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Beerdigung NT

 

Trauerfeier Neues Testament

 

„Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden!“     (Mt 5,4)

Wir haben manches Leid im Leben zu tragen. Viele haben Jahre wirtschaftlicher Not und schlimmster Entbehrungen mitgemacht. Die meisten haben auch ihr Leben über hart arbeiten müssen. Manche Enttäuschungen hat man erleben müssen. Viele Pläne haben sich nicht verwirklichen lassen.

Aber das schlimmste Leid ist doch, wenn wir einen Menschen hergeben müssen an den Tod. Es ist schon schlimm, wenn man sich für einige Zeit von einem Menschen trennen muß. Jeder Abschied fällt uns schwer, wenn wir den anderen noch gern bei uns gehabt hätten.

Aber das Schlimme am Tod ist eben, daß er uns endgültig zu sein scheint. Wir wissen genau: So wie bisher werden wir mit dem Verstorbenen nicht mehr zu tun haben können. Hier wird ein Schritt gemacht, hinter den wir nicht mehr zurückkönnen.

Deshalb mag uns auch dieser Bibelspruch seltsam vorkommen: „Selig sind, die da Leid tragen!“ Wir würden einen Leidtragenden doch eher bemitleiden und uns selber nichts Ähnliches wünschen; wir möchten doch am liebsten einen großen Bogen um alles Leid machen können.

Und doch hat dieser Spruch seine Berechtigung, weil er noch eine Fortsetzung hat: „...denn sie sollen getröstet werden!“ Nur so hat der Satz einen Sinn. Wenn man weiß: Ich werde getröstet werden! dann kommt man auch über das Leid hinweg, dann ist es nur noch halb so schlimm zu tragen.

Das ist wie bei einem Sprung über ein Hindernis. Wenn man genau weiß: „Ich schaffe es bestimmt!“ dann ist der Sprung schon nicht mehr so schwer. Er macht zwar noch Mühe und bedeutet schon eine Anstrengung; aber er ist doch keine schwere Last mehr.

So müssen wir auch über diesen Tod hinwegkommen. Mit Gottes Hilfe wird das auch möglich sein. Allerdings heißt es auch: N u r  mit Gottes Hilfe! Sicherlich können auch Menschen trösten. Sie, die Angehörigen, haben wohl in den letzten Tagen manches Wort menschlichen Verstehens hören können. Denken wir auch daran, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Niemand kann das so gut wie eine Mutter: Sie streicht dem Kind über den Kopf, sagt ihm einige beruhigende Worte und sucht vielleicht auch das Leid zu beheben.

Genauso wird auch Gott uns trösten durch sein Wort. Gott verspricht uns, daß der Tod nicht das Letzte ist. In seinem Wort sagt er uns zu, daß Auferstehung und ewiges Leben auf uns warten. Am Beispiel Jesu sehen wir, daß das nicht nur ein leeres Versprechen ist, sondern eine wirkliche Macht dahinter steht.

Bei menschlichen Tröstungsversuchen sind es meist nur schöne Worte, die wir hören. Aber ändern können die anderen eben auch nichts. Gott aber kann und w i r d etwas ändern. Sonst könnte es hier nicht so bestimmt heißen: „...denn sie sollen getröstet werden!“

Getröstet werden kann nur einer, der vorher auch Leid erfahren hat. Wenn es kein4 Leid gäbe, wüßten wir gar nicht, was Trost bedeutet. Leid und Trost hängen für Gott untrennbar zusammen, das eine zieht das andere immer nach sich.

Wenn man im Leid ist, gilt es daher, immer schon an den nächsten Schritt zu denken. Man kommt noch am besten über den Augenblick hinweg, wenn man schon an den nächsten denkt. Alles hat einmal ein Ende, und dann zeigt Gott uns auch wieder einmal die andere Seite des Lebens.

Das Gute und Angenehme nehmen wir ja auch gern in Kauf. Da wollen wir auch nicht murren, wenn wir einmal zu leiden haben. Gott schickt uns beides, Leid und Freude. In diesem Fall aber im Angesicht des Todes wollen wir darauf vertrauen, daß er es richtig macht. Im Augenblick mag uns noch alles unverständlich erscheinen. Aber er führt es doch herrlich hinaus. Unser Verstand ist zu klein, um alles begreifen zu können. Aber wenn wir uns in Gottes Arme fallen lassen, dann werden wir auch Trost erfahren. Es kommt alles darauf an, ob wir auf diesen Gott vertrauen können. Er will uns doch helfen und tut es gern.

Wenn wir ihm vertrauen, werden wir auch im Leben und im Sterben seinen Trost verspüren, aber ohne daß wir uns anstrengen müssen. Es geht alles von ihm aus, er will uns beschenken, indem er uns tröstet im Leid.

 

„Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!” (Mt 5,8)

Viele werden das Kindergebet kennen: „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein!“ Es ist seit der Kindheit vertraut, und für manche ist es sicher das einzige Gebet geblieben, das er außer dem Vaterunser kennt. Aber man muß sich ja auch einmal überlegen, was damit wohl gemeint ist, daß unser Herz rein ist?

Stimmt das denn eigentlich, daß unser Herz rein ist? Bei einem kleinen Kind wird es stimmen, denken wir, denn es hat ja noch nichts Böses getan. Bei Säuglingen kann man noch nicht von einer Schuld sprechen. Doch bei einem Erwachsenen fragen wir schon: Wie wird Gott ihn beurteilen, wird er ihn annehmen?

Wir wissen alle, daß jeder Mensch in seinem Leben Böses tut. Davon ist keiner ausgenommen und keiner braucht sich da besonders hervorzuheben. Die Bibel sagt: Wir sind alle Sünder und können vor Gott nicht bestehen. Sicher gibt es dabei Unterschiede. Aber im Zusammenleben der Menschen geht es einfach nicht ohne Schwierigkeiten mit der Familie oder den Nachbarn ab.

Vor allen Dingen aber werden wir auch schuldig vor Gott, weil wir ihn nicht beachten oder seinen Willen übergehen oder nicht fest genug auf ihn vertrauen und ihn den Herrn sein lassen. Aber sind wir dadurch von Gott getrennt?

Unter Menschen ist das meist so: Wenn wir einen beleidigt haben, dann will er nichts mehr mit uns zu tun haben, dann sind die Beziehungen abgebrochen. Aber Gott ist nicht so. Er läßt uns nicht gleich fallen, wenn einmal etwas schief gelaufen ist. So- wie Eltern ihren Kindern auch immer wieder verzeihen - sie bleiben ja doch immer die Kinder - so will auch Gott uns immer wieder in seine Gemeinschaft hineinnehmen.

Es liegt nicht in unserer Macht, wenn wir bei ihm bleiben dürfen. Unser Herz ist schmutzig und wir könnten es eigentlich nur vor Gott verstecken, wenn wir ihm begegnen. Wir können keinen Staat mit uns selber machen und können uns nicht selber erlösen. Aber Gott will uns reinwaschen von allem Unsauberen und will uns wieder so herstellen, wie wir ursprünglich waren. 

Das gibt uns auch die Kraft,  anderen Menschen Gutes zu tun, mit unseren Mitteln und Möglichkeiten zu helfen, daß andere Freude! erfahren. Jedem Menschen sind da Gaben mitgegeben; die kann er einsetzen, wenn er ein reines Herz hat.

Deshalb muß jenes Kindergebet auch richtig heißen: „Ich bin klein, mein Herz mach  rein!“ Wir sind nicht von vornherein rein, sondern wir müssen erst rein gemacht werden. Dabei macht es aber gar nichts, ob unsre Schuld größer oder kleiner war. Wenn Gott uns rein macht, dann sind wir auch ganz und gar rein, ohne Abstriche.

Zeichenhaft geschieht das schon in der Taufe. Durch sie werden wir mit Gott verbunden. Wir sind Heilige, die ihm niemand wieder wegnehmen kann. Er wird uns immer wieder reinwaschen von allem Bösen.

Deshalb können wir auch am Ende unsres Lebens rein dastehen. Nicht umsonst zieht man einem Täufling ein weißes Taufkleid an. Und nicht umsonst erhält ein Verstorbener wieder ein weißes Sterbehemd. Weiß ist­ die Farbe der Reinheit, sagt man. Sie erinnert uns daran, daß Gott uns rein macht.

Wenn wir uns zu Gott halten, werden wir auch rein sein. Dann werden wir die Hilfe Gottes schon in unserem Leben erfahren, in Familie und Beruf, in Freude und Leid, in Krankheit und Tod. Dann werden wir auch Gott schauen. Schon in diesem Leben können wir ihn auf vielfältige Weise erfahren.

Aber so richtig schauen werden wir ihn erst im Tod. Da wird der Schleier weggezogen, der uns noch den Blick auf Gott verhüllt. Dann werden wir ihn sehen können von Angesicht zu Angesicht, so wie er ist. Doch dazu müssen wir erst von ihm rein gemacht werden, sonst kann man ihm nicht gegenübertreten.

Unser Leben gleicht manchmal einem Anstieg, einen steilen Berg hinan. Wir mühen uns ab, es ist heiß und staubig, der Weg ist schlecht. Das Leben ist eben nicht leicht. Aber wenn man dann oben ist, dann hat an auch eine herrliche Aussicht auf die andere Seite. Es wird uns eine Welt erschlossen, die wir vorher nicht hatten vermuten können.  

So werden wir auch hinter der Schwelle des Todes Gott schauen können, wie wir es vorher nicht hatten annehmen können. Vielleicht haben es die Gestorbenen viel schöner als wir. Deshalb sollten wir getröstet von ihnen Abschied nehmen. Sie dürfen schon schauen, was uns noch im vollen Glanz verwehrt ist.              -

Unser Leben wird noch weitergehen, mit all seinen Mühen und Plagen, seinen Freuden und Überraschungen. Aber einst werden wir auch Gott schauen dürfen, mit rein gewaschenem Herzen und in der festen Gewißheit: „Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!“

 

Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen!                                                                                          (Mt 6,33)

Diesen Spruch kann man einem Menschen bei seiner Taufe mit auf den Weg geben. Man kann ihn aber auch zur Konfirmation oder zur Trauung verwenden. Heute wollen wir uns beim Abschied von einem lieben Menschen unter dieses Wort Gottes stellen. Es ist gut, wenn man sich an jeder wichtigen Station des Lebens solch ein Wort ins Gedächtnis ruft. Diese Stationen sind ja schnell aufgezeigt:            Lebenslauf!

Wir könnten nun noch fragen: Geht es gerecht in einem solchen Leben zu? Wir haben in unsrer Welt doch dringend die Gerechtigkeit notwendig. Oft geht es sehr ungerecht zu, einer sucht den anderen zu übervorteilen und das beste Stück für sich zu erlangen.

Dem einen fällt es in den Schoß, der andere müht sich sein Leben lang ab und kommt doch auf keinen grünen Zweig. Aber so ist es halt in unserem Leben, da wird uns nichts geschenkt und es geht eben ungerecht zu.

Doch was ist nun Recht und was ist Gerechtigkeit? Nehmen wir einmal an, ich habe 100 Euro und soll sie an zwei Kinder verteilen. Das eine hat begüterte Eltern und das andere ist arm. Man kann nun jedem die Hälfte geben; dann erhält jeder sein Recht und keiner kann Vorwürfe machen. Aber das ist keine Gerechtigkeit. Wenn es gerecht zugehen soll, dann muß ich dem armen Kind wesentlich mehr geben als dem, das schon alles .hat.

So ist es aber auch mit der Gerechtigkeit, die Jesus hier meint. Wir sind alle ganz arme Kinder Gottes. Wenn er ein Urteil über uns und unser Leben fällen sollte, dann könnte er uns nur schuldig sprechen, denn wir haben kaum etwas Gutes vorzuweisen und sind ganz auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes angewiesen.

Gott schenkt uns dann seine Gerechtigkeit, indem er uns, die wir so viel nötig haben, aus freien Stücken gerecht spricht, also zu Menschen macht, die zu ihm gehören dürfen, gerade weil sie so bedürftig sind.

Eigentlich kann man das ja gar nicht fassen und begreifen: Aber Jesus hat es uns so vorgelebt, er hat sich gerade um die gekümmert, die solche große Hilfe nötig haben. Warum sollten wir da nicht auch ein Stück dieser Gerechtigkeit Gottes in unserem menschlichen Zusammenleben verwirklichen? Gott hat es uns vorgemacht und wir brauchen nur seinem Vorbild zu folgen. Aber das Entscheidende muß hier auch Gott tun, er muß erst alle unsere Bemühungen zur Vollendung führen.

Fast klingt dieses Wort Jesu: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit!“ wie ein Befehl. Aber wir sollten viel lieber heraushören: „Ihr könnt das auch, weil ich es euch verheiße!“ Gott hilft uns, unser Leben zu gestalten, indem wir seine Gerechtigkeit verwirklichen. Er hilft uns auch, wenn unser Leben einmal zu Ende geht.

Man kann sich natürlich viele Ziele setzen in seinem Leben. Man kann nach vielen Dingen trachten: Nach Anerkennung, nach Wohlstand, nach Glück. Jesus aber sagt: Das ist ja alles gut und schön, aber trachtet z u e r s t nach dem Reich Gottes! Dadurch wird eine Rangordnung aller Werte aufgestellt, die richtungsweisend für unser Leben sein kann.

Wer diese Richtschnur befolgt, der darf vor allem den zweiten Teil des Satzes hören: „....so wird euch das alles zufallen!“ Wer sich in seinem Leben zu Gott hält, der wird damit gut fahren. Er wird sich dann auch im Tod bei Gott geborgen wissen. Wenn uns vielleicht auch im Leben vieles zugefallen ist - entscheidend bleibt doch, was uns im Tod zufällt.

Gott hält seine Gerechtigkeit für jeden von uns bereit. Er will uns neues, anderes Leben geben. Er beendet alles Leid und allen Kampf und schenkt uns seinen Frieden. So dürfen wir auch diese (n) Entschlafene (n) bei ihm geborgen wissen und die Gewißheit mitnehmen: Wer nach dem Reich Gottes trachtet, dem wird das alles zufallen! Der Tod eines lieben Menschen ist uns so immer Mahnung und Verheißung zugleich: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alle zufallen!“

 

„Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt; und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind ihrer, die ihn finden!“                                                                                      (Mt 7,13-14)

Bei einer Familie sah ich neulich diesen Bibelvers bildlich dargestellt: der breite Weg, auf dem viele gehen und unscheinbar daneben der schmale Weg, den nur wenige finden. So ist doch auch unser Lebensweg. Da müssen wir uns doch auch oft entscheiden, ob wir links oder rechts gehen wollen.

Bequemer ist es meist, den breiten Weg zu gehen. Ihn gehen ­doch so viele. Und warum soll er falsch sein, wenn ihn so viele wählen? Warum sollen gerade die wenigen recht haben, die alles anders machen als die anderen. Ohne viel zu fragen mit dem großen Strom mitzuschwimmen, das ist doch einfacher.

Und doch kann es manchmal richtiger sein, den unbequemen Weg zu gehen, wenn es nur der Weg ist, den Gott uns vorschreibt. Gott will uns ja helfen, diesen Weg zu finden, der der richtige Weg für unser Leben ist. Er hat sein Wort und seine Gebote gewissermaßen wie Wegweiser an den Weg gestellt, damit wir das richtige Ziel zumindest wissen können.

Am Ende wartet dann noch einmal ein Tor auf uns das ­wir Tod nennen. Das eine Tor ist breit und scheint keine Probleme zu machen. Man merkt gar nicht, daß es ein Tor war. Und plötzlich ist das Leben zu Ende, mitten aus dem Schaffen gerissen tut man seinen letzten Schritt - aber dann steht man vor dem Nichts.

Die enge Pforte dagegen ist nur schwierig zu passieren. Vielleicht hat man auch Angst davor. Selbst gläubige Menschen können den Gedanken an den Tod nicht einfach beiseite schieben. Sie wissen eben darum, daß er auch so etwas wie ein Gericht bedeutet, daß ihr Leben gewogen wird und erst vor Gott bestehen muß.

Aber sie wissen eben auch, daß Gott gnädig und barmherzig ist. Er hilft, durch dieses enge und dunkle Tor hindurch zu kommen. Und dahinter eröffnet sich dann eine neue Welt, die Welt Gottes, die nur der erreicht, der vorher den schmaler Pfad gegangen ist und die enge Pforte gewählt hat. Das Ziel schien zunächst nicht lohnend zu sein, und war dann doch das einzige, was Sinn gehabt hat.

Es ist nicht immer leicht, seinen Weg durchs Leben mit Gott zu gehen. Viele Menschen raten einem ab, bei Gott zu bleiben; vielleicht werden einem sogar Hindernisse in den Weg gelegt oder Fallen gestellt. Da gilt es fest zu bleiben und allein auf Gott zu vertrauen. Dann gilt es, aus all den vielen Stimmen in dieser Welt die eine Stimme Gottes herauszuhören, die allein ans Ziel, ans richtige Ziel, führt. Darum gilt es, das ganze Leben zu ringen. Das Leben hat nur dann einen Sinn gehabt, wenn auch das Ende gut war. Und Gott verheißt uns ein gutes Ende, wenn wir seinen Weg gehen.

Am Ende dieses Weges steht das Leben, nicht ein Leben, wie wir es hier auf dieser Erde hatten. Das geht vorbei. Es nimmt ein Ende, wenn unsre Uhr abgelaufen ist. Es läßt sich auch nicht wieder zurückspulen und neu beginnen. Mit dem Tod ist dieses irdische Leben unwiederbringlich vorbei.

Aber Gott eröffnet uns die Möglichkeit zu einem neuen Leben. Er allein kann es uns geben, so wie er uns auch schon unser irdisches Leben gegeben hat. Jenes ewige Leben wird nicht wieder vergehen, sondern wir werden dann in ungetrübter Freude bei Gott sein können.

Jesus Christus ist diesen Weg uns vorangegangen. Er hat auch alle Höhen und Tiefen es menschlichen Lebens durchgemacht. E hat am Ende sogar sterben müssen wie wir. Aber Gott hat ihn durch die enge Pforte hindurch gebracht und hat ihn wieder erweckt zu einem neuen Leben

Aus dieser Tatsache dürfen wir die Gewißheit entnehmen, daß auch diese(r) Verstorbene bei Gott gut aufgehoben ist. Sie (Er) hat ihren(seinen) Lebensweg vollendet und hat friedlich einschlafen dürfen .Nun darf sie (er) schauen, was sie (er) geglaubt hat.

Uns steht jener letzte Schritt noch bevor. Doch wir sollten ihm entgegensehen im Vertrauen auf Gott. Der Tod eines Menschen sollte uns darin bestärken, den Weg Gottes zu gehen. Wenn abgerechnet wird, dann zählt nicht, was wir gedacht und was die anderen gemacht haben. Dann wird es nur darauf ankommen, ob wir das richtige Ziel im Auge gehabt haben und auf Gottes Wort gehört haben. Wer das aber getan hat, de darf sicher sein, zu einem Leben

bei Gott geführt zu werden.         

 

Wer aber bis ans Ende beharrt, der wird selig!                    Hohes Alter  (Mt 10,22b)

Ein Mensch in einem gesegneten Alter ist von uns genommen worden. Wir sind traurig, weil jeder Mensch, der nicht mehr da ist, eine Lücke hinterläßt. Das wird. gerade auch deutlich, wenn ein Mensch sehr alt geworden  ist. Dann hatte man sich so sehr daran gewöhnt, daß er da ist,  man konnte sich gar nicht vorstellen, daß es auch anders kommen könnte. Aber einmal geht es dann doch ans Abschiednehmen. Wir dürfen dann aber doch voller Dankbarkeit auf all die Jahre gemeinsamen Lebens zurückschauen, dürfen einen Menschen in guter Erinnerung behalten und versuchen, in seinem Sinne weiterzuleben.

Vor allem könnten wir uns den Glauben des (der) Verstorbenen zum Vorbild nehmen. Über 90 Jahre hat er (sie) am Glauben an Gott festgehalten. Er (Sie) gehört noch zu jener Generation, die schon in der Schule mit dem christlichen Glauben bekannt gemacht wurde. Er (Sie) ist in einer Zeit aufgewachsen, in der der sonntägliche Kirchgang eine Selbstverständlichkeit war. Manche meinen heute, das sei damals ein  gesellschaftlicher Zwang gewesen, der sich nicht mit evangelischer Freiheit vertrage. Aber eher ist es doch so, daß die Menschen damals wie heute aus eigenem Antrieb Gottes Wort hören wollten. Man mußte sie nicht zum Kirchgang zwingen, sondern sie wußten selber genau, daß man hier die Quelle des Lebens finden kann.

Das wird dann besonders wichtig, wenn man älter wird  und nicht mehr so kann, auch nicht mehr am Gottesdienst der Gemeinde teilnehmen kann. Dann braucht man einen Vorrat von geistlichen Schätzen, von denen man dann noch zehren kann. Vor allem braucht man das aber auch, wenn man sterben muß. Hier soll uns der Glaube besonders helfen, diesen letzten schweren Schritt zu bestehen. Es könnte sein, daß im letzten Augenblick unsres Lebens noch einmal alles zusammenbricht, worauf wir vorher vertraut haben. Oder sagen wir besser: Wir könnten meinen, es breche alles zusammen. Deshalb mahnt uns Jesus: „Wer aber bis ans Ende beharrt, wird selig!“ Es bricht nichts zusammen, dafür garantiert uns Gott. Gerade am Ende des Lebens wird sich ein fester Glaube bewähren.

Auf das  Beharren wird es dabei ankommen. Es geht also nicht darum, etwas zu erringen oder mit eigenen Kräften zu erreichen. Wir sind ja schon bei Gott durch die Taufe. Es ist ja alles schon geregelt. Es kommt nur auf uns an. Aber wir brauchen nicht mehr zu tun, als da zu bleiben, wo wir sind.

So wie schon zur Zeit Jesu gibt es ja auch heute manche Kräfte, die einen Menschen von Gott abbringen wollen. Selbst vor alten Menschen macht man da nicht halt, vor allem wenn sie sich allein gelassen fühlen. Wohl aber dem Menschen, der dann sagen kann: „Ich habe Verwandte oder gute Freunde, die für das alles sorgen!“ Da fällt es ihm leichter, bei Gott zu bleiben. Und das ist wichtig, bei Gott zu bleiben, fest in dem zu stehen, was man gelernt hat. Denn wer seinen Herrn noch am Ende verleugnet, der hat damit ja alles durchgestrichen, was vorher war, bei dem hat der; ganze Glaube nichts getaugt.        

Wer aber bei Gott und Jesus Christus bleibt, der wird selig. Er hat eine Hoffnung, die über den Tod hinaus reicht. Sie besteht nicht in einem Glauben an ein Schattendaein oder an eine Insel der Seligen, sondern es geht um das Verhältnis zu Gott. Und das besteht auch über den Tod hinaus. Diese Hoffnung -  ja diese Gewißheit -  gibt erst dem Leben einen Sinn und macht es uns leicht, an Gott festzuhalten.

Unser irdisches Leben ist doch. nur ein kleines Stück unsrer gesamten Existenz. Unser Leben ist kurz, auch wenn es Jahrzehnte dauert. Unser ewiges Leben aber ist demgegenüber unvergleichbar lange. Sollten wir nun dieses ewige Leben aufs Spiel setzen, nur weil wir in unserem irdischen Leben nicht nach Gott fragen? Das wäre doch töricht.

Deswegen lohnt es sich, an Gott festzuhalten. Der Glaube gibt schon unserem jetzigen Leben einen Sinn und ein Ziel. Er hilft uns, viele Gefahren und Schwierigkeiten besser zu bestehen. Er hilft uns auch, wenn wir einmal sterben müssen, diesen letzten Schritt im Vertrauen auf Gott zu tun. Wer ihm treu geblieben ist, der hat vor dem Tod keine Angst, sondern er versteht ihn als Heimkehr zu dem himmlischen Vater. Er wird auch nicht haben wollen, daß seine Angehörigen in Trauer verharren. Sie sollen. Freude empfinden, weil er im Glauben verharrt hat und die ewige Seligkeit erlangen wird.

 

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“                                                                                                                (Mt 11,28) 

Bald jeder Mensch ist mühselig und beladen, bald jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Häufig ist es eine Krankheit, die uns belastet. Fast jeder Mensch ist doch einmal mehr oder weniger krank gewesen. Doch noch schwerer zu ertragen ist eine langanhaltende dauernde Krankheit, die man auf Schritt und Tritt spürt.

Parallel damit geht oft die wachsende Last des Alters. Ein jeder wird das einmal merken, wie die Kräfte nachlassen und alles nicht mehr so gut geht wie in der Jugend. Auch der Kräftigste muß einmal dem Alter Tribut zollen. Ja, wer sonst immer gesund und stark war, der empfindet die Beschwerden des Alters um so mehr. Viele haben in ihrem n Leben schwere Zeiten mitgemacht, wirtschaftliche Not und viele Entbehrungen. Mancher hat auch in seinem persönlichen Leben Ungerechtigkeit und Haß erfahren. Fast jeder Mensch, auch wenn er sich noch so sehr um Freundlichkeit und Nächstenliebe bemüht, hat doch seine Feinde und Neider. Und manchmal kämpft man für ein besseres Leben für sich oder für andere, aber man erhält doch kein Recht.

Wenn man das alles so bedenkt, dann könnte man fast sagen: Es ist ein Elend in dieser Welt zu leben. Wir sind alle gefangen von den Mächten und Kräften dieser Welt, wir werden nur geschoben und gedrängt und haben keinen eigenen Willen.

Deshalb haben die Menschen aller Zeiten versucht, aus diesem Elend herauszukommen. Sie wollten sich aus eigener Kraft befreien und eine neue bessere Welt schaffen, in der es all dieses Elend nicht mehr gibt.

Das war schon zur Zeit Jesu so: Einmal im ganzen römischen Weltreich, wo der Kaiser Augustus versprochen hatte, einen ewigen Frieden zu schaffen. Aber um das zu erreichen, mußte er Krieg führen und hat viel Elend über die Menschen. gebracht.

Auch die Pharisäer im Lande Jesu versuchten, auf ihre Weise das Elend zu überwinden. Sie nahmen es sehr ernst mit ihrem Glauben, aber sie stellten auch strenge Gesetze auf und wurden so zu Fanatikern, die von allen Menschen verlangten, sie sollten so leben wie sie. Auch in der Kirche des Mittelalters meinte man, sich durch eigene Leistungen den Himmel verdienen zu können. Wer ins Kloster ging, hatte das ewige Leben sicher. Martin Luther aber hat erfahren, daß es so nicht geht.

Auch politische Führergestalten der neueren Zeit haben den Menschen  den Himmel auf Erden versprochen, von Hitler und Stalin bis zu den Führern mancher afrikanischer Staaten, die sich als Gott verehren ließen. Sie alle haben ein mehr oder weniger schlimmes Ende gefunden und haben zum Teil ihre Völker in tiefes Elend gestürzt.

Wer aus eigener Kraft das Elend überwinden will, wer sich selbst erlösen will und gewissermaßen auf einer selbstgebauten Treppe zu Gott hinaufklettern will, der stürzt nur noch tiefer ins Elend und verfängt sich darin wie in einem Spinnennetz.

Der Weg von unten nach oben ist uns versperrt. Aber wir haben ihn ja auch nicht nötig. Gott ist ja von sich aus zu uns gekommen, die wir mühselig und beladen sind. Jesus ist in unser Elend hinabgestiegen und hat es auf sich genommen. Er hat diesen Teufelskreis des Elends, der uns umfangen hält, an e i n e r Stelle durchbrochen und damit uns überhaupt befreit: Wenn erst einmal an einer Stelle ein Durchbruch geschafft ist, dann haben wir schon gewonnen.

Jesus sagt uns das Himmelreich zu, wo Friede und Gerechtigkeit, Liebe und Leben sind. Dort sind wir nicht mehr im Elend, sondern im Vaterhaus. Dort sind wir sicher vor allem, was das Leben in dieser Welt belastet. Dort hat auch der Tod keine Macht mehr, sondern das ewige Leben ist uns sicher.

Wenn wir nach einem harten Arbeitstag oder wenn es heiß war uns zur Ruhe setzen, dann sind wir über jede kleine Erfrischung froh. Unser Leben ist auch so etwas wie ein langer Weg auf staubiger Straße, an dessen Ende wir wieder neue Kraft brauchen. Jesus kann uns dann wieder neues Leben geben, so wie eine frische Quelle uns wieder belebt.

Doch Christus stärkt uns auch schon jetzt im Elend dieser Welt: Er reicht uns im Abendmahl Brot und Wein und damit Speise und Trank für unser Leben. Er lädt jeden ein und sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“

Wer dieses Geschenk entgegennimmt, ist nicht mehr im Elend, sondern ist schon mit einem Stück der Welt Gottes verbunden. Wer sich in seinem Leben dazu gehalten hat, der wird nicht nur für den Augenblick erquickt, sondern darf der Ewigkeit Gottes gewiß sein.

 

Also ist's auch bei eurem Vater im Himmel nicht der Wille, daß eins von diesen Kleinen verloren werde!                                                          Geistig behindert (Mt 18,14)

Wie viele Menschen gehen Gott verloren, die sich mutwillig von ihm entfernt haben: Vielleicht sind sie gleichgültig geworden, vielleicht ist ihnen anderes wichtiger. Oft fängt es mit Kleinigkeiten an und dann wird auf einmal alles über Bord geworfen. Das ist der Preis dafür, daß wir unseren Verstand  haben und einen freien Willen, so daß wir selber entscheiden können. Gott läßt  uns auch entscheiden; und er läßt jeden gehen, der gehen will. Aber niemand kann seinem Machtbereich entfliehen. Gott ist immer da und wirbt  um jeden Menschen und lädt ihn ein. Es ist unsere Schuld, wenn wir nicht zu ihm kommen.

Deshalb müssen wir ja schließlich alle einmal sterben. Wir vergehen uns immer wieder einmal, gegen den erklärten Willen Gottes, wird sind sündige Menschen und deshalb nicht unsterblich. Wir müssen alle einmal diesen Weg des Todes gehen und unsre Strafe erleiden.

Nur ganz wenige Menschen kann man von diesem Zusammenhang zwischen Sünde, Schuld und Tod ausnehmen: die Menschen, die ihres Verstandes und ihrer Sinne nicht .mehr mächtig sind; sie können für die Zeit ihres Umnachtetseins nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn die Einsicht  in die Fragen und Probleme dieser Welt nicht gegeben ist, wenn der Betreffende nicht mehr wissen konnte, was gut und böse ist - dann hat ihm Gott eine Ausnahmestellung gegeben.

Natürlich ist solch ein kranker Mensch auch eine schwierige Aufgabe  für seine Angehörigen und seine Umwelt. Er kann vieles durcheinanderbringen und Pläne zerstören. Aber wer weiß denn, ob es uns nicht morgen genauso ergeht? Jeder von sollte deshalb Nachsicht üben mit einem solchen Menschen und ihm nach Kräften beistehen.

Aber solche Menschen muß es auch unter uns geben, damit wir lernen. Gott hat uns manches zu sagen durch solch ein Leben: Nicht unsere Arbeit, unsere guten Taten, unser Geld, unser guter Ruf verdienen uns das Himmelreich. Gott kann seine Gnade auch einem Menschen zuwenden, der nie produktiv gearbeitet hat und der anderen nicht helfen konnte, sondern der selber Hilfe nötig hatte.

Auch die Zeit ist nicht das Wichtigste in unserem Leben. Was ist schon die Zeit im Leben so eines kranken Menschen?! Und auch der, der für ihn sorgt, kann nicht nach der Zeit fragen. Wir denken immer, wir hätten keine Zeit. Doch manches Mal wäre es gut für uns, wenn wir auch einmal krank würden, und wenn es auch nur für einige Tage wäre: dann hätten wir Zeit, auch Zeit für Gott.

Gott kümmert sich um uns. Er kümmert sich auch um so einen kranken Menschen. Er will, daß keiner von diesen Kleinen, von den Kleinen im Geist, verloren geht. Er will aber auch nicht, daß wir verloren gehen, wir, die wir weiterleben. Wir haben noch die Möglichkeit, uns jeden Tag neu für Gott zu entscheiden und uns zu ihm zu bekennen. Wir wollen dankbar sein, wenn wir noch unsere Verstandeskräfte haben und einen eigenen Willen, um uns frei entscheiden zu können. Eines Tages kann es auch einmal zu spät sein.

Gott möchte, daß auch wir einmal bei ihm sein können und dem großen Tag der Auferstehung entgegengehen. Er läßt uns nicht einfach im Tode, er vergißt uns nicht, wir dürfen weiter in seiner Gemeinschaft sein. Gott wird es schon recht machen.

Unser Leben hat immer einen Sinn, auch so ein Leben, das im Dunkel endete. Es gibt ja Menschen, die sagen auch heute noch: „Es ist doch Unsinn, sich solche Mühe mit einem Menschen zu machen, der die Gesellschaft nur belastet!“ Doch wer so denkt, der spricht schließlich auch den Kranken und Schwachen das Lebensrecht ab, der läßt die alten Menschen verkommen und kümmert sich nicht mehr um die Verstorbenen. Aber damit sind wir in der Barbarei gelandet, dann gibt es keinen Halt mehr. Gott aber sagt: „Keiner soll verloren gehen, keiner von den Gesunden und keiner von den Kranken!“ Er will uns alle zu sich ziehen.

 

Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen!        (Mt 22,32 b)

Nur gut, daß wir einen Gott haben, der uns im Leben hält und trägt. Sonst stünden wir jetzt fassungslos und hilflos vor dem, was uns widerfahren ist. Wenn ein Mensch aus unsrer Mitte genommen wurde, der ganz selbstverständlich zu unsrem Lebenskreis gehörte, dann können wir darin zunächst keinen Sinn sehen.

Allerdings werden wir auch zugeben müssen ,daß wir viel zu selbstverständlich damit rechnen, daß wir noch viele Jahre zu leben haben. Der Tod macht uns deutlich, daß das nicht so ist. Besonders wenn er uns so nahe rückt, erschrecken wir doch.

Ein wenig fassungslos sind wir dann doch. Auch wenn ein Mensch schon längere Zeit krank war, trifft es uns hart, wenn es dann so weit ist, daß er nicht mehr ist. Immer noch meint man: Jetzt müßte er doch zur Tür hereinkommen und etwas sagen oder besprechen wollen.

Aber wir sind nicht hilflos im Angesicht des Todes. Wir haben einen Gott, der uns im Leben und im Sterben zur Seite steht. Auch über den Tod hinaus bleibt er mit uns verbunden. Oder sagen wir lieber: Dann ist er erst recht mit uns verbunden.

Solange wir leben, gibt es doch manches, was zwischen uns und Gott steht. Wir leben oft nicht so, wie es den Geboten Gottes und seinem Willen entspricht. Wir denken oft zu sehr an uns und nicht an den anderen. Unser Glaube und unser Vertrauen zu Gott sind schwach.

All das hört mit dem Tode auf. Dann gibt es nur noch eins: Entweder man ist vollkommen fern von Gott oder man ist ganz eng mit ihm verbunden. Wer aber in diesem Leben schon mit Gott verbunden war, der darf auch darauf hoffen, in Ewigkeit mit ihm verbunden zu sein.

Deshalb ist es so wichtig, sich jetzt schon zu Gott zu halten. Denn Jesus sagt: „Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen!“ Er will damit alle Spekulationen abwehren, wie es wohl in der Welt der Toten ist. Das braucht uns nicht weiter zu interessieren. Wenn es soweit ist, werden wir es schon sehen.

Gott ist allerdings auch ein Gott der Toten. Die Toten werden ja nicht irgendwo aufgehoben, sondern bei Gott. Er sichert ihnen ja erst ein Weiterleben auf eine andere Art und Weise. Ohne Gott gäbe es ja kein Dasein nach dem Tode.

Aber vor allem will Gott ein Gott der Lebendigen sein. Wenn wir erst einmal gestorben sind, dann sind ja alle Probleme für uns gelöst. Dann hat Gott uns ja sowieso, ob wir wollen oder nicht. Der Gott der Toten ist er ganz selbstverständlich.

Aber wichtiger ist ihm, daß er schon in diesem Leben mit zu tun hat. Wenn wir ehrlich sind, dann geben wir ja auch zu, daß wir ihn dann am meisten brauchen. Schließlich steckt unser Leben voller Aufgaben und Schwierigkeiten.

Es geht nicht immer so glatt, wie wir uns das oft wünschen. Im Beruf läuft es nicht immer wie geplant. Es gibt Reibereien mit anderen Menschen. Wir haben Angst vor Krankheit, vor Schicksalsschlägen, vor der Zukunft. Dann ist es immer gut, wenn wir wissen: Es steht einer hinter uns oder über uns, der das alles lenkt und in der Hand behält.

Gewiß entscheiden wir auch vieles selber und können oft aus eigener Kraft weiterkommen. Aber wir lehnen uns auch gern an einen Stärkeren an, wenn es einmal schwierig wird. Gott will uns dann helfen, wenn wir nicht mehr weiterwissen.

Aber er will auch bei uns sein, wenn wir uns wohlfühlen und zufrieden sind. Sicher hat jeder Mensch auch vieles, wofür er Gott dankbar sein kann. Immer wieder haben wir doch seine Durchhilfe erfahren dürfen. Hier hat sich Gott dann als ein Gott der Lebendigen bewährt. Umgekehrt haben wir uns aber auch zu bewähren in diese~ Leben als Menschen, die zu Gott gehören. Nur wenn wir schon in diesem Leben mit ihm zu tun hatten, wird er auch unser Gott sein in jenem anderen Leben. Dann wird er der Gott des Toten sein, so wie er schon der Gott des Lebenden war.

Ob er hier und heute schon unser Gott ist, das zeigt sich auch daran, wie wir mit diesem Todesfall in unsrer Mitte fertig werden. Sehen wir den Tod wirklich an als einen Weg zu Gott? Erkennen wir, daß er dadurch erst recht unser Gott sein will? Vertrauen wir ihm, daß er es richtig mit uns macht und mit den Toten? Wenn wir so denken, dann haben wir schon einen Gott für dieses Leben, der auch unser Gott bleiben wird, wenn dieses Leben einmal ein Ende hat.

 

Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig!                                           (Mt 24,13)

Es gibt Menschen, die würden wir als halsstarrig bezeichnen. Was man ihnen auch zu erklären versucht, sie bleiben bei ihrer Meinung. Meist kann man nur schwierig mit ihnen auskommen. Aber auf dem Gebiet des Glaubens ist solche Hartnäckigkeit eine große Tugend. Da gilt es, unverrückbar am Alten festzuhalten und sich durch nichts in der Welt davon abbringen zu lassen. Im Matthäusevangelium heißt es deshalb: „Wer beharrt bis ans Ende, der wird selig!“

Gemeint ist damit in erster Linie, im Glauben und in  der Liebe auszuharren. Das ist eine Aufforderung, die gilt uns heute genauso wie den Menschen damals. Nur wer immer am Glauben an Gott festgehalten hat und in der Liebe zu seiner Mitmenschen nicht nachgelassen hat, wird durch die Bedrängnisse dieser Welt hindurch zu Gott hin gerettet werden.

Es werden allerhand Dinge bei Matthäus aufgezählt, die uns vom rechten Glauben an Gott abhalten können. Sehr oft wird doch die Meinung vertreten, viele Anzeichen der heutigen Zeit deuteten auf ein nahes Ende der Welt hin. Es wird auf Kriege, Hungersnöte und Erdbeben verwiesen, aber auch auf den Abfall von Gott und falsche Propheten.

Doch solche Erwartungen hat es schon oft gegeben. Jesus hat uns vor allen Spekulationen über den Zeitpunkt gewarnt. Entscheidend ist nur, daß wir bis ans Ende an Gott festgehalten haben, ganz gleich, wie lange es auch dauert.

Es mag sein, daß es trotz aller Anzeichen noch lange dauern wird mit dem Ende der Welt. Aber für uns ist wichtiger, daß sehr bald unser persönliches Leben ein Ende hat. Deshalb sollten wir uns darum mehr kümmern als um die mehr neugierige Frage, wann denn nun alles aus sei.

Für uns wird entscheidend sein, daß wir uns einmal vor Gott zu verantworten haben. Er wird uns nur nach unserem eigenen Leben fragen und nicht, was so allgemein gewesen ist und was wir darüber denken. Deshalb ist es so wichtig, wie wir uns hier und heute verhalten und in unserem Leben bewähren. Es mag sein, daß man einmal wankend wird. Jeder Christ hat auch einmal schwache Stunden. Entscheidend ist, daß wir dennoch wieder auf der richtigen Weg zurückfinden und bis zum Ende durchhalten.

Einer der gefährlichsten Feinde für unsren Glauben ist der Tod. Er will uns immer einreden: Eines Tages ist doch alles aus, dann wird dein Leben spurlos ausgelöscht sein und damit auch keinen Sinn gehabt haben; so sinnlos wie der Tod wird dann auch das Leben gewesen sein. Solche Gedanken können uns schon einmal kommen. Gott aber will uns mit seinem Wort wieder Mut  machen, an die Zukunft bei ihm zu glauben. In dieser Welt mag es manchmal turbulent zugehen. Es mag manches geben, das uns von Gott abbringen will. Aber wir können am Ende doch gerettet werden.

Dazu verhilft uns Jesus Christus. Er ist den Weg durch alle Mühsal und Wirrnis dieses Lebens vorausgegangen. Er hat uns den Weg zu dem Retter gezeigt und hat selber zu dieser Rettung mit beigetragen, indem er sein Leben für uns einsetzte.

Die Seligkeit ist also nicht ein liebliches Schlaraffenland, sondern ein Leben bei Gott ohne alle Mühe und Wirrnis dieses Lebens. Seligkeit bedeutet Rettung vor dem Bösen und vor der Macht des Todes.

Das ist uns verheißen, wenn wir an Gott festhalten und beharrlich sind bis ans Ende unseres Lebens. Dann wird Gott nämlich auch beharrlich sein über das Ende unseres Lebens hinaus. Er hat die Möglichkeit, noch an uns festzuhalten, wenn dieses irdische Leben ein Ende hat.

Gott hat ja den ersten Schritt getan. Er hat uns ins Leben gerufen und uns in der Taufe zu seinem Kind gemacht. Er hat uns dann ein ganzes Leben über geführt und geleitet. Nun wird er uns auch am Ende nicht im Stich lassen.

In dieser Gewißheit können wir auch von diesem (dieser) Entschlafenen Abschied nehmen. Wenn man bekannt hat bis ans Ende, dann wird sie auch selig werden. .Dann hat Leben einen Sinn gehabt und wird einen guten Ausgang nehmen: Gott wird dann bei uns sein, wie im Leben, so auch im Tod.

 

„Wachet, denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird!“                                                                                              (Mt 25,13)

Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir doch sagen: Wir leben so ziemlich in den Tag hinein. Wir gehen morgens zur Arbeit und sind guter oder weniger guter Dinge. Wir haben unsre Aufgaben und Ziele. Es gibt auch einmal Probleme und Schwierigkeiten. Aber unser Leben spult sich doch ab, als müsse es kein Ende haben und als hätten wir noch ewig u leben.

Aber ein Tag geht auch schnell herum. Und je älter man wird, desto schneller fliegen wohl die Tage und Jahre vorüber. Aber wir meinen doch alle, wir hätten noch unendlich viele Tage vor uns.

Letztlich kann man ja auch gar nichts anders, als so zu leben. Was wäre das denn für ein Leben, wenn wir jeden Augenblick nur mit dem Gedanken beschäftigt wären, in der nächsten Stunde kann es zu Ende sein!? Wir würden doch verkrampft und wären unsres Lebens nicht mehr froh; wir könnten gar nicht mehr unsre alltäglichen. Pflichten und Aufgaben wahrnehmen, weil wir immer dächten: Es ist ja doch vergebliche  Mühe!

Wir klammern uns doch alle an das bißchen Leben. Wir möchten etwas leisten und hinterlassen. Das ist menschlich gesehen nur zu verständlich. Wir wollen eben nicht einsehen, daß wir letztlich nur Gäste auf dieser Erde sind und eines Tages wirklich, alles hinter uns lassen müssen. Wer weiß denn, wenn er morgens aus dem Hause geht, ob er abends wiederkommt oder ob er wieder aufwacht, wenn, er zu Bett geht

 

Unser Denken ist also zwiespältig: Auf der einen Seite müssen wir einfach so leben, als. Hätten wir noch ewig Zeit. Aber auf der anderen Seite wissen wir eben doch, daß es ein Ende mit uns haben muß und wir davon müssen. Nur wissen wir eben nicht, wann dieser Tag gekommen ist. Es kann heute noch sein oder morgen oder erst in einem Jahr oder in 10 oder 50 Jahren. „Ihr wißt weder Tag noch Stunde!“ sagt uns Jesus.

Von daher kommt auch unsre geheime Angst. Hier liegt ein Unsicherheitsfaktor über unsrem Leben, den wir nicht in den Griff kriegen können. Vieles können wir Menschen machen und manches wird noch möglich werden. Aber hier kommen wir an eine Grenze, wo alle menschliche Kunst versagt. Das macht den Tod so unheimlich, wenn wir wissen; Er ist unausweichlich; es ist. Nur unsicher, wann er kommt.

Manchem mag das so vorkommen wie ein lauerndes Tier, das irgendwo im Dunkeln sitzt und uns plötzlich anfal­len kann. Doch es ist ja nicht ein blindes Schicksal, das uns überraschend überfällt, sondern es ist der Menschensohn, es ist Jesus Christus, der uns begegnet. Er kommt nicht wie ein Polizist, der einem die Hand auf die Schulter legt und sagt: „Los, mitkommen!“ sondern eher wie ein alter Bekannter, den wir treffen und der zu uns sagt: „Komm doch bitte mit, ich möchte dir etwas zeigen!“ Es kommt nicht eine anonyme Macht, sondern ein guter Freund, den wir alle schon aus unsrem irdischen Leben gut kennen sollten.

Dann brauchen wir auch keine Angst zu haben und es ist auch ziemlich gleichgültig, w a n n  es geschieht. Wenn ein guter Freund zu uns kommen will, freuen wir uns doch darüber und versuchen nicht, ihm aus dem Weg zu gehen. Nur muß jetzt schon klar sein, daß es wirklich ein guter Freund ist. Diese Erfahrung muß man jetzt schon machen, wir müssen jetzt schon mit diesem Jesus vertraut werden, sonst wird es nachher auch nichts mehr.

Ein Freund, der viel für uns getan hat, kann aber auch dann etwas fordern. Auch wenn er überraschend kommt, will er uns nicht unvorbereitet treffen. Nicht ohne Grund steht am Anfang des Verses: „Wachet! Seid so vor­bereitet, daß ihr jederzeit alles stehen und liegen lassen könnt, um mitzukommen!“

Der Vers steht ja am Schluß der Geschichte von den klugen und törichten Jungfrauen, von denen nur die klugen vorbereitet waren und mit zur Hochzeit konnten. Ja, es ist in der Tat eine Hochzeitsfeier, die uns bei Gott erwartet; es kommt nicht ein finsteres Loch ohne Sinn und Zweck, sondern ein Freudenmahl in der himmlischen Heimat.

Darauf lohnt es sich doch zu warten, nicht voller Angst und Besorgnis, sondern eher mit Freude und Spannung. Es braucht keiner zu erschrecken, wenn er bereit ist. Auch wenn wir Zeit und Stunde nicht wissen, so ist uns doch gewiß: Unser Herr kommt! Diesem Herrn können wir uns getrost anvertrauen, denn er weiß schon, was das Beste für uns ist. Wir müssen ihm nur zutrauen, daß er Zeit und Stunde unsres Endes und das Ziel unsres Lebens weiß und es zum guten Ende führen wird.

 

„Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“                                    (Mt 28,20)

Mancher wird am Grab eines lieben Menschen sagen: „Was ist schon der Mensch? Er ist doch nichts!“ Wenn sein Leben vorüber ist, dann muß er sterben und so gut wie nichts bleibt noch von ihm übrig. Aber das klingt so enttäuscht und so hoffnungslos. Natür­lich ist es äußerlich gesehen so; Wir sind aus Erde und werden wieder zu Erde werden! Oder sagen wir es etwas moderner: Wir sind Materie und werden wieder zu Materie werden.

Auch wird alles, was wir geschaffen und erreicht haben, doch hinfällig im Augenblick des Todes. Nur die Erinnerung bleibt. Aber die verblaßt doch auch mit der Zeit, auch wenn wir das nicht wollen und jedem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren möchten.

Wo haben wir denn da einen festen Halt in unserem Leben? Wo erhält unser Leben einen Sinn und ein Ziel? War alles nur vergeblich? War es so gut, als sei überhaupt nichts geschehen? Was bleibt, wenn man Abschied nehmen muß?

Jesus sagte seinen Jüngern zum Abschied: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Matthäus hat es uns am Schluß seines Evangeliums gewissermaßen als das Vermächtnis Jesu aufgeschrieben.

Gott ist bei unserem Leben immer mit dabei: bei der Geburt und beim Tode, bei Tag und bei Nacht, bei Arbeit und Ruhe. Das kann uns manchmal erschrecken, wenn wir daran denken, wie nah Gott immer bei unserem Tun ist. Er sieht unsre Erfolge und Wohltaten. Er sieht aber auch unser Versagen und wie wir uns oft gegenseitig das Leben schwer machen.

Kein Mensch ist vollkommen. Deshalb muß er ja auch sterben. Wir werden immer wieder - bewußt oder unbewußt - schuldig gegenüber Gott und den Menschen. Deshalb werden wir von Gott gerichtet. Aber er fragt nicht zuerst danach, ob einer gut oder böse war, ihm geht es darum, ob einer Glauben gehabt hat.

Wenn Jesus zu uns sagt: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!?“ dann will er auch von uns wissen, ob w i r  bei  i h m  geblieben sind. Von seiner Seite her ist alles klar. Aber wir werden gefragt, ob wir auch bei ihm bleiben wollen.

Wenn ein Kind zu seiner Mutter sagt: „Ich bleibe immer bei dir!“ 'dann tut es das auch nur, weil es weiß: Bei der Mutter hat man es gut, da darf man sich immer wohlfühlen, da kann nichts passieren.

Wenn man von den Eltern weggeht, dann hat man es nicht mehr so gut. Das geht schon  los, wenn das Kind in den Kindergarten oder in die Schule muß. Kinder werden aber auch einmal groß und selbständig und machen sich von den Eltern unabhängig.

Wenn Eltern klug sind, dann lassen sie ihre Kinder auch gehen. Sie werden auch dann noch die Eltern bleiben, wenn die Kinder etwa gar nichts mehr von ihnen wissen wollen. Wenn die Tür immer offen bleibt, dann werden die Kinder um so eher wieder zurückfinden.

Vielen Menschen geht es aber auch mit Gott so. Wenn sie größer geworden sind, dann meinen sie: Wir kommen auch ohne Gott aus, ohne Gebet und ohne Sonntag, ohne Bibel und ohne Gesangbuch. Wir gehen einfach in die Welt, an unsre Arbeit und zu unsrem Vergnügen, aber um Gott kümmern wir uns nicht.

Jesus aber sagt uns. „Ich bleibe bei euch alle Tage!“ Er gibt uns diese Verheißung mit, trotz allem, was auch geschehen mag. Zunächst fragt er nicht danach, ob wir auch bei ihm bleiben wollen und wie wir uns zu ihm stellen. Er läßt uns erst einmal laufen.

Doch am Ende sagt er uns: „Ich kenne nur die, die sich schon immer zu mir gehalten haben. Was soll ich denn jetzt mit denen, die sich ihr ganzes Leben nicht um mich gekümmert haben?“

Die beste Vorbereitung auf das Sterben ist also: sich jetzt schon in diesem Leben zu Gott halten! Gott bietet uns seine Gemeinschaft an. Wir dürfen die Verheißung hören: „Ich bin bei euch im Leben und im Tod. Der Tod ist kein Einschnitt, mit dem alles aus ist, sondern nur der Übergang in eine andere Form des Lebens. Auch nach= her ist Gott bei uns. Seine Tage haben dann noch kein Ende!“

Deshalb ist es gut, wenn wir immer bei Gott bleiben. Selig sind die Menschen, die sagen können, wie es in einem Lied für Kinder heißt: „Leb ich, Gott, bist du bei mir, sterb ich, bleib ich auch bei dir, und im Leben und im Tod  bin ich dein, du lieber Gott!“

Fürchte dich nicht‚ glaube nur!                                                                       (Mk 5,36)

Von Trauernden erwartet niemand, daß sie ihre Trauer von heute auf morgen überwinden. Als Christen werden wir auf  Christus hingewiesen‚ der uns helfen will‚ alle Trauer zu überwinden. Aber wir denken doch eher an den Verstorbenen als an  Christus. Ihn wird das nicht

stören. Er kann warten und wendet sich nicht von denen ab‚ die 'im Augenblick nur trauern können.

Erst nach einiger Zeit wird es möglich sein, das Schicksal eines Verstorbenen zusammen zu denken mit dem Leiden und Sterben Jesu Christi. Dann können wir uns daran erinnern: Jesus hat es auch nicht leicht gehabt. Er hat schon zu seinen Lebzeiten viel leiden müssen durch Anfeindung, Unverständnis, Unglaube‚ durch Entsetzen über die Krankheit:

Auch Jesus hat erleben müssen‚ daß Menschen um ihn herum sterben mußten. Da waren sicher auch ganz besonders schwere Fälle dabei wie der der Tochter des Jairus. Jesus konnte nicht in jedem Fall helfen‚ denn es ist nun einmal das Los der Menschen zu sterben. Aber

wenigstens in Einzelfällen wollte Jesus zeigen, was die Menschen nach dem Tod erwartet. Deshalb hat er die Tochter den Eltern wiedergegeben‚ damit, alle Menschen glauben können: So wird Gott uns alle auferwecken am Jüngsten Tag.

Gleichzeitig hat er damit zeigen wollen, was mit ihm nach seinem Tod geschehen wird: Gott wird ihn nicht im Tode lassen, sondern ihn auferwecken. Der Unterschied zur Tochter des Jairus wird nur sein: Diese ist eines Tages endgültig gestorben‚ während Jesus in Ewigkeit bei Gott lebte und lebt. Wenn aber Christus lebt, dann können wir daraus die Gewißheit entnehmen: auch der (die) Heimgegangene wird leben! Das ist nicht falsches Wunschdenken, sondern Christus läßt unsere Sehnsucht nach wahrem Leben in Erfüllung gehen.

Beachten wir: Jesus sagt sein „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ als noch keine Wende in Sicht ist. Die Tochter ist noch tot und es besteht keine Hoffnung. Aber der Vater wird aufgefordert, zu glauben und sich nicht zu fürchten‚ sich nicht von vornherein geschlagen zu geben von der Gewalt des Todes. Das soll auch uns heute gesagt sein‚ wenn wir um einen verstorbenen Menschen trauern.

Jeder Todesfall in unserer Mitte stellt die Frage an uns, ob wir uns der Wahrheit Gottes öffnen wollen. Gott will uns helfen mit solchen Geschichten wie der von der Auferweckung der Tochter des Jairus, mit anderen Bibelworten und Gesangbuchliedern. Jeder hat die Möglichkeit sich von Gott trösten zu lassen, wenn er nur will.

Wer sich aber gegen Gott entscheidet, der hat schon das Gericht an sich selber vollzogen. Der hat keine Hoffnung über den Tod hinaus und sein Leben ist im Grunde sinnlosgewesen. Dan ist es auch im Grunde gleichgültig, ob die Welt bald untergeht oder nicht: Wer sich jetzt von Gott trennt, für den ist es schon so, als habe alles ein Ende.

Jesus kämpft um den Menschen, solange er noch lebt. Er will die Gewißheit vermitteln: Wer sich an Gott hält, dem kann geholfen werden. Er erhält schon Anteil an der Kraft und Herrlichkeit Gottes. Er wird die Probleme seines Lebens bewältigen können und auch dem Tod getrost entgegensehen können. 

Wir müssen zwar einmal durch den Tod des Körpers hindurch. Aber in uns ist etwas, das nicht verloren  gehen wird. Man, mag es „Seele“ nennen oder „Person“ oder sonstwie, etwas von uns bleibt. Es ist aber nicht nur ein göttlicher Funke in uns, sondern der ganze Mensch wird bei Gott weiterleben.

Allerdings wird Gott uns mit einem neuen Leib ausstatten, so wie man etwa ein neues Gewand überzieht. Aller Schmutz dieser Welt wird dabei abgetan sein und wir werden vor Gott rein dastehen können. Alle Vergänglichkeit dieses Lebens wird aufhören, aller Schmerz und alles Leid. Und dann wird auch endgültig deutlich werden, daß sich ein Leben mit Gott lohnt, heute und in Ewigkeit.

Nur wird es dazu nötig sein, immer mehr in der  Erkenntnis Gottes voranzuschreiten und sich. auf seine Worte zu verlassen. Darum sollten wir uns mühen, solange unser Leben währt. Wenn wir das tun, werden wir Frieden mit  Gott erlangen und seine Gnade von Tag zu Tag neu erfahren können. Dann werden wir auch den Tod eines lieben Menschen bewältigen können. Wer glaubt, der braucht keine Furcht zu haben!

 

Er (der Herr) hat alles wohl gemacht                                                              (Mk 7,37)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann körnen wir doch zunächst einmal nicht so ohne weiteres sagen: „Der Herr hat alles wohl gemacht!“ Von den meisten Menschen wird der Tod doch als ein großes Unglück empfunden; und er ist es ja auch. Menschen, die jahrelang und jahrzehntelang miteinander gelebt haben, werden auseinandergerissen. Pläne, die man noch gehabt hat, lassen sich nicht mehr verwirklichen. Die Arbeit des Lebens ist zu Ende und andere Menschen führen sie weiter.

Dennoch körnen wir gerade im Angesicht des Todes in gewisser Hinsicht auch sagen: „Der Herr hat alles wohl gemacht!“ Man wird nur etwas tiefer nachdenken  müssen, um zu dieser Einsicht zu gelangen -im Grunde kann man einen solchen Satz nur aus einem .festen und gewissen Glauben  heraus sagen.

Hier unterscheidet sich eben das Reden eines Christen an einem Sarg von dem Reden eines

Nichtchristen. Dieser kann doch nur in Klagen ausbrechen über den Verlust, den man erlitten hat. Man kann das sogenannte „Schicksal“ anklagen und vielleicht noch einen Menschen nachträglich wegen seiner Verdienste in den Himmel heben. Aber man wird nicht sagen: „Der Herr hat alles wohlgemacht!“Das würde man in einem solchen Fall sogar als Hohn empfinden.

Sicherlich wird auch ein Christ Schmerz empfinden.  Es wäre ja unnatürlich, wenn es nicht so wäre. Aber wir dürfen doch auch eine Hoffnung  haben und mit Vertrauen in die Zukunft blicken .Aus dem Glauben heraus dürfen wir sagen: Was auch geschieht - der Herr macht es wohl!

Das kann man zunächst einmal am Leben des Verstorbenen ablesen. Er hat es doch zu etwas gebracht im Leben. Er hat viele Jahre arbeiten dürfen und auch vielen Menschen durch seinen persönlichen Einsatz geholfen. Bis ins Alter war er bei Kräften und hat seinen Beruf ausüben können. Über ….Jahre hat er mit seiner Frau in der Ehe gelebt und Freud und Leid mit ihr geteilt. Und auch wenn die letzten Monate seines Lebens von Krankheit gezeichnet waren, so ist diese Zeit doch sicherlich nicht sinnlos gewesen.

In dieser Geschichte aus Markus 7 geht es ja um die Heilung eines Taubstummen. Jesus rührt ihm die Ohren und die Zunge an und er kann wieder hören und sprechen. Die Menschen wundern sich darüber und sagen: „Er hat alles wohl gemacht!“

Wenn wir das doch nur auch immer sagen könnten! Ja, wenn ein Mensch wieder gesund wird, dann ist das eine Wohltat. Daß eine Krankheit aber auch eine Wohltat Gottes sein kann, das werden wir nicht so ohne weiteres erkennen können.

Aber denken wir nur einmal daran, wie schlimm eine Krankheit einen Menschen mitnehmen kann. Mancher hat monate- und jahrelang schwer zu leiden, hat Schmerzen und trübe Gedanken. Wie mancher hat doch schwer zu kämpfen,  bis alles überstanden ist, ob er nun ein gläubiger Mensch war oder nicht.

Mancher fällt auch plötzlich um und ist tot. Wie groß ist doch dann der Schreck für die Angehörigen! Manche sagen zwar, das sei ein schöner Tod. Aber es hat doch auch etwas für sich, wenn man sich langsam auf den Tod vorbereiten  kann. So mag eine solche langsame Krankheit in gewisser Hinsicht auch eine Wohltat Gottes sein.

Die größte Wohltat aber ist, daß Gott uns nicht im Tode lassen wird. Er verheißt uns ein neues Leben ohne Krankheit und Mühen in ungestörter Gemeinschaft mit ihm. Das erst hilft uns, den Tod zu ertragen, das erst gibt uns das Recht zu sagen: „Er hat alles wohl gemacht!“

Nicht immer wird die Heilung am Erde der Krankheit stehen. Einmal kommt auch unser letzter Tag, an dem es keine Hilfe mehr von Seiten der Menschen gibt. Aber dann dürfen wir darauf vertrauen, daß auch dies der Wille Gottes ist.

Er will uns nicht ausschließen aus dieser Welt, aber er will uns hinein holen in sein Reich. Diese positive  Seite des Sterbens sollten wir vor Augen haben, wenn einmal unsere letzte Stunde kommt. Gott will es auch mit uns wohl machen. Schon jetzt in unserem Leben, das noch unter vielen Sorgen und Mühen steht, und erst recht, wenn dieses Leben einmal ein Ende hat. In seiner Hand  sind unsere Toten und wir selbst; das kann uns auch am heutigen Tag und in der Zukunft mit Zuversicht erfüllen.

 

Herr, nun  lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen!                                                                  (Lk 2,29-30)

Es ist gut, wenn sich ein Mensch in seinem Leben als Diener Gottes verstanden hat. Das Wort „dienen“ ist zwar nicht mehr modern, weil es an Unfreiheit und Unterdrückung erinnert. Aber Gott möchte unseren Dienst ja nur, wenn wir ihn freiwillig und gern tun; er sucht unser Einverständnis.

Wer Diener Gottes sein will, wird aber auch Diener der Menschen sein müssen. Er wird nicht nur an sich selber denken können, sondern er wird das Wohl aller Menschen seiner Umgebung im Auge haben. Wenn wir Gott gewisse Wohltaten erweise wollen, dann verweist er uns an den Mitmenschen.

Dort können wir zeigen, wie unser Glaube praktisch  aussieht. Wenn wir Frieden mit Gott haben, dann werden  wir auch Frieden mit den Menschen halten können. Dann werden wir  auch an jedem Tag unser Leben abschließen können, ohne Angst vor der Zukunft haben zu müssen und wir werden m Frieden heimgehen können.

Aber wie sieht es in unsrer Welt oft aus? Da gibt es Kriege und Hungersnöte, Umstürze und innerer und äußerer Verfall. Der einzelne Mensch erfährt daran immer wieder seine  Ohnmacht. Und wenn er wirklich meint, er habe etwas geschaffen, dann muß er doch immer in der Angst leben, ob ihm das nicht alles wiedergenommen werden wird. In einem langen Leben erfährt man immer wieder Enttäuschungen und Mißerfolge. Unser Leben ist ein unermüdlicher Kampf, in dem es wenig Ruhepunkte gibt.

Und der  letzte Feind, der uns dann überwindet, ist der Tod. Krankheit und Schmerz, körperlicher Verfall und mangelndes Lebensinteresse sind seine Vorboten. Wir wissen alle, daß wir einmal sterben müssen. Aber oft leben wir doch so, als ob es den Tod nicht gäbe. Jeder Mensch, der von uns genommen wurde, mahnt uns an den eigenen Tod und stellt uns die Frage: „Bist du auf den Tod vorbereitet? Hast du Frieden mit Gott?“

Nicht wir können diesen Frieden herstellen, er kann uns nur geschenkt werden. Manche Leute sagen ja: „Laßt uns nur erst Frieden unter den Menschen schaffen, dann kommt unser Verhältnis zu Gott ganz von selber ins Reine!“ Mit Gewalt versuchen sie dann, Frieden zu schaffen. Aber das Ende sind Chaos und Unterdrückung.

Wir Christen sagen es andersherum: „Wenn wir Frieden haben mit Gott, dann regelt sich das Verhältnis zu den Mitmenschen ganz von selbst!“ Gott will uns dazu helfen, indem er uns seinen Frieden anbietet. Wir brauchen ihn nicht darum zu bitten und zu betteln, er geht selber auf uns zu. Doch nicht immer nehmen wir dieses Geschenk an und dann herrscht Unfrieden. Die Bibel bezeichnet diesen Kriegszustand mit Gott als „Sünde“ und sagt: „Weil wir alle sündige Menschen sind, müssen wir einmal sterben!"

Aber der Tod ist nicht das Letzte. Gott streicht ja alles durch in unserem Leben, was nicht richtig war, und gibt uns somit seinen Frieden. Das hat der alte Simeon erkannt, als das Jesuskind in den Tempel gebracht wurde. Er erkannte: „Jetzt kann meine Sehnsucht gestillt werden. Jetzt ist endlich ist der Heiland da, der die Schuld vor mir wegnimmt und mein Leben rundum in Ordnung birgt!

 Deshalb spricht er: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen!“ Wer das sprechen kann, der ist durch den Tod hindurch­gerettet zu Gott. Dem kann der Tod in seiner letzter Stunde nichts mehr anhaben, sondern er kann vertrauensvoll sagen: „Lieber Gott nimm mich doch hin zu dir!“

Doch retten kann uns nur der Anblick des gekreuzigter Jesus, den Gott von den Toten auferweckt hat. Das wußte auch Simeon, als er sprach: „Meine Augen haben deinen Heiland gesehen!“ Er wußte: Dieser Heiland hält, was er verspricht. Weil er lebt, sollen auch wir mit ihm leben und eine Zukunft haben.

W i e  das vor sich gehen soll und wo das sein wird, wissen wir nicht. Aber eins wissen wir ganz sicher: Gott hat Frieden mit uns gemacht. Er verheißt uns auch die Auferstehung, wenn wir ihm glauben, daß er uns aus dem Tode retten kann. Unser Leben hat einer Sinn gehabt, wenn es auf Gott zuläuft.

Dieses Wissen kann uns aber auch jetzt schon Sicherheit und Gelassenheit verleihen. Wenn unsere Zukunft gesichert ist, dann können wir auch die Gegenwart mit Freude anpacken, unsere Aufgaben erfüllen und im Sinne Gottes wirken. Dann können wir auch getröstet von einem lieben Menschen Abschied nehmen und ihn der Gnade Gottes anbefehlen. Und eines Tages werden wir selber  getrost mit aller Zuversicht bekennen: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen!“

 

Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist! (Lk 2,49 )

Dieser Spruch steht ja in der Geschichte vom  zwölfjährigen Jesus im Tempel. Die Eltern fragen da ihren Sohn, wo er denn solange gewesen sei. Und da sagt er ihnen: „Ich war doch im Tempel, ich gehöre doch in das Haus meines himmlischen Vaters!“

Müßte man das nicht eigentlich von jedem Christen sagen können? Müßte nicht jeder sagen: „Ich bin gern dort, wo mein Vater ist!“ Verstehen wir das zunächst einmal ganz äußerlich von unserem Gotteshaus: Fast jeden Sonntag war doch der Verstorbene auf seinem Platz in der Kirche zu finden und war ein aufmerksamer Predigthörer. Sicher ist das mit eine Voraussetzung dafür, daß man dort bleibt, wo Gott ist. Ohne das Hören auf sein Wort wird man auch nicht im Tod bestehen können.

Allerdings denken wir oft gar nicht an den Tod. Aber wie schnell und plötzlich kann er einen überfallen. Manchmal denkt man: Jetzt mußt du dich darauf vorbereiten; aber er geht wieder vorüber. Doch dann auf einmal steht er unausweichlich vor uns und es gibt kein Entrinnen. Es könnte fast so aussehen, als sei das ein unausweichliches Geschick, das uns plötzlich überfällt.

Man kann es aber auch anders verstehen, wenn man sich diesen Spruch zum Vorbild nimmt. Warum sollte man nicht auch in Bezug auf den Tod sagen können: „Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?“ Der Tod ist nicht ein blindes Schicksal, sondern der notwendige Weg zu Gott.

Wir wollen unseren Blick auch auf die andere Seite  lenken. Gewiß, wir, die wir den Verstorbenen gekannt haben, sind heute traurig, weil er nicht mehr bei uns ist. Aber dieser Abschied ist ja nur die eine Seite des Todes. Vor uns liegt aber die  Rückkehr  ins Vaterhaus. Wir haben uns unser Leben nicht selber gegeben. Wir sind nur ausgesandt von unserem himmlischen Vater in diese Welt. Wir dürfen unser Leben leben. Aber dann ist es Zeit, wieder ins Vaterhaus zurückzukehren, wo wir eigentlich hingehören.

Mancher hat das ja vergessen und hat sich innerlich und äußerlich von seinem Vaterhaus entfernt. Fast könnte es so scheinen, als sei er ganz den Augen des himmlischen Vaters entschwunden. Aber spätestens in der Todesstunde ruft Gott uns wieder zu sich und beruft uns aus dieser Welt ab.

Mancher fürchtet  diesen Augenblick, wenn er auch vielleicht sehr sicher tut. Aber wer ein schlechtes Gewissen hat, traut sich nicht heim. Nur wer sein Leben in jedem Augenblick in Ordnung gebracht hat, kann getrost dieser letzten Stunde entgegengehen. Im Gegenteil: Er wird sich vielleicht sehr danach sehnen, wieder ganz mit Gott vereint zu sein. Für ihn ist es dann ein großer Augenblick, wenn aller Kampf und Streit dieser Welt ein Ende hat und nur noch Gottes Reich bevorsteht.

Überlegen wir uns doch einmal für einen Augenblick, was uns da von unserem himmlischen Vater verheißen. ist: Wir sollten nicht immer an dem kleben, was wir verloren haben, sondern auf das schauen, was uns verheißen ist. Natürlich können wir uns das immer nur in  Bildern  deutlich machen. Heute soll einmal vom „Vaterhaus“ die Rede sein.

Im Vaterhaus kennt man sich aus, dort ist alles vertraut. Man sehnt sich immer wieder nach dort zurück,. auch wenn es vielleicht anderswo zunächst schöner zu sein scheint. Aber das Vaterhaus kann einem niemand ersetzen. Doch das liegt nicht an dem Haus an sich, das könnte uns gleichgültig bleiben. Entscheidend ist, daß dort der Vater ist; und dort sind auch die Brüder. Wir wissen also, zu wem wir kommen. Und weil wir zu diesem Vater bedingungsloses Vertrauen haben, können wir uns auch getrost zu ihm aufmachen. Wir gehen nicht ins Ungewisse, sondern zu dem, der uns kennt und den wir schon lange kennen.

Das ist heute vor allem denen gesagt, die um den (die)  Entschlafene (n) trauern. Die Eltern Jesu haben sicher auch nicht verstanden, weshalb ihr Sohn nicht bei ihnen geblieben ist, sondern daß es ihn anderswo hingezogen hat. Deshalb sollten wir auch diese (n) Entschlafene(n) ruhig zu seinem Vater ziehen lassen und wissen: Er (Sie) ist dort gut aufgehoben, er ist nur bei dem Vater, der auch unser Vater ist und zu dem wir auch kommen werden.

Doch vergessen wir nicht: Es ist des Vaters Haus.  Wir können nicht daran bauen, wir können nichts dazu beitragen, daß es ein großes und schönes Haus wird. Wir können auch  nichts dazu tun, daß wir überhaupt hineinkommen. Es ist immer die freie Entscheidung Gottes, der uns zu seinen Kindern annimmt. Dennoch werden wir natürlich aufgefordert, im Blick auf diese Zukunft zu leben; nicht um einmal Lohn dafür einzuheimsen, sondern weil das für Kinder Gottes selbstverständlich ist.

So wollen wir dann unser Leben weiterführen in der Verantwortung vor Gott. Wir wollen den Entschlafenen der Gnade Gottes befehlen und getröstet wieder an unser Tagwerk gehen. Wenn wir uns zu unsrem himmlischen Vater halten, können wir nicht verloren gehen, weder in diesem Leben noch in dem Leben bei Gott.

Und wenn einmal unsere letzte Stunde kommt, dann sollten wir auch sagen können: „Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist!“ Wir sollten es zu uns selbst sagen, aber auch zu den Angehörigen, die trauern. Wir gehen alle diesen Weg, aber es ist doch nur ein Weg zu Gott !

 

Jesus sprach: Weint nicht! Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft! Er nahm sie bei der Hand und rief und sprach: Kind stehe auf!         (Lk 8,52 -54)

 

Wenn  ein Mensch gestorben ist, dann weinen wir. Selbst wenn er schon länger krank war und wir damit haben rechnen müssen oder wenn er sehr alt war, so tut es uns doch sehr weh, daß ein lieber Mensch nicht mehr bei uns sein kann. Die Stunde des Abschieds ist immer schwer.

Dennoch finden wir uns meist sehr bald mit der Tatsache des Todes ab. Wir sagen uns: Sterben muß jeder einmal, da können wir nichts daran ändern, gegen den Tod ist kein Kraut  gewachsen!  Und so richten wir uns darauf ein, daß unser Leben ja weiter geht, bis uns einmal das gleiche Schicksal ereilt.

Jesus aber gerät in Wut über eine solche Einstellung. Er möchte nicht, daß wir in diese Hoffnungslosigkeit verfallen, daß wir uns schon vor dem Tod zurückziehen, ehe wir überhaupt mit ihm gekämpft haben. Jesus sieht immer noch einen Weg, wo wir keinen Ausweg mehr zu erkennen meinen.

Die anderen aber lachen nur über ihn. Sie haben, kaum daß das Mädchen die Augen zugemacht hat, schon mit den Beerdigungsfeierlichkeiten begonnen. Da läuft nun mit einer unheimlichen Genauigkeit eine Maschinerie ab, der sich keiner entgegenzustellen wagt. Wenn einer gestorben ist, dann muß man halt das und das machen: da muß man klagen und Leute bestellen und alles in Ordnung bringen.

Nur Jesus stellt sich dieser ins Rollen gekommenen Lawine entgegen. Für ihn ist nichts hoffnungslos und endgültig verloren. Jesus weiß zwar, daß er einem seiner schlimmsten Feinde gegenübersteht, nämlich dem Tod, der die Menschen in seine Gewalt bringen will. Aber er weiß einen hinter sich stehen, der noch stärker ist.

Jesus verläßt sich auf Gott, der dem Menschen das Leben gegeben hat, der es ihm letztlich auch wieder nimmt - der aber auch das Leben wieder neu machen kann. Gott ist der Herr über Leben und Tod. Er bestimmt das Ende unsres Lebens, er entscheidet auch darüber, ob uns ein neues Leben in seiner Nähe geschenkt werden wird.

Im Vertrauen auf diese Macht Gottes kann Jesus deshalb sagen: „Weint nicht, sie schläft nur!“1 Die anderen lachen nur darüber, so wie heute auch viele Leute über die christliche Verkündigung von Auferstehung und ewigem Leben lachen. Es widerspricht ja auch alles dem Augenschein und der Vernunft.

Aber Jesus sieht einen Toten schon mit den Augen Gottes. Und für Gott ist der Tod nur wie ein Schlaf. Er wartet nur darauf, bis es Zeit ist, wieder von diesem Schlaf aufzustehen. Gott wird die Toten dann wieder aufwecken, so wie ein Mensch früh am Morgen aus dem Schlaf geweckt wird.

Was uns aber erst für das Ende der Zeit verheißen ist, das nimmt Jesus hier in diesem Einzelfall schon einmal vorweg: Er faßt das Mädchen an, so als habe es nur geschlafen und als brauche man es nur wieder aufzuwecken. Wir wissen alle, daß der Tod etwas anderes ist als der Schlaf, auch daß uns eine Totenauferweckung nicht möglich ist, weil nur Gott dazu die Macht hat. Aber wir dürfen doch darauf vertrauen, daß Gott am Ende der Tage uns und alle Toten wieder auferwecken wird, so als sei nichts gewesen.

Jesus setzt mit der Auferweckung dieses Mädchens ein Zeichen der Hoffnung. Er will und kann es nicht mit allen so machen. Aber er will uns ein Beispiel geben für das, was noch kommen soll. Damit aber gibt er uns den Mut, unsren eigenen Tod zu bestehen. Denn wenn man eine Hoffnung hat, kann man doch den nächsten schweren Schritt leichter tun.

Erst hatte der Tod nach dem Mädchen gegriffen. Nun ergreift Jesus ihre Hand und richtet sie wieder auf. Nun kann niemand sie wieder von der Hand Gottes losreißen, auch nicht der Tod.

So dürfen wir auch darauf vertrauen, daß Gott schon die Hand unsrer Toten ergriffen hat. Er wird auch uns einmal an der Hand nehmen und hinführen in sein Reich. Deshalb können wir auch getröstet und zuversichtlich in die Zukunft schauen. Der Tod wird nicht ewig Macht über uns behalten, sondern Gott wird unser Herr sein, heute und allezeit.

 

„Laßt sie in Frieden! Sie hat getan, was sie konnte!“                                  (Lk 14,6.8)

Diese Worte stehen in der Geschichte von der Salbung Jesu. Kurz vor seiner Verhaftung sitzt Jesus mit seinen Jüngern zusammen, als eine Frau hereinkommt und sein Haupt mit Öl übergießt. Aber es sind einige Leute dabei, die sich darüber aufregen: „Das ist doch Verschwendung!“ Aber Jesus sagt; „Laßt sie doch in Frieden!“

So geht es eben im Leben zu: Da gibt es Meinungsverschiedenheiten und Streit. Jedem kann man  es sowieso nicht recht machen. Es wird immer jemanden geben, der etwas zu kritisieren hat und es besser weiß, Und besonders wenn jemand schwach und benachteiligt ist, denken die anderen leicht, sie könnten mit ihm machen, was sie wollen.

Aber Jesus tritt für diese armen Menschen ein. Die Starken brauchen  den Arzt ja nicht. Aber die Schwachen haben einen starken Fürsprecher, der mächtiger ist als alle Starken dieser Welt. Das hat er damals gezeigt, als er jene Frau in Schutz nahm, die ihm mit ungewöhnlichen Mitteln die Ehre gegeben hat.

Und so versteht Jesus es auch, wenn ihn heute jemand  ehren will und vielleicht nicht die richtigen Mittel und Wege findet, um sich auszudrücken. Jesus weiß, was einer getan hat und was er nicht mehr hat tun können ohne eigene Schuld.

Kein Mensch kann sagen: Ich habe hundertprozentig alles getan, was ich konnte! Wir sind keine vollkommenen Menschen und machen  alle einmal Fehler. Und deshalb gehören wir im Grunde alle zu den Schwachen. Wir versuchen schon, ein einigermaßen anständiges Leben  zu führen. Aber wir können uns nicht selbst erlösen. Die letzte Vollendung unsres Tuns kann uns nur Jesus geben.

So wollen wir auch am Sargs dieses Menschen nicht seine Vorzüge  und  Nachteile erwägen, nicht Leistungen herausstellen und das Versagen offenlegen. Wir wollen nur erkennen: Jesus hat Verständnis für den Menschen, so wie er ist. Er fällt nicht ein schnelles Urteil, wie es die  Menschen gern tun. Er sagt nicht: Du bist zu nichts mehr nütze! sondern er hat uns von vornherein besser verstanden, als  wir uns selber verstehen.

Deshalb nimmt er uns auch  gegen menschliche Angriffe in Schutz und wehrt unberechtigte Verdächtigungen ab mit dem Satz: „Laßt sie in Frieden!“ Jeder Mensch hat das Seine getan und ist auch dann noch wertvoll, wenn er krank und hilflos ist.

Das Wichtigste für unser Leben ist aber sicher der Schutz vor dem letzten Feind, der uns bedroht: vor dem Tod. Natürlich müssen wir alle einmal sterben. Aber daß es nicht ein Sterben zum ewigen Tod ist, dafür sorgt Jesus. 

Auch zum Tod sagt er: „Laß sie in Frieden!“ Der Tod kann zwar angreifen. Aber er hat seit Christus keine Macht mehr Er mu0 seine Beute wieder herausgeben und den Betreffenden in Frieden lassen.

Nicht umsonst heißt die letzte Ruhestätte der Toten „Friedhof“. Dort finden sie Frieden. Einmal Frieden von den Unruhen des Lebens in dieser Welt. Aber auch Frieden vor der Bedrohung durch den Tod.

Nur einen Augenblick kann der Tod einige Gewalt über den Menschen erlangen. Aber Jesus haut ihn im gleichen Augenblick wieder heraus und bringt ihn zu Gott. Wir Menschen können einiges tun zur Vorbereitung auf den Tod.  Aber das Entscheidende hat immer schon Gott getan: Er hat Christus auferweckt! Und er hat damit das getan, was kein Mensch tun konnte: Er hat den Tod überwunden.

So können und sollen wir uns natürlich auch auf den Tod vorbereiten. Und die beste Vorbereitung ist immer noch, daß wir uns unser ganzes Leben über zu Gott halten. Aber auch wenn wir alles getan haben, was wir tun konnten, dann dürfen wir doch nur sprechen: Wir sind unnütze Knechte!

Wir können uns nicht selber retten. Nur Gott hilft uns über den Tod hinweg. Auf ihn dürfen wir vertrauen in unsrer Not. Er verteidigt uns gegen den Tod und sorgt dafür, daß wir in den ewigen Frieden eingehen können, in den Frieden bei Gott.

Wahrer Friede ist aber nun nicht die äußere Friedhofsruhe, sondern das neue Leben bei Gott. Erst dort kann man gesichert sein vor allem Kampf und Streit, erst dort ist dann alles getan, was Gott tun konnte; erst dann kann man getrost in die Zukunft blicken, indem man nur noch Gott vor Augen hat.

 

Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen!                             (Lk 15,18)

Dieser Satz steht in dem berühmten Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Sohn, der seinem Vater weggelaufen ist, hat in der Fremde nur Böses erfahren müssen. Erst ging es ihm gut. Aber als das Geld all war, verließen ihn alle seine Freunde und er hatte nur noch seinen Vater. Was sollte er anders tun als zu sich selber sprechen: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen!“

Sind wir aber nicht alle solche verlorenen Söhne? Irgendwann kommt für jeden einmal die Zeit, wo er von Gott weggeht. Woanders scheint es sich leichter leben zu lassen. Da muß dann erst jeder selber die Erfahrung machen: Im Ausland ist man im „Elend“, wer von Gott weggeht, dem geht es schlecht.

Nur gut, daß wir dann doch ein Zuhause haben. Jeder Mensch hat seinen Vater im Himmel, zu dem er immer wieder zurückkehren darf. Wenn wir auch manchmal untreu werden - dieser Vater bleibt uns treu. Wir bleiben immer seine Kinder, auch wenn wir ihm vielleicht sehr weh getan haben. Er gibt es nicht gleich auf mit uns, sondern er hält die Tür immer für uns offen.

Bei irdischen Eltern soll es ja manchmal vorkommen, daß sie ihr Kind aus dem Haus werfen. Aber auch dann werden sie doch innerlich immer darauf warten, daß ihr Kind wieder zurückkehrt. Es bleibt ja doch auch weiterhin ihr Kind.

Wieviel mehr wird da Gott auf die Rückkehr seiner Kinde warten, die er ja nicht davongejagt hat, sondern die ihm vielmehr davongelaufen sind. Er hängt an jedem seiner Kinder mit ganzem Herzen und möchte sie alle bei sich haben. Er will für sie da sein und sie sollen für ihn

da sein.

Einmal aber holt Gott alle seine Kinder zu sich, nämlich dann, wenn er ihnen den Tod schickt. Aber dann ist es ja keine freiwillige Rückkehr mehr, sondern dann werden auch die gerufen, die nicht kommen wollten. Der Tod ist ein unerbittliches Geschick, das jeden Menschen einmal trifft. Er ist so unberechenbar, so fremd und unheimlich. Deshalb haben wir ja auch so Angst davor.

Wir würden doch zunächst nicht sagen: Der Tod ist nur eine Heimkehr zum Vater. Dieses Verständnis hat uns erst Jesus gelehrt. Er sah in Gott seinen Vater, der ihn in die Welt geschickt hat und zu dem er wieder zurückkehren wird, wenn es dazu Zeit ist.

Dieser Gott ist aber auch unser Vater. Er hat uns nur in diese Welt geschickt, damit wir hier unser Leben leben. Aber er ruft uns auch wieder zurück. Ein jedes menschliche Leben ist nur ein Zwischenzustand, auch wenn es noch so lange dauert. Es kommt einmal der Tag, wo es Zeit wird, sich aufzumachen und zum Vater zu gehen.

Mancher wird das als einen harten Zwang empfinden. Aber das wird nur so sein, wenn er nicht gern bei diesem Vater ist -vielleicht weil er ein schlechtes Gewissen hat oder von diesem Vater nichts hält. Im allgemeinen kommen Kinder doch gern zu ihrem Vater, auch wenn das Verhältnis getrübt war. Wir könnten doch auch solche Kinder sein, die gern zum Vater kommen. Der Tod wäre dann nicht mehr ein hartes Muß, sondern eine freudige Heimkehr ins Vaterhaus, vor dem man ausgegangen war. So wie jeder alte Mensch gern in sein Geburtshaus und zu den Stätten seiner Jugend zurückkehrt, so könnten wir doch auch zu Gott zurückkehren.

Wir hätten dann das Problem des Todes bewältigt, wenn wir wirklich aus ganzem Herzen sagen könnten: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen!“ Von uns aus würden wir das nicht sagen. Aber vom Glauben her kann man das so sehen und verstehen.

Natürlich können wir nicht von uns aus sagen: „Ich will meinem Leben ein Ende setzen!“ Gott allein bestimmt, wann  wir heimgehen sollen, ob er uns bald heimholt oder uns lange leben läßt, ob wir sehr plötzlich abberufen werden oder lange zu leiden haben. In jedem Fall aber ist es eine Heimkehr zu Gott.

So wie wenn einer nach einer langen Wanderung abgekämpft und verschmutzt wieder nach Hause kommt, so wird es auch sein, wenn wir zu Gott kommen. Dort ist der Tisch dann schon für uns vorbereitet und alles für das Fest gerüstet. Gott freut sich, wenn wir dann endlich dazu kommen und mit an seiner Tafel sitzen.

Deshalb sollten wir uns auch freuen. Wir kommen ja nicht zu Unbekannten. Gott kennt uns ja von Anfang an gut. Jesus ist da, und vielleicht auch mancher, den wir aus unsrem Leben kennen. Es wird bald eine uns vertraute Welt sein, wenn sie auch so ganz anders ist als unsere jetzige Welt.

So wollen wir uns dann auch auf den Weg machen zu unsrem himmlischen Vater. Wir wissen nicht, wie weit dieser Weg noch sein wird. Aber wir kennen das  Ziel: Das Leben im Vaterhaus! Selig ist, wer am Ende seines Lebens mit getrostem Herzen sagen kann: „Ja, ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen!“

 

„Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“      (Lk 23,43)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann erfüllt uns das mit Trauer. Auch wenn er schon älter gewesen ist, auch wenn wir dankbar auf viele gemeinsame Jahre zurückblicken können - es fehlt uns dann doch etwas in unserem Leben. Wir müssen zwar alle mit dem Tod rechnen, aber wenn es uns dann so betrifft, dann ist es doch schwer für uns.

Auch für Jesus ist es nicht leicht gewesen, in den Tod zu gehen. Wir stellen uns das ja leicht so vor, als sei das für ihn ein Spaziergang gewesen, weil er ja wußte, er nachher wieder auferweckt wird. Aber dann müßte es ja auch für uns so leicht sein, weil wir in gleicher Weise ja wissen, da0 es nach dem Tod noch mit uns weiter geht.

Aber Jesus hat alle Not mitgemacht, die wir auch erleiden, wenn wir sterben müssen. Dennoch findet er Zeit, sich um den Menschen neben ihm zu kümmern. Zwei Männer werden mit ihm gekreuzigt. Der eine spottet über ihn und macht dadurch deutlich, daß er auch im letzten Augenblick sein Leben nicht ändern will. Der andere dagegen kehrt noch in der Stunde seines Todes um.

Das sind die beiden Haltungen, die wir grundsätzlich gegenüber Gott und Jesus einnehmen können: Entweder wir verachten ihn oder wir erwarten von ihm die Rettung. Wie wir uns hier entscheiden, das wird eine Rolle spielen, wenn wir einmal sterben müssen. Es ist nur  e i n  Schritt zu Jesus!

Es mag sein, daß wir in unserem ganzen Leben nur wenig Verbindung mit Jesus hatten. Aber im letzten Augenblick können wir noch ganz zu ihm kommen. Dieser eine Mann bereut sein Leben und es kommt noch in Ordnung. Besser ist es natürlich, man weiß sich schon sein ganzes Leben über in der Gemeinschaft mit Christus. Dann kann man auch seiner letzten Stunde ruhiger entgegensehen. Dann weiß man, daß auch der Tod nicht die Verbindung mit Christus zerreißen kann. Dann darf man auch diesen Spruch auf sich beziehen: „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“

Das Wort „heute“ darf man dabei nicht zu sehr pressen. Es gibt ja den alten Streit, wie man sich die Auferstehung vorzustellen habe. Die einen meinen, die Toten würden erst alle aufgehoben und dann irgendwann einmal alle auferstehen. Die anderen dagegen meinen, immer wenn ein Mensch sterbe, werde er auch sogleich auferweckt. Doch an sich ist dieser Streit überflüssig. In der Ewigkeit gibt es sowieso keine Zeit mehr. Ob die Auferweckung nun gleich oder erst am Ende der Tage stattfindet, bleibt sich dann gleich.

Aber entscheidend wird sein, daß wir überhaupt bei Jesus sein werden. Ob das heute schon ist oder in ein paar Jahren oder erst am jüngsten Tag, das ist doch gleich gültig. Es geht nicht darum, wann es geschieht, sondern  d a ß  es geschieht.

Auch über das Ort „Paradies“ wird man erst einmal nachdenken müssen. Von der Bibel her legt sich die Vorstellung eines Gartens nahe, wo für die äußeren Bedürfnisse gesorgt ist, wo alles in Eintracht miteinander lebt, wo es nichts Böses gibt und auch keine Krankheit und kein Gebrechen.

Doch wir müssen vorsichtig sein, damit wir uns das nicht alles zu sehr ausmalen. Es geht nicht um unsre menschlichen Wunschvorstellungen, sondern um das, was Gott mit uns vorhat. Unsre Wünsche werden sich bald erledigt haben, wenn wir nur bei Gott sind. Dann wird uns das nicht mehr so wichtig sein, was uns jetzt als das Wichtigste im Leben erscheint. Wir werden nur noch froh sein, mit Gott vereint zu sein.

Wie das im Einzelnen aussehen mag, braucht uns jetzt noch nicht zu interessieren. Das ist Gottes Sache und wir werden ja dann schon sehen, wenn es für uns so weit ist. Wichtig ist nur, daß wir jetzt schon in der Gewißheit einer ewigen Gemeinschaft mit Gott leben können und unser Leben somit einen Sinn hat.

Gottes Wort verheißt uns dieses neue Leben, wenn wir auf den Namen Gottes getauft sind und unser Leben in seinem Sinne geführt haben. Diesen Satz Jesu: „Heute noch wirst du bei Gott sein!“ dürfen wir dann auch auf uns beziehen.

Jesus wird dann mit dabei sein; er kennt uns jetzt schon und wir haben dann bei Gott einen Bekannten. Er ist uns den Weg vorangegangen und wir werden ihm nur nachfolgen. Deshalb können wir getröstet durch Leben und Tod gehen im Vertrauen auf Gottes Hilfe.

 

„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!"                                    (Lk 23,46)

In Paris mußte einmal ein ganzer Stadtteil erneuert werden. Die Einwohner wurden evakuiert und sollten auf die anderen Stadtteile verteilt werden, in alle Winde verstreut. Nun standen sie am Rand ihres Wohnbezirks und sahen, wie ihre Häuser niedergebrannt wurden. Aber sie waren nicht traurig: Sie hatten ja die Baupläne für die neuen Häuser gesehen. Alles sollte ja doch moderner und schöner und besser werden. Sie kannten auch den Baumeister, den Architekten, der ihnen die neuen Häuser bauen wollte. Sie hatten Vertrauen zu ihm; er würde ihnen schon wieder eine neue und schönere Heimat geben. Im Augenblick fiel es schwer, Abschied zu nehmen von der altvertrauten Umgebung, von den Nachbarn und Freunden. Aber sie würden wieder zurückkehren in ihren alten Stadtteil, der aber inzwischen ein neuer geworden war.

So geht das auch mit unserem Leben. Unser Leib ist solch ein alter Stadtteil, der abgebrannt werden muß. Er paßt nicht mehr in die neuen Verhältnisse, paßt nicht mehr zu dem Leben, das Gott uns geben will. Die wenigen Daten unsres alten Lebens sind ja schnell aufgezählt: (Lebenslauf).

Unser Leben ist vielleicht bisher auch so oder ähnlich verlaufen. Aber wir sollten immer daran denken, daß dieses Leben einmal ein Ende hat und abgebrochen wird. Aber dann sollen wir das sagen können, was Jesus gesprochen hat, als er ans Sterben kam: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“

Das kann auch uns ein Trost sein: Wir müssen zwar weg in die Fremde, durch das dunkle Tor des Todes. Wir müssen all unsre Lieben zurücklassen. Wir können auch alle materiellen Güter dieses Lebens nicht mitnehmen. Unser Dasein wird sich total verändern.

Aber wir kennen den Architekten, der uns das neue bauen wird. Wir dürfen sogar „Vater“ zu ihm sagen. So wie ein Vater doch oftmals sein Haus für die Kinder ausbaut und erneuert, so bereitet uns auch der himmlische Vater eine neue Wohnung vor. Er wird sie so gut einrichten, daß wir alles haben, was wir brauchen. Wir werden uns wohlfühlen dort. Und wir dürfen Vertrauen haben zu Gott, der schon weiß, was er mit uns vorhat und was er uns Neues schenken wird.

Das neue Leben bei Gott wird anders sein; aber es wird dem irdischen Leben sehr ähnlich sein, nur ohne dessen Fehler und Schwächen. Man muß sich ja hin und wieder einmal verbessern und auch einen Fortschritt sehen. Gott will uns dazu verhelfen.

Deshalb dürfen wir uns ganz in die Hände dieses Herrn befehlen. Es sind schützende und bewahrende Hände, aber auch sorgsame und aufbauende Hände. So wie man einen verletzten Vogel in den Händen schützt, so will auch Gott uns mit seinen starken Händen bewahren, im Leben und im Tod.

Ein Kind vertraut sich ja auch bedenkenlos den Händen des Vaters an. Es geht blindlings mit, weil es weiß: Der Vater wird mich schon den richtigen Weg führen, bei ihm kann nichts schiefgehen. Der Vater wird es schon halten und nicht fallen lassen. Und so können wir uns auch den starken Händen Gottes anvertrauen.

Wir sollten uns vielleicht immer wieder einmal Gedanken machen über den Tod und die Ewigkeit. Wir sollten aber dabei nicht nur an die Toten der Vergangenheit denken, auch nicht an diese(n) Entschlafene(n), die (der) nun schon vor Gott steht. Viel wichtiger ist für uns unser eigener Tod. Wir müssen uns fragen, ob wir Vertrauen haben zu dem Gott, der uns nach dem Tod neu schaffen will und uns Zukunft geben kann.

Jeder Tod ist eine Frage an uns, die wir weiterleben: Wie stehst du zu Gott? Kannst du dem Ende deines Lebens mit Ruhe entgegensehen oder mußt du Angst haben vor der Begegnung mit Gott? Ist er nur ein strenger Richter für dich oder wartest du auf einen liebenden Vater?

Wer sich in diesem Leben zu Gott gehalten hat, den wird e r  auch halten in der letzten Stunde seines Lebens. Er wird ihn durch den Tod hindurch zu sich holen. Wer dessen gewiß ist, kann auch seiner letzten Stunde getrost entgegensehen. Er darf dann auch aus Überzeugung sagen: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“

 

„Herr bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt!“

(Lk 24,29)

Das Leben beginnt mit einem  steilen Anstieg, Mindestens 20 Jahre besteht es nur aus Lernen und Aufnehmen. Da scheint alles ganz normal zu gehen und  besser zu werden, es stehen noch alle Möglichkeiten offen und vor einem jungen Menschen liegt noch das ganze Leben.

Es folgt dann die lange Zeit, in der man das erworbene Wissen an die nächste Generation weiter gibt und seinen Teil am Gelingen des Zusammenlebens der Menschen beiträgt. Viele sehen in diesen Jahren der Blüte den eigentlichen Sinn des Lebens.

Und schließlich folgt als dritte Stufe das Alter, das man mit einem langsamen Abstieg vergleichen könnte. Aber auch diese Zeit hat ihre Aufgabe und ist nicht einfach nutzlos vertan.  Im Grunde hat jedes Lebensalter seine guten und bösen Seiten, es ist leicht und schwer zugleich. Wir sollten es jeweils aus der Hand Gottes nehmen und dann das Beste mit ihm anfangen.

Aber einmal kommt dann doch diese letzte Stufe, das Alter. In Psalm 90 steht: „Unser Leben währet 70 Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es 80 Jahre!“ Von 90 steht nichts da, dieses Alter ist nur sehr wenigen vergönnt. Natürlich brauchen wir dieses Wort nicht eng wörtlich zu verstehen, aber hier ist doch eine Grenze angedeutet, über die man selten hinausgelangt.

Man kann das Leben eines Menschen auch vergleichen mit dem  Ablauf eines Tages: Am Morgen gebt die Sonne auf und es wird hell. Dann kommt die Höhe des Tages, wo das helle Licht die Welt erleuchtet. Und dann wird es langsam dunkler und es kommt der Abend und die Nacht.

Meist fürchten wir uns vor der Dunkelheit. Und der Tod ist doch auch so ein dunkles Tor, durch das wir hindurch müssen. Wenn es Nacht um uns zu werden droht, dann werden wir auch ganz von selbst unsicher und suchen Hilfe.

Glücklich kann sich schätzen, wer nicht allein ist, wenn es Abend wird und die Dunkelheit kommt. Ein Kind sucht dann Zuflucht bei den Eltern, die Frau bei dem Mann und der Kranke bei dem Gesunden. Wir brauchen die Gemeinschaft der Menschen, um dem Schweren in der Welt begegnen zu können

In einem Lied heißt es deshalb auch: Wenn uns Einsamkeit bedroht, wenn Angst uns überfällt: viel Freunde sind mit unterwegs, auf gleichen Kurs gestellt. Das gibt uns wieder neuen Mut, wir sind nicht mehr allein. So läuft das Schiff nach langer Fahrt, in Gottes Hafen ein!“

Und der Kehrreim des Liedes lautet dann: „Bleibe bei uns Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer, o bleibe bei uns Herr!“

Noch wichtiger als die Hilfe anderer Menschen ist die Gemeinschaft mit Gott. Das haben die Jünger Jesu gespürt, als sie nach der Kreuzigung auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus waren. Natürlich waren sie nicht allein, denn sie waren ja zu zweit. Aber der fremde Wanderer, der sich unterwegs zu ihnen gesellt hatte, der konnte ihnen mehr geben, denn er kam von Gott. Wenn wir wirklich nicht allein und verlassen sein wollen am Abend unsres Lebens, dann müssen wir uns schon zu Gott halten und ihn bitten, daß er auch im Tode bei uns bleibt.

Manchem Konfirmanden gibt man den schönen Spruch mit auf den Weg: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!“ Das klingt so, als könnten wir uns selber die Krone erringen. Wer aber älter geworden ist, der kann vielleicht nicht mehr sagen als dieses Gebet: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt!“ Gott muß bei uns bleiben, dann können wir auch treu sein.

Aber das ist nun das Schöne, das wir auch wissen dürfen: Gott bleibt bei uns, im Leben und im Sterben. Menschen verlassen uns oft, aber Gott ist treu, Nicht einmal der Tod kann uns von Gott trennen: Im Gegenteil: Er treibt uns nur hinein in die offenen Arme Gottes.

Wenn wir auch manchmal in unserem Leben meinen, es sei dunkel um uns und wir müßten durch große Tiefen gehen. Gott sagt uns: „Ich bleibe bei euch, wenn es Abend wird!“ Auf diesen Gott können wir uns verlassen, denn er verläßt uns nicht. Am Morgen und am Abend ist er unser Gott, wenn wir ihn darum bitten, bei uns zu bleiben.

 

„Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade!"            (Joh 1 ,16)

Wenn man das Leben eines Menschen in der Rückschau überblickt, kann man an vielen Punkten die Gnade Gottes entdecken. Schon allein daß wir ins Leben traten, verdanken wir Gott. Er hat gewollt, daß wir leben. Er hat jeden Menschen geschaffen, mit all seinen äußeren Kennzeichen und seinen Fähigkeiten, einmalig und unverwechselbar, ein Mensch, den er liebt und das ganze Leben über begleiten will.

In der Taufe hat er dann diesen Menschen zu seinem Kind angenommen. Die Eltern haben ihm das Geschenk zurückgebracht und gesagt: Es soll auch mit dein Kind sein! Gott darf das Kind sozusagen adoptieren und ist nun mit dafür verantwortlich. Das verspricht er auch für die Zeit des Lebens.

Jeder Mensch braucht dann einen Beruf und eine Tätigkeit. Nicht immer kann man das tun, was man sich gewünscht hat. Aber man kann doch jeweils an seinem Ort zur Ehre Gottes und zum Wohle der Mitmenschen seine Aufgaben erfüllen. Jeder ist von Gott zu seiner Tätigkeit berufen. Und wenn er Erfolg hat und zufrieden ist, so darf man auch darin eine Gnade Gottes sehen.

Eine entscheidende Frage im Leben ist auch, ob man einen Lebenspartner findet, der zu einem paßt, und ob man eine Familie gründen kann, für die man da ist und in der man die Erfüllung seiner Ziele finden kann. Und wenn man dann noch viele Jahrzehnte zusammen sein darf, dann kann man nur dankbar dafür sein.

Schließlich denken wir auch noch an das Lebensalter, das ein Mensch erreicht. Wir wissen alle: Es steht nicht in unsrer Hand, wie alt wir werden. Keiner kann seinem Leben auch nur  e i n e n  Tag hinzufügen,  wenn Gott es nicht will.

Aber Gott gibt uns das Leben jeden Tag wieder neu. Und wenn es am Ende viele Tage gewesen sind, dann dürfen wir Gott, unsrem Schöpfer, danken und schließlich unser Leben wieder ganz in seine Hand zurücklegen.

Auch mit dem Tode hört das nicht auf. „Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade!“ Das zeigt sich auch und besonders im Tode. Ja, hier muß sich diese Gnade erst richtig bewähren, hier zeigt sich erst endgültig, ob die Gnade überhaupt Macht hat.

Mancher wird natürlich sagen: „Aber es ist doch keine Gnade, wenn wir sterben müssen?!" Gewiß empfinden wir jetzt Schmerz darüber, weil wir von einem Menschen Abschied nehmen müssen. Besonders wenn man gut zusammen gelebt hat, empfindet man doch schmerzhaft die Lücke.

Aber es ist doch auch Gnade, wenn dieses Leben nach erfüllten Jahrzehnten ein Ende hat. Es gibt ja doch auch negative Seiten. Die hören nun auf. Jeder Mensch erlebt einmal Enttäuschungen, entweder weil ihm bestimmte Dinge nicht gelungen sind oder weil bestimmte Menschen versagt haben. Man hat sich Pläne für sein Leben gemacht. Vieles hat sich verwirklichen lassen, manches war auch nicht möglich.

Dazu kommt noch, daß wir vieles auch nicht so machen, wie Gott es von uns erwartet. Die Bibel spricht hier von „Sünde“, die in jedem Menschen drinsteckt und die sich in vielfachen Formen zeigt. Kein Mensch ist davon frei, auch nicht der beste.

Aber all das hört mit dem Tode auf. Gott setzt auch dieser Seite unsres Lebens einmal ein Ende und läßt nur die andere, die gute Seite weiterbestehen. Gott will uns nämlich mehr geben als dieses irdische Leben. Bei ihm ist die Fülle aller guten Dinge. Er läßt uns teilhaben an dieser Fülle, ohne daß er selber etwas dabei verliert. Das ist das Wunderbare an Gott: Er kann uns alle reich beschenken in unserem Leben, er kann uns allen das ewige Leben geben - und doch bleibt die ganze Fülle erhalten.

Es braucht keiner zu befürchten, er könnte bei Gott zu spät kommen und alles sei schon  ausverkauft. Wenn Gott uns zu sich ruft, dann wendet er jedem seine volle Gnade zu. Er verheißt uns ein Leben in ungetrübter Gemeinschaft mit ihm, auch wenn wir es eigentlich nicht verdient haben.

Gott verspricht uns, daß wir nach diesem Leben seine Gnade in ihrer ganzen Fülle erleben werden Deshalb können wir unsrer letzten Stunde getröstet entgegengehen. Wir werden auch Kraft empfangen heute und in den kommenden Tagen mit dem schweren Verlust fertigzuwerden. Gott gibt uns ein besseres und schöneres Leben. Da können wir auch dieses Leben mit all seinen schönen und schweren Seiten hingeben. So wie wir bisher Gottes Gnade erfahren haben, so werden wir sie nachher erst recht erleben. Denn „Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade!“

 

„Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben!“                                     (Joh 3,36)

Wir glauben an alles mögliche. Die meisten Menschen glauben an ihren eigenen Verstand und an ihre Leistung. Was sie sich geschaffen haben, was sichtbar vor Augen ist, das zählt allein. Darauf vertrauen sie, darauf verlassen sie sich.

Wenn es ans Sterben geht, muß man natürlich auch etwas glauben. Am einfachsten ist es, man sagt: „Mit dem Tod ist alles aus!“ Etwas muß man ja einfach glauben, wenn man nicht an Gott glaubt. Oder man läßt die Sache mehr offen, indem man sagt: „Was nachher kommt, wissen wir nicht!“ So sagte es mir jedenfalls eine Frau, die nicht gleich mitkriegte, daß ich der Pfarrer war.

Dabei wissen wir doch als Christen schon, was nachher kommt. Gewiß kennen wir nicht die Einzelheiten. Aber es ist ja auch nicht nötig, dies zu wissen. Wir würden ja doch nur viel zu sehr mit unsren menschlichen Vorstellungen arbeiten und gar nicht mehr vor Augen haben, daß Gottes Welt ja etwas ganz anderes ist als das, was wir kennen.

Bei Johannes ist deshalb auch nur  ganz allgemein vom ewigen Leben die Rede: Wichtig ist noch allein, daß es dieses Leben für uns nach unsrem Tod gibt. Wie es dann im einzelnen aussehen wird, das werden wir ja sehen, wenn es soweit ist.

Das ewige Leben wird unsrem irdischen Leben ähnlich sein. Es kann nicht etwas vollkommen Neues sein, weil wir uns ja dann gar nicht darauf freuen könnten. Unser irdisches Leben wird schon eine Fortsetzung finden im ewigen Leben.

Vor allem aber wird dann all das aufhören, was uns von Gott und den Menschen trennt. Alle Unvollkommenheiten unsres menschlichen Lebens werden von uns abfallen und wir werden so sein, wie Gott uns haben will.

Auch Krankheit und Schmerzen wird es dann nicht mehr geben. Das ist ja oftmals etwas, was unser Leben sehr belastet. Ein kranker Mensch kann vielfach nur noch seine Krankheit sehen und hat keine Augen und keine Ohren mehr für all die anderen Dinge des Lebens, vor allem auch für seine schönen Seiten.

Doch einmal wird auch dies ein Ende haben, werden all unsre Probleme gelöst sein. Im ewigen Leben wird es keine Veränderung mehr geben, weil alles so ist ,wie Gott es haben will und wie es auch uns gefällt.

Wie werden wir aber nun in dieses ewige Leben gelangen? Das ist doch wohl unsre Frage, wenn wir das alles so hören. Es ist doch sicher ein gutes Ziel für unser Leben, wenn wir auch einmal das Leben bei Gott anstreben und mit Gott vereint zu sein trachten.

Die Antwort auf die Frage gibt uns die Bibel, nämlich dieser Vers aus dem Johannesevangelium: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben!“ Nur über Jesus und im Vertrauen auf seine Hilfe werden wir das ewige Leben erhalten.

Das Wort ist ja dem Johannes dem Täufer in den Mund gelegt. Er will damit deutlich machen: An mich dürft ihr euch nicht halten, ich bin ja nur ein Mensch. Auf Jesus, den Sohn Gottes, müßt ihr sehen, dann seid ihr gerettet! Das gilt auch für uns heute: Nicht von Menschen oder menschlichen Ideen können wir Hilfe erwarten, sondern nur von Jesus, dem Sohn Gottes.

Das gilt für unser Leben und für unser Sterben. Wir brauchen immer einen, der uns den richtigen Weg zeigt. Jesus ist so etwas wie ein Reiseführer für uns. Er geleitet uns durchs Leben. Er macht uns aufmerksam auf die wichtigen Dinge, er warnt  vor Gefahren und führt uns daran vorbei, er sorgt für Essen und Trinken und für unser Fortkommen.

Genauso wird er aber auch nach diesem Leben für uns sorgen. Dann ist es ja noch wichtiger, daß wir einen Begleiter haben, weil wir dann in ein völlig unbekanntes Land kommen. Wir würden uns sofort unsicher und vielleicht gar nicht wohl fühlen, wenn wir nicht noch einen an unsrer Seite haben.

So aber haben wir einen, der sich dort auskennt, der dort zu Hause ist. Er wird uns die neue Welt Gottes erschließen und sie uns bald vertraut machen. Es wird allein wichtig sein, daß wir uns jetzt schon diesem Führer anvertrauen und ihm allein vertrauen. Dann kennen wir ihn schon und er kennt uns schon. Dann wird der Grenzübergang in die Welt Gottes, den wir „Tod“ nennen, gar nicht mehr einen so tiefen Einschnitt bedeuten.

Der uns schon in diesem Leben geleitet hat, wird auch bei uns sein, wenn unser Dasein in dieser Welt einmal ein Ende hat. In dieser Gewißheit können wir diese(n) Verstorbene(n) getrost der Erde übergeben: Sie (Er) geht jetzt schon hinter dem  Sohn Gottes her in das ewige Leben!

 

„Ich denke an das Leben”                                                                                (Joh 5,24)

Gerade ältere Menschen haben das Gefühl, daß die Zeit immer schneller abläuft. Für ein Kind dehnt sich die Zeit, bis wieder Weihnachten ist. Aber wenn man älter ist, sagt man überrascht „Was? Schon wieder Weihnachten!“ Da wird einem deutlich, wie begrenzt die Lebenszeit ist und daß sie unaufhörlich verrinnt.

Günther Jauch fragte einmal in einem Interview ein Mädchen, das eine unheilbare Krankheit hatte: „Denkst Du an den Tod?2 Sie antwortete: „Ich denke nicht an das Sterben, sondern an das Leben. Ich denke an die Ziele, die ich mir noch gesetzt habe. Zeit ist wie ein Strahl. Jede Sekunde, die ist unwiederbringlich dahin, sie kann nicht wieder mit etwas anderem gefüllt werden!“

Das ist doch eine tröstende Aussage eines jungen Menschen, der im Gegensatz zu den meisten Menschen nicht mehr viel Zeit hat. Das Mädchen will die verbleibende Zeit noch möglichst gut nutzen. Denn jede Sekunde ist sofort Vergangenheit, ein Fehler kann nicht mehr berichtigt werden. Aber hilfreich kann sein, wenn man sich Ziele setzt, die man noch erreichen will. Dann wird die Zeit sinnvoll gefüllt und nicht vertan.

Eine Möglichkeit, die Zeit zu nutzen, ist auch die Beschäftigung mit Gottes Wort. Mancher hat erst wieder Zeit dafür, wenn er ans Bett gefesselt ist. Dann bedauert er am Ende noch, daß er vorher nicht die Gelegenheit genutzt hat, zum Gottesdienst zu gehen oder sich einmal mit einem biblischen Text zu befassen. Zum Glück läßt sich das leicht wieder einüben, man kommt doch schnell wieder hinein.

Eine gute Möglichkeit sind die Psalmen, die die ganze Bandbreite menschlichen Leids widerspiegeln, aber auch die Fülle der Hilfe und des Trostes, die Gott gibt. Das Gesangbuch mit seinen alten und neuen Liedern leitet uns an zum rechten Umgang mit unserer Zeit und unserem Leben.

Ich hatte einmal die Aufgabe, für die neue Glocke in einer Friedhofskirche einen Bibelspruch auszusuchen, der auf die Glocke geschrieben werden sollte. Ich wollte nichts mit dem Stichwort „Tod“ aussuchen, sondern die christliche Hoffnung auf die Auferstehung zum Ausdruck bringen. Also suchte ich im Register unter dem Stichwort „Leben“. Dabei stieß ich auf eine Aussage im Johannesevangelium in Kapitel 5, Vers 24, die ich dann aus Platzgründen kürzte, um die Hauptsache hervorzuheben: „Wer mein Wort hört, der hat das ewige Leben!“ Ich fand das passend für eine Friedhofskirche, in der im Angesicht des Todes das Wort Gottes gepredigt wird und dem Sterben entgegengesetzt wird.

Jeder hat die Gelegenheit, dieses Wort zuhören, jeden Tag und vor allem jeden Sonntag. Es kann helfen, das Leben zu bewältigen und die im Augenblick nötigen Aufgaben wahr zu nehmen. Der Blick auf den Tod soll uns dabei nicht lähmen, sondern die Hoffnung auf ein neues Leben wecken. Davon kündet die Glocke auf der Friedhofskirche bei jeder Trauerfeier, auch wenn man den Bibelspruch auf ihr in der Regel nicht lesen kann.

Demnächst habe ich Geburtstag. Ich denke dann immer an einen Organisten, der zusammen mit mir Geburtstag hatte. Wenn wir uns dann gegenseitig gratulierten, dann sagte er scherzhaft: „Geburtstag ist eine Alterserscheinung!“ Aber er meinte das nicht unbedingt bedauernd. Er war längst Rentner und freute sich über jedes Jahr, das ihm noch geschenkt wurde. Heute bin ich selber Rentner und kann mich über jeden Geburtstag freuen. Ich werde an diesem Tag auf Gottes Wort hören und mich über jeden Tag meines Lebens freuen in der Hoffnung auf das ewige Leben.

 

„Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.                                                                   (Joh 6,37)

Was brauchen wir wirklich und unbedingt zu unserem Leben? Das können wir uns doch gerade angesichts des Todes eines Menschen fragen. Da wird doch deutlich, daß nicht allein die materiellen  Güter das Leben ausmachen. Die haben schon für einen Todkranken keine Bedeutung mehr. Und endgültig sind sie abgetan, wenn dieses Leben beendet ist.

Dann wird besonders deutlich, daß das Glück des Menschen von mehr abhängt als von all den Dingen, die wir so tagtäglich brauchen. In allem Unglück bleibt uns doch etwas, das Johannes als „Brot des Lebens“ bezeichnet. Er meint damit Das Wort Gottes, das unser Denken und Tun begleiten soll.

Deshalb ist es so wichtig, daß wir dieses ,Wort Gottes im Gottesdienst immer wieder hören. Deshalb wird es uns gerade auch angesichts des Todes gesagt. An sich sind wir nicht so, wie Gott uns haben will. Wir sind Sünder und haben den Tod verdient.

Aber wenn wir zu Jesus Christus kommen, empfangen wir nicht den Tod, sondern das Leben. Er will uns das ewige Leben schenken. Allerdings kommt dieses Leben nicht automatisch, wenn wir gestorben sind, wie manche meinen. Wir haben nicht eine unsterbliche Seele in uns, die sich einfach entfaltet, wenn sie beim Tod den Körper verläßt. Wir können uns auch nicht mit vielen guten Taten das ewige Leben verdienen.

Aber mit dem Tode ist nicht alles aus. Wir brauchen nicht im Tod zu bleiben. Jesus Christus schenkt uns ewiges Leben. Dieses Geschenk können wir schon heute empfangen im Gottesdienst; und dann haben wir es für die Ewigkeit.

Niemand kann uns dieses neue Leben wieder wegnehmen, denn geschenkt ist geschenkt. Wir können es höchstens von uns aus wegnehmen oder gegen den Tod eintauschen. Aber das ist dann unser eigenes Tun und unsre eigene Schuld. Aber der Tod kann es uns nicht wieder nehmen. Er scheint etwas Endgültiges und Hartes zu haben. Aber Jesus sagt: „Ihr kommt ja nur zu mir!“ Seit der Taufe ist das ja schon beschlossen. Es steht nur nicht fest, wann er uns zu sich holen wird und wie lange es noch dauern wird in dieser Welt.

Wichtig ist nur, daß man sich auch von Jesus helfen lassen will und sich auch tatsächlich an ihn wendet. Wenn man Hilfe braucht, dann muß man jemanden suchen, der dafür in Frage kommt. Sie kommt nicht von allein, man muß darum bitten. Gott aber läßt sich gern bitten und will und kann auch helfen.

Bei den Menschen kann man manchmal anderes erleben. Da wird die Tür nicht immer aufgemacht, wenn einer anklopft. Da kann es sogar vorkommen, daß man einen Menschen in Lebensgefahr allein läßt. Mancher wird doch einfach in seinem Elend allein gelassen und von den anderen sogar verstoßen.

Natürlich ist es nicht immer leicht, einem Menschen zu helfen. Oft steht man ja hilflos an einem Krankenbett und muß die Begrenztheit menschlicher Möglichkeiten schmerzlich erfahren. Aber Gott kann dieses Leid wenden. Bei ihm gibt es keinen Schmerz mehr, sondern nur noch die ungetrübte Gemeinschaft mit ihm. Wir müssen liebe Menschen hergeben an den Tod; aber Gott wird ihn nicht wieder hergeben. Er hat ja gerade seinen Sohn hergegeben, damit dies nicht bei allen Menschen so sein muß. Jesus mußte sterben, um wieder auferweckt werden zu können. Gott wollte zeigen, daß er Macht hat über den Tod. Aber vorher mußte eben Jesus erst einmal sterben.

Und so müssen wir auch erst einmal sterben, um ganz mit Gott vereint zu sein. Deshalb dürfen wir auch eine Hoffnung haben. Wir brauchen uns nicht in unserem Schmerz zu verlieren, sondern dürfen es mit Gott immer neu wagen. Wir haben noch eine Zukunft, wir dürfen uns noch auf etwas freuen, was Gott noch mit uns vor hat, jetzt in diesem Leben und einst in der Ewigkeit.

Jesus hat uns den Weg zum Vaterhaus schon geöffnet. Die Tür steht auf. Der (Die) Verstorbene ist schon durch diese Tür geschritten, er (sie) hat schon die Barmherzigkeit Gottes verspüren dürfen, der keinen abweist. Wir werden einmal durch die gleiche Tür gehen, um mit unseren Lieben vereint zu sein. Heute sind wir traurig. Aber einst werden wir in ewiger Freude mit Gott leben können. Wir können auch sicher sein, daß auf dem Weg zu Gott keiner verloren geht. Jesus führt uns hin und sorgt dafür, daß niemand uns noch wegreißen kann. Denn er hat gesagt: „Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen!“

 

Das ist aber der Wille des, der mich gesandt hat, daß ich nichts verlieren von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich's auferwecke am Jüngsten Tag!                                                                                                                       (Joh 6,39)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann sagen wir: „Jetzt haben wir ihn verloren!“ Das ist ja auch so: Wir können ihn nicht mehr sehen, können nicht mehr mit ihm sprechen, er kann uns nicht mehr raten, wir können ihm nichts mehr schenken, usw.  Wenn ein Mensch stirbt, dann ist das immer ein Verlust, für die Angehöriger und oft auch für die ganze Umwelt.

Aber was für uns wie ein Verlust aussieht, ist für Jesus ein Gewinn. Denn wenn wir die Welt und unsere Lieben verlassen müssen, dann kommen wir zu Jesus, dann hat er uns ganz für sich allein.

Vorher mußte er uns mit allem möglichen anderen teilen. Je mehr Beziehungen zu anderen Menschen einer hat, desto mehr muß er sich innerlich aufteilen, muß sich bald diesem, bald jenem zuwenden. Dazu kommen die Aufgaben im Beruf, die Sorge für Haus und Garten und was es sonst noch für Verpflichtungen gibt. Solange wir leben, ist unsre Aufmerksamkeit geteilt und richtet sich unsere Zuwendung bald auf dies und bald auf jenes.

Da ist es wichtig, daß wir Gott nicht in unserem Leben übersehen. Er hat uns ins Leben gerufen, er begleitet uns durch die Zeit, und er wird uns auch wieder einmal abberufen aus dieser Welt. Manchmal wird er uns aus den Augen entschwinden.  Aber wir können sicher sein: E r sieht uns und läßt uns nicht aus den Augen.       

Schließlich ist Jesus ja Gott gegenüber verantwortlich für alle Menschen, die er ihm anvertraut hat. Jesus hat die Aufgabe eines Hirten, dem eine große Herde  anvertraut ist. Sie gehört ihm nicht, sondern Gott. Aber er muß für sie sorgen, als ob sie sein eigen wäre.

Wenn einem Hirten eine Herde anvertraut wird, dann werden die Tiere genau  gezählt. Und wenn nachher eins fehlen sollte, dann muß er Rechenschaft darüber ablegen. Und wenn eigenes Verschulden die Ursache war, dann muß er dafür geradestehen. Deshalb verteidigt ein guter Hirte seine Herde gegen alle Gefahren und geht jedem Tier nach, das sich einmal verlaufen hat. Keines soll verloren gehen, jedes einzelne ist gleich wichtig.

Auch in unserem menschlichen Leben gibt es manches, was uns von Gott trennen könnte. Da sind Menschen, die uns von ihm abbringen wollen, die uns einreden, anderswo hätten wir es besser. Und da ist auch unser eigener Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Wir wollen das Gefühl abschütteln, irgendwie bevormundet zu werden.      

Dabei ist Gott doch wirklich wie ein guter Hirte, der nur unser Bestes will. Das gilt selbst noch für der Tod. Auch da darf Jesus keinen verlieren, der ihm anvertraut ist. Der Tod unternimmt noch einmal alle Anstrengungen, uns unserem himmlischen Herrn abzujagen. Er hat auch gute Chancen, weil das Sterben etwas Furchtbares ist und der Mensch sehr schwach wird und in der Gefahr steht, an Gott irre zu werden.

Aber Christus ist stärker als der Tod. Er verteidigt uns gegen alle Angriffe und sagt: „Gerade diesen Menschen will ich bei mir haben!“ Das ist ein Sinn des Todes, daß Christus uns ganz für sich haben will. Er will uns mit niemanden mehr teilen müssen, sondern ganz allein unser Herr sein.

Das bedeutet aber, daß er auch den Tod besiegen muß. Doch das ist ja schon geschehen, als Gott seinen Sohn von den Toten auferweckte. Da wurde gezeigt, daß das ewige Leben bei Gott möglich ist. Das gibt uns die Hoffnung, ja die Gewißheit, daß auch wir auferweckt werden.

Wer an Gott glaubt, der wird nicht verloren gehen, wenn sein irdisches Leben ein Erde hat. Gott holt ihn durch den Tod zu sich und führt sein Leben auf andere Art und Weise fort. Gott möchte seine Geschöpfe bei sich haben, freut sich an ihnen und möchte mit ihnen in Austausch treten.

Deshalb muß ein Mensch diese Welt verlassen. Aber er macht einen guten Tausch, denn bei Gott hat er es nun besser. Vor allem ist nun sicher, daß er nicht mehr verloren gehen kann, sondern er immer mit Gott verbunden bleibt. Deshalb sollten wir einen Menschen auch  gern gehen lassen. Wir sollten uns freuen, daß wir ihn, so lange gehabt haben. Wir sollten ihn aber auch ohne Murren an der zurückgeben, der unser Herr und Vater ist und auch ein Recht an uns hat und der dieses Leben noch überbieten will durch das ewige Leben.

 

„Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ (Joh 6,68)

Wenn wir zu einem weit entfernten Ziel hinwollen, dann müssen wir uns überlegen,  w i e wir dorthin kommen. Es gibt zwar Wegweiser, aber die helfen nicht in jedem Fall weiter. Wenn wir nach Berlin fahren wollen, dann finden wir bei uns vielleicht einen Wegweiser nach Erfurt, Gotha oder Eisenach, aber keinen, der uns den Weg nach Berlin anzeigt.

Dann sind zwei Dinge nötig: Einmal, daß wir unser Ziel nicht aus den Augen verlieren und uns nicht ablenken lassen. Zum anderen, daß wir weitere Erkundigungen einziehen und uns vorher alles genau zurechtlegen. Aber dennoch kann es passieren, daß man nachher einen Umweg gemacht hat.

Aber auf unserem Lebensweg ist das ja oft so, daß wir Umwege machen. Manchmal merken wir es gar nicht und manchmal stellt es sich auch erst nachher heraus; manchmal aber kalkulieren wir das auch von vornherein ein. Nur eins wird in jedem Fall notwendig sein: Nie das Ziel aus den Augen verlieren. Wer immer geradeaus auf das Ziel sieht, wird es auch am Ende erreichen.

Aber wir werden dazu auch oft um Rat fragen müssen. Man kann heute nicht mehr allein durchs Leben kommen, sondern man ist auf die Hilfe und Unterstützung anderer angewiesen. Doch genauso benötigen wir auch den Beistand Gottes. Menschen können uns viel helfen, aber einmal kommen sie auch an eine Grenze und nur mit Gott geht es dann noch weiter – besonders wenn der Tod kommt.

Gott gibt uns aber auch viele Hilfestellungen, gewisser maßen Wegweiser auf unsrem Lebensweg: Einmal gibt er uns sein Wort in der Bibel und in der Predigt. Dort hören wir zunächst einmal klare Richtlinien, die dann mit Leben erfüllt werden müssen und auf den konkreten Fall angewendet werden können. Wenn wir doch nur diesen Reichtum ausschöpfen würden!

Dann kommt dazu der Rat, den uns vom Glauben erfüllte Menschen geben können. Gerade im Glauben ist man  auf die Hilfe der Brüder und Schwestern angewiesen. Mancher kann doch mit seiner Erfahrung weiterhelfen, wo wir vor unüberwindlichen Schwierigkeiten stehen.

Und schließlich erwächst uns direkte Hilfe im Gebet. Wir sind nicht nur auf andere angewiesen, sondern wir haben Gott, der das Ziel unsres Lebens ist. Wir haben also viele Hinweise, wo wir hingehen sollen. Keiner kann sieh herausreden, er hätte nichts von Gott gewußt. Wer verkehrt geht, ist selbst daran schuld!

Nun wissen wir aber, daß nicht alles so glatt geht in unserem Leben, wie Gott es eigentlich von uns erwartet Wir hören nämlich doch so oft nicht auf Gott und gehen unsre eigenen Wege. Aber Gott hat dann immer noch Möglichkeiten, uns wieder zurechtzubringen. Wenn man nur den Fehler merkt, nachdem man sich verfahren hat, dann kann man doch wieder auf den richtigen Weg zurückfinden. Man sieht ja dann auch wieder einmal Wegweiser oder man kann sich durchfragen.

Auf unsrem Lebensweg ist das allerdings oft schwieriger als sonst auf der Straße. Im Leben kann uns oft nur Gott wieder aus unsrer Verkehrtheit herausholen. Deshalb. mußte ja Jesus für unsre Schuld leiden und den Weg ans Kreuz gehen. Er ist diesen schwersten Weg eines Menschen gegangen ohne Murren und ohne Widerstand. Er konnte das, weil ihm das Ziel gewiß war, weil ihn dort am Kreuz niemand anders als Gott erwartete. Diesen Weg sah er schon vor sich, als er am Wendepunkt seines Wirkens mit den Jüngern spricht. Viele Menschen haben ihn verlassen und haben sich von ihm abgewandt. Und nun fragt er die Jünger: „1Wollt ihr auch weggehen?“1 Petrus aber bekennt sich zu ihm mit den Worten: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“

Wo könnte ein Jünger anders hingehen als mit seinem Herrn? Alle anderen Wege führen doch vom Ziel ab! Aber er wird dann auch diesen letzten Weg Jesu mitgehen müssen, den Weg in den Tod!

Allerdings endet der Weg Jesu nicht im Tode: Der Tod ist aber notwendig, damit er überwunden wird in der Auferstehung. Gott hat seinen Sohn aus dem Tod wieder auferweckt und er wird auch uns auferwecken. Dieser letzte Teil gehört unbedingt mit zu unsrem Weg wie die Spitze zu einem Pfeil. Der Tod ist noch nicht die Endstation, sondern es geht noch ein Stück weiter, bis wir am Ziel sind: in dem Leben bei Gott!

Das ist mit den Worten ausgedrückt: „Du hast Worte des ewigen Lebens!“ Es werden so viele Worte gemacht; aber es gibt nur ein Wort, das zum Leben führt: das Wort von der Auferstehung!

Dieses wird uns gerade angesichts des Todes gesagt, damit wir wieder dessen ganz gewiß werden: Wir können gar nicht anders, als diesem Herrn nachzufolgen, hier, in diesem Leben und über den Tod hinaus hin zu Gott.  Wer ihm nachfolgt, braucht sich um seinen Weg und das Ziel keine Sorgen zu machen: Gott wird ihm das Leben geben!

 

Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen! 

                                                                                                                      (Joh 8,31+32)

Wenn es einem gut geht‚ dann ist es leicht, an Gott festzuhalten und sein Jünger zu sein. Wenn Gott uns alle Wünsche erfüllt, dann sind wir mit ihm zufrieden, dann könnte es immer so weitergehen. Viele meinen einfach, Gott sei einer, der unser Wohlergehen und unser Fortkommen zu garantieren habe.

Aber nun hat er Einhalt geboten, hat in das Leben einer Familie einschneidend eingegriffen. Ein Mensch ist aus unserer Mitte gerissen worden, der noch gebraucht worden wäre, im Beruf, in der Familie, in der Kirche. Da ist es schon schwerer, mit dem Willen Gottes einverstanden zu sein

Aber gerade dann gilt es, an der Rede Gottes dranzubleiben. Die Betonung liegt dabei auf dem „bleiben“. Es genügt nicht, das Wort Gottes nur einmal kurz gehört zu haben, ihm vielleicht auch in einer Aufwallung der Gefühle zugestimmt zu haben, es dann aber wieder in den Hintergrund treten zu lassen.

Mit Gottes Wort kann man erst Erfahrungen machen, wenn es sich auch in schweren Zeiten bewähren kann. Da rückt einem das alles viel näher auf den Leib, was man einmal gehört und gelesen hat: Da wird es erst seine wahre Kraft erweisen.

Da zeigt sich dann oft erst, ob man in Wahrheit ein Jünger Jesu ist. Ein Jünger ist einer, der Jesus nachfolgt. Und Jesus hat ja auch Leiden  und Schmerz und Tod aushalten müssen. Einem Jünger geht es nicht besser als seinem Meister. Aber erst wenn einer wirklich durch dick und dünn mit dem Meister geht, ist er ein rechter Jünger.

Man wird das  nur verstehen können, wenn man eine feste innere Verbindung zu diesem Herrn hat. Und man wird den  Inhalt seiner Rede und die Wahrheit seiner Worte begreifen müssen. Erst dann wird man sich dem anderen auch ganz ausliefern können alles vor ihm erwarten und alles aus seiner Hand nehmen. Man gibt dabei etwas hin, aber man gewinnt auch etwas hinzu. Man erhält Anteil an dem Sieg Gottes und kann dadurch viel getroster durchs  Leben gehen, beschützt und geleitet vor der gnädigen Hand Gottes und einem klaren Ziel vor Augen.

Welches ist nun die Wahrheit, zu der uns der Glaube an Gott und an Christus verhelfen will? Zunächst einmal würden wir doch sagen: Wahrheit ist, daß ein Mensch gestorben ist. Das kann man sehen und feststellen, das ist die harte und nüchterne Wirklichkeit.

Gottes Wort aber will uns anleiten, mehr auf Gottes Wahrheit zu achten. Und diese lautet, mit den Worten des Johannesevangeliums „Ich bin die Auferstehung und das Leben!“ Diese Worten des auferstandenen Christus beschreiben eine Wahrheit, die höher ist als unsere menschliche Vernunft.

Gewiß ist es auch eine Wahrheit, daß wir sterben müssen. Es ist auch gut, wenn man sich diese Wahrheit sagen kann, wenn man nicht voreinander Versteck spielen muß, sondern sich und seine Familie in Ruhe auf das Notwendige vorbereiten kann. Wenn man um die letzte Wahrheit weiß, kann man das wohl.

Diese letzte Wahrheit umschließt unsere vordergründige menschliche Wahrheit wie ein großer Kreis einen kleineren. Wir sollten auch am heutigen Tage über den kleineren Kreis hinaussehen, uns nicht von ihm einengen und gefangennehmen lassen. Dann kann sich uns auch die Weite der Wahrheit Gottes erschließen.

Gott läßt nicht zu, daß der Tod das Letzte bleibt. So wie er seinen Sohn Jesus von den Toten auferweckt hat, so wird er auch uns auferwecken, wenn wir bleiben an seiner Rede. Es gilt nicht, was uns vielleicht Menschen einreden wollen und was vielleicht auch in unseren eigenen Gedanken hochkommt. Es gilt nur, was Gott als seine Wahrheit von außen an uns heranträgt.

Den Angehörigen eines Verstorbenen mag es so vorkommen, als seien sie in einen Tunnel gefahren, dessen Ende sie noch nicht sehen können. Aber auch der Anfang ist ihren Blicken entschwunden, sie können nicht mehr zurück. Es hilft nur eins: weiter nach vorne, im Vertrauen darauf, daß es am anderen Ende wieder hell wird.

Daß es am anderen Ende wieder hell wird, darauf dürfen wir vertrauen. Darauf hat sich der (die) Verstorbene verlassen. Darauf dürfen sich auch die Angehörigen und wir alle verlassen. Die Wahrheit Gottes ist heller als die Dunkelheit, die uns jetzt umgeben mag. Einst wird es auch um uns ganz hell sein, wenn wir aus dieser Welt in jene gehen müssen, um dadurch ganz mit Gott vereint zu werden.

 

Jesus Christus spricht: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich!                                                                                  (Joh 8,51)

Es gibt zwei Arten von Sehen: Einmal meinen wir damit das Sehen mit den Augen. Wir freuen uns alle, daß wir Augen haben und damit die Welt und die Menschen wahrnehmen können. Wie schwer hat es doch ein Blinder, sich zurechtzufinden und sein Leben zu bewältigen. Viele Schönheiten der Welt sind ihm verschlossen. Es fehlt etwas, was zum Leben des Menschen dazugehört

Das spüren wir ja auch jetzt, wo ein Mensch von uns genommen wurde. Er kann nicht mehr an unserem Leben teilnehmen. Diese Welt mit all ihren Aufregungen. Und  Problemen ist ihm verschlossen, aber auch all die Schönheiten und die erfreulichen Seiten des Lebens bedeuten ihm nichts mehr.

Auch für die Angehörigen hat sich manches geändert. Jeder Mensch, der durch den Tod aus unserer Mitte gerissen wurde, hinterläßt eine Lücke. Er kann nicht mehr unser Leben bereichern, sondern er ist leblos und stumm, er ist fast zu einem Fremden geworden.

Wenn wir einen Verstorbenen sehen, dann steht uns zunächst nur der Tod vor Augen. Mit unseren Augen können wir auch nicht mehr sehen als daß dieser Mensch tot ist. Und doch werden wir durch das     Evangelium Jesu Christi aufgefordert, noch mehr zu sehen: „So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich!“ Das ist die andere Art des Sehens, und diese ist bei Johannes gemeint.

Es wird darauf ankommen‚ durch die sterbliche Hülle des Todes hindurchzusehen und hinter dem Äußeren dennoch Gottes Herrlichkeit zu erkennen. Gottes Wort macht uns deutlich: Der Tod ist nicht das Letzte,  sondern wir dürfen auf die Auferstehung der Toten hoffen. Gott wird diesem Menschen einen neuen Leib geben und wird ihm eine neue Art des Lebens ermöglichen

Sicherlich wird man zunächst nur den Tod vor sich sehen. Aber das ist nicht das Wesentliche. Viel wichtiger ist, daß wir im Tode .Gott sehen werden. Der Tod eröffnet uns die Möglichkeit, daß wir Gott sehen dürfen und in Ewigkeit mit ihm vereint sein dürfen. Erst durch den Tod hindurch werden wir wissen, wer Gott  ist.

Viele Menschen wünschen sich, schon zur Zeit ihres  Lebens Gott sehen zu können. Das wird uns verwehrt. Solange wir leben, sind wir zum Glauben aufgefordert und können noch nicht schauen. Natürlich wäre es gut, wenn wir auf diese Art allen  Menschen zeigen könnten, daß es Gott gibt und daß auch an dem Glauben an die Auferstehung etwas dran ist.

Aber leider ist es so, daß eins das andere ausschließt: Wenn wir Gott sehen wollen, können wir diese Welt nicht mehr sehen. Wir müssen das eine aufgeben, um das andere zu erlangen. Aber die Frage ist: Was ist wichtiger  für uns? Das Leben in dieser Welt oder das Leben in der Welt Gottes?

Es ist beides gleich wichtig, aber es liegt auf einer jeweils anderen Ebene. Wenn wir in dieser  Welt leben, dürfen wir uns an ihr freuen und sollen in ihr unseren Mann stehen. Wir dürfen uns auch auf die Welt Gottes freuen und von unserer Zukunft nach dem Tode noch etwas erwarten. Wir werden Gott sehen. Und, wir werden dann auch sicherlich einsehen, daß die Welt Gottes unsere irdische Welt überbietet. Im Augenblick mag uns das noch zweifelhaft sein. Wir sind betrübt, wenn einer diese Welt verlassen muß und wir haben Angst, auch einmal alles hergeben zu müssen. Aber wenn wir bei Gott sind, werden wir schon sehen, wie alles ist und was für uns besser ist.

Allerdings macht Jesus auch eine Bedingung  dabei. Er sagt: „So jemand mein Wort wird halten!“ Es geht nicht nur um das Hören des Wortes, sondern auch um das Halten! Heute ist für uns die Gelegenheit, daß Gottes Wort nicht nur reine Theorie für uns bleibt, sondern daß wir es hineinnehmen in unser Leben. Heute wird uns das Wort von der Auferstehung der Toten gesagt; und wir werden dazu aufgerufen, es zu glauben.

Wenn wir glauben können und diesem Wort vertrauen können, dann werden wir auch diese (n) Verstorbene (n) getrost hergeben können. Wir wissen sie (ihn) bei Gott gut aufgehoben. Und wir selbst dürfen uns auch bei diesen Gott gut aufgehoben wissen, schon in diesen Leben und dann einmal, wenn auch wir sterben müssen. Denn Jesus Christus spricht: „So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich!“

 

„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe!“

  (Joh 10,11)

Manchmal werden wir sicher bezweifeln, daß Gott unser guter Hirte ist. Wie kann es gut sein, wenn er uns den Tod schickt (und gar noch in so jungen Jahren)? Wir erwarten doch gerade non einem Hirten, daß er die Schafe beschützt und gegen alle Feinde verteidigt, ­auch gegen den Tod.

Aber hat er uns nicht doch behütet? Nur hat er auf ­eine ganz ungewöhnliche und für uns auch unverständliche Art und Weise gekämpft: Er hat für uns den Tod auf sich genommenen, obwohl er unschuldig war. Aber damit hat er uns das Leben gerettet.

Das Wort „Leben“ hat ja zweierlei Bedeutung: Einmal meinen wir das äußerliche Leben, das aus Bewegung, Essen, Trinken, Kreislauf, usw. besteht. Dieses Leben spult sich für uns mit der Präzision eines Uhrwerks ab und ist eines Tages zu Ende. Dieses Leben müssen­ wir hergeben, das kann uns auch Gott nicht anders­ einrichten.        

Aber es gibt auch noch das andere Leben, das unabhängig von unserem Körper ist und über den Tod hinaus greift. Es war schon da, ehe wir geboren wurden und wird bis in alle Ewigkeit bleiben. Es gibt Redewendungen, in denen wird das Wort „Leben“ in dieser zweiten Bedeutung verwendet, etwa wenn wir sagen: „Ich will etwas vom Leben ­haben!“ „Ich will mein Leben anständig führen!“ „Mein Leben soll einen Sinn haben!“

Diese Art Leben zeigt sich vor allem auch darin, daß wir eine Beziehung zu Gott haben und wissen: Er ist unser guter Hirte! Das ist allerdings eine Sache des Vertrauens. Nicht jeder begibt sich ganz in die Hände dieses Gottes. Gar mancher zögert und hält erst noch Ausschau nach anderen Hirten. Ein Schaf handelt da anders. Es kann sich den Hirten nicht aussuche, sondern gehört einfach zu ihm. Deshalb vertraut es ihm auch bedingungslos, nachdem er es zum ersten Mal wirklich beschützt hat.

Ein Hirte mußte in Palästina immer wieder einmal mit dem Angriff wilder Tiere rechnen. Dann war er verpflichtet, sich schützend vor seine Herde zu stellen und den Angriff abzuwehren. Oft wurde er dabei schwer verletzt oder wurde selber das Opfer. Die Hauptsache war: der Herde geschah nichts.

Genauso hat Jesus sich für uns eingesetzt. Als der Tod nach den Menschen griff, hat er sich freiwillig als Opfer angeboten. So wurden wir frei von der Strafe. Zwar muß auch weiterhin jeder Mensch sterben. Aber das ewige Leben kann ihm nicht genommen werden. Alle Menschen sind für Jesus gleich wichtig und gleich wertvoll. Deshalb will er auch im Tod keinen verloren gehen lassen.

Manchmal läuft ja eins der Schafe von ihm weg. Er kann das nicht immer verhindern. Aber er geht dem abgeirrten Schaf nach und sucht es, weil es sonst ohne den Hirten und ohne die Herde verloren wäre. Auch wenn wir uns einmal von Jesus entfernt haben, so findet er uns doch und holt uns wieder aus allem heraus. Ehe der körperliche Tod uns erreichen kann, ist Jesus bei uns und beansprucht uns für sich.

Die Frage ist nur, ob wir uns von Ihm helfen lassen wollen! Bei den Tieren ist es anders, die halten sich an ihren Herrn.  Deshalb ist auch ihr Sterben ohne Probleme und gehört mit in den Kreislauf der Natur. Wir Menschen aber sind frei in unsren Entscheidungen und müssen dafür Rechenschaft ablegen für unser Leben. Deshalb haben wir auch Angst vor dem Sterben. Aber die müssen wir nicht haben, denn wir haben einen guten Hirten, der uns in Schutz nimmt. Er läßt uns nicht im Stich, wenn es gefährlich wird. So machen das die falschen Hirten, die nur für Geld ihre Arbeit verrichten, denen es aber nichts ausmacht, wenn ein Tier verloren geht.

Jesus aber hat sein Schicksal an unseres gekettet. Wo er hingeht, da nimmt er uns mit. Wir sind sein Eigentum und er gibt uns nicht mehr her. Lieber will er selber umkommen. Er läßt uns auch dem Tod nicht. So wie er selber von den Toten auferstanden ist, wird er auch uns hinter sich herziehen in das ewige Leben hinein und uns damit ans Ziel bringen.

Bei ihm können wir sicher sein. Deshalb wollen wir getröstet und im Vertrauen auf ihn durch unser Leben gehen. Auch wenn es manchmal so aussehen mag, als habe er uns verlassen: Der Schein trügt! Er kann uns gar nicht allein lassen und er will es auch nicht - weil wir sein eigen sind im Leben wie im Tod.

 

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben und nie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen                                               (Joh 10,27-28)

Alle Menschen gehören Gott. Zwar wollen nicht alle von ihm wissen und mit ihm zu tun haben. Aber er hat sie alle geschaffen und wendet sich ihnen zu. Und wenn das Leben sich zu Ende neigt, dann nimmt er sie weg von der Erde. Da gibt es kein Sträuben. Unser Leben liegt nicht in unsrer Hand.

Unser Leben ist ein Geschenk. Das wird uns gerade am Tod deutlich, auch wenn das widersprüchlich klingt. Wir nehmen unser Leben oft zu selbstverständlich. Wir denken, das müßte einfach so sein und es könnte nie etwas dazwischen kommen.

Aber Gott kann es auch anders beschlossen haben. Die Medizin macht zwar Vieles möglich. Aber unser Leben steht doch letztlich in Gottes Hand. Er entscheidet, was für uns gut ist und wann es ein Ende hat mit dem Leben auf dieser Erde. Einmal ist unwiderruflich die letzte Stunde da.

Viele denken: Nur gut, daß es mich nicht getroffen hat!“ Aber wir müssen ja immer sagen „noch nicht getroffen hat“. Morgen kann es bei jedem anderen auch so sein. Vielleicht will Gott uns mit dem Leben und Sterben dieses Menschen ein Warnzeichen geben, damit wir wieder daran denken: Wir können unser Leben nicht erhalten oder verlängern, wenn Gott es nicht will. Aber wir sollten wissen; auch wenn wir ihn nicht verstehen, dann hat er doch das Richtige mit uns vor.

Eins steht jedenfalls fest: Wir gehören im Leben und im Sterben zu Gott. Wir sind wie Schafe, die auf die Stimme ihres Hirten hören. Schafe wissen genau, wer ihnen Gutes tun will, wer ihre Bedürfnisse am besten kennt, sie zu den besten Weideplätzen führt und vor Gefahren bewahren will. So will uns auch Jesus vom Anfang unsres Lebens den rechten Weg führen.

Wenn ein Mensch getauft wird, dann wird das in das Kirchenbuch eingetragen; von da an ist er bei der Kirche bekannt. Aber viel wichtiger ist doch, daß er auch bei Gott bekannt ist. Natürlich dürfen wir uns das nicht so vorstellen, als habe Gott wirklich ein großes goldenes Buch, in das er die Namen der Menschen und ihre guten und bösen Taten einschreibt. Solch eine Gedächtnisstütze hat er nicht nötig. Denn mit dem Bild soll uns eben doch gesagt sein: Gott kennt uns genau!

Das hat uns Jesus ganz gewiß gemacht. Er möchte, daß wir das auch in unserem Leben wissen und er mit Recht sagen kann: Sie folgen mir! Zum Nachfolgen gehört aber auch, daß man mit Jesus in den Tod geht. Auch diesen letzten Weg müssen wir mit ihm gehen. Der Tod kann uns auf dem Weg mit Jesus nicht erspart bleiben. Aber als „Lohn“ winkt uns das ewige Leben bei Gott, auch wenn unser Leben äußerlich gesehen ein Ende hat.

Gott hat mehr Möglichkeiten, als wir im Augenblick ahnen. Kein Menschenleben ist sinnlos gewesen, wenn es nur zu Gott hinführt. Wir gehen alle den gleichen Weg, der eine früher, der andere später. Entscheidend ist doch nur, wie das Ende aussieht aber nicht, wie lange wir brauchen, um dorthin zugelangen.

Daß wir dorthin kommen werden, das verspricht uns Jesus. Er  sagt: „Niemand kann sie aus meiner Hand reißen!“ Es sind viele Mächte, die nach dem Leben eines Menschen greifen. Sie reden ihm ein: Auf das Geld kommt es an im Leben. Hauptsache, du hast Macht. Unsre Weltanschauung ist die allein richtige. Mit all solchen Stimmen haben wir es doch tagtäglich zu tun und eine Entscheidung ist oft schwer.

Wenn aber das Ende des Lebens kommt, dann brauchen wir uns nicht mehr zu entscheiden. Dann nimmt Gott unser Leben in seine Hand. Aber wenn er uns erst ein= mal in der Hand hat, dann kann uns auch niemand wieder aus seiner Hand herausreißen. Dann wird er uns verteidigen, so wie eine Mutter oder ein Vater sein Kind verteidigt, so wie ein guter Hirte sich für seine Schafe einsetzt.   

Auch vor dem ewigen Tod wird Gott uns schützen. Der Tod will ja nicht nur diesen ersten Triumph, daß er unserm irdischen Leben ein Ende setzt; er will uns ja auch für immer haben. Aber da schiebt Jesus einen Riegel vor und sagt: „Niemand wird sie aus meiner Hand reißen!“

Der Tod ist nur ein Werkzeug. Ehe er seine Beute einstecken kann, nimmt Jesus sie ihm ab und gibt sie nicht wieder her. Denn er hat gesagt: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen!

 

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen!                                  Kind   (Joh 10,27-28)

Alle Menschen gehören zu Christus, auch die Kinder. Das wird uns in diesem Fall wieder einmal besonders deutlich. Kinder sind ein Geschenk Gottes. Oft ist uns das viel zu selbst­verständlich, so als müßte das einfach so sein und als könnte nie etwas dazwischen kommen.

Aber wie wir sehen, kann Gott es auch anders beschlossen haben. Die Medizin macht zwar Vieles möglich. Aber unser Leben steht doch letztlich in Gottes Hand. Er entscheidet, was für uns gut ist und wann es ein Ende hat mit dem Leben auf dieser Erde.

Viele werden sagen: „Die armen Eltern!“ Aber im nächsten Augenblick denken sie: „Nur gut,  daß es mich nicht getroffen hat!“ Aber morgen kann es bei jedem anderen auch so sein.  Vielleicht will Gott uns mit dem Leben und Sterben dieses Kindes ein Warnzeichen geben, damit wir wieder daran denken: Wir können unser Leben nicht erhalten oder verlängern, wenn Gott es nicht will. Aber auch wenn wir ihn nicht verstehen, dann hat er doch das Richtige mit uns vor.

Eins steht jedenfalls fest: Wir gehören im Leben und im Tod zu Gott. Wir sind wie Schafe, die auf die Stimme ihres Hirten hören. Schafe wissen genau, wer ihnen Gutes tun will, wer ihre Bedürfnisse kennt, sie zu der besten Weideplätzen führt und vor Gefahren bewahren will. So will uns auch Jesus vom Anfang unseres Lebens den rechten Weg führen.

Wenn ein Mensch  getauft wird, dann wird das ins Kirchenbuch eingetragen und er ist von da an bei der Kirche bekannt. Aber viel wichtiger ist noch, daß er auch bei Gott im Buch des Lebens steht. Natürlich dürfen wir uns das nicht so vorstellen, als habe Gott wirklich ein großes goldenes Buch, in das er die Namen der Menschen und ihre guten und bösen Taten einschreibt. Doch eine Gedächtnisstütze hat er nicht nötig. Aber mit diesem Bild soll uns doch eben gesagt sein: Gott kennt uns genau.

Das hat uns Jesus ganz gewiß gemacht. Ja, er sagt sogar: Sie folgen mir! Jesus hat auch in der Tod gehen müssen als er noch jung an Jahren war. So müssen wir auch diesen letzten Weg mit ihm gehen. Der Tod kann uns nicht erspart werden, wenn wir Jesus nachfolgen wollen. Aber als Lohn winkt uns das ewige Leben bei Gott, auch wenn unser Leben äußerlich gesehen ein Ende hat.

Gott hat mehr Möglichkeiten, als wir im Augenblick ahnen. Auch dieses junge Menschenleben ist bei ihm nicht verloren. Es hat einen  Sinn gehabt, wenn es nur zu Gott hinführt. Wir gehen alle den gleichen Weg, der eine früher, der andere später. Entscheidend ist doch nur, wie das Ende aussieht, nicht, wie lange wir brauchen, um dorthin zu gelangen.

Daß wir dorthin kommen, verspricht uns Jesus. Er sagt: Niemand wird sie aus meiner Hand reißen! Es sind viele Mächte, die nach dem Leben eines Menschen greifen. Sie reden ihm ein: Auf das Geld kommt es im Leben an. Hauptsache, du hast Macht. Unsere Weltanschauung ist die allein richtige. Mit all solchen Stimmen haben wir es doch tagtäglich zu tun und eine Entscheidung ist oft schwer.

Diesem Kind aber ist dieser Kampf erspart geblieben. Es hat glücklich leben können. Der Ernst des Lebens hatte noch nicht begonnen. Die Eltern hatten noch alle Verantwortung und das Kind konnte sorglos leben und sich an allem freuen. Es hat sich nicht entscheiden müssen, es hat nicht im Leben kämpfen müssen.

Nur einmal hat es den Ernst des Lebens zu spüren bekommen, als Gott es zu sich geholt hat. Es war Gottes Gnade, daß er dieses Kind schon jetzt in seine Hand genommen hat. Niemand wird es da wieder herausreißen können. Nun wird Gott sein Kind verteidigen, so wie eine Mutter oder ein Vater sein Kind verteidigt.

Auch vor dem ewigen Tod wird Gott das Kind schützen. Der Tod will ja nicht nur dieser ersten Triumph, daß er unsrem irdischen Leben ein Erde setzt, er will uns auch für immer haben. Aber da schiebt Jesus einer Riegel vor. Er sagt: „Niemand wird sie aus meiner Hand reißen!“ Der Tod ist nur ein Werkzeug. Ehe er seine Beute einstecken kann, nimmt Jesus sie ihm ab und gibt sie nicht wieder her. Denn er hat gesagt: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen!“

 

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe!“                                                                                                                  (Joh 11,25)

Natürlich muß jeder Mensch sterben. Auch wenn er über 100 Jahre alt werden sollte, ist das Ende doch der Tod. Von vielen großen Männern werden ihre Taten aufgezählt. Aber am Schluß heißt es immer: Und dann starb er!   Was bleibt dann von diesem Leben? Was ist dann mit den Taten, die man so gerühmt hat? Was wird aus dem Besitz, den einer angesammelt hat?

Für viele Menschen wird es doch sicher hoffnungslos, wenn es ans Sterben geht. Sie sehen alles dahin schwinden, aber es tut sich nichts Neues vor ihnen auf. Ihr Ende ist trostlos und im Grunde war damit auch ihr ganzes Leben trostlos. „Das Ende trägt die Last“, sagt man. Auf dem Ende liegt das ganze Gewicht, da entscheidet sich erst alles, da stellt sich erst heraus, ob das Ganze Sinn gehabt hat oder nicht.

Deshalb ist zwar oft von den Taten großer Männer die Rede. Aber dafür um so weniger von ihrem Ende. Denn da geht es oft sehr kläglich zu, da ist nichts mehr von Größe zu spüren, sondern nur noch Erschrecken vor der Gewalt des Todes. Am Ende sieht alles oft ganz anders aus.

Nun heißt es hier: „Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe!“ D a s  ist der Unterschied! Hier unterscheidet sich das Leben eines schlichten, aber glaubenden Menschen von dem eines anderen, der nichts von Gott wissen will. Christen haben eine Hoffnung. Mit dem Tode ist nicht einfach alles aus, sondern da geht es oft erst richtig los. Natürlich wird nur der zu Christus gehören können, der sich auch -schon in seinem Leben zu ihm gehalten hat. Nur wer Jesus schon heute kennt, den wird er auch kennen, wenn dieses Leben einmal endet. Wenn wir in eine fremde Stadt kommen, in der wir uns gar nicht auskennen, dann haben wir Beklemmungen und sind unsicher. Es wird aber alles einfacher, wenn wir in dieser Stadt einen Bekannten haben, der uns am Bahnhof abholt. Dann ist die ganze Fahrt nach dort schon leichter und wir brauchen keine Angst zu haben.

So ist auch der Weg zu Gott nur die Fahrt zu einem alten Bekannten: Jesus erwartet uns und zeigt uns die fremde Stadt und die unbekannte Welt, die er uns verheißen hat. Wir wissen wirklich nicht, wie es dort aussieht. Es hat uns noch keiner von dort berichten können. Aber es ist ja auch gar nicht nötig, über alle Einzelheiten Bescheid zu wissen. Wichtig ist doch nur, daß es diese Gottesstadt gibt und daß wir in ihr wohnen werden dürfen. Wichtig ist doch nur, daß wir einen Herrn haben, der uns das Unbekannte bekannt macht. Und dieser Herr hat gesagt: „Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe!“

Natürlich können wir den Tod nicht einfach überspielen, wir können nicht so tun, als sei gar nichts gewesen. Äußerlich gesehen ist es doch wirklich aus. Und es fällt uns doch wirklich schwer, von dieser Erde Abschied zu nehmen, zu der wir nie wieder zurückkehren werden.

Aber wir wissen doch: Es wartet eine neue und schönere Welt auf uns. Das verheißt uns der, der uns diesen Weg schon vorangegangen ist. Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben!“ Das sagt er zu den Angehörigen des Lazarus, die nicht glauben können, daß ihr Bruder das ewige Leben schon sicher hat. Wo aber Jesus ist, da hat der Tod schon jetzt keine Macht mehr, da ist der Sieg des Lebens schon ausgemacht.

Wenn uns auch das Wort „Auferstehung“ vielleicht etwas fremd erscheint - unter dem Wort „Leben“ können wir uns schon etwas vorstellen: ein Leben bei Gott in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Wenn wir es recht überlegen, dann ist mit diesem Wort Jesu eigentlich alles gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe!“

 

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht!“                                         (Joh 12,24)

Es ist jetzt wieder die Zeit, in der wir in den Garten gehen und den Samen in die Erde legen. Wenn etwas wachsen soll, dann muß es erst einmal gesät worden sein. Das macht erst einmal Mühe und Arbeit, und manchem von uns ist das sicherlich nicht so angenehm. Aber es muß eben sein und so unterziehen wir uns eben allen Beschwerden

Wir wissen nämlich: Bald wird aus dem Samenkorn etwas Neues hervorsprossen. Schon nach kurzer Zeit ist etwas zu sehen, und nachher im Herbst ist dann auch die Frucht da. Aus einem kleinen, unscheinbaren Samenkorn ist etwas Neues und Herrliches entstanden.

Das ursprüngliche Samenkorn ist dabei zugrundegegangen. Wenn wir im Herbst nachsehen, ist nichts mehr oder bestenfalls noch die leere, äußere Hülle zu entdecken. Aber dieses Opfer war notwendig, damit es nachher weiter gehen kann mit neuem Samen.

So muß es auch mit dem Tod sein, damit Gott uns neu machen kann. Unser irdischer Leib taugt nichts für das Reich Gottes, er kann nicht dorthin kommen. Deshalb muß er in die Erde gelegt werden und vergehen. Das ist zwar im Augenblick schwer für uns. Wir müssen von einem lieben Menschen Abschied nehmen und werden ihn nie wiedersehen. Aber nur wenn das geschehen ist, kann Gott sein Werk anfangen. Man kann nicht beides haben wollen: Das irdische Leben und das Leben bei Gott. Das eine müssen wir aufgeben, um das andere zu gewinnen. Wenn Gott uns das Leben nimmt, dann nur, um uns ein neues und besseres zu geben. Seine Güte reicht auch über unsren irdischen Tod noch hinaus.

Der Vergleich mit dem Samenkorn kann uns dabei zweierlei deutlich machen: Einmal das Fortbestehen des Alten. Das Wesen des Samenkorns geht in das neue Korn über. Alle Eigenschaften des Alten werden an das Neue weitergegeben, weil der Bauplan für künftige Generationen schon in jedem Korn drin liegt.

So wird auch das Wesen eines Menschen den Tod überdauern. Der Mensch, den Gott ins Leben rief, den er in der Taufe zu seinem Kind angenommen hat, den er ein Leben lang begleitet hat, den er kennt und liebt, der ist auch im Tode nicht vergessen. Gott gibt jedem Menschen noch eine Zukunft.

Aber auf der anderen Seite muß man auch sagen: Gott wird etwas ganz Neues schaffen. Er umgibt den Menschen mit einem neuen Leib, ehe er in sein Reich kommen kann. Es geschieht also ein vollständiger Bruch mit der Vergangenheit und ein neues Leben beginnt.

Das Samenkorn verschwindet ja auch ganz. Das einzelne Korn vergeht, höchstens die Art bleibt bestehen - Abbild der des Alten, aber eben doch nicht das Alte selber. So müssen wir dann beide Aussagen zusammensehen: das Weiterbestehen und der Bruch.

Das wird uns davor bewahren, jene billige Redensart nachzusprechen: „Wir leben in unseren Kindern weiter!“ Das stimmt nicht. In dieser Richtung gibt es nur einen Bruch. Wir leben nicht in den Kindern weiter, sondern nur bei Gott. Was hinter uns liegt, das ist abgetan. Aber vor uns liegt die Zukunft Gottes, der noch viel mit uns vorhat.

Unsre Hoffnung liegt nicht im Bereich dieser Welt, sondern geht über sie hinaus. Alle menschlichen Tröstungsversuche bleiben doch nur im innerweltlichen Bereich. Gott aber gibt uns mehr Sicherheit als diese Welt.

Unser Blick sollte deshalb ganz in die Zukunft gerichtet sein. Das gilt zunächst einmal für einen Sterbenden. Er muß sowieso diese Welt hinter sich lassen. Es wird ihm leichter fallen, wenn er weiß, wohin sein Weg führt. Das gilt aber auch für die Angehörigen eines Verstorbenen. Sie müssen an die Aufgaben denken, die sie noch in dieser Welt haben. Der (Die) Verstorbene ist bei Gott gut aufgehoben. Wir brauchen uns keine Sorgen mehr um ihn (sie) zu machen. Das Leben aber der anderen geht weiter. Sie müssen sich noch in dieser Welt bewähren und nach Gottes Willen leben.

Das gilt schließlich aber auch uns allen, die wir weiter leben. Auch unser Blick sollte auf das Ende gerichtet sein, das Gott uns einmal bereitet. Wir müssen alle einmal sterben. Aber das steht nicht als Drohung über unserem Leben, sondern als eine große Verheißung: Der Tod ist nur Durchgang zum Leben.

So sicher, wie ein Samenkorn Furcht bringt, so sicher ist uns auch das Leben bei Gott. Natürlich geht auch das eine oder andere Korn nicht auf. Aber dann hat es nie richtiges Leben in sich gehabt. Gott aber gibt uns die Zusage: Durch die Taufe ist in jeden von uns der Keim zum künftigen Leben gelegt. Wer diesen Keim nicht mit Gewalt ausgetreten hat, der kann auch beruhigt dem Tod entgegen gehen: er wird in ein neues Leben kommen, so wie eine Pflanze sich aus einem kleinen Samenkorn zu neuer Pracht entfaltet.

 

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen!                                                (Joh 14,1-2)

Wir erschrecken, wenn  ein Mensch durch den Tod plötzlich von uns genommen wird. Auch wenn er alt war und wir mit dem Ende seines Lebens zu rechnen hatten, ist es doch schlimm, wenn er plötzlich nicht mehr da ist. Zu sehr war er mit unserem Leben verwurzelt, als daß er nicht eine Lücke hinterließe.,

Aber es ist eben unsre Bestimmung, daß wir in diese Welt treten und sie wieder verlassen müs­sen. Nur die Nachkommen werden ihr Leben weiterführen, bis auch sie an das Ende ihres irdischen Daseins gekommen sind. Menschen werden alt und sterben und andere rücken nach, das ist der Lauf der Welt.

Doch über unserem ganzen Leben steht die Verheißung aus dem 14. Kapitel des Johannesevangeliums: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen!“ Jesus kommt vom Vater  und weiß, wie es dort aussieht. Er versichert uns, daß wir auch einmal dort sein werden. So gilt dieses Wort den Lebenden und den Toten, es gilt dem (der) Entschlafenen und uns. Unser irdisches Leben ist nicht das Letzte, weil Gott noch mehr Möglichkeiten hat als das Dasein auf der Erde einschließlich des Todes, der am Ende auf uns wartet.

Jesus hat dieses Wort: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen!“ kurz vor seinem Tode  gesagt, der dann mit der Himmelfahrt endete. Dürfen wir nun aus diesem Geschehen die Hoffnung ableiten, daß wir auch einmal eine solche  Himmelfahrt erleben werden? Was geschieht mit den Verstorbenen, was wird mit uns geschehen?

Das sind die Fragen, die uns Menschen immer wieder bewegen. Die Bibel gibt da sehr nüchterne Artworten: Der Mensch ist aus Staub und wird wieder zu Staub! Unser irdischer Leib wird zerfallen. Er taugt nichts für die Wohnungen Gottes, deshalb ist er vergänglich. Gottes Liebe zu uns aber ist unvergänglich. Sie reicht auch über unseren Tod hinaus.

Gott hat die Wohnung schon für uns bereit. Sicherdürfen wir uns das nicht zu wörtlich vorstellen. Gottes Wohnung ist nicht eine verbesserte Ausgabe unserer irdischen Wohnung. W i e es im einzelnen sein wird, brauchen wir nicht zu wissen. Wichtig ist doch allein, daß Gott für jeden von uns Platz hat und uns gern bei sich haben möchte.

Elters sorgen ja auch häufig vor, sie möchten ihre Kinder möglichst mit im gleichen Haus haben. Aber oft wollen die Kinder das gar nicht, wollen selbständig sein und sich selber etwas suchen. So geht es Gott aber auch mit uns. Er erlebt, wie viele seiner Menschenkinder eigene Wege gehen.

Aber einmal setzt er ihrem Leben ein Erde und holt sie zu sich. Wer gern zum himmlischen Vater heimkehrt, für den hat er die Wohnung schon bereit. Er muß zwar Abschied nehmen von seinen Lieben. Aber das Ende ist noch nicht gekommen, wird nie kommen.

Mit dem Tod beginnt noch einmal  etwas Neues  in einer ganz anderen Welt. Jesus Christus hat uns den Weg nach dort gezeigt. Und wir dürfen sicher sein, daß Gotte alles für unser Kommen vorbereitet hat.

Damit sollen wir nicht auf eine bessere himmlische Zukunft vertröstet werden, von der wir ja heute doch nichts haben. Wir dürfen auch gern und mit allen Fasern unseres Herzens in dieser Welt leben. Schließlich ist sie ja auch die Welt Gottes und uns für einige Zeit als Wohnung zugewiesen.

Manche Leute sagen ja: „Religion ist Opium für das Volk!“ Sie sei Volksverdummung, die nur von der Veränderung der gegenwärtigen, schlimmen Zustände abhält! Das ist eine ernste Kritik. Aber sie trifft uns heute nicht mehr so ganz.

Wir dürfen ruhig alles tun zur Verbesserung des Lebens auf dieser Erde. Wir dürfen es auch mit gutem Gewissen tun und nicht nur so nebenbei, als ob unsere wahre Aufgabe in einer jenseitigen Welt läge. Unsere Heimat ist erst einmal die Erde. Aber wir dürfen wissen, daß es außer unserer irdischen Hütte auch noch ein Haus für uns gibt, von Gott gebaut und für uns offen.

Deshalb können wir auch diese (n) Entschlafene (n) getrost dahingeben und unsere gewöhnliche Alltagsarbeit  wieder in Angriff nehmen. Jesus hat nicht umsonst gesagt: „Euer Herz erschrecke nicht!“ Wir wollen dieses Wort im Ohr behalten für unser eigenes Leben und für den Tag, an dem wir wieder einmal vor der Tatsache des Todes stehen werden: „Euer Herz erschrecke nicht! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen!“

 

Jesus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Lebe; niemand kommt zum Vater denn durch mich!                                                                        (Joh 14,6)

Wir fragen heute nach dem richtigen Weg, wie es weiter gehe  soll. Allzufrüh ist ein Mensch aus seiner Familie dem Kreis seiner Kollegen und Freunde herausgerissen worden. Er wäre noch an allen Ecken und Enden gebraucht worden. Zuhause war noch Arbeit fortzuführen, in der Firma ist seine Arbeitsstelle leer, gar mancher wird die Hilfe des Verstorbenen vermissen.

In gewisser Hinsicht ist jeder Mensch zu ersetzen. Wir sollten nicht so vermessen sein und meinen, ohne uns ginge es nicht. Es muß auch so weitergehen, wenn auch vielleicht nicht so gut und nicht so schnell. Wenn erst einmal ein' Platz leer ist, dann muß einfach jemand gefunden werden, der dort weitermacht.

Aber in anderer Hinsicht ist ein Mensch niemals zu ersetzen: Er war ein verständnisvoller Zuhörer und guter Ratgeber, er hat bestimmte Dinge angeregt und manche Gefahr abgewendet. Er war einfach da und hat die Geschicke seiner Familie mitbestimmt. Was ein Mann für seine Frau und ein Vater für seine Kinder ist, das kann niemand ersetzen.

Aber dann ist es gut, wen man noch einen himmlischen Vater hat, an den man sich wenden kann, wenn man einen Herrn über sich weiß, der unser Geschick in den Händen hält. Manchmal ist uns der Plan Gottes allerdings auch dunkel und unverständlich. Wir können nicht begreifen, weshalb er gerade uns so Schweres schickt. Gerade bei einem Todesfall werden uns solche Fragen kommen. Aber Jesus Christus spricht: „Ich bin der Weg!“ Er führt uns nicht in ein dunkles Tal, um uns darin umkommen zu lassen. Er zeigt uns auch wieder einen Weg heraus. Aber es gibt nur diesen einen Weg. Aus dem Tod kann  uns kein Mensch wieder herausholen. Das kann nur Gott allein. Und er wird es tun, wenn wir uns an seinen Sohn Jesus Christus halten.

Jesus hat auch in der Blüte seiner Jahre sterben müssen. Aber er tat es im Gehorsam gegenüber dem himmlischen Vater und im Vertrauen darauf, daß Gott auch wieder eine Wende herbeiführen wird. Gott kann vom Tode erwecken. Das ist der Weg, auf dem er uns helfen kann und will. Wenn wir unsre Toten in der Gewißheit der Auferstehung hergeben können, dann wird auch unser Weg leichter werden.

An diesem Punkt entscheidet sich alles: Können wir Vertrauen haben zu Gott, dann wird er uns auch helfen. Es geht darum, ob wir glauben können, daß Jesus die Wahrheit gesagt hat. Er spricht: Ich bin die Wahrheit! Alle anderen Wahrheiten in dieser Welt sind nur vorläufig und geben nur einen Teilaspekt wieder.

Im Augenblick allerdings sehen wir nur die harte Wahr­heit des Todes. Doch das ist nur die eine menschliche Sicht der Dinge. Die volle Wahrheit  aber will Gott uns vermitteln. Er sagt: Das ewige Leben ist erst die Wahrheit, also nicht das, was ihr jetzt sehen könnt, sondern das, was Gott euch zeigen wird. Jesus ist das Leben. Wer sich an ihn hält, der hat Anteil an dem ewigen Leben Gottes. Dort wird es keine Krankheit und kein Leid, kein Mißverstehen und keine Enttäuschungen  mehr geben, keine Last und keine Mühen, kein Alleinsein und keine Hoffnungslosigkeit.

Gerade im Angesicht des Todes dürfen wir von der Hoffnung reden, die Gott uns geben kann. Wir können dem Tod sagen: Du hast nur einen vorläufigen Sieg errungen. einen Zwischenspurt, aber am Ende wirst du unterliegen. Jesus bleibt der Sieger, er ist auch stärker als der Tod, er kann auch uns in das neue Leben bei Gott hinführen.

Für die Angehörigen des Verstorbenen wird nun auch ein anderes Leben beginnen. Manches wird anders geregelt werden müssen, vieles wird schwerer werden. Dennoch braucht keiner Angst zu haben, er könnte das nicht bewältigen. Wer sich von Jesus helfen läßt, wird auch vorankommen und seinen Weg schon finden. Das ewige Leben soll nicht erst etwas für die Zukunft sein, sondern es wirkt auch schon in unsre Gegenwart hinein. Weil wir eine Hoffnung für die Zukunft haben, können wir auch unsre Gegenwart besser bewältigen.

Die Frage ist immer nur: Wollen wir wirklich zu unsrem himmlischen Vater kommen? Ist er wirklich das Ziel unsres Lebens? Wenn das so ist, dann dürfte gar nicht so entscheidend sein, wie lange dieses irdische Leben dauert. Die Hauptsache ist dann, daß wir mit Jesus gehen wollen, in guten wie in schlimmen Tagen. Dann werden wir auch ans richtige Ziel kommen. Denn Jesus hat gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich!“

 

„Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns!“                                          (Joh 14,8)

Jeder Mensch hat einen Vater. Noch bei der Beerdigung wird der Name des Vaters genannt. Er deutet uns nämlich an, woher wir kommen und wo wir hingehören. Wer den Namen seines Vaters nennen kann, der hat ein Zuhause und kann nicht verloren gehen.

Jeder Mensch - oder doch fast jeder Mensch - kennt seinen Vater und weiß, an wen er sich wenden kann, wenn er einmal in Not ist. Es ist gut, wenn man so einen festen Punkt hat, an den man immer wieder zurück kehren kann und wo man geborgen ist.

Jedes Kind geht aber einmal innerlich und äußerlich vom Vater weg. Das ist notwendig, damit der Mensch eine eigene Persönlichkeit wird und selbständig handelt und denkt. Das ist eine ganz natürliche Entwicklung.

Aber irgendwann muß jedes Kind einmal wieder zurückkehren zum Vater. Er wird dann ein anderer sein: er wird gern wieder auf seinen Vater zugehen und ihm danken für alles, was er an ihm getan hat. Auch von unsrem himmlischen Vater entfernen wir uns oft. Ein Kind vertraut noch ganz wie selbstverständlich auf Gott, wenn dieser ihm nahegebracht worden ist.

Aber irgendwann kommt es im Leben auch einmal zu einer Krise im Glauben. Jeder Mensch geht einmal von Gott weg und will selbständig sein. Jesus hat das ja

im Gleichnis vom verlorenen Sohn unnachahmlich dargestellt. Und wir sind ja im Grunde alle einmal solche verlorenen Söhne gewesen.

Aber entscheidend wichtig ist für uns, daß wir wieder zu unsrem Gott zurückfinden. Einmal kommt der Zeitpunkt, wo es dazu höchste Zeit ist. Es ist noch nicht schlimm, wenn einer unsicher im Glauben geworden ist. Aber er muß dann auch wieder einmal festen Grund unter den Füßen gewinnen.

Mancher kommt schon sehr früh in seinem Leben dazu, ein anderer erkennt es erst gegen Ende seines Lebens Aber Gott hat wie ein menschlicher Vater Verständnis für seine mißratenen Kinder: Er packt sie manchmal hart an. Aber er verzeiht ihnen auch wieder, wenn sie zu ihm zurückkehren.

Manchmal kann es auch sogar so aussehen, als ob ein Mensch seinen Vater ganz vergessen hätte oder sich doch zumindest von ihm getrennt hat. Es gibt sogar Menschen, die ihren Vater beschimpfen und verfluchen. Aber deshalb bleibt er doch ihr Vater, der sie lieb hat.

Bei den Jüngern Jesu hier in Johannes 14 sieht es auch fast so aus, als hätten sie vergessen, wer ihr Vater ist. Jesus hatte zu ihnen von dem Vater gesprochen. Aber Philippus sagt zu ihm: „Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns!“ Dabei war Philippus doch auch ein Glied des Gottesvolkes und wußte von Gott, sowie wir durch die Taufe zu Gott gehören und von ihm wissen,­ zumindest wissen können.

Aber Philippus will noch mehr. Er will nicht nur theoretisch etwas von Gott wissen, sondern er will ihn auch ganz praktisch vor sich sehen. Wie oft wünschen wir uns das doch auch: Gott einmal wirklich sehen zu können oder doch zumindest seine Machttaten einmal sichtbar gezeigt zu bekommen oder einen Beweis für die Auferstehung.

Unser Glaube braucht immer wieder einmal Stützen, Wunder Gottes oder sichtbare Zeichen seines Eingreifens „Wenn ich dich sehen kann, Gott, dann will ich auch an dich glauben!“ mag mancher denken. Dabei steht das eigentliche Wunder uns doch sichtbar vor Augen: Jesus Christus, der Gottessohn! Darüber sollten wir uns wundern, daß Gott diese vor ihm davonlaufenden Menschen doch so lieb hat, daß er seinen Sohn zu ihnen schickt.

So sagt Jesus dann auch zu Philippus: „Wer mich sieht, der sieht den Vater!“ Der Wunsch, Gott zu sehen, ist töricht, wo wir doch Jesus haben. Auf den sollen wir sehen, und das genügt uns, denn er ist nichts anderes als der Vater auch.

Ein ganzes langes Leben hindurch dürfen wir die Güte und Barmherzigkeit Gottes verspüren. Aber diese Liebe Gottes reicht auch über unser irdisches Leber hinaus. Gott findet am Tod noch keine Grenze. Im Gegenteil: Gerade dann zeigt sich erst richtig seine Macht! Jesus hat es uns gezeigt, daß dieser Gott auch unser Gott ist. Deshalb müssen wir uns an Jesus halten, wenn wir im Leben und im Tod und vor Gott bestehen wollen. Deshalb wollen wir Jesus bitten: „Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns!“

 

„Ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu euch!“                       (Joh 14,18)

Auch wenn man selber schon Enkel hat, kann es einem doch so vorkommen, wie wenn man Waise wird, weil man den Vater oder die Mutter hergeben muß. Solange man noch einen vor sich hat, braucht man die Verantwortung doch nicht ganz allein zu tragen. Man hat noch einen, den man einmal fragen kann und von dem man vielleicht auch noch Hilfe erfahren kann

Aber wenn man beide Eltern nicht mehr hat, kann man sich leicht einsam vorkommen. Und man beginnt auch zu spüren: Jetzt bist du als Nächster dran! Auf einmal ist man selber ein Stück älter geworden und empfindet eine neue Verantwortung für die nachfolgenden Generationen.

Vor allem ist es auch schwer, wenn man die Mutter hergeben muß. Mit der Mutter ist man von Geburt her besonders verbunden. Und wenn man im Leben gemeinsam viel Schweres, aber auch Schönes mitgemacht hat, dann ist die Verbindung noch fester geworden. Die Mutter sorgt in besonderer Weise für ihre Kinder, sie kann vieles ausgleichen, so daß man kaum etwas entbehren muß.

Aber wenn auch die Mutter nicht mehr da ist, dann könnte man meinen: Jetzt bin ich ganz allein und nur auf mich angewiesen! Das stimmt auch bis zu einem gewissen Grade. Aber wir wollen auch nicht vergessen, was Gott dazu zu sagen hat: Ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu euch!“

Das hat Jesus zu seinen Jüngern gesagt, als er von ihnen Abschied nahm. Lange Zeit haben sie immer bei ihm sein dürfen. Er hat sie geführt und sie hingen an seinen ­Lippen. Was er sagte, war für sie das Evangelium. Was er tat, war ihnen Vorbild, wenn sie es auch manchmal nicht ganz verstanden. Aber einmal war halt diese schöne Gemein­schaft zu Ende. Er mußte sie verlassen und sie waren wieder auf sich allein gestellt.

Ja, waren sie wirklich allein? Er hat ihnen ja sein Wort hinterlassen und seinen Heiligen Geist, der sie- trösten sollte. Er ging zu- seinem Vater. Aber sie blieben ja auch Kinder dieses himmlischen Vaters. Man kann doch nirgendwo in der Welt allein sein, wenn man ein Kind Gottes ist. Gott ist jedem nahe, wo immer er auch ist. Und vielleicht ist er uns besonders nahe, wenn  wir in tiefem Leid sind.­ In der Bergpredigt heißt es ja: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden!“

Gott läßt keinen als Waisen zurück, schutzlos und rechtlos. Wenn Menschen uns nicht mehr helfen und beschützen können, dann wird Gott es tun. Er wird es besser tun, als ein Mensch das könnte. Man muß nur auf ihn vertrauen. Dann wird sich die Kraft des Glaubens erweisen, auf den man einst getauft worden ist, dessen Inhalte man gelernt hat und der vielfach erprobt worden ist.

Jesus hat beim Abschied von seinen Jüngern gesagt: „Ich komme zu euch!“ Das gilt aber auch uns, die wir uns oft sehr allein gelassen vorkommen. Wenn wir doch alle ganz fest daran glauben könnten, daß Christus immer wieder zu uns kommt und unser Heiland und Tröster sein will. ­Wir sind nicht allein, solange wir auf diesen Helfer vertrauen.

Wir brauchen gar nicht erst nach ihm zu suchen. Vielmehr kommt er zu uns. So wie Gott in Jesus Mensch geworden ist und sich so zu den Menschen aufgemacht hat, so will er auch heute immer wieder zu uns kommen. Vor allem will er zu denen kommen, die durch schweres Leid tief gebeugt sind und seine Hilfe besonders brauchen. Wir ­dürfen darauf vertrauen: Gott läßt keinen allein! 

 

Aber das ist natürlich auch eine Aufforderung an uns alle, die Leidtragenden nicht allein zu lassen. Sie sollen aber nicht nur heute unser Mitgefühl spüren, sondern immer wissen, daß sie auch von den Menschen nicht allein gelassen werden .

Die Leidtragenden aber seien immer wieder auf Gottes' Wort verwiesen .Wenn man persönlich betroffen ist, wird dieses Wort viel deutlicher und konkreter zu uns sprechen als sonst. Man wird besser verstehen, was in der Bibel gesagt wird oder in manchen Kirchenliedern festgehalten ist.    

Gerade in einer schwierigen persönlichen Lage kann man besondere Erfahrungen mit Gott machen. Man wird viel offener sein für seine Hilfe und seinen Trost. Und vielleicht kann man am Ende sogar Gott loben für seine Taten. Wir wollen ja auch nicht vergessen, was er in einem langen Leben an dem (der) Verstorbenen getan

Hat an Gutem und Hilfreichem. Und vor allem wollen wir auch nicht außer acht lassen , was er jetzt tut: Er hat einen Menschen heimgeholt in sein Reich. Aber er will auch die nicht allein lassen, die jetzt zurückbleiben. Er will bei allen sein, die ihn besonders brauchen.

 

„Ich lebe, und ihr sollt auch leben!'1                                                                                   (Joh 14,19)

Der Schweizer Dichter Friedrich Dürrenmatt schreibt in seiner Erzählung „Der Tunnel“ von einem Studenten, der Sonntagsnachmittag in den gewohnten Zug steigt, aber nie ankommt. Nach 20 Minuten fährt der Zug in einen an sich kurzen Tunnel ein. Er ist so kurz, daß nicht einmal das Licht eingeschaltet wird. Aber an diesem Tag nimmt der Tunnel kein Ende. Der Mann denkt, er hätte den falschen Zug erwischt. Aber es ist der Zug nach Zürich. Er fragt den Zugführer, aber den scheint das alles nicht zu kümmern. Der Zug fährt immer schneller. Er rast durch den Tunnel, immer weiter abwärts, in die Tiefe. Tosend stürzt er schließlich ins Bodenlose, unaufhaltsam, es gibt kein Entrinnen mehr.

Was will der Dichter wohl mit dieser Geschichte deutlich machen? Will er damit sagen: So widerfährt es dem Menschen, der dem Tod entgegengeht? Er denkt sich nichts Besonders; aber in Wirklichkeit sitzt er schon in dem Zug, der dem Tod entgegenrast. Sein Todesschicksal ist, daß er in einen dunklen Tunnel rast und nichts dagegen tun kann. Er kann nicht noch schnell aussteigen oder in einen anderen Zug umsteigen, er kann nicht die Notbremse ziehen, er kann nicht andere um Hilfe bitten.

Aber das ist nicht die christliche Botschaft von Tod und Auferstehung. Das ist nicht das letzte Wort, das wir zu sagen haben. Gewiß mag manchem  Menschen das Leben so vorkommen. Es geht immer schneller voran, die Jahre fliegen dahin wie ein Schatten. Viele sagen eines Tages: „Ich hätte nie gedacht, daß ich einmal so alt werde!“ Ja, vielfach wundert man sich einfach, daß man schon so alt ist.

Gerade wenn es auf das Ende des Lebens zugeht, dann fragt man sich doch: Was wird nachher kommen? Werde ich einfach in ein tiefes Loch stürzen oder ist da noch etwas, das mein Leben auf andere Art und Weise weiter führt?

Die Bibel macht uns deutlich: Gott läßt uns nicht in einem Tunnel umkommen. Der Tunnel öffnet sich vielmehr zum Leben und zur Ewigkeit. Wir haben mehr zu erwarten, als der Dichter geben kann. Wir dürfen auf das Wort Jesu hören: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“

Dennoch mag uns an jener Geschichte beeindrucken; mit welcher Nüchternheit und Schonungslosigkeit hier vom Tod gesprochen wird. Auch wir können nicht billiger vom Sterben eines Todgeweihten sprechen. Der Tod hat sein eigenes Gewicht: Er kann den Geringen erheben und den Mächtigen zerstören. Er läßt sich nicht betrügen oder mit Blumen verschleiern. Wir kommen nicht am Tod vorbei. Er ist ein brutaler Herr, der unendlich viel Leben und Liebe zerstören kann.

Für viele Menschen ist auch einfach der Gedanke an den Tod schrecklich. Wie ein dunkler Schatten legt er sich über ihr ganzes Leben. Dadurch aber greift er nach unsrer Hoffnung und bedroht unsren Glauben. Er droht, nicht nur unsren Leib zu verschlingen, sondern auch unsre Seele, unsre ganze Person und unsren Gott.

Doch jene Geschichte von Dürrenmatt hat noch einen Schluß. Der Zugführer schreit schließlich dem Studenten ins Ohr: „Was sollen wir tun?“ Dieser antwortet nur: „Nichts können wir tun! Gott ließ uns fallen, und so stürzen wir denn auf Ihn zu!“

Woher weiß der Dichter das: Wer auf Gott zustürzt, der ist nicht verloren? Er kann es nur von Jesus haben, der gesagt hat: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“

Das bedeutet zunächst einmal: „Ich sterbe, und ihr sollt auch sterben!“ Jesus ist wirklich einen schrecklichen Tod gestorben. Aber am Auferstehungsmorgen verlor der Tod seine letzte Schlacht. Aus dem Tod brach das Leben wieder hervor.

Und der mit uns und für uns gestorben ist, der nimmt uns in dieses Leben mit hinein. Er ist der Einzige, der über den Tod mehr zu sagen weiß als alle Menschen. Er ist der Einzige, der voller Berechtigung zum Leben rufen kann, weil er im Machtbereich des neuen Lebens steht.

Angesichts des Todes und in der Nähe unsrer Toten können wir dennoch tapfer und getröstet sein. Wenn wir auch durchs Dunkel stürzen, so haben wir doch eine Hoffnung: Wir stürzen ja auf Gott zu.! Der Glaube ist das Wachstum in diese Gewißheit hinein. Doch diese Gewißheit will immer wieder neu ergriffen sein. Heute ist dazu wieder Gelegenheit.

 

„Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!                                                                                                                                 (Joh 14,27)

Ein Mensch ist im hohen Alter gestorben. Wir können sagen: Er ist im Frieden heimgegangen. Man kann sich das nur wünschen, daß der Tod nicht plötzlich kommt, sondern man sich in Ruhe darauf vorbereiten kann. Mancher trifft die notwendigen Vorbereitungen, gibt vielleicht Anweisungen für den Fall seines Ablebens, legt vielleicht Einzelheiten der Trauerfeier fest. Das zeigt, daß er ohne Angst seiner letzten Stunde entgegensieht.

Jesus möchte, daß wir im Frieden leben und sterben können. Frieden ist wichtig für das Verhältnis der Völker und der Menschen. Wenn wir da keinen Frieden haben, ist das Leben sehr belastet und oft nicht mehr zu ertragen.

Aber noch wichtiger ist der Frieden mit Gott. Nur wenn wir mit Gott Frieden haben, können wir auch im Frieden sterben. Gott wendet sich ja freundlich uns zu, er möchte ein gutes Verhältnis zu uns haben. An ihm liegt es nicht, wenn Schwierigkeiten auftreten. Im Gegenteil:  Er will das ja wegtun, was wir im Leben falsch gemacht haben.

Mit dem Tod hört unsre Sünde auf. Gott möchte, daß es uns nicht mehr belasten kann. Deshalb vergibt er uns die Schuld unsres Lebens und schafft somit die Voraussetzung, daß wir zu ihm kommen können. Jesus macht uns frei und stellt den Frieden her.

Dann wird auch alles unwichtig, was die Welt geben könnte. Es ist natürlich schön, wenn wir im Leben etwas haben schaffen können. Mancher hat aus kleinsten Anfängen heraus sich etwas aufgebaut, was man vorzeigen kann und was als Lebensarbeit allen sichtbar ist. Wir dürfen dankbar sein, wenn das möglich war. Aber all das sichert unser Leben nicht. In dieser Welt können wir nur äußerlich unser irdisches Leben sichern, wenn auch nur in einem gewissen Maße. Aber schon gegen eine Krankheit oder Invalidität können wir uns nicht sichern.

Alles, was wir uns auf Erden schaffen konnten, ist nicht auf Dauer. Unser irdisches Leben ist auch nur ein kleiner Teil unsrer Existenz. Wir waren schon vorher da und werden auch nachher noch sein. Das ewige Leben ist eben mehr als nur die paar Jahrzehnte auf dieser Erde.

Jesus spricht  allerdings zu den Jüngern, als er von ihnen Abschied nimmt. Ein Abschied ist immer eine traurige Sache. Man weiß ja doch nie, ob man sich einmal wiedersehen wird. Wenn es ein lieber Mensch ist, von dem man sich verabschieden muß, dann ist es besonders schwer.

Jesus weiß, daß der Abschied von den Jüngern endgültig ist, jedenfalls was das irdische Leben angeht. Sie werden jetzt ohne Führer und Berater sein. Vielleicht werden sie kopflos sein und gar nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Deshalb muß Jesus ihnen das Nötige sagen. So kann es auch sein, daß ein Sterbender noch seine Angehörigen tröstet und stärker ist als sie und ihnen Hilfe geben kann.

Jesus kann ja auch einen wirklichen Trost geben. Wenn man sich verabschiedet, dann sagt man oft: Wir wollen uns wiedersehen. Schreib doch einmal! Jesus kann sagen: Wir werden uns ganz bestimmt wiedersehen! Deshalb braucht sich keiner zu fürchten, wenn jetzt die Stunde des Abschieds schlägt.

 

Natürlich erschrecken wir, wenn ein Mensch nicht mehr ist. Dann ist der Mensch oft anders, als wir ihn vorher gekannt haben. Unser Leben ist doch ziemlich anders geworden. Der Tod ist schon ein hartes Geschick. Aber er wird besiegt durch Jesus, der zu seinen Jüngern schon sagte: „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“

Deshalb können wir auch getrost von einem Menschen Abschied nehmen. Ein friedlicher Tod kann auch uns zum Frieden bringen. Und selbst wenn ein Mensch ein schweres Sterben hatte, dann muß sein Ende nicht unbedingt ungesegnet gewesen sein. Aber wir können dankbar sein für dieses Leben, das unter uns zu Ende gegangen ist. Wir dürfen darauf vertrauen, daß die (der) Verstorbene den Frieden Gottes gefunden hat.

Das kann auch uns stärken für die eigene Zukunft. Denn auch wir brauchen den eigenen Tod nicht zu  fürchten. Jesus sagt auch uns: „Euer Herz fürchte sich nicht. denn meinen Frieden gebe ich euch!“ Wir dürfen wissen, daß wir auf der Seite des Sieger stehen. Der Tod kann uns nichts anhaben, sondern wir gehören in Ewigkeit zum Herrn der Welt und unsres Lebens.

 

„Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden!“1                                                                                                                                                 (Joh 16,20 b)­

Wenn ein Mensch sterben muß, dann versetzt das die Angehörigen in Traurigkeit. Sie waren es gewohnt, alle beieinander zu sein. Alles ging seinen Gang und das Leben war geordnet. Wenn nun einer fehlt, kommt vieles erst einmal durcheinander und manches muß neu überlegt werden.

Oft merkt man ja erst, wenn ein Mensch nicht mehr da ist, was er für uns bedeutet hat und was wir ihm verdenken. Am Tod erfahren wir, daß nichts selbstverständlich ist. Wir können immer nur wieder dankbar sein, solange wir einen Menschen noch haben. Wir können. uns an seinen Wohltaten freuen und selber gut zu ihm sein. Aber eines Tages geht nichts mehr und wir müssen allein fertig werden.

So ging es auch schon den Jüngern Jesu, die plötzlich erkennen mußten: Bald wird ihr Herr nicht mehr unter ihnen sein! Sie drohen kopflos zu werden und dann alles hinzuwerfen. Zu sehr waren sie bisher darauf angewiesen, Jesus in ihrer Mitte zu haben. Sicher können wir gerade heute die Jünger gut verstehen.

Jesus kann ihnen zunächst auch nur sagen: „Ihr werdet weinen und heulen und die anderen werden sich noch darüber freuen!“ Sie werden sagen: Seht, da wollten sie so fromm sein, sie gehören zur Kirche, aber nachher verhalten sie sich auch nicht anders als andere Leute. Sie sind traurig und verzweifelt, so als gäbe es keinen Glauben an die Auferstehung von den Toten.

Unsre Trauer ist zunächst einmal die menschlich verständliche Reaktion. Es wäre schlecht, wenn wir keine Trauer mehr empfänden oder nicht empfinden dürften. Jesus läßt das zu und hat Verständnis für uns. Aber er möchte uns nicht auf dieser Stufe stehen lassen. Deshalb sagt er: „Eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden!“ Er will uns helfen, durch den Zeitabschnitt der Trauer hindurchzugelangen und wieder Zuversicht zu schöpfen

Deswegen haben wir uns ja hier zu diesem Gottesdienst versammelt, damit wir auf Jesu Wort hören und uns da durch Mut machen lassen für die Zukunft. Wir hören hier von Menschen, die in einer gleichen Lage waren. Aber wir hören auch davon, wie das Wort Jesu ihnen geholfen hat, daß es wieder weiter geht.

Hilfe erfahren wir aber nicht nur durch das gesprochene Wort, sondern auch durch die Menschen in unsrer Umgebung. Es wird wohl kaum einen Menschen geben, der wirklich allein ist. Und wenn man im Augenblick keinen weiß, dann muß man selber danach suchen. Es geht nicht, daß man sich vor lauter Schmerz in sein Schneckenhaus zurückzieht und sich um niemand mehr kümmert. Jesus will nicht, daß wir uns in der Trauer verlieren. Er schickt uns Menschen, die ihre Aufgabe gerade an einem trauernden Menschen erkennen. Es gilt nur, auf dieses Angebot der Hilfe auch einzugehen.

Und selbst wenn man meint, keinen Menschen zu haben, so dürfen wir uns doch immer noch an Gott wenden. In manchen Dingen können uns ja auch Menschen tatsächlich nicht mehr helfen. Da dürfen wir aber wissen, daß wir noch einen anderen haben, der uns beisteht.

Hilfe braucht man aber, wenn es weitergehen soll. Denn zunächst einmal ist geteiltes Leid nur halbes Leid. Wenn man sich mit einem Menschen aussprechen kann, geht vieles schon leichter. Oft braucht man aber auch den Rat des anderen, ein aufmunterndes Wort oder die helfende Tat.

Deshalb gilt es, gerade in dieser Situation nach Hilfe Ausschau zu halten. Wir brauchen die Gemeinschaft mit anderen Menschen und die Gemeinschaft mit Gott, wenn es weitergehen soll. Nur so werden wir die Traurigkeit mit Gottes Hilfe überwinden können.

Jesus spricht sogar davon, daß wir wieder zur Freude hinfinden können. Das kann er natürlich nur, wenn er uns reale Zusagen machen kann. Er sagt seinen Jüngern:   „Ich werde euch wiedersehen. Das alles hier dauert nur eine kleine Weile, und dann werden wir wieder vereint sein !

So verheißt er auch uns ein Leben nach dem Tode. Das gibt uns Kraft, mit den harten Tatsachen fertigzuwerden. Es hilft uns, nun die nächsten Schritte zu tun, das Leben auf die neuen Gegebenheiten einzurichten und mit Freude jeden Tag zu erleben.

Unsre Tage sind alle gezählt. Einmal werden auch wir diese Welt verlassen müssen. Aber bis dahin dürfen wir unsre Toten bei Gott gut aufgehoben wissen. Wir gehen einmal den gleichen Weg und werden mit ihnen und Gott vereint sein.

 

„Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen!“                                                                            (Joh 16,22)

Wenn man Abschied nehmen muß, dann ist das meist eine traurige Sache. Natürlich, manche Menschen sieht man lieber wieder gehen als kommen. Aber wenn es sich um einen lieben Besuch handelt, dann ist es uns doch weh ums Herz. Vielleicht hat man sich nach langer Zeit zum ersten Mal wiedersehen können. Und nun weiß man nicht, wann man sich wieder einmal wird treffen können und ob es überhaupt möglich sein wird. Es kann ja von einem Tag zum anderen anders werden, so daß man sich nicht mehr sehen kann. Einmal müssen wir ja alle Abschied nehmen von dieser Welt und von unseren Lieben. Solch ein gewöhnlicher Abschied von einem gern gesehenen Besuch erinnert uns immer daran und gibt uns eine Ahnung davon, was ein endgültiger Abschied bedeutet.

Jesus hat diesen Spruch gesagt, als er von seinen Jüngern Abschied nahm. Er wußte, was ihm in Jerusalem bevorstand. Aber er wußte auch, daß er dem nicht entgehen konnte. Nun versucht er seine Jünger zu trösten. Er weiß, wie ihnen ums Herz ist: Sie werden nun allein ohne ihren Führer und Berater sein, sie werden wie Schafe ohne Hirten sein. Das macht den Abschied für Jesus nur noch schwerer.

Wenn man an sich selber Leiden ertragen muß, dann wird man oftmals noch damit fertig. Aber wenn man einen anderen leiden sieht, dann wird es oft erst richtig schwer. Man kann ja dem anderen nicht helfen, und oftmals hat man ja mit sich selber schon genug zu tun.

Aber selbst das gibt es, daß ein Sterbender noch seine Angehörigen tröstet und innerlich stärker und gefaßter ist als sie. Manchmal wachsen einem Menschen in einer Notlage ja Kräfte zu, die man ihm nicht zugetraut hätte.

Jesus kann seinen Jüngern auch nur sagen: Ich will euch wiedersehen! Auf der einen Seite weiß er also um alle menschliche Traurigkeit. Aber er hat auch einen Trost bereit, um alle Trauer zu überwinden. Er kann so etwas sagen, weil er bestimmt weiß: Es gibt ein Wiedersehen! Wenn wir uns von einem Besuch verabschieden, dann sagen wir vielleicht auch: „Komm bald wieder! Schreib einmal! Bestimmt sehen wir uns bald einmal!“ Aber so genau wissen wir es eben nicht; und das gibt unsren Worten so einen unsicheren Unterton.

Wenn Jesus aber sagt: „Ich will euch wiedersehen!“ dann heißt das: Ich werde euch ganz bestimmt wiedersehen! Natürlich wird das nicht mehr in dieser Welt sein - die muß er ja verlassen. Aber er weiß von der neuen Welt Gottes, die für alle Menschen schon bereit Ist.

Wenn man in einer fremden Stadt einen Menschen wieder sehen will, dann macht man mit ihm einen Treffpunkt aus sagen wir einmal: den Wartesaal im Bahnhof. Da kann man sich nicht verfehlen, wenn jeder zur bestimmten Zeit da ist. So sagt Jesus auch: Ich fahre euch schon voraus. Aber wir treffen uns dann in dem großen  „Wartesaal der Zukunft“, wie das einmal ein Theologe genannt hat. Und dann geht Jesus mit uns zu Gott, damit wir den Weg finden und nicht so allein sind.

Nur eins wissen wir nicht: den Zeitpunkt dieses Treffens. Eines Tages werden wir eben abberufen und müssen fort. Aber wir können dann sicher sein: Jesus wartet zu jedem Zeitpunkt auf uns, er ist Immer da, wenn unsre Stunde gekommen ist. Letztlich heißt es dann doch: „Eure Freude soll niemand von euch nehmen!“

Das ist doch überraschend, bei einem schmerzlichen Abschied von der Freude zu reden. Aber wir wissen ja: Beim Abschied freut man sich schon auf das Wiedersehen; nur weil man Abschied nehmen muß, ist das Wiedersehen so schön.

Wir Christen haben eine Hoffnung, die über den Tod hinausreicht: Wir werden Jesus wiedersehen und wir werden vielleicht unsre Lieben wieder sehen. Das erste ist uns gewiß, Das zweite ist uns nicht ausdrücklich verheißen, aber bei Gott ist ja kein Ding unmöglich. Jedenfalls werden wir uns auf ein Wiedersehen mit Jesus freuen können.

 

Weil uns dieses Ende bei Gott schon sicher ist, können wir auch schon in dieser Welt etwas von der ewigen Freude verspüren. In einem Lied heißt es: „Jesus gibt Freude, Freude die nie vergeht, drum such ihn heute, eh es zu spät!“ Wenn wir uns hier und heute zu Jesus halten, dann braucht uns kein Abschied das Herz schwer zu machen; dann werden wir auch dem Tod erhobenen Hauptes entgegengehen können und wissen: Er bedeutet nur einen Abschied auf Zeit. Selbst der Tod kann uns die Freude nicht nehmen, die Jesus uns geben will. Wenn wir auf ihn vertrauen, werden wir ihn wieder sehen und mit ihm den Tod überwinden.

 

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“                                                                                                                            (Joh 16,33)

Wir sind Bürger zweier Welten. Einmal leben wir unsre 60 oder 70 oder 80 Jahre in dieser Welt, die dem Menschen von Gott zur Wohnung zugewiesen ist. Hier haben  wir unsre Aufgaben und Pflichten. Hier dürfen wir manches Schöne erleben. Hier sehen wir zunächst einmal den eigentlichen Sinn unsres Lebens.

Aber wir gehören auch zur Welt Gottes. Dort erwartet uns noch ein ganz anderes Leben, von dem wir uns jetzt noch wenig träumen lassen. Es wird von unsrem heutigen Dasein verschieden sein, Aber es wird doch dem irdischen Leben ähneln.

Sollen wir nun sagen: Dieses andere Leben ist das eigentliche? Doch dann liegt die Versuchung nahe, daß wir die Aufgaben von heute vernachlässigen. Dabei ist es doch entscheidend, wie wir hier und heute handeln. Zunächst sind wir ja nur für unsre Gegenwart verantwortlich. Aber die Bibel sagt uns: In diesem Leben entscheidet es sich, wie Gott einmal über uns entscheiden wird. Es gilt, sich heute zu bewähren, denn nachher ist es doch zu spät.

Allerdings ist das nicht leicht, denn in dieser Welt türmen sich mancherlei Schwierigkeiten auf. Denken wir zunächst einmal an persönliche Dinge. Gar mancher ist doch krank oder hat ein Leiden, das ihm immer zu schaffen macht. Ein anderer kommt mit seinem Beruf nicht zu recht und fühlt sich nicht wohl. Wieder ein anderer hat Schwierigkeiten in der Familie oder im Bekanntenkreis. Es gibt schon gar manches, was uns das Leben schwer macht und uns auch leicht schuldig werden läßt.

Aber es sind ja nicht nur die privaten Dinge, sondern auch die großen Umwälzungen in der Welt und in der Gesellschaft, die uns unsicher machen. Denken wir nur an Krieg und Katastrophen, Gewalttat und Unterdrückung. Wer weiß, was einem die Zukunft noch alles bringen wird. Da kann einem schon angst und bange werden.

Oder denken wir auch an eine schwere Krankheit wie.... Da sieht man doch schon seinen Weg vorgezeichnet und es gibt keine Rettung - da muß man doch Angst haben.

Zwar denkt jeder: Bei mir wird es schon nicht kommen. Aber untergründig ist die Angst doch da. Und die Angst ist deshalb so groß, weil am Ende der Tod steht, dem wir nicht entweichen können. Die Bibel sagt uns: In der Welt ist es nun einmal so, da gibt es solche furchtbaren Krankheiten und den Tod, die uns zeigen, wie beschränkt unsre Welt ist.

In jener anderen Welt bei Gott soll es anders werden. Da soll es keine Angst mehr geben, keine Krankheit und keinen Tod. Da werden wir. uns nicht mehr selber mühen müssen, sondern Gott wird alles für uns tun. Aber wir werden nicht aus eigener Kraft von einer Welt in die andere überwechseln können. Es heißt hier ganz betont:  I c h  habe die Welt überwunden! Gott allein setzt unserem Leben eine Grenze. Er sagt, wann wir in seine Welt überwechseln dürfen. Wir können unsrem Leben nicht selber ein Ende setzen. Wir können uns aber auch nicht von uns aus in das Reich Gottes versetzen. Jesus weiß auch: „In der Welt habt ihr Angst!“ Er kennt unsre Not, weil er sie selber mit ertragen hat, Angst und Verlassenheit und Ausgeliefertsein kennengelernt hat. Doch er macht uns die Zusage: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ Unsre Welt bleibt zwar bestehen, wie sie ist, und wir müssen weiter in dieser Welt leben und können nicht aus ihr entfliehen.

Aber Gottes Reich wirkt so in unsre Welt hinein, daß wir jetzt schon etwas davon spüren können. Dadurch ist alles in ein anderes Licht gekommen. Wir wissen nun:

Was uns solche Angst einjagt, ist gar nicht so groß und mächtig, wie es aussieht. Gott hat diese Mächte der Welt überwunden und sie in ihre Schranken verwiesen. Sie können gar nicht solche Gewalt haben, weil Gott stärker ist. Das hat sich ja an Ostern gezeigt, als er seinen Sohn Jesus von den Toten auferweckte.

So aber wird er auch uns vom Tode erwecken. Das ist unser Trost in dieser Angst der Welt. Der Tod ist nicht ein Ende mit Schrecken, sondern der Durchgang zur Welt Gottes. Um nach dorthin zu gelangen, brauchen wir keine Reisepapiere, weil Christus schon alle Schranken beseitigt hat. Wir brauchen keine Sondergenehmigung und es wird auch kein Zoll verlangt. Wir sind Bürger des Reiches Gottes und haben dort alle Rechte.

Deshalb stimmt das auch, was uns Johannes hier am Schluß des 16.Kapitels aufgeschrieben hat und was unser Trost im Leben und im Sterben sein kann: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, i c h habe die Welt überwunden!“"

 

„Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf daß sie meine Herrlichkeit sehen!                                               (Joh 17,24)

Wenn junge Leute heiraten, können sie manchmal noch nicht zusammenziehen, weil keine Wohnung für sie vorhanden ist. Aber sie heiraten trotzdem, weil sie zusammen gehören wollen. Sie denken: Wenn wir erst einmal ­verheiratet sind, dann geht es schneller mit der Wohnung. Wer innerlich zusammengehört, der möchte auch äußerlich beisammen sein.

Bis es soweit ist, kann man manchmal nur mit Hilfe von Briefen die Verbindung aufrecht erhalten. So kann auch ein intensiver Kontakt zustande kommen. Das ist immerhin besser als gar nichts, aber es ist kein Dauerzustand. Damit kann man einmal eine gewisse Zeit überbrücken. Aber dieser Zustand drängt danach, überwunden zu werden, und zwar möglichst bald.     

So sagt auch Jesus: Ich möchte die bei mir haben, die Gott mir gegeben hat! Er hat es in der Situation des Abschieds von seinen Jüngern gesagt. Er weiß, daß er wird sterben müssen. Der Tod wird ihn von seinen Jüngern trennen. Er wird nun einige Zeit von ihnen getrennt leben. Aber sein Ziel ist es, sie möglichst bald nach sich zu ziehen, um wieder ganz mit ihnen vereint zu sein.

So ist es auch am Ende einer Ehe: Einer der Partner muß ja einmal der Erste sein, der gehen muß. Für den Zurückbleibenden ist das Leben dann sehr viel ärmer geworden .sicherlich ist es nicht sinnlos. Das gibt es überhaupt nie, daß das Leben eines Menschen sinnlos wäre. Aber es ist doch nicht mehr das Leben, das es vorher war.

Mancher verwitwete Mensch hat dann den Wunsch, möglichst bald nachgerufen zu werden. Das kann uns ein Hinweis darauf sein, wie sich auch Christus danach sehnt, mit uns vereint zu sein. Von ihm kommen wir her, er hat uns das Leben gegeben und uns in diese Welt gesandt. Aber dadurch wurden wir auch in gewisser Weise von ihm getrennt. Er ist uns auch hier nahe. Aber es ist doch anders, etwa so, wie wenn man dem anderen nur Briefe schreiben kann, ihn aber nicht persönlich sehen und sprechen kann. Deshalb sehnen wir uns danach, wieder ganz mit ihm vereint zu sein. Oder wenn wir es nicht tun, so ist es doch bei ihm so, daß er uns möglichst bald wieder bei sich haben möchte.

In der Bibel wird oft das Bild von der Hochzeit gebraucht, wenn die Gemeinschaft zwischen Christus und seiner Gemeinde beschrieben werden soll. So eng wie Eheleute miteinander verbunden sind, so will auch Christus mit uns verbunden sein. Er war den Menschen schon einmal ganz nahe, als er selber Mensch geworden ­war.

Doch damals mußte er die- Menschen wieder allein zurück lassen, als er für sie in den Tod ging. Wenn wir wieder mit ihm vereint sein wollen und er mit uns, dann müssen wir eben auch diesen Weg gehen: Wir müssen sterben, um bei Gott und seinem Sohn Jesus Christus sein zu können, ­anders geht es nicht.  

Für uns ist der Tod das Ende unsres Lebens. Er ist wie ein  Spiegel, der am Ende unsrer Lebensbahn steht und durch den wir nicht hindurchsehen können. Aber von der anderen Seite her ist der Spiegel durchsichtig. Gott kann durch ihn hindurchsehen auf unser Leben, kann es mit seinen Gedanken und Hilfen begleiten. Aus seiner Sicht ist der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang einer engeren Gemeinschaft mit uns.

Durch diesen Spiegel müssen wir erst hindurchsehen, wenn wir die dahinterliegende Herrlichkeit Gottes sehen wollen. Deshalb will ja auch Jesus seine Jünger bald bei sich haben, damit sie diese Herrlichkeit auch einmal sehen können. Sie sollen mit dabei sein bei dem Fest, das Gott für uns veranstaltet. Insofern kann der Tod uns auch neue freudige Aussichten eröffnen. Er bedeutet einerseits zwar die Trennung von den Lieben, bringt aber andererseits eine neue Art der Gemeinschaft mit Christus mit sich.

Das Abschiednehmen fällt uns jetzt noch schwer. Aber wir werden ja alle einmal den gleichen Weg gehen müssen oder dürfen. Dann wird die Trennungszeit aufhören. Dann werden wir die Bewährung bestanden haben und ans Ziel unsrer Wünsche gelangt sein. Christus zieht uns alle zu sich hin. Es ist nicht unser Verdienst, wenn wir einmal seine Herrlichkeit schauen werden. Aber wir dürfen darauf vertrauen, daß er es richtig macht und daß er auch die Kraft hat, uns wirklich ein neues Leben zu geben.

 

„Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes gehen!“               (Act 14,22)

Was Trübsal ist, wissen wir alle. Ein jeder hat so sein Päckchen zu tragen. Manchmal geht es ja noch. Aber dann wieder kommt es Schlag auf Schlag und man weiß gar nicht mehr aus noch ein. Wenn dann alles zu viel wird, dann stöhnt man auch einmal und schimpft. Aber jeder ist sich doch darüber im Klaren, daß es davon nicht besser wird.

  1. Mancher hat sich einen bestimmten Beruf gewünscht und es ist nichts daraus geworden. Viele Pläne, die man sich gemacht hat, werden zerschlagen. Gar mancher meinte, sein Leben materiell gesichert zu haben, und dann muß er erkennen: Wie gewonnen, so zerronnen!
  2. Ein anderer hat vielleicht schlimme Enttäuschungen in seinem Leben erfahren müssen. Leute, denen er sein Vertrauen schenkte, haben ihr Wort nicht gehalten. Mancher ist vielleicht auch unter Druck gesetzt oder erpreßt worden. Das ist dann auch eine schwere Trübsal
  3. Viele werden auch mit der Änderung der Verhältnisse nicht fertig. Sie hängen zu sehr am Alten und können sich in die neue Zeit nicht einleben. Weil sie sich aber nicht zurechtfinden, verfallen sie in Trübsal und verlieren den Sinn des Lebens.
  4. Die Trübsal ist an kein Alter gebunden: Schon kleine Kinder haben ihren Schmerz und fühlen sich von den Erwachsenen unverstanden und die Alten wieder meinen, sie seien von den anderen schon abgeschrieben und nichts mehr wert. Mancher wird ja direkt trübsinnig davon.
  5. Die größte Trübsal kommt aber, wenn man Krankheit und Schmerz oder gar den Tod erleben muß. Mancher hat ja so viel auszuhalten, daß er es kaum ertragen kann. Auch für die Angehörigen oder die Ärzte ist es schlimm, weil sie dabeistehen und nicht helfen können. Man kann man an gar nichts anderes denken als an die Krankheit, und wenn sich dann alles um den gleichen Punkt dreht, wird die Trübsal noch größer.

Vor allem sind wir betrübt über den Tod. Einmal über den Tod lieber Menschen, mit denen wir nun nicht mehr in Kontakt treten können. Auch nenn man viele Jahre hat zusammenleben dürfen, entsteht durch den Tod doch eine Lücke. Man wäre auch dann noch zusammengeblieben. Im Gegenteil: Je länger man zusammengewesen ist, desto schwerer kann man sich trennen, jedenfalls wenn man sich gut verstanden hat.

Wir sind aber auch betrübt, weil wir selber einmal sterben müssen. Jeder Mensch hat Angst vor seinem eigenen Tod, weil doch eine gewisse Unbestimmtheit damit verbunden ist. Wir ahnen auch, daß wir für unsre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Und wir zweifeln doch leicht daran, ob Gott seine Zusagen auch wahr machen wird. Das ist menschlich verständlich, entspricht aber nicht den Tatsachen.

Lukas dagegen schreibt von Paulus, er habe gepredigt, daß wir durch viel Trübsale müssen in das Reich Gottes gehen. All unsre Nöte, Sorgen und Fragen sind das sicherste Zeichen dafür, daß wir in das Reich Gottes gelangen werden. Vielleicht hat dieses Wort  „müssen“ sogar noch einen besonderen Sinn: Wer jetzt Trübsal leidet, der muß einfach einen Ausgleich bei Gott erhalten. Wir können nicht in der Trübsal steckenbleiben, sondern schreiten fort zur Freude.

Wenn ein Kind geboren werden soll, dann kommt die Mutter auch erst in große Trübsal. Und doch muß alles so sein, wenn neues Leben ans Licht der Welt kommen soll. So müssen wir auch am Ende unsres Lebens auch oft durch viel Leiden und durch den Tod hindurch. Aber das muß sein, damit wir in einer neuen Art des Daseins  das Licht der Welt erblicken können. So wie Gott uns in der Geburt das Leben gegeben hat, so kann er uns auch durch den Tod hindurch ein neues Leben geben.

Trübsal muß sein. Aber das Reich Gottes muß auch sein! Was Trübsal ist, wissen wir. Was Reich Gottes ist, das wissen wir nicht im einzelnen. Wir können uns da nur auf das Wort Jesu verlassen, der uns die neue Welt bei Gott verheißen hat.

Das Reich Gottes wird uns oft als ein Freudenmahl beschrieben, bei dem man ißt und trinkt, lacht und singt. Wir dürfen es uns zwar nicht zu diesseitig vorstellen; aber etwas von einem freudigen Hochzeitsmahl ist eben doch dabei. Jesus ist der Gastgeber und wir sind alle eingeladen. Wir brauchen nur seiner Einladung Folge zu leisten, und uns recht darauf vorbereiten. Wer bereit ist, diesen Weg zu Gott zu gehen, der wird dann auch schon in diesem Leben etwas von der zukünftigen Kraft Gottes verspüren. Die zukünftige Welt will auch jetzt schon die Trübsal unsrer Welt etwas aufhellen. Wir können jetzt schon die Gewißheit gewinnen: „Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes gehen!“ Aber am Ende wird eben das Reich Gottes stehen!

 

„Wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt. Geduld aber bringt Bewährung; Bewährung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden!“                                                                                                                              (Rm 5,3-5)

Jeder Mensch braucht eine Hoffnung für sein Leben. Keiner kann auf die Dauer arbeiten, ohne ein Ziel vor Augen zu haben. Oft müssen wir sogar in die Zukunft hineinplanen und meinen wohl auch, uns auf diese Weise die Zukunft sichern zu können.

Dennoch müssen wir feststellen, daß die entscheidenden Wendungen in unserem Leben immer unvorhergesehen kamen. Man muß zwar vieles planen und vorbereiten. Aber der alte Satz aus der Bibel gilt immer noch: „Der Mensch denkt, Gott lenkt. Bei allem notwendigen Planen sollten wir doch wissen, daß alles anders kommen kann.

In unsrer heutigen Welt können wir nicht mehr ohne Berechnungen auskommen. Aber wo    die Berechnung aufhört, da fängt die Hoffnung an. Die Hoffnung beflügelt die Berechnungen des Menschen und sie gibt die Kraft, sich an die berechnete Zukunft zu wagen. Die Hoffnung ist ein typisch biblischer Gedanke und speziell ein christlicher. Für die Griechen war die Welt in sich abgeschlossen, sie waren nur am Bleibenden interessiert. Das Christentum aber versteht die Welt und das Leben als eine gewaltige Bewegung von einem gesetzten Anfang auf ein noch nicht erreichtes Ziel hin

In der christlichen Theologie fragt man heute nicht mehr so sehr nach der Vergangenheit, sondern nach der Zukunft. Man interessiert sich nicht so sehr für das, was geschehen ist, sondern für das, was geschehen muß und was zu geschehen hat. Darin spiegelt sich aber die Einstellung vieler Menschen von heute.

Daß wir von der Hoffnung leben, wird besonders deutlich, bei einer Krankheit. Mancher Mensch ist von den Ärzten schon aufgegeben und gibt doch die Hoffnung auf Genesung bis zum letzten Atemzug nicht auf. Man sagt dann: „Es hofft der Mensch, so lang er lebt!“

Aber man kann auch umgedreht sagen: „Es lebt der Mensch, solang er hofft!“ Solange der Wille zum Gesundwerden noch da ist, kann man noch Hoffnung haben. Die Hoffnung hilft mit bei der Heilung. Das wissen die Ärzte sehr genau. Das Aufgeben der Hoffnung bedeutet oftmals auch das Aufgeben des Lebens.

Einmal allerdings erreicht uns in jedem Fall der Tod. Aber der Tod ist nicht das Ende, das mein Ich endgültig auslöscht. Wenn es so wäre, dann wäre es töricht, auf die Zukunft zu hoffen, denn die brächte mich ja dann nur meinem Untergang näher. Hoffnung ist nicht etwas, was sich nur innerhalb dieser Welt abspielt.

Wenn man die biblischen Stellen einmal durchsieht, die von der Hoffnung handeln, dann geht es meist um die Hoffnung, die über unser irdisches Leben hinausreicht. Hoffnung ist letztlich immer Hoffnung auf das ewige Leben, auf eine Zukunft, die auch durch den Tod nicht gefährdet werden kann.

Allerdings liegt die Hoffnung nicht darin begründet, daß wir eine unsterbliche Seele haben. So sprachen die Griechen, die die Seele scharf vom Körper trennten und nur ihr eine Zukunft gaben. Diese Lehre ist auch in das Christentum eingedrungen, obwohl sie nicht der biblischer Auffassung entspricht.

Nach der Bibel und übrigens auch nach der Meinung der heutigen Wissenschaft ist der Mensch eine Einheit von Leib und Seele. Und ein Weiterleben nach dem Tode kann für den Christen nur eine Auferstehung bedeuten; d.h. wir werden ganz neu werden, mit Leib und Seele, allerdings mit einem neuen Leib.

Zwar kann kein Element unsres gegenwärtigen Menschseins den Tod überdauern, auch nicht unsre Schönheit oder unser Charakter. Aber wir bleiben auch im Tod ein Mensch unter den Augen Gottes. Von unserem Körper wird nichts übrig bleiben. Aber der wiedererweckte Mensch wird derselbe sein wie der, der gelebt hat.

Ein Gleichnis aus unsrer Zeit kann uns das vielleicht deutlich machen: Nach dem Krieg war die Stadt Hanau so zerstört, daß sie nicht wieder aufgebaut werden sollte. Dennoch machte man sich an die Arbeit. Das Material war neu. Aber die Straßenzüge blieben die gleichen, die Menschen waren zum großen Teil die gleichen. Was der Stadt ihren Charakter gab, ist geblieben, auch wenn einige Einzelheiten anders wurden.

So behält auch Gott uns im Gedächtnis und läßt uns wieder neu erstehen. Unsre Eigenart bleibt erhalten. Aber es wird alles neu und dauerhafter. Das ist die Hoffnung, die wir als Christen haben und die unser Leben schon jetzt mit Zuversicht erfüllen kann.

 

Als wir getauft wurden, wurden wir mit Christus begraben. Aber wie er durch die wunderbare Macht Gottes aus dem Tod zurückgerufen wurde, so können auch wir jetzt ein neues Leben führen                        (Röm 6,4, neue Übersetzung)

Weil wir getauft wurden, gehören wir zu Christus und können deshalb nicht mehr verloren gehen. Die Taufe gibt uns ein Anrecht auf das Leben mit Gott und ist deshalb fast noch wichtiger als unsere Geburt. Ein Mensch wird geboren und stirbt wieder. Gottes Handeln mit ihm reicht aber über den Zeitraum zwischen Geburt und Tod hinaus.

Allerdings bedeutet die Taufe zunächst einmal so etwas wie ein Sterben. Es wird ja mit Wasser getauft, und d das hat ja seine besondere symbolische Bedeutung: Im Wasser wird alles ertränkt, was böse am Menschen ist. Es wird abgewaschen und „ersäuft“, wie Luther sagt. Und damit darf jeder Getaufte wissen: Was auch im Leben kommen mag, es kann mich nicht von Gott trennen - nicht der eigene Ungehorsam, nicht das Versagen anderer, nicht die Verhältnisse - Gott hält uns fest, weil wir durch die Taufe zu ihm gehören.

Selbst Jesus hat die Taufe auf sich genommen, obwohl er es doch gar nicht nötig gehabt hätte, weil er ganz eins war mit Gott. Aber er wollte sich ganz auf die Seite der Menschen stellen und sie so mit sich ziehen zu einem neuen und besseren Dasein.

Jesus hat sich an den tiefsten Punkt begeben, um auch ja alle Menschen zu erreichen und mit sich ziehen zu können. Denn das war der Sinn seines Sterbens. Gott wollte ihn wieder aus dem Tod erwecken und er sollte dann alle mit sich ziehen, die zu ihm gehören. Seitdem haben wir eine Hoffnung. Wir wissen, daß der Tod nicht das Letzte ist, was auf uns wartet. Gott wird noch einmal neu mit uns anfangen und wird alle Zeit bei uns sein.

Dazu müssen wir allerdings erst durch den Tod hindurch  so wie Jesus auch. Bei der Taufe geht es ja auch nicht ohne Wasser. Da genügen auch nicht bloß die Worte, sondern die Handlung gehört dazu, sonst ist es keine Taufe. Und früher hat man das sogar ganz realistisch gemacht und die Kinder vollkommen in der großen Taufsteinen untergetaucht..

So ist auch der Tod nicht nur eine theoretische Sache, die man nur im Geiste vollzieht, sondern hier passiert etwas handgreiflich Sichtbares. Das haben vor allem Sie, die Angehörigen, gemerkt. Aus Ihrem Lebenskreis fehlt jetzt ein Mensch, mit dem wir in diesem Leben keinen Kontakt mehr aufnehmen können. Aber wir dürfen wissen, daß er es jetzt besser hat. Mit dem Sterben hört ja auch alles Leiden und alle Unvollkommenheit unseres Lebens auf. Der (Die) Verstorbene hat jetzt schon Anteil an der Herrlichkeit Gottes und braucht sich nicht mehr abzuplagen mit den Mühen dieser Welt.

Denken wir wieder an das Wasser, wie es bei der. Taufe verwendet wird. Wasser ist ja nicht nur das lebensbedrohende Element, sondern auch das lebenserhaltende. Ohne Wasser können wir nicht leben und müßten sofort elend zugrunde gehen.

Durch die Taufe aber haben wir das Wasser des Lebens erhalten. Nun ist unsere Zukunft gesichert und wir können voller Hoffnung dem Kommenden entgegensehen. Weil wir in die Todesgemeinschaft mit Jesus gestellt sind, werden wir auch die Lebensgemeinschaft mit ihm haben. Das eine ist uns so sicher wie das andere. Gott hat sich einmal für uns erklärt, nun kann und will er nicht anders, er wird unser Retter sein im Tode.

Wir mögen uns vorkommen wie ein Ertrinkender. Aus eigener Kraft ist nichts mehr zu machen. Nur von außen her kann uns noch einer helfen. Aber dieser Retter steht schon bereit. Unser ganzes Leben über war er schon da und wartet nur darauf,  daß wir Hilfe brauchen. Dann zieht er uns wieder aus den Fluten des Todes heraus und schenkt uns somit das Leben neu.

Diese Gewißheit kann jetzt schon unser Leben bestimmen und frei von Sorgen machen. Wir brauchen uns nicht zu verkrampfen aus Angst, es könnte uns etwas passieren. Wenn uns etwas passiert, dann  kommen wir dadurch doch nur in Gottes Hand. Ihm wollen wir nun auch diese (n) Verstorbene (n) überlassen und schon jetzt ein Leben führen wie Menschen, die von Gott wiedergeboren sind, ohne Sorge und Angst aber im Vertrauen auf Gottes Zukunft.

 

„Der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn!“                                                                                (Röm 6,23)

Wir haben als Menschen alle bewußt oder unbewußt ein Ziel für unser Leben. Wir möchten etwas hinterlassen, das auch unseren Tod überdauert und das ein wertvoller Beitrag für die Entwicklung der Menschheit war. Deshalb setzen wir uns so ein für die Familie oder im Beruf oder im öffentlichen Leben.

Nur jeder erwartet auch irgend etwas wie einen Lohn dafür. Das liegt einfach in der Natur des Menschen drin, daß er selten einmal etwas umsonst tut. Zumindest wird er doch heimlich nach Lohn schielen, und sei es nur die Anerkennung anderer Menschen.

Lohn wird uns auch in der Regel zuteil, meint Paulus. Es fragt sich nur, wie dieser Lohn aussieht. Und das hängt wiederum von dem ab, bei dem man in Diensten steht. Man muß sich deshalb seinen Herrn gut ansehen und fragen, welchen Lohn er zahlen wird.

Paulus spricht hier etwas militaristisch, er kann uns aber dadurch doch manches deutlich machen für unser Leben. Er sagt: Du kannst natürlich auch ohne Gott zu leben versuchen. Dann führst du eben ein Leben der Sünde und kämpfst auf Seiten der Sünde.

Aber dann wird eines Tages wie bei den Soldaten der Sold ausgezahlt, dann erhältst du nichts weiter als den Tod. Wer sein Leben lang nur der Sünde gedient hat, der erhält nicht das, was er erhoffte, sondern er wird mit dem Tod bestraft.

Dann wären also alle Menschen Sünder, weil ja alle sterben? Da ist schon etwas Wahres dran. Wir alle tun Dinge, die nicht mit dem Willen Gottes übereinstimmen. Wir alle haben Anteil an der Sünde, die von Anfang an in den Menschen drinsteckt.

Aber die Frage ist eben doch, welchen Anteil die Sünde in unsrem Leben einnimmt. Wenn wir uns ihr ganz und gar hingeben, dann sind wir natürlich verloren. Dann sind wir auch von Gott getrennt und dann wird er uns auch nicht mehr helfen. Dann werden wir auch nicht nur biologisch gesehen sterben, sondern ewig von Gott getrennt sein und damit den ewigen Tod erleiden. Tod und Tod ist nämlich zweierlei. Es gibt den Tod, den wir alle sterben, indem unsre biologischen Funktionen aufhören und ein Kontakt mit dieser Erde und ihren Menschen nicht mehr möglich ist.

Es gibt aber auch den ewigen Tod, und der ist schlimmer. Er bedeutet, daß wir auf ewig von Gott getrennt sind, weil wir in unserem Leben nicht ihm gedient haben, sondern uns einen anderen Herrn gesucht haben. Gott möchte aber nicht, daß wir Diener der Sünde werden und darin den ewigen Tod erleiden. Er hat sich in der Taufe auf unsre Seite gestellt und will uns stärken in unserem Kampf gegen das Böse.

Am sichersten gehen wir aber, wenn wir uns voll und ganz in das Heer Gottes einreihen. Da sind andere, die vor den gleichen Problemen stehen und die mithelfen, alles zu bewältigen. Und wenn man selber aktiv mitmacht, dann denkt man auch am wenigsten daran, sich auf die andere Seite ziehen zu lassen.

Wer auf der Seite Gottes kämpft, der erhält einen anderer Lohn. Allerdings ist „Lohn“ eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Wir können uns ja nichts verdienen, sondern es wird uns geschenkt.

Die Gabe Gottes ist das ewige Leben. Dieses wird uns nicht wegen unsrer Verdienste verliehen, sondern weil Gott sich für uns erklärt hat. Ewiges Leben in seiner ganzen Fülle und Vollkommenheit ist uns sicher, wenn wir Mitstreiter Gottes waren.

Jesus Christus ist dafür eingetreten, daß wir zu Gott gehören dürfen. Er hat selber die Schwachheit menschlicher Natur mitgemacht und weiß, wie sehr wir der göttlichen Hilfe bedürfen. Er hat sich selber für uns eingesetzt und mitgeholfen, daß wir den Sieg erringen können.

Im Vertrauen auf Jesus dürfen wir durchs Leben gehen, dürfen wir auch unsrem eigenen Tod entgegensehen. Er wird einst all unsrem irdischen Kampf ein Ende setzen und uns Ruhe und Frieden in einem Leben bei Gott schenken.

Diese(r) Verstorbene ist diesen Weg schon gegangen. Wir dürfen darauf vertrauen, daß er schon jetzt schon bei Gott geborgen ist in seinem himmlischen Reich. Wer im Leben den richtigen Herrn gewählt hat, der hat auch dann einen Herrn, der stärker ist als der Tod, und der sein Herr bleiben wird in alle Ewigkeit.

 

„Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, Gottes Erben und Miterben Christi.“                                                                                                      (Röm 8,17)

Jeder Mensch wünscht sich, daß er einmal Erben haben möge. Mit welcher Freude wird doch ein Stammhalter oder eine Stammhalterin begrüßt. Man möchte doch jemanden haben, für den man arbeiten kann, man möchte etwas schaffen, das man einem Erben hinterlassen kann. Für viele hängt davon sogar der Sinn des Lebens ab, ob er für einen anderen da sein konnte oder nicht.

Aber wir vererben nicht nur weiter, sondern wir haben auch selber etwas von unsren Vorfahren empfangen. Dieses Erbe sollen wir bewahren und möglichst noch vergrößern; denn jeder will doch möglichst mehr weiter geben, als er erhalten hat.

Eine Erbschaft bringt deshalb auch immer eine Verpflichtung mit sich; wir dürfen sie nicht verschleudern, sondern sollen sie zusammenhalten. Erst dadurch stellt sich ja heraus, ob wir des Erbes würdig gewesen sind oder ob wir es besser nicht verdient hätten. Ein Erbe ist nicht immer nur erfreulich - es kann auch zu einer Last werden: dann nämlich, wenn man nichts damit anzufangen weiß und es sinnlos gebraucht und vertut. Aber dann hat man es mißbraucht und hätte es eigentlich nicht verdient gehabt.

E i n e  Erbschaft haben wir allerdings alle gemacht, auch wenn wir sonst keine materiellen Güter erhalten haben: Wir haben den Glauben von unsren Vorvätern übernommen  bzw. Gott hat ihn uns geschenkt und zum eifrigen Gebrauch gegeben.

Das hängt damit zusammen, daß wir alle Kinder Gottes sind. Daß wir Gottes Kinder sind, das ist sicher, darüber braucht man nicht zu diskutieren, das steht seit unsrer Taufe fest. Die Kinder sind aber immer zuerst erbberechtigt. Nur wenn keine Kinder da sind, wird ein anderer erben. Doch die Kinder kann man nicht einmal enterben; sie erhalten immer den ihnen zustehenden Teil des Erbes - so wichtig nimmt man schon unter den Menschen das Recht der Kinder.              

Aber in genau dem gleichen Sinne sind wir auch alle Erben Gottes. Niemand kann uns diese Erbschaft streitig machen, die uns Gott schon bei der Taufe zugesagt hat. Niemand kann dieses Erbe noch nachträglich anfechten und uns wieder entreißen wollen.

Was haben wir denn von Gott geerbt? Zunächst könnte man ganz allgemein sagen: den Glauben! Der ist unauslöschlich in unsre Herzen eingegraben, den kann uns niemand nehmen. Wir können ihn höchstens leichtsinnig verschleudern oder achtlos wegwerfen. Aber daran ist dann jeder selber schuld, wenn ihm sein Erbe verloren geht. 

Doch der Glaube zeigt sich ja nun vor allem bei ganz besonderen Gelegenheiten. Vor allem in den entscheidenden Augenblicken unsres Lebens stellt sich heraus, was der Glaube wert ist. Das beste Beispiel dafür ist der Tod: da hat dann der Glaube seine letzte und schwerste Prüfung abzulegen.

Aber gerade hier wird uns verheißen: Wir haben das ewige Leben bei Gott schon geerbt. Niemand kann es uns wieder streitig machen. Der Tod hat keine Macht, uns in sein Reich zu ziehen, weil wir zum Reich Gottes gehören und dort nicht nur geduldete Gäste sind,­ sondern Kinder mit allen Rechten und Vorteilen.

Das bedeutet aber auch: Wir sind Miterben Christi! Er ist uns den Weg vorangegangen, den wir auch gehen werden. Er hat sterben müssen, aber Gott hat ihn wieder auferweckt. Er hat geerbt und wir werden auch erben, das steht fest.    

Wir sind also nicht nur zugelaufene Kinder, die man aus Mitleid annimmt, sondern wir sind richtige Kinder. Natürlich sind wir nicht Gottes leibliche Kinder. Aber wir sind von ihm adoptiert, wir tragen seinen Namen und sind erbberechtigt.

Eine Adoption kann man ja auch nicht rückgängig machen; dazu kann man sich nur einmal entschließen und dann muß man immer dabei bleiben. Gott aber hat sich gern für uns entschlossen. Er denkt gar nicht daran, seine Zusage wieder rückgängig zu machen. Und wenn er uns durch den Tod zu sich ruft, dann zeigt sich darin auch nur seine Liebe. Denn dann dürfen wir unser Erbe erst richtig antreten, dann sind wir erst in vollem Sinne auch in der Praxis

seine Kinder. Kinder aber sind nicht traurig, wenn sie zu ihrem Vater kommen dürfen. Sie wissen im Gegenteil: der Vater wird uns beschützen, wir sind bei ihm geborgen. Deshalb dürfen wir auch diese(n) Entschlafene(n) getrost dem himmlischen Vater überlassen. Und wir dürfen uns auf unsren eigenen Tod vorbereiten in der Gewißheit: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, Gottes Erben und Miterben Christi!

 

„Wenn wir wirklich mit Christus leiden, dann sollen wir auch seine Herrlichkeit mit ihm teilen. Die künftige Herrlichkeit, die Gott für uns bereit hält, ist so groß, daß alles, was wir jetzt leiden müssen, in gar keinem Verhältnis dazu steht!  

(Röm 8,17-18, neue Übersetzung)

Wir können im letzten Grunde nicht sagen, weshalb Menschen leiden müssen. Es könnte doch auch eine Welt geben, wo es Krankheit und Tod, Leid und not nicht mehr gibt. Dann bliebe uns doch vieles erspart und wir hätten es in mancher Hinsicht leichter in unserem Leben. Aber wir wissen auch, daß uns ein solches Dasein erst für die Zeit nach diesem Leben verheißen ist. Hier in dieser Welt werden wir von Leid und Schmerzen geplagt. Aber wir dürfen den Trost haben, daß es dann einmal aufhören wird.

Den Tod empfinden wir jetzt als einen schmerzlichen Verlust. Wenn ein geliebter Mensch nicht mehr da ist, dann verspüren wir doch eine empfindliche Lücke. Und auch wenn jemand sehr lange krank war und wegen seiner Krankheit nicht mehr so leben konnte, wie es sonst ein gesunder Mensch tut, - wenn er dann nicht mehr da ist, so fehlt doch etwas.

Aber wenn Christus hat leiden müssen bis zur Hingabe seines Lebens, dann dürfen wir nicht erwarten, daß es uns anders gehen könnte. Wenn wir ihm aber im Leiden gleich geworden sind, dann werden wir auch seine Herrlichkeit mit ihm teilen.

Wer bereit ist, den g a n z e n Weg mit Christus zu gehen, der wird dann auch das herrliche Ende miterleben: Man darf nur nicht vorher aufgeben und dann von Jesus weggehen, wenn es schwer wird.   

Manche sagen ja, wenn sie schweres Leid betrifft: „Wie kann Gott das zulassen? Warum trifft es gerade mich?“ Sie werden durch das Schwere nicht erst recht in die Arme Gottes getrieben, sondern sie wenden sich von ihm weg. Dabei kommt es doch so sehr darauf an, bis ans Ende an Gott festzuhalten, um nachher alles verstehen zu können.

Gott will uns durchs Leid führen, damit wir nachher die Herrlichkeit bei ihm auch recht zu würdigen wissen. Wenn man nie Schweres mitgemacht hat, dann weiß man ja gar nicht, wie gut man es hat in der neuen Welt bei Gott. Dort wird es keine Schmerzen und keine Krankheit, kein Vergehen und kein Abschied, kein Leid und keine Verzweiflung mehr geben.

Gott wird es so machen, wie wir es uns schon immer gewünscht haben. Was wir hier in dieser Welt noch entbehren, das wird uns dann im Überfluß zuteil: Ein Leben in der Gemeinschaft mit Gott, das nicht mehr durch irdische Schwierigkeiten gestört wird.

Was uns dann zuteil wird, steht in gar keinem, Verhältnis zu den Leiden dieser Welt. Die Herrlichkeit Gottes wird so überwältigend sein, daß wir darüber ganz nie voraus gegangenen Mühen vergessen werden. Die schlimmen Erinnerungen werden verblassen und nur der dunkle Hintergrund sein für die Freuden, die wir bei Gott erleben dürfen.

Das jedenfalls meint Paulus, der selber von einer schweren Krankheit geplagt war. Er hat sich gewiß nicht nur mit schönen Worten über sein Leiden hinweggetröstet, sondern tatsächlich Kraft empfangen, es durchzustehen. Er redet hier nicht nur aus der Theorie heraus, sondern gibt seine praktischen Erfahrungen an seine Leser weiter.

Für Sie, liebe Leidtragende, und für uns alle hier, wird es in Zukunft darauf ankommen, aus dieser Zuversicht zu leben. Wir sollten auf das Ende sehen und daraus Kraft empfangen, die Gegenwart zu bewältigen, die noch voller Leid ist. Wir sollten wissen, daß alles Leid dieser Welt einmal ein Ende hat und abgelöst wird durch die Freude bei Gott.

Damit soll nicht von den Problemen dieser Welt abgelenkt und auf eine bessere Welt vertröstet werden. Das wäre nur ein teilweiser Trost. Aber wer weiß, daß es bei Gott einmal anders sein wird, der wird dadurch auch für sein irdisches Leben eine Hilfe erfahren und Zuversicht gewinnen.

Diese(r) Verstorbene, deren(dessen) wir heute gedenken, hat jetzt schon Anteil an der Welt Gottes. Wir aber sind noch auf dem Wege dorthin. Wir werden noch durch manches Leid hindurch müssen, ehe wir  das erleben und schauen werden, was wir jetzt glauben. Diese(r) Verstorbene hat uns etwas Entscheidendes vor aus: Sie (Er) darf schon miterleben, was uns immer nur gepredigt wird, was uns aber nicht anschaulich vor Augen ist. Eine(r) von uns ist die(der) Glückliche, die(der) weiß, ob wir recht geglaubt haben. Deshalb sollten wir sie(ihn) gern hergeben in dem Wissen, daß sie(er) es schon besser hat als wir.

 

„In der Hoffnung ist unsre Rettung schon vollendet – aber nur in der Hoffnung. Wir hoffen auf das, was wir nicht sehen, und warten geduldig darauf!“                                                                                                                                (Röm 8, 24a.25)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann wird ein Nichtchrist wohl sagen: „Da siehst du nun, was aus deiner Hoffnung geworden ist! Ein Mensch ist tot und wird tot bleiben, da kannst du nichts daran ändern! Aber da ist auch nichts weiter dabei. Das ist ein üblicher naturwissenschaftlicher Vorgang. Wenn der Organismus alt und verbraucht ist, geht er eben kaputt. In der Natur gibt es eben dieses ewige Werden und Vergehen. Und wenn eine Maschine nicht mehr brauchbar ist, dann kommt sie eben auf den Schrotthaufen!“

Doch so kann wahrscheinlich nur reden, wer den Tod noch fern wähnt, wer sich nicht bewußt macht, daß er jeden Tag auch dran sein kann. Im Angesicht des Todes wird jeder doch besonders am Leben hängen. Da wird ihm erst einmal deutlich, was er bisher gehabt hat und was er nun verlieren soll.

Wir haben auch alle ein Gefühl dafür, daß wir mehr sind als ein Stück Natur. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen. Deshalb wäre es besonders schade, wenn sich seine Spur irgendwo im Dunkel verlöre und mit den Tode alles aus wäre.

So etwas erhoffen vielleicht die Menschen, die etwas zu verbergen haben. Sie möchten nicht, daß sie für ihre Taten einmal zur Rechenschaft gezogen werden. Deshalb müssen sie behaupten, nach dem Tode gebe es nichts mehr, auch nicht das Gericht Gottes. Das ist auch eine Hoffnung, allerdings negativer Art.

Als Christen aber haben wir Grund zu einer positiven Hoffnung. Uns ist die Auferstehung der Toten und das ewigen Leben verheißen. Das macht das Gericht nicht überflüssig. Aber es gibt uns die Möglichkeit, im Gericht mit Jesu Hilfe zu bestehen. Jesus nimmt die Schuld unsres Lebens auf sich und sorgt dafür, daß wir frei ausgehen. Wir werden gerettet sein vor dem ewigen Tod und bei Gott leben können. Das ist unsre Hoffnung, ja das ist schon mehr als eine Hoffnung. Hier wird ja nicht einfach etwas in den Wind genagt, um uns nur erst einmal zu beruhigen, sondern hier verbürgt sich Gott für seine Zusagen. 

Allerdings heißt es hier: „In der Hoffnung ist unsre Rettung schon vollendet!“ Die Rettung vor Tod und Verderben ist noch nicht voll da bei uns. Wir sagen dann: „Es ist nur eine Hoffnung?“ Und wir meinen damit: „Man weiß nichts Genaues!“

Aber so hat es Paulus sicher nicht gemeint. Er will gerade die Gewißheit der Hoffnung ausdrücken und damit etwas gegen den Augenschein sagen. Äußerlich betrachtet sieht man nur Tod und Trauer. Dagegen aber stellt Paulus die gewisse Hoffnung, daß Gott auch noch an einem Verstorbenen handeln wird.

Wer diese Hoffnung hat, kann so leben, als sei der Sieg über den Tod schon Wirklichkeit. Das hilft ihm, mit dem Verlust eines lieben Menschen fertig zu werden. Das hilft ihm vor   allem aber auch, den Gedanken an den eigenen Tod auszuhalten. Wer eine Hoffnung hat, braucht sich um die Gegenwart nicht so zu sorgen.

Wir hoffen allerdings auf etwas, das wir nicht sehen. Das ist manchmal schwer. Der Mensch glaubt eher, was er handgreiflich vor Augen hat. Und wenn er selber etwas nicht nachprüfen kann, dann möchte er doch einen haben, der ihm aus eigener Erfahrung sichere Auskunft geben kann.

Aber von den Toten ist bisher noch keiner zurückgekehrt. Doch Paulus meint: Wenn wir wirklich etwas Sichtbares in Händen hätten, wäre es ja keine Hoffnung mehr. Dann hätten wir ja auch nichts mehr, worauf wir uns freuen könnten, denn dann wäre doch alles klar.

So hoffen wir auf etwas, das wir nicht sehen und warten darauf mit Geduld. Dieses Warten fällt uns manchmal schwer. Aber nur gar zu gern möchten wir wissen, was nach dem Tode kommt. Aber leider kann uns immer nur eins gegeben werden: entweder das irdische Leben oder das ewige Leben. Dieser Verstobene darf nun schon. schauen, was er geglaubt hat. Seine Hoffnung hat schon konkrete Formen ange­nommen.

Wir aber sollten uns freuen über das Leben, das wir noch haben. Wir sollten nie Hoffnung auf das Leben bei Gott hochhalten, auch wenn wir im Augenblick noch nichts davon sehen können. Aber wir können in Ruhe darauf warten in der Gewißheit, daß dieses Leben und sein Ende noch nicht das Letzte sind, sondern Gott uns einer neue Zukunft entgegen führen wird.

 

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben alle Dinge zum Besten dienen!                                                                                                                                  (Röm 8,28)

Der Tod eines Menschen trifft uns hart. Durch zu viele Bande waren wir mit ihm verbunden. Nun kann das nicht mehr sein, und wir sind erschüttert. Zwar wissen wir alle, daß wir einmal werden sterben müssen. Aber wenn der Tod dann so in unserer Alltag tritt, bringt er uns doch

Sehr durcheinander.

Können wir da wirklich sagen: Er wird uns zum Bester dienen? Es steht doch ein negatives Vorzeichen vor allem, was mit dem Tod zu tun hat. Wir empfinden ihn als etwas Bedrohliches, das uns oftmals das Beste im Leben wegnimmt.

Manche sagen ja: „Das Beste, das der Mensch in dieser Welt erlebt, ist, daß er endlich stirbt und daß man ihn begräbt!“ Aber sollte das der einzige Sinn  unseres Lebens und der einzige Sinn des Todes sein? Kommt es wirklich nur darauf an, mit Würde zu sterben und ehrenvoll begraben zu werden?

Mancher wird das in der Tat denken, wenn er das langsame und oft qualvolle Sterben eines Menschen sieht. Was bleibt dann schon von dem eigentlich Menschlichen? Wo sehen wir da noch etwas von dem, was sonst unser Leben ausmacht?

Viele verfluchen das Leben, wenn es ein solches Ende hat. Sie vergessen darüber, auch die. guten Seiten und schönen Stunden zu sehen. Sie sind undankbar und verbittert und sagen: Da wäre es besser, man hätte gar nicht gelebt! Aber so darf man nicht reden, wenn man gerecht sein will.

Für uns als Christen wird es darauf ankommen, ein positives Vorzeichen vor unser Leben und Sterben zu setzen. Wir könnten alles ja auch einmal mit der Augen Gott sehen. Für ihn ist der Tod nicht das Ende einer langen Kette von Ereignissen, sondern der Anfang eines neuen Weges. Er hat auch nach dem Tod noch viel mit uns vor. Jetzt will er uns erst das wahre Leben zeigen, das er für uns bereit hält.

Insofern können wir tatsächlich sagen: Auch der Tod kann uns zum Besten dienen! Er bringt uns nämlich noch einmal in ganz enge Verbindung mit Gott. Wir haben mit ihm zu tun seit unserer Taufe. Aber während unseres Lebens ist unser Verhältnis zu Gott oft gestört, weil wir nicht so leben, wie Gott es von uns erwartet. Nur nach unsrem Tod kann nichts mehr zwischen uns und Gott kommen, da können wir in ungetrübter Freude bei ihm leben.

Aber auch in anderer Hinsicht kann der Tod eines Menschen uns zum Besten dienen. Denken wir daran, welche Kräfte der Liebe oftmals in den Angehörigen geweckt werden. Sie wollen das wieder gut machen, was sie selber einst empfangen haben. Auch wenn sie dieses unheimliche Geschehen nicht aufhalten können‚ so können sie doch alles tun, um den Abschied leichter zu machen. Mancher entdeckt dann Fähigkeiten in sich, die er vorher nicht geahnt hat. So kann der Tod eines lieben Menschen unsere Erfahrungen erweitern und vertiefen. Außerdem hilft er uns auch‚ unser Leben zu überdenken.

Wir leben ja weiter und haben uns in diesem Leben auch weiterhin zu bewähren. Oftmals leben wir aber so, als ob es Gott nicht gäbe. Es ist ja auch so, daß wir oft so viel um die Ohren herumhaben, daß wir kaum einmal zur Ruhe kommen. Wie hätten wir da noch Zeit und Gelegenheit, uns mit Gott zu befassen?    

Aber der Tod mahnt uns, daß wir einmal zur Rechenschaft gezogen werden. Wir sollen uns für unser Leben verantworten. Vor allem müssen wir Auskunft  geben über unser Verhältnis zu Gott. Wenn wir uns auch sonst nicht viel um ihn gekümmert haben: im Tod holt er uns ein!

Deshalb mögen auch viele Menschen solche Angst vor dem Tod haben. Es beginnt ihnen dann doch zu dämmern, daß mit dem Tode nicht alles aus ist. Sie fürchten, es könnte ihnen nun erst noch schlecht ergehen.

Aber wir wissen, daß wir keine Angst zu haben brauchen: „Denen, die Gott liebe, dienen alle Dinge zum Besten!“ Aber die Voraussetzung ist, daß wir Gott lieben. Wenn wir uns in diesem Leben zu Gott halten‚ werden wir auch in der Ewigkeit bei Gott sein. Das ist nicht nur eine bloße Vermutung, sondern das wissen wir tatsächlich aus der Bibel.         

Letztlich geht es ja gar nicht darum, daß w i r Gott lieben. Er hat uns doch zuerst geliebt, alles ging doch von ihm aus. Wir antworten ihm, indem wir uns von ihm lieben lassen und ihn wieder lieben. Wir brauchen nicht den Tod zu lieben und auch nicht diese Welt‚ sondern allein Gott. Dann wird auch unser Leben sicher sein und einen Sinn gehabt haben.

Dann können wir auch beruhigt sein über das Schicksal der Toten. Wer Gott geliebt hat, dem wird auch der Tod zum Besten dienen. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen und können auch unserem eigenen Tod getrost entgegensehen. Gott wird es schon richtig machen mit diesem (r) Entschlafenen und mit uns. Es wird alles nur zu unserem Besten dienen.

 

„Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder gegenwärtiges noch Zukünftiges kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn!“                                                                          (Röm 8,38-39 i.A.)

In unserem Leben erfahren wir oftmals die Liebe Gottes. Das beginnt im Grunde schon vor unsrer Geburt. Es entspringt Gottes Willen, daß wir überhaupt existieren und welche Gaben uns mitgegeben werden. Auch daß wir Eltern haben dürfen und im Kreis der Familie aufwachsen dürfen, ist nicht selbstverständlich.

Gewiß war das Leben früher nicht einfach. Schwere Arbeit und dennoch wenig Verdienst waren die Regel. Oftmals herrschte bittere Not. Aber vielleicht waren die Menschen doch glücklicher. Vor allen Dingen hatten viele noch eine lebendige Beziehung zum Glauben und zur sie wußten noch, wieviel sie der Liebe Gottes verdankten.

Heute sind die wirtschaftlichen Verhältnisse geregelt. Aber schwierig bleiben die menschlichen Beziehungen. Wie oft wird man von einem Menschen enttäuscht. Oder man muß mit Menschen zusammenarbeiten, die man nicht leiden kann. Oder man fühlt sich allein gelassen. Mancher hat heute den Eindruck1daß es an der Liebe unter den Menschen fehle.

Sehr schnell meint man dann auch, die Liebe Gottes habe aufgehört. Aber schon in der Taufe hat sich Gott uns zugewendet. Da hat er sich an uns gebunden und uns versprochen, unser Leben zu begleiten. Mancher sagt zwar auch: „Die Taufe nützt mir nichts im Leben. Aber es gibt auch viele Christen, die in ihrem Glauben einen starken Halt haben. Sie wissen sich getragen von der Liebe Gottes, richten ihr Leben nach dem Wort Gottes ein und sind freundlich und hilfsbereit gegen jedermann. Und diese Menschen lassen sich dann auch nicht von schweren Dingen im Leben aus der Bahn werfen.

Der Glaube hat schon eine große Bedeutung für unser Leben, wenn wir nur die Liebe Gottes für uns annehmen, die er uns zuwendet. wir tun nämlich auch manches in unserem Leben, was sich zwischen uns und Gott schieben könnte. Machen wir es uns einmal an einem Bild deutlich: Auf einem Boot wagen wir uns aufs Meer des Lebens hinaus. Es ist ein schönes Gefühl, immer mehr vom Ufer weg zu kommen auf die freie See. Irgendwann im Leben hat jeder einmal das Gefühl, alle Bindungen und alles Begrenzte hinter sich lassen zu müssen und nur noch auf eigene Faust einen Weg suchen zu müssen.

Zu dem, was man zurückläßt gehört dann auch Gott. Aber je mehr man sich hinauswagt, desto mehr trennt man sich dann auch von Gott. W i r  sind es, die weggehen; das Festland bleibt, nur das Boot entfernt sich. Aber nachher kommen die Stürme und das Boot ist allein und es ist gut, wenn es bald wieder an Land zurückfindet.­

So geht es doch wohl in unser aller Leben, daß wir einmal näher und einmal weiter vom Festland entfernt sind. Aber Gottes Liebe zu uns bleibt unveränderlich. Das zeigt sich auch besonders, wenn eine Wende in unserem Leben eintritt, wenn man nicht mehr arbeiten kann und vielleicht sogar krank wird.  

Mancher denkt dann, nun habe ihn die Liebe Gottes endgültig verlassen. Aber man kann es auch anders sehen. Wenn Gott uns die Arbeit an der Hand nimmt, dann gibt er uns Zeit, über unser Leben und unsere Beziehung zu Gott und den Menschen nachzudenken.

Eine schwere Krankheit freilich ist eine schwere Prüfung für unseren Glauben. Aber sie macht uns deutlich, wie unvollkommen  unser irdischer Leib ist und wie wir es nötig haben, daß Gott uns einen neuen Leib gibt. Das aber ist unser Glaube, daß Gottes Liebe auch mit dem Tod nicht aufhört: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes! Nicht was wir im Leben getan oder nicht getan haben, trennt uns von Gott. Auch unser schlimmster Feind, der Tod, hebt die Verbindung zu Gott nicht auf. Allerdings liegt das nicht an uns, weil wir besonders gute oder besonders wertvolle Menschen wären. Von uns aus hätten wir es wahrscheinlich nicht verdient, daß Gott sich weiter um uns kümmert. Aber Gott hat uns seine Liebe zugewandt ,,in Christus Jesus, unserm Herrn“. Dieser Jesus hat sogar für uns sterben müssen, damit wir ewig bei Gott bleiben dürfen.

So können wir noch im Tod ein Zeichen der Liebe Gottes sehen. Nicht unbedingt so, daß wir meinen, der Tod bringe uns eine Erlösung von Krankheit und Schmerzen. Viel wichtiger ist doch eigentlich, daß wir dadurch in eine ganz enge Verbindung zu Gott treten können. Deshalb kann auch unser Leben und Sterben überstrahlt sein von der festen Gewißheit, daß wir immer zu Gott gehören. Das kann unserem Leben den festen Halt geben. Wir haben die Ge­wißheit, daß wir auf ein Ziel zugehen. Und wir dürfen auf ein Leben mit Gott hoffen, der stär­ker ist als alle Mächte der Welt und auch stärker ist als der Tod.

 

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet!“ 

(Röm 12,12)

Mit welchen Hoffnungen beginnt doch das Leben eines Menschen! Die Eltern sehen alles mögliche in ihrem neugeborenen Kind. Es soll einmal etwas werden und soll es besser haben als seine Eltern. Am Anfang eines Lebens stehen ja auch noch alle Möglichkeiten offen. Da kann man wirklich fröhlich sein und dem Leben mit großer Zuversicht entgegengehen.

Und wenn der junge Mensch dann hinausgeht ins Leben, dann ist er wieder voller Hoffnungen. Es liegt noch alles vor ihm und er denkt,  er könnte die Welt erobern. Voller Kraft geht er an die Verwirklichung und Bewältigung seiner Aufgaben. Alles scheint in Ordnung zu

Sein.

Aber bald kommt auch Trübsal. Schwierigkeiten türmen sich auf und es gibt auch traurige Ereignisse und Enttäuschungen zeichnen ein Leben. Kein Mensch bleibt davon verschont, wenn er auch noch so tüchtig ist. Er spürt eben doch das eigene Versagen und das anderer Menschen und erfährt die Beschränktheit menschlichen Daseins.

Es geht nicht alles so glatt, wie man sich das gedacht und geplant hat. Es gibt keine heile Welt, in der alles vollkommen ist. Zu unsrer Welt gehört es nun einmal dazu, daß es Trübsal und Schwachheit gibt.

Das Schlimmste für uns ist vielleicht noch die Krankheit, die doch vielen Menschen zu schaffen macht und zu jahrelangem Leiden führt. Das ist schon eine Trübsal, die einen Menschen schwer belasten kann. Es kann sich ja jeder von uns ja. einmal selber ausdenken, ob er damit fertig würde. Deshalb sagt Paulus hier: „Seid geduldig in Trübsal!“ Wie schnell werden wir doch ungeduldig, wenn etwas nicht klappt. Aber gerade wenn es uns schlecht geht, müssen wir uns in Geduld üben - auch dann, wenn sich alle Pläne nicht verwirklichen lassen.

Wie viele Pläne haben wir alle begraben müssen! Und doch ist das Leben weiter gegangen. Man darf nur nicht aufgeben und sein Gottvertrauen nicht verlieren. Immer wieder werden wir auf die Bibel hingewiesen, auf die Worte der Zuversicht, die von gläubigen Menschen wie Paulus stammen, damit wir mit dem Schweren fertig werden durch die Hilfe Gottes.

Wieviel Geduld braucht man dann! Erst ist man voller Ungeduld vorangestürmt. Aber dann muß man merken, daß man langsamer treten muß und daß unsre menschlichen Kräfte beschränkt sind. Jeder kommt einmal an eine Grenze seiner Leistungskraft und muß stillhalten. Besonders wenn man krank wird, kommt man zu dieser Einsicht. Und dann muß sich mancher in Geduld üben, der vorher ruhelos und ratlos war.

Woher soll man aber die Kraft nehmen für diese Geduld? Da wird nun der dritte Teil dieses Verses wichtig: „Haltet an am Gebet!“ Wenn wir fröhlich sind, brauchen wir das Gebet, um zu danken. Wenn wir in Trübsal sind, brauchen wir das Gebet, um Gott zu bitten. Beides gehört aber zusammen, der Dank und die Bitte. Unser ganzes Leben will begleitet sein vom Gebet.

Wer das Beten nicht in guten Zeiten gelernt hat, wird es auch nicht können, wenn er sich in der Not an Gott wenden will. Und vielleicht hört Gott dann auch nicht so gut, wenn man sich sonst auch nicht um ihn gekümmert hat. Deshalb werden wir hier zum ständigen Gebet

Ermahnt

Mancher hat als Kind ja gebetet. Aber als Erwachsener hat er das abgelegt und denkt, das sei nicht mehr nötig, es sei etwas Kindisches. Doch Paulus sagt uns hier: „Haltet an au Gebet!“. ,,Laßt euch durch Nichts  abbringen. Werdet nicht gleichgültig ,wenn es euch gut geht. Laßt euch nicht entmutigen und bleibt dabei ,wenn es euch schlecht geht.

Das ist denjenigen gesagt, die diese Welt verlassen müssen. Es soll aber heute auch den Angehörigen  des Verstorbenen gesagt sein, die leicht in der Gefahr stehen, an Gott zu verzweifeln und das Beten aufzugeben. Wer rechtzeitig beten  lernt hat, wird sich durch Schwierigkeiten nicht so leicht davon abbringen lassen. Er wird auch in den letzten- Stunden seines Lebens damit durchhalten und Kraft für den letzten Gang davon empfangen.

Zwei Dinge bestimmen also unser Leben: Fröhlichkeit und Traurigkeit. Wir sind beidem unterworfen. Aber über dem allen steht das Wort: Haltet an am Gebet! Das allein gibt uns im Leben Trost und Zuversicht. Wer sein ganzes Leben über gebetet hat. der ist auch gewiß, daß Gott ihn auferwecken wird und ihm ewiges Leben geben wird.

 

Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Wir leben oder sterben so sind wir des Herrn!                                                            (Röm 14,7-8)

Wenn ein Leben zu Ende gegangen ist, dann fragen wir wohl auch: Was hat dieses Leben für einen Sinn gehabt?  Da war jemand für einige Jahrzehnte auf dieser Erde. Aber hat es sich eigentlich gelohnt für ihn und für seine Umwelt? Oder ist es besser, wenn er nun endlich von dieser Welt erlöst ist?

Wenn man praktisch nur für sich selbst lebte, dann hätte das Leben tatsächlich nur wenig Sinn. Ein Mensch, der nur für sich selbst da ist, ist ja ein Widerspruch in sich selbst. Er könnte ja gar nicht existieren, irgendwie sind wir doch alle durch viele unsichtbare Fäden mit anderen Menschen verbunden.

Nicht nur die Verwandten und Bekannten haben mit uns zu tun, auch viele  Menschen, die wir gar nicht kennen. Wir profitieren von den Ergebnissen ihrer Arbeit, nehmen sie in Anspruch und lassen uns das Leben angenehm machen. Aber umgedreht trägt auch jeder Mensch zum Wohle anderer Menschen bei. Selbst wenn er krank und schwach ist, kann er noch für andere da sein, und wenn er nur die Hände faltet und für andere betet.

So sind wir also mehr oder weniger fest mit vielen anderen Menschen verbunden. Deshalb ist es ja auch so schwer, wenn wir einen Menschen hergeben müssen an den Tod. Gerade weil er nicht für sich gelebt hat, hinterläßt er eine Lücke und der Abschied ist schwer. Auch wenn uns das vorher nicht so bewußt war, wenn wir alles so selbstverständlich hingenommen haben - beim Tod eines Menschen wird uns deutlich, was er uns bedeutet hat.

„Keiner lebt für sich allein, keiner stirbt für sich allein!“ sagt Paulus deshalb. Zwar kann keiner dem anderen das Sterben abnehmen, aber wenn einer sterben muß, dann betrifft das andere immer mit. Sie versuchen auch, einem Sterbenden Hilfe und Beistand zu geben und ihm das Sterben so leicht wie möglich zu machen. Hier kann vieles von dem wieder gutgemacht werden, was man selbst einmal von dem Sterbenden empfangen hat: So wie er sich um uns gesorgt hat und uns beigestanden hat, so sollten auch wir für ihr sorgen und ihm äußerlich und innerlich beistehen.

Aber die Beziehung zu anderen Menschen ist ja nur die eine Seite unsres Lebens. Genauso wichtig oder noch wichtiger ist die Verbindung mit Gott. Deshalb sagt Paulus auch: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn!“ Unser Leben hat nur dann einen Sinn, wenn es ein Leben mit Gott und für Gott ist. Er gibt uns die Regeln und Maßstäbe für unser Leben mit. Er hält uns sein Wort als Richtschnur vor, damit wir es leichter haben. Wenn wir darauf hören, verläuft unser Leben in den richtigen Bahnen und hat einen Sinn.

Dann wird aber auch unsern Sterben einen Sinn haben können. Es bedeutet dann nur die Heimkehr zu dem, der der Henn über unser ganzes Leben ist. Er ruft uns heim, damit unser unvollkommenes menschliches Leben ein Ende hat und wir ganz in ungetrübter Gemeinschaft mit ihm sein können.           

Unser irdischer Leib und unser irdisches Wesen taugt  nämlich nichts für die Ewigkeit. Das ist nur gut für die begrenzte Zeit unseres Daseins auf der Erde. Danach brauchen wir einen neuen Leib und zum Teil auch ein neues Wesen, nämlich ein Wesen, das Gott gereinigt hat von allen Schwachheiten des Menschen und das so ist, wie Gott es haben möchte.

In unserem irdischen Leben haben wir uns zu  bewähren als Geschöpfe Gottes. Er will in Gemeinschaft mit uns stehen und will uns helfen, unser Leben besser zu bewältigen. Aber er hat dann auch gewisse Erwartungen an uns, nämlich daß wir auf ihn Rücksicht nehmen und in seinem Sinne leben.

Wir müssen sogar beides miteinander  koppeln: Wenn wir für den Herrn leben, werden wir auch mit ihm und in ihm sterben. Dann ist aber auch der Tod kein Bruch, kein tiefer Graben, über den es keine Brücke gibt. Aus menschlicher Sicht mag er schon ein Einschnitt sein. Aber von Gott her ändert sich nicht viel.

Er war schon in unserem Leben unser Gott und er wird es auch und erst recht nach diesem Leben bleiben. Wenn wir ihn in unserem Leben unseren Gott sein lassen, dann wird auch der Tod daran nichts ändern können, daß er weiter unser Gott bleibt. Das Wichtige ist, daß wir dem Herrn gehören. Ob wir dabei leben oder schon gestorben sind, kommt erst in zweiter Linie. „Wir leben oder sterben, so sind wir das Herrn!“

 

„Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes!“ (1.Kor 3,23)

Gott hat uns vieles gegeben: unsre Eltern und Geschwister unsre Wohnung und Nahrung, unsre Kleidung und all das, was wir zum Leben brauchen. Natürlich müssen wir uns das

auch erarbeiten; aber wir können es doch nur mit der Gnade Gottes erwerben.

Gott sagt aber: All das ist euer, es steht zu eurer Verfügung und ihr könnt mit königlicher Freiheit damit umgehen. Es ist schon etwas Großes, daß wir einen solchen Gott haben dürfen, der uns das alles schenkt und uns damit zu seinen Gehilfen macht. Der Mensch ist nur wenig geringer als Gott und sehr viel ist in seine Hand gegeben. Es ist schon eine Lust, in dieser Welt Gottes zu leben.

Aber genau hier liegt auch der wunde Punkt: Gott hat uns alles gegeben, aber über unsern Leben können wir nicht verfügen - das steht allein in seiner Macht. An jedem Tag und zu jeder Stunde kann er uns abrufen in sein Reich. Natürlich wissen wir alle, daß wir nicht Herren über unser Leben sind. Aber wenn uns dann plötzlich und unerwartet der Tod trifft, dann ist es doch schwer. Sicher ist es aber auch gut so, daß nur Gott das Ende unsres Lebens kennt. Ihm gehören wir ja doch mit Leib und Seele. Wir haben uns das Leben nicht gegeben, deshalb können wir auch nicht darüber verfügen. Es ist uns nur von Gott verliehen und er kann es jederzeit von uns zurückfordern.

Aber das bedeutet auch einen Schutz für uns: Wir gehören allein zu Christus. Seit unsrer Taufe kann kein anderer mehr über uns verfügen. Das ist die feste Gewißheit, die uns das ganze   Leben über begleitet. Es gibt ja manche Mächte, die uns von Gott abbringen wollen, solche Mächte wie Gleichgültigkeit, Gewinnstreben, Weltanschauungen. Aber all das hat keinen Erfolg, wenn man sich nur fest zu diesem Jesus Christus hält.

Nicht einmal der Tod kann uns von Gott wegreißen. Der Tod kommt nicht von selbst, sondern es steht Gottes Wille dahinter. Wenn Gott nicht will, dann hat auch der Tod keine Macht; wenn Gott ihm Halt gebietet, muß er wieder umkehren. Gott kann immer sagen: Dieser Mensch gehört mir, um den darf sich niemand anders kümmern, auf dem ist mein Eigentumszeichen und da lasse ich keinen ran.

Das ist doch tröstlich zu wissen: Es geschieht alles nach Gottes Plan. Auch das Schwere und Unfaßbare geht nicht über seine Macht hinaus. Er hat uns von der Taufe über die Konfirmation und Trauung geleitet. Warum sollte er uns da am Ende unsres Lebens im Stich lassen? So etwas können wir uns doch von Gott nicht vorstellen. Er hat sich doch freiwillig für uns erklärt und wird auch dabei bleiben. Es ist gut, einen solchen Herrn zu haben, der nicht enttäuscht. Andere Herren geben ihre Schützlinge schnell auf, wenn sich der Wind dreht oder wenn sie es sich anders überlegt haben. Doch unser Herr ist treu. Er läßt uns nicht irgendwo verkommen, sondern geht uns nach und steht uns zur Seite, auch gerade wenn es schwer wird.

Dessen will uns auch dieser Vers aus dem 1. Korintherbrief gewiß machen. Er ist ja dreigliedrig: „Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes!“ Das ist wie bei drei Stufen, von denen immer eine ein Stück höher führt als die andere.

Entscheidend für uns wird dabei wohl das Mittelstück sein: „Ihr aber seid Christi!“ Das ist wie eine Brücke, die zu Gott hinführt. Über diese Brücke müssen wir  gehen, wenn wir zu Gott gehören wollen. Zu diesem Christus müssen wir uns halten, wenn wir ein Kind Gottes sein wollen.

An sich ist zwischen Gott und den Menschen eine tiefe Kluft. Aber Christus führt uns hinüber und bringt uns so in Verbindung mit Gott. Er zeigt uns den Weg in jenes neue Land Gottes, das er für uns vorbereitet hat. Christus garantiert uns dafür, daß dieser Weg der richtige ist und daß an der anderen Seite der Brücke wirklich Gott steht. Gott und Christus sind eins. Und wenn wir auf der Seite Christi stehen, dann können wir auch Gott nicht verfehlen.

Jedes dieser drei Glieder ist gleich wichtig: So gewiß, wie wir alle Güter dieser Welt besitzen, so gewiß gehören wir auch zu Christus und so gewiß gehören wir auch zu Gott; nur ist eben das erste sichtbar für alle, das andere nicht. Aber das Unsichtbare soll uns auch so sicher werden wie das Sichtbare.  

Wir müssen zwar aus dieser Welt fortgehen. Aber wir­ kommen nur zu Gott, denn da gehören wir hin. Diese(r) Entschlafene steht nun schon vor Gott. Wir sind noch auf dem Weg. Aber wir gehören auch zu Gott. Er wartet schon­ auf uns an der anderen Seite der Brücke. Wenn es Zeit ist, holt er auch uns hinüber. Dann dürfen auch wir diesen Weg gehen im Vertrauen auf dieses Wort: „Alle ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes!“

 

Der Herr ist’s, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt!                                                                                   Selbstmord     (1. Kor 4,4-5)

Wenn ein Mensch aus dem Leben geschieden ist, dann werden doch viele andere davon bewegt. Sie schütteln den Kopf und sagen: „Wie körnte der nur so etwas tun? Er war doch immer so ein fröhlicher und lebenslustiger Mensch, ein zuverlässiger Arbeiter und von den Nachbarn geachtet. Aber keiner denkt daran, daß er vielleicht schon morgen an der gleichen Stelle  stehen kann. Fragen wir uns doch einmal ehrlich: „Haben wir nicht irgendwann im Leben auch mit so einem Gedanken gespielt? Wenn man verzweifelt ist und keinen Ausweg mehr sieht, dann denkt man schon einmal an einen solchen Schritt, der auf den ersten Blick eine Lösung zu bringen scheint.

Wir können in keinen Menschen hineinsehen. Deshalb dürfen wir kein Urteil über ihn fällen, wer weiß, in welche Versuchung wir einmal geführt werden und wie schwach wir am Erde dabei sind. Wir können nur Mitgefühl haben mit einem Menschen, der so einen letzter Schritt getan hat.

Wir sollten Mitgefühl haben mit der Familie, die von einem großer Schreck betroffen wurde. Man fragt sich dann doch: „Hättest du es nicht verhindern können. Was hast du falsch gemacht? Hast du dir zu wenig Zeit genommen für ein Gespräch mit dem Betreffenden? Hast du nicht die richtigen Wörter gefunden, um ihn vor seinem Vorhaben abzubringen?“

Aber das müssen sich im Grunde alle fragen, die mit dem Verstorbenen mehr oder weniger zu tun gehabt haben. Immer ist es eine Sache, die die ganze Gemeinde angeht. Keiner hat das Recht, jetzt vorschnell ein Urteil zu fällen über einen Menschen, den man im Grunde doch viel zu wenig gekannt hat. Jeder sollte sich viel mehr an, die eigene Brust schlagen, sich fragen, was er versäumte, und Gott danken, daß er ihn vor Ähnlichem bewahrt hat: Entweder hat er ihn gar nicht in eine solche Lage geführt, oder er hat ihn Menschen finden lassen, die ihm raten und helfen konnten. Ein Selbstmord ist jedenfalls die schlechteste aller Lösungen,  ist meist eine Kurzschlußhandlung, zu der man nicht gegriffen hätte, wenn man eine bestimmte Krise hätte überwinden können.

Gott kennt diese unsere menschliche Schwäche. Und deshalb hat er uns das fünfte Gebot  gegeben: „Du sollst nicht töten!“ Das gilt auch für das eigene Leben. Wir haben es uns nicht gegeben, deshalb dürfen wir auch nicht darüber verfügen. Gott will uns durch sein Gebot helfen, daß wir nicht leichtfertig mit dem Leben umgehen, nicht mit fremdem und nicht mit eigenem. Er  schützt das Leben anderer Menschen, aber er schützt auch unser eigenes Leben, auch vor uns selber.

Aber beachten wir die Mahnung des Paulus: „Der Henn ist's, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt!“ Ob einer das Gebot Gottes eingehalten hat oder nicht, das kann nur Gott allein beurteilen. Niemand darf seinem Urteil und seinem Handeln vorgreifen.

Das soll auch denen gesagt sein, die sich vielleicht mit einem ähnlichen Gedanken  tragen. Wenn man freiwillig aus dem Leben scheidet, dann hat man zwar die Schmerzen und Probleme des Augenblicks ausgeschaltet. Man kann alle irdische Not und den täglichen Kampf hinter sich lassen. Man weiß dann mit einem Schlag, wie das mit dem Sterben und dem Leben danach ist. Aber man hat eben nicht ausgehalten, was Gott auferlegt hat.

Man kann auch nicht all seine menschlichen Schuld ausstreichen und das Gericht Gottes vorwegnehmen wollen. Kein Mensch darf über uns zu Gericht sitzen, aber auch wir selber nicht. Wir dürfen uns aber in die gnädige Hand Gottes befehlen, der allein ein gerechter Richter ist: Er sieht in unser Herz und kennt alle Hintergründe. Er allein war bei diesem letzten Schritt dabei und kann ihn gerecht beurteilen.

Deshalb können wir diese (n) Verstorbene (n) in die Hand Gottes befehlen, der ihr (ihm) ein gerechter Richter sein wird. Wir selber aber sollten wissen, daß wir einen solche Ausweg nicht nötig haben. Auch wenn uns kein Mensch mehr helfen kann, so haben wir doch noch Gott, an den wir uns wenden können. Gott hört uns auch in der tiefster Not. Er ist da, wenn es uns gut geht. Aber er will immer mit uns in Verbindung bleiben, auch im Notfall. Er kann uns mehr  helfen, als wir oft denken. Er wird auch jetzt da sein, damit es weitergehen kann.

 

„Die Zeit ist kurz. Fortan müssen auch die, die da weinen, sein als weinten sie nicht, und die sich freuen, als freuten sie sich nicht, und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht. Ich möchte aber, daß ihr ohne Sorge seid!“                                   (1. Kor 7,29-32 i.A.)

Daß die Zeit kurz ist, erfahren wir jeden Tag neu. Sicherlich meinen wir alle, noch viel Zeit zu haben. Aber dann trifft es bald diesen oder jenen aus unsrer Mitte, der diese Welt verlassen muß. Da kommt uns dann doch einmal der Gedanke an den Tod. Und vielleicht kommt uns auch zu Bewußtsein, daß wir nur noch wenig Zeit haben könnten.

Als Paulus diese Sätze an die Korinther schrieb, war er sogar der Meinung, das Ende für alle Menschen und die ganze Welt werde bald kommen. Deshalb lohne es sich nicht mehr recht, um all die vielen Dinge dieser Welt sich noch zu kümmern, die uns sonst so wichtig sind. Wenn ja doch alles bald ein Ende hat, dann braucht man ja nur noch zu versuchen, einigermaßen über die Runden zu kommen.

Nun, das Ende der Welt ist damals nicht gekommen. Aber die innere Haltung, die Paulus damals einnehmen wollte, die ist auch heute noch angebracht. Er sagt: Nehmt das alles in Gebrauch, als hättet ihr es nicht. Macht euch frei von dem Zwang, ohne gewisse Dinge im Leben nicht auskommen zu können. Einmal muß man es ja doch hergeben. Deshalb gilt es, sich rechtzeitig innerlich davon zu lösen. Dann wird man auch wieder eher dankbar sein können für alles, was man hat.

Es sind ja viele Dinge, die wir unter Umständen in unserem Leben hergeben müssen. Heute werden wir beson­ders schmerzlich empfinden, daß der Ehepartner weg genommen wurde. Aber die Erfahrung muß eben jeder machen, daß einmal geschieden sein muß. Der Tod trennt dann ein Ehepaar, das dankbar auf viele Jahre gemeinsamen Lebens zurückschauen kann.

Oftmals hat man auch Teile seines Besitzes hergeben müssen oder man hat Dinge hergeben müssen, an denen das Herz hing. Vieles, wofür man sich sein ganzes Leben über eingesetzt hat, ist auf einmal dahin.

Wir können eben nichts festhalten, sei es ein lieber Mensch oder ein Besitzstück. Vor der Gewalt den Todes muß sich jeder beugen. Wir können die unangenehmen Seiten dieser Welt nur gebrauchen, als gebrauchten wir sie nicht; denn das Wesen dieser Welt vergeht.

Auch in der Freude dürfen wir nicht übertreiben. Sicherlich gibt es viele Dinge, die uns Freude machen. Unser Leben hat auch seine schönen Seiten, zum Beispiel wenn man einen liebevollen Ehepartner gefunden hat oder sich mit den Menschen gut versteht. Nur muß man wissen, daß diese Freude auch plötzlich wieder genommen werden kann

Umgedreht kann aber auch die Trauer sehr schnell gewendet werden. Auch wer jetzt weint, kann leben, als weinte er nicht. Gott kann unsre Traurigkeit wieder zur Freude machen, weil er uns einen Ausweg aus unsren Sorgen zeigt.

Paulus sagt: „Ich möchte, daß ihr ohne Sorge seid!“ Gott möchte das auch. Wir dürfen uns nicht an den Sorgen dieser Welt zerreiben, denn das Wesen dieser Welt vergeht. Gerade weil unser Leben nur kurz ist, sollten wir es doch nicht nur mit Sorgen und Kummer zubringen.

Gott will uns vor allem die Sorge um unser Leben und unsre Zukunft nehmen. Viele hängen sich zu sehr daran, daß sie es nachher nicht mehr hergeben wollen. Dabei liegt es allein in Gottes Hand. Wir können nichts dazu tun, wir können auch nichts wegnehmen. Gott  hat schon für unsre Zukunft gesorgt.

Diese Haltung des „Haben, als hätte man nicht“ ist ja letztlich getragen von einer großen Hoffnung. Wir wissen, daß wir bei Gott alles haben werden. Freude und Leid werden aufgehoben sein, und wir werden ohne Sorgen bei Gott sein können.

Diese Gewißheit strahlt schon herein in unser Leben und kann es mit Zuversicht erfüllen unter dem Schutz eines größeren Herrn, der uns über die Probleme unsres Lebens hinweghelfen kann. Gott kann uns auch helfen, mit dem Tod dieses Menschen fertig zu werden.

Wir können das, indem wir auf den vertrauen, der uns ein neues Leben geben kann. Er will nicht, daß wir in Trauer und Leid untergehen, sondern aufblicken zu ihm, dem Herrn über Leben und Tod. Er will dem Leben zum Sinn verhelfen und uns teilhaben lassen am ewigen Leben. Er sagt: „Ich möchte, daß ihr ohne Sorge seid!  Er hat auch die Macht uns alle Sorgen zu nehmen, so daß wir unser Leben und Sterben im Glauben bewältigen können.

 

Die Liebe höret nimmer auf!                                                                 (1. Kor 13,8a)

Einen solchen Spruch hätte man vielleicht eher bei einer Trauung erwartet. Da hat es Sinn, wenn man sagt: Die Liebe geht auch nach der Hochzeit noch weiter. Sie soll sogar bis zum Ende des Lebens dauern, bis einer der Ehepartner diese Welt verlassen muß. Es ist schön, wenn man am Ende eines Lebens sagen kann: „Bei uns hat die Liebe nie aufgehört. In den schönen Tagen haben wir zusammengehalten. Aber auch wenn es schwer war, dann hat einer für den anderen eingestanden.

Wenn man eine Ehe beginnt, da ahnt man noch nicht, was alles kommen kann. Natürlich hofft man das Beste und stellt sieh alles im rosigem Licht vor. An Krankheit und schweres Leid denkt niemand. Sicher ist das auch recht so, denn was soll man sich denn Sorgen machen, wenn es noch gar nicht so weit ist.

Aber wir müssen auch nüchtern sein und damit rechnen, daß Krankheit und Tod kommen. Schon bei der Trauung wird ja gesagt: „…bis der Tod euch scheidet!“ Die Ehe dauert, bis einer der beiden Ehepartner stirbt. Sie geht nicht auseinander, wenn Krankheit oder lange Trennung dazwischen kommen, solche Belastungen muß eine Ehe aushalten.

Dazu ist die Ehe gerade da, daß in der Not einer dem anderen beistehen kann. Es ist doch selten, daß beide Ehepartner gleichzeitig hilfsbedürftig werden. Meist kann doch der eine dem anderen helfen und für ihn da sein. Voller Dankbarkeit kann man später nur auf diese Zeit eines gemeinsamen Lebens zurückschauen und daraus dann neue Kraft für die Zukunft empfangen.

Da könnte man doch ein Fragezeichen hinter diesen Satz setzen: „….bis der Tod euch scheidet!“ Ist das denn möglich, daß der Tod zwei Menschen voneinander scheidet? Natürlich, äußerlich gesehen können sie nicht mehr zusammen sein; da schafft der Tod eine endgültige Trennung: man kann nicht mehr miteinander reden, man kann den anderen nicht mehr sehen, man kann ihn nicht mehr spüren.

Aber warum sieht man oft Menschen am Grab des verstorbenen Ehepartners stehen und mit ihm reden? Natürlich kann das der Verstorbene nicht mehr tatsächlich hören, so wie wir mit unseren Ohren hören. Aber es gibt auch noch anderes Hören, eine innere Verbindung, die auch durch den körperlichen Tod nicht abreißt.

„Die Liebe höret nimmer auf“, sagt Paulus. Es gibt eben Dinge zwischen Himmel und Erde, die über unsre fünf Sinne hinausgehen. Ein Außenstehender lächelt vielleicht darüber. Aber wer das selber mitmacht, für den ist es eine Realität. Der Tod kann der Liebe nicht wirklich ein Ende setzen. Er macht sie eher noch tiefer und sehnsüchtiger.

Allerdings redet hier Paulus mehr von der Liebe Gottes zu den Menschen. Aber sicher ist es auch erlaubt, diese Worte einmal auf die Liebe unter den Menschen zu beziehen. Alle menschliche Liebe bezieht nämlich ihre Kraft aus der Liebe Gottes. Sie ist gewissermaßen das irdische Abbild der göttlichen Liebe. Nur weil Gott u n s geliebt hat, können wir auch einander lieben.

Gottes Liebe ist aber noch mehr als alle menschliche Liebe. Wir machen auch einmal Fehler und versagen. Aber Gott wendet sich jedem Menschen mit der gleichen Liebe zu und läßt sich nicht von irgendwelchen Stimmungen beeinflussen. Seine Liebe zu uns Menschen hört nimmer auf!

Das gilt nun besonders auch in Bezug auf den Tod. Gottes Liebe zu uns reicht auch über den Tod hinaus. Er liebt uns weiter mit unverminderter Kraft, auch wenn wir diese Welt verlassen müssen. Seine Liebe findet keine Grenzen.

Warum sollte der Gott, der uns ein ganzes Leben lang viel Gutes getan hat, nicht auch Möglichkeiten haben, uns auch nach dem Tod seine Liebe zu erweisen? Durch den Tod wird uns Gottes Liebe erst richtig deutlich, wird sich erst beweisen‚ wieviel seine Hilfe für uns wert ist.

Was Gott einmal begonnen hat, das führt er auch zum guten Ende. Er möchte uns für immer bei sich haben und gibt uns deshalb eine neues Leben. Vielleicht schickt er uns nur deshalb den Tod, damit wir für immer ganz bei ihm sein können, und so einen letzten Beweis seiner Liebe erfahren:

Vielleicht dürfen  wir aber auch die Hoffnung mitnehmen, daß Gott auch die Verbindung der Menschen untereinander bestehen läßt und wir mit unseren Lieben auch weiterhin vereint sein werden. Nur wird uns dann  doch die  Liebe zu Gott wichtiger sein. Ihm können wir bekennen: „Meine Liebe zu dir hört nimmer auf!“ So kann uns der Tod eines lieben Menschen nicht vorn Gott wegführen, sondern wird uns umso mehr der Liebe dessen gewiß machen, der gesagt hat: „Die Liebe höret immer auf!“

 

Das Hohe Lied der Liebe                                                                        (1. Kor 13)

Im 1. Korintherbrief in Kapitel 13 übernimmt Paulus ein Gedicht, das ihm sicher auch persönlich viel gesagt hat. Es handelt von der Liebe unter den Menschen, setzt sie aber in Beziehung zu der Liebe Gottes gegenüber den Menschen.  Man kann dabei gar nicht so richtig erkennen, wie das eine in das andere übergeht.

Zuerst wird gesagt, daß ohne die Liebe gar nichts im Leben geht. Alles Reden wäre leer, alles Wissen nutzlos. Selbst der Glaube oder mitmenschliches Denken oder Tun zählten nichts ohne die Liebe. Da könnte einer all seine Habe den Armen geben; aber wenn er dabei kaltblütig bleibt und nur seine eigene Ehre im Kopf hat, dann ist das alles nichts. Wenn man schon etwas für einen anderen Menschen tut, dann tut man es um seinetwillen, um ihm zu helfen und ihm etwas Liebe mitzugeben und sein Leben etwas zu erhellen.

Das Gleiche gilt übrigens für die Musik. Man kann sie rein mechanisch betreiben und technisch hervorragend gut wiedergeben. Aber nur wenn man mit dem Herzen dabei ist, kann die Musik auch andere Menschen anrühren und zu etwas bewegen. Das zeichnet ja die großen Musiker aus, die Musik aufführen: Das Publikum merkt, daß da nicht nur Töne herüberkommen, sondern auch etwas von der Art und dem Wesen des Menschen. Nur wenn man mit Liebe und seiner ganzen Person dabei ist, kann die Musik ihre Wirkung entfalten.

Als Zweites wird gesagt: Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, 4sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit!“

Damit wird sehr treffend beschrieben, worauf es im Zusammenleben der Menschen ankommt.

Wie schnell sind wir aufbrausend, haben nur unsren eigenen Vorteil im Blick, wollen uns selber groß machen, sehen nur die Fehler des anderen und übersehen die eigenen großzügig. Wir erleben viel Ungerechtigkeit im Leben und tragen auch selber mit dazu bei. So ist der Mensch eben. Da entsteht auch immer wieder Schuld im Leben, trotz allen guten Bemühens. Die Liebe sieht das ungeschminkt und deckt die Wahrheit auf. Aber sie kann auch verzeihen und hilft immer wieder zu einem Neuanfang.

In unnachahmlicher Weise wird in dem Gedicht dann formuliert: „Sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf!“ Hier wird schon darauf hingewiesen, daß unser Leben ein Ende hat und dann zunächst einmal keine Möglichkeit mehr besteht, einem anderen Menschen Liebe zu erweisen. Deshalb kommt es ja auf jeden Tag unsres Lebens an: Jeder Tag sollte mit Liebe erfüllt sein. Jeden Tag sollten wir wenigstens einmal einem anderen Menschen etwas Liebes erweisen, sonst war er im Grunde vergeblich.

Aber der Satz „Die Liebe höret nimmer auf!“ deutet schon auf etwas hin, was über dieses Leben hinausreicht, hier erkennen wir den Übergang von der Liebe der Menschen untereinander zur Liebe Gottes.  Unsre menschliche Liebe wird zwar mit dem Tode nicht zunichte gemacht, aber es wird die Möglichkeit genommen, noch weiter Liebe auszuüben. Die Liebe Gottes aber reicht über den Tod hinaus, ja sie kommt dann erst richtig zur Vollendung.

Gott, der uns schon vor unserem Leben kannte, der wird auch unser Gott sein, wenn unser Leben einmal ein Ende hat, denn seine Liebe hört niemals auf. Wie das möglich sein soll, ist uns vielleicht nicht so recht klar. Auch im 1. Korintherbrief wird zugegeben: „Unser Wissen ist Stückwerk!“ Auch alle Vermutungen in dieser Richtung sind nur Stückwerk.

Aber es muß ja auch nicht sein, daß wir alles wissen. Wie Gott uns ein neues Leben schenken kann, das ist nicht unser Problem, sondern seins.

Doch das Gedicht kommt fast ins Schwärmen: „Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören!“ Im Augenblick können wir nur einzelne Teile der Wirklichkeit Gottes erkennen. Aber in der Welt Gottes werden wir alles erkennen. Vor allem werden wir auch sehen, daß Gottes Liebe zu uns über unseren Tod hinausreicht und wir uns auch dann noch von seiner Liebe umfangen wissen dürfen.

Paulus macht das noch einmal mit einem Bild deutlich: Wenn wir in einen Spiegel schauen, dann sehen wir immer nur unser eigenes Bild. Wir bleiben immer nur im Bereich unsrer menschlichen Möglichkeiten und können menschliche Grenzen nicht überwinden. Aber in der Welt Gottes sehen wir Gott von Angesicht zu Angesicht. Und dann werden all unsere Fragen und Zweifel beendet sein und wir werden erkennen, wie alles wirklich ist.

Am Schluß dieses Kapitels stehen dann die unnachahmlichen Worte: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen!“ Wieder denken wir zunächst an die Liebe der Menschen untereinander. Aber wir wissen auch: Diese Liebe wird umfangen von der Liebe Gottes, die weiter reicht als dieses irdische Leben. So bleibt uns heute die Erinnerung an einen lieben Menschen. Es bleibt uns aber vor allem die Liebe Gottes, der uns jeden Tag durchs Leben geleitet und auch dann bei uns sein wird, wenn dieses Leben einmal ein Ende hat.

 

„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen!“                                                               (1. Kor 15,20)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann sagen wir manchmal: „er ist eingeschlafen!“ Vielleicht wollen wir damit umschreiben, was an sich hart und grausam ist: ein Mensch ist gestorben, er bewegt sich nicht mehr, er spricht nicht mehr zu uns, wir können  nicht mehr mit ihm in Verbindung treten.

Oft ist schon eine lange und schwere Krankheit vorausgegangen. Man steht hilflos dabei wenn ein Mensch immer weniger wird. Man wird dadurch innerlich aufgewühlt und angegriffen. Man muß ja dabei immer daran denken, daß es einem selber so gehen könnte und daß man selber einmal wird sterben müssen.

Da mag es hilfreich sein, wenn man die harte Tatsache des Todes ein wenig umschreibt: „Einschlafen“ klingt milder. Und tatsächlich erinnert das Sterben ja auch an das Einschlafen. Nur dauert eben das Schlafen länger als bis zum nächsten Morgen.

Aber im Grunde nehmen wir täglich das Sterben in einem gleichnishaften Akt vorweg. Wenn wir uns zum Schlafen hinlegen, dann sind wir auch für einige Zeit „weg“, wir nehmen nicht mehr am Leben der anderen teil, wir sind wie in einer anderen Welt.

Mancher hat allerdings auch Schwierigkeiten mit dem Einschlafen. Das mag seine Ursache darin haben, daß er einen aufregenden Tag hinter sich gebracht hat und noch nicht verarbeitet hat, was ihn belastet hat.

Aber auch so werden wir manche verdrängte Angst mit in die Nacht nehmen. Sie hindert uns, daß wir uns wirklich in den Schlaf fallen lassen und erholt dann wieder einen neuen Tag beginnen können.

So mag auch mancher Angst vor dem Sterben haben, weil er die Schuld seines Lebens noch nicht bewältigt hat, weil sie ihm noch nicht vergeben worden ist. Der Tod stellt uns uner­bittlich vor die Aufgabe, auch das ins Reine zu bringen. Das soll nicht heißen, daß ein soge­nanntes „schweres Sterben der Hinweis auf eine verborgene Schuld wäre. Aber es ist gut, wenn man jederzeit seine Angelegenheiten geordnet hat, damit man beruhigt Abschied nehmen kann. Ein Gebet vor dem täglichen Einschlafen dürfte ein Anzeichen dafür sein. Wer das übt, wird auch für die Ewigkeit vorbereitet sein.

Paulus vergleicht im 1. Korintherbrief den Tod auch mit einen Schlaf. Oft sieht ein Verstorbener so aus, als­ würde er nur schlafen. Vorher war das Gesicht noch von Schmerzen gezeichnet. Doch zuletzt hat es sich doch noch entspannt und man konnte den Eindruck haben, als sei er schon in einer anderen Welt, auch wenn das Herz noch schlug und der Atem noch ging.

Das kann uns ein Hinweis darauf sein, daß wir tatsächlich mit der Welt Gottes rechnen dürfen. Die Toten schlafen solange in Frieden, bis sie von Gott auferweckt werden zu einem neuen Leben mit Gott. Aber Sicherheit in diesem Punkt haben wir  nur durch Jesus Christus.

Er war der Erste unter denen, die schlafen, die Gott auferweckt hat. Das bedeutet aber auch: Er ist gestorben wie alle Menschen. Er hat das mitgemacht, was auch uns widerfährt. Dadurch ist er ganz Mensch geworden und kein Sonderfall. So sicher wie sein Tod war, so sicher soll uns aber auch seine Auferstehung sein.         

Vorher hat Paulus erwogen, was wohl wäre, wenn Jesus nicht auferstanden sei, wie das offenbar einige Leute schon in seiner Zeit behauptet haben. Aber dann sagt er ganz betont und bestimmt: „Nun i s t  Christus auferstanden!“ Für Paulus ist das gar keine Frage, denn er hat ihn ­selber erfahren in jener Stunde, als er selber ein Christ wurde.

Doch Jesus ist nur der Erste, der von den Toten auferweckt wurde. Gott hat ihn als Beispiel genommen für das, was er mit allen vorhat, die an ihn glauben. Wenn. Einer erst einmal den Durchbruch geschafft hat, dann können die anderen leicht folgen. Wenn ein neues Mittel gegen eine Krankheit gefunden wurde und sich in Einzelfällen schon als wirksam erwiesen hat, dann kann es leicht auf andere ausgedehnt werden.

So kommt die Auferstehung Jesu auch uns allen zugute. Wir dürfen ihm unsre Toten anbefehlen und darauf vertrauen, daß sie bei ihm gut aufgehoben sind und mit ihm in die

Welt Gottes eingehen werden. So wie wir uns an einem jeden. Abend voller Vertrauen in Gottes Hand fallen lassen, so dürfen wir uns auch am Abend des Lebens ihm anvertrauen. Er wird über uns wachen bis zu dem Augenblick, wo wir an einem neuen Morgen auferweckt werden.    

 

„Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod!“                         (1.Kor 15,26)

Jeder Mensch hat in seinem Leben Feinde. Da kann er ein noch so guter Kerl sein, der niemandem etwas zuleide tut und mit allen in Frieden leben will - wenn es ihm gut geht und er zufrieden ist und die anderen begegnen ihm mit Achtung, dann kommen Neider, die ihm das nicht gönnen. Ohne, daß man es will, hat man Feinde und muß versuchen, mit ihnen auszukommen.

In vielen Fällen ist das auch möglich. Aber es gibt einen Feind, dem wir nicht beikommen könne und der uns am Ende dann schließlich in die Tasche steckt: das ist der Tod. Keiner von uns wünscht sich ihn als Feind, aber er ist nun einmal da.

Gegen ihn gibt es auch kein Mittel, wenn wir auch noch so viel Medizin schlucken und noch so viele Kuren machen. Ja, je mehr wir uns auf solche Gegenmittel verlassen und uns dadurch wappnen lassen wollen, desto eher hat er uns.

Wir können zwar die Augen verschließen und den Kopf in den Sand stecken und so tun, als hätten wir nichts bemerkt; aber er nimmt uns doch im Vorübergehen mit, ehe wir es uns versehen. Gegen diesen Feind können wir uns nicht schützen, durch keine Medizin, durch keine Versicherung, durch kein Nichtanerkennen.

Aber es ist auch der letzte Feind, der uns gegenüber tritt. Das ist eben unser Trost: Mit dem Tod hört der Kampf des Lebens auf. Alle Anfeindung hat ein Ende und die ewige Ruhe ist uns vergönnt. Unser leidvolles Leben, wie wir es jetzt haben, hat einmal ein Ende, und Gott beginnt etwas Neues mit uns.

Doch es ist nicht einfach eine Ruhe im Grab, sondern eine Ruhe bei Gott. Er hat das mit dem Tod so eingerichtet, damit er uns wieder zu sich holen kann. Aber er ist dann stärker als der Tod. Wir Menschen können uns ja nicht vor dem Sterben schützen. Aber Gott hebt die Folgen des Sterbens auf: das Ende ist nicht der ewige Tod, sondern die Auferstehung und ein ewiges Leben bei Gott, frei von Sorgen und Nöten, aber in einer großen Ruhe, wie sie nur bei Gott möglich ist.

Paulus zählt hier genau den Ablauf der Ereignisse auf: Christus ist der Erste, der auferstanden ist. Dann werden alle wieder lebendig gemacht, die zu Christus gehören. Und dann kommt das Ende: dann wird alle Herrschaft und Gewalt über die Menschen vernichtet werden und am Ende auch der Tod.    

Aber der Tod ist schon eine Gewalt, die harten Widerstand leistet. Nur Gott kann sie überwinden, denn er ist noch stärker als der Tod. Aber ihm gelingt auch ein völliger Sieg. Die Macht des Todes wird nicht nur eingedämmt und beschränkt. Nein, sie wird total vernichtet, radikal beseitigt, so daß sie nie wieder aufleben kann und sich als Macht. aufspielen kann. Es ist wirklich nur eine Überheblichkeit, wenn der Tod meint, er hätte wirkliche und endgültige Macht über uns. Er kann ja nur so weit herrschen, wie Gott ihn gewähren läßt. Er ist nur ein Werkzeug Gottes, und nachher wird er besiegt.

Wenn wir Anteil haben wollen an diesem Sieg, dann müssen wir uns eben fest entschlossen zu dem Sieger halten. Er wird uns dann helfen, auch in diesem Leben schon mit dem letzten Feind fertig zu werde Dann können wir nämlich zuversichtlicher in die Zukunft blicken und. auch diesem Feind entgegentreten, weil wir ja den Sieg schon in der Tasche haben.

Denn es ist noch eine bedrängende Frage für unser Leben: Was geschieht beim Tode, was geschieht danach? Wie werden wir bestehen in unsrer letzten Stunde? Allein können wir diese Fragen sicherlich nicht beantworten, da müssen wir schon in Gottes Wort nachfragen. Und Paulus sagt uns hier: „Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod!“

Wir können unser Leben vielleicht vergleichen mit einer Wanderung durch verschiedene Räume. Jedesmal müssen wir durch eine Tür hindurch, um in den nächster Raum zu gelangen. Jedesmal aber wird die Tür etwas schmaler und niedriger. Wir haben Angst, weil der Weg immer beschwerlicher wird. Die letzte Tür scheint uns die kleinste zu sein. Doch das sieht nur so aus: Wir haben nur ein kleines Türchen gesehen. Doch dieses war eingebaut in ein großes Tor. Dieses wird nun auf gemacht von dem, der alle Enge und Begrenzung dieser Welt hinter sich gelassen hat und ein Herr im Himmel ist - und wir dürfen hineintreten in den Herrschaftsbereich Gottes, wo es keine Feinde und keine Beschränkung mehr gibt. Denn der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.

 

„Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib!“ 

                      (1. Kor 15,44)

In dieser Frühjahrszeit gehen wir daran, in unserem Garte die Beete einzusäen. Vielleicht macht sich keiner mehr so recht Gedanken darüber, aber eigentlich ist es doch immer ein Wunder: Oftmals sprießt schon nach einigen Tagen ein grüner Halm aus dem Boden, ja es ist nicht nur einer, sondern es ist dann immer gleich ein ganzes Beet. So gleicht auch unser Friedhof mit seinen vielen Grabstätten einem großen Beet. An manchen Orten sagt man zum Friedhof auch „Gottesacker“. Es ist also der Acker, wo die Toten für die Auferweckung durch Gott aufgehoben werden. So heißt es ja auch in einem alten Kirchenlied: „Wir säen ihn, einst blüht er auf!“

Wir als Menschen können nichts anderes tun als das Säen zu besorgen. Das ist für uns eine traurige Pflicht, die uns großen inneren Schmerz bereitet. Wir wissen ja doch, daß wir von einem Menschen Abschied nehmen müssen, den wir auf dieser Erde nicht mehr wiedersehen werden. Das einzige, was wir ihm als letzten Liebesdienst noch tun können: Wir betten ihn in die Erde.

Aber dann können wir nichts mehr tun. Dann ist unsre Kraft zu Ende und wir können nur noch auf Gottes Eingreifen hoffen. Das heißt aber: Wir müssen warten und können nichts beschleu­nigen. So ist es ja auch im Garten: Alles braucht seine Zeit, und es steht nicht in unsrer Macht, ob es schneller oder langsamer geht.

Für unsre technisierte Weit ist es aber vielleicht ganz gut, wenn man erfährt: Es ist nicht alles machbar. Wir kommen immer wieder an Grenze unsres Vermögens. Wir können viel. Aber gegen den Tod z.B. haben wir kein Mittel in der Hand. Nur Gott kann etwas gegen den Tod ausrichten, weil er der Herr auch über den Tod ist. Und wenn er den Zeitpunkt für gekommen hält, wird er auch etwas Neues entstehen lassen. Aber es wird dann ganz seine Neuschöpfung sein, zu der wir nichts beitragen können.

Gott schafft etwas Neues: Das macht Paulus im gleichen 15. Kapitel des 1. Korintherbriefes deutlich, wo er den Vergleich mit einem Weizenkorn bringt: Das Korn wird in die Erde gelegt und stirbt. Im Herbst kann man davon bestenfalls noch die Reste der Schale feststellen. Aber das einzelne Korn ist zerfallen. Aber inzwischen ist eine neue Pflanze entstanden, die ganz anders aussieht als das Korn, aber doch das Alte mit enthält.

Paulus will damit nicht sagen, daß wir in unseren Nachkommen weiterleben; das wäre eine etwas zu kurz gegriffene Auferstehungshoffnung. Der Vergleich mit dem Samenkorn soll uns vielmehr deutlich machen: Gott wird etwas ganz Neues aus uns schaffen. Unser irdischer Leib wäre gar nicht tauglich für die Welt Gottes, denn er ist sterblich. Deshalb muß Gott uns einen neuen Leib geben, der zu seiner Welt paßt und unvergänglich ist. „Es wird gesät ein natürlicher Leib und es wird auferstehen ein geistlicher Leib!“

Sicherlich können wir uns nicht vorstellen, was ein „geistlicher Leib“ sein soll. Aber es ist ja auch nicht nötig, gleich alles zu wissen. Uns muß nur gewiß sein, daß es die Auferstehung gibt und daß diese(r) Verstorbene bei Gott gut aufgehoben ist und daß auch wir zu ihm gelangen werden.

Aber zunächst wird es dazu durch das Sterben hindurch­gehen. Wenn man ein Korn nicht sät, kann auch nichts daraus wachsen. Und wenn der Mensch nicht stirbt, kann er nicht zu Gott kommen. Paulus macht uns aber mit seinem Vergleich zweierlei deutlich. Einmal: Gott setzt einen ganz neuen Anfang. Und zweitens: Das Alte wird in das Neue mit hinüber genommen und bleibt auf andere Art und Weise dort erhalten.

Das soll unser Trost sein im Leben und im Sterben: Es gibt eine Auferstehung und es gibt einen neuen Leib. Auferstehung ist nicht etwas Abstraktes, das nur in Gedanken vor sich geht, sondern sie geschieht auch an unserem Leib und ist eine handgreifliche Wirklichkeit. Dessen können wir gewiß sein, auch wenn wir es uns im Einzelnen nicht vorstellen können.

Wir sollten uns auch nicht von dem Eigentlichen abbringen lassen, wenn andere von der Auferstehung in der Natur reden. Gewiß ähnelt dieser Vorgang der Auferstehung. Aber im Herbst vergeht alles wieder und stirbt ab. Die Auferstehung zu einem Leben bei Gott aber ist endgültig und wird nicht wieder rückgängig gemacht.

Das soll uns helfen, auch diesen Tod zu bewältigen. Gott will, daß wir uns schon auf das freuen können, was nachher kommt. Gottes Möglichkeiten fangen mit dem Tod erst an und er will alles fortführen zu einem herrlichen Ende. Das sollten wir ganz fest wissen, ehe wir nachher wieder auseinandergehen: Es wird gesät ein natürlicher Leib und es wird auferstehen ein geistlicher Leib! Gott wir es schon recht machen.

 

,,Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!                                                                                                                                          (1. Kor 15,55.57)

Wenn wir das Sterben eines Menschen erleben, dann sind wir traurig. Vor uns tut sich ein Abgrund auf, in den wir zu versinken meinen. Ein Mensch, den wir noch gebraucht hätten, ist nicht mehr. Wir denken voller Dankbarkeit an das, was er geleistet ha und was er für uns bedeutet hat.

Es geht ja nicht nur um die geleistete Arbeit, sondern vor allem auch um die menschlichen Beziehung, die nicht mehr sein kann. Unser Leben ist jetzt ärmer geworden. Wir können nicht mehr mit diesem Menschen sprechen, unsre Gedanken nicht mehr austauschen, einander nicht mehr Gutes tun.              

Deshalb ist der Tod ja so etwas Schlimmes für uns, weil wir nun nichts mehr gut machen können. Jeder hat nur eine bestimmte Lebenszeit. In ihr muß er sich bewähren, dazu ist sie uns ja gegeben, nachher ist nichts mehr möglich.    

Wer aber nach dem Willen Gottes gelebt hat, sich zu ihm gehalten hat und mit seinen Mitmenschen gut ausgekommen ist, braucht sich vor den Tod nicht zu fürchten. Er muß zwar auch sterben. Aber der Tod ist verschlungen in den Sieg.            

Wenn man ein Seil dreht, dann kann man einen andersfarbigen Faden so hineinbringen, so daß man von außen nichts davon sieht. So ist auch der Tod derart in das Leben hinein ver­schlungen, daß man ihn gar nicht mehr sehen kann.

Gewiß wird man äußerlich gesehen nur „Tod“ sehen. Aber als Christen wissen wir, daß der Tod nur der Eingang in ein neues Leben ist. Wenn man einen Weg entlang geht und plötzlich vor ein Tor kommt, da denkt man auch zuerst: Jetzt ist es aus, jetzt geht es nicht mehr weiter, nun mußt du wieder umkehren.

Aber dann tut sich doch ein Tor auf und dahinter öffnet sich eine weite und schöne Parklandschaft. Aber man muß durch das Tor, wenn man sie genießen will. So müssen wir auch durch den Tod hindurchgehen, wenn wir in die Welt Gottes gelangen wollen. Nur wenn wir ohne Zögern durch das Tor des Todes hindurchgehen, wird uns das Leben zuteil werden.

Wenn man weiß, was dahinter kommt, ist dem Tod auch schon der Stachel genommen. Gefährlich ist er nur für einen, der nicht an Gott glaubt. Er muß sich vor dem Tod fürchten, weil er annehmen muß, mit dem Tod ist alles aus! Nur wer eine Hoffnung hat, kann über den Tod hinausblicken und braucht sich nicht vor ihm zu fürchten.

Daß wir diese Hoffnung haben dürfen, liegt aber nur an Gott. Er gibt uns den Sieg durch unsern Herrn Jesus Christus. Wenn wir aus eigener Kraft das Tor aufstoßen wollen, würde es uns nicht gelingen. Mit menschlicher ­Kraft, menschlichem Kennen und Wissen, können wir den Tod nicht überwinden. Das sehen wir ja gerade, wenn ein Mensch schwer krank ist und kein Arzt ihm helfen kann. Oder das sehen wir auch, wenn wir hier an einem Sarg stehen und unsre Ohnmacht einsehen müssen.

Jesus Christus aber ist durch das Tor des Todes hindurch gegangen. Er hat es weit aufgemacht, so daß wir ihm ungehindert folgen können. Jesus ist der Sieger. Er hat alle Ketten und Tore aufgesprengt und ist in die Welt Gottes gelangt. Uns wird er auf diesem Weg mitziehen.

Deshalb haben wir Grund, Gott zu danken. Wir brauchen am Sarg eines lieben Menschen  nicht zu verzweifeln und uns in Hoffnungslosigkeit zu verlieren. Wir stehen auf der Seite des Siegers und kommen in den Genuß der Früchte seines Sieges.

Selbst an einem Grabe können wir noch dankbar sein. Wir denken daran, daß Gott einen Menschen in der Taufe zu seinem Kind gemacht hat. Durch viele Jahre seines Lebens hat ihn Gott mit seiner Hilfe und seinem Beistand begleitet. Nun hat er ihn heimgeholt in sein Reich. In Freude und Leid, in guten und in bösen Tagen, war Gott dem (der) Verstorbenen nahe.

Er ist auch uns nahe, wenn wir uns zu ihm halten und uns von ihm helfen lassen. Dann werden wir auch Anteil haben an seinem Sieg und der Zukunft Gottes entgegen gehen. Dann brauchen wir auch keine Angst vor unsrem eigenen Tod zu haben, sondern können getrost durchs Leben gehen. Gottes Sieg über den Tod steht fest. Da kann auch uns nichts passieren.

 

„Gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus!“                                                                 (2. Kor 1,5)

Wir haben alle viel zu leiden in dieser Welt. Heute denken wir besonders an Krankheit. Was müssen doch Menschen alles aushalten, wenn sie krank sind. In jeder Stunde wird tausendfach, ja millionenfach gelitten unter der Krankheit. Und oft ist es doch so, daß die anderen nicht helfen können, daß auch die Ärzte machtlos dastehen und das Ende ist dann der Tod. Manchmal weiß man wirklich nicht, was schlimmer ist, der Tod oder das Leiden, das ihm oft voraus geht. Für manchen ist der Tod einfach die Erlösung von seinem Leiden und man kann nur ehrlichen Herzens darum bitten, daß es bald ein Ende haben möge.

Wir leiden oft unter dem Tod naher Angehöriger oder guter Bekannter. Immer wieder reißt er Lücken in unsre Reihen und wir müssen still halten. Das ist vielleicht noch das Schlimmste am Leiden, daß wir nichts dagegen tun können.

Aber wir leiden auch unter ganz anderen Dingen: Der eine hat vielleicht Schwierigkeiten mit den Nachbarn und versteht sich nicht mit ihnen. Ein anderer wieder leidet unter seiner Arbeit, die er nicht liebt, von der er aber auch nicht loskommen kann! Oder man leidet überhaupt an den Verhältnissen und ist mit sich und der Welt zerfallen. Schon kleine Kinder leiden unter dem Unverstand der Erwachsenen, die Schüler leiden unter ihren Lehrern und Erziehern, die Erwachsenen unter den vielfachen Zwängen und Rücksichten, die nun einmal unser Leben bestimmen.

Nun heißt es hier: Auch Christus hat gelitten! Denken wir nur daran, was er von den Menschen hat aushalten müssen. Die Meisten hielten ihn für einen, der die Gebote nicht hält, die Leute aufwiegelt und neue Lehren verbreitet. Immer wieder hören wir, daß sie ihm nach dem Leben trachten. Und am Schluß ist er dann ja auch tatsächlich umgebracht worden. Was ist da schlimmer: Der körperliche Schmerz oder die innere Qual, nicht verstanden und geachtet zu werden?        

Paulus sagt hier: Ich habe auch viel von dem Leiden Christi an mir. Er hatte auch eine schlimme Krankheit und ist dann auch für seinen Herrn in den Tod gegangen Als ehemaliger Jude hat er schlimmste Verfolgungen mitmachen müssen. Sie haben es ihm nicht leicht gemacht, auch nicht in seinen eigenen Gemeinden, auch nicht in Korinth: „Wir haben des Leidens Christi viel!“

Aber Paulus meint: Das gehört eben zum Leben eines Christen mit dazu. Christus und viele seine Jünger haben gelitten. Warum sollte es da uns anders ergehen? Ob es nun ein Leiden um des Glaubens willen ist oder ein körperliches Leiden - unser Leben ist voll davon und es wird auch nicht anders werden.

Aber Paulus weiß auch, wie wir damit fertig werden können: Zwar müssen wir viel leiden, aber um so mehr werden wir auch getröstet. Je größer das Leiden wird, desto größer wird auch der Trost, der uns von Gott kommt. Gott sorgt schon dafür, daß das Leiden nicht zu groß wird, denn sein Trost ist immer noch größer. Dieser Trost hat noch eine ganz andere Qualität als alles Leiden; er liegt sozusagen auf einer anderen Ebene.

Wir sehen das etwa daran, wie eine Mutter sich zu ihrem Kind verhält. Wenn das Kind zufrieden ist und keine Sorgen hat, braucht die Mutter sich weniger um es zu kümmern. Wenn es aber traurig ist und heulend angerannt kommt, dann muß sich die Mutter ganz besonders mit dem Kind befassen und ihm mehr Trost spenden als sonst.

So kennt auch Gott unsre Not und weiß genau, was wir nötig haben. Er ist uns auch mit seinem Troste nahe, wenn wir ihn nur suchen und ihn um seine Hilfe bitten. Er ist uns Menschen in Christus nahegekommen und hat all unsre Not durchgekostet. Deshalb weiß er auch, welchen Trost man nötig hat und wie man trösten muß. Jesus hat immer ein Herz für die Traurigen gehabt. Wir brauchen nur seine Worte zu lesen, wenn wir diesen Trost spüren wollen.

Vor allem wird uns dieser Trost deutlich, wenn ein Mensch aus unsrer Mitte weggenommen wurde durch den Tod. Nur macht Jesus keine leeren Worte, sondern er kann auch garantieren, daß der Tod wirklich überwunden ist. Echter Trost ist ja nur möglich, wenn wirklich die Ursache des Übels beseitigt wird.

Natürlich können wir diesen konkreten Tod jetzt nicht rückgängig machen. Aber Gott wird es tun. Er wird uns ein neues Leben geben. Und dann haben wir Trost gar nicht mehr nötig, weil es keinen Anlaß zum Leid mehr gibt. Wenn uns dieses Ende aber jetzt schon sicher ist, dann können wir schon heute Trost daraus schöpfen. Wir brauchen dazu nur auf den Herrn zu sehen, der gelitten hat, der aber auch getröstet wurde und uns heute trösten will: „Gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus!“

 

„Darum werden wir nicht müde; sondern ob auch unser äußerlicher Mensch verfällt, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag erneuert!“    (2. Kor 4,16)

Daß unser äußerlicher Mensch verfällt, merken wir von Tag zu Tag. Solange man noch jung ist, fühlt man sich im Vollbesitz seiner Kräfte und meint wunder, was man schaffen könnte. Und es ist ja auch so: Mit 20 Jahren geht alles doppelt so schnell voran als mit 60 Jahren.

Unser Leben erscheint uns dann wie ein einziger Abstieg. Die Jugend ist das Ideal; das Alter aber erscheint wie ein lästiger Anhang ohne großen Sinn. Viele möchten deshalb ewig jung bleiben. Oder sie möchten nicht alt werden, um die Last des Alters nicht tragen zu müssen.

Die letzte Station auf unsren Weg ist dann der Tod. Er ist der tiefste Punkt des Abstiegs und bereitet uns deshalb soviel Sorgen. Wir möchten ihn gern aus unsrem Leben streichen, aber er gehört unweigerlich mit dazu. Ja, sollen wir nun am Sarge eines lieben Menschen in Mutlosigkeit verfallen und sagen: Es hat ja doch alles keinen Zweck, es geht dem Ende zu und es ist alles trostlos und hoffnungslos?

Paulus denkt nicht so. Gewiß, er sieht auch, wie es den Menschen geht. Er muß es ja an sich selber erleben. Zunächst einmal war er ja selber mit einer unheilbaren Krankheit behaftet. Dann hatte er große Strapazen auf seinen Reisen durchzustehen. Und schließlich ist er auch noch oft verprügelt und verwundet worden. Paulus hat sicher die Schwächen des menschlichen Körpers mit erlebt.

Aber er sagt trotzdem: Wir werden nicht müde! Das, was unser Leben so schwer macht, kann ihn nicht entmutigen; das Alter kann ihn nicht müde machen. Denn in ihm steckt eine Kraft Gottes, die ihn das alles überwinden läßt.

Es kommt doch immer wieder vor, daß wir körperlich müde sind. Aber wenn wir etwa abends noch etwas Schönes vorhaben, ist die Müdigkeit wie mit einem Schlag verflogen. Ein freudiger Anlaß hilft uns über vieles hinweg. Und so macht es Paulus hier auch: Wenn er müde zu werden droht, hält er sich an Gottes Wort und läßt sich wieder neue Kraft und Hoffnung geben. Doch das ist nicht so ein Aufputschen, wie wenn wir Kaffee trinken. Nein, hier werden wirklich neue Kräfte geschenkt, die eine dauernde Besserung mit sich bringen.

Paulus drückt es hier so aus: Unser innerlicher Mensch wird von Tag zu Tag erneuert. Äußerlich gesehen mag es ­bergab gehen. Aber innerlich geht es bergauf. Der äußere Mensch verfällt, aber der innere Mensch wächst. Das kann man bei vielen alten Leuten beobachten: Sie erlangen eine innere Weisheit und Einsicht, die sie auf eine ganz andere Art schön erscheinen läßt als junge Menschen. Aber sie haben auch mehr ein offenes Ohr für die Dinge des Glaubens. Wenn man erst einmal älter wird, dann sehen viele Dinge gleich ganz anders aus. Sollen wir nun sagen: Glauben ist etwas für alte Leute; wenn man krank und schwach ist, kann man sich damit befassen!? Gott will es anders: Gerade wenn wir uns stark fühlen, wenn uns alles gut von der Hand läuft, auf der Höhe unsres Lebens, will er mit uns zu tun haben. Also nicht erst, wenn unser äußerer Mensch abnimmt. Denn dann muß der innere Mensch schon herangewachsen sein, damit wir über die Krise des äußerlichen Verfalls hinwegkom­men.

Das ist wie bei einer Schlangenhaut: Wenn eine Schlange die alte Haut abstößt, dann hat sie darunter schon eine neue, viel schöner und haltbarer als die alte. Und so müssen wir auch gerüstet sein für den Augenblick, in dem unser Körper endgültig zerfällt und äußerlich gesehen nichts mehr bleibt.

Gott aber macht uns die Zusage, daß sich unser innerer Mensch von Tag zu Tag erneuern kann und auf den ganz neuen Menschen zuwachsen kann. Dieser neue Mensch wird aber dann auch in die Ewigkeit hinein Bestand haben und der Tod kann ihm nichts mehr anhaben

Bei Jesus ist auch der äußere Leib zerfallen. Aber in der Auferstehung hat sein innerer Mensch den Tod überwunden. Der Tod hat nur Macht über das Äußere. Was aber in die Ewigkeit hinein bleibt, das hat nur Gott in seiner Gewalt.

Wir müssen nicht müde und gelähmt unsrem Tod entgegen gehen. Gott verheißt uns, daß er unsren inneren Menschen von Tag zu Tag erneuern will und ihn schließlich ganz neu machen will in der Auferstehung. Wir haben Angst, weil unser äußerlicher Mensch verfällt; aber wir dürfen uns auch freuen, weil unser innerer Mensch dadurch wächst. Deshalb dürfen wir diesen Entschlafenen auch getrost der Erde überlassen. Er schläft nur der Ewigkeit entgegen in der Gott seinen inneren Menschen wieder ganz neu machen wird.

 

„Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern au£ das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich. was aber unsichtbar ist, das ist ewig!“                                                                  (2. Kor 4,17-18)

Liebe Angehörige, Sie werden im Augenblick sicherlich nicht sagen können, daß Ihre Trübsal leicht und nur von kurzer Dauer sei. Zu sehr stehen Sie noch unter dem Eindruck der letzten Tage und was an ihnen geschehen ist. Zu sehr sind Sie in tiefste Trübsal gestürzt worden, als daß Sie sich jetzt leicht wieder daraus erheben könnten.

Die Zeit heilt Wunden! sagt man. Das mag so sein. Aber auch wenn die Wunden vielleicht zuheilen, so bleiben doch Narben zurück. Der offene und wühlende Schmerz wird nachlassen, aber es wird doch nie wieder ganz so werden wie vorher. Dafür ist doch viel zu sehr der Nerv dieser Lebensgemeinschaft durchschnitten und eine Lücke entstanden, die nicht wieder zu schließen ist.

Aber Paulus meint hier, daß diese Trübsal einfach notwendig ist, damit es nachher anders werden kann. Nur wenn man vorher das tiefe Tal durchschritten hat, kann man sich nachher auch an dem schönen Rundblick auf der Höhe erfreuen. Nur wenn man die Kälte des Winters gespürt hat weiß man die Wärme des Frühlings zu schätzen.

Man muß immer schon auf den nächsten Abschnitt schauen, dann läßt sich der gegenwärtige leichter ertragen. Wenn man das Ende kennt, dann ist die Gegenwart nicht ungewiß und läßt sich leichter bewältigen.

So gilt es auch jetzt im Angesicht des Todes auf das zu sehen, was nach diesem Leben kommt. Gewiß, wir müssen jetzt durch Trübsal hindurch, aber am Ende wartet eine über alle Maßen wichtige Herrlichkeit auf uns.

Aber halten wir denn das Leben bei Gott tatsächlich für so wichtig? Meist sind doch die Aufgaben des Berufs, der Familie und des öffentlichen Lebens viel mehr im Vordergrund. Das nimmt doch oft unsre ganze Zeit und Schaffenskraft in Anspruch.

Für einen kranken Menschen aber verschieben sich die Maßstäbe schon ganz beträchtlich. Er ist schon froh, wenn er sein Leben erhalten kann, und er ist für jeden Tag dankbar. Vollends werden sich aber die Gewichte ver­schieben, wenn dieses Leben einmal ein Ende hat. Vielleicht werden wir tatsächlich erst erkennen, was wir an Gott haben.

Gewiß, dieses Leben ist auch herrlich und wir hängen ja auch mit allen Fasern unsres Herzens daran. Aber all das ist gewissermaßen nur die Außenseite der eigentlichen Herrlichkeit. Das ist wie bei einem Haus, dessen äußere Fassade uns schon zusagt, das wir aber erst dann zu schätzen wissen, wenn auch das Innere zur vollsten Zufriedenheit ausgefallen ist. So dürfen wir auch nach diesem Leben in das Haus Gottes eingehen und werden dann erst so richtig erfahren, was Leben ist. Natürlich sind wir Menschen, die mehr auf das Sichtbare sehen. Wir glauben eher, was wir sehen können als das, was wir hören. Gottes Welt kann man nicht in allen Einzelheiten vor Augen sehen. Deshalb fällt es uns so schwer, daran zu glauben.

Paulus aber wertet unsre Maßstäbe um. Er sagt: Was sichtbar ist, das ist zeitlich und das vergeht auch mit der Zeit. Das ist der Preis, den wir für dieses schöne Leben auf dieser schönen Erde zu zahlen haben: es ist eben vergänglich!

Was aber unsichtbar ist, das ist ewig! Es gibt so vieles, das unsichtbar ist und das doch eine sehr handfeste Wirklichkeit ist: die Liebe des Ehemannes und Vaters, die Achtung der Arbeitskollegen, die Anerkennung der Mitmenschen - all das kann man nicht direkt sehen, aber es ist doch da und wird auch immer bleiben. Ebenso wird auch die Liebe Gottes bleiben. Wir können ihn nicht sehen. Aber er wacht doch über unsrem Leben und Sterben und sorgt dafür, daß wir nicht einfach verloren gehen. Seine Macht reicht auch über unsren leiblichen Tod hinaus.

Das kann uns auch trösten in unsrer Trübsal. Nur von Gott her kann ihr ein Ende gesetzt werden. Und nur Gott kann machen, daß sie für uns tragbar wird. Wer ein festes Vertrauen zu diesem Gott hat, der wird auch erfahren, wie dieser Gott helfen kann. Er ist nicht einfach fern und unsichtbar, sondern er ist da bei uns, wenn wir seine Hilfe haben wollen.

Vor allem will er uns dahin bringen, daß wir von unsrer Trübsal wegsehen und seine Herrlichkeit erkennen. Noch ist sie uns verborgen. Aber sie wird in vollem Glanz aufstrahlen, wenn wir unsrem Schöpfer und Herrn gegenüber stehen und uns von seiner Liebe umfangen lassen. Er hat Macht über unser Leben; er hat aber noch mehr Macht, uns ein neues Leben zu geben. Deshalb wollen wir ihm vertrauen und ihm alles befehlen: Er wird schon alles zur Herrlichkeit vollenden!

 

„Wenn unser irdisch Haus, diese Hütte zerbrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel!“                                                                                                                      (2.Kor 5,1)

Jedes Haus wird einmal alt. Es kann Jahrhunderte stehen, man kann es gut pflegen und erhalten. Aber eines Tages entspricht es doch nicht mehr den Anforderungen. Einige wenige Beispiele bleiben als Museum erhalten, aber die Regel ist doch, daß ein altes Haus abgerissen werden muß. 

So ist es auch mit dem Menschen, zumindest mit seinem Körper. Der wird alt und schwach und kann nicht mehr in dieser Welt bleiben.  So nie er ist, taugt er nicht in die neue Welt Gottes. Deshalb muß er ein Ende haben und zerstört werden. 

Dieses Ende kann für den Betroffenen und seine Angehörigen furchtbar sein. Wie qualvoll und langgezogen ist doch oft das Leiden und Sterben eines Menschen. Die Ärzte können ihm nicht mehr helfen, bestenfalls noch das Leiden lindern. Seine Angehörigen können nichts anderes tun, als ihn gut zu pflegen und ihm seine letzten Tage noch so angenehm wie möglich zu machen. Und dann merkt der Betreffende auch, daß es mit ihm zu Ende gehen wird. Er deutet dieses Wissen auch an, aber er möchte es doch nicht von den anderen bestätigt bekommen. Da ist es schwer, in rechter Weise mit ihm zu reden.

An sich gibt es da nur eine Möglichkeit: Wir können nur auf  Gott verweisen, der diesem Leben ein Ende macht, um uns ein neues zu geben. Menschliche Tröstungsversuche können ja nur eine bedingte Hilfe sein. Wenn schon, dann ist es besser, sich gleich an Gott zu wenden.

Gott allein ist es, der etwas Neues an die Stelle unsres irdischen Körpers setzen kann. Wenn man ein Haus abreißen muß, dann ist es gut, wenn man schon ein anderes hat, in das man einziehen kann. Dann sind alle Probleme gelöst und man wird bald dem alten Haus nicht mehr nachtrauern. Schließlich hat man sich ja verbessern können und wird sich auch bald in der neuen Umgebung wohl fühlen. Wenn man eine Ausweichmöglichkeit hat, dann ist alles nicht so schlimm.

So dürfen wir auch nach dem Tod hinüberwechseln in das Leben bei Gott. Nur diese Gewißheit kann uns den Schmerz über das Ende unsres irdischen Daseins leichter machen. Damit ist nicht gesagt, daß es überhaupt leicht sei. Dafür hängen wir zu sehr an diesem Leben. Mancher merkt erst, was er am Leben hat, wenn er es hergeben soll. Oft leben wir doch viel zu selbstverständlich in den Tag hinein. Wenn dann einer aus unsrer Mitte weggerissen wurde, dann denken wir eher einmal über alles nach.

Wichtig ist dabei aber, daß wir nicht zu kurzschlüssig denken. Wir sollten dabei nicht nur über den Tod nachdenken, obwohl das natürlich nahe liegt, weil wir das ja direkt vor Augen haben. Wir sollten vielmehr auch unsren Blick auf die Auferstehung richten, weil nur das über die gegenwärtige Trauer hinweghelfen kann.          

Halten wir uns noch einmal das Bild vom Haus vor Augen, das Paulus hier verwendet. Er will doch damit sagen: Die Welt Gottes wird ähnlich sein wie die  irdische Welt. Nur wird das Haus dort nicht von Händen gemacht sein und damit auch dem Verfall preisgegeben sein, sondern es wird ewig sein.

Letztlich ist damit der neue Leib gemeint, den Gott uns geben will. Der alte war wirklich nur wie eine baufällige Hütte. Der neue aber wird uns erst richtig angemessen sein.

Unser Leben läuft auf dieses Ziel zu, bei Gott zu sein. Diese(r) Verstorbene hat dieses Ziel schon erreicht. Sie (Er) hat Leiden und Schmerzen überwunden und darf sich nun eines ungestörten und frohen Lebens erfreuen 

Uns wird einmal der gleiche Weg bevorstehen. Dieses Wissen sollte uns zu der Einsicht bringen, daß dieses Leben mit seinen Leiden und Freuden, seinen Aufgaben und Pflichten, seinen Besitz und seinen Verlusten nicht das Letzte ist. Der Tod dieses Menschen will uns ermahnen auf Gott zu sehen, der unser Herr im Leben und im Tod ist. Er will uns über diesen Verlust hinweg helfen und uns beistehen bei der Bewältigung unsres eigenen Lebensweges. Dieser wird anders verlaufen als der anderer Menschen, weil wir als Ziel das Leben bei Gott haben.

 

,,Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei den Herrn!“                                                                        (2. Kor 5,8)

Ein alter Mensch äußert manchmal, daß er genug vom Leben habe und sterben wolle . Wenn man die Arbeit des Lebens getan hat, wenn man kaum noch etwas Nützliches für die Gemeinschaft tun kann, wenn man im Gegenteil noch anderen Menschen Mühe macht, dann wäre es besser, von der Bühne des Lebens abzutreten. Mancher hat sogar das Gefühl, er sei im Wege und würde doch nur als eine Last empfunden, auch wenn das in Wirklichkeit gar nicht so ist.

Doch auf der anderen Seite kann man dann doch wieder feststellen, daß jeder Mensch am Leben hängt. Da macht er auf einmal noch Pläne für die Zukunft, besorgt noch dies und das, will dieses oder jenes noch einmal sehen.­ Man redet zwar vom Sterben. Aber in Wirklichkeit denkt man doch, daß es damit noch etwas Zeit hätte.

Nun ist es natürlich recht, wenn man auch den Gedanken an den Tod in seine Überlegungen mit einbezieht. Einmal kommt unweigerlich unser letzter Tag. Da ist es gut, ­wenn wir darauf gewappnet sind. Zu unserem Leben gehört auch die rechte Vorbereitung auf den Tod. Gerade wenn man schon im vorgerückten Alter ist, werden solche Überlegungen mehr in den Vordergrund treten.­

Paulus war allerdings noch in den besten Jahren, als­ er an die Korinther schrieb: „Ich habe vielmehr Lust, außer dem Leib zu wallen!“ also außerhalb seines irdischen Leibes zu leben. Er stellt sich offenbar vor, daß er­ seinen irdischen Leib verlassen kann und ohne ihn umhergehen kann. Im Tod fällt die materielle Hülle ab und der  Mensch kann frei von irdischen Gebundenheiten sich bewegen.

Vor allem wird Paulus daran denken, daß dann alle Anfeindungen aufhören, die Strapazen seiner Missionsreisen und der Spott seiner Gegner. Es kann auch einmal ­sein, daß man den Kampf des Lebens müde ist, daß man einfach nicht mehr will.      

Aber Paulus sagt das nicht aus Verzweiflung, sondern er sagt: „Ich bin getrost!“ Das kann man natürlich nur sagen, wenn man sich von Gott gehalten weiß, im Leben und im Sterben. Dann kann man auch Schwierigkeiten im Leben bestehen und sich nicht von ihnen aus der  Bahn werfen lassen.          

Ein getroster Mensch ruht in sich selber, läßt sich nicht so schnell aufregen und verliert nie den Lebensmut und seinen Humor. Er hat auch keine Angst vor dem Sterben, weil er sich von einem Höheren getragen weiß.

Getrost kann man nun sein, wenn wirklich eine Grundlage dafür vorhanden ist. In Bezug auf den Tod ist das die Hoffnung auf die Auferstehung, die ja mehr ist als eine Hoffnung, nämlich eine Gewißheit. Menschen sagen den Angehörigen eines Verstorbenen manchmal auch tröstende Worte. Aber Gottes Trost ist mehr, weil er wirklich eine andere Möglichkeit für uns bereit hält.

Paulus beschreibt das mit folgenden Worten: „Ich habe Lust, daheim zu sein bei dem Herrn!“ Damit sagt er doch: Diese Erde ist nicht meine Heimat. Dort lebe ich nur in der Fremde. Das ist zwar auch eine gewisse Zeit ganz schön.

Aber einmal sehnt man sich doch wieder nach Hause. Wo man daheim ist, da fühlt man sich wohl. Man hat sich alles so eingerichtet, wie man es sich gewünscht hat. Man hat dort seine Bekannten, seine Pflichten, seine frohen Stunden. In dem Wort „daheim“ schwingen Gefühle mit, die so den Inbegriff des Wünschenswerten darstellen.

Aber wünschen wir es uns denn wirklich so sehr, daheim zu sein bei dem Herrn? Eher werden wir uns doch gezwungen fühlen, wenn wir abberufen werden. Die andere Sicht wird uns nur möglich sein, wenn wir wirklich gern bei Gott sein wollen. Er sollte uns schon Zeit unsres Lebens vertraut sein, damit der Übergang in seine Welt nicht so schwer fällt.

Gott ist daheim geblieben, als wir in die Fremde gingen. Er ist unsichtbar mit uns gegangen und hat unsren Lebensweg begleitet. Aber er hat auch gewartet , daß wir wieder ganz zu ihm zurückkehren. Er möchte, daß wir wieder der ganz mit ihm vereint sind.    

Deshalb ruft er uns eines Tages ab aus dieser Welt. Wir sollten dann bereit sein und gern mitkommen. Keiner kann sein Leben verlängern, den Zeitpunkt des Endens hinauszögern. Deshalb sollten wir den auch gern gehen lassen, den Gott bei sich haben will. Er hat es besser als auf dieser Erde.

Es ist gut, daß wir noch diese andere Möglichkeit haben, nämlich die Heimat im Himmel. Wenn wir sterben, dann fallen wir nur in Gottes Hand und dürfen uns bei ihm daheim wissen. Bei ihm ist wirklich die Endstation. Da wünschen wir uns nicht mehr, noch weiter zu kommen, weil wir am Ziel sind.

 

„Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“                                                                         (2. Kor 12,9 bzw. V. 7-9).

Ein Mensch mit einer langandauernden Krankheit ist wirklich schwach. Die Kräfte nehmen im Laufe der Jahre immer mehr ab und er sieht schon seinen Weg vorgezeichnet , unabänderlich.

Der Apostel Paulus schreibt hier auch von einer Krankheit, die ihm viel Mühe gemacht hat. Wir wissen nicht, worum es sich im einzelnen gehandelt hat. Aber diese Krankheit hat ihn sicherlich sehr bei seiner Aufgabe gehindert. Doch Gott sagt ihm. Meine Gnade genügt für dich, denn meine Kraft kommt erst in der Schwachheit zur Vollendung!

Wir müssen uns damit abfinden, daß unsre Welt nicht vollkommen ist, daß es in ihr Krankheit und Schmerzen und Leid gibt. Die Welt ist nicht vollkommen geschaffen und wird auch für unsre Begriffe nie vollkommen werden; alle anderslautenden Versprechungen von Menschen sind da sinnlos.

Manche Menschen denken ja auch heute noch altertümlich und meinen, Krankheit sei die Strafe für eine böse Tat. Weil sie sich aber keiner Schuld bewußt sind, wenden sie sich von  Gott ab und sagen: Das ist doch ungerecht. Wenn Gott so etwas zuläßt, dann will ich auch nicht zu ihm gehören!“ Ein solcher Mensch denkt dann nur noch an seine Krankheit und vergißt Gott darüber.

Paulus dagegen hat erkannt: Meine Krankheit ist mir von Gott geschickt, damit ich nicht überheblich werde! Ich soll mich nicht auf mich selbst verlassen  und nicht nur die eigene Leistung sehen, sondern ich soll auch spüren, daß ich im Gehorsam gegen einen Größeren arbeite!   

Unsre heutige Welt ist ja so eingerichtet, daß sie nur das Leistungsstreben fördert: Man ist wirklich verführt, sich nur auf seine Leistungskraft zu verlassen und auf das zu vertrauen, was man geschaffen hat. Gerade wenn ein Mensch gestorben ist, dann werden doch sehr gern seine Verdienste herausgestrichen („Müh’ und Arbeit war sein Leben, Ruhe hat ihm Gott gegeben!“). Bis zu einem gewissen Grade ist so etwas ja auch berechtigt. Aber das darf nicht zu dem Trugschluß führen, damit sei nun alles in Ordnung bei Gott. Bei ihm gelten noch einmal ganz andere Maßstäbe als bei uns.     

Man sollte auch nicht der Meinung sein, nur der Mensch sei nützlich, der noch im Arbeitsprozeß steht. Auch ein kranker Mensch hat noch seine Aufgabe. Gerade einem schwachen Menschen wachsen ganz neue Kräfte zu. Sicher haben Sie, die Angehörigen an ihrem Vater (ihrer Mutter) das verspüren können. Sie wissen genau, was er (sie) Ihnen noch in den letzten Jahren bedeu­tet hat und wie sein (ihr) Leben und Sterben auch noch heute Ihr Leben bestimmt.

Es ist gut, wenn wir durch eine Krankheit oder Schwäche immer wieder einmal zurückgepfiffen werden und wieder auf den Boden der Wirklichkeit gestellt werden. Man wird zu leicht selbständig und die Erfolge steigen einem zu Kopf.  

Da ist es vielleicht gut, wenn man zwischendurch wieder einmal auf die Nase fällt und die Grenzen seines Leistungsvermögens erfährt. Jeder kranke Mensch erinnert uns daran, daß für uns die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Er ermahnt uns, in unsrer Unruhe und Rastlosigkeit einzuhalten und wieder einmal über alles nachzudenken.        

Es ist auch heilsam, wenn man einmal darniederliegt und erleben muß: Es läuft auch so alles ohne dich weiter!  Was uns erst so wichtig erschien, tritt in den Hintergrund und andere Dinge werden auf einmal viel wichtiger für unser Leben. Doch sicher wäre es zu viel verlangt, wenn man

sagte: Es ist eine Gnade, krank zu sein! Denn Gnade wäre es doch, wenn man wieder gesund würde! Und wer von uns wünschte sich nicht, wieder gesund zu werden, wenn er krank ist.   

Paulus aber kann trotz seiner Krankheit noch große Dinge tun: er darf das Evangelium Gottes in der ganzen Welt ausbreiten. Gerade durch die Krankheit hin­durch kommt das Reich Gottes zur Vollendung, weil Gottes Gnade auch in einem kranken Menschen mächtig ist. Wir erhalten keine übermäßige Kraft, aber gerade so viel, daß sie für den nächsten kleinen Schritt reicht.

So hat auch heute jeder Kranke die Aufgabe, für Gottes Reich zu streiten. Was er erfahren hat, soll er seinen Angehörigen und Besuchern weitersagen. Er braucht dazu nichts weiter als die Gnade Gottes - und die ist ihm gewiß. „Es ist alles nur Gnade!“ hat ein großer Mann auf seinem Sterbebett gesagt. Mehr brauchen wir für unser Leben und Sterben nicht. Selbst der Tod vereint uns nur wieder mit. Gott, von dem wir herstammen, selbst im Tod erfahren wir noch die Gnade Gottes.

 

Zuletzt liebe Brüder, freuet euch, lasset euch zurechtbringen, lasset euch mahnen! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein!    (2.Kor 13,11)

Dieser Bibelspruch wurde der Eheleuten bei ihrer  Trauung  gesagt. Damals war eine solche Aufforderung wie „Freuet euch“ durchaus verständlich. Und die Verheißung „Gott wird mit euch sein“ konnte man auch ohne Schwierigkeiten verstehen und auf sich beziehen. Wenn wir heute noch einmal auf dieses Wort hören wollen, dann wird das schon schwieriger sein. Schließlich ist ja doch ein lieber Mensch von uns gegangen, der mit zu unserem Lebenskreis dazugehörte und den man sich nicht so einfach wegdenken kann. Gewiß müssen wir alle einmal diese Welt verlassen. Und in diesem Fall haben wir durch die längere Krankheit damit rechnen müssen, daß es bald zu Ende sein wird. Aber wenn man dann so davorsteht, ist es doch schwer.

Dennoch haben wir Grund zur  Freude. Aber damit ist nicht gemeint, daß der Verstorbene nun alle Leiden überwunden hat und von seinen Schmerzen erlöst ist, obwohl das auch ein Grund zur Freude oder doch mindestens zum Aufatmen sein könnte. Aber viel wichtiger ist doch, daß wir über unseren Tod hinaus eine Hoffnung auf ein Leben bei Gott haben. Diese Gewißheit erst ist für uns der wahre Grund zur Freude. Es ist nicht eine vordergründige Freude, die nur aus unseren menschlichen Erfolgen entspringt, sondern diese Freude wird uns durch Gott geschenkt.

Das wiederum hängt damit zusammen, daß er seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Dieser zeigt uns, was einmal mit uns passieren wird, wenn wir einmal nicht mehr sind. So etwas wie die Freude der Jünger am Ostermorgen kann auch uns erfüllen, wenn wir nur fest auf Gott vertrauen und gewiß sind, daß er unsere Not wenden kann.

Machen wir uns das einmal mit zwei Bildern aus der Natur deutlich: Es mag noch dickster Winter sein, aber wir wissen doch, daß der Frühling einmal kommen wird. Und wenn es abends dunkel wird, dann dürfen wir uns schon wieder auf das Licht des anbrechender Morgens freuen.

Genauso  gewiß kann uns aber auch das sein, was uns vor der Auferstehung der Toten gesagt wird. Wenn ein Mensch gestorben ist, dann liegt uns das nicht immer gleich so  vor Augen, daß er einmal wieder auferstehen wird. Zu sehr scheinen die Tatsachen dagegen zu sprechen. Deshalb werden wir ja auch hier durch den Apostel aufgefordert: „Laßt euch mahnen, laßt euch zurechtbringen!“ Manchmal ist ein kräftiges Wort sicher ganz gut, wenn wir in Hoff­nungslosigkeit und Mutlosigkeit zu versinken drohen.

Es könnte ja sogar sein, daß wir Gott Vorwürfe machen, wenn er uns ein so schweres Geschick zumutet. Wie oft denkt man doch in einem solchen Fall: „Warum mußte gerade mir das passieren? Warum läßt Gott so etwas zu?“ Doch so darf man nicht fragen, weil wir nicht hinter die Geheimnisse Gottes kommen können.

Dann ist es gut, wenn wir uns wieder zurechtbringen lassen. Denn wenn man solche Anklagen hat, dann ist man nicht auf dem rechten Weg. Das Hören auf Gottes Wort oder das Gespräch mit anderen Menschen kann uns aber wieder auf den richtigen Weg führen.

Es gilt immer wieder zu erkennen, auch durch alles Leid hindurch, daß Gott ein Gott der Liebe und des Friedens ist. Er möchte nicht, daß wir in Aufruhr mit ihm leben, laß wir uns selbst zermartern, weil wir angeblich zu kurz gekommen sind im Leben.

Da ist es gut ,wenn wir uns an all das erinnern, was Gott uns getan hat. Er hat uns das Leben geschenkt, er hat uns in der Taufe zu seinem Kind angenommenen, hat uns geführt und geleitet durch manche gute und böse Tage hindurch. Bei der Konfirmation und der Trauung sind wir vielleicht in besondere Berührung mit ihm gekommen. Aber auch am Erde unseres Lebens will er bei uns sein und uns mit seiner Liebe umfangen.

Dann nimmt er uns auf in seinen Frieden und läßt uns teilhaben an seinem ewiger Reich. Das hat der (die) Verstorbene uns nun voraus: Er (Sie) darf schon den Frieden Gottes erleben, mehr als dies auf dieser Erde möglich war. Wir spüren auch heute schon etwas von diesem Frieden, besonders wenn wir uns mit Gott einig wissen. Aber einst werden wir ganz in diesen Frieden eingehen, unsere Fragen werden ein Ende haben und wir werden uns auf dem rechten Weg wissen. Das ist ein Grund, weshalb wir uns schon heute freuen können im Sinne des Apostel Paulus, der schon damals den Korinthers sagte: „Zuletzt, liebe Brüder, freuet euch, lasset euch zurechtbringen, lasset euch mahnen. So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein!“

 

,,Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen!“

(2. Thess 3,3)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann steht man in der Gefahr, an der Treue Gottes zu zweifeln. Schwer ist der Verlust eines Menschen, mit dem man lange Jahre verbunden war. Wenn einer lange krank war, dann war man es gewohnt, ihn zu besuchen und für ihn zu sorgen. Das ist nun alles nicht mehr, das Leben ist ärmer geworden.

Da kann man schon einmal fragen: Warum ist das alles so? Warum müssen wir Leid und Abschiednehmen erfahren! Hat Gott uns gar vergessen oder verlassen? Gegen solche Gedanken wendet sich der 2. Thessalonicherbrief mit der Zusage: „Der Herr ist treu!“

Beweisen kann man das nicht. Im vorhergehenden Vers heißt es ja auch: Der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Man kann niemanden zwingen, diese Zusage anzuerkennen. Wer aber glaubt, für den ist das gar keine Frage, der hat es vielfältig im Leben erfahren.

Schon daß wir ins Leben kamen, ist ein Zeichen der Treue Gottes. Es ist nicht selbstver­ständ­lich, daß ein Mensch leben darf, daß er heranwächst und Fortschritte macht. Es kommen ja- auch einmal schwierige Zeiten im Leben. Da ist es besonders gut, wenn man sich der Treue Gottes versichert.  

Ein schwieriges Alter ist die Zeit der Konfirmation. Da beginnt man, an allem und jedem zu zweifeln, nichts Überkommenes soll mehr gelten, man will seinen eigenen Weg finden. Da ist es gut, wenn man so ein Bibelwort hört: Der Herr ist treu!

Wir Menschen sind oft untreu. Damit wir freie Menschen sein können hat Gott uns die Möglichkeit gegeben, uns auch gegen ihn entscheiden zu können. Das geschieht bewußt oder unbewußt auch immer wieder in unserem ­Leben. Aber auch wenn wir weggegangen sind, dann steht Gott doch zu uns und will uns wieder gewinnen und bleibt uns treu. 

Dieses Hin und Her zeigt sich im ganzen Leben. Da gibt es Höhen und Tiefen. Manchmal kann man den Eindruck haben, man hätte mehr Schlimmes als Schönes im Leben mitgemacht. Es hat ja auch wirklich schlimme Zeiten gegeben. Und mancher hat allerhand mitgemacht in seinem Leben.

Doch Gott fordert uns auf, nicht undankbar zu sein  und die schönen Seiten des Lebens nicht zu vergessen. Wenn wir es recht betrachten gibt es doch auch viele Beispiele, wo Gott uns geholfen hat und wo es noch schlimmer hätte kommen können. Diese lichten Seiten des Lebens sollten die Schlimmen und dunklen doch überstrahlen.

Schließlich sind wir ja Gottes Eigentum, das er nicht aufgeben kann und will. Er sorgt für uns und kümmert sich in allen Belangen um uns. Gott ist treu und zuverlässig, anders als wir Menschen.

Doch wir müssen auch nüchtern sein. Zum Teil wird er uns nur stärken gegen das Arge. Er räumt das Schlimme nicht einfach weg aus unsrem Leben; diese dunkle Seite gehört einfach mit dazu. Aber er gibt uns Kraft, mit allem fertig zu werden. Mehr als wir gerade noch bewältigen können, mutet er uns nicht zu.

Dazu gehört auch, daß wir sterben müssen. Jeder Mensch muß sterben, das ist sein Schicksal. Aber mit Gottes Hilfe kann er getröstet seinem letzten Tag entgegen sehen. Und auch die Angehörigen dürfen sich darauf verlassen, daß sie noch eine Zukunft vor sich haben, auch wenn einer an ihrer Seite fehlt.  Gottes Wort kann uns dann wieder aufrichten. Es versichert uns, daß Gott uns nicht hat fallen lassen, auch wenn wir Schweres mitmachen müssen. In manchen Fällen werden wir sogar vor dem Argen bewahrt. Oder sagen wir besser: vor dem Ärgsten werden wir bewahrt von Gott.

Der leibliche Tod wird uns nicht erspart. Er ist etwas Arges. Aber das Ärgste wäre der ewige Tod, daß wir nämlich auch in Ewigkeit tot wären und keine Verbindung mehr mit Gott hätten. Gottes Wort verheißt uns die Auferstehung der Toten.

Darin zeigt sich noch einmal seine Treue: Gott läßt uns dem Tode nicht, sondern hält an uns fest. Auch wenn er uns sterben läßt, bleiben wir doch in seiner Hand. Auch wenn die nächsten Tage und Wochen nun schwer sind für die Angehörigen, so sollten sie sich doch gerade Gott zuwenden. Ein Mensch hat sie verlassen müssen. Aber Gott ist treu: Er wird uns alle stärken und bewahren vor dem Argen!

 

Christus ist unser Leben, und Sterben ist mein Gewinn                            (Phil 1,21)

Die meisten Menschen würden einen solchen Satz nicht nachsprechen, sondern wir werden im Gegenteil sagen: „Nur das Leben ist mir Gewinn! Ich möchte gar nicht zu Christus kommen, weil ich dann sterben muß!“ Wir hängen doch alle am Leben und möchten es uns möglichst lange erhalten. Wir möchten auch möglichst viel im Leben erwerben und unseren Nachkommen hinterlassen. Viele meinen, nur dann habe ihr Leben einen Sinn gehabt. Oder sie wollen möglichst viel für sich haben und genießen und nur mit Freude an jeden Tag des Lebens zurückdenken können.

Doch wie anders sieht das aus, wenn man erst einmal schwer krank  ist. Dann kann man sich nicht mehr so rühren und regen wie sonst.  Und man hat Schmerzen. Was sonst im Vordergrund stand, wird auf einmal wichtig. Ganz neue Fragen und Probleme tauchen auf. Vielleicht ist das für manchen durchaus heilsam. Unser Leben besteht nicht nur aus Essen und Trinken, Arbeiten und Schlafen, sondern es geht auch einem höheren Ziel entgegen.

„Christus ist mein Leben!“ sagt der Apostel Paulus. Der Sinn und das Ziel unseres Lebens ist allein Christus. Bei Gott können wir einmal nicht unsre Verdienste auf Erden vorweisen, sondern dann werden wir nur gefragt, ob wir unser Leben auf Christus hin ausgerichtet haben.

Darauf kommt es an, in guten wie in bösen Tagen, daß wir unsre. Augen auf Christus richten. An sich dürfte uns das nicht schwerfallen, wenn es uns gut geht. Da liegt es doch dann auf der Hand, wofür wir dankbar sein können. Aber mancher vergißt dennoch das Danken. Es geht ihm ja gut, da braucht er Gott nicht.

Doch es gibt ja auch viele, die sich gerade dann zu Gott halten und großen Segen daraus empfangen. Andere wieder wenden sich nur in der Not  an Gott. Natürlich kann man das auch. Aber es sieht doch etwas komisch aus, wenn man immer nur kommt, wenn man etwas braucht.

Wer sagen kann: „Christus ist mein Leben!“ der braucht ihn auch in jedem Augenblick seines Lebens, und weiß, daß er nur so sein Leben sichern kann. Der darf dann auch guten Gewissens sich an ihn werden, wenn er in Not ist.

Paulus sagt das ja, als er im Gefängnis sitzt und jeden Tag mit dem Todesurteil und dessen Vollstreckung rechnen muß. Christus gibt mir das Leben, auch wenn sie mir jetzt dieser irdischen Leib nehmen sollten. Ja, vielleicht kann man sogar Spott über seine Gegner heraushören, wenn er sagt: „Sterben ist mein Gewinn!“ Sie wollen ihm schaden und wollen ihn äußerlich und innerlich fertigmachen. Aber er sagt: Damit helft ihr mir nur, endlich mein Ziel zu erlangen, nämlich zum Herrn zu kommen!

Das ist auch die einzig richtige Haltung, um dem Tod zu begegnen. Der Tod denkt, er bekäme uns in seine Gewalt; und dabei ist das nur der erste Schritt, um ihn zu überwältigen. Er geht damit nur in die Falle, denn Christus ist stärker als er.

Zunächst sieht das alles nach einer Niederlage aus. Wir meinen doch, gegen den Tod keine Chance zu haben. Viele sagen: „Mit dem Tod ist alles aus!“ Natürlich sieht es äußerlich gesehen auch so aus. Wir können mit dem Menschen nicht mehr so sprechen wie vorher. Er war uns vertraut,  jetzt ist er uns fremd. Es ist alles traurig. Paulus aber macht uns deutlich: Der Tod ist nur Durchgang zum Leben. Was erst wie eine Niederlage aussah, ist in Wirklichkeit Gewinn. Der Tod wurde getäuscht, und Christus ist der Sieger. Aber wohl gemerkt: W i r können gar nichts tun, wenn Gott uns nicht beisteht. Das sollten wir wissen, im Leben und im Sterben: Wir sind verloren, wenn wir uns nicht auf Gott verlassen!

Aber umgedreht: Wer sich auf Gott verläßt, der ist  nicht  verlassen, auch nicht im Tod. Der hat einen Beistand und Fürsprecher, der ihn aus allem wieder herausreißt. Wir brauchen einen solchen Rechtsanwalt; der uns verteidigt. Deshalb ist es gut, wenn wir ihn uns rechtzeitig sichern und bei ihm bekannt sind.

Die beste Lebensversicherung ist immer noch, wenn uns an den halten, der das Leben gegeben hat und erhält, der nicht den Tod will, sondern ihn überwindet zum Leben hin, allerdings zu einem neuen und anderen Leben, das aber dann unvergänglich ist. Wir gewinnen nicht das alte Leben wieder, sondern ein ungetrübtes Leben mit Christus. Nur in diesem Sinn können wir auch sagen: „Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn!“

 

Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre!                                                                                                                     (Phil 1,23)

Wenn ein Mensch lange Zeit krank war, wenn er Schmerzen hat und weiß, daß es doch nicht wieder besser wird, dann mag er schon sagen: „Ich habe Lust abzuscheiden!“ Das Leben scheint keinen Sinn mehr zu haben und nur noch das Ziel zu kennen, daß es bald aufhört. So würden wir diesen Satz sicher verstehen, wenn wir ihr aus dem Zusammenhang herausgelöst hörten.

Aber Paulus ist nicht krank. Im Gegenteil: er fühlt sich gut bei Kräften. Aber er sitzt im Gefängnis. Nun überlegt er sich, was besser wäre: wenn er gleich stürbe oder wenn er noch seine Kräfte für die Ausbreitung des Evangeliums einsetzte. Er entscheidet sich dann für das Letztere und meint, er würde noch gebraucht.

Paulus hat aber, seitdem er Christ war, wirklich ernst gemacht mit diesem Satz „Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christus zu sein!“ Er war oft in Gefahr, umgebracht zu werden. Aber er sehnte sich auch sonst danach, mit Christus vereint zu sein.

Wir können uns das heute kaum vorstellen, wie sehr Paulus in der Erwartung des nahen Endes gelebt hat. Wir wünschen uns doch, möglichst lange auf der Erde zu sein und jeden Tag unseres Lebens zu genießen. Wir haben keine Lust, schon abzuscheiden und bei Christus zu sein. Paulus aber hatte den auferstandenen Christus gesehen, damals in der Stunde vor Damaskus, als er ein Christ wurde. Das muß so wunderbar für ihn gewesen sein, daß sich von da an immer wieder danach sehnte, erneut so eng mit Jesus verbunden zu sein. Paulus hat ja fest damit gerechnet, die Wiederkunft Jesu noch zu seinen Lebzeiten erfahren zu dürfen.

Wir wissen, daß es nicht so gekommen ist. Aber wir wissen auch, daß wir mit dem Erde unseres Lebens auch gleichzeitig für uns persönlich die Wiederkunft Jesu erleben werden. Im Grunde ist es gleichgültig, ob wir gleich mit unserem Tode oder erst nach langer Zeit in die Ewigkeit eingehen werden. Entscheidend ist doch, daß wir überhaupt mit Christus vereint sein werden.

Aber ist das wirklich noch eine Sehnsucht, die in uns steckt, so wie sie in Paulus geglüht hat? Sind wir nicht mit zu vieler Fasern unseres Herzens mit dieser Welt verbunden, selbst wenn wir krank sind und einmal sterben müssen?

Mancher wird in der Zeit seiner  Krankheit auch sagen: „Ich habe Lust abzuscheiden!“ Aber wird er auch die Fortsetzung des Satzes sagen können: „....und bei Christus zu sein!?“ Das Leben mag uns manchmal über sein. Aber ehe wir es aufgeben, müssen wir uns doch fragen: Habe ich etwas Besseres an seine Stelle zu setzen? Haben wir eine Hoffnung auf etwas, was dann kommt, wenn dieses Leben einmal ein Ende hat?

Als Christen dürfen wir eine Hoffnung haben. Mir dürfen wissen, daß dieses Leben nicht das Letzte ist. Es ist ja auch sehr mit Mängeln behaftet: Wir machen Fehler, können unsere Wünsche nicht verwirklichen, wir werden krank und vieles mehr. Gott aber wird uns ein neues Leben geben, frei von solchen Schwierigkeiten.

Insofern können wir dann doch vielleicht mit Paulus sagen: „Ich habe  Lust  abzuscheiden!“ Aber nicht weil wir dieses Leben satt haben, sondern weil Christus uns erwartet. Nur wenn wir diese Hoffnung haben, lohnt es sich, von dieser Welt Abschied zu nehmen.

Wir haben keinen Grund zur Verzweiflung oder zur Trauer, wenn wir auf Gott sehen. Unser Leben hat einen Sinn gehabt, weil wir auf ihn zugehen. Wir werden auch Krankheit und Leiden ertragen können, weil wir wissen, daß es auch wieder anders kommt. Wenn wir beim Herrn sind, wird alles ganz anders aussehen.

So wollen wir auch heute am Sarge dieses Mannes (dieser Frau) an der Hoffnung festhalten. Wir wollen ihn (sie) in den Händen Gottes geborgen wissen. Der Kampf des Lebens hat für ihn (sie) ein Erde und er (sie) hat Ruhe gefunden bei Gott. Das ist auch tatsächlich besser als manches auf dieser Erde.

Aber wir wollen auch die Gewißheit mitnehmen, daß wir auf dem gleichen Wege nachfolgen werden. Wir werden uns wohl nicht nach dem Tod sehnen. Aber unser Leben ist jetzt anders geworden. Ein Mensch fehlt aus unserer Mitte. Wir sind wieder einmal mit dem Tod in Berührung gekommen. Aber uns sollte auch wieder die Hoffnung deutlicher geworden sein, die wir heute und alle Zeit haben: Wir werden bei Christus sein, heute schon und in der Ewigkeit erst recht.

 

„Unsre Heimat aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus, welcher unsren nichtigen Leib verklären wird, daß er gleich werde seinem verklärten Leibe!“                                                                 (Phil 3,20-21 a) Jeder Mensch hat eine Heimat und bleibt ihr immer mehr oder weniger verbunden. Zwar ist nicht mehr jeder so gefühlvoll wie früher. Viele haben ihre Heimat verlassen müssen und werden wahrscheinlich nie wieder dorthin zurückkehren. Andere sind aus beruflichen Gründen um gezogen und andere werden noch umziehen; die Heimat hat nicht mehr eine solche Bedeutung wie früher. Aber jeder kehrt doch noch einmal gern in seine alte Heimat zurück, auch wenn er nicht für immer dort bleiben kann: anderswo kann es doch nicht ganz so sein wie in der Heimat.

Aber nun haben wir nicht nur unsre irdische Heimat, sondern auch eine himmlische. So wie wir an der einen hängen, sollten wir auch die andere ersehnen, wenn wir rechte Christen sind. Natürlich sind wir nicht aus einem himmlischen Raum auf die Erde heruntergefallen, sondern wir sind gleich in diese Welt hineingeboren worden. Aber der Wille zu unsrem Dasein ging von Gott dem Schöpfer aus, und er bestimmt auch, wann unser Leben ein Ende haben wird.

Wir wollen das nicht so verstehen, als könnten wir nur im Himmel Glück und Freude finden und als sei diese Erde ein einziges Jammertal, wie es viele Kirchenlieder aussagen. Dazu hängen wir auch alle viel zu sehr an diesem Leben und finden es schön. Gott will auch, daß wir mit gutem Gewissen und mit echter Freude auf dieser Welt leben.

Hier entscheidet sich aber alles für unsre weitere Existenz bei Gott. Wir werden von ihm nur gefragt, wie wir hier gelebt haben. Wenn wir erst einmal gestorben sind, dann können wir nichts mehr ändern oder besser machen. Deshalb kommt es in der kurzen Zeitspanne uns­res Lebens darauf an, wie wir leben und handeln, denken und fühlen.

Doch wir sollten auch wissen: Das ist nicht das Letzte. So wichtig dieses Leben auch für uns ist - es wird doch noch eine Fortsetzung finden bei Gott. Bei ihm werden wir uns dann auch wie zuhause fühlen, wie in der Heimat. Die neue Welt wird uns gleich vertraut sein, so als hätten wir schon immer in ihr gelebt und als gehörten wir ganz selbstverständlich dorthin

In der Heimat haben wir ein festes Haus, in dem wir uns geborgen wissen können vor den Gefahren und Unannehmlichkeiten der Natur. Dort haben wir Wärme und Licht, Wasser und Nahrung. Es ist gut, wenn man einen solchen Bezugspunkt hat, an den man immer wieder zurückkehren kann. - In der Heimat hat man aber auch Verwandte, Nachbarn und Bekannte. Sie alle sind uns vertraut, wir können sie einordnen und einschätzen, von keinem geht eine Gefahr aus. - Da sind dann auch die Straßen, die Berge, die Nachbarorte. Alles ist uns vertraut und wir fühlen uns sicher und geborgen. Wir hängen an der Heimat und möchten sie nicht missen.

Warum sollte uns diese Heimat nicht ein Sinnbild sein können  für die himmlische Heimat? Sicherlich wird diese noch einmal ganz anders aussehen; aber wir werden uns bald dort wohlfühlen. Wir haben dort nämlich einen Vater, der uns in sein Haus aufnimmt. Wir haben dort einen Bruder, Jesus Christus, der unsre Welt mit ihrem Leid und Ihrer Schuld kennengelernt hat und weiß, wie uns zumute ist.

Es ist gut, wenn man wenigstens e i n e n hat, den man schon kennt und der einem in alles einweist; dann ist das Neue schon nicht mehr so fremd. Von diesem Jesus heißt es auch. „Vom Himmel erwarten wir unsren Heiland Jesus Christus, der unsren nichtigen Leib verklären wird, damit er gleich werde seinem verklärten Leibe!“ Erst Christus macht die Auferstehung zu einer Realität. Paulus stellt sich das so vor: Jesus wird vom Himmel kommen und uns abholen in Gottes Reich. Unsren irdischen vergänglichen Leib wird er umwandeln, so wie das bei ihm auch war. Dieser Jesus hat also eine entscheidende Bedeutung für uns, an ihn müssen wir uns halten, wenn wir im Tod bestehen wollen.

Oft spüren wir die Schwachheit und Vergänglichkeit unsres irdischen Leibes. Wir erfahren Krankheit und Versagen, Schmerz und Tod. Aber bei Gott wird das einmal auf hören, er wird alles neu machen. Das ist der feste Glaube des Paulus, der auch viel mitgemacht hat und diesen Brief aus dem Gefängnis schreibt, den Tod vor Augen.

Doch der Blick auf die himmlische Heimat gab ihm die Kraft, dem Tod entgegenzusehen im Aufblick zu dem himmlischen Herrn. Der wird auch uns über diesen letzten Augenblick hinweghelfen und uns eine neue Heimat geben. Im Vertrauen auf diesen Gott wollen wir diese(n) Entschlafene(n) der Erde übergeben. Gott wird es gut mit ihr(ihm) und uns machen.      

 

„Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“                                                                                                            (Phil 4,4)

Wenn ein Mensch ein Krankenlager hat, von dem er nicht mehr aufstehen wird, dann ist es oft schwer, ein Gespräch mit ihm über die Krankheit zu führen. Man hört die Frage heraus: Werde ich sterben müssen oder wird es doch noch einmal besser werden? Wenn der Kranke selber davon anfängt, mag es noch gehen. Aber meist möchte er nicht, daß die anderen davon anfangen.

Hier merken wir, daß im Grunde jeder Mensch eine gewisse Angst hat um das bißchen Leben, das er eben hat. Diese­ Angst hat meist verschiedene Gründe, die aber alle   miteinander zusammenhängen: Einmal ist es die Schicksalsangst, also die Angst vor gewissen unberechenbaren Schicksalsschlägen. Dann aber ist es auch Schuldangst, weil uns ja doch jeden Augenblick die Verfehlungen unsres Lebens vor Augen stehen. Und schließlich ist auch immer die Angst vor dem Tod.

Nun wissen wir zwar als Christen von der Auferstehung und dem ewigen Leben. Aber das verhindert doch nicht, in manchen Augenblicken unsres Lebens einfach nackte Angst zu haben. Wahrscheinlich werden wir die ganze Tiefe dies er Angst erst verspüren können, wenn wir selbst einmal in dieser Lage sind und nicht wissen, ­ob es auf Leben oder Tod geht.

Gott wird uns deswegen nicht verurteilen. Er weiß, wie wir sind, und kennt unsre Not. Wir sind eben Menschen und nicht Gott. Aber wir haben einen Gott, der uns hilft. Schuld wäre es erst, wenn wir diese Hilfe ausschlügen und nicht auf Gott hörten.

Paulus spricht am Schluß des Philipperbriefen von dem Mittel, das uns gegen die Angst helfen kann: „Freuet euch in dem Herrn allewege!“ oder wie es in einer neueren Übersetzung heißt: „Freut euch immerzu, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid!“

Es ist also nicht eine Freude, die wir uns antrainieren oder in die wir uns hineinsteigern könnten. Das wäre furchtbar, wenn wir nur nach außen etwas vorspiegelten, was nicht aus dem Herzen kommt. Freude kann nur aus der Verbindung mit Gott entstehen, Freude, die hebt und trägt und auch über alle Angst und Glaubenszweifel hinweghilft. Nur aus einem festen Glauben heraus können wir zu dieser Erkenntnis gelangen.

Zu dieser Erkenntnis ist Paulus gelangt, obwohl oder gerade weil er es nicht leicht im Leben gehabt hat. Er war krank, er wurde verfolgt, er wurde mißhandelt,­ er hat ungeheure Strapazen auf sich genommen. Und dann kam er auch noch ins Gefängnis und wußte nicht, ob er lebend wieder herauskommen wird.

Aber gerade in dieser Situation schreibt er an die Gemeinden in Philippi und fordert sie auf: „Freut euch!“ Paulus hat das Medikament gefunden, das gegen alle Angst und Verzweiflung hilft: die Freude, die Gott uns schenkt.

Einem Kranken versucht man mit Medikamenten zu helfen. Doch er muß die verordnete Arznei auch wirklich einnehmen, sonst kann sie nicht wirken Aber selbst wenn ­man alle Anordnungen befolgt, ist der Erfolg noch lange nicht sicher.

Bei dem Medikament „Freude“, das Gott uns geben will, ist es anders. Es kann unser Leben wenden und ihm wieder einen Sinn und ein Ziel neben. Gerade wenn die Angst alle Dämme zu überspülen droht, dann gilt es, dieses Schutzmittel dagegen aufzurichten. Freude kommt aus den Glauben. Der Glaube, das Wort Gottes, das Gebet, das Sakrament - das ist das Einzige, was wir auch gegen den Tod haben. Aber h a b e n wir ihn wirk­lich? Lassen wir uns in der Tat dieses Hilfsmittel und dieses Medikament reichen?

Wenn wir das tun, kann selbst unsre Angst noch eine hilfreiche Funktion haben. Sie wird gewandelt und reift heran zum Glauben. Auf einem dunklen Hintergrund strahlt die Kraft des Glaubens dann um so heller auf.

Dann begreift man auch, wenn es heißt: Der Herr ist nahe! Nicht der Tod ist uns nahe, sondern der Herr, der durch den Tod zu uns kommt. Dann werden wir auch mit Freude diesem Herrn entgegengehen und uns von ihm führen lassen in sein ewiges Reich.      

Was uns zunächst Angst machte, kann uns nachher Freude bereiten, wenn wir nur begreifen, was Gott mit uns vorhat. Er hat diese(m) Verstorbene(n) zu sich geholt

und ihr (ihm damit alle Angst genommen Er will auch uns helfen, daß wir zur wahren Freude gelangen im ­Hören auf sein Wort, im Gebet und im gläubigen Vertrauen.

 

„Wenn aber Christus, unser Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit!“                                                  (Kol 3,4)

Der Tod eines Menschen stellt uns vor manche Fragen. Vor allem wenn es noch relativ junger Mensch gewesen ist, können wir uns doch nicht so einfach damit zufrieden geben. Wir fragen uns doch: Hätte es nicht noch 20 oder 30 oder noch mehr Jahre Zeit gehabt? Warum sind alte Menschen immer noch da, die gerne sterben möchten, und andere werden abberu­fen, obwohl sie noch dringend gebraucht worden wären?

Wir fragen auch: Was wird nach dem Tode sein? Es ist ja noch niemand von den Toten wieder gekommen, der uns hätte berichten können. Die einen sagen: Mit dem Tod ist alles aus, der Mensch löst sich in Nichts auf, bestenfalls etwas von dem bleiben, was er geleistet hat. Oder einige Menschen werden sich noch einige Zeit an ihn erinnern. Deshalb muß man das Leben genießen, solange man es noch hat.

Andere sprechen von der Auferstehung der Toten. Den Glauben daran entnehmen sie der Bibel. Dort ist zwar auch nicht bis in alle Einzelheiten beschrieben, wie das mit der Auferstehung sein soll; aber es wird uns doch gesagt, daß es diese Auferstehung geben wird, und das ist doch wohl die Hauptsache.

Der Tod ist nicht das große Fragezeichen hinter unserem Leben. Einmal werden alle unsre Fragen beantwortet sein, nämlich dann, wenn Christus sich offenbaren wird. Er wird sich zeigen als der Auferstandene und wird auch uns mit sich führen.

Er ist unser Leben. Ohne ihn wäre unser Leben sinnlos und wäre auch der Tod sinnlos. Wenn wir nicht noch auf ein Leben nach unsrem Tode mit Christus hoffen dürften, dann könnten wir wirklich nur verzweifeln über den frühen Tod eines Menschen. Wenn unser irdisches Leben das einzige wäre, dann müßten wir wirklich bedauern, nur so kurz gelebt zu haben.

Wenn wir aber in ein zweites Leben kommen, dann wird dieses eben ein wenig länger dauern. Und der Tod ist nicht das Fragezeichen hinter unserem Leben, sondern der Doppelpunkt. Ein gewöhnlicher Punkt hinter einem Satz zeigt das Ende eines Gedankens an. Nach einem Doppelpunkt aber geht es erst noch einmal richtig los. Da wird dann etwa aufgezählt, worauf es ankommt; da kommt dann die wörtliche Rede, die unsre ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen will.

Auf unser Sterben und Auferstehen angewendet heißt das: Wir werden mit Christus offenbar werden in Herrlichkeit. Offenbaren heißt ja: Etwas Verborgenes ans Tageslicht bringen, so daß es alle sehen und begreifen können. Im Augenblick können wir noch nicht sehen, was mit uns geschehen wird. Aber Gott setzt den Doppelpunkt hinter unser Leben und wird uns dann zeigen, wie alles sein wird.

Wie gesagt: Der Tod ist noch nicht der Schlußpunkt. Wir meinen das manchmal, weil ja wirklich manches zu Ende ist, was wir bisher gewohnt waren. Aber Gott macht aus dem Punkt einen Doppelpunkt und eröffnet uns eine neue Zukunft.

Weil wir diesen Ausblick haben, können wir auch die Trauer des Augenblicks überwinden. Es ist natürlich schwer, wenn man einen Menschen leiden sieht, daß man dann daran glauben soll, es wird alles wieder anders mit ihm werden. In dieser Welt erleben wir es ja auch nicht. Und doch dürfen wir darauf vertrauen, daß Gott alles wenden kann.

Der Garant dafür ist Jesus, den Gott als Ersten von den Toten auferweckt hat. Gerade in dieser Osterzeit dürfen wir es bezeugen: Jesus lebt, und wir werden auch mit ihm leben. „Wenn Christus sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlich­keit!“ heißt es im Kolosserbrief.

Es wird keine Herrlichkeit nach Art dieser Welt sein. Der Himmel Gottes ist kein Schlaraffenland und kein Königsschloß. Aber Krankheit und Leiden und Tod werden nicht mehr sein. All unsre Fragen und Probleme werden gelöst sein. Wir werden uns mit Gott einig sein und in ungestörter Gemeinschaft mit ihm leben können. Das soll unser Trost sein im Leben und im Sterben. Unser Leben hat einen Sinn gehabt, ob es nun lang oder kurz gedauert hat, wenn wir am Ende teilhaben werden an der Herrlichkeit Gottes. Dafür lohnt es sich zu leben. Wenn wir unser Leben auf dieses Ziel ausrichten, dann werden wir wissen, was wir zu tun und zu lassen haben, dann werden wir alle Höhen und Tiefen bewältigen können und werden auch den letzten Teil unsres Lebens gut durchstehen. Gott will uns dazu helfen, daß der Tod keine Macht über uns haben kann, sondern nur der Anfang ist der Herrlichkeit, an der Gott uns beteiligen will.

 

Lasset das Wort Christi reichlich wohnen in euch: Lehret und vermahnet euch selbst in aller Weisheit mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern und singet Gott dankbar in euren Herzen!                               

Kirchlicher Mitarbeiter  (Kol 3,16)

Dieses Bibelwort scheint zunächst nicht so besonders zu einer Trauerfeier zu passen. Wenn ein Mensch von uns genommen wurde, dann sind wir traurig und bedrückt und es ist uns nicht nach singen zumute. Manchem verschlägt es die Stimme, wenn der Tod in sein Haus tritt. Und selbst wenn man damit hat rechnen  müssen und an sich auf alles gefaßt war -  wenn es dann soweit ist, dann ist es doch schwer.

Dann wird einem deutlich, wie furchtbar der Tod doch ist. Der Mensch, der einem vertraut war, mit man eben vielleicht noch hat sprechen können, der sich noch bewegt und geatmet hat, der ist auf einmal still und leblos. Ja, er erscheint auf einmal fremd und starr, man könnte meinen, er sei es gar nicht mehr.

Aber könnte das nicht auch ein Hinweis darauf sein, daß dieser Mensch nun nicht mehr der irdischen Welt angehört, sondern schon bei Gott ist? Was uns bleibt ist nur die sterbliche Hülle, wie man so sagt, der Mensch ist inzwischen woanders. Uns bleibt nur die Aufgabe den irdischen Leib in die  Erde zu betten. Und wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott schon ein neues Leben mit dem (der)  Verstorbenen begonnen hat.

Deshalb können wir auch bei einer Trauerfeier singen, können sogar Lieder der Zuversicht und der Freude singen. Gott gibt uns Grund zum Freuen, weil er seinen Sohn  von den Toten auferweckt hat und damit allen Menschen eine Hoffnung gegeben hat. Wer sich an diesen Jesus hält, wird mit ihm gezogen werden in das Reich Gottes.  

Allerdings wird es dazu einiger Voraussetzungen bedürfen. Jener Vers aus dem Kolosserbrief nennt uns da als erstes: „Lasset das Wort Christi reichlich wohnen in euch!“ Der (Die) Verstorbene hat reichlich Gelegenheit gehabt, das Wort Gottes zu hören, und hat diese Gelegenheit auch genutzt. Man muß nur da sein, dann kriegt man auch etwas mit.

So ging es einst dem Fischer Petrus, in dessen Boot Jesus getreten  war, um von dort aus zu den Menschen zu predigen.  Petrus hat im Boot neben Jesus gesessen, hat die Botschaft gehört und war davon so beeindruckt, daß er sich zum Jünger hat rufen lassen. So liegt auch sicher ein Segen über jedem, der sich in die Kirche oder sogar in ihren Dienst rufen läßt und dadurch von Amtswegen gezwungen ist, das Wort Gottes reichlich zu hören.

Wer gehört hat, wird aber auch weitersagen können. Wer etwas Wichtiges erfahren hat, wird es anderen weite geben wollen. So sagt auch der Kolosserbrief: „Lehret und ermahnet euch untereinander!“ Das geschieht auch durch die Kirchenmusik, durch Chorgesang und geistliche Lieder.

Gerade auch wenn man traurig ist über der Tod eines lieben Menschen kann einem die Musik Trost und Stärkung geben. Was gläubige Menschen aus ihrer Erfahrung heraus in Töne umgesetzt haben, kann auch uns ansprechen und weiterhelfen.

So wollen wir uns auch heute durch diesen Vers aus dem Kolosserbrief auffordern lassen: „Singet Gott dankbar in euren Herzen!“ So wollen wir auch heute trotz allem dankbar sein für alles, was er an dem (der) Verstorbenen getan hat und was er auch heute noch an uns  tut. Gott hat uns das Leben gegeben. Er hat uns in der Taufe zu seinen Kindern angenommen. Er hat uns Gaben und Begabungen mitgegeben, damit wir unsere Aufgaben in Beruf und Familie wahrnehmen können. Er hat uns geführt und geleitet durch mache Höhen und Tiefen. Da wollen wir nun auch das aus seiner Hand nehmen, was schwer für uns ist.

Wir dürfen Gott dankbar sein, daß er uns eine  Zukunft  eröffnet, die über den Tod hinausreicht. Sein Wort will uns gewiß machen, daß wir der Auferstehung entgegensehen. In seiner Hand sind alle unsre Toten. In seiner Hand sind auch wir, wenn wir uns ihm anvertrauen und uns fest an sein Wort halten.

 

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, dazu du berufen bist und bekamt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen!                                                                                                                            (1.Tim 6,12)

„Das Leben ist ein Kampf“ sagen viele Leute. Und sie meinen damit, daß nicht immer alles so glatt geht, wie man es sich wünscht. Mancher möchte unbedingt etwas erreichen und kann es erst nach großen Widerständen durchsetzen. Da sind Menschen, die uns das Leben schwer machen, und Verhältnisse, die nicht so sind, wie wir sie uns gerne wünschten. Wir spüren auch unsere eigene Schwachheit und unser Versagen und müssen uns immer wieder mühen, damit fertig zu werden.

Insofern kann man schon sagen, daß wir im Leben zu kämpfen haben: Im Timotheusbrief wird besonders die Habsucht aufgezählt, die zu unnötigen Kämpfen führt. Wie mancher versucht doch, in seinem Leben zusammenzuraffen, was er nur irgendwie erreichen kann. Aber wenn er dann sterben muß, kann er nichts davon mitnehmen. Dann war also aller Kampf vergebens.

Besser wäre es, um Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Liebe, Geduld und Sanftmut zu kämpfen. Die­ser Kampf würde sich lohnen, weil er einen Gewinn einbringt, der in Ewigkeit bleibt. Bei dem anderen heißt es: Wie gewonnen, so zerronnen! Was wir aber gewonnen haben, weil wir im Sinne Gottes gelebt haben, das bleibt für immer, das kann uns niemand nehmen.

Mit dem Kampf des Glaubens ist zunächst einmal gemeint, daß der Glaube notwendig ist, wenn wir um ein Gott wohlgefälliges Leben ringen. Wenn wir nach Gottes Willen fragen, dann wird uns ganz von selber deutlich, was unnütz ist. Weil es nur unseren eigensüchtigen Zielen dient und was uns wirklich voranbringt, weil es Gottes Willen entspricht.

Aber wir denken bei dem Ausdruck „Kampf des Glaubens“ auch daran, daß wir um unseren Glauben kämpfen müssen. Da sind Menschen, die diesen Glauben bekämpfen und die ihn als hinderlich für das Leben ansehen. Sie wollen alles ohne Gott regeln und verachten die Menschen, für die der Glaube an Gott unbedingt zum Leben dazugehört und die meinen, damit käme man besser durchs Leben und mit Hilfe des Glaubens könne man den Kampf des Lebens besser bestehen.

Ob unser Leben einen Sinn gehabt hat, zeigt sich ja meist erst am Ende. Unser irdisches Leben ist ja nur das Vorspiel zum ewigen Leben. Aber es entscheidet darüber, ob wir dieses ewige Leben überhaupt erlangen oder fern von Gott vergehen müssen.

Nur wer sich in seinem Leben zu Gott gehalten hat, wird auch das ewige Leben erlangen. „Ergreife das n ewige Leben!“ werden wir im Timotheusbrief aufgefordert. Ja, wenn das so einfach wäre! Es kommt uns doch eher vor wie in jener griechischen Sage, wo ein Mann nach den Früchten eines Baumes greifen will und jedesmal wenn er die Hand ausstreckt, strecken sich die Zweige nach oben und er kommt nicht ran.

Ja, wenn wir uns aus eigenen Kräften in das Reich Gottes hineinarbeiten sollten, dann müßten wir tatsächlich verzagen. Das ist eine Arbeit, die wir nie leisten könnten, auch nicht in dem besten Leben.

Dieser Weg ist für uns nicht nur unmöglich, sondern auch gar nicht nötig. Gott reißt uns nicht die ersehnte Frucht im letzten Augenblick vor der Nase weg, sondern er biegt sie im Gegenteil zu uns herab. Dazu ist ja Jesus zu den Menschen gekommen, um ihnen das Reich Gottes nahezubringen. Gott ist nicht ein ferner Gott, sondern einer, der uns beisteht im Leben und im Sterben.

Und wenn ein Mensch sterben muß, dann ist nicht einfach der Tod über ihn hergefallen, sondern das Reich Gotte und das ewige Leben ist zu ihm gekommen. Nur weil Gottes gebracht hat, kann der Mensch es ergreifen. Daß wir einmal ins ewige Leben kommen sollen, das ist uns von Anfang an bestimmt. Es ist gut, daß wir das vom Anfang unseres Lebens an wissen dürfen. Was auch kommen mag im Leben: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes! Er hat uns gerufen zum ewigen Leben. Deshalb haben wir noch eine Hoffnung über den Tod hinaus.

Deshalb sollten wir aber auch gerne mitgehen, wenn Gut uns ruft. Und die Angehörigen eines Verstorbenen sollten ihn auch ruhig ziehen lassen. Er geht nur seiner Bestimmung entgegen. die auch unser aller Ziel und Hoffnung ist. Wer den guten Kampf gekämpft hat, der wird das ewige Leben ergreifen.

 

Ich habe denn guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben                          (2.Tim 4,7-8)

Kann das denn ein Mensch sagen, wenn er Rückblick hält auf sein Leben: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe Glauben gehalten!“? Klingt das nicht etwas sehr nach Eigenlob und Selbstgerechtigkeit, nach einem Herausstreichen der Verdienste vor Gott? Aber der Schreiber dieses Briefes will sich wohl nicht selber loben, sondern Gott, der ihm das alles ermöglicht hat. Wenn er zurückschaut auf sein Leben, dann ist er dankbar, daß er auf der richtigen Seite gestanden hat und daß er im Glauben fest bleiben konnte.

Das hat der (die) Verstorbene in seinem (ihrem) Leben erkannt und hat diese Erfahrung anderen Menschen und besonders seiner (ihrer) Familie vermitteln wollen. Es ist nämlich gar nicht selbstverständlich, daß man im Glauben fest bleiben kann. Zu viel Schweres gibt es, das Menschen im Leben mitmachen müssen. Auch ein starker Baum kann dann manchmal ganz schön schwanken, wenn der Sturm ihn ordentlich packt. Nur der Stamm steht fest, dessen Wurzeln fest in das Erdreich gesenkt sind. Wer auf dem richtigen Grund steht und sich dort festhält, dem kann kein Sturm etwas anhaben.

Doch hinter diesen Worten steht nicht der Stolz, sondern Dankbarkeit. Wenn wir es uns ehrlich überlegen, dann müssen wir doch zugeben: Aus eigener Kraft sind wir gar nichts; wenn Gott uns nicht stützt und festhält, sind wir bald verloren.

Im Gegenteil: Wir machen es Gott ja noch unnötig schwer, wir arbeiten gegen ihn. In jedem Menschen steckt der Ungehorsam gegen Gott drin. Wir verstoßen immer wieder einmal gegen die Gebote Gottes. Aber trotzdem sollen und dürfen wir am Glauben festhalten. Nicht einmal unsere Sünde kann uns von Gott trennen - und dafür dürfen wir dankbar sein.     

Das äußere Zeichen für unsere Stellung zu Gott ist die Krone der Gerechtigkeit, die uns Gott an jenem Tag geben wird.  Eine Krone kann man sich nicht selber aufsetzen, man kann sie immer nur von einem anderen empfangen. Auch die Krone der Gerechtigkeit erhalten wir nur von Gott, weil er uns gerecht gesprochen hat.

Eine Krone erhält nur der Mensch, der viel Macht hat. Wenn Gott uns nun eine unsichtbare Krone aufsetzt, dann wird dadurch angedeutet: Durch Gottes Hilfe hat jeder Christ auch Macht über das Böse und  den Tod. Das letzte Wort über uns spricht unser Herr. Er wird schon ein Richter sein, aber ein gerechter Richter. Wer den guten Kampf gekämpft hat und Glauben gehalten hat, der braucht diesen Richter nicht zu fürchten, sondern darf ihn froh erwarten.

Das gilt nicht nur für diesen Entschlafenen, sondern auch für alle, die ihn liebgehabt haben. Wenn ein Mensch von uns gegangen ist, dann spüren wir voller Schmerz die Lücke. Aber wir dürfen doch in der Gewißheit von ihm Abschied nehmen: Gott hat nicht nur für e i n e n Menschen die Krone bereit, sondern für alle, die ihn liebhaben und die wir liebhaben. Gottes Macht reicht über den Tod hinaus. Wer sich im Leben zu ihm gehalten hat, der wird auch bei ihm sein, wenn er den Lauf vollendet hat.

Nur dieses Wissen kann uns Trost und Hilfe angesichts des Todes geben. Wenn es das nicht gäbe, müßten wir in der Tat verzagen. So aber dürfen wir wissen: Es  lohnt sich, wenn wir zu diesem Gott gehören. Oft gibt es Kampf in unserem Leben und wir müssen darauf achten, daß wir Glauben halten. Aber als Lohn ist uns auch eine Krone versprochen, die nur Gott uns geben kann.

Wir, die wir weiterleben, sind angesichts dieses Todes gefragt: Lebst  du  so, daß du in der Verbindung mit Gott bleibst? Trägst du mit zu den Edelsteinen bei, die Gott in deine Krone setzen will? Verläßt du dich ganz auf Gott, der dein Herr im Leben und im Sterben ist? Am Ende unseres Lebens sollen wir doch einmal aus dankbarem Herzen bekennen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten;  hinfort ist mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage geben wird; nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben!“

 

„Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich!“                                                                                            (2. Tim 4,18)

Unser Leben ist voll von manchem Übel: Kriege und Hungersnöte liegen hinter unsrem Volk, politische Umwälzungen und tiefe Veränderungen der ganzen Lebensgewohnheiten. Für manchen kamen noch Spannungen in Familie und Nachbarschaft hinzu. Oftmals waren es auch Armut und Kummer, Krankheit und Tod.

Für manchen ist dabei der Sinn des Lebens verloren ­gegangen. In der Jugend machte er sich an die Verwirklichung seines Lebensplans: Er war fleißig und baute auf. Manches ist auch gelungen. Doch dann kam ­das Unglück und alles ist ohne eigne Schuld wieder zerronnen.

Mancher möchte man auch Gott anklagen und sagen: Warum gibt es das alles? Warum müssen wir so leiden? Warum trifft diese Krankheit gerade mich? Weshalb habe ich so etwas verdient?

­Die Bibel weiß von den Nöten der Menschen und von ihren Fragen. In ihr ist auch die Rede vom „Übel“. Und gemeint ist dabei alles, was uns diese Welt als so unvollkommen erscheinen läßt.  Früher haben wir im Vaterunser gebetet: Erlöse uns von dem Übel. Darunter hat man dann meist die äußere Not gemeint  wenn es wirtschaftlich schlecht geht oder man z.B. eine Krankheit aushalten muß. ­Aber das ist nur eine Seite des Übels, sozusagen nur die Außenseite.     

Heute beten wir ja: „Erlöse uns von dem Bösen!“ Darunter können wir auch das verstehen, was an Bösem in uns selber steckt und was die Bibel „Sünde“ nennt. Unsre Welt ist keine heile und vollkommene Welt. In ihr gibt es auch die Sünde, weil wir Gott nicht genügend Raum geben, Oftmals wird die Sünde auch vorgestellt wie eine Person, so daß wir nicht nur an ,,das Böse“ denken, sondern auch an „den Bösen“.

Das ist doch das eigentliche Übel, daß wir uns durch die Umstände oder durch Menschen von Gott abbringen lassen. Und deshalb gibt es auch Krankheit und Tod in der Welt. Sicherlich kann man das nicht bei einem einzelnen Menschen gegeneinander aufrechnen. Aber weil die Menschheit insgesamt dem Übel verfallen ist, ergreift es sie auch mit aller Macht, auch in Form einer Krankheit.

Aber manchmal sind Krankheit und Tod auch eine Erlösung für uns, weil damit alles äußere Leid und auch die Sünde aufhört. Mancher Kranke ersehnt den Tod, damit aller Kampf ein Ende hat. Wir werden. aber doch fragen: Ersehnt er nur den Tod oder sehnt er sich auch nach Gott?

Der Tod führt uns nur wieder hin zu Gott, von dem wir hergekommen sind. Es ist uns nicht verheißen, daß wir in eine Welt kommen, die der unsren ähnlich ist, nur halt eben besser und schöner. Das Himmelreich ist kein Schlaraffenland, wo uns die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Es ist nur gesagt: Wir werden bei Gott sein!

Deshalb sollten wir nicht fragen: Was wird nach dem Tode kommen? sondern: W e r  wird kommen? Und da dürfen wir wissen: Christus kommt! Gott nimmt uns zu sich!

Wir mögen vielleicht tief im Übel dieser Welt drin stecken, so tief wie in einem Moor, aus dem man sich aus eigener Kraft nicht wieder befreien kann. Aber Christus kommt und zieht uns wieder heraus und läßt uns nicht im Übel umkommen, sondern bringt uns in den Herrschaftsbereich Gottes. 

Er hat auch die Vollmacht dazu. Gott hat nämlich seinen Sohn-Jesus Christus nicht  im Tod gelassen, sondern hat ihn auferweckt und ihn zum Mitregenten in seinem Reich gemacht. Und weil Christus auferstanden ist, werden wir auch auferstehen.

Das ist die Botschaft, die wir angesichts des Todes hören dürfen. Doch diese Botschaft gilt nicht mehr dem Toten (der Toten), denn der (die) steht schon vor Gott. Diese Botschaft gilt uns, die wir leben. W i r sind gefragt, ob wir diesem Wort Gottes glauben wollen, das uns die Auferstehung verheißt.

Wenn wir an das denken, was noch nach dem Tode kommt, wenn wir immer Gott als unser Ziel vor Augen haben, dann werden all unsre Alltagsorgen, alles Leid und alle Übel dieser Welt klein und unwichtig. Dann dürfen wir auch über unserem Leben die Verheißung hören:

„Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich!“1

 

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und dir vertraut ist, da du ja weißt, von wem du gelernt hast!                                                             (2.Tim 3,14)

Wir haben gelernt: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben!“ Aber wenn man jung ist und so etwas auswendig lernt, da denkt man noch nicht ans Sterben. Da bleibt alles theoretisch und der Gedanke an den Tod liegt noch in weiter Ferne. Heute aber stehen wir am Sarg eines Menschen und fragen uns: „Was wird aus diesem (r) Verstorbenen? Was wird einmal aus uns, wenn wir sterben müssen? Jetzt muß sich bewähren, was wir einmal gelernt haben; es wird sich zeigen, ob es eine Hilfe für unser Leben bedeutet.

Wir müssen viel lernen in unserem Leben. Eigentlich vom ersten Tag an geht es los und endet nicht eher, als bis wir die Augen zumachen. Vieles können wir gebrauchen, manches ist auch überflüssig. Häufig wird uns aber nur reines Sachwissen vermittelt. Aber in den persönlichen Fragen unseres Lebens werden wir allein gelassen.

Hier kann uns aber unser Glaube eine Hilfe sein. Er befaßt sich ja kaum mit unserem Wissen, dafür aber umso mehr mit Lebensfragen. Und die entscheidende Frage unseres Lebens ist immer noch- so paradox das klingen mag - die Frage nach dem Tod. Wenn wir hier keine befriedigende Antwort haben, war unser Leben eigentlich sinnlos.

Die Bibel verheißt uns ein Leben bei Gott, in der Gemeinschaft mit ihm und allen Gläubigen. Wir können das zwar nicht beweisen; aber hier handelt es sich um eine Gewißheit des Glaubens, die genauso sicher ist wie naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Nur daß die Wissenschaft uns keinen Trost geben kann, den vermittelt nur der Glaube.

Natürlich nutzt es uns nichts, wenn man alles nur auswendig lernt, aber im Herzen kalt dabei bleibt. Nur wenn uns der Glaube vertraut ist, wenn wir täglich damit umgehen, wird er auch eine Hilfe sein. Dann kann er unser Leben gestalten und uns auch über schwierige Situationen hinweghelfen. Was soll man einem Menschen sagen, der betrübt ist durch den Tod eines nahen Angehörigen? Man kann eigentlich nur verweisen auf das, was wir alle gelernt haben und was uns vertraut ist.

Gottes Wort macht uns allerdings auch den ganzen Ernst unserer Lage vor Gott deutlich. Gott wird uns zur Verantwortung ziehen für unser Leben. Er wird uns fragen, ob wir tatsächlich in dem geblieben sind, was wir gelernt haben. Wer einmal mit Gott in Berührung gekommen ist, der kommt nicht wieder von ihm los, ohne schuldig zu werden. Wer sich aber zu Gott hält, der wird auch Gottes Beistand im Leben erfahren. Er wird zwar begreifen, daß uns die kurze Spanne unseres Lebens nur zur Bewährung gegeben ist. Aber er wird auch immer wieder die Durchhilfe Gottes spüren können. Das gilt auch besonders für den letzten Gang unseres Lebens. Gerade dann gilt es festzuhalten an dem, der uns vertraut ist. Dann kann uns der Tod nichts anhaben, sondern er ist uns der Durchgang zu dem neuen Leben bei Gott.

Das sei auch den Angehörigen gesagt, die jetzt noch in Trauer sind, die aber wissen dürfen: Bei Gott ist der (die) Verstorbene gut aufgehoben. Er (Sie) hat die Zeit seines (ihres) Lebens vollendet, er (sie) hat seine (ihre) Bewährungsprobe schon hinter sich, er (sie) darf sich schon des Lebens bei Gott freuen.

Unser Leben aber geht vorerst noch weiter. Wir werden noch aufgefordert: „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und dir vertraut ist!“ Es lohnt sich wirklich, dabei zu bleiben.

Das verspricht uns der, der uns das alles gelehrt hat: Jesus Christus, der Sohn Gottes, der auch bei Gott ist. Durch ihn haben wir Sicherheit, daß wir nicht nur einer Einbildung nachlaufen, sondern auf Gott zugehen. Heute und alle Tage dürfen wir wissen: Was unsere Vorfahren  geglaubt haben, das ist auch für uns gut. Sie haben uns ein Vorbild gegeben, dem wir getrost nachfolgen können.

In der gleichen Gewißheit wie sie dürfen wir unsere Toten dem allmächtigen Gott befehlen und selber mit Zuversicht unserer letzten Stunde entgegengehen. Wenn wir bleiben in dem, was wir gelernt haben und uns vertraut ist, brauchen wir uns um unsre Zukunft keine Sorgen zu machen.

 

„Wir warten aber eines neues Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt“                                          (2. Petr  3,13)

Wir erwarten viel vom Leben. Wenn ein Mensch auf diese Erde kommt, dann stehen ihm alle Möglichkeiten offen. Die Eltern sehen voller Hoffnung auf ihr Kind. Die meisten Eltern wollen auch, daß es ihr Kind einmal besser hat als sie selber.

Wenn ein Leben dann zu Ende ist, kann man vielleicht Bilanz ziehen. Wir werden immer feststellen können: Manches von den Wünschen und Hoffnungen hat sich erfüllt, anderes wieder ist uns versagt geblieben. Entscheidend aber wird sein, ob es Jahre mit Gott gewesen sind. Nicht daß unsre Wünsche im Leben in Erfüllung gegangen sind ist wichtig, sondern daß wir nach dem Willen Gottes gelebt haben. Die kurze Zeit unsres irdischen Lebens entscheidet  über unser ewiges Leben. Deshalb ist es doch eigentlich dumm, wenn man ein Leben ohne Gott führt und dafür ewig von Gott fern bleibt. Unser irdisches Leben ist kurz, und wenn es 100 Jahre dauert. Und es hat seine Fehler und Schwächen. Gott aber hat etwas viel Besseres für uns. Die Bibel verheißt uns einen neuen Himmel und eine neue Erde. Die Welt Gottes wird also unsrer ähnlich sein, wir werden in ihr vieles Vertrautes wiederfinden. Aber es wird- auch eine neue Welt sein, in der manches anders ist, als wir es gewohnt sind. Mancher wird sich fragen: Wie soll es da aussehen? Was wird mich erwarten? Aber solche Fragen können wir nicht beantworten. Wir können uns nur an die Verheißung Gottes halten, die in seinem Wort niedergelegt ist. Einzelheiten werden uns dort nicht mitgeteilt; oder es handelt sich nur um Bilder und Vergleiche, die wir ­nicht wörtlich nehmen können.

Es kommt allein darauf an, daß uns die Tatsache des ewigen Lebens gewiß ist; mehr brauchen wir nicht zu wissen. Manche sagen ja: Das Einzige, das uns gewiß ist, das ist der Tod! Aber das ist nur e i n Teil der Wahrheit. So gewiß wie uns der Tod ist, so gewiß ist uns auch das Leben bei Gott. Dafür steht Gott schon ein, der die Macht hat, seine Verheißungen auch in die Tat umzusetzen.

Gott meint es ernst mit seinem Wort. Das zeigt sich daran, daß er seinen Sohn in den Tod hineingegeben hat. Der Tod Jesu war die Voraussetzung für seine Auferweckung. Und diese wiederum war die Voraussetzung für unser neues Leben. Jesus zieht uns mit sich auf dem Weg, den er uns gewiesen hat, hinein in Gottes Reich und zu einem Leben mit Zukunft.

Gerade in dieser Karwoche wird uns wohl der Zusammenhang zwischen Tod und Auferstehung besonders deutlich werden. Das Kreuz Jesu steht auf unsrer Erde. Aber, bildlich gesprochen, recht es bis in den Himmel hinein. Der Tod Jesu war nicht ein sinnloses Geschehen, ein tragisches Menschenschicksal, sondern Gott verfolgte eine Absicht damit: Dieses Kreuz Jesu sollte die Zeit mit der Ewigkeit verbinden, sozusagen eine Brücke bilden zur Welt Gottes.

Weil dieser Jesus für uns gestorben ist, deshalb ist auch unser Leben und Sterben nicht sinnlos. Die Spur unsres Lebens wird sich nicht irgendwo im Dunkel verlieren, sondern wir werden bei Gott aufgehoben sein, wir und alle unsre Toten.

Das ist die Gerechtigkeit, die uns allen einmal widerfahren wird. In dieser Welt geht es noch ungerecht zu. Da gibt es noch Unterschiede zwischen den Menschen, Vorteile für den einen und Nachteile für den anderen. Der eine ist krank oder hat ein Leiden, dem anderen geht es gut und er hat keine Sorgen.

Aber sterben müssen wir alle. Das ist der erste Punkt der Gerechtigkeit. Und auch alle Vorteile und alle Nachteile dieser Welt werden dann nichts mehr sein. Das ist der zweite Punkt der Gerechtigkeit Gottes. Und dann kommt noch dazu , daß die einen von Gott angenommen werden, die anderen verworfen.

Gott richtet dabei nicht nach unsrem menschlichen­ Augenschein, nicht nach dem, was auf der Erde gegolten hat. Er fragt nur danach, wie wir zu ihm gestanden haben, und danach teilt er seine Gerechtigkeit zu.

So wollen wir nun auch diese(n) Verstorbene(n) der gerechten und gnädigen Hand Gottes übergeben. Er möge an ihr (ihm) seine Verheißung erfüllen und sie (ihn-) hineinnehmen in seinen neuen Himmel und seine neue Erde. Er möge auch uns einst heimholen in sein Reich.

 

„Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt!“                  (1. Joh 2,8 )   

Wenn ein Kind in den dunklen Keller gehen soll, dann hat es Angst. Die Dunkelheit ist immer unheimlich und unangenehm. Uns Erwachsenen geht es da ja auch nicht viel anders. Wenn wir zum Beispiel in stockdunkle Nacht durch den Wald gehen sollen, dann wird uns doch ganz anders. Man vernutet immer eine unbekannte Gefahr in der Finsternis und weiß nicht, wie man ihr begegnen soll.           

Da hilft dann keine Belehrung und Aufklärung. Da mag einer noch so oft erklären, es könne ja gar nichts passieren oder etwas Unvorhergesehenes kommen - wir haben trotzdem Angst. Da hilft nur eins: Es muß hell werden, dann wird es mit einem Schlag gut.

So ist es auch mit dem Tod: Das ist so ein finsteres Tor, durch das wir hindurchmüssen. Wir wissen nicht genau, was dahinter liegt, denn es ist noch keiner wiedergekommen und hat uns die Einzelheiten erzählt. Doch wir möchten das alles gern erleuchten, Licht in die Sache bringen, damit wir Bescheid wissen und unsre Angst vor dem Unbekannten verlieren. Aber das geht nicht.

Viele haben versucht, mit diesem Problem des Todes fertigzuwerden: Sie sprachen dann vom „sanften Verlöschen“, von der „Rückkehr in den Schoß der allgütigen Mutter Natur“, vom „Zerfall in Materie“. Aber bisher hat noch keiner diese Frage so richtig lösen können.

Der Tod ist und bleibt das dunkle Mahnzeichen hinter jedem Leben. Von menschlichen Voraussetzungen her läßt sich unsre Angst nicht überwinden. Auch

wenn die Leute, die nicht an Gott glauben, uns Erklärungen geben wollen und uns einreden wollen, es sei alles nicht so schlimm - es hilft doch alles nichts: die Frage und die Angst bleiben.

Da muß schon wirkliches Licht in die Finsternis kommen. Alle menschlichen Erklärungsversuche sind nur künstliches Licht, das auf die Dauer nicht hilft, weil es kein Leben gibt: Das wahre Licht kann nur von Gott kommen. Aber Gott will es uns schenken. Gerade in dieser Weihnachtszeit wird uns das vielleicht noch am besten deutlich.

An Weihnachten dürfen wir etwas spüren von diesem Licht, das die Finsternis vertreibt. Allerdings hat sich dieses Licht noch nicht ganz durchgesetzt. Es hat noch nicht die ganze Welt erleuchtet, sondern nur einige Punkte. Den Stall von Bethlehem, das Hirtenfeld, den Weg der Könige und vielleicht noch einiges mehr.

Aber auch heute ist das ja nicht anders. Es haben sich noch längst nicht alle Menschen unter das Licht Gottes gestellt. Viele sind noch in der Dunkelheit und deshalb bleibt auch noch so vieles im Dunkeln.

Deshalb gibt es ja auch noch Leid und Not, Krankheit und Tod in unsrer Welt. Nur an einigen Stellen leuchtet etwas auf vom Sieg Gottes über Krankheit und Tod. Einmal wird Gottes alles Leid beenden, aber vorerst haben wir nur einen schwachen Abglanz der Herrlichkeit Gottes.

Manchmal kann uns das Leben und Sterben eines Menschen ein Anzeichen dafür sein: Hier hat Gott ihn nicht allein gelassen in seiner Krankheit, sondern hat ihm auch im Tod beigestanden. Das kann auch uns zum Vorbild werden.

Nun leuchtet schon das Licht der Weihnacht für diesen Verstorbenen. Es will auch uns Trost und Stärkung geben. Alles Leid dieser Welt wird einmal überstrahlt werden vom Glanz der Herrlichkeit Gottes.

Wir müssen nur ganz fest daran glauben, daß das Licht Gottes stärker ist als alle Finsternis und uns allen den Weg erhellen will. Wir brauchen dieses Licht auf unsrem Weg, damit wir nicht im Dunkeln abirren oder stolpern. Doch Gott schenkt uns dieses Licht und will uns damit helfen zu einem seligen Leben und einem seligen Sterben. „Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt!“

 

Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind. Wer nicht liebt, der bleibt im Tode. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat                                                                                   (1. Joh 3,14+16)

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann sagen wir doch: „Er ist aus dem Leben zum Tod gekommen!“ Seine Lebensfunktionen haben aufgehört und er wird wieder zu Erde werden, von der er genommen ist, wie es in der Bibel heißt. Nun wird aber hier umgedreht gesagt: „Wir sind aus dem Tod ins Leben gekommen!“ Ja, wer nicht an Gott glaubt, für den ist der Tod nur die Endstation; eine sehr traurige Endstation, wo es tatsächlich kein Leben mehr gibt und alles öde und leer ist, weil Gott nicht mit dabei ist.

Wer aber zu Gott gehört, der weiß, daß es hinter der Station des Todes noch weitergeht. Man muß nur sozusagen umsteigen in einen anderen Zug, dann kann es weitergehen.

Das heißt: Es geht jetzt anders zu als in unserem Leben. Es tritt schon ein Bruch ein mit unserer bisherigen Existenz. Aber unsere Verbindung mit Gott hat noch nicht aufgehört, er holt uns in sein Reich und sorgt dafür, daß wir ans Ziel unseres Lebens gelangen. Dort wo Gott ist, da ist Leben, und da kann es auch mit uns weitergehen.

Wie kommen wir aber nun hin zu Gott?  im 1. Johannesbrief heißt es: „Wer nicht liebt, der bleibt im Tode!“ Liebe gibt es einmal im Verhältnis der Menschen untereinander. Eltern erweisen sie ihrer Kindern und die Kinder auch oftmals den Eltern, wenn diese alt geworden sind. Nur so leben wir so, wie Gott es von uns erwartet und wie es sich gehört, wenn man in Ewigkeit bei Gott sein will.

Aber die Menschen lieben kann man nur, wenn man Gott  liebt. Liebe zeigt sich also auch in unserem Verhältnis zu Gott. Gott aber können wir nur lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Deutlich wird das daran, daß er seinen Sohn für die Menschen in den Tod gegeben hat. Jesus hat das alles auch mitgemacht, was Menschen auszuhalten haben. Aber er hat es auch überwunden durch seine Auferstehung und seine Rückkehr zu Gott.

Gottes Liebe reicht auch über unseren Tod hinaus. Ja, im Tode kommt sie erst ganz zur Vollendung. Wer nicht zu Gott gehört, für den ist dann schon Endstation, der bleibt im Tod. Wer sich aber unter Gottes Liebe gestellt hat, den wird diese Liebe auch im Tod umfangen und ihm eine neue Existenz bei Gott ermöglichen.

Das ist so wie in dem Verhältnis zwischen  Eltern und  Kindern. Die Eltern umsorgen und pflegen die Kinder viele Jahre lang. Aber eines Tages müssen sie die Kinder dann doch hergeben an das Leben: die Kinder sind groß und selbständig und gehen ihre eigenen Wege. Aber sie bleiben dennoch immer die Kinder.

Die Liebe der Eltern geht mit ihnen und läßt sie nicht los. Manchmal werden die Eltern auch enttäuscht sein über ihre Kinder. Aber sie werden sie in der Regel doch nicht ganz aus den Augen lassen. Eines Tages werden sie zu ihren Eltern zurückkehren und werden dankbar alles anerkennen, was sie von den Eltern empfangen haben.

Gewiß kann niemand mehr wieder so werden wie ein kleines Kind. Das Verhältnis hat sich doch geändert und mußte sich notwendigerweise ändern. Aber man lebt doch sein ganzes Leben über in einer Beziehung, die manchmal lockerer, manchmal fester ist, aber immer besteht.

So sind wir auch immer mit Gott verbunden. Wenn wir auch manchmal uns innerlich von ihm entfernen, so geht er uns doch mit seiner Liebe nach. Auch und gerade im Tode dürfen wir dessen sicher sein.

Erst durch der Tod hindurch erfahren wir ja ganz seine Liebe. Was uns wie ein Ende und eine Katastrophe vorkam, das ist in Wirklichkeit der Beginn eines Neuen. Dann beginnt Gott noch einmal ein Leben mit uns und läßt uns teilhaben an seiner Herrlichkeit.

Ohne Furcht können wir deshalb unserer letzten Stunde entgegengehen. Auch diese (r) Verstorbene (n) können wir ihm anbefehlen in der Gewißheit: Sie (Er) ist vom Tod in das Leben gekommen, weil Gott in Christus sein Leben für sie (ihn) gelassen hat.

 

„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen., und es auch sind!“                                                                        (1. Joh 3,1)

Elter haben ihre Kinder immer lieb. Schließlich müssen sie sie mit vielen Mühen und untergroßen Entbehrungen großziehen. Wenn man für etwas Opfer gebracht hat, da hängt man sehr daran. Und je mehr man sich eingesetzt hat, desto schwerer wird es, wen man wieder alles hergeben muß. Auch wenn ein Kind mißraten ist, hängen die Eltern doch an ihm.

Im Verhältnis zu Gott sind wir im Grunde alle solchen schwierigen Kinder. An sich waren wir ja keine Kinder Gottes, sondern eher Kinder dieser Welt. Aber er hat uns trotz allem zu seinen Kindern gemacht in der Taufe. Da hat er uns adoptiert und erst nachträglich in die Rechte eines Kindes eingesetzt. ­Wenn man einen Menschen an Kindes statt annimmt, dann muß man ihn ganz besonders lieb haben, weil man ja nicht durch die Bande des Blutes mit ihm verbunden ist. Aber Gott bringt es fertig, auch einen Menschen zu lieben, der nicht ganz nach seinem Willen geraten ist. Aber er ist auch gelegentlich sehr streng, auch wenn die

Menschen oft nicht einsehen, daß er nur das Beste für sie gewollt hat.

So fällt es uns auch schwer, in dem Tod eines Menschen noch einen Sinn zu sehen und noch zu sagen: Es war Gottes Wille. Mit den Mitteln unsres Verstandes können wir das nicht begreifen, denn der Tod ist unsinnig. Vor allem denken wir das doch, wenn ein Mensch in noch relativ jungen Jahren abberufen wurde. Wenn einer alt ist und sein Leben gelebt hat, dann wird man vielleicht sagen: Es muß eben einmal sein. Aber je jünger ein Mensch ist, desto mehr hätte man ihn noch gebraucht, desto weniger kann man seinen Verlust einsehen.

Nur im Glauben kann man ein solch schweres Schicksal tragen. Wie werden wohl Menschen damit  fertig, die nicht an Gott glauben? Wir können doch alles nur in Gottes Hände legen und darauf vertrauen, daß er es schon richtig macht. Gott weiß besser als wir ahnen können, was gut für uns ist Vielleicht wollte er die (den) Verstorbene(n) vor längerem Leiden und Siechtum bewahren. Wir wissen es nicht und dürfen auch nicht darüber spehu1ieren.  Jeder Tod in unsrer Umgebung legt uns eine Prüfung für unseren Glauben auf. Aber dadurch will er uns auch herausfordern, daß wir uns noch mehr auf ihn verlassen. Er ist schon ein echter Vater, der uns gerade lieb hat, wenn uns Schweres trifft. Deshalb sollten wir auch nicht an seiner Liebe zweifeln, wenn uns sein Ratschluß dunkel zu sein scheint.

Vielmehr könnten wir uns an das erinnern, was wir Gutes von ihm empfangen haben. Viele Jahre hat er der (dem) Verstorbenen Kraft gegeben, für ihre (seine) Familie zu sorgen, einen Beruf auszuüben und doch gar manchem Gutes zu tun. 

Daran können wir sehen, daß wir Gottes Kinder sind. Wir heißen ja nicht nur seine Kinder dem Namen nach, sondern wir sind es auch. Das zeigt sich besonders, wenn wir einmal ganz auf die Hilfe dieses Vaters angewiesen sind. Dann muß er Farbe bekennen - und dann tut er  es auch.

Gerade wenn ein Mensch gestorben ist, kann uns die Liebe des himmlischen Vaters deutlich werden. Er hat uns versprochen, daß er uns zu sich holen will in sein Reich. Er will uns nicht der kalten Macht des Todes überlassen, sondern er gibt uns Anteil  an seiner Macht und Herrlichkeit. Die Spur unsres Lebens soll nicht der Vergessenheit anheimfallen, sondern wir sind bei Gott aufgehoben in alle Ewigkeit.

Aber auch die anderen, die nun noch weiterleben dürfen, können die Liebe Gottes spüren.  Aus seinem Wort hören wir, daß mit dem Tode nicht alles aus ist. Daraus können wir Kraft empfangen, unser Leben weiterzuführen, auch wenn nun eine Lücke mitten unter uns ist. 

Wir dürfen an das Leben glauben und an den, der es uns einst gegeben hat und der es uns neu und anders geben wird nach unserem Tod: Gerade dann zeigt sich erst richtig, daß wir Gottes Kinder sind.           

Gott will nicht, daß eins seiner Kinder verloren geht. Wir haben zwar einen Menschen hergeben müssen. Aber Gott hat nur sein Kind wieder zu sich zurückgeholt. Dort wird die (der) Verstorbene gut aufgehoben sein, besser als auf dieser Erde.

Wir aber werden aufgefordert, nur umso fester auf diese Gott zu sehen. Er will uns wie ein richtiger Vater helfen, über all das Schwere hinwegzukommen. Er will daß wir alle bereifen können, was dieses Bibelwort uns sagen will: „Seht, welch eine Liebe hat uns Gott erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen und es auch sind!“

 

Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen!  (1. Joh 4, 9)

Zunächst werden wir doch sagen: Wenn ein Mensch stirbt, dann hat das nichts mit der Liebe Gottes zu tun. Im Gegenteil!  Wir sind doch in einem solchen Fall leicht geneigt, Gott anzu­klagen.

Einmal sagen wir: Warum ist das überhaupt nötig, daß ein Mensch stirbt? Warum ist es nicht so eingerichtet, daß wir ewig leben können? Warum gibt es denn immer wieder dieses Abschiednehmen und die Trennung von liebgewordenen Menschen?

Aber wir meinen auch: Warum muß ein Mensch gerade in diesem Auenblick sterben? Hätte es damit nicht noch Zeit gehabt? Oder warum hat er so ein schweres Leiden und Sterben haben müssen? Wenn es schon sein muß, warum geht es da nicht einfacher ab?

Doch die Bibel macht uns deutlich: Das ist nur das Übliche für die Menschen. Selbst Jesus, der Gottessohn, hat das Gleiche durchmachen müssen. Gott hat bei ihm keine Ausnahme gemacht.

Der Grund dafür war: Gott wollte seine Solidarität mit den Menschen zeigen. Er weiß um ihr Los und hat es sogar selber auf sich genommen. Jesus ist ganzer Mensch geworden, bis hin zum Sterben.

Aber das muß man auch tun, wenn man etwas überwinden will: Man muß es erst ganz kennengelernt haben, ehe man es von innen heraus aufrollen kann. Erst wenn Jesus selber wußte, was Sterben heißt, konnte er es auch wirklich besiegen.

Gott hätte es ja nicht nötig gehabt, sich so um die Menschen zu kümmern. Unsre ganze uns so groß erscheinende Erde  ja nur ein winziges Staubkorn in dem ungeheuer großen Weltall. Und auf dieser Erde gibt es Millionen von Menschen.

Aber Gott will sich dennoch um jeden einzelnen Menschen auf dieser Erde kümmern. Er wurde selber ein einzelner Mensch, um jede Einzelnen nahe sein zu können.

So hat er auch diese Verstorbene jetzt zu sich geholt. So wie er ihr im Leben nahe war, so wird er ihr jetzt erst recht im Tode nahe sein. Und er will auch uns, die wir noch weiterleben, in unsere Leben zur Seite stehen. Ja, auf die Lebenden kommt es im Grunde noch viel mehr an.

Wenn wir erst einmal gestorben sind, dann ist die Entscheidung schon gefallen: entweder werde wir dann ganz bei Gott sein oder wir werden nicht bei ihm sein. Während unsres irdischen Lebens sind wir noch umkämpft. Da müht sich Gott um uns und möchte uns auf seine Seite ziehen. Wir aber streben oftmals von ihm fort und möchten unsre eigenen Wege gehen.

Einmal aber wird dieser Kampf ein Ende haben, nämlich dann, wenn wir sterben müssen. Dann entscheidet Gott, ob wir für ewig bei ihm sein dürfen oder ob wir die Gemeinschaft mit ihm verwirkt haben.

Gott möchte aber, daß wir nicht nur dieses eine irdische Leben haben, sondern daß uns auch das ewige Leben geschenkt wird. Gott möchte nicht, daß wir verloren gehen, sondern daß wir für immer zu ihm gehören.

Dazu ist aber erforderlich, daß wir uns eindeutig für Ihn entscheiden. Wenn das aber der Fall ist, dann hilft er uns auch, in den Einzelheiten klar zu kommen. Denn da ist ja manches, was uns von Gott trennen könnte, manches Versagen und mancher Ungehorsam.

Aber das spielt keine Rolle, wenn wir nur zu Gott gehöre wollen. Wir können es zwar nicht ungeschehen machen. Aber Jesus hat schon längst für diese Schuld bezahlt, indem er zu den Menschen kam und den Tod der Menschen auf sich nahm.

Dadurch aber können wir leben. Wir können unser Leben hier auf dieser Erde in Glück und Zufriedenheit führen, zwar unter den Augen Gottes, aber doch in großer Freiheit. Gott gibt uns Aufgaben und Ziele und hilft uns auch, alles zu verwirklichen und mit einem Sinn zu erfüllen.

Aber Gott will uns auch noch mehr geben als die kurze Zeitspanne unsres irdischen Lebens. Gott hält das ewige Leben für uns bereit als das Ziel unsres irdischen Lebens. Darauf dürfen wir uns freuen, weil Jesus uns den Zugang zu diesem Leben eröffnet hat. Wir dürfen darauf vertrauen, daß diese(r) Verstorbene nun schon bei Gott ist. Und wir dürfen darauf hoffen, daß wir auch einmal bei diesem Gott sein werden, wenn wir uns heute und alle Tage zu ihm halten. Gott will, daß wir leben, heute schon und erst recht in alle Ewigkeit.

 

„Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm!“

 (1. Joh 4,16)

Erschrocken stehen wir vor der Tatsache, daß ein Mensch aus unsrer Mitte seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Wir fragen uns: Wie hat es dazu kommen können? Hat es denn niemand verhindern können? Was hat eine Mutter dazu gebracht, ihren Mann und ihre zwei kleinen Kinder allein zu lassen?

Wir fragen vielleicht auch: Gott, wo bist du da gewesen? Du bist doch ein „lieber Gott“ und willst den Menschen nur Gutes tun! Hast du es auch nicht verhindern können? Wir werden die Richtigkeit des Satzes anzweifeln: Gott ist Liebe! Gott wird uns eher als rätselhaft und unbarmherzig erscheinen.

Aber wir sind nicht Gott. Wir können nicht in seine Pläne schauen und heute schon wissen wollen, was er mit jedem Einzelnen von uns vorhat. Wir dürfen ihm keine Vorwürfe machen, denn er ist unser Herr, er weiß besser als wir, was für uns recht ist.

Vor allen Dingen aber dürfen wir uns nicht lieblos zum Richter aufschwingen. Das ist allein Gottes Sache. Wir können uns nur bemühen, einiges zu verstehen und daraus unsre Lehre zu ziehen. Wahrscheinlich hat jeder doch schon einmal dem Leben Schluß zu machen. Wir können Gott nur dankbar sein, daß es dann doch nicht zur Tat gekommen ist und wir vor schlimmem Unheil bewahrt worden sind.

Letztlich können wir nicht wissen, was in so einem Menschen vor sich geht. Aber es muß schon etwas Schwerwiegendes sein, das einen Menschen dazu bringt, den Tod als das kleinere Übel anzusehen. Man läßt nicht so leicht den Mann und zwei kleine Kinder allein, dazu die Eltern, die anderen Verwandten, all das, was unser Leben so ausmacht.           

Das Schlimmste ist ja auch, daß wir ihr nicht haben helfen können. Wir können diese Schuld auch nicht Einzelnen in die Schuhe schieben, sondern hier haben wir alle versagt. Weil man mit sich selbst so beschäftigt ist, übersieht man leicht die Not des anderen. Es ist ja auch tatsächlich schwer, an so einen Menschen heranzukommen. Er brauche so sehr die Gemein­schaft mit anderen Menschen und schirmt sich doch dagegen ab und sieht nur seine Probleme. Da darf man reden was man will, es wir doch nicht wahrgenommen.

Das Gespräch mit anderen könnte manches  lösen. Was dem Betreffenden wie ein unübersteigbarer Berg erscheint, ist für den anderen nur eine kleine Sache. Hier sehen wir, wie wichtig das Gespräch ist und daß es tödlich sein kann, wenn wir einen Menschen in seiner Not übersehen.   

Aber diese Frau hat selbst Gottes Wort nicht vor dem Schrecken zurückhalten können. Sie hat es doch noch kurz vorher in eindringlicher Weise gehört. Aber manchm­a1 könnte man den Eindruck haben, hier ist eine widergöttliche Macht am Werk, die den Menschen aus Gottes Hand reißen möchte.

Doch der 1. Johannesbrief hat durchaus recht, wenn er sagt: „Gott ist Liebe!“ Er hat jeden Menschen lieb, wie er auch sein mag und was er such getan haben mag. Das sollte sich jeder sagen, der sein Leben für sinnlos hält. Es gibt überhaupt nichts im Leben, das uns von Gott und seiner Liebe trennen könnte. Manche Leute haben in ihrem Hausflur einen Bibelspruch hängen, in Holz gebrannt. Dieser Spruch würde dazu sich auch gut eignen.Vie1leicht übersieht man ihn, nimmt ihn gar nicht mehr wahr. Aber er sinkt ins Unterbewußte ab und ist dann da, wenn man einmal nach so einem Wort sucht.

Gott will uns seine Liebe zeigen, gerade wenn es uns schlecht geht. Wir sollten niemals daran zweifeln, daß Gott  uns lieb hat. Es wird nur für uns darauf ankommen, daß wir an diese Liebe glauben und in ihr leiben. „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm!“

Wir können Gott immer nur bitten, daß er uns seine Liebe erkennen läßt. Dann werden wir vieles besser durch stehen, weil wir Gott bei uns und in uns haben. Er wird uns auch einen Weg zeigen, wenn wir uns in die Enge geführt meinen und verzweifelt sind.

Gott wird auch einen Weg wissen, wie es nun weitergehen soll. Hat er das eine zugelassen, da wird er jetzt auch Rat wissen müssen. Aber Gott weiß sicher unsren Weg und wird uns alle gut führen können. Auch diese Verstorbene wird von  seiner Liebe umfangen bleiben. Sie ist nun ganz in Gottes Hand, während wir uns immer noch durch Manches von Gottes ganzer Liebe fernhalten lassen. Das Schicksal dieser Frau aber sollte uns mahnen, ganz auf Gottes Liebe zu vertrauen. Er läßt uns nicht allein, sondern will immer unser Herr und Helfer sein.

 

„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!“                    (1. Joh 5,4)

Unter den Menschen gibt es immer wieder Kämpfe. Zunächst denken wir vielleicht an die Kriege, die doch eigentlich nie in der Geschichte der Menschen abgerissen sind und die unsägliches Leid über unzählige Menschen gebracht haben. Es wird um Macht und wirtschaftlichen Reichtum gekämpft und keine Seite will dabei nachgeben.

Aber auch so in unserem kleinen alltäglichen Bereich kommt es zu Kämpfen zwischen den Menschen, Man geht zwar nicht mehr mit dem Messer aufeinander los. Aber die heutigen Methoden sind auch nicht menschlicher.  Da gibt es Auseinandersetzungen mit den Nachbarn, böses Gerede, Sachbeschädigungen und mehr. Im Betrieb will einer immer mehr haben als der andere, und in der Schule gibt es Tränen, wenn ein anderer besser abgeschnitten hat. Immer ist das Bestreben: Wir wollen siegen, wir sind besser als die anderen!

Und nun heißt es hier „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!“ Soll das auch so ein Sieg sein, bei dem man über den anderen triumphiert, bei dem man ihn demütig und ganz klein macht?                       

Nun, der Sieg, den Jesus davongetragen hat, sah zunächst eher wie eine Niederlage aus. Jesus fiel doch in die Händen der Menschen, und die glaubten, einen Sieg über ihn errungen zu haben. Jesus mußte sogar sterben, und zwar den schändlichen Tod eines Verbrechers sterben. Und doch behaupten wir: Dieses Sterben war ein Sieg.

Nur dem Glaubenden wird das deutlich sein. Aber er wird dann aus dieser Überzeugung auch die Gewißheit mitnehmen: Wenn ich schon sterben muß, dann werde ich auch an der Auferstehung meines Herrn Jesus Christus Anteil haben. Ein Feldherr siegt ja nie allein, sondern seine Soldaten siegen mit ihm. Wenn er uns also vorangegangen ist, dann werden wir ihm auch nachfolgen können; das steht fest.

Nur wird es eben kein Sieg über Menschen sein, sondern der Sieg über den Tod. Aber das ist auch der wichtigste Sieg. Alle Erfolge gegenüber den Mitmenschen bringen uns doch nichts ein, denn mit nehmen kann keiner etwas.  Wenn wir jedoch mit Gottes Hilfe den Sieg über den Tod davontragen, dann sind wir auf ewig gerettet.

Was keine Macht der Welt fertigbrächte, sei es ein Mensch oder eine Sache, das könnte ja vielleicht dem Tod gelingen: daß er uns nämlich für immer von Gott ­fernhielte! Aber Gott läßt das nicht zu. Im Gegenteil: Er nimmt auch allem die Macht, was sonst in der Welt über uns Gewalt haben will. Wir unterliegen in diesem Leben gar manchen Einflüssen.

Da ist vielleicht eine Krankheit, die einem Menschen sehr zu schaffen machen und ihn nicht mehr zur Ruhe­ kommen läßt. Oder er muß die Anfeindungen anderer Menschen ertragen und für Dinge büßen, für die er nichts kann. Wieder ein anderer muß vielleicht viel Leid erfahren und etwa­ einen lieben Menschen schon vorzeitig hergeben. Der eine hat Sorgen mit den Kindern und der andere hat Sorgen mit den Eltern. Es gibt so vieles, das uns das Leben schwer macht.

Aber all das wird einmal ein Ende haben. Der Tod wird uns davon erlösen. Oder sagen wir besser: Gott wird uns davon erlösen. Er schickt uns nur den Tod, damit wir ganz bei ihm sein können. Am Ende winkt uns dann ein Leben ohne all diese Mühen des Leben. Dann kann uns nichts mehr in Unruhe versetzen, weil wir Ruhe gefunden haben bei Gott.

Das ist unser Glaube. Und das ist der Glaube, der die Welt mit ihrer Last überwunden hat. Es wird für uns nicht alles so bleiben, wie es ist. Gott wird die Not unsres Lebens wenden und uns ein neues und besseres Leben geben

In der Gewißheit des endgültigen Sieges können wir schon jetzt unser Leben führen und wissen: Der Tod kann diesem (dieser) Verstorbenen nichts anhaben, weil er (sie) das Eigentum Gottes ist. Der Tod kann auch uns nichts anhaben, denn wir stehen auf der Seite des Siegers, der stärker ist als der Tod. Er wird all unsre irdischen Feinde überwinden. Aber er wird auch den letzten und ärgsten Feind ausschalten. Das kann natürlich nur einer tun., der tatsächlich der Mächtigste ist, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Unser Herr ist dieser Mächtige. Er wird uns schon durch­ alle Gefahren hindurchbringen und uns endlich heimholen in Gottes Reich.          

 

„Es ist eine Ruhe vorhanden dem Volk Gottes!“                                                    (Hebr 4,9)

Wenn man das menschliche Leben so betrachtet, dann scheint es voller Unruhe zu sein. Man wird gehetzt und getrieben von einem Tag zum andern. Es gibt immer etwas Neues, neue Aufgaben, neue Probleme, neue Menschen, und was erst so beständig erschien, ist bald überholt. Diese Unruhe hat verschiedene Gründe:

1. Sie kommt durch unsre Arbeit, die uns von Tag zu Tag und von Woche zu Woche hetzt, ohne daß es einmal einen Ruhepunkt gibt. Es soll doch viel geleistet werden, aber das Leben kommt dabei oft zu kurz.

2. Sie kommt durch schwere Schicksalsschläge: durch den Verlust eines lieben Menschen, den wir nicht vergessen können, von dem wir uns immer vorstellen: Was wäre, wenn er jetzt noch da wäre!?

3. Sie kommt durch Krankheit, die uns nachts nicht schlafen läßt, durch immer wiederkehrende Qualen, die uns fragen lassen: Warum muß denn gerade ich das hier aushalten und anderen geht es so gut?

4. Sie kommt aber auch durch die Frage nach unsrer Zukunft und nach dem Sinn unsres Lebens. Wie wird es in der großen Politik weitergehen? Werde ich meine Pläne verwirklichen können? Ist mein Leben für einen anderen Menschen eine Hilfe?

5. Und vielleicht kommt unsre Unruhe auch daher, daß uns irgendeine verborgene Schuld quält oder daß wir immer wieder merken: Wir versagen gegenüber unseren Mitmenschen und wir versagen gegenüber Gott.    

Das ist sicherlich mit der Hauptgrund für unsre Unruhe in der Welt: Wir versagen gegenüber Gott! Wir haben uns die Hetze und die Krankheit und die quälenden Fragen oft selber eingebrockt. Daß es In unsrer Welt nicht vollkommen zugeht, hängt auch damit zusammen, daß wir nicht genug auf Gott hören.

Gott will, daß es uns gut geht.  Er hat uns diese Welt gegeben, damit wir uns an ihr freuen und sie vernünftig gebrauchen. Wir sind ihm verantwortlich für unsre Zeit und für unsre Arbeit. Keiner darf Raubbau treiben mit seinen Kräften, sonst rächt sich das nachher bitter. Einmal ist jeder am Ende; und dann soll er nicht die Schuld. bei anderen oder bei Gott suchen. „Es ist eine Ruhe vorhanden dem Volk Gottes!“ sagt uns die Bibel. Gott will, daß wir in Ruhe leben können.

Wenn das nicht so ist, dann hätte jeder mit Schuld an dieser Entwicklung. Wir können nicht einen von der­ Schuld ausnehmen oder einem anderen die ganze Schuld aufladen. Manchmal allerdings sind es fast nur die Umwelteinflüsse, die einen Menschen fertigmachen. Aber auch dann sind meist allein Menschen schuld an dieser Entwicklung.

Weil wir aber alle irgendwo einmal ihn unserem Leben schuldig werden, müssen wir auch sterben. Der Tod macht unsrem Ungehorsam gegenüber Gott ein Ende und läßt etwas ganz Neues beginnen. Das aber ist auch das Tröstliche: mit dem Tod hat alles unruhevolle, alle Krankheit und alles Leid ein Ende und wir sind wirklich erlöst, d.h. wir sind frei und los von etwas geworden, das uns vorher gefangen hielt.

Aber unsre Frage ist auch: Was kommt nachher? Bringt uns die Erlösung von irdischen  Nö­ten nicht in eine noch größere Not bei Gott? Haben wir vielleicht die Begegnung mit Gott zu fürchten?

Jener Bibelspruch heißt: „Es ist eine Ruhe vorhanden; dem Volk Gottes!“ Damit ist nicht eine rein irdische Ruhe gemeint, wie wir sie etwa durch den Tod erreichen. Die Ruhe bei Gott ist mehr: Sie ist ein ewiger Friede, der nicht wieder von uns genommen wird, weil er uns von Gott geschenkt wurde und nicht wir ihn hergestellt haben.

Es ist schön, wenn man sich nach einem Leben voller Mühen zur Ruhe setzen kann, um im Kreise der Familie seinen Lebensabend zu verbringen. Wenn man auch spürt: Hier will ein Sohn oder eine Tochter das gutmachen, was die Eltern einmal dem Kind gegeben haben. Wenn man sich so wohlfühlen darf, dann kann man schon etwas von der Ruhe merken, die uns einmal bei Gott erwartet. 

Gottes Möglichkeiten sind größer, als wir uns sie vorstellen können. Wir wissen nicht, was uns im Einzelnen erwartet. Aber wir wissen: G o t t  erwartet uns, und die Ruhe, die er bereit hält für alle, die zu ihm gehören wollen: „Es ist eine Ruhe vorhanden dem Volk Gottes!“ Das gilt gerade angesichts unsrer in Unordnung geratenen, unruhevollen Welt, in der so gar nichts nach dem Wirken Gottes in ihr aussieht. Wir aber dürfen für unser Leben aus diesem Wort Gottes die Gewißheit mitnehmen: So wie diese(r) Entschlafene nun Ruhe gefunden hat bei Gott, so können auch wir Ruhe in unser Leben und den Gang der Welt bringen, wenn wir dieses Wort immer vor Augen haben: „Es ist eine Ruhe vorhanden dem Volk Gottes!“

 

Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch not, auf daß ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfanget!                                                                                                (Hebr 10,35-36)

Es mag oft vorkommen‚ daß wir unser Vertrauer verlieren. Meist hängt das damit zusammen, daß uns ein Mensch enttäuscht hat. Wir haben viel von ihm gehalten und haben ihm unser Vertrauen geschenkt; aber dann hat er es mißbraucht und alles zerstört.

Weil wir das immer wieder einmal mit Menschen aus unserer Umgebung erleben müssen, sind wir auch mißtrauisch gegenüber Gott. Wir denken, er könnte vielleicht genauso sein wie ein Mensch und uns vielleicht im entscheidenden Augenblick im Stich lassen.

Vor allen Dingen mag uns dieser Eindruck kommen, wenn wir vor der Tatsache des Todes stehen. Daß ein Mensch sterben muß, ist schon eine große Anfechtung für unseren Glauben. Wir fragen uns doch: Wird sich nur tatsächlich erfüllen, was wir geglaubt haben? Werden wir in ein neuer Leben kommen und werden wir es bei Gott besser haben?

Es wird uns ja von manchen Seiten eingeredet, daß das alles nicht wahr sei: Es gäbe keinen Gott, der die Welt und den Menschen geschaffen hat, und entsprechend könne es auch kein Leben nach dem Tod und keine Auferstehung geben. Das sei alles nur eine Einbildung geistig beschränkter Leute, die mit etwas Vernunft und Wissenschaft leicht zu widerlegen sei.

Im Hebräerbrief aber werden wir aufgefordert: „Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat!“ Wir sollen also festhalten an dem, was uns die Bibel sagt. Nichts soll uns vor Gott trennen können, weder die eigenen Zweifel noch die Zuflüsterungen von außen und auch nicht der Tod. Keine Macht der Welt ist stärke als Gott. Deshalb lohnt es sich, auf ihn zu vertrauen.

Es kann ja leicht einmal kommen, daß man den Mut verliert. Wenn man einen Berg hinaufsteigt, möchte man es sicher manchmal aufgeben, zu mühsam und endlos ist der Weg. Nur wer es bis zum Erde durchhält, wird dann auch belohnt: Er darf die herrliche Aussicht genießen und sich freuen an dem Erreichten.

So ist unser Glaube an Gott auch einem mühsamen Aufstieg vergleichbar. Nur wer bis zum Erde durchhält, wird auch belohnt. Erst auf dem Gipfel gewinnt man die richtige Übersicht und sieht alles mit anderen Augen. Was vorher noch schwer war, erscheint nun klein und nur noch halb so schwierig.

Von Gott her werden wir dann auch unser Leben ganz anders beurteilen. Wo wir erst verzweifeln wollten, da erkennen wir nur eine Absicht Gottes. Er hat uns nur den schweren Weg geführt, um unser Vertrauen zu prüfen; er schickt uns den Tod, um zu sehen, ob wir auch dann an ihm festhalten.

Dazu gehört aber etwas Geduld und ein langer Atem. Mist sind wir zu ungeduldig und wollen gleich Erfolge sehen. Aber Gott rechnet anders. Wir möchten gleich wissen, was nach dem Tode kommt. Für Gott aber sind tausend Jahre wie ein Tag. Er möchte, daß wir auch in seinen Zeitrumen denken.

Geduld zeigt sich für uns auch darin, daß wir jetzt schon den Willen Gottes tun. Unser jetziges Verhalten entscheidet mit darüber, ob wir überhaupt zu Gott gelangen. Wer sich jetzt nicht um Gott kümmert, der sollte auch nicht erwarten, daß Gott sich dann nachher um ihn kümmert. Wir sind Gott für unser Leben verantwortlich. Nur wenn wir nach seinem Willen gelebt haben, bleibt uns eine Chance für die Ewigkeit.

Weil wir das wissen, hat mancher auch eine untergründige Angst vor dem Tode. Er fragt sich: Werde ich vor Gott bestehen können? Wird er mir meine Fehler unerbittlich vorhalten? Oder darf ich auf seine Vergebung hoffen?

Wer zu gleichgültig  in seinem Leben ist, dem ist die ganze Strenge des Wortes Gottes vor­zuhalten. Wer aber gern nach dem Willen Gottes leben möchte, jedoch immer wieder sein Versagen spürt, dem ist der Trost Gottes weiterzusagen; dann ist von der Verheißung zu reden, die über jedem Leben und Sterben steht.

So wollen wir auch hier und heute hören: „Geduld  aber ist euch not, auf daß ihr das Verheißene empfanget!“ Wer an Gott festgehalten hat trotz aller Fehler, der darf dennoch des Lohnes sicher sein: Gottes Güte ist größer als unsere Schuld.

Deshalb wollen wir auch diese (n) Entschlafene (n) in der Hand Gottes geborgen wissen. Gott hat es gut gemacht, hat sie (ihn) friedlich einschlafen lassen. Er wird ihr(ihm) auch den ewigen Frieden geben und sie (ihn) heimholen in sein Reich.

Wir aber wollen wieder an unser  Tagwerk gehen und uns bemühen, unser Vertrauen zu Gott nicht wegzuwerfen. Wir müssen Geduld haben, wenn uns die Hilfe Gottes einmal nicht gleich deutlich wird. Einst werden wir vor Augen  haben, was Gott mit uns vorhat. Deshalb gilt vor allen Dingen u n s die Mahnung: „Werfet euer Vertrauen nicht weg!“

 

Er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn                    (Hebr 11,27b) Wenn ein Mensch begraben wurde, können wir ihn nicht mehr sehen. Wir müssen diesen letzten schweren Gang  gehen, müssen dem Verstorbenen einen letzten Liebesdienst erweisen -  aber dann können wir nichts mehr für ihn oder an ihm tun. Der Tod setzt dem allen eine Grenze. Wenn er in unser Leben tritt, spüren wir seine ganze Härte.

Wenn ein Mensch schon vorher im Krankenhaus war, dann können wir ihn auch schon nur noch selten sehen. Wir merken dann schon, daß unser Leben ärmer geworden ist. Aber wir wissen immerhin: Der betreffende Mensch ist noch da, wir können ihn sehen und ihm noch etwas Gutes tun. Und selbst wenn er nicht mehr sprechen kann und wir sehen, worauf es hinauslaufen wird, so stehen wir dennoch nicht so unausweichlich vor dieser letzten harten Tatsache.    

Wenn wir zu Hause sind‚ können wir uns dennoch den Kranken vorstellen; können von ihm reden, vielleicht Briefe schreiben und ihn in unser Gebet einschließen. Wir können uns immer noch an den halten, den wir zwar nicht sehen können, aber der doch unsichtbar immer mit dabei ist.        

So ging es auch Mose mit dem Gott, der ihm am Berg Sinai erschienen war. Die anderen Völker hatten Götter, die man sehen konnte, aus Holz oder Stein und oft kostbar vergoldet und verziert. So einen Gott hatte man vor Augen, zu dem konnte man sprechen, auch wenn er nicht antwortete. Aber man hatte doch wenigstens etwas in der Hand.    

Aber der Gott des Mose blieb unsichtbar, blieb verborgen in einer Wolke oder Feuersäule. Aber dennoch vertraute Mose ihm allein, weil er der wahre und lebendig Gott ist. An ihn hielt er sich, obwohl er ihn nicht sah, und es kam ihm so vor, als sähe er ihn doch.      

Es gibt eben noch ein anderes Sehen als das mit den Augen. Man kann auch eine Sache oder einen Menschen mit dem Herzen erfassen, so daß er wie ganz lebendig vor einem steht, auch wenn man ihn nicht wirklich  sehen kann. So sieht es jedenfalls auch der Hebräerbrief, wenn er zurückblickt auf die Wolke der Zeugen aus dem Alten Testament. Aber er kann dann auch auffordern: „Laßt uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens (Heb. 13,2).         

Aber wir werden vielleicht sagen „Jesus können wir doch auch nicht sehen!“ Ja, wir können ihn nicht mit unseren Augen sehen. Aber er ist dennoch da, er ist der Auferstandene und der Lebendige, auch wenn er heute nicht mehr persönlich unter uns ist.

Das ist wie bei einem Schiff, das auf dem Meer hinter dem Horizont verschwindet. Dann ist es nicht einfach weg. Wir können es nur im Augenblick nicht sehen. Aber in Wirklichkeit setzt es unbekümmert seine Fahrt fort und wird sein Ziel erreichen. Wenn wir ihm nachfolgen, vielleicht mit einem Flugzeug, dann werden wir es wieder sehen können.  Oder wenn wir lange genug warten, dann kommt es auch wieder und ist wieder zu sehen. So geht es uns ja auch mit der Sonne, die auch dann da ist, wenn der Himmel bedeckt ist oder wenn es Nacht ist.

So ist es auch mit unseren Verstorbenen. Der Tod ist wie der Horizont, hinter dem einer verschwindet. Aber er ist noch da, nur unseren Blicken entzogen. Wir werden ihn erst wieder sehen, wenn wir ihm den gleichen Weg nachgefolgt sind.     Es gibt keinen Beweis für ein Weiterleben nach dem Tode, keine für uns sichtbare Auferstehung. Und doch können wir dem Wort Gottes vertrauen, der uns die Auferstehung verheißt. Dann ist uns das Nicht-Sichtbare doch eine Wirklichkeit, so als hätten wir alles vor Augen.

Wer glaubt, der braucht keine Beweise, der weiß, daß es so ist, wie es in der Bibel steht.

Dann kann man auch in einem gewissen Sinne noch mit einem Verstorbenen reden, nicht mit Worten, die man mit den Ohren aufnehmen kann, aber doch so, daß noch eine Verbindung da ist. Man fordert die Angehörigen manchmal auf, im Sinne des Verstorbenen weiterzuleben. Da ist auch etwas dran, da merkt man, daß der Verstorbene immer noch zu einem spricht und das Leben mit bestimmt.

So dürfen sie, liebe Angehörige auch versuchen, nach vorne zu schauen. Der Verstorbene ist nicht mehr so da wie früher, aber er ist auch nicht einfach spurlos verschwunden. Jesus Christus ist für uns ja auch eine Wirklichkeit, auch wenn wir ihn nicht sehen können. Wenn wir auf ihn vertrauen, werden wir auch mit dem Leid in unserer Mitte fertig werden.

 

„Lasset uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens!“

 (Hebr. 12,2)

Wir stehen am Beginn eines neue (Kirchen-) Jahres. Wir blicken aber auch auf den Anfang und das de eines Lebens. Und in beiden Fällen soll uns gesagt sein: Lasset uns aufsehen auf Jesus!

Die Jahre unsres Lebens gehen vorüber wie im Flug. Manche Hindernisse und Gefahrenstellen tun sich au£. In keinem Leben geht alles so glatt, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte. Man kann nichts fest einplanen, weil der Mensch denkt und Gott lenkt. Es gibt manche Menschen und manche Ereignisse, die uns von Gott abbringen möchten.

Da gilt es, fest und unerschütterlich auf Jesus zu sehen. Er ist wie ein  Leuchtturm am Meer, der den richtigen Weg zeigt durch die Klippen und Sandbänke und Stürme des Lebens hindurch. Wer Jesus fest im Auge behält, der gelangt auch ans Ziel seines Lebens.  

Das gilt besonders für den letzten Abschnitt. Da hat es mancher alte Mensch schwer, weil er einsam wird, weil sich allerhand Beschwerden einstellen, weil man nicht mehr so kann, wie man möchte. Dann gilt es, den Mut nicht zu verlieren und sich immer wieder stärken zu lassen durch das Wort Gottes. Das allein kann uns helfen gegen unsre Angst vor dem Tode, aber auch gegen die Trauer, die sich bei den Angehörigen einstellt.

Auch als christliche Gemeinde sehe wir auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glau­bens. Da es die christliche Kirche gibt, verdanken wir ihm. Aber er wird sie auch zu einem Ende und Ziel führen in der Zeit dieser Welt hat die Kirche noch manche Schwächen; aber einst wird sie mit Gottes Hilfe rein und herrlich dastehen.

Hierin gleichen sich das Schicksal des Einzelnen und das Schicksal der Kirche: Wir erleben Versagen, aber Gott hilft, es zu überwinden. Ziel ist die Gemeinschaft mit Gott in Ewigkeit. Wer zur Kirche gehört, tritt in Verbindung mit Jesus. Er hat damit auch zuerst die Chance, die Seligkeit zu empfangen. 

Begonnen hat das schon mit der Taufe. Da hat uns Jesus zum Anfang unsres Glaubens verholfen. Allein könnten wir nicht darauf kommen, daß es einen Gott gibt, der uns das ganze Leben über begleiten will. Das muß uns gesagt und durch eine Handlung wie die Taufe bekräftigt werden.

Aber das hat dann auch seine Gültigkeit für das ganze Leben. Oft müssen wir doch Schweres im Leben durchmachen, das wir uns nicht gewünscht haben und das wir auch nicht verschuldet haben. Da ist dann oft der Glaube die einzige Hoffnung.

Wenn es nicht mehr weiterzugehen scheint, dann macht uns Gottes Wort doch wieder Mut und zeigt uns einen Ausweg. Oft finden wir auch Menschen aus der christliche Gemeinde, die ratend und helfend zur Seite stehen, dann kommt es dann oft doch nicht so schlimm.      Aber auch gerade am Ende unsres Lebens wird uns dann Hilfe werden. Jesus ist auch der Vollender des Glaubens, d.h. durch ihn wird verwirklicht, was wir unser Leben über geglaubt haben. Wenn wir bei ihm sind, werden wir wissen, ob das alles so stimmt, was man uns erzählt hat und was wir für Wahrheit genommen haben.

Jesu  kann uns unsre Hoffnung erfüllen, weil er uns den Weg vorangegangen ist. Er hat auch die Sorgen und Nöte der Menschen durchgemacht. Er hat alles auch erleiden müssen, was Menschen leiden müssen. Aber er ist durch den Tod hindurchgekommen zu einem neuen Leben mit Gott.

Daraus dürfen wir die Hoffnung schöpfen, daß wir ihm folgen werden und zu dem gleichen Ziel gelangen werden. Wir müssen nur den Blick fest auf ihn richten, gerade wenn es ans Sterben geht. Es könnte ja sein, daß wir uns im letzten Augenblick noch verwirren lassen und das Ziel noch ganz verfehlen.

Wer aber festhält an Jesus, der wird auch die Vollendung seines Glaubens und seines Lebens erfahren. Er darf ruhig dem Ende seines Lebens entgegensehen und darf wissen: Mit dem Tode ist nicht alles aus, sondern wir dürfen uns auf ein neues Dasein bei Gott und mit Gott freuen.

Wenn diese (r) Verstorbene am Glauben festgehalten hat - wie wir hoffen - dann können wir sie (ihn) getrost den Händen Gottes überlassen. Sie (Er) hat ihr (sein) Leben gelebt und nun den Lauf vollendet. Wir aber wollen ganz in ihrem (seinem) Sinn aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Dann wird auch unser Leben einen Sinn gehabt haben und zu einem guten Ende führen.

 

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“

 (Hebr. 13,14)

Plötzlich wird ein Mensch aus unsrer Mitte gerissen. Gewiß, er hatte ein gesegnetes Alter. Aber wenn er nun nicht mehr da ist, hinterläßt er doch eine empfindliche Lücke. Der vertraute Anblick, die gewohnten Bewegungen, sind nicht mehr. Dann wird uns deutlich, daß wir auf dieser Erde keine bleibende Stadt haben.

Gewiß haben wir hier eine sehr schöne Stadt, in der wir wohnen. Und der Verstorbene hat sein ganzes Leben (lange Zeit) in dieser Stadt wohnen können. Wir wollen auch hoffen, daß diese Stadt noch lange Bestand haben wird. Aber wir werden nicht ewig in ihr bleiben können, weil unser Leben ja begrenzt int.

Sicher rechnen wir alle damit, daß wir einmal Abschied nehmen müssen. Aber wenn es dann soweit ist, fällt es doch schwer. Der Tod ist aber unser menschliches Geschick. Man könnte manchmal verzweifeln, wenn so einer nach dem andern nicht mehr da ist.

Wir müssen alle sterben, weil wir sündige Menschen sind. Jeder Tote erinnert uns an unsern eigenen Tod. Wir sind ja nur auf der Wanderschaft durch diese Welt. Unser Leben spult sich so ab von einer Station zur anderen. Am Ende wartet dann der Tod auf uns.

Doch wenn wir hier eine Trauerfeier halten, dann geht es dabei nicht mehr so sehr um die den Toten, denn die (der) ist ja nun schon bei Gott. Wir, die Lebenden, sind hier angesprochen, um auf Gottes Wort zu hören, das uns an unseren eigenen Tod und an Gottes Gericht erinnern will. Es will uns sagen: „Wir haben hier keine bleibende Stadt!“

Viele Menschen meinen ja, sie hätten sich eine bleibende Stadt geschaffen. Sie vertrauen auf das, was sie in ihrem Leben geleistet haben. Ihre Arbeit hat viele Werte geschaffen, sie haben manches Vermögen gesammelt, die haben den Menschen manches Gute getan, die Kinder sind wohlgeraten und mancher hat auch im öffentlichen Leben sich Verdienste erworben.

Etwas Wahres ist ja auch dran an solchem Denken: Wenn einer Gutes getan hat im Leben, wird er mit Recht eher im Gedächtnis der Menschen bleiben. Dennoch sollte niemand meinen, sich dadurch auf jeden Fall das Andenken der Nachwelt sichern zu können.

Wenn einer erst einmal aus dem Arbeitsprozeß heraus genommen ist, wird sofort deutlich, daß er ersetzt werden kann. Und wenn einer aus Alters- oder Krankheitsgründen sich nicht mehr an der großen Gemeinschaft der Menschen beteiligen kann, ist er bald aus dem Gedächtnis der anderen verschwunden.

Wir erschrecken manchmal darüber, wie schnell wir den Namen eines Menschen vergessen und oft noch schneller sein Gesicht. Wir möchten jedem Verstorbenen ein gutes Andenken bewahren, aber unser Leben muß halt auch weitergehen. Die unmittelbaren Angehörigen werden einen Verstorbenen immer vor Augen haben. Aber die anderen werden zur Tagesordnung übergehen.

Aber wir wollen nicht nur auf den ersten Teil dieses Bibelwortes hören: „Wir haben hier keine bleibende Stadt!“ Der Vers geht ja noch weiter. „. ..sondern die zukünftige suchen wir!“ Wir können den Verstorbenen getrost seiner Ruhe überlassen. Wir können auch zuversichtlich wieder an unser Tagewerk gehen. Denn wir wissen: Der Tod ist nicht das Letzte für uns!

Gewiß, unser irdisches Leben ist damit unwiderruflich abgeschlossen. Aber Gott hat doch noch andere Möglichkeiten: Unser Leben in der Gemeinschaft mit Gott hat mit dem körperlichen Tod noch kein Ende gefunden. Gottes Geschichte mit jedem von uns geht noch weiter.

 

Gerade angesichts des Todes dürfen wir die Botschaft von der Auferstehung verkündigen. Das ist eine große Gewißheit, die wir mit sicherer Überzeugung vertreten dürfen. Nichts ist so sicher für uns wie die Auferstehung, weil Gott die zukünftige Stadt schon für uns vorbereitet hat.

Vielleicht wird sie unsrer irdischen Stadt ähnlich sein. Aber sicher wird auch vieles anders sein. Vor allem aber werden wir dort mit Gott zusammenwohnen in ungetrübter Gemeinschaft und Freude. Er hat den Tod besiegt und wird uns in ein neues Leben führen.

Deshalb können wir auch getröstet weiterleben im Vertrauen auf Gottes Zukunft. Wir sind im Leben und im Tod die Kinder Gottes, die zu ihm kommen und bei ihm bleiben dürfen. „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“

 

,,Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin ­lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit!“      (Offb. 1,17)

Gott ist der Erste in unserem Leben, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht. Er hat uns geschaffen und in die Welt kommen lassen. Er entscheidet darüber, daß wir überhaupt leben dürfen. Eltern, die das wissen, bringen ihr Kind zur Taufe, damit Gott es auch äußerlich sichtbar als  s e i n  Kind annimmt. Aber auch wenn ein Kind nicht getauft ist, steht Gott doch über dem Leben dieses Menschen, zum Guten oder zum Bösen.

Genauso ist es mit dem Ende des Lebens: Gott ist auch der Lenzte in unserem Leben. Gar mancher meint, er könne sein ganzes Leben ohne Gott auskommen, und lebt, als gäbe es Gott gar nicht. Doch Gott behält jeden im Auge und läßt ihn nie ganz laufen. Wir können uns weit von ihm entfernen; aber am Ende ist er doch da.

Das ist eigentlich ein Trost für uns: All die Kräfte, die uns von Gott wegtreiben wollen, müssen am Ende doch unterliegen. Gott ist stärker als alle seine Widersacher und sorgt schon dafür, daß wir am Schluß doch wieder in seine Hände fallen.

Allerdings ist damit nun nicht gesagt, daß dieses Ende immer gut sein muß, wie es in dem Sprichwort heißt: Ende gut, alles gut.! Gott kommt zum Heil  u n d  zum Gericht, und er allein entscheidet, ob das Ende gut oder schlecht war. Eigentlich könnte er uns ja nur verdammen, denn keiner vom uns lebt so, wie Gott es von ihm erwartet. Jeder Mensch wird einmal ungehorsam und entfernt sich von Gott. Jeder hätte seine Strafe verdient. Und deshalb haben wir ja auch alle Angst vor dem Tod. Wir können auch nicht speku1ieren: Mit Gott hat es noch Zeit! Und die Kirche ist ja kein Frosch, die hüpft uns schon nicht weg. Wenn ich alt bin und es ans Sterben geht, dann ist dazu immer noch Zeit. Wer so denkt, der kann sich auch bitterböse verrechnen. Wir Menschen haben ja darüber nicht zu entscheiden.

Mancher macht noch Pläne für das nächste Jahr und dann wird er von einer Minute zur anderen abberufen. Wir haben unser Leben nicht in der Hand und können es nicht sichern. Wenn Zeit und Stunde gekommen sind, müssen wir gehen, ob wir wollen oder nicht.

Gott aber sagt trotz allem: Fürchte dich nicht! Auch vor dem Tod brauchst du dich nicht zu fürchten, denn ich bin der Lebendige. Gott kennt unser Versagen, unsre bösen Gedanken und unsren Ungehorsam. Aber er sagt: Auch das kann dich nicht von mir trennen. Zwar hättest du den ewigen Tod dafür verdient. Aber Jesus hat ja deine Strafe auf sich genommen und dir dadurch das Leben geschenkt. Dieser Jesus Christus war ja auch tot. Aber Gott hat ihn wiederlebendig gemacht, so daß er jetzt wieder bei Gott ist und inmitten seiner Gemeinde lebendig da ist.

Natürlich wird auch unser äußerlicher Leib vergehen. Aber Gott kann jeden von uns zu einem neuen Leben erwecken und zu einem neuen Menschen schaffen. Gott hat uns ja auch in der Geburt das Leben und einen Körper gegeben. Wie sollte er uns da nicht nach dem Tode noch einmal ein neues Leben und einen neuen Leib schenken können?

Doch es wird darauf ankommen, nicht nur an einigen Punkten des Lebens eine Berührung mit Gott zu. haben, etwa zur Taufe, Konfirmation oder Trauung. Wichtig ist, daß man ständig in Verbindung mit ihm bleibt. Gott ist nicht nur der Erste und der Letzte, sondern er will unser ganzes Leben wie mit einem Bogen umspannen. Bei einem Bogen kommt es  auch nicht nur auf die beiden Endpunkte an, sondern darauf, daß er in jedem Punkt stark ist und kräftig gespannt werden kann. Nur so ist er ja etwas wert und kann in Gebrauch genommen werden.

Wer sich in seinem ganzen Leben zu Gott gehalten hat, den wird er auch halten im Tod und diesen Lebensbogen fortführen auch über den Tod hinaus. Er sagt uns: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Möchten wir doch alle erkennen, daß Gott uns im Tod begleiten will.

 

Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!                                                                                                                                            (Offb 2,10)

Es ist nicht immer leicht, Gott bis in den Tod treu zu sein. Wir brauchen da gar nicht an die Menschen zu denken, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Das gilt zum Beispiel auch für einen Menschen, der  gelähmt ist, ganz auf die Hilfe seiner Angehörigen angewiesen ist und eigentlich nur noch auf den Tod warten kann.

Da kommen dann schon die Fragen: Warum hat es gerade mich getroffen? Was habe ich Böses getan? Soll ich durch die Krankheit von Gott weggerissen werden? Warum erlöst Gott mich nicht von meinem Leiden? Solche Fragen kommen doch ganz unwillkürlich.

Aber so fragt man sich sicher auch in dem anderen Fall, wenn jemand verhältnismäßig plötzlich aus dem Leben abberufen wurde. Der Abschied ist in jedem Fall schwer für uns, ob einer nun ein langes Krankenlager gehabt hat oder ob es sehr schnell gegangen ist. Wir kommen doch immer wieder in Schwierigkeiten mit unserem Glauben.

Vor allen Dingen macht uns auch zu schaffen, daß es überhaupt den Tod gibt. Ein Abschied ist immer schwer, auch wenn man schon damit hat rechnen müssen. Es betrifft uns eben doch, wenn es so weit ist. Wir möchten doch noch zusammen bleiben, möchten noch mit dem anderen sprechen und uns mit ihm aussprechen können. Und wir möchten auch unsere Lebensgewohnheiten beibehalten können. Der Tod wirft oft alles über den Haufen, er zerstört unsere Pläne und bringt uns in Anfechtungen und Sorgen.

Deshalb hat es schon seine Berechtigung, wenn wir durch diesen Bibelspruch ermahnt werden: „Sei getreu bis in den Tod!“ Eigentlich ist das ja einer Gemeinde gesagt, die hart verfolgt wird. Sie wird dadurch zum Aushalten aufgerufen und zur Standhaftigkeit im Leiden aufgefordert. Vor allen Dingen aber soll sie an ihrem Glauben festhalten.

Aber warum sollte das nicht auch für uns gelten, die wir doch auch durch den Tod in Anfechtung geraten? Es ist ja  u n s gesagt, die wir weiterleben. W i r  suchen heute im Wort Gottes Trost und Hilfe. Der (Die) Verstorbene kann es ja doch nicht mehr hören, er (sie) hat es zu seinen       (ihren) Lebzeiten hören können. Nur solange wir leben, können wir das Wort Gottes auf uns beziehen, nachher ist es zu spät. Wer es aber hier in diesem Leben gehört hat, der darf auch sicher sein, daß er in Ewigkeit nicht bei Gott vergessen ist.

Jedenfalls dürfen wir diesen Bibelspruch nicht als eine Zensur über das Leben des (der) Verstorbenen verstehen. Ob er (sie) wirklich bis in den Tod getreu geblieben ist, das kann nur Gott entscheiden. Er ist unser aller Richter und er allein kann ein Urteil über uns abgeben.

Wir dürfen nur die Hoffnung mitnehmen: Wer sich hier zu ihm gehalten hat, der wird auch dort nicht vergessen sein. Und wenn wir hier vielleicht auch manches falsch gemacht haben, so ist Gottes Gnade doch größer als unsere Schuld. Er kann unser Versagen zudecken und

uns wieder zu Menschen machen, die zu ihm gehören dürfen.

Auf die Mahnung folgt ja die Verheißung: „….so will ich dir die Krone des Lebens geben!2 Die Krone ist ja das Höchste, darüber hinaus gibt es nichts mehr. Was ist wohl für uns das höchste Ziel? Viele werden sagen: die Gesundheit! Andere wieder meinen: Glück und Zufriedenheit! Vielleicht sind aber auch für manchen wohlgeratene Kinder oder ein schönes Haus oder Erfolg im Beruf das Höchste im Leben.

Die Bibel aber sagt uns: die Krone des Lebens ist das Leben bei Gott. Wer diese Krone hat, der hat Macht über vieles. Der kann sogar mit Gottes Hilfe den Tod überwinden, so daß er keine Gefahr mehr für den Glauben darstellt.

Diese Verheißung Gottes wollen wir heute ganz kräftig aus diesem Bibelspruch heraushören. Auch wenn wir jetzt durch den Tod betroffen sind, so dürfen wir doch auf Gott vertrauen, der unser aller Leben in der Hand hält. Seine Möglichkeiten reichen über den Tod hinaus, weil er der Herr ist auch über den Tod.

Wer fest im Glauben geblieben ist und sich zu diesem Herrn gehalten hat, der kann auch seiner letzten Stunde getrost entgegengehen, ob sie nun plötzlich kommt oder sich langsam ankündigt. Wer getreu geblieben ist, der wird auch die Krone des Lebens erlangen.

 

Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme

                        (Offb. 3,11)

Gott tritt oftmals sehr bald in unser Leben. Vielleicht haben wir uns im Augenblick noch sehr sicher gefühlt, es ging alles so ziemlich ohne Gott. Warum auch nicht? Gott läßt es zunächst zu und läßt uns gehen. Aber eines Tages stehen wir unausweichlich vor ihm - und dann trifft es uns vielleicht sehr plötzlich.

Deshalb wird uns hier eingeschärft: „Siehe, ich komme bald!“ Es mag sein, daß das Ende der Welt  noch in weiter Ferne ist, daß die Zeit sich dehnt und kein Ende zu haben scheint. Es sieht so aus, als ginge alles so wie jetzt weiter bis in alle Ewigkeit.

Aber zumindest für unser persönliches Leben kommt einmal der letzte Tag. Das Ende der Welt kann uns gleichgültig sein. Aber nicht gleichgültig wird uns unser persönliches Ende sein. Darauf möchten wir doch gewappnet sein, damit es uns nicht überrascht.

Obwohl sich das eigentlich jeder sagen müßte, schiebt er den Gedanken an den Tod weit von sich, ob er nun jung oder alt ist. Wir wollen das nicht wahrhaben, wir möchten ewig leben, aber der Tod kommt unausweichlich.

Deshalb ist die Mahnung der Bibel schon am Platz: „Ich komme bald!“  Es kann erst in 10 oder 20 oder in 50 Jahren sein. Es kann aber schon morgen oder heute oder in der nächsten Sekunde sein.

Wie oft muß man es erleben, daß ein Mensch morgens kerngesund aus dem Haus geht und abends bringt man ihn tot zurück. Auch wenn jemand  alt ist, auch wenn einer schon lange krank ist, kommt der Tod oft noch plötzlich. Wir können eigentlich nur dankbar sein, wenn er sich durch eine Krankheit ankündigt; da können wir doch wenigste die Chance nutzen und uns recht vorbereiten.

Manchmal ist ein schneller und schmerzloser Tod gar nicht so der schönste. Für manchen ist es sicher besser, wenn er sich lange genug überlegen und durchdenken kann, was nun kommt.

Vergessen wir doch nicht: Es ist ja nicht der Tod, der uns begegnet, sondern es ist Gott selber, der uns in sein Reich holt. Auf Gott sollten wir deshalb unsere Augen ausrichten und von ihm alles erwarten. Er ist nämlich mächtiger als der Tod und will uns zu einem neuen Leben erwecken.

Auch das wird nicht in alle Ewigkeit verschoben, sondern es wird bald geschehen. Gott möchte doch in ständiger Gemeinschaft mit uns sein. Er kann gar nicht anders, als uns zu neuem Leben zu erwecken, wenn ihm deutlich geworden ist, daß wir zu ihm gehören möchten und uns auf sein Kommen freuen.

Wie können wir uns nun recht auf Gott und auf den Tod vorbereiten? Das möchten wir vielleicht doch auch noch wissen, damit wir nichts falsch machen. Aber Einzelanweisungen werden uns eben auch nicht gegeben. Es heißt nur: „Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme!“

Was haben wir denn, was wir festhalten könnten? Nun, in der Taufe hat Gott uns allen seine Hilfe zugesagt. Er hat von vornherein erklärt: Ihr gehört zu mir, niemand kann euch von mir wegreißen, auch der Tod nicht. Im Gegenteil: Er treibt euch nur noch tiefer in meine Arme.

Bei der Taufe hat Gott uns gewissermaßen eine unsichtbare Krone aufgesetzt. Diese zeigt einmal an, daß wir zu Gott gehören. Aber sie macht uns auch zu Königen, die selbst über den Tod herrschen sollen. Zwar ist diese Macht von Gott abhängig, aber sie stellt uns doch weit über alle Geschöpfe der Natur und macht uns zu Kindern Gottes.

Für uns geht es nur darum, diese Krone zu bewahren. Mancher will sie uns streitig machen, will uns einreden: Es ist doch nichts mit Gott. Wenn es ihn geben sollte, dann wird er doch nicht helfen!

Dagegen gilt es fest zu bleiben und fest zu halten, was uns gegeben ist. Wir brauchen uns ja gar nichts zu erringen, es ist doch schon alles da, Gott hat es uns längst geschenkt. Wer an Gott und seinen Verheißungen festgehalten hat, braucht nichts zu fürchten, auch nicht der Tod. Er kann getrost seiner letzten Stunde entgegengehen, weil er weiß: .Es kommt ja doch nur der Herr!

 

Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach!   (Offb. 14,13)

Was Arbeit ist, wissen wir alle. Jeder hat eine Tätigkeit, die er zum eigenen Nutzen und zum Wohle anderer ausübt. Und wenn einer sich vor der Arbeit drücken will, dann wird er von den anderen schief angesehen. Aber die meisten empfinden doch Befriedigung wenn sie ihr Tagwerk getan haben. Und so hat auch der (die) Verstorbene gewußt, was Arbeit ist.

Dennoch ist die Arbeit unseres Lebens einmal zu Ende. Für manchen ist das ein schwerer Krick, wenn er aufhören muß, weil er nicht mehr kann. Irgendwie ist das ja doch ein Zeichen dafür, daß nicht nur das Ende der Arbeit, sondern auch das Erde des Lebens näher gekommen ist.

Es ist gut, wenn man dann getrost von seiner Arbeit ruhen kann. Dann ist doch Gelegenheit, noch einmal über alles nachzudenken, was das Leben so ausmacht und was wirklich wichtig ist im Leben. Alles hat seine Zeit, die Arbeit und das Ruhen; es ist gut, wenn beides zum Zuge kommt. Gott will, daß wir arbeiten, aber er will genauso, daß wir auch einmal ruhen.

Hier kann man oft schon ablesen, ob ein Leben gesegnet ist. Wer Zeit seines Lebens ruhelos und ratlos war, der steht sehr in der Gefahr, Gott darüber zu vergessen. Deshalb ist es gut, wenn wir uns immer wieder Gottes Wort vorhalten lassen, weil es uns diesen anderen Bereich unseres Lebens deutlich macht.

Hier im Buch der Offenbarung heißt es: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben!“  Nicht alle Toten sind schon an sich selig. Mancher mag zwar sagen: „Ja, die Toten haben es gut. Die haben der Kampf des Lebens hinter sich die haben schon ihre Ruhe. Das ist hier nicht gemeint, das ist zu sehr vom Menschen aus gedacht.

Das Sterben und damit auch das Leben hat nur dann einen Sinn gehabt, wenn es im Herrn geschehen ist. Darauf muß man sich sein ganzes Leben vorbereiten, denn dazu ist es ja da. Es ist dazu da, die Verbindung  zu Gott zu suchen, in Verbindung mit ihm zu bleiben und von ihm her Kraft für jeden neuen Tag zu empfangen. Nur mit Gottes Hilfe können wir im Grunde unser Leben durchstehen, denn es ist ja nicht immer nur Sonnenschein, sondern oft auch von trüben Tagen erfüllt.

Gerade dann ist es gut, wenn man weiß: Nicht von uns  aus können wir unser Versagen und die Schuld anderer Menschen überwinden, sondern Gott muß und will uns da helfen. Wir brauchen der Kampf unsres Lebens nicht allein durchzustehen, sondern wir haben Gott auf unserer Seite, wenn wir ihn nur darum bitten.

Sterben müssen wir alle. Aber ob es ein gesegnetes Sterben ist oder nicht, das macht schon einen Unterschied. Segen  das bedeutet, mit sich selbst, mit der Welt und vor allem mit Gott im reinen sein. Wer das von sich sagen kann, der kann auch im Frieden die Augen schließen.

Er wird dann auch die Arbeit seines Lebens und seine Werke richtig einschätzen. Wenn es hier heißt: „…denn ihre Werke folgen ihnen nach!“ dann sind damit nicht die äußerlich sichtbaren Leistungen gemeint, das was man vorzeigen, und in seinem Wert genau einschätzen kann, sondern die sogenannten „guten Werke“, also das, was man anderen zugute getan hat.

Es ist sicher gut, wenn man darauf achtet, daß solche Werke da sind. Nicht daß man damit Gott bestechen könnte . Wir bleiben immer fehlerhafte Menschen und sind auf die Vergebung Gottes angewiesen. Aber es hilft doch mit, einen Sinn in unserem Leben zu finden, wenn wir auch anderen Gutes getan haben.

Wir wollen dankbar sein für dieses Leben, das zu Ende gegangen ist. Wir wollen aber vor allem Gott danken  für alles, was er dem (der) Verstorbenen Gutes getan hat im Leben. Jetzt ist er (sie) heimgerufen worden in die ewige Ruhe, um der Auferstehung der Toten entgegenzusehen.

Unsere Aufgabe wird es bleiben, „im Herrn“ zu leben, damit wir auch eines Tages „im Herrn“ entschlafen können und Ruhe finden bei Gott. Jeder Tod mahnt uns an unseren eigenen Tod und erinnert uns daran, daß dieses irdische Leben nicht das einzige ist, was wir zu erwarten haben.

Weil wir diese Hoffnung haben, sind wir selig zu preisen. Deshalb können wir auch diesen (diese) Verstorbenen hergeben an den Tod in der Gewißheit, daß er (sie) es nun besser hat. Und wenn einmal unsere letzte Stunde kommt, dann können wir nur darum bitten, daß wir „im Herrn“ entschlafen dürfen und Ruhe finden bei Gott.

 

Ich sah die Toten stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Und ein anderes Buch ward aufgetan, das ist das Buch des Lebens          (Offb 20, 12).

Das ist so ein gängiges Bild von dem Buch des Lebens, in das alle unsre Taten eingeschrieben werden, die guten und die schlechten. So wie ein Arbeitgeber eine Personalakte über seine Mitarbeiter führt, so könnte es auch eine Akte über unser ganzes Leben geben. Da finden sich unsre Zeugnisse und Auszeichnungen, aber auch negative Beurteilungen und Abmahnungen. So vielfältig wie das Leben ist, so abwechslungsreich ist auch eine Übersicht über die einzelnen Anschnitte unsres Lebens.

Sicherlich dürfen wir uns das alles nicht so vorstellen, als gäbe es da einen Gott im Himmel, der peinlich genau über unser Leben Buch führt und alles kleinlich vermerkt, was so passiert ist, vor allem natürlich das Negative, damit es nicht vergessen geht. Gott hat kein goldenes Buch, das hat er nicht nötig. Aber er kennt natürlich unser Leben bis in seien hintersten Winkel hinein. Doch er bewahrt nicht alles auf, um es uns eines Tages vorzuhalten, sondern er will uns letztlich helfen zu einem neuen Leben.

Aber bildlich gesprochen ist dieser Gedanke mit dem Buch doch sehr anschaulich. Man muß es eben als ein Bild verstehen, als einen Vergleich mit Dingen aus unserem Alltagsleben, damit wir leichter verstehen, was gemeint ist. Der Verstorbene und seine Familie haben ja Zeit ihres Lebens mit wirklichen Büchern zu tun gehabt. Deshalb habe ich einmal nachgesehen, wo in der Bibel von einem Buch oder von Büchern die Rede ist. Und da gefiel mir besonders dieser Vers aus dem Abschnitt über das große Weltgericht in der Offenbarung des Johannes, der unmittelbar vor dem Abschnitt über das neue Jerusalem steht, den ich vorhin verlesen habe.

In der Zeit der Filme, Tonkassetten und der Computer ist ein Buch schon etwas Besonderes. Besonders die alten Bücher sind ein besonderer Schatz. Wieviel Mühe hat doch das Setzen der Buchstaben eines Textes gemacht. Wie umständlich war doch die Umsetzung eines Bildes in eine Druckvorlage. Mit wieviel Liebe und Geschick mußte ein solches Buch eingebunden werden. Ich kann mich jedenfalls besonders für alte Bücher begeistern und begegne ihnen mit Ehrfurcht. Und deshalb finde ich auch dieses Bild vom „Buch des Lebens“ durchaus gelungen.

Manche Menschen führen ja ein Tagebuch, dem sie auch verborgene Seiten ihres Lebens anvertrauen. Oder sie halten Erinnerungen an schöne Urlaubstage fest. Akten sollten wir sorg­fältig aufheben, denn viele wie Geburtsurkunde oder Heiratsurkunde werden immer wieder gebraucht. In das Tagebuch schreiben nur wir selber hinein. In das Buch unseres Lebens aber schreibt auch Gott mit hinein. Da steht dann auch manches drin, was wir uns nicht freiwillig ausgesucht hätten. Unser Leben ist nicht nur auf gerade Linien geschrieben. Da gibt es auch manche Unfälle und Schicksalsschläge.

Erst sind die Seiten im Buch des Lebens noch leer. Aber dann werden sie mit jedem Tag mehr gefüllt. Und eines Tages ist das Buch dann voll und es wird geschlossen. Am Ende aber werden wir vielleicht doch sagen können: Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade. Wir haben die krummen Linien gezogen, aber mit Gottes Hilfe gibt es am Ende doch ein gutes Schriftbild.

Wenn es so weit gekommen ist, dann sollten wir nicht nur traurig sein. Sicher ist es schlimm, wenn ein Mensch diese Welt verlassen muß, wenn man nicht mehr in Verbindung zu ihm treten kann, wenn unser Leben ärmer wird. Aber man muß dabei auch bedenken: Wenn das eine Buch voll geschrieben ist oder wenn wir ein Buch durchgelesen haben, dann wird ein neues aufgeschlagen.

So beginnt auch mit dem Tod eines Menschen sein neues Leben. Wir dürfen es neugierig erwarten, so wie wir auf das Erscheinen eines begehrten Buches warten. Es ist uns versprochen, daß es spannend ist, daß es wertvolle Gedanken enthält, daß wir dadurch bereichert werden. Der Tod ist nicht nur das Ende, das uns Angst einflößt, sondern der Beginn einer neuen Existenz.

Deshalb ist in der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, zwar auch vom
Ende die Rede, von dem Tod, den wir alle erleiden müssen. Aber der Schwerpunkt liegt auf dem neuen Leben und auf dem Buch des Lebens und nicht des Todes. „Ich sah die Toten stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Und ein anderes Buch ward aufgetan, das ist das Buch des Lebens.“

Die Bücher, die zunächst aufgeschlagen werden, sind die Bücher der einzelnen Menschen, in denen ihr Leben aufgezeichnet ist. Aber viel wichtiger ist das e i n e Buch, das danach aufgeschlagen wird, das Buch des Lebens. Das hat allein Gott in der Hand. Und er sagt: Wenn ich dich aus der Welt abberufe, dann nur, weil du dadurch das ewige Leben erhalten sollst. Du verlierst etwas, aber du gewinnst viel mehr dazu

Wie dieses Leben im einzelnen aussehen wird, wissen wir nicht. Auch die Vorstellung von dem himmlischen Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt, ist nur ein Bild. Es kann alles auch ganz anders werden. Aber d a ß alles neu werden soll, das ist das Entscheidende. Unser Leben muß einmal aufhören. Es ist begrenzt und taugt nicht für die Ewigkeit. Wir brauchen eine neues, ohne Kampf und Sorgen , ohne Krankheit und Leid.

Und so nehmen wir heute Abschied von einem Menschen, für den ein neues Buch des Lebens aufgeschlagen wurde. Ich will nicht sagen, daß jetzt erst das eigentliche Leben beginnt. Wir dürfen uns auch freuen über das Leben auf dieser Erde. Wir dürfen es genießen, solange wir es haben. Wir dürfen in ihm arbeiten und ausruhen, wir dürfen uns freuen und traurig sein. Aber danach beginnt es a n d e r e s Leben, das mit dem jetzigen gar nicht vergleichbar ist. Diese Aussicht hilft uns, mit dem schweren ‚Verlust leichter fertig zu werden. Unser Leben besteht nicht nur aus einem einzigen Buch, das bei unserer Geburt aufgeschlagen wurde. Aber nach unsrem leiblichen Tod beginnt neu das Buch des Lebens, das zweite Buch, das uns genau wie das erste nur von Gott gegeben werden kann.

 

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein!“      (Offb 21,4)

Wenn ein Mensch ein langes Lager hat, von dem er nicht mehr aufstehen wird, dann ist das mit vielen Tränen verbunden. Der Kranke hat viel auszuhalten an Schmerzen und Leid. Erst hat er sich aufgebäumt gegen das Unaufhaltsame, wollte gegen die Krankheit angehen, hat sich vielleicht auch eingebildet, er könnte es schaffen.

Aber dann stellt sich heraus, da die Krankheit doch stärker ist, daß es nicht wieder besser wird. Das ist sicher ein schlimmer Augenblick für den Kranken. Vielleicht hat er die Kraft, seine Angelegenheiten noch zu ordnen. Aber leicht ist es sicher nicht, wenn man einsehen muß: Jetzt geht es auf das Ende zu! Da gibt es sicher manche offene oder versteckte Träne.

Aber das gilt sicher auch für die Angehörigen. Sie sollen und wollen den Kranken pflegen. Sie tun alles, um dem Kranken jeden Wunsch zu erfüllen. Aber im Grunde stehen sie machtlos da und können nicht helfen, sondern müssen dem Geschehen seinen Lauf lassen. Das ist auch schwer und macht den Menschen ganz schön fertig.

Und wenn es dann zu Ende ist, wenn der Mensch dann gestorben ist, dann löst sich oft die Spannung in Tränen. Solange man noch angespannt war, hat man sich noch zusammennehmen können. Aber wenn man dann nicht mehr muß, ist man auch völlig fertig und erschöpft. Gut ist es, wenn man dann weinen kann, weil es erleichtert. Keiner sollte sich seiner Tranen schämen, wenn ihm ein Mensch genommen wurde.

Die Bibel gibt aber noch einen anderen Grund an für die Tränen. Sie sagt: Die sind da, damit Gott sie ab wischen kann! Tränen machen darauf aufmerksam, daß da ein Mensch Hilfe braucht. So reagieren wir schon als Menschen.

Aber noch wichtiger ist, daß auch Gott unsre Not kennt. Er will uns so trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Wenn ein Kind hingefallen ist und weint, dann läuft es zur Mutter. Die redet begütigend auf es ein, wischt die Tränen ab, versorgt vielleicht noch die Wunde, schon ist alles nicht mehr so schlimm.

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann ist das natürlich etwas anderes, das ist schon schlimm. Man kann es im Grunde nur ertragen und einigermaßen bewältigen, wenn man die Verheißung Gottes dazu hört: „Der Tod wird nicht mehr sein!“ Nur wenn wir eine Hoffnung über den Tod hinaus haben, können wir ruhig und zuversichtlich sein.

Wir können dieses Wort in zweierlei Richtung verstehen. Es bezieht sich auf den Einzelfall, auf den, der netzt verstorben ist. Die Zeit des Todes wird einmal vorbei sein. Zwar kann uns der Tod einige Zeit in seiner Gewalt haben. Aber seine Macht ist begrenzt, weil er durch Jesus Christus überwunden ist.

Wir sind einige Zeit in der Gefangenschaft des Todes. Aber der Sieg Jesu steht schon fest. Er rückt schon heran und befreit uns aus dem Gefängnis. Viele hat er schon frei gemacht. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir auch dran sind.

Wer stirbt, darf schon darauf hoffen, daß er bald in das neue Leben bei Gott kommen wird. Manchmal hat ein Verstorbener einen Gesichtsausdruck, als habe er schon im Augenblick des Todes einen Blick in die Welt Gottes tun dürfen. Nachdem vorher sein Gesicht noch von Schmerzen gezeichnet war, darf er dann doch friedlich einschlafen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, daß wir es tatsächlich in jener Welt besser haben. Aber wir denken auch daran, daß unsre ganze irdische Welt einmal ein Ende nehmen wird. Dann wird es weder Leid noch Geschrei noch Schmerz mehr geben. Dann wird Gott eine Welt heraufführen, in der alle Mängel dieses Lebens überwunden sind. Dann wird für alle die Ewigkeit begonnen haben. Dann wird es nichts mehr durchzustehen geben, weil von Anfang an alles in Ordnung ist und man Neid und Schmerzen gar nicht kennt.

Im Augenblick hat der Einzelne noch vieles durchzustehen, da gibt es noch manche Träne abzuwischen. Aber eines Tages werden wir gar nicht erst in Not kommen, weil es die von vornherein nicht mehr gibt. Dieses Wissen kann uns helfen, mit dem Leid des Augenblicks fertig zu werden. Etwas von dieser Zukunft Gottes wird nämlich auch schon heute wirksam, nämlich dann, wenn wir uns von Gott die Tränen abwischen lassen. Wenn sie erst einmal getrocknet sind, dann vergißt man auch wieder das Schwere, zumindest tritt es etwas in den Hintergrund. Dann kann man wieder von vorne schauen nach dem, was Gott noch mit uns vorhat.

 

„Es wird keine Nacht mehr sein, und sie werden nicht mehr bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten!“                                                                                                                 (Offb. 22,5)

In diesen Tagen werden die Reste der Bergbahn am Kitzsteinhorn in Österreich weggeräumt. Im vergangenen Jahr kamen dort 155 Menschen bei einem Brand ums Leben, darunter auch ein Lehrer der Einstein-Schule mit seiner Familie. Aber elf Menschen konnten sich retten.

Eine Frau schilderte: „In dem Stollen war es völlig dunkel. Aber weit unten sahen wir einen hellen Fleck - den Eingang der Bahnstrecke in den Berg. Dorthin mußten wir absteigen, nur dort allein war die Rettung!“ Rund 600 Meter mußten sie so Stufe um Stufe hinter sich bringen, ehe sie wieder im Freien waren. Dabei bestand immer die Angst, daß der ausgebrannte Wagen der Bahn sich löst und alle mit sich in die Tiefe reißt.

So mag es auch sein mit dem Tod: Dann sind wir auch wie in einem dunklen Schacht. Wenn wir darin bleiben, bleibt nichts anderes als der Tod. Dann war auch das ganze Leben im Grunde vergeblich. Denn wenn das Ende trostlos ist, was hat man dann von dem, was vorausging?

Man könnte höchstens sagen: Wir müssen alles hektisch genießen und mitnehmen, denn morgen sind wir tot. Nur der Genuß des Augenblicks gilt dann, aber über die Zukunft kann man sich keine Gedanken machen. Aber verbunden ist das alles mit einer unheimlichen Angst, daß mit einem Schlag alles aus sein könnte.

Doch zum Glück ist es nicht so: Wir haben einen Ausweg. Er ist zwar nur klein, aber doch gut sichtbar. Man weiß genau, wohin die Richtung geht und wo Rettung ist. Und vor allem weiß man, daß es hinter dem rettenden Tor noch weiter geht. Deshalb gilt es, der Dunkelheit des Todes zu entfliehen und sich aufzumachen zu dem Licht. Gottes.

Das gilt nicht nur, wenn dieses Leben einmal ein Ende hat, sondern schon das ganze Leben über: Da gibt es auch Licht und Schatten und sogar tiefe Dunkelheit. Es gelingt nicht alles, was wir uns im Leben vorgenommen haben. Das Leben des Verstorbenen ist ein Beispiel dafür. Schon die Jugend war nicht einfach. Dann kam die Flucht dazu, das Einleben in anderen Gegenden und bei zunächst fremden Menschen. Und schließlich gehört auch die Krankheit zu dieser Dunkelheit in unserem Leben. Jeder von uns könnte aus seinem Leben solche dunklen Stellen nennen.

Doch vergessen wir nicht, daß das Leben auch Schönes bringt: Wir finden doch Menschen, die mit uns den Weg durchs Leben gehen. Kinder und Enkel kommen dazu, so daß man zu einer richtigen Familie wird. Man darf etwas leisten im Beruf und seinen Beitrag für die Gesellschaft einbringen. Es gibt doch immer auch Augenblicke und Zeiten im Leben, die gelungen sind und wo man zufrieden mit allem sein kann. Das darf man vor allem dann nicht vergessen, wenn das Leben einmal ein Ende hat.

Leichter wird das alles, wenn man eine Hoffnung und ein Ziel für sein Leben hat. Man kann auch versuchen, sich selber durch das Leben zu schlagen. Aber das ist dann so, wie wenn man in der Dunkelheit ein künstliches Licht anzündet. Man muß Licht machen, wenn man die Dunkelheit überwinden will. Die Dunkelheit kommt von selber, wenn kein Licht da ist. Wenn man es aber hell haben will, dann muß man Energie aufwenden.

Deshalb versuchen wir ja auch alles, um Probleme und Leid in unserem Leben abzuwenden. Es gibt Ärzte und Krankenhäuser, wo den Menschen geholfen werden kann, soweit das möglich ist. Es ist gut, daß es das alles gibt, wenn wir unsre menschlichen Fähigkeiten einsetzen können, damit geholfen wird. Aber wir müssen einsehen, daß auch einmal der Zeitpunkt kommt, wo nichts mehr helfen kann.

Dann ist es gut, wenn man nicht mehr nur auf menschliche Hilfe angewiesen ist. Dann gilt es, diese Welt mit ihrer Dunkelheit zu verlassen und in die Welt Gottes zu wechseln, in der es nur noch hell ist. Das ist dann so, wie wenn man aus dem dunklen Stollen herauskommt ans Tageslicht. Dann hat aller Kampf gegen die Dunkelheit aufgehört, weil man nicht mehr künstlich Helligkeit erzeugen muß, sondern weil es von selber hell wird. Gottes Welt bietet mehr Licht, als es Menschen je erzeugen könnten.

Das versichern uns solche Bibelstellen wie die Verheißung aus der Offenbarung des Johannes: „Es wird keine Nacht mehr sein, und sie werden nicht mehr bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten!“ (Offb. 22,5). Die Offenbarung entwirft ja ein Bild der Welt Gottes und schildert sie wie eine Stadt, wie das neue Jerusalem. Wir können uns etwas Künftiges ja nur vorstellen, indem wir von der uns bekannten Welt ausgehen. Nehmen wir also wie der Seher Johannes an, daß so etwas wie eine Stadt auf uns wartet, unsrer Welt ähnlich, aber doch anders, weil es kein Leid und Geschrei mehr geben wird, wie es im vorhergehenden Kapitel heißt.

Ob die Einzelheiten wirklich so sind, ist dabei nicht so wichtig. Entscheidend ist, ob da wirklich noch etwas kommt, wenn dieses Leben ein Ende hat. Gott hat uns zugesagt, daß wir nicht ins Leere laufen, sondern daß da wirklich etwas ist, auf das wir uns freuen können. Das gibt uns Mut und Zuversicht, unser Leben entschlossen in die Hand zu nehmen. Dann werden wir auch mit dem dunklen Stellen in unserem Leben fertig, auch mit dem Tod. Er ist dann nicht das sinnlose Ende eines sinnlosen Lebens, sondern der Beginn einer neuen Existenz in der neuen Welt Gottes.