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Familiengottesdienste I

 

 

Familiengottesdienste

 

Vorbemerkung

Ein Gottesdienst wird nicht dadurch zu einem Familiengottesdienst, daß man die Kinder mit zum Gottesdienst der Erwachsenen einlädt und sie dort ein Lied singen läßt. Die Kinder gehören die ganze Zeit dazu (allenfalls bei der Predigt könnte man sie extra nehmen). Aber dann muß der Gottesdienst auch so gestaltet werden, daß er für Erwachsene und Kinder gleich ansprechend und aufschlußreich ist. Man muß also eine Idee haben, die den ganzen Gottesdienst bestimmt. Erst nachträglich sucht man sich einen Bibeltext dazu. Der Einstieg kann auch ruhig überraschend sein. Die Gottesdienstbesucher sollen immer mit einer Überraschung rechnen können. Selbstverständlich sind die Kinder möglichst viel zu beteiligen. Möglich sind Anspiele, Zeichenhandlungen, Bildbetrachtung auch einmal ein Lied. Natürlich müssen die nun folgenden Beispiele individuell ausgestaltet und ausgeweitet werden. Auch ich habe mir für diese Gottesdienste viele Anregungen von anderen geholt.. Man kann die Vorschläge also nicht direkt übernehmen

 


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>>>>>>>>  Familiengottesdienste  I

 

 

 

 

 

Gliederung:

Schulanfängergottesdienste (hierzu Religionslehrer heranziehen)

Kirchenjahr

Bibelstellen

Sonstiges

 

 

S c h u l a n f a n g

 

Allgemein:

Beim ersten Läuten: Probe des Liedes mit den Kindergottesdienstkindern

Gottesdienst: Sonntagsgottesdienst für die ganze Gemeinde, besonders aber für Schulanfänger, ihr Eltern, Paten und Geschwister sowie für den Kindergottesdienst.

 

Eingangslied und Liturgie wie üblich bis zum Kollektengebet.

Erzählung zum Predigttext.

Lied der Kindergottesdienstkinder (Einsatz geben)

Predigt (vom Lesepult aus)

Chor: Mehrstimmiges Lied mit Sologesang

Abkündigungen mit Verlesung der Namen der Schulanfänger

(auch wenn sie nicht alle da sind).

 

Lied. „Steht auf ihr lieben Kinderlein“

Bei diesen Worten kommen die Kinder mit ihren Eltern und Paten (oder auch allein) noch vorne und stellen sich im Halbkreis um den Altar, die Kinder in der vordersten Reihe.

 

Gebet für die Kinder, Eltern, Geschwister, Paten, Lehrer……

Laßt uns in der Stille unsere Sorgen und Nöte im Gebet vor Gott bringen….

Laßt uns mit der ganzen Gemeinde über diesen Kindern das Vaterunser beten……

Segen (zu den Kindern gewandt, die Hände über sie erhoben):

Der allmächtige Gott, der auch euch berufen hat zu einer lebendigen Hoffnung, der segne euren Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Amen! (Kreuz).

Ton in der Hand des Schöpfers:  Jer 18 - 19     

 

In der Töpferwerkstatt (Bericht):

In der Töpferwerkstatt kann man sehen, wie Blumenvasen unterschiedlichster Form und Größe auf der Töpferscheibe gedreht werden. Zuerst kommt nur ein Klumpen rötlicher Ton  auf die Scheibe, die sich ständig dreht. Unter den geschickten Händen der Frauen und Männer entstehen dann wunderbar geformte Gefäße. Es klappt nicht jedesmal gleich, dann muß ein neuer Versuch begonnen werden.  Manche Töpfer machen kleine dicke Vasen, andere hohe und enge, mit oder ohne Henkel. Manche werden hinterher mit Blumenmustern bemalt, andere nur glasiert. Im Brennofen werden sie dann hart gebrannt. Manche mißlingen auch oder gehen beim Brennen kaputt. Dann werden sie als Abfall fortgeworfen. Es werden dort auch noch andere Dinge als die Vasen hergestellt: Teller, Aschenbecher, große Blumenkübel und Ähnliches. Den Kindern gefallen wohl  besonders die großen Teddybären und Elefanten, die für Kinderspielplätze bestimmt sind (eventuell einen Krug vorzeigen).

 

Biblische Geschichte:

In der Bibel ist öfter vom Töpfer und vom Ton die Rede. Meist soll dabei deutlich gemacht werden: Gott kann mit uns umgehen wie der Töpfer mit dem Ton. Er hat uns erst das Leben gegeben, er formt uns auch nach seinem Bild. Er schafft  den Menschen so, wie er ihn haben möchte: als Junge oder Mädchen, als Weißer oder Schwarzer, als Gesunder oder Kranker, als Deutscher oder Pole. Wir wollen heute einmal hören, wie der Prophet Jeremia zu einem Töpfer in die Werkstatt ging und wie ihm dabei deutlich wurde: Gott kann sogar ein ganzes Volk wegwerfen, wenn es nicht nach seinem Willen handelt.

 

Erzählung: Jer 18,1-6; 19,1-5 und10-11

In der Stadt Jerusalem lebt ein Gottesmann, ein Prophet. Gott hat ihm der Auftrag gegeben, seinem Volk den Willen Gottes zu sagen. Er soll sie mahnen, ja nie etwas anderes zu tun, als Gott es will. Ein Prophet ist also so etwas wie heute ein Pfarrer.

Eines Tages kommt der Prophet Jeremia in die Werkstatt eines Töpfers. Gern sieht er ihm bei der Arbeit zu. Er hat einer Klumpen nassen Ton vor sich auf der Töpferscheibe. Er stößt sie mit dem Fuß an, so daß sie sich schnell dreht. Mit der Hand formt er sorgfältig den Ton, so daß eine Schüssel oder ein Teller oder ein Milchkrug daraus entstehen.

Doch heute scheint der Meister einen schlechten Tag zu haben. Wenn er einen Topf betrachtet, dann ist er  nicht damit zufrieden und knetet ihn noch einmal neu. Immer wieder mißrät ihm das Werkstück, bis er dann endlich einigermaßen zufrieden damit ist.

Aber niemals gibt er auf. Er wirft den Tor nicht einfach weg, sondern versucht es immer wieder neu. Er formt den Ton, wie es ihm gefällt: rund oder schmal, mit breitem oder mit schmalem Rand. Er kann das machen, wie er will, er ist sehr beweglich in seinem Planen und Arbeiten. Aber er treibt kein sinnloses Spiel, sondern er arbeitet ernsthaft. Und am Ende wird dann doch immer etwas daraus.

Als Jeremia noch so zusieht, da weiß er  plötzlich, was Gott ihm damit sagen will: Sowie der Töpfer über der Ton, so hat auch Gott uneingeschränkte Macht über sein Volk. Es ist wie Ton in seiner Hand. Er kann damit machen, was er will. Und wenn das Volk urgehorsam gegenüber Gott ist, dann kann er es nicht mehr gebrauchen, dann muß er es vernichten; er kann höchstens aus dem Material etwas anderes machen.

Jeremia kauft einer Krug beim Töpfer. Er braucht ihn nicht für seinen Haushalt, sondern er will damit seinem Volk den Willen Gottes deutlich machen. Unter den Leitern des Volkes und den Priestern hat er noch einige Freunde. Die nimmt er mit, als er ins Tal Hinnom im Süden der Stadt geht. Dort ist ein schrecklicher Ort, denn  hier hat man kleine Kinder umgebracht und sie dem Gott Moloch geopfert. Der Gott Israels kann sein Volk nur für diese Greueltaten bestrafen.

Jeremia muß nun seinem Volk die Strafe Gottes ankündigen .Er sagt: „So spricht Gott, der Herr: Ich will solches Unheil über diese Stätte bringen, daß jedem die Ohren gellen sollen, der es hören wird. Ihr habt der wahrer Gottesdienst mit dem Götzendienst vertauscht. Wahrer Gottesdienst und Gehorsam gegen Gott zeigt sich im Halten seiner Gebote. Ihr aber habt kleine Kinder, die Geschöpfe Gottes, getötet. Deshalb wird Gott ein Gericht über euch halten. Dann wird dieses Tal hier sogar ‚Mordtal‘ heißen, weil so viele Leute aus dem Volk durch das Schwert umkommen werden. Es wird so viele Tote geben, daß man sie sogar an dem Ort begraben muß, wo die Kinder geopfert wurden. Dann wird dort nie mehr eine heilige Stätte für den falschen Gott sein können!“

Dann zerbricht Jeremia den Krug in tausend Stücke. Damit will er zeigen: So vollständig wird auch die Stadt Jerusalem und der Tempel zerstört werden. Nichts wird wieder ganz werden. Die Schuld wird immer über der Stadt bleiben, weil man Gott den Gehorsam verweigert hat!“

Das Volk wird nur dann der Strafe noch entgehen können, wenn es sich auf der Stelle ändert. Es kann sich ja frei entscheiden, kann auf Gott hören oder etwas tun, was ihm nicht gefällt. Der Ton kann das nicht, er wird allein vom Töpfer geformt. Die  Men­schen aber können ihre Schuld einsehen und sich wieder Gott zuwenden. Wenn er ihnen droht, will er sie nur auf der nichtigen Weg zurückführen. Wenn sie zu ihm kommen, wird er sie bewahren und seine Hand über ihnen halten.

 

Lied:

„Wer hat uns denn aus Ton gedreht“ (von Hans Kurt Ebert): Das Lied wird zunächst eingeübt, mindestens der erste und zweite Vers und dazu der Refrain. Dann werden die Fotografien gezeigt (siehe unten) und dazu die einzelnen Strophen des Liedes gesungen; zum Schluß kann noch einmal das ganze Lied gesungen werden.

 

Bilder:

(1) Menschlicher Körper mit seinen innerer Organen:

Man könnte den Menschen vergleichen mit einer großen Fabrik, in der Pumpen und Kessel, Mischmaschinen und Förderbänder stehen. Und doch ist unser Körper sehr viel komplizierter und viel mehr als alle Technik. Allein wenn wir das menschliche Auge nachbauen wollten, hätten wir ungeheure Schwierigkeiten. Das wird ja auch deutlich, wenn einmal ein Körperteil oder Organ ersetzt werden soll. Es stimmt schon, was hier auf diesem Blatt steht: „Das größte Wunder ist der Mensch“."

(2) Bauern auf einem Mähdrescher:

Unsre Erde dreht sich seit vielen Millionen Jahren. Wir erleben Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wir erleben, wie es draußen auf den Feldern wächst und jetzt in dieser Jahreszeit nacheinander geerntet werden kann. Der Mensch hat die Fähig­keiten, die Gaben der Erde für seine Zwecke zu nutzen. Er ist selber ein Stück Erde und lebt von dem, was auf der Erde wächst. Wer groß ist, hat schon viele Nährstoffe der Erde in sich angesammelt , die anderen werden schon noch so weit kommen (Wir stellen fest, wer der leichteste und der schwerste ist bzw. einige Kinder nennen einfach ihr Gewicht, eventuell Personenwaage mitbringen und an Ort und Stelle wiegen).

(3) Mann und Frau:

Wer hat uns denn aus Ton gedreht? Diese Frage können wir sicher beantworten: Gott hat uns gemacht, so wie wir sind. Er hat die Eltern  dazu als Helfer genommen, aber letztlich ist er doch der Schöpfer. Er hat auch gewollt, daß ein Mensch zur Frau oder zum Mann, zum Mädchen oder zum Jungen wird (auf dem sind Bild auch Schwarz und Weiß zu sehen).

(4) Testpilot und Holzwerkstatt:

Es ist nicht leicht einzusehen, weshalb Gott unser Schöpfer sein soll. Das will nicht so leicht in den Kopf hinein.  Aber wir gebrauchen unser Gehirn doch auch sonst, um in der Schule zu lernen, um uns ein Handwerk anzueignen oder gar mit modernsten Maschinen umzugehen wie dieser Flieger. Unser Verstand ist auch in der Lage, Gott als unsrer Herrn und Schöpfer zu erkennen.

(5) Kleinkind mit Brause am Ohr:

Gott läßt uns entstehen und heranwachsen. Nicht nur unser Körper wird größer, auch der Verstand soll ja mitwachsen. Wir sollen größer und klüger werden. Aber auch im Glauben sollen wir vorankommen, immer mehr und besser erkennen, wer unser Schöpfer ist

(6) Kellergang, der zum Licht führt:

Einmal wird unser Leben auch wieder ein Ende haben. Gott hat es uns gegeben, er kann es uns auch wieder nehmen. Aber wenn unser Leben einmal endet, dann ist nicht alles aus, sondern wir gehen dem Licht Gottes entgegen. Er hat eine neue Welt und ein neues Leben für uns bereit.

(7) Kinderschwester:

Mancher meint, er habe alles und er brauche die anderen nicht. Aber die anderen, brauchen uns.  Es genügt nicht, wenn wir einen vollen Bauch haben. Gott hat uns unseren Kopf, die Arme und die Beine dazu gegeben, daß wir sie für andere Menschen einsetzen. Wenn wir uns anderen Menschen zu wenden, um ihnen zu helfen, erfüllen wir Gottes Gebot. So hat er uns haben wollen, zu diesem Zweck hat er uns erschaffen.

Wir wollen unseren Dark an Gott zum Ausdruck bringen, indem wir in gewohnter Weise Gott preisen mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

 

Predigt:

Manchem wird der Vergleich mit dem Töpfer gar nicht gefallen haben. Er möchte nicht Ton in der Hand irgendeines Töpfers sein, sondern sein Leben selbst gestalten. Er möchte den Beruf ausüben, der ihm Spaß macht. Er möchte hinreisen körnen, wohin er will. Er möchte den Ehepartner haben, wie er ihr sich vorgestellt hat. Die Kinder möchten sich vielleicht den Freund oder die Freundin aussuchen, sie möchten selber entscheiden, ob sie zur Schule gehen und wie lange sie abends aufbleibe- dürfen und welche Fernsehsendungen sie sehen dürfen.

Aber statt dessen erleben wir immer wieder, wie sehr wir unter bestimmten Zwängen stehen. Ob man zur Schule gehen will oder nicht, danach wird man gar nicht gefragt. Eine Arbeit muß auch jeder haben, sonst verdient man kein Geld. Und das brauchen wir wiederum, daß wir alles kaufen können, was das Herz begehrt. Wer ein Auto fahren will, muß erst eine Fahrerlaubnis haben. Und wer mit der Eisenbahn fahren will, muß erst eine Fahrkarte kaufen.

Bei manchen Dingen  sehen wir ja noch ein, daß sie sein müssen. Aber wir stöhnen unter denen, die nach unserer Meinung nicht sein müssen. Es ist ja auch nicht schön, wenn wir mit bestimmten Leuten  keine  Verbindung  haben sollen, obwohl uns doch so sehr an ihnen liegt. Wir wollen reden können, was wir denken, und uns von niemand einen Maulkorb umhängen lassen.

Wie ist das nur mit Gott? Engt er unser Leben auch unnötig ein oder gehört er einfach mit zu unserem Leben dazu? Viele sind der Meinung,  Gott sei so ein völlig willkürlicher Diktator oder wie ein Marionettenspieler, der die Puppen tanzen läßt . Deshalb unterstellen sie sich ihm gar nicht erst, sondern tun so, als existiere er überhaupt nicht, jedenfalls nicht für sie.

So war es schon zur Zeit des Propheten Jeremia. Er muß seinem Volk deswegen die Strafe Gottes ankündigen: Gott wird sie zerschmettern, so wie man einen Krug am Boden zerknallt. Allerdings hat er auch gute Gründe dafür, denn sie haben nicht auf seine Gebote gehört und nicht nach seinem Willen gefragt. Sie haben versucht, sich nicht von ihrem Schöpfer formen zu lassen, sondern wollten ihr Leben nach eigenem Gutdünken gestalten.

Aber ist es denn wirklich so schlimm, wenn wir uns unter den Schutz Gottes stellen und unser Leber vor ihm formen lassen? Fahren wir denn schlecht damit, wenn wir auf Gott hören? Ist es nicht auch schön, wenn man sein Leben nicht allein verantworten muß, sondern einen starken Helfer dabei hat?

Wer ein Kunstwerk schaffen will, muß dazu Talent und auch handwerkliches Geschick haben. In der Regel braucht man dazu auch eine Ausbildung und Hand­werks­zeug. Es kann also nicht jeder Beliebige an eine solche Aufgabe gehen. Der Mensch aber ist bestimmt so Kunstwerk. Gott hat ihn geschaffen, so wie ein Künstler aus Ton

eine Figur formt und dann die Einzelzüge noch herausarbeitet.

In jener alten Geschichte am Anfang der Bibel wird ja versucht, diesen Vorgang bildhaft darzustellen. Wenn Gott unser Schöpfer ist, dann ist er aber auch unser Er­hal­ter.  Mit der Schöpfung hat er bewiesen, daß er etwas von seinem Handwerk versteht. Da kann man ihm auch den Kundendienst und die weitere Pflege seines Werk­stücks an­vertrauen. Das Beste ist für den Menschen gerade gut genug. Man geht doch nicht zu irgendeinem Angelernten, der behauptet, etwas von der Sache zu verstehen, son­dern man geht doch zum Meister selber, wenn man ihn haben kann.

Gott bietet sich uns ja an, er will sich ja gern um uns kümmern. Er möchte doch nicht, daß sein Werk durch andere vermurkst wird. Immer wieder ruft er uns, doch ihm zu folgen. Die Taufe war der Vertrag, durch den er sich an uns gebunden hat; da hat er erklärt, daß er auch in Zukunft für uns sorgen will. Es liegt nun an uns, ob wir uns ihm anvertrauen und uns von ihm formen lassen.

Aber wenn wir uns als seine Geschöpfe verstehen, dann will er auch unser ganzes Leben haben. Er will bei uns sein bei allem, was wir tun. Er hat ja den Plan schon im Kopf, wie alles mit uns werden soll. Er will nicht zulassen, daß andere uns verplanen, denn er weiß allein,  was für uns gut und nichtig ist. Manchmal wird ihm sein Werk auch nicht gefallen und er wird noch einmal von vorne anfangen. Das kann sehr schmerzlich für uns sein, wenn ein verheißungsvoller Anfang wieder zunichte­ge­macht wird und wir noch einmal an den Ausgangspunkt  zurückgeworfen werden. Wir hatten gedacht, so sei es nichtig, und dann war es doch ein Irrweg. Mancher wäre auch zufrieden gewesen mit dem, was erreicht wurde. Aber Gott will immer das Beste für uns, er gibt sich nicht mit Halbheiten zufrieden.

Wir müssen aber damit rechnen, daß nicht alles so läuft, wie wir es uns vielleicht wünschen. Das sei vor allem auch den Eltern gesagt, deren Kinder jetzt in die Schule gekommen sind und für die der Religionsunterricht nun neu beginnt: Nicht sie können etwas aus den Kindern machen, sondern Gott formt den Menschen nach seinem Bilde und macht etwas Ordentliches aus ihnen.  Wer schon ältere Kinder hat und wer

sein eigenes Leben vorurteilslos ansieht, der wird das vielleicht bestätigen können.

Alle, die vielleicht enttäuscht sind über sich oder ihre Kinder, denen sei zum Schluß noch eine  Geschichte erzählen aus einen tschechischer Kinderbuch. Sie handelt vor einer Giraffenfamilie:

Als die Giraffe noch in die Schule ging, hatte sie in Rechnen und Lesen immer eine Eins, nur in Turnen hatte sie immer eine Fünf, weil sie keinen Purzelbaum schaffte: Sie konnte machen, was sie wollte, ein Purzelbaum gelang ihr nicht, denn der Hals war zu lang. Sie war ganz unglücklich darüber. Man riet ihr: „Das mußt du so und so machen. Sieh nur, wie einfach es ist!“ Aber der Giraffe wollte und wollte es nicht glücken, sie wußte nicht, was sie mit dem Hals anfangen sollte.

Und die Frau Lehrerin sagte: „Giraffe, Giraffe, was bist du nur für ein Tolpatsch. Das wird ein hübsches Zeugnis geben. Was werden der Herr Vater und die Frau Mutter dazu sagen?“ Und die Giraffe weinte viele Tränen; und wer zufällig da vorbeiging, dachte, es regnete.

Und als das Schuljahr um war und es Zensuren gab, hatte die Giraffe in Turnen tatsächlich eine Fünf; und sie weinte noch mehr als im Jahr zuvor. Als sie nach Hause kam, fragten der Vater und die Mutter, was sie denn habe. Die Giraffe gestand, daß sie in Turnen eine Fünf habe. Die Mutter und der Vater sagten kein Wort, gingen nach nebenan und hatten eine lange Unterredung. Und als sie wieder kamen, brachten sie ihre alten Schulzeugnisse mit. Und wie die kleine Giraffe da draufschaute, entdeckte sie in Turnen lauter Fünfen!

Auch wenn einer in der einen oder anderen Hinsicht nicht so zurechtkommt, so hat sein Leben doch einen Sinn. Gott hat etwas mit uns vor und wird uns schon zu etwas machen. Er formt uns aber nach seinem Bild. Aber wir sind auch in seiner Hand, da kann uns nichts passieren. Was auch geschieht, bei ihm sind wir gut aufgehoben.

 

Lied von den Händen                                                                              Gerhard Valentin

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er  Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

Einer:

Laßt uns doch einmal überlegen, um uns vorwärts zu bewegen,

brauchen wir die Haxen. Meisten vier hat das Tier,

zweie sind des Menschen Zier.

Aber warum und weswegen

sind uns dann zu Fluch und Segen

Hände angewachsen.

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er  Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

Einer:

Mit den Händen kann man fassen,

kann sich selber fassen lassen von geliebten Händen.

Man gewinnt Frau und Kind,

Hände die uns freundlich sind

Andre Hände muß man hassen,

weil sie nicht zu denen passen,

die uns gerne fänden.

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er  Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

Einer:

Hände lassen sich auch falten oder wie Gefäße halten

Und die dütftig waren, sind getränkt und beschenkt,

denn die Bettlerhand empfängt.

Doch wir wollen selbst gestalten und am eigenen Leib

die alten Sprüche erst erfahren.

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er  Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

Einer.

Mit den Händen kannst du schlagen oder auch den Schlag ertragen.

Stillesein und Rache, Widerstand,  Mord und Brand

liegen ganz in der Hand.

Was du willst, das mußt du wagen,

aber vorher sollst du fragen:

Ist das meine Sache?

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er  Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

Einer:

Schaffen sollen deine Hände, keine, die ihr Werk nicht fände.

Das mußt du verwalten.

Du zerschlägst oder pflegst, was du in den Händen trägst,

und stehst immer in der Wende.

Gottes Frage steht am Ende: Hast du hausgehalten?

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er  Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

 

Gott weiß einen Weg: Daniel 6   

Peter sitzt bei den Hausaufgaben.

Rolf: Tag, Peter, wie weit bist du mit Mathe?

Peter: Ich bin gleich so weit. Gehen wir dann zum Training?  Wie war übrigens gestern das Fußballspiel? Schade, daß ich nicht dabei sein konnte!

Rolf: Es war ganz nett!

Peter: Was ist denn mit dir? Bist du krank?

Rolf: Sag mal, bist du mein Freund?

Petr: Was ist mit dir? Klar bin ich dein Freund! Was du was angestellt?

Rolf: Eigentlich nichts. Es ist nur etwas Dummes passiert. - Kannst du den Mund halten?

Peter: Ich schwöre, daß ich nichts sage. Aber schieß doch los.

Rolf: Du kennst doch die großen Jungen aus unserer Straße, die waren auch beim Fußball. Vorher haben wir uns ausgedacht: Der Jörg wird Blitzknaller besorgen und die werfen wir dann am Eingang zwischen die Leute. Jeder mußte einen Euro dazu geben...Ich hab auch...

Rolf. Na, und weiter?

Rolf: Ich glaube, da ist nicht alles gut gegangen Wir sind ja weggerannt, aber mir ist so komisch.

Peter: Was soll schon passiert sein. Aber auf jeden Fall bleibt es geheim, daß du auch mit dabei warst.

 

Peter liest abends die Zeitung.

Peter: Haben die denn nichts über das Fußballspiel geschrieben? Doch, hier….Das kann doch nicht wahr sein!

 „Einige Jungen haben gestern am Eingang des  Stadions Knallkörper geworfen. Ein kleines Kind wurde dabei schwer verletzt. Bis jetzt fehlt von den Jungen jede Spur. Die Bevölkerung wird gebeten, bei der Suche mitzuhelfen“

 

Die Spielszene wird unterbrochen. Frage: Was ist nun zu tun? Was würdet ihr dem Peter raten? Soll er Rolf anzeigen? Wir wollen nun die Antwort spielen.

 

Vater kommt herein.

Vater: Du liest ja heute so lange die Zeitung. Gibt es was Besonderes?

Peter: Nöö! Aber lies doch bitte mal diesen Artikel, Vater

Vater:(beginnt zu lesen): Ja, und?

Peter: Würdest du zur Polizei gehen, wenn du einen kenntest, der dabei war?

Vater (nachdenklich): Hm, das ist schwer. D e r müßte selbst hingehen, denn es hängt ja ziemlich viel davon ab, daß der Täter gefunden wird.

Peter: Das verstehe ich nicht.  Was soll davon abhängen?

Vater: Vielleicht sind die Eltern versichert. Dann bekommt das verletzte Kind Geld. Aber warum interessiert dich das so?

Peter: Ich muß es dir wohl sagen. Rolf war auch dabei. Er hat mir davon erzählt. Aber ich habe ihm mein Ehrenwort gegeben, daß ich nicht petze.

Vater: Ein schwieriger  Fall.

Peter: Was kann man da tun?

Vater: Vielleicht sprechen wir einmal ganz offen mit Rolf über die Sache. Sicher ist ihm auch nicht wohl, weil er keinen Ausweg findet.

Peter: Können wir da gleich noch gehen?

 

Predigt:

Wir haben gesehen, wie Peter ratlos war, was er tun sollte. Durfte er seinen Freund Rolf verraten? Durfte er stille sein, wo doch so etwas Schlimmes passiert war? Vielleicht würde doch wenigstens die Versicherung dem Kind etwas zahlen?

Peters Vater weiß einen Ausweg. Sie verraten Rolf nicht. Aber Rolf geht von sich aus zur Polizei. Damit ist allen geholfen, nicht zuletzt auch Rolf seiber; denn er hätte es sicher doch nicht ausgehalten, immer mit seiner Schuld herumzulaufen. Peters Vater hat ihm den einzig möglichen Weg gezeigt , aus allem wieder heraus zu kommen und ein froher Mensch zu werden.

Nun heißt unser Thema aber: „Gott weiß einen Weg!“  Was hat diese Geschichte denn mit Gott zu tun? Nun, sehr viel! Denn wenn ein Mensch einem anderen hilft, dann handelt Gott an diesem Menschen. Gott hilft uns immer durch andere Menschen. Und wenn wir keinen Weg mehr wissen, dann schickt er uns einen Menschen, der uns den Weg zeigt.

 

 

Mancher unter uns wird sich fragen: Welches ist denn der richtige Weg für mich? Manche Eltern, deren Kind gerade in die Schule gekommen ist, machen sich schon Sorgen: Wird mein Kind einmal studieren können? Für dieses Ziel sind sie bereit, alles zu opfern.

 

 

[Wir zeigen das Bild „Daniel in der Löwengrube“, siehe Religionsunterricht,  Altes Testament, Daniel. Dort findet sich auch die Erzählung zu der Geschichte]

 

Daniel wird von der Hand Gottes geschützt. Wenn diese nicht mehr da ist, dann ist man wehrlos dem Löwen ausgeliefert. Dann wirft man ihm vielleicht einen Fleischbrocken nach dem anderen hin und wird am Ende doch noch mit Haut und Haaren gefressen. Wer heute Karriere machen will, der muß ein Opfer nach dem anderen bringen und sich am En de ganz aufgeben. Er darf keinen eigenen Willen mehr haben, sondern muß das Gesetz bis zur letzten Konsequenz erfüllen.

Es ist keine Schande, wenn man einmal Angst hat. Das kommt bei jedem einmal. Es ist auch nicht falsch, wenn man sich Sorgen macht um eine Entwicklung seiner Kinder. Hier gibt es doch sehr vieles zu bedenken und zu regeln. Aber die Teilnahme am kirchlichen Leben kann nur eine Hilfe sein, mit all diesen Sorgen und Ärgsten besser fertig zu werden. Hier wird uns gesagt: „Gott weiß einen Weg! Nicht was die Leute so sagen oder was die Nachbarin meint ist entscheidend, sondern was Gott uns zu sagen hat.

Wer das erkannt hat, der wird sich dann auch nicht mehr so sehr vor den Menschen fürchten. Er wird sich mehr  auf Gott verlassen, der bisher noch immer seine Leute erhalten hat. Er will sie einen geraden und ehrlichen Weg führen, wo man nicht ein Stück nach dem anderen vor seiner Persönlichkeit hergeben muß. Wer mit Gott geht, der wird auch glücklich und zufrieden sein, auch wenn er vielleicht nicht alles hat, was einem in dieser Welt geboten werden könnte.

Daniel hatte etwas erreicht im Leben. Er war ganz nach oben gekommen und er war doch ein ehrlicher Mann geblieben. Nun soll er sogar Stellvertreter des Königs werden. Das macht natürlich die anderen neidisch. Sie versuchen, etwas Negatives an Daniel zu finden .Das ist schwer, denn er ist ja gerade deshalb hochgekommen, weil er so ehrlich war.

Da verfallen seine Gegner auf seiner Glauben. Sie setzen ein Gesetz durch, nach dem nur noch eine Weltanschauung im Reich gelten soll. Urd wer nicht das Staatsoberhaupt anbetet, der kommt zu den Löwen. Wer nicht für den König ist, hat in diesem Land keine Existenzberechtigung. Und das wird so gesetzlich verankert, daß auch der König nicht daran vorbeikommt. Was einmal beschlossen ist, das muß auch durchgeführt werden, selbst wenn es hundertmal falsch ist. Die geschichtliche Ent­wicklung kann sich nicht irren: „Das Gesetz der Meder und Perser ist unaufhebbar!“ hieß es bei Daniel.

Aber auch wenn sie mit den Löwen drohen, dann braucht niemand Angst zu haben. Wo die Löwen sind, da ist Gott auch ganz in der Nähe. Da hält er schützend seine Hand vor den, der an ihn glaubt. Und er zeigt ihm einen Weg, wie er unbeschadet aus dem allen wieder herauskommen kann.

Natürlich wird heute niemand im wörtlichen Sinne den Löwen vorgeworfen. Es geht uns nicht so wie der Juden zur Zeit der Naziherrschaft. Aber es gibt andere Mittel, um einen Christen in die Enge zu treiben so wie den Daniel: Berufliche Kaltstellung und  Nichtbeachtung bei Auszeichnungen brauchen wir wohl kaum zu fürchten. Aber es kommt schon zu Verdächtigungen, Verleumdungen und Spott.

Liebe Kinder (Schulanfänger)! Laßt es euch nicht verdrießen, wenn euch einmal so etwas widerfährt. Gott zeigt euch schon einen Weg, wie ihr das alles an euch abprallen lassen könnt.

Liebe Eltern! Lassen Sie sich nicht unnötige Angst einjagen wegen des Weges Ihrer Kinder. Die werden ihrer Weg durchs Leben schon machen, wahrscheinlich viel besser, als Sie jetzt denken.

Der Glaube an Gott soll Sie dabei begleiten und Ihnen ein Schutz sein für Seele und Geist. Es stürmt sehr vieles auf die Kinder ein und sie haben Manches zu verdauen. Die Kinder werden nicht alles tun können, was man von ihnen verlangt, sie werden auswählen müssen. Wer sich seinen fester Standpunkt bei Gott sucht, der wird

es leichter haben mit seinen Entscheidungen. Wenn es um Glaubensdinge geht, wird er sofort wissen: Ich gehöre auf die Seite Gottes! Urd wenn ich bei ihm bleibe, bin ich auf dem richtigen Weg und es kann mir nichts passieren.

Das Reich der Meder und Perser ist vergangen und mit ihm alle Reiche dieser Welt. Das Volk der Juden aber besteht weiter. Und Christen wird es auch geben bis ans Ende der Welt. Wir brauchen uns keine Sorgen um die Zukunft zu machen, denn Gott weiß einen Weg, auch für uns!

[In dieser Predigt ist an sich die Situation in der damaligen DDR vorausgesetzt, an einer Stelle war die Aussage sogar noch schärfer: Heute heißt es: „Die Partei hat immer recht!“ Das mag in den meisten Fällen stimmen. Aber es stimmt nicht, wenn es um den Glauben geht. Und wenn sie hundertmal sagen: Wer im Gruppenrat ist oder zur Jugendweihe geht oder beim Armeesportklub trainiert, darf nicht zur Kirche - darauf braucht kein Christenkind zu hören!“ Aber in gewissem Maße kann die Predigt auch heute noch angebracht sein].

 

 

Weise mir Herr, deine Weg: Ps 86,11                         

Auf dem Weg zur Kirche stehen Kinder mit selbstgemachten Wegweisern,  die aber keine Aufschrift tragen, sondern nur auf die Kirche zeigen. Besonders viele Kinder stehen in unmittelbarer Nähe des Eingangs zur Kirche. Dort  liegt ein großes weißes Bettuch. Bei trockenem Wetter liegt davor noch ein nasser Scheuerlappen, damit sich der Straßenschmutz auch gut auf dem Bettuch niederschlägt.

 

Begrüßung:  Herzlich willkommen die Alten und die Jungen. Der Weg in die Kirche war nicht schwer zu finden.  Wichtig ist aber, daß es auch ein Weg zu Gott ist. Wie viele heute zu Gott kommen wollten, das zeigen die Fußtritte auf dem Bettuch (wird vorgezeigt!). Unterdessen heften die Kinder ihre Wegweiser so an die Bänke, daß sie zum Altar zeigen. Immer wieder wird uns der Weg zu Gott gezeigt, besonders hier in der Kirche. Wir wollen heute überlegen, wie wir den nichtigen Weg finden und wie dieser Weg verlaufen könnte.

 

Kollektengebet:

Lieber Vater im Himmel. Du schenkst uns viel Gutes und machst uns zu deinen Kindern. Wir bitten dich: Laß uns auf dein Wort hören, damit wir den nichtigen Weg in unserem Leben finden und gehen. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Amen.

 

Gespräch mit den Kindern            (mit Flanellbildern):

Lied: „Befiehl du deine Wege“

In dem eben gesungenen Lied kommen die Wörter vor: „Weg, Lauf und Bahn“. Unser Leben wird dabei mit einem Weg verglichen. Wir sprechen ja auch vom Lebensweg, vom Lebenslauf und der Lebensbahn. Und die miteinander unterwegs sind auf dem Weg durchs Leben nennen wir „Lebensgefährten:  Mann und Frau, Vater und Mutter und die Kinder machen ihren Weg durchs Leben gemeinsam und helfen sich gegenseitig auf ihrem Weg.

Ehe man sich jedoch auf eine Reise begibt, muß man sich einiges überlegen. Zunächst einmal muß man ein Ziel haben. Wohin möchtet ihr denn gern einmal verreisen? Es gibt ja kaum Menschen, die nicht Sehnsucht haben, einmal auf Reisen zu gehen. Man hat schon vorher Reisefieber und freut sich, wenn es endlich losgeht. Doch man nimmt nichts Unnötiges und Überflüssiges mit (kein Klavier!) und man sieht sich rechtzeitig nach Reisegefährten um.

Unser Leben ist auch so etwas wie eine Landstraße, auf die sich die Kinder freuen und auf der sie nicht schnell genug vorankommen können (Auf der Flanellwand markieren zwei Streifen die Straße, dazu kommen Bäume, Autos, einige Menschen). Auf der Straße kann man in beiden Richtungen gehen oder fahren. Unser Lebensweg aber ist eine Einbahnstraße, wenn wir einen Fehler gemacht haben oder etwas vergessen haben, dann können wir nicht mehr zurück und noch einmal von vorne

anfangen. Deshalb ist es so wichtig, daß wir vorher alles überlegen und den nichtigen Weg gehen.

So wie es auf der Landstraße Kilometersteine gibt, so wird auch unser Leben eingeteilt durch die Lebensjahre und Geburtstage. Ihr seid jetzt 6 bis 7 Jahre oder 13Jahre oder auch 40 oder 80 Jahre (hier feststellen lassen, wer der jüngste und der älteste Gottesdienstbesucher ist). Aber keiner weiß, wie viele Jahre er noch hat. Wir nehmen alle an, daß wir noch viele Jahre leben werden, wir hoffen es, aber sicher wissen kann es keiner. Deshalb ist es so wichtig, daß wir unsre Zeit gut und nichtig ausnutzen. An der Flanellwand werden neben der Straße die Kilometersteine angeheftet).

Einige Stationen auf dem Weg sind besonders hervorgehoben:

Am Anfang steht unsere Geburt und das Elternhaus (Haus anheften). Am dritten Stein steht der Kindergarten (Symbole: Bauklötze, Ball) (Wer war im Kindergarten?), am sechsten Stein die Schule (Symbol: Schultasche, Buch). Spätestens jetzt kommt auch die Kirche ins Blickfeld (Symbol anheften),sie lädt ein zum Religionsunterricht und Kindergottesdienst (hier wird man auf Kindergottesdienst noch einmal besonders hinweisen).

Aber das Leben geht ja noch weiter. Oft kommt man an Weggabelungen und Kreu­zungen und muß sich entscheiden, wie man weitergehen soll. Manche Wege könnten ja in eine Sackgasse führen (anheften!) oder einen Umweg darstellen (anheften!) oder gar ganz vom Wege abführen (anheften!). Da brauchen wir Wegweiser, die uns auf den nichtigen Weg führen.

Gott aber gibt uns diese Wegweiser, indem er uns sein Wort sagt und seine Gebote mitgibt. Sie warnen uns vor den vielen Gefahren an unsrem Lebensweg (Verkehrsschilder anheften, die eine Warnung enthalten).

Sie zeigen uns aber auch, welches das nichtige Ziel in unserem Leben ist. Viele Menschen sagen ja: „Ich will etwas vom Leben haben!“ Sie meinen, wenn sie sich alles leisten können, dann würden sie auch glücklich sein. Und dann stecken sie sich ein Ziel nach dem anderen: Auto, Haus, Kleidung, Möbel, Reisen, gute Freunde, Lebensversicherung, usw. (Symbole jeweils anheften).

Wenn wir aber bitten: „Weise mir, Herr, deinen Weg!“, dann möchten wir, daß Gott am Ende unsres Lebensweges steht (Trinitätssymbol anheften). Unser Leben hat nur dann einen Sinn gehabt, wenn es zu Gott führt.

Das Hören auf sein Wort, der Religionsunterricht der Gottesdienst, will uns dazu helfen, den nichtiger Weg zu Gott zu finden.

 

Predigt:

Sehr schnell haben wir im Leben einmal den falschen Weg eingeschlagen. Dann merken wir mit Erschrecken, daß uns der Weg von Gott wegführt. Der falsche Weg ist eben bequemer, unsere Füße finden ihn ohne große Mühe. Auf diesem Weg sind zum Beispiel Schönfärberei und das Rechnen zu den eigenen Gunsten erlaubt. Auf dem Weg Gottes dagegen hat man es eventuell mit schwierigen Nachbarn und lauten Kindern zu tun. Da kann man die Verantwortung für andere Menschen und ihre Probleme nicht einfach abschütteln.

Was sollen wir aber tun, wenn wir unsren Irrtum erkennen, daß wir auf dem falschen Weg sind? Zum Glück müssen wir diesen Weg nicht bis zum Ende gehen. Gott führt uns immer wieder zu neuen Wegkreuzungen und Gabelungen. Dann ist noch eine Kurskorrektur möglich, die auf den nichtigen Weg zurückführt. Unter Umständen muß man allerdings auch umkehren und von vorne anfangen. Besser ist es natürlich, man

macht öfter einmal halt, um sich auf den rechten Weg zu besinnen und um Gott zu bitten: „"Weise mir, Herr, deinen Weg!“

Unser Vertrauen auf Gott kann uns Mut geben, eingefahrene Gleise  zu verlassen und Neues aufzubauen. Gott gibt uns auch Kraft, wenn wir nicht mehr weiter wissen und unser Weg in einer Sackgasse zu münden scheint. Jeden Tag neu ist Zeit und Gelegenheit zu einem neuen Anfang.

Wie erkennen wir aber von vornherein den Weg, den Gott uns führen will? Zunächst gilt es, auf das Zeugnis unsrer Vorfahrer zu hören und mit ihren Erfahrungen sich auseinanderzusetzen.  Wir sind ja nicht die ersten, die sich auf Gott einlassen. Vielfach genügt es einfach den Weg zu gehen, den schon unsre Eltern und Großeltern gegangen sind.

Auch der Verfasser des 86.Psalms hat viele Zitate aus anderen Psalmen zunächst einmal übernommen und sich damit in die Tradition des Glaubens seines Volkes gestellt. So könnten auch wir in der  Vergangenheit die Größe und Güte Gottes erkennen, trotz aller verschlungenen und seltsamen Wege, die er manchmal mit den Menschen geht.

Zum anderen wird es gut sein, einmal sich Zeit zu nehmen zu einem persönlichen Gebet. Wenn man einmal stille hält, dann kommen auch Hinweise und Einfälle. Es kommt nicht auf die Masse der Gebete an, sondern auf die nichtige Gebetshaltung. Wer von Gott alles erwartet, dem wird er auch den nichtigen Weg zeigen.

Es gibt viele Wege, und es gibt auch viele Ziele, die man sich stecken kann. Aber einem Christen geht es um das Ziel, das mit dem Willen Gottes übereinstimmt. Dieses Ziel zu erkennen, dazu helfen Religionsunterricht und Gottesdienst. Und es wäre schön, wenn wir dann sagen könnten:  „Dein Weg, Gott, soll auch mein Weg sein!“

 

Gebet: (nach Ps 86)

Ich habe viele Möglichkeiten. Mir stehen alle Wege offen. Täglich muß ich mich entscheiden. Welcher Weg ist der nichtige? Herr, zeige mir deinen Weg, auf dem du mich sehen möchtest. Ich möchte versuchen, mein Leben von dir bestimmen zu lassen. Mir wird vieles angeboten als Maßstab für mein Leben. Viele Meinungen stürmen auf mich ein, die von sich selbst behaupten, daß sie die einzig nichtigen sind. Laß mich in allem deinen Willen erkennen. Gib, daß ich immer nur nach dir frage und nur dich als Maßstab meines Lebens erkenne.

Viele Menschen leben in den Tag hinein. Sie haben dich vergessen. Sie haben vergessen, daß du alles gibst. Ich möchte versuchen, mein ganzes Leben dankbar aus deiner Hand zu nehmen. Ich möchte versuchen, dir immer wieder neu Dank zu sagen. Dir, Gott, kann man in jeder Lage des Lebens vertrauen. Auf dich kann man sich verlassen. Du wirst mich nicht im Stich lassen. Gib, daß ich den Weg, auf den du mich stellst, auch unbeirrt gehe.      Vaterunser.  

 

 

Wir pflanzen einen Baum 

 

Psalm (nach Psalm 148):

Lobet, ihr Himmel, den Herrn!

Lobet der Herrn in der Höhe, lobet ihn alle seine Engel!

Lobet ihn alle, sein Heer!

Lobet ihn Sonne und Mond, lobet ihn, alle Planeten!

Lobet ihn ihr leuchtenden Sterne, lob ihn unendlicher Raum!

Lobe ihn Erde, auch du!  Lobt ihn ihr eisigen Höhen!

Lobt ihn ihr lieblichen Hügel, lobet ihn Ströme und Seen.

Lob ihn, du weites Meer, lobet ihn, Urwald und Wüste,

Lobet ihn fruchtbare Felder, lobet ihn Regen und Wind.

Lobet ihn alle Geister, lobet ihn Fische und Vögel:

Lobet ihn Schafe und Wölfe, lobet ihn Amöbe und Wal.

Lobet ihr Menschen, den Herrn!

Lobet ihn Starke und Schwache. Lobet ihn Schwarze und Weiße!

Lobet ihn Jung und Alt.

Lobet ihn im Spiel und im Lied, lobt ihn im Werk eurer Hände.

Lobt ihn in Liebe und Leiden.

Lobt ihn, er ist euer Gott!

 

Sprecher: In dem Psalm haben wir gehört: Alle Geschöpfe loben Gott. Bei einem Kindertag wurde ein Wandfries angefertigt, der heute gezeigt wird. Er zeigt vieles von dem, was Gott geschaffen hat.

Die Kinder haben auch Blumen mitgebracht und bringen sie nach vorne, damit die Kirche noch damit geschmückt werden kann.

Jetzt wollen wir aber auch einmal in einem Spiel zeigen, wie man oftmals mit den Geschöpfen Gottes umgeht.

 

Spiel: Wir pflanzen einen Baum

(Im Vordergrund steht ein mit Erde gefüllter Eimer, ein Mädchen sitzt, ein Junge  kommt dazu)

Junge: Kommst du mit, einen Baum holen. Den pflanzen wir dann hier vor dem Wohnblock. Da ist es so kahl. Da können wir uns dann verstecken.

Mädchen: Und wenn er groß ist, können wir in dem Baum herumklettern und haben schönen Schatten. Da freuen sich sicherlich alle darüber.

Opa: Da können wir noch eine Bank drunterstellen und wir Rentner können drauf sitzen. Das wird bestimmt schön. Das ist eine gute Idee. Ich helfe euch.

Frau (kehrt): Hier macht das Kehren Spaß. Alles mit Betonplatten ausgelegt. Kein Dreck vor dem Haus, kein Dreck in der Wohnung. Man ist schnell fertig. Kein Laub liegt herum, keine Hunde, die etwas fallen lassen, keine Kinder, die herumtoben.

[Die Kinder kommen zurück mit dem Opa, bringen einen Baum undpflanzen ihn mit der Schaufel in den Eimer].

Junge: Ich grab das Loch. Du hältst der Baum (zum Mädchen:) Du machst die Erde wieder drum.(Zur Gemeinde:) Gell, ihr freut euch auch, daß hier jetzt der Baum ist.

Gott hat uns die Bäume und Blumen gegeben, damit wir uns daran freuen können, daß die Welt so wunderbar und schön gemacht ist.

 

[Zwei Jungen kommen ,einer reißt einen Zweig ab]

1.Junge: Jetzt hab ich ein Schwert, jetzt können wir kämpfen. Nimm dir auch einen       [Sie reißen die kleinen Zweige und Blätter von dem Ast ab und lassen sie liegen].

2.Junge (zur Gemeinde): Macht auch mit, jetzt können wir wenigstens schön spielen [Sie laufen davon].

3. Junge (kommt auf dem Fahrrad gefahren] :Jetzt habe ich endlich etwas, wo ich mein Fahrrad dran lehnen kann. Ich schreib gleich meinen Namen in die Rinde [stellt Fahrrad an Baum und schnitzt].  Wozu ein Baum doch alles gut ist!

Frau (mit Besen): So, für heute alles geschafft. Jetzt kann ich wenigstens rein zum Fernsehen. (Entdeckt den Baum:) Was ist denn das hier, da hört sich doch alles auf! So ein Dreck! Und dieses Gerippe von Baum, was soll der denn hier? Und überhaupt: Laubbäume, die machen so viel Dreck, was soll denn das im Herbst werden?

Der muß weg!          [Kinder kommen mit der Gießkanne]

Mädchen: So, jetzt wollen wir unseren Baum noch gießen, da kann er schön wachsen.

Junge [ist entsetzt]: Ach, unser Baum. Wer hat denn das gemacht?

Frau: So, i h r seid das gewesen! Fort mit dem Ding! Das wäre ja noch schöner, ein Baum hier vor dem Haus.

Mädchen: Wir wollten doch nur Gutes tun und eine Freude machen.

Opa: Geht nur ruhig. Der kann wieder ausschlagen .Gott kann es doch noch machen, daß er groß und schön wird und die Menschen sich daran freuen können.

 

Pfarrer:

Demnächst werden wir einen Baum pflanzen und danach sehen, ob etwas daraus wird. Er soll uns daran erinnern: „Auch wir sollen gute Früchte bringen!“ Manchmal dauert es lange. Deshalb muß man Geduld haben und einen Baum gut pflegen.

 

Predigt:

Ein Mensch braucht so wie ein Baum einen Lebensraum und gute Pflege, damit er sich entwickeln kann. Schon beim Pflanzen kann alles verdorben werden. Der Boden muß furchtbar sein. Nicht zuviel und nicht zu wenig Sonne und Regen sind nötig. Pflanzen sind oftmals empfindlich. Und der Mensch ist es auch.

Nun können wir allerdings froh sein, daß unsre Kinder unter doch ganz guten Verhältnissen heranwachsen können. Für Essen und Trinken ist gesorgt. Auch Kleider und Schuhe sind da. Und was vielleicht noch fehlt, besorgt der Onkel. Es gibt den Kindergarten und die Schule, es gibt Ärzte und Trainer. Der Frieden ist uns erhalten geblieben, wenn er auch bedroht ist.

Aber an sich können unsere Kinder doch unter guten Voraussetzungen aufwachsen. Sie waren Wunschkinder und kommen in eine Umwelt, wo Kinder doch im großen und ganzen gelitten werden. Es gibt Ausnahmen wie die Frau, die den Baum nicht haben will. Sicherlich will sie auch die Kinder nicht haben, die immer neue Einfälle haben und die Ordnung stören. Aber letztlich haben Kinder doch ihren Platz und Aussicht auf eine gute Zukunft.

Weshalb geraten manche da doch nicht so? Wenn einem Kind nur mittelmäßige Gaben mitgegeben wurden, dann muß man sich eben damit abfinden. Aber wenn das Kind frech und faul ist und den Lehrern und Eltern nur Kummer bereitet, dann fragt man sich doch: Was habe ich falsch gemacht? Trotz allen Bemühens der Eltern mit Liebe und Strenge sind sie doch Nichtstuer und Trinker geworden.

Manchmal mag das auch an der Umgebung liegen, an der schlechten Gesellschaft, aber auch an den Menschen, die die Zweige abbrechen und durch ihr gedankenloses Handeln eine gute Entwicklung verhindern. Kinder müssen auch leiden unter dem Druck der Erwachsenen, unter dem Kampf um ihre Seele. Gott hat den Menschen zum Guten angelegt;  er hat gewollt, daß seine ganze Schöpfung sich vereint zu seinem Lob.

Aber die Menschen machen auch manches kaputte, nicht nur Bäume, sondern auch Menschen. Wenn einer immer nur geschlagen wurde - im wörtlichen oder auch übertragenen Sinne - dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn er um sich beißt und auch zum Schläger wird. Das ist dann schwer für die Eltern, besonders auch, wenn sie einsehen müssen, daß sie daran nicht so ganz unschuldig waren. Da bleibt oft nur das Gebet zu Gott, daß doch noch alles anders werden möge.

Auch der Glaube kann an sich gut wachsen und Früchte bringen. Das zarte Pflänz­chen des Glaubens wird in einen guten Grund gesetzt, den Gott selber bereitet hat. Von Gott her sind alle Voraussetzungen gegeben, damit der Glaube wachsen kann. An ihm liegt es bestimmt nicht.

Er hat auch Leute eingesetzt, die den Baum sozusagen begießen: Da sind die Eltern und Paten, die den Kindern erste Zeugen des Glaubens werden. Da sind dann auch die Mitarbeiter der Kirche, die systematisch und sachkundig den Glauben zu vermitteln versuchen. Und schließlich gibt es Großeltern oder andere Verwandte, ja sogar Freunde und Bekannte, die da mithelfen. Es sind an sich viele Menschen, die zum Weg des Glaubens verhelfen wollen.

Aber es sind da auch die anderen, die Zweige herausbrechen wollen oder gar den ganzen Baum herausreißen wollen, damit keine Früchte des Glaubens wachsen können. Es wird ja keiner gehindert, in die Kirche oder in den Religionsunterricht zu gehen. Diese sind dazu da, den Baum des Glaubens zu begießen und zu pflegen, damit er Früchte hervorbringen kann.

Die Warnung des Matthäusevangeliums ist schon berechtigt: „Es werden nicht alle, die ‚Herr, Herr‘ sagen, ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen Gottes tun!“„ Danach wollen wir immer wieder fragen in unserem Leben: „Was ist Gottes Wille?“ In der Kirche werden uns Hinreise dazu gegeben.ber entscheiden müssen wir uns immer wieder selber.

Gott läßt uns diese Freiheit. Bei ihm heißt es nicht immer wieder: „Du mußt! „ Wir dürfen ihn im Gebet bitten, daß er uns immer wieder hilft zum Glauben, alle Gefahren abwendet und uns Freude erfahren läßt in der Gemeinschaft mit ihm und seiner Kirche.

 

 

Jesus lädt alle ein - Berufung des Matthäus Mt 9 , 9 - 13  

Die Kirche ruft heute ihre getauften Glieder, damit sie an einer geregelten kirchlichen

Unterweisung teilnehmen. Damit wird ein Teil des Versprechens eingelöst , das die Eltern und Paten bei der Taufe gegeben haben. Hoffentlich sind diese Kinder heute nicht zum ersten Mal mit Gott in Berührung gekommen. Die Eltern sind hier in erster Linie verantwortlich. Die Kirche kann ihnen hier nur zur Hilfe kommen und bietet ihnen deshalb den Religionsunterricht an. Genauso wie die Schule auf dem Gebiet der Erziehung  den Eltern vieles abnehmen bzw. sie unterstützen muß, so will auch auf dem Gebiet des Glaubens die Kirche einige Hilfestellungen geben. Aber Eltern und Paten sollen dieses Tun weiter begleiten bzw. sie sind auch weiterhin letztlich ver­antwortlich.

Wir wollen nun alle gemeinsam diesen Weg begleiten. Auch die ganze Gemeinde ist für diese Kinder mit verantwortlich. Es kann uns allen nicht gleichgültig sein, welchen Weg unsere getauften Gemeindeglieder gehen. Viele sagen ja: „Was nie nachher machen, kann uns egal sein!“ Aber das kann nicht egal sein. Wir sind alle für diese Kinder verantwortlich, vor allem die Eltern, aber auch alle anderen Gemeindeglieder. Wir sollen Gott einmal Rechenschaft geben über das, was wir diesen Kindern vermittelt haben. Wir können diesen Kindern helfen, indem wir ihnen ein  gutes Vorbild geben. Das wiederum geschieht,  wenn wir uns am Gottesdienst oder sonst am Ge­meindeleben beteiligen. Die Eltern können ihre Kinder nach dem fragen, was im Religionsunterricht drankam und mit ihnen darüber sprechen. Die Kinder nehmen eine schlichte Aussage der Eltern und Paten eher an als eine theologisch exakte Belehrung der Lehrerin oder des Pfarrers.

Manchmal haben Eltern Bedenken, daß die Kinder durch die zusätzliche Religionsstunde belastet werden. Aber die wenige Zeit ist gut genutzt. „Religion“ ist zwar ein Schulfach, aber es steht längst nicht so unter dem Leistungsdruck wie andere Fächer. Und es gibt auch keinen Widerspruch zu dem, was sonst in der Schule gelehrt wird.  Auf dem Gebiet des Wissens und der Bildung wird von der Kirche nichts anderes gesagt als von der Schule auch. Der Glaube ist nur eine zusätzliche Aussage, die aber eine Frage der persönliche Entscheidung ist.

Unsere  Welt ist voll von Konflikten. Aber gerade der Glaube soll helfen, mit diesen Dingen fertig zu werden. Wer Gott als Herrn hat, braucht sich um die Anfeindungen der Menschen nicht mehr zu kümmern. Wir wollen deshalb heute diese  Kinder dem Schutz Gottes anbefehlen.  Wir wollen für sie beten und ihnen erneut den Segen Gottes zusprechen. Und wir wollen darauf vertrauen, daß Gott alles zu einem guten Ende führen wird.

 

Erzählung:  (mit Spiel ohne Worte)

Wer getauft  ist, gehört zu Jesus. Er darf ganz sicher wissen, daß er zu den Christen gehört. Gibt es vielleicht auch Menschen, die Jesus nicht bei sich haben will?

 

Am Stadttor von Kapernaum sitzt der Zöllner Matthäus. Von seinem Zollhäuschen aus beobachtet er jeden, der in die Stadt hineinwill. Kurz vor der Stadt ist ja die Gren­ze. Und wer dort drüber will, muß eben Zoll bezahlen (Der Chorraum der Kirche steilt die Stadt dar, zwischen den beiden vorderen Bankreihen ist das Stadttor; auf einem Stuhl sitzt der Zöllner).

Vor allen Dingen hat es Matthäus auf die Kaufleute abgesehen. Wenn eine hoch beladene Karawane kommt oder auch nur ein Mann mit einem bepackten Esel, dann müssen sie anhalten. Matthäus überprüft das Gepäck. Für jedes Stück Gepäck müssen die Kaufleute erst Geld bezahlen (Ein Junge kommt mit einem Spielzeugesel an und wird vom Zöllner angehalten. Er läßt sich das Geld geben).

Einmal hat ein Kaufmann nicht die verlangte Gebühr bezahlen wollen. Da hat Matthäus schnell die römischen Soldaten aus der Stadt geholt. Als der Kaufmann sie nur kommen sieht, bezahlt er schnell. Die Römer haben nämlich das Land erobert und haben nun alle Macht. Matthäus arbeitet in ihrem Auftrag. Abends liefert er immer die Kasse an die Römer ab (Die Soldaten stehen immer drohend im Hintergrund, treten zwei Schritte vor, als der Kaufmann nicht zahlen will. Nachher nehmen sie sie Kasse mit).

Jeder kann sich denken, daß Matthäus nicht sehr beliebt ist. Er hilft ja mit, sein eigenes Volk auszubeuten. Deshalb will man möglichst wenig mit ihm zu tun haben. Am Zoll kann man ihm ja nicht ausweichen.  Aber im Gottesdienst, da setzt sich keiner in der Bank neben ihn und keiner redet ein Wort mit ihm. So ist Matthäus dann gar nicht mehr zum Gottesdienst hingegangen.

Aber da ist noch ein Grund, weshalb die Leute den Matthäus nicht leiden können: Er verlangt immer zu viel Geld und steckt dann einen Teil davon in die eigene Tasche (Einige Kinder kommen durch den Mittelgang, auch die Schulanfänger dürfen mit machen. Jedes Kind sagt, was es mit in die Stadt nehmen will, um es dort zu verkaufen. Matthäus nennt die Zollgebühr und jedes Kind muß von der für den Gottesdienst mitgebrachten Kollekte bezahlen).

Matthäus aber hat vor sich zwei Kassen stehen: die Zollkasse und seine eigene Kasse. Jedesmal steckt er eine Münze auch in die eigene Kasse. Die Kaufleute können es deutlich sehen. Sie drohen ihm hinter dem Rücken. Aber wenn er sich umdreht, sind sie still, denn sonst kommen ja die Soldaten.

So nimmt der Zöllner Matthäus ganz schön viel Geld ein. Aber er hat keine Freunde.

Deshalb ist sein Leben gar nicht schön. Ob vielleicht einmal einer kommt, der dem Matthäus wieder einmal etwas Gutes sagt, der ihn liebhat und ihm auch wieder einmal etwas von Gott erzählt, damit das Leben des armen Matthäus wieder in Ordnung kommen kann?

Eines Tages kommt Jesus mit seinen Freunden vorbei. Er sieht auch, wie Matthäus die Leute betrügt. Er weiß auch, was die Leute über die Zöllner erzählen, besonders aber Matthäus. Jesus bleibt bei ihm stehen, sieht ihn an. Was will er nur?    Er ist doch kein Kaufmann, er hat doch nichts zu verzollen!

Jesus sagt: „Ich bin dein Freund! Gott hat mich zu dir geschickt. Du gehörst auch zu Gott. Ich will dich anders machen. Denn er hat dich auch lieb! Deshalb will ich dich auch besuchen. Ich will mit dir in dein Haus gehen. Und ich will dort sogar zusammen mit dir zu Abend essen!“ Da wird der Zöllner wieder froh. Auf einmal hat er einen Freund gefunden. Schnell führt er Jesus in sein Haus. Viele andere

Zöllner kommen gelaufen. Alle versammeln sich im Haus des Matthäus und essen zusammen mit Jesus und seien Freunden. Eine solch fröhliche Mahlzeit hat es bei den Zöllnern noch nie gegeben. Jetzt wissen sie ja: „Gott hat uns lieb! Und Jesus ist unser Freund!“

 

Predigt:

Michael ein Junge, mit dem in der Schule keiner spielt. In der Pause ist er immer allein. Er stellt sich irgendwo in eine Ecke und sieht den anderen zu . Einmal ist er sogar während der Pause in der Klasse geblieben. Aber die Lehrerin hat ihn dort entdeckt und nach draußen geschickt.

Michael aber möchte gern so sein wie die anderen Jungen und immer mit ihnen zusammen sein. Vor allen Dingen bewundert er immer einen Jungen, der der Stärkste in der Klasse ist und der viele Freunde hat. So wie dieser Junge möchte Michael  gern sein  und er möchte ihn zum Freund haben. Aber der andere kümmert sich gar nicht um ihn.

Eines Tages aber ist etwas los auf dem Schulhof: Es sind drei Männer in bunten Kleidern gekommen und rufen den Kindern etwas zu. Michael rennt auch hin. Einer der Männer ruft: „Der Zirkus ist da! Kommt alle heute nachmittag zur Vorstellung. Einer von euch soll eine Freikarte kriegen!“ Dabei blickt er sich prüfend auf dem Schulhof um.

„Komm doch einmal her, du da hinten!“ sagt er schließlich und deutet in Richtung Michaels. Der kann es erst gar nicht fassen: ich soll die Freikarte kriegen, ausgerechnet ich! Aber da hat der Mann sie ihm schon in die Hand gedrückt. Michael wird bestimmt kommen. Er freut sich so auf den Zirkus.

Auf dem Heimweg trifft er einen Jungen aus seiner Klasse. Der war schnell nach Hause gerannt und hatte seinen Hund geholt. Er trägt ihn auf dem Arm. Michael fragt, was denn mit ihm los sei. „Er ist krank,“ sagt der Junge,  „aber meine Eltern geben mir kein Geld für den Tierarzt. Sie sagen, für einen Hund hätten sie nichts übrig!“

Michael überlegt. Er möchte dem Hund und dem Jungen helfen. Schließlich sagt er: „Ich weiß, wie wir zu Geld kommen können!“ Schon ist er auf eine Frau zugelaufen und fragt. „Möchten Sie nicht gern eine Karte für den Zirkus haben? Ich kann eine verkaufen!“ Die Frau überlegt nicht lange: „Das wäre etwas für meine Tochter!“ sagt

sie und kauft Michael die Karte ab.

Jetzt haben sie Geld und rennen schnell mit dem Hund zum Tierarzt, damit der ihn wieder gesund macht. Michael  kann jetzt zwar nicht in den Zirkus gehen, auf den er sich so gefreut hatte. Aber er hat jetzt einen Freund gefunden, der ihn nie wieder allein lassen wird. Auch auf dem Schulhof ist Michael nicht mehr allein.

An diesem Beispiel aus unserem Lebensbereich können wir uns deutlich machen, wie Jesus damals gehandelt hat und wie wir heute handeln sollen. Ein Zöllner damals hatte es schwer. Teilweise mußte er schon vorher das Geld an die Römer abliefern: Er mußte es aus eigener Tasche bezahlen, um es dann aus den Leuten wieder herauszupressen, er mußte sehen, wie er wieder zu seinem Geld kam.

So wird es auch heute in manchen Berufen schwer sein, immer nach dem Gesetz und den Vorschriften zu handeln. Manche Dinge muß man sich eben auf krummen Weger besorgen oder man muß seine Beziehungen ausnutzen oder Bestechungsgeld zahlen oder auch noch einmal außerhalb der Arbeitszeit etwas leisten. Man muß ja geradezu sagen: Ohne solche Dinge außerhalb der Ordnung  würde nichts mehr funktionieren. Unsre heutige komplizierte Welt macht einfach solche Grenzüberschreitungen nötig.

Wir finden auch meist nichts mehr dabei, und das ist unser Fehler. Damals aber hat man die Menschen, die so etwas taten, in Grund und Boden verdammt - das war damals der Fehler. Die frommen Pharisäer hatten es zum Teil leichter. Sie haben solche Arbeiten einfach nicht angenommen. Da konnten sie die Gebote einhalten

und das Unangenehme den anderen überlassen.

Jesus aber sieht die Not der anderen, der Ausgestoßenen und Verachteten. Sie wollen auch jemanden als Freund haben, damit sie wieder leichter an Gott glauben können, Irgendwie hängt das doch miteinander zusammen: unser Verhältnis zu den Mitmenschen und unser Verhältnis zu Gott. Wer keinen Menschen zum Freund hat, der kann auch nur schwer daran glauben, daß Gott sein Freund ist.

Jesus aber macht deutlich: Gott kümmert sich auch um euch. Auch ihr seid ihm wichtig. Er will auf keinen verzichten!  Weil Gott diese Menschen liebhat, muß auch Jesus sie liebhaben. Jesus macht an seinem Verhalten deutlich, wie Gott zu den Menschen ist. Er redet aber nicht nur davon, sondern handelt auch danach.

Das kommt unter uns  Menschen auch manchmal vor. Das zeigt ja die Geschichte von den Zirkusmännern. Ausgerechnet der erhält die Freikarte, den die anderen gar nicht gesehen haben und der es selber auch gar nicht erwartet hätte. Aber er sollte auch  einmal eine Freude haben. Die anderen konnten sich ja über viele andere Dinge freuen. Hier aber war es einmal umgekehrt.

Der Mann vom Zirkus hat zum Glück bemerkt, wem er hier die Karte geben mußte und wer es am nötigsten hatte. Nicht die Großen und Starken, die sich immer nach vorn drängen, sondern der von allen in die Ecke Gedrängte. Bei Gott aber ist das immer so. Er sieht immer, wer seine Liebe besonders nötig hat und gibt sich deshalb ganz besonders mit ihm ab.

Viele Menschen könne so etwas nicht verstehen. Sie meinen: Wenn einer sich ehrlich abgemüht hat, muß er auch einen Lohn dafür haben, da kann doch nicht plötzlich ein anderer vorgezogen werden. Gott aber ist so. Er will schon, daß wir uns abmühen. Aber er hilft auch dem, der zu schwach ist.

Die Frommen im Lande aber sagen: Wer sich mit den Sündern abgibt, ist selber ein Sünder! Der hat auch selber Lust an der Sünde, den Gleich und Gleich gesellt sich gern. So denken wir doch auch: Wenn einer in schlechter Gesellschaft ist ‚ dann muß er selber auch schlecht sein.

Jesus aber sieht in der Zöllnern nur Kranke, die dringend einen Arzt brauchen. Vielleicht kann ihnen sehr schnell geholfen werden, wenn nur einer da ist, der wieder Vertrauen zu diesen Menschen hat. Jesus ist dieser eine. Er stellt sich schützend vor die, die mit ihrer Schuld nicht allein fertig werden können.

Unser Verhältnis zu Gott hängt davon ab, ob wir auch so handeln können wie Jesus. Sind wir wirklich bereit, mit allen Menschen gut zusammenzuleben? Sind wir bereit zur Vergebung und zu einem Neuanfang? Kümmern wir uns um die, die im Leben immer wieder zu kurz kommen?

Die frommen Pharisäer sagten: „Du darfst dich nicht mit einem Gottlosen abgeben, auch nicht, um ihm den Glauben und die Gebote beizubringen!“ Sie erklärten die Menschen für Gott verloren, ehe sie sich noch um sie gemüht hatten.

Jesus aber weiß, daß es sich hier nicht um eine ansteckende Krankheit            handelt, sondern um eine seelische Krankheit; und diese kann man  heilen, indem man wieder Zutrauen zu dem Gestrauchelten hat. Dadurch faßt er selber wieder Vertrauen und kann wieder gesund werden.

Jesus macht seine Haltung deutlich, indem er sich mit den sogenannten „Sündern“ an einen Tisch setzt. Die Tischgemeinschaft war damals von noch größerer Bedeutung als heute. Durch das Tischgebet war man als guter Freund mit allen verbunden, die mit am Tisch saß. Man suchte sich aber seine Freunde in der Regel vorher aus. Jesus aber lädt gerade die ein, die keinen Freund haben. Damit macht er ihnen deutlich, wie Gott zu den Menschen steht. Sie gewinnen dadurch wieder Zutrauen zu Gott und zu sich selber und können wieder frohe Menschen werden.

Aber damit ist noch nicht alles getan. Jesus ruft diese Menschen nicht nur an seinen Tisch, sondern er will sie auch gleich als seine Mitarbeiter und Boten für die Menschen haben. Wem viel geschenkt wurde, der soll auch bereit sein, an andere weiter zu schenken.

Das zeigt auch die Geschichte mit Michael: Als ihm einer eine große Freude macht, ist er auch bereit, einem anderen eine Freude zu machen. Und dadurch erst gewinnt er einen Freund, der immer mit ihm zusammenbleibt. Wir dürfen nicht immer nur erwarten, daß die anderen uns entgegenkommen. Einfacher ist es, wenn  w i r  ent­gegenkommen und dadurch unter Umständen eine ganze Kettenreaktion auslösen. Es kommt nur darauf an, daß einer damit anfängt.

Jesus hat diesen Schritt ganz entschlossen getan. Er hat nicht erst vorsichtig den Boden für Matthäus  vorbereitet, er hat ihm nicht erst seinen Zöllnerberuf fragwürdig gemacht, sondern er hat nur gesagt: „Folge mir nach!“ Da gibt es keine große Diskussion, sondern nur ein „Ja“ oder „Nein“.

Das ist Glaube. Da gibt es kein langes Hin und Her, kein Abwägen oder Nachfragen, sondern sofort die Entscheidung. Hinterher geht das Gespräch weiter, da muß man näher in die Einzelheiten eindringen; aber im Augenblick der Entscheidung ist dafür keine Zeit.

Matthäus aber wird nicht ein Jünger wie viele andere. Er wird einer der Zwölf und damit ein Apostel. Er ist nicht nur ein Mitläufer, den man wohl oder übel mit durch­schleppen muß, sondern er wird zu einer großen Stütze für Jesus und den Jünger­kreis. Offenbar war er so wichtig, daß man nachher in späterer Zeit sogar ein Evangelium nach ihm benannt hat.

Niemand steht zu weit abseits, als daß Jesus ihn nicht gebrauchen könnte. Niemand ist zu schlecht, als daß man nicht doch etwas mit ihm machen könnte. Gerade wer in den Augen der Menschen          ein Versager ist, kann unter Umständen von Jesus sehr gut gebraucht  werden. Dort gelten andere Maßstäbe.

Das ist die Chance auch für uns. Es ist keiner zu klein und keiner zu alt ‚ keiner zu schwach und keiner zu dumm, keiner zu gut und keiner zu schlecht, um für Gott tätig zu werden. Er kann uns alle gebrauchen, so wie er den Matthäus brauchte und den

Michael. Wir müssen nur bereit sein zum Mitmachen; dann werden wir auch die Kräfte erhalten, damit es uns gelingt.

 

 

Der zwölfjährige Jesus im Tempel : Lk 2, 41- 52                            

Erzählung:

Jesus wuchs bei seinen Eltern in der kleinen Stadt Nazareth im Norden Palästinas auf. Die Mutter lehrt ihn das Beten und erzählt im biblische Geschichten. Aber er geht auch schon bald ins jüdische Gemeindehaus und hört den Schriftgelehrten zu. Sie erzählen auch von Gott, vom Tempel in Jerusalem, von den gottesdienstlichen Gebräuchen. Sie bringen dem Jungen das Lesen und Schreiben bei, er lernt die Gebote aus der Bibel  und auch die hebräische Sprache, wie sie in den Gottesdiensten verwendet wurde. Aber der Tempel war ihre eigentliche Kirche, das Gemeindehaus in Nazareth nur ein Ersatz. Der Gottesdienst in Jerusalem war so der Höhepunkt im Jahr.

Jedes Jahr zum Osterfest gingen Vater und Mutter nach Jerusalem. Das war immer ein großes Ereignis. Die Erwachsenen aus dem Dorf reisten zusammen dorthin. Die Jungen durften mit, wenn sie zwölf Jahre alt waren. Wie sehr wartete Jesus darauf, daß er auch groß genug sein würde, um mitgehen zu dürfen. Endlich war es soweit. Er durfte seinen besten Anzug anziehen und bekam ein Paar neue Sandalen. Die Mutter ritt auf einem Esel. Die Männer aber gingen zu Fuß.

Abends wurden Zelte aufgestellt und große Feuer angezündet. Vor dem Schlafengehen saß noch alle um das Feuer und sangen die alten Psalmen, die der König David gedichtet hatte. Jesus kannte sie alle auswendig. Einen hatte er besonders gern ( Im Wechsel mit den Konfirmanden wird der Psalm 84 aus dem Gesangbuch gelesen).

Unterwegs schlossen sich ihren immer mehr Reisende an.

Endlich sahen sie Jerusalem in der Ferne. Maria zeigte Jesus den Tempel mit dem goldener Dach. Die Leute sangen. Jesus hat diesen Augenblick nie wieder vergessen. Am Schönsten aber war es, als er mit Vater und Mutter in den Tempel ging, um das Osterfest zu feiern. Es war viel Betrieb dort. Die Leute drängten sich um die Männer, die ihren Fragen beantworteten. Jesus wollte auch gern zuhören. Aber er wurde immer wieder weggeschoben, er war ja nur ein kleines Kind, er hatte nichts bei den gelehrten Leuten zu suchen.

Schon war der Tag gekommen, an dem sie wieder den Heimweg antreten mußten. Und noch immer hatte Jesus Fragen auf dem Herzen. Mittags sollten sie aufbrechen. Zum letzten Mal durfte er in den Tempel. Jetzt war es nicht mehr so voll. So gelang es Jesus, mit den gelehrten Männern zu sprechen. Er stellte eine Frage. Überrascht blickten ihn die Männer an. „War das ein Kind, das so fragte?“ dachten sie. Noch nie hatte ein Kind solche verständigen Fragen gestellt. Sie gaben ihm Antwort. Aber Jesus fragte weiter, immer und immer wieder.

Inzwischen. waren Joseph und Maria aufgebrochen mit den anderen. Jesus sahen sie nicht. Aber sie dachten: Er wird wohl mit seinen Freunden zusammen vorne im Zug mitgehen. Aber am Abend suchten sie ihn. Er war nirgends zu finden. Wen sie auch fragten:  niemand hatte ihr gesehen. Sie machen sich Sorgen und wohl auch Vorwürfe, weil sie nicht besser aufgepaßt haben. Es bleibt ihnen nichts übrig, als wieder nach Jerusalem zurückzukehren. Drei Tage lang suchten sie ihn. Aber es war kein Jesus zu finden. Endlich sagte Maria: „Wir wollen doch noch einmal im Tempel nachsehen!“

Und dort saß er! Mitten unter der Gelehrten! Wie kann ihr Junge es wagen, so mit den Schriftgelehrten zu reden? Wie kann er sich so in den Mittelpunkt spielen und die gelehrtesten Männer seines Volkes ausfragen und mit ihnen diskutieren? Jesus hörte den Gelehrten andächtig zu. Immer wieder fragte er etwas. Jesus weiß sehr gut in der Geschichte und im Gesetz seines Volkes Bescheid. Die Schriftgelehrter und die Zuhörer wundern sich über seinen Verstand und seine Antworten.

Da wurde Maria doch etwas böse. Sie ging zu ihm hin und sagte: „Wie konntest du uns das nur antun? Wir suchen dich schon drei Tage und haben uns solche Sorgen gemacht!“ Jesus sah sie erstaunt an. Er sagte: „Habt ihr denn nicht gewußt, daß ich nur im Haus meines Vaters sein kann?“ Aber sie verstanden nicht, was er meinte. Ihr Haus stand doch in Nazareth. Daß er noch einen himmlischen Vater hat, der im Tempel vor Jerusalem angebetet wird, kam ihnen nicht in den Sinn.

Die Eltern schütteln nur mit dem Kopf. Maria aber behält das Wort Jesu im Kopf und denkt darüber nach: „Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist!“

Jesus ist aber schon aufgestanden. Er geht mit seinen Eltern wieder nach Nazareth. Noch ist es nicht Zeit, sich ganz aus dem Elternhaus zu lösen. Jesus hält sich an das vierte Gebot, das den Gehorsam gegenüber den Eltern vorschreibt. Gott freut sich über Jesus, und die Nachbarn in Nazareth haben ihn lieb. Er bleibt ein aufgeweckter Junge und hilft seinem Vater in der Zimmermannswerkstatt. Er hat nicht nur Verstand und Geschick, sondern er ist auch fromm und hält sich zu Gottes Wort und zu seiner Gemeinde.

Predigt:

Schon wenn ein Kind geboren werden soll, haben die Eltern gewisse Ängste: Wird bei der Geburt alles gut gehen? Wird das Kind gesund sein? Werden wir ihm gute Eltern sein können? Wenn das Kind dann da ist und alles in Ordnung ist, dann ist die Freude groß. Die Eltern haben ihr Kind noch ganz für sich, es ist auf die Eltern angewiesen und freut sich über jede liebevolle Zuwendung.

Aber dann kommt der Tag, an dem das Kind auch in die Hände anderer Menschen gegeben werden muß. Manche kommen schon nach wenigen Wochen in die Krippe. Besser ist es aber, wenn das Kind bis zum Kindergartenalter zu Hause bleiben kann. Aber dann kommt der Augenblick, der für Eltern und Kind gleichermaßen schmerzhaft ist: Das Kind muß sich zum ersten Mal für mehrere Stunden von den Eltern lösen. Andere Menschen erlangen eine gewisse Bedeutung für das Kind. Die Eltern ahnen, daß das Kind sich einmal ganz von ihnen  lösen wird. Und das Kind muß erfahren, daß es sich nicht immer an Mutters Rockzipfel festhalten kann.

Noch schwieriger wird es zum Schulanfang. Wieder kommen die Fragen: Wird unser Kind die Anforderungen der Schule körperlich und geistig schaffen? Wird es verständnisvolle Lehrer finden und nette Klassenkameraden? Mancher wird sich auch noch andere Sorgen machen und fragen: Werden meinem Kind nicht manche Schwie­rigkeiten gemacht werden?

Die Eltern müssen immer mehr erkennen: Da gibt es Dinge, die das Kind allein ausfechten muß. Sie können nicht immer neben ihrem Kind stehen und ihm helfen. Sie müssen mehr im Hintergrund bleiben, können Rückenstärkung geben und nur notfalls selber einmal mit eingreifen.

Andererseits gehen die Kinder auch immer mehr eigene Wege. Sie kommen nicht gleich von der Schule heim, sie suchen sich ihre Freunde aus, sie tun Dinge und geben Antworten, die gar nicht so im Sinne der Eltern sind. Und je älter die Kinder werden, desto mehr verstärkt sich das.

Das muß die Mutter Jesu auch erkennen, als der zwölfjährige Sohn auf einmal verschwunden ist. Er macht schon auf eigene Faust seine Erfahrungen. Besonders rätselhaft wird der Eltern sein, daß er noch von einem anderen Vater spricht, in dessen Haus er sein muß. Offenbar gibt es für ihn noch eine andere Autorität als nur die seiner irdischen Eltern. Über dieser Konflikt zwischen Gott und der Menschen wollen wir jetzt noch etwas nachdenken, denn er kommt heute vielfach vor.

Den Schulanfang haben die Kinder der ersten Klasse nun schon hinter sich gebracht. Sie können schon die Zahlen und einige Buchstaben schreiben und lesen. Bald werden sie von sich aus Bücher zur Hand nehmen und darin lesen. Einige Anfänge haben diese Kinder schon hinter sich. Wir müssen aber immer wieder einmal anfangen. Und meist geht das nicht ohne Beklemmungen ab.

Der Anfang im Religionsunterricht aber braucht ihnen keine Angst einzujagen. Er ist etwas Schönes, das Freude macht und mit dazu hilft, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Niemand wird gezwungen, den Religionsunterricht  zu besuchen. Zur Schule muß man, zum Religionsunterricht nicht unbedingt.

Gewiß werden die ganz Kleinen noch nicht so recht begreifen, weshalb die Eltern sie auch in den Religionsuntereicht schicken. Zunächst werden die Eltern hier noch die Entscheidung zu verantworten haben. Aber ich hoffe, daß die Kinder sehr bald be­greifen, weshalb der Religionsunterricht notwendig ist,  zumindest für Christen. Es gibt aber auch Kinder, die dann wieder wegbleiben, auch gegen der Willen ihrer Eltern.

[Predigt in der Situation der damaligen DDR: Aber heute will ich mal mehr von dem umgedrehten Fall sprechen. Da gibt es nämlich Kinder, die möchten gern zum Religionsunterricht kommen, aber die Eltern lassen sie nicht.

Meist liegt es dann am Vater. Sein beruflicher Aufstieg wird verhindert, wenn er sein Kind zum Religionsunterricht läßt - sagt man jedenfalls. Die ganze Familie soll sich dann nach ihm richten. Dabei hat doch die Frau zumindest des gleiche Recht. Aber sie soll sich dann immer dem Mann unterordnen und wird somit unterdrückt wie eh und je. Sonst kümmern sich die Väter meist nicht um die Erziehung der Kinder, das überlassen sie der Mutter. Aber wenn es dann um den Glauben geht, dann machen sie Erziehungsrechte geltend.

Dann sagt ein Vater etwa: „Solange das Kind noch von mir versorgt wird, muß es das tun, was ich will!“ Er erkennt also nicht an, daß das Kind auch ein Recht hat. Das Kind wollte gern kommen, denn es hatte ja dem Pfarrer ausnichten lassen, er möge deswegen doch einmal mit dem Vater reden.

Das gibt es also auch bei uns heute, daß ein Kind gewissermaßen zu seinen Eltern sagt: „Muß ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist?“ Und es ist dann ganz schlimm, wenn der Wille des himmlischen Vaters und des irdischen Vaters auseinanderklaffen. Hier versündigen sich die Eltern unheimlich an ihren Kindern. Man kann nur hoffen, daß die Kinder dann als Erwachsene der Weg zur Kirche finden.

Es ist auch schon vorgekommen, daß sich die Kinder gegen ihre Eltern durchgesetzt haben .Ein Mädchen hat ihrem Vater rundweg erklärt: „Ich bin 14 Jahre alt und damit religionsmündig. Wenn ich konfirmiert werde will, dann kannst du nichts daran ändern, und deine Partei auch nichts!“

Einem anderer Mädchen hatten die Eltern auch vom Religionsunterricht abgeraten. Sie sagte: „Verboten haben sie es mir nicht. Aber selbst wenn sie es mir verbieten wollten, würde ich noch lange nicht darauf hören!“

Hier haben wir tatsächlich der einzigen Fall, wo ein Kind auch einmal gegen das vierte Gebot handeln darf. Dort heißt es ja: „Du sollst deiner Vater und deine Mutter ehren!“ Und zum „ehren“ gehört eben, daß man den Eltern gehorsam ist und das tut, was sie sagen. Dabei ist aber vorausgesetzt, daß die Eltern auch das tun und wollen, was Gott will. Wenn die Eltern aber gegen Gott stehen, dann ist das erste Gebot wichtiger: „Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen!“].

Wir wollen nicht hoffen, daß heute Eltern hier sind, die ihre Kinder in Konflikte wegen des Glaubens bringen. Die Kindern wollen ja ihren Eltern gehorchen, so wie ja auch Jesus das vierte Gebot einhielt und seinen Eltern untertan war. Aber die Kinder wollen auch Gott gehorchen. Daran sollte man sie nicht hindern, sondern sollte ihnen erst recht dazu helfen.

Die Kinder brauchen in allen Dingen die Rückenstärkung ihrer Eltern, besonders aber, wenn es um den Glauben geht. Ihr Glaube ist noch eine zarte Pflanze, die manchen heftigen Sturm und manchen eisigen Frost aushalten muß. Da ist  noch Schutz nötig, ehe sich eine Pflanze herausbildet, die sich selbst behaupten kann. Auch der Religionsunterricht  will dazu helfen. Die Eltern müssen pflanzen. Im Unterricht kann nur gegossen und gedüngt werden. Und ernten wird Gott einmal.

Wenn die Zeit der Ernte da ist, dann will Gott auch Früchte sehen. Aber die werden da sein, wenn ein Kind bald sprechen lernt: „Muß ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist!“ Sie werden erst recht da sein, wenn ein Kind das nicht gegen seine Eltern sagen muß, sondern wenn die Eltern mitsprechen: „Ja, du darfst dort sein, wo dein himmlischer Vater auch ist. Er ist ja auch unser Vater, und wir möchten, daß du möglichst bald erkennst: Er ist auch dein Vater. Er hilft dir gerade, wenn dir ein neuer schwerer Anfang bevorsteht. Er will dich führen und begleiten in deinem Leben und in deinem Glauben. Er hilft dir heute und alle Zeit!“

 

 

Die zehn Aussätzigen: Lk 17, 11 - 19 

 

Einstiegszenen:

I.) Eine Mutter berichtet:    

Unser  Kind hatte schon zwei Tage über Bauchschmerzen geklagt. Plötzlich, in der Nacht, wurde es ganz schlimm. Der Junge klammerte sich an mich und schrie, daß es zum Herzzerbrechen war. Da haben wir den Doktor geholt. Er drückt auf dem Bauch herum winkelte das Bein an und sagte dann: „Blinddarmentzündung! Sofort ins Krankenhaus!“ Das Krankenauto

kam. Mit Blaulicht ging es ins Krankenhaus. Da habe ich zu Gott gebetet, das es nicht zu spät ist und die Operation gelingt. Nur dies eine Mal hilf mir noch Gott, habe ich gebetet.

Pfarrer: Und er hat er geholfen?

Mutter: Sie sehen es doch mein Kind ist quicklebendig und sitzt hier mit unter den Kindern in der Kirche. Dabei war es damals höchste Zeit gewesen. Der Blinddarm war schon geplatzt. Der Arzt sagte, bis zum nächsten Morgen hätte das Kind tot sein können. So aber ging noch einmal alles gut.

Pfarrer: Und haben Sie sich nun bedankt dafür, daß Gott ihr Gebet erhört und Ihnen geholfen hat.

Mutter: Eigentlich nicht! Das ist dann sicher vergessen gegangen vor lauter Freude. Aber bedanken hätte man sich müssen, da haben Sie recht!

Pfarrer: Wir können es ja vielleicht heute im Gottesdienst nachholen.

 

II.) Ein Ehepaar berichtet:

Frau: Wir hatten uns immer schon Kinder gewünscht. Wir waren fünf Jahre verheiratet und hatten immer noch kein Kind. Da gaben wir die Hoffnung auf, noch jemals eigene Kinder zu haben.

Mann: Aber ich habe zu meiner Frau gesagt:

„Du, wir nehmen uns ein Kind an. In den Heimen müssen so viele Kinder ohne Eltern aufwachsen, da körnten wir doch einem Kind zum Vater und zur Mutter werden!“

Frau: Erst hatten wir zu Gott gebetet, er möchte uns eigene Kinder geben. Aber jetzt ist uns das adoptierte  Kind wie ein eigenes. Wir sind jetzt der Meinung: Vater und Mutter wird man nicht allein dadurch, daß man ein Kind in die Welt setzt, sondern dadurch, daß man sich um ein Kind kümmert, das ist entscheidend.

Mann: Auch mit den Jugendamt und so ging alles klar. Es ist alles nach unseren Wünschen gelaufen. Wir sind richtig dankbar.

Pfarrer: Aber Sie sich auch bei Gott bedankt?

Frau: Ja, das haben wir nicht vergessen. Aber wir tun es immer wieder und könnten es auch in dieses Gottesdienet wieder tun.

 

III.) Ein Mädchen berichtet:

Als im Winter so schlimmes Eis war, habe ich einer Frau immer eingekauft, weil sie so schlecht laufen kann. Nach der Schule bin ich immer gleich hin und habe gefragt, was nötig ist Die Frau hat sich ja so gefreut. Sie wüßte sonst keinen, der die Wege hätte machen können. Sie war schon ganz verzweifelt.

Pfarrer. Ja, ich hatte dir damals ja Bescheid gesagt, daß du helfen solltest. Hat sich denn die Frau darüber gefreut?

Mädchen: Sie können sie ja selber fragen, sie ist heute mit im Gottesdienst dabei. Sie glauben ja war nicht, wieviel Freude man mit ganz wenig Aufwand erreichen kann.

Pfarrer: Dann wäre das doch auch etwas, wofür wir hier in diesem Gottesdienst noch einmal danken könnten.

 

Erzählung:

In der Nähe eines Dorfes im Lande Jesu lebten zehn Männer. Sie sind krank, sie haben den Aussatz. Das ist eine sehr schlimme Krankheit, bei der man große Geschwüre kriegt und die Finger und Zehen nacheinander abfallen. Die Krankheit ist ansteckend. Deshalb durften die Männer nicht bei ihrer Familie leben. Man hatte sie aus dem Dorf verjagt und sie mußten außerhalb in einer Bretterbude leben

Die Leute sagten: „Das ist die Strafe Gottes für ihre bösen Taten!“ Deshalb durften Aussätzige auch nicht am Gottesdienst teilnehmen. Sie waren nicht nur wegen ihrer Krankheit „unrein“, sondern sie galten auch als Sünder und ein frommer Mensch mußte sich von ihnen fernhalten.

Neun von den kranken Männern gehörten zur Gemeinde der Juden; einer war ein Samariter. Er stammte aus einem Dorf in Samarien, der Landschaft zwischen der Heimat Jesu und der Stadt Jerusalem. Dort lebten Menschen, die zwar auch an den Gott der Väter Israels glaubten und die fünf Bücher Mose lasen. Aber sie hatten auch viel von anderen Religionen übernommen und wurden von den frommen Juden nicht mit zum Gottesvolk gezählt.

Aber ihre Krankheit, der Aussatz, machte sie alle gleich. Alle Feindschaft hat ja keinen Sinn mehr, wenn man so schwer krank ist. Deshalb leben die Juden auch mit dem Samariter zusammen. Sie sind allesamt Ausgestoßene und für die anderen keine richtigen Menschen mehr

Doch da kommt einer vorbei, der ihnen helfen könnte: Es ist Jesus mit seinen Jüngern. Sie wollen nach Jerusalem. Die Aussätzigen müssen Abstand halten. Aber sie rufen nicht: „Unrein, unrein!“ wie das eigentlich Vorschrift ist, sondern sie schreien: „Jesus, Meister, erbarme dich unser! Jesus, Meister, erbarme dich unser!“

Jesus weiß, wie schwer das Schicksal dieser Männer ist. Er möchte ihnen helfen. Aber er sagt nur zu ihnen: „Geht hin und zeigt euch den Priestern! Die kennen sich aus mit dieser Krankheit. Die allein dürfen entscheiden, ob ihr wieder gesund geworden seid und wieder in die Gemeinde Gottes aufgenommen werdet!“

Die zehn Männer laufen auch gleich los..Als der Priester sie kommen sieht, hebt er abwehrend die Hände und ruft: „Ihr seid doch die zehn Aussätzigen! Was wollt ihr hier? Macht, daß ihr fortkommt!“ Aber die Männer sagen voller Freude: „Wir sind rein! Jesus hat es uns gesagt! Seht doch selbst, untersucht uns doch!“ Tatsächlich - sie sind frei von Aussatz .Froh gehen sie heim in ihre Dörfer

Aber einer von ihnen geht zurück zu Jesus. Er lobt Gott mit lauter Stimme. Und als er zu Jesus kommt, wirft er sich vor ihm auf die Füße. Er dankt ihm, weil er ihm so viel geholfen hat.

Wer ist dieser Mann? Es ist der Samariter. Ausgerechnet einer, den die Juden hassen, der einen anderen Glauben hat,  ein Fremder, ein Feind! Er allein hat das Danken nicht vergessen.

Jesus fragt: „Sind nicht alle zehn gesund geworden? Wo sind denn die anderen neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott zu loben und zu preisen? Nur dieser Fremde“ Die anderen neun sind zwar auch gesund geworden, aber sie gehören nicht mehr zu Gott. Nur der Samariter hat sich mehr gewünscht als gesund zu werden. Er hat Gott gesucht und hat ihn gefunden in Jesus, der ihn heilte. Jesus sagt: „Stehe auf, gehe hin. Du hast geglaubt, das hat dir geholfen!“ Der Samariter geht in sein Dorf zurück. Aber von nun an wird er zu Jesus gehören. Sein Leben ist neu geworden, es ist nun ein Leben mit Gott.

 

Predigt:

Kleinen Kindern bringt man frühzeitig bei, daß sie immer „Dankeschön“ zu sagen haben. Sie müssen manchmal sogar noch Händchen geben und einen Knicks machen und dann freuen sich alle und sagen: „Welch ein wohlerzogenes Kind!“Aber wie steht es denn bei den Erwachsenen mit der Dankbarkeit? Vergessen die nicht auch manchmal den Dank, wenn sie eine Freude erfahren haben?

Viele Dinge sind uns doch so selbstverständlich geworden, daß uns gar nicht mehr der Gedanke kommt, wir könnten uns ja auch einmal dafür bedanken. Wieviel tut etwa die Mutter für die Familie. Sie hat ihren Beruf, aber sie versorgt auch fast den ganzen Haushalt, kocht Essen, hält die Wohnung sauber, wäscht die Kleider.

Der Vater geht auch Geldverdienen, hilft im Haushalt, repariert alles, läuft viele Wege. Und außerdem haben die Eltern noch Zeit für die Kinder, sehen nach den Hausaufgaben, spielen mit ihnen, beantworten ihre Fragen. Wenn die Eltern sich so um die Kinder kümmern, dann haben wir doch allen Grund zur Dankbarkeit.

Oder denken wir daran, daß wir alle ausreichend und gut zu essen haben. Viele  Menschen aber bleiben Zeit ihre Lebens hungrig, darunter auch besonders viele Kinder. Wir aber schimpfen gleich, wenn das Brot einmal nicht so schmeckt oder wenn es abends ausverkauft ist. Sollten wir nicht schon dankbar dafür sein, daß es überhaupt Brot gibt?

Viele von uns haben einen schönen Urlaub verlebt, die Kinder haben mit Begeisterung die Kirmes mitgemacht, wir leben mit so vielen Menschen zusammen, die uns helfen und denen wir helfen können.

Daß die Schule wieder begonnen hat, wird den Kindern vielleicht nicht so schmecken. Aber daß sie dabei viel lernen können und in der Regel klüger werden als ihre Eltern, ist doch auch etwas Schönes.

Oder wir haben vorhin schon einige Beispiele gehört, wie Menschen eine große Freude erlebt haben und voller Dankbarkeit anderen davon erzählten: Die Mutter des Kindes, das im Krankenhaus war, das Ehepaar, das ein Kind adoptiert hat, das Mädchen, das für eine Frau einkaufte. Das sind alles Dinge, die jeder von uns jeden Tag erleben kann und die uns dankbar stimmen können.

Als Pfarrer will ich noch Gott danken, daß Kinder zum Kindergottesdienst und zum Religionsunterricht (und …) kommen. Das ist ja nicht allein ihre Leistung, sondern erst einmal sollten wir Gott danken, der den Kindern so das Herz geöffnet hat, daß sie gerne kommen.

 

Das wollte uns ja auch die Geschichte von den zehn aussätzigen Männern deutlich machen: Wenn wir eine Freude erlebt haben, dann sollten wir dafür danken. Aber unser Dank gilt in erster Linie Gott, der  uns das alles gegeben hat. Nicht nur wenn wir gerade noch einmal am Tod vorbeigekommen sind, ist Grund zum Danken, sondern auch schon bei den ganz alltäglichen Dingen: Für die Arbeit und den Urlaub, für die Feste und die Mittmenschen.

Doch schon Jesus mußte die schmerzliche Erfahrung machen: Da kommen Menschen und suchen Hilfe in ihrer Not, aber sie bleiben Gott den Dank schuldig. Ihm persönlich sollen sie ja gar nicht danken. Aber es ist ihm nicht gleichgültig, ob sie seinem Vater danken oder nicht. Er will ihnen ja einen Weg bahnen zu Gott. Aber die meisten bleiben auf halbem Weg stehen, nämlich bei der Hilfe in äußerer Not.

Dabei hatten sie anfangs durchaus das getan, was Gott will: Sie haben Jesus in der Not angerufen! Aber dann gehen sie zurück in  ihr altes Leben, zu ihrer Arbeit, ihrer Familie und zu den üblichen Gottesdiensten. Der eine hat sich vielleicht schon mit seiner Frau gestritten. Der andere hat wieder keine Zeit für die Kinder gehabt. Der Dritte hat vielleicht schon wieder über die schweren Zeiten geklagt. Sie waren froh gewesen, daß Jesus ihnen geholfen hatte. Aber dann war doch alles beim Alten geblieben. Sie begreifen gar nicht, daß Gott nicht nur einmal im Leben mit ihnen in Kontakt kommen will, sondern sie an jedem Tag begleiten will. Gott wollte durch die Heilung ihren Glauben wecken und in alle Zukunft mit ihnen in Verbindung bleiben.

Aber das geschieht nur bei dem einen, der erst noch einmal zu Jesus zurückkehrt. Er suchte nur nach einem Helfer, egal wer es war. Dann aber erkennt er, wer wirklich vor ihm steht. Schließlich hält er die Hand fest, die ihm geholfen hat, und will sie nicht mehr loslassen.

Nur für ihn wird die Heilung zum persönlichen Weg zu Gott,  er allein ihn wirklich gerettet und geheilt hat, weil nur er hören kann, wie Jesus ihm persönlich das Heil zuspricht. Nur er wird Gott nie mehr verlieren.

Nachher geht er auch wieder an seine Arbeit, zu seiner Familie und  zu den üblichen Gottesdienste. Aber er sieht das jetzt alles mit anderer Augen. Er weiß: Gesundheit, Erfolg und Besitz sind umsonst, wenn man dadurch nicht zum Lob Gottes geführt wird. Jetzt aber lebt er als ein neuer Mensch, der ganz zu Christus gehört, auch wenn er noch in seiner alten Umgebung ist. Aber er ist reicher und glücklicher, weil er dankbar lebt.

Im Psalm 50 heißt es: „Rufe mich an in der  Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen!“ Neun Männer wollten nur gesund werden, aber mit Gott wollten sie nichts zu tun haben (oder zumindest doch mit Jesus, der ihnen Gott bringt): Sie sahen nur das Geschenk, aber den, der es ihnen gegeben hatte. Nach der Heilung ging es nicht neu los, sondern es war wieder alles beim Alten. Dadurch war letztlich alles vergeblich.

Dabei hätten sie als fromme Glieder des Gottesvolkes am ehesten verstehen müssen, was Gott hier an ihnen tat. Aber ausgerechnet der verachtete Samariter tut das Richtige. Bei dem Wort „Samariter“ sollten wir nichtgleich an den „barmherziger Samariter“ denken, von dem Lukas auch erzählt. Ein Samariter war damals wie einer, der aus der Kirche ausgetreten ist. Aber vielleicht hat er gerade deshalb begriffen, wieviel Ihm geholfen wurde, während die anderen alles als selbstverständlich hinnehmen.

Im Grunde ist aber nichts selbstverständlich und danken kann man nie genug. Eine Religionslehrerin war einmal krank. Als sie wieder zum Unterricht kam, sagte ein Mädchen aus der  ersten Klasse zu ihr: „Ich habe für dich gebetet, daß du wieder gesund wirst. Aber jetzt mußt du dich auch bedanken!“ Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Und sie sind oft auch die Dankbarsten, weil sie so sehr auf die Hilfe der anderen angewiesen sind. Sie wissen oft besser als die Erwachsenen, was zu tun ist. So sind sie manchmal ein Vorbild, so wie jener Samariter den anderen ein Vorbild war.

Wie macht man das aber nun mit dem Danken? Nun, abends vor dem Einschlafen hat jeder sicher einige Sekunden Zeit, um den Tag noch einmal zu überdenken. Da gibt es bestimmt sehr Vieles, wofür man dankbar sein kann . Wenn man das Gott im Gebet sagt und ihn dafür lobt und preist, dann war es sicher kein verlorener Tag gewesen. Und dann kann man auch guten Gewissens für den nächsten Tag bitten, damit der auch gelingen möge.

 

Gebet:           

Herr, unser Gott, wir haben alle Grund zum Danken:

Die Eltern machen sich soviel Mühe mit den Kindern.

Wir alle haben ausreichend und gut zu essen.

Wir haben einer schönen Urlaub erlebt und

können jetzt wieder in der Schule viel lernen.

Wir danken dir für unsre Gesundheit.

Viele kranke Kinder sind wieder gesund geworden.

Viele Kinder helfen anderen Leuten, die nicht wehr so können.

Viele Menschen sind für uns da und wir dürfen für andere da sein.

Wir danken dir auch, daß wir Religionsunterricht und Gottesdienst haben

 und immer wieder dein Wort hören.

Wir bitten für die Schulanfänger, daß sie viel Spaß haben

und alles verstehen, was sie lernen.

Laß uns alles mit Dankbarkeit annehmen,

und hilf uns auch weiterhin bei allen Schwierigkeiten.

Gib den Kranken Mut und Hoffnung, hilf ihnen gesund zu werden.

Laß alle so glücklich und in Frieden leben wie wir jetzt.

Herr, wir wollen dir noch - jeder für sich in der Stille - sagen,

wofür wir dir danken wollen und worum wir dich bitten…….          

Vaterunser

Predigt:

Wir haben gesehen, wie Peter ratlos war, was er tun sollte. Durfte er seinen Freund Rolf verraten? Durfte er stille sein, wo doch so etwas Schlimmes passiert war? Vielleicht würde doch wenigstens die Versicherung dem Kind etwas zahlen?

Peters Vater weiß einen Ausweg. Sie verraten Rolf nicht. Aber Rolf geht von sich aus zur Polizei. Damit ist allen geholfen, nicht zuletzt auch Rolf seiber; denn er hätte es sicher doch nicht ausgehalten, immer mit seiner Schuld herumzulaufen. Peters Vater hat ihm den einzig möglichen Weg gezeigt , aus allem wieder heraus zu kommen und ein froher Mensch zu werden.

Nun heißt unser Thema aber: „Gott weiß einen Weg!“  Was hat diese Geschichte denn mit Gott zu tun? Nun, sehr viel! Denn wenn ein Mensch einem anderen hilft, dann handelt Gott an diesem Menschen. Gott hilft uns immer durch andere Menschen. Und wenn wir keinen Weg mehr wissen, dann schickt er uns einen Menschen, der uns den Weg zeigt.

Mancher unter uns wird sich fragen: Welches ist denn der richtige Weg für mich? Manche Eltern, deren Kind gerade in die Schule gekommen ist, machen sich schon Sorgen: Wird mein Kind einmal studieren können? Für dieses Ziel sind sie bereit, alles zu opfern.

 

 

Die erste christliche Gemeinde: Apg 2,42   

Einstieg:

Als die Glocken ausläuten, fängt es nicht wie gewohnt mit einem Lied an, sondern es entsteht eine Pause. Eine Gruppe sich laut unterhaltender junger Leute betritt die Kirche. Ein „Fremdenführer“ (Gästeführer) beginnt, einer „Reisegesellschaft“ die Kirche zu erklären: „Meine verehrten Damen und Herren! Wir befinden uns hier in der …..Kirche von ……... Diese Kirche ist über …. Jahre alt. Beachten Sie die prächtige Kanzel aus Sandstein…. Währenddessen geht einer auf die Kanzel und untersucht das Parament, einer fingert und klopft am Kanzelfuß herum, die anderen tun interessiert. Und wenn Sie sich nun herumdrehen.... (drehen sich herum).

Doch nacheinander stehen Leute aus der Gemeinde auf und protestieren:

Gemeindeglied: Hören Sie mal, wir sind doch hier nicht im Museum, das ist doch eine Kirche!

 Besucher: Na und, was ist denn da weiter dabei. Wir wollen uns doch nur die Arbeit der Künstler anschauen.

Gemeindeglied: Darum geht es doch gar nicht! Hier ist jetzt Gottesdienst. Wissen Sie denn nicht, was das ist?

 Besucher: Na ja, da wird man angepredigt, und dann geht man wieder nach Hause. Und bei den meisten bleibt alles beim alten (Gruppe stimmt zu).

Gemeindeglied: Passen Sie mal auf, vielleicht haben Sie etwas Zeit. Bleiben Sie doch die Stunde einmal hier. Setzen Sie sich mit zu uns. Hören Sie zu. Und wenn Sie Fragen haben, dann reden Sie einfach mit (setzen sich).

Eingangslied: Tut mir auf die schöne Pforte   

 

Erzählung: Aus dem Leben der Urgemeinde:

Frau Esther wundert sich. Sie steht in der Tür und sieht hinüber zum Haus des Nachbarn. Simeon, der Tischlermeister, hat seine Arbeit für heute beendet. Es dämmert ja auch schon. Drüben im Haus des Tischlers wird die Nachbarin bald Öl auf die Lampe gießen und sie auf den Tisch stellen. Frau Esther ist ein bißchen neugierig. Werden ihre Nachbarn heute wieder Gäste haben? Sie haben drüben oft Besuch, fast jeden Tag. Keine Verwandten. Nein, andere Besucher. Fremde.

Da kamen der reiche Schmied und die arme Mirjam. Wirklich, auch heute wieder, drüben kommt der erste Gast. Die arme Rahel, die Witwe. Und jetzt kommt der reiche Schmied. Frau Esther staunt. Sie winkt schnell ihre Tochter herbei. Schnell, Ruth, komm her, sieh nur, der reiche Schmied beachtet die Witwe. Das ist sonst nicht üblich, daß ein Mann eine Frau beachtet und sie so freundlich grüßt. Beide gehen ins Haus. Und hast du gesehen, Mutter?

Die arme Rahel hatte ein anderes Tuch um, nicht mehr das alte, gestopfte. Ein großes, schönes, warmes Tuch. Woher hat sie das? Ich wundere mich, daß sie noch nicht betteln gehen muß. Die paar Pfennige, die ihr Mann ihr bei seinem Tod hinterlassen hat, müßten doch schon längst aufgebraucht sein. Denk nur, Ruth, ich hörte, daß der Schmied und der Tischler und noch andere sich um die Rahel kümmern und für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Sie kümmern sich um sie, als wäre es ihre eigene Mutter. Das ist sonderbar.

Sieh, jetzt kommt wieder jemand, eine Frau, ich habe sie nicht erkannt. Und dort ein Mann. Er ist ärmlich gekleidet. Und, sieh nur, der Daniel, der lesen und schreiben kann, kommt auch. Eine sonderbare Abendgesellschaft: Männer und Frauen, Reiche und Arme, Kluge und Unwissende.

Und manchmal, Mutter, darf Johanna, die Tochter des Tischlers, sogar aufbleiben und sich zu den Erwachsenen setzen. Johanna sagte mir, daß die Geschichten, die in ihrem Elternhaus erzählt werden, auch für die Kinder wichtig sind. Und was Johanna nicht versteht, erklärt ihr ihre Mutter am nächsten Tag. Aber auch die Erwachsenen verstehen nicht immer gleich alles. Manches ist ihnen neu und ganz anders, als sie es bisher gewöhnt sind. Jesus stellt alles auf den Kopf, sagt Johanna. Die Erwachsenen fragen dann und sprechen darüber, und der, der die Geschichte erzählt hat, erzählt sie noch einmal.

Jesus stellt alles auf den Kopf? fragt Frau Esther ihre Tochter. Johanna sagte mir,

antwortete Ruth, daß sie drüben abends über Jesus erzählen. Erinnerst du dich an Jesus von Nazareth, Mutter? Er wurde doch schon vor Jahren hingerichtet, und noch immer hat er Freunde. Die dort drüben gehören auch dazu, und es werden immer mehr.

Frau Esther schweigt eine Weile. Dann führt sie das Gespräch weiter. Unsere Nachbarn sind gütige Menschen, und während der Arbeit pfeift oder summt der Tischler vor sich hin, und auch seinen Lehrling behandelt er freundlich. Ich möchte schon gern einmal abends drüben mit dabei sein. Aber ich weiß nicht, ob es der Vater erlauben würde. Zuerst müßte ich ihn fragen.

Drüben haben sich Gäste versammelt. Die Tischlersfrau hat die Öllampe auf den Tisch gestellt. Alle Besucher sitzen am Tisch. Jeder hat sein Abendbrot mitgebracht: selbstgebackenes Brot und etwas dazu. Nein, doch nicht alle. Die arme Rahel und eine andere Frau haben nichts auf die Platte in die Mitte des Tisches gelegt. Alle Speisen liegen nun auf dem Tisch, aber keiner langt zu.

Da steht der Tischler auf, nimmt ein selbstgebackenes Brot, spricht das Dankgebet und sagt dann: „Der Herr Jesus, in der Nacht, in der er verraten wurde, nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben ist. Das tut zur Erinnerung an mich!“

Der Tischler ißt ein Stück Brot, das andere reicht er dem weiter, der neben ihm sitzt. Dieser tut es ebenso, bis alle reihum Brot gegessen haben. An jedem Abend, wenn sich Christen treffen, beginnt die Mahlzeit mit diesem Brotbrechen. An jedem Abend sagt der Tischler dazu dieselben Worte. Dann langen alle tüchtig zu, auch die alte Rahel und die andere Frau, die nichts mitbringen konnten. Alle essen sich satt. Dabei erzählen sie, was sie am Tag erlebt haben. Am Schluß der Mahlzeit nimmt der Tischler den Becher mit Wein in seine Hände und sagt: „Jesus nahm den Becher Wein nach der Mahlzeit und sagte: Dieser Becher ist der neue Bund kraft meines Blutes. Das tut, so oft ihr trinkt, zur Erinnerung an mich!“

Der Tischler trinkt und reicht den Becher mit Wein weiter an den, der neben ihm sitzt. Dieser trinkt und gibt ihn weiter an seinen Tischnachbarn. Der Becher wird von einem zum andern weitergereicht. Alle trinken daraus. So wird die Mahlzeit immer beschlos­sen, Abend für Abend, mit denselben Worten. Die Mutter hat das Johanna erklärt: Der neue Bund bedeutet die neue Gemeinschaft, die Jesus schenkt. Wir gehören zueinander. Keiner ist mehr einsam und allein.

Und dann nach der Mahlzeit, sie können es schon fast nicht erwarten, erzählt einer von ihnen von Jesus. Alle hängen an seinen Lippen. Manchmal muß er ihnen am nächsten Abend dieselbe Geschichte noch einmal erzählen, so aufregend ist sie. Die Geschichte mit dem Oberzöllner Zachäus zum Beispiel hat sie sehr bewegt. Jesus geht zu dem Betrüger, dem Gottlosen ins Haus. Das hat vorher kein Frommer getan. Jesus stellt wirklich alles auf den Kopf. Dann müssen wir unser Verhalten zu solchen Menschen ändern, denken sie. Und sie sprechen darüber.

Manchmal lernen sie auch einen Satz, den Jesus gesagt hat, auswendig. Und die Geschichten über Jesus merken sie sich gut. Wort für Wort werden sie eingeprägt,

damit sie zu Hause ihren Familien alles genau nacherzählen können. Dann singen sie Lieder, alte Psalmen und neue Lieder über Jesus. Sie brauchen keine Noten, keinen Text. Viele von ihnen können ja auch nicht lesen.

Sie überlegen, wem sie helfen können. Sie bitten Gott, daß er ihnen die Augen öffnet, damit sie sehen, wo Hilfe nötig ist. Sie danken Gott, daß keiner von ihnen Not zu leiden braucht, wenn sich einer um den andern kümmert. Das macht sie froh und glücklich.

Die Frau des Tischlers erzählt, daß Johanna das junge körperbehinderte Mädchen eingeladen hat. Aber es traut sich nicht zu kommen. Zu oft hat sie gehört, daß ihre Behinderung eine Strafe Gottes ist. Könnte jemand von euch zu ihr hingehen und mit ihr sprechen? Sofort übernimmt jemand diese Aufgabe. Alle bitten Gott, daß er die nichtigen Worte schenkt und dem Mädchen Mut gibt, seine Hemmungen zu überwinden. Sie bitten Gott, daß es sich bei ihnen wohl fühlt und froh wird.

 

Der Abend ist schnell vergangen. Sie sind müde. Sie müssen wieder nach Hause gehen. Sie freuen sich schon auf den nächsten Abend. Morgen wird ihnen die Arbeit gut von der Hand gehen, denn sie wissen, keiner von ihnen ist allein. Sie gehören alle zusammen. Morgen abend werden sie sich wieder treffen. Ihre Augen strahlen. Auf ihren Gesichtern ist die Freude zu sehen, obwohl sie müde sind Morgen werden sie wieder zusammensein, von Jesus hören, Fragen stellen, miteinander essen, das Brot brechen, den Becher Wein herumreichen, sich gemeinsam beraten, singen und beten. So feierten die Christen in Jerusalem ihren Gottesdienst.

 

Sprecher:

Liebe Gemeinde, wir wollen in diesem Gottesdienst gemeinsam darüber nachdenken, was eigentlich Gottesdienst ist und welches die Kennzeichen einer christlichen Gemeinde sind: Über diese Frage wollen wir uns Auskunft holen in der Bibel. Ich habe hier einmal unsere große alte Altarbibel aus dem Jahre …. mitgebracht und will daraus einen Vers vorlesen: „Die ersten Christen in Jerusalem blieben beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet!“(Apg. 2,42)(Text mit Schreibmaschine geschrieben in die große Bibel hineinlegen, weil der Anfang etwas verändert ist). Über diesen Satz wollen wir noch etwas nachdenken.

 

I.) „Sie blieben beständig in der Apostel Lehre“:

Die Apostel waren die Jünger Jesu, die nach seinem Tod die Sache Jesu weiterführten. Sie haben die Worte Jesu gut im Gedächtnis aufbewahrt und aus seinem Leben erzählt. Später haben dann andere diese Worte und Erzählungen aufgeschrieben. So entstand das dicke Bibelbuch, aus dem wir heute noch in der Kirche vorlesen. Viele haben auch eine kleine Bibel zu Hause und lesen darin.

Das will ich vor allem denen sagen, die jetzt mit der Schule und dem Religionsunterricht beginnen und heute vielleicht zum ersten Mal hier mit im Gottesdienst dabei sind. Aus der Bibel wird im Religionsunterricht erzählt, all die spannenden Geschichten aus dem Gottesvolk und die Erzählungen von Jesus und den Aposteln. Bald werdet ihr aus der ersten Klasse auch lesen können und dann auch das Religionsbuch zur Hand nehmen und daraus lesen und die Bilder betrachten.

Es ist auch schön, wenn euch dabei die Eltern, Großeltern und Paten helfen. Wenn ihr etwas nicht versteht, dann könnt ihr sie fragen. Und wenn sie es auch nicht wissen, dann können sie den Pfarrer oder Lehrerin fragen. Alle Erwachsenen in der Gemeinde wollen euch helfen über den Glauben noch mehr Beschied zu erhalten, auf den ihr getauft worden seid.

Auch größere Kinder sind da, die zum Teil schon jahrelang zum Religionsunterricht gehen. Sie alle bemühen sich, die Lehre der Apostel immer noch näher kennenzulernen. Es ist ja in Wirklichkeit die Lehre Jesu, die die Apostel nur weiter überliefert haben. Und diese Lehre ist wichtig für unser Leben, wenn wir mit Gott und der Kirche leben wollen und einen Sinn in unserem Leben sehen wellen(Bei diesen Ausführungen immer wieder auf die Bibel verweisen).

 

II .) „Sie blieben beständig in der Gemeinschaft“:

Viele können sich unter dem Wort „Gemeinschaft“ nicht so recht etwas vorstellen. Ja, die Familie ist eine Gemeinschaft oder sollte es zumindest sein. Aber alles was darüber hinausgeht, das sind schon die „Anderer“ oder die „Fremden“ oder gar die „Feinde“.

Jesus aber hat deutlich gemacht, daß alle Menschen doch Kinder Gottes sind. Er hat auch die Fremden und die sogenannten Feinde in seine Nähe geholt, hat sie lieb gehabt und hat ihnen geholfen, im Leben zurechtzukommen.

Auch in seiner Gemeinde hat man sich immer bemüht, eine gute Gemeinschaft zu halten. Eine Gruppe kirchlicher Kinder ist zum Beispiel eine Gemeinschaft, die auch in der Schule zusammenhält. Christen stehen auch im Betrieb zusammen. Sie treffen sich ja bei vielen Gelegenheiten auch außerhalb des Gottesdienstes. Da sollte man auch merken, daß sie den gleichen Gott haben und eine Gemeinschaft sind. Allerdings ist es nicht immer leicht, mit der anderen in der Gemeinde auszukommen. Manchen kann man doch nicht so gut leiden, es gibt auch einmal Gegensätze und Streit. Deswegen gilt es, über alle Gegensätze hinweg immer wieder zueinander zu finden.

Wir wollen einmal ganz äußerlich deutlich machen, daß wir alle zusammengehören. Dazu fassen wir uns einmal alle an den Händen und bilden eine ganz lange Kette, die durch die ganze Kirche reicht. Wer keinen Nebenmann hat, der sucht sich einen und geht die paar Schritte auf ihn zu (nur zu den Emporen hin wird es etwas schwierig sein) Ist auch keiner vergessen gegangen (auch der Pfarrer wird natürlich einbezogen ). So, wenn jetzt wieder Leute hereinkämen, die die Kirche nur besichtigen wollen, dann würden die sicher merken, daß wir hier alle eine große Gemeinschaft sind, vielleicht sogar eine wie schon die ersten Christen in Jerusalem.

 

III.) „Sie blieben beständig im Brotbrechen“:

Damit eine christliche Gemeinde wirklich eine Gemeinschaft wird, haben wir auch das Abendmahl. Ich habe hier einmal den Teller und den Kelch mitgebracht, wie er beim Abendmahl benutzt wird. Davon kann man nichtig essen und daraus kann man nichtig trinken. Wer miteinander ißt, der will ein Freund des anderen sein.  In der -Familie sitzt man an einem Tisch und ißt gemeinsam. Und wenn man Geburtstag feiert mit seinen Freunden, dann gehören diese auch zur Familiengemeinschaft.

Und so feiert auch die christliche Gemeinde das Abendmahl, bei dem alle miteinander essen und trinken. Da fühlt man sich besonders miteinander verbunden. Und Jesus selber will unsichtbar mit dabei sein, will seiner Gemeinde von heute nahe sein und mit ihr Gemeinschaft haben. Er hat selber gewollt, daß wir nach seinem Tode

noch so zusammenkommen, wie die er mit den Jüngern und vielen anderen Leuten. Deswegen gibt es bis heute das Abendmahl in der Kirche.

Nun dürfen allerdings die Kinder noch nicht am Abendmahl teilnehmen, weil man da erst noch etwas besser verstehen muß, worum es geht. Aber ich habe mir etwas anderes ausgedacht: Der Bäcker hat lange dünne Weißbrote gebacken, die wir jetzt miteinander essen wollen. Die können wir leicht auseinanderbrechen. Jeder nimmt sich ein Stück, etwa so groß wie ein halbes Brötchen, und dann essen wir es alle hier an Ort und Stelle. Die Orgel spielt dazu Musik. Das ist dann ein Gemeinschaftsmahl, wie es schon die ersten Christen gefeiert haben. So wie sie wollen wir das Brot brechen und uns dabei als eine große Gemeinschaft verstehen.

 

IVSie blieben beständig im Gebet“:

Zu diesem Punkt will ich nun nicht so viel erzählen, sondern wir wollen gemeinsam versuchen, ein Gebet zusammenzustellen. Im Gebet reden wir mit Gott. Wir danken ihm für alles, was er uns getan hat. Und wir bitten ihn um Hilfe bei den Schwierigkeiten, die wir haben. Aber wir wollen dabei auch nicht vergessen, daß noch andere Menschen da sind, die auch die Hilfe Gottes brauchen. Wenn wir beten, wollen wir auch sie in die Fürbitte einschließen (Gebetsanliegen werden gesammelt. Fürbitte für Religionsunterricht und Kindergottesdienst nicht vergessen, besonders nicht die Schulanfänger)

 

Fremdenführer: So mein Herrschaften, jetzt wollen wir weitergehen. Üblicherweise gibt man nach so einem Gottesdienst eine Spende am Ausgang der Kirche. Wofür ist sie denn heute bestimmt? (Pfarrer gibt Auskunft ).Dann wollen wir also am Ausgang unseren Dank abstatten, indem wir etwas für die Durchführung solcher Gottesdienste geben. Dann also „Auf Wiedersehen“ und weiterhin  „Gute Gemeinschaft“.

 

Auf das Liedblatt kann man das Bild von Helmut Uhrig zu Apg 2,42 abzeichnen und am Schluß des Teiles IV noch als Zusammenfassung besprechen. Dann hat jeder noch ein Andenken (eventuell auch Großbild in der Kirche).

 

 

Talente: 1. Kor 12, 1 2- 27 

 

Anspiel (Darstellung der Lesung und des Predigttextes)

Mitwirkende: Drei Personen: „Hand“, „Fuß“, „Auge“, Jeder hat ein gut sichtbares Zeichen für seinen Körperteil umgehängt.

Hand (spielt mit einem Ball und legt ihn dann weg): Ist das heute wieder langweilig. Ball spielen macht auch  keinen Spaß mehr.  Was könnte man nur machen? (Pause).  Ich hab es: Ich werde mir jetzt eine schöne Kuh auf einer grünen Wiese malen (malt auf eine Tafel, aber mit falschen Farben und alles verzerrt).

Fuß (stolpert herein und fällt, das Auge erschrickt): Auaaaah, schon wieder gestolpert (rappelt sich auf)

Hand (in falsche Richtung): Wer ist da?

Fuß (ebenfalls falsche Richtung): Ach Hand, du bist es sicher. Kennst du mich denn nicht mehr?

Hand: Du bist doch der Fuß.

Fuß: Ja, der arme Fuß

Hand: Wieso ‚armer Fuß‘? Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als Fuß zu sein und in der Welt spazierengehen zu körnen.

Fuß: Und immer wieder hinfallen! Neulich bin ich sogar in eine Pfütze gestolpert. Du hättest mich mal sehen können: von oben bis unten voll von Schmutz.

Hand: Wenn man dafür in der Stadt einen Einkaufsbummel  machen kann! Oder auf die grünen Wiese gehen. Ich würde meine Kuh gern malen, wenn ich direkt auf der Wiese bin, nicht nur aus dem Gedächtnis.

Fuß: Das möchte ich ja auch gerne. Aber wie kann ich als Fuß malen? Das kannst nur du.

Hand: Das ist aber auch das Einzige. Ich glaube, daß ich sehr schön male. Wie findest du das Bild hier?

Fuß: Woher soll ich wissen, ob dein Bild gut oder schlecht ist oder ob du überhaupt eins gezeichnet hast? Ich bin doch nicht das Auge.

Auge: Aber ich! Es hat mir großen Spaß gemacht, dir zuzusehen, wie du die lila Kuh auf der roten Wiese gemalt hast. Aber als dann der Fuß hinfiel, habe ich doch einen ganz schönen Schreck bekommen. Fuß, du hättest ja brechen können. Als Fuß allein…..

Fuß: Ich könnte in einen Fluß fallen. Allein kann ich auch nicht schwimmen. Ich möchte lieber Auge sein, da sieht man wenigsten, wo man hingeht

Auge: Womit wolltest du denn als Auge gehen? Mit den Augenwimpern?

Hand: Am besten wäre, wir gehörten alle zu  e i n e m Körper, wie die Kinder einen haben: Beine, Arme,  Augen, alle auf einander angewiesen.

Fuß: Das hatte mir aber nicht gefallen. Wenn ich gern laufen wollte, mußte ich sitzen. Aber wenn ich meine Ruhe haben wollte, hieß es: Die Hände müssen noch arbeiten. Halte durch! Renne hin und her!

Auge: Damals wolltest du nicht mehr auf die anderen hören.

Fuß: Aber jetzt das ist viel schlimmer. Ich weiß nicht mehr, wozu ich laufe. Keiner freut sich‚ keinem nutzt es, auch wenn ich noch so trainiert bin.

Hand: Ich möchte daß wir wieder ein Körper werden. Dann können wir wieder alles

zusammen tun, jeder hätte eine Aufgabe.

Fuß: Kommt mit! (faßt die anderen an): Wir werden die anderen fragen. Es muß doch  möglich sein, daß wir alle zusammen leben können: Nur gemeinsam sind wir ein lebendiger Körper!

 

Besprechung:

Der Körper eines Menschen besteht aus vielen Teilen. Kein Teil kann für sich allein leben, alle sind sie aufeinander angewiesen, jeder hat seine besondere Aufgabe.

Die Geschichte vom Körper und seinen Teilen steht in der Bibel. Paulus schreibt davon in einem Brief an die Gemeinde in Korinth. Er redet zwar von einem menschlichen Körper, meint aber eigentlich die christliche Gemeinde. Die Gemeinde besteht nämlich aus vielen Menschen ,von denen jeder auf den anderen angewiesen ist und jeder seine besondere Aufgabe hat.

 

Tafelbild: (in der Mitte Platz lassen für ein Kreuz)

 

Ein Körper besteht aus         G                             Die Gemeinde besteht aus

vielen Teilen                                        a                             aus vielen Menschen

                                                   b

    G e m e i n s c h a f t

Jeder Teil hat seine                n                             Jeder Christ hat seine

besondere Aufgabe                                                          besonderen Gaben

 

Glaubensbekenntnis: (Einleitung)

Daß wir alle Arme und Beine ‚ Augen und Mund haben , das verdanken wir Gott, unserem Schöpfer. Er hat uns so geschaffen und will, daß wir unsere Körperteile gut und sinnvoll einsetzen.  Er hat uns auch zur christlichen Gemeinde zusammengeführt und möchte, daß wir in der Gemeinde eine gute Gemeinschaft bilden. Wir wollen ihm danken und uns zu ihm bekennen mit einem Bekenntnis aus unserer Zeit: .          

 

Predigt :

Die Gemeinde besteht aus vielen Menschen. Aber sie bleiben zusammen, weil sie Jesu Freunde sind. Alle sind sie „Leib Christi“. Christus hat keine Hände; er braucht unsere Hände‚ damit wir tun, was er getan haben will .

Wo Christen zusammenleben, soll es nicht wie in dem Spiel vorhin aussehen. Da war jeder für sich allein und keiner kam zurecht. Christus möchte, daß einer für den anderen da ist, so wie er seine Gaben ganz in den Dienst der Menschen gestellt hat.

Gott hat uns allen Gaben mitgegeben. Wir sollen sie nicht für uns selbst behalten, sondern anderen damit helfen und sie froh machen. Wenn wir zusammenstehen und jeder seine Gaben in die Gemeinschaft einbringt, dann leben wir im Sinne Jesu Christi.

(Tafelbild ergänzen durch die Worte „Gaben“ und „Gemeinschaft' kreuzweise zwischen die anderen vier Aussagen geschrieben).

 

Welche Gaben haben wir, die wir zum Wohle der Menschen und der Kirche einsetzen können? Wer hat alles mitgeholfen, diesen Gottesdienst zu gestalten?

Man muß nicht ein besonderes Talent haben, keine besonders herausragenden Fähigkeiten. Jeder kann irgend etwas. Und sei es noch so wenig. Und gering, es dient dem Ganzen.

Jeder fragt seinen Nachbarn, welche Gaben er hat. Dann werden Einzelne gefragt , was dabei herausgekommen ist.

Wo können wir außerhalb der Kirche unsere Gaben einsetzen? Christen helfen sich nicht nur untereinander. Jesus möchte, daß seine Freunde ihre Gaben dort nutzen, wo immer sie gebraucht werden. Wer von ihm Gaben bekommen hat, der hat damit auch eine Aufgabe.

 

Gebet:

Lieber Gott, lieber Herr Jesus Christus: Wir haben gehört, daß wir alle Gaben haben. Dafür danken wir dir! Wir wollen unsere Gaben so gebrauchen, daß es für uns und andere gut ist. Wir wollen zu keinem sagen: „Das kannst du nicht, du bist zu dumm!“ Laß uns merken: „Keiner ist überflüssig, jeder wird gebraucht.  Wir wollen aber auch nicht neidisch sein, wenn wir sehen, was andere können. Laß uns trotzdem bereit sein, allen Menschen zu helfen. So hast  du es uns ja vorgemacht.

Wir bitten dich für alle Kinder im Religionsunterricht, daß sie weiter vor dir lernen können und gerne kommen. Wir danken dir auch, daß wir in der Schule etwas lernen können. Sei doch auch bei denen, die Angst haben vor der Schule, daß sie doch alles schaffen.

Behüte vor allem die Kinder in der ersten Klasse, daß sie lernen können für ihr Leben und für ihren Glauben. Laß sie Gemeinschaft finden in deiner Gemeinde und Freude am gemeinsamer Tun. Sei bei Eltern und Geschwistern und bei uns allen, die wir von dir alles Gute erwarten.

 

Segen für die Schulanfänger: „Der Segen Gottes komme über euch und bleibe bei euch jetzt und immerdar!“

Vaterunser

 

Sendung und Segen für alle:

Wenn wir nach Hause gehen wollen wir drei Dinge nicht vergessen: Jeder von uns hat bestimmte Gaben und Möglichkeiten.

Gott hat sie uns geschenkt, damit wir anderen helfen und sie froh machen. Die Menschen, die Jesu Freunde sind, gehören zusammen; er selbst ist bei ihnen. Darauf können wir uns verlassen. Es segne und behüte euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

 

„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt“:  1. Joh 3,1  

Hinführung:

Zunächst wird ein „Wohnblock“ in der Kirche aufgebaut: Einige Bänke werden umgelegt und übereinandergesetzt. Aus Papier werden Fenster ausgeschnitten und angeheftet. Zwischenwände werden angedeutet (Trennwände). In dem so entstandenen Haus stellen sich die Spieler auf: Kind, Ehepaar, Großmutter.

Mar kann auch einzelne Häuser aus Karton basteln: Aus großen Kartons (sehr günstig sind Kühlschrankverpackungen oder ähnliches)  werden Häuser gebaut, in die man hineinschlüpfen kann. Von außen werden sie schön mit Plakatfarbe angestrichen und mit Tür und Fenster, Dach und Schornstein versehen. Mit einem scharfen Messer wird ein Fenster so ausgeschnitten, daß ein Spieler bequem mit seinem Kopf hindurch paßt. Der Spieler wird also aus seinem Haus herausschauen und mit dem Haus laufen können. Von innen müssen Tragegriffe angebracht werden, damit der Spieler ungehindert sein Haus bewegen kann.

Für unsere Einleitungsszenen brauchen wir drei Häuser und vier Spieler. Daher muß ein Haus für zwei Spieler eingerichtet werden.

 

Spielszene:

Kind (zeigt auf seine Wohnung) Hier wohne ich mit meinen Eltern. Um halb sieben Uhr morgens stehe ich auf, damit ich pünktlich zur Schule komme. Mittag esse ich in der Schule, und anschließend geht es in der Schule weiter. Wenn ich nach Hause komme, dann sehe ich fern oder helfe meiner Mutter in der Küche. Oft gehe ich natürlich auch zu meiner Freundin (meinem Freund).       

 

Oma: Vierzig Jahre wohne ich jetzt in diesem Haus. Was ich da alles erlebt habe, gute und schlechte Zeiten. Was war das für ein Leben, als die Kinder noch klein waren. Jetzt sind sie alle  verheiratet, und nur ganz selten kommen sie zu Besuch.

Besonders wohl fühle ich mich im Altenklub, da ist man nie allein. Alleinsein, das ist eine schlimme Sache. Aber wenn ich einmal länger fortgewesen bin, dann bin ich auch wieder gerne in meinen eigenen vier Wänden. (Zu dem Kind): Wenn du Zeit hast, kannst du mich ja einmal besuchen.

 

Kind: Ich weiß noch nicht, wir haben so viele Hausaufgaben. Und am Wochen­ende fahre ich doch immer mit meinen Eltern weg.

 

Oma: Da drüben das, das sind die Müllers. Die sind auch immer unterwegs. Morgens gehen beide zur Arbeit. Da sehe ich sie immer am Bus stehen. Und abends sind sie auch nie da.  Ich möchte nur  wissen, was die zu tun haben. Manchmal habe ich schon gedacht: Eigentlich könnten sie mich auch einmal mitnehmen. Aber die denken

Bestimmt. Was sollen wir mit dieser Alten?

Paar: „Jetzt waren wir fast jeden Abend zu Hause. Das habe ich langsam satt. Der Fernseher ist auch nicht in Ordnung. Das halte ich bald nicht mehr aus!“ - „Wenn du mir im Haushalt hilfst, dann haben wir es bald geschafft!“ - „Das könnte dir so passen (Das Haus gerät ins Wanken!).

 

Oma: Aua, da scheint ja Gewitterstimmung aufzukommen. Die sind zwar zu Hause; aber mir scheint, die sind doch nicht ganz zu Hause.  Irgend etwas fehlt denen wohl. Ach, ich hätte fast vergessen: Heute ist der Altenklub ja zu, da werd ich mal zur Kirche gehen. Ich bin gespannt, wer sich da zu Hause fühlt (zu den Gottesdienstbesuchern) Ihr etwa, fühlt  ihr euch hier wohl wie zu Hause?

 

Pfarrer: Die Frage ist ernsthaft gemeint: Fühlen Sie sich heute und hier zu Hause? Verstehen wir uns untereinander so, wie es unter Verwandten und  Nachbarn üblich sein sollte? Fühlen wir uns wirklich als die Familie Gottes, wo einer die Gemeinschaft

des anderen sucht, wo man sich verträgt und für den anderen Zeit hat? Können wir gar nicht erwarten, bis wir die anderen wieder einmal sehen und mit ihnen den Gottesdienst feiern können?  Ich jedenfalls freue mich, daß Sie zu diesem Familien­gottesdienst gekommen sind, und heiße Sie herzlich willkommen.

Hier in der Kirche wird uns ja immer wieder gesagt: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater gezeigt, daß wir Gottes Kinder heißen sollen und es auch sind!“ Fühlen wir uns  aber wirklich bei Gott zu Hause? Wissen wir überhaupt, daß er unser himmlischer Vater ist? Haben wir seine Liebe schon in unserem Leben verspürt? Fühlen

wir uns zu Hause wohl, fühlen wir uns in der Kirche wohl? Sind wir vielleicht in beiden Häusern zu Hause oder sind wir in keinem von beiden zu Hause?

Diesen Fragen wollen wir heute einmal nachgehen. Doch zunächst einmal wollen wir miteinander die Hände falten und…..beten:

 

Predigt:

Wir machen hier einer Familiengottesdienst. Aber sind wir wirklich eine Familie? Gewiß es sind viele einzelne Familien hierher gekommen. Und eine Familie pflegt ja zusammenzuhalten. Viele igeln sich einfach in ihrer Wohnung ein und sagen: Wir sind nur noch für uns da, die anderen gehen uns nichts an!

Aber hier in der Kirche sind wir doch - oder sollten es sein - eine große Familie, die sich aus vielen einzelnen Familien zusammensetzt. Wir wollen heute einmal unseren kleinen häuslichen Horizont verlassen und uns hineinstellen lassen in die große Gemeinde Gottes, die es nicht nur hier am Ort gibt, aber auch fast überall sonst in der Welt.

Eine Familie hat traditioneller Weise ein Oberhaupt, den Vater oder die Mutter oder beide. So ist auch Gott das Oberhaupt der christlichen Gemeinde. Er ist unser himmlischer Vater, der seine Menschenkinder so lieb hat, wie Eltern ihre Kinder lieb haben. Heutzutage spricht man allerdings auch von Partnerschaft  in der Familie. Man bespricht die notwendigen Dinge gemeinsam und einigte sich über das Erforderliche. So sind wir als Menschen auch in gewisser Weise die Partner Gottes, wenn er auch immer das Oberhaupt bleibt und derjenige ist, dem wir alles verdanken.

Eine Familie hat eine Wohnung, wo sie mit einander lebt, wo man es sich gemütlich macht und wo man auch zum Teil miteinander arbeitet. Unsere Kirche ist so etwas wie die Wohnung der Gemeinde, wo man sich wohlfühlt, wo man miteinander spricht und singt, wo man sich auch gemeinsam im Gebet an Gott wendet.  s ist  gut, daß wir dieses Haus haben (und vielleicht noch ein Gemeindehaus dazu).

Eine Familie braucht Aufgaben. Wir denken dabei zunächst an die vielen Arbeiten innerhalb der Familie: Vater und Mutter verdienen das Geld für die Familie, es muß Essen und Kleidung herbeigeschafft werden, die Wohnung muß geheizt und saubergemacht werden. Auch die Kinder werden nach Kräften zu bestimmten Leistungen herangezogen, das ist ja ganz in Ordnung.

Aber es ist auch gut, wenn eine Familie für andere da ist: für Verwandte, für Bekannte, für Nachbarn, für Leute, mit denen man zufällig zu tun kriegt. Im 1. Johannesbrief steht: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater gezeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen und es auch sind!“ Wer die Liebe Gottes verspürt hat, der möchte auch, daß andere etwas davon abkriegen. Er wird nicht nur an sich selber denken, sondern auch andere in seinen Gesichtskreis mit einbeziehen.

Wer aber für andere da sein will, der muß sich erst selber einmal Kräfte schenken lassen. Deswegen blieb der zwölfjährige Jesus  [Hier Erzählung, aber später noch einmal eigenes Thema] im Tempel; er wollte die einmalige Gelegenheit nutzen, gewissermaßen an der Quelle mit Gottes Wort vertraut gemacht zu werden. Er wollte ergründen, wie das mit der Liebe Gottes ist, von der die Schriftgelehrter damals nur wenig sprachen und die doch für die Verkündigung Jesu so wichtig werden sollte.

Auch heute noch nehmen viele Christen ihre Kraft aus der Tatsache, daß sie von Gott geliebt sind. So wie sich ein Kind zu Hause in der Familie wohl fühlt, so dürfen wir uns bei Gott geborgen wissen. Dadurch wird vieles im Leben leichter.

Als ein Pfarrer bei einer alten Frau war, um ihr das Abendmahl zu bringen, da sagte sie: „Ich will mich vorbereiten!“ In diesen Worten lag sehr viel Ruhe und Geborgenheit, keine Angst war zu spüren. Sie wußte sich getragen von der Liebe Gottes. Ihre Kräfte hatten nachgelassen, sie mußte im Bett liegen, ohne direkt krank zu sein. Aber sie wußte sich geborgen in Gott.

Oder da kommt ein Kind nach Hause und sagt: „Mutter, der Uwe und der Heiko haben gesagt, sie glauben nicht an Gott. Gell, wir glauben aber an Gott!“ Hinter dieser etwas bangen Frage steht die Erkenntnis, daß man einer Halt im Leben braucht. Und der Glaube an Gott gibt diesen Halt. Man spürt so ein leises Zittern heraus: Was wäre, wenn wir das nicht mehr haben. Und wieviel ist dem Kind geholfen, wenn die Mutter ruhig und bestimmt sagt: „Ja, wir glauben an Gott. Wir halten nicht nur als Familie zusammen, sondern wir sind hineingestellt in die große Familie Gottes!“

Daß das auch unsere Schulanfänger erfahren, darum können wir nur immer wieder bitter. Sie sind in eine größere Gemeinschaft gestellt, auch wenn sie in ihrer Schulklasse vielleicht ziemlich allein stehen. Wir alle dürfen immer wieder erfahren, daß Gott uns lieb hat. Für uns wird es darauf ankommen, in dieser Liebe drin zu bleiben. Das geschieht, indem wir zusammenkommen, indem wir Frieden untereinander halten, indem wir uns gegenseitig unterstützen. Die paar Minuten, die wir in der Woche für Gott aufwenden, nehmen uns nicht viel Zeit. Aber sie helfen uns, die andere Zeit besser zu nutzen. Man kommt mit seinem Leben besser zurecht, wenn man sich geborgen weiß bei Gott, wenn man sich wohl fühlt in der Gemeinschaft mit anderen Christen, wenn man anderen Menschen mit Liebe begegnet, die im Sinne Gottes ist. Heute am Beginn eines neuen Schuljahres wäre es gut, wenn wir uns so nichtig Lust machen ließen zum Besuch des Religionsunterrichtes und des Gottesdienstes.

 

 

Kind im Straßenverkehr                                                                        

Zum Beginn des neuen Schuljahres findet man in der Zeitung eine Reihe von Nachnichten, daß Kinder bei Verkehrsunfällen zu Schaden kamen. Das ist ein Anlaß, um auch hier im Gottesdienst auf dieses Thema einzugehen. [Aktuelle Beispiele nennen].

Diese Unfälle sollten erneut Veranlassung sein, daß die Eltern, und Erzieher entsprechenden verkehrserzieherischen Einfluß auf ihre Kinder ausüben. Dies ist umso notwendiger, als das neue Schuljahr unmittelbar bevorsteht und insbesondere die Schulanfänger hohen Anforderungen ausgesetzt sein werden. Aber auch die Erwachsene sollten aus den Unfällen entsprechende Lehren ziehen und auf nichtige Verhaltensweisen achten.

Wir aber wollen uns überlegen, wie wir es besser machen können. Und wir wollen in diesem Gottesdienst Gott bitten, daß er uns behütet und bewahrt, wo wir trotz aller Aufmerksamkeit doch in Gefahr geraten.

 

Zunächst wollen wir uns einige Verkehrsschilder ansehen [Eventuell Originalschilder vom Bauhof der Gemeinde besorgen]. Wir wollen die Bedeutung dieser Schilder angeben, darauf hinweisen, wo solche Schilder in unser Stadt stehen, und schließlich noch einen Spruch hören, der die Schilder als Hinweis auf Dinge unseres Glaubens auslegt:

 

1. Schild „Allgemeine Gefahrenstelle“: Dieses Schild mahnt die Kraftfahrer und Fußgänger zu besonderer Vorsicht. Hier handelt es sich meist um unübersichtliche Stellen, wo sich schon viele Unfälle ereignet haben.

 

2. Schild „Querrinne“ : Dieses Schild weist auf eire Querrinne auf der Fahrbahn hin, ist also wichtig für Kraftfahrer und Radfahrer. Das Schild weist uns aber auch darauf hin, daß unser Weg durchs Leben nicht immer schön glatt und eben ist und daß wir auch im Straßenverkehr mit Schwierigkeiten rechnen müssen. Unser Gott will uns aber gerade dann beschützen und bewahren:

Ist der Weg schön glatt und eben,

fährt es sich gar leicht dahin.

Doch wenn Rinnen, Steine kommen,

geh' dies Wort uns durch den Sinn,

daß auch auf dem rauher Pfad

Gott, der Herr, sein Kind bewahrt.

3. Schild „Vorfahrt auf der Hauptstraße beachten“:

Möchten wir auch überflügeln

manchen andern Wandersmann,

hält ein warnend Wort von oben

uns im Laufe gnädig an,

ruft uns freundlich mahnend zu:

Erst kommt er .. . und dann kommst du.

Vieles passiert im Verkehr, weil wir es zu eilig haben. Dabei ist durch die Zeichen genau geregelt, wer zuerst kommt und wer noch warten muß.

 

4. Schild  „Stop! Anhalten! Hauptstraße hat Vorfahrt“ [Das beigefügte Bild zeigt noch das alte Schild, heute ist es ersetzt durch das Stopschild]. Noch dringlicher schärft uns das nächste Schild ein, daß der andere die Vorfahrt hat. Wo dieses Schild steht , muß jeder Kraftfahrer anhalten und der Radfahrer vom Fahrrad absteigen, auch wenn überhaupt kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen ist. - So wie diese Schilder ruft uns auch manchmal Gottes Wort zu: „Halt, hier darfst du nicht weiter, sonst handelst du gegen Gottes Willen und schadest dir selber und deinen Mitmenschen:

Auf des Lebens Wanderstraße

droh'n Gefahren mancherlei.

Selig, wer das „Wort des Lebens“

als den Führer hat dabei!

Oft ruft es uns kräftig zu:

„Halte ein! Hier irrest du!“

 

5. Schild „Fußgängerüberweg“: Fußgänger sollten nur an dieser Stelle die Straße überqueren, vor allem die Kinder. Es ist besser, man läuft ein Stückchen weiter als daß man irgendwo schnell über die Straße rennt. Die Kraftfahrer müssen hier vorsichtig fahren, die Geschwindigkeit herabsetzen und notfalls anhalten.

Wenn nur das Schild vorhanden ist, haben die Kraftfahrer die Vorfahrt. Ein Fußgänger muß erst alle Autos vorbeilassen, ehe er hier die Straße überquert. Wenn aber eine ganze Gruppe die Straße überquert und es kommt inzwischen ein Auto an, dann muß es warten, bis alle über die Straße sind. Bei einem Zebrasteifen aber muß der Kraftfahrer auf jeden Fall anhalten, wenn sich ein Fußgänger dem Streifen nähert.

Kreuzen Menschen deine Pfade,

halten dich im Laufe auf,

lasse dich ja nicht beirren,

Wandrer, heb den Blick hinauf!

Nicht das Fleisch, der Geist allein

soll in uns der Herrscher sein.

Im Verkehr kommt es nicht auf Schnelligkeit und Kraft an, sondern auf die Überlegung und Ruhe. Ein Auto ist immer stärker als ein Kind.  Aber es wird dann nicht gefährlich, wenn das Kind sich an die Spielregeln des Verkehrs hält und auch der Kraftfahrer in der Nähe der Kinder vorsichtig ist.

 

 

Wir wollen jetzt einmal in der Kirche über, wie man sich nichtig am Fußgängerüberweg und beim Überqueren der Straße überhaupt verhält. Der Quergang der Kirche  ist die Straße, auf der ein Rollerfahrer kommt. In Höhe des Mittelganges steht das Schild „Fußgängerüberweg“. Dort überquert ein Kind die Straße. Es bleibt erst stehen, sieht dann nach links, schließlich nach rechts. Erst wenn aus beiden Kinderungen kein Fahrzeug kommt, geht das Kind über die Straße. Auch der Rollerfahrer wird über sein Verhalten am Überweg befragt.

Dann stehen zwei Geschwister am Überweg. Einer will losrennen, der andere hält ihn zurück. Schließlich wird nichtiges Überqueren gezeigt

Dann wird roch einmal die Aufgabe der Vorfahrtsschilder demonstriert. Der Unterschied zwischen Vorfahrtschild und Stopschild wird deutlich. Dabei wird der Mittelgang als Nebenstraße angenommen.

 

Erzählung: Apg 27

Paulus war erst ein scharfer Gegner der Christen gewesen. Dann aber hatte ihn Jesus Christus zu seinem Prediger und Gesandten gemacht. Paulus war ein Christ geworden und hatte nun selber manche Verfolgung seiner ehemaligen Freunde auszustehen. Schließlich hatte ihn die römische Polizei verhaftet. Er sollte nach Rom gebracht werden und dort vor ein Gericht gestellt werden. Mit einem Getreideschiff geht die Reise los. Viele Gefangene und ihre Bewacher sind mit auf dem Schiff.

Es geht schon auf den Winter zu. Da ist das Meer oft stürmisch und die Fahrt mit dem Schiff gefährlich. Als sie in einem Hafen auf der Insel Kreta liegen, warnt Paulus vor einer Weiterfahrt. Aber der Kapitän und der Schiffseigentümer hören nicht auf ihn. Doch kaum sind sie aus dem sicheren Hafen ausgelaufen, da bricht ein gewaltiger Stumm los, der sie von der Insel wegtreibt. Im Schutz einer kleinen Insel ist der Sturm etwas weniger heftig. Sie holen das Rettungsboot an Bord und. binden große Stricke um das ganze Schiff, damit es mehr Halt hat.

Doch bald darauf bricht der Sturm wieder los. Am nächsten Tag werfen die Seeleute einen Teil der Ladung über Bord, am Tag darauf die ganze Ausrüstung. Tagelang zeigen sich weder Sonne noch Sterne am Himmel. Der Sturm läßt nicht nach. Schon verlieren die Seereisenden alle Hoffnung. Niemand will mehr etwas essen.

Da erhebt sich Paulus und sagt: „Ihr hättet auf meine Warnung hören und in Kreta bleiben sollen. Dann wäre uns dies erspart geblieben. Aber jetzt bitte ich euch: Laßt den Mut nicht sinken, wir werden am Leben bleiben, nur das Schiff geht verloren. In der vergangenen Nacht erschien mir ein Bote des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene. Er sagte mir: Habe keine Angst, Paulus, du wirst nach Rom kommen. Um deinetwillen wird Gott auch alle anderen retten, die mit dir auf dem Schiff sind!  Also seid mutig, Männer! Ich vertraue auf Gott. Es wird schon alles so kommen, wie er es zu mir gesagt hat!“

Nach vierzehn Tagen stellen die Seeleute fest, daß das Meer flacher wird. Es scheint eine Insel in der Nähe zu sein. Um nicht an einen unterirdischen Felsen zu stoßen, werfen die Seeleute vier Anker aus. Dann gehen sie zum vorderen Ende des Schiffes. Dort aber wollen sie das Rettungsboot zu Wasser lassen und das Schiff heimlich verlassen. Paulus bemerkt es und macht die Soldaten darauf aufmerksam. Da hauen sie die Stricke durch und das Rettungsboot schwimmt davon. Jetzt müssen alle zusammenbleiben.

Dann sagt Paulus: „Ihr wartet jetzt schon vierzehn Tage auf Rettung und habt die ganze Zeit nichts gegessen. Eßt jetzt wenigstens etwas, denn das ist nötig, wenn ihr überleben wollt. Aber keiner von euch wird auch nur ein Haar von seinem Kopf verlieren!“ Dann nimmt Paulus selber das Brot, spricht ein Dankgebet vor allen Leuten und beginnt zu essen. Da bekommen auch die anderer wieder Mut und essen mit. Anschließend werfen sie das restliche Getreide über Bord, um das Schiff leichter zu machen.

Als es hell wird, sehen sie eine Bucht mit einem flachen Strand vor sich. Die Seeleute wollen das Schiff dort auf Grund setzen: Se schneiden die Ankertaue durch und setzen ein kleines Segel. Das Schiff fährt auf die Küste zu, die Spitze rammt sich in einer Sandbank fest und das hintere Ende bricht ab.

Die Soldaten wollen die Gefangenen töten, damit keiner entkommen kann.  Aber der römische Hauptmann verhindert es, weil er Paulus retten will. Einige springen ins Wasser und schwimmen an Land. Die anderen suchen sich einige Bretter zusammen und paddeln auf ihren ans Ufer. So werden alle gerettet. Sie sind auf der Insel Malta angekommen und werden von den Bewohnern dort freundlich aufgenommen. Paulus wird nun doch nach Rom kommen können.

 

Predigt:

1.Wir sind nicht allein, wenn wir uns in den Straßenverkehr begeben. Dieser Verkehr wird immer dichter, immer mehr Autos und andere Kraftfahrzeuge werden zugelassen. Aber die Straßen werden nicht breiter oder besser gesichert. Bis überall Ampeln, Fußgängerschutzwege oder Brücken angebracht sind, wird schon noch einige Zeit vergehen.

Aber jeden Morgen müssen unsere Kinder über die Straße, oftmals auch über gefährliche Straßen. In einem großen Teil des Jahres ist es dabei noch dunkel und die Kinder sind leicht noch verschlafen. Die Kinder der ersten Klasse sind da besonders gefährdet . Sie können den Verkehr noch nicht so nichtig einschätzen, sind oft unaufmerksam     und lassen sich leicht anstecken von dem,  was andere tun.

Dennoch müssen die Eltern sie gehen lassen. Sie können nicht jeden Morgen mit den Kindern gehen. Der Schutz der Eltern muß aufhören und die Kinder müssen selbständig werden. Aber die Kinder sollen wissen: Gott geht mit ihnen! Er will sie behüten und bewahren auf den Wegen ihres Lebens, auch im Straßenverkehr.

Früher hatte man dazu die Vorstellung vom Schutzengel, der über dem Kind wacht. Aber wer ist damit anders gemeint als Gott, der seine Hand schützend über unsere Kinder hält? Gewiß kommen viele Kinder im Verkehr zu Schaden. Wenn von Verkehrsunfällen die Rede ist, dann handelt es sich dabei ja nicht nur um Autofahrer, sondern auch um eine große Zahl Fußgänger und darunter wieder besonders viele Kinder.

Aber wir sollten auch sehen, wie viele Kinder doch vor einem ernsthaften Verkehrsunfall bewahrt worden sind.  Oder wenn sie zu Schaden gekommen sind, dann ging es doch noch einigermaßen glimpflich ab. Wenn ein Autofahrer noch rechtzeitig bremsen konnte, als ein Kind plötzlich über die Straße lief,  hat der Junge nur Glück gehabt oder hat nicht Gott seine Hand schützend über ihn gehalten?

Unsere Kinder sollen sich ohne Hast und im Vertrauen auf Gottes Schutz auf den Straßen bewegen können. Die Eltern dürfen ihre Kinder der Hilfe Gottes anvertrauen. Und sie dürfen auch einmal mit ihren Kinder dafür beten, daß alles gut geht und dem Kind nichts passiert.

 

2. Wir sind nicht allein, wenn wir in der Schule lernen. Mit dem Beginn der Schule beginnt der Ernst des Lebens, sagt man. Nicht jedes Kind ist den Anforderungen der Schule gleich gewachsen. Gott hat jedem Menschen andere Gaben mitgegeben. Bei dem einen sind sie gut entwickelt, bei anderen müßten sie noch viel mehr gefördert werden.

Wir sollten uns darüber im klaren sein, daß nicht jedes Kind ein Mathematikprofessor oder Schriftsteller werden kann. Aber jedes Kind wird schon seinen Platz in der Welt finden. Jeder Beruf und jede Tätigkeit dient dem Wohl der Menschen. Es gibt keine besseren und schlechteren Berufe. Wie die Lage heute aussieht, so werden in Zukunft wieder mehr Arbeiter in der Produktion gebraucht. Also sollte niemand meinen, diese Arbeit sei minderwertig und sein Kind müsse unbedingt etwas Besseres werden.

Gott hat jedem bestimmte Gaben mitgegeben und jedem seine Aufgabe zugedacht. Er begleitet auch das Leben unserer Kinder in der Schule. Er möchte, daß sie bestmöglich gefördert werden. Aber sie wollen nicht zu Lernmaschinen werden und aus falsch verstandenem Ehrgeiz der Eltern innerlich ins Unglück getrieben werden. Wer Vertrauen zu Gott hat, der weiß auch, daß er seinen Weg durchs Leben mit der Hilfe Gottes gehen wird.

 

3. Wir sind nicht allein, wenn wir wegen unsres Glaubens Schwierigkeiten haben.

[Predigt aus der Situation der damaligen DDR heraus: Die Eltern der Schulanfänger sagen oft: „Mein Kind soll zwar zum kirchlichen Unterricht gehen. Aber ich möchte auch nicht, daß ihm deswegen ein Stein in den Weg gelegt wird! Mit anderen Worten: Wenn es Schwierigkeiten geben sollte, dann soll das Kind nicht mehr dorthin gehen. Diese Angst der Eltern ist natürlich eine Folge des seit 1971 immer mehr verschärften Kampfes der Schule gegen den kirchlichen Unterricht. Doch diese Angst ist sicher übertrieben. Bekanntlich sind seit 1974 einige Dinge wieder zurückgeschraubt und zurechtgebogen worden. Von Vertretern des Staates wird uns immer wieder versichert: „Es gibt keinen Kirchenkampf. Staat und Kirche sind getrennt. Es darf in der Schule nicht nach dem religiöser Bekenntnis gefragt werden und spielt auch keine Rolle!“

Allerdings ist diese Grundlinie nicht immer von allen strikt eingehalten worden. Dann werden Auseinandersetzungen nötig, vor denen wir uns nicht scheuen sollten. Dabei sind wir nicht allein. Die Kirche tut, was sie kann. Es sind andere Eltern da, die das Gleiche wollen; und wir haben unseren Gott, der uns in der Nöten unseres Glaubens beschützen will].

Es  ist heute nicht mehr so leicht, sich zu Gott und zu Jesus Christus zu bekennen. Früher war das einfacher, als alle zur Kirche gehörten und der Staat der Kirche freundlich gesinnt war. Aber schon der Apostel Paulus hat es nicht leicht gehabt. Erst war er ein erbitterter Verfolger der Christen gewesen. Aber dann hatte ihn Jesus zu seinem Boten gemacht, er war selber ein Christ geworden und zog als Abgesandter seiner Gemeinde durch die Lande. Nun gehörte er zu der Verfolgten und Angefeindeten.

Dennoch wollte er unbedingt nach Rom kommen, in die Hauptstadt des Reiches, um auch dort von Christus zu predigen. Als Gefangener wird er auf die gefährliche Seereise geschickt und wäre beinahe vor der Küste der Insel Malta umgekommen. Aber Gott hat ihn und die anderen gerettet, weil er ihn noch in Rom braucht. Gott verläßt keinen, der sich zu ihm hält.

Paulus tut alles Menschenmögliche, um sich und die anderen zu retten. Er verhindert, daß die Seeleute mit dem Rettungsboot das Schiff verlassen. Er redet auf die Mitreisenden ein, daß sie nicht den Mut verlieren und besonnen bleiben. Aber er weiß auch, daß er die Rettung allein Gott verdankt. Deshalb ist er von vornherein guter Zuversicht und dankt Gott im Gebet, ehe er etwas zu essen zu sich nimmt.

Das gilt aber nun auch für die Nöte und Sorgen, die wir uns heute machen. Wir können unsere Kinder noch so sehr zur Vorsicht im Straßenverkehr ermahnen und alles mit ihnen üben. Aber letztlich beschützen muß sie Gott allein. Wir können noch so sehr mit unsren Kindern für die Schule üben und sie zur Aufmerksamkeit auffordern: In der Schule sind sie dann auf sich allein gestellt und brauchen auch für ihre Leistungen der Beistand Gottes. Und wir können uns in Glaubensdingen noch so sehr unserer Haut wehren und auf unsere Rechte pochen: Daß wir im Glauben fest bleiben können, ist ein Geschenk Gottes.

Der kirchliche Unterricht soll eine Hilfe sein, dieses Geschenk immer mehr zu erkennen. Unser unerschrockener Einsatz ist auf allen Lebensgebieten notwendig. Aber das Gelingen muß Gott dazu geben. Er aber hat uns versprochen, daß er uns helfen will. Seit unserer Taufe dürfen wir das ganz sicher wissen. Deshalb sollten wir auch

auf diese Zusage Gottes vertrauen und ohne Angst unseren Weg gehen: auf der Straße, in der Schule, im Beruf, in der Kirche und überhaupt in unserem ganzen Leben.

 

Schluß:

Nach den Abkündigungen wird das Verkehrsspiel noch einmal aufgenommen. Jetzt sollen die Kinder das gruppenweise Überqueren der Straße üben. Alle Kinder einer Klasse versammeln sich im Mittelgang und kommen in den Altarraum. Eine Mutter führt sie über der Überweg. Alle bleiben schön zusammen und überqueren rasch die Straße.  Dies sollte auch geübt werden, weil die Kinder von der Schule zu einem Kindernachmittag in das Gemeindehaus abgeholt werden sollten.

Als sie aber über die Straße sind, rennen einige schon los in Richtung Gemeindehaus. Sie werden zurückgerufen, alle müssen zusammen bleiben, weil nachher noch eine andere Straße kommt. Einige haben sich auch verspätet. Die größere Gruppe ist schon drüber, die anderen wollen schnell hinterherrennen. Sie werden angehalten. Sie müssen erst links und rechts schauen und wenn nichts kommt, dürfen sie gehen.

Danach werden die Kinder der ersten Klasse herausgerufen, die alle einzeln zu dem Kindernachmittag im Gemeindehaus kommen sollen. Sie müssen alle zeigen, daß sie die Straße nichtig überqueren können.

Wenn alle Kinder sich im Altarraum versammelt haben, werden auch die Eltern nach vorne gebeten. Es folgen eine kurze Ansprache, Gebet und Einsegnung.

Die Kinder erhalten das Heftchen „Biblisches ABC“  und eine  Karte zum Schulanfang, die Kinder beim Überqueren der Straße zeigt; auf der Rückseite steht ein Gebet, das von der Taufe ausgeht und vom Schutz Gottes für die Kinder spricht.

Ich bin getauft auf deinen Namen

Wie alle Kinder, die zu dir kamen,

bei dir bin ich geborgen

am Abend und am  Morgen.

Bei dir laß mich nun bleiben.

Es soll mich nichts vertreiben.

Lieber Gott, mit deiner Kraft

hast du mir diesen Tag gebracht.

 

Zusatzmaterial:

Christenpflicht im Verkehr

Verantwortung für den Nächsten.

Gott schuf die Menschen zu seinem Ebenbild. Er gab uns die Erde, daß wir sie uns untertan machen dürfen. Und dazu gehört auch die Straße, die Autobahn, der Verkehr auf denselben. Dieses Untertanmachen gilt aber nicht nur mir. Nicht ich allein bin der Beherrscher der Straße. In all diesen Bereichen sollte ich niemals den Nächsten, den anderen übersehen. Wir sind uns nicht selbst überlassen. Auch im Straßenverkehr gilt die uralte Gottesfrage: „Mensch, wo bist du, wie und wo bewegst du dich. Wie fährst du? Wo ist dein Bruder?“

Und die Antwort? Gas geben, weg, was interessiert mich der andere - oder herabbeugen. aufmerksam und rücksichtsvoll herabbeugen zu dem, der vielleicht unter die Räder kam?

Unsere Verantwortung gilt der Welt und der Gesellschaft. in der wir leben. Trotz aller modernen Straßen, Hinweise, Verkehrsanlagen und Sicherheiten und der gegebenen Freiheit, die ein Motor uns schenkt, steht für Christen die Aufforderung: „Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!“

Dieser Anruf ist eine Verantwortung vor Gott, eine Verpflichtung gegenüber dem Nächsten, für mein Verhalten in dieser modernen Welt und Gesellschaft. Die Straßen, unser Fahrzeug, sind Mittel und Teil der Beherrschung des Lebens und der Welt. Ob dies zum Segen, zum Frieden und zur Freiheit auf der Straße wird. liegt an uns. Straßen und Fahrzeuge können dazu dienen, Entfernungen schnell zu überwinden, können aber auch zum Chaos werden.

Unsere Verantwortung im Straßenverkehr - Ort der Bewährung unseres Glaubens.

Straßen und Autobahnen sind heute weithin die Lebenslinien einer modernen Welt, zugleich aber auch ihre Todeslinien. Jährlich gibt es über 3.000 Verkehrstote. Der Motor, die Straßen vermitteln schnelle Eindrücke, oft leider voller Unruhe und Hast, verbunden mit einer Kontaktlosigkeit gegenüber der Umwelt. Wir fahren, wohnen, leben isoliert in einem Raum über dem Motor. Anonym durch eine Nummer am Fahrzeug gezeichnet. Und oft wird diese „Nummer“ nach der Stärke des Motors begutachtet und die Vorfahrt dementsprechend beurteilt. Diese oft üble Tatsache sollte Christen zu denken .geben. Trotz Mobilität und Anonymität auf der Straße und im Fahrzeug, hier ist das Übungsfeld des Glaubens. Statt Chaos - Ordnung! Statt Krieg auf der Straße - Friede und Freude! Echter Verkehrssinn sollte zur verantwortlichen Verkehrsgesinnung führen. Es fährt neben uns nicht nur eine unbekannte „Nummer“, sondern ein Mensch wie du und ich. Und diese „Nummer“ ist wie du, bekannt bei Gott!

Dies alles möchte uns helfen, gerade in den Sommermonaten und in der Urlaubszeit zu erreichen, daß diese Monate eine schöne und dankbare Erinnerung bleiben.

Wir sollten nicht nur am Wochenende und im Urlaub „Kilometer fressen“, sondern einmal stoppen vor einer Kirche und hineingehen und nachdenken über das Geschenk des Motors, der guten Straßen, des schönen Wochenendes und des schönen Urlaubs. Sollen Gott danken und ihn bitten um unfallfreies Fahren und Bewegen auf den modernen Lebenslinien des Alltages. Und wenn wir das Schild lesen an den Straßen: „Aufmerksam und rücksichtsvoll“ bedenken: „Ich bin dabei!“ Gott ist es auf alle Fälle. am Tage, in der Nacht, am Wochenende und auch im schönen Urlaub.

 

Der zunehmende Verkehr, besonders an den Wochenenden und in der Urlaubszeit, sollte uns Christen besonders die Verantwortung erkennen lassen: Vorfahrt beachten, aber das Leben hat stets Vorrang! Ein christlicher Verkehrsteilnehmer hat einmal erklärt: Ich frage mich oft, ob wir das Jesuswort heute nicht auch so zu hören haben: „Ich bin euch im Straßenverkehr begegnet, und ihr habt mich nicht gesehen“ (Matt. 25,31 ff.). Wenn man dieses Wort einmal so bedenkt, dann kommen nicht nur die Autotypen an uns vorbei: im anderen Wagen sitzt auch ein Mensch mit dem Gesicht unseres Bruders oder unserer Schwester!

 

Aufmerksam und rücksichtsvoll

Wie man hört, haben die Engländer einen wesentlich stärkeren Autoverkehr als wir, dafür haben sie weniger Verkehrsregeln, zumindest handhaben sie ihre Regeln anders als wir. Das erstaunliche Ergebnis: Die Zahl der Unfälle ist dortzulande relativ gering. Was ein echter Gentleman ist, für den versteht sich eben von selbst: !Aufmerksam und rücksichtsvoll - ich bin dabei!“

Wir sind keine Engländer, also auch keine Gentlemen. Wir sind oft Ellenbogenmenschen mit Stoßstangengesinnung, „My car is my castle“ (meine Auto ist meine Burg), das Recht ist auf meiner Seite und die Hupe in einer Hand. Wenn wir Vorfahrt haben, dann fahren wir auch vor, mag da vorbeifahren, wer da will. Und wenn uns einer in die Quere kommt, wer einen Fehler macht, dem zeigen er mal ordentlich den Vogel, dem Dussel, soll doch zu Hause bleiben, der Sonntagsfahrer. Nur wenn wir aber mal, ganz aus Versehen, zu weit vorgefahren sind und die Kreuzung blockieren, wenn wir der Pechvogel sind, dem der Vogel gezeigt wird, dann brummeln wir: „Kann doch jedem mal passieren, muß der  mir deswegen gleich den Vogel zeigen, der Dussel?“ Der Dussel ist jedenfalls immer der andere.

Anders wird die Sache nur, wenn wir uns ändern. Nicht auf Rücksichtnahme pochen, wenn wir der Verkehrssünder sind, und ansonsten rücksichtslos Gas geben, wenn wir im Recht sind. Was heißt überhaupt: Recht? Der andere hat auch ein Recht, ein Recht auf unsere Rücksichtnahme. Das aber läßt sich nicht in Paragraphen formulieren.

Fingerspitzengefühl ist Herzenssache, und egal, ob Sie einen Drei- oder Viertakter fahren: Wenn Sie nicht mit Herzenstakt fahren, sind Sie kein guter Autofahrer, sondern ein moderner Kain. Kain besitzt heute einen Führerschein. Und wenn Sie schon nicht rücksichtsvoll gegen Ihren Bruder Abel im Polo  oder Corsa sein wollen, dann seien Sie es wenigstens gegen sich selbst, gegen Ihre eigenen Nerven, Ihre eigene Gesundheit.

Überlegen Sie mal: Jeder erzwungene Vorteil (selbst wenn Sie im Recht sind), jedes gewagte Überholmanöver bringt Ihnen einige Sekunden, bei längeren Strecken und längerer Fahrzeit einige Minuten Vorsprung ein. Wenn Sie wieder hinter dem nächsten Laster herschleichen, hat Sie meistens der, den Sie eben noch riskant überholt haben, auch schon wieder eingeholt. Ihr Vordermann ist jetzt Ihr Hintermann, das ist das einzig Neue an der Situation, ansonsten sind Sie aber auch nicht weiter. Der Kampf geht oft wirklich nur um eine Autolänge, ein paar Minuten.

Und jetzt meine Frage: Was machen Sie eigentlich mit den so zäh, schwer und riskant erkämpften Minuten? Sie hängen schlaff im Sessel, schlagen die Beine über­einander und die Zeit mit belanglosen Gesprächen tot und warten, bis der Kaffee kommt. Sie wären bestimmt nicht gerade vor Durst gestorben, wenn Sie Ihren Kaffee zehn Minuten später getrunken hätten. Aber Sie wären gerade fast gestorben, als Sie in letzter Sekunde vor dem Umschalten der Ampel noch schnappab über die Kreuzung zischten. Sie haben Ihr Leben aufs Spiel gesetzt, als Sie trotz Gegenverkehr den lahmen Polo überholten. Lohnt sich das?

Die Spielerei mit dem Gaspedal kann Mord oder Selbstmord oder beides bedeuten. Kain erschlug seinen Bruder mit der Keule. Der moderne Autofahrer tötet seinen Bruder mit der Fußspitze - ein bißchen zuviel Druck aufs Gaspedal, und schon gibt's einen Verkehrsunfall. Ladies and Gentlemen. Fußspitzengefühl ist Herzenssache. Der beste Autofahrer ist nicht der, der am schnellsten vom Fleck kommt. sondern der, der das Herz am rechten Fleck hat. Und das ist eben nicht immer dort, wo ich im Recht bin, sondern wo ich rücksichtsvoll bin (Theo Lehmann).

 

Gebet beim Verkehrsunfall

Herr, gerade habe ich gesehen, wie wieder die Straße ein Opfer forderte. Immer schlimmer wird das. Herr, ich bitte dich für den Menschen, der verunglückt ist, für das Kind, den Jugendlichen, die Frau, den Mann oder die alte Frau. Herr, ich bitte dich für die vielen Menschen, die um die Unfallstelle herumstanden und hinsahen. Laß sie doch erkennen, daß wir nicht dafür auf der Welt sind, nur das Böse zu betrachten,

sondern auch dem Bösen zu wehren. Amen.

 

Gebet im Auto

Mit dir, Herr, will ich mich jetzt in den Wagen setzen, du kennst die Straßen und Wege, die ich zu fahren habe, du kennst die Kilometersteine der Fahrtroute. Du weißt auch, daß viele Leute unvernünftig fahren. Laß mich nicht unvernünftig sein, laß mich höflich sein den Fußgängern und Radfahrern gegenüber. Laß mich nicht zum Mörder werden. Ich möchte gesund das Ziel meiner Fahrt erreichen und gesund wieder zurückkehren. Dein Wille, Herr, geschehe auf meiner Fahrt. Amen (Gottfried Hänisch).

 

 

Herr, wer ist mein Nächster?

Eine wahre Begebenheit, berichtet von Reinhold Fritz Grosser

An sich ist das, was da bei einem kleinen Ort geschehen war, nichts anderes als das. was man Tag für Tag in den Zeitungen lesen kann: ein Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang. Also etwas, was man - leider, leider! - längst zu den Alltäglichkeiten zu rechnen gewöhnt ist.

Es hatte sich um einen Zusammenprall zwischen einem schweren Lastwagen und einem Personenauto gehandelt. Obwohl der Fahrer des Lastwagens sofort mit aller Kraft bremste, war das Unheil nicht aufhalten. Der Zusammenstoß war  so heftig, daß der Fahrer des Personenautos auf der Stelle tot war.

Dann wickelte sich alles ab, wie in solch traurigen Fällen üblich: die Verkehrspolizei sperrte die Unfallstelle ab und sicherte die Spuren. Eine Verhandlung wird folgen vor Gericht, um die Schuldfrage zu klären. Nur so viel ließ sich feststellen, daß den Fahrer des Lastwagens an dem tragischen  Unfall keine Schuld traf - aber wie das Unglück zustande kam, wie es möglich war, das blieb ein Rätsel. Und es erscheint auch zweifelhaft, daß da dem Gericht eine Klärung gelingt.

Aus dem nahen Dorf war auf die Kunde von dem Unfall auch der Pfarrer gekommen. Er sprach ein kurzes Gebet für den Toten. Das war alles, was er noch tun konnte. Sehr nachdenklich trat er den Heimweg an. Das Bild der traurigen Trümmerstätte und des schlimm zu gerichteten Toten war noch vor seinen Augen. Und auch das Bild des Lastwagenfahrers, den auch die eindeutigen polizeilichen Feststellungen, daß ihn an dem Unfall nicht die geringste Schuld treffe, nicht zu trösten vermochten.

 

Die Polizei war, nachdem sie ihre Aufgaben erfüllt hatte, wieder abgerückt. Aber der Lastwagenfahrer irrte immer noch verstört in der Gegend umher. Ob Schuld oder nicht - er kam nicht über die Tatsache hinweg, daß er an einem Unglück beteiligt war, durch das ein Menschenleben jäh ausgelöscht wurde.

Und da er, im Leben ein herzhafter, fast schon ein rauher Mann. dennoch eine em­pfindsame Seele hat und wahrhaft gläubig ist, wurde er sich in diesen Stunden bewußt, daß die Last dieses Todesfalles, so schuldlos er daran auch war, zeitlebens auf ihm lasten würde.

Ein paar Stunden später klopfte es an die Tür des Pfarrers des nahen Dorfes. Ein Mann stand draußen und bat, den Pfarrer sprechen zu dürfen. Als sich die beiden Männer gegenüberstanden, bedurfte es keiner Vorstellung mehr; sie hatten sich vor ein paar Stunden erstmals gesehen, doch unter Umständen, die man niemals vergißt. Freundlich bot der Pfarrer seinem Besucher einen Platz an

 Aber der blieb Stehen. „Herr Pfarrer, das ist doch alles so furchtbar, so entsetzlich: Der Mann ist tot - und ich war beteiligt. Das ist so schwer für mich“, stieß der Lastwagenfahrer hervor. Der Geistliche suchte ihn zu beruhigen7 „Aber Sie können doch wirklich nichts dafür, Sie sind vorschriftsmäßig gefahren, das hat ja auch die Polizei bereits festgestellt.“ Aber die Worte wirkten nicht. „Dennoch, ich muß etwas tun, Herr Pfarrer, bitte nehmen Sie diesen Geldbetrag für die Hinterbliebenen des Toten!“

 

Mir scheint, daß diese wahre Begebenheit wert ist, geschrieben - und gelesen zu werden. Hier hat einmal ein Mensch bei einem „alltäglichen“ Geschehen anders gehandelt, als es ansonsten in solchen Fällen üblich ist. Das Wissen um seine eindeutige Schuldlosigkeit an dem tragischen Unfall genügte dem Lastwagenfahrer nicht: der Tote, ihm völlig unbekannt, war gleich ihm selbst ein Kind Gottes, und darum fühlte er die innere Verpflichtung, Gutes zu tun.  „Herr, wer Ist mein Nächster?“ Der Lastwagenfahrer hat mit seiner Handlung bewiesen, daß er die Antwort wußte. Er kann vielen ein Vorbild sein ...

 

Bewährung des Christseins im Straßenverkehr als Thema des Religionsunterrichts

Was im Straßenverkehr täglich und stündlich geschieht, wird von vielen immer noch nicht wichtig genug genommen. Mancher meint, die Fragen des Verkehrs gehörten in eine banale und profane Sphäre und gingen daher den Verkündiger des Evangeliums und damit auch den Religionslehrer verhältnismäßig wenig an. Eine solche Auffassung ist kaum zu begreifen. Wo es um das Leben des Mitmenschen geht, da darf der Christ nicht unbeteiligt bleiben.

In unserer Zeit vollzieht sich das große Sterben auf den Straßen. Krieg, Naturkatastrophen, Seuchen - das sind mögliche Gefahren, denen es nach menschlichem Ermessen zu begegnen gilt. Das Sterben auf den Straßen aber ist furchtbare gegenwärtige Wirklichkeit. Es ist brennender als alles andere. Mehr als 40 Menschen finden täglich auf den Straßen der Bundesrepublik den Tod [aktuelle Zahlen?]. Viele Hunderttausende werden in jedem Jahr verletzt ein großer Teil von ihnen verkrüppelt und bleibt für immer arbeitsunfähig. Das bedeutet Schmerzen, Not und Trauer für weitere Hunderttausende, ja für Millionen. Denn bei allen Unfällen sind ja immer auch die Angehörigen betroffen. Das geht jeden Christen etwas an!

Wer am Steuer eines Autos sitzt, verfügt über Gewalt. Solange er diese Gewalt seiner Führung unterzuordnen vermag, wird sich kein Unheil zutragen. Wenn er aber die Gewalt nicht mehr beherrscht, bringt sie ihm und anderen Verderben und Tod.

Der Mensch am Steuer eines Autos hat Macht. Macht übt auf den Menschen einen gefährlichen Reiz aus. Es drängt ihn, seine Macht zu beweisen, zu steigern, zu mißbrauchen. Die Versuchung ist groß, weil er sich in der Anonymität befindet. Er ist dem Mitmenschen auf der Straße gegenüber nicht Fritz Müller oder wie er sonst heißen mag, sondern er ist „der blaue Mercedes“, der „den roten VW“ in unsinnigem Tempo überholt, weil er es „dem mal zeigen will“. Wären die beiden Menschen am Steuer der beteiligten Wagen einander namentlich bekannt oder könnten sie sich nur in Ruhe in die Augen sehen, hätte also einer vor dem anderen ein Ansehen zu verlieren, so würden beide sich wahrscheinlich sehr viel vernünftiger benehmen. Aber die Anonymität des Steuers beseitigt die heilsame Hemmung, die sich aus der Frage ergibt, was der andere wohl dazu sagen werde. Die Macht kann sich frei austoben; und während der Mann am Steuer seinen Machtrausch noch genießt, ist ihm unmerklich schon die Macht entglitten, die unheimliche Gewalt der todbringenden Maschine hat sich seiner Beherrschung entzogen und rast mit ihm dem Verderben entgegen. Macht wird dem Menschen immer dann zum Verhängnis, wenn sie nicht mit Verantwortungsbewußtsein verbunden ist. Je größer, je gefährlicher die Macht ist, die ihm in die Hand gegeben ist, um so klarer, um so tiefer gegründet müßte sein Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Mitmenschen und der Gemeinschaft sein.

Alle Sachverständigen sind sich darüber einig, daß dem Unheil auf der Straße durch technische Verbesserungen - Einbau von Sicherungen an den Wagen selbst, Ausbau des  Straßennetzes und ähnliche vorbeugende Maßnahmen - oder durch verschärfte Strafandrohungen nur unzureichend zu begegnen ist. Wirklich besser werden kann es nur durch eine andere Verkehrsgesinnung“, durch eine Vertiefung des Verantwortungsbewußtseins und des mitmenschlichen Empfindens.

In der irdischen Rechtsprechung geht es um den Tatbestand, vor Gott geht es immer um die innere und äußere Haltung, die möglicherweise einen bestimmten Tatbestand zur Folge haben kann. Nicht erst daß ich einen Menschen überfahre, wiegt vor Gott, sondern daß ich mich gedankenlos und leichtsinnig genug verhalte, und dadurch möglicherweise' den Tod eines Mitmenschen zu verursachen. Ich werde vor Gott schuldig durch meinen Mangel an mitmenschlicher Verantwortung, durch das zu geringe Ernstnehmen des Lebensrechtes meiner Mitmenschen, durch meinen Mangel an Nächstenliebe.

Die todernste Frage aus der uralten biblischen Geschichte von Kain und Abel ist heute an jeden leichtsinnigen Verkehrsteilnehmer Gerichtet, die Frage Gottes: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Wo ist der Mitmensch, für den du mir verantwortlich bist? Die Ausrede Kains, er sei ja nicht dazu da, seines Bruders Hüter zu sein, gilt nicht vor Gott. Sie gilt für uns alle nicht.

Daß beispielsweise die Verkehrsteilnehmer zwischen 16 und 22 Jahren mehr Unfälle verursachen als alle Jahrgänge über 22 zusammen, ist ein Tatsache, die dem Jugendlichen klarmachen kann, wie sehr es hier gerade um seine Sache geht. Das Wort ,,Verkehrsunfall“ ruft in den jungen Menschen meist einseitig die Vorstellung verunglückter Kraftfahrer hervor; demgegenüber ist es ungemein wichtig, daß unter insgesamt 4262 Toten 562 Motorradfahrer, 357 Mopedfahrer und 397 Radfahrer, vor allem aber auch 1596 Fußgänger waren! Zu dieser Sparte von Verkehrsteilnehmern gehören unsere Jugendlichen selbst. Daß der Zahl der Toten die zehnfache Zahl von Schwerverletzten gegenübersteht u n d die dreißigfache Zahl an Verletzten überhaupt macht erst das ganze Ausmaß des Unheils auf den Straßen deutlich.

Häufig neigen leichtsinnige junge Verkehrsteilnehmer irrtümlicherweise dazu, die Hauptursache der vielen Unfälle in der Beschaffenheit unserer Straßen und ähn­lichem zu suchen und sich selbst so von der Verantwortung zu entlasten. Demgegenüber muß betont werden, nur 4 Prozent der Unfälle auf unzureichende Straßenverhältnisse, 3 Prozent auf technische Fehler an Fahrzeugen und 1 Prozent auf Witterungserscheinungen zurückzuführen waren, alle übrigen auf rnenschliches Versagen, in erster Linie auf überhöhte Geschwindigkeit und sonstiges verantwortungsloses Verhalten.

Eindringlich ist aber auch die Mitteilung, daß alle vier Minuten ein Mensch in der Bundesrepublik auf der Straße zu Tode kommt und alle paar Sekunden einer verletzt oder verkrüppelt wird. Dadurch entsteht im Hörenden der Eindruck: „Jetzt, während ich hier in der Schule sitze. stirbt irgendwo einer durch einen Verkehrsunfall.“ Die Zahl wird aktuell, sie wird gegenwärtig.

Da wäre etwa die Erzählung von dem  Allzueiligen, der jemanden, den er gern hat, von der Bahn abholen will. Er hat sich verspätet, mit oder ohne Schuld. Er muß sich zuhause noch schnell umziehen, die Zeit wird immer knapper. Er will den erwarteten Besuch nicht enttäuschen. über einen Menschen, an dem ihm gelegen ist, vergißt er die anderen, die ihn auch etwas angehen. Er fährt zu schnell um eine Kurve, will einem unerwartet entgegenkommenden Lastwagen ausweichen, verliert die Gewalt über sein Fahrzeug und gerät auf den Bürgersteig. Wenige Minuten später blickt er auf zwei Tote, die er überfahren hat; er sieht sie jetzt und wird sie immer sehen, solange er lebt: eine Frau und ein Kind, blutig, entstellt.

Ein anderes Beispiel erzählt von einem Lehrling, der bei seinem Ausbildungsleiter eine „schlechte Nummer“ hat, weil er ihm mehrfach in ungeschickter Form widersprochen hat und außerdem schon zweimal zu spät zur Arbeit gekommen ist. Da hat er wieder den  Wecker überhört. Der Ausbildungsleiter hat ihm angedroht, daß er bei der nächsten Verspätung für eine schwere Bestrafung sorgen werde, möglicherweise für die Lösung des Lehrverhältnisses. Seine Zukunft steht auf dem Spiel. Er hat nur noch wenige Minuten Zeit. In wenigen Augenblicken ist er angezogen. Zum Frühstücken bleibt keine Zeit.

Das Fahrrad wird aus dem Schuppen gerissen. Dann rast er los. Er sieht nicht mehr rechts noch links. Er fährt bei Rot über die Kreuzung, da hat er noch Glück. Aber wenige Augenblicke später kommt aus der Nebenstraße von rechts ein Lieferwagen, er hat keine Zeit, auf Vorfahrt zu achten, er rast weiter, er muß es schaffen, es geht um seine Zukunft. Aber er rast nur noch eine Sekunde. Der Lieferwagen streift ihn am Hinterrad, er stürzt und reißt im Fallen eine andere Radfahrerin mit zu Boden, die mit dem Kopf auf den Bordstein schlägt. Ihm selbst ist nicht viel geschehen, aber die andere liegt regungslos am Straßenrand. Kann man ihm einen Vorwurf machen? Ging es nicht um seine Zukunft? Konnte er hier noch Rücksicht nehmen? Daß er es mußte und warum er es mußte, warum er selbst unter diesen Umständen die Verantwortung für den Mitmenschen nicht außer acht lassen durfte, ist den jungen Menschen klarzumachen.

Es ließen sich manche ähnliche Beispiele anführen, etwa auch das Beispiel von dem jungen Mann am Steuer, der nach einer Tanzerei in einem Waldlokal ein Mädchen neben sich hat, das sich zu seiner maßlosen Freude von ihm und nicht von einem anderen, dessen ständiges Werben er seit Monaten beobachtet hat, nach Hause fahren läßt. Während der Fahrt durch die Nacht beginnt das Mädchen mit leisen Zärt­lichkeiten und wartet offenbar darauf, daß sie erwidert werden. Als dies nicht geschieht, macht das Mädchen in seiner unbedachten Enttäuschung einige spöttische Bemerkungen. Der Junge am Steuer sagt, daß er jetzt aufpassen muß, es kommen Wagen entgegen, es sind Radfahrer auf der Straße. Die Antwort ist ein Lachen. Und endlich der aufreizende Satz, sie hätte wohl doch lieber mit dem anderen fahren sollen, der sei wenigstens ein Kerl, und ähnliches mehr. Wird er fest bleiben? Wird er begreifen, daß er mit diesem Mädchen nichts verliert?

Das Entscheidende ist die rechte Verkehrsgesinnung, das rechte, unbeirrbare Verantwortungsbewußtsein für den Mitmenschen. Wichtiger als alles andere ist das Ernstnehmen der Situation im Straßenverkehr. Im Ernstfall der Straße gilt es zu bewähren, daß man Mensch ist, ja: daß man Christ ist. Daß auch wichtigste eigene Anliegen, daß auch die Zukunft. die auf dem Spiel stehen mag, oder die Zuneigung eines anderen Menschen nicht vom Ernstnehmen des Mitmenschen auf der Straße und der Verantwortung für ihn und sein Leben entbinden können, das muß mit aller Eindringlichkeit gesagt werden.

 

Furcht begegnet im Straßenverkehr in verschiedenen Formen:

1. Da ist zunächst die Furcht vor der äußeren Gefahr. Sie tritt am deutlichsten bei al­­ten Menschen in Erscheinung. Viele alte Menschen haben Angst vor der Straße. Es kostet sie einen Entschluß, sie zu überqueren. Daß solche Angst nicht grundlos ist, braucht kaum mehr besonders deutlich gemacht zu werden. Die Angst macht den Menschen unsicher und erhöht die Gefahr. Das gilt nicht nur für alte Menschen. Es sitzt mancher am Steuer eines Wagens, der unsicher ist, weil er sich vor der Fülle der Fahrzeuge, die ihn umflutet, und vor dem Wirbel der Geschwindigkeit ängstet. Er gibt es nur nicht gern zu, auch vor sich selbst nicht. Er ist aber unsicher, denn er hat Furcht; und damit erhöht sich die Gefahr.

2. Die zweite Form, in der Furcht auf der Straße eine Rolle spielt, ist die Sorge um die eigene Geltung. Man hat Angst, nicht als „Kerl“ angesehen zu werden. Es könnte geschehen, daß andere über einen lachen, wenn man sich weigert, die Geschwindigkeit zu steigern, wenn man vorsichtig und rücksichtsvoll fährt.  Man hat Angst, als ängstlich zu gelten. Diese Furcht wird vom jungen Menschen im allgemeinen nicht als solche erkannt; es ist aber besonders wichtig, ihm die Angst vor dem Urteil der anderen als Schwäche einsichtig zu machen. Der Angeber handelt aus Furcht, das kann der Jugendliche begreifen. Wer auf der Straße rast, wer sich über bestehende Vorschriften hinwegsetzt, wer gewagte Überholungen riskiert oder wer als Fußgänger in Sekundenschnelle zwischen zwei Autos über die Straße läuft, um auf solche Weise anderen zu imponieren, der handelt aus Furcht. Wer in sich sicher ist, der wird sich auch nichtig und verantwortungsvoll verhalten.

3. Die dritte Äußerung der Furcht ist die Angst vor Strafe. Wieweit ist dem Sterben auf der Straße durch verschärfte Strafbestimmungen beizukommen?  Werden die Menschen rücksichtsvoller, vernünftiger fahren, wenn sie für schuldhaft verursachte Unfälle einige Monate länger ins Gefängnis kommen? Ist der drohende Entzug des Führerscheins eine hemmende Sicherung gegen leichtsinniges Fahren? Kann Furcht vor der Strafe das Unheil bannen? Es darf nicht geleugnet werden, daß der Strafandrohung tatsächlich Bedeutung beizumessen ist. Um so eindringlicher ist zu sagen, daß man mit Strafen allein das Unheil von unseren Straßen nicht beseitigen kann. Der Furcht vor der Strafe steht immer die optimistische Erwartung entgegen, nicht „erwischt“ zu werden. Wie viele entgehen immer wieder einer Anzeige, die sie verdient hätten!

Wer sich Gott anvertraut, der hat die Angst überwunden. Anstelle der Furcht wird ihn um so stärker und bestimmender die Liebe erfüllen, das mitmenschliche Empfinden, das Bewußtsein der Verantwortung für den Nächsten. Wer Jesus wirklich begegnet ist, der kann nicht mehr ohne Liebe sein. Wo einer im krassen Egoismus beharrt, da kann er noch so oft den Namen Jesu im Munde führen, er ist ihm dennoch fern, er kennt ihn nicht. Er hat von seinem Geiste keinen Hauch verspürt. Christsein heißt Bruder, heißt Mitmensch sein. Es kommt also darauf an, daß wir uns von der

mitmenschlichen Liebe Jesu, von seinem Geist der Liebe erfüllen und bestimmen lassen. Es kommt an auf die echte, wirkliche Begegnung mit ihm und seinem Wesen. Es kommt an auf die Bereitschaft, seinen Geist in uns wirken zu lassen.

Vielleicht wird hier ein Einwand laut werden. Die jungen Menschen könnten sagen, es nütze doch wenig, wenn sich einige von diesem Geist erfassen und bestimmen lassen, während die große Mehrheit der Menschen und damit auch der Verkehrsteilnehmer so bleibt wie sie ist. Darauf läßt sich erwidern, daß man nur bei sich selber anfangen kann, daß es viel bedeutet, wenn eine Minderheit eine bestimmte Haltung unbeirrt vorlebt. Außerdem dürfen wir sagen, daß der Geist aus eigener Kraft vom einen zum anderen weiterwirkt, daß eine Gesinnung ansteckend ist - im Guten wie im Bösen - und daß Gott mit seinem Geist nicht nur an uns, sondern durch uns an anderen wirken will. Ist es uns doch aufgetragen, „Licht der Welt“ zu sein und „unsere guten Werke“ - in diesem Falle: unser verantwortungsbewußtes, mitmenschliches Verhalten auf der Straße - „leuchten zu lassen vor den Menschen“, damit sie „unsere guten Werke sehen“ und „unseren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16).

 

 

Die Bibel - Das Buch der Bücher                                

 

Einstieg:

Eie Lehrerin kommt mit einem Schulranzen voller Schulbücher in die Kirche. Sie beginnt auszupacken, die Bücher vorzustellen und sich auf die Schule zu freuen. Auch ein Religionsbuch ist dabei: „Ach ja, Religionsunterricht ist ja auch wieder!“

Der Pfarrer kommt dazu und interessiert sich auch für die Bücher:  „Seid froh, daß ihr Bücher haben könnt!“ Er hat ein ganz kleines Buch mitgebracht und ein ganz großes, eine alte Altarbibel: „In der Bibel stehen die Geschichten‚ die in der Kirche und im Religionsunterricht  erzählt werden!“

Im Altarraum ist eine Bilderbibel aufgebaut, das heißt  einzelne Bilder zu biblischen Geschichten. Sie werden nacheinander besprochen und dabei wie eine Buchseite herumgeklappt. Die Bilder im einzelnen:

1. Die Sintflut : Bild beschreiben, Geschichte kurz erzählen.

2. Abraham und Isaak: Gott kann manchmal auch Schweres von den Menschen verlangen, aber er hilft dann auch wieder.

3. Durchzug durchs Meer: Ausführliche Erzählung durch eine Kindergottesdiensthelferin

4. David. und Goliath: Der Kleine steht dem Großen gegenüber.

 

Erzählung zu 2. Mose 13 - 17 (i.A.):

In der Bibel steht im ersten Teil die Geschichte des Volkes Israel, was dieses Volk alles mit seinem Gott erlebt hat. Besonders spannend und beeindruckend ist ein Ereignis, bei dem das Volk ganz besonders die Hilfe seines Gottes erfahren hat. Das wer, als sie Sklaven in Ägypten waren und ausbrechen wollten, um die Freiheit zu erlangen. Der ägyptische König wollte sie immer wieder nicht abziehen lassen. Aber schließlich war es ihnen doch gelungen, über die Grenze zu kommen, ein ganzes Volk, mit Frauen und Kindern, mit Zelten und Lebensmitteln.

Es ist eine beschwerliche Reise, denn zunächst geht es nach Osten durch die Wüste. Vor ihnen ist ein Meeresarm. Das 7asser ist sicher nicht so besonders tief, aber mit den Kindern und dem Gepäck kommen sie nicht hindurch. Sie ziehen am Ufer entlang, immer mehr nach Südosten, aber nirgends ist ein geeigneter Übergang zu finden. Was sollen sie nur machen?

Aber Gott ist dennoch bei ihnen. Den Israeliten kommt es so vor, als ginge er direkt vor ihnen her:  Tagsüber verhüllt von einer Wolke und nachts in einer Feuersäule. Der Weg erscheint ihnen rätselhaft, den sie geführt werden. Aber sie gehen ihn doch und schauen zu Gott auf, der in ihrer Nähe ist.

Doch inzwischen ärgert sich der ägyptische König schon wieder, daß er die Israeliten hat fortziehen lassen. Er ruft seine Berater zusammen und sagt: „Warum haben wir das zugelassen? Jetzt werden sie uns nicht mehr dienen!“ Es wird beschlossen, die Israeliten zu verfolgen. Eine ansehnliche Streitwagenabteilung wird losgeschickt, der König selber aber ist nicht dabei.

Als die Israeliten sich gerade lagern wollen, um sich einmal auszuruhen, da ertönen gellende Schreie: „Die Ägypter; da hinten die Staubwolke, sie kommt näher und näher!“ Sofort Ist wieder alle Zuversicht dahin. Nun sehen sie nur noch auf die Feinde und nicht mehr auf Gott. Und da kommt auch gleich die Angst. Sie sind ja machtlos. Was können sie schon gegen des wohlgerüstete Heer des Königs?

Aber Gott ist bei ihnen, deshalb werden sie nicht untergehen. Deswegen sagt Mose zu ihnen: „Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was Gott jetzt tun wird. Gott wird euch helfen. So wie ihr die Ägypter jetzt seht, so werdet ihr sie nicht wiedersehen. Gott wird für euch streiten. Ihr aber könnt gar nichts dazu tun, ihr könnt nur stille sein!“

Inzwischen ist es Nacht geworden. Die Wolke tritt zwischen die Israeliten und die Ägypter. Die Feuersäule ist in dieser Nacht nicht zu sehen.  Es ist unheimlich dunkel. Keiner wagt, durch das Dunkel zwischen den Lagern hindurchzureiten.

 Am Morgen aber erschreckt Gott die Ägypter aus der Wolke heraus. Es ist, als ob er sie aus der Wolken- und Feuersäule anblickt, o daß sie ganz verwirrt werden. Plötzlich ist auch das Feuer wieder da. Die Ägypter wissen gar nicht, was sie tun sollen. Sie rufen voller Angst: „Laßt uns fliehen vor Israel, denn ihr Gott streitet für sie gegen uns!“

Doch sie laufen nach der falschen Richtung, mitten ins Meer hinein. Gott der Herr „schüttelt“ sie ins Wasser - heißt es  - und sie müssen alle umkommen. Israel konnte gar nicht so schnell begreifen, was geschehen war: Sie sehen nur, wie die toten Ägypter ans Meer gespült werden. Sie erkennen sofort:  Das war eine Machttat unseres Gottes. Nur schweigend und erschrocken können sie das alles über sich ergehen lassen.

Auf einmal entdecken sie auch eine Stelle, wo das Wasser nicht so tief ist. Voller Freude können sie ans andere Ufer ziehen. Miriam, eine der Frauen, nimmt eine Pauke, die anderen Frauen folgen ihr und tanzen und singen das Siegeslied:  „Laßt uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan. Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt!“

 

Predigt: (dabei die beiden letzen Bilder sichtbar lassen)

Ein Gefühl wie der kleine David wird vielleicht mancher Schüler haben, wenn die Schule wieder losgeht oder die Schule erst für die Schulanfänger beginnt. Doch ein Lehrer oder eine Lehrerin ist nicht wie ein Riese, der den Kleinen nur Angst einflößt. Die Lehrer bemühen sich, den Kindern etwas beizubringen, damit sie die Welt besser verstehen und in Gebrauch nehmen können.

Wie schön ist es für die Kinder in der ersten Klasse, wenn sie zu Weihnachten schon manche Bücher wenigstens stellenweise lesen können?!  Wie schön ist es, wenn man Singen und Malen kann, wenn man Sprachen lernen kann und etwas erfährt über der Himmel,  die Tiere und Pflanzen, über technische Geräte.

Schlimm ist es jedoch, wenn ein Lehrer sowie der Riese Goliath unseren Gott zu verhöhnen beginnt oder einem Schüler Schwierigkeiten macht ‚ weil er zum Beispiel ein Kreuz um den Hals trägt oder ein christliches Buch dabei hat. Der Lehrer ist ja immer überlegen und kann einem Schüler sehr schaden.

Dann ist es gut ‚ wenn wir im Vertrauen auf Gott so wie David auftreten, uns nicht einschüchtern lassen und auf unserem Glauben beharren.

Gott wird uns helfen, so wie er den Israeliten am Meer geholfen hat. Es ist nicht mehr selbstverständlich, ein Christ zu sein und zu Religionsunterricht zu gehen. Aber verbieten kann es uns niemand.

Im Gegenteil: Wir müßten erst einmal all die Möglichkeiten ausnutzen, die wir haben. Nicht alle Kinder kommen zum Religionsunterricht oder zum Kindergottesdienst, längst nicht alle Erwachsenen nehmen die Angebote der Kirche wahr.

Deshalb laden wir immer wieder ein, weil Gott ja einlädt. Er hat sich sogar zu den Menschen aufgemacht in seinem Sohn Jesus. Von ihm erzählt das letzte Drittel der Bibel, das Neue Testament. Dazu sehen wir noch die letzte Seite in unserer Bilderbibel:

5. Die Weisen aus dem Morgenland: Sie lassen sich rufen, um das Jesuskind zu sehen und anzubeten.

Machen wir es ihnen doch nach, lassen wir uns erzählen von Gott und von Jesus, beten wir zu ihm und lassen uns helfen, so wie er vielen Menschen vorher geholfen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

K i r c h e n j a h r

 

 

Macht auf die Tür:  Joh 10,9                                                                             Advent

Vorarbeit:

Den Kindern wurden Postkarten ohne Briefmarken mitgegeben. Sie werden gebeten, auf die urbedruckte Seite ihre Haustüre aufzumalen und die Karte zum Gottesdienst mitzubringen. Im Gottesdienst werden Sie dann aufgefordert, die Karte noch mit

einer Anschrift und Einladung zu versehen und irgendjemand zu den Gottesdiensten an Heiligabend einzuladen.

 

Beginn:

An diesem Sonntag ist die Kirchentüre lange verschlossen. Die Glocken läuten schon, aber immer noch nicht ist aufgeschlossen. Einige versuchen es an der Emporentüre und an der Seitentüre. Schließlich kommt der Pfarrer mit dem Schlüssel und schließt auf. Endlich können alle in die Kirche. Sie ist hell erleuchtet und schön warm. Die Orgel erklingt mit einem festlichen Vorspiel.

Der Pfarrer merkt sich einige Leute, die draußen haben warten müssen, um sie nachher zu befragen. Es wird dann gewartet bis 10 Uhr, bis alle da sind, und der Gottesdienst beginnt mit dem Eingangslied.

 

Einleitung:

Einige sind heute nicht gleich in die Kirche hineingekommen, weil die Tür noch verschlossen war. Sie werden sich geärgert haben. Draußen ist es kalt und windig. Endlich wurde aufgemacht. In der Kirche war es warm und hell, der Adventskranz brannte, der Altar war festlich geschmückt, die Orgel hat gespielt.

So ist Advent: Eine Tür tut sich auf, man kommt nach Hause, man kann feiern. Gerade wenn man erst einmal draußen gestanden hat, dann weiß man, wie schön es ist, hineinzukommen. In dem eben gesungen Lied „Lobt Gott ihr Christen“ wird auch deutlich, was es bedeutet, wenn Gott die Türen aufmacht  und uns wieder nach Hause kommen läßt. Mit einem Gebet wollen wir Gott danken, daß er sich zu uns aufgemacht hat und immer wieder zu uns kommen will:

 

Gebet:

Herr, unser Gott! Es ist Advent! Draußen ist es dunkel, finster und kalt.

Danke für das Licht, für die Wärme, für die Menschen, die uns gern haben.

Danke, Herr, daß du in unsere dunkle und kalte Welt gekommen bist. Amen.

 

 Draußen:

Von draußen klopft einer laut an die Seitentür der Kirche. Wer ist das?

Jemand der zu spät kommt!         

Der Nikolaus? Das  Christkind?

Jemand der Hilfe braucht!

Vielleicht brennt es irgendwo.

Jemand der mitfeiern will.

Jemand der stören will.

Jemand der mithören will, was wir hier sagen.

Macht einer die Türe auf oder haben wir Hemmungen?

Mancher sitzt mitten in der Bark und kommt schlecht raus.

Man weiß ja nie, was der da draußen will:

Vielleicht will er nur unsere schöre Stimmung stören.

Wenn ich ihm nun aufmache, bin ich es gewesen der an allem schuld war.

Aber der da draußen friert vielleicht. Oder er braucht uns dringend.

Oder er möchte einfach nur dabei sein und mit uns feiern.

Wenn wir Jesus nichtig verstanden haben , dann werden wir jedem die Tür öffnen, ganz gleich in welcher Absicht er kommt. Der verspätete Besucher wird 'hereingelassen und gibt eine kurze Erklärung ab, vielleicht ein kleineres Kind, das die Tür nicht allein aufgekriegt hat. Es kann auch noch einmal deutlich machen, wie schlimm es ist, wenn man draußen stehen

 

Bildbetrachtung: Herbert Seidel: Der Prediger in der Wüste (1953)

Herbert Seidel wurde 1906 geboren und war zunächst als Modelltischler tätig. Aber er benutzte alle freie Zeit, um sich als Maler zu betätigen. Er gestaltete Landschaftsbilder von starkem farbigem Ausdruck.

Während der Kriegsgefangenschaft malte er die Lagerkapelle aus. In dieser Zeit vollzog sich seine Wandlung zu biblischen Stoffen. Seither bemüht er sich um sie, vor allem mit Mitteln der  Graphik. Er will dem moderner Menschen deutlich machen, daß die Botschaft der Bibel uns Heutigen gilt. Er sucht seinen Linien Spannung und Dynamik mitzugeben, die im Wort der Schrift lebendig sind. Nie ist eine Linie zu viel vorhanden. Nur die Botschaft soll hervortreten, ihr wird alles untergeordnet. Damit hängt die starke Aussagekraft der Bilder Herbert Seidels zusammen, der heute als freischaffender Künstler in Berlin lebt.

 

Die Umgebung:

Wir blicken in eine enge Gasse, die leicht gebogen ist und sich nach vorne leicht senkt. Von ober fällt Licht hinein. Aber doch bleiben die Häuser tief dunkel. Nur durch einige weiße Striche sind Fenster und Türen und Hausabsätze angedeutet. Die Haus­wand rechts ist zerborsten und das Dach zersplittert - ein Hinweis auf Bomben­schäden (das Bild entstand 1953). Und doch recken sich die Splitter des Daches wie eire Hand in das Licht hinein, als riefen sie zum Himmel. Es herrscht höchste Einsamkeit, nichts bewegt sich, kein Lebewesen ist zu sehen die Häuser scheinen ausgestorben zu sein, alles ist kalt und tot. Gibt es denn kein Leben in dieser Stadt?

 

Die einsame Gestalt:

Eine helle Gestalt kommt einsam durch die Gasse geschritten. Hat man Türen und Fenster eilig vor ihr verschlossen? Aber es müssen doch Menschen hinter den Fenstern sein! Vor einer winkligen Haustür hält die Gestalt im Schreiten inne und bleibt stehen. Sie hebt sich in ihrer Helligkeit leuchtend vor der dunkler Hauswand ab. Das zeitlose Gewand ist betont schlicht gehalten. Der Körper erscheint schmal und abgezehrt. Der Gesichtsausdruck ist nicht erkennbar. Aber er ist uns zugewandt bzw. der Tür. Er scheint an der Tür geklopft zu haben. Seine Hand liegt auf der Klinke Seine Gestalt drückt gespannte Erwartung aus. Er ist bereit hineinzugehen. Er will sich den Menschen zuwenden, ganz für sie da sein und sie mit seiner Gegenwart beschenken. Er klopft nicht  energisch, wird nicht nervös, ist nicht zornig, weil man nicht öffnet. So ist nur einer den Menschen zugewandt: Jesus Christus!

 

Das Verhalten der Menschen:

Jesus ist das Licht, das in die Finsternis scheint. Die Menschen in den Häusern aber haben ihn kommen sehen und Türen und Fenster vor ihm verschlossen. Er will etwas von ihnen, aber sie wollen nichts mit ihm zu tun haben .Er verlangt, daß wir uns ändern sollen, aber wir wollen uns nicht in unserer Ruhe stören lassen. Ehe sie ihn einlassen, beschimpfen sie ihn eher und bewerfen ihn mit Schmutz (darauf deutet das Abwasserrohr rechts vorne). Die unregelmäßigen Linien des Kopfsteinpflasters wirken wie ein Netz, das das Weitergehen verhindert. Jesus geht den schweren Weg hinab, den Weg zum Leiden, das schon damit begann, daß er nicht aufgenommen wurde. Hier bleibt wirklich einer  „Draußen vor der Tür“  (so ein anderer Titel dieses Bildes). Er ist der verlorene und ausgestoßene Mensch, der äußerlich und. innerlich eingeklemmt ist zwischen den hohen Wänden, die auf ihn zu stürzen drohen .Die Äußerlichkeiten spiegeln den inneren Zustand des Mannes, der Symbol ist, für viele Menschen in den großen Städten, aber auch für den Menschen schlechthin.

 

Aber auch die Steinwüsten der Städte sollen nicht ohne die frohe Botschaft bleiben. Auch die hier lebenden Menschen werden von Gott angerufen. Der Trost in dieser kahlen Straße liegt in der Gestalt des Rufers, der die Freudenbotschaft von Gott bringt. Seine Stimme ertönt unaufhörlich an allen Orten, auch heute. „Das Licht scheint in der Finsternis“.

Aber das Bild enthält auch eine Mahnung. Die Gasse öffnet sich nach dem Vordergrund zu, sie kommt auf uns zu. Jesus wird weiterschreiten  und auch uns erreichen. Vor unsrer Tür wird er warten, daß ihm aufgetan wird. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an!“ Werden auch wir seine Stimme überhören wie die Menschen auf diesem Bild? Die Entscheidung liegt bei uns. Er drängt sich nicht auf. Seine Stimme ruft uns heraus aus Bequemlichkeit, Eigensucht, Schläfrigkeit.  Sie ruft uns zum Heil: „So jemand meire Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir!“

Er begegnet uns auch heute in Mitmenschen, die sind oftmals so unscheinbar sind, daß wir sie nicht bemerken und auch ihn nicht:  

Er ist in dem Mitschüler, der um Hilfe bei den Hausaufgaben bittet.

Er ist in dem Kind in unserer Straße, das einen zum Spielen braucht.

Er ist in dem Jugendlichen, der auf der Straße herumgammelt oder in den Kneipen nach einem Sinn für das Leben sucht

Er ist in dem Ehepartner, der auf Zeit für ein gutes Gespräch wartet.

Er ist in dem alten Menschen, der jemand braucht, der ihm zuhört.

 

Erste Spielszene:

In der Kirche ist eine nichtige Tür mit Rahmen aufgebaut. Einer läutet bei seinem Nachbarn, der den Fernseher zu laut laufen läßt (echtes Fernsehgerät hinstellen und laufen lassen):

A.: Entschuldigen Sie, könnten Sie nicht Ihren Fernseher etwas leiser machen. Unsere Kleine schläft schon.

B.: Leiser machen? Er ist nicht laut!

A.: Man hört es aber durch die Wand!

B.: Bei uns läuft der Fernseher nie laut! Ganz im Gegensatz zu anderer Leuten!

A.: Meinen Sie etwa uns?

B.: Wenn Sie sich betroffen fühlen, habe ich nichts dagegen.

A.: Das ist unverschämt!

B.: Unverschämt? Und wer ist unverschämt, daß er seine Kinder am Sonntag in aller Herrgottsfrühe schon Krach machen läßt? Und wer rennt mit Gebrüll die Treppen hinunter? Und Sie sagen „unverschämt“!  (knallt die Tür zu)

Die Orgel intoniert: „Macht hoch die Tür...“

 

Zweite Spielszene:

Ein Spendensammler klingelt an der Tür:.

A.: Guten Tag, ich möchte um eine Spende für die Kirche bitten!

B.: Was, Sie sind schon wieder da?! Immer diese Bettelei!

A.: Aber Sie gehören doch zur Kirche und sollten auch mit zu ihren Unkosten beitragen.

B.: Das Leben ist so teuer geworden. Überall kostet es etwas: Steuer, Sozialversicherung, Gewerkschaft, Verein - und dann auch noch die Kirche. Was soll ich denn alles noch zahlen?

A.: Die Kirche ist immer noch das Billigste. Aber Ihr kleiner Beitrag hilft eben doch viel.

B.: Ja, wenn es für die Sozialstation wäre oder für die Heime, das wäre noch etwas anderes. Man kann ja auch einmal krank werden und die Pflegerinnen oder so ein Heim brauchen. Aber für die Kirche sollen diejenigen zahlen, die sie dreckig machen.

A.: Das Geld wird aber gebraucht!

B.: Ja, daß die Pfarrer Auto fahren können! Wer bezahlt mir denn ein Auto?

A.: Es wird bei jeder Ausgabe sehr sorgfältig überlegt, ob sie notwendig ist. Es müssen auch Zwecke unterstützt werden, die nicht so im Licht der Öffentlichkeit sind, zum Beispiel die Entwicklungshilfe.

B.: Die Kaffern sollten erst einmal so arbeiten wie wir, dann ginge es ihnen längst besser. Aber von dem Geld goldene Himmelbetten kaufen für ihre Weiber, das können sie. Also von mir kriegen Sie nichts, heute nicht und in Zukunft auch nicht. Ich habe es jetzt satt!  (knallt die Tür zu)

Die Orgel intoniert: „Macht hoch die Tür“.

 

Pfarrer:

Immer wieder werfen Menschen die Tür zu. Sie wollen sich dadurch von dem anderer abgrenzen, wollen in Ruhe gelassen werden, wollen bestimmten Anforderungen ausweichen .Aber eine Tür, die einmal zugeworfen wurde, läßt sich nur schwer wieder öffnen.

Die Adventszeit aber macht uns darauf aufmerksam, daß Gott die Tür zu den Menschen weit aufgestoßen hat. Er möchte, daß auch wir die Tür zu anderen Menschen aufmachen. Die Adventszeit ist eine Zeit der Besinnung und der rechten Vorbereitung auf Weihnachten. Da könnten wir überlegen, wo noch Türen zu anderen Menschen verschlossen sind, die wir unbedingt öffnen müßten. Davon handelt auch das bekannte Lied: „Macht hoch die Tür!“

 

Sprecher (stellen sich in die Tür und sprechen zur Gemeinde):

(1) Es gibt Türen, die kenne ich gut. Hinter ihnen  wohnen Menschen, die ich gern habe. Sie sind meine Freunde und freuen sich, wenn ich komme. An diesen Türen möchte ich oft klingeln, an ihnen klopfe ich immer wieder und besuche meine Freunde.

(2) Vor manchen Türen zögere ich, ehe ich auf den Klingelkropf drücke. Hinter einer solchen Tür wohnt der körperbehinderte Jörg, den ich schon sechs Wochen nicht mehr besucht habe. Hinter einer anderen solchen Tür wohnt meine alte Tante, der ich zu helfen versprochen habe, aber meist bin ich zu faul dazu.

(3) Vor einigen Türen stehe ich immer wieder und getraue mich nicht hineinzugehen. Dort sind Menschen, von denen ich etwas will. Aber Bitten ist gar nicht so leicht.  Aber wenn ich es dann doch gewagt habe, waren sie oft ganz freundlich und hilfsbereit.

(4) Einige Türen haben mir andere Menschen geöffnet. Meine Eltern haben mich die ersten Schritte in die Welt begleitet: Sie haben mich das Laufen und Sprechen gelehrt, aber auch das Beten. Heute helfen mir die Lehrer, die Welt zu verstehen und mich in ihr zurechtzufinden. Manches kann ich nicht allein. Es ist gut, daß Menschen mir geholfen haben, eine Tür zu öffnen.

           

Predigt:

Auf den Einladungen haben wir vier verschiedene Haustüren gesehen, solche Türen, wie wir sie vielleicht auch selber haben. Darüber aber war noch eine große Tür gemalt, die wie die Tür zu einer Kirche aussieht. Durch diese Tor geht ein Mensch. Sind wir das, die in die Kirche gehen? Oder ist das Jesus, der durch unsere Haustür gehen will?

Jedenfalls sollte bei Christen immer die Tür aufgemacht werden, wenn einer kommt. Das kann ein Mensch sein, der uns besuchen will oder der etwas vor uns haben will. Das kann aber auch Jesus sein, der mit bei unserem Leben dabei sein will. Denn heute begegnet uns Jesus unter anderem in anderen Menschen. Er schickt sie uns, damit wir für sie da sind.

Deshalb kann es für uns nur heißen: „Macht auf die Tür“ , wie wir das Thema dieses Gottesdienstes genannt haben in Anlehnung an das bekannte Adventslied aus dem Gesangbuch. Wenn Türen erst einmal  zugeworfen sind, dann dauert es oft lange, bis man wieder zusammenkommen kann. Die Adventszeit wäre ein Anlaß, solche Türen wieder zu öffnen.

Wenn wir unsere Tür nicht für den Mitmenschen aufmachen, dann kann ja  auch Christus nicht zu uns kommen. Er könnte unsere Tür zwar mit Gewalt einrennen. Aber das tut er nicht, denn er kommt nicht wie ein Herrscher. Er möchte, daß wir ihm von uns aus öffnen.

Wenn aber die Tür einmal auf ist, dann müssen wir auch andere Leute mit herein lassen‚ die Nachbarn, die Spendensammler und manch anderen noch. Um eine Tür zu öffnen, braucht man oft einen Schlüssel. Ein solcher Schlüssel zu den Menschen kann ein Brief sein oder ein kleines Geschenk oder ein freundliches Wort. Manchmal ist gar nicht viel nötig, um einen von draußen wieder hereinzuholen.

 

Wir wollen auch nicht vergessen, daß andere uns schon hereingeholt haben. Sie haben uns eingeladen zu einem netten Abend. Sie haben uns vielleicht aber auch einmal zur Kirche eingeladen. Vielleicht sind wir erst nach vieler Bemühungen mitge­gangen. Aber heute können wir uns ein Leben ohne Gott und Kirche gar nicht mehr vorstellen. Menschen können für uns die Tür zu Jesus werden. Und Jesus wieder ist die Tür zu Gott, dem Vater.

Aber auch wir können für andere  zur Tür werden, können sie zu uns und zum Gottesdienst einladen. Mit ihnen und mit Jesus zusammen dürfen wir sogar ein Fest feiern, dürfen beim Abendmahl mit Jesus zusammen sein, dürfen uns zu Hause wissen. Wer das aber erfahren hat, wird immer wieder seine Tür aufmachen.

 

Abendmahl:

Im Abendmahl will Jesus heute zu uns kommen. Er möchte uns durch das Essen und Trinken neue Kraft geben, verschlossene Türen zu anderen Menschen wieder zu öffnen. Er lädt uns ein an seinen Tisch und macht die Tür dazu weit auf.  So können wir auch hier in der Kirche durch die offene Tür zum Altar gehen.

Auch heute am Beginn des neuen Kirchenjahres sind wir herzlich zu ihm eingeladen.

Da wir heute einen Familiengottesdienst haben, sind auch die Kinder  dabei einbe­zogen. [Wenn sie in der Gemeinde noch nicht zum Abendmahl zugelassen sind, sagt man: Am Abendmahl können sie noch nicht teilnehmen, weil man erst über den Sinn dieses Mahls Bescheid wissen muß, und darüber wird erst im Konfirmandenunterricht gesprochen. Aber die Kinder dürfen heute mit ihren Eltern nach vorne zum Altar kommen ‚dürfen sich alles ansehen und aus der Nähe miterleben und erhalten auch eine Kleinigkeit geschenkt].

 

Sendung:

Wir gehen nun wieder hinaus in unsere Häuser und in unseren Alltag. Aber wir wollen in diese erste Adventswoche gehen in der Gewißheit, daß Jesus bei uns ist. Wir wollen ihn suchen in den Menschen, die uns begegnen. Wir wollen ihnen helfen, Türen zu öffnen, auch die Türen zum Glauben. Unsere Postkarten mit der Tür nehmen wir mit, schreiben eine Adresse drauf und laden ein zu der Gottesdiensten an Heiligabend um 16 und um 19 Uhr. Es wird schon jeder einen wissen, dem er diese Karte geben kann. Und wir dürfen selber auch immer wiederkommen. Jesus  hat die Tür zu sich und dem Vater weit aufgemacht. Er ist die Tür zum Vater und er öffnet  die Tür zum Vater, auch für uns. Das wollen wir jetzt im Gedächtnis behalten und mit dem Segen  heimgehen.

 

 

Advent: Das Licht darf nicht verlöschen: Jes 42, 1 - 7 

 

Begrüßung: Im Advent werden viele Lichter angezündet. In fast allen Häusern brennt ein Adventskranz. Das ist ein schöner Brauch, bei dem wir allerdings meist wenig über den Sinn nachdenken.

Es wird viel gefeiert: in Firmen, Schulen, in der Kirche und zu Hause. Heute wollen wir hier in der Kirche feiern. Wir wollen uns gemeinsam darüber freuen, daß Gott bei uns ist. Er ist in unsere schuldbeladene und erneuerungsbedürftige Welt gekommen. Wir dürfen uns gemeinsam freuen, daß er bei uns ist. Wir wollen auch darüber nachdenken, was er uns durch seine gute Nachricht sagen will. Zu diesem Mitdenken und Mitfeiern begrüße ich alle herzlich und wünsche uns allen, daß uns in dieser gemeinsamen Stunde wirklich ein Licht aufgeht.

Es gefällt uns, vier Kerzen anzuzünden. Aber genügt das? Heute wollen wir über die vier Lichter nachdenken. Vier Kinder mit Kerzen ziehen und stellen sich im Halbkreis auf . Zu den einzelnen Beiträgen tritt jeweils ein Kind mit der betreffenden Kerze vor.

 

1. Kerze: „Vertrauen“:

Das erste Licht heißt „Vertrauen“. Es brennt, weil es schön ist, wenn zwischen Eltern und Kindern, zwischen Mensch und Mensch und zwischen den Völkern Vertrauen herrscht. -

Halt! Da hat ein Kind seine Eltern belogen. Es hat gesagt: „Ich brauche ein Heft für die Schule“ -  und dann hat es mit dem Geld Süßigkeiten gekauft. Die Mutter hat es aber gemerkt.

Es war schon das dritte Mal so. Nun kann die Mutter dem Kind nicht mehr glauben. Das Vertrauen ist ausgegangen wie eine Kerze, die verlöscht

Da leben Leute in einer Wohnung, aber sie sprechen  nicht mehr miteinander, weil  sie mißtrauisch und argwöhnisch  geworden sind. Da hat ein reiches Volk ein ärmeres in seine Abhängigkeit  gebracht. Da müssen die einen machen, was die anderen von ihnen verlangen. Das Vertrauen zwischen den Völkern ging verloren. Dieses Licht muß gelöscht werden! [Löscht die Kerze aus]

 

2. Kerze: „Freude“

Das zweite Licht heißt „Freude“. Es brennt, weil bei uns Kinder lachen, spielen und singen können, weil Menschen singen und lachen und Völker sich gegenseitig achten. -

Halt! Das Licht darf nicht weiter brennen! Lest ihr keine Zeitungen, seht ihr kein Fernsehen? Viele Kinder in der Welt haben nichts zu lachen. Sie haben Hunger. Viele von ihnen werden an Weihnachten nicht mehr leben. Lösch das Licht aus!

Da weinen Kinder, weil Eltern keine Zeit für sie haben, weil Kinder allein gelassen oder abgeschoben werden, denn den Eltern ist Geldverdienen wichtiger als die Fürsorge für ihre Kinder.  Wo gibt es noch Freude zwischen Eltern und Kindern? Da hat kaum jemand Zeit, seinen Nachbarn zu helfen und ihnen eine Gefälligkeit zu erweisen. Überall in der Welt wird Haß gesät. Gewaltanwendung wird in den Filmen verherrlicht. Sogar Kinder  spielen Überfall und Totschlag, Mord und Krieg. Dieses Licht muß gelöscht werden!         [Kerze aus]

 

3. Kerze: „Frieden“:

Das dritte Licht heißt „Frieden“. Es brennt, weil es schön ist, wenn in den Familien Eintracht herrscht, wenn alle Menschen gleichberechtigt sind und die Völker in Frieden miteinander leben.

Halt! Wo ist denn Frieden?  Wo haben die Menschen Zeit füreinander? Da reden die Heranwachsenden nicht mehr mit ihren Eltern, da verstehen Eltern ihre Kinder nicht mehr. Es gibt Streit unter Geschwistern. Da begegnen sich Nachbarn in offenem Haß, weil sie neidisch und mißgünstig sind. Da wird von Staatsmännern behauptet, daß das eine Volk das andere mit Krieg überziehen will. Da werden immer entsetzlichere Waffen ersonnen und hergestellt, um Menschen zu vernichten und Leben auslöschen zu können.

Es ist ja kein Friede! Dieses Licht muß gelöscht werden       [Kerze aus]

 

4. Kerze „Hoffnung“;

Das vierte Licht heißt „Hoffnung“.  Das darf niemand auslöschen. Es brennt, weil die  Mutter immer noch hofft, daß ihr Kind nicht mehr lügt und sie ihm wieder vertrauen kann. Es brennt, weil Menschen immer noch hoffen, daß  alle Kinder in der Welt wieder lachen und sich freuen können. Es brennt, weil Menschen immer noch hoffen, daß alles wieder gut wird.

Halt! Was kann das kleine Licht gegen tausend Panzer und gegen          die Mächtigen in den Regierungen? Was bleibt von deiner Hoffnung auf ein schöneres Leben? Unter den Men­schen gibt es viel Eigensucht, Verständnislosigkeit, Gleichgültigkeit. Wer kann es heute noch wagen, auf die Güte der Menschen zu hoffen? Nein, auch dieses Licht muß  ausgelöscht werden!

Es darf nicht verlöschen! Wenigstens für ein paar Menschen muß es brennen!

Es ist ein schwaches Licht,  lösch es aus! Es darf aber nicht! Wer rettet dieses Licht?

[Kerze aus]

 

Nun sind die Kerzen ausgelöscht. Können wir da noch Advent feiern? Vorhin hieß es: Advent ist Gottes Ankunft in der schuldbeladenen Welt! Gott selbst gibt uns die Zusage, daß sein Licht nicht verlöschen wird. Er läßt sein Licht in die dunkle Welt scheinen. Und er gibt den Auftrag, dieses Licht in die Welt hineinzutragen.

 

Predigt über Mt 5, 14 - 15: „Ihr seid des Licht der Welt

Oma Müller trifft Frau Vogel und bedankt sich für den hübschen Adventsgruß, den Bettina  gebracht hat. Frau Vogel weiß gar nicht, was das sein soll, was ihre Tochter da zu Oma Müller gebracht hat. Zuhause fragt sie Bettina, warum sie nichts davon erzählt hat. Bettina sagt: „Du hättest es doch nicht geglaubt. Ich habe dich doch schon so oft angelogen und gesagt,  ich ginge zu Oma Müller und bin doch nicht dagewesen. Nun wollte ich es wieder

gut machen!“

Die Mutter freut sich und fragt: „Was wer das denn für ein Adventsgruß7“ Bettina erzählt: „Das war eine Sternenkette. Da habe ich so Papiersterne auf ein rotes Band genäht. Das soll Oma Müller ins Fenster hängen, wenn sie einmal etwas braucht. Dann weiß ich es und kann hingehen und fragen und es besorgen!“

Jetzt weiß Frau Vogel, daß sie ihrer Bettina wieder vertrauen kann. Alle sind erleichtert und Oma Müller freut sich. Mißtrauen macht dunkel, Vertrauen aber schafft Licht. Deshalb zünden wir auch wieder die erste Kerze an.

Aber Licht soll auch in die ganze Welt kommen: Während wir ruhig in unseren warmen Betten liegen, sterben in Südamerika in einer Nacht 600 Kinder, weil sie verhungert sind. Das sind soviel Kinder, wie bei uns etwa in einer Schule sind.

Ein Inder kann pro Tag im Durchschnitt nur zwei Gramm Fleisch verbrauchen. Wenn wir also ein Schnitzel von 120 Gramm essen, dann verbrauchen wir die Fleischmenge, die ein Inder in zwei Monaten zur Verfügung hat. Wir aber machen uns Sorgen, ob wir zu Weihnachten wohl eine Gans haben werden.

Wenn Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt!“dann will er uns damit sagen: Wir sind auch für die Hungernden in der Welt verantwortlich. Trotz all unserer Hilflosigkeit können wir doch etwas tun. An Weihnachten wird wieder gesammelt für die Aktion „Brot für die Welt“. Da können wir denen ein wenig helfen, die im Dunkel leben. Für alle, die in der Welt hungern, zünden wir die zweite Kerze an.

 

Auch bei uns gibt es allerhand zu tun. An sich sollten die Christen alle eine große Familie sein und Frieden untereinander haben. Aber leider ist das nicht so. Es wird Kritik geübt an der Kirche, an anderen Christen und vielleicht sogar Christus selbst. - Immer wieder ein Licht anzünden bedeutet dann: Vorurteile abbauen, indem man fragt und miteinander spricht. Dann kann man auch Verständnis füreinander finden und Frieden haben. Wir zünden die dritte Kerze an und lassen uns von ihrem Licht zum Frieden mahnen.

 

Die vierte Kerze sprach von der Hoffnung Wer Licht der Welt sein will, wird auch Licht in die Familie bringen wollen. Daß es dort gut gehen kann, das dürfen wir hoffen, gerade jetzt in der Adventszeit und an Weihnachten, dem Fest des Friedens.

Helga und Klaus haben sich oft über Kleinigkeiten gestritten, wie das unter Geschwistern oft verkommt. Als Helga mit den Hausaufgaben anfangen will, liegt auf ihrem Tisch ein Buch von Klaus  Sie fegt das Buch mit einem lauten Knall vom Tisch. Als Klaus kommt, erwartet Helga natürlich, daß er losschimpft; dann wird sie ihm aber die Meinung sagen. Klaus aber bleibt ruhig. Er hebt das Buch auf, streicht es glatt und geht in die Küche. Vorher dreht er sich aber an der Tür noch um und sagt: „Entschuldige bitte, daß ich das Buch vorhin habe liegenlassen!“ Helga ist sprachlos. Aber wenn man so handelt, kann man auch die Hoffnung haben, daß alles noch besser wird. Zum Zeichen für diese Hoffnung zünden wir auch noch die vierte Kerze wieder an. Wir dürfen Licht der Welt sein, in unserem persönlichen Umkreis wie auch in der großen Welt.

 

Sendung:

In unserem Gottesdienst haben wir zunächst die vier Kerzen gelöscht. Aber Gottes Wort hat uns wieder Mut gemacht, die Kerzen doch wieder anzuzünden. In unserer Welt scheint Gottes Licht. Und wir haben dieses Licht an unsere Umgebung weiterzugeben.

Deshalb wollen wir am Schluß des Gottesdienstes unsere Kerzen an den vier großen Kerzen anzünden und dann mit dem Licht nach draußen gehen. Irgendwann wird dann einmal unsere Kerze ausgehen. Aber Gottes Licht in uns darf nicht verlöschen. Es soll uns und alle Menschen erfüllen.

Wo Licht ist, da ist auch Wärme. Wärme aber schafft Vertrauen. Dieses Licht brauchen wir für unsre Häuser und Herzen, Licht für unser Leben. Wenn wir zu Hause die Kerzen am Adventskranz anzünden, dann können wir ja noch einmal über das nachdenken, was wir heute gehört haben.

 

Lieder:

Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein.

Eine Kindergruppe übt das Lied „Wir sagen euch an den lieben Advent“

 

Segen:

Wir wollen nach Hause gehen mit der Freude darüber, daß Jesus Christus Licht in unser Leben geben will. Wir gehen nach Hause in der Gewißheit, daß unser Leben durch ihn sinnvoll wird. Wir gehen nach Hause mit der Erwartung, daß er durch uns anderen Menschen Licht und Leben schenkt.

Der Herr segne dich und behüte, er lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!

 

 

Fastnacht: Kleider machen Leute                                                                 

Nach dem Kollektengebet, als eigentlich die Lesung beginnen soll, unterbricht der Pfarrer (möglichst im Mainzer Dialekt): „Draußen sind sechs verkleidete Kinder. Wollen wir sie hereinlassen?“ Konfirmanden im Sprechchor: „Ja!“

Sechs Kinder kommen in selbstgewählten Verkleidungen und mit einer Maske oder mindestens Augenbinde vor dem Gesicht. Sie stellen sich im Chorraum auf, mit dem Gesicht zur Gemeinde. Während sie hereinziehen, intoniert die Orgel den „Narhalla-Marsch“. Der Pfarrer interviewt nun die Kinder der Reihe nach:

(1) „Warum  verkleidest du dich,  wenn Fastnacht ist?“ - „Es macht mir einfach Spaß! Ich finde es einfach schön, einmal jemand ganz anders zu sein. Mit dem Kostüm und der Maske erkennt mich ja keiner. Und wenn wir in der Schule Fastnacht feiere, da raten erst einmal alle herum, bis sie herausfinden, wer unter der Maske steckt. Das finde ich schön!“

(2) (Ein Mann, dargestellt von einem Jungen, unterbricht): „Für uns Erwachsene ist das noch viel reizvoller. Ich gehe immer ohne meire Frau zum Maskenball. Da kann ich es dann nach Herzenslust treiben. All das, was das ganze Jahr über verboten ist, das ist bei der Fastnacht erlaubt. Und das Schöne ist: Hinter der Maske kennt einen ja keiner! Und ehe die Demaskierung ist, verschwinde ich immer!“ - „Aber haben Sie denn kein schlechtes Gewissen gegenüber Ihrer Frau und den Kinder und auch gegenüber Gott?“

 

Anderer Mann oder Frau: „Warum soll er das denn haben? Dazu ist die närrische Zeit doch da! Pünktlich am 11.11. um 11.11 Uhr geht es los und findet in den drei tollen Tagen seiner Höhepunkt. Nachher kann man ja wieder vernünftig sein. Ist das denn etwas Schlechtes, Herr Pfarrer?“

Pfarrer: Sicherlich ist es nicht schlecht, wenn man sich einmal freut und auch einmal ganz ausgelassen freut. Das gehört mit zu unserem Leben dazu und ist auch einem Christen nicht verboten. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn die Kinder hier einmal zum Spielen kommen, wozu sonst doch immer nur wenig Zeit bleibt.

Aber Vergnügtsein bedeutet doch nicht, daß man sich dabei so benimmt,  daß man sich am anderen Tag dafür schämen muß. Fröhliche Höhepunkte brauchen keinen bitteren Nachgeschmack  zu haben. Auch unter der Maske bleibt man ein Mensch, der für sich und seine Mitmenschen verantwortlich ist. Und nur wer sich auch ohne Alkohol wirklich echt freuen kann, hat meiner Meinung nach das Recht zu solcher Freude.

In unserem Leben wechseln ja immer wieder Arbeit und Spiel, Sonntag und Alltag, fröhliche und ernste Zeiten ab. Auch im Kirchenjahr gibt es stille Wochen und festliche Zeiten. Am Aschermittwoch beginnt zum Beispiel die Fastenzeit, in der wir an das Leiden und Sterben Jesu denken und auf allen lauten Betrieb verzichten.

Aber danach kommt wieder das strahlende und fröhliche Osterfest.

 

Wieder anderer Mann: „Deshalb gehört auch in die Zeit vorher etwas Fröhliches. Wenn man 40 Tage lang ganz ernsthaft sein soll und womöglich noch auf bestimmte Speisen und 'Getränke verzichten soll, dann muß man doch vorher noch einmal besonders lustig und ausgelassen sein!“

Pfarrer: Ob das eire geeignete Vorbereitung auf die Fastenzeit ist, möchte ich noch bezweifeln. Fasten bedeutet den freiwilligen  Verzicht um einer Sache willen, die wichtiger ist als der augenblickliche Genuß. Ein erzwungener Verzicht, bei dem man sich noch vorher schadlos für alles halten muß, ist nicht das Rechte. -

Aber vielleicht wäre es doch einmal gut, an dieser Stelle auf die Geschichte der Fastnacht einzugehen. Der Ursprung liegt in den heidnischen Religionen, wo man auf diese Art den Frühling begrüßte. In Griechenland machte man da Umzüge, bei denen sich Männer als Dämonen verkleideten und zu der schrillen Tönen von Flöten, Zymbeln und Handpauken sich in wildem Tanz drehten. Um diese bösen Geister zu täuschen,  verkleidete und bemalte man sich, man lärmte und tobte selber, man setzte sich eine Maske auf. Besonders in der Zeit des Frühlingsanfangs hat man Angst vor Geistern. Deshalb versteckte man sich vor ihnen hinter einer Maske oder versuchte sie durch allerhand Krach zu vertreiben.

Die christliche Kirche hat lange Zeit nichts von diesem Treiben wissen wollen, hat es aber auch nicht unterdrücken können. Dann hat sie es etwa um das Jähr 1000 in das  Kirchenjahr mit eingebaut. Jetzt füllte man damit die Zeit vor der Fastenzeit und machte pünktlich am Fastnachtsdienstag um 24 Uhr damit Schluß.

Nach der Reformation hat man in den Evangelischen Gebieten die Fastnacht von oben her verboten. Erst in unseren Tagen wird dort, wo man seit Jahrhunderten nichts mehr von Fastnacht wußte, mühsam wieder so ein Brauch hochgezüchtet.

Letztlich zeigt sich hier aber ein Heidentum, das in unserer ach so wissenschaftlichen Zeit wieder hochkommt.

Anderer Mann oder Frau: „Sie haben uns doch einmal erklärt, daß Fastnacht nichts mit Fasten zu tun hat, sondern mit ‚faseln‘, das heißt  ‚Dummheiten treiben‘. Man sagt ja heute noch in manchen Gegenden ‚Foaselnoacht‘. Und das Wort ‚Nacht‘ meint soviel wie ‚Tag‘. Fastnacht ist also der ‚Tag der Dummheiten‘.

Pfarrer: Leider machen zu viele Leute  in diesen Tagen tatsächlich Dummheiten. Sie tun ja so, als seien sie jemand anders. Und für diesen anderen wollen sie nicht die Verantwortung übernehmen. Die Maske verführt einfach :zur Verantwortungslosigkeit und daß man es nicht mehr so genau nimmt. Wir dürfen uns schon freuen, aber wir dürfen unsere Verantwortung dabei nicht aufgeben. Es wäre schlimm, wenn unser Leben zu einer Fastnacht ohne Erde würde. Deshalb tut auch die katholische Kirche gut daran, am Aschermittwoch mit einem Bußgottesdienst einzusetzen.

Mann: „Ich bin katholisch. Bei uns weist der Bischof jedes Jahr zum Aschermittwoch in einem Fastenbrief darauf hin, wie wir es mit dem Fasten halten sollen, was bei den Mahlzeiten zu beachten sind, wann die Fastengottesdienste sind und so weiter. Der Pfarrer macht mit geweihter Asche einem jeden ein Kreuz auf die Stirn und sagt dazu die Worte: „Bedenke, o Mensch, daß du Staub bist und zum Staube zurückkehren wirst!“

Anderer Mann: „Ich bin zwar evangelisch. Aber uns täte es sicherlich auch ganz gut, wenn wir uns mit einem solchen Kreuz öffentlich zu Jesus und zu Gott bekennten. Das Kreuz erinnert uns an unsre Taufe und steht uns viel besser zu Gesicht als eire Maske. Wir sollten uns niemals schämen, uns mit diesem Kreuz zu unsrem Glauben zu bekennen!“

 

Alternative Predigt über Psalm 139: Gott sieht hinter die Maske

1.Wir brauchen vor der anderer unsrer Glauben nicht hinter einer Maske zu verbergen

Kleine Kinder halten sich die Hände vor's Gesicht. wenn sie sich vor jemand verbergen wollen. Sie meinen:  Wenn sie selber nichts sehen, dann können sie auch nicht gesehen werden. Und die Erwachsenen sind oftmals auch nicht besser: Da fährt ein Lastwagen das kleine Stückchen Einbahnstraße in der verkehrten Richtung befuhr; sicher dachte der Fahrer: „Es ist ja kein Polizist in der Nähe, da kann mir auch nichts passieren!“ Man meint eben auch zu leicht:  Wenn kein Aufpasser da ist, dann hat es auch niemand gesehen, jedenfalls niemand von Belang.

Aber einer ist immer dabei, selbst wenn wir ganz allein zu sein scheinen. Davon erzählt der 139.Psalm. Dort sagt ein Mensch von Gott: „Von aller Seiten umgibst du mich!“ Wo wir auch hingehen: Gott ist dabei. Gott ist im Himmel und auf der Erde, er ist am äußersten Meer und in der Dunkelheit der Nacht. Nirgendwo sind wir allein für uns.

Das könnte uns Angst einjagen. Nirgendwo sind wir ja ohne einen Aufpasser. Gott sieht auch unsre geheimen Untaten und wird uns dafür zur Verantwortung ziehen. Eigentlich ein bestürzender Gedanke, daß wir nirgendwo einen stillen Winkel haben, wo wir einmal ganz allein sein können. Gott kennt sogar unsere innersten Gedanken;

ehe wir sie ausgesprochen haben, weiß er sie schon.

Doch bei wem alles in Ordnung ist, der braucht sich davor nicht zu fürchten. Wer in einem guten Verhältnis zu Gott steht, der ist im Gegenteil dankbar für die Nähe Gottes. Er darf wissen: Wenn     mich die Menschen allein lassen, dann ist Gott doch immer bei mir. Kleine Kinder haben ja manchmal Angst, wenn die Eltern sie abends  allein lassen. Das geht oft nicht anders, Eltern können nicht immer bei ihren Kinder sein.

Aber die Kinder dürfen doch wissen: Selbst wenn die Eltern jetzt einmal nicht da sind, so wacht doch Gott über uns. An ihn dürfen wir uns im Gebet wenden, wenn wir Angst haben, er hört uns und es ist alles nur noch halb so schlimm.

Wenn die Erwachsenen sich doch nur auch so helfen ließen, dann wäre ihnen sicher vieles leichter! Sie haben doch auch ihre Nöte und Probleme. Das ist keine Schande. Aber es ist betrüblich, wenn sie nicht wissen wollen, woher ihnen Hilfe kommen kann. Die Bibel sagt von Gott: „Von allen Seiten umgibst du mich!“

 

2.Wir können vor Gott unser wahrer Gesicht nicht hinter einer Maske verbergen.

Wir müssen dabei auch bedenken, daß Gott uns so sieht, wie wir wirklich sind, ohne Maske und ohne Verkleidung. Viele verkleiden sich ja nur deshalb zur Fastnacht, weil sie einmal aus ihrer alten Haut herauswollen. Sie wollen gern einmal jemand anders sein und all das tun können, wovor sie sich sonst doch scheuen.

Aber Gott sieht auch hinter die Maske. Er sieht, wie wir wirklich sind, und vor ihm können wir uns nicht verstellen. Genauso wie die Eltern meist sofort ihren Kindern ansehen, wenn sie etwas Urrechtes getan haben, so weiß auch Gott um unsere innere Bosheit.

Aber das Wunderbare ist: Gott hat uns trotz allem lieb. So wie die Eltern ihr Kind nicht gleich verstoßen, so hält auch Gott an uns fest, wenn wir einmal gegen seinen Willen gehandelt haben. Gott reißt uns zwar die Maske vom Gesicht, aber er hat uns lieb, so wie wir sind. Eine Maske würde uns vor Gott nichts nützen. Aber wir brauchen auch keine, weil wir vor Gott immer nur der sind, der wir wirklich sind.

Deshalb haben wir es auch nicht nötig, vor anderen Menschen eine Maske aufzu­setzen. Wenn Gott uns so nimmt wie wir sind, brauchen wir uns auch vor den anderen nicht zu verstecken. Wir brauchen nicht den Eindruck zu erwecken, als seien wir besser als andere Leute. Wenn wir einen falschen Schein erwecken wollen, geht das sowieso immer schief.

Aber es sollte eben doch deutlich werden, daß wir noch unfertige  Menschen sind, noch auf dem Weg und auf die Hilfe Gottes angewiesen. Es ist keine Schande, wenn man etwas nicht alleine schafft. Aber es ist eine Schande, wenn man sich nicht helfen lassen will. Wir als Christer dürfen dankbar sein, daß wir Gott in unserer Nähe

haben.

Wir können das auch gut und gern anderer weitersagen. Wir brauchen unser Christsein nicht hinter einer Maske zu verstecken. Zeichen der Christen ist nicht die Maske, sondern das Kreuz. Wir dürfen uns zu unserer eigenen Schwachheit und zur Hilfe Gottes bekennen. Unsere Schwachheit ist gerade unsere Stärke, denn sie treibt uns in die starken Arme dessen, der der Größte ist.

Wenn ein Kind nicht mehr weiter weiß, dann flüchtet es sich in die starken Arme der Eltern. Da macht es ihm auch nichts aus, wenn die anderen lachen und es als Feigling bezeichnen. Hauptsache, es wird geholfen.

So dürfen wir auch sicher sein: „Von allen Seiten umgibst du mich. Du kennst meine Gedanken von ferne!“ Das ist nicht ein lästiger Zwang für uns, sondern ein dankbares Bekenntnis zu unserem Herrn und Schöpfer der Welt.

 

 

 

Ostern - Christus lebt: Ps 118, 15 - 17

 

Erzählung:

Es gibt Menschen, die können Ostern nicht fröhlich mitfeiern. Es kann daran liegen, daß sie krank sind und nicht rausgehen können. Es kann aber auch sein, daß sie nichts von Gott und von Jesus wissen wollen und deshalb auch nicht die Osterfreude erfahren können. Manchmal kann man ja helfen, zum Beispiel, indem man einen Kranken besucht. Aber manchmal können wir auch nicht zur Freude verhelfen, das kann nur Gott allein.

Das hat auch ein Mann gewußt, von dem uns in unserer Bibel ein Psalmgebet überliefert ist, das am Osterfest zum Gottesdienst gebetet wird. Er war im Krieg in eine hoffnungslose Situation geraten. Er hatte schon alle Hoffnungen fahren lassen und meinte, er würde umkommen. Doch da hatte Gott doch dem Volk Israel den Sieg gegeben und diesem Mann das Leben geschenkt.

Nun kommt er zum Laubhüttenfest in den Tempel, um Gott ein Brandopfer für die Rettung aus Todesgefahr zu bringen: Er will ein Tier schlachten lassen und auf dem Brandopferaltar verbrennen lassen. Einige andere haben sich ihm angeschlossen. Sie stehen vor dem „Tor der Gerechtigkeit“ und wollen eingelassen werden.. Zunächst fordern sie die ganze Gemeinde auf, mit einzustimmen in den Lobpreis der Liebe Gottes. Dann tritt der Gerettete in den Vordergrund und berichtet von Gottes Rettungstat. 

Die Gruppe macht das Danklied zu ihrem eigenen Bekenntnis. Damit erfüllt sie die Einlaßbedingungen, die von der Torwache genannt worden sind: Nur wer sich auf Gottes Hilfe verläßt, darf in den Tempel. Nun wird die Tür geöffnet, die Priester begrüßen die Einziehenden und fordern sie zum Reigentanz rund um den Altar auf. Das Opfertier wird auf den Altar gelegt in das brennende Feuer. Die Gruppe stimmt noch einmal in den Dank des Einzelnen ein:

Man singt mit Freuden vom Sieg

in den Hütten der Gerechten.

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht,

die Rechte des Herrn behält den Sieg!.

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen!  (Vers 15-17).

 

So ein Danklied hör t man immer gern. Es gibt aber auch schlechte und traurige Nachnichten, die einen Menschen fast zum Verzweifeln bringen können. Das war so, als Jesus am Kreuz gestorben war und die Jünger sich ängstlich und traurig in Jerusalem versteckt hielten. Sie hatten geglaubt: Gott und Jesus sind eins. Wer Jesu Wort hört, der hört Gott. Jesus wird mit unserem Leid, mit unserer Krankheit und mit allen finsteren Mächten in unserem Leben fertig.  Aber nun war Jesus tot. Sollte der Tod etwa stärker sein als Gott? Dann wäre doch keiner da, der helfen könnte?

 

Wenn solche Fragen aufkommen, dann kann so ein Wort wie der Psalm 118 eine Hilfe sein. Nur die Rettungstat aus diesem Psalm ist für uns ein für allemal überboten durch die größere Tat: Durch das Sterben Jesu und sein Auferstehen hat Gott für uns den Sieg über den Tod und alle finsteren Mächte errungen. Weil Christus alle, die an ihn glauben, mit gerettet hat aus der Macht des Todes, deshalb kann auch die christliche Gemeinde  eine Hoffnung haben, wie sie am Schluß des Dankliedes ausgesprochen sind: „Ich werde nicht sterben, sondern leben!“

Deshalb beten wir an Ostern diesen Psalm, in dem wir vor Gott und vor den Menschen von unserer Osterfreude erzählen. Jetzt kann alles wieder in Ordnung kommen. Jesus Christus wird auch mit allen schlimmen Sachen fertig, auch wenn er es manchmal ein bißchen anders macht, als wir es uns gedacht haben. Das ist die gute Nachricht, die wir auch heute zu sagen haben.

 

Predigt mit Bildbetrachtung:

Frans Masereel „Das Kind“, Holzschnitt 1920.

Im Hintergrund sehen wir - dicht gedrängt - Männer auf der Straße. Sie gehen mit weit ausholenden Schritten auf einem Bürgersteig. Die Füße sind fest auf dem Boden und lassen kaum Platz. Am linken Bildrand eine Hand, die zupacken kann, fast gewalttätig.

Im Vordergrund - im Rinnsteig - ein Kind. Das Kopfsteinpflaster wird von einem Gullydeckel unterbrochen. Die Bordsteinkante trennt nicht nur Gehweg und Straße, sondern auch die Menschen voneinander.

Die weiße Gestalt eines Kindes hebt sich fast abstoßend kraß vom schwarzen Hintergrund ab. Es ist wie aus dem Schlaf aufgeschreckt und nur mit einem Nachthemd bekleidet. Die Füße - in viel zu großen Schuhen - stehen unsicher und allein  auf der Straße. Große Augen scheinen in die Weite zu sehen. Hilflos wie die Füße sind auch die hängenden Hände und die Haltung des Kopfes.

Auf dem Gehweg ist kein Platz mehr. Große und mächtige Männer stampfen vorüber. Ihre Köpfe passen nicht mehr auf das Bild (das ist die Perspektive des Kindes). Ihre Hände schwingen weit aus oder stecken tief vergraben in der Hosentaschen. Drei Gestalten hasten in Blickrichtung des Kindes, ein Mann eilt entgegengesetzt nach rechts. Im Hintergrund sieht man Sicherheit, Zielstrebigkeit, Aktivität, Gemeinsamkeit und gewohnheitsmäßigen Trott - im Vordergrund das genaue Gegenteil: Unsicherheit, Richtungslosigkeit, Einsamkeit, Irren im Alleingang.

Der Arm des Kindes hat die gleiche Haltung wie der des Mannes ganz rechts. Hat der Erwachsene doch auch etwas von den Sorgen d es Kindes? Oder soll das Kind aufgefordert werden, im gleichen Marschtritt mit zu marschieren ? (Haltung wie beim Marschieren).  Sollen das Kind  und der Erwachsene nicht doch lieber Haltung bewahren und im Trott bleiben?

Die Vorübereilenden nehmen von dem Kind keine Notiz. Der Mann mit der Hand in der Hosentasche hat wohl ein Gesicht, an dem deutlich wird: Ich lasse mich durch nichts von meinem Ziel ablenken. Es ist genug, wenn man sich um sich selbst kümmert, nur nicht weich werden und an andere denken.

Warum bleibt er nicht einmal stehen und nimmt die Hände aus der Tasche, um sie dem Kind zu reichen? Er könnte Platz auf dem Gehweg schaffen, dem Kind eine Jacke überhängen, mit ihm gehen, Wärme geben und Vertrauen wecken.

Das Kind ist ein Bild des Menschen überhaupt. Wir sind voller Angst, hilflos, setzen nur tastend einen Fuß vor den anderen. Das Kind kann seine Angst noch zum Ausdruck bringen. Aber bei den Erwachsenen ist es vielfach nicht anders. Jesus aber stellt mich auf die Seite der Schwachen. Er ist selber ein schwacher Mensch geworden, um die Schwachen aus ihrer Schwachheit zu befreien.

Er erwartet, daß wir uns auch auf die Seite der Schwachen stellen und sie nicht durch unsere Stärke erdrücken, sondern  ihnen helfen. So werden wir dem anderen ein Christus und können helfen, daß der andere  wieder Hoffnung schöpft.

Wer aber Hoffnung haben kann, der besiegt mit Gottes Hilfe alle finsteren Mächte, der wird zum wahren Leben hinfinden.  Jesus steht uns auch heute bei, weil er auferstanden ist. Er läßt uns nie verlorengehen.

Das werden wir auch erfahren, wenn der letzte Tag unseres Lebens kommt. Auch da wir der Auferstandene uns nahe sein, auch im Tod wird er uns nicht verlorengehen lassen. Jesus ist stärker als der Tod. Deshalb können wir schon heute froh sein.

 

 

Pfingsten

Die Elemente  „Wind“ und „Feuer“ sind in der Pfingsterzählung des Lukas von zentraler Bedeutung. Dazu kommen die Entfaltungsbereiche „Tür“ und „Haus - Kirche“, die für eine Darstellung in der Kirche geeignet sind.

 

Entfaltungsbereich TÜR

Mit Hilfe einer selbstgebauten Spieltür aus Pappe werden kleine Szenen gespielt. Dabei können etwa folgende Erlebnisse gestaltet werden: verstecken. lauschen, Überraschung vorbereiten, aber auch Furcht haben, allein sein, herein- oder hinauswollen, klopfen, rufen ... Daran sollten sich Spiele mit offener Tür anschließen, etwa Klingeln und Öffnen der Tür, freudige Begrüßung, zu Hause sein, aus- und eingehen können.

In einem nächsten Schritt geht es um die Erfahrungen der Jünger Jesu mit Türen. „Die Schar der Freunde Jesu ist klein nach Ostern. Ihr Mut ist nicht sehr groß. Zwar zieht die Botschaft vom lebendigen Christus Kreise ... aber der große Durchbruch steht noch bevor. Noch lebt man zurückgezogen; die Freunde Jesu feiern und beten in ihren Häusern: man hält die Türen verschlossen ‚aus Furcht vor den Juden' (Johannes 20,19). Daß Jesus alle Menschen einladen will. seine Gemeinde grenzenlos weit bauen will, begreifen sie erst langsam. Die Situation der Jünger kann erzählerisch dargestellt werden.

Auch Jesus hat in seinem Leben verschlossene Türen und Ablehnung erfahren. „Als Hinführung zum Pfingstgeschehen ist darum auch die Perikope von den ungastlichen Samaritern sehr hilfreich (Lukas 9,51-56). Jesus ... erlebt hier, daß sich die Türen heim Wandern durch dieses Land vor ihm und seinen Jüngern verschließen. Die Jünger fordern in ihrem Zorn ein Strafgericht des Himmels ... aber Jesus ermahnt sie. Seine Liebe hat langen Atem und viel Geduld; er fragt: „Wißt ihr nicht, wes Geistes Kind ihr seid?“ Von seinem Geist der Liebe haben die ihn begleitenden Jünger noch nicht viel begriffen, er ist ihnen im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht geschenkt. Aber am fünfzigsten Tag nach Ostern widerfährt ihnen dieses Geschenk.

Die Pfingstgeschichte des Lukas wird nun auf dem Hintergrund der erfahrenen Türerlebnisse erzählt. Unter dem Gesichtspunkt der verschlossenen und sich öffnenden Türen wird ein wichtiger Aspekt der Pfingstgeschichte deutlich werden. Will man miteinander feiern, ist das Öffnen von Türen notwendig. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Begeisterung der Menschen gelegt. Hier kann nun das Erfahrbarmachen von Begeisterung hinzutreten. Dazu legen die Kinder Wollfadenbilder. Auf einem Flanelltuch oder einem Teppich können mit angefeuchteten bunten Wollfäden Gesichter gelegt werden. Wenn sich Menschen freuen, kann man das an ihren Gesichtern ablesen. Die Wollfadenbilder gestatten ein ständiges Verändern des Gesichtsausdrucks. So kann von der kleinen Freude bis zum übergroßen Jubel gesteigert werden. Dem Singen und der Freude muß nach diesen Erlebnissen genügend Raum gegeben werden.

 

Entfaltungsbereich HAUS - KIRCHE

Auf die Beziehung zwischen der Geschichte vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11) und der Pfingstgeschichte (Apostelgeschichte z) ist häufig hingewiesen worden. In der Geschichte vom Turmbau zu Babel wird erzählt, wie die Menschen zur Demonstration ihrer Macht einen Turm bauen wollen, der bis an den Himmel reicht. Gott schreitet ein und zerstreut die Menschen. Sie sprechen verschiedene Sprachen. Sie verstehen sich nicht mehr. In der Pfingstgeschichte begegnet uns die Vielfalt der Sprachen wieder. Diese Vielfalt wird hier nicht aufgehoben, wohl aber gibt es jetzt nach der Ausgießung des Geistes ein Verstehen der Christen über all die Sprachgrenzen hinweg.

Ein Konkurrenzspiel mit Bausteinen oder Kartons eröffnet die erste Phase dieses Entfaltungsbereiches. Jede Gruppe der zwei Gruppen bemüht sich nun, einen Turm zu bauen, der höher ist als der der anderen. Dabei kann es geschehen, daß die Kinder zu verschiedenen Techniken greifen, um den höchsten Turm zu bauen (auf dem Tisch beginnen oder Stühle stapeln). Wenn Kartons verwendet werden, kann jedes Kind vorher von sich etwas darauf malen, so daß dieser Karton zu „seinem“ Baustein wird. Während des Bauens kann ein Streit ausbrechen über „erlaubte und unerlaubte“ Hilfsmittel. Von einer gewissen Höhe an werden die Bauwerke umkippen. In einem auswertenden Gespräch wird erarbeitet, warum die Türme eingestürzt sind. Falls die Türme noch stehen, kann über die Probleme während des Bauens (Streit, Konkurrenz) gesprochen werden. Auch ein friedliches Bauen kann eine gute Kon­trastmöglichkeit ergeben zu dem nun folgenden Schritt:

Die Kinder bauen jetzt zusammen ein Haus, in dem für alle Platz ist, wo jeder hineindarf. Das Haus erhält den Namen Kirche. Die vorhandenen Kartons werden nun für den neuen Bau verwendet. Um das Haus für alle groß genug zu hauen, kann es sein, daß wir mit einem Grundriß eine Begrenzung schaffen und uns mit einer niedrigen Höhe zufriedengeben müssen. Manche Kinder werden das Haus als „nicht fertig“ bezeichnen. Kirche ist ja wohl auch nie ganz fertig. Der Geburtstag der Kirche kann trotzdem darin recht fröhlich gefeiert werden.

 

Entfaltungsbereich FEUER

Es kommt immer wieder einmal vor, daß ganze Gruppen für eine Sache Feuer und Flamme sind. Mit Feuereifer beginnen sie dann ihr Tun. Es geschieht aber nicht selten, daß Erwachsene dem Feuer- und Flamme-Sein der Kinder Einhalt gebieten. Ihre Erfahrungen haben sie gelehrt, daß am Ende das Verlöschen und Erkalten steht. Um die Erlebnisfähigkeit der Kinder zu erhalten und zu fördern, kann eine Imaginationsübung zum Element Feuer am Anfang stehen.

Zur Einstimmung auf das Thema sitzen die Kinder im Kreis auf Stühlen oder auf dem Boden. Nun stellen sie sich in der Kreismitte ein Feuer vor. Dazu können sie die Augen schließen. Um die Phantasie der Kinder anzuregen, können Impulse gegeben werden (Welche Farbe haben die Flammen, wie sieht es in der Mitte aus, gibt es Geräusche?) Mit geöffneten Augen berichten die Kinder von „ihrem“ Feuer. Dabei werden die Erfahrungen der Kinder mit Feuer zur Sprache kommen. Feuer ist schön und gefährlich, reizvoll und bedrohlich zugleich. Um die Faszination des Feuers gemeinsam zu erleben, sollte, wo das möglich ist, ein kleines Lagerfeuer stattfinden (Sicherheitsbestimmungen beachten!) ; andernfalls können auch zur Betrachtung eines Kerzenlichtes die nötigen Impulse gegeben werden.

Feuer und Licht sind Urelemente der Schöpfung. Ohne sie herrschten Finsternis und Kälte. Neben den Feuerenergien im Erdkern, denen wir etwa bei Vulkanausbrüchen begegnen, neben der Sonnenenergie, die sich noch weitgehend unserer Verfügbarkeit entzieht ... ist uns auch manche Feuer- und Lichtquelle anvertraut. Der verantwortbare Umgang damit ist ein Stück Schöpfungsauftrag.

Kleine Feuer können zu großen werden. Unter diesem Aspekt können die Kinder aus rotem, gelbem und orangefarbenem Papier eine Reißarbeit anfertigen. Auch jüngere Kinder können sich beteiligen. Züngelnde Flammen, Funken, Bewegung des Feuers, Ausbreiten oder Abklingen, Übergreifen zum Nachbarn, alles kann mit dieser Methode ausprobiert werden. Auch ist denkbar, daß die Kinder einzelne kleine Feuer zu einem einzigen großen werden lassen. Eine weitere Möglichkeit bietet sich mit Plakatfarbe oder Fingermalfarbe an. Auch ein dunkler Untergrund ergibt einen guten Kontrast zu den aufgetragenen Farben.

 

Entfaltungsbereich WIND

Ähnlich wie bei dem Element Feuer, so ist auch zum Thema Wind eine Imaginationsübung möglich. Mit geschlossenen Augen stellen wir uns eine Situation vor, in der wir den Wind sehr bewußt wahrgenommen haben. Danach, wieder mit geöffneten Augen, schildern wir unsere „Erlebnisse“. Die Kraft des Windes wird von den Kindern unterschiedlich erlebt worden sein. Hier einige Beispiele: Drachensteigen, Segeln, Windmühlen, aber auch Sturm, der Dächer beschädigt, Bäume knickt, oder Bilder aus Zeitungen und Fernsehen über verheerende Seestürme oder Sturmfluten. Wind zerstreut, wirbelt auf, trägt davon, erfrischt, verändert. Bilder aus Bilderbüchern und Lieder vom Löwenzahn, dessen Samen schon vom leisesten Windhauch davongetragen werden, sind geeignet, Kinder sensibel zu machen für die Bewegung, die der Wind schafft.

Um die Freude am Weitertragen des Windes zu erleben, können wir mit den Kindern Windbälle basteln: Aus festem Papier oder Karton schneiden wir drei gleich große Kreise, deren Durchmesser etwa 100 Millimeter beträgt. Gemäß der Abbildung werden die Einschnitte ausgeführt. Teil 1 wird nun etwas zusammengebogen, aber nicht gefaltet. und durch den Mittelschlitz von Teil 2 geschoben. Beide Teile zusammen werden nun durch die gekreuzten Mittelschlitze von Teil 3 gesteckt. Danach brauchen die gebogenen Ecken nur noch geglättet zu werden, und der Windball kann ausprobiert werden.        

Wer die Kraft des Windes bildnerisch gestalten will, findet dafür ein reiches Themenangebot (Wellen, Bäume im Wind, Blütenregen, Gräser u.a.m.). Erzählvorschlag zur Pfingstgeschichte unter dem Aspekt: Wie Wind den Samen treibt, werden Gottes Boten nun getrieben.

Erzählung:

Die kleine Schar der Freunde Jesu fand sich täglich zusammen. Man ließ einander nicht allein. Es war eine Gemeinde, die jeden Tag nichts Wichtigeres zu tun hatte als zu beten und zu warten auf das, was Jesus versprochen hatte. Sie übten Gemeinschaft: einer stand für den anderen ein. Petrus ermutigte sie alle durch seine Predigt. Unter Gebet verteilten sie ihre Dienst- und Apostelämter.      

So waren sie auch am fünfzigsten Tag nach Ostern, am Tag des jüdischen Erntedankfestes, dem Tag der Pfingsten, wieder beieinander. Plötzlich glaubten sie das Wehen eines Windes zu verspüren. Es kam ihnen fast wie ein Brausen vor, das immer stärker wurde. So etwas hatten ihre Ohren noch nie vernommen. Der Raum, in dem sie gerade gebetet hatten, schien ganz von einem Wind erfüllt zu sein! Weil sie sich hinter verschlossenen Türen und Fenstern versammelt hatten, erschien ihnen das unerklärlich. Auch glaubten sie, die Wärme von Feuer zu verspüren, und eine unbändige Freude erfüllte sie. Da wußten sie es: Jetzt spüren wir die Nähe und Kraft Gottes!

Niemand hielt es mehr im Raum: jetzt hatten sie Mut, von ihrer Freude weiterzusagen; alle sollten hören, was sie von Jesus zu erzählen hatten: Er, der Gekreuzigte und Auferstandene ist lebendig. Er lädt alle zu seiner Gemeinde ein! Um Petrus scharten sich besonders viele Zuhörer. Er predigte mit einer geradezu flammenden Begeisterung. Da ging eine Bewegung durch die Menschen; die Begeisterung sprang über wie ein Funken. Von allen Seiten hörte man Menschen den Namen Jesu rufen. Die Apostel verkündeten mit großer Freude und Mut das Evangelium vom einladenden Jesus, der keinen ausschließen will ...

Manche aber in den Straßen Jerusalems schüttelten die Köpfe über soviel Begeisterung und Freude der Apostel. Sie hielten die Prediger für Betrunkene: aber nicht das Trinken von Wein, sondern der Geist Gottes hatte die Menschen hier verwandelt.

An diesem großen Tag wuchs die Gemeinde Jesu. Mehr als tausend Menschen ließen sich taufen. Menschen aus den verschiedensten Nationen wollten nun zur Gemeinde Jesu gehören. Jetzt hatte sich der kleine Kreis der Freunde Jesu geöffnet zu einer großen, weltweiten Gemeinde. Wie der Wind den Samen treibt, so trieb sie jetzt der Geist der Freude, daß sie Boten Jesu sein konnten. Alle spürten: Dieses Pfingst­fest ist der Anfang einer weltweiten Gemeinde.

 

 

Vor den Sommerferien: Dankbarkeit für Arbeit und Lernen: Ps 104,23   

 

Einführung:

Bald beginnen die großen Ferien. Wir kommen einmal heraus aus der Arbeit und dem Lernen. Wir freuen uns, daß  wir in den hinter uns liegenden Zeitabschnitt

Bewältigt haben. Wir haben wirklich Grund, Gott dafür zu danken, daß wir schaffen und lernen konnten. Nun aber wird Pause gemacht.

Jedes Tag brauchen wir kleine Pausen, einmal im Jahr aber eine große Pause. Da braucht mal nicht so früh aufzustehen wie sonst. Man kann einmal machen, was besonders Spaß macht. Man kann auch einmal etwas anderes sehen. Urlaubszeit ist Reisezeit. Überall können wir  Neues entdecken, ob in der Ferne oder in der Nähe, überall ist es interessant.

Wir betrachten eine Karte unsres Landes (Atlas!) und wollen herausfinden,  was wir auf den ersten Blick wiederentdecken von dem, was in Psalm 104 genannt wird: Wir finden Berge, Flüsse und das Meer. Wir finden weite fruchtbare Gebiete, die für die Landwirtschaft genutzt werden. Wir finden große Waldflächen. Und es gibt schöne Landstriche, in denen sich im Sommer die Menschen besonders gern erholen.

Aber die Karte zeigt auch die Städte, die Menschen in die Landschaft hinein gebaut haben. Dort wohnen und leben und arbeiten Menschen. Die Städte haben auch viel Schönes zu bieten [Beispiele aus der eigenen Stadt und der Umgebung].

Wir können uns auch darüber freuen,  was in unserer Zeit geschaffen wurde auf dem Gebiet der Technik, des Sports und der Kultur. Auch dadurch wird unser Leben bereichert. Wie leben von dem, was das Land uns bietet. Unsere Lebenszeit können wir dazu nutzen, unsere Welt besser und schöner zu machen

In dem Lied aus der Bibel heißt es immer wieder ganz betont: DU läßt es quellen,

DU läßt es wachsen, DU hast es gemacht. Gott hat die Welt für die Menschen geschaffen, damit sie dort ihre Lebenszeit verbringen und in dieser Zeit etwas schaffen können. Wir gehören zu dieser Welt, aber wir gehören auch zu Gott. Er vertraut uns ein Stück Welt an. Ihm sind wir verantwortlich für das, was wir in dieser Welt tun.

 

Predigt:

Was bietet unsere Gegend an Wertvollem für unser Leben?  Was haben wir für Naturschönheiten? Wofür können wir besonders dankbar sein? Wir leben in einer landschaftlich schönen Gegend. Es gibt viel Wald, liebliche Täler und saubere Dörfer. Die Luft bei uns ist noch viel sauberer als in den Industriegebieten, das Wasser ist sauberer, viele besondere Pflanzen und Tiere sind hier noch zu finden [in einer Industriegegend wird man herausstreichen, was es dennoch an Schönem gibt].. Wir finden auch Feste aus der Vergangenheit, die uns vom Tun unsrer  Vorfahren berichten.

Gott hat eure günstige Voraussetzungen für unser Leben geben. Wir haben eine Heimat, in der man nicht zu hungern braucht.  Wir haben ein Elternhaus, in dem wir geborgen sein Können. Gott hat uns aber auch Zeit gegeben zum Lernen und Arbeiten.

Aber er will euch, daß wir ausruhen. Wir  brauchen eine Pause zum Ausruhen und Nachdenken. Dann können wir noch mehr Erfreuliches entdecken, als wir auf den ersten Blick sehen. Dann können wir auch neue Kräfte gewinnen für die Arbeit und zum Lernen.

 

 

Erntedanktag

Anspiel:

Nachdem der Pfarrer den Predigttext verlesen hat, dringt plötzlich ein junger Mann in die Kirche ein, in Arbeitskleidung und mit erbostem Gesicht:

„Ich habe gehört, Sie feiern hier Erntedankfest. Ist das denn auch eine Art, bei schönstem Wetter hier in der Kirche zu sitzen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, anstatt ordentlich zu arbeiten wie ich, damit die Ernte auch rein kommt. Sie feiern schon Erntedankfest, als wäre es schon Zeit, die Hände in den Schoß zu legen. Ich habe das ganze Jahr zu tun!“

Gabi: „In unserer Agrargenossenschaft haben wir unsere Endabrechnung erst Anfang Januar. Das ist unser Erntedankfest. Da zeigt sich, wieviel Geld wir geerntet haben. Bückt euch nur erst einmal ein Jahr lang! Ich geh gleich wieder. Gerade sonntags gibt es noch Sonderzulage, das muß man ausnutzen. Im Januar soll die Abrechnung stimmen!“

Strauß: „Halten Sie es denn für gut, wenn jeden Sonntag gearbeitet wird? Ich bin Student und nur den Sommer über hier im Praktikum. Einen Sommer hält man das schon einmal aus!“

Gunter: „Ich hab da einmal ein interessantes Experiment gemacht: Im Frühjahr habe ich jeden Sonntag gesät, anstatt in die Kirche zu gehen. Im Sommer habe ich jeden Sonntag auf dem Feld gearbeitet und im Herbst jetzt jeden Sonntag geerntet. Meine Ernte ist wesentlicher besser als die Ernte meiner Nachbarn, die jeden Sonntag in die Kirche gelaufen sind. Was sagen Sie nun dazu?“

Margot: „Unerhört!“

Gunter: „Aber die dicksten Kartoffeln ernten halt die klügsten Bauern, die ihre Zeit gut ausnutzen und auch sonntags arbeiten!“

 Marlis: „Das finde ich beleidigend!“

Strauß: „Wieso ist das beleidigend?“

Marlis: „Gott macht seine Rechnung nicht schon im Oktober!“

Uta : „Ich mache mir doch keine Sorgen um die Ernte und all den Kram. In unsrer Schule gibt es eine Küche und da kommt für mich immer das Essen her!“ „Strauß: "Und woher kriegt die Küche das Essen?“

Uta: „Vom Großhandel!“

Strauß: „Und der Großhandel?“

Uta: „Von der Landwirtschaft!“

Strauß: „Und wenn die Bauern nichts leisten und sonntags sogar noch daheim bleiben?“

Margitta: „Es ist eine Schande, daß wir hier beim schönsten Wetter auf den weichen Kissen in der Kirchenbank sitzen!“ (hebt Kissen hoch).

Strauß: „Unser Ziel ist es, jedes Jahr mehr zu ernten. Deshalb die Düngemittel, die Vollerntemaschinen, der Staudamm und die höheren Anforderungen an die Arbeitskraft der Menschen!“

Dorothea: „Ihr redet hier andauernd von der Landwirtschaft. Ich steh den ganzen Tag hinter dem Ladentisch, mich geht dieses Fest heute doch nichts an!“

Margot: „Wenn es wenigstens ein Fest wäre, mit Essen und zu Trinken und nachher Tanz"“

Strauß (zu Dorothea): „Was verkaufen Sie denn auf Ihrem Ladentisch?“

Dorothea: „Brötchen, Torten, Stückchen, Eclairs!“

Strauß:  „Und wo kommt das Mehl dazu her? Aha!“

Lehmann: „Aber ich habe damit doch nichts zu tun. Ich arbeite in der Fabrik und ziehe an den Straßenbahnwagen immer nur eine Schraube fest. Die Leute müßten m i r dankbar sein, daß bei mir keine Schraube locker bleibt und ein Unglück passiert!“ Strauß: „Aber Sie haben doch die Ziele der Firma erreicht!“

Lehmann: „Übererfüllt!“ (mit stolzgeschwellter Brust)

Strauß : „Können Sie da nicht auch dankbar sein, daß Sie immer so kräftig arbeiten konnten und nicht krank wurden?“

Ursel : „Gesundheit ist auch ein Geschenk Gottes, für das wir dankbar sein können!“

Strauß: „Aber Gesundheit nutzt uns nichts, wenn wir nichts zu essen haben. Erst muß einmal etwas geschafft werden, dann können wir uns vielleicht auch einmal bedanken. Meiner Meinung nach ist es der beste Dank, wenn wir am Erntedankfest kräftig bei der Ernte mithelfen, denn die Kartoffeln und Rüben gehören schließlich auch zur Ernte!“

Margot: „Beinahe wäre das Erntedankfest dieses Jahr ja buchstäblich ins Wasser gefallen. Das hat einmal viel geregnet, fast jeden Tag kam etwas, monatelang. Dafür brauchen wir uns ja nicht zu bedanken!“

Gunter: „Aber meine Kartoffeln sind dadurch prima geworden. Gerade als ich sie rausholen wollte, setzte dann das schöne Wetter ein. Glück muß der Mensch haben!“

Uta : „War das nur Glück?“

Strauß: „Und die Getreideernte ist schließlich auch noch unter Dach und Fach gebracht worden, wenn es auch viel Arbeit gemacht hat!“

Gabi: „Sollen wir also doch dankbar sein und das Erntedankfest wie jedes Jahr feiern?“

Strauß: „Ich bin mal gespannt, was der Pfarrer jetzt dazu zu sagen hat. Sollen wir sagen: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott! oder sollen wir auch einmal einen lag im Jahr einhalten und dem Schöpfer danken für alle seine Gaben!“

 

Predigt:

Was hat Gott mit der Ernte zu tun? Wachsen die Früchte des Feldes nicht ganz von allein? Hat nicht die Großwetterlage mehr Einfluß auf die Ernte als unsere Gebete? Sorgen nicht die Bauern und der Handel für unser tägliches Brot?

Manche Christen sagen: Ihr habt zwar den Mähdrescher, den Kunstdünger und die Tiefkühltruhe erfunden. Aber das Wetter könnt ihr nicht machen! Da müßt ihr euch doch nach dem Willen des Schöpfers richten, sonst wird es nichts!

Aber eine solche Polemik verfängt heute nicht mehr, und zwar aus zwei Gründen: Einmal können die Menschen tatsächlich Wetter machen, entweder indem sie es beeinflussen oder unabhängig davon werden. Man kann heutzutage zum Beispiel Wolken dazu bringen, daß sie sich ausregnen. Oder es gibt Treibhäuser, in denen die Erbsen ohne Sonnenlicht bis zur fertigen Konserve „produziert“ werden. Technisch ist es heute möglich, die Ernte ohne Sonnenschein einzubringen oder durch die Bewässerung selber „Regen“ zu machen.

Aber auch vom Glauben her müssen wir es ablehnen, Gott einfach zum Wettermacher zu machen. Hinter Erntebittgottesdienste ist deshalb ein großes Fragezeichen zu setzen. Gott wird da zu leicht als einer angesehen, der auch in das kleinste Geschehen eingreift. Wenn man ihn aber um gutes Wetter bittet, dann verfällt man leicht in ein magisches Denken und in Primitivaberglauben.

Auch in der Bibel heißt es: „Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut“ oder „Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht!“ Diese Vorgänge haben offenbar mit dem Glauben des Menschen gar nichts zu tun. Gott läßt die Sonne auch aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Ob christlich oder atheistisch- es wächst doch.

Man kann keinen Menschen zwingen zu erkennen, daß Gottes Wille hinter allem Wachsen und Gedeihen steht. Das erkennen wir erst, wenn Gott uns die Augen öffnet. Die Reihenfolge ist nicht: „Wir haben Brot - Es erhält uns am Leben -Gott sei Lob und Dank“ ,sondern es ist umgedreht: „Lob und Dank! Wir haben ja Gott. -Er erhält uns am Leben -  Er gibt uns auch Brot!“  Wenn man eine Beziehung zu Gott hat,

dankt man ihm auch.

Jede Ernte verführt dazu, daß man sich auf die eigene Leistung verläßt. Das Danken aber will uns frei davon machen. Jede Ernte kann uns zum Anlaß werden, im Wachsen und Reifen ein Erkennungszeichen der göttlichen Schöpfung und Erhaltung zu sehen. Das Wachsen und Reifen ist ein Wunder, auch wenn es einmal Mißerfolge gibt. Es ist nicht alle Tage Sonnenschein, weder für die Ernte noch für unser Leben. Aber wir können Gott auch dafür danken, wenn die Ernte etwas mager ausgefallen ist.

Wir werden zwar vielleicht nicht mehr für das danken, was der Mensch prinzipiell selber „machen“ kann. Aber wir bitten darum, daß kein Mensch mehr zu verhungern braucht. Und wer darüber nachdenkt, wie mühsam das Brot von anderen erarbeitet wurde und wie groß das Risiko dabei ist, der kommt einfach zum Danken. Wenn uns einer etwas heimlich geschenkt hat, dann können wir uns erst so nichtig freuen, wenn wir wissen, von wem das alles kam.

So wächst zwar die Ernte wie von selbst. Nicht aber der Dank der Menschen. Wer aber nichtig froh über alles werden will, der dankt Gott für alle gute Gabe. Auch im scheinbar Selbstverständlichen können wir das Wunder erkennen. Deshalb feiern wir auch heute noch Erntedankfest.

 

 

Erntedanktag: Gottes Liebe ist wie die Sonne

 

Text zum Einstieg:

Heute ist Erntedankfest und wir sind alle in die Kirche gekommen, um „danke“ zu sogen. Dabei wissen wir gar nicht mehr, wo wir uns bedanken sollen.

Wir müssen doch selber für uns sorgen:

auf dem Feld.

im Stall,

im Büro,

auf dem Wasser, unter der Erde,

im Institut

und in der Fabrik.

Aber heute ist Erntedankfest, und wir sind alle in die Kirche gekommen. um „danke“ zu sagen. Dabei wissen wir gar nicht, warum wir uns bedanken sollen, denn wir müssen das Geld verdienen:

mit der Schaufel,

mit dem Zirkel,

am Steuer,

hinter Büchern,

mit dem Reagenzglas,

auf dem Traktor,

an der Maschine und

am Mikroskop.

Doch heute ist Erntedankfest, und wir sind alle in die Kirche gekommen, um „danke“ zu sagen. Dabei wissen wir gar nicht, wie wir uns bedanken sollen. Ob wir etwas von unserem Arbeitsplatz mitbringen?

Tiere,

Feldfrüchte,

Kleider und Schuhe,

Kohle und Eisen,

Geräte und Maschinen,

Lebensmittel

und Bücher?

Wir wissen nicht, was wir tun sollen!

 

Meditation und Gespräch:

Ein Bild „Sonne“ hängt vorn im Raum (mit Signierstiften auf Zeichenkarton A2 oder mit anderem Farbmaterial leicht zu malen: ein großer feuriger Ball etwa wie bei einem Sonnenaufgang) oder ein Farbdia „Sonnenaufgang“ wird auf eine Leinwand projiziert.

Das ist die Sonne. Ein feuriger Ball.  Wundervolles Licht. So geht die Sonne auf. Es wird hell. Leuchtende Strahlen. Wärme. Leben erwacht. Leben pulsiert. Jubilierende Vogelstimmen. Blumen öffnen sich der Sonne. Sie trinken ihre Strahlen. Sie verwandeln sie in Schönheit. Sonne bräunt die Haut. Sonne malt Äpfeln rote Wangen. Sonne reift das Korn. Sonne ist Leben. Sonne ist Freude. Sonne ist Licht. Wie gut, daß uns die Sonne scheint. Jeden Tag. Auch wenn Wolken ihr Angesicht verhüllen. Wir danken Gott für die Sonne. Was nur die Sonne alles für uns hervorbringt!

Die kurze Meditation mündet in ein Gespräch über alles, was wir der Sonne zu verdanken haben: Licht, Wärme, Kraft, Energie, Reife, Wachstum, Frucht, Ernte, Lebensmittel usw. Wir danken Gott, daß uns seine Sonne scheint. So erhält Gott unser Leben. Seine Liebe begegnet uns auch im Sonnenschein. Noch mehr: „Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da“. Es wäre nun nach anderen Zeichen der Liebe Gottes und ihren Erfahrungsbereichen zu fragen und nach Antworten im Gespräch zu suchen.

 

Was die Sonne hervorbringt:

Wir haben ernten können, weil uns wieder ein Jahr die Sonne geschienen hat. Ohne

Sonnenschein bringen wir keine Ernte ein. Was die Sonne hervorbringt, soll von Kindern dargestellt und gestaltet werden. Sie haben bereits im Unterricht Blütenblätter vorbereitet. Zu Stichworten zum Thema „Was wir zum Leben brauchen“ haben sie auf die Blütenblätter gemalt:

Nahrung -   Brot, Apfel, Mohrrübe, Korn, Mehltüte

Kleidung -   Schuhe, Decke, Kleid, Mütze, Handschuhe

Technik -    Hammer, Zange, Bohrmaschine, Auto, Traktor

Wohnung - Haus, Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, usw.

Diese Blütenblätter sollen zu Blumen zusammengesteckt werden. Dazu sind Stiele vorbereitet. Je fünf Blätter kommen an einen Stiel und bilden eine Blume. Diese Blütenblätter tragen dieselbe Farbe. Die Blumen werden zu einem „Blumenbeet“  zu­sammengestellt.

Und so wird es gemacht: Die Blütenblätter werden aus fester Pappe gefertigt. Der „Blütenboden“ wird aus zwei Pappscheiben gebildet, die auf eine dünne Leiste genagelt werden. Zwischen die beiden Scheiben werden dann die Blütenblätter gesteckt. Die Leisten werden an eine entsprechend starke Holzbohle genagelt, und fertig ist das „Blumenbeet“. Ein darüber angebrachtes Bild von der Sonne kann nun anschaulich machen: Soviel hat die Sonne hervorgebracht! Daß auch technische Dinge auf den Blütenblättern erscheinen, macht deutlich, daß eigentlich alles direkt oder indirekt ein Produkt der Sonne ist.

 

Gedanken zur Verkündigung:

Unter dem Bild der Sonne erinnern wir uns an ein Jahr, in dem der Sonnenschein wieder in Gärten und auf den Feldern eine reiche Ernte wachsen ließ. Alles Gewordene ist ein Produkt der Sonne. Unter den Strahlen der Sonne wachsen: Blumen, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Korn usw. - alles, was wir zum Leben brauchen. Das sind auch die technischen Dinge, mit denen wir arbeiten oder die uns das Leben leichter machen, auch Kleidung und Wohnung (Hier bringen die Kinder die von ihnen gefertigten Blütenblätter und lassen unter dem Bild der Sonne das bunte Blumenbeet erstehen. Sie sagen, was sie jeweils zu einer Blume zusammenfügen).

Wir haben sicherlich auch unseren Teil dazu beigetragen, damit eine gute Ernte heranwachsen konnte. Nur, ohne Sonne hätten wir nichts tun können. Hier mag deutlich werden, wie unser Leben eingebunden ist in die Zusammenhänge der Natur. Auch dies zeigt: Wir verdanken unser Leben nicht uns selber. Die Sonne aber ist Gottes Geschöpf. Gott läßt seine Sonne scheinen über allen Menschen, damit alle leben können. Gottes Liebe verdanken wir unser Leben. Sie selber ist Urgrund des Lebens. So können wir singen: „Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da!“ (Hier kann in das Bild von der Sonne dieser Text geschrieben werden: „Gottes Liebe ist wie die Sonne“, oder ein zweites Bild mit dem Text wird einfach darüber gehängt.)

Nun fragen wir, wie diese Liebe Gottes erfahrbar wird. Wir können sie erfahren in dem, was die Sonne hervorbringt, vor allem aber durch das Wort Gottes, durch das er uns wissen läßt: „Ich bin bei dir. Ich führe dich. Ich helfe dir!“ Und wenn wir Freude empfangen und Angst überwinden und Geborgenheit erfahren, wenn wir geliebt werden und Liebe weitergeben - da begegnet uns Gottes Liebe und macht unser Leben warm und hell. Durch Jesus Christus erfahren wir, daß Gottes Liebe immer für uns da ist. Er sagt: „Ich bin das Licht der Welt!“ Wie Blumen sich der Sonne entgegenstrecken, können wir uns diesem Licht der Liebe Gottes zuwenden. Von diesem

Licht belebt, können wir selber Gottes Liebe in die Welt tragen (Kinder oder Glieder der Jungen Gemeinde haben Karten gestaltet mit dem Text „Gottes Liebe ist wie die Sonne“ und tragen sie zu den Gottesdienstbesuchern. Jeder soll eine Karte bekommen und als Zeichen der auch ihm geltenden Gottesliebe mitnehmen oder auch bei einem Krankenbesuch weiter schenken.

Gebet:

Herr, unser Gott. Du hast deine Sonne wieder über uns scheinen lassen. Ihre wärmenden Strahlen, ihr helles Licht, ihre lebenspendende Kraft hast du uns geschenkt. Wir freuen uns über die Sonne, die jeden Tag über uns aufgeht. Wir danken dir für deine Liebe.

Herr, unser Gott. Deine Sonne hat uns das tägliche Brot wachsen lassen. Wir haben empfangen, was wir zum Leben brauchen. Wir freuen uns über die vielen Gaben, die uns das Leben schön machen. Wir danken dir für deine Liebe.

Herr, unser Gott. Deine Liebe ist wie die Sonne. In deiner Gemeinde haben wir deine Liebe erfahren und Geborgenheit gefunden. Durch dein Wort hast du uns Leben, Freude und Hoffnung geschenkt. Wir danken dir für deine Liebe.

Herr, unser Gott. Laß die Sonne deiner Liebe allen Menschen in der Welt leuchten, damit Hungernde das täglich Brot, Unterdrückte ihre Freiheit und Traurige wieder Freude empfangen. Wir bitten dich um deine Liebe.

Herr, unser Gott. In deiner Welt sind Menschen von Krieg, Gewalt und atomarer Rüstung bedroht. Gib allen, die für andere Verantwortung tragen, Gedanken des Friedens, damit die Gefahren gebannt werden. Wir bitten dich um deine Liebe.

Herr, unser Gott. Laß uns deine Liebe weitertragen zu den Alten und Kranken, zu den Behinderten und Einsamen, zu den Nachbarn und Freunden und zu denen, die niemand lieb hat. Wir bitten dich um deine Liebe.

 

 

Erntedanktag (Bausteine)

 

Einstieg:

1          Heute ist Erntedankfest und wir sind alle in die Kirche gekommen, um  „danke“ zu sagen     

2          Dabei wissen wir gar nicht mehr, wo wir uns bedanken sollen

3          Wir müssen doch selber für uns sorgen

1          auf dem Feld

2          im Büro

3          in der Fabrik

4          im Institut

5          unter der Erde

6          in der Werkstatt

7          im Laden

 

4          Aber heute ist Erntedankfest und wir sind alle in die Kirche gekommen, um  „danke“ zu sagen.

5          Dabei wissen wir gar nicht, warum wir uns bedanken sollen,

6          sondern wir müssen Geld verdienen:

1          mit der Schaufel

2          mit dem Zirkel

3          am Steuer

4          hinter Büchern

5          an der Maschine

6          auf dem Traktor

7          am Mikroskop

 

1          Doch heute ist Erntedankfest und wir sind alle in die Kirche gekommen, um „danke“ zu sagen.

2          Dabei wissen wir gar nicht, wie wir uns bedanken sollen.

7          Ob wir etwas von unserem Arbeitsplatz mitbringen?

1          Tiere

2          Feldfrüchte

3          Kleider und Schuhe

4          Kohle und Eisen

5          Geräte und Maschinen

6          Lebensmittel

7          Bücher

 

 

Bänkellied vom Brot:

Sprecher: „Brot für die Welt“ heißt unsere Überschrift.  Wer ist es überhaupt, den sie betrifft? Wer braucht denn Brot in unserer Welt von heute? Gibt es denn nicht genug für alle Leute?

Vorsänger: Einer, der in Madras war, machte es uns einmal klar,

daß mehr als die halbe Stadt niemals satt zu essen hat.

Chor:  Niemals satt - denkt daran: ob man dabei leben kann?

Vorsänger: Einer war in Afrika und erzählte,

wie sich da manches Kind zu Tode quälte,

 weil der Nahrung Eiweiß fehlt.

Chor:  Niemals satt - Eiweiß fehlt - denkt daran:

ob man dabei leben kann!

Vorsänger: Wieder einer war am Nil, als der Wasserspiegel fiel:

Dürre hat das ganze Land

vor der Ernte leer gebrannt

Chor:  Niemals satt - Eiweiß fehlt - dürres Land - denkt daran:

ob man dabei leben kann?

Vorsänger: Einer sah, in China war's, wie die Ernte eines Jahr's

über Nacht vernichtet ist, wenn der gelbe Strom sie frißt.

Chor:  Niemals satt - Eiweiß fehlt - dürres Land - Wasser frißt -

denkt daran; ob man dabei leben kann?

Sprecher: „Brot für die Welt“ heißt unsere Überschrift.

Meinst du nicht, daß sie auch dich selbst betrifft?

Hast du nicht mehr als alle die besessen,

die heut' nicht wissen, was sie morgen essen?

Vorsänger: Die Statistik hat gezeigt, daß der Lebensstandard steigt;

keiner wird des Lebens froh ohne Kofferradio.

Chor:  Radio - sieh mal an, wie man das gebrauchen kann!

Vorsänger: Sagt im Radio ein Mann die genaue Uhrzeit an,

ist mir recht und billig nur eine neue Armbanduhr.

Chor:  Radio - Armbanduhr - sieh mal an,

wie man das gebrauchen kann!

Vorsänger: Für die Uhr, die man jetzt trägt,

ist die Haut zu ungepflegt,

deshalb macht sie angenehm mit Balsamo-Vitakrem.

Chor:  Radio - Armbanduhr - Vitakrem - sieh mal an,

wie man das gebrauchen kann.

Vorsänger: Für die schöngepflegte Haut ist mein Hemd zu aufgerauht,

deshalb muß, um Fleisch und Bein, Nylon oder Perlon sein.

Chor:  Armbanduhr - Radio -  Vitakrem - Perlon fein -

n sieh mal an, wie man das gebrauchen kann!

Sprecher: „Brot für die Welt“ heißt unsere Überschrift,

die jeden in der Welt betrifft .

Daß sie uns heute trifft, bleibt nur zu hoffen,  

denn noch vor kurzem hat sie uns betroffen:

Vorsänger: Als der Krieg zu Ende war, war auch unser Futter rar,

und mit Geld, das man gespart, ging man auf die Hamsterfahrt.

Chor:  Geld gespart - seht euch an, was man noch entbehren kann!

Vorsänger: Doch auch Geld war nicht viel wert und der Vorrat rasch verzehrt,

denn Kartoffeln ließ man knapp gegen Tafelsilber ab.

Chor:  Geld gespart - Silber ab - seht euch an, was man noch entbehren kann.

 

Großer Jubel um den ersten Erntewagen

Wenn sich in diesen Wochen unsere Bauern anschicken, die Früchte ihres Fleißes, ihrer Mühe zu bergen, dann eilen wohl unsere Gedanken zurück in jene Erntetage, da es in Kriegszeiten an Arbeitskräften mangelte, da die Früchte der Äcker und Felder „erfaßt“ wurden, da man dem berüchtigten „Kohlrübenwinter“ (1916) entgegenging und täglich Tausende von Städtern auf die kaum abgeernteten Felder eilten, um Ähren zu lesen und Kartoffeln zu stoppeln. Wohl selten aber hat man in unserer Heimat der Ernte mit solchen Ängsten und Sorgen entgegen gebangt wie in den Jahren 1816 und 1817.

Auf die Kriegsereignisse der vorangegangenen Jahre und die langjährige Fremdherrschaft, die Felder und Fluren verwüstet und die Einwohner bis zum letzten Sack Getreide und zum letzten Stück Vieh ausgepreßt hatten, war „in dem bösen und traurigen Jahr 1816“ durch Mißwuchs und Überschwemmungen eine drückende Teuerung und Hungersnot entstanden, die „in die meisten Haushaltungen, besonders der ärmeren Volksklassen, viel Kummer und Elend brachte.“

Am deutlichsten wird diese, Notzeit gekennzeichnet durch die Gedenkmünze, die man aus diesem Anlaß prägte. Sie trägt auf der Vorderseite die Inschrift: „Im Jahre 1816 und 17 war die Theuerung so gros, daß in Thüringen ein Mhr. Weitzen 100 u. 10 Rl. Kost., Korn 86, 1 Pfd. Brot 2 gr., Gerste 69, 1 Pfd. Butter 11 gr., Hafer 26, 1 Kanne Bier 2 gr. 8 Pf.“. Die Rückseite der Medaille zeigt die Worte: „Nach Regen folgt Sonnenschein“, und an den Seiten „Leiden und Freuden kommt vom Herrn“.

Zum Vergleich seien die Getreidepreise in unserer Heimat in den letzten Jahren vor er Franzosenzeit angeführt, die freilich damals im letzten Jahrhundert auch bereits um das Dreifache gestiegen waren. Im Jahre 1802 zum Beispiel stand der Weizen auf 43 Talern, der Roggen auf 36 Talern, die Gerste auf 24 Talern je Malter (1 Malter etwa 8-10 Zentner).

Mit welcher Erlösung man den Sonnenschein nach dem Regen, die Freuden nach den Leiden begrüßte, das geht aus der zeitgenössischen „kurzgefaßten Beschreibung des zu Erfurt gefeyerten Dankfestes, als die ersten Aerntewagen zur Stadt gebracht wurden“, hervor. Zu Tausenden hatte sich am 30. Juli 1817 eine Volksmenge vor dem Johannestor gelagert, um den ersten kornbeladenen Wagen im Jubelzug in die Stadt zu geleiten. Mit Freudentränen in den Augen wurde das mit frischem Grün geschmückte Gespann von der jauchzenden Menge umringt, und als gar das junge Töchterlein des Landwirts Winne verkündete, daß ihr Vater die ersten Garben dieser Ernte den Ärmsten der Stadt zum Geschenk überlassen wolle, kannte der Jubel keine Grenzen. In einem feierlichen Festzug wurde der Wagen in die Stadt eingefahren, zunächst bis zur Kaufmannskirche, wo ein Dank- und Festgottesdienst abgehalten wurde, dann zur Kartäuser Mühle, wo das Korn umsonst gemahlen wurde. Und schon drei Tage später konnten die ersten 470 Brote mit dem Stempel „Gottesgabe“ unter die Ärmsten der notleidenden Bevölkerung verteilt werden. Eine zweite Fuhre ergab nochmals über 250 Freibrote, und mehr als 100 Sechspfünder konnten aus Dankspenden in der Kaufmannskirche verteilt werden.

Noch nach Jahren erzählten die Alten den Kindern von diesem Erntedankfest nach schwerer Notzeit, und es ist gut, sich auch heute dann und wann solcher Folgen von „Krieg und Kriegsgeschrei“ zu erinnern.

 

„Das Brot“ von Wolfgang Borchert (1945/46)

Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei. Sie überlegte, warum sie aufgewacht war. Ach so! In der Küche hatte jemand gegen einen Stuhl gestoßen. Sie horchte nach der Küche. Es war still. Es war zu still, und als sie mit der Hand über das Bett neben sich fuhr, fand sie es leer. Das war es, was es so besonders still gemacht hatte: sein Atem fehlte. Sie stand auf und tappte durch die dunkle Wohnung zur Küche. In der Küche trafen sie sich. Die Uhr war halb drei. Sie sah etwas Weißes am Küchenschrank stehen. Sie machte Licht. Sie standen sich im Hemd gegenüber. Nachts. Um halb drei. In der Küche.

Auf dem Küchentisch stand der Brotteller. Sie sah, daß er sich Brot abgeschnitten hatte. Das Messer lag noch neben dem Teller. Und auf der Decke lagen Brotkrümel. Wenn sie abends zu Bett gingen, machte sie immer das Tischtuch sauber. Jeden Abend. Aber nun lagen Krümel auf dem Tuch. Und das Messer lag da. Sie fühlte, wie die Kälte der Fliesen langsam an ihr hochkroch. Und sie sah von dem Teller weg.

„Ich dachte, hier wäre was“, sagte er und sah in der Küche umher.

„Ich habe auch was gehört“, antwortete sie und dabei fand sie, daß er nachts im Hemd doch schon recht alt aussah. So alt wie er war. Dreiundsechzig. Tagsüber sah er manchmal jünger aus. Sie sieht doch schon alt aus, dachte er, im Hemd sieht sie doch ziemlich alt aus. Aber das liegt vielleicht an den Haaren. Bei den Frauen liegt das nachts immer an den Haaren. Die machen dann auf einmal so alt.

„Du hättest Schuhe anziehen sollen. So barfuß auf den kalten Fliesen. Du erkältest dich noch.“ Sie sah ihn nicht an, weil sie nicht ertragen konnte, daß er log. Daß er log, nachdem sie neununddreißig Jahre verheiratet waren.

„Ich dachte, hier wäre wer“, sagte er noch einmal und sah wieder so sinnlos von einer Ecke in die andere, „ich hörte hier etwas. Da dachte ich, hier wäre etwas!“

„Ich hab' auch was gehört. Aber es war wohl nichts!“ Sie stellte den Teller vom Tisch und schnippte die Krümel von der Decke. „Nein, es war wohl nichts“, echote er unsicher. Sie kam ihm zu Hilfe: ,.Komm man. Das war wohl draußen. Komm man zu Bett. Du erkältest dich noch. Auf den kalten Fliesen!“ Er sah zum Fenster hin. „Ja, das muß wohl draußen gewesen sein. Ich dachte, es wäre hier!“

Sie hob die Hand zum Lichtschalter. Ich muß das Licht jetzt ausmachen, sonst muß ich nach dem Teller sehen, dachte sie. Ich darf doch nicht nach dem Teller sehen. .,Komm man“, sagte sie und machte das Licht aus, „das war wohl draußen. Die Dachrinne schlägt immer bei Wind gegen die Wand. Es war sicher die Dachrinne. Bei Wind klappert sie immer!“ Sie tappten sich beide über den dunklen Korridor zum Schlafzimmer. Ihre nackten Füße platschten auf den Fußboden. „Wind ist ja“, meinte er. „Wind war schon die ganze Nacht!“

Als sie im Bett lagen, sagte sie: „Ja, Wind war schon die ganze Nacht. Es war wohl die Dachrinne!“ „Ja, ich dachte, es wäre in der Küche. Es war wohl die Dachrinne!“" Er sagte das, als ob er schon halb im Schlaf wäre.

Aber sie merkte, wie unecht seine Stimme klang, wenn er log. „Es ist kalt“, sagte sie und gähnte leise, „ich krieche unter die Decke. Gute Nacht.“ „Nacht“, antwortete er und noch: „Ja, kalt ist es schon ganz schön!“

Dann war es still. Nach vielen Minuten hörte sie, daß er leise und vorsichtig kaute. Sie atmete absichtlich tief und gleichmäßig, damit er nicht merken sollte, daß sie noch wach war. Aber sein Kauen war so regelmäßig, daß sie davon langsam einschlief.

Als er am nächsten Abend nach Hause kam, schob sie ihm vier Scheiben Brot hin. Sonst hatte er immer nur drei essen können. „Du kannst ruhig vier essen“, sagte sie und ging von der Lampe weg. „Ich kann dieses Brot nicht so recht vertragen. Iß du man eine mehr. Ich vertrag es nicht so gut!“

Sie sah, wie er sich tief über den Teller beugte. Er sah nicht auf. In diesem Augenblick tat er ihr leid. „Du kannst doch nicht nur zwei Scheiben essen“, sagte er auf seinen Teller. „Doch. Abends vertrag ich das Brot nicht gut. Iß man. Iß man!“ Erst nach einer Weile setzte sie sich unter die Lampe am Tisch.

 

Der Gotteskläger: (Version 1)

Es ging ein Bauer über das Land

segnend fuhr seine säende Hand

über den Acker jahraus, jahrein

im Morgenglanz im Abendschein.

Die Lerchen sangen im hellen Licht

der Bauer schritt mit frohem Gesicht

Und wenn die Abendglocke klang

hielt betend er inne auf seinem Gang.

Kam er dann heim zum häuslichen Herd

mit Knecht und Magd und seinem Pferd

stand grüßend unterm Tore schon

sein liebes Weib mit seinem Sohn.

Die frohen Tage sind längst vorbei.

Im Ohr noch liegt mir des Bauers Schrei:

Ich klag wider Gott und seinen Sohn,

bin Kläger wider Gottes Thron!

Das schrie der Bauer tagaus, tagein.

Er grub den Schrei in den Acker hinein.

Dornen und Distel trug bald das Feld

in der Hütte wohnte das Elend der Welt.

Er säte Flüche in den Acker hinein.

Im nächsten Jahr lag Stein an Stein.

Keuchend und Fluchend stand er am Rain,

grub seine Hände in den Acker ein,

fluchte, grub und fluchte, schrie:

Acker mein Brot ! Den Lohn meiner Müh!

Der Acker versagt uns das liebe Brot.

Jahre schon plagt uns die Not.

 

Der Gotteskläger: (Version 2)

Vater, ein Bauer ging übers Land,

segnend fuhr seine säende Hand

über den Acker, der tat sich auf,

da kamen viel tausend Halme herauf.

Und nächtens im hellen Mondenlicht

stand der Bauer mit frohem Gesicht

gefaltet die Hände betend davor

- da öffnete sich das himmlische Tor

und fruchtbarer Tau fiel leis und sacht

in der stillen sternhellen Nacht.

Und morgens gingen von Rain zu Rain

die Engel und gruben Unkraut und Stein

aus dem gesegneten Ackerland:

Der Bauer stand in Gottes Hand.

Der Bauer, Vater, der bist du:

der offne Himmel Schloß sich zu,

der Acker verdarb, das gute Land.

Du bist gefallen aus Gottes Hand.

 

Spielszene zum „Reichen Kornbauern“:

Käte: Sag mal, Jochen, wieviel hast du denn in diesem Monat verdient?

Jochen: Daß ihr Frauen das immer wissen müßt! Also: brutto 2.600 Euro, also knapp 2.000 Euro auf die Hand.

Käte: Dann müssen wir aber noch ganz schön lange warten, bis wir unser Wochen­end­grundstück kaufen können.

Jochen: Erst müssen wir in unserer Neubauwohnung sein und das Auto haben. Das heißt: Wenn Oma stirbt, dann erben wir sicher ihr ganzes Vermöge, und dann bauen wir unsere Hütte. Was Müllers können, das können wir schon lange!

Käte: Weißt du, Jochen, eigentlich könnte ich ja Samstag und Sonntag auch noch

arbeiten und nebenbei was verdienen.

Jochen: Vielleicht als Aushilfsschwester im Krankenhaus!

Käte : Was, als Schwester? Da denke ich aber gar nicht dran! Was

verdient man denn da! Nein, das ist unter dem Strich, das kommt überhaupt nicht in Frage!

Jochen: War je auch nur ein Vorschlag. Oder willst du als Kellnerin gehen? Die gehen meist mit einem guten Trinkgeld nach Hause.

Käte: Du willst mich wohl aufziehen: Schwester, Kellnerin? Das mache ich nicht mit, das lohnt sich doch nicht!

Ein Jahr später

Käte: Langweilig ist das hier. Seit einem halber Jahr arbeite ich nicht mehr. Diese schreckliche Wohnung! Mir fällt bald die Decke auf der Kopf! Immer dieser schreckliche Krach! Aber in drei Monaten ist alles vorbei. Das Häuschen auf dem Wochend­grundstück ist fertig. Das Geld von der Oma haben wir natürlich total verbuttert. Und gearbeitet habe wir fast Tag und Nacht...    (Es klingelt)

Bote Ich komme aus dem Krankenhaus. Sind Sie Frau Käte Spärlich?

Käte: Um Himmels willen, ist was passiert? Mein Mann? Jochen? O Gott, ist er tot?

Bote: Nein, regen Sie sich nicht auf. Sie sollen nur gleich ins Krankenhaus kommen.

Käte: O Gott, was ziehe ich nur an? So kann ich doch nicht losrennen!  Was soll ich nur machen?!

Bote: Bitte Frau Spärlich, kommen Sie, ich habe keine Zeit.

Im Krankenhaus

Doktor: Ihr Mann hatte einen Verkehrsunfall, er ist sehr schwer verletzt. Sie können leider nicht zu ihm.

Käte: Herr Doktor, mein Mann hat sonst niemand als mich. Wir haben keine Kinder, keine Verwandten, keine Freunde, keine Nachbarn. Sie dürfen meinen Mann nicht allein lassen!

Doktor: Er ist nicht allein, eine Schwester halt bei ihm Wache. Es wird einige Wochen dauern, bis ihr Mann wieder gesund ist. Aber er braucht dringend Ruhe. Es wird gut für ihn sein, einmal Zeit zum Nachdenken zu haben. Und vielleicht tut Ihnen, Frau Spärlich, die Ruhe im Hause auch einmal gut.

Käte: Wie soll ich so lange ohne meinen Mann auskommen? Das kann ich nicht! Darum geht es gerade uns so? Jetzt, wo wir am Ziel waren, da geht es uns so dreckig. Warum bloß?

Doktor: Vier bis sechs Wochen haben Sie Zeit. Versuchen sie etwas Vernünftiges daraus zu machen. Chancen, die man hat, sollte man nützen.

 

Fürbittengebet:

(1) Herr, du beschenkst uns reichlich. Du gibst uns Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung

(2) Du gibst uns Gesundheit und Leben

(3) Dafür danken wir dir und sprechen:

(A) Danket dem Herrn, denn er ist freundlich‚ und seine Güte währet ewiglich. .

(1) Du läßt die Menschen forscher und erfinden

(2) Du gibst uns in Kindergärten und Schulen, zu Hause und in der Firma Menschen, die uns zur Seite stehen und uns helfen.

(3) Dafür danken wir dir und sprechen:

(A) Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich!

(1) Du gibst uns in deiner Gemeinde dein Wort und die Gemeinschaft in deinem Mahl.

2) Du sagst es uns immer wieder, daß du es gut mit uns meinst.

3) Dafür danken wir dir und sprechen:

A) Herr, wir zweifeln nicht, daß du so gerne gibst und allen mit Güte begegnest.

(1) Viele Menschen auf der Erde haben keine Wohnung und keine Kleidung.

2) Viele Menschen haben keine Arbeit und nicht genug zu essen

3) An sie denken wir alle und sprechen:

A) Herr, wir zweifeln nicht, daß du so gerne gibst und allen mit Güte begegnest!

(1) Viele Menschen auf Erden leben nicht in Frieden. Viele Menschen leiden unter Krieg und Streit.

(2) Viele Menschen sind krank. Viele alte Menschen sind gebrechlich und leiden Schmerzen

(3) An sie denken wir alle und rufen zu dir:

(A) Herr, wir bitten, hilf!

(1) Dein Versprechen bleibt: Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Darauf verlassen wir uns jetzt und allezeit.  Vater unser im Himmel .....

 

Deklamatorium zum Erntedankfest

Pfarrer zieht mit den Kindern, die die Erntegaben tragen, in die Kirche ein. Sie nehmen im Altarraum Aufstellung. Orgelvorspiel.

Pfarrer:

Hebet, ihr Kinder, die Gaben der Ernte,

legt sie an den geschmückten Altar;

daß nun kein Hungriger im Lande darbe,

stellt sie zum Zeichen der Dankes im Heiligtum dar!

 

Aller Augen warten auf dich, Herr.

und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit.

Du tust deine milde Hand auf

und erfüllest alles, was lebt, mit Wohlgefallen!

 

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser!

 

Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!

Du hast sie alle weißlich geordnet,

und die Erde ist voll deiner Güter.

 

Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist!

Ziert die Altäre. Bringt  ihm zur Ehre

Liebliche Opfer des Dankes herbei!

 

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen 

und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben!

 

Orgel: Ehr sei dem Vater und dem Sohn....

 

Wer wärmet uns in Kält und Frost?

Wer schützt uns vor dem Wind?

Wer macht es, daß man Öl und Most

Zu seinen Zeiten findt?

Zwei Dinge, Herr, sind not,

die gib  nach deiner Huld:

Gib uns das täglich Brot

Vergib uns unsre Schuld!

 

Wir bitten dich auch für die Armen

du wollst dich ihrer, Herr, erbarmen.

Speis‘ alle  Hungrigen und  Kranken.

Ewig wollen wir dir danken.

 

Orgel: Herre Gott, erbarme dich...

 

Pfarrer:

Danket dem Schöpfer und preiset den Vater,

dessen Barmherzigkeit immer noch neu ist.

Er gab uns wieder das tägliche Brot,

um abzutun jegliche Leibesnot.

 

Er hat noch niemals was versehen

in seinem Regiment,

nein, was er tut und läßt geschehn,

das nimmt ein gutes End.

 

Was unser Gott erschaffen hat, das will er auch erhalten.

Darüber will er früh und spat mit seiner Güte walten.

In seinem ganzen Königreich ist  alles recht, ist alles gleich.

Gebt unserm Gott die Ehre!         

 

Lobe der Herren, meine Seele,

und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!

 

Ich selber  kann und mag nicht ruhn,

des großen Gottes großes Tun

erweckt mir alle Sinne.

Ich singe mit, wenn alles singt,

und lasse, was dem Höchsten klingt

aus meinem Herzen rinnen.

 

Orgel. Allein Gott in der Höh sei Ehr…

 

Dein ist das Leben, dein ist der Tod,

du mußt uns geben das tägliche Brot

Wir danken dir, Vater, für deine Gnad,

bleib Schützer und Rater uns früh und spat.

 

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich

und seine Güte währet ewiglich.

 

Alle gute  Gabe, alles was wir haben,

kommt, o Gott, von dir!  Wir danken dir dafür!  

 

 

Herr hab Dank für Speis und Trank,

für alle diese Gaben, die wir von dir empfangen haben.

 

Segne, Vater, diese Speise,

uns zur Kraft und dir zum Preise!

 

Orgel: Amen…

 

Pfarrer:

Gebt doch, ihr Kinder, die nährenden Knollen,

große und kleine in Körben gehäuft!

Unter des Ackers bedeckenden Schollen

Sind uns die Kartoffeln zur  Freude gereift.

 

Der Weizen wächset mit Gewalt,

darüber jauchzet jung und alt

und rühmt die große Güte

des, der so überflüssig labt

und mit so manchem Gut begabt

das menschliche Gemüte.

 

Speis uns, Herr, du treuer Gott,

gib uns unser Stücklein Brot ,

segne uns und deine Gaben,

 die wir vor deiner Güte haben.

 

Er segnet deiner Bäume Frucht

Dein Kind, dein Land, dein Vieh.

Er segnet, was den Segen sucht.

Die Gnade schlummert nie!

 

Herr Gott, du Herrscher aller Welt,

gut Wetter du bescherst.

Du macht mit Früchten reich das Feld,

dadurch du uns ernährst.

 

Du gibst uns Obst, Getreid und Wein

dazu Tier, Fisch und Vögelein,

erhältst uns Leib und Leben!

 

Jedes Tierlein hat sein Essen,

jedes Blümlein trinkt von dir.

Hast auch unser nicht vergessen,

lieber Gott, wir danken dir!            I

 

Die unverdrossne  Bienenschar fliegt hin und her,

sucht hier und da ihr edle Honigspeise.

Des süßen Weinstocks starker Saft

Bringt täglich neue  Stärk und Kraft

in seinem schwachen Reise.      

 

 

Was sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd,

das uns, o Vater, nicht vor dir allein gegeben werd?

 

Er gibet Speise, reichlich und überall, ´

nach Vaters Weise sättigt er allzumal.  

Er schaffet frühn und späte Regen,

füllet uns alle mit seinem Segen.           

 

Er segnet dich in Dorf und Stadt,

in Keller, Kammer, Feld;   

was dir der Herr gesegnet hat,

bleibt fortan wohl bestelltl

 

Er segnet, wenn du kommst und gehst,

er segnet, was du pflanzt. Er weiß auch,

daß du’s nicht verstehst und oft nicht einmal ahnst!

 

Aus deine Händen nehmen wir, was wir zur Nahrung haben.

Und danken, lieber Vater, dir für deine gutenGaben.

Doch niemand lebt vom Brot allein!       

Damit wir nicht verderben, mußt du das Brot des Lebens sein

Zum Leben und zum Sterben.

 

Orgel: Halleluja, Halleluja, Halleluja!

 

 

Die Kinder bringen Erntegaben:

Was uns die Erde dargebracht, hast du, mein lieber Gott gemacht.

Du segnest Feld und Weiden, daß wir nicht Hunger leiden.

Drum bring ich dir zum Erntefest von allen Gaben hier das Best':

das Korn, die goldnen Ähren, dir deinen Ruhm zu mehren!

 

Wär nicht das Korn von Gott gegeben, so hätten wir kein Brot zum Leben.

Dies Brot, das ich hier mitgebracht, das hat der Bäcker mir gemacht;

Der Müller tat sein Teil dazu, doch, der's gegeben, Gott, bist du.

 

Auf jedem Tisch beim  Mittagsmahl       

gibt es Kartoffeln ohne Zahl;       

so bring ich hier mit Huckepack

als Gabe den Kartoffelsack.        

 

Ich bringe Kohl und feines Kraut,

das im Garten wir gebaut;

bring es voller Dankbarkeit,

Gott, dem Herrn, sei es geweiht.

 

Viel Möhren wuchsen dies Jahr wieder,

ich lege sie am Altar nieder,        

und bringe sie von Herzen gern 

als kleinen Dank dem großen Herrn.    

 

Selbst die allerkleinste Rübe kündet uns von Gottes Liebe!

 

Und ich bring saftige Tomaten,

sie sind im Garten gut geraten.

Schaut nur, sie leuchten frisch und rot,

wir essen sie so gern zum Brot.

 

Die große Gurke, schaut euch an,

bring ich, der kleine Gärtnersmann.

Sie wuchs auf unserm Beet im Garten,

ich mußte lange darauf warten;

auch sie ist uns von Gott gegeben,

versüßt, versauert unser Leben!

 

Seht nur, sogar auf unserm Mist

der Kürbis hier gewachsen ist.

Ich holte ihn vom großen Haufen

und kam damit hierher gelaufen.

Er ist fast größer noch als ich,

ich glaub, Gott freut sich sicherlich!

 

Was wir an Gemüse haben,

sei mit allen guten Gaben,

lieber Gott, dir dargebracht,

du hast alles wohl gemacht!

 

Und diese Früchte! Diese Pracht,

die Gott im Garten hat gemacht!

Ich bring sie dar zu seiner Ehr‘:

Wie bist du gütig, lieber Herr!

 

Die letzten Blumen hierzuland,

die ich in unserm Garten fand, 

soll Gott, der Herr, mit allen Gaben        

auf seinem reichen Tische haben.

Herr Gott, hab Dank!  Nimm diesen Strauß

zum Schmuck für dein geweihtes Haus!

 

 

Kirmes: „Dank“

Spielszene:

1.Kind: Gehst du morgen noch einmal mit zur Kirmes?

2.Kind: Ich kann nicht, ich habe kein Geld mehr!

1.Kind: Da mußt du dir etwas einfallen lassen. Irgendwie kommt man doch immer zu Geld. Und wenn du dazu die Leute auf der Straße anbettelst. (1.Kind ab)

 

2.Kind: Was mache ich nur? Es ist so schönes Wetter und doch nur einmal im Jahr Kirmes. ich will mal meine große Schwester fragen.  (Schwester kommt)

2.Kind: Kannst du mir nicht etwas Geld für die Kirmes leihen?

Schwester: Das hast du dir so gedacht. Du hättest dir dein Geld doch einteilen können.

2.Kind: Es kam doch meine Freundin dazu, da sind wir eben immerzu Riesenrad gefahren, bis das Geld alle war.

Schwester: Frag doch noch einmal die Mutter. Vielleicht gibt sie dir noch etwas.

2. Kind: Jetzt habe ich eine Idee. Ich werde nicht bitten, sondern eine Rechnung schreiben. So ist das bei den Großen doch auch: Wenn man etwas getan hat, kann man Geld dafür verlangen. Sie schreibt:

 

Rechnung an meine Mutter:

Kleine Schwester vom Kindergarten holen      1 Euro

Einkaufen und Flaschen fortschaffen              2 Euro

Briefe zur Post schaffen                           1 Euro

Holz holen                                                   2 Euro

macht zusammen               6 Euro

Die Rechnung lege ich meiner Mutter unter den Teller beim Abendbrot, mal sehen, was sie tun wird.

 

Mutter: (liest den Brief, sagt zunächst nichts, legt dann zwei Briefe unter die Tasse der Tochter, die sie am nächsten Morgen findet)

So ist das also: Jetzt werden sogar schon Rechnungen geschrieben. Da will ich nur auch einmal meine Gegenrechnung aufmachen:

Rechnung an meine Tochter:

Für Essen und Trinken                             0,00 Euro

Für Waschen und Bügeln                                   0,00 Euro     

Für Saubermachen                                               0,00 Euro

Fürs Helfen bei den Schularbeiten                    0,00 Euro

Fürs Liebhaben                                          0,00 Euro

macht zusammen               0,00 Euro

 

2.Kind: (findet die Umschläge unter der Tasse)

Oh, mein Trick hat gewirkt! Sogar zwei Briefe. Hier ist ja das Geld drin. Jetzt kann ich doch auf die Kirmes. - Und was ist hier drin? (Liest halblaut) Daran habe ich ja gar nicht gedacht: Die Mutter tut ja auch alles für mich und kriegt kein Geld dafür. Da hat sie wirklich recht. Ich gebe ihr das Geld lieber wieder zurück. (gibt es hin). Das Schönste, was du geschrieben hast, steht am Schluß: „Fürs Liebhaben“.

 

 

Reformationsfest: Der Schlüssel zum Leben

 

Einstieg:

Vor dem Gottesdienst wurden in der Kirche sieben Schlüssel versteckt: Die etwa 30 Zentimeter langen Pappschlüssel hatten waren beiderseitig mit farbigem Velourpapier beklebt. Auf den angebundenen Schlüsselanhängern stand jeweils beiderseitig ein Begriff: Wachsen - gute Zensuren -  Ansehen - Leistung - aktiv bleiben - gute Werke - berühmt sein.

Zwischen Altar und Gemeinde, für alle gut sichtbar, ist ein Tischchen aufgestellt. Darauf steht eine „Schatztruhe“. Davor, vom Tisch herab, hängt ein Plakat. Darauf steht mit großen Buchstaben: „LEBEN“.

In der Truhe lagen ebenfalls sieben Schlüssel.(ohne Anhänger, aber ebenfalls in den verwendeten sieben Farben, auf diesen Schlüsseln waren die Fürbittengebete geheftet.

 

Anspiel:

Ein Sprecher, der Martin Luther darstellt, sagt (auf der linken Seite):

„ Ich bin Martin Luther. Ich wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Bald nach meiner Geburt zog unsere Familie nach Mansfeld um. Hier wollte mein Vater als Bergmann sein Glück versuchen. Meine Eltern waren sehr streng. Oft gab es Schläge!“

Neben ihn stellt sich „das kleine Kind“ und sagt:

Ich bin ein kleines Kind.

Ich will leben.

Ich muß groß werden.

Wenn ich groß bin,

kann ich machen, was ich will.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: „Wachsen! Das ist der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben das kleine Kind stellt sich ein „Schüler“:

Als ich 5 Jahre alt war, kam ich in die Schule. Lesen, Schreiben, Singen und Latein sollte ich lernen. Dann schickte mich mein Vater auf eine bessere Schule nach Magdeburg. Auch hier mußte ich viel pauken und es gab oft Schläge mit der Rute. Das Geld mußte ich mir mit Singen vor den Häusern verdienen. Als ich 15 war, kam ich nach Eisenach in die Schule. Hier hatte ich es besser. Ein eigenes Zimmer. Genug zu essen und freundliche Leute. In Eisenach habe ich sehr gut Latein gelernt.

Ich bin ein Schüler.

Ich will leben.

Ich muß viel lernen.

Wenn ich fleißig bin, habe ich einen guten Durchschnitt.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: „Gute Zensuren sind der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben den „Schüler" stellt sich ein Student:

 Schon mit 17 Jahren konnte ich in Erfurt ein Studium beginnen. Mein Vater wollte, daß ich vorwärts komme. Ich habe eine sehr gute Prüfung gemacht und schon nach zwei Jahren durfte ich selbst unterrichten. Mein Vater redete mich jetzt mit „Sie“ an. Er war sehr stolz auf mich.

Ich bin ein Student. Ich will leben. Ich muß einen guten Abschluß haben, damit ich es zu etwas bringe.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: Ansehen ist der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben den „Studenten“ stellt sich ein Arbeiter:

Mein Vater hatte sich emporgearbeitet. Aus dem armen Bergmann war ein angesehener Grubenbesitzer geworden. Er konnte sich jetzt mehr leisten als mancher andere. Er wollte, daß ich es einmal besser habe.

Ich bin ein Arbeiter. Ich will leben. Ich leiste etwas, denn ich will mir etwas leisten.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“  und: „Leistung. Das ist der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben den „Arbeiter“ stellt sich ein Rentner :

Ich hatte alle Aussichten, ein reicher, angesehener Rechtsanwalt zu werden. Man muß nur immer dran bleiben. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, sagte mein Vater. Hoffentlich lebst Du lange, kriegst eine reiche Frau und bleibst gesund.

Ich bin ein Rentner. Ich will leben. Ich muß fit bleiben. Wenn ich aktiv bin, kann ich länger mithalten.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: „Aktiv bleiben ist der Schlüssel zum Leben!“

 

 Neben den „Rentner“ stellt sich ein Christ:

Vater war mit mir zufrieden. Aber mich quälte die Frage: Ist Gott mit mir zufrieden? Was kann ich tun, damit ich Gott gefalle? Am 17. Juni 1505 trat ich in ein Kloster ein. Von der Welt weg, wollte ich nur noch für Gott dasein.

Ich bin ein Christ. Ich will leben. Ich muß Gutes tun, damit ich Gott gefalle.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: Gute Werke sind der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben den „Christen“ stellt sich ein weiterer Sprecher:

Sie wissen, vieles ist anders gekommen. Ich bin nicht im Kloster geblieben. Durch mich hat sich in der Welt viel verändert. Ich bin der große Reformator. Viele Kirchen tragen meinen Namen.

Martin Luther. Nach über 500 Jahren reden noch viele von ihm. Er hat einen Namen.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“  und: „Berühmt sein. Das ist der Schlüssel zum Leben!“

Alle: Aber wo ist der Schlüssel? Helft uns suchen!

Die Sprecher gehen auf die Gemeinde zu und fordern auf, die Schlüssel zu suchen und ihnen dann zu geben. Wenn alle endlich ihren Schlüssel haben, gehen die Sprecher gemeinsam vor zur Truhe und bilden eine Traube. Dann gehen sie einzeln auf ihre Plätze in der Gemeinde und sagen beim Weggehen:

„Mein Schlüssel paßt nicht!“ oder: „Meiner schließt nicht ...!“

 

Meditationsimpulse zu einer Predigt:

Haben Sie Ihren Schlüssel wiedererkannt? Es kann auch sein, Ihr Schlüssel war gar nicht dabei. Aber ich hin sicher, daß jeder von uns seinen Schlüssel hat ... Auch die Schlüssel, die wir hier gesucht haben, sind im Leben wichtig. Aber es haben sich im Laufe der Zeit Gerüchte an die Schlüssel gehängt. Man sagt, es sind die Schlüssel zum Leben. Irgend etwas Wahres ist schon dran. Aber es ist gefährlich - lebensgefährlich, wenn Halbwahrheiten zum Richtmaß werden. Die Gerüchte von den Schlüsseln zum Leben sind solche Halbwahrheiten.

Wo erleben wir das, daß uns solche Gerüchte in die Ohren geflüstert werden? Luther hörte das Gerücht vom Ablaß als dem Schlüssel zum Leben. Aber Luther war einer, der sich nicht mit Gerüchten zufrieden geben wollte. Er hatte Angst. Er hat gefragt: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Welchen Schlüssel ;muß ich bringen, um wirklich froh zu werden? ... um geliebt zu sein?

Und die Antwort? Gott schenkt das Leben. Die Truhe (der Prediger geht zur Truhe und öffnet sie) ist schon offen. Diese Botschaft hat Paulus in biblische Worte gefaßt (Epistel Röm. 1,16-17). ). Die Theologen haben diese Botschaft in Dogmen sichergestellt. Wir können das auch ganz einfach singen. So einfach, daß es fast zu simpel klingt.

 

Fürbittengebet:

Die Sprecher des Anspieles gehen zu der Truhe und holen sich jeder einen Schlüssel heraus. Darauf sind folgende Gebetstexte befestigt:

I. Herr, wir bitten Dich für die Kinder. Schenke ihnen, daß sie sich als Kinder wohlfühlen können. Laß Menschen um sie sein, die sie als Kinder ernst nehmen, achten und lieben, damit sie erfahren, daß sie nicht erst erwachsen werden müssen, um ganze Menschen zu sein.

2. Wir bitten Dich für die Schüler. Schenke ihnen Lehrer, denen sie vertrauen können. Laß sie die Freude am Lernen nicht verlieren. Gib ihnen Menschen zur Seite, die nicht zuerst nach ihren Zensuren fragen. Schenke den Eltern die Kraft, Begleiter ihrer Kinder zu sein.

3. Wir bitten Dich für die Studenten. Daß es für sie Menschen gibt, bei denen sie Zuflucht finden können. Hilf, daß sie nicht alle guten Ideale aufgeben, wenn sie Entscheidungen treffen müssen. Bewahre sie davor, Zugeständnisse zu machen, bei denen sie sich selber verlieren.

4. Wir bitten Dich für die Arbeiter. Daß sie Kraft haben für die täglichen Anforderungen. Gib ihnen Kollegen, mit denen es Freude macht zu arbeiten und die sich nicht jede Gefälligkeit bezahlen lassen.

5. Wir bitten Dich für die Rentner. Du weißt, wie schwer es oft ist, Arbeit abzugeben. Zeige Möglichkeiten, mit freigewordener Zeit zu leben, Hilf ihnen, nachlassende Kräfte zu akzeptieren. Schenke uns allen, daß wir lernen, den Wert des Menschen nicht an seinem Können zu messen.

6. Wir bitten Dich für alle Christen. Daß wir Wege finden, Spaltungen zu überwinden. Schenke, daß wir nicht den Mut verlieren, Gutes zu tun. Laß uns immer wieder erfahren, daß du uns liebst, wie wir sind.

7. Herr, wir alle brauchen den Frieden - den äußeren und den inneren. Frieden fließt uns aus Deiner Liebe. Mach uns offen für Deine Liebe. Laß sie uns so bedingungslos weitergeben, wie wir sie von Dir empfangen, damit der Frieden eine Chance hat.

Vater unser......  (Nach einem Vorschlag der Andreasgemeinde in Leipzig).

 

 

Martinstag

Spiel:

Einst saß an einem Wintertag

ein Mönch ein Pult, und vor ihm lag

ein Blatt von feinstem Pergament

wie man es heute selten fänd.

Er schreibt, er spitzt die Feder an,

schaut mal zum Fenster, dann und wann

summt er ein Lied, und .schon beizeiten

hört hungrig er aufs Mittagsläuten.

So schreibt er fleißig und behende

mit seiner Federn folgende Legende.

 

Vor Jahr  und Tag und viele Jahre mehr

da zog durchs Fankenreich ein großes Heer. 

Das kam vom Kaiser Julius aus Rom.

Der wollte zu seinem  goldenen Thron

und seinem Lande noch ein Königreich,

im Norden lag es. Er rief sogleich

die Ritter aus dem ganzen Land

und sagte zu            ihnen: „Es ist bekannt,

daß Beutestücke euch erfreuen.

zieht los, der Sieg wird unser sein!“

 

Da wurden seine Ritter munter.

Im Feldzug ist das Leben bunter

als auf der kalten Burg daheim,

er braucht ja nicht so lang zu sein.

So geht es los in schnellem Schritt.

Des Kaisers Fahne nimmt man mit,

ihn selber lassen sie zu Haus,

sonst wird am End nichts Rechtes draus.

 

Die Sonne scheint, die Helme blitzen,

die Ritter. hoch zu Pferde sitzen.

Vorn schmettert fröhlich die Trompete

voran, daß niemand sich verspäte.

„Dem Kaiser Vivat Gloria!“

Noch vor dem Winter sind wir wieder da,

wir ziehn nachNorden, bis ans Meer,

macht Platz für Kaiser Julius‘ Heer.

 

Die Ritter ziehn zum Kriege wie zum Spiel,

in Wirklichkeit ist Raub und Mord ihr Ziel.

Noch liegt das fremde Land in Frieden,

doch welches Leid ist ihm beschieden!

 

 

Schnell zieht das Heer, die Grenze ist jetzt nah,

in wenig Tagen sind sie da.

Von der andern Seite hat der Wächter  es erspäht,

Er meldet es dem König: „Kommt und seht,

ein Heer so groß, wie ich es  nicht beschreiben kann

zieht da von Süden her heran!“

 

Da packt die Angst das kleine Königreich.

Die Männer sammeln sich sogleich,

und ziehen hinaus, dem Feind entgegen,

doch ist das geradezu verwegen:

Der Feind ist stark, sie sind nur wenig,

der Kampf beginnt, am Abend fällt  der König.

 

Die Menschen schließen Tür und Tor

und schieben feste Riegel vor.

Doch geht es hier wie überall,

die Ritter kommen, öffnen Haus und Stall

und nehmen Geld und Korn und Vieh.

So schlecht  erging's dem Lande nie.

 

Bald werden dort die Kinder nicht mehr satt,

viele sind  schon krank und matt.

Die Bauern sind in großen Nöten,

die Wintersaat ist  ganz zertreten.

Und wenn sich jemand auch beschwert,

wird er gewiß nicht angehört.

 

Die Ritter leiden keine Not.

Sie haben Wein und Fleisch und Brot,

und leben wirklich königlich

und sind vor Hochmut lächerlich.

Die Nase voller Stolz erhoben,

 die Ritterrüstung zwar verbogen,

 ist ihre Burg zu Hause auch sehr klein

hier ziehen sie als große Herren ein.

 

So leben sie. Nur einer ist dabei

dem ist die Not ringsum nicht einerlei.

Hört, was er tat; und was geschehen,

könnt ihr noch heut auf manchen Bildern sehen.

Längst war es  tiefe Winterzeit

und weiß die Erde weit und breit.

Der Wind, er pfeift und treibt daher

Schneewolken, dunkelgrau und schwer.

 

Der Ritter Martin, ein junger Mann

hat einen warmen Mantel an.

Er reitet zur Stadt, vergnügt und geschwind,

er lacht und ruft : „He, alter Wind,

blase du nur immerzu,

ich bin beinah so schnell wie du!“

 

Er kommt ans Tor und reitet ein.

Da sieht er im Laternenschein,

dort, wo der Wind um alle Ecken weht,

daß da ein armer Mann, ein Bettler steht.

Der Mann hat keinen Mantel an,

blaß ist er, so als wär er krank

 

Dem Ritter; der das Elend täglich sah,

dem ging die Not noch nie so nah.

So springt er jetzt von seinem Pferd,

wirft seinen Mantel ab, und mit dem Schwert

teilt er den schweren Stoff, so gut er kann.

 

Dann geht er schnell zu jenem armen Mann

und legt ihm eine Mantelhälfte um

groß war der Mantel, groß und rund,

und  Ritter Martin sieht zu seiner Freude,

 der Mantel reicht für alle beide.

 

Dies alles war geschwind geschehn,

doch die römischen Wachen haben’s gesehn.

Sie melden dem Hauptmann, der kommt zum Tor,

daß ein Ritter aus Rom seinen Stolz verlor.

Denn einem Ritter muß es doch zur Schand gereichen,

mit solchem  Mantelstück dem Feind zu gleichen!

 

„Seid ihr denn blind; seht ihr die Not denn nicht?“

ruft Martin. Da hören alle, wie der Bettler spricht:

„Habt Dank? Der Herr, er mög euch geben

ein glückliches und langes Leben!“

 „Was ist das für ein Herr?“ fragt Martin gleich.

Da schaut der Bettler auf: „In seinem Königreich

werd es nur Freunde, keine Feinde geben,

und wie ein Fest ist dort das Leben!“

 

„Genug!“ fällt ihm der Hauptmann da ins Wort.

„Geh du nach Haus, ihr Wächter geht auch fort

an euren Platz. Ihr, Ritter, meldet euch bei mir,

kommt morgen früh in mein Quartier.

 

Der Hauptmann geht, und Martin läuft vom Tor hinab

die schmale Straße in die Stadt.

Weit vor ihm biegt der Bettler jetzt in eine Gasse ein

Hier sind die Häuser schmal und klein

 

Still ist es hier, niemand ist mehr wach,

nur Martin eilt dem Bettler nach,

klopft an die Tür und geht hinein,

sieht dort den Mann im Kerzenschein

und sagt: „Verzeiht, ich folgte Euch und bitt Euch sehr,

sagt mir von jenem Königreich noch mehr!“

 

Der Bettler blickt ihn freundlich an:

„Kommt nur herein, hier ist es warm.

Die Kinder schlafen, ganz zufrieden sehn sie aus,

denn über ihnen breitet sich des Ritters Mantel aus.

 

Der Bettler hält ein Licht heran,

und  leise fängt er zu erzählen an:

„Jesus, ein Mann aus einem Land am Mittelmeer,

besaß kein Königreich, doch führte er

die Menschen wie ein König, und sie  folgen ihm.

Er führte sie zu Gott, gab ihrem Leben neuen Sinn:

„Liebt euren Feind und geht den Armen

Habt mir Verstoßenen Erbarmen.

Der Frieden ist darin verborgen,

daß Menschen füreinander sorgen!“

Der Ritter hört und fragt  Er wird des Bettlers Freund

und war am selben Tage  noch sein Feind.

 

Am nächsten Morgen gegen neun

stellt er sich dann beim Hauptmann ein.

Hier hört er, was er lange weiß,

Feind bliebe Feind, dies sei mit Fleiß

stets zu befolgen und des Ritters Pflicht,

denn dem Besiegten gilt das Mitleid nicht.

 

Doch Martin wagt zu widersprechen:

„Wird sich nicht eines Tages rächen,

was wir hier tun, seht Euch im Lande um

gereicht und solche Not zum Ruhm?“

 

Der Hauptmann schweigt, besinnt sich gut

und sagt zu Martin: „Du hast Mut,

hier so zu reden. Doch du hast auch recht

den Leuten geht es wirklich schlecht.

Gut, daß du nicht geschwiegen hast.

Du wirst von heute  an die Last

des Lebens hier ein wenig lindern,

und niemand soll dich daran hindern!“

 

Und so geschah es.  Neue Saat  wird ausgegeben,

der Handel darf sich wiederum beleben,

und auf den Markt  gibt's jeden Tag

ein warmes Essen, wenn man mag.

Für alle Kinder gibt es feste Schuh

und einen warmen Schal dazu.

 

Auch fängt die Schule wieder an,

zu Kranken kommt der Arzt sodann.

Weil dieser Winter schrecklich kalt.

wird Holz geholt aus einem Wald.

 

Zwar sind die Römer noch im Land

und Not gibt es nicht wenig insgesamt

doch dieses weiß hier jedermann:

Viel Gutes hat der Martin uns getan.

Und weil man gern erzählt zu allen Zeiten,

so konnte sich sein Lob ausbreiten.

 

Doch Ritter Martin will noch einmal neu beginnen,

und ohne lang sich zu besinnen,

beschließt er eines Tages kurzerhand:

„Ich häng die Rüstung an die Wand!“

Der Hauptmann will ihn nicht verlieren.

Doch Martin sagt: „Ich muß studieren,

ich will in aller Ruhe lesen

wie es zu Jesu Zeit gewesen.

Ich werde in ein Kloster gehen

Gott schütze euch, auf Wiedersehen!“

 

Nachdem er einmal so entschieden.,

genießt er nun den Klosterfrieden.

Acht Jahre gehn vorbei; doch ist er nicht vergessen.

Denn in der Stadt stirbt unterdessen

der Bischof, er war alt und krank.

Und alle sagen: „Gott sei Dank,

daß wir den Martin haben, der soll Bischof sein!“

Als man ihn fragt, sagt Martin: „Nein,

ich bin jetzt grad beim Bücherschreiben,

ich möchte gern im Kloster bleiben.“

 

Jedoch ist kein anderer nichtig,

und dieses Amt ist schließlich wichtig.

So schickt man Boten, um vor allen Dingen

Den Bruder Martin in die Stadt zu bringen.

Doch Martin sieht die Boten, ahnt auch ihren Zweck

und sucht sich hastig ein Versteck.

Läuft in den Klosterhof, sucht überall

und zwängt sich schließlich in den Gänsestall.

 

Zwölf Gänse hat das Kloster dieses Jahr.

Jetzt sind sie fett und weiß, fürwahr

zwölf schöne Tiere! Doch ihr Wesen

scheint Martin wirklich nicht erlesen!

Die Gänse laufen lächerlich erregt

Im Stall herum. Und  Martin legt

Beschwichtigend den Finger auf den Mund

zum Schreien sei hier gar kein Grund.

Die Gänse hören aber nicht,

und ihr Geschrei ist fürchterlich.

 

Im Kloster sucht man hin und her,

denn Martins Zelle fand man leer.

Und nirgends ist er, auch im Garten nicht,  

im Hof bekam ihn niemand zu Gesicht,

doch eben da hört man Krawall,

und der kommt geradenwegs vom Gänsestall.

 

Ein Mönch voran, danach die Delegierten,

dann noch drei Mönche, so marschierten

sie nun sofort zum Stallgebäude.

Als sie es öffnen, welche Freude!

Da mittendrin in Gänsedreck und Heu,

- kaum glaubt man, daß er’s wirklich sei -

der Bruder Martin.

Er kommt heraus , so gut es geht.

Und als  er auf der Schwelle steht,

sagt er: „Dies Gänsevolk hat mich verraten.

Laßt uns bei einem Gänsebraten

zusammensitzen und beraten.

Fällt uns dann niemand andres ein

So will ich euer Bischof sein!“

 

Wie es dann kam  - ihr wißt es schon.

Bald saß er auf dem Bischofsthron

sorgt dort von früh bis spät,

daß Gottes Liebe nicht verloren geht.

Sie macht - auch wo es schwierig scheint -

aus einem Feind den besten Freund.

 

Jetzt lehnt sich unser Mönch zurück.

Das letzte Wort, was für ein Glück!

Und keine Fehler, was nun kommt, ist Spaß.

Aufs Fensterbrett stellt er das Tintenfaß

und holt die Farben und das Malgerät.

Das Licht ist gut, es ist noch nicht zu spät,

ja, grad im Abendsonnenschein,

da setzt der Mönch ein Bild hinein

ins große „M“, und dort, auf goldnem Glanz,

steht neben einem Bischof eine weiße Gans.

[Die Reime sind etwas sehr holprig. Aber den einen oder anderen Abschnitt kann man wohl doch verwenden].

 

 

Martinstag: Das Haus

 

Einleitung:

Gottesdienst  zu Luthers Geburtstag - da denkt man an den großen Reformator unserer Kirche. Martinstag, da denkt man an den Bischof Martin von Tours, der als Soldat seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Viele denken aber auch an die Laternen. So ist dieser Gottesdienst mit Umzug auch zu einem „Laternenfest“ geworden.

Wir wollen deshalb erst einmal alle unsere Laternen schwenken.

Die Laternen machen hell, die Laterne machen froh. Licht und Freude - das gehört zusammen. Jeder von euch möchte am liebsten dort leben, wo es immer hell, froh und friedlich ist.

Aber es gibt auch viele Dunkelheiten in der Welt:

wo Menschen einsam und verlassen sind,

wo sie mit ihren Schwierigkeiten nicht fertig werden,

wo Zank und Streit herrschen,

wo jemand trostlos weint,

wo Liebe fehlt -

da sind Finsternis und Traurigkeit.

 

Können wir das nicht ändern? Martin von Tours und Martin Luther haben es versucht: Sie haben durch ihre helfende Tat und ihr gutes Wort das Licht gebracht, wo sie Finsternis fanden. Sie taten das, weil sie die Menschen liebten und ihr Leben hell und froh machen wollten.

Aber sie hatten noch einen anderen Grund, so zu handeln: Sie hatten  d e n  kennengelernt, der sagte: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt,  wird nicht in Finsternis gehen, sondern er wird das Licht des Lebens haben!“

Das war Jesus, der im Auftrag Gottes in seiner großen Liebe auf jeden Einzelnen von uns wartet. Bischof Martin und Martin Luther folgten ihm und seinem Wort. So wurden sie Licht für andere.

 

Das Haus:

Hier vorne steht ein Haus, wie es in jeder Straße und in jedem Ort  oder gar in einem anderen Land stehen könnte. Die Fenster des Hauses sind dunkel. Die Tür ist geschlossen. Dem Haus und seinen Bewohnern fehlt das Licht, er fehlt die Freude. Zum Glück gibt es Menschen, die wie Martin von Tours und Martin Luther helfen wollen, die Finsternis zu vertreiben. Sie haben erkannt: Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Altes Ehepaar: In unserem Haus wohnen viele Leute. In der ersten Wohnung lebt seit Jahren ein Ehepaar. Die beiden sind alt geworden und können nicht mehr nichtig laufen. Sie können zu niemand mehr gehen. Darum kommt auch keiner zu ihnen. Draußen gehen Menschen vorüber. Sie haben fast vergessen, wer das ist, der hinter  diesem Fenster wohnt. Ein Kind aber denkt: „Ich könnte sie heute einmal besuchen. Dann will ich auch fragen, ob ich für sie einkaufen kann!“ Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Drei Kinder: In der zweiten Wohnung geht es lebhaft zu. Im Zimmer toben drei Kinder und werfen das Spielzeug umher. Die Mutter ist am Verzweifeln. Der Vater hat Spätschicht. Sie hatte sich so viel vorgenommen. Sie schimpft, sie wird ungerecht, schreit die Kinder an. Draußen gehen Menschen vorüber. „Was für eine Familie“, sagen sie, „was für ungezogene Kinder!“

Ein Kind aber denkt: „Ich werde Frau Müller fragen, ob ich mit der kleiner Elke spazierengehen darf. Oder ich nehme Ilona mit zu uns, da kann sie in Ruhe die Schulaufgaben machen!“ Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Streit: Familie Meyer aus der dritten Wohnung und Familie Fischer von nebenan hatten einen Streit. Nun sprechen sie nicht mehr miteinander. Wenn sie sich begegnen, grüßen sie sich nicht einmal. Sie sagen voneinander: „Mit denen wollen wir nichts mehr zu tun haben!“ Draußen gehen Menschen vorüber. Sie denken: „Was geht uns das an?“

Die kleine Barbara Meyer aber denkt: „Früher haben wir einfach miteinander gespielt und gelacht. Das war schön. Ob ich einfach an der Nebentür läute und die anderen zum Spielen abhole? Vielleicht vertragen sich dann auch unsre Eltern wieder. Ja, das

mache ich! Gleich jetzt!“ Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!  (Zwei Fenster beleuchten)

 

Geschiedene Frau:  In einer Wohnung ist es sehr still.  Frau Lehmann ist meist traurig, sie weint oft. Ihr Mann hat sich von ihr getrennt, sie kann sich nicht damit abfinden. Sie schließt die Türe ab, sie will niemanden sehen. Ihr kleiner Sohn Michael drückt traurig die Nase gegen die Fensterscheiben: Er hat in der neuen Wohnung

noch keinen Spielkameraden gefunden. Wie gerne würde er mit anderen Kindern spielen! Draußen gehen Menschen vorüber. „Es wird schon seinen Grund haben, daß ihr Mann sie verlassen hat,“, sagen sie und denken nicht weiter darüber nach.

Ein Kind aber denkt: „Die neuen Mieter mag ich eigentlich gar nicht. Die Frau guckt so böse. Was sie bloß hat? Vielleicht sollte ich sie doch freundlich grüßen. Und den kleinen Jungen werde ich morgen mit auf den Spielplatz nehmen!“ Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Sechste  Wohnung: Ich weiß ja nicht, wer in der sechsten Wohnung zu Hause ist.  Vielleicht ist es eine Familie mit einem behinderten  Kind, ein Polizist mit ganz unregelmäßigem Dienst, vielleicht ein junges Paar, das nicht verheiratet ist. Draußen gehen Menschen vorüber. Draußen gehen auch einige von den Menschen vorüber, auf die sie drinnen gewartet haben. Nun wird es erst recht dunkel bei diesen Menschen.

Ein Kind geht zu ihnen. Vielleicht bringt es Blumen oder die Milch, die es besorgt hat.

Vielleicht will es in Zukunft nicht mehr über einen, der anders ist , lachen und Witze machen -  oder auch einfach morgen mit ihnen so gut auskommen wie heute. Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Unbekannter Mieter: Und dann ist da noch  eine Wohnung. Im Haus weiß niemand etwas von den Bewohnern. Man kennt nur den Namen. Der steht nur an der Tür: „Pinkus, zweimal läuten!“ Aber niemand geht hin und niemand läutet. Die Menschen gehen vorüber. Wo niemand Gutes tut, kann auch kein Licht ins Dunkel  kommen. Und so kann auch dieses Fenster nicht hell werden.

 

Wir Menschen können zwar dafür sorgen, daß die Welt schöner und heller wird. Aber alle Dunkelheiten vertreiben - das können wir nicht. Doch schauen wir noch einmal genau hin: Bei dem Haus steht das Kreuz, das Zeichen für Jesus Christus. Wir haben es beleuchtet.  Denn wir erinnern uns, daß Jesus gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt!“ Er allein kann auch die letzten Dunkelheiten vertreiben - bei allen Menschen, in allen Häusern, die es auf der Welt gibt, auch in unserem Haus..Er hat uns eine Welt versprochen, in der sein Licht alle unsere dunklen Fenster erleuchten will.

Dann werden die Alten und die Jungen mit Freude beieinander wohnen. Die Last schwerer Lebensaufgaben werden sie einander tragen helfen. Die in Streit leben, werden sich versöhnen lassen. Und die Tränen derer, die untröstlich leiden, sollen getrocknet werden.

Sie werden seit wie eine große Familie und erkennen: Gott ist unser Vater! Bei ihm sind wir zu Haus in einer Welt des Lichtes und der Freude. Es wird sein wie ein großes Fest, viel schöner als unsere Feier hier.

In der Freude auf dieses Fest, das nie enden wird, und in der Freude des Martinstages wollen wir Gott ein Loblied singen: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!

 

Gebet:

Vater im Himmel, du liebst alle Menschen und willst unser Leben hell und froh machen. Hilf uns, Gutes zu tun, damit Licht zu denen gebracht wird, die im Dunkeln leben: zu den Einsamen und Verlassenen, zu denen, die mit ihren Schwierigkeiten nicht fertig werden, zu denen, die in Zank und Streit leben, zu denen, die trostlos weinen, zu allen, denen die Liebe fehlt.

Ergänze in deiner Güte das, was wir nicht können. Führe uns eines Tages zusammen in einer Welt des Lichtes und der Freude, in der alle erkennen, daß du unser Vater bist! Daß dein Reich komme, darum bitten wir dich gemeinsam: Vaterunser....

 

Segen :

Schaut noch einmal auf das Haus. Viele Fenster sind hell geworden. Wir denken an das Haus, in dem  w i r wohnen. Vielleicht warten dort Menschen auf Licht in ihrer Dunkelheit.

Unsre Laternen erinnern uns: Bringt wie Bischof Martin und Martin Luther Licht, Friede und Freude zu den Menschen! Fangt gleich heute damit an! So feiert ihr nichtig Martinstag und Luthers Geburtstag.

Dazu segne und behüte Euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

Martinstag: Glaube - Liebe - Hoffnung

 

Einleitung:

Wir betrachten das Bild einer Familie: Vater, Mutter und zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen. In der Familie haben sich alle untereinander lieb: Die Eltern haben sich lieb, die Geschwister haben sich untereinander lieb

Und selbst wenn es doch einmal Krach geben sollte, dann versucht man doch mit­einander auszukommen. Das ist möglich, weil man sich einander letztlich doch lieb hat. Liebe ist, wenn Vater und Mutter, Eltern und  Kinder, Bruder und Schwester zusammenhalten.

Doch wirkliche Liebe beschränkt sich nicht nur auf die Familie, sondern gilt allen Menschen. Das hatte der Heilige Martin begriffen, dessen .Geburtstag wir heute feiern. An sich war er ein römischer Soldat, der im kalten Winter auf einen hungrigen und frierenden Bettler traf. Kurz entschlossen teilte er seinen Mantel mit dem Schwert auseinander und gab dem Bettler die eine Hälfte, damit er wenigstens nicht mehr so frieren mußte.

Wir erfahren alle die Liebe anderer Menschen und vor allem auch die Liebe Gottes. Er sorgt für uns und hilft anderen Menschen, uns zu helfen. Wir haben Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung, Familie und Freunde, Kindergarten und Schule, Glück und Freude. Wir machen uns das noch einmal deutlich an den Blumen, die wir schon zum Erntedankfest gesehen haben (Blumen zeigen). Die Blumen erinnern uns an die Sonne, denn ohne Sonne gibt es keine Blumen. Die Sonne ist Zeichen für die Liebe Gottes zu allen Menschen.

Dazu singen wir ein Lied: Gottes Liebe ist wie die Sonne

 

Wenn wir einem anderen ein Paket schenken, wird er sich darüber freuen. Freudig

streckt er schon die Hände dem Geschenk entgegen. Ich habe auch ein Geschenk mitgebracht, und das Geburtstagskind des heutigen Tages (oder der vergangenen Tage) soll es auspacken dürfen (auspacken lassen, in dem Paket eine Tafel Schokolade o.ä.).

Das größte Geschenk aber macht uns Gott, der uns den Glauben gegeben hat . Ihn müssen wir auch erst auspacken, müssen ihn ausprobieren und für unser Leben anwenden. Dann merken wir: Er ist wie ein Felsen, auf dem wir sicher stehen. Der Glaube ist fest und hält etwas aus.

 

Einer, der das auch in seinem Leben erfahren hat, war Martin Luther. Am 10. November 1483 wurde er in Eisleben geboren. In Erfurt wunde er zum Pfarrer ausgebildet und in Wittenberg war er Professor für die Auslegung der Bibel. Dabei kam er zu der Erkenntnis, daß Gott uns den Glauben schenken muß, daß seine Liebe uns umgibt wie die Wärme der Sonne und daß wir eine Hoffnung brauchen, die über unser Leben hinausreicht.

Er hat sieh durch Anfeindungen und Drohungen nicht davon abbringen lassen, den wahren Glauben an Gott festzuhalten. Selbst unsre katholischen Mitchristen haben vieles von ihm gelernt und ihre Kirche in seinem Sinne reformiert.

Die drei wichtigsten Gaben Gottes sind: Das Kreuz steht für den Glauben, das Herz für die Liebe und der Anker für die Hoffnung.  Wir hören, was Paulus über diese drei Gaben Gottes sagt:         (1. Kor 13).

 

Der Anker sieht auch manchmal aus wie ein Kreuz. Man könnte sich auch vorstellen, daß da ein Kreuz in einem Boot steht.  Dadurch wird darauf hingewiesen, daß Jesus unsere Hoffnung  Wir sind mit ihm unterwegs wie in einem Schiff. Die Gemeinde ist wie ein Schiff, das sicher über den Wellen durch die Stürme des Lebens fährt, weil Jesus mit dabei ist. Daß wir Jesus für unser Leben brauchen, darauf hat Martin Luther hingewiesen. Dafür wollen wir ihm dankbar sein.   

 

Gebet:           

Herr, unser Gott, wir bitten dich für unsere Kirche, daß sie sicher durch die Stürme des Lebens kommt. Wir danken dir, daß du uns den Glauben geschenkt hast, daß wir jeden Tag neu deine Liebe spüren dürfen und daß wir eine Hoffnung haben, die bis in die Ewigkeit reicht. Laß uns das doch auch alle Tage erfahren, im Kindergarten, in der Schule, in der Familie, bei der Arbeit, auf der Straße. Herr hilf uns, daß  wir so wie der Heilige Martin und wie Martin Luther an dich glauben können und dir allezeit vertrauen.     Vaterunser im Himmel....

 

 

Martinstag: Gedenken an die Pogromnacht

 

Eingangsgebet:

Herr, unser Gott! Wir denken heute an den Jahrestages der Nacht, in der so viel Schreckliches und Grauenvolles an unseren jüdischen Einwohnern geschah. Wir bekennen, daß auch Christen damals viel schwere Schuld auf sich geladen haben. Wir bitten dich, Herr, vergib allen, die damals schuldig geworden sind, und hilf uns allen, daß wir nicht von neuem an unseren jüdischen Brüdern und Schwestern schuldig werden. Laß uns wachsam sein dafür, wo heute unter uns Menschen wieder Opfer von Vorurteilen werden und wo ihre Würde verletzt wird. Schenke uns durch diesen Gottesdienst den Mut und die Kraft, uns zum Fürsprecher aller benachteiligten Menschen zu machen. Amen.

 

Kinderbriefe:

(1) Hallo, liebe Freunde in Deutschland! Ich heiße Judy und wohne Soweto, einem Vorort von Johannesburg in Südafrika. Es gibt zwar offiziell keine Rassentrennung mehr wie zur Zeit der Alleinherrschaft der Weißen. Immer noch dürfen wie so Vieles nicht, weil wir schwarz sind. Die Erwachsenen kriegen immer noch die schlechteren Arbeitsstellen. Wir wohnen in einem eigenen Viertel. Und wir gehen auch in eine andere Kirche als die weißen Christen. Wie denkt ihr darüber? Sind weiße Christen wirklich besser als schwarze Christen? Dürfen bei euch alle Menschen am Gottesdienst teilnehmen oder treffen sich da immer dieselben Menschen?

(2) Liebe Kinder in [Name des Ortes]! Mein Name ist Halina. Mein Vater arbeitet hier bei euch in der Fabrik. Ich möchte so gern eine Freundin haben, um  noch besser die deutsche Sprache zu lernen. Ich möchte sie so gut lernen, daß keiner von den Kindern hier mehr flüstert: „Die da, die kommen aus Polen!“ Und dann laufen sie weg. Lauft ihr auch weg? Oder lacht ihr mich aus‚ wenn ich mit Euch spielen will?

(3) Liebe Freunde! ich sitze im Rollstuhl und heiße Ruth. Meine Krankheit zwingt mich dazu. Ich sehe immer zu, wenn die anderen Kinder herumtollen. Keiner hat dann Zeit für mich. Ich glaube, die denken, daß ich nicht einmal sprechen kann - bloß weil ich im Rollstuhl sitze. ich möchte spielen können wie die anderen Kinder und hätte gern auch viele Freundinnen. Aber jetzt kümmert sich keiner um mich. Schade!

 

Schluß des Gottesdienstes:

Laß}t uns gehen mit der Einsicht, daß wir nicht schweigen dürfen, wo das Leid und Unglück der Juden und anderer Völker vom Vergessen bedroht ist. Laßt uns gehen mit der Absicht, uns einzusetzen gegen Mutlosigkeit, gegen Vorurteile und Überheblichkeit. Laßt uns gehen mit der Aussicht , daß Gott unser Eintreten für Liebe und Gerechtigkeit mit seiner  Verheißung begleitet. Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht zu dir und schenke dir Heil. Friede sei mit euch. Schalom chaverim!

 

Predigt:

Jeden Tag werden Menschen verachtet, weil sie schwarz sind oder gelb. Kinder werden ausgelacht, weil sie rote Haare haben oder nicht so gut im Sport sind. Urteile werden über Menschen gefällt , die wir gar nicht kennen. Mauern werden aufgerichtet zwischen Christen und Christen, zwischen Alten und Jungen, zwischen Lehrern und Schülern. Überall reden wir uns damit heraus , daß m a n eben so etwas sagt oder so etwas tut - man muß es eben.

Vorurteile sind gefährlich und können tödlich sein. Das haben wir schon einmal in Deutschland erlebt. Vor der Naziherrschaft lebten in Deutschland noch viele Juden. In unsrer Gegend wohnten sie vor allem in [………………]. Aber auch durch unseren Ort kamen sie gelegentlich, um mit Vieh oder anderem zu handeln oder um Geld zu verleihen.

Die Juden waren und sind Menschen wie wir. Sie sprechen Deutsch, leben in der Familie zusammen wie wir, gehen in die Schule und an die Arbeit. Aber sie sind die Nachkommen des Volkes Israel, von dem wir in unsrer Bibel im Alten Testament hören. Sie glauben wir an den gleichen Gott. Aber sie glauben nicht an Jesus, sie wollen nicht einsehen, daß er Gottes Sohn ist.

Deshalb haben viele Christen die Juden verachtet. Ja sie haben sogar gesagt: „Die Juden haben dafür gesorgt ,daß Jesus gekreuzigt wurde; sie sind schuld am Tod Jesu. Dafür müssen sie bestraft werden!“ Doch es waren ja nicht „die Juden“, sondern nur einige wenige unter ihnen.

Leider hat auch Martin Luther, an dessen Tauftag wir heute denken‚ viel Schlimmes über die Juden geschrieben. Wir verdanken Martin Luther sehr viel, weil er die Bibel wieder nichtig ausgelegt hat und der Begründer unserer Kirche ist. Aber was die Juden angeht, da ist er voll und ganz den Vorurteilen seiner Zeit gefolgt.

Deshalb hat man sich auch auf Luther berufen, als man nach 1938 massiv gegen die Juden in Deutschland vorging. Schon vorher waren sie aus dem Staatsdienst und auch dem kirchlichen Dienst entlassen worden. Sie durften keine Staatsbürger mehr sein und durften nur noch untereinander heiraten. Im Jahre 1938 wunden alle jüdischen Geschäfte gekennzeichnet und eine „Kennkarte“ für Juden eingeführt. Sie durften bestimmte Bezirke nicht mehr betreten und nicht in Theater, Kinos, Konzerte, Vorträge und Ausstellungen gehen, schließlich auch nicht mehr auf Sportplätze und in Schwimmbäder.

Ab März 1942 wunden dann über 6 Millionen jüdischer Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern umgebracht. Nur wenige haben die Vernichtungslager überlebt. Heute gibt es vergleichsweise nur noch wenige Juden in Deutschland.

Die meisten Menschen bei uns haben zur Verfolgung der Juden geschwiegen. Es war ja auch schwer, etwas dagegen zu unternehmen, denn dann war man am Ende selber dran. Deshalb haben viele stumm zugesehen, als in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die jüdischen Gotteshäuser zerstört oder abgebrannt wurden. Ebenso wurden auch die Geschäfte der Juden zerstört.

In Deutschland wurden 267 jüdische Bethäuser in Brand gesteckt, weitere wunden verwüstet. Auch 7.500 jüdische Geschäfte wunden geplündert, zahllose Wohnungen zerstört und jüdisches Eigentum beschlagnahmt, Friedhöfe wurden geschändet. Über 20.000 jüdische Menschen wurden festgenommen und kamen in Konzentrationslager. Und für die Schäden in dieser Nacht mußten die Juden noch 1 Million Mark aufbringen und an den Staat zahlen.

Am Abend des 10. oder des 11.November 1938 wunde an vielen Orten der Martinstag gefeiert. Zu den Vorgängen der Nacht hat man geschwiegen‚ man hat gefeiert, als sei nichts gewesen. Deshalb wollen wir heute wieder daran erinnern. Wir wollen des Unrechts gedenken und des Leides der in den Tod getriebenen Juden.

 

Und wir wollen bedenken, was wir heute tun müssen, wenn sich Ähnliches zu widerholen droht. Wir sollten jede aufkeimende Feindschaft unterdrücken, die sich gegen  Menschen richtet, die anders sind, anders denken und anders glauben. Vielmehr sollten wir immer das Gemeinsame und Verbindende herausstellen. Wir können nur staunen über Gottes Barmherzigkeit, der nach dunkler Zeit einen Neuanfang ermöglicht hat.  Und wir dürfen Gott bitten, daß wir es besser machen und uns all derer annehmen, die es besonders schwer im Leben haben.

 

Gebet:

[Bei entsprechender Aufforderung wird gemeinsam gesprochen: „Herr, erbarme dich!“]

Herr, es ist in unserem Volk und durch unser Volk geschehen: Die Gotteshäuser der Juden gingen in Flammen auf, Geschäfte wunden zertrümmert, Wohnungen geplündert, Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich!

Herr, es ist in unserem Volk und durch unser Volk geschehen: Christen aller Kirchen sahen zu, Christen schauten beiseite. Viele schämten sich, doch nur die wenigsten taten etwas dagegen. Und die, die handgreiflich Unrecht taten, glaubten oft noch selber daran, sie würden Gott einen Dienst erweisen. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich!

Herr, dieses Unrecht ist bis heute nicht ungeschehen zu machen: Dieses Verbrechen ist zum Zeichen geworden für noch größeres Unheil im Namen unsres Volkes, für den kommenden Krieg mit Millionen Toten, für das Unheil, das wir auch über uns selbst brachten. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich!

Herr, wo keine Entschuldigungen oder gar Ausreden verfangen, da rufen wir zu dir: Von deiner unverdienten Barmherzigkeit erhoffen wir neue Orientierung, neuen Beginn bei uns selbst und mit denen, die durch unser Volk gelitten haben. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich!

Herr Jesus Christus, der du für Räuber und Mörder und auch für schweigende Mehrheiten gestorben bist, gib uns die klare Einsicht, daß nur deine Vergebung die Einzelnen und die Gemeinschaft unseres Volkes in eine bessere Zukunft führen kann.

Zieh uns hinein in deine Heilsgeschichte für Juden und Christen, für Israel und die Völker. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich! Vaterunser ...