Start » Predigten » Andachten
 
Andachten

 

Andachten

 

2. Mose 20, 2-17:  „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst….“

Jetzt wird uns durch die Hintertür doch wieder ein Gesetz auferlegt, denken wir. Jesus hat uns das Evangelium gebracht, und dieses verträgt sich nicht mit dem Gesetz. Nun - Jesus hat an diesem Gesetz keine Abstriche gemacht, er hat es im Gegenteil noch verschärft und von den großen Tatsünden auf die böse Gesinnung verwiesen. Ist das nicht ein Widerspruch?

Wir wissen alle: Diese Gesetze sind nur Bojen, die unser Lebensschiff in der richtigen Fahrrinne halten. Sie sind nur die äußersten Grenzen eines weiten Bereichs, innerhalb dessen wir frei sind. So sagt man doch immer wieder. Aber mit solchen Beispielen macht man sich dieses Problem nach meiner Meinung zu leicht, denn die Tatsache bleibt doch bestehen, daß es da unüberschreitbare Grenzen gibt.

Wir müssen dieser Tatsache ins Auge sehen und - gehorsam sein: Gott gibt uns neben dem Evangelium auch sein Gesetz, und wenn wir das Evangelium annehmen, wird uns auch klar, wozu das Gesetz nützlich und heilsam ist. Nur besteht dieses Gesetz nicht aus vielen Einzelvorschriften, die wir alle ängstlich beachten müssen. So etwas können wir gar nicht. Gott will uns nicht Angst machen, sondern er hat uns zur Freiheit berufen. Wer das gemerkt hat, für den regeln sich die vielen Einzelfälle des Alltags ganz von selbst. Auf die tägliche Grundentscheidung für oder gegen Gott kommt es an, die Pannen in unserem Zusammenleben sind demgegenüber unbedeutend, weil Gott sie dem vergibt, der an ihn glaubt.

Nicht umsonst spricht man in einer Gemeinschaft von „ungeschriebenen Gesetzen“, die auch nicht bis ins Einzelne festgelegt sind, die aber doch jeder fühlt. Sie können aber im Einzelfall leicht abgewandelt werden, ohne daß ihr Sinn entstellt wird. Gottes Gebote sind auch solche „ungeschriebenen Gesetze“ , denn diese zehn Gebote sind ja nur einige Richtlinien. 

Sie grenzen unser Verhältnis zu Gott und dem Mitmenschen in rechter Weise ab. Sie sind der Zaun, der  uns vor einer Grenzüberschreitung bewahren soll. Aber sie sollen nicht zu einem Zaun werden, der  uns von Gott und unseren Mitmenschen trennt. Wir können einfach nicht sagen: Der hat die Gesetze der Gemeinschaft nicht geachtet, der kann gehen! Solche Zäune sind dazu da, niedergerissen zu werden. Das ist der positive Sinn dieser Gesetze, nicht nur als Befehl, sondern als Bitte.

 

Psalm 130,6: „Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur anderen“

Warten wir auf den Herrn? Erwarten wir etwas von ihm? Gott gehört natürlich zu unserem Leben dazu. Aber wir spüren zu wenig, wie sich das konkret auswirkt.

Ein Ehepaar ging einmal spazieren. Plötzlich stellten sie fest, daß sie etwas verloren hatten. Es wurde schon dunkel und  man konnte nur noch schwach sehen. Aber siefanden das Verlorene doch wieder. Nachher sagte die Frau: „Als ich es merkte, habe ich erst einmal gebetet, daß wir es wiederfinden mögen!“ Daran hatte der Mann gar nicht gedacht. Er war der Meinung: Was man sich selbst eingebrockt hat aus Unachtsamkeit oder Mutwillen, das muß man auch selber auslöffeln. Wozu denn Gott mit  solchen Kleinigkeiten belästigen. Wenn wir uns selber helfen können, ist das doch gut so. Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. So denken wir doch weitgehend.

Der Beter dieses Psalms hat ein anderes Problem, das ihm Mühe macht, wenn er zu Gott beten möchte: Aus der Tiefe ruft er zu Gott, er weiß, daß er in Sünde verstrickt ist und in der Gottferne lebt. Was geschieht, wenn Gott ihm das nun vorhält? Kein Mensch könnte etwas von Gott erwarten, wenn der die Sünden anrechnen würde.

Und doch sagt er: „Ich hoffe auf das Wort des Herrn!“ Gerade weil er so darniederliegt, kann er nur noch auf Gott hoffen. Gott antwortet nicht immer  gleich. Von einer Morgenwache bis zur anderen muß der Beter warten, Tag für Tag. Doch er gibt nicht auf.

Wer würde nicht nach einiger Zeit erlahmen und denken: „Gott hört nicht, er hat ja auch im Grunde recht, denn ich habe es ja nicht verdient!“ Aber dieser Beter fordert sogar noch die anderen auf: „Hofft mit mir!“ Er erwartet a l l e s von Gott. Wie sollte ihm Gott da nicht alles schenken?

Unsre Sünde ist kein Grund, nicht nach Gott zu rufen. Unsre Sünde ist kein Grund, daß wir uns von Gott zurückziehen. Unsre Sünde ist vielmehr der  Grund, aus dem wir noch mehr  auf Gott geworfen werden und zu ihm rufen dürfen, Tag für Tag, in großen und in kleinen Dingen. Wir haben kein Recht, nicht in jedem Fall alles von Gott zu erwarten. Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm!

 

Hiob 1,13-22: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen: der Name des Herrn sei gelobt!“

Ein kleines Mädchen erhält eine Puppe geschenkt..Die hegt es und pflegt es  wie ein eigenes Kind. Es ist den Eltern dankbar für diese Gabe und kann nicht mehr darauf verzichten. Und dann kommt ein fremder Junge, nimmt ihr die Puppe weg und zerlegt sie in ihre Einzelteile. Wir sehen den Scherz und das heulende Gesicht  des Kindes direkt vor uns.

Hiob ist es viel schlimmer ergangen: Mit einem Schlag wurde ihm all sein Besitz und seine Kinder genommen.  Im Krieg kann man so etwas das tausendfach erleben. Da kann einem das Leben doch nur sinnlos erscheinen. Jahrzehntelang hat man sich abgemüht und gesammelt, die Kinder wurden unter großen Opfern und Ängsten großgezogen, und dann wird man plötzlich wieder auf den Nullpunkt zurückgeworfen. „Ich bin nackt von meiner Mutter Leib gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren,“ sagt Hiob.

Wie viele unserer Pläne haben wir schon aufgeben müssen, wieviel haben wir schon verloren? Aber Hiob hat mehr verloren! Wir singen ganz unbekümmert: „Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin!“ Aber was wäre, wenn es jetzt in diesem Augenblick von uns gefordert würde?

Nicht einmal Gut und Ehre, Wohnung und freundliche Nachbarn könnten wir hergeben. Könnten wir Gott noch anbeten, wenn er die eben geheiratete Frau oder das eben geborene Kind wieder von uns fordert? Uns fällt es ja schon unendlich schwer, wenn wir einmal ein paar Tage auf die Gemeinschaft  und das Gespräch mit Frau und Kind verzichten müssen. Und dann gar das Leben hergeben? Ja, wenn einem sowieso nichts daran liegt, dem mag es egal sein. Aber wir hängen doch alle am Leben, wir lieben das Leben. Jetzt verstehen wir erst , was es für Jesus bedeutete, für uns ans Kreuz zu gehen.

Hiob trauert auch. Den rein menschlichen Schmerz kann man niemandem ausreden. Aber für Hiob ist der Schmerz nicht das Letzte: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Der Name des Herrn sei gelobt!“ Er weiß, daß er alles , was ihm lieb und wert ist, von Gott als Gabe geliehen erhielt. Gott kann es jederzeit wieder zurückfordern und dann müssen wir es ohne Murren wieder hergeben, denn es gehört Gott und ist bei ihm gut aufgehoben.

Es wird uns schwer fallen, diesen Satz des Hiob nachzusprechen, aber wir sollten ihn auch im Kopf haben, wenn die Zweifel an Gott kommen, weil er etwas so Schweres von uns fordert:

„Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen! Der Name des Herrn sei gelobt!“

 

Matth 10,11-25: Bibelarbeit

Der Friede erscheint wie ein Besitz, der gegeben und genommen wird. Es geht um eine privaten Vorgang, der keine großen gesellschaftlichen Umwälzungen mit sich bringt. Dieser Friede wird ausgestreut. Wer aber ist es wert, daß ihm der Friede gegeben wird? Er ist eine einmalige Chance, nicht ein ständiges Angebot.

Der Friede liegt nicht als ein Besitz in der Verfügungsgewalt des Boten, der nur einen ganz alltäglichen Gruß ausspricht. Auf diesen Gruß sollte man antworten. So wird eine Verbindung zwischen Menschen hergestellt. Das Haus hat nicht in sich Frieden, sondern nur durch den Kontakt mit anderen. Wenn man die Botschaft nicht annimmt, kann der Bote nichts daran ändern. Man kann niemanden zum Evangelium zwingen. Wenn man Matthäus 28 daneben hält, kann man aus dieser Stelle lernen, daß nicht alle Getauften das Evangelium annehmen.

Nicht behandelt wir die Frage, ob es um den Frieden mit Gott geht oder um die mitmenschlichen Beziehungen; beides gehört zusammen. Aber hier geht es gerade um den mitmenschlichen Gruß, nicht um religiöse Ansprachen in den Häusern.

Schwierig ist die Frage, wem hier der Gruß gilt: Den Juden und Samaritanern, den Kranken und Besessenen oder den schon bekehrten Christen? Matthäus 28 ist an alle gerichtet. Aber befreiend ist, daß die Boten sich nicht festbeißen sollen, sondern auch wieder weggehen können. Was mit den Ablehnenden geschieht, ist die Sache von Gottes Gericht (Vers 15). Wichtig ist nur, daß die Boten nicht aus einer Position der Sicherheit heraus reden, sondern daß sie ungesichert - vielleicht mit erbärmlichen Worten - die Botschaft sagen und nur dadurch glaubwürdig werden.

Auch vorher ist nur von Gottes Handeln die Rede (Gottesreich!). Erst dann geht es um konkrete menschliche Fragen der Mission. Aber wir empfangen (!) den Frieden. Dazu gehören: Warten, Schweigen und Beten.

Das Schicksal der Boten wird hier unter eschatologischem Gesichtspunkt gesehen (die Parallelen stehen in Markus 13). Ihr Leiden entspricht dem Kommen des Herrn, auch wenn dieses bis heute noch nicht eingetreten ist. Deshalb ist aber alles Bisherige nur Vorläufiges. Darum jagt die Urgemeinde auch nicht die Welt verlassen, hat missioniert, ist aber  damit auch den Weg gegangen, den Jesus gegangen ist.  Ihre Botschaft erregt Anstoß.

Wo das nicht geschieht, könnte man fast vermuten, die Botschaft sei verfälscht worden. Wenn der Bote aber leidet, dann soll das Martyrium nicht unbedingt zum Tode führen: Die Boten sollen klug sein, sich hüten und fliehen. Es geht nicht unbedingt darum, sich durch Klugheit dem Martyrium zu entziehen. Es geht ja gerade darum, daß jemand schon vor Gericht steht. Dann soll er klug sein und sich verteidigen mit Klugheit. Dann hat er auch die Verheißung, daß der Heilige Geist ihm die Wort eingibt!

Aber die Kirche muß immer wissen, daß sie in die Situation des Leidens kommen kann. In der früheren DDR hat der Staat einer wohlsituierten Volkskirche die Privilegien genommen und ihr eine andere Stellung in der Gesellschaft gegeben. Das konnten viele Christen nicht verwinden und fühlten sich deshalb zum Martyrium und zum Leiden getrieben. Aber die machtlose Kirche ist die Kirche Jesu Christi.

 

Mk 1,35-39: „Jesus ging an eine einsame Stelle und betete daselbst!“

Wir hätten durchaus einmal etwas Ruhe und Abgeschiedenheit nötig. Unsere Tage laufen einer nach dem anderen davon, von unserer Arbeit getrieben. Das geht alles so schnell und es gibt keinen Ruhepunkt. Jesus fand Zeit,  um einmal allein zu sein und mit Gott reden zu können. Er löst sich von allen irdisch-menschlichen Bindungen, von allen anderen Aufgaben , die sicher auch wichtig sind, und hat einmal Zeit für Gott. Ist das in unserer Zeit unmöglich geoworden? Bleibt uns da nur noch der Weg ins Kloster?

Die alten Mönche sagten: „Bete und arbeite!“. Sie haben sich bei aller tägliche Arbeit doch Zeit genommen für das Gebet. Und sie haben zuerst gesagt „Bete“, und dann „Arbeite“. Alle Arbeit kann das Gebet nicht aufwiegen.

Wir halten heute nichts mehr von einem lebenslänglichen Klosterleben. Aber für eine begrenzte Zeit würden wir gern einmal Stunden der Einkehr halten, um über unser Leben vor Gott nachzudenken. Unsere Kirche bietet uns manche Freizeit an, wo wir das finden können.

Aber auch bei unserer Alltagsarbeit besteht die Möglichkeit zum Gebet. Wir haben 24 Stunden Zeit am Tag. Da bleibt auch Zeit für ein Morgen- oder Abendgebet. Und danach wieder an die Arbeit oder in den Schlaf. Als die Jünger zu Jesus kommen und sagen: „Man braucht dich!“gibt er gar keine langen Erklärungen, sondern nimmt sein übliches Tagwerk wieder auf.

 

Mk 12, 28-34: „Du sollst lieben Gott deinen Herrn, und deinen Nächsten wie die selbst!“

Merksatz für alle, die ein etwas schwaches Gedächtnis haben, möchte man fast sagen. Wer sich die Zehn ‚Gebote nicht alle merken kann, für den genügt auch das Liebesgebot Jesu: „Du sollst lieben Gott deinen Herrn, und deinen Nächsten wie die selbst!“ Ist doch alles einfach mit diesen Geboten: nur zwei Dinge!

Aber ist es wirklich einfach? Fangen wir einmal hinten an: sich selber lieben! Das geht ja noch. Wenn es hart auf hart geht, ist sich jeder ganz automatisch selbst der Nächste. In dem Film „Solange du da bist“ wird eine Szene gezeigt, wie eine Frau ihren hinkenden Mann im Stich läßt und sich auf den schon anfahrenden Zug schwingt, der sie vor den gegnerischen Soldaten in Sicherheit bringt. Sogar Eheleute können das Liebesgebot vergessen.

Wie oft vergessen wir das Liebesgebot in unserem Alltag. Können wir überhaupt unseren Nächsten lieben, der uns andauernd auf die Nerven fällt? Wie können wir den lieben, der ständig die Türen zuschlägt? Wie könne wir ruhig bleiben, wenn einer immer wieder mit der gleiche Sache zu uns kommt?

Besonders im Pfarramt ist da manchmal viel gefordert: Der Großbauer soll uns genausoviel sein wie der Asoziale, dem Bürgermeister können wir nicht anders begegnen als der alten Frau oder dem Kindergottesdienstkind. Für uns gibt es keine Randsiedler, der Pfarrer muß für alle da sein, auch wenn es gerade klingelt, während er mitten beim schönsten Predigtgedanken ist. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

Sich selbst zu lieben ist leicht, den Mitmenschen zu lieben ist schwerer. Gott zu lieben ist am schwersten. Luther ist daran fast innerlich zerbrochen, daß er Gott nicht lieben konnte. Auch wir müßten daran zerbrechen, wenn wir es so ernst nähmen wie Luther und wenn wir nicht wissen könnten: Gott hat uns zuerst geliebt! Nur deshalb können wir versuchen, ihn wiederzulieben. So viel wie wir Gott lieben, werden wir auch unseren Mitmenschen lieben. Wenn wir Gott lieben, wird auch unser Verhältnis zu den Menschen in Ordnung kommen.

 

Lk 9,62: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes!“

Wir könnten auch sagen: „Wer die Hand an den Hebel der Maschine legt und sieht in eine andere Richtung, der ist kein guter Arbeiter“ oder „Wer Vorlesungen nur belegt und nicht hingeht, der ist kein eifriger Student!“ Und den obigen Vers könnten wir umformen: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist kein gewissenhafter Bauer!“ So steht es aber nicht da, denn der Bildhälfte von dem Pflug steht die Sachhälfte gegenüber, die vom Reich Gottes redet. Was ist nun aber mit dem Bild gemeint?

Deutlich ist, daß hier eine bedingungslose Entscheidung verlangt wird von denen, die Jesus nachfolgen wollen: Entweder ihr nehmt die Sache in die Hand, dann aber ganz, oder ihr taugt zu gar nichts! Ein Mittelding, eine unverbindliche Besichtigung und Vorführung des Gegenstandes gibt es nicht!

Wodurch kommen wir dazu, nach rückwärts zu schauen? Einmal weil wir uns in unsere Vergangenheit „verliebt“ haben, nach der guten oder der bösen Seite: Entweder verherrlichen wir sie und können uns noch nicht von der schönen Erinnerung trennen, oder wir sehen in ihr  nur unsere „sündige“ Vergangenheit, die uns hindert, Jesus ganz nachzufolgen, und vergessen dabei, daß Gott auch einmal einen Schlußstrich  und einen Neuanfang setzen kann.

Zum anderen fürchten wir uns davor, nach vorne zu schauen, wir fürchten uns vor der Zukunft. Wer weiß, welche hohen Anforderungen  das Christsein an uns stellt, vielleicht schlägt die öffentliche Meinung einmal um, und wer sagt denn überhaupt, daß mir das Christsein in meinem praktischen Leben so sehr hilft?

Hier liegt ein wunder Punkt, der in diesem Vers nicht gelöst ist: Was sollen wir denn tun, damit wir „geschickt“ sind zum Reich Gottes, also dafür bestimmt? Sollen wir sagen: „Wer alle Gebote hält, der ist geschickt zum Reich Gottes?“ Wir verlangen nach einer Verdeutlichung der Bildhälfte dieses Verses, aber sie wird uns nie gegeben werden, das müssen wir schon selbst finden.

Hier soll nur eins gesagt werden: Es kommt darauf an, daß wir überhaupt eine ganze Ent­scheidung fällen, daß unsere grundsätzliche Entscheidung feststeht, daß wir blindlings wissen, zu wem wir gehören. Dann werden wir schon ganz von selbst merken, worauf es in einer bestimmten Lage ankommt und wie und für wen wir dann zu entscheiden haben. Wir können nicht immer in dem großartigen Bewußtsein leben, alle Entscheidungen lägen schon hinter uns. Nein, viele kleine und große Entscheidungen werden täglich von uns gefordert, aber wichtig ist, daß wir wissen, von woher und von wem her sie zu fällen sind.

Wir können nicht ständig hundertprozentige Christen sein - so etwas gibt es überhaupt nicht. Aber wir können uns die Augen öffnen lassen, damit wir überhaupt merken: Hier hast du beherzt und helfend beizuspringen, hier stehst du in der Gefahr zu lügen, hier mußt du ein verstehendes Wort für deinen Mitmenschen finden.

Aber wichtig ist, daß wir diese Notwendigkeiten erkennen und einen Weg wissen, ihrem Anspruch zu antworten. Auf den W e g kommt es an, nicht auf die fertige Lösung, die muß sich jeder selbst sagen lassen. Wir stehen nicht in einem Gitternetz von Vorschriften, die uns in jedem Augenblick sagen könnten, was wir in diesem oder jenem Fall zu tun haben.

Deshalb haben auch jene Kulturpessimisten Unrecht, die meinen, man müßte der Jugend eine festgefügte Ideologie in die Hand geben. Vor allem kann man das Christentum nicht dafür verwenden, denn das Christentum ist seinem Wesen nach nicht ideologisch, sondern fordert immer wieder, erst einmal die Lage nüchtern zu prüfen und dann zu fragen: „Was sagt Gott dazu?“ Wenn man das wirklich ernst nimmt und sich Mühe damit macht, dann weiß man schon, was man zu tun hat.

Aber noch etwas gehört dazu: Dieser Vers steht bei Lukas am Anfang des sogenannten „Reiseberichts“ am Anfang des Zugs nach Jerusalem. Diese Stadt bedeutet für ihn: Passion und Leiden. Mit seinem Wort ruft er also auch zum Leiden auf. Wir schnell eine Entscheidung für Jesus zum Leiden führen kann, brauchen wir uns nicht lange auszumalen: Es reicht vom verächtlichen Lächeln der anderen bis zum Wagnis des eigenen Lebens. Aber wir können dabei doch nicht das Wort Jesu vergessen, das im Johannesevangelium überliefert ist: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“

 

Lk 10,1-11: Aussendung der siebzig Jünger

Wir machen immer wieder die Erfahrung, daß andere Menschen nicht auf Gottes Wort hören wollen. Es läßt sie kalt, auch wenn wir uns immer wieder bemühen. Ein Verwandter oder Bekannter ist aus der Kirche ausgetreten, immer wieder spricht man mit ihm über dieses Thema, aber es gibt keinen Fortschritt in dem Gespräch.

Unser Text hier empfiehlt uns da Gelassenheit: „Geht wieder, wenn ihr keinen Erfolg habt!“ Man kann keinen zwingen, sondern nur seinem Schicksal überlassen. Aber er muß etwas von Gott erfahren haben. Er soll ruhig wissen, daß ihm das Reich Gottes nahe gewesen ist. Das ist eine ungeheure Aufgabe. Auch in unserer Gesellschaft soll jeder von Gott gehört haben. Wir können nicht von vornherein sagen: „Bei dem hat es ja doch keinen Zweck!“ Manchmal würde man überrascht sein.

Aber ein ganz anderes Arbeitsfeld liegt dort vor uns, wo eine große Ernte auf uns wartet. Es ist wichtiger, erst einmal die Früchte in die Scheunen zu bringen, die Gott für uns hat wachsen lassen. Überall um uns herum gibt es offene Ohren,  und Menschen, die auf einen Zuspruch, ein tröstendes Wort, einen Rat warten. Es ist wirklich eine große Ernte da, wir bewältigen noch längst nicht alle Aufgaben, die uns Gott stellt.

Auch in der Kirche herrscht Arbeitskräftemangel, weil viele ihre kirchliche Aufgabe nur als Nebenbeschäftigung ansehen, am Ende nur für Frauen und Kinder.

Doch eine Ernte erfordert den Einsatz der ganzen Person. Man muß unter Umständen sehr lange und hart und mit ganzer Hingabe arbeiten, ehe die Fürchte wirklich sicher sind, gerade weil sich nur so wenige an diese Arbeit heranwagen. Wir haben ja auch keine richtigen Waffen, um uns zu verteidigen, wenn wir angegriffen werden. Wie Lämmer unter den Wölfen kommen wir uns oft vor. Deshalb ist es wichtig, daß wir nicht allein auf weiter Flur stehen, sondern mindestens noch einen neben uns haben.

Jesus hat seine Jünger auch zwei und zwei ausgesandt, das hat sich bewährt. Jeder von uns sollte sich so einen Mitstreiter unter den Kollegen und Nachbarn , unter Verwandten und Bekannten suchen. Unser bester Mitarbeiter aber ist Jesus selbst, der entscheidend dazu mithilft, Arbeiter bereitzustellen, die Gottes Ernte einbringen. Sicherlich sind auch wir solche Arbeiter Gottes, heute wie an jedem anderen Tag.

 

Apg 5,17-20 und 26-29: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!

Ich hätte da Angst: Gerade aus dem Gefängnis entronnen und gleich wieder dieselbe Sache in Angriff nehmen, wegen der man ins Gefängnis kam. Der Gefängnisaufenthalt soll ja gerade erreichen, daß man sich eines Besseren besinnt. Dies  Apostel aber werden nur noch in ihrer Meinung bestärkt. Richtige Dickköpfe sind sie.

Wir stehen in unsrer Verkündigung und in unsrem Dienst nicht in der Gefahr, nun gleich verhaftet zu werden. Und doch sind wir oft schon feig in unserem alltäglichen Dienst. Bei einem Besuch geht es um das Wetter, die Arbeit oder das Fernsehen. Und wir denken dabei: „Müßtest du nicht auch hier das Wort Gottes verkündigen?

Da ist jemand gestorben. Wo nun die Kraft hernehmen, um die Angehörigen nicht nur nach den Lebensdaten des Verstorbenen zu fragen, sondern ihnen auch ein Wort des Trostes mitzugeben?

Im öffentliche Leben geschieht so manches, zu dem wir von unserem Glauben her unsere Stimme erheben müßten: Gemeindevertretersitzung, Einwohnerversammlung, Elternversammlung, Diskussion von Gesetzesentwürfen .Wie oft bleiben wir da Gottes Wort schuldig! Im Zug oder sonstwo, wo uns keiner kennt, wird auf die Kirche geschimpft. Machen wir uns da die Mühe, unsere Kirche zu verteidigen?

Wir haben es doch viel leichter als die Apostel. Aber auch uns ist heute gesagt: Geht hin und tretet auf und redet zum Volk alle Worte dieses Lebens! Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen, auch mehr als unseren eigenen menschliche Ängsten und Einwänden.

 

Röm 5, 1-5: Wir rühmen uns auch der Trübsale!

Trübsal bringt Ungeduld, möchten wir sagen. Wenn es uns schlecht geht, wenn uns etwas Unangenehmes bevorsteht, denken wir: Wenn es doch nur schon vorbei wäre! Wer liegt schon gern im Krankenhaus? Wer läßt sich gern von anderen herumkommandieren? Wer wäre erfreut, wenn der Sohn von zuhause wegläuft oder die Tochter Dummheiten macht? Wer könnte es aushalten, wegen seines Glaubens ständig verspottet zu werden?

Es gibt schon wirklich schwere Schicksale: Eine Frau hat schon als Kind den Vater verloren. Sie hat immer nur hart für die Geschwister arbeiten müssen. Im fortgeschrittenen Alter hat sie noch einen deutlich älteren Mann geheiratet. Nun ist der Mann fast an die 90 und liegt mit einem Oberschenkelhalsbruch  und geistesgestört seit Wochen im Bett. Die Frau muß ihn pflegen, ob sie will oder nicht. Sie muß ihre Arbeit aufgeben und sie können nur von der Rente des Mannes leben .Er beansprucht sie ständig, aber sie kann ihm nicht wirklich helfen. Sie können beide eigentlich nur noch auf den Tod warten. Die Frau sagt: „Was habe ich denn vom Leben gehabt? Wäre es nicht besser gewesen, ich hätte mich als Mädchen gleich aufgehängt, dann hätte ich mir das alles erspart!“ Und dann steht hier: „Trübsal bringt Geduld! Wir rühmen uns sogar der Trübsal! Das könnte leicht mißverstanden werden, so als brauchten wir in allem Leid nur zu sagen: „Es ist ja alles nur halb so schlimm! Ich muß nur Geduld haben, dann wird alles wieder gut!“ So billig ist es mit dem Trost nicht, wenn es uns erst einmal in einem konkreten Fall gepackt hat.

Im Grunde könnten wir überhaupt keine Geduld aufbringen, wenn wir aus unserem eigenen Willen Geduld aufbringen möchten. Nur wenn wir um das Ende wissen, können wir der Trübsal mit gelassener Geduld begegnen. Wer Geduld hat, probiert aus, wie das mit Gottes Hilfe in der Not ist. Und wenn man das einmal erfahren hat, dann kann man auch Hoffnung für die Zukunft daraus schöpfen. Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden, weil Gottes Liebe dahinter steht. Erst wenn man um diesen ganzen Weg weiß - von Trübsal über Geduld, Bewährung und Hoffnung bis zum Glauben an die Liebe Gottes, kann man auch den ersten Schritt wagen von der Trübsal zur Geduld.

Wir wissen noch nicht, was der heutige Tag für uns bringen wird. Vielleicht ist auch viel Trübsal und Schweres dabei: Eine unangenehme Nachricht, Ärger bei der Arbeit, Familiensorgen. Vielleicht hilft es uns da, wenn wir es in größeren Zusammenhängen sehen. Wir haben Frieden mit Gott! Von daher sind unsere täglichen menschlichen Sorgen schon nicht mehr so groß. Von dorther erhalten wir auch den langen Atem, das Alles durchzustehen. Gott will nicht Trübsal, sondern Gnade - und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Denn wir stehen schon in dieser Gnade und dürfen uns einer künftigen Herrlichkeit rühmen.

Diese Worte wie Glaube, Friede, Gnade, Hoffnung, Herrlichkeit, Liebe Christus  sind wie ein großer Kreis, in dessen Mittelpunkt  unser geängstetes Herz steht. Das ist jetzt vielleicht in großer Beklemmung, darf sich aber geborgen wissen bei Gott. Trübsal ist nur der Anfang, aber am Ende stehen Liebe und Herrlichkeit.

 

1. Kor 9, 19-23: Den Schwachen bin ich geworden wie ein Schwacher!

„Ich bin wie ein Ungläubiger geworden“, könnte man fortfahren. „Ich bin Mitglied einer Partei geworden, damit ich einige gewinne. Ich bin Arbeiter geworden, damit ich einige rette!“ .

Ist das aber nicht eine falsche Anpassung an die Welt? Wenn wir von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt sind, dann brauchen wir es doch nur zu verkünden. Die Hauptsache ist, daß wir das Wort Gottes weitersagen, auf die Methode kommt es doch gar nicht an. Wenn die anderen es nicht hören wollen, dann sind sie eben verstockt und es  liegt an ihnen und nicht an mir.

Paulus denkt nicht so lieblos. Er weiß, daß er etwas anderes ist als die anderen, daß er es eigentlich nicht nötig hätte, ein Knecht, ein Jude, ein Gesetzloser oder ein Schwacher zu werden. Aber er begibt sich doch auf die Ebene der anderen, um sich ihnen verständlich zu machen.

Und das ist auch unsere Aufgabe, heute mehr denn je. Die kirchlichen Fachausdrücke sind heute noch unverständlicher als damals und müssen unbedingt übersetzt werden. Das hat gar nichts zu tun mit einer falschen Anpassung an die Welt. Natürlich gibt es das auch. Die Substanz darf nicht verlorengehen. Wir können nicht den anderen zuliebe die Botschaft Gottes verändern. Aber wir müssen all unsere Phantasie  und unseren Verstand aufbieten, um uns so auszudrücken, daß man uns versteht. Was haben wir denn erreicht, wenn wir zwar theologisch richtig reden, aber der andere nur „Bahnhof“ versteht.

Natürlich besteht auch die Gefahr dabei, daß es dann doch an die Substanz geht. Das hat man ja den französischen Arbeiterpriestern vorgeworfen, die sich zum Teil so mit den Arbeitern einließen, daß sie sich schließlich von der Kirche entfernten. Aber dieses Wagnis muß man eingehen.

Wenn schon, dann auch richtig. Wer sich nicht selbst in Frage stellen läßt, wird auch anderen keine Fragen bereiten. Und das wollen wir doch: Andere aus ihrer Sicherheit herausholen, aber selber dabei auch unruhig werden. Das ist die wahre Freiheit, die wir haben.

Ist das aber nicht nur billige Menschenfängerei? Wir verstellen uns, geben vor, mit dem anderen solidarisch zu sein, aber in Wirklichkeit haben wir sehr eigensüchtige Ziele und wollen die anderen nur für uns vereinnahmen. Dieser Einwand ist berechtigt. Aber in Wahrheit können wir uns gar nicht verstellen. Wenn dieses Anpassen nicht ehrlich gemeint ist, wenn wir den anderen nicht wirklich verstehen wollen, kommt es ja doch einmal heraus.

Deshalb sagt Paulus ausdrücklich: „Alles aber tue ich um des Evangeliums willen!“ Nicht dem eigenen Ruhm können wir dienen, sondern nur dem Evangelium. Wer nur als toller Pfarrer oder moderner christlicher Laie auftreten will, wird bald entlarvt sein.

Weil es aber um das Evangelium geht, um die Rettung aller Menschen, ist es wichtig, daß wir Gottes Wort auf alle nur mögliche Art weitersagen. Dazu gehört auch, daß wir den Menschen erst einmal abholen, wo er ist, in der Hoffnung, daß wir von da aus ein Stück mit ihm gemeinsam weitergehen können und uns selbst auch weiterführen lassen.

 

Lk 22,24-30: Der Vornehmste  unter euch soll sein wie ein Diener

Wer von uns möchte nicht auch gern nach oben kommen. Wer von uns wäre nicht empfänglich für ein Lob von oben oder von unten, das uns zeigt: „Du wärst der richtige Mann, zu bist zu Besserem geboren!“ Vielleicht kann man dann sogar  mit den Ellenbogen noch etwas nachhelfen, die anderen machen es doch auch so.

Wir schlucken es doch mit Wonne, wenn jemand „Herr Pfarrer“ oder „Herr Kirchenverwaltungsrat“ zu uns sagt. Aber hätten wir nicht auch das Zeug dazu, daß bald ein Oberpfarrer oder sonst etwas daraus wird? Manche scheinen doch nur ihren Beruf erlernt zu haben, um nachher etwas zu werden. Dann heißt es schon von dem Theologiestudenten: „Der wird doch nicht so ein gewöhnlicher Pfarrer, der wir doch gleich etwa  Besonderes!“ Mancher macht sich auch nur interessant damit und erzählt: „Der und der Posten ist mir angeboten worden!“ Aber nachher wird nichts daraus. Das muß doch in jedem Menschen so drinstecken, daß er mehr scheinen will als sein.

Jesus aber sagt: „Unter euch soll es nicht so sein!“ Im Staat gibt es diese Postenjäger und Überordnung  und Unterordnung und Befehlsgewalt. Aber bei uns soll der Vornehmste ein Diener sein. In der römisch-katholischen Kirche gibt es das, daß der Priester in der Karwoche vor Ostern einigen seiner Gemeindeglieder die Füße wäscht. Aber auch dort ist es mehr zu einer bloßen Form geworden.

Sehen wir uns doch einmal im Lande um, wie es da zugeht. Auf dem Pfarrkonvent sind sie alle Brüder. Aber der Superintendent ist natürlich der „Herr Superintendent“. Aber auch die Brüder sind manchmal eher reißende Wölfe als eine echte Bruderschaft. Vielleicht gilt das auch von einer kirchlichen Behörde oder einem Predigerseminar.

Wäre da nicht schon viel geholfen, wenn sich jeder bemühte, dem anderen mit besten Kräften zu helfen? Jesus hat uns dafür ein Vorbild gegeben. Wir brauchen uns bei ihm nur an den gedeckten Tisch zu setzen und er bedient uns, wenn wir zu ihm in den Gottesdienst kommen.

Aber dann sollen wir auch Diener werden an den anderen Menschen. Weil Christus uns bedient hat, können wir auch anderen dienen. Dann werden uns auch einmal die anderen dienen, wenn wir sie brauchen.

Es gib Unterschiede unter den Menschen, und es muß auch Ordnungsverhältnisse geben. Wenn eine Verkehrspolizistin auf der Kreuzung steht, müssen ihr alle gehorchen. Wenn sie aber ihren Dienst beendet hat und in die Straßenbahn steigt, muß sie dort dem Schaffner gehorchen.

Diese abwechselnde Über- und Untergeordnetsein müssen wir lernen. Auch das Überordnen will gelernt sein (Gebt dem Deutschen doch ein Amt, schon ist sein Charakter verdorben).

Doch sicherlich werden wir später einmal - auch vor den Menschen - nur danach beurteilt, ob wir Gott und den Menschen in unserem Leben gedient haben.

 

1. Petr 2, 5-10: Baut auch ihr euch als die lebendigen Steine zum geistlichen Haus!

 

 

Der Schreiber dieses Briefes hat den Mund vielleicht etwas zu voll genommen, wenn er sagt:
„Ihr als die lebendigen Steine“ oder „Ihr, die ihr glaubt“ oder „Ihr seid das auserwählte Geschlecht“.

Wenn wir die Wirklichkeit unserer Gemeinden oder auch unsere eigene Wirklichkeit ansehen, dann ist dort doch oft wenig zu sehen von Lebendigkeit, Glaube und Erwählung. Wenn man das alles so mit menschlichen Augen betrachtet, dann spricht vieles doch einfach  ärmlich aus. Auch eine große Veranstaltung zu besonderen Anlässen kann nicht darüber hinwegtäuschen.

Es ist schon ein eindrückliches Bild, wenn hier die Rede ist von einem geistlichen Haus, zu dem die einzelen Gemeindeglieider zusammengefügt werden: Ein Stein baut auf dem anderen auf und alle sind sie fest miteinander verbunden und alle aufeinander angewiesen.

Aber ist das denn wirklich so? Fehlt uns denn etwas, wenn einer sich von der Kirche lossagt? Leiden wir darunter, wenn einer austritt? Ist unser geistliches Haus  nicht schon längst zu einer Ruine geworden?.

Das Ärgerliche ist nur, daß wir immer noch behapten: „Das ist die Kirche!“ Es gibt an sich nur  e i n e n  Grund, aus demn wir dazu berechtigt sind: In diesen Bau ist als krönender Abschluß ein Schlußstein eingefügt, Jesus Christus. Solange dieser Stein da ist, gibt es eine Kirche.

Das ärgert die anderen natürlich, daß die Kirche so stark ist, weil sie Christus hat. An diesem Stein wird sich noch mancher die Zähne ausbeißen. Wir aber dürfen von daher  die Zuversicht mitnehmen, zu dem auserwählten Geschlecht zu gehören. Wir sind aus den vielen Steinen auserwählt zum Eigentuim Gottes und dürfen in dem großen Bau der Kirche eine Aufgabe wahrnehmen.

Ja, jeder von uns hat seine Aufgabe, auch wenn er sich noch so klein vorkommt, auch wenn er noch so schwach ist. Alle zusammen stellen sie doch etwas dar, jnd der Schlußstein schließlich  hält doch alle zusammen.

Deshalb sollten wir keinem unserer Mitchristen zu wenig zutrauen. Gewiß, man nimmt sich immer wieder vor, keine Vorurteile zu haben. Doch dann muß man sich vielleicht manches Mal schämen, weil man innerlich einen anderen Menschen als unkirchlich abgestempelt hatte, dann aber nur darüber staunen konnte, was sich da alles durch die Gnade Gottes entwickelt hat.

Wir selber fühlen uns vielleicht auch als kleine Kirchenchristen. Wir dürfen aber wissen: Wir sind ein wichtiger Stein in dem Bau Gottes, von dem Gott vieles erwartet, dem er aber auch seinen Sinn und Zusammenhalt gibt.

 

1. Petr 3, 18-22: Christus hat gepredigt den Menschen in der Hölle

Wir stehen immer wieder in der Gefahr, uns in Glaubensdingen ganz einfach in Erörterungen zu verlieren, anstatt uns selbst anreden zu lassen oder andere anzureden. Wir betrachten die Dinge nüchtern und vom Zuschauerstandpunkt aus, ohne zu bedenken, daß das  u n s  gesagt ist.

Bei dieser Bibelstelle könnte man zum Beispiel über das Problem der Höllenfahrt Christi reden. Die ersten Christen fragten sich: „Was ist denn mit den Verstorbenen, die nie etwas von Christus gehört haben, die zum Teil auch Gott ungehorsam waren?“ Der 1. Petrusbrief gibt die Antwort: „Jesus hat auch ihnen noch einmal gepredigt und sie letztmalig vor die Entscheidung gesellt!“

Aber dieses Problem liegt uns doch im Grunde fern. Damals war es noch wichtig, denn man fragte sich: „Was geschieht mit meinem Urgroßvater, der schon lange vor Jesus gestorben ist?“ Wir heute fragen doch  - wenn überhaupt - nur nach unserem eigenen Heil. Das ist auch sicher erst einmal richtig. Bei Ostern geht es ja auch nicht um das Problem der Auferstehung, sondern ob wir selbst einmal auferstehen werden.

Und in dieser Richtung wird in dieser Bibelstelle auch ganz überraschend die Frage nach den Menschen zur Zeit Noahs gestellt: Das Wasser, durch das damals acht Menschen hindurch gerettet wurden, erleben wir heutigen in der Taufe. Ein etwas seltsames Bild, das aber aus den damaligen Taufbräuchen verständlich ist: Der Täufling wurde ganz ins Wasser getaucht und dann wieder herausgezogen. Dadurch wird ein neuer Bund mit Gott geschlossen durch Christus. Was Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung für uns getan hat, kommt uns in der Taufe zugute. Bei allen theologischen Erörterungen ist nur das eine entscheidend: Ist das für  m i c h  wichtig und kann ich daran glauben?

Fragen wir doch einmal ehrlich: Hat die Taufe wirklich eine Bedeutung für uns? Wissen wir noch unseren Taufspruch, der uns doch ein ganzes Leben begleiten sollte als ein verheißendes Wort Gottes , das gerade  u n s  gesagt ist. Es wäre vielleicht gut, wenn wir heute einmal durchdächten, was  Taufe und Auferstheung für uns und die anderen vor uns, neben uns  und nach uns bedeuten.

 

Offb 3,7-14: Halte, was du hast, damit niemand deine Krone nehme!

Der Vers „Halte, was du hast, damit niemand deine Krone nehme!“ wird gern als Konfir­mations­spruch genommen. Denkt der Pfarrer sich etwas dabei, wenn er einen solchen Spruch aussucht?  Fragt sich der Konfirmand: Was soll ich festhalten? Die Katechismussprüche, die wohlwollende Haltung im Religionsunterricht, den einigermaßen regelmäßigen Gottesdienstbesuch?

Jeder von uns hat einen Konfirmationsspruch, jeder von uns hat sich zu fragen, was er ihm damals und heute zu sagen hat. Eine gute Hilfe kann es da sein, wenn man wieder einmal an einer Konfirmation teilnimmt und die Ansprache nicht nur auf die Konfirmanden bezieht, sondern auf sich selbst. Was haben wir aus unserem Versprechen gemacht? Wir können Gott nur bitten, daß er uns nicht verwirft.

 

 

.