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III Apostelgeschichte und Paulus

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Apostelgeschichte und Paulus

 

Himmelfahrt und Pfingsten

 

Die Himmelfahrt Jesu Apg 1 , 1 - 14

Hinführung:

An der Bushaltestelle oder auf dem Bahnhof kann man es manchmal erleben,  wie Kinder ihre Oma verabschieden. Ingrid und Lutz bringen die Oma zum Bus, die bei ihnen zu Besuch gewesen war. Ingrid hängt sich noch einmal bei ihr ein und sagt: „Schade, Oma, daß du schon wieder fortfährst. Es war doch so schön mit dir zusammen!“ Lutz trägt Omas Tasche. Ganz traurig fragt er: „Mußt du denn wieder weg, Oma?  Kannst du denn nicht für immer bei uns bleiben?“ - „Nein, Kinder“, antwortet die Oma. Das geht nicht! Aber ich besuche euch ja wieder. Darauf könnt ihr euch ganz fest verlassen!“ Der Bus kommt. Die Kinder helfen der Oma beim  Einsteigen und rufen: „Komm bald wieder, Oma, bitte! Nicht vergessen!“ Und dann winken die beiden noch lange.

Oder denkt: Euer Vater muß verreisen, vielleicht für lange Zeit. Er gibt noch letzte Anweisungen für die Zeit seiner Abwesenheit. Die Kinder stellen ihm Fragen. Aber was geschieht, wenn ihr nun vergessen habt, etwas zu fragen? Dann könnt ihr schreiben. Ihr  bleibt ja weiter mit ihm in Verbindung, auch wenn er weit weg zu sein scheint. Aber es kommt ja Antwort auf die Briefe und  keiner bricht die Verbindung ab. Und schließlich kommt der Vater ja auch einmal wieder.

Auch den Jüngern Jesu steht ein Abschied bevor. Jesus nimmt Abschied von ihnen, sie werden ihn nun nicht mehr sehen können. Wird es ein schlimm trauriger Abschied werden? Jesus hatte die Jünger doch gerade erst wieder in Jerusalem zusammengeführt. Sie warteten auf das, was er noch mit ihnen vorhatte. Und nun hatte er sie auf einmal verlassen! Würde nicht wieder alles zusammenbrechen?

Wir wollen heute hören, wie Jesus von seinen Jüngern Abschied nimmt und welchen Auftrag er ihnen mit auf den Weg gibt. Wir wollen dabei euch versuchen, die Fragen zu beantworten: Warum kann man Jesus heute nicht sehen? Wo ist er heute? Warum erscheint er uns nicht wie seinen Jüngern?

 

 Himmelfahrt traditionell

Erzählung:

Nach Ostern hatte sich Jesus noch manches Mal seinen Jüngern gezeigt. Er wollte ihnen helfen, daß sie ihm vertrauen konnten. Sie sollten ganz genau wissen: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Sie sollten spüren: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!"

Die Jünger hatten noch manche Fragen auf dem Herzen. Jesus hatte ihnen doch so oft vom Reich Gottes erzählt, von der Herrschaft Gottes, die er über die ganze Welt aufrichten würde. Aber nun war Jesus gekreuzigt worden. War damit alles aus? Viele fragten sich auch: „Was wird nun aus uns? Wie wird alles werden?"

Eines Tages ruft Jesus sie alle in Jerusalem zusammen. Er geht mit ihnen einen bekannten Weg, den sie schon oft gegangen sind, wenn sie von Jerusalem nach Osten in das Dorf Bethanien gewandert sind. Am Ölberg gegenüber von Jerusalem macht Jesus halt.

Mit großer Entschiedenheit befiehlt er seinen Jüngern: „Bleibt hier in Jerusalem. Verlaßt die Stadt nicht. Wartet, bis die Verheißung meines Vaters eintrifft, von der ich immer gesprochen habe: „Johannes hat noch mit Wasser getauft. Ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden. Lange wird es nicht mehr dauern!“

Gespannt und mit großer Aufmerksamkeit hatten die Jünger zugehört. Aber sie haben noch eine Frage, die ihnen schon lange im Herzen brennt: „Herr, wirst du jetzt das Reich für Israel aufrichten?“ Sie hoffen immer noch, Jesus würde die Herrschaft Gottes verwirklichen und auch die Römer aus dem Land vertreiben. Gespannt blicken sie auf Jesus.

Doch dieser muß ihre letzten Hoffnungen zerschlagen. „Es steht euch nicht zu, die Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht  bestimmt Aber ihr werdet die  Kraft des Heiligen Geistes empfangen , der auf euch kommen wird. Dann werdet ihr meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde!“

Die Jünger sollen all das weitersagen, was sie von Jesus gesehen und gehört haben: Jesus ist der Sohn Gottes, der auch heute lebt. Nicht die Hoffnung auf ein Königreich soll ihnen wichtig sein, sondern nur diese Aufgabe, allen Menschen von Jesus zu erzählen. Gott aber wird ihnen Kraft dazu geben.

Endlich begreifen die  Jünger: Ihr  Herr braucht sie für seinen Dienst, sie sollen Menschen zu Christus führen. Doch jetzt, wo sie alles verstehen, verschwindet Jesus wieder vor ihnen. Es kommt ihnen so vor, als hülle ihn Gott in eine Wolke ein und nehme ihn vor ihren Augen weg. Sie wissen: Jesus hat endgültig von ihnen Abschied genommen. Er ist jetzt ganz bei seinem Vater. Aber sie sind nicht allein, sondern er ist ihnen ganz nahe.

Als die Jünger noch so in die Luft starren, stehen plötzlich zwei Männer in weißen Kleidern da und sagen: „Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und seht in den Himmel. Dieser Jesus,  der jetzt von euch genommen wurde zu Gott, der wird in der gleichen Weise wiederkommen. Ihr werdet ihn wiedersehen!“

Voller Freude gehen die Jünger in die Stadt Jerusalem zurück in das Haus, wo sie sich immer aufzuhalten pflegten. Sie beteten und dankten Gott für alles. Jetzt würden sie immer zusammenbleiben, die elf Jünger, einige Frauen, die Mutter Jesu und seine Brüder. Sie waren nicht traurig, sondern warteten voll Spannung auf das, was nun noch kommen sollte.

 

Himmelfahrt klassisch

 

Antwortgespräch:

Ein Abschied ist in der Regel eine traurige Sache. Die Jünger aber gingen fröhlich zurück nach Jerusalem. Warum?

1. Jesus ist ihnen euch dann nahe, wenn sie ihn nicht sehen oder direkt fragen können. Aber sie bleiben in Verbindung mit ihn und beten zu ihm, ihre Zweifel  sind beseitigt.

2.  Die Jünger bleiben fest beieinander und warten auf die verheißene Gabe. Sie haben einen Auftrag und ein Ziel. Sie werden auch die Kraft bekommen für ihre Predigt.

3.  Es ist kein Abschied für immer, denn Jesus hat gesagt, er wird wiederkommen. Nur soll keiner herumrätseln, wann das sein wird, weil allein Gott die Stunde bestimmt. Bis jetzt hat sich alles erfüllt, was Jesus gesagt  hat. Da wird auch das Letzte sich erfüllen, daß Jesus wiederkommen wird. Er ist bei Gott. Wir aber sollen weiterleben und sein Wort allen Menschen weitersagen. Tun wir es? Halten wir Verbindung zu Gott.

4. Gott wird für die Zeit bis zum Ende der Welt eine neue Gemeinschaft schaffen: die Kirche. In ihr wird der Geist Gottes lebendig sein und jeder wird spüren können, wie nah ihm Gott ist. Jesus sitzt nicht einfach unbeweglich neben dem Thron des Vaters, sondern in seinem Namen geht es auf der Erde weiter, bis er selber wiederkommt, zu richten die Lebendigen und die Toten.

 

Die Jünger lebten in der Erwartung des nahen Endes der Welt. Sie stehen in der Gefahr, in der Verantwortung für die Welt  nachzulassen und ihr nicht mehr das Wort Gottes zu verkünden. Jesus beseitigt ihre Ungeduld radikal. Ob früher oder später - das ist für einen Christen eine völlig unnütze Frage, weil doch Gott allein sie entscheidet.

Zwischen den irdischen Tagen Jesu und seiner Wiederkunft vergeht Zeit, vielleicht sogar  viel Zeit. Aber diese Zeit ist nicht einfach leer, so eine Art Zwischenspiel. Sie ist nicht nur mit Langeweile und Warten erfüllt, sondern von den großen Taten Gottes. Die Geschichte Jesu setzt sich fort in der Kirche. Die Christen erhalten die Aufgabe, allen Menschen von Jesus zu erzählen. Sie sollen nicht zurückschauen, aber auch nicht auf ein besseres Jenseits hoffen, sondern einfach ihre Aufgabe anpacken.

 

Kaufmann-Bild aus der Mappe: „Die Apostelgeschichte“, Nummer 2:

 

 

 

Hier ist die Blickrichtung umgekehrt: nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten. Die Hände Gottes weisen in die Welt. Sie halten auch eine Leine, die die Gruppe der Jünger umschließt. Er kann  diese Leine aber auch verschieben, in die ganze Welt hinein. Sie aber sollen jetzt in seinem Auftrag in die Welt gehen.

 

Der Mann am Steuer:

Der „Himmel“, in den Jesus kommt, ist die Zentrale, von der aus der Herr die Geschicke der Einzelnen, der Kirche und der Völker und der gesamten Welt lenkt. Er steht auf der Kommandobrücke und steuert das Schiff durch die  Welt.

Es ist ganz entscheidend, ob ein guter Mann am Steuer sitzt. Wenn wir mit dem Bus fahren, dann sitzt am Steuer oft ein Mann, den wir gar nicht kennen. Er hat eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn Leben und Tod der Fahrgäste können von ihm

Abhängen . Aber wir wissen: Er ist geprüft und wir können ihm vertrauen.

Je mehr Menschen befördert werden, desto größer ist die Verantwortung des Mannes am Steuer. Manche Männer haben ein ganzes Volk zu führen. Aber sie können es einen guten oder einen schlechten Weg führen. Es kommt also alles darauf an, daß ein guter Mann am Steuer sitzt.

Die kleine Gemeinde Jesu hatte diesen M.ann nicht mehr. Ihr Meister war nicht mehr sichtbar bei ihnen, es fehlte ihnen der Lotse. Wer würde sie nun den rechten Weg führen? Doch da setzt Gott seinen Sohn an das Steuer der Welt. Zwar kann er nun nicht mehr sichtbar bei den Jüngern sein, aber er ist nun für die ganze Welt da.

Deshalb ist Himmelfahrt ein fröhlicher Tag. Wir wissen: Der Herr Jesus ist am Steuer der Welt, da ist sie auch in guten Händen. Er gibt seiner kleinen Mannschaft den Befehl zur Weltmission. Aber sie weiß auch, daß er am Steuer der Welt wieder einmal sichtbar wird.

 

 

Die Nachwahl des Matthias: Apg 1, 15 - 26

Hinführung:

Wir sagen oftmals: „Da hast du aber Glück gehabt!“ Bei Wettkampf, Unfall, Zensuren, usw. Manchmal steht wirklich eire Leistung dahinter. Aber an sich deutet so ein Ereignis an: Gott will etwas von mir, will mir damit etwas sagen. Und er erwartet meinen Dank. Nicht alles, was wir Glück nennen, ist wirklich „Glück“. Wir sollten einmal überlegen, ob Gott da nicht eingegriffen hat. Zumindest können wir manchen Vorgang noch nachträglich als ein Eingreifen Gottes verstehen.

Und umgedreht haben wir nicht Pech gehabt, sondern auch da steht Gottes Wille dahinter. Wenn etwas geschieht, dann ist es nicht zufällig, sondern Gottes Wille.

Das sehen wir an dem Schicksal des einen Jüngers Jesu, der ihn verraten hatte: Er hat nicht einfach Pech gehabt. Und das sehen wir auch am Schicksal eines anderen Mannes, der zum Jünger Jesu wurde, der aber auch nicht nur Glück gehabt hat.

 

Erzählung:

Die Jünger Jesu versammelter sich jeden Tag in Jerusalem. Jesus hatte ihnen ja gesagt, sie sollten in der Stadt bleiben und warten, bis die Kraft Gottes über sie kommt. Es waren nicht nur die elf Jünger, die nach dem Ausscheiden des Judas übriggeblieben waren, sondern auch noch eine Reihe anderer Menschen, ungefähr 120 Leute. Einige von ihnen waren auch mit Jesus und seinen zwölf Jüngern durch das Land gezogen. Sie hatten miterlebt, wie er gepredigt hatte. Einige waren sogar dabei gewesen, als er Kranke geheilt hatte. Und schließlich hatten einige ihn sogar als den Auferstandenen gesehen.

Da steht Petrus auf und sagt: „Ihr Männer und Brüder, ihr wißt, daß einer aus unserem Kreis fehlt. Judas Ischarioth hat denen den Weg gezeigt, die Jesus fangen wollten, er hat ihn verraten. Damit ging in Erfüllung, was schon der         König David von ihm vorausgesagt hatte. Aber Judas war eben auch einer von uns. Er hat mit uns das Amt eines Jüngers und Apostels erhalten. Aber nun hat er unseren Herrn verraten. Und von dem Geld für diesen Verrat kaufte er sich einen Acker. Aber dort ist er vornüber gestürzt, sein Leib ist aufgerissen und seine Eingeweide sind herausgequollen. Den  Acker  nennt man seitdem „Blutacker“!“

Die Jünger und die anderen sind sehr ernst, als sie das hören. Dieser Judas gehörte zu ihnen, aber er hat sich von Jesus und von ihnen losgesagt. Er war Jesus äußerlich ganz nahe, aber er ist doch verlorengegangen. Sein Amt aber soll einem anderen gegeben werden.

Petrus sagt dazu: „Es kann nur einer an die Stelle des Judas gesetzt werden, der von Anfang an mit Jesus gegangen ist, seit der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem Jesus wieder vor uns genommen wurde. Er soll all die Dinge bezeugen die wir gehört und gesehen haben. Und er soll den Menschen weitersagen können, daß Jesus auferstanden ist!“

Zwei Männer sind da, die diese Bedingungen erfüllen: Joseph und Matthias. Wer von ihnen soll aber nun das Amt bekommen? Die Jünger wollen nicht alleine eine Entscheidung fällen, denn hier geht es ja vor allem um eine Sache Gottes. Deshalb beten sie zuerst zu Gott: „Herr, der du die Herzen aller Menschen kennst, zeige uns, welchen du unter diesen zweien erwählt hast. Er soll dann an den Platz des Judas treten!“

Daraufhin losen sie, und das Los fällt auf Matthias, der nun dem Jüngerkreis zugeordnet wird. Hat er Glück gehabt und Joseph Pech? Gott hat hier gehandelt!

Und den Joseph hat er vielleicht zu einem anderen Dienst gebraucht.

 

 

Pfingsten: Apg 2 , 1 - 14

Hinführung:

Wart ihr schon einmal auf dem Sportplatz? Wie verhalten sich die Zuschauer, wenn ein Tor für die eigene Mannschaft gefallen ist? Sie schreien, springen auf, reißen die Arme hoch - sie sind begeistert, weil nun der Sieg ihrer Mannschaft fest steht.

 

 

 

Bild aus der Verteilbildserie „Apostelgeschichte“ (Harry Franke):

Diese Männer reißen auch die Arme hoch. Sie sind ganz Feuer und Flamme. Sie rufen etwas. Aber sie schreien nicht „Tor“ oder „Hurra“', sondern  „Halleluja! Gelobt sei Gott!“ Das Halleluja ist ein Siegesgeschrei, das „Hurra“ der Christen. Zu beachten ist der Gegensatz zwischen den Männern in der leuchtend gelben Parabel (dieses Zeichen kennt ihr schon) und den vorerst noch verständnislos staunenden Männer in Grau vorne links. Der eine sperrt sogar Mund und Ohren auf.

Wir lesen die Bildunterschrift und weisen auf die Bibelstelle hin. Dort steht die Geschichte, die wir dann gleich hören wollen. Hier steht auch das Wort „Gottes Geist“. Was ist denn „Geist“? Nicht gemeint ist ein „Gespenst“, das zur Geisterstunde erscheint. Das Wort Geist hat mehrere Bedeutungen. Hier ist der Geist gemeint, der in Begeisterung versetzt. Wir sahen das beim Fußballspiel. Da werden Zuschauer auf einmal ganz andere, weil sich in ihnen ein neuer Geist auswirkt. Geist ist also etwas, das den Menschen ganz anders macht.

Vergleich: Eire Glühbirne brennt nicht von selber. Ich muß erst den Schalter anknipsen. Aber wenn die Birne nicht festgedreht ist, brennt sie immer noch nicht: Erst muß der Kontakt da sein. Die Birne macht den elektrischer Strom sichtbar. Ohne die Birne und den nötigen Kontakt können wir nichts von ihm bemerken. Er wird auch nicht in der Birne erzeugt, sondern kommt immer von woanders her.

Gott ist auch unsichtbar. Von den Auswirkungen seiner Kraft können wir nur etwas merken, wenn Menschen da sind, die von dieser Kraft gefüllt werden und die in Kontakt mit Gott stehen (zum Beispiel durch das Gebet). Die Kraft Gottes, die an den Menschen wirkt, ist sein Geist. Wir sagen „Gottes Geist“ oder „Heiliger Geist“. Das Wort „heilig“ bedeutet ja: „zu Gott gehörend“. Heiliger Geist heißt also: „Der Geist, der zu Gott gehört, die Kraft, die von ihm ausgeht“.

Wir feiern demnächst wieder ein Fest, bei dem es um den Heiligen Geist geht. An Pfingsten kam der Geist Gottes zum ersten Mal über die Gemeinde in Jerusalem. Wie ein Blitz schlug er ein, so daß die Jünger Jesu auf einmal leuchteten und ganz anders wurden, weil nun die Kraft Gottes in ihnen steckte.

Heute wollen wir nun hören, wie dieses Ereignis in der Apostelgeschichte beschrieben wurde, als Gott den Kontakt mit seiner Gemeinde und der Welt herstellte.

 

Erzählung:

In Jerusalem war wieder einmal ein großes Fest. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Das erste Erntedankfest in diesem Jahr, 50 Tage nach dem Passah. Der erste Weizen ist schon reif. Nun bringt man die Dankgaben zum Tempel.

Aus den engen Gassen drängen sich die Menschen zum Tempel hinauf. Sie sind festlich gekleidet, ihre Gesichter sind fröhlich. Es geht nun wieder an die Ernte und die Früchte sind gut geraten. Die Sonne scheint, es ist drückend heiß.

Besonders die alten Leute freuen sich. „Es ist alles noch sowie früher!“ sagen sie. Die Feste ihres Volkes sind doch der Höhepunkt des Lebens. Viele von ihnen hatten im Ausland gelebt und gearbeitet: in Ägypten, in Arabien, in Mesopotamien, in Persien, in Kleinasien, in Nordafrika, in Rom. Aber auf ihre alten Tage wollten sie doch wieder in Jerusalem sein, um im Land ihrer Väter und in der Stadt Gottes zu sterben und begraben zu werden. Auch sonst waren viele Fremde aus aller Herren Länder da. Sie glaubten auch an der Gott der Juden und wollten zu ihm beten. Deshalb waren sie zum Fest nach Jerusalem gekommen. Heute dürfen sie nun wieder ein solches Fest im Tempel und die Gottesdienste miterleben.

Die zwölf Jünger Jesu jedoch beteiligen sich nicht an dem Fest. Sie sitzen in einem Haus beisammen und warten. Bei ihnen sind die Mutter Jesu und seine Brüder und noch einige andere, die auch Jesus nachgefolgt waren. Sie singen und beten und warten auf etwas, das ihnen noch wichtiger ist als das große Fest im Tempel. Vor zehn Tagen war ihr Herr endgültig von ihnen gegangen. Sein letzter Auftrag an sie lautete: „Bleibt in Jerusalem, auch wenn ihr dort sehr viel Schlimmes erlebt habt. Denn bald wird euch Gott ein großes Geschenk machen. Ich gehe jetzt von euch, aber Gott wird euch auf andere Art nahe sein. Er wird euch helfen und trösten, wenn ich nicht mehr bei euch bin. Ihr werdet eine Kraft empfangen und dadurch stark werden, meine Worte in aller Welt weiterzusagen!“ So warteten nun die Jünger gehorsam und ließen sich von dem Festtrubel nicht ablenken; und ihr Gehorsam wird belohnt.

Draußen wogen die Menschenmassen weiter hin und her. Ordner sorgen dafür, daß Fremde nicht Tempelhallen betreten, die sie nicht betreten dürfen. Männer, Frauen und Kinder, ganze Familien treffen sich, begrüßen sich, freuen sich. Man spricht über die Ernte und die weiteren Ernteaussichten, und man spricht ein bißchen über Politik. Und dazwischen geht man zu den Gottesdienste in den verschiedenen Hallen des Tempels. Immer mehr Menschen kommen herauf. Nur mühsam kann man sich noch einen Weg durch die Menge bahnen. Ab und zu tragen sie auch eine Frau beiseite, die ohnmächtig geworden ist. Kein Wunder bei der Schwüle, da kommt schon einmal so etwas vor.

Plötzlich ist es wie das Brausen eines gewaltigen Windes! Es ist, als ob ein Gewitterwind in die Ölbäume und Zypressen gefahren ist. Aber man sieht keine Wolke, kein Wind ist zu spüren, auch nicht ein Hauch. Es ist direkt unheimlich. Vor einer Seitenhalle des Tempels stauen sich die Menschen. Immer mehr kommen dazu. „Da ist was los!“ sagt einer und rennt hin.

Jetzt tritt ein Mann aus der Halle, groß, mit einem Bart, das Gesicht von Wind und Wetter zerfurcht, die abgearbeiteter Hände zerschunden. Dahinter andere, die nun mutig heraustreten, mit leuchtenden Gesichtern und blitzenden Augen.

Sie reden alle durcheinander, schnell und laut. Die Worte können ihnen gar nicht schnell genug über die Lippen kommen. Aber sie reden mit großer Begeisterung. „Verstehst du etwas?“ fragt ein Mädchen seine Freundin. „Nicht ein Wort!“ - „Ich auch nicht!“

„Glotzt doch nicht so“, zischt sie ein junger Mann an. „Die haben doch bloß zu viel Wein getrunken!“ Ein paar lachen. „Ja, anders kann es wohl kaum sein. Du meine Güte, haben die sich aber vollaufen lassen. Und das am früher Morgen. Was sind denn das für Leute? Wo kommen sie wohl her?“

„Perser“, sagt einer. „Nein, Ägypter“, meint ein anderer. „Ich werde es doch wohl wissen“, sagt wieder der andere, ich bin doch in Persien geboren. Sie rufen immer wieder ‚Jesus Christus‘ und loben Gott und preisen seine großer Taten!“Jetzt läßt sich ein alter Mann vernehmen: „Aber das sind doch alles Galiläer. Ich kenne sie doch. Das sind doch die Jünger dieses Jesus von Nazareth, von denen  man doch seit Wochen nichts mehr gehört hat. Und der ganz vorne, das ist der Petrus!“

„Aufhängen sollte man sie, allesamt, wie Jesus!“ ruft wieder der junge Mann. „Seht ihr  denn nicht, daß sie alle betrunken sind? Abführen sollte man sie!  Sie stören das schöne Erntedankfest im Tempel. Eine Schande ist es!“

Jetzt hebt Petrus die Hand. „Seid stille, er will etwas sagen“, ruft einer. Totenstille tritt ein in der Menschenmenge. Petrus beginnt:  „Ihr Männer, liebe Brüder! Bürger von Jerusalem! Hört gut was ich euch zu sagen habe! Wir sind keinesfalls betrunken, wie ihr meint. Es ist doch erst neun Uhr morgens und die Zeit zur Morgenandacht. Was hier geschieht, ist doch schon von den alten Propheten vorausgesagt worden: Gottes Heiliger Geist ist aber uns gekommen, so daß es uns war, als hätten wir Feuerflammen auf dem Kopf und das Dröhnen eines Sturmwindes in den Ohren. Unser Herr, Jesus von Nazareth, hat uns das alles schon vorher angekündigt. Er hat gesagt: Bald wird die Kraft des Heiligen Geistes all denen gegeben werden, die an ihn glauben! Dieses Geschenkt ist jetzt eingetroffen, denn sonst hätten wir nicht den Mut, jetzt hier vor allen Leuten zu predigen!“

Dann fährt Petrus fort. „Diesen Jesus hat Gott durch große Zeichen, Taten und Wunder als seinen Sohn erwiesen: Er hat Blinde sehend gemacht, Lahme gehend, Taube hörend. Er hat Tote auferweckt und den Armen die frohe Botschaft von Gott dem Vater verkündet. Aber ihr habt ihn den Römern ausgeliefert und zum Tode verurteilen lassen. Gott hat es zugelassen! 

Aber er hat ihn auch wieder auferweckt und den Tod besiegt. So hat es schon der König David vorausgesagt. Wir alle können es bezeugen, denn wir haben ihn selbst als den Auferstandenen gesehen. Er ist nun ein mächtiger Herrscher und regiert über uns alle, über alle Welt! Heute hat er wieder den Kontakt mit uns hergestellt!“

Als die Leute das hören, gibt es ihnen einen Stich ins Herz und sie sind tief betroffen. Ein Mann spricht zu seiner Frau: „Ich habe damals auch geschrien: ‚Kreuzige diesen Jesus, kreuzige ihn!‘ Gott wird uns jetzt verstoßen und bestrafen!“ In seiner Angst fragt er den Petrus: „Was sollen wir denn tun?“ Petrus artwortet: „Kehrt um und laßt euch taufen auf den Namen Jesu Christi. Dann werden euch eure Sünder vergeben und ihr werdet auch die Kraft des Heiligen Geistes erlangen!“

Es war ja deutlich geworden daß mit den Jüngern etwas anders geworden war:  Petrus, der seinen Herrn verleugnet hatte und fortgelaufen war, fürchtete sich nun nicht einmal vor Tausenden. Einfache Leute, die sonst kaum einen Ton herausbrachten, predigten nun, daß es ans Herz ging.

Sie hatten keine Angst mehr und machten sich nichts aus dem Spott. Das konnte nur von Gott kommen - ein Werk des Heiligen Geistes! Unsichtbar war er für sie gewesen. Aber nun hatten sie seine Auswirkungen gesehen und gespürt.

Seltsamerweise verstanden auch alle, was Petrus sagte. Sie waren doch aus aller Herren Länder gekommen und sprachen ganz verschiedene Sprachen. Aber heute war es so, als hätte der Heilige Geist alle ergriffen, so daß sie doch verstehen konnten, worum es ging.

An diesem Tag lassen sich 3000 Menschen taufen. Der Heilige Geist hatte die erste christliche Gemeinde gegründet und wirkte fortan in ihr. Immer mehr kommen dazu, trotz Spott und Verfolgung. Sie halten miteinander Gottesdienst, singen und beten und leben wie eine große Familie. Es gibt keinen Streit, sondern jeder hilft dem anderen, wo er nur kann. Das alles schafft der Heilige Geist, wenn er zu den Menschen kommt.

 

Antwortgespräch:

Das Kraftfeld des Heiligen Geistes ist mit hellen Streifen erfüllt. Eine Bewegung von oben nach unten wird deutlich: In das Schwarze hinein kommen die hellen Kraftlinien. Wie ein Stoßkeil stoßen sie in die Menschen vor. Diese denken: Da ist etwas los! Sie werden von dem Feld angezogen, ob sie wollen oder nicht. Die verschiedenartigen Kopfbedeckungen machen deutlich, daß sie von allen Enden  der Erde kommen.

Petrus streckt die Hand nach oben: Wenn er predigt, gibt er nur das weiter, was vom Geist Gottes kommt. Er ist nur Sprachrohr und sagt weiter, was er im Grunde selbst nicht versteht. Die Predigt beginnt bei David und den Propheten (Harfe, knieender König, Buchstabe D) und endet bei der Krone über den Kreuzen von Golgatha.

Die  Flammen sind nicht genau auf den Köpfen, sondern etwas weiter oberhalb. Die Kraft Gottes erleuchtet und erwärmt, kann aber auch verbrennen und von allem Alten reinigen. Der Geist der Jünger wird erleuchtet und sie kommen zu neuen Erkenntnissen, die von Gott kommen. Und ihr Herz wird warm; wer aber die Kraft des Heiliger Geistes nicht hat, wird kaltherzig und sieht der Bruder nicht.

 

Ihr seid nur auch gefragt:  Wenn ihr etwas von Gott und Jesus Christus hört, im Gottesdienst, im Religionsunterricht oder sonstwo: Wollt ihr euch da auch von Gottes Geist umdrehen lassen und zu neuen Menschen werden wie die Jünger, oder wollt ihr die Alten bleiben, wo sich nichts geändert hat, wenn sie in Kontakt kommen mit Gott? Wenn ihr aber Kontakt habt, müßt ihr ihn weiterleiten und zum Beispiel andere  einladen. Die Jünger konnten beim bester Willen nicht für sich behalten, was sie erfahren haben, sonst wären sie geplatzt. Sie haben keine Angst mehr vor den Leuten, sondern müssen die großen Taten Gottes erzählen.

Seit Pfingsten bzw. seit unserer Taufe haben wir alle eine Kraft in uns, die uns schon die richtigen Worte und den richtigen Mut gibt, Gottes Wort weiterzusagen. Auch ein Pfarrer hat manchmal Angst. Und doch steigt er jeden Sonntag wieder auf die Kanzel 4und hält Unterricht und besucht die Leute in der Häusern. Ihr könnt genauso zuversichtliche Christen sein, denn Gott steht hinter euch. Auch heute wird gepredigt, auch heute kommen immer wieder durch die Taufe Menschen zur Gemeinde dazu. Ihr dürft stolz darauf sein, daß ihr auch dazu gehören dürft.

 

Die Gabe des Heiligen Geistes:

Lukas hatte eine schwierige Aufgebe, das Kommen des Geistes darzustellen: Er kommt vom Himmel, ist aber nichts sinnenfälliges. Die Herkunft des Geistes machte er deutlich mit dem Bild des Windes; das war besonders für griechisch sprechende Menschen verständlich, denn im Griechischen  sind „Pneuma“ (Geist) und „Poe“ (Windhauch) verwandte Begriffe. Aber wo der Geist hinzielt, daß er den einzelnen Jünger erfaßt, das konnte er nur mit Hilfe der jüdischen Pfingsttradition  verdeutlichen, durch den Bezug auf die Sinaigeschichte: Feuer brennt und greift um sich; es frißt alles weg, was sich ihm in den Weg stellt; es bleibt nicht verborgen, sondern tritt immer mächtiger hervor. So steckt auch der Heilige Geist andere in Brand, so daß sie in das öffentliche Lob der großen Taten Gottes einstimmen.

Doch es gibt kaum einen Künstler, der das einigermaßen  angemessen darstellen konnte. Die Flammen über der Köpfen nehmen sich meist so unbedeutend aus, daß nichts von der feurigen Gewalt des Geistes zu spüren ist .Das Brausen des Windes kann aber eindrucksvoll durch wehende Gewänder dargestellt werden wie auf dem

 

 

Bild „Pfingstpredigt“  von Paula Jordan. Dort treibt das „Feuer“ hinter den Jüngern diese zum Reden. Häupter und Glieder gehen in eins mit der Bewegung der wehenden Gewänder.  Ein inneres Getriebensein, Mitgerissensein, ist diesen Gestalten abzuspüren.

  Paula Jordan

Die ungeheure  Kraft des Heiligen Geistes  ist von  gewaltiger Wirkung:

1. Mut zum öffentlichen Zeugnis (Geistrede, Predigt)

2. Sprachenwunder, Verstehen als Reaktion auf die Geistrede

3. Buße, Betroffenwerden vom gepredigten Wort sowie Umkehr

4.Frohes, menschliches Leben (Gebet, Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft).

 

Die Jünger lassen sich bei ihren Reden nicht vom Haß und vom Drang nach Vergeltung treiben. Sie wissen vielmehr von ihrer großen Verantwortung für ihre Hörer, denen sie eine Botschaft auszurichten haben.

Deshalb verurteilen sie auch nicht die am Tode Jesu Schuldigen, sondern weisen sie auf die Möglichkeit zur Umkehr hin. Ihre Wandlung ist aber nicht nur als Ausfluß der Begeisterung der Jünger zu erklären.  Dann hätte die Gemeinde gewiß keinen Bestand gehabt.: Mit Begeisterung alleine läßt sich die  Wandlung nicht begreiflich machen. Daß der am Kreuz gestorbene Jesus von Gott zum Herrn eingesetzt worden sein soll ist so unbegreiflich, daß die Jünger nicht von selber darauf gekommen sein können. Hier hat Gott an ihnen gehandelt. Ihre Erkenntnis ist Erleuchtung, also eine Begeisterung in einem höheren Sinne.

 

Pfingsten heute:

Wenn wir vergleichen, was von der ersten Gemeinde           in Jerusalem erzählt wird und was wir in unserer eigenen Gemeinde bemerken können, dann wird meist die Armut unserer Gemeinde deutlich werden.

Die Bitte um den Heiligen Geist ist also dringlich. Aber wir brauchen auch nicht alles grau in grau zu malen. Es gibt auch hoffnungsvolle Anzeichen. In  kirchlichen Zeitungen suchen wir nach Meldungen, die darauf schließen lassen, daß der Heilige Geist

auch heute wirksam ist.

Heute wird Pfingsten meist als Gelegenheit zu einem Ausflug angesehen. Aber für uns Christen bleibt weiterhin die Aufgabe, allen Menschen zu zeigen, wie Menschen sich wieder zu versetzen beginnen., die vorher nicht miteinander reden konnten.

Unser Bekenntnis zum Heiligen Geist ist sinnlos, wenn wir es an Pfingsten ablehnen, mit denjenigen Christen zu sprechen, mit denen man angeblich nicht reden kann. Meist reden wir nur mit Gesinnungsfreuden. Aber der Heilige Geist arbeitet auf Verständigung hin

Auch zwischen Pfarrer und Gemeinde könnte es mehr zur Verständigung kommen.

Meist ist doch der Pfarrer wie ein Soldat tätig und seine Predigt ist eine Einbahnstraße. Er hört keine Gegenäußerung, weder Erstaunen noch Verwunderung noch Empörung noch Widerspruch. Wir haben einer ruhigen Ablauf der christlichen Verkündigung gewonnen,  aber wir zahlen einen hohen Preis dafür. Vielleicht könnte der Heilige Geist hier wieder für mehr Verständigung sorgen.

 

 

Urgemeinde

 

Die erste Gemeinde in Jerusalem: Apg 2 , 42 - 47

Nach der Predigt des Petrus hatten sich 3.000 Menschen in Jerusalem taufen lassen. Aber nun galt es, festzuhalten an dem, was da begonnen hatte. Die neuen Christen wollten immer wieder von Jesus hören. Deshalb liefen sie nicht auseinander, sondern blieben zusammen und versammelten sich im Tempel oder in der Häusern.

Vier Kernzeichen werden genannt, die das Dabeibleiben deutlich machen: Sie blieben beständig in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft, im Brotbrecher und im Gebet.

1. Apostellehre: Bis jetzt hatten sie nur Verkehrtes über Jesus gehört. Jetzt aber hatten sie einen großen Hunger danach, endlich die Wahrheit über Jesus zu erfahren. Deshalb müssen die Jünger immer wieder von Jesus erzählen. Viele haben ganz schlicht die Worte Jesu auswendig gelernt. Sie wollen an Jesus festhalten, auch wenn er wie ein Verbrecher ans Kreuz genagelt wunde. Sie halten an dem Gekreuzigten und Auferstandenen fest, auch wenn es nicht immer leicht war, sich zu diesem verachteten Jesus zu bekennen.

2. Gemeinschaft: Sie wollten aber nicht nur hören, sondern auch innerlich eine Gemeinschaft sein. Gerade das Hören auf die Worte Jesu führte sie zu einer solchen Gemeinschaft zusammen. Sie sitzen nicht nur während ihrer Zusammenkünfte nebeneinander, sondern sie unterhalten sich auch und leben und essen miteinander. Dadurch war es für den einzelnen leichter, am Glauben an Jesus festzuhalten. Nur wenn man in einer solcher Gemeinschaft fest drinsteht, wird man richtig an Jesus glauben können.

3. Brotbrechen: Ausdruck dieser Gemeinschaft war auch die gemeinsame Feier des Abendmahls, das auch „Brotbrechen“ genannt wurde, weil die Mahlzeit mit dem Brechen des Brotes begann. Sie haben sich dabei richtig satt gegessen, das heißt: Sie haben zusammen das Abendbrot eingenommen. Nach jüdischer Sitte begann dieses aber mit einem Gebet und dem Brotbrechen. Aber sie erinnerten sich dabei natürlich auch daran, wie Jesus immer mit ihnen zusammen zu Abend gegessen hatte. Da hatte er auch zuerst .gebetet, dann das Brot auseinandergebrochen und dann die Stücke ausgeteilt. Jetzt war es ihnen so, als sei Jesus unsichtbar bei ihnen, wenn sie so gemeinsam das Abendmahl aßen. Jetzt waren sie wieder innerlich mit ihm verbunden, auch wenn sie ihn nicht sehen konnten.

4. Gebet: Im Gebet konnten sie noch zu ihm reden. Sie wußten: Der Herr ist da! Sie durften ihn bitten, daß seine Botschaft weiter ausgebreitet wird und daß er die beschützt, die sie weitersagen. Sie dankten auch dafür, daß ihnen die Augen geöffnet worden waren. Sie baten darum, daß Jesus ihnen nicht das Böse anrechne, das sie früher getan hatten.

Viele hatten auch Furcht, weil Jesus so nahe da war. Auch viele Zeichen und  Wunder machten deutlich, daß Jesus ganz nahe war. Gott tat seine Wunder nicht nur im Allerheiligsten des Tempels,  sondern auf den Straßen und in Häusern. Gewöhnliche Menschen waren seine Boten, die Priester hatten keine Bedeutung mehr, sie hatten sich nicht rufen lassen.

Aber noch etwas war neu. Die Leute in Jerusalem setzte das in Erstaunen: Die Christen legten ihren Besitz zusammen. Ihre Gemeinschaft machte also vor dem Geld und dem Besitz nicht halt. Ihr Vorbild war dabei Jesus, der sich ja selbst als Opfer für Arme und Reiche gegeben hatte. Auch bedeutete ihnen der Besitz nicht so sehr viel, weil sie ja damit rechneten, daß Jesus bald wiederkommen würde und damit der Welt ein Ende setzen würde. Deshalb waren der Mitmensch und seine Not ihnen wichtiger.

Allerdings dürfen wir uns nicht vorstellen, die Christen hätten damals schon eine kommunistische Gesellschaft errichtet. Es ging ihnen nicht um eine Wirtschaftsform, sondern um Hilfe in einem konkreten Fall. Wenn irgendein Notfall auftrat, dann erklärte sich einer bereit, zum Beispiel einen Acker zu verkaufen; dann war genug Geld da, um erst einmal zu helfen.

Aber keiner wurde zu solchem Tun gezwungen, keiner wunde schief angesehen, wenn er es nicht tat. Aber mancher Bäcker, der vorher nur auf seinen Verdienst gesehen hatte, der gab jetzt kostenlos Brot an Arme ab. Und manche Bauern stifteten Feldfrüchte und Obst.

 

Manche wurden dabei auch selber arm und waren dann auf die Hilfe der Gemeinde angewiesen. Aber sie taten es im Vertrauen auf den Herrn Jesus, der unser aller Leben erhält.

Aber die Christen vergaßen auch nicht,  täglich in den Tempel zu gehen. Sie hielten sich an die üblichen jüdischen Gebetszeiten, denn sie waren ja meist Juden von Geburt gewesen. Warum sollten sie da nicht weiter in der Tempel gehen und den Gott verehren, der der Vater Jesu war? Aber sie glaubten eben jetzt außerdem auch an Jesus, der von Gott geschickt worden war.

Darüber hinaus gab es einen regelmäßigen Besuchsdienst. Die Christen besuchten sich von Haus zu Haus und aßen miteinander und feierten das Abendmahl in den Häusern. Dabei dachten sie dann daran, daß sie einst einmal bei Gott im Himmel sitzen und das Abendmahl feiern würden. Und dann würde Jesus wieder des Brot brechen, so wie sie es gewohnt waren. Dieser Gedanke erfüllte sie mit großer Freude und brachte sie zum Loben Gottes.

Die Außenstehenden sahen mit Freude auf die Christen, weil sie so vorbildlich lebten. Viele wollten auch zu dieser Gemeinde gehören und ließ en sich taufen. So sorgte Gott dafür, daß täglich neue Menschen zur christlichen Gemeinde hinzukamen und so für Gott gerettet wurden.

 

 

Heilung des Lahmen  Apg 3, 1- 26

Hinführung:

Bei der Straßensammlung sagte ein Mann, als er Geld in die Büchse steckte: „Damit ich einmal in den Himmel komme!“ Er dachte dabei also nicht an die vielen kranken Menschen, denen das Geld zugute kommen sollte, sondern er tat es für sich.

Auch im Volk Israel dachte man schon so. Die frommen Juden meinten:  Wenn wir etwa Krüppeln und Lahmen ein Geldstück hinwerfen, dann bekommen wir einen besseren Platz im Reich Gottes, dann werden die bösen Taten gestrichen und der Geber wird vom Tod erlöst (Sir 3,33 und Tob 4,11). So schaffen die Gaben ein Kapitel, durch das man sich besser vorkommt als andere Menschen.

Aber die Geber sprachen mit dem Bettler kein Wort. Im Gegenteil: Sie sagten, alle Krüppel oder ein Blinder seien unrein, mit ihnen dürfe man nichts z tun haben. Jesus aber hatte sich gerade um diese Leute gekümmert und hatte ihnen gezeigt: Gott hat euch besonders lieb! Ob seine Jünger nun wohl von ihm gelernt haben und es anders machen  als die Menschen ihrer Umgebung?

Sie wollten ja im Sinne Jesu weiterwirken. Es ging ihnen nicht nur um einen Akt der Menschlichkeit. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe hat den Satz geprägt: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“  Viele halten das für einen sehr christlichen Satz. Er vertritt ja auch ein christliches Anliegen. Jesus hat auch gewollt, daß wir hilfreich sind. Aber das ist nicht alles. Er möchte vor allem, daß wir an ihr glauben und aus diesem Glauben heraus auch anderen Menschen helfen. Das kann uns  deutlich werden an einer Geschichte, die Petrus und Johannes erlebt haben.

 

Erzählung:

Nach dem Pfingstfest, bei dem die Jünger die Kraft des Heiligen Geistes erhalten hatten, blieben sie weiter in Jerusalem. Sie gingen auch weiter in den Tempel, oftmals dreimal am Tag zu den üblichen Gebetszeiten. Man wartete im Vorhof des Tempels, bis sich zehn Männer eingefunden hatten. Dann sprach einer eines der herkömmlichen Gebete.

 

So gehen auch Petrus und Johannes an einem Nachmittag gegen 15 Uhr in den Tempel. Sie gehen wie zu Jesu Zeiten zu zweit, weil sie sich ja gegenseitig helfen können und weil sie dann jeweils einen Zeugen haben für das, was gesagt und getan wird. Das wird auch in der folgende Geschichte wichtig sein.

Schon als die beiden Jünger den Berg zum Tempel hinaufsteigen, hören sie die Stimme eines Bettlers. Sie kennen diesen Mann.  Er war seit seiner Geburt gelähmt und hatte noch nie laufen können. Er konnte nicht wie die anderen in den Gottesdienst gehen und konnte seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen. Gute Freunde trugen ihn jeden Tag zum Tempel, damit er dort bettelte.

Es gab viele Bettler in Jerusalem. Sie konzentrierten sich vor allem an den Orten, wo man damit rechnen konnte, auf Menschen zu treffen. Vor allen Dingen erwartete man natürlich etwas von Leuten, die um ihres Glaubens willen etwas geben würden. Solche Spenden an  Kranke und Arme galten als ein besonders gutes Werk. Die Bettler gaben den Frommen eire Gelegenheit, eine gute Tat zu tun.

In den inneren Tempelbezirk durften die Bettler allerdings nicht. Sie mußten draußen im Vorhof bleiben, so wie die Heiden, die keine Israeliten waren. Jener Mann saß zwischen dem Vorhof der Heiden und dem Vorhof der Frauen an der Ostseite des

Tempels. Das Tor hieß „die schöne Pforte“, weil es aus massivem korinthischem

Erz gegossen war und besonders prächtig aussah.

Aber für den Bettler dort war es gar nicht schön. Die Leute warfen ihm zwar etwas Geld in den Hut oder in die Hand. Aber ehe er aufblicken konnte, waren sie schon im Tempel verschwunden. Er wurde nicht unbedingt  als lästig angesehen, denn er half den Frommen, ihre Glaubenspflicht zu erfüllen. Sie wollten ja nicht nur zum Beten in den Tempel gehen, sondern auch gute  Werke tun, wie es ihr Glaube vorschrieb. Aber der Bettler blieb doch ein Ausgestoßener, er führte eine Leben ohne Menschen und ohne Liebe. Er war nur wie ein Kollektenkasten, in die man achtlos Geld wirft, den Menschen sah man nicht.

Als Petrus und Johannes herankommen, ruft der Mann wieder: „Ein Almosen bitte, gebt mir ein Almosen!“ So nannte man jene Spenden, die einem Armen gegeben wurden, um bei Gott eine gute Nummer zu haben. Und wirklich, die beiden Männer bleiben auch stehen. Der Kranke sieht sie erwartungsvoll, streckt schon die Hand aus.

Petrus sieht den Bettler an und erkennt mit einem Blick dessen Not. Dieser Mann braucht nicht nur Geld, er braucht mehr: Er braucht Liebe und Zuwendung anderer Menschen.

Petrus sagt zu ihm: „Sieh uns an!“ Da hebt der Bettler erstaunt den Kopf: Das ist ihm noch nie passiert!  Zunächst denkt er: Bestimmt bekomme ich jetzt ein besonders großes Geldstück! Doch was Petrus sagt, muß ziemlich enttäuschend für ihn gewesen sein: „Gold und Silber habe ich nicht!“ Dann soll er weitergehen, denkt der Bettler.

Doch Petrus spricht weiter: „Silber und Gold habe ich nicht. Was ich aber habe, das will ich dir geben: Im Namen Jesu Christi von Nazareth: Stehe auf und gehe umher!“

Jetzt ist gesagt, um wen es hier geht: Jesus Christus ist der eigentlich Handelnde. Wer seinen Namennennt, der hat auch besonderen Anteil an seiner Macht und Kraft.

Wer im Namen Jesu handelt, bei dem ist Jesus unsichtbar gegenwärtig und hilft ihm. Jesus ist zwar nicht mehr zu sehen, aber er handelt durch seine Jünger. Sein Werk setzt sich in seiner Gemeinde fort. Und sein Name spielt dabei eine hervorragende Rolle. Das zeigt schon diese Geschichte mit dem Lahmen, es wird aber nachher noch mehr deutlich. Was jetzt geschieht, geschieht zur Ehre des Namens Jesu. „Im Namen Jesu“ bedeutet dann „in der Kraft Jesu“, In dieser Kraft wollen die Jünger handeln.

Petrus ergreift den gelähmten Mann an der rechten Hand und zieht ihn hoch. Aber er kann doch nicht hoch. Doch! Er kann: Die Füße  und Knöchel werden fest, er steht auf, er kann stehen, er kann gehen. Er läuft und springt umher. Er verhält sich wie ein Kind, das sich an seinen Gliedern und ihrer Beweglichkeit freut.

Und sei Herr macht sich Luft in einem lauten Lobpreis Gottes. Zur ersten           Mal in seinem Leben kann er in den Tempel hineingehen und dort ein Gebet verrichten. Ihm ist ein neues Leben geschenkt worden. Die Heilung ist dabei nur des das äußere Zeichen des Wunders.

Viel größer ist, daß Gott in dem Geheilten - und auch in den Jüngern -  den Glauben

an seine Macht gewirkt hat. Jesus wirkt auch noch heute, mit Wort und mit Tat, auch wenn sie ihn nicht sehen können. Er ist bei ihnen und hilft ihnen zum Lobpreis Gottes.

Die anderen Leute im Tempel kennen den Geheilten. Der hat doch immer an der „schönen Pforte“ gesessen. Und jetzt springt er hier herum und lobt Gott mit lauter Stimme. Die Leute wundern sich und sind sogar entsetzt über das, was diesem Mann widerfahren sein mußte. Sie merken auch: Er läuft immer hinter Petrus und Johannes her, die nach der Halle Salomos gehen wollen. Sie vermuten, die zwei seien so etwas wie Zauberer. Vielleicht werden sie noch mehr solcher Kunststücke vollbringen. Die Leute sind neugierig und wittern eine Sensation.

Petrus merkt, w e n sie da anstaunen. Aber es geht ja nicht um die Jünger, sondern es geht um den Herrn. Petrus muß ihnen sagen, daß doch Jesus den Kranke n geheilt hat. Die Jünger vermögen nichts von sich aus. Sie waren nur in den Tempel gekommen, um der frommer Sitte gemäß ihr Gebet zu verrichten. Daß mehr daraus wurde, das ist das Werk ihres Herrn. Und jetzt gibt er ihren sogar noch den Auftrag, vor dem versammelten Volk seine Herrlichkeit zu bezeugen.

Petrus spricht: „Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber oder meint,

wir hätten diesen Mann gesund gemacht durch unsere eigene Kraft oder Frömmigkeit? Hier hat Gott seinen Sohn Jesus verherrlicht. Der Helfer, auf den ihr schon so lange wartet, hat schon in eurer Mitte gelebt. Aber ihr habt ihn verfolgt und habt nichts mit ihm zu tun haben wollen. Ihr habt den Mörder Barrabas frei haben wollen. Aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Gott aber hat ihn auferweckt von den Toten; dafür sind wir alle Zeugen. Nur durch den Glauben an Jesus ist der Kranke gesund geworden.  Der Name Jesu hat den Gelähmten stark gemacht. Er hat den Glauben gewirkt bei den Jüngern und dem Kranken!“

Petrus möchte natürlich, daß auch seine Zuhörer sich für diesen Glauben entschließen.  Noch kann alles gut werden für sie, wenn sie diesen Glauben annehmen und Jesus nicht weiterhin ablehnen. Sie haben die Predigt dieses Namens gehört. Das wer die Voraussetzung dafür, daß der Glaube entstehen kann. Sie hätten jetzt Gelegenheit dazu.

Petrus wirbt sogar um seine Zuhörer.  Er redet sie an als „liebe Brüder“  und spricht davon, daß sie ja aus Unwissenheit gehandelt haben. Aber er sagt auch: „Ändert euch, damit eure Sünden getilgt werden und ihr auch den Segen Gottes empfangt. Gerade euch zuliebe hat Gott seinen Sohn Jesus gesandt, damit sich jeder von seiner Bosheit bekehren kann und auch die Hilfe Gottes erfahren kann!“

 

Antwortgespräch:

„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ Das schon, aber wirklich kann man es nur sein, wenn man an Jesus glaubt und in seinem Namen handelt. Es geht nicht nur um Mildtätigkeit oder die Herstellung der Gesundheit, sondern der Kranke wird ja geheilt,

damit er nachher in der Gemeinde leben kann und am Gottesdienst teilnehmen kann.

Zunächst sah alles so aus wie bei einer damals üblichen Heilung: Eine lange Krankheit, die Herstellung des Kontakts mit dem Heiler, der Beweis der Heilung und die Bestätigung des Wunders durch die Zuschauer. Auch die Nennung des wunderkräftigen Namens gehörte damals mit zu den zauberischen Vorstellungen von einer Heilung.  Auch nachher wird deutlich, daß nicht nur dieser eine Mann gerettet werden sollte, sondern das ganze Volk hat die Möglichkeit, aus seinen Sünden gerettet zu werden.

Jesus hilft jedem. Wir dürfen ihn in allen Sachen anrufen, selbst wenn es um eine Rechenarbeit in der Schule geht. Jesus ist für alle und für alles da.  Aber er ist kein Automat, in den man nur die Münze einwirft und unten kommt  das Gewünschte heraus. Jesus hört bestimmt die Bitte. Er erfüllt sie aber so, wie es für uns richtig ist.

Aber Jesus will auch, daß wir anderen helfen. Wir sind seine Boten und Apostel. Aber was wir tun, das können wir nur im Namen Jesu Christi tun. Christen helfen anderen im  Namen Jesu Christi. Der Name Gottes wird bei uns geheiligt, wenn wir anderen helfen.

 

Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat: Apg 4, 1 - 31

Petrus und Johannes hatten im Namen Jesu einen Gelähmten  geheilt. Während sie aber noch darüber zu den anderen Tempelbesuchern reden, kommt plötzlich die

Tempelwache. Ihr Hauptmann ist persönlich  mit gekommen, denn er trägt die Verantwortung für alle Vorgänge im Tempelbezirk. Auch andere Priester sind mitgekommen.

Außerdem sind auch einige Sadduzäer dabei. Diese stellen eine eigene religiöse Gruppe dar, die nicht an die Auferstehung der Toten glaubt. Als die Jünger aber von der Auferstehung Jesu redeten, wurden sie hellhörig und wollen dagegen vorgehen. Sie haben schon genug Ärger mit den Pharisäern, die immer von einer Auferstehung reden.

Jetzt geht alles ziemlich schnell Die beiden Jünger werden festgenommen und bis zum nächsten Morgen im Gefängnis festgehalten. Sie gehen auch ohne Widerstandmit. Sie könnten sich ja doch nicht aus eigener Kraft verteidigen, wenn Gott es nicht wollte. Aber während sie im Gefängnis sitzen, kommen wieder neue Menschen zur Gemeinde hinzu. Die Gegner wollen die Sache unterdrücken, aber Gott stärkt die Gemeinde und läßt sie zunehmen.

Am nächsten Morgen versammeln sich die Obersten des Volkes in Jerusalem. Auch viele Schriftgelehrte sind dabei und natürlich die Hohenpriester, der jetzige und die früheren. Sie holen die beiden Jünger zum Verhör. So wie Jesus einst vor dem Hohen Rat stand, so werden nun seine Jünger Rede und Antwort stehen und ihren Herrn bezeugen dürfen.

Aber jetzt geht es gar nicht mehr um die Frage der Auferstehung, Man nimmt vielmehr Anstoß an jeder Verkündigung des Namens Jesu und   an jedem Handeln im Namen Jesu. Die Jünger werden gefragt: „Aus welcher Kraft oder in welchem Namen habt ihr das getan?“ Der Hohe Rat vermutet irgendeine Zauberei mit einem Namen; und darauf stand die Todesstrafe.

Petrus antwortet darauf, erfüllt vom Heiligem Geist: „Ihr Obersten des Volkes! Wir werden heute verhört wegen einer Wohltat an einem kranken Menschen. So will ich euch mitteilen, weshalb er jetzt gesund vor auch steht: Er wurde gesund im Namen Jesu Christi! Den habt ihr gekreuzigt, aber Gott hat ihn auferweckt. Er ist wie ein Stein, den die Bauleute erst nicht haben wollten, aber dann hat ihn ein anderer zum Eckstein seines Hauses gemacht. In keinem anderen ist das Heil, es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden!“

Unmißverständlich verkündet Petrus, daß man nur im Glauben an Jesus Heil und Rettung finden kann. Dabei wird wiederum die Schuld Israels  deutlich. Aber das Schwergewicht liegt mehr darauf, daß sich das Volk jetzt für oder gegen Jesus entscheiden muß.

An sich hätte sich der Hohe Rat freuen können, weil er noch die Möglichkeit hat, sich für Jesus zu entscheiden. Aber das wollen sie offenbar nicht. Sie schauen nur verwundert auf die Jünger, die ohne Angst zu allen reden. Zunächst wissen sie gar nichts zu sagen und sind ganz ratlos.

Es ist ihnen bekannt, daß all diese Männer mit Jesus gegangen waren. Aber sie wissen auch, daß es einfache und ungelehrte Leute sind. Woher haben sie das nur, daß sie jetzt so reden können? Und daß der Gelähmte gesund geworden ist, das können sie nicht leugnen, er steht ja vor ihnen.

Um Zeit zu gewinnen ziehen sie sich zunächst einmal zur Beratung zurück. Sie wissen nicht so recht , wie sie mit dieser Angelegenheit fertig werden sollen. Ein wirklicher Grund zur Bestrafung  liegt nicht vor.  Aber sie haben auch Angst um ihre Sache, weil diese Heilung solchen Anklang bei dem Volk gefunden hat. Schließlich haben sie eine Idee, wie sie meinen. Damit die Angelegenheit sich nicht weiter im Volk verbreitet, wollen sie den Jüngern verbieten, noch weiter vom Namen Jesu zu reden. Sie wollen die Jünger hart bedrohen, nur ja nichts mehr von Jesus zu sagen.

Petrus und Johannes werden wieder gerufen. Man sagt ihnen: „Wir verbieten euch, noch jemals von diesem Jesus zu reden und in seinem Namen zu lehren!“ Das war ein harter und deutlicher Befehl. Die Jünger wären fein heraus gewesen, wenn sie das Urteil angenommen hätten. Aber sie erinnern sich daran, wie Jesus zu ihnen redete: „Ihr sollt meine Zeugen sein!“ Deshalb antworteten sie wie aus einem  Munde: : „Sagt doch selbst, ob es vor Gott recht sei, daß wir euch mehr gehorchen als Gott. Wir können es ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben!“

 

So sollten alle Christen antworten, wenn man sie unterdrücken will und ihren Glauben verbieten will. Der Name Jesu muß überall verkündet werden, weil allen Menschen das Heil und  Rettung angeboten werden muß. Der Heilige Geist wird ja  bei denen sein, die bei dieser Predigt in Gefahr und Verfolgung geraten.

Petrus und Johannes brauchen  keine Angst zu haben.

Der Hohe Rat möchte gern etwas tun, möchte die zwei bestrafen. Aber er fürchtet sich auch vor dem Volk. Die waren ja begeistert und lobten Gott für das, was geschehen war. So drohen sie nur, verbieten den Jüngern noch einmal die Predigt des Namens Jesu. Aber dann ließ man sie laufen.

Der Hohe Rat, der eigentlich alles hätte wissen sollen, war ratlos geblieben. Die Jünger Jesu aber haben nicht nur protestiert, sie haben sogar ihre Ankläger noch angeklagt. Hier wurden die Rollen  vertauscht: Zuerst standen die Jünger dem ganzen Hohen Rat alleine gegenüber. Aber dann trat Jesus an ihre Seite, der ja mit ihnen angeklagt werden sollte. Er hat ihnen geholfen, aus jener Anklage frei zu kommen. Keine Macht der Welt kann Gottes Wort aufhalten.

Petrus und  Johannes gehen sofort zur Gemeinde zurück. Sie erzählen, was sie beim Hohen Rat erlebt haben und was man ihnen dort gesagt hat. Da fangen alle an,  Gott zu leben und ihm zu danken für die Rettung, In einem längeren Gebet wird uns deutlich, wie Christen sich verhalten sollten, wenn ihnen Verfolgung droht. Im gemeinsamen Gebet erfahren sie eine starke Tröstung und Verbindung  untereinander.

Sie beten gemeinsam den zweiten Psalm, denn es kommt ihnen so vor wie dem Beter des alten Psalms: Alle haben sich gegen Jesus verschworen. Aber was sie auch gegen ihn getan haben, sie haben damit  nur Gottes Plan erfüllt.

Aber die Gemeinde bittet auch für ihre Gegenwart um Gottes Beistand: „Laß uns auch weiter mit Offenheit und Mut dein Wort weitersagen. Strecke deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines

Sohnes Jesus!“ Und während sie noch beten, merken sie erneut, daß die Kraft Gottes über sie kommt und der Heilige Geist in ihnen  wirkt.

Was sie erbeten haben, ist auch später eingetroffen: Die Jünger konnten viele  Zeichen und Wunder tun und Kranke heilen. Daraufhin wurden sie erneut verhaftet.

Aber in der Nacht  werden sie erneut befreit und erhalten erneut von Gott den Befehl, im Tempel zu predigen.

Als der Hohe Rat sich versammelt, um über die Gefangenen zu Gericht zu sitzen,

sind diese nicht mehr im Gefängnis zu finden. Schließlich meldet einer: „Die Jünger stehen im Tempel und predigen zu dem Volk!“ Der Hauptman holt sie, nicht mit Gewalt, denn er hat  Angst vor dem Volk. Aber die Jünger gehen ja auch freiwillig und ohne Widerstand mit. Man sagt ihnen: „Wir haben euch doch erst befohlen, nicht mehr im Namen dieses Mannes zu lehren. Jetzt aber habt ihr ganz Jerusalem erfüllt mit dieser Lehre!“ Petrus und die anderen Jünger aber antworten nur: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen! Gott hat Jesus auferweckt, den ihr habt kreuzigen lassen!“

Einige ärgern sich noch mehr als vorher und wollen  die Jünger umbringen. Aber der Schriftgelehrte Gamaliel tritt auf und sagt: „Laßt diese Menschen gehen.  Wenn sie nur eine menschliche Sache vertreten, so wird diese in sich selbst zusammenfallen, nachdem ihr Anführer jetzt tot ist. Steht aber Gott hinter ihnen, so könnt ihr sie sowieso nicht hindern. Ihr wollt doch wohl nicht gegen Gott streiten?“

Aber die Jünger werden dennoch ausgepeitscht und das Redeverbot wird erneuert. Die Jünger aber gingen fröhlich fort, denn sie waren würdig gewesen,  um des Namens Jesu willen zu leiden. Sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel zu lehren und zu predigen. In dem Konflikt wegen ihrer Predigt haben sie besonders die Nähe ihres Herrn erfahren.

Darauf dürfen auch wir uns verlassen, wenn wir Zeugen Jesu sein wollen. Jesus möchte auch uns zu Menschen machen, die sagen: „Wir können es ja nicht lassen, von Jesus zu reden!“ Er will und wird uns auch helfen, wenn wir verspottet werden. Von uns wird nicht so viel verlangt wie von Paul Schneider oder Dietrich Bonhoeffer

oder Martin Luther King (eventuell  Lebensbilder einfügen). Aber wir sollten doch die große Freude weitergeben, die wir erfahren haben. Das geschieht auch durch Besuche bei Alten und Kranken  oder Mitwirkung im Gottesdienst.

 

Bild von Karl Kaufmann: Die Apostelschichte , Bild 4: [

Petrus und Johannes  und die Gemeinde leben „im Namen“  Christi. Immer Neue kommen in das Kraftfeld durch die Predigt der Apostel. Die beiden stellen sich schützend vor die Gemeinde: Mit der einen Hand weisen sie die Forderung  des Gerichts

Ab, mit der anderen zeigen sie „in“ den Namen, das heißt: Sie zeigen dorthin, wo der Name Jesu angerufen wird und wirksam ist.

Die Apostel sind keine Helden. Aber sie werden gehalten von dem Kraftfeld Gottes. Doch dieses ist gezeichnet mit dem Kreuz: Nachfolge ist Leiden! Aber der Weg des Kreuzes ist der Weg der Nachfolge. Auf diesen Weg weisen sie die Gemeinde.

 

 

 

Ananias und Saphira: Apg  4, 32 -  5, 11

Hinführung:

Wenn man geröntgt wird, muß man sich vor einen Apparat stellen, der das Innere des Körpers fotografiert. Viele Menschen haben Angst vor so einer Durchleuchtung und möchten am liebsten nicht hingehen, weil man nie weiß, welches das Ergebnis sein wird. Es könnte ja sein, daß ein Mensch, der äußerlich gesehen ganz gesund zu sein scheint, in Wirklichkeit schlimm krank ist.    

Kann man denn nun auch die Gedanken eines Menschen auf diese Art durchleuchten und feststellen? Zum Teil kann man das heute wirklich:   Es gibt den Lügendetektor und die Gehirnwäsche und Wahrheitspillen. Aber im Grunde gilt doch immer noch: „Die Gedanken sind frei und niemand kann sie erraten!“ 

Wenn es auch keinen Menschen gibt, der letztlich feststellen kann, was ich denke, so kennt doch Gott unser Herz: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an!“ Gott sieht vor allem auch das, was uns von anderen Menschen trennt: Haß ,Neid und Streit. Er weiß, warum Menschen nicht mehr miteinander reden oder sich gegenseitig etwas vormachen. Wir wissen auch, daß das nicht richtig ist. Und doch tun wir es.   

Wer aber zum Beispiel seine Mutter belügt, der belügt damit auch Gott. Denn Gott will, daß wir uns nicht von unserem Mitmenschen trennen, sondern ehrlich zu ihm sind. Wer aber andere Menschen belügt, der trennt sich damit auch von Gott.   -

Wir wollen heute hören, wie es in der Gemeinde Jesu zugehen soll und wie es nicht zugehen soll.

 

Erzählung:

Die junge Christengemeinde in Jerusalem hielt gut zusammen. Täglich versammelte sie sich im Tempel und in verschiedenen Häusern, hielt Gottesdienstsang und betete und besprach die Fragen des Gemeindelebens. Mit großer Kraft sprachen die Apostel von der Auferstehung Jesu und überzeugten viele Menschen.

Es brauchte auch keiner Not zu leiden. Die Gemeinde war an sich sehr arm, denn Hungersnöte und politische Unruhen hatten das ganze Land schwer mitgenommen und es gab viele arme Leute. Doch in der christlichen Gemeinde half man sich untereinander aus. Die Christen verstanden ihren Besitz nicht als ihr persönliches Eigentum, sondern als ein Geschenk Gottes, das im Grunde ihnen allen gemeinsam gehörte.

 

Wenn also Not am Mann war, dann verkaufte einer von den reicheren Gemeindegliedern ein Haus oder einen Acker und brachte das Geld zu den Aposteln und legte es zu ihren Füßen nieder, damit sie damit machen konnten, was sie wollten. Vielleicht haben viele nur gedacht: „Das Ende der Welt ist ja doch nahe, was soll ich da noch mit meinem Besitz?“Aber sie dachten auch an Jesu Gebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ und haben es wortwörtlich befolgt. Sie haben anderen helfen wollen, die in noch größerer Not waren.

Da war zum Beispiel ein Mann mit Namen Joseph Barnabas, der aus Zypern stammte. Er verkaufte einen Acker, den er in Jerusalem besaß, und brachte das Geld und legte es (im Gottesdienst? ) zu den Füßen der Apostel nieder, damit sie in der Gemeinde helfen konnten. Viele Gemeindeglieder freuten sich über diesen Mann, der seinen Glauben so ernst nahm, und noch viele Jahre später hat man von seiner Tat berichtet.

Aber einem Ehepaar ließ das keine Ruhe. Ananias und Saphira möchten auch gern in der Gemeinde gelobt werden und sich einen guten Namen machen. Vielleicht denken sie auch, sie könnten sich bei Gott dadurch Verdienste erwerben.

 

So verkauft also Ananias auch einen Acker. Aber er tut einen Teil des Geldes beiseite. Seine Frau weiß davon und billigt es. Dann geht Ananias mit dem anderen Geld scheinheilig zu den Aposteln und sagt zu Petrus:  „Ich habe auch einen Acker verkauft und hier bringe ich dir das Geld, das ich dafür erhalten habe, damit du damit die Armen unterstützen kannst!“

Alle denken sie: Das ist eine Tat, die wirklich Dank und Anerkennung verdient. Vielleicht war es sein einziger Acker und nun ist er am Ende auch ganz auf die Unterstützung der Gemeinde und die Hilfe Gottes angewiesen. Wirklich fromme Leute, mögen die anderen gedacht haben. Doch in Wirklichkeit ist Ananias geizig und selbstsüchtig und will nur vor den anderen glänzen. Es ging ihm nicht um Hilfe, sondern um Ruhm.

Allein Petrus durchschaut den Betrug, weil in ihm der Heilige Geist lebendig ist und wirkt. Vor den Augen des Petrus liegt das innere des Ananias offen da. Traurig fragt er ihn: „Ananias, warum hat der Satan so dein Herz erfüllt, daß du den Heiligen Geist zu belügen versuchst und von dem Ertrag deines Ackers einen Teil unterschlägst? Du hättest doch den Acker behalten können, denn keiner hat dich zu dem Verkauf gezwungen. Und als er verkauft war, konntest du immer noch mit dem Geld machen, was du wolltest. Wir hätten uns auch über einen Teil davon gefreut. Wie ist dir das bloß ins Herz gekommen, was da geschehen ist? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott!“

Als Ananias das hört, bricht er zusammen und ist auf der Stelle tot. Er hat begriffen: In diesem Augenblick steht er nicht nur vor dem Menschen Petrus, sondern vor dem Heiligen Gott, der seine Gemeinde rein halten will von allem Bösen und sie durch sein strenges Gericht reinigt von allem Unglauben und aller Selbstsucht. Nicht Petrus ist der Richter, sondern Gott selber, der dem Petrus nur die Augen geöffnet hat für das, was in Ananias vorging.

Alle, die das miterlebt haben, ergreift eine große Furcht. Nur zu deutlich haben sie gemerkt, daß Gott durch den heiligen Geist auch heute noch in seiner Gemeinde wirkt, Gott läßt sich von keinem betrügen. Wer ihn nicht ernst nimmt und einen falschen Schein erwecken will, der verfällt dem Gericht Gottes. Einige junge Männer stehen schnell auf, hüllen den Leichnam in Tücher, bringen ihn nach draußen und begraben ihn.

 

Etwa drei Stunden später kommt Saphira zu den anderen. Sie weiß noch nichts von dem, was vorgefallen ist. Sie will nur nach ihrem Mann sehen, wo er wohl so lange bleibt. Vielleicht will sie auch erfahren, was die anderen über das Geschenk gesagt haben.

Doch Petrus fragt sie: „Saphira, sag mir, habt ihr den Acker wirklich für soundso viel verkauft?“ Doch Petrus will ihr damit nicht noch eine letzte Chance geben; er will nur den anderen zeigen, daß die Frau auch mitschuldig ist.

Saphira erschrickt.  Woher hat Petrus seinen Verdacht? Doch woher soll Petrus denn etwas wissen? Er ist doch auch nur ein Mensch und kann doch nicht hellsehen. Schnell sagt sie: „Ja, für soundso viel haben wir ihn verkauft?“

Da sagt Petrus zu ihr: „Warum habt ihr euch bloß verabredet, den Geist des Herrn zu prüfen und zu versuchen? Siehe, die Männer, die deinen Mann begraben haben, sind noch vor dem Tor. Sie werden auch dich hinaustragen!“ Da fällt auch Saphira tot nieder und die jungen Männer tragen sie hinaus und begraben sie neben ihrem

Mann. Die Gemeinde aber erschrickt noch mehr über diese Gewalt des Heiligen Geistes. Doch sie ist auch froh, weil sie wiesen darf: „Gott ist gegenwärtig!“  Gott straft so hart, weil der Satan keinen Einlaß in der Gemeinde finden soll.

 

Antwortgespräch:

In jedem Dorf und in jeder Stadt gibt es einige Vereine (aufzählen!). Jeder Verein hat einen Gründungstag, einen Vorstand und seine  Mitglieder. Welches ist nun der Unterschied zwischen einem Verein und einer christlichen Gemeinde? Die Gemeinde hört auf Gottes Wort, sie betet zu Gott, sie handelt nach dem Liebesgebot Jesu, in ihr wirkt der Heilige Geist, Gott ist in ihr gegenwärtig. Das zeigt diese Geschichte von Ananias und Saphira

Als sie zur Gemeinde stießen, suchten sie wirklich keine Vorteile, denn diese Gemeinde war von den Machthabern bedroht. Sie suchten keine Hilfe, sondern sie kamen - ergriffen vom Heiligen Geist - und erkannten Jesus als ihren Herrn an. Sie wollten auch zu dieser Gemeinde gehören, in der der Geist Gottes so sichtbar wirkte. Doch sie brachten der Güte Gottes nicht ganzes Vertrauen entgegen. Sie wollten auch aus eigener Kraft etwas leisten, aber nach außen ihren Unglauben nicht bekennen. In ihrem Herzen sieht es böse aus. Gott aber sieht das Herz an.

Gott verlangt nicht von jedem, daß er seinen Besitz hergibt, am Ende noch alles, was er hat. Kein Mensch wird gezwungen, Schritte zu tun, für die sein Glaube nicht ausreicht. Gott hat Geduld. Er stößt niemanden zurück, der seine Schwachheit erkennt und sie gerne überwinden möchte. Gott will allen helfen, die es ehrlich meinen. Aber es werden immer nur Einzelne bleiben, die so handeln können, wie Joseph Barnabas, denn es sind nicht alle von Eigensucht frei.

Hier wird kein christlicher Liebeskommunismus gefordert und es hat ihn auch nie gegeben. Nur muß es immer wieder einmal solche Menschen geben, die bereit sind, alles wegzugeben. Und man darf Gott danken, daß es immer wieder solche Christen gibt.

Ananias und Saphira möchten in der Gemeinde einen falschen Schein erwecken. Die Leute sollen sehen, wie fromm sie angeblich sind. Sie wollen nur halben Gehorsam leisten, aber ganzen Gehorsam zur Schau tragen. Aber 50 Prozent Lüge und 5 Prozent Wahrheit sind bei Gott immer noch 100 Prozent Heuchelei.

Ananias und Saphira trauen aber auch Gott nichts zu. Sie wollen eine Reserve haben für Notzeiten, über die sie allein verfügen können. Sie wollen selber für ihre Zukunft sorgen. Sie nehmen Gott nicht ernst und übergeben ihm nicht völlig ihr Leben. Deshalb ist ihr halber Glaube in Wirklichkeit aber Unglaube.

Es ist besser, ein Atheist zu sein als ein halber Christ. Vom Unglauben kann man wenigstens zum Glauben kommen, aber nicht von einem geheuchelten Glauben. Es ist besser, man sagt: „Ich glaube nicht!“ oder: „Ich habe Angst, so zu tun, als glaube man und so zu tun, als mache man gerne mit, was in der Gemeinde sonst üblich ist.

 

 

 

Kaufmann- Bild: Aus der Mappe „Die Apostelgeschichte“:

Ananias ist schon niedergestreckt. Aber er greift noch nach dem Geld, das er geteilt hat. Er hat kein ungeteiltes Vertrauen, sondern der Satan hat ihn gespalten durch die Frage: „Was wird aus unsrer Zukunft?“ Er vertraut Gott ein bißchen, aber er vertraut ebensoviel dem, was man hat und was man sieht. Das aber ist die Sünde gegen

den heiligen Geist. Gott aber durchleuchtet: Saphira wird vom Lichtkegel durchschaut.

 

 

Die Einsetzung der Diakone: Apg 6, 1 -  7     

Hinführung:

Welche Aufgaben hat ein Pfarrer in der Gemeinde? Predigt, Abendmahl, Taufe, Trauung, Beerdigung, Konfirmandenunterricht, Besuche, Verwaltungsarbeit, Fortbildung.

Welche weiteren Ämter gibt es in der Gemeinde? Organist, Kirchendiener, Chorleiter, Krankenschwestern, Jugendarbeiter, Kindergärtnerinnen, Lektoren, Bürokräfte, Leiter von Gemeindekreisen, Diakon, Gemeindehelferin.

Kann der Pfarrer alles allein schaffen? Nein, er braucht Helfer aus der Gemeinde, die entsprechend ihren Gaben in der Gemeinde eingesetzt werden

 

Schon in der ersten Christengemeinde tauchten auf einmal neue Aufgaben auf, die nicht mehr allein von den Aposteln als den Gemeindeleitern gelöst werden konnten. Wir haben schon gehört, daß viele Gemeindeglieder  sehr arm waren. Besonders schlecht ging es den Witwen, also den Frauen, die ihren Mann verloren hatten, aber auch nicht selber für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten.

Viele waren auch aus dem Ausland gekommen, um ihren Lebensabend in Jerusalem zu verbringen, hatten aber keine Verwandte am Ort..

Aus dem Osten des Reiches waren gekommen, die kein Hebräisch bzw. Aramäisch sprachen. Aber aus dem Westen des Reiches kamen auch viele Griechisch sprechende Menschen,  denn Griechisch war damals die Weltsprache. Auch galiläische Anhänger Jesu mußten jetzt versorgt werden.

Die Witwen mußten vor allem auch deswegen große Not leiden, weil sie schutzlos und rechtlos waren. Sie wurden verachtet und galten gar nicht als volle Menschen, wenn sie nicht einen Sohn hatten, der sie beschützte. Solange sie zur jüdischen Gemeinde gehörten, wurden sie von dieser versorgt. Wenn sie aber Christen wurden, fiel das weg.

Jesus allerdings hat anders gedacht über die Witwen. Er half den Witwen und ihren Kindern, er kümmerte sich um ihre Sorgen und versuchte ihnen zu helfen (Jüngling zu Nain). Seine Jünger  machten es ebenso, das hatten sie von Jesus gelernt. Sie gingen jeden Tag in Jerusalem bei den Witwen der Gemeinde herum und versorgten sie mit Nahrung und dem Nötigsten. Und das Geld dazu erhielten sie als Spende  von den anderen Gemeindegliedern. Es war alles sehr gut geordnet.

Bald aber traten doch Schwierigkeiten damit auf. Wir wollen heute hören, wie die Gemeinde mit diesen Schwierigkeiten fertig wurde.

 

Erzählung:

Die Gemeinde in Jerusalem wuchs  immer mehr. Vor allem viele von den Juden, die aus dem Ausland gekommen waren, ließen sich taufen. Die Apostel hatten alle Hände voll  zu tun. Aber sie taten es gern und es lief alles gut in der Gemeinde. Bis es dann eines Tages Klatsch und Streit in der Gemeinde gab. Es war also durchaus keine Idealgemeinde. Es gab Schwierigkeiten und es gab Gerede. Erst hörte man hintenherum böses Gerede. Aber es wurde immer lauter und mußte eines Tages auch zu den Ohren der Apostel dringen.

In der nächsten Gemeindeversammlung soll die Sache also zur Sprache kommen. Punkt 1 der Tagesordnung: Die Apostel berichten, daß die Gemeinde immer mehr wächst. Viele Männer haben sich taufen lassen. Selbst einige Priester sind darunter, die sich haben überzeugen lassen, daß Jesus der Christus ist.

Dann aber kommt als 2. Punkt das Hauptproblem zur Sprache: Einer steht auf und sagt: „Erhalten denn die griechisch sprechenden Witwen keine Unterstützung mehr? Sie waren doch immer so eifrig im Gottesdienst! Gibt es denn zwei Sorten von Christen unter uns? Warum werden nicht alle gleich behandelt?“

Petrus erschrickt: So etwas darf es natürlich nicht geben. Aber er hat eben auch nicht mehr so den Überblick, es sind zu viele. Und schließlich kann er sich auch nicht um alles selber kümmern. Deshalb macht er den folgenden Vorschlag: „Liebe Brüder und Schwestern“, sagt er, „wir müssen da einen Ausweg finden. Es wäre aber auch nicht recht vor Gott, wenn wir, die Apostel, unsere eigentliche Aufgabe vernachlässigten. Gott hat uns zuerst zu Predigern eingesetzt. Wir sind ihm dafür verantwortlich, daß sein Wort immer wieder und überall weitergesagt wird. Schließlich sind wir als die Jünger Jesu auch am besten dazu geeignet. Deshalb wählt doch am besten sieben Männer aus der Gemeinde, die sich um die Mahlzeiten für die Armen und um die Krankenpflege kümmern und die auch voll dafür verantwortlich sind. Die Verhältnisse zwingen uns einfach dazu, dieses neue Amt zu schaffen. Ich schlage die Bezeichnung ‚Diakon‘ vor, denn in erster Linie sollen sie ja den Tischdienst übernehmen.

 

 

Natürlich müssen es Männer sein, die einen guten Ruf haben und nicht so etwas tun wie Ananias und Saphira. Und es soll sichtbar sein, daß auch in ihnen der Heilige Geist wirksam ist. Wir aber, die Apostel, wollen weiterhin nur für Predigt und Gebet zuständig sein!“

Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Apostel auf die neue  Lage einstellten. Die Anforderungen waren größer geworden, da ordneten sie den Hilfsdienst neu. Er wird nicht einfach dem Zufall überlassen, sondern durch ein Gemeindeamt sichergestellt. Durch ein neues Amt wird das Leben der Gemeinde wieder geordnet.

Die Apostel fragen nicht lange: „Wer hat daran die „Schuld? sondern sie gehen ohne persönliche Gereiztheit an die Beseitigung des Schadens. Vielleicht waren sie für unsere Begriffe gar nicht einmal überlastet und hätten die neue Aufgabe durchaus noch mit übernehmen können. Aber sie wollten innerliche Ruhe haben, um sich auf die Predigt recht vorbereiten zu können. Sie hielten das Predigen für ein ausreichendes Amt, das Schaden leiden muß, wenn es zusätzliche Tätigkeiten noch aufnehmen soll.

So wie im Menschen Leib und Seele zusammengehören, so gehören auch in der christlichen Gemeinde seitdem die Sorge für die Armen und Hilfsbedürftigen und die Sorge für die Predigt des Wortes Gottes zusammen. Beides sind leitende Gemeindeämter, zu beidem ist die Kraft des Heiligen Geistes notwendig.

Die ganze Gemeinde war es so zufrieden. Sie wählt aus ihrer Mitte si9eben Männer, die nur für die Diakonie zuständig sind. Sie werden gewählt und nicht einfach von den Aposteln bestimmt, weil die Gemeinde so ihre Angelegenheiten am besten regeln kann. So haben sie wenigstens das Vertrauen der ganzen Gemeinde. Sie haben alle griechische Namen und werden deshalb wohl alle zu den griechisch sprechenden Christen gehört haben: Da ist ja sichergestellt, daß die griechischen Witwen nicht zu kurz kommen.

Von zweien dieser Männer hören wir später noch einmal etwas. Vor allem  Stephanus scheint ein Mann gewesen zu sein, der sich sehr um die Gemeinde gekümmert hat. Er hat auch von Jesus gepredigt, so streng hat man die Aufgabenbereiche nun doch nicht getrennt. Und auch von  Philippus  hören wir, daß er einen Mann aus Äthiopien zum Glauben geführt und getauft hat.

Jedenfalls  betet die Gemeinde für diese sieben Männer, denn ohne den Segen Gottes kann die Arbeit nicht begonnen werden. Nur Gott kann ihnen auch Kraft geben für ihren Dienst. Die Apostel legen ihnen die Hände auf, um dadurch äußerlich sichtbar anzudeuten: „Euch ist auch der Heilige Geist verliehen, der euch fähig macht zum Dienst für Gott an der Gemeinde!“

Gott aber gibt sichtbar seinen Segen  zu dieser Regelung. Denn durch diese gute Lösung wächst die Gemeinde noch mehr und übt eine starke Anziehungskraft auf die Außenstehenden aus.

 

Antwortgespräch.

Das dort „Diakon“ kommt in dem Bibeltext Apostelgeschichte  6 nicht ausdrücklich vor. Es ist aber unausgesprochen hier gemeint. Zunächst ist damit der gemeint, der bei Tisch bedient . Aber die Bedeutung des Wortes dehnt sich dann aus auf die Armenfürsorge und die Krankenpflege. Das Wort „dienen“ und  „Diakon“ hat nicht mehr die abwertende Bedeutung wie früher, sondern es bezeichnet die Haltung, die jeder Christ eigentlich einnehmen sollte.

Heute ist der Beruf des Diakons anerkannt und hoch geachtet. Diakone sind heute tätig in Krankenpflege, Jugendarbeit , Predigtdienst, Verwaltung und bei vielen Spezialaufgaben.

 

Ausbildungsstätten für Diakone befinden sich zum Beispiel in Eisenach, Neinstedt (Harz), Moritzburg (bei Dresden) ‚Berlin, Neuendettelsau (Württemberg)  und anderswo. Jeder junge Mann mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung kann dort in solch ein Brüderhaus eintreten.

Aber auch die anderen können in ihrer Gemeinde  nebenamtliche  Diakone werden. Welche Aufgaben kann ein Kind  schon übernehmen, welche die Konfirmanden? Psalmlesung, Saubermachen, Einladungen austragen, Adventssingen, Erntedankgaben,  usw.

 

 

Die Steinigung des Stephanus: Apg 6, 8 - 7, 59

Hinführung:

Vor langen Jahren hatte in Düsseldorf der junge Maler Domenico Feti seine Werkstatt. Er malte viele schöne Dinge. Eines Tages erhielt er von einer Kirchgemeinde den Auftrag, ein Altarbild von der Kreuzigung Jesu zu malen. Er kannte die Geschichte gut. Aber sein Herz blieb unbewegt, als er das Bild malte. Doch eines Tages sah ein Zigeunermädchen das Bild in seiner Werkstatt. Scheu und staunend fragte sie: „Wer ist das? Was geschieht mit ihm? Warum wurde er gekreuzigt?“ Sie hatte noch nie von Jesus Christus gehört. Da erzählte ihr der Maler die Geschichte von dem Gekreuzigten.

Die Augen des Mädchens standen voller Tränen. Ehrfürchtig schaute sie zu dem gekreuzigten Mann auf. Dann sagte sie zu dem Maler: „Nicht wahr, du liebst ihn sehr, weil er alles für euch getan hat?“ Der Künstler schämte sich, denn daran hatte er noch nie gedacht. Er konnte diese Worte nicht mehr vergessen. Je mehr er darüber nachdachte, desto größer wurde seine Liebe zu Christus. Wie konnte er ihm seine Liebe zeigen? Bisher hatte er Bilder nur für Geld gemalt. Jetzt aber wollte er durch seine Bilder die Liebe Christi verkündigen. Er schuf ein neues Gemälde von der Kreuzigung, das die Herzen vieler Menschen bewegte. Unter dem Bild standen die Worte: „Das tat ich für dich - was tust du für mich?“

Viele Jahre später kam ein junger Mann nach Düsseldorf in die Gemäldegalerie, wo er das Bild sah. Es war der junge Graf Nikolaus von Zinzendorf aus der Lausitz, der am Dresdener Königshof eine hohe Stellung einnehmen sollte, aber erst noch eine Bildungsreise durch halb Europa unternahm. Auf der Reise nach Paris, wo er ein schönes Leben führen wollte, kam er auch nach Düsseldorf. Als er aber das Bild und die Inschrift sah, änderte er sein Leben und stellte es ganz in den Dienst Jesu. Auf seinem Gut Herrnhut bei Berthelsdorf nahm er die letzten Mitglieder der Böhmischen Brüdergemeine auf, die von den Katholiken aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Sie bildeten die Herrnhuter Brüdergemeine, die sich bald über die ganze Welt verbreitete. Die noch heute üblichen Losungen stammen aus Herrnhut. -

Wir wollen heute von einem Mann hören, der auch viel für Christus getan hat.

 

Erzählung:

In einem Haus bei der Stadtmauer treffen sich die Christen immer in den Abendstunden. Petrus und Johannes und die anderen Apostel erzählen von Jesus und zeigen, was er für uns getan hat: Er ist für uns gekreuzigt, gestorben und begraben, auferstanden und aufgefahren gen Himmel.

Unter den Zuhörern sitzen auch einige junge Leute. Einen davon kennen wir schon mit Namen: Stephanus, einer von den sieben Armenfürsorgern. Als er spät am Abend nach Hause geht, da will ihm der Satz des Petrus nicht mehr aus dem Sinn: „Das tat ich für dich - Was tust du für mich?“ Stephanus will sich bemühen, möglichst viel für Christus zu tun.

Stephanus ist für Christus ein Diakon. Früh am Vormittag macht er Besuche in der Gemeinde. Er geht zu den Armen und bringt ihnen Essen und Geld. Er geht zu den Kranken und versorgt und pflegt sie. Unermüdlich geht er von Haus zu Haus und von Straße zu Straße, treppauf und treppab.

Dann steht Stephanus vor dem Lager eines Lahmen. Er hat Mitleid mit dem armen Mann und er denkt an manche Krankenheilung Jesu, von der die Apostel erzählt haben. Wenn er nur diesem Mann helfen könnte. Stephanus kniet an seinem Bett nieder und bittet Gott um Kraft. Dann nimmt er die Hand des Mannes und zieht ihn hoch. Da kann der Lahme auf einmal wieder gehen und sich bewegen. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich diese Tat Jesu durch seinen Diakon in der Stadt. So etwas kommt nun öfters einmal vor.

Am Nachmittag ist Stephanus von einigen Auslandsjuden zu einem Streitgespräch in ihren Versammlungsraum in die Synagoge eingeladen. Das sind freigelassene römische Sklaven jüdischer Abstammung (die sogenannten „Libertiner“), das sind nordafrikanische Juden und Juden, die in Kleinasien gelebt haben. In Jerusalem haben sie alle ihr eigenes Gotteshaus. Von einer dieser Gruppen wird Stephanus nun eingeladen. Für Jesus will er es gerne tun und sich in ein Streitgespräch einlassen.

Der erste Vorwurf kommt schon sehr bald: „Wir sehen, daß die Christen nicht mehr am Opferdienst teilnehmen. Ihr bringt keine Opfertiere mehr als Sünd- und Schuldopfer in den Tempel. Was sagst du dazu, Stephanus?“ Sie freuen sich schon, denn sie denken, Stephanus könne auf diesen Angriff nichts erwidern.

Aber er bleibt ihnen kein Wort schuldig: „Das stimmt schon, was ihr da sagt. Aber wir berufen uns dabei auf Jesaja 53, das auch in eurer Bibel steht. Dort spricht Gott von einem, der alle Sünde tragen wird. Das aber ist Jesus von Nazareth. Er ist das einzige Opferlamm für uns gewesen. Auch der Tempel ist nun überflüssig geworden. Heute kann man an jedem Ort der Welt zu Gott beten!“ Empörte Zwischenrufe waren zu hören.

Gleich kommt der zweite Angriff: „Wie steht es denn bei euch mit der Erfüllung des

Gesetzes? Ich sehe immer wieder Christen, die am Feiertag mehr als 1.000 Schritte gehen. Das ist nicht recht vor Gott!“ Stephanus antwortet: „Niemand kann sich den Himmel verdienen durch gute Werke. Wir werden nur dorthin kommen, weil Jesus ihn uns verdient hat. Aber wir leben nach den Zehn Geboten Gottes, wie Jesus es uns gezeigt hat. Er ist unser Herr. Wir gehorchen nur ihm!“

Wieder kommen empörte Zwischenrufe von allen Seiten. Die Gegner müssen erkennen, daß sie auf diese Art nicht mit dem Diakon Jesu fertigwerden. Erst hofften sie, im Redekampf mit ihm fertig zu werden. Aber als ihnen das nicht gelang, wurde ein Verleumdungsfeldzug in Gang gesetzt. Sie greifen zu heimtückischen Mitteln. Durch bezahlte Männer lassen sie das Gerücht in der Stadt ausstreuen: „Er hat Lästerworte gegen Mose und gegen Gott gesprochen!“ Sie bringen das Volk gegen Stephanus aut.

Als er gerade einen Besuch beendet hat, wird er gefangengenommen und vor den Hohen Rat geschleppt, die oberste Gerichtsbehörde in Israel. So wie beim Prozeß Jesu treten falsche Zeugen auf und behaupten: „Dieser Mensch hört nicht auf, Lästerworte zu reden gegen den heiligen Tempel und gegen das Gesetz. Er hat gesagt: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und die Sitte ändern, die Mose uns gegeben hat!“ Alle sehen sie gespannt auf Stephanus, was er nun wohl sagen wird. Aber sein Gesicht leuchtet nur, weil er weiß: Jetzt ist die Stunde gekommen, wo er Zeugnis ablegen kann für seinen Herrn. Als der Hohepriester ihn fragt: „Ist es so, wie sie sagen?“ da hält er eine lange Verteidigungsrede, in der er mit Israel abrechnet und an deren Ende das Christuszeugnis steht.

Stephanus erzählt: „Liebe Brüder! Ihr habt die Bibel und haltet sie in Ehren - aber ihr versteht sie falsch. Ihr hört nicht auf Gott. Aber das war schon immer so in unserem Volk. Unser Vater Abraham, der war Gott noch gehorsam, so wie Gott es wollte. Deshalb versprach er auch unsrem Stammvater Land, Nachkommen und seinen Segen. Aber schon unter den Söhnen Jakobs gab es Neid und Streit. Joseph hörte auf Gott, aber seine Brüder verkauften ihn nach Ägypten. Dann hat er unserem Volk das Gesetz, die zehn Gebote, geschenkt. Doch sie haben Mose immer wieder nicht gehorcht. Sie sind sogar ganz von Gott abgefallen und haben ein Kalb angebetet. Wen Gott ihnen auch schickte - sie wollten keinen hören!“

Doch Stephanus fährt noch fort: „Schließlich meinten sie sogar, sie könnten Gott an ein Haus binden. Der König Salomo, der den Tempel bauen ließ,  hatte zwar gesagt: ‚Nur wer Gott von Herzen liebhat, wird ihm in diesem Haus dienen können!‘ Aber das Volk wollte nur dort opfern und dachte, damit sei alles in Ordnung. Dann hat Gott euch Männer geschickt, die euch sagten, was er von euch will. Aber ihr habt sie und was sie euch sagten verachtet; ihr ward halsstarrig und habt dem Heiligen Geist widerstanden!“

Und schließlich wird Stephanus ganz deutlich: „Nicht nur eure Väter haben das früher so gemacht, sondern ihr tut es heute auch nicht besser. Eure Väter haben die Propheten getötet. Ihr aber habt den von den Propheten angekündigten Messias Gottes getötet. Ihr seid Verräter Gottes und Mörder geworden. Gott hat euch immer wieder beschenkt. Aber ihr hattet ihn nicht lieb, sondern habt schließlich und endlich noch seine Sohn Jesus von Nazareth getötet!  Abraham  war Gott gehorsam. Seine Kinder verwarfen Joseph und Mose. Se dienten den Götzen der Heiden.Sie wollten Gott an ein Haus binden. Ihr habt den Messias getötet!“

Die Predigt des Stephanus ist scharf wie ein Pfeil. Er sagt: „Gott hat immer schon unbegreiflich an diesem Volk gehandelt,  indem er ihnen immer wieder Gottesmänner schickte, obwohl sie alle verachteten und Jesus sogar töteten. Doch nicht Tempel und Gesetz können das Heil bringen, sondern allein der Glaube an Christus!“

 

Die anderen aber beißen die Zähne aufeinander, als sie das hören. Es geht ihnen durchs Herz. Stephanus aber darf einen Blick in den Himmel tun, in die Kommandozentrale Gottes. Er wird überwältigt von der Herrlichkeit Gottes und ruft aus: „Ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen!“ Dieses Christusbekenntnis führt zu einem Tumult, so wie einige Monate vorher das Messiasbekenntnis Jesu vor dem Hohen Rat. Die geordnete Gerichtsverhandlung wird unterbrochen. Alles schreit laut durcheinander. Die frommen Juden halten sich die Ohren zu. Andere dringen auf Stephanus ein und stoßen ihn nach draußen.

Sie jagen ihn durch die Straßen der Stadt bis zu einem Steinbruch draußen vor der Stadt. Einige Männer ziehen ihre Obergewänder aus und legen sie ab zu Füßen eines jungen Mannes mit Namen Saulus. Stephanus aber kniet nieder und betet: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ Da stoßen sie ihn über den Rand des Abgrunds hinunter in die Tiefe. Er schreit noch: „Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht!“ Dann werfen sie alle mit Steinen auf ihn, bis er tot ist. Die Juden haben ihrer Unheilsgeschichte ein weiteres Glied hinzugefügt. Die christliche Kirche aber hat ihren ersten Märtyrer!

 

Antwortgespräch:

Ein „Märtyrer“ ist ein Zeuge für Christus, der dafür leiden muß, daß er sich zu Christus bekennt. Noch in der Apostelgeschichte wird uns davon berichtet, wie der Apostel Jakobus umgebracht wird. Auch Petrus und Paulus sind bei einer Christenverfolgung umgekommen.

Immer wieder haben durch die Jahrhunderte hindurch Christen für ihren Glauben sterben müssen. Die größte Christenverfolgung war während des Ersten Weltkriegs, als die Türken Hunderttausende von armenischen Christen umbrachten. Einzelne Blutzeugen aus der neueren Zeit sind Professor Traugott Hahn, der 1919 als Pfarrer der Universitätsgemeinde in Dorpat den Tod fand. Wir kennen natürlich auch den Namen Dietrich Bonhoeffer, der als Pfarrer gegen die Naziherrschaft Widerstand leistete. Zwar spielten hier auch politische Motive mit. Aber Bonhoeffer kam nur zum politischen Widerstand von seinem Glauben her.

Auch heute kann es uns noch passieren, daß wir für unsren Glauben verspottet werden und dafür leiden müssen. Da wurden schon einmal Mitarbeiter der Kirche mit Dreck beworfen, wenn sie die Straße entlang kamen, um eine Kinderstunde zu halten.

Aber wir haben an Stephanus gesehen: Der getötet wird, hat in Wahrheit gesiegt. Durch seinem Tod haben sich viele von der Wahrheit des christlichen Glaubens überzeugen lassen und die Gemeinde wuchs weiter an. In späterer Zeit hat man einmal gesagt: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche!“

Jesus aber hilft seinem. treuen Diener, gerade in der Verfolgung. Es gehört zu einem Christen dazu, daß er ein Bekenner und Zeuge wird und auch sein Leben einsetzt, wenn es sein muß. Christus erweckt in seiner Gemeinde immer wieder Glaubenszeugen, die ihr Leben für Christus hingeben können. Nicht von jedem wird verlangt, daß er soviel für Christus tut. Aber wenn wir unsren Herrn bekennen, wenn er von anderen verspottet wird, dann haben wir schon viel für ihn getan.

 

 

Der Apostel und de Zauberer: Apg 8, 9 - 20

Hinführung:

„Mutti, bitte kauf mir das!“ So sagen oft die kleinen Kinder, wenn sie an einem Schaufenster vorbeikommen. Was ihnen gefällt, das möchten sie haben. Sie meinen, die Eltern könnten ihnen alles kaufen; denn sie haben ja Geld. Aber das Geld ist schnell ausgegeben, wenn man nicht damit rechnet. Mancher denkt: „Wenn ich erst einmal erwachsen bin, dann kann ich mir alles kaufen, was ich möchte. Geld regiert die Welt!.

Aber es gibt Dinge, da nützt  kein Geld etwas. Die Liebe der Eltern oder ihre Vergebung kann man sich nicht kaufen. Mit Geld kann man keinen Freund oder Freundin gewinnen oder erreichen, daß sie einem fest vertrauen.

Aber all das brauchen wir doch notwendig. Aber kaufen können wir es uns eben nicht. Auch bei Gott gilt das Geld nichts. Wir können ihm nicht 100 Euro hinlegen und sagen: „So lieber Gott, jetzt hilf mir, damit ich wieder gesund werde!“ Gott will schon helfen, aber er läßt sich nicht zwingen.  Wir dürfen zu ihm beten, dürfen ihn bitten, und wenn es sein Wille ist, dann wird er uns helfen.

 

Erzählung:

Der  Apostel Philippus war nach Samaria gegangen, hatte dort gepredigt und viele Kranke geheilt: Die unsauberen Geister fuhren aus vielen Besessenen aus mit großem Geschrei. Auch viele Leute mit Gicht oder mit Lähmungen wurden gesund gemacht. Viele Leute freuten sich darüber.

Aber da ist auch ein Mann namens Simon, der in der Stadt Zauberei betrieb und vorgab, er sei ein ganz Großer. Die Leute waren auch zu ihm gegangen und hatten gesagt: „Der ist eine Kraft Gottes!“ Nun aber war Philippus gekommen und hatte von Jesus und vom Reich Gottes gepredigt. Jetzt gingen sie alle zu Philippus.

Auch Simon wird gläubig und geht zu Philippus und läßt sich taufen. Vor allem bewunderte er die Zeichen und Wunder, die geschahen.

Als aber die Apostel in Jerusalem hörten, daß Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie Petrus und Johannes, damit auch dort die neuen Christen den heiligen Geist empfingen. Sie waren zwar getauft auf den Namen des Herrn Jesus, aber der heilige Geist war noch nicht über sie gekommen. Erst als die Apostel die Hände auf sie legten, wurden auch sie vom heiligenGeist erfüllt.

Als aber Simon sieht, wie der Geist gegeben wird, wenn die Apostel die Hände auf die Menschen legten, bietet ihnen Geld an und spricht: „Gebt mir auch die Macht, einen anderen Menschen den heiligen Geist zu geben, wenn ich ihm die Hände auflege!“

Petrus aber spricht zu ihm: „Du sollst verdammt werden mit deinem Geld, weil du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt. Du hast weder einen Anteil noch ein Anrecht an diesem Wort, denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott. Bitte den Herrn, ob er dir noch vergibt. Denn ich sehe, du bist voll bitterer Gedanken, so daß dir die Galle überläuft. Du bist völlig verstrickt in Ungerechtigkeit!“

Da antwortet Simon: „Bittet ihr den Herrn für mich,

daß nichts von dem über mich kommt, von dem ihr gesprochen habt!“ Da kehren die zwei Apostel wieder zurück nach Jerusalem.

 

Antwortgespräch:

Petrus mußte dem Zauberer Simon sagen: Gott verkauft seinen Geist nicht, sondern er schenkt ihn dem, der fest an ihn glaubt und ihm vertraut. Menschen sind dabei seine Werkzeuge. Aber die sucht Gott sich selber aus.

Offenbar meinte man damals, erkennen zu können, ob der heilige Geist gekommen ist oder nicht. An ekstatischen Reden und wilden Verrenkungen wollte, man ihn erkennen. Vor allem aber wollte der Zauberer die Macht haben, auch so große Wunder zu tun. Er hielt die Apostel für Kollegen, die es noch besser konnten. Da er sich schon als die „große Kraft!“ausgegeben hatte, war die neue Konkurrenz seinem Ansehen schädlich.

 

Simon  begriff, daß der Gott der Apostel seine Kraft solchen bevorzugten Menschen zur Verfügung stellt. Er wußte aber nicht, daß den Aposteln solche Wunder durchaus  nicht immer gelangen. Gottes Kraft läßt sich nicht in menschliche Regie nehmen. Er läßt uns nur  teilhaben an seinem Wirken, wann und wo er es für richtig hält..

 

Wenn wir also zu Gott beten, dann sollten wir das Gebet nicht als eine Art Zauber verstehen. Es ist schon richtig, daß Gott nicht hilft, weil wir Geld auf den Kollektenteller legen, sondern weil wir  zu ihm beten. Aber Gott ist nicht unser Lieferant. Wir sollten sein Schweigen mit der gleichen           Freude hinnehmen wie die Erhörungen. Beides ist ein Zeichen dafür, daß wir über die Kraft Gottes nicht verfügen können.

 

Es gibt auch unter  Christen eine Art Angeberei mit Gebetserhörungen, die von der Meinung des Simon nicht weit entfernt ist. Jesus hat Wunder immer abgelehnt, und vom Kreuz ist er nicht herabgestiegen.  Wer an Gott glauben will, muß sich an den Gedanken gewöhnen, daß in dieser Schwachheit  Gottes unsere Rettung liegt.

Es gibt keinen billigen Trick, mit dem die Freundlichkeit Gottes zu gewinne wäre. Durch häufiges Beten, regelmäßigen Kirchgang und reichliche spenden können wir

wir jenes Vertrauen nicht ersetzen, das wir Glauben nennen.

 

 

Der Kämmerer aus dem Mohrenland: Apg 8, 26 - 40         

Hinführung:

Unsere Kirche ist nicht die einzige. Schon in unserer Stadt gibt es mehrere Kirchen. Und in der umliegenden Dörfern gibt es auch Kirchen. Überall in der Welt gibt es Kirchen, wenn auch nicht überall so zahlreich wie bei uns.

Wir wollen einmal in Gedanken eine weite Reise unternehmen. Im Lande Jesu in der Stadt Jerusalem war keine Kirche, sondern der Tempel. Dort wurden nicht nur Gottesdienste gehalten, sondern dort wurden auch Tiere geopfert. Deshalb war der Tempel das eigentliche Gotteshaus für alle Juden.

Die Leute in Jerusalem konnten jeden Tag in der Tempel gehen. Die aus der anderer Orten mußten oft weite Reisen unternehmen.  Aber viele Juden kamen öfters nach dort, mindestens einmal im Jahr, soweit sie im Land der Juden wohnten. .Andere wohnten in fernen Ländern und konnten vielleicht nur einmal im Leben nach Jerusalem kommen. Aber wenn sie Juden waren, durften sie bis in der Vorhof der Juden.

Aber die Leute aus einem fremden Land, die nicht zum Gottesvolk gehören, müssen im Vorhof der Heiden bleiben.

Da kommt ein prächtig gekleideter Mann aus Afrika: Er ist wohl ein hoher Staatsbeamter und sehr reich. Mit einem schöner Reisewagen war er gekommen und hatte eine lange Reise hinter sich, nur um einmal den Tempel sehen zu können. Er hatte viel von dem Gott der Juden gehört und wollte nun in Jerusalem mehr vor ihm erfahren. Auf der Besuch des Tempels hatte er sich besonders gefreut. Aber auch er mußte im Vorhof der Heider bleiben, denn er gehörte nicht zum Gottesvolk und würde auch nie dazu gehören können. All sein Reichtum nutzte ihm nichts.

Für ihr gilt praktisch: „Für Farbige verboten!“ Er war ausgeschlossen aus der Gemeinschaft des Gottesvolkes. Wir schließen ja auch manchmal andere von unseren Spieler oder vom Mitlernen aus, besonders auch fremde Kinder, die wir aus irgendeinem Grunde nicht leiden können. Aber darf es in der Kirche so sein? Wird es mit dem Afrikaner so bleiben, daß er für immer vom Gottesvolk ausgeschlossen ist?

 

Erzählung:

Unter der Aposteln, die neu zur Gemeinde gekommen waren, war auch einer mit Namen Philippus. Er gehörte noch nicht lange zur Gemeinde.  Aber er hatte in dieser kurzen Zeit schon vielen Menschen seines Volkes von Jesus erzählt und sie zu Jüngern Jesu gemacht, indem er sie taufte.

Eines Tages nun bekam er von Gott einen seltsamen Auftrag: „Gehe nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt!“ Philippus denkt sich: „Was soll ich nur dort? Das ist doch eine ganz öde Gegend, da gibt es doch kaum Menschen. Hier dagegen in den Städten Samarias, da gibt es noch viel zu tun!“ Aber Philippus gehorcht dem Befehl Gottes und macht sich auf den Weg, wenn er auch noch nicht weiß,  wie das alles weitergehen soll.

Auf der einsamen Straße nach Gaza fährt ein Reisewagen. Langsam geht die Fahrt auf der staubigen Landstraße. Die Sonne des Südens brennt heiß hernieder. Mit gesenkten Köpfen trotten die Pferde ihres Weges und ziehen geduldig den Wagen.

In ihm sitzt ein fremdländischer Mann. Er hat eine braue Hautfarbe und stammt aus Nubien, einem afrikanischen Land am Oberlauf des Nil. Er ist gut gekleidet. Er ist der Finanzminister seiner Königin und verwaltet die Schatzkammer seines Landes.

Er ist wohl ein vermögender Herr, denn sonst hätte er sich nicht einen solchen Reisewagen leisten können. Außerdem hatte er eine kostbare Buchrolle auf der Knien liegen . Für viel Geld hatte er sie in Jerusalem erstanden, denn die Juden gaben ihre heiligen Schriften an sich nicht in die Hände Andersgläubiger.

Lange hatte er sich auf die Reise nach Jerusalem gefreut. Keine Kosten hatte er gescheut. Er war auch nach Jerusalem und zum Tempel gekommen. Aber nur bis zum Vorhof der Heiden. Dann hatte er die großen Schilder gelesen, die jeden Fremden mit dem Tod bedrohten, wenn er weiterging. Er hatte zu dem Gott der Juden beten können. Aber letztlich blieb er doch ein Ausgeschlossener, zum eigentlichen Gottesvolk gehörte er nicht. Dieser Gott der Juden war wohl doch kein Gott für ihn, den Afrikaner und Heiden. Traurig fuhr er wieder in Richtung Heimat.

Er fragte sich: „So hat Gott mich nicht lieb? Nun muß ich wieder heimfahren ohne Trost und Hoffnung?“ Nur eine Freude blieb ihm: Die Buchrolle mit den Worten des Propheten Jesaja. Jetzt liest er nach der Sitte der damaliger Zeit halblaut daraus vor. Er hofft aus diesem Buch zu erfahren, wer alles zu dem lebendiger Gott gehören darf.

Aber der Prophet redete doch von der Liebe Gottes zu allen Menschen! Er spricht sogar von einem Retter und Helfer, der alle Menschen zu Gott führen würde. Eines Tages wurde es so weit sein. Aber wann wohl? Würde er es noch erleben?

So ist ein Mensch ganz allein mit einem Buch der Bibel auf einer einsamen Landstraße. Er liest die Worte immer wieder und weiß doch nicht, was sie bedeuten. Obwohl die Sonne hell vom Himmel scheint,  ist es doch eine Fahrt im Dunkeln. Die eigentliche Dunkelheit ist die Not und Hoffnungslosigkeit in seinem Herzen. Es ist wirklich keine fröhliche Heimfahrt!

Einer aber ist auf aller Straßen der Welt und läßt keinen allein, auch den Mann aus dem fernen afrikanischen Land nicht. Ein Mann kommt: Es ist Philippus, der Prediger der christlicher Gemeinde, der von Gott der Auftrag erhalten hat, diesem Mann zu helfen. Jetzt weiß er, weshalb er nach Gaza gehen sollte.

Philippus fragt: „Verstehst du auch, was du liest?“ Der Afrikaner sieht erstaunt hoch: „Wie kann ich das, wenn mich niemand anleitet? Aber du bist doch ein Jude, du hast das doch alles gelernt. Steig doch zu mir auf den Wagen und fahre ein Stückchen mit mir. Da kannst du mir etwas erklären!“

Nun lesen sie gemeinsam: „Er ist wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird. Wie ein Lamm still ist vor seinem Scherer, so hat er seinen  Mund nicht aufgetan. Sein Leben wird von der Erde weggenommen. Der Finanzminister sieht Philippus ratlos an: „Von wem redet der Prophet denn hier, von sich selber oder von einem anderen?“

Philippus sieht : Gott hat mich zur rechten Zeit zu diesem Mann geschickt  Er kann ihm die toten Buchstaben dieser Schrift aufschließen, er kann ihm die frohe Botschaft von Jesus sagen. Der Reisewagen wird zur Kirche, in der die zwei Männer versammelt sind in Jesu Namen und da ist er mitten unter ihnen.

Philippus sagt: „Mit dem Lamm ist Jesus Christus gemeint. Er wurde von seinem Volk ans Kreuz gebracht. Aber Gott hat ihn wieder von den Toten auferweckt. Er ist der Herr der Christen, und du kannst auch einer werden. Auch für dich ist er auferstanden. auch dich hat er lieb. Und wer an den Namen Jesu glaubt und getauft wird, dem kann keine Macht der Welt mehr schaden, auch nicht der Tod!“ Da wird der Afrikaner froh, diese Predigt hat alle Finsternis bei ihm vertrieben.

Sie kommen zu einem  Wasser. Der Afrikaner fragt: „Kann ich nicht getauft werden?“

Philippus widerspricht nicht. Sie halten an und steigen vom Wagen. Sicher war es Gottes Wille, daß gerade jetzt das Wasser zur Verfügung stand.

In späterer Zeit hat man aber vor der Taufe erst noch streng gefragt: „Glaubst du auch von ganzem Herzen an Gott!“ Und wenn der Taufbewerber dann sagte: „Ich glaube, daß Jesus Gottes Sohn ist!“ dann wurde er getauft.

Hier an der Landstraße nach Gaza ging das noch weniger kompliziert vor sich. Der Finanzminister hatte seinen Willen geäußert, so wurde er getauft. Natürlich gehören Glaube und Taufe zusammen. Aber es ist nicht unbedingt notwendig, daß man über alle Punkte des Glaubens vollständig Bescheid weiß. Die Hauptsache ist: Mann will zu Gott und seiner Gemeinde gehören.

Als die Taufe beendet ist, hat auch Philippus seinen Auftrag erfüllt. Der Afrikaner braucht ihn nun nicht mehr. Er war nur nie mehr allein. Einer war bei ihm auf seiner ganzen Lebensfahrt: Jesus Christus!

Deshalb heißt es von dem Finanzminister: „Er zog aber seine Straße fröhlich!“ Weil er fröhlich geworden war, kann er allein weiterziehen. Alles Weitere liegt nun in  Gottes Hand.  Aber sicher hat der Afrikaner seine Freude nicht für sich allein behalten, sondern hat die frohe Botschaft von Jesus weitergesagt: in seinem Heimatland entstanden Christengemeinden, die bis zur Gegenwart bestehen und somit zu den ältesten Christengemeinden gehören.

So unerwartet wie Philippus gekommen war, so ging er euch wieder. Gott braucht ihn jetzt woanders. Er bleibt aber in den Städten im Westen des Landes. Die Gemeinden dort sind so wie manche Gemeinden in Samaria von Philippus und seinen griechisch sprechenden Freunden gegründet worden.

 

Antwortgespräch:

Manchmal sehen wir ein Schild „Zutritt verboten!“ oder: „Unbefugten Zutritt verboten!“ Und wenn wir nicht  „befugt“ sind, dürfen wir dort nicht hingehen. Wir können auch nicht ohne Weiteres am Kreissportfest oder der Musikschule oder der Olympiade teilnehmen. Aber es gibt einen Ort, wo alle hinkommen können: Die Kirche. Da kommen zwar auch nicht alle hin, die kommen dürften; meist sind es nur diejenigen, die getauft sind und damit zur Kirche gehen. Aber es könnten auch andere kommen.

Deshalb darf es auch für die Kirche keine Grenze geben, weil Gott mit allen Menschen Gemeinschaft haben will.

Jener Afrikaner kam voller Hoffnung nach Jerusalem, dann war er enttäuscht  und schließlich konnte er sich freuen: An einigen Smilies kann man das demonstrieren

 

 

Hervorgerufen wunde diese Wandlung durch seine Taufe. Er ist der erste Heide, der getauft wurde. Später wird noch vor der Bekehrung des römischen Hauptmanns Cornelius durch Petrus berichtet. Aber andere Apostel sind offenbar auch schon diesen Schritt gegangen. So wird deutlich, daß die Mission vorankommt. Allerdings geschieht alles nur auf Weisung des Heiligen Geistes. Er schließt auch das Verständnis des Alten Testaments auf und hilft, viele Stellen auf Jesus Christus zu deuten. Seit Jesu Tod und Erhöhung ist die Schrift erfüllt und kann nur noch von Jesus her verstanden werden.

Auch wir sind getauft: Wir suchen unseren Namen im Taufregister oder lassen uns unsere Taufurkunde zeigen! Auch wir hören Gottes Wort, um zum wahren Glauben zu kommen. Taufe und Glaube gehören zusammen, die Reihenfolge ist nicht so wichtig.

Wer aber getauft ist, der ist auch ein Missionar. Durch uns will Gott Menschen erreichen, die ihn noch nicht kennen. Er will uns haben, damit anderen Menschen seine Hilfe zuteil wird. Wir könnten Missionare sein, indem wir andere zum Religionsunterricht  mitnehmen oder im Familiengottesdienst mitwirken oder auch Einladungskarten malen. Keiner ist zu klein, um Gottes Bote zu sein.

 

 

 

Bildbetrachtung: Karl Kaufmann: Apostelgeschichte, Bild 6:

Auf zwei Straßen der Welt kommt es zu einer Begegnung. Wenn Menschenwege sich in dieser Stelle kreuzen, kann es dabei zu Begegnungen mit Menschen kommen, in denen Christus selber durch sein Wort und Sakrament (Taufe) begegnet. Gott zieht wie mit einem Lasso zwei Menschen in sein Wirkungsfeld, so daß der eine von ihnen auch zum Glauben kommt. Er war in großer Not. Wenn ihm nicht einer zu Hilfe kommt, wird er seine Straße nicht fröhlich ziehen können. Aber Gott werdet sich durch Jesus Christus auch dem Einzelnen zu. Werkzeug ist ihm dabei ein Mensch, der selber im Kraftfeld Christi lebt und darum in Vollmacht die Botschaft Christi weitersagen kann. So werden zwei Menschen unter dem Wort zusammengeführt, in dem engen Reisewagen ereignet sich „Kirche!“, weil dort zwei versammelt sind im Namen Christi.

 

 

Die Bekehrung des Paulus: Apg 8, 1 -  4 und 9,1- 31

Hinführung:

Wenn wir ein Haus bauen wollen, dann brauchen wir dazu Werkzeuge. Zählt einmal auf, was der Maurer alles braucht: Kelle, Hammer, Schaufel,  Bleilot, Schnur .Aber heutzutage hat der Maurer auch Maschinen, die ihm die Arbeit erleichtern (zum Beispiel Betonmischmaschine).

Wie wird es wohl zur Entstehung dieser Maschinen gekommen sein? Da hat sicher einmal einen Ingenieur gesehen, daß die Maurer mit den bisherigen Werkzeugen nicht mehr fertig werden. Deshalb hat er nach einem Gerät gesucht, das die schwere Arbeit abnehmen kann. Er schafft dieses neue Werkzeug und stellt es in seinen Dienst, damit mehr geleistet werden kann.

 

Christus hat auf der  Erde auch ein groß es Werk begonnen. Am Beginn der Apostelgeschichte steht es geschrieben: „Ihr sollt meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde!“ Bisher waren alle seine Jünger auch seine Boten gewesen. Er wird sie auch weiterhin gebrauchen können.  Aber nun entstehen neue Aufgaben. Das Evangelium soll auch zu den Heiden nach Kleinasien und Europa getragen werden. Dazu braucht Christus ein neues Werkzeug, einen neuen Mann, der sein Bote bei den Heiden wird.

Welche Eigenschaften müßte der Mann besitzen, der diese Arbeit tun soll? Er muß Liebe zu Jesus haben, muß Juden und Heiden in gleicher Weise kennen, muß griechisch sprechen und anderes mehr. Ob Christus wohl diesen Mann gefunden hat?

Wie Christus sich einen Menschen als sein neues Werkzeug holt, wollen wir heute hören. Wir würden den neuen Missionar unter den Christen in Jerusalem suchen,

aber Christus hat etwas ganz anderes vor!

 

Erzählung:

Unter den Christen in Jerusalem herrscht große Aufregung. Immer wieder kommen die Männer von der Tempelpolizei in die Häuser der Christen, durchsuchen alle Winkel und nehmen jeden mit, den sie finden. Die Christen kommen alle in die Gefängnisse, Männer und Frauen. Einige hat man auch schon vor Gericht gestellt, nur weil sie sich zu Jesus Christus bekennen. Sie werden als Aufrührer und Gotteslästerer verklagt genau wie Jesus auch. Vielleicht werden sie sogar zum Tode verurteilt werden. Viele sind schon geflohen, in die Dörfer Judäas und Samariens.

Besonders heftige Gegner der Christen waren einige Studenten aus Jerusalem, die dort die jüdischen Gesetze lernten und den Glauben ihrer Väter studierten. Sie konnten nicht begreifen, weshalb man die Christen nicht einfach ausrottete. Sie hielten doch die Gesetze nicht und verkehrten mit Kranken und Lahmen und stellten sich überhaupt ganz außerhalb der Volksgemeinschaft.

Unter diesen jungen Männern ist auch Saulus. Er ist um die gleiche Zeit wie Jesus geboren in der Stadt Tarsus in Kleinasien. Sein Vater soll aus Gischala in Galiläa. stammen und als Kriegsgefangener nach Tarsus gebracht worden sein. Bei seiner Freilassung erhielt er das römische Bürgerrecht, das er auf seinen Sohn weitervererbte. Saulus ist also ein echter Jude. Sein Vater gehört zum Stamm Benjamin und hat ihn wie einen echten Juden erzogen. Sie gehören beide zu den Pharisäern, den besonders frommen und strenggläubigen Juden. Deshalb hat Saulus euch zwei Namen: In der Synagoge, dem jüdischen Gotteshaus, nennt man ihn Saulus nach dem israelitischen König Saul. Die Römer und Nichtjuden aber nennen ihn Paulus, „der Kleine“.

Doch Paulus kommt sich zunächst gar nicht so klein vor, sondern ist einer der Eifrigsten bei der Verfolgung der Christen. Die Behauptung der Apostel, Jesus sei auferstanden, hält er für einen Betrug. Daß ein Gekreuzigter der König des Gottesreiches sein soll, hält er für eine Schande. Die Gemeinschaft der Christen mit den Sündern und Gesetzlosen ist Gotteslästerung. Denn das Heil kann für Saulus nur auf dem Wege einer genauen Befolgung des Gesetzes erlangt werden. Saulus will die Ehre Gottes retten, soweit sie noch zu retten ist. Wenn die Christen den Glauben des Alten Bundes angreifen, dann kann man nicht warten wie sein Lehrer Gamaliel es geraten hat.

Jetzt haben sich die Christen schon durch die Verfolgung in Jerusalem über das ganze Land ausgebreitet. Da muß schnell gehandelt werden. Paulus läßt sich Vollmacht geben vom Hohen Rat in Jerusalem, auch in anderen Städten die Christen zu verfolgen. Die Juden in der ganzen Welt unterstanden ja in religiösen Dingen dem Gerichtshof in Jerusalem.

Schnell sucht sich Saulus einige bewaffnete Männer zusammen und sie reiten mit ihren Pferden los in Richtung auf Damaskus, die Hauptstadt Syriens. Er ist siegesgewiß. Jetzt wird ein für allemal Schluß gemacht mit dieser falschen Lehre. In diesem Glauben, daß die Christen das Falsche sagen,  ist Saulus erzogen worden. diesen Glauben will er jetzt auch bis aufs letzte verteidigen. Schon kommt Damaskus in Sicht.

Da umleuchtet den Siegesgewissen plötzlich ein Licht vom Himmel. Und noch im Niederstürzen hört er eine Stimme: „Saul, Saul, was v verfolgst du mich?“ Saulus ist wie vom Blitz getroffen. Er redet die Stimme an: „Herr, wer bist du?“ Noch aber will er nicht glauben, daß es Jesu Stimme ist. Er hält es ja für ausgeschlossen, daß Jesus auferweckt ist und zur Rechten Gottes sitzt. Doch nun tritt ihm dieser Herr in den Weg und Saulus muß erkennen: „Jesus lebt. Er ist der Messias!“ Es ist alles anders gekommen, als geplant. Auf dem Gipfel der Macht muß Saulus umkehren. Schon bei der ersten Aktion gegen Jesus wird er geknickt.

Ja, Saul hat gegen Christus selber gekämpft, als er die Christen verfolgte. Denn der Herr spricht zu ihm: „Ich bin Jesus, den du verfolgst!“ Saulus hatte geglaubt, nur eine jüdische Sekte zu verfolgen. Jetzt aber ist dieser Jesus tatsächlich Gottes Sohn

und schützt auch jetzt noch seine Leute, indem er ihrem schlimmsten Verfolger persönlich entgegentritt. Nun kann ja nur noch das Todesurteil gegen den Verfolger kommen.

Doch Jesus hat etwas anderes mit ihm vor. Er nimmt den Paulus auf der Stelle für sich in Beschlag und mutet ihm einen radikalen Kurswechsel zu. Nun sagt er ihm: „Stehe auf und gehe in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst!“

Welch eine Wandlung der Dinge. Paulus hatte ja nie an der Richtigkeit seiner Einstellung gezweifelt.  Wir hören auch nichts davon, daß ihn die Standhaftigkeit der Christen beeindruckt hätte. Der Umschwung kam ganz von außen. Es ist allein Christus, der seinen Verfolger in die Nachfolge zwingt.

Wie anders als erwartet ist doch der Einzug des Paulus in Damaskus. Seine Begleiter müssen ihn von Boden aufheben. Sie haben zwar auch die Stimme gehört, aber nichts gesehen. Nun stellen sie fest: Paulus ist blind geworden. Er kann nicht mehr allein gehen, sondern muß wie ein Kind geführt werden. Nicht wie ein Richter kommt er, sondern wie ein Gefangener.

Aber er ist auch noch innerlich blind. Jesus hat ihm ja noch nicht gesagt, was er mit ihm vorhat. Paulus kennt nur den nächsten Schritt.  Aber den geht er im Gehorsam gegen seinen neuen Herrn. Hier vor Damaskus ist Paulus von Neuem geboren worden und in die Welt Christi versetzt worden. Zum Zeichen seiner Umkehr ißt und trinkt er drei Tage nichts mehr. Paulus ist in der tiefsten Tiefe seines Lebens angelangt. Wer wird ihn wieder herausholen? Aber Christus schickt dem total gebrochenen Paulus schon einen Menschen, der ihn wieder aufrichtet.

In einem Hause in Damaskus wohnt ein Jünger Jesu mit Namen Ananias. Der hat zwei oder drei Tage nach der Ankunft des Paulus eine innere Eingebung und hört den Herrn Christus sprechen: „Ananias!“ Und er antwortet: „Hier bin ich, Herr!" Der Herr wieder zu ihm: „Stehe auf und gehe in die gerade Gasse und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann namens Saul von Tarsus. Er betet und hat eine innere Schau gehabt: Er sah einen Mann mit Namen Ananias zu ihm hineinkommen, der die Hand auf ihn legt, so daß er wieder sehend wurde!“

Ananias erschrickt:  Zu dem Verfolger der Christen soll er gehen, in die „Höhle des Löwen“? Er hat viel gehört von diesem Mann, wie er den Christen in Jerusalem viel Böses getan hat. Ananias sträubt sich und sagt zu Gott: „Er hat doch Vollmachten aus Jerusalem, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen!“

Und vielleicht denkt er auch: „Das ist doch ungerecht. An den Händen dieses Mannes klebt soviel Blut der Brüder; und nun soll er nicht bestraft werden, sondern sogar noch in die Gemeinde aufgenommen werden?“

Doch der Herr gibt ihm erneut den Auftrag: „Gehe hin! Denn dieser Paulus ist das Werkzeug, das ich min ausgewählt habe. Er soll meinen Namen vor die Heiden tragen und vor Juden. Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um meines Namens willen!“ Ananias hatte gesagt: „Der Mann wird die leiden lassen, die den Namen Christi anrufen!“Und nun muß er von Christus hören: „Ich will ihm zeigen, wieviel er für diesen Namen leiden muß!“.Es muß eine gewaltige Wendung geschehen sein, wenn Paulas jetzt still in diesem Haus ist und betet.

Ananias macht sich auf den Weg in die Gerade Straße, die kilometerlange prächtige Hauptstraße von Damaskus mit ihren großen Säulengängen. Er kommt in das Haus und spricht sofort: „Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, der dir erschienen ist auf dem Weg. Du sollst wieder sehend werden und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden!“ Paulus soll in die Christengemeinde aufgenommen werden.

Da fällt es wie Schuppen von seinen Augen und er wird wieder sehend. Er steht auf und läßt sich von Ananias taufen. Dann nimmt er auch wieder Speise zu sich und stärkt sich. Er ist zu einem ganz neuen Menschen geworden. Die Gemeinde erfährt das Ereignis mit großer Freude. Mit derselben Kraft‚ die er vorher gegen Christus eingesetzt hat, arbeitet er jetzt für ihn.

Zuerst wendet er sich an die Juden in Damaskus. Wir können uns vorstellen, wie entsetzt die waren Der entschiedenste Feind der Christen wird zu ihrem eifrigsten Anwalt. Nachdem sie die erste  Lähmung überwunden haben, verfolgen sie Paulus mit ihrem Haß. Schließlich wollen sie ihn ermorden.

Doch die Gemeinde erfährt diesen Plan und daß die Stadttore Tag und Nacht bewacht werden, um Paulus zu fassen. Einige beherzte Männer aus der Gemeinde bringen Paulus in der Nacht an die Stadtmauer und lassen ihn in einem Korb hinab. Paulus ist seinen Verfolgern entwischt.

Drei Jahre lang hält er sich nun in dem Nabatäerstaat Arabia auf. Danach geht er nach Jerusalem. Auch dort fürchten sich die Christen zuerst vor ihm. Sie können nicht glauben, daß Paulus zum Christen geworden ist: Überall begegnet ihm eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung. Nur einer hält zu Paulus und nimmt ihn bei sich auf: Barnabas. Er stellt ihn auch den Aposteln vor und er kann erzählen, wie es zu seiner Bekehrung gekommen ist und daß er in Damaskus den Namen Christi frei und offen gepredigt hat.

 

Nachdem die Apostel ihn anerkannt haben, wird er nun auch von der Gemeinde in die Mitte genommen. Er predigt nun auch in Jerusalem, besonders unter den Juden aus dem Ausland, die griechisch sprechen. Doch diese verfolgen ihn auch, um ihn zu töten. Seine Freunde aber bringen ihn nach Cäsarea am Meer und mit dem Schiff fährt er weiter in seine Heimatstadt Tarsus. Zur gegebenen Zeit wird Christus ihn schon wieder rufen.

 

Kaufmann - Bild : Apostelgeschichte, Nummer 7:

Hier wird einer verhaftet: Von rückwärts legen sich zwei Hände auf die Schultern des Paulus, so als sollte damit ausgedrückt werden: Bis hierher und nicht weiter! Es sind gewaltige Hände, aber keine gewalttätigen Hände; es sind bewahrende Hände, aber keine würgenden. Die Hände des gekreuzigten und auferstandenen Herrn ergreifen den, der mit eilen Vollmachten irdischer Behörden ausgestattet ist und gebieten ihm ein „Halt“.

 

 

Machtlos sinken die Hände des Paulus herab. Die brutalen Hände, an denen Blut klebt, kommen zur Ruhe. Der selber fangen wollte, ist zum Gefangenen Jesu geworden: Handschellen umschließen seine Gelenke.

Das Schwert, das er gegen die Jünger Jesu führte, richtet sich nun gegen ihn selbst: gegen sein Herz oder seine Gurgel. Eigentlich hätte er sterben müssen - und fast sieht es je auch so aus. Erst in der Taufe wird er wieder lebendig gemacht: In der Taufe stiebt der alte Mensch ab und es entsteht wieder ein neuer Mensch. Das Gesicht des Paulus ist tot. Er war schon lange verblendet; aber nun wird er äußerlich lind, bis es ihm nach der Taufe wie Schuppen von den Augen fällt. Gott öffnet ihm wieder die Augen, damit er alles anders sehen lernt: die Welt, die Menschen, sein Leben und Christus. Nicht mit dem Schwert kommt man voran, sondern nur, wenn man es umdreht- Das Schwert wird zum Kreuz: gerade der Schwache und Leidende ist stark, weil Christus ihn stark macht!

 

Saulus, vorher und nachher:

Vorher                                               Nachher

Pharisäer                                         Christ

Feind der Gemeinde                      Bruder in der Gemeinde

Sendbote des Hohen Rats                       Sendbote Jesu (Apostel)

Verfolger                                          Verfolgter

Christus hat die Wende herbeigeführt

 

 

Der Herr ist auch der Herr über seine Feinde. Viele Menschen sind vergebens gegen Christus und seine Gemeinde angerannt. Der Kaiser Julian wollte das Christentum im römischen Reich wieder abschaffen. Aber am Ende seines Lebens mußte er doch sagen: „Du hast doch gesiegt, Galiläer!“

Der Auferstandene ruft nach starken und entschlossenen Menschen in seinen Dienst. Der Christenglaube ist nicht nur etwas für Schwache und Geringe oder für Alte und solche Menschen, die nichts vom Leben zu erwarten haben. Christus will gerade die Starken haben.

 

Die Taufe des Hauptmanns Kornelius: Apg 10, 1- 48

Hinführung:

Wenn wir eine große Freude erlebt haben, dann teilen wir diese Freude nicht allen Menschen mit, sondern zum Beispiel den Eltern,  Verwandten und Freunden. Ein unbeliebter  Klassenkamerad oder eine    alte Frau aus dem Nachbarhaus brauchen von unserer Freude ja nichts zu erfahren.

Woher kommt es eigentlich, daß wir bestimmte Leute  nicht leiden können? Mancher ist uns eben einfach unsympathisch, ohne daß wir wissen, warum das so ist. Manchen lehnen wir ab, weil er immer so altmodische Ansichten hat oder weil

er immer etwas anderes will als wir. Aber Menschen haben eben  sehr verschiedene

Ansichten zu ein und derselben Frage. Wir aber halten unsre Meinung für die richtige und grenzen uns ab. Dennoch müssen wir mit den anderen auskommen.

Es gibt aber auch noch andere Unterschiede zwischen den Menschen. Die Menschen unterscheiden sich nach Hautfarbe, Lebensstandard, Glaube und manchem anderem.

So leben wir zwar vielfach zusammen, haben aber doch lauter unsichtbare Schranken um uns. Hinderlich sind auch die Vorurteile, die wir haben. Wir haben ebenso unsere Ansichten und teilen die Menschen danach ein. Die einen mögen wir eben und die anderen können wir nicht leiden. Es fällt uns schwer, dann dennoch mit diesen Menschen auszukommen. Eigentlich möchten wir lieber unter uns sein. Wir verstehen nicht, daß wir mit den anderen zusammengehören sollen.

Diese Probleme gab es auch schon in den ersten christlichen Gemeinden. Sie mußten auch erst lernen, daß Gottes Liebe mehr Menschen umfaßt als nur die Menschen des jüdischen Volkes. Davon erzählt die folgende Geschichte.

 

Erzählung:

Am Mittelmeer lag die Stadt Cäsarea, eine wichtige Militärstadt der Römer. Hier hatte die italische Abteilung ihr Standquartier: Sie umfaßte 700 Mann und war auch zum Schutz des römischen Statthalters da, der in Cäsarea wohnte. Doch die Juden wollten mit den fremden Soldaten sowieso nichts zu tun haben. Ein Soldat war nach Ansicht der Juden sowieso  „unrein“,  weil er dem Kaiser die vorgeschriebenen Opfer brachte und den Feiertag nicht einhielt. So waren überall unsichtbare Schranken und Mauern aufgerichtet. Die Juden handelten nach dem Grundsatz: Was Gott getrennt hat, darf er Mensch nicht zusammenfügen.

Aber der Hauptmann Cornelius, der die italische Abteilung befehligte, war ein gottesfürchtiger Mann. Er ging in das jüdische Gotteshaus, um dort zu beten (obwohl die strengen Juden das nicht haben wollten).  Und er gab der Gemeinde allerhand Unterstützungen in Form von Geld.

Zuhause hielt er die jüdischen Gebetszeiten ein. Auch seine Familienangehörigen und seine Dienerschaft folgten ihm darin. An sich erfüllt er also die Anforderungen , die an einen Juden gestellt wurden, aber er war selber nicht Jude geworden, sondern er war nur ein „Gottesfürchtiger“ und galt den frommen Juden immer noch als Heide und Unreiner, auch wenn er „Freund des Gottesvolkes“ genannt wurde.

Eines Tages, als Kornelius mittags um drei Uhr betete, da sieht er plötzlich einen Boten Gottes vor sich, der ihn mit Namen anruft: „Kornelius!“ Gott hat ihn sich als Gesprächspartner erwählt, Gott kümmert sich um ihn und denkt an ihn. Doch Kornelius erschrickt erst einmal und fragt: „Herr, was ist?“

Der Engl sagt ihm: „Deine Gebete und deine Gaben hat Gott gesehen und gehört. Er will dir nun noch einen Schritt weiterhelfen: Sende Männer in die Stadt Joppe und laß den Simon Petrus holen. Er wohnt in einem Haus am Meer bei dem Gerber Simon!“

Kornelius befolgt den Befehl. Er läßt Gott handeln und fragt nicht, weshalb alles so ist. Warum soll er ausgerechnet den Petrus holen? Es gab schon längst in Cäsarea andere Christen, die Philippus für den Glauben an Christus gewonnen hatte: Ob Gott vielleicht den Petrus zu neuen Einsichten führen will?

Am nächsten Tag steigt Petrus  auf das flache Dach des Hauses, in dem er wohnt. Er möchte beten, obwohl es eigentlich keine übliche Gebetszeit ist. Aber auf dem Dach hat er Ruhe, und die frische Luft vom Meer bringt etwas Kühlung.  Allerdings hat Petrus auch ganz schönen Hunger. Doch es ist noch nicht so weit, daß es Mittagessen gäbe.

Als er aber betet, sieht er plötzlich, wie sich der Himmel öffnet und ein großes Leinentuch wird herabgelassen. Darin befinden sich wie in einem Gefäß allerlei vierfüßige und kriechende Tiere und Vögel. Petrus schüttelt sich vor ihnen, denn es sind auch allerhand unreinen Tiere dabei, die kein Jude essen darf.

Doch er hört eine Stimme: „Steh auf, Petrus, schlachte sie und iß sie auf!“ Doch Petrus ruft entsetzt: „O nein, Herr, das werde ich nie tun. Ich habe noch nie etwas Gemeines und Unreines gegessen!“ Die Jünger Jesu hatten tatsächlich an dem frommen Brauch der Juden festgehalten. Petrus kann sich nicht denken, daß Gott jetzt auf einmal die Speisegebote geändert haben sollte.

Ein Schauder vor dem Unreinen und der Lebensweise der Heiden überkommt ihn.

Doch die Stimme sagt zu ihm: „Was Gott gereinigt hat, das bezeichne du nicht als gemein!“ So geschieht es dreimal. Das Gefäß wird gleich danach immer wieder zum Himmel hochgezogen. Petrus versteht nicht, was da soll. Gelten die Speisegebote nicht mehr? Soll das ganze jüdische Gesetz nichts mehr bedeuten?

 

Inzwischen sind unten  vor Haus drei Männer angekommen. Sie fragen nach Simon Petrus, ob er da wäre. Es sind zwei Diener des römischen Hauptmanns Kornelius und einer seiner Soldaten, der auch an Gott glaubt. Wieder hört Petrus die Stimme: „Steig hinab und geh mit den Männern. Zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt!“ Da geht Petrus hinab zu den Männern und sagt: „Ich bin es, den ihr sucht! Weshalb seid ihr hier?“ Sie antworten: „Unser Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit einem guten Ruf bei den Juden, hat von Gott den Befehl erhalten, dich in sein Haus holen zu lassen, um zu hören, was du zu sagen hast!“

Da ruft Petrus sie herein und beherbergt sie. Petrus scheut sich nicht, die Heiden in das Haus aufzunehmen, sie übernachten sogar dort.  Am nächsten Tag machen sie sich auf den Weg nach Cäsarea. Petrus hat etwas vor, das für einen Juden unerhört ist: Er will zu einem Heiden ins Haus gehen!  Aber Gott hat die Heiden ja gerade für rein erklärt mit der Erscheinung, die Petrus gehabt hat. Da will er nicht ungehorsam sein und sie nicht weiterhin als unrein ansehen.

Er nimmt sogar noch einige Christen mit, die Juden gewesen waren, damit sie Zeugen sind bei dem, was nun geschehen wird. Sie gehen nach Cäsarea. Kornelius und seine Verwandten und nächsten Freunde warten schon auf sie. Als Petrus hineingeht, kommt Kornelius ihm entgegen, fällt vor ihm nieder und betet ihn an, so als ob er ein Gott wäre. Aber Petrus zieht ihn hoch und sagt: „Stehe auf, ich bin auch nur ein Mensch!“

Petrus spricht zu den Versammelten: „Ihr wißt, daß es einem Juden verboten ist, mit Fremden Umgang zu haben oder zu ihm zu kommen. Aber Gott hat mir gezeigt, daß man keinen  Menschen als gemein und unrein bezeichnen darf. Darum habe ich mich auch nicht geweigert zukommen, als ich geholt wurde. Aber ich frage euch nun:  Weshalb habt ihr mich holen lassen?“ Kornelius erzählt noch einmal alles , was gewesen war.

Da sagt Petrus:  „Jetzt erfahre ich in Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern jeder ist ihm angenehm, der ihn fürchtet und recht tut, gleichgültig, zu welchem Volk er gehört!“ Erst Schritt für Schritt ist Petrus zu dieser Erkenntnis gekommen. Erst sah es so aus, als ginge es nur um die jüdischen Speisevorschriften. Dann wurde er in das Haus eines Heiden geschickt. Und nun weiß er: „Ich soll denen von Jesus Christus erzählen und soll sie taufen, sie sollen auch Christen werden. Gott will es so, das hat er jetzt genügend deutlich gemacht!“

Petrus hält eine Art Musterpredigt, wie damals immer die Christen hielten, wenn sie zu Heiden von Christus sprachen: „Gott hat durch Jesus Christus Frieden mit den Menschen gemacht. Er wurde von Johannes getauft. Und begann im Lande umherzuziehen und zu predigen. Auch hat er viele Kranke gesund gemacht, denn Gott war mit ihm. In großer Freiheit hat er alle möglichen Menschen an seinen Tisch eingeladen und sich um sie gekümmert, auch um die Heiden. Sie haben ihn getötet. Gott hat ihn aber auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen, uns, den von Gott im voraus erwählten Zeugen. Er hat uns beauftragt, allem Volk zu predigen. Wir sollen den Menschen sagen, daß er von Gott zum Richter über die Lebendigen und die Toten eingesetzt ist. Aber schon bei den Propheten steht von ihm geschrieben, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung ihrer Sünde erlangen können!“ Der letzte Satz ist neu. Den hatte Petrus noch nicht so gesagt. Aber jetzt hat er erkannt: „Jesus von Nazareth ist der Heiland der ganzen Welt, die Schranke Israels ist durchbrochen. Auch der römische Kaiser hat keine Macht mehr. Jesus Christus ist der einzige Herr und Richter über alle Menschen, vor dem sie sich verantworten sollen und müssen!“

Als Petrus aber so redet, fällt der Geist Gottes auf alle, die zuhören. Sie fangen auch an, Gott zu loben und zu preisen, in ganz ungewöhnlicher Sprache, so wie es damals an Pfingsten mit den Jüngern Jesu geschehen war. Die Christen, die aus Cäsarea mitgekommen waren, erschrecken und entsetzen sich, weil nun auch auf die Heiden der Geist Gottes gekommen ist.

Petrus aber hat sich ganz zu der neuen Erkenntnis durchgerungen, er will ganz das Werkzeug Gottes sein. Er fragt: „Ist etwa jemand dagegen, daß diese getauft werden, die doch den Heiligen Geist empfangen haben wie  wir?“ Petrus wartet nicht lange auf eine Antwort. Er kann diesen Menschen nicht verwehren, was Christus ihnen geben will. Die Taufe wird nur das bestätigen, was geworden ist. So befiehlt er, daß Kornelius, seine Familie und seine Freunde getauft werden. Er bleibt auch noch einige Tage bei ihnen, um ihnen zu zeigen, daß er sie als vollwertige Christen und Gemeindeglieder ansieht.

Auch in den führenden Kreisen der Gemeinde in Jerusalem wir die Entscheidung

Schließlich anerkannt. Petrus muß sich rechtfertigen. Aber er sagt: „Ich habe nur auf

direkte Weisung Gottes gehandelt!“ Die anderen jubeln nicht gerade,  erkennen aber die Tatsachen an. Gott hat der Gemeinde den Weg der Mission vorgezeichnet. Die Botschaft vom Heil gilt allen Menschen, Juden und Heiden sind in gleiche Weise zu seiner Gemeinde gerufen. Wer Jesus Christus dienen will, soll es tun können, ohne Rücksicht darauf‚ was er früher war. Der Zugang zu Gott ist für jedermann frei.

 

Antwortgespräch:

Gott respektiert die Grenzen nicht, die für uns wichtig sind und auf deren Einhaltung wir so streng achten. Vor Gott gilt nicht Hautfarbe, Rasse, Ansehen, sondern Gott sieht das Herz an. Er machte damals dem Petrus (und auch den anderen) deutlich: „Ihr werdet meine Zeugen sein bei Juden u n d Heiden. Damit wir die Verkündigung des Namens Jesu an einem entscheidenden Wendepunkt angelangt, die Entscheidung hatte grundsätzlichen Charakter.

Gott ist ein Gott der ganzen Welt, deshalb gilt sein Wort auch für alle Menschen. Es gilt auch uns, die wir uns Christen nennen. Wir stehen in d er Gefahr, die Erwählung Gotte als eine gesicherte Sache zu betrachten. Gottes Wort schafft aber immer auch eine neue Gemeinde. Wir dürfen die Grenze der Gemeinde nicht zu eng ziehen, sondern sollten ökumenisch denken.

Der Schritt des Apostels Petrus ist für uns heute keine Frage, wir sehen ihn als selbstverständlich an. Wir können nicht verstehen, weshalb die Heiden erst Juden hätten werden sollen, ehe sie Christen werden konnten, weshalb sie das ganze jüdische Gesetz hätten halten sollen, von dem Jesus doch befreit hatte.

Aber vergessen wir nicht: In der Nazizeit sollten die getauften Juden aus der Kirche herausgeworfen werden. Die Nazis wollten sie nur noch in Sondergemeinden dulden. Aber das geht natürlich nicht: Christ ist Christ, ganz gleich, was vorher war. Die Kirche hat da nicht mitgemacht.

Heute müssen wir einsehen, daß die Christen in Afrika und Asien nicht unbedingt unsere Form des Christentums übernehmen können. Sie haben ihr eigenen Lieder, Gottesdienstformen, Gotteshäuser. Sie haben ihre eigene Pfarrer und kirchlichen und häuslichen Sitten. Und das Christuskind hat natürlich bei ihnen eine schwarz Hautfarbe.

In unserem Raum wird es auch darauf ankommen, die Mauer zwischen Christen und Nichtchristen einzureißen. Und vor allem sollten wir keine Mauer stehen lassen zwischen uns und denen, die erst später Christen geworden sind. Die schon immer dabei waren und Gott die Treue gehalten haben und sich das auch etwas haben kosten lassen, sind nicht mehr als die Neulinge, die geistigen Herumtreiber und religiös Zugereisten.

 

 

Die erste Missionsreise: Apg 13 - 14

Hinführung.

Wir betrachten eine Landkarte mit den Missionsreisen des Paulus und machen eine Tafelskizze. Wir geben einen Rückblick auf die Berufung des Paulus, der ein auserwähltes Werkzeug des Herrn ist, um das Evangelium vor Juden und Heiden zu verkündigen.

 

Erzählung:

Eines Tages erfahren die Apostel in Jerusalem durch einen Kaufmann: In Antiochien in Syrien hat sich eine kleine christliche Gemeinde gebildet. Antiochien ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und eine blühende Handelsstadt. Nach hier sind Flüchtlinge aus Jerusalem gekommen, die von Paulus und seinen Leuten verfolgt wurden.

Aber nun haben sie die Christusbotschaft auch hierher getragen und haben offene Ohren und Herzen bei den Heiden gefunden.          

Den Aposteln liegt sehr daran, eine Verbindung zu dieser Gemeinde zu bekommen. Deshalb schicken sie Barnabas nach Antiochien. Der Abgesandte der Apostel in Jerusalem kann aber nur hocherfreut sein über das rege Leben der Gemeinde in Antiochia, wie sie mit Worten und Taten für ihren Glauben werben. Hier hört Barnabas auch zum ersten Mal den Namen „die Christen“ als Bezeichnung für die, die zu Christus gehören.

Barnabas wird der Leiter dieser Gemeinde. Aber er braucht euch noch einen Helfer. Er findet ihn in Paulus, der lange Zeit in seiner Vaterstadt Tarsus gelebt hat, von wo ihn Barnabas nun holen läßt. Jetzt wird er neben Barnabas zum Leiter und Prediger der Gemeinde in Antiochien.

Aber seine Stunde kommt erst noch. Die führenden Männer der Gemeinde in Antiochien sind zum Gebet vereint. Sie beten darum, daß sie den Auftrag Christi, seine Zeugen zu sein, noch besser erfüllen können als bisher. Plötzlich einer von ihnen auf und sagt: „Barnabas und Paulus sollen ausgesandt werden, um auch anderwärts die Christusbotschaft zu verkündigen!“

Die anderen begrüßen den Vorschlag und treffen alle Vorbereitungen für die Aussendung. Sie fasten und beten, um zu der nötigen inneren Sammlung zu gelangen. Dann legen sie Barnabas und Paulus die Hände auf in der festen Gewißheit, daß Gott seinen Segen zu dieser Werk geben wird. Es ist ja nicht der Wille des Paulus oder der Gemeinde, daß nun in der Ausbreitung des Evangeliums ein neuer Abschnitt beginnt, nämlich die planmäßige Mission durch Abgesandte. Gott selber gibt den Auftrag und die Gemeinde handelt nur in seinem Namen. So ist das ja auch heute noch, wenn ein Missionar oder ein Pfarrer in sein Amt eingesetzt wird.

 

Bald darauf fahren Paulus und Barnabas los. Von der Hafenstadt Seleukia geht es mit dem Schiff zunächst nach Zypern. Sie durchziehen die ganze Insel und predigen den Juden von Jesus. Der römische Gouverneur nimmt sie freundlich auf und wird ein Christ. Paulus aber drängt weiter: Sie fahren wieder hinüber aufs kleinasiatische Festland, wo zunächst Antiochien in Pisidien ihr Ziel ist.

Der Weg ist nicht einfach. Sie müssen die Paßstraße durch die Schluchten des Taurusgebirges zum Hochland hinaufsteigen. Unten war es noch heiß und die Pfirsich-  und Orangenbäume blühten. Auf der Höhe aber überfallen sie heftige Schneestürme. Aber mit Gottes Hilfe überstehen sie alles und kommen nach Antiochien, eine Stadt, die von ausgedienten römischen Legionären gegründet wurde und in der jetzt auch viele Juden wohnen.

Zunächst sehen sie ins Judenviertel und suchen sich dort Arbeit. Paulus hat ja den Beruf des Teppichwebers erlernt und beginnt sofort seine Arbeit am Webstuhl. Am Feiertag aber geht er in das jüdische Gotteshaus und stellt sich dort als Gesetzeslehrer vor; schließlich hat er ja in Jerusalem studiert. Der Synagogenvorsteher ist hocherfreut aber den Besuch von außerhalb und gibt den beiden Ehrenplätze.

Nach der Verlesung der Schriftstellen aus dem Gesetz und den Propheten kommt der Kirchendiener und bittet darum, eine Ansprache an die Gemeinde zu richten. Paulus freut sich darüber, denn nun hat er einen Anknüpfungspunkt. Aber auch die Gemeinde ist auf die Fremden gespannt, ob sie etwas zu sagen haben.

Zunächst erzählt Paulus nur lauter bekannte Dinge: „Gott hat das Volk Israel erwählt, es aus Ägypten herausgeführt und ihm das Land Kanaan gegeben. Er hat ihnen  Richter, Propheten und Könige gegeben, vor allem den König David. Aber nun kommt das Neue, das den Juden in Antiochien ganz ungewohnt ist: Aus dem Geschlecht Davids hat Gott den Heiland  Jesus Christus kommen lassen. Aber die Juden in Jerusalem haben ihn nicht erkannt und ihn unschuldig verurteilt und kreuzigen lassen Doch Gott hat ihn auferweckt und er lebt. Wer an ihn glaubt, der erlangt die Vergebung der Sünden. Macht es nicht so wie die Menschen in Jerusalem, sondern laßt  euch retten!“

Viele Menschen sind von dieser neuen Predigt beeindruckt. Vor allem die Heiden, die oft zum Gottesdienst der Juden kamen und die deshalb „Gottesfürchtige“ genannt wurden. Sie bitten die zwei Fremden: „Kommt doch am nächsten Feiertag wieder, wir wollen mehr hören!“ Am nächsten Sabbattag versammelt sich fast die ganze Stadt im Gotteshaus der Juden.

Aber jetzt wollen die Juden gar nichts mehr von dieser neuen Lehre hören. Sie widersprechen und lästern schließlich sogar den Namen Jesu Christi..Sie sind eben neidisch, weil diese beiden einen so großen Zulauf habe.

In einer Woche haben sie erreicht, was die Juden in Jahren nicht erreicht  haben. Vor allem aber ärgert es sie, daß auch die Heiden das Heil erfahren sollen, ohne daß sie erst Juden werden müssen. Das kann nicht sein, meinen die Juden. Und deshalb lehnen sie die Apostel ab.

Paulus aber sagt ihnen: „Euch Juden mußte zuerst das Wort Gottes gesagt werden.. Ihr seid ja schließlich das auserwählte Volk. Weil ihr aber die Botschaft von euch stoßt und das ewige Leben in Jesus Christus verachtet, deshalb wenden wir uns nun an die Heiden!“ Viele Heiden wunden darüber sehr froh und lobten Gott und breiteten diese neue Botschaft noch weiter aus, auch in die umliegenden Orte.

Die Juden aber hetzen die römischen Behörden gegen die beiden Fremden auf. Sie haben gute Beziehungen zu den Frauen der römischen Beamten, die in ihre Gottesdienste kommen. So werden die Apostel aus der Stadt ausgewiesen und machen sich auf den Weg nach Ikonion, um dort das Evangelium auszubreiten.

Auch hier gehen sie zuerst in die Synagoge. Aber es geschieht wieder das Gleiche: Die Gemeinde spaltet sich sogar: Einige halten es mit den Juden, andere mit den Aposteln. Es entsteht Streit und die Apostel kommen in Gefahr, gesteinigt zu werden. Da fliehen sie aus der Stadt und ziehen nach Lystra Immer weiter werden sie- ohne es zu wollen- in das Landesinnere getrieben und predigen dort.

Lystra ist euch eine römische Kolonie. Aber es wohnen dort auch einheimische Lykaonier, die ihre angestammte Sprache sprechen. Deshalb kann Paulus sie nicht verstehen, als sie über ein bestimmtes Vorhaben beraten.

Als Paulus in Lystra predigt, bemerkt er dort einen Mann, der gelähmt ist seit seiner Geburt.  Aber Paulus sieht auch: „Der glaubt ja, daß er gerettet werden kann!“ Schon ruft er ihm mit lauter Stimme zu: „Steh auf, stell dich aufrecht auf deine Füße!“ Da springt der Mann auf und geht umher und ist ganz gesund.

Nun hielt man aber damals Wunderheilungen für ein Werk der Götter. Nun erzählte man sich aber dort in der Gegend, daß einst Jupiter und Merkur in Menschengestalt auf die Erde gekommen sind und bei einem alten Ehepaar freundliche Aufnahme fanden und dafür belohnt wunden. Nun denken die Leute von Lystra: Jetzt sind sie auch zu uns gekommen. Und sie rufen laut in ihnen Landessprache: „Die Götter sind den Menschen gleich geworden und zu uns herniedergekommen. Der da (und sie zeigen auf Barnabas) ist sicher der Göttervater Jupiter und der andere, der so viel redet und so geschäftig ist, das ist sicher der Götterbote Merkur!“

Schon hat man den Priestern des Jupiter im Zeustempel vor der Stadt benachrichtigt. Sie bringen zwei Stiere, mit Kränzen geschmückt, und wollen ihren Göttern opfern. Erst jetzt begreifen Paulus und Barnabas: „Man hält sie für Götter!“ Sie sind entsetzt, sie geraten außer sich. Welch eine Gotteslästerung!

Sie zerreißen ihre Kleider, springen unter die Menschenmenge und reden auf die Leute ein: „Ihr Männer, was macht ihr da? Wir sind doch auch nur Menschen, genau wie ihr. Wir wollen euch doch gerade sagen: Laßt von euren falschen Göttern ab und bekehrt euch zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde und Meer  und alles, was drinnen ist, gemacht hat. Dieser Gott hat in den vergangenen Zeiten die Heidenvölker ihre eigenen Wege gehen lassen. Er hat ihnen nur seine Wohltaten gezeigt. Er gibt auch euch Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten. Er schenkt euch das tägliche Brot, so daß eure Herzen fröhlich sein können!“

Unversehens hat Paulus ihnen eine Predigt gehalten. Allerdings mußte er hier andere vorgehen als bei den Juden in Antiochien. Hier konnte er ja nicht an die Geschichten aus dem Alten Testament anknüpfen, sondern mußte von dem ausgehen, was auch die Heiden in ihrer Umgebung sehen können. Doch nur mit Mühe gelingt es ihnen, die Menge davon abzubringen, ihnen zu opfern.

Inzwischen waren aber Juden aus Antiochien und Ikonion gekommen und hatten auch hier das Volk aufgehetzt. Sehr plötzlich schlägt die Stimmung in der Stadt um: Sie bewerfen Paulus mit Steinen, schleifen ihn vor die Stadt hinaus und lassen ihn dort liegen, weil sie meinen, er sei tot. Doch später kommen seine neuen Freunde

aus der Stadt und merken: er lebt ja noch! Sie bringen ihn  in ein Haus und pflegen ihn, er kommt wieder zu sich und kann schon am nächsten Tag seine  Wanderung fortsetzen. Der Herr hat seine Boten wunderbar erhalten, er braucht sie noch für größere Aufgaben.

Sie kommen noch bis in die nächste Stadt mit Namen Derbe. Dann kehren sie wieder um, suchen die neuen Gemeinden noch einmal auf, um sie innerlich zu stärken und zum Glauben zu ermahnen. Sie sollen auch wissen, da man nur durch viele Leiden zu Gott wird kommen können. Dann setzen sie noch Älteste in den Gemeinden ein, damit alles seine Ordnung hat. Sie werden in Zukunft die Vertreter der Apostel sein, die Gottesdienste halten und die Gemeinde nach außen gegen ihre Feinde verteidigen. Sie beten mit der Gemeinde und befehlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.

In Antiochia angekommen erstatten sie Bericht. Vor allem loben sie Gott, der den Heiden die Tür des Glaubens aufgetan hat und das Werk seiner Abgesandten so gut hat gelingen lassen. Nichts hat den Siegeszug des Wortes Gottes aufhalten können. Weder der Aberglaube der Heiden noch die Verfolgungswut der Juden haben Gott hindern können, sein Werk zu tun. Gerade die Verfolgung trägt dazu bei, daß anderswo neue Gemeinden entstehen. Die Verfolgungen werden von den Erfolgen der Apostel verdeckt, denn in ihnen ist Gott mächtig.

 

Kaufmann- Bild Nummer 9:

Paulus geht in jeder Stadt immer zuerst zu den Juden. Aber sie lehnen ihn ab. Sein Volk, das Volk des Alten Bundes, hat taube Ohren und verstockte Herzen. Sie gehen weg aus den Kraftfeld Gottes und begeben sich unter das Gesetz. Sie halten ihre Gesetzesrolle krampfhaft fest und denken: „Wir werden es schon schaffen, wir bauen uns den Weg in den Himmel selbst.

Paulus gehört ja selber zum Volk Israel. Es ist ihm schmerzlich genug, daß sein Volk nicht auf ihn hört und er sich zu den Heiden wenden muß. Die Juden haben das Vaterhaus verlassen und stehen nun draußen vor der Tür. Aber. die Einladung ins Vaterhaus gilt auch ihnen weiterhin.

Das wollte ja Jesus mit dem Gleichnis von verlorenen Sohn sagen: Der Sohn der immer beim Vater war, will nicht heimkehren. Dabei sind sie alle beide verlorene Söhne, Juden wie Heiden. Sie brauchen alle beide die barmherzige Liebe des Vaters.

Aber der zeigt sein Erbarmen nur durch das Wort Jesu. Nur von dort her kann etwas davon erfahren. Paulus aber steht im Kraftfeld dieses Gottes und gibt sein Wort weiter. Wer seine leeren Hände danach ausstreckt, dem werden sie gefüllt, der wird auch ins Vaterhaus hineingerufen.

Im neuen Bund ist das Gesetz auch noch da. Aber es ist keine Last mehr, weil das Kreuz darüber steht. Jesus hat gesagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“

 

 

Apostelkonzil: Apg 15, 1 - 35

Erzählung:

Paulus und Barnabas hatten auf ihren Missionsreise viele Menschen für die Kirche gewonnen. Diese vom Heiligen Geist befohlene und von Antiochien ausgegangene Mission sollte aber nicht neben dem geschehen, was von Jerusalem aus getan wird.

In der aussendenden Missionsstation Antiochien waren Leute aus Judäa angekommen. Sie waren nicht von der Jerusalemer Gemeinde geschickt. Aber sie lehren: Die jüdische Beschneidung ist notwendig, um das Heil zu erlangen. Beschneidurg aber bedeutete auch Überrahme des Gesetzes des Mose.

Es kommt zu harten Auseinandersetzungen, die damit enden, daß eine Abordnung nach Jerusalem geschickt wird, um die Frage mit den Aposteln und Ältesten zu besprechen. Dort berichten sie zunächst wieder von ihrer Mission. Nun aber treten ehemalige Pharisäer auf, die Christen geworden sind, und vertreten der gleichen Standpunkt wie die Judäer. Sie verlangen, daß man den Heidenchristen gebieten soll, Beschneidurg und Gesetz zu halten.

Nach langer Beratung führt dann Petrus aus: „Gott machte keinen Unterschied zwischen den Heiden und uns, nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben. Warum wollt ihr nun ein Joch auf sie legen, was weder unsere Väter noch wir haben tragen können?“

Er äußert damit einen völlig unjüdischen Gedanken, nämlich daß das Gesetz ein „Joch“, also eine harte Last sei. Paulus war ja der Meinung, er habe das Gesetz eingehalten, solange er Jude war (Phil 3,6). Aber er bestritt, daß das Gesetz ein Weg zum Heil ist, selbst wenn man es erfüllt; nur durch die Gnade des Herrn Jesus können wir gerettet werden. das ist auch die Meinung des Lukas, des Verfassers der Apostelgeschichte, wenn er dem Petrus diese Worte in den ,Mund legt.

Jakobus führt schließlich den Schriftbeweis, indem er auf den Propheten Amos verweist, nach dem auch die Heiden nach dem Herrn fragen sollen (so steht es nur in der griechischen Übersetzung, Jakobus hätte aber sicher aus der hebräischen Bibel zitiert). Er schlägt vor, die Heidenchristen sollten sich vor Götzendienst, Unzucht, Ersticktem und Blut hüten. Sie sollen also nicht das ganze Gesetz des Mose halter, sondern nur die vier Bestimmungen, die schon immer für die Fremden galten, die in Israel wohnten (vgl. auch Apg 21,20-25).

Aus dem Galaterbrief erfahren wir allerdings nicht von solchen Auflagen. Danach haben sich nur die Apostel die Hand gegeben und sich darauf geeinigt, daß Paulus und Barnabas das Evangelium bei den Heiden verkünden. Was Lukas hier schreibt stammt aus einem späteren Abschnitt, als man die Mahlgemeinschaft zwischen Judenchristen und Heidenchristen nur ermöglichen konnte, indem man der Heidenchristen solche Forderungen abverlangte.

Eine Delegation wird nach Antiochien geschickt mit einem Brief: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch weiter keine Last aufzuerlegen als jene vier Bedingungen!“ Es klingt etwas respektlos, wenn hier so geredet wird, als sei der Heilige Geist stimmberechtigtes Mitglied in der Beratung gewesen. Es soll aber nur gesagt werden, daß der Beschluß unter Anleitung des Heiligen Geistes zustande gekommen ist. Offenbar liebt er auch die klare Rede, die genaue Sachkenntnis und eine sinnvolle Tagesordnung . Aber er ist nur da, wo die Gemeinde sich berät; es heißt nicht: „Der Heilige Geist und ich!“

Schon in der frühen Kirche gab es also verschiedene theologische Richtungen, die durch die verschiedene völkische und religiöse Herkunft und Umgebung der Menschen entstanden waren. Man hat diese Richtungen nicht krampfhaft unter einen Hut gebracht. Man hat aber Mittel und  Wege gefunden, die eine Mahlgemeinschaft untereinander ermöglichten, indem man eben Zugeständnisse machte.

 

 

Die zweite Missionsreise: Apg 16 - 18

Die Kraft des Evangeliums wirkt wie eine Atombombe, allerdings nicht nur auf einige Kilometer, Sonden weltweit über Meere und Erdteile hinweg. Vor seiner Gewalt springen die Menschenherzen auf, aber auch die Gefängnistüren; es reißt aus der Verzweiflung in die Seligkeit. Das zeigen besonders die Ereignisse der zweiten Missionsreise.

Paulus hat sich genau überlegt, wo er seine Tätigkeit aufnehmen wollte. Da er immer seine Predigt in der Synagoge begann, beschränkte er sich in der Regel auf die Städte. Hier konnte er auch Menschen treffen, die Griechisch zumindest verstanden. Meist gab es dort auch „Gottesfürchtige“, die sich zur Synagoge hielten.

Zunächst besuchte Paulus auf der zweiten Reise die Gemeinden, die er auf der ersten Reise gegründet hatte. Seine Begleiter waren Silas und ein junger Mann namens Timotheus, dessen Mutter eine Jüdin war, sein Vater aber war ein Grieche. Dann gab

es die Möglichkeit, entweder in die großen Städte an der Westküste zu gehen oder nach Norden ans Schwarze Meer. Doch er kann nirgends recht bleiben, die Predigten gelingen ihm nicht recht, er ist so voll Unruhe.

Da merkt er: Das kommt vom Heiligen Geist, Gott will mich woanders haben. Aber wo nur? Lange weiß er es nicht. Schließlich kommt er in die Haferstadt Troas im Mittelmeer. In der Nacht hat er einen Traum: Er sieht einen Mann aus Mazedonien auf der anderen Seite des Meeres. An seiner Kleidung ist er genau zu erkennen. Der bittet ihn: „Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“ Da weiß Paulus: Er soll auf die andere Seite, soll hinüber nach Griechenland und damit nach Europa.

Schon mit dem nächsten Schiff fahren er und seine Begleiter übers Meer. So ereignet sich in der Hafenstadt Neapolis ein weltgeschichtlicher Augenblick: Das Kreuz Jesu beginnt einen neuen Erdteil zu erobern!

Dann wandern sie die Berge hinauf nach Philippi, eine Römerstadt, in der nur wenige Juden wohnen. Deshalb gibt es dort auch kein jüdischen Gotteshaus. Aber Paulus weiß: Wenn der Sabbat, der Feiertag kommt, dann werden sich die Juden der Stadt an einem  Wasserlauf  versammeln und dort beten; dort können sie auch die Waschungen vornehmen, die von ihrem Glauben vorgeschrieben sind.

In der Tat kommen am Sabbat auch einige Frauen an den Fluß, denen Paulus predigt. Eine von ihnen, die Purpurhändlerin Lydia läßt sich auch bekehren und taufen. Sie nimmt Paulus und seine Begleiter dann auch in ihr Haus auf.

Eines Tages aber, als sie wieder zum Fluß gehen, läuft ihnen eine junge Frau  nach, die immer wieder schreit: „Diese Menschen sind Diener des höchsten Gottes, die euch den Weg zur Rettung verkünden!“

Sie hat angeblich einen Wahrsagegeist und kann den Leuten deshalb bestimmte Dinge voraussagen. Sie ist eine Sklavin, die mehreren Herren gehört. Diese haben ein gutes Geschäft mit ihr gemacht, denn viele Leute kommen und wollen für Geld die Zukunft wissen. Jetzt aber schreit sie hinter Paulus her.

An sich  sagt sie ja die Wahrheit. Aber Paulus tut es weh, den heiligen Namen Gottes aus dem Munde widergöttlicher Mächte zu vernehmen. Die Verkündigung der frohen Botschaft braucht solche Unterstützung nicht,  ja sie darf sie nicht einmal dulden. Deshalb sagt Paulus  zu dem bösen Geist, der in der Frau steckt: „Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, daß du aus ihr ausfahrest!“ Sofort wird die Frau frei von ihrem Leiden. Nun aber bringt sie ihren Herren kein Geld mehr ein, so daß diese sie bei den Stadtrichter anklagen: „Diese Leute sind Juden und wollen uns zu ihrem Glauben bekehren. Das aber ist ihnen doch verboten, darauf steht Auspeitschung und

Ausweisung!“ Da werden sie ausgepeitscht und ins Gefängnis geworfen.

 

 

Der Kerkermeister zu Philippi (Apg 16, 23 - 40)

Erzählung.

Der Gefängnisdirektor  kam dem Befehl eifrig nach, die Gefangenen sicher zu bewahren. Er läßt sie in einen unterindischen Raum im innersten Gefängnis bringen und die Füße in einen Holzblock legen. Nun können sie sich nicht mehr bewegen. Eine hoffnungslose Lage! Ihre Arbeit für Christus scheint schon zu Erde zu sein, nachdem sie kaum begonnen hat. Was soll nun werden? Die Glieder schmerzen, die Gedanken sind unruhig.

Aber was jetzt geschieht, ist fast unglaublich: Um Mitternacht singen Paulus und Silas Lieder und Gebete und loben Gott. Staunend hören es die anderen Gefangenen. Ihr Fluchen, Stöhnen und Klagen hört auf und sie werden mit hineingenommen in diesen nächtlichen Gottesdienst. Und dann greift Gott ein. Plötzlich kommt ein Erdbeben, die Türen springen auf, die Fesseln zerreißen. Das Wunder ist nicht, daß die Erde bebte, das tut sie in jener Gegend oft. Aber daß es gerade in dieser Nacht geschieht,  ist dann doch eine Tat Gottes.

Der Gefängnisaufseher fährt aus dem Schlaf hoch. Er sieht : Alle Türen sind offen. Er denkt sofort: Jetzt sind alle fort! Angst packt ihn .Jetzt wird man ihn verantwortlich machen. Er haftet  mit seinem Leben für die Gefangenen. Und daß das Erdbeben schuld war, wird man ihm ja nicht glauben. Der Gefängnisaufseher greift nach seinem Schwert  und will sich das Leben nehmen. Doch da hört er die beruhigende Stimme des Paulus: „Tu es nicht, wir sind je  alle hier!“ Der Aufseher nimmt ein  Licht, läuft in die Zelle, sieht nach. In der Tat: Keiner ist fort, nicht die zwei besonderen Gefangenen, aber auch nicht die anderen. Was sind das nur für Menschen, die die anderen überredet haben, nicht zu fliehen, die sich auch um das Schicksal ihres Feindes kümmern?

Zitternd fällt der Aufseher vor Paulus und Silas nieder. Er führt sie aus dem Gefängnis in sein Haus. Er fragt sie: „Weshalb habt ihr denn so gehandelt?“ Das ist natürlich ein Grund für Paulus, von Jesus Christus zu erzählen. Nun beginnt der zweite Gottesdienst im Gefängnis. Der Aufseher fragt: „Was muß ich tun, daß ich selig werde?“ Da antwortet Paulus: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und deine Familie gerettet werden!“

Da wäscht ihnen der Aufseher die Wunden von der Auspeitschung ab. Und dann läßt er sich mit seiner ganzen Familie  taufen. Dann gehen sie ins Haus. Der Tisch wird  gedeckt, es wird gegessen und alle sind fröhlich, weil sie an Gott gläubig geworden sind. Freude und Jubel erfüllten das Haus.

 

So benutzt Gott das Leiden seiner Apostel, um eine Familie für den Glauben zu gewinnen. So können die widergöttlichen Mächte nicht siegen, sondern Gottes Werk geht weiter. Menschen, die sonst vielleicht nie vom Evangelium erreicht worden wären, werden so gerettet und in die Gemeinde Gottes eingefügt. Auch Gefangenschaft und Fesseln können die Ausbreitung des Evangeliums nicht hindern.

Am Morgen schicken die Stadtrichter Boten mit der Nachricht: „Laß die Menschen gehen!“ Aber Paulus sagt: „Ihr habt uns ohne Recht und Urteil öffentlich geschlagen und ins Gefängnis geworfen. Und jetzt wollt ihr uns heimlich fortschicken? Nein, kommt jetzt und geleitet uns selbst wieder mit ehrenvollem Geleit aus der Stadt hinaus!“

Dabei erwähnt Paulus auch, daß sie römische Bürger sind. Da erschrecken die Richter doch sehr, denn römische Bürger durften nicht ausgepeitscht werden. Paulus hatte vorher nichts davor gesagt, weil er einen langwierigen Prozeß vermeiden wollte, der seine Missionstätigkeit behindert hätte. Jetzt aber möchte er, daß das Unrecht  wieder gut  gemacht wird, weil sich Christen auch nicht alles gefallen zu lassen brauchen und um die junge Gemeinde vor weiteren Anfeindungen zu schützen. Sie besuchen roch einmal die Christen und lassen sich dann bis zur Stadtgrenze bringen.

 

 

 

Kaufmann-Bild: Apostelgeschichte Nummer 10 - 11 [Hier nur Bild 11]

Auch im Gefängnis sind Paulus und Silas im Kraftfeld Gottes, auch wenn ihre Füße in Untieren stecken und eine finstere Macht sie zu verschlingen droht. Auch die Gefängniswärter sind Werkzeuge einer Macht, die sich gegen Christus erhebt. Hier geht es um die Auseinandersetzung zwischen dem Reich Christi und den Mächten dieser Welt.

Diese wollen das Reich Gottes auslöschen, indem sie die Boten dieses Reiches vernichten. Dabei stützten sie sich auf ihre Macht, auf ihr Schwert. Aber die Kraft „von oben her“ dringt auch durch die Kerkermauern, denn sie ist nicht von dieser Welt. Indem die beiden Jünger singen, werden sie in das Kraftfeld Christi hineingenommen. Es macht ihnen schon zu schaffen, daß sie ins Gefängnis gekommen sind. Aber sie beten zum Beispiel die drei ersten Bitten des Vaterunser und nehmen dadurch die Verbindung zu Gott auf im Gebet.

Gott verwandelt den Lobpreis zu einem Zeichen seiner Macht und Herrlichkeit. Das Gefängnis ist leer, das Gitter zerrissen, die Untiere haben keine Macht mehr. Im Kraftfeld Christi aber stehen jetzt mehr Leute. Es ist ein Teil der Aufseher, die sich segnen und taufen lassen. Paulus empfängt den Segen „von oben“ und gibt ihn weiter. Das Schwert aber muß draußen bleiben, es hat in der Kirche nichts zu suchen. Die anderen Aufseher aber stützen sich weiter auf ihr Schwert: Sie sehen zwar interessiert zu, lassen sich aber nicht taufen.

Was damals in Philippi geschehen ist, das hat sich in der Geschichte der Kirche tausendfach wiederholt. Christen wurden auch in ärgsten Verfolgungen durch die Nähe ihres Herrn fähig, Gott zu loben und zu preisen. In der Nazizeit hat der Pfarrer Paul Schneider im Konzentrationslager Buchenwald den Mitgefangenen Bibelsprüche zugerufen, bis die Bewacher ihn halbtot schlugen und schließlich umbrachten.

Auch schon zur Zeit des Paulus ging die Ausbreitung des Evangeliums unter Not und Verfolgung vor sich. Wie überall, so blieb auch in Philippi eine Gemeinde von Christer zurück, an der der Apostel Paulus mit besonderer Liebe gehängt hat.

 

4

Erzählung:

Durch verschiedene Städte kommen Paulus und Silas  nach Athen, dem geistigen Zentrum der damaliger Welt. Dort gibt es viele Tempel und Götterbilder. Die Einführung neuer Götterkulte aber war nicht erlaubt. Paulus hat dort wenig Erfolg. Es gelingt ihm schließlich, einige Philosophielehrer zum Stehenbleiben zu bringen. Aber sie lachen nur, der neue Glaube erleidet eine Niederlage. Das geistig geschulte Publikum läßt sich durch so primitive Argumente nicht beeindrucken.

Paulus und Silas werden auf den  Areopag geschleppt, wo Gericht gehalten wurde. Man hat herausgefunden, daß sie einen neuen Glauben lehren. Deswegen sollen sie sich nun verantworten. Aber die Athener sind auch neugierig auf alles Neue. Deshalb kann Paulus jetzt zu ihnen sagen:“Ich sehe, daß ihr sehr die Götter fürchtet. Ich

bin umhergegangen und habe die vielen Altäre gesehen. Dabei fand ich auch einen, auf dem stand: ‚Dem unbekannten Gott‘. Ich kann euch nun sagen, wer dieser Gott ist. Er ist der Schöpfer der Welt und der Menschen. Er regiert die ganze Welt. Durch ihn und in ihm ist die gesamte Menschheit eine Einheit. Er hat bisher übersehen, daß ihr selbstgemachte Götter verehrt habt. Aber jetzt steht sein Gericht bevor. Richter wird dann ein Mann sein, den er von den Toten auferweckt hat!“

Als sie von der Auferstehung der Toten hören, lachen sie. Aber einige werden auch gläubig. Paulus hatte geschickt angeknüpft an die Sage von den Altären, die anläßlich einer Pest in Athen den unbekannten Göttern errichtet wurden. Paulus wendet das aber geschickt an auf Gott, den Schöpfer und Vater Jesu Christi. Damit kann er wenigstens einige gewinnen, wenn auch die Gebildeten ihn verlachen.

Die nächste Station war Korinth, wo Paulus eineinhalb Jahre blieb und auch dem Statthalter Gallio vorgestellt wurde, der aber in Glaubenssachen neutral bleiben wollte. Über Ephesus kehrte er wieder nach Antiochien zurück.

 

 

Paulus in Ephesus: Apg 18, 23 - 19, 40

Schon früher hatte Paulus die  Absicht, in die Provinz Asia und ihre Hauptstadt Ephesus zu gehen. Doch auf der zweiten Missionsreise war er nur kurz dort geblieben. Aber das Ehepaar Aqila und Priscilla blieb dort und half den Boden vorbereiten. So als wäre diese Aufgabe bis zuletzt für ihn aufgespart geblieben, macht Paulus nun auf der dritten Reise dort länger Station.

Ephesus war damals die größte Handelsstadt  Kleinasiens. Sie hatte über 200.000 Einwohner. Neben dem Handel blühte vor allem die Fremdenindustrie. Denn Ephesus hatte in seinen Mauern eines der sieben Weltwunder von damals: den Tempel der Diana. Es war der Wunsch der Menschen von damals, wenigstens eines dieser Weltwunder einmal gesehen zu haben. An dem Tempel der Diana, die bei der Griechen Artemis hieß, hatte man 120 Jahre gebaut. Tiefe Fundamente mußten in sumpfiges Gelände gelegt werden, große Marmorblöcke transportiert werden. Die Grundfläche war anderthalbmal so groß wie die des Kölner Doms. Das Dach wurde von 128 Säulen getragen, von denen jede 19 Meter hoch war.

Im Inneren des Tempels saß auf einer Art Hochaltar eine  Dianafigur,  aus schwarzem Holz geschnitzt, der Sage nach einst vom Himmel gefallen und an dieser Stelle aufgefunden. Die Figur ist nach unsren Begriffen ein scheußliches Bild  gewesen: eine weibliche Gestalt mit einem Dutzend Brüsten, auf dem Kopf eine Mauerkrone, dahinter eine Scheibe, die den Mond oder die Sonne darstellen soll. Der Unterkörper ist fest eingebunden wie bei einem Wickelkind, Unterarme und Hände rechtwinklig seitwärts gestreckt und auf Stäbe gestützt, in den Händen Kornähren. Rund um das Mittelmeer hat man 32 Kultstätten dieser Göttin festgestellt, aber Mittelpunkt blieb Ephesus, eine Art Wallfahrtsort.

In der Stadt gab es auch eine kleine judenchristliche Gemeinde,  in der ein gewisser Apollos gewirkt hatte. Als aber Paulus nach dort kam, fand er auch einige Christen, die noch nichts vom Heiligen Geist wissen. Es sind offenbar Johannesjünger, die zu einer Sekte neben der Kirche zu werden drohen. Paulus aber macht ihnen klar: Die Johannestaufe ist Ausdruck für eine Abkehr von der Sünde, die Taufe auf den Namen Jesu aber ist der Ausdruck für die Heimkehr unter die Gnade Gottes. Da lassen sie sich auch taufen auf den Namen Jesu und erhalten den Heiligen Geist.

Paulus predigte wie immer in der Synagoge. Weil er aber anders lehrte, als man es dort gewohnt war, kam es zu Auseinandersetzungen. Da zieht Paulus in den Lehrsaal des Tyrannos um und predigt dort jeden Tag. Zwei Jahre lang geht das so. Von Ephesus aus verbreitet sich der christliche Glaube auch über die Landschaft und in die umliegender Städte.

Paulus kann nach der Meinung des Lukas auch viele Wunder vollbringen. Paulus selber sprach mehr vor der Schwachheit des Apostels, der das Kreuz Christi zu tragen hat. Aber auf jeden Fall kommen einige jüdische Zauberer und wollen den Namen Jesu für ihre Zauberei benutzen. Doch als sie aus einem Geisteskranken einen böser Geist austreiben wollen „ im Namen Jesu, den Paulus predigt“, da stürzt sich der Kranke auf die Männer und wirft sie zu Boden und ruft: „Jesus kenne ich, und von Paulus weiß ich. Wer aber seid ihr?“ Zerschlagen und zerrissen müssen sie aus dem Haus fliehen.

 

Als das in Ephesus bekannt wird, kommt Furcht über alle. Viele kommen zu Paulus und bekennen ihre Sünden und bringen ihre Zauberbücher und verbrennen sie, auch wenn sie einen ungeheuren Wert darstellen. So breitet sich die Macht des Wortes Gottes immer mehr in Ephesus aus.

Bald gibt es aber wieder Unruhe in Ephesus. Da ist ein Silberschmied mit Namen Demetrius, der viele Handwerker und Arbeiter beschäftigt. Sie fertigen kleine silberne Nachbildungen des berühmten Tempels an. Weil sie beschützen und Glück bringen sollen, kaufen viele Leute sie, besonders aber die Fremden, die nach Ephesus kommen. So blüht das Geschäft des Demetrius.

Aber eines Tages ruft er seine Handwerker zusammen und sagt: „Ihr wißt, daß wir unseren Wohlstand unserem Gewerbe verdanken. Aber nun kommt dieser Paulus undbringt die Leute in der ganzen Provinz vom alten Glauben ab. Er sagt, es gäbe keine Götter, die von Menschenhänden gemacht werden. Damit bringt er unser ganzes Geschäft in Verruf. Bald wird man unsere Tempel nicht mehr kaufen, auch der Tempel der großen Göttin Diana wird nicht mehr geachtet werden und schließlich

wird die Göttin selber untergehen!“

Da packt sie alle der Zorn und sie fangen an zu schreien: „Groß ist die Diana der .Epheser!“ Demetrius wollte die Einberufung einer Volksversammlung erreichen, die gegen Paulus energische Maßnahmen ergreifen soll. Aber er behält die Sache nicht in der Hand. Die Menge stürmt ins Theater, eine Art Stadion unter freiem Himmel. Zwei Reisegefährten des Paulus werden ergriffen und mitgeschleppt. Paulus will sich auch in das Getümmel stürzen, aber seine Freunde halten ihn zurück.  Es ist zu gefährlich für ihn. Auch die römischen Beamten schicken ihm die Botschaft: „Gehe nur ja nicht in das Theater!“

Dort herrscht wirklich ziemlicher Tumult und Wirrwarr. Die einen schreien dies, die anderen das. Die meisten wissen überhaupt nicht, weshalb man zusammengekommen ist. Schließlich schicken die Juden  einen Mann mit Namen Alexander vor, der ihnen erklären soll, daß die Juden nicht zu den Christen und zu Paulus gehören. Aber als er reden will, schreien sie nur noch lauter: „Groß ist die Diana der Epheser!“ So geht das zwei Stunden.

Endlich gelingt es dem Stadtschreiber, die Lage zu beruhigen. Er sagt: „Jeder vernünftige Mensch weiß doch, daß die Diana die größte Göttin ist und in Ephesus ihren liebsten Wohnsitz hat. Deshalb seid stille und tut nichts Unbedachtes. Ihr habt diese Männer da hierher geschleppt. Aber Tempelräuber sind sie nicht und gelästert haben sie unsere Göttin auch nicht. Wenn etwa Demetrius und seine Handwerker sich über sie zu beschweren haben, dann können sie ja zu den Gerichten gehen. Und wenn ihr sonst noch ein Anliegen habt, dann in einer öffentlichen Volksversammlung erledigt werden. Geht jetzt lieber heim, sonst werden uns noch  die Römer wegen Aufruhrs verklagen. Und wir hätten keine Ausrede, womit wird diese Unruhe entschuldigen könnten!“

Da gehen sie wirklich nach Hause und es geschieht weiter nichts. Paulus aber ruft die Gemeinde zusammen, sagt ihr noch ein mahnendes Wort und verabschiedet sich dann. Er zog weiter durch  Mazedonien  und Griechenland. Von Korinth aus schreibt er der Brief an die Römer, in dem er seinen Plan mitteilt, nach Rom und nach Spanier zu kommen. Dann macht er sich auf den Weg nach Jerusalem, um die große Kollekte der Gemeinden in Kleinasien zu überbringen.

 

 

 

Schluß der dritten Reise und vierte Reise: Apg 20, 17 - 28, 31

Erzählung:

Schon gegenEnde der dritten Reise hatte Paulus so eine Ahnung,  als würde er nicht urgeschoren in Jerusalem davonkommen. Als er in Milet ankommt, läßt er die Ältesten und Vorsteher der Gemeinde in Ephesus zu sich rufen, um sich von ihnen zu verabschieden. Er sagt zu ihnen: „Ich habe euch das ganze Evangelium gesagt. Ich meine, daß Gefangenschaft und Traurigkeit auf mich warten, wenn ich jetzt nach Jerusalem gehe. Aber ich will den mir von Gott bestimmten Weg mit Freuden vollenden. Achtet auf euch selbst und die ganze Gemeinde. Nach meinem  Weggang werden falsche Lehrer in die Gemeinde einbrechen. Darum seid wachsam. Ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade!“

Dann kniet er nieder und betet mit ihnen allen. Die Ältesten müssen weinen bei diesem Abschied und fallen ihm um den Hals, weil er doch gesagt hatte, er würde sie nun nicht mehr sehen. Dann bringen sie ihn wieder auf das Schiff. Aber Paulus hat seine Kraft an seine Nachfolger weitergegeben. Wo er bisher gewirkt hat, da müssen sie jetzt wirken. Ob sie wohl ihre Aufgabe recht weitergeführt haben? (vergleiche Apk 2,2-5).

An Kreta vorbei fahren sie mit dem Schiff nach Tyros, von dort nach Cäsarea. Mehrere Leute warnen Paulus davor, nach Jerusalem zu gehen. Darunter ist auch der Prophet Agabus, der sich mit einem Gürtel Hände und Füße gebunden hatte, um zu zeigen, wie es Paulus in der Stadt ergehen würde. Paulus aber sagte: „Ich bin sogar bereit, um des Namens Jesu willen zu sterben!“

Als er in Jerusalem ankommt und mit den anderen Aposteln spricht, baten diese ihm, an einem Beispiel zu zeigen, daß er auch das jüdische Gesetz einhält. Es sind da vier arme Männer, die ein Gelübde getan haben, sie wollten dreißig Tage lang keinen Wein trinken und sich die Haare wachsen lassen. Nach Abschluß dieser Zeit hatten sie in Jerusalem ein Opfer darzubringen. Das Geld für dieses Opfer soll Paulus übernehmen. Vorher aber muß er selber im Tempel mit Entsühnungswasser besprengt werden, weil er in heidnischen Ländern gewesen war. Als er deswegen in der Tempel kommt, wird er dort am siebten Tag verhaftet. Man wirft ihm vor, gegen das jüdische Volk, das Gesetz und der Tempel gelehrt zu haben, weil er Heiden in die Gemeinde aufgenommen hat. Auch werfen sie ihm vor, einen Heiden in den Tempel geführt zu haben.

Es entsteht ein großer Aufruhr in der Stadt. Sie ziehen ihn aus dem Tempel auf den Vorplatz und wollen ihn umbringen. Als der römische Hauptmann davon hört, eilt er sogleich mit seinen Soldaten zum Tempelplatz. Die Juden lassen Paulus sofort los. Der Hauptmann läßt ihn in eine Art Schutzhaft nehmen und erst einmal in Ketten legen. Als er ihn fragt, wer er wäre und was er getan hätte, da schreit das Volk so und drängt heran, daß er ihn in die Burg bringen läßt.

Nach kurzem Gespräch erlaubt der Hauptmann ihm, sich gegenüber dem Volk draußen zu verteidigen, um den Zorn der Juden zu besänftigen. Er erzählt zunächst seinen ganzen Werdegang und seine Bekehrung und erwähnt dabei auch, daß er das ganze Gesetz eingehalten habe. Als er aber seine Mission unter den Heiden erwähnt, da rufen sie: „Weg mit ihm von der Erde! Er darf nicht mehr leben!“ Mit der judenchristlichen Gemeinde habe sie sich noch abgefunden, weil diese alle Eiferer für das Gesetz sind. Durch die Heidermission aber ist der geistliche Standort Jerusalems abgewertet.

Der Hauptmann läßt ihn wieder in die Burg führen und will ihn auspeitschen lassen, um zu erfahren, was er verbrochen hat. Paulus aber beruft sich darauf, daß er römischer Bürger ist und dieses Recht schon seit seiner Geburt hat. Am nächsten Tag will der Hauptmann nun beim Hohen Rat erkunden, was gegen Paulus vorliegt.

Es war wohl mehr eine formlose Zusammenkunft mit dem Hohen Rat, bei der auch der römische Hauptmann anwesend ist. Paulus bezeichnet sich zunächst als Pharisäer, der wegen seiner Hoffnung auf die Auferstehung angeklagt wird. Damit will er den alten Zwiespalt zwischen Pharisäern und Sadduzäern wieder neu aufbrechen lassen. Es  entsteht ein so großer Aufruhr, daß der Hauptmann den Gefangenen wieder in die Burg bringen lassen muß.

Er soll nun zum Statthalter nach Cäsarea gebracht werden. Einige Juden aber machen eine Verschwörung, sie wollen nicht mehr essen und trinken, bis sie Paulus getötet haben. Doch ein Neffe des Paulus erfährt davon und sagt es dem Hauptmann. Der stellt eine Truppe von 200 Soldaten, siebzig Reitern und 200 Schützen zusammen und läßt Paulus in der Nacht nach Cäsarea bringen.

Die weitere Verhandlung findet nun vor dem Statthalter Felix statt. Nach fünf Tagen kommen einige vom Hohen Rat mit dem Anwalt Tertullus und verklagen Paulus. Dieser rechtfertigt sich wieder damit, er habe doch das Gesetz gehalten und werde nur wegen seiner Auferstehungshoffnung verklagt.

Der Statthalter Felix zieht dann aber den Prozeß sehr lange hin. Er läßt Paulus öfter rufen und spricht mit ihm, auch seine Frau Drusilla ist manchmal dabei (Sie war die jüngste Tochter des Herodes Agrippa I., also eine Schwester des Herodes Agrippa II. 

 

und der .Berenice. Sie war mit einem kleinasiatischen verheiratet gewesen, heiratete dann aber den Felix, ohne die erste Ehe aufzulösen. Zusammen mit ihren Sohn fand sie im Jahre 79  bei der Verschüttung Pompejis den Tod).

Felix wird sonst als ein grausamer und lüsterner Mensch geschildert. Hier aber erscheint er aber doch an der Predigt des Paulus interessiert. Nur als der ihn vom Gericht Gottes erzählt, will er nichts davon hören. Auf jeden Fall läßt Felix aber den Paulus nicht frei, obwohl er von dessen Unschuld überzeugt ist.

 

Sein Nachfolger ist Porcius Festus, an sich ein gewissenhafter Beamter und Mann schnellen Handelns. Aber offenbar hatte er doch einmal eine schwache Stunde und will gegen Paulus in Jerusalem verhandeln, um ihn womöglich an den Hohen Rat abzuschieben. Da beruft sich Paulus darauf, nur vor einem kaiserlichen Gericht

aussagen zu wollen.

Als der .König Agrippa  und seine Schwester Berenice nach Cäsarea kommen, werden sie auch als jüdische Sachverständige gefragt. Paulus muß sich vor ihnen verantworten. Sie sind nicht unbedingt Große in d er Welt, aber immerhin darf er vor dem letzten jüdische König sprechen. Paulus schildert ihm wieder seinen ganzen Werdegang und seine Bekehrung. Agrippa muß bekennen: „Es fehlte nicht viel und du hättest mich noch zu einem Christen gemacht!“ Sein abschließendes Urteil ist: „Der Mann hätte freigelassen werden können, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte!“

So bekennt Paulus unerschrocken vor Kaiser und Reich seinen Glauben. Er macht aber auch gerade den einflußreichen Kreisen deutlich, daß es nicht zum Zusammenstoß zwischen Christengemeinde und Staat kommen muß. Selbst wenn ein Verdacht auf die Christen fällt, stellt sich vor Gericht bald ihre Unschuld heraus. Die Römer täten am besten, die Christen zu dulden, denn sie sind ja aus. dem Judentum herausgewachsen, das ja auch eine geduldete Religion ist.

 

 

Kaufmann-Bild Nummer 12:

Hinter dem Statthalter und dem Königspaar steht die bewaffnete Macht. Paulus steht da in völliger Ohnmacht, weist aber auf der Ausgangspunkt des Kraftfeldes, das alle umgibt: „Von dort kommt die Macht, auf den sollt ihr hören!“ Christus hat sich in die Ohnmacht begeben, nun will er auch in der Ohnmacht seiner Boten mächtig sein. Paulus predigt nur; aber dadurch werden die Hörer unversehens in das Kraftfeld hineingenommen.

 

Erzählung:

Als der Sommer zuende geht, soll Paulus von einer Abteilung Soldaten unter dem Hauptmann Julius nach Rom gebracht werden. Es geht schon auf den Winter zu und die Fahrt auf dem ziemlich kleinen Segelboot wird schon gefährlich wegen der zu erwartenden Stürme. An Zypern vorbei sind sie an die Nordküste Kretas gekommen. Paulus warnt vor der Weiterfahrt; aber die Seeleute wollen wenigstens noch einen Hafen an der Südküste erreichen, um dort zu überwintern. Sie hören nicht auf Paulus, dem Gott doch die Augen geöffnet  hat für das, was jetzt bevorsteht.

Plötzlich setzt von Nordost ein starker Orkan ein, der das Schiff auf das offene Meer treibt. Man kann noch schnell das Rettungsboot an Bord nehmen. Durch Stricke soll der Schiffsrumpf vor dem Anprall der Wellen geschützt werden. Man wirft allen Ballast von Bord und legt den Treibanker aus.

Aber bald haben sie jede Orientierung verloren, das Schiff treibt dahin. Alle auf dem Schiff haben mit dem Leben abgeschlossen. Nur Paulus hält an der Zusage Gottes fest, daß er nach Rom kommen werde. Er erzählt auch den anderen von seiner Bindung an Gott, in dessen Dienst er steht und dem er fest vertraut. „Keiner von euch wird umkommen, nur das  Schiff!“ ruft er.

Als sie aber in die Nähe des Festlandes kommen, wollen die Seeleute heimlich das Schiff verlassen. Paulus aber bemerkt es und macht den Hauptmann darauf aufmerksam. Da hauen die Soldaten die Stricke des Rettungsbootes durch, so daß es ins Wasser fällt. Jetzt müssen sie alle zusammenbleiben.

Als es hell wird, fordert Paulus die verstörten Menschenauf, doch erst einmal etwas zu essen, um für die kommende Strapazen gekräftigt zu sein. Er selbst spricht ein Dankgebet und beginnt zu essen. Da fassen auch die anderen Schiffsreisenden wieder Mut und beginnen zu essen.

Dann hauen sie die Anker ab und lassen das Schiff auf eine kleine Bucht zutreiben damit es am Strand aufläuft. Mt einem Ruck fahren sie auf eine Sandbank auf, das Hinterschiff bricht ab.

Aber die Schiffbrüchigen können sich alle ans Ufer retten, indem sie schwimmen oder sich an Schiffstrümmern festklammern. Sie werden alle gerettet. Sie sind auf der Insel Malta gelandet. Die Leute dort nehmen sie freundlich auf, machen ihnen

Feuer, damit sie sich trocknen und wärmen konnten.

Der Leuten auf dem Schiff aber ist deutlich geworden: Wo Christen sind, da geht es gut voran. Ihre Geborgenheit in Gott macht sie ruhig in den Stunden der Gefahr. Sie erlaubt ihnen inmitten des Schreckens noch ein erfolgreiches Nachdenken. Paulus erscheint hier als der von Triumph zu Triumph schreitende Liebling Gottes, als der er sich eigentlich gar nicht gefühlt hat (2. Kor 1,8 ff). In ihm steigern sich durch sein Christsein die römischen Tugenden bis zur höchstmöglichen Höhe. Er übertrifft die Seeleute mit seinem Urteil und kann besser als sie Rat geben. Er hält Hoffnung und Mut aufrecht, als alle verzweifeln. So wird er zum Heilbringer für alle.

 

Im Frühjahr wird Paulus nach Rom gebracht.  Dort ist eine christliche Gemeinde entstanden durch Kaufleute und Leute, die in die Hauptstadt umzogen. Nun ist Paulus an seinem Ziel . Wer im Zentrum des Weltreichs ist, kann von dort aus eher „bis an die Enden der Erde“ kommen. Ob Paulus noch nach Spanien gekommen ist, wissen wir nicht.  Abner  er kann sich ziemlich frei bewegen, er hat nur einige Soldaten als Bewachung dabei. Wahrscheinlich ist er bei der Christenverfolgung unter  dem Kaiser Nero umgebracht worden.

 

 

 

Kaufmann-Bild Nummer 13:

Die Füße des Apostels sind zur Ruhe gekommen. Aber das Evangelium bedarf dieser Füße nicht mehr, das Wort läuft von selber in die Welt. Viele Hände strecken sich aus und tragen das Wort einer Fackel gleich nach aller Richtungen der Welt. Paulus ist nicht  wichtig  Gott baut sein Reich auf Erden. Die Waffen des Soldaten müssen solange ruhen. So endet die Apostelgeschichte mit einem verheißungsvollen Bild, sie endet, wie sie begonnen hat: „Meine Zeugen bis an das Ende der Erde!“

 

 

 

Paulus schreibt an die Philipper voller Freude

Hinführung.

Wir betrachten Bilder bzw. kleben eine Bildmontage zum Thema: „Worüber Menschen sich freuen“. Es kann verschiedene Voraussetzungen für die Freude geben, sie ist von verschiedenen Dingen abhängig. Auch in einer Kirchengemeinde kann man manchmal eine Freude erleben. Aber es kann auch sein, daß es in einer Gemeinde nur wenig Erfreuliches gibt. Wenig Freude werden wohl die Menschen haben, die im Gefängnis sitzen. Es gibt aber einen Brief aus dem Gefängnis, in dem von der Freude die Rede ist. Es sind Sätze aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi:

 

„Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke (1,3). Ich bin guter Zuversicht, daß, Gott das gute Werk auch fortführen wird, das er bei euch angefangen hat (1,6).. Wie es um mich steht, das ist nur zur Förderung des Evangeliums geworden (1,12). Wenn nur Christus verkündet wird auf alle Weise, so freue ich mich darüber und will mich auch fernerhin freuen (1,18). Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn (1,21). Ich habe Lust zu sterben und bei Christus zu sein (1,23), aber ich will bleiben, euch zur Förderung und zur Freude im Glauben (1,25). Macht meine Freude völlig und seid eines Sinnes (2,2). Jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was des anderen ist (2,4). Jeder sei gesinnt wie Jesus Christus auch war und wie es sich für den gehört, der zu Christus gehören will (2,5).

 

Die Stadt Philippi liegt in Nordgriechenland an der Küste. Ihren Namen hat sie von ihrem Gründer, dem König Philipp II von Makedonien, dem Vater Alexander des Großen. Sie war eine wichtige Durchgangsstation zwischen Europa und Asien. Die christliche Gemeinde dort bestand aus ehemaligen Heiden. Im Einzelnen sind aus ihr bekannt die Purpurhändlerin Lydia, eine Sklavin mit Wahrsagekräften und ein Gefängnisaufseher.

Das Verhältnis der Gemeinde zum Apostel Paulus war gut. Sie hat ihr während seiner Gefangenschaft in Cäsarea versorgt; von dort hat er ihr mehrere Briefe geschrieben, von denen uns einer im Neuen Testament erhalten ist.

Paulus muß damit rechnen, daß die Gefangenschaft mit einem Todesurteil endet. Vielleicht verbindet ihn das auch besonders mit der Gemeinde in Philippi. Er lobt sie uneingeschränkt und dankt ihr und Gott wie sonst kaum. Immer wieder spricht er von der Freude, am deutlichsten in Kapitel 4, Vers 4: „Freut euch in dem Herr allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch!“

Wie ist Paulus zu dieser Freude gekommen? Woher hat er diese Freiheit im Gefängnis? Artwort kann uns ein Lied geben, das Paulus in seinen Brief eingefügt hat. Er hat es wohl nicht selbst gedichtet, sondern aus dem christlichen Gottesdienst übernommen. Nur an einer Stelle hat er seinen Kommentar eingefügt. Das Weltbild und die Sprache dieses Textes mag uns fremd vorkommen. wir müssen uns einiges erklären lassen Wir können eine Gliederung in Abschnitte versuchen und Überschriften dazu finden. Vor allem aber sollten wir uns fragen, ob in diesem Lied eine Antwort auf die Frage liegt, weshalb Paulus sich trotz Gefängnis und Todesgefahr freuen kann.

 

Das Lied Phil 2,5-11:

Seid so gesinnt, wie es sich in Jesus Christus gehört!

Er war wie Gott, aber er betrachtete das Gott-gleich-sein

nicht als unaufgebbaren Besitz.

Aus freiem Entschluß gab er alles auf und wurde wie ein Sklave.

Er kam als Mensch in die Welt und er lebte wie ein Mensch..

Er erniedrigte sich, gehorsam bis zum Tod, bis zum Kreuzestod.

Darum hat ihn Gott über alles erhöht und

gab ihm den höchsten Ehrennamen, den es gibt.

Vor Jesus müssen alle Mächte niederknien,

ob sie im Himmel, auf der Erde oder im Toterreich sind.

Jede Zunge muß bekennen zum Ruhme Gottes des Vaters:

Herr ist Jesus Christus!     (nach „Gute Nachricht“).

 

Jesus war nicht nur nach seiner äußeren Gestalt göttlich, sondern seine gesamte Existenz war auf Gott ausgerichtet. Doch freiwillig gab er diese göttliche Existenz auf. Er wurde wirklicher Mensch in seiner gesamten Existenz, und nach damaliger Anschauung ein Sklave der Schicksalsmächte. Aber er verhielt sich doch anders als andere Menschen: Er hat die Möglichkeit zur Sünde nicht wahrgenommen, sondern war Gott gehorsam. Das ist die Hauptaussage dieses Textes. Nun ist er mitbeteiligt an der Herrschaft Gottes über die Welt. Es gibt keinen Bereich, in dem seine Herrschaft nicht gilt. Die Schicksalsmächte werden entmachtet, alles liegt in der Hand des Christus. Der Name „Jesus“ wird ausdrücklich noch einmal erwähnt, damit unverwechselbar klar ist, wer dieser Herrscher ist: Es ist der, der erniedrigt und verachtet am Kreuz starb! Hier an dieser Stelle hat Paulus seiner Kommentar eingefügt, indem er sagt „bis zum Tod am Kreuz“. Dadurch hat er den Weg zu Gott freigelegt. Er will nicht versklaven, sondern erretten und heimführen.

Antwortgespräch:

Der Grund für die Freude des Paulus ist die Herrschaft Jesu Christi und die Verbundenheit mit diesem Herrn. Deshalb ruft er auch die Gemeinde zur Freude auf. Sie darf bekennen: Jesus Christus ist der Herrscher! Weil Jesus gehorsam war, ist Gott zu uns barmherzig!

In dem Lied wird die ganze Bewegung Jesu Christi von Gott zu den Menschen und wieder zurück zu Gott beschrieben (ähnlich wie im 2. Artikel des Glaubensbekenntnisses).         

Wir können aber keinen Gegensatz herstellen zwischen der natürlichen Freude des Menschen und der „wahren Freude“ des Christer. Auch Nichtchristen können sich über viele Dinge freuen. Und auch Christen freuen sich an allem Schönen und Guten in der Welt. Sie wissen aber darüber hinaus von dem, der solche Freude möglich macht.  Auch versuchen sie, solche Freude an andere Menschen weiter zu geben: „Gebe ich Freude weiter, werden andere froh!“ Und Christen werden in ihrer Freude auch nicht gleich geknickt werden, wenn sie einmal Schweres durchzustehen haben.