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Hochstadt Chroniken

 

Chronik des Konrad Appel - Zusammenfassung

 

 

[Eine wörtliche Abschrift und eine Übertragung mit Erläuterungen sowie Fotos des Originals sind beim Verfasser erhältlich]

 

Das Original dieser Chronik  befindet sich in der Handschriftenabteilung der Universitäts­bibliothek / Landesbibliothek Kassel (und nicht wie zu erwarten in Marburg). Die Bezeichnung ist „Chronik von Hochstadt, Apel Conrad“ und die  Signatur  „8* Ms Hass 11“. Die PURL ist „http://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1364474919188/3“.

Ein Auszug findet sich in „Hanauisches Magazin vom Juli 1778, 1. Band, Hanau 1779. Der Auszug läßt alle persönlichen Angaben weg und beschränkt sich vornehmlich auf das Wetter und den Weinbau. Manche Stellen in der Wiedergabe sind reine Phantasie, aber viele Stellen sind auch wirklich schwer zu entziffern.

Eine Übertragung hat auch schon einmal Peter Gbiorczyk, der frühere Dekan von Langenselbold, angefertigt. Er suchte dabei nach Nachrichten über Lehrer und Schulen für sein Buch über die Schulen in der Grafschaft Hanau vor 1735. Er gab sich mit dem Auszug  in der Hanauer Zeitung nicht zufrieden und fand heraus, daß sich das Original des Buches in der Universitätsbibliothek Kassel befindet. Gbiorczyk beginnt aber erst 1615 mit der fortlaufenden Wiedergabe. Wo es schwierig wird, weiß er auch meist keinen Rat und Fehler sind ihm natürlich auch unterlaufen. Aber seine Übertragung war doch hilfreich zur Korrektur des hier vorgelegten  Textes.

Nach dem Buch hat auch ein Mann aus Mühlheim gefragt, der etwas über den Weinbau in Mühlheim schreiben wollte. Herr Gbiorczyk teilte mit daraufhin den Fundort mit. Der Mühlheimer fragte in Kassel nach, aber es hieß: „Das Buch ist noch nicht digitalisiert, er würde Nachricht erhalten! Schon vier Wochen später war es aber so weit. Da habe ich mir die Seiten dann auch einzeln heruntergeladen. Die Faksimile-Wiedergabe findet sich auf meinem Rechner unter „Bilder, Hochstadt Konrad Appel“.

 

Konrad Appel muß ein bedeutender  und wohlhabender Mann gewesen sein. Er handelt öfters mit Grundstücken und Häusern, auch mit Leuten von auswärts. Er gibt Darlehen und läßt sich dafür Grundstücke verpfänden. Als die Einwohner („keiner ausgenommen“) an dem Wall hinter dem Schloß in Hanau bauen müssen, bezahlt er einen Mann als seinen Stellvertreter. Er war aber nicht Schulheiß des Ortes, auch wenn er 1596 nach Einführung des Gottesdienstes nach Art der Reformierten Kirche als Erster zum Abendmahl ging. Als Taufpaten für seine Kinder hat er meist hochgestellte Persönlichkeiten gewonnen, zum Beispiel auch Pfarrer von außerhalb.

Vor allem berichtet Konrad Appel über das Wetter und die Ernte, über die Preise von Getreide und Wein. Damit ist er eine wichtige Quelle, nicht nur für den Wetterdienst, sondern auch für Heimatforscher, die sich zum Beispiel für den Weinbau oder die Schule interessieren. Außerdem ist das Buch interessant für Familienforschern, denn es nennt viele Namen von Einwohnern von Hochstadt und den Dörfern der Umgebung und reicht damit noch in die Zeit vor den Kirchenbüchern. In diesen kommen allerdings knapp hundert Jahre später nur wenige Namen noch vor (zum Beispiel Weber, Burger, Emmel, Schmidt, Trapp).

Das Buch enthält viele lokale Nachrichten aus Hochstadt und der Grafschaft Hanau. Appel  ist aber auch über Vorgänge in Frankfurt und Worms und Mainz informiert. Eine gewisse Ablehnung der Juden verhehlt er nicht. Den Aufstand der Frankfurter Zünfte gegen den Rat scheint er zunächst zu begrüßen, aber als der Aufstand niedergeschlagen wird, sind das „Rädelsführer“ und Appel steht er wieder ganz auf der Seite der  Obrigkeit.

 

Konrad Appel hat familiäre Beziehungen zu Marköbel und Hüttengesäß.  Alle Hochzeiten in der Verwandtschaft notiert er, auch die Kinder. Er selber hat eine Reihe von Kindern, von denen aber viele sterben (ihren Tod teilt er nur nüchtern mit). Er beginnt mit einer „Vermahnung an die Kinder 1615“.

Konrad Appel ist 1572 geboren und war also 22 Jahre alt, als er seine Chronik begann, er könnte 1633 gestorben sein. Sein Buch hat er 1594 begonnen, aber auch Nachrichten aus früheren Zeiten hat er mit aufgenommen. Er schreibt regelmäßig bis 1617. Dann folgen nur noch einige Listen und Nachträge. Aber 1621 und später (Nachträge von 1634) hat er  sich das Buch noch einmal vorgenommen und am Rand an verschiedenen Stellen Nachträge gemacht, zum Beispiel über Todesfälle und aktuellen Preise des Jahres.

Der Familienname ist „Appel“ zu schreiben, denn so schreibt er sich meist selber und so kommt der Name auch ab etwa 1700 in den Kirchenbüchern vor, dann allerdings als Name einer Kuhhirtenfamilie. Am Anfang schreibt er allerdings „Apfel“ und gibt auch den Namen seines Vaters mit „Velten Apfel“ an.

 

 

Zeitereignisse

 

Im Jahre 1453 hat der Türkische Kaiser die Stadt Konstantinopel dem Kaiser Konstantin abgewonnen. Der Kaiser Konstantin ist unter dem Tor erdrückt worden und sein Haupt ist auf einen Spieß gesteckt und in der Stadt umher geführt worden und Frauen und Kinder sind fürchterlich geschunden und danach in Stücke zerhauen worden (Es handelt sich um Kaiser Konstantin XI , der bei der Eroberung wahrscheinlich gefallen ist).

 

Im Jahre  1582 hat Papst Gregor den Kalender in den katholischen Bistümern verbessert.

 

Im Jahre 1559 hat Pfalzgraf Friedrich das calvinische Bekenntnis (Konfession) angefangen einzuführen, also die Reformation nach der Art des Schweizers Johannes Calvin.

 

Im Jahre 1440 hat Johann Gutenberg die erste Druckerei zu Mainz angefangen; das war bisher  nicht so bekannt.

 

Am 29. Dezember 1603 ist Herr Johannes Adam, Bischof von Mainz, gestorben.

 

Im Jahre 1609 am Johannestag (24. Juni) haben die abendländischen Kreisstände den Wert der Taler und sonstigen Münzen verringert und den Gulden in Pfennig umgerechnet, nämlich 30 Albus für 1 Gulden, ein Rheintaler 21 Batzen [an sich gibt es nur Rheinische Gulden], ein Königstaler 23  Batzen  (deutscher Name für verschiedene niederländische Taler mit dem Brustbild des spanischen Königs Philipp II., auch „Königstaler“ genannt; Wert in Frankfurt 1 Gulden 40 Kreuzer).

 

Am 10. Januar 1612 ist Rudolf gestorben, der Kaiser des deutschen Reiches römischer Nation. Am Montag, dem 11. Mai 1612, ist in  Frankfurt am Main von den Kurfürsten und Fürsten ein Wahltag abgehalten worden  und am 3. Juni Herzog Mathias, König in Ungarn und Böhmen, zum Kaiser des deutschen  Reiches römischer Nation gewählt worden. Am Sonntag, dem 14. Juni ist er in der Pfarr- und Stiftskirche St. Bartholomäus in Frankfurt gekrönt worden.

Am Dienstag, dem 23. des Monats ist Kaiser Mathias mit seiner Frau Anna durch die Altstadt und Neustadt von Hanau  gereist. Dabei hat er so viele Wagen, Kutschen und Pferde und Fußvolk bei sich gehabt, daß es von 9 Uhr bis 10 Uhr gedauert hat, bis sie alle hier durch kommen sind. Das Mittagsmahl haben sie in der Neustadt gehalten in der Gaststätte, „Goldene Krone“.  (Randbemerkung: Am 10. März 1619 ist der Kaiser gestorben).

[Der Herausgeber des Hanauischen Magazins schreibt dazu, das Haus „W. K.“ (es steht aber eindeutig „G.K.“ dort) sei die am Neustädter Markt gelegene sogenannte „Goldene Schwanen-Apotheke“ gewesen und man finde dort noch Merkmale, daß der besagte Kaiser dort eingekehrt ist und Tafel gehalten hat. Dann wäre die Apotheke früher ein Gasthaus gewesen; zumindest gab es in der Neustadt einen „Kronenwirt“].

 

Am 7. Oktober 1614 hat das Kammergericht in Speyer entschieden, daß die Juden von  einem Hundert nicht mehr als 5 Gulden nehmen sollen (früher waren es zehn Prozent).

An Karfreitag, dem 7. April 1615, sind alle Juden in Worms verjagt und ausgetrieben worden; das ist geschehen bis zum Ostermontag, dem 10. April. Am 26. April 1615 hat der Pfalzgraf bei Rhein die Stadt Worms mit einigen  tausend Mann eingenommen, weil sie die Juden vertrieben haben.

 

Im Jahre 1615 hat Johann Schweickhard, Erzbischof zu Mainz, seinen Kalkofen bei Bürgel [heute Offenbach] machen lassen.

 

Andere Ortschaften

 

 

Hanau:

In diesem Jahr 1597 begann man mit dem Bau der Neustadt in Hanau. Das erste Haus ist das Haus „Zum Paradies“ genannt worden [Am Marktplatz in der Straße, die zur Wallonischen Kirche führt]

 

Im Jahre 1603 hat mein gnädiger Graf Philipp Ludwig in Hanau Geldmünzen anfertigen lassen (offenbar zu geringerem Wert, denn bald ist der Gulden statt 30 Albus nur noch 27 Albus wert).

Am 19. April 1604 ist Philipp Ulrich, der Sohn meines gnädigen Herrn Grafen,  gestorben

Am 1. März 1605 ist die Schwester des Vaters meines gnädigen Herrn in Hanau begraben worden.

 

Am 21 Oktober 1608 hat mein Gnädiger Herr Graf Philipp Ludwig eine „Grabensteuer“ zugunsten der Neustadt Hanau von den Einwohnern erheben lassen, vom Hundert sollten es 8 Schilling sein, ich habe 4 Schilling gegeben.

 

Am 24. März 1609 ist in Hanau in der Neustadt ein Galgen aufgerichtet worden und ein Steindrucker daran gehängt worden. Am Abend hat man den Galgen wieder umgeworfen und der Dieb bei dem Galgen in Kesselstadt begraben [Der Galgen war in der Flur „Am Hochgericht“  im Norden Kesselstadts westlich der Burgallee und nördlich der Straße zur Autobahn].

Am 2. Juni 1609 hat  es in Bischofsheim gebrannt. Das Feuer hat in Hans Hechls Scheune angefangen und es sind vier Scheunen abgebrannt.

 

Im Jahre 1609 hat unsere Herrschaft Hanau den Weg „Auf der Kirschal“ durch das Landvolk

mit Sand ausbessern lassen und von den Fuhrleuten dann Wegegeld in Dörnigheim erheben lassen [Ein Dörnigheimer Flurstück in der Nähe der Rumpenheimer Fähre].

Im Jahre 1612 hat man angefangen, die „Neue Schule“ in Hanau neben der Judengasse zu bauen [Es handelt sich um die „Hola“, die am Kreisel an der Nordostecke des Freiheitsplatzes stand]

 

Am 9. August 1612 morgens zwischen 8 und 9 Uhr ist mein Gnädiger Herr, Graf Philipp Ludwig  zu Hanau, gestorben [Philipp Ludwig II. in der Marienkirche begraben]. Am 10. des gleichen Monats ist sein Sohn Philipp Moritz den Einwohnern anbefohlen worden, daß sie ihn als regierenden Landesherrn anerkennen sollen.

 

Am 9. August 1612 morgens zwischen 8 und 9 Uhr ist mein Gnädiger Herr, Graf Philipp Ludwig  zu Hanau, gestorben [Philipp Ludwig II. in der Marienkirche begraben]. Am 10. des gleichen Monats ist sein Sohn Philipp Moritz den Einwohnern anbefohlen worden, daß sie ihn als regierenden Landesherrn anerkennen sollen.

 

Am Mittwoch, den 23. September 1612, ist mein gnädiger Graf Philipp Ludwig in Hanau begraben worden. Es ist in allen Dörfern aus diesem Anlaß neunmal geläutet worden und am nächstfolgenden Sonntag wurde hier die Leichenpredigt gehalten [sicherlich nur eine Predigt des Ortspfarrers aus diesem Anlaß, nicht die offizielle Trauerfeier].

 

Im Jahre 1613 ist an der Mühle in Hanau die ganze Wasseranlage mit gehauenen Quadersteinen neu gemacht worden und das Mühlwerk ist auch neu gemacht worden.

 

 

Im Jahre 1614 hat man begonnen, ein Stück neuen Wall hinter dem Schloß in Hanau zu machen. Am 2. Januar 1615 hat jeder Einwohner dieses Ortes - keiner ausgenommen - drei Tage in Hanau an dem neuen Wall hinter dem Schloß arbeiten müssen. Die Behörden haben jedem  einen kleinen Laib Brot am Tag gegeben und das ganze Land hat an dem Wall arbeiten müssen. Dabei ist niemand verschont worden, er sei gewesen, welches Rangs er sei. Ebenso haben am 6. März fünf Mann eine Fläche von einer Ruthe  an dem erwähnten Wall ausführen müssen. Ich habe einem, der an meiner Stelle gearbeitet hat, jeden Tag 6 Albus gegeben, am ersten Tag aber nur 5 Albus.

 

Am 4. April 1615 hat die Herrschaft Hanau, nämlich Graf Albrecht, tausend Viertel Frucht von der Naumburg bei Erbstadt nach Windecken führen lassen. Einige Wochen vorher hat er  auch schon allerhand Sachen herausführen lassen und das Schloß etliche Wochen durch die Landmiliz blockieren lassen  [Grund war eine kriegerische Auseinandersetzung mit den Friedberger Burgherren, denen die Naumburg damals gehörte].

 

Am 3. Oktober 1615 haben die Einwohner abermals in Hanau 4 oder 5 Tage an dem Wall gearbeitet. Ich habe einem Mann einen Gulden gegeben, der für mich gearbeitet  hat. Die Behörden haben jeder Person pro Tag einen kleinen Laib Brot und zwei Maß Wein gegeben.

Ab 7. November 1616 haben die hiesigen Einwohner sieben Tage an dem Wallgraben in der Neustadt Hanau gearbeitet. Die Behörden haben jedem Arbeiter pro Tag einen kleinen Laib Brot und eine halbe Maß Wein gegeben.

 

Kesselstadt:

Am 11. März 1606 hat es in Kesselstadt gebrannt; das Feuer hat in der Scheune des Hans Els angefangen.

 

 

Dörnigheim:

Am 9. September 1589 hat es in Dörnigheim sehr gebrannt.

Am Sonntag, dem 11.Oktober 1607, haben ich und Tobias Stein bei seinem Haus gesessen. Da ist Apollonia, die Frau des Niklas Stefan  aus Dörnigheim an uns vorbei gegangen. Da sagte Tobias: „Ei, wie eine starke  Frau ist das!“  Aber Apollonia hat sich abends gesund schlafen gelegt und ist in der Nacht eines schnellen Todes gestorben. Das ist ein Beispiel dafür, daß sich niemand auf seine Stärke verlassen kann.

 

Wachenbuchen:

Am 7 April 1616, am Sonntag Quasimodogeniti (Sonntag nach Ostern) zwischen 9 und 10 Uhr, als jeder in vielen Orten in der Kirchen war, ist in Wachenbuchen eine große Feuersbrunst ausgebrochen. Es sind 20 Häuser samt Nebengebäuden bis auf die Außenmauern abgebrannt und im Feuer verdorben worden und einige wurden auch sehr beschädigt. Viele Leute haben nichts davon bringen können. Ist Niklas Gebauer von Wachenbuchen ist vor unsere Kirche gekommen und den Nachbarn den Brand angezeigt und darum gebeten, ihnen in ihrer Not beizuspringen. Der Brand hat in Hans Peters Haus angefangen.

 

Mittelbuchen:

Im Jahre 1565 hat es am Dienstag vor Ostern in Mittelbuchen gebrannt und 1568 sind 30 Gebäude am Donnerstag vor Christtag angebrannt.

 

 

Ostheim:

Am 13. Dezember 1605 ist Herman Fischer von Ostheim in Bruchköbel mit dem Rad hingerichtet und zweimal mit glühenden Zangen gezwickt worden. Er hatte seine Frau Katharina in dem Langenselbolder Wald - das Bockshorn genannt - ermordet.

 

Marköbel:

Am 16. Juli 1613 ist allen Einwohnern von Marköbel ihr Rindvieh durch unsere Herrschaft Hanau genommen worden

Im Dezember 1614 ist Henrich Schmied aus Marköbel mit drei seiner Kumpane des Landes verwiesen worden, weil sie unserer Herrschaft ungehorsam gewesen sind. Im Jahre 1622 sind sie wiedergekommen.

 

Büdingen:

Am 31. März 1601 ist Graf Henrich von Isenburg auf der Ronneburg gestorben und am 16. Juni begraben worden.

Am 8. März 1603 hat Graf Wolfgang von Isenburg seine zweite Ehefrau geheiratet.

Am 18. Mai 1611 ist die verstorbene Frau des Grafen Wolfgang Ernst von Büdingen von Frankfurt nach Büdingen überführt worden.

 

Florstadt:

(72) Am Mittwoch, dem 13. Oktober 1613 ist Florstadt (?) abgebrannt bis auf wenig Gebäude, die durch das Feuer sehr versehrt wurden; der Ort hat schon zuvor durch eine Feuersbrunst große Not gelitten.

 

 

Seulberg:

Am 2. November 1617 hat es in Seulberg an der Höhe sehr gebrannt, 50 Gebäude sind im Feuer verdorben.

 

 

Bergen:

Am 19.  April 1599  ist in Bergen die halbe Schule abgebrannt; das Feuer hat in Schreiner Johanns Haus angefangen.

 

Enkheim:

Am Donnerstag, dem dritten August 1615, sind in Enkheim 16 Häuser mit Nebengebäuden  abgebrannt; der Brand hat im Gehöft des Martin Baum angefangen.

 

 

Seckbach:

Am 21.Oktober 1607 hat es in Seckbach gebrannt. Das Feuer hat in Hans Walstens Scheune angefangen.

 

Bischofsheim:

Am 10. Oktober 1615 ist Michael Burger in Bischofsheim wegen eines Ehebruchs, den er mit der Frau von Johann Fuchs begangen hat, in Bergen ins Gefängnis gekommen. Aber das ist eine falsche, nicht zu verstehende Verleumdung [Hier versucht Appel, Latein zu schreiben, aber dann muß es heißen „falsa absurda mendacitas“]

Am 7 Juni 1608 hat mein Gnädiger Herr Graf Philipp Ludwig von Hanau auf der Bischofsheimer Leuchte ein Generalmusterung gehalten mit seinem ganzen Landvolk, ausgenommen die Am 6. Oktober 1617 hat sich der Schultheiß von Sprendlingen bei Bischofsheim selbst erstochen und ist in dem  in dem Hangraben begraben worden [Graben am Hahnes?]

 

Offenbach:

Am 10. September  1605 hat es in Offenbach gebrannt und es sind dort ein Mann und drei Kinder verbrannt.

 

Niederrad:

Am 26. Mai 1616 ist Niederrad bei Frankfurt abgebrannt bis auf 7 Gebäude.

 

Frankfurt:

Am 3. Mai 1614 hatten die Bürger von Frankfurt einige Ratsherren gefangen genommen, auf der Zunftstube festgehalten, ihrer Ämter enthoben und einen neuen Rat eingesetzt. Am 22. August 1614 haben einige Bürger in Frankfurt zusammen mit den  Handwerks­gesellen die Juden geplündert und ihnen ihr Hab und Gut. Die Juden sind am folgenden Tag aus der Stadt getrieben worden. Doch haben sich einige Juden noch etliche Tagein der Stadt aufgehalten, um zu sehen, wie sich alles entwickeln würde. Die Plünderung hat gedauert bin zum letzen August. Da ist den übriggebliebenen Juden der Befehl gegeben worden, daß sich überhaupt keiner mehr in der Stadt finden  lassen soll. Ihr Hab und Gut ist zum größten Teil in den städtischen Brückenhof gekommen, aber auch anderswohin. Im August und September 1615 haben eine ganze Anzahl Juden angefangen, wieder nach Frankfurt in die Judengasse zu ziehen.

Am 24. November 1614 wurden die Aufwiegler in Frankfurt verhaftet: Vincenz Fettmilch wurde mit seinen Kumpanen  Konrad  Gerngroß (Rüsselsheim) und  Konrad Schopp gefangen genommen und sind nach Aschaffenburg geführt worden und dort eine lange Zeit gefangen gehalten worden bis zum 28. Februar 1616.

Am Mittwoch, dem 28. Februar 1616, sind die Rädelsführer in Frankfurt mit dem Schwert vom Leben zum Tod hingerichtet worden, nämlich Vincenz Fettmilch, Konrad Gerngroß und Konrad Schopp samt ihren vier Mittätern, nämlich der Schwabe Georg Ebelt (ein Färber), Adolf Kanter (ein Wollherr), Hermann Geiß (ein Schneider) und Meister Stefan Wolf (ein Seiler). Den vier Ersten sind zunächst zwei Finger von der rechten Hand abgehauen worden und ihre Köpfe auf den Brückenturm gesteckt worden. Sobald Vincenz gerichtet war, ist ihm  sein Haupt abgehauen worden und sein Leib wurde gevierteilt und an vier Straßen aufgehängt. Seine Kumpane wurden  unter dem Galgen begraben.

Und es sind auch neun Bürger mit Ruthen aus der Stadt geprügelt und weitere acht aus der Stadt und des Landes verwiesen worden.  Als dem Vincenz und seinen Kumpanen das Urteil vorgelesen wurde, hat auch Gott sein Gericht sehen lassen, denn als dem Gerngroß sein Urteil vorgelesen wurde,  ist alsbald ein Ratsherr am Ort des Geschehens [„Walstatt“ an sich „Kampf­platz“] tot niedergefallen und am anderen Tag ist noch ein anderer gestorben. Die sieben erwähnten wurden auf dem Roßmarkt auf einer extra dazu gemachten Brücke gerichtet und die Ursache ihres Todes ist in öffentlichen Plakaten in der Stadt angeschlagen worden.

 

Erläuterung (unter „Übertragung“ ausführlicher):

Der Fettmilch-Aufstand des Jahres 1614 war eine von dem Lebkuchenbäcker Vinzenz Fettmilch angeführte judenfeindliche Revolte in der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main. Der Aufstand der Zünfte richtete sich ursprünglich gegen die Mißwirtschaft des von Patriziern dominierten Rats der Stadt, artete aber in die Plünderung der Judengasse und die Vertreibung aller Frankfurter Juden aus. Er wurde schließlich mit Hilfe des Kaisers, der Landgrafschaft Hessen-Kassel und des Kurfürstentums Mainz niedergeschlagen.

Die Unruhen nahmen ihren Anfang am 9. Juni 1612, als Bürger und Zunftmeister vor der Wahl des neuen Kaisers Matthias vom Rat die früher bei solchen Gelegenheiten übliche öffentliche Verlesung der Privilegien der Stadt verlangten. Zuletzt war dies 36 Jahre zuvor, anläßlich der Wahl Rudolfs II. geschehen. Der Rat lehnte das Verlangen der Bürger ab, so daß Gerüchte aufkamen, er wolle ihnen das Wissen um kaiserlich verbriefte Abgabenbefreiungen vorenthalten.

Darüber hinaus forderten die Bürger ein verstärktes Mitspracherecht der Zünfte im Stadtregiment. Außer einer stärkeren Repräsentation verlangten die Zunftmeister 1612 die Einrichtung eines öffentlichen Kornmarkts in Frankfurt, um niedrigere Getreidepreise durchsetzen zu können, sowie eine Senkung der von den Frankfurter Juden angeblich geforderten Wucherzinsen von 12 auf 8 oder 6 Prozent (tatsächlich nahmen jüdische und nichtjüdische Bankiers in Frankfurt etwa die gleichen Zinssätze). Auch die Zahl der Bewohner der Judengasse sollte begrenzt werden. Alle Juden, die nicht mindestens 15.000 Taler Vermögen besaßen, sollten vertrieben werden.

 

Als die enorme Verschuldung Frankfurts (9½ Tonnen Goldgulden) öffentlich wurde, stürmte eine Menge am 6. Mai 1613 den Römer, das Frankfurter Rathaus, und erzwang die Herausgabe der Schlüssel zur Stadtkasse an den Neuner-Ausschuß der Zünfte. In den folgenden Monaten konnte der Rat nur so viel Geld ausgeben, wie der Ausschuß ihm bewilligte. Da der Rat aber weiterhin keine Belege für den Verbleib der 9½ Tonnen Goldgulden beibringen konnte, setzte sich unter den Zünften der radikale Flügel unter Vinzenz Fettmilch durch. Am 5. Mai 1614 ließ er die Stadttore von seinen Anhängern besetzen, den alten Rat für abgesetzt erklären und seine Mitglieder im Römer verhaften. Fettmilchs Auftritte führten zu seinem Arrest in der Frankfurter Ratsstube vom 5. bis. 8. Mai 1614.

Am 26. Juli erschien ein kaiserlicher Herold in der Stadt, der die Wiedereinsetzung des Rats forderte. Als dem nicht Folge geleistet wurde, ließ der Kaiser am 22. August jedem Frankfurter die Reichsacht androhen, der nicht bereit war, sich durch Eid seinem Befehl zu unterwerfen.

Die Aufständischen, die sich lange der Unterstützung des Kaisers sicher gewähnt hatten, richteten ihre Wut nun gegen das schwächste Glied in der Kette ihrer vermeintlichen Gegner. Am 22. August 1614 zog eine Menge von Handwerksgesellen mit dem Ruf „Gebt uns Arbeit und Brot“ durch die Stadt. Fettmilch führte die Plünderung der Judengasse an. Vinzenz Fettmilch selbst scheint an der Plünderung nicht beteiligt gewesen zu sein. In seinem späteren Prozeß behauptete er, diese sei gegen seinen Willen erfolgt. Möglicherweise hatte er kurzfristig die Kontrolle über seine Anhänger verloren. Für Versuche Fettmilchs, die Ausschreitungen zu unterbinden, konnten aber keine überzeugenden Beweise beigebracht werden. Tatsache ist dagegen, daß er am nächsten Tag die Vertreibung aller Juden aus Frankfurt erzwang. Die meisten von ihnen suchten in den kurmainzischen und hessischen Nachbarstädten Höchst und Hanau Zuflucht.

Am 28. Oktober 1614 verkündete ein kaiserlicher Herold am Römer, daß die Reichsacht über ihn sowie über den Schreiner Konrad Gerngroß und den Schneider Konrad Schopp verhängt worden sei, die als Rädelsführer der Rebellion galten.  In der Folge wurden noch vier weitere Frankfurter in die Acht erklärt, darunter der Sachsenhäuser Seidenfärber Georg Ebel.

 Der Ratsherr Mattias Müller beantragte am 24. November 1614, Fettmilch zu verhaften. Erst am 27. November wagte es ein Frankfurter Schöffe, den bis dahin mächtigsten Mann der Stadt zu verhaften. Drei Tage später wurde er vom Schöffen Hans Martin Bauer nach einem Handgemenge festgenommen. Empörte Handwerksgesellen, darunter der Frankfurter Bürger und Buchdruckergeselle Hans Schlegel, befreiten ihn noch am selben Tag aus dem Bornheimer Turm.

Am 2. Dezember 1614 wurde er beim Gutleuthof an den Schultheißen von Mainz ausgeliefert und nach Aschaffenburg gebracht. In einem langwierigen Prozeß, der sich fast das ganze Jahr 1615 hinzog, wurden Fettmilch und insgesamt 38 Mitangeklagte nicht direkt wegen der Ausschreitungen gegen die Juden verurteilt, sondern wegen Majestätsverbrechen, da sie die Befehle des Kaisers mißachtet hatten.

Über sieben von ihnen wurde das Todesurteil verhängt, das am 28. Februar 1616 auf dem Frankfurter Roßmarkt vollstreckt wurde. Vor der Enthauptung schlug man ihnen die Schwurfinger ab, Fettmilch wurde darüber hinaus nach seiner Hinrichtung gevierteilt. Die Leiche Fettmilchs wurde gemeinsam mit denen der anderen Verurteilten am Galgen aufgehängt und die Köpfe an Eisenstangen auf der Südseite des rechtsmainischen Brückenturms ausgestellt. Die Köpfe von Fettmilch, Gerngroß, Schopp und Ebel wurden am Frankfurter Brückenturm aufgespießt, wo zur Zeit Goethes wenigstens noch einer von ihnen zu sehen war.

Um die Erinnerung auszulöschen wurde sein Haus „Zum Hasen“ dem Erdboden gleichgemacht. Frau, Kinder und Bruder mußten die Stadt verlassen. Im Jahre 1617 wurde an der Stelle des ehemaligen Hauses „Zum Hasen“ eine Schandsäule zum Gedächtnis an den Aufstand errichtet, die in deutscher und lateinischer Sprache seine Verbrechen festhielt.

Nach den Hinrichtungen, die sich mit dem Verlesen der Urteile über mehrere Stunden hinzogen, wurde ein kaiserliches Mandat bekannt gemacht, welches die Wiedereinsetzung der im August 1614 verjagten Juden in ihre alten Rechte gebot. Noch am selben Tag wurden die Juden, die bis dahin überwiegend in Höchst und Hanau Zuflucht gefunden hatten, in einer feierlichen Prozession in die Judengasse zurückgeführt. An deren Tor wurde ein Reichsadler angebracht mit der Umschrift „Römisch kaiserlicher Majestät und des heiligen Reiches Schutz“.

 

 

Ortsnachrichten

 

Im Jahre 1565 ist ein großes Sterben hier in Hochstadt gewesen; es sind fünfhundert Menschen in diesem Dorf gestorben und außerdem 50 Fremde (Die Zahlen dürften wohl übertrieben sein. Falls die 140 Grundstücke damals alle schon bebaut waren, haben vielleicht tausend Menschen in dem Dorf gelebt).

 

Anfang 1572  hat es in Groschlag in der Fastnachtszeit sehr gebrannt, Johann Fecher hat es mit einem Schoß angesteckt  (Man könnte an einen Schuß denken, aber es könnte sich auch um ein Bündel Reisig handeln).

 

Im Jahre 1578  ist Andreas Vetter zum Schultheiß vorgestellt worden Wer sich selbst erhöhet, der wird erniedrigt werden (Er könnte Schultheiß in Hochstadt gewesen sein, vor Konrad Appel).

 

Am 19. Februar 1588 hat der  Schlosser Hans Zander den Gangloff Faust erstochen (früheste Erwähnung von Namen aus Hochstadt - falls die beide aus Hochstadt waren. Ansonsten steht auf dem Türsturz des Hauses Hauptstraße 27: „1572 Strohl und Anna Margreda“).

 

Im Jahre 1590 sind zwei Linden auf  der Leuchte  gesetzt worden. Am 19. Oktober 1607 ist eine Fläche auf der Leuchte zu einem Jungwald mit Eichen und anderen Bäumen besetzt worden. Im Jahre 1609 ist eine Fläche auf der Apelsrott gezackert und mit Tannensamen besät worden. Am 16. März 1611 ist der Tannenwald auf der Leuchte auf Befehl der Obrigkeit wegen des Wilds mit Holz eingezäunt worden. Im Jahre 1608 sind zwei Weichbäume „Auf dem Hahnes“ gesetzt worden.

Am 23. Oktober 1612 ist eine Fläche neben dem Tannenwald mit Eichbäumen bepflanzt worden und am 26. Oktober hat ein jeder Einwohner einen Baum bei der Schelmenkaute gesetzt (Es gibt keine offiziellen Flurnamen dieser Art. Die Schelmenkaute ist jedoch die „Schindkaute“ am Ende der Niederfeldstraße und der Tannenwald ist dann nördlich davon, später der „Eichwald“ genannt).

 

Im Jahre 1597 ist Johan Friedrich Löscher als Schultheiß den Einwohnern von Hochstadt vorgestellt worden und im Jahre 1602 wurde er abgesetzt (Löscher war nicht Schultheiß in Hochstadt, sondern Oberschultheiß des Amtes Büchertal).

 

Am 8. September 1601 ist ein Erdbeben gewesen. Die Leute sind aus den Häusern gelaufen und etliche Türen haben sich aus den Angeln gehoben.

 

 

Am 8. August 1602 wurde Hans Gebauer den Einwohnern als Schultheiß vorgestellt („präsentiert“). (Vorher war Andreas Vetter von 1583 bis 1602 „Unterschultheiß“, also Dorfschult­heiß. Hans Gebauer hatte das Amt von 1602 bis 1608 inne und Kilian Velten von 1608 bis 1635).    

Am 24. Mai 1608 ist Kilian Vetter der Gemeinde in Hochstadt als Schultheiß vorgestellt („pre­sentirt“) worden.  Am 29. Mai 1608 wurde er bei zwei Kindern der Taufpate: Das erste war Johann Kauß, das andere Asmus Wengel. Am 21. März 1609  ist er mit Margareta, der Tochter Johann Akners aus Niederdorfelden, zur Kirche gegangen und hat sie geheiratet.

Gestorben ist er am 20 Juni 1635.

 

Am 27. September 1607 sind die Herrn Räte von Hanau hier zu Hochstadt gewesen und haben von den Einwohnern ein freiwillige Abgabe gefordert, damit zur Förderung der Kinder ein Hochschule gebaut werden kann und die Kinder für ein geringes Geld gelehrt werden können, damit dadurch Gottes Ehre gesucht und gefördert werden möge. Aber es sind doch viele Leute zu der Abgabe genötigt worden und Hochstadt hat so 500 Gulden beigesteuert (Die Hohe Landesschule in Hanau ist also nicht nur von der Herrschaft gestiftet worden, sondern zu einem großen Teil von der Bevölkerung finanziert worden).

 

Am 13. Februar 1608 ist Johann Franz, der Oberamtmann in Hanau mit den Herren Räten auf der Leuchte mit allen Leuten aus dem Amt Büchertal zusammen gewesen. Er hat von den Einwohnern den Huldigungseid entgegengenommen mit der Auflage, daß die Einwohner neben meinem gnädigen Herrn Graf Philipp Ludwig keinen anderen Landesherrn annehmen sollen.

 

Am 6. Jul 1611 ist Henrich Götz gestorben, der neben Hans Heß als Letzter in Groschlag gewohnt hat. So ist Groschlag bis auf das Haus des Hans Heß zerstört worden.

 

Am Dienstagabend, dem 12. August 1612,  zwischen 9 und 10 Uhr abends, ist Johann Schnepper, der Sohn des Jörg Schnepper, in der Oberweed ertrunken (Die „Oberweed“ war die Pferdeschwemme und das Löschwasserbecken am Rathaus Vielleicht handelt es sich um einen jungen Mann, der betrunken war).

 

(62) Am 7. November 1612 sind die Herren Räte auf der Leuchte gewesen  und haben den Einwohnern den edlen und ehrenfesten Philipp Henrich Oberamtmann zu Hanau vorgestellt („präsentiert“). Bei dieser Gelegenheit haben sie den Einwohnern mitgeteilt, daß keiner zur gräflichen Kanzlei kommen soll, wenn er nicht vorher vor dem Oberschultheißen wie dann auch vor dem  Oberamtmann gewesen ist („bej Straff nach ermesigung“ muß so etwas heißen wie „sonst gibt es eine Strafe nach Ermessen“). Außerdem wurde verboten, daß einer den andern wegen Schulden vor das Landgericht fordern soll.

 

Im Jahr 1612 zu Anfang des Winters hat das Rindvieh in diesem Ort zum größten Teil böse Mäuler bekommen, das heißt es hatte die Maul- und Klauenseuche. Die Rinder haben eine Zeitlang nichts essen können und einige Mastschweine sind bei der Mästung im Wald lahm geworden, so daß sie nicht haben gehen können.

 

Am Freitag, dem 5. März 1613, sind Johann Fey und die Frau des jungen Peter Schmied wegen eines angeblichen Ehebruchs hier verhaftet worden. Am Montag, dem 8. März, sind die erwähnten Personen nach Hanau geführt und dort weiter festgehalten und alsbald „peinlich“ befragt worden, das heißt scharf befragt worden bis hin zur Folter. Am Freitag, den12. März, ist Elisabeth, die Frau Peter Schmieds, aus dem Gefängnis freigekommen (Randbemerkung:  das Kind Balthasar wurde im September geboren, Johann Frey war wohl doch der Kindsvater). Am Samstag, dem 13. März 1613, ist Johann Frey aus dem Gefängnis entlassen worden.

 

Am 29. Dezember 1613 ist ein gräflicher Befehl ergangen, daß alle Einwohner ihre Schulden bei den Juden in Hanau bei den Behörden anzeigen müssen.

 

Verzeichnis, was fromme und gutherzige Leute den Armen vermacht haben (ohne Jahrgang):

Else Fey                                                       40 Gulden

Reich Merg                                      20 Gulden

Hans Rinbrucker                            10 Gulden

Regina,  Frau des Hans Schales            10 Gulden

Hartmann Müller, ein Schäferknecht  5 Gulden

Marga, Frau des Niklas Kaus                    5 Gulden

Der Almosenkasten                                   10 Gulden

Michael Mauermann                      20 Gulden

 

Am 2. Mai 1614 ist Konrad Appel das erste Mal an dem Fronhauptgericht in Frankfurt gewesen, weil von allen aus dem Hanauer Gebiet ein Fastnachthuhn gefordert  worden. Das ist aber dem Gerichtsherrn durch die Herren Schöffen abgeschlagen worden, weil man schon lange nichts mehr davon gehört hatte und es ist auch nichts gegeben worden  (Mit „Gerichtsherr“ ist wohl derjenige gemeint, der als Herr einer Verwaltungseinheit zur Fastnacht ein Huhn als Fronleistung beanspruchte).

 

Am 18. März ist 1615 ist Hans Heß gestorben, der der letzte Einwohner von Groschlag gewesen ist. Am 20. April wurde sein altes baufälliges Haus abgebrochen, so daß Groschlag von Grund auf zerstört war.

 

Am Dienstag, dem 2. Mai 1615, ist Johann Fey wegen eines Ehebruchs, den er mit Judit, der Tochter des Hans Schoff von Mittelbuchen, begangen hat, nach Hanau geführt worden und verhaftet worden Am Freitag, dem 12. Mai, ist er mit Ruten ausgepeitscht worden. Er hat schwören müssen, daß er die Zeit seines Lebens das Land nicht wieder betreten werde (er wurde schon das zweite Mal beim Ehebruch erwischt).

 

Am 21. Mai 1615 ist Hans Schales nach Friedberg gegangen und ist über Nacht dort geblieben. Am folgenden Montag hat er sich erhängt und ist unter dem Galgen begraben worden. Diese Nachricht ist erst am 30. Mai in Hochstadt überbracht worden. Am 27. Februar 1617 ist seine Frau mit Kaspar Worner verheiratet worden.

 

Am 10. August 1615 wurde angefangen, einen Gemeindebackofen an der Unterpforte zu mauern; am 26. August waren die Arbeiten beendet.

 

Am 21. August 1615, dem Kerbmontag in Wachenbuchen, haben die Knechte von Hochstadt eine geschmückte Birke nach Wachenbuchen getragen; das war 53 Jahre unterlassen worden. Sie haben den Baum aber nicht dort aufstellen dürfen, wo es vorher üblich war (auf dem Festplatz),  sondern nur beim Haus des Cloß Klump (So waren die Wachenbucher schon damals).

 

Am Michaelistag, dem 29. September 1615, ist der hiesige Gemeinde-Weinschank an Johann Krauß von Hanau verpachtet worden. Er gibt der Gemeinde von einem jeden Fuder Wein 15 Gulden und weicht damit allen Zahlungen an unsere gnädige Herrschaft  aus. Der Weinschank ist zuvor nicht mehr verliehen gewesen. Krauß ist aber am 21. Februar 1616 wieder abgezogen.

 

Am 14. Februar 1616, in der Nacht des Aschermittwoch zwischen 3 und 4 Uhr, hat die Herrschaft Hanau den Junker Johann Gottfried Riedesel in Obereschbach mit der Landmiliz der Ämter Bücherthal und Bornheimer Berg gefangen nach Hanau führen lassen, weil dieser etliche Einwohner (aus dem Hanauer Gebiet) geschlagen hatte (Appel war wohl selber mit dabei).

 

Am Petritag 1616, dem  22. Februar, hat Konrad Spilmann den Gemeinde-Weinschank übernommen. Er hat im Juli für ein Fuder Wein 135 Gulden an den Schultheiß Kilian Vetter gegeben. Die Maß hat er dann für 10 Albus abgezapft. Ebenso hat er dem alten Philipp Kauß 21 Gulden für eine Ohm Wein gegeben, das Fuder für 126 Gulden. Am 19. Juni 1618 hat er aufgehört und Johann Emmel hat die Aufgabe übernommen.

 

Am Sonntag, dem 16. Februar 1617, ist ein gräflicher Erlaß von der Kanzel verlesen worden, daß in Zukunft alle Tänze verboten und abgeschafft sind, also die Tänze an Kirmes, Fastnacht und alle heimlichen und öffentlichen Tänze, nur die Hochzeitstänze sind ausgenommen. Aber 1618 ist dieser Erlaß wieder abgeschafft worden.

 

Am 22.  April 1617 ist auf der Leuchte ein Schanzgraben gemacht worden und am folgenden Tag eine Musterung gehalten worden. Dabei sind einige Personen durch Pulver sehr verletzt worden, nämlich Kilian Stein und Johan Dill, und beide Söhne des jungen Peter Schmid.

 

Im Jahr 1617 haben die Mäuse in dem Kornfeldern an vielen Stellen sehr großen Schaden angerichtet. Es sind so viele Mäuse gewesen, daß sie in großen Haufen beisammen gelaufen sind.

 

In der Woche vor und nach dem 24. August 1617 ist ein Stück neues Pflaster bei dem Torbrunnen gemacht worden (Es gab also schon vorher Pflaster). Der junge Philipp Kauß und Kilian Burger sind Rechnungsführer gewesen („Bürgermeister“ sind Rechnungsführer, es könnte sich aber auch um einen Schreibfehler für „Baumeister“ handeln).

 

Im Jahre 1617 haben die Behörden angeordnet, daß alle Amtsträger bis auf Neujahr in ihrem Amt haben bleiben müssen. Das Amt der Bürgermeister (Rechnungsführer) hat zuvor am

29. September geendet am Anfang der Feldschau im Herbst,  das Baumeisteramt endete am 11. November.

 

 

Weitere Namen, die in der Chronik erwähnt werden:

Am 5. März 1601 ist Konrad Appels Lehrmeister Jörg Heilmann gestorben.

Am  31. März 1604 ist der Maurer Peter Heilmann gestorben.

Am 21. August 1605 ist Anna, die Frau Konrad Spilmanns, gestorben.

Am Sonntag,  den 21. Juni 1612, ist Hans Laußmann gestorben; der hat elf Wochen krank auf dem Totenbett gelegen und ist ein alter abgelebter Mann gewesen und am folgenden Tag ehrlich in die Erde bestattet worden.

Am 20. Mai 1613 ist Elisabeth, die Frau Jörg Heilmanns, in Hanau im Spital gestorben; sie ist eine alte betagte Frau gewesen.

 

Brunnen und Weed:

Durch die Chronik Appels sind zusätzliche Angaben über die Wasserversorgung in Hochstadt erfahren:

Die „Oberweed“ wird schon 1612 erwähnt, als am 12. August Johann Schnepper in der Weed ertrunken ist (Die „Oberweed“ war die Pferdeschwemme und das Löschwasserbecken am Rathaus;  vielleicht war der junge Mann betrunken und ist die Weed hineingestolpert).

 

Obwohl 1615 ein trockner und dürrer Sommer gewesen ist, ist zunächst kein Mangel an Wasser eingetreten. Aber bald nach der Weinlese haben die Brunnen angefangen, allmählich abzunehmen. In den Monaten Januar und Februar 1616 sind der Torbrunnen, der Rathausbrunnen („Spielhausbrunnen“), der Heerbrunnen und der  Brunnen in der Schütt  leer gewesen. Auch wenn sich in der Nacht  ein wenig Wasser gesammelt hat, so hat man doch gegen Abend nicht einen Eimer voll Wasser schöpfen können. Auch der Berleborn  [am unteren Rand des Riederwäldchens] ist von 1615 bis 1618 trocken gewesen. Am 25. Juli 1619 hat er wieder angefangen zu fließen, aber um den 29. September  herum ist er wieder vertrocknet.

 

Im Jahre 1617 ist abermals Wassermangel gewesen und der Brunnen bei dem Rathaus war verdreckt und das Wasser wurde am 1. Mai in die Eichweed getragen [Wo diese lag, ist nicht bekannt]. Am 20. August 1617 hat man den Brunnen bei Martin Burgers Haus gereinigt worden, nachdem das seit Menschengedenken nicht mehr gemacht hatte. Es litten alle hiesigen Brunnen vom Herbst an bis zum Ende des Jahres an Wassermangel. Die Menschen haben bis 1618 die Kübel Wasser in der Mühlbach geholt [nördlich der Kochbergkreuzung].

 

 

Kirchengebäude, Kirchengemeinde, Pfarrer, Lehrer

 

Kirchengebäude:

Im Jahre 1554 ist der hiesige Glockenturm von Meister Barthel aus Hanau errichtet worden für 500 Gulden (Die Jahreszahl steht auch auf der Tafel am Turm, so daß dieser tatsächlich in diesem Jahr errichtet wurde, aber vielleicht anstelle eines früheren Turms).

 

Im August 1613 wurden in dem Chorraum der Kirche einige neue Stühle an der Mauer herum gemacht (gemeint sind geschlossene Kirchenstühle). Der Baumeister ist der junge Peter Schmied gewesen.

 

Die große Glocke wiegt 48 Zentner, habe ich von Velten Bul gehört.

 

Am 6. Mai 1616 sind in der Kirche drei neue Kirchenstühle neben der Bibliothek und mitten durch einen Gang gemacht worden; der Baumeister war Konrad Spilmann [Die „Kirchenstühle“ sind abgeteilte Kirchenbänke für jeweils eine Frau, denn nur die Frauen hatten solche „Kirchenstände“ im Kirchenschiff].

 

 

Kirchengemeinde:

Konrad Appel hat  in Hanau in dem Spital zwei Mann gesehen, die haben den ehrwürdigen und weitberühmten Doktor Martin Luther in Worms gesehen und predigen hören: Johann Vasan von Bergen, der andere von Windecken (Da nicht angegeben ist, in welchem Jahr er die Männer im Spital gesprochen hat, ist das schon möglich, denn Luther war 1521 auf dem Reichstag in Worms).

 

Als Graf Philipp Ludwig in Hanau bei Übernahme der Regierung im Jahr 1596 die „Reformation“ angefangen hat, ist Konrad Appel ich als Erster in dieser Gemeinde zum Tisch des Herrn gegangen. Aber 12 oder 19 Jahre sind die Leute nur sehr zögernd zum Tisch des Herrn gekommen. An Pfingsten 1608 sind nicht mehr als zwei Frauen zum Tisch des Herrn gegangen; so etwas hat Konrad Appel in seinem bisherigen Leben noch nicht gehört. In den 16 Jahren bis 1612 sind 50 Personen zu dem Tisch des Herrn gegangen, aber der meiste Teil ist junges Gesinde gewesen (Mitarbeiter auf dem Bauernhof). Erst 1613 wurde es besser. An Weihnachten 1615 sind 24 Männer und 16 Knechte, 28 Frauen und 17 Mägde, zusammen 85 Personen, zum Tisch des Herrn gegangen. Das ist seit dem Beginn des reformierten Bekenntnisses (Konfession) vor 20 Jahren ist größte Abendmahlsteilnahme gewesen.

 

Am Mittwoch vor dem Palmsontag 1596 sind die Altäre aus der Kirche gebrochen worden und damit hat die Reformation angefangen (Natürlich ist damit nicht die Reformation Martin Luthers gemeint, die auch in Hochstadt spätestens 1543 eingeführt wurde. Hier ging es um den Wechsel zur reformierten Konfession, der aber erst als die eigentliche Reformation angesehen wurde. Dies hatte der reformierte Landgraf befohlen. Doch die Gemeinde hat aber hinhaltenden Widerstand geleistet und ist nur in geringer Zahl zum Abendmahl gegangen. Damals sind auch die drei Schnitzaltäre entfernt worden und alle Bilder übermalt worden).

 

Am 14. August 1606 hat Graf Philipp Ludwig von Hanau einen Kornspeicher an der Kirche zu Hochstadt machen lassen (Der Ausdruck „auf die Kirche“ kann wohl nicht den Dachboden der Kirche meinen, dort wurde höchstens Erbsen- und Bohnenstroh gelagert; außerdem brauchte der Dachboden nicht gemacht zu werden, sondern er war schon vorhanden. Es kann sich nur um ein Gebäude auf dem Kirchhof handeln, das für den Verteidigungsfall gedacht war. Vielleicht war es das Gebäude, das an die Nordseite des Kirchturms angelehnt war).

 

Im Jahre 1606 haben die hohen Feste der Evangelischen und der Katholischen fünf Wochen auseinander gelegen. Die katholische Fastnacht war am 26. Februar, die evangelische den 2. März. Ihr Ostern war am 16. März, das evangelische am 20. April, ihr Pfingsten am 4. Mai, das evangelische den 8. Juni nach altem Kalender. Auch 1614 und 1617 und 1622 waren es fünf Wochen.

 

Am 26. Januar 1610 sind hier in Hochstadt durch den Pfarrer, den Schultheißen und die Bürgermeister alle Menschen jung und alt aufgezeichnet worden (Der Schultheiß entspricht dem heutigen Bürgermeister, die damaligen zwei Bürgermeister waren die Rechnungsführer der Gemeinde). Die jungen Leute sind in drei Klassen und auch die alten in drei Klassen eingeteilt worden und es hat dann jeden Sonntag eine Klasse in der Kirche gebetet (Gebetet im heutigen Sinne haben sie sicherlich alle. Hier ist aber wohl ein spezielles „Gebet“ gemeint, nämlich das Aufsagen von Katechismusstücken im Gottesdienst).

 

Am 5. April 1611 ist eine kirchliche Überprüfung („Visitation“) gehalten worden  und dabei sind Johann und Velten Igell und Hans Scheßer zu Kirchenältesten der Kirche in Hochstadt bestimmt und eingesetzt worden.

 

Am 5. August 1613 wurde in Hochstadt eine Kirchenversammlung („Convent“) gehalten. Konrad Appel wurde auf seinen Wunsch aus dem Ältestenamt entlassen, weil er es schon so lange Zeit innehatte.

 

Am Sonntag, dem  8. Januar 1615, ist am Anfang des Gottesdienstes ein Klingelbeutel in der Kirche herumgetragen worden, um Spenden für die Armen einzusammeln.

 

Am Pfingsttag 1616 ist die Tochter Peter Gebauers zu dem Tisch des Herrn gegangen und es ihr ist das gesegnete Brot auf die Erde gefallen (Offenbar wurde das damals als ein schlimmes Mißgeschick angesehen).

 

Pfarrer:

Konrad Appel hat in seiner Chronik eine Liste der Pfarrer, die seit der „Abschaffung des Papsttums“, das heißt nach der Reformation, und eine weitere Liste der Pfarrer, die zu seiner Zeit in Hochstadt tätig waren. Daraus ergibt sich folgende gemeinsame Liste:

 

  1. Wolfgang Jäkel 1546 (hineingeschrieben: gestorben in Wiesbaden)

  2. Kilian, der entlaufen ist (nicht in der offiziellen Liste der Pfarrer)

 

  3. Johann Steinauer, der wieder papistisch [römisch-katholisch] geworden ist

  4. Ulrich Buchner, 1563 gestorben

  5. Peter Brix, 1571 gestorben

  6.  Johann Preiß

  7. Matthäus Schuch

  8. Niklas Gereum, hat 1578 angefangen, abgesetzt 1596

  9. Melchior Frohberger (1 Jahr)

10. Leonhard Schlemmer (9 Jahre)

11. Balthasar Herpelius (7 Jahre)

12. Konrad Abel (12 Jahre)

13. Jakob Rücker (2 Jahre)

14. Benjamin Fabritius (Schmidt)

15. Johann Cress.

 

Am 10. Mai 1606 hat Leonhard Schlemmer, Pfarrer in Hochstadt, seine Abschiedspredigt gehalten und am folgenden Montag sich nach Bruchköbel begeben. Er ist neun Jahre Pfarrer und Prediger in Hochstadt gewesen.

 

Am Dienstag, dem 21. Juli 1607, ist Pfarrer Balthasar Herpel, Pfarrer in Rodheim v.d..H,  nach Hochstadt gezogen. Er hat am 26. Juli seine erste Predigt gehalten über das Evangelium von dem falschen Propheten. Und das erste Kind von Kilian Burger ist getauft worden. Taufpate war Johann Katzenburger.

 

Am Samstag, dem 14. August 1613, um 10 Uhr vormittags,  ist Leonhard Schlemmer, Pfarrer zu Bruchköbel, ein freundlicher, herzlieber und getreuer „Gevatter“ in dem Herrn Jesu Christi, gestorben. Er  ist dort 6 Jahre und 18 Wochen 5 Tage Lehrer und Prediger gewesen und in Hochstadt 9 Jahre und etliche Monate. Am 19. Mai 1614 hat Katharina, die Witwe Leonhard Schlemmers, Konrad Textor aus Hanau geheiratet. Der Kirchgang war am 7. Juni.

 

Am 5. Mai 1614 hat Pfarrer Balthasar Herpel seine Abschiedspredigt über Apostelgeschichte 20  gehalten. Am folgenden Tag, dem 6. Mai,  hat er sich nach Rumpenheim ins Predigtamt begeben. Von Rumpenheim ist er nach Preungesheim gezogen  und dort am 23. Juli 1625 gestorben (Balthasar Herpel war von 1607 bis 1614 Pfarrer in Hochstadt. Danach war er Pfarrer von Rumpenheim und Fechenheim und zuletzt Pfarrer in Preungesheim. Dort starb er 1624 mit all den Seinen  an der Pest].

 

Am 8. Juli 1614 am Kilianstag hat der ehrwürdige und wohlgelehrte Herr Konrad Apel, bisher Pfarrer von Dorheim, hier in Hochstadt das Pfarramt angetreten. Johann Heuß ist als erstes Kind getauft worden. Nach seiner erst Predigt ein Zeitlang schwach gewesen bis zum 16. Oktober. Gestorben ist er am 10. April 1629 (Es ist nicht gemeint, daß er die ganze Zeit bis zu seinem Tod „schwach“ gewesen sei).

 

Lehrer:

Am 15. Oktober 1604 hat der Schulmeister Lorenz Heberer seinen Abschied von der Gemeinde Hochstadt genommen und sich nach Hanau begeben.

 

Am  8. Dezember 1607 ist Konrad Kleß, der Lehrer hier in Hochstadt, gestorben. Zur Beerdigung wurde aus dem 118. Psalm in der Kirche gesungen.

 

Am 17. Mai 1608 ist Jost Kapus von Nauheim als Schullehrer nach Hochstadt gezogen (Name auch „Capsius“ oder „Philipp Jost“).

 

 

Familiennachrichten

 

Konrad Appel wurde am 10. August 1572 (nach unserem Kalender,  nach dem julianischen Kalender zählte man erst den 1. August) in Groschlag geboren.  Sein Vater hieß Velten Appel, der am 6. April 1584 gestorben ist. Der Vater hatte noch eine Schwester Elisabeth, die am 4. April 1603 gestorben ist. Seine Mutter hieß Katharina (gestorben am 2. Januar 1599). Sein Taufpate war Konrad Spilman, der am 28. April 1606  als betagter Mann gestorben ist.

 

Am 31. Januar 1594 heiratete Konrad Appel in Hüttengesäß seine Frau Anna, Tochter Jakob Wigels und dessen Ehefrau Gela (gestorben am 9. Oktober 1605). Am 17. März haben sie das mit einem Kirchgang offiziell gemacht. Seine Frau Anna ist 1624 gestorben.

Die Unkosten bei der Hochzeit führt Appel bis in alle Einzelheiten auf. Hier nur einige Beispiele:  Zwei Ohm 4 Viertel Wein, Brot für 7 Gulden, Fleisch und Wurst für 9 Gulden, aber auch Fisch und Käse. Dazu ausgefallene Speisen wie drei Pfund Reis und Gewürze wie Ingwer, Nelken, Safran und  Muskat. Der Spielmann erhielt zwei Gulden. Insgesamt entstanden Kosten von 36 Gulden 6 Schilling, aber Appel erhielt 27 Gulden geschenkt.

 

Das Ehepaar hatte neun Kinder:

1. Anna, geboren 15. August 159, gestorben 1624.

2. Johann, geboren 15. April 1598, gestorben 6. April 1599  (Pate Johann Dill)

3. Johann, geboren 9. September 1600, gestorben13. April 1622 (Pate Johann Spilmann)

4. Peter, geboren 5. März 1602, gestorben 15. April 1611 (Pate Johann Kroll von Hanau)

5. Katharina, geboren April 1603, gestorben im Juni 1603 (Patin Katharina  Schlemmer)

6. Elisabeth, geboren 27. Juni 1604 (Patin Elisabeth, die Tochter des Pfarrers Rullmann)

7. Gertraud, geboren 20. November 1606, gestorben 26. November  1634

8. Leonhard, geboren 5. April 1609 (Pate Leonhard Schlemmer, Pfarrer von Bruchköbel).

9. Konrad, geboren 7. September 1615, gestorben 12. März 1632 (Pate Konrad Abel).

Offenbar haben nur die Kinder Elisabeth und Leonhard, den Vater überlebt.

 

 

Bruder:

Konrad Appel hatte einen Bruder Peter. Der heiratete am 15. März 1601 seine Frau Margaretha Cloß, die Tochter des Hans Cloß. Am 5. April (Palmsonntag), sind sie zur Kirche gegangen. Sie wohnten in Hanau und hatten folgende Kinder:

-   Peter Appel, der erstgeborener Sohn  seines Bruders in Hanau, der am 15. April 1611 im Alter von neun Jahren starb; diesen Sohn hat Konrad Appel 1602 nicht erwähnt, er könnte aber zur Heirat passen.

-   Elisabeth Appel, geboren am 15. August 1607

-   Gerlach Appel, geboren und am 6. November 1608.

-   Zwillinge am 3. Juni  1613, ein Sohn Jochen (gestorben am 25. des Monats)  und eine Tochter Margareta. Taufpaten waren Jochen Dill und Margareta, die Planckenschneiderin genannt.

Am 13. Januar 1603 ist Gela Hans Cloßens Witwe, die Schwiegermutter von Konrads  Bruder, gestorben.

 

Verwandte in Hüttengesäß:

Nikolaus Jacob Wigel, der Bruder der Frau Konrad Appels, heiratete am 12. März 1595 Anna Fischer, die Tochter Kaspar Fischers aus Marköbel. Zur Kirche gegangen sind sie am 21. April. Sie hatten offenbar eine Tochter Anna, die  Jörg Walder am 26. Januar 1612 in Hüttengesäß  geheiratet hat (aber diese Jörg ist nicht Konrad Appels Schwager, wie er schreibt).

Am 19. Januar oder 5. Juli 1603 ist Niclas Jacob Wigel, der Bruder seiner Frau, sein Schwager, in Hüttengesäß, gestorben.

 

Konrad Appels Frau hatte noch eine Schwester Engel Wigel, die am 2.  Dezember 1602 in Hüttengesäß Thonges Eccard geheiratet hat. Er ist am 6. Dezember 1613 in Hüttengesäß gestorben sie am 14. Mai 1616 (es ist ihm aber erst am 4. August gesagt worden).

 

Nicht einzuordnen ist folgende Notiz: Am 5. Januar 1604 hat Hans Götz in Hüttengesäß Caspar Kuhns hinterlassene Witwe Elisabeth geheiratet.

 

 

 

Vettern:

Als Vettern  („ander Geschwister Kind“) werden erwähnt:

-  Peter Maisch in Wachenbuchen, gestorben am 11. August  1602

-  Jochen Maisch in Wachenbuchen., gestorben am 27. Oktober 1613

-  Hans Kroll, dessen Güter die Vettern Martin Schmied und Konrad Appel am 10. August                             1612  wegen seines langen Ausbleibens miteinander geteilt haben.

 

Weitere Namen:

Konrad Appel hat mehrfach Pfarrer oder deren Familienangehörige als Paten für seine Kinder gehabt:

  • Bei dem Kind Katharina  im Jahre 1603 Katharina  Schlemmer, die erste Ehefrau des Hochstädter Pfarrer Schlemmer (1597-1606), eine geborene Rullmann, Tochter des Pfarrers Zacharias Rullmann in Ober- und Niederdorfelden.
  • Bei dem Kind Elisabeth im Jahre 1604 Elisabeth, eine weitere Tochter des Pfarrers Rullmann. Diese Patin ist am 2. November 1606 gestorben, ihr Vater schon 17. Oktober 1606 in Niederdorfelden gestorben. Mit zur Familie gehört offenbar auch Ludwig Rull­mann, der  am 16. Dezember 1612 in Hanau begraben wurde.
  • Bei dem Kind Leonhard in Jahre 1609 Leonhard Schlemmer, Pfarrer von Bruchköbel, der von 1597 bis 1606 Pfarrer in Hochstadt war
  • Bei dem Kind Konrad im Jahre 1615 Konrad Abel, Pfarrer in Hochstadt (1614 -1625).

 

Familie Zinck:

Am 4. Juli 1602 wurde Konrad Appels Frau Taufpatin bei der Tochter Peter Zincks. Dieser starb aber am 17. Januar 1608 auf einen Sonntag. Am 5. Oktober 1608 hat sich seine Witwe  Elisabeth mit Weiauns (?) Appel verheiratet. Am 27. Januar 1614 sind Jörg Heilman, Gregor Kaus und Konrad Appel zu Vormündern der zwei Kinder bestimmt worden, die Peter Zinck hinterlassen hatte, nämlich Anna und Annamaria. Den 1. März 1614 ist Anna in Kilianstädten  gestorben.

 

Wohnhaus:

Am 21. November 1599 ist Konrad Appel von Groschlag nach Hochstadt gezogen. Am 24. September 1602 habe hat er von Hans Krol für 47 Gulden 12 Schilling ein Haus gekauft bzw. von seinen Vormündern Hans Kauß und Martin Schmied. Es liegt neben dem Haus der Witwe von Hans Kauß.

Am 3. August 1608 hat die Witwe des Hans Kaus - die Bader Else genannt - die Landmesser angefordert und in Appels Haus kommen lassen und hat ihnen angezeigt, ich hätte ihr Grundstück überbaut. Außerdem hat sie angezeigt, das Wasser laufe aus seinem Hofgrundstück  auf ihres und führe zu Schaden. Sie hat auch behauptet, daß er zur Scheune hin keine Wand gemacht habe. Darauf ist von den Landmessern der Bescheid erteilt worden, daß er eine Wand neben der Scheune machen und eine Rinne räumen soll. Was die angebliche Bebauung angeht, so lautete der Bescheid: Wenn sie es beweise, würde geschehen, was recht ist. Aber die Gebäude sollen bis zum Beweis stehen bleiben. Appel sind dadurch 4 Gulden Unkosten entstanden.

Am 22. August 1608 hat die oben genannte Witwe die Landmesser abermals zusammenrufen lassen und hat ihre erste Klage wiederholt und mit Hilfe von Hans Runkel beweisen wollen, daß er ihr Grundstück überbaut habe. Hans Runkel hat ausgesagt, er habe Appels Stein an dem anderen gesehen, so wie er es gezeigt hat. Es ist aber weder Stein noch ein Fundament gefunden worden. Aber die Landmesser haben auf seine Aussage hin einen Stein 37 Zentimeter entfernt gesetzt und einen Albus Pacht festgesetzt, die ich in Zukunft der Witwe jährlich geben soll. Ihm sind abermals 2 Gulden Kosten entstanden.

Am 4. Dezember 1608 hat Konrad Appel deshalb er sein Haus an Bastian Batt für 100 Gulden verkauft, gelegen neben Peter Emmel von Steinau an der Straße und an der anderen Seite neben der oben erwähnten Else. Batt soll  jedes Jahr 10 Gulden bezahlen und Appel ein Wohnhaus bauen, rund 8,30 Meter lang und 5,15 breit, dazu einen Stall etwa 2,90 Meter breit. Es sind als Zeugen dabei gewesen Jörg Schnepper, Jochen Kauß von Wachenbuchen und Johann Bauer. Am 1. Januar  1609 hat Bastian Batt ihm die 10 Gulden gegeben. Am 4. Januar 1609 ist er in Kilian Bauers Haus gezogen. Am 22. April 1610 hat der Zimmermann Bastian Batt das gekaufte Haus wieder zurückgegeben. Aber Konrad Appel ist am Freitag, dem 18. Mai 1610, ist er in das neue Haus gezogen, das er gebaut hat, gelegen neben Peter Gebauer.

Das frühere Haus (gelegen neben Peter Emmel aus Steinau an der Straße,  an der anderen Seite war das Haus der Bader Else) hat er am 18. Juli 1610 für 62 Gulden an Peter Siner verkauft. Am 22. Juli hat er dann von Peter 10 Gulden empfangen, die anderen soll er Frankfurter Juden geben, und zwar 32 Gulden an Abraham „Zum roten Löwen“  und 20 Gulden dem Salomo „Zum weißen Schild“ (das sind die Hausnamen der Juden, die offenbar noch keine Familiennamen haben).

Am 25. Februar 1615 hat Konrad Appel von  Leonhardt Engelbrecht, derzeit Kalkbrenner zu Frankfurt, für 70 Gulden ein Haus abgekauft, das in Hochstadt neben dem Haus von Konrad Spilmann liegt. Weil Leonhard aber den Erben der Familie „Zum Braunen Fels“ in Frankfurt noch 60 Gulden schuldig ist, die als Belastung auf dem erwähnten Haus liegen, habe er es auf mich genommen, diese 60 Gulden zu bezahlen. Dafür hat er den Erben der Familie Braunfels versprochen, jährlich 2 Ohm Wein zu geben, wie er jedes Jahr wächst, neben den üblichen Zinsen. Am 19. Juni hat er ich die genannten 60 Gulden an Conrad Spilmann übergeben samt dem Gehöft [Aus welchem Grund gibt außer den 60 Gulden auch das Haus an den danebenliegenden Nachbarn weiter?].

 

Am 4. Dezember 1616 hat er auf seinem Haus das zweite Stockwerk aufgerichtet und das Unterstockwerk , wie am Türsturz („Oberschwelle“) der Haustür verzeichnet ist [Diese Inschrift gibt es heute nicht mehr an einem Haus in Hochstadt. Das Unterstockwerk hat er wohl nur überarbeitet].                                                                                                         

 

 

Grundstücks- und Geldgeschäfte

 

Die vielen Grundstücks-  und Geldgeschäfte können hier nicht bis in alle Einzelheiten dargestellt werden. Vor allem sind die Aufzählungen der Grundstücke zu umfangreich. Man hat den Eindruck, Konrad Appel habe die Chronik hier als seine Buchführung und als Besitznachweis genutzt. Bemerkenswert ist, daß fast alle Flurbezeichnungen auch heute noch gelten. Aber ohne Wert sind heute die Angaben, wer damals der Nachbar des Grundstücks war.

 

Darlehen:

Am 13. November 1600 hat Konrad Appel dem Spital in Hanau 30 Gulden geliehen und dafür wurden sechs Grundstücke zu seinen Gunsten belastet. Die Zinsen waren an Ostern fällig.

Am 23. Februar 1606 kaufte er von Henrich Schmit aus Marköbel 7  Morgen Weingärten für 135 Gulden.

 

Am 1. Juni 1606 hat er der hiesigen Kirchenbaukasse 27 ½ Gulden geliehen mit jährlichen Zinsen von 1 Gulden  9 Schilling, die am 22. Februar (Petritag) fällig waren. Dafür sind ihm acht Grundstücke als Sicherheit verschrieben worden. Das erwähnte Kapital und die Güter hat er aber Hans Appel zum Kauf gegeben (Aber er hatte an sich ja nur ein Hypothek gegeben, da hätte er höchstens diese weitergeben können. Der Grund für die Weitergabe ist auch nicht ersichtlich).

 

Am 11. Januar 1610 hat er der Präsenzkasse in Hanau ein Darlehen über 30 Gulden gegeben. Die Zinsen wurden am 24. Juni abgerechnet. [Die „Präsenz“ war eine Kasse, aus der die Pfarrer bezahlt wurden] .  Dafür hat er 6 Grundstücke als Sicherheit erhalten.

Im November 1612 hat Konrad Appel dem Spital in Hanau ein Darlehen von 25 Gulden gegeben wegen Hans Runkel, das ab 1613 auf den Andreastag, den 30. November, fällig ist. Am 24. April 1616 ist Hans Runkel gestorben  (War Hans Runkel inzwischen ein Bewohner des Spitals). Als Sicherheit sind 4 Grundstücke überschrieben worden:

 

Am 18. Dezember 1616 hat er an Thiebes Schmick, Schultheiß in Mittelbuchen, ein Darlehen über 9 Gulden gegeben. Von jedem Gulden sind jährlich 12 Pfennig Zinsen am Martinstag (11. November) fällig. Als Sicherheitsleistung wurden verschrieben 2 Viertel Weinberge „Im Stecken“ [verlängerte Weinbergstraße].

 

Käufe:

Am 2. Oktober 1608 hat er Hans Brenninger von Wachenbuchen für 35 Gulden ein Grundstück abgekauft.

 

Am 17. Oktober 1608 habe er sich mit Hans Runkel wegen der abgekauften Güter verglichen.
Er schreibt: „Dabei hab ich immer die guten Teile erhalten. Es liegt alles bis auf ein Viertel bei der Lahmekaute. Dafür soll ich ihm 20 Gulden abnehmen, die der dem Spital in Hanau schuldet.“

 

Am 27. Dezember 1610 hat ihm Hans Holzapfel 6 Grundstücke für 44 Gulden abgekauft. Dabei hat er für Appel 27 Gulden 12 Schilling Schulden bezahlt, die er bei der hiesigen Kirchenbaukasse hatte. Die Grundstücke sind alle der Kirchenbaukasse überschrieben worden

(Konrad Appel hatte offenbar nicht nur Schulden bei den zwei Frankfurter Juden, sondern auch bei der Kirchenbaukasse. Diese hat Hans Holzapfel zu einem großen Teil getilgt, indem er die bisherigen Güter Konrad Appels der Kirchenbaukasse überschrieb. Aber er hat wohl selber nicht den Kaufpreis gehabt, so daß alle Grundstücke der Kirchenbaukasse überschrieben wurden).

 

Am 29. April 1614 hat er ich Johann Fey eine Kuh abgekauft für zwei Ohm Wein, das Fuder im Wert von 50 Gulden.

 

Am 6. März 1617 hat er von Henrich Appel, Verwalter in Hanau, ein Viertel Weingarten abgekauft für 6 Gulden, gelegen „Im sternhohen Rain“ [südlicher Teil des Hohen Rains].

 

Verkäufe:

Am 2. Februar 1609 hat er dem jungen Konrad Philipp Kaus 15 Ruthen Weinberg für 5 Gulden verkauft.

 

Am 13. Dezember 1609 hat er Christian Zabel in Wachenbuchen ein halb Viertel Weinberge für 2 Gulden verkauft.

 

Am 22.April 1610 hat er dem Schmied Stoffel Baumann in Dörnigheim 10 Ruthen Krautgarten für 4 Gulden voriger Währung verkauft. Er hat mir er ein Maß Wein verkauft, es kostete 6 Albus.

 

Am 11. März 1611 hat er 2 Ruthen Krautgarten an Hans Bech für 5 Gulden voriger Währung verkauft

 

Am 19. März 1611 hat er Thomas Krajer in Wachenbuchen 4 Viertel Weingärten an zwei Stellen östlich der Hartig gegeben .  Dafür hat er ihm 1 Ruthe Weinberg bei der Hartig gegeben. Als Zeugen sind dabei gewesen Christian Zabel und Adam Steul, beide von Wachenbuchen.

 

Am  6. Mai 1611 habe ich an Steffen König in Wachenbuchen ein Viertel Ödland an der Lahmekaute für 12 Gulden verkauft. Er soll jährlich 14 Schilling 3 Pfennig Zinsen geben, die am 1. Mai fällig sind. Es sind dabei gewesen Philipp Heilman und Johann Wundenhauer, beide von Wachenbuchen. Außerdem hat er Steffen König noch 2 Viertel „Am hohen Rain“ verkauft, die er im Jahr 1600 von Henrich Bul aus Rumpenheim gekauft hatte.

 

Am 4. Februar 1611 hat er an Johann Kaus von Wachenbuchen 4 Ruthen Pflanzenland und ein Stück Buschland für 3 ½ Gulden verkauft. Am 15. März  hat Konrad Spilmann das Land abgeholzt.

 

Am  6. Februar 1615 hat er Hans Weber  8 Ruthen Weingarten „Im Bückling“ gegeben

neben. Dafür hat der ihm ein kleines Fleckchen Ödland gegeben, gelegen nach dem Flurstück „Im Bückling“ zu.

 

Am 19. Januar 1616 hat Konrad Appel ein halb Viertel Weingarten in der Weidbach an Reitz Steffan von Dörnigheim verkauft. Dafür hat der ihm ein halbes Viertel gegeben. Reitz hat ihm versprochen, zwei achtel Korn vorzustrecken. Daraufhin hat er ihm ein Maß Wein bezahlt  zum Preis von 7 Albus, Reitz aber hat seine Zusage nicht eingehalten [Die Weidbach ist an der heutigen Straße „In der Weidbach“].

 

Am 4. Februar 1616 tauschte Konrad Appel mit Margareta, Peter Trapps Witwe aus Wachenbuchen zwei Weingärten. Dafür gab ihm Margareta 7 Grundstücke.

 

Am 19. Januar 1617 hat er an Velten Igell ein halb Viertel Weingarten „Auf der Röden“ [ganz westlicher Teil Hochstadts] für 14 Gulden verkauft.

 

Am 16. Februar 1617 hat er an Hans und Johann Emmel, den Vormündern der Kinder des Philipp Jost, 2 Viertel brachliegende Weingarten „Im Landgraben“ verkauft und weitere 15 Ruthen an dieser Stelle. Der Preis war 8 Gulden, für die 9 Schillinge 6 Pfennige am Petritag (22. Februar) als Zinsen zu zahlen waren.

 

Sonstiges:

Am 10. August 1612 haben Martin Schmied und Konrad Appel 5 Grundstücke ihres Vetters Hans Krol wegen seines langen Ausbleibens miteinander geteilt.

 

Im Jahre 1612 hat Konrad Appel angefangen, in der Flur „Im Wolferstal“ Bäume zu setzen und von Jahr zu Jahr hat er das fortgesetzt bis zum Jahr 1617; im Jahr 1622 hat er die letzten durch Pfropfen veredelt (Dies ist ein Beispiel für den Übergang vom Weinbau zum Obstbau).

Am 17. März 1614 hat er junge Birnbäume „Im Jäger“ am Dörnigheimer Weg gesetzt, die alten sind sehr licht gewesen.

 

 

 

 

 

Wetter

 

Im Jahr 1597 hat das Wetter am 29. Mai den Wein und das Korn erschlagen.

Im Jahr 1599 hat das Korn im April angefangen zu blühen.

Im Jahre 1599 sind am 30. April frühzeitige Kirschen gefunden worden und im Juli sind frühe Weintrauben in den Weinbergen gefunden worden.

Im Jahre 1600  sind die Weingärten und Nußbäume erfroren und deswegen sind die Wein­gärten zu Pfingsten noch alle blind gewesen.

Im Jahr 1602 waren die Kirschen schon im März verblüht. Es ist den ganzen vorhergehenden Winter über warm gewesen. Aber am 2. April sind die Weingärten samt den Obstbäumen erfroren.

Der Winter 1606 auf 1607 ist sehr naß gewesen, es hat wenig gefroren. Am 2. September ist ein schön warmes Wetter gewesen.

Der Winter 1607 auf 1608 ist sehr kalt gewesen. Die Kälte hat vierzehn  Tage vor Weihnachten angefangen und bis zum  22. Februar, gedauert. Der Main ist den 4. Januar zugefroren bis zum 17. Februar 1608. Auch der Sommer 1608 ist kalt und naß gewesen und es ist nur in der Ernte acht Tage warm gewesen. Es hat auch keine Eichel- und Buchenmast im Wald  gegeben.

Aber 1609 ist wieder ein warmer Winter gewesen.

Am 6. März 1610 hat es sehr gedonnert und ein Gewitterleuchten gegeben und es ist Hagelregen gekommen.

Im Jahr 1611 ist ein warmer und trockener April gewesen. Das Korn hat schon in diesem Monat geblüht.

Am 10. Januar 1611 ist ein großer Schnee gefallen, wie ihn Konrad Appel noch nicht erlebt hat.

Im Jahr 1612 ist ein nasser und unflätig warmer Winter gewesen. Es hat nicht gefroren bis zum Januar 1613 haben. Die Leute haben den ganzen Winter über in den Weingärten das Unkraut hacken können.

Am 11. April 1613 sind einige Weingärten und Nußbäume erfroren. Es ist aber ein warmer Herbst gewesen. Es hat nur einen kleinen Sprühregen gegeben.

 

 

 

1615 Winter kalt, Sommer warm

Am 22. Januar 1615 ist ein großer Schnee gefallen, der gelegen hat bis zum 10. März. Am  25. April 1615 sind dann die Weingärten überall in unserer Gemarkung zur Hälfte  erfroren und am 27. April sind sie ganz erfroren. Auch die Kirschen und Nußbäume sind ganz erfroren, nur teilweise erfroren sind das Obst und die Eicheln und Bucheckern.

Es kam dann ein trockner und dürrer Sommer. Es hat nicht mehr als zwei durchdringende Regen gegeben und nach der Ernte noch ein kleiner Sprühregen. Aber es ist zunächst kein Mangel an Wasser eingetreten. Aber bald nach der Weinlese haben die Brunnen angefangen, allmählich abzunehmen. In den Monaten Januar und Februar 1616 sind der Torbrunnen, der Rathausbrunnen („Spielhausbrunnen“), der Heerbrunnen und der  Brunnen in der Schütt  leer gewesen. Auch wenn sich in der Nacht  ein wenig Wasser gesammelt hat, so hat man doch gegen Abend nicht einen Eimer voll Wasser schöpfen können.

Auch der Berleborn  [am unteren Rand des Riederwäldchens] ist von 1615 bis 1618 trocken gewesen. Am 25. Juli 1619 hat er wieder angefangen zu fließen, aber um den 29.September  herum ist er  wieder vertrocknet.

 

 

1616 Winter kalt, Sommer trocken und warm

Im Winter 1616 sind auch die Nußbäume erfroren, so daß sie zum Teil nicht wieder grün geworden sind. Aber dann folgte wieder ein warmer Sommer. Anfang Juni waren die Trauben in den Weingärten verblüht und Mitte Juni wurde während der Getreideernte angefangen mit dem Schneiden der Reben. In der Woche vor der Dörnigheimer Kerb haben die Trauben angefangen weich und reif zu werden und Anfang August hat man überall in den Weinbergen reife Trauben essen können. Schon am 28. August haben Hans Weber, Martin Burger und Michael Schoffer mit der Weinlese angefangen.

Es ist 1616 ein trockner Sommer gewesen. Der Main ist so klein gewesen, daß jedermann hat hindurch waten können. Am Tiefsten ist es noch in der Überfahrt gewesen, nämlich gut einen Meter [die Stelle, wo man mit dem Boot hinüberfährt].

 

1617 Winter warm

Im Jahr 1617 ist ein warmer Winter gewesen, es hat wenig gefroren, der Januar ist ganz warm gewesen. Schon Ende Januar hat man angefangen, in dem Weingarten zu schneiden, am 22 Februar war man damit fertig und hat dann gleich angefangen zu hacken. Anfang Februar hat der Mandelbaum angefangen zu blühen samt den Veilchen und Schlüsselblumen und alle Hecken waren grün (Nachtrag: Ebenso war es 1625, es  ist aber große Kälte darauf gefolgt).

 

 

Wein und Weinlese

 

Jahr

Weinlese

Preise

Qualität

Konrad Appel

 

 

Fuder

Ohm

Maß

 

Menge

(Ohm)

Preis

(Fuder)

1584

 

 

 

4 Pfg.

 

 

 

1587

 

 

 

12 Pfg.

 

 

 

1597

 

ein Achtel drei Gulden

 

 

 

1598

 

 

 

 

 

1

44

1599

5. September

42

 

 

sehr gut

9

42

1600

29. September

36

 

 

sauer

4

36

1601

17.September

60

 

 

sauer

4

60

1602

5. Oktober

56

 

 

-

2

56

1603

14. September

60

 

 

gut

4

60

1604

 

2. Oktober 

40

 

 

gut

6

40

1605

19. September

36

 

 

sehr gut

8

30

1606

13. Oktober

24

 

 

sehr sauer

7

24

1607

30. September

60- 100

 

 

sehr gut

3 ½

60

1608

10. Oktober

unverkäuflich

sehr sauer, wenig

1

30

1609

7. Oktober

70

 

7 Alb.

gut

3

70

1610

21. September

50

 

8 Alb.

sehr gut

6

50

1611

30. September

36

 

3 ½

sauer

3

36

1612

1. Oktober

60

 

4-  6 Alb.

wenig Wein

2

60

1613

 

60

 

4 Alb.

ziemlich gut

5

50

1614

 

36

 

 

sauer

8 ½

30

1615

 

75- 90

12- 18

6 - 7 Alb.

gut, wenig

2 ½

75 - 90

1616

 

 

18

6 - 10 Alb.

sehr gut

8

78 - 100

1617

 

 

 

3 - 10 Alb.

viel, gut

13 ½

43

1618

 

 

 

 

 

7

54

1619

 

 

 

 

 

10 ½

42

1620

 

 

 

 

 

6

60

1621

 

 

 

 

 

6

90

1622

 

 

 

3 - 9Alb.

 

3

29

1623

 

 

 

 

 

4

100

1624

 

 

 

 

 

7

67 ½

1625

 

 

 

 

 

3

90

1626

 

 

 

 

 

12

72

1627

 

 

 

 

 

11

36

1628

 

 

 

 

 

  -

 

1629

 

 

 

 

 

5

80

1630

 

 

 

 

 

18

42

1631

 

 

 

 

 

24

36

1632

 

 

 

 

 

4

 

1633

 

 

 

 

 

2

 

                   

 

Vor 1584 hat eine Maß Wein 4 Pfennig gekostet, dabei aber hat man aber nie die Weinsorte „Roter Römer“ gegeben (Was das der heutige „Rote Hochstädter“?).

 

Im Jahr 1599 ist es ein sehr guter Wein geworden. Das Fuder hat 42 Gulden gekostet  und dann ein Jahr später 100 Gulden (Hier liegt ein Grund für den relativen Reichtum der Hochstädter Weinbauern: Sie hatten große Keller, um den Wein aufzubewahren, und verkauften ihn dann, wenn er viel Geld brachte).

 

Im Jahre 1600  sind die Wein­gärten wegen des Frosts zu Pfingsten noch alle blind gewesen. Man hat am 29. September nicht eine reife Traube finden können. Es hat sauren Wein gegeben, für das Fuder wurde ein Preis von 36 Gulden erzielt.

 

Am 23. April 1603 (heute der 9. Mai) sind die Weingärten erfroren. Die Triebe sind einen halben Finger lang gewesen (Aber offenbar haben die Weinstöcke wieder neu getrieben, denn im Herbst wurde wieder geerntet).

 

Im Jahre 1605 hat am 19. September die Weinlese begonnen. Zur Wachenbucher Kirchweih am zweiten Sonntag im August hat man überall frühe Weintrauben gefunden. Es hat sehr guten Wein geben und auch viel. Das Fuder hat zunächst einen Preis von 36 Gulden erzielt, dann ist er aufgeschlagen bis auf 100  Gulden.

 

Im Jahre 1606 wurde am 13. Oktober mit der Weinlese begonnen. Es hat sauren Wein gegeben, es hat niemand den Wein kaufen wollen. Er ist zwei Jahre liegen geblieben und hat auch dann nur 24 Gulden als Preis erzielt.

 

Im Jahr 1607 wurde am letzten September mit der Weinernte angefangen. Es ist sehr guter Wein geworden, das Fuder hat von 60 Gulden aufgeschlagen bis auf 100 Gulden.

Im Jahre 1608 wurde am 10. Oktober mit der Weinlese begonnen. Die Trauben haben am 29. September angefangen weich zu werden. Es sind nur kleine Beeren in den Weingärten gewesen. Es hat sehr wenig und sauren Wein gegeben, es hat ihn niemand kaufen wollen.

 

Im Jahr 1609 hat man vier Wochen vor dem 22. Februar, dem Petritag, angefangen in den Weinbergen zu schneiden (offenbar war der Petritag der übliche Termin). Am Samstag, dem 7. Oktober, wurde mit der Weinlese begonnen. Er hat guten Wein gegeben, das Fuder erzielte einen Preis von 70 Gulden. Eine Maß Wein hier bei dem Wirt 7 Albus gekostet und in Hanau 8 Albus, auch 9 Albus.

 

Im Jahre 1611 sind am 30. April 1611 die Weingärten erfroren. Die Triebe waren 15 Zenti­meter lang, einige auch 30 Zentimeter, sie sind in den tiefen Lagen alle erfroren. Am 30. September hat man mit der Weinlese begonnen. Es hat sauren Wein gegeben, das Fuder hat nur einen Preis von 36 Gulden erzielt, aber auch weniger.

 

Im Jahre 1612 wurde am 1. Oktober 1612 mit der Weinlese begonnen. Das Ende war am 6. Oktober. Es hat wenig Wein gegeben, es sind überall kleine Träublein in den Weinbergen gewesen, es  ist ein trockenes und warmes Wetter gewesen.

 

Am 11. April 1613 sind einige Weingärten und Nußbäume erfroren.

 

Im Jahre 1613 wurde wieder im Herbst mit der Weinlese begonnen. Es hat ziemlich guten Wein gegeben. Am Samstag, dem 2  Oktober wurde angefangen, am 8. des Monats wurde sie beendet. Es  ist ein warmer Herbst gewesen. Es hat nur einen kleinen Sprühregen gegeben. Es hat viel Wein gegeben. Das Fuder Wein erzielte eine Preis von 60 Gulden. Die Maß Wein hat zu Anfang beim Wirt 4 Albus gekostet. Das Fuder Wein ist aufgeschlagen auf 50 Gulden, auch 48 bis auf 60 Gulden gegen Herbst.

 

Am 13. Oktober 1614 wurde mit der Weinlese begonnen. Es ist ein nasser Herbst gewesen, es hat Tag und Nacht sehr geregnet, es ist so dreckig gewesen, daß man bisher sich nicht an ein solches unflätiges Wetter erinnern kann. Geendet hat das dann am 22.Oktober. Es hat ziemlich sauren Wein gegeben, der allgemeine Preis war 36 Gulden.

 

Am  25. April 1615 sind die Weingärten überall in unserer Gemarkung zur Hälfte  erfroren und am 27. April sind sie ganz erfroren. Auch die Kirschen und Nußbäume sind ganz erfroren und das Obst und die Eicheln und Bucheckern zum Teil. Im nächstfolgenden Winter sind auch die Nußbäume erfroren, so daß sie zum Teil nicht wieder grün geworden sind (Die Nußbäume sind angeblich sehr oft erfroren, aber endgültig sicher erst, als sie nicht wieder grün wurden).

 

Am 21. September 1615 wurde mit der Weinernte begonnen, sie dauerte bis zum 26. September. Es hat guten Wein gegeben, aber sehr wenig. Das Fuder erzielte einen Preis von 78 Gulden (Randbemerkung:  auch 75, 80 und 90 Gulden). Eine Maß Wein hat bei dem Wirt 6 Albus gekostet, die Ohm im Kauf 12 oder 13 Gulden, aber auch bis zu 18 Gulden.

 

Am letzten April 1616 sind die Weingärten an einigen Stellen zum Teil erfroren, zum Beispiel am  „Kochberg“ (ganz westlicher Teil von Hochstadt) und „Im Säuerling“ (nördlich des Kochbergs), „An der langen Weid“ außen (wohl „Die Gemeindeweide“ im Tal nördlich der Hartig) und bei der Hartig. Die Triebe sind schon etwa 15 Zentimeter lang gewesen. In der folgenden Nacht sind die Weingärten überall in den tiefen Lagen erfroren und auch an einigen Stelle auf den Höhen.

 

Im Jahr 1616 waren die Trauben in den Weingärten drei Wochen vor dem Johannestag verblüht (also Anfang Juni) und in der Woche vor dem Johannestag wurde während der Getreideernte angefangen mit dem Schneiden der Reben. Die Trauben haben in den Weingärten in der Woche vor der Dörnigheimer Kerb angefangen weich und reif zu werden und acht Tag vor der Wachenbucher Kerb hat man überall in den Weinbergen reife Trauben essen können. Es ist ein  trockner Sommer gewesen. Am 28. August haben Hans Weber, Martin Burger und Michael Schoffer angefangen in den Weingärten den Wein zu lesen. Am 3. September 1616 wurde mit der Weinlese begonnen. Es hat sehr guten Wein gegeben Die Weinernte ist vor der Frankfurter Messe eingesammelt worden.

 

Im Jahr 1617 ist ein warmer Winter gewesen, es hat wenig gefroren, der Januar ist ganz warm gewesen. Schon vier Wochen vor dem Petritag (22. Februar) hat man angefangen, in dem Weingarten zu schneiden, am Petritag war man damit fertig und hat dann gleich angefangen zu hacken. Am 19. September haben Hans Weber und Martin Burger mit der Weinlese begonnen und acht Tage später Michael Schäfer. Das Ende war am 8. Oktober. Es hat viel und guten Wein gegeben. Der Morgen Weingarten (ein viertel Hektar) hat einigen Leuten ein Fuder Wein getragen.

 

Preisentwicklung:

Der Wein aus verschiedenen Jahren konnte ganz unterschiedlich kosten:

Im Jahre 1610 hat es sehr guten Wein gegeben, ein Fuder hat einen Preis von 50 Gulden erzielt, im Jahre 1612 hat dieser Wein aber 100  Gulden gebracht.

Im Jahre 1612 hat ein Maß Wein ganz unterschiedlich gekostet:

 - aus der Ernte von 1610 waren es 6 Albus

-  aus der Ernte von 1611 waren es 3 ½  Albus.

-  aus diesem Jahr 5 Albus bis ins Jahr 1613.

Es ist auch nicht so, daß ein guter Wein auch gute Preise brachte, denn wenn das Angebot groß war, ging der Preis zurück. Saurer Wein konnte durchaus 60 Gulden bringen, der gleiche Preis wie in Jahren mit wenig Wein.

Konrad Appel erzielt in der Regel den gleichen Preis wie allgemein. Nur in ganz wenigen Jahren liegt er unter dem allgemeinen Preis (1605 und 1613), aber 1608 kann er trotz des nahezu unverkäuflichen Weins einen Preis von 30 Gulden erzielen.

 

 

Preise

 

Jahr

Korn

Hafer

Gerste

Weizen

Erbsen

Brot

Ein Ei

 

Achtel

 

 

 

 

 

 

1584

8 Schilling

 

 

 

 

 

4 Pfg.

1587

5 G.

2 ½  - 3 G.

4 G.

6 G.

6 G.

 

 

1597

3 G.

 

 

 

 

 

 

1605

4 G.

 

 

 

 

 

 

1609

2 - 4 G.

 

 

 

 

 

 

1610

3 - 4

 

2 G.

3 G.

4 G.

4G.

 

 

1611

4 - 5 G.

 

 

 

 

2 ßl

4 - 6 Pfg.

1612

4 - 6 G.

 

2 ½  -3

4 G.

4 - 6 G.

6 G.

2 ßl

 

1613

3 - 4 G.

 

 

 

 

 

 

1614

2 G.

 

 

 

 

 

 

1616

2- 3 G.

2 G.

 

 

7 G.

 

 

1621

 

 

 

 

 

 

3 Pfg.

1622

4 G.

 

 

5 G.

6 G.

 

 

1623

8 - 9 G.

 

 

 

 

 

 

 

Konrad Appel schreibt: „ Ich habe von meinem Vater gehört (1584 gestorben), daß zu seiner Zeit ein Achtel Korn 8 Schilling gekostet hat und es hat 14 Tage  in der offenen Halle unter dem Rathaus gestanden und niemand hat es kaufen wollen. Wenn einer einen Tag gearbeitet hat  und ihm gesagt wurde: „Komm morgen und hole ein Simmer Korn“,  so hat der Taglöhner geantwortet: „Gib mir Geld!“ und hat das Korn nicht haben wollen und hat mein Vater in Windecken für 6 Pfennig 24 Eier gekauft, ein Maß Puder für 6 Schilling und hier 1 Maß Wein für 4 Pfennig, dabei aber hat man aber nie die Weinsorte „Roter Römer“ gegeben.

 

Im Jahre 1587 hat ein Achtel Korn 5 Gulden gekostet. Der Preis blieb ein Vierteljahr so hoch. Die armen Leute haben große Hungersnot gelitten

 

Im Jahre 1602 hat eine Grell-Birne (?) einen Pfennig gekostet und 6 gelbe Birnen („spiling“) einen Pfennig, vier Pflaumen einen Pfennig, ein Apfel 1 bis 8 Pfennig, ein Pfund Kirschen 4 Schilling.

 

Im Jahre 1609 hat ein Achtel Korn gegolten und ist aufgeschlagen bis auf 3 und 4 Gulden der jetzigen großen Währung.

 

Am 12. Mai 1610 hat die Herrschafft den Einwohnern  das Achtel Korn für 3 Gulden 8 Schilling zur Verfügung gestellt und danach für 3 Gulden 16 Schilling. Ein Achtel Hafer kostete 2 Gulden, ein Achtel Gerste 3 Gulden, ein Achtel Erbsen 4 Gulden, ein Achtel Weizen 4 Gulden, ein Achtel Korn 4 Gulden, alles aber gemahlen. Und Kaspar Lapp, der Schultheiß von Dörnigheim, hat seinen Einwohnern das Achtel Korn zur Verfügung gestellt für  4 ½ Gulden großer Währung,  nach voriger Währung 5 Gulden [Der Schultheiß hat „Nachbarn“, der Graf hat „Untertanen“, beides wurde aber hier mit „Einwohner“ wiedergegeben].

 

Im Jahre 1611 hat ein Ei 4 Pfennig und auch 6 Pfennig gekostet. So etwas hat man nie wieder gehört. Am 9. Dezember 1611 hat Jakob Keller, Bürger von Frankfurt, den Einwohnern von Hochstadt  103 Achtel Korn zur Verfügung gestellt, das Achtel zum Preis von 4 Gulden 21 Schil­ling. Meine Frau und ich haben ein Achtel herausgetragen, ich habe 2 Achtel weiter gegeben.

 

Im Jahre 1612 schwanken die Angaben zum Preis des Korns. Der Preis fiel offenbar von  9 ½  Gulden auf 5, den Gulden zu 30 Albus, oder 4 -  5 ½ Gulden, der Gulden zu 27 Albus. Am 15. April hat Tabes Schmack, Schultheiß in Mittelbuchen, den Einwohnern von Hochstadt das Achtel Korn für 6 Gulden zur Verfügung gestellt. Konrad Appel hat 7 Achtel genommen, den Gulden zu 30 Albus. Im Jahre 1612 hat die Herrschaft in Hanau den Einwohnern das Achtel Korn für 4 Gulden und 18 Schilling zur Verfügung gestellt, den Gulden zu 30 Albus.

Ein Achtel Weizen hat 6 Gulden gekostet, ein Achtel Erbsen 6 Gulden, ein Achtel Gerste 4 Gulden,  ein Achtel Hafer 3 und 2 ½ Gulden . Ein Laib Brot mit einem Gewicht von einem Pfund bis zu 2 ¼ Pfund hat 2 Schilling gekostet.

Ein Pfund Schweinefleisch hat 21 Pfennig gekostet, ein Pfund Hammelfleisch 3 ½ Albus, ein Pfund Kalbfleisch 2 Albus, ein Pfund Rindfleisch 14 Pfennig Randbemerkung:  1622 Schweinefleisch 4 Schilling, Kalbfleisch 2 Batzen, Rindfleisch 16 Pfennig, Maß Wein von 1610 kostete  8 Albus).

 

Anfang April 1613 hat ein Achtel Mehl 3 Gulden gekostet, der Gulden zu 30 Albus. Am 29. April 1613 hat die Herrschaft in Hanau den Einwohnern das Achtel Korn für 3 Gulden 8 Schilling ausgegeben, der Gulden zu 30 Albus. Aber sonst im Jahr hat das Korn  4 Gulden  alter Währung gekostet und ein Achtel Mehl 4 Gulden jetziger Währung und auch einige Schilling mehr oder weniger und ist also auf-  und abgeschlagen um 4 bis 6 Schilling. Das Mehl hat 3 ½ Gulden gutes Geld gekostet oder 4 Gulden kleines Geld.

 

Das Jahr 1613 ist ein sehr gutes und fruchtbares Jahr gewesen, vor allem was das Korn angeht, und an aller Frucht ist kein Mangel gewesen. Das Achtel Korn hat zum Anfang der Ernte 2 Gulden gutes Geld gekostet, der Gulden zu 30 Albus. Im Mai waren es 3 Gulden, aber dann ist das Korn aufgeschlagen bis auf 7 Gulden. Das Mehl hat 2 Gulden 8 Schilling gekostet, den Gulden zu 27 Albus, später 3 Gulden 12 Schilling.

 

Im Jahr 1615 kam es zu einer allgemeinen Teuerung: Ein Achtel Korn kostete 3 ½ Gulden gutes Geld, ein Achtel Gerste 3 Gulden, ein Achtel Weizen 5 Gulden, ein Achtel Hafer 2 Gulden,  ein Achtel Erbsen 6 Gulden.  Einhundert Krautköpfe kosteten 2 Gulden, ein Sechter Rüben 12 Pfennig, sie sind aber aufgeschlagen bis auf 3 Albus.

 

Im Jahre 1616 war ein Löffel voll Pflanzsamen auch teuer und hat  3 Albus gekostet, auch 3 Schilling (= 3 ¾ Albus) und auch 4 Albus, so teuer, wie Appel es in seinem bisherigen Leben nicht gehört hat. Dafür wurde das Korn billiger: Im Mai ging der Preis herunter und es hat nur drei kleine Gulden gekostet und bald nach der Ernte zwei Gulden, um den Martinstag (11. November)  herum aber 7 Gulden gutes Geld.

Ein Achtel Leinsamen kostete 10 Gulden (Randbemerkung: auch 8 Gulden), was seit Menschengedenken nicht mehr vorgekommen ist. Das Leintuch ist sehr teuer gewesen: Eine Elle Flachstuch kostete  6 Batzen, Wirkwaren 9 Batzen.

 

Im Jahre 1617 wurde der Pflanzsamen wieder teuer: Ein Löffel voll kostete in Weißkirchen (Kreis Offenbach]  2 Batzen, in Mühlheim-Dietesheim 5 Albus, in Windecken 12 Pfennige, in Oberissigheim14 Pfennige.  Im Jahre 1618 kostete ein Löffel voll 2 Albus 2 Schilling.

Verbilligung des Korns: Am Anfang des Jahres 1617 hat ein Achtel Korn 2 Gulden 6 Schilling, auch 2 Gulden 9 Schilling kleines Geld gegolten, und das Mehl ist auch so viel abgeschlagen bis auf 2 Gulden.

 

 

 

 

Chronik Andreas Emmel

Aufzeichnungen des Andreas Emmel aus Hochstadt aus der Zeit 1666 - 1676

 

[Diese Übersicht ist noch nicht amnhand des Originals nachgearbeitet worden, sondern beruht auf den Aufzeichnungen von Wilhelm  Mankel].

 

 

Biographie:

Wann er geboren ist, läßt sich nicht feststellen, da die Kirchenbücher erst 1662 beginnen. Auch sein Todestag ist nicht festzustellen. Vermutlich ist er außerhalb bei seinem Sohn (in Wachenbuchen?) gestorben.

Geheiratet hat er am 1. Februar 1666 seine Frau Katharina, Tochter des Johannes Schmitt aus Wachenbuchen. Diese war geboren am 19.August 1646 (?) und starb am 26. April 1707 in Hochstadt. Ihr Vater Johann Schmitt aus Wachenbuchen wurde am 3.Dezember 1609 geboren und hat sich am 17. Juni 1630 mit seiner Frau Elisabetha verlobt und am 9. September haben sie geheiratet (christlichen Kirchgang gehalten).

Der Vater des Andreas Emmel hieß Christof Emmel. Sein Geburtstag ist unbekannt, da auch sein Todestag nicht im Kirchenbuch eintragen ist. Er muß aber 1662 gestorben sein. Seine Mutter hieß Margarethe (?) und war eine Tochter des Nikolaus Wassermann (?) und dessen Ehefrau Apolonia, beide von Dörnigheim. Sie ist amDienstag, dem 13.Dezember 1669, gestorben und den 15. Dezember begraben worden im Alter von 71 Jahren, war mithin 1598 geboren. Andreas Emmel hat drei Töchter und einen Sohn gehabt.

 

Schultheiße:

Ein Johannes Emmel war 1654 Schultheiß in Hochstadt. Seine ersten Handlungen nach dem Abzug der Schweden waren die Wiederherstellung der Kirche und die Beschaffung neuer Glocken. Im Jahre 1660 folgte ihm Peter Koch als Schultheiß. Hochstadt hatte damals wieder

90 steuerzahlende („Beed“) Einwohner.

 

Aufzählung der Gemeindeämter von 1664 - 1672 (Beginn der Aufzeichnungen):

(Vorbemerkungen nach Lippert, S. 596 , und Einleitung der Abschrift von Wilhelm Mankel sowie ein weiterer Zettel von Wilhelm Mankel).

Im Jahr 1660 war Peter Koch Herrschaftlicher Schultheiß in Hochstadt. Bürgermeister und Gemeinderechnungsführer waren Narten Burger und Nikolaus Emmel im Jahr 1664. Feldschützen Philippus Strohl, Johann Müller, Alban Dietz, Philippus Katzenburger und Wilhelm Trapp. Kirchbaumeister Kaspar Horst. Gemeinde Wirt Konrad Strohl. Gemeinde Bäcker Hans Jörg Brieß. Kuhhirt Caspar Schmöll, Säuhirt Heinrich Ebert, beide auch Nachtwächter, und haben zum Lohn jeder 32 Gulden. Dietz Meckert und Friedrich Müller waren auch Wächter und hatten zum Lohn 30 Gulden ein jeder im Jahr. Kirchenruher war Bartel Schäfer. Der „Kirchenruher“, allgemein „Kirchenrauher“ genannt, war der Kirchenrüger, er hatte die Pflicht, während des Gottesdienstes im Ort aufzupassen, daß keine Störung durch alle möglichen Hantierungen vorkommen. Büttel oder Ortsdiener Friedrich Müller zum Jahrlohn 4 Gulden und 1 Paar Schuhe. Die Gemeindeämter wurden alle Jahre neu besetzt (Anmerkung: Müller war Wächter und Ortsdiener. Das Schultheißenamt wurde nicht jährlich neu besetzt!)

 

Zeitgeschichte:

Ludwig XIV. von Frankreich wollte sich gern Holland einverleiben. Der König von Holland aus dem Hause Oranien erhielt aber Beistand durch seinen Schwager, den großen Kurfürsten. Dieser war im Zuge der Reunionskriege mit einem kleinen Heer an den Rhein gezogen. Ludwig aber hetzte die Schweden auf Brandenburg, so daß der große Kurfürst sein Unternehmen gegen Frankreich abbrechen mußte. In Eilmärschen eilte er nach Brandenburg zurück, um die Schweden aus seinem Land zu jagen. Als er aber noch auf dem Hinweg zum Rhein war, hatte er für einige Zeit sein Hauptquartier in Bergen. Die umliegenden Dörfer mußten sein Heer dort versorgen. Davon berichtet auch Andreas Emmel.

 

 

 

 

Verzeichnis oder Register über die Unkosten, so bei Ihrer Kurfürstlich von Brandenburg und dessen Völker ist aufgegangen und nach Bergen ins Hauptquartier ist geliefert worden,

 

vom 4. bis auf den 23. Oktober Anno 1672:

 

 

Den 4. Okt.:

180 Laib Brot, 4 Ohm 5 Viertel Wein, 9 Ohm 9 Viertel Bier, 56 Achtel Hafer, 3 Gäns, 15 Hühner (Heuer), 476 Pfd.Fleisch,

den 5.Okt.:

40 Achtel Hafer, 104 Laib Brot, 2 Ohm 15 Viertel Bier, 1 Ohm 12 Viertel Wein, 10 Pfd. Kerzen („Licht“), 20 Pfd.Butter, 61 Eier,

den 6. Okt.:

20 Hämmel, 30 Pfd.Butter, 10 Hühner,

den 7. Okt.:

30 Achtel Hafer, 86 Laib Brot, 2 Rinder, 4 Ohm 2 Viertel Bier, 3 Hämmel,

den 8. Okt.:

20 Achtel Hafer, 83 Laib Brot, 3 Ohm 6,5 Viertel Bier, 162 Pfd. Fleisch,

den 9. Okt.:

18 Achtel Hafer, 55 Laib Brot, 2 Ohm 15 Viertel Bier, 1 Ohm weniger 1/41/4 Wein, 1 Hammel, 1 Rind, 10 Hühner, 70 Pfd. Rindfleisch, den 10.0kt.: 15 Achtel Hafer, 350 Pfd. Brot, 4,75 Pfd. Licht,

8 Pfd. Butter, 1 Rind, 13,5 Viertel Wein, 2 Ohm 5,5 Viertel Bier, den 11.0kt.: 15 Achtel Hafer, 350 Pfd. Brot, 2 Ohm 5 Viertel Bier,

den 12. Okt.:

15 Achtel Hafer, 350 Pfd. Brot, 4,75 Pfd. Kerzen („Licht“), 8 Pfd. Butter, 1 Rind, 13,5 Viertel Wein, 2 Ohm 5,5 Viertel Bier,

den 13. Okt.:

1 Ohm 9 Viertel Wein, 20 Achtel Hafer, 10 Hühner, 1 Rind, 6 Pfd. Kerzen („Licht“), 3 Häm­mel, 17 Pfd. Butter, 3 Ohm 2 Viertel Bier, 1 Gans, 400 Laib Brot,

den 14. Okt.:

10 Achtel Hafer, 10 Ohm ½ Viertel Bier, 30 Laib Brot.

 den 15. Okt.:

70 Laib Brot, 210 Pfd. Fleisch, 9 Hühner, 13 Achtel Hafer, 4 Hämmel, 19,5 Viertel Wein, 5 Pfd. Kerzen („Licht“), 10 Pfd. Butter, 2 Ohm 3,5 Viertel Bier,

den 19. Okt.:

10 Achtel Hafer, 40 Laib Brot, 1 Ohm 5 Viertel Bier, 6 Hühnereuer,

den 21. Okt.:

2 Ohm 10,5 Viertel Bier, 60 Laib Brot, 2 Hämmel, 6 Hühner,

den 22. Okt.:

10 Achtel Hafer, 50 Laib Brot, 1 Ohm Wein, 1 Rind, 6 Hühner, 10 Pfd. Butter,

den 23.Okt.:

6 Achtel Hafer, 30 Laib Brot, 1 Ohm 1 Viertel Bier, 2 Hämmel, 4 Heuer, 50 Pfd. Fleisch, 10 Gulden an Geld geliefert. Vor den Oberstleutnant über die Reiter geben 2,5 Achtel Hafer, 1 Viertel Fleisch von einem Rind, 6 Laib Brot, 2 Hühner.

(Anmerkung:

1 Ohm            150 Liter,

1 Achtel oder 1 Malter = 2 Doppelzentner,

1 Viertel = 16 Schoppen,

1 Achtel = 4 Simmer,

1 Simmer = 4 Sechter,

1 Sechter = 4 Gescheid (?),

2 Sechter = 1 Maße (?),

Die Salenquart (= Quacksalber, Sanitäter)  betreffend 43 fl 20 alb 2 heller vor Zehrung, 82 fl 12 Schilling an Geld geben, 16 Achtel Hafer verfüttert, 6 fl Caspar Schmidt, bei dem sie übernachtet („logiert“) haben, vor seine Müh, 1 Ohm 4 Viertel Wein nach Kilianstädten geliefert.

Die Gesamtsumme der Fourage und Lebensmittel, so nach Bergen ins Hauptquartier der Chur­fürstlich von Brandenburgischen Truppen ist geliefert worden, betrug 455 fl 5 alb. Dieser Betrag wurde durch eine direkte Umlage von den Nachbarn erhoben.

(Anmerkung: Durch diese Angaben kann man die Preise errechnen:

1 Pfd. Butter = 5 alb, 1 Achtel Hafer        25 alb, 1 Rind 5 - 7,5 fl, 1 Hammel1 fl 15 alb, 1 Gans = 10 alb, 1 Huhn 5 alb, 10 Eier            3 alb (das Stück 2- 4 Heller), 50 Pfd. Rindfleisch 2 fl 2 alb 4 Hel­ler (das Pfd. etwa 10 Pfg.), 1 Rinderhaut = 1 fl 10 alb, 1 Ohm Wein = 7 fl, 1 Ohm Bier = 2 fl 2 alb, 1 Pfd.Licht = 4 alb, 1 Achtel Roggen = 1 fl 10 alb, 1 Pfd. Kalbfleisch = 5 Kreuzer,  1 Pfd. Hammelfleisch = 5 Kreuzer . 1 Gulden          30 alb, 1 Albus = 8 Heller, 1 Kreuzer = 4 Heller,

1 Ohm = 20 Viertel ).

 

Im Jahr 1674:

Den 21. Januar 1674 seind die Sächsischen Völker ins Hanauische Land einquartiert worden und ist zu Hochstadt der Hauptmann mit einem Forier, Schirschant, Morterschreiber, Feld­schärer und Stockenknecht mit 18 Muschgedieren einquartiert worden. Den 2. Mai 1674 sind die Sächsischen Völker von Hochstadt nach Windecken ins Hautquartier marschiert.

Am 4. August sind die Sächsischen Völker wieder ins Hanauische Land einmarschiert und lagen in Bischofsheim, Fechenheim, Dörnigheim und Kesselstadt und den 6. August weitermarschiert an die Dorfelder Brück und wurden in Rendel, Büdesheim und Heldenbergen einquartiert. Das Hanauische Land mußte hohe Geldsummen an Contribution und große Mengen an Fourage und Lebensmitteln aufbringen.

Den 17. August sind die Hanauischen Soldaten zur Reichsarmee abmarschiert und in (den) Krieg geschickt worden. Das Hanauische Land mußte nicht allein für die Hanauischen Truppen, sondern auch für die Reichsarmee hohe Kontribution zahlen.

Den 13. August 1674 sind die Lindenburgische Völker (Lüneburgischen) kommen und haben in Vilbel und den umliegenden Dörfern gelegen, Hochstadt hat auch ein Quartierkommando, sind den 15. August weitermarschiert. Den 21.September sind die Lindenburgische Völker ins Büchertal kommen, aber nicht nach Hochstadt.

 

 

Das Jahr 1675:

Den 15. Januarius 1675 sind die Kaiserlichen Völker ins Hanauisch Land einauartiert worden. Und hatten wir einen Rittmeister mit ein Tafeldecker, Koch, Feldscherer, mit 2 Knechten und 6 Pferden in Hochstadt.

Den 2. April 1675 seind die kaiserlichen Völker, so im Land gelegen, zusammengezogen worden auf den Charfreitag zu Dörnigheim. Haben gelegen 11 Wochen seit Freitag 15. Januar, macht 11 Wochen, und sind den 3. April auf Vilbel weitermarschiert.

Den 17. April seint die Kaiserlichen Völker wieder ins Hanauisch Land gekommen und hat zu Bischofsheim ein Oberstleutnant gelegen, den 19. dto. wieder weitermarschiert.

Den 29. April seind die Lothringischen an dem Main angekommen und haben zu Mühlheim, Rumpenheim und Bürgel gelegen und den 2. Mai bei Rumpenheim über den Main gesetzt, hat Hochstadt auch davon Einquartierung bekommen. Den 3. Mai wieder 200 Mann nach Bischofsheim kommen, Lothringisch Völker. Den 5. Mai sind die Lothringischen Völker ins Oberbüchertal marschiert bis auf Altenstadt und Oberbergheim.

Am 10. Mai sind die Lindenburgische Völker ins Hanauisch Land kommen und ist zu Win­decken das Hauptquartier gewest.

Zu Bezahlung der Kriegskosten mußte der Graf zu Hanau 4.000 Gulden aufbringen, davon trug es dem Amt Büchertal 1 156 Gulden und dem Flecken Hochstadt 158 Gulden 18 alb.

Den 22. Dezember 1675 sind die Lündenburgischen Völker aus Hochstadt weitermarschiert und den 27. Januar 1676 wiederkommen.

Den 23. Dezember 1675 seind die Krabot (Anm.:Kroaten?) gekommen nach Hochstadt und haben wir 3 Reuter bekommen.

 

Das Jahr 1676:

Den 4. Februar 1676 johs Schmink und Johs Strohl bezahlt 7 alb 7 Heller an den 12 fl, so zu dem Land zum Besten soll angewendet werden, so der Ambmann so genennt und genommen, etliche nennen es „Reisegeld“, so Dokter Schmidt soll habe gebraucht als er zu dem Lindeburgischen General ist gereist wegen seiner Völker, so im Hanauischen Land gelegen haben, dieselbige wiederumb aus dem Land zu bringen, ist aber nicht geschehen.

Den 4. Brachmonat (Anm.: Juni) sind die Lündeburgische Völker, so bei uns gelegen, gemaschiert auf Friedberg und haben bei uns gelegen 12 Wochen und 3 Tag.

Den 3. Oktober 1673 (?) hat des Kaisers Volk das Lager aufgeschlagen im Wachenbücher Feld und den 4. Oktober im Mittelbücher Feld.

Den 11. F'ebruar 1676 ist der Hauptmann von den Lündenburgischen Völkern mit 1 Corporal, 1 Morterschreiber und 5 muschgediere nach Hochstadt einquartiert worden und mit ihm Akkordierte (?), und müssen wir ihm je Monat geben 90 Gulden und vor 4 Pferd je tag.1 Simmer Hafer und Hey und Stroh und Heckerling.

Den 25. Februarius 1676 ist der Oberst von den Lündeburgischen Völkern mit der Reuterey, so zu Fechenheim gelegen, wiederum zu ihrem Land gezogen und haben wir Ihm müssen geben an unserem Teil zu Hochstadt 2? fl 22,5 alb auf den Weg.

Den 3. Januar dem Herrn bezahlt für     (?) auf Abschlag 20 Gulden.

 

Der Ausschuß: (Kommentierende Ausführungen von W. Mankel)

Der Ausschuß war eine Miliztruppe, die in Notzeiten zur Verteidigung des Landes herangezogen wurden. Aber auch anderen Notständen, Feuer- und Wassernot, wurde der Ausschuß eingesetzt. In Hochstadt waren drei Rotten wehrfähiger Ausschußmitglieder. Jeder Rotte stand ein Gefreiter vor. An der Spitze des Hochstädter Ausschusses stand ein Fähnrich, der die Fahne zu tragen und aufzubewahren hatte. Der Ausschuß im Amt Büchertal war 1.200 Mann stark.

Der Hochstädter Ausschuß wurde auch besonders stark für Wachzwecke herangezogen, besonders auf die Kirschaler Geleitswache an der Frankfurt-Hanauer Landstraße. An der Stelle, wo der Bischofsheimer-Rumpenheimer-Weg diese Landstraße überquert, stand das Wachthaus. Die Geleitswache hatte den Zweck, den Handelsverkehr auf der Frankfurt-Hanauer-Landstraße vor Überfällen zu schützen und auch allem sonstigen unerwünschten Volk die Einreise in das Hanauer Land zu verwehren. Ein weiteres Wachkommando hatten die Hochstädter an der Nidderbrücke bei Dorfelden zu stellen.

Auf der Leuchte (Eichwald an der Dörnigheimer Straße) fanden regelmäßige Schießübungen statt. Überhaupt war die Leuchte die „Thingstätte“ Hochstadts.

Am 23. Dezember (Jahr?). sind 13 Mann vom Ausschuß zu Hochstadt in den Stedter Wald .... kommandiert worden... Am 20.Mai .... ist die Musterung Büchertals auf unserer Leuchte gehalten worden. Den 31. Mai 1673 ist der ganze Landesausschuß zu Hanau gewest und hat unser Fähnrich die Fahne bekommen.

 

Nachkriegsnot (Kommentar von Wilhelm Mankel):

Nach den Aufzeichnungen des Andreas Emmel hatte der Flecken Hochstadt durch die Kriegszeiten des Jahres 1672 - 76 schwer zu leiden. Da erst 25 Jahre seit dem 30jährigen Krieg verflossen waren und das Land sich von den Verwüstungen noch nicht recht erholt hatte, drückte die neue Besetzung erst recht schwer auf die Bevölkerung. Wie schwer es der Gemeinde fiel, selbst geringe Summen aufzubringen, beweist nachstehende Niederschrift des Andreas Emmel:

Den 29. März 1675 hat die Gemein Hochstadt bei Caspar Götze, Burg- und Handelsmann zu Hanau in der Neustadt 100 Gulden geliehen. Und haben Schultheiß und Geschworenen ihre eine Handschrift unterschrieben im Namen der Gemein. Dem Büchertal hat es 655 Reichstaler getragen, davon der Flecken Hochstadt 132 Gulden mußte geben und wurde gebraucht zu den Kaiserlichen Völkern.

 

Verzeichnis derjenigen Hochstädter Einwohner, die an den Grafen von Solms-Rödelheim den höfischen Zins jährlich geben mußten:

 

1. Hans Jakob Schmöhl 1 alb l h

2. Andreas Emmel     2 alb 4^h

 

3. Friedrich Kunz (?)         

 

4. Bernhard Grieß (?)        

 

5.        

 

6. Hans gorig Weber         

 

7. Johannes Schurmink (?)         

 

8. Johannes Fischer         

 

9. Johannes Heckert         

 

10. Wilhelm Jung (?)         

11. Joh. Wilh. Buscherdt

12. Johs

13. Peter Weber

14. Simeon Krebs

 

15. Caspar Brosch 

16. Hans Kaiser

17. Johs  Maisch

18. Johs Borger

19. Michael Schoder (?)

20. Merden Borger

21. Valden Igel (?)

 

(Anmerkung: Vorstehende Zinsbeträge waren nur von den Groschlager Gütern, außerdem mußten sie auch noch von ihren Hofreiten einen jährlichen Zins bezahlen.Außerdem hatten sie auch von ihren Gütern Wein abzugeben, darüber berichtet Andreas Emmel folgendes:)

Was ich, Andreas Emmel, jährlich an höfig (?) Wein dem Grafen von Rödelheim-Solms an Wein geben muß wie folgt:

4 Viertel und ½  Echtermaß von meines PätterGüter (Anmerkung: diese hatte er geerbt) und an Zins 1 ⅓ und 8 ½ Heller; 3 Viertel und 1 ½ Maß von meines Vaters Güter und an Zinß 2 albus für 1 Huhn und 1 alb 1 Heller (?) an Zins.

Und mein Schwager Johann Fischer 1 ½ Maß Wein vom Garten zu Groschlag, hat mein Schwager Wilhelm Trapp ausgehandelt, muß auch 1 ½ Maß geben. ½ Viertel und ½ Echtermaß Gultwein Junker Schelmen von unserem Haus.

Den 17. November 1675 habe ich die höfige Zins folgens bezahlt: ins Johann Büdels (?) Haus als höfiger Schultheiß mit 2 albus vor das Huhn und 12 h vor die Zins, macht 3,5 albus.

 

(Zusammenfassung von Wilhelm Mankel: Die Abgabe eines Huhns war immer das Zeichen der Leibeigenschaft oder der Hörigkeit. Da die Grafen von Solms-Rödelheim im früheren Groschlag ein Lehngut besaßen, übten sie dort auch das höfische Gericht aus. In dementsprechenden Eintrag heißt es: „Der höfige Gerichtsplatz genannd zu Groschlag 2 Viertel und 11 Ruthen neben Peter Schröder und dem gemein Weg“. Die Fronwiese, welche am hinteren Röderwäldchen liegt, war auch Solms-Rödelheimsches Lehngut, 2 Morgen 1 Viertel, also 45 Ar groß, und hatte ihren Namen davon, daß sie von leibeigenen Einwohnern gemäht werden mußte. Das geerntete Heu und Grummet wurde von der gräflichen Verwaltung nach Schloß Rödelheim gebracht. Aber die Leibeigenen mußten auch das Herrenkorn in Fron schneiden, das wohl den Hanauer Grafen gehörte. Jedenfalls mußten Andreas Emmel und der Schultheiß Peter Koch am 6. Juli.1672 auf die Kanzlei nach Hanau. Sie mußten über das höfische Gericht Auskunft geben und erhielten Verhaltensmaßregeln. Im Oktober oder November kam nämlich der Rentmeister („Keller“) von Rödelheim und forderte den Zins und das Hühnergeld ein. Bei dieser Gelegenheit wurde auch das höfische Gericht gehalten und alle Verwaltungsangelegenheiten geregelt. Höfischer Schultheiß war in der Regel der Schulmeister. Vom 24.-30. Juli 1675 hat Andreas Emmel Herrenkorn auf dem Lehrhof bei Hanau geschnitten, dafür wohl auch Geld erhalten, aber gleich wieder einen Teil davon vertrunken. Herrenkorn war aber

nur für die Grafen von Hanau zu schneiden.

 

 

Belagerung von Hanau:

Am 13.Juni 1636 seint wir in Hanau durch Gottes Gnade von Landgraf Wilhelm von Kassel und Generalfeldmarschall Leßle von unser Belagerung erledigt und entsetzt worden. Davor wir forderst Gott dem Allmächtigen Lob, Ehr und Preiß geben und schuldig sein. Und danach beiden Herrn obengenannten General wünsche, daß ihnen Gott der Allmächtige zur Belohnung wolle geben ein glückselig Leben in ihrem Vornehmen und nach diesem Leben das ewige Leben.Amen. Geschehen im Jahr 1636, den 13.Juni.

 

Annehmen eines neuen Schulmeisters:

Am 23. Februar 1676 ist der Schulmeister Konrad Schüller gestorben. Am 16. April 1676 hat Hans Gorig Nagel, Soldat zu Hanau, das erstemal hier in der Kirche gesungen auf den Ostermontag (da keine Orgel da war, mußte der Schulmeister der Gemeinde vorsingen, meint Mankel; aber das Vorsingen war eine übliche Anforderung an den Kantor. Es ging ja auch um da ssingen liturgsicher Stücke)). Am 19. April 1676 seint wir, Herr Schultheiß, Herr Pfarrer, Alban Trapp, Johs Fischer, Caspar Schmidt und Andreas Emmel zu Hanau gewesen auf dem Consistorium wegen des neuen Schu meisters Hans Jörg Nagel und haben ihn vorgestellt und Confirmiert bei dem Herrn Causse (?), welcher ist der Oberste im Consistorium, und Inspektor Herrn Mester (?) und Herrn Goldschein(?), Professor. Und verzehrte bei Herrn Walder

1 fl 8 alb. Den 30.Mai ist der neue Schulmeister Hans Jörg Nagel in Hochstadt eingezogen und den 4. Juni der Gemeinde in der Kirche vorgestellt worden.  Bei der Betstunde mittags wurden auch Kinder getauft.

 

Aufnahme in den Kirchenvorstand:

Den 14. Dezember anno 1673 Jahres bin ich, Andreas Emmel, und Nikolaus Emmel zu Kirchen- Senioren gezogen worden. Und 3 mal über der Cantzel ausgerufen worden. Und den 7. Januar 1674 der Gemein vorgestanden auf den Bettage. Und hat einer 3 Gulden geben vors Gelag, verzehrt worden den 7. ten Tages ins Parresch Haus (Pfarrhaus) im Beisein von unser Weiber und die Parresche Weiber: 4 Gulden vor 16 Maß Wein, 21 albus vor ein Kalbsbraten, 16 alb vor 2 Pasteten, 9,5 alb vor 2 Pfd 1,5 Viertel Käs, 12 Heller vor Licht, 3 alb 2 h vor Essig und Baum-Öhl, 25 h vor Weck, 1 alb dem Bäcker, 4 alb vor Butter, 1 alb vor Nägelein, 9 alb vor Bratwurst.

Jeden Freitag war Bettag, an dem dem Bäcker bezahlt 1 fl 18 alb vor 24 Laib Brot vor die Armen, auf den Montag ausgegeben.

Ein gemeindienst hat mir der Schultheiß zugesprochen, hab ich die Mayen zu hauen in die Kirche 1675 (Anmerkung: Damit ist zu Pfingsten die Kirche geschmückt worden; es handelt sich wohl um Birkenzweige).

Vom Abtrieb eines Kaufs und Vorrang der Verwandtschafts:

Wenn einer etwas verkaufen will, so soll er's sein nächsten Freunden verkündigen lassen. Wenn aber von den Freunden niemand erscheint, so dero begehrt, so mag man es einem Fremden um eine gewisse Summe Geld verkaufen. Und wird hierfür dem Freund kein Abtrieb [Vorkaufsrecht] gestattet, wann das nicht geschieht in einem Viertel Jahr, dem Käufer sein ausgelegt Kaufgeld wiederumb gleich baar erstattet, wie auch den Weinkauf zu erlegen (Anmerkung: Innerhalb eines Viertel-Jahres konnte also die Freundschaft oder Verwandtschaft noch den Kauf rückgängig machen und den Preis bezahlen). Wo das nicht geschieht in einem Vierteljahr nach geschehenem Kauf, dann - welcher er sei so nach Vorwand als er wolle - in solcher Zeit den Abtrieb nicht täte, der soll dem selbe derofften nicht zu thun habe, sondern der Käufer in seinem Kauf fest sein und bleiben.

.Welche aber minderjährig sein, das ist derjenige, so noch unter ihr 25 Jahr seint, auch die ausländische sein ausgenommen, dero gestalt, wann sie mit einem Eidt beteuern können, daß ihnen der Kauf nicht wissentlich gewesen und sie nach Erfahrung desselbigen, nehmlich der minderjährigen, nachdem es zu seinem mündische vollkommliche Alter komme.

Der ausländisch aber, nachdem er wiederjährig komme und des Kaufs gewahr werde, innerhalb 3 Monate der Abtrieb vorgenomen habe, daß ihm alsdann solcher Abtrieb soll gestattet werden, sofern sonst die Person, so den abtrieb thun wolle, darzu qualifiziert und zulässig sei.

Diejenige so bastard und unehelicher geburt sein und nicht allein die Bastarde, sondern auch ihre Kinder, obgleich dieselbe ehelich gebohren wurden, den Abtrieb nicht Zu thun habe solle, wann andern ehelich gebühret nächste Verwandte vorhanden sein. Also sollen auch diejenigen, so des Landes verwiesen oder sonsten unehrlich gemacht, den Abtrieb nicht zu thun habe.

Da auch der nächste Verwand des Abtriebs halber, ob er denselben tun wolle, zu vor wehrer angesprochen worden, und er sich darauf erklert hätte, doch der solches beweislich, daß er den Abtrieb nicht thun wolle, der soll her nicht weiter abzutreiben haben, sondern der Abtrieb alß dann den anderen nechst gesippten oder sonst anderen gesippten eröffnet sein.

Item, wenn die nächst gesippten freunt selbst beim Weinkauf (Winkof) und Kauf gewesen, und darüber helfen, so möge sie alsdann kein Abtrieb thun.

 

Was auf einer Hochzeit vertrunken wurde 1672:

Meinem schwer Vatter (Schwiegervater) gegeben auf seines Sohnes Hochzeit zwei Faß Wein, das erste 1 Ohm und 3 Viertel, das andere 1 Ohm und 2 Viertel, die Ohm pro 5 Reichsthaler, macht an gelt 16 fl 26 alb 2 h. Den 2. Februar hab ich das Kalb verkauft, 3 Wochen alt, pro 5,5 Kopfstück. Den 31. Februarius (alter Kalender) hat Michael Stein Winkof (= Verlobung ? Weinkauf ) gehalten.

 

 

Vermischt Nachrichten:

Den 22. März ist der Kuhhirte zum erstenmal ausgefahren.

Den 10. Nov. hab ich dem Jud Itzig bezahlt 21 alb vor Fleisch. Den 6. Dezember hab ich dem Bender bezahlt 9 alb vom Faß zu machen 12 Reifen, 1 Reif ein Kreuzer, macht 6 alb; und vor 2 Taube einzuziehen 3 alb, von einer 12 h.

Den 6. Augusti hat man die Fastnachtsheuer (= Hühner) folgends gegeben, und hab ich unseren Gückel gegeben - hin geht die Zeit, her kommt der Tod, der Mensch thu recht und fürchte Gott.

Den 8. Februar ist Conrad Strohl (Wirt ? in Dörnigheim) nach Hochstadt geliefert worden und seine Frau mit ihrem Karn (?). Auf den 11.Februar ist der Richtmann (?) zu Hochstadt gewesen. Und ihm ein Wirdshaus fürgenommen, ist ihm seines Sohnes Haus vermacht worden. Den 22. Februar ist Conrad Strohl ins gefängnis gesetzt worden.

Den 28. Februarius seint 10 Mann aufs Jagen nach Windecken gegangen 2 Tag, den 1.März wiederumb 10 Mann aufs Jagen gegangen nach Marköbel,

 

Den 11. April 73 ist des Nachbars Henrich Brusche (?) sein…      

Den 15.März 1673  6 Stämm gebracht mit Matäbel (Marapfel) und rotweiß Äbel und Kappesbirnen im Storch (?). Den 15. Mai Tuwakplanzen gesetzt im Büchling [oder Bückling?] Den 16. September Abel und Süßbirn abgemacht. Den 12. Nov. hab ich den Dubak in der Gemein scheuer lassen wiegen. Und gewogen 249,5 Pfd., 6 alb vom Dubak einzufädeln, den Zentner pro 8,5 fl, macht 21 fl 5 alb.

Den 16. Nov. 19 alb ackziß vom Dubak gegeben, vom Zentner 7,5 alb, macht 2,5 Zentner 19 alb 2 H. Den 29. Nov. 1 Pfd quitsche (Zwetschen) kauft pro 14 h, ½ Pfd. Zucker 5 alb, 12 Nürnberger Lebkuche 20 h.

Den 14. Dez. hab ich dem Schneider geben 15 alb vor unseres Sohnes Kleid zu machen. Und 1 Kappe und 1 Wilhemb (Wollhemd) einzubendeln (nähen). Den 22. Dez. unserem Sohn 1 Schulsack und 1 Buch für 8,5 alb und 1 Paar Handschuhe 7 alb. 1 ehl gehl Tuch (1 Elle gelbes Tuch) pro 36 Kreuzer.

1674 den 7. Jan seint die Weiden auf der Leuchte und im Teufelsee ausgegeben worden. Den 20. März Hafer gesät im Kalkhaus. Den 22. März eine Kuh geholt bei Heinrich Geibel zu Wachenbuchen pro 9 Reichsthaler, und soll er die Weingarten zu Hochstadt noch schneiden und hacken. Den 7. Mai seint die Vögel wiederumb kommen geflogen hin wo sie seind herkommen. Den 26. Julius hat Jahann Schöffer lassen taufen und hat ihn aus der heil Taufe gehoben Herr Johann Carolus Hatzmann, pärrer zu Hochstadt.

 

Grenzbegehung:

Den 26. Mai 1674 ist Doktor Schmidt und der Bücherthaler Kellerforstmeister an die kleine Lohe kommen und hat uns Geschworene dahin beschieden, seint die Dorfelder, Bischofsheimer und Dörnigheimer auch beschieden. Und seint von der kleinen Lohe gegangen obig der Metzenweide hin, bis vor die Pfaffe Ecker oben her im Lohfeld bis an die Große Lohe, stehet ein Stein, zeucht darnach mit einer buch auf das Lohe Eck, gehet an der Lohe auße bis an Dorfelder hube, zeucht darnach von der hube hinab, stehet ein Stein im Eck der Hub, zeucht oder geht darnach unter der Hub hin bis auf die Bischofsheimer Straße, stehet ein Stein am Eck, ist der Bischofsheimer Anfang.

Gehet danach den Hufweg hin bis auf die Mühlbach. Und Kahlenberg stehet ein Stein, welcher die Hochstädter und Bischofsheiffier gemein scheidet, neben dem Parracker auf der Seite nach Bischofsheim, gehört der Parracker oder liegt in der Hochstädter Terminey.

Weiter stehet ein Stein auf dieser Seite des parrackers, welchen die Bischofsheimer obin gesetzt, sprechen: dieser Stein stehet in ihrem Buche, das sie mit den Dörnigheimern haben zum Anfang und die Hochstädter nichts anginge, und ihre Bücher ausweisen, daß sie allein Macht hätten, diesen Stein zu setzen.

Vor diesem Stein stehet ungevär ein forgstein (?), [forg = Furche ?]. eine Rude (Ruthe) weit, welche die Dörnigheimer sage, dieser Stein sei der Anfang zwischen uns (Hochstädter) und zeucht hinauf nach der Wiblos auf den Landgraben, stehet ein Stein ungefähr vier Rude oder 5 vom grabe (?) in der Wälderehen auf der Seite nach

dem Kahlberg, auch ein forgstein zeucht richtig auf die anfänger des Bischofsheimer und Dörnigheimer Anfangsstein. Von diesem Stein, wie gesagt den die Bischofsheimer gesetzt haben, stehet wiederumb ein Stein von 1/2 Rute in der forg nach dem Hanisch= schlag, in der forg des parrackers, weiß man nicht, ob dieser ein Scheid- oder Forgstein ist

 

Vermischte Nachrichten:

Den 15. Julius hab ich ein Suger (?) hingebe beim Schweinehirt kauft 2 alb. Den 25 dto. 2 Achtel Korn in die mül (Mühle) getan, gewoge 172 und 173 Pfd., macht 345 Pfd. an Mehl und gleie wiederum bekomme, 312 Pfd. abgezoge 30 fl auf 2 Achtel vor die gleie und Kornmolter (Anm.: Molter war der Mahllohn, um das Korn zu Mehl zu mahlen mußte Akzis bezahlt werden).

Den 29. Julius hat es gekisselt (Hagelschlag) und großen Schaden getan an den Trauben und am Dubak. Den 15. Dez. ist Velten Funk gerichtet worden.

1675, den 4. August ist der Ziegler gestorben. Den 18 dto. ist der Kuhdoktor im Wirtshaus gewest und hab ich auch vor 2 Küh ein Trank geholt. Kost vor 2 Stück Vieh 6 alb, und vom Stück             3 alb,die Hälfte, an geld geben, wenn es nichts hilft, so will er nichts mehr habe, wenn es aber hilft, so will er die ander helft, wann er wiederkommt.

Den 28.Septhat Johann Sartoryus , parre zu Wachenbuchen, Hochzeit gehalten. Den 30. Dez. 1675 dem Schmied Johannes Schwarz 10 alb geben vor ein Axt zu erlegen (Anm.: Die Familie Schwarz übte länger als 100 Jahre das Schmiedehandwerk in Hochstadt aus).

 

           

Ämterbesetzung:

1676, den 13. Januarius Anno 1676 seint die Ämter bestellt worden. Seit 1660 ist Peter Koch Schultheiß. Bürgermeister Herden Eckstein und Heinrich Schmidt, Feld- und Weinbergschützen Andreas Heckert, Hans Georg Weber, Wilhelm Trapp, Philippus Schales, Eichel Büdel, Kirchbaumeister Andreas Schmid, Kirchenruher Philippus Burger, Johannes Schwarz, gemeiner Bäcker (Gemeindebäcker) Conrad von Ostheim (vom Achtel 2 albus, wann         er den Sauerteig gibt, und 20 h, wann die Leut den Sauerteig geben), Wirt Johann Schäfer (und gibt der gemein das Jahr 36 fl und 4 fl vor das Wegegeld und ein Ohm Doppelbier der gemein zu vertrinken) (Anm.:Wegegeld hier erstmals erwähnt), Kuhhirt Kaspar Schmöhl (und zum Lohn 32 fl), Schweinehirt Jakob Groh (?) (und zum Lohn 32 fl und vom Oberthor auf- und zuschließen 2f1) (auch beide Hirten die Wacht verdingt von jedem Nachbar 10 alb).

1675 wurde der neue Kalender eingeführt [Nicht erst 1700 !].

 

Vermischte Nachrichten:

Ende August 1676 wurde das Korn gesät. Den 1. Jan ist Caspar Schmidts Witib gestorben, den 4. Jan. ein Trauerflor gekauft 15 albus. Den 17. März 18 Stämme im Distelberg gebrost (gepfropft).

Den 14. Mai Anno 1676 auf Pfingstsonntag umb 12 Uhr ist ein Ringel umb die Sonne gewest, gefärbt wie ein Regenbogen und gewest ungefähr eine Stunde. Den 23. Brachmond die „Bräun“ (= Hirtenlohn) bezahlt, von einer Sau 8 alb und von einer Kuh 4 alb 6 h .

 

Anleihe beim Juden:

Den 20. Brachmonat 4,5 ehl Eiltuch (Ellen Wolltuch) beim Eordche [Name eines Juden?] geholt, die Ehl 10 Batzen, macht 3 fl . Und vor 13 Batze Schnur, Knöpf, Zwirn und zum Aufschlag, macht zusammen 3 fl 13 Batzen. 66 fl dazu entlähnt. Den 5.Julius bei Mordche 6 gult entlehnt. Den 19.Julius als Heumond 3 gult bei Mordche wieder entlehnt, seint nun 9 fl an gelt und 3 fl 13 Batze vom tuch, macht 12 fl 13 Batze. Den 1. August wiederumb 3 fl bei Mordche geholt, seint nun 12 fl an gelt. Den 4. September wieder 10 gult bei Eordge geholt, seint nun 22 gulten an Geld und 3 gulden 13 Batzen vor tuch.

Wer Jesum Christum recht erkannt, der hat sein Zeit gut angewandt!

 

 

Hausmittel:

Wann ein Mensch geschwollen ist, so soll man vom Schaf Pronze kriegen (Urin!) und demselben Menschen eingeben, ist der Mensch starker Natur, soll er nicht gar (= ganz?) ein Echt­maß trinken, nicht auf einmal, sondern auf 3 mahl. Ist der Mensch schwacher Natur, so muß man ihm weniger geben. Soll gar gewiß sein, ist an etliche Personen probiert worden und für gewiß und gut erfunden worden.

Wenn einer das Wasser nicht haben kann, so koch ihm ein Hirschelbrei (Hirsebrei) und schlag ihn auf den Bauch warm ein, zwei oder dreimal so warm, als er's geleiten kann (leiden kann), wird sein Wasser geben können.

Wenn einer den Stuhlgang nicht haben kann, so gib ihm ein Oleander-Wasser zu trinken. Wenn einer den Durchlaß hat, so soll man kochen ein Stück dürr Rindfleisch, und soll das ohne Brot daran essen, so solls ihm helfen.

Eier gesotten in Wasser und das gelb die Dotter genommen, gibt ein Öhl. Und Brombeerblätter gedörrt und in das öhl gerübelt und in die Wunde geriebelt, heilet, probiere (gerieben).

 

 

Aberglaube:

Wenn eine Kuh den Heyusch (?) hat, so soll man des morgens ungered (ohne zu reden) bei ein fließend Wasser gehen. Und sol ein Töpfen voll schöpfen, dem Wasser nach, wohin es fließt: Und soll es der Kuh unten an den Memen (Euter).spritzen mit den Fingern. Und soll diese Wort sprechen: „Der Christ und der trach (Drache) ginge über die Bach, der Christ ertrank und der trach ging über die Bach, im Nahme des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!“Dieses soll man morgens, da man das Wasser holt, tun, und soll es hinden über der Stalltür ausschütten, und soll den Glauben [Glaubenbekenntnis] und das Vaterunser 3 mal beten.

Wenn man wissen will, ob eine etwas böses kann, so soll man einen neuen Besen unter die Schwelle legen.

Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe dann die böse Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du sagen wirst, sie gefallen mir nicht, gefallen mir nicht.

Schellkraut (Schöllkraut) soll man brauchen, wenn einer krank ist, ob er stirbt oder nicht, soll man ihm unter das Hauptkissen legen ohne gerede; stirbt der Mensch, so lacht er überlaut,

soll er aber wieder aufkommen, so weint er. Und muß man wieder ohne geredt hinüber gehen.

 

 

Landscheider:

Anno 1672 den 14. April bin ich, Andreas Emmel, zum Landscheider copliciert woorden und mit 4 Mann beim Herrn Amptmann zu Hanau und vereidigt worden im beisein Peter Koch,

Trapp, Dietz Hirst und Johann Fischer, alle Geschwoerene und Landscheider dem Amptmann müsse geben einen Reichsthaler vor oder zu beeidigen und einen gulten vor das gelag, und vertrunken im Adler. Hab ich bezahlt 1 gulten undt 8 Schilling, macht zusammen 3 fl 25 alb.

 

Vermischte Nachrichten:

Anno 1672 waren 116 Kühe und 132 Schweine in Hochstadt, an Bräune (Hirtenlohn) wurde erhoben für eine Kuh 4 alb 1 h, vor ein Schwein 3 alb 5 h.

Kontribution ist jeden Monat bezahlt worden.

Den 31. Januar 1676 angefangen im Weinberg zu schneiden, die Leute schon teils den 28. Januar angefangen.

Den 4 Febr 4 Pfd. Rindfleisch gekauft à Pfd. 18 h = 9 alb. Den 4. Sept hab ich und Merden Eckstein ein dekret geholt auf der Cantzlei, daß wir die ….  sollen             im Hirbst, wann sie ihr geld nicht geben an alten geldern.

Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. O Mensch tu recht und fürchte Gott.

 

Lehrgeld:

Ich, Kaspar Schmöhl aus Hochstadt, thue kund vor mich und meine Erben, daß ich Herrn Hans Jakob Kuchentörfer in der Neustadt, welcher meinem Sohn Andreas 2 Jahre das Bäckerhandwerk hat gelehrt, und ich ihm zum Lohn versprochen auf 2 Jahre 20 gulten zu geben, dieweil aber die Mißjahre und beschwerliche Kriegszeit ist eingefallen und ich nicht haben konnte glauben halten, sodann ich Herrn Hans Jakob Kuchentörfer wieder gebitt, geduld zu haben bis aufs nächste künftige Jahr, wann uns Gott wieder etwas beschert, solches mit Dank zu bezahlen. Damit er aber oder seine Erben versichert sein mögen, so hab ich Herrn Kuchentörfer ein Morgen Weingarten, so in Hochstädter Terminey liegen im Viehweg (?) neben Wilhelm Trapp und zuvörderst weder versetzt oder verpfändet ist, will sodann denselbigen im guten Bau und Besserung zu halten, zum gewissen Unterpfand ingesetzt, bis ich wiederum solche 20 fl Herrn Hans Jakob Kuchentörfer oder seine erben zurückerstatte. Doch soll die Verzinsung (?) von obgemelten 20 fl Kapital mit 5 von 100 gulten jährlich entrichtet werden. Zu Recht geschehen, Hanau, den 28. Februarius 1676 .

Den 28. Februarius anno 1676 hat mein Gevatter Caspar Schmöhl dem Bäcker Hans Jakob Kuchentörfer in der Neustadt eine Handschrift gemacht wegen seines Sohnes Andreas, so er vor 2 Jahr Lehrgeld hat versprochen, und ihm verschrieben ein morgen Weingarten im Viehweg neben Wilhelm Trapp. Und ihm versprochen nächst künftig Jahr die 20 gulten auf Martiny dieses 76. Jahres mit Wein oder mit Gelt zu bezahlen. An dieses will ich, Andreas Emmel, als ein Pätter und Gevatter thun, was ich kan, daß es bezahlt wird.

 

Vermischte Nachrichten:

1673 waren 8 Juden in Hochstadt ohne Frauen und Kinder (d.h. 8 jüdische Familien).

Die Summe aller Einnahmen Anno 1673 betrug 1 109 fl 18 alb 1 h (bezieht sich wohl auf die Gemeindekasse). Die Summe aller Ausgaben in demselben Jahr betrugen 1 093 fl 12 alb 5,5 h.

Den 3. April dieses 73. Jahres seind Johannes Wißmann (?) und Johann Schminck zu Hanau gewesen und die Gefangenen verwahrt im Ochsenkopf (eine Gaststätte?)

Den 3. Junius ist ein theil des Sattlers........ güter verkauft worden beim Licht Standplatz (?). Johann Schminck kauft 5,5 Morgen im … vor 30 fl mit der Schor (?)[Auf dme Halm stehender Feldertrag], Johann

Schäfer hat kauft 5 Viertel Wiesen bei der Wieblos pro 70 fl mit der Schor (?).

Den 3. Oktober 1673 hat das Kaiserl. Volkdas Lager aufgeschlagen im Wachenbücherwald und den 4 ten im Mittelbücherfeld.

Die auswärtigen Weinbaubesitzer mußten die Trauben an extra für die auswärtigen bestimmten Tagen lesen.

Den 21. 22. und 23. April 1675 hat es gefroren und Schaden getan in den Weinbergen und Steinobst und Kirschen.

Den 3. Sept uns Korn geseht (= gesät, sehr früh!).

(Anmerkung Mankel: Andreas Emmel hat viel „Kappes“, d.h. Weißkraut gepflanzt; überhaupt ist in Wachenbuchen schon viel Weißkraut angepflanzt worden).

Den 9. Okt 1672 ein Simmer Salz gekauft im Schloß 1 fl 6 Schilling und meiner Frau ein paar Schuh gekauft 1 fl 7 alb. Ein Morgen Ackerland hat 2 fl gekostet zu zackern (= pflügen). Ein viertel Pfund Pfeffer kauft zu Frankfurt 5,5 alb, ein Viertel Ingwer 18 h., ein Halbes Pfd           7 Kreuzer; 1 fl 20 alb vor meiner Frau vor ein Hauben, vor ein Kochkessel 7 fl, vor ein Gieß­dibbe [gießtopf] 17 alb, vor ein Hut 9 Batzen.

 

Anmerkung Mankel: Ganz besonders interessant ist die Zahlenschrift des Emmel. Nach Erforschung des Schlüssels war es mir möglich, seine Aufzeichnungen abzulesen: 1 = a , 2 = e, 3 =  , 4 = o, 5 = u,  , 6 = v, 7 = ? , 8 = n , 9 = r .      (ohne Gewähr)

Ebenso interessant sind seine Horoskope, die er aus den Planeten abgeleitet hat, über Glück und Unglück, Lohn und Tod, Reichtum und Armut, Wetter und fruchtbare und unfruchtbare Zeiten. Auch war Emmel ein ganz besonderer Meister im Rechnen, sowohl im einfachen wie im Bruchrechnen, demgegenüber die meisten der heutigen Menschen wie Waisenkinder erscheinen. Auch die Beschreibung eines Kometen, dem die Astronomen 8 böse Dinge nachsagen, die zukünftig sein'werden. Es ist sehr beschwerlich, daß 8 Blätter aus seinem Schreibbuch abgerissen sind, dann hätten wir von Emmel auch nach 1676 einige Jahre über die damaligen Zustände und Ereignisse in Hochstadt erfahren. Wilhelm Mankel, den 20.2.1945.

Anmerkung: Geheimschrift und Horoskope sowie Kenntnisse in der Mathematik und Astronomie könnte Emmel natürlich auch irgendwo abgeschrieben haben.

 

 

Neue Zusammenfassung der Chronik Huhn



Das Buch

Die Familie Ulrich Huhn in der Ritterstraße 17 in Hochstadt bewahrt eine handgeschriebene Chronik ihres Vorfahren Heinrich Huhn (1811 bis 1871) auf, die wertvollen Aufschluß gibt über sein Leben, über die damaligen Lebensverhältnisse und über einzelne Ereignisse der örtlichen Geschichte.


Das Buch besteht aus drei Teilen:

I. Im ersten Teil von 1850 bis September 1871 berichtet Heinrich Huhn über Grundstückssachen, verschiedene Käufe und Verkäufe, die Erträge aus der Landwirtschaft, auch über besondere Ereignisse aus dem Dorf.

II. Gleichzeitig führt er im zweiten Teil von 1849 bis 1871 Buch über seine persönlichen Ausgaben. Es ist nicht klar, weshalb er zwei Abteilungen für die Ausgaben macht, aber die gleiche Ausgabe kommt nur jeweils einmal vor. Im zweiten Teil hat er allerdings nur Ausgaben aufgeführt, keine anderen Angaben. Aber im ersten Teil kommen auch Ausgaben vor. Waren das vielleicht die wichtigeren Ausgaben? Die Viehkasse zum Beispiel wird in Abteilung I nur erwähnt im Zusammenhang mit Huhns Berufung in dieses Amt, in Abteilung II geht es um die Einzelfälle. Huhn war wohl der oberste Verwalter der Viehkasse. Aber so ganz konsequent wird die Trennung doch nicht eingehalten, denn auch in II 29.08.1863 schreibt er von einem Grundstückskauf.

III. Der dritte Teil ist ein Register der Geburten, Todesfälle, Konfirmationen und Trauungen (diese schon ab 1843). Die sehr umfangreiche Arbeit von etwa eng beschriebenen 65 Seiten bringt nicht sehr viel für die Geschichte, zumal das alles auch in den Kirchenbüchern zu finden ist. Die Abweichungen sind gering, manchmal ist das Datum anders, manchmal der Vorname. Aber natürlich hat Huhn auch die jüdischen Einwohner mit erfaßt, die ja nicht im Kirchenbuch stehen, sondern in einem eigenen Register der Synagoge.

Schließlich sind nach einige Nachträge angefügt: Der Verkauf der Kleidung der verstorbenen Louise Huhn geborene Emmel (Mutter des Heinrich Huhn) am 5. März 1860 (der Erlös von 45 Gulden 10 Kreuzern wird zur Bezahlung von Schulden verwandt), die Verstorbenen von 1894 - 96 und die Quartalsmeldung über Verstorbene an den Kreisarzt für das zweite Quartal des Jahres 1859.

Der letzte Eintrag erfolgt am 6. September 1871, gestorben ist Heinrich Huhn am 20. November.

Die Aufzeichnungen dienen auch der Buchführung, damit keine Rechnung vergessen geht, weder die eigene offenstehende Rechnung noch die Rechnungen, die andere Einwohner noch bei ihm offen hatten. Das wird auch dadurch deutlich, daß verschiedene Angaben offenbar später wieder ausgestrichen wurden, weil sie sich erledigt hatten. Es ist überhaupt erstaunlich, wie viele Rechnungen nicht gleich bezahlt werden, sondern oft erst nach Monaten.

Das Buch ist an sich nur als Verzeichnis der Ausgaben angelegt. Aber dabei ergeben sich so viele Angaben zur allgemeinen Ortsgeschichte, daß dieses Buch eine wertvolle Quelle zur

Geschichte Hochstadts in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellt.



Verfasser

Heinrich Huhn wird am 1. Januar 1811 geboren. Sein Vater ist Schuhmacher, sein ältester Sohn ist Ackermann, er selber hat auch eine eigene Landwirtschaft.

Er heiratet in erster Ehe am 6. April 1833 Anna Margaretha geborene Bauer. Sie haben fünf Kinder. Die Wohnungen sind 1832 und 1835 in der Guldnergasse 2, im Jahre 1837 Hauptstraße 36 und ab dem Jahre 1838 Hauptstraße 55. Die Frau stirbt 1845.

In zweiter Ehe ist Heinrich Huhn ab 23. Juli 1848 verheiratet mit Katharine geborene Emmel. Sie haben vier Kinder und wohnen weiter in der Hauptstraße 55. Die Frau stirbt 1859.

In dritter Ehe ist Heinrich Huhn verheiratet ab 12. Februar 1860 mit Christina geborene Bauer. Mit ihr hat er noch ein Kind, das aber im Alter von einem Jahr und neun Monaten stirbt. Die Familie wohnt auch Hauptstraße 55. Heinrich Huhn stirbt am 20. November 1871 im Alter von 60 Jahren.

Kinder:

I . Ehe: Peter Valentin 1832 - 1909

Katharina 1835 - 1837

Jacob 1838 - 1854

Conrad 1840 - 1920

Valentin 1845 - 1845

II. Ehe:

Wilhelm 1849 - 1850

Johannes 1851 - 1907

Hermann Carl Ludwig 1854 - 1858

Marie 1857

III. Ehe: Wilhelmine, Tochter der Frau, geboren 1853.


Von seinen neun leiblichen Kindern werden nur drei erwachsen. Er hat durchaus ein schweres Schicksal: Am 18. Mai 1854 geht sein Sohn Jacob nach Offenbach, um bei dem Zimmermeister Förster den Beruf des Zimmerers zu lernen. Er bekommt anfangs 15 Kreuzer am Tag und das Mittagessen, er soll drei Jahre lang lernen und die Vergütung wird mit der Zeit steigen. Aber am 22. August wird der Sohn krank und stirbt am 8. September. Nachdem im Oktober 1858 der Sohn Hermann gestorben ist, stirbt im Februar 1859 auch seine (zweite) Frau.



Tätigkeiten

(1.) Als Beruf wird 1833 bei der Hochzeit „Tage­löhner“ angegeben. Er arbeitet tatsächlich auch zum Tagelohn bei Michael Weber (Am Rathaus 2), der ab 1854 Bürgermeister wird. Auch Frau und Sohn arbeiten gelegentlich mit. Allerdings ist die Tagelöhnerarbeit nicht sehr umfangreich, denn Heinrich Huhn erhält für das ganze Jahr nur etwas über 10 Gulden. Je länger je mehr tritt der Tagelohn in den Hintergrund, er ist mehr Ausdruck seines Fleißes. Am 16. Februar 1861 erhält er noch einmal 14 Gulden von Bürgermeister Weber als Tagelohn.


Heinrich Huhn ist durchaus nicht arm: Schon 1850 hat er auch ein eigenes Haus, denn er kann seiner Schwester einen Anteil am Haus abkaufen. Für die Brandkasse wird sein Haus 1870 auf 550 Taler geschätzt (II 18.03.1870).

Fast jedes Jahr kauft er einen neuen Acker dazu. Sicherlich waren es nur kleine Stücke, in den letzten Jahren sind es auch weniger. Aber zum Beispiel am 4. Februar 1856 kauft er von Kaspar Kraft sechs Grundstücke und bezahlt die 295 Gulden sofort. Im gleichen Jahr zahlt er noch einmal 250 Gulden für mehrere Grundstücke.

Außerdem pachtet er beträchtliche Grundstücke - Äcker und Wiesen - dazu. Anfang 1855 zahlt er an vier Eigentümer insgesamt über 15 Gulden, davon allein 10 Gulden an die Salzmann-Witwe (diese war mit einem Steueraufseher in Hanau verheiratet, stammte aber aus Hochstadt).

Auch einen teuren Ackerwagen kann er sich kaufen. Obwohl er praktisch jährlich Kälber und Schweine verkauft - gelegentlich auch eine Ziege (4. März 1851 an Pfarrer Pauli und am 16. November 1853 an Jakob Sichel) oder zwei Lämmer (I4. Mai 1851) - kann er auch für sich selber jedes Jahr ein Schwein schlachten.

Mit der Zeit arbeitet er sich sogar zu einem gewissen Wohlstand hoch. Daß er hin und wieder auch einmal einige Gulden leiht, war wohl nicht Ausdruck von Finanzschwierigkeiten, sondern eher gehörte das zum guten Ton und stärkte die Freundschaft. Nur bei Bürgermeister Weber hat er aus jungen Jahren einen großen Kredit, den er erst im Alter aber ziemlich schnell zurückzahlt.


(2.) Der Hauptberuf Heinrich Huhns ist die eine eigene Landwirtschaft, so wie bei fast allen anderen Einwohner auch. Jedes Jahr vermerkt er, was er auf seinen Äckern anbaut und was sie ihm bringen (man könnte hier sehr genau nachprüfen, wie er die Fruchtfolge eingehalten hat und wie das Wetter war). Außer Getreide baut er auch Kartoffeln an, in einem Jahr erntet er zum Beispiel 42 Sack von vier Äckern.

Er ist Kuhbauer, wie wahrscheinlich alle Bauern im Dorf (von Pferden ist nie die Rede). Eine Kuh ist damals schon eine Anschaffung, denn am 9. Februar 1857 (II 09.02.1857) zahlt er an Hiskias Kahn von Dörnigheim 59 Gulden, den Rest von 10 Gulden zahlt er am 8. März. Andererseits wird aber auch öfter erwähnt, daß er für andere Leute in der Landwirtschaft und mit Fuhren tätig wird.

Im Stall hat er zwei Kühe, zunächst eine gelbe und eine rote, die letzten Jahre aber eine „Bleß“, also eine rot-braune Kuh. Dazu eine Ziege und zwei Schweine. Ein Schwein schlachtet er selbst geschlachtet und eines verkauft er. Die Ferkel kauft er meist von anderen Bauern oder Händlern an.

Daß er an die jüdische Gemeinde jährlich Mehl für „Mazzen“ geliefert habe (Brot für religiöse Feiern der Juden), läßt sich nicht behaupten, denn es handelt sich um private Verkäufe an Juden, zunächst 110 Pfund, ab 1863 auch mehr.


(3.) Jahr für Jahr übernimmt Heinrich Huhn den Gemeindedienst (im Jahre 1850 schreibt er „wieder“, er hat es also schon länger gemacht). Am 5. Juni 1852 erhält er sogar vom Amt in Hanau eine neue Dienstmütze. Für das Amt wird er am Landgericht verpflichtet (I 08.02. 1854).

Der Dienst besteht zunächst aus der Gemeinde- und Tagwacht. Dafür erhält er 29 Gulden von der Gemeinde und von jedem Ortsbürger weitere 20 Kreuzer. Am 6. Dezember 1851 erhält er auch einmal von der Renterei in Hanau weitere 5 Gulden 30 Kreuzer für den Ortsdienerdienst. Im Jahre 1853 erhält er von der Gemeinde 32 Gulden und drei Gulden für Schuhe (I 18.12. 1854), allerdings offenbar nur in diesem Jahr. Aber für 1854 sind es wieder 29 Gulden, dazu aber 18 Gulden 30 Kreuzer für das Landvermessen. Im Jahr 1855 erhält er 35 Gulden (I 14. 02. 1856).

Aber Ende des Jahres schreibt er, daß ab 1856 die Aufgaben ausgeweitet werden und er jetzt 76 Gulden erhält (I 27. 12.1855). Er ist dann Ortsdiener, Tagwächter, Amtsbote, Vollstreckungsbeamter und hat weitere Nebenverdienste und erhält Geschenke. Bis einschließlich 1860 hat er dieses Amt, ab 1861 wird Kaspar Eibelshäuser sein Nachfolger.


(4) Heinrich Huhn hilft immer wieder den Landvermessern, und zwar nicht nur bei Hilfsarbeiten, sondern auch beim Nachschlagen der Katasterbücher. Am 3. Dezember 1862 erhält er von dem Geometer Pabst für das Setzen von 4.442 Grenzsteinen und sonstige Arbeitstage 156 Gulden. Am 19. Mai 1863 hat der Geometer Pabst die Vermessung abgeschlossen. Heinrich Huhn hat von 1859 bis dahin 10.978 Steine (!) gesetzt, pro Stück für zwei Kreuzer. Der Verdienst bei dem Geometer Pabst beläuft sich auf 400 Gulden.


(5.) Er liefert immer wieder Steine zum Hausbau oder zum Wegebau. Jedes Jahr gibt er eine Fuhre Steine an die Gemeinde ab, und auch vom Pflasterer erhält er gelegentlich Geld. Die Steine werden aus den Steinbrüchen in Dietesheim oder aus Wilhelmsbad geholt, gelegentlich gingen sie auch an Privatleute.

So erhält er am 14. Juli 1850 für Steine in Größe einer Ruthe (12,6 Quadratmeter) vier Gulden von einem Dörnigheimer. Er beteiligt sich auch direkt am Wegebau, schafft Steine herbei oder setzt sie zur Schaffung einer Fahrbahn auf. Am 12. Juni 1867 fährt er vier Haufen Steine von Wilhelmsbad in den Kalkhausweg (Die Steine waren sicher aus dem Steinbruch und wohl nicht zum Wegebau bestimmt, sondern zum Hausbau).


(6.) Am 3. August 1855 erhält er 8 Gulden aus der Gemeindekasse für das Spalten von Holz zu Blöcken (auch am 25. Januar 1856 für 76 Tage im September bis November 30 Gulden).

(Oder sollte es sich um das Behauen von Steinblöcken gehandelt haben?). Das Holzmachen erbringt pro Tag nur 28 Kreuzer


(7.) Im April 1859 erhält er von Johannes Bornkessel 1 Gulden 15 Kreuzer für Arbeiten im Jahr 1858 auf dem Totenhof bei der Kirche.


(8.) Ab 22. Januar 1863 wird er zum Rechnungsführer bei der Viehkasse gewählt. Er ist wohl der oberste Verwalter, denn in jedem einzelnen Fall wird das Geld von einem anderen Einwohner eingesammelt. Er wird auch selbst einmal Nutznießer dieser Kasse.


(9.) Ab 9. März 1865 übernimmt er das Maulwurffangen für 28 Gulden jährlich, eine Tätigkeit, die er bis an sein Lebensende ausübt.


(10.) Schließlich führt er noch Gelegenheitsarbeiten aus wie Arbeiten auf dem Kirchhof bei der Kirche oder Ausputzen der „Weed“ (des Wasserbeckens unterhalb des Rathauses).


Heinrich Huhn war also ein äußerst fleißiger Mann. Für das Jahr 1850 gibt er seine baren Einkünfte mit rund 111 Gulden an:

Gemeindedienst 29 Gulden

Tagwachtgeld 42 Gulden

Vom Landbereiter 7 Gulden

Nebenverdienste 23 Gulden

Tagelohn (Frau und Sohn) 10 Gulden

Er wird aber wohl eher zu den Leuten gehört haben, die ein gutes Auskommen haben. Aber sicher war das nur mit viel Fleiß und Entbehrung zu erreichen.


Sein Lebenskreis beschränkte sich auf das Gebiet zwischen Hanau, Steinheim, Mühlheim, Rumpenheim, Bürgel, Frankfurt, Seckbach, Bergen, Niederdorfelden, Oberdorfelden, Eichen, Ostheim und Bruchköbel.


Familiäre Ereignisse

Familiäre Ereignisse werden nur kurz und oft mehr indirekt erwähnt: Im Jahre 1850 muß er einen Sarg für Wilhelm kaufen und 1854 stirbt Jakob kurz nach Beginn seiner Lehre. Beide waren seine Söhne. Sein Sohn Peter heiratet 1857 Margarete geborene Seibel. Im Jahre 1858 sterben sein Sohn Hermann und seine Frau und 1860 seine zweite Frau Katharina geborene Emmel. Allerdings ist es so, daß er am 24. Januar 1860 den Totenschein bezahlt und am nächsten Tag beim Amt in Hanau 24 Kreuzer für das Eheverlöbnis.


Heirat

Am 11. November 1857 ist Heinrich Huhn mit seinem Sohn Peter auf dem Amt in Hanau zur Vorbereitung der Heirat Peters mit Margareta Seibel. Er hat ihm zur Brautgabe vier Grundstücke mit fast 60 Ruthen Größe und ein neues Bettuch gegeben. Der Sohn heiratet am 6. Dezember 1857 und wohnt in der Hauptstraße 5 im Elternhaus seiner Frau.

Dem Amt in Hanau muß eine Gebühr von 1 Gulden 15 Kreuzer für das Eheprotokoll gezahlt werden (II. 11.11.1857). Bei einer Verlobung sind an das Amt in Hanau 1 Gulden 24 Kreuzer zu zahlen (II 25.01.1860).


Erbschaft

Am 13. März 1850 findet sich die Familie auf dem Landgericht ein, wo ihr die „Teilzettel“ gewährt werden. Wahrung ist die offizielle Eintragung in das Wahrungsbuch, das heutige Grundbuch: Der Andreas bekommt 30 Gulden heraus, die Margaretha bekommt das halbe Haus mit 500 Gulden Schulden und muß noch 100 Gulden sofort herausgeben. Der Valtin bekommt die andere Hälfte nach dem Tod der Mutter und muß 500 Gulden hernach herausgeben, die 500 Gulden werden aber gleich in sechs Teile geteilt

Der Erblasser ist offenbar der Vater Gottlieb (gestorben 1825), seine dritte Frau Anna Elisabetha lebt noch. Andreas ist der einzige überlebende Sohn aus der ersten Ehe des Gottlieb Huhn, die Kinder aus der zweiten Ehe starben im Kindesalter. Valtin ist das dritte Kind aus der dritten Ehe und Margaretha das siebte Kind.

Wenn Heinrich Huhn schreibt „Wir waren auf dem Landgericht“, dann war er mit dabei, aber er erhält am 10. Juli 1850 von seiner Schwester Margaretha nur 10 Gulden 35 Kreuzer als Anteil an dem Haus. Auch Peter (geboren 1816) und Conrad (geboren 1819) erhalten nichts. Das Haus wird unter Margaretha und Valtin geteilt, nach dem Tod der Mutter (das war dann im Jahr 1864) soll es an Valtin gehen, der dann aber 500 Gulden an sechs Verwandte herausgeben soll. Dadurch erhalten auch Heinrich, Peter und Conrad einen Anteil. Weshalb aber Margaretha allein die 500 Gulden Schulden übernehmen muß, ist nicht klar.

Am 3. Juni 1850 teilen sie noch einmal Haus- und Ackergerät, das die Mutter offenbar nicht braucht.

Am 25. Juni 1864 wird der Nachlaß der Mutter geteilt und Heinrich Huhn erhält: Kleidungs­stücke, Bettuch, Tischtuch, Bett, Stuhl und zwei Gulden Geld. Schon 1861 hat er verschiedene Gegenstände bekommen: Tisch, Backwanne, kleiner Schrank, eine Mistgabel, Schüssel, Steintopf, Pfanne. Am 3. Juli 1864 erhält er als Erbteil von seiner Mutter: Vom Haus 83 Gulden 20 Kreuzer und von einem Acker 16 Gulden von seiner Schwester Margaretha (die 99 Gulden zahlt er gleich dem Bürgermeister Weber auf das Kapital ab (welches Kapital?)


Vormundschaft

Am 5. November 1851 wird er beim Landgericht verpflichtet als Vormund über die Kinder Elisabeth und Philipp des verstorbenen Philipp Fischer aus dritter Ehe (Familie 210). Er wird dadurch Verwalter ihres Vermögens von 29 Taler 7 Silbergroschen 6 ½ Pfennige. Jährlich muß er auf dem Amt erscheinen und Rechenschaft ablegen, besonders über die Vermögensverwaltung. Am 18. September 1853 erhält er für die Kinder von einer Bruchköbeler Stiftung 1 Gulden 30 Kreuzer und gibt gleich 36 Kreuzer aus. Am 10. Mai 1854 ist Heinrich Huhn auf demeinrioch Huhn auf demHein Amt zu Hanau zur Abhörung der Vormundschaftsrechnung.

Am 24. Januar 1855 stirbt Elisabeth, die Tochter der Witwe Philipp Fischers, im Waisenhaus zu Hanau und wird am 27.des Monats beerdigt (die Mutter wohnt in der Rohrbachstraße 4). Vielleicht ist die Tochter im Waisenhaus gestorben, weil sie behindert war.

Am 19. Mai 1855 ist Heinrich Huhn auf dem Amt in Hanau mit der der Witwe Philipp Fischer wegen des Erbteils ihrer verstorbenen Tochter Elisabeth. Das väterliche Vermögen beträgt 51 Gulden 11Kreuzer. Davon bekommt die Mutter 1 Gulden 11 Kreuzer und die Zinsen von 1851 für die 50 Gulden, die auf einem Konto bei der Leihbank in Hanau liegen, also bleiben für den Sohn Philipp 50 Gulden.

Am 21. Februar 1857 ist Heinrich Huhn beim Amt in Hanau zur Prüfung der Vormundschaft des Philip Fischer; dabei zahlt er auch gleich die Zinsen auf der Leihbank in Höhe von 1 Gulden 30 Kreuzer ein.


Geschäftspartner

Heinrich Huhns bevorzugter Geschäftspartner ist Michael Weber (Am Rathaus 2), der 1854 Bürgermeister wird (auch sein Vater aus der Gaststätte Hauptstraße 21 und sein Sohn waren Bürgermeister). Es ist aber nicht so, daß er zu Bürgermeister Weber in einem Verhältnis stand wie der Herr zum Knecht. Seine Frau und sein Sohn gehen dort zum Tagelohn, später nach dem Tod der Frau auch er selber. Wenn er dafür 10 Gulden 30 Kreuzer oder auch 21 Gulden erhält und gleich wieder zur Bezahlung von Schulden verwendet, dann zeigt das nur, daß er ein ehrlicher Mann ist und Schulden möglichst schnell wieder zurückzahlt. De jährliche Weinernte verkauft er deshalb an Bürgermeister Weber, weil er selber nicht keltert.


Kredit

Schon von 4. Januar 1837 (!) erhält Heinrich Huhn von Michael Weber einen größeren Kredit. Damals ist er 25 Jahre alt. Offenbar wird der Kredit bis 1862 gestundet. Erst am 27. Dezember 1862 taucht plötzlich ein Abschlag von 100 Gulden auf das Kapital von 500 Gulden auf. Weitere Rückzahlungen sind 100 Gulden am 4. Juli 1863, 50 Gulden am 2. Juli 1865,

am 22. Oktober 1865 einmal 50 Gulden „auf das Kapital von 250“ (Rest des ursprünglichen Kredits), 100 Gulden am 4. März 1866 und den Rest 104 Gulden (mit Zinsen) am 4. Januar 1867. Immerhin ist er jetzt so vermögend, daß er zurückzahlen kann. Am gleichen Tag zahlt er außerdem dem Bürgermeister Weber 8 Gulden Zinsen von 1865.


Grundstückskäufe

Heinrich Huhn kauft immer wieder meist kleinere Grundstücke in der Nähe seines Hauses Hauptstraße 55, wohl mehr für eine Gartennutzung: Am 19. Februar 1851 wird ein 11 ½ Ruthen großes Grundstück am Untertor am Landgericht auf Heinrich Huhn eingetragen, das von Philipp Wagner für 33 ½ Gulden gekauft hat. Am 23. April 1851 kauft er außerdem von Johannes Schales für 13 Gulden 4 Ruthen am Untertor. Am 4. Juni 1851 für 13 Gulden 4 Ruthen am Untertor von Johannes Schales. Am 3. April 1853 für 24 Gulden 7 Quadratmeter Stückland am Untertor von Konrad Huhn. Selbst kurz vor seinem Tod kauft er noch am 4. Januar 1870 von Michael Schales 2 ½ Ruthen am Untertor für 15 Gulden und am 23. April 1871 für 18 Gulden (Restbetrag) 3 Ruthen am Untertor von Michael Schales.

Am 8. November 1869 zahlt Heinrich Huhn dem Michael Schales 62 Gulden für die von Andreas Klees gekauften Grundstücke (Klees hatte wohl Schulden bei Michael Schales, dem reichsten Mann in Hochstadt). Am 14. Januar 1870 zahlt er dem Michael Schales noch einmal 40 Gulden aus diesem Kauf.


Am 4. Februar 1856 kauft Heinrich Huhn von Kaspar Kraft (damals Hanauer Straße 18) sechs Grundstücke und bezahlt die 295 Gulden fast sofort, 70 Gulden gleich, den Rest am 14. Juli.

Gleichzeitig kauft er von Kaspar Kraft weitere Grundstücke, zahlt den Kaufpreis aber an Jacob Beyer in Windecken, um damit eine Hypothek abzulösen, die Kaspar Kraft aufgenommen hatte. Schon am 4. Februar 1856 zahlt er an Beyer 30 Gulden und die Zinsen auf zwei Kapitalien von 88 Gulden und 30 Gulden (II 04.02. 1856). Den Rest von 61 Gulden 41 Kreuzer einschließlich Zinsen zahlt er am 27. November 1856 (II 27.11.1856)

Am 19. Juni 1856 kauft er für 200 Gulden ein weiteres Grundstück des Kaspar Kraft, aber den Kaufpreis kann er nicht gleich bezahlen. Er läßt sich deshalb wieder von Bürgermeister Weber das Geld vorlegen, zu einem Zinssatz von 4 Prozent. Am 8. Februar 1861 zahlt Heinrich Huhn 75 Gulden Abschlag auf den Handschein vom 19. Juni 1856. Am 3. November 1862 zahlt er dem Bürgermeister Weber den Rest vom 19. Juni 1856, nämlich 100 Gulden samt 1 Gulden 50 Kreuzer Zinsen (II 3.11.1862).



Am 19. Juni 1856 leiht Bürgermeister Weber weitere 200 Gulden zu 4 Prozent zur Bezahlung des Kaufvertrags vom 4. Februar 1856 mit Kaspar Kraft, aber das Geld geht an Jacob Levi in Windecken, bei dem Kraft auch eine Hypothek hat. Heinrich Huhn selber legt noch 16 Gulden 18 Kreuzer dazu, damit die Hypothek ganz abgegolten ist (I 19.06.1856, vgl .II 19.06.1856). Die Summe war schon 4. Februar 1856 vereinbart worden. Aber am 27. November 1856 leiht er sich noch einmal 15 Gulden für Jacob Levi in Windecken, die er am 18. Januar 1857 abbezahlt.

Einen größeren Kauf schließt er auch mit Karl Puth ab (der aber in Hochstadt nicht vorkommt, wahrscheinlich aus Wachenbuchen). Am 12. November 1860 zahlt er 100 Gulden als Abschlag, am 11. November 1861 den Rest von 176 Gulden nebst 8 Gulden 48 Kreuzer Zinsen.


Strafen

Am 25. Januar 1862 muß er fast zwei Gulden Strafe an die Renterei in Hanau zahlen, eine „Feldbuße“, vielleicht für das Fahren über einen fremden Acker. Am 15. Februar 1866 sind es erneut 1 Gulden 3,5 Kreuzer Forststrafe bei der Renterei zu Hanau. Am 20. November 1868 zahlt er an Kaspar Eibelshäuser die Holzstrafe vom 27. Dezember 1867 in Höhe von 1 Gulden 45 Kreuzer. Am 12. August 1869 zahlt er dem Amtsdiener Lieser einen Gulden als Feldstrafe für das Vergehen vom 15. April 1869.

Daß er zweimal eine „Feldstrafe“ und einmal eine „Holzstrafe“ erhielt, sagt nichts über seine moralische Einstellung, das waren damals übliche Delikte.

Am 25. November 1853 ist Heinrich Huhn als Zeuge am Kriminalgericht wegen dem Steuer­erheber Fritz von Dörnigheim; er erhält dabei 24 Kreuzer.

Ein Mann aus Züntersbach, der einen Juden umgebracht hat, wird am 3. März 1854 in Hanau hingerichtet.



Ortsgeschichte



Einquartierungen

Offenbar sind 1850 auch Preußen einquartiert, obwohl Hochstadt noch zu Kurhessen gehörte. Aber als sie am 13. März 1850 nach Wetzlar abziehen, wird am 5. April 1850 die 8. Kompanie vom dritten Regiment in Hanau einquartiert am 10. Mai ist die 5. Kompanie vom dritten Regiment wieder nach Hanau gegangen (war es nun die 8. oder die 5. Kompanie?).

Auch danach kommen immer wieder Truppen, die zum Beispiel vom 21. bis 23. Juli und am 25. Juli 1850 aus dem Badischen kommen und in Hochstadt einquartiert werden. Es sind jedesmal 95 bis 100 Mann und 40 bis 49 Pferde. Immerhin wird für die Einquartierung bezahlt: Pro Mann werden für jeden Tag 19 Kreuzer 3 Pfennige bezahlt und dann noch einmal pro Mann 6 ½ Kreuzer. Die Truppen ziehen dann ins Preußische ab. Diese Truppenbewegungen hängen wohl mit der Unterdrückung der Demokratiebewegung von 1848 zusammen.

Am 6. September 850 wird von dem dritten Regiment die 7. Kompanie einquartiert und zieht am 7. September wieder ab. Am 16. September wird die 4. Kompanie einquartiert, am 30. September ist die 5. Kompagnie von dem Garderegiment einquartiert

Am 30. Oktober ist die 1. und 2. Kompanie der Garde mit 12 Offizieren und 100 gemeinen Soldaten einquartiert. Am 20. Dezember 1850 sind die zwei Kompanien der Leibgarde ausmarschiert und zwei Kompanien von dem Leibregiment, dabei sind 11 Offiziere und ihr General Baum mit dem ganzen Stab. Am 20. Dezember 1851 wird das Verpflegungsgeld] ausbezahlt mit 13 Kreuzer und am 1. April noch 2 Kreuzer (wohl für Mann und Tag).

Am 28. Dezember 1850 zieht der Kurfürst wieder in Kassel ein mit der Garde (Er hatte wohl vor der Demokratiebewegung fliehen müssen).

Am 20. Februar 1851 zieht das 1. Regiment wieder nach Kassel ab; im November 1852 wird von dem Regiment das Verpflegungsgeld ausbezahlt, jedem 13 ½ Kreuzer.

Am 3. April 1851 wird die 6. Kompanie vom 3.Regiment einquartiert und am 7. Juni zieht sie wieder ab. Vom 7. Juni bis 10. Juli 1851 ist die 2. Kompanie wieder einquartiert. Am 13. August 1851 rückt die 4. Kompanie in Hanau wieder in Hochstadt ein mit 112 Mann und 6 Offizieren.

Am 13. November 1852 erhält der Bürgermeister Stein auf dem Landratsamt 113 Taler 22 Silbergroschen für die Einquartierung des Garderegiments vom 1. Oktober bis 19. Dezember 1850.


Krieg 1966

Im Krieg Preußens gegen die süddeutschen Staaten kämpft Kurhessen gegen Preußen und wird besiegt, Kurhessen und Frankfurt kommen zu Preußen.

Vom 24. Juni 1866 von mittags 12 Uhr bis 30 Juni morgens 8 Uhr hat Heinrich Huhn zwei Mann von dem Jägerbataillon zur Einquartierung. Am 26. Mai 1867 wird das Verpflegungsgeld in Höhe von 2 Gulden 36 Kreuzer gezahlt. Vom 8. Juli nachmittags 6 Uhr bis 11. Juli nachmittags 5 Uhr (also 3 Tage) ist ein Württemberger einquartiert (Verpflegungsgeld 1 Gulden 27 Kreuzer). Am 12. Juli sind Truppen des Großherzogtums Hessen von mittags 11 Uhr bis 13. Juli morgens 5 Uhr im Ort. Außerdem preußische Truppen vom 70. Regiment. Bei Heinrich Huhn sind vier Mann bis zum 21. Juli morgens 5 Uhr (Verpflegungsgeld 3 Gulden 44 Kreuzer und 32 Kreuzer 2 Pfennige erhalten am 1. Februar 1869). Am 16. Juli 1866 rücken die Preußen in Frankfurt ein.

Ab 24. August 1866 ist das Preußische 25. Regiment im Ort. Heinrich Huhn hat abwechselnd zusammen mit Philipp Koch einen Mann zur Einquartierung, bei ihm ist er am 24. und 27. und 29. August. Am 13. September 1866 hat er einen Mann von den Preußischen Pionieren bis 15 morgens 5 Uhr (Verpflegungsgeld 1 Gulden 28 Kreuzer). Am 26. Januar 1868 erhält er das Verpflegungsgeld von der Großherzogtum-Sächsischen Einquartierung in Höhe von 19 ¾ Kreuzern.

Vom 24. bis 26. August 1869 ist ein Mann drei Tage einquartiert vom Regiment 88 wegen der Herbstmanöver. Am 3. September 1869 dann ein Mann von den Füsilieren vom Regiment 88, für einen Tag werden 1 Gulden 24 Kreuzer gezahlt. Die Kriegsereignisse 1870/71 und die Gründung des Deutschen Reiches kommen bei Heinrich Huhn nicht zur Sprache.


Wahl

Die Wahl zum Reichstag in Erfurt erfolgt nach dem Dreiklassenwahlrecht. Dabei werden die Wähler nach ihrem Steueraufkommen in drei Klassen eingeteilt, von denen jede nur einen Abgeordneten wählt. Die große Masse ist dabei in der dritten Klasse, in der ersten Klasse aber kann ein einziger Reicher sein, dessen Stimme dann das gleiche Gewicht hat wie die Stimmen der großen Masse. Am 17. Januar 1850 wählt die dritte Klasse einen Wahlmann, dazu war der Bürgermeister Müller (?) in Seckbach. Die zweite Klasse wählt Kesselstadt und die erste in Mittelbuchen. Bei dem Reichstag in Erfurt wird es sich um das Parlament des Deutschen Bundes gehandelt haben.


Gemeindeorgane

Am 14. Februar 1850 wird auf dem Rathaus der „Ausschuß“ gewählt, die örtliche Gemeindevertretung (nicht die Miliz, die auch als „Ausschuß“ bezeichnet wurde). Der Ausschuß ist die Gemeindevertretung der Einwohner, die Ortsräte oder Gemeinderäte bilden den Gemeindevorstand, also die Ortsregierung.

Am 13. Juni 1850 wird Johannes Strohl auf dem Rathaus zum Ortsrat gewählt. Am 10. August 1852 wird der Schreiner Philipp Stein (Hanauer Straße 4) als Gemeinderat am Landratsamt verpflichtet (Ortsrat und Gemeinderat ist wohl das gleiche Amt).

Am 30. Januar 1854 werden acht Mann zum Ausschuß gewählt, nämlich Bürgermeister Stein, Johannes Weber, Johannes Strohl, Wilhelm Schales II., Philipp Stein III. und Michael Weber. Georg Mankel und Karl Schmidt bleiben weiter im Ersten Ausschuß (Notiz vom 2. Februar).

Am 15 März werden sechs Ausschußmitglieder zu Ortsräten gewählt, nämlich Johannes Weber, Georg Mankel, Johannes Strohl, Karl Schmidt, Wilhelm Schales und Philipp Stein. Am 28. März werden die Ortsräte verpflichtet.

Am 10. April 1854 wird der Ausschuß ergänzt durch eine Wahl der Gemeinde: Zum Ständigen Ausschuß werden Peter Brosch I., Peter Wagner und Johannes Schales gewählt. In den Zweiten Ausschuß kommen Michael Mankel, Daniel Koch I. und Andreas Schales I. Dafür sind drei Wahlgänge erforderlich (es gibt also einen Ständigen Ausschuß und einen Zweiten Ausschuß, vielleicht nur eine Erweiterung des Ständigen Ausschusses, nicht ein eigenes Gremium).

Am 8. Juni 1854 wird Philipp Rödiger anstelle des Bürgermeisters Stein zum Ständigen Ausschuß gewählt (Stein kommt später in den Zweiten Ausschuß). Peter Wagner ist Ausschußvorsteher und Peter Brosch I. ist Stellvertreter (Der Bürgermeister kann jetzt offenbar nicht mehr zum Ausschuß gehören, es kommt zu einer Gewaltenteilung).

Am 8. Mai 1855 wird Peter Koch II. als Ortsrat auf der Polizeidirektion verpflichtet. Am 24. März 1861 kommt Johannes Weber anstelle von Wilhelm Schales zu den Ortsräten (Gemeinderat). Im Frühjahr 1861 kommt Peter Weber in den Ausschuß.


Bürgermeister

  • Johannes Weber, Hauptstraße 21 (1787 - 1855), erwähnt 1832, Mitglied des Presbyteriums.

  • Johannes Schales, erwähnt 1840.

  • Philipp Stein, am 22. Mai 1850 gewählt und am 4. Juni verpflichtet. Er bekommt jährlich 100 Gulden und ist fronfrei, das heißt er muß keine unentgeltliche Dienstleistung für die Landesherrschaft leisten wie jeder andere Bürger, der entweder mit der Hand oder durch eine Fuhre fronen mußte. Am 9. Dezember 1854 kommt er in den Zweiten Ausschuß.

  • Michael Weber wird gleichzeitig als Bürgermeister verpflichtet. Er wohnt Am Rat­haus 2 und ist Sohn des früheren Bürgermeisters Johannes Weber. Sein Gehalt beträgt 295 Gulden.

  • Johannes Weber, Am Rathaus 2 (1842 - 1909) seit 1878, Sohn des vorherigen Bürgermeisters. Sein Gehalt beträgt 1.000 Mark. Er hat das Amt bis 1905 inne und stirbt 1909.


Im Ort wird in eine Brandkasse eingezahlt (II 19.02.1850 und öfter).

Eine Ortsschelle wird am 10. Mai 1852 eingeführt.


Gemeindeabgaben

Dem Gemeinderechner werden jeweils zu Anfang des Jahres Grundabgaben und Pacht gezahlt (II 28.04.1870), durchaus erhebliche Beträge, zum Beispiel zahlt Heinrich Huhn über 24 Gulden.

Der Gemeinderechner ist Peter Brosch, die Familie hatte dieses Amt jahrzehntelang inne, noch 1950 spricht man von „Rechnungsführer Brosch“ (damals Altkönigstraße 1). Im Jahre 1850 verrechnet Heinrich Huhn mit Brosch seine Entlohnung für den Gemeindedienst in Höhe von 29 Gulden mit dem Kauf (oder nur Pacht?) von mehreren kleineren Grundstücken und der Steuerzahlung (Beed und Zehnt) in Höhe von fast 20 Gulden (II 07.04.1850). Am 18. Mai 1851 verrechnet Heinrich Huhn die Gemeindeabgaben mit seinem Verdienst (29 Gulden) und erhält noch 5 Gulden 48 Kreuzer heraus. Auch am 9. Juni 1852 verrechnet er die 29 Gulden mit den Gemeindeabgaben und erhält noch 13 Gulden heraus.

Die Beede beträgt:

Ein Morgen Hofreite 1 Gulden

Ein Morgen Acker 2 Kreuzer

Ein Morgen Weingarten 16 Kreuzer

Ein Morgen Baum- und Grasgarten 5 Kreuzer


Der Große Zehnte beträgt:

Der Zehnte war 1834/1835 durch eine Zahlung der Gemeinde an den Staat abgelöst worden.

Aber die Gemeinde zieht nun ihrerseits das Geld von den Bürgern ein. Die Tilgungsbeträge werden bei Heinrich Huhn wir folgt aufgeführt:

Der Morgen abzuzahlen 6 Gulden 36 Kreuzer.

Die Zinsen zu 4 Prozent beträgt den Morgen 11 Kreuzer jährlich.

Erst 1882 wird der Zehnte völlig aufgelöst.


Der Pfarrzehnte besteht weiter:

Der halbjährliche Pfarrzehnte beträgt auf das Viertel Land:

1 Viertel 3 Kreuzer ¾ Pfennig

20 Ruthe 1 Kreuzer 2 ½ Pfennig

10 Ruthe 1 Kreuzer 3 ¼ Pfennig

5 Ruthe 1 Kreuzer 1 ¾ Pfennig

4 Ruthe 1 Kreuzer 1 ½ Pfennig

3 Ruthe 1 Kreuzer 1 Pfennig

2 Ruthe 1 Kreuzer ½ Pfennig

1 Ruthe 1 Kreuzer ¼ Pfennig


Einwohnerzahl


Jahr

Einwohner

Ehepaare

Verwitwete

Männliche Jugendliche

Kinder unter 14

1852

862





1855

836

155

56

118

118

1858

798





1861

797






Stichtag ist immer der 3. Dezember. Wo bleiben aber 1855 die weiblichen Jugendlichen? Es müßten 234 sein, von der Gesamteinwohnerzahl her gerechnet. Die Zahl der Ehepaare ist gering im Vergleich zu den Ledigen. Das wird daran liegen, daß man erst heiraten konnte, wenn man auch ein Auskommen hatte, also Grundbesitz.


Auswanderung

Am 5. April 1852 verkauft Heinrich Stein seine Güter, um nach Amerika zu ziehen. Am 25. Mai 1852 fährt die ganze Familie (mit Frau, zwei Kindern und der Schwiegermutter) nach Amerika. Auch der Johannes Gruner der Letzte bekommt aus der Gemeinde 50 Gulden und noch ein Geschenk, von jedem Einwohner werden 16 bis 18 Kreuzer gegeben.


Umzug in den Vogelsberg

In den Jahren 1854/1855 ziehen mehrere Familien in den Vogelsberg, nach Untersotzbach und Unterreichenbach, zum Teil ohne erkennbaren Bezug zu dem Ort:

Am 6. Dezember 1854 zieht der Johannes Hensel mit seiner Familie von Hochstadt ins Oberland nach Sotzbach und verkauft hier alles. Hensel gehört zu der Zimmermannsfamilie und wohnt Hauptstraße 2. Er zieht nach Untersotzbach in den Vogelsberg, wohin er aber vorher wohl keine Beziehungen hatte.

Am 27. Januar zieht Kaspar Kraft nach Reichenbach, also nach Unterreichenbach im Vogelsberg. Dort ist seine zweite Frau geboren, war aber von Elm nach Hochstadt im das Haus Ringstraße Nord 1 gezogen.

Am 1. März 1855 zieht Johannes Heckert nach Sotzbach.


Landvermessung

Am 19. Juli 1854 fangen die Landmesser Briehl und Brandenburg an, das Land aufzumessen. Sie beginnen im Hartigfeld an dem Dorfelder Feld (nicht: Im Hartigfeld und am Dorfelder­feld). Am 11. April 1856 wird die Arbeit beendet. Am 20. November ziehen die Landmesser Brühl, Brandenburg, Rumpf, Hugfeld und Reineman wieder nach Hanau. Der Landmesser Wehrman hatte seinen Aufenthalt in Wachenbuchen, weil er im Kalkhausfeld gemessen hat.

Heinrich Huhn hilft beim Vermessen (siehe 8. Januar 1855), sieht Katasterpläne ein und setzt über 10.000 Grenzsteine gesetzt. Vom 16. Juni bis 16. Juli 1857 haben die Vermessungs-Karten zur Einsicht offen gelegen. Die Vermessungskosten werden (zumindest zum Teil) auf die Einwohner umgelegt: Am 2. Oktober 1864 zahlt Heinrich Huhn als „Regulierungskosten“ des Landmessers Pabst über 16 Gulden. Am 6. September 1871 zahlt er weitere 2 Gulden 48 Kreuzer an Vermessungskosten von 1854.


Brücken

Am 12. Dezember 1851 wird die „Kuhbrücke“ vor dem Wald an der Straße nach Hanau erwähnt. Am 16. Dezember putzt Jacob Bauer I. die Brücke am Untertor aus.


Brunnen

Am 1. September 1851 zahlt Heinrich Huhn wieder auf drei Jahre die Pacht für ein Grundstück am Mittelsten Born (im Feld).

Am 16. August 1853 putzen die Unterdörfer (bis an Jacob Strohls Haus) die Oberweed aus.

Die Bezeichnung „Unterdörfer“ beweist, daß das Dorf in Oberdorf und Unterdorf eingeteilt war. Allerdings wird hier das Unterdorf bis zum Haus Bogenstraße 18 (Jacob Strohl) gerechnet, obwohl das Haus Bogenstraße 20 schon zum Oberdorf gehört. Die „Oberweed“ war das Feuerlöschbecken am Rathaus, das auch als Pferdetränke genutzt wurde.

Am 26. August 1857 ist der Brunnen am Daniel Burger und am Andreas Sch [?] Haus ausgeputzt worden. Peter Fischer hat für das Hineinsteigen und Ausputzen 4 Gulden 15 Kreuzer bekommen (Daniel Burger starb 1893 im Haus Hauptstraße 33. Von dem zweiten Familiennamen ist nur „Sch“ sicher zu lesen, aber Schales und Schmidt passen nicht. Doch durch den anderen Namen ist die Lage des Brunnens ausreichend bezeugt).



Feuerwehr


Jahr

Ort

Abteilung

Juli 1850

Niederissigheim

3. Rotte bis nach…

9. März 1854

Bruchköbel, Scheune

1. Rotte

6. Mai 1858

Roßdorf

Spritze, 2. und 3. Rotte

14. August 1859,

Rumpenheim

Spitze , 2. Rotte

8. September 1859

Roßdorf

3. Rotte bis Mittelbuchen

24. September 1861 abends

Bergen zwei Scheunen

1. Rotte, Spritze

22. August 1862

Oberissigheim

2. Rotte war auf dem Weg

28. September 1863

Oberdorfelden

3. Rotte

23. Januar 1867

Wachenbuchen, Bäcker Lottich, eine Scheune

1. Rotte

14. Mai 1867

Dörnigheim

2. und 3. Rotte

18. Oktober 1868

Bischofsheim, Johannes Schäfer, die Scheune

Nicht gesagt,

daß die Hoch-

städter

Feuerwehr

dort war



18. Oktober 1868 abends

Bruchköbel, Heinrich Rödiger, die Scheune


in Bergen 2 Scheunen

16. November 1868

Mittelbuchen, 1 Haus 8 Scheunen abgebrannt

18. November 1868

Bischofsheim


Das ist ein ziemlich weiter Weg bis Oberissigheim oder über den Main nach Rumpenheim.

Fürchtete man einen großen Brand, der wegen der Holzbauweise und mit den damaligen Mitteln zur schwer zu bekämpfen war? Oder ging es nur um die Vergütung für das Ausrücken?

Wenn die Feuerwehr dann doch nur bis Mittelbuchen und nicht bis Roßdorf kommt, hat man den Verdacht, daß es auch um die gute Verpflegung bei so einem Anlaß geht. Diese hat dabei die jeweilige Gemeinde zu zahlen (einschließlich der Getränke). In Rumpenheim ist man zum Beispiel von nachmittags bis den andern Mittag.


Jagd

Am 13. Januar 1853 pachtet ein Frankfurter namens Trostbach für 911 Gulden die Jagd ab 22. Februar auf sechs Jahre und bezahlt auch gleich bar. Der Vertrag wird aber 1854 wieder aufgehoben und am 31. März 1854 werden wieder 800 Gulden zurückgezahlt. Am 23. November 1865 wird die Jagd wieder verpachtet.


Hinrichtung

Am 11. Januar 1861 wird ein Mann namens Heinrich Nolde auf dem Richtplatz bei Hanau gerichtet (der Galgen stand in der Flur „Am Hofgericht“ nördlich von Kesselstadt).


Silvesternacht 1862

Am 29. September 1862 zahlt Heinrich Huhn an Georg Mankel für die am 1. Januar 1862 nachts beschädigten Bäume des Bürgermeisters Weber 48 Kreuzer. Was ist da wohl in der Silvesternacht passiert? Haben vielleicht die Kinder etwas angestellt?



Lehrer und Schule

Als der Schullehrer Henning am 1. August 1851 pensioniert wird, behält er für jährlich 192 Gulden die Wohnung in der „oberen Schule“ (nicht im Pfarrhaus, wie in der Chronik Heckert gesagt). Die „obere Schule“ war wohl das Oberstockwerk im rechten Teil der Schule in der Hauptstraße 4 (es gab keine andere Schule an einer anderen Stelle in Hochstadt). Dazu behält er das Gartenstück „Im Bückling“ bis auf weiteres in Besitz. Eingesetzt wird der Lehrer Zinkan und bis auf weiteres hier angestellt.

Im Mai 1852 tauscht die Gemeinde mit Heinrich Heckert das Haus neben der bisherigen Schule gegen das ehemalige lutherische Schulhaus (Lutherstraße 9): Heckert bekommt 200 Gulden heraus. Das alte Schulhaus (in der Hauptstraße 4) kauft Philipp Bechert für 200 Gulden ohne Ziegel und Latten und Fundament und Ofen. Das Haus des Heinrich Heckert kaufen Wilhelm Schales und Johannes Strohl für 90 Gulden ohne Ziegel und Latten und alle Inneneinrichtung.

Am 28. Mai wird die Inneneinrichtung verkauft. Die Maurer bekommen für das Abdecken der Ziegel und Latten zwölf Kreuzer.


Am 28. Mai werden die ersten Mauersteine von Mühlheim-Dietesheim angefahren. Am 14. Juni wird der Auftrag zum Bau der neuen Schule Hauptstraße 4 vergeben: Jacob Bauer II. erhält die Maurerarbeit für 1600 Gulden, außerdem 28 Gulden für das Streichen. Die Zimmerarbeit macht Johannes Hensel für 164 Gulden, Philipp Stein die Schmiedearbeit für 794 Gulden, der Steinhauer Adelmann erhält 649 Gulden, der Glaser Gerhard von Hanau 226 Gulden, der Schlosser Busch von Hanau 272 Gulden, der Weißbinder 429 Gulden, der Dachdecker 270 Gulden, der Klempner Trapper von Hanau 57 Gulden.

Am 17. Juli wird der Grundstein gelegt. Hineingelegt werden ein Schreiben und eine kleine Flasche 1846er Wein, eine Liste mit den Namen der Oberbehörden und des Ortsvorstandes sowie zwei Silbergroschen von Hessischer Prägung

Am 1. Mai 1853 wird Adam Seitz von Dörnigheim als Erster Schullehrer in der Kirche vorgestellt. Am 12. Juli 1853 wird das neue Schulhaus eingeweiht. Der Landrat und der Sekretär sind zugegen. Die Schulkinder bekommen Weck und ein jeder Ortsbürger einen Schoppen Wein.

Am 5. April wird der Schullehrer Müller im Landratsamt pensioniert. Der Schulamtskandidat Claus von Windecken tritt den Dienst an.

Am 17. September 1863 zieht der Schullehrer Orth von Gronau nach Hochstadt. Am 1. Mai 1861 kommt der Schullehrer Johannes Müller von Hailer hierher und wird am 5. Mai in der Kirche vorgestellt.

Den Lehrern stehen bestimmte Naturalleistungen als Einkommensbestandteil zu. Heinrich Huhn vermerkt immer sehr sorgfältig, wann er dem Lehrer den Festtags-Laib-Brot hat zukommen lassen, meist durch ein Schulkind: Am 9. Dezember 1856 gibt er dem Schulmeister Zeiß einen Laib Brot von Ostern 1856 durch den Sohn des Andreas Brosch. Dem Lehrer stand zu Ostern ein Brot von jedem Einwohner zu, man hat die Lieferung aber aus praktischen Gründen auf das ganze Jahr verteilt. Das gleiche gilt für das Christtagsbrot (17. Januar 1857).

Der Lehrer erhält aber auch den „Glocken­sichling“ in Form eines Gebunds Gerste (an sich nur so viel, wie man mit einer Sichel auf einmal abhauen kann). So erhält am 23. August 1855 der Schullehrer Zeiß den Glockensichling, aber auch noch einen „Festalbus“. An sich ist das ein geringer Betrag von 4 Kreuzern, der aber doch eine schöne Summe ausmacht, wenn alle Einwohner zahlen.


Kirche

Im Juni 1850 zieht der Pfarrer Faber von hier nach Marköbel. Am 28. Juli hält der Pfarrer Pauli sein Antrittspredigt und am 6. August zieht er von Nauheim (später: Bad Nauheim) hier ein mit seiner Familie.

Die Orgel in der Kirche, welche der Pfarrer Pauli 1857durch den Orgelbauer Helwig zu Hanau auf die Chor-Empore hat versetzen lassen, wird am 5. September 1858 wieder durch den Orgelbauer Degenhart in Hanau an ihre alte Stelle gebracht. Die letzte Versetzung haben die Einwohner durch eine Sammlung bezahlt (weitere Einzelheiten in der Chronik Heckert).

Pfarrer Pauli wird, als auf Michaeli das Abendmahl gehalten werden sollte, so krank in seinem Kopf, daß er keinen Gottesdienst mehr halten kann; er bekommt einen Gehilfe von Hanau namens Starck.

Im Nachsommer 1861 wird das Pfarrhaus neu gebaut. Am 23. September 1861 zieht der Pfarrer Emmel von Seckbach in Hochstadt ein und wird am 29. September in der Kirche vorgestellt.

Am 13. August 1862 wird eine Kollekte für Nieder- und Oberrodenbach erhoben, für die Heinrich Huhn auch 3 Kreuzer gibt. Der Grund ist nicht ersichtlich.

Die Zehnt ist abgelöst bzw. ersetzt durch die Zahlungen an die Gemeinde, aber die kirchlichen Gebühren gelten weiter. Pfarrer Pauli erhält am 31. März 1854 von Heinrich Huhn für die Konfirmation des Sohnes Konrad 52 Kreuzer.

Am 14. November 1857 sind an Pfarrer Pauli 51 Kreuzer für zwei Taufen und eine Totenschein zu zahlen. Dazu kommen Kosten in Höhe von 40 Kreuzer für tatsächliche Aufwendungen wie für den Schullehrer Zeiß beim Begräbnis von Hermann (II 28.10.1858). Bei einem Begräbnis erhält der Pfarrer 45 Kreuzer, der Lehrer für das Orgelspiel 40 Kreuzer, der Totengräber dagegen nur 20 Kreuzer (II 17. Februar 1859).

Am 9. Juni 1865 ist in Hochstadt ein Missions-Fest, bei dem 159 Gulden durch Erhebung einer Kollekte einkommen. Der 11. November wird 1869 zum ersten Mal gefeiert worden (es kann sich nur um Luthers Geburtstag gehandelt haben).

Am 20. Januar 1868 wird durch den Ortsvorstand eine Kollekte für die Hungersnot in Ostpreußen erhoben, pro Familie 3 Kreuzer.


Arzt und Apotheker

Am 14. Feb 1855 zahlt Heinrich Huhn dem Doktor Merz in Hanau 3 Gulden 30 Kreuzer für „ärztliche Bemühung“ für Heinrich Huhns Frau.

Am 13. November 1856 zahlt er an Dokter Heisterhagen in Hanau 3 Gulden 30 Kreuzer für das Jahr 1850. Am 13. Juli 1858 zahlt er 12 Kreuzer dem Doktor Merz zu Hanau und in der Apotheke 13 Kreuzer. Am 23. Juli sucht er noch einmal den Doktor Sacksatski auf und zahlt 36 Kreuzer, in der Apotheke muß er 1 Gulden 3 Kreuzer zahlen.

Am 2. März 1859 zahlt Heinrich Huhn dem Doktor Merz 2 Gulden Rest von 1858, dem Apotheker Beyer zu Hanau 2 Gulden 2 Kreuzer und dem Apotheker beim Gasthaus „Zum Riesen“ 37 Kreuzer.

Doktor Gies wird auch vom Amt nach Hochstadt bemüht, als sich im Januar 1859 im Schind­kautenwald ein Mann aus Hettenhausen erschossen hat.

Am 22. September 1863 und 28. März 1867 ist Heinrich Huhn bei Dr. Gies in Hanau und auch wieder am 28. März 1867. Am 18. Februar 1871 zahlt er 2 Gulden 24 Kreuzer für eine Bruchbinde an Neubert in Hanau.


Hebamme

Am 1. Mai 1857 wird die Frau des Peter Eibelshäuser, eine geborene Fix, als Hebamme für die Gemeinde auf der Polizei zu Hanau verpflichtet. Sie hat drei Monate zuvor in Marburg gelernt. Das erste Kind, bei dem sie hilft, ist die Tochter von Peter Rohn.



Landwirtschaft



Feldschützen und Hirte

Die Feldschützen werden jeweils zu Anfang des Jahres bestimmt, immer fünf Mann. Diese nehmen ihre Aufgabe aber nur nebenamtlich wahr, erhalten aber von den anderen Einwohnern eine Gebühr (II 31.10.1849). Diese beträgt 13 bis 15 Kreuzer und wird in Naturalien bezahlt (Roggen und Hafer)(II 31.10.1862).

Am 1. Januar 1853 nimmt Johannes Eibelshäuser den Kuhhirtendienst für dieses Jahr an gegen eine Vergütung von 8 Malter Mehl.


Getreideanbau

Getreide wird auch auf Feldern angebaut, die wohl ursprünglich Wald waren, wie die Bezeichnungen „Im Wald“ oder „Kleewiesenwald“ zeigen (I 20.03.1850). Getreide wird aber auch auf ehemaligen Wiesen angebaut (wie die Kreuzwiese), aber auch auf der Weidekaute, die heute Wiese ist. Offenbar war diese Umwidmung wegen der wachsenden Bevölkerung notwendig. Die Grundstückspreise erscheinen auch ziemlich hoch.

Raps wird auch schon angebaut: Am 15. Oktober 1850 verkauft Heinrich Huhn 17 Gescheidt Raps an einen Döring aus Hanau und am 7. November 1853 noch einmal 1 ½ Simmer Raps.


Landwirtschaftliches Gerät

Ackerwagen:

Ein Ackerwagen ist schon eine größere Anschaffung. Am 10. Juni 1852 bestellt Heinrich Huhn einen neuen Wagen bei dem Wagner Philipp Lind (Am Pfarrhof 1). Er selber stellt dafür praktisch aber alle Holzteile (Speichen, Reibrett, Rungen, Sprossen und Spangen für die Leitern und vier Liesen) zur Verfügung. Am 27. Juni 1852 zahlt er einen Abschlag auf den Wagen von 10 Gulden (II 27.06.52). Am 9. Januar zahlt er noch einmal 8 Gulden 10 Kreuzer.


Das Eisen für einen Pflug kauft Heinrich Huhn wohl in Hanau (I 19.07 1852 und II 19.07. und 14.09.1852). Die Beschläge macht Valtin Huhn (Hauptstraße 40). Dieser erhält 21 Gulden 57 Kreuzer, etwa 18 Gulden in bar, der Rest in Naturalleistungen (Rechenbücher, Fuhren, Mist wenden, Steine klopfen, Schießgeld). Ein ganzer Pflug ohne Wagen und ohne „Sielscheid“ (Querholz am Wagen) kommt an sich auf über 15 Gulden. Als Heinrich Huhn 1854 den neuen Pflug erhält, zahlt er noch einmal 6 Gulden.

In einem Nachtrag zum 4. September 1852 schreibt er allerdings: Am 8. März 1854 ein neuen Pflug von Philipp Lind 5 Gulden 50 Kreuzer. Für Eisen vom Gütge 1 Gulden 21 Kreuzer (war Gütge ein Hanauer?). Handelt es sich hier nur um eine Restzahlung?


Am 22. April 1871 bezahlt Heinrich Huhn dem Koch in Hanau für Eisen zum Pflug 4 Gulden 14 Kreuzer. Daraus fertigt Johannes Huhn am 29. Mai 1871 einem Schaufelpflug für 4 Gulden 36 Kreuzer. Gleichzeitig kauft er am 24. April 1871 von Kaspar Lind einen Schaufelpflug für 4 Gulden 12 Kreuzer (wohl ein gebrauchter Pflug, Lind wohnt Hauptstraße 13 und ist nur Bauer, nicht Schmied).


Hacke

Hacken werden beim Schmied Huhn in Hochstadt oder beim Schmied Gruner in Niederdorfelden gekauft. Der Preis bewegt sich zwischen 48 Kreuzer und einem Gulden (27.12.1861). Im Laufe der Jahre steigt er auf 1 Gulden 12 Kreuzer (09.02.1869). Gebraucht kauft man sie auch bei anderen Einwohnern.


Schmied

Langjähriger Schmied in Hochstadt ist Johann Valentin Huhn (1814 bis 1868), Hauptstraße 40. Am 28. Januar 1869 zahlt Heinrich Huhn noch einmal eine neue Hacke an Valtins Huhn Frau. Die Schmiede übernimmt Johannes Huhn. Aber Heinrich Huhn ist ab 1866 Kunde bei dem neuen Schmiedemeister Philipp Krebs, Trinkbrunnenstraße 8, Sohn eines Landwirts (II 07.01.1866). Auch dem neuen Schmied Klees („Schmitt Klees“, Hauptstraße 20) zahlt er am 24. Januar 1869 den Arbeitslohn von 1868, nämlich 4 Gulden. Außerdem ist er Kunde bei dem Schmied Gruner in Oberdorfelden (zum Beispiel II 02.04.1862).


Kuh

Eine Kuh kostet 1854 bei Kaspar Kraft (dem örtlichen Viehhändler) 44 Gulden 12 Kreuzer.

Auch dem Isai Hamburger von Alzenau verkauft Heinrich Huhn am 25. Januar 1857 eine Kuh für 42 Gulden. Wahrscheinlich wird diese Kuh zum Schlachten verkauft, denn eine neue Kuh, die er am 9. Februar 1857 von Hiskia Kahn von Dörnigheim kauft, kostet 68 Gulden 30 Kreuzer. Am 22. Dezember 1869 verkauft Heinrich Huhn für 52 Gulden 30 Kreuzer dem Michael Schales eine Kuh



Viehkasse

Ab 1. Oktober wird die Viehkasse verändert: die Kuh wird mit 35 Gulden vergütet, ein bald kalbendes Rind mit 25 Gulden, ein Rind mit 15 Gulden. Am 25. August 1859 stirbt bei Heinrich Huhn eine Kuh. Aus der Kasse erhält er 35 Gulden und für die Haut von Isai Sichel weitere 8 Gulden.

Man zahlt aber nicht in eine echte Versicherung ein, sondern es wird nur im jeweiligen Fall im Ort zusammengelegt, denn die Zahlungen sind sehr unregelmäßig und es wird immer dabei der Name des Unterstützten genannt. Es sammelt immer ein anderer das Geld ein. Die Fälle kommen allerdings ziemlich häufig vor, oft mehrmals im Jahr, so daß es sich eher um eine Versicherung für die Tierarztkosten gehandelt haben wird.

Die Kosten betragen zunächst 9 Kreuzer (II 30.09.1849), dann auch nur 3 oder 5 Kreuzer,

8 Kreuzer am 14. September 1851, dann mehrfach 7 Kreuzer, ab 21. Januar 1855 dann 14 Kreuzer und ab 1858 16 Kreuzer. Ab 1859 sind es auch einmal 18 Kreuzer, oder nur jeweils 9 Kreuzer, wenn zwei Fälle kurz nacheinander kommen, nachher aber auch wieder 16 Kreuzer. Ab Ende 1859 aber werden auf einmal nur 6 Kreuzer oder 7 Kreuzer erhoben, dann auch ab 1859 wieder gelegentlich 14 Kreuzer, ab 1861 wieder 16 Kreuzer, aber auch nur 8 Kreuzer. Ab 1863 sind es 12 oder 18 Kreuzer. Wenn Heinrich Huhn selber betroffen ist, zahlte er auch ein.


Verkauf von Kälbern

Ein Kalb wird für 8 bis 16 Gulden verkauft, ein größeres Kalb auch einmal für 22 Gulden. Im Einkauf jedoch kostet es bei Isai Sichel 66 Gulden 30 Kreuzer (I 14.01.1860).

Die Kühe werden möglichst oft gedeckt, um nachher das Kalb verkaufen zu können. Wenn eine Kuh nicht trächtig wird, versucht man es auch mehrfach. Wenn gesagt wird, daß die Kuh mehrfach hintereinander „gelaufen“ hat, dann war wohl der Deckversuch zunächst erfolglos.


Schwein

Die Schweinepreise schwanken stark je nach Gewicht des Schweins, im Verkauf bringen sie 25 bis 30 Kreuzer.


Maulwurffangen

Am 18. Februar 1856 übernimmt Philipp Schlägel für 26 Gulden das Maulwurffangen. Damals gelten Maulwürfe noch als Schädlinge. Am 9. März 1865 übernimmt Heinrich Huhn das Maulwurffangen für 28 Gulden jährlich.


Getreideernte


Ernte (Getreide in Gebund angegeben, Kartoffel in Säcken insgesamt)

Jahr

Roggen

Weizen

Gerste

Hafer

Kartoffeln

1850

49


18


42

1851

56 (wenig Körner)

schlecht

35

15

31

1852



26


40

 


Frucht und Futter gut geraten, aber nicht viel Obst

1853

98


20

17

40

Frucht und Futter und Obst gut geraten, Kartoffel aber nicht gut.

1854

70


52


30

Frucht so ziemlich geraten, das Obst ganz schlecht, die Kartoffel auch schlecht

1855

29

Erbsen 24

126

26

45

1856

14

48

127 + 30

20

42

1857

162

31

57

16

40

1858

63

13

46

15


1859

77

24

41

17

43

1860

Seiten fehlen

1861

73

22

48


56

Dieses Jahr hat es gar kein Obst gegeben. Die Winterfrucht war gut geraten.

Das Kurzfutter haben die Mäuse sehr gefressen

1862

60

33

87

9

58

1863

102

36

46


34

1864

75

33

95

65


1865

113

37

47

9

53

1866

102

20

73

Weidekaute

29

1867

99

21

61

25

64

1868

140

31

47

11

56

1869

146


155

43

41

1870

110

33

81

13

76

1871

151

35

60

13



Gelegentlich wird auch noch die Erbsenernte angegeben. Heinrich Huhn verkauft auch oft größere Mengen von Äpfeln (über 100 Säcke im Jahr).

Die Grundstücke scheinen sehr klein gewesen zu sein, denn zehn Gebund ergeben gerade mal eine „Hocke“, eine Haufen, zu dem die Gebunde zum Trocknen zusammen­gestellt wurden. Oder das Getreide war nicht so ertragreich wie später.



Weinernte


Jahr

Weinlese

Qualität

Menge

Menge Huhn

Preis

1850

29. Oktober

schlecht



pro Viertel 3 Kreuzer

1852

26.Oktober

mittelmäßig


9 Viertel


1853

8.November

schlecht


3 Viertel


1854


ganz schlecht




1855

6. November

gut

wenig

1 Viertel,

pro Viertel 40 Kreuzer

1856

6. November

schlecht

wenig



1857

21. Oktober

gut

wenig



1858

19. Oktober

gut


2 Viertel


1859

19. Oktober

gut


2 ½ Viertel


1860

Seiten fehlen


1861

15.Oktober


sehr wenig



1862

9. Oktober





1863

28. Oktober



3 Viertel


1864

3. November

sehr schlecht




1865

4. Oktober

gut


4 Viertel

Ohm zu 48 Gulden

1866

27.Oktober



7 ½ Viertel

Viertel 30 Kreuzer

1867

6. November



4 Viertel


1868

2. Oktober

gut

viel

30 Viertel


1869

26. Oktober



23 ½ Viertel

Viertel zu 36 Kreuzer

1870

26.Oktober



3 Maß



Die Weinberge werden rund einen Monat vor der Ernte geschlossen, d.h. es darf sie niemand mehr betreten, die Weinbergschützen überwachen das. Die Ernte erfolgt dann aber wohl an einem einzigen Tag (oder ist es nur der Beginn der Ernte?).

Heinrich Huhn scheint alle seine Trauben zu verkaufen, selber gekeltert hat er wohl nicht.

„Gestoßene Trauben“ könnten schon leicht gestampfte Trauben sein.

Am 9. Juli 1870 werden 5 Morgen 13 Ruthen Staats-Weinberg und Baumstücke für 1.653 Gulden verkauft, vielleicht ein Hinweis auf den Wandeln vom Weinbau zum Obstbau.

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Einsaat von Eicheln

Zweimal erwähnt wird eine gemeinsame Einsaat von Eicheln und Weizen: Am 23. Oktober 1852 das Grundstück neben dem Weg am Kurzwiesenwald und am 10. November 1855 das Grundstück auf dem Niederfeld im Kleewiesenwald. Ziel ist es dabei wohl nicht, einen richtigen Eichenwald entstehen zu lassen, sondern man will Eicheln für die Schweinemast gewinnen. Im Mai 1857 werden die Ferkel zum ersten Mal (im Jahr) zur Hute in den Wald getrieben



Lebensverhältnisse


Hauskauf

Am 1. Juni 1850 wird das große Doppelhaus des verstorbenen Kaspar Burger in der Hauptstraße 33 und 33a für über 4.000 Taler verkauft. Zunächst hat Johannes Weber I. das letzte Gebot mit 2.480 Talern gemacht. Doch dann werden die Häuser mit viel Hoffläche am 28. Juni wieder ausgeboten und Daniel Burger erhält sie für 4.015 Taler. Der Preis wird in Talern angegeben, ein Taler hatte an sich 1 ½ Gulden. Das Doppelhaus wird hoch bezahlt, denn andererseits kostet ein Anteil an einem Haus nur etwas über 10 Gulden.

Am 26. Januar 1856 verkauft die Witwe Daniel Heckerts das Haus des Heinrich Heckert für 2.140 Gulden öffentlich auf dem Rathaus.

Am 6. Februar 1851 tauschen Michael und Konrad Fix (geboren 1810 und 1817, Hauptstraße 57) ihre Güter. Das geschieht meist, wenn einer von beiden in wirtschaftliche Not geraten ist. Bei dieser Gelegenheit kauft Heinrich Huhn von Konrad Fix 10 Ruthen auf der Kleewiese für 12 ½ Taler.


Zwangsversteigerung

„Vergantung“ heißt die Versteigerung von Gütern, meist zwangsweise. Daß am 14. Januar 1850 bei dem Juden Sisel Sichel eine Zwangsversteigerung stattfindet zeigt, daß die Juden nicht gerade zu den reichen Leuten gehören (er ist allerdings nicht aus Hochstadt, obwohl es eine Familie Sichel in der Rohrbachstraße 2 gab). Zwangsversteigerungen kommen offenbar öfters vor. Dabei wurden auch ganz gewöhnliche Gegenstände wie ein Strohsack ersteigert.


Eine Art Zwangsversteigerung war auch die Aufteilung eines Hauses: Auf Antrag des Johannes Bartholomäus (Barthlomay) wird am 4. Oktober 1851 das Haus verkauft, das ihm zusammen mit Peter Fischer gehört. Johannes Bartholomäus kauft es für 1.700 Gulden. Peter Fischer ist der Bruder seiner Frau.



Pacht

Wenn Hochstädter nach auswärts verziehen, verpachten sie zum Teil ihre Güter in Hochstadt.

Am 21. Februar 1855 verpachten Karl Puth und Ehefrau Katharina geborene Strohl aus Nieder­wöllstadt ihre Güter in Hochstadt auf drei Jahre. Im Jahre 1860 verkauft die Frau die Grundstücke.

Am 23. Februar 1855 verpachten Daniel Müller und seine Ehefrau Maria geborene Strohl aus Wiesbaden auf drei Jahre ihre Güter in Hochstadt. Der Mann ist Gastwirt in Wiesbaden, die Frau stammt aus dem Haus Hauptstraße 14. Aber 1856 verkaufen sie dann ihre Grundstücke


Am 30. November 1864 hat Heinrich Huhn eine Pacht von 10 Gulden 31 Kreuzer zu zahlen an die Kirchengemeinde („Pfarrer Emmel“), also für eine beträchtliche Fläche. Es handelt sich um Land der Kirche, dessen Ertrag dem Pfarrer als Stelleneinkommen zustand. Der Betrag bleibt immer gleich und wird auch 1870 noch gezahlt.


Grundstücksverkäufe

Am 23. September 1853 verkauft Sophie Stein ihre Güter für 1.605 Gulden (Es gibt allerdings nur eine Frau mit dem Vornamen Sophie und dem Geburtsnamen Stein. Diese ist verheiratet mit Caspar Mohr, der aber 1850 wieder heiratet, so daß sie davor gestorben sein muß. Es müß­­ten dann von ihrem Mann ihre Güter verkauft worden sein).

Am 20. Januar 1855 verkauft Johannes Burger für 6.317 Gulden Grundstücke.

Am 27. März 1856 verkauft Daniel Müllers Ehefrau aus Wiesbaden ihre Grundstücke; Heinrich Huhn kauft fünf Grundstücke für 250 Gulden

Vom 21 bis.28. März 1860 verkauft die Ehefrau Karl Puths aus Niederwöllstadt ihre Grundstücke in Hochstadt in Größe von 79 Morgen (fast 20 Hektar) für 38.100 Gulden und 3 Morgen Wiesen in Wachenbuchen. Heinrich Huhn kauft zwei Viertel „Auf dem Niederfeld“ für 276 Gulden.


Geldgeschäfte

Die Zinsen betragen an sich 5 Prozent (II 18. Februar 1859). Aber Bürgermeister Weber verlangt von Heinrich Huhn nur 4 Prozent (I 19.06.1856) und auch die Gemeinde verlangt nur 4 Prozent für die Ablösung des Zehnten.


Rechnungen

Viele Rechnungen werden erst ein halbes Jahr später oder erst im nächsten Jahr bezahlt, auch geringe Beträge von 30 Kreuzer. Es liegt also nicht an den fehlenden Mitteln, sondern das gehört offenbar zum guten Ton, das machen alle so. Denn was für einen Grund soll es haben, einen Betrag von 12 Gulden in vier Raten in einem Zeitraum von sechs Wochen zu zahlen? (II 12. April bis 27. Mai 1867). Am 7. Mai 1853 ist es aber extrem, wenn das Saatgut nicht bei der Ernte, sondern erst zwei Jahre später bezahlt wird.


Holzverlosung

Anfang des Jahres wird von der Gemeinde das Holz im Wald verlost, abwechselnd in den verschiedenen Waldstücken, zum Beispiel im Herrenwald oder auf dem Schmalhorn. Jeder Interessent bekommt aber die gleiche Menge, verlost wird nur die Fläche, von der das Holz kommt. Offenbar ist dafür nur der Macherlohn zu zahlen, also der Arbeitsaufwand für das Fällen und Spalten.

Meist gibt es ein Viertel Scheitholz, wobei ein Viertel ein Kubikmaß ist (Es kann sich hier nicht um das Hohlmaß von 14 Litern handeln, das wäre ja viel zu wenig. Selbst ein Viertel Festmeter wäre zu wenig). Dazu gibt es mindestens 13 Wellen (Reisigbündel), oft aber auch 18 oder sogar einmal 30.


Handwerker

Der Schneider ist Conrad Eibelshäuser in dem Haus Hauptstraße 41 (existiert heute nicht mehr, in der Nazizeit zusammen mit der Synagoge abgerissen, jedenfalls ein sehr kleines und ärmliches Haus) (II 01.01.1852).

Ein Sattler ist in Dörnigheim (II 05.01.1853).



Tischler ist Georg Daubert, Hauptstraße 57, bei dem Heinrich Huhn einen neuen Tisch bestellt (II 18.03.1854). Daubert macht auch Särge: Ein Kindersarg kostet 1 Gulden 12 Kreuzer (II 18.05.1850) bis 3 Gulden (I Oktober 1858), ein Sarg für Erwachsene 7 Gulden (I Februar 1859).

Es gibt zwar schon einen privaten Bäcker, aber der Gemeinde-Backofen ist noch in Betrieb. Er steht außerhalb der Ringmauer, wo heute das Haus Hauptstraße 38 ist (das Backhaus aber ist innerhalb der Ringmauer). Wenn Heinrich Huhn am 24. Februar das „Backofenstück“ auf sechs Jahre für 8 Gulden pachtet für15 Kreuzer jährlich, dann muß es sich um ein Stück beim Backofen handeln.


Kleidungsstücke

Größere Mengen an Stoff werden oft beim Leineweber Gruner in Oberdorfelden eingekauft.

Aber Stoff oder Gegenstände aus Stoff werden auch oft „von dem Gütge“ gekauft. Der Name ist jüdisch, es handelt sich um den Vornamen „Getge“ oder „Gitel“. Wahrscheinlich wohnt die Frau in Hanau. Stoffe: werden auch sonst in Hanau gekauft, zum Beispiel 7 ½ Ellen Stoff für Handtücher (II 12.11.1864).

Einen Rock für sich selber kauft Heinrich Huhn am 21.11. 1864 für 5 Gulden 20 Kreuzer in Bürgel:

An Kappen hat Heinrich Huhn plötzlich einen hohen Verbrauch: Sie sind relativ teuer im Vergleich zu anderen Kleidungsstücken. Waren die Kappen erst Mode geworden? Am 13. Dezember 1862 kauft er eine Kappe für 54 Kreuzer, am 5. Mai 1866 in Hanau eine neue Kappe für 1 Gulden, am 19. Oktober 1867 in Hanau eine neue Kappe für 54 Kreuzer.

Geschlafen wird auf einem Unterbett und Strohsack (II 10.07.1850). Die Unterwäsche ist aus Wolle (!): Am 12. November 1870 wird Wollezeug zum Unterhemd in Hanau gekauft für 1 Gulden 24 Kreuzer. Am 14. November 1867 kauft er in Hanau eine wollene Unterhose für sich.

Schuhe kauft man beim örtlichen Schuhmacher Koch (Lutherstraße 5), auf dem Berger Markt ((II 03.06.1851 und II 01.09.1868 und öfter), bei Grimm in Bischofsheim (II 05.09.1868) oder Bauscher in Bischofsheim (II 20. 08.1865) oder in Hanau (II 18.12.1852) oder auf dem Mühlheimer Markt (II 11.11.1853) oder auch in Frankfurt (II 15.098.1862).

Schuhe repariert Peter Koch, (II 07.101849 und II 03.08.1851). Vor allem die Kinder brauchen oft neue Schuhe.


Waren des täglichen Bedarfs

Hausgeräte und andere Waren des täglichen Bedarfs kauft man vielfach von anderen Einwohnern und bei Haushaltsauflösungen. Dazu kommen Käufe in auswärtigen Geschäften:


Frankfurt: Hanf (II 16.01. 1850 und (II 14.09.1865 und öfter)(natürlich kein Hanf für Rauschgift, sondern für Kleidung), Oberrock (II 13.09.1952) (Überrock im Gegensatz zum Wams, der dann mehr eine Weste ist).


Hanau: Ferkel (auf dem Markt), Eimer (II 07.09.1850), Eisentiegel (II 12.10.1850),

Überrock zur Konfirmation ( 02.04.1854), gestrickter Wams (II 16.01.1855), Mehl (II 22.01.1853 und öfter), Schaufel (II 14.021851), Säge (Eisenhändler Koch) (II 28.03.1854),

„Gebrau Treber“ (also Rückstand vom Brauen, wohl als Viehfutter ) (II 22.01.1855), Jochriemen (II 21.04. 1855), Blecheimer (II 20. 09. 1862), Lampe (II 11 01. 1868), Kaffeemühle (!) (II 04.05.1861), Gießkanne (22.04.1865), steinerner Schweinetrog 90 Zentimeter lang (II 08.11.1864), neuer Zuber (hölzerne Wanne) (II 11.12. 1849 und II 03.11.1866 und öfter),

Schaufel (II 17.11.1866).


Daß Heinrich Huhn selber aber mit Eisen oder Eisenwaren gehandelt habe (Ankauf und Verkauf), ist doch wohl übertrieben. Am 12. März 1860 kauft er von Johannes Krieg für 40 Kreuzer ein Waage, die er dem Kaspar Weifenbach für 44 Kreuzer weiter verkauft. Die weiteste Geschäftsbeziehung geht 1870 nach Friedrichsdorf im Taunus, wo von einer Frau Fessel mehrfach Kleidung und Stoff bezogen wird (II 21.01. und 03.03.1870).


Mehl für Brot wird immer wieder in Hanau gekauft, entweder beim Bäcker oder auch direkt in der Kanalmühl (II 28.05.1855), wohl der Herrenmühle in der Nordstraße. Interessanterweise ist es beim Bäcker etwas billiger als in der Mühle (der Bäcker erhielt wohl Rabatt von der Mühle).

Öl kauft der Sohn Peter Huhn am 14. November 1856 in der Ölmühle in Hanau (6 Maß Öl), aus Frankfurt bringt Heinrich Huhn ein Maß Öl mit (II 07.11.1864) und am 20. November 1865 ist er in Niederdorfelden in der Ölmühle.


Baumaterial

Backsteine kauft man in Ostheim (II 20.05.18685 und 11.06.1869), Kalk in Bischofsheim (II 31.05.1869), Dielen und Latten in Hanau ((II 03.11.1866 und II 18.05 1869), Holz in Hanau (28.08.1869). Bevorzugter Holzhändler ist Müller in Hanau: Am 10. Juni 1856 kauft Heinrich Huhn sechs Tannen-Stämme für 19 Gulden und. 26 Latten für 1 Gulden 26 Kreuzer. Noch gegen Ende seines Lebens hat Heinrich Huhn offenbar ein größeres Bauvorhaben vor, denn er kauft 1869 tausend Ziegel von Johann Wenzel aus Hainstadt und bezahlt sie am 7. Februar 1870 mit 11 Gulden.



Verschiedene Ereignisse nach dem Datum geordnet


1850


24.02.

Der Ausschuß ist auf dem Rathaus gewählt worden

13.03.

Die preußische Landwehr ist nach Wetzlar abgezogen

20.03.

Die Stücke im Kleewiesenwald sind verpachtet worden

05.04.

Eine Kompanie des 3. Regiments aus Hanau wurde einquartiert und zog am 10.05. wieder ab

22.05.

Philipp Stein zum Bürgermeister gewählt, am 04.06. verpflichtet, Vergütung jährlich 100 Gulden und Freiheit von der Fron

13.06.

Johannes Strohl auf dem Rathaus zum Ortsrat gewählt

06.

Pfarrer Faber nach Marköbel verzogen

21.07.

Badische Truppen nach Preußen abgezogen, jeweils etwa 95 - 100 Mann am 21.22.23. 25.7. mit jeweils 40-49 Pferden

28.07.

Pfarrer Pauli hat die erste Predigt gehalten, am 6.8. ist er von Nauheim kommend in Hochstadt eingezogen

19.08

386 Backsteine vom Main geholt, über die Fähre in (Groß-) Steinheim [also wahrscheinlich aus Dietesheim]

06.09.

7. Kompanie des 3.Regiments für 7 Tage einquartiert

30.09

5. Kompanie des Garderegiments einquartiert

30.10.

1.und 2. Kompanie der Garde mit 12 Offizieren und 70 Soldaten einquartiert, am 20.12. wieder abgezogen

10.10.

Weinlese, die Trauben waren schlecht

24.12.

Fruchtbares Jahr, alles gut geraten, nur der Wein nicht


1851


05.02.

Wie jedes Jahr 5 Feldschützen gewählt

20.02.

Erstes Regiment wieder nach Kassel abgezogen, Verpflegungsgeld erst im Mai 1852 ausgezahlt.

30.04

6. Kompanie des 3. Regiments einquartiert bis 7.6.

19.05.

Schweine zum ersten Mal ausgetrieben

07.06.

2. Kompanie einquartiert (bis 10.7.)

10.07.

5. Kompanie einquartiert

01.08.

Schulleiter Henning pensioniert, behält aber Wohnung im Pfarrhaus und Gartenstück im Bückling für 192 Gulden. Der Lehrer Zinkhan wird eingeführt

10.08

4. Kompanie einquartiert, am 13.8. sind sie mit 112 Mann und 6 Offizieren wieder in Hanau eingerückt

12.12.

Holz im Herrenwäldchen verlost, pro Interessent gibt es 18 Wellen Eiche und ½ Viertel Dickes und 8 Weiden an der Kuhbrücke

16.12.

Jakob Bauer hat für 1 Gulden 30 Kreuzer die Brücke am Untertor ausgeputzt (wohl den Graben unter der Brücke)

20.12.

Frucht einigermaßen geraten, allerdings viele Gebunde Korn und wenig Körner, die Sommerfrucht ziemlich gut geraten, der Wein aber ganz schlecht


Schulhausneubau 1852:

Die Gemeinde hat mit dem Heinrich Heckert dessen Haus mit dem ehemals lutherischen Schulhaus getauscht. Heckert bekommt 200 Gulden heraus. Das alte Schulhaus wird an Philipp Bechert auf Abbruch verkauft für 200 Gulden (ohne Ziegel, Latten, Fundament und Ofen), das andere Haus wird an Wilhelm Schales und Johannes Strohl für 90 Gulden verkauft (ohne Ziegel Latten und Einrichtung). Am 28. Mai wird die Einrichtung verkauft. Maurer decken Ziegel und Latten ab. Heinrich Huhn kauft sich ein Fenster für 10 Kreuzer. Am 28. Mai werden die ersten Mauersteine von Dietesheim angefahren. Am 14. Juni werden die Verträge geschlossen:

Maurerarbeiten Jacob Bauer 1.600 Gulden

Zimmerarbeit Johannes Hensel 1.645 Gulden

Schreinerarbeit Philipp Stein 794 Gulden

Steinhauer Adelmann (?) 649 Gulden

Glaser Gerhard aus Hanau 226 Gulden

Schlosser Busch von Hanau 272 Gulden

Weißbinder 429 Gulden

Dachdecker 270 Gulden

Spengler 57 Gulden

Am 17. Juli ist die Grundsteinlegung. Eingemauert wird eine Flasche 1846er Wein, zwei Silbergroschen Hessischer Prägung und eine Liste aller Oberbehörden und des Ortsvorstandes.


1852


10.05.

In der Gemeinde ist das erste Mal ausgeschellt worden

15.08

Schreiner Philipp Stein als Gemeinderat im Landratsamt verpflichtet.

26.10

Weinlese. Heinrich Huhn gibt 9 Viertel Trauben an Michael Weber

13.11.

Bürgermeister Stein hat 1.136 Reichsthaler 22 Silbergroschen vom Landratsamt erhalten [zur Verteilung an die Einwohner] für die Einquartierung des Garderegiments vom 1.10. - 19. Dezember 1850. Am 20. Mai desgleichen für das 1 .Regiment vom 20. Dezember 1850 bis 19. Febraur.1951.

03.12

862 Einwohner in Hochstadt


Frucht und Futter sind gut gewesen, aber nicht viel Obst, der Wein mittelmäßig geraten


1853


01.01

Johannes Eibelshäuser hat den Kuhhirtendienst für 28 Malter Mehl angenommen

13.01.

Die Jagd ist für 6 Jahre an einen Frankfurter verpachtet worden, die 911 Gulden hat er sofort bezahlt. Der Vertrag wurde aber 1854 wieder aufgehoben, und am 31.3. wurden 800 Gulden wieder zurückgezahlt

01.05.

Adam Seitz (?) von Dörnigheim ist als 1. Schullehrer in der Kirche vorgestellt worden

12.07.

Einweihung des neuen Schulhauses. Der Landrat und der Sekretär waren zugegen. Die Schulkinder haben Weck und jeder Ortsbürger einen Schoppen Wein bekommen

16.08

Die Unterdörfer Weth bis an das Haus von Jacob Strahl und die Oberweth werden ausgeputzt

08.11

Weinlese, die Trauben waren schlecht

25.11.

Huhn erscheint als Zeuge vor dem Kriminalgericht in Hanau wegen des Steuererhebers Fritz aus Dörnigheim

Dezember

: Frucht, Futter und Obst gut geraten, Wein und Kartoffeln nicht gut


1854


30.01.

Für den Ausschuß sind 8 Mann gewählt worden: Bürgermeister Stein, Johannes Weber, Johannes Strohl, Wilhelm Schales, Philipp Stein, Michael Weber, Georg Mankel, Karl Schmidt

04.02.

Flurbezeichnung „An der Fahrgaß“

08.02.

Der Gemeindediener wird am Landgericht verpflichtet

03.03

Ein Mann aus Züntersbach, der einen Juden umgebracht hat, wird in Hanau hingerichtet

09.03.

In Bruchköbel ist eine Scheune abgebrannt; die Spritze und die

erste Ratte der Feuerwehr haben geholfen beim Löschen

15.03.

Die 6 Ortsräte sind gewählt worden: Johannes Weber, Georg Mankel, Johannes Strohl, Karl Schmidt, Wilhelm Schales, Philipp Stein; am 28. März werden sie verpflichtet

20.03.

Bäume am Kalkhaus gesetzt

05.04.

Schullehrer Müller im Landratsamt pensioniert. Schulkandidat Claus von Windecken hat den Dienst angetreten

10.04.

Der Ausschuß wurde ergänzt: drei Mann kommen zum ständigen Ausschuß, drei zum zweiten Ausschuß dazu

18.05.

Ein Zimmererlehrling bekommt am Tag 15 Kreuzer und das Mittagessen, der Lohn steigert sich im Laufe der drei Jahre etwas

08.06.

Anstelle von Bürgermeister Stein wird Philipp Rödiger in den ständigen Ausschuß gewählt; Peter Wagner ist Vorsteher und Peter Brosch Stellvertreter

Juni

Ein Stück der Weid ist von 70 Leuten „chaussiert“ worden, jeder mußte 6 Fuß machen

19.07.

Zwei Landmesser haben das Land aufgenommen und haben im Hartigfeld und im Dorfelderfeld angefangen und bis 11. April 1856 gearbeitet

30.10.

Johannes Hensel hat seine Güter und das Haus verkauft.

20.11.

Die zwei Landmesser sind wieder nach Hanau gezogen, ein dritter hat in Wachenbuchen gewohnt, weil er das Kalkhausfeld zu vermessen hatte

06.12.

Johannes Hensel hat alles verkauft und ist mit Familie nach Sotzbach ins Oberland gezogen

09.12

Michael Weber wurde als Bürgermeister verpflichtet, der frühere Bürgermeister Stein kam zum zweiten Ausschuß


Die Frucht war so ziemlich geraten, das Obst und der Wein aber ganz schlecht, die Kartoffel ganz schlecht


1855


08.01.

Holz im Schmalhorn verlost: 1 ½ Viertel Scheitholz und 18 Wellen

27.01.

Kaspar Kraft nach Reichenbach gezogen

14.02

Doktor Merz und Apotheker Beyer in Hanau (31.3.1855)

01.03.

Johannes Heckert nach Sotzbach gezogen

08.03.

Kaspar Koch als Ortsrat verpflichtet

23.08.

Schullehrer Zeiß erhält ein Gebund Gerste zum Glockensichling

10.11.

Stück am Niederfeld im Kleewiesenwald ist mit Eichel und Weizen eingesät

06.11

Weinlese; Trauben gut, aber wenig, das Viertel wurde für 40 Kreuzer verkauft

03.12.

1855: Hochstadt hat 836 Einwohner: 155 Ehepaare, 15 Witwer, 41 Witwen,

118 ledige Männer, 122 Jungen unter 14 Jahren, 112 ledige Frauen und

118 Mädchen unter 14 Jahren, insgesamt 836 (siehe auch 23.12.1855)


1856


18.02.

Philipp Schlägel erhält von der Gemeinde 26 Gulden fürs Maulwurfsfangen

01.05.

Die Frau des Peter Eibelshäuser, eine geborene Fix, wurde als Hebamme auf der Polizei in Hanau verpflichtet. Vorher hat sie drei Monate in Marburg gelernt. Ihr erster Kind war die Tochter Peter Rohns

16.06.

Die Vermessungskarten liegen aus bis 16.7.1856

06.11

Weinlese, Trauben schlecht und wenig

17.11.

Schuhe kann man auf dem Berger und Mühlheimer Markt kaufen

09.12

: Schulmeister Zeiß erhält zu Ostern einen Laib Brot, im August 1857 durch ein Kind überbracht


1857


26.08.

Brunnen am Haus von Daniel Burger und Andreas Sch. ausgeputzt, Peter Fischer hat dafür 4 Gulden 15 Kreuzer bekommen

21.10.

Weinlese, Trauben gut, aber sehr wenig

11.11.

Im Zusammenhang mit der Eheschließung geht man zum Amt nach Hanau um Grundstücke auf den Sohn umschreiben zu lassen. Als Brautgabe werden 4 Äcker (59 Ruthen) und ein Bettuch gegeben

31.12.

Der Schullehrer erhält auch an Weihnachten einen Laib Brot


1858


01.04.

Philipp Stohl hat sein Hausgerät verkauft

06.05.

Brand in Roßdorf, die Spritze und die 1.und 2. Rotte sind ausgerückt

13.07.

Doktor Merz in Hanau, nimmt Ratenzahlung bis 1859 an

29.07.

Doktor Saksatski (?) und zwei Apotheker in Hanau

28.08.

Schließung der Weinberge

05.09.

Die Orgel war unter Pfarrer Pauli von dem Orgelbauer Helwig in Hanau auf die Chorbühne versetzt worden (Empore). Nun wurde sie durch den Orgelbauer Degenhart in Hanau an ihre alte Stelle gesetzt. Die Einwohner haben dafür gesammelt.


Pfarrer Pauli wurde, als er an Michaelis das Abendmahl halten sollte, so krank im Kopf, daß er keine Kirche mehr halten konnte und ihm aus Hanau ein Gehilfe namens Stark (?) gegeben wurde

19.10.

Weinlese, Trauben gut

03.12

Volkszählung: 798 Einwohner


1859


05.06.

Im Schindkautenwald hat sich ein Mann aus Hättenhausen in Bayern erschossen, Vertreter des Amtes und der Doktor Gies waren zur Untersuchung da

14.08.

Brand in Rumpenheim, die Spritze und die 2. Rotte waren von nachmittags

bis zum anderen Mittags dort

25.08.

Für eine verstorbene Kuh zahlt die Versicherung 35 Gulden und (vom Händler) 8 Gulden für die Haut

01.09.

Weinberge geschlossen

08.09.

Brand in Roßdorf, die 3. Rotte bis Mittelbuchen ausgerückt

19.10.

Weinlese, Trauben gut und genug


1860

Für die Viehkasse werden 35 Gulden 37 Kreuzer erhoben


1861


01.01.

Gemeindediener und Tagwächter wird Kaspar Eibelshäuser

11.01.

Ein Heinrich Nolde wird auf dem Richtplatz bei Hanau hingerichtet


Der Sandhof in Hanau liefert, Kalk, Backsteine, Sandplatten

24.03

Johannes Weber in den Ortsrat gewählt anstelle von Wilhelm Schales

01.05.

Schullehrer Johannes Müller ist aus Hailer nach Hochstadt gekommen und am 5. Mai in der Kirche vorgestellt worden

04.05.

Schmalhorn das zweite Mal mit Tannensamen eingesät

Frühjahr

Johannes Weber kommt in den Gemeinderat und Peter Weber in den Ausschuß

30.08.

Weinberge geschlossen

23.09.

Pfarrer Emmel von Seckbach zugezogen und am 29. September vorgestellt

24.09.

abends in Bergen 2 Scheunen abgebrannt, die 1. Rotte und die Spritze dort

15.10.

Weinlese, sehr wenig Trauben

03.12.

797 Einwohner


Im Jahr 1861 hat Heinrich Huhn 7 mal mit der Hand gefront und ist zweimal gefahren.


Im Nachsommer ist das Pfarrhaus neu gebaut worden


Es hat gar kein Obst gegeben, die Winterfrucht ist gut geraten, das Kurzfutter haben die Mäuse sehr gefressen


1862


22.08.

Brand in Oberissigheim, die 2. Rotte war dort.

30.08.

Weinberge geschlossen, am 9. Oktober Weinlese

20.11.

Fahrt zur Ölmühle (in Niederdorfelden?).(vgl. 20.11.1865)


1863


19.05.

Der Geometer Pabst hat die Messung abgeschlossen. Heinrich Huhn hat vom Jahre 1859 bis 1863 geholfen und 10.978 Steine gesetzt und pro Stück zwei Kreuzer erhalten, insgesamt 400 Gulden

22.09.

Besuch beim Arzt Gies in Hanau

28.09.

Brand in Oberdorfelden, die 3.Rotte war dort.

17.09.

Schullehrer Orth von Gronau nach Hochstadt gezogen

28.10.

Weinlese.



1864


15.03

Die Schweine zum ersten Mal im Jahr mit der Herde ausgetrieben

03.11

Weinlese, Trauben sehr schlecht



1865


09.06.

Missionsfest mit 159 Gulden Kollekte

04.10.

Weinlese, Trauben gut, die Ohm wurde zu 48 Gulden verkauft

23.11.

: Jagd verpachtet


1866


24.06.

Für die Einquartierung von zwei Mann vom Jägerbataillon werden 2 Gulden und 36 Kreuzer vergütet (bis 30.6.1866)

07.07.

Einquartierung durch Großherzogtum Hessen bis 19.7.1866

16.07.

Einrücken der Preußen in Frankfurt

17.07.

Einquartierung von Preußen bis 21.7.1866., auch 24.8.-29.8. und 13.9 .- 15.9.

27.10.

Weinlese, Huhns Ernte betrug 7 ½ Viertel.


1867


04.01.

Festlaibbrot von Christtag 1866 geliefert

23.01

Brand in Wachenbuchen beim Bäcker Lottig, eine Scheune abgebrannt, die 1. Rotte war dort

28.01.

Besuch beim Arzt Gies in Hanau

14.05.

Brand in Dörnigheim, 2. und 3. Rotte war dort

12.07.

Vier Haufen Steine von Wilhelmsbad in den Kalkhausweg gefahren

06.11.

Weinlese, 4 Viertel geerntet


1868

 


14.01.

Dem Bäcker Philipp Koch ein Viertel Tannenholz für 3 Gulden verkauft

20.01

Durch den Ortsvorstand wurde eine Kollekte für die Hungersnot in Ostpreußen erhoben

29.04.

Vom Leineweber in Oberdorfelden für 13 Pfund Leinen und 3 3/4 Pfund Baumwolle etwas über 55 Ellen Tuch erhalten

02.10.

Weinlese, Trauben gut und viel, 30 Viertel geerntet

18.10.

In Bischofsheim Scheune abgebrannt, am gleichen Abend in Bruchköbel eine Scheune abgebrannt, kurz darauf in Bergen zwei Scheunen abgebrannt, am 18.11. ein Brand in Bischofsheim


1869


11.09.

Weinberge geschlossen, 26. Oktober Weinlese, 23 ½ m Viertel geerntet

. 11.11

Der Tag ist dieses Jahr das erste Mal gefeiert worden (Anlaß?)


Heinrich Huhn hat eine gelbe Kuh und eine „Bleß“ (rot-braune Kuh)

09.07.

Es werden 5 Morgen 13 Ruthen Staatsweinberg und Baumstücke für 1.659 Thaler verkauft (Der Verkauf von Staatsweinberg und Baumstücken wird nebeneinander erwähnt, weil hier ein Hinweis vorliegt auf den Übergang vom Weinbau zum Obstbau).


1870


28.09.

Weinberge geschlossen, 26. Oktober Weinlese, 11 Viertel geerntet


1871


18.02.

Bruchbinde von Neubert in Hanau bezogen für 2 Gulden 2 Kreuzer


Steine wurden aufgesetzt in der Straße und am Jägerschlag (Richtung Hanau?)


Die Einträge gehen bis Ende August 1871. Nicht erwähnt werden der „Sturm auf Hochstadt“ durch die Turner (schon 1848), die Besetzung durch die Preußen wird nur indirekt erwähnt, der Krieg 1870 - 1871 überhaupt nicht.



Preise


Immobilien

5 Morgen 13 Ruthen Weinberg

1.653 Gulden

10 Ruthen auf der Kleewiese

12,5 Taler

11 Ruthen am Untertor

33,5 Gulden

Pacht für 6 Jahre (Backofenstück)

8 Gulden 50 Kreuzer

Pacht für 3 Jahre (Kleewiese)

5 Gulden

Haus

2.480 Thaler

Haus

4.015 Thaler

Haus

1.700 Gulden

Haus

2.140 Gulden


Baumaterial

Eichenstamm

6 Gulden 35 Kreuzer

50 Russensteine (Backsteine)

39 Kreuzer

400 Ziegel

3 Gulden 12 Kreuzer

276 Pfund Eisen pro Pfund

5 Kreuzer

Fenster von Glaser Fix

2 Gulden

Stube weißen

1 Gulden 30 Kreuzer

Brandkasse

4 bis 58 Kreuzer

¼ Tannenholz

3 Gulden


Vieh

Kuh

40 - 60 Gulden

Kalb (14 Tage alt)


8 -12 Gulden, Durchschnitt 12- 13 Gulden, bis zu 17 Gulden je nach Alter

Zwei Ferkel

3 Gulden 30 Kreuzer bis zu 10 Gulden 12 Kreuzer, auf dem Hanauer Markt teurer als auf den Dörfern

Schweine

20 Gulden bis 41 Gulden, Durchschnitt 30 Gulden

Ziege

5 Gulden

6 Pfund Rindfleisch

42 Kreuzer

5,5 Pfund Rindfleisch

1 Gulden 6 Kreuzer


Feldfrüchte

Malter Weizen

15 Gulden 30 Kreuzer

Malter Hafer

4 Gulden 10 Kreuzer

2 Simmer Mehl

2 Gulden

8 Gescheid Mehl für Brot

1 Gulden 15 Kreuzer

6 - Pfund - Brot

26 Kreuzer

310 Pfund Äpfel

8 Gulden 15 Kreuzer

Malter Äpfel

3 Gulden 3 Kreuzer

Zentner Birnen

1 Gulden 30 Kreuzer

Viertel Wein

36 - 40 Kreuzer


Ackergeräte

Pflug

5 Gulden

Schaufelpflug

4 Gulden 12 Kreuzer

Macherlohn für einen Pflug

5 Gulden 50 Kreuzer

Hacke

1 Gulden 4 Kreuzer

Mistgabel

12 Kreuzer

Steinerner Schweinetrog

1 Gulden 12 Kreuzer


Kleidung

1 Pfund Wolle

45 Kreuzer

1 Biberlaken

2 Gulden 30 Kreuzer

1 Überrock (in Frankfurt gekauft)

4 Gulden 30 Kreuzer

1 Kleid

11 Gulden 30 Kreuzer

1 Wollunterhose

1 Gulden 30 Kreuzer

1 Kinderwams (Blautuch)

1 Gulden 20 Kreuzer

1 Paar Männerschuhe

4 Gulden 30 Kreuzer

1 Paar Frauenschuhe

2 Gulden

1 Paar Kinderschuhe

40 Kreuzer

Schuhe vom Berger Markt

1 Gulden 40 Kreuzer

Stiefel besohlen

44 Kreuzer

Tausch mit dem Leineweber in Oberdorfeiden: 18 Pfund Leinen und 4 Pfund Baumwolle getauscht für 65 Ellen Stoff


Einrichtungsgegenstände

Küchenschrank

3 Gulden 20 Kreuzer

Tisch

4 Gulden 30 Kreuzer

Macherlohn für ein Ehebett

1 Gulden 18 Kreuzer

Backwanne

1 Gulden 8 Kreuzer

Kuchenblech

20 Kreuzer

Kaffeemühle

34 Kreuzer

Faß

3 Gulden 36 Kreuzer

Zuber (hölzerne Wanne)

28 Kreuzer

Blecheimer

42 Kreuzer

Eimer

10 Kreuzer

Gießkanne

46 Kreuzer


Medizin

Arzthonorar

3 Gulden 34 Kreuzer

Bruchbinde von Neubert in Hanau

2 Gulden 2 Kreuzer

Sarg

3 Gulden



Sonstiges


Gebühr für ein Eheverlöbnis

24 Kreuzer

Vergütung für einen Lehrling

15 Kreuzer am Tag und das Mittagessen frei


Aus diesen Angaben kann man einiges über die Bezugsquellen ersehen: Am Ort gab es den Bäcker Philipp Koch, den Schreiner Daubert (Sargtischler) und den Wagner Philipp Lind. In Wachenbuchen gab es den Glaser Fix, in Oberdorfelden einen Leineweber und in Niederdorfelden die Ölmühle. Auf dem Berger Markt kauft man in der Regel die Schuhe (einmal auch in Mühlheim), einen Überrock dagegen besorgt man sich in Frankfurt. Arzt und Apotheker gibt es in Hanau, auch eine Art Sanitätshaus (wo man eine Bruchbinde bekommen kann). Außerdem gibt es in Hanau einen Eisenhändler.

Bei Holzarbeiten stellt man oft das Material selber, zum Beispiel für ein Ehebett oder für einen Ackerwagen (z.B. Speichen, Rungen, Sprossen, Spangen, Leitern).