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Ausländische Literatur

 

Inhalt: Dante, Shakespeare, Jean Anouilh, Josef Conrad, Franz Kafka, Leo Tolstoi, Ernest Hemingway, Arthur Miller,

 

 

Ausländische Literatur

 

Dante: Göttliche Komödie                                                                                 1265 - 1321

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts setzte in Italien die Renaissance ein. Mit diesem Werk Dantes beginnt die italienische Sprache, denn vorher gab es nur ein Vulgärlatein. Es werden antike Stoffe wiederbelebt, aber auch mittelalterliche Anklänge sind da. Dadurch entsteht ein Zwiespalt und Gegensatz.

Die Göttliche Komödie ist eigentlich ein Epos, erhält aber die Bezeichnung Komödie, weil sie einen guten Ausgang hat. In ihrem Mittelpunkt steht der Richter, der ein Urteil über seine Zeitgenossen abgibt. Das Ganze spielt noch im mittelalterlichen Weltbild.

Die Wölfin als Symbol der Habgier wird gejagt von einer Jagdhündin. Das ist die Prophezei­ung auf einen engelgleichen Papst, der die Habgier aus Italien vertreiben soll. Die Musen werden von Dante angerufen, nicht etwa Gott oder die Heiligen. Auch hier bezieht er sich auf ein Vorbild: Homer. Seine Sprache ist ebenso bildhaft wie Homer. Er beruft sich auf Änäas und Paulus, also eine heidnische und eine christliche Gestalt, die hier nebeneinander existieren können.

Dante betet zu Maria, sie möge doch veranlassen, daß Vergil ihn auf seiner Reise in die Unterwelt begleitet. Maria gewinnt die Unterstützung Lucias, diese überredet Beatrice, die verstorbene Geliebte Dantes, und diese stimmt dann Vergil um.

Am Tor der Hölle stehen die Feiglinge, die sich wie eine wetterwendische Fahne nicht für eine Sache entscheiden wollten. Sie sind die verachtenswertesten Gestalten, weder Himmel noch Hölle wollen sie haben.

An der tiefsten Stelle der Hölle leiden die Verräter, von denen Dante besonders Judas und Brutus erwähnt. Aber auch Päpste werden von Dante in die Hölle verbannt und so kritisiert.

 

 

Shakespeare                                                                                                         1564 - 1616

Über Shakespeare:

Lessing: Gottsched hatte erkannt, daß das deutsche Theater einen Tiefpunkt erreicht hatte. Er war aber der Erste, der es sich zutraute, etwas neues zu schaffen. Er ging dabei allerdings den falschen Weg, indem er anfing, die Franzosen zu übersetzen, ohne darauf zu achten, ob sie überhaupt zu dem deutschen Geist passen. Das englische Theater jedoch hätte einen besseren Anklang gefunden, denn während etwa Corneille den griechischen Klassikern nur in der Mechanik entgegenkommt, so hat Shakespeare sie erfaßt, ohne sie recht zu kennen.

Goethe: Bei Shakespeare sehen wir, wie das Eigentümliche unsres Ichs, die absolute Freiheit unseres Ichs, mit dem notwendigen Gang des Ganzen zusammenstößt.

Shakespeares Figuren sind natürlich in einem Zeitalter des Schnürleibs. Goethe hat in Shakespeare einen Freund gehabt, der ihn von Bindungen frei machte, der ihn zu freiem Schaffen befähigte (Prometheus).

Herder: Während Lessing behauptete, Shakespeare habe das Wesentliche des griechischen Dramas erfaßt, sagt Herder: „Weil Shakespeare einem anderen Volk angehört, ist er etwas ganz anderes und Neues.“ Wenn das Drama beim Volk als Drama angesehen wird, dann ist es auch ein Drama. Das griechische Drama ist unübertrefflich und unnachahmbar, aber auch die zweite Form des Dramas hier bei Shakespeare hat ihre Berechtigung, gerade weil es das zweite und anders ist. Es ist vor allem aus sich selbst gewachsen. Und es ist so großartig, daß selbst Aristoteles einen Shakespeare in seine Theorie vom Drama einbezogen hätte und damit seine Gerade zu einem Dreieck ergänzt hätte (nicht wie Lessing, der Shakespeare aus Aristoteles erklärt!). Das englische Drama ist auch deshalb etwas anderes, weil jede Zeit und jedes Volk eine ihm eigene Blüte erleben.

Ein Sophokles konnte noch den Mythus in seinem Drama benutzen, bei ihm war die Welt noch einfach. Der neue Dramendichter hat jedoch eine mannigfaltige Welt vor sich. Er stellt alle Völker, alle Arten von Menschen und alle Länder dar. Und doch stellt das Drama eine Einheit dar, denn der Dichter nimmt nur die Geschichte so wie er sie findet, aber er setzt sie mit Schöpfergeist wieder neu zusammen. Er ist der Vertraute einer Gottheit, die in seiner Seele lebt. Und das Drama ist so nur eine Nachschöpfung der göttlichen Schönfung. Ein Dramenschreiber ist also kein Dichter, sondern Schöpfer einer lebendigen Welt.

Rilke: In seinem letzten Gedicht „Der Geist Ariels“ legt Rilke wie auch Shakespeare mit seinem letzten Werk „Sturm“ - auf das sich Rilke bezieht - die Feder aus der Hand. Rilke will fortan als unbewußte Marionette sich selbst an der Wand aufhängen und nicht mehr schreiben, denn über Europa ist der erste Weltkrieg gekommen!

 

Macbeth:

Shakespeare wollte mit diesem Drama den König ehren und die Würde des englischen Königtums darstellen. Mit dem König, der den Spiegel in der Hand hält, ist Jakob I. gemeint, der englische König zur Zeit Shakespeares. Im Spiegel sieht er dann die Wunschträume aller Könige seines Geschlechts: Die Reihe der Nachfolger und drei Kronen, die von England, Schottland und Frankreich. Drama ist aber auch ohne diese Anspielung zu verstehen, denn Shakespeare will damit noch mehr erreichen.

Tragik: Macbeth ist ein Mensch wie jeder andere. Dämonische Kräfte greifen in sein Leben ein und wecken seinen Ehrgeiz (der durchaus zu einer Tugend werden kann). Damit verbunden ist aber auch das Begehren, über seine Stellung hinaus zu kommen. Macbeth überschreitet seine Grenze.

Die Hexen wiegen ihn in Sicherheit. Um sein Ziel zu erreichen, setzt er sich über sein Gewissen hinweg, er läßt sich vom Weg der Pflicht auf den Weg des Verbrechens drängen. Nach dem Mord des Duncan ist er nicht mehr frei. Er wird zum Tyrannen und Scheusal. In seiner Neugierde wollte er die Zukunft wissen, konnte es dann aber nicht erwarten. Wir merken deutlich die Furcht der Untertanen, wenn so ein Mensch an die Macht kommt.

Der Leser wird jedoch nicht mit einem Gefühl des Schreckens entlassen, denn es wird ein Ausgleich zu diesem Tyrannen hergestellt. Sein äußerlicher Gegner Macduff ist kein Gegenspieler, denn er hat keinen Charakter, sondern ist ein Feigling. Eigentlich ist es schade, daß der Held Macbeth von ihm getötet wird. Der Schluß versöhnt uns wieder mit Macbeth, wenn wir sehen, wie er ganz allein auf sich gestellt ist,  als alle ihn verlassen, sich mutig den Feinden entgegenstellt.

Macbeth hat einen anderen Gegenspieler: Dämonische Mächte haben ihn ins Unglück gestürzt, aber das Gewissen bietet „Halt“. Der Zwang des Gewissens ist die ausgleichende Gerechtigkeit. Das sehen wir besonders bei Lady Macbeth: Ihr hätte man keine Gewissensbisse zugetraut. Als ihr Gatte weich zu werden drohte, blieb sie kalt und überlegend. Nun wird gerade sie aus Gewissensbissen wahnsinnig.

Shakespeare schildert uns hier einen Renaissancemenschen, für den es keinerlei religiöse Bedenken gibt, denn Macbeth ist ein gottloser Mensch. Nun aber wird gezeigt, daß es doch noch Grenzen gibt, über die der Mensch nicht hinaus kann. Shakespeare ruft bei Beginn des Absolutismus den Fürsten zu: „Hütet euch, über eure Grenzen hinaus zu gehen. In euch selber ist ein mächtiger Feind: das Gewissen!“

Bei Shakespeare heißt die ausgleichende Gerechtigkeit „Gewissen“. Aber letzten Endes steht doch Gott dahinter. Und im letzten Grunde ist unsere Welt doch eine geordnete Welt. Denn der Mensch, dem anscheinend niemand Widerstand leistet, kommt nicht weit.

 

 

Jean Anouilh: Antigone                                                                         1910 - 1987

Antigone ist nahe verwandt mit der „Agnes Bernauer“ von Friedrich Hebbel. Auch hier ist die Macht des Staates mächtiger als die Pflicht des Einzelnen, Antigone muß sich beugen und geht dafür in den Tod. Jedenfalls steht Hebbels Agnes Bernauer der Antigone Anouilhs näher als der des Sophokles, die für das Recht der Götter kämpft.

Kreon sieht im Staat die Erfüllung seines Lebens. Er kann ebensowenig wie der Wachmann nicht verstehen, daß es auch noch andere Pflichten gibt. Hier ist allerdings der Staat das gleiche wie Kreon: Wenn der Staat zerfällt, dann endet auch die Herrschaft Kreons. Es spielen also durchaus egoistische Züge mit und nicht nur die Verantwortung gegenüber dem Vaterland.

Dennoch steht Anouilh dem griechischen Vorbild sehr nahe. Man darf die Antigone des Sophokles nämlich nicht interpretieren als eine Widerstandskämpferin gegen einen gewissenlosen Gewaltherrscher, also Antigone etwa als Vertreterin eines Menschenrechtes oder irgendwelcher ethischer Werte im heutigen Sinne.

 Bei „Antigone“ von Anouilh ist das auch nicht der Fall: Die Gründe Antigones und Kreons sind alle einleuchtend, beide haben recht und vertreten ein Recht, wenn sie sich auch auf verschiedenen Ebenen bewegen.

Man kann nach Anouilhs Darstellung auch Kreon verstehen, der so handeln muß. Der Dichter will uns damit die ganze Tragik des Herrschers zeigen, verständlich machen und vielleicht auch zu entschuldigen versuchen. Hier ist es allerdings nicht mehr die Hybris gegen die Götter, sondern hier geht es um die Erbärmlichkeit eines modernen Herrschers, für den es etwa auch eine Familie überhaupt nicht gibt und der das Verhalten der Antigone so auch gar nicht verstehen kann.

Bei Sophokles geht es um zwei verschiedene Welten: Auf der einen Seite steht Kreon, der Verteidiger des Rechts der Polis, des Rechts der (chtonischen) Erdgötter. - Antigone dagegen verteidigt ein anderes Recht, das Recht der lichten Götter des Olymp (Zeus, Apollo), die die Erdgötter besiegt haben. Um diesen Kampf geht es in der Antigone. Hinter beiden Gestalten steht hier ein Götterkreis, beide haben ein Recht.

 

 

Joseph Conrad: Lord Jim                                                                                 1857 - 1924

Jim träumte immer davon, daß er einmal auf einem Schiff in Seenot unter unendlichen Gefahren die Passagiere retten wird. Doch als er am Kai steht und mit in ein Boot will, das nach einem Schiffszusammenstoß Hilfe bringen will, erfaßt er die Lage zu spät und kommt nicht mit.

Nach zweijähriger Ausbildung geht er zur See, er wird verletzt, kommt dann auf einen brüchigen Lokaldampfer, auf dem er dennoch das Gefühl unbegrenzter Sicherheit empfindet: er steht als Erster Offizier auf der Kommandobrücke und wacht über eine Unzahl farbiger Pilger.

Plötzlich ein Ruck, das Schiff scheint über etwas hinweggefahren zu sein, setzt aber seinen Weg ruhig fort. Das Hindernis hatte jedoch ein großes Leck geschlagen. Jim wird nach vorne geschickt, um nachzusehen, und ist ersetzt, als er sieht, wie sich das vordere Schott durchbiegt: Jeden Augenblick muß es brechen.

Bei der Gerichtsverhandlung nachher berichtet er klar und schonungslos über das Wie, nach dem Warum fragt man nicht. Aber vor dem Gericht muß er stillhalten, aber draußen will er sich nicht beleidigen lassen, und es kommt zu einem heftigen Streit mit Herrn Marlow, dem Erzähler dieses Romans, der ihn angeblich bei der Verhandlung andauernd angestarrt hatte.

Als Jim jedoch zu schnell geht, wirft Marlow ihm vor, er wolle weglaufen. Jim antwortet jedoch: „Niemals, vor niemand werde ich ausreißen!“ (Das war nach seinem Versagen!). Durch diesen Zusammenstoß sind jedenfalls beide miteinander bekannt geworden. Jim erzählt nun und er spricht sich dem Dichter gegenüber aus: „Ich konnte nicht fliehen. Der Kapitän konnte es, aber bei mir war es etwas anderes. Ich fühlte, wie das Schott unter meinen Händen nachgab, aber es hat dann doch gehalten; welch eine Gelegenheit habe ich versäumt! Ich konnte nicht schreien, als ich das rostende Eisen sah, das sich bog. Ich war hilflos! Ich sah, wie die Menschen um die Rettungsboote kämpfen würden - nur ein Drittel hätte mitgekonnt. Ich wollte mich nicht retten, ich fürchtete mich nicht. Aber ich wollte, wenn schon, dann ohne die Schrecknisse einer Panik sterben!“ Vier Männer waren schon am Boot, in der Hast bringen sie es jedoch nicht fertig, es zu lösen. Jim der dabeistand, soll helfen: „Willst du denn nicht dein Leben retten, du Feigling.“ Nur ein Boot wird schließlich klargemacht, damit nicht die anderen nachkönnen und die Flüchtigen bedrohen. Auch als die vier im Boot noch kämpfen, steht Jim dabei. Da sinkt einer vor Aufregung und Anstrengung tot zusammen.

Die anderen rufen: „Spring nach, Georg, wir fangen dich auf!“ Und auf einmal ist Jim hinun­ter­gesprungen, kurz bevor eine Bö das Schiff erfaßte. Jim war damit von einer Höhe gesprungen, die er nie mehr wieder erklimmen konnte. Natürlich wollten ihn die drei wieder rauswerfen, aber Jim war stärker, hatte die Ruderpinne als Waffe, und am anderen Morgen winselten sie wieder um Gnade.

Bald kriechen sie unter die Zeltplane, um sich vor, der Sonne zu schützen: Jim jedoch bleibt stehen, vielleicht hatte er die Absicht zu sterben. Aber er ist sich nicht sicher, ob nicht alles doch Selbstbetrug ist. Am Abend werden sie von einem Schiff aufgenommen, aber die „Patna“ wurde auch von einem Kanonenboot heil nach Aden bugsiert.

Die vier im Boot hatten ihre Lichter nur nicht mehr sehen können, weil das Schiff von der Bö gedreht worden war und das hochragende Heck (im Bug war das Wasser eingedrungen und hatte ihn nach unten gedrückt!) alle Lichter verdeckt hatte.

Jim verliert sein Patent, er wird „Wasserkommis“ und verkauft seine Waren an die einlaufenden Schiffe. Er waltet mit Gelassenheit seines Amtes, aber glücklich ist er nicht. Aber er beginnt nach einer Chance zu suchen, um alles wieder zurückzugewinnen. Er verkommt nicht, Marlow empfiehlt ihn einem Freund, der auch sehr zufrieden ist mit Jim.

Aber aus dem Luftschloß Jim wird nichts. Die Vertraulichkeit seines Herrn gefällt ihm nicht, denn dieser will etwas über Jims Schicksal erfahren, das Jim doch zu vergessen sucht. Jim brennt wieder durch und wird ein Laufbursche. Aber als man in der neuen Stadt wieder von der Putna zu sprechen anfängt, geht Jim. Es ist nicht festzustellen, ob das Flucht ist oder eine besondere Art des Kampfes.

Jim ist jedenfalls sehr empfindlich, er kann urplötzlich seine Arbeit hinwerfen und einen anderen Dienstherrn suchen. Er lebt nämlich überall „inkognito“ und kann keine Nachforschungen leiden über seine Person. Lieber zog er zu einem anderen Hafen. Er war in Bombay, Rangun, Penang und Batavia - und in jedem dieser Anlegeplätze war er schlankweg Jim, der Wasserkommis.

Der Kaufmann Stein bringt Jim schließlich unter in Patusan, in einer entfernten Handelsniederlassung in einem Eingeborenenstaat, fern ab von jeder Zivilisation (neuer Mensch? Gaugin!). Er ist natürlich ein fremdes Wesen für die Eingeborenen, dem späteren Segen geht erst einmal ein Schrecken voraus. Er hatte aber sogar das Glück, nicht sofort umgebracht zu werden.

Er mußte zwar sogleich vor dem Rajah fliehen ins nächste Dorf, wo man ihn in Ehren aufnimmt bei Doramin, der einst dem Kaufmann Stein einen Ring geschenkt hatte, den Jim nun mitbringt. Dort in diesem Dorf achtet man außer dem Nachbarn auch noch den arabischen Freischärler Scherif, der sich in der Nähe eingenistet hat. Jim läßt ein altes Geschütz auf einen Berg gegenüber der Festung schaffen, er ist auch der Erste, der in die Festung eindringt, die nach Kampf genommen wird.

Dabei hatte Jim große Angst gehabt, er fürchtete ständig, vor Angst in einen Schüttelfrost auszubrechen. Aber man vertraute ihm unbedingt und schrieb ihm übernatürliche Kräfte zu. Seine Tat verbreitete seinen Ruhm schnell über das ganze Land, jeder Anschlag gegen ihn trägt nur noch weiter zu Jims Ruhm bei. Von weit her kommen die Leute und bitten ihn, einen Streit zu schlichten.

Jim erhält eine Aufgabe und eine Verantwortung, und wenn er es auch nicht gleich erkennt: seine Aufgabe ist es, Frieden zu stiften durch die Macht, die er nun hat, denn lediglich in diesem Sinne ist Macht oft wirklich Recht..

Im Land bis hinunter zur Küste bildet sich indessen ein Mythos: Jims Frau trage einen ungeheuer großen Smaragd bei sich, den Jim von Rajah geraubt habe, so sagt man. Jim war auf die andere Seite des Flusses zu einem widerlichen malaiischen Portugiesen gezogen, zu einem früheren Handelsvertreter Steins namens Cornelius, der seiner Tochter oft die widerlichsten Szenen machte, die Jim mit anhören mußte.

Diese Frau hatte er dann geheiratet. Sie warnt ihn auch, als man ihn nachts überfallen will. Jim kann die vier Verschwörer aus dem Schuppen herausholen, und er erfährt, daß diese Frau ihn aus Liebe geheiratet hatte; deshalb heiratete er sie. Aber es bedarf vieler Versicherungen, ehe sie dann glaubt, Jim werde treuer sein als ihr Vater, daß er nicht aus Furcht von ihr gehen wird.

Aber sie weiß, daß es etwas gibt, das Jim nicht vergessen kann. Sie weiß, daß er sich einmal gefürchtet hat. Und sie fürchtet nun, daß ihn die Erinnerung an den Ort dieses Geschehens zurücktreiben wird. Sie fürchtet, daß der Fremde, der Jim besucht hat, irgend etwas damit zu tun haben könnte. Dieser Fremde war der Erzähler Marlow, der nun verspricht, nicht mehr wiederkommen zu wollen.

Jim hat auch nach diesen zwei Jahren noch nicht vergessen, warum er nach Patusan kam. Er weiß, daß die Eingeborenen ihn nie verstehen können. Aber er will bleiben, bis er ganz (!) zufrieden ist. Er legt auch ein Fort an um sein Haus, damit seine Freunde in Gefahr zu ihm flüchten können.

Doch dann erfolgt der überüberfall des Piraten. Brown mit vierzehn Abenteurern, die auf die Kunde von den sagenhaften Schätzen in Patusan und auf der Suche nach dem Smaragd hierher ins Innere gekommen sind. Sie müssen sich jedoch zunächst zurückziehen auf eine Anhöhe, aber Cornelius und der Rajah arbeiten bald mit ihnen zusammen.

Der Rajah wollte erst die feindliche Stadt besiegen, ehe Jim von einer Inspektionsreise ins Innere zurückkam, und dann wollte er gegen die Desperados selber vorgehen. Brown jedoch wollte auf Jim warten, sich mit ihm über die Teilung der Herrschaft zunächst einigen und ihn dann bei Gelegenheit umbringen.

Diese Männer von der Küste waren für Jim Abgesandte der Welt, der er entsagt hatte, und eine Gefährdung seines Werks. Brown hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt: Er betont, daß ihn doch nur der Hunger in den Urwald getrieben habe, daß Jim wohl auch solch schlimme Erfahrungen habe machen können; und ganz versteckt klingt auch eine Vermutung gemeinsamer Schuld heraus.

Jim will Brown zurück ans Meer lassen, er ist gerührt von dem schlimmen Schicksal dieser Verzweifelten, er mißtraute Brown in keiner Weise (romantisch). Deshalb will er auch mit seinem Leben dafür einstehen, wenn irgendwelcher Schaden daraus entsteht. Am Morgen zieht Brown ab, überfällt jedoch das Lager der Eingeborenen, das etwas weiter unten am Fluß liegt (um eine Flucht der Eindringlinge zu verhindern), tötet den Sohn des Häuptlings und nimmt so Rache. Nur Cornelius, der die Fremden auf Schleichwegen herangebracht hatte, wird von Jims Diener umgebracht.

Jim konnte nicht mehr kämpfen, er konnte das Schicksal nur noch auf andere Art besiegen: Erst will er fliehen, dann jedoch kommt er zurück und läßt sich von dem Häuptling erschießen. Damit hat er das Versprechen seiner Ehre eingelöst, und vielleicht ist er jetzt ganz beruhigt  Dieser Jim ringt um Läuterung, er will aus schuldhafter Verstrickung loskommen, leugnet aber auch seine Schuld nicht. Er ist ein Held des Gewissens, der gerade dann siegt, wenn er äußerlich scheitert, wenn er - diesmal völlig unverschuldet - ein in ihn gesetztes Vertrauen enttäuscht.

 

 

Franz Kafka                                                                                               1883 - 1924

Stilmerkmale Kafkas:

Lange Sätze, aber nicht im Satzbau Kleists. Keine Schachtelsätze, das Verb versteckt in der Mitte, niemals die Hauptsache am Ende, Spannung vermindert durch punktuelles Nebeneinander setzen häufig innerer Monolog. Viele Gebärden, äußerliche Schilderung und Bewegung, die aber auf eine innere Bewegung schließen läßt, sehr lebendig und deutlich. Dagegen wenig („architektonische“) Umgebung, diese künstliche Welt grenzt den Menschen nur immer ein.

 

Ein Hungerkünstler:          

Typisch novellistische Merkmale gibt es bei Kafka nicht. Der Dichter schreibt mehr mit Distanz, er schaltet sich nur verdeckt ein. Er gibt die Suggestion einer in sich geschlossenen Welt, und man glaubt, es könnte gar nicht anders sein. Es handelt sich jedoch nicht um ein Lehrstück, sondern um eine Parabel.

Ein Hungerkünstler hat am Anfang seiner Künstlerepoche eine Zeit großer Erfolge. Er leidet aber darunter, daß seine Hungerzeit aus Publikumsgründen nur 40 Tage beträgt. Auch nachher im Zirkus findet er kaum Beachtung und hindert eigentlich nur; er geht vergessen und

verhungert. Kurz vor seinem Tode gesteht er dem Wärter, der ihn findet:  „Ich hätte genauso gegessen wie jeder andere, aber ich fand die Speise nicht, die mir schmeckte!“

Eine sonderbare Geschichte! Aber dennoch erscheint uns die WeltKafkas die eigentliche, wahre und gültige zu sein. Hier kommt uns erst eigentlich das Verstellte unserer Welt zum Bewußtsein: So müßte unser Leben eigentlich sein. Damit ist die Erzählung bereits das  „Dahinter“, unser Dasein erschließend unter einem doppelten Aspekt: dem einer grotesken Verfremdung und dem einer parabolisch gültigen Wahrheit. Bis zum Fratzenhaften ist diese Welt entstellt, sie läßt sich nicht mehr realisieren. Aber sie demaskiert auch unsere anscheinend so geordnete Welt, wenn Kafka auch nicht im Nihilismus landet.

Das Hungern bedeutet eine Bedrohung vitaler Grundlagen der eigenen Existenz. Als Künstler möchte dieser Mensch die Freiheit haben, durch das Hungerspiel die notwendigen Bedürfnisse der vitalen Existenz zu widerlegen. Der Hungerkünstler will ganz Geist werden, er will nur geistige Nahrung zu sich nehmen.

Das kann er aber nur zeigen, indem er die irdische Speise einfach leugnet. Sein „archimedischer Punkt“ kann nur gefunden werden, weil er sich gegen den Finder selbst richtet. Durch Selbstqualen gelangt der Hungerkünstler so zur Freiheit. Er zeigt damit die Wahrheit seines Falls und beweist auch die Möglichkeit eines solchen Weges.

Er sticht zwar aus der Masse heraus, er ist Künstler, der sich zur Schau stellt, aber er bleibt immer isoliert, denn keiner der Zuschauer kann nachprüfen, ob der Hungerkünstler wirklich immer hungert. Dieser wird damit zu seinem eigenen, einzigen Zuschauer; er allein kann wahr und frei sein, ihm ist nur Spiel, was anderen als Last erscheint.

Er ist wirklicher als die Welt, weil für ihn die Möglichkeit eines Menschseins besteht, das in der Welt schon den Punkt außerhalb der Welt erreicht hat. Deshalb ist er wütend, daß die Scheinwelt sein Hungern nach 40 Tagen unterbricht, daß er aus einem Reich des Geistes zurückgeholt wird in Raum und Zeit, daß er wieder Nahrung aufnehmen muß.

Im Zirkus kann er noch einmal im Anonymen untertauchen, wenn er auch hier in der Nähe der Ställe (= der vitalen Welt) leben muß. Eigentlich ist er nur ein Hindernis in der mit Ställen und Raubtieren verfremdeten Welt. Doch er bedarf der Zuschauer, die auf dem Weg zu den Ställen manchmal zu ihm herüber schauen.

In der Bestimmung als „kleines Hindernis“ liegt für ihn doch immer noch eine Bedeutung: Er ist noch eine Schranke vor der vitalen Welt. Doch man gewöhnt sich an ihn und beachtet ihn kaum noch. Als er seinen archimedischen Punkt erreicht hat, ist er vergessen! Er entschuldigt sich: „Wer eine Ausnahme sein will, der darf vor der Welt nicht darauf pochen, als solche angesehen und bewundert zu werden!“ Das ist seine Paradoxie.

Das genaue Gegenteil des Hungerkünstlers ist der Tiger, der nach ihm in den Käfig gesperrt wird. Er ist rein vital, er benötigt noch nicht einmal Freiheit: „Irgendwo im Gebiß schien sie zu stecken!“ Das Tier ist eindeutig, fraglos, unbestritten, eine Inkarnation des nackten, schönen und um seiner selbst willen bejahten Lebens. Um den Tiger sammeln sich auch wieder Zuschauer.

Hier geht es um die Existenz als Künstler, um das Künstlertum eines geistig schaffenden Menschen (ähnlich bei Thomas Mann). Aber der Hungerkünstler ist hier in das Absurde gesetzt, das Herausragen aus der Masse ist nicht mehr angenehm; deshalb hat Kafka dieses Bild ins Absurde verzerrt.

Er macht sich keine Illusionen über die Lage des Geistes in unserer Zeit. Er weiß auch, daß man durch Geist die Masse nicht retten kann. So sagt er aber „Ja“ zum Individuum. Er verzichtet aber auf eine Aufgipfelung zur Elite, er sagt nur: Ich bin so! Damit äußert er aber die schärfste Kampfansage gegen den Materialismus.

Vom archimedischen Punkt aus wollte er die tierische Welt aus den Angeln heben. Er weiß aber um die Fragwürdigkeit dieses Künstlertums. Deshalb bittet der Hungerkünstler auch das Publikum um Verzeihung, weil er dem Positiven des Geistes eine Art von Scheingeltung in der Welt verschaffen wollte. Der Dichter Kafka unterscheidet sich von dem Hungerkünstler dadurch, daß er sich nicht zur Schau stellt.

 

Vor dem Gesetz:

Ein Mensch durfte nicht eintreten in das Gesetz, denn er hatte Angst vor dem Instanzenweg. Solange er diese Angst hat, wagt er nichts. Außerdem ist er ja auch allein, er möchte keine Ausnahme machen und wartet auf andere (Parzival strebte dennoch danach, eingelassen zu werden!); das war sein Fehler.

Die Verwandlung:

Durch die Lieblosigkeit der Masse wird der geistige zurückgedrängt, er wird zum Käfer, der keine Verbindung mehr hat zu seinen Mitmenschen.

 

Auf der Galerie:

Sprachlich: Nur zwei Sätze, aber sehr lang; viele Partizipien. Vergleich: Klatschen wie Dampfhämmer = mechanisch.

Satz 1: Die Handlung scheint unwirklich zu sein. In Wirklichkeit zeigt sie die Hintergründe auf: Die Reiterin ist nur ein Verdienstobjekt. Die Leichtigkeit der Kunst ist nur durch harte Arbeit erreicht worden. Dies alles ist aber nicht mit der Vorstellung des Zuschauers vereinbar. Er ist in den Zirkus gekommen, um sich zerstreuen zu lassen. Wenn er freilich diese Hintergründe sehen könnte, würde er einschreiten.

Satz 2: Die Handlung, wie sie vor den Augen des Zuschauers abrollt. Das herkömmliche Bild, das jeder in Ordnung findet, bei der niemand auf den Gedanken kommen könnte, es sei unwirklich. Oder ist der Zuschauer nur zu uninteressiert, um hinter die Maske der Geschäftemacherei zu schauen? Niemand will sich die Illusion rauben lassen.

Aussage: Unsere Welt ist eine Scheinwelt. Wir ahnen die Wirklichkeit, aber wir sind zu bequem, um weiter nachzudenken.

Symbol : Der Direktor ist das Symbol für Gott, der Gott des Alten Testaments (Kafka ist Jude), der zu keiner Vergebung bereit ist. Gott wird mit dem Mantel der Religion umgeben und wird dadurch nur noch unverständlicher.

 

Der Nachbar:

Die beiden Nachbarn leben aneinander vorbei: Sie kriegen Angst voreinander, Angst, die übersteigert ist. Der andere kann entgegenarbeiten. Es geht um die Existenz (also charakteristisch für die Angst überhaupt)l. Nach den großen Erfolgen könnte ein Rückschlag folgen.

Aber er will es nicht wahrhaben: „Ich klage nicht, ich klage nicht!“ Eine bewußt forsche Sprache großes Selbstbewußtsein - angeblich! Dann wird er unsicher, die Schilderung steigert sich bis in schwärzeste Farben. Bilanz: Das scheinbar Wirkliche ist hohl; was man sieht, ist nicht real.

 

 

 Leo Tolstoi: Die Kerze                                                                           1828 - 1910

Weil der Verwalter ungerecht und grausam ist, muß er auf Beschluß der Dorfbewohner sterben. Der Tyrann weiß zwar, daß geredet wird, aber er möchte auch erfahren, was geredet wird (typisch für einen Tyrannen!). Der Bürgermeister steht zwar innerlich auf Seiten der Bauern und er will sich vor ihnen rechtfertigen, aber er muß der Gewalt weichen und die Bauern bespitzeln.

Die Herren des Landes haben aus kühler Berechnung diesen ehemaligen Bauern als Verwalter eingesetzt, weil dieser das auf ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen will und nun noch strenger werden muß.

Als der Bürgermeister vom Feld zurückkommt, erwartet der Verwalter eine neue „Schlechtigkeit“ von den Bauern. Aber sein Befehl war vorbildlich ausgeführt. Trotzdem hatte er die Bauern nicht davon abhalten können, Ostern zu feiern. Der eine, Peter, hatte sogar eine Kerze auf den Pflug gestellt, die trotz des Windes nicht verlöschte. Dieser Bauer war stärker als alle Befehle des grausamen Verwalters. Als dieser das erkennt, weiß er auch, daß seine Macht über die Bauern dahin ist. Die Bauern haben auch ohne Mord ihr Ziel erreicht.

 

 

Ernest Hemingway                                                                                              1899- 1961

Sein Leben:

Geboren wurde er 1898. Er wollte schon als kleiner Junge nichts von der musischen Erziehung seiner Mutter wissen, sondern fühlte sich sehr zum Vater hingezogen. Dieser schenkte ihm schon mit drei Jahren eine Angel und nahm ihn einmal mit zu einem Indianerlager, von dem der Junge sehr begeistert war. In der Schule war er schon starker Einzelgänger. Seine ersten Kurzgeschichten erschienen in der Schulzeitung, deren Mitherausgeber er war. In den Klubs übte er sich in der Diskussion.

Mit 14 Jahren machte er einen Boxkurs mit und wurde zu einem guten Boxer und spielte in einer Rugbymannschaft. Beim Militär wurde nicht angenommen.

Als Zeitungsreporter ging er nach Italien und wurde verletzt (237 Splitter!). Nach einem Erholungsaufenthalt in den Staaten kam er nach Europa und wurde ein berühmter Reporter. Er war Kriegsberichter im türkisch-griechischen Krieg. Hier hat er den kurzen Stil geübt!

Im Jahre 1927 erschien sein erstes Werk, im Jahre denn „A Farewell to Arms“. Bis 1930 war er Sportler, Fischer und Jäger. Im Jahre 1936 ging er nach Spanien und wurde Stierkämpfer. Er gab eine Spende von 40.000 Dollar an die Loyalisten. Es entstand: „Wem die Stunde schlägt“. Im Zweiten Weltkrieg war er Marinesoldat und dann bei der Armee. Dann wohnte er auf einer Farm in Kuba.

Von 8 Uhr morgens bis 12.30 Uhr schrieb er 200 - 500 Wörter. Anschließend gab er dem journalistischen Nachwuchs Tips, so wie ihn auch Ezra Pound und Gertrude Stein unterstützt hatten. Er trank sehr gerne Alkohol.

Den Stoff zu seinem „Alten Mann“ erhielt er aus der Erzählung eines alten Fischers. Diesem Fischer hatte Hemingway Geld versprochen, wenn das Buch ein Erfolg würde, aber er erwies sich dann als sehr knickrig. Hemingway war einerseits ein herzensguter Mensch und ein Intellektueller, aber auf der anderen Seite Individualist und krasser Egoist, ein Geizkragen und Schläger.

Gestorben ist er wahrscheinlich durch Selbstmord, auch wenn seine Familie behauptete, bei dem Schuß habe es sich um eine Unfall gehandelt.

Alter Mann an der Brücke:

Es ist im spanischen Bürgerkrieg. Eine Stadt muß wegen Artilleriebeschuß geräumt werden. Alles drängt zur Brücke, um sich und einen Teil seiner Habe in Sicherheit zu bringen. Nur ein alter Mann nimmt an dem Geschehen nicht teil. Er sorgt nicht um sein Leben. Das fällt auch einem Offizier, dem Erzähler, auf. Während er die Feindbewegungen beobachtet, unterhält er sich so nebenbei mit dem alten Mann. Er ist ein pflichteifriger Mensch und kann sich mit diesem Sonderling nicht weiter abgeben.           

Dieser Mann mußte drei Gefährten in der Stadt zurücklassen: Es waren Tiere, die er gehütet hatte. „Ach, nur Tiere“ denkt wohl der Offizier, der einen Durchschnittsmenschen verkörpert. Aber für den Alten bedeuten diese Tiere den Lebenskreis, eine Aufgabe. Er empfindet es vielleicht jetzt schon als Verrat, daß er sie im Stich gelassen hat. Deshalb will er wenigstens in ihrer Nähe bleiben. Daß die Gegend um die Brücke immer mehr geräumt wird, bewegt ihn nicht weiter. Seine Gedanken kreisen um die Tiere.

Aber dabei versteht der Mann gar nicht, warum er fort mußte. „Ich habe doch nur Tiere gehütet“, sagt er. „Ich bin doch gar nicht politisch!“ Übrigens ein Mann, der sich von anderen wesentlich unterscheidet, ein Sonderling, den der Gang der Welt nichts angeht. Aber deshalb um so furchtbarer die    Anklage: „Warum trifft der Krieg denn mich und die Tiere?“ Aber das ist ja das Schreckliche des Krieges: Er reißt auch Unschuldige (wie etwa Kinder) mit ins Verderben. Und das alles an Ostern, dem besonderen Feiertag, da muß Krieg sein.

Immer wieder kehren die Gedanken des Mannes zu seinen Tieren zurück. Aber sein Trost: „

„Daß keine Flugzeuge kamen und daß eine Katze notfalls für sich selbst sorgen kann, das war alles, was ihn bewegte“. Solch eine nebensächliche Tatsache bedeutet für den alten Mann schon einen großen Trost.

 

In einem anderen Land:

Es handelt sich nicht nur um einen Kriegsbericht. Die Sinnlosigkeit und Unberechenbarkeit des Krieges soll gezeigt werden. Der Soldat weiß nicht, warum er kämpft, die Bevölkerung sieht den Sinn des Krieges nicht ein. Der einzelne Soldat hat keinen persönlichen Haß auf den Gegner. Der einzige Feind sind die Alpen. Ihm gelingt mit Catherine die Flucht in die Freiheit. Sie wollen ein neues Leben beginnen. Aber der sinnlose Tod Catherines macht auch sein Leben sinnlos, das Leben überhaupt wird für ihn sinnlos. Hier zeigt sich die Macht des Schicksals.

Mensch und Volk müssen sich ihm beugen, das Schicksal vernichtet jeden. Dem Krieg kann er entfliehen, nicht aber dem Schicksal. Wir werden auch hier bis zu einem gewissen Punkt geführt, eine Fragestellung erfolgt, aber dann bricht sie ab, weil keiner ein sinnvolles Dasein sieht (Bei den Dichtern um die Jahrhundertwende war das nicht so, dazu war erst der Erste Weltkrieg nötig!). Trotzdem verfällt Hemingway nicht in Resignation. Er will aus der jeweiligen Situation das Beste herausholen. Erst im Untergang zeigt sich der Charakter des Menschen.

Stil: Manchmal kommen lange Stellen, die nur aus Gesprächen bestehen, dann wieder ganz kurze Aussagen. Oft wird dasselbe mehrmals wiederholt. Es wird viel Zeit genommen für die Ausschmückung und eine genaue Schilderung. Dadurch wird allerdings die Gefahr erhöht, daß man das Werk nur als Kriegsbericht betrachtet.

 

Arthur Miller                                                                                   1915 -2005

Hexenjagd:  

Dieses Stück gilt nicht nur für damals, sondern besonders auch heute. Auch heute gibt es noch Aberglaube und Hexenwahn. Die grundsätzliche Frage der Verfolgung Andersdenkender wird aber zurückverlegt in eine historische Situation. Gemeint war von Miller jedoch die Verfolgung der Juden in den USA und der ganzen Welt und die Verfolgung der Kommunisten durch Senator McCarthy.

Der Anlaß zur Hexenjagd ist ja nicht nur das Gerücht, die Mädchen hätten im Wald getanzt, sondern er entspringt aus dem Zeitgeist, der an Hexen glaubt; ohne das wäre die Hexenverfolgung ja gar nicht möglich.

Der Prozeß scheint eine dramatische Wendung zu nehmen, als Abigail selbst zur Angeklagten zu werden droht. Da deutet sie nach oben und die ihr hörigen Mädchen meinen auch wirklich einen Raubvogel zu hören. Die moderne Psychologie hat bewiesen, daß solche Dinge möglich sind. Auch ein Hitler konnte viele Menschen blenden und in seinen Bann reißen. Wenn wir aber heute eine Hitlerrede hören, dann fehlt uns die besondere Atmosphäre, die Persönlichkeit, der Zeitgeist, um davon gepackt zu werden. Ebenso ist es für uns etwas unverständlich, daß sich diese Mädchen so beeinflussen lassen zu einer Stimmung, in der sie nicht mehr real denken können.

Der scheinbar gerechte Richter will auf keinen Fall das Recht beugen. Er ist nicht bewußt ungerecht, und doch begeht er eine Schandtat. Er versucht zwar der Möglichkeit nachzugehen, daß Abigeil gelogen haben könnte. Aber er urteilt nach seiner Weltanschauung, die Hexen für möglich hält. Wir jedoch nehmen heute an, daß unsere Ansicht vom Schutz der Persönlichkeit richtig ist und daß jeder zu seinem Recht kommen kann.

Die menschliche Schuld des Proktor liegt in dem Ehebruch. Das spielt eine Rolle für Abigeil, die nun erst bei der Verhandlung in den ganzen Hexenwahn hineingestoßen wird und sich zum Triebwesen entwickelt, aber auch für Proktor, der versucht, die Frau zu retten, indem er sich den Ehebruch zuschiebt. Das wäre eine Möglichkeit der Rettung gewesen, denn sie hätten ihren Besitz und ihre Existenz retten können, wenn sie auch aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden wären.

Durch das Geständnis eines angesehenen Mannes wie Procter wäre die Lehre vom Hexenwahn klar belegt worden. Proctor ist auch bereit, durch eine Lüge seine Existenz zu retten, aber er will nicht andere mit hineinziehen. Als es aber doch so zu kommen scheint, kann er nicht mehr mit, denn dann hätte er nicht nur seinen Namen verloren, sondern auch sein eigenes Ich.

Miller wollte auch die Bindung in eine Weltanschauung angreifen, er machte einen Aufstand gegen Thron und Altar. Satre dagegen hat in seinem Film eine tendenziöse Verengung: Christentum und Demokratie sind an allem Schuld.

 

Der Tod des Handlungsreisenden:

Hier lebt eine ganze Familie in Illusionen. Der Vater bildet sich ein, einmal ein ehrbarer Kaufmann gewesen zu sein, die Söhne sollen es einmal besser haben und auch denselben Beruf ergreifen, in dem das Ansehen, der Schein, nicht mehr gilt. Die Traumwesen geben Willy  natürlich recht. Trotzdem lebt er in einer Scheinwelt mit der Sehnsucht nach dem Alten und der falschen Romantik des Karottenzüchters.

Man müßte diesen Menschen den Sinn für die Wirklichkeit einbleuen, wenn nun eine Maske nach der anderen abgerissen wird und eine anonyme Welt ohne ideelle Werte übrigbleibt. Wir können nur Mitleid empfinden mit diesem Mann, nicht aber die Umstände verantwortlich machen. Trotzdem haben diese Menschen nichts gelernt, denn ihnen scheint der Tod wertvoller als das Leben zu sein, weil sie nun ohne Schulden sind. Das heißt die Illusion auf die höchste Spitze treiben. Stil: Nur angedeutet, was sein könnte, Reportagestil, knappe Dialoge. Rückblenden.