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Nahetal-Waldau


Nahetal-Waldau

 

Chronik Hinternah
Im Jahre 2014 wird eine Broschüre über die Geschichte und das heutige Aussehen
des Kirchengebäudes herauskommen.
Außerdem sind Lichtbildervorträge ausgearbeitet zu den Themen Kirchengeschichte,
Schule, Friedhof, Pfarrhaus und Pfarrer, Gemeindezentrum, Schleusingerneundorf
und Silbach.
Hier sollen vorerst nur die Beiträge zur allgemeinen Ortsgeschichte wiedergegeben
werden (einschließlich Waldau)
 

Eine Datei mit Bildern können Sie hier herunterladen

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Chronik Hinternah
Spottnamen
Die Hinternaher sind die „Besenbinder“ (Baaserbender“), die Schleusingerneundörfer
die „Nönneffer“ oder die „Deichselschisser“, die Waldauer sind die „Wäldner“.
Henneberger Wappen
Allgemeines
Am Eingang des nach Schmiedefeld führenden Tales der Nahe liegt, breit hingelagert,
das Dorf Hinternah, urkundlich bereits 1189 erwähnt. Hier hatten Holzfäller
und Kleinbauern gesiedelt. An der Einfahrt zur Frauenwaldstraße gelegen, bot der
Ort Fuhrleuten und später auch Weinhändlern guten Verdienst. Für die Bewohner
gab es über die Jahrhunderte genügend Erwerbsmöglichkeiten durch den Fluß und
die anliegende Handelsstraße sowie vor allem durch den angrenzenden Wald, teilweise
auch von den Sandsteinbrüchen und einer zeitweise arbeitenden Glashütte.
Im Jahre 1839 wurde die „Kunststraße“ über Schmiedefeld nach Ilmenau vollendet.
Auch auf dieser Straße wurden die Pferde aus Hinternah noch tüchtig als Vorspann
gebraucht. Der Bau der großen Eisenbahnen, die Mitte des 19. Jahrhunderts den
Güterverkehr an sich zogen, ließ die Einwohner von Hinternah zurückgreifen auf die
Erwerbsmöglichkeiten des Waldes: Waldarbeit, Sägewerke, zwei Sandsteinbrüche
entstanden.
Von 1900 bis 1929 arbeitete eine Glashütte. Seit 1970 wird Hinternah in steigendem
Maße von Feriengästen aufgesucht, die in dem weitläufigen, ruhigen Ort einen Ausgleich
für die Hast in den Großstädten finden.
Hammerwerk
Turmknopfurkunde von 1747
Beamte der Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Regierung waren:
Oberaufseher Christian Friedrich von Stockmeier,
Kammerrat und Vize-Oberaufseher Paul Dietrich von Rottberg,
Christoph Heinrich von Zanthier (?)
Regierungs- und Konsistorialrat Christian Ludwig von Heßberg
Regierungs- und Konsistorialrat Hanß Heinrich von Thümmel
Konsistorialassessor Johann Gottgetreu Möller,
Regierungssekretär Heinrich Gottlieb Hermann,
Kammer Sekretär Friedrich Erdmann Schmied,
Kanzlist bei Regierung und Konsistorium Johann Gottfried Franck
Amtmann Johann Bötze.
Schultheißen waren zu der Zeit: Johann Caspar Hartleb der jüngere in Hinternah,
Johann Caspar Heerlein in Neundorf und George Martin Amarell in Silbach.
Gemeindevertreter („Zwölfer“) waren damals in Hinternah: Johann Michael Reinhardt,
Franciscus Höhn, Hufschmiedemeister Johann George Grünberger, Schreinermeister
Johann George Lanz,. Zeug- und Leinweber Johann Valentin am End,
Johann Michael Wagner, Johann Nicolaus Pfeiffer, Johann Nicolaus Schmidt, Johann
Caspar Hartleb der Ältere, Simon Hartleb. Dorfmeister war Johann Caspar
Frantz.
In Schleusingerneundorf Johann Caspar Herrlein, Johann Schneider Löhr, Jacob
Hanf , Seniormeister Johann George Fritz, Joh. Daniel Pfeiffer, Johann Steinweg.
Dorfmeister war Johann Caspar Blaurock.
Königlich und kurfürstlicher Forstbedienter in Schleusingerneundorf war Johann
George Höttich, Lehrer war Johann Michael Frauenberger.
Das Achtel Korn kostet damals 13 Bazzen, das Achtel Weizen 15 Bazzen, das Achtel
Gerste 11 Bazzen, das Achtel Hafer 7 Bazzen, das Maaß geringer Wein 5 Bazzen,
das Maaß guten Wein 9 Bazzen., das Maß Bier 7 Pfennig.
Die Gemeinde in Hinternah hatte zu der Zeit 65 Nachbarn, Schleusingerneundorf 37
Nachbarn und Silbach 13 Nachbarn [gemeint sind damit aber wohl nicht die Einwohner,
sondern die Familien].
Turmknopfurkunde 1816
Seit dem 27. Juni 1815 war der höchste Landesherr Herr Friedrich Wilhelm III., König
von Preußen. Das Konsistorium war in Erfurt und die Regierung in Naumburg. Zum
geistlichen Amtsuntergericht gehörten Superintendent Samuel Traugott Mücke und
Amtmann Christian Friedrich Löwe.
Pfarrer in Hinternah war Johann Wilhelm Heß, geboren in Schleusingen, seine Ehefrau
war Christiane Caroline, eine geborene Hanf von Seidingstadt, und seine Kinder
waren Hermann (5 Jahre), Ernestine (4 Jahre), Wilhelmine (1 Jahr) und 4. Ludwig
(¼ Jahr).
Schullehrer in Hinternah ist Johann Orban, geboren aus Goldlauter, und dessen
Sohn Friedrich Christian Orban ist Schullehrer in Schleusingerneundorf.
Oberförster in Schleusingerneundorf ist Johann Valtin Abt, Landrichter ist Johan
Georg Zitzmann, Schultheiß in Hinternah ist Georg Caspar Höhn, Schultheiß in
Schleusingerneundorf
Johann Caspar Schmidt, Schultheiß in Silbach Johann Georg Hanf.
Gemeindevertreter sind in Hinternah Johann Valtin Höhn, Johann Nicolaus Deckerdt,
Meister Johann Nicolaus Grünberger, Caspar Hanf, Caspar Brandt, Georg Höhn,
Meister Andreas Lindenlaub, Meister Mattheus Schilling, Johann Daniel Schilling.
In Schleusingerneundorf Meister Peter Schmidt, Andreas Sillmann, Georg Blaurock,
Paul Fuchs, Meister Jacob Pfeufer. In Silbach sind es Meister Georg Amarell und
Paul Fuchs.
Hinternah hatte 470 Einwohner (88 Nachbarn und 15 Mieter), Schleusingerneundorf
hatte 241 Einwohner (40 Nachbarn und 9 Mieter) und Silbach hatte 79 Einwohner
(16 Nachbarn und 2 Mieter), die Gesamtzahl der „Seelen“ im Kirchspiel war 790
[Hier wird deutlich, daß mit „Nachbarn“ die „Familien“ gemeint sind, mit den Ehefrauen,
Kindern und Mietern zusammen ergibt sich dann die Seelenzahl].
In Hinternah und Silbach gab es 85 Schulkinder (49 männliche und 36 weibliche), in
Schleusingerneundorf gab es 44 Schüler (24 männliche und 20 weibliche), zusammen
waren es 129 Schüler. Hornvieh hatte die Gemeinde Hinternah 218 Stück, dazu
Schafvieh [keine Angabe], die Schleusingerneundorfer Gemeinde hatte 108 Stück
Hornvieh, die Silbacher Gemeinde 82 Stück Hornvieh und 20 Stück Schafvieh.
Ein Achtel Korn kostete 24 bis 28 Bazzen, Weizen 28 bis 30 Bazzen, Gerste 25
Bazzen, Hafer 11 Bazzen, Erdäpfel 5 bis 7 Groschen, ein Pfund Rindfleisch 2 Groschen
8 Bazzen, Schweinefleisch 2 Groschen 10 Bazzen, Hammelfleisch 2 Groschen
8 Bazzen.
Das Maß geringer Frankenwein kostete 7 ½ Bazzen, das Maß guter Wein von 12 bis
18 Bazzen oder auch einmal ein Spezies Taler. Das Maß Bier von der geringeren
Sorte kostete 9 Bazzen, von der besseren Sorte 1 Groschen. Allerdings waren beide
Sorten waren im Verhältnis zum Preis von schlechter Beschaffenheit. Ein Zentner
Heu kostete in den Monaten Januar und Februar um ½ Laubthaler, in den Monaten
März und April um 1 Reichstaler und zu Anfang und in der Mitte des Mai um 1 Species-
Laubtaler, ja um 2 Thaler Reichsgeld.
Angesehene Nachbarn waren in den beiden Dörfern waren:
1.) Der hiesige Mühlbesitzer Johann Eberhard Gleichmann und dessen Söhne: Johann
Jacob,
Johann Gottfried und Johann Andreas, sämtlich Weinhändler.
2.) Jakob Friedrich Gleichmann
3.) Joh. Georg Friedrich Gleichmann
4.) Daniel Schilling, Mitbesitzer den hiesigen Hammers
In Schleusingerneundorf sind angesehen der Mühlenbesitzer Johann Georg Hanf
und dessen Pächter Christoph Blödner aus Arnstadt.
Es unterschreiben:
Johann Wilhelm Heß, Pastor und Verfasser dieses Aufsatzes
Johannes Orban, Schulmeister und Schreiber dieses Aufsatzes
Friedrich Orban, Lehrer
Georg Caspar Höhn, Schultheiß in Hinternah
Johann Caspar Schmidt Schultheiß in Schleusingerneundorf
Johann Georg Hanf, Schultheiß in Silbach
Johann Valentin Höhn  Kirchenältesten in Hinternah
Johann Adam Hanff 
Johann Valtin Förster  als Kirchenältester von Schleusingerneundorf
Johann Valtin Henn 
Johann Paul Fuchs, Kirchenältester aus Silbach
Johann Georg Höhn als Zwölfer
Johann Andreas Lindenlaub als Zwölfer
Matthäus Schilling als Zwölfer
Johann Caspar Brandt als Zwölfer
Nicolaus Grünberger als Zwölfer
Johann Daniel Schilling als Zwölfer
Joh. Eberhardt Gleichmann
Jacob Friedrich Gleichmann, Weinhändler
George Friedrich Gleichmann
Johann Andreas Gleichmann, Weinhändler
Jacob Gleichmann, Weinhändler
Dorfmeister Johann Eberhardt Höhn von Hinternah
Dorfmeister Valtin Möhring von Schleusingerneundorf
Dorfmeister Georg Caspar Amarell von Silbach.
[Die Weinhändler haben wohl mehr den Wein aus Franken oder anderswo eingeführt,
denn Hinternah lag verkehrsgünstig an der Durchgangsstraße]
Häuser im Unterdorf
Beschreibung aus der Chronik Walz
Bevor wir unseren Blick auf Hinternah richten, wollen wir zunächst dessen Flurgrenzen
betrachten und dabei einzelne Punkte erwähnen, die nicht ohne Interesse sind.
Gegen Osten grenzt die Hinternaher Flur an die Neundorfer im Nahetale längs des
königlichen Forstes, dem Örtlessteig und Albertsberg bis zu dem Forstgrenzstein Nr.
936 auf der gemeinschaftlichen Trift. Gegen Süden ist letztere die Grenze, welche
zugleich die Flurgrenze von Waldau bildet, bis dahin, wo dieselbe sich mit der Straße
auf dem Einfirst vereinigt und nun die Fluren von Heckengereuth und Ratscher angrenzen.
Gegen Westen finden wir die Schleusinger Flurgrenze vom Einfirst über das Nahetal
hinweg bis an den Turnplatz an der Wilke. Gegen Norden begrenzt der königliche
Forst an der Wilke, die Silbacher Flur und der königliche Forst vom Silbachsgrunde
über den Gries bis wieder zur Flurgrenze die hiesige Markung.
Hinternah besitzt in Äckern 1263, an Wiesen 421, an Waldung 26 und an Gärten 20
Magdeburger Morgen (ein Morgen sind allgemein ungefähr gleich 25 Ar).
Südwestlich, zehn Minuten von Hinternah, liegt Rindermannshof, am Ausgang des
Sachsengrundes, der ebenfalls früher im Besitz der Komturei in Schleusingen war.
Dies Gut wurde bis 1832 von einem Pächter bewirtschaftet. Es fanden sich bis zu
dieser Zeit einige unansehnliche Häuser. Ein Arm der Nahe, der sein Wasser
Schleusingen zuführt, floß in einer Krümmung nahe bei den Gebäuden vorüber, bis
dieses Gewässer 1839 beim Neubau der Kunststraße seine gegenwärtige Richtung
erhielt.
Im Jahre 1832 kaufte Andreas Frühauf, zuvor Schultheiß in Rappelsdorf, dies Gut für
3000 Reichstaler von der Herrschaft. Er ließ die alten Gebäude niederreißen und
baute an deren Stelle ein neues, zwei Stockwerk hohes, mit Schiefer belegtes stattliches
Gebäude auf, welches er mit dem Namen: „Deutsches Haus“ belegte.
Dies Hauptgebäude besitzt einen sehr geräumigen Hof, welcher von drei Seiten nach
Norden zu mit Wirtschaftsgebäuden umgeben ist. Vor dem Hause nach der Kunststraße
zu legte derselbe einen schönen Garten mit verschiedenen Lauben an, der
bald nach seiner Entstehung ein besuchter Ort der Schleusinger war. An den Abhängen
umher schuf er Terrassen, pflanzte viele Obstbäume und legte eine Fichten- und
Lärchenwaldung an. Neben den Gebäuden ist ein kleiner Fischteich, der sein Wasser
aus dem bei ihm befindlichen, von Frühauf angelegten Brunnen empfängt. Dieser
Gasthof besitzt eine eigene Brauerei. Die daselbst angelegte Kegelbahn gerät allmählich
in Verfall.
Häuser gegenüber Pfarrhaus
1885 Turmknopfurkunde Schleusingerneundorf
Schleusinger Neundorf zählt 549 Einwohner und zwar 281 männlichen und 268 weiblichen
Geschlechts. Es sind 348 Einwohner konfirmiert, 117 sind schulpflichtig und
84 sind noch nicht schulpflichtig. Von den 177 Schülern sind 55 Knaben und 62
Mädchen. Sie werden seit 1. Oktober 1868 von dem Lehrer Leonhard Richard Stoll
unterrichtet. Seine Vorgänger hießen Hesse, Meßer, Lange, Pfeier, Wunderlich,
Fickwirth, Schmidt.
Der Ortsvorstand (die Ortsbehörde) in Schleusingerneundorf besteht 1885 aus dem
Schulzen, nämlich Geschirrhalter Ludwig Schmidt, und zwei Schöppen (Schöffen,
Gemeindeverordnete), nämlich Kistenmacher Adam Herrlein und Mühlenbesitzer
Ferdinand Hofmann.
Vorgänger des 1870 gewählten Schulzen waren Johannes Hartleb, Georg Blaurock,
Bernhard Gottfried Gleichmann, Heinrich Schmidt.
Von den erwachsenen Einwohnern sind 35 Glasmacher, 23 Handarbeiter, 22 Zimmerleute,
18 Holzhauer (Oberholzhauer ist Gottfried Domhardt), 17 Maurer, 16
Dienstmädchen von außerhalb, 8 Kistenmacher, 8 Porzellanarbeiter, 8 Böttcher (Nebengewerbe),
5 Geschirrhalter, 5 Glaskünstler, 3 Geigenmacher, 3 Wagner, 3 Dielenschneider,
3 Weber, 3 Hausschlächter (2 Nebengewerbe), 2 Schmiede, 2 Kienrußhändler,
2 Wirte, 2 Köhler, 2 Müller (darunter ein Bursche), 2 Mägde (hier im
Dienst), 1 Chaussearbeiter, 1 Hirte, 1 Fleischbeschauer (Nebengewerbe). Die Zahl
der Witwen beträgt 20. Mit besonderen Gebrechen sind 3 behaftet (1 blind, 1 blödsinnig,
1 epileptisch).
Die Einwohner bilden 102 Familien, die in 67 Häusern wohnen. Die letzte Feuersbrunst
am 11. August 1876 zerstörte ein Wohnhaus nebst Scheune und Nebengebäuden.
Ein Pflichtfeuerwehr - zur Zeit aus 108 Mann bestehend - wurde 1877 errichtet.
Sie setzt sich zusammen aus einem Brandmeister (R. Stoll), 1 Obersteiger
(Friedrich Schmidt), 12 Steigern, Druck- und Absperrungsmannschaften, 8 Feuerläufern
und einem Hornisten. Die alte Spritze trägt die Jahreszahl 1826. Die Abprotzund
Saugerspritze mit etwa 160 Meter Schlauch kaufte die Gemeinde 1877 für 1.080
Mark.
Sieben Personen gehören zum stehenden Heer. Von den Einwohnern sind überhaupt
34 Soldaten gewesen. Davon waren im Felde: im Jahre 1848 waren es 3
Mann, im Jahre 1866 waren es 8 Mann, im Jahre 1870/71 waren es 13 Mann. Den
Kriegerverein bilden 31 gewesene Soldaten, deren Hauptmann der Schulze Schmidt
ist.
Ein zweiter Verein ist der am 8. Januar 1872 gegründete zur Zeit sehr schwach
besetzte Gesangverein (Dirigent Lehrer Stoll). Das Musikkorps - vom Schöppen
Adam Herrlein gegründet und dirigiert - feiert im November 1884 sein 25jähriges Jubiläum.
Die Chaussee Ilmenau - Schleusingen wurde 1839 erbaut. Während des Winters
fahren zwei, während des Sommers vier Personenposten (Postbusse) durch den
hiesigen Ort. Die Posthilfsstelle besteht seit dem 17. Mai 1882. Der jetzige Förster ist
Franz Dunkelberg (seit 1. April diesen Jahres). Frühere Förster waren Jünemann,
Gorges, Freund, Gaßnann.
Viehbestand: 115 Rinder, 144 Ziegen, 13 Bienenstöcke mit italienischen Bienen.
Preise notwendiger Lebensmittel: Ein Zentner Roggen 8 Mark, ein Zentner Weizen 9
Mark, ein Zentner Gerste 7,50 Mark, ein Zentner Hafer 7 Mark, ein Zentner Brotmehl
11 Mark, ein Zentner Weizenmehl 14 Mark, 1 Liter Milch 15 Pfennige, ein Liter Bier
20 Pfennige, ein Schock Eier 3 Mark, ein Pfund Butter 1 Mark, ein Pfund Rindfleisch
60 Pfennige, ein Pfund Schweinefleisch 60 Pfennige, ein Pfund Hammelfleisch 60
Pfennige.
Schleusinger Neundorf , den 15. September 1885: R. Stoll, Lehrer
Gasthaus
Krieg von 1866
In die Vakanzzeit der Gemeinde im Jahre 1866 fällt der Krieg zwischen Preußen und
Österreich, mit dem es die meisten Fürsten der deutschen Länder hielten. Auch
Bayern und Sachsen-Meiningen drangen von Bayern aus gegen unsere preußische
Enklave Suhl-Schleusingen vor. Nach Hinternah hatten die Bayern Ende Juni 1866
bloß einen Proviantmeister entsandt, der Vieh zum Vorspann auftreiben sollte, aber
keines bekam. Weil die Hinternaher aber fürchteten, daß diese Feinde auch hierher
kommen und sie berauben würden, so flüchteten sie mit ihrem Vieh in die Berge.
Aber die Bayern waren schlecht in der hiesigen Gegend orientiert und suchten die
Vereinigung mit den Hannoveranern, die am 27. Juni bei Langensalza geschlagen
wurden. Sie verschwanden aber alsbald wieder Richtung Erlau wie die Raupen, die
der damalige Schultheiß Amarell von Silbach auf dem Acker in denselben Tagen
kommen und verschwinden sah. Erwähnenswert ist, daß aus dem ganzen Kirchspiel
in den Kriegsjahren 1864, 1866 und 1870 kein Soldat gefallen ist. Deshalb gibt es
auch kein Kriegerdenkmal in Hinternah [Es folgt jetzt eine Aufzählung und Beschreibung
der Kriegsteilnehmer und Erlebnisse des Pfarrers Ebbinghaus im Krieg
1870/71].
Musketiere
Eisenbahnbau
Der Eisenbahnbau hatte wohl schon im Jahre 1901 den Anfang der hiesigen Flurbereinigung
veranlaßt, wobei sich aber die Grundbesitzer spezielle Abfindungen eines
jeden Eigentümers mit der Bahnverwaltung betreffs der Wiesen, durch die die Bahnlinie
gehen soll, vorbehielten. Am 8. Februar 1902 war die Verhandlung des Landinspektors
Bulle mit der Gemeinde Hinternah, wobei besonders die Bahnübergänge
neu geregelt wurden. Der ursprünglich geplante Übergang vor dem Pfarrhaus durch
Kummers Scheune wurde aufgehoben und zwei andere dafür festgehalten (bei der
Schulzenwohnung und beim Nahetal).
Die Eröffnung der neuen Bahnstrecke fand zunächst zur Zeit der Stützerbacher Kirmes
am 18. Juli 1904 statt. Endlich kam auch die große Lokomotive für die Gebirgsbahn
in Schleusingen an, so daß die endgültige Eröffnung am 31. Oktober stattfand.
Der Hinternaher Pfarrer stieg in Hinternah zu.
Selbst der Eisenbahnminister von Ludek war gekommen und wurde mit dem Festzug
in Stützerbach abgeholt, wo ihn Landrat Wagner begrüßte. Der Minister hielt dann an
jeder neuen Station eine Ansprache: In Hinternah an den versammelten Kriegerverein,
in Schleusingerneundorf an die Schuljugend, die der Kantor Hall nachher fragte:
„Wißt ihr auch, wer heut mit euch geredet hat? Das war der Herr Eisenbahnminister!“
Die die neue Schule in Schleusingerneundorf soll erst im März 1905 eröffnet werden.
Ebenso wartet die neu entstandene Glasfabrik auf die Eröffnung. Sie ist teilweise auf
die Pfarrwiese erbaut. Das Kapital für den Verkauf bringt dreimal so viel Zinsen wie
die Summe für die Verpachtung ausmachte.
Auch in der Besetzung der Oberförsterei fand ein Wechsel statt, nachdem Herr
Krause im Frühjahr als Forstrat nach Hildesheim versetzt war. Der frühere Oberförster
von Erlau, Herr Schilling, der einige Jahre in Tokio gewesen war, bewarb sich als
Forstrat von Stettin aus darum und erhielt sie. Er kam aber erst im Juli in Hinternah
an und wurde ab dem 1. Oktober auch Amtsvorsteher.
Schon vorher feierte der hiesige Schulze Adam Schilling mit seiner Frau Eva die goldene
Hochzeit, die wegen der Krankheit seiner Tochter auf eine häusliche Feier mit
dem heiligen Abendmahl beschränkt blieb.
Am Abend vor dem Totenfest waren hier, vielleicht mit der Eisenbahn, zwei unbekannte
Personen zugereist und im Nahetal abgestiegen, wo sie sich ein ruhiges
Zimmer erbaten. Am anderen Morgen fand man sie beide erhängt. Obgleich das
Grab für sie in der Selbstmörderecke des hiesigen Friedhofs gegraben war, wurden
sie doch nach der Universität Jena zum Sezieren überführt. Woher sie stammen,
weiß bis jetzt niemand. So bringt die neue eröffnete Bahn allerlei mit sich. Und wenn
unsere Landleute nun reisen lernen, reisen sie auch ihrem wahren Glück und Heil
entgegen?
Turmknopfurkunden 1885
Von den früher hier existierenden Weinhandlungen besteht nur noch die Firma des
Herrn I. G. Gleichmann. In Christian Schmidt und Sohn ist noch ein schwaches Abbild
der früheren großen Fuhrunternehmer erhalten. Durch die bei Erbschaftsteilung
immer größer gewordene Zersplitterung der Bauerngüter ist der eigentliche Bauernstand
im Schwinden begriffen und sind an dessen Stelle die Handwerker, Fabrikarbeiter
und Holzhauer getreten. Im Dorfe Hinternah sind drei Schankwirtschaften und
drei Kaufläden, Schleusingerneundorf hat zwei und Silbach eine Schankwirtschaft.
Verzeichnis der Steuerbeiträge aus den einzelnen Ortschaften der Parochie Hinternah
1885.
Ortschaft Seelenzahl Steuerpflichtige
Steuer Bemerkungen
Hinternah
816
12
Klassensteuer 207 M,
Einkommensteuer 252
M
Es wohnen in der Parochie
keine Juden,
von Katholiken nur
ein Förster mit seiner
Familie
Neundorf 549 3 Klassensteuer 27 M.
Silbach 111 - -
Die Zahl der Schulkinder beträgt: 204
davon gehören 177 nach Hinternah und 27 nach Silbach. Der hiesige Kriegerverein
zählt 55 Mitglieder. An den letzten 3 Feldzügen waren von Hinternah beteiligt.
1864 2 Mann
1866 17 Mann, von denen 3 verwundet wurden
1870/71 19 Mann, von denen 1 verwundet wurde.
Beim stehenden Heere dienen z. Zt. 11 Mann.
Kantoren und Lehrer sind Gustav Vonhof aus Weißensee (Thüringen) und Ludwig
Haage (Erfurt) in Hinternah, Richard Stoll (Suhl) in Schleusingerneundorf,
Königlicher Landrat zu Schleusingen war Herr Schotte, Königlicher Bau-Inspektor zu
Schleusingen war Herr Stoeks (Leiter des Kirchenreparaturbaus)
Königlicher Amtsvorsteher und Oberförster in Hinternah war Herr Schulz.
Die Ortsbehörden stellen sich folgendermaßen zusammen
Ortschaft Schulzen Schöppen
Hinternah Adam Schilling, Zimmermann
Friedrich Pfeufer, Tischlermeister
Jakob Witter, Oberholzhauer
Neundorf Ludwig Schmidt,
Geschirrhalter (Fuhrmann)
Adam Heerlein, Kistenmacher
Ferdinand Hofmann, Mühlenbesitzer
Silbach Friedrich Amarell,
Geschirrhalter
Eberhard Hanf, Bauer
Gottfried Hornawsky, Weber
Schulzenjubiläum 1900:
Der Schulze Schilling hat auch am 25. April 1900 sein Schulzen-Jubiläum gefeiert
und der Ortspfarrer am 5. Mai 1897 sein Amtsjubiläum. Bei beiden war große Beteiligung.
Von allen Seiten gingen Glückwünsche und Geschenke ein. Dem Herrn Schulzen
Schilling schenkte die kirchliche Gemeindevertretung zur Erinnerung an seine
25jährige Tätigkeit im Gemeindekirchenrat eine Bibel.
1905
Das vergangene Jahr war das erste, in dem die Bahn die Fluren der Gemeinde
durchschnitt, über die man nun mehr fährt als geht. Der Weg zum Bahnhof wurde mit
zwei Laternen beleuchtet, die mit Naphta gefüllt wurden. Die Dörfer werden jetzt industriell.
Zu der Fabrik in Hinternah, die im vergangenen Sommer bereits teilweise
abgebrannt war, ist eine neue in Schleusingerneundorf dazugekommen.
Bei der Volkszählung am 1. Dezember hatte sich Hinternah auf 1082, Schleusingerneundorf
auf 544, Silbach auf 105 Einwohner vermehrt, zusammen waren es 1731.
Vier Lehrerstellen sind besetzt. Die Schule in Schleusingerneundorf mußte schon in
Gebrauch genommen werden, ehe sie noch vom Ortsschulinspektor mit dem Spruch
Lukas 7,5 eingeweiht werden konnte.
In Hinternah wurde als neuer Schulze Ernst Hoffmann gewählt, der bisher schon
Fleischbeschauer war.
Wiewohl die Ernte nur mittelmäßig war, so war es doch ein gesundes Jahr, in welchem
nur 31 begraben wurden, während durchschnittlich in den zehn Jahren 42 Personen
starben.
1906
Ende Februar wurde die Silberhochzeit des Kaisers in Hinternah und in Schleusingen
gefeiert, wo im „Grünen Baum“ und in der Aula des Gymnasiums Festreden gehalten
wurden. In letzterem bestanden am 10. März zwei Hinternaher Jünglinge das Abiturientenexamen
und hängten ihre roten Mützen bei Nacht und Nebel an die hiesigen
Laternen, wo sie am Donnerstagmorgen den Bahnreisenden noch sichtbar waren.
Auch ein Aprilscherz eigener Art fand an einem Sonntag statt, der gerade auf den 1.
April fiel. Nach dem Kreisblatt sollte da dem hiesigen 1904 genannten Forstrat Schilling
von Japan ein Riesenaffe, genannt „Massekerl“, nachmittags 2 Uhr mit der Bahn
gesandt werden, den zu sehen viele gekommen waren, auch von Schleusingen. An
der auf diesen Nachmittag fallenden, sonst gut besuchten Konfirmandenprüfung
nahmen weniger Erwachsene teil und keine Aprilsnarren.
In Schleusingerneundorf ist jetzt auch von Herrn Heinz eine Glashütte errichtet, der
auch die Hütte in Hinternah zur Zeit des Bahnbaus errichtet hat und etwa 30 Familienväter
aus Hinternah hier beschäftigt.
Es war im vergangenen Jahr bei einer Mittelernte sehr schönes Erntewetter und ein
prachtvoller Herbst, in dem das Sedanfest mit den Schulkindern unter der Kaiserlinde
herrlich gefeiert wurde.
Dabei wurde öfters der trüben Zeit vor hundert Jahren in Thüringen, der verlorenen
Schlachten von Jena und Auerstedt (14. Oktober 1806) gedacht, wie auch dies Jahr
mit der Auflösung des deutschen Reichstages 13. Dezember trübe verlief.
1907
Die Neuwahl zum Reichstag, die im Februar hier doppelt (mit Stichwahl) stattfand,
fiel für die patriotischen Parteien günstig aus, obgleich der sozialdemokratische Kandidat
selbst in Schleusingerneundorf geredet und dort auch die meisten Stimmen
erhalten hatte. In Hinternah änderte sich, wie bei der vorigen Reichstagswahl, die
Stimmanzahl zugunsten des nationalliberalen Kandidaten bei der Stichwahl. In den
drei Dörfern wurden Wahlreden gehalten.
Am 16. März verunglückte in Hinternah der Zugführer Affendom aus Ilmenau an seinem
Geburtstag, wie auch am 28. Oktober Ludwig Hanf von Schleusingerneundorf
bei seiner Abfahrt vom Roten Berg.
In jedem der Dörfer hat es im vergangenen Jahr gebrannt. In Hinternah brannten die
benachbarten Häuser von Hergert und Döhler samt den Scheunen ab, in Schleusingerneundorf
das Wohnhaus von Roßteuscher, in Silbach eine Scheune des Wirts
Amarell.
Die hiesige zweite Schule, die vorher ein großes Bauernhaus gewesen ist, in dem
Jahrzehnte hindurch Schule gehalten wurde, ist im vergangenen Jahr umgebaut
worden zu einem zweiklassigen oder besser gesagt dreiklassigen Schulhaus, da die
untere Lehrerwohnung eventuell leicht als Klassenzimmer eingerichtet werden kann.
Jetzt wohnt darin die erste Lehrerin von Hinternah. Die Schulweihe fand am 10. November
durch den Herr Baurat von Schachburg und den Herrn Kreisschulinspektor
Müller aus Schleusingen statt, der hier auch als Superintendent am 12. Mai Kirchenvisitation
hielt.
1907
Im vergangenen Jahr gab es einen regnerischen Sommer, in dem das Heu kaum
eingebracht werden konnte. Seit 60 Jahren soll es im Juli nicht so viel geregnet haben.
Dann folgte ein prachtvoller Herbst mit dem schönsten Erntewetter, wie es auch
wohl lange nicht gewesen ist.
Am 6. Oktober fand im Nahetal eine Obstausstellung mit den herrlichsten Feldfrüchten
statt. Auch diese bewies die reiche Ernte, so daß dies Jahr zu den gesegneten
gezählt werden kann, wenn auch manch treue Arbeit im Wasser begraben ist.
1908
Was die Ernte dieses Jahr betrifft, so war die Heuernte besser als das Grummet. Das
Getreide mußte vielfach vor dem Regen weggestohlen werden, von dem (man) auch
böse Folgen für die Kartoffeln fürchtete, die aber doch gut gerieten. Auch Obst und
Waldfrüchte gab es reichlich.
Traurige Sterbefälle kamen vor, wie schon in der Neujahrsnacht ein Jüngling ermordet
wurde und im Sommer ein anderer nach dem Turnerfest auf dem Rade bei der
Rückkehr von Schleusingerneundorf verunglückte.
Außer dem genannten wurde auch ein Sänger- und Sedanfest bei der Kaiserlinde
gehalten.
Im Anfang des Jahres bildete sich in Schleusingen ein Henneberger Geschichtsverein
unter Leitung des Pfarrers Höhn in Wiedersbach, der zunächst einen Vortrag auf
der Kirchenkreiskonferenz gehalten hatte, dem ich dann auch einen über die Ortschronik
von Hinternah folgen ließ. Nach einem dort gehaltenen Vortrag ist im
30jährigen Kriege eine Schlacht in Silbach gewesen zwischen Isolani und Bernhard
von Weimar, der Gustav Adolf durch seinen Sieg den Weg nach Schleusingen bahnte,
wo Wallenstein und Richelieu mit diesem Schwedenkönig einen Bund gegen den
deutschen Kaiser machen wollten.
1909
Am 23. Juni 1909 wurde in dem 1904 neuerbauten Schulhause in Schleusingerneundorf
die dortige Dorfuhr mit Zeigern nach allen vier Windrichtungen aufgestellt
(?).
1910
Mit diesem Jahr schloß das erste Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, dessen einzelne
Jahre unsere Gemeinde durch den Bau von Eisenbahn und Fabriken und die Flurbereinigung
große Veränderungen gebracht haben. An neuen Straßen sind neue Häuser
gebaut. Auch die Einwohnerzahl hat zugenommen.
Das vergangene Jahr brachte uns auch Einquartierung im August. Als der Forstrat
Hungershausen aus Koblenz vom Pfarrhaus Abschied nahm, kehrte ein einjährig
Freiwilliger ein vom Telegrafen-Bataillon Koblenz, wo er mit Eberhard Hungershausen
dasselbe Gymnasium besucht hatte. Beide interessierten sich für diese Ortschronik,
ebenso der Sohn vom Pastor Röllig, der mit seiner Mutter, Frau und Schwester
hier einkehrte.
Das vergangene Jahr war im Sommeranfang naß, aber um die Erntezeit besser, so
(daß) das Erntedankfest vom schönsten Wetter begünstigt war und die Kirmesburschen
ihre Reden, die meist von der Einquartierung handelten, im Sonnenschein halten
konnten. Am ersten Advent lag Schnee, worauf grüne Weihnachten folgten.
Zu dem reichen Obstjahr fand wieder eine Obstausstellung am 2. Oktober im Nahetal
statt.
Hinternah hat 166 Wohnstätten und 234 Haushaltungen und 1168 Einwohner.
Schleusingerneundorf hat 86 Wohnstätten mit 138 Haushaltungen und 642 Einwohnern.
Silbach hat 18 Wohnstätten mit 19 Haushaltungen und 102 Einwohnern.
1911
Bei der Kirchenvisitation wurde mitgeteilt, das seit dem Bahnbau in Hinternah und
Schleusingerneundorf (so muß es nach amtlicher Verordnung jetzt geschrieben werden,
wonach selbst das Schulzensiegel berichtigt ist) etwa 26 neue Wohnhäuser gebaut
sind. Ähnlich wird nun jetzt die Industrie auf der Bahnstrecke Suhl - Schleusingen
zunehmen, die am 10. November 1911 eröffnet wurde.
Das Jahr 1911 war sehr heiß, so daß das Grummet auf den Wiesen rot aussah und
kaum zu mähen war. In der Schweiz, wo Pfarrer Ebbinghaus etwa fünf Wochen lang
war, fingen in der Mitte des Jahres sogar die Gletscher an zu schmelzen.
Die Kornernte war gut, während Obst und Kartoffeln hier schlechter gediehen und
von Waldfrüchten kaum die Rede war. Auch war ein Erdbeben Anfang November,
wo wir es hier im hiesigen Pfarrhause deutlich beobachteten, nachts 11 Uhr. Auch
war in der ganzen Parochie Maul- und Klauenseuche.
In Schleusingerneundorf wurde eine Kleinkinderschule eröffnet, sowie auch ein Sparund
Vorschußverein dort und in Hinternah begründet wurde, ebenso hier ein Ortsausschuß
für Jugendpflege.
1912
Im Gegensatz zu dem vorhergehenden gehörte dieses Jahr zu den nassen, wo Gott
vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gab, auch das Korn war gut geraten, kam
aber schlecht ein, da es während der Erntezeit wochenlang regnete. Das Einfahren
am Sonntag war eine Werk der Not, so daß der Kriegerverein selbst die beabsichtigte
Sedanfeier ausfallen ließ, die auf den Sonntag fiel. Hingegen sind die Kartoffeln so
groß geworden, wie nicht seit Menschengedenken, so daß man pfundschwere auf
die Ausstellung bringen konnte, die auch hier stattfand. Schade nur, daß bei einem
frühen Nachtfrost viele, noch nicht ausgegraben, erfroren.
Auch war das Jahr so gesund, daß nur 27 gestorben sind, unter welchen noch drei
Selbstmörder waren.
Anfang des Jahres war hier eine Kochschule, welche fast ein Dutzend Mädchen unter
Leitung von Fräulein Griese besuchten. Auch wurde mit Genehmigung des Patronats
ein neuer Küsterbrunnen als Pumpe zwischen Kirche und Schule angelegt.
Nach dem Ausbruch des Balkankriegs herrschte auch hier große Furcht, daß ein
Krieg ausbrechen möchte, wovor Deutschland aber Gott sei Dank bewahrt geblieben
ist, so daß es nun über vier Jahrzehnte Frieden gab.
1913
Das vergangene Jahr war ein Jubiläumsjahr der Freiheitskriege, zu deren kirchlichen
Festtagen sich wiederholt die Kriegervereine von Hinternah und Schleusingerneundorf
in der hiesigen Kirche versammelten, nämlich an den Sonntagen, die dem Stiftungstag
des Eisernen Kreuzes und der Völkerschlacht bei Leipzig am nächsten lagen.
Zum Gedächtnis des Letzteren wurde am 18. Oktober hier auf dem Mühlberg,
wie auf anderen Bergen, ein Feuer angezündet.
1914
An das Jubiläumsjahr 1913 schloß sich dies Kriegsjahr an, woran man in der ersten
Hälfte desselben kaum gedacht hätte. Wohl war schon die Wehrsteuer bezahlt und
am 1. Mai in Hinternah ein Blumentag mit Aufführungen des Roten Kreuzes gehalten,
an welchem in Hinternah über 170 Mark einkamen.
Nachdem Österreich nach dem Attentat von Sarajevo, dem sein Kronprinz zum Opfer
gefallen war, an Serbien den Krieg erklärt hatte, rüstete auch Rußland, worauf der
deutsche Kaiser am 1. August mobil machte, wie auch Frankreich, dessen Soldaten
bei Mühlhausen zurückgeschlagen wurden. Beim Sturm auf ein Dorf am 4. August
fiel der Fahnenjunker Hedenus aus Schleusingen (als einziges Kind der Familie). Am
selben Tag bewilligte der deutsche Reichstag einstimmig 5 Milliarden Kriegskredit.
Der Kriegerverein versammelte sich schon am Sonntag, seinen Führer Friedrich Hanf
und Eduard Hartung zu begleiten, die Pferde fortbrachten und für kurze Zeit wieder
heimkehrten. Die anderen Krieger wurden gewöhnlich, früh 4 Uhr, nach dem Kriegsfahrplan
mit Musik hinaus begleitet. Am 7. August wurde Lüttich erstürmt, von wo der
Sohn des Pfarrers am 13. August schrieb: „Wir haben heute Fort Lafontaine erobert
nach anstrengenden Märschen in den letzten Tagen und Nächten. Später, am 21.
August erst, Waterloo, marschieren jetzt nach Frankreich.“ Hier hatten ungarische
und deutsche, nämlich der bayerische Kronprinz bei Metz, gesiegt, worauf hier am
22. August die Glocken geläutet wurden.
Am Sedantag wurde telegrafiert, daß die Franzosen zwischen Reims und Verdun
zurückgeworfen seien, und der Kaiser selbst sich während des Gefechts bei der Armee
des Kronprinzen befand und in der Nacht bei den Truppen verblieb. Ebenso hat
er nach einem siegreichen Gefecht seines Sohnes Oskar zu den Königsgrenadieren
gesagt: „Alle diese Siege verdanken wir dem alten Gott!“ Aber sie forderten auch
große Opfer, so daß man Mitte September etwa 14.000 Gefallene zählte. Anfang
Oktober vielleicht so viele, wie bei Gravelotte gefallen sind (26.000). Von Hinternah
ist Oskar Gleichmann am 11. August in Ostpreußen durch einen Kopfschuß gefallen,
wo 150.000 Russen gefangengenommen oder in die masurischen Seen getrieben
wurden, nachdem sie die halbe Provinz verwüstet hatten.
Für die Beraubten wurden hier und in Schleusingerneundorf Kleider und Wäsche ans
Landratsamt abgeliefert mit der Aufschrift: „Für Ostpreußen!“ Auch wurden den hiesigen
Frauen der Krieger durch die Gemeindevorsteher Geld gegeben, wöchentlich 12
Mark und 6 Mark für jedes Kind. Auch blieb die hiesige Glashütte bis jetzt in Betrieb,
während sonst große Arbeitslosigkeit herrschte.
Vom westlichen Kriegsschauplatz kehrten mehrere Verwundete zurück, wie der frühere
Briefbote Haueisen, Gustav und August Pfeufer, die von ihren Kämpfen in der
Armee der Kronprinzen bei Verdun erzählten.
Aus dem Lazarett zu Hildburghausen besuchte Fritz Schmidt seine Eltern. Ein
Freund des Sohnes des Pfarrers sandte eine Schilderung der Schlacht von St. Quentin,
an der er am 29. August persönlich teilgenommen hatte, wo sein Kamerad an der
Rechten durch einen Kopfschuß getötet und ein anderer von einer Granate zerrissen
wurde.
Bald darauf wurde er selbst in Origny, wo er als erster seines Regiments Nr. 13 über
die lange Brücke gegangen, durch eine Schrapnellkugel am Fuß verwundet, konnte
aber mit der Hand noch Briefe an die Angehörigen der Gefallenen schreiben, wie
auch obigen Schlachtbericht am 9. September.
Die Bedeutung des Sieges von St. Quentin geht daraus hervor, daß hier vier französische
Armeekorps und drei französische Reservedivisionen gegen Deutschland im
Feld gestanden haben, wodurch sie die einkreisenden Stellungen der Deutschen
durchbrechen wollten, aber trotz überlegener Kräfte zurückgeschlagen wurden, worauf
der Sohn schließt: „Dankbar sehen wir zum Sternenhimmel auf, zum allmächtigen
Lenker der Schlachten. Gott gab uns heute den Sieg.“
Im September ist nach der Eroberung Antwerpens von den deutschen Truppen der
größte Teil Belgiens bis Ostende eingenommen, der Yserkanal überschritten, Lille
erobert, worauf jetzt Belgier und Engländer bei Hirngant, Dixmude, und Dünkirchen
großen Widerstand leisten. Vor Paris besteht mehr der Kampf in einem Festungskrieg,
worin Campt des Charrnains genommen ist. In dieser Gegend ist der hiesige
Bauunternehmer Emil Stöcklein gefallen. Andere, wie Höhn und Heinrich, liegen im
Osten, schwerverwundet oder sind in Gefangenschaft, wie Amarell aus Silbach. In
Schleusingerneundorf ist einer schon zweimal verwundet und einem anderen, Hoffmann,
die Hand abgenommen. Im Lazarett zu Schleusingen werden auch hiesige
Leichtverwundete (Gustav Pfeufer) gepflegt.
Kantor Vonhof und Stoll haben hier Kartoffeln (20 und 10 Zentner gesammelt und
hingebracht. Auch der Frauen- und Jungfrauenverein stricken fleißig Strümpfe und
Pulswärmer, die den Streitern im Felde bzw. dem Landratsamt zugeschickt werden.
Auch sind Arbeiter, 60 von Schleusingen, die Hälfte von Hinternah, nach Ost und
Westpreußen gefahren, um Befestigungen gegen den Einbruch der Russen anzulegen.
Diese stehen noch in Galizien (Lemberg), wurden aber bei Przemysl zurückgeschlagen.
Die Deutschen sind bis Warschau vorgedrungen, das sie belagern.
Am Totenfest wurde - wie wohl überall im deutschen Vaterlande - der treuen Toten
gedacht, die auf dem Felde der Ehre gefallen sind, wozu außer den zwei schon genannten
noch der hiesige Glasmacher Berthold Geyer nach einem Feldpostbrief gefallen
ist und zwar in Rußland. Generalfeldmarschall von Hindenburg hat dort 60.000
Gefangene gemacht. Zu denen kommen noch 30.000 in Österreich hinzu.
Einen neuen Bundesgenossen haben wir in der Türkei bekommen, wo der Sultan
alle Muselmanen, die er auf 300 Millionen schätzt, zum heiligen Krieg gegen Rußland,
England und Frankreich aufgefordert und in dem Weltkrieg ihre Übermacht von
uns ablenkt, durch welche namentlich die Russen immer wieder in Deutschland einzufallen
suchen. Weil man fürchtete, daß sie auch deutsche Jünglinge in ihr Heer
einstellten, wurden diese von Schlesien zu uns geschickt und auch in Hinternah einquartiert.
Sie machten sich als Gesellen eines Schneiders und Schuhmachers nützlich,
wie auch ein im Pfarrhaus einquartierter Schwanenberger häusliche Geschäfte,
wie Holz machen und hintragen, mit besorgte.
Am 8. November ist von hier noch der Inhaber des Eisernen Kreuzes, Ernst Schmidt,
Sohn des Landwirts Friedrich Schmidt, in Belgien (Ostawan) gefallen, nachdem er
zuvor in der Bayerischen Armee, in der er auch gedient und bei Ypern gekämpft hatte.
Er war Unteroffizier der Reserve im 5. Bayerischen Infanterieregiment und Bankbeamter
in Schleusingen und Erfurt. Mit den beiden Genannten (?) wurde zugleich
Ernst Zehner (Glasmacher) als gefallen abgekündigt. Nach einer Feldpostkarte vom
östlichen Kriegsschauplatz, wo vermutlich auch noch zwei Schwerverwundete (Heinrich
und Höhn) gestorben sind, so daß hier schon sieben den Heldentod für König
und Vaterland erlitten. Im Dezember wurde festgestellt, daß der Glasmacher Friedrich
Höhn zu Roggenwalde am 12. September in Ostpreußen gefallen ist.
1915
Ein Jahr liegt hinter uns, daß in seiner letzten Hälfte bei diesem Weltkrieg Millionen
Opfer gefordert hat. Man hat die Verluste unserer Feinde über drei bis vier Millionen
geschätzt, aber auch die deutschen auf 600.000, von denen wohl über 100.000 gefallen
sind, wie in der Völkerschlacht bei Leipzig überhaupt.
Außer den von Hinternah bereits genannten Gefallenen wurde auch von der Kanzel
den Hüttenarbeiter Franz Heinrich abgekündigt, der mit Friedrich Höhn zusammen
verwundet und weggebracht ist, ohne daß seine Mutter je wieder etwas von ihm gehört
hat. Auch in Schleusingerneundorf ist nun als Erstgefallener der Reservist Louis
Hoffmann abgekündigt, der am 12 Dezember 1914 auf einem Schlachtfeld in Rußland
(Wyapfa) den Heldentod für das Vaterland erlitten hat. Er hatte mit seinen Eltern,
Frau und Brüdern noch das Abendmahl genommen, von denen einem anderen
in Berlin eine Hand abgenommen worden ist, worauf er in das Lazarett zu Schleusingen
kam.
Im Januar war vom 18. bis 24. eine Reichswollwoche, wo von Hinternah zirka 20
Säcke und auch von Schleusingerneundorf nach Schleusingen eingeliefert wurde.
„Hoffentlich hat diese Maßregel auch schon in den unmittelbar darauffolgenden kalten
Tagen unseren Soldaten geholfen, daß weniger erfroren sind.“
Der Sohn des Pfarrers, der inzwischen zum Leutnant des Infanterieregiments
Herrmarthen Bitterfeld befördert ist, mußte nach der Genesung von seiner Fußwunde
fünfzig Stunden lang im ungeheizten Eisenbahnwagen bis Lille fahren, wo er jetzt im
Schützengraben bei La Baßee steht im Kampf mit den Engländern, während ein
Schwiegersohn bei Nouabel gegen die Franzosen, ein anderer gegen die Russen
kämpft. Auch der Herr Forstrat Schilling, der in Belgien gestanden, kehrte aus seinem
Schützengraben krank auf einige Tage zurück und ist jetzt in der Klinik zu Jena.
Auch der Älteste Eduard Hanf, der schon nach Rußland geschickt ist und Herr
Schulze Ernst Hoffmann wurden Ende Januar einberufen, so daß nun der Schöffe
Theodor Gleichmann das Schulzenamt zu versehen, während Kantor Vonhof das
Standesamt von ihm übernommen hat.
Am 27. Januar, einem Mittwoch, feierten wir Kaisers Geburtstag, der ein Vierteljahrhundert
lang als Friedenskaiser gepriesen war, aber jetzt als siegreicher Kriegsheld
nach Psalm 20 und 21 dasteht. Ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, wie die
Russen, deren Übermacht an den masurischen Seen gebrochen wurde durch den
Generalfeldmarschall Hindenburg. Ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums,
wie die Engländer, die im Bunde mit Belgien und Frankreich, Deutschland zu bekriegen
gedachten und den Deutschen Böses zu tun, damit sie Nutzen daraus ziehen.
Gott sei Dank, der unser deutsches Vaterland vor ihrem Einfall bewahrt hat.
Am 21. Februar wurde auf kaiserliche Anordnung ein Dankgottesdienst für die Befreiung
Ostpreußens von den Russen gehalten. „Gott helfe uns weiter in diesem
furchtbaren Weltkriege, der nun schon ein Jahr gedauert hat!“ schreibt der Pfarrer. In
Hinternah und Schleusingerneundorf sind schon über 20 Pfund Verbandmull für die
Verwundeten gezupft worden. In Hinternah zupften die Frauen und Jungfrauen im
März im Speisesaal der hiesigen Glashütte, wobei sie 35 Pfund für das Tote Kreuz
sammelten.
Im März sind wieder zwei Hinternaher Helden gefallen, Adolf Widder (Witter), geboren
am 6. Januar 1894, ist am 17. März bei Lissi in Rußland verwundet und dort im
Lazarett gestorben am Rückenmarksleiden. Ferdinand Domhard fiel durch einen
Kopfschuß am 15. März bei Stolniki im Alter von 21 Jahren.
Der Unteroffizier Adolf Schmidt aus Schleusingerneundorf, geboren den 2. Dezember
1893, Ritter des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse, weil er seinen Major aus
dem Schützengraben wieder herausgegraben und heimgetragen, bekam zu Ostern
Urlaub, wo er am 5. April Hedwig Schmidt heiratete. Kaum zurückgekehrt nach Verdun,
starb er schon am 9. April den Heldentod im Schützengraben und wurde auf
den dortigen Homiller Friedhof begraben. Ehre seinem Andenken.
Von Silbach ist Ludwig Hanf am 24. April des Jahres als Jäger bei St. Julien gefallen,
nachdem sein Vater gestorben, seine Mutter wieder geheiratet hatte, wo er als
Glasmacher, der zuletzt in Ilmenau arbeitete, bei seinem Großvater Eberhard Hanf,
Landwirt in Silbach (wohnte), und fiel im Alter von 21 Jahren.
In demselben Alter ertrank der Musketier Hermann Willy Pfeufer, einziger Sohn des
hiesigen Landwirts Richard Pfeufer, am 8. Juni bei Werwicg in Belgien beim Baden,
weil er beim Schwimmen an eine gefährliche Stelle geraten ist.
Aus Silbach ist Herrmann Gustav Amarell schon am 20. August 1914 in der Lothringer
Schlacht gefallen als Musketier, jetzt aber erst als solcher dem Standesamt angezeigt.
Die Mutter hoffte die ganze Zeit, daß er nur gefangen wäre, obgleich sie keine
Nachrichten von ihm erhielt.
Am 1. Juli fiel Gottfried Karl Höhn bei Lipzniki in Polen an einem Schrapnellschuß,
der in seinen Leib drang. Er war der einzige Sohn des hiesigen Zimmermanns Wilhelm
Höhn und seiner Ehefrau Lisette geborene Hartleb, und stand im Alter von 25
Jahren (geboren den 20. August 1889).
Der Glasmacher Ernst Geyer, hier geboren am 26. Oktober 1890, ist bei Rukajcie in
Rußland (Kurland) an beiden Beinen und der linken Hand verwundet und tot am 24.
Juli an das Lazarett eingeliefert (worden). Er war ein Schwager des gefallenen Franz
Heinrich und seine Frau war nach seiner Einberufung von Schmiedefeld zu ihrer Mutter
hergezogen.
Am 1. August wurde unter Glockengeläut zugleich von der Kanzel abgekündigt Oskar
Herrmann Pfütsch, der an demselben Tage als erster unter den Gefallenen auf
dem hiesigen Friedhofe im Alter von 21 Jahren 4 Monaten und 21 Tagen begraben
ist. Er war Füsilier der 12. Kompanie im Kaiser Alexander Garde Grenadier-Regiment
1, der Sohn des hiesigen Schneidermeisters Johann Pfütsch, bei dem er das
Schneiderhandwerk erlernt hatte. Am 2. Mai erhielt er in Westgalizien einen Kopfschuß,
mußte 7 Wochen im Lazarett in Passau liegen, worauf er in das Georgenkrankenhaus
in Meiningen kam, die Eltern vor acht Tagen noch einmal besuchte und
am 29. Juli früh vier Uhr dort starb. So zählen wir im ersten Kriegsjahr vierzehn Gefallene,
deren in der Leichenrede gedacht wurde, zehn von Hinternah, zwei von
Schleusingerneundorf und zwei von Silbach.
Am 8. August wurde der Heldentod des Försters Friedrich Thiergart, Feldwebel-
Leutnant und Ritter des Eisernen Kreuzes, abgekündigt, der bei einem Sturmangriff
in Rußland am 3. August gefallen ist. Dabei wurden die Glocken geläutet. Er hinterließ
eine Frau und drei Kinder, die sich bei den Schwiegereltern in Ostpreußen aufhalten.
Der Landsturmmann Franz Herrmann Ritter, der hier mit Erna Schubert am 3. April
des Jahres getraut war, fiel am 2. August in Rußland am Narew.
Der Musketier Louis Eduard Hoffmann, Sohn des Porzellanarbeiters Ferdinand
Hoffman in Schleusingerneundorf und der dortigen Hebamme Emma geborene
Blaurock, starb am 15. September den Heldentod in Rußland im Alter von 21 Jahren,
5 Monaten und 12 Tagen.
Der Jäger Erich Annemüller, Glasmacher in Schleusingerneundorf, einziger Sohn
von Gottfried Annemüller, daselbst, fiel im Alter von 22 Jahren und drei Tagen bei
der großen feindlichen Offensive in der Nähe von Arras bei Anchy, wo er auf dem
Friedhof dort begraben ist.
Der Musketier Alfred Pfeufer, Sohn der hiesigen Witwe Emma Pfeufer, fiel am
25.Sept.
Der Gardepionier Ernst Müller fiel am 9. Oktober im Osten im eben vollendeten 29.
Lebensjahre bei einem Gefecht der 3. Pionier- Kompanie der Garde westlich Lens.
Der hiesige Lehrer Paul Schollmeyer, gebürtig aus Mühlhausen in Thüringen, Gefreiter
in einem Infanterieregiment, Maschinengewehrkompanie, fiel infolge eines Kopfschusses
in dem Gefecht bei Loos am 13. Oktober im 28. Lebensjahr. Er hatte mir
noch kurz vorher aus dem Felde geschrieben, wie sein hiesiger Kollege dort von den
Engländern gefangengenommen worden sei, dieselben die deutsche Losung gerufen
hätten: „Gott strafe England !“
Der Grenadier Gustav Pfeufer, Sohn der hiesigen Luise Pfeufer, wurde am 29. September
im Westen mit Granatverletzungen verwundet, an denen er am 27. Oktober
starb und auf dem Friedhof des Lazaretts Henin-Litard beerdigt wurde. Er war 21
Jahre alt.
Pfarrer Blaus Schilderung der Kriegszeit
Die Stimmung in der Gemeinde war in den verschiedenen Jahren des Krieges recht
verschieden, aber im Ganzen doch stets der Stimmung gleich, die im ganzen Vaterlande
herrschte. Stolz und siegesbewußt waren die Truppen ausgezogen. In der ersten
Zeit wurden die zum Heeresdienst Einberufenen mit Musik jedes Mal früh um fünf
Uhr nach dem Bahnhof begleitet. Wohl waren manche, vor allem die Mütter, voll
banger Sorge, doch die vaterländische Begeisterung überwog und riß alle mit fort.
Später machte die Begeisterung einer heiligen Entschlossenheit Platz, die alles wagte
und alles gewann. Je mehr Feinde sich auf der Gegenseite sammelten, umso gesammelter
wurde unsere Kraft. Die Stimmung schlug merklich um, als Rumänien in
den Kampf gegen uns eintrat. Zwar kam Verzagtheit im eigentlichen Sinne nicht auf,
aber man fühlte, daß das Geschick Deutschlands jetzt auf des Messers Schneide
stand.
Da kam Mackensens Siegeszug. Nunmehr setzte sich die Meinung fest, daß es uns
nicht mehr fehlschlagen könne. Mit guter Zuversicht verfolgte man die gewaltigen
Kämpfe im Westen. Durchhalten! wurde die allgemeine Losung; und nicht nur
Durchhalten bis zum Ende, sondern Durchhalten bis zum Siege. Der U-Bootkrieg
wurde entfesselt. Amerikas Haß war uns sicher - das wußte man, aber man hatte
nicht damit gerechnet, daß dieses Land so gewaltige Kriegsmittel gegen uns aufbringen
würde.
Unsere Kraft versagte; aber es war weniger die Front als vielmehr die Etappe und die
Heimat, die das eigene Grab grub. Es hat sich an unserem Volk auf das Bitterste gerächt,
daß man die Grundsätze des Vertrauens zusammenbrechen ließ und daß man
sein Handeln nicht von Klarheit und Wahrheit bestimmt sein ließ.
Das Bild des Dorflebens wurde während der Kriegszeit gegen früher wesentlich anders.
Der geschäftige Verkehr auf der Kreisstraße Schleusingen - Ilmenau hörte
ganz auf. Fuhrwerke, besonders auch Automobile, waren selten; Menschenverkehr
war nicht mehr vorhanden. Männer sah man kaum, da alle unter den Waffen waren.
Kein Wunder, daß es die Frauen schwer hatten, lag doch neben der Kindererziehung
die gesamte Haus- und Feldarbeit auf ihren Schultern.
Überall mußten ältere Kinder mit zugreifen. Vieh füttern, den Acker pflügen, mit dem
Gespann umgehen, wurde ihnen zur Gewohnheit. Häufige Schulversäumnisse waren
die unausbleibliche Folge.
Bei alledem ließ die Feldbestellung immer mehr zu wünschen übrig. Künstlicher
Dünger fehlte, die Viehhaltung machte vielen große Sorge. Gegen die zunehmende
Teuerung bildeten die Höchstpreise nur kurze Zeit einen wirksamen Schutz.
Schleichhandel und Wucher drangen bis ins kleinste Dorf. Verwirrung der sittlichen
Begriffe und Hand in Hand damit äußere und innere Verwilderung waren die Folge.
Im Jahre 1918 stahlen drei Schleusingerneundorfer Jugendliche, erst Ostern konfirmierte
Burschen auf offener Wiese einen Hammel des Fraubachmüllers und schlachteten
ihn heimlich im Wald.
Kriegsgefangene wurden nur wenige bei uns beschäftigt. Ein russischer Kriegsgefangener
war längere Zeit bei Otto Förster in Hinternah. Zehn italienische Kriegsgefangene
wurden im Schleusingerneundorfer Revier beschäftigt. Unterkunft und Verpflegung
erhielten sie in der Gleichmannschen Wirtschaft in Schleusingerneundorf.
Ein Kriegsgefangener von Frauenwald war entflohen und wurde durch Hinternaher
Holzhauer wieder eingefangen. Er wurde leider durch den bewachenden Landwehrmann
bei Schleusingerneundorf arg mißhandelt.
Große Belästigungen verursachten die häufigen statistischen Erhebungen und die
sich häufenden Bestandsaufnahmen von Kartoffeln, Getreide, Heu, Stroh usw. Die
vom Kommunalverband eingeforderten Mengen wurden fast nie vollständig abgegeben.
Die getroffenen Anordnungen verrieten oft genug mangelnde Sachkenntnis und
schürten die wachsende Verbitterung.
Als 1917 das Gespenst der Hungersnot drohte, wurden auch in Hinternah und
Schleusingerneundorf mehrfach Versammlungen abgehalten, um die Bevölkerung
aufzuklären. Auf Veranlassung des Landrats in Schleusingen hielt Pfarrer Blau aus
Hinternah auch am 13. und 15. April 1917 Versammlungen in Rohr und Dillstädt ab.
Die Bewegung „Stadtkinder aufs Land“ fand in den Gemeinden des Kirchspiels wenig
Widerhall. In Hinternah war nur 1917 nur ein Leipziger Mädchen, das zuerst im
Pfarrhaus und sodann einige Wochen bei Frau Langguth (Gasthaus „Zum Mühlberg“)
war. Bei Frau Fick war ein Neuköllner Junge untergebracht. In Schleusingerneundorf
waren sieben Leipziger Kinder, 1918 wurde der Versuch nicht wiederholt.
Einen großen Aufschwung nahm die Rüstungsindustrie. Die Simsonsche Fabrik in
Heinrichs vergrößerte sich außerordentlich, nicht minder die Suhler Gewehrfabriken.
Viele Hunderte aus den Ortschaften des Kreises fanden dort Beschäftigung. Auch
unsere Orte stellten eine größere Anzahl. Die Glashütten in Hinternah und Schleusingerneundorf
stellten den Betrieb ein. Die Glasarbeiter, die nicht zum Heer eingezogen
waren und die es nicht vorzogen in der Rüstungsindustrie zu arbeiten, gingen
nach Friedrichswerk in Raasen. Durch die Stillegung des Betriebes entging der Gemeindekasse
in Hinternah eine Einnahme von ungefähr 1000 Mark jährlich.
Die Nachkriegszeit
Ende 1918 wurde man überall an die heimkehrenden Krieger erinnert. In jedem Ort
waren Ehrenpforten errichtet worden mit der Inschrift: „Herzlich Willkommen!“ oder
„Willkommen daheim!“ usw. Hinternah hatte fünf Ehrenpforten gebaut, Silbach und
Schleusingerneundorf je drei. Es war ein ständiges Eilen zum Bahnhof, um die heimkehrenden
Krieger abzuholen. Oft genug wurden die Erwartungen getäuscht. Viele
Krieger hatte bei ihrer fluchtartigen Rückkehr mit ungeheuren Schwierigkeiten zu
kämpfen und entgingen mit knapper Not der Internierung. Die Truppen in der Ukraine
hatten besonders viel auszustehen. Die Heimkehrenden fanden freilich ein anderes
Vaterland, als sie es verlassen hatten. Der 9. November 1918 hat seine unaustilgbaren
Spuren zurückgelassen. Das Bewußtsein, in die Gewalt der Feinde gegeben zu
sein, andererseits aber die stolze Freude, sich nicht mehr unter der Herrschaft einer
besitzenden Klasse zu wissen, vielmehr über sich selbst zu bestimmen und die Zügel
der Regierung selbst in die Hand nehme zu können, ließ die Meinungen hin und her
gehen und verursachte einen unheilbaren Riß im Volk. Die Geschichtswerke, die
über diese Jahre geschrieben werden, geben hinreichenden Aufschluß.
Hier sei nur soviel gesagt, daß in unseren Orte: der Wunsch nach radikaler Umgestaltung
der Verhältnisse guten Boden fand. Der Anfang des Jahres 1919 war sehr
bewegt im Hinblick auf die Wahl zur Nationalversammlung (19.1.) und zur preußischen
Landesversammlung (26.1.), sowie zur Gemeindevertretung (2.2.). Zum ersten
Male übten auch die Frauen, die sich besonders wichtig vorkamen, das politische
Wahlrecht aus. Die Wahl der deutschen Nationalversammlung ergab in Hinternah
von 629 Wahlberechtigten 291 Stimmen für die Liste Reißhaus (sozialistisch), 40 für
Liste Vershoven (gemäßigt), 17 für Liste Arnstadt (landwirtsfreundlich), 224 die Liste
Bock (radikal). In Schleusingerneundorf wählten 112 Reißhaus, 18 Vershoven, 16
Arnstadt, 162 Bock.
Zum Vergleich werden die Wahlergebnisse vom 7. Dez. 1924 beigefügt: Hinternah
152 SPD, 96 Deutschnationale Partei, 3 Zentrum, 186 Kommunistische Partei, 22
Deutsche Volkspartei, 31 Völkisch sozialer Block, 8 Demokratischer Block, 11 Wirtschaftspartei.
Schleusingerneundorf: 100 SPD, 9 Demokratische Partei, 4 Zentrum, 121 KPD, 20
Deutsche Volkspartei, 1 Völkisch-sozialer Block, 9 Demokratische Partei, 2 Wirtschaftspartei.
Bei der Präsidentenwahl am 26. April 1925 wurden folgende Stimmen abgegeben:
Hinternah: Für Hindenburg 209, für Marx (Zentrum) 120, für Thälmann 130.
Schleusingerneundorf: Für Hindenburg 56, für Marx 34, für Thälmann 107.
Das wirtschaftliche Leben war in der Nachkriegszeit voller Unruhe, sorgte doch die
Presse dafür, daß die Unzufriedenheit der großen Masse immer wieder neue Nahrung
empfing. Es hätte nicht viel gefehlt, so hätte das Streikfieber der damaligen Zeit
auch die Gemeinden des Kirchspiels ergriffen. Aber die Drohung, daß bei einem
Streik die Öfen in der Glashütte gelöscht würden, und daß dann in absehbarer Zeit
mit der Wiederinbetriebnahme nicht gerechnet werden könnte, wirkte ernüchternd
und ließ die besonnenen Elemente zur Herrschaft kommen. Während überall wilde
Streiks ausbrachen und viel Jammer und Not im Gefolge hatten, wurden in unseren
Gemeinden Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern gepflogen, die
das friedliche Verhältnis finden ließen, das früher zwischen beiden Teilen bestanden
hatte, blieb gewahrt.
Einen großen Vorteil sicherte sich dabei die Arbeiterschaft. Die Arbeitszeit, welche
früher oft ungebührlich lang war, wurde verkürzt. Der Segen dieser Errungenschaft
zeigt sich deutlich. Der Lebensstand der meisten Familien hat sich deutlich gehoben.
Die Arbeiter konnten nunmehr nach ihrer Berufsarbeit im Glaswerk auch noch viele
häusliche Arbeiten verrichten und auf dem Felde noch tätig sein. Eine Reihe von Einfamilienhäusern
hätte überhaupt nicht gebaut werden können, wenn nicht die Arbeiter
unter Hilfeleistung ihrer nächsten Verwandten die Häuser hätten zum guten Teil
selber erstellen können, so daß die Kapitalschulden oft verhältnismäßig gering waren.
Auch hat die verkürzte Arbeitszeit einen heilsamen Einfluß auf den Gesundheitszustand
der Arbeiter gehabt. Trotzdem sieht man auch heute noch vielen Arbeitern
auf den ersten Blick an, daß sie in der Glashütte arbeiten.
Große Not brachten die Ernährungsschwierigkeiten mit sich, die infolge der bald einsetzenden
Geldentwertung und der dann einsetzenden Inflation die erschreckendsten
Zustände hervorriefen. Hatte man geglaubt, daß mit Ende des Krieges alle Not
ein Ende habe, so hatte man sich gründlich getäuscht. Gleich nach Ende der Revolution
wurde das Land mit Pferden überschwemmt, die man nicht ernähren mochte,
noch konnte und deshalb abschlachtete. Aber die Wochen des Pferdefleisches gingen
schnell zu Ende und eine fleisch- und fettarme Zeit setzte ein, die in den Gemeinden
des Kirchspiels besonders stark empfunden wurde. Wohl oder übel stürzte
sich alles auf die Landwirtschaft.
Bei der Ackerbestellung und bei der Heuernte half Groß und Klein. Dazu kam die
Erschütterung des wirtschaftlichen Lebens durch die Inflation. Jeder lebte von der
Hand in den Mund; man atmete auf, wenn der nächste Tag keine besondere Not zu
bringen schien. Erst von 1924 an wurde wieder fester Boden unter den Füßen spürbar.
Die Zeit der Geldentwertung reicht im Grunde genommen bis an den Anfang der
Kriegszeit zurück. Wohl hatten wir während des ganzen Krieges feste Preise, die behördlich
geordnet waren und im Laufe der Jahre verhältnismäßig geringe Erhöhungen
erfuhren, aber unter der Hand wurden oft höhere Preise gefordert und auch bezahlt.
Durch diese Handlungsweise wurde vielfach noch künstliche Zurückhaltung
von Lebensmitteln bewirkt, die höchst verderblich wurde.
Auch waren die behördlichen Preise kein Gradmesser für den Kredit des Vaterlandes.
Das zeigte sich darin, daß der Kurs des Geldes im Auslande ein ganz anderer
war als im Inland. Ein jähes Erwachen aus dem Traumleben der Isoliertheit folgte für
das ganze Volk, als man bei der Wiederaufnahme der Beziehungen zum Auslande,
den ungeheuren Schaden spürte, den das ganze Volk erlitten hatte. Nun erkannte
man allgemein, daß die Anleihewirtschaft der Kriegszeit auf verkehrtem Grunde aufgebaut
gewesen war.
Es gab jedoch kein Aufhalten auf der abschüssigen Bahn, bis 1923 der Zusammenbruch
der Geldwirtschaft kam und das völlig verarmte Volk nach neuem Anfang suchen
mußte. Das Reich stand zwar ohne einen Pfennig Schulden da, aber das Volk
war ohne jegliche Mittel. Und wie furchtbar lastete das Friedensdiktat von Versailles.
am 28. Juni 1919 von den deutschen Vertretern unterschrieben, auf unserem, jeglicher
Willkür des Feindes ausgesetzten Volk.
Die Gemeinden des Kirchspiels waren als ein unlösbarer Teil des Ganzen in gleicher
Lage wie alle anderen. Aber bitter empfanden viele in den Gemeinden, daß ihr Vertrauen
schwer getäuscht war, welches sie auf die regierenden Kreise gesetzt hatten.
So gut gemeint viele Maßnahmen waren, die man nun zur Linderung der Notstände
traf, das ursprüngliche Vertrauen ist noch nicht vorhanden und es wird auch noch
geraume Zeit vergehen, bis es wieder unerschüttert sein wird.
Es war kein Wunder, daß nach der Revolution vom 9. November 1918 innere Kämpfe
ausbrachen, die die Einheit des Volkes zerrissen. Es ist zu erinnern an die Regierung
der Volksbeauftragten, an die Nationalversammlung in Weimar, an die Zeit der
Präsidentschaft Fritz Eberts, an die Unterschreibung des Friedensdiktates von Versailles,
an den Kapp-Putsch und die Flucht der Regierung aus Berlin, an den November-
Putsch Ludendorfs in München, an die Ermordung Erzbergers und Rathenaus,
an die Besetzung des Ruhrgebiete, an die separatistische Bewegung in der
Pfalz und im Rheinland, an den Daves-Plan und seine Folgen. Die Wahl
Hindenburgs im Jahre 1925 zum Reichspräsidenten war der erste Lichtblick in trüber
Zeit.
Am 2. September 1926 brannte es im Anwesen des Bauunternehmers August
Pfeufer in Silbach.
Am 1. Februar 1929 wurde Hauptlehrer und Kantor Filbry nach Erfurt versetzt. Am 1.
Mai erhielt Lehrer Schilling aus Heinrichs die Kantorstelle. Kurz zuvor wurde Lehrer
Ratsfeld zum Hauptlehrer ernannt.
Ende des Zweiten Weltkriegs
Am 7. April 1945 wurde Hinternah von amerikanischen Truppen besetzt, nachdem
von Erlau und Schleusingen aus noch einzelne Kampfhandlungen stattgefunden hatten.
Einzeln kehrten die Soldaten aus dem Westen zurück, während die aus dem
Osten noch Jahre lang zu Aufbauarbeiten eingehalten wurden.
Nach einem Abkommen unter den Siegermächten fiel Thüringen in den Besatzungsbereich
der Sowjetunion. Nun wurde alles Leben von der sowjetischen Militäradministration
bestimmt und organisiert. Die Rote Armee nahm auch in Hinternah zwölf
Einwohner in Haft und brachte sie in das Lager Buchenwald bei Weimar, darunter
der langjährige Lehrer Ratsfeld (Liste).
Durch die Aufnahme von „Umsiedlern“ aus dem Osten stieg die Zahl der Einwohner
von rund 1.400 auf 1.600 Einwohner. Einzelne Betriebe nahmen die Arbeit wieder
auf, auch die Glashütte im Friedrichswerk, in der viele Hinternaher ihre Arbeit hatten.
Aber die Glashütte in Hinternah aus dem Jahre 1905 wurde nicht wieder in Betrieb
genommen, und nach der Enteignung durften die Einwohner das Hauptgebäude abreißen
zur Materialgewinnung, einige Gebäude wurden aber weiter wirtschaftlich genutzt.
Die Schule nahm den Unterrichtsbetrieb wieder auf. Fast alle alten Lehrer wurden
entlassen und ersetzt durch „Neulehrer“ mit einer Kurzausbildung. Auf dem Gebiet
der Landwirtschaft wurde die Bodenreform durchgeführt, die sich aber in Hinternah
nicht auswirkte, weil es dort nur Kleinbauern gab.
Am 7. Oktober 19498 entstand aus der sowjetischen Besatzungszone die „Deutsche
Demokratische Republik“. Jetzt übernahm die SED die Herrschaft und bildete eine
„Regierung der Nationalen Front“ mit den „Blockparteien“ und den „Massenorganisationen“.
Kirmes
Kirmes diente auch als Werbung für die nächste Generation: Mit letzter Kraft baute
die Hinternaher Kirmesgesellschaft am 24. September 2001 ihr Zelt ab, bevor am
Mittag noch der letzte Höhepunkt - das traditionelle Eisbeinessen - auf dem Plan
stand. Drei Wochen lang hatte es nur geregnet, doch am Kirmeswochenende hatten
sich fast alle Wolken verzogen: Beim Umzug am Sonntagnachmittag und dem anschließenden
Sprücheverlesen am Kirmesbaum paßte alles. „Wetter, Stimmung, alles
war klasse. Mit den Tanzveranstaltungen am Freitag- und Samstagabend sind wir
sehr zufrieden. Man hat kaum gemerkt, daß auch in Erlau eine Veranstaltung war“,
sagte Lutz Kummer von der Kirmesgesellschaft. Vor allem „Sue and Band“ hatten
am Freitag mit starker Musik und gelungener Show viele Jugendliche überrascht.
Tanz um den Maibaum am Erntefest
Acht Paare waren in diesem Jahr zum dreitägigen Dauerfeiern in Hinternah angetreten.
„Viele auswärtige oder zugezogene sind dabei. Die Hinternaher Jugend hatte in
diesem Jahr leider nicht so viel Interesse mitzumachen“, so Lutz Kummer. Für ihn
war es nach fünf Jahren die letzte Kirmes. Auch Scholz Christian Stieber legt nach
dreijähriger Tätigkeit sein Amt nieder, „jüngere müssen eben jetzt ran“. Lutz Kummer
hofft, daß die Kirmes auch ein bißchen als Werbeveranstaltung diente, um den
Nachwuchs zum Mitmachen zu motivieren. Vielleicht kommt diese Botschaft schon
bei den Kindergartenkindern an: Sie waren am Kirmesbaum und beim anschließenden
Kindertanz wieder kräftig mit von der Partie. Aber sie haben sicher noch ein paar
Jahre Zeit.
Ein großes Dankeschön galt auch dem Bauhof der Gemeinde für die tatkräftige
Unterstützung, sowie einem Getränkehandel aus Leimrieth. „Und unseren neuen
Pfarrer Stephan Münch wollen wir lobend erwähnen. Er hat einen guten Einstand
beim Kirmesgottesdienst gegeben“, war sich die Kirmesgesellschaft gestern einig.
Tanzgruppe
Dorfklatsch unterm Baum: Lutz Kummer war Ende September 2003 sichtlich bewegt.
Der Mann an der Spitze der Kirmesgesellschaft, der in Hinternah - warum auch immer
- Plotzer heißt, und seine Plotzerin Janine Kretschmann hatten allen Grund sich
zu freuen. „Drei Tage volles Zelt, wir sind mehr als zufrieden!“
28 Grad Celsius bei strahlendem Sonnenschein ließ die Kirmesburschen gestern
nachmittag in den Gehröcken und unter den Kirmeshüten schwitzen. Doch da muß
man durch, als Kirmesbursche von echtem Schrot und Korn. Die Mädels hatten es
da schon besser in ihren meist schulterfreien Festkleidern. Petrus tröstete die Hinternaher
Kirmesgesellschaft mit Kaiserwetter über manches Mißgeschick im Vorfeld.
Schon am Freitagabend war das Festzelt proppenvoll. Bei Live- Rock mit „Sue &
Band“ gab sich hier die Jugend ein Stelldichein. Aber auch am Samstagabend bei
„Solar“ hatte sich viel junges Volks versammelt. Sage und schreibe 15 Kirmesgesellschaften,
so die Aussage des Plotzers, waren ins Nahe-Örtchen gekommen. Die
Gastgeber hatten allen Kirmesgesellschaften ab 10 Personen zwei Liter Freibier versprochen.
Jugendlicher verletzt
Leider hat es, wie schon im letzten Jahr, wieder Zwischenfälle mit Jugendlichen aus
dem rechten Spektrum gegeben, bedauerte Lutz Kummer. Die Polizei habe eingreifen
müssen und den alkoholisierten T. E aus Schleusingen des Platzes verwiesen,
nachdem dieser einem Jugendlichen der Schönbrunner Kirmesgesellschaft eine Flasche
auf den Kopf gehauen hatte. Dieser mußte mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus
Schleusingen gebracht werden. „Wir bedauern den Vorfall sehr“, so Lutz
Kummer, „und wünschen dem Verletzten gute Besserung.“
Danach ging die Kirmes ungetrübt in den Sonntag, der mit „Pöbeln“ und „Ständchen“
schon am Morgen begann. Die Betten sahen die Kirmesleute kaum. Der traditionelle
Festumzug mit den Brunnenbergmusikanten aus Waldau führte zunächst in die Kirche,
wo Pfarrer Stephan Münch und der Posaunenchor den Kirmesgottesdienst
gestalteten. Und dann zogen auch die niedlich zurecht gemachten Kinder mit den
Großen zum Festplatz, auf dem der 20 Meter hohe Kirmesbaum schon von weitem
grüßte.
Unter Kirmesbaum wurde dann rückhaltlos alles offen gelegt, was im letzten Jahr
passiert ist. Das Dilemma um den Hinternaher Fußball kam da ebenso zur Sprache
wie Spekulationen über die Ursache des Zwillingsbooms. Die neue Fassade des
Hinternaher Rathauses sei jetzt so schön, hieß es, daß der Bürgermeister gar nicht
mehr nach Hause will. Thomas Franz konnte das nur mit Schmunzeln kommentieren.
Tanzpaar mit Strohmann
Lutz Kummer dankte in seiner Kirmesrede allen, die zum Gelingen der Hinternaher
Kirmes 2003 beigetragen haben, den eigenen Leuten ebenso, wie dem Ausschank-
Team, dem Feuerwehrverein, den Sponsoren und ganz besonders den Ex-
Kirmesschulzen Falk Herwig und „Bips“ [Das Wort „Plotzer“ wird in Richtung
„Ploatzer“ ausgesprochen. Es bezeichnet an sich den Mitarbeiter am Schmelzofen
den Eisenstein mit dem Hammer zerschlägt].
Hochzeitstracht Sonntagstracht
Um den Kirmesnachwuchs brauchen sich die Hinternaher nicht zu sorgen. Dank des
Engagements des Kindergartens sind die kleinen „Besenbinder“ begeistert bei der
Sache. Die Kinderkirmes gestern nachmittag war ein Erlebnis nicht nur für die Mädchen
und Jungen. Auch die Erwachsenen hatten ihre helle Freude an den Darbietungen
der Kinder. Und die konnten ihre Sprüche ohne Zettel und mindestens genau
so laut „Stimmung!!!“ rufen.
Viele Kameras klickten gestern am Kirmesbaum. Die Hinternaher Kirmes 2003 wird
allen noch lange in Erinnerung bleiben. Das offizielle Video der Kirmesgesellschaft
kann übrigens bei Lutz Kummer bestellt werden
Frühlingsfest auf dem Mühlberg
Weit über 200 Menschen aus Hinternah und umliegenden Orten trafen sich 2003 auf
dem Mühlberg in Hinternah. Viele waren vom Dorf mit Fackeln auf den Hinternaher
Hausberg gewandert. Dort begrüßte Bürgermeister Thomas Franz die Besucher. Für
die Kinder hatte Eva Bittorf vom Fremdenverkehrsamt süße Überraschungen versteckt.
Die kleinen Besucher konnten zudem bei einer Tombola Preise und Gutscheine
gewinnen. „Die Firmen, Gaststätten und Institutionen haben uns wieder
schöne Sachen zur Verfügung gestellt“, freute sich Eva Bittorf. „Wir haben schon die
Woche gemeinsam mit dem Blasmusikverein das Festgelände in Ordnung gebracht
und Müll weggeräumt“, berichtet Uwe Neumann, Chef des Feuerwehrvereins. „Die
Gemeinde stellte die Technik zur Verfügung.“ Besonders die Jugendfeuerwehr war
da auch mit am Ball und hat auch beim Aufbau des Feuers geholfen. In Hinternah
steht bald ein weiterer großer Event bevor, kündigte Norbert Bittorf vom Feuerwehrverein
an: „Wir feiern vom 30. Mai bis 1. Juni 125 Jahre Feuerwehr Hinternah.“
Fieberhafte Suche nach Vermißtem
Am 14. August 2003 gab es Aufregung am Bergsee Ratscher: Ein 18-jähriger Badegast
aus Sonneberg wurde vermißt, der zwischen 14.30 und 15 Uhr auf den See
hinausschwamm. Zuletzt wurde der Junge um 15 Uhr schwimmend gesehen als er
einem Wasserball hinterher eilte - außerhalb des gekennzeichneten Badebereichs.
Es war sehr windig, starker Wellengang.
Für Schwimmeister Andreas Kaiser „purer Leichtsinn, bei solchem Wetter einem Ball
hinterher zu schwimmen“. Es sei sehr windig gewesen, starker Wellengang. „Gegen
dreiviertel fünf kamen die Mädels zu mir“, sagte er. „Wir sind mit dem Motorboot, und
dann mit dem Ruderboot rausgefahren, haben alles abgesucht, auch das Buschwerk
an den Ufern...“. Schließlich hat Andreas Kaiser die Suchmeldung bei der Polizei
aufgegeben.
Zur Suche nach dem Vermißten setzte die Polizei einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera
ein. Die Schleusinger Feuerwehr suchte mit dem Schlauchboot den See
ab, auch die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft und der
Wasserwacht. Auch die Taucher der Berufsfeuerwehr Gera wurden eingesetzt. Inzwischen
treffen aus Erfurt sechs Taucher der Bereitschaftspolizei zur Unterstützung
ein. Fieberhaft geht die systematische Suche weiter. Am Nachmittag fliegt der Polizeihubschrauber
noch einmal über den See. Aus Hinternah kam Pfarrer Stephan
Münch von der Notfallseelsorge, versuchte die jungen Leute zu beruhigen, telefoniert
mit der Mutter des Vermißten.„Sie hatte keine Gelegenheit, an den Bergsee zu
kommen“, bedauert er.
Ein kleiner Platz neben dem Bootssteg ist abgesperrt. Hier haben die Taucher der
Berufsfeuerwehr Gera Quartier bezogen. Sie waren gegen Abend gekommen. „Wir
sind die einzigen Feuerwehr-Taucher in Thüringen“, sagt ihr Einsatzleiter Helmut
Grimm. Seit Donnerstagabend tauchen sie nach dem Vermißten. „Wir haben bis gegen
2 Uhr getaucht“, sagt Helmut Grimm Freitagmorgen. Da waren Kameraden
längst wieder draußen. Andere erholen sich am Strand für den nächsten Einsatz.
„Ein bis maximal zwei Stunden kann ein Taucher unten bleiben“, erzählt Helmut
Grimm.
Polizeioberkommissar Manfred Jacobi von der Polizeiinspektion Hildburghausen telefoniert.
„Gleich kommt ein Leichensuchhund aus Suhl“, kündigt er an. Da hält auch
schon das nächste Polizeiauto hinterm Volleyballfeld. Karl-Heinz Flöter kommt mit
dem Suchhund Ulk vom Hagenberg. Im Schlauchboot fahren beide hinaus. Inzwischen
treffen aus Erfurt sechs Taucher der Bereitschaftspolizei zur Unterstützung
ein. Fieberhaft geht die systematische Suche weiter. Am Nachmittag fliegt der Polizeihubschrauber
noch einmal über den See, an dem bis heute noch nie ein Badegast
vermißt wurde. Doch der Junge wurde bis gestern abend nicht gefunden.
Gegen 14 Uhr sei die Suche dann abgebrochen worden, nachdem keine Hoffnung
mehr bestand, den jungen Mann zu finden. Das sagte Polizeihauptkommissar
Schmoock von der Suhler Polizeidirektion. Er wies damit Vorwürfe von Dauercampern
am Bergsee zurück, wonach nicht konsequent genug gesucht worden sei.
Zwei Tage danach wurde der Vermißte am Samstag tot geborgen. Rettungsschwimmer
hatten am Abend die Leiche des jungen Mannes entdeckt - hinter der Insel, dort
wo der Stausee sehr tief ist, weitab vom Badebereich. Die Feuerwehr Schleusingen
wurde um 20.33 Uhr alarmiert, um den leblosen Körper zu bergen. „Wir bedauern
den Tod des jungen Mannes sehr“, sagte Thomas Hahn, einer der Geschäftsführer
der Bergsee Ratscher GmbH. „Wir bedanken uns bei der Polizei und den Spezialkräften
der Feuerwehr, die intensiv zwei Tagelang nach dem Vermißten gesucht haben.
Hut ab vor der Schleusinger Feuerwehr“, lobte Thomas Hahn. „Sie hat den Einsatz
am Samstagabend mit der Polizei sehr professionell und pietätvoll absolviert.“
Zur Todesursache konnte die Polizei noch keine Aussagen machen. Sie geht davon
aus, daß die Leiche obduziert wird.
In ein Lichtermeer hatte sich am Sonntagabend nach Augenzeugenberichten der
Bergsee Ratscher verwandelt. Hunderte von Schwimmkerzen waren zum Gedenken
an den hier tödlich verunglückten Badegast aus Sonneberg entzündet worden.
Der Vorfall überschattete die zahlreichen Veranstaltungen am Bergsee wie den
Triathlon und das Kinderfest des Wassersportvereins. Es gab auch Stimmen, die kritisierten,
daß diese unter den Umständen überhaupt stattfanden. Zumindest auf die
Fackelbootsfahrt hätte man am Samstagabend verzichten sollen, so der Dauercamper.
Doch dann wären viele Kinder sehr enttäuscht gewesen, und jeder weiß auch wieviel
Aufwand in der Vorbereitung solcher Veranstaltungen steckt, waren Meinungen vieler
anderer Gäste am See.
In ein Lichtermeer hatte sich am Sonntagabend nach Augenzeugenberichten der
Bergsee Ratscher verwandelt. Hunderte von Schwimmkerzen waren zum Gedenken
an den hier tödlich verunglückten 18-jährigen Badegast aus Sonneberg entzündet
worden.
Wappen von Nahetal-Waldau
Denkmaltag wird in Hinternah eröffnet
Bei dem alljährlich am zweiten September-Sonntag stattfindenden „Tag des offenen
Denkmals“ geht es um historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise
zugänglich sind. Aber auch althergebrachten Handwerkskünsten und Arbeitstechniken
ist dieser Tag gewidmet.
In Hinternah konnte man all dies am 9. September 2007 in reichlicher Fülle erleben.
Deshalb wurde der Denkmaltag für den Landkreis Hildburghausen auch in dem
Nahetal-Ort eröffnet. Dem diesjährigen Schwerpunktthema „Orte der Einkehr und
des Gebets - Historische Sakralbauten“ folgend, fand die festliche Eröffnungsveranstaltung
ab 10 Uhr in der Dorfkirche zu Hinternah statt.
Programm: 10.00 Uhr: Begrüßung durch Pfarrer Münch und Bürgermeister Thomas
Franz
„Präludium und Fuge in C-Dur von Johann Sebastian Bach / Eckard Fellner, Orgel
Eröffnung Tag des Denkmals im Landkreis Hildburghausen durch Landrat Thomas
Müller und Auszeichnung mit dem Denkmalpreis des Landkreises.
Landrat Thomas Müller bezeichnete den nunmehr 15. „Tag des offenen Denkmals“
als festes Kulturereignis im Landkreis und konstatierte wachsendes Interesse der
Bevölkerung an Denkmalschutz und Bewahrung des kulturellen Erbes. Das Engagement
dafür bestehe nicht aus passivem Wohlwollen, sondern aus persönlichem
Erleben und Erfahren sowie aktivem Einsatz.
So sei das diesjährige Thema „Orte der Einkehr und des Gebets - historische Sakralbauten“
bestens geeignet, den reichen Bestand an Kirchen im Landkreis, aber
auch an Orgeln, Glocken, Altarbildern und Innenraumfassungen in den Blickpunkt zu
rücken, sagte Müller. Nahezu 60 Objekte seien ausgewählt worden und ständen den
interessierten Besuchern offen.
Müller machte darauf aufmerksam, daß die Erhaltung der Gotteshäuser, den kleiner
gewordenen Kirchgemeinden aufgrund beschränkter finanzieller Möglichkeiten Sorgen
bereitet und die Lasten daher auf mehrere Schultern verteilt werden müssen.
Seit der politischen Wende habe der Landkreis Hildburghausen die Instandsetzung
und Restaurierung der Sakralbauten kontinuierlich unterstützt. Allein zwischen 1994
und 2006 seien Zuschüsse aus dem Kreishaushalt in Höhe von 239.000 Euro geflossen;
überwiegend in der Sicherung der baulichen Hülle und die Instandsetzung von
Orgeln. In 66 Kirchen im Landkreis wären damit defekte Dachkonstruktionen repariert,
Schwammbefall beseitigt, Wände statisch gesichert und Fassaden restauriert
worden. In diesem Jahr fördere der Landkreis die Arbeiten an sechs kirchlichen Bauten
mit 30.000 Euro. „Aber nur zusammen mit Geldern aus Förderprogrammen und
beträchtlichen Eigenleistungen der Kirchgemeinden ist die Erhaltung unseres sakralen
Erbes möglich, wofür ich herzlich danken möchte“, schloß der Landrat.
Die Denkmalpreise 2007 des Landkreises wurden an die Stadt Römhild für die
Instandsetzung der 300 Jahre alten Friedhofskirche und an die Gemeinde Nahetal-
Waldau für die großen Leistungen bei der Sanierung des vor 400 Jahren erbauten
„Brandsköppshauses“.
„Dir will ich singen ewiglich“ von Georg Friedrich Händel / Kirchenchor
„Zur Sanierung des Brandsköppshauses und Neugestaltung des Dorfplatzes“, Bürgermeister
Thomas Franz
Grußwort Bürgermeister Billigheim-Ingenheim
„Introduktion - Intrada - Siciliana - Finale“ von Gustav Gunsenheimer / Eckard Fellner,
Orgel und Posaunenchor
Dankesworte der Ausgezeichneten
„Fanfare“ von Jacques-Nicolas Lemmens / Eckard Fellner, Orgel
11.20 Uhr: Weg zum Brandsköppshaus mit musikalischer Begleitung durch den Posaunenchor
Hinternah
11.40 Uhr: Brandsköppshaus: Grußwort des ehemaligen Bewohners Christoph
Amarell, der am 3. Dezember 1934 in diesem Haus geboren wurde
Dankesworte des Architekten an die bauausführenden Firmen und alle Förderer,
Unterstützer und Helfer sowie Schlüsselübergabe an den Bürgermeister
Musikalische Darbietung der Kinder Jara (Harfe) und Joanna (Violine) Egen
12.00 Uhr: Uhr Erste Führung durch das Haus
12.20 Uhr: Eröffnung der Sonderausstellung „Denkmale in unserem Alltag“ durch
Landrat Thomas Müller.
Gleich am Eröffnungstag wird neben den ständigen musealen Ausstellungen im
Obergeschoß des Brandsköppshauses auch eine erste Sonderschau zu sehen sein.
Matthias und Andreas Krauß präsentieren ihre Ausstellung „Denkmale in unserem
Alltag“. Daß dies ausgerechnet zum „Tag des offenen Denkmals“ geschieht, scheint
nahe zu liegen. Doch ganz so schlicht ist der Zusammenhang nicht. Denn bei den
Denkmalen im Alltag geht es um regional oder sogar weltweit bekannte Denkmale
und historische Gebäude, die auf den verschiedensten Produkten des täglichen Gebrauchs
abgebildet sind, um auf deren Herkunft hinzuweisen und die Blicke potentieller
Kunden zu fangen.
Viele interessante Beispiele zeigen, daß die Bedeutung von Denkmalen neben dem
kulturhistorischen Wert auch in der Identifikation mit einer Stadt oder einer Region
liegt. Dies kann man leicht selbst testen: Was fällt mir bei Nennung eines bestimmten
Städtenamens zuerst ein? Die Antwort ist meist auf irgendeinem Etikett abgebildet!
Ab 12.30 Uhr: ständige Führungen durch das ganze Haus mit Architekt Matthias
Krauß,
Restauratorin Birgit Jünger und Bauleiter Gunter Dötsch
ab 14.00 Uhr spielen die „Lustigen Musikanten“ aus Hinternah auf.
ab 15.00 Uhr gibt es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen - Hüpfburg für die Jüngsten.
Besonders aufmerksam verfolgte ein Aufnahmeteam des Fernsehens die Ereignisse,
denn der MDR wird am Sonntagabend ab 19 Uhr einen längeren Beitrag im Thüringen
Journal senden.
Weitere Besichtigungen zum „Tag des offenen Denkmals“:
3.Teichfest des 1. Waldauer Anglervereins an der Teichanlage Hinternah:
Ab 10.00 Uhr Musikalischer Frühschoppen (bis 12 Uhr)
ca. 11.30 Uhr Erste Räucherofenentleerung
ab 12.00 Uhr Mittagstisch: Räucherforelle frisch aus dem Ofen, Bratforelle u. Bratwurst
vom Rost ab 14.00 Uhr Angeln für Kinder von 7 bis 12 Jahren am großen
Teich
Ab 11 Uhr: Große Handwerker- und Händlerstraße am Dorfplatz und in der Weinbergstraße
Vorführungen und Stände, z. B. Schmiede, Zimmerer, Tischler, Lehmbauer
und vieles mehr
St. Wolfgang-Kapelle Oberrod von 10 bis 18 Uhr
Dorfkirche Hinternah nach der Festveranstaltung
Kellerhäuser Hinternah ab 13 Uhr, Anmeldung am Infopunkt auf dem Dorfplatz
Mühle Hinternah ab 13 Uhr, Anmeldung am Infopunkt auf dem Dorfplatz
Nachmittagsprogramm auf dem neugestalteten Dorfplatz (Bühne)
14.00 Uhr Begrüßung und Eröffnung, anschließend Auftritt des Musikvereins
Hinternah
14.15 Uhr Erster Auftritt der Chöre „Sängerkranz 1871“ Waldau-Wiedersbach und
„Gesangsverein 1893“ Schleusingerneundorf
14.35 Uhr Sommerprogramm des Kindergartens Hinternah
15.45 Uhr Zweiter Auftritt der beiden Chöre
16.00 Uhr Auftritt der Theatergruppe „Die Besenbinder“ aus Hinternah
16.20 Uhr Auftritt der „Crazy Kids“ aus Waldau
17.00 Uhr Musikalischer Ausklang mit dem Musikverein
17.30 Uhr Start der großen Schlepperparade auf der Route: Weinbergstraße -
Alte Hauptstraße bis zur Mühle - Gartenstraße - Dorfplatz
Alles für das leibliche Wohl gibt es am Dorfplatz (Feuerwehrverein), an den Teichen,
im Forsthaus (Kirmesgesellschaft und Jugendclub) und in den Gaststätten des Ortes
Von 10 bis 18 Uhr Kremserfahrten durch den Ort. Am Abend gemütlicher Ausklang
mit Musik, Wein von der Südlichen Weinstraße und um 21.00 Uhr Höhenfeuerwerk
Brandsköppshaus
Das dominierende Ereignis bei der Eröffnung des Denkmalstages in Hinternah war
gestern die Eröffnung des Brandsköppshauses als kulturelles Gemeindezentrum.
Nach mehrjähriger aufwendiger Sanierung präsentiert sich das mit 400 Jahren älteste
Gebäude des Ortes zur Freude der Einwohner in einem prächtigen Zustand und
fügt sich in das umgestaltete Dorfplatz-Ensemble ein.
Bei der 2004 durchgeführten Bestandsaufnahme wurden erhebliche Schäden am
Gebäude durch fehlende oder verschlissene Bauteile, den aufgeweichten Untergrund,
starke Salzbelastung und Hausschwammbefall festgestellt. Der durch die
Förderung und die damit festgelegten Jahresscheiben vorgegebene Bauablauf mit
einer dreijährigen Bauzeit hatte den Vorteil, daß die baulichen Defizite und insbesondere
deren Ursachen ohne gravierenden Zeitdruck fachgerecht beseitigt werden
konnten. Dazu gehörten unter anderen zeitaufwendige Unterfangen und Fundamentierungen,
der Austausch des gesamten verschlammten Materials im Untergrund und
die Entsalzung von Mauerwerk durch mehrfachen Auftrag von Opferputz.
Für den Austausch defekter Konstruktionshölzer des inneren und äußeren Fachwerkes
wurde grundsätzlich Altholz verwendet.
Bei den Bauarbeiten waren umfangreiche Abfangungen erforderlich. Die Unterzüge
mußten durch die höheren Verkehrstasten der öffentlichen Funktionen in Leimholz
hergestellt werden, um die ursprünglichen Dimension beibehalten zu können. Die
noch sanierungsfähigen Deckenbalken mit breiten Einschubdielen wurden aufgearbeitet
und Fehlstellen geschlossen.
Desgleichen konnte ein Teil der noch vorhandenen Wandbekleidung aus Holz gesichert,
aufgearbeitet und ergänzt werden. Auf Grund des fehlenden Bestandes oder
des vollständigen Verschleißes mußten die Außentüren und Fenster neu hergestellt
werden. Die Fenster wurden mit schmaler Sprossung und Kippkampfer ausgeführt.
Die im Objekt noch vorhandenen alten, aber nicht bauzeitlichen Türen sind aufgearbeitet
und im Bereich Mehrzweckraum und Heimatmuseum eingebaut worden. Weitere
Innentüren konnten im Denkmalhof Gernewitz im Bergezustand erworben und
von dem am Objekt eingesetzten Tischler aufgearbeitet werden.
Die Planung und Bauleitung ist durch die Restauratorin Birgit Jünger aus Wasungen
mit Bestandsuntersuchungen und der Wiederherstellung wertvoller Zeugnisse aus
der Entstehungszeit des Objektes begleitet worden. Hinsichtlich der Farbgebung des
Bauernhauses wurde die befundete Erstfassung mit roten Fachwerkhölzen und weißen
Gefachen in Abstimmung mit den Denkmalbehörden für die Ausführung festgelegt.
Die mit viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verfolgten Baumaßnahmen
„Brandsköppshaus und Dorfplatz“ konnten in dieser Qualität nur abgeschlossen werden,
weil sie das Ergebnis einer sehr effektiven Teamarbeit und eines hohen Engagements
des Bauherrn, der Behörden, der Fördergeber, der Planer und der ausführenden
Firmen waren.
Das zweigeschossige Fachwerkgebäude war am Mittag Anziehungspunkt bei Führungen
mit Architekt Matthias Krauß, Restauratorin Birgit Jünger und Bauleiter Gunter
Dötsch. Hier erhielten die Besucher einen Eindruck vom Umfang der denkmalgerechten
Sanierung. Es beherbergt das Heimatmuseum, ein kleines Weinmuseum,
das von der Partnergemeinde Billigheim-Ingenheim eingerichtet wurde, einen Raum
für Sonderausstellungen, die Gemeindebibliothek und einen Mehrzweckraum mit
mobiler Bühne. Bürgermeister Thomas Franz erinnerte sowohl bei der kreislichen
Veranstaltung zum „Tag des offenen Denkmals“ in der Kirche als auch wenig später
bei der Eröffnung des Brandsköppshauses daran, daß es aufgrund des baulichen
Zustands fast schon dem Abriß gewidmet war.
Nachdem das Wohngebäude 1987 von der Gemeinde erworben wurde und sich einige
Bürger für dessen Sanierung stark engagiert hatten, seien die Weichen für eine
14 Jahre andauernde Sanierung gestellt worden. Insbesondere die 2005 begonnenen
Arbeiten zur Profilierung als Gemeindezentrum seien äußerst anspruchsvoll gewesen,
sagte Franz. Es sei kaum vorstellbar, was hier planerisch und handwerklich
hätte geleistet werden müssen. Das Schleusinger Architekturbüro Krauß & Partner
sowie die fast 30 beteiligen Firmen hätten eine hervorragende Arbeit geleistet. In
diesem Zusammenhang verwies Franz auch auf die Fördermittelgeber, ohne die die
Finanzierung nicht möglich gewesen wäre.
Als eines der schönsten Projekte in der zurückliegenden Förderphase der Gemeinschaftsinitiative
„“Leader plus bezeichnete der Leiter des Landwirtschaftsamtes Hildburghausen,
Bernd Leidenfrost, das Brandsköppshaus. Nicht nur die Sanierung sei
beeindruckend, sondern auch, daß hier nun Leben einzieht und die Dorfgemeinschaft
das Haus vielfältig nutzen kann.
Ehe Architekt Matthias Krauße, in dessen Händen Bauleitung und -überwachung lagen,
den symbolischen Schlüssel an Thomas Franz übergab und der Banddurchschnitt
vor der Eingangstür erfolgte, kam ein Mann zu Wort, dessen Leben eng mit
dem Brandsköppshaus verbunden ist: Christoph Amarell wurde 1934 hier geboren
und war letzter Bewohner. In bewegenden Worten schilderte er die Geschichte des
Hauses und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es erhalten wurde.
Naturgemäß ist die das Brandsköppshaus optisch verlängernde Pergola noch nicht
mit schattenspendendem Grün bewachsen. Die sich daran anschließende Fachwerk-
Ecke gibt es auch noch nicht, denn sie wird als ein Highlight der Handwerkervorführungen
erst am Sonntag unter den Augen der Festgäste gezimmert. Aber sonst ist
das wohl älteste Haus des Dorfes (Bürgermeister Thomas Franz: „Es ist zumindest
kein Wohngebäude bekannt, das älter wäre“) bereit für den Einweihungstag.
Das Brandsköppshaus wurde zum kulturellen Zentrum der Gemeinde ausgebaut.
Hierfür steht vor allem das Obergeschoß. Es beherbergt die Räume des liebevoll
eingerichteten Heimatmuseums ebenso wie das kleine Weinmuseum und bietet zudem
Platz für wechselnde Sonderausstellungen. Nicht zuletzt ist auch die aus dem
„Nahetal“ umgezogene Gemeindebibliothek im größten Raum der Etage bestens
eingerichtet. Der Mehrzweckraum im Erdgeschoß mit seiner mobilen Bühne ist für
kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art geeignet.
Dank gebührt allen, die daran mitgewirkt haben, dieses Kleinod in Hinternah zu
schaffen. Erhebliche, aber auch sehr gut angelegte Mittel der Gemeinde und der verschiedenen
Fördermittelgeber stecken im Brandsköppshaus. Die zuständigen Behörden
zogen mit dem Bauherrn und den Planern an einem Strang. Ganz besonders
muß aber muß den verschiedenen bauausführenden Firmen gedankt werden, über
die sich Matthias Krauß vom bauleitenden Architekturbüro voll Lobes äußert: „Alle,
ohne eine einzige Ausnahme, haben die fachlichen Anforderungen erfüllt und hervorragende
Arbeit geleistet.“
An der Sanierung des Hauses und der Umgestaltung des Dorfplatzes waren 28 Firmen
beteiligt, 25 hiervon kamen aus Thüringen und 12 aus dem Landkreis Hildburghausen.
Alle acht Planungsbüros und Sonderfachleute sind aus Thüringen, die Hälfte
davon aus dem Kreisgebiet.
In Österreich kam eine personalisierte Briefmarke zum „Tag des offenen Denkmals“
heraus mit einer Abbildung des Brandsköpps -Hauses.
Der Name des zweigeschossigen Gebäudes mit Sichtfachwerk und zahlreichen
Ziermotiven im straßenseitigen Giebel stammt allerdings nicht aus der Entstehungszeit,
sondern geht auf den 1839 in diesem Haus geborenen Kasper Brand zurück,
der nach Hinternaher Mundart „Brandsköpp“ genannt wurde.
Das Gebäude, zu dem ursprünglich eine abgewinkelte Stallanlage und eine Scheune
gehörte, war bis zum Jahre 1989 bewohnt und ist dann durch die Gemeinde übernommen
worden. In einer ersten Sanierungsphase wurde 1993 unter Leitung des
Architekten Rensen eine Sicherung des Schmuckgiebels durchgeführt.
Die zweite Sanierungsphase begann 2003 mit Untersuchungen zur funktionellen
Nutzung durch das Architekturbüro Krauß & Partner aus Schleusingen.
Mit der Einordnung eines Mehrzweckraumes mit mobiler Bühne und Pausenraum,
des Heimatmuseums, der Gemeindebibliothek, einer Wohnung und öffentlichen Sanitäranlagen
wurde ein Konzept aufgestellt, das die Konzentration der bisher dezentral
angeordneten Funktionseinheiten in einem Gebäude ermöglichte und somit auch
wirtschaftlich mit Unterstützung von Förderprogrammen realisiert werden konnte.
Durch Mittel des Landkreises Hildburghausen für die Denkmalpflege, das Förderprogramm
zur Gemeinschaftsinitiative für die Entwicklung des ländlichen Raumes LEADER+,
das Programm zur Förderung der Dorferneuerung und Mittel des Landes Thüringen
zur Förderung denkmalpflegerischer Maßnahmen konnte ein Finanzierungskonzept
aufgestellt werden, das für die Gemeinde unter Berücksichtigung der zu erbringenden
Eigenmittel umsetzbar war.
Im Jahre 2007 wurde durch einen weiteren Zuwendungsbescheid aus dem Programm
LEADER+ die Voraussetzung geschaffen, mit der Neugestaltung des Dorfplatzes
das Gesamtensemble fertig zu stellen. Damit konnte nicht nur der den Ortsteil
Hinternah, sondern auch für die Gemeinde Nahetal-Waldau ein zentraler städtebaulicher
Bereich mit dörflichem Charakter geschaffen werden, der gute Voraussetzungen
für kulturelle Aktivitäten sowie die Förderung der Dorfgemeinschaft und des
Fremdenverkehrs schallt.
Im Erdgeschoß des Gebäudes ist der Mehrzweckraum mit mobiler Bühne, Bühnennebenraum
und einer Pausenversorgung eingeordnet. Der Funktionskomplex ist sowohl
für Vortrags- und Theaterveranstaltungen wie auch für Filmvorführungen mit
Videoprojektion auf Leinwand geeignet. Die technische Ausstattung dafür war Bestandteil
des Bauvorhabens. Der Raum kann mit oder ohne Bühne auch an Bürger
oder Vereine für Feiern vermietet werden. Der behindertengerechte Zugang ermöglicht
eine barrierefreie Nutzung.
Die Pausenversorgung ist der Weinhändlertradition Hinternahs und seiner Partnerschaft
zur pfälzischen Weingemeinde Billigheim-Ingenheim Rechnung tragend als
Probierstube eingerichtet,
Die Sanitäranlagen des Gebäudes im Erdgeschoß einschließlich eines gesonderten
Behinderten-WC sind so angeordnet, daß sie separat von anderen Funktionsbereichen
des Gebäudes und bei Veranstaltungen auf dem Dorfplatz genutzt werden
können. Die Erschließung des Bauernhauses mußte aus Gründen des Brandschutzes
neu organisiert werden. Das neue massive abgeschlossene Treppenhaus hebt
sich vom bauzeitlichen Bestand ab.
Für die Bibliothek wurden zwei Räume im Obergeschoß eingerichtet, die neben der
Aufbewahrung des Buchbestandes in der technischen Ausstattung auch über Informationsmöglichkeiten
via Internet und die Abspielmöglichkeiten von DVD's, CD's und
Kassetten verfügen.
Das aus fünf Räumen bestehende Heimatmuseum erhielt eine komplett neue Ausstattung
mit Präsentationsmobiliar. Je ein Raum ist im Sinne einer Dauerausstellung
als „Bauernzimmer“ und „Vereinszimmer“ eingerichtet. In einem weiteren Raum können
in Vitrinen und auf Bildern Exponate zu wechselnden thematischen Bezügen
ausgestellt werden. Ein Zimmer im Zugangsbereich ist für Sonderausstellungen reserviert.
Zur Einweihung des Gebäudes wurde die erste Exposition zum Thema
„Denkmale in unserem Alltag“ von Matthias und Andreas Krauß durch Landrat Thomas
Müller eröffnet. Der letzte Raum ist der Weinhändler- und Fuhrgeschäftstradition
des Dorfes Hinternah gewidmet.
Seit 5. Juli waren die Bauarbeiter dabei, die Freifläche zwischen Bauernhaus und
Rathaus in einen attraktiven Festplatz zu verwandeln. Momentan sieht es freilich
noch nicht danach aus, gleicht der Platz einer Mondlandschaft. Das veranlaßte einen
älteren ehemaligen Lehrer zur besorgten Frage: „Was habt ihr denn mit unserm alten
Schulhof gemacht?“ Doch Schulhof war der Platz nicht mehr, seit die neue Schule
auf dem Waldauer Berg 1986 fertig wurde. Nun ist die alte Schule Rathaus.
Thomas Franz erklärt, wie der Platz einmal aussehen soll: Der größte Teil des Areals
wird Altstadtpflaster bekommen. Sechs verschiedene Steinformen werden so verbunden,
daß sie immer wieder eine Fläche ergeben. Römischer Verband nennen das
die Fachleute. Das Bauernhaus wird optisch verlängert mit Pergola und Fachwerkelementen.
Der Brunnen ist zur Sanierung unterwegs und wird am alten Standort,
nur leicht versetzt und etwas gedreht, so daß er sich gut in das Terrain einfügt. Es
wird Sitzgelegenheiten geben. Neben Pkw-Stellplätzen sind auch Caravan-Plätze für
Touristen angeordnet mit unterirdischen Anschlüssen für Strom und Wasser.
„Ursprünglich wollten wir den Haltepunkt der Bahn mit gestalten“, so Thomas Franz,
„aber das mußten wir aus Kostengründen erst einmal abhaken.“ Ohnehin mußte die
Gemeinde die ursprünglich veranschlagten Kosten von 158.000 Euro, die zum großen
Teil durch Fördermittel abgedeckt sind, um 20.000 Euro aufstocken. Zum Einen
weil die Baupreise gestiegen sind, zum anderen wegen des höheren Aufwandes bei
der Entwässerung.
Gasthaus Nahetal
Rathaus und Läden
Eine kleine Gemeinde macht Schule
In Nahetal-Waldau werden die Kinder weiterhin im Ort unterrichtet, es wechselt nur
der Träger. Thomas Franz ist nicht Majestix und somit auch nicht Häuptling eines
kleinen gallischen Dorfes. Streitbar wie die Gallier sind die Einwohner der Gemeinde
Nahetal-Waldau unter der Führung ihres Bürgermeisters aber allemal. Und leisten
sie auch nicht dem gesamten römischen Reich erbitterten Widerstand, so immerhin
dem Landratsamt Hildburghausen und dem Thüringer Kultusministerium. Und das
mit Erfolg.
Am 21. Mai 2008 flatterte Thomas Franz der schriftliche Beschluß des Verwaltungsgerichts
Meiningen auf den Schreibtisch in dem steht, daß die Gemeinde Nahetal-
Waldau ab dem 21. August Träger der örtlichen Grundschule Hinternah wird. Diesen
Schritt haben bislang nur neun Gemeinden in Thüringen gewagt. Der Beschluß ist
vorläufig, da das Gericht in einem Eilverfahren über die Trägerschaft entschieden
hatte. Das Hauptsacheverfahren, in dem eine endgültige Entscheidung gefällt wird,
steht noch aus. Doch für das Gemeindeoberhaupt ist das nur noch Formsache.
Franz hat das gute Gefühl, einen lange währenden Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie
endlich gewonnen zu haben.
Eigentlich hätte die Grundschule im Ortsteil Hinternah zum 31. Juli geschlossen werden
sollen und die 71 Schüler wären in die zwei Kilometer entfernte Ganztagesschule
in Schleusingen gebracht worden. So sah es die Schulnetzplanung des Landkreises
Hildburghausen vor. Doch die Aufsässigen aus Nahetal-Waldau wollten sich mit
dem von oben diktierten Ende ihrer Grundschule nicht so einfach abfinden. Franz,
seit 18 Jahren Bürgermeister des Ortes, hat dazu eine klare Meinung: „Ich habe bereits
erlebt, wie die Schule im Ortsteil Waldau dichtgemacht wurde. Wir haben dort
ein leeres Gebäude mit ungeklärten Eigentumsfragen und brauchen nicht noch eine
Investruine.“
Klage gegen Kultus
Also beschloß der Gemeinderat, die Schule in die Obhut der Gemeinde zu nehmen
und beauftragte den Bürgermeister, das dazu erforderliche Prozedere beim Kultusministerium
auf den Weg zu bringen. Der reichte zum 15. März 2007 die Antragsunterlagen
in Erfurt ein. Nach etlichen Rangeleien und zermürbendem Warten, folgte
im Februar 2008 die scheinbar endgültige Absage von Ex-Kultusminister Jens Goebel.
Für Franz war der negative Bescheid aber überhaupt nicht nachvollziehbar, denn
die Gemeinde hätte aus ihrer freien Finanzspitze von 100.000 Euro die Finanzierung
stemmen können und konnte zudem die für eine Grundschule erforderliche Schülerzahl
stellen und bis 2014 sichern. Er klagte und bekam am 21. Mai vom Verwaltungsgericht
Meiningen Recht.
Das wiederum ist dem Hildburghäuser Landrat Thomas Müller völlig schleierhaft. Er
sieht seine Schulnetzreform in Gefahr, wenn jeder jetzt sein eigenes Süppchen
kocht. Diese war notwendig, weil Geburtenrückgang und Abwanderung auch am
Landkreis Hildburghausen nicht spurlos vorbeigehen. Im Jahr 1996 trugen noch 4705
Knirpse den Schulranzen die Treppe hoch, 2007 waren es nur noch 1900. Müller hält
die Schließung einiger Grundschulen deshalb für sinnvoll. Den Abtrünnigen aus
Nahetal-Waldau prophezeit er. „Auf die Gemeinde kommt eine Riesenbelastung zu
und ich bezweifle, daß die Räte dies jetzt schon komplett erfassen.“
Müller weist auf den hohen Sanierungsbedarf des Schulgebäudes von 1,2 Millionen
Euro hin. Doch das hält Bürgermeister Franz nicht für realistisch. Gutachter der Gemeinde
hätten rund 750.000 Euro errechnet. Der Landrat bleibt bei seinen Bedenken.
„Die Grundschule in Hinternah entspricht nicht mehr unseren Standards. Wir
haben hier bewußt kaum mehr etwas investiert, weil die Kinder im Rahmen der
Schulnetzplanung nach Schleusingen geschickt werden sollten.“
Seit 2003 seien keine Gelder mehr vom Landkreis geflossen, bestätigt Franz. Die
Grundschule Schleusingen hingegen wurde im gleichen Zeitraum für 1,3 Euro saniert.
Jetzt da die Gemeinde das Ruder in Hinternah übernimmt, gibt es vor dem neuen
Schuljahr alle Hände voll zu tun. Von der Tafelkreide bis zum Hausmeister muß alles
aus dem kommunalen Haushalt finanziert werden.
Die Stadtverwaltung muß neben dem normalen Betrieb auch noch die Verwaltung
der Schule stemmen. Momentan muß die Beförderung der Schüler aus Silbach und
Schleusingerneundorf organisiert werden. Um Kosten zu sparen, sollen statt des
ÖPNV Kleinbusse eingesetzt, die Synergieeffekte zum Bauhof genutzt werden. Die
Essenversorgung ist ebenfalls noch nicht endgültig gesichert. Fakt ist, daß der Zuschuß
von 50 Cent, den bisher der Landkreis zu jedem Essen dazu bezahlt hat, wegfällt.
„Teurer als 1,90 Euro wird es aber nicht werden“, verspricht Franz. Bis 23. Juni
sollen die offenen Punkte geklärt sein.
Natürlich muß kein Schulgeld bezahlt werden, zerstreut er die Bedenken einiger Eltern.
Die Bezahlung der Lehrkräfte übernimmt weiterhin das Land Thüringen und
auch die Lehrplaninhalte werden vom Land vorgegeben. „Für die Kinder ändert sich
zum neuen Schuljahr gar nichts.“ Der 50-Jährige freut sich darauf, nun endlich tätig
zu werden.
Der Bauzuschuß ist schon angewiesen, ein Konzept zur Sanierung des Plattenbaus
aus DDR-Zeiten in die Wege zu leiten. Das soll aber peu á peu geschehen, damit
man sich nicht finanziell übernimmt. Erst wird der vordere Teil der Grundschule in
Angriff genommen, und dann der hintere. „Vielleicht kann dort dann der Kindergarten
einziehen. Falls wir den Gebäudeteil nicht brauchen, können wir ihn aber auch abreißen“,
überlegt der Bürgermeister und wiegt seinen Kopf dabei.
Ginge es nach Drittklässlerin Lisa und ihren Klassenkollegen, müßten jedenfalls zuerst
die Toiletten saniert werden. „Die sind schon so alt“, sagt Lisa und rümpft das
Näschen. Sie ist trotzdem froh, daß sie nicht nach Schleusingen auf die Grundschule
muß. „Da müßte ich neue Freunde finden und hätte nicht mehr so einen großen
Spielplatz“, sagt auch Benjamin. Auch die neunjährige Julia möchte lieber in Hinternah
bleiben: „In Schleusingen sind viel mehr Kinder in der Schule und die Lehrer haben
nicht soviel Zeit für jeden Einzelnen.“ Die Knirpse finden es klasse, daß der Bürgermeister
sich so für ihre Schule eingesetzt hat. Warum, wissen sie allerdings nicht
so genau. Lisa überlegt kurz und fragt dann: „Wegen seiner Frau?“ Die sei schließlich
Hortnerin und hätte ja keine Arbeit mehr, wenn keine Kinder mehr da sind.
Auch die Eltern sind erleichtert, daß die Schule im Ort bleibt und haben angeboten,
bei der Sanierung mitzuhelfen. „Manche sind so euphorisch, da muß man sie sogar
ein wenig bremsen“, freut sich Schulleiterin Inge Drebenstedt. Sie hat als Gemeinderätin
die Entscheidung mitgetragen und keine Angst, daß nun kein Geld mehr für andere
Investitionen bleibt. „Eine Schule gehört genauso zu einer Gemeinde wie Straßen.“
Jetzt wird saniert
Thomas Franz sieht in dem Erhalt der Grundschule eine Chance für die Identität der
Einheitsgemeinde. „Natürlich ziehen wir uns ein zusätzliches Problem auf den Tisch
und natürlich werden wir immer die Finanzierbarkeit prüfen müssen. Aber die Kosten
sind zu bewältigen.“ 84.000 Euro müssen eingeplant werden. Abzüglich der Einnahmen
bleiben dann noch 45.000 Euro, die aus dem kommunalen Haushalt finanziert
werden müssen. Das sei es ihm wert, sagt Franz. „Die Gemeinde soll für die Bürger
attraktiv bleiben und junge Familien anlocken.“ Er kämpft energisch dagegen an, daß
sein Ort zu einer Wüstung wird, wie es sie schon zu oft in ländlichen Regionen gibt.
Rückendeckung . bekommt Franz von seinem Kollegen Peter Albach aus Weißensee.
Die kleine Stadt im Landkreis Sömmerda hat bereits 2003 den Schritt gewagt,
die Grundschule zu übernehmen - und es bis heute nicht bereut. „Die Entscheidungswege
sind viel kürzer, wir können die Zukunft des Ortes freier mitgestalten,
denn wir können die Mittel dort einsetzen, wo wir sie für richtig halten, nicht wo der
Kreistag sie einsetzen würde.“
Albach redet sich in Rage: „Ich kann die Ansichten des Landratsamtes in Hildburghausen
nicht nachvollziehen. Man kann alles kritisieren, sich alles zurecht rechnen,
um damit seinen Standpunkt zu begründen. Dann machen wir eben eine große
Grundschule in Erfurt und karren alle Kinder dort hin. Rechnet sich das etwa?“
In Weißensee läuft das Projekt so gut, daß man jetzt sogar die Trägerschaft des Kindergartens
übernommen und eine Vorschule eingerichtet habe. Der Bundestagsabgeordnete
Albach sinniert: „Alles von sich wegzustoßen, ist zu einfach. Wir haben
nur diese Chance, und der Anfang liegt bei unseren Kindern.“ Mehrere Anrufe von
Bürgermeistern habe er schon bekommen, vier waren bei ihm zum persönlichen Erfahrungsaustausch.
Auch Thomas Franz kam mit gestärktem Selbstvertrauen aus
Weißensee zurück.
Ob das Beispiel Hinternah Schule macht, wagt er nicht zu sagen. „Nur, wenn es die
Grundschule auch in drei Jahren noch gibt.“ Der Vorkämpfer bleibt realistisch. Seine
Kollegen in den Thüringer Kommunen jedoch scheinen angesichts der klammen Finanzlage
lieber den Verlust ihrer Schule hinzunehmen, als selbst tätig zu werden.
Stephen Krumrey vom Thüringer Gemeinde- und Städtebund bestätigt, daß seit 2003
nur Nahetal-Waldau einen Antrag auf Schulträgerschaft gestellt hat. Unbeugsame
Gallier sind in Thüringen offensichtlich rar gesät.
Schleusingerneundorf
Der Ort hieß früher „das Neundorf unter den Frauen“, das heißt unter Frauenwald. Er
wird 1406 urkundlich erwähnt. In Steinbrüchen wird Porphyrit gewonnen. Glashütten
befanden sich früher im Ort, von 1906 bis 1930 ein Glaswerk. Landwirtschaft und
Waldarbeit sind die beständigen Erwerbszweige. Im Glasbachtal rauchten auch noch
1970 die Kohlenmeiler, die einzigen im Kreis. Schleusingerneundorf gehörte zuerst
zum Pfarramt Schleusingen, seit 1662 zu Hinternah. Ein modern ausgestalteter Gemeindesaal
wurde kürzlich eingerichtet.
Forsthaus Schleusingerneundorf
In einem schnell hingeworfenen, bloß skizzierten Schreiben an den damaligen
Superintendenten in Schleusingen teilt Witthauer am 19. Januar 1709 mit: In Schleusingerneundorf
ist bei der Witwe des Hans Herlein Witwe ein Knecht in Diensten mit
Namen Martin Kühner von Heckengereuth. Über dessen übles Verhalten kann ich
mich nicht genugsam beschweren. Er hat sich fast ein Vierteljahr hier aufgehalten,
ehe ich etwas von ihm gewußt habe. Er gibt an, in der Stadt am Abendmahl teilgenommen
zu haben. Es ist aber schon mehrfach Klage über in eingegangen, daß er
fast alle Sonn- und Feiertage sich in Wirts- und anderen Häusern aufhielte, sich voll
saufe und andere Burschen verführt. Nachts schwärmt er auf den Gassen herum und
neckt die Leute und tut ihnen allerhand Possen an . Ich habe ihn mir schon zweimal
vorgenommen, bestraft und zur Besserung ermahnt. Es hat aber alles nichts gefruchtet.
Ich muß mit Verwunderung hören, wie er noch fast alle Sonntag seinen Mutwillen
treibt, einen scharfen, geschliffenen Degen bei sich trägt, grausam in Trunkenheit
flucht und schwört, auch verdächtige Dinge vornimmt, die fast einer Zauberei ähnlich
sind, Feuer, und Lichter im Mund hat, ganze Stücke vom Tisch abbeißet. Er droht
den Kirchenältesten, die Fenster einzuschlagen und den Söhnen die Ohren abzuzwacken.
Er ist ein Erz-Kirchenschwänzer. Einige ehrliche Leute haben Sorge, es
könnten ihre Kinder von ihm auch verführt werden. Am vergangenen Dienstag ist er
in der Nacht um ein Uhr herumgeschwärmt, hat häßliche Schlumperlieder gesungen
und erst dann nach Haus gegangen.
Einige Einwohner sollen sich schon vorgenommen haben, diese fremden ungehobelten
Gäste mit Prügeln aus dem Dorf hinauszuweisen, da dann leicht etwas daraus
entstehen könnte, worüber man Ach und Weh schreit.
Im Jahre 1889 hatte in Schleusingerneundorf auch ein ansteckender Typhus geherrscht,
an dem so viele erkrankten, daß sie zu Hause nicht mehr gepflegt werden
konnten, sondern in das Schulhaus und in den Saal des oberen Wirtshauses geschafft
werden mußten. Eine Diakonisse verpflegte sie und selbst der Erfurter Regierungspräsident
von Brauchitsch besuchte sie.
Von den Neundorfer Oberförstern zog zuerst Schwarz in ein Haus des früheren
Weinhändlers Gleichmann, dem auch die gegenüberliegende alte Schule gehört hat,
unter welcher jetzt noch Weinkeller sind, wenn sie auch nicht mehr den edlen Stoff in
so reichlichem Maße enthalten, wie früher. Denn dieser Landfuhrmann holte den
Wein von Schwaben und vom Rhein und fuhr ihn bis nach Leipzig und anderen östlichen
Städten.
Die Nachfolger des genannten Oberförsters waren dann Donner, der dann Oberlandesforstmeister
in Berlin geworden ist und am 1. April dieses Jahres in den Ruhestand
trat. Ihm folgte vom Jahre 1867 - 1882 Oberförster Brauns, später in
Bischofferode, dann Schulz 1882 - 1887, dann der katholische Oberförster Mezrem
1887 - 1891, der in den Regierungsbezirk Düsseldorf versetzt wurde, wo er bei einer
Fahrt über das Eisenbahngleis nach Vertauschung seines Sitzplatzes verunglückte,
am 30. Dezember 1897. Das war der gleiche Tag, wo der Glasmacher August Döhler
aus Schleusingerneundorf, als er im Begriff war, den Riemen vom Rade einer
Dampfmaschine abzunehmen, ausglitt und zu Stützerbach zermalmt wurde. Letzterer
hinterließ eine Witwe mit acht Kindern.
Dem Oberförster Mezrem folgte in Hinternah der Oberförster Hungerhausen, der aus
Hessen stammte, vom Jahre 1891 bis 1. September 1898. Er war auch Amtsvorsteher
und wurde dann als Forstrat nach Koblenz versetzt. Dem nachfolgenden Oberförster
und Amtsvorsteher Krause waren als Assessoren Herr Försterling bis 1902
und Herr Coß im Rindermannshof beigegeben, außerdem Herr Lauer als Sekretär
und Herr Freitag. In Schleusingerneundorf wohnen die beiden Förster Herr Korber
und Herr Buhne.
Mindestens ab 1902 mußte der Ort „Schleusingerneundorf“ benannt werden. Die Abkürzung
„Schleuneu“ kommt schon 1930 vor.
Ort als großes Bilderbuch
Der Ort hat seine Geschichte in Bilder gestellt. Mit vielen Ideen, Kreativität und Mühe.
„Eigentlich sollten zwölf Bilder gestaltet werden“, sagte Eva Bittorf vom Fremdenverkehrsamt.
„Aber es sind noch mehr geworden.“ In der Tat. Der ganze Ort ist ein
buntes Bilderbuch der Geschichte geworden. Kaum ein Vorgarten, kaum ein Hauseingang,
der nicht mit einem besonderen liebevoll gestalteten Blumenschmuck oder
einem historischen Detail aufwartet.
Gleich am Ortseingang aus Richtung Schmiedefeld wird gezeigt, wie die „Walddörfler“
früher gearbeitet haben. Sogar ein kleiner Pflanzgarten ist angelegt, historisches
Forstgerät ausgestellt. Die größte Mühe war es wohl, die Menschen nachzubilden,
da war besondere Kreativität gefragt. Alle Bilder sind mit Informationen ausgestattet,
so daß sich jeder, der sich auf Zeitreise durch den Ort begibt, informieren kann, was
es damit auf sich hat. Empfehlenswert bei diesem Spaziergang ist die Lesebrille.
Dann können die, die es nicht ohnehin schon wissen, auch nachlesen, wie die
„Nönneffer“ (Schleusingerneundorfer) zu ihrem Spitznamen „Deichselscheißer“ kamen.
Den hat ihnen, so ist es überliefert - wie kann es anders sein - ein Hinternaher „Besenbinder“
verpaßt. Die Nönneffer waren früher hauptsächlich Bauern, die ihre Felder
weitläufig bis nach Hinternah bestellten. Mit Kuhgespannen waren sie zur Erntezeit
von morgens bis spät abends unterwegs. Da kam es nicht selten vor, daß eine
Kuh das „Abendbrot“ verlor. Entsprechend sah die Deichsel aus. Aber es sollen wohl
auch Bauern beobachtet worden sein, die auf der Deichsel einem Bedürfnis nachkamen.
Ungeklärt ist also die Frage: „Nönneffer Deichselscheißer. War es die Kuh
oder der Bauer?“
Es gibt noch sehr viel mehr zu sehen unterwegs durch den Jubiläumsort: einen Wäscheplatz,
eine Milchabgabestelle oder die Ammfraa Emma Hoffmann (1871-1944),
die 1295 Kindern auf die Welt geholfen hat. Auch einem Wilddieb kann man begegnen.
Schauen Sie, liebe Leser, am besten mal vorbei.
Manches kostbare Ausstellungsstück mußte freilich vor Sonne und Regen geschützt
werden und wurde unter Plastefolie versteckt. Aber zum Festwochenende ist garantiert
alles gut zu sehen.
Waldau
Rekordbesuch beim Brunnenfest in Waldau Sommer 2002
Die Welt traf sich gestern nachmittag in Waldau. Mehr als 600 Besucher waren zum
Brunnenfest rund um den Bergbrunnen gekommen, „soviel wie noch nie“, freute sich
die Vorsitzende des Brunnenvereins, Brigitte Schmidt. Brigitte Schmidt und ihr Team
hatten da schon eine Mammutaktion hinter sich. „Wenn ich die Augen zumache, sehe
ich Klöße!“ scherzt sie. Der Ansturm auf das Mittagessen war enorm. 300 Klöße
haben die Frauen eingelegt, um alle Essenwünsche zu befriedigen. Der Braten und
das Kraut haben dann doch nicht ganz gereicht. Manfred Kost, Vorstandsmitglied
des Brunnenvereins meinte: „Die Frauen haben sich ein großes Dankeschön verdient!“
„Nach der Disco am Samstagabend fing der Sonntag mit Gottes Segen schon gut
an“, sagte Sybille Brückner. „32 Besucher kamen zum Gottesdienst am Bergbrunnen
mit Pfarrer Stephan Münch, und wir sind sehr froh und dankbar, daß der Posaunenchor
Hinternah trotz Urlaubszeit für uns gespielt hat.“
Der Brunnenverein Waldau kann sich auf die Fahnen schreiben, ein super Fest initiiert
zu haben. Das fand auch Nahetal-Waldaus Bürgermeister Thomas Franz, der
sich gestern nachmittag unter das gutgelaunte Volk mischte und sich freute, daß die
Leute von Hinternah und Schleusingerneundorf, von Schleusingen und anderswo
gekommen waren. Jede Menge Biertisch-Garnituren mußten flugs noch von der
Feuerwehr geholt werden.
Drei Damen aus Schleusingen waren eigens angereist, um den jungen Tenor Andre
Hiltmann singen zu hören und hatten ihn dann doch verpaßt. Schnell schmetterte der
ihnen mal ein „Sole mio“ extra und schrieb fleißig Autogramm-Plakate. Indes bauten
die Ansbachtaler auf und heizten ein. Aber auch die Streufdorfer Mädchen Michele
und Lisanne aus dem Klaus-Rogler-Rennsteigspatzen-Team kamen gut an.
An der Spielstraße konnten die Kinder diesmal u. a. eine alte Technik kennenlernen
und sich Bälle filzen, sich von Clown Arno Luftballon-Figuren formen lassen oder am
Glücksrad der Dekra drehen. Für einen Spieleinsatz konnte beim Würfeln ein gutes
Werk für die Sanierung des Brunnens an der Hauptstraße getan werden.
Die Ansbachtaler werden 15
Uli Oldenburg, Jürgen Fritz und Kersten Bär sind zwar schon etwas älter (was man
ihnen natürlich nicht ansieht), aber als „Die Ansbachtaler“ im besten Teenie-Alter.
Seit 15 Jahren stehen sie auf der Bühne. Und das Jubiläum wird am Sonntag zünftig
gefeiert.
Wer kennt sie nicht, die Vollblutmusikanten aus dem idyllischen Ort Waldau? Inmitten
von Bergen, Wäldern und Wiesen liegt das schöne Ansbachtal im Thüringer Wald,
das natürlich auch in den Liedern der Jungs eine große Rolle spielt. Bereits seit ihrer
frühesten Jugend sind die drei Musikanten Uli Oldenburg (Waldau), Kersten Bär
(Schleusingen) und Jürgen Fritz (Hinternah) musikalisch aktiv und musizierten in verschiedenen
Blasorchestern und Tanzkapellen.
Die Geburtsstunde des Trios schlug während der Hochzeitsfeier eines Freundes im
Jahr 1978. Von da an machten die drei zusammen Musik - sind sie bis heute in der
gleichen Besetzung und ohne Unterbrechung über die Wende gekommen, unterwegs.
Die Idee, sich mehr der Thüringer Volksmusik zuzuwenden, kam den drei Musikern,
als immer mehr Fremdenverkehrsvereine und Urlauberorte sie zu Begrüßungs- und
Abschiedsabenden für Feriengäste holten. Seit dieser Zeit stehen die Ansbachtaler
nur noch m Trachtenhemd und in der Lederhose auf der Bühne.
Getragen von Begeisterung, guter Laune und garantierter Stimmung - Hauptmotto
des Trios - brannte bei unzähligen Auftritten ein Feuerwerk der Volksmusik ab. Nicht
nur musikalisch setzen die Musikanten mit ihrem Repertoire Akzente. Mit viel Humor,
Witz und entsprechend lustiger Kostümierung wird den Zuschauern über Tisch und
Bänke eingeheizt.
Kreativ wurden viele eigene Titel geschrieben, die bisher auf sechs verschiedenen
Tonträgern erschienen sind, und die nächste CD wird schon vorbereitet.
Rundfunk- und TV-Sendungen machten die Gruppe auch über die Grenzen Thüringens
bekannt. Auslandsgastspiele in Slowenien, der Schweiz und Kanada zählten zu
den musikalischen Höhepunkten der Ansbachtaler.
Nun feiern Uli Oldenburg, Jürgen Fritz und Kersten Bär ihr 15jähriges Jubiläum - natürlich
in Waldau, wie vor fünf Jahren das 10-jährige - mit vielen Gratulanten, darunter
die Fans aus nah und fern. Andrea & Manuela, selbst bekannt durch unzählige
Fernsehauftritte, überreichen einen musikalischen Blumenstrauß, der Humorist Günti
wird als lustigster Sachse über die Thüringer Grenze kommen. Urige Musikanten aus
Bayern und noch ganz jung sind Florian & Florian, aber schon eine Garantie für ausgelassene
Stimmung, deshalb erhielten sie auch bei Stefan Raab einen Raab der
Woche. Sonntag, ab 14 Uhr, wackelt das Waldauer Festzelt.
Hotel Bergkristall
Trotzig steht das Hotel Bergkristall auf der kleinen Anhöhe über Waldau. Eine große
Fensterfront zum Tale weisend. Zum Ort der Gemeinde Nahetal-Waldau im Landkreis
Hildburghausen hin. So als wolle das Gebäude sagen: „Hier gehöre ich dazu.
Hier bleibe ich.“ Daß es bleiben wird, ist unstrittig. Doch als was? Das Gästehaus,
das eines der größten Hotels der Region ist, ist seit einem halben Jahr verkauft.
In aller Stille, hinter verschlossenen Türen wurde es aus Insolvenzmasse an Hans-
Werner Richter verkauft , einen Betreiber von Altenpflegeeinrichtungen - mit Zustimmung
der Kreissparkasse Hildburghausen, die der größte Insolvenzgläubiger war.
Nun soll es ein Alters- und Pflegeheim werden. Als die Öffentlichkeit das im nachhinein
erfuhr, liefen große Teile der Gemeinde Sturm gegen den Verkauf. Denn die
Kommune fürchtet nun um ihren Status als staatlich anerkannter Erholungsort. Und
sie hat Angst, daß auf dem Berg bald eine Ruine stehen könnte. Deshalb steht die
Frage, ob die Sparkasse mit ihrer Zustimmung zum Verkauf gegen ihren öffentlichen
Auftrag verstieß.
Drei von vier Gästen nutzten Bergkristall
Sicher ist: Das Bergkristall wird nie wieder als Hotel öffnen. So trotzig es auch auf
dem Berg stehen mag. Das ist eine unwiderrufliche Wahrheit. Eine, die viele nicht
gerne hören. „Doch der Kristall“, in der Diktion der Freunde des Hauses, „hat aufgehört
zu funkeln“. Ob es angesichts dieser Veränderung im Jahr 2013 wieder den Titel
„Erholungsort“ für Waldau geben wird, ist fraglich. Denn das Vorhandensein eines
Hotels ist eines der wesentlichen Kriterien für die Vergabe des Titels. Und auch jenseits
von Buchstaben könnte der Verlust des Hauses einen Schlag für die Region
insgesamt darstellen: „Wir hatten 2007 in der Gemeinde Nahetal-Waldau etwa
24.000 Übernachtungen“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Matthias Schupp.
„Über 70 Prozent davon entfielen auf das Bergkristall.“
Das Thema Bergkristall bewegt deshalb ihn wie die ganze Gemeinde seit Monaten
schon.
Es hat Unterschriftenaktionen gegen den Verkauf gegeben. Aufrufe. Ungezählte Leserbriefe
sind dazu bei Freies Wort eingegangen. Fast ausnahmslos hatten die sich
für den Erhalt des Hotels ausgesprochen. „Zu DDR-Zeiten“, erklärt Schupp diese Art
der öffentlichen Willensbekundung, „war das Haus in unzähligen Arbeitsstunden als
Kulturhaus gebaut worden.“
All das ist für den neuen Eigentümer von geringem Interesse. Er will nicht einfach ein
Alten- und Pflegeheim aus dem Bergkristall machen. Eine „Seniorenresidenz“ soll es
werden, sagt er manchmal. Oder er benutzt den Begriff „Pflegezentrum“. 70 Bewohner
will er schrittweise unterbringen; bis zu 60 Arbeitsplätze schaffen. Das sind für
ihn die Argumente, die zählen.
Das Hotel habe sich „doch gar nicht gerechnet“, meint er, und geht damit auf Konfrontationskurs
zur ehemaligen Pächterin und zu deren Anwältin, die behaupten, „daß
das Bergkristall schwarze Zahlen geschrieben hat“. Es ist das Spiel mit den Zahlen.
Rechnet man Zinsen und Tilgung in die Gewinn-Verlust-Bilanz ein, ergibt sich dieses
Bild, rechnet man sie heraus, ergibt sich jenes.
Politik sieht keinen Bedarf für Altenheim
Ebenso zählt für Hans-Werner Richter nicht, daß der stellvertretende Landrat und
Sozialdezernent des Landkreises Hildburghausen, Helge Hoffmann, unlängst erklärte,
für ein weiteres Alten- und Pflegeheim bestehe im Landkreis überhaupt kein Bedarf.
„Ich komme aus der Branche. Ich weiß, wovon ich spreche“, entgegnet er. „Die
werden mal froh sein, daß es dort ein Pflegezentrum geben wird.“ Richter betreibt
seit Jahren eine Einrichtung für ältere Menschen: das Seniorenlandhaus in
Schwickershausen bei Meiningen. Jetzt will er sein Netz von Pflegeangeboten um
einen weiteren Stein ausbauen.
Der Konflikt ist deshalb vorprogrammiert. Die Gemeinde will mit dem Tourismus Geld
verdienen, Richter mit der Unterbringung alter Menschen. Ironisch an der Sache ist:
Nahetal-Waldau kann diese Pläne theoretisch verhindern. Im vorhabenbezogenen
Bebauungsplan (vBP) für das Bergkristall ist ein Hotel festgeschrieben.
Will Richter nun ein Pflegezentrum aus dem Haus machen, braucht er die Zustimmung
des Gemeinderates, der dafür einen neuen vBP verabschieden muß. Doch
das wird er tun. Egal wie gut, mittelmäßig oder gar schlecht die Pläne den Gemeinderäten
gefallen. Sie haben keine Alternative. „Das schlimmste, was uns passieren
kann, ist, daß das Bergkristall leer steht und verfällt“, sagt Matthias Schupp und formuliert
damit vorsichtig nichts anderes als: Auch wenn wir es nicht mögen, wir müssen
die Senioreneinrichtung dort genehmigen. Die Logik dahinter: Besser ein Altenund
Pflegeheim
auf dem Berg als eine Ruine. Hans-Werner Richter weiß das. „Ich setze darauf,
daß die Gemeinderäte vernünftig sind und im Sinne ihrer Gemeinde entscheiden.“
So klingt das bei ihm.
Geräuschlos vollzogener Verkauf
Denn mit dem heimlichen Verkauf sind vollendete Tatsachen geschaffen worden. Vor
drei Jahren hatte man schon einmal versucht, das Haus zu veräußern. Nach massiven
öffentlichen Protesten war dieses Vorhaben gescheitert. In der Verschwiegenheit
des Jahreswechsels 2007/2008 gelang es dann schließlich. Für 1,3 Millionen Euro
ging das Haus an Richter. Die Frau, die das Haus aus der Insolvenzmasse gepachtet
und bis Ende März als Hotel betrieben hatte - und dies auch weiterhin tun wollte -,
hatte nicht einmal die Hälfte geboten. Aus Sicht Richters ein Coup. Aus Sicht der
Gemeinde ein Desaster.
Gerade der Stil des Verkaufs ist es, der der Kreissparkasse Hildburghausen viel Kritik
eingebracht hat. „Befremdlich“ nennt Schupp ihn. Jenseits des Sinns und Unsinns
der Transaktion. Laut Thüringer Sparkassengesetz sind diese nämlich verpflichtet,
„dem gemeinen Nutzen“, zu dienen, wie es in Paragraph 2 heißt. Und weiter steht
dort: „Die Sparkassen führen ihre Geschäfte nach kaufmännischen Grundsätzen unter
Wahrung ihres öffentlichen Auftrags; die Gewinnerzielung ist nicht Hauptzweck
des Geschäftsbetriebs.“ Genau diesen Passus, sagen Kritiker, habe die Sparkasse
nicht berücksichtigt, als sie die Zustimmung zum Verkauf gab. Die Sparkasse hätte
damit wie eine private Bank gehandelt.
Brisanter wird all dies noch, wenn man fragt, wer ab wann wußte, daß die Pläne, aus
dem Bergkristall ein Altersheim zu machen, einen neuen vBP er fordern wurden.
Denn auch wenn Hans-Werner Richter der Presse gegenüber angibt, er habe davon
vor Unterzeichnung des Kaufvertrages Kenntnis gehabt, erinnert sich Matthias
Schupp an einen Auftritt Richters vor dem Gemeinderat Nahetal-Waldau anders:
„Dort hat er öffentlich gesagt, daß er nicht wußte, daß der vorhabenbezogen Bebauungsplan
neu gemacht werden muß.“
Dafür spricht immerhin, daß Richter nach eigenen Angaben vorhatte, im August dieses
Jahres die ersten Bewohner in Waldau zu begrüßen. Diesen Termin wird er nun,
da noch nicht mal ein Gemeinderatsbeschluß für einen neuen vBP vorliegt, keinesfalls
halten können. Die Sparkasse, da ist sich Schupp sicher, habe aber von all dem
Kenntnis gehabt.
So oder so: Die Kreissparkasse glaubt, in der Sache Bergkristall völlig richtig gehandelt
zu haben. In einer Presseerklärung hatte der Vorstandsvorsitzende des Instituts,
Norbert Natterer, im März darauf verwiesen, daß die Sparkasse gar nicht Eigentümer
des Objekts war und deshalb nicht für den Verkauf und die weitere Nutzung verantwortlich
gemacht werden könne. Gleichzeitig sagte er, es habe dabei „keinen Ermessensspielraum“
gegeben. Es müsse aber klargestellt werden, „daß eine Sparkasse
nicht dafür da ist, karitative Regionalförderung zu betreiben“. Dieser Stellungnahme,
so Natterer, habe er nichts hinzuzufügen.
Ein Negativbeispiel aus der Gemeinde
Die Kritik der letzten Monate wird das Hotel nicht zurückbringen. Selbst wenn Richters
Plan für ein Altenheim scheitern sollte, wird sich kaum jemand finden, der das
Bergkristall wieder zum Gästehaus macht. Zu groß dürften in diesem Fall die erneuten
Investitionskosten sein. Da ist sie wieder, die Angst vor der Ruine auf dem Berg.
Die ein Produkt schlechter Erfahrungen ist: Das ehemalige Reichsbahn-
Erholungsheim in Hinternah, das ebenfalls zur Gemeinde gehört, wurde vor Jahren
von einem vermeintlichen Investor gekauft. „Bis zum heutigen Tag sind keine Aktivitäten
zu erkennen, die auf eine sinnvolle Nachnutzung schließen lassen“, sagt Matthias
Schupp.