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Deutsche Sprache

 

Indogermanisch - Germanisch - Deutsch

 

Es gibt erst seit dem Jahre 800 schriftliche Aufzeichnungen in deutscher Sprache. Wie aber kann man nun etwas erfahren über die Sprache(n), die vorher gesprochen wurde(n)?

 

I. Urgermanisch:

(1.) Germanische Eigennamen in der lateinischen Dichtung, die wörtlich übernommen wurden.

(2.) Vergleich aller germanischen Sprachen, um den gemeinsamen Wortschatz eines „Urgermanisch“ bis 1000 vCh zurückverfolgen zu können.

 

II. Indogermanisch:

In der vergleichenden Sprachwissenschaft hat man nun ebenso alle indogermanischen Teilsprachen verglichen, um so zu einer gemeinsamen „indogermanischen Sprache“ gelangen zu können, die seit etwa 6000 Jahren (Steinzeit!) von einem Urvolk gesprochen wurde (den sogenannten  „Indogermanen“).

Wörter mit einer auffallenden Lautähnlichkeit in mehreren indogermanischen Teilsprachenmüssen auch schon in der indogermanischen Ursprache vorhanden gewesen sein, sogenannte „Wurzelwörter“. Diese haben viele Verschlußlaute         (p -  t - k) keine aspirierten Verschlußlaute (ph - th - kh) und  keine Reibelaute (w -f        - ss).

 

Wortschatz:

Tiere:              Auerochs, Bär,Wolf, Roß, Stute, Fohlen, Vieh, Herde, Schaf, Widder

Haustiere:     Bock, Geiß, Kuh, Kalb, Ochse, Stier, hüten, scheren, Wolle, Aue, Mast

Wagen:          Joch, Siele, Seil, Riemen, Wagen, Deichsel, Rad, Felge, Nabe, Achse

Ackerbau:     Acker, Furche, Korn Gerste, Hafer, Hirse, Roggen, Lein, Samen

Bestellung:   Spaten, eggen, Halm, Ähre, Mehl, mahlen, Sichel, Sense, Garbe

Verarbeiten:  dreschen, mahlen, Grütze, Teig, Fladen,Weck, salzen, braten, seihen

Wasser:         Meer, Wellen, Flut, Sand, Strom, Furt, Dunst, Nebel, Schnee, Ache

Bäume:          Erlen, Weide, Fichte, Föhre, Tanne, Birke, Buche, Eiche, Esche, Wald

Sträucher:     Ampfer, Mohn, Haseln, Nuß, Farn, Moos, Schwamm

Wassertiere: Wurm, Gans, Ente, Biber, Otter, Fisch, Aal, Forelle, Karpfen, Lachs

Kleintiere:     Natter, Unke, Maus, Igel, Hermelin, Hase, Hornisse, Mücke,Wespe

Vögel:                        Kranich, Storch, Aar, Drossel, Fink, Sperling, Star, Häher

Hausbau:      Hütte, Flechtwerk, Dach, Heim, Bude, Latte, Zimmer, Saal, Diele,L ehm

First, Giebel, Stollen, Säule, Tür, Dorf, Garten, Hufe, Hürde, Zaun

Verwandte:   Sippe, Freund, Gast, Erbe, Witwe (Leiche, Gesang,Saite)

Geschäfte:    Ding, eigen, borgen, leihen, Miete, mahnen, hehlen, trügen, lügen

Kleidung:      schaben, Haut,Ahle, nähen, wirken,Masche, Rahmen, spannen, weben

Bearbeiten:   wetzen, Beil, spalten, Säge, bohren, Schaft, Stab, Speer, Kolben

Eisen:                        Erz, ehern, Feuer ,schmelzen, Stahl, Gold, Ring

Sonstiges:     gären,et,brauen, // Topf, Scheibe, drehen // Salbe

Abstrakta:      frei, wahr, Wette, Gnade, Gott, Eid, Sünde, Mord //rot, blau, gelb.

 

Einteilung:

(1.) Centumsprachen: Keltisch, Germanisch, Tocharisch (Turkestan), Italisch, Griechisch.,

(2.)  Satemsprachen: Indisch, Iranisch, Armenisch, Albanesisch, Slawisch, Baltisch.

Alle indogermanischen Sprachen sind untereinander verwandt. Die vergleichende Sprachwissenschaft hat diese Erbwörter erschlossen (wie Witwe- vidua oder  Flut- fluctus, oder Nebel -nebula). Die Wörter klingen heute noch gleich, wenn auch einige in der germanischen und deutschen Lautverschiebung etwas anders geworden sind. Bestes Beispiel für eine Verwandtschaft sind wohl: Furt - portus - Bosporus - Euphrat.

Diese Erbwörter teilen uns sehr viel mit über das Leben unserer Vorfahren, denn was alle Indogermanen gleich benannt haben, das war ihnen auch schon allen bekannt und ein Bestandteil ihres Lebens.

 

Das Leben der Indogerrmanen:

Zahlenwesen:

Die Indogermanen konnten bis Hundert zählen. Wichtig ist etwa die Zahl „fünf“: Indogermanisch mit „ph“, Griechisch mit „p“‚ Lateinisch mit „qu“, Deutsch mit „f“

Haustiere:

Viele Tiere waren gezähmt (Bock, Geiß, Kuh, Kalb, Ochse, Wolle). Man fing Bachfische (Germanen auch Seefische).

Verwandtschaftsnamen:

Die Indogermanen lebten in ehelicher Gemeinschaft, denn es gibt die Wörter „Witwe“, „Erbe“ und „Sippe“ .Außerdem war das Volk in Stände gegliedert.

Hausbau:

Die Häuser waren meist einfach, aus Flechtwerk, wenn auch mit einem Giebel und manchmal mit größeren „Zimmern“

Ackerbau:

Bei den Völkern der Satemgruppe fehlen die Wörter für den Ackerbau, denn sie waren entweder nie seßhaft oder sie haben die Kenntnis von der Bestellung des Ackers auf ihrem Zug nach Osten verloren. Die Trennung der Stämme muß zwischen der Kupfer- und der Bronzezeit erfolgt sein, denn für „Bronze“haben sie schon verschiedene Namen; für „Speiche“ jedoch gab es keinen Namen, denn die Indogermanen hatten Vollräder.

 

Die Sprachbildung bei den Indogermanen:

I.  Zusammensetzungen:

(1.) Verb und Personalpronomen wurden zusammengezogen („gibis tu“ zu „gibstu“ und „gibst“); unbetonte Silben fielen dabei weg. Nur der Imperativ, der ja kein Personalpronomen bei sich hat,  hat sich bis heute in der ursprünglichen Form erhalten.

( (2.) Wortzusammensetzungen entstanden durch einfaches Aneinander reihen von Substantiven, kein Genitiv! (ignifer).  Heute sind wir in einer weiteren Periode der Abschleifung,die im Englischen am Weitesten fortgeschritten ist.

 

II. Flektion:

(1.) Es gab im Indogermanisch noch viele Konjugationsendungen, Kasus und Modi. Dazu gab es noch das Medium (zwischen Aktiv und Passiv das heute nur noch im Griechischen vorhanden ist).

(2.) Die verschiedenen Tempora entstanden durch Ablaute (gehen, ging,... ). Das Indogermanische hatte nämlich keine feste (!) Betonungsregel (Germanisch jeweils die erste!). Durch Akzentverschiebung wurde also der Stammvokal neu geformt.

 

III. Grammatischer Wechsel:

Auch mit der Betonung zusammen hängt der durch das Vernersche Gesetz später erklärte „Grammatische Wechsel“:

Indogermanisch  h i n t e r  dem Reibelaut betont:      patér - fathár

Indogermanisch  v o r  dem Reibelaut betont: frátor -fráter.

Auf diese Art sind auch die Wörter „Hannover“ (stimmlos) und ähnlich „Hannoveraner“ (stimmhaft) entstanden, denn bei „Hannoveraner“ liegt die Hauptbetonung hinter dem Reibelaut.

 

Die Lautverschiebung zum Urgermanischen:

Wie kommt es zu einer Lautverschiebung? Indem ein erobertes Volk die Sprache der Eroberer annimmt und diese Sprache der eigenen etwas anpaßte, entsteht eine neue Sprache.

Zeitpunkteingrenzung:

(1.) Nicht vor der dorischen Wanderung, denn in dieser Zeit gab es noch keine Lautverschiebung

(2.) Bestimmte Lehnwörter, die zu einer bestimmten Zeit übernommen werden, machen die Lautverschiebung mit. Die germanische Lautverschiebung hatte also vor 1000 vCh noch nicht begonnen, und sie war um  500 vCh beendet (Im Ausland genannt: „Grimm's Law“).

 

Für Sprachvergleiche benutzt man ....                          

            Griechisch, Indisch als indogermanische Sprache

            Gotisch                      als germanische Sprache

            Englisch                    als neugermanische Sprache

Das Latein ist für Sprachvergleiche ungünstig, da es eine Sonderentwicklung mitgemacht hat.

 

(1.) Aspirierte stimmhafte Verschlußlaute         bh      dh       gh   werden zu         

                        stimmhafte Verschlußlaute          b         d        g

                                                                                                                      bhero - baira

dhüra - daur

ghostis - gast.

(2.) Stimmhafte Verschlußlaute               b          d          g    werden zu

       Stimmlose Verschlußlaute                p          t           k         

                                                                                                                      baité   - paida                                                                                                                     genu  - kniu                                                                                                                       duo     - two              

                                  

(3.) Stimmlose Verschlußlaute                 ph       th        kh   werden zu        

      Stimmlose Reibelaute                          f           (th)     (x)  (thorn; chi)

pater  - fathar

tres  - threis

cornu - chorn (haurn)

(4.) Stimmlose Reibelaute                         f           (th)     (x)     s    werden zu 

      Stimmhafte Verschlußlaute                b          d          g          r

       falls die Silbe nach dem Konsonant betont ist (Vernersches Gesetz).

(5.) Die Betonung wechselt nicht mehr (wie im Indogermanischen), sondern liegt auf der ersten Silbe (mit ganz wenigen Ausnahmen)(Alliteration).

(6.) Besondere Endungen für die Konjugation der schwachen Verben

(7.) Im Germanischen fallen noch mehr die Endkonsonanten weg („holtingar“ zu „holtinger“).

Die Zahlen im Indogermanischen:

A.) Kulturgeschichtlich:  Die Wörter „hund(ert)“ und „cent(um)“ sind verwandt, „tausend“ und „mille“ jedoch nicht mehr. Daraus ergibt sich, daß die Germanen bis hundert zählen konnten. Das Wort „Million“ kommt jedoch aus Frankreich und wird übernommen mit der Weiterentwicklung der Mathematik, nicht der Geldwirtschaft, denn dann hätte man dieses Zahlwort aus Italien übernommen. Es ist bedeutsam, daß die Germanen schon in Dekaden rechneten. Die Zwölferzählung (Schock, Groß) übernahmen sie wohl später aus orientalischen Sprachen, das Wort „Steige“ vielleicht aus dem Keltischen.

B.) Lautgeschichtlich: Von „centum“ nach „hundert“ findet eine Lautverschiebung statt

von „t“ nach „d“ (bedingt durch den grammatischen Wechsel),

von „p“  nach „f „ (aus giechisch „penta“ wird  „fünf“), usw.

Die Endung „-ig“der Zehnerziffern stammt von einem „k“, das von „k“ zu „h“ und zu „g“  wurde.

C.) Lautfeld: Manche Zahlen werden nur in Verbindung mit Gegenständen gebrauch, etwa „Stiege Eier“ oder „Paar Schuhe“. Dies Gewohnheit stammt noch aus der Steinzeit, als besonders unsere Zahlbegfiffe noch nicht so abstrahiert waren v(Im Latein gibt es ähnliches bei den Bezeichnungen für „blau“).

 

Wortfelder:

(1.) Aufhören des Lebens::

Beim Mensch „sterben“, beim Tier „verenden“ und bei der Pflanze „eingehen“.

Ursachen des Todes werden bezeichnet nach dem sachlichen Befund oder  nach der objektiven Seite: abstürzen, erfrieren, ersaufen, ersticken, ertrinken, verbrennen, verdursten, verhungern, verunglücken, verbluten, erliegen, umkommen, zugrundegehen, fallen (im Kampf und Krieg).

Verhältnis des Einzelnen (Subjektive Seite): Von ganz farblosen Ausdrücken (negativ und positiv) bis zu den drastischsten finden wir die Mannigfaltigkeit des Verlaufs und der Meinungen über den Tod. Kein Wort ist dem anderen gleich, jedes hat einen Sonderwert. Damit jedes zur Geltung kommt, muß man immer das gesamte Wortfeld sehen, um einen Ausdruck richtig einzuordnen: versterben, ableben, erblassen, einschlummern, hinscheiden, heimgehen, verscheiden, erlöschen, verröcheln, abkratzen,verrecken.

Es fällt auf, daß das Deutsche besonders viele Wörter hat, die den Vorgang des Todes euphemistisch umschreiben; in anderen Sprachen ist das Wortfeld wesentlich anders gelagert.

Was nicht in der Sprache schon enthalten ist, kann man auch nicht denken (siehe „1984“, Schlußausführungen). Jeder sieht immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit, so weit halt der Sprachschatz reicht.

Humboldt meint dazu in seinem Aufsatz: „Über das vergleichende Sprachstudium“: Ehe wir überhaupt damit anfangen, hat schon die Sprache für uns gedacht. Andere Generationen unseres Volkes haben bestimmte Dinge schon vorher gesehen und ausgewählt. Man kann erst dann menschheitlich fühlen, wenn man die Relativität seiner Sprache erkennt. Deshalb sollte man die möglichst fernliegenden Sprachen lernen, die ganz andere Wortfelder haben, etwa die alte Sprachen.

 

(2.) Wörter des Veranlassens:

Art und Weise:    aneifern, anfeuern, anregen, anreizen, anspronen, anstacheln

Intensität:            zwingen, drängen, bewegen, gebieten, heißen, antreiben

Rechtssprache: auffordern, befehlen ersuchen, bestimmen, nahelegen,vorschreiben

Mittel:                 beschwatzen, einflüstern, aufmuntern

Wertbegriffe:       verlocken, verleiten, verführen, bereden.

 

(3.) Wörter des Mit-den-Augen-Erfassens:

Verlauf der Handlung: blicken, schauen, sehen, gewahr werden, erblicken

Intensität:                  lugen, spähen, starren

Werturteile:               gucken, äugen, gaffen, glotzen, stieren

 

Wörter, die nicht für jedes Objekt gelten:

ansehen, anblicken, anschauen, besehen, beschauen, sich ansehen mustern, betrachten, beoachten, besichtigen

Besichtigen:             etwas, wobei man sich bewegen muß

Beobachten :                       etwas, das in Bewegung ist

Etrachten:                 etwas in sich Ruhendes.

 

(4.) Wörter des Verwendens:

Zweckbestimmheit: sich bedienen, anwenden, verwenden, einspannen

Grad der Abnutzung: einsetzen, benutzen, handhaben, gebrauchen

Sinngemäßheit: vergeuden, verschwenden, verwerten.

Benutzen: gelegentliche Teilhabe an etwas fremdem (Bahn, Bibliothek)

Gebrauchen: eigener Besitz, der zu diesem Zweck hergestellt wurde,

Verwenden: gewisse Verwendung, die ursprünglich nicht beabsichtigt war.

Durch ein Schlagwort aber wurde das ganze Wortfeld durcheinandergebracht, denn auf einmal sprach man vom „Eeinsetzen von Kompanien“, obwohl „einsetzen“ nur bedeutet: „Eigenes irgendwo verwenden“; ein Mensch ist jedoch nichts „Eigenes".

 

(5.) Wortfeld „stattfinden“ (kausatives Wortfeld):

Sich ereignen: etwas unvorhergesehens (Unglück) „ereignet“ sich.

Stattfinden: eine geplante Sache (Kongreß) „findet statt“

Eine Versammlung wird abgehalten, eine Ausstellung wird gehalten, eine Eröffnung wird vorgenommen, ein Wettspiel wird veranstaltet, eine Reise wird unternommen, ein Prozeßwird durchgeführt, ein Gottesdienst wird gehalten.

abhalten:

Regelmäßig wiederkehrende Zusammenkünfte wie Versammlung, Sitzung, Konferenz, Prüfung, Wahl, Kongreß, Kurs

Halten:

Eine Feierlichkeit schwingt mit Gottesdienst, Justiz, Universität, Gottesdienst, Messe, Taufe, Predigt, Feier, Hochzeit, Ausstellung ,Rede, Vortrag, Schulunterricht, Reichstag, Gericht

Vornehmen:

Etwas Routinemäßiges oder Bürokratisches: Eröffnung, Einweihung, Beitritt, Verhaftung, Haussuchung, Reinigung,

Veranstalten:

Mit einem gewissen Aufwand, von Zeit zu Zeit neu „veranstaltet“: Wettspiel, Jagd, Turnier, Konzert, Ball, Modenschau

Unternehmen:

Dauer, Planung und Gefährdung gehören dazu: Versuch, Ritt, Kriegszug, Expedition, Auslieferung, Fürsprache

Durchführen:

Jüngste und sprachlich schlechteste Reihe (Nazizeit): Auftrag, Prozeß, Untersuchung, Entschädigung,Volkszählung.

Auch in der deutschen Sprache gibt es durchaus noch Beziehungen, die nicht abstrakt sind, die mit einem bestimmten Objekt verbunden sind. Sie machen erst das Leben der Sprache aus. Kunstsprachen dagegen sind rein abstrakt und ohne Gefühlsqualitäten.

 

(6) Wortfeld für Verstöße:

 

Ohne

Wissen, ohne Willen

Wissen möglich

Verpflich-

tung zum Wissen

Ansatz

zum

Wissen

Aufhören

des Nicht-

wollens

Mit Wissen, mit

Willkühr

Aus

Anlage

Zweck-

Mäßig-

keit

Verse-

hen

Bock

Gedanken-

losigkeit

Unb­e-

dacht-

heit

Unüber-

legtheit

Sinnlosigkeit

Torheit

Sitte

Fehler

Schnitzer

Unschick-lichkeit

Unge-

hörigkeit

Unfug

Böswilligkeit

Tölpelei

 

Vernunft

Irrtum

Fehlgriff

Dummheit

Unbeso-

nenheit

Unver-

nunft

 

Verrücktheit

Narrheit

Über-

einkunft

Ent-

glei- sung

Mißgriff

Unziem-lichkeit

Ungebühr-

ichkeit

Unver-

schämtheit

Gemeinheit

Flegelei

 Satzung

 

Zuwider

handlung

Über-schreitung

 

Über-

tretung

Wider

Setzlich-

keit

Vergehen

Rebellion

Recht

 

Fehltritt

Übergriff

Übeltat

Missetat

Verbrechen

Schuftig-

keit

Sittliche Ordnung

 

 

Untat

Schande

Ruch-losig-

keit

Frevel

Sünde

Teufelei

 

 

1.) Die Gruppe, bei der ein Wissen möglich ist, steht fast ganz ohne weitere Sippe im Wortfeld (nicht auf Adjektive oder Verben zurückzuführen)

2.) Die Gruppe der Verstöße gegen eine Satzung hat nur. Wörter, die ein Verb als Wurzel haben (deshalb hinten „Rebellion“ eingeführt! Angeboren?)

3.) Die Wörter in Spalte 5 bis 8 sind ursprünglich, bei ihnen ist das Vestoßwort die Quelle, aus der das Verb abgeleitet wird (kein „ruchlosen“)

4.) Aus den Wörternrechts unten kann man jeweils Substantive bilden (etwa „Übeltäter“); der Täter wird hier stark verurteilt.

5.) Die Verstoßwörter, die Tätigkeiten ohne Wissen und Willen bezeichnen, haben fast alle auch reflexive Verben, der Verstoß also nur gegen den 'Täter selbst, der nun nicht so stark verurteilt wird.

6.) Die Wörter der letzten Spalte kennzeichnen jeweils auch den Täter, aus ihnen lassen sich auch ebenso immer Adjektive bilden.

 

Die Sprache ist ein organisches Ganzes, nur über solche Ganzheiten wie die Wortfelder kann man sie untersuchen, denn das Gesetz des Feldes ist für den Aufbau jeder Sprache wichtig und bezeichnend.

 

(7.) Ableitungen:

Viele Adjektive und Verben kann man durch Anhängen einer Nachsilbe zu einem Substantiv umwandeln (Ableitung): Diese bilden nun auch in sich selbst Wortfelder:

-  er : besonders Berufsbezeichnungen

-   e : besonders Abstrakta (aus Adjektiven)  

- ling: Hiermit werden schwache, nicht vollkommene Wesen bezeichnet, häufig haben diese Wörter auch eine abwertende Bedeutung. Es handelt sich um alte Wörter (Frühling, Däumling), in der Hauptsache aber um umgewandelte Verben und Adjektive

-  bar: (von „beran“ = tragen): Verbindungen mit Substantiven noch in der Grundbedeu­tung (trägt noch in sich); heute gibt es jedoch immer mehr Neubildungen mit transitiven Verben:

fruchtbar, furchtbar, wunderbar, reizbar, sichtbar, schiffbar, fahrbar, haltbar, eßbar, bemerkbar, brauchbar; ruchbar.

-  lich: (von „Gestalt“): aus transsitiven Verben gebildet: neulich, freilich, stündlich, umständlich, herrlich, herzlich, freundlich, feindlich, anfänglich, göttlich, seitlich, fürchterlich, endlich, lächerlich, entbehrlich, bedauerlich, erträglich.

Es besteht nun durchaus ein Unterschied zwischen Wortbildungen auf - lich und - bar, besonders bei solchen, die von demselben Wortstamm abgeleitet sind (faßbar, faßlich; strafbar,s träflich; unsagbar, unsäglich; erklärbar, erklärlich).

Etwas ist zur Zeit vielleicht nicht „ersetzbar“, aber dennoch nicht „ unersetzlich“ („ersetzlich“ und „unersetzbar“ gibt es nicht!). Etwas ist „unsagbar schön“ (vielleicht kann es dennoch von jemand gesagt werden), aber Schmerzen sind"unsäglicht.Etwas "erklärbares" ist mir als dem Einzelnen vielleicht noch lange nicht „erklärlich“.

Die Wörter auf „-bar“ deuten an, daß die Erkenntnis der Dinge durchaus nicht so sicher ist, daß man besonders als Einzelner vielleicht nicht zu dieser Erkenntnis gelangen kann. Da aber nun im Gegensatz etwa zum Mittelalter heute die Wörter auf „- bar“weit überwiegen, läßt sich daraus eine Änderung des Weltbildes der Sprache und ein Wechsel in der Sicht der Dinge erschließen.

Adjektive       : rötlich, gelblich,bräunlich,grünlich, bläulich

Substantiviertes Neutrum: Das Rot,das Gelb,das Grün,das Grau,das Blau

Abstrakta::       die Röte, die Bläue, die Bräune, die Schwärze

Kausativum  : röten, bläuen bräunen, weißen, schwärzen

Inchohativm:            : erröten, ergrünen, vergilben,ergrauen

Zustand         : grünen, blühen, grauen( Morgen graut,Wiese grünt)

Dieses Wortfeld wurde nicht mit dem Verstand geschaffen, denn dann wäre es ja vollständig und man könnte von jeder Farbe etwa Kausativa bilden. Man schaffte aber nur Wörter, die man auch wirklich braucht. Manches ging auch wieder verloren, und Kausativa werden zum Beispiel heute kaum noch benutzt.

 

Wilhelm von Humboldt:.

Der Zweck des vergleichenden Sprachstudiums ist es, Aussagen zu machen über die Sprache an sich, über das Volk und über den Menschen an sich. Herder sah nur die primitiven Sprachen als poetisch an; später kam nach seiner Meinung der Verfall und eine Prosaisierung.

Humboldt überblickt die Gesamtentwicklung bis hin zu den vollentwickelten Sprachen. Die hochentwickelte Sprache ist dann am stärksten verfeinert, und hier läßt sich die Frage nach dem Menschen am besten beantworte. Im Vergleich zu den primitiven Sprachen kann man dan dann eine Entwicklung feststellen, die vielleicht sogar die ganze Entwicklung des Menschengeschlechtes wiedergibt.

Die Sprache entsteht auf einmal, sie ist schon gleich ein vollgültiges Ganzes, schon die  „Wilden“ haben eine vollausgebildete Sprache, in der sich jede Ideenreihe irgendwie ausdrücken läßt. Daraus folgt auch, daß alle Sprachen untereinander verwandt sind, daß sie alle einen „Kern“haben und daß man sie deshalb untereinander vergleichen kann.

Eine Entwicklung fand statt, weil verschiedenen Mundarten zusammenflossen und man bei einer Kreuzung durchaus organisch das Bequemere übernimmt. Dadurch findet ein Bruch statt, aber bis zur Vollendung einer Sprache müssen solche Brüche und Mittelzustände durchgemacht werden. Das beste Beispiel für eine Vermischung ist die englische Sprache. Die höchst entwickelte ist nach Humboldt die griechische, weil sie noch nicht „wissenschaftlich“ ist, sondern noch lebendig wie am Anfang, aber dennoch verfeinert. Humboldt kamen zu diesem anderen Ergebnis als Herder ,weil inzwischen Goethe gezeigt hatte, was man mit einer Sprache anfangen kann.

Sprache ist ursprünglich und muß im Gefühl liegen, denn sie liegt als als Ganzes im Menschen und wird erfunden bei der Menschwerdung: „Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache; um aber die Sprache zu erfinden müßte er schon Mensch sein! So wie man wähnt, daß dies allmählich und stufenweise, gleichsam umzechig, geschehen, durch einen Teil mehr erfundener Sprache der Mensch mehr Mensch werden,  und durch diese Steigerung wieder mehr Sprache erfinden könne, verkennt man die Untrennbarkeit des menschlichen Bewußtseins und der menschlichen Sprache, und die Natur der Verstandeshandlung, welche zum Begreifen eines einzigen Wortes erfordert wird, aber hernach hinreicht, die ganze Sprache zu fassen.

Darum darf man aber sich die Sprache nicht als etwas fertig Gegebenes denken, da sonst ebensowenig zu begreifen wäre, wie der Mensch die gegebene verstehen und sich ihrer bedienen könnte. Sie geht notwendig aus ihm selbst hervor und gewiß auch nur nach und nach, aber so, daß ihr Organismus nicht zwar als eine tote Masse im Dunkel der Seele liegt, aber als Gesetz die Funktionen der Denkkraft bedingt und mithin das erste Wort schon die ganze Sprache antönt und voraussetzt!“ (Seite 363).

 

Die vergleichende Sprachwissenschaft untersucht nun nicht nur den Wortschatz, sondern sie versucht auch eine Einsicht zu gewinnen ins Leben der Völker. Sie untersucht den Bau der Sprache, die Änderungen und die Verfeinerungen. Sie nimmt die Sprache als ein organisches Ganzes (Breite)oder sie verfolgt etwa in allen Sprachen die Rolle des Verbs (Länge). Sie untersucht den Organismus der Sprache (flächenmäßige Ausdehnung) und die Ausbildung der Sprache (Tiefe).

Wichtig sind nicht so sehr der unmittelbare Gebrauch einer fremden Sprache und die fremde Literatur, obwohl die Literatur der Schlußstein der Sprache ist - ihr erreichter Zweck -, sondern es geht viel mehr um den Vergleich mit der anderen Sprache, durch den man erst die eigene Sprache entdecken kann. Die verschiedenen Sprachen hindern nun zwar den Verkehr zwischen den Völkern, aber die vergrößern auch die Ausdrucksmöglichkeiten - und die Seiten der Weltansicht.

Die Sprache setzt sich nämlich zusammen aus Materie Grammatik und Rede. Sie gießt die Materie der Erscheinungswelt in die Form der Gedanken, sie bringt sie zu einer grammatischen (formalen) Bedeutung (etwa durch Beugung oder Pluralbildung; allerdings nur im Falle des Bedürfnisses) und sie ist Rede. Eine Sprache, die nur Rede ist-ohne Stoff - gibt es allerdings nicht.

Nun,hängen aber Denken unl Sprache zusammen. Ohne Sprechen gibt es kein Denken, und umgekehrt. Der Mensch hat die einmalige Gelegenheit, Wort und Sprache miteinander zu verbinden, und über die Sprache zum Denken zu gelangen, denn Sprache bedeutet immer schon Auswählen, Ordnen, Zusammenfassen und Weiterentwickeln.

Umgekehrt macht erst das Wort den Begriff zu einem Individuum

und gibt ihm seine Bestimmtheit. Über das Wort kann man sich dann wieder mit anderen Menschen verständigen, denn es bewirkt jeweils schon eine Vorstellung und Empfindung bei allen Menschen (von Begriff über Wort wieder zum Begriff). Das Wort und seine Tiefe im Begriff lassen den Grad der Ideenerzeugung in einem Volk erkennen, sie geben Auskunft über eine Weltansicht.

Abstrakta bezeichnen zwar denselben Gegegnstand, schneiden aber in jeder Sprache einen anderen Teil des Begriffs heraus. Das Wort ist nämlich nicht ganz Produkt des Eindrucks der Gegenstände (Abbild) und nicht ganz Erzeugnis der Willkür Zeichen). Es ist darum sinnlos, bestimmte Begriffe durch allgemeine Zeichen ersetzen zu wollen, denn die Begriffe

sind in den einzelnen Sprachen doch individuell verschieden.

Sprache ist das Werk einer ganzen Nation, hier geht Subjektivität in Objektivität über, in die Erfahrung vieler Generationen. Dem Subjekt steht ein objektives Gemeingut als Kontrolle gegenüber, eine Mischung aus dem Resultat der Objekte, aus dem subjektiven Empfinden

der Nation und der Erkenntnis fremder Völker, Wird so der Einzelne schon überhöht zur Objektivität der Nation, so bilden alle Weltansichten der Nationen zusammen eine objektive Wahrheit aus, die in der Mitte liegt zwischen allem Sprachen (Weltanschauungrn).

Es müssen also möglichst viele zusammenwirken, um alle Vorstellungen eines Ideals ausschöpfen zu können, um wieder zur Übereinstimmung von Welt und Mensch und zur Totalität des Seins gelangen zu können.

 

 

Der gemeingermanische Wortschatz:

(die englischen Ausdrücke zeigen den gemeinsamen Wortschatz):

Aus allen Himmelsrichtungen kamen wieder einmal die Germannen zum jährlichen Thing (thing = Dinge werden verhandelt). Dies ist aber der Thing, zu dem neuerdings auch Vertreter der anderen Stämme eingeladen werden Aus dem hohen Norden die Norweger (Norways), Schweden (Sweden) und Dänen (Danes). Aus dem Osten (east) die Vertreter von Burgundern (Burgundians), Goten (Gotes) und Vandalen. Von England (England) sind die Anglosachsen( Anglo - Saxons) mit ihren Schiffen (ships) herübergesegelt (sailed). Hier bei den Westgermanen (western), die ja viel weiter südlich (south) leben, werden sie als etwas fremd (foreign) angesehen.

Sie haben noch viel mehr alte Sitten erhalten. Sie kennen kein Furcht (fear). Spukgeister (ghosts)werden nicht ernst (earnest) genommen. Sie sind also besser (better) als ihr Ruf.  Neid (envy), Haß (hate) und Grimm (grimm) sind ihnen fremd, aber sie halten Treue (truth) für die höchste Tugend, Ruhm für das höchste Ziel. Aber das bist wohl auch das Bestreben aller anderen Germanen. Obwohl sie im Kampf sehr tapfer sind, haben sie doch eine gewisse Scheu vor ihren  Götter (gds), von denen manche Wunder (wonders) herrühren sollen, da sie angeblich zaubern (           ) können.

Sie betrauern (sorrow?) ihre Toten nicht nur, sondern sie verehren ihnen sogar noch Speisen und dergleichen. Aber mit Begriffen wie „Himmel“ (heaven), „Hölle“ (heall) und  „Seele“ (soul) können sie wenig anfangen, da nur einige bis jetzt zum Christentum übergetreten sind.

Heute Nacht haben die meisten Fremden bei dem trägen (      ) Wirt (       ) am Ende der Stadt übernachtet (Nacht = night), dem man auch nachsagt, er sei blöde (        ) und voller Arg (arch).

Aber gelacht haben sie doch alle, als sichgestern abend einige freche Jungen vor dem Wirtshaus rauften (Raufbold = rowdy) und miteinander rangen (to wring), bis dann zweie von ihnen feige flohen (to flee, to fly), so daß die anderen jämmerlich verprügelt wurden.

Heute schreitet nun ein jeder stolz in der glänzenden Rüstung einher. Sie sehen aber auch alle schmuck aus mit ihrem wehenden Helmbusch (Helm = helmet, helm), die Hand selbstbewußt am Schwertknauf (Schwert = sword). Die Angelsachsen tragen zum Teil sogar noch ihre langen Spieße (spit, spear). Aber auch die Bogenschützen (Bogen = bow) und Steinschleuderer (slinger) sind sich ihrer Wichtigkeit bewußt.

Am Thingplatz stoßen sie hart die Schilde (shield) in den Boden. Die Versammlung kann beginnen. Die Anwesenden schweigen ehrfürchtig, als der greise Stammesführer Gunter die Bering eröffnet. Es sind viele Sachen  (thing) zu erledigen. Zunächst rügen (            ) einige der jüngeren, daß noch immer nichts gegen die feindlichen Slaven unternommen wurde. Das Heer (host) steht doch schon lange unter Waffen. Aber bei der Abstimmung ist doch der größere Teil gegen einen Krieg. Dann muß noch ein Mord gesühnt (murder) werden. Ein Zeuge beschwört, den Angeklagten dabei gesehen zu haben. So kleinere Sachen wie Diebstähle (Dieb = thief) können allerdings nicht verhandelt werden.

Wenn man in die Runde schaut, sieht man fast nur Mitglieder des Adels (                ), Grafen (earls) sind hier fast was gewöhnliches, aber auch die meisten Stamnesherzöge sind gekommen. Der Führer der Goten bekleidet sogar den Rang eines Königs (king). Nach zwei Tagen gehen sie wieder auseinander. Der Hof wartet auf den Herrn!

Auch Wiegand, der Besitzer des Erlenhofes, macht sich auf. Ihm wird richtig froh, als er das vertraute Heim (home) wieder erblickt. Schon von weitem sieht er, daß das Essen gerade bereitet wird, denn die Esse ( ) raucht schon. Er kann auch schon die charakteristischen Umrisse des Hofes, erkennen: Der hohe First (ridge) und den Anbau des Schweinestalles (koben = hogsty). Aber als er näher kommt, kann er dann schon die Laube (arbor) erkennen und die einzelnen „Windaugen“ (windows) unterscheiden.

Aber dem geübten Auge fällt sofort auf, daß aus der Lehmwand (Wand= wall) schon wieder ein Stück herausgebrochen ist und auf dem Dach sehen schon an einer Stelle die Sparren heraus. An der Verschalung zur Wetterseite hin fehlt auch wieder ein Brett (board). Das muß dann sofort ausgebessert werden. Aber der Hof (yard) ist sauber gekehrt. Erwartungsvoll betritt er die Halle (hall), den „Flett“ (flat)l, wie es hier heißt.

Und da kommt ihm auch schon Hedwig, seine holde (       ) Frau entgegen und begrüßt ihn aufs herzlichste. Im großen Saaal der schön mit Bohlen (Planke =p lank; Brett = oard) ausgelegt ist, und läßt sich mit ihr auf der Bank (bank)nieder. Sie haben sich doch so viel zu erzählen. Spät am Abend macht Wiegand noch einen Gang durch das ganze Gebäude, wobei ihm ein brennnender Span (splint) den Weg erhellt. Nachdem er die Rüstung in einem Fach (        ) verstaut hat, begibt er sich zu Bett (bed).

Als er am nächsten Morgen wieder an seine tägliche Arbeit geht, ist der Storch (stork) schon lange an der Arbeit.  Auch eine Schar Raaben (raven) krächzt schon heiser durch die Gegend. Der nur ganz schwach zu hörende Ton wird wohl von einem Reiher (heron) herstammen, der sich am Fluß drüben niedergelassen hat. Plötzlich ein kratzendes Geräusch und ein Wiesel (weasel) saust an ihm vorüber. Iltis (    ) und Marder (marten) trauen sich um diese Zeit ja

nicht mehr in die Nähe menschlicher Siedlungen. Diese sind neben Habicht (hawk) und Häher (  ) die gefährlichsten Feinde des Geflügels.

Aber sonst sieht man hier nur wenige Tiere. Ab und zu mal ein Reh (roe). Weit im Osten soll es auch heute noch Elche (     ) geben. Aber früher, da gab es sogar hier noch Ur (         ) und Wisent (                ). Viele der früher wild lebenden Tiere sind nun auch gezähmt; besonders das Geflügel: Huhn (hen), d.h. Hahn (           ) und Henne (hen), Taube (dove), Ente und Gans (goose).

Nachdem diese mit Futter versorgt sind, kommt das Vieh dran: Die beiden Hengste (   ), die Kälberherde (calf herd), die drei Lämmer (lamb), das eine alte Schaf (sheep) und die alte Mähre (mare) kriegen ihren Teil in die Krippe (crip) geschüttet. Sie wird ja keinen guten

Schinken (    ) und Speck (               ) mehr liefern, aber wenn man das Fett gut siedet (to seethe), wird auch noch ein guter  Talg (tallow) draus; und wenn man das Fleisch (flesh) röstet (roast), kann man den „Roßbraten“ (           )  vielleicht auch noch essen. Und schließlich fällt ja auch einmal das Leder (leather) ab und Dung (dung) liefert dieser Klappergaul ja sch1ießlich auch noch. Er ist also gar nicht einmal so ganz unnütz, wie es so auf den ersten Blick zunächst aussieht.

Nach reiflicher Überlegung hat sich unser Wiegand überlegt, daß es heute doch kaum Zweck hat, noch etwas Größeres anzufangen. Seine Frau backt sowieso heute Brot (bread) und Beeren (berry) will sie auch noch einmachen. Und die Bohnen (beans) müßten auch wieder mal n nachgesehen werden. Auch Wiegand hat einige kleinere Arbeiten zu verrichten: Er muß sich wieder mal um seine Bienen kümmern, die immer das Wachs (wax) liefern. Am Hechel (hatchel) fehlen einige Zinken. Die Sense muß gedengelt (      ) werden, denn er will nachher noch die Disteln (thistle) auf der Weide an den Weidebäumen (willow) abmähen. Da er nachher auch noch zum Hacken (to hoe) will, muß die Harke (hoe) schon jetzt ins Wasser gestellt werden. Aber zunächst muß er erst mal eine neue Speiche (spoke) in das Wagenrad einsetzen. Als er zum Wagen hinübergeht,findet er dort ein Ei, das zwar Dotter (     ) und Eiweiß hat, aber keine Kalkschal: „Schon wieder ein Windei“, murmelt er, ehe er es beseitigt.

 

Das Leben der Germanen.

Die Urheimat der Germanen ist der Nordwesten des Schwarzen Meeres, edenn soweit reichzt die Verbreitung der Buche (dieses Wort ist germanisch!). Sie lebten dort seit etwa 3000 vCh, ursprünglich als Nomaden ohne Vorratswirtschaft. Später gab es bei ihnen auch Viehzucht und im Westen Ackerbau (Gerste, Weizen, Hirse, Bohnen). Seit der jüngeren Steinzeit erfolgte eine Domestizierung und damit Vermögensbildung.

Die Germanen lebten meist in einem rechteckigen Loch, das mit Flechtwerk und einer Grasnarbe abgedeckt war (im Sommer zu heiß, zu viel Ungeziefer) oder auch in Pfahlbauten. Mehrere Familien schlossen sich meist zu einer Sippe zusammen, aus denen sich Dorfgemeinschaften und Stämme entwickelten; im Bereich der Fliehburgen kam es auch zu Stadtbildungen.

Eine Braut erwarb man durch Entführung (Raubehe) oder durch Kauf (Kaufehe) über einen Brautwerber, der mit dem Vater der Braut verhandelte. Überhaupt war die Gesellschaft sehr patriarchalisch, die Frau hatte keine Rechte und konnte auch nichts erben.

In der Religion gab es zwei Arten von Gottheiten: die Naturgötter (Gott des Blitzes) und die Ahnen, die bestattet worden waren für ein Weiterleben nach dem Tode und mit denen man nun einen Kult trieb.

Die Einteilung des Jahres erfolgte in Sommer und Winter, man kannte die Monate (in helle und dunkle Hälfte eingeteilt), aber weder den Begriff „Jah“ noch „Stunde“. Man rechnete übrigens nach Nächten (!). - Die Verkehrswege waren gut ausgebaut durch Brücken

und Dämme; auch durch Boote konnte man Handelsbeziehungen aufnehmen. So sah man bald in dem Fremden nicht mehr den Feind, sondern den Gast („hostis“; Doppelbedeutung heute noch im Latein).

 

Die germanische Sprache.

Die vielen Wortneubildungen im Germanischen führten zu der Theorie, das Germanische gehöre gar nicht zu den indogermanischen Sprachen; diese These ist jedoch sehr in Frage gestellt. Leider gibt es nur wenige Sprachdenkmäler, die darüber Auskunft geben könnten. Das Urgermanisch hat sich nämlich bald in Dialekte aufgespalten:

Nordgermanisch: norwegisch (isländisch), schwedisch, dänisch.

Ostgermanisch: gotisch, burgundisch, vandalisch, langobardisch (?).

Westgermanisch: anglisch, friesich, deutsch.

 

Kennzeichen des Westgermanischen:

(1.) Konsonantenverdoppelung (besonders vor „j“, aber auch vor „r“)

sitja - sitten -  sitzen (deutsche Lautverschiebung)

akrs  - akker - Acker (deutsche Lautverschiebung).

 

(2.) Konsonantenerschiebung von „th“ (Thau) nach „d“ .Die Trennung fand nach dem Zug der Burgunder an den Rhein (410 nCh) statt, denn die Burgunder haben diese Veränderungen noch nicht.

 

Das Westgermanisch hat sich später in zwei Haupt-„Dialekte“ gespalten:

Deutsch und Friesich. Das Friesiche ist eine eigene germanische Sprache,wenn auch sehr nahe mit dem Englischen verwandt. Man kann jedoch nicht behaupten, es sei eine angelsächsische Sprache, denn die Schiftsprache in Friesland ist Deutsch.

Anglo-Friesich:        „a“  zu  „ä“                  sat -   sat (gesprochen: sät)

            (vor Nasal)    „a” zu “ou”                danchta - thought

                                    „k“  zu „ch“                kirke - church.

 

 

Germanische Lehnwörter an die Nachbarvölker.

(1.) Finnen (auch schon indogermanische Lehnwörter!)

(2.) Slaven: König, Schwert, Brünne, Feind, Verbrecher, Armband, List, Brot, Buchstabe.                                           Lehnwort aus dem Slavischen: „carpa“.

(3.) Römer:

(a.) Klassisches Latein: Hier übernahm man nur Ausdrücke für Gegenstände, die es bei den Römern nicht gab

Cäsar:     urus (Auerochs),alkes

Tacitus:   barditus (Gesang), glaesum (Bernstein, Glas), frammea (Speer)

Plinius:  ganta (Gans), sapo (Seife), vargus (= varx, Strolch)

(b.) Spätklassiker(3. und 4. Jahrhundert): Nun werden auch schon Lehnwörter übernommen aus dem Germanischem:

biber    = Biber                      carrago = Wagenburg

taxo     = Dachs                    brado    = Braten

flado    = Fladen                  harpa   = Harfe

medus = Met                         leudus  = Lied

runa    = Rune

Natürlich finden sich diese Lehnwörter auch im Vulgärlatein und deshalb auch heute in den romanischen Sprachen (außer rumänisch:

 

Französisch: brand     heamne    gonfalon     brun      blu       blanc      blan

Italien.:           brando     elmo       gonfalone    bruno    biavo   bianco    biondo

(Schwert) (Helm)   (Fahne)       (braun)   (blau)   (weiß)    (blond)

(c.) Vulgärlatein: Nun kommen in der Hauptsache Wörter aus dem Kriegswesen und fast alle Farben in das Vulgärlatän:

Eigennamen  finden wir schon seit den Klassikern (vor der Runeninschrift): „Suevi“ (
Schwaben) und Segimerus (heute: Sigmaringen)

 

Deutsche  germanische Vornamen:

Albrecht, Armin, Arnulf, Balduin, Brunolf, Dankwart, Dietmar, Eberhard, Eckhard, Edwin, Egbert, Friedhelm, Friedrich, Gerhard, Gilbert, Guido, Gunter, Günther, Gundolf, Harald, Hartmann, Hasso, Helmut, Herbert, Hermann, Heinrich, Hildebrand, Karl, Ludwig, Meinold, Norbert, Oskar, Reinald, Reinhard, Richard, Rudolf, Rüdiger, Ruprecht, Roland, Siegfried, Udo, Volkmar, Volkwin, Waldemar, Walter, Wilhelm, Willibald, Winfried, Wolfgang, Wolfram.

Bernhild, Berta, Brunhild, Burghild, Dietlind, Edelgard, Friederike, Gerda, Gertrud, Gerlinde, Gisela,            Gudrun, Hedwig, Hildegard, Hiltrud, Irmgard, Krimhilde, Leonore, Marga, Mechthild, Ortrud, Roswitha, Selma, Trudhilde, Waltraut, Wilhelmine, Zenzi.

 

Das Französisch:

Das Französich entstand zur Zeit der Merowinger (Urkunden zweisprachig). Aber noch heute gibt es Gemeinsamkeiten mit dem Deutschen:

(1.) Alle Substantive haben einen Artikel, der unbestimmte Artikel ist ein „Zahlwort“

(2.) Lateinisch „homo“ zu französisch „on“ und deutsch „man“ (sonst nirgends!)

(3.) Zusammengesetzte Zeiten werden mit „haben“ und „sein“ umschrieben

(4.) archiaper - Arzt; cappa (Mütze) - kapellani - Kapella (auch: Musikkapelle).

 

Lateinische Lehnwörter im Deutschen.

I.  Erste Lehnwortwelle:    

Durch den Verkehr mit der römischen Besatzungsmacht übernahmen die Germanen viele Wörter, aus den Gebieten, in denen die Römer auf einer höheren Kulturstufe standen:

Kriegsführung, Bauwesen, Landwirtschaft (Obst, Garten, Bäume, Wein), Handel.

II. Zweite Lehnwortwelle:   (nach der zweiten Lautverschiebung!)

Durch die christliche Mission kamen wieder viele lateinische Lehnwörter in die deutsche Sprache (gotische Ausdrücke wie „daupjan“, „fastan“ oder „haithno“ haben sich noch über die zweite Lautverschiebung hinaus erhalten, die meisten wurden jedoch bei der zweiten Missionierung durch irische Mönche fallengelassen und durch römische ersetzt, da die Goten Arianer gewesen waren.

(1) Klöster, Turm, Kirche, Kanzel, Kreuz, Zelle (von „cella“)

(2) Rosen, Lilien, Petersille; Schuster (Gartenbau und neue Berufe)

(3.) Wortneubildungen:

(a.) Die britischen Mönche verwandten nicht den süddeutschen Ausdruck „vihun atum“ (heiliger Atem), sondern ihr Wort  „holak ghost“ (Heiliger Geist).

(b.) Anstatt des germanischen Wortes „rizan“ (ritzen in „Buchstaben“) verwandten sie das lateinischen „scriban“ (von „scribere“) auf Pergament.

(c.) Anstatt des lateinischen Ausdrucks „Evangelium“ übernahmen sie aus dem englischen „gotspel“ (germanisich: goutspel) = frohe Botschaft.

(d.) Der germanische Begriff „lesen“ wurde erweitert von der Bedeutung „Runenstäbe auslesen“ zu der Bedeutung  „in einem Buch lesen“ (Bibel war ein Buch!).

(e.) Der germanische Ausdruck „tiomuti“ (= knechtige Gesinnung) erfuhr durch das Christentum eine Wandlung in „Tugend“.

(f.) Lateinische zusammengesetzte Wörter zerlegte man in die Einzelteile, übertrug diese Einzelteile ins Germanische und setzte die beiden germanischen Wörter nun wieder zu einem

neuen, abstrakten Substantiv zusammen:

                        lateinisch:    misericordias       -    miser + cor (cordis)

                        germanisch: arma + herzi       -      „Barmherzigkeit“

(g.)  Lehnübersetzung:

Latein:           salvare (Verb)    -   salvator (Substantiv)

Germanisch: heilen (Verb)      -  „Heiland“ (Substantiv).

Im Germanischen gab es also schon ein Verb, das man nun nach lateinischem Muster substantivierte, um das lateinische Abstraktum „salvator“ auch im Germanischen ausdrücken zu können.

(h.) Viele Wörter, die bei der ersten Lehnwortwelle schon einmal übernommen worden waren, werden nun in etwas veränderter Form bei der Christianisierung noch einmal übernommen. Durch die spätlateinische Aussprache des „k“ wie „z“ entstanden so Wörter mit ganz anderer Bedeutung:

Alt-Lateinisch:    Caesar (gesprochen: käsar)   -   Germanisch (1.Welle):  „Kaisar“

Spät-Lateinisch:  Caesar (gesprochen: Zäsar)             -  Romanisch   (2. Welle):  „Cäsar“

Alt-Lateinisch:    cellarium (kellarium)                -  Germanisch  (1. Welle):  „Keller“

Spät-Lateinisch:  cellarium (zellarium)               -  Romanisch   (2. Welle):   „Zelle“.

Die Ausdrücke kamen also aus dem Spätlateinischen (Vulgärlatein) nach Frankreich, wurden dort übernommen und französisch ausgesprochen und kamen in dieser Form durch französiche Mönche und Geistliche nach Deutschland (Mission!). Ähnlich ist es mit anderen Ausdrücken, die mit dem höfischen Leben nach Deutschland kamen: Das lateinische „palatium“ wurde im Germanischen zu „palz“ und nach der deutschen Lautverschiebung zu Pfalz“.  Später jedoch wird die französiche Form von „palatium“ als „Palais“ im Zeitalter des Absolutismus ins Deutsche übernommen.

 

Lehnwörter aus dem Latein

Wenn die Germanen einen Kampf (campus) mit den Römern anfangen wollten, konnten sie nicht die Straße (via strata) benutzen, auf der die Römer ihre Meilensteine (milia) gesetzt haben. Sie schlichen sich durch den Wald und griffen ein Kastell (castellum) an, wobei sie die Pfahlmauer (palum), dann Graben und Wall (vallum) unter dem Pfeilregen (pilum) der Römer überwinden mußten.

Aber auch im friedlichen Austausch kamen sich die Völker näher. Wenn ein Germane den  Zoll (tolaneum) entrichtet hatte oder ein Pfand (pandus) zurückgelassen hatte, durfte er die Kette (catena) am Grenzübergang umgehen. Wer beim Schmuggeln erwischt wurde, konnte mit einigen Tagen Kerker  (carcer) rechnen.

Bei den Römern haben die Germanen dann so allerhand kennengelernt, unter anderem auch das System, einen Acker für einen bestimmten  Zins (census) zu verpachten (Pacht = pacca).

Auch auf dem Gebiet des Hausbaues haben sie den Römern Einiges abgeguckt. Das Haus wurde nun mit einem  Keller (cellarium) versehen. Die Mauern (murus) wurden aus Steinen gebaut, die durch ein Gemisch aus Sand, Kalk und einer besonderen Erdart zusammengehalten wurden. Sie wurden dann mit Tünche (tunica) angestrichen oder mit Schindeln (scindula) bedeckt. Das Haus bekam stärkere Eckpfosten (Pfosten = postis) und an einigen Stellen noch Verstärkungspfeiler (Pfeiler = Pilar). Auch Türen (porta) und Fenster (fenestra) wurden nach römischen Vorbild größer gebaut.

Auch im Inneren wurde der Aufenthalt angenehmer: Die Kammern (camera) wurden mit Estrich (astrica) ausgelegt. Um den Tisch (discus) standen nun die Schemel (scamellum) mit Kissen (cusinus) oder den weichen Pfühlen (pulvinus). Abends wurden die Zimmer mit Kerzen (charta) oder Fackeln (facula) erleuchtet, damit man sich im Spiegel (speculum) besser betrachten konnte. In der Küche (coqina) wurden in Pfannen (panna, patina), Becken (baccium) oder Schüssel (scutella) die neuen Gerichte ausprobiert. Und unten im Keller lagerte der Wein in Flaschen (flasca), der dann in Bechern (bicarium) oder Kelchen (calix) getrunken wurde.

Auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft gab es neue Anregungen. Kirschen (ceresia), Pflaumen (prunum) und Pfirsiche (persica) waren die neuen Früchte (fructus), die gepfropft (propagare) wurden, damit man im Herbst die veredelten Früchte pflücken (pilucare) konnte. An neuen Bäumen konnte man Lärche (laricem), Lorbeer (laurus), Maulbeerbaum (morus), Mispel (mespila) und Buchsbaum (buxus) sehen. Im Garten tauchten die Pflanzen (planta) Kohl (caulis), Rote Beete (beta), Linse (lentem), Rettich (radicem), Kümmel (cuminum) und Kürbis (cucurbita) auf.

Um Getränke zu erhalten, wurden die Früchte in der Kelter (calcatura) gepreßt (Presse = presse). Der Saft (sappa) wurde in dem Ohm (oma) gemessen und als Most (mustum) mit dem Trichter (trajectarius) in naschen gefüllt. Um Wein (vinum) zu erhalten ließ man den Most in einem Faß mit durch Pech (picem) abgedichteten Kufen (cupa) gären. Die festen Überreste wurden von dem Winzer (vinator) aus den Bottichen (buttica) gekippt und dem Vieh vorgeworfen.

Nun kamen auch häufiger Kaufleute (caupo) über die Grenze. Auf ihren Karren (carrus), vor die ein  Esel (asinus) oder ein Pferd (paraveredus) gespannt waren, selten ein Esel mit einem Maultier (mulus) als Saumtier (sauma), auf diesen Karren standen die Kisten (cista), Schreine (scrimium) und Körbe (corbis) mit den begehrten Feigen (ficus) und Mandeln  (mandola) und dem wertvollen Senf (sinapis) und Pfeffer (piper), die man pfundweise (Pfund =  pondus) oder auch in kleineren Mengen gegen Kupfermünzen (Kupfer =  cuper; Münze = moneta ) eintauschen konnte.

 

 

Das Deutsche

Früher bildeten der Rhein und die Donau, Teile von heut slavischen Gebieten und Südskandinavien die Grenze des deutschen Sprachgebietes. Durch die Wanderung der Germanen nach Westen und Süden und auch nach England entstand im Osten ein leerer Raum, in den asiatische Reitervölker und Slaven einströmten (Grenze nun Elbe und Saale). Die Germanen aber kamen mit ihren Nachbarn im Westen und Süden in Berührung: Einmal mit den Römern und dann mit den Kelten. Dadurch zerfiel die deutsche Sprache in Hoch- und Niederdeutsch. Die Kelten waren ja schon von den Römern beeinflußt, je weiter nach Süden, desto stärker. So wird die Verschiebung im Süden immer intensiver. In Süddeutschland und der Schweiz ist sie schon am Weitesten fortgeschritten. Die nördlicheren Gebiete sind noch in dieser Entwicklung begriffen.

 

Im Süden verschoben sich also 

im Anlaut                              pf        porta > Pforte

p  <               im Inlaut nach Konsonant            pf       

                        im Inlaut in der Verdoppelung pf             appel > Apfel

im Inlaut nach Vokal          ff         ape    > Affe

im Auslaut                            f           dorp  >           Dorf

 

im Anlaut                              z          ten   > zehn

im Inlaut nach Konsonant            tz

t  <                  im Inlaut in der Verdoppelung tz             sitten >  sitzen

im Inlaut nach Vokal                      ss        water > Wasser

im Auslaut                            s          dat     >  das

 

im Anlaut                              kch

im Inlaut nach Konsonant            kch

k  >                 im Inlaut in der Verdoppelung kch          akker   > Acker

im Inlaut nach Mokal                     chch   maken > machen

im Auslaut                            ch       book    >Buch

Dazu noch im Alemannischen....

b  > p (Brücke > Pruck) und d > t  (dag > Tag) und g > k  (Tag          > dak).

 

Besonders auf dem Zug nach Süden hatten die Germanen heftig mit den alpenländischen Bergstämmen zu kämpfen, bis sie diese schließlich unterwerfen konnten. Die unterworfenen Stämme nahmen nun aber die Sprache der Eroberer an, wandelten sie allerdings ab, indem sie die germanische Sprache mit ihrer Sprache mischten und sie in der Aussprache ihrer Sprache anglichen. Es kam also zu einem Ausgleich zwischen den beiden Sprachen, die Nachkommen beider Volksstämme sprachen eine gemeinsame, tark veränderte germanische Sprache. Im Norden, wo es diese kriegerischen Verwicklungen nicht gab, hat sich dagegen die germanische Sprache noch ursprünglicher erhalten. Deshalb hat das Norddeutsche auch noch die größte Verwandtschaft mit anderen germanischen Sprachen (Englisch), die Hochsprache der Deutschen jedoch wurde ein mitteldeutscher Dialekt.

 

 

Die Staffelung der deutschen  Lautverschiebung:

Der hochdeutsch Satz: „Ich gehe in das Dorf hinauf zwei Pfund Äpfel zu kaufen“ lautet in den  in den Mundarten.

 (1.) Bayrisch (zum Teil wieder zurückgebildet):

„Ich kehe in das Dorf hinauf zwei Pfund Äpfel zu kchaufen“.

(2.) Alemannisch:

„Ich gehe in das Dorf hinauf zwei Pfund Äpfel zu kchaufen“.

Die Weißburger Linie         bildet die Grenze zwischen dem Elsässischen und dem Lothringischen.

Die Grenze zwischen dem Schwäbischen und dem Nordbadischen liegt auf der Linie  Miltenberg - Hof - nördlich der Sudeten (mach einer anderen Einteilung ist Ostfränkisch schon mitteldeutsche Sprache).

(3.) Ostfränkisch (dem Hochdeutschen am Ähnlichsten):

„ Ich gehe in das Dorf, zwei Pfund Äpfel zu kaufen“.

(4.) Rheinfränkisch (Rhein-Main-Becken bis zur Lahn):

„Ich gehe in das Dorf, zwei Pund Äppel zu kaufen“.

 (5.) Moselfränkisch (von Trier bis Köln):

„Ich jehe in das Dorp hinuff, zwei Pund Äppel zu kofen“.

Die Benrather Linie geht von der Eifel über Benrath, Sauerland, nördlich von Kassel, Thüringer Wald und Halle ins slawische Gebiet.

(6.) Niederdeutsch:

„Ek gehe in dat Dorp nup, tu Pund Äppel tu kopen“ (hier wurde nur die Verschiebung der Konsonanten genommen).

 

Die Zeiteingrenzung der deutschen Lautverschiebung:

Es gibt keine Sprachdenkmäler, aber Eigennamen.

1.) Der Hunnenkönig Attila erscheint im Nibelungenlied als Etzel. Er lebte um das Jahr 450.

2.) Das gotische Wort „mota“ wurde von den Österreichern von den Ostgoten in Oberitalien als „maut“ übernommen, also nicht verschoben. Dietrich von Bern lebte um das Jahr 550.

Die Verschiebung von „thorn“ (stimmloses th) nach d (stimmhaftes th) war allerdings erst im 10. Jahrhundert abgeschlossen.