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Beerdigung AT

 

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Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Laßt mich, daß ich zu meinem Herrn ziehe! (1. Mose 24,56)

Wohl jeder von uns hat schon einmal eine Reise unternommen. Manche haben dann Reisefieber. Sie können es gar nicht erwarten, bis es endlich losgeht. Sie rennen aufgeregt hin und her und sind zu nichts Rechtem zu gebrauchen.

Eine Reise bringt ja schließlich auch allerhand Unwägbarkeiten mit sich. Man weiß ja nie, ob alles gut gehen wird. Sehr schnell kann etwas in die Quere kommen, und es kommt dann alles anders als man denkt.

Aber gerade das macht eine Reise auch so reizvoll. Meist bringt sie ja etwas Gutes und Schönes mit sich. Deshalb freut man sich und möchte, daß es bald losgeht. So ist auch alle Unruheverständlich.

Die letzte Reise unsres Lebens ist der Gang in den Tod. Darauf freuen wir uns meist nicht. Er bringt uns in Unruhe und Sorge, und die Angst steht im Vordergrund. Wir spüren nämlich, daß wir irgendwie für unser Leben zur Verantwortung gezogen werden könnten. Es könnte uns ja vielleicht doch schlecht ergehen nach unserem Tode, fürchten wir. Deshalb sind wir so aufgeregt.

So kann uns das alltägliche Ereignis einer Reise zum Gleichnis werden für das, was nach unserem Leben sein wird. In diesem Vers aus dem 1. Mosebuch will einer die Braut eines anderen zur Hochzeit abholen. Aber ihre Verwandten wollen sie noch einige Tage zurückhalten. Er aber sagt: „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben!“ Er hat wirklich Grund zur Freude und will die gute Nachricht nun möglichst bald nach Hause bringen.

Wenn wir nun diesen Ausspruch übertragen auf die Situation des Todes, dann steht nicht die Freude, sondern die Angst im Vordergrund. Ist das aber richtig? Sollten wir uns nicht auch freuen können, so wie man sich auf eine schöne Reise freut?

Das ist leicht gesagt, wenn man nicht selber davor steht. Im Angesicht des Todes fällt es uns schwer, auch an die Freude zu denken, die Gott uns nach diesem Leben schenken will. Aber als Christen sollten wir gerade im Falle des Todes auch von der Freude wissen.

Wir wissen ja doch wenigstens etwas über unseren Weg. Wir wissen, daß es mit dem Tode nicht einfach aus ist. Gott hat noch mehr mit uns vor. Unser Weg wird sich nicht im Ungewissen verlieren, sondern neu und zukunftssicher weitergehen.

Vor allen Dingen wissen wir, wer uns am Ende des Weges erwartet. „Laßt mich, daß ich zu meinem Herrn gehe!“1 So hieß es bei der Brautwerbung im 1.Mosebuch. So könnte es aber auch heißen, wenn ein Mensch diese Welt verlassen muß. Wir werden es bei dem Herrn besser haben. Deshalb sollten wir uns auch aus dieser Welt lösen können.

Das muß man auch den Angehörigen eines Sterbenden sagen. Wenn die Zeit gekommen ist, können wir keinen mehr zurückhalten. Gott hat es beschlossen; da können wir nicht klüger sein wollen und haben uns dem zu fügen.

Das darf aber auch jeder wissen, dem es vielleicht schwerfällt, diese Welt zu verlassen. Wir gehen zum Herrn, zu dem, der uns kennt und den wir kennen. Er erwartet uns schon, und es sollte uns eine Freude sein, zu ihm kommen zu dürfen.

Deshalb hat es auch keinen Sinn, sich an das Irdische zu klammern. Was könnten wir denn dort noch haben? Etwa Krankheit, Sorgen, Leid? Ist das wirklich so ein erstrebenswertes Ziel? Ist es da nicht besser, doch lieber bei dem Herrn zu sein?

Wenn Zeit und Stunde gekommen sind, dann sollten wir uns schon auf die Reise machen. Sicherlich gehören etwas Aufregung und Unsicherheit dazu. Aber wenn die Reise erst einmal begonnen hat, wird sie auch schön sein.

Der Herr gibt Gnade zu dieser Reise in die Ewigkeit, Er meint es gut mit uns, wenn er uns endlich heimholt. Erst im Tod kommen wir ganz an das Ziel unsres Lebens. Dann erst zeigt sich ganz, daß unser Weg zu Gott hin führt.

Wenn wir diese Welt verlassen, gehen wir nicht in die Fremde, sondern umgekehrt: Wir kommen nach Hause. Wir müssen zwar etwas Schönes verlassen, aber wir kommen zu etwas noch Schönerem. Gott helfe uns dazu, daß wir das einsehen können, daß wir dann eben auch sagen können: „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Laßt mich, daß ich zu meinem Herrn ziehe!“

 

Hier ist die Pforte des Himmels! (1. Mose 28,17)

Am Tempel in Jerusalem gab es eine Tür, die hieß die ,,schöne Pforte“, weil sie besonders prachtvoll ausgestattet war. Wenn die armen Leute in die Hauptstadt kamen, dann waren sie überwältigt von ihrer Schönheit. Für unsre Begriffe wäre es sicher eine ärmliche Kleinstadt gewesen. Aber für die Menschen damals war es so etwas wie die Pforte des Himmels.

Da ist sicher auch etwas Wahres dran: Die Gotteshäuser sind so etwas wie die Kontaktstellen zwischen der Welt Gottes und unserer Welt. Hier will sich Gott in besonderer Weise finden lasse und besonders nahe sein. Das Gotteshaus ist das Symbol für die Gegenwart Gottes in dieser Welt.

Gott ist immer da, ob wir das bemerken oder nicht. Er ist da, wenn es uns gut geht .Er ist aber auch da, wenn wir in Not sind. Als Jakob sich auf der Flucht abends zur Ruhe legte, da wußte er nicht, daß dort ein heiliger Ort ist. Aber als er im Traum die Himmelsleiter sieht, da errichtet er dort einen Stein, der der Grundstein für ein späteres Gotteshaus wird.

Wenn unser Leben zu Ende geht, dann ist es gut, wenn wir den Weg nu Gott wissen, wenn wir sozusagen die Treppe zu Gott finden. Das wird leichter sein, wenn man das Gotteshaus kennt, wenn man mit dem Gottesdienst und der Gemeinde vertraut ist. Die beste Vorbereitung auf die Welt Gottes ist es, wenn man sein Leben in der Verbindung mit Gott führt. Dann kennt er uns gut und wir kennen ihn gut und dann ist der Übergang aus unsrer Welt in seine nicht so schwer.

Mancher wird sich ja gar nicht so gern auf den Weg zu Gott machen wollen. Zu sehr hängen wir doch an dieser Welt, an ihren Menschen und an ihren Schönheiten. Auch wenn man sehr alt hat werden dürfen, dann fällt einem manchmal der Abschied doch schwer. Dann ist es hart, wenn man unweigerlich doch abberufen wird.

Aber bedenken wir auch, daß dieses Leben nicht nur Freuden bereit hält. Oftmals ist es auch geprägt von Schmerzen und Leiden, von Versagen und Verzweiflung. Da ist es gut, wenn man davon auch einmal erlöst wird, wenn man einmal Ruhe und Frieden finden kann. Aber der Preis dafür ist das Ende des irdischen Lebens: Wir können nur das eine oder das andere haben. Und weil das so ist, sind wir von Trauer erfüllt.

Aber leichter wird es uns sein, wenn wir das Leben bei Gott als etwas Schönes und erstrebenswertes ansehen. Und wir müßten jederzeit wissen, wo Gott zu finden ist, wo die Pforte des Himmels ist. Aber so schwierig ist das nun auch wieder nicht.

Jeder hat Gelegenheit, mit Gott in Verbindung zu treten. Angefangen hat es meist mit der Taufe. Davon kann man immer schon ausgehen. Dann kommt der kirchliche Unterricht und die vielen Gottesdienste, in denen man Gottes Wort hören kann. Bei besonderen Anlässen wie Konfirmation, Trauung und Jubiläum wird einem sogar ein bestimmtes Gotteswort ganz persönlich zugesagt. Das Abendmahl wird angeboten, Schrifttum und Rundfunk.

Das alles ist die nötige Verpflegung, wenn es einmal auf die letzte Reise geht. Wenn man das hat, dann wird es nicht so schwer. Dann weiß man, wo das richtige Tor zum Himmel ist und findet es leicht. Dann kann man schon sein ganzes Leben anders führen, weil man ja das Ziel kennt und es mit Sicherheit erreichen wird.

Das verheißt uns Jesus Christus, der uns den Weg schon vorangegangen ist. Gott hat ihn auferweckt von den Toten und hat ihn sozusagen zur Pforte des Himmels gemacht. An Jesus kommt keiner vorbei, der zu Gott will. Aber Jesus steht gewissermaßen an der Pforte und ruft uns herbei. Er lädt uns ein, mit ihm und mit Gott vereint zu sein und noch einmal ein neues Leben zu beginnen, ein Leben, das aber nicht begrenzt ist durch Krankheit und Tod.

Wenn man im Naumburger Dom in den Chorraum will, wo nie berühmten Stifterfiguren stehen, dann muß man erst unter den ausgebreiteten Armen des gekreuzigten Christus hindurchgehen. Er muß sich beugen unter den, der sein Leben für ihn gelassen hat, damit er durch eine solche Tür hindurchgehen kann. Aber er darf sich auch einladen lassen durch den Christus, der die Arme ausbreitet und sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“

Wer im Glauben gestorben ist, der darf hineingehen in die Wett Gottes. Er darf sich geborgen fühlen unter dem Schutz Gottes. Aber auch, wer jetzt noch weiterlebt, darf sich der lenkenden Hand Gottes anvertrauen. Sie wird ihn auf rechter Bahn führen, so daß er das Ziel nicht verfehlen kann. Ohne Quälerei und Rast und mit getroster Zuversicht wird er sein Leben führen und wissen: Am Ende wird mir die Pforte des Himmels offen stehen.

 

Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an deinem Knechte getan hast (1. Mose 32,11)

Wenn man auf das Leben eines Menschen zurückzuschauen versucht, dann wird man in der Regel viele Beispiele für die Barmherzigkeit und Treue Gottes finden. Es ist schon nicht selbstverständlich, daß wir leben dürfen, denn Gott hat uns ins Leben gerufen. In der Taufe hat er uns zu seinem Kind angenommen. Gott erhält unser Leben von Tag zu Tag. Das ist erst recht nicht selbstverständlich.

Man kann nur dankbar sein, wenn ein Mensch gesund ist und heranwachsen kann. Er muß sich eine Arbeit suchen und trägt an seinem Ort zum Gelingen des menschlichen Zusammenlebens bei. Man kann eine Familie gründen, sich gemeinsam etwas schaffen.

Gewiß ist nicht alles in unserem Leben leicht und angenehm. Wir müssen auch mit den dunklen Seiten des Lebens rechnen. Auch der (die) Verstorbene ist davon nicht verschont worden. Auch schwere Zeiten, auch Krankheit und Sterben, sollten wir aus Gottes Hand nehmen und nicht vergessen, daß seine Barmherzigkeit und Treue auch dann noch gilt.

Es ist immer wichtig, auch an das zu denken, was einen nur mit Dankbarkeit gegenüber Gott erfüllen kann. In jedem Leben gibt es doch auch schöne Zeiten. Wir brauchen nur jeden Abend den Tag noch einmal zu überdenken, dann wird uns vieles einfallen, was Grund zum Dank gibt.

Über …...Jahre hat der (die) Verstorbene ein Leben mit Gott geführt. Der Glaube war nicht nur eine Äußerlichkeit oder Gewohnheit, sondern er war fest in seinem (ihrem) Leben verwurzelt. Im Gottesdienst hat er (sie) immer wieder von Gottes Treue und Barmherzigkeit gehört. So etwas gibt Kraft auch für schwere Zeiten.

Für alles‚ was man im Leben leisten kann, muß man sich die Kraft bei Gott holen. Und was man hat tun können, dient nicht dem eigenen Ruhm, sondern dem Lob Gottes. Er will, daß wir seine Gaben in seinem Dienst einsetzen. Dazu hat er sie uns gegeben und darüber wird er

Rechenschaft von uns fordern.

Aber wir können auch immer wieder nur sagen: Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit!“ Alles‚ was wir tun konnten, kann uns nur mit Dankbarkeit erfüllen. Aus Eigenem hätten wir es ja nicht tun können. Das gilt für unseren Beruf‚ für unsere Familie, für das Leben in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, auch für den Dienst in der Kirche.

Letztlich sind wir doch schwache und fehlerhafte Menschen. Wir sind nicht so, wie Gott uns an sich haben möchte.

Auch in dem besten Leben gibt es Versagen und Schuld. Daraus kann uns nur immer wieder die Barmherzigkeit Gottes retten. Marin Luther hat nach einem erfüllten und arbeitsreichen Leben auf den Sterbebett gesagt „Wir sind Bettler, das ist wahr!“Das war die Bilanz seines Lebens. Aber Gott gegenüber kann man es nur so sagen.

Gott ist unser einziger Trost im Leben. Er ist es erst recht im Sterben. Wenn wir diese Welt verlassen müssen, dann zeigt sich Gottes Barmherzigkeit noch einmal ganz andere Weise. Er will uns nämlich nicht im Tode lassen, sondern er verspricht uns das ewige Leben, in ungetrübter Gemeinschaft mit ihm. Dann wird nichts Trennendes zwischen ihm und uns sein, keine Schuld und keine Not.

Wahrscheinlich werden wir erst dann richtig erkennen, wie armselig doch unser Leben war und wir herrlich die Welt Gottes ist. Und es könnte uns das widerfahren, was schon der Physiker Isaak Newton zum Ausdruck brachte, wenn er sagte: „Wenn wir einmal zu Gott kommen, dann werden wir uns über drei Dinge wundern: Viele Leute werden nicht da sein, die wir dort erwartet hatten; viele werden da sein, die wir nicht erwartet hätten. Und schließlich werden wir uns am meisten wundern, daß wir selber da sind!“

Gott aber hat uns verheißen daß wir bei ihm sein werden, auch wenn wir es nicht verdient haben. Sein Sohn Jesus Christus hat uns freigekauft von aller Schuld. Deswegen können wir ohne Angst dem letzten Tag unseres Lebens entgegensehen.

Aber wir sollten Verbindung mit ihm halten uns durch sein Wort stärken lassen. Uns wird dann zwar je länger je mehr deutlich werden, daß wir nur noch auf die Barmherzigkeit und Treue Gottes hoffen dürfen.

Aber wir werden auch erkennen, daß Gott nicht unseren Tod will, jedenfalls nicht den ewigen Tod. Er hält uns nicht für zu gering, sondern er kümmert sich um jeden einzelnen von uns. Keiner soll bei ihm vergessen sein Deshalb rettet er uns auch aus dem Tod zu einer neuen Art von Gemeinschaft mit ihm.

 

Gedenke an den Herrn, deinen Gott, denn er ist's, der dir Kräfte gibt! (5. Mose 8,18)

Es sind viele Dinge, die wir zum Leben brauchen. Zunächst einmal die Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung. Damit könnte man fast ja schon auskommen‚ aber das ist ja längst noch nicht alles. Wer sich ein Ziel im Leben setzt, der will mehr haben, der versucht, seinen Lebensstandard zu verbessern und auszubauen.

So sind viele Dinge, die früher als Luxus galten, jetzt schon selbstverständlich geworden. Wir können nur dankbar sein, daß es uns so gut geht und wir sogar die Möglichkeit haben, uns weiter zu verbessern. Denn anderswo müssen die Menschen auch hart arbeiten und kommen doch auf keinen grünen Zweig.

Das Streben nach Verbesserung der Lebensverhältnisse liegt wohl in den meisten Menschen drin. Gott billigt das, denn er hat gesagt: „Macht euch die Erde untertan!“ Aber Gott erwartet auch, daß wir ihm danken für alles, was wir erreicht haben. Nicht daß wir nachher denken oder sagen: „Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen!“ (wie es im vorhergehenden Vers heißt).

Viele Menschen brauchen Gott ja nur, wenn es ihnen schlecht geht oder wenn sie Angst vor einer Sache haben. Aber wenn es nachher geglückt ist, dann vergessen sie, was vorher war, vergessen auch den Dank gegenüber Gott und meinen, sie hätten alles nur ihrem Geschick oder ihrem Glück zu verdanken.

Deshalb mag es in gewisser Hinsicht auch ganz gut sein, wenn einen Menschen auch Krankheit trifft. Gewiß können wir nur beklagen, wenn ein Mensch zu leiden hat. Wem es gut geht und wer gesund ist, der kann wohl gar nicht nachempfinden, was Schmerzen und Schwäche bedeuten.

Und doch bedeutet Krankheit auch eine Chance. Wenn ein Mensch krank ist, dann wird ihm deutlich gemacht: Ich vermag nichts aus mir selbst. Jeden kleinen Schritt, den ich noch tun kann, verdanke ich Gott. Jeden Tag empfange ich neu aus der Hand Gottes. Jede Stunde ist mir ein Geschenk. Wenn einem die Kräfte nur für den nächsten kleinen Schritt zugeteilt werden, dann erkennt man, daß man doch auch Grund zur Dankbarkeit hat.

So führt einen die Krankheit zum Nachdenken über sich selbst‚ über die Mitmenschen, über die Welt und hoffentlich auch über Gott. Nicht daß man ihn wegen des schwerer Loses, das man zu tragen hat‚ nun anklagen dürfte. Er will vielmehr ja sehen, ob wir ihm dennoch vertrauen. Dieses einzusehen, wird seine Zeit erfordern; aber wenn man es einsehen kann, dann wird das auch zum Segen werden.

Solange man gesund ist, steht doch meist die Arbeit im Vordergrund. Etwas zu leisten und es zu etwas zu bringen, das ist dann das Ziel. Da kommt man dann nicht dazu, sich tiefere Gedanken über sein Leben zu machen. Aber wenn eine Krankheit dazu hilft, einmal innezuhalten und sich über alles klar zu werden, dann hat sie einen Sinn gehabt.

Eines Tages allerdings hat alles ein Ende, auch eine Krankheit. Dann braucht man nur noch Kraft, den letzten schweren Gang gehen zu körnen. Aber auch dann gilt: „Gedenke an den Herrn, deinen Gott; denn er ist's, der dir Kräfte gibt!“

Das gilt für den, der die Welt verlassen muß und einen Weg geht, bei dem nur Gott ihm helfen kann. Mar sagt, diesen letzten Weg müsse man allein gehen. Aber das stimmt nur insofern, als kein Mensch mit dabei sein kann. Gott aber begleitet uns auf dem Weg in sein Reich, er gibt Kraft und Zuversicht.

Er will aber auch die stärken, die übrigbleiben und nun traurig sind, weil ein Mensch aus ihrer Mitte fehlt. Gott will uns auch Kräfte geben, damit wir uns nicht in der Trauer verlieren, sondern uns vor ihm stärken lassen zu einem erfüllten Leben im Vertrauen auf Gott.

Der Heimgang eines lieben Menschen ist uns Verpflichtung, in seinem Sinne weiterzuleben. Die Erfahrungen, die er in seinem Leben gemacht hat, können auch für unser Leben fruchtbar gemacht werden. Wenn wir begreifen: Gott ist es, der unser Leben erhält; er setzt ihm eine Grenze, aber er überbietet es auch durch das ewige Leben. Er gibt uns Kraft, unser Leben zu bestehen und mit seiner Hilfe auch den Tod zu überwinden.

Wenn wir das begreifen, dann ist das Leiden und Sterben dieses Menschen nicht vergeblich gewesen.

 

Siehe, ich habe dir geboten, daß du getrost und freudig seist! (Jos 1,9)

Der Tod eines Menschen stellt uns vor ein neue Situation. Solange er noch da ist, kann man ihm noch Gutes tun. Aber dann ist mit einem Mal alles abgebrochen. Man muß sich in seinem ganzen Leben umstellen. Mai merkt schmerzlich die Lücke und beginnt zu begreifen, was man verloren hat.

Da sucht man noch einem Wort des Trostes, nach etwas, das hilft, die Situation zu bewältigen. Dieses Wort können uns andere Menschen sagen. Wir werden vielleicht schon getröstet, wenn wir vom Leid anderer Menschen hören. Wir sagen uns vielleicht auch selber: Du hast an den Verstorbener getan, was du konntest.

Aber wichtig ist, daß wir uns auch Gottes Wort sagen lassen. Es gibt ja Bibelworte, die einem besonders an den wichtigen Punkten des Lebens begegnen. Sie sollen uns begleiten auf unsrem Lebensweg. Sie sollen uns einfallen, wenn wir einmal nach einem Wort suchen, an das wir uns halten können.

So ging es auch dem Josia, der der Führer des Volkes Israel in das gelobte Land sein sollte. Mose war gestorben. Nun lastete die Aufgabe allein auf Josua. Sicherlich hatte er sich schon innerlich auf diese Aufgabe vorbereiten müssen. Aber jetzt, wo er davor stand, ist er doch verzagt.

Wird er es allein schaffen können? Wird er den Anforderrungen gerecht werden können, die das Volk und die auch Gott an ihn stellt? Werden seine bisherigen Erfahrungen ausreichen können? Wird er das neue bewältigen können?

Doch Gott sagt ihm: Mach dir nicht soviel Gedanken und Sorgen darum. Ich habe dich für diese Aufgabe ausgesucht. Da gebe ich dir auch die Kraft, sie zu bestehen. Pack sie nur getrost und freudig an, dann wirst du sehen, daß alles geht.

Es heißt ausdrücklich: Ich habe dir geboten! Wenn Gott etwas befiehlt, dann geschieht es auch. Da ist kein Widerspruch mehr möglich. Da gibt es keine verzagten Einwände. Er garantiert dafür, daß alles weiter geht und man die gestellten Aufgaben bewältigen kann. Die Verantwortung liegt bei ihm. Wenn er den Befehl gibt, dann weiß er, daß er richtig ist. Kein Mensch braucht sich dann mehr Sorgen zu machen

So sagt uns Gott auch heute: „Siehe, ich habe dir geboten, daß du getrost und freudig seist!“ Er sagt das auch angesichts des Todes. Er will uns dadurch helfen, mit den schweren Schicksal fertig zu werden. Er will uns sagen: Starre nicht allein auf den Tod, auf das, was du verloren hast und jetzt entbehrst.

Sieh lieber auf die Zukunft. Ein Mensch ist von seinem Leiden erlöst. Er hat es jetzt besser als du. Sein irdisches Leben hat zwar ein Ende gefunden. Aber Gott hat ihm ein neues Leben gegeben, das ewige Leben. Das ist viel mehr, als er auf der Erde gehabt hat. Deshalb darfst du nicht traurig sein, sagt Gott. Wenn du jetzt noch traurig wärst, dann würdest du die Gabe Gottes verachten, dann würdest du nicht an die Auferstehung und das ewige Leben bei Gott glauben. Das soll allerdings nicht heißen, daß wir gar nicht um einen Menschen trauern dürften. Es wäre ja schlimm, wenn wir nicht trauern könnten. Diese menschliche Trauer dürfen wir schon haben und auch zeigen. Aber es ist eine getröstete Trauer, frei von Anklagen gegenüber Gott und überboten von der Gewißheit, daß wir letztlich doch einen Grund zur Freude haben.

Der Tod macht uns traurig. Aber die Gewißheit des ewigen Lebens macht uns freudig. Der Tod eines lieben Menschen soll uns nicht umwerfen können, sondern uns erst recht zu einem starken und bewährten Glauben führen.

Bei Josua heißt es dann noch: „Laß dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst!“ Uns sollte nicht grauen vor der Zukunft und dem Alleinsein. Gott steht uns bei, er kennt unsren Weg.

Dieser läuft auf das gleiche Ziel hin, nämlich das Leben mit Gott. Dieses wird unser irdisches Leben weit überbieten. Dann wird uns auch erst richtig deutlich sein, daß wir wirklich Grund hatten, im Vertrauen auf Gott getrost und freudig zu sein. Wenn uns das heute vielleicht noch schwer fällt, so wird es doch vom Ende her gesehen ganz leicht sein.

So wollen wir diese(n) Verstorbene(n) hergeben. Wir geben nie nicht dem Tod, sondern wir geben sie Gott, dem Herrn über Leben und Tod. Das kann uns den Abschied von ihr leichter machen, uns zur Bewältigung der Trauer helfen und uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken lassen.

 

Die ihn liebhaben müssen sein wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht! (Ri 5,31)

Paßt dieser Spruch nicht gut zu einem Menschen, der sehr mit der Natur verbunden. war? Paßt er nicht gut zu einem Tag wie heute, an dem die Sonne scheint? Paßt er nicht auch gut zu dem Leben eines Christen? Wir wollen doch auch Gott unsrer Herrn liebhaben und möchten daraus Kraft für unser Leben erhalten! Nun aber ist das Leben eines Menschen abgeschlossen. Wir schauen auf das zurück, was wir mit ihm erlebt haben, auf all die schönen und auch schweren Stunden, auf Freude und Leid.

Dieses Leben ist nun abgeschlossen, der (die) Entschlafene ist nun schon bei Gott. Wir suchen aber auch Wegweisung aus Gottes Wort. Es soll uns den Sinn dieses Geschehens aufschließen und uns wieder Mut für die Zukunft geben. So gilt dieses Bibelwort uns, die wir weiterleben: „Die ihn liebhaben müssen sein wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht!“

Können wir aber Gott liebhaben, wo er uns doch der Tod schickt? Seit Anbeginn der Mensch­heit gibt es Werden und Vergehen und keiner kann sein Leben in dieser Welt sichern. Das hängt damit zusammen, daß wir eben keine vollkommenen Menschen sind und immer wieder einmal gegen die Gebote Gottes und seinen ausdrücklichen Willen verstoßen.

Manchmal wird ja von einem Menschen gesagt: „Er tat immer nur Gutes, weil er selber ein guter Mensch war“. Aber da ist sicher auch übertrieben. Was die Bibel „Sünde“ nennt steckt in jedem Menschen drin und kann ihm nur durch Gott genommen werden. Deswegen müssen wir sterben, damit unser Fehlverhalten aufhört. Gott holt uns ganz zu sich, damit wir ganz seinen Willen tun.

Wir können eben Gott nicht von ganzem Herzen liebhaben. Wir sind nur Menschen und nicht selber Gott. Wir können nicht so sein wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht. Aber wir können es immer wieder versuchen, nach dem Willen Gottes zu leben.

Vielleicht ermahnt uns gerade der Tod eines Entschlafenen daran, daß es noch Zeit ist, Gott voll und ganz lieb zu haben. Ein solch schmerzhaftes Ereignis kann dadurch auch zu einer Hilfe für uns werden. Wir werden angeregt, einmal über alles nachzudenken und uns auch Gedanken über unsere Zukunft zu machen.

Sonst haben wir doch vielfach andere Dinge im Kopf, an die wir auch unser Herz hängen: unsere Arbeit, unser Haus, unseren Fernsehapparat! Das ist zwar alles gut und schön und notwendig. Aber es darf uns nicht den Weg zu Gott verstellen.

Von den Gütern dieses Lebens können wir ja doch nichts in die Ewigkeit mitnehmen. Und den Nachkommen ist vielleicht gleichgültig, woran unser Herz gehängt hat. Auch in unseren Kindern körnen wir nicht weiterleben. Einmal ist unser Leben unweigerlich zu Ende. Und dann werden wir gefragt: „Wo ist Sott in deinem Leben geblieben?“ Erst wenn wir i h n liebhaben, werden wir auch seine Hilfe spüren und seine Verheißung auf uns beziehen können. Es steht ja da: „Die ihn liebhaben, die müssen einfach so sein wie die Sonne!“

Wenn wir uns von Gott helfen lassen, dann werden wir ganz von selbst wieder frohe und zuversichtliche Menschen sein. Gott will uns ja helfen, er möchte nicht, daß wir uns in der Traurigkeit verlieren. Es soll wieder weitem gehen mit uns.

Wenn wir ihn liebhaben, wird er uns auch hinweghelfen über den Tod eines lieben Menschen und über unseren eigenen Tod. Gott ist uns heute nahe und wird uns auch nahe sein, wenn einmal unsre letzte Stunde kommt und wir davon müssen.

Es ist ja so: Vor unsrer Geburt waren wir schon einmal bei Gott. Dann hat er uns dieses Leben leben lassen, für das wir ihm voll verantwortlich sind. Dann aber holt er uns wieder zu sich. Gottes Geschichte mit uns umfaßt aber mehr als unser irdisches Leben: Sie umfaßt auch die Zeit vorher und nachher. Gottes Möglichkeiten sind eben vielfältiger als wir es uns vorstellen können.

Wer das glauben kann, der wird spüren, wie in ihm die Sonne aufgeht mit aller Macht. Nicht nur ein kleiner Lichtstrahl oder ein Hoffnungsschimmer, sondern ein hell glänzendes Licht. Das wird dann so hell sein, daß es auch auf andere überstrahlt. Sie sollen und werden es merken, daß dieses Bibelwort recht hat: „Die ihn liebhaben müssen sein wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht!“

 

Es ist genug; so nimm nun Herr, meine Seele; (ich bin nicht besser als meine Väter)!

(1. Kön 19,4)

Das spricht ein Mensch, der sterben will. Er hat genug vom Leben und will den Kampf aufgeben. Es ist der Prophet Elia. Die Königin hat ihm den Tod angedroht, weil er ihre Priester umgebracht hat. Elia ist daraufhin geflohen, er war feige und verzagt. Am Abend setzt er sich unter einen Wacholder, wünscht sich zu sterben und spricht: „Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele!“

Das ist sicherlich schon jedem von uns einmal ähnlich ergangen. Es kommt doch jeder einmal an den Punkt, wo er total fertig ist und nicht mehr weiter weiß, wo einem alles egal ist und wo man sich nicht mehr rührt. So mag es einem Kriegsgefangenen zumute sein oder einem Verdurstenden oder einem Erfrierenden.

Vor allem aber kennen wir das von Schwerkranken. Erst kämpfen sie gegen die Krankheit an, hängen am Leben und wollen nicht aufgeben. Aber dann werden sie von den Schmerzen mürbe gemacht und lassen alle Hoffnung fahren. Und die einzige Sehnsucht ist dann: Wenn es nur bald ein Ende hat und die Schmerzen und Mühen aufhören. Wie mancher sehnt sich doch dann den Tod herbei. Der scheint dann wirklich der beste und einzig mögliche Ausweg zu sein.

So ähnlich ergeht es auch dem Elia. Er sagt sich: Wenn ich doch sterben muß, dann lieber gleich. Was soll ich mich noch lange abhetzen und um mein Leben kämpfen. Der König und die Königin sitzen doch am längeren Hebelarm, sie werden mich schon noch kriegen. Aber Gott läßt das nicht zu. Er schickt ihm einen Boten, der zu ihm sagt. ,,Steh auf und iß! Du kannst hier jetzt nicht die Flügel hängen lassen, denn ich brauche dich noch!“

Das ist aber auch jedem von uns heute gesagt: Einmal den Angehörigen eines Sterbenden, die ja doch einmal über alles hinwegkommen müssen und wieder an ihr Tagwerk gehen müssen. Vor allem aber ist das natürlich einem Sterbenden selbst gesagt. Gott will nicht, daß wir einfach auf dem Schrotthaufen landen und nutzlos und sinnlos vergessen gehen. Das wäre doch etwas zu wenig, was von unserem Leben bliebe. Gott hat auch nach unserem Tode noch etwas mit uns vor.

Gewiß, das Leben auf dieser Erde ist abgeschlossen und kehrt nicht wieder. Aber Gottes Möglichkeiten sind größer als es unser Verstand im Augenblick begreifen kann. Nur müssen wir dazu eben erst dieses irdische Leben lassen.

Als Christ kann man sich so vielleicht doch auf den Tod freuen und getrosten Herzens sagen: „So nimm nun, Herr, meine Seele!“ Nicht weil wir dadurch unsre Schmer­zen loswerden, sondern weil unser himmlischer Vater auf uns wartet. Er will uns in eine andere und bessere Welt versetzen, sicherlich der unseren ähnlich, aber eben doch ganz anders. Dort brauchen wir nicht von Leid und Schmerz erlöst zu werden, weil es das erst gar nicht gibt.. Gott muß nichts überwinden, sondern er hat es gleich richtig eingerichtet.

Von. dieser Hoffnung verkünden wir an Ostern. Jesus ist für uns das Beispiel, wie die Auferstehung vor sich gehen soll. Durch ihn haben wir auch Gewißheit. Ein Mann wie Elia mußte noch bitten. Wir aber wissen, daß Gott uns nicht im Tode verloren gehen lassen will. Allerdings sollte uns auch klar sein, daß wir das nicht aus eigener Kraft verdient haben. Elia sagt: „Ich bin nicht besser als meine Väter!“ Kein Mensch verdient eine Vorzugsstellung. Es kann sich auch keiner das ewige Leben verdienen - das steht nicht in unsrer Macht.

Im Gegenteil: Wir tun manches, was uns von Gott trennt. Schon allein eine solche Verzagtheit wie bei Elia ist doch ein Mangel an Gottvertrauen. Aber auch sonst machen wir oft krumme Touren, wie sie sich nicht gehören für einen, der zu Gott gehören will. Dennoch dürfen wir Gott immer wieder darum bitten, daß er uns in sein Reich aufnimmt, denn Jesus hat am Kreuz die Strafe für unsere Schuld getragen.

Deshalb schenkt Gott uns mehr, als wir eigentlich ver­dient haben. Gott will uns mit dem Tode nicht das Leben nehmen, sondern uns ein ganz neues Leben geben. Natürlich erscheint uns das äußerlich gesehen wie ein Wider­spruch. Aber bei Gott ist das nicht so. Wenn unsre Stunde da ist (für Elia war sie noch nicht da, aber sie kommt ja für jeden), dann beschenkt Gott uns mit einem neuen und ungetrübten Leben.

Wer das ganz sicher weiß, der kann dann auch am Ende seines irdischen Lebens getrost sagen: ,,So nimm nun, Herr, meine Leben; ich bin nicht besser als meine Väter! Aber du hast doch versprochen, mein Herr und Heiland zu sein, auch und gerade im Tod. Auf diese Gewißheit hin kann ich ruhig leben und ruhig sterben. Gott wird schon richtig machen, was er vorhat!

 

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken! (Jes 5, 5-9)

Jeder Mensch hat eine Vorstellung von seiner Zukunft. Dabei ist immer vorausgesetzt, daß wir noch lange zu leben haben. Das geht ja auch im Grunde nicht anders, denn man kann ja nicht jeden Tag mit dem Gedanken an den Tod herumlaufen. Wir wissen zwar theoretisch, daß ,,etwas dazwischenkommen kann. Aber in der Praxis rechnen wir doch nicht damit.

Wenn aber der Tod in unser Leben eingreift, dann merken wir, wie begrenzt doch alles ist. Unsre Zeit steht in Gottes Händen. Er hat längst beschlossen, wann er uns abruft, ehe wir nur im geringsten daran denken. Er hat uns das Leben gegeben, da kann er es auch wieder von uns nehmen.

Meist sind unsre Gedanken von anderen Dingen erfüllt. Das läßt sich auch kaum anders machen: Wir haben uns um Haus und Hof zu kümmern, man hat seine Arbeit (und Familie), viele Verpflichtungen kommen täglich auf uns zu. Da sind wir gefordert und können uns dem nicht entziehen.

Doch Gott will auch zum Zug bei uns kommen. Er hat die Macht, unser Leben auf seinen Weg zu lenken. Wie oft müssen wir dann feststellen, daß Gottes Wege anders sind, als wir es uns vorgestellt hatten. Wir hätten es uns bestimmt nicht ausgesucht, wenn wir danach gefragt worden wären. Manchmal läßt sich das ja noch ertragen. Aber manchmal geht es auch an die Grundlagen unsres Lebens. Dann schreit man schnell voller Anklage: „Gott, warum hast du mir das getan?“

Der Fehler liegt aber vielleicht darin, daß wir uns selbst eine Gottesvorstellung zurechtgebastelt haben. In Wirklichkeit aber ist Gott ganz anders. Wir möchten gern einen, bei dem alles wunschgemäß verläuft. Da fällt es dann auch leicht, die eigenen Erfolge als ein Zeichen des Segens Gottes anzusehen. Dann ist es auch leicht zu singen: ,,Jesu geh voran, auf der Lebens­bahn!“ Aber wir dürfen uns keinen Gott zurechtbasteln, auch nicht in Gedanken, der uns nicht aus der Ruhe bringt und unsre selbstgezogenen Kreise nicht stört. Gott läßt sich aber nicht zum ausführenden Organ unsrer eigenen Einfälle machen. Er läßt uns zwar viel Freiheit, aber die Eckpunkte unsres Lebens bestimmt allein er.

Wenn wir dann einmal Schwierigkeiten in unseren Glauben an Gott haben, dann zerbricht immer etwas von dem Gottesbild, das wir uns selbst gemacht haben. So richtig werden wir Gott erst verstehen und begrei­fen können, wenn wir ihn sehen von Angesicht zu Angesicht. Im Augenblick ist es noch viel zu schwer, Gott zu begreifen. Heute verstellt uns der Tod den Blick auf Gottes Willen. Im Augenblick sehen wir nur Ende und Abbruch.

Aber Gottes Wort will uns anleiten, auch wieder auf andere Gedanken zu kommen. Gott sagt uns: „Ich weiß, was das Bessere für euch ist. Ihr denkt. jetzt, daß der Weg in die Sackgasse geführt hat. Aber in Wirklichkeit ist das der allein richtige Weg gewesen! Das kann er nur sagen, weil er das harte Geschick des Todes wenden kann. Er verheißt uns die Auferstehung

und das ewige Leben. Dann werden. wir ihn sehen, wie er ist, und all unser Fragen wird beendet sein. Das ist das, was ein Verstorbener uns voraus hat: er darf schon Gott schauen. Er - braucht sich keine Gedanken mehr über seinen Lebensweg zu machen, sondern er weiß, daß er am Ziel angekommen ist.

Deshalb sollten wir dieses Bibelwort: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken!“ nicht so verstehen, als bliebe uns nur das Sichfügen in Gottes Willen übrig. Natürlich gilt Gottes Wille. Aber das sollte uns nicht traurig stimmen, sondern unser Vertrauen stärken. Gott garantiert uns wenigstens, daß sein Wille der beste ist.

Nach Gottes Willen sollen wir ihm nahe sein, näher als wir das auf Erden konnten. Das sollten wir uns zum Trost sagen lassen, bei aller Trauer. Gott möchte nicht, daß wir uns in Trauer verlieren, sondern zur Erkenntnis seines heiligen Willens mit uns kommen.

Auf Erden ist alles noch undurchsichtig und schwer. Gott aber möchte uns frei machen von dem Starren auf den Tod. Nicht der Tod steht am Ende unsres Lebens, sondern Gott, der uns in das neue Leben hineinführen will. Er überbietet das irdische Dasein in seiner Barmherzigkeit. Er nimmt uns etwas. Aber er gibt uns auch etwas, das mehr ist, als wir uns vorstellen, und als unsre Vernunft begreifen kann.

 

Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind (Jes 8,23)

Wenn ein Mensch blind ist, dann lebt er in der Dunkelheit. Wer gesund ist, der kann sich das sicherlich gar nicht vorstellen, wie das ist: Man kann die Blumen und das Grüne nicht sehen, nicht die Häuser und Berge, vor allem aber auch nicht die Menschen, mit denen man täglich zu tun hat.

Besonders schlimm ist es sicherlich für einen, der von Geburt an blind ist. Er kann sich zum Beispiel gar nicht vorstellen, was Farbe ist. Auch die Form der Gegenstände wird er nur durch Tasten erahnen können .Ein solcher Mensch ist dann sehr vom Leben in unserer Welt abgeschnitten. Wenn er überhaupt etwas erfahren will ist er meist auf die Hilfe anderer angewiesen.

Das ist eine schlimme Dunkelheit, wenn man vom Leben der anderen Menschen abgeschritten ist. Leicht wird man einsam und schließlich auch manchmal eigensinnig und durch die Hilfe eines liebevollen und verständnisvollen Menschen kann man Kontakt mit anderen halten. Wenn man aber diesen Menschen hat, dann kann man wenigstens mit Hilfe der Sprache noch manches aufnehmen und erfahren.

Aber wenn man allein ist, wird man leicht unsicher. Und aus der Unsicherheit entsteht Angst. Stellen wir uns nur vor, wie ein Blinder die Straße überqueren will. Noch schlimmer wird es, wenn eine weitere Krankheit hinzukommt. Krankheit ist immer etwas Schlimmes und führt in manche Dunkelheiten. Aber wenn man sowieso schon viel mitmachen muß, ist es doppelt schwer.

Es gibt aber auch noch eine andere Blindheit und Dunkelheit, die uns alle betrifft: unsre Blindheit gegenüber dem Wort Gottes und die Dunkelheit, die dort ist, wo man fern von Gott lebt. Damit haben wir alle etwas zu tun. Aber dadurch isolieren wir uns auch von Gott und trennen uns von den Mitmenschen.

Deshalb sieht es oft auch so düster aus in der Welt: Weil wir so wenig auf Gott hören, klappt es in den Beziehungen untereinander nicht richtig. Und deshalb hat auch oft einer vor dem. anderen Angst. Das gilt im Verhältnis von Mensch zu Mensch, aber auch im Zusammenleben der Völker. Wenn man miteinander redet oder sich gar in die Augen sehen kann, dann kann man auch Verständnis füreinander finden.

Aber es gibt noch eine andere Angst, gegen die uns kein Mensch helfen kann: es ist die Angst vor dem Tod, der uns in die letzte und unheimlichste Dunkelheit- hineinbringt. Wir meinen ja doch, so ganz richtig könnten wir ja nicht wissen, was kommt. Und Nichtwissen macht un­sicher und führt in die Angst.

Diese Angst aber führt dazu, daß wir innerlich blind durchs Leben gehen. Dabei könnten wir doch wissen, was kommt. Beim Propheten Jesaja wird uns schon gesagt: „Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind!“ Und erst recht ist das bekräftigt worden durch Jesus, den Gott von den. Toten auferweckt hat.

Im Augenblick mag es zwar noch dunkel sein, aber es muß nicht so bleiben. Gott will unsere Dunkelheiten und Ängste überwinden und uns zu freien und unbeschwerten Menschen machen. Auch der Tod soll uns dann nichts mehr anhaben können, weil wir frei sind von Sünde und Schuld durch die Vergebung Gottes.

Eigentlich müßten wir noch genauer sagen: Christus h a t uns schon befreit. Er hat ja schon alles für uns getan. Wir brauchen nur anzunehmen, was er uns geben will. Wir haben ja schon den guten Freund, der uns über die gefährliche Straße des Todes bringt auf die andere Seite, wo wir sicher sein können.

Wir selber sind blind. Aber an Jesu Hand können wir getrost gehen: Er läßt uns nicht ins Unglück rennen, sondern führt uns den richtigen Weg durch alle Gefahren hindurch in die Welt Gottes.

Jesus Christus ist das Licht, das über unsrer Dunkelheit aufgegangen ist. Er kann auch die Tiefen des Todes erhellen und uns wieder eine Zukunft geben. Im nächsten Vers geht es ja-weiter: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über die da wohnen in Finsternis und Schatten des Todes scheint es hell!“

Auf dieses Licht Jesus Christus können wir uns verlassen, wenn einmal unsere letzte Stunde kommt .Wir können auch getrost diese (n) Entschlafene (n) der Erde überlassen. Für sie (ihn) gibt es keine Dunkelheit und keine Angst mehr, sie (er) sieht schon das Licht Gottes, dem auch wir entgegengehen. Einst werden wir auch diesen Weg gehen müssen. Aber dann sollte uns die Gewißheit begleiten: „Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind!“

 

Gott wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen! (Jes 25,8)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann mag es uns so vorkommen, als sei er vom Tod verschlungen worden. Eben­ noch hat er geatmet und sich bewegt, aber plötzlich hört alles auf und es ist still. Und der Mensch wird immer unwirklicher ganz anders, als man ihn vorher gekannt hat.

Und wenn dann ein Toter in den Sarg gelegt wird und in die Erde bestattet wird, dann kann uns das Grab auch vorkommen wie ein Schlund, der alles verschlingt. Ein offenes Grab ist wie ein Tor zur Totenwelt, durch das ein Mensch auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Auf den Bildern für die Christenlehre wird die gegen Gott gerichtete Macht oft wie ein Abgrund oder wie der Rachen eines wilden Tieren dargestellt. Schlangenarme greifen nach einem Menschen und wollen ihn in die Tiefe ziehen.

So greift das Böse unser ganzes Leben nach uns und will uns von Gott wegziehen. Und der letzte Versuch in dieser Richtung ist der Tod. Er scheint so mächtig und so endgültig zu sein, daß wir nur vor ihm erschrecken können. Er raubt uns die letzte Widerstandskraft und könnte

uns auch an Gott zweifeln lassen.

Dieses Bibelwort aber macht uns wieder Mut und gibt uns eine Hoffnung: Gott wird den Tod verschlingen auf ewig! Den Spieß wird herumgedreht. Und der zunächst wie der Sieger aussah, ist nun selbst der Besiegte. Das ist wie wenn ein Frosch nach einer Fliege schnappt und dabei selber von einem Storch verspeist wird. Gott erweist sich als stärker als der Tod und läßt ihm den Triumph nicht. Einen Augenblick mag es so aussehen, als habe der noch die Oberhand. Das mag uns so vorkommen, wenn ein Mensch so regungslos und starr vor uns liegt.

Aber Gott verheißt uns die Auferstehung der Toten. Wir können das jetzt im Augenblick noch nicht sehen. Das geschieht ja schon in einer anderen Welt, zu der wir­ noch keinen Zugang haben, s0o lange wir in dieser Welt sind. Wenn ein Mensch stirbt, dann fällt gewissermaßen ein Vorhang vor ihm nieder, so daß wir nicht mehr sehen können, was Gott an ihm tut. Wir können nur noch das wahrnehmen, was mit dem Körper des Menschen geschieht, aber nicht, was Gott mit dem Menschen macht.

Nur einmal wurde der Vorhang ein wenig gelüftet. Das war, als Jesus von den Toten auferweckt wurde. Da ist er den Jüngern und einigen anderen erschienen, aber in veränderter Gestalt, nicht gleich so deutlich zu erkennen wie vorher. Aber es war doch so, daß sie sicher sein konnten: Er lebt!

Die Auferstehung Jesu gibt uns die Gewißheit, daß Gott auch uns einmal auferwecken wird. Und das wird dann auf ewig sein. Der Tod kann den Menschen nur für eine begrenzte Zeit in der Gewalt haben. Wenn Gott aber den Menschen aus dem Rachen des Todes befreit hat, dann gehört der Mensch für ewig zu ihm kann ihn niemand und nichts mehr aus der Hand Gottes reißen; dort bleibt er für ewig.

Wenn aber das Sterben nur eine kurze Zeitspanne ausmacht, das Leben bei Gott dagegen ewig dauert, dann kann uns das auch über den schweren Verlust hinweghelfen. Wir wissen den Verstorbenen dann in einer besseren Welt, wo es kein Leiden und keine Krankheit, keine Mühen und keine Sorgen mehr geben wird.

Das allein auch wird unsre Tränen zum Versiegen bringen können. Es ist gut, wenn man um einen Menschen weinen kann. Das zeigt, wie lieb man ihn gehabt hat, und es erleichtert einen auch irgendwie. Wenn ein Mensch gestorben ist, dann ist auch die Zeit zum Weinen gekommen.

Aber es muß damit auch wieder ein Ende haben. Doch das geht nicht, indem wir uns innerlich einen Ruck geben und alles ist wieder in Ordnung. Die Hilfe muß uns da von außen kommen. Gott allein kann der Helfer sein, der uns über den Berg hinweghilft.

In jenem Jesajawort heißt es ja auch von ihm: „Gott wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen!“ So wie eine Mutter ihrem Kind die Tränen aus dem Ge­sicht abwischt, so wendet sich uns Gott in Liebe zu und tröstet uns und hilft uns wieder weiter. Sein Trost ist allerdings nicht nur oberflächlich und nur so dahingesagt. Hinter seinen Worten und seinem Tun steht vielmehr eine starke Kraft, die Kraft, die auch Tote auferwecken kann. An diesem Verstorbenen wird er seine Kraft erweisen, aber auch an uns, wenn einmal unsere letzte Stunde kommt.
Der Tod hat keine Chance gegen ihn. Deshalb können unsre Tränen versiegen, kann unser Leben wieder mit einer großen Zuversicht erfüllt werden.

 

Auch das kommt her vom Herrn; sein Rat ist wunderbar und er führt es herrlich hinaus! (Jes 28,29)

Ein solcher Bibelspruch mag uns angesichts des Todes verwunderlich erscheinen. Wir würden doch im ersten Augenblick sagen: Das hat mit Gott gar nichts zu tun. Das ist ein blindes Schicksal, das uns unerwartet und heimtückisch trifft, gegen das auch Gott machtlos ist. Wir denken: Gott kann das doch nicht wollen. Es muß sich doch hier um eine gottfeindliche Macht handeln, die uns den Tod bringt.

Wie könnte Gott denn daß zulassen, daß der sowieso schon alleinstehenden Mutter auch die einzige Tochter genommen wird? Wie könnte er dem Mann die Gefährtin so früh nehmen wollen? Wie könnte er die Kinder ohne den Rat und das Verständnis der Mutter lassen?

Von Gott können wir uns das eigentlich nicht denken. ­Und doch wird uns hier bei Jesaja gesagt: Es gibt nicht, das nicht von Gott kommt!

Er denkt dabei zunächst nur an ganz praktische Ratschläge für die tägliche Arbeit. Aber wir können das sicher auch sinngemäß erweitern und auf den Tod anwenden: Es gibt keinen Bereich der Welt, von dem wir Gott ausschließen müßten oder auch nur könnten. Selbst ganz alltägliche und geringfügige Dinge stehen unter seinem Blick. Wieviel mehr dann der Tod, der doch so ein wichtiger Punkt in unserem Leben ist!

Wenn wir ein ganzes Leben über die Begleitung und Führung Gottes verspürt haben, warum sollte er uns dann nicht auch auf dem letzten Stück Weg durch unser Leben begleiten? Gott ist bei allem dabei, was wir tun. Wir können ihm nicht entfliehen.

Auf der anderen Seite aber hat das auch den Vorteil: Er ist da, wenn wir ihn brauchen. Und wir brauchen ihn gerade angesichts des Todes. Wir müssen ihn nicht erst von weit herholen, sondern er ist uns zur Seite und stellt uns jederzeit zur Verfügung, wenn wir ihn nur darum, bitten. Gott ist nicht ein ferner Gott, sondern er will ­uns allezeit nahe sein bei allen Fragen unsres Lebens.

Sein Rat ist wunderbar!“ heißt es dann. Nur, für uns erscheint er in diesem Fall zunächst gar nicht wunder. Es mag manchen geben, der in so einem Fall an Gott zerbricht. Aber hier zeigt sich dann erst die Stärke des Glaubens, daß man auch einen solchen Rat und einen solchen Ausgang von Gott annimmt.

Ja, im Grunde kann man so ein schweres persönliches Erlebnis gar nicht verkraften ohne einen festen Glauben an Gott. Ich weiß nicht, was die Menschen in so einem Fall machen wollen, die nicht an Gott glauben. Die können doch nur in der Verzweiflung enden, für die kann -es doch nur trostlos sein.

Aber wir haben doch wenigstens eine Hoffnung und wir haben einen Gott, dem wir vertrauen können. Gewiß verstehen wir manches nicht, denn Gott ist größer als unser bißchen Verstand. Aber wenn wir uns in diesem Gott geborgen wissen, dann nehmen wir auch das von ihm an, was wir zunächst nicht verstehen. Wir sind dankbar für das, das von Gott kommt; da wollen wir auch das Schwere annehmen.

Vielleicht kann man es so sagen, wie man es oft Kindern erklärt: Wenn einer bereit ist für das Leben bei Gott , dann kann er auch mit Zuversicht gehen. Anderen läßt Gott noch eine Chance, damit sie ihr Leben ändern. Aber wer schon fertig ist, der darf auch zu ihm kommen, auch wenn er das Alter nach unsrer Meinung noch' nicht ganz erreicht hat.

Vielleicht geht es etwas zu weit, wenn wir diese Erklärung geben. Was wissen wir schon über die Absichten Gottes?! Wir wollen auch nicht zu viel hineinlegen und etwas erklären wollen, was man nicht erklären kann. Aber Gott wird es uns sicher nicht verwehren, so zu denken: Er hat diese(n) Entschlafene(n) zu sich geholt, weil es Zeit war und sie (er) dazu; bereit war. Er allein bestimmt, wann unser Leben zu Ende ist und wenn unsre Zeit und Stunde gekommen ist.

Eins aber, das Dritte nun, ist uns ganz sicher: „Er führt es herrlich hinaus!“ Unser Leben geht ja zunächst immer nur bergauf. Wenn dann die ,Höhe erreicht ist, geht es auf dem Grat lange Zeit weiter. Aber schließlich kommt das tiefe Tal des Todes, durch das wir hindurch müssen. Aber als Christen wissen wir: Wir sind schon durch die Talsohle hindurch, es geht auf der anderen Seite schon wieder hoch, es geht noch weiter. Gott gibt uns auf der anderen Seite ein neues Leben, das frei ist von solchen bösen Schicksalsschlägen.

Diese Gewißheit soll uns Mut machen, über die gegenwärtige schwere Not hinwegzukommen. Im Augenblick sind wir sehr betrübt. Aber Gott hält schon den Ausweg bereit. Er führt es herrlich hinaus!

 

Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! (Jes 35,4)

Wenn wir das Sterben eines so jungen Menschen erleben, dann sind wir verzagt. Die Zukunft liegt vor der Familie wie ein großer Berg, über den man nicht hinwegkommt. Und wenn man schon Angst hat, schafft man es erst recht nicht.

Wir fühlen bestimmt in dieser Stunde mit dieser Familie mit, die den Vater (....) verloren

hat. Wir möchten auch gern helfen und aus dieser Trauer wieder herausholen. Aber wir wissen auch, wie schwer das ist. Denn an dem äußeren Geschehen können wir ja doch nichts mehr ändern.

Aber dennoch ist das kein Grund, nun verzagt und mutlos zu sein. Im Augenblick scheint eine Welt einzustürzen und man kann nur verzagt sein. Aber mit der Zeit gewinnt man auch wieder eine andere Sicht der Dinge.

Oft hilft es uns ja schon, mit einem anderen Menschen darüber zu sprechen. Geteiltes Leid ist schon fast halbes Leid. Anteilnahme tut gut, auch wenn natürlich jeder froh ist, daß es ihn nicht getroffen hat. Vor allem aber haben wir Gott, der Anteil nimmt an unsrem Geschick. Er fordert uns auf: „Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht!“ Aber er will auch selber helfen. Er allein kann uns ja den­ Trost geben, der uns wirklich hilft

Als Christen wissen wir: Gottes Wille geschieht. Auch wenn wir nicht gleich alles begreifen, so irrt er sich doch nicht. Wenn er schon einen Menschen sterben läßt, dann dürfen wir ihn auch bei ihm gut aufgehoben wissen. Gott gibt ihm eine neue Zukunft. Das allein kann uns ein Trost sein.

Wenn wir nur sagen könnten: Er hat geschafft bis zum Umfallen!“ dann wäre das wenig. So aber dürfen wir bekennen: „Es war ein Mensch, der nach dem Willen Gottes seine Jahre gelebt hat. Nun hat Gott ihn heimgerufen und ihn ganz in seine Nähe geholt. Er ist nicht mehr in unsrer Mitte. Aber einst werden wir mit ihm vereint sein in Gottes Reich!

Deswegen brauchen wir uns auch nicht zu fürchten, weder wenn ein anderer Mensch stirbt noch wenn wir an unseren eigenen Tod denken. Da tut sich nicht plötzlich ein großes dunkles Loch auf, in das wir fallen, sondern wir fallen immer in Gottes Hand.

Manche Menschen fürchten sich ja vor einen langsamen Dahinsterben, andere wieder vor einem plötzlichen Tod. Angeblich ist es ein schöner Tod, wenn man plötzlich umfällt und nichts mehr spürt. Aber dann hatte man auch keine Zeit, sich innerlich vorzubereiten. Deshalb ist es gut, jederzeit bereit zu sein (In der Adventszeit werden wir na daran erinnert, daß Jesus nicht nur einmal in die Welt gekommen ist, sondern daß er wiederkommen wird, vor allem wird er in unser persönliches Leben kommen, wenn wir abgerufen werden durch den Tod. Nur wenn man schon dauernd in Verbindung mit ihm stand, braucht man sich nicht zu fürchten und wird auch Trost erfahren).

Dieses Kapitel aus Jesaja schildert ja die neue Welt Gottes. Oft wird der Glaube schwach, wir zweifeln daran, daß es diese Welt gibt und wir einmal zu ihr gehören. Aber da wird uns gesagt: !“Seht, da ist euer Gott!“ Er ist uns gerade dann nahe, wenn wir verzagt sind und Hilfe brauchen Nicht unbedingt so, wie es bei Jesaja steht, nämlich um Rache zu nehmen an seinen Feinden. Aber er überwindet tatsächlich seinen ärgsten Feind, den Tod.

Der möchte nämlich, daß wir mit unsrem körperlichen Tod auch endgültig erledigt sind. Aber wir haben einen Gott, der stärker ist. Er rettet uns aus der Tiefe heraus und holt uns in seine Nähe. Dann kann uns niemand mehr etwas anhaben und wir werden mit Gott zusammen sein in Ewigkeit.

Deshalb ist Verzagtheit nicht mehr am Platz. Diese(n) Verstorbene ist ihren (seinen) Weg gegangen. Wir werden noch folgen. Gott wird uns die Kraft geben, unsren Weg und vor allem die nächsten Schritte zu gehen, auch wenn nun eine Lücke an unsrer Seite bleibt.

Aber dafür haben wir Gott an unsrer Seite. Er kennt unsren Schmerz. Er gibt uns aber auch die Zuversicht, daß der Tod noch nicht das Letzte ist. Das kann uns helfen, daß wir uns hier und heute bewähren, daß wir im Glauben an Gott mit unseren Problemen fertig werden und ohne Furcht der Zukunft entgegengehen, die Gott heraufführen wird. In seiner Hand sind alle unsre Toten. Er wird auch uns halten, im Leben und im Sterben.

 

Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott (Jes 40,1)

Wenn Gott einen Menschen aus unsrer Mitte zu sich gerufen hat, dann erfüllt uns das mit Trauer. Sicherlich sehen wir notfalls alle noch ein, daß jeder Mensch einmal sterben muß. Aber wenn es dann soweit ist, dann ist es eben doch schwer, ob es sich nun um einen alten Menschen oder um einen noch relativ jungen handelt. Wir hängen doch jeder an seinem Leben. Wir möchten doch alle möglichst lange mit den lieben Menschen zusammen sein, die uns durch lange Jahre vertraut sind und an denen wir hängen.

Deshalb ist der Tod so hart für uns, weil er uns von einem lieben Menschen trennt. Nie wieder werden wir mit ihm sprechen können, nie wieder werden wir die vertrauten Bewegungen sehen können. Und gerade wenn es ein guter Mensch gewesen ist, empfindet man den Verlust sehr schmerzlich.

Wir suchen dann nach einem Trost, ein menschlich verstehenden Wort, das uns das den Schwere leichter erträglich macht. Wir suchen nach anderen Menschen, die uns einen kleinen Ausgleich geben für das, was wir entbehren.

Doch letztlich kann wahrer Trost nur von Gott kommen. Er versteht besser als alle Menschen, was uns bedrückt und was uns das Herz schwer macht. Er kann mitfühlen mit unseren Leiden, weil sein Sohn gelitten hat und der Vater mitgelitten hat. Wer selber viel Schweres mitgemacht hat, der kann noch am ehesten mit anderen mitleiden und zu trösten versuchen.

Es gibt natürlich auch menschliche Tröstungsversuche. Denken wir nur einmal daran, was bei einem Trauerfall von Menschen gesagt wird, die nicht an Gott glauben. Da ist dann die Rede davon, der Verstorbene lebe im Andenken seiner Mitmenschen fort. Es heißt dann groß artig: Wir werden ihn nie vergessen! Oder neuerdings spricht man davon, der Mensch lebe in seinem Werk weiter, in dem, was er geschaffen und hinterlassen hat. Oder es wird gesagt: Wir leben fort in unsren Kindern! Aber jeder spürt doch dabei: Das ist nur ein schwacher Trost, das ist doch alles nicht ehrlich gemeint. Es soll zwar ein Trost sein, aber es tröstet nicht, weil es innerlich hohl ist. Wir können ja gar nicht in unsren. Kindern weiterleben. S i e leben weiter, aber nicht wir. Und wie schnell ein Mensch bei allem guten Willen vergessen ist, erleben wir doch täglich.

Menschlicher Trost ist ein schwacher Trost. Gott aber will, daß wir wirklich getröstet werden. Er sagt: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ Das ist damals zum Volk Israel gesagt worden, das in Babylon in der Verbannung lebte. Wie sehnten sich diese Menschen nach der Heimat und hofften auf einen Menschen, der sie nach Hause führen würde.

Das könnte doch auch für uns heute eine Hilfe sein, wenn uns dieser Gedanke vielleicht auch zunächst als überraschend erscheint: Gott tröstet uns, indem er uns die Heimat zeigt, zu der diese(r) Verstorbene gelangt ist und zu der wir auch einmal gelangen werden. Gott kann auch uns, die wir zunächst weiterhin in dieser Welt leben, den Weg zu unsrer himmlischen Heimat zeigen.

Gott nimmt uns gewissermaßen an der Hand und führt uns diesem Ziel entgegen. Wenn eine Mutter ihr Kind trösten will, dann nimmt sie es ja auch bei der Hand, streicht ihm über das Haar und sagt ihm ein paar liebe Worte. So aber macht Gott es auch. Er will uns auch so trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Deshalb fragen wir ja auch in einer solchen Lage nach einem Wort Gottes, das uns Trost geben soll. Natürlich wissen wir nicht, ob wir bei Gott wieder so mit unseren Lieben vereint sein werden wie hier auf dieser Erde. Die Aussagen der Bibel sprechen eher dagegen. Aber das eine ist doch sicher: Wir werden in enger Gemeinschaft mit Gott leben.

Es kann zwar sein, daß die Menschen, die hier auf Erden im Glauben miteinander verbunden sind, auch dort im Glauben miteinander verbunden sein werden. Aber was uns hier als so wichtig erscheint, das wird dann verblassen gegenüber der Verbindungmit Gott. Den Trost haben wir ganz sicher: Wir werden alle eins sein in Gott, der unser aller Herr und Tröster ist.

Von ihm kommt ein Trost, der echt ist, weil Gott auch das Leid überwinden kann. Menschen können immer nur versuchen, uns das Unbegreifliche zu erklären, damit wir uns schließlich hinein schicken. Aber Gott kann etwas dagegen t u n. Er hat damals an den Israeliten gehandelt und hat sie sehr bald wieder in ihre Heimat zurückgeführt. Er wird auch uns nach dem Tod in unsre himmlische Heimat zurückführen, wen kein Trost mehr nötig sein wird, weil es kein Leid und keinen Schmerz mehr geben wird.

 

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden! (Jes 40,31)

Es gibt Menschen, die schon an der Schwelle des Todes gestanden haben, die aber im letzten Augenblick noch zurückgerissen wurden. Also etwa erfrorene oder Ertrunkene, die man wieder ins Leben hat zurückrufen können. Diese berichten uns zweierlei von dem, was sie in diesem Augenblick empfunden haben.

Einmal sei ihr ganzes Leben in Sekundenschnelle wie in einem Film an ihnen vorüber gelaufen und sie hätten noch einmal all das gesehen, was sie erlebt hatten, von der frühesten Kindheit an. Es habe ihnen noch einmal all das vor Augen gestanden, was sie an Gutem oder Bösem getan hatten.

Das Zweite war: Sie hätten eine ungeahnte Leichtigkeit gespürt. Alles Schwere sei von ihnen abgefallen und sie hätten sich frei und ungebunden gefühlt wie nie zuvor.

Vielleicht können wir daraus für uns entnehmen: Mit dem Tod werden wir erstens vor das Gericht Gottes gestellt. Wir sind verantwortlich für unsre Taten und werden zur Rechenschaft gezogen. Keine Einzelheit wird dabei ausgelassen. Aber zweitens bringt der Tod auch eine große Befreiung mit sich. Er macht all das unwirksam, was unser Leben belastet hat.

Der eine stöhnt unter einer schweren Krankheit, die ihm lange zu schaffen macht, bis er durch den Tod erlöst wird. Dem anderen ist der tägliche Kampf des Lebens zu viel und er möchte Ruhe und Frieden haben. Wieder ein anderer hat persönliche Schwierigkeiten, mit denen er nicht fertig wird oder eine innere Angst, die ihn gefangen hält. All das aber hat mit dem Tod ein Ende und es beginnt eine neue Existenz ohne Leid und Streit, ohne Mühe und Plage.

Davon spricht nun auch unser Spruch aus dem Jesajabuch: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft?“ Es wird ihnen wieder leicht ums Herz und es geht wieder voran, auch wenn vielleicht etwas Schweres durchzumachen war. Der Tod ist ja etwas Schweres, zu dem man viel Kraft braucht. Doch diese Kraft kommt nicht aus uns selber. Man darf körperlich noch so stark sein und sich sicher fühlen - gegen diesen letzten Feind sind wir nicht gewappnet. Auch wenn einer noch jung ist, kann ihn der Tod ereilen.

Im Vers vorher heißt es: „Jünglinge fallen!“ Wir sind geneigt anzunehmen: Bi jungen Menschen ist das Sterben schwerer, ein alter Mensch rechnet doch damit und richtet sich darauf ein. Das mag sein. Vor allem aber wird man sagen können: Ein alter Mensch wird es eher gelernt haben, auf Gott zu vertrauen. Er hat schon seine Erfahrungen und weiß, wie begrenzt seine Kraft ist. Er wird eher mit einem solchen Spruch einverstanden sein.

Es heißt hier ganz betont: „Die auf den Herrn harren!“ Nur wer von Gott alles erwartet, wird diese Kraft erlangen. Manchmal wird das ja am christlichen Glauben kritisiert: er mache die Menschen schwach und nehme ihnen jeden Widerstandswillen. Gott sei so übermächtig, daß für die Entfaltung der menschlichen Kraft kein Raum mehr bleibe.

Aber unsre Stärke liegt doch gerade darin, daß wir uns der Kraft Gottes anvertrauen! Natürlich können wir uns auch viel allein helfen. Aber gerade wenn wir vor dem Tod stehen, ist es doch aus mit unsrer Kraft. Es ist keine Schwäche, wenn man auf Gott vertraut, sondern das einzig Richtige.

Gott kann uns die neue Kraft und das neue Leben geben, das wir brauchen. Dann kann man laufen, ohne matt zu werden, man kann gehen, ohne müde zu werden. Es wird eben eine andere Welt sein als unsre jetzige. Zusammengefaßt ist das hier mit den Worten: Wir werden auffahren mit Flügeln wie Adler! Damit ist aber nicht etwa unsre Seele wie mit Flügeln in den Himmel fliegt. Das wäre doch etwas wenig. Es soll doch nicht nur ein Teil von uns bei Gott sein, sondern der ganze Mensch soll ja neue Kraft kriegen.

Etwas von dieser Kraft der zukünftigen Welt soll aber auch schon in dieser Welt wirksam werden. Wer in diesem Leben auf Gott vertraut, der wird auch Kraft empfangen, um es zu bestehen. Er braucht nicht mehr wie gebannt auf das Ende zu starren, sondern kann den Sprung wagen- und es ist wirklich nur ein Sprung aus dieser Welt in den Bereich Gottes. Vielleicht hat der(die)Entschlafene in ihrem Leben manches spüren können von dieser Kraft Gottes. Wir wollen seinen(ihren) Leib getrost der Erde übergeben und wissen: Gottes Kraft ist stärker als der Tod. Sie kann auch uns einmal geleiten, wenn einmal unsre letzte Stunde gekommen ist.

 

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch ! (Jes 41,10)

Wie tröstlich ist das doch zu hören! Wie oft im Leben fürchten wir uns und wollen vor der Gefahr ausweichen. Aber damit ist ja nichts aus der Welt geschafft. Es gilt, die Gefahr durchzustehen und dadurch zu überwinden Aber eine gute Rückenstärkung ist dabei doch sehr von Nutzen.

Ein Kind kann sich immer zu seinen Eltern flüchten, wenn es sich bedroht fühlt. Ein Erwachsener ist da mehr auf sich selber gestellt. Manchmal kann er auf die Mithilfe anderer Menschen hoffen. Aber oftmals wird er nur Gott um Hilfe anrufen können.

Gott will uns ja beistehen. Er sagt: „Ich bin mit dir!“ Das hat er uns versprochen bei der Taufe. Damals hat er uns sein Eigentumszeichen aufgedrückt und nun gehören wir ganz ihm. Da haben wir wenigstens einen Helfer sicher.

Das gilt auch angesichts des Todes. Hier haben wir ja besondere Angst und bedürfen des menschlichen Beistande Sterben muß jeder Mensch allein. Keiner kann ihm das Abnehmen oder auch nur erleichtern. Höchstens gewisse äußere Hilfeleistungen sind möglich und eine innere Begleitung.

Aber die Angst vor dem Sterben ist da und läßt sich nicht einfach so wegschieben. All unsre menschliche Angst wird letztlich aus dieser letzten Angst hervorkommen. Weil wir sterbliche Menschen sind, haben wir vor so vielen Dingen in unserem Leber Angst. Wir können nur damit fertigwerden, wenn uns diese letzte Angst nichts mehr ausmacht.

Aber dazu muß Gott uns helfen. Nur wenn er bei uns ist, braucht uns nichts zu schrecken. Dann brauchen wir auch vor dem Tod nicht auszuweichen, sondern können ihm im Vertrauen auf Gottes Hilfe entgegengehen.

Dann brauchen wir auch von unserem Glauben nicht abzuweichen, sondern er wird sich bewähren können und dadurch wird er gestärkt werden. Der Tod könnte uns ja Anlaß sein, von Gott abzulassen. Man könnte sagen: Gott hilft mir ja nicht, er kann es überhaupt nicht, wenn es darauf ankommt, läßt er einen im Stich. So könnte der Tod schon eine schwere Anfechtung für unseren Glauben werden.

Aber das ist eine nur sehr vordergründige Sicht der Dinge. Es bleibt dabei, was Gott uns verspricht, nämlich: „Ich bin mit dir! Ich bin dein Gott!“ Wenn er unser Gott ist, dann kann er uns doch nicht im Stich lassen, wenn es gefährlich wird. Das tut er auch nicht.

Er sagt: „Ich stärke dich, ich helfe dir auch!“ Das sin zwei unterschiedliche Dinge. In manchen Fällen haben wir nur eine Rückenstärkung nötig. Aber durchstehen müssen und können wir alles selber. Da ist nur der Beistand Gottes nötig.

Es gibt aber auch Dinge, wo unsre menschliche Kraft versagt. Dazu gehört der Tod. Hier erleben wir die ganze Ohnmacht menschlichen Könnens und Wollens. Da kann uns nur Gott noch helfen.

Diese Hilfe muß nicht immer so aussehen, daß er den Tod noch einmal an uns vorübergehen läßt. Aber er sorgt dafür, daß der Tod nicht ewig Macht über uns behält. Er beherrscht uns zwar einige Zeit mit aller Macht, aber seine Kraft ist auch bald wieder erschöpft.

Gott überwindet den Tod, indem er uns auferwecken wird zu einem neuen Leben. Das ist die Hilfe, die allein Gott uns geben kann. Aber es ist nicht die einzige Hilfe, die er für uns hat.

Gott will auch schon während unsres Lebens mit uns zu tun haben. Es gilt, immer in Verbindung mit ihm zu bleiben, damit er unser Gott sein kann. Er verspricht uns ja, daß er sich um uns kümmert. Aber es geht darum, daß wir auch seine Hilfe annehmen.

Es kann ja auch sein, daß unser Leben einmal sehr plötzlich endet. Da ist es gut, wenn wir schon vorher fest mit Gott verbunden waren. Es könnte ja sein, daß sonst keine Zeit mehr bleibt, die Verbindung wieder mit ihm aufzunehmen.

Wer aber in der Gemeinschaft mit Gott geblieben ist, der braucht vor nichts und niemandem Angst zu haben. Der kann auch in seiner letzten Stunde in der Gewißheit entgegensehen: Gott wird mir helfen, durch den Tod hindurchzukommen zu einem neuen Leben. Er hat mir mein ganzes Leben über geholfen, da wird er es jetzt erst recht tun.

 

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein (Jes 43,1)

Diesen Spruch gibt man häufig einem Kind bei der Taufe mit. Jetzt, am Ende eines Lebens, wollen wir einmal fragen: „Stimmt das denn eigentlich, hat dieses Wort sich in diesem Leben bewahrheitet?“

Es gibt viele Dinge, vor denen wir uns in unserem Leben fürchten: Der eine fürchtet sich vor dem Verlust seiner Stellung, der andere fürchtet um sein Geld und seinen Besitz, wieder ein anderer hat Angst vor der Zukunft oder vor bösen Gewalten. Aber sicher haben wir auch alle Angst vor dem Tode, das ist ganz natürlich und menschlich.

Sicherlich hängt das auch damit zusammen, daß wir alle unser Ungenügen und unser Versagen spüren. Wir wissen, daß wir nicht so sind, wie Gott uns haben will. Wir werden schuldig und hätten Strafe verdient.

Die Bibel spricht dann von der „Sünde“, von der alle Menschen betroffen sind. Und vielleicht ist diese Sünde der eigentliche Grund aller Angst vor dem Tode. Viele Menschen reden sich deshalb ein, es gäbe kein Leben nach dem Tode; sie wollen es nicht wahr haben, daß wir zur Verantwortung gezogen werden, um ihre Angst loszuwerden.

Dabei brauchen wir doch gar keine Angst zu haben! Gott sagt uns: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst!“ Wir können uns nicht selbst erlösen. Aber Jesus Christus mußte an unsrer Stelle sterben, damit wir nicht für ewig tot sein müssen.

Im Altertum kam es gelegentlich vor, daß ein reicher Mann auf den Sklavenmarkt ging, dort einen Sklaven kaufte und ihm anschließend die Freiheit schenkte. Dieser Mann wurde dann vor seinen Ketten losgemacht, er wurde „erlöst“ und konnte dann hingehen, wohin er wollte, niemand hatte mehr Gewalt über ihn.

So heißt Erlösung für uns: Wir sind freigekauft von all den Ängsten, die uns das Leben so schwer machen. Das kann uns alles nichts mehr anhaben, weil wir einen Herrn haben, der stärker ist als alle anderen Mächte. Er ist auch stärker als der Tod, der uns zwar eine Zeit binden kann, aber dann sein Opfer wieder hergeben muß. Der Tod ist nur der Durchgang zum Leben mit Gott.

Woher wollen wir aber wissen, daß er gerade mich erlöst hat? Es kann ja sein, daß es so eine Amnestie gibt, aber daß ich nicht darunter falle. Doch da wird uns hier gesagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

Gott hat jeden Einzelnen mit Namen gerufen bei der Taufe. Er will mit jedem von uns etwas zu tun haben, nicht nur in diesem Leben, sondern in alle Ewigkeit. Unser Name hier und dort bleibt derselbe. Gott kennt unseren Namen schon. Und unser Name zeigt uns an, daß wir mit Gott verbunden bleiben und unser Leben nicht mit einem Schlag ein Ende hat.

Der Name ist deshalb so wichtig, weil er unsre ganz persönliche Note ist und uns unverwechselbar macht, also auch jedem die persönliche Erlösung verspricht. Der Name wird bei der Taufe genannt, er wird auch bei der Beerdigung gesagt, er begleitet den Menschen das ganze Leben lang und darüber hinaus.

Wenn sich ein Kind in einer großen Stadt verlaufen hat, dann ist es bald sehr unglücklich und fängt an zu weinen. Aber dem Kind kann sehr leicht geholfen werden, wenn es seinen Namen nennen kann. Andere Menschen werden sich dann sicher um das Kind kümmern und bald die Eltern ausfindig machen. Schon wird alles wieder gut. Ein Kind kann gar nicht verlorengehen, wenn es einen Namen hat und diesen Namen sagen kann, damit es zurückgebracht werden kann.

So kann auch ein Kind Gottes nicht verlorengehen. Es hat bei der Taufe den Namen eines Christen erhalten und wird deshalb immer wieder zu seinem himmlischen Vater zurückfinden.

Deshalb können wir diese (n) Verstorbene (n)getrost in die Hände Gottes geben. Er (Sie) hat nur zurückgefunden zu dem, von dem er gekommen ist. Gott hat ihn (sie) am Ende seines (ihres) Lebens ein letztes Mal bei seinem (ihrem) Namen gerufen und gesagt: „Du bist mein!“

Kein anderer Herr hat nun noch Macht über ihn (sie). Auch von uns muß keiner Angst haben. Denn wir dürfen getrost wissen: Gott ist der einzige Herr, der sagen kann: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

 

Ja, ich will euch tragen bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich will es tun, ich will heben und tragen und erretten! (Jes 46,4)

Nicht jedem Menschen ist es vergönnt, ein hohes Alter zu erreichen. Wir erschrecken, wenn wir vom Tod eines noch relativ jungen Menschen erfahren. Und heutzutage ist man ja mit 65 Jahren noch einigermaßen jung und es ist eigentlich noch zu früh zum Sterben.

Wenn einer über 80 Jahre alt ist, dann hat er ein gesegnetes Alter, dann ist jeder Tag ein zusätzliches Geschenk. Und doch sollte man nicht meinen, daß der Abschied dann leichter wäre. Es ist immer schlimm, wenn man einen Menschen hergeben muß.

Es war ja doch die Mutter und Großmutter, der (die) Nachbar(in) und Schulkamerad(in). Viele Menschen haben mit ihr (ihm) zu tun gehabt. Es fehlt nun doch jemand aus unsrer Mitte, der immer mit dazugehört hat. Unser Leben Ist jetzt ärmer geworden.

Aber wir wollen an diesem Tage auch dankbar sein. Ein Mensch, der vieles im Leben mitgemacht hat, durfte ein hohes Alter erreichen. Es hat auch schöne Stunden ge­geben, in denen Gott besonders nahe war. Hier hat sich dann der Satz bewahrheitet: „Ich will euch tragen bis ins Alter uni bis ihr grau werdet!“

Gott trägt uns von Kindheit an. Wenn die Eltern ihr neugeborenes Kind auf den Arm nehmen, dann tun sie das auch als Stellvertreter Gottes. Sie haben es zu führen und zu schützen für viele Jahre. Einmal aber wird das Kind groß und geht seine eigenen Wege. Dann können die Eltern nur noch bedingt für ihr Kind dasein.

Aber dann ist ein anderer da, der uns führt und leitet. Wir haben einen Vater im Himmel, der will uns heben, tragen und erretten. Er ist immer da, in guten und in bösen Tagen, in Freude und Leid, wenn wir allein sind oder mit anderen zusammenkommen. Das kann uns eine große Stärkung und Hilfe bedeuten.

Bei Jesaja ist das ja gesagt, um vor dem Vertrauen auf andere Götter zu warnen. Solche Götter gibt es ja gar nicht, also können sie auch nicht helfen. Denn der Gott des Himmels und der Erde aber verspricht, zu tragen bis ins Alter. Er erinnert daran, was er den Menschen und dem Volk in der Vergangenheit schon Gutes getan hat. Daraus können sie auch Zuversicht gewinnen für die Zukunft.

Daran wollen wir uns auch erinnern, wenn wir jetzt im Angesicht des Todes stehen. Er hat uns schon so vielen im Leben gegeben. Da wird er uns auch beistehen, wenn einmal der Tod auf uns zukommt.

Dann wird er uns retten aus der Macht des Todes. Gewiß, sterben müssen wir alle einmal. Jeder muß einmal von seinen Angehörigen und von dieser Welt Abschied nehmen. Aber die Macht des Todes wirkt nicht ewig. Was zunächst wie ein Sieg des Todes aussah, ist in Wirklichkeit der Beginn seiner Niederlage.

Gott trägt uns auch weiter, über den Tod hinaus. Vor allen Dingen hat er auch die Macht dazu. Das hat er an Jesus bewiesen. Die Menschen haben ihn umgebracht. Aber Gott hat ihn nicht dem Tod gelassen, sondern hat ihn auferweckt von den Toten.

Seitdem dürfen wir auch eine Hoffnung haben, die über den Tod hinausreicht. Jesus ist nur der Erste unter denen, die auferstehen werden. Wir dürfen mit zu der großen Zahl derer gehören, die mit Jesus in Gottes Reich leben dürfen.

Dann erst wird uns so richtig deutlich werden, was es heißt: „Ich will euch tragen bis ins Alter“ Unter „Alter“ brauchen wir dann nicht mehr nur unser biologisches Alter zu verstehen. Unser irdisches Leben ist ja nur ein kleiner Ausschnitt aus unsrer gesamten Existenz. Ehe wir in diese Welt geboren wurden, waren wir schon da bei Gott. Und wenn wir diese Welt verlassen, dann sind wir auch noch da bei Gott. Dann beginnt erst unser wahres Alter, in dem Gott uns trägt und erhält und rettet.

Ja, er will uns retten aus dieser Welt in sein Reich. In seiner Hand sind auch heute schon alle unsre Toten. So können wir auch diese(n) Entschlafene(n) ihm anbefehlen. Er hat sie (ihn) getragen durch ein langes Leben hindurch. Das wird er auch jetzt weiter tun, wo dieses Leben ein Ende hat.

Und wir, die wir vorerst noch weiterleben, dürfen auf das Gleiche hoffen. Wir erfahren jetzt schon oft, wie er uns trägt. Aber seine volle Liebe werden wir erst erleben, wenn wir einmal ganz ihm vereint sind. Dann werden wir erst recht begreifen, was er schon zu unsren Lebzeiten an uns getan hat.

 

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen! (Jes 54,10)

Die Berge sind für uns das Symbol für das Beständige. Wir wissen genau, daß ein Berg so gut wie nie weichen kann. Vielleicht bricht einmal ein Vulkan aus oder es gibt einen

Erdrutsch oder Menschen bewegen mit großem technischem Aufwand einen Hügel fort. Aber unsre Berge hier, die stehen seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden so, wie wir sie heute sehen. Sie sind uns ein Beispiel für das Bleibende und Beharrende.

Nun heißt es aber hier in der Bibel bei Jesaja: Selbst wenn das doch einmal ausnahmsweise vorkommen sollte, daß Berge weichen und Hügel hinfallen, dann wird doch­ Gottes Gnade bleiben. So unwahrscheinlich das Erste schon ist, um so unwahrscheinlicher ist das Zweite: Gott kann seinen Gnadenwillen gar nicht von uns abziehen, sonst wäre er nicht mehr Gott. Machen wir uns einmal deutlich, worin sich dies Gnade in unserem Leben äußert. Es beginnt mit unsrer Geburt. Welch ein Wunder ist es doch, daß immer wieder neue Menschen das Licht der Welt erblicken. Gott allein rief sie ins Leben, denn kein Mensch kann es von sich aus machen, daß er ein Kind bekommt oder daß sein Kind noch Geschwister dazubekommt.

Es kommen dann die Jahre des Lernens und Aufnehmens, des Heranwachsens und Reifens. Man sucht sich einen Beruf ( ) und einen Lebenspartner( ). Wieviel kann da schiefgehen und wie sehr brauchen wir da doch die Gnade Gottes. Sein Wort gibt uns Wegweisung und macht uns immer wieder Mut.

Wir gehen dann in Familie und Beruf an die Bewältigung unsrer Lebensaufgaben, wo wir uns für andere Menschen und vor allem für die eigenen. Kinder einsetzen. Viele sehen hier den eigentlichen Sinn des Lebens. In der Tat ist es ja auch so etwas wie ein Höhepunkt im Leben. Aber entscheidend wird sein, ob wir hier die Verbindung mit Gott nicht verlieren. Jedenfalls wendet er uns weiter unvermindert seine Gnade zu. Wie oft hilft er uns wieder auf, wenn etwas nicht geklappt hat und wir mutlos geworden sind.

Wir müssen aber auch damit rechnen, daß Schweres im Leben kommt, das uns an der Gnade Gottes zweifeln läßt. Aber gerade dann hilft Gott uns auch wieder heraus. Dann ist er uns mit seiner Hilfe auch besonders nahe und schenkt uns den Trost seines Wortes.

Schließlich kommt im Leben dann die Zeit des Abstiegs, wo wir kürzer treten müssen und Manches ein anderes Gesicht erhält. Dann merken wir wieder mehr, daß wir auf die Hilfe anderer angewiesen sind und auch Gott brauchen. Zuletzt wird dann auch unser Leben ein Ende finden. Das ist der Weg, den wir alle gehen und der uns unweigerlich vorgezeichnet ist. Bei dem einen tritt es früher ein, bei dem anderen später. Der eine darf sanft entschlafen, der andere kann nur unter großen Schmerzen heimgehen. Aber immer ist das Ende der Tod. Hat damit auch die Gnade Gottes ein Ende gefunden? Ist der Tod nicht ein grausames Geschick, das der Gnade Gottes geradezu ins Gesicht schlägt? Ist damit nicht doch alles zusammengebrochen?

Nein, müssen wir da sagen, hier gilt der Jesajavers erst recht. Der Tod macht die Gnade Gottes nicht überflüssig oder unmöglich. Er fordert sie vielmehr erst richtig heraus. Hier soll sie ihre Kraft erweisen und ihre letzte Bewährungsprobe bestehen.

Gott will ja nicht nur in diesem Leben mit uns zu tun haben. Seine Möglichkeiten reichen weiter als der begrenzte Raum unsres Lebens. Er kannte uns schon, ehe wir ins Leben kamen. Er bleibt auch unser lieber Vater, wenn uns der Tod aus dieser Welt herausholt. Nur eins konnte uns von Gottes Gnade trennen: Unser eige­ner Ungehorsam. Er stellt sich gegen das Angebot Gottes und droht ihm seine Kraft zu nehmen. Wenn wir eine Mauer gegen Gott errichten, dann brauchen wir uns nicht zu wun­dern, wenn wir nichts von seiner Gnade verspüren. Aber Gott hat sogar versucht, auch eine solche Mauer zu durchstoßen. Er hat seinen Sohn dafür hergegeben, damit wir nicht verloren gehen. Jesus ist auf unsre Seite der Mauer gekommen. Er hat die Macht unsres Ungehorsams und unsrer Sünde durchbrochen und uns zu Gott zurückgebracht.

Deshalb können wir sicher sein, daß Gottes Gnade nicht von uns weichen wird. Jesus bringt uns immer wieder in Verbindung mit Gott. Er garantiert uns auch, daß diese Verbindung über unseren Tod hinaus bestehen bleibt. Als er gestorben war, hat Gott auch die Verbindung zu seinem Sohn wieder aufgenommen. Jetzt brauchen wir uns nur an diesen Jesus anzuhängen, um zu Gott gelangen zu können. Wenn wir auch jetzt betrübt sind, so dürfen wir doch wissen: Dieser Mensch ist in Gottes Gnade wohl geborgen. Und wir selbst dürfen uns auch von dieser Gnade umfangen wissen, denn Gott hat gesagt: Meine Gnade soll nicht von dir weichen!

 

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln! (Jes 54,7)

Man kann schon den Eindruck haben, man sei von Gott verlassen, wenn ein lieber Mensch gestorben ist. Ja, wenn er schon sehr alt gewesen war, mögen wir uns noch damit abfinden. Aber wenn wir denken, es hätte schon noch einige Jahre Zeit gehabt, dann ist es doch schwer.

Dann fragt man sich doch: Warum mußte gerade u n s das zustoßen? Andere sind doch auch nicht besser oder schlechter und werden steinalt! Warum werden da solche Unterschiede gemacht?

Doch dazu ist zunächst zu sagen: Wir haben darüber nicht zu bestimmen. Jede Stunde, die Gott uns gewährt, haben wir seiner Barmherzigkeit zu verdanken. Wir sollten deshalb nicht so sehr auf das sehen, was wir nicht gehabt haben, sondern dankbar sein für das, was uns geschenkt wurde.

Dennoch ist es nun einmal so, daß Menschen uns verlassen müssen und wir Menschen verlassen müssen. Eine Mutter z.B. kann nicht immer bei ihren Kindern bleiben, sie muß auch einmal ihre eigenen Wege gehen können und die Kinder allein lassen. Ein Mann kann nicht immer die gleichen Schritte tun wie seine Frau. Jeder hat einen eigenen Arbeitsbereich und muß auch einmal seine eigenen Wege gehen.

Unter den Menschen ist es einfach nötig, daß man sich ab und zu verlassen muß. Aber dann kann man auch immer wieder zusammenkommen und die Gemeinschaft wieder aufnehmen. Bei Gott jedoch ist das nicht so. Er verläßt uns nicht, auch nicht e i n e n Augenblick - er ist immer bei uns. Er kann gar nicht anders, weil er unser Gott ist und versprochen hat, uns immer nahe zu sein. Dessen sollten wir immer gewiß sein.

Wenn wir vielleicht manchmal den Eindruck haben als hätte Gott uns verlassen, so ist das eben nur unsre persönliche Sicht der Dinge; aber in Wirklichkeit ist das nicht so: Gott kann uns gar nicht sitzenlassen, sonst wäre er nicht mehr Gott.

Der Prophet Jesaja gebraucht absichtlich den Vergleich mit dem Zusammenleben zwischen Mann und Frau. Er sagt: Eine Witwe wird nicht von ihrem Mann sitzen gelassen, sondern sie hat jetzt Gott, an den sie sich halten kann. Sie ist nicht alleingelassen und schutzlos den Gefahren und Anfeindungen ausgesetzt, sondern Gott ist jetzt ihr Beschützer und Helfer.

Gott läßt keinen allein, auch nicht im Tod. Wir könnten vielleicht meinen, da reiße der Kontakt ab, weil Gott zu unterliegen scheint. Aber das ist nicht so. Gerade dann will er uns nahe sein, wenn wir einen lieben Menschen an den Tod hergeben müssen oder wenn wir selber sterben müssen.

Es könnte sein, daß wir dann vor Gott fliehen möchten und nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Aber er sammelt uns wieder ein und bringt uns an den Punkt, wo er uns haben will.

So wie ein Glucke ihre Küken ruft und zusammenhält, so holt Gott uns zusammen, damit wir unter dem Schatten seiner Flügel sicher sind. Keiner soll durch irgendein Erlebnis seines Lebens aus der Bahn geworfen werden, sondern soll sich immer wieder zu Gott flüchten dürfen.

 

Gott will uns einsammeln für sein Reich Er kann auf keinen verzichten. Wir mögen zwar manchmal so gelebt haben, daß wir eigentlich nicht mehr in die Nähe Gottes gehörten. Aber Gott ist barmherzig. Er behandelt uns nicht, wie wir es eigentlich verdient hatten sondern wie er es in seiner Güte will. So wie eine Mutter immer wieder ihre Kinder zu sich ruft, auch wenn sie unartig gewesen sind, so will Gott auch uns bei sich ­haben.

Er will auch diesen Menschen bei sich haben, der nun diese Welt hat verlassen müssen. Wir dürfen auch ganz fest vertrauen, daß er nun bei Gott ist. Gott vergißt keinen, wenn er daran geht, die Menschen einzusammeln. Wem in der Taufe das Eigentumszeichen Gottes aufgeprägt wurde, den erkennt er wieder und beansprucht ihn für sich.

Da müssen ihn auch die Angehörigen hergeben, die Ärzte müssen ihre Bemühungen einstellen, die Arbeitskollegen müssen die Arbeit mit übernehmen und die Freunde sind um die Beziehung zu einem Menschen ärmer. Aber Gott hat eins seinen Kinder wieder ganz nahe bei sich.

Bei Gott wird sich keiner verlassen vorkommen. Und auch wir, die wir weiterleben, sind nicht allein. Gott ist bei uns und wird uns stärken in unseren Nöten. Er will uns helfen, auch wieder zur Ruhe und Zufriedenheit zu finden. Wir dürfen darauf vertrauen, daß sich dieses Bibelwort an uns erfüllt: „Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, Aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln:“

 

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen! (Jes 54,10)

Die Berge sind für uns das Symbol für das Beständige. Wir wissen genau, daß ein Berg so gut wie nie weichen kann. Vielleicht bricht einmal ein Vulkan aus oder es gibt einen

Erdrutsch oder Menschen bewegen mit großem technischem Aufwand einen Hügel fort. Aber unsre Berge hier, die stehen seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden so, wie wir sie heute sehen. Sie sind uns ein Beispiel für das Bleibende und Beharrende.

Nun heißt es aber hier in der Bibel bei Jesaja: Selbst wenn das doch einmal ausnahmsweise vorkommen sollte, daß Berge weichen und Hügel hinfallen, dann wird doch­ Gottes Gnade bleiben. So unwahrscheinlich das Erste schon ist, um so unwahrscheinlicher ist das Zweite: Gott kann seinen Gnadenwillen gar nicht von uns abziehen, sonst wäre er nicht mehr Gott. Machen wir uns einmal deutlich, worin sich dies Gnade in unserem Leben äußert. Es beginnt mit unsrer Geburt. Welch ein Wunder ist es doch, daß immer wieder neue Menschen das Licht der Welt erblicken. Gott allein rief sie ins Leben, denn kein Mensch kann es von sich aus machen, daß er ein Kind bekommt oder daß sein Kind noch Geschwister dazubekommt.

Es kommen dann die Jahre des Lernens und Aufnehmens, des Heranwachsens und Reifens. Man sucht sich einen Beruf ( ) und einen Lebenspartner( ). Wieviel kann da schiefgehen und wie sehr brauchen wir da doch die Gnade Gottes. Sein Wort gibt uns Wegweisung und macht uns immer wieder Mut.

Wir gehen dann in Familie und Beruf an die Bewältigung unsrer Lebensaufgaben, wo wir uns für andere Menschen und vor allem für die eigenen. Kinder einsetzen. Viele sehen hier den eigentlichen Sinn des Lebens. In der Tat ist es ja auch so etwas wie ein Höhepunkt im Leben. Aber entscheidend wird sein, ob wir hier die Verbindung mit Gott nicht verlieren. Jedenfalls wendet er uns weiter unvermindert seine Gnade zu. Wie oft hilft er uns wieder auf, wenn etwas nicht geklappt hat und wir mutlos geworden sind.

Wir müssen aber auch damit rechnen, daß Schweres im Leben kommt, das uns an der Gnade Gottes zweifeln läßt. Aber gerade dann hilft Gott uns auch wieder heraus. Dann ist er uns mit seiner Hilfe auch besonders nahe und schenkt uns den Trost seines Wortes.

Schließlich kommt im Leben dann die Zeit des Abstiegs, wo wir kürzer treten müssen und Manches ein anderes Gesicht erhält. Dann merken wir wieder mehr, daß wir auf die Hilfe anderer angewiesen sind und auch Gott brauchen. Zuletzt wird dann auch unser Leben ein Ende finden. Das ist der Weg, den wir alle gehen und der uns unweigerlich vorgezeichnet ist. Bei dem einen tritt es früher ein, bei dem anderen später. Der eine darf sanft entschlafen, der andere kann nur unter großen Schmerzen heimgehen. Aber immer ist das Ende der Tod. Hat damit auch die Gnade Gottes ein Ende gefunden? Ist der Tod nicht ein grausames Geschick, das der Gnade Gottes geradezu ins Gesicht schlägt? Ist damit nicht doch alles zusammengebrochen?

Nein, müssen wir da sagen, hier gilt der Jesajavers erst recht. Der Tod macht die Gnade Gottes nicht überflüssig oder unmöglich. Er fordert sie vielmehr erst richtig heraus. Hier soll sie ihre Kraft erweisen und ihre letzte Bewährungsprobe bestehen.

Gott will ja nicht nur in diesem Leben mit uns zu tun haben. Seine Möglichkeiten reichen weiter als der begrenzte Raum unsres Lebens. Er kannte uns schon, ehe wir ins Leben kamen. Er bleibt auch unser lieber Vater, wenn uns der Tod aus dieser Welt herausholt. Nur eins konnte uns von Gottes Gnade trennen: Unser eige­ner Ungehorsam. Er stellt sich gegen das Angebot Gottes und droht ihm seine Kraft zu nehmen. Wenn wir eine Mauer gegen Gott errichten, dann brauchen wir uns nicht zu wun­dern, wenn wir nichts von seiner Gnade verspüren. Aber Gott hat sogar versucht, auch eine solche Mauer zu durchstoßen. Er hat seinen Sohn dafür hergegeben, damit wir nicht verloren gehen. Jesus ist auf unsre Seite der Mauer gekommen. Er hat die Macht unsres Ungehorsams und unsrer Sünde durchbrochen und uns zu Gott zurückgebracht.

Deshalb können wir sicher sein, daß Gottes Gnade nicht von uns weichen wird. Jesus bringt uns immer wieder in Verbindung mit Gott. Er garantiert uns auch, daß diese Verbindung über unseren Tod hinaus bestehen bleibt. Als er gestorben war, hat Gott auch die Verbindung zu seinem Sohn wieder aufgenommen. Jetzt brauchen wir uns nur an diesen Jesus anzuhängen, um zu Gott gelangen zu können. Wenn wir auch jetzt betrübt sind, so dürfen wir doch wissen: Dieser Mensch ist in Gottes Gnade wohl geborgen. Und wir selbst dürfen uns auch von dieser Gnade umfangen wissen, denn Gott hat gesagt: Meine Gnade soll nicht von dir weichen!

 

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken! (Jes 55,8-9)

Jeder Mensch hat eine Vorstellung von seiner Zukunft. Dabei ist immer vorausgesetzt, daß

wir noch lange zu leben haben. Das geht ja auch im Grunde nicht anders, denn man kann ja nicht jeden Tag mit dem Gedanken an den Tod herumlaufen. Wir wissen zwar theoretisch, daß etwas dazwischenkommen kann. Aber in der Praxis rechnen wir doch nicht damit, jedenfalls noch nicht jetzt.

Wenn dann der Tod in unser Leben eingreift, dann merken wir, wie begrenzt doch alles ist. Unsre Zeit steht in Gottes Händen. Er hat längst beschlossen, wann er uns abberuft, ehe wir nur im geringsten daran denken. Er hat uns das Leben gegeben, da kann er es auch wieder von uns nehmen.

Meist sind unsere Gedanken von andren Dingen erfüllt. Das läßt sich auch kaum anders machen: Wir haben uns in Haus und Hof zu kümmern, man hat seine Arbeit und Familie, viele Verpflichtungen kommen täglich auf uns zu. Da sind wir gefordert und können uns dem nicht entziehen.

Doch Gott will auch zum Zug bei uns kommen. Er hat die Macht, unser Leben auf seinen Weg zu lenken. Wie oft müssen wir dann feststellen, daß Gottes Wege andere sind, als wir es uns vorgestellt hatten. Wir hätten sie uns bestimmt nicht ausgesucht, wenn wir danach gefragt worden wären. Manchmal läßt sich das ja noch ertragen. Aber manchmal geht es auch an die Grundlagen unsers Lebens. Dann schreit man schnell voller Anklage: „Gott, warum hast du mir das getan?“

Der Fehler liegt aber vielleicht darin, daß wir uns selbst eine Gottesvorstellung zurechtgebastelt haben. In Wirklichkeit aber ist Gott ganz anders. Wir möchten gern einen, bei dem alles wunschgemäß verläuft. Da fällt es dann auch leicht, die eigenen Erfolge als ein Zeichen des Segens Gottes anzusehen. Dann ist es auch leicht zu singen: ,,Jesus geh voran, auf der Lebensbahn!“

Aber wir dürfen uns keinen Gott zurechtbasteln - auch nicht in Gedanken - der uns nicht aus der Ruhe bringt und unsre selbstgezogenen Kreise nicht- stört. Gott läßt sich aber nicht zum ausführenden Organ unsrer eigenen Einfälle machen. Er läßt uns zwar viel Freiheit, aber die Eckpunkte unsres Lebens bestimmt allein er.

Zwischen unsren Vorstellungen und dem Willen Gottes besteht im wahrsten Sinne des Wortes ein „himmelweiter“ Unterschied. Und wenn wir dann einmal in Schwierigkeiten kommen mit unserem Glaube an Gott, dann zerbricht immer etwas von dem Gottesbild, das wir uns selbst gemacht haben.

So richtig werden wir Gott erst verstehen und begreifen können, wenn wir ihn sehen von Angesicht zu Angesicht. Im Augenblick ist es noch viel zu schwer, Gott zu begreifen. Zu sehr verstellt uns der Tod den Blick auf Gottes Willen. Im Augenblick sehen wir nur den und Abbruch.

Aber Gottes Wort will uns anleiten, auch wieder auf andere Gedanken zu kommen. Gott sagt uns: „Ich weiß was das Bessere für euch ist. Ihr denkt. jetzt, daß der Weg in die Sackgasse geführt hat. Aber in Wirklichkeit ist das der allein richtige Weg gewesen!“

Das kann er nur sagen, weil er das harte Geschick des Todes wenden kann. Er verheißt uns die Auferstehung und das ewige Leben. Dann werden wir ihn sehen ,wie er ist, und all unser Fragen wird beendet sein. Das ist das, was ein Verstorbener uns voraus hat: Er darf schon Gott schauen. Er braucht sich keine Gedanken mehr über seinen Lebensweg zu machen, sondern er weiß, daß er am Ziel angekommen ist.

Deshalb sollten wir dieses Bibelwort ,,Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“, nicht so verstehen, als bliebe uns nur das Sichfügen in Gottes Willen übrig. Natürlich gilt Gottes Wille. Aber das sollte uns nicht traurig stimmen, sondern unser Vertrauen stärken: Gott garantiert uns wenigstens, daß sein Wille der beste ist.

Nach Gottes Willen. sollen wir ihm nähe sein, näher als wir das auf Erden konnten. Das sollten wir uns zum Trost sagen lassen bei aller Trauer. Gott möchte nicht, daß wir uns in Trauer verlieren, sondern zur Erkenntnis seines heiligen Willens mit uns kommen.

Auf Erden ist alles noch undurchsichtig und schwer. Gott aber möchte uns freimachen von dem Starren auf den Tod. Nicht der Tod steht am Ende unsres Lebens, sondern Gott, der uns in das neue Leben hineinführen will. Er überbietet das irdische Dasein in seiner Barmherzigkeit. Er nimmt uns etwas. Aber er gibt uns auch etwas, was mehr als, ist wir uns vorstellen können und als unsre Vernunft begreifen kann.

 

Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden! (Jes 55,12)

Wenn ein junger Mensch ins Leben hinauszieht, dann packt er es meist mit Freude an. Man erlernt einen Beruf, man sucht und findet einen Ehepartner, eine Familie wird gegründet. Wohnung und Hausrat sind nötig. Kinder wird man sich wünschen. Aber es ist auch schön, wenn man sich mit der Verwandtschaft und Nachbarschaft gut versteht und gute Freunde findet.

An eine solche Zeit des Aufbaus geht man meist mit sehr viel Schwung heran. Man hat noch Kräfte und kann etwas 1eisten. Auf eine Stunde mehr oder weniger kommt es nicht an, weil man ja Freude daran hat. Und wenn einmal Hindernisse auftauchen, dann sind sie nur Anlaß zu noch mehr Einsatz.

Meist denkt man auch, es müsse immer so weitergehen. Kein Regenwölkchen soll den Sonnenschein trüben, nur Glück und Freude soll es im Leben geben. Die Gefahr ist nur, daß man leicht den Geber aller dieser Gaben vergißt. Wenn man zu sehr nur seine persönlichen Ziele vor Augen hat, dann verliert man leicht die Dankbarkeit gegenüber Gott aus dem Blick.

Gott möchte aber, daß wir gerade dann mit ihm in Verbindung bleiben, wenn wir uns stark und wohl fühlen. Wenn es nachher einmal andersherum kommt, da wird Gott sowieso uns eher einfallen. Wenn Not am Mann ist, dann erinnern wir uns ganz von selber an ihn; dann soll er gleich nur Stelle sein und möglichst auch sofort helfen.

Es ist ja Manches, was uns in unserem Leben in die Quere kommen kann, womit wir nicht gerechnet hatten. In vergangenen Zeiten hatte man sehr unter Krieg und wirtschaftlichen Notzeiten zu leiden. Aber es gibt auch viel persönliches Leid, das wahllos den Einzelnen zu treffen scheint: Plötzlich eine schwere Krankheit, eine Auseinandersetzung mit einem anderen Menschen, Sorgen mit den Kindern.

Und schließlich als Schlimmstes von allem der Tod. Wir wissen ja, daß wir immer mit ihm rechnen müssen. Aber ­immer denken wir doch auch, die anderen mag es schon treffen, aber ich werde schon noch einmal davonkommen! Daß unsre Uhr auch einmal abgelaufen sein könnte, das wissen wir zwar theoretisch, aber wir nehmen es doch nicht so in unser praktisches Leben auf.

Aber es wäre natürlich auch nicht recht, wenn wir immer nur ans Sterben dächten und davon redeten. Da könnte man ja seines Lebens nicht mehr froh werden. Wir sollen doch - auch nach Gottes Willen - mit Freuden durchs Leben gehen können.

Nur müssen wir dann auch damit zufrieden sein, wenn es wieder einmal anders kommt. Gott hat uns alles zugeteilt, die Zeiten der Freude und die Zeiten des Leides. Und wenn wir wieder einmal gerade in einem tiefen Tal sind, dann dürfen wir uns doch von Gottes Liebe umfangen und getragen wissen.

Auch am Ablauf der Kirchenjahreszeiten kann man sich das deutlich mache Da gibt es zum Beispiel die Passionszeit, in der wir an das Leiden und Sterben Jesu denken. Aber natürlich ist das auch immer eine Zeit nach der Auferstehung Jesu. Wir wissen ja, daß am Ende doch die Auferstehung gestanden hat. Alle Zeit ist Zeit nach jenem ersten Ostern, an dem die große Wende vom Tod zum Leben ge­schah. Insofern sind auch die traurigen Zeiten von der Osterfreude erfüllt.

Wenn ein Mensch gestorben ist, werden wir zwar nicht gerade mit Freuden ausziehen können. Aber wir können doch getrost unsren Weg gehen. Und das liegt daran, daß wir im Frieden von Gott geleitet werden. Er ist bei uns im Leben und ist erst recht bei uns im Tod und noch darüber hinaus.

Es ist doch gut, wenn man im Frieden heimgehen darf. Eines Tages hören Krankheit und Schmerzen auf, da hat man den Kampf des Lebens überwunden, da darf man sich ausruhen bei Gott. Sicherlich ist es auch ein schmerzhafter Abschied. Aber es ist doch eine Heimkehr zu dem himmlischen Herrn.

Gott geleitet uns auch auf dem letzten Stück unsres Weges. Es ist wie eine Meerenge mit vielen unvorhergesehenen Strömungen und gefährlichen Klippen. Aber dahinter öffnet sich das weite Meer, die Gefahr ist vorbei und man hat die Freiheit, hinzugehen wohin man will.

Auf diesem Weg ist der (die) Verstorbene uns schon vorangegangen. Er (Sie) hat schon zum Frieden hingefunden. Diese Gewißheit kann auch uns mit Frieden erfüllen. Wir haben einen Menschen hergeben müssen. Aber er hat schon Anteil an der Welt Gottes und wartet schon der Auferstehung der Toten entgegen.

 

 

Der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leides sollen ein Ende haben! (Jes 60, 20 i.A.)

Zum Leben der Menschen gehört das Leiden mit hinzu. Es gibt keinen Menschen, der nicht einmal unter etwas oder an etwas leiden müßte. Wir denken an Enttäuschungen und Schwierigkeiten im Leben, an äußere Not und Sorgen, an Krankheit und Tod. Aber wenn es das nicht gäbe, könnten wir ja gar nicht achten, wie gut wir es oft haben. Nur wenn man Leid er­fahren hat, weiß man die gute Zeit zu schätzen. Wenn es uns immer nur gut ginge, würden wir ja keinen Unterschied merken und alles als selbstverständlich hinnehmen.

Gott aber sieht schon darauf, daß wir nicht zuviel zu tragen haben. Wenn uns etwas zustößt , dann ist das nicht etwas, was über unsre Kräfte geht, sondern es ist gerade noch auszuhalten. Vielleicht will Gott uns damit auf die Probe stellen, will sehen, ob wir Glauben haben bzw. ob unser Glaube sich auch bei Belastungen bewährt. Gott will uns aber auch helfen in unserem Leiden. Es geht nicht ohne Leiden ab in unserem Leben. Aber es geht auch nicht ohne Gott ab, wenn wir dieses Leben bewältigen wollen. Gott läßt nicht nur das Leiden zu und läßt uns dann damit allein. Er ist auch unser Helfer gerade in Leide.

Der Prophet Jesaja kann seinem Volk die Verheißung Gottes mitteilen: „Die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben!“ Damit ist nicht gemeint: einmal nimmt eben alles ein Ende, man muß nur lange genug drauf warten! Hier ist vielmehr an ein aktives Eingreifen Gottes und ein bewußtes Beenden gemeint..

Wir denken vielleicht auch: Spätestens wenn wir tot sind hat alles Leiden ein Ende. Das stimmt natürlich auch. Aber das ist nicht alles.

Ein Trost könnte sein, daß wir an einen Ausgleich für die Leiden in dieser Welt denken, der uns dann in einer jenseitigen Welt zuteil wird. Dann könnten wir uns nur auf eine bessere Zukunft vertrösten lassen und hätten noch nichts für die bedrängende Gegenwart. Wir möchten aber doch schon hier und heute Trost und Hilfe finden, wollen doch schon heute etwas haben, was uns jetzt in Augenblick über das Leiden hinweghilft.

Ich denke: Wer fest an Gott glaubt, dem wird das Leiden heute schon verkürzt! Nicht unbedingt das körperliche Leiden, wohl aber das innerliche Leiden. Man fragt sich doch leicht: Warum ist alles so gekommen? Warum hat es gerade mich getroffen? Hätte es keine andere Lösung gegeben? Die seelische Qual ist dabei dann oftmals noch schlimmer als die körperliche.

Gegen solche Fragen aber will uns Gottes Wort helfen. Es will uns helfen, alles aus Gottes Hand zu nehmen und das Vertrauen zu ihm nicht zu verlieren. Unser Leben behält auch dann einen Sinn, wenn wir leiden müssen. Gott ist mit uns noch nicht am Ende, wenn wir am Ende zu sein meinen.

Auch der Anblick des Leidens und Sterbens des Gottessohnes Jesus kann uns Trost geben in unserem Leide. Gott kennt unsre Not, hat sie selber durchgemacht. Er weiß, wie uns zumute ist und kann uns deshalb auch am besten helfen.

Im Augenblick mag manches Dunkel um uns sein. Wir sehen nur die Gewalt des Todes ganz handgreiflich vor Augen. Aber Gott will das Dunkel erhellen. Er will die Finsternis mehr und mehr zurückdrängen, so daß schließlich nur noch Licht übrigbleibt. Wenn uns die Schatten des Todes zu übermannen drohen, dann gilt es, sich in das Licht Gottes zu begeben. Wo ein Licht ist, da ist das Dunkel schon nicht mehr so unheimlich und da wird unser Weg wieder erhellt.

,Der Herr wird dein ewiges Licht sein!“ heißt es bei Jesaja. In den katholischen Kirchen brennt ständig ein „ewiges Licht“, das daran erinnern soll: Gott ist immer gegenwärtig! Auch für uns wird er immer da sein, wenn wir nur auf ihn sehen. Gerade im Dunkel des Todes gilt es, sich dem Licht Gottes zuzuwenden.

Das gilt für den, der sterben muß. Wenn die Lichter dieser Erde für ihn ausgehen, dann darf er doch bald das ewige Licht Gottes sehen. Aber auch für die überlebenden gilt es, sich Gott zu zuwenden. Er ist das einzige Licht, das uns aus der Trauer herausführen kann und uns wieder Mut zum Leben geben kann. Dadurch werden die Tage unsres Leidens schneller ein Ende haben.

Wir werden uns innerlich schneller von dem Schrecklichen lösen können, weil wir wis­sen: Unsre Toten sind bei Gott gut aufgehoben. Ihnen scheint schon das ewige Licht Got­tes in voller Herrlichkeit, während wir es oft nur schwach sehen können. Aber einst werden auch wir in den vollen Lichtglanz Gottes gelangen.

 

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet! (Jes 66,13)

Wir haben das alle schon erlebt, wie eine Mutter ihr Kind tröstet: Sie zieht es an sich und streicht ihm über den Kopf und sagt einige beruhigende Worte. Dann ist oft schon alles wieder gut. Vielleicht können wir uns noch selber daran erinnern, daß uns unsre Mutter so getröstet hat.

Es ist schlimm, wenn Menschen ihre Mutter entbehren mußten und bei fremden Leuten aufgewachsen sind. Eine Mutter kann doch niemand ersetzen, und Mutterliebe ist mit das Wichtigste, das man einem Menschen mitgeben kann für sein Leben und Gedeihen. Diese Frau, von der wir heute Abschied nehmen, war auch eine Mutter. Sie, die Kinder, werden sicher selber gut genug wissen, was ihre Mutter an ihnen getan hat in einem langen Leben, nicht nur an den kleinen Kindern, sondern sicher auch noch an den großen. Die Mutter bleibt doch immer die Mutter, auch wenn die Kinder inzwischen erwachsen sind.

Überlegen wir uns doch einmal für einen Augenblick, womit Kinder zu ihrer Mutter kommen: Wenn das Knie aufgeschlagen ist, wird es die Mutter verbinden. Wenn das Kind Angst hat vor einer unbekannten Gefahr, dann ist die Hand der Mutter da. Wenn es mit den Schulaufgaben nicht klappt, muß die Mutter ran. Wenn die Hose zerrissen ist, muß die Mutter sie wieder flicken. Und so gibt es tausend Dinge, wo es heißt: Mutter hier und Mutter dort. Eine Mutter ist einfach unentbehrlich.

Von der Mutter lernen wir das Sprechen und meist auch das Laufen. Sie hilft uns, wenn wir selbständig werden. Und manchmal lernt man auch von der Mutter das Beten. Aber das Schönste an einer Mutter ist vielleicht doch, daß sie so gut trösten kann. Das kann niemand so gut wie eine Mutter.

Das gilt auch, wenn die Kinder dann größer sind. Dann sind die Sorgen zwar andere, aber Trost kann man dann noch genauso gebrauchen. Es ist gut, wenn man dann noch eine Mutter hat, auch wenn man natürlich mit der Zeit mit immer mehr Dingen selber fertig wird und die Hilfe der Eltern nicht mehr so nötig ist.

Aber in diesem Spruch aus dem Jesajabuch ist uns nun auch gesagt: Gott kann uns trösten, so wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Einmal müssen wir ja alle unsre Mutter hergeben. Und dann brauchen wir einen anderen Tröster. Aber es gibt auch Dinge, bei denen menschlicher Trost versagt und wo alle menschlichen Worte nichts auszurichten vermögen. Auch dann will Gott uns trösten. Wo Menschen nicht mehr weiter wissen, dann kann Gott doch noch trösten.

Gott tröstet mit noch mehr Ausdauer und Liebe, als ein Mensch das vermöchte. Sein Trost ist auch stärker und wirkungsvoller als selbst eine Mutter das kann; aber er ist dem Trost ähnlich, den wir von der Mutter gewohnt sind.

Vor allem brauchen wir diesen starken Trost Gottes, wenn uns so etwas Schlimmes wie der Tod begegnet. Menschen können da nur Worte machen, weil sie doch nichts daran ändern können. Bei Gott aber ist es anders: Er kann etwas daran ändern! Und das macht seinen Trost so stark. Seine Worte sind nicht einfach so hingeredet, sondern es steht eine wirkliche Macht dahinter.

Natürlich ändert sich äußerlich gesehen nicht sehr viel. Wenn ein Mensch gestorben ist, dann können wir ihn nicht mehr zum Leben erwecken. Aber Gott kann das. Seine Macht reicht über den Tod hinaus und er kann uns neues Leben geben. Das ist erst der letzte Grund für den Trost Gottes.

Wenn es ans Sterben geht, haben wir auch Angst vor einer unbekannten Gefahr. Aber Gott nimmt uns dann an der Hand und führt uns durch das dunkle Tor des Todes in sein Reich. Wenn wir es rechtzeitig gelernt haben, zu diesem Gott zu beten, werden wir auch ohne Furcht diesen Weg gehen können.

Wir dürfen es unserem Gott schon zutrauen, daß er es am Ende mit uns gut machen wird, so wie eine Mutter immer nur das Beste für ihre Kinder will. Wir aber sind alle Gottes Kinder, die er nicht im Stich lassen wird, wenn es schwierig für sie wird. Für unser Leben und unser Sterben dürfen wir gewiß sein: Gott ist uns mit seinem Troste nahe, denn er will uns „trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“

 

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen! (Jer 17,14)

Wir müssen es immer wieder erleben, daß es für einer Menschen keine Heilung mehr gibt. Die Ärzte tun ihr Bestes, die Verwandten setzen alles mögliche in Gang - aber wenn Zeit und Stunde gekommen sind, nützt alles nichts mehr.

Sicherlich ist es uns nicht verwehrt, auch in sogenannten aussichtslosen Fällen zu Gott zu beten, daß er doch noch eine Wendung herbeiführt. Aber die Entscheidung liegt ja allein bei Gott. Wir sollten nicht meinen, er ließe sich ja doch nicht umstimmen. Aber wenn er es anders beschlossen hat, werden wir es auch aus seiner Hand hinzunehmen haben.

Wenn wir uns an Gott wenden, wird er uns oftmals die Heilung versagen. Aber sein Heil werden wir immer erfahren. Wir haben ja in unsrer Sprache diesen Unterschied zwischen Heilung und Heil. Die Heilung bezieht sich nur auf unseren Körper, auf seine Gebrechen und Leiden, das was der Arzt behandelt.

Das Heil aber ist mehr. Hier geht es um unsre Beziehung zu Gott und zur Ewigkeit. Heil ist das gute Einverständnis mit Gott, wenn wir uns unter sein Wort stellen und nach seinem Willen leben. Heil reicht auch über unsere irdische Welt hinaus und bringt uns in Verbindung mit Gott, für alle Ewigkeit.

Was ist nun wichtiger für unser Leben: die Heilung oder das Heil? Wonach sollen wir streben, was wird das Ziel unsres Lebens sein? Sicherlich werden viele sofort sagen: „Auf das Heil kommt es an!“ Doch wir wollen nicht zu vorschnell urteilen. Wenn einer wirklich krank ist, dann wird es ihm auch auf die Heilung ankommen. Nicht umsonst wünscht man sich etwa zum Geburtstag Gesundheit und Wohlergehen. Dagegen ist auch sicher nichts einzuwenden, wenn man darüber nicht die Sorge um das Heil vergißt.

Ohne das Heil hätte auch die Heilung keinen Sinn. Was nützte es denn, wenn wir äußerlich wieder hergestellt wären, aber doch Schaden an unsrer Seele genommen hätten? Dann ist es tatsächlich besser, wenn wir das irdische Leben verlieren und das ewige dafür gewinnen, denn das irdische Leben ist nur wenig wert, wenn es nicht auch mit dem ewigen Leben verbunden ist.

Dennoch werden wir auch Verständnis haben für den Wunsch Jeremias nach Heilung. Da sind Menschen gekommen und haben über ihr gespottet und gesagt: „Beweise doch einmal, daß dein Gott dir hilft!“ Für Jeremia ist schon das Heil das Wichtigste. Aber um diese Spötter zu widerlegen, bittet er auch um Heilung.

Wir sind ja heute in der gleichen Lage. Wir verkündigen die Auferstehung vor den Toten. Aber beweisen können wir gar nichts. Und es bedarf schon eines starken Glaubens, wenn man trotz unterbliebener Heilung doch am Heil festhalten will. Dazu brauchen wir die lebenslange Verbindung mit Gott. Dazu gehört die Erkenntnis, daß Gott uns viel Gutes in unserem Leben getan hat, wofür wir dankbar sein können. Dazu gehört auch die Gemeinschaft mit anderen Christen und das Hören auf die Zeugnisse der Vorfahren.

Wenn wir in diesem Sinne leben, werden wir auch einen starken Glauben gewinnen, der auch einmal Belastungen aushält. Ein solcher Glaube wird dann auch nicht gleich zerbrechen, wenn einmal die Heilung versagt blieb. Er wird sich ausrichten auf das Heil und freudig dem

neuen Leben bei Gott entgegensehen.

Die Hilfe Gottes muß nicht immer so aussehen, daß er sofort alles Unangenehme und Schwere von uns wegnimmt. Was wirklich zu unsrem Heile dient, das müssen wir ihm schon überlassen. Aber wir dürfen sicher sein, daß er in jedem Fall unser Heil will.

Zunächst mag uns das noch durch die Dunkelheit des Todes verborgen sein. Er ist wie eine Wand, die das Licht des göttlichen Heils vor uns abschirmen will. Aber Jesus hat uns vor dem Licht hinter der Wand erzählt, er hat uns das Heil Gottes gepredigt. Und er hat auch eine Tür in der Ward aufgetan, durch die er uns den Weg zum göttlichen Heil eröffnet.

Wir brauchen nur seinem Wort zu vertrauen und ihm nachzugehen, dann sind wir bald durch die Anfechtungen und Ängste hindurch. Er ist denen mit seiner Hilfe nahe, die im Herrn entschlafen sind. Aber er will auch deren helfen, die vorerst noch weiterleben. Wer hier schon zu ihm gehört, wird auch in Ewigkeit bei ihm sein. Und wer auf ein Leben in der Ewigkeit mit ihm hoffen darf, der wird auch sein Leben von heute bewältigen können.

 

 

 

Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet! (Jer 29,11)

Wir haben alle so unsre Gedanken über unser Leben. Wir machen unsre Pläne und rechnen noch mit dem oder jenem. Wir wollen meist noch sehr viel schaffen, und doch kann uns heute schon alles aus der Hand genommen werden. Gott bestimmt, was wir tun können und was wir nicht mehr tun können.

Warum schickt Gott uns denn den Tod? Warum macht er denn oft so grausam einem Leben ein Ende? Viele Fragen drängen sich auf, besonders wenn ein Mensch von uns genommen wurde, von dem wir denken: Eigentlich hätte es mit ihm noch etwas Zeit gehabt. Wir hätten ihn noch gern in unsrer Mitte gehabt; aber nun war es eben anders beschlossen.

Doch überlegen wir uns nur einmal, was denn vorher war! Wie oft leidet ein Mensch unter einer schweren Krankheit und keiner kann ihm helfen. Er sehnt vielleicht den Tod herbei, um Ruhe zu haben, und seine An gehörigen denken es im Grunde auch.

Oder da hat einer sein Leben lang nur Ärger und Aufregung gehabt oder es gab nur Streit und Kampf. Irgendwann muß es damit ja auch einmal ein Ende haben Und spätestens am Ende unsres Lebens haben wir Ruhe und Frieden. Ist das nicht auch ein Geschenk Gottes: Endlich einmal Frieden zu haben?

Gott sagt: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leides!“ Wir müssen es Gott überlassen, was er tut. Vielleicht dient das, was wir zunächst als Leid ansehen, nur zu unserem Frieden.

Natürlich schafft uns der Tod zunächst einmal großes Leid. Es ist ganz natürlich, wenn man da traurig ist. Aber wir sollten vielleicht auch noch etwas weiter denken: Letztlich will Gott Frieden für uns. Nicht das Leid ist der letzte Zweck, sondern der Friede, den es nur bei Gott gibt - für die Entschlafenen und für uns, die wir weiterleben.

Für uns sieht es vielleicht enttäuschend aus. Aber Gott hat mehr mit uns vor; als wir es uns. im Augenblick denken können. Bei ihm kann noch das zum guten Ende kommen, was in unsren Augen hoffnungslos aussieht.

Es kann ja auch sein, daß einer nun Gott anklagt und in Unfrieden mit Gott lebt. Doch er will ja gerade, daß wir auch dann Frieden mit Ihm haben, wenn es uns vielleicht schwer fällt.

Wir können von uns sehr viel tun, um Frieden zu haben mit Gott und den Menschen. Wir können nicht immer alles Gott in die Schuhe schieben wollen. Gott will Frieden!

Doch wir Menschen fügen uns untereinander immer wieder soviel Leid zu. Wir sind heute betrübt über den Tod dieses e i n e n Menschen (Gatte, Mutter, Vater, usw.). Aber in Vietnam und im Nahen Osten oder anderswo in der Welt sterben täglich Hunderte von Menschen durch menschliche Schuld.

Gegen den Tod an sich können wir nichts tun, gegen den natürlichen Tod. Aber für den Tod im Krieg sind allein Menschen verantwortlich. Gott aber will Frieden haben mit uns und mit allen Menschen. Dann sollten aber auch wir Frieden untereinander haben.

Ich gebe euch das Ende, das ihr erwartet!“ sagt Gott. Wir erwarten doch alle kein Ende mit Schrecken, sondern ein Ende in Frieden. Doch das können wir uns durch keine Anstrengung selber beschaffen. Nur Gott kann uns Ruhe und Frieden geben.

Als Christen erwarten wir ja vor allem ein Ende bei Gott. Jeremia hat das noch nicht so deutlich wissen können, wie wir heute: Es gibt ein Leben nach dem Tode, ein Leben in Frieden. Und Gott verspricht, uns dieses Leben zu geben, auf das wir warten.

Wir Menschen erwarten Vieles in unsrem Leben und oft auch für unsren Tod. Das ist auch verständlich, und Gott wird es schon nicht verdammen. Aber zu unsren Erwartungen sollte eben auch ganz fest die Hoffnung auf das ewige Leben gehören.

Wer darauf wartet und daran glaubt, dem wird es auch von Gott zuteil werden. Denn Gott spricht: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet!“

 

Ich bin bei dir, spricht der Herr, daß ich dir helfe! (Jer 30,11)

Wenn ein Mensch von uns gegangen ist, dann suchen wir den Beistand und die Hilfe eines anderen Menschen. Sie, liebe Angehörige, haben sicher in den letzten Tagen manches Wort des Mitgefühls gehört. Es ist gut, wenn die Familie in einem solchen Fall zusammenhält und auch manch anderer seine Hilfe anbietet. Das gibt Ihnen zwar auch nicht den Verstorbenen wieder, aber es hilft doch, mit allem fertig zu werden.

Aber vergessen wir nicht, daß wir auch noch einen anderen Helfer haben. Darauf weist Jeremia hin: „Ich bin bei dir, spricht der Herr, daß ich dir helfe!“ Gott will und kann uns helfen in allem, was uns begegnet. Das möchte ich an drei Punkten aufzeigen: Gott hat dem (der) Verstorbenen geholfen, er will den Angehörigen helfen und er wird uns allen helfen.

Zunächst wollen wir an das Leben des Verstorbenen denken. Im Leben eines jeden Menschen gibt es Stunden, wo es schwer wird. Aber gerade dann darf man sich der Hilfe Gottes gewiß sein. Gott räumt uns nicht alle Steine aus dem Weg. Aber er sorgt dafür, daß wir dran vorbei oder drüber weg kommen, ohne großen Schaden zu nehmen.

Und wenn man sein Leben überdenkt, dann findet man gewiß Beispiele dafür. Und wer ehrlich ist, der wird dann nicht von Glück oder Zufall reden, sondern erkennen: Hier hat Gott mir geholfen! Nicht immer sind uns Gottes Pläne mit uns gleich deutlich, nicht immer sind wir damit einverstanden. Aber es kommt darauf an, daß wir hinter allem doch seine Hilfe verspüren.

Das wird besonders deutlich, wenn es ans Sterben geht. Sicherlich hängt jeder Mensch am Leben und möchte noch nicht so bald diese Welt verlassen. Andererseits hat aber auch wohl jeder Angst vor dem Sterben. Wo soll da Hilfe herkommen?

Ein Mensch kann sie uns nicht geben. Er kann uns nicht unser irdisches Leben erhalten, er kann uns nicht die Angst nehmen. Nur im Vertrauen auf Gott kann man damit fertig werden. Erst wenn man weiß: Gott meint es gut mit mir und wird mir beistehen! kann man auch mit allem fertig werden. Dann kann auch ein Mensch zur Ruhe kommen, selbst wenn er den Tod auf sich zukommen sieht.

Auch den Angehörigen kann der Glaube an die Hilfe Gottes ein Trost sein. Gewiß stehen Sie jetzt noch sehr unter dem Eindruck dessen, was gewesen ist. Zu viel wird ihnen fehlen, als daß man schnell damit fertig werden könnte. Und dennoch gilt es, den Blick nach vorne zu richten auf das, was Gott noch mit uns vorhat.

Und es ist auch gut, wenn wir zurückdenken an das, was gewesen ist. Besonders die schönen Stunden sollten uns im Gedächtnis haften bleiben. Es gibt doch immer Augenblicke des Glücks und der Erfüllung, die das Leben wertvoll machen, so daß es sich erst lohnt, gelebt zu haben.

Schließlich kann Ihnen noch helfen, wenn Sie das Schicksal des Jesus von Nazareth bedenken. In der Blüte seiner Jahre mußte er diese Welt verlassen. Allein und verachtet hing er am Kreuz, obwohl er doch unschuldig war. Er wäre sinnlos und unnötig gestorben, wenn das nicht für uns geschehen wäre.

Er starb, um all das auch mitzumachen, was Menschen zustößt. Und er starb, damit er uns vom ewigen Tod erlöst. Er ging den Weg alles Irdischen. Aber Gott hat ihn auf erweckt von den Toten und ihm ein neues Leben gegeben. So erkennen wir, daß selbst der Gottessohn leiden mußte. Warum sollte es uns da besser ergehen? Und wir erkennen, daß er unsre Hoffnung ist.

Weil Jesus auferstanden ist und auch heute noch bei Gott ist, haben wir die Gewißheit, daß wir den gleichen Weg gehen werden. Vor uns tut sich nicht ein großes dunkles Loch auf, sondern der Übergang in die Herrlichkeit der Welt Gottes.

Das ist auch die Hoffnung für uns alle, die wir sterbliche Menschen sind, die wir Angst vor dem Tode haben und die nicht wissen, was uns noch bevorsteht. Was auch kommen mag: Gott ist bei uns und will uns helfen. Er ist bei uns in guten wie in schweren Zeiten, wenn wir nur recht darauf achten.

Vor allem aber will er bei uns sein, wenn einmal unsre letzte Stunde schlägt. Dann wird sich erst erweisen, ob unser Glaube an Gott nur eine Formsache war oder ob er wirklich eine Hilfe ist. Gott will uns jederzeit helfen; und wenn wir uns helfen lassen, dann braucht uns um unsre Zukunft nicht bange zu sein.

 

Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte! (Jer 31,3)

Wir können uns nur schwer vorstellen, daß es ein Zeichen der Liebe Gottes sein soll, wenn ein Mensch aus dem Leben abberufen wird. Zu gern leben wir auf dieser Erde, haben dort unsere Aufgaben und haben Menschen, an denen wir hängen. (Auch wenn ein Mensch lange krank war und seiner Umgebung viel Mühe gemacht hat‚ so ist sein Tod doch schmerzlich. Auch wenn wir sagen: „Der Tod war eine Erlösung!" so bleibt doch eine Lücke).

Aber die Liebe Gottes zeigt sich nicht erst, wenn es ans Sterben geht: Gott kennt uns vom erster Augenblick unseres Lebens. Er geleitet uns durchs ganze Leben, durch Höhen und Tiefen. Sicherlich kommt auch einmal Schweres und sehr Schweres, aber das kann die Liebe Gottes nicht aufheben oder zunichtemachen: Gott ändert sich nicht, er bleibt uns immer freundlich zugewandt.

Vielleicht will Gott uns nur prüfen, wenn er uns Leid und Unglück schickt oder Unheil zuläßt. Wenn Eltern ihrem Kind jeden Willen lassen, dann ist es leicht für das Kind, mit den Eltern zufrieden zu sein. Aber das ist nicht unbedingt Liebe. Zur Liebe gehören auch die Strenge und die Forderung. Gott kann auch von uns fordern, daß wir frühes Alleinsein oder jahrelange Krankheit ertragen und dennoch nicht an seiner Liebe irre werden.

Die schwerste Anfechtung aber ist wohl, daß wir sterben müssen. Das ist der letzte Angriff auf unserer Glauben an Gott. Da sollen wir uns fragen: Warum muß das sein, daß es Krankheit und Schmerzen, Leiden und Tod gibt? Warum hat Gott die Welt nicht besser eingerichtet?

Ist das wirklich ein lieber Gott, der so etwas mit ansieht? Vielleicht mag er andere Menschen liebhaben. Denen gelingt immer alles, die haben keine Sorgen, die haben es leicht, an die Liebe Gottes zu glauben. Aber ich, wo spüre ich die Liebe Gottes?

Aber in einer solchen Situation sagt uns das Bibelwort ausdrücklich: Ich habe dich geliebt! Dich, der du leiden und sterben mußt! Dich, der du um einer lieben Menschen trauerst! Dich, der keinen Ausweg zu sehen meint! Gott wendet sich dem Einzelnen zu und kennt sein Schicksal. Er vergißt keinen in seiner Not. Deshalb können wir auch Zuversicht haben, daß Gott uns helfen kann.

Der ersten Schritt dazu hat er schon getan, indem er seinen Sohn Jesus vor den Toten auferweckte. Daß er seinen Sohn überhaupt zu der Menschen sandte, war ein Zeichen seiner Liebe, ein erster großer Schritt auf die Menschen zu. Das war sicher auch nicht leicht, ihn de- Menschen auszuliefern, ihrer Gewalt und ihrem Unverständnis, dazu dem Leiden und Sterben. Seither weiß Gott, wie es der Menschen zumute ist. Aber er hat auch den Weg gewiesen, wieder herauszukommen. Durch die Auferweckung Jesu hat er eine Bahn gemacht, auf der die anderen ihm nachfolgen können. Wenn erst einmal einer den Durchbruch geschafft hat, ist es für die anderen ein Kinderspiel.

Jesus ist das Haupt seiner Gemeinde. Wo der Kopf ist, da muß auch der Körper sein. Der Kopf ist das Wichtigste. Wenn er überlebt, kann auch der Körper weiterleben. Wenn Christus auferstanden ist, können wir auch auferstehen.

Deshalb ist es gut, wenn wir unser Schicksal bald mit dem Schicksal Jesu verketten. Wir müssen dann zwar mit ihm durch der Tod hindurch, aber wir werden dann auch zur Auferstehung gelangen.

Das ist, wie wenn man im Wasser untertauchen muß. Der Tod ist wie eine Sperre im Wasser, die man nicht übersteigen oder umgehen kann. Man kann nur unter dem Hindernis hindurch tauchen und muß dazu erst einmal unter Wasser gehen. Aber auf der anderer Seite kann man wieder auftauchen und wird in eine neue und bessere Welt kommen. Aber erst muß man hindurch, ehe man das Neue genießen kann.

So müssen wir auch durch die Leiden dieser Welt und schließlich den Tod hindurch, wenn wir auf ewig mit Gott verbunden bleiben wollen. Es ist seine Güte, wenn er uns bei sich haben will und uns mit sich nimmt. Wir dürfen ihm vertrauen , daß er uns richtig führt und nicht um das Ziel betrügt.

Diese (r) Verstorbene ist schon an ihrem (seinem) Ziel angelangt Sie (Er) hat ihren (seinen) Lauf vollendet und alles Leid überwunden. In ihrem (seinem) Tod körnen wir ein Zeichen der Liebe Gottes sehen, weil sie (er) jetzt in einer besseren Welt ist. Die Güte, die jeder Mensch schon zu seinen Lebzeiten erfahren darf, gilt sicherlich erst recht in der Welt Gottes. Deshalb sollten wir jeden Sterbenden ziehen lassen und uns auch selber gern auf der Weg machen, wenn unsre Zeit einmal gekommen ist.

 

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer! (Sach 9,9)

Wenn Besuch zu uns kommt, dann sehen wir ihm oft mit ganz unterschiedlichen Gefühlen entgegen. Wenn es ein lieber Besuch ist, ein guter Verwandter oder Bekannter, wenn wir uns über das Kommen freuen, dann ist ja alles gut; dann kann er ruhig kommen, denn einen solchen Besuch haben wir gern. Aber wenn es unangenehmer Besuch ist, dann können wir gar nicht warten, bis er wieder geht. Vielleicht will er ja nur Geld haben. Oder er will uns zurechtweisen Oder wir können den Betreffenden sowieso aus irgendeinem Grund nicht leiden. Immer möchten wir, daß es möglichst bald vorbei ist.

Zu welcher Art von Besuchern gehört nun Jesus? Ist er uns ein lieber oder ein unliebsamer Besuch? Aus unsrem Gefühl heraus würden wir sagen: Er ist uns willkommen. Wenn Jesus kommt, dann ist das doch nichts Schlimmes, sondern eine große Ehre und Freude. Warum sehen aber viele Leute diesen Besuch vielleicht gar nicht so gern? Nun, meist hängt das damit zusammen, daß das Haus nicht in Ordnung ist für einen Besuch. Man kann auch nicht im letzten Augenblick noch aufräumen. Da ist dann die Not groß.

So könnte es uns auch gehen, wenn Jesus kommt: Vielleicht ist unser Leben noch nicht so in Ordnung, daß wir ihn schon empfangen könnten. Auf einmal fallen uns alle Versäumnisse und Fehler ein. Die Gebote stehen uns vor Augen, dazu unsre Müdigkeit und Halbheit. Wir sehen, was Jesus von uns fordert und wie wenig wir seinen Anforderungen entsprechen. Daher kommt dann unser schlechtes Gewissen. Wenn alles in Ordnung wäre, brauchten wir auch keine Beklemmungen zu haben, dann könnten wir alles zeigen, auch unser Inneres.

Vergessen wir nicht: Es ist ein König, der da kommen will. Bei einem hohen Herrn kann man sich noch weniger gehen lassen als bei einem anderen. Deshalb haben auch viele Angst davor.

Jesus kommt auch noch heute wie ein König in unser Leben, spätestens, wenn wir aus diesem Leben abberufen werden. Er kommt als ein Gerechter und ein Helfer: Er ist streng und unbestechlich, aber er hilft auch.

Auf dieser letzten Aussage liegt der Ton: Er ist vor allem ein Helfer. Richter hat es immer schon gegeben. Aber die haben die Welt nicht verbessert, sondern konnten immer nur reagieren auf die Untaten der Menschen. Jesus aber will uns von vornherein davor bewahren. Er ist mehr ein Helfer als ein Richter, er ist ein Vater.

Das ist unser Trost, wenn wir vielleicht Angst vor der Zukunft haben, vor allem aber vor dem Tod. Am Ende erwartet uns eben nicht ein Vernichter, sondern ein Helfer. Und wenn er gerecht ist, dann nur, weil er a 1 1 e n helfen will.

Wir sind so oft nach Hilfe aus. Wen suchen wir nicht alles, um bei ihm Hilfe zu finden: Da sind andere Menschen oder Organisationen, wir haben Bücher und Maschinen, wir haben Geld und Arzneien. All das soll uns helfen und hilft uns auch. Aber oft fehlt es uns auch an diesen Hilfsmitteln und was dann? Dann suchen wir hier und da und verzehren uns bei der vergeblichen Suche und sind doch nie zufrieden.

Dabei ist es doch viel einfacher mit der Hilfe: Jesus kommt mit seiner Hilfe zu u n s. Jetzt in dieser Adventszeit denken wir ja besonders an das Kommen Jesu. Aber kommt es nicht vor allem darauf an, daß er auch h e u t e zu uns kommt, zu jedem einzelnen von uns, so wie wir hier sind?

Keiner muß Angst haben vor dieser Begegnung. Jesus weiß, daß wir alle nicht vollkommen sind, wenn wir auch getan haben, was wir konnten. Er gibt uns auch die letzte Hilfe, die wir brauchen: Er schiebt unser Versagen zur Seite, er übernimmt all unsre Schulden und streicht sie durch.

Keiner muß seine Lebensschuld bezahlen und vor Angst vergehen. Jesus sorgt von sich aus dafür, daß wir mit reinen Kleidern dastehen können, um dem König zu begegnen. Für unsere Zukunft ist gesorgt. Wir werden nicht einfach in dem großen Kreislauf der Natur untergehen, sondern die Geschichte Gottes mit uns geht weiter. Er gibt uns ein neues Leben, das nie vergeht.

Damit ist endgültig sichergestellt, daß wir diesen Besuch mit Freuden empfangen können. Er kommt, um uns das Leben zu bringen und nicht den Tod. Gewiß - äußerlich gesehen vergeht unser Leib. Aber in Wirklichkeit werden wir bei Gott ganz neu, so daß wir uns ohne Schwie­rigkeiten bei diesem König aufhalten können. Unser jetziger Leib wäre nämlich dazu nicht geeignet, weil er zu sehr dem Irdischen verhaftet ist.

Auf zwei Worte in dieser Verheißung wollen wir am Schluß noch besonders hören: „Dein König kommt zu dir!“ Er geht nicht an unsrer Tür vorüber, er ist nicht nur für die anderen da sondern er ist d e i n König. Deshalb ist für uns nichts weiter nötig als ihn hereinzulassen in unser Leben, damit er auch im Tod de König ist und der Sieger über den Tod wird

 

Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt! (Hi 1,21)

Wenn wir einen solchen Schmerz erfahren, dann mag es eine Hilfe sein, wenn wir hören, anderen Menschen ist es genauso oder noch schlimmer ergangen. So wollen wir uns heute einen Menschen aus dem Alten Testament zum Vorbild nehmen. Ein ganzes Buch berichtet von dem gottesfürchtigen Mann Hiob.

Er hatte alles, was das Herz begehrt: Zehn Kinder, ein Haus, riesige Viehherden, viele Arbeiter. Sichtbarer Segen lag über seinem Haus. Da war es auch nicht so schwer, an Gott zu glauben, der das alles gegeben und ermöglicht hat.

Aber nun nimmt Gott ihm nacheinander alles weg, auch die Kinder. Das ist bestimmt genau so schwer, wie wenn man den Ehepartner verliert. Als Hiob diese letzte, schwere Botschaft erhalten hat, steht er auf, zerreißt sein Kleid und rauft sich die Haare. Er wird eben auch von Trauer und Schmerz überwältigt.

Wir können das Schwere in unserem Leben nicht einfach überspringen. Wir können nicht sagen: „Es ist ja nur halb so schlimm, Gott hat es so gewollt!“ Ob Gott wirklich der Tod dieses Menschen gewollt hat? Und wenn er es gewollt hat, dann wissen wir nicht warum. Hat er sie (ihn) vor Schlimmerem bewahren wollen? Wir können nur schwer eine Antwort geben.

 

Aber wir können auf Hiob sehen und uns fragen, wie er denn nun weiter gehandelt hat. Er trauert wie wir. Aber er fällt auf die Knie und betet an: „Ich bin nackt vor meiner Mutter Leib gekommen,“ sagt er, „nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen; der Name des Herrn sei gelobt!“

Es wird Ihnen, liebe Angehörige, sicher schwerfallen, diese Worte des Hiob im 21.Vers des 1.Kapitels nachzusprechen, besonders den letzten Satz: „Der Name des Herrn sei gelobt!“ Gottes Handeln erscheint uns hier unverständlich, da gibt es doch nichts zu loben, sondern nur zu klagen.

Aber wir Menschen sind nicht Richter über Gottes Wege. Wir können ihm nicht vorschreiben, wie er zu handeln hat. Was er zu tun und zu lassen hat. Er ist unser Herr und Schöpfer, wir sind nur seine Geschöpfe, die sich seinem Willen fügen müssen Und darauf vertrauen sollen, daß er es richtig macht.

Ein kleiner Nachsatz folgt noch: „In all diesen Dingen sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes gegen Gott!“ Es wäre töricht, Gott nun anklagen zu wollen. Der Ehepartner ist nicht ein Besitzstück, das man für alle Zeiten behalten darf (das Gleiche gilt für ein Kind). Menschen sind uns nur anvertraut. Wir sollten jede gemeinsame Stunde dankbar annehmen und zu würdigen wissen.

Wenn aber einer aus unsrer Mitte abberufen wird, dann können wir nur eine Erklärung dafür finden: Gott hat ihn schon bei sich haben wollen! Das irdische Leben wurde verkürzt, um eher an der Welt Gottes teilhaben zu können. Gott will das Beste für jeden Menschen. Und auch im Tode können wir nirgends anders hinfallen als in Gottes Hand.

Auch für die Zurückbleibenden wird es weitergehen mit ihrem Leben. Vieles wird sich ändern. Aber es wird nicht unmöglich sein, überhaupt zu existieren. Gottes helfende Hand wird über den Angehörigen bleiben, wenn sie ihn nur bei sich haben wollen.

Hiob hat viel schwereres Leid erfahren müssen. Aber er ist doch bei Gott geblieben. Er-hat das alles nur als eine Prüfung verstanden, die es durchzustehen gilt -im Glauben an Gott. Er hat diese Prüfung auch bestanden. Weil sich Hiob weiter zu Gott gehalten hat, wurde ihm noch einmal alles geschenkt, was er vorher hatte, Besitz und Kinder.

Auch für uns wird es darauf ankommen, immer bei Gott zu bleiben ,unser ganzes Leben hindurch. Was nützen uns- denn alle Güter dieser Welt, was nützt uns Erfolg im Leben und eine geachtete Stellung, wenn wir Gott nicht haben? Nur mit ihm werden wir auch der Tod eines lieben Menschen innerlich überstehen können.

Und wir werden auch die Kraft finden, unseren eigenen Tod zu bestehen. Heute aber können wir Gott nur bitten, daß er uns die Kraft gibt, diese Worte Hiobs nachzusprechen: „Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen, der Name des Herrn sei gelobt!“

Von ihm sind wir hergekommen, zu ihm werden wir wieder zurückkehren. Beim einen ist es früher, beim anderen später. Wir wollen daran denken, daß es bei uns auch einmal so schnell gehen kann, von einer Stunde zur anderen. Aber wir wollen-immer gerüstet sein auf diesen Augenblick - und uns dadurch nicht von unserem Gott abbringen lassen.

 

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt: und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben. Und nachdem diese meine Haut zerschlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott schauen! (Hiob 19,25-26)

Wir sind betrübt über den Tod dieses Menschen. Lange Jahre war er unter uns: Wir haben vieles gemeinsam mit ihm durchgemacht. Es gab schöne Stunden und Erfolge, es gab aber auch Kampf undVersagen, Krankheit und Leid. Aber so ist nun einmal unser Leben, daß Licht und Schatten eng beieinander wohnen.

So war es auch bei Hiob. Es ging ihm gut, er hatte alles, was das Herz begehrt: Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter -- und das alles noch im reichen Übermaß. Aber dann wurde ihm nach und nach all das genommen, was uns doch so das Ziel unseres Lebens zu sein scheint: das Vieh. kam um, die Kinder starben und er selbst wurde krank und körperlich furchtbar entstellt. Es war zum Verzweifeln mit ihm.

Aber er sagt: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!“ Er hält an Gott fest, auch wenn ihm die anderen abraten. Er läßt sich durch ein solches Unglück nicht von Gott abbringen, sondern hält sich nur noch eher an ihm fest. Er weiß: Gott ist nicht gestorben und machtlos geworden, sondern er lebt und wird ihn schon wieder von diesem Übel befreien.

Bei dem Wort „Erlöser“ dachte man in der Antike an einen ganz bestimmten Vorgang: Es gab damals Sklaven, also Menschen, die das Besitzstück eines anderen Menschen waren. Deshalb wurden sie auch wie ein solches verkauft. In jeder Stadt gab es einen Sklavenmarkt, wo die Menschen aneinandergekettet standen und auf einen Käufer warteten.

Nun kam es aber hin und wieder vor, daß ein reicher Herr einen solchen Sklaven kaufte und ihm die Freiheit schenkte. Dann wurden ihm die Ketten abgenommen und er war alle Bindungen los. Sein Wohltäter war dann der „Erlöser“ für ihn, also der, der ihn „losgemacht“ hatte.

So weiß auch Hiob, daß einer kommen wird, der ihn wieder erlösen wird.

Und so dürfen auch wir wissen, daß wir einen Erlöser haben. Jesus Christus hat uns wieder deutlich gemacht, daß wir an Gottes Erlösung glauben dürfen. Ja, dieser Jesus ist selber unser Erlöser. Wir sind ja alle Gefangene unserer Sünde. Wir haben manches Böse in unserem Leben getan. Wir kommen nicht wieder davon los. Es muß schon ein anderer kommen, der uns wieder frei macht.

Jesus ist unser Befreier. Er hat uns von den Ketten des Bösen erlöst, hat sie fortgetragen, so daß wir sie nicht mehr mit uns herumschleppen müssen: Wir sind wieder zu freien Menschen geworden. Wir müssen nicht fürchten, ein anderer könnte diese Ketten wieder holen und uns erneut gefangensetzen. .Es mag zwar sein, daß wir jetzt von der Macht dieses Er1ösers wenig merken. Es mag uns so vorkommen, als seien Unecht und Leid, Krankheit und Tod stärker als Christus.

Aber da wird uns heute gesagt: „Als der Letzte wird er über dem Staube sich erheben!“ Auch wenn alles kaputt geht, so geht Gott doch neu und kräftig aus allem hervor und läßt sich durch nichts unterkriegen. Er ist auch stärker als der Tod. Was für uns wie eine Niederlage aussieht, ist in Wirklichkeit der Beginn eines Neuen. Wenn etwa ein Haus abgerissen wird, dann gibt es auch viel Staub und Dreck. Aber aus all dem wächst dann doch wieder etwas Neues und Schönes hervor.

So muß auch unser irdischer Leib erst zerschlagen werden, ehe er neu werden kann. Gewiß ist das schmerzhaft und stimmt uns traurig. Wir wollen lieber leben und noch eine Zukunft haben. Aber der Tod ist notwendig, wenn etwas Besseres entstehen soll.

Hiob weiß: „Nachdem diese meine Haut zerschlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen!“ Erst wenn der-irdische Körper zerstört ist, können wir .Gott sehen. Vorher sind wir noch zu sehr dem Bösen verhaftet und voller Schwächen und Mängel, daß wir vor der Herrlichkeit Gottes nicht bestehen können.

Nur ohne unseren irdischen Leib können wir Gott gegenübertreten. Aber das bedeutet auf der anderen Seite: Gott hat auch über den Tod hinaus mit uns zu tun. Wir .können nur nicht all das mit hinüberretten‚ woran wir hier so hängen. Das wäre ein zu großes Gewicht, das uns belastet und unnötig vom wesentlichen abhält, von dem, was Gott uns geben will.

Gott will uns unbelastet vor sich haben. Er schafft die Voraussetzungen dafür, indem er uns zu sich holt. Wir sehen hier nicht ein grausames Geschick, sondern ein Zeichen der Liebe Gottes. Wenn wir das begreifen, können wir auch voller Zuversicht sagen: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!“

 

Der Herr kennt meinen Weg wohl. Er wird vollführen, was mir bestimmt ist! (Hi 23,10+14)

Wir Menschen wissen unsren Weg ja nicht. Eines Tages sind wir in diese Welt hineingeboren worden, eines Tages werden wir sie wieder verlassen müssen. Was dazwischen liegt, wissen wir nicht: Ob unser Leben in ruhigen und geordneten Bahnen verlaufen wird oder ob es viel Ungewöhnliches geben wird, ob wir es leicht oder schwer haben werden, ob es Not oder Überfluß, ob es Krieg oder Frieden geben wird - all das wissen nicht von vornherein.

Vor allem wissen wir nicht, w a n n unser Leben ein Ende haben wird. Ein junger Mann sagen: „Das mit der Kirche hat noch Zeit, bis ich 60 bin!“ Aber wer sagt ihm denn, daß er dieses Alter erreichen wird? Gewiß rechnen wir wohl alle damit. Aber es steht ja nicht in unserer Macht, ob uns das wirklich vergönnt ist.

Deshalb haben wir wohl auch solche Angst vor dem Tode. Er kann uns so plötzlich überfallen, auch wenn wir gar nicht damit gerechnet hatte. oder gerade, wenn wir uns sicher fühlten. Sonst ist unser Leben doch so geordnet. Aber hier ist etwas Unberechenbares, was alles wieder über der Haufen wirft. Unsicherheit aber erzeugt Angst. Deshalb dann das Bestreben, alles, was mit dem Tod zusammenhängt, nur möglichst weit wegzuschieben.

Aber bei Hiob heißt es nun: „Der Herr kennt meinen Weg wohl!“ Wo wir unsicher sind, da ist e r ganz sicher. Bei ihm liegt unser Weg, unsere Zukunft und unser Ziel, klar und offen. Wir brauchen eigentlich nur den Weisungen dieses Herrn zu folgen.

Diese Weisungen sind für uns niedergelegt in seinem Wort, in der Bibel und in der Verkündigung der Kirche. Wir brauchen eigentlich nur diesen Wegweisern nachzugehen und schon sind wir auf dem richtigen Weg. Gott garantiert dafür, daß die Wegweiser stimmen und ans richtige Ziel führen, auf ihn können wir uns verlassen.

Nur auf uns selber können wir uns nicht immer verlassen. Oftmals gehen wir doch auf eigene Faust los und wollen es besser wissen als Gott. Wir gehen unsre eigenen Wege und verzichten auf Gottes Richtpunkte. Gott läßt uns dann auch zunächst einmal gehen. Er ist kein Gewaltherrscher, der uns alles bis ins Kleinste vorschreibt.

Gott hat zwar einen Vorschlag, welchen Weg wir gehen sollen. Aber er zwingt uns nicht, diesen Weg auch zu nehmen. Es ist uns also nicht alles vorherbestimmt im Leben, so daß wir nichts mehr daran ändern könnten. Gott ist nicht so kleinlich, daß er uns nicht auch Freiheit ließe. Mancher muß auch erst durch Schaden klug werden und aus Erfahrung von selber darauf kommen.

Aber Gott kennt unseren Weg, auch wenn wir uns einen eigenen Weg suchen sollten. Gott ist immer dabei. Wir können uns nicht vor ihm verbergen. Auch wenn wir vielleicht lange in die Irre gehen, so gehen wir für Gott doch nicht verloren.

Am Ende macht sich das dann bezahlt für uns. Denn wir dürfen sicher sein, daß Gott uns auch im Tode nicht verläßt. Er kennt auch das letzte Ende unsres Weges und will uns dabei beistehen. „Er wird vollführen, was mir bestimmt ist!“ heißt es bei Hiob.

Ja, was ist uns bestimmt? Ist uns nur ein langes Leiden mit vielen Schmerzen und am Ende der Tod bestimmt? Nein, Gott weiß es besser: Er hält am Ende das ewige Leben für uns bereit. Als Christen haben wir die Hoffnung: Unser Leben wird nicht im Grab enden, sondern wir warten auf die Auferstehung der Toten und das Leben in der zukünftigen Welt.

Aber einen solchen Satz: „Der Herr kennt meinen Weg wohl. Er wird vollführen, was mir bestimmt ist!“ kann man nur sagen im vollen Vertrauen auf Gott. So wie ein Kind seinem Vater vertraut und sich an der Hand führen läßt, ohne zu fragen, wo es nun hingeht, so führt auch Gott uns durch unser Leben.

Ein Vater läßt sein Kind auch einmal ein Stück voraus oder zur Seite laufen. Aber bei Gefahr nimmt er es doch wieder an die Hand. Und am Schluß weiß das Kind: Der Vater hat mich doch ans Ziel gebracht.

So hat auch diese (r) Verstorbene (n) an der Hand des Vaters das Ziel ihres (seines) Lebens erreicht. Wir dürfen sie (ihn) getrost in den Händen des Vaters lassen. Und wir wissen, daß wir ja auch den gleichem Weg gehen werden. Lassen wir uns deshalb auch von diesem Gott führen. Er kennt unsren Weg wohl. Er wird vollführen, was er uns bestimmt hat!

 

Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen! (Spr 3,5-6)

Das ist leicht gesagt: Verlaß dich auf den Herrn! Angesichts des Todes eines lieben Menschen wird man eher sagen wollen: Gott hat mich. verlassen Er hat seine Versprechungen nicht wahr gemacht und mich nun im Stich gelassen!

Aber Gott hat uns ja nicht versprochen, daß unser Leben auf der Erde ewig dauert. Er hat uns das ewige Leben versprochen, aber nicht ein unendlich. langes Leben auf dieser Erde. Das ist ja doch ein Unterschied. Und auch ein Mensch, der sich treu zu Gott und zur Kirche gehalten hat, muß damit rechnen, daß er früh sterben kann.

Es ist sicher gut, daß unsre Lebenszeit begrenzt ist. Denn dieses Leben ist ja auch die Zeit unseres Ungehorsams gegenüber Gott, die Zeit des Leidens und der Schmerzen, die Zeit der Angst und Verzweiflung. Das alles hört ja mit dem Tod endlich auf.

Aber noch aus einem anderen Grund ist es gut, daß wir sterblich sind: Wenn ein Mensch durch. einen Unglücksfall umkommt, dann ist das nicht ein so unendlich schwerer Verlust. Es ist ja ein Mensch, der doch einmal hätte sterben müssen. Gewiß fällt uns der Abschied schwer. Besonders die Angehörigen nimmt es sehr mit. Aber dadurch ist ja noch nicht unsere ganze menschliche Existenz abgeschnitten.

Wir müssen zwar sterben. Aber das ist notwendig, damit uns das ewige Leben zuteil werden kann. Die Sterblichkeit ist der Preis für unsre Unsterblichkeit. Wenn wir ewig in dieser Welt zu leben hätten, dann wüßten wir ja gar nicht, was das ewige Leben bei Gott bedeutet. Dann meinten wir, unser irdisches Leben sei das einzige und das höchste und außer ihm gäbe es nichts mehr für uns zu erhoffen.

Gott aber hat es anders mit uns vor. Für ihn ist unser irdisches Leben nur ein kleiner Ausschnitt aus unserer gesamten Existenz. Wir waren schon bei ihm, he wir in diese Welt geboren wurden. Und wir werden wieder bei ihm sein, wenn dieses Leben einmal ein Ende hat. Gott hat mehr mit uns vor als nur die paar Jahrzehnte unseres irdischen Daseins.

Doch das zu glauben ist eine Sache unsres Herzens und unsres Glaubens und nicht unsres Verstandes. Gott hat uns auch den, Verstand gegeben. Aber mit ihm können wir nur bestimmte Bereiche unsrer Umwelt erkennen uni begreifen. Für andere Dinge hat er uns den Glauben gegeben, damit wir auch hier Erkenntnisse gewinnen können.

Es ist gut, wenn jede dieser Möglichkeiten ihr Recht behält und nicht eins ins andere hinüberzugreifen versucht. Der Verstand würde natürlich sagen: Nach dem Tod ist alles aus. Da gibt es nichts anderes mehr, als daß der Mensch zu Staub und Asche zerfällt. Mehr zu erfassen ist dem Verstand nicht möglich, hier hat er seine Grenze. Daß es eine noch tiefere Wahrheit gibt bleibt ihm verborgen.

Deshalb heißt es hier in den Sprüchen zu recht: „Verlaß dich nicht auf deinen Verstand!“ Jedenfalls nicht, wenn es um Erkenntnisse geht, die dein Leben und Sterben betreffen. Da ist es besser, auf Gott zu hören und sich bei dem Gewißheit zu holen, was uns sein Wort zu sagen hat.

Dort heißt es weiter: „Gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen!“ Gott hat auch diese (n) Verstorbene (n) recht geführt. Zwar kommt nicht immer alles so, wie man es sich selber gedacht hat, aber meist stellt sich ja erst am Ende heraus, ob ein Weg gut war oder nicht.

So wollen wir Gott heute danken, daß er der (dem) Verstorbenen ein langes Leben geschenkt hat. In der Taufe hat er sie (ihn) zu seinem Kind angenommen, über Konfirmation und Trauung und bei vielen anderen Gelegenheiten hat er sie (ihr,) im Leben geführt. Durch sein Wort und die Gemeinschaft, anderer Christen ist er ihr (ihm) nahe gewesen. Nun hat er sie (ihn) friedlich einschlafen lassen.

Gottes Weg sind schon richtig. Darauf wollen wir vertrauen. Und wir dürfen wissen: Unser Weg ist mit dem Tod noch nicht zu ende. Der Tod ist nur ein Meilenstein, an dem Gott auf uns wartet, um uns ganz zu sich zu holen. Wenn wir an ihn immer denken, dann sind wir auf dem richtigen Weg und werden ans Ziel unseres Lebens gelangen.

 

Bei dem Herrn findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk! (Ps 3,9)

Wenn ein Mensch ins Wasser gefallen ist, aber nicht schwimmen kann, dann schreit er um Hilfe Wenn man sich selber nicht helfen kann, dann muß man darauf vertrauen, daß ein anderer zu Hilfe kommt. So könnte es einem im übertragenen Sinne auch ergehen, wenn man vor Krankheit und Leiden betroffen wird.

Bei einer nicht leicht zu nehmenden Krankheit holen wir ja auch den Arzt zu Hilfe. Wir vertrauen darauf, daß er tut, was er kann und wir wieder gesund werden können. Wenn es um die Gesundheit geht, tun wir überhaupt alles mögliche, damit alles wieder in Ordnung kommt.

Da ist es auch nicht falsch, sich im Gebet an Gott zu wenden. Auch wenn die Sache nicht so schlimm zu sein scheint, hängt die Gesundheit doch auch vom Willen Gottes und von seiner Hilfe ab. Es ist überhaupt immer richtig, sich nicht nur im äußersten Notfall an Gott zu wenden, sondern ständig Verbindung mit ihm zu haben.

Der Psalm, aus dem dieser Bibelvers genommen ist, ist ja an sich ein Morgenlied, das man regelmäßig gebetet hat. Da hat einer schlimme Feindschaft erlebt, doch Gott hat ihn erhört und gehalten. Nun ist die Gefahr vorüber, und er lobt Gott für seine Durchhilfe.

Seine Erfahrung: „Bei dem Herrn findet man Hilfe“ möchte er nicht auf einen einzigen Fall beschränkt wissen, sondern weiter tragen in die Zukunft. Die Hilfe Gottes in der Vergangenheit gibt ihm den Mut, Gott auch für die Zukunft zu bitten: „Dein Segen komme über dein Volk!“

Eine Krankheit ist auch ein Feind, der dem Menschen nach dem Leben greift. Sie beeinträch­tigt das Leben, macht es manchmal gar nicht mehr lebenswert und führt auch einmal zum Tode. Da kann man sich schon fühlen, der nur noch von außen Hilfe erhoffen kann. Wer schon einmal eine richtig schwere Krankheit mitgemacht hat am eigenen Leib oder bei einem anderen erlebt hat, wird das wissen.

Gegen die Krankheit ist kein Kraut gewachsen!“ sagen wir. Manche Krankheit kann zwar behoben werden, aber manche ist auch eine Krankheit zum Tode. Aber auch dagegen hat Gott noch ein Mittel, auch wenn dieses anders ist, als wir es uns oft vorstellen. Wir wünschen natürlich, daß die äußere Gesundheit wiederhergestellt wird. Aber Gott hat manchmal auch etwas anderes mit einem Menschen vor.

Wenn er einen Menschen abruft aus dieser Welt, dann will er ihm etwas Besseres dafür geben. Er möchte, daß alle Krankheit und alles Leiden aufhört und der Mensch in ungetrübter Gemeinschaft mit ihm leben darf. Seine Hilfe sieht dann so aus, daß er uns auferweckt vom Tod und ein neues Leben gibt. „Bei dem Herrn findet man Hilfe“, auch wenn diese manchmal anders aussieht, als wir es uns zunächst erhofft haben.

Wir sollten den Satz auch nicht so verstehen: „Wenn ein Mensch schon lange krank war und ihm doch nicht mehr zu helfen ist, dann ist es eine Hilfe, wenn er endlich abgerufen wird. Das wird man zwar manchmal denken. Aber es wird doch immer schmerzlich, wenn ein Mensch sterben muß. Wir haben doch viele Verbindungen zu ihm gehabt und wir hätten ihn auch noch gern bei uns gehabt.

Aushalten kann man das im Grunde nur, wenn man weiß: Bei Gott hat er es jetzt besser! Wir müssen ihn zwar hergeben. Aber am Erde hat er das neue Leben lieber als das jetzige. Wir hoffen jedenfalls darauf, daß des Leben bei Gott mehr ist als das irdische.

Den Segen Gottes jedenfalls können wir hier wie dort erfahren. Wir können immer wieder nur darum bitten, daß unser Leben gesegnet sei, daß aber auch das Sterben gesegnet sei und wir auch nach dem Tod weiter unter dem Segen Gottes stehen.

Deshalb sollten wir auch diesen Verstorbenen getrost hergeben. Wir dürfen wissen: Er wird nicht endgültig verloren und vergessen sein sondern er wird gerettet von Gott aus dem Tod heraus und wird bei ihm aufgehoben in Ewigkeit. Wir aber haben unseren Lauf erst noch zu vollenden. Wir sollten es tun im Vertrauen auf Gott, bei dem man Hilfe findet und der mit

seinem Segen unser Leber begleiten will bis in Ewigkeit.

 

Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne! (Ps 4,8)

In dieser unsrer Welt leben wir in großer Unsicherheit. Uns liegt die Frage auf den Lippen: Was ist denn der Sinn des Lebens? Wie wird denn das alles enden in der großen Politik, im Wirtschaftsleben, in unsrem Dorf, in unserer Familie? Was nützt das denn alles, was wir in unserem Leben getan haben? Ist wirklich die Arbeit der Sinn des Lebens? Oder sind wir zuerst für die Familie da? Leben wir in den Kindern weiter?

Unsere Arbeit kann auch ein anderer tun. Das erlebt jeder schmerzlich, der Rentner wird und durch einen anderen ersetzt wird. Mancher, der sich so wichtig vorkam, der muß dann erkennen, daß ein anderer es genauso gut oder noch besser kann.

Auch in den Kindern und Enkeln können wir nicht weiter leben. Diese sind ganz eigene Persönlichkeiten, die ihr eigenes Leben haben. Sie leben weiter, aber wir müssen­ sterben. Jeder hat nur sein eigenes Leben zu leben. Und das hat unweigerlich einmal ein Ende.

Ist denn der Tod das einzige Ziel und der einzige Sinn unsres Lebens? Es gibt ja auch den Spruch, der auch über Gräbern steht: „Das Beste, das der Mensch in dieser Welt erlebt, ist, daß er endlich stirbt und daß man ihn begräbt!“ Solch ein Satz ist trostlos und läßt uns keine Hoffnung. Dann wäre der Tod das einzig Gute in der Welt.

Ich hörte einmal einen reden: „Der Tod ist doch nur ein sanftes Verlöschen und Zurückkehren in den Schoß der allgütigen Mutter Natur!“' So kann man noch reden, wenn man den Tod fern wähnt, wenn man noch ruhig im Sessel sitzt und alles noch unbeteiligt betrachten kann.

Die Natur ist ja gar nicht so gütig, wie das oft dargestellt wird. Es gibt in ihr ständigen Kampf jedes gegen jeden, es gibt Leiden und Tod. Auch wir Menschen sind davon betroffen und fühlen uns oft dadurch bedroht. Die Natur ist oft grausam und unbarmherzig. Gott aber ist gütig und barmherzig. Er will nicht, daß wir im Tode bleiben müssen.

Gewiß sind wir betroffen, wenn uns der Tod plötzlich erreicht. Dann ist unsre Sicherheit auf einmal dahin. Wenn der vertraute Lebensgefährte sich auf einmal nicht mehr bewegt und nicht mehr spricht, dann spüren wir doch selber, daß wir auch einmal werden sterben müssen.

Der Tod ist ein hartes Geschick, das uns trifft, besonders wenn er uns unerwartet trifft. Aber er ist nicht ein blindes Schicksal. Denn hinter dem Tod kommt ja Gott, der weiß, warum er uns zu sich holt und was er mit dieser (m) Verstorbenen vorhat.

Im Psalm 4 steht auch die Frage: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Wir können diese Frage beantworten und sagen: G o t t wird uns Gutes sehen lassen, wenn er uns zu sich ruft. W i e das im einzelnen aussehen wird, das wissen wir nicht. Wir können höchstens sagen, was nicht mehr sein wird:

Es wird keine Aufregung und Hetze, keine Arbeit und Mühe, keine Enttäuschungen und kein Versagen, keine Not und kein Elend, kein Leid und Schmerz und auch keinen Tod mehr geben. Gott wird alles neu machen und uns ein besseres und schöneres Leben gehen.

Wir wissen, daß mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern Gott weiter mit uns zu tun hat. Deshalb kann auch dieser Mensch, den Gott jetzt zu sich geholt hat, ruhig sprechen: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher lebe!“ Er hat schon zur Ruhe Gottes gefunden und braucht sich nicht mehr abzumühen wie wir.

Der Schlaf ist zwar etwas anderes als die ewige Ruhe, aber er ist Vorabbildung dessen, was Gott uns verheißt.

Wir, die wir weiterleben, sind auch weiter unbehauste Menschen in der Welt. Natürlich haben wir Wohnung und Essen und für unser äußerliches Leben ist durchaus gesorgt. Aber unsre innere Angst werden wir nicht los, auch wenn wir sie wegschieben wollen. Deshalb sind wir oft so ruhelos und rastlos in der Welt.

Nur Gott kann uns helfen, daß wir schon in dieser Welt Frieden erlangen: Frieden mit uns selbst, Frieden mit den Mitmenschen und Frieden mit Gott. Sichere Wohnung haben wir nicht erst in der Ewigkeit, sondern auch schon in diesem Leben, wenn wir von Gott alles erwarten und uns von ihm helfen lassen.

Wenn wir nun noch einmal wie am Anfang nach dem Sinn unsres Lebens fragen, so können wir nun antworten: G o t t ist der Sinn unsres Lebens, und das, was er heute, morgen und übermorgen und in der Ewigkeit mit uns vorhat. Das Ziel unsres Lebens ist, daß auch wir sagen können: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne!“

Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; steht er ist mir zur Rechten, so werde ich fest bleiben! (Ps 16,8)

Eigentlich sind das ja erschreckende Aussichten, wenn man bedenkt, daß Gott immer vor unseren Augen ist. Er sieht, was wir tun und was wir unterlassen und ist bei allem dabei. Kein Augenblick unsres Lebens kann ihm entgehen.

Man wird das leicht als Zwang und Bevormundung empfinden. Wer läßt sich schon gern in die Karten sehen! Vielen Leuten ist es doch auch sonst einfach unangenehm, wenn der Vorgesetzte bei ihrer Arbeit dabei ist. Man will doch lieber unter sich sein und sich ungezwungen bewegen können.

Nun meint der Beter dieses Psalms allerdings: Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Er folgt diesem Herrn gern hinterher und tut das, was sein Herr auch tut.

Sein Weg ist wohl schwierig: Da sind Steine, über die er stolpern kann; da sind Löcher, in die er treten kann. Es gibt Biegungen, bei denen man den Vordermann leicht verlieren kann - aber dieser Mannbehält doch Gott fest im Auge und folgt ihm unbeirrt.

Eigentlich ist Gott ein guter Führer für unser Leben. Wenn wir ihn vor Augen haben, werden wir schon den richtigen Weg gehen, auch wenn manches dazwischenzukommen scheint. Einem menschlichen Führer können wir nicht so ohne Bedenken folgen, denn er kann leicht

in die Irre führen.

Aber auf Gott können wir uns verlassen, ein ganzes langes Leben hindurch. Allerdings gilt das nur unter der Voraussetzung, daß wir Gott wirklich allezeit vor Augen haben. Viele bekommen ihn nur aus besonderen Anlässen zu Gesicht, zu Weihnachten oder bei einer Trauerfeier. Da erscheint Gott einmal flüchtig am Horizont des Lebens, um bald darauf wieder zu verschwinden. Er ist dann nicht allezeit vor Augen. Gott will jedoch unser ganzes Leben begleiten. Er will wirklich in allen Lebenslagen unser guter Leitstern sein. Vielleicht könnten wir uns vor mancher Entscheidung und vor mancher Tat fragen: Was würde Gott jetzt dazu sagen?

Gott will sogar über unsren Tod hinaus an unserer Seite bleiben. Die rechte Seite ist nicht nur die Ehrenseite sondern auch die Seite der Macht: wer rechts steht, hat die Macht. Und wenn Gott uns zur Rechten steht, dann bedeutet das: Unser Herr hat auch die Macht über den Tod.

Gott hat zum Beispiel seinen Sohn nicht im Tod gelassen, sondern ihm das ewige Leben gegeben .Er lebt - und wir sollen auch leben. Und wir w e r d e n leben, wenn wir ihn allezeit vor Augen haben.

Wir brauchen diesen Herrn dringend, um fest zu bleiben. Es gibt so viele Dinge und Kräfte, die uns von Gott trennen wollen. Deshalb schaffen wir es nicht allein, fest im Glauben zu bleiben. Wir brauchen dazu die Hilfe Gottes.

Gerade angesichts des Todes fragen wir uns ja: Wird die Verbindung zu Gott auch nicht abreißen? Werden wir bei diesem Gott bleiben? Warum gibt es überhaupt die Trennung von unsren Lieben? Wird nicht auch mit dem Ende unsres Lebens alles andere aus sein?

Solche Fragen kommen uns schon. Aber wir wollen aus diesem Psalmwort auch eine Antwort finden. Ganz betont steht hier das Wort „allezeit“, das uns daran erinnert uns, jeden Augenblick vor dem Angesicht Gottes zu leben.

Das bedeutet einmal das Bewußtsein, daß Gott unserem Leben an jedem Tag ein Ende setzen kann. Wir bemühen uns ja auch, immer daran zu denken. Aber wenn es dann soweit ist, dann ist es eben doch schwer. Es bedeutet aber auch, daß wir Gott über unsren Tod hinaus vor Augen haben. Nichts kann uns die Sicht auf Gott versperren, und nichts kann ihn hindern ,uns nahe zu sein.

Wir wollen diesen Satz: „Er ist mir zur Rechten, so werde ich fest bleiben!“ nicht als eine Drohung verstehen, so als ob Gott immer unser Kontrolleur wäre. Wir wollen in ihm vielmehr die Verheißung sehen: Wir dürfen Gott allezeit vor Augen haben.

In Jesus hat er sich uns gezeigt. Aber er will auch heute unser Leben leiten und uns durch den Tod hindurch geleiten in ein neues Leben. Dieses Leben kann uns aber auch nur Gott geben. Deshalb dürfen wir ihm vertrauen und belehnen: „Ich habe den Herrn allezeit vor Augen;

denn er ist mir zur Rechten, so werde ich fest bleiben!“

 

Du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese. Du tust mir kund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich! (Ps 16,10-11)

Wenn ein Mensch durch den Tod von uns genommen wird, dann fällt uns das immer schwer. Auch wenn er schwerkrank war und der Tod eigentlich eine Erlösung für ihn bedeutete, dann sind wir doch betrübt. Es fehlt etwas, das man nicht so schnell vergessen kann.

Es kommen dann auch manche Fragen: einmal dem, der sterben muß, aber auch den Angehörigen. Wir suchen dann nach einem Wort Gottes, das uns Trost und wieder neue Zuversicht geben kann. Aber auch für einen glaubenden Menschen ist es nicht leicht; er kommt vielleicht auch in Anfechtungen und Zweifel - davor ist keiner sicher. Sicher können wir nur gehen, wenn wir uns an Jesus halten, den Gott von den Toten auferweckt hat. Er kann uns durch all diese äußeren und inneren Nöte hindurch retten hin zu Gott.

Dieser Psalm hier kann uns natürlich noch nichts von Jesus sagen. Er spricht aber von dem Vertrauen auf Gott, das auch schon den Menschen des Alten Testaments gegeben war. Nur konnten sie noch nicht diese Gewißheit haben wie wir; denn wir können wenigstens an dem Beispiel Jesus sehen, was bei Gott alles möglich ist.

Der Psalm trägt die Überschrift: „Ein gülden Kleinod“. Ja, es ist wirklich ein goldener Schatz, der uns ins Herz gegeben ist, wenn wir das Vertrauen zu Gott haben. Ein Schatz, auf den vielleicht andere begehrlich blicken, den uns aber niemand wegnehmen kann.

Der ganze Psalm ist durchzogen von diesem Vertrauen zu dem Herrn, der seinen Kindern schon längst ein Erbteil in seinem Reich zugesichert hat. Am Schluß wird das dann auf die Situation des Todes bezogen und entsprechend ausgelegt: „Du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese .Du tust mir kund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich!“

In den Tod muß jeder Mensch gehen, aber er muß nicht darin bleiben: Gott wird das nicht zulassen. Eltern werden ihr Kind auch in die Schule lassen. Aber sie würden es nicht zulassen, wenn es dort mißhandelt würde oder behindert würde. Oder sie gehen mit dem Kind ins Schwimmbad. Aber wenn das Kind zu ertrinken droht, werden sie alles tun, um es zu retten. So muß Gott uns auch manchmal in andere Hände geben. Aber wir sind niemals außerhalb seines Machtbereichs. Wenn es nötig wird, nimmt er uns schon an die Hand und läßt uns nicht los.

So wird er es auch nicht zulassen, daß ein Heiliger verwest. Ein Heiliger ist ja einer, der zu Gott gehört. Zu Gott gehören wir aber alle durch die Taufe. Seitdem ist Gott für uns verantwortlich und kann uns nicht man so einfach untergehen lassen.

Allerdings wissen wir ja alle, daß ein Toter, wenn er in die Erde gelegt wird, sehr wohl verwest. Doch das ist ja nur die äußerliche Seite der Sache. Gott ist von unserem irdischen Körper nicht abhängig, wenn er mit uns in Verbindung bleiben will. Wir können auch ohne das noch etwas mit Gott zu tun haben, da sorgt er schon dafür. Gott will ja nicht den Tod, sondern er will uns das Leben geben - das ewige Leben.

Er zeigt uns ja auch immer den Weg zum Leben. Wir kommen oftmals an eine Weggabelung, an der wir uns entscheiden müssen: Gehst du jetzt rechts oder links, welcher Weg ist wohl der bequemste oder der angenehmste. Manche behaupten ja, sie wüßten nicht, welcher Weg zum Leben führt und welcher in den Tod.

Aber das stimmt ja nicht: Gott hat uns schon Wegweiser an den Weg gestellt, daß wir genau wissen, welches der richtige Weg für uns ist. Er sagt uns in seinem Wort und in seinen Geboten, was wir tun sollen. Wir müssen nur darauf hören, dann gehen wir sicher.

Am Ende winkt uns dann Freude in Fülle und ein liebliches Wesen zur Rechten Gottes. Wir wollen doch alle in unserem Leben etwas Freude haben. Und wir erleben doch auch viel Angenehmes. Das wollen wir bei allem Schweren doch nicht vergessen. Jeder Mensch hat Grund zur Dankbarkeit, auch wenn er es noch so schwer im Leben gehabt hat.

Aber Gott hat uns versprochen, daß bei ihm erst die wahre Freude ist. Aller Kampf des Lebens wird dann zu Ende sein, alle Mühen und Schmerzen werden nicht mehr sein. Niemand und nichts wird unsere Freude mehr stören können,

Der Beter des Psalms spricht von einem „lieblichen Wesen zur Rechten Gottes“. Die rechte Seite ist die Ehrenseite, aber auch die Seite der Macht. Bei Gott werden wir auch teilhaben an seinem Sieg über den Tod. Gottes Macht ist größer als die Gefahren dieses Lebens. Sie ist auch stärker als der Tod.

 

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. Die Elenden, die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben! (Ps 22,3.27)

Aus diesem Psalm muß man schon zwei Verse herausgreifen, wenn man ihn ganz verstehen will. Wie bei vielen anderer Psalmen ist er zweigeteilt: Er beginnt mit einer Klage, schildert die Not eines Menschen, läßt uns in die Bedrängnisse eines :Menschenherzens schauen. Aber im zweite Teil tritt eine Wende ein: Der Beter findet zum Gottvertrauen und zur Zuversicht zurück. Dazwischen liegt die Hilfe Gottes oder doch zumindest die neu gewonnene Zuversicht, daß Gott helfen wird.

Diesen Weg werden wir auch gehen müssen, wo jetzt ein Mensch nicht mehr unter uns ist. Zunächst wird uns die Trauer übermannen, wenn der Tod so plötzlich und unerwartet kam. Man scheint vor dem Nichts zu stehen, weil plötzlich einer fehlt, an den man sich immer noch halten konnte. Auch wenn man den Rat des Vaters oder der Mutter in der Praxis nur selten in Anspruch genommen hat, so war doch allein der Gedanke daran, daß es möglich ist, eine große Hilfe.

Nun aber fühlt man sich viel mehr auf sich allein gestellt. Vielfach wird einem auch erst so recht deutlich, was man an einem anderen Menschen hatte, wenn er nicht mehr da ist. Man wird auch an den eigenen Tod erinnert. An sich müßte man natürlich immer damit rechnen, daß jeder Tag der letzte sein kann. Aber wenn der Tod dann so plötzlich in unser Leben tritt, dann ist er uns doch wieder näher gekommen.

Schwer ist es auch, wenn ein Ehepaar durch den Tod auseinandergerissen wird. Gewiß muß man damit rechnen, daß einer eher gehen muß als der andere. Aber wenn man so viele Jahre an alles gewohnt war, dann kommt einem das Leben nur noch halb so viel vor.

Leicht kommt man dann auch ins Grübeln und ist mit sich und der Welt nicht mehr zufrieden. Dann kann es auch sein, daß man Gott nicht mehr versteht. Man wendet sich an ihn, aber er scheint nicht zu hören. Wir werden halt leicht ungeduldig, wenn nicht alles so läuft, wie wir es gern hätten. Oft stellen wir uns Gott vor wie einen Automaten, in den man nur oben etwas hineinwirft und unten kommt prompt das Gewünschte heraus. Aber so einfach ist das dann doch nicht.

Diese Erfahrung hat selbst Jesus machen müssen. Er hat ja diesen 22. Psalm am Kreuz gebetet. Er fängt an mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Einige haben gemeint, Jesus sei am Ende doch noch verzweifelt und an Gott irre geworden. Aber man muß beachten, daß der Psalm ja dann eine Wende nimmt und zum Gottvertrauen zurückfindet.

Für uns müßte es doch an sich leichter sein, diesen Weg zu gehen. Wir haben doch Jesus als Vorbild und Helfer. Er hat auch die Not der Menschen kennengelernt, Angst und Schmerzen und Tod. Aber mit Gottes Hilfe hat er das alles überwunden und der Sieg über den Tod davongetragen.

Deshalb dürfen auch wir Hoffnung haben. Jesu Tod und Auferstehung kommen auch uns zugute. Gerade wenn wir uns elend fühlen, will er uns nahe sein. Er hat nicht nur Verständnis für die Elenden, sondern ergibt ihnen auch Anteil an seiner Auferstehung.

Allerdings wird hier ausdrücklich gesagt: „...die nach dem Herrn fragen!“ Wer sich in einer solchen Lage selber helfen will, dem kann er nicht helfen. Wer nur auf seine eigene Kraft und seine Möglichkeiten vertraut, der braucht nicht mit Jesus zu rechnen. Die aber traurig und hilflos sind, an denen wird er seine Macht erweisen.

In diesem Fall ist es besonders die Macht über den Tod. „Euer Herz soll ewiglich leben!“ Das heißt doch: Ihr werdet ewig bei Gott sein. Wenn dieses Leben ein Ende hat, dann wartet ein neues Leben bei Gott auf euch. Diese Gewißheit allein kann eurer Traurigkeit ein Ende machen.

Am Ende werden wir noch Gott preisen können für seine Hilfe. Im Augenblick wird uns das noch schwer fallen, bzw. es wird uns sogar sonderbar vorkommen. Wie soll man Gott loben können in dieser Stunde, in der man so schweren Schmerz empfindet?

Aber wenn wir an das wirkliche Ende unsres Daseins denken, dann ist das schon möglich. Das wirkliche Ende ist ja nicht der Tod, sondern das Leben bei Gott. Weil er es uns geben kann und will, dürfen wir heute schon getrost und ruhig sein. Wir dürfen Gott danken für

alles, was er an uns getan hat und noch tun wird. Und wir dürfen unsre Toten in seine Hand geben, wo sie ewiglich leben werden.

 

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn hier ist kein Helfer! (Ps 22,12)

Manche Menschen stehen uns nahe, andere sind uns wieder ferner. Wir sprechen ja von nahen Verwandten und nahen Freunden. Wir sind froh, wenn wir sie in der Nähe haben, wenn jemand da ist, auf den wir uns verlassen können, in guten wie in bösen Tagen.

So ganz allein kann man ja doch nicht durchs Leben gehen. Für so manchen Handgriff brauchen wir einen Helfer. Die Kinder brauchen ihre Eltern und die altgewordenen Eltern brauchen wieder ihre Kinder. Mann und Frau müssen zusammenstehen. Oft ist es auch noch eine große Verwandtschaft, die hinter dem Einzelnen steht. Natürlich kann notfalls auch jeder allein auskommen. Aber es wird dadurch sehr viel beschwerlicher. Und sicherlich ist so ein Mensch auch sehr viel einsamer als andere.

Vor allem Kinder und alte Leute sind auf die Hilfe der anderen angewiesen. Die Kinder, weil ihre Fähigkeiten noch nicht voll ausgebildet sind. Die alten Leute, weil ihre Kräfte schon wieder abnehmen. Deshalb haben sie oft auch Angst, obwohl sie sich vielleicht durchaus mehr zutrauen könnten. Aber ein Kind nimmt eben doch gern wieder die Hand des Vaters oder der Mutter. Und auch ein älterer Mensch läßt sich gern von einem stärkeren führen. Deshalb sind wir ja alle in die Gemeinschaft der Menschen gestellt, damit einer dem anderen hilft und keiner Angst zu haben braucht.

Wir haben aber oft Angst in unserem Leben. Viele haben andere Menschen zu fürchten, die ihnen feindlich gesinnt sind. Andere fürchten jegliche Unruhe und jede Veränderung der Verhältnisse. Wieder andere haben Angst vor der Zukunft, vor Krankheit und Tod.

Vor allem das Letzte, die Angst vor dem Tode, wird untergründig bei jedem Menschen da sein. Das mag auch damit zusammenhängen, daß wir manches in unserem Leben tun, was nicht so ganz in Ordnung ist. So irgendwie haben wir doch alle das Gefühl, einmal Rechenschaft ablegen zu müssen für unser Leben.

Gott aber will nicht, daß wir Angst haben müssen. Deshalb hat er uns gezeigt, wie lieb er uns hat: Er hat seinen Sohn Jesus Christus zu uns geschickt und ist uns damit so nahe gekommen, wie nur ein Vater seinem Kind nahe kommen kann.

Er ist nicht ein ferner Gott, der hoch über der Wolken thront, sondern er ist uns in unserer Angst nahe. Er ist uns ein zweiter, der neben uns steht. Wenn man zu zweit ist, dann wird schon alles nicht so schlimm, da kann einer dem anderen Mut zusprechen und ihm helfen.

Menschliche Helfer fehlen uns oft: „Hier ist kein Helfer!“ klagt der Beter des Psalms. Menschen bieten uns zwar oft ihre Hilfe an. Aber im entscheidenden Augenblick versagen sie. Dann wenden wir uns an Gott, denn der ist immer für uns da.

Natürlich geht es nicht so, daß wir ihn erst im allerletzten Notfall holen; dann ist es vielleicht schon zu spät. Man muß schon ständig in Verbindung mit diesem Gott stehen, man muß schon auf der gleichen Wellenlänge mit ihm sein, damit ein Kontakt zustande kommt. Von seiner Seite her ist immer die Bereitschaft zum Hören da. Die Frage ist nur, ob w i r ihn in jedem Augenblick unseres Lebens brauchen und deshalb auch für der letzten Augenblick gewappnet sind.

Der Mann, der diesen Psalm gebetet hat, konnte aber noch nicht wissen, was w i r heute wissen. Er ruft noch um Hilfe und spricht eine Bitte aus: „Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe!“ Wir aber wissen vom Neuen Testament her, daß diese Bitte schon erfüllt ist. Alle Angst ist uns genommen, weil ein Helfer da ist, der uns nahe ist.

Dieser Jesus weiß, wie einem Menschen zumute ist, wenn er Angst hat. Er hat ja selber Angst gehabt und er hat auch den Tod erlitten wie die Menschen alle. So nahe ist er uns gekommen, daß er auch unsre letzte Not kennengelernt hat.

Aber dann ist er von Gott aus diesem Elend emporgehoben worden in Gottes ewiges Reich. Zwar können wir das nicht beweisen, denn es ist ein Satz unsres Glaubens. Aber wir wissen genau, daß Gott in Jesus Christus Mensch wurde. Das können wir nachprüfen, das ist sicher. Deshalb können wir daraus auch die Gewißheit mitnehmen, daß Gott auch den zweiten Schritt getan hat: die Auferweckung von den Toten.

Wir können gewiß sein, daß er auch mit uns diesen zweite Schritt tun wird, daß uns das Leben bei Gott sicher ist. Jesus ist uns auf unsrem Weg vorangegangen. Wir brauchen ihm nur zu folgen, dann schwindet alle Angst.

 

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser; er erquicket meine Seele! (Ps 23,1-2)

Gute Hirten gibt es heute nicht mehr oder kaum noch. Einmal gibt es den Beruf des Hirten nicht mehr, aber auch nicht die Sache, die hier in diesem Psalm gemeint ist, nämlich ein Mensch, der sich ganz für andere einsetzt, so wie ein Hirte für seine Schafe.

Ein Hirte hatte früher einen gefährlichen Beruf. Er inü3'nte nicht nur seine Herde zusammenhalten, sondern er mußte sie auch gegen wilde Tiere und Räuber verteidigen, d.h. er mußte oft seine eigene Sicherheit. und Bequemlichkeit zurückstellen und für die ihm anvertrauten Schafe kämpfen.

Wo gibt es so etwas heute noch unter uns Menschen? Vielleicht gibt es hie und da noch einmal einen, der sein Leben für einen anderen wagt, aber das ist selten und nicht die Regel.

Aber hier in diesem Psalm heißt es nun: „Gott ist mein Hirte“, in dem guten alten Sinne, einer der sich ganz für die Menschen einsetzt, der selbst seinen Sohn für die Menschen dahingegeben hat.

Was wir bei den Menschen vielleicht nicht mehr finden, das ist bei Gott noch ganz da. Er verteidigt uns gegen die Gefahren des Lebens und sieht zu, daß uns nichts Böses widerfahren kann. Wenn wir schon keinen Menschen zum Beistand haben, dann dürfen wir uns doch auf Gott verlassen.

Bei diesem Gott wird es uns an nichts mangeln. Überlegen wir uns doch einmal, was Gott uns alles im Laufe eines langen Lebens schenkt: Dazu gehören doch nicht nur Essen und Trinken, Kleidung und Wohnung, sondern auch ein bißchen Freude im Leben, Glück und Gesundheit. Sicher hat jeder auch einmal schöne Stunden in seinem Leben gehabt, wenn auch sonst vielleicht manches Schwere auf ihn zugekommen ist.

Wir sollten auch vielleicht mehr die schönen Stunden im Gedächtnis behalten und Gott dankbar dafür sein. Jeder Mensch hat Grund zum Danken, und wenn er danken kann, dann wird ihm auch das andere eher verständlich sein.

Was hier in diesem Leben geschehen ist, daß Gott nämlich unser guter Hirte ist, das hat auch mit dem Tode noch kein Ende gefunden. Wer in seinem Leben Vertrauen zu diesem Gott gefunden hat, dessen Verhältnis zu Gott wird auch über den Tod hinaus bestehen bleiben. Ja, erst im Tode zeigt sich doch so richtig, ob Gott wirklich ein guter Hirte ist.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser“ heißt es hier. So haben sich viele das Leben bei Gott vorgestellt: grüne, saftige Weiden und ein Leben in Hülle und Fülle. Aber ob es wirklich so kommt, wissen wir nicht.

Aber daß Gott auch nach diesem Leben für uns sorgt, das wissen wir. Eigentlich ist unser Leben auf der Erde nur ein Sinnbild für das Leben bei Gott. Oder man kann es auch anders sagen: Das ewige Leben ist schon auf dieser Erde voraus abgebildet. Ein Stückchen vom Reich Gottes ist auch schon in unsrer Welt wirksam. Immer wenn ein Mensch nach dem Willen Gottes lebt und ihn den guten Hirten sein läßt, haben wir ein Stück Himmel auf der Erde. Aber natürlich ist das nur ein Abglanz des wirklichen Lebens bei Gott, so wie ein Schatten nur eine Ahnung gibt von dem wirklichen Gegenstand.

Essen und Trinken, fette Weiden und frische Quellen, brauchen wir zum Leben. Aber das ist noch nicht alles. Auch unser innerer Mensch braucht Nahrung. Zum rechten Leben gehört auch das Wort Gottes, das unsrem Leben erst die Richtung gibt.

Gott läßt es daran nicht mangeln. Er bietet uns sein Wort immer wieder an, so wie ein Hirte immer wieder die besten Weiden für seine Schafe aussucht. Ein ganzes langes Leben hindurch haben wir Gelegenheit, uns von diesem frischen Wasser stärken zu lassen. Wer jetzt schon damit vertraut ist, der wird auch in diesem Wort Trost finden, wenn es einmal ans Sterben geht. Gott hat uns aber auch zugesagt, daß er uns verteidigen will gegen alle, die uns von ihm abbringen wollen. Und dazu gehört auch der Tod. Er möchte uns von Gott trennen Aber wir haben einen Hirten, der uns auch gegen den Tod und über den Tod hinaus behütet und erhält. Wer sich zu diesem Hirten hält, der ist bei ihm geborgen, der darf auch des neuen Lebens bei Gott gewiß sein.

 

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen . Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir dein Stecken und Stab trösten mich! (Ps 23,3-4)

Das Leben eines Menschen können wir mit einem Weg vergleichen. Nicht umsonst sprechen wir na vom einem Lebensweg. Oft ist uns dieser Lebensweg vorgeschrieben. So wie man nicht mit einem Auto quer durch den Wald fahren kann, so können wir uns im Leben auch nicht bewegen, wie wir wollen. Es sind uns Wege vorgeschrieben, die wir uns nicht ausgesucht hätten. Wer sich selber einen Weg suchen will, der muß in Kauf nehmen, daß es ihm schwer dabei wird.

Allerdings kommt das oft vor: Anstatt auf der schön ausgebauten Hauptstraße zu bleiben, wollen wir lieber einen Nebenweg benützen, weil er wie Abkürzung aussieht. Manchmal können wir auch nichts dafür, dann sind wir einfach dorthin verschlagen worden. Manchmal geht es zunächst noch gut. Aber dann wird es immer schlimmer und die Abkürzung wird zu einem mühsamen Umweg.

Die Bibel spricht hier von „Sünde“. In uns allen steckt eine unerklärliche Kraft drin, die uns immer wieder einen anderen Weg suchen läßt. Von jedem Menschen kann man das sagen, daß er irgendwann einmal vom rechten Weg abgewichen ist und dabei sehr schlecht gefahren ist, auch wenn er an sich ein anständiger Mensch ist.

Es kommt aber auch vor, daß uns einer eine gute Straße verspricht und sagt: „Hier kommt man gut ans Ziel!“ Es geht auch oft erst sehr gut. Aber dann wird aus der Straße wieder ein Feldweg und man kommt nur ab vom Ziel.

Gott aber ist kein Verführer. Er führt uns auf rechter Straße, auf dem richtigen Weg. Er hat es uns versprochen, daß er uns richtig führen wird; dafür hat er seinen Namen und seine Ehre eingesetzt.

Wir sehen das nicht immer ein. Gottes Weg erscheint uns zweifelhaft und rätselvoll. Mancher kommt da leicht ins Grübeln und macht sich Sorgen, wo man sich gar keine Sorgen zu machen braucht. Besonders wird das auch der Fall sein, wenn man damit rechnen muß, daß die Lebenszeit bald ein Ende nehmen wird.

Dabei brauchen wir in diesem Fall nichts anderes zu tun, als uns auf den Weg Gottes zu begeben und diesen Weg auch zu gehen. Schon am Anfang unseres bewußten Lebens haben wir diese Entscheidung zu fällen. Aber auch nachher stehen wir immer wieder am Scheideweg.

Zum Glück hat Gott aber auch Wegweiser an unseren Weg gestellt, die uns eindeutig sagen, welches der Weg Gottes ist. Er hat uns seine Gebote gegeben,­ er sagt uns immer wieder sein Wort. Wenn wir wollen, können wir schon wissen, welches der richtige Weg ist. Da sollten wir es nicht besser wissen wollen.­

Allerdings führt uns der Weg Gottes auch manchmal durch ein finsteres Tal. Er hat gefährliche Kurven und gewaltige Abgründe. Da geht es vielleicht sogar durch dunkle Tunnel und über wacklige Brücken. Das gehört nun einmal auch mit zu unserem menschlichen Leben: Es geht nicht alles so glatt, wie wir es vielleicht gewollt haben. Aber Gott hat es so bestimmt.

Vor allem müssen wir auch damit rechnen, daß die Kräfte abnehmen, daß Krankheit und Leiden kommen. Denken wir nur an das Leben der Verstorbenen.........Wir wollen aber auch nicht vergessen, was an Gutem und Schönem in diesem Leben gewesen ist - und wofür wir zu danken haben.

Da kann man dann schon auch sagen: „Ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück!“ Ein Unglück ist schnell passiert, durch Unachtsamkeit oder technische Fehler. Da könnte einem schon Angst werden. Aber der Beter des Psalms sagt: „Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich!“

So wie der Hirte mit einem Stock alle Gefahren von seiner Herde fernhält, so will Gott unsren Lebensweg beschützen. Er ist bei uns im Leben und im Tod. Wenn wir immer den Weg Gottes verfolgt haben, dann geht es auch durch den Tod hindurch gradlinig weiter zu Gott.

Im Leben wie im Tod haben wir einen, der uns wie ein guter Hirte geleitet. Er hat uns kennengelernt und wir ihn. Wir dürfen uns auf ihn verlassen. Es wäre gut, wenn wir diesen Weg doch alle erkennten, den Gott uns führen will - und diesen Weg dann auch gehen.

 

Ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich (Ps 23,4)

Viele Menschen leben glücklich und zufrieden. Sie haben allen, was sie zum Leben brauchen, die Kinder sind wohl geraten und sie dürfen sich der Anerkennung und Achtung ihrer Mitmenschen erfreuen. Sie leben auf der Sonnenseite des Lebens und erleben vorwiegend die Höhen dieser Welt.

Andere wieder müssen fast ständig im Finsteren gehen. Nichts gelingt ihnen so recht, sie werden von da anderen beiseite gedrängt und haben selten einmal eine rechte Freude.

Manchmal kann der Betreffende selber nichts dazu, sein Unglück ist unverschuldet. Wir denken hier zum Beispiel an eine Krankheit, die einfach über einen kommt, ohne daß man sich wehren könnte. Es gibt so manches Schicksal, das wir einfach zu tragen haben, ob wir es wollen oder nicht.

Es kann aber auch sein, daß wir uns in unserem Leben verlaufen haben und dabei in ein finsteres Tal geraten sind. Wir müssen uns ja immer wieder entscheiden, welchen Weg wir gehen wollen. Es wird uns sogar leicht gemacht, den richtigen Weg zu finden: an jeder Weggabelung stehen Wegweiser, die uns den Weg Gottes zeige. Wir brauchten ihnen nur zu folgen, dann gingen wir schon den richtigen Weg.

Aber wie so oft sind wir dann diesen Hilfen ungehorsam und gehen doch den anderen Weg. Was verboten ist, reizt ja gerade. Dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn wir in ein finsteres Tal geraten, aus dem wir mit eigener Kraft nicht wieder herausfinden.

Aber auch auf dem Weg Gottes kommt man durch finstere Täler. Der Weg zu Gott ist keine Autobahn, auf der es sich bequem reisen läßt. Gott macht es uns nicht immer leicht im Leben. Nur verheißt er uns, daß wir nicht irgendwo in einer Sackgasse steckenbleiben, sondern hindurchkommen und wieder ins Freie gelangen. Solange wir noch im Tal sind, geht es uns schlecht. Da gibt es gefährliche Kurven und gewaltige Abgründe. Da geht es vielleicht durch dunkle Tunnels und über wacklige Brücken. Das gehört nun einmal mit zu unsrem menschlichen Leben dazu: Es geht nicht alles so glatt, wie wir es gewollt haben. Aber Gott hat es doch ebenso für uns bestimmt.

Denken wir nur an das Leben der (des) Verstorbenen Fast die Hälfte ihres (seines) Lebens hat sie unter ihren Krankheit zu leiden gehabt. Da ist viel Finsternis, viel Verzicht und viel Leiden gewesen. Oder denken wir an die Jahre der wirtschaftlichen Not des Krieges und der Zeit danach. Jeder, der das mitgemacht hat, wird ein Lied davon singen können.

Aber wir wollen auch an das Schöne denken, das es in jedem Lehen gibt. Die (der) Verstorbene hat doch im Kreise ihrer Familie, der Kinder und Enkel auch viel Freude erleben dürfen. Auch wenn sie (er) nicht viel hat machen können - sie (er) wurde doch immer einmal gebraucht als Ratgeber und Freund.

Doch sicherlich kann man ein solches Leben nur ertragen, wenn man einen festen Glauben an Gott hat. Man kann schon Schweres durchmachen, aber man muß sich dann- auf Gott verlassen, der immer wieder herausführen kann. „Ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück!“

Schnell ist einmal ein Unglück passiert: durch Unachtsamkeit, durch menschliches Versagen, durch eine Kette unglücklicher Umstände Wenn man dann nur sagen könnte ,,Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich!“ So wie der Hirte mit seinem Stab alle Gefahren von seiner Herde fernhält, so will nun Gott unsren Lebensweg beschützen.

Gott ist bei uns im Leben und im Tod. Er wird uns auch das letzte Stück unsres Lebens begleiten. Der Tod ist noch einmal ein- finsteres Tor, durch das wir hindurch müssen. Aber auch da wird Gott uns hindurchbringen in­ sein Reich.

Wer nur immer dem Weg Gottes gefolgt ist, der findet auch am Ende ans Ziel. Für den geht es gradlinig durch den Tod hindurch zu Gott. Der kann dann auch jetzt in seinem Leben schon getrost sein. Er braucht sich vor dem finsteren Tal nicht zu fürchten. Er wird auch mit Gottes Hilfe alle Gefahren des Lebens meistern können. Und er wird am Ende teilhaben an- dem Sieg Gottes über den Tod. Wenn wir nur alle erkennen möchten, welchen Weg Gott uns führen will - und diesen dann auch gehen!

 

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar! (Ps 23,6)

Wenn man das Lebens eines Menschen überdenkt, dann kann man sicher sehr viel Gutes finden. Denken wir nur in diesem Fall daran, daß die Verstorbene ihr Leben lang nicht ernstlich krank war. Das kann nicht hoch genug veranschlagt werden.

Natürlich gibt es auch Schweres in jedem Leben. Wenn man sein ganzes Leben lang hat hart arbeiten­ müssen, wenn man schwere Zeiten durchgemacht hat, dann ist das sicher nicht einfach gewesen. Jeder kann sicher Ähnliches in seinem Leben aufzählen.

Aber im Gedächtnis wollen wir lieber das Gute behalten, das wir in unserem Leben von Gott erfahren haben. Wir wollen nicht undankbar sein und froh sein, daß es nicht schlimmer gekommen ist. Im Grunde haben wir es alle noch gut in unserem Leben. Das haben wir aber allein Gott zu verdanken. Er ist wie ein guter Hirte, der voller Sorgfalt seine Schafe behütet und beschützt. Er hat uns auf den rechten Weg geführt, der uns ans Ziel bringt. Wenn es auch manchmal durch Finsternis hindurchgeht, so ist das Ende doch Licht und Freude, besonders wenn wir an unser Dasein nach diesem Leben denken.

Wer ein ganzes Leben lang die Güte und Barmherzigkeit Gottes erfahren hat, dem sollte es doch nicht schwer fallen, auch über den Tod hinaus mit dieser Güte zu rechnen. Gottes Möglichkeiten hören mit dem Tod nicht auf. Im Gegenteil: Vielleicht wird uns dann erst richtig deutlich, daß alles nur Güte und Gnade war.

In diesen Leben ist Gottes Hilfe uns oft verdunkelt. Wir sagen lieber: „Glück gehabt!“ oder: Das ist eben Schicksal!“ Aber nachher werden wir alles klar und deutlich sehen und erkennen, wieviel wir Gott zu verdanken haben.

Dieser Gott garantiert uns das Leben auch über unsren leiblichen Tod hinaus. Er hat noch ein Haus für uns vorbereitet, das uns ewig bleibt. Unser irdisches Haus muß ständig unterhalten werden, es ist brüchig und oft nicht mehr auf uns zugeschnitten.

Auch unser irdischer Leib zerfällt und wir sind nicht zufrieden damit. Aber das Haus Gottes ist unser letztes. Das Ende ist nicht das Grab, sondern das Leben bei Gott. Es unterliegt nicht mehr dem Verfall, sondern wird sich gleich bleiben. Keiner kann es uns mehr wegnehmen, denn es gehört Gott.

Aber es heißt hier ausdrücklich: „Ich werde bleiben!“ „Bleiben“ kann man doch nur, wenn man schon drin ist. Das heißt: „Wir müssen uns hier in diesem Leben schon darauf vorbereiten und vielleicht auch schon etwas darin einrichten.

Wir haben unter uns ja auch manche Gotteshäuser. Hier können wir uns vielleicht noch am besten auf das Leben bei Gott vorbereiten, indem wir im Gottesdienst auf sein Wort hören und uns im Sakrament seine Gemeinschaft schenken lassen. Das Haus Gottes ist anders als unser Haus. Wir können nicht ohne Weiteres vom einen ins andere umziehen, weil dazwischen die Schwelle des Todes liegt. Deshalb ist es unbedingt notwendig, sich schon jetzt mit dem Gedanken zu befassen: Wir müssen alle einmal umziehen und sollen in ein anderes Haus

Kommen.

Werden wir dann in dieses Haus passen? Werden wir uns dort wohlfühlen? Wird Gott uns gar wieder hinausweisen? Hier in diesem Leben entscheidet sich diese Frage an unserer Stellung zu unsrem Herrn Jesus Christus.

Der Beter dieses Psalms aber ist sich sicher: „Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar!“ Nicht aus uns selber, sondern weil Gott es garantiert. Wir haben es nicht verdient, aber unser guter Hirte schenkt es uns. Der Beter hat das Zutrauen zu diesem Gott, der Tote erwecken kann und uns ein neues Leben schenken kann. Auch wir werden dem Tod nur entgegentreten können in der Gewiß0heit der Errettung und des Sieges, den Gott durch seinen Sohn Jesus Christus errungen hat.

 

Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn! (Ps 27,14)

Wenn das nur so einfach wäre getrost und unverzagt zu sein. So etwas kann einem kein anderer Mensch befehlen, das kann man sich auch nicht selber befehlen. Mit Gewalt kann man da sowieso nichts erreichen, Trost muß einem immer geschenkt werden.

Im Augenblick aber scheint es nur Verzagtheit zu geben. Zu schwer ist das, was da durch den Tod über Menschen hereingebrochen ist. Dabei läßt sich die Lücke am Arbeitsplatz noch am ehester zu überbrücken. Dort ist jeder Mensch zu ersetzen, wenn auch nicht gleich und oft nicht so gut.

Wesentlich schlimmer ist der Verlust für die Familie. Für die Angehöriger ist ein Mensch der unverwechselbar Einzige, der diese Stelle ausfüllen konnte. Man brauchte ihn auf Schritt und Tritt, und er brauchte natürlich auch seine Leute.

Doch nun soll und muß es auch ohne ihn gehen. Mit wem wird man nun alles besprechen können? Wen kann man einmal um Rat fragen? Wer soll einem die vielen Wege abnehmen, die doch oft nötig sind? Man könnte Angst bekommen vor der Zukunft. Es wurde niemand verwundern, wenn ein Mensch in einer solchen Lage dann verzagt ist.

Sicher erfährt man in einer solchen Lage auch manchen Beistand, oftmals auch mehr, als man zu hoffen gewagt hat. Aber Menschen sind im Grunde immer auch ratlos und wissen nicht, was sie sagen sollen. Deshalb ist es gut, sich an Gott zu wenden und aus Gottes Wort Trost zu suchen.

Gerade unter den Psalmen gibt es viele Gebete von Menschen, die in einer verzweifelten Lage waren. Doch sie haben immer zu einem tiefen Gottvertrauen gefunden und sind dadurch mit ihrem Tod fertig geworden, durch Gottes Hilfe,

Wenn Menschen nicht mehr weiter wissen, dann gilt es umso mehr, sich an Gott zu halten und alles von ihm zu erwarten. Er hat uns ja auch beigestanden in guten Zeiten. Vieles Schöne haben wir uns gern von ihm gefallen lassen und haben es oft viel zu selbstverständlich hingenommen. Wer hätte wohl bei der Trauung daran gedacht, daß so ein Bibelwort auch einmal einen ganz anderen Sinn bekommen könnte, in einem anderen Zusammenhang ganz neu und anders sprechen könnte.

An der Grenze des Lebens, auf der Schwelle des Todes, werden wir der Beistand Gottes erst in seiner ganzen Tiefe erfahren. Dann ist er es allein, der uns aus der Tiefe herausführen kann zu einem neuen Leben, in eine neue Zukunft.

Das hat er uns beispielhaft deutlich gemacht an Jesus. Diesen seinen Sohn hat er in der Blüte seiner Jahre an der Tod hergeben müssen. Aber er hat ihn nicht im Tod gelassen, sondern hat ihm ein neues Leben gegeben. Dieses war dann unvergänglich und nicht mehr von Leid und Schmerzen bedroht.

Das kann auch uns Hoffnung geben. Den Weg Jesu werden wir nämlich auch gehen, wenn wir uns fest an diesen Jesus halten. Er nimmt uns bei der Hand und führt uns durch Schrecken und Tod hindurch. Und das Ziel ist das ungetrübte Leben bei Gott.

Weil das so sein wird, können wir heute schon getrost und unverzagt sein. Unser Leben wird durch den Tod eines lieben Menschen nicht plötzlich abgeschritten und sinnlos, sondern es öffnet sich in eine neue Weite hinein.

Auf einmal können wir neue Erfahrungen mit Gott machen. Und wir werden auch merken, wie er uns Kraft gibt, all das Schwere zu bewältigen. Gott läßt nicht mehr zu als das, was wir gerade noch tragen können. Und er stärkt uns dann auch wieder, damit es sogar leichter wird.

Es ist gut, wenn man eine solche Zukunft schon vor sich hat, wenn diese schon sicher ist. Dann wird es leichter, die trübe Gegenwart durchzustehen.

Wenn ein Raumflugkörper auf die Erde zurückkehrt, dann reißt für einige Sekunden die Verbindung ab. Es sind immer etwas bange Sekunden. Aber wenn das Fahrzeug auf die richtige Bahn gebracht worden ist, dann kann eigentlich nichts passieren. So dürfen wir auch darauf vertrauen, daß Gott unsere Toten auf die rechte Bahn gebracht hat. Sie werden im Frieden zu ihm heimkehren und bei ihm geborgen sein.

Aber auch wir, die wir noch weiterleben, sollten uns auf die Bahn Gottes bringen lassen und uns von nichts beeindrucken lassen. Gott hat den richtigen Anfang gesetzt, da wird er uns auch zum Ziel bringen. Wenn wir auf ihn hoffen, geht unser Leben weiter und hat einer Sinn.

 

In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott! (Ps 31,6)

Unsere Welt ist voller Angst und Leid und Schrecken. Es gibt Kriege und Hungersnöte und Katastrophen. Es gibt Haß unter den Völkern und Streit unter Verwandten und Nachbarn. Immer wieder stoßen wir auf Mißverständnisse und Mißtrauen. Jeder Mensch hat auch seine privaten Schwierigkeiten und Probleme. Wo spüren wir da etwas von der Erlösung, von der Erlösung durch Gott?

Ja, wenn jemand von uns gegangen ist, der es nicht leicht gehabt hat in seinem Leben, da denken wir schon, daß es eine Erlösung für ihn war. Manchmal wird das Leben auf dieser Erde objektiv oder auch nur subjektiv so schwer, daß man es lieber aufgeben möchte. Aber soll das die einzige Form der Erlösung sein, die Gott für uns bereithält? Sieht Erlösung so aus, daß wir erst vom Tod erlöst werden?

Wir möchten doch schon erlöste sein in dieser Welt. Die Ruhe von allem Leid und Streit soll doch nicht erst kommen, wenn wir bei Gott sind. Wir möchten doch, daß unser Leben jetzt schon besser wird. Sonst hätten die Leute mit ihren Vorwürfe- doch recht, die sagen: Die Christen glauben nur an ein jenseitiges Paradies und verschließen vor der Wirklichkeit der heutigen Welt die Augen!,

Der Mann, der den 31. Psalm gebetet hat, meinte jedenfalls nicht irgendeine ferne Zeit in der Zukunft, sondern seine Gegenwart. Er sagt ausdrücklich: „Du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott!“ Das ist ihm schon derart zur festen Gewißheit geworden, daß er jetzt schon leben kann wie ein Erlöster.

Es ist natürlich nicht immer leicht, schon wie ein Erlöster auszusehen. Wenn einer unter einer harten Krankheit des Leibes oder der Seele leidet, dann sieht er eher nach dem Gegenteil aus. Viele ziehen aus der Krankheit deshalb die entgegengesetzte Folgerung. Sie fragen dann: „Warum muß gerade ich dauernd so krank sein?“ Und die nächste Frage ist dann: „Warum ist Gott so zu mir?“ Viele wenden sich von Gott ab und fluchen ihm sogar; aber denen geht es gut und sie haben keine Sorgen. Ich aber bin immer zur Kirche gegangen und nun muß es mir so schlecht ergehen!"

Wer so denkt, begreift eben noch nicht, daß man an einer Krankheit auch innerlich wachsen kann und sie dann letztlich doch zum Segen werden kann. An der Krankheit begreift man, wie begrenzt das menschliche Leben ist und wie sehr wir die Hilfe Gottes brauchen. Man findet auch Ruhe, sein Leben einmal zu überdenken und auf die wirklich wichtigen Dinge zu achten. Zum anderen ist jeder Kranke eine Aufgabe für seine Umwelt. Wir sollten Gott manchmal dankbar sein, wenn er uns so einen Menschen in den Weg gelegt hat, an dem wir uns Liebe beweisen können und sollen.

Jeder Verstorbene ist für uns ein Mahnzeichen, das uns unsere Versäumnisse und unsere Schuld trotz allen guten Bemühens vor Augen stellt. Wir dürfen froh sein für alles, was wir einem kranken Menschen tun konnten und daß Gott uns die Kraft dazu gegeben hat. Aber wir müssen auch bekennen, daß unsere Kräfte immer nur begrenzt sind und wir manches Mal versagen.

Den wichtigsten Dienst an uns tut aber immer Gott selber. Er allein kann uns erlösen, entweder i n dieser Welt oder v o n dieser Welt. Schon in diesem Leben können wir die Ruhe bei Gott finden, wenn wir ihm vertrauen und alles in seine Hände legen.

Aber Gott läßt doch die Möglichkeit offen, uns erst nach diesem Leben die vollkommene Ruhe zu geben. In unserem Leben kann es deshalb noch sehr viel Leid und Not geben. Wir werden sie tragen müssen, Aber wir dürfen sicher sein, daß Gott mitträgt.

Wenn wir doch alle sagen könnten: „In deine Hände befehle ich meinen Geist!“ Vielleicht wären wir bereit, das nach einem langen und segensreichen Leben zu sprechen. Gott will aber, daß wir unser Leben schon heute in seine Hände legen, so wie es ist, mit all seinen Schwächen und Nöten.

Im letzten Grunde hat Gott uns ja längst in den Händen und wir dürfen uns in seinen Händen geborgen wissen. Es ist gut, wenn wir von uns aus bei ihm Hilfe suchen und uns von selbst in seine Hände begeben. Da braucht er uns nicht erst zu holen. Und es wird uns ein Trost sein, wenn wir im Leben und im Sterben sagen können: „In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott!“

 

Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist! (Ps 32,2)

Wenn uns ein lieber Mensch genommen wurde, dann kann es leicht so kommen, daß wir Gott Vorwürfe machen. Der Tod an sich ist schon ein hartes Geschick. Er reißt uns von unsren Angehörigen und aus der Gemeinschaft der Lebenden weg. Viele Pläne lassen sich nicht mehr verwirklichen. Was man sich erträumt hatte, läßt sich von einem Tag auf der anderen nicht mehr verwirklichen.

Besonders denken wir das sicherlich, wenn ein Mensch in so relativ jungen Jahren abberufen wurde. Wie kann Gott so etwas zulassen? Ist das nicht ungerecht, unnötig hart und unfaßbar? Ist Gott nicht ein Gott der Liebe? Oder ist er immer noch der drohenden und strafender Gott des Alten Testaments?

Das ist genau die Situation ,in der auch der Beter des 32. Psalms steht. Er möchte auch Gott anklagen und ihm alles vor die Füße werfen. Viele Psalmen künden ja von solcher Not der Menschen, von Glaubensanfechtungen und Verzweiflung. Gerade deshalb sprechen uns diese Gebete ja auch heute noch an. Sie sind so menschlich und künden uns doch von dem Glauben an Gott.

Deshalb heißt es ja auch hier gleich am Anfang des Psalms: „Wohl dem Marschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet!“ Mit Schuld sind hier die anklagender Fragen an Gott gemeint. Gott hat sicher Verständnis für uns, wenn solche Gedanken in uns aufkommen. Der Psalmbeter jedenfalls weiß: Gott wendet sein Wohl dem Menschen auch zu, der einmal schwankend geworden ist.

Das gilt auch für all unsere Lebensschuld, die wir sonst auf uns geladen haben. Kein Mensch kann ja von dem Verfallensein an das Böse ausgenommen werden, auch wenn er in unserer Augen ein noch so guter Marsch war. Jeder hat Punkte, wo er nicht so war, wie Gott es erwartet.

Dennoch soll uns all das nicht vor Gott wegreißen. Gott beschlagnahmt uns für sich und sagt: „Der gehört mir!“ Nicht der menschliche Augenschein entscheidet darüber, ob wir bei Gott angenehm sind, sondern Gott allein bestimmt, wer zu ihm gehören darf.

Gott will uns nicht immer unsre Schuld vorrechnen, sondern er ist uns wohlgesinnt, er will unser Heil. Das gilt auch angesichts des Todes. Wenn es die richtige Zeit ist, beruft er uns ab - und dann ist das eben das Wohl für uns!

Darauf kommt es eben an, daß wir immer an das Wohl Gottes glauben. Wir müssen in Kontakt mit ihm bleiben, dürfen das Vertrauen nicht verlieren und können uns immer von ihm geborgen wissen. Dann läßt sich auch das zunächst Unfaßbare ertragen.

Zufriedenheit finden wir nicht bei dem, was sonst allgemein als Wohl angesehen wird, was so unseren Wohlstand ausmacht. Bei Gott gilt nicht das Haus oder die Arbeitsleistung oder das ersparte Geld. Er fragt nur nach dem Glauben und sagt: „Wohl dem Menschen, der sich zu mir gehalten hat!“

Das ist auch gut so. Nicht was wir auf Erden geleistet haben, entscheidet über unser Verhältnis zu Gott. Es kommt nur darauf an, wie er zu, uns steht und wir zu ihm. Er möchte sich gut zu uns stellen. Die Frage ist nur, ob wir uns auch auf ihn einlassen.

Wer das aber tut, der darf sich dann auch getragen wissen von Gott bis an sein Lebensende und darüber hinaus. Der weiß dann auch: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes: weder unser eigenes Unvermögen noch die Angriff anderer Menschen und auch nicht der Tod. Gott ist stärker als alle diese Mächte.

Eltern haben mit ihren Kinder ja auch hin und wieder Mühe. Es läuft nicht alles so, wie es eigentlich gedacht war. Und doch haben die Eltern ihre Kinder lieb und bleiben auch immer die Eltern. Ein Kind kann immer wieder zu seinen Eltern zurückkehren.

So bleibt auch Gott immer unser himmlischer Vater. Er meint es gut mit uns, was auch immer geschieht. Er führt uns in tiefe Täler hinein, aber er holt uns auch wieder heraus. Sicherlich geht das nicht ohne Mühen und Beschwerden für uns ab. Aber letztlich führt Gott doch alles zu einem herrlichen Ende.

So wollen wir auch jetzt alles unserem Gott überlassen. Er wird bei uns sein im Leben und im Tod. Diese (r) Entschlafene darf nun schon hören: „Wohl dem Menschen!“ Und wir als die Lebenden dürfen auch darauf vertrauen: Gott will uns wohl. Vielleicht schenkt er uns nicht den äußeren Wohlstand. Aber er läßt uns jetzt schon das Heil erfahren. Durch all das Schwere hindurch leuchtet uns doch die herrliche Zukunft Gottes entgegen.

Jetzt sind wir noch betrübt und stehen im Kampf und in den Mühen des Alltags. Aber wir haben keinen Grund, Gott Vorwürfe zu machen. Er wird es schon richtig mit uns machen. Wer so lebt, der darf dann auch dieses Bibelwort auf sich beziehen: „Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist!“

 

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen! (Ps 37,5)

Am Tod erfahren wir, daß unsrem Leben eine Grenze gesetzt ist. Aber wir fragen uns doch: Warum muß es so schweres Leid geben, bei dem alle ärztliche Kunst keine Hilfe mehr bringen kann? Eine schwere Krankheit macht den Abschied nicht leichter. Es war ja doch die Gattin und Mutter, die Nachbarin und Schulkameradin. Den Verlust eines Menschen kann man nur schwer überwinden, auch wenn unser aller Leben weitergeht. Wir suchen in dieser Stunde nach Trost in einem Bibelwort. Wir sind ja ratlos, angesichts der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Hier wird ja all unsre Ohnmacht aufgedeckt und eine Grenze aufgerichtet, die wir nicht überspringen können.

Was ist nun das Sterben? Ist es nur ein Teilstück in dem ewigen Werden und Vergehen? Der Mensch ist doch mehr als ein Tier. Er steht in einem Verhältnis zu anderen Menschen, er spricht mit ihnen und hat Gemeinschaft mit ihnen. Deshalb sind wir ja auch so betroffen über den Tod, weil wir nun nicht mehr mit diesem Menschen sprechen und mit ihm gemeinsam etwas erleben können.

Aber weil der Mensch mehr ist als ein Tier, ist er auch verantwortlich für sein Leben. Gott will, daß wir unseren Mitmenschen lieben. Aber wie oft versagen wir hier trotz alles guten Bemühens. Wie schnell wird aus einem Miteinander ein Auseinander und aus dem Miteinander ein Gegeneinander. Dann ist es schwer, alles wieder ins rechte Geleis zu bringen.

Deshalb setzt Gott unsrem Leben ein Ende durch den Tod. Dann fragt er uns: Wie hast du mit diesem Menschen zusammen gelebt? Hast du es richtig gemacht oder hast du dir etwas vorzuwerfen? Hast du offene Augen und Ohren gehabt für die Menschen, die dir in den Weg gestellt wurden? Hast du deine Lebenszeit gut ausgenutzt? Denn jetzt ist nichts mehr gut zumachen. Wenn wir einem Menschen Gutes tun wollen, dann nur zu seinen Lebzeiten.

Wir dürfen Gott aber auch danken für die Liebe und das Vertrauen, das wir in unserem Leben erfahren haben. Auch diese Frau (dieser Mann) hat die Hilfe Gottes in mancherlei Hinsicht erfahren dürfen. Und wir dürfen Gott auch danken für die Gaben, die er dieser Frau (diesem Mann) zum Wohle anderer Menschen mitgegeben hat.

Beides müssen wir in unserem Leben immer zusammen sehen: die Gaben, die Gott uns mitgibt, und die Aufgaben, die er uns stellt. Beides ist wichtig auf dem Lebensweg, auf den Gott uns gestellt hat. Für beides aber dürfen wir auch den Beistand Gottes erbitten: Er gibt uns die nötigen Gaben mit und rüstet uns somit aus für die Aufgaben. Beides dürfen wir ihm anbefehlen.

Allein und ohne, Gott können wir unseren Weg durchs Leben nicht gehen. Dieser Weg ist oft steinig und schmutzig, er ist gefährlich und man kann leicht in einen Graben fallen. Da brauchen wir schon einen, der ­uns behütet und beschützt.

Gott tut das für uns. Er hat Wegweiser für uns auf gestellt, die uns vor Irrwegen und Sackgassen bewahren sollen. Und ein solches Wegzeichen ist auch dieses Wort aus dem 37. Psalm: „Befiehl dem Herrn deine Wege!“ Wenn wir uns von Gott den rechten Weg zeigen lassen und jeden Schritt unter den Schutz Gottes stellen, dann wird schon alles gut gehen.

Auch unsren letzten Weg dürfen wir uns der Fürsorge Gottes anbefehlen. Wer sein ganzes Leben über mit Gott gegangen ist, der darf sich auch am Ende behütet wissen. Und er darf auf das hoffen, was Gott uns seit der Taufe versprochen hat: das Leben bei ihm in der Ewigkeit.

Kein Lebensweg läuft immer schnurgerade, sondern es gibt manche Abweichung. Wo wir aber Fehler gemacht haben, da kann Gott sie im Tod vergeben. All unsre Fehler hat er auf Jesus Christus gelegt. Der hat an unsrer Stelle die Strafe am Kreuz erlitten. Nur deshalb dürfen wir die Hoffnung auf ein ungetrübtes Leben bei Gott haben.

Gott kennt uns, vom Anfang unsres Lebens an. Mit dem Tod hört das nicht auf, sondern es geht in einer anderen Weise weiter. Wir erschrecken natürlich über den Tod. Aber mitten in aller Angst dürfen wir uns von Gott wieder Mut geben lassen und aus der Vergebung Gottes leben. Wo Gott ist, da sind auch die, die zu ihm gehören.

Darauf dürfen wir uns verlassen, in diesem Leben und dann, wenn dieses Leben einmal ein

Ende hat.

 

Sei stille dem Herrn und warte auf ihn! (Ps 37,7)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann können wir nicht still sein. Zu groß ist der Schmerz, als daß man nicht weinen und klagen müßte. Auch wenn ein Mensch das biblische Alter erreicht hat, ist das Abschiednehmen doch schwer. Zu viele Jahre hat man in enger Gemeinschaft mit ihm gelebt. Das kann man nicht von einem Tag auf den anderen wegwischen.

Gerade wenn der (die) Verstorbene oft krank gewesen ist, hängt man doch mit besonderer Liebe an ihm (ihr). Worum man sich Sorgen gemacht hat, das ist einem besonders ans Herz gewachsen. Deshalb ist es doppelt hart, wenn plötzlich alles aufhört.

Gott hat sicher Verständnis dafür, wenn es uns dann schwer ums Herz ist, wenn wir eben nicht still sind. Wenn es hier heißt: „Sei stille gegenüber dem Herrn!" dann ist damit wohl nicht gemeint, daß man überhaupt nicht weinen dürfte. So unbarmherzig ist Gott nicht. Wenn man weinen kann, löst sich der Schmerz leichter. Wenn alles heraus ist, wird man auch wieder ruhiger im Inneren.

Einmal muß es auch wieder aufhören mit dem Klagen. So wird es hier in diesem Psalm einem Menschen gesagt, der sich in seinem Leid zu verlieren droht. Tröstend klingen diese Worte: „Nun sei doch wieder still!“ So wie eine Mutter begütigend auf ihr Kind einredet, so wollen wir es uns auch angesichts dieses Todes sagen lassen.

Oftmals sind es Menschen aus unsrer Umgebung, die so reden. Es tut uns gut, wenn wir wissen: Da sind andere, die mit tragen helfen und denen der Tod dieses Menschen auch nicht gleichgültig ist. Da ist alles doch schon etwas leichter.

Aber auch Gott will uns trösten. Er hilft uns durch sein Wort. Gerade in den Psalmen stehen viele Worte eines starken Gottvertrauens, die uns Trost und Hilfe geben können. Allerdings geht das nur, wenn man wirklich auf Gott vertraut und von ihm etwas erwartet. Dann erst redet sein Wort zu uns und wird für uns lebendig. Wenn wir uns darauf einlassen, wird uns auch geholfen.

Oftmals sind wir aufgewühlt und erregt wie ein Meer im Sturm. Doch wenn Jesus da ist, wird alles wieder still. So haben wir es vorhin in der Lesung von der Sturmstillung gehört und so kann es auch in unserem Leben eintreten. Gott will Stille für uns, Ruhe von allen Sorgen und Mühen, und Vertrauen auf eine bessere Zukunft.

Doch gemeint ist nicht eine Grabesstille, bei der nichts mehr geschieht. Mit unserem Tod ist nicht alles aus, wir versinken nicht einfach im Nichts, sondern Gottes Sache mit uns geht weiter. Er hat noch mehr mit uns vor und wird vielleicht erst noch richtig beginnen.

Gott bringt uns nicht mit Gewalt zum Schweigen, sondern wir werden aufgefordert, für uns selber stille zu werden und auf das zu warten, was kommen soll. Manchmal kann man ja vor lauter Lärm und Hetze ganz taub sein für das, was eigentlich wichtig ist. Der Tod zwingt uns, daß wir einhalten; und er richtet unseren Blick auf die Zukunft.

Dort wartet nicht ein dunkles Geschick auf uns, sondern Gott, der unser Herr und Vater ist. Nicht der Tod ist unser Herr, sondern Gott, der Herr über Leben und Tod. Er will nicht, daß wir im unendlichen Schweigen des Todes versinken, sondern er will uns einen neuen Leib und neues Leben geben. Von ihm dürfen wir noch alles erwarten, er hält nicht nur Versprechungen bereit, sondern er will wirklich unser Herr und Schöpfer sein.

Im Vers vorher heißt es: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn!“ Unser Weg ist uns von Gott vorgezeichnet. Aber er endet nicht einfach mit unserem Tod. Dann ist nur eine Haltestelle erreicht. An ihr müssen wir stille halten und auf Gott warten. Aber er kommt dann, auch und holt uns in sein Reich, da brauchen wir gar keine Angst zu haben. Er kommt zu uns, nicht wir zu ihm.

Deshalb hat es auch gar keinen Sinn, sich in Sorgen und Trauer zu verzehren. Zwar müssen wir schon alle stillhalten und können nichts gegen den Tod tun. Aber wir halten ja nur stille für Gott, der unseren weiteren Weg schon weiß. Es hat keinen Sinn, wenn wir uns zur Ruhe zwingen wollten. Aber Gott will sie uns schenken und wir müssen uns nur zu ihm hinbegeben.

Einmal wird dann. auch das Warten ein Ende haben. Dann wird sich auch für uns das Tor öffnen und wir werden bei Gott sein. Dann wird unser Fragen ein Ende haben und unser Leben an sein Ziel gekommen sein. Im Vorblick auf diese zukünftige Welt wollen wir jetzt schon unser Leben führen. Wir können beruhigt und getröstet in unsre Zukunft gehen, weil wir wissen, daß wir auf Gott zugehen. Und so können wir uns auch untereinander trösten mit den Worten: „Sei stille dem Herrn und warte auf ihn!“

 

Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich! (Ps 39,5+8)

Wenn man sich einen Plan für das Leben macht, dann setzt man sich auch ein Ziel. Jeder will es zu etwas bringen, will möglichst weiter kommen als die Eltern, möchte von Verwandten, Freunden und Nachbarn geachtet sein. Er möchte auch etwas Nützliches für die Allgemeinheit tun, seinen Beitrag zum Gelingen des Ganzen mit leisten.

Aber man denkt dann nicht daran, daß auch alles anders kommen kann. Letztlich setzt nämlich Gott unserem Leben ein Ziel. Er entscheidet, was wir im Leben erreichen oder nicht erreichen. Und er bestimmt auch, wann unser Leben ganz ein Ende hat.

Wir erfahren es oft schmerzlich, wenn ein Mensch aus dem Leben gerissen wird. Wir erleben zwar täglich, daß Menschen sterben. Aber solange sie uns nichts oder nicht viel angehen, beeindruckt uns das wenig. Wir müßten uns an sich sagen: „Du kannst auch jeden Tag dran sein!“ Aber in Wirklichkeit sind wir froh, daß wir nicht dran waren.

Andererseits können wir auch nicht jeden Tag mit dem Gedanken an der Tod herumlaufen. Das würde unser Leben ja unfroh machen, und das soll ja auch nicht sein. Wir dürfen uns schon unsres Lebens freuen. Wenn es dann anders kommt, werden wir schon Kräfte erhalten, um alles durchzustehen.

Aber dennoch werden wir lernen müssen, daß es einmal ein Ende mit uns haben muß. Dieses Bewußtsein wird sich nämlich auswirken auf die Sicht unsres Lebens und unser Verhalten. Man lebt nämlich anders, wenn man mit einem Ende rechnen muß, das Gott setzt.

Dann weiß man auch: Ich habe mich für mein Leben einmal vor Gott zu verantworten. Er wird mich nicht nur danach fragen, was ich geleistet und geschafft habe. Er wird auch darauf achten, wie ich zu den Menschen und natürlich auch zu Gott gestanden habe.

Das wird auch mit ein Grund sein, daß wir Angst vor dem Sterben haben. Wir wissen ja nicht so genau, ob wir den Ansprüchen Gottes gerecht geworden sind, ja nicht einmal, ob wir den Ansprüchen der Gesellschaft und der unmittelbaren Mitmenschen gerecht geworden sind. Wir haben das beste Bemühen, aber wir versagen doch oft.

Im Psalm wird gefragt: „Wessen soll ich mich trösten?“ Wir suchen heute auch nach einem Trost in dieser schweren Lage. Gerade an Wendepunkten des Lebens brauchen wir der Beistand Gottes. Wir sind dankbar für jedes Wort menschlichen Verstehens. Aber wo menschliche Macht am Ende ist, da suchen wir auch nach einem Wort Gottes. Besonders die Psalmen des Alten Testaments sprechen da unmittelbar zu uns. Hier kommen Menschen zu Wort, die auch Schweres haben mitmachen müssen. Hier heißt es: „Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude.!“ Hier spricht nicht einer aus der Theorie heraus, sondern aus eigener Erfahrung.

Doch die Antwort wird hier auch gegeben: „Ich hoffe auf dich!“ Daraus spricht ein gläubiges Vertrauen, eine Hoffnung, die nur noch von Gott eine Wende erwartet. Das ist auch das Einzige, was noch möglich ist. Hier ist ein Mensch völlig in die Enge getrieben und sieht nur noch einen kleinen Ausweg. Nur gut, daß Gott diese Hilfe wirklich geben kann. Allerdings geschieht sie nicht mehr in dieser Welt.

Wenn ein Mensch durch den Tod von uns genommen wurde, dann müssen wir endgültig von ihm Abschied nehmen. Nur in unseren Gedanken, in seinem Vorbild und in seinem Wollen ist er noch da. Aber Gott stellt uns ein neues Ziel vor Augen. Das Ziel unsres Lebens ist nicht der Tod unsres Körpers, sondern das Leben bei Gott. Der Tod ist nur ein Etappenziel, ein Abschnitt auf unserem Weg. Aber er ist noch nicht das Ende. Das eigentliche Ziel liegt noch dahinter und muß erst noch erreicht werden.

Den Blick auf dieses Ziel hat uns Jesus eröffnet, als er von den Toten auferweckt wurde. Seitdem können wir wissen, daß Leid und Tod nur Vorspiel sind für das Leben bei Gott. Gottes Wege mit uns gehen weiter, unser Dasein umfaßt mehr als die Jahrzehnte, die uns auf dieser Erde gewährt werden.

Deshalb wollen wir uns heute auch belehren lassen über das wahre Ziel unsres Lebens. Das gibt uns Trost angesichts des erlittenen Verlustes. Einer hat davon gemußt. Aber er ist zu Gott gekommen, der ihm den wahren Sinn seines Lebens und das Ziel seines Daseins zeigen will. Er darf jetzt schon schauen, was wir nur glauben können. Aber wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott es schon recht gemacht hat und auch mit uns recht machen wird.

 

Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! (Ps 39,6)

Wenn man vor einem Uhrenladen steht und sieht die vielen Uhren ticken, da kann einem so recht die Vergänglichkeit der Zeit deutlich werden. Vielleicht ist eine Uhr mit einem großen Sekundenzeiger dabei. Während wir sie noch betrachten, geht die Zeit unaufhaltsam weiter, Sekunde um Sekunde. Gewiß denken wir: Du hast ja viele Tausende und Millionen von Sekunden zu leben; in einem Jahr sind es schon über 3 Millionen. Und doch sind in wenigen Augenblicken schon 10 Sekunden unsres Lebens vorüber.

Wenn wir am Anfang des Lebens stehen, scheint. uns die Zeit unendlich lang zu sein. Und es ist ja auch lang, wenn man 80 oder gar 90 Jahre alt werden darf. Mancher ist froh, wenn es dann ein Ende hat, weil er die Beschwerden des Alters nicht mehr tragen möchte oder meint, er fiele den anderen zur Last.

Aber wenn es dann zu Ende geht, denkt man doch wieder: Es war eigentlich kurz gewesen, du hättest gerne noch länger Zeit gehabt. Als Kind kann man es gar nicht erwarten, bis man erwachsen ist. Aber je älter man wird, desto schneller scheinen die Jahre vorüberzugehen. Und dann mag es für uns schon so aussehen, als sei unser ganzes Leben nur ein nichtiger Hauch.

Es ist ja auch so: Was bedeuten schon die wenigen Jahrzehnte im Ablauf der Erdgeschichte? Dort rechnet man mit Milliarden Jahren und selbst 100 Jahre sind da nur wie eine Sekunde. Dieses Gefühl der Nichtigkeit ist in der Bibel so ausgedrückt: „Meine Tage sind eine Handbreit bei dir!“ In der Sicht Gottes schrumpft das Leben eines Menschen zusammen auf die Breite einer Hand, es stellt überhaupt nichts dar im Vergleich zum ewigen Werden und Vergehen in der Welt.

Und doch will Gott sich gerade mit diesem kleinen und unscheinbaren Leben eines jeden Einzelnen beschäftigen. Schon in der Taufe hat er uns zu seinem Kind gemacht. Aber auch später hat er uns das ganze Leben über begleitet. und in manchen Fällen zur Seite gestanden. Für Gott ist nichts zu gering, als daß er sich nicht damit befassen würde. Auch wenn unser Leben wie nichts vor Gott ist, so ist es doch ein Leben unter Gott, unter seinem Schutz und seiner Schirmherrschaft. Wir mögen uns gering gegenüber Gott vorkommen - und wir sind es ja auch - aber er denkt groß von uns!

Das wird vor allem deutlich, wenn es ans Sterben geht. Da wird der Mensch noch einmal besonders klein und hilflos und schwach, und seine Nichtigkeit wird allen deutlich. Da merkt man oft erst, was der Mensch wert ist und wie wenig er sein Leben sichern kann.

Wir kennen wohl die Geschichte vom reichen Kornbauern, der sich Sorgen darüber macht, wie er den Ertrag seiner großen Ernte sicher lagern soll und der in der Nacht dann plötzlich stirbt. Er dachte noch nicht ans Sterben und wiegte sich in Sicherheit.

Aber der Beter des 39. Psalms sagt mit Recht: „Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!“ Einmal hat es ein Ende; und dann hilft gar nichts, was man sich im Leben geschaffen hat. Dann kann uns nur noch retten, was wir uns bei Gott angesammelt haben und was nicht mit unsrem Tod vergeht. All unsre menschlichen Sicherheiten sind doch bei Gott null und nichtig, es bleibt schließlich nur, was wir im Namen Gottes den anderen an Gutem getan haben.

Wie sollen wir uns da nun Trost holen, wenn ein lieber Mensch uns verlassen hat oder wenn es an unser eigenes Sterben geht? Zwei Verse weiter heißt es in dem Psalm: „Wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich!“ Gott ist unsere einzige Hoffnung für unser Leben und für unser Sterben.

Mit den Menschen und mit den Dingen dieser Welt erleben wir oft bittere Enttäuschungen. Sie sind ein Nichts, wenn es ernst wird und darauf ankommt. Aber Gott beweist seine Treue gerade dann, wenn es hart auf hart geht. Wer sich deshalb im Leben und im Sterben auf ihn verläßt, wird seine Hilfe erfahren; der wird auch spüren können, wie Gott jedes Leben achtet und jeder Mensch ihm gleich viel wert ist.

Deshalb will er auch niemanden im Tod verloren gehen lassen. Ihm ist es gleichgültig, ob einer nach Ansicht der Menschen viel geleistet hat oder wenig. Gott legt andere Maßstäbe an: Er fragt nur, ob wir uns zu ihm gehalten haben.

Wer sein Leben in diesem Sinne eingerichtet hat, der wird auch den Trost Gottes spüren können. Und er wird eine Hoffnung haben, die über den Tod hinausreicht. Unser Leben ist sehr viel bei ihm. Deshalb will er uns auch für immer bei sich haben.

 

Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich! (Ps 39,8)

Der Tod greift immer hart in das Leben der Menschen ein. Auch wenn man lange hat zusammen leben dürfen, auch wenn einer ziemlich alt hat werden können, so ist der Abschied doch immer schwer. Gern hätte man sich gewünscht, daß es noch weitergegangen wäre. Aber eines Tages ist die letzte Stunde da, und dann geht nichts mehr.

Das ist nun einmal der Lauf der Welt. Wir werden in die Welt geboren, wir wachsen heran und lernen, wir arbeiten und mühen uns ab, für uns selber, für die Familie und für die Allgemeinheit. Aber eines Tages geht es nicht mehr. Und dann kommt auch einmal der Tag unseres Todes und des Abschieds vor unseren Leben.

Liegt ein Sinn in dem Ganzen? Nur wenn ein Sinn und ein Ziel in unserem Leben da ist, werden wir uns doch mit dem Tod abfinden können. Wenn selbst in unserem Sterben noch ein Sinn sein soll, dann werden wir uns leichter damit abfinden können.

Bei einem Todesfall kommen immer die Freunde und Nachbarn und wollen Trost geben. Dafür können wir nur dankbar sein. Man erfährt dann eben doch, daß man nicht allein gelassen wird in seinem Schmerz, daß auch andere Anteil nehmen und ein klein wenig mittragen wollen. Aber man muß natürlich auch die Grenzen dieser Bemühung sehen: Alles bleibt im Menschlichen.

Trost könnte uns geben, daß das Leiden eines Menschen durch den Tod beerdet wurde. Dabei braucht man nicht nur an Krankheit zu denken, sondern eben aller Kampf und alle Mühen des Lebens allgemein. Trost könnte uns sein, daß jeder Mensch ja etwas geleistet hat und etwas hinterläßt, daß er in mancher Hinsicht auch in seinen Kindern und Enkeln weiterlebt.

Aber all das reicht offenbar nicht aus. Der 39. Psalm fragt jedenfalls: „Herr, wessen soll ich mich trösten?“ Der Beter klagt darüber, daß viele Menschen so sicher in den Tag hinein leben, aber er selber sieht, daß seine Tage nur noch eine Handbreit sind und sein Leben wie nichts ist vor Gott. Nur einer kann ihm da noch helfen, kann seinem Leben ein Ziel zeigen: „Ich hoffe auf dich!“ sagte er. Gott allein kann ihm Trost geben, der über dieses Leben hinausreicht. Er allein kann ihm die Schuld seines Lebens nehmen und ihm eine neue Zukunft eröffnen

Mit dem Sterben ist es in mancher Hinsicht wie mit der Geburt. Wenn eine Frau ein Kind erwartet, dann ist sie schon von einer großer Gewißheit erfüllt. Sie weiß: Das Entscheidende ist schon geschehen, das neue Leben ist da, es ist in mir. Deshalb kann sie auch in Geduld warten, denn alles hat seine Zeit. Das Geborenwerden hat seine Zeit und auch das Sterben. Wir können unser Leben nicht verlängern, können es aber auch nicht verkürzen - alles hat seine Zeit, so wie Gott es bestimmt hat.

Wenn ein Kind geboren werden soll, dann weiß die Mutter, daß sie Schmerzen haben wird. Aber sie weiß auch: Der Schmerz wird der Anfang der Erfüllung sein. Wenn die Schmerzen beginnen, dann ist bald alles überstanden, dann ist das das sichere Zeichen für der Beginn eines Neuen.

So ist auch das Sterben der Beginn eines Neuen. Es ist mit Schmerzen verbunden. Aber dahinter wartet ein neues Leben. Das Sterben ist so etwas wie eine neue Geburt. Wir sehen es meist als Abschied vom Leben. Aber vielleicht werden wir einmal davon überrascht sein, wie schön es in dem Leben nach unsrem Tod sein wird. Gott hat uns jedenfalls dieses Leben verheißen, er wird sein Wort auch einhalten.

Unser ganzes irdisches Leben ist dann im Grunde nur ein Warten auf das Reich Gottes. Das Entscheidende dafür hat Gott schon getan. Er hat ja seinen Sohn schon zu den Menschen geschickt, er hat sich ja schon ans Kreuz schlagen lassen, damit unsere Schuld von uns genommen wird. Und vor allem hat er seiner Sohn wieder von den Toten auferweckt und uns damit am Beispiel gezeigt, daß so etwas möglich ist.

So hat das neue Leben für uns alle schor angefangen. Das ist der einzig wirkliche Trost, der uns im Angesicht des Todes zuteil werden kann. Diese Gewißheit wirkt sieh aber auch schon auf unser jetziges Leben aus. Es hat ja dadurch einen Sinn und ein Ziel. Wenn das Ende gesichert ist, wenn der Ausgang feststeht, dann verläuft auch der Weg dorthin in rechten Bahnen.

So wollen wir uns heute trösten lassen aus Gottes Wort, das uns ein neues Leben bei unserem Schöpfer verheißt. Wir wollen auf Gott hoffen, der uns einst das Leben gegeben hat und der es uns neu geben wird nach unsrem Tod. Und wir wollen diese (n) Verstorbene (n) in der Hand Gottes geborgen wissen, der unser Herr ist im Leben und im Tod.

 

Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit von mir nicht wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten! (Ps 40,12)

Wir nehmen doch von vornherein an, daß wir die Barmherzigkeit Gottes gepachtet haben: Wir sind ja schließlich getauft und da wird Gott auch schon auf unsrer Seite stehen. Doch der Beter dieses Psalms weiß, daß man immer wieder darum bitten muß. Es geht um ein Geschenk, zu dem Gott nicht unbedingt verpflichtet ist, das er also aus freien Stücken gibt.

Es kann ja gar manches dazwischenkommen, so daß uns die Barmherzigkeit Gottes gar nicht erst erreicht. Da ist vor allem unser eigener Ungehorsam gegenüber Gott. Oder da sind schwere Schicksalsschläge und harte Prüfungen, die gewissermaßen eine Trennwand zwischen uns und Gott aufrichten.

Doch wir wollen es nicht falsch verstehen: Diese Wand baut nicht Gott, sondern die bauen immer wir selber. Jeder Mangel an Gottvertrauen ist wieder ein neuer Stein an dieser Mauer. Gott bietet uns seine Barmherzigkeit immer ungehindert an. Wenn einer ihn hindert, dann sind w i r das.

Gott will keine Trennwand bauen, sondern eine Schutzwand, die uns vor allem Bösen bewahren soll. Im Altertum war der Weg von Athen nach der Hafenstadt Piräus zu beiden Seiten durch eine Mauer geschützt, die von Soldaten bewacht wurde. Zwischen diesen Mauern konnte man in Sicherheit zum Hafen gelangen und wieder in die Stadt. Man hatte einen guten Schutz. Hier konnte nichts passieren, hier wurde man in Ruhe gelassen.

So sind auch die Güte und Treue Gottes wie zwei Mauern, die uns vor allem Bösen behüten. Dadurch wird der Weg sicher. Aber Gott muß uns diese Mauer bauen. Wir können von uns aus nichts dazu tun, nicht einmal bewachen können wir sie, weil wir doch immer wieder vom Bösen überlistet würden.

Aber das ist ja auch nicht nötig. Gott sorgt selber für die Sicherheit, da ist alles in Ordnung. Wenn Gott etwas in die Hand nimmt, dann ist es solide, dann können wir uns ganz darauf verlassen und dürfen uns unter seinen Schutz geborgen wissen.

Aber noch wichtiger ist doch eigentlich, daß dieser Weg auch zum Ziel hinführt. Wenn man zwischen diesen Mauern hindurchgeht, dann kann man das Ziel doch gar nicht verlieren. Sie bieten also nicht nur Schutz, sondern sie führen auch ans richtige Ziel. Wieder müssen wir sagen: Auf Gott können wir uns verlassen.­ Er ist treu und schickt uns schon nicht auf den falschen Weg. In seiner Güte würde er das gar nicht fertig bringen. Wenn wir uns erst einmal auf seinen Weg begeben haben, kommen wir sicher ans Ziel.

Das ist ja schließlich entscheidend am Ende unsres Lebens: Haben wir uns richtig leiten lassen und ist uns das Ziel gewiß? Beides aber will uns Gott schenken, wir brauchen uns ihm nur anzuvertrauen.

Wie oft haben wir in unserem Leber erfahren dürfen, daß Gott uns hilft. Wie vielen Menschen hat er doch in großer Not geholfen: in Krieg, in Armut, in persönlichem Leid. Wir wollen doch lieber nicht auf das sehen was uns fehlt, sondern an das denken, was uns schon geschenkt ist und wofür wir danken dürfen.

Gott hilft uns auch im Tod noch und über den Tod hinaus. Gewiß verspüren wir jetzt den Schmerz und die Lücke. Aber Gottes Barmherzigkeit reicht weiter als dieses Leben, das so schnell vergeht.

In dem neuen Leben bei Gott aber werden wir erst recht die Güte und Treue Gottes verspüren können, hier werden sie sich erst richtig bewähren. Gott behütet uns auf allen Wegen unsres Lebens und da gibt es keinen Pfad, wo er nicht hingelangen. könnte. Aber er behütet uns auch erst recht, wenn wir einmal unsren letzten Gang antreten müssen.

So einen Spruch: „Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit von mir nicht wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten!“ muß man sich immer wieder vor sagen; er- gilt für unser Leben und Sterben, für unser aller Leben.

Wer so beten kann wie in diesem Psalmvers, den wird Gott nicht abweisen. Wer so wie dieser Beter weiß, daß er ganz auf Gott angewiesen ist, der kann getrost auf die Güte und Treue Gottes rechnen: Gott wird ihn auch im Tode nicht allein lassen!

 

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken! (Ps 46,1-2)

Es ist nicht leicht, wenn einer Sterben muß. Auch ein Christ macht dabei keine Ausnahme. Er ist nicht frei von Angst, wenn er an seine letzte Stunde denkt. Das ist schon eine große Not, die den Menschen betrifft; keiner kann sich dem entziehen.

Aber es gibt hier zweierlei Angst; und darin unterscheidet sich das Leben und Sterben eines gläubigen Christen von dem eines Nichtchristen. Man kann Angst haben , weil sich hinter dem Tod ein großes schwarzes Loch aufzutun droht. Eine solche Angst ist wirklich zum Verzweifeln, weil sie keinen Raum für eine Hoffnung läßt.

Aber es gibt auch noch die andere Angst, von der auch ein Christ nicht ganz frei ist. Da weiß man zwar, daß nach dem Tod noch etwas kommt. Dann weiß man zwar: Gott ist unsre Zuversicht und Stärke! Aber man hat doch Angst vor dem, was unmittelbar davor kommt und wo man eben hindurch muß.

Das ist wie bei den Wehen vor der Geburt: Sie sind nötig wenn ein Kind das Licht der Welt erblicken soll. Und ebenso sind am Ende unseres Lebens die Wehen des Todes notwendig, wenn das neue Leben zum Vorschein kommen soll. Im Augenblick der Not ist die Furcht zwar groß, aber hinterher ist sie auch bald wieder vergessen, weil ein herrlicher Lohn wartet. Aber ehe es soweit ist, muß man eben hindurch.

Viele haben Angst vor einem plötzlichen Tod. Sie könnten ja ihren Platz sozusagen „unaufgeräumt“ verlassen müssen. Vielleicht sind Streitereien und Unstimmigkeiten noch nicht in Ordnung gebracht. Vielleicht hat man sich noch eine bestimmte Leistung vorgenommen und möchte sie gerne auch noch zu Ende führen.

Es fällt auch schwer, die Gemeinschaft mit lieben Menschen aufzugeben. Man hat Angst vor Krankheit und unerträglichen Schmerzen, die oft dem Tod vorausgehen. Und letztlich wird auch Angst vor dem richtenden Gott eine Rolle spielen. Ja, hier legt vielleicht die eigentliche Not der Menschen, wenn sie ans Sterben denken.

Auch einem Ungläubigen dämmert es vielleicht noch im letzten Augenblick: Es könnte ja doch sein, daß man für sein Leben zur Rechenschaft gezogen wird. Auch ein Christ wird von einer gewisser Beklemmung nicht frei sein. Aber er weiß von der Liebe und Gnade Gottes und von der Erlösungstat Jesu Christi für uns.

Er weiß.: Gott ist überall. Dann ist er auch im Grab. Gottes Macht reicht durch alle Mauern hindurch und wird auch durch den Tod nicht eingeschränkt. Der uns ein ganzes Leben über behütet und beschützt hat, der läßt uns auch im Tode nicht im Stich.

Man muß eben seine Erfahrungen mit Gott machen, dann kann man auch Vertrauen zu ihm gewinnen. Es ist gut, wer man rechtzeitig damit beginnt. Dazu haben wir ja unser ganzes Leben, daß uns Gott vertraut werden kann. Immer wieder treffen uns Nöte in unserem Leben. Dann sollen wir lernen, mit Gottes Hilfe damit fertig zu werden. Gerade am Ende unseres Lebens werden wir starke innere Kräfte zur Bewältigung unseres letzter Gangs gebrauchen können.

Ein Mittel zur Stärkung wird uns dabei das Abendmahl sein. Es will unser ganzes Leben begleiten, auch die guten Zeiten. Es hilft uns aber besonders, wenn wir in Not kommen oder wenn es gar dem Ende zugeht. Es ist das Unterpfand des ewigen Lebens und ein Stück vom Reich Gottes.

Wenn man fest im Glauben steht, auf Gottes Wort hört und sich durch das Sakrament stärken läßt, dann braucht man sich wirklich nicht zu fürchten, wenn auch die Welt unterginge. Wenn ein Mensch stirbt, dann geht ja für ihn sozusagen die Welt unter, auch wenn sie für die anderen weiter besteht; wer gestorben ist, der hat ja nichts mehr von der Welt.

Aber er hat Gott. Und den braucht er mehr als die ganze Welt. Wir brauchen ihn in unserem Leben ,wir brauchen ihn bei unserem Sterben, wir haben ihn im ewigen Leben. Einmal werden wir ganz mit Gott vereint sein, Menschen nach dem Willen unseres himmlischen Vaters. Auf ihn dürfen wir schon heute unsere Zuversicht setzen. Er hat unsere Toten in der Hand, er hat auch uns in der Hand. Wenn wir uns an ihn halten, werden wir stark sein und die Schwierigkeiten unseres Lebens bewältigen können.

 

Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen! (Ps 55,23)

Im Zusammenhang mit dem Sterben eines Menschen haben wir sicherlich manche Anliegen. Der größte Wunsch wäre natürlich, daß es wieder besser mit ihm wird. Aber wir wissen natürlich alle, daß das nicht immer möglich ist. Wenn Zeit und Stunde gekommen sind, dann müssen wir uns eben bereit machen für der Abschied. Wenn Gott einen Menschen bei sich haben will, dann können wir ihm das nicht verwehren.

Aber wir werden dann vielleicht darum bitten, daß Gott es gut mit dem Kranken macht. Wenn einem Menschen ein langes und qualvolles Sterben auferlegt wird, dann muß er es auch tragen. Wenn er sanft einschlafen darf, dann kann er sich glücklich schätzen. Im Frieden heimgehen kann man in beiden Fällen.

Das hängt eben davon ab, ob man sein Anliegen tatsächlich auf den Herrn wirft. Gemeint ist damit doch: Das, was uns im Leben bedrückt, was uns das Leben schwer macht und uns am Sinn des Lebens zweifeln läßt, was uns als Kreuz auferlegt wird, das brauchen wir nicht weiter zu tragen und mit uns herumzuschleppen. Wir dürfen es unserem Gott, wir dürfen es Jesus Christus auferlegen.

Wirf dein Anliegen auf den Herrn!“ Das ist die Lösung unserer Nöte. Der Beter des Psalms hat sich an Gott gewandt, weil Menschen ihm das Leben schwer gemacht haben und ihn bedrängt haben. Aber sicherlich gilt das auch in anderer Fällen, gilt das auch im Angesicht des Todes für jeden Menschen.

Vielleicht denkt man in einem solchen Augenblick auch noch einmal über sein Leben nach. Man wird dabei entdecken, daß manches nicht so war, wie Gott es sicherlich erwartet hätte. Man wird vielleicht erschrecken, wenn einem alles wieder so einfällt. Man wird vielleicht auch Angst haben, daß man unter diesen Umständen gar nicht zu Gott kommen kann.

Aber auch dieses Anlieger dürfen wir auf den Herrn werfen. Wir dürfen ihn um Vergebung bitten und dürfen der Erhörung dieser Bitte gewiß sein. Wohl dem Menschen, der noch Zeit hat, vor seinem Sterben alles mit Gott ins Reine zu bringen. Und noch schöner ist es, wenn er schon zur Zeit seines Lebens sich immer mit Gott eins weiß und mit ihm in Verbindung bleibt.

Wer sich zu Gott hält, der wird auch merken, wie der ihn versorgt mit allem, was man zum Leben braucht. Hierbei ist nicht einmal so sehr an die äußeren Dinge des Lebens zu denken. Es gibt ja noch viel mehr Fragen, die uns Sorgen machen und uns an einem glücklichen und zufriedenen Leben hindern. Da suchen wir nach Trost und Hilfe.

Gott aber will uns dann „versorgen“, das heißt: Er will alles tun, damit wir uns keine Sorgen mehr zu machen brauchen. Das gilt auch für die Angehörigen des (der) Verstorbenen und für alle, die um ihn (sie) trauern. Gott will uns helfen, unseren Schmerz über den Verlust zu überwinden, all unsere Fragen und Sorgen ihm zu überlassen und getröstet in die Zukunft und an unsere Arbeit zu gehen.

Gott kann dieses Leid wenden, weil er uns ein neues Leben geben wird. Das ist das Größte, was er uns schenkt und womit er für uns sorgt: Nach dieser Zeit gibt es für uns noch ein Leben in der Ewigkeit.

In diesem Psalmwort heißt es: „Er wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen!“ Gerechte müssen wir schon sein. Aber gerecht werden wir nicht durch unsere eigenen Verdienste, sondern weil Jesus Christus für uns gestorben ist. Wir können uns nicht gerecht machen, sondern Gott macht uns gerecht.

Deswegen können wir auch beruhigt unsrem Ende entgegensehen. Wir brauchen uns nicht zu fragen: Werden unsere Verdienste auch ausreichen, um zu Gott zu kommen? Jesu Opfer reicht für uns aus, für heute, für morgen und für alle Ewigkeit.

Ewigkeit“, das ist nicht etwas, was sich einfach an unsere Zeit anschließt, was unsere Zeit einfach auf andere Art fortsetzt. Die Ewigkeit umschließt vielmehr unsere Zeit, so wie ein Kreis den Mittelpunkt. Und so wirkt die Ewigkeit dann auch in unsere Zeit hinein und bestimmt unser Leben heute schon mit.

Wenn wir das vor Augen haben, werden unsere Sorgen klein. Wir werfen unsere Anliegen auf den Herrn und lassen ihn sorgen. Wir werden in getroster Zuversicht einen Menschen hergeben können. Und wir werden unserem eigenen Tod in Ruhe entgegensehen, weil er uns ja endgültig in Verbindung bringt mit der Ewigkeit Gottes.

 

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft! (Ps 62,2)

Wir können oft nicht still sein angesichts des Unglücks, das es in der Welt gibt. Wir möchten lieber schreien, weil diese Weit so unvollkommen ist und wir dennoch in ihr leben müssen. Es gibt Kriege, Katastrophen und Hungersnöte und der kleine Mann ist ihnen oft hilflos ausgeliefert. Manchmal ist auch menschliches Versagen im Spiel, manchmal auch höhere Gewalt.

Ist etwa auch der Tod so etwas wie „höhere Gewalt“? So unpersönlich kann man wohl doch nicht davon reden. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man von einem Unglück weit in der Ferne hört oder ob man selber davon betroffen wird. Den Tod kennt jeder aus eigener Anschauung aus nächster Nähe, man kann ihm nicht entgehen.

Zum anderen muß man sich doch fragen: Wer steht hinter dem Tod? Ein gläubiger Mensch sagt: „Ich nehme ihr hin als Fügung Gottes!“ Hier trifft uns nicht ein urpersönliches Schicksal, sondern der lebendige Gott, der nur unser Bestes will.

Aber das ist manchmal schwer für uns einzusehen. Da sind wir oftmals wie die Kinder. Die schreien ja auch, wenn sie ihren Willen nicht kriegen, und lassen sich durch nichts davon abbringen. Welches Kind würde wohl schon einsehen, daß die Eltern nur das Beste für es wollen?

Wir sind aber alle solche uneinsichtigen Kinder Gottes, die den Tod nicht in ihre Gedanken und ihr Leben aufnehmen wollen. Zu fern liegt er uns doch, obwohl wir alle wissen, daß der Tod uns jederzeit erreichen kann. Wenn es ans Abschiednehmen geht, fällt es doch jedem schwer.

Damit soll aber nun nicht gesagt sein, daß man nicht weinen darf, wenn einem ein lieber Mensch genommen wurde. Der Schmerz ist manchmal heilsam, um über etwas hinwegzukommen. Wir dürfen auch einmal unseren Gefühlen freien Lauf lassen, um mit allem fertig zu werden. Gott hat uns diese höchst menschliche Möglichkeit gelassen. Aber wir müssen dann auch einen Weg finden, um den Schmerz hinter uns zu lassen und stille zu werden.

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft!“ betet der Mann, von dem der 62. Psalm überliefert wurde. Er hat auch viel mitgemacht in seinem Leben. Aber er fängt sein Gebet mit dieser getroster Zuversicht an. Erst nachher zählt er auf, was ihn bedrückt, um dann wieder zu Aussagen des Gottvertrauens zurückzufinden.

Mit unserem Schmerz ist das oftmals wie mit einem Gebirgsbach: Erst ist er schäumend und wild und reißt alles weg. Aber nachher wird sein Bett breiter, sein Lauf ruhiger und seine Gewalt gebremst. So bleibt auch unser Schmerz erhalten und geht eigentlich nie verloren. Aber wir können ihn dann doch ertragen und sind stille geworden. Aber es heißt ausdrücklich: „...stille zu G o t t, der mir hilft!“ Selber können wir uns nicht beruhigen. Da helfen keine Medikamente und keine wohlgemeinten Redensarten. Echter, tiefer Trost kann uns nur Gott geben. Er allein kann auch in unserer Not helfen.

Sicherlich macht er auch diesen Tod nicht ungeschehen. Aber er verheißt uns ein neues Leben, wo wir nicht mehr schreien müssen, sondern stille werden im Aufblick zu Gott. Er hat ein neues und besseres Leben für uns bereit und er will, daß wir gerne nach dorthin aufbrechen.

Es mag sein, daß wir zuerst unwillig sind, wenn der Tod uns holen will. Wir wollen nicht folgen und müssen doch. Nachher schicken wir uns dann doch hinein, wenn wir wissen: „Es geht ja nur zu Gott, unsrem himmlischen Vater!“ Er wird schon wissen, was für uns gut ist. Er wird auch eine neue Heimat für uns bereit haben.

Auch wenn wir den Weg dorthin nicht wissen, so werden wir doch dort ankommen. Wenn wir nur fest den Blick auf Gott richten, werden wir das Ziel nicht verfehlen. Und wenn wir nur Jesus Christus nachfolgen, werden wir einen guten Weg gehen. Jesus hat sich auch erst gegen der Tod aufgebäumt und dann doch gesagt: „Dein Wille geschehe!“ Möchten wir doch auch einsehen und von ganzem Herzen sagen können: „Es war Gottes Wille!“ Es war sein Wille, daß wir ins Leben kamen; es ist sein Wille, wenn wir es wieder verlassen müssen.

Aber Gottes Wille mit uns geht ja noch weiter. Das können wir wiederum an Jesus ablesen: Gott hat ihr nicht im Tode gelassen, sondern hat ihn auferweckt. Er lebt, und wir werden auch leben. Das verheißt uns Gottes Wort, das uns gerade auch immer wieder angesichts des Todes gesagt wird. Es will uns helfen, daß wir stille werden können in unserem Schmerz. In der Stille wachsen uns dann schon von Gott die Kräfte zu, die uns dem Leben gerecht werden lassen.

Unser Leben geht weiter. Wir wollen dankbar jeden Tag aus Gottes Hand nehmen, den wir noch haben. Wir wollen getrost diese (n) Entschlafene (r) ihrer (seiner) himmlischen Ruhe überlassen und in der Gewißheit weiterleben: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft!“

Deine Güte ist besser als Leben! (Ps 63,4)

Zunächst einmal werden wir einen solchen Satz nur schwer bejahen können: Wenn ein Mensch gestorben ist, dann sind wir doch traurig und können darin nicht ein Zeichen der Güte Gottes sehen. Schließlich sind wir doch mit jedem Angehörigen eng verbunden. Auch wenn er ein schönes Alter erreicht hat, so tut es uns doch leid, wenn er nicht mehr da ist. Selbst wenn man kaum noch mit ihm hat sprechen können, so war er doch da und bedeutet eine Aufgabe.

Der Tod aber macht den Abschied endgültig. Wir wissen: So wie vorher werden wir nicht wieder mit dem Betreffenden zu tun haben. Mit dem Tod ist eine Phase des Lebens abge­schlossen, die so nicht mehr wiederkommt und auch gar nicht wiederkommen soll. Denn so sagt der Psalmist: „Deine Güte ist besser als Leben!“ Er meint damit das irdische Leben, das ihm vorkommt wie eine Wüste, in der es kein Wasser gibt. Weil es bei Gott anders sein wird, sagt er: „Mein ganzer Mensch verlangt nach dir!“

Wenn wir das doch auch so sagen könnten! Uns verlangt doch eher danach, das Leben in dieser Welt zu genießen und möglichst viel dabei herauszuholen. Man möchte es zu etwas bringen in der Welt und etwas vom Leben haben.

Diese Formulierung „etwas vom Leben“ verrät eigentlich schon alles. Es ist immer nur „etwas“, das wir in diesem Leben haben können. Aber nicht das Leben selber, das ganze Leben, nämlich ein Leben mit Gott und im Sinne Gottes.

Unter Leben verstehen wir ja einmal die Zeitspanne zwischen Geburt und Tod, unser irdisches Leben mit all seinen Aufgaben und Zwängen, mit seinen Freuden und Erfolgen.

Aber das ist ja nur ein Ausschnitt aus unserem gesamten Leben, so wie ein Scheinwerfer in seinem Lichtkegel immer nur ein Teil des Ganzen erfaßt und heraushebt. Als Christen dürfen wir wissen, daß Gott noch ein anderem Leben für uns bereithält, das schon vor unsrem irdischen Leben da war und auch nachher erst recht da sein wird.

Gott hat uns das irdische Leben gegeben. Er nimmt es auch wieder, wenn die Zeit da ist. Wenn es im Psalm heißt: „Deine Güte ist besser als Leben!“ dann ist damit unser irdisches Leben gemeint. Dieses kann uns genommen werden, wenn uns nur die Güte Gottes erhalten bleibt.

Doch Wir sollten nun nicht meinen, die Güte Gottes bestünde allein darin, daß er uns aus dem Elend dieser Welt erlöst. Es gehört wohl mit zur Güte Gottes dazu, daß er einen kranken Menschen nicht ewig leiden läßt. Es ist gut, daß wir nicht ewig zu leben haben auf dieser Erde, sondern auch einmal Ruhe haben von allen Mühen und Sorgen.

Aber dann fragt sich natürlich, was nach dem Tode kommen soll. Hier aber dürfen wir auf ein neues Leben bei Gott hoffen. Jesus hat uns davon erzählt und ist uns den Weg dorthin schon vorausgegangen; und im Alten Testament ist das alles auch schon angedeutet und vorausgeahnt.

Wo aber soll dieses Reich Gottes sein, in dem wir die Güte Gottes erst in vollem Maß erfahren werden? Wir können nicht genau sagen: „Hier ist es“ oder „Da ist es.“ Vielleicht ist es rund um uns herum, auch wenn wir es nicht bemerken können.

Seit Jesus aber hat dieses Reich endgültig unter uns seinen Anfang genommen. Er hat gezeigt, daß man die Güte Gottes in der Welt verwirklichen kann. Und er hat uns deutlich gemacht, daß diese Güte Gottes erst in der Ewigkeit zur Vollendung kommt.

Deshalb dürfen wir getrost und mit Zuversicht von diesem (dieser) Verstorbenen Abschied nehmen. Wir dürfen wissen: Er (sie) erfährt schon in vollem Maße die Güte Gottes. Bei Gott zu sein ist mehr als dieses menschliche Leben: Es ist das Ziel unsres Lebens und der Sinn unseres Daseins.

Auch wir, die wir noch weiterleben, dürfen diese Hoffnung haben. Gottes Güte wird uns auch in Zukunft begleiten. Sie wird uns helfen in diesen und im zukünftigen Leben. Was Gottes Güte bedeutet, können wir im Augenblick nur ahnen. Wir werden sie einst aber in ihrer vollen Größe erfahren. Diese Aussicht kann uns die Angst vor dem Sterben nehmen und uns den Abschied von diesem Menschen leichter machen: Er darf sicher schon erfahren: „Gottes Güte ist besser als Leben!“

 

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf; aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet! (Ps 68,20)

Es mag seltsam erscheinen, wenn wir hier mit einem Lob Gottes beginnen. Aber das hat schon seine Berechtigung. Wir dürfen ja heute auf viele Jahre eines erfüllten Lebens zurückschauen, dürfen dankbar sein für all das, was der (die) Verstorbene an Gutem getan hat und was gerade die Angehörigen ihm (ihr) verdanken.

Natürlich sind wir auch traurig, weil wir einen lieben Menschen hergeben müssen. Aber vergessen wir doch nicht, daß wir ihn auch viele Jahre haben durften. Bei aller Trauer wollen wir doch nicht vergessen, daß wir auch viel Schönes mit diesem Menschen erlebt haben.

Deshalb dürfen wir auch am heutigen Tag Gott loben. Gott legt uns zwar eire Last auf, aber er hilft uns auch. Er hat diesem (dieser) Verstorbenen eine Last auferlegt, so wie das ja praktisch im Leben eines jeden Menschen ist. Jeder Mensch hat ja sein Päckchen zu tragen, der eine mehr, der andere weniger, aber für jeder wird es schon so sein, daß es ihm schwer genug ist.

Aber es geht uns damit nicht wie einem Lastesel, der alles schleppen muß, ob er will oder nicht, ob er kann oder nicht. Gott läßt es nicht soweit kommen, daß wir erst zusammenbrechen. Manchmal haben wir vielleicht den Eindruck: Jetzt geht es nicht mehr, jetzt ist alles aus, jetzt sind wir am Ende.

Aber in Wirklichkeit sind wir noch lange rieht am Erde. Gott gibt uns nur soviel zu tragen, wie wir auch tragen können. Allerdings ist es wohl doch so, daß wir es nicht allein tragen können. Gott gibt uns die Kraft dazu, daß es wieder weiter geht. Wenn wir schon in die Knie gebrochen sind und aufgeben wollen, dann hilft er uns wieder auf und dann geht es auch wieder weiter.

Besonders kann uns das deutlich werden beim Tod eines lieben Menschen. Wenn man den Ehepartner verliert, dann denkt man natürlich gleich: Jetzt ist alles zu Ende, jetzt hat auch dein Leben keinen Sinn mehr. Oder die Kinder sagen sich: Jetzt hast du keinen Menschen mehr, den du um Rat fragen könntest oder der noch einmal eine kleine Hilfeleistung tun könntest, jetzt mußt du endgültig ganz auf eigenen Füßen stehen. Aber wenn erst einige Zeit dahingegangen ist, dann merken wir, daß es doch weitergeht, anders sicher als vorher, es fehlt etwas, aber die Zukunft ist doch nicht einfach abgeschnitten.

Doch das liegt nicht daran, wie man so volkstümlich sagt: „Die Zeit heilt Wunden!“ Das mag auch eine Rolle spielen, aber das ist nicht das Entscheidende. Vielmehr liegt es daran, daß wir einen Gott haben, der hilft. Weil er uns beisteht, heilen die Wunden mit der Zeit, nicht einfach von selber.

Menschen ohne Gott versuchen natürlich auch, mit dem Schweren im Leben fertig zu werden. Sicherlich gelingt ihnen das auch ein ganzes Stück. Aber sie machen es sich unnötig schwer, weil sie sich nicht von einem Höheren helfen lassen wollen und meist auch nicht von einem anderen Menschen.

Es ist aber keine Schande, wenn man sich von Gott helfe lassen will, wenn man Trost in seinem Wort sucht, wenn man sich im Gebet an ihn wendet. Gott will uns ja gerne helfen, gerade auch in den schweren Stunden unsres Lebens. Und er hilft durchgreifend.

Gott hat uns ja nicht nur tröstende Worte anzubieten, sondern er hilft uns mit der Tat: Wir haben den Herrn, der vom Tode errettet! Heute zum Osterfest wird uns das ja besonders deutlich werden. Man kann traurig sein, weil man gerade an diesem Fest einen Menschen zu Grabe tragen muß.

Aber es ist auch ein passender Tag, ist es doch der Auferstehungstag unseres Herrn Jesus Christus. Diese Tatsache gibt uns die Gewißheit, daß auch wir auferstehen werden. Er ist uns nur vorangegangen. Heute verkünden wir seinen Sieg über den Tod und entnehmen daraus die Gewißheit, daß auch wir nicht ewig im Tod verloren sein werden.

Deshalb haben wir Grund, gerade heute zum Osterfest Gott zu loben. Trotz alles persönliche- Leides haben wir doch Grund zur Freude, weil wir uns an der Auferstehung unseres Herrn wieder innerlich aufrichten können und einen Weg in die Zukunft finden. Unsere Lasten sind ja leicht, weil wir diesen Helfer haben. Er wird auch da sein, wenn wir uns wieder einmal schwach fühlen und verzagt sind. Gott laßt uns nicht allein, heute nicht und in unserem ganzen Leben und erst recht nicht im Sterben.

 

Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlaß mich nicht, wenn ich schwach werde! (Ps 71, 9)

Ein Kind weiß genau, wie sehr es auf seine Eltern angewiesen ist. Es sucht Zuflucht bei ihnen und weiß: Nur sie werden mich beschützen, bei ihnen ich sicher. Wenn ein Kind sich in die Arme des Vaters oder der Mutter flüchtet, dann hat es keine Angst mehr, dann kann es die Augen zumachen und ist geborgen. Es fällt der Mutter dann nicht ein, das Kind wegzuschicken in eine Umwelt, wo es Angst hat. Ein Kind ist eben schwach und auf die Hilfe und den Schutz der Eltern angewiesen. Das weiß jeder und richtet sich auch danach.

Anders ist es, wenn ein Mensch alt ist und die Kräfte nachlassen. Am Ende unsres Lebens werden wir alle schwach und oft auch hilflos und brauchen die Unterstützung und das Verstehen anderer Menschen sehr notwendig. Viele sehen das allerdings nicht ein. Sie sehen nicht, daß die Kräfte des anderen nachlassen, weil sie selber noch stark sind. Aber es darf keiner verlassen sein, wenn er schwach wird. Wir werden es ja alle einmal erlebe, wie es ist, wenn man auf die Hilfe anderer angewiesen ist und nicht mehr allein weiter kann. In einer Leistungsgesellschaft ist es eben die große Gefahr, daß die Schwache unter die Räder kommen.

Ein kleines Kind hat es da leichter, de­nn es weiß sofort, wo es sich hinwenden soll: Es läuft zu seinen Eltern! Und auch erwachsenen Kinder sind oftmals dankbar, wenn sie noch die Eltern haben, mit denen sie einmal die eine oder andere Sache beraten können.

Ein alter Mensch dagegen hat nicht unbedingt gleich jemanden, der ihm hilft. Es ist schön, wenn er seine

Angehörigen noch im Hause hat und wenn Kinder da sind, ­die an den Eltern die Liebe wieder gut machen wollen, sie selbst in ihrer Kindheit von den Eltern empfangen haben.

Aber manchmal sucht man gerade im Alter nach etwas, das uns ein Mensch nicht geben kann, auch nicht die eigenen Kinder. Menschen können uns zwar ein ganzes Stück weiterhelfen; aber gerade am Ende des Lebens richtet sich der Blick des Menschen weg von der Welt und hin auf Gott. Die Dinge, die vorher so wichtig erschienen, treten mehr in den Hintergrund; man rüstet sich mehr auf die Ewigkeit und fragt sich: Werde ich dort bestehen können?

Der Beter des Psalms wendet sich an Gott und bittet ihn um Hilfe: „Verwirf mich nicht in meinem Alter; verlaß mich nicht, wenn ich schwach werde!“ Er geht wohl davon aus, daß ihm das ganze Leben über die Hilfe Gottes zuteil geworden ist. Nun bittet er: Verwirf mich auch im Alter nicht!

Vielleicht spürt er, daß nach dem Ende dieses Lebens erst ein Gericht kommt, in dem man verworfen oder angenommen werden kann. Auch wer nach menschlichen Maßstäben ein guter Mensch war, muß sich diesem Gericht stellen. Deshalb bittet der Beter darum, unter die Geretteten und Freigesprochenen eingereiht zu werden Der Tod könnte ein Zeichen sein, daß Gott ihn verworfen hat. Wenn Gott ihm aber eine Hoffnung läßt, dann wäre das ein Zeichen des Angenommenseins.

Vielleicht hat er auch schon erlebt, wie Menschen ihn verlassen haben, als er schwach wurde. Es ist ja oft so, daß ein Mensch viele Freunde hat, wenn er auf der Höhe des Lebens steht. Aber wenn es mit ihm nachläßt, dann verlassen sie ich und er scheint auf dem Schrottplatz zu landen.­ Gott ist nicht so. Er will unser ganzes Leben begleiten, von Anfang bis ans Ende. Er verläßt uns nicht, wenn Menschen uns verlassen und wenn es äußerlich gesehen mit uns bergab geht. Ja gerade dann ist er uns besonders nahe. Wenn die Not am größten ist, dann ist Gott am nächsten. Die Starken brauchen ihn ja nicht, sondern gerade die Schwachen.

Gott verläßt uns auch nicht am Ende unsres Lebens, wenn wir alle Menschen verlassen müs­sen. Gottes Macht reicht auch über den Tod hinaus, ja sie wird hier erst richtig deutlich. Es ist unser einziger Trost im Leben und im Sterben.

Diese Bitte um Beistand im Alter ist aber nun nicht das Einzige, was in diesem Psalm steht, denn am Schluß bekennt der Beter: „DU machst mich wieder lebendig und holst mich wieder aus der Tiefe der Erde herauf. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder. Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast, sind fröhlich und lobsingen dir!“

Wenn wir vielleicht jetzt auch sehr betrübt sind und die Lücke sehr empfinden, so dürfen wir doch wissen: Dieser Entschlafene ist gut aufgehoben bei Gott! Wir wollen diesem Gott lobsingen, der ihn erlöst hat und uns erlösen wird. Wir wollen zuversichtlich und fröhlich sein, weil wir diesen Gott haben.

 

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an! (Ps 73,23)

Vieles macht uns das Bleiben bei Gott schwer. Wir erleben so manches, was uns die Gnade Gottes zweifelhaft macht. Viele haben den Krieg miterlebt und dabei ihren Glauben verloren. Mancher hat auch einen lieben Menschen dabei hergeben müssen oder schwere materielle Verluste gehabt. Aber denken wir auch an persönliches Leid, das nur einen Einzelnen trifft: Mancher plagt sich jahrelang mit einer Krankheit herum. Oder er versteht sich mit einem Menschen nicht mehr. Oder die Arbeit ist ihm zu schwer und er kann keine Freude an ihr finden. Es gibt ja so vieles, was einem das Leben schwer macht.

Einige ziehen dann daraus immer den Schluß: Es kann keinen Gott geben, denn wie könnte er sonst so etwas zulassen? Doch dazu ist zunächst zu sagen: Vieles haben wir uns selber zuzuschreiben, entweder daß der Einzelne persönlich Schuld hat oder er hat unter den Fehlern und Versäumnissen anderer zu leiden.

Doch in diesem Psalm. hören wir von einem Mann, der sich anders entschieden hat: „Dennoch bleibe ich stets an dir!“ Es mag kommen, was will - und wenn es noch so schwer fällt, ich will doch an Gott festhalten! Vor allem hat es ihm zu schaffen gemacht, daß es den Gottlosen so gut geht und sie Gott auch noch verspotten können und nichts geschieht. Doch er weiß, daß sie ein Ende mit Schrecken nehmen werden. Gott läßt sich oft viel Zeit. Aber am Ende bringt er doch wieder alles ins rechte Geleis, dann entscheidet es sich erst, wie es mit uns bestellt ist.

Vor allem aber könnte uns der Tod von Gott abbringen. Warum gibt es überhaupt diesen Tod? Warum müssen wir denn immer wieder von einem lieben Menschen Abschied nehmen? Der Tod muß sein, damit allem die Macht genommen wird, was uns von Gott fernhält. Es ist nicht so, daß Gott einfach alles beseitigt, was ihm entgegensteht. Er macht es anders: Er rückt u n s von diesen Gefahren weg, indem er uns den Tod schickt. Damit stehen wir nur noch in der Gewalt Gottes und niemand anders hat noch Macht über uns. Durch den Tod sollen wir nicht von Gott getreu trennt werden, sondern erst recht zu ihm hinfinden und auf ihn allein vertrauen.

Das ist das Tröstliche, was wir angesichts des Todes sagen müssen: Obwohl es den Tod gibt, bleiben wir dennoch bei Gott, ja, wir sind jetzt nur noch und für immer bei ihm. Niemand kann uns mehr von ihm trennen. Im Gegenteil: Jetzt können wir über all das lachen, was uns vorher solche Mühen und Fragen gemacht hat.

Wir können bei Gott bleiben, weil e r bei uns bleibt. Er hat uns schon unser ganzes Leben an der Hand geführt. Nun führt er uns auch durch das dunkle Tal des Todes. Ein Kind hat doch auch Angst, wenn es im Dunkeln gehen soll. Es flüchtet sich dann zur Mutter oder zum Vater und sucht nach einer Hand, die es führt. Wenn diese Hand da ist, dann ist alles schon nicht mehr so unheimlich.

So geht es uns aber doch auch, wenn wir an der Hand Gottes in den Tod gehen. Wenn man einen solchen Begleiter hat, braucht man keine Angst zu haben. Auch wenn da noch ein unbekanntes Land vor uns liegt: Uns führt einer, der sich dort auskennt. Da kann uns nichts mehr passieren. Nun sind alle Gefahren und Anfechtungen ausgeräumt und nur noch Gott hat über uns zu bestimmen. Er leitet uns nun nach seinem Rat.

Solange wir leben, handeln wir oft nach unserem eigenen Rat und gehen unsere eigenen Wege. Das ist war im Augenblick ein schönes Gefühl. Wir meinen, wir seien frei und unsere eigenen Herren. Aber nachher müssen wir dann feststellen, daß doch manches schief gelaufen ist. Da sind wir dann vielleicht froh, wenn uns einer wieder auf den richtigen Weg zurückführt.

Am Ende kann es dann heißen: „Du nimmst mich endlich mit Ehren an!“ Gott wischt alles weg, was sich so an Ungutem in unserem Leben angehäuft hat und macht uns wieder zu einem Ehrenmann mit weißer Weste. Und das ist notwendig, wenn wir in seinem Reich bestehen wollen.

Dort wird manches anders sein als auf dieser Erde. Dann werden wir nur noch nach Gottes gutem Rat fragen und bei ihm unsre Ehre suchen. Aber von diesem Gott dürfen wir auch alles erwarten, im Leben und im Tod.

Wer jetzt schon Vertrauen gewinnt zu diesem Gott und wem jetzt schon das Ende gewiß ist, der wird auch keine Angst mehr haben. Vor allem wird ihm die Angst vor dem Tode genommen. Er weiß dann: Es erwartet uns nur der Gott, den wir aus unsrem Leben kennen, der uns festgehalten und vor manchen Gefahren behütet hat, der uns nach seinem Rat geleitet hat und endlich mit Ehren annehmen wird.

 

Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil (Ps 73,25-26)

Wenn man einen Menschen fragt, was er sich für sein Leben wünscht, dann werden viele Menschen sagen: „Hauptsache: Gesundheit!“ Gerade zum bevorstehenden Jahreswechsel wird man sich das wieder vielfach wünschen. Nach einer Umfrage kam die Gesundheit allerdings erst an dritter Stelle und die höchste Sehnsucht war der Wunsch nach Frieden.

Aber es gibt natürlich auch noch andere Wünsche: Zufriedenheit mit der Arbeit, Erfolg im Leben, eine harmonisch Ehe, gute Freunde und Nachbarn. Daneben gibt es andere Dinge, die wir uns auf keinen Fall wünschen würden: Krankheit, Armut, Einsamkeit und Trauer, eben all das Leid dieser Welt.

Dennoch weiß niemand, was ihm die Zukunft bringen wird; dunkel und unergründlich liegt sie vor uns. Ein Tag oder ein Jahr kann so fröhlich beginnen. Und dann kommt ein Schlag nach dem anderen und man weiß nicht mehr aus noch ein. So schnell wendet sich das Blatt und Freude wird zur Trauer.

Nur eins kann uns helfen in der Wechselfällen des Lebens: der Glaube an Gott. „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde!“ Das klingt fast wie ein Schlagertext. Aber gemeint ist nicht das Vertrauen auf einen Menschen, sondern das Bekenntnis zu Gott.

Nur Gott gibt uns den festen Halt, den wir brauchen. Wenn er auf unserer Seite steht, dann braucht uns nichts zu kümmern, was sonst noch auf der Erde oder im Himmel geschieht. Alles was aufregend und weltbewegend, niederschmetternd oder erhebend ist, braucht uns nicht zu beeindrucken. Auch die Ereignisse und Probleme, die in den Zeitungen die Schlagzeilen machen, stehen für uns nicht im Vordergrund.

All das hilft uns doch nicht bei unseren persönlichen Problemen. Wenn einer krank ist oder sterben muß, dann braucht er etwas anderes, was ihm Trost und Hilfe sein kann und den Blick in die Zukunft wieder eröffnet.

Das hat auch der Mann erfahren müssen, der diesen Psalm gebetet hat. Er hat festgestellt, daß es den anderer besser ergeht als ihm: sie sind reich und leben gut, sie sind gesund und fröhlich, aber an Gott glauben sie nicht. Er selber aber sitzt im Elend und leidet Qualen.

Es sind die gleichen Fragen noch, die auch uns heute bewegen. Gerade angesichts von Krankheit und Tod wird sich doch mancher fragen: „Warum trifft es gerade mich? Die anderen kümmern sich nicht um Gott und es geht ihnen gut!“ Doch das ist nur die vordergründige Sicht der Dinge.

Der Beter des 73. Psalms hat es gelernt, hinter die Dinge zu schauen. Und da stellt er fest: „Das Ende der Menschen, die ohne Gott leben, ist schrecklich. Gewiß, äußerlich gesehen mögen sie es auch da noch gut haben. Aber in Wirklichkeit sind sie einsam und verlassen, vor allen Dingen auch von Gott verlassen. Das merkt man ja erst, wenn es einmal wirklich ernst wird und alle menschlichen Hilfen versagen und uns verlassen.

So müssen auch wir umlernen. Nicht nur die schönen und erfreulichen Dinge machen unser Leben lebenswert. Entscheidend ist, daß Gott immer bei uns bleibt und daß er vor allem in der letzten Stunde unseres Lebens unser Beistand ist.

Am Ende werden alle anderen Dinge unwichtig und es zählt nur, was bleibt. So wie ein Mann eben nur seine Frau braucht im Leben, so ausschließlich wird auch Gott nach diesem Leben für uns wichtig sein. Zu einer Ehe braucht man nur zwei Menschen und kein anderer darf sich da hineindrängen. Wer es mit Gott zu tun bekommt, für den verlieren auch alle anderen Dinge an Bedeutung.

Das gilt auch umgedreht. Menschen müssen voneinander Abschied nehmen. Es ist nun einmal der Lauf der Welt und der Wille Gottes. Aber Gott bleibt bei dem, der gestorben ist, und er bleibt bei denen, die übrigbleiben. Keiner ist einsam und verlassen, er hat mindestens noch Gott auf seiner Seite.

Das darf unser Trost sein im Leben und im Sterben. Das ist unser Vorteil gegenüber denen, die nicht an Gott glauben: Es mag zwar sein, daß uns in unserem Leben Leib und Seele verschmachtet und es uns ganz schlimm ergeht. Aber Gott steht immer auf unserer Seite: Wir haben Anteil an ihm und an dem neuen Leben bei ihm. So wollen wir denn auch dieses Gebet nachsprechen „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde!“ Dann brauchen wir auch nichts nach dem Tod zu fragen, weil er längst von Gott überwunden ist: Wir haben auch dann noch Anteil an ihm, wenn wir nicht mehr auf dieser Welt sind!

 

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil! (Ps 73,26)

Menschen müssen manchmal schlimm leiden unter einer Krankheit. Wer es nicht selbst ständig miterlebt, kann sich gar nicht vorstellen, was es alles gibt. Man meint, der betreffende Mensch müßte es doch bald nicht mehr aushalten können. Und doch kann man immer wieder nur staunen, wie Menschen die Kraft erhalten, ihr Leiden zu tragen.

Die Gefahr ist nämlich, daß einem nicht nur der Leib verschmachtet. sondern auch die Seele. Das heißt: Eine schwere Krankheit könnte dazu führen, daß man an Gott verzweifelt. Man könnte ihm Vorwürfe machen, weil er einem so etwas schickt. Dann wird etwa gesagt: „Ich habe mich doch immer bemüht anständig zu leben und allen Menschen Gutes zu tun!“ oder- auch: „Ich bin doch wirklich oft in die Kirche gegangen und habe Gott wohlgefallen wollen!" Und dann manchmal ausgesprochen, manchmal auch nicht, der Vorwurf : „Warum schickt Gott mir denn ein so schweres Leiden?“

Man kann solche Gedanken erstaunlich oft tatsächlich hören. Und doch habe ich oft den Eindruck, daß dahinter keine grundsätzliche Ablehnung Gottes steht. Das würde ja bedeuten, daß einem tatsächlich die Seele verschmachtet. Es kann zwar auch manchmal sein, daß einer tatsächlich an Gott irre wird. Aber meist ist es doch so, daß man zwar schwere Fragen und vielleicht auch Zweifel hat, aber sich dennoch nicht von Gott trennen möchte. Man kann sich nur schwer in sein Geschick fügen. Aber man sagt doch: Gott wird sich schon etwas dabei gedacht haben, er wird schon wissen, wozu das alles gut ist,

Diese Haltung nimmt auch der Mann ein, der den 73. Psalm gebetet und aufgeschrieben hat. Er leugnet nicht das menschliche Leid. Es bedeutet ihm schon eine schwere Anfechtung, wenn es den anderen gut geht und er so leiden muß. Er kann das nicht so einfach vom Tisch wischen. Aber er sagt am Ende doch: „Gott, du bist allezeit meines Herzens Trost und mein Teil!“

Das ist die Einsicht, zu der wir uns auch angesichts des Todes durchringen sollten. Im Augenblick sind wir betrübt, weil ein Mensch von uns genommen wurde, der zu unserem Lebenskreis gehört hat. Wir können nichts mehr rückgängig machen und unser Leben ist jetzt ärmer geworden.

Aber gerade so ein schwerwiegendes Ereignis, das uns im Innersten mitnimmt, könnte uns doch helfen, uns über unsren Glauben an Gott klarzuwerden. Vielleicht hat Gott uns nur auf die Probe stellen wollen, hat sehen wollen, ob wir auch im Unglück an ihm festhalten. Oder er hat deutlich machen wollen, daß wir nichts aus uns selber vermögen, sondern alles ihm verdanken. Er wollte uns zeigen, wie reich er uns beschenken kann, wenn wir nur ihm vertrauen.

Er hat ja das getan, was uns allein zum Trost werden kann: Er hat seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt und auch uns damit die Möglichkeit eröffnet, aus dem Tod wieder in das Leben zu kommen.

Darin unterscheidet sich das Leben, aber auch das Leiden und Sterben eines Christen grundsätzlich von dem anderer Menschen: Sie haben keine Hoffnung und können sich nur sagen, daß der Genuß in diesem Leben alles ist und das Leid sinnlos ist.

Ein Christ aber weiß sich bei allem getragen von der gnädigen Hand Gottes. Er hat eine Hoffnung, die über den Tod hinausreicht. Er weiß: da kommt noch etwas, das erst diesem Leben seinen letzten tiefen Sinn gibt. Wir leben nicht für uns, sondern für Gott auf dieser Welt.

Dieses Wissen wirkt sich aber auch schon auf unser Leben aus. Es erscheint in einem anderen Licht, wenn es von Gott her beleuchtet wird. Die schweren Dinge kann man leichter ertragen, und für die schönen wird man eher dankbar sein. Gott gibt unserem Leben einen Sinn und läßt uns auch die dunklen Ereignisse leichter ertragen.

Wenn wir auch einen Menschen hergeben mußten an den Tod, so wollen wir uns jetzt um so fester an Gott halten. Er hat einen Trost bereit, der uns über alles hinweg hilft. Er wird uns auch helfen, wenn uns wieder einmal etwas Schweres zustoßen sollte. Diese Erfahrung können wir aus dem Geschehen dieser Tage mitnehmen. Gott läßt keinen verloren gehen, sondern er steht ihm bei mit seinem Trost und hilft ihm zu einem erfüllten Leben und einem getrosten Sterben.

 

In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn! (Ps 77,3)

Auf einem Bild für die Christenlehre ist eine Treppe zu sehen, deren Stufen die einzelnen Schritte zum Schlimmen darstellen. Ein Mensch ist diese Stufen hinab gestiegen, er hat sich immer mehr in das Böse verstrickt und ist immer tiefer gesunken. Nun steckt er im Sumpf und schreit um Hilfe.

Aus eigener Kraft kann er sich nicht wieder befreien. Er streckt die Arme nach oben. Und dort streckt sich ihm eine Hand entgegen, die Hand des gekreuzigten Christus. Er ist der Retter aus aller Not, er läßt uns nicht versinken, er ist die einzige Rettung für uns.

In Not geraten können wir durch die Umstände, unter ­denen wir leben. Denken wir nur an die schlimmen Zeiten vergangener Jahrzehnte, die auch der Verstorbene hat mitmachen müssen. Mancher hat alles bis zum Letzten durchmachen müssen; und daß er es überstanden hat, war eher ein Wunder Gottes als ein günstiges Schicksal.

In Not geraten können wir durch andere Menschen, aber auch durch eigene Schuld. Kein Mensch lebt so, wie er leben sollte und wie Gott es von ihm erwartet. Auch wenn sich einer noch so ehrlich müht, so wird er doch nie vollkommen. Wir sind nun einmal fehlsame Menschen und können das auch aus eigener Kraft nicht überwinden. So sind wir dann unverschuldet oder durch eigene Fehler in Not geraten. Nur gut, wenn wir dann auch den Retter kennen, zu dem wir die Hände ausstrecken können. Gott will uns beistehen - und aus jeder Not wieder herausholen.

Das gilt auch jetzt, wo wir um einen Menschen trauern. Der Tod ist eine besondere Not, die keinem Menschen erspart wird. Er erlebt den Tod seiner Angehörigen und Freunde. Aber er geht auch immer seinem eigenen Tod entgegen. Wir merken, was uns plötzlich fehlt. Erst wenn jemand nicht mehr da ist, wird uns richtig deutlich, was wir an ihm gehabt haben und wie sehr­ wir doch alles als selbstverständlich hingenommen haben. Wenn wir der Tatsache des Todes gegenüberstehen, dann wird uns deutlich: Wir werden auch einmal das Gleiche erfahren, wir werden auch einmal Abschied nehmen müssen, wir werden auch einmal diese besondere Not des Todes durchmachen müssen.

Der Beter dieses 77. Psalms hat auch großes Leid erfahren. Ob er wohl auch um einen lieben Menschen trauert? Auf jeden Fall leidet er darunter, daß es ihm jetzt nicht mehr so gut geht und sein Schicksal sich gewendet zu haben scheint. Hat Gott mich vergessen, ist er etwa böse auf mich? - so fragt er sich.

Aber dann stellt er sich vor Augen, was Gott ihm alles Gutes getan hat, er denkt an die früheren Taten des Herrn und gewinnt daraus neue Zuversicht. Gott hat ihm bisher geholfen, da wird er ihn auch jetzt aus dieser Not ziehen. Gott- ändert seinen Sinn nicht, sondern er bleibt immer ein Gerechter und ein Helfer.

So wollen wir auch heute nicht vergessen, was Gott diesem Verstorbenen und uns allen an Gutem getan hat. Ein langes Leben über hat er ihn begleitet und ihn gnädig bewahrt bis auf diesen Tag.

Und selbst wenn einer sterben muß, dann braucht uns das nicht mit abgrundtiefer Trauer zu erfüllen. Gewiß, wir können den Verlust nicht so leicht überwinden. Aber wir haben doch wenigstens jemand, der uns wieder aus der Tiefe emporholt.

Jesus Christus ergreift uns an der Hand und richten uns wieder auf. Er sagt: Ich habe den Tod überwunden. Und ihr werdet alle teilhaben an meinem Sieg. Er verheißt uns die Auferstehung und das ewige Leben und ­gibt uns so Sinn und Hoffnung, die über den Tod hinausreicht.

Es wird nur darauf ankommen, in der Zeit der Not auch wirklich den Herrn zu suchen. Es wäre falsch, sich selber helfen zu wollen oder Hilfe bei anderen Mächten zu suchen. Dann ehern schon Hilfe bei anderen Menschen, die im Glauben schon fortgeschrittener sind, die im Augenblick stärker im Glauben sind als wir und die uns Trost und Zuversicht geben können.

Die Erfahrungen eines Mannes, die uns im 77. Psalm erhalten sind, können uns auch heute den Glauben an Gott stärken, der von den Toten auferwecken kann.

Gott hat diesen Entschlafenen an der Hand ergriffen und in sein Reich geführt. Er will auch uns weiter an der Hand führen durch unser Leben und einst auch durch den Tod hindurch. Wenn wir nur ihn suchen, dann haben wir auch eine starken Hilfe in der Not, im Leben und im Sterben.

 

Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, daß ich deinen Namen fürchte! (Ps 86,11)

Es gibt Punkte in unserem Leben, da wissen wir nicht so recht, wie es weitergehen soll. Unser Leben gleicht ja einem Weg über Höhen und Tiefen, durch Schaffenskraft und Einsamkeit, manchmal bequem und breit, manchmal eng und beschwerlich. Wir sind auf der Wanderschaft, weniger in beschaulicher Ruhe als vielmehr ständig im Kampf und unter manchen Mühen.

Nur gut, daß wir den Weg nicht allein suchen und finden müssen. Gott hat ihn uns schon vorgezeichnet. Er hat uns Wegweiser aufgestellt, damit wir den rechten Weg finden Manchmal kommen wir ja auch an Punkte, an denen wir uns entscheiden müssen. Der Weg Gottes ist nicht immer der bequeme Weg. Aber er allein führt zum Ziel. Deshalb ist es so wichtig, daß wir ihn finden.

Gott hat uns sein Wort gegeben, damit wir uns zurechtfinden. Gerade an besonders wichtigen Punkten unsres Lebens will er mit seinem Wort dabei sein. Mancher hat in den schönen Stunden seines Lebens durch Gottes Wort zur Dankbarkeit hingefunden. Und mancher hat in schweren Stunden in Gottes Wort Trost gesucht.

So brauchen wir den Weg durchs Leben nicht allein zu gehen. Andere Menschen sind mit uns unterwegs, die mit uns verwandt oder bekannt sind. Sie geben uns manchen Rat und manche Hilfe. Und wenn wir im Glauben mit ihnen verbunden sind, dann ist das Wandern auf Gottes Wegen doppelt schön und leicht.

Gott aber ist auch mit dabei. Vielleicht ist uns das nicht immer bewußt. Wenn es uns gut geht, vergessen wir ihn leicht auch einmal. Wenn wir in Not sind, fragen wir eher nach ihm. Aber gerade dann erweist sich seine Macht und Kraft.

Wir sind jetzt wieder an einem solchen Punkt angelangt, an dem wir die Hilfe Gottes besonders brauchen. Ein Mensch, den wir gekannt und geliebt haben, ist nicht mehr. Wir fragen uns: „Hat es schon sein müssen, daß er nicht mehr unter uns ist? Zu gern wären wir noch einige Jahre mit ihm gegangen. Jeder Mensch wird noch gebraucht, kann noch für andere da sein, ist in gewisser Weise unersetzbar. Nun aber wird unser Leben ärmer werden und. nicht mehr so selbstsicher und selbstverständlich. Wir stehen vor Fragen und suchen auch immer wieder nach Antworten.

Da ist es recht, wenn wir Gott bitten: „Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit!“ Gerade an solchen Weggabelungen unseres Lebens ist es wieder wichtig, auf Gottes Rat zu hören. Jetzt gilt es, nicht den falschen Weg einzuschlagen, der von Gott wegführt und zur Verzweiflung bringt.

Gewiß ist es jetzt ein Mensch weniger, der mit uns auf der Wanderschaft ist. Aber dafür bleibt Gott immer bei uns, bis wir auch ans Ziel unsrer Reise gelangt sind. Menschen müssen wir hergeben. Wir verlieren sie aus den Augen oder sie werden uns genommen. Aber Gott bleibt immer bei uns, was auch kommen mag.

Das wollen wir uns gerade angesichts des Todes sagen lassen. Es gibt nur e i n e n Weg, der zu der Wahrheit führt, und das ist der Weg mit Gott. Gottes Wahrheit lautet: „Du wirst nicht sterben, sondern du kommst in ein neues Leben! Was im Augenblick aussieht wie ein finsteres Geschick, das ist nur ein Mittel Gottes, es besser und schöner mit uns zu machen.

Der Weg in die Zukunft sieht oft finster aus. Aber Gott hat ihn längst erhellt. Er deutet uns das zunächst unfaßbare Geschehen und sagt uns: Auch darin kannst du meine Liebe erkennen. ich will euch nicht in Angst und Schrecken versetzen, sondern will euch nur deutlich machen: Es gibt auch noch etwas anderes als dieses irdische Leben.

Auf diesen Weg, zu dieser Erkenntnis, will Gott uns führen. Er will uns zu einer Wahrheit verhelfen, die mehr ist als unsre vordergründigen menschlichen Wahrheiten. Seine Wahrheit lautet: Eure Toten sind bei mir gut aufgehoben. Sie sind den Weg schon gegangen, der zu der Wahrheit führt. Für euch kommt es darauf an, auf diesem Weg zu bleiben, damit ihr auch dorthin gelangt.

Deshalb kann es auch heute nur unsere Bitte sein: „Halte mein Herz bei dem einen, daß ich deinen Namen fürchte!“ Das Wort „fürchten“ ist hier im Sinne von „Ehrfurcht haben“ gemeint. Wir können nur voller Ehrfurcht das anschauen, was jetzt geschehen ist. Gott hat es getan. Auch wenn wir ihn da nicht gleich verstehen, so sind wir doch darauf angewiesen, bei ihm zu bleiben.

Er ist der einzige, der uns auch im Leid weiterhelfen kann. Wenn wir bei ihm bleiben, wenn wir ihn nicht anklagen, sondern mit Ehrfurcht von ihm sprechen, dann hat der Tod dieses Menschen einen Sinn gehabt, dann hilft er uns dazu, nun erst recht bei Gott zu bleiben und auf seinem Weg zu gehen.

 

Ich will dir danken, Herr, mein Gott, aus ganzem Herzen, will deinen Namen ehren immer! (Ps 86,12)

Es mag uns seltsam vorkommen, an einem Sarge vom Dank zu sprechen. Aber haben wir nicht immer Grund dafür, wenn das Leben eines Menschen zu Ende gegangen ist, besonders wenn es im Segen zu Ende ging? Es gibt immer etwas, wenn man so das ganze Leben überblickt, das Grund zum Danken gibt.

Gewiß hat mancher ein reichlich schweres Leben. In der Jugend hat man Pläne gemacht und hat sich viel vorgenommen. Aber wenn die Jahre so dahingehen, wird manches anders, und man hat keinen Einfluß darauf. Gott entscheidet darüber, was in unserem Leben möglich ist und was nicht.

Da ist es gut, wenn man alles aus Gottes Hand nimmt. Das Gute lassen wir uns natürlich gern gefallen. Wenn alles mit unsere Wünschen übereinstimmt, sind wir natürlich sehr zufrieden. Aber wahrer Glaube zeigt sich erst, wenn man auch das Schwere aus Gottes Hand nehmen kann. Vor allem müssen wir ja auch bedenken, daß dieses Leben einmal zu Ende geht. Hier wird es am Schwersten sein, mit Gott übereinzustimmen. Gar mancher denkt doch, das Leben könnte für ihn noch weiterdauern, er sei noch nicht fertig, es müsse noch etwas kommen.

Doch wie so oft hatte Gott es auch in diesem Falle anders beschlossen. Nun ist ein Leben unter uns zu Ende gegangen, das nach dem Willen Gottes so und nicht anders hatte ablaufen sollen: ein Leben wie viele, mit Licht- und Schattenseiten, mit Höhen und Tiefen.

Überlegen wir einmal, wofür wir heute zu danken haben, ganz im Sirre des Psalmworts: „Ich will dir danken, Herr, mein Gott!“ Wir haben zu danken für die Geburt. Sie ist ein Wunder, genauso unerklärlich wie der Tod. Da tritt ein Mensch ins Leben, er ist gezwungen, dieses Leben zu leben, und er wird immer wissen: Am Ende wird der Tod stehen. Es ist gut, wenn man durch die Taufe möglichst bald mit Gott in Verbindung tritt. Er soll doch die Hand über uns halten und uns führen und leiten in guten und in bösen Tagen. Der Glaube ist doch so ungeheuer wichtig für unser Leben! Da ist es recht, wenn man möglichst bald die Nähe Gottes sucht.

Aber wir haben auch zu danken für all das, was nachher kommt: Man darf lernen und arbeiten, man darf heiraten (und Kinder kriegen). Man kommt mit Menschen zusammen, erlebt Freude und Leid, macht Erfahrungen und muß Enttäuschungen überwinden. Und wenn es manchmal auch nicht weiterzugehen scheint, dann zeigt Gott doch immer wieder einen Ausweg.

Für all das dürfen wir danken. Aber können wir auch für den Tod danken? Manche meinen das, weil der Tod allen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten des Lebens ein Ende macht; aber das wäre nur vordergründig. Wahren Grund zum Danken habe wir zum einen, weil wir in diesem Leben viele Wohltaten von Gott empfangen haben. Und noch mehr Grund haben wir zum anderen, weil nach diesem Leben noch ein anderes kommt.

Nur weil dies so ist, hat unser Leben einen Sinn gehabt. Weil wir diesen letzten, tiefsten Grund zum Danken haben, werden wir auch für die vielen kleinen täglichen Durchhilfen danken können. Weil Gott uns am Erde das ewige Leben schenken will, werden wir erst so richtig erkennen, daß wir auch schon vorher immer wieder Grund zum Danken haben.

Der Dank soll vor ganzem Herzen geschehen. Er ist nicht nur so eine Pflichtübung oder eine Höflichkeit, sondern er ist uns ein tiefes Bedürfnis. Wer nicht gedankenlos durchs Leben geht, der kann nicht anders, als Gott zu danken. So erging es jedenfalls dem Mann, der den 86. Psalm uns aufgeschrieben hat. Erst klagt er auch darüber, daß er so viele Schwierigkeiten hat. Aber er schließt mit einem Dank an Gott, der ihm geholfen hat.

Aber auch wenn man es nicht so schlimm gehabt hat, wenn alles so einigermaßen gelaufen ist, sollten wir den Dank nicht vergessen. Nichts ist selbstverständlich. Alles wird uns aus Gottes Hand zuteil.

Nur einen kleinen Teil des Dankes können wir ihm auf die eine oder andere Art und Weise zurückerstatten. Im Psalm heißt es etwa: „Ich will deinen Namen ehren immer!“ Dies können wir in unserem irdischen Leben tun. Und die (der) Verstorbene hat das in ihrem (seinem) Leben getan. Aber das wird seine Fortsetzung finden im ewigen Leben.

Das Lob Gottes verbindet irdisches und ewiges Leben. Heute schon dürfen wir ihm danken. Aber im umfassenden Sinn werden wir das erst tun können, wenn wir ganz mit Gott vereint sein werden. Er ruft uns durch den Tod zu sich, damit wir seine Herrlichkeit erst voll erkennen können.

 

Herr, du bist unsre Zuflucht für und für! Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! (Ps 90,1 + 3)

Ein Mensch kann schlecht für sich allein leben. Er ist dazu geschaffen, mit anderen Menschen in Verbindung zu treten und auch seinerseits für andere Menschen da zu sein. Der Mensch ist ein geselliges Wesen und braucht die Gemeinschaft mit anderen Menschen. Und wenn diese einmal nicht gegeben ist, dann wird das doch als schwerer Mangel empfunden.

Das merkt man besonders, wenn man einmal die Hilfe eines anderer nötig braucht. Wer da nicht weiß, wo er einmal hingehen kann, der ist arm dran. Wenn man dann erst suchen muß, hat man oft wenig Erfolg. Da ist es besser, wenn man schon vorher Kontakte geknüpft hat und weiß, wo man hingehen kann. Vor allem aber dürfen wir wissen: Gott ist immer für uns da. Er ist unsere Zuflucht, auch und gerade dann, wenn Menschen uns nicht mehr helfen können. Es gibt ja Dinge, wo alle menschliche Kunst versagt, wo wir hilflos und ohnmächtig dastehen und nicht mehr weiterwissen.

Ein solcher Fall ist gegeben, wenn ein Mensch sterben muß. Wir müssen doch ehrlich zugeben, daß wir Angst haben vor dem Sterben. Wir wissen: Alles, was uns bisher wichtig erschien, wird vergangen sein. Wir können nicht mehr am Leben dieser Welt teilnehmen, wir können nicht mehr mit Menschen in Kontakt treten. Auch ein Mensch, der schon ziemlich alt ist, ist manchmal noch nicht bereit zum Sterben.

Dann ist es gut, wenn man die Liebe und Hilfe eines anderen Menschen spüren darf. Man ist dankbar für die äußere Versorgung. Man ist aber noch mehr dankbar für jedes tröstende und beruhigende Wort. Da kann doch viel an Geleit und Beistand erfolgen. Und es ist gut, wenn sich immer wieder Menschen zu solchem Dienst bereit finden.

Doch vor allem dürfen wir wissen: Gott ist unsere Zuflucht! Gerade an ihn dürfen wir uns wenden, wenn Menschen nicht mehr weiter wissen. Wo es besonders schwer ist, da kann sowieso nur noch Gott helfen. Und gegen den Tod ist ja bekanntlich kein Kraut gewachsen. Da hat nur Gott einer Weg, um ihn zu überwinden, um uns zu schützen vor der ewigen Folgen des Todes.

Gott ist unsre Zuflucht!“ heißt es in dem Psalm. Wir denken dabei vielleicht an eine Burg, die für die Menschen früherer Zeiten zur Zufluchtsstätte wurde. Manche Burg ist nie von Feinden erobert werden, sondern höchstens durch Verrat eingenommen worden oder mit der Zeit verfallen, weil sie keiner mehr instand hielt. Gott ist so eine uneinnehmbare Festung. Der Tod mag gegen ihn anrennen, wie er will, er wird letztlich keinen Erfolg haben. Er kann einige Außenmauern überwinden , er kann den Körper eines Menschen töten, aber zum eigentlichen Zentrum kann er nicht vordringen. Da hält Gott die Wacht und läßt keinen Feind eindringen. Die letzte Zuflucht kann nicht erobert werden:

So kann uns unser irdisches Leben genommen werden, aber Gott sichert uns das ewige Leben. Er läßt die Menschen sterben, heißtauch in diesem Psalm. Weiter hinten-heißt es ja auch: „Unser Leben währet70 Jahre und wenn es hoch kommt, so sind es 80 Jahre. Gott bestimmt darüber, wie lange unser Leben dauert. Er hat uns das Leben geschenkt, er kann es auch wieder nehmen.

Gott läßt dem Tod diesen ersten kleinen Triumph. Aber dann sagt er: „Kommt wieder, Men­schenkinder!“ Der Tod darf sie nicht behalten, sondern sie gehören Gott. Sie sind seine Kinder, er läßt sie nicht im Stich. Er ruft sie wieder zu sich. Von ihm sind sie ausgegangen, zu ihm kehren sie wieder zurück.

Was für uns ein schmerzhafter Abschied ist, ist für Gott nur die Heimkehr eines lieben Kindes. Er hat darauf gewartet, er ist froh über die Rückkehr. Wenn wir den Tod eines lieber Mensch-en einmal unter diesem Gesichtswinkel sehen, werden wir vielleicht ruhiger und getroster sein können .

Gott ist auch die Zuflucht für die, die trauen. Er will auch sie führen und geleiten, heute schon und heute erst recht. Gerade wenn wir innerlich bewegt und angerührt sind, wenn wir Fragen haben und unsicher sind, bietet er sich als Zufluchtsstätte an. Und wenn einmal unsere Zeit auf dieser Erde abgelaufen ist, dann werden wir uns auch zu ihm flüchten können und bei ihm Geborgenheit und Zukunft finden.

 

Unser Leben währet siebzig Jahre und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre. Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden (Ps 90,10+12)

Wir wissen alle nicht, wie lange wir noch zu leben haben. Jeden Tag kann es mit uns zu Ende gehen und unser Leben das Ziel seiner Reise erreicht haben. Deshalb können wir nur dankbar sein für jeden Tag, der uns noch geschenkt ist. Jede Stunde können wir aus der gnädigen Hand Gottes nehmen wie eine Frist, die uns gerade noch geschenkt ist.

Aber eines Tages ist unsere Uhr abgelaufen und wir müssen unweigerlich Abschied nehmen von dieser Erde. Das haben Sie, die Angehörigen, in diesen Tagen ganz besonders spüren müssen. Ein Mensch, der jahrzehntelang zu Ihrem Lebenskreis gehört hat, mit dem Sie durch viele Fasern ihres Herzens verbunden waren, ist nicht mehr.

Es bleibt eine Lücke, auch wenn wir eines Tages damit haben rechnen müssen. Wir wollen dankbar zurückdenken an das was gewesen ist. Viele Jahre haben die Eheleute zusammen sein dürfen. Sie haben Kinder gehabt und haben die Enkel heranwachsen sehen. Unser Leben ist doch so reich und vielgestaltig, daß jeder Mensch immer an sehr viel Schönes zurückdenken kann.

Aber wir wollen auch dankbar sein für das Alter, das der (die) Verstorbene hat erreichen dürfen. Gewiß gibt es Menschen, die noch etwas älter werden. Aber 70 Jahre ist eben schon das biblische Alter. Wer so alt wird, der darf sich schon glücklich schätzen. Es gibt je andere Länder, da werden die Menschen durchweg nicht so alt. Durch Hunger und mangelnde ärztliche Versorgung können sie nur mit wesentlich weniger Jahren rechnen. Viele sterben schon als kleine Kinder. Da können wir froh sein, in einem Land geboren zu sein, wo es uns gut geht.

Aber noch wichtiger dürfte für uns sein, daß es uns auch gut geht, wenn wir nicht mehr auf dieser Erde leben. Dieses jetzige Leben ist ja nicht das einzige und letzte, sondern wir warten ja noch auf ein neues Leben bei Gott. Und das wird länger als 70 oder 80 Jahre dauern - es wird das ewige Leben sein, in dem es dann keine Veränderung und kein Ende mehr geben wird.

Aber an unserem irdischen Leben entscheidet es sich, ob wir einmal das ewige Leben haben werden. Deshalb ist es gut, wenn wir klug sind und rechtzeitig mit dem Ende unseres Lebens rechnen. Klugheit ist nicht, wenn man Geld und Vermögen anhäuft, wenn man arbeitet bis zum Umfallen und sich nichts im Leben gönnt. Klugheit ist auch nicht, wenn man nach Anerkennung unter den Menschen strebt und ein bedeutender Mensch werden möchte. All das gehört zwar auch mit zu unserem Leben dazu. Aber es ist nicht das Entscheidende und Wichtige.

Klug ist, wenn man schon jetzt in diesem Leben mit dem ewigen Leben rechnet. Einmal in dem Sinne, daß wir dort über unser Leben Rechenschaft ablegen müssen. Wir sollen sagen können, ob wir im Sinne Gottes gelebt haben oder nur unsere eigenen Gedanken im Kopf hatten, ob wir auf Gott gehört haben oder auf uns selber. Zum anderen aber dürfen wir uns auf ein Leben mit Gott freuen. Dann wird alle Unvollkommenheit dieses Lebens ein Ende haben und wir werden in ungetrübter Freude bei Gott sein können.

Das aber wiederum wird schon seine Auswirkungen auf unser jetziges Leben haben. Dieses Wort: „Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen!“ hängt ja nicht wie eine Drohung über unserem Leben, sondern wie eine große Verheißung. Des Sterbenmüssen kann dann auch etwas Schönes für uns sein, dem wir voller Erwartung entgegen sehen.

Auf uns wartet ja einer, der uns gut kennt und den wir gut kennen. Unser ganzes irdisches Leben über haben wir schon mit ihm zu tun gehabt. Nun wird er erst recht nach diesem Leben mit uns zu tun haben. Darauf fest zu vertrauen, das ist Klugheit.

Weil Jesus Christus auf uns wartet, braucht uns vor dem Sterben nicht Angst zu sein. Und wir dürfen diese (n) Verstorbene (n) auch gern hergeben. (Sie) Er hat es nun schon gut bei Jesus. Für uns selber aber wollen wir die Lehre daraus ziehen: Es ist gut, auf Jesus zu vertrauen, im Leben und im Sterben. Wer mit Jesus rechnet, der kann sich nicht verrechnen, sondern er hat seinem Leben das rechte Ziel gesteckt.

 

Unser Leben währet siebzig Jahre und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe, denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände. (Ps 90, Vers 10.12.17)

Wir dürfen dankbar sein für jeden Tag, den wir erleben dürfen. Und wenn wir dabei über das siebzigste oder gar achtzigste Lebensjahr hinauskommen, dürfen wir es um so mehr sein. Nichts ist selbstverständlich. Jeden Tag empfangen wir neu aus der Hand unsres Schöpfers. Er bestimmt, wann dieses Leben ein Ende hat und die Arbeit unsres Lebens ihr Ziel erreicht hat.

Mancher wird noch einen anderen Wortlaut des 90. Psalms im Ohr haben. Luther hat nämlich an dieser Stelle übersetzt: „Und wenn das Leben köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen“. Man verstand darunter, daß die Arbeit das Leben des Menschen prägt. Auch wenn der Mensch Mühe und Arbeit in seinem Leben gehabt hat – und das hat ja praktisch jeder – so konnte er sich doch mit dem Gedanken trösten, daß insgesamt gesehen das Leben doch köstlich war. Gerade wegen der eigenen Leistungen im Leben sah man das Leben sinnvoll an. Hätte man nicht arbeiten könne, dann wäre auch das Leben nicht so recht sinnvoll gewesen.

Aber der Psalm meint an dieser Stelle etwas anderes, das sich durchaus negativer anhört: Auch das, was wir noch als köstlich ansehen, ist doch nur vergebliche Mühe! Das mag einer schon einmal sagen in einem Augenblick des Lebens, in dem er ziemlich verzweifelt ist und keinen Ausweg mehr sieht. Dann mag er schon einmal sagen: Es war alles vergeblich! Der Bibel sind solche Gedankengänge nicht fremd, denn sie berichtet ja vom Leben der Menschen, so wie es ist.

Doch der Psalmbeter bleibt nicht dabei stehen. Zunächst einmal zieht er die Folgerung: „Gott, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden!“ Dieses Wissen soll nicht wie eine dunkle Drohung über unsrem Leben stehen. Aber wer klug ist, der rechnet jeden Tag damit, daß es auch der letzte sein könnte. Er hat seine Angelegenheiten geordnet und ist nicht überrascht, wenn der Tod plötzlich kommt.

Und am Ende des Psalms heißt es: „Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände!“ Der Beter weiß also doch, daß Gott letztlich freundlich ist und das Werk unsrer Hände fördert. Das ganze Leben über erfahren wir die Hilfe Gottes. Wir dürfen froh sein, wenn wir früh aufstehen können, unsre Arbeit machen können, mit Menschen Kontakt aufnehmen können und überhaupt einen Sinn in unserem Leben sehen.

Das wird uns um so besser gelingen, wenn wir wissen, daß wir einen freundlichen Gott an unsrer Seite haben. Vor allem aber gehört dazu auch, daß wir eine Hoffnung über unser Leben hinaus haben. Nur wenn die siebzig oder achtzig Jahre unsres Lebens nicht das Einzige gewesen sind, hat es letztlich einen Sinn gehabt. Für einen Christen hat das Leben zwar auch in sich einen Sinn. Aber seine rechte Erfüllung findet es erst, wenn es auch eine Hoffnung über den Tod hinaus gibt.

Vor einigen Wochen mußte ich mich einer medizinischen Untersuchung unterziehen, bei der ein Teil der inneren Organe mit Hilfe einer Sonde untersucht wurden. Ich erhielt dabei eine leichte Betäubung und war der Meinung, ich hätte den ganzen Vorgang mehr oder weniger bewußt miterlebt.

Ich hörte, wie die Ärzte sich unterhielten und den weiteren Fortgang der Untersuchung diskutierten. Nach meiner Meinung dauerte alles etwa eine Viertelstunde. Aber als ich auf die Uhr sah, war doch mehr als eine Stunde vergangen. Mit anderen Worten: Zwischendrin war ich doch eine ganze Zeit ohne Bewußtsein.

Hinterher kam mir der Gedanke, daß das Sterben eines Menschen doch ähnlich sein müsse: Man gleitet sanft in einen Schlafzustand hinüber. Dann weiß man eine ganze Zeit gar nichts. Dabei ist es auch unerheblich, wie lange diese Zeit dauert, denn es gibt ja im Grunde keine Zeit mehr.

Und dann kehrt das Bewußtsein langsam wieder. Nur während der Kranke nachher wieder in seiner Welt da ist, findet sich der Verstorbene in der Welt Gottes vor. Aber er hat keine Angst mehr und sagt sich: Hätte ich gewußt, daß es so leicht ist, hätte ich mir nicht so viel Gedanken darum gemacht.

Sicherlich wird das wirkliche Sterben noch einmal etwas anderes sein als so eine kurze Bewußtlosigkeit während einer ärztlichen Untersuchung. Aber ich denke doch, daß man es sich ähnlich vorstellen darf. Der Unterschied liegt darin, daß das irdische Leben dann unwiederbringlich abgeschlossen ist. Aber wir dürfen uns statt dessen auf die neue Welt Gottes freuen. Wir verlieren etwas, aber wir gewinnen etwas Größeres dafür. Das wird uns anspornen, unsre tägliche Arbeit ordentlich zu tun, jeden Tag zu genießen und dankbar dafür zu sein.

Aber der Blick geht auch schon weiter über dieses Leben hinaus. Wir wissen: Dieses Leben ist zwar wichtig und wir hängen zu Recht daran. Aber es ist nicht alles.

So sind wir heute traurig, daß ein Mensch von uns genommen wurde. Wir beginnen zu ahnen, welchen Verlust wir erlitten haben.

Aber wir dürfen auch darauf vertrauen: Wenn dieses Leben einmal ein Ende hat, dann wartet die Welt Gottes auf uns. Sie wird sicher anders sein als diese Welt, aber nicht schlechter.

Deshalb können wir einen Menschen auch gehen lassen in dem Wissen: Er hat es jetzt besser. Wir haben einen freundlichen Gott, der uns seine Freundlichkeit schon in diesem Leben erfahren läßt, der aber vor allem auch dann bei uns ist, wenn dieses Leben einmal eine Ende hat und wir uns auf die neue Welt Gottes freuen dürfen.

 

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe! (Ps 91,1-2)

Mit zwei Bildern wird uns hier deutlich gemacht, wie das Verhältnis Gottes zu uns Menschen ist, oder besser gesagt: Wie es sein kann, wenn wir nur wollen. Wir können es nämlich gut haben bei Gott, wenn wir uns nur zu ihm halten. Vor allen Dingen soll uns mit diesem Wort der Schutz Gottes deutlich gemacht werden.

Einmal ist die Rede vom „Schirm des Höchsten“. In einem heißen Land wie Palästina ist man gewiß dankbar für jedes kleine bißchen Schatten. Dort kann man sich aus ruhen und kann neue Kräfte sammeln für den weiteren Weg.

So sind wir auch jetzt, wo ein lieber Mensch von uns gegangen ist, an einem solchen Ruhepunkt angelangt. Wir überlegen unsren weiteren Weg. Entscheidend wird aber sein, ob wir an diesem Punkt unsres Lebens in Berührung kommen mit Gott; ob wir wirklich unter dem Schirm des Höchsten sitzen und unter dem Schatten des Allmächtigen bleiben.

Auf das Bleiben wird es hier ankommen. Jeder hat doch einmal Berührung mit Gott gehabt. Vielleicht ist das besonders deutlich geworden bei Taufe - Konfirmation und Trauung. Aber auch heute soll es wieder besonders deutlich werden. Auch im Angesicht des Todes gilt es, unter dem Schutz des Allmächtigen zu bleiben. Sicherlich ist es schwer, auch im Leiden an Gott fest zuhalten. Aber viele Menschen stehen tagtäglich im Leiden und sind doch nicht an Gott irre geworden. Das geht halt nur, wenn man bei dem Allmächtigen bleibt und darauf vertraut, daß er es schon richtig machen wird und daß unser Weg auf jeden Fall weitergehen wird. Wer innerlich immer bei Gott bleibt, der kann auch ruhigen Herzens auf seinen weiteren Weg sehen, der sieht dann auch einen Ausweg.

Damit hat nun das zweite Bildwort zu tun, das wir in diesen Bibelversen finden: Meine Burg!

Der Beter des Psalms vergleicht Gott mit einer Burg, in die man sich zurückziehen kann, wenn Gefahr im Verzug ist.
Früher haben sich die Menschen gern im Schutz einer Burg angesiedelt oder sie haben sich eine solche Zufluchtsstätte gebaut. Sie wußten eben: Am Fuß einer solchen Burg konnte man ruhiger leben, weil man sich notfalls in Sicherheit bringen konnte.

Manchmal war einfach die Kirche zu einer solchen Burg ausgebaut. Die Menschen wußten eben, was sie an ihrer Kirche hatten. Vielleicht haben sie auch gehofft oder gewußt, hier unter dem besonderen Schütz Gottes zu stehen.

Das stimmt ja auch: Wo Gottes Wort gepredigt wird, da ist er mit dabei. Deshalb ist er auch hier in der Stunde des Abschiednehmens. Er will uns trösten und beistehen. Und zu ihm dürfen wir uns flüchten wie hinter die starken Mauern einer Burg.

Der Tod ist schön ein starker Feind der uns in seine Gewalt zu bringen versucht. Gewiß haben wir Hilfen: Die Ärzte tun ihr Bestes, kranke Menschenwerden oft aufopfernd gepflegt, mancher hat einen unbändigen Willen zum Leben.

Aber einmal ist es dann aus. Dann spüren wir, wie macht -los wir im Grunde sind und wie wenig wir ausrichten können. Dann ist es gut, wenn wir schon in der Nähe der rettenden Ufers sind, wenn wir nicht erst lange suchen müssen, sondern bald in Sicherheit sind.

Gott schließt das Tor hinter uns zu. Der böse Feind muß draußen bleiben. Wir aber dürfen in die Welt Gottes eintreten und uns bei ihm geborgen und sicher fühlen. Von da an wird uns nichts mehr beschweren können, was unser irdisches Leben so belastet.

Allerdings müssen wir dafür auch unser irdisches Leben hergeben. Es hat uns ja doch nur Gefahr und Anfeindung, Not und Elend gebracht. Aber unsre Zuversicht ist, daß das alles einmal aufhören wird und Gott uns ein neues Leben geben wird.

Ohne Zuversicht und Hoffnung kann man nicht leben, da stirbt man ab wie ein Pf1anze ohne Wasser. Gott will, daß wir jetzt schon Zuversicht haben und uns nicht gleich aus der Bahn werfen lassen, wenn einmal Schweres kommt. Wer die Hoffnung auf die Zukunft nicht verliert, der wird auch sein Leben meistern.

So müssen wir auch mit dem fertig werden, was jetzt im Augenblick vor uns steht. Gott hat diese(n) Entschlafene(n) schon in Sicherheit gebracht vor den Gefahren des Lebens. Er sitzt unter dem Schirm des Höchsten und bleibt unter dem Schatten des Allmächtigen.

Uns aber bleibt die Hoffnung, daß wir den gleichen Weg gehen werden. Vielleicht wird es uns schwer fallen. Vielleicht wird es auch leicht sein. Entscheidend aber ist, ob am Ende auch Gott steht. Er wartet auf uns und will uns in die Arme nehmen. Wir sind eingeladen, zu ihm zu kommen. Und er hat wenigstens die Macht, unsre Zukunft auch über den Tod hinaus zu sichern.

 

Gott hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest!

(Ps 91,11-12)

Auf einem Bild kann man zwei Kinder auf einem schmalen Steg über einen Bach balancieren sehn. Aber hinter ihnen geht ein Schutzengel, der die Hände schützend über sie hält, damit sie nicht ins Wasser fallen.

Wenn ein Mensch älter wird, braucht er in ähnlicher Weise wieder so einen Schutzengel, der ihn behütet auf allen seinen Wegen. Wenn die Kräfte nachlassen, wenn man unsicher wird, da ist man dankbar für jede Hilfe und für Jedes Geleit.

Der „,Schutzengel“ ist natürlich ein Bild. Es ist ja nicht so, daß eine Art Geistwesen unsichtbar hinter dem Menschen hergeht. Vielmehr ist damit Gott selber gemeint, der uns behütet auf allen unsren Wegen. Und er tut das natürlich nicht nur am Anfang unseres Lebens, wenn wir noch Kinder sind, sondern immer.

Gott will der Erste und der Letzte sein in unserem Leben. Aber er ist auch bei uns während unserer ganzen Lebenszeit. Er ist nicht nur ein Gott für die Wechselfälle des Lebens, sondern er ist auch unser Herr, wenn es uns gut geht. Es gibt keinen Augnb1ick in unserem

Leben, in dem wir allein wären.

Das gilt selbst noch für den Tod. Gottes Wege mit uns sind nicht zu Ende, wenn wir sterben müssen. Dann will er uns erst recht auf Händen tragen, wie es das zweite Bild in diesem Psalm ausdrückt.

Zuerst tragen Mutter und Vater das Kind auf den Armen, um es zu beschützen und ihm Geborgenheit zu vermitteln. Nachher steht der Mensch auf eigenen Beinen und denkt vielleicht, er habe Gottes Beistand nicht mehr so nötig. Es ist na auch tastsächlich so, daß man sich in vielen Dingen selber helfen kann und andere nur wenig braucht.

Wenn man es allein schafft, soll man nicht andere in Anspruch nehmen. Auch Gott ist nicht der Lückenbüßer in unserem Leben, sondern er gibt uns die Kraft, zunächst einmal selber mit allem fertig zu werden.

Gott räumt uns nicht alle Gefahren aus dem Weg, sondern man kann durchaus auch einma1 an einen Stein stoßen, wie es in dem dritten Bild dieses Psalmverses heißt. Jeder Mensch erlebt Dinge in seinem Leben, die schwierig und gefährlich sind (.....).

Der Glaube an Gott ist keine Lebensversicherung, so daß wir denken könnten, es würde gar nichts passieren. Es gibt schon gefährliche Stellen, an unserem Lebensweg, tiefe Abgründe und hohe Berge. Aber Gott hilft uns, mit diesen Gefahren fertig zu werden. Er räumt uns die Steine nicht weg, sondern er hilft, daß wir drumherum kommen.

Das gilt auch für den Tod. Er wird uns nicht erspart. Selbst der Sohn Gottes mußte ja sterbe. Aber so wie Jesus auferstanden ist, so hilft Gott uns auch durch den Tod hindurch. Auch auf diesem letzten Weg unsres Lebens behütet er uns und trägt uns auf Händen. Dann sind wir wieder ganz sein Kind, das er in die Arme nimmt und über die gefährlichen Stellen hinwegträgt.

Wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott uns nach dem Tod seine neue Welt eröffnen wird, in der es keine Gefahren und kein Leid mehr für uns geben wird. Sicher können wir heute noch nicht über den Tod hinausschauen, die Welt Gottes ist uns noch verschlossen.

Das ist wie bei einem Spiegel: Wenn wir hineinschauen, wird uns immer wieder nur das eigene Bild zurückgeworfen. Wir können nie gleichzeitig sehen, was hinter dem Spiegel ist. Wenn wir von unserem Standpunkt aus den Tod betrachten, dann ist und bleibt der Tod, wir können nicht dahinter schauen. Gott aber sieht alles von der andern Seite und sagt: Auferstehung!

Die Auferstehung der Toten ist die andere Seite des Sterbens. Da wird noch einmal deutlich, wie Gott das Beste für uns will. Richtig erfassen werden wir es erst, wenn wir Gott schauen von Angesicht zu Angesicht. Heute stehen nur Abschied und Verlust vor unsren Augen.

Aber wir dürfen uns doch auch freuen auf die neue Welt Gottes. Dort erst dürfen wir uns geborgen und sicher fühlen, dort erst wird unser Dasein zur Vollendung gekommen sein. Deshalb sollten wir diese (n) Verstorbene(n) getrost hergeben in der Gewißheit: Sie (Er) hat es nun besser, hat das Leid dieser Welt überwunden und ein reicheres Leben gewonnen. Das wird ihr (ihm) nicht wieder genommen werden.

 

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat! (Ps 103,2)

Es wird uns schwerfallen, am heutigen Tag Gott zu loben. Ein lieber Mensch ist uns genommen worden, den wir noch gebraucht hätten. Ein Ehepaar ist auseinandergerissen worden, der Vater und Großvater wurde genommen. Man hat zwar einmal damit rechnen müssen. Aber ein Todesfall ist doch eher ein Anlaß zum Trauern als zum Lob Gottes.

Grund zum Loben haben wir, wenn wir in die Vergangenheit blicken, wenn wir nach diesem Psalmwort handeln: Vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat! Dieses Gute hat schon am Beginn unsres Lebens gestanden. Daß wir überhaupt leben durften, verdanken wir Gott. Er hat uns ins Leben gerufen, er kann uns auch wieder abberufen.

In der Taufe hat sich Gott für uns erklärt und uns in seine Gemeinde gestellt. Dort sind wir konfirmiert und getraut worden. Dort hat das Ehepaar die Goldene Hochzeit feiern können. Daß sie so lange zusammen sein konnten, ist doch auch etwas Gutes, das nicht vergessen werden sollte.

Aber zum Guten gehört auch, daß man immer eine Arbeit gehabt hat und die Arbeit vielleicht sogar Spaß gemacht hat. Die vielen Begegnungen mit Kollegen und Nachbarn, Freunde und Verwandten bereichern unser Leben doch sehr.

Wir freuen uns darüber, wenn wir im Kreise der Familie ein ruhiges und gesichertes Leben führen können. Wohl bleiben Aufregungen und Enttäuschungen nicht aus. Aber wenn man es gemeinsam durchstehen kann, da ist es nicht so schlimm und stärkt im Gegenteil noch. Wenn man Wohnung und Kleidung, Essen und Trinken hat, dann kann man doch zufrieden sein.

Für all diese Dinge dürfen wir Gott dankbar sein, auch wenn wir selber viel dazu haben tun müssen, daß das alles da ist. Aber all das macht noch nicht unser ganzes Leben aus. Das merken wir auch, wenn ein Mensch gestorben ist. Dann tritt all das in den Hintergrund, was wir uns geschaffen haben.

Am Ende unsres Lebens gilt nur noch das, was wir uns an Beziehungen zu Gott aufgebaut haben. Wenn wir zu ihm Verbindung gehalten haben, wenn wir ihm für das Gute gedankt haben, was wir in unserem Leben erfahren haben, dann brauchen wir auch am Ende unsres Lebens keine Angst zu haben.

Gottes Güte hört nicht einfach auf. Zunächst könnte es so aussehen: So wie die Beziehung zu unseren Lieben aufhört, so könnte ja auch die Beziehung zu Gott abreißen. Aber das ist zum Glück nicht so. Im Gegenteil: Durch den Tod hindurch will Gott noch einmal ganz neu mit uns in Verbindung treten.

Deutlich gemacht hat uns das Jesus Christus. Er hat­ zwar auch seine Jünger zurück lassen müssen. Aber er hat ihnen den Heiligen Geist geschickt, durch den er wieder auf neue Art und Weise mit ihnen Verbindung aufgenommen hat. Er ist ja derjenige, den Gott als Ersten von den Toten auferweckt hat. Das gibt auch uns die Zuversicht, daß wir einmal am ewigen Leben bei Gott teilhaben werden.

Unsre Erfahrungen in der Vergangenheit dürfen wir ruhig auch auf die Zukunft übertragen: So wie Gott uns bisher manches Gutes getan hat, so dürfen wir auch in Zukunft nach unserem Tod noch viel Gutes von ihm erwarten. Es wird anders sein als jetzt, aber genauso wichtig. Dafür dürfen wir Gott heute schon loben. Wir haben noch nichts Gewisses in Händen. Wir haben höchstens die Verheißungen der Bibel und die Berichte von den Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus. Aber ist das nichts? Unser Glaube hat doch einen gewissen Anhaltspunkt in dem, was Gott getan hat. Daraus kann er schon schließen auf das, was Gott noch tun wird.

Wir können Gott heute schon loben, weil das ganz gewiß ist, was er uns versprochen hat. Wir können davon ausgehen, daß seine Verheißungen wahr werden und sich nichts mehr daran ändern wird. In dieser Gewißheit können wir auch getrost von unsren Toten Abschied nehmen. Sie sind bei Gott gut aufgehoben.

Gott hat uns alle immer wieder gut geführt und geleitet, die Toten und die Lebenden. Er will auch uns, die wir jetzt noch weiter leben, viel Gutes tun. Dazu gehört auch, daß er uns trösten will über den schweren Verlust, den wir jetzt erlitten haben.

Nur Gott kann uns trösten, weil er die Macht hat Gutes zu tun. Er kann sogar den Tod überwinden und in ein neues Leben hineinführen .Darauf dürfen wir fest vertrauen, heute und alle Zeit.

 

Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen, Gerechten Weihnachten (Ps 112,4)

Es gibt viel Finsternis in der Welt. Wir hören von Naturkatastrophen und Kriegen, wir hören von Hunger und Unterdrückungen, von Krankheit und Gefahren! Manches mag uns im Augenblick als fern erscheinen. Aber sehr schnell kann es ja auch uns einmal treffen. Manche meinen deshalb, die Welt sei nur von Finsternis erfüllt, in ihr herrsche nur das Böse und es werde alles immer schlimmer. Alles wird unter dem Gesichtswinkel des Abstiegs gesehen und als eine Verfallserscheinung betrachtet.

So erscheint dann auch das einzelne menschliche Leben als ein einziges Nachlassen und eine Verschlechterung. Man wird alt und schwach, vielleicht stellen sich Krankheiten ein, vielleicht wird man auch einsam und fühlt sich überflüssig. Und das Erde ist dann der Tod. Das ist die letzte schwere Finsternis, die uns bevorsteht. Wir verstehen, wenn einer Angst davor hat und nicht in diese Finsternis hinein will.

So geht es etwa Kindern, wenn sie Eisenbahn fahren und es geht in einen Tunnel hinein. Da haben sie oft auch Angst vor dem Dunkeln, weil es etwas Unbekanntes und Drohendes ist. Selbst uns Erwachsener geht es ja teilweise noch so. Aber wir wissen, doch dann: Auf der anderen Seite wird es wieder hell, alles hat einmal ein Ende und es sieht auch wieder freundlicher aus. Man muß eben nur wissen: Wir kommen doch hindurch, es wird wieder alles normal und so wie vorher!

Die Jahreszeit, die wir gerade haben, ist auch dazu geeignet, uns das deutlich zu machen. Die Dunkelheit der Nächte dauert länger, das helle Tageslicht scheint kürzer. Aber in wenigen Wochen geht es schon wieder andersherum, weil die Kraft des Winters schon gebrochen ist (Advent und Weihnachten in dieser Zeit!). Allerdings heißt es hier betont: „Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis!“ Nicht jeder kann dieses Licht sehen und seine erhellende und wärmende Kraft verspüren. Nur wer sich zu Gott hält, hat auch eine Hoffnung über den Tod hinaus.

Wer aber diesen Trost nicht hat, der steckt doch eigentlich sehr tief in der Finsternis. Der muß doch Angst haben, daß er für immer in dieser Finsternis bleibt und nie mehr ein Licht sehen wird. Man kann sich wohl kaum vorstellen, wie man in einem solchen Fall ein ruhiges und sinn­erfülltes Leben führen kann, wo man doch an sich nur auf ein Ende im Dunkeln warten kann.

Wer nichts von Gott hält, der muß doch eigentlich im Tod etwas Sinnloses und Grauenvolles finden‚ das all den Halbheiten und Schwachheiten dieser Welt noch die Krone aufsetzt. Wer aber sein Leben an Gott ausrichtet, der weiß: Im Augenblick ist es zwar noch dunkel. Aber Gott wird das alles einmal erhellen und uns den Sinn kundtun. Wir müssen zwar durch Finsternis hindurch, aber am anderen Ende wird uns wieder ein neues Licht aufgehen. Nur wenn man wirklich fromm ist, d.h. wenn man etwas von Gott hält und von ihm erwartet, wird man auch verstehen‚ daß er ein Gnädiger, Barmherziger und Gerechter ist.

Viele sagen zwar: „Der Tod ist das einzig Gerechte in der Welt‚ denn er trifft alle!“ Aber viele denken doch auch: Warum hatte gerade ich es so schwer im Leben und einem anderen ist alles in den Schoß gefallen. Warum hat der eine einen so leichten Tod und der andere hat sich so mühen müssen? Mancher ist dann auch geneigt, sich und die Welt dafür verantwortlich zu machen und von Gott gar nichts mehr zu halten.

Nur wer auf Gott vertraut, findet eigentlich einen Ausweg aus diesen Fragen, der erkennt auch, daß Gott doch gnädig und barmherzig ist. Wenn Gott tatsächlich gerecht sein wollte - so wie wir Menschen meist „Gerechtigkeit“ verstehen - dann müßte er uns alle verdammen und dann müßten wir alle im Tod bleiben. Aber seine Gerechtigkeit besteht darin, daß er uns trotz unseres bösen Lebens gerecht spricht und uns doch wieder seine Gnade und Barmherzigkeit zuwendet.

 

Wenn wir auf diesen gnädigen Gott vertrauen‚ dann brauchen wir auch keine Angst vor dem Tode zu haben, dann sehen wir hinter der Finsternis schon das Licht aufleuchten und können sie getrosten Mutes durchschreiten. Dann wissen wir auch diese (n) Verstorbene (n) in Gottes Hand, der uns sagen läßt: „Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten!“

 

Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, die ihn fürchten.

(Ps 103,17a)

Es gibt nur wenig Dinge, die währen, d.h. die auf Dauer Bestand haben: In unserer schnellebigen Zeit wird uns das besonders deutlich. Was hat sich doch alles in diesem Menschenalter getan, auf das wir zurückschauen?!

Man denkt, daß die guten Zustände ewig dauern. Glückliche Zeiten möchte man gern festhalten. Gerade ältere Menschen werden das besonders empfinden. Sie hängen immer noch am Vergangenen und finden sich dann in der heutigen Zeit nicht mehr zurecht. Kein Wunder, wenn es sie dann besonders zur Kirche zieht, wo vieles beim Alten geblieben ist. Doch wollen wir nicht vergessen, daß bei den meisten auch echter Glaube dahintersteht. Viele haben eben begriffen und in ihrem Leben erfahren, daß die Kirche ihnen etwas ganz Besonderes zu vermitteln hat, nämlich die Gnade Gottes.

Was ist Gnade? Machen wir es uns deutlich an einer Gerichtsverhandlung. Wir werden ja alle einmal vor dem Richterstuhl Gottes stehen. Jeder wird für seine Taten zur Rechenschaft gezogen. Und das Urteil ist eigentlich klar: Gott müßte uns mit dem Tode bestrafen, denn keiner hat so gelebt, daß er Gott gehorsam gewesen wäre oder auch nur seine Gebote gehalten hätte.

Zeugenaussagen sind gar nicht nötig, weil Gott selber alles weiß. Leugnen ist zwecklos. Es wird uns nur ein Geständnis übrigbleiben. Wenn sich das Gericht zur Beratung zurückzieht, erwarten alle einen eindeutigen Urteilsspruch, nämlich den Tod. Der Urteilsspruch wird auch eindeutig. Aber er lautet auf Freispruch. In der Urteilsbegründung wird gesagt: Ein anderer hat alle Schuld auf sich genommen, Jesus Christus, der nur an unserer Stelle die Schuld zu tragen hat. Das aber ist Gnade: Statt des Todesurteils ein Freispruch, und zwar ohne, daß wir es verdient hätten.

Diese Gnade aber können wir schon unser ganzes Leben spüren. Schon ein kleines Kind steht unter dem Schutz Gottes. Gerade weil es noch so schwach und hilflos ist, braucht es die Hilfe eines Größeren umso mehr. Aber auch nach der Kindheit noch will Gott unsren ganzen Lebensweg begleiten.

Es heißt im Psalm: „Die Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Sie war schon da, als wir noch nicht lebten, und sie wird auch unser Leben überdauern. Ja, gerade am Ende unsres Lebens wird sie besonders deutlich werden. Gott will keinen von uns im Tod lassen, sondern er verheißt uns allen die Auferstehung und das ewige Leben. Jesus ist uns darin als erster vorangegangen. Wenn Bergleute in einem Bergwerk verschüttet worden sind, dann braucht nur einem der Durchbruch nach draußen zu gelingen und alle anderen können nachfolgen. So wird auch Jesus alle nach sich ziehen.

Manchmal kommt es uns allerdings so vor, als sei von der Gnade Gottes in unserem Leben wenig zu spüren. Wenn einer krank ist, dann fragt er sich doch: „Warum mußte gerade mir das passieren?“ Oder die Leute sagen: „Das hat er nun davon! Jeden Sonntag ist er in die Kirche gerannt und es hat ihm auch nichts genützt!“ So wird man es halt, wenn man nicht viel von Gott hält.

Aber umgedreht kann man fragen: „Wie will einer all das Schwere aushalten, wenn man nichts von Gott weiß?“Woran soll man sich noch halten, wenn einen alle Kräfte verlassen und wenn man nicht mehr ein noch aus weiß? Dann ist man doch voll auf die Gnade Gottes angewiesen , so wie ein leeres Gefäß, das erst gefüllt werden muß, wenn es seinen Sinn erfüllen soll.

Mancher allerdings ist wie ein Gefäß, bei dem man den Deckel nicht abkriegt, so daß auch nichts hineinkommen kann, oder wie ein Gefäß mit lauter Löchern, in dem nichts drin bleibt. Bei einem solchen Menschen ist dann die Gnade Gottes vergeblich gewesen.

Wer aber merkt, daß er angesichts des Todes nur schwach ist, der nimmt aus der reichen Fülle der Gnade Gottes alles dankbar an. Er wird sie auch über der Tod hinaus spüren, denn Gottes Treue bleibt auch in Ewigkeit bestehen. Von seiner Seite aus ändert sich nichts.

Es kommt nur darauf an, daß wir uns helfen lassen und ihn fürchten. Aber das heißt nicht, daß wir Angst vor ihm haben müßten. Vielmehr ist gemeint, daß wir ihm mit Ehrfurcht entgegentreten, auf ihn hören und uns zu ihm halten. Von seiner Seite aus ändert sich nichts. Es kommt nur darauf an, daß wir uns helfen lassen wollen. Dann werden wir auch in Ewigkeit nicht verlorengehen und können getrost dem Tod entgegen gehen. Denn: „Die Gnade aber des Herrn wärt von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, die ihn fürchten!“

 

Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen (Ps 116,9)

Das „Land der Lebendigen“, das ist doch unsere Welt - so würden wir sicher zunächst denken. Hier, wo Menschen arbeiten und lernen, wo sie ihren Geschäften nachgehen und sich ausruhen, wo gegessen und getrunken wird, da ist das Leben. Leben bedeutet Leid und Schmerzen, es bringt Mißerfolge und Versagen mit sich, es besteht vielfach in Kampf und Streit. Aber gerade wenn es so aufregend zugeht, sehen wir darin doch ein Zeichen des pulsierenden Lebens.

Das Leben hat allerdings auch gute Seiten, das werden wir gerade heute nicht vergessen. Jeder Mensch hat auch glückliche Stunden gehabt, hat Erfüllung und Zufriedenheit gefunden. Deshalb hängt er ja so daran und möchte es nicht aufgeben.

Aber wir wissen, daß dieses Leben nicht ewig ist, sondern ein Ziel hat und wir davon müssen. Einmal kommt die Stunde, in der wir Abschied nehmen müssen von dieser Welt und von unseren Lieben. Oftmals erkennt man dann erst richtig, was man am Leben gehabt hat. Wenn man es hergeben soll, spürt man erst, was man verliert. Dann merkt man erst, wie sehr man doch an diesem „Land der Lebendigen“ gehängt. hat.

Aber manchem wird auch seine Schuld vor Augen stehen. Er wird sehen, was er im Leben versäumt hat und wo er Fehler gemacht hat. Sicherlich ist das auch mit ein Grund, weshalb man Angst vor dem Sterben hat.

Dann ist es gut, wenn man von jenem anderen „Land der Lebendigen“ weiß, das Gott für uns bereit hält. Unsere irdische Welt ist nur begrenzt, unser Aufenthalt in ihr dauert nur eine gewisse Zeit. Aber auch dann geht es mit uns noch weiter. Man kann nicht sagen, daß dann erst das wahre Leben käme. Wir können nicht aus dieser unserer jetzigen Welt innerlich fliehen und uns nur auf die Welt Gottes vertrösten, dabei aber die Aufgaben und Probleme dieser Welt vergessen. Es handelt sich vielmehr um zwei Seiten der gleichen Sache. Jeder Teil unsres Lebens - das irdische wie das himmlische - hat seinen Sinn; er steht gleichwertig neben dem anderen und das eine ist nur die Fortsetzung des anderen auf eine neue Weise.

Beide Hälften verhalten sich zueinander wie ein Gegenstand zu seinem Schatten. Unser jetziges Leben ist nur wie ein Schattendes ewigen Lebens. Wir sind manchmal der Meinung, die Schattenbilder unseres irdischen Lebens seien das wahre Leben. Aber sie geben uns nur einen ungefähren Eindruck vom Leben. Manchmal kann man allerdings schon an einem Schatten erkennen, um welche Person oder welchen Gegenstand es sich handelt. Und so ist unser irdisches Leben schon ein Hinweis auf das himmlische Leben.

Aber es geht nicht um eine Kopie oder eine Fortsetzung unseres jetzigen Lebens ins Unendliche hinein. Gott will, daß wir ein besseres Leben haben. Dann wird es keinen Kampf und keine Krankheit und keine Schuld mehr geben. Alles, was schlecht war an unserem Leben, wird dann nicht mehr sein und wir werden in ungetrübter Freude bei Gott sein können.

Das ist auch der Trost für der Mann, der der 116. Psalm gebetet hat. Er sagt: „Stricke des Todes hatten mich umfangen und Ängste der Hölle hatten mich getroffen. Ich kam in Jammer und Not!“ Doch da wendet er sich an Gott, damit der ihn rette. Und Gott hat seine Seele wieder aus dem Tode gerissen und sein Auge von den Tränen.

Nun wird er „wandeln vor dem Herrn, d.h. er wird auch so ähnlich leben können wie vorher. Aber es wird noch mehr als auf der Erde unter den Augen Gottes sein. Weil Gott so nahe ist, werden wir ganz mit ihm eins sein. Unser Schuldkonto wird nicht mehr weiter ansteigen und unsre alte Schuld wird abgetragen sein.

Das hat der (die) Verstorbene uns voraus. Er (Sie) hat nun schon das Ziel seines (ihres) Lebens erreicht. Deshalb sollten wir uns gern von ihm (ihr) trennen. Wir werden ihn (sie) in guter Erinnerung behalten. Aber wir dürfen auch wissen, daß er (sie) es nun besser hat bei Gott.

Unser Leben geht zunächst noch weiter. Wir wollen es führen in der Verantwortung vor Gott, damit wir auch einmal bei ihm sein können. Das „Land der Lebendigen“ ist auch für uns da. Dort wird es keinen Tod mehr geben, sondern nur noch das ewige Leben. Wenn wir nicht wieder sterben .müssen, dann haben wir erst das richtige Leben. Das ist unsere Hoffnung und unsere Zuversicht, heute und alle Zeit.

 

Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun?

(Ps 118,6)

In unserem Leben ist nicht alles vollkommen. Wir dürfen zwar für Vieles dankbar sein, und es ist ja auch Manches, was uns gelingt. Aber wir erleben doch auch Not und Verzweiflung, Kampf und Enttäuschung. Deshalb spüren wir auch Furcht über unserem Leben und merken, wie grenzt es doch ist. Jeder Mensch hat solche Furcht in seinem Leben verspürt. Und wenn ein Mensch gestorben ist, dann denken wir auch an all das Schwere, das er hat mitmachen müssen. Wenn man so ein Leben überdenkt, dann stößt man immer wieder darauf (Lebenslauf).

Alle Not unseres Lebens ist ein Vorzeichen für das Schwerste, das uns erwartet: der Tod. Vielleicht empfinde wir letztlich nur deshalb Furcht, weil wir immer in der Bewußtsein leben, daß wir sterben müssen. Dieses Wissen liegt wie ein Schatten über unsrem Leben und macht es deshalb so unruhig.

Wovor müßten wir uns fürchten? Oftmals sind es Menschen, die uns das Leben schwer machen. Sie wollen über uns bestimmen oder haben etwas an uns zu kritisieren. Sie haben Macht über uns oder sie körnen uns in Verlegenheit bringen. Dennoch müssen wir mit ihnen zusammenleben und sind oftmals auch auf sie angewiesen.

Weiterhin fürchten wir uns vor Krankheiten. Wie schnell kann doch eine Krankheit aus einem Menschen herausbrechen, der erst noch kerngesund war. Wir alle wissen nicht, was in uns steckt. Eines Tages könnten wir auch dran sein. Und das erfüllt jeden Tag unseres Lebens

mit Furcht.

Viele fürchten sich auch vor dem, was man so „Schicksal“ nennt. Sie meinen, unser Leben liefe rein zufällig ab. Blindlings würden Glück und Unglück verteilt. Und selbst wenn man sich eigentlich glücklich fühlt, kann man das dann doch nicht so recht genießen, weil man immer denkt, im nächsten Augenblick kann es wieder anders sein.

Doch diese Sicht ist falsch. Über unsrem Leben wütet nicht ein blindes Schicksal, sondern es wird von Gott gelenkt. Er hat uns erschaffen, er begleitet uns durchs Leben und er ruft uns endlich auch wieder heim in sein Reich. Nichts ist zufällig in unserem Leben. Gott bestimmt alles oder läßt es doch zumindest zu, ohne ihn geht nichts.

Das Gute nehmen wir dabei gerne an. Oftmals ist es uns sogar so selbstverständlich, daß wir sogar das Danken dafür vergessen. Warum fügen wir uns da nicht auch mit der gleicher Selbstverständlichkeit dem Schweren? Gott wird schon wissen, was er tut, und wir sollten ihn nicht kritisieren wollen.

Eins aber können wir wissen, nämlich das, was der Beter dieses Psalms bekennt: „Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht!“ Wenn wir alleine wären, müßten wir uns in der Tat fürchten. Dann wären wir verloren, ehe wir noch begonnen haben zu kämpfen. So aber ist Gott an unserer Seite und hilft uns. Jetzt brauchen wir nicht mehr vom „Schicksal“ zu reden, sondern wir nehmen alles, Glück und Unglück, aus der gnädigen Hand Gottes. Erst recht nicht brauchen wir uns vor Menschen zu fürchten, denn Gott ist Herr über sie alle.

Auch vor Krankheit und Tod brauchen wir uns nicht zu fürchten. Es ist zwar schwer, wenn wir einen Menschen leiden sehen und können ihm nicht helfen. Und es ist sicher noch Schwerer, wenn wir ihn hergeben müssen an der Tod, wenn wir nicht mehr seine vertraute Nähe, seine beratenden Worte und seine helfende Tat vernehmen können.

Aber wir dürfen auch dann sagen: „Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht!“ Gott begleitet uns auch durch Krankheit und Tod hindurch in ein neues Leben, wo es Furcht und Verzagtheit nicht mehr geben wird.

Kinder fürchten sich oftmals vor dem Dunkel. Wenn es etwa mit der Eiserbahn durch einen Tunnel geht, halten sie sich ängstlich an der Mutter fest. Aber die Freude ist groß, wenn sie endlich an der anderen Seite wieder das Tageslicht erblicken.

So müssen wir euch erst durch die Dunkelheit des Todes hindurch. Aber wir brauchen uns nicht zu fürchten. Der Herr ist bei uns. Am anderen Ende wird es wieder hell. Dann ist alle Furcht wie von selber verflogen. Aber nur wer erst die Dunkelheit durchgemacht hat, weiß nachher das Licht zu schätzen.

So mußte auch Jesus alle Not und alles Leid dieser Welt erst einmal durchmachen, ehe es für ihr Ostern werden konnte. Und so müssen wir auch durch manches Schwere und Traurige hindurch, ehe wir ganz die Güte Gottes begreifen lernen und zu der Gewißheit gelangen: „Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht!“

 

Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen (Ps 118,17)

Wir sind fast alle stolz auf das Werk, das wir in diesem Leben vollbracht haben. Und mancher hat auch allen Grund dazu. In den Augen der Menschen zumindest hat er es zu etwas gebracht. Wenn einer aus kleinen Anfängen heraus etwas geschaffen hat, dann hat er Ansehen bei den Leuten gewonnen und wird vielleicht auch voller Befriedigung auf sein Werk sehen.

Dennoch wissen wir alle, daß all das Erreichte vor dem Tod und vor Gott nicht bestehen kann. Wir können dadurch unser Leben nicht sichern. Wir müssen auch hergeben können. Und vielleicht ist nur das ein Trost für uns, daß andere unser Werk fortführen.

Doch letztlich kommt es nicht auf unser Werk an, sondern auf das Werk, das Gott an uns tut. Gott hat uns in der Taufe zu seinem Kind angenommen. Er hat uns ein ganzes langes Leben über begleitet und beschützt. Immer wieder haben wir trotz alles Schweren die Güte Gottes verspüren dürfen. Er will uns dann auch in unserer letztem Stunde nahe sein.

Ja, hier zeigt sich erst so richtig Gottes Werk. Wir müssen doch alle versagen vor der Gewalt des Todes. Da zeigt sich erst, wie wenig all das ist, was wir in unserem Leben geleistet haben. Von einer Stunde zur anderen kann sich die Sachlage völlig ändern und ganz andere Dinge werden auf einmal wichtig. Dann vergeht unser irdisches Werk und Gottes Werk tritt in den Vordergrund. Wenn es auch vielleicht zu unseren Lebzeiten etwas verborgen war, so kommt es doch jetzt ans helle Licht der Öffentlichkeit und wird allen deutlich.

Gottes Werk angesichts des Todes heißt: „Ich werde nicht sterben, sondern leben!“Natürlich müssen wir sterben. Unser äußerlicher Mensch vergeht, er wird wieder zur Erde, wie es bei jeder Trauerfeier heißt. Und doch können wir sagen: „Ich werde leben, sogar in alle Ewigkeit leben!“

Wir werden nicht aus Gottes Gedächtnis gestrichen, so wie man einen Menschen aus dem Gedächtnis zu streichen versucht, mit dem man sich überworfen hat. Gott kennt uns auch nach dem Tode, ja dann dürfen wir erst ganz bei ihm sein. Bei Gott dürfen wir weiterleben, wenn auch in anderer Form,

Dann brauchen wir auch keine Werke mehr, um sie vorzeigen zu können. Gott können wir sowieso nichts bieten, das uns bei ihm angenehm machen könnte. Bei Gott zählt nichts, was uns bei den Menschen groß macht. Das ist ein Währung, die im Himmel nichts gilt. Bei Gott gilt höchstens das Werk, das wir schon zu unseren Lebzeiten im Namen Gottes unserem Mitmenschen getan haben. Das geht bei Gott nicht vergessen und schlägt dann in der Ewigkeit zu Buche.

Natürlich fällt uns diese Art von Werken meist nicht so auf. Es sind in unserer Augen oft nur unscheinbare Dinge, die aber bei Gott schwer wiegen. Vielleicht ist es nur eine Freundlichkeit, ein helfender Handgriff, ein Wort des Verständnisses und des Trostes. Aber wieviel kann man dadurch doch erreichen und in Ordnung bringen, das sonst unsere Welt schwer belasten würde.

Wir sollten nicht meinen, es ließe sich ja doch nichts ändern in der Welt. Mit kleinen Schritten fängt es an, hat aber oft eine große Auswirkung. Wir sollten nicht sagen: Es hat ja doch keinen Zweck! Über den Erfolg entscheiden nicht Menschen, sondern Gott. Was wir in seinem Namen tun, das wird schon Frucht bringen.

Von diesem Gott und seinem Willen sollten wir in unserem Leben erzählen, denn nachher geht es nicht mehr. Unser ganzes Leben ist eine Chance, die Gott uns läßt. Vielleicht haben wir auch schon einmal eine schwere Krankheit mitgemacht, haben sie gut überstanden und haben die Möglichkeit gehabt, des Herrn Werke zu verkündigen, die er uns getan hat und die er tun wird in der Zukunft.

Gottes Macht zeigt sich aber auch schon hier in diesem Leben. Etwas von dem Glanz der Herrlichkeit Gottes kann auch schon in diesem Leben aufleuchten. Aber zur Vollendung kommt das dann erst in Gottes Reich. Da wird es keinen Schmerz und kein Leid mehr geben; da wird auch der Tod keine Macht mehr haben, sondern wir werden in der Gemeinschaft mit Gott und mit anderen ein neues Leben leben.

Einmal müssen wir alle Abschied nehmen von dieser Welt. Aber dann soll uns die Gewißheit begleiten, daß wir bei Gott gut aufgehoben sind. Er wird sein Werk schon an uns tun, damit es weitergeht mit uns. Aber auf sein Werk wird a 1 1 e s ankommen.

 

Wie wird ein Mensch („ein junger Mann“) seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte (Ps 119,9)

Wir blicken heute zurück auf den Lebensweg eines Menschen, dessen Leben unter uns zu Ende gegangen ist. Wie bei jedem Menschen hat es Höhen und Tiefen gegeben, Erfreuliches und Trauriges, Gelingen und Versagen. So vielfältig wie unsre Welt ist, so vielfältig ist doch oft auch das Leben des Einzelnen.

Es läßt sich durchaus mit einem Weg vergleichen. Dieser wird zunächst noch von den Eltern und sonstigen Erziehern vorgeschrieben. Aber es kommt einmal die Zeit, wo man sich selber entscheiden muß, wie es weitergehen soll. Gott hat dem Menschen eine weitgehende Freiheit gegeben. Er will ihn nicht bis ins Einzelne gängeln, sondern traut ihm durchaus zu, daß er schon den richtigen Weg einschlägt.

Allerdings besteht dabei natürlich auch die Gefahr, daß man nicht nur der richtigen Weg verfehlt, sondern auch das Ziel nicht erreicht. Gerade gegen Ende des Lebens wird manchem doch schmerzlich bewußt, was alles falsch gelaufen ist bei ihm. Wir sind eben Menschen mit Fehlern und Schwächen. Kein Mensch ist davon ausgenommen.

Dabei wäre es so wichtig, immer alles richtig zu machen. Unser Leben ist kurz, auch wenn es Jahrzehnte dauert. Und in diesem Leben entscheidet es sich, ob wir einmal das ewige Leben bei Gott erlangen werden. Deshalb müßt er wir doch an sich versuchen, möglichst unsträflich unseren Weg durchs Leben zu gehen.

Gott will uns ja auch dabei helfen. Er möchte nicht, daß wir in Ewigkeit verloren sind. Er liebt uns doch und möchte uns alle bei sich haben. Deshalb sagt er uns, was er für richtig hält und was er von uns möchte.

Niedergelegt ist das in seinem Wort, in den Zehn Geboten und in der Bibel überhaupt. Im 119. Psalm bekennt sich ein Mensch zu der Geboten Gottes. Sie sind ihm eine große Hilfe im Leben gewesen. Er dankt Gott dafür und ist glücklich, sie als Wegweiser zu haben. Und so ist er auch zu der Erkenntnis gekommen: „Wie wird ein Mensch seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte!“ Man kann also wissen, was Gott erwartet und wo es im Leben langgehen soll. Die Frage ist nur, ob wir auch tatsächlich auf Gott hören.

Allerdings hat Gott auch versprochen, uns wieder zurecht zubringen, wenn etwas bei uns schief gelaufen ist. Er sagt uns die Vergebung zu, wenn wir uns nur an ihr wenden und alles von ihm erhoffen. Das gibt unserem Leben Hoffnung und richtet uns immer wieder auf. Wir brauchen nicht alle Lasten auf ewig mit uns herumzuschleppen.

Aber Gottes Wort hat auch noch einen anderen Inhalt, an den wir uns besonders halten können, wenn ein Mensch gestorben ist. Gottes Wort verheißt uns die Auferstehung der Toten und auch unsere eigene Auferstehung. Im Alten Testament ist das zwar noch nicht so deutlich, in jenem Psalm ist nicht die Rede davor. Aber wir lesen ja das Alte Testament vom Neuen her und ergänzen eins durch das andere.

An das Wort von der Auferstehung dürfen wir uns halten, wenn ein lieber Mensch von uns genommen wurde. Er hat schon erfahren dürfen, ob dieses Wort wahr ist oder nicht. Spätesters wenn wir gestorben sind, wird der Inhalt unseres Glaubens bestätigt sein. Dann werden wir unumstößlich wissen, daß Gott recht hatte.

Nur mit dieser Gewißheit im Rücken können wir die Schwierigkeiten und Fragen unseres Lebens bestehen. Wenn wir ein solches Ziel vor Augen haben, wird uns vieles leichter sein. Wir haben nicht nur ein Endziel vor Augen, sondern werden auch viele Einzelschritte getroster gehen können.

Ein solcher schwerer Schritt ist der Weg vom Leben in den Tod und dann wieder von dort hinein in das Leben bei Gott. Schwer ist es auch für die Angehörigen, die sich in vielem doch umstellen müssen und derer Leben nun ärmer geworden ist.

Und doch können wir nichts anderes tun, als uns an Gottes Wort zu halten. Es will uns führen und leiten in unserem ganzen Leben. Der 119.Psalm ist ein eindrucksvolles Zeugnis eines Menschen, der Gott für alle Hilfe dankt, die er durch Gottes Wort erfahren hat. Gottes Wort will uns auch besonders helfen, wenn einmal schwere Stunden kommen. Es will uns helfen, dem Tod eines lieben Menschen und auch unserem eigenen Tod mutig entgegenzugehen. Es kann uns ja letztlich nichts geschehen, weil Gott an unserer Seite ist. Wenn wir uns an ihn halten, werden wir schließlich auch Sieger sein über den Tod.

 

Ich bin ein Gast auf Erden! (Ps 119,19)

Wir haben alle schon einmal Besuch gehabt. Und das ist ja auch etwas Schönes, wenn man sich wieder einmal sehen und miteinander sprechen kann. Aber dann kommt auch wieder einmal die Zeit des Abschiednehmens. So schön die Tage waren, so schnell sind sie auch vorüber. Dann geht der Alltag los mit all seiner Arbeit und man ist wieder allein.

Abschied ist immer etwas Trauriges. Wenn man auf dem Bahnsteig steht oder an der Bushaltestelle, dann kann man oft herzbewegende Abschiedsszenen sehen. Man weiß ja doch nie, ob und wann man sich wiedersehen kann; denn jeder Tag kann der letzte sein.

Wir hoffen aber doch immer, daß wir unsere Gäste wieder ­sehen werden. Wir sagen beim Abschied: „Komm; bald wieder!“ Oder: „Nächstes Jahr besuchen wir dich einmal!“ Das gibt uns dann doch Trost und hilft uns über den augenblicklichen Schmerz hinweg. Man kann nicht auseinandergehen, ohne eine Hoffnung zu haben.

So ist auch der Tod immer ein trauriger Abschied für uns. Wir wissen ja zunächst nicht, was danach kommt. Vielleicht ist es doch ein Abschied auf Nimmerwiedersehen, denken doch viele. Einer geht halt fort und die anderen gehen wieder an ihre Arbeit.

Wir haben ein paar schöne Jahre gehabt auf der Erde. Aber dann ist unsrem Leben ein Ende gesetzt, oft sehr plötzlich und unerwartet und noch in jungen Jahren. Natürlich denken wir immer: es hat noch Zeit bis zur Abreise. Aber plötzlich heißt es: „Fertigmachen zur Abfahrt!“ Dann muß der Koffer schon gepackt sein, damit wir jederzeit abrufbereit sind.

Doch wir haben bei alldem eine Hoffnung. Zwar kann einer der davongeht, nicht sagen: „Ich komme bald wieder!“ Aber die Zurückbleibenden können sagen: „Wir kommen bald nach!“ Wir gehen alle den gleichen Weg. Was machen da schon die paar Jahre aus, die der eine oder andere früher oder später geht? Wir sehen uns wieder in der anderen Welt.

Wir spielen alle nur eine Gastrolle auf Erden, auch wenn diese in der Regel Jahrzehnte dauert. Wir sind nicht auf Gottes Erde zu Hause, sondern sind hier nur zu Gast. Ein Gast kann sich zwar bei seinem Gastgeber fast wie zu Hause fühlen, aber er wird doch Rücksicht auf ihn nehmen und ganz von selber spüren, wann es Zeit zum Gehen ist.

Sollen wir nun sagen: Wir müssen uns eben hineinfügen, wenn unsre Zeit abgelaufen ist? Wir werden zwar nicht unbedingt rausgeworfen, aber es ist doch besser, man geht gleich, ehe es soweit kommt. Doch das klingt zu niedergeschlagen. Hier fehlt die Hoffnung, von der wir Christen doch wissen. Wenn wir hier nur Gäste sind, dann heißt das doch: Wir haben unsre Heimat woanders. Unsre eigentliche Wohnung ist bei Gott.

In der Regel ist es doch so, daß wir uns in unseren eigenen vier Wänden am wohlsten fühlen. Aber unsre Abwesenheit von Gott dauert in der Regel so lange, daß wir uns auch in dem fremden Haus auf dieser Erde ganz wohl fühlen. Wir sind menschliche Bindungen eingegangen und haben uns etwas geschaffen. Das gibt man nicht so gern wieder auf.

Doch die Erinnerung an unsre Herkunft sollte uns nie verlorengehen. Unser irdisches Leben ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unsrer Gesamt-Existenz. Schon vor unsrer Geburt waren wir bei Gott, ohne daß wir jetzt noch davon wissen. Warum sollte das mit unserem Tod alles aus sein? Gott hat noch ein anderes Leben für uns bereit. Und die Bibel sagt uns, daß das unser eigentliches Leben ist oder doch zumindest gleichwertig ist.

Im Alten Testament konnte man allerdings noch nicht wissen, was wir heute wissen: Sicherheit darüber haben wir erst durch Jesus Christus! Er ist uns diesen Weg vorangegangen und wieder zu seinem Vater zurückgekehrt. Auch uns steht dieser Weg noch bevor. Diese(r) Entschlafene geht ihn schon.

Jesus aber hat mehr als nur eine Gastrolle gespielt. Er hatte von Gott den Auftrag, uns alle an unsre himmlische Heimat zu erinnern und uns die Zukunft bei Gott gewiß zu machen. Auch wenn es uns jetzt schwerfällt mit diesem Abschied, so dürfen wir doch wissen: Das ist nicht das Letzte in unserem Leben. Wir gehen nur wieder unsrer eigentlichen Wohnung bei Gott entgegen; unsre Gastrolle hat ein Ende und wir dürfen wieder zuhause bei unsrem himmlischen Vater sein.

Wenn ein Kind außerhalb in den Ferien zu Besuch ist; freut es sich sehr darüber. Aber wenn die Zeit zu Ende geht, sehnt es sich in der Regel auch wieder nach Hause. Und so sollten wir uns auch darauf freuen, wieder bei Gott zu sein, weil wir es da doch noch am besten haben. So können wir auch diese(n) Entschlafene(n)(seiner) ihrer himmlischen Ruhe überlassen und uns auf den gleichen Weg vorbereiten. Wir haben mit ihm (ihr) das gleiche Ziel: Das Leben bei Gott!

 

Wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten (Ps 139,7b.9-10)

Gott ist mit uns auf allen unseren Wegen. Das wird besonders deutlich, wenn das Leben eines Menschen ein Ende hat. Da steht Gott dann urausweichlich vor uns und wir können ihm nicht entfliehen. Dann fragt er uns, wie wir gelebt haben, ob wir uns nach seinen Geboten gerichtet haben und vor ihm alles erwartet haben. Leider müssen wir dann bekennen, daß wir auch oft so gelebt haben, als ob es Gott nicht gäbe. Selbst wenn einer ein tüchtiger Kirchgänger ist, so wird er doch nicht immer Gott vor Augen haben. Zu leicht wollen wir uns zunächst einmal selber helfen und Gott nicht mit unseren Problemen belasten.

Gott aber hat uns immer vor Augen, ob wir das wollen oder nicht. Wir können ihm nicht entfliehen, was wir auch anstellen mögen. Nirgendwo gibt es ein Plätzchen, wo wir vor Gott sicher wären.

Doch der Beter dieses 139. Psalms sagt das nicht aus einer Angst heraus. Er bekennt sich dankbar dazu, daß Gottes Hand ihn überall führt und leitet. Gott ist nicht ein lästiger Oberaufseher, sondern ein Helfer in den vielen Wechselfällen des Lebens.

Gott ist selbst bei den Toten. Das war damals eine ungeheuer neue Aussage. Vorher meinte man, daß mit dem Tod jede Beziehung zu Gott aufhört. Wo die Toten sind, da ist Gott nicht. Zum Glück wissen wir es da heute besser. Jesus hat uns deutlich gemacht, daß mit dem Tode nicht alles aus ist, sondern noch einmal ein neues Leben für uns beginnt in der ungetrübtem Gemeinschaft mit Gott.

Gott ist zwar ein Gott der Lebenden, aber auch der Toten. Im Leben und im Tod haben wir die Möglichkeit, mit Gott verbunden zu sein. Und wenn vielleicht der eine oder andere von Gott weggehen will, so bleibt Gott doch immer in der Nähe. Wenn uns plötzlich einmal einfällt, daß wir ihn doch brauchen könnten, dann ist er da und kann uns helfen. Er drängt sich uns nicht auf. Aber wenn wir ihn brauchen, dann ist er jederzeit und an jedem Ort für uns da. Damit soll nicht gesagt sein, daß es bis zum Sterben Zeit hat mit Gott. Aber den Trost dürfen wir doch haben, daß es nie zu spät ist, sich doch noch Gott zuzuwenden, solange wir leben. Erst mit dem Tode geht nichts mehr.

Deshalb kommt alles darauf an, daß wir uns in diesem Leben bewähren. Gott aber will uns dabei helfen. Er verlangt nichts Unmögliches von uns, sondern zeigt uns den Weg, den wir gehen sollen.

Seine Hand führt uns. So wie ein Vater sein Kind an der Hand hält, so geleitet auch Gott uns durchs Leben. Ein Kind kann ja nicht immer schon für alles verantwortlich sein, es braucht noch den Stärkeren, damit es ohne Angst durchs Leben gehen kann.

So aber haben wir alle unseren himmlischen Vater, der uns sagt, ob wir links oder rechts gehen sollen an den Scheidewegen unseres Lebens. Gerade wenn wir uns einen Rat wünschten, dann zieht er uns schon auf die richtige Seite und es kann gar nichts schief gehen. Auch wenn wir sterben müssen, so ist das doch der richtige Weg, um zu Gott zu gelangen.

Gottes Hand hält uns aber auch. Es kann ja sein, daß wir plötzlich Angst bekommen an den Abgründen unseres Lebens. Sehr schnell hat man einmal einen Fehltritt getan und ist abgestürzt. Gott führt uns zwar der richtigen Weg, Aber das muß ja nicht heißen, daß es ein Weg ohne Gefahren ist. Deshalb ist es gut, wenn er uns gerade an den gefährlichen Stellen festhält, so daß nichts passieren kann.

Das Sterben ist so eine ganz gefährliche Stelle. Aber auch gerade dann fallen wir nicht aus Gottes Hand. Er hält uns fest, damit niemand uns aus seiner Hand reißen kann. Er weiß selber auch, wie gefährlich dieser Augenblick ist; deshalb paßt er besonders auf.

Auch für die Angehörigen eines Sterbenden wird es oft gefährlich, weil sie sehr leicht an Gott irre werden können, wenn sie das Ende eines lieben Menschen erleben. Aber auch sie sind umschlossen von den Händen Gottes, der sie wieder zu einer festen Gewißheit im Glauben führen wird.

Es gibt ein Bild, das ein kleines Kind zeigt, das von zwei großen Händen eingeschlossen ist. Das aber ist unsre Situation, gerade auch im Angesicht des Todes. Gottes Hände umschließen uns, im Leben und im Sterben. Sie nehmen uns bei der Hand und halten uns, und führen uns dorthin, wo Gott uns hinhaben will und wohin wir hoffentlich auch gern wollen.

 

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so nimmst du dich meiner an (Ps 142,4)

Wir erfahren in unserem Leben manche Angst. Das fängt bei dem kleinen Kind an und geht bis zu den alten Menschen. Entweder droht eine Gefahr von außen oder wir fürchten das eigene Versagen. Es geht eben nicht immer alles so glatt im Leben, wie man sich das wohl wünscht.

Vor allen. Dingen wird es schwierig, wenn es ans Sterben geht. Davor wird jeder doch irgendwie Angst haben. Wir wissen zwar als Christen von der Auferstehung der Toten. Aber es ist doch ein schwerer Schritt aus dem Leben in den Tod und wieder hinein in ein neues Leben bei Gott.

Wenn ein Mensch so daliegt, der sich eher noch bewegt hat, mit dem wir gerade noch gesprochen haben, dann fällt es schon schwer, an die Auferstehung zu glauben und noch etwas zu erwarten. Zu sehr scheinen die massiven Tatsachen des Geschehenen zu sprechen.

Aber bei Jesus war das ja auch nichts Anderes. Als er am Kreuz gestorben war, hat niemand mehr etwas auf seine Zukunft gegeben. Was dann an Ostern geschah, hat alle überrascht. Wir haben es da besser. Uns wird vorausgesagt, was mit uns geschieht. Wir wissen, daß wir noch etwas zu erwarten haben.

Das allein kann uns auch helfen, mit einem solchen Geschick fertig zu werden. Wenn uns wieder einmal die Angst überfallen will, wenn wir erschrecken vor der Gewalt des Todes, dann haben wir doch Gott, der uns weiterhelfen kann und will.

Man kann sich nur fragen, wie das wohl bei den Leuten ist, die nicht an Gott glauben. Vielleicht können sie so tun, als mache ihnen das alles nichts aus. Aber wenn dann doch die Angst kommt, dann haben sie nichts, was sie wieder da herausholt.

Wir aber dürfen wissen, daß Gott uns gerade in der Angst nahe ist. Er kann uns auch die Angst nehmen, weil er uns auch nach dem Tode etwas bieten kann. Er macht keine leeren Versprechungen, sondern an Jesus hat er gezeigt, was uns alle erwartet.

Das ist eine Hilfe für den Sterbenden, aber auch für die Angehörigen. Die sind ja oft auch ratlos, weil sie nicht helfen können oder sich mit allem abfinden müssen. Auch in ihnen steckt die Angst, weil sie nicht so recht wissen, wie sie mit allem fertigwerden sollen.

Da ist es gut, wenn wir wissen: Du nimmst dich meiner an! Gott nimmt den (die) Verstorbene(r) an, aber auch die Angehörigen, die um ihn (sie) trauern. Wir müssen ja doch über alles hinwegkommen in der guten Zuversicht, daß Gott es mit dem (der) Entschlafenen schon gut gemacht hat und auch mit uns gut machen wird.

Wenn Gott sich unser annimmt, dann tut er das so, wie Eltern für ihr Kind sorgen. Denken wir etwa an ein Kind, das keine Eltern mehr hat. Es braucht dann neue Eltern, die sich seiner annehmen. Oft ist das nicht leicht. Viele Kinder müssen ja dann in Heimen untergebracht werden. Aber wenn ein Kind Adoptiveltern gefunden hat, dann ist wieder alles in Ordnung, dann geht es ihm wieder gut.

So ist das aber auch in unserem Verhältnis zu Gott. Er nimmt sich des Verstorbenen an, der nun keine Menschen mehr hat, die für ihn sorgen können. Mit dem Tod hören ja alle Kontakte zu dieser Erde und ihren Menschen auf. Das ist schmerzlich für uns, wenn wir nun nicht mehr in Verbindung mit dem anderen treten können.

Aber dafür hat des Verstorbene einen anderen, der besser für ihn (sie) sorgt. Gott kümmert sich dann um uns, wenn wir diese Welt verlassen müssen. Er ist dann der Vater, wie er sein soll. Es kommt ja gar nicht so sehr darauf an, wer der leibliche Vater ist .Wer für das Kind sorgt, der ist der wahre Vater.

Und so sorgt Gott als unser himmlischer Vater für uns, besser als ein Mensch das könnte. Er hilft uns schon in diesem Leben und erst recht in der Ewigkeit. Darauf wird es eben auch ankommen, daß wir uns jetzt schon von ihm helfen lassen.

Wer ihn jetzt schon kennt, den wird er auch kennen, wenn dieses Leben einmal ein Ende hat. Es gilt, ihm zu vertrauen; dann verschwindet auch die Angst und wir dürfen uns bei Gott geborgen wissen. Es gilt, schon jetzt die nötigen Erfahrungen mit ihm zu machen. Dann wird der Übergang in die Welt Gottes nicht so schwer sein, sondern etwas von der österlichen Freude wird dabei zu spüren sein.

So wollen wir auch diesen (diese) Verstorbene (n) den Händen Gottes übergeben. Er hat ihm (ihr) schon die Angst genommen. Gott hat sich des (der) Verstorbenen angenommen. Da können wir nichts weiter tun, als ihn (sie) der Gnade Gottes anbefehlen und wieder getröstet an unser Tagwerk gehen: Gott macht es gut mit uns allen, mit den Lebenden und den Gestorbenen!