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Radtouren

 

Radtouren

 

Diese Ausflüge zeichnen sich dadurch aus, daß sie alle nur etwa 15 Kilometer lang sind (dazu kommt jedesmal noch die Anfahrt zum Treffpunkt) und daß sie ausschließlich durch ebenes Gelände gehen, von ganz kleinen Anstiegen abgesehen (zum Beispiel über die Autobahn).

Diese Vorschläge finden sich auch unter „www.peterheckert.org“  unter dem Menüpunkt „Maintal“.

 

Wachenbuchen -Dörnigheim 2009 (14,5 Kilometer bis zur Dörnigheimer Schleuse).

Start an der Turnhalle in Hochstadt. Auf dem ausgebauten Feldweg in Verlängerung des Bücherwegs geht es nach Wachenbuchen und etwas nach links und rechts in die Bruckner-Straße. Am unteren Rand des Ortes geht es nach links bis zum östlichen Ortsausgang. Dann biegt man nach rechts auf den Simmichtsweg ab.

 

 

 

 

Umgehungsstraße Wachenbuchen:

Eine örtliche schon vorgeschichtliche Straße verlief von Hochstadt über Wachenbuchen nach Marköbel. Im Jahre 1898 sind nach Angaben des maßgeblichen Forschers Wolff etwa 300 Meter südöstlich des damaligen Ortes noch „Stickung und Kiesdecke“ feststellbar. Doch 1913 ist die Straße schon von den neuen Teilen des Ortes erreicht.

Sie kommt von der Einmündung der Hochstädter Straße auf die Straße nach Wilhelmsbad, verläuft südlich des Ortes in einem fast gradlinigen Abschnitt und biegt dann nach Nordosten ab in Richtung auf die römischen Anlagen in Mittelbuchen und nach dem Kastell Marköbel.

Sie wird damals  „K l e i n e  S t r a ß e“ genannt, der Ackerstreifen südlich davon heißt lange „unter der Straße“. Sie wird schon in einer Urkunde von 1293 erwähnt. Dort heißt sie „via qui dicitur Bisewise“ (Straße, die genannt wird „Bisewise“).

Seit 1964 sind Umgehungsstraßen für Wachenbuchen im Gespräch. Der Bau einer Umgehungsstraße westlich von Wachenbuchen wird 1965 vorsorglich mit eingeplant. Die Gemein­de gibt Land für den Straßenbau von Wilhelmsbad nach Wachenbuchen ab. Sie verlangt, daß der Fuß- und Radweg sowie der Wirtschaftsweg nach Mittelbuchen mit gebaut werden. Der Schulweg soll neben der Straße verlaufen und müßte durch einen fünf Meter breiten Grün­streifen mit Bepflanzung abgetrennt werden. Gleichzeitig läuft die Planfeststellung für den Ausbau der Landstraße nach Mittelbuchen. Ab 1965 wird auch die Straße von Wilhelmsbad über Wachenbuchen nach Niederdorfelden ausgebaut (bis 1969). Die Ortsdurchfahrt wird schon 1965 verbreitert, vor allem die Kurve. Im Herbst 1966 beginnen Arbeiten zur Verbreiterung der Straße nach Hochstadt. Der Planung des Rhein-Main-Schnellwegs wird 1968 prinzipiell zugestimmt. Man möchte aber gleichzeitig eine Ortsumgehung haben. Der Rhein-Main-Schnellweg wird 1970 zur Autobahn hochgestuft.

Im Jahre 1972 soll die Umgehungsstraße südlich des Ortskerns so bald wie möglich gebaut werden. Mit dem Planfeststellungsverfahren wird 1973 gerechnet. Damals standen Schilder an den Neubaugebieten, die schon die Umgehungsstraße zeigten. Aber dann hieß es wieder, die Umgehungsstraße könne nicht vor 1976 gebaut werden.

Wiesen und Wald südlich des Ortes werden vom Regierungspräsidium 1972 als Grünzone ausgewiesen. Sie soll nach Osten und Norden erweitert werden bis hin zum Hühnerberg. Aber in Richtung Hochstadt soll sie unterbrochen werden, damit man sich nach dort ausbreiten kann und nicht mehr in Richtung Mittelbuchen.

Im Jahre 1978 erwägt man, die Straße nicht im Zuge des Feldweges am Rande der Bebauung verlaufen zu lassen, sondern etwa 100 Meter weiter südlich, also auch südlich des Festplatzes. Eine „Schutzgemeinschaft Wachenbuchen Süd“ ist gegen eine Trasse am Rand der Bebauung. Die Bauern aber sind gegen die Trasse durch die Felder und Wiesen. Beide klagen 1979 vor Gericht bzw. drohen mit Klagen.

Ende des Jahres 1979 spitzt sich die Diskussion um die Wachenbucher Südumgehung noch einmal zu. Schließlich wird vom Gericht entschieden, daß die Umgehungsstraße nicht notwendig ist, weil der Verkehr durch den Ort nicht zu stark ist. Die Klage der Wachenbucher Bauern gegen die Südumgehung wird also mit Erfolg abgeschlossen.

In dem Ortsentwicklungsplan von 1984 wird eine klare Festlegung der Ortsgrenzen dringend gefordert. Vorgesehen wird ein Erweiterungsgebiet zwischen Dorfelder Straße und Bachgasse sowie im Südosten zwischen Wohngebiet und geplanter Südumgehung.

Die Gefahr besteht, daß im Norden die historisch ablesbare Ortsgrenze aufgelöst wird, die Beziehung des alten Ortskerns zur Landschaft ist zu schützen. Es wird deshalb vorgeschlagen, eine Neubebauung im Südwesten anzustreben.

Aus der Diskussion: Die Möglichkeit einer Umgehungsstraße nahe am Waldrand wurde verworfen, weil zu viel Landschaft verbraucht wird und auch der Bogen von der Landstraße aus Hochstadt zu groß wäre. Der Ausbau des Feldwegs am Südrand von Wachenbuchen  wäre die einfachste Lösung. Dieser Weg ist schon 9 Meter breit und war für die Umgehungsstraße bzw. eine innerörtliche Straße vorgesehen. Schon in geschichtlicher Zeit lief hier die Umgehungsstraße an Wachenbuchen vorbei. Aber bei einer Verwirklichung dieses Vorhabens ist erneut mit Prozessen der Anwohner zu rechnen. Nach Auskunft von Juristen ist damit zu rechnen, daß sie nach der herrschenden Rechtssprechung auch Recht erhalten.

Es bleibt nur die Möglichkeit, den etwa 100 Meter weiter südlich verlaufenden Feldweg auszubauen. Dieser ist 4 Meter breit. Es müßte aber noch Land angekauft werden. Die Landwirte erwarten einen Preis von 20 € pro Quadratmeter. Zwischen dem Ortsrand und dieser Straße könnte ein Parklandschaft entstehen.

Die Straße müßte nur die Fahrbahnen für Kraftfahrzeuge erhalten (ein Radweg ist ja schon vorhanden). Eine Unterführung im Bereich des Hanauer Weges ist zwar wünschenswert, aber nicht unbedingt erforderlich, denn zwischen Hochstadt und Wachenbuchen muß z.B. der Gärtner auch ständig die Straße überqueren, ohne daß er eine Unterführung hat.

Der Durchgangsverkehr in Wachenbuchen wurde nach den Regeln der Straßenbehörde gezählt (Radfahrer eine halbe Einheit, Bus drei Einheiten). Die Zähler verbürgen sich dafür, daß sie richtig gezählt haben. Wenn dabei das gleiche Auto vielleicht zehnmal gezählt wurde, so ist ja gefahren und hat Lärm und Gestank erzeugt und muß deshalb gezählt werden. Inzwischen hat es auch eine offizielle Zählung gegeben. Diese ergab aber, daß der Verkehr nicht so stark ist, daß er eine Umgehungsstraße rechtfertigen würde. Die Frage ist allerdings, ob es sich hier wirklich um eine Umgehungsstraße handelt und nicht vielmehr um eine inner­örtliche Straße.

Simmichtsweg:

Auf dem Simmichtsweg kommt man zunächst an der 1974 erbauten Maschinenhalle des Wasser- und Bodenverbandes des Main-Kinzig-Kreises vorbei. Auf der nordöstlichen Ecke des Geländes stand das Bleichhaus. Als das Wasser an der Bolane (Klingerborn) zu knapp wird, verlegt man die Gemeindebleiche auf die Gemeindewiesen hier am Simmichtsweg. Das Wasser wird vom Steinborn hierher geleitet. Die Wiesen waren früher auch Schweineweide (bis 1959) und Bullenwiese.

Am Kleinmüllplatz führt ein Weg zum heutigen Gelände der Pfadfinder. Hier wird 1953 von der Bundesanstalt für Flugsicherung eine Funkleitstelle für den Frankfurter Flughafen errichtet. Es wird ein Mittelwellenfunkfeuer mit zwei 15 Meter hohen Masten und einer Baracke errichtet. Der Gemeindevorstand weiß, daß er es nicht verhindern kann, holt aber folgende Gegenleistungen heraus: Die Bundesanstalt zahlt sowohl einen Zuschuß zu dem von ihr mit benutzten Elektrokabel für die Pumpstation als auch eine jährliche Summe für die Benutzung dieses Kabels, und die Arbeiten werden vorzugsweise an örtliche Handwerker vergeben. Der Vertrag wird am 9. Juni 1954 abgeschlossen. Zu den zwei Antennenmasten kommen 1955 noch zwei Abspannmasten. Die Anlage wird aber später wieder entfernt.

Im Jahr 1971 wird das Gelände dem Deutschen Wetterdienst zur Verfügung gestellt. Nachher hat es der Hundeverein, und schließlich wird es 1989 zum Pfadfinderheim.

Der Blick geht hinüber nach Mittelbuchen. Nordwestlich der Büchertalschule steht der Aussiedlerhof von Johannes Borger, südwestlich stand die Maschinenhalle von Martin Hanstein, die 1988 gebaut wurde. Etwas weiter östlich beginnt die Gemarkungsgrenze nach Mittelbuchen zu. Südlich der Straße springt die Grenze noch einmal nach Osten zu einem Graben, der erst hier beginnt. Am Beginn des Grabens ist noch ein Grenzstein zu sehen.

Der Spazierweg führt aber zunächst auf dem Simmichtsweg weiter. Linker Hand liegt das Wasserwerk mit seinen drei Brunnen. Das frühere Wasserwerk war an der verlängerten Bachstraße nördlich des Ortes, wo verschiedene Quellen zusammengefaßt wurden. Als der Wasserbedarf aber wuchs, bohrte man neue Brunnen in der Ebene und pumpte das Wasser zu einem Hochbehälter östlich der Straße zum Hühnerberg.

Bald ist der Waldrand erreicht. Aber ur­sprünglich rei­chte der Wald bis an den Weg, der nach Osten führt. Hier war ein großes Waldstück mit großen einzelnen Eichen, wo Waldfeste abgehalten wurden. Es handelt sich um die Wachenbucher „Leuchtstatt“. Heute erinnert nur noch die Flurbezeichnung daran. Gemeint ist ein lichter Wald, in dem die Bevölkerung zu besonderen Anlässen zusammenkam. Hier wurden amtliche Bekanntmachungen feierlich verkündet und Feste gefeiert. Anfang des Jahrhunderts werden dort auch drei Fichtenschonungen angepflanzt. Aber einige Bauern wollen neue Wiesen gewinnen und dem Mangel an Brennholz und Futtermitteln abhelfen und holzen den Festwald 1920 ab. Weil nun der Schutz fehlt, werden die Fichten bei einer Sturmkatastrophe restlos vernichtet.

 

Burg derer von Buchen:

Westlich sieht man schon den Bereich der ehemaligen Burg derer von Buchen, die nur noch an dem kleinen Wäldchen zu erkennen ist. Auf dem Acker nordöstlich der Burg und auf dem Burggelände selber wurden Bodenfunde gemacht (Bilder zeigen).

Unter dem Frankenkönig Chlodwig I. wird die Mainebene keinem Herzogtum unterstellt, sondern sie wird zu einem königlichen Kammergut, das von Gaugrafen verwaltet wird. Einer von ihnen baut sich dann seine Burg in der heutigen Wachenbucher Gemarkung. Der König will treue Dienste belohnen und beschenkt deshalb viele Grundherren und die Kirche. Indem aus den freien Bürgern der Stand der „Edelfreien“ entsteht. Sie sie im Dienste des Königs, gehören zu den führenden Geschlechtern des Lehensverbandes, bekleiden zum Teil auch Hofämter und sind eng miteinander versippt und gelangen durch großen Güterbesitz zu Macht und Ansehen. Es bildet sich eine Kleinherrschaft heraus. Aber in Wachenbuchen gab es keine hochedlen Ritter, sondern diese Ritter waren eher Verwalter im Auftrag des Königs.

Die Herren von Buchen bekommen wahrscheinlich zwischen 800 und 1000 die Herrschaft Buchen zu Lehen. Einen ersten Hinweis auf die Herren von Buchen findet man im Jahr 1062. In diesem Jahr übergibt Reginbodo dem Kloster in Fulda auch eine Hufe in Buchen (Buocho). Zeugen dabei sind Dammo und Reginhard. Diese Namen kommen später unter den Herren von Buchen öfter vor. Deshalb können diese Zeugen mit aller Vorsicht in Zusammenhang mit den Herren von Buchen gesehen werden.

Typisch ist die Zersplitterung der kleinen Orte unter der Herrschaft der geistlichen und weltlichen Herrschaften. Es gibt auch Reichs- und Königsgut. Den Herren von Buchen aber gelingt es, das Vogteirecht über die Besitzungen des Mariengredenstiftes zu erlangen. Das ist eine der wichtigsten Grundlagen für den Aufstieg dieses Geschlechts. Ab dem Jahre 1122 ist das Geschlecht derer von Buchen mit Dammo von Buchen und Hagenowe in den schriftlichen Quellen nachzuweisen.

Im Bereich Hanau gibt es noch keine Ansiedlung, sondern nur etwas weiter südlich das kleine Kinzdorf mit einer Marienkirche. Die Buchener aber bauen jetzt auf einer Kinziginsel die Burg Hagenowe (an der Stelle des späteren Hanauer Schlosses) und legen damit den Grundstock der Stadt Hanau.

Diese Stadt verdankt ihre Ersterwähnung einer Unterschrift der Herren von Buchen unter eine Urkunde aus dem Jahre 1143, während deren Stammburg in Wachenbuchen nicht erwähnt wird. Interessant ist dabei, daß aus „Dammo von Buchen“ plötzlich ein „Tammo von Hanau“ wird. So nennt er sich dreimal in diesem Jahr. Aber im nächsten Jahr ist er wieder Dammo von Buchen.

Weil Hanau noch nie vorher in Urkunden erwähnt ist, schließt man daraus, daß Dammo von Buchen der Erbauer der Burg in Hanau ist. Bis zur Fertigstellung der Burg hätte er dann noch vorwiegend in Wachenbuchen gewohnt. Bis zum Jahr 1145 wird Dammo noch elfmal als Dammo von Hanau als Zeuge erwähnt. Er ist also eine wichtige Persönlichkeit und nicht zu umgehen. In der Chronik von Wachenbuchen sind die Familienverhältnisse eingehend dargestellt.

Die Familie derer von Buchen hat aber wohl keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Herren von Dorfelden, die 1166 erstmals erwähnt werden und die Stammväter des Hanauer Geschlechts sind. Sie wagen erst lange nach dem Aussterben der Buchener sich als „von Hagenowe“ zu bezeichnen. Konrad kann es 1166 noch nicht tun, weil Gerlach von Buchen noch lebt und regiert.

Erst Heinrich I., der vielleicht schon in Hanau wohnt, nennt sich 1191 erstmals „von Hagen­owe“, während sein Neffe Reinhard noch in Dorfelden bleibt. Als Heinrichs Sohn dann aber Domherr wird, geht die Hanauer Erfolge auf die Dorfelder Linie über, so daß sich Reinhard III. dann „von Dorfelden und Hagenowe“ nennt, während Reinhard I. und Reinhard II. sich nur „von Dorfelden“ zu nennen wagen. Doch die eigentlichen Hanauer Grafen beginnen mit Reinhard von Hanau, der von 1243 bis 1281 regiert.

Das Geschlecht der Herren von Buchen stirbt 1168 aus. Ihre Burg in Wachenbuchen wird nicht mehr bewohnt. Sie fällt an die Herren von Dorfelden-Hagenowe. Diesen fällt damit aber auch Hanau zu, als Heinrich II. von Hagenowe kinderlos bleibt. So erben die Dorfelder die Burg Hagenowe, die die Herren von Buchen gebaut oder zumindest doch wohl mit gebaut haben.

Es ist aber deutlich, daß sowohl die Herren von Buchen als auch die Herren von Dorfelden Anspruch auf Hagenowe erheben. Beide Familien nennen sich bald nach dem alten Namen, bald nach dem beanspruchten Namen. Aus dieser Tatsache kann man aber nicht schließen, daß die Grafen von Hanau sich später wieder „von Buchen“ genannt hätten und die Herren von Buchen also das Stammgeschlecht der Hanauer gewesen wären.

Immerhin kann man sagen: Als an der Stelle von Hanau noch Sumpf ist, gibt es schon die Burg von Buchen und Wachenbuchen. Die Verkehrswege laufen noch am Rand der Höhenzüge oder auf diesen. Die Ebenen dagegen sind hochwassergefährdet und von dichtem Wald bedeckt. Dieser gehört den Herren von Buchen und Hanau. Die Stadt Hanau ist also auf dem Grund und Boden Wachenbuchens gebaut. Aber mit der Zeit wird der Wald gerodet, der Sumpf entwässert. Die Kinzigmündung wird mit der Zeit bedeutender als der alte Herrensitz am Rande des Sumpflands.

Es hat Versuche gegeben, die Burg von Buchen an anderer Stelle zu suchen (Alteburg bei Mittelbuchen). Die Tradition der „Burg von Buchen“ hängt aber nun einmal an der Stelle etwa einen Kilometer südlich des Ortskerns, in einem ebenen Wiesengelände, wo heute ein kleines Wäldchen ist. Die Westseite trägt den Flurnamen „Die Burg“. Solche Namen haften sehr sicher an ihrem Ort. Nie hat man es anders gewußt, als daß diese Stelle die Burg derer von Buchen war.

 

Beschreibung: Es handelt sich nicht um zwei beisammen liegende Burgen, denn der Abstand der Hügel ist dafür zu gering. Günter Binding schreibt 1963: „Die Burg bestand aus einer quadratischen, einst von Wassergräben umgebenen Wirtschaftsburg und einem getrennt davon stehenden Wachtturm, der ebenfalls von Wassergräben geschützt und wohl nur durch die Wirtschaftsburg zugänglich war!“

Die Burg ist etwa 150 auf 130 Meter groß. Aber sie ist in großen Teilen verschleift, die Hügel abgetragen, die Gräben eingeebnet, im Nordteil ist sie sogar überackert. Doch läßt sich im Gelände und durch Luftbildaufnahmen ein Bild gewinnen über den ehemaligen Grundriß der Burg.

Kern der Burg bildet ein aufgeschütteter Hügel im Süden der Anlage. Er ist rechteckig mit gerundeten Ecken. An der Basis ist er etwa 40 mal 50 Meter groß, die Kuppe bietet bei einer Höhe des Hügels von fünf Metern einen Platz von etwa 20 mal 28 Metern. Die Kuppe erhebt sich etwa 2,60 Meter über die tiefste Stelle des eingeebneten, etwa zehn Meter breiten Grabens. Die Burg war sicher in wesentlichen Teilen aus Stein erbaut. Es gibt Berichte aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, die „Spuren von Kellern und Mauerwerk“ und einen Mauerrest auf dem südlichen Burghügel erwähnen. Auch heute noch schauen einzelne Steine aus dem Erdreich der kurzen Hangschrägen hervor: Sie könnten ein Hinweis auf eine Steinmauer oder ein aus Steinen gemauertes Innengebäude sein.

Dem Burghügel ist im Norden noch eine rundlich-rechteckige Vorburg vorgelagert, aber etwas nach Osten versetzt, von der Burg durch einen Wassergraben getrennt. Diese Vorburg ist ebenfalls aufgeschüttet, allerdings nur gut einen Meter hoch. Die Basis ist etwa 40 mal 60 Meter groß, oben sind es etwa 25 mal 40 Meter. Auch um diese Vorburg läuft ein Wassergraben. Sie ist aber rundum angegraben und von einem Netz vom Grabungsschnitten und Suchtrichtern überzogen.

Um die Gesamtanlage läuft ein ovaler Wassergraben in durchschnittlichem Abstand von zehn Metern vor den inneren Gräben. Er schließt mit einer deutlich ausbiegenden Verbreiterung an den südlichen Graben des Burghügels an. Im Süden der Westseite bricht er unvermittelt ab und wird durch einen anderen querlaufenden Graben abgeschnitten. Hier stand wohl eine andere Vorburg, die dem Burghügel in einer jüngeren Bauphase nach Westen vorgelagert wurde. Auch diese Vorburg war von einem Graben umgeben, der die Verbindung zum Graben der nördlichen Vorburg darstellte (vielleicht wurde der ovale Umfassungsgraben bei dieser Erweiterung aufgegeben). Wenn das Gras gemäht ist oder auf Luftbildern kann man im Gelände noch gut die ehemaligen Gräben erkennen. Der Weg durchschneidet den nördlichen Außengraben, der auf dem Feld noch weiter geht.

Bert Worbs, der derzeit beste Kenner der Burgen im Altkreis Hanau, meint: Bei der Burg handelt es sich wohl um eine Turmburg auf künstlich aufgeschüttetem Hügel mit danebenliegendem befestigtem Wirtschaftshof. Dieser Typ einer Talburg aus Holz oder Stein wird auch als „Motte“ bezeichnet  (das Wort kommt aus dem Französischen). Er ist im 11. und 12. Jahrhundert in Mittel- und Westeuropa weitverbreitet (also erst am Beginn des Hochmittelalters und nicht schon früher). Er ist auch im Rhein-Main-Gebiet an mehreren Orten nachzuweisen. Als Beispiele für eine derartige Bauweise nennt Worbs die Burg bei Bicken­bach, die ehemalige Turmburg in Obertshausen und die Burg in Eschborn.

Es läßt sich nicht belegen, daß die Burg in den Jahren 1388/89 zerstört wurde, wie es der von der Heimatstelle des Main-Kinzig-Kreises herausgegebene Burgenführer schreibt. In den dreißiger Jahren wird auf dem größeren der Hügel durch Heinrich Ricken ein Suchschnitt angelegt, der sich noch heute deutlich abzeichnet. Davon sind aber keine Aufzeichnungen oder Funde bekannt.

Wenn man vom Weg an der Nordwestseite in das Wäldchen hineingeht, trifft man zuerst auf den nördlichen inneren Burggraben, der hier noch deutlich als Vertiefung wahrnehmbar ist. Etwas weiter südlich ist noch der Suchgraben zu erkennen. Immerhin werden Keramiken, die Schüler in der nördlichen Vorburg ausgewühlt haben, in das 14. Jahrhundert datiert. Die Burg könnte bis dahin bestanden haben. Dann erlitt sie das Schicksal vieler mittelalterlicher Burgen: Entweder wurden sie zum Schloß oder zur Festung ausgebaut wie die Burg von Hanau. Oder sie verfielen wie die Burgen in Buchen und Dor­felden und dienten als Steinbruch für Wohnhausbauten in den Dörfern der näheren Umgebung.

Im Jahre 1934 wird das Gelände der Burg von dem Wachenbucher Philipp Klees im Auftrag des Kreisvogelwarts (aber ohne höhere Erlaubnis) mit Vogelschutzhecken bepflanzt. Die Gemeinde zahlt ab 1935 die jährlichen fünf Mark Pacht an das Preußische Domänenrentamt.

Zeitweise war geplant, das ganze Gelände von der Burg bis zur Kreisstraße als Industriegebiet auszuweisen. Heute ist die Burg eher gefährdet durch die Landwirtschaft, weil immer mehr Wiesen umgeackert werden und dabei die Spuren der Burggräben vernichtet werden. Aber immerhin mußte der Bauer, der bis etwa zehn Meter an die Burg herangezackert hatte, durch Eingreifen der Naturschutzbehörde die  Wiese wiederherstellen

Sage von den Schätzen der ehemaligen Burg der Herren von Buchen: Ein Einwohner von Wachenbuchen erzählt 1926: Ich war vielleicht 16 Jahre alt, da hatte ich mit meinem Vater Dung auf die Wiese nahe der Burg gefahren. Die Pferde waren sehr treu, so daß ein Kind mit ihnen fahren konnte. Es war ein schöner Herbsttag, kein Lüftchen regte sich.

Als ich mit dem Abladen fertig war und das Düngsel auseinanderstreute, polterte es in der Erde, als würden preußische Taler aus einer Kiste auf einen Tisch geschüttet. Die Pferde stiegen vor Schreck in die Höhe und liefen davon. Mein Vater und ich fingen die wildgewordenen Tiere wieder ein und mußten sie beruhigen. Weil wir mit der Arbeit fertig waren, fuhren wir nach Hause, konnten uns aber nicht erklären, wie alles gekommen war.

Es war ein Jahr später. Mit den Großeltern wendete ich Heu auf der vorgenannten Wiese. Beim Wenden raschelte es in meinem und dem Rechen der Großmutter. Meine Großmutter rief dem Großvater, der schwerhörig war, zu: Großvater, hast Du die Wiese nicht sauber gemacht? Der Großvater gab keine Antwort. Wir zwei, Großmutter und ich, suchten im Heu nach, ob vielleicht Steine da wären. Wir fanden nichts; der Großvater hatte die Wiese im Frühjahr sehr sauber geputzt. Wir konnten uns das Rascheln nicht erklären.

Es war im Winter. Bei uns zu Hause waren meist alte Leute zu Besuch. Bei unsern Gesprächen kamen wir auch darauf, was wir zweimal auf der Burg erlebt hatten. Da sagte eine sehr alte Frau: Was wart ihr so dumm. Ihr hättet euch den Platz merken sollen. Das Geld der Burgherren hat sich in der Erde geregt. Meine Großeltern haben es oft erzählt, daß die Schätze verborgen sind. Wem es sich anzeigt und wer die Stelle genau merkt, der kann das Geld aus der Erde holen (aus der Schulchronik).

Ehe man ganz in den Wald hineinkommt, geht ein Weg nach Osten zu der Jagdhütte an der Stelle der ehemaligen Forsthütte, die eines Tages abgebrannt ist.

 

Römisches Landgut:

Am Weg vor dem Römergrab in Richtung Mittelbuchen findet man im Jahr 1898 zwischen Gräbern und einem Hügel die Mauerreste eines  römischen Hauses  mit einem an der Westseite vorbeiführenden Kiesweg (Fundstelle 96). Die aufgedeckten Teile, ein Raum von  6,45 Meter Länge und 5,60 Meter Breite, an den sich noch weitere Mauerstücke ansetzten, zeigten weniger sorgfältige Bauart, als es bei römischen Gehöften der Fall zu sein pflegt.

Die Scherben entsprachen den in den Grabkisten und im Hügel gefundenen.  Gefunden werden eine schilfblattförmige Lanzenspitze, eine Messerklinge, ein Ring, ein Schiebeschlüssel, Fragmente eines Meißels sowie Bruchstücke von vier Bilderschüsseln aus Rheinzaberner und Trier und Scherben des 2. Jahrhunderts. Sie sind heute im Museum Hanau.

Überraschend ist die Lage an einem Sumpfgebiet, weil fruchtbarer Boden ein typisches Merk­mal römischer Landgüter ist. Marcus Portius Cato (234 -149 vCh), De agricultura 1,1-3: „Wenn du ein Gut anzuschaffen gedenkst, verfolge deine Absicht so.... Wenn möglich soll es am Fuße eine Berges, mit Blick nach Süden und in einer gesunden Gegend liegen, eine hinlängliche Zahl von Arbeitskräften und eine gute Wasserversorgung vorhanden sein, sich eine wirtschaftlich starke Stadt in der Nähe befinden, wenn aber nicht, entweder das Meer oder ein Strom auf dem Schiffe verkehren, oder eine gute und belebte Straße“.

 

Hier in der Nähe des Grenzgrabens liegt aber das Gelände etwas höher und ist für eine Ansiedlung geeignet. Westlich davon ist allerdings ein Sumpfgebiet, das in römischer Zeit eine Pferdeschwemme gewesen sein soll; aber belegt ist das nicht. Spuren eines solchen Hofs fand man aber auch in den Kiesgruben zwischen Dörnigheim und Kesselstadt an der Hochspannungsleitung. Die Ansiedlungen könnten mit den Steinbrüchen in Wilhelmsbad zusammenhängen (auf dem Gelände des heutigen Kurparks), die schon in römischer Zeit abgebaut wurden.

 

Simmichtseiche:

Wo der Simmichtsweg schon ein Stück durch den Wald führt, steht die „Simmichtseiche“, auch „Dicke Eiche“ genannt. Der bizarre und knorrige Baum ist etwa 300 bis 350 Jahre alt und weist bei einer Höhe von 23 Metern einen Stammumfang von sechs Metern auf. Auffallend ist vor allem die Form des Stammes, der sich vom Fuß her blasenförmig nach oben ausweitet. Der Wald auf der westlichen Seite ist erst 1971 angepflanzt worden. Früher hatte man hier einen weiteren Ausblick auf die Wiesen als heute.

 

Römergrab:

Die mächtige Krone der Eiche beschirmt ein in direkter Nähe liegendes Hügelbrandgrab aus römischer Zeit.  Der Simmichtsweg ist vermutlich ein Römerweg, der vom römischen Kastell Kesselstadt nach Friedberg und in die Wetterau führte. Diese meist gradlinige römische Militärstraße hatte einen 5,50 Meter breiten Steinkörper mit Gräben an beiden Seiten. Das Grab soll ursprünglich auch die Römerstraße angeschnitten haben, so daß diese jünger wäre als das Grab.

Am 7. September 1875 wurde der Hügel ohne Ergebnis untersucht. Suchier und Hausmann fanden nur rohe, scheinbar prähistorische Scherben. Georg Wolff ließ daher im Jahre 1898 den Hügel mit einem Durchmesser von 23 Metern und einer Höhe von 1,60 Metern vollständig aufgraben. Er enthielt in den als Kugelklappen übereinander liegenden Schichten der Dammerde, aus welchen er gebildet war, nur vereinzelte Scherben provinzial­römischer Gefäße.

Unter dem Mittelpunkt aber war -  fast berührt von dem alten Versuchsgraben - im gewachsenen Boden ein römisches Grab eingelassen. Die Aschenreste mit verschlacktem Glas und angebrannten Tonscherben waren in einer runden Sandsteinkiste mit Nasen und einem Durchmesser von 43 Zentimetern untergebracht. In der Kiste waren Scherben des zweiten Jahrhunderts, im Charakter die gleichen wie in dem nahegelegenen römischen Gutshof. Aus unmittelbarer Nähe muß auch die „am alten Weg gegenüber der Buchenburg“ gefundene Scherbe mit einem Durchmesser von 31 Zentimetern stammen,  die heute im Museum Hanau ist.

Die Kiste war rauh, aber auf der oberen Seite sorgfältig geglättet, offenbar für einen Holzdeckel. Auf diesem hatte eine eiserne Lampe gewöhnlicher Form gestanden, die nach Verwitterung des hölzernen Deckels auf dem Rand der Kiste liegengeblieben  war, wo sie zerbrochen gefunden wurde.  Es liegt vielleicht eine Kombination von germanischem und römischem Grabritus vor, die vermuten läßt, daß der verbrannte Tote ein halbromanisierter Provinziale germanischer Herkunft war.

Die provinzialrömische Archäologin aus Hofheim Dr. Evelin Grönke hat eine neue Theorie aufgestellt, wer hier beerdigt worden sein könnte. Nicht ein Provinziale - also Kelte oder Germane - sondern ein Römer, den nur ein solcher hätte sich ein solches Grab leisten können. In der näheren Umgebung befänden sich bis zu 400 weitere Gräber und dazwischen die Fundamente eines römischen Gutshofs. Das gekennzeichnete Grab sei eines der „prominentesten“.

 

 

Allein die imposante Größe sowie die Lage unmittelbar an der Römerstraße erlauben den Rückschluß, daß es sich bei dem Bestatteten um einen wohlhabenden Römer handelte. Die Theorie, daß es sich um einen romanisierten Kelten oder Germanen handele, sei nicht bestätigt. Weder seien Waffen noch Reste einer Tracht gefunden worden, die entsprechenden Rückschlüsse zuließen. Aber auch von einem Römer sind  keine Waffen oder eine Tracht gefunden werden. Für die andere Annahme eines Provinzialen spricht aber die „gemischte“ Bestattungsform.

Das Römergrab wurde schon Anfang der neunziger Jahre freigelegt und mit einem Holzgeländer umgeben. Im Jahre 2007 ging man im Rahmen der Regionalparkroute an die des Grabs. Durch die Regionalparkroute soll der Erholungs- und Freizeitwert der Region aufgewertet werden. Auch soll das Denkmal mehr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt werden.

Aber bei der Regionalparkroute sind halt Architekten am Werk und nicht Archäologen. Sie wollen etwas schaffen, das ins Auge fällt, ein „ modernes, gestalterisches Element“, auch wenn es historisch nicht richtig ist. Man hat nämlich bei diesen Maßnahmen erneut „fremde“ Erde auf den Hügel gebracht. Außerdem wurde eine Mauer aus polnischem Sandstein um das Grab gelegt, zunächst rundherum. Diese neue Mauer rund um das Grab hat bei den Archäologen Anstoß erregt, weil sie an römische Gräber erinnert, die es nur im Hunsrück gibt, aber in unserem Gebiet nicht nachgewiesen sind. Daraufhin hat man die Steine mehr gerade aufgeschichtet, aber das macht die Sache auch nicht besser. Die Mauer bezeichnet aber nicht den ganzen Umfang des Grabs. Immerhin hat man im Juli 2007 eine Informationstafel aufgestellt.

Autobahn:

Die Geschichte der Autobahn beginnt in Wachenbuchen mit der Planung für den Rhein-Main-Schnellweg. Im Jahre 1968 werden Vermessungen vorgenommen; die Trasse liegt aber weiter von der Hohen Tanne entfernt, als zunächst angenommen. Im Jahre 1971 ist dann klar, daß die Autobahn nicht 120 Meter entfernt von der Hohen Tanne vorbeiführen wird, sondern 250 Meter. Allerdings soll zunächst ein Zubringer in unmittelbarer Nähe zu den Häusern gebaut werden. Aber schon bald danach heißt es wieder, die Auffahrt solle weit weg von der Hohen Tanne gebaut werden, der Zubringer soll in Richtung Hanau verschoben werden.

Ende 1972 läuft das Planfeststellungsverfahren für die Autobahn. Beim Anhörungstermin für den Bau der Autobahn sollen folgende Forderungen gestellt werden: Erdwall nach der Hohen Tanne zu, Überführung des Weges zur Hohen Tanne mehr nach Westen, Überführung des Simmichtswegs, keine finanziellen Belastungen der Gemeinde und schließlich Ausgleich für den Verlust an Bauland bei der Hohen Tanne.

Am 12. Februar 1973 stimmt die Gemeindevertretung der Trassenführung der Autobahn zu. Der Plan, die Autobahn weiter nördlich zwischen Ortslage und Wald zu verlegen, wird am 22. Oktober abgelehnt. Am 12. August 1983 wird das Autobahnteilstück zwischen der Hohen Tanne und dem Hanauer Kreuz für den Verkehr freigegeben.

Weil die Autobahn ursprünglich etwas weiter südlich verlaufen sollte, verläuft die Grenze zwischen Maintal und Hanau zunächst nördlich der Autobahn und wechselt dann zwischen der Hanauer- und der Hochstädter Landstraße auf die Südseite.

Der Simmichtsweg wird heute gerade über die Autobahn geführt. Aber ursprünglich bog er in Richtung Westen zum Hanauer Weg ab. Im Waldstück „In der Aue“ liefen sie zusammen und führten mitten durch das spätere Steinbruchgelände auf das Kurhaus zu. Heute ist es umgedreht: Der Hanauer Weg wird nach Osten zum Simmichtsweg umgeleitet und beide Wege werden gemeinsam über die Autobahn geführt. Dann trennen sie sich jedoch wieder: Der Simmichtsweg führt nördlich des Steinbruchs bis zur Mittelbucher Straße und setzt sich fort auf dem Weg nordöstlich der Tennisplätze. Der Hanauer Weg dagegen geht südlich am Steinbruch vorbei zur Kreuzung westlich des Kurhauses.

 

Die Fahrt geht über die Autobahn und nördlich am Steinbruch vorbei. Nach Querung der Straße Mittelbuchen-Wilhelmsbad fährt man noch ein Stück weiter und dann nach rechts an den Tennisplätzen vorbei bis zur Straße vor dem Kurhaus. Dort rechts und zum Waldportal und Bismarckturm:

 

„Waldportal“:

Der Bund der Steuerzahler hat am 27.09.2007 die Verschwendung öffentlicher Gelder durch Fehlplanungen und sinnlose Projekte angeprangert. Unter den in Berlin vorgestellten Beispielen sind auch acht aus Hessen, wie der hessische Landesverband in Wiesbaden mitteilte. Kritik gibt es auch an einem Bauwerk in Hanau-Wilhelmsbad. Es soll einen Beitrag zur regionalen Identität stiften. Gemeint ist das Hanauer „Waldportal”. Es ist Be­standteil einer Regionalparkroute, mit dem der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main die reizvollsten Prunkte der Region verbinden will und bin­det Hanau an die Route „Hohe Straße” an. Aber einen wirklichen Sinn kann man dem Bauwerk nicht abgewinnen, kritisiert der Bund der Steuerzahler.

So handele es sich bei dem „Entree” nur um zwei Mauerstückchen aus gelbem Sandstein vor einem Waldweg. Der Steuer­zahlerbund schreibt auf seiner Homepage: „Die offizielle Begründung für dieses Bauwerk hilft auch nicht viel weiter: Die Mauer nehme ein wichtiges Stilelement einer Straße auf, auf der ebenfalls solche Mäu­erchen zu finden sind. Und da die alte We­geverbindung auch Polen tangierte, habe man das Material für die gelben Sandstein­mäuerchen aus einem Ort in Polen be­sorgt, der ebenfalls an dieser Straße liegt.” Stolze 40.000 Euro hätten die Steuerzahler dafür aufwenden müssen, lautet die Kri­tik.

 

Bismarckturm:

Der Turm wird 1903/04 zu Ehren des Feldmarschalls und Reichskanzlers Bismarck errichtet. Entstanden ist der Bismarckturm aus dem Geist nationaler Begeisterung Ende des 19. Jahrhunderts ‑ eine Folge der Ei­nigung des deutschen Reiches durch Otto von Bismarck. In dieser Stimmung schrieb die studentische Jugend 1899 einen Wettbewerb zum Bau von Türmen zu Ehren Bismarcks aus, der ein Jahr zu­vor gestorben war. Sieger war der junge Dresdner Architekt Wilhelm Heinrich Kreis, der damals noch nicht einmal sein Diplom in der Tasche hatte. Nach seinem Entwurf wurden in Deutschland mehr als 50 Bismarcktürme gebaut, darunter auch der in Wilhelmsbad. Insgesamt entstan­den in jener Zeit sogar an die 400 Türme zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers. Davon haben 175 die Kriege und die politischen Veränderungen der ver­gangenen hundert Jahren überdauert, darunter auch der Turm in Wilhelmsbad.

Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck hatte energisch die Einigung des Deutschen Reiches betrieben, die schließlich 1871 er­reicht wurde. Mit seinem Tod 1898 verfiel die nationalgesinnte deutsche Studentenschaft in ihrem Personenkult um den „Eisernen Kanz­ler” in die Forderung, „Feuersäulen” im gan­zen Reich samt der deutschen Kolonien aufzustellen. Schon ob des grob bearbeiteten Materials wirkt der Bau martialisch. Er ist ein Gleichnis für einen starken Nationalgedanken mit Boll­werk­symbolik und (aus heutiger Sicht) für einen von absoluten Machtwillen getrieben Politiker. Zwar sorgte Bismarck für eine fortschrittliche Sozialgesetzge­bung, die sei aber nur darauf ausgerichtet ge­wesen, der Sozialdemokratie die Arbeiter ab­spenstig zu machen, erklären Historiker.

Im allgemeinen Bismarck‑Fieber wollte auch die Stadt Hanau nicht fehlen. Die Hanauer Bürger spendeten kräftig und man entschied sich für den Entwurf des Dresdner Architekten Wilhelm Heinrich Kreis, der das Modell „Götterdämmerung“ kreiert hatte. Aus nahegelegenen Steinbrüchen karrte man Basaltsteine an, die zu dem wuchtigen Bauwerk aufgeschichtet wurden. Einfach, prunklos und massiv ‑ so die Formensprache der Zeit.

Ein ganzes Jahr verstrich, bis der Turm stand. Er soll Stadt und Stifter 24.000 Mark gekostet haben. Die Gemeinde Wachenbuchen gibt dafür ein Stück Wald ab und stellt auch Material aus dem Steinbruch für den Ausbau der Straße.

Am 3. September 1905 war der große Tag. Ganz Hanau war auf den Beinen. In Kut­schen fuhren die Stadtväter sowie die Abordnungen der Vereine nach Wil­helmsbad, während die Bevölkerung die Eisenbahn vom Westbahnhof aus benutzte oder sich Ehrenformationen anschloß, die in ihren Paradeuniformen in Richtung Kurhaus marschierten. Schulklassen zogen singend durch die Straßen, mit von der Partie auch die Vertreter der Kriegervereine, geht aus Zeitungsberichten hervor.

Feierlich zogen die Honoratioren, Bür­ger und Schüler an der Kurpromenade vorbei zu dem 18 Meter hohen Turm, der wenig später feierlich enthüllt wurde. Auf dem Dach des Turms steht eine riesige Schale von gut zwei Metern Durchmesser. Die Idee war es, über das ganze deutsche Reich Feuerfanale zu verbreiten.

Als endlich der Reichsadler mit dem Namen des ersten deutschen Kanzlers zu se­hen war, loderte oben auf der Kuppel die Flam­me aus der Feuerschale. Wie oft es auf dem Bismarckturm tatsächlich ge­brannt hat, ist nicht überliefert. Belegt ist, daß zur Eröffnung am 3. September 1905 die Flammen loder­ten. Vor allem an Otto von Bismarcks Geburtstag am 1. April und an dessen Todestag wurde das Feuer in den Folgejahren entzündet. Feuer brannte aber auch am Tag der Reichseinheit (18. Januar 1871) oder bei Son­nenwendfeiern.

In ihrem Inneren gibt sich die Wilhelms­bader Bismarcksäule, die übrigens nie als Aussichtsturm gebaut wurde, ziemlich un­pathetisch. Der Aufbau bildet einen riesigen

Hohlraum, an dessen Innenwänden sich eine sehr schmale Stahltreppe nach oben win­det, heute noch original erhalten. Der Bau ist auch sonst augenscheinlich nicht marode.

Während des Zweiten Weltkriegs diente das Bauwerk in Wilhelmsbad wegen sei­ner massiven Mauern aus Basaltsteinen als Sicherheitslager. Hier wurden zeit­weise Bücher der Stadtbibliothek vor ei­nem Bomberangriff in Sicherheit ge­bracht.

In den 50er Jahren brannte es noch einmal auf dem Turm, als Hanauer Bürger dort Reifen verbrannten zum Protest gegen das Vorhaben der Stadt, den Turm abzureißen, weil er mitten in der Straße steht. Das Interesse der Bürger an der Säule nahm in der Nachkriegszeit zunächst immer mehr ab. Das hat sich erst in den vergangenen Jahren geändert, als Mitar­beiter der Stadtverwaltung den Zugang beim „Tag des offenen Denkmals“ öffne­ten.

Die Stadt Hanau, in deren Besitz der markante Turm seit vielen Jahren ist, hat nur geringen Pflegeaufwand mit dem Bauwerk. Es sind allerdings weniger bauliche Mängel oder Reparaturen, die auf ihr Konto gehen, sondern in erster Linie gärtnerische Tätigkeiten. Denn im­mer wieder sprießen aus der Plattform die unterschiedlichsten Birken und an­dere Pflanzen. Diese Form der Dachbegrünung kann aber irgendwann durch eindringende Nässe ins Auge gehen, weshalb die An­fluggehölze regelmäßig entfernt werden, wie es im städtischen Bauverwaltungsamt heißt.

Nach links geht es dann durch die Siedlung „Hohe Tanne“ und auf dem Radweg neben der Landstraße in Richtung Hochstadt. An der Ruhbank wird gerastet und auf Folgendes hingewiesen:

 

Dreimärker:

Nahe der Straße steht ein Dreimärker, auf dem die Buchstaben W und H zu sehen sind, auf der Dörnigheimer Seite ist der Stein leider abgeschlagen. Hier ist also der Grenzpunkt der Gemeinden Wachenbuchen, Hochstadt und Dörnigheim bezeichnet.

 

Ruhbank:

Etwas weiter südlich steht die Ruhbank. Sie diente den Marktfrauen zum Ausruhen, wenn sie mit ihrer schweren Last zur Stadt gingen. Eine solche Ruhbank besteht aus zwei Teilen: einer kleineren Sitzbank und einer höheren Bank zum Abstellen der Körbe.

Der Volksmund nennt die Bank auch „Butterbank", wohl wegen der Butter in den Körben. Der Antrag des Tagelöhners Dorn aus Hochstadt zur Errichtung eines Schenkhäuschens für Limonade und Wasser an der Ruhbank wird 1906 aber abgelehnt. Früher stand die Ruhbank mehr an der Straße. Die Steine werden am Kriegsende von amerikanischen Panzern umgefahren und sind verschwunden.

Im Mai 2003 wurde eine Nachbildung der historischen Ruhbank wieder neu aufgestellt, weitgehend finanziert von Spenden von Firmen und aus der Bevölkerung. Sie wurde etwas weiter in den Wald hineingestellt und etwas weiter südlich genau auf der Grenze an dem Weg, der früher nach Hanau führte. Der Graben wurde durch eine Holzbrücke überbrückt. Dadurch ging man dem Grenzgraben aus dem Weg, der heute tiefer ist als früher.

Nicht klären läßt sich die Frage, ob diese Ruhbank etwas zu tun hat mit einer Geschichte über die Entstehung der Ruhbänke: Napoleon Bonaparte soll einmal - an der Spitze seiner Armee reitend - auf eine alte Frau mit schwerer Tragelast getroffen sein. Mit den Worten „Respect au Fardeau“ („Habet Acht vor der Bürde“) befahl er seinen Soldaten, die Straße freizumachen.

Es ist nicht ganz auszuschließen, daß dieser Vorfall der Ur­sprung zur Installation von Ruhesteinen oder Ruhebänken war. Ihr Zweck war, den Bauern oder Marktfrauen auf dem Weg eine Ruhepause von den schweren Tragelasten zu ermöglichen. Man findet sie in vielen Regionen, besonders im Nord-Elsaß, im Neckarland oder im Kraichgau - teilweise unter dem Namen „Napoleonsruhe“.

 

Braubach:

Dieser Weg führt auch zu einem Bereich zwischen der Hohen Tanne und Dörnigheim, wo die Braubach renaturiert werden soll. Eine Umlegung wurde schon durchgeführt. Dadurch soll auch Hochwasser oberhalb von Dörnigheim zurückgehalten werden. Main und Kinzig samt heutiger Fallbach (von Ravolzhausen), Krebsbach (von Bruchköbel) und Braubach bildeten ein verschlungenes Flußsystem. Daraus wird das Wasser gewonnen, das im Park von Wilhelmsbad zu einem See aufgestaut ist. Die Braubach hat also gar keine eigene Quelle, sondern sie ist künstlich angelegt unter Benutzung alter Flußläufe. Sie hat auch sehr wenig Gefälle und muß zwischen Wilhelmsbad und der Einmündung des Seulbachs südlich von Wachenbuchen oft gereinigt werden; unterhalb ist eine Reinigung nicht mehr nötig.

Der Seulbach ist die Fortsetzung des Wachenbucher Ortsbachs, der auf einer altenKarte, die im Schloß  Steinheim gezeigt wird, als Braubach bezeichnet wird. Beim Bau der Hanauer Burg werden Fallbach und Krebsbach in die Kinzig geleitet. Die Kinzig wird zur Burg geführt und von dort in den Main. Ein Flußlauf (in alten Karten als „Königsgraben" bezeichnet) zieht sich von Wilhelmsbad durch den Töngeswald bei Hochstadt und den Riedgraben bei Bischofsheim bis zum Enkheimer Ried und nach Frankfurt. Noch im Dreißigjährigen Krieg transportiert man Truppen von Frankfurt auf diesem Main-Kinzig-Lauf bis nach Hochstadt und Dörnigheim. Die Kinzig könnte bei Hochstadt in den Main gemündet sein.

Wieder zurückgekehrt zur Kreisstraße sieht man in Richtung Hanau. Dort  stand das Rindenhäuschen, eine Schutzhütte für 20 Personen, deren Wände innen mit Rinde verkleidet waren. Aber auch sie ist verfallen und nicht mehr vorhanden.

 

Waldschlößchen:

Heute sieht man dort noch das Schild „Hotel Waldschlößchen".  Hier stand ursprünglich die  Pumpstation für die Hohe Tanne. Dann kauft 1931 Direktor Busse das Gebäude samt umliegendem Gelände. Aber 1941 wird es zur gärtnerischen Nutzung verpachtet. Schließlich ist es im Besitz der Familie Felix Voigt aus Dörnigheim. Schon 1950 will Herr Voigt sein Wohnhaus erweitern und eine Gastwirtschaft einrichten. Erst im Juni 1957 kann er eine Schankwirtschaft mit zwei Gasträumen und Küche eröffnen.

Im Jahre 1960 kauft Frau Renate Röder geborene Töpfer das Haus. Sie stammt aus Ostdeutschland, wohnt später in Hanau, macht sich 1958 selbständig und gründet auf dem Hühnerberg eine Gaststätte.

Nach zehn Jahren auf dem Hühnerberg übernimmt sie die kleine Gartenwirtschaft an der Straße von Hochstadt nach Hanau in der Gemarkung Wachenbuchen. Im Jahre 1965 ergänzt sie das mit dem Giebel zur Straße stehende Haus durch einen Querbau und schafft so das Hotel „Waldschlößchen" und eine Gaststätte (diese ist allerdings seit Anfang 1997 geschlossen).

Das  Hotel hat 32 Betten, alle mit Dusche und WC und teilweise auch Balkon. Von Vorteil ist auch der große Parkplatz. Es liegt verkehrsgünstig im Rhein-Main-Gebiet und wird gern besucht von Geschäftsreisenden, Monteuren und Gästen der Firmen in Maintal und Hanau.

Postalisch gehört das Hotel weiter zu Hanau, und wegen der auswärtigen Gäste ist das der Inhaberin ganz recht. Das Wahllokal für die ständigen Bewohner ist aber in Hochstadt. „Gemarkung Wachenbuchen" stimmt aber auch noch. Verwechslungen sind da natürlich vorprogrammiert.

Ursprünglich lag das Haus einmal idyllisch im Wald. Heute wird es umgrenzt von Autobahn, Autobahnzubringer und Kreisstraße. Aber bei den gut verglasten Fenstern und der Lärmschutzwand zur Autobahn stört das höchstens, wenn man im Sommer im Freien sitzen will. Durch den Autobahnbau hat sich allerdings der Grundwasserspiegel gesenkt, so daß sich Setzrisse am Haus bildeten.

Das Hotel ist aber Zug um Zug renoviert worden. Es wird ganz familiär geführt. Die Gäste sind oft auch längere Zeit da. Wenn sie es wünschen, wird ihnen abends auch noch einmal von der Chefin ein kleines Essen zubereitet. Der Gast ist König und kann sich wohlfühlen. Am Rande des Grundstücks verläuft der Seulbach, wird unter der Autobahn hindurchgeführt und mündet in die Braubach. Die Abwässer des Hotels werden durch eine aufwendige Schilfkläranlage gereinigt.

 

Am Ende des Waldes biegt man links zum Hochstädter Sportplatz ab, überquert die Autobahn und fährt vor den Kleingärten nach rechts, dann wieder links und an der Philipp-Reis-Straße links und über den Bahnübergang Eichenheege (wenn dieser nicht mehr da sein sollte, muß man am Bahnhof die Eisenbahn queren und über die Berliner Straße und die Siemens-Allee wieder zur Eichenheege fahren). An der Eichenheege biegt man nach Osten in die Daimler-Straße ab.

Von der Straße Eichenheege geht nach Osten die Daimlerstraße ab. Man fährt in den Wald und biegt rechts ab auf einen breiten Weg. Von diesem geht nach rechts ein schmaler Weg ab. An ihm  liegt links eine hohe Flugsanddüne. Er führt zunächst zu einer kleinen Lache auf der rechten Seite und dann zu dem neuen Mobilfunkmast, der ziemlich nahe an den Wohngebieten liegt.

 

Nurlache:

Von dort geht es links herum nach Süden weiter und östlich an der Nurlache vorbei. Hier befinden sich ein Kleingartengebiet und ein Vogelschutzgebiet. Die Nurlache ist wahrscheinlich der Rest eines alten Mainarms. In der ersten Urkunde über Dörnigheim von 793 wird die „surdafalacha“ genannt: Dörnigheim liege am Main zwischen Braubach und „surdafa­lacha“. Da die Braubach westlich von Dörnigheim in den Main mündet, müßte die „surdafa­lacha“ östlich des Ortes in den Main münden. Dann könnte es sich um die Fallbach handeln, die damals dort gemündet wäre. Jedenfalls kommt der Name „Fallbach“ im Bereich Hochstadt vor und wird dort vielleicht mit der Braubach gleichgesetzt.

Es könnte aber auch sein, daß der „Oberlauf“ der Braubach gemeint ist, nämlich der heutige Seulbabch bei Wachenbuchen. Dann müßte Surdafalalcha im Westen von Dörnigheim sein, also etwa der Landgraben und die heutige Mündung der Braubach.

 

Man muß jedoch damit rechnen, daß das Bachsystem in früheren Zeiten anders war als heute und vor allem durch die Anlage der Burg in Hanau und später des Teiches in Wilhelmsbad mancher Lauf verändert wurde. Siedlungsraum war jedenfalls nur zu finden an einer erhöhten Stelle am Mainufer und nicht im Überschwemmungsgebiet an der Nurlache.

Aber hier wurden auch Siedlungsfunde  aus der Hallstatt-Latène-Zeit gefunden. Im Jahre 1966 hat Klaus Ulrich aus Kanalaushub verschiedene Scherben geborgen: Zwei Randstücke einer dickwandigen Schale und eines vermutlich doppelkonischen Gefäßes mit gerundetem Rand sowie zwei Scherben vom Hals eines dickwandigen Gefäßes mit Fingertupfenreihe.

Vor den Hochhäuser geht es links weiter und am Ende der Wohnbebauung nach rechts. Man muß nicht wieder bis zur Bebauung gehen, sondern kann nach links abbiegen bis zu einem geteerten Weg. Dort geht es an der Integrativen Kindertagesstätte nach rechts weiter. Links liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Lache ein Bolzplatz. Am Südostrand dieses Platzes steht ein alter Hutebaum. Er  wird auch „Huntsbaum“ genannt, an dem die Jagdhunde gelagert haben sollen, aber das könnte  auch eine falsche Lesung von „Hutebaum“ sein.

 

Teiche an der Tannenheege:

Nach links geht es dann an den Sportplätzen „Dicke Buche“ vorbei. Der Weg führt zu den drei Teichen an der Tannenheege, die durch Kiesabbau entstanden sind. Die Kiesgruben sind 1977/78 als Abfalldeponie verfüllt worden und wurden im Jahre 1979 als Freizeitgelände ausgestaltet.

Heute ist hier ein Naturidyll entstanden, zum Teil schon durch Bäume und Büsche zugewachsen, aber auch mit sehr schönen Ausblicken auf Schilfgürtel und  Seerosen.

Hier entstand spätestens zu Beginn oder wenigstens im Laufe des ersten Quartals des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts an der Stelle eines älteren prähistorischen Siedlungsplatzes eine römische Ansiedlung. Man fand einige Mauerzüge, einen Brunnen und mehrere Abfallgruben. Da fruchtbarer Boden als eines der typischen Merkmale römischer Landgüter fehlt, ist die Wahl dieses Siedlungsplatzes nur mit den nur rund 500 Meter entfernten Wilhelmsbader Basaltsteinbrüchen zusammenhängen.

Hier wurden 1973 beim Kiesabbau  viele römische Siedlungsfunde geborgen. Auch in den Jahren 1974-1977 wurden noch Funde gemacht:  Sie waren aus Eisen oder Ziegelstein, man fand Tongrundig-rauhwandige Ware und römische Keramik, entweder glatt oder mit Reliefs. Dazu den Stempel des Macio aus Rheinzabern.

Nur wenige Meter weiter östlich der Fundstelle gibt es größere Vorkommen toniger Lehme. Und so scheint man hier auch in vorgeschichtlicher Zeit eine umfangreiche Keramikproduktion betrieben zu haben, wie die sehr zahlreichen intensiv verbrannten und teilweise sicherlich als Fehlbrände zu bezeichnenden Scherben prähistorischer Gefäße nahelegen.

Am Beginn des 3. Jahrhunderts scheint die Siedlung ausweislich der Reliefsigillatascherbe noch bestanden zuhaben, die zugleich den jüngsten limeszeitlich datierbaren Fund bildet. Der Ort wurde dann im 4. oder 5. Jahrhundert nochmals aufgesucht oder genutzt, denn spätantike Scherben deuten darauf.

Von den Seen muß man erst wieder ins Gewerbegebiet-Ost fahren. Man biegt nach links in den Marie -Curie-Ring ein und fährt dann nach links zu der Straße „Auf der Burg“ am Umspannwerk.

 

 

Alte Dorfstelle:

Nördlich der Kreisstraße ist das Flurstück  „Auf der Burg“, nach dem auch eine Straße benannt ist. Hier ist wohl eine frühere Siedlungsstelle, wo eine Ansiedlung gewesen sein könnte, vielleicht sogar der erste Standort Dörnigheims. Hier könnte das 893 ausge­gangene „Wicramshusen“ gelegen haben. Es könnte auf dem in Landkarten dargestellten Hügel, unweit des Kesselstädter Römerkastells, gestanden haben.

Es ist bekannt, daß nach dem Fall des Limes viele Römer in den zu­vor besetzten Gebieten in friedlicher Ko­existenz mit der einheimischen Bevölke­rung lebten. Der Name „Wicramshusen“ entstammt allerdings einer späteren Periode. Ortsnamen mit dem Grundwort „‑hausen“ entstanden zur Zeit der Völkerwanderung (375 bis 6. Jahrhundert). Zur näheren Bestimmung wurde dem Grundwort zum Beispiel ein Personenname beigefügt. In unserem Fall würde das bedeuten, daß hier ein Mann namens „Wicram“ wohnte.

 

Wasserturm:

Der Wasserturm auf der anderen Straßenseite dient seit 1890 der Wasserversorgung. Im Jahre 2006 wird er saniert.  Er soll irgendwann in den siebziger Jahren einmal eine bedeutende Rolle in einem Kriminalfilm gespielt hat. Selbstverständlich spielte das runde Bauwerk sozusagen die Hauptrolle in dieser Tatort-Folge. Immerhin steht das Gebäude ja auf Dörnigheimer Gebiet und ist quasi nur an die Nachbarn in der Brüder-Grimm-Stadt ausgeliehen.

 

Leinpfad:

Der Weg am Main entlang ist der alte Leinpfad (Treidelpfad). Früher  wurden die Marktschiffe und Kähne von Pferden stromaufwärts gezogen. Bis zu sechs Pferde - je nach Schiffsgröße - liefen den Main entlang auf eigens dazu angelegten Lein- oder Treidelpfaden und zogen das Schiff an Leinen. Gegen die Strömung lag die Höchstgeschwindigkeit bei drei Kilometer in der Stunde. „Leinreiter“ führten die Pferde und die Steuerleute mussten darauf achten, daß ihr Schiff nicht mit dem Ufer kollidierte. Da der Main zwischen Hanau und Frankfurt flach war, mussten selbst stromabwärts größere Schiffe über seichte Stellen gezogen werden.

Das Treideln, obwohl schon von den Römern praktiziert. erreichte seine Hochphase an diesem Mainabschnitt im 17. Jahrhundert, als befestigte Leinpfade angelegt wurden. Bis in unsere Tage waren auch die tiefen Rillen sichtbar, die das Schleppseil der Leinreiter im Laufe der Jahre in den Sandstein einer Brücke auf der Philippsruher Allee gefressen hat.

Es war eine beschwerliche Reise. Von Frankfurt nach Steinheim war das Gespann sieben Stunden unterwegs. Die Leinreiter-Rast (Am Maintor 6) in Steinheim diente als Quartier für die Nacht. Zwischen neun und zehn Stunden brauchen die Pferde, um das Schiff von Steinheim bis nach Aschaffenburg zu schleppen, je nach Witterung. In Aschaffenburg angekommen, geht es dann auf der anderen Seite des Mains wieder zurück. Für die Tiere ist das dann wie Urlaub. Denn auf dem Rückweg gibt es für sie nichts zu schleppen, außer dem Wagen, auf dem der Leinreiter nach Hause fährt.

Eine Vergnügungsreise war das Treideln zu keiner Jahreszeit. An trockenen, heißen Tagen plagten Durst und Stechmücken Ross und Reiter. Bei Eis und Hochwasser kämpften die Pferde, teilweise bis zum Bauch im Wasser, gegen Kälte, tückische Strudel und reißende Strömung. Oft standen die Tiere die Knochenarbeit nicht länger als ein Jahr durch, bevor sie ihr letzter Ritt zum Abdecker führte. Dementsprechend billig war das Fleisch der Tiere zur Zeit des Leinritts: Um die 20 Pfennig kostete ein Pfund Pferdefleisch im vergangenen Jahrhundert.

Doch auch für die Männer, die das Treideln besorgten, war die „Reise” von Frankfurt bis Aschaffenburg durchaus kein Zuckerschlecken. Aber die vergleichsweise gute Bezahlung entschädigte die rauhen Burschen für das harte Geschäft: Zwischen 60 und 90 Pfennig pro Kilometer betrug ihr Lohn Mitte des 19. Jahrhunderts. Den sollen sie aber meist schon auf dem Rückweg in einer der eigens für sie eingerichteten Gaststätten versoffen haben.

Wer sich für die Leinreiterei und die Schiffahrt auf dem Main in vergangenen Tagen interessiert, sollte dem Heimatmuseum in Großkrotzenburg einen Besuch abstatten. Geöffnet ist das Museum am zweiten Sonntag eines jeden Monats von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr. Wer sich lieber in seinen eigenen vier Wänden schlau machen will, dem sei das Buch „Unsere Heimat am Main - Ein Fluss im Wandel der Geschichte” von Eddi Daus empfohlen. Ein Exemplar des Buches befindet sich im Besitz der Hanauer Stadtbücherei.

Erst die industrielle Revolution läutete den Niedergang der Leinreiterei ein. Mit der Erfindung der Dampfmaschine brach um 1820 das Zeitalter der Kettenschifffahrt an. Ab 1886 zog sich - angetrieben durch eine Dampfmaschine - die allseits bekannte „Maakuh“ an einer Kette mainaufwärts bis Aschaffenburg. Die Kette lag auf dem Grund des Mains und  wurde jeweils vom Schleppdampfer aufge­nommen, lief über Deck und senkte sich am Ende wieder ab. Von weitem glichen eine „Maakuh” einer Fähre mit Schornstein: Die Schiffe waren etwa 50 Meter lang, sieben Meter breit und hatten einen Tiefgang von einem halben Meter. Bis zu 30 Schiffe zog eine „Maakuh“ aus eigener Kraft hinter sich her. Anstelle des Peitschenknalls der Leinreiter war nun immer häufiger das Heulen der „Maakühe” zu hören, wie die Kettenschiffe im Volks­mund genannt wurden. Mittels einer Sirene, die sich anhörte wie das Heulen einer Kuh, warnten die Kapitäne der „Maakühe” entgegenkommende Schiffe - daher rührt dann der Spitzname.

Der Siegeszug der Eisenbahn bedeutete dann das endgültige Aus für die Leinreiterei. Schon seit 1848, mit dem Bau des Wilhelmsbader Bahnhofs, war Hanau über die Schiene mit Frankfurt verbunden. Als dann 30 Jahre später der Hanauer Bahnhof mit seinen sechs Strecken hinzu kam und der Frachtverkehr immer mehr auf die Schiene verlegt wurde, mussten die Leinreiter ihre Pferde für immer ausspannen.

 

Schleuse:

Auf dem Leinpfad kommt man an die Schleuse. Vor der Schleuse hingen früher Flechtkörbe, die als Signalkörbe zur Rege­lung der Schiffahrt Verwendung fanden.  Im  Jahre 1883 begann der Ausbau des Mains, der die Anbindung an die Rheinschiffahrt sichern sollte. Heute sorgen von Mainz bis Miltenberg elf Anlagen, teils mit Sportbootschleusen und Fischtreppen nachgerüstet, für freie Fahrt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Mühlheim  eine Staustufe und ein im Main stehendes Kraftwerk gebaut, wegen sei­ner markanten Architektur „Kirche im Main“ genannt. Beim weiteren Mainausbau nach 1965 wurde die Staustufe Mühlheim erneuert. Die neue Schleusenanlage (Länge 300 Meter, Breit 12 Meter, Fallhöhe 3,77 Meter) wurde 1980 in Betrieb genommen und später mit einem Wehr und einer Bootsschleuse ergänzt. Das alte rechtsmainische Wasserwerk wurde 1989 abgerissen und durch eine moderne Anlage mit Turbinen und einer Leistung von 4.800 Kilowatt ersetzt. An der Schleuse  soll einmal ein altes Verzahnungsgetriebe des ehemaligen Flußkraftwerks aufgestellt werden, mit einer Informationstafel und umgeben von einer attraktiven Rast- und Aufenthaltsfläche.

Am Ende des Abgangs von der Schleuse in Richtung Kesselstadt steht der „Hutebaum“. Die 300 bis 450 Jahre alte Flatterulme diente dem wei­denden Vieh als Schat­tenspender, allerdings war sie auch als weithin sichtbarer Einzelbaum Sammel­platz fürs Militär, was ihr außerdem den Namen „Läusbaum“ eintrug.

 

 

 

Dietesheim - Lämmerspiel - Mühlheim 2010 (15,5 Kilometer)

 

Dietesheim:

Von der Mühlheimer Fähre fährt man auf dem Mainuferweg (nicht auf dem Damm) bis kurz vor die Schleuse. Die Dietesheimer, liebevoll auch „Basaltköpp“ genannt, haben ihre Eingemeindung vom 1. April 1939 nie richtig verwunden und sind nach wie vor stolz auf ihre Eigenständigkeit, die sich bis zum Jahr 1013 zurückverfolgen lässt. Damals wurde der Name Dietesheim zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als Heinrich II. seinen Besitz in Dietesheim mit dem Kloster Lorsch tauschte.

Dietesheim verfügte über kein Fließwasser, das eine Mühle hätte treiben können. Daher verlegten sich die Dietesheimer auf die Mainfischerei neben der allgemeinen dörflichen Feldwirtschaft. Die Mainfischerei war ein Spezialgewerbe, das seit dem Mittelalter als Zunft organisiert ist.

Die heutige katholische Pfarrkirche ist in der Kirchstraße im Westen des Ortes (mit dem schlanken Turm). Älter ist die Gustav-Adolf-Kirche in der Untermainstraße im Ortskern mit der geschwungenen Haube, die heute von der evangelischen Gemeinde genutzt wird. Eine dritte Kirche ist die  St. Wendelinus-Kapelle am Alten Friedhof in der Bettinastraße. Sie wurde 1450 erstmals urkundlich erwähnt und immer wieder restauriert und zuletzt 1987 neu geweiht. Die Kapelle ist aus Basaltstein gebaut, ihr Vorbau ist aus Holz. Im Inneren befindet sich heute eine Statue des Hl. Wendelinus. Der früher im Innern aufgestellte „Anna-Selbdritt-Altar“ steht heute in der Dietesheimer Pfarrkirche St. Sebastian.

 

Steinbrüche Dietesheim:

An der Schleuse geht es nach rechts zur Bundesstraße. Auf dieser fährt man erst ein Stück in Richtung Steinheim, überquert sie an der Fußgängerampel und fährt in  Richtung Erholungsgebiet. Die Straße führt unter der Bahn hindurch. Danach geht es nach links zum Erholungsgebiet. Am Vereinsheim „Concordia“ geht es links weiter Richtung Grüner See. Hinter dem Anglerheim geht es rechts weiter auf den Rabenlohweg. Am zweiten Weg, genannt „Am Spatzenrain“, biegt man links ab zur Brücke über den Canyon. 

Seit 1830 wurde hier Basalt abgebaut, Pflaster‑ und Schottersteine handgeschlagen über Generationen. Im Jahre 1865 ließ die Familie Krebs erstmals Basalt mit der Hand abbauen und mit Loren zum Main transportieren. Der Name des Frankfurter Sees zeigt, daß neben Privatfirmen auch die Stadt Frankfurt sich in Dietesheim bediente.

Der Basaltabbau hat die Landschaft nachhaltig verändert, Dort, wo früher große, ruhige Wälder waren, entstanden Steinbrüche mit zum Teil gefährlich steil abfallenden Wanden. Um 1900 begann die industrielle Nutzung der Steinbrüche. Man fertigte Schotter an. Das Grundwasser leitete man mit Pumpen in den Main. Die Wunden, die dabei im Erdreich entstanden, waren winzig im Vergleich den riesigen Löchern der maschinellen Ausbeutung von 20 Jahren. Nachdem die Verwendung von Pflastersteinen immer mehr zurückging, wurde der Steinbruch 1982 stillgelegt. Die jahrelangen Detonationen hatten die Häuser der Anrainer gefährlich erschüttert und waren letztlich der Grund zum Aufgeben der Steinbrüche.

Die Besucher konnten auf der Sohle der Steinbrüche durch die abenteuerliche Landschaft mit ihren steil aufragenden, zerklüfteten Felswänden spazierengehen. Nach der Beendigung des Basaltabbaus wurde das Grundwasser nicht mehr abgepumpt und es entstand eine große Wasserflache. Diese wild‑ romantische Seenlandschaft zog mehr und mehr Badegäste an. Sie drängten sich an den wenigen flachen Uferzonen. Im Winter kamen Jugendliche zum Schlittschuhlaufen. Angler nahmen die Ufer in Besitz. Dies gilt auch für die beiden Kies-Seen im Norden des Erholungsgebietes, den Hansteinweiher und den Neuen See mit ihren dichten Schilfgürteln entlang der flachen Ufer.

 

Kletterer, Badende, Reiter und Spaziergänger beschädigten die Uferbereiche mit den seltenen Pflanzen, vernichteten die Anpflanzungen und verdrängten die Tiere, die hier neue Lebensräume gefunden hatten. Nach einem Ausflugstag blieben Müll und Unrat zurück, für den sich niemand verantwortlich fühlte. Einigen diente das Gebiet gar als Müllkippe: Sie entledigten sich ihres Autos im See oder luden ausgediente Möbel und Bauschutt ab. Um die Ansprüche der Erholungsuchenden im Rhein‑Main‑Ballungsraum mit den Schutzinteressen dieses einzigartigen Biotops in Einklang zu bringen, war eine ausgewogene Gestaltung des Gebietes notwendig.

Zusammen mit der Stadt Mühlheim hat der Umlandverband Frankfurt anschließend das Areal innerhalb von elf Jahren zu einem Erholungsgebiet ausgebaut. Das gesamte das Gelände  mißt 150 Hektar, davon 25 Hektar Wasserfläche. Etwa 61 Hektar wurden vom Basaltabbau in Anspruch genommen. Die Fläche wurde mit insgesamt 120.000 neuen Bäumen, überwiegend Eichen und Buchen, aufgeforstet. Schon von Dietesheim her lockt eine Allee die Spaziergänger in das Erholungsgebiet; dazu wurden 98 Ahornbäume gepflanzt. Fast 7.000 vorwiegend stachelige Sträucher wie Schlehen, Wildrosen und Brombeeren sollen allzu neugierige Besucher davon abhalten, den sensiblen Naturbereichen zu nahe zu treten.

Die Natur versucht mit Macht aufzuholen. Aufgelassene Steinbrüche stellen einen einmaligen Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar. Sogar an den nackten und steilen Basaltwänden mit wenig Verwitterungskrume setzt die Spontanvegetation ein. Dies gilt auch für die angrenzenden Steilhänge mit Trockenbereichen. Flora und Fauna fühlten sich in den aufgelassenen Brüchen wohl. Auf den Land‑Wasser-Wechselzonen konnten sich Pflanzengesellschaften entwickeln, wie das gefährdete Sumpfweidenröschen, die Sumpfsternmiere, der Roßkümmel und die weiße Seerose. In den Klüften und Höhlen der Seilwände richteten sich Turmfalken und Fledermäuse häuslich ein. Bunte Eisvögel flattern umher. Die flachen Uferbereiche sind Laichgebiete für Fische und Lebensraum für seltene Libellen und Wasservögel. In den feuchten Mulden im angrenzenden Wald fanden bedrohte Froscharten, Kröten öder Molche Unterschlupf. Von den Ufern sind vier sogenannte Flachwasserbereiche mit Röhricht, Rohrkolben, Schilf und Schwertlilien zu bewundern. Käfer und Insekten, wie  der selten gewordene Sandlaufkäfer und die Grabwespe, bevorzugen trockene Sandböden.

Es entstand ein attraktives Ausflugsziel. Neben einem Bereich am Eingang wurde auf einer Waldlichtung eine große Grillanlage mit Spielplatz und Toilettengebäude errichtet. Auch viele Mühlheimer Vereine feiern hier gerne ihre größeren Feste. Im Eingangsbereich befinden sich auch die Parkplätze, so daß das übrige Erholungsgebiet nicht durch Autos beeinträchtigt wird. Am Grünen See ist ein Gartenlokal. Auch die Gelände von Kleintier‑ und Hundezuchtvereinen befinden sich hier. Fünf Angelseen, die von den örtlichen Vereinen genutzt werden, schließen sich daran an. Wegen der schmalen Uferbereiche und der gefährlichen Steilwände kann das Baden und das Bootfahren nicht gestattet werden.

 

Am Vogelsberger See ragen Felswände teilweise zehn bis zwanzig Meter hoch. Von seiner Krone erfaßt das Auge die Mainniederung ebenso wie Altkönig und Feldberg. Ein rund 2,5 Kilometer langer Rundweg führt die Besucher um den See. Mit dem Bau dieses Pfades, der sich an vielen Stellen an der Bruchkante entlang schlängelt und schöne Ausblicke auf die Seen gewahrt, wurden Schutzhütten und Rastplätze errichtet. Nur einmal führt die Strecke hinunter und verläuft auf einem Steg über eine Feuchtwechselzone, in der sich allerhand Kleingetier tummelt. Am Canyon, der den Vogelsberger See vom Oberwaldsee trennt, wurde der Rundweg mit einer rund 30 Meter langen Stahl-Brücke geschlossen.

Von hier fährt man dann weiter, bis nach einer kleinen Steigung eine Wegspinne kommt. Hier biegt man gleich links in den Weg ein, der nur schmal und fast zugewachsen ist, sich nachher aber erweitert. Er führt zu einer Kreuzung. Hier geht es links auf den Bruchweg, der zu einer Ausssichtsplatform am Oberwaldsee führt.

 

Oberwaldsee:

Der Oberwaldsee bleibt seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Er wurde wegen seiner für die Region einmaligen Flora und Fauna 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Um die Tierwelt hier nicht zu stören, führen die Wege abseits des Sees durch den Wald. Nur an zwei Aussichtspunkten können interessierte Besucher die Besonderheit des Gebietes erleben. Fünf neue Feuchtbiotope wurden angelegt. An den Ufern wurden vier Flach­wasserbereiche geschaffen und als Röhrichtzonen mit Rohrkolben, Schilf und Schwertlilien bepflanzt. Zwei ökologisch eher bedeutungslose Wiesen wurden durch Abgraben in Feuchtwechselzonen umgewandelt. Über eine dieser Zonen führt der Rundweg, damit der Besucher von einem Steg aus die einmalige Fauna und Flora erleben kann.

Geologisch betrachtet liegt das Erholungsgebiet in der Hanau‑Seligenstädter Senke. Es wird angenommen, daß die Basaltdecke des „Maintrapp“ vor 13,5 Millionen Jahren ‑ im Miozän ‑ entstanden ist. Hier, wo eine nordsüdlich verlaufende Verwerfung auf das sich senkende Hanauer Becken stieß, konnte Lava in zwei Schüben bis zur Erdoberfläche empor dringen. Da­zwischen liegt eine lehmige, fettige Trennschicht mit Kohle-Einlagerungen. Die beiden Lavaströme und die Trennschicht sind heute am Oberwaldsee noch sehr gut zu erkennen: Die untere Basaltschicht setzt sich aus sechseckigen Säulen zusammen, während die obere aus Platten besteht. Darüber befindet sich eine Schicht aus verwittertem Basalt und Flußschotter des Mains.

Erst geht es noch auf dem Bruchweg weiter, dann in mehreren Knicken rechts ab. An einer Kreuzung, an der links zwei Bänke stehen, geht es wieder rechts ein Stück stark ansteigend ab. Der Weg führt zum Steinheimer Galgen.

 

Galgen:

Zwei runde Steinsäulen stehen noch rechts und links des Weges, etwa fünf Meter hoch aus Bruchsteinbasalt aufgemauert mit einem Durchmesser von 76 Zentimetern und über vier Meter vonein­ander getrennt. Die Säulen sind grün überzogen und deshalb von den Baumstämmen kaum zu unterscheiden. Die beiden Säulen waren bei Hinrichtungen durch einen Holzbalken ver­bunden. Wer will, kann an dieser besonderen Stelle auf den zwei Bänken ein Picknick halten.

Der Galgen steht auf der höch­sten Stelle einer langgezogenen Sand­düne. Das Gebiet war früher nicht bewaldet, denn zur Abschreckung sollten Galgen schon von weitem zu sehen sein. Nach einer alten Gemar­kungs­­kar­te stand der Galgen schon 1579. Steinheim war bereits unter den Herren von Eppstein Sitz eines Hochgerichts. Es tagte unter der Gerichtslinde am Maintor und sprach auch Todesurteile aus. Neben anderen schweren Strafen, wie Ertränken und Rädern, war die Hinrichtung mit dem Strange am Hochgericht üblich.

Eine genaue Nachricht haben wir von einer Hinrichtung aus dem Jahre 1734, weil dazu ein neuer Querbalken angebracht wer­den mußte. Zur Zeit der Frankfurter Herbstmesse im Jahre 1732 hatte der vorbestrafte Wegedieb Clo­mann mit einem anderen Dieb mit Namen Lorenz und einer Mittäterin Margarete Will von dem Reisewagen des Handelsmannes Mändel aus Mannheim am Affentor kurz vor Frankfurt einen Koffer, der hinten auf den Wagen gebunden war, abgeschnitten und Geld und Kleider geraubt. Clomann und Margarete Will waren gefaßt worden. Beide saßen seit zwei Jahren in Haft. Der Dieb im Verlies des Steinheimer Bergfrieds und die Diebin im Zentgefängnis des Rathauses.

Endlich kam nach zwei Jahren von den weltlichen Räten der Kurmainzer Regierung der Befehl, daß Clomann mit dem Strang hingerichtet, und der Galgen mit einem neuen Querbalken versehen werden sollte. Mit einer feierlichen Zeremonie wurden die Vor­bereitungen für das Anbringen des Balkens getroffen. Acht Tage vor der Hinrichtung zogen die Stein­heimer Zünfte, die Schiffer und Fischer, die Bäcker, die Metzger, die Häfner, die Leineweber und die Schäfer, an der Spitze 20 Mann Miliz mit dem Zentgrafen, dem Amtsschreiber und den Schöffen des Stein­heimer Landgerichts nach dem eine halbe Stunde entfernten Galgen.

Als die Zünfte sich auf der Erhöhung hinter dem Galgen aufgestellt hatten, trat der Zentgraf vor und gab mit einem Beil den ersten Schlag auf den neuen eichenen Galgenbalken im Namen des Kurfürsten von Mainz, den zweiten Schlag im Namen des Domkapitels und den dritten im Namen der kurfürstlichen Gerichtsräte. Dann folgten die zwölf Schöffen des Amts und der Zent Steinheim und führten den Beilhieb im Namen des Oberamtmanns, im Namen des Amtskellers und sämtlicher Schöffen. Nach diesen schlugen die Meister sämtlicher Zünfte den Balken an. Diese feierliche Handlung wurde auch mit einem Hammer in derselben Reihen­folge an den beiden steinernen Säulen vollzogen. Darauf zogen die Zünfte zu einem Umtrunk nach dem Stadtwirtshaus, während eigens dazu bestimmte Handwerksleute zurückblieben und den Holzbalken auf den beiden Steinsäulen befestigten.

Am 19. September 1734 fand die feierliche Verurteilung im Rat­haus auf dem Marktplatz statt. Sämtliche Zünfte aus dem Amte waren zu der feierlichen Gerichtsverhandlung entboten worden. Im unteren Raum des Rathauses saßen der Amtsschreiber und die Schöffen: Johann Hamann, Daniel Bauer und Henne Wagner von Obersteinheim, Peter Vollert von Niedersteinheim, Peter Spahn von Dietesheim, Jörg Vetter von Mühlheim, Marzellin Kaiser von Bieber, Endres Roth von Lämmer­spiel, Kaspar Sattler von Rembrücken, Philipp Ricker von Weißkirchen, Peter Wenzel von Hainstadt und Niklas Bauer von Klein‑Auheim. Die Zünfte hatten sich mit Fahnen und Abzeichen ihres Gewerbes vor dem Rathaus aufgestellt. Vor dem schwarz verhängten Richtertisch, auf dem ein Kruzifix stand und ein Stab lag, stand der Angeklagte Clomann.

Der Zentgraf eröffnete das Gericht und fragte den ältesten Schöffen, ob es Zeit, Ort und Recht sei, das Gericht zu hegen. Als die Frage bejaht war, verlas der Amtsschreiber folgende sententia (Urteil): „In der Inquisitions‑Sachen (Klagesache) contra Johann Adam Clomann und Margaretha Willin wird auff die an Churfürstlich‑Maintzische weltliche Herrn Räthe von allhiesigem Ambt nach und nach erstatteten Berichte und beyge­schlossen gewesene proto­colle von dannen anhero ergangenen Befehl von Zent­graffen und Schöpffen des hieselbstigen Churfürstlichen Land‑ und Zentgerichts hiemit zu recht erkandt, daß erwehnter Adam Clomann, weillenn er nach langem hartnäckigenn Leugnen endlich eingestanden hat, wie er in Anno 1732 wehrender damaliger Frankfurter Herbst‑Meß‑Zeit mit beyhillff eines sicheren fremden Purschens Nahmens Lorenz von Gießen, ohnweit Sachsenhausen vor dem soge­nannten Affentor, einen Coffre von einer von Darmstadt nacher Frankfurt ge­kommenen Chaise abgeschnitten und das darinn gefundene Geld ad 1137 Gulden nebst anderen Effecten und Kleidungen mit der coninquisitorischen (mitange­klagten) Margaretha Willin und berührten Lorenz getheilet habe. Daß diesem also sey, sich bey der von den Kauffmann Nahmens Mändel von Mannheim wegenn des in dem Coffre befindlich gewesenen bahren Geldes und effecten Übergebenenn und in Gegenwart der Inquisiten beschwohrenenn Specification geäußert hat. Annebens dieser Clomann ohnangesehenenn der zum zweytenmahl ex capite funti vorher empfangenen Correktion und verrichteter Schantzenarbeit sich annoch in drey unterschiedlichen Diebstahlen sich betretten lassen, folglich als ein incorrigibler und habitualer Dieb sich die Todes‑Straff zugezogen hat, ihn zu wohlverdienter Straff, andern aber zum abscheulichenn Exempel mit dem Strang vom Leben zum Tode zu bringen. Groß‑Steinheim, den 18. Septembris 1734. Der Zentgraf: von Reuß. Die Schöffen“. Die Schöffen und der Zentgraf hatten sich schon vor der Verlesung des Urteils erhoben. Nun ergriff der Zentgraf den Stab, der vor dem Kruzifix zwischen zwei brennenden Kerzen lag, zerbrach ihn, warf ihn dem Angeklagten vor die Füße und löschte die Kerzen aus.

Darauf wurde die Angeklagte Margaretha Will von dem Prangerstein vor dem Rathaus von dem Schergen gelöst und zu dem Angeklagten Clomann gebracht, denn „sie sollte eine halbe Stunde am Pranger stehen, darauf mit dem coninquisitorischen Adam Clomann, um die Todesstraff an ihm vollziehen zu sehen, an das hohe Gericht (den Galgen) hinausgeführt werden, diesem nach dreymahl umb selbigen mit Ruthen gestrichenn, und nach dessen Vorgang gebrandmarket, endlich der Mainzischen Lande für ewig verwiesenn werden“.

Die Angeklagte mußte jetzt einen Eid, die Urfehde, ablegen, nach dem sie ihre Strafe für gerecht ansah und sich dafür nie an der Landesherrschaft, an den Behörden, an den Schöffen oder an einem anderen Untertanen rächen und nie mehr die Mainzischen Lande betreten werde.

Vor dem Rathaus stellten sich die Zünfte auf. Der Scharfrichter und seine Schergen nahmen den Verurteilten in Empfang. Die Landmiliz be­gleitete die Verbrecher, die an Handschellen von dem Scharfrichter und seinen Gesellen geführt wurden. Dann folgten Zentgraf und Schöffen. Der Zug bewegte sich durch die Langgasse, an der Kirche vorbei, von deren Chortürm­chen das Armesünderglöckchen ertönte, durch das Obertor und Pfortenfeld auf dem Dietesheimer Weg nach dem Richtplatz. Dort starrten die beiden runden Säulen in die Höhe mit dem Querbalken, von dem ein Strick zur Erde herabhing. Pater Battoni, der Pfarrer von Stein­heim, betete kniend die Sterbegebete. Der Zentgraf gab das Zeichen, ein Trommelwirbel ertönte und der Scharfrichter waltete seines Amtes.

Nachdem der Verurteilte hochgezogen war, wurde seine Mitschuldige Margaretha Will in den Kreis um den Galgen geführt, der Rücken ent­blößt und von einem Schergen unter Rutenschlägen dreimal um den Galgen geführt. Dann wurde sie mit einem erhitzten Stempeleisen, welches das Kurmainzer Rad trug, gebrandmarkt. Während den Körper des gehängten Weg­diebs die letzten Zuckungen durchbebten, wurde die Gebrandmarkte vom Henker nach Steinheim an den Main geführt, wo sie übergesetzt und drüben am roten Stein auf Hanauer Gebiet freigelassen. Der Gehängte wurde auf dem Schindanger begraben. Jedes Zunft­mitglied erhielt im Stadtwirtshaus auf Kosten des Amtes Steinheim ein halbes Maß Wein und für einen Kreuzer Brot.

Vom Galgen fährt man ein kleines Stück weiter bis zu einem Querweg. Dort ein wenig rechts und dann gleich wieder links kommt man mit einigen Biegungen von Westen her zum Silbersee.

Silbersee:

Der See ist ein ehemaliger Steinbruch aus der Zeit, als in diesem Gebiet Basalt gebrochen und zu Pflasterstei­nen verarbeitet wurde. Der See reicht (anders als auf der Karte dargestellt) bis an den Weg heran. Der alte eiserne Förder­turm ist nicht mehr zu sehen. Aber im Wald links steht ein Steinturm, der wohl auch mit dem Steinbruch zusammenhängt. Über den Parkplatz kommt man zur Straße Steinheim-Lämmerspiel. Etwas rechts-links versetzt geht es auf der anderen Seite. Links sieht man am Ende der Wiese das Schild „Naturschutzgebiet“.

 

Rauhensee:

Um das breitblättrige Knabenkraut zu schützen, hat die Stadt Hanau nach lan­gen Verhandlungen eine 2000 Quadrat­meter große Wiese zwischen Steinheim und Lämmerspiel erworben. Die intensi­ve landwirtschaftliche Nutzung hat die Zierpflanze äußert rar werden lassen, auch wenn sie auch sonst noch in der Umgebung zu finden ist. Denn die Orchidee ge­deiht nur auf Feuchtwiesen, die erst spät im Jahr gemäht und nicht mit Kunstdün­ger behandelt werden dürfen. Entspre­chend wird das Areal an einen extensiv wirtschaftenden Landwirt verpachtet und nach naturschutzfachlichen Vorga­ben gepflegt. Auch der Naturschutzbund (Nabu) Steinheim, Eigentümer der be­nachbarten Flächen im Bereich des Naturschutzgebietes Rauhensee, kümmert sich um das Knabenkraut, das Mitte Mai in voller Blüte steht.

Ein Wegweiser zeigt rechts nach Lämmerspiel. Der Weg führt zunächst durch den Wald, dann neben der Straße her. Ein Stück vor Lämmerspiel steht auf der anderen Seite der Landstraße ein Feldkreuz. Hier biegt man rechts ab und kommt nach einem Links-Rechts-Knick zum  Naturschutzgebiet Mayengewann.

 

Naturschutzgebiet „Mayengewann“:

Im Mühlheimer Naturschutzgebiet „Mayengewann von Lämmerspiel“ östlich von Lämmerspiel konnte durch die sukzessive Rodung einer standortfremden Hybridpappelgruppe und die Entfernung von Pappel-Jungwuchs die wertvolle, orchideenreiche Flachland-Mähwiese in ihrer Entwicklung befördert werden.

Die Gesamtfläche des Wiesen- und Waldgebiets in Größe von sieben Hektar genießt inzwischen als FFH-Gebiet europäischen Schutzstatus. Auch die umgebenden, lediglich unter allgemeinem Landschaftsschutz stehenden Wiesen im Osten von Lämmerspiel sind dank ihrer überwiegenden Mäh- und Weidenutzung sehr artenreich.

Der artenreich Eichen       -Ulmenwald ist umgeben von extensiv genutzten Flachlandwiesen, nämlich Feuchtwiesen, Magerrasen und Großseggenbeständen. ­Hier gibt es seltene Pflanzengesellschaften trockener bis frischer bzw. wechselfeuchter Standorte. Hier finden sich trau­bige Trespe, Fuchs-Segge, Breitblättriges Knabenkraut, gewöhnliche Natternzunge, Kleines Knabenkraut und Pfirsichblättriges Veilchen.

Die Naturschutzbehörde mit engagierten Naturschützern vor Ort konnte in einer erstmals in dieser Form im Kreis Offenbach praktizierten Unisiedlungsaktion die Teilpopulation einer seltenen Orchideenart vor der Zerstörung durch Baggertätigkeit gerettet werden. Die betroffenen Knabenkräuter wuchsen just inmitten des neuen Baugebietes an der Stauffenbergstraße, das sich inzwischen in der Erschließungsphase befindet.

Dazu kommt eine reichhaltige Insektenfauna mit seltenen Schmetterlingsarten, vor allem Ameisenbläulinge (Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Heller Wiesenknopf-Ameisen­bläuling). Seltene Tiere sind Springfrosch, Grasfrosch und Taufrosch sowie Neuntöter (Brutnachweis), Rotmilan und Grauspecht als Nahrungsgast

Die Pflegepläne sehen eine extensive Wiesennutzung vor, auch bei derzeitigen Brachflächen. Eichenwald und Obstbäume sollen erhalten bleiben, standortfremde Pappeln, Fichten und Kiefern entfernt werden.

Auf dem weiteren Weg kommt man an einem anderen Feldkreuz vorbei. Am Ende des Wegs geht es links auf einem geteerten Weg in die Kolpingstraße.

 

Lämmerspiel:

Der Name „Lämmerspiel“ erschien erstmals in der Schenkung eines Johannes und seiner Verwandten Antonia aus Meielsheim (eingegangener Ort in der Nähe Mühlheims) an das Kloster Pa­ters­hausen aus dem Jahr des Herrn 1289  Dem Kloster wurde eine Meielsheimer „curia“ (ein Bauernhof) übertragen. Für die Lämmerspieler Geschichte interessant ist die Namensliste der Zeugen, denn darunter war Johannes „decanus de Lymmirsburo“ (Dekan von Lämmerspiel). Johannes war nicht nur Pfarrer von Lämmerspiel, er war eine bedeutende Persönlichkeit in der Region, denn im zehnten Jahrhundert übertrugen die Bischöfe den sogenannten Archi­diakonen räumlich begrenzte Zuständigkeitsbereiche, um eine wirksamere Ausübung der kirchlichen Gerichtsbarkeit zu erreichen. Unterhalb der Archidiakonate gab es dann noch die Archipresbyteriate oder Landkapitel. Als weitere Schreibweisen des Ortsnamens sind u.a. überliefert Limmersbure, Lymmersbuhl, Limmerspüell. Um etwa 1750 wurde Lämmerspiel gebräuchlich. Die weitverbreitete Ableitung von spielenden Lämmern hat also mit dem Ortsnamen nichts zu tun.

Nach den vorhandenen Urkunden besaß Lämmerspiel nur eine einzige Mühle, die neben der Kirche lag. Soweit bekannt, war die Mühle immer im Besitz des Klosters Seligenstadt und in Erbpachten den jeweiligen Müller verliehen. Im Jahre 1490 erfolgte die früheste urkundliche Erwähnung in einem Rechnungsbuch der Seligenstädter Abtei. Die Mühle ist jedoch mit Sicherheit älter. Beim Mühlenprotokoll von 1755 wurde sie als reine Mahlmühle mit nur einem einzigen Mahlgang angegeben.

 

Im Jahre 1884 kaufte Nikolaus Karg, ein protestantischer Mühlenarzt, der bei Bedarf Mühleneinrichtungen reparierte, die Mühle. Um die Rentabilität des Betriebes zu erhöhen, wurde 1887 ein Bäckereibetrieb angegliedert und um 1900 nahm die Witwe von Nikolaus Karg noch einen Handel mit „Landesprodukten und denaturiertem Viehsalz“ auf. Das Anwesen wurde 1914 an die Katholische Kirche in Lämmerspiel verkauft. Nachdem es eine Zeitlang als Lagerraum gedient hatte, wurde das Gelände später teils für die Erweiterung des Kirchengebäudes, teils zur Errichtung von Bauten wie z.B. des Jugendzentrums der katholischen Pfarrgemeinde verwendet.

Wo die Kolpingstraße auf die Mühlheimer Straße trifft, geht es auf dem Radweg ein Stück nach rechts, dann aber gleich über die Straße in einen schmalen Weg, der zum Regenklärbecken führt (mit Schilfteil). Man folgt aber nicht dem Schild „Mühlenwanderweg“, weil dieses den südlichen Teil des Weges meint, sondern biegt noch vorher nach rechts ab auf den Mühlenwanderweg nach Mühlheim.

Durch den Wiesengrund geht es über die Ulmenstraße bis zur Müllerstraße. Hier fährt man nicht geradeaus in die Straße „An der Hildebrandsmühle“, sondern ein kurzes Stück nach links auf der Müllerstraße und noch vor der Brücke wieder nach rechts in den Hennigweg. Dort steht links der Gedenkstein für die Hildebrandsmühle.

 

Mühlenweg:

Mühlen sind das überkommene Wahrzeichen der Stadt. Schon der Name spricht für sich. An Rodau‑ und Bieberbach standen früher bis zu zehn Mühlen, die unter ihren adligen und klerikalen Grundherren über Jahrhunderte klapperten. Die Einführung der Kartoffel aber brachte die Mühlen in Bedrängnis.

Als dann noch die Dampfmühlen hinzukamen, hatte für die Mühlen an der Rodau zwischen 1890 und 1919 die letzte Stunde geschlagen. An die meisten Mühlen erinnern lediglich Gedenksteine auf ihrem einstigen Standort, einige sind in Teilen ihrer Bausubstanz noch in Wohngebäuden erhalten.

Die Hildebrandsmühle oder Weißkopfmühle wurde 1576 mit dem Namen „Holzmühle“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war der kurmainzischen Kellerei in Steinheim tributpflichtig. Im Jahre 1755 wurde das Anwesen beim Mühlenprotokoll als baufällig und die wirtschaftliche Lage als sehr schlecht angegeben. Den späteren Besitzer Peter Hillebrand fand man Anfang 1810 ertrunken unter dem Rodau-Eis, sein Erbe Martin Hillebrand starb 1830 als „Müller auf der Weißkopfmühle an Verstopfung“. Nicht zuletzt wegen der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse wechselten häufig die Mühlenbesitzer. Zwischen 1868 und 1896 investierte die Familie Schmidt viel in den Mühlenbetrieb, dennoch war ein Wertverfall unvermeidbar. Im Jahre 1896 wurde die gesamte Anlage von der Firma Eppstein aus Frankfurt-Niederrad aufgekauft und bis 1909 als Gerberei genutzt. Von der ursprünglichen Mühle ist heute nichts mehr vorhanden, lediglich der Straßenname „An der Hildebrandsmühle“ in dem heutigen Wohngebiet erinnert noch an sie.

Kurz vor dem Gedenkstein mündet die Bieber in die Rodau. Auch hier standen verschiedene Mühlen: Die Seipelsmühle ist erstmals 1574 erwähnt und stand an der Stelle der Wohnblocks. Auch die Rickertsmühle etwas weiter oberhalb ist heute Teil der Siedlung Markwald. Sie wurde 1709 erstmals erwähnt und 1780 neu gebaut. Ein Mühlstein trug die Jahreszahl 1582. Noch weiter oben ist die Käsmühl, die ihren Namen daher hat, daß zwei wandernde Handwerksburschen dort nur einen Käse erhielten und sich darüber lustig machten.

Nach Unterquerung der Lämmerspieler Straße und der Eisenbahnlinie fährt man nun nach links über die Rodau und rechts weiter, bis zur Friedensstraße. Links steht ein Gedenkstein für die Straßenmühle und ein Stück weiter ein Denkmal, das die Arbeit der Müllerburschen würdigt.

Jenseits der Friedensstraße geht es westlich der Rodau am Bürgerpark entlang.  Rechts sieht man die bekannte Gaststätte „Alte Wagnerei“. Nach der Überquerung der Rodaustraße wechselt man auf die östliche Seite der Rodau

Bald kommt man auch zur „Brückenmühle“, der einzigen Mühle im heutigen Ortszentrum, die Urzelle des Ortes. Die Mühle wurde 1576 erstmals urkundlich erwähnt als „des Schultheißen Mühl“. Mit „zwei Maltern drei Simmern Korn“ war die Brückenmühle abgabenpflichtig an die Kellerei Steinheim und damit dem Kurfürsten und Erzbischof von Mainz. Indirekt genannt wurde sie schon 1551 in einem speziellen Verzeichnis, das zur Eintreibung einer Sondersteuer aufgestellt wurde, um ein Reichsheer gegen die von Südosten vordringenden Türken finanzieren zu können.

Durch den Einbau eines Walzwerks konnte die Mühle überdauern. Im Gebäude sind alle technischen Stufen der Müllerei erhalten, vom „altdeutschen Mahlgang“ bis zum elektrischen „Walzstuhl“. Bis in die sechziger Jahre blieb das (elektrisch) betriebene Mahlwerk intakt. Das Wasserrad mit frisch erneuerten Holzschaufeln. ist das einzige erhaltene im Kreis Offenbach. Antonie Krebs, letzte Müllerin der Stadt, hat das Mühlrad von Fachleuten aus dem Erzgebirge nachbauen lassen. Seit 30 Jahren liegt auch diese Mühle brach. Sie ist aber die letzte noch funktionierende Mühle. Doch nur am „Mühlentag“ zu Pfingsten wird zu Schauzwecken Korn gemahlen, aber täglich (außer bei Frost) das Mühlrad in Bewegung gesetzt.

Man fährt schon an der Rampe zum Parkplatz hinunter und kommt in die Fußgängerzone. Dort fährt man weiter in Richtung Main, bis man auf die St. Priest-Straße trifft. Dort geht es weiter in nach rechts in Richtung Fähre, zu der man dann links abbiegt.

Mühlheim - Offenbach- Fechenheim - Rumpenheim - Mühlenwanderweg  2011

 

Rumpenheim:

Von der Mühlheimer Fähre geht es auf dem Mainuferweg nach Rumpenheim. Auf dem Weg kommt man nur renaturierten Rodaumündung: In der Mitte liegt eine kleine Insel als Fischkinderstube. Rechts ist ein Feuchtbiotop und eine Ruhezone für den Naturschutz. Links befinden sich Schmetterlingswiese, Ruhebänke (mit Blick zur Stadt), eine Liegeweise mit Bank und ein Erlebnisspielplatz  mit Wasserzugang. Bald ist man in Rumpenheim.

 

Das Dorf Rumpenheim:

Schon im Jahre 770 besaß das Kloster Lorsch hier Güter und pflanzte Weinreben an. Das Dorf kam an die Herren von Münzenberg, die die Hanauer Dynasten mit Rumpenheim belohnten. Diese gaben den Ort an andere Rittergeschlechter, von denen eins den Namen „von Rumpenheim“ führte und aus der Wetterau kam. Petrus von Rumpenheim wird 1430 erwähnt. Das Dorf wurde 1622 von den Spaniern unter Spinola verbrannt. Im Jahre 1769 kaufte Landgraf Karl von Hessen-Cassel das Dorf. Rumpenheim war nach der Landseite hin von einem wehrhaften Mauerzug umgeben, durch den zwei Tore führten. Von der Ummauerung bestehen noch wenige Überreste. Nach dem Umbau des alten Hofguts zum Schloß wurde das Hofgut am Westrand des Ortes (Mainkurstraße, heute Eigentumswohnungen).

 

Schloß Rumpenheim:

Rumpenheims Aufstieg zur zeitweiligen Residenz begann 1674 mit dem Landhaus des Hanauer Kammerpräsidenten Georg Seiffert von Edelsheim. Wahrscheinlich besaß bereits dieser 1680 auf hochwassersicherem Gelände erbaute Sommersitz einen Garten, der sich auf der Ostseite an das Herrenhaus anschloß. Es war Keimzelle der späteren Residenz, die heute noch mit ihren Umfassungsmauern im „Corps de Logis“ (dem Mittelteil des Schlosses) erhalten ist. Bald kam der Besitz an Hanau zurück und fiel 1736 als Erbe an Hessen-Kassel.

Landgraf Friedrich I. (1747-1837) wurde durch seine acht an in- und ausländische Höfe verheirateten Kinder zum „Großvater Europas“. Doch nach dem Übertritt des Erbprinzen Friedrich II. zum katholischen Glauben trennte sich 1755 die Landgräfin Marie (eine geborene Prinzessin von Großbritannien und Tochter von König George II.) von diesem und nahm 1763 in Hanau ihren Wohnsitz, um dort die Regentschaft für ihren ältesten Sohn auszuüben.

Im Jahre 1768 erwarb ihr zweiter Sohn Carl die Edelheim’schen Güter in Rumpenheim und stellte sie seiner Mutter zur Verfügung. Die Landgräfin verbrachte ihre Sommermonate ab 1769 nicht mehr in Schloß Philippsruhe, sondern in den fürstlichen Gemäuern am südlichen Mainufer in Rumpenheim.

Karl und seine Mutter Landgräfin Marie erweiterten 1770 das Herrenhaus um zwei seitliche Anbauten und vergrößerten den Garten. Diese Anbauten kann man noch an der Mainfront erkennen, noch besser aber im Innenhof, wo noch zwei kleine Türme angedeutet sind. Von 1787 bis 1788 wurden zwei Seitenflügel direkt an das Schloß angebaut.

Von 1804 bis 1805 wurden die beiden erhöhten Ecktürme (Pavillons) an der Mainfront errichtet. Dazu der Uhrturm und ein drittes Stockwerks. Damit erhält das Schloss seine heutige Gestalt.  In Verbindung mit dem Uhrturm auf dem mittleren Hauptgebäude und der längs des Kranzgesims hinziehenden Attika verhelfen die Pavillons der im Ganzen schlichten dreigeschossigen Uferfassade zu einer gewissen architektonischen Wirkung.

Entsprechend der Herkunft der Landgräfin Maria erhielt der Rumpenheimer Sommersitz englische Gartenarchitekten. Im Jahre 1780 erhielt das Schlößchen zwei seitliche dreiachsige Anbauten und auf der Rückseite die für eine kleine Holhaltung notwendigen Ökonomie- und Nebengebäude sowie eine Vergrößerung und Verfeinerung des Parks mit verschiedenen Lustbauten. Der Garten wurde im anglo-chinoisen Stil umgestaltet, vielleicht auch erweitert und mit verschiedenen Staffagen ausgestattet.

Nach den Tod der Landgräfin 1772 verkaufte Carl Ende 1780 Rumpenheim an seinen jüngeren Bruder Friedrich, Begründer der nicht-regierenden Seitenlinie Hessen-Rumpenheim. Landgraf Friedrich baute das Schloß weiter aus. Er kaufte Bauernhöfe hinzu und umgab das Schloß mit einem großen Garten. Die 1756 erbaute Kirche kam dadurch in den Bereich des Schloßgartens.

Obwohl Friedrich bis 1794 als Gouverneur der Festung Maastricht in niederländischen Diensten stand, ließ er bereits im Januar 1781 Schloß und Garten zeichnerisch aufnehmen und eine Erweiterung planen. In kurzer Zeit wurden die beiden Seitenflügel angefügt und 1787 als Gelenk zwischen diesen und dem Mittelbau ein Pavillon eingepaßt und 1788 ein Uhrturm  aufgesetzt. Er ließ ein drittes Geschoß auf der Mainseite und das Mausoleum (in dem zeitweise ein Architekt wohnte) erbauen.

Gleichzeitig vergrößerte er den Garten beträchtlich nach Osten und Süden durch sukzessive Geländekäufe, wofür die ursprünglich dort befindlichen Hofreiten sowie das Pfarr- und Schulhaus des Dorfes Rumpenheim niedergelegt und weiter westlich neu errichtet werden mußten. Eine Gouache belegt das Aussehen des Schlosses um 1790, dessen Äußeres sich baulich später nur noch geringfügig mit der Aufstockung des mainseitigen Mansarddaches zu einen dritten Geschoß verändern sollte (Abb. 1).

Dagegen wurde der Garten immer wieder im Zeitgeschmack überformt. Nach dem Tod von Friedrich 1837 übernahmen es insbesondere seine beiden Söhne Georg und Friedrich, Rumpenheim weiter auszugestalten und die Gärten zu verschönern. Die Anlage einer Wasserleitung ermöglichte ab 1850 die Inbetriebnahme von Springbrunnen. Im Jahre 1857 konnte durch den Ankauf von 4 Hektar Gelände mainaufwärts die Gartenfläche nahezu verdoppelt werden.

Das Schloß wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Treffpunkt der Fürstlichkeiten aus aller Welt. Hier promenierten Kaiser Franz Joseph von Osterreich, die Könige von Sachsen, Bayern und Hannover anläßlich des Frankfurter Fürstentages 1863. Die Besucher kamen gerne, weil es in dem „Familienschloß“ auch familiär zuging. Die Verwandtschaft - die bis nach England und Dänemark reichte - kam gern nach Rumpenheim.

Der Abglanz der hessischen Landgrafen hat Rumpenheim einen „gewissen Wohlstand“ und viel Aufmerksamkeit verschafft. Etwa, wenn für die Hochzeit der Prinzessin Elisabeth mit dem Erbprinzen von Anhalt 1884 die Generalüberholung des ganzen Hauses anstand. Oder im gleichen Jahr zur Trauerfeier für Landgraf Friedrich Wilhelm. Im „Grünen Saal“ aufgebahrt unter der Ehrenwache seiner Offiziere, zwischen Kerzen, Ordenskissen, täglich mehr Blumen, schien das Defilee der Trauergäste nicht zu enden.

Großereignisse waren auch seit Landgraf Friedrich die „Familientage“ fürs Volks, begehrter Anlaß zur „Adelsschau“ und für die Geheimpolizei höchste Wachsamkeitsstufe. Von einem dieser Feste holten sich Griechen gleich ihren neuen König nach Athen, Friedrichs Enkel Wilhelm von Schleswig-Holstein-Glücksburg  (1863). Letzter monarchischer Besucher war Kaiser Wilhelm II. zum Geburtstag seiner hessisch verheirateten Schwester Margarethe (1898).

Die landgräfliche Familie bewohnte Rumpenheim regelmäßig bis 1902. Preußen hatte kein Interesse an der südmainischen Exklave und trat Rumpenheim an Hessen-Darmstadt ab. Der Ort wurde 1942 nach Offenbach eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg erhielt der Mittelteil des Schlosses im Jahre 1943 Bombentreffer und brannte aus und ist seitdem eine Ruine. Ist auch sein Schloß seit fast 100 Jahren verwaist hat es die kulturelle Ausstrahlung auf den Ort nicht eingebüßt. Im Jahre 1965 gingen Schloß und Park von der Kurhessischen Hausstiftung in den Besitz der Stadt Offenbach über, ohne daß allerdings Klarheit über die künftige Nutzung dieser ehemals feudalen Residenz bestanden hätte.

Immer noch ist die Sorge um seine Zukunft groß, seitdem es die Stadt als Besitzer an Pläneschmieder in Erbpacht gab, die es weiter brachliegen lassen. Obschon Schloß, Park und Kirche seit 1921 unter Denkmalschutz standen, begann sich in einem 1973 durchgeführten Wettbewerb abzuzeichnen, daß an ihrer Stelle Wohnhochhäuser die künftige Mainsilhouette bestimmen sollten. Nur durch die Gründung einer Bürgerinitiative und deren engagierten Einsatz über Jahre ließ sich der drohende Abbruch verhindern.

Seit 1985 sind die Seitenflügel des Schlosses sowie der ehemalige Marstall (westlich und parallel zu dem westlichen Seitenflügel)  zu Wohnungen ausgebaut worden, wobei im Äußeren der Zustand der Zeit um 1805 wiederhergestellt ist. Es scheint, daß der Wiederaufbau des Corps de Logis bevorsteht. Im Jahre 2004 wurden die Eigentumswohnungen im Mittelbau samt Uhrturm fertig. Bleibt noch die vielleicht sensibelste Aufgabe zu lösen: die Rettung von Garten und Park.

Obschon Schloß, Park und Kirche seit 1921 unter Denkmalschutz standen, kam es im Jahre 1973 zu einem Architektenwettbewerb, dessen Ziel der Abbruch der Ruine und eine Hochhauszeile an dieser Stelle des Mainufers war – ganz im Geist der damaligen Zeit. Dies wurde auf Druck einer Bürgerinitiative mit engagierten Einsatz über Jahre verhindert.

In den 1980er Jahren kam es zu ersten Sicherungsmaßnahmen. Seit 1985 sind die Seitenflügel des Schlosses sowie der ehemalige, im Süden quer dazu stehende Mar­stall zu Wohnungen ausgebaut worden, wobei im Äußeren der Zustand der Zeit um 1805 wiederhergestellt ist.

Erst seit 2002 präsentiert sich das Schloss wieder in seinem historischen äußeren Erscheinungsbild. In seinem Innern enthält es 2004 heute moderne Eigentumswohnungen der gehobenen Preisklasse. In den Jahren 1999 bis 2010 diente das Schloss und der Schlosspark im Sommer als Kulisse für einen Mittelaltermarkt

 

Die Fähre:

Die Fähre, schon im Jahre 770 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch erwähnt und in nachfolgenden Besitzwechseln des Kammergutes Rumpenheim stets als obligat dazugehörig gefordert, gleitet noch heute hinüber und herüber, lautlos, um Autos, Fahrräder, Camper, Schüler, Angler, Sportler und Ausflügler überzusetzen. Die Fähre wird von Udo Dill als Familienbetrieb betrieben. Im Jahre 2008 waren die Gutachter des Wasser- und Schiffahrtsamtes Aschaffenburg vor Ort und haben die Neuerungen an seiner Fähre begutachtet. Alles ist in Ordnung, ab sofort durfte er wieder bis 2,60 Meter Wasserhöhe übersetzen - zuvor waren nur 2,10 Meter erlaubt.

„Wir haben die Seile und die Befestigung der Oberstrommastanlage verstärkt“, erklärt Dill. Zudem sei das Gierseil, das die Fähre mit dem Hochseil verbindet, von zwölf auf 16 Millimeter verstärkt worden. Udo Dill ist glücklich über diese Freigabe, bis 2,60 Meter Wasserhöhe fahren zu dürfen. Aufgrund der vorherigen Einschränkung auf 2,10 Meter musste er im Januar und Februar jeweils eine Woche den Fährbetrieb aussetzen, im März und April waren es ins­gesamt sogar acht Wochen. „Das war für uns absolut existenzbedrohend“, erklärt Dill.

Die Investition, um die Fähre für eine Wasserhöhe von 2,60 Meter zuzulassen, beläuft sich auf einen fünfstelligen Betrag. Dennoch ist Dill überzeugt, daß sich diese Investition gelohnt habe. Die nächste Prüfung steht erst wieder in sechs Jahren an. Die Stammkunden wird die Nachricht freuen, sie können wieder wie üblich einmal hin und einmal zurückfahren, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Für ein Auto ist ein Euro und 50 Cent für ein Rad zu zahlen.

Fußgänger 30 Cent.

Die Fähre, der Landgrafen „fliegende Brücke“, war immer wichtig für das Schloß, die ohne Gasthaus nicht denkbar ist. Das „Schiffchen“ steht hier seit dem 18. Jahrhundert, äußerlich sich treu geblieben, innen neuerdings fein geschniegelt, aber immer noch mit üppigen Portionen und den Offenbachern allein einen Spaziergang wert.

Unterhalb des Gasthauses geht es am Main entlang. Am Ende der Kleingärten geht es nach links und dann wieder rechts neben dem Damm entlang auf der Teerstraße bis zum Schultheisweiher, zu dem man nach links einbiegt.

 

Mainbogen Rumpenheim:

Die Firma Schultheis begann 1928 mit dem Kiesabbau im Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen. Durch die  Auskiesung entstanden mehrere Seen, die vom Grundwasser, gespeist wurden. In den 60er Jahren war, als der Kiesabbau aufgegeben wurde, der Schultheis‑Weiher viel größer als heute. Damals begann man, den See zu verfüllen. Im Jahre 1975 verhinderte dann die Stadt Offenbach durch einen Bebauungsplan, daß weiterhin Erdmassen in den See gekippt werden konnten und rettete so den Schultheis‑Weiher. Die Lkw‑Ladungen, die nicht mehr in den See geschüttet werden durften, waren die Grundlage für die Hügel am Nordufer des Sees.

Der ehemalige Baggersee „Schultheisweiher“ wurde rekultiviert,  um im Naturschutzgebiet Freizeitaktivitäten zu erlauben.

Die Natur und der Mensch ergreifen Besitz. Aufgelassene Kiesgruben sind kein Niemandsland: Auf Brachflächen setzt sofort Spontanvegetation ein. Seltene, extreme Standorte, wie Steilufer, Land‑Wasser‑Wechselzonen, Trockenbereiche, feuchte Mulden und Erdhügel, sind Lebensräume für spezielle Pflanzen und Tiere, die ‑ auf diese besonderen Lebensräume angewiesen ‑ in unserer Kulturlandschaft nur noch selten vorkommen oder gar vom Aussterben bedroht sind. Feuchte Mulden bieten Lebensraum für Kröten, Frösche und Molche. Diese wiederum sind eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Vogelarten. Auf Kiesbänken brüten Flußregenpfeifer, in Trockenzonen tummeln sich Käfer und Insekten. Im Schultheis‑Weiher konnten sich die Dreikantmuschel und die Große Teichmuschel besonders gut entwickeln. Von beiden ernähren sich verschiedene Wasservogelarten.

Aufgrund seiner geographischen Lage im Kreuzungspunkt zweier wichtiger Vogelzuglinien wurde der Schultheisweiher zu einem bedeutenden Rastplatz für nordeurasische Wasserzugvögel, die hier ihre Nahrung finden und ‑ je nach Art und Witterung ‑ eine kurze Rast auf dem Weg nach Süden einlegen, oder auch den ganzen Winter über bleiben. Immer wiederkehrende Gäste sind vor allem Entenarten, wie Reiher‑, Tafel‑, Löffel‑, Schell‑, Moor‑ und Pfeifenten, Taucherarten wie Hauben‑, Zwerg‑, Rothals‑, Schwarz‑ und Prachttaucher sowie Kormorane und Fischadler. Zu den Tierarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind, gehören der Fußuferläufer, der Steinschmätzer, das Braunkehlchen, die Beutelmeise, der Kiebitz, das Rebhuhn und der Fasan.

Schon in den 30er Jahren, also noch während des Kiesabbaus, kamen die ersten Badegäste zum Schultheis‑Weiher. Später nahmen Angler die Ufer in Besitz. Tauchsportler trainierten im See. Segler und Windsurfer drängten sich auf dem Wasser. Auf dem Gelände wurde gezeltet, gelagert und Feuer angezündet. Es entwickelten sich chaotische Zustände. Die Erholungssuchenden kümmerten sich wenig um die Besonderheiten der Natur. Meist ohne es zu wissen, zertrampelten sie wertvolle Pflanzen und störten oder verdrängten selten gewordene Tiere. Sie hinterließen Abfall und Müll. Und mancher entsorgte hier sogar sein Auto oder seine Couchgarnitur.

Der Umlandverband Frankfurt und die Stadt Offenbach am Main haben sich deshalb ab 1981 der Gestaltung und Herrichtung des Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen angenommen und ihn unter Wahrung seiner Funktionen für Klima, Natur‑ und Landschaftsschutz sowie der landwirtschaftlichen Nutzung zu einem relativ naturbelassenen Gebiet für die ruhige Erholung entwickelt.

Vor allem ging es dabei um die Reparatur eines Landschaftsschadens, die Rekultivierung des Sees im Zentrum des Erholungsgebiets. Der Kiesabbau hatte rechteckige, sich an dem Zuschnitt der Grundstücke orientierende Wasserflächen hinterlassen, mit steilen Ufern und kahlen Böschungen. Diese wurden wieder harmonisch in die Landschaft eingegliedert.

Dazu waren Geländemodellierungen und gezielte Initialpflanzungen erforderlich. Die Maßnahmen wurden in einem bundesweiten ldeen‑ und Realisierungswettbewerb entwickelt. Die Bauarbeiten begannen im September 1983. Insgesamt wurden 125.000 Kubikmeter Erde bewegt, 180.000 Bäume und Sträucher sowie 11.000 Wasserpflanzen gepflanzt. Im Sommer 1984 war der Sandstrand schon soweit hergerichtet, daß hier wieder gebadet werden konnte. Im Jahre 1985 stand dann auch die Badeterrasse bereit. Man hatte die Kaimauer, auf der früher der Ladekran lief, dazu umgebaut. Die Arbeiten an der Ufer‑ und Geländemodellierung an der südlichen Seeseite dauerten noch bis Frühjahr 1986. Im Sommer 1987 konnte dann der Badebetrieb offiziell beginnen, nachdem Sanitäranlagen errichtet und Informations‑ und Hinweistafeln aufgestellt waren.

Im Norden wurde etwa die Hälfte des Gebietes als Bereich abgegrenzt, in dem sich die Natur ungestört entwickeln kann. Er ist an Land durch Zäune und im See durch eine Bojenkette von dem übrigen Gelände getrennt und darf von den Besuchern nicht betreten werden.

Durch seine Lage im Kernbereich des Ballungsraumes zwischen den Städten Frankfurt am Main und Offenbach am Main ist der Bürgel/Rumpenheimer Mainbogen mit seinem 115.000 Quadratmeter großen Badesee zu einem beliebten naturnahen Freizeitgebiet geworden. Das Baden ist nur vom 1. Mai bis zum 15. September gestattet. Surfen und Segeln konnten nicht erlaubt werden. Sandstrand und Liegewiese wurden so angelegt, daß die abgeflachten Ufer einen bequemen Zugang zum See gestatten und auch Kinder und Nichtschwimmer sich ins Wasser wagen können. Die alte Kaimauer der Kranbahn wurde zu einer attraktiven Badeterrasse umgebaut. Von hier aus hat man einen schönen Ausblick über die Landschaft und den See. Umkleidekabinen und Kiosk sucht man deshalb hier vergebens. Duschen und Toiletten sind aber selbstverständlich vorhanden.  Ein etwa zweieinhallb Kilometer langer Rundweg führt um den See, mal direkt am Seeufer entlang, dann durch Felder und Wiesen. Vom Hochwasserdamm hat man Einblick in das Naturschutzgebiet und eine schöne Aussicht über das weitläufige Mainvorland.

Festangestellte Aufsichtskräfte und freiwillige Helfer von Vereinen und Verbänden helfen den Erholungssuchenden, diese „Spielregeln“ zu beachten. Zwar können Verstöße mit einem Bußgeld geahndet werden, doch ist dies in der Regel nicht erforderlich. Fast immer reichen Hinweise der Aufsicht aus.

 

 

Jüdischer Friedhof:

Am südlichen Rand des Schultheisweihers liegt  der jüdische Friedhof in Bürgel. Hier wurden bereits im 17. Jahrhundert die Toten der jüdischen Gemeinden Bürgel, Offenbach und Mühlheim am Main beigesetzt. Der Friedhof wurde 1821 und 1842 erweitert und mit einer Mauer umgeben, die mit Hilfe einer Spende von Dr. Elsaß aus Kopenhagen, dessen Eltern aus Bürgel stammten, finanziert werden konnte. Der älteste Teil des Friedhofes wird der östliche Teil sein, in dem keine Grabsteine mehr erhalten sind. Von 1840 bis 1874 fanden etwa 130 Beerdigungen statt. Auch nach der Eingemeindung Bürgels nach Offenbach wurde der Friedhof weiterhin benutzt (mindestens bis 1938). Während des Zweiten Weltkrieges befand sich auf dem Friedhofsgelände eine Flakstellung. Möglicherweise wurden dadurch die älteren Gräber zerstört. Die Friedhofsfläche umfasst 26,59 Ar.

 

Bürgel: Jüdische Gemeinde

Auf dem Mittelweg fährt man dann weiter nach Bürgel. Im Ortsbreich bleibt man aber nicht auf dem Damm, sondern fährt auf der Teerstraße entlang der Häuser. Nach links blickt man in die Schifferstraße und hält an der nächsten Straße, der Bürgerstraße, weil hier einmal die Synagoge war.

In Bürgel bestand bis 1938/40 eine zeitweise große jüdische Gemeinde. Erstmals werden Ende des 16. Jahrhunderts Juden am Ort genannt: In Bonn und Friedberg wird ein Rabbi Moses von Bürgel (R. Mose ben Jisai oder Josef Bürgel) genannt. Er soll 1575 in Bürgel geboren sein und nach 20-jährigem Wirken in Friedberg am 5. Oktober 1643 gestorben ist. Im Jahre 1603 wird die Bürgeler jüdische Gemeinde in einer Liste der damals erhobenen „Türkensteuer“ erstmals erwähnt.  

 Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die Zahl der jüdischen Familien am Ort zu (Mitte des 17. Jahrhunderts 10 Familien). Mitte des 18. Jahrhunderts gab es etwa 25 jüdische Familien am Ort.  Um 1800 waren es etwa 40 jüdische Familien und 1905 gab es 149 jüdische Einwohner. Zur jüdischen Gemeinde in Bürgel gehörten auch die in Mühlheim am Main und Dietesheim lebenden jüdischen Familien. Ab 1887 bildeten diese eine eigene Gemeinde mit Sitz in Mühlheim.   

Im Jahre 1933 lebten noch etwa 60 jüdische Personen in Bürgel (in etwa 15 Familien). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 haben weitere jüdische Personen den Ort verlassen. Im Jahr 1939 wurden noch 27 jüdische Einwohner gezählt. Von den letzten jüdischen Einwohnern wurden 1942 wurden drei jüdische Bewohner in das Ghetto Theresienstadt deportiert, neun weitere Personen in die Vernichtungslager nach Polen.   

 An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (1781 genannt) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schochet tätig war. Im Jahre 1837 wird als Lehrer in Bürgel Elias Birkenstein genannt (zuvor Lehrer in Battenberg und Battenfeld). In den Jahren vor 1895 war ein Lehrer Feuchtwanger am Ort. Letzter Lehrer der Gemeinde war von 1895 bis 1923 Abraham Weinberg. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Offenbach am Main. 

Zur Geschichte der Synagoge: Zunächst war ein Betraum vorhanden, der sich in einer Stube im „Falltor“ (einem Torturm) der Ortsbefestigung befand (am östlichen Ende der Bürgerstraße).  Im Jahre 1824 wurde eine Synagoge in der Bürgerstraße (frühere Borngasse) erbaut und eingeweiht. Im Jahre 1856 wurde das Gebäude renoviert. Auch nach der Eingemeindung Bürgels nach Offenbach fanden in der Bürgeler Synagoge Gottesdienste statt. Im Jahre 1924 konnte das 100-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden. Die Synagoge hatte zuletzt 66 Plätze für Männer und 38 für Frauen.  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Das Gebäude wurde im Jahr 1939 zwangsweise verkauft. Den Kaufvertrag unterzeichneten der Kaufmann Leo Grünebaum und der Metzgermeister Salomon Reiß. Im Jahre 1943 wurde das Synagogen­gebäude durch eine Luftmine schwer beschädigt. Nach 1945 wurde das Gebäude zu einem privaten Wohnhaus umgebaut. 

Ursprünglich aus der Synagoge der Gemeinde stammt eine 1767 von dem damals in Bürgel lebenden jüdischen Ehepaar Leiser und Breinle Wimpfe der Gemeinde gestiftete Menora (siebenarmiger Leuchter). Sie ist aus Kupfer hergestellt und sehr kunstvoll gearbeitet. Im Jahre 1913 wurde sie von Dr. Siegfried Guggenheim (Offenbach, später Flushing, New York) erworben und in Amerika dem Jewish Museum in New York zur Verfügung gestellt. Dort erwarb sie David Ben Gurion, als er anlässlich seines Staatsbesuches in den USA ein geeignetes Geschenk für Präsident Truman suchte und ihm die Menorah am 8. Mai 1951 überreichte. Auch Präsident George W. Bush wurde bei einem Empfang zum Chanukka-Fest im Dezember 2008 die Menora aus Bürgel präsentiert und die erste Kerze wurde durch Professor Yariv Ben-Eliezer, einen Enkel von David Ben Gurion. entzündet. 

 

Unter den jüdischen Vereinen der Gemeinde ist neben den Wohltätigkeitsvereinen vor allem der jüdische Gesangverein „Concordia“ zu nennen. Er wurde 1866 zunächst als Synagogen­chor­verein gegründet, um „den Gottesdienst in der Synagoge zu heben“. Später nahm der Chor mit weltlichem Gesang auch an Sängerfesten teil (Fahnenweihe 1868).

Aus Bürgel stammte der Kantor Isaac Eberst (auch Juda Eberscht genannt; Vorfahren aus der Rhön oder aus Eberstadt). Er wurde 1779 hier geboren und heiratete ein Mädchen aus der Bürgeler jüdischen Familie Schlesinger. Ebersht nahm später den Namen „Offenbach“ an. Sein Sohn Jacques Offenbach wurde 1819 in Köln geboren und wurde ein berühmter Operetten­komponist. Dieser war der Vetter der damaligen Inhaber des Café Schlesinger (Ecke Schifferstraße/Mainstraße). Das Gebäude stand bis nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Spezialität des Cafés war das sogenannte „Judenplätzchen“, ein Gebäck mit Mohn in Untertassengröße. Letzter Inhaber war der Schwiegersohn Schlesingers mit Namen Reinwald.   

Wo die Maingartenstraße endet, geht es nach rechts durch das Hochwassertor und dann gleich wieder links am Main entlang zum Isenburger Schloß in Offenbach. Man fährt durch das Hochwassertor. Links sind auf einer Säule die großen Mainhochwasser von 1687, 1764 und 1845 markiert. Und über die ampelgesicherte Straße kommt man zum Schloß.

 

Schloß in Offenbach:

An der Stelle des Isenburger Schlosses stand eine Wasserburg aus der Mitte des 15. Jahrhunderts (1448), von der im heutigen Schloß noch das Erdgeschoß mit dem Rundbogenfries und die halbrunden Vorbauten (Überreste der alten Flankentürme) erhalten ist. Auf diese Burg folgte ein Schloß, das 1556 begonnen wurde und 1559 fertig wurde, so daß die Residenz von Birstein nach Offenbach verlegt werden konnte. Dieses Schloß brannte 1564 ab, von ihm ist im heutigen Schloß die Nordseite mit Ausnahme des obersten Geschosses erhalten.

Das heutige Schloß wurde 1569-1578 unter Graf Reinhard von Isenburg erbaut. Nach der Inschrift über einer Tür am Eckturm wurde es 1572 vollendet. Es ist eines der schönsten Renaissancebauten, besonders die Hoffassade mit den zweigeschossigen Laubengängen und den kunstvollen Turmportalen. An der Südfassade ist das Wappen der Isenburger und Verwandten zu sehen.

Deshalb muß man unbedingt sich auch die Südseite ansehen. Dort sieht man auch am Schloß nach der Straße zu eine Gedenktafel für Alois Senefelder (1771 - 1834), Erfinder der Litho­graphie, der zeitweise in Offenbach wohnte. Beim Ausschachten einer Neubaugrube für die südlich sich anschließende „Hochschule für Gestaltung“  kam eine Brücke ans Licht. Rätsel gibt eine gleichfalls entdeckte Mauer aus grauem Kalkstein auf, die möglicherweise von der einstigen Wasserburg stammt.

An der Schloßstraße war auch die Krafft’sche Tabakfabrik. Dort steht eine der wenigen erhaltenen historischen Bauten der ganzen Altstadt: ein klassizistisches Wohnhaus, an dem demnächst ein Flügel des originalen Holztores, der halbverbrannt die Bombennächte  überstanden hat, in einer Nische installiert werden soll.

Das Schloß hatte einst Seitenflügel. Von der Schloßkirche steht nur noch der Turm westlich des Schlosses. Das Schiff brannte im Krieg aus und wurde abgerissen. Zur Zeit ist der Ausbau der Turmruine durch einen Privatmann im Gespräch, der darin eine Wohnung einrichten möchte.

In einer längst verschwundenen Baumwollfabrik neben der damaligen Schloßkirche stand einst die erste Dampfmaschine Hessens. Der wohlhabende Besitzer wohnte in der Nähe in einem Fachwerkhaus nach Schweizer Art, das sich in diesem Industriegebiet seltsam ausgenommen haben muß. Direkt neben dem Schloß war der Schlachthof.

Ein Stück weiter ist dann der Lili-Park. Links in der Straße „Linsenberg“ steht das „Lili­häus­chen“, benannt nach Lili Schönemann, die sich hier mit Johann Wolfgang von Goethe getroffen hat, mit dem sie seit 1775 verlobt war. Goethe arbeitete hier am „Faust“, eine Gedenktafel weist darauf hin.  

Das 1798 im Auftrag des geheimen Rates und Frankfurter Bankiers Friedrich Metzler direkt am Main-Ufer geschaffene Gebäude war im Laufe der Jahre verfallen. Für die Sanierung des Lili-Tempels in Offenbach wurde Bauherr Volker Hohmann geehrt. Er hat das Gebäude in seiner Substanz gesichert und wieder in einen „dem denkmalpflegerischen Wert würdigen Zustand“ versetzt. Weiter am Mainufer geht es bis zur Carl-Ulrich-Brücke.

 

Carl-Ulrich-Brücke

Die Brücke ist benannt nach dem späteren hessische Ministerpräsident Carl Ulrich, der wegen seiner aufrührerischen sozialistischen Zeitungsartikel im Bezirksgefängnis am Französischen Gässchen (dort steht heute das DGB-Haus) einsitzen mußte. Wenn man die Brücke überquert und fast das Ende der Rampe erreicht hat, geht links ein schmaler Weg ab (Wegweiser zu einer Gaststätte, noch vor dem Zaun des großen Parkplatzes), der im großen Linksbogen zum  Main führt. Unter der Brücke hindurch geht es auf der Fechenheimer Seite zurück.

 

Fechenheimer Mainbogen (Westseite):

An einem Tanzcafé stößt eine historische Lindenallee (Starkenburger Straße) mit 100 Jahre alten Winter‑ und Sommerlinden an den Main. Seit 1998 Granitstelen angeschafft wurden, die als Poller wirken und verhindern, daß die Autos den Bäumen zu nahe kommen und dort Autos repariert werden, wie das jahrelang geschah.

Als die Grüngürtel‑Projektgruppe vor einigen Jahren am nordöstlichen Zipfel des Bogens drei Kaiserlinden als eine der ersten Grüngürtel‑Baumgruppen pflanzte und den ehemals als Müllhalde und Autoreparaturplatz genutzten Wiesenflecken mit Granitpollern unzugänglich machte, lagen die frisch gepflanzten Bäume Tage darauf aus dem Boden gerissen herum. Eine von drei Silberweiden, die 1999 als Baumgruppe ein paar hundert Meter weiter gepflanzt wurden, fand man eines Tages umgehackt am Boden.

Die Allee läuft auf das Offenbacher Schloß auf der anderen Mainseite zu, das man durch die Bäume gerade so erahnen kann. Mit dem Schloß war die Allee zwischen 1819 und 1887 durch eine so genannte Schiffsbrücke verbunden. Der Fährbetrieb wurde eingestellt, als die Carl‑Ulrich‑Brücke fertig wurde.

Die feuchte Auenlandschaft im Fechenheimer Mainbogen ist der ideale Standort für die Linde, die das trockene Stadtklima gar nicht liebt. Und das, obwohl die Linde eigentlich als Baum gilt, der „dem Menschen zugetan“ ist. Ist sie doch ein beliebter Dorfplatzbaum, wo sie historisch bei Volksfesten zur „Tanzlinde“ wurde. Zuweilen drehten die Burschen ihre Tanzpartnerinnen sogar im Innern des Baums. Denn Linden, die durchaus 1000 Jahre alt werden können, höhlen im Alter aus und bilden dann, ausgehend vom Kronenkern, im Innern des Stammes Wurzeln, die tief in den Boden hineinreichen. Der Duft der Linde soll gegen depressive Stimmungen helfen, ja geradezu euphorisieren.

Im Flächennutzungsplan ist immer noch vorgesehen der Bundesstraße 448 in Offenbach über eine Mainbrücke mitten  durch das  Richtung Bad Vilbel zu führen. Die Stadt Frankfurt hat sich mit Beschluß des Landschaftsplans 1996 unmißverständlich gegen den Bau der Straße ausgesprochen und gleichzeitig beim Umlandverband die Änderung des Flächennutzungsplans beantragt ‑ bisher ohne Erfolg.

Derzeit noch überwiegend Ackerland, soll das durch die Biegung des Mains geformte Halbrund von 2005 an fast komplett Grünland werden; eine dem Standort angemessenere Nutzung.

Denn fast jedes Jahr wird die 100 Hektar große Fläche vom anschwellenden Fluß überflutet und schützt so die Innenstadt bei Hochwasser vor Überschwemmungen. Ackerbau ist unter diesen Bedingungen problematisch. Künftig soll er laut Landschaftsplan nur noch auf dem etwas höher liegenden, sogenannten Mittelfeld erlaubt sein. Westlich der Lindenallee soll am Mainufer ein naturbelassener Auwald entstehen, wie er sonst nirgendwo im Stadtgebiet mehr entwickelt werden konnte.

Der Mensch ist eindeutig das störende Element im Landschaftsschutzgebiet Fechenheimer Mainbogen. Stöbernde Hunde vertreiben die 14 Brutpaare der Nachtigall oder die vielen anderen Vogelarten, die in der niedrigen Krautschicht brüten, wie Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Fitis und Trauerschnäpper.

Um die besondere Qualität der Natur entlang des Leinpfads am Mainufer zu erkennen, muß man kein Experte sein. Den glanzvollen Auftakt macht ein als Naturdenkmal ausgewiesener, etwa 100 Jahre alter Spitzahorn am Mainufer, da, wo die Lindenallee auf den Fluß stößt. Im weiteren Verlauf des Pfads geht es immer so weiter: Baumriese folgt auf Baumriese ‑ die für den Auwald typischen Schwarzerlen, Eschen (Baum des Jahres 2001), Schwarzpappeln, Silberweiden, hainbuchenblattrigen Ulmen und Kastanien.

Der reinste botanische Garten ist hier: die rosa Blüte des Blutweiderich etwa oder das weiß blühende Mädesüß, beides typische Auenpflanzen. Der hochgiftige Schierling, zu erkennen an den roten Flecken auf dem Halm, wächst hier gleich neben Baldrian, Klette, Beinwell, Beifuß und Engelwurz neben gemeinem Springkraut.

Das ganze Gebiet soll zum Landschaftsschutzgebiet umgeestaltet werden, die  Mainufer sollen verschwinden, ein alter Mainarm (der den Bogen abschneidet) soll wieder freigelegt werden. Zwischen den Jahren 1800 und 1850 bekam der Main den noch heute aktuellen Verlauf. Es wurden etliche Staustufen gebaut und vornehmlich der Fechenheimer Mainbogen zugunsten des Frachtschiffverkehrs ausgebaut. Dem Offenbacher und dem Fechenheimer Hochwasserdamm stehen die Retensionsflächen auf Bürgeler und Fechenheimer Seite gegenüber. Diese Flächen wurden in den letzten 200 Jahren für die Landwirtschaft genutzt. Der Altarm des Mains und die ehemaligen Feuchtgebiete verloren jedoch nie ihre Wirkung, besonders bei Hochwasser.

Im Zuge der Planungen zum Frankfurter Grüngürtel rückte nun auch der Fechenheimer Mainbogen gegenüber von Offenbach in den Blickpuinkt. Dort soll in den nächsten Jahren der den Mainbogen durchschneidende Altarm des Mains wieder freigelegt und renaturiert weden. Direkt am Flusslauf entsteht ein Auenwald, in den Brutzonen für Wasservögel und Laichgebiete für Fische einbettet werden. Eine entsprechende Wegführung für Radler und Spaziergänger ermöglichen eine gute Beobachtung von Fauna und Flora.

Ein weiteres Merkmal der Renaturierung ist die Einschränkung der extensiven Landwirtschaft mit großen Monokulturen. Im Laufe der Jahre hat die Landwirtschaft mit schweren Maschinen die nicht allzu dicke Humusschicht in ein Substrat aus Sand, Lehm und Erde verwandelt, das mit großen Kunstdüngermengen auf Ertrag getrimmt wird und sehr intensiv künstlich bewässert werden muss.

Die Planungen haben aber auch schwerwiegende  Auswirkung auf die private Freizeitnutzung. Die Gärtner der freien Gärten im Mainbogen müssen ihre Gärten stillegen und verkaufen. Auch die Gärten von zwei Maintaler Familien, die „Oasen der Ruhe“ waren müssen weichen

Die Gärten werden bereits seit mindestens 150 Jahren bewirtschaftet und haben eine sehr dunkle Erde. Humus ist nun mal für den Gartenbau besonders gut geeignet. Nun geht diese Tradition zuende und die Gärten müssen weichen. Sie werden in den nächsten Jahren in einem Auenwald verschwinden.

Im Laufe der letzten Hundert Jahre erfüllten die Gärten eine wichtige Versorgungsaufgabe. In beiden Weltkriegen wurde jeder Quadratmeter Acker für den Anbau genutzt. Dort hielt man sogar Hasen und Hühner. Dieser traditionelle Gesichtspunkt wird heute bei Planungen nicht mehr berücksichtigt. Mit der Unteren Naturschutzbehörde wurden inzwischen Verträge über die Renaturierung der Gärten abgeschlossen, nachdem keine Genehmigungen für Zäune, Befestigungen und die Schutzhütten vorgelegt werden konnten. Bis Ende 2016 muss renaturiert sein.

 

Renaturierungsmaßnahmen dieses Ausmaßes sind nur möglich, wenn die jeweilige Kommune die von den Landschaftsveränderungen betroffenen Grundstücke besitzt. 80 Prozent des Fechenheimer Mainbogens sind bereits in städtischer Hand. Die Art, wie die Stadt Frankfurt an die Grundstücke gelangt, ist recht perfide. Zunächst wird über Planungen und Verfügungen die jahrzehntelang geduldete Nutzung der Grundstücke unterbunden und geltende neue Ver­ordnungen werden durchgesetzt. Dabei gibt die Stadt Frankfurt zu verstehen, dass sie am Kauf der Grundstücke interessiert ist. Weil die Grundstücke nun infolge der unterbundenen Nutzung wertlos sind, bleibt den Besitzern nur noch der Verkauf.

Die Grundstücke werden von der Stadt Frankfurt jedoch nur „renaturiert“ übernommen. Somit entstehen den alten Besitzern Kosten, die teilweise den Verkaufserlös auffressen oder gar übersteigen. Die Gartenbesitzer verlieren zugunsten der allgemeinen Nutzung nicht nur ihren Garten, sondern auch ein Freizeitvergnügen mit Erholungswert, das ihnen enorm ans Herz gewachsen ist (Klaus Klee, in. „60 Aufwärts  2015 II).

 

Fechenheim:

Fechenheim bleibt man links der Straßenbahnschinen. Erst an der Plessengasse wechselt man im Bereich der Straßenbahnhaltestelle auf die andere Seite, um zur Mainbrücke zu gelangen.

Der Name des Ortes Fechenheim wird abgeleitet von dem ersten Siedler „Vecho“ (der Rothaarige), also „Wohnort eines Vecho“. Nach einer anderen Deutung  kommt der Name von „Fach“, einer Vorrichtung zum Fischfang mit Reusen.

Man nahm lange an, der Ort sei 977 erstmals erwähnt worden. Doch die Urkunde aus dem Jahre 882 erwies sich als Verfälschung. Die erste sichere Erwähnung Fechenheims erfolgte erst 1177-1191. Er wurde  im Mittelalter als „Vechenheim“ bezeichnet und wechselte mehrmals den Besitzer und fiel schließlich an die Grafschaft Hanau. Später gehörte Fechenheim zu Kurhessen und war schließlich ab 1867 eine selbständige Gemeinde des Landkreises Hanau. Im Jahre 1765 wurde die Hanauer Landstraße als wichtiger Verkehrsweg zwischen Frankfurt und Hanau ausgebaut, Ende des 18. Jahrhunderts öffneten hier die auch ersten Gasthäuser „Zur Mainkur“.

Ursprünglich war der Ort ein kleines Fischerdorf im Mainbogen. Neben dem dörflichen Ortskern sind große Teile des Stadtteils geprägt von Industrieanlagen und Gewerbegebieten. Das dörfliche Zentrum wurde um die Nachkriegssiedlungen im Norden und Industrie erweitert. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich links und rechts der Straße Industriebetriebe an, darunter die Cassella Farbwerke, die hier 1870 von Leo Gans gegründet wurden und mit 15 Arbeitern ihren Betrieb aufnahmen. Das Unternehmen wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten der größte Arbeitgeber des Ortes und auch der Stadt Frankfurt. Die Dieburger Straße stellte dabei die Grenze zum südlichen Mainbogen dar.

Als nach dem Ersten Weltkrieg der Frankfurter Osthafen erweitert wurde und an die östliche Frankfurter Stadtgrenze stieß, nahm die Stadt Gespräche über eine Eingemeindung auf. Der Fechenheimer Bürgermeister Adolf Miersch sowie der Frankfurter Oberbürgermeister Ludwig Landmann unterzeichneten am 17. Dezember 1926 den Eingemeindungsvertrag.

Fechenheim wurde am 1. April 1928 der damals östlichste Stadtteil Frankfurts. Der Stadtteil hat eine Fläche von  717,8 Hektar. Die Bewohnerzahl wuchs von 1.500 im Jahr 1850 auf 6.400 fünfzig Jahre später. Heute zählt Fechenheim knapp 16.000 Einwohner.

 

Als Wahrzeichen des Stadtteils gilt das historische Rathaus, das sich Fechenheim 1902 geleistet hat. Es ist noch heute Schmuckstück und Wahrzeichen des Stadtteils und sicherlich eines der schönsten Frankfurts. Ganz im Geschmack der wilhelminischen Kaiserzeit wählte man für die Fassade Vorbilder aus der florentinischen und römischen Renaissance. Ein großer Balkon über dem Eingang, ein Erker, gewellte Giebel sowie eine Fachwerk-Gaube verzieren den Bau.

Es gibt die Kirche der evangelischen Melanchthongemeinde von 1772 (im Süden, Kreuzung Alt Fechenheim mit der Pfortenstraße) und die Kirche der die katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu von 1895/1896 (im Norden, Kreuzung Alt Fechenheim mit Jakobsbrunnenstraße).

Ferner gibt es eine neuapostolische Gemeinde sowie eine islamische Moschee und einen buddhistischen Tempel.

 

Carl-von-Weinberg Steg:

Die jüdischen Brüder Carl und Arthur führten lange das Chemiewerk Cassella, Ernährer des halben Frankfurter Ostens. Ihren Reichtum setzten sie - wie viele ihrer Zeit - auch großzügig für Wohltaten ein. Das schützte den Mitbegründer der Frankfurter Universität, Arthur von Weinberg, nicht vor der Nazi-Verfolgung. Er erlag einer Krankheit in der Haft.

Arthur von Weinberg wurde geboren am 17. August 7860 in Frankfurt. Er studiert Chemie, Physik, Mathematik und Altphilologie in Straßburg und München und promoviert 1882. Ein Jahr später wird Arthur von Weinberg Teilhaber und technischer Leiter der Firma Cassella. Im Jahre 1908 läßt er die Villa Buchenrode in Niederrad errichten. Sie wird 1944 zerstört. Im Ersten Weltkrieg ist von Weinberg Reserveoffizier. Aufgrund seines sozialen Engagements wird er zahlreich geehrt: 1927 bekommt er die silberne Plakette der Stadt Frankfurt, 130 wird er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. 1932 bekommt er die Goethe‑Medaille des Reichspräsidenten.

Nach 1933 ist Arthur von Weinberg auf Druck der Nationalsozialisten gezwungen, seine Wirt­schaftsämter niederzulegen. Im Jahre 1938 muss er seine Villa an die Stadt verkaufen. Er verläßt Frankfurt und zieht zu seiner Tochter noch Oberbayern.

Anfang Juni 1942 wird er dort verhaftet. Im Alter von 81 Jahren wird er in dos Durchgangs-­ und Konzentrationslager There­sienstadt verschleppt. 1943 im März stirbt er dort an den Folgen einer Operation.

 

Auf der anderen Seite des Stegs geht es zunächst nach rechts auf dem Almeiweg bis auf den Uferdamm am Beginn der Gerhard-Becker-Straße (die im Stadtplan eingezeichneten kürzeren Wege sind zugewachsen). Auf dem Damm geht es im spitzen Winkel nach links auf dem geteerten Weg weiter. Wo eine Treppe mit beidseitigem Geländer über den Damm führt, biegt man rechts ab. Man überquert einen Schotterweg und gleicb danach teilt sich der Weg. Man muß links fahren, auch wenn der Weg ein kurzes Stück etwas eng und zugewachsen ist. Aber dann geht es gleich wieder nach rechts am zugewachsenen Entensee entlang. Er ist ein Rest eines alten Mainarms und Naturschutzgebiet seit dem Ende der vierziger Jahre.

Ein gepflasterter Weg führt ins Innere zu einer etwas erhöhten Stelle mit einer hufeisenförmigen Sitzbank. Von hier aus konnte man früher sicher in das Gebiet hinein sehen. Aber heute ist alles zugewachsen, eine offene Wasserfläche kann man nicht mehr sehen.

Auf dem Seegewannweg kommt man zum Friedhof und in die Mainkurstraße, wo links das herrschaftliche Hofgut steht. Über die Breite Straße kommt man in den Schloßgarten, wo man nach rechts zur Kirche fährt.

 

Schloßpark Rumpenheim / Kirche:

Man fährt in den Schloßpark und sieht noch einmal die Rückseite des Schlosses mit seinen Seitenflügeln, links davon den Marstall. Etwas nach rechts geht es zur Kirche. Im 14. Jahrhundert wird eine Pfarrei am Ort genannt. Die mittelalterliche, vermutlich romanische Kirche ist aber im 18. Jahrhundert eingestürzt. Am 13. August 1756 legten die Rumpenheimer aus eigener Kraft. den Grundstein für ihre Evangelisch-Reformierte Rokoko-Kirche.

Der Turm im Norden der Kirche ist 32,10 Meter hoch. Die vier Glocken sind 1952 nach dem Krieg wieder eingeholt worden. Über der Eingangstüre im Turm ist das Wappen des Hauses Hanau angebracht. Darunter lautet die lateinische Inschrift: „Unter der Regierung Wilhelms VIII., des Fürsten von Hessen und Hanau, des frommen Vaters des Vaterlandes, ist dieses Haus, welches der Pflege der reineren Religion geweiht ist, im Jahre 1756 erbaut worden.“

Die „reinere Religion“ bezeichnet die reformiert-calvinistische Linie der evangelischen Reformation im Gegensatz zur lutherischen Konfession. Vor allem Jean Calvin aus Genf vertrat eine sehr strenge Form des evangelischen Glaubens, bei dem kein Bilderschmuck zugelassen war.

Im Eingangsbereich der Turmhalle ist auf die Opfer der Weltkriege durch die Jahreszahlen 1914-18 und 1939-45 verwiesen. Über dem Zugang zum Kircheninnern steht die Jahreszahl der Grundsteinlegung 1756. Im Innern der Kirche fällt die helle und freundliche Farbgebung auf. Im Jahre 1994 wurde die ursprüngliche blaue Farbgebung wieder hergestellt. Jüngere Ausmalungen und Schriftzüge aus dem 20. Jahrhundert wurden entfernt. In den sogenannten „Pfarrständen“ im Chor saß der gewählte Kirchenvorstand. Früher gab es solche Verschläge für die unbeobachtete Teilnahme der Schloßbediensteten an beiden Wänden unter den Emporen. Unter der Orgelempore sind die Logen der Fürsten.

Unter der Kanzel liegt die Bibel auf einem Altartisch aus Holz. Die im Kirchenraum unge­wöhnliche Nähe von Altar und Kanzel, die für den evangelischen Kirchenbau typisch ist, führte in der Kunstgeschichte zum Begriff des „Kanzelaltars“. Der silberne Kruzifixus ist eine Stiftung des Landgrafen Alexander von Hessen aus dem Jahre 1889. Dazu gehört das silberne Abendmahlsgeschirr mit Kelch, Weinkanne und Brotschale. Es wurde 1851 von Prinz Georg von Hessen gestiftet, wie auch das silberne Taufgeschirr: zur Taufe wird eine Taufschale auf den Altar gestellt, dazu eine Wasserkanne.

Die gewaltige Kanzel zieht alle Blicke auf sich. Die Fensteröffnung hinter der Kanzel wurde noch in der Bauzeit zugemauert, als sich ein Stifter für den Schalldeckel gefunden hatte. Das Innere der Schloßkirche ist ein typisches Beispiel für die Konzentration des Gottesdienstes auf die Predigt des Evangeliums im reformiert-calvinistischen Geiste der Reformation. Der einzige Kirchenschmuck ist an der Kanzel zu finden: auf dem Schalldeckel sitzt ein goldener Vogel, der seinen langen Hals zur Brust neigt. Es soll einen Pelikan darstellen: von diesem Vogel wird erzählt, daß er in der größten Not sich selbst mit dem Schnabel Verletzungen beibringt, um seine Jungen zu füttern - in der christlichen Kunst ein Symbol für das Selbstopfer Christi. Unten an der kelchartigen Kanzel hängt eine geschnitzte Weinrebe: Sie verweist auf das Abendmahl in Brot und Wein, mit dem sich die Gemeinde Tod und Auferstehung Jesu vergegenwärtigt.

Die erste Orgel wurde 1776 in die Schloßkirche gestellt, war aber nach etwa einem halben Jahrhundert unbespielbar geworden. Bei der Hochzeit mit der Enkelin des Landgrafen Friedrich von Hessen, Adelheid von Anhalt, stiftete 1851 der Herzog Adolph von Nassau, später Großherzog von Luxemburg, der Rumpenheimer Kirche eine neue Orgel. Erst im Rahmen der jüngsten Orgelüberholung hat sich die Herkunft der Orgel geklärt: Der Orgelbauer hieß Friedrich Voigt aus Igstadt in Nassau. Die Orgel hat eine bewegte Geschichte: 50 Jahre nach der Stiftung wurde ein Register der Frankfurter Paulskirche in die Orgel eingebaut.

Im Jahre 1917 mußten die wertvollen Prospektpfeifen für die Rüstungsindustrie abgegeben werden. Es ist geplant, die Zinnpfeifen zu restaurieren. Im Jahre 1955 wurde die Orgel völlig umgestaltet, was nicht zu sehen ist, aber zu hören war: aus einem dunklen Gesamtklang der Orgel wurden durch Umbau von zehn Registern ein heller, obertöniger Klang, der sich damals für die neu entdeckte barocke Orgelmusik eignete. Im Jahre 2003 wurde die Orgel nach gründlicher Erforschung ihres Innern in den vom Orgelbauer entworfenen ursprünglichen Klang zurückgeführt. Hinter der Orgel auf der Empore ist in der Decke eine Holzverschalung zu sehen: Die fünf Meter hohen Holzorgelpfeifen (Violonbass 16`) ragten bis 1955 in den Dachstuhl hinein.

Zum Jubiläum „250 Jahre Schloßkirche“ wurde ein Jubiläumswein ausgeschenkt. Der Kirchenvorstand hat die Reben im Rumpenheimer Weingarten selbst gelesen. Der örtliche Winzer hat den Rivaner im Holzfaß ausgebaut. Einmal im Monat und zu hohen christlichen Feiertagen wird der Jubiläumswein zur Heiligen Mahlfeier auch im Gottesdienst der Gemeinde gereicht.

Nördlich der Kirche steht das ehemalige fürstliche Mausoleum, in dem bis 1964 die Särge standen. Danach wurde das Mausoleum zeitweise von einem Architekten genutzt. Die Grablege des Hauses Hessen zu Rumpenheim ist heute an der Parkmauer zur Schloßgartenstraße.

Man fährt weiter durch den Park, der üppig von Bärlauch bestanden ist. Am Zaun geht es rechts, durch das Tor und dann gleich wieder links außen am Zaun entlang.

 

Mühlenwanderweg  I:

Auf dem Damm (nicht wieder am Mainufer) geht es in Richtung Mühlheim. Hier trifft man auf den nördlichen Teil des Mühlenwanderwegs mit den vier unteren Rodaumühlen:

1. Mainmühle:

Die Mainmühle war die jüngste aller Mühlen, und die erste, die wieder aufgegeben wurde. Im Jahre 1717 erbaut, war die Mainmühle schon 1810 nicht mehr Im Mühlenverzeichnis enthalten. Möglicherweise ist sie einem der zahlreichen Hochwasser im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts zum Opfer gefallen. Wahrscheinlich ist aber, daß sie wegen ihrer ungünstigen Lage (wegen des Hochwasserrückstaus aus dem Main konnte fast den ganzen Winter nicht gemahlen werden) um 1780 aufgegeben und an den Unterlauf der Bieber verlegt wurde.

2. Kretzermühle:

Einen ersten urkundlichen Hinweis auf die Mühle findet man 1497. Man vermutet, daß sie ursprünglich nicht als Mahlmühle erbaut wurde, da sie im gesamten 18. Jahrhunderts in den Seligenstädter Klosterrechnungen als Schleifmühle geführt wird. Von 1638 bis 1842 war die Mühle im Besitz der Familie Zahn. Bereits 1719 war neben dem gewöhnlichen Mahlgang zum Kornmahlen auch eine Vorrichtung zum Schälen von Hirse vorhanden. Im Jahre  1842 ging die Mühle an Ferdinand Kretzer, dessen Bruder Paul die Mühleinrichtung zur Erzeugung von Farben benutzte. Im Jahre 1843 kam noch ein Ofen zum Branntweinbrennen hinzu, der aber zwischen 1879 und 1896 wieder aufgegeben wurde. Bereits 1907 war die Mühle außer Betrieb. Es war kein Mühlrad mehr vorhanden und der damalige Besitzer hatte sich eine kleine Wäscherei eingebaut. Danach diente die Mühle nur noch zu Wohnzwecken. Heute steht ihr ein Wohnblock.

3. Lindenmühle:

Die Lindenmühle wird 1352 als erste Mühle von Mühlheim urkundlich erwähnt. Ab 1490 sind zahlreiche Pächter und Besitzer - meist Erbengemeinschaften - urkundlich belegt. Die Lindenmühle war 1867 die beste der Mühlheimer Mühlen, an die auch ein Bäckereibetrieb angegliedert war. Sie war mit zwei Wasserrädern, zwei Kanälen und Schleusen sowie einem Mühlbett mit zwei Gängen, Kammrädern und Kasten ausgestattet. Aufgrund der allgemeinen technischen Fortentwicklung verlor sie ab 1876 immer mehr an Wert. Um 1890 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Im Jahre 1920 war die Mühle Bestandteil einer Schlosserei, in der die Wasserkraft zum Eisensägen benutzt wurde. Im Jahre 1924 wurde sie wegen des Baus des Rodaudammes stillgelegt. Die Obergeschosse blieben weiterhin als Wohnräume erhalten, die alten Wirtschaftsräume wurden staatliches Materiallager. Im Jahre 1951 kam die Mühle wieder in Privathand und diente seither zu Wohn- und Gewerbezwecken. Die Stadt Mühlheim wurde 1986 Eigentümer und vergab das Anwesen 1988 in Erbpacht.

Diese Mühle ist noch gut erhalten und bietet einen schönen Anblick.

4. Dorfmühle:

Der Zeitpunkt ihrer Erbauung ist unbekannt, doch lässt ihre Lage im Dorfzentrum vermuten, daß sie wesentlich älter ist als ihre erste urkundliche Nennung 1490. Vielleicht war die sie Mühle, die Mühlheim den Namen gab.

Durch die ständigen Kriegszerstörungen und die großen Menschenverluste durch die Pest wurde von 1632 bis 1638 kein Getreide geerntet und die einzelnen Mühlen standen in hartem Konkurrenzkampf. Dagegen war die Dorfmühle 1755 wiederum die einzige Mühle mit zwei Mahlgängen, was auf wirtschaftliche Erholung und einen hohen Beschäftigungsgrad hinweist. Ab 1881 erfolgte eine allmähliche Vergrößerung des Wohntraktes auf Kosten der Mühleneinrichtung. Im Jahre 1894 wurde die Mühle stillgelegt, später erfolgte der Umbau zum Wohnhaus.

 

Der Name Mühlheim ist wie alle Orte auf „heim“ fränkischen Ursprungs und bedeutet etwa Ort der Mühle“. Die Urzelle des Ortes war ein einzige Mühle, die wahrscheinlich im Zentrum des Ortskerns stand. Später standen in der Gemarkung Mühlheim an der Rodau und  dem Bieberbach bis zu neun Mühlen. Jedoch klapperten diese neun Mühlen zur gleichen Zeit. Sie wurden bei Bedarf gebaut, liefen einige Müllergenerationen und verfielen wieder.

Dabei war es überhaupt nicht einfach, eine Mühle zu bauen, denn das war im Hoch- und Spätmittelalter juristisch an den Besitz von Land gebunden. Nur Grundherren, also der Adel und der Klerus, kamen als Erbauer In Frage. Es muss allerdings dazugesagt werden, daß die Grundherren auch die einzigen waren, die damals das erforderliche Kapital zum Bau und zur Unterhaltung einer Mühle aufbringen konnten.

Die Mühlen wurden zunächst gegen einen Pachtzins, der anfangs in Naturalien, später zunehmend in Geld entrichtet werden musste, auf Zeit verpachtet. Der Müller konnten die Mühlen weder vererben noch verkaufen. Für die Instandhaltung waren die Grundherren verantwortlich

Dieses Pachtverhältnis änderte sich Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Grundherren dazu übergingen, die Mühlen in Erbpacht zu vergeben. Nun konnten  die Müller die Mühlen tauschen, vererben oder veräußern, sofern die Obereigentümer, die weiterhin den Grund und Boden besaßen, ihr Einverständnis gaben. Diese neuen Rechte der Müller waren jedoch mit der Pflicht verbunden, die Mühlen selbst instand zu halten und auch die Kosten hierfür zu übernehmen. Offenbar war letzteres den Grundbesitzern, deren Rechte sich nun auf die Einnahme der jährlichen Pachtabgaben und eine Entscheidungsbefugnis bei eventuell auftretenden Streitigkeiten beschränkte, zu teuer geworden.

Die Pflicht zur selbständigen Instandhaltung  war mit zwei neuen Anforderungen an das Müllerhandwerk verbunden:  Zum einen wurde es sinnvoll und möglich, längere Zeiträume in die wirtschaftliche Kalkulation  (Abschreibung von Investitionen, Vererbungsmöglichkeiten) mit einzubeziehen.

 

Zum anderen machte der Wechsel zur Erbpacht am Übergang des Spätmittelalters zur Renaissance den Müller vom abhängigen Pächter zum selbständig kalkulierenden Unternehmer. Zudem ist zur Instandhaltung einer Mühle ein erhebliches Maße an technischem Verstand und handwerklichem Können erforderlich. Auf die Müller dieser Zeit zurückblickend schreibt ein englischer Ingenieur 1861: „Das ganze mechanische Wissen des Landes fand in den Müllern seinen Mittelpunkt!“'

Die Pachtabgaben der Mühlheimer Mühlen waren am Ende des 16. Jahrhunderts im Vergleich zu anderen Gemeinden, die keine geistlichen Herren hatten, gering. Aus diesem Grund dürfte diese Zeit die wirtschaftliche Hochphase der Mühlheimer Müller gewesen sein.

Die Zeit der Blüte wurde durch den Dreißigjährigen Krieg unterbrochen, in dessen Verlauf die meisten Mühlen zerstört wurden und die meisten Müller abwanderten, vertrieben oder getötet wurden, sodass sich um 1650 nur noch eine ehemalige Müllerfamilie im Kirchenbuch findet. Die Grundbesitzer waren froh, daß Zugewanderte die zerstörten Mühlen wieder aufbauten und der Pachtzins wieder auflebte. Die wirtschaftlich besten Zeiten aber waren Ende des 17. Jahrhunderts endgültig vorbei.

Neben der zunehmenden Konkurrenz um 1720 kamen zu den sieben vorhandenen Mühlen zwei weitere hinzu. Es war vor allem die Auflösung der klassischen Dreifelderwirtschaft

im 18. Jahrhundert, die zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Müller beitrug. Die Mühlen verloren  den Anschluss an die technische Entwicklung ihrer Zeit. Um 1890 arbeiteten die meisten von ihnen noch genauso wie im Mittelalter.

Die schon seit Ausgang des 18. Jahrhunderts unter großem Kapitaleinsatz in den Städten errichteten Dampfmühlen mit Walzenmahlwerk waren den alten Wassermühlen mit scheibenförmigen Mühlsteinen hinsichtlich Leistung, Kapazität, Produktivität, Qualität des gemahlenen Mehls, Unabhängigkeit des Standortes und Unabhängigkeit von natürlichen Einflüssen (Hoch-, Niedrigwasser) schon weit überlegen.

Als Ende des 19. Jahrhunderts diese Mühlen durch die noch moderneren Mühlen mit Benzin- oder Elektromotoren abgelöst wurden, hatte auch die letzte Stunde der Mühlheimer Mühlen endgültig geschlagen. Zwischen 1890 und 1910 wurde eine nach der anderen stillgelegt. Nur die Brückenmühle erfuhr durch den Einbau eines Walzenmahlwerks und einer halbautomatischen Siebanlage 1910 eine technische Modernisierung, die sie den Ersten und Zweiten Weltkrieg überdauern ließ.

 

Ortskern:

Kurz hinter der Dorfmühle kommt man zur  Kirche Sankt Markus - ein Wahrzeichen Mühlheims. In der Schenkungsurkunde Kaiser Ludwigs (?) an seinen Verwalter und Biographen Einhard aus dem Jahre 815 wird noch nicht von einer Kirche in Mühlheim gesprochen. Die erste steinerne Kirche stammt wohl aus dem Jahre 1239, erwähnt wird sie 1356, von ihr steht noch der Turm. Die heutige Kirche wurde  1876 erbaut und durch einen modernen Bau erweitert. Sie hat zwei Nebenkapellen und noch einige alte Schnitzfiguren. Das Äußere wie das Innere der Kirche wurden mehrfach verändert, zuletzt 2001, um sie den Platzbedürfnissen der Gemeinde und liturgischen Verhältnissen anzupassen.

Nur wenige Schritte von der St. Markuskirche entfernt stehen westlich in der Pfarrgasse Nr. 10 und 12 zwei sorgfältig renovierte Fachwerkhäuser, die zum ältesten Baubestand der Stadt gehören, heute Gasthaus „Alt Mühlheim“. Die beiden Gebäude gehörten der Benediktinerabtei Seligenstadt und bildeten den sogenannten Fron- oder Abtshof, mitunter auch Klosterhof genannt. Von diesem Hof aus kontrollierten die Hofschultheißen jahrhundertelang die Bewirtschaftung der klösterlichen Ländereien in Mühlheim und der näheren Umgebung. An dem kleinen Haus mit den vorgestellten Säulen an der Ostseite des Platzes ist eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus und an die frühere Synagoge in der Friedrichstraße.

 

Durch die Marktstraße fährt man zur Dietesheimer Straße. Hier steht an der Westseite das Alte Rathaus. Es wurde 1786 als Gasthaus „Zum Goldenen Engel“ erstellt, zu Schule und Rathaus umfunktioniert. Nach grundlegenden Umbauten wurde es zum Museum für kunst- und kulturgeschichtliche Ausgrabungsstücke aus dem Mühlheimer Raum, einem der wichtigsten spätpaläolithischen Fundstätten Mitteleuropas. Das Mühlenmuseum wurde allerdings nach kurzem Dasein eingemottet.

Seitdem ein Mainfischer 1909 unverhofft ein schwarzes Steinbeil an Land zog, war der Ehrgeiz kundiger Heimatforscher geweckt. Auf weitere mehr oder weniger zufällige Funde folgten mit Beginn der sechziger Jahre systematische Grabungen.

 

Mühlenwanderweg  II:

Straßenmühle (Reutersmühle): Der Erbauungszeitpunkt der Mühle und die damaligen Obereigentümer sind unbekannt. Vermutet wird eine Zugehörigkeit zum Stift St. Peter in Mainz. Auf einer kurmainzischen Landkarte von 1550 ist sie als einzige Mühle draußen auf dem freien Feld dargestellt. Wechselnde Besitzer und Leerstände ließen die Mühle verfallen, bis sie 1713 von Hans Völper (Felbert) von der Deutschherrnmühle in Frankfurt wieder aufgebaut wurde. Im Jahre 1755 befand sich abermals alles in baufälligem Zustand. In den folgenden 50 Jahren wurde sie wieder aufgebaut und um eine Ölmühle ergänzt. Die Reutermühle war die am höchsten besteuerte Mühle dieser Zeit, bei der jedoch im ausgehenden 19. Jahrhundert ein deutlicher Wertverfall zu beobachten war. Um 1900 war sie schon mehr eine Gastwirtschaft als ein Gewerbeunternehmen. Hinter der stark verfallenen Mühle lag ein Gärtchen, in dem sich alltäglich Mühlheimer Prominenz und auswärtige Gäste bei Handkäse und Bier trafen. Im Jahre 1907 war die Mühle außer Betrieb. Von den alten Mühlenbauten hat sich keine Spur erhalten. Sie befanden sich an der Stelle, an der heute die Gebäude der Schreinerei Noll stehen.

Unmittelbar neben der Straßenmühle steht der Müllerborsch. Der steinerne Geselle weist auf längst vergangene Zeiten und die harte Arbeit der Müllerburschen hin.

Durch die Friedrichstraße (Fortsetzung der Marktstraße) mit der Gedenktafel für die frühere Synagoge  kommt man nach rechts in die Rodaustraße und fährt dann nach links an der Rodau entlang zur Brückenmühle

 

Brückenmühle: Die Mühle wurde 1576 erstmals urkundlich erwähnt als „des Schultheißen Mühl“. Mit „zwei Maltern drei Simmern Korn“ war die Brückenmühle abgabenpflichtig an die Kellerei Steinheim und damit dem Kurfürsten und Erzbischof von Mainz. Indirekt genannt wurde sie schon 1551 in einem speziellen Verzeichnis, das zur Eintreibung einer Sondersteuer aufgestellt wurde, um ein Reichsheer gegen die von Südosten vordringenden Türken finanzieren zu können.

Von 1687 bis 1855 befand sich die Mühle in Besitz der Familie Faller. Nach zwischenzeitlich wechselnden Inhabern wurde sie 1871 von der Familie Krebs erworben, die sie technisch modernisierte. So wurde eine eigene Anlage zum Trennen von Kleie vom Mehl und kurze Zeit später eine Vorrichtung, die das Getreide zwischen Metall-Walzengängen zerkleinerte und so einen wesentlichen höheren Feinheitsgrad des Mehls ermöglichte, eingebaut. Durch Elevatoren, die Vorläufer der heutigen Fließbänder, wurde das geschrotete Getreide transportiert. Die Kapazität dieser Anlage war um ein Mehrfaches höher als die der alten Steinmahlgänge, so daß auch das nächtliche Aufstehen entfiel, um Getreide in den Trichter nachzuschütten. Die Mahleinrichtung ist noch in mahlfähigem Zustand enthalten. Außerdem gibt es noch einen Quetschstuhl für Hafer und einen Schrotgang für Futtergetreide, die auch heute noch genutzt werden. Die Brückenmühle steht unter Denkmalschutz.

Antonie Krebs, letzte Müllerin der Stadt, hat das Mühlrad von Fachleuten aus dem Erzgebirge nachbauen lassen. Im Gebäude sind alle technischen Stufen der Müllerei erhalten, vom „altdeutschen Mahlgang“ bis zum elektrischen „Walzstuhl“.

Bis in die sechziger Jahre blieb das (elektrisch) betriebene Mahlwerk intakt. Das Wasserrad mit frisch erneuerten Holzschaufeln. ist das einzige erhaltene im Kreis Offenbach. Seit 30 Jahren liegt auch diese Mühle brach. Sie ist aber die letzte noch funktionierende Mühle. Doch nur am „Mühlentag“ zu Pfingsten wird zu Schauzwecken Korn gemahlen, aber täglich (außer bei Frost) das Mühlrad in Bewegung gesetzt. Den Abschluß könnte ein Besuch in der Gaststätte „Alte Wagnerei“ bilden (Montag nur für Gruppen ab 30 Leuten)..

 

 

 

 

Mittelbuchen - Kinzigheimer Hof  2012 (19 Kilometer)                                           

Der Weg bis zum Bärensee ist für die Gruppe zu lang, etwa 30 Kilometer. Deshalb wird eine kürzere Strecke nur bis zum Kinzigheimer Hof vorgeschlagen. Von der Turnhalle in Hochstadt geht es zunächst nach Wachenbuchen. Um nicht zu sehr im Verkehr zu fahren, biegt man auf der Sttaße „Am Hochstädter Rain“ kurz vor der Durchgangsstraße nach links ab und fährt die Ronneburgstraße hoch bis zum Hessenring. Dort geht es nach rechts über den Hessenring und Mühltorring am Nordrand von Wachenbuchen entlang. Am Ende fährt man den Bogen nach rechts weiter und kommt zum alten Friedhof und auf die Kilianstädter Straße. Diese fährt man ein Stück hinab und dann nach dem Kindergarten links ab auf den Radweg nach Mittelbuchen.

Kurz hinter dem Ort wird eine Rast eingelegt, damit über die Orte Wachenbuchen und Mittelbuchen informiert werden kann (siehe unten) und um auf das Storchennest auf einem Baum direkt östlich der Maschinenhalle hinzuweisen. Erstmals seit 1961 unternehmnen hier Jungstörche einen Brutversuch.

Richtung Mittelbuchen fährt man dann weiter zunächst auf dem rechten Weg, ein Stück nach der Schule wechselt man lieber auf den linken Weg. In Mittelbuchen kommt man in der Büchertalstraße an und biegt nach rechts ab in die Schelmenstraße, quert die Wachenbucher Straße, fährt weiter in der Riedstraße und kommt nach links über die Gräbenstraße auf die Kesselstädter Straße. Hier wechselt man auf die andere Seite, wo der schmale Radweg Richtung Wilhelmsbnad beginnt.

 

Wachenbuchen:

Der Name „Buchen“ wird 798 erstmals in einem Urkundenverzeichnis des Klosters Lorsch genannt als „bucha marca“. Damit war ein Gebiet gemeint, das neben Wachenbuchen auch die Orte Mittelbuchen und Lützelbuchen (das kleine Buchen, heute Neubaugebiet am Ostrand von Mittelbuchen) umfaßte. Wachenbuchen war dann das „Buchen an der Bach“, an dem Ortsbach, der heute noch durch den Ort fließt (wenn auch verrohrt).

Durch den Ort ging die Römerstraße von Kesselstadt nach Friedberg, unterhalb des Ortes ver­lief eine alte Handelsstraße von Frankfurt nach Gelnhausen. Der Ort war von einer Mauer, Gemüsegärten und Streuobstwiesen um­geben. Die Mauer hatte ein Tor im Süden und ein Tor im Westen. Mittelpunkt ist die Kirche mit einem Turm von 1461, in der ein Viergötterstein gefunden wurde, der heute im Heimatmuseum Mittelbuchen steht. Das Kirchenschiff wurde nach der Zerstörung im Krieg wieder aufgebaut. Westlich der Kirche stehen die ehemalige Küsterschule und das Rathaus aus dem Jahr 1555. Dann gibt es noch die Mühle, den Herrenhof, das Hofgut Hanstein, das Geibelhaus (Vorfahren des Dichters Emanuel Geibel), die Synagoge und viele alte Fach­werkhäuser

 

Mittelbuchen:

Auch Mittelbuchen war von einer Mauer umgeben und hatte ein Tor im Süden und eines im Norden, das noch erhalten ist und das Heimatmuseum beherbergt. Eine kleine Kirche wurde spätestens im 13. Jahrhundert im romanischen Stil errichtet, vermutlich an der Stelle eines früheren heidnischen Heiligtums erbaut, denn unter der Kirche befindet sich eine Quelle. Im Jahr 1344 wurde an die Kirche eine Michaelskapelle (Michael war der Schutzherr heiliger Quellen) angebaut.

Im Jahre 1494 wurde der Grundstein zum Wehr­turm gelegt und die Michaelskapelle in das  Erdgeschoß des Turms verlegt. Die alte Kapelle wurde zur Kirche hin durchgebrochen und als Chorraum genutzt. Der Turm muß noch recht lange frei gestanden haben. Spätestens 1709 wird das Dach an den bis da­hin freistehenden Kirchturm vorgezogen. Von 1756 bis 1772 wird die Kirche neu und viel größer gebaut. Der Turm wird nun mit einbe­zogen: Die Turmkapelle im Erdgeschoß wird zur Eingangs­halle umgebaut und ein Zu­gang zur Kirche gebrochen.

Der Turm er­hält anstelle seiner Platt­form für die Bewachung des Ortes eine hohe schlanke Haube mit vier Ecktürmchen.

Am 6. Januar 1945 brannte die Kirche bei einem Luftangriff bis auf das Mauerwerk total aus, die Kanzel von 1659 verbrannte. Nach der Währungsre­form wurde die Kirche bis 1952 wie­der aufgebaut, 1955 war sie ganz fertiggestellt. Der Turm erhielt eine pyramidenförmige Haube.

In der Dorfmitte steht noch das „Steinerne Haus“, in dem Erbprinz Wilhelm einige seiner Geliebten unterbrachte (Alte Rathaus Straße 25). Dann gab es noch das Gasthaus „Weißes Roß“ und einen Lauf­brunnen mit Viehtränke. Rund um den Ort gibt es viele archäologische Funde: Im Westen eine bandkeramische Siedlung, im Osten ein römisches Kleinkastell am damaligen Limes und schon fast an der Hohen Straße einen großen gemauerten römischen Brunnen.

In Mittelbuchen gab es das erste Dorfgemeinschaftshaus Hessens. Bei der Gebietsreform kam der Ort mit einer Stimme Mehrheit zu Hanau. Seitdem wurden immer neue Wohngebiete im Westen und Osten erschlossen.

Auf dem Radweg in Richtung Wilhelmsbad kommt man am Haus „Waldfrieden“ vorbei.

Wo rechts der Sportplatz ist geht es  links in den Wald Richtung Osten. Wo der doppelte Weg endet ist eine Wegespinne. Man fährt nicht im spitzen Winkel nach links, sondern auf dem Weg, der im stumpfen Winkel nach links abgeht. Nach gut 200 Metern kommt man mit einem leichten Bogen zur  „Alteburg“ (hier geht man besser zu Fuß, weil der Weg oft sehr zugerwachsen ist).

 

Die Alteburg:

Die Alteburg liegt etwa 500 Meter südwestlich des Kinzigheimer Hofs im Wald, ist aber am besten zu erreichen vom Mittelbucher Sportplatz her. Sie ist eine mittelalterliche rechteckige Wallanlage mit bis zu 3 Meter hohen und 20 Meter breiten Wällen, in Nord-Süd-Richtung etwa 120 Meter lang und 60 bis 100 Meter in der Breite. Die Anlage ist von einem Graben umgeben und liegt im feuchten bis sumpfigen Gelände. Nur an der Nordseite, die etwas höher ist, befindet sich ein Eingang.

Früher nahm man an, daß hier an der Stelle einer Niederlassung der jüngeren Eisenzeit in der ersten Zeit der römischen Besetzung eine Station des älteren Straßenlimes angelegt worden wäre. Doch das rechteckige, turmartige Gebäude in der Nordwestecke, 19 mal 11 Meter groß und mit 1,80 Meter starken Grundmauern, ist ein „festes Haus“, das im 9. und 10. Jahrhundert die Frühform der Adelsburg war und im 11. und 12. Jahrhundert neben den Wohntürmen noch vorkam. Man muß sich vorstellen, daß neben diesem Steinbau die ganze Anlage von Holzbauten ausgefüllt war, sich also ein ganzes Dorf hier befand.

Als Besitzer werden - allerdings nicht unwidersprochen - die Herren von Kensheim genannt, also die  Herren des heutigen Kinzigheimer Hofs, die im 16. Jahrhundert ausstarben. Die durch Wald und Sumpf geschützte Lage hätte dann in fränkischer Zeit die Erbauung einer Fliehburg für die Bewohner von Kensheim veranlaßt.

Von der Alteburg fährt man wieder das Stück zurück bis zur Wegspinne und jetzt auf dem gradeaus verlaufenden (leicht nach links abgeknickten) Weg nach Süden. An der Schutzhütte fährt man rechts vorbei bis fast zur Autobahn. Dort teilt sich der Weg. Man fährt mit dem Wegweiser „Bruchköbel“ nach links auf einem Stück des Jakobswegs. Es geht über eine Wiese und über den Krebsbach, der in Marköbel entspringt und die künstlich angelegte Braubach mit Wasser versorgt (der Abzweig ist etwas weiter unten und geht durch die Fasanerie). Am Waldrand entlang geht es bis fast zur Bundesstraße und an dieser entlang nach links zum Kinzigheimer Hof.

 

Kinzigheimer Hof:

Der Kinzigheimerhof war ursprünglich eine dörfliche Siedlung Kensheim („Kinzigheim“), die 1235 und 1244 urkundlich genannt wird und im Bereich des Kinzigheimer Hofs lag. Die Namen waren:  Kenesheim 1235, Kainshem 1237, Keinsheim 1259, Kynsheim 1392, Kintz­heimer oder Kinsheimer Hof 1719; zuerst 1736 daneben Kinzigheimer Hof, ab 1781 nur noch so. Besitzer war eine Adelsfamilie (1257‑1367). Im 16. Jahrhundert gab es dort drei Adels­höfe: der von Wasen, von Heusenstamm und von Specht. Im Jahre 1597 kaufte Hanau die drei Höfe von denen von Lauter. Dann war der Hof eine herr­schaftliche (staatliche) Domäne und wurde verpachtet. Bis 1928 war der Hof ein Gutsbezirk (wie Wilhelmsbad).

Auf der vom Land Hessen verpachteten Domäne überwiegt die Pferdehaltung (Pensionspferde, Reit- und Springturniere). Angebaut werden Erdbeeren, Getreide und Mais. Das Hauptgebäude wurde 1830 aus Bruchsteinen und Basalt erbaut. In dem Gebäude rechts vom Eingangstor unterhielten die Künstlerinnen Bruni Heller und Elsa Plein eine Keramikwerkstatt (Eingnag von außen her, heute Büro des Hofguts)..

Vom Hof fährt man erst ein Stück nach Norden und dann nach Westen. Hier ist der Weg allerdings sehr holprig, anfangs wegen der landwirtschaftlichen Fahrzeuge, nachher wegen der aufgeschütteten Steine und Ziegel. Am Wald geht es etwas nach rechts und dann wieder nach links. In Höhe des (ersten) Hochsitzes geht rechts ein Weg ab, der dann nach links abknickt. Hier ist rechts ist ein Landschaftsschutzgebiet mit einer Nisthilfe für Störche, die allerdings nicht in Anspruch genommen wird.

Der Weg führt bis zur Landstraße Mittelbuchen - Wilhelmsbad. Dort biegt man auf den Radweg nach links ab. In Höhe der Gärtnerei Hüfner überquert man die Straße. Man fährt durch die Gärtnerei hindurch bis der Weg auf einen Querweg stößt. Hier fährt man rechts weiter fahren nach Mittelbuchen. Man kommt durch das Neubaugebiet, überquert die Straße nach Wachenbuchen und fährt weiter in die Lützelbergstraße, zunächst im Linksbogen, dann nach rechts. Man kommt wieder auf diue Büchertalstraße und biegt nach links auf den Radweg nach Wachenbuchen ein.

In Wachenbuchen kann man über die Kilianstädter Straße und die Burgstraße auf den Radweg südlich von Wachenbuchen fahren und dann auf dem Radweg nach Hochstadt. Das ist dann eine andere Strecke als auf der Hinfahrt. Durch die verkehrsberuhigte Straße kommt man durch Hochstadt  zur Gaststätte „Historisches Rathaus“ oder zum Garten der Gaststätte „Strohl“. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dörnigheim - Steinheim - Mühlheim (14,5 Kilometer)                                                        

Fähre Dörnigheim:

Früher gab es nur wenige Brücken über Flüsse. Deshalb waren flache Bereiche wichtig, also Furten, die ein Durchqueren von Menschen und Fuhrwerken zuließen. Bei Dörnigheim gab es auch eine solche Furt, vielleicht bei der jetzigen Fähre als Verbindung der Straßen, aber vielleicht auch weiter oben bei der heutigen Gaststätte „Mainterrassen“, wo es eine Insel im Main gab.

Bereits 1366 heißt es im Weistum über die Rechte des Jakobsklosters in Dörnigheim, daß niemand einen anderen für Lohn über den Main fahren darf außer dem vom Abt eingesetzten Fährmann. Nur kleine Weidenboote durften kostenlos übersetzen.

Die Fährmänner waren geachtete Leute und wurden immer wieder als Zeugen für Verträge herangezogen. So wird 1380 der Fährmann Henne Vischer als Zeuge in einer Pachtsache genannt. Später gab es noch die Fähre bei Rumpenheim und auch eine Fähre zwischen Dietesheim und Dörnigheim, die von den Dietesheimern betrieben wurde. Im 17. Jahrhundert wurde der Fährbetrieb wegen des niedrigen Wasserstandes eingestellt. Ein Stechkahn genügte, um ans andere Ufer zu gelangen. An einer besonders flachen Stelle konnten sogar Fuhrwerke den Main passieren.

Erst durch die Kanalisierung wurde der Main tiefer und die Verbindung unterbrochen, bis der Landkreis Offenbach 1904 eine Wagen-Gierseil­fähre einrichtete. Eine Gierseilfähre („Fliegende Brücke“) nutzt die Wasserströmung zur Querung des Flusses. Sie ist an einem im Fluß verankerten Drahtseil befestigt, das sich kurz vor der Fähre in zwei Enden aufteilt. Durch Veränderung der an Bug und Heck befestigten Seillängen wird der Winkel des Bootes zum Strom verändert. Der Druck des anströmenden Wassers schiebt die Fähre an das jeweilige Ufer. Das Drahtseil wird mit Bojen markiert, damit  die anderen Schiffe sie auch gut sehen können

Einer der Pächter war in dieser Zeit schon der Dörnigheimer Heinrich Schäfer. Aber schon 1921 war niemand mehr bereit, die Pacht zu übernehmen. Die Fähre wurde stillgelegt und verrottete zunächst  im Offenbacher Hafen. Durch die Errichtung der Schleusen stieg der Wasserstand des Mains so sehr an, daß man nicht mehr mit einem Stechkahn übersetzen konnte. Auf Drängen der Bürgermeister von Dörnigheim und Mühlheim erklärte sich Heinrich Schäfer 1923 bereit, die Fähre wieder in Gang zu setzen. Er nahm einen Hypothek auf sein Haus auf und nahm den Verkehr wieder auf.

Im Jahre 1934 trat Fritz Schäfer in das Familienunternehmen ein. In dieser Zeit mußten die Fahrgäste 5 Pfennig Aufschlag zahlen, wenn bei Nebel oder einbrechender Dunkelheit eine Laterne im Mast entzündet wurde. Während des Krieges überahmen seine Mutter Elisabeth und seine Frau Martha die Fähre. Von 1923 bis 2001 betrieb die Familie Schäfer über vier Generationen die Fähre.

Beim Heranrücken der Amerikaner wurde die Fähre versenkt und war - als man sie nach dem Kriegsende wieder hob - an sich nicht mehr brauchbar. Sie wurde dennoch  renoviert, weil überall die Brücken zerstört waren. Die Fähre war von 1904 bis 1946 eine Gierfähre. Aber 1946 entschloß sich die Familie Schäfer, eine größere Fähre mit einem Elektromotor anzuschaffen. Aber während eines Sommergewitters traf ein Blitz die Fähre: Der Kugelblitz rollte wie ein Rad über das Gierseil und schlug in drei Bäume auf Mühlheimer Seite ein. Das Gierseil riß, und die Fähre trieb im Sturm führungslos auf dem Main. Einige beherzte Männer holten sie dann zurück.

Im Jahre 1971 wurde in Haßfurt eine gebrauchte, vollautomatische Fähre mit einem Mercedes-Dieselmotor gekauft und für den Autoverkehr verbreitert. Im Jahre 2001 ging der Fährbetrieb von Peter Schäfer auf Peter Spiegel über. Er starb 2012, erst 2013 gab es wieder Verstärkung für die Fährenmannschaft.

Das Dorf Dörnigheim:

Den er­sten schriftlichen Beweis sei­ner Existenz schon im ersten Jahrtausend verdankt Dörnig­heim einer Schenkung, bei der im Jahre 793 ein Wolfbodo dem Kloster Lorsch neben anderem auch alles Gebiet vermachte, das im Maingau in „Turincheim“ lag. Aus der erhalten gebliebenen Abschrift der Schenkungsurkunde geht hervor, daß Wolfbodo „dem heiligen Nazarius, dessen Körper im Kloster Lorsch ruht, wo der ehrwürdige Richbodo als Abt vorsteht“, im Maingau in Turincheim „alles Gebiet zwischen Braubach und Surdafalache vermachte, samt der Kirche über dem Main, die zu Ehren der Jungfrau Maria errichtet wurde. Durch Handschlag bekräftigt. Geschehen im Kloster Lorsch, am 3. Februar 793, im 25. Jahr des Königs Karl.“

Mit der „Braubach“ dürfte nicht die heutige Braubach gemeint sein, die erst im Zuge des Baus von Wilhelmsbad entstand, unter Verwendung des Baches, der durch Wachenbuchen läuft und heute im unteren Bereich „Seulbach“ heißt. Früher trug dieser Bach den Namen „Brau­bach“, wie eine Landkarte im Museum Steinheim ausweist. Die „Surdafalacha“ müßte dann westlich von Dörnigheim gelegen haben. Dafür kommt nur die „Mühlbach“ in Frage, die westlich von Hochstadt herabkommt und im unteren Bereich „Landgraben“ heißt. Weiter nach Westen (bis zum „Roten Graben“ kann man nicht gehen, weil hier früher schon das Dorf Vorderhausen mit seiner Gemarkung lag). Die Vermutung von Frau Schall, die das alte Dörnigheim zwischen der heutigen Braubach und der Nurlache ansetzen möchte, ist sehr unwahrscheinlich, denn für „das ganze Gebiet“ ist diese Fläche zu klein es besteht ja ausdrücklich die Verbindung mit der Kirche:  Das Dorf lag da, wo die Kirche ist.

Es gibt aber auch noch eine Möglichkeit: Da die Braubach westlich von Dörnigheim in den Main mündet, müßte die „surdafa­lacha“ östlich des Ortes in den Main münden. Dann könnte es sich um die Fallbach handeln, die damals dort gemündet wäre. Jedenfalls kommt der Name „Fallbach“ im Bereich Hochstadt vor und wird dort vielleicht mit der Braubach gleichgesetzt.

Es könnte aber auch sein, daß der „Oberlauf“ der Braubach gemeint ist, nämlich der heutige Seulbach bei Wachenbuchen. Dann müßte Surdafalalcha im Westen von Dörnigheim sein, also etwa der Landgraben und die heutige Mündung der Braubach.

Man muß jedoch damit rechnen, daß das Bachsystem in früheren Zeiten anders war als heute und vor allem durch die Anlage der Burg in Hanau und später des Teiches in Wilhelmsbad mancher Lauf verändert wurde. Siedlungsraum war jedenfalls nur zu finden an einer erhöhten Stelle am Mainufer und nicht im Überschwemmungsgebiet an der Nurlache.

Benannt ist in dieser Urkunde ausdrücklich auch die Schenkung einer Kir­che in Dörnigheim. Daher kann es als gesichert gelten, daß die Region des heutigen Maintal bereits von der Chri­stianisierung erfaßt war, die Bonifatius um das Jahr 720 in eine feste Organisation überführte.  Man geht davon aus, daß die Kirche etwa 50 Jahre vor der Ausstellung der Urkunde erbaut wurde. Teile ihres Fundaments wurden bei Renovierungsarbeiten unter der heutigen Kirche gefunden.

Im Jahre 826 schenkte Imma (Tochter Karls des Großen?) dem Kloster Lorsch weitere sechs (oder fünf) Tagwerke „in Turincheim“, was auf bereits bebautes Ackerland hindeutet und ein Hofgut voraussetzte.

Viele fränkische Ortsgrün­dungen endeten auf „‑heim“. Dör­nigheims erste Bezeichnung war „Tu­rinchheim“. Was der Ortsname einst be­deutete, ist bislang nicht mit Sicherheit geklärt. „Turinchheim“ könnte vom althochdeutschen „turnen“ (=drehen) abgeleitet sein, möglicherweise auch etwas mit Dornen zu tun haben oder auch den Namen eines fränkischen Herrn beinhalten, dem Güter in diesem Gebiet gehörten. Oder es könnte personenbezogenen „das Heim des Thüringers“ bedeuten. Diese Deutung bevorzugt Frau Schall, die dazu sagt: „Karl der Große eroberte nach und nach Sachsen und Thüringen, und es gehörte zu seinen Plänen, Unterworfene im Kernreich anzusiedeln.”

 

Der Name „Dörnigheim“ ent­wickelte sich im Laufe der Geschichte aus Turincheim (793) und Turenkeim (850). Im Jahre 1258 ist von Dorenkeim,­ 1470 von Dorenken und 1801 von Dörnigheim die Rede, was im 19.  Jahrhundert von dem Hanauer Geschichtsschreiber Bernhard folgendermaßen interpretiert wird: „Dornickheim, da es vermutlich von einem dor­nisch­ten Orte, da es erbauet, benannt ist.“

Das Dorf hatte eine Ringmauer. Mit der Weiterentwicklung der Kriegswaffen allerdings nahm die Ringmauer mit ihren Toren und Wehrtürmen als Befestigung an Wichtigkeit ab. Im 18. Jahrhundert begann man mit ihrem teilweisen Abbruch und die Steine fanden 1751 Verwendung bei der Errichtung der Mainmauer und später beim Bau von Häusern. Zugänge zum Main waren die „Mainpforten“: Das Obertor war am Ende der Schwanengasse, das Untertor östlich des Gasthauses Schiffchen. Die Tore konnten durch Holztore verschlossen werden, die zu ihrem Schutz Strohdächer trugen.

 

Der erste namentlich bekannte Wasserbeaufsichtiger in Dörnigheim ist Henrich Gehring. Er hat vermutlich den Bau der Mainmauern veranlaßt. Als die Südseite der Untergasse bebaut wurde, erforderte dies den Schutz gegen Hochwasser.

 

Der Dörnigheimer Treidelpfad (auch „Leinpfad“) war vier bis fünf Meter breit und gepflastert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fahrrinne des Mains tiefer gelegt. Den Erdaushub verteilte man gleichmäßig über das Ufergelände und legte rund 50 Zentimeter über dem alten Pfad wieder einen Weg an.

Von der Fähre fährt man Richtung Osten. Man kommt am Spielplatz und an den Gaststätten „Mainlust“ (Familiengaststätte) und „Zum Schiffchen“ “ (Traditionsgaststätte)  und an der Kirche vorbei. In Höhe der Gaststätte „Mainterrassen“ (Turnergaststätte) war einmal ein Schwimmbad im Main.

Vom Schwimmbad im Main war aber nach dem Krieg nur noch ein großer Holzsteg mit Treppe ins Wasser übrig, die Kabinen sind schon in den zwanziger Jahren abgerissen worden. Der Eintritt war übrigens frei. Die Kinder stillten vorher ihren Heißhunger in den Gär­ten mit jungen grünen Erbsen, Karotten und Erd­beeren. Sie mußten nur aufpas­sen, daß sie der „lange Bilz“, der Feldschütz, nicht erwischte. Bar­fuß ging es am Ufer entlang. Der Gänsedreck klebte an den Fußsohlen. Deshalb sprangen die Kinder gleich ins Wasser.

Die „Derngemer“ hatten ihren eigenen Bade­platz. Die Hochstädter lagerten am Ufer der schlammigen Bucht unter den Weiden, wo heute der Kinderspielplatz ist. Dort führte ein Rohr mit den Abwässern des Dorfes direkt in den Fluß. Aber später badeten die Hochstädter auch weiter oben am Fluß, wo ein dichtes Weidengebüsch war.

Die Augen der Schwimmer suchten in der Ferne einen Lastkahn, der dann hoffentlich ein kleines Beiboot im Schlepp hatte. Man konnte sich aber auch direkt auf die tiefliegenden Schiffe wälzen, der Kapitän sagte da nichts. Mit dem Schiff  konnte man fluß­aufwärts bis zur Schleuse mitfahren. Stromabwärts ging es dann leichter zu schwimmen mit der Strö­mung. Auf der Mühlheimer Seite gab es eine Sandbank, wo sich die Kinder den Teer von dem Schiff  mit Sand abrieben, damit sie nicht so verschmiert heimkamen.

 

Schloß Philippsruhe:

 Das an der westlichen Peripherie am Mainufer gelegene Schloß Philippsruhe ist das älteste nach französischem Vorbild erbaute Barockschloß östlich der Rheinlinie. Im Jahr 1701 begann Graf Philipp Reinhard von Hanau (1664-1712) mit der Errichtung des nach ihm benannten Bauwerkes. Die Plane für den Schloßbau stammen von dem in Frankreich geschulten Architekten Julius Ludwig Rothweil, der sich das nahe Paris gelegene Lustschloß Clagny zum Vorbild nahm. Hier wie dort dominiert ein dreigeschossiger, um einen Ehrenhof gruppierter Wohntrakt.

Seitliche, nur eingeschossige Flügelbauten unterstreichen die Dominanz des Mittelbaues. Wenige Monate nach Baubeginn fiel Rothweil aber bei seinem Auftraggeber in Ungnade.

Der Pariser Baumeister Jacques Girard trat 1702 seine Nachfolge an. Er erweiterte die Flügel um dreigeschossige Eckpavillons. Nach seinen Plänen entstanden fünf Jahre später auch die zwei den Seitenflügeln symmetrisch vorgelagerten Bauten des Marstalles und der Remise.

Als die 1803 zu Kurfürsten aufgestiegenen Landgrafen von Hessen-Cassel 1866 Land- und Hoheitsrechte an die preußische Krone verloren, kam Philippsruhe an den Landgrafen Wilhelm von Hessen-Rumpenheim, der zu den reichsten Fürsten seiner Zeit zählte. Von 1875-1880 ließ er den Kopenhagener Professor Friedrich Ferdinand Meldahl umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten vornehmen. Er ließ den Mitteltrakt um drei Fensterachsen nach vorne vergrößern (das heutige Haupttreppenhaus) und errichtete den vorgelagerten Säulenportikus und anstelle eines einfachen Dachreiters die Kuppel errichtete.

Philippsruhe blieb bis 1918 Wohnschloß. Im Zweiten Weltkrieg unzerstört, diente es von 1945 bis 1964 als Rathaus. Im Jahre 1950 erwarb es die Stadt Hanau von der Witwe des Landgrafen Alexander Friedrich von Hessen, Gisela von Hessen, und führte es nach dem Auszug der Stadtverwaltung Zug um Zug kultureller Verwendung zu. Im prächtigen „Reihersaal“ des Schlosses Philippsruhe heiraten nicht nur die Hanauer, auch viele Paare von außerhalb der Stadt wählen diesen Rahmen für ihre Trauung.

Das Museum zeigt in einem Abschnitt „Kunst und Kunsthandwerk des 17. und 18. Jahrhunderts“ bedeutende Stücke Hanauer Fayencen, frühe Zeugnisse der hiesigen Silberschmiede und des Eisenkunstgusses sowie niederländische Malerei, Stilleben und Porträts. Weitere Abteilungen - zum Teil noch im Aufbau - widmen sich den in Hanau geborenen Sprachforschern und Märchensammlern Brüder Grimm, den revolutionären Bewegungen 1830 und 1848, der Hanauer Malerei des 19. Jahrhunderts, der Industrialisierung und der Arbeiterbewegung, der Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegsepoche.

Im Zuge des Umbaus zum Wohnsitz bekam das Schloß ein neues Portal, das der Landgraf anno 1878 bei Bergeotte & Dauvillier in Paris zum Preis von 32.000 Goldmark in Auftrag gegeben hatte. Ende März 1880 traf die gewaltige Sendung auf dem Hanauer Westbahnhof ein. Das Hauptportal ist 6,30 Meter breit, die Seiten kommen auf 3,40 Meter, die gesamte Anlage auf die Breite von 22 Metern.

Das Schloß ist auf einer künstlichen Terrasse über dem Mainlauf errichtet. Gegen das alljährliche Hochwasser mußten Schutzmauern erstellt werden: Deshalb begann man im Frühjahr 1696 mit der Errichtung der langen, jetzt noch vorhandenen Stützmauer zum Main hin. Dadurch wurde das Gebiet  über den Fluß erhoben und gab der Gesamtanlage gerade vom ge­genüberliegenden Ufer einen imposanten und vielfach von Künstlerhand festgehaltenen Eindruck. Die Land­schaft war zu der Zeit, als der Garten angelegt wurde, noch offen, nicht verbaut, der Blick konnte frei über die Mainebene schweifen.

Damit war auch die Voraussetzung für die Anlage eines Parks geschaffen. Noch im Herbst des gleichen Jahres konnte mit der Bepflanzung begonnen werden.  Nicht die Gebäudegruppe bildete den Ausgangspunkt der Gesamtanlage, sondern ein nach den Prinzipien französischer Gartenarchitektur angelegter Lustgarten. Aber - das  Schloß gleichsam in die Landschaft verlängernd - wurde damals  ein streng geometrischer Garten rein französischen Gepräges angelegt.

 

Kesselstadt:

Am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus errichteten römische Truppen am östlichen Rand der Wetterau Militärstützpunkte, die mit gut ausgebauten Straßen verbunden wurden. Die ältere Limeslinie ging von Kesselstadt über Mittelbuchen nach Heldenbergen, die jüngere Limeslinie ging vom Großkrotzenburg über Rückingen und Marköbel nach Altenstadt. Die Straße führte von Kesselstadt über Wachenbuchen nach Friedberg.

Der Name „Kesselstadt“ kommt von diesem Kastell, die heutigen Straßen im Ortskern folgen noch den Straßen im Kastell.

Im Jahre 1886 wurde von G. Wolff das große Kesselstädter Steinkastell östlich des Schlosses Philippsruhe entdeckt und sein Grundriß 1887 und 1896 im Auftrag der Reichslimeskommission erforscht. Ausgrabungen 1976 ergaben weitere wichtige Anhaltspunkte.

Das 375 Meter lange Kastell liegt auf der hochwasserfreien Mainterrasse, wobei die Seitenerosion des Prallhanges die Südost-Flanke in nachrömische Zeit abgerissen hat. Aufgrund der verschobenen Prinzipalachse dürfte die Anlage nach Nordosten zur Kinzig hin orientiert gewesen sein.

Unserer heutigen Kenntnis nach war das Kastell von Anfang an in Stein errichtet. Die auf einem 2,2 Meter breiten Fundament ruhende Wehrmauer bestand aus mächtigen Basaltbruchsteinen, die aus den nahegelegenen Wilhelmsbader Steinbrüchen stammen dürften. Das nördliche Kastelltor (porta principalis sinistra) mit zwei über die Mauerfront vorspringenden Türmen wurde vollständig freigelegt. Die Torstellen im Nordosten und Südwesten sind durch kleinere Erkundungsgrabungen lokalisiert.

Der Platz des Kastells war nie mit regulären Truppen besetzt, sondern schon während der Bauarbeiten oder zumindest nach Fertigstellung der Kastellmauer aufgegeben wurde. Auch die außergewöhnliche Größe von mindestens 14 Hektar und das dahinter stehende strategische Ziel verlangen eine besondere Erklärung. Es handelt sich nämlich um das größte Kastell am obergermanischen Limes überhaupt, einzig übertroffen von den Legionslagern am Rhein. Nach seiner ausgewählten Lage am Mainufer möchte man weniger an eine Garnison größerer Truppenkontingente als eher an einen Depot- und Umschlagplatz für Versorgungsgüter denken.

In jedem Fall aber konnte nur ein schwerwiegendes Ereignis die römische Heeresleitung bewogen haben, diesen wichtigen Platz aufzugeben: Nach heutiger Forschungsmeinung kommt nur die Zeit nach den Chattenkriegen des Kaiser Domitian in Frage, wobei der Aufstand des Mainzer Legaten L. Antonius Saturninus im Winter 88/89 und der anschließende Strategiewandel in der Sicherung der eroberten Gebiete Anlaß gewesen sein könnten, das praktisch bezugsfertige Kastell zu räumen.

Das 1913 bei der Anlage des heutigen Friedhofes am Baumweg entdeckte römische Bad wurde vor und nach dem Ersten Weltkrieg durch Georg Wolff ausgegraben. In der kleineren Anlage auf dem Salisberg gibt es zwei kurz hintereinander gebaute Badeanlagen aus dem späten 1. und frühen 2. Jahrhundert.

 

Friedenskirche

Die Friedenskirche wurde 1904 anstelle der spätgotischen Vorgängerkirche erbaut. Pfarrer Friedrich Hufnagel (1884-1916) brachte Bewegung in das Leben der Gemeinde. Der Gründer der Kinderheilanstalt Bad Orb rief schon bald mit großer Energie und erheblichen Opfern in der eigenen Gemeinde eine Kleinkinderschule (1885) und eine Gemeindepflegestation (1888) ins Leben. Nachdem sich Hufnagels Bemühungen um die Sicherung der völlig baufällig gewordenen Kirche als sinnlos erwiesen, betrieb er tatkräftig einen Neubau.

Am 28. April 1903 wurde mit dem Abbruch der alten Kirche begonnen. Am 2. August fand die Grundsteinlegung statt. Am 25. September 1904 konnte in einem Festgottesdienst die am alten Platz - nur mit einer Nord-Südachse - errichtete, wesentlich größere, neugotische „Friedenskirche“ eingeweiht werden. Das Gotteshaus ist ein zweischiffiger neugotischer Bau. Die neue Kirche erhielt für den 52,5 Meter hohen Turm vier Glocken. Davon mußten im ersten Weltkrieg 1917 die drei großen Glocken abgeliefert werden, die erst 1925 (nach der Inflation) ersetzt werden konnten.

In die neue Kirche wurden übernommen der barocke Orgel­prospekt, die Kanzel, der Taufstein von 1590, den wieder zutage geförderten Opferstock mit dem Wahrzeichen der ehemaligen Kesselstädter Fischerzunft (einem Fährbaum mit Haken) aus dem Jahre 1696 und das wohl aus dem Jahre 1736 stammende Turmkreuz. Beeindruckend sind auch die aus dem Jahr 1964 stammenden Glasfenster von August Peukert.

 

Olof-Palme-Haus

Das Olof-Palme-Haus, wie es heute als prächtige Villa die Philippsruher Allee an der Ecke zur Pfarrer-Hufnagel-Straße in Hanau schmückt, wurde 1654 als adliges Anwesen im barocken Stil von Johann von Sauter erbaut. Vorher stand auf dem Gelände eines der drei Kesselstädter Hofgüter, das im 30-jährigen Krieg zerstört worden war. Im Jahre 1711 erwarb Philipp Christoph Fabricii das Anwesen, dessen Grundriß 1730 erstmals im Plan des Dorfes Kesselstadt dargestellt wurde. 1767 tauchte in der Hanauer „Europäischen Zeitung“ dann eine Anzeige auf, in der das Grundstück ausführlich beschrieben und zur Versteigerung angeboten wurde. Wer den Zuschlag bekam, ist allerdings nicht bekannt;  ebensowenig, wer in den folgenden rund 30 Jahren die Besitzer des Hauses waren.

Die ersten Besitzer des heutigen Olof-Palme-Hauses müssen feine Herrschaften gewesen sein. Bereits 1654 ließen sie eine Toilette einbauen - ein Luxus, den sich damals meist nur die Bewohner von Schlössern und Burgen leisten konnten. Der Förderverein des Olof-Palme-Hauses machte den unerwarteten Fund bei der Renovierung des „Gelben Salons“ im ersten Stock. Hinter einer Wand stießen die Arbeiter auf eine Nische im Mauerwerk. Wegen des Rundbogens, der sich über den Hohlraum rankt, dachten sie zunächst, einen Schrein für eine Marienfigur entdeckt zu haben. Doch dann sahen die Handwerker das große Loch in der Mitte des Sockels. Ein Blick hinein offenbart ein Rohr mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern, das vom „Gelben Salon“ im ersten Stock, der früher wahrscheinlich der Schlafraum war, bis auf den Grund des Hauses reicht. Im 15. und 16. Jahrhundert etwa war es auf Schlössern und Burgen gängig gewesen, einen Erker direkt über dem Graben zu bauen, wohin die Notdurft „im freien Fall“

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts diente das Haus als Wohnort des Juweliers Georg Christ, ein in Amerika zu Geld gekommener Hanauer. Er kaufte die Villa 1857, erweiterte sie um den Balkon auf der Mainseite und ließ den Dachgiebel verbreitern und ließ somit den alten Adelssitz im amerikanischen Südstaatenstil ausbauen. Sein Reichtum und sein aufwendiger Lebensstil sorgte in Hanau für Aufsehen.

Von ihm ist auch eine hübsche Anekdote überliefert, die der langjährige „Hausherr“ Erich Becker erzählt: Nach dem Tod seiner Frau ging Georg Christ erneut auf Brautschau. Da er selbst aber nicht mehr „taufrisch“ und „ansehnlich" gewesen sei, entschloß sich der reiche Herr zu einem originellen Trick: Er ließ einfach von seinem prächtigen Haus mehrere Bilder malen - und so für sich werben; es soll tatsächlich funktioniert haben ... Diese Gemälde sind übrigens bis heute in Schloß Philippsruhe erhalten.

Nach seinem Tod wechselte das Gebäude weitere drei Male die Besitzer. Dort wohnten die Industriellen Krebs (Klingsor Grammophone) und Kling (Holzfurniere). Nach 1945 ernannten die US-Kommandeure das Gebäude zum Amerikahaus. Es wurde Sitz der US-Militärregie­rung in Hanau. Die weiße Prachtvilla mit dem großen Garten erinnert stets ein wenig an eine Kulisse aus „Vom Winde verweht“. In einem rundum holzvertäfelten Raum im ersten Stock, dem späteren Zimmertheater, bezog der Stadtkommandant sein Büro.

Im Jahre 1955 wurde es wieder der kommunalen Verwaltung übergeben und näherte sich dann seiner heutigen Nutzung an und wurde als „Haus der Jugend“ der Allgemeinheit zugänglich. Die Jugendherberge wurde 1955 eröffnet und 1962 wieder geschlossen. Danach betrieb die Stadt das Haus weiter als Jugendheim für Hanauer Gruppen.

 

Im Jahre 1987 wurde das Haus nach dem ein Jahr zuvor ermordeten schwedischen Premierminister Olof Palme benannt. Im Jahre  1995 wurde der Bau vor dem Verkauf gerettet und der Förderverein gegründet. In zähen Gesprächen erarbeiteten Förderverein und Politik anschließend eine außergewöhnliche Vereinbarung: Die Stadt saniert Fassade, Dach, Terrasse und Garten des Hauses (900000 Mark hat das gekostet), der Verein richtet das Innere her, kümmert sich um die Vermarktung und verpflichtet sich, die Betriebskosten auf Dauer zu tragen. Im Jahre 1999 hatte das Baudezernat seinen Part abgeschlossen, seitdem erstrahlt die Villa von außen wieder in altem Glanz.

Im ersten Stock ist mittlerweile der „Blaue Salon“ - dem alte Tapetenreste seinen Namen gegeben haben - komplett hergerichtet. Der „Gelbe Salon“ ist benachbart. In beide Zimmerwerden demnächst die Bridgespieler Einzug halten, die bislang in der Stadthalle ihr Domizil hatten.

Im Flur zwischen „Blauem Salon“ und dem größten Raum im ersten Stock prangt schon jetzt ein prächtiges Deckengemälde, das gereinigt wurde und noch original restauriert werden soll. Den Vermerk „Hildebrandt Wiesbaden 1897“ hat der Förderverein dort gefunden - seitdem wird in der Landeshauptstadt nach einem Meister solchen Namens geforscht, der das Deckengemälde in besagtem Jahr vermutlich ausgebessert hat. Der Saal nebenan bekam lediglich Schönheitskorrekturen: neue Vorhänge und ansehnlichere Lampen. Das eigentliche Schmuckstück im Haus ist das holzvertäfelte Kaminzimmer.

Das Lesecafé im Erdgeschoß mit seiner großen Front zum Garten hin ist nun komplett ausgestattet: Es hat eine Theke mit allem nötigen Inventar bekommen, wodurch sich bei Veranstaltungen besser bewirten läßt. Das Haus ist von großen alten Bäumen und einer Grünfläche von ungefähr 7.000 Quadratmetern umgeben.

 

Alte Pumpstation:

An der Straße steht der alte Wasserturm, der 1878 erbaut und 1895 vollendet wurde, um den Springbrunnen vor dem Schloß betreiben zu können. Das historische Pumpenhaus ist stilistisch und zeitlich baugleich mit der Pumpstation an der Philippsruher Allee, wo ursprünglich der erste grobe Dreck auf Rechen gefangen und das Abwasser per Druckleitung zum Klärwerk hinübergeschickt wurde. Das Pumpenhaus hatte die Aufgabe des heutigen Schneckenwerkes, die tief ankommende Schmutzwasserfracht zu heben.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wurde restauriert. Innen gleicht es eher einer Halle, durchgängig offen vom Keller bis unter den Giebel. Die Tragekonstruktion fürs Dach gilt als baugeschichtlich besonders wertvoll. Sie besteht aus Metallprofilen wie der Eiffelturm in Paris.

Das restaurierte Gebäude wird das Pumpenhaus für das danebenliegende Frachtausgleichsbecken, mit dem Belastungsspitzen gekappt werden. Das sieht praktisch so aus, daß in Zeiten, da am meisten Schmutzwasser anfällt, das Frachtausgleichsbecken gefüllt wird. Nachts wird das Becken dann leer gepumpt - in den Reinigungskreislauf. Mit diesem Trick kann die Kapazität deutlich kleiner gehalten werden, als eine Gesamtauslegung auf Belastungsspitzen erfordern würde.

Weil die neuen Pumpen deutlich kleiner sind als die alten, bleibt im historischen Gebäude Platz für eine Art kleines Museum. Eine alte Pumpe soll zum Vergleich aufgestellt werden, dazu informierende Schautafeln und Fotos vom Bau. Es kommen viele Schulklassen zu Besuch. Zeitweise wurde das Gebäude auch kulturell genutzt.

 

Schiffahrt auf dem Main:

Getreidelt wurde auf dem Main seit Jahrhunderten. Selbst die Römer benutzten die Wasserstraße, um Tonziegel aus ihrer Heeresziegelei bei Großkrotzenburg an Kastelle und Siedlungen im Umkreis zu liefern.

Ging es flußaufwärts, bedienten sie sich dabei der Muskelkraft ihrer Sklaven und Gefangenen, die dann an einer Schleppleine die Schiffe mit ihrer Fracht hinter sich her zogen. Lastentiere waren den Römern für diese Knochenarbeit wohl doch zu schade.

Das Treideln erreichte seine Hochphase an diesem Mainabschnitt im 17. Jahrhundert, als befestigte Leinpfade angelegt wurden. Bis zu sechs Pferde - je nach Schiffsgröße - liefen den Main entlang auf eigens dazu angelegten Lein- oder Treidelpfaden und zogen das Schiff an Leinen. Gegen die Strömung lag die Höchstgeschwindigkeit bei drei Kilometer in der Stunde. „Leinreiter“ führten die Pferde und die Steuerleute mußten darauf achten, daß ihr Schiff nicht mit dem Ufer kollidierte. Da der Main zwischen Hanau und Frankfurt flach war, mußten selbst stromabwärts größere Schiffe über seichte Stellen gezogen werden.

Um 1750 begann die große Zeit der Treidelschifahrt. Die Ufer entlang des Mains wurden geräumt und befestigte Treidelwege angelegt. Um hier Ordnung zu halten wurden Wasserbeauf­sichtiger eingesetzt. Diese sorgten für Uferbau, Regulierung des Mains und Schutzeinrichtungen gegen Hochwasser.

Den vier Gäulen zittern vor Anstrengung die Knie. Weißer Schaum spritzt in alle Richtungen, wenn sie die verbrauchte Luft durch ihre weit aufgerissenen Nüstern pressen. Mit aller Kraft kämpfen sie gegen die Strömung des Mains. Die droht den Frachtkahn, den die Tiere im Schlepptau haben, zu erfassen. Wüst fluchend feuert der Leinreiter die Tiere mit seiner Peitsche zu immer neuen Höchstleistungen an.

Meter um Meter ringen die Klepper dem Fluß ab, quälen sich voran auf dem gut drei Meter breiten Leinpfad am Mainufer bei Großauheim. Die stählerne Schleppleine, mit der die Tiere das Schiff stromaufwärts ziehen, ist straff gespannt. Unerbittlich frißt sie sich in die Leiber der Gäule; wund und blutig sind die Flanken der Pferde.

In Dörnigheim befand sich ein Ausspannplatz an der Gaststätte „Zum Schiffchen“. Die Leinreiter-Rast in Steinheim (Am Maintor 6) diente als Quartier für die Nacht. An der Mainpromenade in Großauheim zeigt ein Fresko des Künstlers August Peukert vorbei­ziehende Leinreiter. Und auf der Mainwiese bei Großauheim sind noch Reste des mit Grauwacke, einem Sandstein, gepflasterten Leinpfades erhalten.

Obwohl die letzten Leinreiter längst verstorben sind, zeugen noch heute zahlreiche Spuren in und um Hanau von dem traditionsreichen Gewerbe aus vergangenen Zeiten. Viele ufernahe Straßen erinnern an das alte Handwerk: der Leinpfad in Großauheim etwa, genauso wie der Leinweg in Steinheim.

Eine Vergnügungsreise war das Treideln zu keiner Jahreszeit. An trockenen, heißen Tagen plagten Durst und Stechmücken Roß und Reiter. Bei Eis und Hochwasser kämpften die Pferde, teilweise bis zum Bauch im Wasser, gegen Kälte, tückische Strudel und reißende Strömung. Oft standen die Tiere die Knochenarbeit nicht länger als ein Jahr durch, bevor sie ihr letzter Ritt zum Abdecker führte. Dementsprechend billig war das Fleisch der Tiere zur Zeit des Leinritts: Um die 20 Pfennig kostete ein Pfund Pferdefleisch im 19. Jahrhundert.

Doch auch für die Männer, die das Treideln besorgten, war die „Reise” von Frankfurt bis Aschaffenburg kein Zuckerschlecken. Aber die vergleichsweise gute Bezahlung entschädigte die rauhen Burschen für das harte Geschäft: Zwischen 60 und 90 Pfennig pro Kilometer betrug ihr Lohn Mitte des 19. Jahrhunderts. Den sollen sie meist schon auf dem Rückweg in einer der eigens für sie eingerichteten Gaststätten versoffen haben.

Das erste Dampfschiff langte am 6. März 1838 in Frankfurt an. Wegen des geringen Tiefgangs von etwa einem Meter war es ein Raddampfer. In Dörnigheim gab es allerdings keine Anlagestelle. Im Jahre 1842 wurde die sogenannte „Main-Dampf­schiffahrts-Gesellschaft“ gegründet, so daß die Treidelschiffahrt beendet war, weil die Schiffe nun aus eigener Kraft flußaufwärts fahren konnten.

Auch  die industrielle Revolution läutete den Niedergang der Leinreiterei ein. Der Siegeszug der Eisenbahn bedeutete dann das endgültige Aus für die Leinreiterei. Schon seit 1848, mit dem Bau des Wilhelmsbader Bahnhofs, war Hanau über die Schiene mit Frank­furt verbunden. Als dann 30 Jahre später der Hanauer Bahnhof mit seinen sechs Strecken hinzu kam und der Frachtverkehr immer mehr auf die Schiene verlegt wurde, mußten die Leinreiter ihre Pferde für immer ausspannen.

Im Jahre 1886 begann die Kettenschiffahrt auf dem Main. Eine etwa 314 Kilometer lange Eisenkette mit 4,7 Millionen armdicken Gliedern wurde in den Main gelegt. An dieser Kette zog sich ein Lastkahn bis nach Bamberg hinauf. Die Kette wurde von dem Dampfer aufgenommen, lief über Bord, ein durch eine Dampfmaschine angetriebenes Zahnrad griff in die Lücken ein und trieb so das Schiff voran. Das Rasseln der Kette war weithin zu hören.

Mittels einer Sirene, die sich anhörte wie das Heulen einer Kuh, warnte der Kapitän entgegenkommende Schiffe - daher rührt dann der Spitzname „Maakuh”.  Von weitem glich die einer Fähre mit Schorn­stein: Das Schiff war etwa 50 Meter lang, sieben Meter breit und hatten einen Tiefgang von einem halben Meter. Bis zu 30 Schiffe  zog eine „Moakou”  aus eigener Kraft hinter sich her. Erst 1921 wurde dieses mit zwei Schornsteinen ausgestattete Schleppschiff wieder abge­schafft, die Kette wurde 1938 aus dem Main gezogen.

 

Brücken:

In Höhe des Wasserturms ist eine Brücke. An ihrer Abdeckung kann man noch  die tiefen Rillen sehen, die das Schleppseil der Leinreiter im Laufe der Jahre in den Sandstein gefressen hat (irgendein Eifriger hat sie allerdings mit Zement ausgefüllt). Neben der Brücke stehen zwei Säulen, die (in deutscher und lateinischer Sprache) an den ersten Erbauer der Philipps­ruher Allee erinnern. Es folgt dann die Flutbrücke am Ende eines alten Kinzigarmes. An der Abdeckung sind auch hier die Schleifspuren der Leinen zu erkennen, mit denen die Pferde die Schiffe gezogen haben

Schließlich kommt man zur Hellerbrücke. Sie wurde 1716 über die Kinzig kurz vor ihrer Mün­dung in den Main gebaut und erst in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts erneuert.

Noch im Anfang des 19. Jahrhunderts mußte hier ein Heller Brückengeld gezahlt werden. Daher kommt der Name der Brücke. Kurz vor der Mündung der Kinzig in den Main war ein breiter Wasserfall.

 

Römerbrücke:

An der Hellerbrücke geht es rechts hinunter und dann links weiter. Kurz vor dem Hafen der Wasser- und Schiffahrtsdirektion hat man 1886 bei Baggerarbeiten die Reste einer Holzbrücke entdeckt, die vom den Römern am Ende des 1. Jahrhunderts über den Main gebaut wurde und die beiden römischen Ansiedlungen in Steinheim und Kesselstadt verband. In Kesselstadt verlief die Straße östlich des Kastells, machte aber vor dem Main noch einen Knick nach Süden.

Die Ausgrabungen führten auch zur Auffindung zahlreicher Gebrauchsgüter aus dem 1.-3. Jahrhundert nCh. Die Haupterwerbsquelle der Bewohner dieser Ansiedlung, die offenbar bis zum endgültigen Fall des Limes bestand, dürfte die Verarbeitung des Steinheimer Basaltes zu Werksteinen und Gebrauchsgerät gewesen sein. Am Schloß Philipps­ruhe gab es eine Furt durch den Main.

Auf der Steinheimer Seite entsprach dem die Freilegung der Reste römischer Gebäude auf der Steinheimer Mainspitze. Bereits 1845 und später wieder 1875 konnten sie freigelegt werden.

Im Jahre 1875 grub der Hanauer Geschichtsverein zwei in Ost-West-Richtung verlaufende Mauerstücke aus. Im Jahre 1894 wurde ein rechteckiges Gebäude festgestellt, das als Teil einer militärischen Anlage gedeutet wurde. Bei Ausgrabungen 1961/62 und 1965 wurde der Gesamtgrundriß des langrechteckigen Gebäudes (45,50 x 18,60 Meter) aufgenommen. Eine Innenraumeinteilung war nicht mehr zu ermitteln. Aufgrund der Breitenmaße kann aber mit Dachträgern gerechnet werden, die die Anlage vielleicht zwei- oder gar dreischiffig gestalteten.

In dem aus Basaltmauerwerk errichteten Gebäude ist vermutlich ein Nebengebäude eines römische Gutshofes (villa rustica) zu sehen, vielleicht aber auch das Hauptgebäude, das dann dem sogenannten „Hallenhaustyp“ zuzuordnen wäre.

Etwa 50 Meter östlich dieses Gebäudegrundrisses wurde das zugehörige Badegebäude aufgedeckt, das sich über einen holzverschalten Keller erstreckte, der vermutlich zu einem früheren Holzgebäude gehörte. Unter verbranntem Lehmfachwerk, das in den Keller gestürzt war, lagen acht Amphoren, mehrere Fibeln sowie ein Denar des Kaisers Severus Alexander. Danach ist die Kellerfüllung in die Zeit der Alamanneneinfälle der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts nCh zu datieren. Nach dieser Brandkatastrophe wurde über dem Keller ein Badegebäude aus Stein errichtet. Es zeigt einen einfachen Grundriß. Der Eingang hat im Süden gelegen. Dort befand sich das Kaltbad F (frigidarium) mit der Kaltwasserwanne P (piscina). Es schloß sich das Heiß­bad C (caldarium) an. Von der Hypokaustheizung war lediglich der Unterboden erhalten. Es fanden sich auch noch andere Gebäude auf der Mainspitze. Heute ist hier ist die Straße „Zur Römerbrücke“ und die Gaststätte „Nizza“.

 

Kinzdorf:

Der Stadtteil am Westbahnhof östlich der Philippsruher Allee heißt „Kinzdorf“ und war eine Keimzelle der Stadt. Es lag im oberen Winkel zwischen dem Main und einem alten Kinzig­arm, der später zum Mainkanal ausgebaut wurde. Hier stand die alte Marienkirche, eine Missionskirche für die ganze Gegend. Urkundlich tritt der Name „Kinzdorf“ in den Jahren 1338, 1353 und 1364 auf.

Wie die Entstehungsgeschichte des Kinzdorfes ungewiß und geheimnisvoll ist, so auch das Werden der Kinzdorfkirche. Sie soll schon vor der Wirkungszeit des Bonifatius bestanden haben und so eine der ersten Gründungen christlicher Prägung in unserer Heimat gewesen sein. Die Kirche war der Maria geweiht. Sie barg ein Marienbild, dem man Wunderkraft beimaß. Das Marienbild befindet sich heute in der Kirche von Groß-Steinheim.

Das Kinzdorfer Kirchlein war jahrhundertelang die Hauptkirche für die später entstandene Stadt Hanau, und die Marien-Magdalenenkirche in der Altstadt Hanau galt als eine Tochterkirche der Kinzdorfer Kirche. Jahrhunderte hindurch wurden hier die Kinder der Stadt Hanau getauft. 

In unmittelbarer Nähe der Kirche war auch der Friedhof. Er erstreckte sich bis dahin, wo sich heute der Eisenbahndamm hinzieht. Ursprünglich beerdigten die Altstädter und die Neustädter ihre Toten hier. Die nahe Lage der älteren Kinzdorfkirche mit ihrem Kirchhof ersparte den Bürgern bei der Gründung der Stadt die Anlage eines Friedhofes um die Pfarrkirche.

Allmählich sank die Bedeutung der Kinzdorfer Kirche immer mehr. Die Kirche diente nur noch zur Abhaltung von Leichenfeiern. Es wird angenommen, daß das Kinzdorf im Jahre 1504 durch hessische Kriegshorden verwüstet wurde. Bei einer Erweiterung der Neu-Hanauer Festungswerke durch Kommandant Huwald im Jahre 1633 wurde die Kinzdorfer Kirche abgebrochen, da man auf dem Kirchenhügel eine Schanze errichten wollte. Der verbleibende Rest ist infolge großer Überschwemmungen in den Jahren 1564 und 1590 vernichtet worden.

Von dem Kinzdorf selbst stand um 1600 nur noch die alte Pfarrkirche, die auf der Ansicht der Stadt Hanau von Dilich vor den Wällen der Neustadt noch zu erkennen ist. An das Kinzdorf erinnern heute nur noch einige Flurnamen: „Im Kinzdorfer Grund“, „Am Kinzdorfer Grund“ und „Der Kinzdorfer Weg“.

Man fährt hier am Main entlang und muß dabei das Gelände der Wasser- und Schiffahrtsdirektion links umfahren. Dabei sieht man nördlich  die Anlage, die früher der Mainkanal war.

 

Mainkanal

Man hat schon früh versucht, die wichtige natürliche Wasserstraße, den Main, durch den bis in die Stadt hineinführenden Kanal für den Handelsverkehr nutzbar zu machen. Es ist anzunehmen, daß der Mainkanal aus einem toten Kinzigarm gestaltet wurde. Man wollte mit seinem Bau den Güterverkehr der Stadt auf direktem Wasserwege ermöglichen.

Der Mainkanal wurde unter dem überwölbten Stadtwall hindurchgeführt. Vor dem „Heumarkt“ sollte er in einem Hafen mit Ladeplatz enden. So war es geplant. Die Ausführung kostete viel Geld, ohne daß der Zweck jemals recht erfüllt wurde. Die Bauzeit dauerte von 1600 bis 1619.

Im Dreißigjährigen Krieg verwandelte sich der mit so vielen Kosten und Mühen angelegte Binnenhafen in ein „wüstes ungesundes Loch“, die „Stincke-Kauth“. Bereits 1666 schüttete man den Hafen zu und bebaute das Gelände mit Wohnhäusern. Das verbleibende Stück des Kanals wurde 1833/34 um ein weiteres Stück gekürzt und diente dann nur als Winterhafen.

Der Zufluß des Hafenbeckens, der Stichkanal, blieb über die Zeiten hinweg erhalten. Als breiter Wasserarm führte der „Mainkanal“ bis in unsere Tage vom Westbahnhof zum Main und diente dabei zugleich als Abfluß des Stadtgrabens, der ja als letzter Rest der alten Stadtbefestigung noch einen geringen Teil der Stadt umfließt.

Vor dem Bau des neuen Mainhafens diente der Mainkanal als Zufluchtsort für Schiffe im Winter und bei Hochwasser. Auch die „Strandbäder“ des Mainufers stellten hier ihr „Mobiliar“, die Schwimmtanks, unter, und die Angler saßen stundenlang am Ufer. Eine herrliche Allee, die einstmals gepflegt und mit Bänken versehen war, begleitete den Kanal. In unseren Tagen ist der letzte Rest des Mainkanals zugeschüttet worden, und nur die Straßenbezeichnung „Am Mainkanal“ wird die Erinnerung wachhalten.

Bei den Ausschachtungsarbeiten zum Wiederaufbau des Gebäudes „Zur schwedischen Krone“, zuletzt „Rheinischer Hof“ genannt, im Jahre 1954 kam man auf die Sohle des alten Hafenbeckens. Einige interessante Fundstücke konnten vom Hanauer Geschichtsverein sichergestellt werden.     

 

Das Hanauer Marktschiff

König Albrechts Stadtrechtsprivileg des Jahres 1303 hatte Hanau für jeden Mittwoch einen geschützten Wochenmarkt genehmigt, und im Jahr 1468 bewilligte Kaiser Friedrich III.. dem Hanauer Grafen zwei Jahrmärkte, einen für Sonntag Misericordias Domini nach Ostern und den anderen im Herbst für den Sonntag nach St. Martin.

An diesen beiden - wir würden heute sagen „verkaufsoffenen“ -  Sonntagen und an den wöchentlichen Markttagen gab es in der Stadt ein lebhaftes Handeln, Kaufen und Verkaufen, freilich in einem kleinen regionalen Rahmen.

Dies änderte sich Ende des 16. Jahrhunderts mit der Gründung der Neustadt. Graf Philipp Ludwig II. siedelte Glaubensflüchtlinge aus den Spanischen Niederlanden an, emsige, geschäftstüchtige Leute, welche die Grundlagen für ein blühendes produzierendes Gewerbe schaffen sollten. Der Graf setzte auf Wirtschaftswachstum. Dazu gehörte damals wie heute ein leistungsfähiges Bankwesen, deshalb folgte im Dezember 1600 die Privilegierung der Judengemeinde. Aber produzierendes Gewerbe und Bankwesen reichten als Standortfaktoren nicht aus, wenn es an Verkehrsverbindungen zu den Abnehmern der produzierten  Güter fehlte. Damals, in einer Zeit ohne Flugzeuge, ohne Autobahnen und Kraftfahrzeuge, ohne Eisenbahnverbindungen, waren Flüsse und Kanäle die günstigsten Verkehrswege, um Waren in größerer Menge zu transportieren.

Aus diesem Grund hatten sich die Neustädter in § 16 der Gründungsurkunde vom 1. Juni 1597 ausbedungen: „Item das ein oder zwey ordinari Schiff, so täglichs oder zum wenigsten zwey oder dreymhal inn der Wochen auff- und ab naher Franckfurth fahren angestellt und gegen die gebür gehallten werdenn.“

Es war der Anspruch, daß Hanau über ein fahrplanmäßig und verläßlich verkehrendes Transportmittel zum benachbarten Handelszentrum Frankfurt verfügen müsse.

Ernst Julius Zimmermann, der auch heute noch als der beste Kenner der älteren Hanauer Geschichte gelten darf, hat vermutet, daß die Fahrten des Marktschiffs im Jahr 1600 begannen. Dabei ging es nicht ohne Streit ab. Der Erzbischof und Kurfürst von Mainz sah die Mainschiffahrt als eigenes Privileg an, und so kam es zu Diskussionen, zu geharnischten Schriftwechseln und schließlich auch zu Überfällen seitens der Mainzer.

Es folgten die Wirren des Dreißigjährigen Krieges mit all ihren Negativfolgen für Handel und Wandel, und gerade in dieser Zeit war die Fahrt mit dem Marktschiff von Hanau nach Frankfurt und zurück bisweilen ein wirklich gefährliches Abenteuer.

Im Lauf der Zeit etablierte sich das Marktschiff als eine in der Tat zuverlässige fahrplanmäßige Verkehrsverbindung für Menschen und Güter zwischen Hanau und Frankfurt. Allerdings - eine solche Hin- und Rückfahrt war jeweils eine Tagesreise. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ging das wohl an, doch dann änderte sich alles: Dampfschiffe, noch von Pferden gezogene Omnibusse, Eilwagen und schließlich die Eisenbahn waren Konkurrenten, gegen die ich das zwar zuverlässige, aber jetzt zu langsame Marktschiff nicht auf Dauer behaupten konnte.

Im November 1847 machte Georg Christian Bein seine letzte Fahrt als Hanauer Marktschiffer, und ab September 1848 ersetzt die dem Main folgende kurhessische Hanau-Frankfurter Eisenbahn die alte Marktschifflinie. Nach dem Beginn der Dampfschiffahrt Anfang der vierziger Jahr markierte die Eröffnung dieser Eisenbahnlinie für das Verkehrswesen unsere Raums den Anfang des industriellen Zeitalters.

Im Sommer 1897 feierte Hanau das 300. Gründungsjubiläum der Neustadt, und eine Attraktion im Festzug war ein Schiff, das der Kaufmännische Verein hatte bauen lassen. Es war eine Erinnerung an das alte Hanauer Marktschiff. Von Pferden gezogen, die Zugleine oben am Mast befestigt, erinnerte es das zahlreiche Publikum an die Zeit der vorindustriellen Schiffahrt.

 

Weiter geht es auf einem hohen Damm am Main entlang. Rechts steht noch ein Schild, das den Eingang zum Licht- und Luftbad markiert. Etwas nach rechts geht es dann unter der S-Bahn-Brücke hindurch und dann gleich unter die Mainbrücke nach Steinheim. Man fährt erst ganz unter der Brücke hindurch, um auf die Ostseite der Brücke zu kommen. Diese wird überquert. Um nicht auf der Umgehungsstraße weiter fahren zu müssen, fährt man durch Klein-Stein­heim.

Von der Brücke fährt man zunächst dem Schild „Mainuferweg“ nach, biegt aber dann rechts ab  zur Uferstraße, die bis zur St. Nikolauskirche führt

 

Klein-Steinheim:

Klein-Steinheim (früher: Niedersteinheim) ist älter als Groß-Steinheim. Im Jahre 1938 wurden Ober- und Niedersteinheim zur Stadt Steinheim verbunden und 1974 wurde diese nach Hanau eingemeindet. Die katholische Nikolauskirche wurde nach der Überlieferung des Klosters Seligenstadt auf dem dem Kloster gehörenden Grund und Boden gegründet. Das war im. 9. Jahrhundert noch zu Lebzeiten Einhards (770 bis 840), also vor 840. Sie war die Pfarrkirche eines größeren Sprengels. Im Jahre 1294 wurde das Gotteshaus durch den Mainzer Erzbischof Gerhard II. dem Kloster Seligenstadt inkorporiert. Nachdem 1320 Obersteinheim Stadt geworden war und 1425 die Herren von Eppstein das ganze Amt Steinheim mit Stadt und Burg an das Erzstift verkauft hatten, verlegte Erzbischof Theoderich von Erbach am 21. Oktober 1449 die Pfarrkirche von dem Dorf  Niedersteinheim in die Stadt Steinheim in die seitherige Stadtkapelle.

 

In den Jahren 1892/93 erfolgte der Neubau der Kirche in Klein-Steinheim. Die ältesten Teil sind im Turm und Chor (heute: Sakristei) noch erhalten Das Langhaus der alten Kirche zwischen Turm und Chor wurde vorher abgebrochen. Dazwischen wurde das Schiff der neuen Kirche gestellt, die am 23. Juli 1893 geweiht wurde. Im Jahre 1930 wurde der Kirchturm erhöht. Schäden erlitt das Gotteshaus durch Brandbomben bei einem Angriff am 19.3.1945, die zunächst provisorisch ausgebessert wurden. Im Jahre 1950 fand eine Ausbesserung des Turmdaches statt und 1951 wurden neue Kirchenfenster nach Entwürfen von August Peukert (Großauheim) angeschafft.

Das Gotteshaus enthält eine Barockkanzel von 1651, vom Eingang her gesehen besteht der rechte Seitenaltar aus gewundenen Säulen des alten Kreuzaltars, der aus der Schloßkapelle stammen soll. Zu dem linken Seitenaltar gehört eine Pietà. Über dem Turmeingang befindet sich ein großes Gemälde des Heiligen Nikolaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, wohl von dem Hanauer Maler Louis Schleissner. In den Längsseiten der Kirche befinden sich die Gemälde der vierzehn Kreuzstationen von dem Maler Joseph Schäfermeier, gestorben 1899 in Kleinsteinheim. Seit 1900 ist die Gemeinde wieder ein selbständige Pfarrei.

Hinter Kirche steht die Kreuzkapelle. Sie wurde erbaut an der Stelle, wo am 3. Mai 1309 das „heilige Kreuz von Klein-Steinheim“ gefunden wurde. Seitdem gibt es die Wallfahrt zum Heiligen Kreuz. Der Sockel des Wallfahrts- Kreuzes enthält zwei Reliquienpartikel des Heiligen Kreuzes und eine Reliquie des Antonius von Padua, die 1746 der Aschaffenburger Jakob Geibig aus Rom mitbrachte. Auf dem Kirchhof stehen mehrere Heiligenfiguren und alte Gräber. Zur Kreuzkapelle führt der sogenannte „Kreuzweg“ vom Groß-Steinheim mit sieben Bild­stöcken aus Sandstein.

Wenn man am Ende des Kirchengrundstücks nach rechts in die Molitorstraße fährt, hat man noch einen Blick auf den Kirchhof. Man kommt  an der Theodor-Heuß-Schule vorbei zur Ludwigstraße, der Hauptstraße von Klein-Steinheim. Rechts in der Ludwigstraße sieht man das Rathaus.

 

Am Ende der Molitorstraße trifft man auf die Gartenstraße (kein Straßenschild), fährt nach rechts ein Stück auf dieser Straße und  dann gleich wieder links in die Eppsteinstraße.

Wo nach rechts die zweite Straße abzweigt ist ein Kreisel, den man aber durchfahren muß.

Hier steht eine Pestkapelle (die bekanntere Pestkapelle steht aber am Friedhof). Die dritte Straße rechts in den Gai­lingsweg. Dort geht es nach rechts unter der  Bundesstraße hindurch in die Senefelder Straße (das Schild Sackgasse“ gilt nur für Autofahrer).  

Links zwischen den Fabrikgebäuden sieht man auf die Flur „Amerikafeld“. Dies ist ein unter Naturschutz stehendes Trockenrasengebiet mit seltenen Orchideenarten und Eidechsen, das außerdem ein Lebensraum für Neuntöter, Blauracke und Pirol ist. - Im Wald fanden sich zahlreiche Hügelgrä­ber, deren Be­stattungs­bei­gaben teilweise im Mu­seum des Steinheimer Schlosses gezeigt werden. Aber vom Weg aus sind sie nicht zu sehen.

Wo der Weg sich teilt (kein Wegweiser) kann man nach links etwas hoch fahren und dann am  Wegweiser „Dietesheimer Seen“ nach rechts; dann kommt man rechts am Oberwaldsee und links vom Hansteinweiher vorbei.

Man kann aber auch an der Gabelung rechts fahren. Dann kommt man auf der Forstmeisterschneise bis zur Pfaffenbrunnenstraße. Dort geht es links weiter auf dem Pfaffenbrunnenweg, vorbei an der Polizeihundeführerschule und nördlich am Hansteinweiher vorbei. In beiden Fällen muß man dann aber die Straße „Am grünen See“ weiterfahren (vom Pfaffenbrunnenweg geradeaus, von der Straße „Am Hansteinweiher“ nach links) und rechts abbiegen zum Südring. Unter der S-Bahn und kommt man über die Bundesstraße und fährt ein

Stück nach links und dann wieder rechts zur Schleuse.

 

Dietesheim:

Der Stadtteil  verfügte über kein Fließwasser, das eine Mühle hätte treiben können. Daher verlegten sich die Dietesheimer auf die Mainfischerei neben der allgemeinen dörflichen Feldwirtschaft. Die Mainfischerei war ein Spezialgewerbe, das seit dem Mittelalter als Zunft organisiert ist.

Die Dietesheimer, liebevoll auch „Basaltköpp“ genannt, haben ihre Eingemeindung vom 1. April 1939 nie richtig verwunden und sind nach wie vor stolz auf ihre Eigenständigkeit, die sich bis zum Jahr 1013 zurückverfolgen läßt. Damals wurde der Name Dietesheim zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als Heinrich II. seinen Besitz in Dietesheim mit dem Kloster Lorsch tauschte. Die Pfarrkirche St. Sebastian ist in der Kirchstraße im Westen des Ortes (mit dem schlanken Turm). Älter ist die Kirche in der Untermainstraße mit der geschwungenen Haube. Eine dritte Kirche ist die  St. Wendelinus-Kapelle am Alten Friedhof. Sie wurde 1450 erstmals urkundlich erwähnt. Sie wurde immer wieder restauriert und zuletzt 1987 neu geweiht. Die Kapelle ist aus Basaltstein gebaut, ihr Vorbau ist aus Holz. Im Inneren befindet sich heute eine Statue des HI. Wendelinus. Der früher im Innern aufgestellte „Anna-Selbdritt-Altar“ steht heute in der Dietesheimer Pfarrkirche St. Sebastian..

 

Schleuse:

Die alte Mühlheimer (oder Dörnigheimer) Schleuse wurde 1921 gebaut. Das Betriebsgebäude zur Stromgewinnung wurde aufgrund seiner Architektur „Kirche im Fluß“ genannt. Das Bauwerk war mitten im Main plaziert und durch Wehrstege mit dem Ufer verbunden. Es wurde aber 1988 durch die heutige Anlage ersetzt, die für Euro-Schiffe geeignet ist.

Von dem Kraftwerk ist lediglich ein gußeisernes Verzahnungsgetriebe erhalten geblieben. Die Stadt Maintal hat es aufbewahrt, aber nicht aufgestellt, weil dies zusammen mit einer Schutzhütte 40.000 Euro kosten sollte. Im Jahre 2013 aber beschloß die Regionalpark Ballungsraum Rhein-Main GmbH, die Förderung dieses Vorhabens:

Eine Behausung für das Getriebe soll an den Turm des ehemaligen Kraftwerks erinnern, wobei die Giebelseiten offen und somit für Fußgänger und Radfahrer einsehbar sind. Die Frontseite informiert über den historischen Zusammenhang. Das Material der Behausung soll sich im Boden fortsetzen, überquert den Radweg zum Ufer und mündet dort in Sitzstufen mit Aussicht auf den ehemaligen Kraftwerksstandort. Zwischen dem Denkmal für das ehemaligen Flußkraftwerk und dem Mainufer soll ein Verbindungsweg hergestellt werden.  An Fördermittel sollen vom Regionalpark rund 64.000 Euro fließen, die Zuschüsse aus dem Umweltfonds der Fraport AG an den Regionalpark mit eingeschlossen. Träger ist die Stadt Maintal, die zur Verwirklichung der Maßnahme 32.000 Euro zur Verfügung stellt.

Die Schleuse wird überquert und man fährt auf dem  Mainuferweg wieder zurück nach Dörnigheim. Hinter der Kirche geht es rechts die Karl-Leis-Straße hoch zur Gaststätte „Frankfurter Hof“, in dem sich eine Pizzeria befindet (Dauer etwa zwei Stunden).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bischofsheim- Enkheimer Ried - Sausee - Teufelsbruch (14,6 Kilometer)                  

Treffpunkt:

Wer von Wachenbuchen und Hochstadt kommt, fährt  nach Bischofsheim hinein, dann immer geradeaus (nicht mit der abbiegenden Hauptstraße) und durch die Pfortenstraße zur Stumpfgrabenstraße. Von Dörnigheim her fährt man am Doorm-Hotel in die Grüne Mitte und über die Eisenbahn und unter der Autobahn hindurch und immer geradeaus bis es nicht mehr geht. Dort an der Schäfergasse nach rechts und dann weiter, bis nach links die Stumpfgraben­straße abgeht. Treffpunkt ist bei den Hühnerzüchtern.     Start

 

Tränkebach:

Am Ende der Bebauung in der Stumpfgrabenstraße liegt zunächst eine Wiese, an deren Ende man aber schon das Schilf am Tränkebach sieht. Nachher geht die ganze Fläche in Schilf über. Man kommt zum Gelände der Geflügelzüchter und zu einer Informationstafel über das Enkheimer Ried. Dann folgt wieder eine Schilffläche, die in einen kleinen Teich übergeht, der vom Tennisclub unterhalten wird.  Dessen großes Gelände mit Vereinsheim und Kinderspielplatz schließt sich an. Aber im Grunde stören die beiden Vereinsanlagen das Feuchtgebiet am Tränkebach.

Der Tränkebach entspringt nördlich von Bischofsheim, durchfließt das Rothersried, vereinigt sich mit dem Dorfelder Bach. Das Wasser fließt nun durch eine Wiese, verschwindet in einem Rohr unter der Um­gehungsstraße und passiert die Reitanlage Hubertus. Dort verschwindet der Tränke­bach unter dem Stadtteil Bischofsheim und taucht in der Aue westlich des Ortes wieder auf. Der Tränkebach wurde 1927 begradigt und zwischen 1970 und 1974 in Betonhalbschalen verlegt. Der Bach war nach einer Untersuchung von 2004 durch Frau Häger-Hogerland stark verunreinigt. Der Bach war zu einem öden, lebensfeindlichen Kanal geworden. Auf der Brücke westlich des Tennisplatzes kann man den alten Zustand noch sehen.

Nach Westen dagegen beginnt hier der renaturierte Tränkebach. Im Herbst 1997 wurden die Betonschalen aus dem Tränkebach herausgenommen und der Bach wurde auf einer Strecke von etwa 600 Metern zwischen der Stadtgrenze von Frankfurt und den Tennisplätzen in Bischofsheim naturnah ungestaltet. In sanften Schwün­­gen mit flacheren und steileren Ufern mit schnel­ler und langsamer fließenden Ab­schnitten mäandert das  aus seinem Betonbett befreite Bächlein verschlafen dahin. Dabei hat man nur sparsam Erlen, Weiden, Schilf und Lilien angepflanzt. Man kann anhand der wechselnden Schilfzonen erkennen, wo die renaturierten Flächen sind und wo noch Wiesen genutzt werden. In der Vegetationsper­i­ode kann man allerdings nicht erkennen, wie der Bach mäandert und sich durch die Wiese schlängelt (der Bach entlang des südlichen Wegs dient nur als Sammler).

Allerdings klagen jetzt Anlieger in Bischofsheim, das Wasser fließe nicht mehr schnell genug ab und sie hätten deshalb  im Keller Probleme mit dem Wasser (aus diesem Grund hatte man ja auch nicht den ganzen Bach denaturiert). Je schneller das Wasser der Zuflüsse nach einem Regen in den Fluß gelangt, desto eher entwickelt sich ein gefährliches Hochwasser. Natürliche Bäche mit mäandrierendem Verlauf, zeitweise überfluteten Wiesen und Schilfgürtel halten große Wassermengen zurück und verringern die Hochwassergefahr. Die naturnahe Umgestaltung des Tränkebachs trägt so zum Schutz vor Hochwasser des Mains bei.

Die Renaturierung des Tränkebachs hat sich sehr positiv auf Pflanzen- und Tiergemeinschaften des knapp 13 Hektar großen Naturschutzgebiets „Bischofsheimer Wiesen“ ausgewirkt. Es hat sich prächtig entwickelt und dank des Schilfes wird auch das Wasser rein und sauber blei­ben. Der Bach hat sich im Laufe der Jahre fast völlig erholt, Libellen zeugen von seiner Reinheit.

 

An Pflanzen finden sich Schein-Zyper‑Segge, Großes Flohkraut und Zungenhahnenfuß. Im Frühjahr kann man wieder beobachten, wie aus Kaulquappen quakende Grünfrösche werden. Auch Wasserläufer und Furchenschwimmer sowie andere Wasserkäfer kann man dann wieder sehen. Bachflohkrebse nehmen erneut ihre wertvolle Arbeit auf und zerkleinern die übriggebliebenen abgestorbenen Pflanzenteile. Sie liefern so Nahrung für reinigende Bakterien im Bach und gleichzeitig sind sie Futter für Fische und Vögel wie die Wasseramsel. Um Vogelarten wie Wasserralle, Bekassine oder Rohrweihe zu schützen, sollte man das Naturschutzgebiet nicht betreten und Hunde an die Leine nehmen.

Wenn man Glück hat, kann man vielleicht sogar einer der höchst seltenen europäischen Sumpfschildkröten begegnen. Es ist durchaus möglich, daß das eine oder andere Exemplar sein Rückzugsgebiet Enkheimer Ried verläßt und den Tränkebach entlang wandert. Im Sommer 2008 stellte man nach einigen Wochen genauer Beobachtung und mit Hilfe von Tonbandaufnahmen der Balzgeräusche fest, daß der vom Naturschutzbund Deutschland als Lurch des Jahres 2008 gewählte Laubfrosch wieder da ist. In den warmen Mai- und Juni-Nächten hört man mit etwas Glück an seinen Laichgewässern den lauten Balzruf der Laubfrosch-Männchen. Der Lockruf gilt den Weibchen, die diesem aus größeren Entfernungen folgen. Nach der Frosch-Hochzeit wird der Laich in Laichballen abgelegt. Nach etwa 50 bis 80 Tagen entwickeln sich Kaulquappen, die dann im Sommer zu Jungtieren herangewachsen sind. In den flachen, warmen Gewässern ist im Umfeld des Naturschutzgebietes Tränkebach für den Laubfrosch wieder ein idealer Lebensraum zum Laichen entstanden.

 

Berger Hang:

Man fährt südlich des Tränkebachs weiter, denn der nördliche Weg ist in einem zu schlechten Zustand. Rechts sieht man ein kleines weißes Gebäude. Hier führt nach Norden der Weg hoch zum Bergen-Bischofsheimer Hang: Das 1954 ausgewiesene und zehn Hektar große Naturschutzgebiet ist das nördliche Steilufer eines alten Mainarmes. Seine geographische Lage be­dingt ein mildes und warmes Klein­klima. Hier blüht alles ein wenig früher als im restlichen Frankfurt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde hier noch Wein angebaut.

Das heutige Streuobstgebiet Berger Hang ist eine alte Kulturlandschaft ganz anderer Art als der Urwald im Ried. Feuchte Wiesen und knorrige Apfel‑ und Speierlingbäume prägen den Hang, der bis hinter Hoch­stadt reicht und sowohl als größtes zu­sammen­hän­gendes Streuobstgebiet in ganz Hessen gilt. Ein Vier­tel des hessenweiten Bestands der Streuobstwiesen findet sich hier, ein Wiesentyp, den es in Hessen kaum noch gibt. Hier findet sich auch der größte hessische Steinkauzbestand. Seine Existenz verdanke dieser Lebensraum dem regelmäßigen Mähen. Er ist selten geworden, weil das Interesse der Landwirte schwindet. Der Ber­ger Hang ist mit seinen Streuobstwiesen und dem gemähten Halbtrockenrasen von überregionaler Bedeutung.

Aber ganze Baumgenerationen fehlen, denn umfangreiche Rodungen, die in den sechziger und siebziger Jahren sogar vom Land Hessen unterstützt und prämiert wurden, haben hier große Lüc­ken hinterlassen. Den hohen Naherholungswert berühren diese Sünden der Geschichte indes nicht: Blau schim­mernder Wiesensalbei, der zottige Klap­pertopf und andere Naturschönheiten wachsen hier weiter ungestört.

Ein Problem am Fuße des Hangs sind die zahlreichen Privatgärten mit standortfremden Hölzern und Pflan­zen, ökologisch wertlos und der Allge­meinheit entzogen sind. „Verstädterung des ländlichen Raumes“ würden Soziologen sagen. Teilweise sind es vor Jahrzehnten genehmigte, teilweise infolge illegaler Landnahme entstandene Gärten, die hier ihren Platz am Rande des Land­schaftsschutzgebietes gefunden haben. Problematisch ist vor allem das Müllpro­blem: Es gibt wohl einige, die Unrat aus den Gärten einfach im Riedbereich „ent­sorgen“.

 

Jenseits der Gärten findet sich ein Bei­spiel naturnaher Rinderhaltung: Auf saf­tigen Wiesen weidet eine Herde, ein­schließlich der Bullen, und fühlt sich sichtlich wohl. Die Rückansiedelung von Weidetieren, also Schaf‑ und Mutterkuh­herden, ist durchaus gewollt und wird un­terstützt, denn es gibt keine natürlichere und zugleich preiswertere Form der Grünlandpflege, das Mahdgut muß nicht teuer entsorgt werden.

Obwohl das Gebiet so groß ist, ist es nicht eintönig. Es gibt botanisch interessante Übergangszonen von der Hecke zur Fläche, Wiesensäu­me mit lilafarbenen Wicken, verschieden stark geneigte Hanggebiete und die schat­tigeren Flächen unter den Obstbäumen. Überall fühlten sich andere Pflanzen be­sonders wohl. Man hat 288 höhere Pflanzenarten im Naturschutzgebiet ge­zählt, auf rund 100 bringt es allein der Halbtrockenrasen.

Auf den Wiesen wachsen kalklieben­de Blütenpflanzen. Allein acht zum Teil geschützte Orchideenarten wurden hier schon gesichtet. Nur hier gedeihen  die schon fast verblühte rosafarbene Orchidee „Helmknabenkraut“, sein gerade erblühen­des Schwesterchen, das hellrosa‑violett blühende „Händelwurz“, das rosa‑violett blü­hende seltene „Kreuzblümchen“ und das im Wind zitternde Zittergras sowie Stendelwurz und Bienen-Ragwurz.

Einer der Stars des Gebiets ist der violett blühende „Große Ehrenpreis“, eine selten gewordene Pflanze, die nur an außergewöhnlichen Standorten gedeiht und deshalb auf der Roten Liste der geschützten Arten steht: Sie mag keine sauren Böden, liebt Wärme und viel Licht, kann aber Nährstoffreichtum nicht aushalten. Sobald gedüngt wird, ist sie fort.

Der „Kleine Klappertopf“ ist ein Halb­parasit und heißt so, weil die trockenen Samen in den Früchten klappern, wenn man sie schüttelt. Ein Halbparasit ist das Pflänz­chen, weil es sich an die Wurzeln anderer Pflanzen dran hängt. So spart es sich, selbst lange Wurzeln auszubilden. Er vernichtet bis zum Herbst das Gras, aber im nächsten Jahr ist es wieder da.

Ein blattloses gelblich blühendes Pflänzchen ist die „Würger“ genannte Schmarotzerpflanze „Orobanche“, eine Rote‑ Liste‑Art, die ‑ ohne Blätter ‑ keine Photosynthese machen, also Zucker und Starke nicht mehr aus der Luft gewin­nen kann und deshalb die Wurzeln ande­rer Pflanzen anzapfen muß.

Gewürzpflanzen wie Oregano, auch Thy­mian und Rosmarin, sind typische Ge­wächse trockener Böden. Je trockener, des­to größer die Gefahr, vom Vieh gefressen zu werden. Die Gewürzpflanzen wehrten sich mit starkem Aroma gegen die Pflanzenfresser.

Die Aufrechte Trespe (bromus erectus) ist Namensgeber und mit vielen anderen Gräsern zusammen die dominante Art der Pflanzengesellschaft Mesobro­metum, die auf dem gemähten Halbtro­ckenrasen gedeiht. Angesichts der bunten Blütenpracht ist dieser Wiesentyp ein Tum­melplatz für Insekten.

An der südlichen Grenze des Naturschutzgebiets stehen die Buschgewächse: Hundsrose, Schlehe, Holunder, Weißdorn, Hagebutte, Sauerkirsche. Und am Wiesensaum (wo vermutlich nicht im­mer ganz gründlich gemäht wird) eine weitere, pinkfarben blühende Besonderheit des Ge­biets: der „Blutstorchschnabel“.

An vielen Stellen des Hanges treten lokal auch kleine Quellhorizonte auf. Diese nassen Stellen sind bewachsen mit Schilf und Sauergräsern. Auf dem größten Horizont finden sich eine Erlen­gruppe, Sumpfdotterblumen und Lungen­kraut. Das Besondere des Hanges ist der Umstand, daß hier Pflanzen der trockenen Steppen direkt neben sol­chen der Feuchtbiotope vorkommen. Solche Quellhori­zonte finden sich auch in Hochstadt und eben am Bischofsheimer und Berger Hang. Das hiesige Gebiet wurde schon früh besie­delt, weil der Boden fruchtbar war und es Wasser im Überfluß gab. Buchfink, Kuckuck und Grauammer brüten im Gebiet, der Rote Milan zeigt sich immer mal wieder auf der Durchreise.

 

Überwachsenes Trümmerfeld:

Wo der Tränkebach in das Enkheimer Ried mündet fährt man etwas links und dann an der Schranke vorbei gleich wieder rechts am Ried entlang auf dem Nachtigallenweg. Wo das Gelände sich etwas erhöht hat man nach dem Krieg hier Bauschutt aus Frankfurt abgelagert. Eine Ruhebank und eine Stele markiert die Stelle.

Auf dieser Fläche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Trümmer abgelagert und mit Erde überdeckt. Die Natur erobert das Gebiet zurück  und es entsteht ein Mosaik verschiedener Lebensräume. Zu sehen sind offene Wiesenflächen, Reitgrasbestände, Strauchweiden und Schilf, auch Büsche und junge Bäume.  Im Laufe der Jahre werden die Bäume die Fläche vollständig erobern und schließlich wieder einen geschlossenen Wald bilden. 

 

Enkheimer Ried:  Pause

Der Riedteich ist ein verlandeter Altarm des Mains. Die Mainschlinge führte ursprünglich am Berger Hang entlang und versumpfte später. Als der westliche Abfluß abgeschnitten wurde, verlande­te er langsam. Es entstand eine fünf Meter dicke Torfschicht, die zwischen 1829 und 1864 teilweise industriell abgebaut wurde. Wieder begann das Ried zuzuwachsen und zu verlanden.

Dieser Prozeß wurde erst unterbrochen, als zwischen 1884 und 1924 die Firma Eis‑Günther begann, hier Natureis zu ge­winnen. Sie ließ die gesamte Fläche des heutigen Naturschutz­ge­biets fluten, so daß ein riesiger See entstand. Immer im Sep­tember wurden Schilf und Wasser­pflanzen entfernt, um möglichst sau­beres Eis zu gewinnen, das im Winter mit Eispflügen in meterbreiten Tafeln gestochen wurde. Das Eis wurde in Hallen gelagert und im Sommer zum Kühlen benutzt. Als man 1924 zum Kunsteis überging, geschah das zu Lasten des Rieds: Weil aus dem Wei­her nicht mehr regelmäßig die Biomasse in Form von Wasserpflanzen rausgeholt wurden, unterstützte das die fortschreitende Verlandung. Seit dieser Zeit waren es zunächst zwei Riedteiche, doch ihr biologischer und ökologischer Wert nahm mit der Zeit eher ab: Verschiedene Einleitungen ließen vor allem den westlichen Riedteich „zum Himmel stinken“. Eine Starenplage sorgte bei Anwohnern für Verdruß.

Das Enkheimer Ried steht seit 1937 (oder 1935) unter Naturschutz. Damals umfaßte das Naturschutzgebiet eine Fläche von 8,63 Hektar. Aber die Vernachlässigung während des Zweiten Weltkriegs führte dazu, daß das Ried immer mehr verlandete und Ende der fünfziger Jahre praktisch kein feuchtes Gebiet mehr war. Im Jahre 1958 war das Ried zu 99 Prozent verlan­det. Nur eine Radikalkur konnte damals helfen: Um das Jahr 1960 wurde der westliche Riedteich trockengelegt und zuge­kippt, es entstanden die heutigen Sportanlagen.

Zwei­mal wurde das restliche Feuchtgebiet bis 1969 ausgebaggert und entschlammt. Einmal holten die nicht zimperlichen Ried‑Retter 38.000 Kubikmeter Schlamm und 38.000 Quadratmeter Schilf aus dem Weiher, ein anderes Mal 50.000 Kubikme­ter Schlamm. Seither wurde der alte Teil des Naturschutzgebiets nicht mehr groß angefaßt. Ein Auenwald und Schilfzo­nen bildeten sich, die Vegetation konnte sich frei entfalten. Hier darf ein Baum so alt werden, bis er stirbt. Rund 14 Hektar sind heute eingezäunt, es gibt keinen direkten Zugang. Mit der Zeit wird der östliche Riedteich verlanden, doch die hohe Wasserqualität verlangsamt diesen Prozeß.

Im Jahre 1973 wurde das Ried vergrößert auf 15,44 Hektar. Im Jahre 1986 beantragte die  Arbeitsgemeinschaft „Heimischer Orchideen“ die Gebietserweiterung nach Osten. Ein Gut­achten belegte 1992 die Schutzwürdigkeit der Erweiterungsfläche. Das Naturschutzgebiet „Enkheimer Ried“ wurde darauf mit der Verordnung vom 6. Oktober 1995 nach Osten unter Einbeziehung von Teilen des Tränkebachtals in Bi­schofsheim auf eine Gebietsgröße von 28,23 Hektar erweitert.

 

Die 1995 ausgewiesene Erweiterungsfläche des Naturschutzgebiets „Enkheimer Ried“ umfaßt die Bischofsheimer Wiesen mit dem Eislaufweiher, Bach und den Gehölzen. Durch mehrere Gutachten ist die Flora und Fauna gut untersucht und wird regelmäßig nachkontrolliert. Heute gilt das Feuchtgebiet Bischofsheimer Wiesen nicht nur als Biotop artenreicher Pflanzengesellschaften, sondern ist auch ein regional bedeutendes Vogelbrutgebiet.

An Tieren finden sich Kormorane, Haubentaucher oder die Knäk-Ente. Dazu Brutvögel

wie Beutelmeise, Teichrohrsänger und Gelbspötter, alles bedrohte Vögel von der Roten Liste. Ebenfalls schüt­zenswert sind die Fischarten Moderlieschen, Hecht und Dreistachliger Stichling.  Außerdem gibt es die Gebänderte Prachtlibelle, die Erdkröte und den Teichfrosch, sowie Käfer und Amphibien.

Von internationaler Be­deutung ist das Enkheimer Ried durch den in ganz Westeuropa einzigen, sich selbst vermehrenden Bestand an Europäischen Sumpf­schildkröten, der allerdings nur noch aus knapp zehn Exemplaren besteht und vom Ausster­ben bedroht ist. Zu sehen bekommt man die Tiere allerdings nicht, erstens sind sie sehr rar, zweitens menschenscheu und drittens sehr ruhebedürftig.

 

Am westlichen Ende des Teichs gewährt eine kleine Lich­tung mit einer Plattform einen kurzen Einblick in das Ried­-Reich der Sumpfschildkröte. Hier hat die Obere Naturschutzbehörde

auch eine „künstliche Düne“ mit lockerem Substrat anlegen lassen, um die seltenen Tiere, die bis zu 130 Jahre alt werden, zum Eierle­gen zu animieren. Im Jahre 1986 schlüpf­ten hier letzt­mals Jungtiere. Einer Diplomarbeit der Studentin Sylvia Hanka ist es zu verdanken, daß man über die Herkunft der Sumpf­­schild­kröte nun Genaueres weiß: Durch kriminologisches „Finger‑Printing“, Blutproben, DNA‑Analysen und der Un­tersuchung fossiler Schildkrötenpanzer aus dem Berger Heimatmuseum ist es gelungen, die überwiegend südeuropäische Herkunft der Sumpfschildkröte zu belegen.

Es darf durchaus bezweifelt wer­den, ob die knapp zehn Exem­plare im Enkheimer Ried tatsächlich einen Stammbaum haben, der jahrhunder­telang nach Enkheim und nur nach Enk­heim reicht. Wahrscheinlich haben wohlmeinende Schildkrötenliebhaber irgendwann einmal die in Oberitalien hei­mische Europäische Sumpfschildkröte hier ausgesetzt. Denn in den Genen der hiesigen Verwand­ten finden sich Hinweise, die nach Oberita­lien weisen.

Die Monate Mai bis Juli sind die gefährlichs­ten für Hessens Schildkröten. Sie leben fast ihr ganzes Leben im Wasser, hier schlafen und fressen sie und verbringen sogar den Winter. Aber jetzt ziehen sie, von ihren Instinkten ge­leitet, oft für vie­le Tage an Land. An Land aber lauern zahlreiche Gefahren. Manche Tiere werden Opfer des Straßen­verkehrs, der die kleine hessische Popula­tion weiter ausdünnt. Mehrere Exemplare wurden bereits in Ortschaften oder am Rand verkehrsreicher Straßen aufgefun­den.

Die Ursachen für das Wanderverhalten der urzeitlichen Panzerträger sind vielfältig. Vor allem die Weib­chen suchen meist an Land geeig­nete Eiablagestellen. Hier legen sie bis zu 16 Eier, die von der Sonne ausgebrütet werden. Da Brutplätze immer seltener in Gewässernähe zu finden sind, wandern die Tiere im Juni und Juli lange Strecken über Land, um geeignete Stellen zu finden. Be­reits ab Mai wandern männliche Tiere manchmal mehrere Kilometer weit auf der Suche nach neuen Lebensräumen oder Weibchen, denn die heimische Population ist bereits so ausgedünnt, daß sich die Ge­schlechtspartner kaum noch begegnen.

Insgesamt sind es vier Schildkrötenarten, die im Enkheimer Ried heimisch gewor­den sind. Die Hauptpopulation sind die aus Nordamerika stammenden Rotwangenschildkröten, die den Weg aus Frankfurter Aqua­rien ins Ried gefunden haben, die aber die Natur­schützer gar nicht gern sehen, da sie die anderen verdrängen. Aufgeschüt­teter Sand für Sonnenplätze und gefällte Pappeln dienen aber immer auch den amerikanischen Zu­wandern. Eine weitere Gefahr ist überzogene Tierlie­be, gepaart mit Unwissen. Viele der Wild­tiere werden bei Wanderungen auf­gesammelt und von den Findern für ent­laufene Terrarientiere gehalten. Oft lan­den die Findlinge dann im privaten Gar­tenteich oder Aquarium.

Der BUND Hessen hat daher gemeinsam mit Naturschützern, Biologen und dem Zoo Frankfurt ein Zucht‑ und Auswil­derungsprogramm ins Leben gerufen, dem sich in diesem Sommer aus Taucher der Hanauer Tauchschule von Claus Wilkens angeschlossen haben. Die im Zoo lebenden Europäischen Sumpfschildkrö­ten werden gefangen und anschließend in renatu­rierte Biotope in Südhessen und dem Enk­heimer Ried wieder ausge­setzt. Vor ihrer Auswilderung werden die Tie­re auf Krankheiten und Geschlecht unter­sucht. Damit sie später wiedergefunden und bestimmt werden können, wird den Schildkröten zudem ein Minisender und winziger Computerchip eingebaut.

Den Stars unter den Pflanzenar­ten, die im feuchten Ried prächtig gedei­hen, fehlt es an Bühnenpräsenz. Entwe­der sie sind tief im unzugänglichen Schilf verborgen, wie das Fleisch­farbene Knaben­kraut, das an der Nordseite des Riedweihers noch im Frühjahr mit mindestens 80 Exemplaren gesichtet wurde.

Auch die Pflanzen sind gefährdet. Heute müssen sie ihren Lebensraum gegen gierige Einwanderer wie den Riesenbären­klau oder die Kanadische Goldrute behaupten ‑ was nicht überall gelingt.  Die medizinballgroßen weißen Blütendolden, die auf bis zu 3,50 Meter großen Stengeln ruhen, blitzen auf der Nord­seite des Feuchtgebiets immer wieder durchs Schilf. Die gelb­blühende Goldrute hat am Wegesrand ganze Lichtungen unter Kon­trolle gebracht. Das lichtliebende in Gär­ten hübsch anzusehende Gewächs wird hier erst zu­rückgedrängt, wenn das Auwäldchen wie­der zu einem dichten Wald herangewach­sen ist.

 

Weiher „Leuchte“:

Man fährt von der Aussichtskanzel am Ried wieder ein Stück zurück und in Verlängerung des Nachtigallenwegs auf dem Martin-Dietz-Weg weiter (der nördlich gelegene Riedweg ist im Bereich des Freibads im Sommer gesperrt). An den Sportanlagen vorbei kommt man zum

Weiher „Leuchte“. Man plant, die historische Verbindung zwischen Ried und Ostparkweiher wiederherzustellen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts ist in Berichten von feuchtnassen Wiesengründen, schilfbestandenen Tümpeln und üppigen Weiden, Erlen und Pappeln die Rede. Sie waren auf den fruchtbaren Böden gewachsen, die der Main hinterlassen hatte: Nach der Eiszeit vor 12.000 Jahren versuchte sich das Gewässer zu entfalten. Doch Felsbarrieren wie die zwischen Röderberg und Mühlberg hinderten den freien Fluß. Der Main bildete deshalb Seitenarme aus. Zwei solcher Schleifen  über Bischofsheimer-, Enkheimer- und Seckbacher Ried sowie über Erlenbruch und Teufelsbruch verbanden sich am heutigen Ostpark.

Im Laufe der Jahrhunderte versandeten die Mainarme. Auf dem Grund entfalteten sich Au‑ und Bruchwälder. Bauern, die das Land bewirtschaften oder als Weidegrund benutzen wollten, holzten die Wälder später ab. Mit dem Bau des Osthafens 1908 veränderte sich der Frankfurter Osten: Industrieanlagen und Siedlungen entstanden.

Es war geplant, vom Enkheimer Riedteich einen Graben zum Weiher Leuchte auszuheben und das Wasser dorthin zu pumpen. Bislang rinnt es in die Kanalisation wie der Enkheimer Mühlbach oder der Röhrborn, die auch an die Verbindung angeschlossen werden sollen. Nicht weit von der Leuchte soll ein neues Gewässer, der Eiswerkweiher, angelegt werden. Damit das kühle Naß den Tümpel erreicht, ist eine zweite Pumpe nötig. Unterirdisch geht es von da aus weiter durch Enkheim. Dann soll das Wasser in das bestehende Grabensystem über Seck­bacher Ried bis zur Hallgartenschule eingespeist werden.

Hinter dem Weiher fährt man nicht unter der Straße „Leuchte“ hindurch, sondern fährt vorher rechts über den Parkplatz und am Ende links in die Riedstraße. Dort geht nach etwa 100 Meter nach rechts die „Winzersteige“ ab. Dort liegt der Mönchhof.

 

 

Mönchhof: Pause

Bereits anläßlich der Stiftung des Klosters Arnsburg in der Wetterau durch den einflußreichen staufischen Ministerialen Konrad II. von Hagen im Jahre 1151 kam das Enkheimer Gehöft in den Besitz der dortigen Benediktiner (daher auch „Bruderhof“ oder „Arnsburgerhof“). Im Jahre 1174 wurden sie von den Zisterziensern aus Eberbach abgelöst. Da der Mönchhof eine Klostersiedlung war, hat er natürlich auch eine Klosterkirche gehabt. Tatsächlich gibt es auch eine Urkunde aus dem Jahre 1377, in der von einem Weg die Rede ist, der an der Kapelle bei dem Hof des Klosters Arnsburg in Enkheim vorbeiführt.

Die Zisterzienser waren während des Mittelalters für ihre Bodenkultivierung berühmt, die zumeist beim Roden von Wäldern oder Trockenlegen von Sümpfen zur Gewinnung neuen Ackerlandes beginnen mußte. In Ergänzung ihres kontemplativen Klosterlebens maßen sie der Landwirtschaft einen besonderen Wert bei; denn darin lag die notwendige wirtschaftliche Voraussetzung zur Verwirklichung ihrer Ordensziele.

Üblicherweise lagen die Klosterhöfe nicht mehr als drei Tagesreisen vom Kloster entfernt. Bewirtschaftet wurden sie von Konversen d.h. Laienbrüdern, die ‑ ohne ausreichende Bildung ‑ nach Ablegung der ersten Gelübde in die klösterliche Spiritualität nicht vollkommen einbezogen waren. Der Niedergang des Ordens förderte die Verpachtung all jener Gangrien (Höfe in Dörfern oder auf dem freien Feld, die rechtlich und geistlich dem Kloster unterstanden, zum Beispiel  Butterstadt und Hirzbacher Höfe).

Als Folge zahlreicher Stiftungen meist adliger Territorialherren hat es allein Arnsburg bis zur Säkularisation (1803) auf etwa 250 derartige Höfe gebracht. Die Bindung an Arnsburg war aber bei der barocken Erneuerung des Enkheimer Mönchhofs - gleichzeitig wie der Bau des Bolongaro‑Palasts in Höchst - nur noch finanzieller Art. Das barocke Hofgut wurde 1771-74 als symmetrische Hofanlage auf rechteckigem Grundriß mit zurückliegendem Herrenhaus erneuert. Die ursprüngliche Symmetrie der Gesamtanlage ist aber durch den Bau einer Scheune im Südwesten nachträglich gestört worden. Im Jahre 1803 fiel der Hof an die Grafen von Solms und wurde dann aufgeteilt.

 

Weiter auf der Riedstraße kommt man zum Röhrbrunnen  an der Kreuzung  mit der Röhr­born­straße. Am Ende der Straße biegt man links ab in die Triebstraße. Von dort geht es rechts in die Taschnerstraße. Der Fußgängerübergang über die Vilbeler Landstraße ist auf der linken Seiter. Man fährt erst ein Stück rechts in Richtung Bergen und biegt dann am Voltenseeweg Richtung Westen ab. Der dortige Entenbach ist zunächst verrohrt, tritt aber dann wieder an die Oberfläche. „Die“ Entenbach ist die Bebauungsgrenze des Industriegebietes. Zur Seck­bacher Seite hin erstrecken sich Wiesen mit Pferdekoppeln und Freizeitgärten.

 

Seckbacher Ried: Pause

Entlang des nun offen fließenden Bachlaufes mit den alten Weidenbäumen kommt man zum Naturschutzgebiet „Seckbacher Ried“. Vor etwa 10.000 Jahren verlandete hier ein Altarm des Mains, Überschwemmungen überlagerten die Moore mit Lehm, Feuchtgebiete entstanden. In der Kriegs- und Nachkriegszeit versuchte die meist offene Wiesenlandschaft, es bildeten sich Strukturen ähnlich wie im Auwald. In den neunziger Jahren begann an mit der Pflege der verbliebenen Offenlandflächen, im Jahre 2008 wurde das Seckbacher Ried mit seinen angrenzenden Naturflächen  als Fauna-Flora-Habitat in das europäische  Schutzgebietsnetz NATURA aufgenommen.

Das schon sehr verlandete, sumpfige Gelände ist nicht zugänglich. Es war noch bis in die vierziger Jahre Wiesenfläche. Hier konnten die Frankfurter noch durch eine offene Fettwiesenlandschaft laufen, mit Gräben, die der im 19. Jahrhundert verlandete Altarm des Mains zurückgelassen hat, an deren Rand Korbweiden standen. Seit den 40er Jahren wurden die Wiesen nicht mehr beweidet oder gemäht, weshalb sie allmählich zuwuchsen. So wuchs der heutige Silberweidenwald heran.

Das einstige Feuchtgebiet wurde immer trockener, als der Main begradigt wurde, das Gewerbegebiet für großflächige Oberflächenversiegelung sorgte und die Quellen am Seckbacher Hang in Rohre gezwängt wurden. Erst in den 80er Jahren wurde gegengesteuert: Der Seck­bacher Mühlbach und die Draisborn­quellen wurden von Westen her eingeleitet, die Klingenwegquellen im Osten.

An der Südwestecke des Rieds ist eine Aussichtskanzel an der  Mündung der Straße „Am Seckbacher Ried“ in die „Gwinnerstraße“. Mitten in dem bißchen Wiese, das jahrzehntelange Vernachlässigung übriggelassen hat, zieht eine prächtige Kopfweide die Blicke auf sich. Zumindest so lange, bis eine kleine Herde Zebu‑Rinder auftaucht. Seit sie ins Naturschutzgebiet gebracht wurden, um hier alljährlich von Mai bis Herbst die Baumtriebe aus der Wiese zu fressen, hat sich der im Kern des Gebiets gewachsene Silberweidenwald nicht weiter ausgebreitet.

Bis jetzt sind die Naturschützer hochzufrieden mit den aus dem Kaukasus stammenden buckligen Zwerg‑Zebus, die auch deshalb so hervorragend für das Seckbacher Ried geeignet sind, weil sie so genügsam sind: Unsere normalen Rinder würden hier wahrscheinlich verhungern,

denn die  harten Seggen und Schilfblätter haben einen hohen Kieselsäuregehalt. Die Zebus, die sogar ihre Kälber ohne menschliche Mithilfe in der Wiese auf die Welt bringen, sind Kummer gewohnt. Schließlich schlagen sie sich auch in den kargen Landschaften Afrikas durchs Leben. Ob sie auch langfristig keinen negativen Einfluß auf die Riedwiesen haben, wird in einer Langzeitstudie regelmäßig untersucht.

Bedroht vom gierigen Staudenknöterich, einer sich schnell ausbreitenden Gartenpflanze mit großen herzförmigen Blättern, die wohl über die zahlreichen Gartenabfälle, die immer wieder ins Gebiet geworfen werden, eingedrungen sind.

Im Seggenried, am Rand des Silberweidenwalds, wachsen die Rote‑Liste‑Arten Fuchs‑Segge und Hain‑Segge, auf den Wiesen die Sumpfplatterbse, im Wald der Große Wasserfenchel und am Wasser die Wasserfeder. Schützenswert sei das Ried unter anderem wegen der über die Jahre schmal gewordenen Wiesenfuchsschwanzglatthaferwiesen, die typisch für die Tallage des Rieds seien. Das sind typische Mähwiesen, aber die sind ja in Zeiten intensiver Landwirtschaft immer seltener geworden. Auch Weichholzauen wie der Silberweidenwald machten sich inzwischen rar.

 

Sausee: Pause

Nach links durch die Gwinnerstraße und gleich wieder rechts in die Gelastraße kommt man zum Sausee. Er ist vermutlich eine ehemalige Sandgrube und wurde früher als Saupfuhl benutzt. Das Besondere ist der wechselnde Wasserstand, im Sommer kann das Wasser vollständig versickern. Man nennt diese Erscheinung auch einen „Himmelsee“. Auf diesem Standort haben sich Pflanzenspezialisten wie der Große Wasserfenchel sowie der Schildwasserhahnenfuß und als Tierart neben Amphibien, Wasservögeln und Wasserkäfern auch die seltene Gefleckte Heidelibelle angesiedelt.

Man fährt ein Stück am See entlang und dann nach links in die Straße „Am Sausee“, die in die Walter-Behringer-Straße übergeht. Rechts liegt der U-Bahn-Betriebsbahnhof. Hier ist noch einmal auf die geplante neue Entwässerung des Enkheimer Rieds und der anderen Wasserflächen einzugehen.

Im Jahre  2004 sollte als Ausgleich für den U‑Bahn‑Betriebshof Ost zwischen dem Enkheimer Ried und dem Ostparkweiher wieder Wasser fließen und  dem Naturschutzgebiet zusätzliche Feuchtigkeit bringen. Das Wasser, das jetzt noch im Anhauptgraben steht (der Verlängerung des Riedgrabens) sollte dann wieder in Bewegung kommen. Die Stadtentwässerung sollte den Graben bis kurz vor den FSV‑Sportplatz verlängern, das Wasser durch unterirdische Rohre daran vorbei pumpen und danach oberirdisch im offenen Gefälle in den Ostparkweiher leiten. Insgesamt sollte das Wasser über 3,5 Kilometer in Gräben plätschern, Rohre sollten über 2,1 Kilometer verlegt werden.

Finanzieren sollte das Projekt, das seit den achtziger Jahren im Gespräch ist, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Der städtische Betrieb ist dazu verpflichtet, weil durch den geplanten Bau des U‑Bahn‑Betriebshof Ost 7,5 Hektar Grünland zwischen Seckbach und Riederwald verlorengingen. Beim Bau des Betriebshofs wurden auch mehrere Wassertümpel geschaffen, die aber heute alle wied0er zugeschüttet sind. Nur in den Büschen findet man noch einzelne kleine Tümpel. Vorerst ist es beim Plan geblieben.

Links liegt der Eintrachtsportplatz und den anderen Sportstätten. An der Pestalozzischule geht es nach rechts und der der U-Bahn an den Schienen entlang. An der Flinschstraße ist die Ampel zu beachten. Danach geht es gleich rechts über die Schienen und auf dem Radweg entlang der Straße „Am Erlenbruch“ über mehre Fußgängerampeln über die Borsigallee und ein kleines Stück in die Wächtersbacher Straße hinein und dann links in den Wiesengrund. Hier sind schon die Kleingärten beseitigt, weil es hier eine Auffahrt zur Autobahn geben soll.

 

Teufelsbruch:

Hier beginnt das „Teufelsbruch“, fast verträumt, mit einem kleinen Bachlauf, den Uferwiesen und dem alten Baumbestand. Links im Wald ist ein kleiner Graben mit dem hohen Wall (vom Weg aus nicht zu sehen. Entlang des Grabens findet man noch einige alte Grenzsteine („F“ und „S“ 1851). Links im Bogen des Weges befindet sich ein „verunglückter“ Dreimärker, vermutlich aus einem anderen Grenzstein aus Basalt gehauen. Auf ihm findet man die Buchstaben „F“ für Fechenheim, „S“ für Seckbach und „B“ für Bergen‑Enkheim. Wer noch mehr Grenzsteine finden möchte, muß sich „in die Büsche schlagen“. Der Waldrand verdeckt hier Grenzgraben, Grenzwall und einige gut erhaltene Grenzsteine. Die Grenze läßt sich - nicht ohne Mühe - anhand der Karte bis zur Vilbeler Landstraße verfolgen.

Das Waldstück ist ein Rest des ehemaligen Auwaldes ‑ nur wenige hundert Meter von der Ausfahrt A 66 und dem „Hessen-Center“. Der Wald ist aber vom Ausbau der Autobahn A 66 bedroht, besonders das „Teufelsbruch“ und das „Steinbruch“, bis in unser Jahrhundert Überschwemmungsgebiete des Mains beim Frühjahrshochwasser. Das Steinruch liegt links vom Weg, ein Rest des einst mäandernden Mains. „Bruch“ ist dabei ein anderer Ausdruck für „Ried“, das „Stein“ bezieht sich auf die Grenzsteine.

 

Im Wald kommt man am zweiten Weg nach rechts (die Schranke an der Steinauer Straße ist zu sehen) zur Staatlichen Vogelschutzwarte, an deren Zaun man links entlang fährt. An Ende des Zauns geht es wieder nach links und dann wieder rechts auf den „Schwarzen Weg“. Dieser heißt so, weil er früher mit einem schwarzen Belag belegt war. Er überquert die Vilbeler Landstraße (Ampel!) und führt nördlich am Heinrich-Kraft-Park vorbei.

 

Roter Graben:

An der Schutzhütte (links) kreuzt man den „Roten Graben“. Dieser war der Entwässerungsgraben des „Enkheimer Rieds“ zum Main. . Als das Bischofsheimer Ried immer wieder bei Hochwasser überflutet wurde und das Wasser monatelang nicht abfloß, weil der Untergrund aus wasserundurchlässigem Rupel­ton besteht, veranlaßte Kaiser Friedrich III.  im Jahr 1888 einen Entwässerungsraben nach Westen auszulegen. Der ursprünglich offene Graben hat seinen Namen „Roter Graben“ von der früheren roten Backsteinauskleidung. Im Jahre 1927 wurde er von der Firma „Günther Natureis“ durch eine Steingutleitung ersetzt. In den fünfziger Jahren wurde er verrohrt. Teile des Weges gehörten einst zur Landwehr und wurden auch als „Nonnweg“ bezeichnet. Südlich von hier befindet sich das Alten- und Freizeitzentrum „Roter Graben“.

 

 

 

 

Waldsee: Pause

Kurz darauf kommt man auf dem Schwarzen Weg zum Waldsee. Hier sollte man unbedingt nach rechts abbiegen am See entlang und auch einmal eine Rast einlegen an einem der Zugänge, am besten weit im Osten, wo eine breitere strecke den Blick auf den See freigibt und wo gleich zwei Stelen des Lehrpfads stehen, auf denen die einzelnen Baumarten erklärt werden.

Wo der See nach rechts abbiegt fährt man nach links und ist gleich auf dem Parkplatz. Auf ihm fährt man weiter. Vor der Autobahn muß man nach rechts (!) abbiegen und erst wieder ein Stück zurück fahren, damit man die Brücke über die Autobahn in Richtung  Bischofsheim überqueren kann. Am zweiten Weg nach der Brücke geht es links ab zum Gänsweiher, der links umrundet wird. Am Ende des Weihers geht es links ab, dann gleich wieder rechts zum Eugen-Kaiser-Ring.

Hier kann man jetzt zwei Wege wählen. Wenn man wieder zum Startpunkt kommen will, fährt man links und biegt nach rechts in die Waldstraße ein. Am nächsten Weg geht es links und man kommt geradeaus wieder zum See neben der Hühnerzuchtanlage. Wenn man aber noch in die Pizzeria will, dann fährt man am Eugen-Kaiser-Ring rechts, dann rechts ein Stück die Friedhofstraße entlang und gleich wieder links in die Lindenstraße. Dann geht es rechts weiter auf der Waldstraße und links in die Haingrabenstraße, an der Niedergasse nach rechts und  in die Schäfergasse nach rechts und dort in die Pizzeria. In beiden Fällen kreuzt man die Jahnstraße, die alte Gelnhäuser Poststraße, die von Höchst kommt und über den Kochberg und Langendiebach nach Gelnhausen führt. Auf den auf der Karte eingezeichneten Schlenker in Bischofsheim über die Straße „A der Pforte“ kann man verzichten. (14 Kilometer, etwa eineinhalb Stunden mit Pausen).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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