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Bibel Inhalt

 

 

Bibelverständnis -

 

Vom Lesen und Verstehen der Bibel

 

 

 

Einleitung

Wenn man die Bibel lesen will, dann sollte man nicht unbedingt bei „Adam und Eva“ anfangen. Nach der Geschichte von Adam und Eva ist man schon versucht, das Buch wieder hinzulegen, weil die Geschichte so naiv und unwahrscheinlich klingt. Deshalb ist es sinnvoller, zu­nächst einmal mit dem Neuen Testament zu beginnen (so wie ich das im Internet unter „Bibel für Einsteiger“ gemacht habe). Aber auch bei Alten Testament fängt man vielleicht besser nicht bei der Entstehung der Welt an, sondern bei der Entstehung des Volkes Israel, also im Buch Josua.

Entsprechendes gilt für den Gottesdienst. Wenn ein Neuling oder ein Ungläubiger in den Gottesdienst kommt, dann wird er sich nicht so einfach zurechtfinden. Da werden Lieder gesungen und Bibelstellen vorgelesen. Der Pfarrer spricht eine Aufforderung und die Gemeinde antwortet wie selbstverständlich, von der Orgel unterstützt. Die Eingeweihten kennen das, es ist ihnen alles ganz  in Fleisch und Blut übergegangen.

Aber ein ganz Unwissender wird nichts mit dem Kreuz auf dem Altar anzufangen wissen, auch nicht mit solchen Namen wie „Paulus“ und „Korinther“. Da gibt es viele Fachausdrücke wie zum Beispiel das Wort „Agende“: Das ist das Buch, in dem die Gottesdienstordnung steht und vor allem auch die Gebete. Aber wenn man die Mehrzahl „Agenden“ verwendet, dann hört sich das fast an wie die Agenten des Geheimdienstes.

So ist das eben mit der kirchlichen Sprache. Das gilt auch für die Formulierung der Gebete in den Büchern für den Gottesdienst. Man sagt heute: „An sich müßten diese Bücher alle 20 Jahre neu geschrieben werden, weil die Sprache sich so schnell ändert!“ Auch das Gesangbuch wird ja immer wieder überarbeitet. Aber es geht nicht nur um die Sprache, sondern auch um das sachliche Verständnis

Die Bibel ist aber kein Sachbuch, sondern ein Glaubensbekenntnis. Deshalb muß man sich ihr anders nähern als nur naiv. Ich bin deshalb froh, daß ich die Gelegenheit hatte, Theologie zu studieren. Unabhängig von dem späteren Beruf hat das Studium mir mehr Einblick gegeben als anderen Christen: In erster Linie hatte ich einen persönlichen Gewinn davon.

Man muß sich schon etwas Mühe machen, um diesem alten Buch gerecht zu werden - damit man erkennen kann, was es damals wollte und was es uns heute noch zu sagen hat. Mit den folgenden Ausführungen soll dazu ein Versuch gemacht werden. Und ich möchte etwas von dem Ertrag meines Studiums weitergeben.

Eigentlich ist es ein ungeheurer Anspruch, wenn wir sagen, im Gottesdienst wird Gottes Wort verkündet. Wir nehmen die Bibel her und lesen daraus vor. Aber die Bibel ist nicht nur reines Gotteswort, sondern „Gotteswort in Menschenwort eingefaßt“, mit menschlichen Gedanken vermischt und mit menschlichen Worten ausgedrückt. Und dann kommt vielleicht so ein Pfarrer und nimmt diesen Bibeltext noch als Grundlage für eine Predigt. Wieder wird ein Stück­chen mehr Menschenwort daraus. Und der Hörer nimmt es noch einmal etwas anders auf, als es gemeint war. Bleibt denn da überhaupt noch etwas vom göttlichen Wort erhalten, wenn es immer weiter so verdünnt wird?

Und doch wird immer wieder der Anspruch erhoben: „In der Kirche wird Gottes Wort gesprochen!“ Manchmal war es allerdings auch schlimm. Es gab Zeiten, da hat man von der Kanzel herunter über die richtige Düngung gepredigt. So geht es ja auch nicht, da blieb wirklich nur Menschenwort übrig. Aber heute ist das ja nicht mehr so, da kann jeder aus einer Predigt für seinen Glauben etwas entnehmen, auch wenn die Predigt noch so schlecht und noch so langweilig war; es kommt hier auch etwas auf den guten Willen an.

Auf keinen Fall aber kann man sagen, die Bibel sei von Gott „inspiriert“ in dem Sinne, als sei sie gewissermaßen von Gott selber geschrieben worden. Natürlich begegnet uns Gott in der Bibel. Aber zuerst einmal ist sie Menschenwort, also von Menschen geschrieben, die damit ihren Glauben zum Ausdruck bringen wollten. Die theologische Forschung kann uns dabei die Zusammenhänge erhellen und zu einem tieferen Verständnis führen. Es gilt, den Übergang zu finden vom „Kinderglauben“ zum gefestigten Glauben des Erwachsenen. Viele bleiben beim Kinderglauben stehen und gehen nicht durch das Feuer der wissenschaftlichen Kritik, um so zu einem Erwachsenenglauben zu finden.

Theologen können sich da keine doppelte Buchführung leisten und etwas anderes predigen, als sie im Studium gehört haben. Die Gemeinde hat sowieso schon Einiges läuten gehört.  Zeitschriften und Magazine wie „Der Spiegel“ und Radio und Fernsehen tun ein Übriges. Es wäre schlecht, wenn man aus dem Eindruck „Der Pfarrer weiß mehr als er sagt!“ den Schluß zöge: „Der Pfarrer glaubt nicht, was er sagt!“ Deshalb gilt es, die Frage der historischen Kritik offensiv anzugehen und sich weder von der einen noch von der anderen Seite irre machen zu lassen.

Man kann sich jedenfalls nur darüber ärgern, daß viele Pfarrer alles ausblenden, was sie im Studium gehört haben und so predigen, als sei alles in der Bibel so geschehen, wie es dem Wortlaut nach dasteht. Sie verschweigen der Gemeinde, worauf diese eine Anspruch hat und was der Verkündigung nur zugute käme.

 

Wer als Ungläubiger die Bibel liest, wird den Kopf schütteln und sagen: „Was ist das doch für ein Unsinn?! Das ist doch nur von Menschen zusammengesponnen“. Wer als gläubiger Mensch die Ergebnisse der wissenschaftliche Theologie liest, wird sagen: „Das bringt doch nur vom Glauben ab. Gegen solche Gedanken schotte ich mich ab und glaube nur schlicht das, was wörtlich dasteht!“

Durch die historische Kritik wird aber nicht der Glaube zerstört, sondern nur ein falscher Glaube. Doch die Theologie soll nicht erleichtern, sondern den Glauben verständlich machen aus den Texten heraus. Sie soll herausarbeiten, was damals gemeint war und wie man es damals verstanden hat und möglichst auch noch, wie man es heute verstehen kann, um den ursprünglichen Sinn nicht zu verfehlen. Es geht nicht um das, was man landauf landab für Glauben hält, sondern um die wahre Botschaft.

Sicherlich führt das zu einer gewissen Krise. Aber „Krise“ bedeutet im Ursinn „Unterscheidung“. Also Wahr und Falsch sind zu trennen, wichtig und unwichtig, Gottes Wort und Menschenwort. Allerdings ist nicht jeder zum Glauben geschaffen - aber jeder kann darum bitten.

 

Hier wird eine Bibelauslegung für Nicht-Theologen versucht. Fremdwörter wurden dabei weitgehend vermieden. Doch ganz ohne Fachausdrücke kommt man nicht aus. Diese sind dann aber möglichst allgemeinverständlich erklärt. Auf Anmerkungen habe ich wegen der besseren Lesbarkeit verzichtet. Dieses ist kein wissenschaftliches Werk, aber ich hoffe, daß die Spe­zia­listen dennoch zufrieden ist. Aber auch in der Theologie gilt: drei Theologen und vier Meinungen.

 

 

Ich wünsche den Lesern einen möglichst weitgehenden Gewinn beim Studium meiner Ausführungen. Und wer die Absicht hat, vielleicht Theologie zu studieren, der kann hier eine gewissen Einblick gewinnen von dem, was auf ihn zukommt.

(Vergleiche auch das Vorwort zu der Datei „Predigt“).

 

 

Inhalt:

Biblizistische Auslegung

Kritische Auslegung

Hermemeutik

Altes Testament

Evangelisten (Synoptiker)

Matthäus

Markus

Lukas

Geburt Jesu

Lehre Jesu

Gleichnisse

Wirken Jesu

Johannesevangelium

Leiden und Auferstehung

Apostelgeschichte

Urgemeinde

Briefe des NT

Zeitschriften

Bibelthemen im Fernsehen

Kleine Glaubenslehre