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Familiengottesdienste II

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B i b e l s t e l l e n

 

Der Turmbau zu Babel: 1. Mose 11, 1 - 9

 

Spiel:

Die Kinder haben alle einen Bauklotz aus Holz mitgebracht, sicherlich in verschiedener Größe und verschiedener Art. Sie erhalten nun die Aufgabe, mit diesen Bausteinen einen Turm zu bauen. Die Kleinen versuchen es auf den Steinplatten neben dem Altar, die anderen in Mittelgang der Kirche. Sie erhalten keinerlei Anweisung, wie sie vorgehen sollen. Es wird ihre Aufgabe sein, sich selber zu einigen.

Hoffentlich kommt dabei heraus, daß ihr Werk nicht gelingt. Oder der Turm wird so hoch, daß er schließlich einfällt. Vielleicht kann man auch einige Kinder vorher instruieren, daß sie absichtlich Streit stiften. Auf dem Höhepunkt werden den Kindern dann die Klötze weggenommen mit den Worten: „Wenn ihr euch nicht einigen könnt, dann gar nicht!

 

Wenn man etwas gemeinsam schaffen will, muß man sich einig sein. Sonst wird es nichts und es bleibt nur eine halbfertige Sache liegen. Das gilt nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen.  Auch sie können sich nicht einigen und deshalb gibt es Streit in der Welt, gibt es Haß und Krieg.

In der Bibel heißt es: „Der Streit kommt daher, daß die Menschen nicht mehr auf Gott hören. Wenn wir Gott beiseite schieben wollen, wird es nur immer schlimmer auf der Erde zugehen. Wenn die Menschen nicht mehr auf Gott vertrauen, dann beginnen sie auch einander zu mißtrauen, dann körnen sie sich nicht verstehen.

Gott muß dann die Menschen manchmal strafen, um sie wieder auf der nichtigen Weg zurückzuführen. So machen es ja auch die Eltern, wenn die Kinder sich nicht einigen können: Wenn die Kinder sich streiten, räumen sie des Spielzeug weg, damit endlich Ruhe ist.

Gott hat nichts dagegen, wenn wir heute Türme bauen oder Denkmäler errichten oder Raketen zum Mond schicken. Nur sind diese Dinge nicht dazu da, um den Namen der Menschen groß zu machen. Wir sollten nie vergessen, daß Gott uns erst die Kräfte gibt, solche Leistungen zu vollbringen, und daß er immer der Größte bleibt.

Wie diese Erkenntnis in der Bibel ausgedrückt ist, wollen wir nun in einer Geschichte aus dem Mosebuch, Kapitel 11, hören.

 

Erzählung:

Vor alten Zeiten lebten die Menschen zusammen wie ein einziger großer

Nomadenstamm. Sie lebten in Zelten, zogen umher von Weideplatz zu Weideplatz und hatten die gleiche Sprache.  Aber eines Tages brechen sie ihre Zelte im Gebirge

Des Ostens ab und ziehen nach Westen. Dort finden sie eine große, fruchtbare Ebene -  das Land Sinear im heutigen Irak. Weil es so ein fruchtbares Land ist, wollen sie dort auch wohnen bleiben. Sie wollen sich feste Häuser bauen.

Aber in der Ebene gibt es keine Steine. Da sagen sie: „Laßt uns Ziegel streichen aus Lehm und sie an der Sonne trocknen!“ Doch einer hat noch eine bessere Idee: Wenn wir die Lehmsteine im Brennofen erhitzen, werden sie noch fester und wir können noch bessere Häuser bauen!“ Ein anderer entdeckt an einer Stelle im Boden das „Erdharz“', eine Art Teer, mit dem man gut die Steine miteinander verbinden kann.

Die Leute sind stolz auf ihre Erfindung. Sie sagen: „Wir schaffen alles, wenn wir nur zusammenhalten. Keine Macht der Welt ist stärker als wir. Wir werden uns eine große Stadt bauen. Von der aus regieren wir die Welt. Noch in den fernsten Zeiten wird man von uns reden. Nun sind wir so groß wie Gott!“

Aber schließlich genügt ihnen die Stadt allein noch nicht. Sie soll einen Mittelpunkt haben, der alles andere überbietet. Sie sagen: „Auf, wir wollen einen Turm bauen mitten in der Stadt, der bis an den Himmel reicht. Damit wollen wir uns einen Namen machen in der ganzen Welt, damit man überall von uns erzählt!“

Nach der Meinung dieser Menschen besteht die Welt aus drei Stockwerken: Unten ist die Totenwelt, in der Mitte wohnen die Menschen und oben ist der Wohnort Gottes. Nun wollen sie die Grenze ihrer Welt nach oben hin durchstoßen und in den Bereich Gottes hineinkommen. Viele tausend Arbeiter sind nötig, um einen solchen Turm zu errichten. Sein unterstes Stockwerk ist 90 Meter lang und 90 Meter breit

und er soll euch 90 Meter hoch werden, noch höher als die meisten Kirchtürme bei uns.

Ein nichtiger Berg entsteht. Und obendrauf steht ein Tempel für ihren Stadtgott. Der soll jetzt bei ihnen sein. Aber Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde, haben sie vergessen.

Sie bilden sich sogar ein, jetzt hätten sie eine Verbindung zu ihrem selbstgemachten Gott hergestellt: Jetzt haben wir eine Treppe gebaut - denken sie -  auf der unser Gott zu uns herabsteigen kann. .Ja, er  m u ß  es sogar, wenn wir es wollen. Und dann muß er auch tun, was wir wollen.

Aber Gott, der Herr Himmels und der Erde sieht diesem Treibender Menschen

nicht tatenlos zu. Er kommt zu ihnen, um den Turm und die Stadt sich einmal anzusehen. Die Menschen dachten, sie hätten den Turm bis in den Himmel gebaut. Aber in Wirklichkeit ist er so klein, daß Gott erst herabkommen muß, um ihn

überhaupt erkennen zu können. Die Menschen können sich gar nicht zu Gott aufmachen, sondern er muß von sich aus zu ihnen kommen.

Gott will aber die Menschen nicht bestrafen, sondern er will das Gute für sie. Er weiß genau, wie das einmal alles enden wird: Die Menschen werden in ihrem Größenwahn immer neue Dinge in Angriff nehmen. Sie werden ihre Kräfte in immer neuen Bauten verzehren und schließlich zu nichts mehr kommen. Deshalb beschließt Gott: „Ich will ihre Sprache verwirren, damit keiner mehr die Sprache des anderen versteht:!“

Wer nicht mehr miteinander sprechen kann, der kann auch nicht mehr miteinander arbeiten. So bleiben sie auch nicht mehr beisammen, sondern zerstreuen sich in alle Länder. Ihr großer Turm und ihre herrliche Stadt zerfallen und wurden vom Staub der Jahrhunderte begraben. Erst in unserer Zeit hat man die Stadt Babel mit ihrem Turm wieder ausgegraben. Die Leute von Babel haben sich der Tat einen  Namen in der Welt gemacht, aber im schlechten Sinn.

Sie sind ein Beispiel dafür, wohin der Größenwahn die Menschen führt, nämlich zu Streit und Zank und schließlich zum Krieg. Gott aber will, daß die Menschen einig sind und sich verstehen.

 

 

David und Goliath: 1. Sam 17

Erzählung:

Die Philister hatten einen Krieg mit dem Volk Israel angefangen. Saul, der König Israels, sammelte schnell seine Soldaten und zog den Feinden entgegen. Die Philister waren ein großes und mächtiges Volk und glaubten nicht an Gott.  Die Israeliten und ihr König Saul hatten etwas Angst vor ihnen. Aber sie glaubten an Gott.

Zu den Soldaten Sauls gehörten auch die drei ältesten Söhne des Bauern Isai aus Bethlehem. Der jüngste Sohn David war zu Hause geblieben und hütete die Schafe.

Doch heute schickte ihn der Vater los, um den Brüdern etwas zu Essen zu bringen. Und dem Hauptmann nahm er auch ein Geschenk mit : Schnell gibt er den Korb beim Koch ab und läuft zu seinen Brüdern, um ihnen ‚Guten Tag‘ zu sagen  Die ganze Armee ist schon in Aufregung. Auch die Philister greifen zu den Waffen. Plötzlich geht wieder der stärkste Philister auf die Israeliten zu, ganz allein. Es ist der Riese Goliath, mehr als drei Meter groß und schwer bewaffnet.  Alle Israeliten erschrecken und weichen zurück,  auch der König

 

Liedgruppe:

War einst ein Riese Goliath                      /  gar ein gefährlich Mann.

Er hatte Tressen auf dem Hut                  /  mit einem Klunker dran,

und einen Rock von Gelde schwer        /  wer zählt die Dinge alle her?

Er hatte Knochen wie ein Gaul               / und eine freche Stirn,

und ein entsetzlich großes Maul             / doch nur ein kleines Hirn,

gab jedem einen Rippenstoß n               / und flunkerte und prahlte groß.

 

(Der Riese macht zwei entsprechende Gesten: Er zeigt auf seine Ausrüstungsgegen­stände, zeigt seine Beinknochen, fährt sich über die Stirn, reißt das Maul auf, gibt einen Rippenstoß und zeigt seine Muskeln).

 

David:  Wer ist das ? Wag will er?

Saul:   Der kommt jeden Tag so auf uns zu und will einen Zweikampf machen mit dem Stärksten von uns. Und wer gewinnt, dessen Volk soll den ganzen Krieg gewonnen haben und. die anderen sollen ihm dienen.

Goliath: Kommt doch her, ihr Feiglinge! Euer Gott wird euch schon helfen, wenn er nicht selber feige ist!

 

Liedgruppe:

So kam er alle Tage her                             / und sprach Israel Hohn:

Wer ist der Mann, wer wagt's mit mir?    / Sei's Vater oder Sohn!

Er komme her, der Lumpenhund                        / ich box ihn nieder auf den Grund.

 

David (in Wut): Wie darf dieser Gottlose unseren Gott verhöhnen? König Saul, hab keine Angst.  I c h will gegen diesen Philister kämpfen!

Saul : Aber David, du bist doch noch ein kleiner Junge und kannst unmöglich gegen diesen ausgewachsenen Krieger kämpfen!

David: Als ich einmal die Schafe hütete, kam ein Löwe und holte mir ein Schaf weg.

 

Da lief ich hinter ihm her und schlug mit dem Stock auf ihn ein, bis er das Schaf losließ. Und als er dann über m i c h herfiel, habe ich ihn am Bart festgehalten und erschlagen. Diesem Philister da soll es auch nicht besser ergehen! Gott, der mich vor dem Löwen errettete, wird mich auch über diesen Gottlosen siegen lassen!

Saul : Dann geh hin! Gott sei mit dir! Hier hast du wenigstens meinen Helm, meine Rüstung und mein Schwert.

David: Das nützt mir nichts, denn ich bin nicht gewohnt, damit umzugehen.

Ich will nur meinen Hirtenstab, meine Steinschleuder  und diese fünf glatten Steine mitnehmen.

 

Liedgruppe:

Da kam in seinem Schäferrock                   / ein Jüngling zart und fein.

er hatte nichts als seinen Rock,                 / als Schleuder und den Stein.

Und sprach: „Du hast viel Stolz und Wehr / ich komm im Namen Gottes her!

 

 

Goliath. Bin ich denn ein Hund, daß du mit einem Stecken zu mir kommst? Komm nur näher, ich werde dich mit zwei Fingern zerquetschen wie eine Fliege und dein Fleisch den Vögeln und wilden Tieren zu fressen geben.

David:  Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Schild. Ich aber komme im Namen des Gottes, den du verspottet hast. Heute wird dich dieser Gott in meine Hand geben, damit alle Menschen denken, daß Israel einen Gott hat. Dieser Herr hilft nicht

mit Schwert und Spieß der Menschen, sondern er hilft selbst!

 

Liedgruppe:

Und damit schleudert er auf ihn              / und traf die Stirne gar;

da fiel der große Esel hin,                         / so lang und dick er war.

Und David haut in guter Ruh                   / ihm nun den Kopf noch ab dazu.

 

Erzähler: David hatte nicht einmal ein Schwert mitgenommen. Als der Riese betäubt da lag, muß ihm David erst noch das Schwert abnehmen, ehe er ihm den Kopf abschlagen konnte. Nun kriegen die Philister Angst und fliehen vor dieser großen Tat des Gottes Israels.

 

Liedgruppe:

Trau nicht auf deinen Tressenhut          / nicht auf den Klunker dran.

Ein großes Maul es auch nicht tut;         / das lern vom langen Mann!

Und von dem kleinen lerne wohl,           / wie man mit Ehren fechten soll!

(Text des Liedes von Matthias Claudius).

 

Predigt:

Das erlebt man immer wieder einmal, daß so ein Großmaul reinfällt. In jeder Schulklasse gibt es diese Angeber, die vor Kraft nicht laufen können und denen man nur ein Bein zustellen braucht und schon liegen sie da. Auch die Erwachsenen kennen das aus ihrem Leben: In der Firma gibt es immer welche, die noch ein bißchen mehr sein wollen als die anderen, alles besser wissen und die anderen kommandieren wollen. Bis einmal einer kommt und sie durchschaut und sie mit einer geschickten Frage bloßstellt. Oder es gibt diese studierten Leute, die noch keine Erfahrung in der Praxis der Landwirtschaft haben, aber alles anders machen wollen, weil sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben; bis sich dann herausstellt, daß sie nicht einmal eine Kuh melken können oder ein Fahrrad flicken.

Aber schlimmer ist es halt, wenn einer so wie Goliath große Körperkräfte hat, doch nur ein kleines Hirn. Da saß einmal ein Student aus Berlin zusammen mit einem Bayern in einem Eisenbahnabteil. Es ist ziemlich heiß und der junge Mann möchte das Fenster öffnen, um frische Luft zu schnappen. Aber das Fenster klemmt, und er schafft es nicht (Damals konnte man noch die Fenster im Zug öffnen). Da springt der Bayer ihm zu Hilfe: Ruck-zuck ist das Fenster unten. Und der Kraftprotz lächelt dazu, tippt sich an die Stirn und sagt: „Hier hoams, aber hier hoams nicht!“ und zeigt auf seine Muskeln. Na warte, denkt der Student, dich krieg ich schon noch. Nach einer Weile steht er auf und sagt, er wolle auch noch die Luftklappe oben an der Decke aufmachen.

Doch wieder zerrt und zerrt er an dem Hebel und kriegt ihn nicht herunter. Da greift der Bayer wieder ein, reißt den Hebel fast aus der Decke - und die Bremsen quietschen und der Zug steht : Es war die Notbremse gewesen! Und unser Student sagt lächelnd zu dem Bayern, indem er seine Muskeln zeigt: „Hie hoams, aber hier hoams

nicht!“ und tippt an seine Stirn.,

Noch schlimmer aber ist es, wenn so ein Großer und  Starker auch noch Waffen und Rüstung hat. Wir erleben das ja immer wieder, daß so ein Starker einen Schwachen überfällt, ihm den Hals zudrückt und sagt: „So jetzt wollen wir verhandeln!“

 

Heute gibt es ja viel schlimmere Waffen als in der Zeit Goliaths. Wenn da nicht das Gehirn, die Vernunft, mitwächst, kann es ein großes Unglück geben. Die alten Griechen forderten von einem Olympiakämpfer, daß er nicht nur schnell laufen konnte, sondern auch Gedichte vortragen und ein Instrument spielen konnte. Die geistigen Kräfte müssen mit den körperlichen wachsen, sonst entsteht so ein Tolpatsch wie der Goliath, der so dumm und unbeweglich ist, daß er nicht einmal dem heranfliegenden Stein ausweichen kann. Wer sich nur auf seine Kraft und seine Macht verläßt, wer nur ein großes Maul und große Waffen mitbringt, der fällt irgendwann einmal herein. Dann stellt es sich heraus, daß das alles gar nichts war.

Sehen wir uns aber nun einmal den David an. Der geht nicht dem Goliath entgegen, weil er sich gern einmal mit jemand schlagen möchte. Rauflustig ist dieser David nicht. Aber er ist empört darüber, daß man seinen Gott beleidigt hat. Hier m u ß man doch eingreifen, um Gottes Ehre wiederherzustellen. Wer nicht gegen diesen Spott vorgeht, glaubt nicht an Gott. Hier muß etwas geschehen, und wenn auch mit den untauglichsten Mitteln.

Natürlich würde jeder sagen: „Dazu brauchst du aber eine Rüstung: Ehe du in den Kampf gehst, mußt du erst gerüstet sein!“ Das weiß David auch. Aber er versteht unter der Rüstung nicht die von Menschenhänden gemachten Waffen, sondern er sagt: „Ich komm im Namen Gottes her!“ Nur weil er auf Gott vertraut, hat er keine Angst.

Sehen wir uns nun den König Saul an. Dem rutscht das Herz gleich in die Hose, wenn er den Riesen nur sieht. Eigentlich müßte er ihm ja entgegentreten, als der stärkste Mann in Israel und dazu noch König. Aber Saul rechnet. Er überschlägt die Chancen eines möglichen Sieges und kommt zu dem Ergebnis: „Der andere ist stärker, es hat keinen Zweck!“

Saul ist ein Vernunftmensch, er handelt nach dem gesunden Menschenverstand. Und da muß er sich sagen: „Ich habe nicht genug Kraft!“ Und dann hat er in der Tat keine Kraft mehr, weil er vor Angst gelähmt ist.

Und doch können wir gerade diesen Saul verstehen, er verkörpert unsere eigene Glaubenshaltung. Wir sind keine Gotteslästerer wie Goliath, aber wir haben auch nicht solches Gottvertrauen wie David. Wir sind vorsichtig und denken: „Abwarten, vielleicht findet sich noch eine Lösung, die nicht so kostspielig ist!“ Unser Herz erzittert genauso wie das des Saul, wenn wir unsere Feinde nur sehen.

Heute kommen sie allerdings nicht mehr mit dem blanken Schwert, sie haben da feinere Methoden. Aber wir möchten ihnen weder im Dunkeln noch im Hellen begegnen. Wer hätte denn nicht irgendwelche persönlichen Feinde oder Menschen, die er fürchten müßte? Wie sollen wir ihnen begegnen?

 

Aus der Geschichte von David und Goliath können wir da manches lernen. Der Riese Goliath zeigt uns:  Wer nur auf seine eigene Kraft vertraut und sonst wenig auf dem Kasten hat, der findet schon einmal seinen Meister. Und wer dazu noch Gott verspottet und sein Volk verhöhnt, der wird von Gott gerichtet.

Der König Saul zeigt uns: Wenn man nur mit dem Verstand urteilt, wird man nur Angst haben können. Und wenn man dieser Angst mit menschlichen Mitteln begegnen will, wird es nur schlimmer damit und man ist wie gelähmt. Damit hat aber der andere sein Ziel erreicht.

Und schließlich David:  Ist er nicht leichtsinnig? Wie kann er sich so unnötig in Gefahr begeben, wo er es doch gar nicht nötig hat?! Doch selbst Saul muß erkennen, daß in David ein Größerer wirkt. David ist gar nicht schwach und ohne Vernunft. Er handelt in der Kraft Gottes und folgt einer Vernunft, die höher ist als alle menschliche Vernunft.

Doch er geht nicht aus selbstsüchtigen Gründen in den Kampf, etwa um Ruhm zu erlangen oder seine Kraft zu erproben. David streitet allein für die Ehre Gottes! Und das sollten wir uns merken, wenn uns in unserem Leben wieder einmal so eine furchteinflößende Gestalt gegenübertritt:  Wenn wir etwas angestellt haben und der andere uns bestrafen will, dann hat er recht. Wenn er ein Amt hat und darin Be­fehls­gewalt ausübt, dann darf er über uns bestimmen. Aber wenn er unseren Glauben verspottet, dann sind wir zum Widerstand bis aufs Messer herausgefordert. Und dann hilft uns Gott auch, ja im Grunde streitet er a l l e i n für uns.

Wenn wir aber etwas Persönliches mit einem anderen abzumachen haben, dann brauchen wir dabei gar nicht auf die Hilfe Gottes zu hoffen. Man kann bei rein menschlichen Absichten nicht Gott vor die Lücke schieben. Die Kirche setzt sich nur für die ein, die in ihrem Glauben angegriffen sind. Und sie hat sich zum Beispiel  auch für die eingesetzt, die aus Glaubensgründen den Wehrdienst mit der Waffe in der Hand ablehnen, um wenigsten für i h r e Person ernst zu machen mit dem Gebot Gottes: „Du sollst nicht töten, liebet eure Feinde!“  Aber die Kirche kann keinen schützen, der sich nur vor etwas drücken will.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr man sich hüten muß, Menschliches und Göttliches zu vermengen. Für David war genau der Zeitpunkt zu einem Glaubensbekenntnis. Und da durfte er sich auch auf die Hilfe Gottes verlassen. Als es vorbei war,

sah man, daß er damit recht getan hatte. Aber er hat auch schon von vornherein auf Gott vertraut. So sollen und dürfen auch wir zuversichtlich in den Kampf gehen, wenn wir in unserem Glauben angegriffen werden. Gott hat noch allemal gesiegt!

 

Gebet:

Lieber himmlischer Vater, wir bitten dich heute besonders für diese Kinder, ihre Eltern und Geschwister und für ihre Lehrer. Gib, daß Geist und Herz ausgebildet werden, daß sie allen Anforderungen genügen können. Gib ihnen Erzieher, die mit ihnen umzugehen wissen. Laß sie recht unterwiesen werden im Glauben, damit sie nicht nur ein nützliches Glied der Gesellschaft werden, sondern auch ein lebendiges Glied deiner Gemeinde. Vergib uns, was wir an ihnen versäumen.

 

 

Geborgen bei Gott: Jes 43,1-3a und 4a

 

Einstieg:

Die Melodie des Liedes „By the rivers of Babylon“ wird eingespielt. Dann geht es weiter mit der Erläuterung: Nach Babylon war das Volk der Juden in die Gefangenschaft weggeführt worden. Sie saßen zwar nicht gerade hinter Gittern, sie konnten sich Häuser bauen und normal arbeiten. Aber sie durften nicht wieder zurück in die Heimat. Wir wollen einmal einen Augenblick auf die Klagen der gefangenen Juden hören, wie sie auch in dem Lied von „Boney M“ aus unserer Zeit zum Ausdruck kommen:

 

Sprechmotette:

(1) Es hat keinen Zweck mehr, noch länger an den Gott unserer Väter zu glauben!

(2) Warum hat er zugelassen, daß unser Volk besiegt wurde?

(3) Warum sind wir aus der Heimat vertrieben worden?

(4) Warum hat es gerade uns getroffen?

Alle):  Gott hat uns vergessen!

(1) Wer weiß, ob es überhaupt einen Gott gibt!

(2) Früher hat es vielleicht einmal einen gegeben, aber heute?

(3) Der Glaube ist etwas für Kinder, aber nicht für uns!

(4) Und wenn es Gott gibt, warum hilft er nicht?

(Alle):  Gott hat uns vergessen!

(1) Gott hat keine Kraft, uns hier zu befreien!

(2) In Jerusalem mag er ja noch wohnen, aber nicht bei uns!

(3) Hier herrschen andere Götter, die Götter der Babylonier!

(4) Warum sind wir nur in dieses fremde Land gekommen?

(Alle):  Gott hat uns vergessen!

 

Solche Gedanken kommen auch uns gelegentlich. Wir wollen einmal hören, wie das so in den verschiedenen Altersstufen aussieht:

Kindergartenkind: Ich habe immer dafür gebetet, daß ich zu Weihnachten ein Paar Langlaufskier kriege. Aber dann war es doch nur ein Anzug für die Schule, wenn ich da mal hingehe.

Schulkind: Die anderer wollen immer nicht mit mir spielen. Sie necken mich und lachen immer über mich. Auch andere Kinder aus dem Religionsunterricht machen da mit. Gott hat mir da noch nicht geholfen!

Jugendlicher: Ich interessiere mich ganz stark für ein Mädchen. Aber sie beachtet mich gar nicht. Ich bin sogar extra wegen ihr auch in die Kirche gegangen. Aber auch dort hat sie so getan, als sei ich Luft.

Mutter: Mein Kind ist plötzlich blind geworden und mußte in ein Heim. Anderen geht es gut, denen gelingt immer alles. Weshalb hat es gerade uns getroffen?

Arbeiter: Ich komme nicht mehr so recht mit, die Anforderungen sind zu hoch für mich. Aber mit einer anderen Arbeitsstelle hat es auch nicht geklappt. Was soll ich nur machen?

Rentnerin: Zu mir kommt ganz selten einmal jemand zu Besuch. Dabei habe ich doch so viel Zeit. In die Kirche kann ich nicht mehr. Hat Gott mich vergessen?

 

Der Prophet Jesaja tritt auf mit einer großen Kerze in der Hand als Zeichen der Hoffnung, die er zu bringen hat:  Er sagt: „So spricht der Herr: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr dein Gott, der heilige Israels, dein Heiland,  weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe!“

 

Predigt:

Das ist gut gesagt: „Fürchte dich nicht!“ Die Furcht kommt doch so einfachüber einen, da kann man doch gar nichts dagegen machen.  Auch wer immer so überlegen und sicher tut, kennt die Furcht. Nicht nur die Kinder sind furchtsam, sondern oftmals auch die Erwachsenen. Die machen sich Sorgen um ihre Gesundheit oder um das Vorankommen der Kinder. Wenn sie an Krieg und Naturkatastrophen denken, wird ihren beklommen ums Herz. Manchmal ist es nur eine unbestimmte Angst vor einer unbekannten Gefahr, die einem Menschen zu schaffen macht. Und sehr leicht kann man denn auch den Eindruck haben: Gott hat mich verlassen, er hilft mir auch nicht mehr!

Wenn wir uns ganz fest auf Gott verließen, dürfte das ja nicht so sein. Aber leider fürchten wir auch, einmal etwas Unrechtes zu sagen oder unangenehm aufzufallen. Wir sind oft unangenehmen Fragen ausgesetzt, gerade wenn es um Glaubensdinge geht. Manchmal werden wir aufgefordert, zu einem heiklen Problem öffentlich Stellung zu nehmen. Da kann es schon sein, als stünde uns das Wasser bis zum Hals oder wir müßten durchs Feuer gehen. (Bilder für Wasser und Feuer).

„Wasser“ und „Feuer“ können für uns ganz unterschiedlich aussehen. Für die Juden war es die Gefangenschaft in Babylon. Für die ersten Christen war es die Verfolgung ihres Glaubers, die sie auch oft ins Gefängnis brachte (Bild für Gefängnis anheften). Wir denken vielleicht an eine Krankheit eines Verwandten oder Bekannten. Er hat ein unbeschwertes und begehrenswertes Leben geführt ; aber nun ist seine Erfolgskurve plötzlich abgebrochen und er muß leiden und vielleicht sterben. Wir aber können nicht helfen, so wie wir oft auch keine Hilfe erfahren, wenn wir selber krank sind (Bild für Krankheit anheften).

Genauso schlimm ist aber, wenn man alleingelassen wird und von niemandem verstanden wird. Kleine Kinder sind sofort ängstlich, wenn sie einmal für kurze Zeit allein im Zimmer gelassen werden. Und ganz schlimm ist es für viele, wenn sie zum ersten Mal ganz allein im Kindergarten bleiben sollen. Die Mutter redet dann ihrem Kind gut zu: „Fürchte dich doch nicht, ich komme ja bald wieder!“ Aber durchstehen muß das Kind ja doch alles alleine.

Jeder Mensch muß das aber einmal lernen, ohne die Eltern auszukommen. Es geht nicht ohne Belastungen und Gefährdungen in unserem Leben ab.  Wer sich schonen will und allem nur aus dem Weg gehen will, der verpaßt sein Leben. Auch Erwachsene sind oft auf sich allein gestellt und wissen keinen Rat und Ausweg.

Aber die Bibel sagt uns: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Auch wenn die Eltern nicht bei ihrem Kind sind, dann ist es doch nicht allein. Es hat einen himmlischen Vater, der über ihm wacht und der die Hände schützend über alle seine Kinder hält. Das gilt auch für die Großen, die schon erwachsen sind und allein im Leben zurechtkommen müssen: Auch sie dürfen sich behütet wissen von den großen Händen Gottes, sie dürfen sich sicher fühlen unter Gottes Schutz (Hände Gottes anheften).

Gott kann unser Unglück nicht lange ansehen. Er will uns loskaufen, so wie die Verwandten einen auslösen, der wegen Schulden ins Gefängnis gekommen ist. Dann muß allerdings ein anderer die Schuld bezahlen. Jesus Christus hat diesen Preis bezahlt, als er sein Leben für die Menschen gab; er ist unser Heiland und Erlöser. Deswegen brauchen wir keine Angst mehr zu haben, denn er hat alle Mächte besiegt, die uns nach dem Leben trachten. Auch wenn diese Mächte noch nach uns greifen wollen und wir unter ihnen zu leiden haben: Gott spricht so, als seien wir schon aus allem heraus, so sicher ist die Rettung , da kann nichts mehr dazwischen­kommen.

Dieses Wort an das Volk Israel darf jeder Christ auch auf sich beziehen. Durch die Taufe gehört er zu Gott. Da hat Gott ihn beim Namen gerufen und gesagt: „Du bist mein!“ Vielleicht ist ja jemand hier, der diesen Bibelvers als Taufspruch hat. Es könnte ja jeder einmal seinen Taufspruch daraufhin überprüfen, ob in ihm nicht auch etwas von der Hilfe und dem Schutz Gottes zum Ausdruck kommt.

Weil Gott uns mit Namen kennt, ruft er uns auch beim Namen. Er möchte, daß wir seinem Ruf folgen und auch tatsächlich kommen. Wenn Eltern ihr Kind von der Straße hereinrufen, dann rufen sie das Kind beim Namen, damit es genau weiß: „Jetzt bin ich gemeint!“ So ruft Gott uns beim Namen. Wir sind nicht nur eine Nummer,

sondern ein jeweils eigener Mensch, mit dem sich Gott eine ganz spezielle Mühe macht. Er ruft uns mit Namen, damit wir merken: „Jetzt bist du gemeint!“

Niemand kann uns die Taufe und das Versprechen Gottes wieder nehmen. Darauf können wir uns ein Leben lang verlassen. Gott hält seine Hände über uns. Und wenn, wir auch seine Hände nicht direkt spüren können, so sind doch andere Menschen da, die im Auftrag Gottes für uns eintreten und uns so gut beschützen, wie sie können .Aber letztlich ist es doch immer Gott, der unser Leben erhält. Er hat gesagt: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

 

 

Wachsen wie ein Baum: Jer 17, 7 - 8

Betrachtung eines Baumes:

In die Kirche wird ein echter Baum gebracht, etwa mannsgroß, mit ausladenden Ästen, mit den Wurzeln ausgegraben. Wir überlegen, was so ein Baum zum Leben braucht: Luft, Wasser, Nährstoffe. Diese Begriffe sind vorher auf große Blätter geschrieben worden und werden an die Äste gehängt. Der Baum bekommt diese lebenswichtigen Dinge durch die Blätter und vor allem auch die Wurzeln.

Ohne Wasser kann kein Baum leben. Das sehen wir, wenn wir zu Hause vergessen haben, die Blumen zu gießen: Sie werden gelb und trocken. Alle Pflanzen brauchen unsere Fürsorge. Bekommt ein Baum jedoch genug Wasser, kann er viele Früchte tragen: An dem Baum werden Äpfel angebracht (eventuell echte Äpfel).

Jetzt wollen wir überlegen, was ein Mensch zum Leben braucht. Wir nehmen ein (großgewachsenes) Kind und hängen ihm Schilder mit folgenden Begriffen an: Luft, Nahrungsmittel, Eltern, Liebe, Geborgenheit (eventuell die Kinder durch Impulse darauf lenken).

Wir überlegen wieder, wie ein Mensch diese Dinge bekommt: durch andere Menschen! Die Menschen brauchen zum Leben halt Liebe und Geborgenheit. Die können uns andere Menschen geben, zum Beispiel die Eltern den Kindern, aber auch die Kinder den altgewordenen Eltern.

Aber Liebe und Geborgenheit finden wir auch, wenn wir uns unter den Schutz Gottes stellen und auf seinen Sohn Jesus Christus hören. In ihm können wir verwurzelt sein wie ein Baum, der seine Wurzeln zum Wasser hinstreckt. Für das Leben der Christen ist Gott, ist Jesus, so wichtig wie das Wasser für den Baum: Wir hängen noch ein Kreuz an das Kind!

Zu allen Zeiten haben Menschen gemerkt, daß sie neue Kraft bekommen, wenn sie sich auf Gott verlassen. Der Prophet Jeremia, der lange vor Jesus lebte, hat seine Glaubenserfahrung so ausgedrückt:

„Freuen kann sich der Mann, der sich auf Gott verläßt,

und dessen Hoffnung Gott ist.

Er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt,

der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt.

Er braucht nichts zu fürchten, wenn die Hitze kommt,

sein  Laub bleibt immer grün.

In einem trockenen Jahr macht er sich keine Sorgen,

ohne Unterlaß bringt er Frucht.“

 

Menschen, die neue Kraft von Gott bekamen, haben versucht, ihr Leben nach dem Vorbild Jesu zu führen .Eine von ihnen war die Engländerin Florence Nightingale, die von 1820 bis 1910 lebte.

 

Lebenslauf Florence Nightingale (vorgetragen von einer Kindergottesdiensthelferin):

Florence [ausgesprochen: Florenz Naitingäl] stammte aus einer reichen Familie und hätte ein Leben ohne jede Arbeit führen können. Die Familie hatte ein solches Leben für sie geplant. Aber sie suchte nach einer Aufgabe, die Gott für sie bereithielt. Zuerst leitete sie ein Krankenhaus für Erzieherinnen in London.

Doch im Jahre 1854 hörte sie von den unmöglichen Zuständen in den Kriegslazaretten auf der Halbinsel Krim im südlichen Rußland. Damals gab es Krieg zwischen England und Rußland. Florence beschloß, dorthin zu gehen und zu helfen. Mit ihr gingen zunächst 38 andere Frauen.

Die Verhältnisse in den überfüllten Lazaretten waren in der Tat katastrophal. Die Soldaten starben gar nicht so sehr an den Verwundungen, sondern vielmehr durch Ratten, Dreck und schlechtes Wasser.

Die Ärzte hatten zunächst kein Vertrauen zu den Frauen. Erst nach vielen Schwierigkeiten ließen sie sie an die Arbeit. Zusammen mit ihren Frauen ging Florence an die Beseitigung des Drecks. Mit unendlicher Zähigkeit errang sie die Achtung der meisten Ärzte und die Liebe der Soldaten.

„Engel der Barmherzigkeit“ wurde sie genannt. Oder auch „die Dame mit der Lampe“, weil sie oft noch um Mitternacht durch die langen Reihen der Betten ging, um nach den Kranken zu sehen. Sie sprach ihnen Mut zu oder strich ihnen tröstend über die Stirn.

Mit der Pflege der Verwundeten gab sie sich aber nicht zufrieden. Sie versuchte, das Los der Soldaten zu verbessern, indem sie Lese-Säle und ein Cafe für sie einrichtete. Außerdem schuf sie eine Möglichkeit, daß sie ihr Geld nach Hause zu ihren Familien schicken konnten; dadurch wollte sie verhindern, daß sie Schnaps dafür kauften. Ihre größte Hoffnung aber war, da es bald zu einem Friedensschluß käme und ihre ganze Arbeit damit überflüssig würde.

Als sie selbst lebensgefährlich an Fieber erkrankte, zitterten die Soldaten und viele Menschen in England um sie. Doch sie wurde wieder gesund und konnte über zwei Jahre lang die anstrengende Arbeit tun, die oft bis an die Grenzen ihrer Kraft ging. Kraft gaben ihr immer wieder die Liebe zu den Verwundeten und das Vertrauen zu Gott. Das waren die Wurzeln, aus denen sie immer wieder Kraft und Hoffnung schöpfte.

Als der Krieg zuende war, sollte sie glanzvoll mit einem Kriegsschiff nach England zurückgeholt werden. Aber sie zog es vor, unerkannt nach Hause zu reisen. Dort arbeitete sie bis zu ihrem Tode weiter an der Verbesserung des Krankenpflegewesens.

 

Gebet:                                                                       (unter Mithilfe der Kinder entworfen)

Lieber Gott, wir danken dir, daß du bei uns sein willst. Wir bitten dich: Laß alle in unserer Familie gesund bleiben und daß wir alles in der Schule schaffen. Laß morgen schönes Wetter sein, damit wir schön spielen können. Schenke uns Mut, wenn wir Angst haben. Gib uns Hoffnung, wenn wir verzweifelt sind. Gib uns Kraft, wenn wir schwach werden. Hilf uns, daß wir gute Menschen sein können und vergib uns alle unsere Sünden. Amen.

 

Predigt über Jer 17,7-8:

Bei der Taufe wird als Ziel der christlichen Erziehung  genannt: das Kind soll es lernen; „Gott und die Menschen zu lieben“. Es soll also nicht nur die Menschen lieben; das sagen die Sozialisten wohl auch. Zur Erziehung gehört auch dazu, daß das Kind etwas von Gott erfährt, von dem wir alle herkommen und der unser Leben hält und trägt. Aber natürlich darf man auch das andere nicht vergessen: Wer Gott liebt, der wird auch die Menschen lieben, das Eine ergibt sich aus dem anderen.

Eltern wollen ja alles für ihre Kinder tun, damit diese in Ruhe und Sicherheit heranwachsen können, daß sie etwas lernen und es zu etwas bringen. Aber dabei sollte man das nicht vergessen, was Nahrung für ihre Seele ist, nämlich der Glaube an Gott. Der Mensch ist erst dann vollständig entwickelt, wenn er auch eine Beziehung zu Gott hat.

Wer nur so heranwächst - ohne Gott und die Gemeinschaft der Kirche  - der kann zwar auch als Mensch existieren. Er hat auch ein Leben und kann etwas leisten. Manchmal werden wir sogar den Eindruck haben, daß es solchen Leuten sogar ganz gut geht. Aber in Wirklichkeit sind sie wie ein Baum, der auf dem Trocknen steht. Äußerlich mag er zwar noch grün sein. Aber wer genauer hinsieht, der bemerkt schon, daß es ihm an der richtigen Nahrung fehlt und daß er schon geschädigt ist.

Doch unsre Aufgabe kann es nicht sein, den anderen nachzuweisen,  daß bei ihnen doch etwas faul ist. Wir dürfen uns vielmehr freuen, daß wir schon den richtigen Standort gefunden haben.

Als Christen stellen wir uns an den Ort, an den Gott uns gestellt hat. Da können wir sicher sein, daß wir einen guten Standort gefunden haben. Das Bild mit dem Baum dürfte ja deutlich sein: In einem heißen Land wie Palästina ist besonders wichtig, daß

ein Baum auch Feuchtigkeit hat. Besonders günstig ist es, wenn in der Nähe eines Baches steht. Da kann der Bach auch einmal im Sommer austrocknen, aber in seinem Untergrund findet sich noch am ehesten Feuchtigkeit. Dorthin kann er seine Wurzeln ausstrecken und wird die trockene Zeit überstehen.

Denn damit muß man immer rechnen im Leben, ob es sich nun um Pflanzen oder Tiere oder Menschen handelt: Es kommen auch einmal schwierige Abschnitte. Die Durststrecken, unsres Lebens können unterschiedlich aussehen. Es kann eine Krankheit des Leibes  sein. Da war ein Mädchen längere Zeit im Krankenhaus. Sie war von den Eltern getrennt, sie mußte die Schule versäumen, das Konzert, für das sie sehr geübt hatte, fand ohne sie statt. Endlich konnte sie wieder heim, war aber noch stark gehbehindert.

Aber einer ihrer ersten Wege führte in den Kindergottesdienst. Sie ließ sich von den Eltern hinfahren. Nach so einer schweren Zeit, da braucht man eben das Wort Gottes, da braucht man wieder neue Nahrung und Kraft.

Durststrecke kann aber auch eine Krankheit der Seele sein. Da ist eine alte Frau, die auf die 90 zugeht. Sie hört schlecht und sieht kaum noch etwas. Die Kinder sehen nicht nach ihr. Von Nachbarn wird sie betreut. Sie wartet nur noch auf den Tod und spricht immer wieder von ihrer Beerdigung. Da ist es schwer, ihr noch einen Sinn des Lebens zu vermitteln. Aber auch sie braucht das Wort Gottes und das Gebet, um mit ihrer Lage innerlich fertig zu werden.

Wer sich aber von Gott immer wieder stärken läßt, der wird auch Früchte bringen. Der Sinn eines Baumes ist es doch, Früchte zu bringen. Auch ein Christ soll gute Werke hervorbringen. Dafür erhält er ja die Kraft von Gott, damit er fähig wird, anderen zu helfen. Wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott uns immer wieder stärkt. Auf ihn dürfen wir uns verlassen, auf ihn immer wieder unsere Zuversicht setzen. Da können wir uns auch entfalten und zum Segen für andere werden.

 

 

Ich will dem Herrn danken: Ps 104,1-2.5.10.14-15.20.22-24.35) (Version 1)

 

Wir stellen uns in einem Kreis auf. Dieser  Kreis soll die Welt sein, die Gott geschaffen hat. Wir halten die Arme nach  vorn, die Hände nach oben, als wollten wir gerade ein großes Geschenk entgegennehmen. Wir sprechen gemeinsam: „Herr, mein Gott, wie bist du so groß!“

Wir heben die Arme über den Kopf, die Fingerspitzen zusammen, die Ellenbogen auseinander. Wie aus einem gemütlichen Zelt gucken wir durch unsere Arme. Wir sprechen: „Wie ein Zeltdach spannst du dem Himmel aus!“

Jetzt stellen wir die Beine auseinander und treten ganz fest auf den Boden. Die Arme nehmen wir dabei wieder herunter. Dann sagen wir: „Du hast die Erde auf Pfeilern erbaut!“

Einer geht jetzt im Innenkreis entlang. Er spielt die Quelle, die entspringt. Aber es bleibt nicht bei einer Quelle, viele Rinnsale kommen zusammen und bilden einen  Bach. Ein zweites und drittes Kind  gehen hinter dem ersten Kind her. Sie laufen etwas schneller. Wir sagen: „Zwischen den Bergen suchen sie ihren Weg!“ Die anderen wiegen sich im Kreis langsam  hin und her.

Dann gehen alle in die Hocke und machen sich klein wie Samenkörner. Die eine Hälfte reckt sich langsam in die Höhe und streckt die Arme immer höher und richtet sich steil auf.  Wir sagen: „Du läßt Gras wachsen für das Vieh!“ Dann richten sich die anderen auf und alle sprechen wieder gemeinsam: „…und  Pflanzen, die der Mensch für sich anbaut!“

Nun heben wir die Arme seitlich vom Körper hoch und kreuzen sie vor dem Gesicht und senken den Kopf. Es wird Nacht. Aber die Tiere im Dickicht werden lebendig. Drei Kinder schleichen um die anderen herum und spielen eine Katze oder ein Reh. Dann aber strecken wir die Arme wieder aus wie die Strahlen der Sonne. Die Tiere ziehen sich wieder zurück und ruhen sich in ihren Schlupfwinkeln aus.

Nun erwacht der Mensch und geht an seine Arbeit. Vier Kinder treten in die Mitte und stellen dar, wie einer Sand schaufelt, mit dem Hammer klopft, eine Maschine bedient und Fenster putzt.

Dann kommt der Sonntag. Wir überprüfen, ob unser Kreis noch nichtig rund ist. Wir strecken die Arme nach vorn, die Hände offen, als wollten sie ein großes Geschenk empfangen. Wir sprechen gemeinsam: „Herr, was für ein Wunder hast du vollbracht. Alles hast du weise geordnet!“

Jedes dritte Kind geht nach innen und sagt dabei: „Ich will dem Herrn danken!“ Es entsteht ein kleiner Innenkreis. Alle fassen sich an den Händen wie die beiden Kreise bewegen sich in entgegengesetzter Richtung. Dazu singen sie: „Geh aus mein Herz und suche Freud!“ [Man wird den Ablauf mit einer Gruppe von Kindern üben müssen. Die gesprochenen Sätze werden zunächst vom Leiter vorgelesen und dann von allen wiederholt].

 

Predigt:

Viele Leute haben heute erkannt, daß etwas zum Schutz der Umwelt getan werden muß. Zu sehr sind Luft und Wasser verschmutzt, sind Ackerboden und Wälder geschädigt, sterben Tiere und Pflanzen aus. Doch es geht nicht nur um Aktionen zur Rettung der Umwelt, sondern zuerst einmal kommt die Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer der Welt und Geber des Lebens. Mit Dankbarkeit sollten wir die Ferien beginnen und sie nutzen für Beobachtungen und Entdeckungen, damit wir noch besser Gottes Spuren in der Natur finden. Mit dem Beter des Psalms wollen wir das Danken üben: „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin!“

 

 

Staunen über Gottes Welt: Ps 104 (in Auswahl) (Version 2)

 

Betrachtung:

Wir betrachten eine Blume, die mit der Wurzel ausgegraben wurde. Mit den kleinen Wurzeln ißt und trinkt die Blume. Die Erde muß dazu naß sein, deshalb gießen wir die Blume. In der Erde sind alle Nährstoffe drin, die die Blume braucht. Das Wasser löst sie auf. Wir können das nicht sehen. Aber die Blume findet die Nährstoffe und nimmt sie durch die Wurzeln auf.

Dann werden sie durch den Stengel zu den Blättern und Blüten transportiert. Auf dem Blatt kann man die Adern sehen, in denen die  Nahrung transportiert wird. Beim Menschen ist es ja ganz ähnlich, nur daß wir die Nahrung durch Mund und Magen aufnehmen und die Nährstoffe durch das Blut transportiert werden. Jede Pflanze hat andere Blätter. Man kann an den Blättern erkennen, wie die Pflanze heißt. Weiß einer, wie unsre Blume heißt?

Am schönsten ist immer die Blüte. Sie strahlt meist in leuchtenden Farben. Die Blü­tenblätter sind weich und dünn, man spürt sie kaum, wenn man sie anfaßt. Und doch halten die Blüten manchmal schlimme Unwetter aus.

An den schönen Blüten haben nicht nur die Menschen ihre Freude. Auch Bienen und andere Insekten kommen angeflogen. Sie riechen in die Blüte hinein und holen den Honig heraus. Dabei kommen sie aber auch an die Staubblätter, aus denen der Blütenstaub herausfällt und von den Bienen mit zur nächsten Blüte genommen wird. Dort bleibt der Staub kleben, und es kann daraus Samen entstehen. Und wenn dieser dann in die Erde kommt, kann daraus wieder eine neue Blume entstehen, die genauso aussieht wie die erste.

Ist es nicht wunderbar, wie Gott das so eingerichtet hat?! Wir haben nur eine Blume betrachtet. Aber Entsprechendes könnte man sagen von Bäumen, Vögeln, Käfern… Aber auch Bäche, Sonne, Mond und Sterne sind von Gott.

In einem Gebet aus der Bibel hat einer aufgeschrieben, worüber er alles gestaunt hat. Er hat eine Wanderung in die Berge gemacht und dabei allerhand entdeckt und erlebt. Wieder unten im Tal angekommen hat er Gott gelobt und gepriesen. Sein Bekenntnis lautet:  „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel. Alles hast du weise geordnet und die Erde ist voll deiner Geschöpfe!“

 

Predigt:

Man kann die Natur betrachten und doch nichts von Gott in ihr entdecken. Manche gehen nicht zum Gottesdienst, sondern machen einen Spaziergang durch die Natur. Doch dann sehen sie nur die Geschöpfe, aber nicht den Schöpfer, der das alles gemacht hat. Von ihm hören wir aber hier in der Kirche. Da wird uns gesagt, daß nicht t alles von selber geworden ist, sondern daß Gott es so geschaffen hat. Wenn wir das wissen, dann finden wir Gottes Handeln auch in der Natur wieder.

Einer hat einmal ein Bild zu diesem Gebet aus der Bibel gemalt. Auf ihm waren viele Tiere und Pflanzen und auch Menschen zu sehen. Dazu hat er aber noch eine große freundliche Hand gemalt,  die sich von oben der Natur entgegenstreckt. Diese Hand Gottes kann man nicht in Wirklichkeit sehen. Aber von ihr ist im Gottesdienst und im Religionsunterricht die Rede Da werden wir aufgefordert, Gott zu loben, der uns das alles gegeben hat und es noch erhält.

 

 

Den Einsatz wagen: Mt 13, 44 - 46  (Schatz im Acker und kostbare Perle)

 

Einstieg:

Lied „Die .Legende von Babylon" (entweder die Originalversion der Gruppe Boney M  oder die Schallplatte von Bruce Low mit deutschenText). In dem heutigen Gottesdienst wollen wir auch einen Turm bauen. Wir denken dabei an die „Bausteine“, aus derer wir Menschen unser Leben meist aufbauen wollen.

Jeder will es doch im Leben zu etwas bringen. Mancher setzt sehr viel ein, um es im Leben zu etwas zu bringen. Jeder will sich durchsetzen, vor allem auf Kosten  der anderen. Schon den Kindern in der Schule wird eine bestimmte Leistung abverlangt,  die Lehrer fordern sie, die Eltern treiben sie an. Immer soll noch mehr erreicht werden als früher. Und mancher will sich ja auch selber einsetzen. Er gebraucht die Ellbogen, macht nach oben einen Katzenbuckel und nach unten tritt er. Eines Tages, so hofft er, wird er dann ganz oben sein. Gibt es aber nicht auch noch etwas anderes, was im Leben wichtig ist?

Wir wollen einmal zusammenstellen, was man sich zum Ziel seines Lebens setzen kann. Was will man im Leben erreichen? Die Gemeinde soll entsprechende Begriffe nennen. Diese werden dann auf Zeichenkarton geschrieben und mit Reißzwecken auf Kisten unterschiedlicher Größe geheftet werden. Aus den Kisten werden dann zwei Türme gebaut. Stichworte: Geld, Erfolg, Aufstieg, Anpassung, „Dickes Fell“, Ruhe haben, Gleichgültigkeit, Ruhe. Es werden jeweils zwei gleichgroße Kisten mit dem gleichen Stichwort versehen. Die Stichworte der Jugendlichen haben Vorrang! Nur wenn wenig kommt, treten diese Stichworte in Aktion.

Aus den Kisten werden dann von zwei Jugendlichen  zwei Türme gebaut, denn aus diesen Dingen wollen wir unser Leben aufbauen, aus den Bausteinen…... (aufzählen). Und schließlich sind wir ganz oben und meinen, wir hätten es geschafft. Zwei Jungen klettern auf die Türme, setzen sich oben drauf und lassen die Beine baumeln.

Kann man auf so einem Turm leben? Man hat dort zwar einen guten Überblick und kann auf die anderen herabsehen. Aber man steht nicht mehr mit den Beinen auf dem Boden, hat keine Verbindung mehr mit der Basis. Wer sich durchsetzen will und dabei nur an sich selber denkt, schadet der Gemeinschaft. Deshalb wollen wir uns überlegen, ob man diese Türme nicht so umbauen kann, daß etwas entsteht; was unser Leben bereichert, wo wir nicht nur an uns selber denken, sondern die anderen mit einbeziehen.

 

Überlegung:

Das Durchsetzen ist an sich nötig. Jeder soll etwas leisten, denn er kann nicht nur auf Kosten der anderen leben. Wir brauchen nur in die Zeitung zu sehen, dann wird uns gesagt, was von uns erwartet wird in Familie, Schule, Nachbarschaft und Firma. Selbst die Kirche will etwas von uns und  erwartet, daß wir unsre Fähigkeiten einsetzen.

Wenn sich aber nun jeder durchsetzen will und keine Rücksicht auf die anderen nimmt? Und was ist mit denen, die sich nicht .durchsetzen können, weil sie nicht so klug sind oder krank oder behindert sind'? Ist derjenige stark, der die beste Lehrstelle erwischt hat, unter Umständen durch gute Beziehungen? Geht es im Leben darum, das lauteste Moped, die genaueste Uhr, die schönsten Möbel zu haben? Ist derjenige der „stärkste Lehrling“, der das meiste Geld auf der Tisch hauen kann? Soll das unser Ziel sein: Möglichst viel Geld, aber möglichst wenig dafür tun?

Wer sich aber allein durchsetzen will, schließt sich immer mehr von den anderen ab. Er will sich dann auch nicht mehr helfen lassen, auch nicht von Gott, von dem es in der Bibel heißt „Gott will, daß allen Menschen geholfen wird  Doch gibt es nicht auch etwas, wofür sich der Einsatz lohnt, wo man sich und anderen hilft?

Es gilt, sich auch einzusetzen für Dinge, die nicht im Blick der Mehrheit sind. „Durchsetzen“ heißt im Grunde: sich einsetzen für andere. Unser Ziel liegt nicht nur in der „Höhe“, sondern vielleicht auch in der „Tiefe“, in Schwachheit, Verzicht  und Leidens­bereitschaft.

Gehört dazu nicht auch Mut, Verantwortung und Einsatz? (Kisten umdrehen, auf der Rückseite stehen diese Begriffe). Der Abbau der Türme verlangt wohl einen größeren Einsatz als der Aufbau!

 

Arbeitsgruppen bei einem Jugendnachmittag:

Ist das Bild von den Türmen jedoch realistisch? Wollen wir das wirklich nach oben kommen und dabei alle anderen vergessen? Mit dieser Frage wollen wir nun in die Arbeitsgruppen gehen. Dabei können wir uns auch überlegen, wie man diesen Turm umbauen könnte, damit er eine sinnvolle Funktion erhält.

 

1.Das Durchsetzen ist an sich nötig. Jeder soll etwas leisten, kann nicht nur auf Kosten anderer Leben und soll seine Fähigkeiten einsetzen. Das gilt für der Kreis der Familie, für Schule bzw. Lehre, für den Kreis der Kameraden und Partner und auch für die Kirche.

2. Was passiert aber, wenn sich jeder nur durchsetzen will und dabei keine Rücksicht auf andere nimmt? Verwildert das Durchsetzen dann nicht zu einem Kampf aller gegen alle? Sind nicht auch Verzicht und Rücksichtnahme nötig?

3. Was ist mit denen,  die sich nicht durchsetzen können, die eben nicht so klug sind oder krank sind oder behindert? Sind nicht gerade auch die Erwachsenen gar nicht so stark, weil sie die Kranken und Behinderten nicht sehen wollen?

4. Ist derjenige stark, der die beste Lehrstelle erwischt (eventuell durch Beziehungen), der das lauteste Moped hat, die genaueste Uhr, die meisten Konsumgüter? Ist der der „stärkste Lehrling“, der am meisten Geld auf den Tisch hauen dann?

5. Die Meisten wollen aber möglichst viel Geld haben, aber möglichst wenig dafür tun. Keiner will wirkliche Verantwortung übernehmen. Man schwimmt im großen Strom mit, will nicht anecken, aber doch möglichst sein Schäfchen ins Trockne bringen.

6.Je mehr man leisten will, desto weniger hat man Zeit für Gespräche. Wer sich durchsetzen will, isoliert sich immer mehr. Mancher will sich auch gar nicht mehr helfen lassen, sondern alles allein schaffen. Doch es ist gut, wenn man sich helfen laßt. 

7. Zur Lebensbewältigung gehört auch, sich einzusetzen für Dinge, die nicht im Blick der Mehrheit sind. „Durchsetzen“ heißt im Grunde: Sich einsetzen für andere! So hat  Jesus gehandelt, aber er mußte dafür selber daran glauben. Aber wer so handelt, der schafft anderen Lebensraum. Bei Paulus heißt es: „Meire Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ Wie können die Christen neue Akzente setzen?

8. Wir suchen immer ein Ziel in der Höhe. Aber liegt das Wichtige nicht vielleicht eher in der „Tiefe", in der Schwachheit, im Verzicht und in der Leidensbereitschaft? Wir mei­nen, der Bau eines Turmes erfordere einen großen Einsatz.  Aber würde der  Auf­bau  eines solchen Turmes nicht einen viel größeren Einsatz erfordern?

9. Wie kann man die Türme umbauen, daß die Steine noch verwendet werden, aber nun einen neuen Sinn haben? Die Türme müßten umgebaut werden zu einer Brücke. Wer die Steine für die Brücke nimmt, hat keine mehr für einen Turm.  Aber nun hat er etwas, das ihm die  Verbindung zu anderen ermöglicht und damit neue Lebensräume erschließt. Wer etwas einsetzt, wer der Einsatz wagt, gewinnt auch etwas (Dieses Ergebnis sollen die Jugendlichen selber finden. Ist dies nicht der Fall, dann verweist man sie auf den Gottesdienst).

 

Gottesdienst:

Während der Predigt über die Gleichrisse vom Schatz im Acker und von der kostbarer Perle (Mt 13) werden die einzelnen Bausteine heruntergenommen und umgedreht. Auf der Rückseite stehen andere Begriffe, aus denen die Brücke dann gebaut wird. Die neuen Stichworte sind: Mut, Freude, Verzicht, Verantwortung, Leidensbereitschaft, auf der größten Kiste: Einsatz!

Die Türme werden umgebaut, so daß sie nicht nur den Einzelnen dienen, sondern vielen. Wie könnte man das machen? Die Bausteine sollen dabei verwendet werden, aber einen neuen Sinn und eine neue Funktion bekommen: Man könnte zum Beispiel eine Burg daraus bauen, hinter der man sich gemeinsam verschanzen kann.

Besser wäre, eine Brücke  zu bauen. Dabei kommen die positiven Begriffe nach vorne und werden als Pfeiler verwendet, über die einige Bretter gelegt werden. Wer die Steine für die Brücke nimmt, hat keine mehr für einen Turm. Aber er hat etwas, das ihm die Verbindung zu anderen Menschen ermöglicht und damit neue Lebensräume erschließt.  Wer den Einsatz wagt, gewirrt auch etwas.

 

Predigt:

Immer wieder werden in der Erde kostbare Schätze entdeckt [Beispiel aus der Umgebung anführen]. Wer vor uns würde sich nicht wünschen, auch einmal einen solchen Schatz zu finden? Sicher würde er alles stehen und liegen lassen und  sich auf den Fund stürzen. Allerdings darf man so etwas nicht behalten, sondern muß es einem Museum abliefern.

Wer heute zu einem Schatz kommen will, den er behalten darf, der spielt im Lotto oder Toto. Manchen hat schon sehr viel Geld als Einsatz verspielt, aber wenig oder gar nichts gewonnen. Dennoch gehen jede Woche Millionen von Menschen zu der Annahmestelle in  der Hoffnung, daß doch einmal der große Wurf gelingt . Doch der Erfolg ist eben sehr zweifelhaft.

Anders ist das, wenn man den Schatz und die Perle sucht, von denen Jesus in seinem Gleichnis spricht. Er meint damit ein Leben mit Gott  und ein Leben im Sinne Gottes. Wer dieses gefunden hat , der wird alles andere fahren lassen und all seine Möglichkeiten nur noch auf Gott konzentrieren.

Doch Gott ist oft verborgen und liegt nicht so einfach auf der Straße. Er will kein Pauschalchristentum mit großen Menschenmassen, sondern er will ganz schlicht jedem Einzelnen von uns begegnen: Deshalb kann man ihn leicht übersehen. Der Schatz liegt nicht oben auf dem Acker und die Perle liegt nicht in einer goldenen Fassung in einem Schaufenster. Dort wäre sie ja doch nur für die Reichen erhältlich. Gott aber ist zu finden von jedem, der über den Acker geht.

Die jungen Leute haben sicher geschwitzt und gestöhnt,  als sie einen Weg anlegen sollten. Daß sie dabei  einen großartigen Fund machen würden, konnten sie ja nicht vorher wissen. Aber wer nicht damit rechnet und sich doch die Mühe macht, der wird unverhofft belohnt. Der erste, der auf das Hindernis gehackt hat, wird vielleicht zunächst geschimpft haben, weil wieder so ein Brocken im Weg war. Aber nachher sah alles ganz anders aus.

So schimpfen wir auch oft und schimpfen über unser Schicksal, über manchen sinnlosen Klotz, der uns zwischen die Beine geworfen wird. Aber in Wirklichkeit ist das die Perle, die auf uns wartet. Nur ist sie eben oft verhüllt in einen Schmerz, der unser Leben trifft, etwa wenn wir am Grab eines geliebten Menschen stehen oder wenn eine Ehe zerbricht oder wenn uns von Menschen Unrecht getan wird.

Gott wird einem nicht nachgeworfen, sondern er kostet etwas. Erst muß man den Acker oder die Perle kaufen. Man wird vielleicht von anderen dafür verlacht und für verrückt gehalten. Aber man gewinnt etwas, das unvergleichlich wertvoller ist. Die Männer im Gleichnis haben gerne alles hergegeben. Sie wußten eben: Was ich gewinne, das wiegt alles andere auf, alle Verluste, allen Spott, alle Einschränkungen. Wenn man etwas Kostbares gefunden hat, einen Lebensgefährten, einen Freund, einen schönen Beruf, dann rückt alles andere in die zweite Linie.

Wenn man Gott gefunden hat, dann sieht auf einmal auch der Mitmensch anders aus. Er ist nicht mehr nur der Mensch, der uns nützt und schadet, der uns sympathisch oder unsympathisch ist. Auf einmal wird er zum Träger der kostbaren Perle, auf dem das Auge Gottes ruht. Wenn wir uns für ihn einsetzen, werden wir Gott damit gewinnen.

So wird uns durch diese Gleichnisse eine neue Sicht  des Lebens gelehrt. Nicht daß wir nach oben kommen ist wichtig, sondern daß wir uns zu anderen begeben, die uns brauchen. Nicht unser Erfolg in der Schule und im Leben ist entscheidend, sondern wie wir mit unseren Gaben anderen Menschen geholfen haben. Wenn wir das tun, handeln wir nach dem Willen Gottes und werden den kostbaren Schatz und die köstliche Perle finden.

 

Erzählung: Die Schwelle 

Seit Tagen arbeiten sie an der Schienenverbesserung. Die alten Holzschwellen werden ausgewechselt, schwere Betonschwellen kommen an deren Stolle. Die Strecke bleibt      weiter in Betrieb. Die wichtige Fernverbindung mit Paris darf keinen Tag unterbrochen sein. Unter der sengenden Sonne schaffen die Arbeiter verbissen im Akkord. Die wenigen Stunden zwischen den schnellen Zügen müssen genügen. Sie sind an scharfen und anstrengenden Arbeitsrhythmus gebunden, wenn die Zeiten eingehalten werden sollen. Das Auswechseln muß planmäßig erfolgen. Fast ist das schlimmste Stück geschafft. Nun gilt es, die Befestigungsschrauben anzubringen. Dann können die Schnellzüge auf Jahre hinaus die erneuerte Strecke sicher befahren, Beton überdauert Generationen.

Der Aufsichtsführer mit der schwarzen Baskenmütze versieht den verantwortungsvollen Warndienst. Wenn er versagt, ist das Leben der Arbeiter in Gefahr. Eben bespricht Antoine den morgigen Arbeitsplan mit dem Aufsichtsführer. Der hält das Signalhorn griffbereit in der Hand. Der Zug Lyon-Paris muß gleich am Horizont auftauchen. Auch Antoine schaut unruhig auf die Armbanduhr. Die Zeit ist um mehr als eine Minute überschritten.

Als die beiden Männer, für Sekunden ins Gespräch vertieft, einander anschauen, schreit plötzlich hinter ihnen auf der Baustelle jemand erregt: „Attention! Achtung!“

Im Bruchteil einer Sekunde reißt der Aufsichtsführer das Horn hoch. Scharf gellt das Signal durch die schwüle Mittagsstille. Da ist der Zug schon heran. Mit rasender Geschwindigkeit springen die Männer vom Bahndamm herunter. Das Signal kam um ein weniges zu spät. Gleich wird der Zug die Baustelle passiert haben. Die Männer sind

in Sicherheit.

Doch da entdeckt Maurice, der junge Hilfsarbeiter, die quer über einen Schienenstrang liegengebliebene Betonschwelle. Und in Gedankenschnelle weiß er:  Die Schwelle legten zwei Arbeitskameraden vor kurzem dort ab, in der Absicht, sie mit Hilfe eines Dritten beiseite zu räumen. Allein es war dabei geblieben.  Im gleichen Moment weiß Maurice: Das gibt eine Katastrophe! Die Lokomotive wird unweigerlich aus den Schienen springen und den Zug mit sich reißen!

 

Maurice schreit laut auf. Die Arbeitskollegen haben die Lage bereits erfaßt. Nur eine kurze Strecke trennt den Zug noch von der Schwelle. Maurice will dem Lokführer winken. Unsinn! Die beiden Schuldigen erkennen das verhängnisvolle Versäumnis, stürzen auf die Betonschwelle zu. Während sich ihre Muskeln bis zum Zerreißen spannen, ist Maurice zur Stelle. Er springt blitzschnell zwischen die Schienen, achtet nicht auf die heranrasende Gefahr, drückt, stemmt sich unter Aufbietung aller Kräfte gegen den Betonklotz. Der rutscht.

Da ist der Leib der Lokomotive ins Riesenhafte angewachsen und braust mit unverminderter Geschwindigkeit über den wehrlosen menschlichen Körper hinweg, während der Block den Abhang hinabrutscht, sich einmal überschlägt und schließlich liegenbleibt,

Bremsen kreischen irr auf. Der Lokführer hatte das Geschehene in sich aufgenommen, aber es war zu spät gewesen. Nun steht der Zug. Fenster gehen herunter, Passagiere rufen und schreien durcheinander. Türen werden geöffnet.

An der Strecke stehen zwei Bauarbeiter, deren Vorschulden der junge Hilfsarbeiter Maurice auf sich nahm, damit zwei Väter ihren Familien erhalten blieben; damit Hunderte von Reisenden wenige Minuten später unversehrt die Fahrt im Fernzug fortsetzen können.

Wer war schuldig? Der Aufsichtsführer, der den Zug um weniges zu spät erkannte? Der Vorarbeiter, der den Warner ins Gespräch zog, Die beiden Männer, die die Schwelle auf den Schienen liegenließen? Die anderen Arbeiter, die durch den Alarmruf erschreckt, nahezu panisch die Böschung hinabsprangen, ohne die Strecke vorher mit sorgsamen Blicken zu überschauen?

Jeder trägt Schuld. Keiner kann sich ihr entziehen. Einer aber opferte sich, um das Leben der anderen dem Tode zu entreißen.

 

 

Einzug in Jerusalem: Mt 21 ,1 - 11

Einleitungsszenen:

Eine Mutter gibt einem Kind ein Spielzeug, zum Beispiel. einen Hampelmann. Das Kind versucht, damit zu spielen. Es geht aber nicht. Da wird das Kind immer zorniger und wirft das Spielzeug weg.

Ein Mann bekommt einen Brief, den er erst interessiert, dann aber enttäuscht liest und schließlich wütend zerreißt. Ein Sprecher erklärt: „Dieser Vater hat einen Brief aus dem Internat bekommen, wo sein Sohn zur Berufsausbildung ist. In dem Brief steht, daß er dort nicht nichtig mitarbeitet; wenn es nicht besser mit ihm wird, muß er das Internat wieder verlassen. Dabei hatten sich die Eltern solche Mühe gegeben, dort einen Platz zu erhalten. Nun soll alles wieder dahin sein. Auch jenes Kind hatte sich so sehr auf den Hampelmann gefreut. Aber dann hat es ihn zornig weggeworfen!“

So geht es oft: Da freut man sich auf etwas - und dann ist es nichts. Was machen wir aber, wenn uns nicht Menschen, sondern Gott enttäuscht haben? Viele Menschen erwarten nur Gutes von ihm. Aber was ist, wenn er unsre Gebete nicht zu erhören scheint?  Wenn es uns schlecht geht, obwohl wir doch nach unserer Meinung gute Christen sind? Was machen wir dann mit Gott? Wir wollen einmal hören, wie es Jesus erging, als er nach Jerusalem kam. Manche sahen ihm mit großen Erwartungen entgegen. Aber würden ihre Erwartungen auch erfüllt werden?

 

Erzählung mit Begleitung durch Orff'sche Instrumente. Unbedingt darauf achten, daß auch die Gemeinde einbezogen wird!

Es war an dem Sonntag vor dem großer Fest.                                    (Klangstab)

Es begann alles sehr harmlos                                                                (Klangstab)

Ein paar Menschen waren unterwegs nach Jerusalem, der großen Stadt. Es waren Jesus und seine Jünger                                                          (Flöte spielt Jesusmotiv)

Still gingen sie ihre- Weg. Niemand wagte Jesus zu fragen: „Gehst du nun nach Jerusalem um dort der König zu werden“ Alle hofften es, denn es waren Feinde im Land. Das waren die Römer                              (Römermotiv: leises Trommeln)

Seit Jahren hielten sie das Land besetzt und quälten die Leute. Die Juden haßten sie, denn sie wollten frei sein. Immer wieder versuchten sie, in kleinen Kämpfen die Römer zu besiegen. Vor allem bei den Festen war die Gelegenheit günstig, da konnte man sich stark fühlen, weil so viele tausend Menschen nach Jerusalem kamen.

Aber die Römer waren eisern                                                     (alle Instrumente)

Vor ein paar Tagen waren sie wieder gekommen                   (Trommel)

mit Reitern und Soldaten                                                             (Xylophon, Lyra)

mit Spießen und mit Schwertern                                                (Becken, Trommel)

mit klingendem Spiel                                                        (Einmarschmotiv, Flöte, Lyra).

Wehe denen, die aufmuckten                                        (kurzer Paukenschlag)!

 

Daran denken die Jünger. Sie hoffen, daß Jesus nun Jerusalem befreien wird. Auf einmal bleibt Jesus stehen. Er ruft zwei Jünger zu sich und sagt zu ihnen: „Seht ihr das Dorf das vor uns? Geht hin und nehmt den Esel, der an einem Haus angebunden ist .Bringt ihn her zu mir. Und wenn euch jemand fragt ,was ihr da macht, dann sagt : „Der Herr braucht ihn!“

Die Jünger denken: „Was will er nur mit dem Esel? Will er doch wie ein König in Jerusalem einreiten? Schnell laufen sie den Weg voraus ins Dorf. Sie finden tatsächlich einen Esel, der vor einer Tür festgebunden ist.  Als sie ihn losbinden wollen, rufen  einige Männer: „Halt, was wollt ihr mit dem Esel?“ Die Jünger artworten: „Der Herr braucht ihn!“

Da denken sie alle: „Nun wissen wir es: Er will doch der König sein!“ Da werden die Jünger plötzlich fröhlich. Sie ziehen ihre Mäntel aus und werfen sie auf den Esel. Sie heben Jesus auf das Tier und ziehen glücklich weiter nach Jerusalem          

(Flöte spielt Jesusmotiv)

Nun liegt sie vor ihnen, die große Stadt. Sie blicken hinüber und sehen die weißen Mauern und Zinnen, das große Tor, durch das die Menschen sich drängen. Und da ist der Tempel, der heilige Tempel Jerusalems

                                               (Orgel: Jerusalem, du hochgebaute Stadt, drei Takte)

Auf einmal bricht es aus ihnen heraus. Die Kinder sind die ersten, die rufen: „Hosianna!"                                         (Alle Mitspieler rufen es).

So grüßte man früher den König, als das Volk noch frei war. Aber bald wird es wieder so sein; das hoffen sie jedenfalls. Sie reißen Zweige von den Bäumen und schwenken sie wie Fahnen. Dazu schreien sie wieder, noch lauter:  „Ho-si-an-na!“

Nun packt es auch die anderen. Die Menschen sind nicht mehr zu halten. Sie reißen sich die Obergewänder vom Leib. Sie werfen die Kleider auf den Weg. So soll der König empfangen werden. Wie auf Teppichen soll er reiten.

Sie rufen es sich zu, von Mann zu Mann, von Kind zu Kind, von einem zum anderen. Sie singen und tanzen: „Hosianna!“ Sie sind gespannt, wohin der König nun ziehen wird. Was wird er tun? Was wird er befehlen?

Inzwischen ist der Zug durch das Stadttor in die engen Straßen gekommen. Immer lauter wird das Geschrei, immer erwartungsvoller sind die Menschen. Nun muß es kommen, denken  alle, nun muß er die Burg der Römer stürmen        (Römermotiv).

Aber Jesus reitet an der Burg vorbei zum Tempel                               (Klangstab)

Dort steigt er vom Esel herab und geht in den Vorhof                       (Klangstab).

Er sagt kein Wort .En schreitet durch den Vorhof des Tempels, stumm und ohne auf die Menschen zu achten                                                                                  (Klangstab)

Da ist es vorbei - der Traum ist ausgeträumt. Die Leute laufen auseinander. Die Jünger sind tief enttäuscht. Jesus reitet stumm der gleichen Weg zurück

                                                                                                          (Flöte spielt Jesusmotiv)

Haben die Menschen denn nicht begriffen? Er ist doch kein Krieger! Mit einem Esel kann man doch keinen Krieg führen! Nein, sie haben ihn nicht verstanden! In ein paar Tagen werden die gleichen Leute rufen: „Weg mit ihm, weg mit ihm!“

(Kinder rufen es).

 

Der Gegensatz zwischen dem Einzug der Römer und dem Zug Jesu muß gut herausgearbeitet werden. Die einen kommen mit klingendem Spiel,  während bei Jesus weiche Instrumente die Gewaltlosigkeit des Einzugs Jesu verdeutlichen. Die anderen Kinder in der Kirche kann man mit einbeziehen, indem man sie das „Hosianna“ usw. mit rufen läßt.

 

Predigt:

Wir sind auch manchmal von Jesus enttäuscht. Häufig erinnern wir uns ja an ihn, wenn wir ihn gerade einmal brauchen könnten. Dann soll er aber auch gleich helfen. Häufig sind es aber Wünsche, die nur unserer  Bequemlichkeit dienen, die unser persönliches Fortkommen oder unseren Lebensstandard fördern sollen.

Ein Kind steht mit seinen Noten in der Schule auf der Kippe: wird es die bessere oder die schlechtere Note auf dem Zeugnis erhalten? Die nächste Arbeit wird alles entscheiden. Da kommt es schon einmal vor, daß man sich von einem Gebet Hilfe erhofft. Aber was ist, wenn es doch schief geht? Wird man da nicht beim nächsten Mal ganz auf das Gebet verzichten?

Oder eine Familie hat sich sehr auf die Urlaubsreise gefreut. Nun wird jemand von der Familie krank und alle müssen daheim bleiben. Werden sie da nicht enttäuscht sein? Werden sie sich nicht fragen: Warum muß es gerade uns treffen?

Oder man hat einer Platz in einem Feierabendheim der Kirche beantragt. Die Oma kann nicht mehr allein in ihrer Wohnung bleiben. Aber zu den Kindern kann sie auch nicht, weil da zu wenig Platz ist und nicht einmal ein Bett zusätzlich aufzustellen ist.

Wer soll da dieser Familie helfen? Wie soll geholfen werden? Sie erhoffen sich Unterstützung von der Kirche, denn dazu ist die Kirche ja immer noch gut. Aber auch dort sind eben die Möglichkeiten begrenzt. Schnell macht sich da Enttäuschung breit. Und man sieht dabei dann nicht die Tatsachen, sondern ist auch von Jesus enttäuscht, weil er anscheinend nicht gleich helfen kann.

Wir rufen dann zwar nicht gleich: „Kreuzige ihn!“  Aber wir bleiben einfach weg, erwarten nichts mehr von Jesus und wenden uns nicht mehr an ihn. So lassen wir ihn am Kreuz allein und stellen uns zu den Leuten, die über Jesus spotten. Das ist schade, wenn wir bedenken, was Jesus uns doch hat bringen wollen und was er für uns getan hat.

Er will doch, daß wir bei ihm bleiben, auch wenn nicht alles so läuft,  wie wir es uns erhofft haben. Kinder sind manchmal auch von Eltern enttäuscht. Manchmal können

sie ja wirklich die Wünsche ihrer Kinder nicht  erfüllen, entweder weil kein Mensch sie erfüllen kann oder weil eben diese Eltern nicht das bieten können, was vielleicht andere ihren Kindern bieten. Manchmal wollen die Eltern auch nicht, brauchen ihre Ruhe oder sind zu bequem. Die Eltern könnten mit in den Wald gehen ‚ um Pilze zu suchen. Aber daß man auch tatsächlich welche findet, das können sie nicht machen. Kinder sind da schnell enttäuscht und wollen alles nicht einsehen. Aber die Eitern bleiben deswegen doch die Eltern. Das nächste Mal können sie dann auch wieder einen Wunsch erfüllen.

Vielleicht liegt es auch an der Art der Wünsche. Wir erhoffen manchmal etwas, das sich eben nicht verwirklichen läßt. Bei Jesus ist das allerdings noch einmal anders. Der kann uns auch Wünsche erfüllen, die wir zu groß ansehen. Aber wir können nicht von ihm fordern, daß er uns prompt alles erfüllt. Sicherlich könnte er es. Aber er weiß eben auch besser, was für uns gut ist. Manchen Wunsch erfüllt er uns nicht, weil uns das nur schaden würde. Deshalb ist es gut, die Hoffnungen nicht zu hoch zu schrauben, denn dann könnte die Enttäuschung umso größer sein. Wir dürfen uns schon viel wünschen .Aber wir sollten hinterher immer sagen: „Dein Wille geschehe!“

 

Jesus wirft uns nicht weg, wenn er an sich Grund hätte, über uns enttäuscht zu sein. Ein Kind wirft sein Spielzeug schnell enttäuscht weg. Und die Erwachsenen lehnen schnell andere Menschen ab, die sie enttäuscht haben, Jesus fängt noch einmal neu mit uns an. Er sagt nicht: „Sie haben mich abgelehnt, da will ich auch nicht hören, wenn sie mich wieder rufen!“Jesus rechnet mit unserer Enttäuschung und hat uns dennoch lieb. Das gibt uns immer wieder Mut, auf Jesus zu hoffen.

Wir sollten in gleicher Weise mit anderen Menschen Geduld haben, auch wenn sie uns enttäuscht haben. Das gilt auch für das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Oft sind die Kinder nicht so, wie die Eltern es sich gewünscht haben . Aber vielleicht liegt das auch daran, daß sich die Eltern von den Kindern ein Bild gemacht haben, das diese gar nicht erfüllen können. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes gemacht.

.Er ist also nicht nach dem Bilde der Eltern zu formen, Die Eitern werden natürlich ihre Vorstellungen haben, werden ihre Wertmaßstäbe den Kindern vermitteln wollen. Aber sie werden immer mehr erkennen müssen, daß die Kinder sich selbständig entwickeln und eigene Wege gehen.

Wer selber von der Vergebung Gottes lebt, wird auch seine Kinder besser verstehen können. Der  Glaube hilft, Kinder so zu sehen ‚ wie sie sind. Bilder und Hoffnungen machen leicht blind. Wer aber sachlich und nüchtern bleibt, der wird die wirklichen Begabungen der Kinder erkennen. Jesus öffnet uns dafür die Augen. Er möchte nicht, daß wir über ihn oder einen Menschen unserer Umgebung enttäuscht sind.

Aber er will zu uns kommen und bei uns sein. Was Gott ihm aufgetragen hat, das wird er bringen. Er stirbt für uns und nimmt unsere Schuld von uns. Das ist das größte Geschenk, das er uns geben konnte. Es wird nur noch überboten durch das Geschenk, das Gott uns allen gemacht hat, als er nämlich seinen Sohn Jesus von den Toten auferweckte. Seitdem dürfen wir wissen, daß Jesus als der lebendige Herr bei

uns ist. Seitdem dürfen wir wieder unsere Hoffnung auf ihn setzen und brauchen uns auch durch kleinere oder größere Enttäuschungen nicht davon abbringen lassen.

 

 

Das Gleichnis von der königlichen Hochzeit: Mt 22, 1 - 14          

 

Spielszene:

Mutter und Tochter am Sonntagmorgen.

Mutter:    Los, aufstehen!

Tochter:  Ich hab heute aber keine Lust!

Mutter:    Es ist schon neun Uhr!

Tochter:  Mir tut der Bauch so weh!

Mutter:    Stell dich nicht so an. Du bist doch Konfirmandin, da gehst du am Sonntag      auch zum Gottesdienst.

Tochter:  Aber ich war letzten Sonntag erst. Und da hat der Pfarrer schon so lange          gepredigt!

Mutter:    Aber ihr werdet doch gebraucht zur Psalmlesung!

Tochter:  Es sind doch genug andere da!

Mutter.   Jeder Einzelne ist zum Gottesdienst eingeladen: Es geht nicht darum, was        die anderen machen!

Tochter:  Mutter, gehst du denn hin?

 

Erzählung:

Wenn jemand heute eine Hochzeit plant,  dann kümmert er sich um einen Raum für die Feier, um Essen und Trinken, um Kleid und Strauß für die Braut und noch manches andere mehr. Aber er lädt auch gleichzeitig die Gäste dazu ein, damit Sie sich darauf einrichten und auch alle kommen können.

Besonders wichtig ist das aber, wenn etwa ein König für seinen Sohn eine Hochzeit ausrichtet. Dann ist ja eine besondere Ehre, zu dieser Hochzeit eingeladen zu werden. Und jeder wünscht sich nur, daß er auch dabei sein darf.

Aber heute hören wir von Hochzeitsgästen, die nicht erfreut waren, als man sie zur Hochzeit einlud. Der König hatte sie durch seine Leute einladen lassen. Aber sie hatten keine Lust zu kommen und legten sich schon eine Ausrede zurecht.

Als nun der Tag des Festes gekommen ist, sagt der König zu seinen Leuten: „Geht hin zu den eingeladenen Gästen und richtet ihnen aus: Die Mahlzeit  ist zubereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!“ So geschieht es dann auch, die Einladung erfolgt.

Doch die Eingeladenen können den König nicht leiden und verachten ihn. Sie gehen einfach ohne ein Wort zu sagen davon: Einer geht auf seinen Acker, der andere in seine Werkstatt zu seiner Hantierung.

Die Boten berichten das dem König wieder. Doch der läßt sich dadurch nicht erschüttern. Es ist nun alles für die Hochzeit vorbereitet, da soll sie auch stattfinden. Aber Gäste müssen dabei sein, sonst ist es keine nichtige Hochzeit.

Da sagt der König seinen Männern: „Die Hochzeit ist  zwar bereit, aber die Gäste waren es nicht wert. Darum geht hin auf die Straßen. Ladet zur Hochzeit, wen ihr findet!“

Nun haben es die Boten nicht mehr so schwer. Sie gehen einfach vors Haus und halten jeden an, der dort vorbeikommt. Sie sagen: „Komm nur mit, hier ist eine Hochzeit und du bist  als Gast eingeladen. Du erhältst auch vom Gastgeber ein Festkleid zum Geschenk..Es wird sicher ein schönes Fest!“

Jetzt geht es auf einmal sehr schnell mit den Gästen: Einer nach dem anderen kommt ins Haus. Es sind viele gute Menschen dabei, die man bedenkenlos zu einer Hochzeit einladen kann. Aber es sind auch Diebe und Betrüger und  Gottlose dabei, auch einige Kranke und Bettler. Doch alle dürfen sie kommen und die Tische sind bald alle voll.

Als der König aber in den Festsaal kommt, ist da ein Mann, der hat kein Festkleid an.

Er hat sich kein Kleid schenken lassen wollen, sondern hat sich in seinen Alltags­kleidern an den Tisch gesetzt. Der König fragt ihn „Wie bist du denn überhaupt hereingekommen?“ Der Mann weiß nichts zu sagen.

Da befiehlt der  König. „Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn aus dem Haus hinaus. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt!“

Dieses Gleichnis hat uns Jesus erzählt. Er will damit nicht von einer Hochzeit  berichten, bei der der Gastgeber seine Schwierigkeiten mit den Gästen hatte, sondern er will uns damit etwas deutlich machen vom Handeln Gottes: Gott lädt uns alle ein, zu ihm zu kommen. Aber wenn wir nicht kommen wollen, holt er sich andere, sein Haus wird auf jeden Fall voll.

 

Kinder tun nur das, was die Eltern ihnen vormachen.

Erwachsene haben            auch wie zur Zeit Jesu ihre Entschuldigungen:

Ausschlafen, Mittagessen, Sport, Waschen, Fernsehen.

„In der            Kirche sind doch nur Heuchler, die am Werktag nicht so leben, wie sie am Sonntag sich den Anschein geben. Mit denen setze ich mich nicht in eine Bank!“

 

Predigt:

Wenn ein Kind getauft werden soll, braucht man dazu Paten. Die Eltern überlegen sich sorgfältig, wen sie für dieses Amt bitten körnen. Meist sagt der Betreffende auch gerne zu. Aber manchmal erhält man auch eine Ablehnung, oft mit einer ganz fadenscheinigen Begründung.  Da müssen dann die Eitern einen anderen bitten In manchen Gemeinden ist auch schon vom Pfarrer ein Pate aus der Gemeine vermittelt worden.

Aber es ist doch furchtbar, wenn man zu so einer wichtigen Sache einlädt und erhält eine Ablehnung. Doch wir erleben das immer wieder einmal, auch wenn es sich um eine weniger wichtige Einladung handelt. Meist freuen sich ja die Verwandten und Freunde über eine Einladung. Manche werden auch stöhnen, weil ihnen der Zeitpunkt ungelegen ist, aber sie kommen doch, um den Gastgeber nicht zu beileidigen. Wieder andere entschuldigen sich wegen dringender Verpflichtungen. Wer aber eine Einladung ausschlägt, ist selber schuld daran, er versäumt etwas, das das Leben schön macht.

Natürlich  ist auch anderes wichtig. Es gibt Pflichten, an denen kommt keiner vorbei. Man kann nicht immer nur Feste feiern, man muß auch seine übliche Arbeit machen. Ud wenn die Mutter im Krankenhaus liegt und man sie nur am Sonntag besuchen darf, da wird man nicht lieber zur Hochzeit gehen, dort kann man auch noch später hingehen.

Wenn Jesus von einer Hochzeit erzählt, die ein König für seinen Sohn ausrichtet, dann geht es ihm um mehr als eine Familienfeier. Er spricht ja in Gleichnissen und will dabei etwas deutlich machen vom Reich Gottes. Hochzeit ist ein Sich-finden in engster und bleibender Gemeinschaft. Da will keins mehr ohne das andere sein. So könnte aber auch die Gemeinschaft sein, die wir mit Gott haben.

Wir gehören alle zur großen Familie Gottes. Wir haben unsren Stammplatz nicht nur in der Kirche, sondern auch bei Gott. Hier wieder werden wir eingeladen, nun auch tatsächlich zu kommen und mitzufeiern. Schon die Propheten haben grundsätzlich eingeladen, zur Zeit des Neuen Testaments war es dann soweit. Und schließlich ging man hinaus in die ganze Welt, um einzuladen, wen man findet. So ist das Evangelium auch zu uns gekommen. Aber wir stehen vielfach immer noch am Rand, obwohl wir getauft sind. Keiner kann sagen, ihn brauche Gott nicht einzuladen und zu rufen. Gottes Einladung wird immer dringlicher. Er läßt auch uns ausrichten: „Aus der Küche riecht es schon nach Bratenduft, das Essen steht schon auf dem Tisch, nun kommt doch auch!“

Aber schon immer gab es Menschen, die verachteten die Einladung Gottes. Sie dachten sich wohl: „Was der da auf den Tisch bringt, das können wir uns alle Tage leisten. Wir stellen doch selber etwas dar und sind nicht auf die Gnade und Barmherzigkeit eines anderen angewiesen!“ Sie wollen es sich leisten können, die Einladung abzulehnen. Sie sehen aber nicht, welchen Wert diese Einladung für sie hat. Sie meinen, sie brauchten Gott und sein Heil nicht.

Aber auch wenn viele nicht wollen, dann gibt Gott es trotzdem nicht gleich auf. Die Ablehnung steigert nur noch seinen Eifer und seine Güte. Auch wenn die Eingeladenen demonstrativ auf den Acker gehen oder zu ihrer Hantierung: die Einladung wird weiter ausgesprochen, Gottes Ruf gilt allen. Gottes Liebe läßt nicht nach. Er müht sich auch um die Menschen, die sich von ihm lossagen.

Vor allem müht er sich auf um uns. Wenn die Glocken läuten‚ dann wissen wir genau, was gemeint ist: Diese Einladung gilt jedem von uns persönlich. Ein Pfarrer ließ sich einmal am Sonntag vertreten und ging dann zur Gottesdienstzeit in die Häuser, um zu sehen, was die Leute so treiben. Sie waren erst verdutzt, dann entschuldigten sie sich: Wir haben große Wäsche, wir haben die Handwerker, wir wollen doch wenigstens einmal in der Woche alle zusammen essen, und so weiter.

Es sind die ehrenwerten Verrichtungen des täglichen Lebens in Beruf und Familie, die am Besuch des Gottesdienstes hindern. Aber es sind auch manche Betätigungen in Staat und Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur, Sport und Hobby. Dort will man Gutes tun und sich nützlich erweisen, aber dann bleibt keine Zeit für Gott. Man sagt auch Ich bin doch bisher auch ohne Gott ganz gut hingekommen. Ein anständiger Mensch kann ich auch so sein, und darauf kommt es doch letztlich an. Wenn sie alle so wären wie ich, dann brauchte sich Gott um die Welt keine Sorgen zu machen!“

Ja man meint sogar: „Für die anderen mußte Christus sterben. Aber wäre es nur um mich gegangen, dann wäre das nicht nötig gewesen. Ich habe mit niemand Streit angefangen, ich habe lieber auf mein Recht verzichtet. So brauche ich mir nichts vorzuwerfen. Fehler macht jeder einmal‚ kleine Patzer passieren jedem. Aber im großen und ganzen habe ich mir nichts vorzuwerfen, da kommt Gott schon bei mir zu seinem Recht!“

Aber wer so denkt, der läßt Gott vor lauter Korrektheit nicht an sich heran. Er meint im Grunde auch, die Einladung Gottes gehe ihr nichts an. Die Sünde der Selbstgerechtigkeit ist aber die Sünde aller Sünden, weil sie uns vom Gott lostrennt. Und Gott wollte uns doch bei seinem Fest dabei haben!

Wir wären doch auch beleidigt, wenn wir zu einem Fest einlüden und die Einladung würde abgelehnt. Nach damaliger Sitte wurde beim ersten Mal nur allgemein zur Hochzeit eingeladen und noch kein genauer Termin genannt. Aber jeder wußte, daß er sich bereithalten sollte. Da mußte er nicht ausgerechnet für diesen Tag des Festes sich noch Arbeit aufheben.

Wenn aber eine Absage nach der anderen kommt, überlegt man sich schnell, wenn man sich schnell, wen man noch einladen kann; es soll doch kein Stuhl an der Tafel frei bleiben. So macht Gott es aber auch: Wenn  w i r  nicht wollen, dann lädt er andere ein. Gott findet schon seine Leute und ist nicht angewiesen auf die, die er zuerst eingeladen hat.

Wenn fließendes Wasser auf Widerstand stößt, sucht es sich einen neuen Weg. So hat sich Gott den Heiden zugewandt, als Israel nicht wollte. Das war keine Verlegenheit, weil er mit Israel kein Glück hatte. Gott hat von vornerein alle Menschen geliebt. Er ist auch an denen brennend interessiert, die dies nicht für möglich halten, die meinen, in ihrem Leben und Denken sei für Gott kein Platz.

Mancher meint eben, das Frommsein setzte einen bestimmten Grad an Rechtschaffenheit und christlicher Lebensart voraus. Und vielleicht sind wir Kirchenleute auch der Meinung und haben manchen zurückgestoßen, den Gott wollte. Vielleicht haben wir anderen den Zugang verwehrt‚ weil wir ihnen deutlich machten: „So einer wie du kommt gar nicht in Frage, es fehlt dir an der Kinderstube und dein Leben ist zu ungeordnet, du sprichst eine unmögliche Sprache und du hast viel zu lange Haare!“

Aber täuschen wir uns nicht: Vielleicht verschließen wir uns gerade dadurch der Einladung Gottes. Und wenn wir in Deutschland nicht mehr auf ihn hören wollen, dann lädt er vielleicht die Menschen in Afrika und Asien ein. Und wenn niemand mehr zum Gotteshaus kommt, dann gehen die Boten vielleicht auf die Straßen oder in die Gaststätten oder in die Krankenhäuser. Es gibt bei uns zum Beispiel einen Pfarrer, der kümmert sich nur um die Landfahrer und Zirkusleute. Und ein bayrischer Bischof ging sogar in die Nachtbars von München, um Gottes Wort weiterzusagen. Go.tt hat viele Wege, die Menschen zu erreichen.       

Deshalb erreicht er auch uns ganz bestimmt. Für jeden von uns hält er einen  Stuhl an seinem Tisch bereit. Sein Tisch, das ist auch der Altar in unserer Kirche, an dem wir das Abendmahl feiern. Dorthin lädt Gott uns ein, daß wir sein Wert hören und mit ihm an seinem Tisch ein Fest feiern.

Doch wir stehen auch in der Versuchung, die Einladung Gottes abzulehnen. Es sind ja so viele, die auch nicht  hingehen. Aber Gott macht uns frei von allen falschen Bindungen. Wir brauchen uns nicht nach der Menge zu richten und nach unserem Vorteil zu schielen. Gott sucht sich seine Leute nicht aus, er ist nicht wählerisch. Gott nimmt uns so, wie wir sind.

Aber es sollte keiner meinen: „Wenn Gott mich auf alle Fälle nimmt, dann kann ich auch so bleiben , wie ich bin!“ Wir gehen ja auch nicht in unserer Arbeitskleidung zur Hochzeit, das wäre eine Beleidigung für den Gastgeber. Es gibt auch heute wieder Gaststätten, in die man nur mit gutem Anzug hineinkommt. Und zum Tanzstundenball wird festliche Kleidung erbeten. Auch zum Gottesdienst ziehen wir uns sonntagsmäßig an.

Wenn wir zu Gott kommen wollen, gehört schon eine entsprechende Vorbereitung dazu. Wir dürfen zwar zu Gott kommen, wie wir sind; aber: „Wir dürfen nicht so bleiben, wie wir waren!“ „Wir dürfen zwar zu Gott kommen, wie wir sind; aber wir dürfen nicht so bleiben, wie wir waren!“ [absichtlich wiederholt!]. Gott will veränderte Menschen und verzichtet nicht auf den Gehorsam und die Umkehr seiner Menschen

Doch zuerst erfolgt immer die Einladung..Der .Ernst der Forderung Gottes ist nur der Hintergrund für seine Einladung. Und wer diese Einladung ernst nimmt, der sorgt ganz von selber dafür, daß bei ihm alles in Ordnung kommt. Dann kann er auch wohl vorbereitet zum Festmahl des Herrn gehen. Dort steht die Tür weit offen, der Tisch ist gedeckt. Alles ist bereit für die Gäste. Wir  sind die Gäste, ja sogar die Familie Gottes. Es kommt nur darauf an, ob wir uns einladen lassen und dann auch wirklich hingehen .

 

 

Der barmherzigen Samariter: Lk 10, 25 - 37             

 

Erzählung mit verschiedenen Rollen:

Der Überfallene:

Da gehe ich doch eines Tages von Jerusalem nach Jericho. Keine bequeme Straße, sondern ein steiniger Weg, links und rechts Felsen, sehr einsam. Es ist ein gefährlicher Weg, weil dort oft Menschen überfallen und beraubt werden. Hoffentlich komme ich gut nach Jericho! - Doch was ist das? Da kommen Männer! Sie sehen so finster aus. Was soll ich tun? Wegrennen ist sinnlos. Und schon stürzen sie sich auf mich. Ich spüre die Schläge und stürze zu Boden. Dann ist alles dunkel um mich. Als ich aus meiner Bewußtlosigkeit erwache, merke ich, daß meine Kleider, mein Geld, mein Gepäck weg sind. Und die Wunden schmerzen so sehr! Die Sonne brennt so heiß!  Wenn doch jemand vorbeikäme! - Hat Gott meine Gedanken erhört? Ich sehe von ferne einen Menschen. Es ist ein Priester. Er wird mir helfen!  Er kommt näher, ist dicht bei mir. - Aber er geht vorüber. Warum? Ich möchte rufen, aber ich kann nicht. Er muß mich doch gesehen haben! Hat er denn kein Herz? Warum ist der Priester vorbeigegangen?

Der Priester:

Nun ist wieder eine Woche vorbei. Mein Dienst im Tempel von Jerusalem beginnt wieder. Gut die Hälfte des Weges habe ich schon hinter mir. Wenn es doch nur schneller ginge! Die Sonne brennt so erbarmungslos nieder. -  Was ist denn das für ein merkwürdiger Gegenstand da vorn? Das sieht ja aus wie ein Mensch. Niedergeschlagen - er ist bestimmt tot. Er bewegt sich nicht mehr. Dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Und außerdem würde ich mich verunreinigen. Das Gesetz verbietet es mir, einen Toten zu berühren. Ich dürfte den Gottesdienst nicht halten.-  Wenn er aber doch noch lebt? Ach, ich könnte ihm doch nicht helfen. Nur weiter, damit dieser anstrengende Marsch bald ein Ende hat!

Der Überfallene:

Ich bin verloren - die Schmerzen - ich kann mich nicht mehr bewegen. Und dann noch diese furchtbare Hitze! - Doch kommt da nicht noch ein Mensch? Ja, ein Kirchendiener, auch ein Diener Gottes! Jetzt wird mir doch noch geholfen. Ich werde am Leben bleiben.

Der Kirchendiener:

Ist das ein anstrengender Weg! Gut fünfzehn Kilometer werde ich wohl schon gelaufen sein. -  Was ist denn das da? Ein Mensch - ein Toter? Bestimmt niedergeschlagen und beraubt.  Vielleicht sind die Räuber noch in der Nähe. Nur schnell weg von hier!

Der Überfallene:

Was ist mit mir? Wo ist der Kirchendiener? Er hat mich auch liegengelassen, hat mir auch nicht geholfen! Jetzt gibt es keine Rettung mehr für mich. Meine Schmerzen werden immer größer. Wenn nicht bald Hilfe kommt, ist es zu spät für mich. - Aber ist

das möglich? Da kommt ja doch noch ein Mensch. Der Kleidung nach ein Fremder. Ach, ein Samariter. Der wird mir nicht helfen. Wir Juden verachten die Samariter. Er geht bestimmt an mir vorüber. Wenn sogar der Priester und der Kirchendiener mir nicht helfen, wird der Samariter bestimmt nichts für mich tun!

Der Samariter:

Die Sonne steht noch immer so hoch! Hoffentlich gibt es bald eine Möglichkeit zum Rasten. -  Aber was ist das? Da liegt ein Mensch am Wege.  Er bewegt sich nicht. Wie lange mag er hier schon liegen? Ich muß ihm helfen! Ja, er lebt noch ! Die Wunder sehen schlimm aus. Ich werde sie mit Öl und Wein auswaschen und notdürftig verbinden. Warum sind die Menschen so grausam?  Ich muß ihm weiterhelfen. Ich

werde versuchen, ihn auf meinen Esel zu setzen. Vielleicht finde ich bald eine Herberge.

Der Überfallene:

Ich muß noch einmal reden; denn es geht noch weiter. Als ich wieder einigermaßen klar denken konnte, war ich in einer Herberge. Es wurde gut für mich gesorgt. Ich bekam Kleider, Essen und Trinken, gute Pflege, bis ich wieder gesund war. Der Samariter hatte dem Wirt zwei Silbergroschen gegeben. Er hat sehr viel für mich getan.

Dieser Samariter hat mir das Leben gerettet.

 

Sprechmotette:

A  Es lag ein Mann am Wege

1 geschlagen

2 besiegt

3 beraubt

4 am Ende seiner Kraft.

B  Er war unter die Räuber gefallen.

 

A Sind nicht auch Räuber in unserem Leben?

1 Sie überfallen uns

2 Sie schlagen uns

3 Sie berauben uns

4 Sie besiegen uns

5 Sie lassen uns halbtot liegen

1 Die Räuber Hast und Eile                                             Alle: halbtot!

2 Die Räuber Neid und Mißgunst                                              Alle: halbtot!

3 Die Räuber Geld und Macht                                        Alle: halbtot!

4 Die Räuber Lüge und Aufschneiderei                                   Alle: halbtot!

5 Die Räuber Angst und Sorge                                       Alle: halbtot!

B  Sie lassen uns halbtot liegen.

 

A  Der Mann lag halbtot am Weg

B  Ein Priester und ein Kirchendiener gingen vorbei und…

 Alle: - ließen ihn liegen.

 

A Sie kamen vom Tempel, vom Gottesdienst.

1 Sie hatten Gottes Wort -                                     Alle: aber keine Liebe

2 Sie hatten die Gebote -                                      Alle: aber keine Liebe

3 Sie hatten das Opfer -                                        Alle: aber keine Liebe

4 Sie hatten fromme Sitten -                                 Alle: aber keine Liebe

5 Sie hatten das Gebet. -   aber keine Liebe .

B  Sie gingen vorbei und ließen ihn liegen;

Alle: - denn sie hatten keine Liebe.

A  Sind wir anders als der Priester und der Kirchendiener?

B  Gehen wir nicht auch vorbei an unserem Nächsten?

1 Wir haben keine Zeit!

2 Wir haben kein Geld !

3 Wir haben keinen Mut!

4 Wir haben keine Lust!

5 Wir haben keine Liebe!

B  Wir gehen an unserem Nächsten vorbei;

Alle: - denn uns fehlt die Liebe.

A  Ein Samariter reiste und kam vorbei.,

B  Ein Samariter - ein Fremder.

A  Wird er stehenbleiben oder auch vorübergehen?

B  Ja, er bleibt stehen;

Alle: - denn er hat Liebe!

 1 Er hat Zeit zum Verbinden-                  Alle: denn er hat Liebe

 2 Er hat Öl und Wein zum Heilen -        Alle: denn er hat Liebe

 3 Er hat Kraft zum Tragen-                      Alle: denn er hat Liebe

 4  Er hat nicht Angst vor Räubern-        Alle: denn er hat Liebe

 5 Er hat ein Dach und ein Lager-                      Alle: denn er hat Liebe

A  Er hat Geld und Zeit

B  denn er hat Liebe, dieser Samariter.

 

A  Haben wir auch solche Liebe?

B  Nein, wir haben sie nicht!

Alle: Jesus allein ist die wahre Liebe.   

1 Er liebt uns

2 Er kennt uns

3 Er sieht uns

4 Er ruft uns,

5 Er ruft uns.

Alle: Er hilft uns.

A  Er ist allein die wahre Liebe

B  Er macht uns fähig zu solcher Liebe;

Alle: denn ohne Liebe geht es nicht!

 

Glaubensbekenntnis

Der Pfarrer zunächst ein Glaubensbekenntnis, zu dem die Konfirmanden die Stichpunkte geliefert haben. Dann sprechen alle gemeinsam das übliche apostolische Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, der uns und die Welt geschaffen hat. Er hilft uns auch heute, indem er uns Menschen schickt, die für uns da sind, wie zum Beispiel die Eltern, der Pfarrer und der Arzt. Gott schützt uns vor der Angst und hilft uns, nicht zu hassen.

Ich glaube an Jesus, den Sohn Gottes. Er ist für uns gestorben und macht unser Leben heil. Ich glaube an den Heiligen Geist. Er hält die Gemeinde zusammen. Er gibt uns nicht nur den Verstand, sondern auch den Glauben und den Mut, ihn zu bekennen. Nicht einmal vor dem Sterben brauchen wir Angst zu haben.

 

Predigt:

Da kann ein Junge einen anderen nicht leiden. Was macht er? Er holt sich noch einen anderen und dann geht es auf dem Heimweg von der Schule auf das arme Opfer los. Der Überfallene weiß gar nicht, was die beiden gegen ihn haben. Er wehrt sich nach Kräften. Aber gegen zwei Mann ist er eben machtlos.

Da sieht er einen kommen, der sonntags immer mit zum Kindergottesdienst geht. „Der wird mir helfen“, denkt er, „denn der Pfarrer sagt doch immer, wir sollen zusammenhalten!“ Aber der Junge tut so, als habe er nichts gesehen. Interessiert sieht er in die entgegengesetzte Kinderung, als ob es dort etwas zu sehen gäbe.

Jetzt aber kommt der Sohn des Pfarrers. „Der wird es anders machen!“ denkt der Überfallene. „Der wird auch nach dem handeln, was er gehört hat!“ Aber er hat sich wiederum getäuscht. Der andere sieht zwar, was los ist. Aber er biegt vorher schnell in eine Seitenstraße ab, auch wenn das ein Umweg für ihn bedeutet . Sicher hat er Angst, er könnte auch mit verhauen werden. Er will sich da heraushalten, es geht ihn ja auch nichts an.

Wer wird nun dem armen Jungen helfen, den zwei Stärkere in die Klemme genommen haben? Die seine Freunde hätten sein müssen, haben ihn im Stich gelassen. Allein aber schafft er es nicht, sich von seiner Gegnern zu befreien. Wer wird ihm helfen, wer wird ihm zum Nächsten werden?

Zur Zeit Jesu sagte man: „Man braucht nur dem zu helfen, der zum gleichen Volk und zur gleichen Kirche gehört!“ Der Priester und der Kirchendiener waren also verpflichtet zum helfen, der Samariter nach ihrer Meinung nicht.  Aber dieser Fremde hat mehr von Gottes Geboten verstanden als die frommen Leute. Er

hilft dem Überfallenen.

Und er fragt nicht erst: „Gehörst du auch zur gleichen Kirche wie ich? Gehörst du überhaupt zur Kirche? Bist du vielleicht ein Ausländer oder auch nur aus einem fremden Ort?“ Jesus verbietet uns, so zu denken. Er will deutlich machen: Wer mein Nächster ist, das kann man nicht vorher bestimmen. Wenn einer in Not ist und Hilfe braucht, dann ist er mein Nächster. Und ich bin ihm ein Nächster, d.h. ich bin der Nächste für ihn, der ihm helfen kann.

Aber oftmals helfen wir ja nicht einmal denen, die zu uns gehören, geschweige denn Fremden. Doch wir brauchen uns ja nur einmal vorzustellen, wir wären selber auf Hilfe angewiesen. Die am Anfang geschilderte Situation hat sicher schon jedes Kind kennengelernt. Und auch die Erwachsenen werden ja oftmals in die Zange genommen.

Oder stellen wir uns vor, wir sind krank und wünschen uns, daß einmal einer nach uns sieht. Aber sie haben alle keine Zeit oder sie fürchten sich vor Ansteckung und keiner kommt. Wir haben zwar heute Ärzte und Krankenhäuser und den Krankentransport. Aber dennoch braucht ein Kranker viel persönliche Zuwendung. So wie der Samariter mit dem Überfallenen Mitleid hat und mehr tut, als es seine Pflicht ist, so braucht auch ein Kranker mehr als eine medizinische Pflege. Und da können wir nicht sagen: „Warum soll gerade ich gehen? Soll er es doch die anderen aus der Klasse oder aus der Arbeitsgruppe tun?

Wer so denkt, hat Jesus noch nicht verstanden. Jesus sagt: „Es gibt keine Gemeinschaft mit Gott, wenn ihr eurem Mitmenschen nicht helfen wollt. Der Weg zu Gott macht keinen Umweg um den Mitmenschen herum, sondern führt genau an ihm vorbei und zu ihm hin. Selbst wenn einer auf dem Weg zum Gottesdienst ist, geht das Gebot vor: „Liebe deinen Nächsten!“ Wenn man ihm hilft, dann ist das auch Gottesdienst, nämlich ein Dienst für Gott.

Damit soll nicht gesagt sein, daß man nicht zum Gottesdienst zu gehen braucht, wenn man nur ein anständiger und hilfsbereiter Mensch ist.  Aber damit ist jener furchtbare Satz verurteilt: „Jeder ist sich selbst der Nächste!“ Wenn wir wirklich danach handeln wollten, dann wäre die Menschheit bald untergegangen. Nichtig muß es heißen: „Jeder ist jedem der Nächste!“

Allerdings sollten wir auch daran denken, daß Vorbeugen besser ist als Heilen. Darauf hat der ermordete amerikanische Schwarzenführer Martin Luther King in einer Auslegung unserer Geschichte hingewiesen. Er sagte: „Die Christen haben immer gewartet, bis einer unter die Räuber fiel; und dann sind sie hingegangen und haben ihn verbunden und gepflegt. Heute aber kommt es darauf an, die Straßen so sicher zu machen, daß es keine Räuber mehr gibt!“

Aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Wenn man die Gefahr vorher abwehren kann, ist das natürlich besser. Aber man wird nicht alle Unfälle und Überfälle und Zwischenfälle ganz ausschalten können. Wenn etwas passiert ist, dann gilt es zu helfen. Man muß nur die Augen offenhalten und vielleicht auch sich rechtzeitig für die eine oder andere Hilfeleistung ausbilden lassen.

Die Kraft dazu wird uns Jesus geben. Im Grunde ist er ja der barmherzige Samariter, der den Menschen hilft. Er kann auch uns helfen,  wenn wir in Not sind, zum Beispiel, indem er uns andere Menschen zu Hilfe schickt. Aber er braucht auch uns, damit wir anderen helfen. Und wenn wir helfen, dann tun wir etwas für Jesus

 

Fürbittengebet

Lieber Gott, die Schule und hat wieder begonnen. Da bitten wir dich besonders darum, daß die Lehrer Verständnis haben für die Kinder, die an Gott glauben. Laß uns in Konflikten fest bleiben. Gib, daß sich die Eltern darin einig sind. Wir bitten dich für die kranken Kinder und die Kinder, die unsicher sind im Glauben, Zweifel und Fragen haben. Laß die Eltern Vorbild und Helfer für ihre Kinder sein.

Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens.... Vaterunser im Himmel....

 

 

Pharisäer und Zöllner: Lk 18, 9 - 16

In  [Name des eigenen Ortes einfügen]  gingen einmal zwei Menschen in die Kirche zum Gottesdienst [Aus dem hinteren Teil der Kirche kommen zwei Jungen oder auch zwei Erwachsene: Der eine stellt sich vorne neben den Altar, der andere bleibt ziemlich hinten stehen].

Der eine war ein angesehener Mann aus einer alteingesessenen Familie. Sein Vater war schon  im Kirchenvorstand gewesen, und alle Leute hielten ihn für einen anständigen und frommen Menschen. Er hatte eine kleine Firma und behandelte seine Leute gut: Jedes Jahr zu Weihnachten erhielten sie ein Weihnachtsgeld. Weihnachten und Ostern, zur Goldenen Konfirmation und zum Erntedankfest ging er auch jedesmal zum Gottesdienst, und ab und zu sah man ihn bei einer Beerdigung.

Der andere Mann war ein einfacher Transportarbeiter in einer großem Fabrik. Er war irgendwie in den Ort verschlagen worden: Er hatte nichts gelernt und hatte es auch inzwischen zu nichts gebracht. Er wohnte allein in einem Dachzimmer und hatte weder Verwandte noch Freunde. Aber er war bereit, für Geld und gute Worte aus der Firma Betrieb allerhand Dinge mitzunehmen, die andere Leute brauchten. Das Geld setzte er dann nachher in Bier und Schnaps um. Er hatte auch schon einmal wegen seiner Diebstähle im Gefängnis gesessen. Aber nichtsdestotrotz stand er sich jetzt auch mit der Polizei gut. Alle brauchten ihn, aber sie fürchteten ihn auch. Natürlich war er getauft und konfirmiert. Aber die Kirche kannte er nur von außen. Wie hätte er sich auch unter die feinen und anständigen Leute wagen können. Ihm stand das Verbrechen ins Gesicht geschrieben.

Aber heute gehen beide Männer zum Gottesdienst. Den Firmeninhaber haben alle kommen sehen. Breitbeinig steht er vorne am Altar und hat die Hände zum Gebet gefaltet. Er strahlt  Zuversicht und Würde aus [der Junge am Altar faltet zunächst die Hände, dann hebt er sogar die Hände zum Himmel]. Im Stillen betet er vor hin: „Ich danke dir

Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Diebe, Ausbeuter, Ehebrecher, oder auch wie dieser Gauner, der hinter mir hereingekommen ist [Er deutet mit der Hand über die Schulter zu dem anderen]. Ich verzichte zwar nicht gern auf Auto, Fernseher und Wochenendhaus, und Essen und Trinken schmeckt mir auch gut. Aber ich zahle doch pünktlich meine Kirchensteuer und gebe jedesmal 20 Euro in den  Klingelbeutel. Und wenn sonst einmal etwas in der Kirche gebraucht wird, dann bin ich auch nicht kleinlich!“ [Gut wäre es natürlich, wenn der Junge dieses Gebet selber sprechen würde]

Der Arbeiter aber, den man für einen Gauner hält, wagt sich nicht nach vorne. Plötzlich fallen ihm all seine Untaten ein. Was würde Gott wohl zu seinem Leben sagen? Er möchte doch wieder alles in Ordnung bringen und auch zu Gott gehören dürfen. So kann er nur aus tiefstem Herzen bitten: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

An diesem Sonntag wird im Gottesdienst eine Geschichte verlesen und ausgelegt, die Jesus einmal den stolzen Leuten seiner Zeit erzählt hatte. Sie bildeten sich ein, zu den Frommen zu gehören und verachteten die anderen Leute wegen ihres angeblichen Unglaubens.

 

Frage an die Kinder: Wer weiß, wie diese Geschichte in der Bibel heißt? Der möge bitte nach vorne kommen und es mir ins Ohr sagen! Das älteste Kind darf dann den Bibeltext nach der Lutherbibel noch einmal vorlesen, die anderen erhalten ein Bild als Belohnung.

Jesus meint also zu dieser Geschichte: Gott erhört das Gebet des Sünders und spricht ihn frei. Er darf gerechtfertigt heimgehen, weil Gott ihn wieder richtig gemacht hat. An diesen Sonntag ging auch in  [Name des eigenen Ortes] der verachtete Arbeiter getröstet heim, denn er durfte wieder zu Gott gehören.

 

Lied: „Paß auf  kleines Auge, was du siehst…“ (mit den entsprechenden Bewegungen).

 

 

Verleugnung des Petrus: Lk 22, 31 - 34 und 54 - 62

 

Anspiel:

Mutter: Vergiß nicht,  zum Kindergottesdienst zu gehen!

Junge:. Da brauchst du mich nicht daran zu erinnern.

Mutter: Hier hast du das Gesangbuch.

[Draußen trifft der Junge eine Gruppe Mitschüler. Er steckt das Gesangbuch schnell in die Tasche].

1. Kind. Habt ihr schon gehört: Heute gibt es „Asterix“ in einer Frühvorstellung!.

2.Die aus dem Nachbardorf wollen auch kommen!

3. Kind. Hoffentlich ist keiner von den Lehrern mit drin!

4. Kind: [zu den Jungen]: Wir gehen jetzt in „Asterix“, gehst du mit?

1. Kind. Was hast du denn da in der Tasche?

Junge: Ach, weiter nichts, laß mich in Ruhe!

2. Kind: Laß mal sehen!

[Es gibt ein Gerangel. Sie ziehen ihm das Gesangbuch heraus]

Junge: Ach, das hat weiter nichts zu bedeuten!

4. Kind: Du wolltest wohl in die Kirche. Du bist doch einer von denen!

1. Kind: Klar, der will in die Kirche!

Junge: Ich gehe doch nicht zu so etwas!

2. Kind. Ich habe dich aber schon dabei gesehen

Junge: Das alte Gesangbuch habe ich nur dabei, weil ich damit Briefmarken pressen wollte. Aber wenn ihr mir nicht glaubt, dann kann ich es ja auch wegwerfen [Wirft es weg).

3. Kind: So ist es richtig. Wer geht denn noch in die Kirche!

 

Erzählung:

Jesus wußte, wie schwer es ist, am Glauben festzuhalten, wenn Verfolgung und Nachteile drohen. Er wußte, daß er bald würde sterben müssen und der Druck auf die Jünger dann zunehmen würde. Deshalb hat er sie alle noch einmal versammelt, um sie innerlich auf die kommende Zeit vorzubereiten.

Zu Petrus sagt er: „Simon, Simon, der Satan hat euer begehrt, daß er euch möchte sieben wie den Weizen!“ Er spricht ihn nicht mit seinem anderen Namen „Petrus“  an, was ja „Fels“ bedeutet, sondern er will ihn daran erinnern: „Du bist ja nur ein schwacher Mensch!“ Der Satan hat euch von Gott heraus verlangt, um euch auf die Probe stellen zu können. Er wird euch schütteln wie wenn man den Weizen in die Luft wirft, damit die Spreu davonfliegt. So will er auch all die ausscheiden, die nicht echte Jünger Jesu sind.

Jesus hat nicht darum gebeten, daß die Jünger vor dieser Gefahr bewahrt werden. Aber er bittet darum, daß der Glaube des Petrus nicht aufhört, denn aus eigener Kraft wird er nicht bestehen können. Erst wenn er erkennt, daß; erst die Fürbitte Jesu ihn vor dem Untergang bewahrt hat, wird er auch die anderen im Glauben stärken können. Dann wird er ihnen durch Stunden der Anfechtung hindurch helfen können und ihnen das Wort sagen können, das sie in ihrem Kampf stärkt.

Petrus hat sich die Sache gut überlegt. Er rechnet damit, auch verhaftet und vielleicht getötet zu werden. Er will trotzdem bei Jesus bleiben und das Gleiche leiden wie er. Feierlich sagt er: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen!“ Daß er auch versagen kann, daran denkt er nicht. Er ist sich seiner Sache sicher, denn er weiß noch nicht, was es heißt, wenn der Satan erst einmal einen Menschen versucht. Doch Jesus sagt zu ihm: „Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, daß du mich kennst!“

Es kommt, wie Jesus es vorausgesehen hatte: Er wird gefangengenommen und in den Palast des Hohenpriesters gebracht. Petrus ist auch tatsächlich mutig und folgt der Gruppe mit einigem Abstand. Er will sehen, was jetzt mit seinem Herrn geschieht. So setzt er sich zu den Soldaten, die im Hof ein Feuer angezündet haben. Er tut so, als sei er nur irgendein Neugieriger.

Da kommt eine Frau vorbei und sieht Petrus an Feuer sitzen. Sie bleibt stehen, kommt ganz nahe an Petrus heran, sieht ihm genau ins Gesicht und sagt dann: „Du gehörst doch auch zu diesem Jesus, du bist doch auch mit ihm zusammengewesen!“ Petrus aber schüttelt mit dem Kopf und sagt: „Frau, ich kenne ihn nicht!“

Kurz darauf Kommt ein Mann und sagt: „Du bist euch einer von denen!“ Petrus aber antwortet wieder: „Mensch, ich bin es nicht!“ Etwa nach einer Stunde kommt wieder einer und bekräftigt noch einmal das, was alle schon wußten: „Wahrlich, dieser war auch mit ihm, denn er ist ein Galiläer, seine Sprache verrät ihn!“ Petrus aber schreit ihn an: „Mensch, ich weiß nicht, was du sagst!“

Aber als er noch redet, kräht der Hahn. Es ist so gekommen, wie Jesus es vorausgesagt hatte. Petrus wollte so stark sein. Aber nun hat er wegen so einer geringen Sache seinen Herrn verleugnet, hat geleugnet, zu ihm zu gehören.

Da dreht sieh Jesus um und seht Petrus an. Er hat drinnen im Haus bemerkt, was draußen geschehen ist. Petrus fühlt die Augen Jesu auf sich gerichtet. Wie ein Blitz durchzuckt es ihn. Und ihm fällt das Wort Jesu ein: „Ehe der Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen!“ Da geht Petrus hinaus und weint  bitterlich.

[Ein Bild zur Verleugnung des Petrus von Hans-Georg Annies findet sich in der Datei Religionsunterricht NT II, Leiden und Auferstehung].

 

Was soll der Hahn dort auf dem Turme?                                             

Diese Frage wird immer wieder gestellt und meist mit dem Hinweis auf Petrus beantwortet. Der Hahn bezieht sich aber nicht auf einen Menschen, sondern auf Gott.

Er ist in der Symbolsprache der Sieger über die Dunkelheit,  der die Gemeinde weckt, lenkt und hütet, der sie ruft, ihr predigt. Wenn die ersten Strahlen der Morgensonne die Spitze  des Turmes erreichen, unter  der noch alles im Dunkel liegt, leuchtet er als der Überwinder der Nacht, als Wächter, Hüter und Rufer.  

Im Ambrosianischen Morgenhymnus erscheint der Hahn schon im symbolischen Gewand der späteren Zeit als Prediger, „der die Darniederliegenden aufweckt, dessen Ruf Hoffnung kündet, Heil ...“. Von solchen Turmhähnen hören wir bereits im 9. Jahrhundert und im 11. Jahrhundert wird ein „vergoldeter Han“ erwähnt,  ein Zeichen hoher Verehrung.

Daß der Hahn - wie viele meinen - ein Zeichen katholischen Glaubens wäre, ist nicht auf die Häufigkeit seines Vorkommens in solchen Gegenden zurückzuführen. Auf vielen evangelischen Kirchtürmen thront er als Wahrzeichen des Glaubens, entstanden in barocker oder nachbarocker Zeit, und es gibt auch moderne Gestaltungen, die diese reiche Symbolkraft Christi tragen.

Es gibt bedeutende Kirchen und Dome, die vor der Reformation gebaut sind und auf den Türmen Kreuze tragen aus Metall oder aus Stein (zum Beispiel die Kreuzblumen auf den Türmen des Magdeburger Domes). Es gibt auch evangelische Kirchen, die einen Turmhahn haben (einen solchen besang der evangelische Pfarrer und Dichter Eduard Mörike in einem bekannten Gedicht). Die Auswahl der schmückenden Symbole hing wohl stets von den Künstlern und Gestaltern ab, die verschiedene Vorstellungen und Visionen hatten; je nach ihrem Geschmack  oder ihren Lehrmeistern. Infolgedessen finden wir in und an Kirchen verschiedener Konfessionen die gleichen Symbole.

Unter den christlichen Symbolen tauchte der Hahn schon auf, bevor man ihn zur Wetterfahne machte. Das Tier galt als Symbol der Auferstehung: „Wie dieser Vogel einen neuen Tag ankündigt, so leben auch die Gläubigen in der Erwartung des neuen Tages, an dem Christus wiederkommen wird. Als es schien, daß seine Rückkehr wohl nicht in nächster Zukunft erfolgen würde, machten sie aus dem Hahn zunächst das Symbol des kommenden Himmelreiches, dann der Hoffnung auf neue Zeiten.

 

Predigt:

„Wer dreimal lügt, dem glaubt man nicht!“ Das könnte man auch über Petrus sagen: Dreimal wurde er gefragt , wie er zu Jesus steht; und dreimal hat er gesagt: „Den kenne ich nicht!“ Nachdem er das erstemal gelogen hatte, mußte er immer weiter lügen, immer heftiger und immer furchtbarer. Und so war es auch mit dem Kind in dem Spiel: Wenn man sich nicht gleich zu Jesus bekennt, kommt man nachher nicht mehr dazu.

Dabei hatte Petrus tapfer sein wollen. Er war es ja auch, als Jesus verhaftet werden sollte. Da hat er das Schwert gezogen und zugeschlagen. Erst Jesus hat ihn von weiterer Gewalt abbringen können. Ja, wenn man die Gefahr deutlich vor Augen sieht, kann man sich darauf einstellen und sich dagegen wappnen.

Aber nachher im Hof des Hohenpriesters, in der Dunkelheit, da kam es nicht so darauf an, meinte Petrus. Was sollte er sich unnötig in Gefahr begeben? Er war doch niemandem Rechenschaft schuldig, schon gar nicht irgendeiner jungen Frau, die nur neugierig war. Petrus hatte nicht mit einer solchen Frage gerechnet; er war nicht darauf eingestellt und ließ sich überraschen.

Aber es ist nun einmal so, daß man jederzeit zum Bekenntnis zu Jesus bereit sein muß. Wir können uns nicht aussuchen, ob und wann unser Glaube in Frage gestellt wird. Auf dem Weg oder bei der Arbeit kann man schnell einmal gefragt werden. Und da kann man es nicht so machen wie in dem Spiel oder wie es auf einem Bild für die Christenlehre zu sehen ist: Da deutet auch einer auf einer anderen und sagt zu ihm: Du warst doch auch mit diesem Jesus! Der aber versteckt schnell das Kreuz hinter dem Rücken. Wir brauchen nichts zu verstecken, sondern können unseren Glauben frei und offen zeigen.

Auf der Spitzen der Kirchtürme befindet sich ein Kreuz oder ein Hahn, um allen deutlich zu machen: Hier befindet sich ein Gotteshaus .Die Kirche versteckt sich nicht. Und die Christen sollten sich auch nicht verstecken. Der Hahn auf dem Kirchturmdach kann uns dabei erinnern, wie es dem Petrus gegangen  war. Der Hahn wird von jedem Wind hin und her bewegt. Er dreht und wendet sich, mal hier hin, mal dort hin. So kann ein Christ es nicht tun, sondern er hat sich immer auf Christus auszurichten.

[Einige Kinder dürfen nach vorne kommen und einen beweglichen Hahn mit der Hand drehen oder durch Pusten so Wind machen, daß er sich dreht. Am besten ist er natürlich, wenn man anläßlich einer Kirchturmreparatur den echten Hahn in der Kirche hat. Zuletzt wird der Hahn auf den Altar ausgerichtet, um zu zeigen, auf wen wir uns alle ausrichten sollen].

Ein Christ fragt nur nach Christus und nicht nach dem, was die Leute so sagen. Was die Lehrer den Kindern beibringen, ist ja ganz gut. Aber wenn einer sagt: „Gott gibt es doch gar nicht!“ dann brauchen wir nicht darauf zu hören.  Wenn den Soldaten gesagt wird: „Du mußt es lernen, andere Menschen totzuschießen!“ dann braucht ein Christ da lange noch nicht mitzumachen. Und wenn in der Firma  alle während der Arbeitszeit etwas anderes machen, hat ein Christ  von seinem Herrn noch lange keine Erlaubnis dazu.

Ein Christ fragt nicht, was alle machen, sondern was sein Herr von ihm verlangt.

Der Hahn auf dem Kirchturm kann uns daran erinnern. Er gilt schon seit der alten Kirche als Symbol für den Sieg über die Dunkelheit.  Er weckt die Gemeinde aus dem Schlaf und der Gleichgültigkeit, er ruft und predigt ihr. Wenn über der Stadt noch die Dunkelheit liegt, dann erreichen die ersten Strahlen der Morgensonne schon

die Kirchturmspitze. Der Hahn dort ist ein Hinweis auf Christus, der die Geister der Dunkelheit überwindet und zu einem lichtvollen Tagewerk ruft.

Der Hahn erinnert also nicht nur an Petrus und warnt dadurch davor, nicht wetterwendisch zu werden. Er erinnert aber auch an Jesus, der der Sieger über Finsternis und Tod ist und auf den wir uns alle fest ausrichten sollen. Petrus hat das gewollt, und es ist ihm auch zu einem guten Stück gelungen. Er wurde der Freund Jesu und hat dafür seinen Beruf und sein Einkommen und seine Heimat aufgegeben.

Wir brauchen einen Freund in guten wie in bösen Zeiten. Wenn einer keinen Freund oder keine Freundin hat, dann ist er traurig. Jesus will gern unser Freund sein. Nur manche sind da mehr für eine heimliche Freundschaft. Es muß ja nicht jeder gleich merken, daß ich auch zur Kirche gehöre; die anderen geht das ja auch überhaupt nichts an.

Jesus aber ist traurig, wenn wir uns nicht zu ihm bekennen. Schon sein eifrigster Jünger Petrus hat versagt, weil er Angst hatte. Petrus hat das nachher bitter bereut. Es heißt am Schluß: „Er weinte bitterlich!“ Wann weint schon einmal ein Mann?! Da muß es ihm doch wirklich an Herz und Nieren gegangen sein. Wenn die Freundschaft nur von ihm abhinge, dann wäre sie in diesem Augenblick zerbrochen. Aber Jesus schaut Petrus an und macht ihm damit deutlich: „Ich bleibe dein Freund, ich bekenne mich zu dir, ich halte an dir fest!“ Das gilt auch für uns: Jesus bleibt unser Freund, auch wenn wir einmal versagt haben. Wenn wir ihn vielleicht auch einmal verleugnet haben, so können wir es doch beim nächsten Mal besser machen.

 

 

Der gute Hirte: Joh 10,1 - 6 und 14 - 16

 

Groß-Leporellos von  Hans-Georg Annies: „Jesus, unser guter Hirte“."

Bild 1: Auf einer sattgrünen Wiese steht im gelben Feld der Hirte im braunen Umhang. Er wacht über die Herde, die unter seinem Blick vor ihm weidet. Die linke Hand umfaßt fest den Hirtenstab, der ein Schaf abschirmt von der sich von rechts nähernden Gefahr in Gestalt eines grauen Wolfes. Die Herde ahnt nichts von der Gefahr, am wenigsten das Lamm, das der Hirte im Arm hält. Vielleicht ist es krank oder verletzt oder noch zu schwach; der Hirte jedenfalls faßt es behutsam an und hält es fest. Ein Schaf schaut zu dem Hirten auf, vielleicht das Muttertier des Lammes auf dem Arm des Hirten. Und auch ein kleines Lämmchen in der Mitte der Herde springt fröhlich in Richtung auf den Hirten hin. Keiner hat Angst, sie fürchten keine Gefahr, auch die anderen Schafe grasen friedlich, es ist genug zu fressen da und auch reichlich Wasser. Sie wissen alle: Wir haben einen guten Hirten, der für seine Herde sorgt, sie bewacht und beschützt.

Bild 2: Nun wissen wir, wer mit dem guten Hirten gemeint ist, von dem wir vorhin aus der Bibel gehört haben. Im gelben Feld steht jetzt in der Form eines Kreuzes und im weißen Gewand - Jesus ! Auch seine Augensind weit und wachsam geöffnet, die Arme schützend und segnend ausgebreitet. Er ist schützend und helfend unsichtbar am Werke beim Mittagstisch, am Krankenbett, beim Spielen (dreifach), in der Schule. Überall ist Jesus mit dabei, vor uns oder hinter uns.

Bild 3: Nun sitzt Jesus und hat auf dem Schoß ein kleines Kind.  Zwei größere Kinder, ein Junge und ein Mädchen, treten zu Jesus heran und begeben sich in den Schutz seiner Liebe. Sein einer Arm umfängt aber auch die Taufe eines Kindes (Taufstein, Kind, Pfarrer, Eltern, Paten). Jesus hat alle Kinder lieb und will sie bei sich haben. Das wurde den Eltern und Paten bei der Taufe gesagt. Nun sollen die inzwischen herangewachsenen Kinder etwas Näheres darüber im Religionsunterricht erfahren.

Bild 4: Jesus steht immer noch im gelben Feld. Aber von links nähert sich ein schwarzes Ungeheuer, dessen Ober- und Unterkiefer aus Lanzen bestehen, die gegen Jesus gerichtet sind. Da kommen Menschen, die den guten Hirten Jesus verhaften wollen. Er streckt ihnen auch willig seine rechte Hand hin und läßt es geschehen.

Den linken Arm aber hält er weiter schützend über die Kinder, die zum Gottesdienst kommen. Er scheint ohne Macht zu sein, und hat doch alle Macht, die Seinen zu bewahren(diese Liedstrophe wurde dazu gedichtet).

Bild 5: Das gelbe Feld ist gezackt, Jesus ist am Kreuz( Haupt geneigt, Nägel). Zwei Jungen umarmen sich als gute Freunde, ein Mädchen zeigt dem Geschwisterchen den Gekreuzigten, ein Junge hilft einer alten Frau einen Wagen schieben. Daß wir das können, hat Jesus durch seiner Tod erreicht. Doch zwei Jungen prügeln sich immer noch (Fußtritt, Faust); sie benehmen sich nicht so, wie es nach Jesus möglich und gefordert ist.

Bild. 6: Jesus sitzt als der Auferstandene vor dem gelben Kreuz, die Schrift auf den Knien und die Augen auf den Beschauer gerichtet. Unsichtbar ist er immer da, lehrend und hörend, wenn wir bei Tisch oder vor dem Zubettgehen beten, wenn wir aufmerksam im Religionsunterricht hören, wenn wir uns die Worte Jesu einprägen und lernen, wenn die Mutter uns vorliest aus einem christlichen Buch, wenn der Vater im Garten uns die Blumen als wunderbare Gabe Gottes zeigt, wenn wir zum

Kindergottesdienst gehen.

Zwischen den einzelnen Bildern wird jeweils eine Liedstrophe gesungen, nach der Predigt wird noch einmal das ganze Lied gesungen.

Bei der Erläuterung der Bildtafeln dürfen einzelne Kinder vorkommen, sich die kleinen Bilder ansehen und sagen, was dargestellt ist. Dabei soll deutlich werden, daß diese Alltagswelt der Kinder etwas mit Jesus und mit dem Glauben zu tun hat.

 

Predigt:

Wir haben gesagt: Jesus ist unser guter Hirte! Aber wie zeigt sich das nun in unserem Leben? Jesus kommt doch nicht mit einem großen Stock zu uns und wehrt alle bösen Feinde ab! Er hilft uns heute eben auf andere Art und Weise.

In einem Laden kann es oft passieren, daß die Kinder beiseite geschoben werden. Viele Erwachsene  sagen: „Die Kinder haben doch Zeit, die können warten!“ Dabei haben sie genauso wenig Zeit wie die anderen auch: Sie haben Schule, müssen Hausaufgaben machen, wollen zu Hause helfen und wollen natürlich auch noch einmal spielen können. Wer aber steht so einem Kind bei, wenn es von den Erwachsenen verdrängt wird? Vielleicht sagt die Verkäuferin: „Nein, bei mir geht es der Reihe nach; auch die Kinder kommen dran, wenn sie an der Reihe sind!“ Dann ist die Verkäuferin der gute Hirte für das Kind. Vielleicht weiß sie gar nichts von Jesus  und geht nicht zur Kirche. Aber sie hat gehandelt, wie Jesus auch gehandelt hätte. Jesus hilft uns nicht mehr selber, sondern durch andere Menschen.

Das bedeutet zweierlei: Einmal dürfen die Kinder wissen, daß sie nicht in dieser oft kinderfeindlichen Welt verlassen sind. Es gibt immer Menschen, die etwas von dem begriffen haben, was Jesus wollte und die dann zum Helfer und Beschützer der Schwachen werden. Kein Kind braucht sich in dieser Welt einsam und allein zu fühlen  Zweitens aber bedeutet das eine Aufforderung an die Erwachsenen, zu solchen guten Hirten zu werden. Es ist gar nicht so schwer, im Sinne Jesu und als sein Jünger zu leben. Das eben erwähnte kleine Beispiel macht es deutlich. Wir brauchen eben solche erwachsenen Christen, die ihre Aufgabe heute erkennen und mit kleinen Schritten sie zu verwirklichen beginnen.

Wie können wir nun den guten Hirten vom bösen Wolf unterscheiden? Im Johannesevangelium haben wir gehört: Der wahre Hirte kommt nicht auf Schleichwegen, sondern durch die Vordertür. Wer uns frei und offen begegnet, der kann keine bösen Absichten haben. Wer aber hinterhältig ist, hinter unserem Rücken redet und uns nicht offen in die Augen sehen kann, der verdient unser Vertrauen nicht. An unsrem Lebensweg und an dem unsrer Kinder werden immer wieder solche Wölfe auftreten, die sie aus der schützenden Herde rausreißen wollen.

[Erläuterungen aus der Zeit der DDR: Man hört zur Zeit wieder von verschiedenen Orten, daß die Kinder in der Schule wegen ihres Glaubens und wegen ihrer Teilnahme an Christenlehre und Konfirmation regelrechten Verhören ausgesetzt sind. Das ist zwar ungesetzlich, aber es soll damit erreicht werden, das eine oder andere Glied aus der Herde herauszubrechen.

Man sagt dabei sogar ganz offen: „Wir wollen nur prüfen, wie weit es mit dem Glauben der Betreffenden bestellt ist. Ob sie nur deshalb an der Konfirmation teilnehmen, weil die Oma ihnen ein Fahrrad als Geschenk versprochen hat oder ob es ihnen Ernst mit dem Glauben ist!“ Das ist eine schwerwiegende Verleumdung, die Kinder nähmen nur wegen solcher Geschenke an der Konfirmation teil.

Dabei ist es doch eher umgekehrt: Sie nehmen doch nur an anderen Dingen wie der Jugendweihe teil, weil ihnen sonst schwere Nachteile angedroht worden sind. Christenlehre und Konfirmation dagegen sind völlig freiwillig. Kein Kind kann dazu gezwungen werden, selbst wenn Eltern und Großeltern auf es einreden. Wir erleben es ja immer wieder einmal, daß es die Eltern sehr gern sähen, aber das Kind eben doch nicht mitmacht.

Sie, liebe Eltern, und ihr, liebe Kinder, seid natürlich durch solche           Angriffe und Vorwürfe herausgefordert. Beweist durch eure Worte und euer Verhalten, daß ihr es ernst meint. Haltet fest zusammen, laßt keinen weggehen, und haltet euch zu dem guten Hirten Jesus Christus]

Unter der Stadt Rom gibt es seit dem Altertum unterirdische Gänge, in denen die Christen sich versteckt haben, als sie noch vom Staat verfolgt wurden. Dort haben sie sehr oft ihren Herrn Jesus Christus als einen kräftigen jungen Hirten dargestellt, der ein Schaf auf den Schultern trägt .Damit haben sie allen immer wieder gesagt: „Wir brauchen uns vor nichts zu fürchten, denn wir haben einen guten Hirten, der uns beschützt!“

Ich will damit nicht sagen, daß wir schon wieder in einer Zeit der Christenverfolgung leben. Ihr Kinder tut nichts Unrechtes und nichts Verbotenes, wenn ihr zur Christenlehre kommt. Die freie Religionsausübung ist jedermann zugesichert. Ihr braucht euch nicht zu schämen und nicht zu verstecken mit eurem Glauben. Aber es wird alles darauf ankommen, ob ihr euch zu dem guten Hirten Jesus Christus haltet. Seit der Taufe gehört ihr zu ihm. Damals hat er euch mit eurem Namen gerufen und ihr kennt nun seine Stimme. Sie kann euch heute nun so vertraut werden, wie die Stimme eurer Eltern. Die würdet ihr ja auch aus allen anderen Stimmen heraushören und würdet ihr folgen. Die Eltern warnen ja nicht nur oder geben gute Ratschläge, sie fordern auch einmal etwas. In jedem Fall muß man auf sie hören.

So will auch Jesus etwas von uns, wenn er uns ruft. Es wird alles darauf ankommen, daß auch wir seine Stimme hören und kennen. Religionsunterricht und Konfirmandenunterricht wollen dabei helfen.

Aber auch als Erwachsener lernt man ja nie aus. Alle, die Großen und die Kleinen, sind zu dem guten Hirten Jesus Christus gerufen, der uns vor Gefahren schützt und uns das gibt, was wir zum Leben brauchen.

 

 

Ananias und Saphira: Apg 4, 32  - 5, 11         

 

Anspiel:        

Im Altarraum ist die Staffelei für die Tafel aufgebaut. Eine kleine Tafel ist raufgesetzt, auf der mit Kreide die Rippen eines Menschen angedeutet sind. Oben dran steht ein Schild „Röntgen“. Zunächst wird erklärt, wozu ein Röntgenapparat da ist und wie er funktioniert (Krankheiten rechtzeitig erkennen. Strahlen gehen durch den Körper, Knochen, Organe und Unregelmäßigkeiten sind nachher auf dem Bildschirm zu erkennen).

Einige Leute (Kinder) werden vor die Platte gestellt. Kommandos: „Stillstehen - Luftanhalten - Danke! - Der Nächste bitte!“ Es werden auch einige nach vorne gerufen, die nicht darauf vorbereitet sind (für den Notfall kann man doch jemanden dafür einteilen). Einer sträubt sich und will sich nicht in den Apparat stellen.

Erwägungen: Warum haben viele Leute Angst, zum Röntgen zu gehen? Sie wollen ihr Inneres nicht fotografieren lassen, weil sie befürchten, es könnte sich dabei eine schlimme Krankheit in ihrem Inneren zeigen. Dabei wäre es doch nur gut, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt würde, denn nur so kann sie geheilt werden. Aber so sind wir Menschen eben: Wir wollen niemanden an unser Inneres heranlassen.

 

Gibt es denn nun einen Apparat, der auch  unsre Gedanken lesen kann? Ein kleineres Kind wird geholt und der Kopf „geröngt“. Aber es zeigt sich kein Ergebnis (Leere Tafelseite nach vorne drehen). Es gibt zwar Lügendetektor und Wahrheitspillen, aber im Grunde kann niemand in einen anderen Menschen hineinsehen.

Nur Gott kennt unser Herz. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an!“ heißt es einmal in der Bibel. Gott sieht auch all das Böse, das wir denken und vorhaben. Er sieht es, wenn wir uns oder anderen etwas vormachen. Wenn wir die Mutter belügen, dann belügen wir auch Gott. Aber Gott will, daß wir ehrlich sind.

Sonst deckt er unsere Schuld auf wie mit einem Röntgenapparat.

Wir wollen nun sehen, wie die Lüge auch in die erste christliche Gemeinde einbrechen will, wie Gott sie aber rechtzeitig erkannt hat und die Gemeinde wieder geheilt hat:

 

Spielsszene:  (A = Ananias, S = Saphira , P = Petrus)

A.: Saphira, hast du gesehen, wie sie alle Augen machten, als Barnabas das Geld brachte?

S.: Ja, Ananias. Und Petrus hat ihn vor allen Leuten gelobt, weil er das fertiggebracht hat.

A.: Dabei war es sein einziger Acker: Er hat ihn verkauft und das Geld der Gemeinde gespendet,  damit die Armen davon unterstützt werden.

S.: Und sicherlich denken alle: Das ist aber ein frommer Mann!

A.: Wir haben doch auch noch einen Acker draußen vor der Stadt. Den könnten wir doch auch verkaufen und das Geld spenden.

S.: Aber wovon sollen wir leben, wenn einmal schlechte Zeiten kommen? Wir  brauchen doch wenigstens noch einen Rückhalt für alle Fälle.

A.: Ach, kommt Zeit, kommt Rat. Schlimmstenfalls wird uns die Gemeinde dann auch unterstützen.

S.: Ich habe eine andere Idee: Wir machen Halbe -Halbe!

Die eine Hälfte behalten wir einfach für uns.  Es merkt ja keiner, wieviel Geld der Acker in Wirklichkeit eingebracht hat.

A.: So könnten wir doch wenigstens vor den Leuten glänzen und hätten auch noch etwas für uns.

(Orgelzwischenspiel)

A. Petrus, hier bringe ich das Geld, mit dem du die Armen in der Gemeinde unterstützen kannst. Wir haben einen Acker verkauft und wollen das ganze Geld der Gemeinde spenden.

P.: Ananias, warum hat das Böse so dein Herz erfüllt, daß du Gott zu belügen versuchst und einen Teil des Geldes beiseite geschafft hast? Du hättest doch den Acker behalten können. Keiner hat dich zu dem Verkauf gezwungen. Du kannst natürlich mit dem Geld machen, was du willst. Wir hätten uns auch gefreut, wenn du gesagt hättest: Hier bringe ich die Hälfte! Wie ist das bloß alles in dein Herz gekommen? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott.

A.: (bricht mit einem Schrei zusammen und wird nach draußen getragen).

(Orgelzwischenspiel)

S.: Ich will doch einmal sehen, wo mein Mann so lange bleibt. Ob sie ihn wohl auch so gelobt haben wie vor einer Woche den Barnabas? n (kommt zu Petrus:) Guten Tag, ist mein Mann noch hier?

P.: Saphira, sag mir, habt ihr den Acker wirklich nur für die 200 Euro verkauft, die dein Mann gebracht hat?

S.: Natürlich mehr haben wir nicht gekriegt!

P.: Warum habt ihr euch nur verabredet, den Geist des Herrn zu prüfen? Die Männer, die deinen Mann begraben haben,  stehen noch vor der Tür. Sie werden auch dich tot hinaustragen (stürzt nieder, wird hinausgetragen).

P.: Gott ist bei uns. Er will seine Gemeinde rein halten von solchen Leuten:

 

 

Predigt:

„Wenn ein Kind gelogen hat, dann erscheint ein schwarzer Fleck auf der Stirn oder es wachsen ihm Hörner aus dem Kopf!“So sagen die Erwachsenen immer, aber selber gesehen hat man es noch nicht. Es ist eher so, daß das Kind dann im Gesicht rot wird und aufgeregt und daß man ihm auf die Art die Lüge ansieht. Kinder können sich ja zum Glück nicht so leicht verstellen und sind deshalb auch schlechte Lügner.

Ihr Kinder habt auch längst gemerkt, daß sich lügen nicht lohnt. Die Eltern und die Lehrer kriegen es irgendwann doch einmal heraus. Es ist schon so, wie es im Sprichwort heißt: „Lügen haben kurze Beine!“ - man kommt nicht weit damit.

Aber vielleicht habt ihr auch schon gemerkt, daß die Erwachsenen ja manchmal selber lügen. Und sie sind manchmal so kaltblütig, daß man es nicht merkt. Da wird dann keiner rot oder aufgeregt, sondern sie tun so, als sei das die reine Wahrheit.

Vor allen Dingen ist es schlimm, wenn Eltern ihre Kinder anlügen. Wenn sie etwa sagen: „Wir gehen heute abend nicht fort!“ und dann gehen sie doch. Daraus ist oft schon schweres Unheil entstanden. Oder sie sagen nicht nichtig, wie das mit Geburt und Tod ist oder auch, was es mit Weihnachten und Ostern auf sich hat.

Gott aber kennt alles, was wir tun und sagen. Er durchschaut uns oft besser, als wir es selber können. Vor ihm können wir nichts verbergen, er sieht auch in den letzten Winkel unseres Inneren hinein. Auch wenn wir ganz allein zu sein meinen, ist er doch mit dabei.

Das wird uns ja auch an der Geschichte von Ananias und Saphira deutlich. Viele Gemeindeglieder werden den Betrug gar nicht durchschaut haben. Sie werden das Ehepaar gelobt haben und gedacht haben: „Das sind aber fromme und hilfsbereite Leute. Ja, so schnell kann man einen falschen Schein erwecken!“

Nur Petrus durchschaut die ganze Heuchelei. Doch das liegt nicht daran, daß er etwa besser beobachtet hätte, vielleicht doch eine leichte Röte im Gesicht der beiden oder eine Unruhe in den Augen bemerkt hätte. In Petrus ist vielmehr der Geist Gottes, der Heilige Geist, lebendig.

Der öffnet ihm auch die Augen für die falschen Beweggründe dieses Ehepaares. Aus eigener Kraft hätte Petrus nichts merken können. Da wäre es ihm so gegangen, wie den anderen auch. Da hätte er sich täuschen lassen. Nur mit Gottes Hilfe kommt er dahinter.

Was ist das für eine geheimnisvolle Kraft, die einem Menschen solche Möglichkeiten gibt? Mit Zauberei hat es jedenfalls nichts zu tun. Und ein besonderer Scharfsinn steckt auch nicht dahinter.  Aber hier ist Gott selber am Werk. Die ganze Apostelgeschichte handelt vom Wirken des Geistes Gottes.

Er hat die Gemeinde gesammelt und gegründet und hält sie zusammen. Er bewirkt Krankenheilungen in ihr und verhindert, daß sie unterdrückt wird. Er ist in den Gottesdiensten lebendig und wirkt sich bei der Arbeit der Christen aus. Und nun zeigt sich an dieser Geschichte, daß er auch fähig ist, die Gemeinde Gottes rein zu

halten von unsauberen Elementen.

Was war denn das Schlimme, das Ananias und Saphira getan haben? Nun, sie haben nicht nur gelogen, sondern sie haben auch ihr Herz geteilt: die eine Hälfte sollte Gott gehören, über die andere wollten sie allein verfügen. Deutlich wird das am Geld: Den einen Geldbeutel behalten sie für sich, den anderen wollen sie großherzig spenden.

Damit haben sie aber gegen das erste Gebot verstoßen, in dem es heißt: „Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!“ Luther hat das erläutert mit dem Satz: „Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen!“ Dieses Ehepaar aber hat nicht genügend Vertrauen zu Gott. Es vertraut auch noch auf sein Geld.

Natürlich muß man auch einmal mit schlechten Zeiten rechnen. Man kann auch nicht so einfach in den Tag hinein leben. An sich sind die zwei nach menschlichen Maßstäben betrachtet gar nicht so dumm, wenn sie für die Zukunft vorsorgen.

Aber sie vergessen dabei, daß Gott es ist, der jeden erhält. Kein Mensch kann sein Leben sichern, und schon gar nicht mit Geld. Ananias aber und Saphira mißtrauen der Macht Gottes. Sie meinen, er könnte im entscheidenden Augenblick doch versagen und sie allein lassen. Deshalb wollen sie noch eine andere Sicherheit behalten. Sie bringen es nicht fertig, sich ganz auf Gott zu verlassen und allein an ihn zu glauben.

Dazu kommt als Zweites ihre Heuchelei. Sie haben kein Gottvertrauen, wollen aber den Anschein erwecken, als hätten sie es. Sie tun so, als stünden sie jetzt mittellos da und seien auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes und der Gemeinde angewiesen, und dabei haben sie zu Hause ihr Geld liegen, das ihr Gott ist. Und so haben sie ihr Herz geteilt und dabei beides verloren: Gott und das Geld!

Gott kann solche Leute in seiner Gemeinde nicht gebrauchen. Er erkennt sofort, was faul ist und was die ganze Gemeinde verseuchen würde. Deshalb muß er gleich von Anfang an hart durchgreifen und diesen Krankheitsherd ausscheiden, sonst könnte es zu spät sein. Um zwei Dinge geht es also: erst erkennen und dann ausscheiden. Das aber ist nur Gott möglich.

Denken wir wieder an den Röntgenapparat:  Er durchleuchtet einmal den Menschen und erkennt so die Krankheit. Aber zum anderen können die Röntgenstrahlen auch in vielen Fällen dann Heilung bringen, indem sie das kranke Gewebe verbrennen, damit das gesunde wieder die Oberhand gewinnen kann.

Dieser Vorgang vollzieht sich sicherlich auch noch heute  in der christlichen Gemeinde, wenn auch wohl kaum noch unter so dramatischen Umständen wie bei Ananias und Saphira. Auch heute noch gibt es Vieles Kranke in der Gemeinde, das ausge­schieden werden muß , damit sie eine Gemeinde nach dem Willen Gottes ist.

Doch vergessen wir nicht: Nicht wir sind die Richter, sondern allein Gott. Wir brauchen ihm nicht nachzuhelfen, er schafft es schon alleine. Deshalb sollten wir uns über keinen unserer Mitchristen überheben und ihm vorwerfen, was er falsch gemacht hat. Wir sollten aber auch keinen zu sehr bewundern. Es macht jeder einmal Fehler, auch einer, der in den Augen der anderen vielleicht ein hundertprozentiger Christ ist.

Wir sollten uns aber auch freuen, wenn wir mit gutem Gewissen zu dieser Gemeinde gehören dürfen. Gott will uns ja in der Gemeinde behalten, in die wir durch die Taufe gekommen sind. Er will nicht, daß wir absterben, sondern ein lebendiges Glied in dieser Gemeinde sind. Deshalb wollen wir ihn immer wieder bitten, daß wir so leben können, wie es sich in seiner Gemeinde gehört. Wir wollen ihn bitten, daß wir unsre Fehler rechtzeitig erkennen und abstellen können, und daß er uns erhalten möge, auch wenn einmal etwas schief gelaufen ist.

 

 

Die Einsetzung der sieben Armenpfleger: Apg 6 ,1 - 7 (Version 1)

 

Einstieg:

Von den Glocken läutet eine noch etwas länger, die Orgel schweigt noch:

Einzelner: Die Glocke ruft: Kommt alle her,

      wir brauchen eure Hilfe sehr!

      Kommt, kommt! Helft alle mit! Kommt, kommt helft alle mit!

Chor   :     Was sollen wir denn tun?

Einzelner: Der Altar soll geschmückt sein! (einer stellt Blumen auf den Altar)

Chor   :     Ist das wohl schon alles?

Einzelner :Zündet auch die Kerzen an, die Lichter sollen brennen.

Chor   :     Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Was werden wir heut singen,

      die Lieder müssen klingen,

      steckt drum jetzt die Nummern an,

      daß es jeder sehen kann.

Chor   :     Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Die Bibel legt auf den Altar,

      so wie es doch schon immer war.

Chor   :     Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Die Agende tut auch noch dazu

       und dann beginnen wir im Nu.

Chor   :      Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Kommt, laßt uns fröhlich loben Gott und den Herren Christ,

       daß er für uns auf Erden der Heiland worden ist.

      Lobet Gott, lobet Gott, der uns hilft aus aller Not.

Eingangslied: Lobe den Herren 

 

Überlegung:

Wir stellen uns einmal vor: Was würde daraus werden, wenn unsre Arme und Beine zum Magen sagten: „Wir machen das nicht mehr mit. W i r müssen arbeiten und d u bekommst das ganze Essen! Wir tun nichts mehr für dich!“ Das ginge nicht lange gut und der ganze Körper würde schwach und krank. Denn der Magen könnte nun den anderen keine Kraft mehr zuführen, die Beine würden den Körper nicht mehr tragen, die Hände könnten nicht mehr schaffen und der Kopf nicht mehr denken. Nur weil sie sich nicht einig sind, käme eine große Unordnung und alle hätten den Schaden davon.

Wenn aber ein Glied für das andere arbeitet, wenn die Hände den Magen ordentlich füttern und der Magen die Hände mit Kraft versorgt, dann ist allen geholfen und alles funktioniert wunderbar, dann kann der ganze Leib gesund sein und wachsen. So ist das auch bei einer christlichen Gemeinde: Sie ist wie ein Leib. Sie kann nur leben, wenn alle Gemeindeglieder füreinander da sind. Entweder werden sie miteinander leben oder sie werden miteinander sterben.

Doch in der Gemeinde in Jerusalem war auch etwas nicht in Ordnung. Die allein­ste­henden Frauen, deren Mann gestorben war, beschwerten sich. Es gab also Span­nungen unter den Christen in Jerusalem, so wie es in jeder Familie einmal zu Schwie­rigkeiten kommt.

Streitigkeiten sind nicht schlimm; es kommt nur darauf an, wie und wie schnell man sie aus der Welt schafft. Wenn ein Kind böse war und die Mutter geschimpft hat, dann wünscht es sich doch nur eins: die Mutter möge bald wieder gut sein.

So wollten auch diese Frauen in Jerusalem, daß möglichst bald wieder alles gut wird. Sie verzichteten nicht stillschweigend, sondern sagten schon, wo ihnen der Schuh drückt: „Warum werden wir nicht besucht, warum kommen wir zu kurz?“

Es war nur gut, daß sie sich meldeten (so wie unsere Priska in der Szene vorhin), denn nur so konnte es anders werden. Schließlich ließen sich solche Mißstände ja abstellen, die Apostel mußten es nur erst wissen. Die Frauen haben nicht hintenherum böse Dinge geredet - wie das bei uns so oft ist - sondern sie haben sich gleich an die nichtige Stelle gewandt.

Die Apostel handelten auch gleich. Der Riß in der Gemeinde ist bald wieder geheilt worden. Man hat keine große Gerichtsverhandlung veranstaltet und gefragt: „Wer ist schuld daran?“ Nein, alle stellten sie sich unter das Gebot Jesu: „Du sollst Gott deinen Herrn lieben, und deinen Nächsten wie dich selbst!“

Sie sagten aber auch sehr nichtig: „Gottesdienste und Gemeindeabende, Unterricht und Jugendarbeit, Taufe und Abendmahl müssen unter allen Umständen weitergehen!“ Denn ohne Gebet und Gottes Wort geht die Gemeinde kaputt. Man kann nicht sagen:“Eine Predigt hält für eine Weile vor. So ab und zu einmal Gottesdienst, das genügt!“ Wir sagen ja auch sonst nicht: „Wenn ich alle paar Wochen oder Monate esse und trinke, dann genügt das!“ Da hätten wir bald einen ganz schönen Hunger und müßten verkümmern, wenn wir nichts äßen.

Man kann auch nicht auf Vorschuß beten und sagen: „Nun hat es wieder eine Weile Zeit!“ Es kommt ja auch sonst keiner auf den Gedanken, den Strom für ein Vierteljahr abzustellen. Es will doch jeder an jedem Tag Licht haben. So braucht auch jeder in jeder Woche Gottes Wort und Gebet. Das wußten die Apostel und deshalb handelten sie rasch.

Andererseits wußten sie aber auch: „Genauso nötig ist die Liebe zu den Menschen, die Hilfe für die notleidenden Gemeindeglieder. Diese tätige Liebe ist der Motor, der die Kirche in Bewegung hält. Ohne diese Liebe, ohne Besuche der Kranken, Alten und Einsamen, und ohne Unterstützung der Armen bleibt die Kirche stehen wie ein abgehängter Anhänger: Er kann höchstens bergab rollen, aber nie bergauf! Aber wir sollen und wollen doch hinaufkommen.

Auch heute kann man die Klage hören: „Mich besucht keiner, ich weiß nie etwas!“ Ja, wer soll denn so einen Menschen besuchen? Ach, wir haben doch den Pfarrer! Gewiß, der tut sicher manches. Aber er kann auch nicht sagen: „Heute kann ich einmal keinen Gottesdienst halten, ich muß erst drei alte Leute besuchen, die heute Geburtstag haben!“ Der Gottesdienst muß sein. Und so gibt es vieles, die ganze Woche über, das unbedingt getan werden muß, aber die Alten kommen dann zu kurz. Mit anderen Worten: Der Pfarrer schafft auch nicht alles!

In Jerusalem haben sie damals einen Ausweg gefunden: Sie haben einfach mehr Leute angestellt. Sieben Männer erhielten den Spezialauftrag, für die armen Witwen zu sorgen. So wurde der Leib der Gemeinde wieder gesund und konnte wachsen. Gott gibt seinen Segen zu der Entscheidung der Gemeinde, denn immer mehr Menschen kommen zu ihr, um zu Jesus zu gehören. Damals haben sie wenigstens Leute gefunden, die bereit waren mitzuhelfen. Ob wir heute wohl sieben Männer oder Frauen fänden, die zu solch einer Aufgabe bereit wären?

Bei so einer Sache gibt es keine Ehren einzuheimsen. Man sieht auch keine großartigen Leistungen und Erfolge, sondern vieles geschieht im Verborgenen, wo es nur Gott sieht. Manchmal gibt es auch eine Enttäuschung neben so mancher Freude, die man haben kann

Doch es muß keiner ins tiefe Wasser gehen, ehe er schwimmen kann. Wer Kranke pflegen will, der kann das zum Beispiel in einer Krankenpflegeschule lernen. Wer sich gern um Kinder oder Jugendliche kümmern möchte, der kann dazu ausgebildet werden. Aber neben den Krankenschwestern und Katecheten usw. braucht die Gemeinde auch noch solche Leute, die Aufgaben übernehmen, die außerdem noch zu bewältigen sind.

Natürlich kann man dazu auch nicht jeden nehmen. Als Voraussetzungen für ein solches Amt werden hier genannt: Ein guter Ruf in der Gemeinde und ein ordentliches Leben; außerdem muß es ein Mensch sein, der auf Gott hört und zu ihm betet; und schließlich soll er voll Weisheit und Gehorsam sein, etwa so wie Salomo.

Nicht nötig ist aber, daß man dazu erst ein alter Mann werden muß. Es geht nicht darum, wie alt man ist. Auch ein kleines Kind kann schon ein Helfer in der Gemeinde sein, indem es etwa andere zum Gottesdienst einlädt oder schriftliche Einladungen austrägt oder hier im Gottesdienst mitwirkt.

Wir wollen zum Schluß noch einmal eine kleine Spielszene hören, in der deutlich wird, wie auch schon ein kleines Kind den anderen helfen kann. Wir wollen dazu gleich unser Gesangbuch aufschlagen und den Text des Wochenliedes mitlesen, das wir dann gleich singen wollen:

Kleine Spielszene: Am Montagmorgen in der Schule:

„Was habt ihr gestern gemacht?“- „Baden! Kino! Fernsehen!“

„Ich war auch zum Kindergottesdienst!“

„Da gehe ich nicht gern hin; ich kann die Schrift im Gesangbuch nicht lesen!“

„Komm, da üben wir das einmal. Ich lese vor und du probierst es dann auch einmal. So mache ich es auch immer mit meinem kleinen Bruder (Sie lesen den Text des Wochenliedes, das dann gesungen wird )

 

 

Die Einsetzung der sieben Armenpfleger: Apg 6 ,1 - 7 (Version 2)

 

Anspiel:

Zwei der späteren Armenfürsorger untersuchen die Frage mit den Witwen. Personen: Timon und Prochor, zwei griechisch sprechende Christen, und die Witwe Priska.

 

Prochor: Friede sei mit dir, Timon! Schön, daß ich dich wieder einmal treffe. Wo kommst du denn her?

Timon: Der Herr sei mit dir, Bruder Prochor ! Ich war bei der alten Julia. Du weißt doch, sie ist krank. Das eine Bein will nicht mehr so recht. Sie ist auch jetzt schon über  siebzig!

Prochor: Ja, sie war schon lange nicht mehr  zum Gottesdienst. Sonst kam sie doch jedesmal.

Timon: Ja, die gute Julia war auch etwas verärgert. Und ihre Klage stimmt genau mit der von Diana überein: Es bringt ihnen keiner mehr aus der Gemeinde einmal eine Kleinigkeit zum Essen. Dabei ist es doch immer so gewesen, daß wir gerade die Witwen fast täglich mit kleinen Unterstützungen bedacht haben!

Prochor: Aber ich war doch gestern bei Salome. Die wohnt in der gleichen Straße wie Julia. Sie bedankte sich überschwenglich, denn man habe ihr wieder Brot und Feigen geschickt!

Timon: Sollte man denn die anderen vergessen haben? Wir fragen am besten noch einmal bei Priska nach, die wohnt doch gleich hier in der Nähe! (Sie gehen ein Stück).

Prochor: Friede sei mit dir, Priska! Wie geht es dir denn?

Priska: Ach danke, ganz gut.  Man kommt so durch. Freue mich ja, daß gleich zwei von der Gemeinde mich besuchen. Da kann ich auch gleich einmal etwas fragen: Sagt mal: Wann gibt es denn wieder einmal etwas? Ihr wißt schon, was ich meine. Wir Witwen kriegten doch immer einmal etwas von der Gemeinde!

Timon: Wie, hast du denn in der letzten Zeit auch nichts mehr bekommen. Wir haben das schon wiederholt gehört!

Priska: Ja, sie geben die guten Sachen nämlich nur noch ihren Witwen, den Einheimischen.  Aber wir Zugezogenen kriegen nichts mehr. Das ist nicht recht, meine ich. Das ist nicht gut!

Prochor: Da hast du recht. So geht das nicht! Wir werden mit den Aposteln darüber reden

Priska: Aber ob es etwas hilft, das weiß ich nicht. Wir sprechen eben Griechisch und werden niemals Einheimische!

Timon: Wir sind alle Schwestern und  Brüder, Priska. Das hat Jesus gesagt, erzählt Petrus doch immer. Einer ist euer Meister, ihr aber seid alle Brüder, hat er gesagt. Gott will bestimmt nicht, daß ein Unterschied in der Gemeinde gemacht wird. Wir werden einmal in der Gemeindeversammlung darüber sprechen!

 

Lesung:

Die Kinder stellen dazu das Geschehen dar:

Als die erste Christengemeinde              Zwei Gruppen von Kindern kommen in

in Jerusalem rasch wuchs                                   den Altarraum, einige drohen,

 

da entstand eine Spannung zwischen Zwei Gruppen bilden sich, die sich

den griechisch und den jüdisch              voneinander abwenden

sprechenden Gliedern der Gemeinde

 

Die griechisch sprechenden                    Eine Gruppe hält leere Schalen hoch

Gemeindeglieder warfen den                  (bzw. Teller und Schüsseln), zum Teil

jüdisch sprechenden vor,                         halten sie sich den Magen

ihre Witwen würden bei der                    

täglichen Verteilung der

Lebensmittel an die Bedürftigen

übergangen

 

Da beriefen die zwölf Apostel                  Zwei Apostel auf der Altarstufe winken

eine Versammlung der ganzen               die anderen heran.

Gemeinde ein und sagten:                       Alle kommen.

 

Es ist nicht in Ordnung, wenn                 Ein Apostel hält die Bibel vom Altar hoch

wir Gottesdienst und Predigt                   

vernachlässigen und für die                    Der zweite Apostel hält eine Schale hoch

Verteilung der Lebensmittel sorgen                                                      

 

Seht doch zu, Brüder, daß ihr                  Die Apostel wenden sich zum Altar

sieben Männer aus eurer Mitte                (Bibel und Schale auf den Altar)

bestimmt, die in gutem Ansehen

stehen, denen man anmerkt, daß

sie Christen sind, und die

einen nüchternen Sinn haben

für das Rechte und Notwendige.

Die wollen wir mit dieser Aufgabe

betrauen, wir aber wollen uns

ungeteilt mit den Gottesdiensten

und der Auslegung des Wortes

Gottes befassen

 

Der Vorschlag wurde von der                              Sie gehen zu den Sieben und holen

ganzen Gemeinde einmütig                                 sie vor den Altar

angenommen, und man wählte

Stephanus, einen Mann mit

festem Glauben, einen mit göttlichem

Geist erfüllten Christen,

ferner Philippus, Nikanor, Parmenas,

Prochor, und Nikolaus, der kein geborener

Jude war, aber in Antiochien zum

 jüdischen Glauben übergetreten war.

 

Diese Sieben schlug die Gemeinde                  Der zweite Apostel gibt einige

den Aposteln vor.                                                   gefüllte Brotkörbe in die Hände

der Armenfürsorger

sie legten ihnen unter Gebet die Hände                      

auf zum Zeichen der Einsetzung in ihr Amt

 

Das Wort Gottes aber breitete                               Die Apostel legen die Bibel zurück

sieh aus.                                                                  auf den Altar

 

Die Gemeinde in Jerusalem wuchs                   Dann gehen die Armenpfleger zurück

schnell ‚ und auch viele  Priester                                   auf ihre Plätze.

nahmen den christlichen Glauben an               Es  folgen Gemeinde und Apostel.

 

 

Predigt:

a) Inder Gemeinde ist etwas nicht in Ordnung Grund damals: Die Witwen wurden vernachlässigt

Grundheute: Mich besucht keiner, ich weiß nie etwas

b) Was taten die Apostel? Wie wird. Wieder Ordnung?

Entscheidung: Bibel - Brotkorb. Die Gemeinde ist einverstanden

c) Wer kann ein Helfer in der Gemeinde sein?

Voraussetzung: Gutes Zeugnis (guter Ruf, ordentliches Leben).

      Voll Geist:(hört gut zu und betet zu Gott)

      Voll Weisheit (Gehorsam wie zum Beispiel Salomo).

Folge: Es kommen mehr Menschen zur  Gemeinde, die zu Jesus gehören, ihm gehorchen und ihn bezeugen.

d) Das Alter eines Helfers ist nicht entscheidend!

 

 

Hoch auf dem gelben Wagen: Apg 8, 26 - 40 

 

Psalm 68: „Der Sieg Gottes" in Auswahl:

Gott steht auf ; so werden seine Feinde zerstreut,

und die ihn hassen, fliehen vor ihm.

Die Gerechten aber freuen sich und sind fröhlich vor Gott

und freuen sich von Herzen.

Singet Gott, lobsinget seinem Namen!

Macht Bahn dem, der durch die Wüste einherfährt;

er heißt Herr.

Freuet euch vor ihm!

Gottes Wagen sind vieltausendmal tausend;

der Herr zieht ein ins Heiligtum vom Sinai her.

Du bist aufgefahren zur Höhe

und führtest Gefangene gefangen;

du hast Gaben empfangen unter den Menschen;

auch die Abtrünnigen müssen sich, Gott, vor dir bücken.

Gelobt sei der Herr täglich.

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.

Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet.

Aus Ägypten werden Gesandte kommen;

Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott.

Ihr Königreiche auf Erden, singet Gott, lobsinget dem Herrn!

Er fährt einher durch die Himmel, die von Anbeginn sind.

Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel

und seine Macht in den Wolken.

Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum; er ist Israels Gott.

Er wird dem Volke Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott!

 

Lied:  „Hoch auf dem gelben Wagen“. Zunächst von der Orgel intoniert, dann wird der Text von verschiedenen Kindern erläutert:

(1.) Früher wurde der Personenverkehr nur mit Postkutschen durchgeführt. Zwei oder vier Pferde zogen eine gelbe Kutsche über Stock und Stein. Vorne auf dem Kutschbock saß der Kutscher, der auch als „Schwager“ bezeichnet wurde. Er trieb die Pferde zur Eile an und blies in jedem Ort auf seinem Horn, um seine Ankunft anzukündigen. In der Kabine hatten vier oder sechs Personen Platz. Das Gepäck wurde hinten auf dem Dach untergebracht. Das Lied, das wir jetzt singen wollen, beschreibt eine solche Reise mit der Postkutsche, durch die Felder und Wiesen, durch die grünen Ebenen und durch die goldenen Getreidefelder. Der Dichter des Liedes sitzt neben dem Kutscher und bedauert, daß er nicht länger bleiben kann, weil der Wagen immer weiter rollt.

(2.) Sie kommen in ein Dorf, wo gerade junge Leute um eine Linde herum tanzen. Musikanten sind dabei mit Flöte, Geige und der großen Baßgeige. Die jungen Leute lachen und freuen sich. Aber auch bei der Linde kann der Dichter nicht bleiben, denn die Kutsche rollt weiter.

(3.) Poststation war oft eine Gaststätte. Dort wurden die Pferde gefüttert. Und auch der Postillion, der Kutscher, konnte sich stärken. Aber bei der Postkutsche muß alles schnell gehen. In der „Schenke“, in der Gaststätte, werden die Pferde wie im Flug gefüttert. Der Dichter erhält vom Wirt einen Krug mit schäumendem Bier, das aus

guter Gerste gebraut ist. Hinter den Fensterscheiben sieht ein junges Mädchen hervor und lacht ihn an. Er wäre gerne noch geblieben. Aber die Kutsche rollt gleich wieder weiter.

(4) Zum Schluß denkt er daran, daß auch einmal die Reise durchs Leben zuende gehen wird. Dann wird statt des Kutschers der Tod in Gestalt eines Gerippes auf dein Kutschbock sitzen. Statt einer Peitsche wird er eine Sense in der Hand halten, statt des Posthorns eine Uhr,

ein Stundenglas wie eine Eieruhr, bei der der Sand vom oberen in den unteren Teil läuft. Und wenn der Sand ganz nach unter durchgerieselt ist, dann ist die Zeit abgelaufen. Dann bleibt nichts anderes übrig, als den Lieben „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Sie w o l l e n nicht mitfahren, sie k ö n n e n auch nicht mitfahren: Wenn einer sterben muß, dann geht er diesen Weg allein. Er wäre gerne noch geblieben,  aber der Wagen der rollt.

 

Das Lied wird ohne Vorspiel gemeinsam gesungen, die Texte wurden vorher verteilt. Dabei wird ein großes hölzernes Wagenrad in die Kirche gerollt. Es wird an ein Podest gelehnt, auf dem ein Stuhl steht (dadurch soll die Kutsche in der nachfolgenden Erzählung angedeutet werden).

 

Deutung des Radsymbols:

Der rollende Wagen war uns Symbol für den Ablauf unsres Lebens, das unaufhörlich weitergeht, ob wir wollen oder nicht. Es kann ein Leben ohne Christus sein (und in dem Lied war ja von Christus nicht die Rede). Wer aber Christus als seinen Herrn gefunden hat, der hat ein geistliches Leben, weil Christus die Antriebskraft in ihm ist. Das können wir uns am Symbol des Rades deutlich machen.

Das Rad erhält seine Antriebskraft von der Nabe her. In unserem Leben ist Christus wie die Nabe eines Rades: er ist die Quelle der Kraft für das Leben eines Christen, er gestaltet das ganze Leben. Wenn der Mittelpunkt sich dreht, dann dreht sich auch das ganze Rad, dann kommt auch die Lauffläche in Bewegung. Mit dieser Lauffläche können wir einen Christen vergleichen, der seinem Herrn gehorsam ist und sich von ihm in Bewegung setzen läßt.

Die Speichen  zeigen die Wege, auf denen die Kraft Christi das Leben eines Christen erreicht. Wir wollen hier nur einmal vier Speichen betrachten, die ein  Kreuz bilden und die älteste Form des Rades darstellen. Die senkrechten Speichen betreffen unser Verhältnis zu Gott, die waagerechten das Verhältnis zu den Mitmenschen. Das Rad kann nur funktionieren, wenn alle Speichen vorhanden sind und sich an der richtigen Stelle befinden. Aber auch Lauffläche und Nabe müssen in Ordnung sein. In der Mitte des Rades ist übrigens ein Loch, in das die Achse des Wagen hineingesteckt wird. Es kann uns Hinweis darauf sein, daß wir Christus nicht sehen können. Aber soll auch für uns Geheimnis bleiben. Aber ohne ihn könnte das Rad nicht seine Aufgabe erfüllen.

Betrachten wir nun noch einmal die Speichen: Grundlage des Christenlebens ist das Wort, wie es in der Bibel geschrieben steht und uns von anderen Menschen erzählt wird. Das Wort Gottes hilft uns, so zu leben, wie es vor Gott recht ist, unser Leben unter seiner Leitung zu führen. Die Verbindung zu Gott hält das Gebet.  Mit ihm dürfen wir uns immer wieder an Gott wenden, gerade auch in Zeiten der Not. Durch das Gebet erhalten wir Kraft, mit Gott in Verbindung zu bleiben.

Ein gehorsamer Christ sucht aber auch die Gemeinschaft  mit anderen Christen. Er geht zum Gottesdienst und zum Religionsunterricht. Wir brauchen die gegenseitige Ermutigung und Ermahnung. Wer aber zur Gemeinde Christi gehört, der wird seinen Herrn auch gegenüber anderen Menschen bezeugen. Er möchte auch die Menschen erreichen, die Christus noch nicht kennen, sie mit in die Gemeinde ziehen und dann auch in Bewegung setzen [Der Wagen wird ein Stück durch die Kirche (auf der „Straße des Kämmerers“) gefahren].

 

 

Spiel zum Kämmerer:  (Variante 1)

 

Einleitung (vom Altarplatz aus):

In ferner Zeit, in fremdem Land,

wo mittags hoch die Sonne stand,

da ließ ein Mann von seinem Wagen

sich weiter nach dem Süden tragen,

von Juda nach dem Mohrenland -

Äthiopien wird es heut genannt.

Seht hier die Straße, die er fährt,

und hört, wie der Fremde fröhlich wird!

 

1. Szene (im Mittelgang relativ hinten, Wagen wird ein Stück nach vorn gezogen, Kämmerer liest halblaut, stöhnt etwas)

Kämmerer:

Vom Land der reichen Königin

bis zu der Juden Tempel hin,

zurück dann die Straße durch Wüste und Sonne,

solch' Reise ist mühsam, fürwahr keine Wonne.

Zu Hause hab' ich viel Arbeit im Sinn,

weil ich Minister der Königin bin.

Ich sorge dafür, daß der nubische Staat

genügend Geld für seine Aufgaben hat.

Ich bin ein Kämmerer, ein mächtiger Mann,

auch meinem Wagen sieht man das an.

 

2. Szene (auf der Empore):

Philippus:

Ich heiße Philippus, bin führender Christ,

Apostel, reis' viel, weil das notwendig ist.

Ich erzähle den Leuten von Jesus, dem Herrn.

Ich möchte, daß alle recht viel von ihm hör'n.

Gott gibt mir Weisung, wohin ich mich wende.

Ein Engel sprach eben, ich möchte behende

zur Straße von Jerusalem nach Gaza gehn,

dort würde ich dann schon weitersehn.

Am Rande der Wüste, wer soll denn dort sein?

Doch ich gehe schnell los, denn was sein muß, muß sein.

 

3. Szene (Mittelgang, Wagen wird ein wenig nach vorn geschoben)

Kämmerer (liest flüsternd):

Wenn ich so fahre in meinem Wagen,  

dann komm' ich ins Grübeln, Denken und Fragen.

Der Tempel der Juden, ihr Gott und ihr Buch -

ist das die Antwort, lohnt' mein Besuch?

 Ich bin unterwegs nach dem Sinn unsers Lebens,

nach wahrem Glauben, der nicht vergebens,

nach Werten, die ewig dauerhaft tragen,

nach Hoffnung, mit der man ein Leben kann wagen.

Ich habe im Tempel geopfert, gebetet,

ich habe mit vielen Juden geredet,

ich habe gespürt, daß dieses Volk

wohl zu Recht glaubt, daß Gott es erwählen wollt.

Ich denke, daß ich im jüdischen Land

gültiges Zeichen Gottes fand.

 

4. Szene (Mittelgang, ziemlich vorn, Wagen wird weiter nach vorn geschoben,

Kämmerer liest wieder leise, Philippus  kommt von hinten, sieht sich um, entdeckt den Wagen, geht von hinten an ihn heran)

Kämmerer (liest jetzt laut):

„Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, ist er,

er öffnet auch seinen Mund nicht mehr.

Er wurde erniedrigt, erlitt das Gericht,

erhielt neues Leben - fern unserm Gesicht.“

Ich lese die Worte und kann nicht verstehen,

auf wen oder was sie sich könnten beziehn.

 

Kämmerer (nach hinten, relativ leise):

Der fremde Mann auf seinem Wagen

scheint mit dem Buch sich recht zu plagen.

Er liest in der Bibel aus alten Propheten.

Hier ist ganz sicher Erklärung vonnöten.

Gott schickt mich, daß ich dem fremden Mann

die Bibel verständlich machen kann.

 

5. Szene

Philippus:

Ich grüße dich, fremder und mächtiger Mann!

Sieh mich bitte nicht als zu aufdringlich an,

wenn ich dich frage, ob du verstehst,

was der Prophet schreibt, in dem du da liest.

 

Kämmerer:

Ich danke dir, Fremder, für deine Frage.

Ich kann's nicht verstehen, so sehr ich mich plage.

Ich brauch einen Helfer, der leitet und klärt,

was es bedeutet und wie es zusammengehört.

Steig herauf auf den Wagen, so bitte ich dich,

schau mit in das Buch, setz' dich hier neben mich!

Philippus  steigt auf den Wagen)

 

Kämmerer:

Sag mir zunächst: Von wem spricht der Prophet,

von sich selbst und wie es mit ihm weitergeht?

Oder meint er einen anderen Mann?

Komm, fang mit deiner Erklärung an!

 

Philippus

Jesaja redet von Jesus Christ,

der als Mensch unter Menschen geboren ist,

und doch Gottes Sohn war, mit ihm ganz verbündet,

in Taten und Worten Gottes Nähe er kündet.

Er lebte die Liebe, die Gott nur kann geben,

erlitt bittren Tod und fand ewiges Leben.

Wir glauben als Christen an Jesus, den Herrn,

vertraun uns ihm an, hören sehr gern,

was er selbst uns an ewiger Wahrheit verkündet.

Die Taufe hat uns mit ihm eng verbündet.

 

6. Szene:

Kämmerer:

Ich hab schon so vieles gehört und gelesen -

und doch ist mir's bei deiner Rede gewesen,

als gäbst du die Antwort, die Gott nur kann geben.

Nun tut sich der Weg auf zum gültigen Leben!

Auch ich möchte Christ sein, und Jesus, dem Herrn

und seiner Gemeinde bald angehör'n.

Sieh, da ist Wasser, taufe mich dort,

daß ich nun ein Christ bin an meinem Ort!

 

Philippus:

Daß du meine Worte so schnell konntest verstehn,

das will ich als Zeichen von Gott her ansehn:

Er nimmt dich fremden und mächtigen Mann

als sein Kind und als Bruder von Jesus an.

(Beide steigen ab, gehen zum Taufstein. Beide sprechen ein stilles Gebet.)

Du bist nun getauft in des Herrn Jesu Namen.

Kämmerer:

Ihm sei Ehre und Dank in Ewigkeit. Amen.

(Kämmerer steigt auf den Wagen, der zur Seite bzw. nach hinten gezogen wird; Philippus geht weg).

 

Schlußworte

Schnell war der Kämmerer wieder allein.

Philippus mußte bald anderswo sein.

Doch so heiß auch die Sonne, so lang der Weg schien -

der Kämmerer hatte viel Freude im Sinn.

Er war nun ein Christ durch Glauben und Taufe.

So zog er die Straße fröhlich nach Hause.

 

Abschließende Worte nach dem Spiel (Stichworte):

Hinweis auf unsere eigene Taufe. Zeigen der Taufschale und Taufkanne, des Taufbuches. Aber meist denken wir nicht an unsere Taufe. Viele haben den Tauftag vergessen.

Ich wünsche uns, daß wir uns von der Tauffreude des Kämmerers anstecken lassen. Vielleicht kommen wir nicht zu dieser Freude, weil wir nicht richtig verstehen können. Und wir verstehen nicht, weil wir nicht richtig sehen können: Wir sehen nur ein bißchen Wasser ... Philippus und der Kämmerer sehen und verstehen mehr: „Mir ist es bei deiner Rede gewesen ...“.

Vielleicht hilft uns ein Beispiel: Hier ist der Mittelgang der Kirche - und doch war er eben die Straße von Jerusalem nach Gaza ...... Gott können wir nie direkt fassen. Er braucht „Instrumente“. Im Wasser der Taufe, in den Worten von Menschen kommt er zu uns, berührt er uns ... So können wir unsere Straße fröhlich ziehen ... Heiße, wüstenreiche Strecken gibt es überall ... Vielleicht erinnern wir uns dann an den Mann auf dem Wagen.

 

Erzählung:    (Variante 2)

Der Kämmerer aus dem Mohrenland (mit Anspiel)

Unter der Predigern der ersten christlichen Gemeinde war auch einer mit dem Namen Phil­ippus. Er hatte schon vielen Menschen seines Volkes von Jesus Christus erzählt und sie getauft. Eines Tages aber bekommt er von Gott einen seltsamen Auftrag: „Gehe nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt!“ [Philippus kommt aus dem Hintergrund der Kirche]: Philippus „Was soll ich nur dort? Das ist doch eine ganz öde Gegend, da gibt es doch kaum Menschen. Hier, in den Städten Samarias, hätte ich doch noch so viel zu tun! Aber wenn Gott es gesagt hat, dann will ich ihm gehorchen und auf die Straße nach Gaza gehen!“

Auf der einsamen Straße nach Gaza fährt ein Reisewagen. Ein altmodischer Wagen ist es, über den wir vielleicht heute lachen würden. Langsam geht die Fahrt auf der staubigen Landstraße. Die Sonne des Südens brennt heiß hernieder. Mit gesenkten Köpfen trotten die Pferde ihres Weges und ziehen geduldig den Wagen.[Kämmerer nimmt Platz].

In dem Wagen sitzt ein fremdländischer Mann. Er hat eine braune Hautfarbe und stammt aus Nubien, einem afrikanischen Land am Oberlauf des Nil, im heutigen  Äthiopien. Es ist der Finanzminister der dortigen Königin und verwaltet die Schatzkammer des Landes.

Er ist wohl ein vermögenden Mann, denn sonst hätte er sich nicht einen solchen Reisewagen und so gute Kleider leisten können. Außerdem hat er eine kostbare Buchrolle auf den Knien liegen. Für viel Geld hatte er sie in Jerusalem erstanden. Denn die Juden gaben ihre heiligen Schritten an sich nicht in die Hände Andersgläubiger.

Wenn der Mann aufschaut von seiner Buchrolle, so kann er noch die Stadt Jerusalem in der Ferne sehen. Und der schöne Tempel mit seinen Türmen grüßt ihn zum Abschied. Lange hatte er sich auf die Reise nach Jerusalem gefreut. Keine Kosten hatte er gescheut. Er war zu dem prächtigen Tempel gekommen, von dem er in seiner Heimat gehört hatte. Aber er durfte nur bis in den Vorhof der Heiden. Dann hatte er die großer Schilder gelesen, die jeden Fremden mit dem Tod bedrohten, wenn er hier weiterging. Er hatte zu dem Gott der Juden beten können.  Aber letztlich blieb er doch ein Ausgeschlossener, zum eigentlichen Gottesvolk gehörte er nicht. Dieser Gott der Juden war wohl doch kein Gott für ihn, den Afrikaner und Heiden. Traurig fuhr er wieder in seine Heimat. Er fragt sich:

Kämmerer: „Hat Gott mich denn nicht lieb? Nun muß ich wieder heimfahren ohne Trost und Hoffnung. Nur eins kann ich mitbringen: Die Buchrolle mit den Worten des Propheten Jesaja! Viel Geld hat er dafür ausgegeben. Doch was kümmert ihn das Geld? Daran fehlt es bei ihm ja nicht. Sollte ihn dieses Buch nun nicht doch noch weiterhelfen können?

Vielleicht steht in diesem Buch, wer alles zu dem lebendiger Gott gehören darf! Der Prophet spricht vor einem Retter und Helfer, der alle Menschen zu Gott führen will. Eines Tages würde es so weit sein. Aber wann wird das wohl sein? Werde ich es noch erleben?“

So ist ein Mensch ganz allein mit einem Buch der Bibel auf einer einsamen menschenleeren Landstraße. Er liest die Worte immer wieder und weiß doch nicht, was sie bedeuten. Obwohl die Sonne hell vom Himmel scheint, ist es noch eine Fahrt im Dunkeln. Denn die eigentliche Dunkelheit ist die Not und Hoffnungslosigkeit in seinem Herzen. Es ist wirklich keine fröhliche Heimfahrt für ihn!

Einer aber ist auf aller Straßen der Welt und läßt keinen allein, auch den Mann aus dem fernen afrikanischen Land nicht. Und was er sagt, das geschieht, und so wird überhaupt erst Geschichte.

Philippus kommt, der Prediger der christlichen Gemeinde [Philippus tritt an den Wagen]. Jetzt weiß er, weshalb er nach Gaza gehen sollte.  

Philippus fragt: „Verstehst du auch, was du liest?“ Der Afrikaner sieht erstaunt hoch: „Wie kann ich das, wenn mich niemand anleitet? Aber du bist doch ein Jude, du hast das doch das alles gelernt. Steig doch zu mir auf den Wagen und fahre ein Stück­chen mit mir. Da kannst du mir etwas erklären!“

Nun lesen sie gemeinsam aus der Buchrolle: „Er ist wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird. Wie ein Lamm still ist vor seinem Scherer, so hat er seinen Mund nicht aufgetan. Sein Leben wird von der Erde weggenommen!“ Der Finanzminister sieht Philippus ratlos an: „Von wem redet der Prophet hier, von sich selber oder vor einem anderen!“

Philippus denkt : „Gott hat mich zur rechten Zeit zu diesem Mann geschickt. Jetzt kann ich versuchen, ihm die toten Buchstaben dieser Schrift aufzuschließen, jetzt  kann ich ihm die frohe Botschaft von Jesus sagen. Denn wo auch nur zwei Menschen versammelt sind in Jesu Namen, da ist er mitten unter ihnen!"

Denn Philippus fängt an dieser Stelle der Schrift an und predigt das Evangelium von Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Der merkwürdige Reisewagen wird zur Kirche, denn wo das Evangelium von Jesus Christus verkündigt wird, da ist Kirche. Und wo zwei oder drei versammelt sind in seinem Namen, da ist er mitten unter ihnen.

Philippus sagt: „Für dich ist Jesus, der Gottessohn, gestorben, für dich ist er auferstanden. Dich hat Gott lieb! Und wer an den Namen Jesu glaubt und getauft wird, dem kann keine andere Macht mehr schaden, auch der Tod nicht.

Laut sagt er: „Mit dem Lamm ist Jesus Christus gemeint. Er wurde von seinem Volk ans Kreuz gebracht. Aber Gott hat ihn wieder von den Toten auferweckt. Er ist der Herr der Christen, und du kannst auch einer werden. Auch für dich ist er auferstanden, auch dich hat  er lieb. Und wer an Jesus glaubt und getauft wird, dem kann keine Macht der Welt mehr schaden, auch nicht der Tod!“

Da wird der Afrikaner froh. Diese Predigt hat alle Finsternis bei ihm vertrieben. Ein unbegreifliches Wunder: Das Wort vertreibt alle Finsternis! Der Kämmerer aus dem Mohrenland hat gehört, nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen.

Sie kommen zu einem Wasser. Der Afrikaner fragt: „Kann ich nicht getauft werden?“ Philippus antwortet: „Warum nicht?“ Sie halten an und steigen vom Wagen. Der Afrikaner wird getauft [Sie sind an den Taufstein getreten, die Taufe wird angedeutet].

Als die Taufe beendet ist, hat auch Philippus seinen Auftrag erfüllt. Der Afrikaner braucht ihn nun nicht mehr. Er wird nun nie mehr allein sein. Einer wird bei ihm sein auf der ganzen Lebensfahrt: Jesus Christus! Deshalb heißt es von ihm: „Er zog seine Straße fröhlich!“  Alles Weitere liegt nun in Gottes Hand.

Sicher hat er seine Freude nicht für sich allein behalten, sondern die frohe Botschaft von Jesus weitergesagt: In seinem Heimatland entstehen Christengemeinden, die bis zur Gegenwart bestehen und somit zu den ältesten Christengemeinden gehören.

 

Predigt:

Das Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ hat zwar eine schöne Melodie, aber es ist im Grunde doch ein trauriges Lied. Es beschreibt, wie schön die Welt ist; aber es bringt auch das Bedauern zum Ausdruck, daß nichts bleibt. Wenn man irgendwo etwas Schönes gefunden hat, dann muß man bald wieder weiter und man kann nichts festhalten. Menschen ziehen an uns vorüber und entschwinden wieder unserem Gesichtskreis. Ein Ereignis löst das andere ab. Für die Kinder werden vielleicht nur die Ferien so schnell herumgehen .Aber die Erwachsenen spüren, daß es im Grunde so mit dem ganzen Leben ist.

Aber als Christen dürfen wir unser Leben ganz anders sehen. Da entschwindet uns nicht immer mehr in unserem Leben, sondern wir gehen auf ein Ziel zu. Unser Leben hat den Sinn, auf Gott hinzuführen. Er hat uns ins Leben gerufen,  er wird uns auch wieder abberufen. Aber wir dürfen uns auf ein Leben mit ihm freuen. An Ostern hat er seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt. Da wird er auch uns einst von den Toten auferwecken. Das kann unserem Leben Ruhe und Sicherheit geben. Wir können getrost durchs Leben gehen, weil wir Gott auf unserer Seite haben.

Aber davon hat der  Minister aus Äthiopien nichts gewußt. Was hat er doch für Mühen unternommen, um einen Sinn in seinem Leben zu finden. Er wollte wissen, welcher Gott der richtige ist und wo der Retter für alle Menschen zu finden ist. Aber bei den Juden konnte er nicht finden, was er suchte.

Es geht ja auch gar nicht darum, daß wir Gott suchen, sondern  Gott  sucht uns. Er schickt dem suchenden Minister einen christlichen Prediger, der ihm alles erklären kann. Wenn man nur allein in der Bibel liest, dann bleibt sie oft unverständlich. Wir brauchen auch andere Menschen, die sie uns erklären. Das geschieht im Religions­unterricht und im Gottesdienst und an vielen anderen Stellen. Vielleicht waren die Eltern oder die Paten die Ersten, die uns von Gott erzählt haben. Oder es war ein Freund oder eine Freundin, durch die wir zum ersten mit der Kirche in Berührung kamen.

Es ist immer besser, wenn wir uns nicht mit den toten Buchstaben einer Schrift abzumühen brauchen, sondern wenn uns ein anderer mit seinen eigenen Worten, erklärt, was gemeint ist. Mi der Zeit wird man dann auch selber ein Verständnis gewinnen, nicht mehr so sehr auf andere angewiesen sein, sondern im Gegenteil wiederum anderen helfen können.

Aber dazu ist es nötig, daß man die Gemeinschaft mit anderen Christen sucht. Es brauchen gar nicht viele zu sein. Wo sich zwei Menschen treffen, um über Gottes Wort zu reden, da ist dort schon ein Stück Kirche lebendig. Man braucht dazu kein großes Kirchengebäude, keine Glocken und keine Orgel.  Auch wenn auf dem Schulhof ein Kind das andere an den Religionsunterricht erinnert, dann geschieht dort Kirche.

Und wenn die Oma früh die tägliche Losung liest oder der Vater den Arbeitskollegen gegenüber die Notwendigkeit der Kirchensteuer verteidigt, dann ist dort Kirche. Aber es gibt halt doch einige Dinge, die zum Christsein dazugehören. Das haben wir uns an dem Symbol des Rades deutlich zu machen versucht. Das Wichtigste ist die Kraft, die aus dem Zentrum  kommt, der Schwung, den Christus uns gibt. Durch sein Wort und unser Gebet, durch die Gemeinschaft mit anderen und unser Zeugnis kommt die Kraft Christi zu uns.

Wir sind so etwas wie die Lauffläche des Rades, die Felgen am Rad. Wenn, die Nabe sich dreht, müssen sich auch die Felgen drehen. Andernfalls wäre das Rad kaputt. Der Sinn eines Rades ist es aber, daß es sich dreht. Da aber Christus nie stillsteht, können wir als Christen auch nicht still sein. Ein Christ ist immer in Bewegung. Philippus mußte zu dem einsamen Mann im Reisewagen auf der Straße nach Gaza. Sein Schwung hat auch den Minister in Schwung gebracht. Der brauchte den Helfer nun nicht mehr, sondern konnte fröhlich seine Straße weiterziehen und nun seinerseits Bote Jesu Christi in seinem Land werden.

Wir sind auch getauft worden, die Meisten wohl hier an diesem Taufstein. Auch durch uns will Gott Menschen erreichen, die ihn noch nicht kennen. Wir haben eine gute Botschaft zu bringen: Nicht die Botschaft vom Werden und Vergehen, von der Vergänglichkeit der Zeit und der Welt. Wir dürfen erzählen vom Sieg Gottes über den Tod, von dem Rad unseres Lebens, das auf Gott zuläuft. Keiner ist zu klein, um Gottes Bote zu sein.

Wenn wir zu dieser Aufgabe bereit sind, dann kann auch bei anderen Menschen das geschehen, was mit dem Finanzminister aus Äthiopien passiert ist: Erst kam er voller Hoffnung, dann wurde er schwer enttäuscht , aber schließlich konnte er mit großer Freude wieder heimwärts ziehen. [Drei stilisierte Gesichter machen uns das deutlich, Tafeln vorzeigen]

.Auch wir haben unsre Aufgabe an den Hoffnungsvollen und Enttäuschten. Sie sollen auch die frohe Botschaft erfahren, die seit Ostern in der Welt weitergesagt wird: Christ ist erstanden, jetzt könnt ihr alle eure Straße fröhlich ziehen.

 

Lieder:

All Morgen ist ganz frisch und neu

Mit Freuden zart zu dieser Fahrt

Wir wollen alle fröhlich sein

 

Weiterer Gesichtspunkt:

Ist die Kirche nur für bestimmte Menschen da? Jesus wird meist als Weißer dargestellt! Aber einer der Weisen an der Krippe wird meist als Schwarzer dargestellt! Wir können das nicht machen, daß wir einen Menschen nicht zu Jesus heranlassen. Wir können nicht sagen: Nur weil du arm bist oder noch jung bist, darfst du nicht zum Gottesdienst. Gerausowenig können wir sagen: Weil du eine andere Hautfarbe bist (schwarz, braun, gelb, rot), darfst du nicht kommen. Das sind nur Äußerlichkeiten. Aber alle Menschen sind Kinder Gottes, die er bei sich haben will. Das zeigt auch die Geschichte von dem Kämmerer aus dem Mohrenland, der als ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe schon in den Anfangszeiten der Kirche ein Christ wurde.

Wir handeln ja auch oft so wie die Juden von damals, wenn einer neu in die Klasse kommt oder im Haus zuzieht. Manche könne ihn nicht so recht leider kann. Er soll erst so werden wie sie. Nur kann ein Farbiger natürlich nicht seine Hautfarbe wechseln. Deshalb müssen die Weißen ihre Einstellung zu den Menschen anderer Hautfarbe wechseln. Wir müssen einsehen, daß Gott nicht auf die Hautfarbe sieht, wenn er mit einem Menschen zu tun haben will. Nur die Menschen machen solche Unterschiede: Die Weißen denken, sie seien bessere Menschen und die Schwarzen seien nichts anderes als Tiere.

Stellt euch vor, wir würden hier in [Name des Ortes] sagen: Alle die rechts der Hauptstraße wohnen, dürfen nicht mehr in die Kirche. Die Kirche steht auf der linken Seiten und ist deshalb nur für die, die dort wohnen und die sagen: „Baut ihr euch nur eine eigene!“ Genauso willkürlich ist aber auch die Einteilung in Schwarze und Weiße. Es darf keine Unterschiede geben zwischen den Christen: Gott hat sie alle gleich lieb und will, daß sie sich auch untereinander lieb haben.

Deshalb gehören auch die zu unserer Gemeinde, die vielleicht erst kürzlich zugezogen sind, die vielleicht in der Kreisstadt zur Sonderschule gehen, die vielleicht nicht solche schönen Kleider haben oder die in der Schule nicht so mitkommen. Die Hauptsache ist, daß sie zu Gott gehören wollen; dann gehören sie aber auch zu uns.

Heute ist das vielen Mensch selbstverständlich, daß Christen aus allen Völkern, Sprachen, Hautfarben und Rassen zusammenkommen können. Fast jedes Jahr sind weltweite Konferenzen, wo sie einträchtig zusammenarbeiten und beraten. Oftmals besuchen uns auch Christen

aus Afrika hier in Deutschland, erzählen von zu Hause und wollen wissen, wie die Christen hier bei uns leben.

In der erster christlichen Gemeinde war man noch nicht so fortschrittlich. Für sie war ein gewaltige Umstellung nötig, bis sie begriffen haben: Auch die Menschen, die keine Juden sind, dürfen zu Gott kommen, selbst solch ein Afrikaner, der eine schwarze Hautfarbe hat. Sie

mußte erst erkennen, daß Gott nur die zehn Gebote von den Menschen fordert und nicht die vielen unsinnigen Vorschriften, die die Juden noch dazu gemacht hatten und die sich kaum ein Mensch merken konnte und die für einen Afrikaner unverständlich waren.

Nur durch die Führung des Geistes Gottes war es möglich, daß die Gemeinde das Umdenken lernte. Sie begriffen auf einmal: In dem Gespräch des Philippus mit dem Finanzminister ist Christus am Werk. Er sprengt die Grenzen des jüdischen Volkes und beruft einen Menschen aus einem fremde Volk durch die Taufe in seine Gemeinde. Der Fremde brauchte aber einen Mitbruder, der ihm alles erklärte und der ihn schließlich taufte, sonst konnte er kein Christ werden.

Ins Südafrika gab es früher unter der Herrschaft der Weißen eine Rassentrennung, bei der Schwarzen schwer benachteiligt wurden: Sie mußten zwar für die Weißen arbeiten und in besonderen Wohngebieten leben, hatten aber keine Rechte. Deshalb brauchten die Christen in Südafrika uns deutsche Christen, damit sie wieder eine Gemeinde werden.

Den weißen Christen dort mußten wir sagen: „Nehmt die schwarzen Brüder mit in die Gemeinde hinein. Sorgt dafür, daß die Gesetze des Staates geändert werden, damit alle Bürger gleichberechtigt miteinander leben können. Nur so erfüllt ihr den Willen Gottes!“  Und den schwarzen Christen dort durften wir sagen: „Wir verstehen euch in eurer Lage. Wir wollen mithelfen, daß ihr eure Rechte erhaltet. Wir beten für euch!“ Aber wir haben auch über die Aktion „Brot für die Welt“  durch unsere Spenden den Menschen dort geholfen. Wir konnten mithelfen, daß auch die schwarzen Christen in Südafrika so fröhlich sein können, wie es am Schluß von dem Mann aus Äthiopien gesagt wird. Allerdings muß man sagen, daß auch viele Christen weißer Hautfarbe gegen die offizielle Politik ihrer Regierung eingestellt waren. Sie kämpften gegen die Rassentrennung

 

 

Der Kerkermeister von Philippi: Apg 18, 16 - 34

 

Erzählung: Vertrauen gibt neue Hoffnung:

Der Apostel Paulus ist mit seinem Mitarbeiter Silas auf seinen Reisen nach Europa gekommen. Auch in der Stadt Philippi  in Griechenland erzählen sie von Jesus Christus. Paulus sagt: „Gott allein lenkt euer Leben und hat auch eure Zukunft in der Hand. Haltet euch an seinen Sohn JesusChristus, dann seid ihr gerettet!“

Nun gab es aber in jener Stadt Leute, die verdienten ihr  Geld mit Wahrsagerei. Sie behaupteten, sie könnten die Zukunft voraussagen und vor allen Gefahren warnen. Viele Menschen gehen deshalb zu den Wahrsagern und fragen: „Wie wird mein Leben weitergehen? Werde ich gesund bleiben? Werde ich heiraten und Kinder haben?“ Die Wahrsager verdienen ganz gut dabei, denn sie lassen sich alles gut bezahlen.

Besonders berühmt ist eine  Sklavin, die aber das Geld nicht behalten darf, denn ihre Besitzer nehmen es ihr immer wieder ab. Die Männer sind dabei reich geworden. Doch sie haben die Frau nur ausgenutzt. Sie war im Grunde krank und brauchte Hilfe Paulus hat sie im Namen Jesu  gesund gemacht. Aber jetzt kann sie nicht mehr wahrsagen und bringt ihren Besitzern kein Geld mehr ein.

Sie gehen deshalb zu den Ältesten der Stadt und sagen: „Der Paulus und der Silas stiften Unruhe unter dem Volk. Ihr müßt sie festnehmen!“ Das geschieht auch sofort. Aber es kommt dabei zu einem Tumult. Paulus und Silas werden geschlagen und zum Gefängnis gebracht. Dort werden sie zusätzlich noch ausgepeitscht und in die Dunkelzelle unten im Keller gebracht. Ihre Füße werden fest zwischen zwei Balken eingeklemmt, ihre Hände in Ketten gelegt.

Gegen Mitternacht aber beginnen Paulus und Silas laut  zu beten und zu singen. Die Mitgefangenen trauen ihren Ohren kaum: Die zwei singen Lob-  und Danklieder. Sie singen von ihrem Gott, der sie nicht allein läßt. Sie denken an Jesus, der genau wie sie geschlagen, verspottet und gequält wurde. Er ist auch jetzt in der dunklen Nacht bei ihnen und hat ihre Zukunft in der Hand.

Plötzlich erschüttert ein heftiges Erdbeben die ganze Stadt. Im Gefängnis springen die Türen auf und die Ketten werden aus den Mauern gerissen. Die Gefangenen könnten alle fliehen. Doch Paulus und Silas bleiben da. Auch die anderen Gefangenen rühren sich nicht vom Fleck: Sie sind vom Gesang der beiden Männer so beeindruckt, daß sie dem Gefängnisdirektor keinen Schaden zufügen wollen, denn er müßte mit seinem Leben für jeden Gefangenen haften.

Der Gefängnisdirektor ist aus dem Schlaf hochgeschreckt. Er sieht, daß die Türen des Gefängnisses alle offen sind. Sofort denkt er: „Jetzt ist alles aus, jetzt bist du selber dran!“ Er nimmt sein Schwert und will sich selber umbringen. Da aber rufen Paulus und Silas: „Tu dir nichts an, wir sind doch alle hier! "l

Der Gefängnisdirektor holt schnell ein Licht. Er stürzt in die Zelle und sieht, daß die Gefangenen tatsächlich noch da sind. Was sind das für Menschen? Warum laufen sie nicht weg? Er nimmt Paulus und Silas mit in sein Haus. Er entschuldigt sich bei ihnen, denn er weiß: Das sind keine Übeltäter, die gehören nicht ins Gefängnis! Die helfen im Gegenteil ja noch anderen Leuten!

Er fragt Paulus:  „Was soll ich denn tun, damit ich auch innerlich froh werden kann und so ohne Angst wie ihr!“ Paulus antwortet: „Vertraue auf Jesus! Verlaß dich auf ihn, dann wirst du mit deiner ganzen Familie froh und glücklich sein!“ Paulus und Silas erzählen nun von Jesus. 

Da läßt sich der Gefängnisdirektor mit seiner ganzen Familie taufen. Er kümmert sich um die Wunden der beiden Prediger und verbindet sie. Dann wird ein Fest gefeiert. Der Tisch wir gedeckt und das Abendmahl gefeiert. Sie freuen sich alle, daß sie nun zu Jesus und zur Gemeinde der Christen gehören. Nun werden auch sie in großer Not ihren Gott loben können. Das Vertrauen auf ihn wird ihnen immer wieder neue Hoffnung geben.

 

Reportage:

1. Paulus und Silas:

Reporter: Wir hörten, daß Sie gestern nach Ihrer Auspeitschung und Inhaftierung im Gefängnis gesungen haben sollen. Stimmt das?

Silas: Ja, das stimmt. Da haben Sie richtig gehört!

Reporter: Das ist aber doch ganz ungewöhnlich. Wie kommen Sie dazu, trotz Folter und Schmerzen zu singen?

Paulus: Wir Christen loben Gott mit unseren Liedern und mit unserem Tun. Wir wollen allen Menschen von Jesus Christus erzählen. Ihm dienen wir. Für ihn leiden wir auch. Wir wissen, daß uns nichts von ihm trennen kann - auch keine Schmerzen, kein Unrecht, keine Ablehnung. Deshalb können wir Gott auch im Gefängnis loben.

Reporter: ?

Silas: Nein, da haben sie uns mißverstanden. Wir würden Gott auch loben, wenn er uns nicht befreit hätte.

 

2. Pfarrer:

Reporter: Herr Pfarrer, man hat sie gestern zusammen mit mehreren hundert Bürger­rechtskämpfern nach einer friedlichen Demonstration von der Straße weg verhaftet - nur weil sie für die Rechte aller Bürger der Stadt eintreten. Sie wurden mit Schlag­stöcken und Wasserwerfern wie Vieh zusammengetrieben und unmenschlich behandelt. Stimmt es, daß sich keiner gewehrt hat? So wurde erzählt, daß man Gesang gehört hat aus den Autos, die die Gefangenen abtransportierten.

Pfarrer: Sie haben recht, wir haben laut gesungen. Keiner unserer Leute hat zurück­geschlagen. Aber das geschah nicht,  weil wir feige und schwach sind.

Reporter: Wie meinen Sie das, Herr Pfarrer? Das müssen Sie unseren Hörern erklären.

Pfarrer. Unser Lied  „Wir werden überwinden“ sagt eigentlich alles. Wir wissen, daß Gott der Sieg gehört. Gott sieht das Unrecht, das uns geschieht. Er wird es nicht dulden, daß es uns böse macht. Weil Gott uns achtet und liebt, können wir auch die lieben, die uns verhaften und verfolgen, beleidigen und schlagen. Wir lassen uns vom Haß nicht anstecken, wir leben in der Liebe Gottes. Deshalb singen wir und fluchen nicht.

 

3. Behinderter:

Reporter. Sie feiern heute hier in der Gemeinde ein Fest. Es sollen vor allem Kranke und Behinderte eingeladen worden sein. Stimmt das?

Behinderter: Ja, es sind Blinde, vor allem aber Schwerhörige und fast Taube, Gelähmte und manch andere Kranke hier. Ich selber bin schwer gehbehindert. Einige sind im Rollstuhl gekommen, andere wurden von Gemeindegliedern im Auto gebracht.

Reporter: Ich hörte Sie vorhin so fröhlich singen. Eigentlich gibt es aber doch für Sie alle wenig Grund zum Singen und Feiern?

Behinderter: Wir sind froh, weil wir Menschen haben, die  sich um uns kümmern. Wir haben begriffen: Gott läßt uns nicht allein. Hier brauchen wir nicht mehr mißtrauisch zu sein wie viele Schwerhörige, die glauben, daß man heimlich über sie herzieht. Wir müssen nicht ständig denken, daß wir zu kurz kommen und die anderen uns nicht genügend achten. Wir können auch lachen. Wir haben begriffen, Gott ist auch für uns da, nicht nur für die Gesunden und Starken.

 

Bilder aus der Mappe von Karl Kaufmann: Die Apostelgeschichte“

[Nur das zweite Bild findet sich in der Datei Religionsunterricht, Urgemeinde und Paulus, zu Apg 18,16-34)

 

1.  Was zeigt das erste Bild?

Die Boten des Evangeliums scheinen ausgeschaltet zu sein. Ihre Füße stecken im Block, der hier aussieht wie ein Untier, wie eine Macht, die sie zu verschlingen droht. Ihre Lage erscheint hoffnungslos, ihr Werk scheint gescheitert zu sein.

Aber auch hier im Gefängnis bleiben sie im Kraftfeld Gottes. Diese geht von einem bestimmten Punkt aus und dringt sogar durch Gefängnismauern, denn sie ist nicht von dieser Welt. Sie ist wie die Magnetkraft, die ja auch durch Winde hindurchgehen

kann.

Die Kraft Gottes erreicht die beiden, weil sie zu Gott beten. Sie können nicht dafür danken, daß sie ins Gefängnis gekommen sind - das macht ihnen schon zu schaffen. Aber sie loben Gott, auch wenn sie im Gefängnis stecken.

Das Gebet hilft bei der Auseinandersetzung zwischen dem Reich Gottes und den Mächten dieser Welt. Diese wollen das Reich Gottes auslöschen, indem sie die Boten dieses Reiches vernichten. Sie stützen sich dabei auf ihr Schwert, auf ihre Macht: Drohend stehen die Wächter über dem Gefängnis.

 

2. Welche Veränderungen zeigt das andere Bild?

Gott greift auch tatsächlich ein, aber nur durch ganz natürliche Vorgänge. Das Wunder ist nur, daß sich das Erdbeben gerade jetzt ereignet. Gott nimmt den Lobpreis seiner Apostel an und verwandelt ihn in ein Zeichen seiner  Macht: Das Gefängnis ist leer, das Gitter ist zerrissen, die Untiere haben ihre Opfer freigeben müssen.

Gott benutzt die völlig ausweglose Situation seiner Boten, um auch die in sein Kraftfeld mit hineinzunehmen, die draußen standen und von der Kraft des Evangeliums noch nichts wußten. Der Kerkermeister vermutete, daß solche Menschen nur von Gott kommen können. Deshalb fragte er:  „Was soll ich tun?“ Da wird er mit seiner ganzen Familie getauft. Die eine Hand des Paulus legt sich segnend auf die Täuflinge, die andere weist auf Gott, um anzudeuten, daß er die Kraft Gottes auch erst empfangen muß.

Einige Soldaten allerdings sind nicht mitgekommen. Sie blicken zwar hin zu dem Geschehen, aber sie bleiben gleichgültig. Das Schwert liegt außerhalb des Kraftfelds Gottes. Der Kirche sind alle Machtmittel genommen, sie kann nur noch sagen: „Dein Reich komme!“

Der Kerkermeister aber erfährt etwas von der überwältigenden Macht der vergebenden Liebe. Paulus und Silas haben sich nicht an dem Kerkermeister gerächt, der sie geschlagen und in den Block gelegt hatte. Sie haben sich nicht froh die Hände gerieben, sondern an das Wort Jesu gedacht: „Liebet eure Feinde!“ Allerdings heißt das nicht, daß sie sich alles gefallen lassen: Als sie am nächsten Tag still und heimlich aus der Stadt abgeschoben werden sollen, da verlangen sie, unter ehrenvollem Geleit der Stadtoberen bis an die Grenze der Stadt gebracht zu werden, damit alle sehen können: Sie sind zu Unrecht ins Gefängnis geworfen worden.

 

Predigt:

Wir sagen: „Not lehrt beten!“ Vielleicht lernt man es erst in einer solchen Lage richtig. Aber Paulus und Silas beten nicht nur, sondern sie loben Gott, obwohl ihre Füße in den Block gelegt sind und sie vielleicht zum Tode verurteilt werden .Außenstehende mußten wohl denken: Dieser Christus läßt seine Leute im Stich, die Sache wird sich nicht lange halten können.

So geht es Kindern, die wegen des Besuchs des Religionsunterrichts oder des Kindergottesdienstes ausgelacht werden. Da sagen die anderen in der Klasse: „Wer da hingeht, der ist doch dumm!“ Wer ein bißchen empfindlich ist, wird sich das nicht gern sagen lassen wollen. Man läßt sich nicht so gern auf eine Sache ein, von der man vielleicht Nachteile haben könnte. Auch die Erwachsenen rechnen sich aus: „Du könntest Nachteile im Beruf haben. Zumindest könntest du Vorteile haben, wenn du dich von der Kirche trennst. Wenn du mit dem Strom schwimmst, dann gewinnst du vielleicht einflußreiche Freunde und es klappt mit der Beförderung oder sonst etwas  besser!“

Die Geschichte vom Beten und Singen der Apostel will uns helfen, nicht immer nur auf die Not des Augenblicks zu starren. Paulus und Silas jammern nicht und machen Gott keine Vorwürfe. Gerade in Verfolgungszeiten ist das Gottvertrauen in der Kirche oft gewachsen. Wir singen heute nach dem Vaterunser den Lobpreis: „….denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit!“ Dieses Bekenntnis hat sich gerade in einer Zeit in der Kirche durchgesetzt, als die Verfolgungen begannen und immer ärger wurden. Man hat damit sagen wollen: „Trotz allem - unserm Gott ist das Reich in alle Ewigkeit!“

Eine solche Gewißheit werden wir aber nur erlangen, wenn wir fest am Gebet festhalten. Das tägliche Gebetsläuten will uns daran erinnern. Das regelmäßige Gebet ist keine Last. Je mehr wir daran festhalten, desto mehr wird es uns auch helfen. Wer nur auf den Augenblick wartet, wo er einmal Lust zum Beten hat, der lernt es wohl nie.

Durch das Gebet hatten die beiden Apostel den Punkt außerhalb, an den sie sich halten konnten. Von Gott her reichten die Kräfte bis ins Gefängnis hinein. Sie wußten auch das augenblickliche Leid, alle Demütigungen und Schmerzen, allen Jammer und alle Not, gehören mit zu der Führung Gottes. Sie sind nicht unabänderlich, sondern werden überboten durch eine große Hoffnung.

Für Paulus und Silas tun sich im Gefängnis Türen auf, nicht nur im wörtlichen Sinne, sondern auch die Türen zu den Herzen der Menschen. Der Erste, bei dem das deutlich wird, ist der Gefängnisaufseher. Der möchte auf einmal auch zu diesen Männern gehören, die im Gefängnis ihren Gott loben und auch noch die anderen Gefangenen von der Flucht abhalten.

Das Erdbeben war nur des kleine Wunder. Das große Wunder aber war die Taufe einer ganzen Familie. Es sieht so aus, als habe Gott das alles nur inszeniert, weil er am Ende mit dieser Familie ans Ziel kommt. Es war ein ziemlich umständliches Vorspiel, aber billiger ging es offenbar nicht.

Vielleicht könnten wir auch einmal voller Dankbarkeit erkennen, was Gott alles aufgeboten hat, um u n s zu gewinnen. Dazu waren sicherlich viele Menschen nötig und er hat uns viele Umwege dabei führen müssen. Wir sind doch nicht einfach in den Glauben hineingewachsen. Einmal hat sich jeder entscheiden müssen, ob er dabei

bleibt und ob der Glaube ihm etwas bedeutet. Mancher hat sicherlich geschwankt und im ersten Augenblick noch nicht gewußt, wie es weitergehen wird. Und auch später kommen immer wieder einmal Zeiten, wo es auf der Kippe steht.

Da ist es wichtig, daß man in einer Familie und in einer Gemeinde  steht, die Rückhalt geben können. Dem Einzelnen wird die Entscheidung dadurch nicht abgenommen. Auch bei dem Gefängnisaufseher mußte es erst einmal gezündet haben. Aber dann hat er seine ganze Familie hinter sich und sie sind eine richtige kleine Gemeinde.

Nach der Taufe setzen sie sich an den gedeckten Tisch und haben vielleicht bei dieser Gelegenheit auch das Abendmahl miteinander gefeiert. Mit dem Lobgesang der Gefangenen hatte die Geschichte begonnen, nun endet sie mit dem Jubel des Gefängnisaufsehers und seiner Familie.

Aber auch wenn man ganz allein ist, darf man wissen: Gottes Kraftfeld umgibt uns  und reicht sogar durch Gefängnismauern hindurch.

Als der Pfarrer Paul Schneider in der Dunkelzelle des Konzentrationslagers Buchenwald saß, hat er den Mitgefangenen draußen auf dem Hof laut zugerufen:“Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis!“ Das hörte ein Mitgefangener, der sich schon aus lauter Verzweiflung das Leben nehmen wollte, indem er in den Elektrozaun gehen wollte.

Wer auf Gott vertraut, darf immer noch hoffen. Gott freut sich aber auch über uns,  wenn wir ihm ein Loblied singen, auch wenn wir uns verlassen fühlen und Angst haben. Gott meint es gut mit uns, was auch immer geschieht, auf ihn können wir uns verlassen!

 

 

Wir sind alle Glieder am Leib Christi: 1. Kor 12, 21 - 27

 

Einstieg: Puzzle

Teile eines vorbereiteten Puzzles werden gezeigt: Arm, Fuß, Teile des Kopfes und Rumpfs. Das sind Teile eines Ganzen, sie gehören zusammen, sie sind Teil eines Menschen.

Wir nennen weitere Teile, die ein Mensch hat. Wir nennen die Aufgaben, die sie erfüllen. Es ist sehr gut, daß wir viele verschiedene Teile am Körper haben. Jedes Teil kann etwas anderes, deshalb können wir auch so viel: laufen, arbeiten, sehen, hören, sprechen, riechen. Das macht unser Leben reich und schön. Das Puzzle wird zusammengesetzt zu einer Figur.

 

Überlegung:

 Welcher Teil unseres Körpers ist wohl der wichtigste? Kopf, Herz, Bein?

Was geschieht, wenn einer der Teile einmal ausfällt, zum Bespiel bei Krankheit?

Einem Kind werden die Augen verbunden, einem der Mund, einem werden mit einem Tuch die Hände gefesselt, einem anderen die Beine. Jetzt wird ein Gegenstand gezeigt (Osterhase). Doch das Kind mit den verbundenen Augen kann ihn nicht sehen. Die Kinder sollen sagen, was das ist; doch das Kind mit dem zugebundenen Mund kann es nicht.

 Man reicht den Gegenstand dem Kind, das die Hände zusammengebunden hat: Es kann ihn nicht nehmen. Dann soll das Kind, dem die Beine zusammengebunden sind, den Gegenstand zu den Eltern bringen, aber es geht nicht.  Wir sehen daran: Alle Teile unseres Körpers sind gleich wichtig.

Wenn ein Teil nicht mitmachen kann, leiden alle darunter, dann ist der ganze Leib behindert. Wenn wir die Tücher nun wieder lösen, dann freuen wir uns, daß wir gesund sind und alles bewegen und gebrauchen können.

 

Gebet:

Herr, allmächtiger Gott, wir danken dir, daß du uns geschaffen hast mit allen Teilen unseres Körpers. Wir bitten dich: Laß uns Leib und Glieder gebrauchen zu deiner Ehre und zum Wohle unserer Mitmenschen. Durch Jesus Christus, unserem Herrn.

 

Lesung: Text 1. Kor 12, 21-27 übertragen auf eine Fußballmannschaft:

Der Apostel Paulus schreibt vor der christlichen Gemeinde, sie sei wie der Körper eines Menschen. Wir haben das einmal übertragen auf eine Fußballmannschaft und wollen es nun einmal vorlesen:

Wie die Mannschaft e i n e ist und viele Spieler hat, alle diese vielen Spieler der Mannschaft aber eine Mannschaft bilden, so ist auch der Christus..Denn in einem Geiste sind wir alle zu einer Mannschaft getauft worden, ob Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie; und alle sind wir mit e i n e m Geist getränkt worden.

Denn auch die Mannschaft besteht ja nicht aus einem einzigen Spieler, sondern aus vielen. Wenn nun der Mittelstürmer sagt: „Weil ich nicht Verteidiger bin, gehöre ich nicht zur Mannschaft!“ so gehört er deswegen doch zur Mannschaft. Und wenn der Trainer sagte: „Weil ich nicht Torwart bin, gehöre ich nicht zur Mannschaft!“ so gehört er deswegen doch zur Mannschaft. Wenn die ganze Mannschaft nur Torwart wäre, wo blieben da die Stürmer? Wenn sie ganz aus Stürmern bestünde, wo bliebe da der Libero?

Nun hat Gott die Spieler eingesetzt, jeden einzelnen in der Mannschaft, wie er wollte. Wenn das Ganze nur e i n  Spieler wäre, wo bliebe da die Mannschaft? So aber sind zwar viele Spieler, aber doch nur e i n e Mannschaft.

Der Torwart kann nicht zum Verteidiger sagen: „Ich habe dich nicht nötig!“ Ebensowenig der Mittelstürmer zu den Außenstürmern: „Ich habe euch nicht nötig!“  Nein, vielmehr sind gerade die Spieler der Mannschaft, die wir für schwächer halten, notwendig; und die Spieler der Mannschaft, die wir für weniger edel halten, umgeben wir mit besonderer Ehre. Gott hat die Mannschaft zusammengesetzt und den zurückstehenden Spielern besondere Ehre gegeben, damit keine Spaltung in der Mannschaft entstehe, sondern die Spieler einträchtig füreinander sorgen.

Wenn e i n Spieler leidet, leiden alle Spieler mit, und wenn e i n Spieler geehrt wird, dann freuen sich alle Spieler mit. Ihr aber seid die Mannschaft Christi und seine Spieler, jeder an seinem Teil.

 

Auslegung (mit Flanellbild):

Wir überlegen, wer denn alles so zur Kirche gehört, wer alles hingeht zum Gottesdienst. Wir nennen besonders die Leute, die eine besondere Aufgabe haben. Wichtig sind dabei nicht nur die hauptamtlichen Mitarbeiter, sondern auch die, die Blumen besorgen, Licht anmachen, kehren. Darüber hinaus brauchen wir Leute für Schreibarbeiten, die mit der Büchse sammeln, Plakate aushängen, usw. Jedenfalls können wir nicht genug Leute haben, die in der Kirche mitarbeiten.

Könnte da nicht einmal einer fehlen? Das wäre schlecht, weil dann eine wichtige Arbeit liegenbleibt und das Ganze dann Schaden nimmt. Auch die ganz kleinen Kinder können schon etwas für die Kirche tun: Sie nehmen. in der Brottasche eine Einladung für die Eltern mit. Sie singen im Gottesdienst Lieder.

Sie haben Figuren ausgeschnitten für das Flanellbild, das wir jetzt zusammenbauen wollen: Aus einer Modezeitschrift wurden ausgeschnitten: Männer, Frauen, Kinder, Alte, Junge; hinzugefügt werden aber auch Behinderte und Benachteiligte. Sie sind lustig oder traurig, geschickt oder schwerfällig, sportlich oder  ungeschickt, musikalisch, hilfsbereit.

Doch sie alle gehören zusammen in der Kirche. Gott hat sie zur christlichen Gemeinde zusammengeschlossen. Diese ganz verschiedenen Menschen gehören zu einem Ganzen wie die Teile eines Körpers.

Wir heften die Bilder an die Flanellwand, und zwar in Kreuzform, durch einen darumgelegten Faden noch extra als Kreuz deutlich gemacht.

So bunt und vielfältig ist die Gemeinde Gottes, die Kirche Jesu Christi. Jeder ist dabei wichtig, alle werden gebraucht. Nur so ist die Gemeinde vollständig. Zusammengehalten aber werden sie alle durch Jesus Christus  - deshalb ist das Kreuz drumherum gelegt worden.

Deshalb wollen wir uns alle bemühen, unseren Platz in der Gemeinde auszufüllen. Keiner sollte sich überflüssig vorkommen und sich nicht dazugehörig fühlen. Oft sehen wir aber nur die Gaben, die die anderen haben, und übersehen dabei die eigenen.

Es sollte aber auch keiner meinen, es käme nur auf ihn an  und ohne ihn ginge nichts. Keiner sollte sich etwas einbilden, keiner sollte sich aber auch zu wenig zutrauen. Die Gemeinde besteht nicht aus lauter gleichen „Typen“, sondern die einzelnen Menschen sind ja gerade so unterschiedlich, damit jeder sein Teil zum Ganzen beitragen kann.

 

 

Einer trage des anderen Last:  Gal 6, 1 - 2

 

Erzählung:

„Im Viertelland“

Das Land ist rund wie ein Pfannkuchen. Und weil es aus vier verschiedenen Vierteln besteht, heißt es das „Viertelland“.

1. In einem Viertel ist alles grün: Die Häuser, die Straßen, die Autos, die Telefone, die Erwachsenen und auch die Kinder.

2.   Im zweiten Vierteil ist alles rot: die Bäume, die Badewanne, die Eisenbahnen, die Zigaretten, die Erwachsenen und die Kinder.

3. Im dritten Viertel ist alles gelb: Die Besen, die Krankenhäuser, die Blumen, die Baugerüste, die Erwachsene und die Kinder.

4. Im vierten Viertel ist alles blau: die Verkehrsampeln, die Möbel, die Brücken, die Zahnbürsten, die Fahrräder, die Erwachsenen und die Kinder.

Wenn die Kinder geboren werden, sind die bunt. Im ganzen Land ist das so. Aber die Erwachsenen schauen sie aus ihren grünen, roten, gelben oder blauen Augen an und streicheln sie mit ihren grünen, roten, gelben oder blauen Händen, bis sie endlich auch nur noch eine Farbe haben. Die richtige Farbe. Und das geht meistens sehr schnell.

1. Einmal kam in Grün ein kleiner Junge zur Welt, den sie „Erbs“ nannten. Er war mit einem Jahr immer noch ein bißchen bunt. Es war beunruhigend. Aber schließlich wurde er doch noch richtig grün.  In Grün lernen die Kinder, daß grün richtig ist, in Rot, daß Rot richtig ist, in Gelb, daß gelb, in Blau, daß blau richtig ist,

 

3. „Gelben Tag“, begrüßen die Kinder einander in Gelb, denn gelb heißt ja gut. Dann spielen sie Melonenrollen und lassen Kanarienvögel fliegen und singen den Zitronenblues. Manchmal sitzen sie auch und träumen, natürlich gelb, denn etwas anderes wissen sie ja nicht. Löwenzahn träumen sie, Strohhut, Aprikosengelee, Postauto und Glühwürmchen. Und wenn sie ihre gelben Augen wieder öffnen, sind sie immer ein bißchen unzufrieden. Aber sie können nicht herausfinden warum.

 

2. In Rot spielen die Kinder das große Rot-Spiel: Sie werfen Tomaten in den Sonnenuntergang und sie singen das Erdbeermarmeladenlied.  Manchmal ist ihnen, als fehle ihnen etwas.

4.  In Blau machen sie es so: „Himmel“, sagt ein Kind, und die anderen rufen „blau“ - „Tinte“ - „blau“ - „Vergißmeinnicht“ - „blau“! Und immer so weiter, bis sie müde werden. Oft tanzen sie auch den Pflaumentango.

1. In Grün freuen sich die Kinder am meisten über das Kaktusspringen. Denn wenn eines nicht hoch genug springen kann, hat es die Stacheln im Po. Froschhüpfen ist auch ganz nett.  Aber Graszählen ist langweilig.

3. „Lieber gelber Gott,“ so beten die Kinder in Gelb, wir danken dir, daß wir gelb sind. Beschütze uns!  Und in Rot und Grünt und Blau beten sie zum roten, grünen und blauen Gott. Und alle beten nur für sich selbst.

 

Eines Tages geschieht etwas überraschendes: Mitten  in Grün wächst eine gelbe Rose. Es ist eine schöne Rose, aber die Erwachsenen verziehen so angeekelt das Gesicht, als sei sie ein Mistkäfer. Es dauert nicht lange, da hat einer sie mit seinem Spaten niedergeschlagen.

1. Das ist der Tag, an dem Erbs seinen Löffel voller Wut in den Spinat fallen läßt, so daß der Teller zerspringt und der Spinat an die grüne Wand spritzt. Plötzlich sind alle Kinder von Viertelland in großer Unruhe. Die Kinder aus Rot laufen zum Mittelpunkt

 des Landes, wo sich die Kreidestriche, die einen Teil vom anderen trennen, treffen. Die Kinder aus Blau gehen dahin, die aus Gelb und die aus Grün.

2. Auf einmal tritt Erbs vor, er spuckt auf den Kreidestrich, dann scharrt er ein bißchen mit dem Fuß und die Kreide ist weg. Sofort machen alle Kinder mit. Sie spucken und scharren, bis es keine Trennungsstriche mehr gibt.

Dann lachen sie und fassen einander vorsichtig an. Die Grünen die Gelben, die Gelben die Blauen, die Blauen die Roten, die Grünen die Blauen, und immer so weiter, bis jedes Jeden angefaßt hat.

Sie fangen an, miteinander zu spielen, und ganz langsam werden die Kinder bunt. Nachdem jedes Kind jede Farbe hat, kann es auch in jeder Farbe denken, fühlen, träumen und wünschen. Jedes versteht das andere, allen gehört das ganze Land. Nie zuvor waren sie so fröhlich. Sie singen nun gemeinsam ihre Lieder und freuen sich an den vielen bunten Dingen (gekürzt nach Gina Ruch -Pauquet).

 

Besprechung:

So wie im Viertelland lebten die Christen in Galatien, an die der Apostel Paulas einen Brief geschrieben hat, aus dem wir nachher ein Stück hören wollen. Die Gemeinden waren sich nicht einig, sondern es gab in ihnen verschiedene Gruppierungen. Und jede Gruppe dachte: „Wir sind besser als die anderen, die sollen erst einmal so werden wie wir, dann körnen wir sie auch als Christen anerkennen!“

Aber bei uns heute ist es vielfach auch nicht anders. Da gibt es auch Menschen, mit deren wollen wir nichts zu tun haben‚ die halten wir für untragbar.  Wer könnte das wohl sein? (von den Gottesdienstteilnehmern nennen lassen und die Kartons damit beschriften. Beispiele: Angeber, Versager, Streithammel, Alkoholiker).

Auf einen großen Kanton mit der Aufschrift  „ICH“ werden die anderer Kartons gestapelt, die die unerträglicher Menschen symbolisieren sollen. Einer (der das  „Ich“ re­prä­sentiert) wirft sie aber immer wieder herunter mit den Worten:

„Du bist mir unerträglich, fort mit dir!“

„Du bist mir nur ein Klotz am Bein!“

„Ich will dich nicht auch noch auf dem Hals haben!“

„Das ist ein Kreuz mit dem!“

„Ich habe mit mir genug zu tun!“

 

Spiel

Lesung: Galater  6,1- 2: Liebe Brüder, wenn einmal jemand bei einer Verfehlung ertappt wird, so helft ihm wieder zurecht im Geist der Sanftmut; und achte auf dich selbst, daß du nicht auch versucht wirst. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!

Stimme: „Das ist doch eine Zumutung, was Paulus da schreibt! Wir haben doch mit uns selber gerade genug zu tun! Wie kommt er nur zu dieser Forderung!“

Stimme: „Er weiß halt ‚ daß wir nur zu oft selber der anderen unerträglich sind. Und an sich wären wir auch Gott unerträglich.

Wir wollen nur einige Stichpunkte nennen:

„Ich habe keine Zeit, heute paßt es mir nicht!“

„Wie es den anderen geht, ist mir gleichgültig, Hauptsache: I c h habe!“

„Weshalb soll ich mich noch bedanken, ich hatte doch einen Anspruch!“

„Die anderen fangen immer Streit an, ich bin nicht schuld!“

„Ich kann nichts dafür, daß das schief gelaufen ist!“

Die Stichworte „Keine Zeit, Habgier, Undankbarkeit, Streit, Versagen“, die auf weiteren Kartons stehen, werden auf dem „Ich“-Karton aufgebaut.

Aus der Kartons wird nach und nach ein Kreuz aufgebaut. Als Querholz dient ein Brett, auf das auch Kartons gelegt werden. Auch die noch auf dem Boden liegenden Kartons werden in das Kreuz eingebaut, natürlich auch der  „Ich“-Karton. Der unterste Karton trägt die Aufschrift „Christus“.

Sprecher: Wir alle werden mit unserer Last vor Christus getragen. Alle werden von Christus getragen, auch die für uns Unerträglichen. Auf einmal gehören wir zusammen in dieses Kreuz. Das Kreuz Christi erreicht auch den Letzten. Deshalb sollten wir nicht zu schnell sagen: Untragbar !  Wenn wir das Kreuz sehen, sollen wir daran denken: „Christus trägt uns. Für ihn ist keiner untragbar!“

 

 

Wir wollen einmal die unterschiedlichen Lasten sichtbar machen. Das soll so geschehen, daß Pakete geschnürt werden, die aus lauter kleineren Päckchen zusammengesetzt sind. Die Mutter wird drei große Pakete tragen: „Haushalt“, „Erziehung“ und „Schule“. Sie bestehen aus den kleineren Päck­chen, die die in die großen Pakete einzuordnenden Einzellasten darstellen. Die Päckchen sollen entsprechen- de Aufschriften tragen. Der Vater hat die Pakete „Beruf“ und „Familie“, jedes der beiden Kinder die Pakete „Schule“ und „zu Haus“ zu tragen. Die Pakete der einzelnen Familienmitglieder sollen sich farblich \en- einander unterscheiden.

Ein Mitglied des Vorbereitungsteams ruft ihnen nach: „Halt, geht doch nicht weg!“

Das Teammitglied sagt zu allen: „So mag es oft im Gottesdienst sein, daß man hinausgeht, wie man hereingekommen ist. Aber heute nicht. Heute soll das einmal wörtlich verstanden werden, was wir eben gehört haben: „Einer trage des andern Last!“ Die Familie packt ihre Lasten ab und stapelt sie auf einem für alle sichtbaren Tisch auf. Dabei stellt sie sich vor und erzählt, was sie belastet.

Ein Teammitglied übernimmt die Rolle eines Moderators bei einem Gespräch zwischen der Familie und der Gemeinde, in dem etwa folgende Gedanken geäußert werden:

Wie soll man das nun verstehen: Einer trage des andern Last? Was will es nicht heißen?

1. Jeder trägt unter Selbstmitleid seine ganze Last allein.

2. Jeder lädt dem andern auf, was er nicht tragen will. Es wird demonstriert: Mutter als Lastesel.

3. Der Vater geht in die Schule, der Sohn ins Büro.

Was heißt es denn?

Im Gespräch ergibt sich, daß sich Lasten verteilen lassen innerhalb der Familie, aber auch so, daß bestimmte Lasten - zum Beispiel sich mal um die kleine Tochter kümmern - von der Gemeinde übernommen werden können. Die Päckchen werden entsprechend umgepackt oder in die Gemeinde gegeben.

Es kommen aber auch Ängste und Sorgen zur Sprache, die sich nicht verteilen lassen. Solche Päckchen werden beiseite gelegt. Am Ende des Gesprächs sind nur noch diese Päckchen übrig.

 

Pfarrer: Wir hoben miteinander versucht zu verstehen, was es heißt: „Einer trage des anderen Last!“ Einen großen Teil unserer Lasten können wir untereinander verteilen, so daß wir sie leichter tragen können. Aber manches ist noch übriggeblieben. Die Mutter belastet die Sorge um die Kinder. Sie hat Angst vor dem Altwerden. Kinder belastet es, wenn Eltern miteinander streiten. Wir können uns wohl manche Sorge abnehmen, aber es gibt Lasten. die man keinem anderen abgeben kann.

Doch einen gibt es, der uns einlädt, mit unseren Lasten zu ihm zu kommen. (Er  schlägt die Bibel auf und liest:) „Christus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr müh- selig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ (Matth 11,23). An einer anderen Stelle steht in der Bibel: „Alle eure Sorge werfet auf Gott, denn er sorgt für euch (1. Petr. 5,7). Das ist ein Angebot, aber wie nutzen wir es? Wir können aus jeder Last ein Gebet machen. Gott ermuntert uns dazu.

Beim Orgelnachspiel verläßt die Familie die Kirche zuerst. Alle können sehen, daß sie weniger zu tragen haben. An den verschiedenen Farben in den Netzen ist zu erkennen, daß einige Lasten neu aufgeteilt sind. Die zurückgebliebenen Lasten auf dem Altar erinnern daran, daß hier auch in Zukunft Last abgeladen werden kann.

 

Gebet:

Herr, unser Gott, es ist nicht immer leicht, mit anderen Menschen auszukommen. Wir ärgern uns, wenn sie nicht das tun, was wir wollen. Sie erwarten etwas von uns, möchten, daß wir sie besuchen und uns mit ihnen abgeben, sie erzählen uns ihre Probleme und möchten Hilfe.  Wir aber sind oft zu sehr mit uns selber beschäftigt und beachten sie nicht. Laß uns doch aufmerksamer sein und ihnen zum Helfer werden. Wir sind ja selber oft anderen lästig und beschweren sie unnötig. Herr, vergib uns doch alle Schuld und stärke uns, daß wir die Last anderer mittragen können. Du selbst hast ja alles auf dich genommen, was Menschen an Lasten verursacht haben. Du trägst auch unsre Last. Deshalb wollen wir dir danken.

 

 

Wo ist Gott? 1. Johannes 4,12 und 20                                     [Noch nicht erprobt]

 

Eltern und Kinder sollten folgende Aufgaben lösen:

1. Aus bereitgestelltem Pappkarton sind fünfzehn bis zwanzig Häuser zu bauen, die den Häusern gleichen sollen, in denen die Bastler selbst wohnen.

2. Eine Schar älterer Kinder bereitet sich (unter Beteiligung von Erwachsenen) darauf vor, während des Gottesdienstes vor der Gemeinde ein möglichst lebensnahes und wirklichkeitsgetreues Gespräch „Was sich Kinder von Jesus sagen“ zu führen.

3. Mehrere jüngere Kinder überlegen, wie sie einen Spielverderber in ihre Mitte zurückholen würden; auch das soll der Gemeinde im Gottesdienst gezeigt werden.

4. Eine letzte Gruppe, die sich zweckmäßigerweise teilt, verfertigt mit tatsächlich lesbaren Buchstaben Schrifttafeln (eventuell nur einzelne Textzeilen); geschickte Hände könnten vielleicht sogar passende, sachbezogene Bildzeichen („Piktogramme“) herstellen. Die Text- bzw. Bildtafeln sollen der Gemeinde den Fortgang der Überlegungen zum Thema versinnbildlichen; sie sollen helfen, die Verkündigung zu behalten. Die jeweils zueinander gehörigen Teile sind gegenübergesteilt aufzuhängen. Nach Abschluß jeden Verkündigungsabschnittes sind die Texte von der gesamten Gemeinde zu wiederholen (sprechen oder singen):

Wo bist du, Gott?                                                    Da ist unser Gott!

 

1. (a) Niemand kann dich sehen,                                   1. (b) wir wollen zu Jesus gehen

2. (a) Sie lachen voller Spott.                               2. (b) Doch lest das Bibelwort!

3. (a) Den Nächsten seh' ich an,                                    3  (b) ob ich ihm helfen kann.

4. (a) Höre unsre Bitte:                                          4. (b) Bleib in unsrer Mitte!

 

Verkündigung

1. „Wir bauen mit unseren Häusern eine neue Straße“:

Es bleibt den Kindern und einigen mitspielenden Erwachsenen überlassen, wie sie sich nach Bekanntgabe des Spielauftrags zusammenstellen. Man achte lediglich darauf, daß sie gegenübertreten und so eine Gasse, eine gedachte Straße bilden. Jeder hält ein Haus („sein“ Haus!) und gibt ihm eine funktionale Bezeichnung (Gasthaus, Wohnhaus, Kindergarten, Hochhaus, Polizei, Wohnblock u. ä.) nach eigener Wahl.

Impuls (aus dem Kreis der mitspielenden Erwachsenen): Die Menschen - Große und Kleine - die in dieser Straße wohnen, sollen auch von Gott und Jesus hören können. Brauchen wir dazu nicht auch eine Kirche? Antwort (geplante Richtung des Gesprächs): Recht betrachtet, können sich die Menschen überall versammeln, um von Jesus zu sprechen und zu hören: jedes Haus, jede Werkstatt, jede Stube und jede Straße kann solch ein Ort sein!

Abschluß (durch einen Erwachsenen): „Überall, wo von Jesus erzählt wird, da ist Gott nahe und da ist Gott bei uns!“

Einprägung (alle): Niemand kann dich sehen - wir woll'n zu Jesus gehen!

 

2. „Was Kinder von Jesus sagen“:

Bohrende Fragen, kritische Einwände (vielleicht sogar aus einem Schrifttum, das Kinder schon verstehen), eigene engagierte Bekenntnisse und vorhandenes biblisches Wissen sollen vorgebracht werden.

Impuls (Erwachsener): Wer sagt uns eigentlich, wer Jesus wirklich war? Antwort (geplante Richtung): Wir müssen alle die befragen, die sich Jesus anschlossen, weil sie in seinem Reden und Handeln die Kraft Gottes erkannten. Was sie bezeugt haben, wird zur Grundlage unseres Glaubens und unserer Kenntnis.

Abschluß (Erwachsener): „Wenn ein Mensch an Jesus glaubt, so erwartet er, Gott zu begegnen. Gott ist uns also im Glauben an Jesus nahe!“

Einprägung (alle): „Sie lachen voller Spott - Doch lest das Bibelwort!“

 

3.. „Bleib nicht dort allein“:

Das „gespielte“ Spiel der Kinder, an dem auch ein oder zwei Erwachsene teilnehmen sollten, darf mit Rücksicht auf das einzubauende Gespräch nicht so unterkühlt ablaufen, daß es als Spiel unglaubhaft wirkt. Natürlich soll auch nicht so übertrieben gespielt werden, als ob das Austoben die Absicht wäre. Der in den Kreis der Kinder Hineinzuholende könnte ebensogut ein Fremder wie ein Spielverderberin. Der augenblicklichen Eingebung dieses Kindes sollte es auch überlassen bleiben, ob es schließlich mitspielt. Das Gespräch der Kinder wird gewiß erst einmal all die Gründe zusammentragen, die gegen eine Gemeinsamkeit mit dem Außenseiter sprechen.

Impuls (Erwachsener): Vergleicht. eure Meinung mit der Meinung der Pharisäer über die Zöllner. Und dann besprecht, warum Jesus kein Pharisäer werden wollte!

Antwort (geplante Richtung): Jesus hat dafür gelebt, daß sich die Menschen besser verstehen. Wo sie im Frieden leben, da kann auch der Friede Gottes sein.

Abschluß (Erwachsener): „Gott nimmt jeden, der kommt, in seine Gemeinschaft auf. Machen wir es wie Gott, dann ist er bei uns."

Ei n p r ä g u n g (alle): Den Nächsten seh' ich an - ob ich ihm helfen kann.

 

4. „Hier sind wir“:

Die Predigt versucht eine Zusammenfassung des Voraufgegangenen. Sie erinnert nochmals daran, wie und wo wir Gott finden.

„Wo ist Gott?“ So werden wir gefragt und so haben wir auch selbst schon gefragt. Darauf wurde uns geantwortet: Gott ist dort, wo von Jesus berichtet wird; das kann in der Kirche geschehen, es kann auch auf der Straße passieren. Gott ist dort, wo sich Menschen als „Kinder Gottes“ versammeln. Diese Antwort wollen wir uns merken und weitersagen! (Abschnitt 1)

„Wo ist Gott, wenn er nicht einmal im Himmel zu finden ist und auf der Erde sich nicht einmal hören läßt?“ Dazu muß gesagt werden: Gott ist über Himmel und Erde erhaben. Für uns Menschen gibt es nun aber nichts Höheres als den Himmel. Und so wählen wir den Ausdruck „Himmel“, um eine Vorstellung von Gottes Größe anzudeuten. Diesen gewaltigen, mächtigen Gott können wir nicht mit Augen und Ohren, oder gar mit unseren Händen fassen. Er wird uns aber anschaulich in Jesus, er redet zu uns durch Jesu Mund. Und darum finden wir Gott heute in Jesu Wort, in unserer Bibel. Auch das wollen wir uns merken. (Abschnitt 2)

„Wo ist Gott?“ Unser Spiel hat gezeigt: Er ist bei jedem oder will doch bei jedem sein. Sein Ziel ist die Gemeinschaft aller; und dazu gehören die Traurigen ebenso wie die Fröhlichen, die Verachteten in gleicher Weise wie die Geachteten. Gott liebt sie alle, und wir sollen uns so zueinander verhalten, daß das alle spüren! (Abschnitt 3)

„Wo ist Gott?“ Er ist da, wo wir sind. Er sucht uns, um uns zu begleiten. Wir hatten eine neue Straße gebaut. Sie wird ganz sicher veralten, wenn nicht erneuerte Menschen darin wohnen. Eine alte Straße aber muß nicht alt bleiben. Sie kann verändert werden durch unser verändertes Verhalten.

„Wo ist Gott?“ Er ist da, wo wir sind. Er sucht uns, um uns zu begleiten. Die Fragen um Gott und um Jesus werden wohl niemals aufhören. Sie machen uns nicht nervös. Solange wir tatsächlich eine Antwort suchen, hat dos Fragen einen Sinn. Denn dann werden wir in der Bibel die gute Botschaft entdecken können, daß Gott seinen Sohn Jesus zu unserer Hilfe in die Welt gesandt hat.

„Wo ist Gott?“ Er ist da, wo wir sind. Er sucht uns, um uns zu begleiten. Ein großer Teil der Menschen meint, ohne Gottes Hilfe und Beistand auskommen zu können. Wo aber finden die Tausende eine Hoffnung und einen Halt, die bei Sorgen oder Leid, bei Überlastung oder Schwierigkeiten Hilfe brauchen? Sie warten auf ein gutes Wort, auf eine kleine Unterstützung, auf ein liebevolles Gedenken. Wir würden an Gott vorübersehen, an ihm vorbeigehen, wenn wir die Verbindung mit diesen Menschen verlieren. Wir alle aber brauchen Gottes Liebe.

Einprägung (alle): „Höre unsre Bitte - Bleib in unsrer Mitte!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

V e r s c h i e d e n e s

 

Elisabeth von Thüringen

 

Einleitung:

Viele werden schon auf der Wartburg bei Eisenach gewesen sein, wo Elisabeth von Thüringen gewohnt hat. Sie werden sich vielleicht auch an die schönen Mosaikbilder in der sogenannten „Elisabethkemenate“ erinnern oder an die auf den Putz gemalten Bilder aus dem Leben der Elisabeth in einem Gang des Palastes. Zwischen diesen Bildern sind noch kleine Medaillons gemalt ‚ auf denen die „Sieben Werke der Barmherzigkeit“ dargestellt werden. Gemeint sind damit: Hungernde speisen, Dürstende tränken, Heimatlose beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote begraben. Diese Werke der Barmherzigkeit beziehen sich auf eine Geschichte, die Jesus erzählt hat und die wir nachher noch hören wollen.

 

Zunächst aber wollen wir einige Szenen aus dem Leben der Elisabeth sehen und uns noch Einiges erzählen lassen. Wir haben uns dabei bemüht, die Personen in dem Alter auftreten zu lassen, das sie tatsächlich hatte ‚ also von 4 bis 24 Jahren. Als erstes sehen wir,  wie Elisabeth als kleines Kind auf die Wartburg kommt. Dann erleben

wir Elisabeth als junges Mädchen im Kreise der Familie des Landgrafs. Das Dritte ist ein Gespräch mit ihrem Mann und als Letztes der Bericht der Elisabeth, als sie als Witwe in Marburg lebte.

 

Anspiel:

Elisabeth kommt auf die Wartburg:

(Prinz Hermann 12 Jahre, Prinz Ludwig 10 Jahre, Elisabeth 4 Jahre)

H.: Ob wir wohl auskommen werden mit dem kleinen Mädchen, das zu uns auf die Wartburg kommen soll? Bis jetzt haben wir doch immer gut miteinander gespielt. Aber bei Mädchen weiß man nie, die sind manchmal so komisch. Und wer ich groß bin, soll ich sie auch noch heiraten, das kann ja heiter werden!

L.: Das ist aber so üblich in den Fürstenfamilien. Die Eltern wollen gern mit dem ungarischen Königshaus und den Fürsten von Meran verwandt sein. Da haben sie neue Verbündete gewonnen. Aber ich weiß nicht einmal, wo dieses Ungarn liegt, oder Tirol.

H.: Sicher denken sie auch: Wenn die Kinder gemeinsam erzogen werden, dann  können sie sich auch nachher besser verstehen. Hoffentlich ist sie nicht so eine dumme Ziege.

L.: Jetzt kommt die Kutsche (Sie laufen zum Fenster). Sechs Pferde sind davor.

R.: Und dahinter ein großes Gefolge von Reitern und Wagen. Sieh mal, was sie alles mitbringt: Goldene und silberne Kannen und Schüsseln,  eine silberne Wiege mit Decken und Kissen aus purpurroter Seide, ein Elferbeinkästchen mit Edelsteinen. Alles bringen sie in die Burg hinein.

L.: Ob wir das Mädchen überhaupt verstehen? Sie kommt doch aus Ungarn. Ob sie überhaupt die deutsche Sprache kann. Aber vielleicht hat sie ja von ihrer Mutter unsere Sprache gelernt. (Elisabeth kommt herein, fremdländisch angezogen, von einer Frau geführt)

E.: Guten Tag, ich bin Elisabeth. Wer seid ihr? Wie heißt ihr?

H.: Ich bin Hermann, der ältere Sohn des Landgrafen.

L.: Und ich bin Ludwig, auch ein Sohn. Dazu haben wir noch eine Jutta und Heinrich Raspe. Wir freuen uns, daß du da bist. Jetzt haben wir noch jemanden zum Spielen.

Orgelzwischenspiel

 

 

Elisabeth auf der Wartburg:

(Elisabeth 10 Jahre, Hermann 18 Jahre, Ludwig 16 Jahre)

H.: Gestern war ja wieder etwas los auf der Wartburg. Unser Vater hat wieder eine Menge fahrender Dichter und Sänger eingeladen. Mit ihnen feiert er jetzt schon tagelang sein Fest. Da wird wieder einmal an nichts gespart.

L.: Dabei geht es den Leuten im Land so schlecht, der Krieg ist noch nicht überwunden. Neulich sah ich Bauern, die teilnahmslos auf der Asche ihrer abgebrannten Häuser saßen. Überall belagern hungernde Frauen und hilflose Kinder die Tore der Städte und Burgen. Dazu noch überall die vielen Kranken.

H. Aber bei uns leben sie, als gäbe es das alles gar nicht. Doch wie Elisabeth es macht, das finde ich auch nicht nichtig. Sie geht vor das Tor, unterhält sich mit den armen Leuten, gibt ihnen Geschenke und Essen, verbindet ihre Wunden und will ihre Lumpen zusammennähen.

L.: Ach laß sie nur. Sie nimmt eben das ernst, was der Pfarrer uns neulich erzählt hat: Speist die Hungrigen, tränkt die Durstigen, beherbergt die Fremder, bekleidet die Nackten, besucht die Kranken, geht zu den Gefangenen. So hat das schon unser Herr Jesus Christus gewollt.

E.: Kommt ihr mit in die Burgkapelle?

H.: Du willst wohl wieder in das fromme Buch sehen ‚ wo du doch noch gar nicht lesen kannst? Stell dir vor, neulich hat sie den halben Tag in der Kapelle gesessen und in das Buch gestarrt.

S.: Ich will meinen Schmuck und meine Krone vor dem Altar niederlegen. Wo Jesus die Dornenkrone aufhat, da will ich nicht mit einer weltlichen Krone erscheinen (geht zum Altar und tut es).

H.: Sie verhält sich so ganz und gar nicht wie eine künftige Landgräfin. Sie müßte doch langsam begreifen, daß sie eine Fürstin ist. Aber sie streut immer wieder unsere  Reichtümer bedenkenlos unter die Leute.

L.: Ich weiß, daß unser Vater sie wieder hat heimschicken wollen. Aber ich habe ihn solange gebettelt, bis sie bleiben durfte. Es ist schon recht, was sie tut.

Orgelzwischenspiel

 

Sprecher:

Der Landgraf starb und auch sein ältester Sohn, der einmal Elisabeths Mann hatte werden sollen. So wurde sie an Pfingsten des Jahres 1221 mit Ludwig vermählt, den sie sowieso besser leiden konnte und dem sie echt zugeneigt war. Niemand hat ihre Sehnsucht, vor allem Gott zu gefallen, so gut verstanden wie er. Mit ihm erlebte sie eine kurze Sonnenzeit: Sie begleitete ihn tagelang auf Reisen. Wenn er allein fort war, legte sie Witwerkleider an und freute sich unbändig auf seine Rückkehr. Zu hohen Festen aber legte sie prächtige Kleider an, weil er das gern hatte. Drei Kinder hatten sie: Hermann, der spätere Landgraf vor Thüringen, Sophie, die Gründerin des Landes Hessen, und schließlich noch Gertrud.

Ludwig der Vierte war in der Reihe der Landgrafen ein Außenseiter. Er stand treu zum Kaiser und gab das verschwenderische Leben des Vaters auf. Seine Frau verteidigte er gegen alle Angriffe der Verwandten und duldete ihre Freigiebigkeit gegen die Armen. Das Jahr 1225 brachte einen überaus harten Winter. Dazu kamen viele Tiere durch eine Seuche um. Alles wurde entsetzlich teuer: ein Maß Korn kostete so viel wie ein Pferd. Auch vor der Toren der Wartburg reckten sich Kinderarme nach Essen‚ Mütter baten um alte Kleider und Schuhe. Da ließ Elisabeth die Speicher und Scheunen öffnen und Getreide verteilen. Am nördlichen Abhang des Burgfelsens entstand ein Hospital für Kranke. Morgens und abends ging Elisabeth selber zum Krankenhaus hinunter und pflegte die Patienten. Sie verkaufte ihren Schmuck,

um den Notleidenden helfen zu können. Vor ihrem Pfarrer Rüdiger hatte sie gelernt, Armut auch mit fröhlichem Gesicht zu üben. Er gehörte zum Mönchsorden der Franziskaner, die dem Vorbild des Franz von Assisi nachfolgen wollten. Ihr Leben wurde auch für Elisabeth richtungweisend.  Aber bald erlitt sie einen schweren Schlag:

 

Ludwigs Tod:

E.: Schön, daß du wieder von der Jagd zurückkommst. Gib mir deinen Gürtel mit dem Dolch!

L.: Ja, es war wieder einmal eine tolle Jagd. Wenn es doch immer so sein könnte.

E.: Was hast du denn hier? (holt ein Tuch mit einem roten Kreuz aus dem Gürtel). Du hast das Kreuz genommen? Du willst mich verlassen?

L.: Ich habe ein heiliges Gelübde getan‚ mit anderen Rittern zusammen das Land Jesu zu befreien. Das muß ich halten, ich gehe mit auf den Kreuzzug.

E.: Gegen Gottes Gebot will ich nicht ankämpfen. Aber bis nach Schmalkalden, der südlichsten Stadt unseres Landes, darf ich dich doch noch begleiten. Wenn du nur wieder kommst. Ich habe so eine böse Ahnung, daß wir uns nicht wiedersehen werden.

Orgelzwischenspiel

 

Elisabeth in Marburg:

E.: Mein Mann ist tatsächlich nicht vom Kreuzzug zurückgekommen. Schon in Süditalien ist er an einem Fieber gestorben. Schon mit 20 Jahren war ich Witwe. Meine Kinder wurden unter die Vormundschaft ihres Onkels Heinrich Raspe gestellt. Er wollte sie in seinem Sirre erziehen. Ich lehnte mich dagegen auf. Da sperrte er mir meine Einkünfte aus dem Witwengut.

Schließlich verließ ich mit zwei Freundinnen die Burg. Wir irrten durch die Straßen von Eisenach. Aber keiner wollte uns aufnehmen, der neue Landgraf hatte es streng verboten‚ weil er mich zwingen wollte, auf die Burg zurückzukehren. Eine ganze Zeit verbarg ich mich in einem Schweinestall. Eine Bettlerin‚ die früher viel von mir erhalten hatte, stieß mich in die Straßenrinne.

Doch schließlich verkaufte ich meinen Besitz und ging nach Marburg, wo das Schloß an sich mein Witwersitz werden sollte. Aber ich baute dort ein Krankenhaus wo ich die Kranken eigenhändig zu pflegen begann. Ganz in der Nähe ließ ich mir eine kleine Hütte bauen.  So lebte ich wie eine Nonne, verzichtete auf Besitz, Ehe und Familie und auch auf meinen eigenen Willen. Ich wollte nur noch Christus gehorsam sein. Besonders schwer fiel mir der Abschied vor meinen Kindern. .Aber ich durfte dann die Pflegemutter vieler armer und verwaister Kinder werden.

 

Sprecher:

Doch der harte Dienst an den Kraken zehrte ihre Kräfte bald auf. Wenige Tage nach ihrem 24.Geburtstag starb sie am 19. November 1231. In der Franziskuskapelle des Hospitals wurde sie begraben. Schon 1235 wurde sie heiliggesprochen und ihre Gebeine wurden in den kostbaren Elisabethschrein gelegt. Er steht noch heute in der Elisabethkirche in Marburg, die in den Jahren 1235 bis 1289 als Grab- und Wallfahrtskirche gebaute wurde.

Doch für uns ist wichtig das Vorbild dieser frommen Frau, die mit ihrer Menschlichkeit ein Zeugnis gab vor der Liebe Gottes zu den Menschen. Evangelische und katholische Christen erinnern immer wieder Jahr an die große Liebende Elisabeth vor Thüringen, die uns auffordert, es ihr nachzutun.

 

Predigt:

Auch bei uns werden viele sagen: „Ich habe noch niemanden hungern  sehen, dem ich hätte helfen können. In südlichen Ländern mag es so etwas geben‚ aber doch bei uns nicht. Höchstens mein Schulbrot habe ich einmal mit meinen Freundin geteilt, als die ihr Brotvergessen hatte!" Wir kennen auch keine Heimatlosen und keine Gefan­genen, also ist diese Sache für uns erledigt.

Jesus aber fordert uns auf‚ mit wachen Augen durch die Welt zu gehen und auf die Not der Mitmenschen zu achten. Unsere Hilfe wird auch heute und bei uns gebraucht. Das fängt schon an, wenn so ein Erstklässler von den Großen auf die Seite geschubst wird. Da braucht er jemanden, der ihm beisteht. Die Eltern oder die größeren Geschwister werden ihm sicher helfen. Aber die sind nicht immer da. Wie gut ist

es da, wenn auch andere Menschen helfen. Vor allem von Christer sollte man es erwarten dürfen.

Jesus sagt: „Was ihr getan habt einem unter den geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“ Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes und aus jedem sehen uns die  Augen Jesu Christi an und fragen uns: „Hilfst du mir?“ Wer einen echten Glauben hat, der wird ganz von selbst dazu gedrängt, auch anderen Menschen zu helfen und seinen Glauben in die Tat umzusetzen.

Es könnte sonst sein, daß Nichtchristen uns den Rang ablaufen und so handeln, wie wir eigentlich handeln müßten.  Sie hatten sich keine gute Taten vorgenommen. Aber als Not am Mann war, haben sie ganz selbstverständlich getan, was nötig - „notwendig“ - war und was Gott erwartet hat. Jesus sagt: „Solche guter Taten können ihnen einmal von Gott angerechnet  werden, wenn über das Leben abgerechnet wird. Es muß nicht so sein, aber es könnte so sein' , daß sie besser dabei  wegkommen als diejenigen, die gemeint haben: „Wir gehören ja zu Jesus, uns kann nichts passieren,  auch wenn wir uns nicht so um die anderen Menschen kümmern.

Damit soll aber nicht gesagt sein: „Man kann auch ein anständiger Mensch sein,  wenn man nicht in die Kirche geht. Hauptsache, ich tue meire Pflicht und tue niemandem etwas zuleide und lebe ehrlich von meiner Hände Arbeit. Wahres Christentum zeigt sich in der Tat! Und anstatt Kirchen zu bauen oder zu erneuern, sollten sie lieber Wohnungen bauen, damit wäre uns mehr gedient!“ So kann man immer

wieder einmal hören. Sicher werden auch mache Eltern solche Gedanken als Ziel ihnen Erziehung ansehen.

Daß man die Hungrigen gespeist hat, bringt einen noch nicht in den Himmel, auch nicht, daß man zur Kirche gehört oder gar einen kirchlichen Beruf hat. Krankenhäuser und Wohnungen können natürlich auch Menschen bauen, die nicht glauben - und es ist gut, wenn sie es tun. Wir dürfen froh  sein, wenn Vieles von dem, was Jesus gewollt hat, in unserer heutigen Welt verwirklicht wird, auch von Nichtchristen.

Aber Elisabeth von Thüringen hat sich nicht um die Armen und Kranken gekümmert, um dem Fortschritt der Menschheit zu dienen, sondern um einen Auftrag Gottes auszuführen. Sie tat es als Antwort auf die Liebe Gottes, die sie selber erfahren hatte. Von dieser Liebe hören wir hier in der Kirche. All unsre guter Taten machen den Gottesdienst nicht überflüssig. Im Gegenteil: Hier werden wir ja gerade immer wieder darauf hingewiesen, Gutes zu tun.

Aber wenn wir die Kirche verlassen, beginnt der zweite Teil des Gottesdienstes. Dann zeigt sich erst, ob wir Gott nichtig verstanden haben und  ihm dienen wollen (Durch gute Taten am Mitmenschen wird der Gottesdienst am Sonntag nicht überflüssig, beides gehört nach Gottes Willer zusammen. Jesus möchte nicht, daß wir eins von beiden vernachlässigen, denn er möchte doch, daß wir am Ende zu der Gesegneten gehören.

Direkte äußere Not gibt es ja bei uns kaum noch. Aber die innere Not ist vielleicht umso größer geworden. Heute wird vor allem der Besuch bei den Kranken wichtig sein. Ein kranker und auch ein alter Mensch werden oft links liegengelassen und vereinsamen. Wie froh ist er aber, wenn einmal jemand kommt, vor allem auch Kinder. Es ist ja gar nicht viel zu tun, es ist  nicht jeder gleich eine Heilige Elisabeth

oder ein Albert Schweitzer oder eine Mutter Theresa. Aber einer Mutter mit einem Beinleiden kann man vielleicht den täglichen Weg zur Kinderkrippe abnehmen. Oder man kann einmal für jemanden mit kochen oder etwas einkaufen.

Noch wichtiger als solche praktische Hilfsbereitschaft ist aber der Trost in der inneren  Not. Mancher Kranke wird undankbar oder hat Fragen und ist auch mit Gott uneins. Darüber sollten wir mit ihm sprechen und ihm wieder zurecht helfen, ihm auch Trost und Mut geben, mit seinem Schicksal fertig zu werden.

So wird jeder gebraucht, die Großen und die Kleinen. Jeder vor uns kann so barmherzig sein, wie Elisabeth von Thüringen es war und wie es uns schon Jesus vorgelebt hat.

 

 

Wer ist hier behindert - du oder ich?

 

Spiele:

1.Im Mittelgang der Kirche sind verschiedene Hindernisse aufgebaut. Einer kriegt die Augen verbunden und soll sich zwischen den Gegenständen zurechtfinden. Die anderen rufen ihm (nichtig oder falsch) zu, wie er gehen soll.

2.Mit verbundenen Augen soll einer verschiedene Geräusche deuten

(Papierreißen, Flasche öffnen, Buch schließen, Streichholz anzünden)

3. Einer muß nach draußen gehen. Ein anderer versteckt sich unter

einer Decke. Dann soll der andere raten, wer unter der Decke steckt. Notfalls muß der Versteckte einen Ton von sich geben oder etwas sagen (darauf achten, daß die beider sich auch tatsächlich kennen).

 

Diese Spiele machen uns deutlich (in etwa), wie schwierig es wird, wenn einer behindert ist. Dabei geht es nur um diese eine Behinderung, nämlich die Blindheit. Es gibt aber eine Menge anderer Behinderungen körperlicher oder geistiger Art. Manche bestehen von Geburt oder von Kindheit an, andere sind erst durch eine Krankheit oder einen Unfall dazugekommen. Das heißt: Auch jeder vor uns kann zum Beispiel querschnittsgelähmt werden und ständig an den Rollstuhl gebunden

sein.

 

 

Information:

In Deutschland gibt es hunderttausende geistig behinderter Kindern und Jugendliche unter 18 Jahren. Das bedeutet: In all diesen Familien gibt es die ausgesprochene oder unausgesprochene Spannung: „Wer ist schuld?“ Warum mußte gerade uns das passieren?" Manche meinen ja auch, diese Schäden kämen von Trunksucht und einem unsoliden Leben.

In diesen Familien können die Mütter nicht berufstätig sein und sind ständig an ihre vier Wände gefesselt. Sie haben nicht so viel Geld zur Verfügung und können nicht in Urlaub fahren. Sie scheuen sich, zusammen mit ihrem Kind in die Öffentlichkeit zu treten, ein Besuch in Kino und Theater, in Schwimmbad oder Gaststätte ist nicht möglich. Die Hoffnungslosigkeit in diesen Familien wird oft zur Verbitterung, die sie mit ihrem Leben nur schwer fertig werden läßt.

Die Kirche versucht, diesen Familien zu helfen. Es gibt Heime für geistig und körperlich Behinderte und Sondertagesstätten für geistig behinderte Kinder. Viele Behinderte können aber keinen Heimplatz erhalten, sondern leben zusammen mit den Gesunden in unseren Städten und Dörfern. Oft ist eine Heimeinweisung auch gar nicht erforderlich. Aber dann ist es umso notwendiger, daß man ihnen mit Verständnis  und Hilfsbereitschaft begegnet. 

 

Fragen:

Welche Behinderte gibt es in unserer Gemeinde? (vor allem Jugendliche)

Welche Heime für Behinderte gibt es in der Umgebung?

 

Predigt:

„Seht die Leute an, liebe Brüder, die zu euch gehören. Es sind nicht viele geistig Bedeutende unter ihnen, nicht viele Mächtige, nicht viele aus der alten und edlen Familien. Wen hat Gott ausgesucht? Ungebildete Leute! Denn es ist Gottes Absicht, den Klugen zu zeigen, wie wenig ihre Weisheit vermag. Wen hat Gott ausgesucht? Leute ohne Einfluß! Denn er wollte zeigen, daß mit menschlicher Macht bei ihm nichts zu erreichen ist. Unedle hat Gott erwählt,  Menschen, die unter den anderen nichts gelten. Er hat die zu sich gerufen, die nichts sind; aber er hat die ausgeschlossen, die meinen, etwas zu sein. Denn alles wäre falsch, wenn ein Mensch vor Gott treten und sagen wollte: Ich bin etwas! Mich kannst du brauchen! Gott ist es, der euch mit Christus verbunden hat. Was wir von Gott wissen, liegt in seinem Wort. Weil er uns rein macht, sind wir mit Gott im Reinen. Well er uns einläßt, haben wir Zugang zu Gottes Haus. Weil er uns frei macht, sind wir unsere Fesseln los. So sagt die Schrift, und so soll es gelten: Wer etwas Gutes an sich entdeckt, soll sagen: Ich habe es nicht von mir. Der Herr hat es mir gegeben!“

 

Neulich sagte ein junger Mann: „Mein einziger Gedanke von früh bis spät ist: Wie kann ich zu möglichst viel Geld kommen?“ Geld braucht man, oder das, was man zu Geld machen kann. Oder auch eine gute Ausbildung, die einem nachher einen guten Verdienst ermöglicht. Oder auch einfach nur Beziehungen .Aber jedenfalls will es doch jeder zu etwas bringen und sich einmal etwas leisten können.

Paulus aber will uns eine neue Sicht des Lebens zeigen. Er macht deutlich: Gott kümmert sich auch um die, die all das nicht erreichen können. Menschen, die unter anderen nichts gelten, die sucht er!

Dazu gehören diejenigen, über die die ganze Klasse lacht. Dazu gehören die Auszu­bildenden, die für die anderen springen müssen. Dazu gehören die Schüler, die vor der Lehrern immer wieder ungerecht beurteilt werden.

Dazu gehören auch die körperlich und geistig Behinderten. Sie sollen in der christlichen Gemeinde ihren Platz finden. Einer hat es einmal so ausgedrückt: „Eine Gemeinde ohne Behinderte ist selber behindert!“ Sicherlich gibt es in jedem Ort irgendwelche Behinderte.  Aber ob die christliche Gemeinde auf sie aufmerksam geworden ist und sie in ihre Mitte hinein holt, ist noch eine andere Frage. Wenn sie das aber nicht tut, dann ist sie selber irgendwie „behindert“ , dann tut sie nicht das, was ihre Aufgabe wäre, dann fehlt ihr eine wichtige Seite ihres Lebens.

Es ist dabei ja nicht so, daß wir der Behinderten eire große Grade gewähren würden. Sie geben uns ja auch etwas, wir können ja auch vor ihnen lernen. Sie machen uns zum Beispiel deutlich: Unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten sind ein Geschenk Gottes. Sie gehören nicht uns, sondern denen, die diese Gaben nicht haben.

Durch sie werden wir auch daran erinnert, daß wir selbst auf andere angewiesen sind. Dieses Angewiesensein kann durchaus schön sein. Man wird dadurch ja auch bereichert, schmort nicht nur im eigenen Saft, sondern kann sich von anderen helfen lassen.

Die Behinderten haben davon schon mehr begriffen als wir. Sie „kleben“ förmlich an einem anderen und brauchen ihn als Bezugsperson. Manchmal wird das dem anderen schon zuviel. Wir denken oft anders. Wir wollen unabhängig sein und nicht auf jemanden angewiesen sein. Aber dadurch wird man auch leicht einsam und damit verbittert und ohne Humor. Wer aber auf andere angewiesen ist, der wird dankbar. Dankbarkeit ruft Liebe hervor. Wer niemand braucht, wird auch von niemand geliebt. Seine menschlichen Beziehungen werden verkümmern und er wird im Grunde ein sehr armer Mann sein.

Auch ein Behinderter wird natürlich alles tun, was in seinen Kräften steht. Wir können manchen nur bewundern, wie der mit seinem Schicksal fertig wird: ein Blinder bewältigt ein Studium, ein Querschnittsgelähmter treibt Sport, ein geistig Behinderter leistet in einer beschützten Werkstätte nützliche Arbeit. Aber es bleibt doch immer ein Rest, wo die Hilfe anderer nötig ist, wo der Betreffende nicht allein zurecht kommt.

Darin ist er uns aber Vorbild in unserem Verhältnis zu Gott: Er weiß, daß er es allein nicht schafft. Nur ist es so, daß man Gott gegenüber gar nichts vorweisen kann, sondern alles geschenkt bekommt. Er lehrt uns: Wir können nicht 80 Prozent selber leisten und Gott legt dann noch 20 Prozent hinzu, sondern Gott muß uns alles geben: daß wir Eltern und Freunde haben, daß wir gesund sind und etwas leisten können,

daß wir manche Dinge besitzen und uns manche Freude leisten können, das alles und noch mehr ist ein Geschenk Gottes.

Mancher Behinderte könnte uns sicher fragen: „Wer ist hier behindert: Du oder ich?“ Du hältst mich für behindert. Aber vielleicht bist du viel stärker behindert, weil du alles allein schaffen willst, weil du die Not der anderen nicht zur Kenntnis nehmen willst, weil du nicht zur Hilfe bereit bist.

Der 1.Korirtherbrief weist uns somit auf ein Problem hin, das sehr leicht vergessen geht. Wir sollten nicht meinen, wir würden die Kirche erhalten. Gott allein sorgt für alles. Und dabei nimmt er auch Menschen in seinen Dienst, denen wir es gar nicht zugetraut hätten. Aber er will natürlich auch uns alle in seinen Dienst nehmen. Deswegen sind wir ja gesund, damit wir uns umso besser einsetzen können. Gott selber hat keine Hände und Füße. Er will unsere Hände und Füße nehmen, damit anderen geholfen wird.

 

Fürbittengebet:

I .) „Was geht mich das an?“ fragen wir bewußt oder unbewußt jeden Tag. Wir bitten dich jetzt, Herr: Vergib uns diese Frage. Immer sind wir in Gefahr, dich und deine Sache mit unseren Maßstäben zu messen. Wir wollen Ansehen und Einfluß für unsere Kirche. Wir reden von der armseliger Krippe und von der Schande des Kreuzes, aber wir übersehen, daß diese Zeichen auch heute noch Gültigkeit haben. Wir wenden uns ab, wenn du uns begegnest in Armut, Krankheit und Hilflosigkeit. Herr, vergib uns das.

II.) Wir danken dir, Herr, daß du uns täglich begegnen willst. Du wohnst nicht in Bezirken, zu denen wir keinen Zutritt haben. Du bist nicht so entfernt, daß wir Mühe haben, dich zu erreichen. Du kommst zu uns in allen Menschen, die der Hilfe bedürfen. Durch jeden Kranken, jeden Süchtigen, jeden Elenden redest du uns an. Wir haben jeden Tag Gelegenheit, dir nahe zu sein. Dafür danken wir dir, Herr.

I.) „Was geht mich das an?“ fragen wir bewußt oder unbewußt jeden Tag. Wir bitten dich jetzt, Herr: Vergib uns diese Frage. Immer wieder sind wir in Gefahr, unsere Ver­antwortung abzuschieben an Berufszweige und Institutionen. Wir glauben, es genügt, wenn wir einen Beitrag an das Diakonische Werk oder zu einer Sammlung geben. Wir verstecken uns hinter Zeitmangel und Unfähigkeit, mit Kranken und Behinderten umzugehen. Wir sehen auf unsere Probleme, unseren selbstverständlichen Lebensstandard und setzen die Betroffenen der Isolierung aus. Bestenfalls haben wir Mitleid mit ihnen. Herr, vergib uns das.

II.) Wir danken dir, Herr, daß du uns täglich begegnen willst. Immer wieder machst du Menschen willig, den Dienst aufzunehmen an denen, die sich selbst nicht helfen können. Du gibst neue Erkenntnisse in Medizin und Wissenschaft und dadurch neue Möglichkeiten der Hilfe. Auch in unseren Gemeinde sind Menschen bereit, sich um die geistig Behinderten und ihre Familien zu kümmern und zu fragen, was sie tun können. Dafür danken wir dir, Herr.

I .) „Was geht mich das an?“ fragen wir bewußt oder unbewußt jeden Tag. Wir bitten dich jetzt, Herr, vergib uns diese Frage. Wir fürchten uns vor den Konsequenzen, die es mit sich bringt, wenn wir uns auf diese Frage einlassen. Wir haben Angst, von den Forderungen aufgefressen zu werden. Wir resignieren, wenn wir die Größe der Aufgabe und die Geringfügigkeit unserer Möglichkeiten sehen. Wir trauen uns nichts zu, und wir trauen dir nicht zu, daß du uns helfen wirst von Schritt zu Schritt, wenn wir dir gehorsam sind. Herr, vergib uns das.

II.) Wir danken dir, daß du uns hilfst, wo unsere Kraft zu Ende ist. In deine Hände legen wir alle Arbeit des Diakonischen Werks, alles Bemühen der unzähliger Hilfsbereiten, aber auch alle Resignation und Ausweglosigkeit. Wir vertrauen darauf, daß du uns nicht verläßt. Dafür danken wir dir, Herr…..       Vater unser im Himmel....

 

Die Deklaration der Rechte der geistig Behinderten:

Die Deklaration wunde 1968 von der Internationalen Liga auf ihrem Kongreß in Jerusalem einstimmig angenommen. Nach drei Jahren stellte sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen in ihnen Sitzung in Genf (20. Dezember 1971) voll und ganz hinter diese Erklärung und ergänzte den ursprünglichen Wortlaut mit folgender Präambel:

- Eingedenk der Verpflichtung der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, wie sie in der Charta festgelegt ist, sich gemeinsam und auch einzeln in Zusammenarbeit mit der Organisation für einen höheren Lebensstandard, für die Vollbeschäftigung, für den sozialen Fortschritt und bessere Lebensbedingungen einzusetzen.

- unter erneuter Bekräftigung der Anerkennung der in der Charta proklamierten Menschenrechte und Grundfreiheiten, der Grundsätze des Friedens, der Würde und des Wertes des Menschen und der sozialen Gerechtigkeit,.

- unter besonderen Betonung, daß die Deklaration über den sozialen Fortschritt die Notwendigkeit proklamiert hat, die Rechte der körperlich und geistig Behinderten zu schützen und ihr Wohlergehen und ihre Rehabilitation zu sichern,

- im Bewußtsein der Notwendigkeit, den geistig Behinderten zu helfen, ihre Fähigkeiten in möglichst vielen Bereichen zu entfalten und ihre Integration in das normale Leben so weit wie möglich zu erreichen, ……..

proklamiert die Vollversammlung diese Deklaration der Rechte der geistig Behinderten und ruft zu nationalen und internationalen Anstrengungen auf, um sicherzustellen, daß diese Deklaration als Grundlage und Nichtschnur für die Wahrung dieser Rechte dient.

 

Artikel I:

Der geistig Behinderte hat die gleichen Grundrechte wie jeder andere Bürger seines Landes und seines Alters.

Artikel II:

Der geistig Behinderte hat ein Recht auf angemessene ärztliche Hilfe und körperliche Behandlung und auf Erziehung, Schulung, Eingliederung und Anleitung, die es ihm ermöglichen, seine Fähigkeiten und Gaben so weit wie möglich zu entwickeln - ohne Berücksichtigung, wie schwer der Grad seiner Behinderung ist. Kein geistig Behinderter sollte von solchen Möglichkeiten wegen der entstehenden Kosten ausgeschlossen werden.

Artikel III:

Der geistig Behinderte hat ein Recht auf wirtschaftliche Sicherheit und auf einen angemessenen Lebensstandard. Er hat ein Recht auf produktive Arbeit oder auf eine andere sinnvolle Beschäftigung.

Artikel IV:

Der geistig Behinderte hat ein Recht darauf, in seiner eigenen Familie oder bei Pflegeeltern zu leben und in jeder Hinsicht am Leben der Gemeinschaft teilzunehmen. Für Möglichkeiten zu geeigneter Freizeitbeschäftigung sollte gesorgt werden. Wenn Pflege in einem Heim notwendig wird, sollte die Unterbringung in der näheren Umgebung erfolgen und unter Umständen geschehen, die dem normalen Leben möglichst nahekommen.

Artikel V:

Der geistig Behinderte hat ein Recht auf einen geeigneten Pfleger oder Vormund ...

Artikel VI:

Der geistig Behinderte hat ein Recht darauf, vor Ausnützung, Mißhandlung und entwürdigender Behandlung geschützt zu werden ...

Artikel VII:

Einige der geistig Behinderten mögen aufgrund der Schwere ihnen Behinderung unfähig sein, alle ihre Rechte auf sinnvolle Art selbst wahrzunehmen. Für andere ist eine Änderung einiger oder aller dieser Rechte angebracht. Das Verfahren zur Änderung oder Aberkennung von Rechten muß geeignete gesetzliche Sicherheitsklauseln enthalten, die jede Form von Mißbrauch ausschließen.

Vor allem hat der geistig Behinderte ein Anrecht darauf, als Mensch geachtet zu werden.

 

 

Alle Kinder  - Gottes Kinder

 

Schild:  „Lärmen und Spielen auf dem Kirchplatz verboten. Der Kirchenvorstand“.

Weshalb ist ein solches Schild wohl angebracht worden? Wem könnte oder sollte ein solches Schild helfen? Was kann man gegen ein solches Schild unternehmen? Würde jemand zusätzlich etwas auf das Schild schreiben?

 

Spielszene: Tik - tak

Zwei Frauen unterhalten sich: „Bei uns geht alles nach der Uhr. Ab zwei Uhr arbeiten die Kinder an den Schularbeiten. Von 4 bis 5 dürfen sie spielen. Um halb Sechs gibt es Abendbrot. Dann lernt die Oma noch mit ihnen. Dann noch etwas Fernsehen, und von 8 Uhr abends bis 6 Uhr früh wird geschlafen. Um halb Acht sind sie in der Schule und um 13.30 Uhr sind sie wieder zu Haus!" -

„Da bin ich aber gespannt, wie lange es dauert, bis Ihre Kinder nur noch „tik-tak“ sagen. Ein Dichter hat einmal gesagt: „Kinder und Uhren soll man nicht nur aufziehen, man soll sie auch gehen lassen!“ (Jean Paul).

 

Befragung: Im Religionsunterricht wurde vorher schon gefragt:

„Was würdet ihr morgen tun, wenn ihr den ganzen Tag machen könntet, was ihr wollt?“

Antworten von mehreren Kindern aufsagen lassen (eventuell vorher erst die anwesenden Kinder fragen ,was ihnen gerade einfällt): Die schönsten Sachen anziehen, in der Gaststätte frühstücken, mit dem Flugzeug fliegen, alle Berufe spielen, ins Kino gehen, schon lange Gewünschtes einkaufen, Freunde besuchen, Gesicht schminken.

 

Information (von verschiedenen Kindern vorgetragen):

Bei uns geht es der Kindern noch längst nicht so schlecht wie in anderen Ländern der Welt.

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung sind Kinder. Es gibt etwa 1,4 Milliarden Kinder auf der Erde. Doch zwei Drittel dieser Kinder hungern, haben nicht genug zu essen und müssen sterben. Wegen mangelhafter ärztlicher Versorgung sterben jährlich etwa 16 Millionen Kinder. In Brasilien stirbt fast jede Minute ein Kind an einer Krankheit, die heilbar wäre.

 

Erklärung der Rechte des Kindes:

Schon am 20.N'ovember 1959 hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Erklärung der Rechte des Kindes angenommen. In ihr heißt es unter anderem:

1. Das Kind genießt besonderer Schutz. Ihm wird Gelegenheit gegeben, sich gesund und natürlich in Freiheit und Würde zu entwickeln. Das Beste des Kindes ist für die Gesetzgebung bestimmend.

2. Das Kind hat das Recht, in Gesundheit heranzuwachsen. Deshalb werden ihm und seiner Mutter besondere Fürsorge und Schutz gewährt, einschließlich angemessener Pflege vor und nach der Geburt. Das Kind hat das Recht auf ausreichende Ernährung, Wohnung, Erholung und ärztliche Betreuung.

3. Das Kind bedarf zur vollen Entwicklung seiner Person der Liebe und des Verständnisses. Es wächst in der Obhut und Verantwortung seiner Eltern auf.

4. Das Kind wird vor Handlungen bewahrt, die rassische, religiöse oder andere Herabsetzung fördern. Es wird erzogen in einem Geist des Verstehens, der Duldsamkeit, der Freundschaft zwischen der Völkern und in der Vorstellung, daß seine Kraft und Fähigkeiten dem Dienst an seinen Mitmenschen gewidmet sind.

 

Verteilbildbogen: Die Vereinten Nationen haben auf Anregung katholischer Christen das Jahr 1979 zum „Weltjahr des Kindes“ erklärt. Sie wollten damit möglichst viele Menschen anregen, sich Gedanken darüber zu machen: Was müssen wir tun, damit es den Kindern besser geht? Als Christen wissen wir aber schon lange, daß alle Kinder Gottes  Kinder sind. Sie stehen unter dem besonderen Schutz Gottes und verdienen auch die besondere Fürsorge und Liebe der Kirche und der Christen.

 

Wir betrachten den Verteilbildbogen (Aurig KG 374I)  in der Reihenfolge:

(02) Kirchliches Symbol in Anlehnung an das UNO-Symbol

(03) Jesus sagt: „Laßt die Kinder zu mir kommen“, Kindersegnung

(06) Kinder bei uns, in heißen und in kalten Ländern

(05) Schwarze, weiße, braune, gelbe Kinder - alle Kinder Gottes

(04) Verschiedene Kirchen, verschiedene Gottesdienste - Gott hat alle lieb

(08) Kinder sind unterschiedlich: Älter, größer, klüger, gesünder

(11) Alt und Jung leben zusammen und verstehen sich

(01) Viele Kinder hungern und sind krank - Menschen helfen ihnen

(07) In Warschau wurde ein Kinderkrankenhaus für alle Kinder gebaut

(10) Kranke Kinder freuen sich, wenn jemand sie besucht

(09) Überall gibt es Kinder, die an Gott glauben: Indien

(12) Beim Kinderkirchentag treffen wir andere Christenkinder

 

Bibellesung:

Was Jesus über die Kinder sagt, hören wir aus Matthäus 18:

Die Jünger fragten Jesus: „Wer wird in der neuen Welt Gottes der Größte sein?“ Da rief Jesus ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: „Ich versichere euch, wenn ihr euch nicht ändert und den Kindern gleich werdet, dann körnt ihr in Gottes neuer Welt überhaupt nicht hineinkommen. Wer so wenig aus sich macht wie dieses Kind, der wird in der neuen WeltGottes der Größte sein. Und wer in meinem Namen solch ein Kind aufnimmt, der nimmt mich auf!“

 

Predigt:

Viele Eltern werden ja denken: „Wir tun doch alles für unsre Kinder. Sie haben zu essen, sehr gut zu essen sogar. Sie kriegen Süßigkeiten und Spielzeug. Sie haben ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen. Wenn sie krank sind, gehen wir sofort zum Arzt. Sie gehen zur Schule und kriegen sogar die Schulbücher umsonst. Und Urlaub machen wir auch immer und sonntags nehmen wir sie ihm Auto mit. Wir tun alles für unsere Kinder. Wir schuften und rackern uns ab, nur damit es die Kinder einmal besser haben.

Aber auch in wohlhabenden Ländern müssen Kinder leiden, werden sie gefühlsmäßig vernachlässigt und schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Wo Männer und Frauen zur Arbeit gehen - am Ende noch auswärts - dann werden Kinder eine Last. Wo wirtschaftlicher Erfolg und Wohlstand hochgeschätzt werden, sind Kinder unbequem.

Dafür gibt es dann Krippen und Kindergärten. Diese haben sehr dazu geholfen, daß die Frauen gleichberechtigt sein können. Aber eine Massenerziehung kann nie das geben, was die Familie gibt. Krippe und Ganztagskindergarten und später Schulhort sind immer nur eine Notlösung. Vor allen Dingen kommen die Kinder dort gefühlsmäßig zu kurz, es fehlt ihnen die Liebe und menschliche Zuwendung.

Viele Ehen werden geschieden, die Leidtragenden sind immer die Kinder. Es kommt zu brutalen Kindesmißhandlungen und zu seelischen Grausamkeiten an Kindern, durch die eigenen Eltern oder durch andere Erzieher und sonstige Erwachsene. Film und Fernsehen üben oft einen unguten Einfluß auf die Kinder aus, ihre Wertvorstellungen und ihr Verhalten gegenüber anderen. Wir dürfen ja auch nicht übersehen, daß die Ruppigkeiten und Grausamkeiten der Kinder untereinander zugenommen haben.

Mangelnde Liebe ist aber ebenso zerstörerisch wie materielle Not. Sie läßt sich nicht durch teure Geschenke ersetzen. Gefühlsmäßig verhungerte Kinder sind für ihr ganzes Leben verkrüppelt. Wem bestimmte Chancen versagt geblieben sind, weil er zufällig in eine bestimmte Familie oder Gesellschaftsschicht hineingeboren wurde, ist davon beeinflußt ungestempelt für der Rest seines Lebens. Was ein Kind gelernt hat, kann ihm niemand mehr abnehmen; aber das gilt nicht nur für das Glücklichsein, sondern auch für das Leiden.

Auch in der Kirche haben die Erwachsenen das Sagen. Der Gottesdienst ist auf sie abgestimmt, selbst ein Familiengottesdienst wie dieser  Vom Abendmahl werden die Kinder - auch die größeren - noch ausgeschlossen. Für die Kinder ist schwerer Geld locker zu machen als für den Kauf einer neuen Glocke. Kinder machen nur Lärm und Dreck und kosten nur. Erwachsene aber sind anständig und bringen wenigstens Geld - so ist das vielfach die Denkweise.

Aber Kinder sind die Zukunft der Kirche. Sie sind außer der Botschaft Gottes das kostbarste Gut, das uns anvertraut ist. Ihnen sollte unsere besondere Liebe und unser einfühlsames Verständnis gelten. Sie sollten noch nicht von einer vollen Mitgliedschaft in der Kirche ausgeschlossen werden, auch wenn sie ihren Glauben noch nicht so gut mit Worten ausdrücken können.

Kinder haben natürlich auch einen Glauben, oft sogar einen festeren Glauben als mancher Erwachsene. Deshalb stellt Jesus ja auch ein Kind als Vorbild im Glauben hin. Es ist schwach und hilflos und in den Augen vieler Leute noch unbedeutend. Aber gleichzeitig ist es voller Vertrauen und Hoffnung. Es weiß, daß es noch auf die Hilfe der Eltern und anderer Erwachsener, besonders aber auch auf die Hilfe Gottes angewiesen ist. Deshalb wird es zum Beispiel und Muster für alle Glaubenden. Und wer so einem schwachen Kind dient, begegnet dabei dem unsichtbaren Christus.

Jesus hat sich ja gerade um die Schwachen und Benachteiligten gekümmert. Dazu gehörte- schon damals die Kinder, und dazu gehören sie auch heute noch, trotz Jahr des Kindes. Wir in der Kirche aber wollen uns bemühen, die eigener Kinder und die anderer Leute als Kinder Gottes zu sehen. Alle Kinder sind Gottes Kinder. Wir selber sind es ja auch. Wir gehören alle zur Familie Gottes, in der einer für der anderer einsteht und für ihn Verständnis und Liebe hat.

 

Großfotos: Zum Schluß wollen wir uns noch einmal Fotos ansehen

Mit Kindern umgehen: Haben wir uns schon einmal überlegt, daß die Kinder unsere „Partner“ sind? Wir haben überall mit ihnen zu tun: im Verkehr auf der Straße, in den Geschäften, in der Familie ,usw. Wir haben unsere Pflicht noch nicht getan, wenn wir sie vor dem

Fernsehapparat sitzen lassen. Aber es geht auch nicht, daß immer nur über die Köpfe der Kinder hinweg bestimmt wird und sie nach der Uhr leben müssen.

Für Kinder eintreten: Ein Kind leidet unter den Folgen des Krieges.

Im üblichen  Gottesdienst ist es für Kinder langweilig (nur für sie?),

 Behinderte Kinder brauchen besonders viel Verständnis.

Von Kindern lernen: Für viele wird der Gedanke ungewohnt sein, daß man auch von Kindern lernen kann. Wie Kinder sich freuen können. Wie Kinder feiern können.

Jesus jedenfalls  hat uns die Kinder sogar als Vorbild hingestellt. Vor allem in Glaubensdingen körnen sie Partner der Erwachsenen sein. Schließlich sind wir ja alle unterwegs zu Gott und wollen uns bemühen, in seinem Sinne zu leben.

 

 

Arbeitsgruppen bei einem Gemeindetag 1979

Es ist schön, ein Kind zu sein, weil ....

  • man nicht berufstätig sein muß und viel spielen kann
  • man mehr Zeit hat als Erwachsene
  • man sich keine Sorgen zu machen braucht
  • man viele Geschenke bekommt
  • für Kinder gesorgt wird
  • Kinder nicht so viele Pflichten haben
  • Kinder sich „nur so“ die Zeit vertreiben können

Es ist schlecht, ein Kind zu sein , weil ,....

  • man hören muß und nicht machen darf, was man will
  • man nicht selbständig ist
  • man zur Schule muß
  • man nicht selber ein Auto fahren darf
  • man nicht so viel Taschengeld hat wie die Großen
  • man in der Schule Einträge erhält
  • man sich keinen Hund halten darf
  • nicht lange Fernsehen sehen darf
  • man geschlagen wird (Erwachsene werden nie geschlagen, wenn

sie Böses getan haben)

  • Kinder können den Erwachsenen beibringen:
  • Hört auch einmal auf die Kinder!
  • Schimpft nicht immer so toll mit den Kindern!
  • Trinkt nicht so viel Alkohol und raucht nicht so viel!
  • Geht besser mit der Oma um und versucht sie zu verstehen!
  • Lernt es wieder, wie ein Kind zu spielen!
  • Versucht nicht immer, Recht zu behalten!
  • Drängelt euch im Laden nicht vor!
  • Nörgelt nicht so viel an den Kindern herum!
  • Seid ehrlich, so wie ihr es von uns verlangt!
  • Geht mit uns zum Gottesdienst und sagt nicht: Geh alleine!
  • Laßt euch etwas aus dem Religionsunterricht erzählen!
  • Laßt euch mit in die Kirche schleppen!

 

Was können die Kindern den  Eltern beibringen?

Was können die Eltern in Glaubensdingen von den Kindern lernen?

Worin liegt die Vorbildwirkung? Vertrauen, Abhängigkeit

Dürfen Kinder in d er Gemeinde mitreden?

 

Aus dem Tagebuch eines Zweijährigen:

Donnerstag, 8.10 Uhr: Kölnisch Wasser auf Teppich gespritzt. Mama böse. Kölnisch Wasser ist verboten.

8.45 Uhr: Feuerzeug in Kaffee geworfen, Haue gekriegt.

9.00 Uhr: In Küche gewesen, 'rausgeflogen. Küche ist verboten.

9.15 Uhr: In Papas Arbeitszimmer gewesen. 'rausgeflogen. Arbeitszimmer auch verboten.

9.30 Uhr: Schrankschlüssel abgezogen. Damit gespielt. Mama wußte nicht, wo er war. Ich auch nicht. Mama geschimpft.

10.00 Uhr: Rotstift gefunden. Tapete bemalt. Ist verboten.

10.20 Uhr: Stricknadel aus Strickzeug gezogen und krumm gebogen. Zweite Stricknadel in Sofa gesteckt. Stricknadeln sind verboten.

11.00 Uhr: Sollte Milch trinken. Wollte aber Wasser! Wutgebrüll ausgestoßen. Haue gekriegt.

11.10 Uhr: Hose naß gemacht. Haue gekriegt. Naßmachen verboten.

11.30 Uhr: Zigarette zerbrochen. Tabak drin. Schmeckt nicht gut.

11.45 Uhr: Tausendfüßler bis unter Mauer verfolgt. Dort Mauerassel gefunden. Sehr interessant, aber verboten.

12.15 Uhr: Dreck gegessen. Aparter Geschmack, aber verboten.

12.30 Uhr: Salat ausgespuckt. Ungenießbar. Ausspucken dennoch verboten.

13.15 Uhr:. Mittagsruhe im Bett. Nicht geschlafen. Aufgestanden und auf Deckbett gesessen. Gefroren. Frieren ist verboten.

14.00 Uhr:. Nachgedacht. Festgestellt, daß alles verboten ist. Wozu ist  überhaupt auf der Welt?

 

Holzschnitt von Ernst Barlach:

Von allen Seiten drängen Menschen. Aus dem Dunkel kommen sie herbeigeeilt. Erhobene Stöcke und geballte Fäuste, mit denen sich diese Erwachsenen durchs Leben schlagen, sinken. Eine stoßende, schiebende Menschenflut scheint am Ziel zu sein: Alle umstehen das Licht, und das Licht ist ein Kind.

Obwohl in Gesellschaft und Kirche versucht wird, daß sich die Botschaft dieses Bildes und die gesellschaftliche Wirklichkeit decken, beobachten wir zum Beispiel in unseren Familien vielfach anderes. Solchen Erfahrungen stellt sich dieses Bild entgegen. Ein neues Ziel wird unseren Beobachtungen entgegengestellt.

Vielfach beobachten wir - auch in der christlichen Gemeinde:

„Nur der Stärkere setzt sich durch!“

„Macht hat, wer ‚schlagende Argumente' besitzt!“

„Kannst du was, dann bist du was ...!“

Kinder können hier nicht mithalten. Hier hat der Mensch nur als Erwachsener Chancen. Kindsein gilt hier nur als Vorstufe von Menschsein. Hier werden Kinder lediglich in Kauf genommen; Kinder werden geliebt - häufig als „Gegenstand“ zum Vorzeigen, als Prestige-Artikel, als Lebewesen, durch das sich Erwachsene nostalgisch zurückträumen in ihr eigenes Kinderland. Erwachsene bedienen sich so des Kindes zur egoistischen Sicherung ihrer Bedürfnisse. Im übrigen stören Kinder, sie sind überall im Weg. Kinder sind bedrohlich: Ihre Jugend zeigt den Erwachsenen ihr Altern. Kinder machen so den Erwachsenen Angst, sie werden zur psychischen Belastung. Außerdem geht angesichts der Kinder die „Weltanschauung“ der Erwachsenen nicht auf, die den Wert von Menschsein und Leben nach materieller Leistung und Verwertbarkeit der Dinge bemißt. Kindsein ist Erwachsenen ärgerlich. Kindheit ist deshalb etwas, das zu verlassen, das zu verabschieden ist. Kindsein - das bezeichnet Herkunft, nicht Ziel.

Hier aber im Holzschnitt wird unsere Erfahrung ins Gegenbild gewendet: Kindsein - das bezeichnet Ziel, nicht Herkunft. Das erhobene Kind, leuchtend vor menschlich- unmenschlichem Dunkel, ein Fragezeichen-Bild an die Zeit. Der Bildhauer, Grafiker und Dramatiker Ernst Barlach bezeichnet in diesem Holzschnitt, was er seiner Zeit entgegenzusetzen hatte.

 

Lebensbild: Janusz Korczak

Im Jahre 1940 ließen deutsche Soldaten um einen Warschauer Stadtteil eine Mauer ziehen. Der Stadtbezirk war etwa 4 Kilometer lang und 2,5 Kilometer breit. Normalerweise wohnten dort 160.000 Menschen. Nun mußten alle Polen ihre Wohnungen räumen. Nur Juden sollten hier wohnen. Nach und nach wurden in diesem Ghetto 430.000 Juden zusammengepfercht. Im November wurden alle Straßenzugänge gesperrt und bewacht. Die Juden durften das Ghetto nicht mehr verlassen. Aber es gab keine Arbeit für so viele Menschen. Seuchen brachen aus, die Menschen hungerten. Wer außerhalb der Mauern entdeckt wurde, konnte sofort erschossen werden.

Viele Juden wurden in die Vernichtungslager  abtransportiert. Aber immer wieder wurden aus ganz Polen neue Transporte im Ghetto eingeliefert. Die Lebensmittel wurden so knapp, daß Kinder auf der Straße verhungert zusammenbrachen. So grauenhaftes Unrecht geschah hier, daß wir es uns nicht mehr vorstellen können.

Aber es lebten auch sehr tapfere Menschen im Ghetto. Ein Denkmal erinnert an sie. Sie versuchten, mit allen ihren Kräften gegen das Unglück anzukämpfen. Dabei waren sie bereit, ihr Leben zu opfern.

Janusz Korczak aber hat nicht mit Waffen gekämpft. Er war Arzt, Lehrer und Schrift­steller. Viele Bücher über Kinder hat er geschrieben. Korczak ist einer der Vorkämpfer für eine Erziehung, die dem Kind gerecht wird. Sein Buch „Wie man ein Kind lieben soll“  ist eine Absage an jede fertige Theorie der Kindererziehung und eine nüchterne Analyse des Verhältnisses der Erwachsenen zu den Kindern.

Eine Zeitlang lehrte er in Warschau Pädagogik und gab die Wochenzeitung „Kleine Rundschau“ heraus.  Und schließlich gab er sein berühmtes Kinderbuch heraus „König Hänschen“.  Es schildert keine heile Kinderwelt, sondern die Welt des Kindes, die an denselben Problemen scheitert wie die Welt der Erwachsenen.

Über dreißig Jahre leitete er in Warschau ein Waisenhaus.  Wie ein Vater lebte er mit etwa hundert Kindern dort seit dem Herbst 1911. Mit seinen Mitarbeitern versuchte er den Kindern die Eltern zu ersetzen. Jedes Kind konnte mit allen Sorgen zu ihm kommen.

Hanka, eine polnische Krankenschwester, erinnert sich noch gut an ihn. Sie hat sechs Jahre in seinem Waisenhaus gelebt. Sie erzählt: „Pan Doktor konnte uns  alles von den Augen lesen. Ich weiß, daß ich damals sehr bedrückt war, weil ich so klein war. Aber ich sagte nichts. Und er: ‚Weißt du, wir haben eine Medizin fürs Wachsen!‘ Wirklich tropfte er mir etwas auf die Zunge. ‚So, jetzt mußt du auf den Ofen zum Wachsen!‘“ Da erst merkte ich, daß er Spaß machte. Wir lachten zusammen und seitdem zeigte er mir immer wieder, daß die Körpergröße nicht den Menschen ausmacht!“

Korczak mußte mit seinen Kindern auch ins Ghetto umsiedeln. Mit zweihundert Kindern wohnte er in einem Haus in der Sienastraße. Korczak bat um Lebensmittel, er bettelte um Geld. Es war wie ein Wunder, er bekam Essen für die Kinder. Sie wurden gewaschen, sauber gekleidet und schliefen in sauberen Betten. Einige Krankenschwestern halfen ihm. Auch die Lehrerin Stefania Wilczynska.

Als Warschau eingekreist ist und die Granaten überall einschlagen, läuft er mit einem Sanitätskarton  durch die Stadt und sammelt verirrte Kinder. Er weigert sich, die gelbe Armbinde der Juden zu tragen. Er wird verprügelt, eingesperrt und wieder verprügelt. Schließlich wird er gezwungen, mit seinem Waisenhaus in das Ghetto umzuziehen.

Aus Heu kochte er Suppen. Mit den Kindern fertigte er eine grüne Fahne, die Fahne der Hoffnung., eine Kastanienblüte auf der einen Seite, eine Davidsstern auf der anderen (als Erinnerung an David, der dem Riesen die Stirn bot). Er erzählte Märchen im Schlafsaal und versuchte, die Zuversicht zu retten. In den letzten Tagen brachte ihm ein Freund einen gefälschten Paß.  Er hätte ausreisen können. Korczak war traurig, daß ein Freund ihm zutraute, er werde seine Kinder verlassen.

Am 5. August 1942  war morgens ein Gebrüll vor dem Waisenhaus: „Alle Juden raus!“ Zweihundert Kinder, die noch kein Frühstück genossen haben, ziehen geordnet die Treppe hinunter. Die Hausmutter und der alte Doktor gehen mit und beruhigen sie: Es gäbe eine Ausflug! Die grüne Fahne gibt Korczak einem Jungen in die Hand.

Zweihundert Kinder stehen voller Angst. Und dann geschieht das Außergewöhnliche. Nicht eins der zweihundert Kinder schreit. Keins weint. Sie schmiegen sich wie kranke Schwalben an ihren Lehrer, an ihren Vater Janusz Korczak. Er würde sie behüten. Er steht in der ersten Reihe, mit seinem mageren, schwachen Körper will er sie beschützen. Die Deutschen brüllen: Marsch!

Janusz Korczak hält das jüngste Kind an der Hand. Er geht voraus. Die Krankenschwestern mit ihren weißen Schürzen, die zweihundert Kinder -  führt sie zum Verladeplatz, Polizisten rechts und links. Das Bild hat sich in der Welt eingeprägt: Ein hagerer Mann, etwa 60 Jahre alt, ein kleines Mädchen auf dem Arm, einen Jungen an der Hand, wandert mit zweihundert Kindern aus dem Warschauer Ghetto auf einen Bahnhof.

Da möchte die jüdische Leitung des Ghettos,  der sogenannte Judenrat, eingreifen.

Aber sie wollen nicht die zweihundert Kinder retten, sondern den Arzt Janusz Korczak. Aber er verzichtet. Ein SS-Mann öffnet die Türen zu den Waggons und bedeutet dem Mann an der Spitze, er dürfe nach Hause gehen. Der schüttelt den Kopf und geht mit den Kindern in die Waggons. Ziel Treblinka, die Gaskammer.

Es geht zum Danziger Bahnhof, von wo die Züge nach Treblinka abfahren. Als der Arzt mit dem jüngsten Kind auf dem Arm an den Viehwagen kam, macht ihm noch einmal ein SS-Mann das Angebot der Freiheit. Einige Tage später wurden die Kinder mit der Hausmutter und ihrem Waisenvater in den Gaskammern umgebracht. Obwohl der Arzt kein  Christ war und er nur wenig von Gott sprach, war sein Weg im Grunde eine Nachfolge hinter Jesus von Nazareth her.

Janusz Korczak blieb bei seinen Kindern. Er lief nicht fort wie andere Heimleiter. Einen Tag vor dem Transport sagte er den Kindern, sie sollten sich waschen und saubere Wäsche anziehen. Jedes Kind bekam einen Beutel mit Brot und eine Flasche Wasser für die Reise. Ob er den Kindern sagte, wohin die Fahrt ging? Wir wissen es nicht.

 

Erklärung der Rechte des Kindes

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat am 20. November 1959 die nachfolgende Erklärung der Rechte des Kindes einstimmig angenommen.

Präambel

Nachdem die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihr Bekenntnis zu den grundlegenden Menschenrechten und zur Dignität und Würde des einzelnen Menschen erneuert und sich für die Förderung sozialen Fortschrittes und eines verbesserten Lebensstandards in größerer Freiheit entschieden haben,

- nachdem die Vereinten Nationen in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verkündet haben, daß ein jeder zu allen darin enthaltenen Rechten und Freiheiten Zugang haben soll ohne Ansehen von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer und anderer Überzeugung, nationalen oder sozialen Ursprungs, Eigentum, Geburtsrechten oder sonstiger Vorteile,

- angesichts der Tatsache, daß das Kind, weil körperlich und geistig noch nicht voll ausgereift, besonderen Schutz und besondere Sorge, einschließlich eines besonderen Rechtsschutzes sowohl von der Geburt als auch vom Zeitpunkt der Geburt an, bedarf,

- eingedenk der Tatsache, daß die Notwendigkeit solcher besonderen beschützenden Maßnahmen auch in der Genfer Erklärung der Rechte des Kindes von 1924 festgestellt und durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sowie in den Statuten besonderer Verbände und internationaler Organisationen, die sich um die Wohlfahrt der Kinder bemühen, bestätigt worden ist,

- und angesichts der Tatsache, daß die Menschheit dem Kind das Beste schuldet, was sie zu geben hat,

verkündet nunmehr die Generalversammlung diese Erklärung der Rechte des Kindes, auf daß jedes Kind eine glückliche Kindheit habe und sowohl zu seinem eigenen Nutzen als auch zum Besten der Gesellschaft die Rechte und Freiheiten, die hierin festgestellt werden, genießen möge - wobei gleichzeitig Eltern, einzelne Männer und Frauen wie Organisationen, die auf

freiwilliger Basis mitarbeiten, Behörden am Ort und nationale Regierungen dazu aufgerufen werden, diese Rechte anzuerkennen und durch legislative sowie andere, Schritt für Schritt zu verwirklichende Maßnahmen in Übereinstimmung mit den folgenden Grundsätzen für sie einzutreten:

 

Grundsatz 1

Das Kind erfreut sich aller in dieser Erklärung enthaltenen Rechte. Ohne jede Ausnahme und ohne Unterscheidung oder Benachteiligung durch Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politische oder sonstige Überzeugung, nationale oder soziale Herkunft, Eigentum, Geburt oder sonstige Umstände, sowohl hinsichtlich seiner selbst wie seiner Familie, hat das Kind auf diese Rechte Anspruch.

Grundsatz 2

Das Kind genießt besonderen Schutz; ihm werden Gelegenheiten und Erleichterungen durch  Gesetz und auf andere Weise gegeben, sich gesund, und natürlich in Freiheit und Würde körperlich, geistig, moralisch, seelisch und sozial zu entwickeln. Das Beste des Kindes ist für diese Gesetzgebung bestimmend.

Grundsatz 3

Das Kind hat Anspruch auf einen Namen und eine Staatsangehörigkeit von Geburt an.

Grundsatz 4

Das Kind erfreut sich der Wohltaten der sozialen Sicherheit. Es ist berechtigt, in Gesundheit

heranzuwachsen und zu reifen; deshalb werden ihm und seiner Mutter besondere Fürsorge und Schutz gewährt, einschließlich angemessener Pflege vor und nach der Geburt. Das Kind hat das Recht auf ausreichende Ernährung, Wohnung, Erholung und ärztliche Betreuung.

Grundsatz 5

Das Kind, das körperlich, geistig oder sozial behindert ist, erhält diejenige besondere Behandlung, Erziehung und Fürsorge, die sein Zustand und seine Lage erfordern.

Grundsatz 6

Das Kind bedarf zur vollen und harmonischen Entwicklung seiner Person der Liebe und des Verständnisses. Es wächst, soweit irgend möglich, in der Obhut und der Verantwortung seiner Eltern, immer aber in einer Umgebung der Zuneigung und moralischer und materieller Sicher­heit auf; in zartem Alter soll das Kind nicht von seiner Mutter getrennt werden, außer durch ungewöhnliche Umstände. Gesellschaft und öffentliche Stellen haben die Pflicht, alleinstehenden und mittellosen Kindern verstärkte Fürsorge angedeihen zu lassen. Staatliche und anderweitige finanzielle Unterstützung kinderreicher Familien ist wünschenswert.

Grundsatz 7

Das Kind hat Anspruch auf unentgeltlichen Pflichtunterricht, wenigstens in der Volksschule. Ihm wird eine Erziehung zuteil, die seine allgemeine Bildung fördert und es auf der Grundlage gleicher Möglichkeiten in den Stand setzt, seine Anlagen, seine Urteilskraft, sein Verständnis für moralische und soziale Verantwortung zu entwickeln und zu einem nützlichen Glied der menschlichen Gemeinschaft zu werden. Das

Beste des Kindes ist der Leitgedanke für alle, die für seine Erziehung und Führung Verantwortung tragen; diese liegt zuallererst bei den Eltern.

Das Kind hat volle Gelegenheit zu Spiel und Erholung, die den gleichen Erziehungszielen dienen sollen; Gesellschaft und Behörden fördern die Durchsetzung dieses Rechtes.

Grundsatz 8

Das Kind ist in allen Notlagen bei den Ersten, die Schutz und Hilfe erhalten.

Grundsatz 9

Das Kind wird vor Vernachlässigung, Grausamkeit und Ausnutzung jeder Art geschützt. Es ist in keinem Fall Gegenstand eines Handels. Das Kind wird erst nach Erreichung eines geeigneten Mindestalters zur Arbeit zugelassen; nie wird es gezwungen oder wird ihm erlaubt, einen Beruf oder eine Tätigkeit auszuüben, die seiner Gesundheit oder Erziehung schaden oder seine körperliche, geistige und moralische Entwicklung hemmen.

Grundsatz 10

Das Kind wird vor Handlungen bewahrt, die rassische, religiöse oder andere Herabsetzung fördern. Es wird erzogen in einem Geist des Verstehens, der Duldsamkeit, der Freundschaft zwischen den Völkern, des Friedens, weltumspanneder Brüderlichkeit und  in der Vorstellung, daß seine Kraft und Fähigkeiten dem Dienst an seinen Mitmenschen zu widmen sind.

 

Von Kindern lernen!

Das Kind spielt in den Reden Jesu eine ganz bedeutende Rolle. Und damit brach das Ärgernis an ihm in aller Schärfe auf. Als Jesus von seinen Jüngern gefragt wurde: „Wer ist der Größte im Himmelreich?“ rief Jesus ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!“(Matth. 18, 1-3).

Ist das in .der Tat nicht ärgerlich? Ein Kind, ein kleines Kind, erwählt Jesus, um uns zu zeigen, worauf es in unserem Menschsein ankommt! Was hat ein Kind denn schon geleistet in seinem Leben? Ist es nicht gerade unsere Leistung, durch die unser Leben bestimmt wird? „Leiste erst einmal etwas in deinem Leben, dann kannst du mitreden!“

Damit aber fängt alle Not im Leben des Kindes an, daß wir unser Leistungsdenken auf die Kinder übertragen. Wo das aber geschieht, da nimmt man die Kinder nicht ernst, sondern nimmt ihnen ihr Recht.

Die Befreiung des Kindes von der Willkür der Erwachsenen hielt Janusz Korczak - nach der Befreiung der Neger und Bauern und nach der Erringung der Gleichberechtigung der Arbeiter, Juden und Frauen - für die nächste Phase der Entwicklung der Menschheit. Die Kinder seien das älteste Proletariat der Welt, meinte er, erst Christus hat gesagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“

Wie ist das Wort vom „Proletariat der Kinder“ zu verstehen? Hier taucht die Frage nach dem Recht des Kindes auf. Worauf haben Kinder ein Recht? Um darauf eine Antwort zu finden, bedarf es wahrlich keiner großen Anstrengung; sie lautet ganz schlicht und einfach: Das Kind hat ein Recht darauf, Kind sein zu dürfen!

Diese Forderung nach dem Recht des Kindes kann man 'immer wieder in Korczaks pädagogischen Schritten finden. Das Kind wird für vollwertig erklärt, nicht weil es künftig ein Erwachsener sein wird, sondern weil es gegenwärtig Kind ist.

Wir Erwachsenenkönnen um unsere Lebensrechte kämpfen und tun es auch, wie uns die Geschichte lehrt. Kinder aber können das nicht. Sie sind ganz auf unser Geschenk angewiesen, und es gehört zu ihrem Kindsein, daß sie sich bereitwillig beschenken lassen. Je kleiner sie sind, um so leichter ist es, sie zu beschenken.

Wir Erwachsenen haben durch den Leistungs- und Erfolgszwang, durch unseren rechnenden und berechnenden Verstand weitgehend die Fähigkeit verloren, zu schenken und uns beschenken zu lassen. Hier wird nun offenbar, warum Jesus ein kleines Kind vor die Erwachsenen stellte mit den Worten: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!“ Das heißt doch nichts anderes als: Niemand kann sich vor Gott etwas verdienen. Alle Leistungen und Erfolge - mögen sie noch so imponierend und für diese Welt auch von größter Bedeutung sein - reichen da nicht aus. Letztlich sind wir auf Gottes Geschenk angewiesen. Und der ist „reines Herzens“ der es annimmt wie ein Kind.

Aber gerade darin werden die Kinder uns zu unentbehrlichen Gehilfen. Das mag zwar in den Ohren von Erwachsenen vermessen klingen, aber es ist die Wahrheit. Kinder können zuweilen unter Schuldgefühlen entsetzlich leiden. Sie halten einen solchen Zustand nicht lange aus, ohne Schaden an ihrer Gesundheit zu nehmen. Es kann für sie nichts Schlimmeres geben, als die Liebe der Menschen zu verlieren, auf die sie total angewiesen sind. Erst wenn ihnen diese Liebe durch Wort und Zeichen der Vergebung aller Schuld zugesprochen wird, haben sie wieder ihren Frieden, ihr Leben.

Ein Erlebnisbericht aus einem Kinderheim soll uns das deutlich machen. Da lesen wir im Bericht eines Erziehers: „Ich denke da an ein Heimkind, das den Eltern Kummer gemacht hatte und dann einige Wochen nach der Aufnahme ins Heim von den Eltern ein Paket erhielt. Der Junge packte die Sendung hastig aus, warf die schönen Sachen, die ihm geschickt worden waren, mehr und mehr wie besessen durcheinander. Er suchte mit zitternden Händen, durchwühlte den Karton, um schluchzend alles fortzustoßen. Er hatte etwas gesucht, was das Paket nicht enthielt: den Brief der Eltern mit den Worten der Vergebung. Er hat von den Leckereien nichts angerührt, weil ihn nach anderem begehrte und hungerte: nach dem Aufhören der körperlich-seelischen Qual.“

War es nun zuviel behauptet: Wir sollen von den Kindern lernen, wenn wir wissen wollen, wovon der Mensch lebt? Wir brauchen sie! Ohne sie würde unser Hochmut, unser Aberglaube an die Machbarkeit aller Dinge grenzenlos werden. „Laßt euch die Kindheit nicht austreiben!  Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!“ sagt Erich Kästner in seiner „Ansprache zum Schulbeginn“.

Warum fällt es uns oft so schwer zuzugeben, daß selbst die Kleinen, die Unmündigen uns unentbehrliche Dienste erweisen, daß wir ohne sie unsere menschliche Bestimmung verfehlen würden? „Du erziehst dein Kind allenfalls für die Welt, aber

dein Kind erzieht doch für das Reich Gottes,“ sagte einmal einer, der tief über diese

Dinge nachgedacht hat (Karl Kaufmann).

 

Wir und unsere Kinder

Die Kinder wurden jedenfalls nicht gefragt, bevor sie zur Welt kamen. Und auch wir wurden nicht gefragt, ob wir sie so oder anders haben wollten: gesund oder behindert, begabt oder belastet - wir sind in jedem Fall mit gemeint und gefragt, wenn es um unsere Kinder geht. Darum von vornherein: „Wir und unsere Kinder!"

Mit Hilfe der Wissenschaften werden wir die ganze Wirklichkeit menschlicher Existenz nicht erfassen. Hier stehen wir immer wieder vor ungelösten und vielleicht auch unlösbaren Fragen nach dem Wesen des Menschen. Wir tun gut daran, die Aussage der Bibel: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“ bei allen weiteren Überlegungen nicht zu überhören.

Wir gehen von der Frage aus: „Wovon lebt der Mensch?" Das ist doch keine Frage, möchten wir darauf wohl gern antworten; das weiß doch jedes Kind! Von den Lebensmitteln natürlich. Fehlen sie, so hungert der Mensch, und was Hunger und Hungertod in der Welt bedeuten, sollten wir wohl alle wissen.

Es gibt Erfahrungen und Erlebnisberichte, die uns bei der Beantwortung dieser Frage hilfreich sein können.

In der Geschichte finden sich so zahlreiche Beispiele von verwilderten Kindern und Erwachsenen, daß ihnen der große Naturforscher Linné einen eigenen Platz in seinem Natursystem einräumte. Unter einem Rudel Wölfe wird 1341 von Jägern des Landgrafen von Hessen ein Siebenjähriger verwildert eingefangen. Seine Zähmung, wie der Chronist den Versuch seiner Erziehung nannte, mißlingt. Der Junge läuft zuweilen auf allen vieren und vermag übernatürliche Sprünge durchzuführen. Er ist bald gestorben.

Diese Nachricht, die so unwahrscheinlich klingt, erfährt durch einen Bericht aus Indien eine unerwartete Bekräftigung. Im Dschungel findet der Missionar J. A. Singh in einem Wolfsbau zwei Mädchen von zwei und neun Jahren. Die Kinder benehmen sich wie ihre tierischen Zieheltern, bei denen sie aufgewachsen sind und mit denen sie sich wie mit ihren anderen wölfischen „Verwandten“ mittels Tierstimme und Gebärden ohne Schwierigkeiten verständigen. Tagsüber rollen sie sich nach Wolfsart in einem Winkel zusammen, um sich einem flüchtigen Schlummer hinzugeben. Nachts heulen sie den Mond an. Sie zerreißen das rohe Fleisch, das ihnen als Nahrung dient, mit den Zähnen und schlappen das Wasser mit hechelnder Zunge. Gern balgen sie sich mit Hunden. Von Kindern wollen sie jedoch nichts wissen. Das Zweijährige stirbt früh. Das andere Mädchen bleibt neun Jahre im Hause des Missionars. In dieser Zeit lernt es die Sprache nur mangelhaft und das menschliche Verhalten macht ihm stets allergrößte Schwierigkeiten.

Der Amsterdamer Arzt Dr. Tulp hat die Schilderung eines irischen Jungen veröffentlicht, der unter wilden Schafen aufgewachsen war, deren Wesen er völlig angenommen hatte. Er verweigerte menschliche Speisen und Getränke und verzehrte nur Gras und Heu, das er schnüffelnd sorgfältig prüfte. Er besaß keine menschliche Stimme, sondern blökte wie ein Hammel, als er in die Netze seiner Verfolger geriet. Fast sah er mehr einem Tier als einem Menschen ähnlich. Der Geist der Wildheit verlor sich nur allmählich bei ihm.

Es wird auch von einem Experiment berichtet, das der mittelalterliche Kaiser Friedrich II. einmal unternahm, als er wissen wollte, welche Sprache Kinder sprechen würden, wenn sie nie ein menschliches Wort gehört haben. Er ließ Kleinkinder in ein Heim bringen, ließ sie von Ammen gut ernähren und versorgen, verbot aber streng, jemals zu ihnen oder in ihrer Gegenwart zu sprechen. Die Chronik schließt mit der Mitteilung, daß alle diese Kinder noch im zweiten Lebensjahr starben.

Wovon lebt der Mensch? Das war unsere Frage. Wir werden uns nun wohl hüten, voreilig zu antworten: Vom Brot, von den Lebensmitteln! Die Versuchung liegt ja nahe, so zu antworten. Und als Jesus in Versuchung geführt wurde, da stellte ihm der Versucher zuerst diese Frage: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden! Und er antwortete und sprach: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht!“ (Matthäus 4, 3- 4)

Nicht vom Brot allein! Damit kommen wir der Wirklichkeit des Menschen schon sehr nahe.

Die soeben angeführten Beispiele haben gezeigt, daß ein Kind ohne das Wort nicht leben kann, daß es trotz aller liebevollen materiellen Versorgung „verhungert“, daß es stirbt, zumindest aber nie ein „Mensch“ wird.  Zu keiner anderen Zeit ist der Mensch so auf das Wort angewiesen wie in der frühen Kindheit. Ob ein Neugeborener Mensch wird, ist also ganz in unsere Hände gelegt. Jede Mutter weiß das oder - besser gesagt - sie tut unbewußt das, was unser Verstand nur schwer begreifen kann: Vom ersten Tage an redet sie mit ihrem Kind. Was die Mutter da tut, scheint unvernünftig und sinnlos zu sein; denn das Kind - so meinen wir - versteht doch noch gar nicht, was zu ihm gesagt wird. Und was für Worte sind es mitunter, die eine Mutter spricht! Sie sind in keinem Wörterbuch zu finden - aber sie sind dennoch „Wort“, von dem das Kind leben kann. Denn sie sind das „Ja“ der Mutter zu ihrem Kind. Keine noch so gute leibliche Nahrung und Pflege kann dieses „Ja“ ersetzen.

Im Grunde stehen wir hier vor dem Geheimnis der Schöpfung. Wodurch und wie Kinder zur Welt kommen, das wissen wir, und wir wissen auch, daß wir uns darin grundsätzlich nicht vom Tier unterscheiden. Aber wir sollten bedenken, daß Gott den Menschen „zu seinem Bilde“ schuf, wobei zu fragen wäre, ob damit ein historisches Ereignis gemeint ist oder ob die Allgegenwart des Schöpfers uns nicht dazu zwingt zu sagen: Gott schafft den Menschen zu seinem Bilde. Dann aber sollten wir auch erkennen, daß wir als Gesprächspartner Gottes zu seinen Mitarbeitern in der Schöpfung bestimmt sind.

Wer diese Aufgabe erkannt hat, weiß auch um seine hohe Verantwortung. Wir antworten und wir dienen Gott, indem wir nach seinem Willen Menschen sind, die aus dem Wort leben, „aus einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“. Was für ein Wort ist das? Es ist das „Ja“ Gottes zum Menschen, das uns verbürgt ist aus dem Menschenmunde Jesu. Durch ihn wurden wir „Kinder Gottes“, und durch ihn wird die Frage nach dem Kind und nach Kindschaft in ein ganz neues Licht gerückt.

 

 

Entstehung der Farbenbibel

Der berühmte Reiseschriftsteller Friedrich Baedecker wurde 1823 in Witten geboren

Er war erst Kaufmann, ging später nach England und gründet dort eine Privatschule. Im Jahre 1866 kam er in England zu Glauben an Jesus Christus. Mit 54 Jahren begann er eine Tätigkeit als Missionar im damaligen Rußland. Er bekommt die Erlaubnis, jedes Gefängnis in Rußland zu besuchen. Ganze 18 Jahre ist er unterwegs von Finnland bis zum Kaukasus und über den Ural bis zu den Strafkolonien der Insel Sachalin. Er besucht über 40.000 Strafgefangene und verteilt Neue Testamente, damit sie darin alles über Gott und Jesus lernen konnten. Als er aber nach Jahren wieder in diese Gegend kam und nach den Bibeln fragte, da wußten ihm die Leute nichts darüber zu sagen. Da merkte Baedecker erst, daß die ja gar nicht lesen konnten und mit den Bibeln gar nichts anfangen konnten.

Da kommt er auf den Gedanken der Farbenbibel  - eine Bibel mit den vier Farben: Schwarz, Rot, Weiß und Gold. Und zu jeder Farbe hat er ihnen einen Hauptabschnitt der biblischen Botschaft erklärt: (Tafeln mit den Farben hoch halten).

 

1.) Schwarz: Die schwarze Farbe ist das Zeichen für alles Böse. Wie böse die Menschen und auch die kleinen Kinder schon sind, zeigt eine Spielszene: Drei Kinder sitzen am Tisch und spielen. Doch bald kommt es zum Streit über das Spielzeug. Einer will das Auto des anderen haben, der gibt es nicht her, das Auto geht dabei kaputt; da schimpft wieder der dritte, denn dem gehört es eigentlich, da verhauen die zwei ihn usw. - Immer wieder versuchen wir unsere eigenen Wege zu gehen. Wir trennen uns von Gott. Die Bibel nennt dies „Sünde“. Welt ohne Gott heißt - eine Welt voll Lüge, Haß, Krieg, Einsamkeit - voll Dunkelheit.

 

2.) Rot: Die rote Farbe ist das Zeichen für die Liebe Gottes. Anhand von Flanellbildern wird die Geschichte vom  verlorenen Sohn erzählt. Dabei wird deutlich, daß eigentlich alle beide Söhne „verloren“ sind und daß es eigentlich um den barmherzigen Vater geht. Wir sind alle solche verlorenen Söhne. Aber Gott schickt seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt,  weil er die Menschen liebhat. Mit dieser Liebe will er die Welt verändern. Jesus stirbt unschuldig  für uns am Kreuz

 

3.) Weiß: Die weiße Farbe ist das Zeichen für die Botschaft. Die Kinder singen ein Lied, das zum Weitersagen der Botschaft vom Barmherzigen Vater auffordert. Als Lieder eignen sich: „Mein Herz ist froh in dem Herrn“ oder „Komm, sag es allen weiter“. Der Tod Jesu überbrückt die Trennung zwischen Gott und uns Menschen - macht uns frei von der Sünde.

 

4.) Gold (gelb): Die goldene Farbe ist das Zeichen für die Erlösung. Die Menschen können nicht von sich aus den Streit in der Welt überwinden. So wie beim Spiel der Kinder oft der Vater eingreifen muß, so greift auch Gott in den Streit der Menschen ein: Er schickt seinen Sohn, der ihnen vorlebt, wie man als ein Kind Gottes lebt. Doch die Menschen wollten nicht auf ihn hören und haben ihn deshalb umgebracht, indem sie ihn ans Kreuz nagelten. Anhand des Kruzifixes auf dem Altar wird dieses Ereignis nun beschrieben. Aber Jesus ist für uns alle gestorben, damit wir nicht als Strafe für unsre Schlechtigkeiten sterben müssen. Er hatte alle Schuld auf sich genommen und dafür gebüßt. Deshalb steht heute noch auf dem Altar in der Kirche das Kreuz.

 

Merkvers: Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater gezeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen.

 

Reformationsfest:

Eine Zeitlang haben die Menschen vergessen, daß uns nur Jesus Christus die Schuld abnehmen kann; sie meinten, sie könnten aus eigener Kraft wieder in das Haus ihres himmlischen Vaters zurückkommen, wenn sie nur anständig leben und sich tüchtig anstrengen. Sie hatten vergessen, daß Gott uns dazu einladen muß und uns nur deshalb holt, weil er uns liebhat, nicht weil wir uns angestrengt haben. Erst Martin Luther, ein Pfarrer der Kirche, hat uns das wieder deutlich gemacht, daß Gott ein barmherziger Vater ist, der alle Kinder bei sich haben will, auch die unartigen. Alle dürfen sie zur Kirche und zu Gott kommen. Deshalb denken wir noch heute voller Dankbarkeit an diesen Mann, den uns Gott vor vielen Jahren geschickt hat, damit wir die Bibel wieder nichtig verstehen (eventuell noch eine große Bibel zeigen).

 

 

Nachbarschaft

Anspiel:

Sprecher:

Liebe Leut', ihr sollt jetzt sehn, wie hier zwei zu Werke gehn.

Es sind die Nachbarn Lehmann und Krause.

Sie wohnen beide in  einem Hause.

Und teilen Hausflur, Keller und Garten.

Und haben sie Wäsche, dann müssen sie warten,

bis die eine oder andere Partei

gibt endlich die Waschküche wieder frei.

Wehe aber, wenn Frau Krause sieht,  daß dem Kessel noch ein Tropfen entflieht.

„Diese alte Schlampe Lehmann! Immer sieht man’s allem an,

daß sie lieber als zu putzen, ihre Zeit tun dazu nutzen,

über andre Leut' zu reden! Warte nur, dir will ich’s geben!

Und aus Rache stürzt die Frau wutentbrannt aus ihrem Bau,

greift den Teppich, greift den Klopfer und umschleicht ihr armes Opfer.

 

Lehmann:

Morgen, Frau Krause, jetzt wollen Sie Ihren Läufer klopfen? Nee, das geht ja nun wirklich nicht. Ich habe mich beeilt, daß ich die Wäsche rauskriege. Komischerweise kommen Sie jedesmal mit ihren Läufern an, gerad wie mit Absicht.

Krause:

Na hören Sie mal! I c h nehme doch wohl Rücksicht genug. Aber S i e  sollten mal lieber die Waschküche wieder so sauber machen, wie Sie sie vorgefunden haben.

Lehmann:

Wollen Sie etwa behaupten, ich mache die Waschküche nicht sauber? Habe ich mich vielleicht beschwert über den Dreck, den Ihre Kinder ins Treppenhaus bringen?

Krause:

Fangen Sie bloß nicht von den Kindern an. Ich halte mir jedesmal die Ohren zu, wenn Ihre Jungens über uns rumtrampeln. Das ist nicht mehr zum Aushalten, immer mit den schweren Schuhen. Andere Kinder haben doch Hausschuhe an. Ich schweige schon zu vielem still.

Lehmann:

Das sagen Sie, und woher kommt das Gerede über uns und die Kinder? Ihr Mann sagt nicht einmal „Guten Tag“, auch auf der Straße nicht. Da haben sich schon manche darüber gewundert.

Krause:

Meinen Mann lassen Sie aus dem Spiel. Passen Sie man lieber auf, wo ihre Tochter abends immer rumläuft.

Lehmann:

Das geht Sie gar nichts an. Hüten Sie sich bloß mit Ihrem Klatsch! Unverschämtheit! Hat ja keine Zweck mit der Frau.

Sprecher:

Teppichstaub im Kampf mit Seife und dazu ein klaut Gekeife.

Ob das wohl dem Frieden dient und die beiden je versöhnt?

Ach, wir gehn mit Trauer fort. Dieses ist der falsche Ort,

über Nachbarschaft zu reden. Denn, was diese beiden leben,

kann für uns kein Vorbild sein. Nein, ich lade alle ein,

neue Wege auszudenken, wie man Fehler einzurenken

besser sich bemühen kann. Achtung jetzt: Wir fangen an!

 

Erzählung:

Abraham war in das Land gekommen, das Gott ihm verheißen hatte. Mit ihm waren  seine Frau  gekommen und sein Neffe Lot. Dazu die vielen Leute, die das Vieh zu versorgen hatten. Abraham und Lot waren ja beide Besitzer           großer Viehherden: Schafe, Rinder und Kamele gehörten ihnen. Dazu besaßen sie Silber und Gold und viele Zelte.

Nur mit den Weideplätzen für die großen Herden war es schwierig. Sie mußten sich immer auch erst mit der Bevölkerung des Landes einig werden,  um Futter und Wasser für ihre Tiere zu erhalten. So zogen sie von einem Weideplatz zum anderen, bauten ihre Zelte auf und wieder ab, bis sie schließlich nach Bethel kamen, wo Abraham zuerst zu Gott gebetet hatte

Doch es gab bald Streit zwischen den Hirten Abrahams und den Hirten Lots. Die Weide bei Bethel reichte eben nicht für so viele Tiere und die Wasserbrunnen waren auch zu selten. Abends gab es immer Streit: „Wir waren zuerst da, unsere Tiere kommen zuerst dran!“

 

„Nein, ihr wart  gestern schon die ersten. Nun laßt uns auch einmal ans frische Wasser kommen!“ - „Euer Vieh zertrampelt nur alles!“ Bald wurden die Fäuste gereckt und Knüppel geschwungen.

Und am Morgen war es ähnlich: „Uns gehört der Weideplatz,“ riefen die einen. „Nein, wir waren eher da!“ - „Immer sollen wir das schlechtere Land nehmen!“ - „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!“- „Aber unser Abraham ist älter als euer Lot! Uns gebührt der Vorrang!“

Der Zank wird immer schlimmer. Abraham und Lot erfahren davon. Was sollen sie nur tun?  Abraham hätte sagen können: „Mir allein hat Gott das Land versprochen. Ich habe dich nur mitgenommen, weil du mein Neffe bist und keinen Vater mehr hast. Aber ich bist der Ältere und du mußt mir gehorchen.

Doch Abraham spricht anders zu Lot: „Laß doch keinen Streit sein zwischen mir und dir, zwischen deinen Hirten und meinen Hirten. Wir sind doch ganz nahe Verwandte und wollen uns miteinander vertragen. Sieh dir doch einmal das Land an, das vor uns liegt. Wir wollen es unter uns aufteilen. Such dir aus, was du willst , ich nehme dann die andere Hälfte!“

Abraham will allen Streit vermeiden. Deshalb ist er mit dem zufrieden, was übrig bleibt. Lot ist auch einverstanden. Er prüft das Land genau. Am besten gefällt ihm die Gegend um den Jordanfluß,  wo es viel Wassergibt. Die ganze Gegend liegt dort wie ein schöner großer Garten. Es wohnen zwar schon viele Menschen dort., aber er wird schon noch zwischen ihnen Platz finden.

Deshalb sagt er zu Abraham: „Ich möchte gern das Jordantal nehmen!“ Abraham antwortet.: „Es ist gut‚ ich bin damit einverstanden!“ Sie teilen ihren Beschluß den Hirten mit. Die begrüßen auch eine solche vernünftige Lösung. So trennen sich Abraham und Lot voneinander. Lot wohnt in einer fruchtbaren Landschaft. Abraham ist mit dem schlechteren Boden zufrieden.

Wir werden vielleicht meinen,  Abraham sei doch schön dumm gewesen. Aber er weiß, daß Gott bei ihm ist. Er wird ihm schon genug Land geben, daß er mit seinen Leuten und Herden nicht verhungern braucht. Gott hat ihm versprochen, daß er viele Nachkommen haben wird. Sie werden zu einem großen Volk werden und einmal das  ganze Land besitzen. Abraham vertraut darauf, daß  Gott dieses Wort wahr machen wird. Deshalb kann er hier getrost nachgeben. Gott wird es schon nichtig mit ihm machen.

 

Predigt:

Haben wir uns in dieser Spielszene wiedererkennen können? Oder  geht es bei uns noch schlimmer zu? Oder gibt es so etwas bei uns so etwas niemals? Ist hier nicht doch etwas übertrieben? Oder handelt es sich nicht vielmehr um einen typischen Vorgang, wie er sich so oder ähnlich alle Tage zutragen kann?

Wie geht es denn bei kleinen Kindern zu? Da spielt der kleine Bruder  mit einem Auto. Er ist still und zufrieden und läßt sich durch nichts stören. Da kommt der Bruder dazu. Er nimmt ihm das Auto weg. Dabei hat er selber genügend Autos, mit denen er spielen könnte. Aber immer was der andere hat, ist ja interessant.  Wenn man ihm das Ding erst einmal abgejagt und in sicherem Besitz hat, kann man  es ja wieder stehenlassen, dann ist es uninteressant geworden.

Kinder bringen es meist nicht fertig, sich aus eigener Kraft wieder zu einigen. Meist greifen die Erwachsenen ein und setzen dem Streit mit Gewalt ein Ende. Die Kinder beugen sich letztlich auch ihrem Schiedsspruch. Was ist aber, wenn sich Erwachsene untereinander streiten? Wer soll dann der Schiedsrichter sein?

Andere Menschen? Gott? Schiedsmann? Gericht?).

Da ist  Mann lange Zeit krank gewesen. Ein anderer hat inzwischen seine Arbeit übernommen. Es ist relativ leichte Arbeit, die doch ganz gutes Geld einbringt. Nun kommt der Kollege zurück . Aber sein Vertreter will den Platz nicht räumen. Es ist klar, wer hier Recht hat. Aber es gibt doch Streit und ungute Worte. Dabei gibt es doch für jeden etwas zu tun und Geld zu  verdienen.

Ganz ohne Spannungen im Zusammenleben der Menschen  werden wir nicht auskommen. Es liegt einfach im Wesen des Menschen drin, daß er nicht gern nachgibt und deshalb oft mit anderen aneckt. Die Frage ist nur, wie man mit solchen Schwierigkeiten fertig. Wird: Ob man sie mit Gewalt bis zum letzten austrägt oder doch wieder eine Einigung findet.

Unsere Geschichte aus der Bibel zeigt uns, wie man mit Schwierigkeiten fertigwerden kann. Abraham und Lot sind beides Menschen, die an Gott glauben. Vor allem Abraham will nicht, daß es zum Streit kommt. Deshalb sucht er eine Einigung herbei­zuführen, ehe es noch schlimmer wird. Auch wir wollen versuchen, die Lehren aus dieser Geschichte  für uns  zu ziehen.

 

(1) Einer muß der Erste sein, der nach einer Einigung sucht. Oft ist es so, daß im Grunde bei zur Versöhnung bereit sind. Aber keiner traut sich so recht, den Anfang zu machen. Es könnte ja so aussehen, als würde man damit seine Schuld eingestehen. Keiner will aber sein Gesicht  verlieren. Deshalb wird die Beendigung eines Streits oft ungebührlich lang hinausgeschoben.

Hier sind dann meist Menschen als Vermittler nötig. Siekönnen als Unparteiische am ehesten dafür sorgen, da keiner zuviel und keiner zu wenig nachgibt. Sie werden auch von beiden Seiten anerkannt, weil man nicht annimmt, der Vermittler denke nur an seinen eigenen Vorteil.

Es wäre gut, wenn sich  immer wieder Menschen zu solchen Vermittlerdiensten bereit fänden. Bei Kindern sind es - wie gesagt - meist die Eltern oder andere Erwachsene. Bei Erwachsenen können vielleicht  Verwandte, Freunde oder Nachbarn  helfen. Gerade die Christen sind hier aufgerufen, sich mit Phantasie und Liebe dafür einzusetzen, damit das Zusammenleben der Menschen besser  klappt. Hier kann man am ehesten im Sinne Gottes wirken.

Besser ist es natürlich, die beiden Gegner einigen sich untereinander. Dazu gehört mehr Mut. Aber Abraham hat ihn offenbar, weil er sich fest mit Gott verbunden weiß, der schon niemanden zu kurz kommen läßt. Abraham riskiert es‚ dabei schlechter abzuschneiden. Aber auf Dauer ist damit mehr erreicht.

(2) Abraham redet in ruhigem Ton mit Lot. Meist geht es ja bei Auseinandersetzungen sehr heftig zu. Und je länger ein Streit dauert, desto heftiger wird auch in der  Regel der Ton. Das ist auch wieder nur natürlich und menschlich verständlich, wenn es auch nicht sehr schön ist.

Manchmal ist ein reinigendes Gewitter auch gar nicht so schlecht. Da kann man sich allen Ärger einmal von der Seele reden und hinterher ist man wieder erleichtert und kann eher weder aufeinander zugehen. Wenn man allen Ärger nur in sich hineinfrißt, wird ja auch nichts besser; dann wird der Knall  nachher nur noch umso stärker.

Besser ist es natürlich, wenn eine Entspannung in Ruhe zustande kommt. Dabei wird oft noch mehr erreicht als durch eine gewaltsame  Entladung. Vor allen Dingen muß die Sache dann aber auch völlig bereinigt sein und darf nicht wieder an anderer Stelle auftauchen. Abraham jedenfalls versucht das. Er erscheint als der Besonnenere und damit letztlich als der Überlegenere. Man kann leichter nachgeben, weil eben der Klügere nachgibt.

 (3) Genaue vertragliche Regelungen sind hilfreich.  Man kann natürlich auch der Meinung sein, das sei kleinlich, wenn man alles genau aufschreibt.  Man müsse lieber alles dem Lauf der Zeit überlassen und die Dinge regeln, wenn sie sich ergeben. Aber die Erfahrung zeigt, daß das auch unter Christen nicht immer so

möglich ist. Es ist besser, man hat sich vorher schon alle möglichen Fälle überlegt und sie in Ruhe regelt. Wenn erst einmal Zeitdruck herrscht ‚ greift man oft nach der nächstbesten Lösung, die sich dann nicht immer als die beste herausstellt. Und dann gibt es Ärger und Reibereien  und man sagt: „Ach hätten wir doch damals!“

Natürlich muß unter guten Freunden oder Verwandten nicht alles mit Unterschrift und Stempel abgemacht werden. Zum Glück gibt es auch immer noch Menschen, denen man bedingungslos vertrauen kann. Aber dann muß wenigstens vorher alles geklärt und  genau abgesprochen werden. Und wer Angst hat, es könnte etwas wieder vergessen gehen, der schreibt lieber alles auf.

(4) Gott gibt jedem genug zum Leben. Abraham handelt ja nicht nur nach dem  Grund­satz: „Der Klügere gibt nach!“ Er handelt vielmehr nach den Geboten Gottes. Gott will nicht, daß Streit zwischen Menschen herrscht, und schon gar nicht zwischen Verwandten oder zwischen Menschen, die an den gleichen Gott glauben. Weil Abraham das weiß, gibt er nach.

Er hätte ja auch sagenkönnen: „Ich bin der Ältere, du mußt dich mir unterordnen!“ Abraham hätte auf sein Recht pochen können. Aber dann hätte es vielleicht Streit gegeben. So verzichtet er lieber auf sein Recht,  auch wenn er dabei vielleicht den Kürzeren hätte ziehen können.

In Wirklichkeit aber wird Abraham von Gott reich beschenkt. Gott sagt ihm: „Deinen Nachkommen wird dieses ganze Land gehören, weil           du jetzt gehorsam gewesen bist!“ Was man auf der einen Seite um des lieben Friedens willen aufgibt, das erhält man auf der anderen Seite doppelt wieder.

Das gilt auch für unser persönliches Leben. Wenn wir uns bemühen, mit anderen Menschen auszukommen, werden wir den Segen spüren, der auf solchem Handeln liegt. Das gilt für die Mieter in einem Haus, für die Schüler in einer Klasse, für die Menschen in der Firma. Überall, wo Menschen zusammenkommen, müsse einige da sein, die Frieden stiften oder bereit sind zum Nachgeben. Wir wollen Gott bitten, daß er uns zu Friedensstiftern mache. Und wir wollen darauf vertrauen, daß er dabei schon keinen zu kurz kommen läßt.

 

 

 

Weiteres Material auch bei Kirchenjahr