilt werden.

Doch es geht nicht hinein in den Tempel, sondern in das Haus des Hohenpriesters Kaiphas. Es ist ja Nacht. Aber beim Hohenpriester ist noch Licht, denn er wartet schon auf den Gefangenen. Doch er ist nicht allein: Der ganze Hohe Rat ist versammelt, die 71 vornehmsten Priester, Schriftgelehrten und Ältesten von Jerusalem, lauter würdige und fromme Herren, die alle für sehr fromm und gerecht gehalten wurden.

Sie hatten es alle sehr eilig. Das Passahfest hatte schon angefangen und Jesus sollte möglichst schnell, am besten schon bis zum nächsten Morgen, abgeurteilt sein. Schnell hatte man also den Hohen Rat in der Nacht zusammengerufen.

Jesus wird herein gebracht. Gespannt schauen alle auf ihn. Ruhig, aber mit erhobenem Haupt, steht er vor seinen Anklägern und Richtern. Die Zeugen werden hereingerufen. Doch der eine sagt es so, der andere sagt es so. Sie sollen Jesus belasten, aber ihr Zeugnis stimmt nicht überein. Schließlich schreien sie alle durcheinander und es weiß eigentlich keiner mehr so recht, was los ist. Eine peinliche Lage für das oberste Gericht des Landes.

Zuletzt traten zwei Zeugen auf, die sagten: „Er hat gesagt: ‚Ich kann den TempelGottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen!‘ Da steht der Hohepriester auf und sagt: „Antwortest du nichts auf das , was diese gegen dich aussagen?“ Aber Jesus schweigt weiter. Da sagt der Hohepriester zu hm: „ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du er Christus bist, der Sohn Gottes!“

Jesus sagt zu ihm: „Du sagst es. Und ich sage auch: Von nun an wird es geschehen, daß ihr den Menschensohn sehen werdet, wie er sitzt an der rechten Seite der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels!“

Da ruft der Hohepriester in den Saal: „Jetzt habt ihr die Gotteslästerung gehört. Nun sprecht euer Urteil. Was meint ihr?“ Da schreien sie alle: „Er ist des Todes schuldig!“ Die Probe­abstimmung für die Hauptverhandlung hat geklappt.

Eigentlich hätten die Juden nun nach geltendem Recht die Möglichkeit gehabt, Jesus zu steinigen, wie sie es später mit Stephanus getan haben. Eine spontane Tötung durch Steinigung wurde von den Römern nicht bestraft. Aber die Juden haben noch etwas anderes vor: Jesus soll als politischer Messias an die Römer ausgeliefert werden. Durch die unreinen Hände der Heiden soll er die heidnische Strafe der Kreuzigung erleiden. Damit soll vor aller Augen bewiesen werden: Der, den ihr für Christus gehalten habt, der ist aus der Gottesgemeinde ausgestoßen und von Gott verflucht! Damit soll Jesus ein für allemal beim Volk erledigt sein. Es ist nur noch die Frage, wie die Römer so weit gebracht werden können, daß sie die Kreuzigung übernehmen.

Das Verhör in der Nacht hat noch ein trauriges Nachspiel:  Die Ankläger spucken Jesus ins Gesicht, einige schlagen ihn mit Fäusten und sogar ins Gesicht. Andere binden ihm ein Tuch vor die Augen und spotten: „Sage uns doch, Christus, wer dich geschlagen hat!“ Die Mitglieder des Hohen Rates und die Wachsoldaten beteiligen sich in gleicher Weise an den ungesetzlichen Mißhandlungen des Gefangenen. Ja, es scheint halt immer der :Recht zu haben, der im Augenblick die Macht hat.

Jesus aber läßt alles über sich ergehen. Er ist wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird und seinen Mund nicht auftut,  wie es einmal der Prophet Jesaja gesagt hat.  Schließich wird er abgeführt und am folgenden Morgen ist dann die Hauptverhandlung im Tempel.

 

 

 

Antwortgespräch:

Was war ungesetzlich am Vorgehen des Hohen Rates ? Versammlungsort, Feiertag, Nachtzeit, Belastungszeugen Öffentlichkeit. Es handelt sich allerdings nicht um die offizielle Gerichtsverhandlung, sondern nur um ein  Verhör. Aber das Ergebnis steht eigentlich schon von vornherein fest! Jesus wehrt sich auch nicht dagegen. Aber er bekennt sich im entscheidenden Augenblick zu Gott.

Würden wir das auch sagen, wie es im zweiten Glaubensartikel heiß „...sitzend zur Rechten Gottes des Vaters...?“

Wer ist denn hier eigentlich der Angeklagte? Wem  wird eigentlich der Prozeß gemacht werden? In dieser Gerichtsverhandlung wiederholt sich die ganze Geschichte Israels in kürzester Form: Gott bietet seine Hilfe durch Jesus Christus an, aber das Volk ist ungehorsam wie eh und je. Sind wir besser?

Wer ist nun eigentlich schuld am Tode Jesu: Die Juden oder die Römer? Hätten wir es anders gemacht?

Bild zeigen: Eigentlich sind hier die Rollen vertauscht: Der gefesselte Jesus ist der kommende Weltenrichter. Vor ihm wird Israel als ein Volk der Sünde offenbar. Am Ende der Zeit wird dieses Volk angeklagt sein und Jesus wird der Ankläger sein. Ausgerechnet der Hohe Rat, der von amtswegen über Glauben und Frömmigkeit der jüdischen Gemeinde zu wachen hatte, werden zuerst in Beschlag genommen von der „Macht der Finsternis“.  Aber Jesus ist das helle Licht, das die Welt erleuchtet. Weil er aber unschuldig war, hat er für unsere Schuld die Vergebung erworben. Er will uns helfen, daß wir froh und frei werden.

 

 

Verleugnung des Petrus: Mt 26, 69 - 75 (Mk 14,66-72 und Lk 22,54-61)

 

Hinführung:

Wir wissen alle, wie schnell es geht, daß wir uns nicht zu unserem Glauben bekennen wollen. Da sind wir auf dem   Weg zur Kirche. Aber da kommt ein anderer aus unserer Klasse und sagt: „Gehst du mit zum Schlittenfahren!“ Schon läßt mancher die Kirche sein. Gewiß, die meisten sagen dann: „Nein, jetzt geht es nicht, ich will

zur Kirche! Aber sehr schnell hat man sich auch - ohne daß man es wollte - wieder herausgeredet und sagt nur einfach: „Ich habe etwas anderes vor!“ ohne zu sagen, wo man tatsächlich hingeht. Nun ja, es geht die anderer ja nichts an. Aber hat man damit nicht doch den Herrn Jesus „verleugnet“, das heißt: nicht zugegeben, daß man zu ihm gehören will.  Aber zu unserem Trost sei gesagt, daß das auch schon einem Jünger Jesu passiert ist. Ausgerechnet Petrus war es, der doch zu Jesus gesagt hatte: „Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen!“ Aber Jesus hatte ihm gesagt: „In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen!“

 

Erzählung:

Jesus war in das Haus des Hohen Rates  geführt worden .Petrus war ihm gefolgt, hatte sich aber nicht mit in das Haus getraut. Draußen im Hof wollte er abwarten, was mit Jesus geschieht. Er setzte sich in eine dunkle Ecke und versuchte etwas mitzukriegen vor dem, was in dem Haus geschah. Der Hof war rundherum zugebaut, die Räume waren nach innen offen, man konnte alles beobachten.

Da kommt eine junge Frau, die beim Hohen Rat arbeitet, sieht ihn genau an und sagt: „Du warst auch mit dem Jesus von Galiläa, du bist doch mit ihm gekommen!“

 Petrus zuckt zusammen: Nun haben sie ihn doch erkannt. Was tun? Er sagt nur schnell: „Ich weiß nicht, was du sagst!“ Wozu sollte er sich unnötig gefährden , mag er gedacht haben. Nur schnell etwas gesagt, wenn es darauf ankommt, dann wird

er sich schon zu Jesus bekennen.        

Vorsichtshalber geht er aber doch nach einiger Zeit aus dem Hof hinaus. Doch wie er durchs Tor geht, hört er eine andere Frau, die zu den anderen sagt: „Dieser war auch  mit Jesus von Nazareth!“ Petrus bleibt stehen, schüttelt mit dem Kopf und sagt: „Ich

kenne den Menschen nicht!“ Jetzt hat er doch eine ziemliche Angst, es könnte ihm auch so gehen wie Jesus. Er hebt sogar die Hand und sagt laut: „Ich schwöre es euch!“

Aber auch draußen auf der Straße ist Petrus nicht sicher. Nach einiger Zeit kommen ein paar Leute auf Petrus zu und sagen: „Du bist doch auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich!“ Da merkt Petrus, daß er einen Fehler gemacht hat: Um nicht aufzufallen hat er sich ganz harmlos zu den anderen gestellt und auch gelegentlich einmal etwas gesagt. Nun haben sie ihn an der Sprache erkannt, daran hatte er nicht gedacht .

Doch nun beginnt er, sich zu verfluchen, wenn er nicht die Wahrheit sage. Und er schwört: „Ich kenne den Menschen nicht!“ Doch im gleichen Augenblick kräht irgend­wo ein Hahn. Da fallen Petrus die Worte seines Herrn ein:“Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen!“ Jetzt sieht er, wie schnell  das passiert ist, was er nicht für möglich gehalten hatte. Er ist da in etwas hineingeschliddert, das er nicht gewollt hat.: Er geht fort und weint bitterlich. Nur Jesus wird ihn wieder von seiner Schuld befreien können.

 

 

Jesus vor Pilatus: Mt 27, 1 - 30 (Mk 15,1-19 / Lk 23, 1-5.13-25 /Joh 18,28-40)

 

Hinführung:

Die Juden hatten ihr Urteil über Jesus gesprochen. Sie waren schnell fertig mit ihrer sogenannten Gerichtsverhandlung. Es war zwar nicht alles so nach Vorschrift gegangen, aber das machte ihnen nichts aus. Wenn nur alles schnell ging. Mit dem Recht und den Vorschriften konnte man es da nicht so genau nehmen.

Findet denn Jesus nirgends sein Recht? Gibt es denn niemanden in Jerusalem, der ihm Recht verschaffen könnte? Er ist doch unschuldig, er hat doch nichts Böses getan, er hat sich doch ganz an den Willen Gottes gehalten!

Es gibt schon jemanden, der ihm Recht verschaffen könnte. Die jüdische Behörde ist ja nicht ausschlaggebend, denn die Herren im Lande sind ja die Römer, die das Land vor einigen Jahrzehnten erobert haben und seitdem besetzt halten. In ihren Händen liegt die oberste Gerichtsbarkeit, zumindest wenn es um Straftaten geht, die mit dem Tode bestraft werden können.

Und zum Passahfest kommt ja auch immer der römische Statthalter Pontius Pilatus nach Jerusalem. Meist regierte er das Land von der Stadt Cäsarea am Meer aus, wo auch seine Soldaten ihre Kasernen haben. Aber zu den großen Fester kam er nach Jerusalem. Er wollte selber da sein, wenn es vielleicht zu größeren Zwischenfällen oder Aufstandsversuchen kam.  Immer wieder tauchten Partisanen auf und es kam zu Überfällen und Gefechten. Bei den Festen kamen immer große Menschenmassen zusammen; zwischen ihnen konnte sich eine Widerstandsgruppe leicht verbergen, um dann im geeigneten Augenblick losschlagen zu können. Nein, Pilatus wollte lieber selber da sein, um notfalls seine Truppen befehligen zu können.

Der Statthalter ist der Vertreter des Kaisers in Rom. Der Kaiser konnte ja nicht in allen Ländern gleichzeitig sein und sie regieren. Deswegen hatte er überall in den Provinzen seine Statthalter eingesetzt, die ihn dort vertraten. Sie paßten auf, daß jeder Widerstand gegen die Römer sofort unterdrückt wurde. In Judäa mußte man besonders aufpassen, daß die Juden nicht heimlich einen zum König krönten, der sie zum Aufstand gegen die Römer führen sollte.

Pilatus war für diese Aufgabe nach Meinung des Kaisers besonders geeignet. Er war unbeugsam und hart bis zur Rücksichtslosigkeit. Aber er war auch jähzornig und unzuverlässig und ließ sich bestechen. Immer wieder ließ er Menschen mißhandeln und ohne Urteilsspruch      hinrichten.

Dabei hätte er es als oberster Richter besonders mit dem Recht halten müssen. Das römische Recht war damals in aller Welt bekannt. Man rühmte es, weil es so sehr gerecht war und jedem zu seinem Recht verhalf. Die Richter waren unbestechlich und urteilten ohne Ansehen der Person. Pilatus aber war anders: Erst ging er mit unerbittlicher Strenge vor, aber dann merkte er, daß seine jüdischen Gegner zäher waren als er und ließ sich von ihnen erpressen. Er war wohl auch nicht der rechte Mann, um Jesus zu seinem Recht zu verhelfen.

 

Erzählung:

Am frühen Morgen des Passahtages marschiert wieder ein Trupp Soldaten durch die Stadt Jerusalem. In ihrer Mitte geht Jesus, gefesselt und gedemütigt. Einige Mitglieder des Hohen Rates folgen in einigem Abstand. Sie hatten Jesus gefesselt, um gleich den Eindruck zu erwecken, es handele sich um einen ganz gefährlichen  Verbrecher.

Auch Judas  muß mit ansehen, daß Jesus sich nicht wehrt, sondern vor Gericht gestellt werden soll. Jetzt erst erkennt er, was er angerichtet hat und wie sehr er sich getäuscht hat. Er läuft zum hohen Rat und will ihnen die dreißig Silberstücke zurückgeben, die er für den Verrat an Jesus erhalten hat. Doch der Hohepriester sagt ihm nur: „Was geht uns das an!“ Da nimmt Judas das Geld und wirft es in den Tempel und geht davon und erhängt sich.

Die Soldaten aber gehen mit Jesus zu dem Haus, in dem der Statthalter in Jerusalem wohnt. Werden die Juden es schaffen, den Römer für ihr Ziel zu gewinnen? Sie wissen genau: Daß Jesus sich „Sohn Gottes“ genarrt hat, das läßt Pilatus kalt, das geht ihn nichts an. Er packt nur zu, wenn es sich um ein politisches Verbrecher handelt. Den Juden liegt aber daran, daß Jesus durch die Heiden umgebracht wird. Er soll aus der jüdischen Gemeinde ausgestoßen werden. Alle sollten sehen, daß er ein Verfluchter ist und nicht der Sohn Gottes.

Pilatus fragt zunächst: „Was habt ihr gegen diesen Mann vorzubringen?“ Einer antwortet: „Er hat behauptet, er sei der König der Juden!“ Pilatus fragt zurück: „Bist du der König der Juden?“ Jesus antwortet ihm ruhig: „Du sagst es!“ Vielleicht will er damit ausdrücken: „Das hast du nichtig erkannt!“  Vielleicht will er aber auch sagen:

„Das sagst du, das ist deine Ausdrucksweise!“ Jesus ist natürlich so etwas wie ein König. Aber er ist auch wieder anders als ein irdischer König.

Die Hoherpriester und Ältesten aber schreien durcheinander und klagen ihn an: „Zum König kann man sich doch nicht selber machen! Er will nur gegen die Römer kämpfen! Der Mann ist gefährlich!“ Jesus aber schweigt zu dem allen. Er weiß ja, worauf das alles hinauslaufen wird. Das Urteil ist ja längst fertig, nicht nur bei den Ältesten des jüdischen Volkes, sondern auch bei Gott. Pilatus aber sagt: „Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen!“ Aber auch dem Pilatus antwortet Jesus nicht, so daß sich dieser doch sehr wundert. Jeder Angeklagte versucht doch, sich zu verteidigen. Aber dieser hier ist anders.

Da war jener Barrabas doch ganz anders. Er hatte mit seiner Barde gegen die Römer gekämpft und viele Leute auf dem Gewissen. Er war ein Mörder und Verbrecher. Aber er kannte auch keine Rücksichten und hatte keine Angst. Dem Pilatus hatte er seine Anklagen ins Gesicht geschleudert, so daß er sie heute noch zuhören glaubte. Jener Barrabas war wirklich gefährlich.

Aber Jesus war doch ganz harmlos. Das merkt Pilatus gleich. Sicher haben die Juden ihr nur aus Neid hierher gebracht und angeklagt. Da hat der Statthalter eine gute Idee, wie er meint. Zum Passahfest wurde doch immer ein Angeklagter begnadigt. Dieser Jesus wäre doch der nichtige Mann dafür.

Sie gehen nach draußen auf die Veranda vor dem Haus. Viele Neugierige stehen draußen und warten, was mit Jesus geschehen soll. Pilatus zeigt ihnen Jesus. Und er läßt den Barrabas holen und stellt ihn neben Jesus. Welch ein Gegensatz zwischen dem friedlichen Jesus mit den sanften Augen und dem wilden, finster dreinblickenden Barrabas! Da dürfte die Wahl doch nicht schwer fallen.

Pilatus setzt sich auf seinen Richterstuhl und fragt: „Welchen soll ich euch losgeben zum Fest, Jesus oder Barrabas? Den, von dem gesagt wird, er sei der Christus, oder jenen Mörder und Verbrecher?“

Da kommt ein Mädchen aus dem Haus und flüstert Pilatus etwas ins Ohr. Sie hilft immer der Frau des Pilatus und ist von ihr geschickt. Sie sagt ihm: „Verurteile diesen  Jesus nicht, das ist ein gerechter Mann, der hat nichts Böses getan. Ich habe heute nacht von ihm geträumt und habe viel Schreckliches gesehen, falls er umgebracht werden sollte. Mach dir die Finger nicht dreckig an dem!“

Inzwischen aber haben sich die Hohenpriester und Ältesten unter das Volk gemischt. Sie überreden das Volk, daß sie um Barrabas bitten sollten. Sie sagten: „Barrabas hat doch wenigstens gegen die Römer gekämpft. Das ist unser Mann. Jesus aber ist ein Gotteslästerer!“ So hetzen sie das Volk auf.

Pilatus fragt: „Welchen von diesen zweien soll ich euch losgeben?“ Da rufen sie alle wie aus einem Munde: „Barrabas! Barrabas!“ Pilatus ist bestürzt, weil sie so entscheiden .Er möchte doch lieber Jesus loslassen. Aber sie rufen weiter:“Barrabas!“ Hilflos fragt Pilatus: „Was soll ich denn machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus?“ Da ruft die Menge: „Laß ihn kreuzigen!“ Jetzt ist es heraus, was sie ihn Wahrheit wollen.

Aber Pilatus gibt noch nicht auf. Er fragt weiter: „Was hat er denn Übles getan?“ Sie schreien aber noch lauter: „Laß ihn kreuzigen!“Pilatus ist machtlos gegen sie. Er muß ihnen zu willen sein, sonst gibt es hier noch einen Aufruhr. Dann aber würde man sagen, Pilatus sei unfähig für sein Amt und würde ihn absetzen. Das aber will der Statthalter auf alle Fälle verhindern. So einer wie dieser Jesus soll ihm nicht in die Quere kommen. Pilatus kann sich nicht mehr frei entscheiden, kann kein gerechter Richter sein, wie er das sein sollte.

Nur eins tut er noch: Er läßt sich eine Schüssel mit Wasser bringen und wäscht sich die Hände darin und sagt: „Ich bin unschuldig, wenn dieser gerechte Mann sterben muß. Ich wasche meine Hände in Unschuld! Seht ihr zu, was ihr mit ihm macht!“ Die Menge antwortet ihm willig: „Wenn wie durch seinen Tod Schuld auf uns laden, dann komme die Strafe über uns und unsre Kinder!“

Da gibt ihnen Pilatus den Barrabas los. Er hat sich gegen Jesus entschieden. Erst hatte er sich herausreden wollen, aber nun muß er Stellung beziehen, so wie alle in dieser Geschichte. Der Name des Pilatus geht so in die Geschichte ein. Noch nach Jahrtausenden wird sein Name von den Christen genannt werden, wenn sie vom Tod ihres Herrn sprechen.

Jesus wird den Soldaten übergeben. Sie legen ihm einen Purpurmantel an, geißeln  ihn mit großen Peitschen, daß das Blut über den Rücken läuft.  Sie flechten eine Dornenkrone und setzen sie ihm auf den Kopf. Sie geben ihm ein Rohr in die rechte Hand und verbeugen sich vor ihm und gehen auf die Knie wie vor einem König. Und sie rufen: „Gegrüßet seist du, der König der Juden!“ Dann bereiten sie alles für die Kreuzigung vor.

 

Antwortgespräch:

Wer war alles schuld am Tod Jesu? Hoher Rat, Volk, Pilatus, Soldaten. Wie hätten wir damals gehandelt? Tun wir nicht heute auch manches, was gegen Jesus ist?

Die Behörde wußte, was sie tut. Es gibt auch schuldhaftes Nichtwissen!

 

 

 

Passionsgeschichte für Kinder?

Es ist schon ein Problem, ob man kleinen, noch vorschulpflichtigen Kindern, die Passionsgeschichte erzählen solle. . Das Wissen vom Leiden und Sterben unseres Herrn wurde praktisch mit der Muttermilch aufgenommen. Vielleicht hing sogar im Elternhaus ein Kruzifix oder ein Passionsbild. Manche werden sich später gewünscht haben, sie hätten nie etwas vom Kreuz Jesu Christi gehört, das ihnen als eine selbstverständliche Tatsache schon allzu bekannt sei. Sie hegten vielmehr den Wunsch, daß es ihnen ergehen möchte wie den Heiden, die zum ersten Mal und überwältigend neu die Kunde von der Erlösungstat Gottes durch seinen Sohn erfuhren. Wiederum später werden sich diese Menschen dessen bewußt geworden sein, daß ihnen ihre Eltern gar nicht Besseres mit auf den Lebensweg geben konnten, als den Trost und die Gewißheit der Heilstat Jesu.

Heute ist fast in aller Welt bekannt, daß das Kreuz das Zeichen der Christenheit ist, wenn man auch im allgemeinen wenig damit anzufangen weiß. Doch daß Kinder in ihren Elternhäusern noch etwas von der Leidensgeschichte oder überhaupt von Jesus erzählt bekommen, geschieht sehr selten, es sei denn, eine fromme Großmutter ist in der Lage, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen. Die Eltern selbst werden es so gut wie gar nicht tun.

Jeder Christ weiß, daß er das Amt hat, die frohe Botschaft an alle Menschen weiterzusagen, mit denen er zusammen kommt; denn der Auftrag Jesu: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker ...“ gilt nicht allein den Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern, sondern der ganzen Ge­meinde. Nun beschränkt sich unser menschlicher Kontakt nicht nur auf Erwachsene. Jeder kommt auch mit Kindern in Berührung. Auf welche Weise das geschieht, spielt dabei keine Rolle. Ob ich als Hausbewohner das Kind meiner Nachbarin hüte, ob ich mich am Zaun meines Schrebergartens mit meinem kleinen „Kollegen“ unterhalte, ob ich als Helfer im Kindergottesdienst tätig bin, überall begegne ich Kindern, denen ich die frohe Botschaft schuldig bin. Schön wäre es, wenn es uns allen dabei erginge wie den Aposteln, die es gar nicht lassen konnten, von Christus zu zeugen.

Nun sind einige Menschen der Ansicht, daß man die „schaurige“ Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu kleinen Kindern noch nicht erzählen dürfe. Sie könnten davor erschrecken und vielleicht sogar Abscheu empfinden. Alles, was vom Leben Jesu in der Bibel steht, von seinen Wundern und Heilungen, seinen Lehren und Geboten, dürften sie selbstverständlich erfahren.

Dazu ist Folgendes zu bemerken:

1. Die Kreuzigungsgeschichte ist der Mittelpunkt des ganzen Evangeliums. An sie schließt sich in der Erzählung der Urgemeinde rückwirkend das Leben Jesu an und ihr folgen dann die Ostern und Apostelgeschichten. Enthalten wir kleinen Kindern das Sterben Jesu vor, können wir ihnen auch nichts von Ostern und Pfingsten erzählen.

Dabei ist wichtig zu bedenken: Jede Begegnung, die wir mit kleinen Kindern haben, wo sich die Gelegenheit bietet, von Jesus zu erzählen, kann für diese Kinder die letzte sein, etwas von ihm zu erfahren. Niemand weiß, ob sie später die Christenlehre besuchen werden, niemand weiß, ob ein anderer Mensch mit ihnen von Jesus sprechen wird.

Vielleicht werden diese Kinder alle Erzählungen von Jesus, die sie zu hören bekamen, von seinen Wundern, Heilungen. Totenauferweckungen später als Märchen abtun, weil sie sich nicht mehr an die Deutung der Erzähler entsinnen können. Doch unter Umständen werden sie sich des Todes Jesu erinnern als an eine Möglichkeit, die glaubbar wäre. Und vielleicht wird der Heilige Geist dann das Seinige tun und ihnen dabei behilflich sein, auch auf eine Auferstehung zu hoffen.

2. Außerdem ist die Frage stellen, ob die Gemüter der kleinen Kinder wirklich so empfindlich sind. Durch das Fernsehen, die Zeitung, das Radio, das Kino, sind die Kleinen bereits schon so mit den Leiden der Menschheit vertraut, daß man sich nur darüber wundern kann, wie gelassen sie derartige Geschehnisse aufnehmen. Sie sehen Bilder gequälter Kinder, hören im Radio von der rücksichtslosen Erschießung Farbiger, sehen im Kino Indianer-Filme, wo es Tote die Menge gibt. Derartige Beispiele ließen sich beliebig erweitern. So ist das Schicksal einer ganzen Menschheit auch in die behütete Atmosphäre der Kinderstuben eingedrungen.

Weil es aber schon für einen Erwachsenen unmöglich ist, mit jedem leidenden Menschen, von dem er täglich hört, mitzuleiden, er würde seelisch daran zugrunde gehen, kann er sich nur noch so dagegen wehren, daß er alles Gehörte formelhaft in sich aufnimmt: drei Erschossene, über 500 Gefallene, 58 Verunglückte, 16 Verschüttete. Und es wird viel bedeuten, wenn er der einzelnen einen Augenblick still gedenkt.

Kann es da verwundern, wenn es den Kindern ebenso ergeht? Man beklagt sich vielfach über die Gefühlsroheit der heutigen Jugend. Ein Lehrer beschwerte sich heftig, als bei einer Theatervorführung von Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“ die Schüler lachten, als man die Leiche des Sohnes der Frau Carrar auf die Bühne trug.

Unsere Kinder erschüttert so nichts mehr. Sie sehen und hören zu viel. Bei einem Krimi stellen sie abwertend fest: Es gab nur einen Toten! Und die Erwachsenen entsetzen sich darüber.

Beim Passionsgeschehen handelt es sich auch nur um einen Toten, wenn man von den beiden Übeltätern absieht. Insofern kann sich die Geschichte an Grausamkeit durchaus nicht mit den heutigen Leidensgeschichten messen, und es wird auch ein kleines Kind nicht zutiefst erschüttern, wenn es von einem Toten hört.

Bei der Erzählung vom Sterben Jesu gilt es, den Kindern verständlich zu machen, daß sich dieser Tod grundsätzlich von jedem anderen Tod - sei er noch so grausam oder aufopfernd - unterscheidet. Kein anderer Mensch starb oder stirbt je sündlos. Kein anderer Mensch kann

sich bezeichnen als der Sohn Gottes.

Das Ausschlaggebende ist, daß sich auch die Art und Weise, wie die Menschen diesen Tod im Gegensatz zu anderen Toden „betrachten“ können, voneinander unterscheidet. Das Leiden Jesu kann niemand formelhaft in sich aufnehmen, denn jeder ist ganz mit einbezogen in dieses Sterben, weil es heißt: Für dich und deine Sünde in den Tod gegeben.

 

 

Jesu Kreuzigung : Mk 15 , 20 - 41 (Mt 27,31-56)

Hinführung:

Wir erinnern uns an die großen Taten, die berühmte Männer vollbracht haben: Cäsar, Karl der Große, Luther, Marx, Gagarin.

Wie erinnern uns an die Taten Jesu (Wunder, Gleichnisse, Gastmahl). Welches aber ist seine wichtigste Tat gewesen ? Wenn wir sein Erlösungswerk am Kreuz sehen, dann ist alles andere nur Einleitung und Vorspiel. Die Geschichte vorn Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu hat man ja auch zuerst aufgeschrieben, und erst später sind die anderen Jesusgeschichten dazugekommen.

Wir wollen hören, wie Jesus in den Tod gegangen ist.

 

Erzählung:

Dies ist eine sehr traurige Geschichte. Aber dennoch eine schöne Geschichte, denn sie zeigt uns: Jesus hat uns liebgehabt, er hat für uns gelitten, damit wir nicht bestraft werden. Wenn wir daran denken, werden wir wieder froh. Als die Soldaten Jesus verhaftet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel wieder aus, zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an und führten ihn fort, um ihn zu kreuzigen.

Es ist kurz vor neun Uhr morgens. im Tempel bringt man das Morgenopfer dar. Jesus aber geht, das größte Opfer der Welt zu bringen. Sie haben ihn den Querbalken des Kreuzes auf die Schultern gelegt. Er ist schwer, und Jesus ist schon schwach von der Geißelung her. Vorneweg trägt ein Soldat ein Schild mit der Aufschrift, was Jesus getan haben soll und weshalb er zur Hinrichtung geführt wird.

Es geht durch die engen Straßen der Stadt Jerusalem. Viele Leute bleiben stehen und schauen zu. Die fremden Pilger fragen: „Wer ist denn das?“ Die anderen antworten: „Das ist Jesus aus Nazareth, der behauptet hat, er sei Gottes Sohn!“ Die einen lachen darüber, die anderen sind traurig, daß es so weit gekommen ist; die meisten aber sind gleichgültig, die anderen gaffen nur und sind nur neugierig, was da wohl los ist. Viele laufen mit und wollen bei der Kreuzigung zusehen.

Für diese Menschen ist ein Freudentag. Sie feiern das Fest der Befreiung aus Ägypten. Aber auf Jesus und die zwei anderen Verbrecher, die mit ihm zur Hinrichtung geführt werden, wartet ein langes, qualvolles Sterben. Unter den vielen Tausenden aber begreift keiner, daß der Tod dieses Jesus ihnen das wahre Fest der Befreiung bringen soll.

Sie kommen durch das Stadttor. Vor ihnen liegt die Hinrichtungsstätte, der Hügel Golgatha. Jesus aber kann nicht mehr. Mühselig schleppt er sich weiter. Die Mißhandlungen der Soldaten haben ihn schon zu sehr geschwächt. Das Kleid klebt ihm am Leib, an der aufgerissenen Haut. Seine Knie geben nach, der Schweiß bricht ihm aus - er sinkt schweigend unter seiner Last zusammen.

Die Soldaten rufen einen Bauern, der gerade vom Feld heimkommt. Er soll das Kreuz Jesu tragen; das heißt: er muß es tun, ob er will oder nicht. Aber was äußerlich gesehen eine Schande und Kränkung ist, das ist für diesen Simon von Kyrene zum Heil geworden: Er und seine beiden Söhne Rufus und Alexander wurden Christen, und Simon war der erste Jünger, der hinter Jesus sein Kreuz herträgt.

Bald ist der Zug mit den Verurteilten auf der kleinen Anhöhe angekommen. Dort stehen schon drei Pfähle für die Verurteilten. Der mittlere war ursprünglich vielleicht für Barrabas bestimmt gewesen. Doch nun soll Jesus an ihm sterben, hier auf diesem Hügel, der wie ein kahler Schädel aussieht und deshalb auch „Schädelstätte“ („Golgatha“) heißt.          

Die Soldaten ziehen Jesus die  Kleider aus. Die Arme werden mit Stricken an dem Querbalken festgebunden, die Hände werden zusätzlich festgenagelt. Man bringt Jesus einen Becher, in dem Wein mit Myrrhe gemischt ist: das soll ihn betäuben und die unerträglichen Schmerzen etwas lindern. Doch Jesus nimmt ihn nicht: Er will

mit vollem Bewußtsein das letzte Leiden erdulden.

Die Soldaten ziehen nun den Querbalken an dem Pfahl hoch und binden ihm die Füße an den Stamm. Die Soldaten aber haben nichts eiligeres zu tun, als die Kleider Jesu unter sich aufzuteilen und darum zu würfeln. Sie sind völlig ungerührt von dem Geschehen, sie führen nur ihre Befehle aus.

Es ist gegen neun Uhr morgens und die Sonne steigt höher. Die Soldaten bringen noch das Schild über dem Kopf Jesu an. Nun können es alle lesen: „Der  König der Juden!“ Pilatus hatte es zum Spott für die Juden schreiben lassen. Aber unbewußt hat er ja damit das Richtige geschrieben. Lateinisch lautet die Inschrift: „Jesus Naza­renus, rex Judaeorum“ oder abgekürzt „INRI“ So kennen wir es von vielen Kreuzigungsdarstellungen.

Nun werden auch die zwei Verbrecher in der gleichen Weise gekreuzigt, einer rechts und einer links von Jesus. Es sieht so aus, als sei Jesus auch ein Verbrecher, so wie es schon der Prophet Jesaja geschrieben hat: „Er ist unter die Übeltäter gerechnet!“.

Doch die Menschen, die vorbeikommen, spotten noch über Jesus. Sie schütteln ihren Kopf vor Abscheu und rufen: „Pfui, wie schön zerbrichst du den Tempel und baust ihn in drei Tagen wieder auf! Hilf dir doch selber und steig vom Kreuz herab!“

Auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten sind gekommen. Sie warten auf das Schuldbekenntnis des falschen Propheten, sie warten auf den Widerruf, der ihr Urteil bestätigen würde. Sie spotten auch: „Er hat anderen geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er Christus und König in Israel, so steige er nun vom Kreuz, damit wir es sehen und an ihn glauben!“

Noch im letzten Augenblick müssen sie also zugeben, daß Jesus anderen geholfen hat. Und sie tun nun so, als würden sie jetzt an ihn glauben, wenn er sich durch ein Wunder als Gottessohn ausweist. Doch Jesus widersteht dieser letzten Versuchung. So hatte schon der Versucher am Anfang der Wirksamkeit Jesu gesprochen. Doch Jesus hat ja auf alle indische Macht verzichtet, er will freiwillig alles aufgeben und sterben.

Gegen Mittag verdunkelt sich auf einmal der Himmel. Die Spötter verstummen: Ist das ein Zeichen Gottes? Die Mittagssonne wird auf einmal rot wie am Abend, als wollte sie sich von diesem Geschehen zurückziehen. Ist es nur ein Sandsturm, der die Sonne verdunkelt? Oder geschieht hier mehr? Drei Stunden bleibt es dunkel und die Menschen setzen ihr dunkles Werk ungerührt fort.

Ist es auch um Jesus dunkel? Er kämpft seinen letzten Kampf. Plötzlich ruft er: „Eli, Eli, lama asaphtani?“ Das heilt auf deutsch: „Mein Gott, mein Gotte, warum hast du mich verlassen?“ Jesus betet laut den 22.Psalm. Es sieht so aus, als verzweifle er an Gott und seiner Hilfe. Aber in Wahrheit bekennt er sich auch im tiefsten Leiden zu Gott und ruft: „Mein Gott! Ich lasse dich nicht, auch wenn du mich zu verlassen scheinst!“

Doch die Leute, die dabeistehen, verstehen ihn falsch. Sie denken, er rufe dem Elia, dem Propheten des Alten Testaments. Sie spotten wieder: „Soll doch Elia kommen und ihn herab nehmen!“ Einer aber läuft davon, holt einen Schwamm mit Essig, steckt ihn auf einen Rohrstock und gibt ihn Jesus zu trinken. Das soll ihn noch etwas stärken und seine Qual verlängern. Und die andern lachen darüber.

Plötzlich schreit Jesus laut auf und stirbt. Und im gleichen Augenblick zerreißt der Vorhang mitten im Tempel entzwei, von oben bis unten. Nun können alle in das Innerste des Tempels sehen, in das Allerheiligste, weil nun die Sünde zwischen Gott und den Menschen zerrissen ist: Durch Jesu Tod ist der Weg zu Gott frei.

Der römische Hauptmann aber, der die Hinrichtung leitet und alles miterlebt hat, er wird von diesem Geschehen angerührt. Er sagt: „Ja, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“ Der Heide ist der Einzige, der erkannt hat, was hier geschah. Aus seinem Munde hören wir das große Wort „Gottes Sohn“, das sonst nur am Anfang des Evangeliums auftauchte. Der Heide gibt Jesus den Ehrennamen, den ihm Israel verweigert.

Außerdem war nur noch eine Gruppe von Frauen mit dabei, die nicht gespottet und gelästert haben. Sie waren ihm schon von Galiläa her immer gefolgt und mit nach Jerusalem gekommen. Sie waren traurig über den Tod Jesu. Aber sie wissen auch: Gott hat uns lieb, so lieb, daß er seinen einzigen geliebten Sohn dahingegeben hat und für alle Menschen geopfert hat.

 

Antwortgespräch:

Wer ist der Sieger bei dieser Kreuzigung? Jesus muß nicht alles willenlos über sich ergehen lassen, sondern sein Leiden ist seine eigene Tat. Jesus ist als Sieger gestorben.

Deshalb steht das Kreuz in unseren Kirchen auf dem Altar, hängt in unseren Häusern und steht auf den Gräbern in unseren Friedhöfen. Es erinnert uns immer wieder daran, daß Jesus für uns gestorben ist. Wenn wir etwas Böses tun wollen, dann sollen wir immer daran denken: Dafür hat Jesus sterben müssen. Doch wir dürfen jeden Tag wieder zu Gott kommen und ihn im Namen Jesu um Verzeihung bitten.

 

 Isenheimer Altar:

Beispielhaft sei hier verwiesen auf die Deutung der mittleren Tafel des Isenheimer Altars von Grünewald. Der Maler hat das Kreuzigungsbild für das Kloster zu Isenheim im Elsässischen gemalt. Dorthin kamen viele kranke Menschen. Sie baten Gott vor dem Altarbild um Heilung. Im Spital des Klosters fanden sie Pflege und Hilfe. So sah viel Volk das Gemälde. Es winkte wie eine Predigt, die der Künstler an die Menschen richtete. Das Lendentuch, das sich um die Hüften Christi schlingt, ist zerfetzt und zerrissen. Die Menschen, die vor dem Bild knieten, wußten das, und sie sahen den Unterschied. Das war die Absicht des Malers. Die Betrachter sollten erkennen, daß Christus zu den Armen gehörte und nicht für die Reichen gestorben war.

Eine christliche Interpretation wird nicht den Deutefinger des Täufers oder auch die Figurengruppe Maria  - Johannes übersehen dürfen. Die Menschengruppe links zeigt  Maria Magdalena, die Frau, die Jesus salbte (das Salbgefäß steht neben ihr). Sie ist auf die Knie gesunken. Die Hände ringt sie in wildem Schmerz. Alles in ihr bäumt sich auf gegen die nackte Wirklichkeit. Sie ist die einzige Gestalt im Bild, von der Leben und Erregung ausgeht. Beachtet die Linien ihres Gewandes. Vielleicht betet sie: „Gott, das darf doch nicht wahr sein - du kannst doch deinen Sohn nicht so enden lassen. Nimm mein Leben, aber mach ihn wieder lebendig!“„

Ganz anders Johannes der Jünger und Maria, die Mutter Jesu Christi. Der Schmerz hat sie fast getötet. Mit letzter Kraft hält Johannes die totenblasse Maria in den Armen. Voll Liebe und Erbarmen sieht er auf die Ohnmächtige herab. Der eigene Schmerz hat ihn nicht hart und gefühllos gemacht - im Gegenteil - er ist an ihm gewachsen, gereift und kann nun so Maria zum Halt werden. Darauf weist auch das leuchtend rote Gewand des Johannes hin - rot die Farbe des Schmerzes und der Liebe.

 

Man brachte die Kranken vor den Altar, ließ sie diese Kreuzigung anschauen und hoffte auf Heilung. Nun werdet ihr sagen, wenn man krank ist und sich dieses furchtbare Bild anschauen muß, dann kann man nur noch elender, aber niemals gesund werden?

 

Von Johannes und dem weißen Lämmlein zu seinen Füßen strahlt eine große Energie, aber auch eine große Ruhe aus. Fest steht der Mann mit beiden Beinen auf der Erde. Er hat etwas auszusagen, etwas,. das ihm diese unerschütterliche Sicherheit verleiht. Hier ist der Schmerz schon überwunden im Glauben. Es ist Johannes der Täufer. Neben ihm steht in lateinisch, was er in Hinblick auf Jesus gesagt hat: „Jener muß wachsen, ich aber abnehmen!“ Das Lämmlein erinnert an ein anderes Täufer­wort:  „Siehe. das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“

 Als Jesus gekreuzigt wurde, war Johannes der Täufer längst tot. Der Maler hat aber bewußt diesen Zeitirrtum begangen. Johannes, der schon immer auf Jesus hingewiesen hat, ist hier die Stimme des Glaubenden. Beachtet den überlebensgroßen Zeigefinger - er deutet auf Jesus und will sagen: „Seht, dieser geschundene und gemarterte Mensch ist ein Mensch wie ihr. Ihr aber tragt eure Leiden, er jedoch trägt das Leid der ganzen Welt. Es gibt nur eine Liebe, die so weit geht. Das ist seine Liebe. Diese Liebe wächst über den Tod und über all das Grauen hinaus. Aus ihr bekommt der Glaubende seine Kraft und Zuversicht. aus ihr allein kann er überhaupt leben!“

Deshalb hat man die Kranken vor das Bild gebracht. Manche wurden gesund, den Sterbenden aber gab es starken Trost. Hier ist einer im Tod vorausgegangen - wir gehen nur noch nach. Die Liebe Gottes reicht über den Tod hinaus. Auch uns weist Johannes der Täufer auf diese Liebe hin.

 

Grabtuch von Turin

In der italienischen Stadt Turin wird ein Tuch aufbewahrt, auf dem sich schattenhaft eine menschliche Gestalt zeigt. Es soll sich um das Grabtuch handeln, mit dem vor nahezu 2000 Jahren der Leichnam des gekreuzigten Jesus bedeckt worden ist. Besitzt damit die Christenheit ein echtes Bild ihres Herrn?

Das Turiner Grabtuch zeigt die Vorderansicht eines etwa 1,80 m großen Toten. Das Tuch ist insgesamt 4,38 Meter lang und 1,10 Meter breit. Es zeigt auch die Rückenpartie einer in ihm eingeschlagenen Leiche. Die dunklen Streifen am Rand stellen Spuren eines Brandes dar, dem das mehrfach zusammengelegte Tuch im Jahre 1532 ausgesetzt war. Auch das Löschwasser hat Spuren hinterlassen.           

Bereits im Mittelalter war die Echtheit des Grabtuches heftig umstritten. Damals befand es sich längere Zeit in dem französischen Ort Lirey. Im Jahre 1389 schrieb Bischof Peter von Arcis an den Papst, die Lireyer hätten sich das „künstlich bemalte“  Tuch beschafft, um aus dem einsetzenden Pilgerstrom Gewinn zu schlagen. Doch bereits sein Vorgänger im Bischofsamt habe an der Echtheit des Tuches gezweifelt und schließlich den Betrug aufgedeckt: Der Künstler selbst habe eingestanden, das Tuch bemalt zu haben.

Das Tuch kam im Jahre 1578 nach Turin. Ungeachtet des alten Echtheitsstreites war man dort fest davon überzeugt, mit ihm das Bild Christi aufzubewahren. Das galt auch für das Jahr 1898,  als es wieder im Dom öffentlich ausgestellt wurde.

Wer aber wissenschaftlich gebildet war und auf der Höhe der zeitgenössischen Bildung stand, hielt es mit der Feststellung, die Bischof Peter 500 Jahre vorher getroffen hatte: Ein mittelalterlicher Künstler hat das Tuch hergestellt. Direkter Farbauftrag ließ sich allerdings nicht nachweisen, so daß irgendwelche Abdruckverfahren vermutet wurden.

Da geschah etwas, was diese so sichere Meinung grundlegend erschütterte: Das Tuch wurde zum ersten Mal fotografiert. Als der Fotograf die riesige, 50 x 60 Zentimeter messende Fotoplatte entwickelte, erblickte er auf dem fotografischen Negativ ein positives Bild in natürlichen Helligkeitswerten. Das bedeutete: die Gestalt auf dem Grabtuch war ein Negativ. Dem entsprechend wirkt im Original das Gesicht des Toten auch gar nicht „schön“: Weit aufgerissene Augen starren dem Betrachter entgegen. Erst die fotografische Umkehrung zeigt es so, wie es offenbar „gemeint“ ist: ruhig und hoheitsvoll.

Diese überraschende Entdeckung wirft eine Reihe von Fragen auf, die zum Nachdenken zwingen. Wie konnte ein mittelalterlicher Künstler lange vor der Erfindung der Fotografie auch nur eine Vorstellung von einem negativen Bild haben, das dunkel darstellt, was hell sein soll und umgekehrt? Nie hätte er seine Bildbotschaft derartig verschlüsselt!

Damit war noch kein Echtheitsbeweis erbracht, der eine künstliche Herstellung der Reliquie überhaupt ausschloß. Aber vor allem Naturwissenschaftler bemühten sich in den folgenden Jahrzehnten bis in unsere Gegenwart hinein darum, mit allen Mitteln gerichtsmedizinischer Methoden glaubhaft zu machen, daß das Tuch tatsächlich aus der Zeit und aus dem Lebensraum Jesu stammt und das Bild eines Gekreuzigten wiedergibt.

Mit sichtbarer Sympathie für diese kriminalistisch zu nennende Fährtensuche hat der Jesuitenpater Werner Bulst die Forschungen um das Turiner Grabtuch beschrieben („Das Grabtuch von Turin“, Leipzig 1983). Der Autor selbst faßt das Ergebnis seiner Darstellung in die Worte: Ohne Zweifel handele es sich um das Grabtuch eines Gekreuzigten. Auch der Indizienbeweis sei überzeugend: „Der Gekreuzigte war Jesus von Nazareth!“

Die Herausgeberin seines Buches dagegen urteilt vorsichtiger: Der letzte wissenschaftliche Beweis sei auch nicht erbracht. Und sehr richtig sagt sie: „Für den Glauben an die Auferstehung ist es letztlich unerheblich, ob wir es mit dem Grabtuch Jesu zu tun haben oder nicht!“

Ihr ist zuzustimmen. Ein Glaube, der zu seiner Bestätigung solcher materieller Beweise bedarf, hat Jesus Christus als bestimmende Realität seines Lebens noch nicht erfahren.

Aber auch auf der Ebene der naturwissenschaftlich-historischen Betrachtung sind weiterhin Zweifel geboten. Dem Leser des Buches von Werner Bulst ist ebenso eindrücklich wie die Schilderung überraschender Untersuchungsergebnisse die Tatsache, daß der Autor eine Zen­tralfrage in keiner Weise überzeugend zu beantworten vermag: Durch welchen chemischen Prozeß hat sich auf dem Tuch das Bild eines Toten abzeichnen können, so kräftig, daß es ohne Fixierung 2000 Jahre lang von Bestand ist? Es müßte sich um ein fotochemisches Spontanergebnis handeln, das Louis Daguerre, den Erfinder der Fotografie, weit in den Schatten stellt (Gottfried Müller).

 

Der Missionsbefehl Mt 28, 16 - 20 

Hinführung:

Wir überlegen: Wer hat uns etwas zu sagen? Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Polizei, Arzt, Minister, Präsident, Bürgermeister, Offizier, usw. Diese Menschen haben über bestimmte andere Menschen zu bestimmte, aber ihre Befehlsgewalt ist begrenzt auf einen bestimmten Raum. Sie sind mächtiger als wir. Aber sie meinen es auch gut mit uns. Denken wir nur an den Verkehrs­polizisten auf der Kreuzung: dem müssen alle folgen, wenn es kein Unglück geben soll. Oder denken wir an den Schwimmeister  im Schwimmbad: Er kann Befehle geben, denn er hat Erfahrung und hat auch die Verantwortung, seine Anweisungen sind zur Hilfe für die Menschen gegeben, ihnen nicht zu folgen, bedeutet Lebensgefahr.

Könnte auch Jesus so ein Herr sein, der über uns wacht und der die Macht hat, uns vor Gefahren zu schützen? Er war doch aus seinem Volk ausgestoßen worden und wie ein Verbrecher gestorben. Wehrlos hatte er Hohn und Spott ertragen müssen. Es gab auch keine Gemeinde mehr, denn seine Jünger hatten versagt, hatten ihn verleugnet und waren geflohen. Eine ganze Zeit waren sie mit Jesus gegangen, aber nun war alles aus. Sie fragten sich: War Jesus wirklich der Sohn Gottes? Oder haben wir uns getäuscht?

Aus dieser Not konnten sie nicht allein wieder herausfinden Es hätte gar nichts genutzt, wenn sie sich wieder zusammengefunden hätten, um sich wieder aufzuraffen und gegenseitig Mut zu machen. Jesus selber  mußte ihnen helfen und ihnen einen neuen Auftrag und die entsprechende Vollmacht geben. Davon wollen wir nun hören.

 

Erzählung:

Die Jünger hatten von den erschrockenen und doch hocherfreuten Frauen erfahren, was an Jesu Grab geschehen war: „Wir haben den Herrn gesehen“, sagten sie, „er ist nicht im Tode geblieben, sondern Gott hat ihn auferweckt. Er hat uns gesagt, ihr sollt nach Galiläa gehen, dort werdet ihr ihn auch sehen können.

Dennoch konnten sich die Jünger  nicht freuen. Ihre Verlassenheit war zu groß und ihr Gewissen zu schwer belastet. Die Leute fragten sie: „Na, wo ist denn nun euer Meister?“ Niemand hätte es ernst genommen, wenn sie gesagt hätten: „In Galiläa wird er sich uns zeigen!“ Die Leute erzählten sich ja untereinander etwas anderes: Die Jünger selber hätten den Leichnam Jesu nachts aus dem Grab gestohlen, um behaupten zu können, er sei auferstanden! Wie sollten sie nur solchen Behauptungen entgegentreten?

Sie hatten auch alle ein schlechtes Gewissen: „Was würde Jesus dazu sagen, daß sie ihn alle verlassen hatten? Besonders Petrus wußte nicht, wie er Jesus gegenübertreten sollte, wo er doch geleugnet hatte, Jesus zu kennen. Diese Jünger konnten sich nicht freuen,  sie konnten sich nicht einmal gegenseitig trösten. Sie waren ein verlassenes Häuflein.

Aber sie machten sich doch auf nach Galiläa. Sie wanderten dorthin zurück, wo sie die erste glückliche Zeit ihrer Jüngerschaft erlebt hatten. Elf Jünger waren es nur, denn Judas fehlte ja. Das ganze schreckliche Geschehen des Leidens und Sterbens Jesu war ihnen

so immer noch vor Augen. Sie kennen der Weg genau. Auf dem Berg waren sie mehrfach mit Jesus zusammen. Hier hatten sie ihr in all seiner Herrlichkeit sehen können, vom göttlichen Lichtglanz umstrahlt; würden sie ihn jetzt wieder so sehen können?

Plötzlich steht Jesus vor ihnen. Mit ihren eigenen Augen dürfen sie den Auferstandenen wahr­nehmen. Das überwältigt sie so, daß alle Zweifel und Hoffnungslosigkeit schwinden. Sie werfen sich vor ihm nieder und beten ihn an, so wie man sonst einem König huldigt.

Damit bekennen sie ihre Untreue und bitten um Vergebung, sie wollen ihr ganzes Leben wieder hingeben. Jetzt ist kein Geheimnis mehr um Jesus, sondern ihnen ist der Blick auf den wahren und wirklicher Christus eröffnet.

Dennoch zweifeln einige. Zumindest zögern sie und sind noch verzagt. Es wird für uns tröstlich sein, daß auch die Jünger Jesu sich nicht so sicher waren. Einige wollen erst noch kritisch prüfen, ob sie nicht einem Spuk erlegen sind oder sich alles nur eingebildet haben. Ist nicht alles nur ein Traum? Diese stumme Gestalt ist doch nicht der Jesus, den sie kennen, auch wenn er hundertmal so aussieht wie Jesus. Sie brauchen Gewißheit, denn auf ihre Augen allein wollen sie sich nicht verlassen. Nur sein Wort könnte aller Zweifel überwinden und alles klar machen.

Jesus schimpft die Jünger nicht. Er bleibt aber auch nicht in unnahbarer Ferne, sondern tritt zu seinen Jüngern. Und er redet mit ihnen. An den Worten erkennen sie ihn, und alle Zweifel sind verflogen,  Es geht also gar nicht so sehr um die Erscheinung Jesu, sondern es kommt auf die Worte an, die er ihnen zu sagen hat.

Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden!“ Das war den Jüngern sicher neu: Daß, er alle Gewalt im Himmel hat, das war ihnen klar. Aber auf der Erde herrschen doch andere  Gewalten. Doch nur wird den Jüngern deutlich: Jesus bestimmt den Lauf der irdischen Geschichte und alle Menschen sind sein Eigentum. Diese Menschen sollen von ihm erfahren. Deshalb sagt er zu den Jüngern: „Darum gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker.  Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiliger Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe!“ Damit werden sie wieder in ihr Amt als Apostel eingesetzt. Jesus hat ihnen vergeben und alle Untreue ausgelöscht. Er erneuert und erweitert der Auftrag, den er ihnen schon einmal gegeben hatte.

Nun sollen sie zu allen Völkern gehen. Es ist kein Unterschied mehr zwischen dem ursprünglicher Volk Gottes und denen, die bisher abseits standen. Alle sollen sie zu Jüngern Jesu werden. Ein erster Schritt dazu ist die Taufe. Der zweite wäre dann, daß sie die Lehre  Jesu kennenlernen.

Sicherlich kann die Reiherfolge auch andersherum sein. Aber wenn die Taufe an erster Stelle steht, dann wird doch deutlich: Ehe der  Mensch etwas tun kann, hat Gott schon an ihn gehandelt. Gottes Gabe ist das erste ,das Tun des Menschen nur die Antwort. Aber ohne diese Antwort ist die Taufe sinnlos. Und die Antwort besteht nicht nur in Worten, sondern auch im Handeln nach dem Liebesgebot Jesu.

So erhält die Kirche Jesu Christi ihren Auftrag für die Zeit, bis Jesus wiederkommen wird. Sie hat zu predigen und im Sinne Jesu zu handeln. Da hat sie viel zu tun, die Zeit wird ihr nicht lang werden. Sie wird sich nicht zur Ruhe setzen können und in alten Formen erstarren, sondern immer wieder in eine heilsame Unruhe versetzt werden.

Doch die Jünger denken: Das ist ein ungeheurer Auftrag, den können wir nie und nimmer erfüllen. Ja, wenn uns alle Gewalt im Himmel und auf  Erden gegeben wäre, dann könnten wir es gerne vollbringen. Aber da dürfen sie nach dem Auftrag auch die Verheißung hören: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“

In allem, was auch kommen mag, werden sie in seiner Gemeinschaft  geborgen sein. Das wird gelten bis zur Vollendung der Weltzeit.  Diese Welt wird einmal ein Ende haben, aber nicht so, daß sie ins Nichts versänke. Es wird vielmehr alles vollendet werden, was Gott angefangen hat. So endet das Matthäusevangelium mit einem Ausblick nach vorn, der nicht Abschied ist, sondern die Zusage, daß der auferstandene Herr gegenwärtig ist! (Gliederung: Was Gott getan hat, was die Gemeinde zu tun hat, was Jesus tun wird: Vollmacht, Auftrag, Verheißung!)

 

Antwortgespräch:

Aus dem eigenen Umgang untereinander und aus der Erfahrung mit Erwachsener wissen wir, daß die Macht vor entscheidender Bedeutung im Leben ist. Wer Macht hat, erreicht etwas im Leben. Wer Macht hat, kann auch Befehle erteilen bzw. sogar Gehorsam erzwingen: Eltern, Schule, Verein, usw. geben uns Befehle, wir haben sie zu befolgen.

Jesus allerdings will unseren Gehorsam nicht erzwingen, sondern er möchte, daß wir uns ihm freiwillig zur Verfügung  stellen. Im Leben Jesu war auch nur wenig sichtbar von der Macht, die ihm zur Verfügung stand, wie wir zum Beispiel an der Versuchungsgeschichte und der Gefangennahme sehen. Daß Jesus Macht hat, ist eine Glaubensaussage. Auf diesen Glauben hin haben Menschen angefangen zu predigen. Sie haben die Worte Jesu ernst genommen, und daraus ist die Kirche in aller Welt geworden. Nur wenn wir heute der Auftrag ebenso ernst nehmen, wird auch heute von der Macht Jesu mehr zu spüren sein.

Das Matthäus-Evangelium beantwortet die Frage: Wie sollen wir  durchkommen, wenn Jesus nicht mehr unter uns zu sehen ist? Auf die Einsetzung Jesu zum Herrn der Welt und den Missionsbefehl läuft alles hinaus.

Im Sinne Jesu allerdings ist der Leidende der Überwindende und nur durch den Verzicht auf Machtansprüche lebt man im Sinne Jesu.

Das zeigt die Erzählung von Leo Tolstoi: „Das Lichtchen“: Für die russischen Christen ist Ostern das wichtigste Fest. In einem Ostergottesdienst fehlt kein orthodoxer Christ ohne zwingende Gründe. Doch der Verwalter eines Gutes zwingt Pjotr, an Ostern zu pflügen. Von ihm wird etwas Unzumutbares verlangt, aber es stehen ihm auch keine Mittel zur Verfügung, gegen den Verwalter anzugehen. So wiedersetzt er sich nicht. Aber er stellt sein Licht auf den Pflugbalken und singt beim Pflügen die Osterlieder.  Indem er Ostern auf diese Weise feiert ,sieht der Ohrmächtige über der Mächtigen. Pjotr hat über den Verwalter gesiegt, obwohl er ganz gehorsam war. So hat sich auch Jesus die Hände binden lassen, ist aber in seinem Gehorsam der Sieger geblieben.

 

Bildbetrachtung: H.G. Anniès: Wir haben das Leben gesehen, Nr. 4:

[Bild nicht vorhanden]

Eine Bogenlinie, die die Erde und die Welt als ganze meint, läuft im unteren Drittel des Bildes durch das schwarze und das weiße Feld. Die Gruppe der elf Jünger kniet im rechten Teil des Bogenfeldes, ragt aber weit ins helle Panabelfeld hinein. Die Köpfe sind erhoben, die leeren Hände gefaltet oder flehend erhoben. Über ihnen steht die Gestalt des  Auferstandenen, erkenntlich an den Nägelmalen. Sie ragt riesenhaft vor den Jüngern auf. Doch sie schwebt nicht nach oben, sondern steht fest auf der Erde, die Arme weit ausgebreitet, das Haupt frei erhoben.  Alle Gesichtszüge (er ist ja der Auferstandene) bekrönt vor einer schmalen Krone, nimmt Abschied von seinen Jüngern, aber er geht nicht weg, sondern bleibt unsichtbar anwesend. Er beherrscht die Welt königlich und umfaßt mit seinen durchbohrten Händen auch die ganze Finsternis und sendet die Seinen in die Welt. Jesu tritt aus seiner Welt heraus. Aber die Jünger können nicht in seine Welt hinein.

 

Die Zahl der Christen in der Welt wächst zwar, aber die Weltbevölkerung wächst noch schneller, so daß der Anteil der Christen sinkt.  Man kann heute mit etwa einer Milliarde Christen rechnen, die allerdings in viele Kirchen gespalten sind. Dennoch ist das im Vergleich

zu den elf Jünger' ein großer Fortschritt. Aber sind diese Christen alle wirklich Christen im Sinne von Jüngern Jesu? Der Missionsbefehl ist noch nicht erfüllt. Drei Viertel der Menschheit sind keine Christen, gehören anderen Religionen an oder sind gar Atheisten.

Wir sind aufgerufen, Missionare Jesu in unserer Umgebung zu sein und Liebe zu üben, wo wir nur können (aus Zeiturgen können wir Bilder und Berichte sammeln von Menschen, denen geholfen werden muß).

 

Was ist der „Himmel“?

Die Geschichte vom Abschied Jesu vor seinen Jüngern wird meist als „Himmelfahrt“ bezeichnet. Doch das kann natürlich nicht bedeuten, daß Jesus dann irgendwie in die Luft geschwebt wäre. Wenn er damals mit Lichtgeschwindigkeit gestartet wäre, dann wäre er in 8 Minuten an der Sonne gewesen, in 100 Jahren am großen Himmelswagen, nach 300 Jahren am Polarstern. Aber erst nach 8.000 Jahren würde er in die Mitte unserer Milchstraße kommen, und in 80.000 Jahren an den Rand unserer Milchstraße. Aber dort beginnen ja wieder neue Sternensysteme. Wo soll da der Himmel sein? Noch weiter draußen?

In der englischen Sprache gibt es zwei Wörter für Himmel: Der Wolkenhimmel heißt „sky“, aber der Gotteshimmel heißt „heaven“. Jesus aber ist in den unsichtbaren „heaven“ zurückgekehrt, an sich schon bei der Auferstehung, aber hier wird das noch einmal in einer eigenen Geschichte herausgestellt.

Der räumlichen Auffassung von „Himmelfahrt“ leisten natürlich die bildlichen Darstellungen Vorschub (z.B. Paula Jordan und Himmelfahrtssymbol von Rudolf Koch). Deshalb sind Bilder zu bevorzugen, die Jesus zwar schwebend darstellen (anders geht es wohl kaum), aber doch noch in großer Nähe zum Erdboden. Besser wären vielleicht technische Bilder: die Fernsehwellen werden durch das Fernsehgerät sichtbar, Rundfunkwellen hörbar. Aber wenn wir sie nicht empfangen, sind sie doch da.

Wir dürfen ganz ohne naturwissenschaftlichen Kummer beten: „Unser Vater im Himmel“. Der Himmel befindet sich ganz in unserer Nähe, sozusagen vor unserer Tür. Der Himmel ist die Nähe Gottes, da rückt er uns auf den Pelz, denn in Jesus ist er uns nahe gekommen (Hölle ist die Ferne von Gott).

 

Der Bordesholmer Altar von Hans Brüggemann: Die Himmelfahrt Christi.

Hans Brüggemann aus Walsrode in der Lüneburger Heide hat den Schnitzaltar für die Kirche des Augustinerklosters Bordesholm (zwischen Kiel und Neumünster) im Jahre 1521 vollendet. Er ist bis zu 16 Meter hoch, war früher bunt bemalt und zeigt Szenen aus der Passion Jesu bis hin zu Pfingsten. Heute steht er im hohen Chor des Domes zu Schleswig. in der höchsten Spitze über allen Teildarstellungen mit ihren über 400 Figuren erscheint Christus als Weltenrichter auf dem Regenbogen thronend und mit der Weltkugel zu seinen Füßen.

Auf engem Raum ist nur die Spitze des Himmelfahrtsberges zu sehen. Wir sehen deutlich 9 Jünger (zwei weitere sind hinter der Bergspitze zu vermuten) und Maria, die Mutter Jesu, mit faltenreichem Gewand und tief ins Gesicht fallendem Schleier. Der Jünger rechts neben ihr scheint Petrus zu sein, der dritte von rechts mit dem bartlosen jungen Gesicht ist Johannes.

Die starke Geschlossenheit der Gruppe beruht vor allem auf der inneren Haltung, von der sie getragen wird. Sie sind einmütig in der Liebe zu ihrem Herrn und in der Bereitschaft, ihm zu dienen. Ehrfurchtsvoll schauen sie nach oben. Die Vorderen sind in die Knie gesunken. Einige haben die Hände zur Anbetung zusammengelegt, andere breiten die Arme aus in starker innerer Bewegung. Der Abschiedsschmerz tritt zurück.

Hoch über dem Jüngerkreis auf der Spitze des Berges befindet sich der Herr. Seine hoheitsvolle Gestalt beherrscht das Ganze. Helles Licht liegt über ihm. Die Strahlen der mächtiger Gloriole sind nach allen Seiten ausgebreitet. Das Geheimnisvolle der Stunde soll verdeutlicht werden, in der Jesus Christus sich von der Welt löst (Fußstellung!). Er hat jetzt Anteil an der Weltherrschaft Gottes. Seine durchbohrte Rechte in der Haltung der Schwurhand scheint die Worte zu besiegeln, die er als Weisung und Trost gerade gesprochen hat. Der Blick seines edlen, hoheitsvollen Gesichts richtet sich in die Weite, als ob er die ganze Menschheit umfassen wollte, auf die er Anspruch hat.

 

Die Passionsgeschichte nach Lukas: Lk 22 -23

 

Geschichtlicher Hintergrund:

Der Evangelist Lukas schreibt in einer Zeit, in der die Christen inmitten einer heidnischen Umwelt immer wieder an den Rand gedrängt wunden. Schon die ersten Gemeinden haben unter Herodes und seinen Nachfolgern schlimme Verfolgungen erlebt. Von Jakobus und Stephanus werden wir noch hören. Dann hatte im Jahre 64 der Kaiser Nero den Brand der Stadt Rom den Christen zur Last gelegt (obwohl er sie wahrscheinlich selbst hat anzünden lassen, um sie größer und schöner wieder aufbauen zu können). Im Jahre 96 begannen wieder massive Maßrahmen des Kaisers Domitian gegen die Christen in Italien und Kleinasien. Die Ausbreitung des Glaubens führte also zu verstärkten Zusammenstößen mit der Umwelt.

In dieser Zeit der versteckten oder offenen Christenverfolgungen wirbt Lukas mit seinem Doppelwerk Evangelium/Apostelgeschichte um gerade diese Welt. Er hat erkannt, daß es noch einige Zeit dauern wird, bis der Herr wiederkommen wird. Deshalb gilt es, sich in dieser Welt irgendwie einzurichten. Deshalb bemüht er sich, mit dem damaligen Staat ins Gespräch zu kommen. Er möchte, daß das Christentum als staatliche anerkannte Religion angesehen wird. Deswegen stellt er die Kirche als das wahre Israel dar, damit es die gleichen Vorteile genießt wie die Juden im römischen Reich, die in ihrer Religionsausübung einigermaßen frei waren.

Lukas benutzt für Jesus ganz bewußt einen völlig unpolitischer Königstitel (für uns schwer verständlich, daß er unpolitisch sein soll). Er stellt deutlich Jesu politische Harmlosigkeit heraus. Dreimal stellt ein Vertreter des römischen Reiches ausdrücklich Jesu Unschuld fest und lehnt eine Verurteilung ab. Das bedeutet allerdings, daß nun die Juden massiv beschuldigt werden. Der christlichen Gemeinde aber macht Lukas Mut zum Glauben im Geist und im Namen Jesu, der als leuchtendes Vorbild des Glaubens und des Gehorsams hingestellt wird.

 

Erzählung:

Bei der Taufe hatte sich Gott zu Jesus bekannt. Von da an zog er durch das Land und sagte den Menschen: Gott „hat euch so lieb wie ich euch liebhabe!“ Aber nicht alle Menschen hatten Jesus lieb. Er machte vieles anders, als sie es sich vorstellten. Sie konnten sich nicht denken, daß ausgerechnet dieser Jesus von Gott kommen

Soll­te. Deshalb überlegten sie, wie sie Jesus umbringen könnten.

Doch nicht das ganze Volk steht ihm feindlich gegenüber, auch nicht die frommen Pharisäer, sondern die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die besonders kundig sind und seine Lehre besonders gut kennen.

Aber sie wagen nicht, Jesus im Tempel zu verhaften, weil er doch zu viele Anhänger hat. Aber es ist schon einer da, der ihren helfen wird. Die schöne Zeit der ungestörten Wirksamkeit Jesu ist vorbei. Jetzt ist der Satan wieder da, der Widersacher Gottes, der Jesus bald nach der Taufe hatte verlassen müssen. Aber jetzt fährt er in den Judas, den Jünger Jesu. Dieser geht hin zu den Hohenpriestern und beredet mit ihren, wie er ihnen Jesus in die Hände spielen will. Da freuen sie sich und versprechen ihm sogar, sie wollen ihm Geld geben. Seit der Zeit sucht Judas eine Gelegenheit, wie er Jesus den Hohenpriestern übergeben kann, ohne daß großes Aufsehen dabei entsteht.

In der Nacht hält sich Jesus mit seinen Jüngern immer in einem Garten am Ölberg auf. Aber in dieser Nacht betet er: „Vater, wenn es möglich ist, so laß diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe'!“ Der Angstschweiß tropfte ihm wie Blutstropfen zur Erde. Da kommt ein Bote Gottes und stärkt ihn. Die Jünger aber sind eingeschlafen.

Da kommt aber auch schon der Trupp Soldaten, der Jesus verhaften will. An ihrer Spitze geht Judas, der Jünger Jesu. Er tritt auf Jesus zu und will ihn küssen. Jesus aber sagt zu ihm: „Judas, verrätst du mich mit einem Kuß?“ Die Jünger erkennen sofort, was jetzt kommen wird. Sie fragen: „Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?“ Einer hat schon sein Schwert gezogen und haut damit einem Soldaten des Hohenpriesters das rechte Ohr ab. Jesus aber ruft: „Halt!“ und setzt dem Soldaten wieder das Ohr an und heilt ihn.

Zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten aber sagt er: „Ihr seid wie zu einem Mörder mit Schwertern und mit Spießen ausgezogen. Dabei war ich doch täglich bei euch im Tempel. Aber da habt ihr keine Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis!“ Wer Böses vorhat, muß sich in der Dunkelheit verstecken. Die Feinde Jesu machen sich zu Werkzeugen des Bösen, während er doch niemand etwas Böses getan hat und auch jetzt nicht tut.

Es wird nicht gesagt, daß die Jünger geflohen seien. In Zeiten der Verfolgung und Bedrohung ist es ja gerade die Aufgabe, durchzuhalten und zu bleiben.

Nur über Petrus ist Jesus traurig. Der hatte doch gesagt: „Ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und sogar in den Tod zu gehen!“ Aber als man ihn im Hof des Hohen­priesters dreimal fragt: „Gehörst du nicht auch zu diesem Jesus?“ da sagt er jedesmal: „Ich weiß nicht, wovon du redest!“ Erst als der Hahn kräht, fällt ihm alles wieder ein, was Jesus gesagt hat und was er ihm versprochen hatte. Da geht er aus dem Hof hinaus und weint, weil er sich so schämt.

Jesus steht unterdessen vor dem Hohen Rat. Sie fragen ihn: „Bist du der Christus, der Messias, auf den wir schon so lange warten?“ Aber Jesus antwortet: „Wenn ich ‚Ja‘ dazu sage, glaubt ihr es ja doch nicht. Wenn ich euch aber frage, dann antwortet ihr nichts. Aber von jetzt ab werdet ihr den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten Hand der Kraft Gottes!“

Der Hohe Rat rätselt herum: Wen hat er wohl mit dem „Menschensohn“' gemeint? Sie fragen:“Bist du denn Gottes Sohn?“ Da. sagt es Jesus frei heraus: „Ihr sagt es: Ich bin es!“Da freuen sie sich und sagen: „Jetzt brauchen wir keine Zeugen mehr, wir haben es selbst gehört. Er hat sich selbst zum Sohn Gottes gemacht. Das aber ist eine Gotteslästerung, die den Tod verdient!“

Sie schleppen Jesus zu dem römischen Statthalter Pontius Pilatus. Dieser war vom Kaiser eingesetzt, das Land zu verwalten, und sollte für Ruhe und Ordnung sorgen. Nun behaupten diese Leute von Jesus: „Er verbietet den Leuten, dem Kaiser die Steuer zu bezahlen! Er sagt auch, er sei der Christus und sei ein König!“ Jesus bestätigt Pilatus, daß er ein König ist. Aber Pilatus weiß in der Religion der Juden schon so viel Bescheid, daß er weiß: Damit ist nicht ein politischer Herrscher gemeint, sondern hier handelt es sich um einen Begriff aus der Religion der Juden, ein König ist nur ein religiöser Führer.

Deshalb sagt Pilatus: „Ich finde keine Schuld an diesem Menschen!“ Die Juden aber werden wild und sagen: „Er wiegelt das Volk auf durch seine Lehre. In Galiläa hat er damit angefangen und nun ist er bis hierher gekommen!“

Als Pilatus etwas von „Galiläa“ hört, sieht er einen Ausweg. Wenn der :Mensch ein Galiläer ist, dann ist er ja ein Untertan des Königs Herodes, der sich gerade in Jerusalem aufhält. Jesus wird also zu Herodes gebracht. Der hat schon von Jesus gehört und ist nun gespannt auf ihn. Er hofft, er würde vielleicht ein Wunder für ihn  tun. Herodes fragt allerhand, aber Jesus antwortet nicht. Da verspottet ihn Herodes und sein Hofstaat und schickt ihr wieder zurück zu Pilatus.

Pilatus sagt noch einmal zu der Juden: „Ich finde keine Schuld an ihm und der König Herodes auch nicht.  Ich will ihn auspeitschen lassen und dann freigeben!“ Der Haufe des Volkes vor seinem Palast aber ruft: „Wir wollen den Barrabas freihaben. Und den Jesus laß kreuzigen!“ Pilatus versucht es ein drittes Mal und bestätigt die Unschuld Jesu. Aber sie geben nicht nach. Da überläßt er Jesus seinen Feinden, damit sie mit ihm machen können, was sie wollen. Sie wissen auch schon genau, wie es weitergeht.

Ein Holzkreuz ist schon da. Jesus muß es selber zur Hinrichtungsstätte tragen. Als er nicht mehr kann, nehmen sie einfach einen anderen, der gerade vom Feld kommt und lassen es von ihm schleppen. Dieser Simon aus Kyrene in Nordafrika wird so zum ersten Menschen, der Jesus das Kreuz im wahrster Sinne des Wortes nachträgt. Man nimmt an, daß Simon dadurch selber zum Christen wurde. Er hat jedenfalls erfahren, was von jedem Jünger Jesu erwartet werden kann: Schmach, Ablehnung, Leiden.

Die Frauen am Wegrand haben Mitleid mit Jesus. Sie klagen und beweinen Jesus. Die Männer können sich das nicht leisten , weil man das als eine politische Sache ausgelegt hätte, als eine Auflehnung gegen die Römer und eine Kritik an ihren Maßnahmen. Die Frauen aber hindert niemand, die Stimme der Menschlichkeit zu erheben.

Mit Jesus werden noch zwei wirkliche Verbrecher gekreuzigt. An sich waren sie Freiheitskämpfer, die ihr Volk von der Herrschaft der Römer befreien wollten. Aber um dieses Ziel zu erreichen, hatten sie zu terroristischen Mitteln gegriffen und viele Leute umgebracht. Jesus wird mit ihnen gekreuzigt, damit gleich deutlich werden soll: Er ist auch so einer wie die, mindestens genauso gefährlich. Nähere Einzelheiten der Kreuzigung werden nicht erwähnt.

Jesus verhält sich aber ganz anders als viele Menschen, die damals gekreuzigt wurden. Er flucht nicht und jammert nicht. Er will sogar noch anderen helfen. So bittet er für die Schuldigen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ So tritt er für die Unwissenden ein und eröffnet ihnen noch einmal die Möglichkeit zur Umkehr in letzter Minute.

Doch die Soldaten bleiben ungerührt. Sie teilen die Kleider Jesu unter sich auf oder verlosen sie. Das Volk steht ungerührt als unparteiischer Zuschauer dabei. Nur die Obersten spotten: „Er hat anderen geholfen. Jetzt helfe er sich doch selber, wenn er der Christus ist!“ Aber noch in ihrem Spott müssen sie anerkennen, daß Jesus anderen geholfen hat. Aber sie meinen natürlich „“Weil er sich nicht selber hilft, kann er auch nicht der Auserwählte Gottes sein!“

Auch die Soldaten beteiligen sich an der Verspottung. Sie bringen ihm essig-sauren Wein, wie ihn die Soldaten manchmal trinken. Aber einen König gebührte natürlich richtiger Wein. Sie spotten: „Bist du der Juden König, so hilf dir selber!“ Als Ausländer sprechen sie natürlich nicht vorn Messias, sondern vom König. Sie bringen auch eine Inschrift über dem Kreuz an: „Dies ist der Juden König!“ Aber damit sprechen sie ja -ohne es zu wissen - die Wahrheit aus, denn Jesus ist ja tatsächlich ein König, wenn auch anders als die Könige der Welt.

Doch der Spott steigert sich noch. Auch einer der beiden Verbrecher stimmt mit ein: „Bist du nicht der Christus!?Hilf dir selbst und uns!“ Wenn er so über Jesus spottet, dann lästert er damit aber auch zugleich Gott. Doch dieser Mann sieht in Jesus einen Versager, den man nur verspotten kann.

Doch in diesem Chor der Spötter kommt auch noch eine andere Stimme zu Wort. Es ist der andere Verbrecher, der alles durchschaut hat und nun zu seinem Kumpanen spricht: „Fürchtest du dich gar nicht vor Gott? Du hängst doch genauso am Kreuz wie er. Nur ein Unterschied ist: Wir hängen zu recht hier, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind. Dieser aber hat nichts Unrechtes getan!“

Dieser Mann kommt angesichts des Todes zu einem Schuldbekenntnis, weil er merkt: „Mein Leben war total verfehlt!“ Das wunde ihm an Jesus deutlich. Die Augen werden ihm geöffnet: Gott geht einen anderen Weg, als wir ihr uns gedacht haben. Jesus ist auf diesem Weg geblieben, als er Gott ganz gehorsam war.

Das Wunder wäre nicht gewesen, wenn Jesus vom Kreuz gestiegen wäre. Das eigentliche Wunder  ist die Umkehr dieses Verbrechers. Dieser erkennt nun, daß es Schlimmeres gibt als den Tod am Kreuz, nämlich die Furcht vor Gott. Er sagt „Ja“ zu dem Gericht Gottes. Aber er erkennt auch in Jesus seinen Retter und wird so ein Glaubender inmitten der Schar der Spötter.

Voller Vertrauen werdet er sich nun an Jesus und sagt: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ In seiner Todesangst setzt er all seine Hoffnung auf den gekreuzigten Jesus, den er damit als seinen Herrn anerkennt.

Jesus ist tatsächlich der Herr des Reiches Gottes. Deshalb darf er dem Verbrecher sagen: „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ Jesus ist das Tor zur Herrlichkeit Gottes, Jesu Antwort ist die Antwort Gottes. Da darf der Mann sicher sein: Wenn Jesus das sagt, dann ist das so, als hätte er heute schon Anteil an der Welt Gottes, als gehörte er heute schon in die Herrschaft Gottes.

Von Mittag an verfinstert sich das ganze Land für drei Stunden. Der Vorhang vor dem Allerheiligsten im Tempel zerreißt. Auf dem Hügel vor der Stadt Jerusalem geschieht mehr als daß nur ein Mensch stirbt. Der alte Tempel als Sammlungsort des Volkes Gottes ist nicht mehr nötig, eine neue Zeit bricht an, die Zeit des Geistes Gottes.

Draußen auf dem Hügel aber betet Jesus Worte aus dem 31. Psalm, den die frommen Juden vor dem Einschlafen sprachen: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Er beugt sich unter Gottes Willen und sieht sein Sterben nur als ein Einschlafen an. Er ist gewiß, daß bei Gott das Leben auf ihn wartet. Gott hat sich ja

mit äußeren Zeichen zu ihm bekannt. Deshalb gibt er auch getrost sein Leben zurück in Gottes Hände.

Jesus stirbt. Aber das Kreuz wird zum Siegeszeichen. Durch sein Verhalten gewinnt Jesus noch in letzter Minute Gegner und Unbeteiligte  Einer von ihren ist der römische Hauptmann, der Gott preist und sagt: „Wahrhaftig, dieser ist wirklich ein frommer Mensch gewesen!“  Er erkennt: Dieser Mann war einer, wie Gott ihn haben will. Seine Erkenntnis ist nur ein erster zaghafter Anfang; aber zu dieser Erkenntnis werden noch ganze Völker kommen.

Doch es kommt noch zu einer Steigerung. Das bisher neutral gebliebene Volk fängt an zu begreifen: Sie schlagen sich er die Brust und bekennen damit ihre Schuld. Sie waren gekommen, um ein Schauspiel zu erleben. Nun aber sind sie erschüttert und traurig und vielleicht auch auf dem Weg zum Glauben.

Auch die Freunde Jesu haben dabeigestanden und haben alles miterlebt. Unter ihnen waren auch einige Frauen, die aus Galiläa ihm gefolgt waren. Auch der Ratsherr Joseph von Arimathia war ein Freund Jesu. Er läßt den Leichnam Jesu in ein Felsengrab legen. Die Frauen aus Galiläa waren dabei, als Jesus bestattet wurde. Da aber der Feiertag schon anfing (abends um 18 Uhr) konnten sie ihn nicht mehr einsalben, wie es üblich war; sie konnten nur alles vorbereiten.

 

Antwortgespräch:

Welche Menschen waren bei der .Kreuzigung dabei, wie verhalten sie sich: Volk (Zuschauer),            Soldaten (Besserwisser), Oberste (Spötter), Hauptmann (Nachdenkliche).

Schwer zu verstehen ist, daß einer eine so scharfe Strafe erhält, der doch nur den Willen Gottes getan hat. Manchmal dauert es ein Leben lang, bis man so etwas verstehen kann . Aber Jesus hat das auf sich genommen, um auch unsere Schuld auszulöschen. Damit wir nicht die Todesstrafe erleiden müssen, ging er ans Kreuz. Als Sterbender noch konnte er einem anderen das ewige Leben zusprechen. Er war eben kein gewöhnlicher Mensch, sondern Herr über alles; deshalb ist er auch auferstanden vom Tode. Wer ihn als Herrn anerkennt, hat das ewige Leben. Das erkennt der eine Verurteilte im letzten Augenblick.

 

 

Auferstehung Jesu: Lk  24,1 - 12

Hinführung:

Die Schüler haben Grabinschriften gesammelt, völlig wahllos. Sie werden zunächst kommentarlos angeschrieben: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!“ „Du bist gut aufgehoben!“  „Unvergeßlich!“ „Ungetröstet über deinen Tod!“ Dann fragen wir: Welche Inschriften lassen vermuten, daß die Leidtragenden etwas von der frohmacherden und lebensspendenden Kraft des Glaubens wußten?

Auf ein großes Zeichenblatt werden Bilder aus Illustrierten geklebt unter den Themen „traurig und fröhlich“. Wenn wir nur Bilder der Schüler hätten, wo würden wir sie hinkleben? Doch sicherlich rechts, denn es ist schön, fröhlich zu sein.

Wir schreiben Worte an die Tafel, die beide Seiten erläutern: Traurig, arm, unglücklich, Angst, weinen, zanken, fröhlich lachen, spielen, tanzen, singen, Sonne, schön.

Es kann aber sein, daß Menschen von der traurigen auf die fröhliche Seite wechseln, zum Beispiel wenn sie etwas geschenkt bekommen, wenn ihnen geholfen wurde oder wenn sie einen Freund gefunden haben. Jeder kann die Freude sehen, denn fröhliche Menschen haben fröhliche Gesichter.

Jesus hat Menschen geholfen, daß sie wieder auf der „fröhlichen“ Seite eingeordnet werden konnten: Er hat Kranke geheilt, Zöllner eingeladen, Kinder gesegnet, usw. Nach der Begegnung mit Jesus wurden diese Menschen froh. Jesus wunde für diese Menschen die große Sonne,  die ihr Leben neu machte.

Aber nicht alle Menschen waren Jesu Freunde. Seine Feinde haben ihr gefangen und getötet.  Sie standen auf der dunklen Seite. Aber Jesus ist auch für sie gestorben. Auch die Jünger Jesu waren auf die traurige Seite geraten. Sie waren traurig und verzagt. Für sie war gewissermaßen die Sonne untergegangen. Es hatte alles sehr schnell gehen müssen mit der Beerdigung Jesu. Das Passahfest stand ja bevor: Es begann noch am Freitagabend um 18 Uhr.

Aber nicht einmal ein Grab war da. Zum Glück stellte ein Mann vom Hohen Rat, der heimlich ein Anhänger Jesu war, sein Felsengrab zur Verfügung. Nur reiche Leute konnten sich solche Grabkammern leisten, die in mühseliger Arbeit in den Felsen gehauen wurden. Sie lagen meist außerhalb der Ortschaften in einem Park. Sie waren meist geräumig und boten Platz für mehrere Tote. Am Kopfende und am Fußende wurde eine Steinbank stehen ge­lassen. Der Tote lag dann in Leinentücher und Binden eingewickelt und das Gesicht mit einem Taschentuch bedeckt zwischen diesen Bänken in einer Nische. Vor den Eingang der Felsenkammer rollte man von seitwärts einer großen Stein zum Schutz vor wilden Tieren und Räubern.

In ein solches Grab hatte man Jesus gelegt. Aber es war keine Zeit gewesen, eine Gedenkplatte anzubringen. Man hatte nicht einmal der Leichnam mit Öl einsalben können, dem bestimmte Gewürze und Harze beigemischt waren. Das war damals so üblich, weil man den Leichengeruch dadurch überdecken wollte. Aber nicht einmal dieser letzte kleine Liebesdienst war mehr möglich gewesen.

Was tun wir mit einem Toten, um die Erinnerung an ihn nicht ganz verblassen zu lassen? Wir legen ihn in ein Grab und pflegen es gut, und stellen einen Grabstein mit dem Namen des Toten auf. Das ist der letzte Liebesdienst, den wir einem Toten tun können. Jeder möchte das gern tun und diese Pflicht nicht versäumen.

Doch sehr bald geschah etwas Wunderbares: Jesus zeigte sich wieder seinen Jüngern, zuerst dem Petrus und dann den anderen. Sie konnten Jesus irgendwie sehen, und er sprach mit ihnen. Da  wurden sie ganz froh. Sie wußten: Jesus, unsere „Sonne“, scheint wieder, die Strahlen seiner Liebe gehen nur weiter in die Welt.

 

Zu denen, die auch davon erfuhren, gehörten auch die Christen in der Stadt Korinth in Griechenland. Der Apostel Paulus hatte sie auf die helle Seite geholt, als er ihnen von Jesus erzählte, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Aber als die Korinther wieder allein waren, kamen ihnen doch manche Fragen und Zweifel. Deshalb schrieben sie an Paulus und baten ihn um Antwort.

Paulus schrieb ihnen einen Brief: „Liebe Christen in Korinth! Ich habe euch erzählt, was mir auch schon erzählt worden ist. Ich habe es von der Jüngern Jesu selber gehört, als ich etwa drei Jahre nach dem Tod Jesu in Jerusalem war. Sie haben gesagt: ‚Christus ist gestorben für unsre Sünden!‘ Schon in der alten Schriften war davon zu lesen. Er wunde begraben, aber am dritten Tag wieder auferweckt. Auch davon war schon in den alten Schriften zu lesen. Jesus ist dem Petrus erschienen, er hat ihn gesehen. Es war der Jesus, den sie schon von früher kannten. Also mußte Gott ihn auferweckt haben. Dann haben die Zwölf ihn gesehen, schließlich 500 Christen auf einmal. Durch diese Erscheinungen ist ja erst die Christengemeinde entstanden. Zuletzt, sagt Paulus, ist er auch mir erschienen und hat mich zu einem Christen und Apostel gemacht. Nun will ich den Menschen helfen, daß sie auch auf der hellen

Seite stehen können.

So oder ähnlich sprach man von Jesus, dem auferstandenen Herrn. Aber bald wollte man mehr darüber wissen, nicht nur so einen knappe und nüchternen Bericht haben. Jedem Hörer sollte vor Augen gemalt und ins Herz geschrieben werden, daß Jesus lebt.

Wenn Jesus begraben worden war und nachher außerhalb des Grabes gesehen wurde, dann mußte das doch bedeuten: Das Grab war leer! So weitete man allmählich die Osterbotschaft aus, um konkret und bildhaft die Wahrheit bezeugen zu können: „Jesus von Nazareth ist auch nach. seinem Tode als der lebendige Herr erfahren worden!“. So trat neben eine Reihe von Erscheinungserzählunger auch die Erzählung vom leeren Grab, die in dem alter Osterbekenntnis noch nicht erwähnt wunde.

Ja, es kam schließlich sogar so weit, daß die Erzählung von der Auffindung des leeren Grabes die ursprünglichere Überlieferung von der Schau des Auferstandenen verdrängt hat. Die anschauliche Geschichte merkte man sich besser als das trockene Bekenntnis. Und wenn einer fragte: „Wie soll man denn merken, daß Jesus lebt?“ dann antworteten die Christen: Darüber gibt es eine wunderbare Geschichte, die vom leeren Grab Jesu erzählt. Das ist der Beweis dafür, daß Jesus lebt!

So dachten und sagten viele, aber nicht alle: Manche blieben bei dem alten Bekenntnis. Und manche hatten wohl auch Zweifel daran, ob das mit dem leerer Grab so stimmte. Zumindest meinten sie: Zum Glauben an der lebendigen Christus kommt man nicht, wenn man von dem leeren Grab hört. Der Glaube entsteht durch das Hören auf Gottes Wort, wie es in der Bibel niedergelegt ist. Man kann alle Geschichten von Jesus sammeln, auch die vom leeren Grab, aber wichtiger ist die grundlegende Botschaft: Jesus lebt und ist auch unser Herr!

So wollen wir jetzt die Geschichte vom leeren Grab hören. Aber wir wollen dabei daran denken: Das Grab allein bringt noch nicht zum Glauben an der auferstandenen Jesus, sondern erst das deutende Wort, das dazu gesagt wird. Der Christ Lukas hat diese Geschichte nur aufgeschrieben, weil sie uns auch helfen kann, die wirkliche Osterbotschaft vom auferstandener Jesus kennenzulernen.

 

Erzählung:

Endlich war der Feiertag vorüber. Am Tag nach dem Sabbat, noch ganz früh am Morgen, ehe die Sonne aufgegangen ist, machen sich einige Frauen auf zum Grab Jesu. Sie sind mit Jesus von Galiläa nach Jerusalem gekommen. Sie hatten unter dem Kreuz gestanden, als er starb. Die Zeit hatte am Tag vor dem Feiertag gerade noch gereicht, allerhand Öl und Salben einzukaufen. Jetzt wollen sie ihm den letzten Liebesdienst tun und ihn salben. In der Hand tragen sie die Gefäße mit kostbarer Salbe und gutem Öl. Sie wollen Jesus ehren, weil sie ihn so lieb haben.

. Während die Jünger zweifeln oder sich vor Angst verstecken, wollen diese Frauen wenigstens ein geringes Zeichen ihnen Treue geben.

Es ist ein trauriger Weg für sie. Wie sollte nur alles weitergehen, nachdem Jesus nun tot ist? Obwohl die Sonne inzwischen aufgegangen ist, bleibt es doch dunkel in ihnen. Sie überlegen auch gar nicht,  daß ja ein großer Stein vor dem Grab liegt. Wer soll den Stein denn wegwälzen, wo doch noch niemand so früh unterwegs ist? Sie allein werden es nicht können. Aber sie wollen wenigstens in der Nähe ihres toten Herrn sein, auch wenn das Grab noch verschlossen ist. Dann bleiben sie eben draußen und warten.

Sie haben sich die Stelle genau gemerkt, wo das Grab liegt. Aber als sie näher kommen, sehen sie das Furchtbane: Der große Stein vor dem Grab ist weggewälzt, die Tür steht weit offen. Die Frauen erschrecken. Sie ahnen etwas Ungeheuerliches.

Doch die Überraschung wird noch größer: Sie sehen in das Grab und sehen, daß es leer ist. Sie suchen und suchen, aber sie finden den Leichnam nicht, Jesus ist nicht mehr da. Wie kann das nur sein? Das ist doch unmöglich, er muß doch da sein, hier hatten sie ihn doch vor zwei Tagen hingelegt? Hat ihn jemand gestohlen? Die Frauen sind ratlos. Von Glauben ist bei ihnen noch keine Spur zu finden.

Sie wollen schon wieder gehen, da treten zu ihnen zwei :Männer in weißen Kleidern. Die Frauen merken sofort: Das sind Gottesboten, jetzt wird etwas ganz Wichtiges kommen! Sie neigen den Kopf und schlagen die Augen nieder aus Ehrfurcht. Sie sind sehr erschrocken, wie das immer ist, wenn man einem Engel Gottes begegnet.

Die Männer stellen ihnen zunächst eine Frage: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?“Die Männer wissen, was die Frauen wollen. Ja sie wissen sogar noch mehr. Die Frauen sind gekommen, um einem Toten den letzten Liebesdienst zu erweisen. Sie suchen einen Irdischen, den Jesus von Nazareth, den sie schon lange kennen. Doch das ist zwecklos.

Kurz und knapp, aber voller Triumph und Freude klingt die Deutung des ganzen Geschehens: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“  Die Frauen können es nicht fassen. Sie haben doch mit ihren eigenen Augen gesehen, wie tot er war. Sie hatten ihn in das Felsengrab gelegt und der Stein war davor gewälzt worden. Und nun soll er nicht mehr tot sein, sondern lebendig?

Doch die Männer reden schon weiter: „Ihr müßt euch nicht sehr wundern. Ihr kennt doch Jesus. Er hat es euch doch schon gesagt, als er noch in Galiläa war. Damals sagte er doch: Ich muß in die Hände der Sünder übergeben werden und gekreuzigt werden und am dritten Tage wieder auferstehen!“

Sie werden also en den irdischen Jesus erinnert, den sie kennen. Und der jetzt auferstanden ist, ist kein anderer als der Jesus von damals. Es mußte aber alles so kommen nach Gottes Ratschluß und Willen. Jetzt vom Ende her wird alles verständlich.

Jetzt verstehen die Frauen erst alles und es wird ihnen warm ums Herz: Jesus ist nicht einfach tot, sondern er lebt!       Wenn er aber lebt, dann braucht man sich um seinen Körper und um sein Grab nicht mehr zu kümmern. Er ist ja nicht mehr am Ort des Todes, sondern er lebt auf eine neue Art und Weise weiter. Die Liebe Gottes geht weiter.

Die Frauen erleben die Auferstehung nicht selber mit; das kann keiner, da war niemand dabei. Die Frauen sehen nur die Folgen: das leere Grab und die Gottesboten, die ihnen das Geschehen deuten. Aber sie glauben an das Wort, das ihnen gesagt wird, so wie wir ja heute auch an dieses Wort glauben. Das leere Grab selber ist ja. noch kein Beweis: Der Leichnam Jesu hätte ja auch gestohlen sein können, wie das nachher die Juden behaupteten. Aber das Wort der Engel macht die Frauen wieder froh  ihnen lacht die Sonne wieder, weil Jesus lebt. So wie am ersten Schöpfungstag die Welt mit der Erschaffung des Lichtes begann, so beginnt an diesem Tag eine zweite Schöpfung mit der Auferstehung Jesu.

Erst hatten sie sich wie die Jünger auch mit dem Tod Jesu abgefunden. Deshalb waren sie ja gekommen, um ihn einzusalben. Mit keiner Silbe hatten sie an eine Auferstehung gedacht.  Doch Gott hat es von Anfang an anders vorgehabt.

Plötzlich haben es die Frauen sehr eilig. Aus der Hörern der Osterbotschaft werden sofort Sendboten dieser Botschaft. Sie können das alles nicht für sich behalten. Sie laufen zurück zu den elf Jüngern und erzählen ihnen alles.

Doch die Jünger schauen sich urgläubig an. Auch die anderen, die dabei sind, schütteln mit dem Kopf. Sie glauben den Frauen nicht, denn die Frauen galten in der damaligen Zeit nicht als vertrauenswürdige Zeugen. Gott hatte sie für würdig erachtet, die ersten Zeugen der Auferstehung zu sein, aber die Jünger glauben ihnen nicht. Es kommt ihnen alles wie ein Märchen vor. Sie werden nicht froh über das, was die Frauen sagen. Der Osterglaube kommt eben nur durch die Überwindung des Unglaubens zustande.

Nur dem Petrus läßt alles keine Ruhe, er will sich selber Gewißheit verschaffen. Er läuft zur Grabkammer, bückt sich hinein und sieht in der Tat nur noch die Leintücher dort liegen. Still geht er wieder davon. Er kann sich das alles nicht erklären. Zum Glauben, daß der Gekreuzigte lebt, kommt er noch nicht. Ob er wohl einmal an den auferstandenen Christus wird glauben können, so wie wir heute daran glauben?

 

Antwortgespräch:

Wir denken natürlich auch: Wie kann jemand auferstehen, der tot ist.?Tot ist tot und bleibt tot. Im heißen Klima Palästinas ist ein Toter doch nach drei Tagen in Verwesung übergegangen. Der Tod ist unwiderruflich, denken wir.

:Es geht aber nicht um die Wiederkehr eines Scheintoten oder auch nur die Wiederbelebung eines Leichnams. Der Auferstandene ist auch kein Gespenst oder nur eine Einbildung der Jünger, die so gespannt auf eine Wiederkehr gewartet hätten,  bis sie es nachher selber glaubten (sie haben es ja gerade nicht erwartet!).

Es geht auch nicht um ein Fortleben Jesu in seinen Ideen, oder in seiner Lehre oder um ein Symbol der Unsterblichkeit der Seele oder des Sieges des Lebens über den Tod, wie man es in der Natur erleben kann.

Hier geht es vielmehr um ein geschichtliches Ereignis, in dem Gott von außen her in unsere Todeswelt eingreift und Leben schafft, wo sonst nur Tod ist. Gott ist ganz und gar der Handelnde. Jesus ist nicht selbst auferstanden, sondern Gott hat ihn auferweckt. Seine Herrlichkeit steht im Mittelpunkt.

Wie 'die die Auferstehung vor sich ging, wird nirgends beschrieben. Wir erfahren nur: Die Jünger haben ihn gesehen. Dadurch haben sie die Tatsache des Todes Jesu bewältigt. Das „Nein“ der Juden zu Jesus wurde überwunden durch das „“Ja Gottes. So wirklich wie sein Sterben ist jetzt auch sein Auferstehen. Leiden und Sterben waren nur ein Zwischenspiel.

Wir können Jesus heute nicht mehr sehen. Aber wir können ihm begegnen im Hören auf sein Wort, wenn von ihm gepredigt wird. Wenn wir ein Bild sehen wie etwa die Auferstehungstafel des Isenheimer Altans, so können wir doch nicht wissen, wie es wirklich war; so hat es sich nur der Künstler vorgestellt.

Vielleicht hilft uns aber der Vergleich mit der Schöpfung: Gott schuf die Welt und den Menschen aus dem Nichts. So könnte Gott auch eine zweite Schöpfung erschaffen. Das zeigte er mit der Auferstehung Jesu und das wird er noch einmal an der Auferstehung aller Christen zeigen.

Wenn in einem Bergwerk ein Verschütteter den Weg ins Freie findet, so sind alle Verschütteten frei. Als Kolumbus die neue Welt entdeckte, hat er sie für alle Menschen erschlossen und nicht nur für sich selbst. So hat auch Jesus für uns alle das neue Leben bei Gott gebracht. Deshalb brauchen wir uns nicht mehr vor dem Tod zu fürchten und brauchen nicht mehr zu denken: „Mit dem Tod ist alles aus!“

Zum Andenken an dieses Ereignis feiern wir den Sonntag als Feiertag. Die Juden haben den Samstag, weil das der siebte Tag der Woche ist, an dem Gott nach der Schöpfung von allen seinen Werken ruhte. Wir aber feiern den Sonntag, den ersten Tag der Woche, weil das der Auferstehungstag Jesu ist. Im Grunde ist jeder Sonntag ein Auferstehungs- und Ostertag.

 

Nachtrag:

Lukas hatte wohl eine Gemeinde vor sich, die zwar an den auferstandenen Christus glaubte, aber noch nicht mit der Notwendigkeit des Leidens und Sterbens Jesu am Kreuz fertig geworden war. Deshalb betont er so sehr das göttliche „Muß“

Außerdem legte diese Gemeinde in ihrer Missionspraxis wohl großen Wert auf das leere Grab als Auferstehungsbeweis. Lukas scheidet diese Geschichte nicht aus, aber er versucht ihr den rechten Stellenwert zu geben und deutlich zu machen.  Letztlich kommt alles auf das Wort und die lebendige Begegnung an.

 

Die Auferstehung ist nicht das Symbol der Unsterblichkeit der Seele oder des Sieges des Lebens über den Tod. Sie ist auch nicht einfach die anschauliche Erzählung einer ewigen Idee. Sie ist vielmehr ein geschichtliches Ereignis, in dem Gott

von außen herein in unsere Todeswelt eingreift und Leben schafft, wo sonst nur Tod ist.

Es geht also nicht um. die  Wiederkehr eines Scheintoten oder am Halluzinationen der Jünger, die so gespannt darauf gewartet haben, da sie dann auch meinten, es zu sehen; sie haben es ja gerade nicht erwartet! Es geht auch nicht um das Fortleben Jesu in seinen Ideen oder in seiner Lehre.

 

 

Der lebendige Christus hat an Ostern den toten Glauben der Jünger wieder erweckt - und nicht umgekehrt. Natürlich müssen wir den Bezug der Botschaft auf den Hörer von damals und von heute herstellen. Aber dadurch dürfen wir nicht die Wirklichkeit verlieren, wie sie im Neuen Testament bezeugt ist.

 

Bildbetrachtung: Osterbild von Karl Kaufmann:

Die fünf Jünger  links stehen noch im Dunkel. Sie sehen nur die Kreuze auf Golgatha und sind traurig. Die anderen drei aber stehen im Licht und erzählen die frohe Botschaft: Jesus lebt und ist auferstanden, denn hinter dem Kreuz ist die Sonne aufgegangen. Da können die anderen nur staunen (ihre Münder  sind weit auf). Aber sie sollen, auch die frohe Botschaft erfahren,.

 

 

Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus: Lk  24, 13 - 35

Hinführung:

Weiches große christliche Fest feiern wir am liebsten ? Weihnachten (das Fest der Geburt Jesu), Ostern (das Fest der Auferstehung Jesu). Pfingsten ?

Ostern ist für uns ein frohes Fest/ Woran können das die Menschen merken? Kleider, Wetter, Ostereier, Geschenke, Kuchen.         Die Christen aber wissen: Es ist das Fest der Auferstehung Jesu, darum können sie auch Ostern am fröhlichsten feiern.

 

Wir lesen eine möglichst unqualifizierte Osterbetrachtung  aus der Zeitung, in der der Ton auf Frühlingsromantik und dem Blühen der Natur liegt.

Wir lesen eine qualifizierte Osterbetrachtung aus einer christlichen Wochenzeitschrift, die zwar textgemäß, aber so frei und säkular wie möglich formuliert sein sollte.

Verstehen wir das  eigentlich, daß Ostern ein frohes Fest ist? Stellt euch vor, ihr hättet einen lieben  Menschen beerdigt und nun kommt ihr an das Grab und das Grab ist leer. Das würde uns doch nur noch trauriger machen als vorher, denn wir müßten doch annehmen, der Leichnam sei gestohlen worden und man habe dem Verstorbenen nicht einmal die letzte Ruhe gelassen.

Das erste Osterfest ist deshalb ganz anders gewesen, als wir es heute feiern. Die Jünger Jesu dachten an den Freitag, der vorangegangen war, an dem man Jesus hingerichtet hatte. Sie konnten nicht feiern und fröhlich sein. Traurig saßen sie beisammen. Sie hatten sich eingeschlossen und redeten nur leise miteinander, denn sie hatten Angst, sie könnten auch abgeholt werden und getötet werden.

Jesus konnte ihnen ja nun nicht mehr helfen, denn er war tot. Aber nicht einmal den toten Herrn hatten sie, denn sein Grab war ja leer. Sie konnten das Grab nicht mehr schmücken und dort um ihren toten Herrn weinen. Es war alles aus. Da brauchten sie auch nicht länger in Jerusalem zu bleiben.- Wir wollen aber heute hören, wie zwei der Jünger Jesu Ostern erlebten.

 

Erzählung:

Am Nachmittag des ersten Ostertages machen sich zwei der Jünger Jesu auf den Weg von Jerusalem in ihren Heimatort Emmaus, der etwa zehn Kilometer von Jerusalem entfernt liegt. Sie hatten auch zu Jesus gehört, wenn auch nicht zu dem engsten Kreis der zwölf Jünger. Doch nun gehen sie enttäuscht wieder von Jerusalem fort. Es kommt ihnen so vor, als entfernten sie sich immer weiter von Jesus, je weiter sie von Jerusalem weggehen: sie wollen nichts mehr mit Jesus und mit dem, was in Jerusalem geschehen ist, zu tun haben.

Die Bilder von den Ereignissen der Passahtage stehen ihnen noch deutlich vor Augen. „Weißt du noch“, sagt der eine, „wie oft wir mit Jesus hier entlanggegangen sind?“ Der andere fährt fort: „Als er vor einer Woche mit uns in Jerusalem einzog, da dachten wir nicht, daß es das letztemal sein könnte. Die Leute haben ihm zugejubelt und wir dachten, er würde nun der von Gott eingesetzte König über sein Volk werden. Aber dann mußte er sterben wie ein Verbrecher und Sünder. Einer von den Jüngern hat ihn sogar verraten, so daß er nachts gefangengenommen werden konnte. Aber allein gelassen haben wir ihn im Grunde alle!“

Wie sie so traurig dahingehen, merken sie gar nicht, daß ein fremder Wanderer sie eingeholt hat. Er geht ganz allein, obwohl doch so ein Weg wegen der Räuber und wilden Tiere ganz schön gefährlich ist, so daß man sonst nur in Gruppen ging. Eigent­lich hätten die Jünger ihn ja kennen müssen. Aber vor lauter Traurigkeit sind ihre Augen wie zugehalten.

Der Mann fragt sie: „Wovon redet ihr da? Was sind das für Sachen, die ihr da untereinander besprecht?“ Da bleiben die zwei traurig stehen und Kleopas, der eine von ihnen, fragt ganz erstaunt: „Bist du denn der einzige unter den fremden Festpilgern in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist: Alle Leute wissen es und du hast nichts davon bemerkt?“ Kleopas kann es gar nicht fassen; er meint, ganz Jerusalem habe nichts anderes im Sinn gehabt als die Kreuzigung Jesu und was sie bedeutet, so sehr hat ihn das alles beschäftigt.

Doch der Fremde fragt ganz ahnungslos: „Was ist denn passiert?“ Da erzählen die zwei Jünger, was sie erlebt haben. Jetzt haben sie einmal die Gelegenheit, ihr Herz auszuschütten.  Sie sagen: „Nun, die Geschichte von Jesus von Nazareth, der ein großer Prophet war. Er hat den Menschen viel Gutes getan: Er hat Kranke gesund gemacht, Blinde wurden wieder sehend, die Lahmen konnten wieder gehen, sogar Aussätzige sind  wieder rein von ihrem Ausschlag geworden. Er hat uns erst richtig gelehrt über Gott und uns vom Reich Gottes erzählt. Wir dachten, er sei der wahre

Helfer den Gott uns gesandt hat, er würde uns erlösen von allem Übel, auch von der Fremdherrschaft der Römer. Aber dann kamen die Führer unseres Volkes und haben ihn in die Hände der Feinde  ausgeliefert und er wurde gekreuzigt . Drei Tage ist das nun schon her. Wir haben keine Hoffnung mehr. Zu allem Überfluß haben uns auch noch einige der Frauen erschreckt; die sind früh beim Grab gewesen und erzählen, sie haben seinen Leib nicht gefunden; sie hätten aber zwei Engel gesehen, die sagten, er lebe. Es waren auch einige von uns dort und fanden alles so, wie es die Frauen gesagt hatten, aber ihn selbst sahen sie nicht!“

Die Jünger wollen also ausdrücken: Die Botschaft der Frauen hielt einer Nachprüfung nicht stand. Jesus ist tot und wir werden ihn nie wieder sehen. Er ist nur ein Prophet gewesen wie die anderen auch. Das hat er bewiesen durch seine Taten und durch seine Botschaft. Aber der verheißene Christus ist er nicht gewesen, da haben sie sich getäuscht

Doch der fremde Wanderer antwortet ihnen: „O ihr unverständigen Menschen. Könnt ihr denn gar nicht glauben? Warum seid ihr so verständnislos und so langsam im Glauben. Bei Gott ist doch kein Ding unmöglich! Habt ihr denn eurem Herrn nie richtig zugehört, als er bei euch war und euch sagte, welchen Weg Gott für ihn ausgesucht hat? Kennt ihr denn die Heilige Schrift nicht?

Da steht doch bei Mose und in den Psalmen und beim Propheten Jesaja: Gottes Sohn muß viel leiden und sterben und am dritten Tage wieder auferstehen. Er ist gestorben, weil er die Strafe für all die ungehorsamen Menschen auf sich genommen  hat. Christus mußte das alles erleiden, damit er Gott mit uns versöhnte. Und gerade weil er Gott gehorsam war, zeigt sich nun erst die Herrlichkeit seines Todes: Jetzt braucht niemand mehr Angst zu haben vor Gottes Gericht, weil Jesus schon alle Strafe für uns ertragen hat.

Die Jünger habe genau zugehört: Jetzt wird ihnen das so langsam alles deutlich. Sie begreifen etwas von der Logik Gottes. Das Herz fängt ihnen an zu brennen vor Freude. Gern hätten sie noch mehr von dem Fremden gehört, der so gut Bescheid wußte in der Bibel und über den Herrn Jesus. Sie haben gar nicht bemerkt, wie schnell sie die lange Wegstrecke zurückgelegt haben. Jetzt sind sie schon gleich in Emmaus. Der Fremde will weitergehen. Doch sie bitten ihn: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt!“ Siewollen ihn noch bei sich haben, sie wollen ihn aber auch nicht allein den gefährlichen Weg weiterziehen lassen.

Sie gehen hinein in das Haus, sie zünden die Öllampe an, sie decken den Tisch und holen Brot und Wein für das Abendessen. Noch immer wissen sie nicht, wer der Fremde ist. Sie setzen sich alle. Schon will der Hausherr das Tischgebet sprechen und dann das Brot anbieten, als der Fremde das Brot nimmt, Gott für diese Gabe dankt, das Brot in Stücke bricht und den anderen gibt.

Da schenkt Gott es den Jüngern, daß ihre Augen aufgetan werden und sie erkennen dürfen: So hat das ja Jesus immer getan, als sie noch mit ihm zusammen waren. Jetzt ist er wieder bei ihnen, er ist in ihrer Mitte. Und sie denken an das Wort, das er ihnen einmal gesagt hatte: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!“  Als sie hier das Abendmahl miteinander feiern, ist Jesus als der lebendige Herr mit dabei.

Auf einmal werden sie wieder froh. Sie sind nicht allein, Jesus lebt und ist immer noch ihr Herr. Mit weit offenen Augen sehen sie ihn an. Doch da verschwindet er wieder vor ihnen. Aber sie brauchen ihn ja nun nicht mehr länger. Fröhlich sehen sie sich an: „Darum brannte also unser Herz, als er unterwegs mit uns redete und die Heilige Schrift erklärte!“

Nun hätten sie eigentlich unbekümmert ins Bett gehen können. Doch sie denken sofort an die anderen Jünger, die traurig in Jerusalem sitzen und noch nichts von dieser frohen Botschaft wissen. Sie sollen es doch auch wissen: Jesus lebt!

So machen sie sich wieder auf und laufen mitten in der Nacht zurück nach Jerusalem. Sie denken nicht mehr an die Gefahren im Dunkeln. Ihre Freude ist größer als alle Angst. Sie kehren wieder zurück nach Jerusalem, dem Ort der Schande und der Schmach. Aber damit kehren sie auch wieder zurück zu ihrem Herrn, dessen Schicksal sie jetzt erst nichtig verstehen: Er mußte das alles leiden, um so zu seiner Herrlichkeit gelangen zu können!

Als sie ganz aufgeregt in Jerusalem ankommen, sind die elf Jünger noch versammelt. Doch als die zwei die Türe öffnen und gerade sprechen wollen, da rufen ihnen die anderen schon entgegen: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon Petrus erschienen!“ Und nun erzählen die zwei Jünger aus Emmaus, was sie erlebt haben und wie sie Jesus erkannten, als er ihnen das Brot brach. So hat der auferstandene Jesus alle wieder froh gemacht!

 

Antwortgespräch:

 

Vorher

Nachher

müde

aufgeregt

traurig

froh

enttäuscht

glaubend

gedrückt

zuversichtlich

nicht erkennen

wiedererkennen

unverständig

verständig

 

 

Schriftauslegung

Brotbrechen

Predigt

Abendmahl

Wort

Sakrament

Osterfreude und Glaube

Verkündigung

Einladung zum Mahl

 

Kaufmann - Bilder:

(1) Golgatha im Hintergrund gehen zwei Jünger von Leid und ihren Gedanken gebeugt ihren Weg. Es ist ein Weg des Dunkels, den eine Sonne ohne Kraft nicht zu erhellen vermag. Es ist der Weg der Trübsal, der Hoffnungslosigkeit und der Schuld. Und Zeichen dieser Schuld ist das Kreuz auf Golgatha: Durch das völlige Versagen der Jünger zerbrach die Gemeinschaft mit Jesus. Ist mit Karfreitag nun alles aus? So geht ein jeder dahin und schaut auf seinen Weg.

Da aber tritt der Auferstandene zu ihnen und macht ihren Weg wieder hell, denn er ist das Licht der Welt. Er öffnet ihnen die Schrift und zeigt ihnen, daß der Weg zur Herrlichkeit durch das Leiden führt. Diesen Weg des Kreuzes  wird auch die Gemeinde gehen müssen. Die Jünger sind schon auf diesem Kreuzweg. Wer auf diesem Weg bleibt, der hat immer schon den bei sich, der das Licht der Welt ist.

(2) Die Jünger hatten das Wort des Auferstandenen gehört und hatten im Mahl die Gemeinschaft mit ihm. Das führt zur totalen Wende im Leben der Jünger: Sie kehren um! Es ist mitten in der Nacht, Nacht der Schuld, der Hoffnungslosigkeit und Angst. Sie gehen zurück als die Boten der Auferstehung. Die Gebeugten blicken wieder empor, die Mühseligen eilen froh ihren neuen Aufgabe entgegen. Die Gestirne beginnen neu zu leuchten. Am Rande der Landschaft leuchtet eine helle Linie auf: Die Geschichte der Menschheit hat ihren befreienden  Horizont gefunden. Das Kreuz ist nicht mehr Zeichen der Schuld und des Gerichts, sondern zugleich ein Zeichen der überwältigenden Liebe Gottes. Mit dieser Freude kann niemand bei sich allein bleiben - er muß sie anderen mitteilen.

(3) Im hellen Licht der Botschaft von der Auferweckung Jesu werden die auseinan­derstrebenden Jünger wieder zusammengeführt: Sie legen wieder die Hände inein­ander, nachdem der Auferstandene ihnen seine Hand gereicht hat.

Jesus ist nicht den Mächten der Finsternis erlegen, sondern er ist der Sieger, so gewiß wie die Morgensonne die Nacht zerbricht. Der Glaube aber hat die zerstörte Gemeinschaft der Jünger wieder in herzlicher Bereitschaft und heiliger Freude erneuert.

 

Rembrandt van Rijn: Jesus mit den Emmaus-Jüngern

In dem von Abenddämmerung erfüllten Raum haben drei Wanderer Platz genommen. Ihre Mäntel haben sie abgelegt. Der Tisch ist gedeckt. Eine weiße Decke ist ausgebreitet. Eßgeschirr und Brot wurden bereits gebracht. Der Wirt ist dabei, ein Gericht anzubieten. Was hier geschieht, soll auch für die geschehen, die es noch gar nicht verstehen. Er steht zwar, ist aber im Dunkel.

Auch die Jünger sind im Dunkel, ein Zeichen ihnen inneren Not. Tiefe Schatten füllen den Raum aus und lauern in der Nische, hinter der Säule, an der Tür, auf dem Boden. Um Jesus herum aber wird es licht in dem dunkelnden Raum. Sein helles Gewand, die Stirn, der leuchtende Schein um sein Haupt tragen überirdischen Glanz. Dieses Licht kommt nicht von dem links zu vermutenden Fenster, sondern von Jesus selbst, der gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt!“

Dabei ist er ohne äußeren Glanz und Aufwand dargestellt, fast unscheinbar und das Gewand ohne Verzierung. Aber die Gestalt strahlt Majestät und Hoheit aus. In großer innerer Sammlung und Stille sitzt er am Tisch. Die Linien vom Haupt über die Arme zu den Händen bilden ein abgeschlossenes Ganzes, das ihn ebenso wie der Lichtschein von den anderen trennt. Er ist seinen Jüngern nahe und doch fern. Seine Augen blicken empor, er betet, er ist beim Vater, ganz mit ihm eins.

In diesem Augenblick erkennen ihn die Jünger. Die Dunkelheit weicht zurück, die Herrlichkeit des Herrn leuchtet auf. Sie sind hineingenommen in diese Klarheit. Das zeigt das helle Gesicht des Älteren, das Licht auf der Hand des Jüngeren, das Licht auf dem Gesicht des Wirts. Die Jünger sind tief erregt. Der Jüngere schlägt die Hände zusammen, sie scheinen fliehen zu wollen. Und doch zieht es sie hin zum Herrn, weil sie überwältigt sind von seiner Nähe und weil sie ahnen‚ was er für sie und die Welt bedeutet.

 

Jesus nimmt Abschied von seinen Jüngern: Lk 24, 36 - 53

Erzählung:

Nach seiner Auferstehung erschien Jesus noch gelegentlich im Kreis seiner Jünger. Sie sitzen zusammen und unterhalten sich noch über alles, da tritt er plötzlich mitten, unter sie. Aber sie springen nicht vor Freude auf, sondern sie erschrecken, weil sie meinen, sie sähen ein Gespenst.

Er aber sagt: „Was seid ihr so erschrocken, warum kommen solche Gedanken in , euer Herz? Seht meine Hände und Füße. Ich bin es selber. Fühlt mich an, und stellt es doch selber fest. Ein Gespenst hat doch nicht Fleisch und Knochen wie ich!“

Der Osterglaube hat die Jünger ganz unerwartet ergriffen. Er hat nichts mit Geistererscheinungen zu tun. Der Gekreuzigte und der Auferweckte sind derselbe. Um sie ganz zu überzeugen,  fragt Jesus: „Habt ihr nichts zu essen?“ Sie geben ihm ein Stick gebratenen Fisch und er ißt es auf. Das hört sich alles anders und viel wunderbarer an als bei Petrus. Dort war nur von Erscheinungen die Rede, nicht aber von solchen Einzelheiten. Sicherlich soll  hier aber nur gezeigt werden, daß Jesu kein Gespenst war. Aber wir wissen eben doch, daß mit ihm etwas anders geworden war als vorher. Er kann plötzlich da sein und wieder verschwinden, das kann doch kein üblicher Mensch.

Noch wichtiger als diese Dinge ist aber das, was Jesus sagt: Zunächst erinnert er an das, was gewesen ist : „Ich sagte euch doch, daß alles erfüllt werden muß, was in den alten Schriften steht!“ Dann erklärt ihnen noch einmal alles und mach ihnen deutlich: „Christus mußte leiden und am dritten Tag auferstehen von den Toten!“

Aber er spricht auch von der Aufgabe, die für die Zukunft bleibt. Durch seine Auferweckung ist der Weg frei für die Mission unter den Völkern. Sie haben die Aufgabe, in seinem Namen die Völker der Welt zur Umkehr aufzufordern, damit ihnen die Sünden vergeben werden können. Die Verwirklichung dieses Auftrags beginnt in Jerusalem. Dort haben sie Kreuz und Auferstehung erlebt und dort hat Jesus Christus auch wieder die Gemeinschaft mit ihnen aufgenommen.  Nur dort können sie auch mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet werden, die sie für die Zukunft brauchen. Deshalb sollen sie in der Stadt bleiben.

Einige Tage später führt Jesus eine größere Schar von Jüngern bis an die äußerste Stadtgrenze von Jerusalem. Es ist zunächst der gleiche Weg, der er während der letzten Tage in Jerusalem allabendlich mit ihnen gewandert ist, um dann mit ihnen im GartenGethsemane zu übernachten. Doch diesmal gehen sie noch etwas weiter den Ölberg hinauf bis in die Nähe des Dorfes Bethanien. Von dort hatten sie den Esel für den feierlichen Einzug in Jerusalem geholt. Dort hatte Jesus den Lazarus von den Toten auferweckt. Dort wohnten Maria und Martha, bei denen er eingekehrt war. Es kam den Jüngern so vor, als habe sich nichts geändert gegen früher.

Aber auf einmal bleibt Jesus stehen und hebt die Hände über seine Jünger und segnet sie wie ein Hoherpriester. Der Segen stellt einen Menschen unter den besonderen Schutz Gottes. Der Gesegnete darf wissen: Gott ist mit mir! Dadurch bleibt Jesus auch weiter bei seinen Jüngern, macht ihnen deutlich: Ich schenke euch meine ganze Liebe, die zugleich die Liebe meines Vater ist. Gott beschütze euch und erfülle euer Herz mit großer Freude.

Während Jesus noch die Hände segnend hochhält, wird er von den Jüngern getrennt. Die Jünger sind auf einmal allein. Sie wissen: Die Erscheinungen des Auferstandenen haben nun ein Ende. Jetzt ist er nur noch unsichtbar unter ihnen gegenwärtig.

Doch vor ihnen steht immer noch das Bild des segnenden Christus, seine Worte haben sie noch im Ohr. Sie sind keine verlorene und verlassene Schar, sondern Jesus ist alle Zeit in ihrer Mitte als Herr und Meister gegenwärtig. Eine neue Gemeinschaft hat begonnen, die nicht mehr durch Sterben und Tod bedroht ist. Sie haben keine Angst, weil einer bei ihnen ist, der stärker ist als alle Menschen.

Die Jünger können nicht traurig sein. Zwar ist die Stelle leer, wo Jesus eben noch gestanden hat. Aber sie spüren eine große Freude. Sie kehren nach Jerusalem zurück. Dort sollen sie ja bleiben, bis die Kraft aus der Höhe über sie kommen soll. Dann werden sie alles weitererzählen, was sie von Jesus wissen und mit ihm erlebt haben,

Zunächst gehen sie in den Tempel, um dort Gott zu loben und zu preisen. Jeden Tag kommen sie nun  in den Tempel, um Gott zu danken. Aber sie treffen sich auch in den Häusern und denken dabei an Jesus und erzählen von ihm. Die Jesusgeschichte hat noch kein Ende gefunden, sein Abschied war nicht das Ende seiner Sache. Er hatte ihnen ja seinen Segen zurückgelassen, da wird es jetzt erst richtig los gehen. Freude, Lob und Dank sind nun zur Grundhaltung im Leben der Jünger geworden.

 

Antwortgespräch::

Üblicherweise spricht man im Zusammenhang mit dem Abschied Jesu von seiner „Himmelfahrt“.  Aber damit kann nicht gemeint Erzählung ist keine Rede von einer „Himmelfahrt“ (die entsprechenden Worte in Vers 51 sind später hinzufügt).

Die Geschichte macht uns aber sehr deutlich: Mit den Ostererscheinungen hatte es einmal eine Ende. Es gab einen endgültigen Abschied Jesu von unserer Erde. Aber die Gemeinde bleibt nicht allein zurück, sondern Jesus ist in anderer Form bei ihr

und gibt ihr einer Auftrag für die Welt.

Es wird auch noch einmal deutlich: Jesus steht auf der Seite Gottes. Dieser ist allerdings nicht in einem Wolkenhimmel zu finden, sondern „Himmel“ ist nur eine Bezeichnung für den Ort Gottes. „Himmelfahrt“ ist dann als die Rückkehr Jesu zu dem Ort Gottes. Im Neuen Testament ist auch oft die  Rede vom „Sitzen zur Rechten Gottes“ oder von der „Erhöhung“ (wobei Ostern und Himmelfahrt zusammenfallen).

 

 

Ostererzählungen nach Johannes

 

Der Auferstandene und Maria Magdalena: Joh 20,1 - 18

Hinführung:

Ostern ist das höchste Fest für die Christenheit. Woran denken wir an diesem Festtag? Wir kennen Osterlieder. Wir wissen, daß das Kreuz Jesu nicht das Letzte war. Seit Ostern ging die Sache Jesu weiter. Es gab sogar Menschen, die ihren Auftrag erst nach dem Tode Jesu empfangen haben, die ihn in der Gemeinde als ihren Herrn bezeugt haben.

Ein Beispiel dafür ist Maria aus Magdala, meist „Maria Magdalena“ genannt. Jesus hatte sie von einer seelischer Verkrampfung frei gemacht, die damals als teuflische Besessenheit verstanden wurde. Sie stammte aus dem Ort Magdala am Westufer des Sees Genezareth und hieß in ihrer Muttersprache „Mariam“, in griechischer Sprache aber „Maria“.

 

Erzählung:

Jesus war am Kreuz gestorben. Man hatte ihn in Tücher gewickelt und mit kostbaren Salben eingerieben. Dann hatte man ihn in ein Grab gelegt in der Nähe der Hinrichtungsstätte. Es sah so aus, als hätte man damit dem Toten den letzten Liebesdienst getan, als könne man nichts weiter mehr tun.

Am ersten Tag der Woche aber geht Maria Magdalena in der Garten, wo das Grab ist. Tun kann sie nichts mehr, der Leichnam ist ja schon gesalbt worden, das Grab verschlossen. Vielleicht will sie nur in der Nähe ihres toten Herrn und Wohltäters sein. An sich aber gibt es keinen Grund, weshalb sie zum Grab gehen sollte. Maria geht zwar hin, aber sie weiß eigentlich nicht, warum sie geht.

Es ist noch dunkel. Die Welt ist dunkel, das Grab ist dunkel. Maria ist traurig. Aber an sich ist sie auf dem falschen Weg. Sie will zu einem Grab. Aber das ist längst kein Grab mehr. Da ist längst etwas passiert. Maria merkt es, als sie näherkommt: Der große Verschlußstein vor dem Eingang der Grabhöhle ist weggewälzt. Wo ist Jesus? Was haben sie mit ihm gemacht?

Maria ist völlig ratlos und hilflos. Sie meint: Jetzt ist mir auch noch das Letzte genommen, nämlich der tote Herr! Sie rennt zurück zu den Jüngern Petrus und Johannes, um ihnen zu berichten: „Sie haben der Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben!“ Sie berichtet also nicht, was sie tatsächlich gesehen hat, sondern gibt gleich eine Deutung. Sie weiß ja nur, daß der Stein abgewälzt ist. Nachgesehen in dem Grab hat sie ja nicht.  Aber ihre Schlußfolgerung ist menschlich verständlich. Mit der Möglichkeit einer Auferstehung rechnet sie nicht.

Sie spricht zwar vom „Herrn“, aber dieses Wort ist für sie nicht mehr als eine Anrede. Aber in Wirklichkeit sagt sie damit ja mehr, denn Jesus ist ja nun der Herr über die ganze Welt, auch der Herr über den Tod. Sie weiß nicht, wer den toten Herrn weggenommen haben sollte. Sie vermutet irgendwelche Diebe. In Wirklichkeit aber hat Gott ihn ja aus dem Grab fortgenommen. Aber das weiß Maria ja alles noch nicht. Sie fragt, so wie alle Nichtwissenden: Was ist da wohl vor sich gegangen?

Maria will sich nur an die Vergangenheit erinnern.  Sie sucht nach Überresten, durch die sie immer wieder ihre Erinnerung kräftigen kann. Sie will das Grab sehen, so wie sie es verlassen hatte, sonst kann sie sich nicht mehr richtig erinnern. Ein leeres Grab ist für sie nur ein unbedeutendes Erdloch. Nur wenn der tote Jesus noch drin liegt, hat es eine Bedeutung und einen Wert für sie. Sie wird roch viel lernen müssen. Sie wird aber auch erkennen können, daß man mit Jesus verbunden sein kann, auch wenn man ihn selber - nicht einmal seinen toten Körper - sehen kann. Aber ehe sie das glauben kann, muß ihr erst einmal alles genommen werden, woran sie sich bisher hält.

Doch zunächst wollen wir hören, was Petrus und Johannes tun: Sie gehen sofort aus der Stadt nach dem Garten, in dem das Grab ist. Als sie der weggewälzten Stein sehen, beginnen sie zu laufen. Es wird ein richtiger Wettlauf, den Johannes gewinnt. Er kommt zuerst zum Grab und sieht hinein. Schon auf der ersten Blick stellt er fest, daß die Leinenbinden ordentlich zusammengelegt sind. Das sieht rieht nach einem Diebstahl aus: Weshalb hätte man denn die Binden abnehmen sollen, wenn man die Leiche an einen anderen Ort bringen wollte? Hier muß doch etwas anderes vorliegen.

 

Petrus geht hinein in das Grab, um alles genauer zu untersuchen. Er sieht auch, daß das Gesichtstuch schön zusammengewickelt an einer besonderen Stelle liegt. Da geht auch Johannes hinein und stellt das Gleiche fest. Zwei Zeugen wissen nun, daß ein Raub oder eine Verlegung des Leichnams nicht in Frage kommen.

Als Johannes das aber alles sieht, beginnt er zu glauben. Maria hat aus dem leeren Grab nicht die richtigen Schlußfolgerungen ziehen können. Dieser Jünger aber, der Jesus liebhatte, beginnt zu ahnen, was hier geschehen ist. Er tut einen ersten Schritt, kommt aber noch nicht zum vollen Ergebnis. Es ist ja keiner da, der ihm das Geschehen deuten und alles eindeutig machen könnte. Erst später sind die Jünger zum vollen Osterglauben gekommen. Jetzt aber gehen die Jünger erst einmal wieder heim.

Maria aber geht wieder zum Grab. Sie weint, weil ihr jetzt erst richtig bewußt wird, welchen Verlust sie erlitten hat: Auch die Jünger haben den Herrn nicht gefunden. Jetzt hat sie gar keine Möglichkeit mehr, an einem bestimmten Platz ihren Erinnerungen anzuhängen und nur an die Vergangenheit zu denken.

Als sie noch weint, sieht sie in das Grab hinein. Da sieht sie an zwei Stellen etwas Hellglänzendes, am Kopfende und Fußende der steinernen Bank, auf die sie den toten Jesus gelegt hatten. Sind das Engel Gottes? An sich haben sie hier doch nichts zu suchen, sie gehören doch nicht in ein Grab.

Die Engel sprechen zu ihr: „Frau, was weinst du?“ Maria scheint gar nicht vom Tod Jesu betroffen zu sein. Sie macht sich nur Gedanken über die Fortnahme der Leiche: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt  haben!“  Wieder spricht sie vom „Herrn“ und irgendwelchen Leuten, ohne zu erkennen, wer da hinter dem allen steht. Aber die Engel scheinen ihr auch nicht das Rätsel lösen zu können. Da muß erst noch ein anderer kommen, der ihr zum Glauben verhilft.

Plötzlich merkt sie, daß einer hinter ihr steht. Sie weiß nicht, wer es ist. Er sagt zu ihr, fast mit den gleichen Worten wie die Engel: „Frau, was weinst du? Wen suchst du?“ Sie denkt, es sei der Gärtner. Deshalb fragt sie ihn: „Herr, hast du ihn weggetragen? Dann sag mir doch, wo du ihn hingelegt hast, dann will ich ihn holen!“Sie fragt das, was man einen Gärtner fragen kann: Er soll ihr helfen, das Grab des toten Herrn wiederherzustellen. Doch das kann gerade jetzt nicht die Aufgabe sein.

Der Mann spricht sie mit Namen an: „Maria!“ (er sagt in aramäischer Sprache „Mariam“). Da wendet sie sich ganz um und erkennt ihn: Es ist Jesus, der Totgeglaubte und jetzt Lebende! Sie erkennt ihn nicht an der Stimme, denn die hat sie ja schon vorher gehört. Eher liegt es daran, daß er sie mit ihrem Namen ruft, so wie der gute Hirte seine Schafe ruft.

Doch Maria erkennt den Auferstandenen immer noch nicht, ihr ist nur der irdische Jesus bekannt. Sie meint ‚ jetzt sei alles wieder so wie früher, sie habe wieder den alten Jesus vor sich. Sie redet ihn an mit dem aramäischen Wort: „Rabbuni“, das heißt  „Meister“. Für sie ist er nur ein Lehrer und noch nicht der auferstandene Herr. Sie glaubt immer noch, das alte Verhältnis wieder herstellen zu können.

Maria hat sich wohl etwas stürmisch umgedreht. Jesus wehrt sie erschrocken ab: „Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater!“ Er kann auch gemeint haben: „Halte mich nicht auf!“ Aber es ist dennoch verwunderlich, weshalb man ihn sehen, aber nicht anfasse darf. Hätte man ihn überhaupt aufhalten können? Seine Himmelfahrt scheint unmittelbar bevorzustehen.

Aber er hat noch einer Auftrag an Maria: „ehe hin zu meinen Brüdern und sage ihren: „Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott!“ Sein Platz wird jetzt bei dem Vater im Himmel sein. Aber er wird weiter mit den Jüngern verbunden bleiben. Sie sind seine Brüder, denn sie haben den gleichen Gott wie er. Er sagt allerdings nie „unser Vater“ oder „unser Gott“: Er ist doch noch in einer besonderer Weise der Sohn Gottes, er hat ein anderes Verhältnis zu Gott als die Jünger. Das wird nun auch Maria und den Jüngern deutlich werden.

Maria hat sich an jeden Strohhalm geklammert, der ihr die Verbindung an das vergangene Leben mit Jesus geben könnte. Ihre Gedanken gelten nur dem toten Leib des Herrn. Urd selbst als sie Jesus sieht, betrachtet sie ihn als einen, der wieder in das alte Leben zurückgekehrt ist. Ihr Suchen geht in die falsche Richtung. Erst die Aussage Jesu und sein Auftrag machen sie zur Zeugin des Auferstandenen.

Sie geht wieder zu den Jüngern - jetzt wohl zu allen - und sagt ihnen: „Ich habe den Herrn gesehen. Er hat zu mir gesagt: „Ich fahre auf zum Vater!“ Das Wichtigere ist ihr das Sehen. Aber erst die Worte haben alles gedeutet und klar gemacht. Jetzt erst haben sie eine Antwort auf ihre Verlegenheit am Ostermorgen bekommen.

 

Holzschnitt von Herbert Seidel: „Der Ostermorgen“ [Bild nicht vorhanden]

Nur knapp ist das Wesentliche dargestellt. Zunächst fällt das Erschrockensein und die Trauer der Menschen auf, durch die breite schwarze Fläche im Vordergrund noch unterstrichen. Man sieht in eine weite, stille Landschaft. Vorne ist ein Felsblock zu erkennen. Die Kargheit der Landschaft, das große schwarze Loch im Vordergrund läßt nichts von der Osterfreude vernehmbar werden.

Vor dem Grab stehen Maria Magdalena, Petrus und Johannes. Sie können sich nicht denken, was sich ereignet hat. Maria schaut hoffnungslos in das Dunkel des leeren Grabes, der Kopf ist traurig gesenkt, die Arme hängen schlaff herab und sind unter dem weiten Mantel verborgen.

Neben ihr steht Johannes, auch voller Trauer und Hoffnungslosigkeit.  Aber er beginnt schon zu begreifen, daß Gott hier gehandelt hat. Er sieht schon nicht mehr so hoffnungslos aus wie Maria.

Petrus starrt verstört in die dunkle Tiefe. Seine Gedanken arbeiten angestrengt. Große Erschütterung und Fassungslosigkeit fallen an ihm auf. Diesen Jüngern ist die Zukunft erschlagen.

Die Jünger wissen noch nicht, daß Gott eingegriffen hat. Bald aber werden sie erkennen, daß Jesus aus dem Tod ins Leben durchgedrungen ist und auch ihnen die Tür zum Leben aufgetan hat. Durch die große Helligkeit in der Weite der Landschaft ist schon auf das Ostergeschehen hingedeutet. Doch die Tatsache das leerer Grabes wird nicht zum Osterglauber führen, nur der Herr selber kann das tun.

Dies gilt für alle Ostererzählurgen. Wissenschaftlich kann man das Osterereignis nicht fassen. Der Osterglaube spricht sich aber aus in der Osterbotschaft. Diese kommt zunächst zum Ausdruck in formelhaften Osterbekenntnissen wie 1. Kor 15,5-11. Es geht dabei nicht um die Einzelheiten, sondern um die Osterbotschaft in den Ostergeschichten. Die Ostergeschichten haben für den Glauben an den lebendigen Herrn Jesus Christus nur eine relative Bedeutung. Die Grabesgeschichten sind nur indirekte Zeugnisse für die Auferstehung. Um sich den Juden verständlich zu machen, sprach man von der Wiederbelebung eines Leichnams. Aber nötig ist das nicht, um die Lebendigkeit Jesu trotz Kreuz und Grab zu erfahren. Den Jüngern sagt das leere Grab noch nichts, erst die Begegnung mit dem lebendigen Herrn bringt sie zum Glauben.

 

Der ungläubige Thomas: Joh 20, 19 - 30

Hinführung:

Im Winter sagt die Mutter: „Zieh dich warm an, es ist kalt draußen!“ Mache Kinder wollen das nicht wahrhaben und gehen ohne warme Sachen hinaus. Wenn sie dann frieren, sind sie überzeugt worden, daß die Mutter recht hatte. Und wenn sie Pech haben, werden sie auch noch von der Mutter gestraft, weil sie urgehorsam waren.

Auch Erwachsene zweifeln manchmal an bestimmten Dingen, die sie hören:

1. Als das erste Flugzeug erfunden wurde, wollten es viele nicht glauben, daß man damit wirklich durch die Luft fliegen kann.  Viele sagten: „Wie ist das möglich? Da fällt man ja herunter!“ Das müssen wir erst gesehen haben, sonst glauben wir es nicht!“

Wir glauben nur, was wir selbst sehen!

2. Als das Radio erfunden wurde, sagten viele Leute: „Wie sollen wir ohne einen Telefondraht hören können, was irgendwo anders ein Mensch spricht? Das müssen wir erst selbst hören , ehe wir es glauben können!“ Wir glauben nur, was wir selbst hören!

3. Nach dem Krieg warteten viele Frauen auf ihre Männer, die noch in der Gefangenschaft waren. Oft gingen Gerüchte herum: Zu Weihnachten kommen die Männer nach Hause, das ist ganz sicher.  Aber weil es schon oft Enttäuschungen gegeben hatte, sagten viele Frauen: „Ich glaube es erst, wenn ich meinen Mann im Arm halte!“

Wir glauben nur, was wir selbst anfassen!

 

Zweifel gehören mit zum Menschsein hinzu. Auch und gerade in Glaubensfragen gibt es Zweifel. Viele zweifeln daran, daß der gekreuzigte Jesus noch heute leben kann. Sie sagen: Man müßte ihn einmal sehen können. Er müßte erst einmal das Böse in der Welt verhindern! Solche Fragen stellten schon die Christen wenige Jahre nach jenem ersten Ostern in Jerusalem. Sie sagten: „Uns ist Jesus nicht erschienen!“!

Wie sollen wir da glauben, daß er lebt, wo er doch am Kreuz gestorben ist!?"

Ein Beispiel für solche fragenden Menschen ist auch die Plastik von Ernst Barlach: „Der Zweifler“: Dieser Mann will beten, er hat sich schon hingekniet. Die Hände sind geschlossen, allerdings anders, als es sonst beim Beten üblich ist. Den Kopf hält er schief, die Augen blicken ungewiß schräg nach oben. Man spürt: Hier ist keine Sammlung und keine Konzentration da,  wie man sie fürs Gebet braucht. Dieser Mann will beten, aber er kann nicht, weil er zweifelt! - Von einem Jünger Jesu, der nicht glauben konnte, erzählt die folgende Geschichte.

 

Erzählung:

Nach der Kreuzigung Jesu bleiben die Jünger in Jerusalem. Hier hatten sie zwar alle ihre Hoffnungen auf Jesus aufgeben müssen, die Stadt hatte einen bedrohlichen Charakter für sie gewonnen. Aber sie wurden doch wenigstens immer wieder an das erinnert, was mit Jesus gewesen war. Heimlich versammelten sie sich in einem Haus, weil die Feinde Jesu es auch auf sie abgesehen hatten. Die Stimmung war angstvoll und bedrückt. Sie dachten an ihr Versagen, als Jesus verhaftet und umgebracht wurde. Aber auch jetzt ist es noch nicht viel besser mit ihnen: Sie sind nur eine Gruppe von „Ehemaliger“, die sich verkriechen in der Hoffnung, daß sie keiner sieht.

Am Abend des ersten Tages der Woche, am Sonntagabend, tritt Jesus plötzlich mitten unter sie. Wie ist er nur hereingekommen? Sie haben die Türen doch fest verschlossen!  Aber für Jesus sind sie offenbar kein Hindernis, er kann doch bei ihnen sein.

Er sagt zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Das ist an sich ein üblicher Gruß. Aber für die Jünger hat er eine besondere Bedeutung. Jesus weiß ja, wie den Jüngern zumute ist, wo es bei ihnen fehlt und welche Schuld und Angst sie mit sich herumtragen. Aber er hat sie auch weiterhin lieb und möchte, daß sie froh werden können. Jetzt will er ihnen sagen:  „Seid ohne Angst, ich komme als euer Freund!“ Da kehren auch Freude

und Friede bei den Jüngern ein. Sie wissen: Es ist wieder alles in Ordnung, sie haben wieder Gemeinschaft mit Jesus.

Dann zeigt er ihnen seine Hände und seine Seite, die der Soldat bei der Kreuzigung aufgestochen hatte. Da sehen die Jünger: Es ist der Gekreuzigte, dieser Mann ist der Jesus, den sie kennen. Es ist keine Einbildung, ihr gekreuzigter Herr lebt! Man hätte ihn anfassen können, er ist kein Gespenst.

Da sind die Jünger auf einmal wie umgewandelt. Ruhe und Friedenkehren bei ihren ein. Sie werden wieder froh, weil sie ihren Herrn gesehen haben. Es ist nicht aus mit ihnen, weil es nicht aus ist mit Jesus. Aber Jesus will ihnen nicht ein überirdisches Schauspiel bieten, sondern er hat eine Aufgabe für sie: Diese kleine Gruppe, die sich eben noch vor allem versteckt hat, wird in die Welt hinausgeschickt. Er sagt zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ Sie sollen also sein Werk zum Abschluß bringen. Jesus hat begonnen, zu allen Menschen zurückzukehren. Seine Jünger dürfen es zuerst erfahren. Aber nun sollen sie es den anderen weitersagen.

Dann haucht er die Jünger an und spricht zu ihren: „Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen Ihr sie behaltet, denen sind sie behalten!“

Nun erfüllt Jesus sein Versprechen, das er den Jüngern gegeben hat. Er wird sie nicht allein lassen. Er gibt ihnen den Heiligen Geist, damit sie seine Werkzeuge in der Welt sein können. Hier fallen Ostern und Pfingsten zusammen, der Auferstandene ist nun durch seinen Heiligen Geist bei ihren.

Sie sollen sogar das Recht haben, anderen Menschen die Vergebung Gottes zu verkünden. Gott wird bestätigen, was sie den Menschen zusprechen. Jeder kann sich darauf verlassen, daß eintreffen wird, was die Jünger sagen. Wer sich aber nicht von ihnen freisprechen lassen will, der wird seine Schuld weiter mit sich herumtragen  müssen.

So erleben die Jünger den ersten Gottesdienst der neuen Kirche: Jesus ist mitten unter ihnen. Er vergibt ihnen, macht Frieden mit ihnen und schenkt ihnen neue Freude. Und er sendet sie aus, damit sie seinen Frieden und seine Vergebung in die Welt bringen.

Der Erste, dem sie das alles sagen möchten, ist der Jünger Thomas. Er ist nicht bei ihnen gewesen, sondern ruhelos und traurig umhergelaufen. Was ihn bisher mit den anderen verbunden hatte, das hat keine Bedeutung mehr für ihr. Alle Hoffnungen auf Jesus sind zunichte. Weshalb soll man noch Gemeinschaft mit den anderen halten, wo doch die Mitte dieser Gemeinschaft nicht mehr da ist?

Doch schließlich geht er doch wieder in das Haus, in dem sich die Jünger jetzt immer versammeln. Ob sie überhaupt noch da sind? Sind sie vielleicht auch verhaftet worden? Er öffnet die Tür - und sieht lauter frohe Gesichter. Er kommt gar nicht dazu, sie zu fragen, weshalb sie so strahlen.

Die anderen rufen ihm zu: „Thomas, freu dich, wir haben den Herrn gesehen!“ Thomas aber antwortet: „Das ist ganz unvorstellbar. Das kann ich nicht glauben. Nur wenn ich die Nägelspuren von der Kreuzigung sehe und mit den Fingern spüren kann und meine Hand an seine Seitenwunde legen kann, dann will ich es glauben, Andernfalls werde ich unter keinen Umständen daran glauben.

Thomas ist wie ein moderner Mensch: Er will erst handfeste Beweise haben, sonst kann er nicht glauben. Die frohen Gesichter der Jünger genügen ihm nicht, er will Jesus selber sehen. So denken doch auch viele Menschen, die nicht glauben können, ohne ein Wunder zu sehen. Thomas hat nicht umsonst der Beinamen „Zwilling“. Er hat schon immer gründliche und schwierige Fragen gestellt. Aber nun ist er in sich gespalten wie ein Zwilling. Er möchte es gern glauben, aber er kann es nicht. Er hält es für urmöglich, daß er sich selbst überzeugen kann.

Aber immerhin bleibt er jetzt bei den anderen Jüngern. Noch vergeht eine ganze Woche, in der Thomas nicht froh werden kann. Dann ist wieder Sonntag. Die Jünger sitzen am Abend wieder hinter verschlossenen Türen in ihrem Haus. Nun ist Thomas bei ihnen.

Da tritt Jesus wieder mitten unter sie und spricht: „Friede sei mit euch!“ Dann wendet er sich gleich an Thomas. Er tadelt ihn nicht,  sondern geht auf seinen Wunsch ein. Jesus sagt: „Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände. Reiche deine Hand und lege sie in meine Seite. Und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“

Thomas soll sich also Jesus gegenüber als ein Glaubender verhalten. Thomas ist auch so überwältigt von der Liebe Jesu, der zu ihm kommt und ihm zum Glauben helfen will, daß er nur sagen kann: „Mein Herr und mein Gott!“ Damit hat er das höchste Bekenntnis zu Jesus ausgesprochen, das es nur geben kann. Thomas hat erkannt, wer Jesus schon   immer gewesen ist: Der Herr der Welt und aller Menschen, auch der Herr des ungläubigen Thomas.

Aber er ist ja gar kein ungläubiger Thomas mehr. Einen Beweis im menschlichen Sinne ist hier gar nicht mehr nötig, Thomas ist von der Liebe Jesu überwunden. Jetzt redet er nicht mehr über den Glauben, sondern bekennt sich zum Glauben an Jesus. Jesus ist viel mehr als ein Meister, er ist der „Herr“, in dem man gleichzeitig auch Gott finden kann. Hätte er nur gleich gemerkt, wer Jesus ist!

Es ist nicht deutlich, ob Thomas wirklich seine Hände auf die Nägelmale gelegt hat. An sich ist es nicht nötig. Er hätte es tun können. Aber nachdem er sich zu Jesus bekannt hat, ist so etwas ja nicht mehr nötig. Thomas glaubt auch ohne das.

Jesus aber sagt nun zu ihm: „Thomas, weil du mich gesehen hast, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Damit kritisiert er Thomas, der das Wunder forderte. Er fordert ihn auf, doch allein dem Wort zu glauben: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Jesus geht noch einmal auf den Wunsch eines Jüngers ein. Aber damit sollen alle Zweifler es nun genug sein lassen. Alle Einzelheiten der Oster­-Erzählungen sind nicht so wichtig wie das Bekenntnis zu Jesus, dem auferstandenen und lebenden Herrn. Echter Glaube hält sich nur an Jesu Wort, auch gegen allen Augenschein!

 

Antwortgespräch:

Wir betrachten wieder eine Plastik von Ernst Barlach: Thomas.

Sein Gesicht und sein ganzer Kopf machen deutlich, wie erschrocken er über den Unglauben ist. Aber er ist ja nur ein Beispiel für alle Zweifler. Auch die anderen Jünger haben ja erst geglaubt, nachdem sie gesehen haben. Thomas bittet um Verzeihung für seinen Unglauben, sein Körper krümmt sich Jesus entgegen. Die Hände hat er auf die Schultern Jesu gelegt: „Ich möchte zu dir gehören! Nimm mich doch wieder an!“ will er sagen. Jesus hält ihn fest und zieht ihn zu sich heran. Aber sein Blick geht über Thomas hinweg. Er sieht den Betrachter des Bildes an und fragt ihn: „Willst du auch zweifeln oder willst du glauben!“

Richtiger Glaube braucht nicht zu sehen. Er gründet sich nicht in erster Linie auf die Hör- und Seherlebnisse der ersten Osterzeugen. Er bezieht sich zwar auf diese Zeugnisse. Aber er kommt zustande durch das Hören des Wortes Gottes in der heutigen Verkündigung. Dabei kommt es nicht auf sichtbare Beweise an, sondern auf Vertrauen und Wagnis. Dieses gewinnt man durch den Verzicht auf das Sehenwollen und das tägliche Hören auf Gottes Wort.

Thomas handelte richtig, als er im Kreis der Osterzeugen blieb. Nur hier konnte er die Wahrheit finden. An sich war es sein gutes Recht, nicht einfach die Glaubensbekenntnisse der anderen nachzusprechen. Er wollte zu einer persönlichen Glaubensgewißheit kommen. Er möchte nicht, daß sein Glaube nur ein Hirngespinst sei. Wir heute allerdings können es besser wissen als Thomas. Wir blicken auf viele Jahrhunderte an Glaubenserfahrungen zurück und könnten nun eigentlich wissen, was richtig ist.

Dennoch gibt es auch heute Menschen , die nicht glauben können . Aber Jesus gibt keinen auf, sondern geht ihm in seiner Liebe nach. Er hilft uns durch s ein Wort und Sakrament zum Glauben. Wer sich daran hält ‚ wird seine Zweifel überwinden und auch bekennen können: „Ich glaube, daß Jesus Christus sei mein Herr!“(Erklärung zum zweiten  Glaubensartikel).

 

Viele in der Gemeinde werden sagen: „Wir haben doch gar keine Zweifel am Ostergeschehen, wir sind doch kein ungläubiger Thomas!“  Bei Johannes sind diese Geschichten herausgesponnen aus der Bemerkung der Synoptiker  „etliche aber zweifelten“. Haben wir heute wirklich keine Zweifel?

Da sind Menschen selbstsicher und gläubig. Aber dann ist gerade ihr Sohn im Krieg gefallen und schon war der Zweifel da. Gleiches gilt, wenn Krankheit sich einstellt oder es zu einer Scheidung kommt, aber es geht auch bis hin zu Umweltproblemen.

Es geht hier also nicht um das intellektuelle Problem, ob eine Auferstehung möglich ist oder nicht, sondern um tiefe Fragen. Da kann man doch nur drei Tage betroffen daneben stehen wie Hiobs Freunde, ohne eine Patentlösung zu finden. Thomas hat keinen Theologenzweifel, sondern der Sinn des Ganzen ist ihm entfallen, es ist ihm „zum Kotzen „, er sieht keinen Ausweg und keine Hoffnung. Es geht also nicht nur um einen Auferstehungszweifel, sondern um den umfassenderen Zweifel.

Wir fragen schon: Macht es einen Sinn zu leben und wie wir leben, erwarten wir da Hilfe von Gott und aus Gottes Wort? Die Alten sagen: „Die paar Jahre bringen wir noch rum!“ Aber die Jungen sagen: „Soll das denn schon alles gewesen sein? Jetzt sind wir noch jung ,jetzt können wir uns noch einmal umstellen!“ Und dann erhoffen sie sich eine Sinngebung durch einen Umzug oder sonst etwas.

 

 

Johannes  20 im Überblick 

Die Jesus-Maria-Perikope zeigt einen sichtbaren Christus nach der Passion und eine Frau, die sich seiner bemächtigen möchte. Worin der Glaube der Maria wurzelt, ist höchstens Vorland des Glaubens. Niemand sollte seinen Glauben gründen auf dieses seltsame Spiel mit dem geöffneten Grab, mit der Engel- und Herrenszene, mit Mißverstehen und Verstehen. Maria ist der Typus der sich Erinnerndem.  Ihr Interesse wurzelt an der Unversehrtheit des Grabes, sie fordert das Grab und den Toten, ihre Liebe erwartet den toten Herrn.

Sie muß erst die neue Weise der Gemeinschaft mit dem Herrn lernen: Alle Verbindung mit ihm meint auch eine Trennung. Aber Jesus wird auch beim Vater mit denen verbunden sein, die auch beim Vater sein werden; sie sind beim Vater, weil Jesus als der Auferstandene dort für sie vorstellig wird.

Noch am gleichen Tag kommt es zur Erscheinung Jesu vor allen Jüngern, auch wenn Judas und Thomas fehlen. Sie haben sich aus Angst vor den „Juden“ versteckt. Die Türen sind fest verschlossen, um das Wunder des Erscheinens Jesu deutlich zu machen. Er ist nicht mehr auf menschliche Wege angewiesen. Er zeigt seine Hände und seine Seite, die Zeichen der Kreuzigung. Der Auferstandene ist derselbe wie der Gekreuzigte. Die Erfahrung der Gegenwart Christi macht die Jünger froh.

Jesus grüßt nicht nur mit dem üblichen Friedensgruß, sondern spendet selber Frieden. Er erneuert seine Zusage und leitet die Sendung der Jünger ein. Es gibt kein Atemholen, der Auftrag Gottes muß weitergehen. Sie brauchen aber auch den Heiligen Geist. Bei Johannes ist Ostern und Pfingsten eine Einheit, alles geschieht noch „am ersten Tag der Woche“.

Wo der Geist Gottes weht, da werden die verschlossenen Türen der Angst aufgestoßen. Mit der Verleihung des Geistes verbunden ist die Vollmacht zur Sündenvergebung. Die Gemeinde hat mehr Aufgaben im inneren Bereich und bedarf dazu der Bevollmächtigung, die Missionssituation ist nicht so sehr gegeben.

 

Der ungläubige Thomas ist ein sympathischer Typ. Wenn er nicht im Johannesevangelium vorkäme, kämen wir auch nicht darin vor. Eine Parallele sind die Samaritaner  (Joh 4), die auch nicht glauben wollen. Heute wird nicht so sehr daran gezweifelt, daß Jesus wahrer Mensch war, vielmehr wird gefragt, ob Jesus auch Gott ist. Wichtig ist, daß der Auferstandene derselbe ist wie der Gekreuzigte. Der in die Herrschaft eingesetzt ist, bleibt aber der Gekreuzigte. Hier wird der Zweifler angenommen; er soll nicht „die Augen schließen und glauben blind“, wie es im Lied heißt. Aber er wird aufgefordert zu einem anderen Sehen. Wir glauben aber nicht, weil wir hören ,er habe sich damals noch einmal gezeigt. Wir glauben, weil wir seine Gegenwart erfahren in Wort, Sakrament und Mitmensch. Glaube ist die Sehschulung, daß die Welt nicht von Gott verlassen ist, sondern der Auferstandene in ihr gegenwärtig ist. Die Texte sind eine Anregung für die Phantasie des Glaubens, daß wir ihn h e u t e sehen lernen. Wir sind nicht schon deshalb selig, weil wir nicht mehr sehen können.

 

 

Der Auferstandene am See Tiberias: Joh 21,1-25

Erzählung:

Nach Ostern sind die Jünger wieder an den See Genezareth gegangen. Hier hatte sie Jesus zu Jüngern berufen, hier hatte er gepredigt, hier haben sie viele Wunder mit ihm erlebt. Nun scheint wieder alles so wie früher zu sein. Nur sind sie eben allein. Was sollen sie nur machen? Etwas müssen sie doch tun!

Schließlich steht Petrus auf und sagt: „Ich will fischen gehen!“ Das ist wirklich noch das Vernünftigste, was man machen kann. Die anderen sagen: „Wir kommen mit!“ Es ist Abend, sie steigen in das Boot und werfen die Netze aus.

Aber in der ganzen Nacht fangen sie keinen einzigen Fisch. Sie können sich darüber nur wundern, denn sonst gibt es doch viele Fische in dem See. Nun aber stehen sie wieder vor dem Nichts. Schon wird es hell, der Morgen kommt. Müde und verzagt fahren sie zurück.

Aber steht da nicht jemand am Ufer? Undeutlich steht eine Gestalt im Dämmerlicht, wohl ein Fremder Doch er ruft ihnen zu: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Traurig antworten sie: „Wir haben nichts, nicht einmal für uns!“ Da sagt der fremde Mann: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr Fische fangen!“ Das ist ein seltsamer Rat. Aber die Jünger  befolgen ihn und fahren noch einmal los. Da wird das Netz voll und schwer von Fischen, so daß sie es kaum noch ziehen können.

Da spricht Johannes zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Damit will er sagen: „Nur unser Herr kann uns so reich beschenken. Ohne ihn können wir nicht mehr leben und arbeiten!“ Doch nun Petrus wirft sich sofort ins Wasser und schwimmt auf Jesus zu. Nun, wo er ihn erkannt hat, möchte er ihm so nahe sein wie möglich. Die anderen Jünger bringen die Boote an Land. Schwer müssen sie ziehen, so voll sind die Netze, so reich ist ihr Fang. Gleichzeitig mit Petrus kommen sie an.

Am Ufer erwartet sie eine neue Überraschung: Ein Kohlenfeuer brennt am Boden und brät ein paar Fische und Brot. Jesus aber sagt: „Bringt her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!“ Da zieht Petrus das Netz an Land. Es enthält 153 Fische und zerreißt doch nicht.

Da sagt Jesus: „Kommt und nehmt eure Mahlzeit ein!“ Mit großer Fürsorge kümmert er sich um die Seinen, wie er es immer schon getan hat. Keiner der Jünger wagt, ihn zu fragen: „Wer bist du?“ Sie wissen ja, daß es ihr Herr ist. Er selber bedient sie, gibt ihnen das Brot und die Fische. Die von ihnen gefangenen Fische werden gar nicht gebraucht. Da erkennen sie: Sie brauchen gar nicht für sich selber zu sorgen, es ist schon alles bereit, der Herr sorgt für die Seinen, so wie er das vorher auch getan hat. Sie brauchen nie mehr traurig zu sein. Sie sind nicht allein. Jesus lebt.

Aber noch ist eine Sache zu klären, die trennend zwischen Jesus und einem seiner Jünger stehen könnte. Petrus hatte ja als Jünger schwer versagt. Als man ihn fragte, hatte er gesagt: „Ich kenne diesen Jesus nicht!“ Wie kann er da weiter der Jünger Jesu sein? Wie soll er da einmal sein Apostel und Leiter der neuen Gemeinde Jesu werden können? Nach dem Mahl spricht Jesus zu Simon Petrus: „Simon, des Johannes Sohn, hast du mich lieber, als mich diese haben?“ Ganz feierlich

klingt es. Petrus antwortet schnell: „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe!“ Da sagt Jesus zu ihm: „Weide meine Lämmer!“ Jesus kann jetzt nicht mehr als der gute Hirte für die Seinen sorgen. Nun soll Petrus es in seinem Auftrag tun.

Jesus fragt noch ein zweites und ein drittes Mal in gleicher Weise, und Petrus antwortet ebenso. Nur beim drittenmal ist Petrus doch etwas traurig, daß ihn der Herr so oft fragt. Aber schließlich hat er ihn ja auch dreimal verleugnet, so wird er nun dreimal gefragt. Außerdem ist so alles ernster und feierlicher.

Diesmal sagt Petrus: „Herr, du weißt alle Dinge. Da weißt du doch auch, daß ich dich lieb habe!“ Da gibt ihm Jesus noch einmal den Auftrag:  „Weide meine Lämmer!“ Aber nun fügt er hinzu: „Als du noch jünger warst, hast du dir der Gürtel um dein Gewand selber umgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst!“

Da weiß Petrus ganz sicher: Der Herr hat mir vergeben. Er braucht mich noch, ich darf wieder in seine Dienste treten. Allerdings wird das nicht leicht sein. Jesu Boten werden auch Dinge tun müssen, die ihnen gar nicht so lieb sind, werden leiden und vielleicht auch sterben müssen. Jesus fordert ihn noch einmal auf: „Folge mir nach!“ Dazu ist Petrus gern bereit.

 

Antwortgespräch:

Wir hören hier von der Berufung bzw. Wiederberufurg des Petrus in den Dienst Jesu. Es wird ihm gesagt, daß durch die Predigt der Jünger eine Gemeinde zusammen­kommen wird. Die Zahl der Fische soll andeuten, daß alle Völker der Welt in dieser „Fang“ einbezogen werden; allerdings wird dieses Amt nicht mit eigener Kraft bewältigt werden können. Jesus gibt Stärkung durch das Abendmahl für diesen Auftrag. So macht er es bis heute. Und wenn einmal etwas mißlungen ist, dann vergibt der Herr auch uns und stellt uns neu in seinen Dienst