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Maintal Wachenbuchen

 

Wachenbuchen

 

Chronik:

Unter dem Titel „Liebenswertes Wachenbuchen“ habe ich 1998 eine Chronik herausgegeben, die zum Preis von 20,35 Euro in den Stadtläden und im Buchhandel zu erhalten ist. Zu dieser Chronik gibt es aber Berichtigungen:

 

Druckfehler in „Liebenswertes Wachenbuchen“:

(Diese sind zum Teil auf die nachträgliche Korrektur des Verlags zurückzuführen)

 

Seite

Fehler

Vorsatzblatt vorne:

Unterschrift „Alte Straßen und Wasserläufe, Bodenfunde“

Vorsatzblatt hinten:

Unterschrift „Flurkarte und Waldgebiete“

 

2

Außer der Stadt Maintal haben den Druck dieser Chronik durch einen       Zuschuß gefördert:   Raiffeisenbank Maintal,

          Sparkasse Hanau,

          Firma Jean Fix und Söhne

          Bäckerei Allar.

Korrekturlesung: Beate und Johannes Schmidt, Bischofsheimer Straße 24

3

Ein Bild ist eventuell noch von Tauber, Günter, Alt Wachenbuchen 37

Repros: Ursula und Norbert Schoor, Plättenweide 15 (Verein Heimatmuseum Maintal)

13

Ergänzen in Spalte rechts, Zeile 11: Bild Seite 95

14

Die Fundstelle 99 ist „Auf denMaueräckern“ (es gibt auch „Auf den Mauerecken“ in Flur 25)

21

Rechte Spalte: Die alten Rittersleut (ohne Apostroph-Zeichen)

37 

Rechte Spalte, Zeile 2: eines echten Alarms

39 

Linke Spalte, ganz unten: am 28. und 29. März

51

Linke Spalte: Der letzte Absatz über Kaspar Mankel ist zu ersetzen durch:

Am 18. Juni 1918 verunglückt er in Frankfurt tödlich. Er will Kriegsgefangene für die Wachenbucher Bauern beschaffen. Als er von einer Straßenbahn abspringt, wird er von der Deichsel eines Fuhrwerks erfaßt und so schwer verletzt, daß er im Krankenhaus stirbt (Siehe Anmerkungen unten)

53

Das Bild zeigt Schulrat Fett, nicht Schulrat Simdorn (lt. Familie Werner)

54

Linke Spalte, vorletzter Absatz: Günter Hack (fettgedruckt)

69

Linke Spalte: (Bildunterschrift ohne Punkt)

81

(zum Bild) Baumwärter-Kursus 1914 in Hanau, mit Philipp Müller

81

Rechte Spalte, achte Zeile: Absatz vor: „Die Eingabe…“

89

Linke Spalte, unter „Betirebsplan“: „Hinterm Hof Hohe Tanne (ohne Komma)

91

Linke Spalte, erste Zeile.: „ ... gewesen und durch das Schleifer“ (kein Komma)

104

Rechte Spalte, 6. Zeile:„..Kriegerverein gesetzt)(Punkt außerhalb der Klammer)

134

Linke Spalte, 8. Zeile: „…auf ihre Kosten erneuern soll, holt sie.....“

144

Linke Spalte, 4. Absatz: „Im Haus Nr. 6 war das Lebensmittelgeschäft der Familie Stein, danach Rehm....“

160

Rechte Spalte:         Das Haus Nr. 4 ist um 1850 von Michael Puth  und Katharina geborene Stein  erbaut. Besitzer ist seit 1990 die Familie Schmidt. Das Haus Nr. 6 gehörte Philipp Klees. In Nr. 8 wohnte Kaspar Giesel, heute Fritz Günther; die Scheune brennt 1994 ab und wird neu gebaut.(evtl. Absatz vor: Das Haus Nr. 7...)

166

Linke Spalte, 10. Zeile: „Fonds » (statt Fond) [Fehler des Verlags]

187

Rechte Spalte, ganz unten rechts :Anführungszeichen bei „Mühle“

201

Rechte Spalte, fünfte Zeile von unten: Leerstelle vor „…Die“

211

Das Bild rechts oben zeigt den Grabstein des Ehepaars Reinhardt

243

(Bildunterschrift) Sängerfest 1925, wahrscheinlich Frauen des Gesangvereins Vorwärts mit der Fahne des Vereins (heute: Fahne der Turner) oder Ehrenjungfrauen des Gesangvereins „Concordia“

257

Linke Spalte. 4.Zeile von unten: „Phil-ipp Müller“ (Silbentrennung)

259   

Linke Spalte, 3.Absatz: Aus Wachenbuchen werden hervorragende Spieler gestellt von den Familien .... und anderen

263

Rechte Spalte, 2.Absatz von unten: „Auf Beschluß der restlichen Mitglieder des 1864 gegründeten Gesangvereins.. ..Graf Gustav von Ysenburg und Büdingen (Der Name ist außerdem zu ändern auf Seite 215

 

Ergänzungen zur Chronik:

 

Viergötterstein (zu Seite 12):

 Viergöttersteine oder andere Fragmente aus römischen Bauten gibt es oft in hessischen Kirchen (vgl. Baatz/Herrmann: Die Römer in Hessen, 1982). Es könnte doch so sein, daß man nur an dem Baumaterial interessiert war und nicht einen religiösen Hintergrund damit verband.

 

Abschuß von Fliegern (zu Seite 38):

Als ein englisches Flugzeug am Hühnerberg abgeschossen war, wurden die Wachenbucher Flakhelfer losgeschickt, sie gefangen zu nehmen. Einer der Flieger war so verletzt, daß er auf einem Schlitten zur Sammelstelle im Bürgermeisteramt Hochstadt gebracht werden mußte. In Hochstadt wurde ihm ärztlicher Beistand verwehrt. Es sagte aber doch irgendjemand Dr. Seufert Bescheid. Der kam und nahm den Verletzten mit in seine Praxis. Dr. Seufert war ein Nazigegner und hat auch 1938, als er in Hanau Vertretungsdienst machte, sich nach der Pogromnacht für die Juden eingesetzt.

 

Karl Mankel (zu Seite 51):

Eintrag von Pfarrer Blendin in eine Bibel, die er den Eheleuten Peter Mankel und Maria Klara geborene Lenz zur Goldenen Hochzeit 1919 schenkte:

„Am 18. Juni 1918 ist der Ehemann in Frankfurt von einem Fuhrwerk überfahren worden, welches seinen Tod zur Folge hatte.“ - „Der älteste Sohn Kaspar wurde im Jahr 1898 zum Bürgermeister in hiesiger Gemeinde gewählt und bekleidete das Amt bis 18. Juni 1918, wo er in Frankfurt tödlich verunglückte.“

Von der Familie wird dazu noch berichtet: Der Bürgermeister war dienstlich in Frankfurt, um Kriegsgefangene für die Wachenbucher Bauern zu „besorgen“. Als er bemerkte, daß er in die falsche Straßenbahn eingestiegen war, sprang er ab und wurde von einem Fuhrwerk erfaßt. Die Deichsel verletzte seine Milz. Im Hospital zum Heiligen Geist ist er vierzehn Tage später gestorben.

 

Läusbaum (zu Seite 72):

Östlich des Steder Waldes steht der „Läusbaum“. Der Name kommt nicht von den Blattläusen und auch nicht von den Zigeunern, die hier gelagert und sich „gelaust“ haben sollen. Solche „Läusbäume“ gibt es auch anderswo, zum Beispiel in Bad Vilbel auf dem Schöllberg in der Nähe der katholischen Kirche „Verklärung Christi“. Dort trafen sich die Wege nach Vilbel, Frankfurt und Offenbach, in der Nähe trafen sich die Grenzen von Hessen-Darmstadt, Hessen-Homburg und der Grafschaft Hanau.. „Läusbäume“ stehen allgemein an verkehrsstrategisch günstigen Plätzen. „Läus“ kommt wohl eher vom mittelhochdeutschen „Lüs“, was soviel wie „Versteck“, „Hinterhalt“ oder auch „Raststelle“ meint. Oder der Name kommt von „Geleit“, so daß der Volks­mund aus „-leit“ dann „läus“ gemacht hätte.

 

Kirche (zu Seite 126):

Den Wiederaufbau der Kirche in Wachenbuchen leitete Architekt Werner Bange, die Bauleitung bei der Kirche in Hohe Tanne hatte Architekt Rainer Bange aus der Hohen Tanne (der Plan stammte allerdings aus dem Landeskirchenamt).

 

Bilder in der Kirche (zu Seite 130):

Am 13. Februar 2012 schreieb Frau Heide Voepel, Am Bächelchen 40,  60388 Frankfurt/Main, daß ihr die Herstellung der Fenster eine wirkliche Herzensaufgabe war. Diese wurde nur dadurch nachträglich etwas getrübt, als Pfarrer Müller in Veröffentlichungen ihre Urheberschaft zunächst nicht bestätigen wollte. (Dass ich Anregungen zur kirchlichen Symbolik durch Gespräche, auch mit Pfarrer Müller, bekam, schließt ja meine Originalität nicht aus). 

Ich habe ihr geantwortet: Für das Jubiläum 1998 in Wachenbuchen habe ich im Auftrag der Stadt Maintal eine Chronik geschrieben. Dazu habe ich auch das Material der Kirchengemeinde ausgewertet. Dabei war auch die Beschreibung der Bilder. Sie ist also nicht von mir. Ich meine, es habe sich um ein Extra-Faltblatt gehandelt oder um das Kirchenblättchen. Ich meine auch, daraus hätte ich Ihren Namen übernommen, ich glaube kaum, dass ich das von anderer Seite habe. Es ist also wohl doch so, dass man bei der Kirchengemeinde von der Urheberschaft weiß. Die Bilder wurden ja inzwischen etwas wieder aufgefrischt. Mir sagen sie sehr zu, wenn ich einmal in der Wachenbucher Kirche bin, jedenfalls besser als die Bilder an den Emporen und vor allem als die Pappmaché-Köpfe.

 

Jüdische Gemeinde (zu Seite 207):

Die israelitische Elementarschule in Wachenbuchen wird schon 1864 mit 17 Schülern erwähnt. Im Jahre 1870 ist Samuel Birk der Lehrer. Im Jahr1875 ist Jakob Rothschild der Lehrer, ab 1877 dann Jakob Emmerich. Im Jahre 1893 hat die Schule 25 Schüler, 1893 dann 23 Schüler und 1900 noch 16 Schüler. Danach geht die Schülerzahl weiter zurück: 16 Schüler sind es 1924 und 10 Kinder noch 1933.

Die religiöse Einstellung der Gemeinde ist konservativ. die Mitglieder sind Geschäftsleute, Viehhändler und Metzger (aus: Paul Amberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen).

 

Johann Acker ‑ Vater und Sohn (zu Seite 217):

Philipp III. von Hanau entschied sich für die reformatorische Lehre, und somit hatten alle Menschen in der Grafschaft Hanau den neuen Glauben zu haben. Sein Vater hatte schon 1548 alle Pfarrer aufgefordert, ihr Glaubens­bekenntnis schriftlich zu hinterlegen. In diesem Jahr ist zum ersten mal seit 120 Jahren wieder etwas aus der Wachenbuchener Kirchengeschichte zu hören: Ein Pfarrer Konrad Rulmann wird da genannt, aber nur im Zusammenhang, daß er Wa­chenbuchen verläßt. Vielleicht wegen dieses Glaubensbekenntnisses, denn möglicher­weise war er noch katholisch.

Der neue Pfarrer Johann Acker bekannte sich zu der Bekenntnisschrift, die die Evangelischen vor dem Reichstag (1530, ebenfalls in Augsburg) vorgelegt hatten. Auch Johann Emmel in Mittelbuchen bekannte dies. Der Reichstags­beschluß von 1555 sicherte dann sieben Jahre später ab, daß das auch alles so in Ordnung war.

Der Nachfolger Ackers war sein Sohn, der auch Johann Acker hieß. Er übernahm die Wachen­buchener Pfarrstelle im Jahr 1585. Auch er bekannte sich zum Augs­burger Bekenntnis. Sie­ben Jahre war er auf sei­ner Stelle in Wachen­buchen, als ein neuer Graf an die Regierung kam. Philipp Ludwig II., der Ehemann der Katha­rina Belgica. Und neue Besen kehren gut. Er versicherte sich erneut, daß alle Pfarrer sich auch (diesmal nun zu dem etwas anderen) refor­mierten Bekenntnis hiel­ten, aber Acker junior sprach vom Bekenntnis seines Vaters. Der Graf setzte ihn ab und verwies ihn außer Landes. Im Jahre 1596 mußte er seinen Heimat­ort Wachenbuchen ver­lassen.

 

Jungbauernverein (zu Seite 249):

In den dreißiger Jahren gab es auch einen Jungbauernverein, dem die Söhne der Wachenbuchen Landwirte und auch die jungen Landarbeiter angehörten. An den Sonntagen fanden Feldbegehungen statt, bei denen über den Stand der Kulturen, Unkräuter und Schädlinge gesprochen wurde. Wöchentlich traf man sich im Nebenraum der Gaststätte „Zur Krone“ zu Besprechungen und Vorträgen. Vorsitzender war Wilhelm Schäfer.

 

Übersicht über die Chöre (nach Philipp Puth) (zu Seite 255):

1863  Gründung des Gesangvereins „Concordia“, bis etwa 1967

1864  Gründung des Gesangvereins „Harmonie“ aus Sängern der „Concordia“

1903  Gründung des Gesangvereins „Vorwärts“ aus Sängern der „Concordia“

1906  „Turn- und Gesangverein Vorwärts“

1919  Gründung des „Männerquartett 1919 Wachenbuchen“

1926  Umbenennung in „Ruth’sches Doppelquartett“

1932  Gründung des Kirchenchors       

1934  Gründung des Gemischten Chors der „Concordia“

1967  Auflösung des Kirchenchors und des Gemischten Chors               

 

Peter Puth, der Dirigent der „Concordia“, wurde am 26.10.1903 in der Mittelbucher Straße 4 geboren. Er erlernte den Beruf eines Landwirts und schloß die Landwirtschaftsschule Hanau mit gutem Erfolg ab. Durch den Musikdirektor Jean Brodt wird er angeregt, sich im Gesang ausbilden zu lassen. Er zieht nach Frankfurt und singt im Chor des Operettentheaters mit. Im Jahre 1931 kehrt er nach Wachenbuchen zurück Er wird Reichsbahnbeamter, heiratet und übernimmt verschiedene Gesangvereine als Dirigent, darunter auch die „Concordia“ und den neugegründeten Kirchenchor. Höhepunkt seines Wirkens ist die Einhundertjahrfeier der „Concordia“ im Jahre 1963. Nachdem er am 7.3.1964 eine Singstunde in Bruchköbel gehalten hat, verstirbt er in der Nacht zum 8.3.1964. Nach seinem Tod zerfallen die Chöre, der Gesangverein „Concordia“ und der Kirchenchor werden 1967 aufgelöst.

 

 

 

Ergänzungen zur Wachenbucher Chronik aus dem Buch von Sauer:

 

Die Siegel auf Seite 58 und 59 sind eine sehr gute Zusammenstellung.

 

Mühle (S.101.106): Einst hatte ein Mann die Mühle gekauft. Als er aber starb, heiratete seine Frau den Ritter Moffel, der aber auch wieder starb. Da verpachtete sie die Mühle an Conrad von Elkershausen, der ihr sechs Achtel Korn im Jahr als Pacht zahlen mußte. Als die Frau kinderlos starb, wollte Konrad das Geld wieder haben, das er in die Mühle gesteckt hatte. Er verkaufte sie für sechs Gulden an einen Interessenten, der dann aber nicht zahlte. Da nahm Konrad die Mühle wieder in Besitz. Eines Tages aber hörte er von einem Gunthram von der Nonne, der als Verwandter Ansprüche auf die Mühle erhob. Aber Wenzel von Wachenbuchen gab die ganze Geschichte dem Rat und der Stadt Hanau zu Protokoll und appellierte an sie, daß Conrad die Mühle behalten sollte. Das ist dann auch wohl geschehen. Im Jahre 1405 verleiht Konrad Schone in Wachenbuchen die Mühle mit Wasser und Hofstätte an Henchen Müller aus Köbel für 4 Achtel Korn, 2 Pfund Wachs und 1 ½  Schilling.

Niederhof  und Landverkauf (107): Ludwig zu Ysenburg gibt 1461 den Niederhof in Wachenbuchen ans einen Verwandten Diether von Ysenburg mit dem Recht, daß seine Kinder das Recht am Hof erben. Land wurde oft mit Wiederkaufsrecht verkauft: 1469 verkaufen nach diesem Recht Steder Clese, Henne Stole  und Contz Fryckel und ihre Frauen Land für insgesamt 20 Gulden an den Hanauer Bürger Henne Burgharth.

Fehde (108): Am 15. August 1465 erklären drei Männer - Heinz Forstmeister, Henchen Franke und Heinz - die Fehde an Brand und Heinrich Knobelauch, an den Priester Rule und den Schelm Jeckel.. Sie zeigen die Fehde der Gemeinde Wachenbuchen und der Stadt Frankfurt an und haben dadurch die Möglichkeit, ihr Recht auf eigene Faust zu suchen.

Pfarrer (118): Wer nach dem Weggang von Gerlach nach Mainz sein Nachfolger in Wachenbuchen wurde, ist nicht ganz sicher. Es scheint ein Pfarrer namens Heiso gewesen zu sein, der 1407 erwähnt wird. Ihm folgte spätestens 1411 Ludwig Antreff, der spätestens 1430 nach Mittelbuchen wechselte.

(Anmerkung: Die alten Akten nach dem Jahre 1400 wurden aus Zeitgründen von mir nicht ausgewertet).

 

Jagdsachen 1609 (133): „Die Unterthanen zu Wachenbuchen fangen im Wildbann der Grafschaft Hanau Rehe, Hasen und Füchse“.

 

Hinrichtung 1679 (140): In Mittelbuchen lagen 1679 Lüneburgische Reiter. Unter ihnen auch Jakob Lämblein aus Bremen und Adam Ziegler aus Schwaben. Nach einer Zechtour Hanau trafen sie auf einem Waldweg nach Mittelbuchen einen Fremden, der sie wegen ihres Verhaltens rügte. Da erstach ihn Ziegler mit über 120 Stichen, obwohl der Fremde fliehen wollte. Am 31. Mai 1679 wurden sie „auf einer grünen Aue“ bei Wachenbuchen mit dem Schwert hingerichtet.

 

Branntweinbrennerei auf dem Hofgut (154): Im Jahre 1813 stellte Friedrich Giebel der Pächter des von Edelsheim’schen Hofguts, den Antrag auf Errichtung einer Branntweinbrennerei auf dem Hof. Er will sich damit auch entschädigen für die großen Einquartierungen im Vorjahr.

Holzverkauf (154): Bäume durften erst gefällt werden, nachdem das Amt zugestimmt hatte. Als man 1813 drei Eichen voreilig gefällt hatte, mußte man mit dem Verkauf warten, bis die Genehmigung kam, und mußte weitere Tannen erst einmal stehen lassen.

 

Überschwemmung 1813 (154): Am 30./31. Mai 1813 gab es eine große Flut in Wachenbuchen mit Gewitter und Wolkenbrüchen. Es wurden Gebäude und Mauern weggeschwemmt.

 

Die Hanauer Tracht (!62): Sehr seltene Darstellung, aber eine Quelle wird nicht angegeben.

Robert Blum in Wilhelmsbad (168): Am 14. Mai 1848 kam Robert Blum nach Wilhelmsbad, ein Buchhändler aus Leipzig, Revolutionär und republikanischer Demokrat, Mitglied der Paulskirchenversammlung. Bei einer Großveranstaltung erläuterte er seine Vorstellungen von einer zukünftigen deutschen Republik. Er wurde noch im gleichen Jahr in Wien standrechtlich erschossen.

 

Todesfälle (175.194.196): Hermann Joseph Offermann aus Köln hatte in der Spielbank Wilhelmsbad sein Geld verspielt und im Park erhängt. Er wurde am 22. Juli 1859 in Wachenbuchen begraben.

 

Am 19. Mai 1914 rutschte der 24 Jahre alte Gefreite Wilhelm Eckhardt aus Wachenbuchen auf einem Kahn aus und fiel über Bord. Er ertrank, weil er einen Herzschlag erlitten hatte.

Im Januar 1933 beging der Architekt Christian Beyer mit seiner Frau Selbstmord. Durch die Arbeitslosigkeit hatte er keine Aufträge mehr, am 18. Januar sollte das Konkursverfahren beginnen. Da zündete das Ehepaar das Haus an, verriegelte die Tür und erhängte sich auf dem Dachboden.

Anekdoten:

 

Bauer „Achter“ (192): Dem Bauer „Achter“ (wohl ein Puth VIII.) drohte die Goldene Hochzeit. Doch den vornehmen Mann spielen mit Schlips und Kragen und mit vielen Gästen und Kosten, das wollte er auch nicht. Er wollte lieber sterben, als Goldene Hochzeit zu feiern. Also betete er im Vertrauen auf Gottes Allmacht: „Lieber Gott, laß mich doch noch vor dem Fest sterben.....oder einen von uns.....am liebsten die Lisbeth“.

 

Gepanschter Apfelwein (212): Die „Krone“ in Mittelbuchen war wegen ihres naturreinen Apfelweins berühmt. Doch im Frühjahr 1965 warfen die Gäste dem Wirt Fritz vor, er habe den Apfelwein mit Wasser „getauft“. Doch der Wirt antwortete schelmisch: „Ihr hättet Weihnachten zu mir kommen müssen, da gab es bei mir den besten Apfelwein“. An Weihnachten 1964 war nämlich im ganzen Dorf die Wasserleitung ausgefallen.

 

Küsterin Gertrud (214): Die Küsterin Gertrud versah jahrzehntelang ihren Dienst mit großer Zuverlässigkeit. Aber als sie eines Tages die Tür an der Nordseite des Kirchhofs aufschloß, stand sie vor einer Schneewand: Die Konfirmanden hatten den ganzen Treppenaufgang mit dem spärlich gefallenen Neuschnee gefüllt und so den Zugang unmöglich gemacht.

 

Juden (239): Ilse Strauß muß 1942 oder später als Sechsjährige mit ihren Eltern Wachenbuchen verlassen und nach Frankfurt in Getto ziehen. Mit zehn Jahren kam sie nach Auschwitz und ist dort „verschollen“

Inge Herlitz war acht Jahre und mußte nach Frankfurt und ist im Osten verschollen.

Gertrud Eisermann war zehn Jahre alt, als sie mit einem Viehwagen aus Wachenbuchen transportiert wurde. In Riga wurden sie und ihre Mutter auf dem Bahnhof „selektiert“ und sind „verschollen“. Der Vater kam in ein Arbeitslager und hat die Verfolgung überlebt.

 

Aus dem „Maintal Tagesanzeiger“

 

Burg von Buchen: Von tapferen Rittern keine Spur (zu Seite 22):

Das seidene Taschentuch flattert im Wind, als das holde Burgfräulein seinem strahlenden Helden in schimmernden Rüstung zum Abschied winkt. Das Klappern der Pferdehufe verhallt im Burghof, als die Ritter über die Zugbrücke die trutzige Burg verlassen - Kinderphantasien. Die Realität hingegen entbehrt dem märchenhaften Charme.

Tatsächlich war die Burg der Herren von Buchen südöstlich des Ortskerns von Wachenbuchen im feuchten Wiesengelände nahe der ehemaligen Römerstraße - eine in ihren größten Ausmaßen 150 Meter auf 130 Meter messende Burganlage - Wohnsitz von Verwaltern.

Ihre Entstehung wurde zunächst auf das sechste Jahrhundert datiert, doch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft handelt es sich vielmehr um eine Anlage aus dem Hochmittelalter, wenngleich „die paar mittelalterlichen Scherben, die gefunden wurden, nicht für eine exakte Datierung ausreichen“, wie der passionierte Hobby-Archäologe Norbert Mankel erzählt, denn auch jungsteinzeitliche Funde wie ein Steinbeil und eine Feuersteinklinge wurden hier gemacht. Verräterisch ist jedoch der Aufbau. der erlaubt, die „Motte“ oder „Talburg“, so der archäologische Fachbegriff für diese spezifische Burgform, zeitlich in das zehnte oder elfte Jahrhundert zu verlegen.

Auch die Lage der Burg ist urkundlich nicht erwähnt, so dass lange Zeit gerätselt und spekuliert wurde, ob denn nun die Burgwüstungen in Mittelbuchen oder in Wachenbuchen Wohnsitz der Herren von Buchen waren. „Heute sind wir jedoch fast sicher, dass es die Burg auf Wachenbucher Gemarkung ist“, erzählt Norbert Mankel. „Doch Vorsicht ist geboten“, fügt der Hochstädter eilends hinzu.

Den Kern der Burg bildete ein Wohnturm, umgeben von Palisaden. Diesem war im Norden eine rundlich-rechteckige Vorburg vorgelagert. Hier bewirtschafteten Bauern einen Gutshof. Der Hügel der Vorburg, jetzt in einem Wäldchen liegend und zu großen Teilen noch erhalten, war von einem Wassergraben umgeben. Auch um die gesamte Burg verlief zum Schutz gegen ungebetene Gäste ein ovaler Wassergraben. Bis heute scheiden sich die Geister, ob die Burg aus solidem Mauerwerk bestand oder aus Holz. Während einerseits konstatiert wird, dass sie in wesentlichen Teilen gemauert war, vermuten andere Quellen, dass die Burg aus Holz bestand. „Nur Grabungen oder geomagnetische Untersuchungen können hier genauen Aufschluss geben“, zieht Mankel ein Fazit.

In den 30er Jahren wurde erstmals zum Spaten gegriffen. Damals unternahm der Hanauer Geschichtsverein umfangreiche Grabungen. Noch heute sind im Inneren des idyllischen Wäldchens die tiefen Suchgräben zu erkennen. Archäologische Auf zeichnungen sind jedoch nicht überliefert, berichtet Norbert Mankel.

Schweren Herzens muss sich der phantasiefreudige Maintaler zudem von der Vorstellung verabschieden, dass hier hochherrschaftliche Grafen und Ritter gelebt haben. Vielmehr war die Burg der von Buchen Wohnsitz von Verwaltern der umliegenden Ländereien, die für ihre Treue durch den Fürsten oder Kaiser mit Grundbesitz belohnt worden waren. Sie trieben von den Bauern die Abgaben ein und durften als Gegenleistung einen Teil davon behalten, erzählt Mankel. Keine tapferen Ritter mit glänzender Rüstung und geschliffenem Schwert, sondern lediglich Verwalter lebten hier.

Als Bodendenkmal untersteht die Burg dem Schutz des hessischen Denkmalschutzgesetzes, das heißt, ohne Genehmigung darf dort nicht der kleinste Spatenstich erfolgen. Grabungen, Schürfungen oder Wühlereien sind verboten. Lesefunde sind dem Kreisarchäologen zu melden, dürfen jedoch von dem aufmerksamen Finder behalten und stolz in der heimischen Vitrine betrachtet werden.

Den Blick der Öffentlichkeit auf archäologische Stätten zu richten, ist immer ein zweischneidiges Schwert, weiß Norbert Mankel und verweist auf den Konflikt, dem Archäologen und Museen seit ewigen Zeiten unterliegen. Denn auch Raubgräber werden so aufmerksam und zum verbotenen Buddeln animiert. „Doch nur was man kennt, kann man auch schützen“, sagt Norbert Mankel (25. August 2007).

 

 

Römische Götter in der Kirche (zu Seite 13):

Die Zeit hat ihre Spuren auf dem Viergötterstein hinterlassen. Nur noch schemenhaft sind die Umrisse der Götter auf den vier Seiten des rechteckigen Sandsteinquaders zu erkennen. Einst war das archäologische Relikt Teil einer Jupiter-Gigantensäule, die vor allem im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus bei römischen Siedlungen oder Gutshöfen aufgestellt wurde. Die Replik einer solchen Säule ist in Bruchköbel-Butterstadt oder nahe des Römerkastells „Saalburg“ zu sehen.

Entdeckt wurde der Viergötterstein im Zuge von Umbaumaßnahmen in der evangelischen Kirche Wachenbuchen. „Der Fundbericht gibt Auskunft darüber, dass 1903 während Arbeiten in der Kirche ein Viergötterstein im alten Mauerwerk gefunden wurde“, weiß Norbert Mankel. Als passionierter Hobby-Archäologe und Vorstandsmitglied im Verein Heimat-Museum Maintal kennt sich der Hochstädter in der Historie aus wie in seiner Westentasche. So weiß der Rentner ebenfalls, dass der Fund von Viergöttersteinen in Kirchen keine Seltenheit ist. „Durch den Einbau in christliche Kirchen wurde der römische Götterkult christianisiert“, erklärt er. Dabei seien die Abbilder der römischen Gottheiten häufig bewusst zerstört worden, um diese zu entweihen.

Nach seiner Entdeckung in dem Wachenbucher Gotteshaus wurde der Viergötterstein dem Hanauer Geschichtsverein überlassen. Heute ist er im Museum des Mittelbucher Heimat- und Geschichtsvereins zu sehen, das immer sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Der Block aus rotem Sandstein misst laut Fundbericht 66 mal 44 mal 43 Zentimeter. Auf den vier Seiten des Quaders sind die römischen Gottheiten Juno, Merkur. Herkules und Minerva abgebildet. Die Figuren sind jedoch alle in unterschiedlichem Grad beschädigt. „Juno ist die Himmelsgöttin und Gefährtin des nöchsten römischen Gottes Jupiter. Sie gilt als Frauen-, Geburts- und Ehegottheit“, berichtet Norbert Mankel. Mekur hingegen sei der Gott des Handels und des Gewerbes. aber ebenfalls als Götterbote und Totenbegleiter bekannt. Das Bildnis Merkurs auf dem Wachenbucher Viergötterstein ist noch am besten erhalten. „Herkules ist gleichzusetzen mit dem griechischen Halbgott Herakles, und Minerva gilt als Beschützerin der Handwerker und Künste, aber auch der Ärzte und Lehrer. Als jungfräuliche Göttin wurde sie im Christentum durch Maria ersetzt“, hat Mankel während seiner Recherchen herausgefunden.

Der Viergötterstein im Mittelbucher Heimatmuseum bildete einst den untersten Teil einer Jupiter-Gigantensäule, die auf oder nahe einem römischen Gutshof, einer so genannten villa rustica, gestanden hat. „Bei der Bezeichnung villa rustica handelt es sich um einen wissenschaftlichen Begriff. Umgangssprachlich würde man heute von Aussiedlerhöfen sprechen. In Wachenbuchen werden mehrere solcher villae rusticae vermutet, doch es hat nie Grabungen gegeben. die diese Vermutungen bestätigen würden“, berichtet der Hobby-Archäologe.

 

Über dem Viergötterstein befand sich ein Wochenstein mit sieben Tagesgöttern aus der Himmels- und Planetenwelt: Saturn (Samstag), Sol (Sonntag), Luna (Montag), Mars (Dienstag), Merkur (Mittwoch), Jupiter (Donnerstag) und Venus (Freitag). Über dem Wochenstein folgt eine meist mit Schuppen dekorierte Steinsäule, die von einem (in den überwiegenden Fällen reitenden) Jupiter bekrönt wird, der einen Giganten niederreitet. Nach Auskunft Mankels lassen sich an der Jupiter-Gigantensäule als Zeugnis eines römischen Götterkults auch Einflüsse anderer Religionen wiederfinden, etwa keltische oder germanische Glaubenseinflüsse.

Die meisten Jupiter-Gigantensäulen wurden bei römischen Siedlungen oder Gutshöfen in der Provinz Obergermanien aufgestellt. „Diese umfasste Teile der heutigen Schweiz, Frankreichs und des südwestlichen Deutschlands“, so Mankel. „Man geht davon aus, dass die Säulen vor allem dem Schutz der Bewohner des Gutshofes dienten“, fügt der Hochstädter hinzu (3.  Februar 2010).

 

Wachenbuchen: Sonderfall Maintal 4?

Wer aus Frankfurt kommt ist Frank­furter die Nach­barn aus Hanau sind Hanauer, die aus Dörnigheim Stammenden Dör­nigheimer, wer in Bischofsheim wohnt ist Bischofsheimer und ein in Hoch­stadt Ansässiger ist natürlich Hoch­städter Aber was ist mit Wachenbu­chen? Sind die Einwohner von „Main­tal 4“ Wachenbucher oder Wachenbu­chener?

Die Meinungen gehen auseinander und auch wenn man in Wachenbu­chen fragt, bekommt man keine ein­heitliche Antwort. Die einen meinen so, die anderen so. Und nach Mundart heißt die dritte Variante „Wachebü­cher“. Das hilft nun aber auch nur be­dingt weiter.

Auf der Suche nach der Wahrheit hilft vielleicht der Stadtplan weiter. Ent­sprechende Straßennamen gibt es in Hochstadt und Mittelbuchen, und bei­de heißen „Wachenbuchener Straße“. Also alles klar? Doch Moment: In Peter Heckerts Hei­matchronik „Liebenswertes Wachen­buchen“ ist durch die Bank von „den Wachenbuchern“ die Rede ‑ und nicht von „Wachenbuchenern“. Was stimmt denn nun?

Kann man also tatsächlich guten Ge­wissens ein „en“ streichen? Ist das nicht ein Regelverstoß, schließlich wird doch vom Ortsnamen immer eine Endung drangehängt und nicht weg­gelas­sen? Es heißt ja auch nicht Dörni­ger, Bischofser oder Hochster ‑ wa­rum dann also Wachen­bucher?

Was soll’s, denkt sich die Spitzmaus ‑ es gibt nun einmal keine Regel ohne Ausnahme, und Herr Heckert wird’s schon wissen. Immerhin lassen sich noch mehr Ausnahmen finden: Es heißt Sachsenhäuser und nicht Sach­senhausener und auch die Einwohner von Recklinghausen legen größten Wert drauf, daß sie Recklinghäuser sind. Letzteres steht sogar im Duden und hat nichts mit der Rechtschreibre­form zu tun (5. Juni 2002, Dirk Müller).

 

 

Bemerkungen zu dem Buch  „Büchertalgeschichten“ von Eugen Sauer:

Das Buch will keine Chronik sein. Diese hat Herr Sauer von 1979 für Mittelbuchen vorgelegt. Mit seinem neuen Buch will er sich  von dem ersten Werk absetzen. Er will ein Lesebuch, ein "Festbuch" machen, er will Geschichten erzählen. Diese liegen angeblich auf der Straße, man müsse sie nur aufschreiben.

Nun hat er in der Tat in dem Buch eine Reihe von bemerkenswerten und amüsanten Geschichten. Aber viel mehr Platz wird eingenommen von üblichen geschichtlichen Nachrichten. Sehr viel Platz wird gebraucht für die allgemeine Geschichte, auch wenn sie gar nichts mit Buchen zu tun hat. Notfalls wird gesagt: Das und das ist damals passiert, aber Buchen war daran (wahrscheinlich) nicht beteiligt!

Was aber nicht mit dem Thema zu tun hat, kann man auch weglassen. Hier wird versucht, etwas über eine Zeit zu berichten, aus der keine Quellen vorhanden sind. Aus mehr oder weniger gelehrten Büchern wird zusammengetragen, wie es damals allgemein war und vermutlich auch in Buchen gewesen ist. Damit wird viel Platz vertan und das Buch unnötig aufgebläht.

 

Viele der Bemerkungen Sauers ziehen unerlaubt Vergleiche zur Gegenwart, sind schulmeisterlich und manchmal verkrampft witzig. Es werden vielfach Dinge erwähnt, die zwar nützlich zu wissen sind, aber mit Buchen nichts zu tun haben.

Was sollen die Ausflüge nach Bagdad und Amerika (Coca!)(7) oder die Bemerkung, daß Karl der Große ein guter Schwimmer war (27)? Das Gleiche gilt für die Erwägungen über Zahnerkrankungen damals und heute ((37), die Rezepte für Abtreibungen (39), die belehrenden Bemerkungen über den Zweiten Weltkrieg (55). Von einem Keuschheitsgürtel steht nichts in den Akten (69).

Was soll das Kapitel über Raubritter in einem Buch über Buchen (67-68)? Die Rede ist von einem Geldtransport von Frankfurt nach Oppenheim. Es wird aber betont, daß keine Bucher Ritter dabei waren und daß die Raubritter gar keine waren. Die größte Sorge der Ritter war bestimmt nicht, daß (fast) nur Mädchen geboren wurden, der Nachbar aber nur Jungen hatte (69).

Was soll die Speisekarte der Hochzeit Philipp Ludwigs II. mit Katharina Belgica in einer Chronik von Buchen (109), die Bemerkung über den Schneider in der Neustadt (133), über die "Sekte" in Hanau (139), über das Kaffeeverbot (146), über die Tausendjahrfeier Buchens (148), das Kapitel über Napoleon (152)?

 

Die Urkunde, in der Buchen erstmals erwähnt wir, befindet sich im Lorscher Kodex, der nicht mehr in München aufbewahrt wird (2), sondern im Staatsarchiv Würzburg. Leider ist sie nicht im Original wiedergegeben (3). Es fehlt die Randleiste und das Stichwort "Liubert" in der ersten Zeile rechts. Dafür sind die i-Punkte ergänzt, damit man den Text besser lesen kann. Bei der Wiedergabe des Textes in heutiger Schrift fehlt das Wort "dono". Das Wort "handelsüblicherweise“ steht nicht im Text (4), "aktenkundig gemacht" ist ein zu modernes Wort.

Typisch ist, wie mit der Vermutung umgegangen wird, Liuberts Frau sei aus Wachenbuchen gewesen. "Man wird so nicht fragen dürfen, sonst wird man bald Geschichten erfinden," schreibt Sauer selber. Aber genau das tut er, indem er zum Beispiel vermutet, daß Liubert sich schuldig gefühlt habe.

 

Sauer gibt das lateinische "marca" immer mit "die Mark" wieder (2). Er versteht darunter eine "Grenzmark", ein "sicheres und geschütztes Gebiet", das nach Süden durch den Urwald rund um Hanau abgegrenzt war. Deshalb hätte man auch getrennt siedeln können und hätte Dörfer nicht nötig gehabt. Es ist ein Widerspruch, wenn die "Mark" einerseits eine Grenzbefestigung sein soll, aber andererseits so sicher gewesen sein soll, daß man dort verstreut siedeln konnte (77).

Aber entweder ist eine Mark zur Grenzbefestigung da, und dann braucht man befestigte Dörfer. Oder es handelt sich bei dem Wort einfach um eine Bezeichnung für die "Gemarkung". Im Gegensatz zu Stierstadt, das als Dorf bezeichnet wird, war Buchen vielleicht in der Tat mehr eine Streusiedlung, über einen großen Teil der Gemarkung verteilt. Aber es ist Theorie, daß die Höfe im 11. Jahrhundert zu Dörfern konzentriert worden wären (40. 47).

Übrigens verlief südlich von Buchen tatsächlich eine Grenze, nämlich zwischen dem Maingau und dem Gau Wetterau. Buchen gehört eindeutig zum Gau Wetterau, der Maingau ist nicht Teil der Wetterau, sondern ein eigener Gau (26).

 

Sachliche Fehler kann man immer wieder in dem Buch finden: Liubert ging nicht durch die Königshalle, die es damals noch gar nicht gab. Die Schenkung wurde vielleicht im Kloster „Altenmünster“  an der Gersprenz dokumentiert (5). Die Bezeichnung "Germanen" paßt nicht zum Mittelalter (11); es geht dem Autor aber darum, hier den Ausdruck "alte Germanen" unterzubringen, um originell zu wirken. In der Wachenbucher Burg gab es bestimmt keine großen Gärten wie in Klöstern und Grafengütern (14), dazu war sie viel zu klein.

Die Erwähnung des Neandertalers regt in diesem Zusammenhang zum Schmunzeln an, denn bekanntlich sind alle Neandertaler ausgestorben und nicht Vorfahren der heutigen Menschen  (33).

 

Gelegentlich kommen auch unnötige Wiederholungen vor. Die Bemerkung über den Honig findet sich kurz hintereinander (S. 8 und 10). Die Feldzüge Karls des Großen werden mehrfach erwähnt (30). Sicher muß man manche Dinge wiederholen, wenn sie im anderen Zusammenhang notwendig sind. Das ist auch an vielen Stellen des Buches durchaus berechtigt. Aber an vielen Stellen hätte man besser abgleichen und auf Wiederholungen verzichten können.

 

Man kann darüber streiten, ob es "Wachenbucher" oder "Wachenbuchener" heißen muß (S. 141: "Wachenbuchener Steinbruch"). Grammatisch ist vielleicht "Wachen-

buchener" richtig. Aber im Dialekt heißt es immerhin "Wachebeucher", deshalb ist "Wachenbucher" passender. Seite 192 wird auch "Wachenbücher" verwandt.

 

Ein Widerspruch ist, daß immer noch heidnische Vorstellungen herangezogen werden, aber andererseits alle Einwohner schon sicherlich Christen waren (17). Das Gleiche gilt für den Viergötterstein, der in der 1703 gebauten Kirche gefunden wurde und damals nicht mehr Gegenstand einer heidnischen Verehrung gewesen sein kann; aber vielleicht stammt er ja schon aus einem Vorgängerbau und hatte doch mehr zu bedeuten.

Sauer schreibt selber, daß Buchen nur von Christen bewohnt war  (31). Zunächst war die Marienkirche im Kinzdorf bei Hanau als Missionskirche für die ganze Gegend zuständig (so schreibt es auch Sauer auf Seite 84, aber auf Seite 31 spricht er von einer Nikolauskirche).

Daß Maria die Namenspatronin der Wachenbucher Kirche gewesen sein soll (58), geht aus dem Siegelbild Gerlachs des Weisen nicht hervor, denn Maria ist ein allgemeines Motiv und in Mainz hat er einen Vogel im Siegel .

Das Wort "Synkretismus" ist ein theologischer Fachausdruck, der unbedingt hätte erklärt werden müssen (33.35). Überhaupt kommen viele Fremdwörter vor: ad absurdum (33), Testat (richtiger: Testierer, denn ein Testat ist ein Zeugnis)(84), Präsentation (84), clericus (64), curie (84), in petto (134), sinistre Leute (212), ex cathedra (221).

Bonifatius war kein "hessischer Missionar" (34), sondern irischer Abstammung. Aber er hat unter anderen auch die Hessen missioniert oder besser gesagt: zum römisch-katholischen Glauben gebracht.

 

Der Bau des Dorfgemeinschaftshauses war doch wohl eine freiwillige Sache und hatte nichts mit den alten Hand- und Spanndiensten zu tun (30). Später wird auch gesagt, daß es in Eigenhilfe errichtet worden sei (209).

 

In Wachenbuchen gibt es sehr viel mehr Bodenfunde aus der Römerzeit, als in dem Buch dargestellt, vor allem auch in der nördlichen Gemarkung (41). Andererseits wird nichts darüber gesagt, wo die Scherbe mit der Inschrift "Primogenius" gefunden wurde (42) ("Erstgeborener" heißt meines Wissens "Primogenitus"). Der Hersteller hatte natürlich nichts mit Buchen zu tun, es ist Zufall, daß sein Gefäß hierher gelangte. Eine Töpferei mit mehreren Angestellten ist nicht belegt (15). Welches ist die "andere Seite" der Kilianstädter Straße? Bezugspunkt ist wohl die germanische Siedlung an der Oberdorfelder Straße (41).

 

Schwierig ist natürlich die Frage, wie die Herren von Buchen verwandtschaftlich zusammenhängen. Daß Dammo vom Buchen sich zunächst Tammo von Hanau und danach wieder Dammo von Buchen nennt (49), läßt sich auch damit erklären, daß er zunächst in der Hanauer Burg wohnte, diese dann aber seinem Sohn Dammo II. überließ und wieder nach Buchen ging, bis er die Burg seinem Sohn Gerlach überließ.

Die Hanauer Burg wurde wohl von den Buchern gebaut. Aber ihr "Grafengeschlecht" konnte nicht in Hanau weiterregieren, weil es ausstarb. Sauer schreibt selber (109), daß zwar die Bucher schon Grafen waren ("comes"), die Hanauer sich aber nur "Herren" nennen durften, weil sie aus dem niederen Dorfelder Adel kamen. Erst 1429 werden die Hanauer zu Grafen.

Weshalb Marquard von Buchen danach in der Burg gewohnt haben soll und nicht im Dorf (50), spätere "Herren von Buchen" aber auf keinen Fall in der Burg gewohnt haben sollen, ist nicht einzusehen. Um 1200 soll die Burg leer gestanden haben (52), ab 1222  bis 1299 aber vom niederen Adel besetzt (Wie kommt man auf diese Jahreszahlen?). Danach soll Heinrich von Dorfelden, gestorben 1338, in der Burg gewohnt haben, und der Herr von Hanau das Burglehen an Eppechin von Dorfelden gegeben haben (53). Das paßt aber alles besser zusammen, wenn man anerkennt, daß die Dorfelder als Nachbarn zu Besitzern von Hanau geworden sind und deshalb auch über Buchen verfügen können. Wo steht außerdem, daß Dammo die Burg in Buchen seinem Bruder Sigebodo überließ (53)?

 

In dem Führungsblatt des Landesamtes für Denkmalpflege gibt es übrigens eine bessere Skizze als auf Seite 51. Es wird nicht gesagt, welcher Teil die "alte Burg" ist (also das Wohnhaus) und welches der zweite Baukomplex ist (nämlich die nördliche Vorburg). Die Vorburg war die Wirtschaftsburg zur eigentlichen Wohnburg und nicht das Ausweichquartier für die unmodern gewordene südliche Burg (78).

Immerhin wird die Herkunft des Namens Wachenbuchen von "Wago" (hier nicht "Wacho" wie sonst üblich) abgelehnt. Aber die Theorie, daß die Wachen der Burg von Hanau in Wachenbuchen gewohnt hätten und daher der Name kam, ist wirklich nur eine Theorie (78).

 

Einige der unter Mittelbuchen aufgeführten Fluren liegen in der Wachenbucher Gemarkung. Unter den bei Wachenbuchen aufgeführten Fluren sind in den Verzeichnissen nicht aufgeführt: Auf der Straße, Am Frankfurter Weg, Beim Hutzenfurter Bach, Sandmorgen, Der Schmittsborn, Der Born an der Birsewiese (82-83).

Die alte Straße ging von Hochstadt über Wachenbuchen nach Langendiebach bzw. Marköbel, nicht nach Kinzheim  (110). Auf der ältesten Karte von Mittelbuchen (S.131) ist das auch so gezeichnet. Diese Karte wird übrigens etwas gewagt gedeutet; vor allem gilt das für die Aussagen über die Burg an der Kreuzung (132).

Daß die Dörfer einen "Waldgürtel" hatten, damit man sie nicht sehen konnte (111), ist pure Phantasie, denn zumindest den Kirchturm konnte man schon von weitem sehen. Groschlag lag südwestlich von Hochstadt, nicht südöstlich (112).

 

Die Wachenbucher Wasserleitung wurde 1897 gebaut, nicht 1894 (117). Das mit dem Sonnenstab für die Sonnenuhr steht zwar so in den Akten (125), aber eher hat man die Zahlen an der Uhr verändern müssen, nicht den Stab, damit die Uhr richtig "ging". In der Wachenbucher Kirche wurden keine Fundamente früherer Bauten gefunden (126). Von Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg und dem Neubau eines barocken Chors ist nichts bekannt. Auf die Zerstörung wird nur geschlossen aus der Behauptung, es habe einen barocken Chor gegeben (134f). Die Kirche wurde 1703 völlig neu gebaut, nur der Turm bzw. sein unterer Teil ist von 1461 (nicht 1468. Die Jahreszahl 1437 findet sich zwar auch in einer sekundären Quelle, läßt sich aber nicht weiter belegen). Selbstverständlich gibt es viele Akten über Wachenbuchen im Staatsarchiv Marburg, an späterer Stelle spricht Sauer von ganzen Stapeln an Akten (144).

 

Die Sage von dem Schatz der Herren von Buchen (117) sollte man wörtlich wiedergeben und nicht nach eigenem Geschmack verändern. Die Theorie, daß dort nur die Wachen der Hanauer Burg gewohnt hätten, führt zu der abenteuerlichen Konstruktion, daß es sich um Beute von Raubrittern gehandelt habe. Daß der Bauer mit einem Spaten zurückkam, um den Schatz auszugraben, ist in der Sage nicht erwähnt.

 

Natürlich läßt sich der Verlauf der Wachenbucher Ringmauer ganz genau rekonstruieren, es ist ja auch noch genug von ihr vorhanden (128). Es war nicht so, daß die Leute, die Lust am Schießen hatten, von den Behörden in die Miliz eingezogen wurden (129), sondern die Obrigkeit sorgte von sich aus dafür, daß die jungen Männer in die Miliz eingezogen wurden.

 

Warum soll das Rathaus nicht die "gute Stube" des Schultheißen und Bürgermeisters gewesen sein (130)? Es wurde von der Gemeinde gebaut. Daß das Wappen des damals regierenden Fürsten angebracht wurde, war einfach so üblich und besagt nicht, daß Hanau den Bau bezahlt hätte.

 

Die Aussage, daß Wachenbuchen 1610 eine Schule hatte, ist nicht belegt (136). Daß die Pfarrer erst einmal als Lehrer arbeiten mußten war üblich. Der häufige Stellenwechsel in der Zeit als Lehrer ist also normal (136).

Die lutherischen Wachenbucher gehörten zu Hochstadt und gingen nicht nach Bruchköbel in die Kirche (138). Woher ist die Nachricht, daß es seit 1738 einen lutherischen Lehrer gegeben habe (140)?

 

Weshalb wird formuliert "Unser Kleinod Wilhelmsbad" oder "Park, worum uns jede Ortschaft beneidet" (150)? Wenn schon, dann ist es das Wachenbucher Wilhelmsbad, nicht das Mittelbucher! Wilhelm von Hessen als "waschechten Wachenbucher" zu bezeichnen, ist doch sehr gewagt (152)? Das Gleiche gilt für die Aussage, die erste demokratische Verfassung in Deutschland sei von einem Büchertaler erlassen worden (gemeint ist Kurfürst Friedrich Wilhelm von Kassel, der im Schloß Philippsruhe geboren wurde und seine jungen Jahre in Hanau verbrachte) (166). Die Tatsache des "Drei-Kaiser-Treffens" in Wilhelmsbad ist nicht erst wieder von Herrn Schluckebier ans Licht der Öffentlichkeit gebracht worden, sondern steht schon in der Festschrift des Gesangvereins Concordia im Jahre 1913.

 

Daß man 1803 noch wußte, wo die Hufe Land von 798 lag, ist doch sehr zu bezweifeln (153).

 

Ganz fürchterlich sind die Auslassungen über die "Russen" (157), die "eine andere Kultur haben als wir", "Naturburschen", die "in der Sowjetzone" Frauen vergewaltigt haben“. Auch die Ausführungen über "Überfremdung, Ausländerhaß, Abwehr gegen Fremde" (171) sprechen unterschwellig das an, was sie nach außen ablehnen wollen.

 

Das Geibelhaus war nie Wirtshaus und verkaufte auch keinen eigenen Wein (169). Geibels Worte in dem Gedicht sind romantische Verbrämung. Geibel studierte natürlich in Bonn (und nicht in Köln), denn nur dort gab es eine evangelische theologische Fakultät. Der Besuch in Wachenbuchen war 1835. Geibels Werke sind nicht aus den Bibliotheken verschwunden(170): Die Frankfurter Stadtbibliothek hat Geibels Werke in einer Vielzahl von Ausgaben, das neueste Buch über das Leben Geibels ist von 1992. Höchstens in der Mittelbucher Stadtteilbibliothek mag er nicht vertreten sein.

 

Juden gibt es schon vor 1764 in Wachenbuchen (172), mindestens seit 1588. Auf der Zeichnung der Synagoge fehlt der außenliegende Treppenaufgang. Das religiöse Zentrum der Juden wurde nicht von Hochstadt nach Wachenbuchen verlegt (173), sondern es gab seit 1852 zwei selbständige Gemeinden in Hochstadt und Wachenbuchen. Die jüdische Schule ging nicht aus Mangel an Schülern ein (173), sondern weil sie von den Nazis verboten wurde.

 

Auch ganz allgemeingeschichtliche Fehler werden in dem Buch gemacht: Bismarck mußte nicht die Franzosen fragen, ob er seinen König zum Kaiser ausrufen dürfe (174). Schließlich hatte Deutschland 1971 im Krieg gegen Frankreich gesiegt und brauchte keine Franzosen zu fragen.

 

Ein Feuerläufer in Hochstadt besagt nicht, daß es anderswo keine Feuerwehren gab (175). Es war umgedreht: ein Feuerläufer meldete den Brand im Nachbardorf, um die dortige Feuerwehr zu alarmieren.

Die Turner hatten nichts mit dem Schutz des Ortes und der Feuerwehr zu tun (175). Der Gesangverein "Harmonie" wird nicht 1840 gegründet, sondern erst 1864 (176), ein Jahr nach dem Gesangverein "Concordia".

Dessen Fahne ist heute noch erhalten, während der Gesangverein "Harmonie" heute im "Ruth'schen Doppelquartett" weiterlebt. Die Fahne der Freien Turner gibt 1887 als Gründungsjahr an. Aber das 25jährige Stiftungsfest war 1897 und nicht 1887 (178), in diesem Jahr wurde auch erst die Fahne gestiftet.

 

Das Verbot der Vereine durch die Amerikaner kann man nicht gleichsetzen mit dem Verbot durch die Nazis (181). Überhaupt kann man an verschiedenen Stellen des Buches einen gewissen Anti-Amerikanismus spüren. Die Amerikaner wollten grundsätzlich und auf Dauer alle Vereine ausschalten. Die Amerikaner jedoch wollten erst einmal die Vereine prüfen und Nazi-Vereine ausschließen, ehe sie sehr bald neue Vereine zuließen. Zur Vereinfachung genehmigten sie dann zunächst nur einen einzigen Gesangverein, die Sängervereinigung, die sich nach einigen Jahren aber wieder in die alten Vereine aufspaltete. Dieser Gesamtverein hat aber nichts zu tun mit der Sport- und Kulturgemeinschaft, die erst 1963 gegründet wurde.

 

Das Evangelische Gemeindehaus wurde 1985 fertig und nicht 1988 (184). Über die Autobusgesellschaft von 1912 ist durchaus mehr bekannt als nur ein Bild (191).

Der Name "Hohe Tanne" kommt nicht von einer hohen Tanne, die dort stand (191), sondern es handelt sich um eine alte Flurbezeichnung "Hinter dem Hof Hohe Tanne". Dabei ist zu fragen, welcher Hof gemeint ist, evtl. der Wilhelmsbader Hof.

 

Der Aufstieg Hitlers wird in glühenden Farben geschildert (196). Der Krieg wird in

der Nazisprache geschildert (Blitzkrieg, Bombenterror)(211). Die Naziherrschaft wird zwar insgesamt abgelehnt. Aber man hat doch den Eindruck, es sei damals eine "große Zeit" gewesen und es sei den Leuten gut gegangen. Sie hätten keinen Widerstand leisten können und man müsse Verständnis haben, wenn sie mitgemacht haben. Hier wird zu schnell entschuldigt und gerechtfertigt und die Täter zu irregeleiteten Opfern gemacht.

 

Natürlich kann man auch heute als junger Mensch erforschen und verstehen, was damals mit den Juden geschah (199). Wieder wird in diesem Zusammenhang der Aufstieg Hitlers verherrlicht, zum Beispiel wenn zitiert wird "Die großen Siege im Zweiten Weltkrieg" (200). Daß mehr als zwei Juden aus Wachenbuchen ermordet wurden, daß sie fast alle ermordet wurden, ist erwiesen. Daß Lothar Strauß schon 1945 als Offizier nach Wachenbuchen kam und einen Bruder Emil hatte, hat er bei seinem Besuch 1997 nicht erzählt (200).

 

Bei der Erstürmung des Versorgungslagers in der Schule wird Otto Fitzinger als Name des Soldaten angegeben (202), Johannes Kappes sei schon zwei Tage vorher von der Gestapo erhängt worden. Laut Kirchenbuch wurde Johannes Kappes am 26. April 1945 beerdigt. Der Eintrag ist mit dem Vermerk versehen: „standrechtlich erschossen oder erhängt von der Gestapo in Hanau“. Otto Fitzinger wurde am 2. April beerdigt, der Vermerk im Kirchenbuch lautet: „tot aufgefunden“. In der mündlichen Überlieferung weiß man es nicht anders, als daß Johannes (Jean) Kappes derjenige war, der die Öffnung des Vorratslagers erzwang.

 

Erneut wird ein Anti-Amerikanismus deutlich, wenn formuliert wird "die Militärregierung diktierte" oder "Hexenjagd auf Nazis" (203). Wieder wird zu viel Verständnis für Mitläufer gezeigt. In der Tat kamen die in die noch vorhandenen Lager aus der Nazizeit. Aber diese lassen sich nicht mit Konzentrationslagern vergleichen, denn es wurde niemand systematisch umgebracht, sondern viele Gefangene starben an Unterernährung und Krankheiten. Daß die Lager gegenüber der übrigen Bevölkerung nicht bevorzugt wurden, ist verständlich.

Die Überschrift "Ehre, wem Ehre gebührt" geht völlig an dem vorbei, was im Krieg geschehen ist (204). Daran ändert auch die Aussage nichts, daß die "Heldentat" sich ganz anders abgespielt hat und das Ritterkreuz angeblich nur bei Faschingsveranstaltungen getragen wurde. Immerhin existiert bei der Stadtbildstelle Hanau ein Bild des Ritterkreuzträgers aus der Nazizeit; es ist das einzige Bild dieser Art  aus Wachenbuchen (es gibt noch eins von einem Bischofsheimer).

Die Flüchtlinge wurden nicht bewußt in Orte mit anderer Konfession gebracht (205.213). Es war doch gar keine Zeit, nach der Konfession zu fragen und entsprechend einzuteilen. Tatsache ist, daß die Sudetendeutschen schon in ihrer Heimat konfessionell gemischt waren und auch Konfessionslose darunter waren. Es kamen also auch evangelische Flüchtlinge ist evangelische Hanauer Land. Hier werden einfach alte Vorurteile weitergetragen.

Die Grenze zwischen Wilhelmsbad und Kesselstadt ist natürlich noch bekannt und auch auf Karten eingezeichnet, es stehen noch Grenzsteine (230). Auch im Grundbuch gelten die alten Gemarkungsbezeichnungen weiter.

Daß die Bevölkerung in Wachenbuchen bei der Gebietsreform nach Hanau tendiert habe (231), ist ein unbewiesene Behauptung und entspricht nicht den Tatsachen.

 

Sehr gut und eine Ergänzung zur Wachenbucher Chronik ist die Sammlung der Siegel (58), die Ausführungen über die Mühle (101.106f), den Niederhof (107), den Landverkauf (107), die Fehde (108), die Pfarrernamen aus Wachenbuchen (118), die Jagdsachen 1609 (133), die Hinrichtung in Wachenbuchen 1679 (140)(aus dem Mittelbucher Kirchenbuch?), die Branntweinbrennerei im Edelsheimschen Hof  (154), den Holzverkauf (154), die Überschwemmung 1813 (154), die Hanauer Tracht (162), Robert Blum in Wilhelmsbad (168),  den Selbstmord Offermann 1859 (175), Tod des Soldaten Wilhelm Eckhardt (194), Selbstmord des Architekten Bayer (196)

Sehr schön ist die Geschichte von der Goldenen Hochzeit des Bauers "Achter" (eher vielleicht ein Philipp Puth VIII.)(192); nur wird die Quelle nicht angegeben und eine Nachprüfung ist also nicht möglich.

Sehr schön ist die Geschichte vom angeblich gepanschten Apfelwein (212) oder die Geschichte von der Küsterin Gertrud (214). Interessant ist auch die Aufstellung von Todesfällen von Kindern (239) und einige zusätzliche Nachrichten über Juden (239).

 

Einzelheiten:

S. 4: Statt "Kaldenbach" muß es "Kalbach" heißen.

S. 13: gemeint ist das Doppelte des Drei- bis Vierfachen der Saatmenge

S. 30: Druckfehler "in der Nähe war"...."bis zu den 50iger Jahren, in denen in Mittelbuchen..."

S. 34: Die Satzkonstruktion ist falsch, gemeint ist: Es konnte kein Heiliger in Frage kommen als der, der im Kloster Lorsch begraben war.

S. 66: Die richtige Schreibweise ist "Pfund Heller" (ohne Bindestrich)

S. 69: "sie" wird nicht großgeschrieben (dreimal, auch S. 76)

S. 77: Es gibt auch ein Buchenau bei Bad Hersfeld, auf das sich die Urkunde beziehen könnte (S. 107 erwähnt).

S. 85: Druckfehler: .. an einem Krieg teilnahm.

S. 93: Hier Werner von Lichtenberg, sonst Wernher von Lichtenberg-

S. 91: "Hurenkind" (alleinstehende Zeile am Seitenanfang), auch S. 226.

S. 113: störende Leerzeile, S. 152 störender Wechsel der Schriftgröße.

S.113 und öfter: Das Schloß heißt Philippsruhe (mit "e" am Ende) (145.149).

S. 133: Mehrfach wird die altertümliche Schreibweise "Compagnien" verwandt (133f), aber auch die richtige Schreibweise ist bekannt (140).

S. 171: Druckfehler: "bleibt ein Zugereister"

S. 193: Hier ist "erster Weltkrieg" geschrieben, sonst aber "Zweiter Weltkrieg" (groß), auch  S. 225 "Erster Weltkrieg".

Das "ß" wird immer wieder so getrennt, wie es heute in den Zeitungen üblich ist, aber richtig ist die Aufteilung in ein doppeltes "s" (72.129.175).

 

 

Bemerkungen zu dem Extrablatt im „Maintal Tagesanzeiger“:

S. 2: Liubert betrat das Kloster Lorsch nicht durch die Königshalle, weil es die 798 noch nicht gab. Eventuell wurde die Schenkung sogar im Kloster Altenmünster besiegelt (etwas tiefer an der Gersprenz gelegen). Das Kloster Lorsch bestand allerdings schon. aber die Torhalle ist erst in der Zeit nach Karl dem Großen entstanden.

S 7: Die Dorfelder waren nicht mit den Buchern verwandt, beerbten diese aber, nachdem sie ausgestorben waren. Die Buchener nannten sich also nicht „von Dorfelden“, sondern hier handelt es sich um eine andere Familie.

S. 9: Geibel hat seine Ferien nicht „oft im Hanauer Raum“ verbracht, sondern er war nur einmal im Jahr 1835 während seines Studiums in Bonn in Wachenbuchen zu Besuch.

S. 18: Das Lorscher Urkundenbuch befindet sich nicht mehr in München, sondern im Staatsarchiv Würzburg, das sich in der Residenz befindet.

 

Auch im Heimatmuseum Mittelbuchen ist das falsch dargestellt. Dort sind übrigens auch Fehler im Zusammenhang mit der Geschichte der Schule gemacht worden und auch bei dem Thema „Juden“ ist einiges falsch. Dem Museum merkt man an, daß man Mühe hatte, die Räume zu füllen. Andererseits entspricht das den Anschauungen der heutigen Museums-Macher. Doch oft ersetzen Schrifttafeln ein Ausstellungsobjekt. Schade ist natürlich auch, daß man den Viergötterstein, der bisher im Museum in Hanau-Steinheim war, jetzt in Hanau-Mittelbuchen ausstellt statt in Maintal bzw. in Wachenbuchen, wo er gefunden wurde (er muß nicht ursprünglich von dort stammen).

 

Bemerkung zu den Erläuterungen zu den im Festzug dargestellten Bildern:

S. 6: Der Limes kreuzte nicht bei Großkrotzenburg den Main, sondern von Großkrotzenburg bis Miltenberg bildete der Main den Limes.

Der römische Töpfer heißt „Primogenitus“, („der Erstgeborene“).

S. 8: Woher kommt die Auffassung, die iroschottische Mission sei mit „Brachialgewalt“ vorgenommen worden? Eher könnte man das von der späteren Mission des Bonifatius sagen.

S. 11: Eiserne Roste vor dem Kirchhof sind nicht in Hochstadt zu sehen, sondern z.B. in Gelnhausen. Die Roste in Hochstadt sind neueren Datums und dienen nur der Entwässerung.

S. 15: Die größere Leuchte war bei Hochstadt. Und dort war auch ein See (der „Teufelsee“). Die Leuchte befand sich zwischen der Autobahn und der Thingstraße. Die Wachebucher Leuchte dagegen war östlich des Simmichtswegs nördlich des Waldes. Bei feierlichen Anlässen kamen die Wachenbucher nach Hochstadt, nicht umgekehrt.

S. 20: Der Name des ersten reformatorischen Pfarrers in Wachenbuchen ist bekannt. Der Protest gegen Papst Pius II. war keine Vorreformation.

S. 21: Groschlag gehörte zu Hochstadt und damit zum Amt Büchertal, Bischofsheim gehörte zum Amt Bornheimerberg.

S. 24: Wo ist die Angabe her, der Lehrer sei auch „Büttel“ und „Unterschultheiß“? Die Lehrer mußten anfangs manche Botengänge erledigen, die später Aufgabe des Ortsdieners („Büttels“) waren. Gelegentlich mag ein Lehrer auch Unterschultheiß gewesen sein, aber das war nicht durchgängig so.

S. 30: Das Geibel-Zitat ist falsch wiedergegeben. Es muß heißen: „...im Dorf zu Wachenbuchen“.

S. 37: Der Gesangverein „Harmonie“ wurde 1864 gegründet, die „Concordia“ ist noch älter.

S. 40: Dr. Weitzel war nicht „vom Sanitätsverein“. Der Verein finanzierte den Arzt, der nicht selber Mitglied war.

S. 41: Joachim Hoffmann ist aus gesundheitlichen Gründen nach Lenggries in Oberbayern gezogen.

S. 45: Zum Bau des Dorfgemeinschaftshauses konnte nicht aufgefordert werden unter Berufung auf die längst abgeschafften „Hand- und Spanndienste“, sondern es ging um eine Gemeinschaftsaufgabe, die allen zugute kam.

 

 

Vom Dorf zur Stadt

Die neue Zeit begann für Wachenbuchen und Mittelbuchen mit dem Bau der Eisenbahn von Franklfurt-Ost nach Hanau-West im Jahre 1848. Allerdings dauerte es noch enige Jahrzehnte, bis sich direkt Auswirkungen zeigten. Viele Arbeiter fuhren noch mit dem Fahrrad nach Fechenheim in die Chemische Fabrik, um das Geld für den Zug zu sparen.

Aber als 1912 eine Buslinie von Wachenbuchen über Mittelbuchen zum Bahnhof Wilhelmsbad eingerichtet wurde, da war der Anschluß an die weite Welt geschaffen. Die Arbeiter hatten Zugang zu den Fabriken in Frankfurt und Hanau und darüber hinaus.

Aber auch umgedreht strömten die Städter an den Sonntagen auf das Land, um den guten Apfelwein zu genießen. Mit 200 Besuchern konnte man im Sommer in Wachenbuchen und Mittelbuchen rechnen. Zu dem alten Dorfgasthaus kamen bis 1910 noch drei weitere Gaststätten hinzu. Ein Gastwirt und der Arzt hatten 1906 die ersten Autos im Dorf.

Die Landwirtschaft änderte sich nur langsam. Durch den Bevölkerungszuwachs wren einfach zuviel Menschen da, nicht mehr alle in der Landwirtschaft Arbeit finden konnten. Da war es günstig, daß die Industrie hungrig nach Arbeitskräften war. Viele gingen jetzt in die Stadt zur Arbeit. Aber sie blieben im Dorf wohnen und hatten noch ein kleine Landwirtschaft.

Typisch für diese Entwicklung ist die Hainstraße. Sie ist in den Gründerjahren zwischen 1870 und 1914 entstanden. Jedes Haus hatte aber noch einen Stall dabei und diente bis in die 30iger Jahre dieses Jahrhunderts der Nebenerwerbslandwirtschaft. Mit der Hainstraße wurde auch erstmals der alte Dorfkern wesentlich überschritten. Vorher gab es nur einzelne Häuser im Westen der Haupt-

straße (heute: Alt Wachenbuchen) und im Süden des Ortes.

Verdienstmöglichkeiten im Ort waren dünn gesät. Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Diamantschleiferei auf, die zeitweise bis zu 150 Einwohnern den Lebensunterhalt sicherte. Vor allem die Elektrifizierung erlaubte es vielen kleinen Handwerkern, sich selbständig zu machen. Wasserleitung gab es ja schon seit 1897. Wachenbuchen spielte eben in mancher Hinsicht eine Vorreiterrolle. Die Haupteinnahmequelle für die Gemeinde waren der Wald und der Steinbruch bei Wilhelmsbad. Auch die Anlage der Villenkolonie Hohe Tanne seit 1910 sollte die Steuerkraft stärken.

Die Landwirtschaft mußte sich wandeln und anpassen. Wurden ursprünglich die Felder nur mit Kuhgespannen oder bestenfalls Pferden bearbeitet, so übernahmen nach dem Zweiten Weltkrieg die Traktoren und immer mehr Maschinen diese Aufgabe. Dadurch entstanden bis heute leistungsfähige Familienbetriebe. Aber die Landwirte sind heute eine Minderheit im Ort.

Dieser weitete sich vor allem in den 70iger Jahren mächtig aus. Zunächst wurde der Bereich südlich des Ortskerns erschlossen, dann die Gebiete westlich. Auch östlich entstand ein kleines Neubaugebiet. Dadurch stieg die Einwohnerzahl auf über 3.500. Vorgesehen ist eine Erweiterung in Richtung Hochstadt.

Die Infrastruktur ist gut entwickelt. Es gibt ein Bürgerhaus, eine Verwaltungsstelle, einen Kindergarten, Kirche und Gemeindehaus, viele Einzelhandelsgeschäfte, zwei Gaststätten, zwei Banken, eine Postfiliale, eine Bücherei, eine Arztpraxis, eine Apotheke. Ganz hervorragend ist das Vereinsleben, das auf kulturellem und sportlichem Gebiet jedem etwas bietet. Die Mittelpunktschule liegt zwischen Wachenbuchen und Mittelbuchen, weiterführende Schulen sind in Hanau und Bischofsheim.

Seit fast 25 Jahren ist Wachenbuchen nun ein Teil der Stadt Maintal. Diese richtete ein neue Buslinie ein. Die Autobahn führt seit 1983 durch die Gemarkung und eröffnet den Zugang in die weite Welt. Das wirkt sich auch auf das Bewußtsein der Einwohner aus. Viele sind erst in den letzten Jahrzehnten zugezogen, viele sind Ausländer. Aber sie wohnen alle gern in dem Ort am Hang des Hühnerbergs, zwischen Wald und freier Feldflur, aber doch nahe dem pulsierenden Leben der Großstadt.

Aus dem mehr beschaulichen Dorf ist ein moderner Stadtteil geworden, der attraktiv für die Alteingesessenen ist, aber auch neue Menschen anzieht. Wachenbuchen ist nicht mehr das kleine beschauliche Dörfchen wie vor hundert Jahren. Wer behauptet, hier sei die Welt noch in Ordnung, der verschließt in romantischer Verklärung die Augen vor den großen Wandlungen, die auch vor Wachenbuchen nicht Halt gemacht haben. Hier gibt es Probleme wie anderswo auch. Aber hier leben auch moderne und aufgeschlossene Menschen, die ihren Platz in der heutigen Zeit suchen und finden. Auch nach 1200 Jahren lohnt es sich, in dem liebenswürigen Wachenbuchen zuhause zu sein.

 

 

 

Wachenbuchen: Sonderfall Maintal 4?

Wer aus Frankfurt kommt ist Frank­furter die Nach­barn aus Hanau sind Hanauer, die aus Dörnigheim Stammenden Dör­nigheimer, wer in Bischofsheim wohnt ist Bischofsheimer und ein in Hoch­stadt Ansässiger ist natürlich Hoch­städter Aber was ist mit Wachenbu­chen? Sind die Einwohner von „Main­tal 4“" Wachenbucher oder Wachenbu­chener?

Die Meinungen gehen auseinander und auch wenn man in Wachenbu­chen fragt, bekommt man keine ein­heitliche Antwort. Die einen meinen so, die anderen so. Und nach Mundart heißt die dritte Variante „Wachebü­cher“. Das hilft nun aber auch nur be­dingt weiter.

Auf der Suche nach der Wahrheit hilft vielleicht der Stadtplan weiter. Ent­sprechende Straßennamen gibt es in Hochstadt und Mittelbuchen, und bei­de heißen „Wachenbuchener Straße“. Also alles klar? Doch Moment: In Peter Heckerts Hei­matchronik „Liebenswertes Wachen­buchen“ ist durch die Bank von „den Wachenbuchern“ die Rede ‑ und nicht von „Wachenbuchenern“. Was stimmt denn nun?

Kann man also tatsächlich guten Ge­wissens ein „en“ streichen? Ist das nicht ein Regelverstoß, schließlich wird doch vom Ortsnamen immer eine Endung drangehängt und nicht weg­gelassen? Es heißt ja auch nicht Dörni­ger, Bischofser oder Hochster ‑ wa­rum dann also Wachenbucher?

Was soll’s, denkt sich die Spitzmaus ‑ es gibt nun einmal keine Regel ohne Ausnahme, und Herr Heckert wird’s schon wissen. Immerhin lassen sich noch mehr Ausnahmen finden: Es heißt Sachsenhäuser und nicht Sach­senhausener und auch die Einwohner von Recklinghausen legen größten Wert drauf, daß sie Recklinghäuser sind. Letzteres steht sogar im Duden und hat nichts mit der Rechtschreibre­form zu tun (05.06.2002, dm).

 

 

Sie wußten, was sie wollten - die Wachenbucher!

Ein eigener Menschenschlag in der Stadt Maintal.

 

Schon in der Vergangenheit ließen sich die Wachenbucher nichts vormachen und behaupteten ihren Standpunkt. Ein Beispiel ist der Patronatsstreit von 1327.

Schon seit den Zeiten der Germanen nehmen sich die Grundherren das Recht, bei der Besetzung der Pfarstelle in ihrem Bereich mitzureden. Im Streit um die Besetzung (Investitursstreit) will der Papst im 11. Jahrhundert das rückgängig machen, kommt aber letztlich nicht durch.

Die ersten Wachenbucher Pfarrer werden noch allein vom Erzbischof in Mainz eingesetzt: Dominus Petrus viterbinensis (um 1250), Gerlach (um 1306) und Petrus, der 1327 in Wachenbuchen stirbt. Daraufhin meldet sich Heinrich von Buchen, ein Ritter aus dem Ort, der die Rechte des geistlichen Standes erworben hat, und will die Stelle haben.

Da es sich um einen Ritter handelt, hat der Oberlehnherr Luther zu Isenburg in Büdingen eine günstige Gelegenheit, den Bewerber dem Erzbischof von Mainz zu präsentieren und damit ein Patronatsrecht zu beanspruchen.

Am 3. Dezember 1327 kommt es in Büdingen zum Prozeß. Rechtsanwälte und Gutachter werden aufgeboten, Zeugen werden verhört. Doch der Mainzer Vertreter ist schlecht informiert. Er weiß nicht einmal, wie es bei der Präsen-tation des Pfarrers Petrus war, obwohl er ihn doch selbst präsentiert hat. Er glaubt, daß er durch den örtlichen Erzpriester eingeführt wurde, weiß aber nicht, auf wessen Präsentation hin.

Die Sache zieht sich bis 1331 hin. Aber an dem angesetzten Verhandlungstag 20. Februar erscheint keine der Parteien. Der Personalchef des Mainzer Erz-bischofs ist erbost und verkündet, daß er nun zusammen mit dem Vertreter Luthers entscheiden werde. Noch einmal werden von einem Schulmeister aus Gelnhausen einige Zeugen in Büdingen vernommen. Ein Bericht darüber geht nach Mainz. Aber offenbar wird Heinrich von Buchen doch Pfarrer in Wachen-buchen und ist es wahrscheinlich bis 1358. Die Gemeinde und die örtlichen Kräfte haben sich durchgesetzt gegen die Amtskirche.

 

Ein anderer Vorfall aus dem gleichen Jahrhundert zeigt schon den Charakter der damaligen Wachenbucher. Als Ulrich von Hanau 1389 der Stadt Frankfurt Fehde ansagt, schließen sich auch einige andere Ritter der Umgebung an. Unter ihnen sind auch Gerlach von Buchen, Clas von Buchin, Reinhard von Bochen, Klaus von Buchen, Simon Span zu Wachenbuchen und Heinrich Difel, sein Knecht, alle Angehörige des niederen Adels, die im Dorf wohnen.

Aber die Frankfurter sind stärker und stecken Mittelbuchen und Wachenbuchen an. Einigen Bürgern bleibt nichts anderes übrig, als die Stadt Frankfurt um Hilfe zu bitten. So bitten Reinhard Roiszer von Buches und seine Familie um Ersatz des Schadens, der ihm durch Brand in beiden Orten zugefügt wurde. Gerlach, der Pastor der Kirche zu Wachenbuchen, bekennt 1390, daß die Stadt Frankfurt ihn mit 15 Gulden entschädigt hat für Kriegsschäden an seiner beweglichen Habe und bei dem Brand des Pfarrhofes. Auch Kraft von Altendorf hat einen Schaden in Wachenbuchen erlitten. Die Stadt Frankfurt erklärt sich 1391 bereit, die Sache gütlich mit ihm zu regeln. Beim Kämpfen war man schnell. Aber hinterher gibt es lange Gesichter.

Aber auch innerhalb de Ortes gibt es Spannungen zwischen der Mehrheit der Bevölkerung und den wenigen Reichen. Besonders das mitten im Ort gelegene Hofgut hat wohl gern eine Sonderstellung eingenommen. Es gehört bis nach dem Zweiten Weltkrieg der Familie von Edelsheim, die aus dem Hanauer Bürger-tum gekommen ist. Den Hof in Wachenbuchen haben 1859 die drei Brüder von Edelsheim verpachtet. Sie selbst wohnen weit weg, zum Teil im Ausland. Aber immer noch erhält der Hof jedes Jahr die doppelte Holzzuteilung aus dem Ge-meindewald.

Jetzt aber wollen die Anderen das nicht mehr dulden. Der Pächter soll auch nur so wie alle anderen Ortsbürger behandelt werden. Man kann nicht mehr sagen, wessen Name in den Vorjahren bei der Verlosung genannt wurde. Wahrschein-lich wurde der Name von Edelsheim aufgerufen, aber den Zettel hat der Pächter entgegengenommen. Das gibt es nun nicht mehr: Der Pächter erhält den glei-chen Anteil wie die anderen auch.

 

Auch den Einfluß des hesssichen Landgrafen will man einschränken. Die Graf-schaft Hanau war ja längst an Kurhessen gefallen. Aber die Kasseler Landgrafen, die sich inzwischen ja sogar "Kurfürst" nennen dürfen, sehen Hanau als so etwas wie ihre zweite Residenz an und die Wälder um die Stadt als ihr bevorzug-tes Jagdrevier.

Schon 1864 weist das Gemeinderatsmitglied Lottich darauf hin, daß nach dem Gesetz von 1848 die Jagd wieder vom Staat an die Gemeinden hätte abgetreten werden müssen. Es wird deshalb ein Prozeß angestrengt. In der Folgezeit ver-pachtet auch die Gemeinde die Jagd.

Allerdings geht sie meist an den landgräflichen Forstmeister, weil der am ehesten die geforderte Jagdpacht zahlen kann. Durch die Jagd der Beamten der Landesherrschaft entsteht aber immer großer Schaden im Wald, sehr zum Ver-druß der Bauern. Deshalb teilt man den Jagdbezirk zunächst in zwei Bereiche, obwohl das streng untersagt ist. Im Jahre 1866 gelingt es dann vier Bauern, die Jagd auf den Feldern zum stolzen Preis von 2.500 Gulden zu ersteigern. Damit ist der Landgraf erst einmal hinausgedrängt.

Aber für die Wachenbucher kommt das dicke Ende erst noch: Sie haben sich mit ihrem Gebot natürlich übernommen und können nicht zahlen. Die übergeord-neten Behörden drängen auf Härte und Neuvergabe der Pacht. Der Gemeinderat aber hält den Einheimischen bei und hat sie wahrscheinlich auch zu diesem Trick ermuntert. Er setzt die Pacht 1966 einfach auf 500 Gulden herunter und die Jagd bleibt im Dorf, zumindest auf den Feldern.

Noch um die Jahrhundertwende wird das Feld nördlich der Mittelbucher und Hochstädter Straße getrennt verpachtet für etwas mehr als 500 Mark, obwohl die Aufteilung immer noch verboten ist; aber in Wachenbuchen macht man sich nichts aus solchen Verboten.

 

Auch gegenüber dem einzigen Industriellen im Ort ist man hart. In der Nähe des Kurhauses Wilhelmsbad liegt der Steinbruch der Wachenbucher Gemeinde. Seit 1902 ist er die Firma Karl Kaiser aus Hanau verpachtet. Die Gemeinde ist mit sechs Prozent am Umsatz beteiligt. Aber man vergißt auch nicht, für den eigenen Bedarf einen Rabatt von zehn Prozent und die bevorzugte Anstellung von Arbeitern aus dem Ort zu vereinbaren.

Umgedreht versteht es Kaiser auch wiederum geschickt, andere Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen. Zu beiderseitigem Nutzen entwickelt sich so eine jahrzehntelange Zusammenarbeit. Der Steinbruch ist neben dem Wald die Haupteinnahmequelle der Gemeinde. So 3.000 Mark kann sie immer heraus-schlagen. Als Kaiser 1919 im Steinbruch bauen will, sagt man ihm gleich, daß er nicht auf den Anschluß von Wasser und Licht hoffen könne.

Am 13. Juni 1929 tauscht die Gemeinde mit der Firma Kaiser ein Stück Steinbruchgelände gegen eine Wiese. Dafür muß die Firma aber außerdem die Hintertorstraße mit Verlängerung der Hanauer Landstraße pflastern und mit Bürgersteigen versehen, während die Gemeinde nur 5.000 Mark Zuschuß gibt. In solchen Koppelungsgeschäften ist man Meister.

 

Im 19. Jahrhundert nimmt das Dorf einen großen Aufschwung. "Wenn es sich irgendwann und irgendwo um eine fortschrittliche Einrichtung und Einführung oder um eine Unternehmung handelte, so marschierte Wachenbuchen stets mit an der Spitze; das dürfen wir mit Stolz bekennen!"(Feuerwehrfestschrift)

 

Über ihr kostbares Wasser haben die Wachenbucher immer sehr gewacht. Im 18. Jahrhundert werden sie gezwungen, eine Wasserleitung für die Stadt Hanau zuzulassen. An der Pfingstweide werden die Quellen gefaßt und in einer hölzernen Leitung in die Hanauer Alt- und Neustadt geleitet. Die Leitung ist westlich des Dorfes allerdings nur in geringer Tiefe verlegt. Sie ist also schnell auszugraben und anzubohren. Bald werden immer mehr Gärten durch das Wasser aus der Hanauer Leitung beregnet. Und damit der Druck besser wird und das Wasser weiter spritzt, verstopft man das Rohr mit Grasstücken, bis die Hanauer die Ursache der Verstopfung gefunden haben und alles wieder entfernen.

Deshalb ist man immer wieder mißtrauisch, wenn andere begehrlich nach dem Wachenbucher Wasser schielen. Zunächst wird immer erst einmal hinhaltender Widerstand geleistet. Schließlich wird 1904 doch eine Bohrung für die Stadt Frankfurt in der Langheeg vorgenommen. Aber ein Vertrag wird vorläufig noch nicht abgeschlossen: Erst soll ein Sachverständiger herangezogen werden, der bestätigt, daß kein Schaden für Wald und Feld entsteht.

Selbst 1943 gegen Ende der Nazizeit, wo doch alles von oben verfügt wird, lehnen der Gemeindevorstand und der Bürgermeister den Anschluß des Gemein-dewasserwerks an die Kreiswerke ab: Die Gemeinde sei im Besitz einer Wasser-versorgung, die abgeschrieben ist. Eine zweite Anlage ist halb fertiggestellt. Sie kann nur nicht fertiggestellt werden, weil wegen der Kriegszeiten die Rohre feh-len. Die Einwohner sind mit der Pauschalgebühr von 30 Pfennig pro Person und 50 Pfennig pro Stück Großvieh zufrieden (wohl im Monat). Heute bleibt alles Wasser in Wachenbuchen, man bezieht sogar über die Kreiswerke noch Wasser aus Niederdorfelden.

 

Mit den Lehrern steht man zeitweise auch ein wenig auf Kriegsfuß. So lehnt der Gemeindevorstand 1905 die Übernahme der Kosten für die Reinigung der ersten Schule ab ("Küsterschule", Kirchhofstraße 3). Wahrscheinlich ist das Aufgabe des Ersten Lehrers, der gleichzeitig Kantor und Kirchendiener ist. Das Reinigen gehört nun einmal zu seinen Amtspflichten, auch diese niederen Verrichtungen werden ihm nicht erlassen. Für die Reinigung der Zweiten Schule (Herrnstraße 5) dagegen wird anstandslos eine Raumpflegerin angestellt.

Auch den Antrag auf Erhöhung der Lehrerbesoldung wimmelt man 1906 mit for-malen Argumenten ab: Weil die Lehrer es versäumt haben, einen Betrag zu nennen, kann man auch keinen bewilligen. Stattdessen bietet man ihnen einen Morgen Land im Hofgarten an und will es sogar noch einzäunen.

Da können sie dann einmal mit ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt ver-dienen, wird man gedacht haben. Der Gipfel ist aber, als man den Lehrern die Teilnahme an einem Turnkursus in Fechenheim verwehrt, weil sie dafür unge-eignet wären. So geschehen 1907 und 1910.

 

Überhaupt ist der Gemeindevorstand und auch die Gemeindevertretung in dieser Zeit sehr sparsam. Er erklärt sich 1903 zur Grundreparatur der Kirche bereit, beteiligt sich jedoch nicht an dem Erweiterungsbau. Deshalb hofft man auch 1927, daß die Gemeinde die Reparatur des einsturzgefährdeten Ostgiebels bezahlen wird. Die Gemeinde verweist darauf, daß sie 1903 die Erweiterung der Kirche nicht gewollt hat und der jetzige Schaden nur durch einen Konstruktionsfehler bei der Erweiterung entstanden sei.

Als 1905 die Glocke beschädigt ist, will man erst versuchen, einen Splitter einzusetzen, ehe man eine neue Glocke kauft. Auch 1927 lehnt man eine Bürgschaft für die Beschaffung der Glocken ab und bestreitet bei dieser Gelegenheit auch gleich generell die Unterhaltspflicht der Gemeinde für die Reparatur der Kirche. Das hat nichts mit einer Kirchenfeindlichkeit zu tun, sondern man ist generell sparsam und lehnt viele Anträge ab.

 

Aber auch der israelitischen Gemeinde ergeht es nicht besser. Sie beantragt 1907 im Zusammenhang mit der Flurbereinigung einen eigenen Friedhof. Es wird ihr vorgeschlagen, doch erst einnmal ein Grundstück zu kaufen und dann ei-nen Antrag zu stellen. Schließlich will die Gemeinde 500 Mark geben, wenn min-destens fünf Ar gekauft werden. Aber entweder war niemand bereit zu verkau-fen oder das Grundstück war zu groß und zu teuer. So hat man nicht prinzipiell abgelehnt, aber die Sache in der Praxis unmöglich gemacht.

 

Auch anderen Einrichtungen geht es nicht besser: Als die Feuerwehr 1906 ein Gerüst zum Trocknen der Schläuche haben will, wird ihr geantwortet, sie könnten doch am Rathaus getrocknet werden.

Als 1909 der Arzt Dr. Weitzel einige Reparaturen am Doktorhaus haben möchte, bequemt sich der Gemeindevorstand immerhin dazu, wenigstens das Haus ein-mal anzusehen.

Die Kanalisierung der Erbsenstraße wird 1910 abgelehnt, weil angeblich nicht nachgewiesen werden kann, daß das Wasser in den Kellern von dem öffent-lichen Brunnen in der Straße kommt.

Mit dem Wilhelmsbader Hof wird 1910 nur dann ein Grundstück getauscht, wenn dafür ein bestimmtes Grundstück an der Hanauer Landstraße für die Ge-meinde gegeben wird.

 

Ein besonderes Kapitel ist die Autobusgesellschaft. Schon 1914 lehnt es die Gemeinde ab, der Automobilgesellschaft beizutreten. Da beschließt der Kreis, daß sie beitreten m u ß. Daraufhin beauftragt die Gemeinde wiederum einen Rechtsanwalt. Der Krieg wird die Sache wohl von selbst erledigt haben. Aber nach dem Krieg tritt man dann doch der neu gegründeten Kraftverkehrs-gesellschaft bei. Aber als die Gemeinde 1930 den Verlust in Höhe von 222 Mark übernehmen soll - wie es vertraglich vereinbart ist - stimmt der Wachenbucher Vertreter einfach dagegen.

 

Auf die Kommunisten ist man in einem traditionell bestimmten Ort nicht gut zu sprechen. So lehnt man nach dem Krieg den Antrag der Kommunistischen Fraktion auf Gewährung von Winterbeihilfe ab. Im gleichen Atemzug nimmt man aber den Antrag der Sozialdemokratischen Fraktion an, daß 800 Mark Weih-nachtsbeihilfe in Form von Lebensmitteln gezahlt werden.

Die Eingabe der kommunistischen Fraktion im Jahre 1931 wegen Erlaß der Grundvermögenssteuer für die Landwirte und der Gewerbesteuer für die Hand-werker wird nur "zur Kenntnis genommen".

 

Die Gemeinde entwickelt sich und wird immer größer. Immer wieder vergibt der Gemeindevorstand dabei Bauplätze. Dabei kennt man in Wachenbuchen sogar schon eine Art sozialen Wohnungsbau. So werden 1921 zwei Bauwilligen  Bauplätze am Hintertor zum Bau von je zwei Wohnungen überlassen. Die Gemeinde macht aber die Auflage: sie gibt jedem einen Zuschuß vom mindestens 15.000 Mark, dafür darf der Eigentümer die zweite Wohnung aber nur in Absprache mit der Wohnungskommission vermieten. So wird es von da an bei jeder Vergabe von Gemeindeland gemacht.

Eine andere Variante ist, daß die zweite und jede weitere Wohnung nur an ein-heimische Wohnungssuchende vergeben werden darf. So wird es 1927 bei der Vergabe eines Baugrundstücks  an die Firma Welz  vereinbart.

 

Einen Zuschuß zum Bau eines Doppelhauses mit vier Wohnungen stellt die Gemeinde nur zur Verfügung, wenn sie dafür einen Sitz im Aufsichtsrat erhält. Der Baulandpreis beträgt in dieser Zeit in der Regel 1,50 Mark. Nur in der Hohen Tanne nimmt man etwas mehr, so zwei bis drei Mark. Der Bauunternehmer Welz  aber muß 5 Mark zahlen.

Überhaupt wird die Firma Welz tüchtig geschröpft. Als 1927 in der Schulstraße einige Kanalrohre umgelegt bzw. höhergelegt werden müssen, werden die Erd-arbeiten von Erwerbslosen ausgeführt. Das Umlegen der Rohre aber muß die Firma Welz kostenlos machen. Das ist ein ganz geschickter Schachzug, denn die Firma Welz will wieder einmal einen Bauplatz.

 

Der Bau des elektrischen Ortsnetzes wird 1920 an die Firma Siemens-Schuckert vergeben. Die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Holzmasten dürfen aber nicht in der Gemeinde verwendet werden, sondern man will abgelagerte und gut imprägnierte Masten haben.

Doch 1929 möchte der Kreis das elektrische Ortsnetz übernehmen. Die Gemeindevertretung ist aber nicht mit der Bewertung einverstanden und leistet wieder einmal hinhaltenden Widerstand. Für das Ortsnetz werden jetzt fast 12.500 Mark geboten, Die Gemeinde möchte aber aus Prinzip noch 300 Mark mehr haben. Als der Kreis das Ortsnetz dann doch in der Hand hat, gibt er es auch sofort an die Elektrizitätsaktiengesellschaft Mitteldeutschland weiter. Das Mißtrauen war also berechtigt. Im Jahre 1931 boykottiert man sogar die Stromversorgung und schaltet die Straßenbeleuchtung vorzeitig ab.

 

Auch bei der Schwesternstation möchte man gerne sparen. Zunächst wird einer solchen Station "im Prinzip" zugestimmt, der Wohlfahrtsausschuß soll sich damit befassen. Aber schließlich wird der Plan 1925 doch "vorerst zurückgestellt", weil keine Wohnung zu beschaffen ist.

Eine Fortbildungsschule hält man für überflüssig. Schon 1910 wird die Aufstel-lung eines Statuts für eine Fortbildungsschule abgelehnt, weil man sich nicht auf Dauer mit Kosten belasten will. Und 1925 hat man sogar das Argument, die Ausdehnung des Unterrichts auf die weibliche Jugend sei nicht zweckmäßig und eine Fortbildungsschule deshalb unnötig.

 

Gegenüber Steuern ist man immer sehr mißtrauisch. Schon 1910 wird die Erhebung von Staatssteuern abgelehnt. Auch 1930 und 1931 wird die erhöhte Biersteuer und Bürgersteuer immer wieder abgelehnt, obwohl sie der Kreisausschuß immer wieder fordert. Erst in der Nazizeit werden diese Steuern von oben verfügt.

 

Als der Kreis 1935 für Notstandsmaßnahmen unentgeltlich Steine aus dem Ge-meindesteinbruch haben will, lehnt der Bürgermeister das ab, weil die Gemeinde bei ihren Notstandsmaßnahmen die Steine auch immer hat bezahlen müssen.

 

Um die Haltung des Gemeindebullen gibt es auch immer wieder Streit. So will der Bullenhalter Puth 1938 jährlich 3.000 Mark für die drei Bullen haben; das erscheint sehr hoch. Der Gemeindevorstand möchte ihn aber gern halten, denn  es wird gesagt, Puth sei ein guter Tierpfleger. Puth geht schließlich auf 2.600 Mark herunter, aber der Bürgermeister möchte noch mehr herausschlagen und bietet 2.500 Mark. Schließlich macht man sich von den Bauern unabhängig und baut einen eigenen Bullenstall neben der Schule auf dem Grundstück Herren-straße 5.

 

Der Landrat verpflichtet im September 1949 die Gemeinden, regelmäßige Bürgerforen zu veranstalten. Widerwillig beschließt man, Mitte Oktober wieder einmal eine Aussprache zu organisieren. Die Lehrer werden dazu verdonnert, die Ausgestaltung vorzunehmen.

 

Ab 1949 wird für die Reinigung der Feuerwehrgeräte nichts mehr bezahlt, son-dern die Reinigung wird von der gesamten Wehr in Form von Wehrübungen vorgenommen. So werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Feuerwehr kann üben und die Gemeinde hat gespart.

 

Im Mai 1949 ist die Schule fast fertig renoviert. Der Aufschwung nach der Währungsreform hat es möglich gemacht. Aber es fehlt noch ein Spielplatz und die Räumung des Schulhofs vom Baumaterial der Firma Welz. Der Elternbeirat fordert die Räumung des Platzes. Der Gemeindevorstand weist diese Forderung zwar zurück, schreibt aber dennoch die Firma an, den Schulhof umgehend zu räumen.

 

Da im Juli 1950 nur noch 40 Kinder an der Schulspeisung teilnehmen, soll diese aufgegeben werden. Es soll nur noch von Zeit zu Zeit Milch und Kakao an be-dürftige Kinder ausgegeben werden. Weil die Gemeinde sich hartnäckig weigert, wieder zur Schulspeisung zurückzukehren und sogar die Milchausgabe für über-flüssig hält, will das Schulamt die Schulspeisung übernehmen. Doch 1951 wird sie endgültig eingestellt. Für einige Kinder übernimmt die Gemeinde jedoch die Betrahlungskosten.

 

Ebenso hart verhandelt man mit der Bundesanstalt für Flugsicherung. Diese plant 1953 den Bau eines Flugfeuers im Simmicht beim Waschhaus. Es soll ein Mittel-wellenfunkfeuer mit zwei 15 Meter hohen Masten und einer Baracke errichtet werden. Der Gemeindevorstand weiß, daß er es nicht verhindern kann. Er will aber möglichst viel herausholen: er will einen Zuschuß zu den Kosten der Stark-stromanlage nach der Pumpstation, aber neben der üblichen Pacht auch noch eine Abnutzungsgebühr für das Kabel, eine Haftung für alle nachteiligen Folgen und die Vergabe der Arbeiten vorzugsweise an örtliche Handwerker.

 

Noch krasser sind die Forderungen, als 1965 die Gemeinde etwas Land für den Straßenbau von Wilhelmsbad nach Wachenbuchen abgeben soll. Sie fordert nämlich gleichzeitig den Bau einer Haltebucht in der Hohen Tanne in Höhe Amselstraße, obwohl doch beides gar nichts miteinander zu tun hat.

 

Die Kirchengemeinde hat eine Vormerkung für die Grundstücke im Grundbuch und lehnt die Löschung des Vorkaufsrechts ab. Außerdem verlangt sie, als Eigentümerin des Kirchhofs rund um die Kirche eingetragen zu werden. Die Gemeinde will im Oktober 1972 auch das Gelände um die Kirche kostenlos der Kirche übertragen. Sie verlangt aber, daß die Kirche das Gelände einschließlich Turm in Ordnung hält, daß keine Bauwerke errichtet werden, die Anwohner weiter Wäsche auf dem Kirchhof trocknen dürfen (!) und die jährlichen Holzlieferungen damit als abgelöst gelten.

Schließlich kommt es  zur Gerichtsverhandlung. Im November 1973 stimmt die Gemeindevertretung dem Vergleichsvorschlag des Landgerichts Hanau zu, weil er dem Beschluß der Gemeindevertretung vom vorigen Jahr entspricht. Die Kir-che soll jedoch die Gerichtskosten übernehmen, weil das Verfahren überflüssig war.

Als 1973 die Kirchengemeinden ein ökumenisches Gemeindezentrum planen, wird die Meinung vertreten, daß es gar nicht nötig sei, zumindest nicht in dieser Größe.

 

Ehe der Kindergarten in Betrieb geht, protestiert schon eine Bürgerinitiative gegen die Höhe der Kindergartenbeiträge.

 

Der Planung des Rhein-Main-Schnellwegs stimmt man 1968 zwar prinzipiell zu, aber gleichzeitig möchte man auch eine Ortsumgehung haben. Ende 1972 läuft das Planfeststellungsverfahren für die Autobahn. Beim Anhörungstermin für den Bau der Autobahn sollen folgende Forderungen gestellt werden: Erdwall nach der Hohen Tanne zu, Überführung des Weges zur Hohen Tanne mehr nach Westen, Überführung des Simmichtswegs, keine finanziellen Belastungen der Gemeinde, Ausgleich für den Verlust an Bauland bei der Hohen Tanne. Allen Ernstes verlangt man auch 1974 eine Entschädigung für die Abgabe der Hohen Tanne.

 

So waren die Wachenbucher schon immer gewitzte Leute. Sie lassen sich nicht so schnell übers Ohr hauen, sondern sind harte Verhandlungspartner. Jedem Druck von oben her stehen sie mißtrauisch gegenüber und versuchen, ihm mit hinhaltendem Widerstand auszuweichen. Dieser Charakter hat sich bis heute erhalten. Schließlich waren die Wachenbucher die einzigen, die den zehn Jahre in der Stadt wirkenden Stadtrat für Bausachen zur Rücknahme einer Maßnahme bewegen konnten. Noch bei seiner Verabschiedung bedauerte er, daß er nicht härter gewesen ist und den von ihm gewünschten Brunnen vor dem Historischen Rathaus wieder hat abbauen lassen. Er wollte hart bleiben, aber die Wachen-bucher waren härter!

 

 

Burg von Buchen: Von tapferen Rittern keine Spur

Das seidene Taschentuch flattert im Wind, als das holde Burgfräulein seinem strahlenden Helden in schimmernden Rüstung zum Abschied winkt. Das Klappern der Pferdehufe verhallt im Burghof, als die Ritter über die Zugbrücke die trutzige Burg verlassen - Kinderphantasien. Die Realität hingegen entbehrt dem märchenhaften Charme.

Tatsächlich war die Burg der Herren von Buchen südöstlich des Ortskerns von Wachenbuchen im feuchten Wiesengelände nahe der ehemaligen Römerstraße - eine in ihren größten Ausmaßen 150 Meter auf 130 Meter messende Burganlage - Wohnsitz von Verwaltern.

Ihre Entstehung wurde zunächst auf das sechste Jahrhundert datiert, doch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft handelt es sich vielmehr um eine Anlage aus dem Hochmittelalter, wenngleich „die paar mittelalterlichen Scherben, die gefunden wurden, nicht für eine exakte Datierung ausreichen“, wie der passionierte Hobby-Archäologe Norbert Mankel erzählt, denn auch jungsteinzeitliche Funde wie ein Steinbeil und eine Feuersteinklinge wurden hier gemacht. Verräterisch ist jedoch der Aufbau. der erlaubt, die „Motte“ oder „Talburg“, so der archäologische Fachbegriff für diese spezifische Burgform, zeitlich in das zehnte oder elfte Jahrhundert zu verlegen.

Auch die Lage der Burg ist urkundlich nicht erwähnt, so dass lange Zeit gerätselt und spekuliert wurde, ob denn nun die Burgwüstungen in Mittelbuchen oder in Wachenbuchen Wohnsitz der Herren von Buchen waren. „Heute sind wir jedoch fast sicher, dass es die Burg auf Wachenbucher Gemarkung ist“, erzählt Norbert Mankel. „Doch Vorsicht ist geboten“, fügt der Hochstädter eilends hinzu.

Den Kern der Burg bildete ein Wohnturm, umgeben von Palisaden. Diesem war im Norden eine rundlich-rechteckige Vorburg vorgelagert. Hier bewirtschafteten Bauern einen Gutshof. Der Hügel der Vorburg, jetzt in einem Wäldchen liegend und zu großen Teilen noch erhalten, war von einem Wassergraben umgeben. Auch um die gesamte Burg verlief zum Schutz gegen ungebetene Gäste ein ovaler Wassergraben. Bis heute scheiden sich die Geister, ob die Burg aus solidem Mauerwerk bestand oder aus Holz. Während einerseits konstatiert wird, dass sie in wesentlichen Teilen gemauert war, vermuten andere Quellen, dass die Burg aus Holz bestand. „Nur Grabungen oder geomagnetische Untersuchungen können hier genauen Aufschluss geben“, zieht Mankel ein Fazit.

In den 30er Jahren wurde erstmals zum Spaten gegriffen. Damals unternahm der Hanauer Geschichtsverein umfangreiche Grabungen. Noch heute sind im Inneren des idyllischen Wäldchens die tiefen Suchgräben zu erkennen. Archäologische Auf zeichnungen sind jedoch nicht überliefert, berichtet Norbert Mankel.

Schweren Herzens muss sich der phantasiefreudige Maintaler zudem von der Vorstellung verabschieden, dass hier hochherrschaftliche Grafen und Ritter gelebt haben. Vielmehr war die Burg der von Buchen Wohnsitz von Verwaltern der umliegenden Ländereien, die für ihre Treue durch den Fürsten oder Kaiser mit Grundbesitz belohnt worden waren. Sie trieben von den Bauern die Abgaben ein und durften als Gegenleistung einen Teil davon behalten, erzählt Mankel. Keine tapferen Ritter mit glänzender Rüstung und geschliffenem Schwert, sondern lediglich Verwalter lebten hier.

Als Bodendenkmal untersteht die Burg dem Schutz des hessischen Denkmalschutzgesetzes, das heißt, ohne Genehmigung darf dort nicht der kleinste Spatenstich erfolgen. Grabungen, Schürfungen oder Wühlereien sind verboten. Lesefunde sind dem Kreisarchäologen zu melden, dürfen jedoch von dem aufmerksamen Finder behalten und stolz in der heimischen Vitrine betrachtet werden.

Den Blick der Öffentlichkeit auf archäologische Stätten zu richten, ist immer ein zweischneidiges Schwert, weiß Norbert Mankel und verweist auf den Konflikt, dem Archäologen und Museen seit ewigen Zeiten unterliegen. Denn auch Raubgräber werden so aufmerksam und zum verbotenen Buddeln animiert. „Doch nur was man kennt, kann man auch schützen“, sagt Norbert Mankel (MTA 25.08.2007).

 

 

Römergrab in Wachenbuchen

Wo der Simmichtsweg schon ein Stück durch den Wald führt, steht die "Simmichts­eiche", auch "Dicke Eiche" genannt. Der bizarre und knorrige Baum ist etwa 300 bis 350 Jahre alt und weist bei einer Höhe von 23 Metern einen Stammumfang von sechs Metern auf. Auffallend ist vor allem die Form des Stammes, der sich vom Fuß her blasenförmig nach oben ausweitet. Der Wald auf der westlichen Seite ist erst 1971 angepflanzt worden. Früher hatte man hier einen weiteren Ausblick auf die Wiesen als heute.

Die mächtige Krone der Eiche beschirmt ein in direkter Nähe liegendes Hügelgrab aus römischer Zeit (siehe Seite 9). Der Simmichtsweg ist vermutlich ein Römerweg, der vom römischen Kastell Kesselstadt in die Wetterau führte (siehe Seite 8).

 

Ein  r ö m i s c h e r  G r a b h ü g e l  am Simmichtsweg ist heute gekennzeichnet, kurz nach dessen Eintritt in den Wald, auf der östlichen Seite (Fundstelle 97). Der Hügel hat 23 Meter Durchmesser und 1,60 Meter Höhe. Erstmals wird er am 7. September 1875 untersucht, aber gefunden werden nur rohe Scherben (Bild siehe Seite 95)

 

Doch als man erkennt, daß genau an dem Hügel eines römische Straße von 5,50 Meter Breite und mit Gräben an beiden Seiten vorbeiführt, gräbt man im Jahre 1898 noch einmal nach. Jetzt findet man im gewachsenen Boden neben einigen Scherben ein römisches Grab.

Die Aschenreste mit verschlacktem Glas und angebrannten Tonscherben des 2. Jahrhunderts sind in einer runden Sandsteinkiste mit Nasen untergebracht. Auf der oberen Seite ist sie sorgfältig geglättet, offenbar für einen Holzdeckel. Auf diesem steht eine eiserne Lampe von gewöhnlicher Form, die nach Verwitterung des hölzernen Deckels auf dem Rand der Kiste liegengeblieben ist, wo sie zerbrochen gefunden wird.

Es liegt deshalb eine Verbindung von römischem und germanischem Grabritus vor, denn die Verbrennung ist römisch, aber eine Totenlampe wäre wohl aus Ton gewesen. So kann man vermuten, daß der verbrannte Tote ein halbromanisierter Provinziale von germanischer oder keltischer Herkunft war.

 

Das Grab soll ursprünglich einen Durchmesser von 23 Metern gehabt haben und dabei auch die Römerstraße angeschnitten haben, so daß diese jünger wäre als das Grab. Durch die Umgestaltung im Jahr 2007 hat man erneut „fremde“ Erde auf den Hügel gebracht. Außerdem wurde eine Mauer aus polnischem Sandstein um das Grab gelegt, zunächst rundherum, dann mehr gerade. Die Mauer rund um das Grab hat bei den Archäologen Anstoßerregt, weil sie an römische Gräber erinnert, die es nur im Hunsrück gibt, aber in unserem Gebiet nicht nachgewiesen sind. Bei der Regionalparkroute sind halt Architekten am Werk und nicht Archäologen. Sie wollen etwas schaffen, das ins Auge fällt, auch wenn es historisch nicht richtig ist.
Eine Archäologin wiederum hat eine neue Theorie aufgestellt, wer hier beerdigt worden sein könnte. Nicht ein Provinziale –also Kelte oder Germane - sondern ein Römer, den nur ein solcher hätte sich ein solches Grab leisten können.

 

Das Grab soll ursprünglich einen Durchmesser von 23 Metern gehabt haben und dabei auch die Römerstraße angeschnitten haben, so daß diese jünger wäre als das Grab. Durch die Umgestaltung im Jahr 2007 hat man erneut „fremde“ Erde auf den Hügel gebracht. Außerdem wurde eine Mauer aus polnischem Sandstein um das Grab gelegt, zunächst rundherum, dann mehr gerade. Die Mauer rund um das Grab hat bei den Archäologen Anstoßerregt, weil sie an römische Gräber erinnert, die es nur im Hunsrück gibt, aber in unserem Gebiet nicht nachgewiesen sind. Bei der Regionalparkroute sind halt Architekten am Werk und nicht Archäologen. Sie wollen etwas schaffen, das ins Auge fällt, auch wenn es historisch nicht richtig ist.
Dr. Evelin Grönke, provinzialrömische Archäologin aus Hofheim hat eine neue Theorie aufgestellt, wer hier beerdigt worden sein könnte. Nicht ein Provinziale - also Kelte oder Germane - sondern ein Römer, den nur ein solcher hätte sich ein solches Grab leisten können. In der näheren Umgebung befänden sich bis zu 400 weitere Gräber und dazwischen die Fundamente eines römischen Gutshofs. Das gekennzeichnete Grab sei eines der „prominentesten“. Allein die imposante Größe sowie die Lage unmittelbar an der Römerstraße erlauben den Rückschluß, daß es sich bei dem Bestatteten um einen wohlhabenden Römer handelte. Die Theorie, daß es sich um einen romanisierten Kelten oder Germanen handele, sei nicht bestätigt. Weder seien Waffen noch Reste einer Tracht gefunden worden, die entsprechenden Rückschlüsse zuließen.

Aber auch von einem Römer sind  keine Waffen oder eine Tracht gefunden werden. Für die andere Annahme spricht aber die „gemischte“ Bestattungsform.

 

 

Kirche:

Den Wiederaufbau der Kirche in Wachenbuchen leitete Architekt Werner Bange, die Bauleitung bei der Kirche in Hohe Tanne hatte Architekt Rainer Bange aus der Hohen Tanne (der Plan stammte allerdings aus dem Landeskirchenamt).

 

Viergöttersteine oder andere Fragmente aus römischen Bauten gibt es oft in hessischen Kirchen (vgl. Baatz/Herrmann: Die Römer in Hessen, 1982). Es könnte doch so sein, daß man nur an dem Baumaterial interessiert war und nicht einen religiösen Hintergrund damit verband.

 

 

Römische Götter in der Kirche

Die Zeit hat ihre Spuren auf dem Viergötterstein hinterlassen. Nur noch schemenhaft sind die Umrisse der Götter auf den vier Seiten des rechteckigen Sandsteinquaders zu erkennen. Einst war das archäologische Relikt Teil einer Jupiter-Gigantensäule, die vor allem im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus bei römischen Siedlungen oder Gutshöfen aufgestellt wurde. Die Replik einer solchen Säule ist in Bruchköbel-Butterstadt oder nahe des Römerkastells „Saalburg“ zu sehen.

Entdeckt wurde der Viergötterstein im Zuge von Umbaumaßnahmen in der evangelischen Kirche Wachenbuchen. „Der Fundbericht gibt Auskunft darüber, dass 1903 während Arbeiten in der Kirche ein Viergötterstein im alten Mauerwerk gefunden wurde“, weiß Norbert Mankel. Als passionierter Hobby-Archäologe und Vorstandsmitglied im Verein Heimat-Museum Maintal kennt sich der Hochstädter in der Historie aus wie in seiner Westentasche. So weiß der Rentner ebenfalls, dass der Fund von Viergöttersteinen in Kirchen keine Seltenheit ist. „Durch den Einbau in christliche Kirchen wurde der römische Götterkult christianisiert“, erklärt er. Dabei seien die Abbilder der römischen Gottheiten häufig bewusst zerstört worden, um diese zu entweihen.

Nach seiner Entdeckung in dem Wachenbucher Gotteshaus wurde der Viergötterstein dem Hanauer Geschichtsverein überlassen. Heute ist er im Museum des Mittelbucher Heimat- und Geschichtsvereins zu sehen, das immer sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Der Block aus rotem Sandstein misst laut Fundbericht 66 mal 44 mal 43 Zentimeter. Auf den vier Seiten des Quaders sind die römischen Gottheiten Juno, Merkur. Herkules und Minerva abgebildet. Die Figuren sind jedoch alle in unterschiedlichem Grad beschädigt. „Juno ist die Himmelsgöttin und Gefährtin des nöchsten römischen Gottes Jupiter. Sie gilt als Frauen-, Geburts- und Ehegottheit“, berichtet Norbert Mankel. Mekur hingegen sei der Gott des Handels und des Gewerbes. aber ebenfalls als Götterbote und Totenbegleiter bekannt. Das Bildnis Merkurs auf dem Wachenbucher Viergötterstein ist noch am besten erhalten. „Herkules ist gleichzusetzen mit dem griechischen Halbgott Herakles, und Minerva gilt als Beschützerin der Handwerker und Künste, aber auch der Ärzte und Lehrer. Als jungfräuliche Göttin wurde sie im Christentum durch Maria ersetzt“, hat Mankel während seiner Recherchen herausgefunden.

Der Viergötterstein im Mittelbucher Heimatmuseum bildete einst den untersten Teil einer Jupiter-Gigantensäule, die auf oder nahe einem römischen Gutshof, einer so genannten villa rustica, gestanden hat. „Bei der Bezeichnung villa rustica handelt es sich um einen wissenschaftlichen Begriff. Umgangssprachlich würde man heute von Aussiedlerhöfen sprechen. In Wachenbuchen werden mehrere solcher villae rusticae vermutet, doch es hat nie Grabungen gegeben. die diese Vermutungen bestätigen würden“, berichtet der Hobby-Archäologe.

 

Über dem Viergötterstein befand sich ein Wochenstein mit sieben Tagesgöttern aus der Himmels- und Planetenwelt: Saturn (Samstag), Sol (Sonntag), Luna (Montag), Mars (Dienstag), Merkur (Mittwoch), Jupiter (Donnerstag) und Venus (Freitag). Über dem Wochenstein folgt eine meist mit Schuppen dekorierte Steinsäule, die von einem (in den überwiegenden Fällen reitenden) Jupiter bekrönt wird, der einen Giganten niederreitet. Nach Auskunft Mankels lassen sich an der Jupiter-Gigantensäule als Zeugnis eines römischen Götterkults auch Einflüsse anderer Religionen wiederfinden, etwa keltische oder germanische Glaubenseinflüsse.

Die meisten Jupiter-Gigantensäulen wurden bei römischen Siedlungen oder Gutshöfen in der Provinz Obergermanien aufgestellt. „Diese umfasste Teile der heutigen Schweiz, Frankreichs und des südwestlichen Deutschlands“, so Mankel. „Man geht davon aus, dass die Säulen vor allem dem Schutz der Bewohner des Gutshofes dienten“, fügt der Hochstädter hinzu (MTA 03.02.10).

 

Johann Acker ‑ Vater und Sohn

Philipp III. von Hanau entschied sich für die reformatorische Lehre, und somit hatten alle Menschen in der Grafschaft Hanau den neuen Glauben zu haben. Sein Vater hatte schon 1548 alle Pfarrer aufgefordert, ihr Glaubens­bekenntnis schriftlich zu hinterlegen. In diesem Jahr ist zum ersten mal seit 120 Jahren wieder etwas aus der Wachenbuchener Kirchengeschichte zu hören: Ein Pfarrer Konrad Rulmann wird da genannt, aber nur im Zusammenhang, daß er Wa­chenbuchen verläßt. Vielleicht wegen dieses Glaubensbekenntnisses, denn möglicher­weise war er noch katholisch.

Der neue Pfarrer Johann Acker bekannte sich zu der Bekenntnisschrift, die die Evangelischen vor dem Reichstag (1530, ebenfalls in Augsburg) vorgelegt hatten. Auch Johann Emmel in Mittelbuchen bekannte dies. Der Reichstags­beschluß von 1555 sicherte dann sieben Jahre später ab, daß das auch alles so in Ordnung war.

Der Nachfolger Ackers war sein Sohn, der auch Johann Acker hieß. Er übernahm die Wachen­buchener Pfarrstelle im Jahr 1585. Auch er bekannte sich zum Augs­burger Bekenntnis. Sie­ben Jahre war er auf sei­ner Stelle in Wachen­buchen, als ein neuer Graf an die Regierung kam. Philipp Ludwig II., der Ehemann der Katha­rina Belgica. Und neue Besen kehren gut. Er versicherte sich erneut, daß alle Pfarrer sich auch (diesmal nun zu dem etwas anderen) refor­mierten Bekenntnis hiel­ten, aber Acker junior sprach vom Bekenntnis seines Vaters. Der Graf setzte ihn ab und verwies ihn außer Landes. Im Jahre 1596 mußte er seinen Heimat­ort Wachenbuchen ver­lassen.

 

 

Läusbaum:

Östlich des Steder Waldes steht der „Läusbaum“. Der Name kommt nicht von den Blattläusen und auch nicht von den Zigeunern, die hier gelagert und sich „gelaust“ haben sollen. Solche „Läusbäume“ gibt es auch anderswo, zum Beispiel in Bad Vilbel auf dem Schöllberg in der Nähe der katholischen Kirche „Verklärung Christi“. Dort trafen sich die Wege nach Vilbel, Frankfurt und Offenbach, in der Nähe trafen sich die Grenzen von Hessen-Darmstadt, Hessen-Homburg und der Grafschaft Hanau.. „Läusbäume“ stehen allgemein an verkehrsstrategisch günstigen Plätzen.

„Läus“ kommt wohl eher vom mittelhochdeutschen „Lüs“, was soviel wie „Versteck“, „Hinterhalt“ oder auch „Raststelle“ meint. Oder der Name kommt von „Geleit“, so daß der Volks­mund aus „-leit“ dann „läus“ gemacht hätte.

 

 

Alte Wasserleitung

Nach der Mittelbucher Keramikleitung im 18. Jahrhundert wurde noch eine von Wachenbuchen nach Hanau gebaut: Der letzte Graf von Hanau war gestorben, und Hanau fiel an den Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen‑Cassel. Dieser faßte am 13.9.1748 „aus landesväterlicher Sorgfalt“ den Beschluß, von Wachenbuchen nach Hanau eine Frischwasserleitung in Eisenrohren verlegen zu lassen. Ein Drittel wollte er aus der Staatskasse zuzahlen, und zwei Drittel sollten die beiden Hanauer Städte (Altstadt und Neustadt) bezahlen. Diese hatten aber kein Geld, aber der neue Landesfürst wußte Rat: Es wurde eine Vermögenssteuer eingeführt. Im Jahre 1749 wurde der Bau begonnen. Rund 1500 Meter nordöstlich von Wachenbuchen, etwa bei der Pfingstweide, wurden vier Quellen angezapft; die Königsquelle war die größte. Spä­ter noch eine fünfte, der Wolfs­brunnen. Etwa 8300 Meter lang war die Strecke lang, die westlich an Wa­chenbuchen vorbei ging, über Wilhelmsbad und Fasanerle, unter der Kinzig durch bis zur Bangertstraße 14, wo die Altstädter Zapfstelle war, und weiter bis zum Neustäd­ter Markt, wo die andere installiert wurde. Die Rohre waren meistens ¾ Zoll dick.

Am 10. Oktober 1750 floß erst­mals das Wasser. Leider stand die­se Leitung unter einem ähnlich schlechten Stern wie die Mittel­bucher Keramikleitung. Mit den ersten Reparaturen bis 1753 hatte sie das 3,7-fache des Kostenvoranschlages, nämlich 32.000 Gulden gekostet. Zehn Jahre später nochmals fast 2.000 Gulden. Im Jahre 1806 waren die Franzosen im Land, und die Staatskasse war bankrott. Reparaturen waren nicht mehr drin. Mal gab es Wasser, dann wieder nicht. Bis 1845 wurde sie noch genutzt, und sie mußte durch ein Hochwasser im Alter von 95 Jahren ihren Betrieb ganz einstellen. Die Röhren wurden ausgegraben und als Alteisen verkauft (1853).

Im Jahre 1894 durchzog Wachenbuchen eine Wasserleitung mit Anschluß in jedem Haus. Das war gemessen an anderen Orten in Deutschland enorm. Sie war aus Bleirohren. Industriell waren diese noch nicht lieferbar, sondern mußten von Handwerkern gefertigt werden. Sie wurden erst kurz vor dem Verlegen auf der Straße gegossen (nach: Eugen Sauer: Chronik).

 

Feldbrunnen in Wachenbuchen entdeckt

In diesem Herbst wurde in Wachenbuchen ein alter Feldbrunnen neu aufgedeckt. Der Landwirt Edmund Schäfer, Rübenberg 8, wollte eine feuchte Stelle auf seinem Acker trockenlegen, weil dort seine Arbeit behindert wurde. Er grub den Boden auf und traf auf eine Leitung aus Tonrohren. Er verfolgte die Leitung und grub sie immer weiter auf.

Sie führte den Acker hinauf. Auf einmal lag neben der Leitung eine ältere Leitung aus Holz. Eine etwa zwei Mter langes Stück konnte ausgegraben werden. Es ist schon zum Teil verwittert. Aber man kann noch gut erkennen, daß hier ein Holzstamm aufge-bohrt wurde, um eine Wasserleitung zu gewinnen.

Am Ende tauchten zwei Sandsteinplatten auf. Als sie gehoben wurden, kam darunter eine gefaßte Quelle zum Vorschein. Aus Feldsteinen war in Trockenbauweise ein rechteckigesr Schacht erbaut. Ursprünglich war er wohl mit Holz abgedeckt, denn es fanden sich noch Holzreste unter den Sandsteinplatten.

Der Brunnen steht noch heute voll Wasser, war aber jahrzehntelang etwa 80 Zenti-meter unter der Erdoberfläche verborgen. Man kann sich vorstellen, daß hier einmal eine offene Quelle war.

Das ganze Gelände ist ja ein sogenannter "Quellhorizont", also ein Gebiet, in dem Qullen an die Oberfläche treten. Es liegt nördlich des alten Dorfkerns. In diesem Tal beiderseits des Dorfbaches, der im Volksmund "die Bach" genannt wird, liegen schon seit alter Zeit viele Quellen. Schon in der Rönerzeit wurden die Quellen an der Pfingstweide gefaßt und Richtung Süden geleitet. Im Jahre 1897 wurde die erste richtige Wachenbucher Wasserleitung gebaut, deren Behälter noch heute in dem Gehölz an der verlängerten Bachstraße zu sehen sind. Dort wurden auch viele Quellen an der Pfingstweide und an der Sülzenbäune hin geleitet. Auch in der Flur Auborn westlich des Wegs war eine starke Quelle.

Jetzt waber wurde eine Qulle am Hang nördlich der verlängerten Bachstraße ent-deckt. Sie liegt fast genau westlich des neuen Friedhofs etwa auf halber Höhe.

Doch weil nach dem Bau der Wasserleitung diese Quelle nicht mehr gebraucht wurde, hat man wohl alles abgedeckt und zugeschüttet, um zusätzliche Ackerfläche zu ge-wnnen.

Wahrscheinlich hat man bei dieser Gelegenheit die Tonröhren verlegt, um das Wasser abzuleiten. Dabei wählte man den direkten Weg in Richtung zur Bach. Weil aber mit der Zeit diese Leitung zerstört wurde, trat unten auf dem Grundstück wieder ein nasser Fleck auf.

Die ursprüngliche Holzleitung könnte aber mehr im Bogen auf das Dorf zu gelaufen sein und dort den Brunen an der Ecke Herrnstraße/Rübenberg gespeist haben. Dieser Brunnen wird 1835 erstmals erwähnt und ist Teil einer ersten Wasserleitung ins Dorf. Jetzt plant Herr Schäfer, das Wasser auf einer ähnlichen Trasse zu seinem Grundstück zu leiten, um es zum Bewässern zu nutzen. Ergiebig ist die Quelle jedenfalls.

 

Übersicht über die Chöre (nach Philipp Puth):

1863  Gründung des Gesangvereins „Concordia“, bis etwa 1967

1864  Gründung des Gesangvereins „Harmonie“ aus Sängern der „Concordia“

1903  Gründung des Gesangvereins „Vorwärts“ aus Sängern der „Concordia“

1906  „Turn- und Gesangverein Vorwärts“

1919  Gründung des „Männerquartett 1919 Wachenbuchen“

1926  Umbenennung in „Ruth’sches Doppelquartett“

1932  Gründung des Kirchenchors       

1934  Gründung des Gemischten Chors der „Concordia“

1967  Auflösung des Kirchenchors und des Gemischten Chors               

 

Peter Puth, der Dirigent der „Concordia“, wurde am 26.10.1903 in der Mittelbucher Straße 4 geboren. Er erlernte den Beruf eines Landwirts und schloß die Landwirtschaftsschule Hanau mit gutem Erfolg ab. Durch den Musikdirektor Jean Brodt wird er angeregt, sich im Gesang ausbilden zu lassen. Er zieht nach Frankfurt und singt im Chor des Operettentheaters mit. Im Jahre 1931 kehrt er nach Wachenbuchen zurück Er wird Reichsbahnbeamter, heiratet und übernimmt verschiedene Gesangvereine als Dirigent, darunter auch die „Concordia“ und den neugegründeten Kirchenchor. Höhepunkt seines Wirkens ist die Einhundertjahrfeier der „Concordia“ im Jahre 1963. Nachdem er am 7.3.1964 eine Singstunde in Bruchköbel gehalten hat, verstirbt er in der Nacht zum 8.3.1964. Nach seinem Tod zerfallen die Chöre, der Gesangverein „Concordia“ und der Kirchenchor werden 1967 aufgelöst.

 

Jungbauernverein:

In den dreißiger Jahren gab es auch einen Jungbauernverein, dem die Söhne der Wachenbuchen Landwirte und auch die jungen Landarbeiter angehörten. An den Sonntagen fanden Feldbegehungen statt, bei denen über den Stand der Kulturen, Unkräuter und Schädlinge gesprochen wurde. Wöchentlich traf man sich im Nebenraum der Gaststätte „Zur Krone“ zu Besprechungen und Vorträgen. Vorsitzender war Wilhelm Schäfer.

 

 

 

Zwangsarbeit:

Auch die Zwangsarbeit der kriegsgefangenen Deutschen war Unrecht. Aber das gab noch nicht das Recht, anderen Menschen - und noch dazu Zivilisten - die Freiheit zu nehmen und sie unter schwersten Bedingungen arbeiten zu lassen.

Die Holländer sahen die Zwangsarbeiter aus dem eigenen Volk als Feinde an, weil sie die Deutschen beim Wiederaufbau unterstützt hatten und nur aus Sympathie für die Deutschen gearbeitet hätten. Keiner wollte wahrhaben, daß sie zu dieser Arbeit gezwungen wurden. Man sagte, sie sollten sich nicht anstellen, schließlich habe man auch in der Heimat arbeiten müssen.

In Maintal gab es keine großen Industriebetriebe, die Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene  hätten beschäftigen können. Im Grunde gab es auch nur drei mittelständische Betriebe in Dör­nigheim, die Zwangsarbeiter beschäftigten. Nur die Firma Seibel ragt unrühmlich aus ihnen heraus. Dazu kamen noch einige Handwerksbetriebe. Aber sonst gab es Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nur bei landwirtschaftlichen Betrieben.

Hierbei muß man bedenken, daß die Betriebsleiter und ihre Söhne zur Wehrmacht eingezogen worden waren. Die Arbeit mußte aber geleistet werden. Es  blieb den Frauen und Altbauern gar nichts anderes übrig, als auf diese Arbeitskräfte zurückzugreifen. Wer hätte es auch unter einem Gewaltregime wagen können, die angebotene “Hilfe” abzulehnen! Heute kann man leicht sagen, sie hätten ja auf diese Arbeitskräfte verzichten können.

In der Regel haben die Bauern die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen gut behandelt. Zum Teil mußten sie auch für die Arbeitskräfte zahlen (auch wenn diese selber nichts oder kaum etwas erhielten). Aber man kann die damaligen Arbeitgeber oder ihre Nachkommen heute nicht dafür haftbar machen. Die Wiedergutmachung ist Sache des Staates, denn er hat damals seine Bürger in den Krieg geschickt und dafür zuhause Ersatz geschaffen.

 

Jüdische Gemeinde:

Die israelitische Elementarschule in Wachenbuchen wird schon 1864 mit 17 Schülern erwähnt. Im Jahre 1870 ist Samuel Birk der Lehrer. Im Jahr1875 ist Jakob Rothschild der Lehrer, ab 1877 dann Jakob Emmerich. Im Jahre 1893 hat die Schule 25 Schüler, 1893 dann 23 Schüler und 1900 noch 16 Schüler. Danach geht die Schülerzahl weiter zurück: 16 Schüler sind es 1924 und 10 Kinder noch 1933.

Die religiöse Einstellung der Gemeinde ist konservativ. die Mitglieder sind Geschäftsleute, Viehhändler und Metzger (aus: Paul Amberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen).

 

Eine Synagoge wird schon 1852 in Wachenbuchen gebaut. Das heute noch vorhandene Gebäude des ehemaligen jüdischen Gotteshauses wird 1880 erbaut. Die Synagoge ist ein Bruchsteinbau und bietet Sitzplätze für 50 Männer und 28 Frauen. Der Aufgang zum ersten Stock ging außen nach oben (an der Seite nach der Hainstraße zu).

 

Schon am 8. November 1938, einen Tag vor den anderen Orten in Deutschland, demolieren die Nazis die Synagoge, bedrohen den jüdischen Lehrer und zerstören das jüdische Schulhaus. Zwischen 20.30 und 22 Uhr findet in der Gaststätte Müller eine öffentliche Kundgebung der Nazis statt. Einer der Redner ist Bürgermeister Seng, der sich gegen die Juden wendet.

An der Versammlung nehmen 200 bis 250 Personen teil. Darunter sind auch 15 bis 20 Mitglieder der SA, die zu dieser Zeit etwa 30 Mann stark ist. Nach der Kundgebung teilt Bürgermeister Seng dem Truppführer der SA mit, daß das jüdische Schulhaus abgerissen und der Lehrer "eine Abreibung" bekommen solle. Schon vor der Nazizeit will die Gemeinde das Schulhaus gern kaufen, um es abzureißen; aber der jüdische Lehrer läßt es nicht zu. Jetzt sieht man eine günstige Gelegenheit, das Ziel zu erreichen.

Um 23 Uhr treffen sich etliche Nazis an Ort und Stelle und sperren die Straße in 80 bis 100 Meter Entfernung ab. Inzwischen ist auch eine größere Menschenmenge gekommen, die von der Aktion erfahren hat.

Da aber die Haustür verschlossen ist, wird sie von einem Nachbarn, der zwei Häuser weiter wohnt, mit der Axt eingeschlagen. Er dringt in das Haus ein, läuft die Treppe hoch, schlägt die Schlafzimmertür ein und greift sofort den Lehrer mit der Axt an. Dieser flüchtet über das Bett und stürzt dabei hin. Der Eindringling schlägt mehrere Male nach dem Lehrer, ohne ihn allerdings zu treffen, weil der entweder ausweicht oder die Axt festhält. Ein Fliegersoldat stößt den Lehrer die Treppe hinab. Er wird aus dem Ort hinausgetrieben. Vor dem Holzbuckel zwingt jener Nachbar den Lehrer auf die Knie, setzt sich auf seinen Rücken und "reitet" mit ihm den Holzbuckel hinunter.

Sonnenberg kann nur entkommen, weil ein anderer Beteiligter den Rasenden hindert. Später wird der Lehrer gesehen, wie er "röchelnd im Straßengraben Richtung Hochstadt liegt". Er wird in Dörnigheim von Verwandten oder Bekannten versteckt und setzt sich dann nach Frankfurt ab. Seine Kassette findet man später im Kanalzufluß vor dem Haus Alt Wachenbuchen 21.

Die SA demoliert  zusammen mit anderen Einwohnern das Haus. Sie decken das Dach ab und reißen Wände ein. Die Möbelstücke und Wertgegenstände werden entweder zerschlagen oder gestohlen. Etwa 35 bis 40 Personen halten sich in dieser Zeit im Haus auf. Draußen versammeln sich etwa 300 Schaulustige.

Auch die Synagoge wird demoliert: Der Kronleuchter wird herabgerissen, die Zehn-Gebote-Tafel zerstört. Die ganzen Inneneinrichtungen, Fenster und Türen werden beseitigt. Schließlich stehen nur noch die Umfassungsmauern und das Dach.

 

Nach etwa zwei Stunden kommt Naziprominenz und bremst die Wachenbucher. Der Landrat Löser untersagt weitere Aktionen, weil erst für die nächste Nacht die Pogrome geplant sind. Nachträglich erklärt er das Haus für baufällig und gibt es damit zum Abbruch frei.

Am nächsten Abend kommt wieder eine mehrere hundert Menschen große Menge zum "Tatort", um das Zerstörungswerk fortzusetzen. Dieses war nicht nur ein Werk der SA, sondern auch vieler anderer Einwohner. Immerhin sagt der damalige Truppführer heute, damals "nicht ganz richtig" gehandelt zu haben.

 

Neben der Synagoge stand das jüdische Schulhaus (Nr. 36), in dem auch der Lehrer wohnte. In dem Haus befand sich auch eine "Mikwe", ein Bad für rituelle Waschungen. es wurde innerhalb von zehn Tagen total abgerissen und später eine Durchfahrt zur Straße Alt Wachenbuchen geschaffen.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird 15 Wachenbuchern der Prozeß gemacht wegen Landfriedensbruchs und in einigen Fällen wegen Körperverletzung.  Fast alle (nämlich 13) gehörten der SA an, 14 von ihnen werden verurteilt. Zwölf Angeklagte werden am 17. März 1947 zu Strafen zwischen 4 und 17 Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Anführer wird wegen schweren Landfriedensbruchs zu vier Jahren Zuchthaus und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre verurteilt. Da er aber aus gesundheitlichen Gründen die Strafe nicht antreten kann, bleibt es bei dem Verlust der Ehrenrechte auf Lebenszeit. Der Führer des SA-Trupps, wird zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

 

Nach 1945 ist die Synagoge im Eigentum der Gemeinde Wachenbuchen. Doch am 13. Mai 1949 meldet sich die IRSO, eine jüdische Organisation, an die aller jüdischer Besitz übergegangen ist. Sie fordert für Synagoge und jüdische Schule 7.000 Mark. Es ist falsch, wenn Bürgermeister Kaufeld 1949 schreibt, Synagoge und Schulhaus seien nur beschädigt und das Inventar vom Besitzer abgeholt worden. Die Gemeinde möchte gern den Preis drücken und Erkundigungen bei den Nachbargemeinden einholen. Auch möchte sie die Täter von 1938 regreßpflichtig machen. Der Kaufpreis für die Synagoge, den die IRSO erhält, beträgt schließlich 6.566 Mark.

 

Die Gemeinde verpachtet die Synagoge dann an die ausgebombte Autoreparaturwerkstatt Jacobi aus Frankfurt. Am 18. Januar 1950 wird sie zum Kauf oder zur Verpachtung angeboten. Ab Februar nutzen die KEWA und die Turner das Haus für Trainingszwecke. Im September aber erhält die Kirchengemeinde den Vortritt bei der Verpachtung der Synagoge. Sie muß die Instandsetzung und jährlich 300 Mark zahlen. Am 12. November 1950 wird die Synagoge für den Gottesdienst eingeweiht. Der Schrein für die Thorarolle wird zum Aufbewahrungsort für die Bibel. Am 23. Januar 1952 wird ein Vertrag über die Nutzung der ehemaligen Synagoge durch die Kirchengemeinde abgeschlossen. Die Gemeinde legt einen Zaun an. Im Obergeschoß richtet sie eine Notwohnung ein.

 

Am 29. April 1969 wird die Synagoge für 13.000 Mark an den Schmiedemeister Hans Oswald verkauft. Heute dient das Gebäude als Wohnhaus. Zu diesem gehört auch ein kleiner Garten hinter dem Haus Nr. 32 außerhalb der Ringmauer.

 

Auf Initiative der Stadtverordneten Kornelia Schild-Kreuziger wird 1984 an der ehemaligen Synagoge eine Gedenktafel angebracht. Sie meint: "In Wachenbuchen hat es nie eine kollektive Bereitschaft gegeben, sich mit der braunen Vergangenheit auseinanderzusetzen". Der Besitzer hat zunächst nichts gegen eine Gedenktafel an dem Haus. Er sagt: "Ich werfe da keine Knüppel zwischen die Beine!" Aber später zieht er seine spontane Zusage zurück, weil er nie offiziell von der Stadt gefragt wurde, sondern nur von einem Journalisten, der nachher in der Zeitung behauptet hatte, die Zustimmung sei zurückgezogen worden. So wird die Tafel auf eigenen Ständern auf dem Gehsteig vor dem Haus angebracht.

Die Inschrift lautete damals: "Dieses Gebäude diente als Synagoge für die jüdische Gemeinschaft von Wachenbuchen, später auch Bischofsheim, Dörnigheim und Hochstadt. Sie wurde 1880 erbaut und zerstört am 9. November 1938. Zum Andenken an die während der nationalsozialistischen Zeit umgebrachten und vertriebenen Juden aus Wachenbuchen, Hochstadt und Dörnigheim. Gewidmet von der Stadt Maintal 1984".

Die Angaben sind nicht ganz exakt: In Wachenbuchen wird die Synagoge schon vorher zerstört, sozusagen als Probelauf für das Reich. Und die Juden aus Hochstadt, Dörnigheim und Bischofsheim bilden bis zum Ende eigene Gemeinden. Aber es ist richtig, daß man an dieser Stelle im Stadtgebiet erstmals an die ermordeten früheren Einwohner erinnert.

Im Dorf ist man 1984 der Meinung, die Tafel werde wohl nicht lange hängen bleiben. Vielen ist die Sache egal. Aber es gibt damals 10 bis 15 Jugendliche mit Judenhaß, die auch etwas gegen Ausländer haben. Einige meinen auch, man solle die Sache ruhen lassen, es werde damit zu viel Kult getrieben. Wichtiger wäre es, den Neo-Nazis das Handwerk zu legen. Dazu reiche eine Gedenktafel nicht. Aber es gibt auch eine ganze Reihe positiver Stimmen.

 

Im Jahre 1999 wurde eine neue Gedenktafel an dem Gebäude angebracht mit dem folgenden Text: „Dieses Gebäude war Synagoge der Jüdischen Gemeinde Wachenbuchen. Daneben, an der Einmündung der Hainstraße, stand mit der Hausnummer 36 das jüdische Schulhaus mit Lehrerwohnung und Mikwe (heute: Einmündung der Hainstraße).Am 8. und 9. November 1938 wurde die Synagoge von einem Teil der Bevölkerung aus Wachenbuchen verwüstet. Der Lehrer und sein Sohn wurden mit lebensbedrohender Gewalt verjagt. Die Erinnerung an die Opfer ist Mahnung und Auftrag, die Würde des Menschen zu schützen. Zum Gedenken an die während der nationalsozialistischen Zeit vertriebenen und umgebrachten  Juden aus Wachenbuchen, Hochstadt, Bischofsheim und Dörnigheim, gewidmet von der Stadt Maintal.“

 

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte der jüdischen Gemeinden in den früheren Gemeinden der heutigen Stadt Maintal (Wachenbuchen, Hochstadt, Dörnigheim, Bischofsheim) findet sich unetr dem Menü „Juden“

 

 

Abschuß von Fliegern

Als ein englisches Flugzeug am Hühnerberg abgeschossen war, wurden die Wachenbucher Flakhelfer losgeschickt, sie gefangen zu nehmen. Einer der Flieger war so verletzt, daß er auf einem Schlitten zur Sammelstelle im Bürgermeisteramt Hochstadt gebracht werden mußte. In Hochstadt wurde ihm ärztlicher Beistand verwehrt. Es sagte aber doch irgendjemand Dr. Seufert Bescheid. Der kam und nahm den Verletzten mit in seine Praxis. Dr. Seufert war ein Nazigegner und hat auch 1938, als er in Hanau Vertretungsdienst machte, sich nach der Pogromnacht für die Juden eingesetzt.

 

 

Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters

Am Samstag, dem 29. März 2003 stellt Landrat Eyerkaufer in Gelnhausen der Öffentlichkeit ein Buch über die Zwangsarbeit im Main-Kinzig-Kreis vor. Im Sonderheft des Mitteilungsblattes des Zentrums für Regionalgeschichte, 28. Jahrgang, herausgegeben vom Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, sind Arbeiten von Martina Raskop Marburg), Edgar Thielemann (Hanau), Peter Heckert (Maintal) und Monica Kingreen (Nidderau) zusammengestellt. Aus diesem 95 Seiten starken Heft ist hier ein Vorgang wiedergegeben, von dem bisher nur unsichere Gerüchte vorhandne waren: Die Hinrichtung eines Polen im Wald zwischen Wachenbuchen und Niederdorfelden (Seite 74 und 84).

Am 25. Februar 1942 wurde der Pole Michael Zislo aus Oberdorfelden im Wald zwischen Wachenbuchen und Niederdorfelden erhängt. Veranlasser war der Landrat Löser. Nach Aussagen von Hans F. wurde der Pole von Partei-Leuten erhängt, weil er angeblich einer Bauersfrau zu nahe getreten sei.

Sehr aktiv beteiligt war Fritz Seng, Dorfelder Straße 4, der Wachenbucher Bürger­meister. Auf seine Veranlassung hatte der Wachenbucher Zimmermann Alois W. das Galgenholz zu lie­fern und einen Hebel, Klammern und eine Leiter zu stellen. Auf die Frage, wozu diese Dinge benötigt würden, sagte der Bürgermeister, daß hieran ein Pole aufgehängt wird. Die Sachen wurden von dem Landwirt Ludwig P. (der später bei einem Fliegerangriff gefallen ist) mit einem Tisch und verschiedenen Stühlen an den Tatort gebracht.

Seng war in Begleitung von Landrat Löser am Tatort. Mit anwesend war auch Wilhelm Sch. Nach dem Krieg sagte er allerdings, er sei nicht als Parteifunktionär anwesend gewesen, sondern als Bauer auf dem Feld, welches neben der Hinrichtungsstelle lag.

Aus dem Rundschreiben des Landrats an die Bürgermeister vom 5. März 1942 (erhalten im Stadtarchiv Bischofsheim) geht hervor, daß die anderen Polen zu der Hinrichtung kommandiert wurden (Der Landrat regt sich allerdings nur auf, daß bei der Musterung der Polen große Mißstände festgestellt wurden). Offenbar war auch der Gendarmeriemeister Wilhelm B. aus Bischofsheim, Friedhof­straße 15, anwesend, denn am 9. September 1946 heißt es, er könne Angaben machen über die Exekution eines Polen. Auch der Pole Albert Strychardz wurde in ähnlicher Weise auf Veranlassung der Polizeidirektion Hanau durch den Strang hingerichtet.

 

Dieser Vorgang wird von gleich drei ehemaligen Zwangsarbeitern bestätigt. Besonders eindrücklich der Bericht des Polen Kasimir Smoniewski. Er war 17 Jahre alt, als er nach Windecken verschleppt wurde. Er mußte wie alle polnischen Zwangsarbeiter aus dem Kreis Hanau die Hinrichtung mit ansehen. Er sagt in einem Interview mit Monica Kingreen am 27. Oktober 2002:

„Wenige Wo­chen später mussten wir Zwangsarbeiter uns alle auf dem Marktplatz versammeln. Unter Aufsicht mussten wir in Reih und Glied in Holzschuhen durch den Schnee losgehen. Wir alle wurden in den Wald zwi­schen Wachenbuchen und Niederdorfelden auf den Hinterberg getrieben. Dort war ein Holzgalgen aufge­baut worden. Alle Zwangsarbeiter des Kreises waren dorthin getrieben worden ‑ mehr als tausend Zwangsarbeiter. Der Wald war abgesperrt, an jeder Ecke stand ein Maschinengewehr. Eine Rede wurde ge­schwungen, die ich noch genau im Ohr habe: Das Dritte Reich gab Euch Arbeit, es gab Euch Brot, aber es gab Euch auch Gesetze. Einer hat diese nicht be­achtet und wird dafür gehängt.' Ein 24‑jähriger Pole aus Lublin hatte eine Beziehung mit einer deutschen Frau. Eine SS‑Frau hatte das bemerkt und zeigte die beiden an. Der Mann musste sich selbst die Schlinge um den Hals legen, dann wurde er gehängt, und wir standen alle dabei und mussten zuschauen. „Das hät­test Du sein können“, sagten wir zu unserem Freund, den wir mit unseren Aussagen vor einem solchen Schicksal bewahrt hatten. Anschließend wurden wir dann noch gezwungen nahe an dem Gehängten, den jemand festhielt, damit er sich nicht dreht, vorbeizu­gehen. ‚Guck dahin, Du Hund!’ wurde uns gesagt, wenn man nicht direkt hinsehen wollte“.

Wegen der Hinrichtung des Jean Kappes wurde Wilhelm Gerlach, Hauptstraße 3, am 12. April 1945 vom Bürgermeister extra befragt. Er sollte sagen, wo Kappes ermordet wurde, wer bei der Verurteilung zugegen war und wo die Leiche geblieben ist. Gerlach erklärte, daß er davon keine Kenntnis hat. Er war jedoch auf dem Bürgermeisteramt anwesend, als Heinrich Berger Frau Kappes erklärte, daß ihr Mann zum Tode verurteilt worden sei, weil er sich unerlaubterweise von seiner Truppe entfernt habe. Diese Angabe ist allerdings falsch, denn Kappes hat den beiden NSKK-Männern seinen Urlaubsschein vorgelegt, der bis zum 27. März ging; er wurde jedoch als nicht gültig zurückwiesen. Die Verhaftung erfolgte auf Denunziation des Heinrich Berger, der sich von Kappes beleidigt und bedroht fühlte. Der Bürgermeister überreicht am 21. Oktober 1946 Herrn Fritz Schäfer, öffentlicher Ankläger aus Hochstadt, die Quittung der Frau Lina Kappes über die an sie ausgezahlten 500 Mark (ihr Mann war in den letzten Kriegstagen als Deserteur hingerichtet worden). .

In  der Sterbeurkunde auf dem Standesamt wird vermerkt: Johann Philipp Kappes, gestorben am 26.03.1945 in Hanau auf dem Gelände der Brauerei Nicolay schuldlos erhängt und zwar auf Veranlassung der NSDAP, eingetragen am 28. März durch Bürgermeister Diez.

 

 

Entnazifizierung

Erste Maßnahmen nach dem Krieg:

Die Aufarbeitung der Nazizeit beginnt gleich nach der Besetzung durch amerikanische Truppen. Am 11. April 1945 macht der von der amerikanischen Militärregierung eingesetzte Bürgermeister eine Aufstellung der Personen, die sich grober Vergehen schuldig gemacht haben. Dabei wird auch Frau Antonie Müller geborene Störtz, Hanauer Landstraße 7, erwähnt. Sie hat sich am 8. Januar 1945 eine schwere Mißhandlung gefangener Flieger zu Schulden kommen lassen: Als Gefangenen die Hanauer Landstraße passierten, hat sie diese wiederholt ins Gesicht geschlagen. Das rief den Protest der dortigen Anwohner hervor, so daß sie von weiteren Mißhandlungen abließ. Aber anderen Nazis gegenüber machte sie die Bemerkung, daß die Gefangene bald noch mit Kaffee und Kuchen bewirtet worden wären. Sie kennt auch die Namen der noch Beteiligten.

Am 14. August 1945 werden die Mitglieder der NS-Frauenschaft, des Frauenwerks und des BDM gemeldet, die zur Arbeit eingesetzt werden können.

 

Am 27. August 1945 wird mitgeteilt, daß auf Verfügung des Landrats das Horst-Wessel-Denkmal und die Hitler-Eiche entfernt wurden und  der Adolf-Hitler-Platz wieder umbenannt wurde in seine frühere Bezeichnung „Am Lindenbaum“. Die Eiche war gepflanzt worden „am Geburtstage des grossen Volkskanzlers Adolf  Hitler, der Führer der Nationalsozialisten am 20. April im Jahre des Heils 1933“, eine Urkundenkapsel mit den Namen der SA-Mitglieder war beigegeben worden.

Gut dreißig Parteimitglieder kommen für die wöchentliche  Meldung am Ort in Frage. Sie müssen sich wöchentlich auf dem Bürgermeisteramt melden und dies ab Oktober 1945 durch Unterschrift bestätigen (offenbar sind sie besonders belastet). Die Unterschriftsleistung nimmt allerdings ab. Am 14. Januar 1946 unterschrieben nur noch Heinrich Streicher und Wilhelm Puth. Am 7. Dezember 1945 müssen sich frühere Amtsträger der NSDAP in der Polizeiverwaltung in Hanau-Kesselstadt, Mittelstraße 19 zu melden. Falls sie in Haft sind, ist zu vermerken, wann und von wem sie in Haft gekommnen sind.

Der Gendarmerie-Posten Wachenbuchen meldet am 6. Juni 1946 dem Bürgermeister, welche Personen beschuldigt wurden, das Judenpogrom im November 1938 in Wachenbuchen durch­geführt zu haben. Zwecks Be- oder Entlastung der Einzelnen bittet er um eine Beurteilung (Es folgen die Namen).

 

Der Bürgermeister nennt am 11. April 1945  noch den Kaufmann Wilhelm G. senior, als einen der übelsten Hetzer, besonders in der Behandlung der Juden.

 

Firmen und Vermögen:
Die Firma Schwarz, Nachfolger Karl Schneider, erhält im Oktober 1945 vom Bürgermeister nicht die gewerbepolizeiliche Genehmigung zur Weiterführung des Betriebs, offenbar weil nicht endgültig darüber entschieden ist, ob sich Herr Carl Schneider nicht in getarnter Form als stiller Gesellschafter in der neugegründeten Kommanditgesellschaft befindet.

Alle Firmen in Handel, Gewerbe und Industrie haben bis 7. November 1945 eine Bescheinigung unterschrieben einzureichen. Wer unwahre Angaben macht, muß mit Schließung seines Betriebs durch die Militärregierung rechnen. Inhaber eines Betriebes, die im Sinne des Gesetzes Nr. 8 nicht tragbar sind, haben sofort einen einwandfreien Stellvertreter als Betriebsleiter zu ernennen und ihn entsprechend zu bezahlen. Angeschrieben wird zum Beispiel auch die Firma Carl Schneider.

Unter der Überschrift „Bereinigung der wirtschaft vom nationalsozialistischen Einfluß“ reicht der Bürgermeister am 26. November 1945 Anträge auf Zulassung bei der Handwerkskammer ein.

Ende 1945 wird auch der Grundbesitz früherer NS-Organisationen erfaßt. Der Bürgermeister teilt mit, daß die Geschäftsstelle des Sturmbanns II/98 in einem Nebenraum der Gaststätte Fix, Hauptstr. 10, untergebracht war, das Anwesen aber nicht auf diese Formation übergegangen ist.

 

Laut Gesetz Nr. 52 soll im März 1946 Vermögen unter Kontrolle genommen werden. Bankguthaben  und sonstige hinterlegte Vermögenswerte verschiedener Personen sind zu sperren. Es handelt sich dabei aber nicht nur um Parteimitglieder, sondern offenbar um alle Inhaber eines Bankkontos (zum Beispiel Pfarrer). Kontrolleur wird der Gemeinderechner Johannes Siemon, Hainstraße 2.

Eine Vermögenserklärung muß auch abgegeben werden für gefallenen oder verstorbenen Angehörigen. In der Gemeinde sind aber nach Meldung des Bürgermeisters keine Landwirte, deren Besitz unter das Gesetz 52 fällt. Der frühere Kreisbauernführer ist nicht Inhaber des Hofs, sondern er gehört seinem Vater. Die Witwe des gefallenen Landwirts Ludwig Puth III. (der als Aktivist unter das Gesetz gefallen wäre) hat gegen die Aufforderung zur Vermögensangabe Einspruch erhoben.

Am 29. Juli 1946 erhält Jakob Karl Kaiser, wohnhaft im Steinbruch, vom Bürgermeister den Bescheid, daß er auf Anordnung der Militärregierung sich jeder Tätigkeit innerhalb seines Betriebs zu enthalten hat. Er ist 73 Jahre alt und nicht mehr in gewöhnlicher Arbeit tätig. Für den Betrieb wäre ein Treuhänder einzusetzen.

 

Entnazifizierungsverfahren:

Schon im September 1945 hat die Militärregierung den Polizeidirektor beauftragt, einen politischen Bürgerrat zu bilden, der die Frage prüft, inwieweit Nazis in ihren Stellen belassen wer­den sollen, deren politische Vergangenheit eine solche Möglichkeit offen läßt. Dem Bürgermeister wird eine Liste überreicht, die er kommentieren soll.

Alle erwachsenen Einwohner müssen einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie Auskunft geben über ihre Mitgliedschaft in der Nazi-Partei oder eine ihrer Gliederungen und über ihre politischen Aktivitäten in der Nazi-Zeit. Falsche Angaben werden mit schweren Strafen bedroht. Das Aktenstück enthält eine Fülle solcher Aushänge. Manchmal sind es nur kleine Aushänge mit zwei Namen, manchmal seitenlange Listen. Insgesamt sind es weit über 1.000 Namen. Es handelt sich im Grunde um eine alphabetische Aufstellung aller erwachsenen Einwohner deren Namen wurden nach und nach ausgehängt.

Die Listen wurden von der Spruchkammer geprüft. Diese schickte dann Listen nach Wachenbuchenbuchen von den Personen, die als „unbelastet“ eingestuft werden sollen. Diese Listen werden ausgehängt und jeder Einwohner wurde aufgefordert, gegebenenfalls gegen die Einstufung Widerspruch zu erheben. Wer etwas gegen die betreffenden Personen zu sagen wußte, sollte sich beim öffentlichen Ankläger melden. Auch die Ostflüchtlinge und Evakuierten wurden erfaßt und erhielten einen Fragebogen, in dem sie über ihre politische Vergangenheit Auskunft geben sollten.

Am 24. November 1947 erhält der Bürgermeister die Listen der nach ihren Angaben im Meldebogen unter Gruppe IV „Mitläufer“ eingestuften Personen. Die Listen sind 14 Tage auszuhängen, damit Einwände beim öffentlichen Ankläger gemacht werden können.

Am 10. Dezember 1947 wird mitgeteilt, daß der öffentliche Ankläger beabsichtigt, bei bestimmten Personen den Erlaß eines Mitläufer-Sühnebescheids zu beantragen. Wer Beweise liefern kann, daß die Betreffenden sich als nationalsozialistische Aktivisten  verhalten haben, hat die Pflicht, dies sofort dem öffentlichen Ankläger mitzuteilen. Anzeigen mit allgemeinen Aussagen wie „Aktivist“ oder „eifriger Nazi“ sind allerdings unbrauchbar. Es müssen vielmehr bestimmte Tatsachen angegeben werden, die den Aktivismus bewiesen. Der Teil der Liste C, der die Einkommensangaben enthält, wird vor dem öffentlichen Aushang abgeschnitten. Ob in der dörflich geprägten Gemeinschaft jedoch wirklich umfassend die Täter angezeigt wurden, ist doch zu fragen.

Auch am 17. Februar 1948 übersendet die Spruchkammer eine Liste mit Personen, die auf Grund ihrer Angaben auf den Meldebogen zum größten Teil in die  Gruppe II der Belasteten fielen. Meist sind es Amtsträger der NSDAP. Es ist genau zu prüfen, ob sie sich außer ihrer Tätigkeit für die Partei auch verbrecherischer Handlungen schuldig machten. Durch die Änderung des Befreiungsgesetzes sollen die Betroffenen im schriftlichen Verfahren in die Gruppe IV der Mitläufer eingereiht werden. Wieder wird die Bevölkerung aufgefordert, entgegenstehende Angaben zu melden.

Im Januar 1948 werden Kriegsteilnehmer, die erst jetzt aus der Gefangenschaft zurückgekehrt sind, die Meldebogen zum Ausfüllen. Am 14. Mai 1948 geht noch nachträglich ein Meldebogen „Nichtbetroffener“ mit 42 Namen ein. Am 17. März 1949 teilt die Spruchkammer mit, daß sie einige Einwohner unter die Minderbelasteten einstufen will. Zur endgültigen Einstufung soll der Bürgermeister angeben, ob sie inzwischen am Wiederaufbau auf friedlicher demokratischer Grundlage mitarbeiten. Der Bürgermeister teilt mit, daß sie sich in den Arbeitsprozeß eingeschaltet haben und durch ihr Gesamtverhalten beweisen haben, daß sie sich nunmehr vom Nationalsozialismus abgewandt haben und bereit sind, am Wiederaufbau Deutschlands auf einer friedlichen demokratischen Grundlage mitzuarbeiten.

 

Die Spruchkammerbescheide ergehen meist aufgrund der Stellungnahme des Bürgermeisters. Ab September 1947 gehen schon Sühnebescheide beim Bürgermeisteramt ein. Aber noch im November 1950 übersendet der Bürgermeister politische Meldebogen an die Spruchkammer.

Meist wurden die Betreffenden als Mitläufer eingestuft und hatten nur eine Geldbuße zugunsten des Wiedergutmachungsfonds zu zahlen. Die „Weihnachtsamnestie“ wurde angewandt bei Menschen mit geringem Einkommen (unter 3.600 Mark im Jahr). Es kommen vor die Stufen II „Belasteter, III „Minderbelasteter“, IV. „Mitläufer“ und V „Entlasteter“.

 

Mitglieder der Partei und Ergebnis der Entnazifizierung:

Längst nicht alle Parteimitglieder kommen vor die Spruchkammer, selbst nicht alle, die sich nach dem Kriegt noch regelmäßig bei der Polizei melden mußten. Weitere 63 Mitglieder der NSDAP wohnten im Ortsteil „HoheTanne“ (es folgen die Namen und das Ergebnis der Untersuchung).

Bekannt sind auch die Namen der politischen Leiter der NSDAP, der SA‑Abteilung Wachenbuchen, Mitglieder der NS-Frauenschaft (88 Mitglieder), des NS-Frauenwerks (66 Mitglieder) ,der Hitler-Jugend, des BDM (51 Mitglieder) und des BDM-Werks (24 Mitglieder)