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Vogelsberg

 

 

Ausflugsziele Vogelsberg

 

I   Allgemein, Rundfahrten, Hirzenhain, Gedern, Sichenhausen, Völzberg, Wüstwillenroth, Böswinkel, Birstein.

II  Eichelsdorf, Schotten, Breungeshain, Hoherodskopf, Ilbeshausen, Ulrichstein, Herbstein, Hopfmannsfeld.

III Waldensberg, Brachttal, Hellstein, Udenhain, Untersotzbach, Spielberg, Nieder-Moos, Salz.

IV  Romrod, Kirtof, Lauterbach, Schlitz, Großenlüder, Stockhausen, Flieden.

 

 

 

Allgemein

 

Vulkanismus:

„Achtung! Sie stehen auf einem Vulkan!“ Mit etwas Augenzwinkern „warnt“ neben dem Naturinformationszentrum des Hoherodskopfes eine Hinweistafel vor der Lava unter den Füßen der Wanderer und Ausflügler. Die Wahrscheinlichkeit, daß der einstmals größte Vulkan Europas erneut ausbrechen könnte, ist allerdings gleich Null. Wenn es auch vorkommt, daß sogar über Jahrhunderte und Jahrtausende ruhende Vulkane unvermittelt wieder aktiv werden, muß am Hoherodskopf niemand auf verdächtige Rauchwolken achten. Den Krater eines ehemals Feuer speienden Berges sucht man im Vogelsberg vergebens. Weil Afrika sich auf Europa zu bewegt, ist vor zehn Millionen Jahren am Vogelsberg durch die Spalten und Brüche Lava ausgetreten. Dieser Prozeß ist aber im Vogelsberg zur Ruhe gekommen (anders als in den Alpen), es gibt keinen Druck mehr und der Vulkan ist längst erloschen.

Vor rund sechs Millionen Jahren, noch vor der Eiszeit, hat sich der brodelnde Feuerkopf in der Mitte Hessens abgekühlt. Auf einer Fläche von etwa 2500 Quadratkilometern - doppelt so wie der Ätna - erstarrte er zu einem gewaltigen Basaltschild, wie ein riesiger Schildkrötbuckel. Seine Ausdehnung und die weitab entdeckten Eruptionsmassen bei Marburg, am Taunusrand und selbst südlich des Mains lassen auf einen unvorstellbar heftigen und langwährenden Vulkanismus schließen.

Wahrscheinlich hat es sich dabei weniger um explosionsartige Auswürfe aus einem Krater nach Art des Vesuv gehandelt. Dieser hätte bei einer Grundfläche von 50 auf 50 Kilometern alpine Höhen erreichen müssen. Vielmehr hat sich das Magma aus mehreren Schloten und Ausbruchsspalten in sogenannten Massenergüssen gleichmäßig über das Land verteilt. Mehrere unregelmäßige Schichten Basalt lagern seither bis über 700 Meter hoch zwischen und über dem Buntsteinboden. Sie haben Wasser, Ton, Sand und Geröll eingeschlossen und bilden zusammen das langsam ansteigende Bergmassiv bis hinauf zum Oberwald, einer sanft hügeligen Hochebene mit wenigen Taleinschnitten.

Der Vulkan wurde von der Erosion abgeschliffen und durch zahlreiche Bäche radial geädert.

An dem Modell im Naturschutzinformationszentrum kann man erkennen, wie 16 Bäche den stark zerlappten Kegelstumpf radial aus den tiefen Erosionsrinnen entwässern, unter ihnen der Ursprung der Nidda.

Auch die niedrigeren Krater hat die Erosion längst abgetragen, die Basaltdecke verschwand unter einem dicken Humusmantel. Nur an einigen wenigen Stellen liegt das Gestein offen an der Oberfläche, geröllartig am Taufstein oder an der von Wind und Wetter geformten 200 Meter langen Geiselsteinwand (nördlich des Taufsteins).

Der Vulkan prägte aber die Landschaft: Basaltboden, ein Hochmoor und viele Quellflüsse bilden eine schützenswerte Kulturlandschaft. Die Abfolge von Wald und Wiesen, Felsen und Fernsicht, Mooren und Bächen machen den Vogelsberg heute so unverwechselbar. Zu jeder Jahreszeit ist es ein Erlebnis, sich in dieser Natur zu bewegen, zumal wenn die Wiesen in höchstem Wuchs stehen.

 

Vulkanradweg

Mit der zunehmenden Bedeutung von aktivem Umweltschutz bei gesteigertem Ausflugsverkehr möchte man jetzt mit der Idee einer „vernetzten Region” beides fördern, ohne dass Tourismus und Natur in Widerspruch geraten. Aktuell wurde ein neues Radwegenetz eingerichtet, das man am besten mit dem „Vulkan-Express”, einer an den Wochenenden auf dem Vogelsberg verkehrenden Buslinie mit Fahrradanhänger ansteuert.

 

Seit Mai 2000 können Radler, Skater und Rollskifahrer ungestört vom Autoverkehr den Vulkanradweg nutzen. Die Strecke führt von Lauterbach über Grebenhain in Richtung Gedern

oder von Hartmannshain nach Birstein. Eine Fortsetzung führt über Hirzenhain, Ortenberg nach Glauburg und soll bis Stockheim weitergeführt werden. Eine Karte des neuen Teilstücks mit Ausweichstrecken für die noch fehlenden Abschnitte ist der Gemeinde Hirzenhain zu beziehen. Eine Karte für den oberen Abschnitt gibt es bei der Gemeinde Grebenhain. Infos im Internet unter: www.vulkanradweg.de. Außerdem gibt es einen neugebaute Fahrradweg „Hoherodskopfsteig“ auf den 764 Meter hohen Berg.

Durch die überwiegende Nutzung einer ehemaligen Eisenbahntrasse kommt die Strecke mit einer Steigung beziehungsweise Gefälle von maximal drei Prozent besonders Familien sehr entgegen. Der gut ausgebaute, bis auf wenige Engpässe durchgängig 2,50 Meter breite Vulkanradweg eignet sich, wie es heißt, auch für Rollstuhlfahrer. Fast auf der gesamten Länge fällt der Weg in Richtung Lauterbach leicht ab.

Es handelt sich  um die ehemalige Bahntrasse der Oberwaldbahn, die bis zu ihrer endgültigen Stillegung 1994 fast einhundert Jahre lang die Wetterau mit dem Vogelsberg verband und von Stockheim durch das Niddertal nach Lauterbach in den Hohen Vogelsberg führte. Der Name „Vulkan‑Radweg“ ist Juni beim Patent‑ und Markenamt eingetragen und gehört zehn Jahre lang dem Zweckverband Radweg Oberwaldbahn.

Das Projekt drohte aus verschiedenen Gründen zu scheitern. Jürgen Löffler‑Wegwerth hat als Leiter einer Initiativgruppe eine ganze Menge unternommen, um den Umbau zu einer Radstrecke durchzusetzen. Er ist Einwohner und Familienvater im Ort Ilbeshausen‑ Hochwaldhausen, der an der Strecke liegt. Schon als kleiner Junge war er diese Strecke immer mit dem Zug gefahren. Die Bahn wurde jedoch Ende der 70ger Jahre stillgelegt. Als jedoch 1997 beschlossen wurde, die Schienen abzubauen, mußte er handeln. Er schrieb im Mai des Jahres einen Leserbrief an die regionale Zeitung. Darin plädierte er für seine Vision, ein Radweg in der Region zu bauen. Er forderte aber auch Gleichgesinnte auf, sich ebenfalls für den Umbau einzusetzen.

Das Projekt drohte unter anderem daran zu scheitern, weil die Deutsche Bahn ‑ der gehörte die Strecke ja noch ‑ eine Million Mark dafür haben wollte. Sendungen im Radio brachten die Bahn dazu, die Strecke doch billiger abzugeben. Sie wurde gepachtet.Schließlich war noch die Genehmigung der Naturschutzbehörde einzuholen. Die Verhandlungen endeten im Juni 1998; im Herbst desselben Jahres begannen die Rodungsarbeiten.

Ein Kunstprojekt des Ortenberger Künstlers Wilfried Klaus ist bereits an der Strecke zu sehen. Installationen aus verrosteten alten Eisenbahnschienen stehen an markanten Punkten des Weges, der die Kreise Vogelsberg und Wetterau verbindet und auch von Wanderern genutzt werden kann.

 

Zwei Jahre später kam die Verlängerung der Trasse von Ortenberg über Lißberg bis nach Gedern dazu. Im Wetteraukreis verläuft der Weg von Gedern über Hirzenhain und Ortenberg bis nach Glauburg. Das nächste Ziel ist dieses Jahr die Fertigstellung über Selters bis Glauburg und die Anbindung an den Vogelsberger Abschnitt.

Der Wetterau‑Kreis will den Vulkanradweg von Glauburg nach Altenstadt‑Höchst fortführen.

Der Main‑Kinzig‑Kreis will das Stück zwischen der Kreisgrenze bei Altenstadt-Höchst bis zum Main angehen. Die neue Trasse soll rund 27 Kilometer von Altenstadt-Höchst über Nidderau, Bruchköbel und Hanau nach Maintal‑Dörnigheim führen. Auf Nidderauer Gebiet soll der neue Radweg über den Radweg von Altenstadt-Höchst nach Eichen und weiter über den Kalkofen und Ohlenberg nach Windecken führen. Dort kreuzt er die Landstraße 3009 beim Getränkemarkt Euler, geht weiter entlang der alten Ostheimer Straße, mündet hinter dem Viadukt auf den dort vorhandenen Feldweg und führt von dort weiter bis zum Wartbaum. Am Naturdenkmal Wartbaum wird der neue Radweg mit der Hohen Straße verknüpft.

 

Im Bereich der Gemeinde Birstein baut der Main‑Kinzig‑Kreis außerdem einen etwa 21 Kilometer langen Anschluß an den Vulkanradweg (Südbahnradweg). Ende April 2002 hat der Kreisausschuß dem Bau eines rund 23 Kilometer langen Radweges entlang der ehemaligen Vogelsberger Südbahn zugestimmt. Auf der ehemaligen Bahntrasse hatte sich seit der Stillegung im Jahre 1967 ein beachtlicher Hecken‑ und Baumbewuchs entwickelt. Wegen des massiven Eingriffs in Natur und Landschaft hätte sich der Bau als sehr kostenaufwendig gestaltet. Da sich die Trasse nicht mehr im Eigentum der Deutschen Bahn befindet, sahen die Planer zudem mögliche Erschwernisse beim Grunderwerb. „Gemeinsam mit der Gemeinde Birstein haben wir jedoch überwiegend auf Forst‑ und Feldwegen eine neue Variante geplant“, so Vizelandrat Günter Frenz. Somit wird die Radstrecke mit durchgehend bituminöser Befestigung auf rund 24 Kilometern parallel zur ursprünglichen Trasse auf Wiesen und Wirtschaftswegen gebaut. Aufgrund des Vorschlages der Gemeinde Birstein heißt der neue Rad‑ und Gehweg „Vogelsberger Südbahnradweg“.

Es gibt ein touristisches Leitsystem für Radfahrer im Vogelsbergkreis. Dafür hat der Kreis  in Zusammenarbeit mit 13 Kommunen 39 Informationstafeln aufgestellt, die neben örtlichen Sehenswürdigkeiten auf Sportstätten, Fahrrad‑ und Wanderwege sowie aktuelle Angebote von Gastronomie und Hotellerie hinweisen. Zur Ergänzung des touristischen Leitsystems ist auch eine neue Fahrradkarte erschienen.

 

Auch der etwa elf Kilometer lange Anschluss an den Radfernweg R 3 in Wächtersbach ist in zwischen freigegeben. Es war der nachvollziehbare Wunsch der Stadt Wächtersbach und der Gemeinde Brachttal, diese Lücke zu schließen, berichtet Erster Kreisbeigeordneter Günter Frenz. So hatte der Kreisausschuss den entsprechenden Beschluss im März 2004 getroffen. Auch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr- und Landesentwicklung begrüßte die Verlängerung des Südbahnradweges mit der Anbindung an den R 3.

Der Bewilligungsbescheid vom Hessischen Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen kam noch im Dezember vergangenen Jahres. Gleichzeitig wurde die Anbindung des Vogelsberger Südbahnradweges an den Festplatz in Birstein bewilligt. Die Planungs- und Baubetreuungskosten für die Verlängerung übernehmen anteilig die Stadt Wächtersbach und die Gemeinde Brachttal.Damit hat der Vogelsberger Südbahnradweg eine Gesamtlänge von etwa 35 Kilometern von Grebenhain-Hartmannshain bis nach Wächtersbach. „Der Vogelsberger Südbahnradweg mit seiner Vernetzung mit den Radwegen im Kinzigtal und dem Vulkanradweg ist ein besonderer Anreiz für die touristische Erschließung der Region”, betont Erster Kreisbeigeordneter Frenz.

 

Freie Fahrt bis nach Hanau: Symbolischer Spatenstich in Nidderau für den Anschluss zum Vulkanradweg

Mehr Natur geht nicht: Im Schatten des mächtigen Wartbaums ist in Nidderau-Windecken der symbolische Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt für den zehn Kilometer langen befestigten Radweg erfolgt, der durch die Gemarkung Nidderau bis zur Kreisgrenze und dem Anschluss des 93 Kilometer langen Vulkanradwegs führt.

Vizelandrat Günter Frenz betonte, dass mit dieser Baumaßnahme für Radfahrer aus dem Vogelsberg kommend das Tor nach Hanau und das Rhein-Main-Gebiet aufgetan werde. Frenz rechnet damit, dass die 920.000 Euro teure Baumaßnahme im Herbst abgeschlossen werden kann. Der erste Bauabschnitt, ein Radweg zwischen Hanau und Nidderau, hat mit 700.000 Euro zu Buche geschlagen.

Obwohl der neue Radweg den Vulkanradweg faktisch verlängert, darf er nicht dessen Namen tragen. „Der Zweckverband hat die Freigabe des geschützten Namen verweigert“, berichtete Frenz. Der Radweg wird nun überregional als Bahnradweg ausgeschildert.

Möglich gemacht hat das eine Kooperation vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und dem Land Hessen, das für das Projekt die Kosten übernommen hat. Die Baumaßnahme ist die größte beim Radwegebau des Kreises in diesem Jahr, hob Frenz hervor

„Wir sind stolz, dass wir den Bauauftrag an eine heimische Firma vergeben konnten,“ sagte der Vizelandrat. Den zweiten Streckenabschnitt wird die Firma Moll aus Langenselbold bauen. Bereits Ende 2002 erteilte der Kreisausschuß dem Ingenieurbüro Dehmer & Brückner den Auf trag zur Planung einer durchgehend bituminös befestigten Radwegeverbindung zwischen Altenstadt im Wetteraukreis und dem Main. Nach Abspräche mit dem hessischen Wirtschaftsministerium wurde die Route von Höchst an der Kreisgrenze über Nidderau, Bruchköbel und Hanau direkt an den Main festgelegt. „Eine mögliche Variante der Streckenführung über Maintal wurde vom Ministerium nicht genehmigt“, berichtete Frenz. Die gesamte Strecke hat eine Länge von 22 Kilometer. Der Weg ist drei Meter breit. Der erste Bauabschnitt führt vom Main in Richtung Kesselstadt nach Mittelbuchen, vorbei an Bruchköbel und Roßdorf in Richtung Windecken bis zur Gemarkungsgrenze Bruchköbel.

„Dankenswerterweise übernehmen die Städte Hanau, Bruchköbel und Nidderau nach der Fertigstellung des Radweges die Baulast und Unterhaltung in ihrem jeweiligen Bereich und erstatten dem Main-Kinzig-Kreis anteilmäßig die Planungs- und Baubetreuungskosten, informierte Frenz. „Mit der Schaffung von Radweges durch Bund, Land und Kommunen stehe inzwischen ein sehr enges Netz von mehr als 600 Kilometern an Radwegen im Main Kinzig-Kreis zur Verfügung“, berichtete der Vizelandrat.

Auch Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß zeigte sich hochzufrieden, daß neben der Hohen Straße nun mit dem Bahnradweg eine weitere exzellente Radfahrmöglichkeit in der Gemarkung Nidderau entsteht. „Entweder man findet einen Weg oder man schafft sich einen“, zitierte Schultheiß den Feldherrn Hannibal. Unter diesem Motto stand gestern der erste Spatenstich am Wartbaum (18.07.09).

 

 

Waldflächen

Früher mussten die Bauern im Vogelsberg den dichten undurchdringlichen Wald roden, um Platz zu schaffen für die Felder und Weiden und um Baumaterial für ihre Häuser, Ställe und die ersten Kirchen zu erhalten. Viel Holz wurde auch geschlagen für das Heizen im Haus. Zur Verhüttung des Erzes stellten Köhler große Mengen von Holzkohle her. Das Weidevieh. das damals in den Wäldern gehalten wurde, fraß Jungtriebe der Bäume ab. So verschwanden nach und nach die großen Buchenwälder und damit auch das von den Römern benannte „Buchonia“.

Im 19. Jahrhundert versuchte man, diese Schäden durch Aufforstung mit schnell wachsenden Nadelbäumen wieder auszumerzen. Um dem Vogelsberg das ehemalige Bild der Landschaft wiederzugeben, sieht der heutige Forstwirtschaftsplan auch das Wiederanpflanzen von Laubhölzern vor. Der Waldflächenanteil im Vogelsberg ist bereits wieder höher als der Durchschnitt in Deutschland. Man betreibt sinn- und maßvolle Forstwirtschaft. Zum Beispiel kommen viele Weihnachtsbäume aus dem Vogelsberg.

 

Naturschutz:

Die Gegend rund um den hoch liegenden Oberwald wurde bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts zum „Naturpark Hoher Vogelsberg“ bestimmt. Der Naturpark umfasst ein Gebiet von etwa 40.000 Hektar. Er ist geprägt durch Mischwälder, Fließgewässer und eine Heckenlandschaft mit artenreichen Wiesen und Feldern und bietet sich von flach bis nahezu gebirgig dar. Das Gebiet sollte bewahrt und gleichzeitig für die Erholung der Bevölkerung erschlossen werden. Es bekam dadurch eine übergebietliche Bedeutung für Mensch und Tier. Viele seltene Vogelarten brüten seither in besonders ausgewiesenen Vogel- und Naturschutzgebieten, hauptsächlich rund um die naturbelassenen kleinen Seen, Weiher und Teiche, die früher künstlich zur Fischzucht oder zur Holzeinlagerung angelegt wurden.

Der Teich bei Ober-Moos, der vom Naturschutzbund Hessen angekauft wurde, beherbergt so wieder Eisvögel, Schwarzhalstaucher und manchmal mehr als tausend Enten auf der Durchreise in den Süden. Auch den einen oder anderen Fischadler konnte man schon wieder über dem Wasser kreisen sehen.

Ein Motto der Naturparke lautet: „Schutz durch Nutzung“. Von einer umweltgerechten Landnutzung und einem sanftem Tourismus profitieren beide Seiten. Das oberste Ziel ist, den Wert der Natur zu erhalten. So sind im Naturpark keine Eingriffe und Vorhaben erlaubt, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen. Die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes sowie die Tier- und Pflanzenwelt in ihren Lebensräumen (Biotope) soll auf Dauer gesichert werden.

Gemeinsam mit dem Zweckverband Naturpark Hoher Vogelsberg haben Behörden und Gemeinden in den letzten Jahren aktive Arbeit geleistet. Dabei waren Akzeptanz und Beteiligung der Bevölkerung wichtig. Mit Vereinen und ehrenamtlichen Helfern bemüht man sich um die Errichtung von Schutz- und Grillhütten sowie das Aufstellen von Orientierungstafeln an Wanderwegen und Parkplätzen. Im Winter werden rund 50 Kilometer Langlaufloipen

gespurt. In freiwilligen Aktionen zur Renaturierung werden Laub- und Obstbäume auf Wiesen gepflanzt, Bäche zurückgebaut. Und seitdem Kommunen vielerorts die Weidenutzung und das Mähen fördern, ist die Erhaltung wertvollen Grünlandes für Landwirte wieder finanziell interessant geworden.

 

Klima:

Eigenartig: Der wasserreiche Vogelsberg an der Rhein-Weser-Scheide mit den höchsten Niederschlagsmengen und dem größten Grundwasservorkommen Hessens besitzt kein einziges stehendes Gewässer, das nicht von Menschenhand angelegt wurdeDen Wasserreichtum verdankt der Vogelsberg den hohen Niederschlagsmengen zwischen 1200 und 1400 Millimeter im Jahr. Er ist nicht nur Wasserscheide (von Rhein und Weser), er gilt auch als Wetterbarriere: Rund sechs Monate des Jahres hüllt er sich in Nebel und Regenwolken. Man sagt: „Dreiviertel des Jahres ist hier Winter, und im Rest wird es auch nicht warm“. „Hier brauchen die Zwetschen zwei Jahre zum Reifen“, „ im zweiten werden sie umgedreht“.

Die Vogelsberger mussten früher hart um ihr tägliches Brot kämpfen. Von Kriegen und Krankheiten behelligt, rangen sie dem steinigen Boden und dem rauhen Klima Nahrung für sich und ihre Tiere ab. Mit ihrer Arbeit schufen sie aber zugleich die reizvoll herbe Kulturlandschaft, die heute so viele Besucher in den Vogelsberg lockt.

Herb die Landschaft, arm die Menschen. Dieser Ruf begleitete den Vogelsberg bis in die jüngste Vergangenheit. Die landwirtschaftlichen Erträge auf den kargen Böden waren gering und erlaubten kaum mehr als Viehwirtschaft. Keine der großen Verkehrslinien, ob Straße oder Schiene, wurde durch das unwirtliche Land geführt.

 

Fremdenverkehr:

Der vermeintliche Nachteil hat sich längst in sein Gegenteil verkehrt. Keine sechzig Kilometer vom Rhein-Main-Ballungszentrum entfernt, findet der Erholung Suchende noch eine weitgehend intakte, kaum zersiedelte Landschaft, seit den fünfziger Jahren zudem geschützt von den Auflagen des Naturparks Hoher Vogelsberg. Der Vogelsberg wurde wesentlich später als Naherholungsgebiet entdeckt als andere Mittelgebirge. In einem Vogelsbergführer aus dem Jahr 1956 ist noch zu lesen: „Alle über den Taunus sich ergießende Stadtflucht ging an dem Hohen Vogelsberg spurlos vorüber.“

Die Landschafts- und Naturschutzbestimmungen haben verhindert, daß der Vogelsberg zu einem verlängerten Wohnsitz für Städter werden konnte. Wer dorthin fährt, sucht nicht die Fortsetzung der häuslichen Zerstreuung in natürlicher Umgebung, er sucht (und findet) unverfälschte Natur. Es ist ein Erlebnis, durch die packende Landschaft zu wandern. Sie bündelt von allen Mittelgebirgen das Beste - die Weite der Rhön, die Wälder des Spessarts, die Fernsicht des Taunus und die Felsen des Odenwaldes - und wird doch immer unverwechselbar sein.

Mit der zunehmenden Bedeutung von aktivem Umweltschutz bei gesteigertem Ausflugsverkehr möchte man jetzt mit der Idee einer „vernetzten Region” beides fördern, ohne daß Tourismus und Natur in Widerspruch geraten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Rundfahrten

Die Anfahrt geschieht am besten über die Autobahn 45 nach Altenstadt oder Florstadt oder die Autobahn 66 ins Kinzigtal oder die A 5 nach Alsfeld. Die einzelnen Rundfahrten dürften in vielen Fällen zu lang sein, weil der eine oder andere sich irgendwo längere Zeit nehmen will. Dann kann man bei nächster Gelegenheit die Tour von der anderen Seite beginnen oder auch mit anderen Toren verbinden

 

(1) Altenstadt, Ortenberg (siehe Wetterau), Lißberg (eigene Datei), Hirzenhain (eigene Datei),

Merkenfritz (das Sieben-Mühlen-Dorf, aber die Mühlen sind nicht sehenswert). Dort Abstecher nach Steinberg (an der tiefsten Stelle im Ort Wegweiser nach links zur Weidenkirche am Ortsrand, gepflanzt im Jahre 2003). Zurück nach Merkenfritz und Abstecher nach Wenigs (Schloß) und dann weiter nach Gedern (eigene Datei).

Einen Kilometer hinter Gedern geht es links ab Richtung Schotten. Wenn man durch den Wald auf ein Wiesengelände kommt, dann steht in einer scharfen links Kurve auf der linken Seite ein Schild „Stumpe Kirche“. Man läßt das Auto stehen und läuft die gut 600 Meter zu der Ruine der Marcellinus-Kapelle. Diese verfiel seit der Reformation und war ganz unter Schutt verdeckt. aus der „Stumpen Kirche“ stammt der „Helgenstein“. Er wurde außen in die Kirche von Burkhards eingemauert. Von dort ist er aber immer wieder nachts verschwunden, weil er an seinen ursprünglichen Ort in der Marcellinus-Kapelle zurück wollte.

Zurück auf der Landstraße geht es rechts ab nach Burkhards (in die Kirche hat man einen Stein aus der Marcellinus-Kapelle einbauen wollen, aber er ist immer wieder an seinen alten Ort zurückgekehrt). Weiter geht es durch Kaulstoß, wo es viele Brücken geben soll, von denen aber keine von der Straße aus zu sehen ist. Weiter geht es über Sichenhausen (eigene Datei) und Herchenhain (eigene Datei: Ernstberg), Bermuthshain (eigene Datei), Völzberg (eigene Datei), Wüstwillenroth (eigene Datei), Mauswinkel (eigene Datei), Fischborn (Naturschutzgebiete in Hessen, Band I, Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau, Seite 161), Birstein (eigene Datei), Wächtersbach (siehe Kinzigtal).

 

(2) Florstadt,  Nidda (siehe Wetterau), Eichelsdorf (eigene Datei), Schotten (eigene Datei).

In Schotten erst nach rechts in Richtung Rüdingshain fahren (Nach 300 Meter geht es übrigens links ab in Richtung Vogelpark, dann noch einmal 300 Meter durch ein Gewerbegebiet zu dem Vogelpark, Eintritt 3 €, Kinder 1,50 €). Dann rechts abbiegen Richtung Hoherodskopf, Breungeshain (eigene Datei), Sichenhausen (eigene Datei: Bilstein), Taufstein (eigene Datei), Richtung Ulrichstein, Rüdingshain, Schotten.

 

(3) Schotten, Breungeshain, Hoherodskopf (eigene Datei), Schwarzbachtal und Ilbeshausen (eigene Datei), Richtung Altenschlirf (Mittelpunktstein), Herbstein (eigene Datei), Hopfmnansfeld (eigene Datei), Ulrichstein (eigene Datei), Kölzenhain (eigene Datei), Feldkrücken, Wegweiser Schotten (nicht Rüdingshain), Götzen, dann Richtung Laubach.

Auf der Strecke hat man eine herrliche Aussicht in die Wetterau, nach Frankfurt und zum Taunus. Die Abfahrt nach links nach Einhartshausen darf man nicht verpassen (Im Dorf steht eine schöne Kirche mit dickem Turm). Man muß wieder aufpassen, daß man den Abzweig nach links in Richtung Stornfels nicht verpaßt. Der Ort thront auf dem Felskegel über der sanften Landschaft.  Wäre die nur ein bißchen rauher, man würde sich an so manche Stadt in Mittelitalien erinnert fühlen. Die Kirche rechts der Straße war wohl eine Wehrkirche, aber eine Burg (wie in der Landkarte eingezeichnet) ist nicht zu sehen. Weiter geht es wieder in die Wetterau hinunter nach Ulfa und im Ort links nach Nidda und Florstadt

 

(4) Wächtersbach, Schlierbach (eigene Datei), Brachttal  (eigene Datei), Hellstein, Udenhain, Untersotzbach, Unterreichenbach (eigene Datei), Radmühl (vor dem Ort eine Mühle mit funktionierendem Mühlrad, im Ort zwei Kirchsäle, weil der Ort früher unter zwei Herrschaften geteilt war),  Salz (eigene Datei), Obermoos (eigene Datei), Nieder-Moos (eigene Datei), Freiensteinau (eigene Datei), mit Abstecher nach Gunzenau (eigene Datei), Ulmbach (eigene Datei), Autobahn Steinau-Süd.

 

(5) Autobahn Wächtersbach, Richtung Stadt fahren, vor der Stadt nach links Richtung Wittgenborn. Man wird westlich um die ganze Stadt herumgeführt, am Globus und der Wächtersbacher Messe vorbei, dann erst ein Stück nach Osten und dann links ab. Am Schloß vorbei geht es steil bergauf nach Wittgenborn. Dort rechts nach Spielberg (eigene Datei) und weiter nach Streitberg. Hier ist man auf einer Hochfläche mit prächtiger Aussicht. In Streitberg geht es nach Westen weiter nach Leisenwald (im Herbst ist dort Hochzeitsmarkt) und Waldensberg (eigene Datei). Weiter südlich liegt dann der Große Weiher nördlich von Wittgenborn. An der Ostseite der Straße liegt ein kleiner Parkplatz. Am Weiher ist eine uralte Eiche, auf der anderen Seite stehen die Gebäude des Weiherhofs. Es gibt einige Badestellen. Die Rückfahrt geht wieder nach Wächtersbach oder über Breitenborn nach Gründau.

 

(6) Alsfeld-West, Kirtorf (nördlich der Autobahn, eigene Datei), Romrod (südlich der Autobahn, eigene Datei), Vadenrod, Storndorf, Meiches (eigene Datei), Schloß Eisenbach, Lauterbach (eigene Datei), Schlitz (eigene Datei), Bad Salzschlirf, Angersbach, Großenlüder (eigene Datei), Kleinlüder (von dort Abstecher zur Wallfahrtskapelle Kleinheiligkreuz, links ein weißer Wegweiser, siehe Bonifatiusroute), Abstecher nach Blankenau (links  Hofgut) und Stockhausen (links Schloß derer von Riedesel mit großem Park), Hainzell, Hosenfeld, Hauswurz, Flieden (eigene Datei).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hirzenhain

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 1272. Die Entstehung einer Waldschmiede und des Augustinerklosters wird in das Jahr 1375 angesetzt. Das Kloster wurde 1554 in eine Lateinschule umgewandelt, die bis in das Jahr 1595 bestand. Die Waldschmiede entwickelte sich zu einem Eisenwerk, das 1678 die Familie Buderus pachtete. Sie baute auch die ersten Hochöfen. Der Kauf des Eisenwerks durch die Familie Buderus erfolgte im Jahr 1869.

 

Kirche:

Zur Kirche (Karl-Brix-Straße 3) kommt man am besten nach Überqueren der großen Kreuzung, wenn man nach rechts auf den Edeka-Parkplatz fährt. Die Kirche ist allerdings geschlossen. Gottesdienst ist in der Regel um 9.30 Uhr. Ab dem 1. Mai ist die Kirche Hirzenhain ist für interessierte Besucher geöffnet und zwar samstags, sonntags und an Feiertagen, jeweils von 14.00 - 16.00 Uhr.

Die Ursprünge der Kirche liegen im Dunkeln. Erstmals erwähnt wurde 1357 eine Wallfahrtskapelle, die „unserer Lieben Frau“ geweiht war. Im Jahre 1437 kam es zur Gründung des Augustinerklosters. Im Jahre 1448 stellten die Augustiner-Chorherren die Klosterkirche und Klosteranlage fertig und weihten sie der Hl. Maria, der Hl. Anna und dem Hl. Antonius. In der folgenden hundertjährigen Klosterzeit zogen tausende von Pilgern zur Maria von Hirzenhain. Die Besitztümer des Klosters waren über die gesamte Wetterau verstreut und die Beteiligung des Klosters an der bedeutenden hiesigen Eisenverhüttung ist belegt.

 

Die heutige evangelische Kirche  in Hirzenhain wurde 1725/26   erbaut. Es muss eine Vorgängerkirche   gestanden haben: Auf einem Balken ist   die Jahreszahl 1688 zu lesen. Einmalig sind die Malereien aus dem Jahr   1725/26. Sie sind bei einer Renovierung  im Jahre 1981/82 freigelegt worden.

Geborgen in der schlichten großräumigen Kontur der ehemaligen Klosterkirche zu Hirzenhain findet sich, für manchen vielleicht unerwartet, ein ungestört bewahrter Kirchenraum und erfreulich umfangreich erhaltener Schatz gotischer Kunst, der die beziehungsreichen Gliederungen des Innenraumes dieses ehemaligen Wallfahrtsortes in stiller und wohlgepflegter Pracht überhöht.

Zu dieser prunkvollen Ausstattung gehörte schon von Beginn an der steinerne Lettner, die Trennwand zwischen dem Versammlungsort der Chorherren und der Pilger und Laien. Am Lettner wie am gesamten Kirchenraum ist der Einfluß der Frankfurter Schule, geprägt vom Dombaumeister Madern Gerthner (1360-1431), zu erkennen.

Der Lettner erzählt in zehn Rundbildern die Lebensgeschichte der Maria. Das letzte Rundbild mit Maria, einem Hirsch, dem Hl. Augustinus und einem knienden Mönch verbildlicht die Legende der Klostergründung. Derzufolge erschien einem Mönch im Traum die Jungfrau Maria und erteilte ihm den Auftrag, dort ein Kloster zu gründen, wo er auf seinen Wegen eine äsende Hirschkuh auf einer Wiese am Bach sehe. Der Mönch tat, wie ihm geheißen, und nannte diesen Ort Hirzenhain, also Hirschwald. Naheliegend ist die These, dass diese Symbole auf ein älteres, vorchristliches, keltisches Hirschheiligtum verweisen (regionaler Zusammenhang zur keltischen Glauberg-Kultur).

 

Der Lettner wird ebenso geschmückt von den Steinfiguren Petrus und Paulus und den Holzfiguren Maria mit Kind und Anna Selbdritt.

Die großartigen Werke der Steinbildhauerkunst gehen möglicherweise ebenso auf Conrad Kuene (um 1430-1440) zurück wie die steinerne Madonna, die Himmelskönigin. Darüber hinaus gibt es noch drei hervorragende Schnitzwerke: Johannes der Täufer, Antonius (der Einsiedler) und Maria mit dem Kind. Diese Werke sind wohl Teile von Altären gewesen. Die hölzerne Maria mit dem Kind trägt noch eine leere Reliquienkapsel in ihrer Brust.

An der Nordseite des Chorraumes ist ein Epitaph zum Andenken an den 1535 verstorbenen und in Hirzenhain beigesetzten Besitzer des Klosters, Eberhard von Königstein, eingemauert.

Verschiedene Fresken, Inschriften und Bemalungen sind von der ursprünglichen Gestaltung erhalten.

Die spätgotische hölzerne Kanzel aus Groß-Felda steht seit 1978 in der Kirche; der 1964 für die Ortenberger Marienkirche angefertigte Taufstein seit 1987.

 

In der evangelischen Kirche in Hirzenhain sind möglicherweise Skulpturen von Tilman Riemenschneider (1460‑1531) entdeckt worden. Dabei handele es sich um drei überlebensgroße Figuren - Johannes der Täufer, Antonius und die Madonna auf der Mondsichel -  die aus der Zeit zwischen 1490 und 1525 stammen müßten, sowie ein Kruzifix im Chorbogen.

Das Künstlerehepaar Christiane Kaiser und Walter von Rüden aus Hirzenhain hatte die Figuren durch Zufall entdeckt. Die Skulpturen sind bisher unerkannt gewesen, weil sie vereinzelt im Kirchenraum standen und niemand ihre Zusammengehörigkeit gesehen hatte. Die beiden Künstler haben nach eigenen Angaben die Herkunft der Figuren durch stilkritische Untersuchungen nachgewiesen. Derzeit sei sie dabei, die Zuschreibung der Werke in einer Dokumentation nachzuweisen.

Man sei sich schon seit langem bewußt, daß in der Kirche großartige Figuren lagerten, sagte der Hirzenhainer Pfarrer Manfred Patzelt. Allerdings habe man bis her vermutet, daß die Werke lediglich der „Schule Riemenschneiders“ entstammten. Ein Beleg sei erst jetzt möglich, weil die beiden Künstler die Figuren als Ensemble entdeckt hätten. Jetzt sei es plausibler, daß es sich um Werke des berühmten Würzburger Bildhauers handele. Als nächsten Schritt wolle man Riemenschneider‑Experten hinzuziehen.                

Um 1510 stand Riemenschneider auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Die Figuren in Hirzenhain stammen aus der Zeit zwischen 1490 und 1525, einer Zeit, in der die Klosterkapelle des Ortes ein bekannter Wallfahrtsort war. Die reichen Eppsteiner Grafen waren Lehnherren des Klosters. Möglicherweise hatten sich die mächtigen Grafen an Riemenschneiders Werkstatt gewandt.

 

Ab 1689 diente der Chorraum der evangelischen Gemeinde in Hirzenhain als Gottesdienstraum. Im Jahre 1897 wurde das Hauptschiff der Kirche gründlich renoviert und seitdem als Gottesdienstraum genutzt. Die letzte Renovierung wurde 1983 abgeschlossen. Im Rahmen dieser Renovierung erhielt die Kirche zwei Orgeln. Die Orgel auf der Empore an der Westwand des Langhauses hat einen barocken Prospekt. Sie wurde 1771 vom Orgelbauer Johann Michael Stumm für eine Kirche in Alzey angefertigt, 1976 wurde sie von der Firma Oberlinger erneuert und erweitert. Sie enthält 33 Register. Die Chororgel wurde 1841 von dem Orgelbaumeister Link erbaut und umfaßt zehn Register.

 

Kunstgußmuseum:

Wenn man auf der Landstraße nach Gedern fährt, kommt man durch das Gelände der Firma Buderus. Dort ist am Ende rechts das Kunstgußmuseum (Nidderstraße 10. Geöffnet sonntags von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr. Sonderführungen nach Vereinbarung unter Tel. 06045/682 35).

Im  „Kunstgußmuseum“ ist die Bandbreite des Gezeigten groß. Eisen, das spröde, industriell genutzte Material, verwandelt sich in der Hand des Kunsthandwerkers in vielfältigste Formen. Tier‑ und Menschenplastiken von naturalistisch bis expressiv‑modern, Reliefs und fein gearbeitete Orden aus Kaisers Zeiten, die ‑ mit markigen Sprüchen versehen ‑ je nach Gusto Schmunzeln oder Kopfschütteln auslösen, sind eigene Abteilungen in dem übersichtlich eingerichteten Museumsbau zugewiesen.

Der kulturhistorisch wertvollste Teil der Sammlung sind die 280 Kaminplatten aus fünf Jahrhunderten mit ihren biblischen mythologischen und heraldischen Motiven. Blickfang sind indes die filigran gearbeiteten, vielfach durchbrochenen eisernen Schmuckstücke. Mit herausragendem handwerklichem Können gelang es den Kunstgießern im vergangenen Jahrhundert, aus diesem unscheinbaren Material zarte Ketten, Broschen und Ohrringe zu gießen, die keinen Vergleich mit von Hand bearbeiteten Schmuckstücken zu scheuen brauchen.

Die Herstellung von Eisenschmuck wurde durch die bewegten Zeiten während der französischen Besetzung 1806/1807 voran getrieben. „Gold gab ich für Eisen“, lautete das Schlagwort unter dem man seinen persönlichen Beitrag zur Finanzierung der Befreiungskriege leistete. Das Opfern des Goldschmuckes und Tragen des schwarzen Eisenschmuckes dokumentierte für alle sichtbar die Vaterlandsverehrung.

Ein Kleinod der historischen Schmucksammlung ist der gewichtsmäßig kleinste Kunstgenuß. Die Schmetterlings‑Brosche nach einem Entwurf von Simon Pierre Devaranne aus dem Jahr 1821 wie bei einer Größe von knapp sechs auf dreieinhalb Zentimetern dank ihrer 256 Durchbrechungen lediglich 3,9 Gramm. Auch heute führen die Hirzenhainer Kunstgießer neben dem Serienprogramm Sonderaufträge für Bildhauer aus. Neben dem Traditionswerkstoff Eisen wird dabei auch Bronze und Aluminium verarbeitet.

Die Eisengewinnung im Raum Hirzenhain hat Tradition. 1375 wurde sie das erst Mal urkundlich erwähnt. 1817 übernahm das Stahlunternehmen Buderus die Hirzenhainer Hütte, seit 1874 gibt es eine Kunstgußabteilung. Nach der Zerstörung und dann der Wiedereröffnung 1950 erlebte die Hirzenhainer Kunstgießerei dank ihres künstlerischen Leiters Peter Lipp eine neue Blütezeit. Dessen Großplastik eines Gießers ziert heute den Platz vor der Kunstgießerei. Mittlerweile beschäftigt der selbstständige Firmenzweig zwölf Mitarbeiter, denen man in speziellen Führungen bei der Arbeit über die Schulter schauen kann. Sonntags muß man sich mit der Ausstellung begnügen, aber auch sie allein ist einen Besuch wert.

 

Arbeitserziehungslager“:

In Hirzenhain bestand eine Außenstelle des Arbeitserziehungslagers Frankfurt-Heddernheim. Dort mussten deutsche und ausländische Häftlinge unter KZ-Bedingungen in der Produktion der Breuer-Werke (Rangierloks) arbeiten. Am 23. März 1945, kurz vor Kriegsende, wurden 49 Frauen aus dem Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim zur Außenstelle nach Hirzenhain transportiert. Während des Transports flohen fünf Frauen.

Die verbliebenen 44 wurden mit 37 weiteren Frauen und 6 Häftlingen aus dem Lager am 26. März 1945 durch die SS erschossen. In der Gemeinde selbst hielten sich unabhängig von Breuer im Juli 1944 dreiundzwanzig Zwangsarbeiter auf, darunter zwölf Letten. Im März 1945 waren es 25 Zwangsarbeiter.

 

Gedern

Gedern, in einem Talkessel an den Südwestabhängen des Vogelsberges liegend, von einem Kranz mittelhoher Bergzüge umgeben, wirbt mit dem Slogan „Luftkurort – Familienferienort – Campingstadt“ um Gäste. Die Auszeichnung „Staatlich anerkannter Luftkurort“ beruht auf der einladenden Lage des Ortes und auf einem recht günstigen Klima. Die Gebietsreform machte Gedern mit den Orten Ober-, Mittel-, Nieder-Seemen, Wenings und Steinberg zu einer Großgemeinde mit einer Einwohnerzahl von heute 7500.

Gederns baugeschichtliche Entwicklung läßt sich bis in das Mittelalter zurückverfolgen. Bereits im Jahr 780 wird Gedern anläßlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch erwähnt. Im 13. Jahrhundert werden die Herren von Büdingen als Lehensbesitzer genannt, im 14. Jahrhundert erhielt Gedern Stadt- und Marktrechte durch Kaiser Karl. Spätestens seit dieser Zeit wird an dem heutigen Standort des Gederner Schlosses eine Befestigungsanlage als Ausgangspunkt der Stadtentwicklung Gederns vermutet.

Wenn man von Westen nach Gedern hineinfährt kommt man zunächst an der Kirche vorbei. Ein Stück weiter geht es dann rechts ab zum Schloß (auch Stadtverwaltung). Man fährt in Kurven den Schloßberg hoch und parkt auf dem Parkplatz links vom Eingang zum Schloßgelände.

 

Schloß:

Eine Urkunde aus dem Jahr 1255 benennt einen Wolfram von Gaudern (Gedern) als Zeugen. Daher wird das Schloß Gedern auch heute noch im Volksmund „Wolframsburg” genannt. Die Bausubstanz des Schlosses läßt den Schluß zu, daß es in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden ist. Von Eberhard von Breunberg über die Geschlechter der Trimberger, Eppsteiner und Königsteiner wechselten die Eigentümer, bis das Schloß 1535 von den Stolbergern übernommen wurde.

Graf Ludwig Christian nahm 1677 seinen Wohnsitz im Gederner Schloß und begann mit Um- und Ausbauten. Dazu gehörten auch eine Kellerei, Brauerei, Getreideböden, Gärtnerei, Gartenlusthaus, Orangenhaus und eine Schmiede. Das Schloß entwickelte sich um 1700 unter dem Stolberger Friedrich Carl durch Um- und Ausbauten einer ehemaligen Burg in seine heutige Form zu einer Barockanlage. Unter Friedrich Carl, der vom deutschen Kaiser das Fürstendiplom erhielt, wurde 1710 auch das Rentamt  fertiggestellt und die und Außenmauern des Schloßbaues in ihren Abmessungen verdoppelt.

Die Residenz verfügte über Wohnräume, Wirtschaftsräume, einen Festsaal (den heutigen Wappensaal) und Gästezimmer. Sehenswert ist das um 1730 entstandene Treppenhaus, welches durch den Haupteingang betreten wird. Das darüber angebrachte Allianzwappen erinnert an dessen Erbauer Fürst Friedrich Carl und seiner Gemahlin Louise von Nassau-Saarbruck.

Von der hohen Kunst des Holzhandwerks zeugt zudem die barocke Treppe. Im Untergeschoß findet sich ein gotisches Spitzbogenportal. das auf einen weit älteren Vorgangerbau hinweist.

In einem der Raume im Obergeschoß wurde 1837Fürst Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode, Vizekanzler unter Bismarck, geboren.

Mit dem Tod seines Enkels Carl Heinrich im Jahr 1804 fiel das Schloß an das gräfliche Haus Stolberg-Wernigerode zurück. Nach Auszug der fürstlichen Familie 1927 nutzten es von 1930 bis 1945 der Reichsarbeitsdienst und die Luftwaffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es lange Jahre als Betriebsstätte für eine Weberei und als Unterkunft für Vertriebene aus dem Osten. Im Jahr 1987 erwarb die Stadt Gedern das Gebäude nebst Gelände vom Fürstenhaus Stolberg-Wernigerode.

Die Ergebnisse der durchgeführten Bauforschung, der restauratorischen Untersuchungen sowie der Archivarbeit belegen, daß es am Schloß Gedern mehrere Umbau- beziehungsweise Anbauphasen gegeben hat. Sicher zu datieren sind der Bau des Treppenturms an der Nord-Ost-Ecke des Mitteltraktes von 1706 und der Anbau des Treppenhauses mit barocker Holztreppe von 1730 in Form eines Mittelrisaliten am Hauptbau. Der Anbau des Treppenhauses ist der barocken Umbauphase zuzuordnen, in der das Hauptgebäude auf einheitliche vier Geschosse erhöht wurde sowie die Fensterlaibungen auf heutige Größe verändert wurden. An der Südfassade des Renaissancebaus sind noch Reste der ursprünglichen Fensterwände erkennbar.

 

Das Gederner Schloß wurde anschließend mit erheblichen Mitteln renoviert und restauriert. In seiner jetzigen, insgesamt zwar schmucklosen, jedoch wohlproportionierten Gestalt besteht das Schloßgebäude aus einem Hauptbau (auch Renaissancebau genannt) und dem Barockbau (auch Prinzeßbau oder neuer Bau genannt) mit dazwischenliegendem Mitteltrakt als Bindeglied. Seit Mitte 1997 sind hier die Gederner Stadtverwaltung und eine Anwaltskanzlei untergebracht. Mit unserem Hotel, dem Restaurant und dem Gewölbekeller bietet das Schloß Platz für Reise- und Unternehmungslustige. Aufgrund seiner geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung ist das Schloß Gedern als Gesamtanlage mit Haupt- und Nebengebäuden sowie der Parkanlage als Kulturerbe eingestuft.

 

Nebengebäude:

Pförtnerhaus: Es soll 1714 errichtet worden sein direkt neben der ehemaligen Zugbrücke. Es ist nicht ganz sicher, aus welchem Jahr die beiden Gebäude stammen. Alte Karten und ein Tür­sturz mit dem Datum 1806 legen nahe, daß sie knapp 200 Jahre alt sind. Das Pförtnerhaus

diente zunächst als Unterkunft für die Torwache. Durch die Schießscharte links neben der Zugbrücke hatte der Wächter freie Sicht auf die andere Seite des Grabens. Er konnte dann entweder einem Besucher die Brücke öffnen oder ihn mit Waffengewalt vertreiben. Seit dem 18. Jahrhundert diente das Gebäude als Gärtnerhaus. Heute beherbergt das Gebäude das Tourismusbüro und das kulturhistorische Museum (Eisenbahn, Sagen, Burgen).

 

Rentamt: Es liegt östlich des Hauptgebäudes und ist aus dem Jahre 1710.

 

Marstall: In dem im 17. Jahrhundert errichteten und unter Fürst Friedrich Carl von Stolberg-Gedern erweiterten Bau waren im Erdgeschoß die wertvollen Kutsch- und Reitpferde der Schloßherren untergebracht. Aufgrund ihres hohen Wertes, der nicht selten dem eines kleinen Bauernhofes entsprach, wurden die Tiere in unmittelbarer Nähe gehalten. Die Rösser teilten sich ihre komfortable Unterkunft mit den Pferdeknechten und berittenen Wachen, die im oberen Geschoß ihr Quartier hatten. Heute dient der Bau als Bürogebäude, beherbergt das städtische Archiv und die Gederner Seifensiederei (Dienstag bis Samstag 11- 16 (oder 17) Uhr, auch Internetshop.

 

Remise: Sie liegt südlich Alte Fundamente in diesem Bereich lassen auf einen ehemals größeren Vorgängerbau schließen.

 

Park: In dem von einer Mauer umgebenen Park steht ein Denkmal für Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode, Vizekanzler des Deutschen Reiches, geboren 1837 in Gedern, gestorben 1896 in Wernigerode.

 

Großes plante die Stadt Gedern im Bereich des Schlosses. Im südlichen Schloßhof sollte eine fast 1500 Quadratmeter große Stadthalle entstehen. Darin sollte der Marstall einbezogen werden. Die Gesamtanlage sollte einen großen Saal, Museums‑ und Ausstellungsräume, ein Café und ein Info‑Center enthalten. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude der alten Schmiede und Remise (früher eine Art Garage für die gräflich-stolbergischen Kutschen) müßten dazu abgerissen werden. Aber es wären auch gut ausgebaute Andienungs‑ und Rettungswege sowie die entsprechende hohe Anzahl von Parkplätzen erforderlich. Für den Bürgermeister aber haben Vorrang noch ausstehende Sanierungen, unter anderem die des Torbogen- und Pförtnergebäudes.

Unklar ist auch der denkmalrechtliche Status. In der Denkmaltopographie sind sie in der Tat nicht als geschützte Kulturdenkmäler ausgewiesen. Doch andererseits ist dort das gesamte Schloßgelände mit Park und allen Gebäuden als „denkmalgeschützte Grünanlage“ bezeichnet; Baumaßnahmen bedürfen einer Genehmigung der Denkmalschutzbehörden.

 

Gederner See:

Zum See geht es von der Hauptstraße durch Gedern nach Westen (links) ab. Der seit einigen Jahren bei Wassersportlern und Campern zunehmend an Attraktivität verlierende Gederner See soll mit einem neuen Konzept aus seinem Stiefmütterchendasein geholt werden. Großes hat die Stadt mit dem Freizeitareal vor. Zunächst steht der Bau einer Seebühne in Form eines Amphitheaters für sommerliche Open‑Air‑Veranstaltungen aller Art an. Darüber hinaus sind Maßnahmen geplant, mit denen der Freizeit- und Erholungswert für junge und erwachsene Besucher gesteigert werden soll, nicht zuletzt mit einem kleinen Streichelzoo.

Die Hauptanstrengungen richten sich jedoch auf die Verbesserung der baulichen Situation. So bringen demnächst die Handwerker die bestehenden Gebäude und Einrichtungen des Campingplatzes in Schuß, sagte Bürgermeister Wolfgang Zenkert bei der Vorstellung des Konzeptes. Zusätzlich soll der Campingplatz neu angelegt werden Ganz neu entstehe auch ein Areal mit Ferienhäusern für Touristen, denen die dünne Zeltplane als Behausung nicht genug ist. Wie Zenkert erklärte, versucht die Kommune die umfangreichen Arbeiten weitgehend ohne Fremdmittel zu finanzieren. Wünschenswert wäre dennoch eine finanzielle Unterstützung des Wetteraukreises etwa bei der Renaturierung des Einflußbereichs des Spießbaches. Überdies bat er den Landrat, beim Land anzufragen, inwieweit Mittel aus naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgaben beantragt werden können.

Die schlechte Wasserqualität hat in der Vergangenheit nicht unwesentlich zum Verlust von Besuchern beigetragen. Wegen der geringen Sichttiefe hieß es auch in diesem Sommer: Schwimmen verboten. Schuld an dem übermäßigen Algenwuchs haben nach Ansicht von Günter Thösen, Betriebsleiter des Campingplatzes, die Einschwemmungen von Düngemitteln über die landwirtschaftlichen Drainagen. Die Unterwassersicht sei zusätzlich durch Badende und zum Teil durch den Fischbestand beeinträchtigt

Für den Badebereich habe man bereits eine Maßnahme ergriffen und den Abschnitt gekiest. „Die Gefahr für die Wasserqualität durch den geringen Zufluß des Sees und anderer Einflüsse werden wir kompensieren, indem wir ein qualifiziertes Wassermanagement einführen“, versicherte Thäsen. Er gab sich zuversichtlich, daß der See bereits in der nächsten Saison wieder den EU‑Richtlinien entspricht. Weitere Eingriffe am und im See ständen bevor. Bürgermeister Zenkert hierzu: „Die Verhandlungen mit dem Eigentümer des Sees stehen kurz vor dem Abschluß, so daß wir bald mit den Arbeiten anfangen können.                               

Landrat Rolf Gnadl (CDU) spricht bei der ganzheitlichen Betrachtungsweise im Sanierungsplan euphorisch von einem  „Quantensprung“ gegenüber der bisherigen Entwicklungsstrategie. Gnadl zögerte deshalb bei der Vorstellung des Konzeptes auch nicht mit der Ankündigung, den See als Projekt im Regionalpark Rhein‑Main aufnehmen zu lassen. Immerhin sei das Gewässer mit seinem Gestade für die Bewohner im östlichen Teil des Rhein‑Main‑Gebietes ein Erholungsraum. „Eine Nichtberücksichtigung des Ostkreises von Rhein‑Main im Ballungsraumgesetz des Landes Hessen“, so Gnadl entschlossen, „werde ich verhindern“.

Gederns Regent Ludwig Christian zu Stolberg hatte den See bei Gedern um das Jahr 1700 aufstauen lassen, damit er stets genügend Fisch zu essen hatte. Noch heute gehört das Gewässer seinen Nachfahren. Sie kassieren von der Stadt eine Pacht, die von den Einnahmen des rund 600 Plätze fassenden städtischen Campingplatzes an seinem Ufer abhängt. Seit 1998 darf im drei Meter tiefen See nicht mehr gebadet werden, weil die Europäische Union eine Sichttiefe von mindestens eineinhalb Metern vorschreibt. Auch das Ausbaggern des Schlamms und die Veränderung des Fischbestandes änderten daran bislang nichts.

 

Sichenhausen

Bilstein:

Auf der Straße zwischen Breungeshain und Sichenhausen kommt man auf der Höhe nach links zum Parkplatz „Waldsiedlung“ (Der Weg dort führt übrigens weiter zum Segelflugplatz). Nach Westen geht es auf einem Feldweg hinein in den Wald. Dann zeigt ein Schild nach rechts oben Richtung Bilstein zeigt  (geradeaus ginge es im großen Bogen um den Berg herum nach Busenborn).

Auf halber Strecke nach oben steht die hölzerne Schuchardt-Schutzhütte. Hinter ihr, verborgen zwischen Bäumen, liegt eins der vielen Blocksteinfelder des Vogelsberges, mit Moos bewachsene Basaltbrocken zeugen von ehemaliger Vulkantätigkeit. Er ragt 666 Meter über NN aus dem Wald, einem Raubvogelfelsen gleich.

Oben, weitet sich der Blick auf einen Hügel, aus dem der Basalt regelrecht herauszuquellen scheint. Der Bilstein ist ein senkrecht stehender Basaltzug. Dieser ist  Überbleibsel einer der vielen Schlote, aus denen das Magna des vor sechs Millionen Jahren erloschenen Vulkans in Massenausbrüchen zu Tage trat. Hier hat man eins der eindrucksvollsten Zeugnisse der ehemaligen Vulkantätigkeit im Vogelsberg.

Man kann den Felsen ungehindert besteigen, besonders gut von der Ostseite. Eine stabile Ruhebank steht links vom Felsen. Zu einer anderen gelangt man, wenn man die Klippe umrundet und sich einige Meter abwärts über die Wiese begibt. Dort fällt der Fels metertief ab, von unten wachsen die Laubbäume herauf.

Falls man die stufenförmigen Basaltsteine hinaufklettert, kommt einem bestimmt der Gedanke: Ein falscher Tritt, und es ergeht mir wie den ersten Christen, die sich zu Bonifatius Zeiten hatten taufen lassen und von den letzten Vogelsberger Heiden von den Klippen gestürzt wurden. Sie zerschellten am Fuße dieses Vulkanschlotes.

Vom Gipfel hat man einen berauschenden Fernblick. Der adlergleiche Blick über das Land ist verlockend. Es ergreift einen das Gefühl, das weite Vogelsberger Land nach Süden und Westen erobert zu haben.

Auf dem Gipfel des Bilsteins wird man eventuell einen geschlagenen Stamm verankert sehen, schräg in den Steinen verankert und als Kreuz gestaltet. Junge Leute aus der Umgebung pflegen erne die Tradition, zum Beginn des Sommers einen Maibaum aufzustellen, als Symbol der Freiheit.

 

Den Weg zurück kann man in Richtung Osten nehmen. Nach 50 Metern abwärts kommt man an einem eingezäunten Grundstück mit zukünftigen Weihnachtsbäumen vorbei. Dort geht man gerade aus weiter und dann nach rechts. An dem gleichen Feldweg, den man anfänglich nahm, biegt man schließlich nach links wieder ab, um zum Parkplatz zu gelangen. Links ist eine Koppel, auf der manchmal eine Herde Lamas und Alpaccas weidet. Dahinter sieht man den Fernmeldeturm des Hoherodskopfs emporragen (in in einemWanderbuch vorgeschlagene Weg links an den Weihnachtsbäumen vorbei ist nicht zu empfehlen, den wen man den unscheinbaren Grasweg nach rechts verpaßt, kommt man nach Breungeshain).

 

Ernstberg:

Ein Stück hinter dem Ortsausgang in Richtung Herchenhain geht rechts ein Weg ab. Oben geht man nach links zur Schutzhütte auf dem Ernstberg (Man kann auch vom Ortsanfang Herchenhain zu dieser Hütte kommen, muß aber nach rechts einen Rechts-Links-Knick machen).

Zu diesem beschaulichen Naturschutzgebiet (626 Meter hoch) sollte man unbedingt einen Abstecher machen. Es bietet nicht nur ein Zeugnis ehemaligen bäuerlichen Wirtschaftens im Vogelsberg, sondern auch eine wundervolle Aussicht von einer kleinen Basaltnase.

Durch einen uralten Baumbestand geht man ein paar Meter abwärts und tritt dann wieder ins Freie. Eine einsame Bank unten auf der Wiese steht oberhalb einer ungefährlichen Basaltböschung, von wo aus man einen herrlichen Blick ins Tal und zum Hoherodskopf hinüber hat. Meistens ist man an diesem Hang alleine und kann in Ruhe seine Gedanken schweifen lassen.

Früher rodelten im Winter hier die Kinder.

Während des Sommers weiden auf den Wiesen am Berg selten gewordene Rote Vogelsberger Höhenrinder, eine genügsame Rasse, deren ausgezeichnete Vitalität man zur Landschaftspflege wiederentdeckt hat. Man bemüht sich, einen zweifachen Beitrag zum Agrarkulturerbe zu leisten: Durch die historisch überlieferte Beweidungsart soll die besondere Vegetation an dieser Stelle regeneriert werden. Und gleichzeitig beabsichtigt man, den Bestand dieser, vom Aussterben bedrohten Vogelsberger Haustierrasse zu sichern.

 

Alte Burg:

Noch weiter südlich liegt ein basaltischer Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes: Die  „Alte Burg“ (617 Meter), eine von Moosen und Buchen bewachsene Felsformation. 

 

Völzberg (südlich von Grebenhain):

Völzberg ist ein für die Region typisches Dorf mit einem alten Forsthaus, einer Schmiede, malerischen alten Höfen und ohne Durchgangsverkehr. Aber viele Häuser sind auch mit Zementasbest verkleidet und stark verschandelt. Eine Besonderheit noch:  Hier leben mehr Pferde als Menschen

Das „Völzberger Köpfchen“ (571 Meter), direkt nördlich des Ortes, ist eine grasbewachsene Basaltkuppe mit weitem Blick bis hin zur Rhön.

 

 

Wüstwillenroth (nördlich Birstein)

„Fahr langsam“, fordern Warnschilder an den Ortseingängen von Wüstwillenroth den Verkehrsteilnehmer auf, der das Dorf auf einer viel zu breiten Durchgangsstraße erreicht. Zu Recht, sollte man meinen: Die überdimensionierte Fahrbahn lädt förmlich dazu ein, den Flecken am Fuße des Vogelsberges möglichst schnell zu passieren. Das liegt wohl auch daran, daß er, zumindest auf den ersten Blick, wenig Sehenswertes zu bieten hat.

Die üblichen, eher zweckmäßigen als ansehnlichen Reihenhäuser aus den 60er und 70er Jahren haben die Ansiedlung weit über ihren historischen Kern hinauswuchern lassen. Immer Mal wieder aber findet sich dazwischen ein älteres, für diese Landschaft typisches Anwesen, mit filigranen oder auch grobschlächtigen Holzschindeln vor den Unbilden eines rauhen Klimas geschützt. Bunt bemalte Holzhäuser erinnern an die skandinavische Bauweise. Backstein war offenbar ebenfalls ein verbreiteter Baustoff. „Russen“ wurden die Ziegelsteine früher genannt. Der Begriff rührt wohl daher, daß diese Klinker je nach Eisenoxydgehalt „so rot wie die Kommunisten“ waren. Am Vogelsberg spielt die Farbpalette allerdings ‑ auch politisch mehr in Richtung schwarz. „Feldbrand“ nennt das der Fachmann, was bedeutet, daß die potentiellen Häuslebauer die Steine selbst herstellten, indem sie den vorhandenen Lehm ausgruben, stampften, in Formen preßten, trocknen ließen und dann in einer Art Köhlermeiler erhitzten, bis er hart wurde.

Schon der Name verweist darauf, daß es die Menschen, die sich hier niederließen, schon immer schwer hatten, eine Existenz aufzubauen und ihr Dasein zu fristen. Wüst, also kaum bewohnt war die Gegend, ehe sie ein Siedler namens „Willin“ ‑ so die historische Recherche ‑ mit seinem Gesinde rodete („roth“) und urbar machte. Es könnte sich dabei auch um Mönche des Klosters Fulda gehandelt haben. Sie gründeten entlang des Frankenweges zwischen Fulda und Mainz eine Reihe von Orten.

Dem Geschichtsforscher Edmund Spohr ist aufgefallen, daß das aus vier Höfen bestehende Dorf erstmals 1488 unter dem Namen „Wülnrodt“ im Einkommensverzeichnis des Reichenbacher Pfarrers erwähnt wird. Über 20 Jahre später werden im Isenburger Verzeichnis ebenfalls vier Güter genannt, diesmal unter „Wustenwilnrode“. Zudem sind die Nachnamen aller vier Besitzer verschieden von den ursprünglich genannten. Spohr schließt daraus, daß der Ort zwischenzeitlich „wüst“ gelegen habe, etwa aufgrund einer grassierenden Seuche, die die wenigen Familien dahinraffte, oder weil der karge Boden zu wenig Erträge brachte und sie zum Abwandern zwang.

In den folgenden Jahrhunderten taucht der Name dann kaum noch in der Geschichtssehreibung auf, allenfalls, wenn es um die Beurkundung irgendwelcher Grundstücksveränderungen geht. Was blieb, war die Armut in dieser Region, die vor allem im 19. Jahrhundert viele veranlaßte, in die neue Welt auszuwandern oder sich als Söldner zu verdingen.

Einige aus Wüstwillenroth waren auch an dem so genannten 100‑jährigen Prozeß gegen den Grafen von Ysenburg beteiligt. Sie konnten und wollten die von ihm geforderten Frondienste nicht mehr leisten, weil sie dadurch keine Zeit mehr hatten, die eigenen Felder zu bestellen. Zwar erzielten die Kläger einen Teilerfolg, doch wurde der von den hohen Gerichtskosten mehr als aufgefressen und die Not nahm derart zu, daß es weitere kleinere Aufstände gab. Die Regierung von Büdingen beschloß daher im Jahr 1754, den Ungehorsam mit Gewalt zu brechen. Sie setzte 125 Musketiere und elf Husaren in Marsch, die den Ort umzingelten. Bei einem nachfolgenden Handgemenge wurden sechs Bauern getötet und 30 verletzt. Das Vieh des gesamten Dorfes wurde beschlagnahmt, 14 Männer zu Zwangsarbeit verurteilt.

Ein neuerlicher Schicksalsschlag traf die Wüstwillenröther im Jahr 1810, als sie von einer Räuberbande heimgesucht wurden, die eine Beute von 211 Gulden machten. Beinahe wäre dabei noch das Dorf abgebrannt. Das sich entwickelnde Feuer konnte gerade noch rechtzeitig gelöscht werden.

Dank des rührigen Briefmarkenvereins von Birstein erfährt der geschichtlich Interessierte ferner, daß hier 1902 eine kaiserliche Posthilfsstelle eröffnet wurde. Die gibt es schon lange nicht mehr. Wenn sie heute ein Paket verschicken wollen, müssen die Dörfler ins benachbarte Lichenroth fahren. Ebenso verhält es sich mit der 1886 erbauten Schule, die inzwischen als Dorfgemeinschaftshaus dient. Der letzte Lehrer wohnte dort bis 1967. Seither müssen die Kinder nach Birstein fahren.

Außer als Veranstaltungsort hat sich das markanteste Gebäude des Ortes wegen seines Glockentürmchens noch eine weitere Funktion bewahrt: Die Glocke läutet zu Mittag und auf den letzten Weg, wenn jemand gestorben ist.

Gleich daneben wohnt die Familie Günther. Für Auskünfte verweist Schwiegertochter Michaela auf die Oma. Sie selbst nämlich wohnt erst seit einem Jahr hier im Ort. Noch gut erinnert sich die 81jährige Minna Günther an ihren Schwiegervater, den wohl prominentesten Vertreter des Dorfes: Der damalige Bürgermeister Christian Günther wurde 1928 in den Reichstag zu Berlin gewählt, wo er eine Legislaturperiode lang als Abgeordneter der Deutschen Volkspartei tätig war. Dort setzte er sich vor allem für den Bau einer Kleinbahn in der Region ein. Sie wurde von 1930 bis 1934 errichtet und führte von Wächtersbach über Birstein nach Hartmannshain, wo sie ein Stück weiter auf die alte Verbindung zwischen Lauterbach und Frankfurt stieß. In Wüstwillenroth gab es selbstverständlich auch einen Bahnhof. Die Linie existiert, wie auch andere Projekte aus dieser Zeit, schon lange nicht mehr. Das Birsteiner Schienenstück wurde 1958 abgerissen und wer kein Auto hat, ist auf den Bus angewiesen. Die Verbindungen seien ganz gut, meinen die Günthers. Nur in die Wetterau gebe es praktisch keinen Anschluß.

Von 1920 bis 1945 sei ihr Schwiegervater Ortsbürgermeister gewesen, erinnert sich Minna Gunther. „Zwangsläufig“ sei er da unter den Nazis auch Mitglied der Partei gewesen, erklärt sie. So richtig mitgemacht habe er aber nicht. Als dann 1945 die Amis kamen, wurde er abgesetzt.

Der Oma Günther mit ihrem typisch Vogelsberger Idiom könnte man stundenlang zuhören, diesem gesungenen Dialekt, der es paradoxerweise fertig bringt das harte „R“ weich zu rollen, als sei es von Watte umgeben. Wer anders als diese Landsleute könnten den Satz von der „Runkelroiwerobbmaschin, die die Roiwe rausrobbt“ besser zum Klingen bringen. Bei ihren Nachfahren verwäscht sich diese Eigentümlichkeit der Sprache bereits.

„Wir sind ein friedliches Völkchen. Und wir feiern gerne“, charakterisieren die Günthers den typischen Wüstwillenröther. Auch habe der Fremde, der sich hier ansiedele, habe kein Problem, Anschluß zu finden, wenn nur man wolle ‑ anders als etwa bei dem sprichwörtlich eigenbrötlerischen und mißtrauischen Kasselaner.

Daß sie zur Gemeinschaft neigen, zeigten die Dörfler bereits vor 30 Jahren, als sie die große hessische Gebietsreform vorwegnahmen und sich freiwillig ‑ zusammen mit Völzberg, Lichenroth, Mauswinkel und Wettges ‑ zur Gemeinde Oberland zusammenschlossen. Wer sich noch daran erinnert, welche Widerstände und erbitterte Grabenkämpfe es da woanders gab und zum Teil noch gibt, kann ermessen, welche Integrationsleistung die Verantwortlichen damals vollbrachten. Lange Bestand hatte das „Vogelsberger Oberland“ allerdings nicht. Nur drei Jahre später wurde es Birstein mit nunmehr sage und schreibe 16 Ortsteilen zugeschlagen. In der Großgemeinde vertritt ein eigener Ortsbeirat die Interessen der Wüstwillenröther.

An eigenständigen Aktivitäten geblieben sind die Feuerwehr, der Gesangverein, der Dartclub und die KSG‑ Fußballgemeinschaft mit Lichenroth, die ebenso zu Kanthersiegen wie beim 8:1 gegen Spielberg wie zu verheerenden Niederlagen wie beim 0:10 gegen Altenhaßlau neigt. Über solche und solche Ergebnisse kommt man hinweg bei einem Schoppen in der Dorfwirtschaft „Isenburger Hof“.

Neben der alten Schule gibt es noch eine Sparkassenfiliale. Zum Einkaufen fährt man nach Birstein und Lichenroth. Dort findet auch der Kirchgang statt. Wer nicht nach Wächtersbach, Gelnhausen oder ins Rhein‑Main‑ Gebiet pendelt, arbeitet in der Maschinenfabrik oder im Sägewerk. Auch eine Ziegelei gab es einst. Früher war Wüstwillenroth ein reines Bauerndorf. Jetzt gibt es noch zwei Milchlieferanten und einen landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieb.

 

Mauswinkel (nördlich von Birstein)

Abseits der Hauptverkehrsstraße, die von Birstein nach Lauterbach führt, in einer Talmulde vom steten Wind auf den Höhen geschützt, liegt Mauswinkel. An einem Werktag, so um die Mittagsstunde, scheint das gepflegte 260‑Seelen‑Dorf am Vogelsberg menschenleer zu sein. Der Spielplatz ist verwaist. Nur ein paar Maurer sind im Begriff, ein neues Wohnhaus hochzuziehen.

Obwohl abseits der Verkehrsströme gelegen, führt eine breite Straße durch die schmucken, meist neueren Anwesen. Sie ist neu asphaltiert, die Gehsteige in rotem Pflaster ausgeführt. Ein kleiner Dorfplatz ist mit Rabatten gestaltet. Schon das überdachte, mit einem Blumenkasten verzierte, hölzerne Hinweisschild auf den Ort zeigt, daß die Menschen hier Wert auf ein gediegenes Äußeres legen. Auch das alte Spritzenhaus von 1955 zeugt davon, daß Mauswinkel nichts dem Verfall überlassen wird. Das neue Gerätehaus wirkt dagegen reichlich plump gegen den bescheidenen, zierlichen Backsteinbau.

Gepflegt auch die Grünfläche um das Kriegerdenkmal, mit einer Linde, die dem Bürgerhaus dem Namen gab. Ob und zu welchen Zeiten hier auch Gastronomie betrieben wird, läßt sich für den Fremden nicht ersehen. Zumindest um diese Zeit ist das Haus geschlossen. Immerhin gibt es zwei Getränkemärkte für den schlimmsten Durst. Dann gibt es noch eine Dreherei, die aber den wenigsten Einwohnern Arbeitsplätze bietet

Dafür hat es Mauswinkel aufgrund seines ungewöhnlichen Namens aber immerhin in die Charts des Internets gebracht und wird unter der Homepage „Mäuseasyl“ aufgeführt, zusammen etwa mit „Mausloch“, einer Kommune bei Landshut. Während andere Gemeinden stolz auf ihre Geschichten sind, die sich um so skurrile Bezeichnungen ranken, ihre Sagen und Mythen pflegen und weitergeben, bedurfte es in diesem Fall einiger Recherchen, um wenigstens bruchstückhaft zu erfahren, was es mit dem Winkel und der Maus auf sich hat. Die führenden Heimathistoriker Tobias Winter und Peter Kauck sind zwar in der Lage, die tatsächliche Entstehungsgeschichte darzulegen, aber ansonsten müssen sie ebenso passen wie Bürgermeister Wolfgang Gottlieb. Fehlanzeige auch im Dorf selbst, keiner der Befragten weiß etwas.

Gibt es also gar keine Geschichte über Mauswinkel? Ein entschiedenes Nein kommt schließlich an dieser Stelle von einer Neu‑Hanauerin, deren mittlerweile 96 Jahre alte Tante sie in Kindestagen häufig in die Vogelsbergregion mitschleppte, zum Sonntagsausflug. Und ihr dabei eine Mär erzählte, die sie wiederum von einer Einheimischen gehört haben will. Sie ging ungefähr so: Es herrschte einst ein gar böser Regent im Lande, der seien Untertanen bis hin zu den Tieren  alles andere als pfleglich behandelte. Besonders die Mäuse hatten unter seinem Regime zu leiden. Sie wußten aber, daß der König seine Macht verlöre, wenn ihm sein Siegelring abhanden käme.

Eine besonders mutige Maus, wahrscheinlich der Vorläufer von Mickey, Speedy Gonzales oder Feivel, wagte den Streich und mopste dem garstigen Herrscher die Hauptinsignie seiner Macht. Der schickte nun Häscher aus, dem frechen Dieb die Beute abzujagen. Der Mäuserich aber versteckte sich im letzten Dorf des Reiches und dort wiederum im letzten Winkel (!), wo ihm außerdem eine Kuh zu Hilfe kam, indem sie den kleinen Helden und den wertvollen Ring mit einem Fladen zudeckte. So kehrten die Boten des Königs unverrichteter Dinge zurück. Der geriet daraufhin so in Rage, daß er an einem Herzschlag starb.

Sein Sohn war da offenbar von einem anderen Kaliber, nämlich milde und gütig. Ihm überbrachte die Maus den Ring und verhalf ihm so zur Thronfolge. Der revanchierte sich damit, das vormalige Versteck in „Mauswinkel“ umzubenennen. Die Mäuse wiederum versprachen, sich zum Dank in diesem Dorf ganz besonders zurückhaltend aufzuführen. Und wenn sie nicht gestorben sind...

Eine bittere historische Wahrheit ist jedoch, daß Mauswinkel mit Mäusen nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Laut dem Heimatforscher Reinhold Winter geht der Name auf das Wort Moos zurück, was im Althochdeutschen „Moor, Sumpf oder nasser Winkel“ bedeutet. Zum ersten Mal taucht der Weiler als „Musswinkel“ im Jahr 1415 aus dem Dunkel der Geschichte auf, ist aber wahrscheinlich wesentlich älter. Jedenfalls soll es dort zu jener Zeit einen Schäfer gegeben haben, der die herrschaftlichen Äcker derer von Isenburg nutzte.

Im Jahre 1460 wird in einer alten Schrift ein „Reit zu Kirchbracht, in dem Meußwinkel gelegen“ erwähnt. Rund 150 Jahre später ist Mauswinkel als eigenständige Gemeinde notiert worden. Bis zum 17. Jahrhundert aber wurden Bewohner und Grundstücke bei notariellen Aufzeichnungen zumeist mit denen von Kirchbracht zusammengefaßt. Im Gedächtnis blieb der 27. Juni 1767, als sich am Siebenschläfertag in der Region ein gewaltiges Unwetter mit Hagelschlag und Windhosen zusammenbraute. Die gesamte Ernte hier und andernorts wurde damals vernichtet.

Anfang des 20. Jahrhundert brachte es Mauswinkel immerhin zu einer Kaiserlichen Posthilfsstelle. Heutzutage müssen die Bewohner schon froh sein, einen Briefkasten zu finden. Einen Ortsbeirat gibt es noch und natürlich die Feuerwehr. Ansonsten sei hier „nix los“, befand zumindest die bayerische Kabarettformation „Biermösl Blosn“, als sie ein Gastspiel in Gelnhausen gab.

So wie der Kernkraftwerks‑Standort Karlstein zu Zeiten das Atomsymbol, so könnte Mauswinkel jetzt ein stilisiertes Windrad in sein Wappen aufnehmen. Die vier Rotoren auf der Höhe gen Wüstwillenroth, etwa zwei Kilometer von der Bebauung entfernt, sind zum Wahrzeichen für das Dorf geworden und haben es zeitweise in die Schlagzeilen gebracht, vor allem als sich der streitbare Kreisbeigeordnete Erich Pipa monatelang mit dem Unternehmen Hessenwind kappelte, wer wann wie viele Windkraftwerke aufstellen dürfe. Ursprünglich waren acht geplant. Nach sogar gerichtlichen Auseinandersetzungen einigte man sich schließlich darauf, daß Hessenwind und die Gelnhäuser Kreiswerke je zwei, der 60 Meter hohen Türme errichten dürften. Baubeginn war im Herbst 1997.

Zumindest Hessenwind ist mit seiner Investition zufrieden. Die beiden 600 Kilowatt‑ Generatoren erzeugten seither über 1,5 Millionen Kilowattstunden und haben die in sie gesetzten Erwartungen mehr als erfüllt ‑ im Gegensatz zu den Befürchtungen von Kritikern der Windnutzung, die Rotoren seien laut, gefährlich für Vögel und verschandelten die Landschaft. Ohnehin stehen die Mauswinkeler Anlagen so weit weg von jeglicher Bebauung, daß sie dort kaum zu sehen und noch weniger zu hören sind. Auch direkt unterhalb der sich drehenden Flügel ist nicht vielmehr als ein monotones Rauschen zu vernehmen.

Richtiger Lärm ginge allenfalls bei Sturm von ihnen aus. Aber bei entsprechender Windstärke werden sie ohnehin abgeschaltet, wie auch zu Zeiten, in denen der Strom nicht benötigt wird. Die Spitzen der Flügel werden dann gegen den Wind gestellt und bringen den Rotor zum Stehen.

In der anderen Himmelsrichtung, auf dem Weg nach Birstein‑Fischborn, lohnt sich ein Abstecher zum Hofgut „Entenfang“ mit eigener Schlachtung. Wer das selbst produzierte Fleisch und die Wurst nicht bei einer gediegenen Feier im 200 Personen fassenden Saal genießen kann oder das Hoffest verpaßt hat, kann sich zumindest im dortigen Metzgerladen mit allerlei kulinarischen Genüssen eindecken. Brot dazu gibt es beim Backhausfest in Mauswinkel. Wer das besuchen möchte, muß sich allerdings noch ein knappes Jahr gedulden. Es findet an jedem zweiten Juli‑Wochenende statt.

 

Birstein

Die Großgemeinde Birstein erstreckt sich mit einer Höhenlage zwischen 283 und 472 Metern ü.d.M. in den Ausläufern des südlichen Vogelsberges. Die Landschaft wird geprägt von den weitflächigen Wiesen und Waldgebieten des Naturparks Hoher Vogelsberg. Genannt wird sie auch wegen ihrer hervorragenden Lage und Schönheit. „Die Perle des Vogelsberges“.

 

Birstein ist die Residenz der Fürsten von Isenburg‑Birstein, die sich im Gegensatz zu den jüngeren Linien nicht mit Y schreiben. Seit 1744 das Land zum Fürstentum wurde, gilt die Schreibweise „Isenburg“ (mit I).

 

  744  Nennung des Ortes Reichenbach in einer Urkunde.

  850  älteste schriftliche Erwähnung der Dörfer Unterreichenbach und Kirchbracht als

       „Richenbah“ und „Villa Brataha“.

1279  Urkundliche Ersterwähnung der Burg Birstein am 28. Mai.

1241  Lichenroth wird urkundlich genannt als „Libechenrode“.

1314  Erstmalige urkundliche Erwähnung des Dorfes Fischborn als „Fisseburnen“ am 9. Juni.

1326   In einer Urkunde vom 30. April wird erstmalig die Ortsbezeichnung „Sotzbach

          superior“ („oberes Sotzbach“ verwendet.

1332  Heinrich II. von Isenburg erhält durch Heirat Anteile an der Burg Birstein und dem

         Gericht Reichenbach.

1361  Hettersroth findet am 23. Juli seine erstmalige Erwähnung als „Heczelsrode“.

1372  Oberreichenbach erscheint am 13. März erstmals unter der Bezeichnung

        „Obern Richenbach“.

1384  Bösgesäß wird am 21 September als „Bunsgeseße“ erstmals urkundlich erwähnt.

1438  Diether von Isenburg erwirbt am 8. September allen   weilnauischen Besitz im Gericht

          Reichenbach und der Burg Birstein.

1442  Erhebung der Isenburger in den erblichen Reichsgrafenstand.

1461  Die kriegerischen Händel der Mainzer Stiftsfehde ziehen das Gericht Reichenbach in

         starke Mitleidenschaft (bis 1463).

1465  Zerstörung des Dorfes Herchenrod (Nähe Lichenroth) infolge einer Fehde (bis 1471).

1488  Die Orte Wettges und Wüstwillenroth erscheinen erstmals als „Wetges“ und „Wülnrot“.

1489  Völzberg wird in einer Urkunde unter dem Namen „Fölsperg“ erwähnt.

1517  Erste isenburgische Erbteilung. In der Folgezeit bezieht Graf Johann von Isenburg

         erstmals die Burg Birstein als Wohnsitz.

1530  Der Pfarrer Johannes Henkel in Unterreichenbach wendet sich den Ideen der

    Reformation Martin Luthers zu

1544  Graf Reinhard von Isenburg führt ebenfalls die lutherische Reformation ein.

1590  Der Kirchenbezirk Kirchbracht/Lichenroth wird als eigenes Kirchspiel von

    Unterreichenbach abgetrennt.

1590  Gründung der Lateinschule in Birstein.

1597  Graf Wolfgang Ernst I. zu Ysenburg beginnt am 7. August mit der Einführung der

    calvinischen Reformation.

1620  Durchmarsch und Einquartierung von fremden Truppen trotz isenburgischer Neutralität.

1635  Die Grafschaft Ysenburg wird dem Landgrafen von Hessen‑Darmstadt unterstellt

         (bis 1642).

1643  Besetzung der Burg und des Ortes Birstein durch schwedische Soldaten.

1644  Rückkehr des Grafen Wilhelm Moritz zu Ysenburg nach Birstein und

          Wiederherstellung der reformierten Konfession.

1649  Erstmals wohnt eine jüdische Familie in Birstein.

1674  Beginn der jüdischen Gemeinde in Birstein. 1679 Anlage des Judenfriedhofs in

         Birstein.

1648  Am 21. Juli Feuerkatastrophe: Auf dem Birsteiner Oberberg brennen 17 Wohnhäuser,

         1 Backhaus, 18 Scheunen und 9 Ställe ab. Die Kirche und das Pfarrhaus blieben

         unbeschädigt.

1692  Das Schulhaus für die Lateinschule wird erbaut.

1744  Erhebung der Ysenburger in den Reichsfürstenstand.

          Da im „Fürstenbrief“ der Name „Isenburg“ mit „I“ geschrieben ist, beginnt die

          Birsteiner Linie der Isenburger in späterer Zeit mit der Umstellung der Schreibweise

          ihres Namens von „Y“ auf „I“.

1744  Eine erneute Brandkatastrophe am 14. Juli auf dem Oberberg vernichtet 23

         Wohnhäuser.

1749  Die jüdische Gemeinde errichtet eine Synagoge.

1764  Schloß Birstein erhält seine heutige Gestalt (bis 1768).

1767  Ein verheerendes Unwetter am 27. Juni wird zum Anlaß eines jährlichen Hageltages

         mit Arbeitsruhe und Gottesdienst genommen.

1774  Die Lateinschule schließt für 9 Jahre.

1790  Die Lateinschule wird nach Offenbach verlegt.

1794  Aufhebung der Leibeigenschaft im Isenburger Land.

1796  Am 7. September Durchmarsch der am 3. September bei Würzburg geschlagenen,

          französischen Sambre‑Maas‑Armee unter dem General Jean‑Baptiste Jourdan.

1806  Das Isenburger Land wird unter Fürst Carl I. zu Isenburg zum souveränen Fürstentum.

1815/16  Teilung des Fürstentums Isenburg zwischen Darmstadt und Kassel.

          Birstein fällt an Kassel.

1840  Bau eines kleinen katholischen Gotteshauses.

1845  Gründung der israelitischen Volksschule, die bis 1936 bestand.

1860  Wiedereröffnung der Lateinschule in Birstein (bis 1939).

1866  Neubau einer Synagoge durch die jüdische Gemeinde.

1866  Birstein wird preußisch.

1903  Neubau des königlich preußischen Amtsgerichtes.

1912  Neubau der heutigen katholischen Kirche (bis 1914).

1913  Die evangelische Kirche brennt am 7. Januar bis auf die Grundmauern ab.

         Einweihung des Neubaues am 19.4.1914.

1963  Ernennung Birsteins zum staatlich anerkannten Luftkurort

1971-1974Gründung der Großgemeinden  (siehe unten).

1977  Neubau des Bürgerzentrums Birstein

1987  Aufgrund fehlender Bettenzahlen Aberkennung des Prädikates Luftkurort.

1989  Neubau einer großen Freizeitschwimmbadanlage.               

 

Die heutige Gemeinde Birstein entstand in der Zeit der kommunalen Gebietsreform während der Jahre 1971 ‑ 1974. Der erste freiwillige Zusammenschluß findet 1971 zwischen den Gemeinden Birstein, Bösgesäß (preußisch Bösgesäß, ehemals Kreis Gelnhausen), Fischborn und Kirchbracht statt. Hettersroth und Oberreichenbach schließen sich an. Böß‑Gesäß (hessisch Böß‑Gesäß) und Illnhausen, beide früher zum Kreis Büdingen gehörend, treten der Gemeinde Birstein bei.

Unterreichenbach, Obersotzbach und Untersotzbach schließen sich 1972 der Gemeinde Birstein an. Die Gemeinden Lichenroth, Mauswinkel, Völzberg, Wettges und Wüstwillenroth schließen sich zur Gemeinde Oberland zusammen. Die Gemeinde Oberland wird 1974 in die Gemeinde Birstein eingegliedert.

Wenn man von Niederreichenbach kommt, steht rechts die katholische Kirche. Man fährt weiter in den Ort hinein, zunächst nicht nach links Richtung Wächtersbach, sondern noch weiter. In der Haarnadelkurve nach rechts aber geradeaus fahren. Rechts ist die Evangelische Kirche, links das Schloß (vor dem man parken kann).

Im Jahr 2003 wurde vom Stadtrat der Anton-Praetorius-Weg nach dem Pfarrer benannt, der sich gegen die Hexenprozesse ausgesprochen hatte..

 

Schloß:

Das Schloß war im Mittelalter als Burg „Birsenstein“ bekannt und diente den Fuldaer Äbten als Jagdburg. Die Burg Birstein wurde errichtet von der Abtei Fulda im 12. oder beginnenden 13. Jahrhundert zunächst als kleine Sicherungsburg zum Schutz ihres bedeutenden Vogtei‑ und Gerichtsbezirkes, der alten Cent Reichenbach und diente auch als Verwaltungssitz des Vogtes.

Im Jahre 1279 erscheint sie erstmals in einer Urkunde unter dem Namen „castrum Birstenstein“ als fuldisches Lehen der Familie von Trimberg, die zu den Erben der alten Herren von Büdingen zählte. Konrad von Trimberg übertrug damals die Vogtei Reichenbach (mit der Burg) als Heiratsgut seiner Schwester Luitgard an ihren Gatten, den Grafen Heinrich von Weilnau-Diez.

Von den Eignern der Burg aus den Häusern Trimberg, Weilnau und zeitweise auch Hanau konnten sich die Isenburger seit 1335 durch Kauf Anteile an der Burg sichern ‑ und damit zu einem wichtigen Stützpunkt beim Aufbau ihres Territoriums rund um den Büdinger Wald ausbauen. Im Jahre 1438 erfolgte der endgültige Erwerb unter Diether von Isenburg, der 1442 zum Reichsgrafen erhoben wurde.

Die Isenburger erwarben die Burg im 14. Jahrhundert und bauten sie schrittweise zu einem Schloß aus. Mit der Begründung der älteren Birsteiner Linie des Hauses Isenburg im Erbbrüdervertrag von 1517 wurde die mittelalterliche Burg zu einem Wohnschloß umgebaut und diente als ständige Residenz. Innerhalb der ausgedehnten, um drei Innenhöfe gruppierten Anlage, sind von der alten Burg nur wenige Reste im so genannten Küchenbau aus dem 14. Jahrhundert und dem Bergfried erhalten.

Seit 1521 war das Schloß Wohnsitz der Grafen von Ysenburg-Büdingen. Aus dieser Zeit sind das Fürstenhaus von 1527, der Kapellenbau von 1555 und der Kutschenbau von 1553 ‑ 1591.

Das Haus Isenburg-Birstein war 1744 in den Fürstenstand erhoben worden.

 

Das heutige Residenzschloß wurde von dem nassau‑usingischen Hofbaumeister Johann Wilhelm Faber in den Jahren 1764 bis 1768 erbaut. Das alte Bollwerk und der Hauptbau wurden niedergerissen und durch einen Neubau ersetzt, der den neuen repräsentativen Wohnbedürfnissen entsprach. Wenn man heute den Schloßbereich betritt, so steht links die Rentkammer, geradeaus geht man durch den Archivbau mit der Toreinfahrt, der von dem Hanauer Baudirektor Christian Ludwig Hermann Hermann 1733 erbaut wurde. Der Springbrunnen im Vorhof stand ursprünglich im Park von Langenselbold.

Seit 1744 ist das Schloß ständige Wohnung der Fürsten von Isenburg-Birstein. Es weist im Innern eine Reihe von hervorragend stuckierten Rokokosäulen und eine frei tragende Treppe.

Die Stuckarbeiten in den Räumen des Obergeschosses stammen von Meister Schwab aus Lohr. Im Schloß gibt es einen großen Saal, dessen Decke restauriert wurde, als der letzte Zar von Rußland zu Besuch war. Er war in Bad Nauheim zur Kur und besuchte von dort aus Birstein. An jedem Fenster stand damals ein Sicherheitsbeamter, und auf den Dörfern der Umgebung wurden alle verdächtigen Personen vorsorglich verhaftet.

Die Räume des Schlosses sind mit schönsten Stuckarbeiten aus der Zeit des Rokoko ausgestattet.

Sehenswert ist der große Festsaal, dessen Stuck die schönen Künste, die Jahreszeiten, und die Erdteile darstellen. Die prunkvolle Gemäldesammlung zeigt Werke aus der Zeit zwischen 1766 und 1820.

Gezeigt wird auch ein Bild der Schlacht von Bergen, im Vordergrund der Fürst von Birstein, der schwer verwundet wurde und nach zwei Tagen starb. Gezeigt wird noch eine Schärpe mit einem Orden mit Seraphinen darauf und mit dem Blut des Verwundeten. Gezeigt wird das Brautkleid der Prinzessin Charlotte, die auf dem Wiener Kongreß war, um die Selbständigkeit ihres Landes zu erhalten; sie konnte gut Französisch.

Hinter dem neuen Schloß befindet sich das Höfchen, ein Renaissance‑Binnenhof. Der Garten im englischen Stil wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt. Der großflächig angelegte öffentliche Park rings um das Schloss mit seinem alten Baumbestand und Kneipp-Anlage lädt die Besuchter zum Verweilen ein.

 

Die jetzigen Besitzer des Schlosses sind Fürst Alexander und Fürstin Christine von Isenburg-Birstein. Der Vater des Fürsten, Franz Ferdinand von Isenburg (1901 ‑ 1956), der mit Fürstin Irene von Isenburg geborene Tolstoi, verheiratet war, führte die Renovierung des Schlosses fort und legte dabei besonderen Wert auf die künstlerische Ausgestaltung, wobei dem „Weißen Saal“ neues Ansehen verliehen wurde..

Fürst Franz Alexander von Isenburg, 1943 geboren und verheiratet mit Christine geborene Gräfin von Saurma (Jahrgang 1941), ist einziger Sohn der 1998 verstorbenen Fürstin Irina zu Isenburg‑Birstein. Sie hatte 1917 als Gräfin Tolstoi bei Sankt Petersburg das Licht der Welt erblickt. Wegen der Wirren der Massendemonstrationen in Petrograd, die sich zu einem allgemeinen Arbeiter‑ und Soldatenaufstand ausweiteten (Februarrevolution) und der Abdankung Nikolaus’ II. am 15. März 1917 floh Irinas Mutter ‑ und nahm das Kind mit. Irina wuchs auf in England, Freiburg, Mecklenburg und Berlin, studierte Kunstgeschichte und Architektur. Im Jahre 1939 heiratet sie Franz Ferdinand von Isenburg. Das Paar lebte bis zum Krieg in der Offenbacher Residenz, dessen Ende erlebte Irina im Schloß Birstein.

Die Zweige der Isenburger und Ysenburger Familien haben Ludwig von Isenburg zum Stammvater. Er heiratete um 1250 Heilwig, die älteste Erbtochter des letzten Dynasten von Büdingen. Der Stammsitz war die Isenburg, um 1100 in einem Seitental des Rheins erbaut. Schon sehr früh gehörten die Isenburger im Raum Köln, Trier, Limburg und Mainz zu den Stützen der mächtigen Kirche. Sie waren Lehnsleute der großen Kirchenfürsten, gleichzeitig Ratsmannen der deutschen Könige und Kaiser. Ihre Macht dokumentierten die Isenburger mit dem Bau von Burgen, Kirchen und Abteien.

Fürstin Christine von Isenburg ist meist zu Hause mit ihrer Schwägerin Prinzessin Maria von Isenburg, die sich vor allem um die Garten‑ und Parkanlagen (letztere sind öffentlich zugänglich) kümmert, während die fünf Kinder Alexander (32), Viktor (22), Katharina (29), Isabelle (28) und Sophie (23) entweder im In‑ und Ausland studieren, arbeiten oder leben und Gemahl Fürst Franz‑Alexander geschäftlich vor allem mit dem ausgedehnten Waldbesitz rund um das idyllische Städtchen Birstein im südlichen Vogelsberg zu tun hat.

Die Fürstin wird angesprochen mit „Euer Durchlaucht“ (beim Metzger wird schon immer so angesprochen). Sie gehört zu dem rund 800 Jahre alten Adelsgeschlechtes derer von Isenburg, von denen sich einst die zu Ysenburgs abspalteten, deren Nachfahren noch heute im Büdinger Schloß residieren. Manchmal bricht es aus Tochter Katharina, der sonst so beherrschten frischgebackenen Juristin, daß es sie manchmal „zerreißt“ beim Gedanken an das schwere Erbe und den unausgesprochen Druck der Ahnen. „Ich muß Geld verdienen wie jeder andere auch - doch dazu muß ich weit weg von hier!“ Dem ältesten Bruder geht es genauso. Nach Abitur, Wehrdienst und dem Studium der Forstwirtschaft ist er heute in Bad Homburg in einer Unternehmensberatung tätig, dort lebt er auch.

 

Der Erhalt des Schlosses verschlingt Jahr für Jahr so enorme Summen, daß selbst ein Vorstandvorsitzender eines Konzerns sich dieses Gemäuer alleine nicht leisten könnte, betont er. Und sagt leise: „Zukunft heißt Weggehen; denn es gibt hier keine geschäftliche Grundlage“. Aber niemand wolle der Erste sein, der aufgibt. Dann beschreibt ihre Mutter, daß Ende der 70er Jahre sämtliche Dächer neu gedeckt werden mußten ‑ dabei stellten wir erstmals fest, daß es vier Hektar Dachfläche sind. Und: „Trügen wir all das Geld, das wir über Jahre in das Schloß steckten, auf die Bank, wären wir tatsächlich reich“. Beide atmen tief durch ‑ und erklären, nicht jammern zu wollen.

Das Schloß sei identifikationsstiftend und der Familientreffpunkt; man werde es solange als möglich halten. Auch der Gemeinde gehe es schließlich nicht so gut; die Besucher‑ und Touristenzahlen gingen stetig zurück.

Ein Jet‑Set‑Leben führen die von Isenburgs nicht, „wollen wir auch nicht“. Man kennt zwar Gloria von Thurn und Taxis seit deren Kindheit und „sieht einmal pro Jahr mindestens Caroline von Monaco irgendwo auf einem Fest“ ‑ aber mehr habe man mit dieser Glitzerwelt, zu der natürlich auch entsprechend Vermögen gehört, nicht zu tun. Und einen Porsche fährt auch niemand in dieser Familie; Waldbesitz hin oder her. Der Fürst kümmert sich traditionell um den Holz‑ und Wildbretverkauf, die Pachten, die Holzproduktion, das Wegenetz, die Holzhackschnitzel‑Heizung, die nachhaltige Waldbewirtschaftung und den Betrieb eines Wasserkraftwerkes, das Elektrizität für rund 150 Haushalte bietet. Im vorderen Teil des Schlosses, die einstige Rentkammer, sind Wohnungen vermietet.

Die Vermarktung des prachtvollen Sitzes inmitten des idyllischen Städtchens Birstein obliegt der Fürstin, die dies übrigens auch per Internet (www.Isenburg.de) erledigt. Doch könnte die Vermietung als attraktive „Location“ für Film‑ und Foto-Produktionen noch besser laufen als bisher, wünscht sie sich. Denn Vermietungen wie den kleinen Stucksaal als Standesamt oder die ganzjährigen Führungen (ab zehn Personen) bringen nicht so sehr viel ein.

Eher kulturelle Herzensangelegenheit denn schnöde Einnahmequelle sind auch die jährlichen hochklassigen Konzerte im prachtvollen „Weißen Saal“ jeweils am zweiten September‑Wochenende mit Unterstützung einer Sparkassen‑Kulturstiftung. Vergangenes Jahr etwa brillierte Caroline, die Tochter des berühmten Dirigenten Kurt Masur. Diesmal war ein renommiertes Orchester aus Bratislava zu Gast.

Das Schloß wird von der fürstlichen Familie bewohnt, eine Besichtigung ist nur nach Voranmeldung für Gruppen ab zehn Personen möglich. Information: Fürstliche Rentkammer Telefon 06054/ 2006. Fürstin Christine führt selber durch das Schloß (ab zehn Personen, 3 €). Die Führung geht auch durch die privaten Räume, die allerdings nur zu Festen benutzt werden wie der Speisesaal über dem großen Saal.

 

Archivbau

Im 18. Jahrhundert wurde in Birstein noch vor dem barocken Umbau des Hauptgebäudes ein neuer Verwaltungsbau errichtet. Dieser Bau, der, seiner Doppelfunktion entsprechend, als Archivbau oder Kanzleibau bezeichnet wird, sollte an Stelle der alten Kanzlei, die baufällig geworden war und auch nicht mehr genügend Platz bot, erstellt werden. An Stelle der alten Kanzlei, das bedeutete. der Bau würde, quer vor dem eigentlichen Schloßbezirk gelegen, später noch eine dritte Funktion erfüllen: die eines Torbaus, den es zu durchqueren galt, wenn man den vorderen Schloßhof betreten wollte).

 

Evangelische Kirche

Die alte Kirche von 1701 bestand bis zum Jahre 1913. Der Neubau entstand in der Zeit vom April 1913 ‑ April 1914. Der alte Rundturm mit barockem Helm aus dem 16. Jahrhundert wurde verändert in das Bauwerk einbezogen.

 

Beachtenswert sind besonders die Fenster, so zwei figürliche Fenster im Chorraum (Kreuzigung und Auferstehung), gestiftet von der Familie Lomb aus Rochester (USA), zwei Buntfenster in der sogenannten ehemaligen Fürstenloge mit einer Darstellung der Grafen und Fürsten von Isenburg in Birstein. Ein figürliches Rundfenster an der Ostseite stellt die alte, durch Brand im Jahre 1913 zerstörte Kirche dar. Beachtung verdient auch die sehr schöne, in Holz geschnitzte Kanzel, die nach einer Fotografie der alten Kanzel von Meister Maldfeld aus Meerholz hergestellt wurde. In und außerhalb der Kirche befinden sich Grabsteine von ehemals bestatteten Mitgliedern des fürstlichen Hauses (16.‑19. Jahrhundert). Im Jahre 1914 wurde eine Orgel der Firma W. Ratzmann, Gelnhausen, angeschafft.

 

Katholische Kirche „Mariä Heimsuchung

An der Einmündung der Reichenbacher Straße in die B276 befindet sich die im Jugendstil erbaute Kirche. Sie ist weiß, leicht bräunlich verputzt und hat ein ausgedehntes Schieferdach mit Turm. Der Treppenaufgang ist aus Buntsandstein und führt zum Eingangsportal. Weiterhin besitzt sie über 20 langgestreckte Fenster, die innen von großen Säulen gestützt werden. Neben den reichhaltigen Jugendstilverzierungen fällt besonders die große Innenhöhe des Hauptschiffes auf. Seit 1840 befand sich an dem heutigen Standort des Gotteshauses bereits eine kleine Kapelle. Im Jahre 1961 wurde die Kirche gründlich renoviert. Im Chorraum steht hinter dem Hochaltar eine Kreuzigungsgruppe, links von der Kommunionbank ein Seitenaltar, rechts davon die fürstliche Loge, darüber eine Orgelempore mit einer 1905 angeschafften Orgel der Firma Wilhelm Ratzmann, Gelnhausen. Im Jahre 1936 schenkte Prinzessin Antoinette von Isenburg zu Birstein der Kirche das von Prof. Raffael Schuster‑Moldau gemalte Bild der Hl. Theresia vom Kinde Jesu. Zu erwähnen wäre noch ein Kreuzweg von 14, aus Lindenholz geschnitzten Stationen von der Firma Fleck, Fulda (1938).

 

Birstein-Unterreichenbach

Schon mancher Besucher hat verwundert die massige Kirche betrachtet, die zu dem kleinen Vogelsberg Dorf Unterreichenbach nicht so recht passen will. Für rund 1200 Menschen bietet das Gotteshaus Platz, deutlich mehr, als Unterreichenbachs Einwohnerschaft zählt. Deshalb wird es auch „Vogelsberger Dom“ genannt, ohne wirklich ein Dom zu sein. In diesen Wochen wird das 250. Jubiläum des außergewöhnlichen Bauwerks gefeiert, unter anderem mit einem Festvortrag über die Bauzeit an diesem Sonntag.

Nicht nur die Größe und der 46 Meter hohe Turm an sich lassen den „Dom! als Besonderheit erscheinen. Besonders eigenartig erscheint auch die Anordnung des Turmes, durch den der Haupteingang führt, an der südlichen Längsseite des rechteckigen Grundrisses. Das Innere des Barockbaus ist äußerst schlicht gehalten: viel Holz, kaum Verzierungen. So gebot es die reformierte Lehre, die ab dem 17. Jahrhundert in der Grafschaft Isenburg‑Birstein galt.

Die auffälligste Eigentümlichkeit ist, dass es nicht die übliche Aufteilung in Altarraum und Kirchenschiff gibt, sondern die Kirche ein Saal mit dem Altar in der Mitte ist. Die Bankreihen sind in einzelne Felder unterteilt, entsprechend den Dörfern, die früher das Kirchspiel bildeten, in dem Unterreichenbach eine Mittelpunktfunktion hatte.

Unterreichenbach war einst Gerichtsort für ein Gebiet, das etwa der Größe der Gemarkung der heutigen Großgemeinde Birstein mit ihren 16 Ortschaften entsprach. Das ist sicher eine aber nicht die einzige Erklärung für die Entstehung des „Domes“. Den Baubeschluß fasste die Gemeinde im Jahr 1742 angesichts der Baufälligkeit der existierenden Kirche. Aus eigener Kraft alleine hätten die Dörfer ein Projekt dieser Größenordnung jedoch nicht finanzieren können.

Nach den Aufzeichnungen der Gemeinde betrugen die Baukosten 26.000 Gulden. Nur 5.000 davon legten die Dörfer zusammen. Hinzu kam eine Spende des Fürsten und Einnahmen aus einer Kollekte im ganzen Isenburger Land. Eine beträchtliche Summe entstammte einer Sammlung bei wohlhabenden reformierten Gemeinden in Holland.

Private Kontakte des Unterreichenbacher Pfarrers zu vermögenden Kreisen in Holland mögen manche Türe und Börse geöffnet haben. Reformierte Kirchen in Holland dürften auch Vorbilder für die Planung des „Vogelsberger Domes“ gewesen sein.

Sechs Jahre nach dem Baubeschluß, am 27. April 1748, konnte die Gemeinde den Grundstein legen. Die Kirche wurde zwischen 1748‑1750 von Maurermeister Gallus Diemar aus Fulda, einem Schüler Andrea Gallasinis, erbaut. Sie ist ein quergelagerter Saalbau mit zweigeschossiger Fensteranordnung und einem Mansardendach. Vor der südlichen Langseite befindet sich der hohe Turm mit einer Laternenhaube. Die gesamte Ausstattung des Gotteshauses besteht aus Holz. Die Kirche hat eine dreiseitige, zweigeschossige Empore. An der freien südlichen Längsseite sind die Kanzel und die Orgel untergebracht. Der Altar steht in der Raummitte und wird von einem Balustergeländer umgeben. Die Orgel wurde im Jahre 1880 von der Firma Wagner, Bad Hersfeld, hergestellt.

Zweieinhalb Jahre später, am 18. Oktober 1750, wurde die Einweihung gefeiert. Zweieinhalb Jahrhunderte bis heute hat die Kirche weitgehend im Originalzustand überdauert. Größere Veränderungen betrafen Einbauten wie die im vorigen Jahrhunderte ausgetauschte Orgel und die Glocken, die für Kriegszwecke beschlagnahmt und eingeschmolzen wurden.

Eigenartigerweise hat die Kirche von Unterreichenbach bis heute keinen „amtlichen“ Namen. Doch die Gemeinde ist mit der Bezeichnung „Vogelsberger Dom“ durchaus zufrieden und will diese anlässlich des Jubiläums im Jahre 2000 auch offiziell einführen. Eine kleine Mauer wurde im Kirchgarten in Eigeninitiative errichtet, um eine entsprechende Namenstafel zu tragen. Die Einweihung ist anlässlich des Festgottesdienstes am Sonntag, 15. Oktober vorgesehen, den Bischof Dr. Martin Hein halten soll.

Rabensteiner Grund:

Naturschutzgebiete in Hessen, Band I, Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau, Seite 165.

 

Birstein-Kirchbracht: Evangelische Nikolauskirche

Außerhalb der Gemeinde liegt die im Kern romanische Kirche von Kirchbracht. Bereits vor 1372 wurde ein Gotteshaus erwähnt, das in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und 1590 erneuert wurde. Fenster, Portale und Emporen stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Turmspitze wird von einem Wetterhahn geziert. Im Altarraum befindet sich ein Kreuzrippengewölbe mit einem sehr schön gehauenen Schlußstein. Die spätgotischen Malereien des Gewölbes sind heute leider nicht mehr sichtbar. Die Flachdecke mit Stuckmedaillons im Kirchenschiff stammt aus dem Jahre 1590, ebenso der Kanzelkorb. Das Innere der Kirche wurde von 1956‑1961 renoviert, die Orgel in den Jahren 1967/68 unter Verwendung des alten Prospekts durch die Firma Bernhard Schmidt, Gelnhausen, erneuert. Kirchbracht ist Pfarrstelle seit 1590, mitversorgt wird das Vikariat Lichenroth.

 

Evangelische Kirche

Die Kirche ist ein Saalbau aus dem Jahre 1732, wie eine Jahreszahl über dem Hauptportal nach weist, die von einem dreigeschossigen Dachreiter mit einer achteckigen Ampel gekrönt wird. Die dreiseitigen querornamentierten Emporen des Gotteshauses stammen aus der Erbauungszeit. Eine ornamentierte Steinkanzel steht auf einer gebauchten Säule aus dem Jahre 1677. Im Jahre 1733 wurde am Korb ein Ysenburger Wappen hinzugefügt. Die Kanzel überstand als einzige die Feuersbrunst von 1700, bei der viele Häuser von Lichenroth und auch die Kirche eingeäschert wurden. Ferner befindet sich noch ein alter Opferstock aus Sandstein im Gotteshaus. Die Turmspitze wird durch einen alten Wetterhahn geziert. In den Jahren 1956‑1961 wurde das Innere der Kirche renoviert. In den Jahren 1973/74 wurde durch die Firma Bernhard Schmidt, Gelnhausen, eine neue Orgel eingebaut.

 

Bösgesäß und Böß Gesäß

So klein der Birsteiner Ortsteil Bösgesäß auch ist, so gibt es doch gleich zwei davon, noch dazu mit unterschiedlicher Schreibweise; Bösgesäß „hipp de Bach“ mit etwa 70 und „Böß‑ Gesäß“ „dripp de Bach“ mit rund 120 Einwohnern. Die Trennung der beiden Weiler am Vogelsberg liegt darin begründet, daß der Bach, in diesem Fall die Bracht, die Grenze der amtlichen Zuständigkeiten bildete. Das eine „preußische Bösgesäß“ gehörte zum Altkreis Gelnhausen, das andere „hessisch Böß-Gesäß“ zu Büdingen. So ganz genau wissen selbst die Einheimischen nicht, woher der Name der beiden kleinen Ortschaften stammt. Ein Fremdling habe hier am Waldrand Rast gemacht und sich auf einem großen Stein ausgeruht, wird von den Alten berichtet. Dabei habe er sich wohl verkühlt und ein böses Gesäß davongetragen...

Dazu gibt es sogar ein eigenes Gedicht, in dem es heißt:

Ja, man erzählt sogar die Sage,

daß einst ein Ritter führte Klage,

weil er auf einem Stein geruht,

obwohl er wußte, das tut nicht gut,

daß hinten alles sei entzündet und

da er tiefen Schmerz empfindet,

rief er: „Ich hab ein bös Gesäß“.

Jetzt lieber Mitmensch, weißt du es.

Rein historisch betrachtet ist das natürlich nichts anderes als eine gut gemeinte Anekdote. Gesäß bedeutet zunächst einmal soviel wie Niederlassung. Bös deutet auf einen Namen hin, über den sich die Historiker noch nicht so recht einig sind. Da der Ort in alten Schriften als „Bonßgeßes“, „Bunsgesesze“ und „Bisslechtis“ bezeichnet wird, könnte der Urheber Boso, Bunizo oder Bunzo geheißen haben. Der lebte wohl im tiefsten Mittelalter und kann daher keine Auskunft mehr geben.

Vereinigt sind die beiden Orte jetzt unter dem Dach der 6500-Einwohner‑Gemeinde Birstein, die insgesamt 16 Ortsteile aufweist. Sie liegen zumeist entlang der Verbindungsstraße von Wächtersbach nach Lauterbach.

Die Bösgesäßer scheinen es darauf anzulegen, Fremde an der Nase herumzuführen. Es gibt keine Schule am Schulberg, keinen Platz am Dorfplatz und keine Hirten am Hirtenweg. Vergeblich auch die Suche nach der Destille in der „Destille“, dem einzigen Lokal am Ort mit eher bescheidenem gastronomischen Angebot.

Ein ungleich größeres Angebot findet der Besucher dagegen im einzigen Geschäft des Ortes. Das bietet aber weder Lebensmittel noch sonstige Artikel des täglichen Bedarfs, wie man es hier „oben“ eigentlich erwarten und erhoffen sollte. Die Dörfler selbst frequentieren den Laden von Irmgard Höhl am seltensten. Dafür aber kommen Kunden von weither. Bis nach Aschaffenburg im Süden und Gießen im Norden reicht das Einzugsgebiet.

Irmgard Höhl verkauft beinahe alles, was einen Kuchen oder eine Torte auch optisch zu einem Meisterwerk werden läßt: von der Marzipanverzierung bis zum Hochzeitspärchen aus Keramik. Eßbares Beiwerk stapelt sich in den Regalen, Teletubbies für den Kindergeburtstag, kleine Autos für den Hobby‑Rallyefahrer, geschwungene Kränze zum Ehejubiläum.

Sogar einen Computerdrucker hat Irmgard Höhl angeschafft, der Fotovorlagen in eine verdauliche Folie verwandelt, die dem Festtagsgebäck den letzten Pfiff verleiht. Und damit auch das Ambiente stimmt, gibt es je nach Wunsch entsprechend bedruckte Servietten und Tischsets, Borten und Zierbänder, individuell gestaltete Kerzen bis hin zur Etagere für das mehrteilige Naschwerk. Wer sich die Herstellung einer Torte nicht selbst zutraut, für den hält Irmgard Höhl überdies Backmischungen für Biskuit‑ oder Mürbeteigboden bis hin zur Füllung, ob schlichter Käse‑Sahne‑Fond, Maracuja oder Waldfrüchtecreme, bereit. Mit Wasser anrühren, Schlagsahne hinzugeben - fertig ist die kalorienreiche Leckerei.

 

Immer hatte sich die Hobby‑Konditorin darüber geärgert, daß solche Dekorationen selbst in großen Städten kaum zu finden waren. Ihr Geschäft eröffnete sie 1987. Mittlerweile ‑ dank Mundpropaganda ‑ läuft der Laden glänzend. Beim Verkauf hilft Schwiegertochter Lydia. Obwohl sie nicht aus der Gegend stammt, fühlt sie sich hier wohl. Zwar gebe es einige junge Leute, die wegzögen, „der harte Kern aber bleibt“. Gerade im Winter mit seinen langen Nächten sei es wunderschön hier, wenn der Schnee die rauhe Landschaft überzuckert.

Eine verschworene Gemeinschaft seien die Dörfler, die zusammenhalten und vieles miteinander auf die Beine stellen. Das alte Backhaus haben sie wieder in Schuß gebracht, einen Sandsteinbrunnen gehauen, der jetzt reichlich klares Wasser spendet. Man unterhält sich selbst, etwa mit der Theatergruppe „Mir sei mir“.

Diese intensive Form von Geselligkeit wiegt die Nachteile der langen Wege auf, die man hier ‑ fast ‑ am Rande der Zivilisation in Kauf nehmen muß, ob für Besorgungen, Schulbesuch oder das tägliche Pendeln zum Arbeitsplatz in Büdingen oder Frankfurt.

Außer für die paar Vollerwerbslandwirte gibt es nur zwei Jobs am Ort, etwa beim Zimmerer und Dachdeckerbetrieb Karnelka. Die 69 Jahre alte Gretel Karnelka war früher die Postfrau im Ort. Sie ist ebenso wie die 62 Jahre alte Anneliese Schneider noch in die alte Dorfschule gegangen. Diese wurde 1907 errichtet. So steht es noch heute auf der Wetterfahne, die auf einem schmucken Türmchen thront. Darin wiederum ist ein Glöckchen untergebracht, das früher zum Unterrichtsbeginn rief, mittlerweile aber nur noch den Tod eines Dorfbewohners beklagt.

Das Backhaus haben die Einwohner wieder in Schuß gebracht. Regelmäßig alle zwei Wochen wird dort eingeheizt. Das nächste Backhausfest ist am 9. September. Und schon vorher wird eine andere Eigenleistung begangen: die Fertigstellung des kleinen Sandsteinbrunnens. Das Brunnenfest ist für den 26. August geplant. Da gibt es natürlich noch die Feuerwehr, den Motorradclub, die Fußballer, den Frauenverein und die Theatergruppe „Mir sei mir“, damit auch ja keine Langeweile aufkommt.

Das auffälligste Gebäude in Böß‑Gesäß wird inzwischen als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Die provisorische Instandsetzung war nicht eben denkmalgerecht. Davon kündet beispielsweise eine mit roten Poroton‑Steinen vermauerte Außentür. Und auch die Sirene auf dem Dach will zum Ambiente nicht passen. Einige Räume in dem verschieferten Bau, der auf behauenen schwarzen Basaltsteinen ruht, sind vermietet. Bis in die 60er Jahre hinein war das die Lehrerwohnung. Seither müssen die Kinder nach Birstein in die Schule. Auch einen Kindergarten gibt es hier nicht, lediglich einen Spiel‑ und einen Bolzplatz, der offenbar selten genutzt wird. Alles wird gut bewacht von den Hunden des Dorfes, die jeden Fremden sofort verbellen.

 

Untersotzbach:

Feuerwehrmuseum und Brandschutzlehrpfad.

 

 

 

Eichelsdorf (zwischen Nidda und Schotten):

Diese Tour gehört zu den Extratouren Vogelsberg (www.extratouren-vogelsberg.de) und trägt den Namen „Naturtour Nidda“. Sie ist sehr gut markiert mit dem Logo des Vulkans Vogelsberg, nämlich rot-grün auf weißem Grund. Die Läng beträgt 14 Kilometer, die Gehzeit ist 4,5 Stunden. Die Höhenunterschiede sind 260 Meter bergauf und 260 Meter bergab.

Die sanfte Tour führt durch zwei Naturschutzgebiete mit schönen Waldrandwegen und Waldpfaden, herrlichen Aussichten und dem Durchgang durch ein typisches Vogelsbergdorfes. Der Reiz dieser Tour liegt vor allem in ihrer starken Naturnähe mit dem Erlebnis natürlicher Stille und Abgeschiedenheit. Viele naturbelassene Wege sind das Kennzeichen dieser Tour. Schmale Pfade - quer durch den Wald gelegt - sind spannend und wecken Abenteuerlust.

In abgeschiedenen Wiesenlandschaften, fern des Lärms der Zivilisation fühlt man sich eins mit der Natur. Der Abwechslungsreichtum ist auch für Kinder motivierend und für Familien gut geeignet. Der Schwierigkeitsgrad ist leicht bis mittelschwer, die Pfade erfordern gutes Schuhwerk und Koordinationsvermögen.  Bitte nur tagsüber laufen - nicht in der Dämmerung - um das Wild nicht zu stören.

Von der Autobahn A 45, Abfahrt Florstadt, fährt man in Richtung Schotten. Hinter Nidda kommt man nach Eichelsdorf. Am Ortsausgang ist rechter Hand die Bushaltestelle mit Parkplatz. Hier ist der Startpunkt der Wanderung. Entweder geht man ein Stück nach Westen zum sogenannten „Waldportal“ oder nach Osten gleich in die Brandesgasse, die in Richtung Eichköppel führt. Am Ende der Straße geht es steil den Berg hinauf.

Hier hat man schon eine weite Aussicht über den hohen Vogelsberg bis zum Taunus. Auf der Höhe ist eine Wiese, über die man zum Hoherodskopf sehen kann.

Das Naturschutzgebiet „Eichköppel“ ist eine ursprüngliche Heidelandschaft mit knorrigen Bäumen und Ameisenhügeln auf einem Basaltrücken. Es ist ein Naturschutzgebiet mit urwüchsigen Gehölzriegeln, Wiesenstreifen, historischen Huteweiden und Magerrasenflächen. Im Sommer ist hier oft der Schäfer mit seiner Herde, denn die Pflege der Wiesen findet bis heute überwiegend durch Schafbeweidung statt.

Auf der Südseite des Eichköppels geht es erst noch einmal ein Stück nach unten, aber dann doch wieder nach oben, so daß man noch einmal an das Naturschutzgebiet herankommt. An einer Pferdeweide geht es wieder nach unten und dann am Waldrand entlang nach Süden. Hier soll man offenbar im Inneren des Waldes laufen, aber man findet von oben nicht den Zugang. Deshalb ist es etwas verwirrend, wenn man unten die Markierungen im Wald stehen sieht. Hier muß man aber über die Wiesen nach Südwesten abbiegen. Dann geht es wieder am Waldrand entlang in den Talgrund des Eichelbachs. Die üppigen Wiesen und der mäandernde Bach sind vom Weg am Waldrand aus schön anzuschauen.

Hier ist auch der Schalksborn und eine steinerne Bogenbrück führt über den Bach. Am Waldrand entlang geht es bis zu einem Forstweg, wo es im rechten Winkel nach links weiter geht. Weiter am Waldrand entlang kommt man zu einer Stelle, wo links der VV Gedern abbiegt. Man geht aber noch ein kleines Stück geradeaus weiter und dann rechts in den Wald

Auf kleinen Pfaden und Forstwegen geht es dann (gut markiert) über den Benderwiesenweg bis in ein lang gestrecktes Wiesental, den Heißbachgrund, dem zweiten Naturschutzgebiet am Weg. Man erreicht es an einem kleinen, mit Schilf gerahmten See, auf dem sich verschiedene Wasservögel tummeln.

Man geht dann hinunter ins Tal und folgt diesem in Richtung Westen. An einer Stelle wird man hier ein Stück durch den Wald geführt, um einen Bienenstand von hinten zu umgehen.

Ein Stück weiter lädt die Sitzgruppe im Heißbacher Grund ein zur sonnigen Rast (nach 8,3 Kilometern).

 

Dort geht es wieder rechts in den Wald. Eine Informationstafel zeigt den Heißbachgrund von Michelnau (Achtung: Die Karte ist nicht genordet, sondern steht auf dem Kopf). Er ist eines der letzten schönen und einzigartigen Waldwiesentäler am Fuße des Vogelsbergs. Auf einer Fläche von etwa 50 Hektar haben noch viele heimische und zum Teil Bestands gefährdete Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum.

Der Weg führt dann zum Nestlplatz (auch: Nestlerplatz). Hier sind zwei Bänke mit Gedenkstein und historischem Wanderpfahl zu einem kleinen Ensemble gruppiert. Der Stein erinnert an den Forstamtmann Werner Nestl, Revierleiter der Revierförsterei Eichelsdorf, geboren 1969. Er verunglückte am 13. November 1994 durch einen tragischen Bergunfall im Himalaya-Gebirge tödlich. Die Wegweiser wurden in den dreißiger Jahren aufgestellt, einer ist rekonstruiert hier erhalten. Er zeigt den Beginn des Röderwegs an.

 

Von hier aus kann man noch auf die Verlängerungsvariante nach Michelnau gehen (sechs Kilometer mehr). Sie führt zum verwunschenen Steinbruch Michelnau mit dem weltweit fast einmaligen roten Lavatuff . Dieser Weg ist durchgängig mit dem gleichen Markierungszeichen, nur in Voll-Grün, gekennzeichnet. Weiter kann von Michelnau aus durch die Klippe „Am Hohenstein“ nach Nidda (3 Kilometer) gewandert werden.

Im spitzen Winkel geht es dann auf einem Forstweg weiter. Hier muß man etwas aufpassen, weil es auf einen kleinen Trampelpfad nach links in den Wald geht. Nach einiger Zeit auf den Naturwegen geht es durch aufgelassene kleine Basaltsteinbrüche und durch eine Blocksteinhalde -  Zeichen der vulkanischen Tätigkeit vor Millionen von Jahren. Den Abschluß bilden die Bärensteine.

Auf dem Heyer-Weg geht es wieder ein Stück nach Süden zum „Schmitter Blick“. Hier kann der Wanderer die herrliche Aussicht über das Niddatal genießen und bei klarem Wetter sogar bis zum Dünsberg hinter Gießen blicken. Die Panoramakarte neben der Rastbank hilft bei der Orientierung.

Die schöne Aussicht bleibt bis zur Grillhütte Hundsrück auf dem nächsten halben Kilometer. Hier kann man nach zwölf Kilometern noch einmal rasten. Am Waldrand entlang geht es dann auf Eichelsdorf zu. Wo der Wald endet, könnte man schon direkt ins Dorf hinunter steigen, wenn man in die  Gaststätte will. Es empfiehlt sich aber, der Markierung zu folgen, die

über Wiesenwege zum Eichelbach und in das Dorf führt. Rechts liegt die spätromanische Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert.

Dann geht es quer durch den alten Ortskern: So lässt sich das schöne Fachwerkensemble zu beiden Seiten des Bachlaufs bewundern. Kurz darauf geht es über eine Fußgängerbrücke mit Blick auf die Mündung des Eichelbaches in die Nidda und dann zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.

Von hier aus kann man dann zur Gaststätte am westlichen Ausgang des Dorfes direkt an der Durchgangsstraße fahren. Etwa 500 Meter vom Wanderparkplatz liegt die „Frankenstube“, Frankenstraße 50, 63667 Eichelsdorf, Tel. 06043-7974 (Dienstag oder Mittwoch Ruhetag, Montag bis Samstag ab 17.00 Uhr, Sonn-. und Feiertags ab 10.00 Uhr, 1. Mai bis Ende Oktober: Samstag ab 12 Uhr, an Ruhetagen für Gruppen auf Anmeldung: 06043 - 7974.

ÖPNV- Haltestelle „Nidda Eichelsdorf; Bürgerhaus“  am Ortsausgang in Richtung Schotten.

Freizeitbus Vulkan-Express FB 93 (Mai-Okt. an Sa.-So. u. Feiertage). Linienbus 5155 ganzjährig Montag bis Freitag.

 

 

 

Burkards: Stumpe Kirch

Einen Kilometer hinter Gedern geht es links ab Richtung Schotten. Wenn man durch den Wald auf ein Wiesengelände kommt, dann steht in einer scharfen links Kurve auf der linken Seite ein Schild „Stumpe Kirche“. Man läßt das Auto stehen und läuft die gut 600 Meter zu der Ruine dem seit etwa 1926 als „Marcellinus-Kapelle“ bezeichneten Kirchenstumpf. Diese verfiel seit der Reformation und war ganz unter Schutt verdeckt.

Westlich, dicht unter dem Kamm der Hügelkette, verlief überJahrhunderte ein Zweig der stark benutzten „Hohe Straße“ nach Fulda („Rechte Nidderstraße“). Auf dieser Straße soll auch im Sommer 754 der Leichnam des Bonifatius transportiert worden sein. Überall wo man Mittagrast oder Nachtruhe einlegte, sollen nach einer Fuldaer Überlieferung im 11. Jahrhundert Kreuze oder Gotteshäuser errichtet worden sein. Seit 1925 wird deshalb der Kirchenstumpf als Bonifatiusweg-Station vereinnahmt.

Die im Durchschnitt 90 Zentimeter starken Sockelmauern sind in einer Höhe von etwa 1,30 Meter erhalten. Die Saalkirche hat eine Fläche von 17,10 mal 8,85 Meter. Eingänge sind die 1,25 Meter breite Haupttor auf der Westseite sowie eine einen Meter breite Pforte in der Nordostecke. Der Chor war vom Schiff durch eine 60 Zentimeter breite Mauer abgetrennt, er öffnete sich zum Gemeinderaum in Form eines 2,17 Meter weiten Durchgangs, der einmal von einem Triumphbogen überspannt war. Die Kirche hatte insgesamt drei Joche. Hinweise auf einen Chorturm oder Dachreiter gibt es nicht. . Im 16. Jahrhundert wurde das Gotteshaus aufgegeben. Ein Vergleichsbau ist die fast gleich große Kirche in Dexbach bei Biedenkopf.

 Aus der „Stumpen Kirche“ stammt der „Helgenstein“. Er ist heute außen in die Kirche von Burkhards eingemauert. Die Burkhardser hatten zunächst eine Kirche bauen wollen, wo heute der Friedhof ist und wollten den Stein von der alten Kirche dort einbauen. Aber von dort ist er aber immer wieder nachts verschwunden, weil er an seinen ursprünglichen Ort in der Marcellinus-Kapelle zurück wollte. Erst beim Bau der neuen Dorfkirche 1754/55 sei der Helch dort geblieben.

 

Schotten

Der Luftkurort Schotten ist das „Herz des Vogelsberges“. Das hübsche Fachwerkstädtchen wurde im 8. Jahrhundert von irischen und schottischen Mönchen gegründet. Der mittelalterliche Dorfkern, die gotische Liebfrauenkirche und die vielen Restaurants und Cafés laden zur Rast geradezu ein. Imposante Bauten, entstanden im 14. bis 18. Jahrhundert, prägen seinen mittelalterlichen Kern. Durch eine gelungene Altstadtsanierung konnten die alten Fachwerkhäuser restauriert und der historische Charakter der Innenstadt erhalten werden. Gässchen, Passagen, gemütliche Ecken und liebenswerte Details erfreuen den Gast bei seinem Rundgang durch die Altstadt.

 

Das gotische Schloß der Eppsteiner wurde 1323 als Wasserburg angelegt. Nach einer Fehde im Jahre 1382 wurde es 1403 wieder aufgebaut als Steinbau mit Stufengiebel. Ende des 19. Jahrhunderts brannte es völlig aus. Es wurde als Amtsgerichtsgebäude neu ausgebaut, heute befinden sich Anwaltskanzleien in dem Gebäude.

In einer Schenkungsurkunde von 778 werden acht Kirchen erwähnt, darunter eine in „buchonia ad scotis“, also bei den iroschottischen Missionaren in Schotten. Die heutige evangelische Liebfrauenkirche (= Stadt-Kirche)(geöffnet im Sommer von 15–16 Uhr) wurde nach 1300 als quadratische gotische Hallenkirche begonnen:

Nach der Stadterweiterung wurde 1382 ein breiter Westbau angeschlossen, der aber unvollendet blieb, weil der Mainzer Erzbischof diedoppeltürmige Westfront untersagte. Die Kirche hat ein reich gestaltetes Äußeres mit Maßwerkfenstern, am Südportal steht eine Madonna zwischen den Stiftern Konrad von Trimberg und Luckarde von Eppstein (nach anderer Meinung die Heiligen Drei Könige). Zur Innenausstattung gehört ein dreiflügliger gotischer Flügelaltar (um 1375), eines der bedeutendsten Werke hessischer Malerei. Die Tafelbilder zeigen Szenen aus dem Marienleben und von der Passionsgeschichte sowie, in der Mitte, eine geschnitzte Muttergottes. Der Taufstein ruht auf drei Löwen. Die Orgel von 1782 hat einen reichen Prospekt.

Das kostbarste Stück aus Schottens Vergangenheit wurde 17 Jahre lang restauriert und steht seit 1988 wieder dort, wo es rund 600 Jahre gestanden hatte - im Chorraum der Liebfrauenkirche. Der gotische Flügelaltar mit ungewöhnlich reicher Figürlich- und Detailfreudigkeit (selbst die Leibesfrucht ist bei Maria und der heiligen Elisabeth im rechten oberen Feld erkennbar) findet in Hessen nur noch wenige Entsprechungen. Als der Altar erneut aufgestellt wurde, leistete sich die Gemeinde zwar keinen Chagall als Kirchenfenstermaler, aber was die Zehntkläßler der Schottener Gesamtschule auf dem linken vorderen (Acrylglas-)Fenster schufen - das Leben Albert Schweitzers, Jesu und Dietrich Bonhoeffers - darf sich durchaus mit künstlerischen Maßstäben messen lassen. Niemand denkt mehr daran, die Scheiben zu entfernen. Welchen Werbewert dieses gewiß einzigartige Kirchenfenster hat, haben die Öffentlichkeitsarbeiter der Stadt noch gar nicht so recht bemerkt.

Wie wäre es zudem mit einem Slogan ä la »Der Schiefe Turm von Schotten«? Tatsächlich neigt sich die Spitze des Glockenturms ganz erheblich. Anders als in Pisa wurde er vermutlich aus statischen Gründen absichtlich gekippt. Bei den kräftigen Westwinden wird die Spitze gradegestellt und verleiht dem Gotteshaus die nötige Standhaftigkeit. So manches wir in Schotten eben nicht an die große Glocke gehängt, und es bleibt ein Geheimtip für Entdeckerfreuden im Detail.

 

So klein ist mal wieder die Welt: Da wird ein gebürtiger Schottener in Japan ZDF-Korrespondent, erzählt seinen Bekannten in Tokio von der Schönheit seiner Heimat mit dem Ergebnis, daß nunmehr so manchen Söhnen und Töchtern Nippons für ihre Trauung der Weg nicht zu weit in den Vogelsberg ist. Geheiratet wird stilecht im Hochzeitszimmer des herrlichen Fachwerk-Rathauses aus dem frühen 16. Jahrhundert (um 1512).  Nicht nur Japaner setzen somit eine lange, bis zu den Anfängen des spätgotischen Baues reichende Tradition fort, als Rats- und Festsaal noch eins war und gelegentlich die Sitzungen der Ratsherren außer Haus verlegt werden mußten, weil eine „Hochzeits-Kompagnie“ den Saal besetzt hielt.

Nach dem endgültigen Auszug der Stadtoberen blieb das Haus fest in Bürgerhand. Ein Anlaß zum Festefeiern unter den schweren Balken ist immer schnell gefunden. Auf Wunsch von Einzelreisenden zeigen die Mitarbeiter des Verkehrsamtes auch gerne die hohe frühere Markthalle, die das halbe Parterre einnahm.

Über das Fachwerk-Rathaus hinaus ist so mancher pittoreske Winkel in Schotten dazu angetan, nicht nur japanische Vorstellungen von Butzenscheiben-Romantik und Beschaulichkeit deutscher Kleinstädtchen einzulösen. Von Verputz und Schindeln entblättert, wurde ein fast lückenloser Fachwerkbestand freigelegt, wie auch das Haus in der Vogelsbergstraße 95, das heutige Heimatmuseum. Sein herausragendes Exponat ist eine reich beschlagene sogenannte Seitstolltruhe aus dem 14. Jahrhundert und eine liebevoll gestaltete Ecke zur Erinnerung an die große Zeit der Motorradrennen auf dem Schottenring zwischen 1925 und 1955, darunter eine zweisitzige Zündapp aus dem Jahre 1928.

Am schönsten aber ist das Heimatmuseum südöstlich der verkehrsberuhigten Straße, ein allerliebstes Bürgerhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert. Seine Sammlungen zeigen alles, was man über das Leben der Vogelsberger in früheren Zeiten auftreiben konnte ‑ von urgeschichtlichen Funden über originelle Liebesbriefe, die auf Tuch geschrieben und gemalt wurden, bis zur bäuerlichen Wohnkultur des vorigen Jahrhunderts. Auch die Arbeitsstätte eines Schottener Metzgers ist zu sehen.

In Schotten gibt es Richtung Osten einen Vogelpark.

Am Rande von Schotten liegt der Hof von Nicolai Hampel mit Anguskühen und Galloways.

In der Western-World kostet die Tageskarte 7 €, dort kann man im Tippi-Hotel übernachten, muß aber seine Schlafsachen mit bringen.

Der Nidda-Stausee, eine beliebte Freizeiteinrichtung ganz in Stadtnähe, verbindet den Luftkurort Schotten mit dem Erholungsort Rainrod.

 

 

Breungeshain

Die Lage und Entstehung des Dorfes

Breungeshain liegt in dem kleinen Tal des Eichelbaches unmittelbar am Fuße des Hoherodskopfes in einer Höhenlage von ungefähr 575 Meter. Der Ort wird auf drei Seiten von den höchsten Erhebungen des Vogelsberges umgeben, im Nordwesten vom Gackerstein (663 Meter), im Nordosten vom Taufstein (773 Meter), im Osten vom Hoherodskopf (764 Meter) und im Süden vom Bilstein (666 Meter). Nach Südwesten hin öffnet sich das Tal in Richtung Schotten-Nidda. Im Norden der Gemarkung liegt die Breungeshainer Heide, etwas weiter entfernt das bekannte Hochmoor, sowie die Niddaquelle, der Geiselstein (720 Meter) und die     Goldwiese.

Wann Breungeshain genau gegründet worden ist, wurde nicht überliefert. Der Sage nach lebte einst in der heutigen Gegend von Breungeshain ein alter Chatte namens Kaß. Dieser ließ sich taufen. Seine vier Söhne Dietz, Lutz, Götz und Heinz aber beharrten bei ihrem alten Glauben. Darüber erzürnte sich der Alte so sehr, dass er sich von seinen Kindern trennte und in eine       unbekannte Gegend ging. Seine Nachkommen bevölkerten die weiteren Täler um den Vogelsberg und gründeten zahlreiche Siedlungen. Mit der Zeit gerieten aber die vier Söhne untereinander in Streit. Da alle Aussöhnungsversuche vergeblich waren, trafen sie sich eines Tages mit ihren Sippen auf der Heide zwischen dem heutigen Taufstein und dem Hoherodskopf, um ihren Streit mit den Waffen auszutragen. Schon standen sie sich zum Kampfe      gerüstet gegenüber, als plötzlich der alte Kaß unerkannt unter sie trat.

Er ermahnte seine Söhne zum Frieden, und als diese ihren alten Vater erkannten, legten sie die Waffen nieder und erklärten sich bereit das Christentum anzunehmen. Ein Stein wurde zum Becken behauen. Dort taufte der alte Kaß alle seine Nachkommen und lebte noch viele Jahre auf diesem Berge, der von da an den Namen Taufstein erhielt. Ein Enkel des Kaß,      Bruno, blieb bei ihm bis zu seinem Tode. Er baute in der Nähe des Taufsteines und des Hoherodskopfes ein Kirchlein in dessen Inneren er den Leichnam des alten Kaß beisetzte. Brunos Nachkommen aber, die Bruninger, siedelten sich in der Nähe des Kirchleins an. Ihr Wohnort hieß Bruningshain und wird jetzt Breungeshain genannt. Soweit die Sage.

Auch daß Bonifatius in der hiesigen Gegend gewirkt haben soll, wird vermutet, steht aber geschichtlich nicht fest. Möglich ist es jedoch, da einige Stellen in der umliegenden Gegend nach ihm benannt wurden; zum Beispiel der Bonifatius-Brunnen auf dem Taufstein.

Es ist gelungen, viele Orte mit altertümlichen Namen in verschiedenen Siedlungsperioden einzureihen. Breungeshain fällt danach in die dritte Siedlungsperiode, die auch als die große Rodungsperiode (etwa um 800-1300 nC) bekannt ist. Um neuen Boden für Land zu gewinnen, stiegen damals die Siedler aus den Tälern und Niederungen der Wetterau in die Regionen der Basaltböden des Oberwaldes hinauf und drängten den Wald immer weiter zurück. Die Mehrzahl der Namen dieser neu gegründeten Dörfer enden auf -rod, -rode, -hagen und -hain. Die -hain Orte liegen noch höher als die -rod Orte, sie sind also jünger als diese. Aufgrund der Überlieferung soll jedoch das alte Dorf Breungeshain weiter hangaufwärts in der Nähe dieses oben schon erwähnten Kirchleins gelegen  haben. Über den genauen Ort gibt es jedoch widersprüchliche Meinungen. Einerseits spricht man davon, dass der Ort in der Nähe des heutigen     Friedhofes gelegen haben soll, wo auch angeblich die erste Kirche gestanden hat. Andere wiederum vertreten die Meinung, dass das Dorf noch weiter oben in der Nähe der Quelle des Eichelbaches gelegen habe.

Warum das alte Breungeshain von seinen Bewohnern verlassen und aufgegeben wurde, kann auch nur vermutet werden. Viele vertreten die Meinung, dass das Klima eine entscheidende Rolle für den Standort weiter talabwärts gespielt habe.  Zweifellos ist die heutige Dorflage klimatisch günstiger als die alte, weil sie mehr Windschutz bietet. Manche Forscher vertreten jedoch die Meinung, dass das Klima alleine nicht der Grund für die Verlegung des Dorfes an seine heutige Stelle gewesen sei.

 

Die Bedeutung von Breungeshain im Mittelalter

Nach der ersten Erwähnung von Breungeshain im Jahre 1067 erfahren wir erst wieder im 14. Jahrhundert etwas über die Geschichte des Dorfes. Aus zwei Urkunden aus den Jahren 1324 und 1348 geht hervor, dass das Antoniter-Kloster zu Grünberg Teile von Breungeshain in seinem Besitz hatte. Ihm gehörte auch die Kirche, was durch das Antoniter-Kreuz, das sich noch heute auf der Kirche befindet, dokumentiert ist. Aus der Breungeshainer Kirchenchronik erfahren wir, dass die Schenken zu Schweinsberg 1314 Dorf und Burg zu Lehen hatten. Sie bewohnten zu Breungeshain eine kleine, aber sehr feste, von Wall und Wassergraben umgebende Burg, das „Burghaus“ genannt. Wahrscheinlich wurde die Breungeshainer Burg im Jahre 1382 zusammen mit der Alteburg und dem Schloss in Schotten von dem Rheinischen Städtebund zerstört.

 

Kirche, Burg und Dorf verdanken ihr Dasein der wichtigen Passlage. Denn in nächster Nähe überschreiten Nidda- und Niddastraße den Gipfel des Vogelsberges. Wer diese Pässe in der Hand hatte, konnte alle Transporte kontrollieren, konnte die Fahrten ermöglichen, durch Vorspann beschleunigen und erleichtern, konnte sie aber auch verhindern. Die Besatzung der Burg hatte die Straßen zu sichern, die Kirche am Fuße der Kuppe ermöglichte Bitt- und Dankesopfer vor oder nach dem beschwerlichen Übergang.

Breungeshain war also nicht ein einsames Dorf im weltvergessenem Winkel, sondern eine sehr wichtige Passsicherung  an uralten Fernstraßen. Auf den alten Höhenstraßen vollzog sich von ältesten Zeiten her der Verkehr von der Wetterau aus in Richtung Fulda, Hersfeld usw. Transporte, die von der Niddastraße abzweigend den Niddastraßenpass bei Herchenhain erreichen wollten, benutzten die Verbindungsstraße zwischen Breungeshain und Sichenhausen. An der Stelle, wo diese „Sichenhäuser Straße“ den Eichelbach in einer Furt querte, entstand das zweite Dorf Breungeshain, da das Überqueren des Eichelbaches Schwierigkeiten bereitete und Hilfe erforderlich werden ließ. So entstanden hier die ersten Häuser am Eichelbach. Hinzu kam, dass durch die vorhandene Burg die Bewohner des alten Breungeshain das Oberdorf nach und nach aufgaben und sich in der Nähe der Burg ansiedelten, da sie sich hier sicherer fühlten.

Auch unter dem 30-jährigen Krieg hatte Breungeshain zu leiden. 1621 und 1622 plünderte das Kriegsvolk die Oberkirche und zerschlug die Fenster der Unterkirche, während es im Dorfe noch „andere Greuel“ verübte. Im Jahre 1634 stahlen die Schweden einen Teil der Opfer aus der Dorfkirche. Zu der Kriegsnot kam dann auch noch die Pest. Nach einem Bericht war die Zahl der Männer durch Krieg und Pest im Jahre 1636 auf 24 herabgesunken. Im Jahre 1652 hatte Breungeshain 27 Familien mit etwa 121 Einwohnern. Auch im 7-jährigen Krieg hatten das Dorf und die Bevölkerung unter den Kriegsereignissen zu leiden. Im Jahre 1760 sollen französische Truppen geplündert und „gehaust“ haben.

 

Die Entwicklung von Breungeshain von 1800 bis heute

Aus den Jahren von 1840- 1850 wird von vielen Missernten berichtet, die  dazu führten, dass viele Leute in den folgenden Jahren nach Amerika auswanderten. Breungeshain hatte am 3. Dezember 1852 noch 546 Einwohner. Diese Zahl verringerte sich jedoch in den folgenden Jahren recht schnell. So waren es 1864 nur noch 368 Einwohner.

Im Jahre 1970 verlor die Gemeinde Breungeshain ihre Selbstständigkeit, als sie sich bei der Gebietsreform mit der Stadt Schotten zusammenschloss. Als Stadtteil von Schotten gehört Breungeshain seit 1972 zu dem neu gegründeten Vogelsbergkreis.

 

Breungeshain, der Vogelsberg und die heutige Zeit

Breungeshain hat sich wie viele andere Dörfer des Vogelsberges im Laufe der letzten 50 Jahre von einem reinen Bauerndorf in ein Gemeinde verwandelt, in der heute niemand mehr von dem alleinigen Beruf des Landwirtes lebt. Die Familien, die heute noch Landwirtschaft betreiben, tun dies nur noch als Nebenerwerb nach Feierabend und an den Wochenenden.

Fast alle Männer fahren nach außerhalb, um in den benachbarten Städten wie Schotten, Nidda, Gießen oder sogar Frankfurt ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu verdienen. In früheren Jahren gab es noch einen Gesangsverein, einen Kriegerverein, einen Verkehrsverein und in jüngerer Zeit einen Ski-Club, doch all diese Vereine haben sich wieder aufgelöst.

 

Die Kirchen des Dorfes

Um das Jahr 1000 nCh. versuchte man vom Kloster Fulda aus, dem das hiesige Gebiet damals gehörte, neue Pfarreien gegen die zur gleichen Zeit von schottischen Missionaren gegründete schottisch-straßburgische Kirche anzulegen. So gründete der damalige Erzbischof von Mainz im Jahre 1016 Kirche und Pfarrei von Wingershausen (südlich von Schotten) und erhob diese zu einer Mutterkirche. Diesem Kirchenspiel wurde auch die Gemarkung Breungeshain zugeteilt.

Die erste urkundliche Erwähnung findet Breungeshain in einer Mainzer Urkunde aus dem Jahre 1067. Nach dieser Urkunde verleiht Erzbischof Siegfried von Mainz am 25. März 1067 der bereits schon früher erbauten Kirche zu Breungeshain die Eigenschaft einer Mutterkirche, weiht sie als solche ein und verleiht ihr den noch nicht gegebenen Zehnten der Pfarrei von Wingershausen.

Die 1067 geweihte und als Mutterkirche bestätigte erste Breungeshainer Kirche ist nicht mehr vorhanden. Sie stand auf dem östlich des Dorfes gelegenen Friedhof. Die heute auf ihm noch zu sehenden Grundmauern stammen von einer um 1300 erbauten Kirche. Diese Feld- oder Oberkirche wurde dann aber nur noch zur Abhaltung von Leichenpredigen benutzt. Um 1700 wurde sie, da sie baufällig geworden war, bis auf die hohen Mauern abgebrochen. Diese blieben noch etwa 100 Jahre stehen und wurden um 1800 niedergelegt. Heute stehen auf dem Friedhof rechts vom Eingange nur noch einige Grundmauern:

Wann die erste Kirche im heutigen Dorf erbaut wurde, ist nicht überliefert, vielleicht um 1300. Sie wird aber schon 1599 erwähnt. Der Grund für den neuen Bau einer neuen Kirche war, daß nach der Verlegung des Dorfes weiter den Eichelbach abwärts (also nach Südwesten), die alte zu weit vom Dorf lag. Im 30-jährigen Krieg erlitten beide Kirchen erhebliche Schäden. Trotzdem wurde 1639, also mitten in diesem schrecklichen Krieg, eine bedeutende Reparatur an der Dorfkirche vorgenommen.

Die heutige Kirche ist ein in den Jahren zwischen 1708 und 1715 entstandener Saalbau mit polygonalem Chor, erbaut von Zimmermeister H. G. Haubruch aus Herbstein. Das Gebäude aus kräftigem Eichenholz mit durchlaufenden Eckpfosten ist an der Westseite geschindelt. Der Turm wurde erst 1952 errichtet und das Südportal mit Holzpilastern erhielt ein Schutzdach.

Besonders interessant ist das alte hessische Wappen über dem Kirchenportal, sehr bemerkenswert ferner die an dem äußeren Chor hängende „Schreckmaske“. Auch die vier Köpfe, die hoch über dem Kircheneingang ihre Zungen herausstrecken, galten früher als Abwehrzauber.

Im Innern der Kirche ist eine flache Decke im Schiff, im Chorraum ein Holzgewölbe mit Rippen. Die Empore schmücken Brüstungsmalereien. Auf der Rückseite des Altars liegt ein großer runder, leicht abgeflachter Stein. Offenbar wurde hier ein vorchristlicher Kultbestandteil in die heiligste Stelle des christlichen Gottesdienstes integriert. Im Jahre 1972 wurde eine Elektroheizung eingebaut sowie die Sitzbänke und der Fußboden im Schiff wurden erneuert.

Des Weiteren wurde das gesamte Fachwerk im Jahre 1983 überarbeitet und neu gestrichen. Die Kirche ist täglich bis 18 Uhr geöffnet.

Man findet die Kirche wenn man von Schotten kommt rechts neben der Straße. Wenn man dann in Richtung Hoherodskopf weiterfährt,  geht rechts die oherodskopf fährt, geht rechts die Oberwaldstraße ab, die steil zum Friedhof führt. Der Weg lohnt sich schon wegen der Aussicht.

 

Hoherodskopf:

Entspricht die Hochebene des zentralen Vogelsberges auch nicht unbedingt herkömmlichen Vorstellungen von einem Vulkan, wird am etwa zehn Quadratmeter großen Relief im Naturschutz-Informationszentrum sein geologischer und topographischer Aufbau offenkundig, wie stark er sich von anderen Mittelgebirgen unterscheidet. An der inselartigen, fast runden Gestalt des Vogelsberges erkennt man, wie 16 Bäche den stark zerlappten Kegelstumpf radial aus den tiefen Erosionsrinnen entwässern, unter ihnen der Ursprung der Nidda. Den Wasserreichtum verdankt der Vogelsberg den hohen Niederschlagsmengen zwischen 1200 und 1400 Millimeter im Jahr. Er ist nicht nur Wasserscheide von Rhein und Weser, er gilt auch als Wetterbarriere: Rund sechs Monate des Jahres hüllt er sich in Nebel und Regenwolken.

Von der Straße von Schotten nach Grebenstein geht rechts die Straße zum Hoherodskopf ab.

Vom Parkplatz geht man nach rechts zum Naturschutz-Informationszentrum (die Gebäude links sind Tagungsstätte, das Büro und die Ausstellung sind ganz rechts). Auf einer Schautafel rechts steht: „Achtung! Sie stehen auf einem Vulkan!“ Mit etwas Augenzwinkern wird „gewarnt“ vor der Lava unter den Füßen der Wanderer und Ausflügler. Die Wahrscheinlichkeit, daß der einstmals größte Vulkan Europas erneut ausbrechen könnte, ist allerdings gleich Null. Wenn es auch vorkommt, daß sogar über Jahrhunderte und Jahrtausende ruhende Vulkane unvermittelt wieder aktiv werden, muß am Hoherodskopf niemand auf verdächtige Rauchwolken achten.

Das Naturschutz-Informationszentrum (kurz: NIZA) auf dem Hoherodskopf wurde zum Verständnis der geologischen und ökologischen Zusammenhänge eröffnet. Zahlreiche Schautafeln, Modelle, Tier- und Pflanzenpräparate geben Einblicke in Charakteristika des Vogelsberges, der vor allem von zwei Elementen bestimmt wurde und wird – von Feuer und Wasser.

Der weitere Rundgang entgegen dem Uhrzeigersinn führt vorbei an den riesigen Fernseh‑ und Fernmeldetürmen. Es folgen ein Hochseilgarten und verschiedene Gaststätten (und WC) und Kioske. Das „Vater Bender Heim“ links ist eine Übernachtungsmöglichkeit für Jugendliche. Rechts ist der Stützpunkt der Bergwacht mit dem Bergwachtduo, das das Lied singt: „Wir fahren mit dem Vulkanexpreß“. Dann kommt man zu einem Aussichtspunkt und nach links zu einem Sportfeld und der Wetterstation. Von dort geht auch die Sommerrodelbahn ins Tal. Man geht aber links vorbei, läßt einen Spiel-platz links liegen und kommt wieder zum Parkplatz.

Bei der Weiterfahrt nach Hochwaldhausen kommt man über die Wasserscheide, links geht es zur Taufstein-Loipe und rechts zu einer Liegewiese.

 

Höhenrundweg zumTaufstein

Der Höhenrundweg wird auch beschrieben in der Broschüre „Vultour Vogelsberg Spezial“ ab Seite 28. Der Oberwald, die hochgelegene Region um den Hoherodskopf und den Taufstein, ist das Kerngebiet des Vogelsberges. Höhepunkte am Weg sind: Forellenteiche,  Breungeshainer Heide (Hochmoor), Niddaquelle, Landgrafenborn, Geiselstein und Taufstein (773 Meter).

Der Rundweg erschließt dem Wanderer auf fußfreundlichen Wegen die Attraktionen des Oberwaldes. Dafür wurde er mit dem Deutschen Wandersiegel ausgezeichnet. Der fast völlig ebene Rundgang ist etwa acht Kilometer lang. Auf dem Plateau mit 600-700 Höhenmetern gibt es nicht nur die höchsten Bergkuppen, sondern auch eine vielseitige natürliche Landschaft mit abwechslungsreichen Buchenwäldern, Hochmooren und Heidelandschaft. Durch größtenteils durch geschützte Natur führt er an allen für den Hohen Vogelsberg typischen Landschaftsformen und Naturdenkmälern vorbei. Am eindrucksvollsten sind im Frühsommer die Hochmoore und Hochheiden.

Den Taufstein kann man auch anfahren über die Straße nach Hochwaldhausen-Ilbeshausen. Günstiger ist aber die Anfahrt - wenn man vom Hoherodskopf kommt -  nach rechts auf die Straße nach Feldkrücken. Dort ist rechts ein Parkplatz, von dem man nach Süden zum Taufstein gehen kann und nach Norden zum Naturschutzgebiet an der Niddaquelle. Der Parkplatz auf der Passhöhe ist die Wasserscheide zwischen dem Rhein im Westen und der Weser im Norden.

 

Unterhalb des Berggasthofes (Clubhaus des VHC) oder westlich des Naturinformationszentrumsbeginnt die Wanderung in nördlicher Richtung mit der Markierung H auf Weiß. Nördlich der Straße nachSchotten und westlich der Straße nach Ulrichstein liegt die Taufsteinhütte, in der ab Mitte März die Lammwochen sind. Jürgen Camier bietet in seinem Restaurant Taufsteinhütte eine erstaunlich vielseitige Speisekarte: Wandersleute oder Ausflügler, die nur eine Kleinigkeit essen möchten, finden ebenso was sie suchen, wie Feinschmecker, die speziell wegen Jürgen Camiers Kochkünsten hoch auf den Vogelsberg gefahren sind. Das ungewöhnliche Konzept geht auf. Seit der Wahlvogelsberger und Gastronom in der fünften Generation die Taufsteinhütte 1993 übernommen hat, bekocht er ständig mehr Gäste. Viele von ihnen sind Wiederholungstäter. Aus gutem Grund. Schließlich gibt es bei Jürgen Carnier nichts aus der Packung. Gemüse, Suppen und Soßen entstehen wie bei seinem Urgroßvater in Handarbeit am Herd. Wie viele seiner Kollegen schwört auch Jürgen Garnier auf frische Produkte aus der Region. Eine seiner Spezialitäten: Vogelsberger Damwild, direkt vom Jäger und eigenhändig zerlegt. Jürgen Carnier ist es ein Anliegen, den Vogelsberg noch attraktiver zu machen. Dazu setzt er nicht nur sein Können als Koch ein. Der Gastronom aus Leidenschaft engagiert sich auch außerhalb seiner Küche für die Region. Und nicht selten fielen Entscheidungen, die den Vogelsberg nach vorne brachten, an einem seiner Tische.

Nördlich der Taufsteinhhütte sind die Forellenteiche. Hierwurde der Oberlauf der Nidda gestaut, um bei Hochwasser durch zusätzliche Flutwellen Holz zu Tal schwemmen zu können. In den Jahren von 1616 bis 1647 wurden die Floßteiche angelegt und als solche genutzt. Heute erfolgt eine fischwirtschaftliche Nutzung durch die Forstverwaltung.

 

Etwas weiter nördlich ist die  Niddaquelle. Sie ist mit Basaltsteinen gefaßt. Die Nidda fließt in westlicher Richtung und mündet nach 105 Kilometern bei Höchst in den Main. Die Quellen der Nidda und des Ellersbaches sind hier keine hundert Meter voneinander entfernt. Während die Nidda in südlicher Richtung zum Main fließt, führt der Ellersbach sein Wasser nach Norden über die Weser der Nordsee zu. Rechts am Wege, dort wo der Wald am tiefsten ist, befindet sich die Quelle der Nidda. Die Schutzhütte und Ruhebank sind ein schöner, kühler Rastplatz an heißen Sommertagen. Der Weg folgt dem Oberlauf der Nidda ein gutes Stück, bis der Bach zu einem Teich mit Schilf im Uferbereich angestaut wird.

 

Nach Norden geht es zum Landgrafenborn. Ihn  soll einst ein hessischer Landgraf umgeleitet haben, damit das Wild in seinem Territorium trinken und dabei besser erlegt werden konnte. Er ist benannt nach den Landgrafen Ludwig VIII. (1739-1768) benannt, der hier von seinem Jagdschloß Zwiefalten (nordwestlich von Gedern) aus der Jagd nachging. Hier ist wieder die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser.

 

Weiter östlich liegt die Goldwiese,  im Frühling ein Meer von Arnika-Blüten. Dann geht man ein Stück nach Süden und macht dann nach Norden einen Abstecher zum Geiselstein Nordöstlich liegt der bizarre Geiselstein. Er ist der Rest eines vulkanischen Schlotes aus eisenhaltigem Basalt. Weil hier die Lava eisenhaltiges Gestein an die Oberfläche gebracht hat, geht der Kompaß nicht mehr. Auch hier türmen sich, nur etwas kleiner, stark bemooste Basaltblöcke zu einem etwa zehn Meter hohen Gipfel auf. Er ist von Ahorn und Buchen sowie Farnen und Gräsern bewachsen. Ein gesicherter Fußweg führt mitten auf den harten Lavakern eines ehemaligen Vulkanschlotes.

Im Frühjahr blühen hier unzählige Maiglöckchen und leuchten vor dem dunklen Basalt. In dem Felsen soll es eine Höhle geben, in der drei Männer an einem Feuer sitzen und einen Schatz aus Gold und Silber bewachen. Nur alle sieben Jahre öffnet sich das Felsentor für kurze Zeit. Wer dann kommt, kann die Schätze mitnehmen.

 

Weiter südlich schließt sich das Hochmoor an. Bei tiefem Sonnenstand schillern die Gräser rötlich gelb, mit dicken weißen Flocken dazwischen: Blüten des Wollgras. Kleinwüchsige, knorrige Moorbirken vervollständigen das stimmungsvolle Bild. Die „Breungeshainer Heide“ ist eines der wenigen Hochmoore Hessens. Das steht unter besonders strengem Schutz und darf von niemandem betreten werden, nur umrundet werden. Ein Rundwanderweg bringt nahe genug an die „Heide“ heran, um einen Eindruck von der melancholischen Schönheit des Hochmoores zu vermitteln. Das Naturschutzgebiet des Hochmoores Breungeshainer Heide mit seinen Moorbirken, Sonnentau und vielerlei seltenen Pflanzen ist durch einen Rundweg erschlossen.

Der Untergrund ist aus Lößlehm, der hier das flache Plateau des Oberwaldes abdichtet. Der wasserundurchlässige Boden ist versauert und nährstoffarm. Die dicke Torfschicht darüber wird ausschließlich von Niederschlägen gespeist, was einen extrem sauren Moorboden ergibt. Im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war durch Entwässerung und Torfabbau im Bestand gefährdet. Das Moor lebt aber fast nicht mehr, weil man es vor hundert Jahren trocken gelegt hat, um die zwölf Meter dicke Torfschicht auszubeuten. Der Säuregehalt ist nicht sehr hoch, so daß sich jetzt ganz andere Pflanzen ansiedeln, zum Beispiel die Karpatenbirken. Typische Pflanzengesellschaften entwickelten sich. Hier wachsen ‑ neben Moorbirken, Bergkiefern und Fichten ‑ auch Wollgras, Pfeifengras und der rundblättrige Sonnentau, auf dessen klebrigen Tentakeln Insekten hängen bleiben und ausgesaugt werden. Gegenwärtig erfolgt der Versuch einer Renaturierung des Moores.

Südlich  führt der Weg durch Mischwald entlang von urtümlichen Basaltbrocken. Der Sage nach haben sich vor langer Zeit Riesen gegenseitig damit beworfen. Zwischen Hochmoor und Parkplatz Heide kommt man an kaum noch sichtbaren Pflanzgräben vorbei, die man Mitte des 19. Jahrhunderts anlegte. um die Höhen des Vogelsberges neu bewalden zu können. Der Rohstoff Holz wurde knapp. Für die Verhüttung des eisenhaltigen Basaltes waren die alten Baumbestände abgeholzt worden. Nach der Aufforstung dauerte es einige Jahre, bis in diesem rauen Klima die Fichtensetzlinge Fuß fassten und an dieser Stelle wieder ein Wald emporwuchs. Doch die Nachfrage sank, und Holz verlor seinen Wert als wichtiger Wirtschaftsfaktor. In der Zeit der Industrialisierung ersetzte Kohle diesen Jahrhunderte lang benötigten Brennstoff.

Ein winziger Pfad bringt weiter an die „Ringstraße Hoher Vogelsberg“, biegt allerdings kurz vorher nach links ab. Man hört schon die Autos, sollte sich aber diesen kleinen Umweg nicht ersparen, der vor Jahren vom Vogelsberger Höhenclub, dem traditionellen Wanderverein bereits mit der Bitte: „Haltet Ruhe, schont das Wild“" als bequemer Spaziergang empfohlen wurde. Der Zauber des Waldes wird mit wunderbarer Ursprünglichkeit auf dieser Etappe beeindrucken. Neben der Landstraße windet sich der Weg über Baumwurzeln zum Parkplatz „Heide“.

Südlich des Parkplatzes ist der Taufstein, mit 774 Metern die höchste Erhebung auf dem Vogelsberg. Er sticht nicht so markant hervor aus dem ansonsten eher flach abfallenden Relief des größten Schildvulkans Deutschlands, er ist mehr eine Kuppe mit Basaltblöcken (Blockfelder). Unterhalb des Gipfels stapeln sich gewaltige Basaltblöcke, die zum Teil von malerisch verkrüppelten Bäumen bewachsen und von Moosen überwuchert sind. Die Gegend um den Taufstein steht unter strengem Naturschutz. Bereits seit 1906 wird sie nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt. Die damals kreuz und quer herumliegenden Hölzer, reichlich mit Moos bewachsen, und der wuchernde Farn trugen diesem Waldabschnitt die Bezeichnung „Urwald“ ein. Hier wird nichts gefällt. Was abstirbt, fällt irgendwann um und bleibt liegen. Dem Menschen ist damit Gelegenheit geboten, den Waldbestand am Hohen Vogelsberg in seinem ursprünglichen Zustand zu erleben.

 

In unmittelbarer Nähe befindet sich der Bismarckturm. Aus Verehrung des Reichsgründers Otto von Bismarck (1815‑1898) wurden im ehemaligen Deutschen Reich zwischen 1869 und 1934 insgesamt 234 Bismarck‑Türme und Bismarcksäulen errichtet oder ältere Türme zu solchen umbenannt. Dieser Aussichtsturm auf dem Taufstein wurde auf Anregung des Vogelsberger Höhenklubs vom Architekten Hofmann aus Herborn entworfen. Grundsteinlegung war im Jahre 1907, die Einweihung folgte 1910. Der Bismarckturm stellt den höchstgelegenen Aussichtspunkt im Vogelsberg dar (792 Meter). Es handelt sich um einen Basaltturm von 22 Meter Höhe (andere Angabe: 28 Meter) mit einem quadratischen Grundriß. Er wurde im Jahr 1910 vom VHC als Aussichtsturm errichtet. Über eine Treppe im Inneren gelangt man auf die Aussichtsplattform. In den Jahren 1999 und 2000 wurde der Bismarckturm renoviert. Man sollte sich keinesfalls die Aussieht vom Bismarckturm entgehen lassen, die an guten Tagen bis zur Amöneburg (NW), Gießen und Taunus (W), Frankfurt (SW), Spessart (S), Rhön und Inselsberg im Thüringer Wald (O) reicht. Der Blick ist besonders in den Morgenstunden wunderschön.

 

Der Bonifatiusbrunnen oder Bonifatiusborn inmitten eines der ältesten Naturschutzgebiete Hessens steht als Taufstätte an der Stelle, an der der heilige Bonifatius im 8. Jahrhundert gepredigt und die ersten Christen getauft haben soll. Einer Sage nach predigte vor mehr als 1.200 Jahren auf dieser Höhe der englische Missionar Bonifatius. Er taufte Heiden und bekehrte sie zu Christen. Der Bonifatius-Brunnen oder auch Bonifatius-Born auf dem Taufstein gilt als Gedenkstätte. In seiner Steinumrandung, wenige Schritte vom Bismarckturm entfernt, sprudelt heutzutage keine Quelle mehr. Ob es je so war, darüber ist wenig in der Literatur zu finden. Manche vermuten, dass der Born eine Überlaufquelle war, durch die Wasser nach außen sickerte, vom Basaltuntergrund gestaut. Als man den Turm erbaute, war es damit vorbei, die Quelle versiegte. Belegt ist davon allerdings nichts. Im Gegenteil, eine zweite Mär erzählt, dass es die alten Chatten aus Breungeshain waren, die diesen Basalthügel Taufstein nannten. Der Anlass soll ein Friedensschluss zwischen verfeindeten Familiengruppen gewesen sein, die unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehörten - Heiden und Christen. Letztendlich überzeugt, oder besser gesagt: gesiegt, haben die Christen, obwohl man zu Beginn der Christianisierung sie angeblich ein paar Kilometer weiter vom Bilstein gestürzt haben soll.

 

Rundwanderung vom Hoherodskopf nach Süden und Osten zum Taufstein:

Die Rundwanderung beginnt auf dem großen Parkplatz auf dem Hoherodskopf und folgt der Markierung blaues Andreaskreuz in südlicher Richtung. Unterhalb der Talstation des Skiliftes biegt man in östlicher Richtung ab (In südöstlicher Richtung erreicht der Blick die Herchenhainer Höhe mit dem Dorf Herchenhain an ihrer Flanke). Es geht durch das Kriepelsloch und vorbei am Klosborn. Hier hat man Gelegenheit, den Artenreichtum der Wiesenflora zu bewundern. Besonders in den Monaten Juni und Juli stehen die zahlreichen Waldwiesen in voller Blüte.

Etwa 200 Meter nördlich der Lauterbacher Hütte (Schutzhütte) trifft man auf die Markierung rot-weißes Band (Hauptwanderweg Frankfurt/M. - Alsfeld). Diesem Zeichen folgt man in nordwestlicher Richtung durch den Köhlerwald (östlich) bis zum Taufstein. Unterwegs quert man die Ringstraße Hoher Vogelsberg an dem Loipenhaus (Taufsteinloipe). Vom Bismarckturm auf dem Taufstein genießt man den Ausblick über den Oberwald in alle Richtungen.

Man steigt nun durch die Blockfelder am Taufstein hinunter zur Funkstation der amerikanischen Armee und trifft hier auf den mit einem grünen H gekennzeichneten Höhenrundweg. Diese Markierung führt in südwestlicher Richtung - ein kurzes Stück parallel zur Ringstraße - zum Hoherodskopf zurück (rund fünf Kilometer).

 

 

 

 

Rundwanderung vom Hoherodskopf zu Gackerstein, Bilstein und zum Hoherodskopf zurück:

Unterhalb des Berggasthofes Hoherodskopf oder am Natur-Informationszentrum beginnt die Wanderung und folgt zunächst dem mit einem grünen H gekennzeichneten Höhenrundweg. Am Waldrand oberhalb des Gasthauses Taufsteinhütte und der Jugendherberge zweigt links die Markierung roter Ring ab. Ihr folgt man bis zum Gackerstein (663 Meter), einer Basaltkuppe vulkanischen Ursprungs. Man folgt dem Wanderweg noch rund 500 Meter weiter und trifft dann auf einen Wegweiser. Die Markierung grünes V weist den Weg nach Breungeshain im Tal der Eichel (570 Meter). In Breungeshain nimmt man sich Zeit für eine Besichtigung der Fachwerkkirche.

Von Breungeshain steigt man, dem grünen V folgend, zum Bilstein (666 Meter) empor (Näheres siehe Datei „ Sichenhausen“)(rund neun Kilometer).

Elvira Klein, Rhein-Main, 102, beschreibt diesen Weg in umgekehrter Richtung und bezieht den Taufstein ein). Man kann auch die Vier-Gipfel-Wanderung (Bilstein, Gackerstein, Geiselstein, Taufstein) machen, Markierung Schwarzes G auf Gelb, 16 Kilometer, vier Stunden.

 

Gipfeltour Schotten (vergleiche auch „Hoherodskopf“)

Diese Erlebenstour führt über artenreiche Bergwiesen und durch abwechslungsreiche Waldgebiete mit urwüchsigen Basaltformationen. Sie bietet herrliche Aussichten von den höchsten Gipfeln des Vulkanmassivs. Von weitem wirkt der Vogelsberg eher flach. Doch die Westflanke ist steil mit 500 Höhenmetern von Schotten zum Hoherodskopf. So kann die Schottener Gipfeltour durchaus alpine Gedanken wecken. Sie führt auf 14 Kilometern über insgesamt vier Gipfel im Oberwaldbereich mit teilweise starken Anstiegen. Die abwechslungsreiche Landschaft und die atemberaubende Aussicht bis zur Frankfurter Skyline am Mainufer lassen jede Anstrengung schnell vergessen.

Viele naturbelassene Wege, schöne Pfade und wenige befestigte oder geteerte Wirtschaftswege ermöglichen eine fußfreundliche Wanderung. Die 400 Höhenmeter konzentrieren sich auf die meist steileren Passagen und setzen eine mittlere Kondition und gutes Schuhwerk voraus. Der Weg ist spannend und kann auch Kinder begeistern.

Wegbeschreibung: Der Einstieg in den Weg beginnt an der Wandertafel, vor dem Kiosk. Von da, geht es rechts am Waldrand entlang über die MagerrasenWiesen mit herrlichem Weitblick - bis zur Taufsteinhütte. Auf weichen Waldwegen geht es durch Buchenwald zu den Forellenteichen und dem besonders geschützten Wiesen im Herzen des Naturparks. Die Steigung von hier bis zum nächsten Gipfel, dem Gackerstein, merkt man kaum. Der Blick schweift über sturmzerzauste Bäume und gewaltige Felsbrocken hinüber zum Hoherodskopf und hinab ins Tal.

Wie verwunschen schlängelt sich der Pfad durch den Wald hinunter und dann durch offene Feldfluren hinauf auf die „Platte“', eine grasbewachsene, kaum erkennbare Kuppe mit spektakulärem Rundumblick über den gesamten Verlauf der Tour. Von hier ist es nicht mehr weit nach Busenborn.

Beim Queren des Dörfchens lassen sich gepflegte Höfe und eine kleine Fachwerkkirche bewundern. Der Gasthof „Zum Bilstein“ in der Ortsmitte ist nahezu der tiefste Punkt der Tour. Hier kann man sich vor den steilen Anstiegen noch einmal stärken. Weiter geht es über Feldwege, gesäumt von Gehölzriegeln, mit sanften bis mittleren Steigungen bergan. Die Ausblicke über die kleinräumig gegliederte Landschaft werden immer schöner. Der letzte Kilometer bis zum Gipfel des Bilstein ist recht steil, dafür wird der Wanderer belohnt mit weichen

Erdwegen durch den Wald, einer skurrilen Blockstein-Kuppe und einer tollen Fernsicht.

Vom Gipfel das Bilstein führt ein Waldweg bis auf den Sattel bei Breungeshain herab, wo die Landstraße L 3338 gequert wird. Ab da geht es wieder über offene Flure mit einzeln stehenden Bäumen auf den letzten Gipfel und Ausgangspunkt der Wanderung zu.

Auf dem Hoherodskopf angekommen, laden mehrere Ausflugslokale und Sitzgruppen in freier Natur zu Rast und Einkehr ein. Hier lässt sich noch einmal die grandiose Aussicht genießen oder eine rasante Fahrt auf der Sommerrodelbahn.

 

Der Jakobsweg (E 3) im Vogelsberger Oberwald:

Der Apostel Jakobus der Ältere wurde 44 nCh enthauptet und am Berg Sinai im Katherinenkloster begraben. Als im 7. Jahrhundert Sarazeneneinfälle drohten, wurde der Legende nach sein Leichnam in die Nähe des heutigen Kap Finisterre am Atlantik nach Nordspanien gebracht. Der Wagen mit dem Sarg wurde von Ochsen gezogen. An der Stelle, an der diese anhielten, errichtete man sein Grabmal. Weiter berichtet die Legende, dass im 9. Jahrhundert ein Hirte manchmal einen Stern über einem Feld sah. Dort entdeckte man dann ein Grab mit römischen Inschriften, das man Jakobus zuordnete. Santiago de Compostela wurde damals gegründet (Santiago = Jakob, Compostela = campus stellae = Stern über dem Feld).

Vom 16. Jahrhundert an ging das Pilgerwesen langsam zurück. Später standen die Reformatoren dem Pilgern und dem damit verbundenen Ablasswesen sehr kritisch gegenüber, bekämpften es sogar. In der Zeit der Aufklärung und mit den geistigen Strömungen des Rationalismus brach man mit vielen Traditionen, Fernpilgerreisen kamen fast gänzlich zum Erliegen.

Der Jakobsweg jedoch erfuhr in unserer Zeit eine Neubelebung, als ihn der Europarat im Jahr 1987 zur ersten europäischen Kulturstraße erklärte. Es waren politische Motive, die den Weg wieder ins Bewusstsein der Menschen rückten, denn an seinem Beispiel sollte sichtbar werden, dass eine kulturelle europäische Identität über Jahrhunderte hindurch trotz vieler Nationalstaaten übergreifend existierte - lange bevor es eine Europäische Union gab. Eine weitere Steigerung in seiner Beliebtheit erfuhr der Jakobsweg, als die UNESCO im Jahr 1985 die Stadt Santiago de Compostela, 1993 der Hauptweg durch Nordspanien und 1998 die vier wichtigsten Jakobswege durch Frankreich zum Kulturgut der Menschheit erklärte.

 

Im Vogelsberg findet man immer wieder unter einem blauen X als Wanderkennzeichen die Aufschrift E 3. Zusätzlich ist an einigen Stellen auch noch die Bezeichnung „Europäischer Fernwanderweg: Atlantik - Ardennen – Böhmerwald“ angebracht. Es ist der einzige von elf überregionalen Fernwanderwegen, welcher den Vogelsberg durchquert. Und er hat noch eine Besonderheit: Seine Streckenführung verläuft im Wesentlichen auf Wegen, welche die vielen Wallfahrer ab den 10. Jahrhundert das ganze Mittelalter hindurch nutzten, um zum Grab bzw. der Grabeskirche des heiligen Jakobus des Älteren an das Ende der damals bekannten Welt zu pilgern - nach Santiago de Compostela.

Im Landkreis Fulda ist seit dem Jahr 1999 die Strecke von Bremen in der Rhön über Hünfeld und Fulda bis Blankenau mit einer stilisierten Jakobsmuschel gekennzeichnet. Anschließend ist bis Herbstein auf den gängigen Wanderkarten die Bezeichnung „Jakobsweg“ eingetragen und am Weg das blaue X zu finden, welches den Wanderer auch über die Höhe des Vogelsbergs nach Schotten führt.

Diese Streckenführung ist eine der Möglichkeiten, dem Jakobsweg zu folgen. War man in früheren Zeiten auf einer Pilgerreise in Fulda angelangt, konnte man für den Weiterweg außer der Route über Herbstein auch der alten Reichsstraße nach Frankfurt folgen. Gerade im Kinzigtal findet man heute noch viele Kirchen und Altäre, die Jakobus geweiht sind. Ein anderer Weg führte wahrscheinlich über Lauterbach nach Marburg. So ist im Schrein des Lauterbacher Marienaltars (heute Hohhausmuseum) eine geschnitzte Jakobusfigur eingestellt und am Taufstein in der kleinen Kirche zu Hopfgarten Jakobus ebenfalls abgebildet. Von Lauterbach aus dürften aber viele Pilger auch wieder den Weg über Herbstein gewählt haben.

Herbstein ist der Ort im Vogelsberg, welcher mit Jakobus am meisten verbunden ist. Als Stadtpatron ist er wesentlicher Bestandteil des Herbsteiner Wappens. Eine überlebensgroße Jakobusfigur, die früher das Untertor zierte, steht heute auf dem Platz vor dem Rathaus. Die Herbsteiner Kirche ist - solange es Aufzeichnungen gibt - Jakobus geweiht. An einem ihrer äußeren Strebepfeiler ist ein Reliefbild des Heiligen eingelassen, im Inneren der Kirche ist er am Becken des gotischen Taufsteins abgebildet und an einem der Pfeiler des Kirchenschiffs kann der Besucher eine Jakobusfigur bewundern.

An dem beachtenswerten Werk eines unbekannten Meisters sind deutlich die Attribute zu erkennen, welche die Figur als die des heiligen Jakobus identifizieren: Der lange Pilgermantel, der vor schlechtem Wetter schützen soll, der Wanderstab, die umgehängte Pilgertasche und der Pilgerhut, der nach vorne eine Muschel, die Jakobsmuschel, zeigt, dazu in der linken Hand einen Rosenkranz, welcher den Wanderer als Wallfahrer kennzeichnen soll.

Von Herbstein aus verläuft der Fernwanderweg E 3 über Lanzenhain zum Hohen Vogelsberg, von dort zu den markanten Felsformationen des Bilsteins und weiter über Busenborn nach Schotten. Warum aber sollten die Pilger des Mittelalters diesen beschwerlichen Weg gewählt haben? Schotten war zu dieser Zeit, wie auch die Kirche der Heiligen Elisabeth in Marburg, ein stark frequentierter Wallfahrtsort. Gerade solche Orte planten die Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela immer wieder ein, besonders, wenn sie wie in Schotten mit einem päpstlichen Ablass von 40 Tagen ausgestattet waren. Die Pilger brachten viel Geld nach Schotten, und so begann man um das Jahr 1330 mit einer Vergrößerung der Kirche, auch „Vogelsberger Münster“ genannt. Der beabsichtigte Bau konnte allerdings nicht fertig gestellt werden, da durch das aufkommende Raubritterunwesen Wallfahrten sehr unsicher wurden und mit ihrem Rückgang auch die Geldeinnahmen entsprechend abnahmen.

Von Schotten aus zogen die mittelalterlichen Pilger weiter nach Südwesten, trafen spätestens in Köln mit denjenigen zusammen, welche die Routen über Frankfurt oder Marburg gewählt hatten. Die Grenze nach Frankreich wurde von den Pilgern hinter Aachen überschritten, nicht ohne vorher das Grab Karls des Großen aufgesucht zu haben.

Im Mittelalter war das hauptsächliche Motiv für eine Pilgerschaft die Suche nach dem Seelenheil, eine Schuld abzutragen oder Ablass von Sünden zu erlangen. Für viele wird es wohl auch Abenteuerlust gewesen sein, fast die einzige Möglichkeit, aus einem streng geregelten Umfeld auszubrechen. Auch heute lässt man auf dem Jakobsweg den normalen Alltag zurück, knüpft in der Begegnung am Weg Kontakte zu Menschen, welche aus religiösem, kulturellem oder sportlichem Anlass das gleiche Ziel vor sich haben.

 

Naturschutz-Infozentrum auf dem Hoherodskopf und Tourist-Information: Vogelsbergstr. 137a, 63679 Schotten, Internet: www.schotten.de.

 

 

 

 

Ilbeshausen-Hochwaldhausen - Schwarzbachtal:

Der Luftkurort Ilbeshausen-Hochwaldhausen gehört zur Gemeinde Grebenhain. Das etwa 1.000 Jahre alte Dorf Ilbeshausen bildet mit dem erst hundertjährigen, westlich gelegenen Hochwaldhausen,eine zusammengewachsene Einheit.

Im Jahre 1903 wurde das Areal für den zukünftigen Kurort Hochwaldhausen von Jean Berlit, dem Badedirektor aus Bad Salzschlirf, erworben. Durch eine neue Bahnverbindung war die Oberwaldregion seit einiger Zeit gut erreichbar. In Erwartung vieler Gäste wurde bald darauf das damals prächtige Hotel „Felsenmeer“ an der Hauptstraße errichtet.

Nicht nur Patienten aus Bad Salzschlirf kamen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in den Oberwald, sondern auch Prominente. Die Geschwister Klaus und Erika Mann verbrachten einige Monate ihrer Schulzeit in der Bergschule von Hochwaldhausen, einem Landerziehungsheim mit reformpädagogischen Ansatz.

Rund zehn Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges begann mit dem Bau eines Genesungsheims der AOK eine zweite Blütezeit Hochwaldhausens. Die Vogelsbergbahn brachte zahlreiche Feriengäste und  im Winter Skifahrer. Viele im Ort erinnern sich noch, wo später der Skilift durch den Wald hinauf führte. Ältere Karten weisen ein Skigelände am Hegholz unterhalb des 555 Meter hohen Kleekopfes aus (südlich von Ilbeshausen).

Im Jahr 1963 ersetzte man das Naturschwimmbad am Haselbach durch ein modernes Freibad nahe dem Kurpark, um den Status „Luftkurort“ zu erhalten. Im großen Kurpark nordöstlich der Gaststätte Felsenmeer wurden zur Erbauung der Besucher neben einem Tiergehege eine Minigolf- und eine Kneipp-Anlage wie auch ein Info-Haus errichtet.

Das Genesungsheim wurde 1989 von der Vogelsberg-Klinik übernommen, die das Haus am Waldrand zu einem schmucken 200-Betten-Komplex für Reha-Behandlungen ausbaute. Hier werden Menschen mit psychischen Schäden behandelt.

Für die Gäste und Besucher im Oberwald wurden viele Spazier- und Rundwanderwege angelegt. Übersichtstafeln zeigen die Rundwege, auch Wegweiser sind vorhanden und viele Ruhebänke.

 

Ausgangspunkt ist der Parkplatz Felsenmeer in Hochwaldhausen, den man erreicht, wenn man an der Gaststätte „Felsenmeer“ in Richtung Vogelsbergklinik fährt und dann am Ende der Klinik rechts parkt (ehe der offene Graben beginnt). Hier beginnt auch der Wanderweg über die Flösserhütte und die Lauterbacher Hütte zum acht Kilometer entfernten Hoherodskopf.

Man geht zunächst die Rundwege 1 und 2 hinauf. An einer Schutzhütte biegt der Rundweg 1 nach links ab. Man geht weiter bergauf bis zu einer Kreuzung mehrerer Wege (Der Wegweiser „Burg“ ist allerdings falsch, er müßte umgedreht sein, denn die Burg liegt westlich). Dort folgt man dem mittleren Weg, der zu den „Spitzen Steine“ führt. Diese bestehen aus mehreren langgezogenen Basaltfelsen, den Überresten eines Vulkankraters, der allerdings nur zur Hälfte erhalten ist.

Zwischen den Steinen geht man hindurch und rechts abwärts. Man quert einen Forstweg und etwas weiter unten geht links ein Weg ab zum Nonnenstein. Dorthin macht man einen Abstecher von etwa 300 Meter Länge. Die Sage erzählt: Osimunde, eine leidenschaftliche Jägerin, wurde hier von einem Jüngling, dessen Liebe sie verschmähte, ermordet. Als dieser als alter Mann an die Stätte seiner Untat zurückkehrte, um Buße zu tun, fand er die Leiche der Osimunde unter dichten Dornenhecken genauso vor, wie er sie nach seiner Untat verlassen hatte. Er beichtete sein Verbrechen und stellte sich dem Richter. Die Menschen konnten sich von dem Wunder, das hier geschehen war, überzeugen. Es wurde ein Nonnenkloster errichtet, und die Nonnen erhielten das Recht, im Oberwald die Jagd auszuüben. Die Delle im Stein bezeichnet noch die Stelle, wo das Haupt der Osimunde ruhte.

 

Wieder auf dem breiten Weg geht es weiter hinunter, bis man links die hoch aufragende Teufelskanzel stehen sieht, von der einst der Teufel gepredigt haben soll. Im Wald zeugen überall Basaltmassive und einzelne Basalblöcke von der einstigen vulkanischen Tätigkeit.

Unten trifft man auf den Weg, der westlich des Schwarzbachs durch das Tal führt. Man geht ihn links hinauf und kommt an einer  Informationstafel (links) vorbei, wo man gut die Verwitterung der Steine beobachten kann. Der Weg führt dann wieder abwärts zu einer Stelle, wo sich mehrere Weg treffen: Links geht es auf der Grenzschneise zur Herchenhainer Höhe, gerade aus zum Hoherodskopf.

Man wählt den Weg nach rechts über den Schwarzbach, gekennzeichnet mit R 4. Gleich rechts steht eine Schutzhütte. Nachdem rechts ein Weg nach Hochwaldhausen abgegangen ist, zeigt links ein Wegweiser zum Teufelsstein und zu den Uhuklippen. Der Teufelsstein ist bald erreicht. Er ist eher ein steinerner Tisch mit steinernen Sitze (und einer Holzbank). Dort, so wird erzählt, soll der Teufel Waldarbeitern ihr letztes Geld beim Kartenspiel abgewonnen haben. Man geht ein ganzes  Stück noch weiter zu dem Naturdenkmal Uhuklippen, eine der größten Basaltformationen der Region, eine verwitterten Vulkanspalte. Auf der linken Seite  soll der Kopf eines Riesen versteinert sein, wer genau hinschaut, kann ihn erkennen.

Ein Stück hinter den Uhuklippen geht es rechts steil bergab. Man kreuzt einen Forstweg und geht noch weiter nach unten.  Dort geht es rechts ab.  Am nächsten Weg nach links sieht man schon die Häuser der Straße „Lärchentor“. Man geht aber geradeaus bis zur Vogelsbergklinik, die man links umrundet.

 

Mit dieser Wanderung hat man aber erst einen kleinen Teil des Schwarzbachtals erkundet.

Man kann aber auch am Übergang über den Schwarzbach weiter nach oben gehen. Dann kommt man zum Ludwigsteich und noch ein ganzes Stück weiter oben zur von Süd nach Nord ziehenden breiten Oberwaldschneise. Auf ihr geht es nach links bis zu einer Gabelung, wo sie wiederum links weiter geht. Der nächste breite Weg nach links ist die Burgschneise.  Sie führt über die Ludwigschneise zu der Felsformation Burg. Hier hat der schützende Wald das Abtragen der eindrucksvollen Felsen verhindert. An der Grenzschneise geht es dann nach links und zum Übergang über den Schwarzbach.

 

Mit dem Auto fährt man dann noch in den Ortsteil Ilbeshausen. Dort geht südlich von der Durchgangsstraße Hindenburgstraße der Mühlweg ab. Rechts steht die Teufelsmühle, ein schöner Fachwerkbau, an dem auch noch das Mühlrad in Betrieb ist.

Die Sage von der Teufelsmühle

Sagen und Legenden sind auch aus dem Leben des modernen Menschen nicht wegzudenken. Nur die Einstellung dazu hat sich heute grundlegend geändert. Es ist zwar schwierig, noch Leute zu linden, die diese Geschichten irgendwo aufgezeichnet haben. Aber viele ältere Menschen können die Sage von der Teufelsmühle noch erzählen.

Der Müller wollte die Mühle hauen und hatte kein Geld. Nachdenklich ging er im Oberwald spazieren. Da begegnete ihm ein fremder Mann. Sie kamen ins Gespräch, und der Fremde fragte, warum der Müller so nachdenklich sei. Der Müller vertraute seine Sorgen dem freundlichen Wanderer an, und dieser versprach, ihm das Geld zu besorgen. Der Müller war hocherfreut, und jeder ging seines Weges.

Beim Weggehen lief dem Müller auf, daß der Fremde einen Pferdefuß hatte. Nun wußte er, mit wem er es zu tun hatte. Nach einiger Zeit sollte der Müller einen Teil des Geldes zurückzahlen, er hatte aber keins, und der Bau des Hauses war auch noch nicht weit fortgeschritten. So kam es zwischen den beiden zu einer Wette. Jeder wollte einen Giebel bauen, und wer am ersten fertig war, hatte gewonnen.

Der Teufel nahm den unteren Giebel, der Müller den oberen. Als beide fertig waren, sahen sie, der Teufel hatte schneller und auch schöner gebaut. Der untere Giebel ist mit kunstvollem Fachwerk versehen, und oben in der Dachspitze sind vier blinde Fenster, durch diese ist der Teufel ein- und ausgefahren. Wenn Sie zur Teufelsmühle kommen, eines dieser Fenster ist immer geöffnet.

Somit hatte der Teufel die Wette gewonnen, der Müller zitterte um sein Leben. Die Sage berichtet, der Teufel zerriß den Müller in den Lütten über dem Crainfelder Feld. Seit dieser Zeit heißt die Hansenmühle „Teufelsmühle“. Im Dorf ist die alte Bezeichnung „Hansemellersch“ geblieben. Die Teufelsmühle ist weit bekannt, und es wäre schön, wenn die alte Mär einmal wieder bekannt würde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ulrichstein:

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung Ulrichsteins erfolgt 1279. Die geschichtliche Quelle läßt keinen Schluß darüber zu, ob der Ort zu damaliger Zeit schon Stadtrechte besaß. Am 23. März 1347 erfolgt die Verleihung der Stadtrechte durch Kaiser Ludwig den Bayern. Ulrichstein erhielt die gleichen Rechte und Freiheiten wie der Reichsstadt Friedberg. So konnte nun jeden Donnerstag ein Wochenmarkt abgehalten werden. Die günstige Lage an zwei wichtigen Handelstraßen führt zur Aufwärtsentwicklung bis zum 30jährigen Krieg. Aber bis zum 7jährigen Krieg (1756 – 63) erfolgte wieder ein Rückgang.

Am 1. Februar 1763 wird durch einen Jungen, der an Schießpulver gelangte und damit  auf Spatzen schießt, ein verheerender Brand ausgelöst. Mehr als 100 Häuser werden bei dieser Katastrophe zerstört. Die letzten Glutherde werden erst vier Wochen nach Brandbeginn gelöscht. Von diesem einschneidenden Ereignis erholt sich die Stadt Ulrichstein nicht mehr.

Ein weiteres Ereignis, das die Bedeutung Ulrichsteins mindert, ist die Erfindung der Dampfmaschine durch James Watt im Jahre 1765 und die daraus folgende Entwicklung der Dampfeisenbahn. Dieses neue Verkehrssystem, das 1825 in England und ab 1835 auch in Deutschland seine Ausbreitung beginnt, kann nur geringe Höhenunterschiede auf kurzen Strecken überwinden. Ulrichstein wird von der Eisenbahn nicht erfaßt. Die Bahnlinien verlaufen am Fuße des Vogelsberges von Gießen, Grünberg, Alsfeld, Lauterbach nach Fulda. Der Bahnhof „Mücke“ ist 14 Kilometer entfernt. Erst mit der Zunahme des Kraftfahrzeugverkehrs seit den sechziger Jahren ist wieder eine Steigerung der Wirtschaftskraft dieser Region zu beobachten.

 

Rundgang:

Von Süden kommend biegt man nach links in die Marktstraße ein. Dort ist der Lindenplatz, an dem  links das das 7 mal 7 Meter große Zollhaus (1). Es wurde 1464 aus Basaltgestein errichtet und ist zusammen mit dem Vorwerk das älteste Bauwerk der Stadt. Hier nahm der Zöllner die Abgaben und den Wegzoll für den Burgherrn ein. Im Jahre 1825 ging das Zollhaus in den Besitz der Stadt Ulrichstein über und wurde als Markthaus genutzt. Von 1945 bis 1965 diente es als Wohngebäude. Nach einem Umbau 1968 beherbergte es ein kleines Heimatmuseum.

 

In nordwestlicher Richtung geht man weiter zur Straße Schnappenhain und folgt der Beschilderung zum Schloßberg (Straße „Am Schloßberg“). Nach einem kurzen, aber steilen Anstieg erreicht man

hinter dem letzten Haus links den Eingang zum Vogelsberggarten. In den Jahren 1999/2000 entstanden ist er ein Demonstrationsgarten für Vogelsberger Pflanzenwelt. Man geht rund um die Burg (aber rechtzeitig nach rechts abbiegen, nicht den steilen Weg hinunter). Der Garten will hinführen in die Zeit der  historischen Landwirtschaft mit ihren Auswirkungen auf den Naturhaushalt des alten Vulkans. Auf 6,5 Hektar verdeutlicht er, wie die Bauern nach der Rodung der Wälder im Mittelalter über viele Jahrhunderte diese markante Region mit ihren Äckern, Wiesen, Weiden, Hecken, Wäldern verschiedenster Prägung und einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt entwickelten. Dazu gehören auch regionale Haustierrassen und Pflanzensorten, die nur bei entsprechender Pflege erhalten werden können. Ein Bauerngarten mit alten Rosensorten und ein Heilpflanzengärtchen fehlen in der Ausstellung ebenso wenig wie einige Wildpflanzenbeete, die die unterschiedlichen Wiesen und die schönsten Wildblumen des Vogelsberges zeigen. Auf dem kleinen Acker werden in jährlich wechselnder Fruchtfolge alte Kulturpflanzen wie Dinkel, Buchweizen oder Faserlein angebaut.

Auch der Friedhof mit Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges, der seit 1969 besteht, wird mehr und mehr mit Grabschmuck aus dörflichem Brauchtum geschmückt. Dieser Friedhof liegt links am äußeren Eingang der Burg (2), die 610 Meter hoch liegt (rechts eine Gedenktafel für die Gefallenen von 1759). Nicht versäumen sollte man einen Blick in den Kräutergarten rechts vor dem eigentlichen Eingang zur Burg.

Die ältere Geschichte Ulrichsteins liegt im Dunkeln. Nach historischen Unterlagen ist die Burg jedoch älter als die Stadt Ulrichstein. Wann der Bau der Anlage begann, ist nicht ganz sicher. Es wird ein Zeitraum um das Jahr 1200 diskutiert. Aus einer Zeit dürfte ein Wartturm herrühren, der sich an der höchsten Stelle des Schloßberges befand  (ein Gedenkstein markiert die Stelle). Damaliger Besitzer war Gerlach genannt „Reiz von Breuberg“, der die Anlage zwischen den Jahren 1287 und 1296 an die Landgrafen von Hessen verkaufte. In diesen Zeitraum, nämlich in das Jahr 1279, fällt die erste urkundliche Erwähnung der Burg.

Die hessischen Landgrafen überließen im Jahr 1337 die Burg und Stadt als Lehen den Herren von Eisenbach. Um das Jahr 1340 erbaute Johannes von Eisenbach auf der Nordseite ein Burggebäude, den  „Pallas“. Sein jüngerer Bruder Heinrich, der Eiserne, umgab etwa 1345 die Feste Ulrichstein mit Mauern und Graben. Vermutlich im Jahr 1360 errichteten die Eisenbacher auch eine Kapelle, die Maria, der Mutter Gottes, geweiht war und die dem Archidiakonate St. Johann von Mainz unterstand.

Im Jahre 1484 wurde unter dem Amtmann Thilemann von Sassen der westliche Bau der Kernburg errichtet. Zehn Jahre später entstand unter Landgraf Wilhelm III. der östliche Bau der Kernburg.

Im Jahre 1569, als Christoph Ernst von Dietz auf der Burg residierte und hier ein wildes und zügelloses Leben führte, ließ dieser die äußere Ringmauer und die Bastionen erneuern. In der Nacht vom 06.-07. April 1570 wird er durch seine Halbbrüder Ludwig I. und Georg I. festgenommen und nach Ziegenhain in Festungshaft gebracht.

Die endgültige Größe erreichte die Burg im Jahre 1569, als Graf Christoph Ernst von Dietz die äußere Burgmauer errichten ließ. Als Landgraf Ludwig W. von Hessen-Marburg Besitzer der Burg wurde, ließ dieser 1577 eine umfassende Ausbesserung der baufällig gewordenen Dächer durchführen. Die Besitzer wechselten häufig, und die Burg war während verschiedener Kriege immer wieder Angriffen ausgesetzt, was auch die Bevölkerung leidvoll mit ertragen mußte. Während des siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) war die Burg besonders umkämpft.

Im Jahre 1826 verkauft der Großherzog von Hessen-Darmstadt die Burg an Georg Friedrich Schuchardt für 820 Gulden. Dieser gab die Burg 1835/36 als Steinbruch frei und verkaufte das Material als Baumaterial für Neubauten in Ulrichstein. Im Jahre 1853 kauft das Land Hessen die Ruine zurück. Sie ist somit eine Liegenschaft des Landes Hessen.

Durch den Ausschuß des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen wurde 1890 angeregt, die Überreste der Burg zu erhalten und nicht dem gänzlichen Verfall zu überlassen. Im Jahre 1894 konnte so mit den dringendsten Ausbesserungsarbeiten begonnen werden. Im Jahr 1903 konnte dann für 3.500 Mark eine umfassende Sanierung der Burganlage durchgeführt werden. Dabei wurden die alten Grundmauern der verschiedenen Bauten und Türme freigelegt, so daß man nun einen Überblick über die ganze Schloßanlage mit ihren Räumen und Höfen bekam. Auch die Burgkapelle wurde in ihren Grundmauern freigelegt.

Am 28. Juni 1905 legten dann die Ulrichsteiner den Grundstein für den Schloßbergturm, der am 2. September des folgenden Jahres feierlich eingeweiht wurde. Er hat keinen historischen Bezug zur ehemaligen Anlage. Am Turmaufgang ist ein Wappen (KRZE 1423/1479) eingelassen. Am Turm ist das Gesicht eines Brei-Leckers. Vom Turm hat man eine schöne Rundsicht, eine Tafel zeigt die Ziele in der Umgebung. Der Besucher hat von hier bei schönem Wetter einen guten Blick in die weitere Umgebung.

Seit dieser Zeit gab es keine größeren Sanierungsmaßnahmen an der Burganlage mehr, was allerdings schlimme Folgen haben sollte; im Jahr 1988 brach nämlich ein Teil der Schloßmauer in sich zusammen. Dank verschiedener Zuschüsse konnte die Mauer aber 1989 wieder erstellt werden. Von 1991 an bemüht sich der Verein zur Erhaltung der Burgruine um die Sanierung der Mauerreste, die unter Denkmalschutz stehen.

Über die Straße Schnappenhain und Schloßberg geht man nach links zur Marktstraße, die ab der Kirche Hauptstraße heißt. Die evangelische Kirche (3) wurde am 20. Oktober 1861 eingeweiht und steht an der Stelle, an der 1575 die erste Kirche im Stadtgebiet gebaut worden war, die wegen Baufälligkeit 1851 abgebrochen werden mußte. In der heutigen Kirche befinden sich noch Relikte aus der Burgkapelle und der früheren Kirche.

 

Rechts von der Kirche steht das ehemalige Gemeindegasthaus (4). Die Tafel weist auf den Besuch des Feldmarschalls Blücher „Fürst v. Wahlstatt“ hin, der Napoleon nach dessen Niederlage am 16.. 18. - 19. Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig Richtung Rhein verfolgte. Auf der  Straße geht man an einem alten Dorfbrunnen mit Pumpe vorbei und kommt zum ehemaligen Amtsgericht (5). Vor diesem Gebäude stehen zwei alte Linden (links: „Friedenslinde“ 1870/71. rechts: „Bismarck-Linde“ 80. Geburtstag Bismarcks). Das Gebäude wurde 1838 im Zuge der erneuten Installation des Gerichtes Ulrichstein erbaut. Auch der Sitz eines Gerichts zeigte in früheren Zeiten den Stadtstatus einer Gemeinde an. Am 30. 06. 1968 wurde das Amt Ulrichstein schließlich aufgelöst.

 

Man folgt nun der Marktstraße bis zur Abzweigung Ludwigstraße. Diese geht man abwärts bis an die Herrngartenstraße, in die man nach links einbiegt. Nach etwa 40 Metern erreicht man auf der linken Straßenseite die ehemalige Synagoge (6). Das 1847 erbaute Haus diente den jüdischen Bürgern als sakrale Stätte und Religionsschule. Wenige Schritte weiter erreicht man auf der rechten Seite ein Wohnhaus, das ursprünglich das Judenbad (7) und Judenbackhaus darstellte. Das Gebäude war 1849 erbaut worden aufgrund einer Verfügung des Kreisamtes in Grünberg, die die Benutzung der häuslichen Bäder aus hygienischen Gründen für die rituellen Waschungen nicht mehr zuließ.

 

An der Ecke zur Ulrich-Mull-Straße steht das Haus Pebler (8). Es handelt sich um das älteste Wohnhaus Ulrichsteins, das den großen Brand von 1763 überstanden hat. Am  Rathaus (9) ind er Hauptstraße vorbei geht man zur Alten Post (10). Von diesem 1853 erbauten Haus hatte Ulrichstein seine Verbindung zur Welt hergestellt. Auf der Hauptstraße geht man Richtung Bobenhausen zum so genannten Vorwerk (11), der lang gestreckten ehemaligen Zehntscheune. Es stammt wie das Zollhaus aus dem Jahre 1464 und gehörte wie dieses zur Burg. Bis 1825 wurden hier die Abgaben der Bevölkerung gesammelt. Deshalb trägt das Gebäude auch den Namen „Zehntscheuer“. Von etwa 1700 bis 1849 war hier die „Ulrichsteiner Stutterey“, ein Teil des großherzoglichen Landgestüts, untergebracht. Aus diesem Gestüt stammte die „Ulrichsteiner Pferderasse“. Im Jahre 1870 verkaufte das großherzogliche Haus das Vorwerk an zwei Privatleute. Im Jahre 1933 erwarb es die Stadt Ulrichstein, die es ab 1945/46 bis zum Jahre 1990 als Wohngebäude nutzte. Danach wurde es zum „Museum im Vorwerk“ umgestaltet. . Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten fand dort in einer, das neu eingerichtete Stadt- und Vogelsbergmuseum adäquate Räumlichkeiten. Handwerk, Landwirtschaft, Forsten und Jagden werden in verschiedenen Abteilungen thematisiert. Vogelsberggarten und Regionalmuseum vermitteln eine repräsentative Übersicht über die Lebensweise und die Arbeit der Vogelsberger Landbewohner in früherer Zeit.

Zurück über die Hauptstraße kommt man in den „Altebergsweg“, der sich nach etwa 50 Metern gabelt. Man folgt dem linken Ast. Auf streckenweise unbefestigtem Weg gelangt man  zum Judenfriedhof (12).  Die Anlage wurde schon vor 1800 benutzt. Im Jahre 1938 fand die letzte Bestattung eines jüdischen Bürgers statt. Von hier geht man die Straße „Schöne Aussicht“ weiter zum Lindenplatz zurück (Man kann die letzten Ziele natürlich auch mit dem Auto anfahren).

 

Auf der Landstraße 3073 in Richtung Oberseibertenrod geht es weiter. Von ihr geht rechts die Straße nach Stumpertenrod ab. Hier fährt man dann durch den Windpark. Von den gut hundert Windkraftanlagen im Vogelsberg steht mehr als ein Drittel auf den grünen Wiesen der höchstgelegenen Gemeinde Hessens. Wie günstig hier die Windbedingungen sind, sieht und spürt man auf den Zinnen der Burgruine von Ulrichstein: Nach Südwesten fällt die offene, fast parkartige Landschaft sanft ab, kein Bergzug und kein Wald hindern den steten Luftstrom. An schönen Tagen reicht die Sicht bis zum Taunus und zur Frankfurter Skyline. Ein Lehrpfad erläutert die Windenergie. Hier sind Erläuterungen zur Geschichte und Technik der umweltfreundlichen Energiegewinnung einem „Windenergie-Lehrpfad” zu entnehmen.

 

In Stumpertenrod versteckt sich die größte Fachwerkkirche Hessens  (1696 - 1712) und eine der schönsten Fachwerk-Kirchen Hessens. Dabei muß man  schon genau hinschauen muß: An der südwestlichen, der Wetterseite, ist das 300 Jahre alte Gotteshaus dick verschindelt. Erst nach dem Herumgehen erkennt man die hoch ragende Balkenkonstruktion, in die gotisierende Fenster eingelassen sind. Das Innere überrascht mit der Originalausstattung von Kanzel und doppelstöckiger Empore. Deren Brüstungsfelder sind in fast rührend einfacher Form mit Köpfen von Jesus und den zwölf Jüngern sowie Luther ausgemalt.

Wanderung nach Seibertenrod und Stumpertenrod: Elvira Klein, Rhein-Main, 89.

 

Naturdenkmal Schleuningsteine (nördlich an der Straße nach Stumpertenrod rechts das Jugendlager Eckmannshain): Bei Eckmannshain präsentiert sich eine urig große Basaltblockhalde inmitten alter Hainbuchen - die Dicken Steine und die Schleuningsteine sind beide Überbleibsel von Vulkanschloten.

 

Fachwerk-Kirche Kölzenhain: Fachwerkkirchen sind eine Vogelsberger Besonderheit Protestanten begannen im 17Jahrhundert mit diesem sparsamen Kirchenbau. Die Kirche in Kölzenhain zeigt einen typischen, als Haubendachreiter aufgesetzten Kirchturm. Typisch ist auch der beengende und schlichte Innenraum.

 

Meiches (nordöstlich von Ulrichstein liegt Helpershain und östlich davon und südlich von Meiches ist der Totenköppel): Der geschichtsträchtige Ort war ehemals Kultstätte der Chatten. Um 1300 wurde die erste Kirche gebaut. Lange diente der Köppel als Wallfahrtsort, sogar Bonifatius soll hier gepredigt haben. Bemerkenswert sind Sippenfriedhof, historische Grabsteine, uralte Buchen und nicht zuletzt der Blick bis zur Rhön oder Burg Herzberg. Ein überaus friedlicher Ort für eine Rast

 

Herbstein:

Wenn man auf der B 275 aus Richtung Altenschlirf kommt, steht in einer Rechtskurve auf der anderen Seite ein mannshoher Granitblock, der den „physikalischen Mittelpunkt Deutschlands“ markiert. Es ist exakt bei 50 Grad, 32 Minuten, 18 Sekunden nördlicher Breite und 9 Grad, 27 Minuten, 41 Sekunden östlicher Länge. Bei einem spielerischen Experiment während einer Kinder-Fernsehsendung des WDR entdeckte man, daß die (alte) Bundesrepublik, aufgespießt auf einer Nadel, sich just bei der Vogelsberggemeinde einpendeln würde. Heute ist ein Zusatzschild angebracht, das auf die deutsche Einheit hinweist.

Unübersehbar thront das Städtchen auf einem rund 450 Meter hoch gelegenen Basaltkegel, womit man, wie am Ortseingang zu lesen, das „höchstgelegene Thermalbad Hessens” sei - zugleich das mit der „am tiefsten niedergebrachten Quellbohrung”. In genau einem Kilometer Tiefe wird der Natrium-Calcium-Sulfat-Säuerling angezapft, der Herbstein den Titel „Heilbad” eingetragen hat. An der Infrastruktur mit dem Thermalbad sowie einem mit langen Birkenalleen durchzogenen Kurpark fehlt es nicht. Im Ort kann man an der Rechtskurve geradeaus in die sehenswerte Straße „Lange Reihe” fahren.

Geschichte:

Geschichtlich wird Herbstein zum ersten Mal in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts erwähnt, als dem Kloster Fulda Ländereien, damals „Heribrahteshusun“ geschenkt wurde. Die erste urkundliche Erwähnung Herbsteins erfolgte 1011. Um 1260 ließ Abt Heinrich IV. von Fulda eine Burg und Wehranlage erbauen. 1338 erhielt Herbstein die Stadtrechte. Staatlich gehörte Herbstein von seiner Gründung an zum Kloster Fulda und zwar bis zur Auflösung der Fürstabtei in 1802. Gerichtsvögte waren die Herren von Schlitz, die von Eisenbach, von Merlau und von Fischborn. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Stadt, das Gericht und die Burg oft teilweise oder sogar ganz verpfändet. Von 1802 - 1806 war die Stadt im Besitz des Prinzen Wilhelm von Nassau-Oranien. Bevor Herbstein 1810 zum Großherzogtum Hessen kam, war die Stadt von 1806 - 1810 mit dem Departement Fulda französisch und gehörte zum Großherzogtum Frankfurt. Infolge der in Hessen durchgeführten Gemeindegebietsreform (1971/72) wurden die ehemals selbständigen Gemeinden Altenschlirf, Lanzenhain, Rixfeld, Schadges, Schlechtenwegen, Steinfurt und Stockhausen in die Stadt eingegliedert.

Auch Herbstein hatte im Laufe seiner Geschichte zwei Riesenbrände erlebt, die einen großen Teil der Stadt in Schutt und Asche legten. Im Jahre 1540 brannten 88 Häuser und Scheuern nieder und 1907 waren es 64 Gebäude, die dem Feuer zum Opfer vielen. Trotzdem ist die Struktur der Stadt, innerhalb der Stadtmauer, mit ihren ringförmig um die Kirche angelegten Straßen erhalten geblieben. Im 16. Jahrhundert wurde während des 30jährigen Krieges die Stadt belagert und beschossen, wobei die Burg und Teile der Ringmauer zerstört wurden. Auch der Siebenjährige Krieg im 18. Jahrhundert brachte für Herbstein große wirtschaftliche Not.

In der zweiten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verließen viele Herbsteiner aus wirtschaftlicher Not ihre Heimat und zogen in die Industriezentren des Ruhrgebietes oder wanderten in andere Länder aus. Bevorzugtes Zielland waren die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Nach dem zweiten Weltkrieg war Herbstein überwiegend landwirtschaftlich strukturiert. Erst seit den 60er Jahren siedelten sich vereinzelte, überwiegend gewerbliche Betriebe an. Auch der Tourismus nahm zu.

 

Rundgang:

Der Marktplatz war früher Burgplatz, denn hier stand bis Ende des 30jährigen Krieges die Burg. Ein Relikt aus dieser Zeit sind die Teile der unterirdischen Gewölbe, die man auch besichtigen kann. Jakobus der Ältere, der Stadtpatron der Stadt Herbstein, steht am Brunnen auf dem Marktplatz.

Das Rathaus wurde 1910 errichtet, ein Meisterstück des Zimmermanns und seiner Gesellen, das damals schon 62.000 Mark gekostet hat. Das vorherige Rathaus wurde genau wie weitere 63 Gebäude beim Großbrand 1907 ein Raub der Flammen.

Links davon steht  die evangelische Kirche aus dem Jahr 1882. Dahinter befindet sich der Ostturm und rechts davon das ehemalige Amtsgericht. Hier ist heute das Fastnachtsmuseum, die „Foaselt“, untergebracht. Über Jahrhunderte lag die Stadt als Enklave der Abtei Fulda in einem rein protestantischen Umfeld. So nimmt es kaum wunder, daß sich hier auch das einzigartige Fastnachtsbrauchtum eines „Springerzuges” gehalten hat. Stundenlang hüpft die aus sechs - rein männlichen - Paaren bestehende Kolonne an der Spitze des Rosenmontagzugs nach einem festen Ritus durch die Straßen. Das zeitliche Ende ist offen, da bei vielen Anwohnern eigens für das „Foaseltbitten” aufgesprungen wird. Vereinsheim, Kostüme und ein kleines Museum, wo der Springerzug lebensgroß nachgestellt ist, wollen unterhalten sein. Nach der Zerstörung im 30jährigen Krieg kamen Ende des 17. Jahrhunderts Maurer und Steinmetze aus Tirol und halfen bei dem Aufbau der Stadtmauer. Vermutlich brachten sie auch das „Foaseltenbrauchtum“ mit.

 

Vom Parkplatz aus kann man auf die Stadtmauer gehen und den Blick schweifen lassen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Aber bei 1572 Sonnenstunden im Jahr dürfte die Wahrscheinlichkeit groß sein.

Weit unten im Tal siehst man Rixfeld, einen der Stadtteile von Herbstein im schönen Tal der Ellersbach gelegen, ebenso Schadges und Stockhausen. Hinter dem Gebirgsrücken im Süd-Osten liegen die Orte Altenschlirf, Schlechtenwegen und Steinfurt, welche seit 1971/72 zur Großgemeinde Herbstein gehören.

Weiter nach rechts, in Richtung katholischer Kirche steht die Apotheke, das ehemalige Amtshaus. Es ist wahrscheinlich das älteste Haus Herbsteins, denn eine im Keller eingehauene Jahreszahl datiert das Jahr 1567.

Nach rechts kommt man in die Obergasse mit dem Statt-Museum. Um die Kirche stehen die teilweise keilförmigen Häuser. Am Ende einer Sackgasse steht rechts der Eulenturm. Noch ein Stück weiter und rechts ab sieht man die Stadtmauer. Hier stand früher auch das Obertor. Rechts steht das ehemalige Gefängnis, links das ehemalige Schwesternhaus (früher Kindergarten) und das Gemeindezentrum der katholischen Kirche - heute Sitz der Herbsteiner „Foaselt“. Daneben das große Haus war das Krankenhaus.

An der Ecke steht ein Bildstock aus dem Jahre 1730. Er zeigt auf der Rückseite das Abbild des Heiligen Michael als Begleiter der Toten, denn hier war bis 1854 der Friedhof.

Gegenüber kann man die steile Anhöhe zum „Hain“ hinaufgehen, vermutlich eine ehemalige heidnische Kultstätte, und den Ausblick genießen. Der kleine Ort im Westen ist übrigens Lanzenhain, der höchst gelegene Stadtteil von Herbstein.

Nun geht man links den Fußweg zum Westturm, dem dritten Turm der Stadtbefestigung. Man beachte, wie dick die Mauern sind.

 

Die katholische Kirche ist eine barockisierte, spätgotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert (Eingang an der Seite). Kirchlich gehörte die Gemeinde Herbstein von Anfang an ununterbrochen zu Fulda; erst zum Kloster, dann zur Abtei, ab 1220 zur Fürstabtei und schließlich, ab 1752, zum Fürstbistum. Nach der Säkularisierung wurde die katholische Pfarrei Herbstein von ihrer religiösen Heimat Fulda getrennt und im Jahre 1821 der Diözese Mainz zugeordnet.

Über die Erbauung der Pfarrkirche ist urkundlich nichts überliefert. Deshalb muß man von der Bauform auf die Entstehungszeit schließen. Die ältesten gotischen Gebäudeteile stammen aus dem 14. Jahrhundert. Diese sind: der steinerne Turm und die dreischiffige Halle mit dem überhöhten Mittelschiff, dem Chor und den beiden niederen nördlichen und südlichen Seitenschiffen. Hier ruhen die herablaufenden Gurte und Joche auf Konsolen.

Stilmäßig jünger sind die Kreuzrippengewölbe der dreischiffigen Halle. Bei diesen Bauteilen münden die Gurte und Rippen in die Wand ein. Die Schlußsteine an den Gewölbescheiteln tragen verschiedenartigen Schmuck, der zum Teil auf Wappen (Mainzer Rad, von Fischbach) und Symbole hinweist, anderenteils rein ornamentale Bedeutung besitzt.

Nach 1682 erfolgte eine weitere Vergrößerung der Kirche. Damals wurden die beiden Seitenschiffe nach Westen um ein und nach Osten um zwei rippenlose Joche verlängert. So wurde die spätgotische Wandmalerei im Chorraum wohl durch einen erforderlich gewordenen Arkadendurchbruch zerstört.

An der Westseite hat man die Seitenschiffe nach Norden und Süden verbreitert, so daß der Turm in den Kirchenraum mit einbezogen wurde. Bei diesen baulichen Veränderungen verloren die Fenster der Kirchenschiffe, wie auch die nördlichen und südlichen Seiteneingänge, ihre gotische Form. Die ursprünglichen Spitzbögen blieben bei den Fenstern im Chor und beim Haupteingang im Westen erhalten.

Im Jahre 1727 wurde die Sakristei an den äußeren östlichen Teil des Chores angebaut, und der Turm bekam ein Zwiebeldach. Der letzte Um- bzw. Anbau der Kirche erfolgte in den Jahren 1959/ 60. Die Sakristei wurde nach Süden erweitert. Der Vorbau zum Haupteingang; die Empore und vier von fünf Altären im Inneren wurden beseitigt. Nur der spätbarocke Marienaltar aus dem ende des 18. Jahrhunderts an der Ostseite ist erhalten geblieben.

Der neue Hochaltar mit der barocken Kreuzigungsgruppe (um 1700) erhielt seinen Standort am Eingang zum Chor. Im Chorpolykon wurde eine neue Orgel eingebaut.

Die holzgeschnitzte spätgotische Mondsichelmadonna in barocker Fassung am linken Triumphbogenpfeiler (heute rechts) und die Statue des Heiligen Jakobus des Älteren, des Kirchenpatrons, an einem Chorpfeiler sind Werke aus dem 2. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Beide stammen von der gleichen Hand eines unbekannten Künstlers. Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt die barocke holzgeschnitzte Figur des Heilgen Joseph am rechten Triumphbogenpfeiler.

Die barocke Pieta, die als Gnadenbild im Reich-Klara-Kloster in Mainz verehrt worden ist, wurde um 1700 gefertigt. Im Jahre 1857 kam dieses Bild der schmerzhaften Muttergottes nach Herbstein und wurde an einem Chorpfeiler im südlichen Seitenschiff angebracht.

Ein wahres Meisterwerk ist die hochbarocke Kanzel aus der Zeit um 1700. Am Schalldeckel befindet sich das Wappen des damaligen Fürstabtes Placidus von Droste (1678 - 1700). Sie stammt aus der Werkstatt des Johann Bien in Blankenau. Die barocken Figuren der Evangelisten fertigte der Bildhauer Joachim Ulrich aus Fulda.

Die wertvollen spätgotischen Wandmalereien an der Nordseite des Chores stammen von einem unbekannten Meister, aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ein nicht alltägliches Motiv ist der drachentötende Heiligen Michael mit dem Schutzmantel aus der Zeit um 1420. Aus der gleichen Zeit stammt wohl auch das untere Fresko, welches die Leidenswerkzeuge Christi darstellt.

Wie schon erwähnt, wurde das Mittelteil des Freskos 1682 beim Durchbruch der Arkade zerstört. Aus etwas späterer Zeit, um 1440, stammen die beiden Wandgemälde im Langhaus, die das Antlitz Christi auf dem Schweißtuch der Heiligen. Veronika über dem Triumphbogen und die Kreuzigung Christi über einer Arkade im Mittelschiff zeigen.

Der schöne Taufstein aus der späten Renaissance (von 1580) trägt das Meisterzeichen AB, das ihn als Werk des Kasseler Bildhauers Andreas Herber ausweist. Von ihm stammen auch die wertvollen Grabmale in der Lauterbacher Kirche.

Die fünf Felder tragen folgende Bildwerke: 1. Taufe Christi, 2. HI. Jakobus, 3. Wappen der Familie Milchling, 4. Wappen der Familie von Waiblingen, 5. unter dem Fuldaer Wappen und der Jahreszahl 1580 zwei Wappenschilder.

Um 1490 wurden die beiden holzgeschnitzten Figuren der Apostel Petrus und Paul geschaffen. Sie stammen aus der Kirche auf dem Petersberg bei Fulda und wurden 1859 von einem Wohltäter der Herbsteiner Kirche gestiftet. Sie standen bis zur Renovierung der Kirche 1959/60 auf dem Hochaltar und haben jetzt einander gegenüber an den Seitenschiffwänden auf Konsolen ihren Platz gefunden. Die. beiden Gemälde mit Christus an der Martersäule und der Heiligen Katharina, die früher dem Heiligkreuz- und dem Katharienaltar zugehörten, hängen seit 1959/60 an der Westwand der beiden Seitenschiffe. Beide haben die gleichen prächtigen, schweren Barockrahmen mit gedrehten Säulen. Das Bild der Heiligen Katharina trägt die Jahreszahl 1685, das Wappen des damaligen Fürstabtes Placidus von Droste und die Signatur E. Albin Fecit (Hofmaler in Fulda).

Das älteste Kunstwerk der Kirche, das Relief mit der Anbetung der Heiligen drei Könige ist an einem Turmpfeiler angebracht. Seine Entstehungszeit dürfte um 1380 liegen. Das Bildwerk gehörte wohl einst zu einem größeren Altarwerk, vielleicht zu dem ältesten Herbsteiner Marienaltar.

An der Nordseite der Kirche befindet sich in einer Außennische eine weitere holzgeschnitzte Pieta, die etwa um 1460 geschaffen wurde. Sehenswert sind auch die vier barocken Epitaphien in der Kirche und die zwölf Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert um die Kirche (Nachwort: Seit unserer Innenrenovierung 1998 sind einige Figuren und Bilder in der Kirche an anderen Plätzen aufgestellt. Andere sind noch nicht renoviert und fehlen deshalb).

 

Vom Marktplatz rechts den Postberg hinunter verläßt man den Bereich der Ringmauer. Hier stand früher das Untertor, auf dem bis 1819 der Heilige Jakobus als Beschützer der Stadt meinen Platz hatte.

Anschriften:

Kurbetriebsgesellschaft Herbstein GmhH, Marktplatz 7, 36358 Herbstein, Tel.: 0 66 43 / 96 00 19 Fax: 0 66 43 / 96 00 27, eMail: info@ herbstein.de Internet: www.herbstein.de

Touristinformation: Obergasse 5, 36358 Herbstein Öffnungszeiten: Mo. - Fr. 8.30 - 12.00 Uhr 14.00 - 16.00 Uhr

Fastnachtsmuseum, Amtsgasse 2, April - Oktober sonntags 16.30 - 17.30 Uhr Führungen auf Anfrage bei Josef Leister Tel. 06643/1422

Privatmuseum Ruhl, Hessenstraße 64, u. a. mit einer umfangreichen Puppensammlung,

Info und Terminvereinbarung Tel. 06643/ 15 52

Statt-Museum, Obergasse 5, Mo. - Fr. 8.30 - 12.00 Uhr, Puppenstuben aus zwei Jahrhunderten, Apothekerzimmer, Bürgermeisterzimmer, Geschichte der Auswanderbewegung, Bildstöcke und Wegkreuze der Gemarkung Herbstein.

 

Fastnacht:

Herbstein feiert die originellste und traditionsreichste Fastnacht Hessens. Hier, in ehemals fuldaischen Landen, einer katholischen Enklave inmitten protestantischer Gebiete, hat sich ein Stück Brauchtum bewahrt, das längst Gegenstand völkerkundlichen Interesses ist. Einen Springerzug mit sechs nach geheimnisvollen Riten hüpfenden „Pärchen“ - das bietet keine der bekannten Fastnachtshochburgen. Vor dem Zug marschiert der „Bajaß“. Eine auch andernorts anzutreffende Figur, in Herbstein aber mit besonders viel Narren-, weil Bewegungsfreiheit unterwegs. Gleichklang müssen dagegen die Springer wahren. Die zwölf in kurzen Lederhosen steckenden Burschen fassen sich mit nach oben gestreckten Armen an den Händen und ziehen auf Kommando die Beine bis zur Hüfte an. Beim ersten Sprung wenden sie sich einander zu, beim zweiten drehen sie sich nach außen - immer und immer wieder, bis sie am Ende des vier bis fünf Stunden dauernden Rosenmontagszuges erschöpft zu Boden sinken. Das Ende des Treibens ist offen, da die Springer rund 50mal für das „Foaseltbitten“ Sondereinlagen bieten müssen. Die so beehrten Bürger zeigen sich mit Geld und Sachspenden an die »Fastnachtsvereinigung Herbstein« erkenntlich, die sich qua Satzung verpflichtet hat, »das Faschingsbrauchtum unverfälscht und rein zu bewahren«. Vereinsheim, Kostüme, Motivwagen und das Material der kunstvollen „Fastnachtsrosen“ wollen bezahlt sein, und so müssen selbst die Springer ihre Teilnahme ersteigern. Mehrere tausend Mark kann es kosten, das erste, das „Tiroler Pärchen“ bilden zu dürfen. Frauen dürfen dabei nicht mitbieten, wie es schon immer „Sitte und Brauch“ war.

Wie weit die historischen Wurzeln der Herbsteiner Fastnacht reichen, kann nur vermutet werden. Nach manchen Schätzungen soll sie schon im 13. Jahrhundert entstanden sein. Einigermaßen gesichert scheint der Tiroler Einfluß auf das hiesige Geschehen. Die Ähnlichkeit der Kostüme mit alpenländischen Verkleidungen und Trachten wird auf den nachweislichen Aufenthalt einiger Tiroler im 17. Jahr-hundert zurückgeführt. Erstmals erwähnt wurde das närrische Treiben 1845. Damals sollen schon weitere Traditionsfiguren wie der Erbsenstrohbär als Sinnbild für das baldige Winterende oder das Siebpferdchen, eine Verhohnepipelung schneidiger Kavalleristen, dabeigewesen sein.

Mit der „Fastnachtsverbrennung“ in der Nacht zum Aschermittwoch ist in Herbstein noch nicht alles vorbei, sondern erst am nachfolgenden „Hutzelsonntag“, wie er typisch ist für das fuldaische Land. Gegen Abend werden große Strohfeuer abgebrannt, und zum Tagesausklang gibt es gedörrte – verhutzelte – Birnen, gleichermaßen Inbegriff für das Ende des kargen Winters und den Beginn der Fastenzeit. Doch eigentlich endet die „Foaselt“ in Herbstein nie. Im einzigen Fastnachtsmuseum Hessens hat die rührige Narrenvereinigung ihren traditionsreichsten Figuren einen Ehrenplatz eingeräumt. Alle sind sie dort versammelt, Erbsenstrohbär, Bajaß und natürlich der Springerzug. Nur „springen“ tut er dort nicht. Das gibt es bloß einmal im Jahr, am Rosenmontag zu erleben.

 

Nördlich der Altstadt liegt der Kurbezirk:

Wenn man von Lanzenhain kommt, fährt man in Höhe des Nordrings schon am Südrand des Kurparks vorbei. Man fährt nach links auf die B 275 in Richtung Lauterbach. Von ihr geht nach Westen eine Straße zum Kurhaus, zur „Vulkantherme“ (Wegweiser). Herbstein nennt sich stolz das „höchstgelegene Thermalbad Hessens mit der am tiefsten niedergebrachten Quellenbohrung“. In Zahlen: Die Gemeinde liegt 450 Meter über dem Meeresspiegel, und der 33,6 Grad warme Calcium-Natrium-Sulfatsprudel wurde in einer Tiefe von einem Kilometer und fünf Zentimetern angezapft. Das Werk verantwortete mit nicht unerheblichen finanziellen Risiken einer der dienstältesten Bürgermeister Hessens, Lothar Wyrtki, der 1991 nach 30 Jahren aus seinem Amt schied.

Eine geologische Karte im Eingangsbereich verdeutlicht, durch welche Gesteinsschichten man sich wühlen mußte um die Thermalquelle in tausend Meter Tiefe anzuzapfen

Kurz vor der Vulkantherme geht nach Süden die „Straße der Ehe“ ab. Dem langjährigen Stadtoberhaupt verdankt die Gemeinde auch diese Einrichtung. Aus der Anfang der sechziger Jahre geborenen Idee, jedes Brautpaar als Symbol der Treue und Beständigkeit auf Gemeindekosten drei Birken pflanzen zu lassen als Symbole für Glaube, Liebe und Hoffnung, sind unterdessen ganze „Straßen der Ehe“ mit Hunderten von Bäumen geworden, die sich als Alleen über gut einen Kilometer durch den Kurpark ziehen.

Den Park zwischen der Altstadt oben auf dem Berg und dem Thermalbad unten auf der grünen Wiese nennen die Herbsteiner mit etwas Augenzwinkern die „kleinste Bundesgartenschau Deutschlands“. Aus den Hinterlassenschaften der Frankfurter Blumenolympiade 1989 ersteigerte die Gemeinde zwölf Lastwagenladungen – von der Tulpenzwiebel bis zum kompletten Irrgarten, vom einfachen Gestühl bis zu den Kunstwerken Friedrich Deventers (Prismatischer Punkt) und Klaus Scheeles (Liebeskuppel) - und versammelte alles im Kurpark.

 

Wanderung zu den Schalksbachteichen:.

Am Ende der Straße „Nordring“ am Beginn der „Lanzenhainer Straße“ fährt man im spitzen Winkel nach Norden in die Straße „Eichenröde“ und dann nach links in die „Adolph-Kolping-Straße“ zum Kolping Feriendorf. Dort kann man parken, die Weiterfahrt ist verboten (wird aber trotzdem gemacht)

Am Zaun des Feriendorfes entlang nach Westen und am Ende des Zauns mit einem Knick nach links kommt man zum Naturdenkmal Felsenruhe. Dieser Basaltdurchbruch unterteilt den Wald auf zwei Etagen Er bildet auf einer Länge von 200 Metern eine bizarre Felsenwand. Eine Bank lädt zum Verweilen auf. Aber besonders spektakulär ist die Wand nicht. Auf dem gleichen Weg geht es zurück zum Parkplatz, vorbei an vielen Grenzsteinen  von 1775, die das Fürstentum Fulda von Hessen-Darmstadt abgrenzten.

Auch nach Osten geht es auf der ehemaligen Grenze zwischen dem Fürstbistum Fulda und dem Großherzogtum Hessen Darmstadt entlang. Die 200 Jahre alten Grenzsteine flankieren den Weg bis zum Ende des Waldes. Dort steht die Kreuzkapelle, etwas weiter unten ist das Caritasheim, dessen Ferienbungalows zu sehen sind.

Am Waldrand geht man nach Norden über den Schalksbach. Dort ist rechts eine Andachtstäte mit einer kleinen Darstellung der Taufe Jesu. Am Waldrand geht man dann nach Western zu den Schalksbachteichen.

Das sind Fischteiche, die Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurden. Das gesamte Gebiet (31 Hektar) ist wegen seiner seltenen Grünland- und Wasserpflanzen heute Naturschutzgebiet.

Die Teiche haben eine herausragende Funktion als Rast- und Brutplatz seltener Wasservögel, als Lebensraum von Libellen, Schmetterlingen und Lurchen. Die Haubentaucher gehören zu den seltenen Wasservögeln, die sich hier heimisch fühlen.

Die Teiche befinden sich im Eigentums der Gräflich Westerholt’schen Verwaltung. Sie wurden 1994 unter Naturschutz gestellt. Die Beweidung mit Rindern ist eine wichtige Pflegemaßnahme, um die seltenen Grünlandgesellschaften zu erhalten.

Für Hessen einmalig sind die Lebensgemeinschaften sommerlich trockenfallender schlammiger Teichufer (zum Teil erreicht durch künstliches Absenken des Wasserstandes) und die Borstgras-Pfeifengras-Wiesen im Umfeld des unteren Schalksbachteichs. Es kommen 345 Pflanzen vor, von denen 29 vom Aussterben bedroht sind, z.B. Dreimänniger Tännel, Ei-Sumpfbinse, Wilder Reis, Färber-Scharte und Kriech-Weide. Auch für Wiesenbrüter haben die Teiche eine hohe Bedeutung. Wiesenpieper und Bekassine haben hier eine starke Brutdichte. Auch der Raubwürger brütet hier

Eine Informationstafel am südlichen Weiher erläutert die Besonderheiten der im Rahmen des „Netzwerkes Natura 2000” der Europäischen Union geschützten Gewässer. Weil diese im Sommer trocken fallen, hat sich hier seltene Teichbodenflora angesiedelt, so daß auch viele Pflanzen geschützt sind.

Man muß nicht auch um den nördlichen Teich herumgehen, um nach Süden wieder zum Kolping-Feriendorf zu kommen. Man Kann auch über den Damm des Teiches gehen, dann auf der anderen Seite ein Stück aufwärts und dann nach rechts (!) zu der geteerten Straße, die nach links wieder zum Feriendorf führt Länge 3,8 Kilometer).

 

Historische Grenzsteine:

Die Grenzsteine am Wegesrand um Herbstein liefern Zeugnis vom Ende langjähriger Streitigkeiten zwischen der ehemaligen fuldischen Enklave Herbstein, den Riedeseln, Freiherren zu Eisenbach und dem Herzogtum Hessen-Darmstadt. Mitte des 18. Jahrhunderts. gesetzt, sind viele bis heute erhalten und am Wegesrand oder mitten in verwachsenen Lesesteinwällen zu entdecken.

Im Jahre 1665 wird in Herbstein ein Grenzgang durchgeführt,  um die Streitigkeiten mit dem Nachbarn - vornehmlich den Riedeseln - ein Ende zu bereiten. Dazu erscheint im Auftrag des Abtes Joachim von Fulda der Notar Johann Peter Rabich,... die Ältesten und der Rat der Stadt Herbstein, die Landgerichtschöffen, sowie Zeugen werden zu dem befohlen…

Am 28. März, morgens, versammeln sich alle im Schultheißamt, und danach setzt sich der Zug der Teilnehmer samt der  „gemeinen Bürgerschaft“ mit Trommelschlag und mit dem „besten Gewehr“ zum Jakobswäldchen in Bewegung.

Der Reihe nach erwähnt das Protokoll folgende Gewannnamen: Jakobswäldchen, Heeg, Fulder Weeg, Herbsteiner Heeg, Rockies, Steimel, das Wehr, die Gretenbach, Knechtswiesen, Steinrücken, die Herbsteinische Heege in der Haingruben, Weege die nach dem Lohe gehen, Eichholtz, Hopfmannsfelder Pfad, Eichenräder Pfad, die Schnitteichen, das Floß, Kauleich, Seiften, Eichborn, die Moß, Scheichenborn, Ahrborn, Keberhennen, Mähfeld, Münchenhain, Küntzenfloß, Ellers, Küntzges Ahln, Sewbadt, Lantzenhainer Pfad, Hetzgeshain, Born an der Ilbeshäuser Mark, Burgfrieden, Born an dern Schuch, Kuntzen Wiesen, Haßel. „Über des dicken Lentzen Acker“ endet der Gang des ersten Tages. Am 29. März erscheinen an dieser Stelle auch die Ilbeshäuser Landgerichtsschöffen.... usw.

Das Vorgefecht beginnt schon 1670. Die Streitenden sind Herbstein und die Riedesel. Der Grenzgang von 1665 dient noch der allgemeinen Klärung. Im Jahre 1688 schon verhandeln nicht mehr die beiden Amtschultheißen in Herbstein und Lauterbach, jetzt heißt es Lanzenhain contra Herbstein. Etappen in dem Kampf sind die Jahre 1702, wo man mit den Ilbeshäusern einig wird, 1709 mit einer Reihe von Vernehmungen, 1726 mit einem lahmen Urteil, das eine Verschiebung des Endurteils auf unbestimmte Zeit bedeutete. Im Jahre 1734 wird Lanzenhain die Koppelhut auf dem sogenannten Burgfrieden solange zugestanden, bis Herbstein im Prozeß ein anderes dargetan habe.

Im Jahre 1735 kommt ein sogenannter Verpflöckungsrezeß zustande, der die Grenzen zwischen Riedesel und Herbstein festlegt. Alles was zum Gerichte Engelrod gehört, also auch Lanzenhain ist in die Verpflöckung als Vorbereitung zu der späteren Aussteinung einbegriffen. Die Steine werden 1775 gesetzt. Es sind die bekannten heute noch vorhandenen. Im Jahre 1780 wird der Grenz-Executions-Rezeß unterschrieben.

Im Jahre 1793 machte Lanzenhain erneut Ansprüche geltend, da es 1753 nicht um seine Zustimmung gefragt worden wäre. Die Riedesel als Landesherren hätten keine Lanzenhainer Rechte vergeben dürfen.

Der Prozeß dauerte bis 1816 und endete mit einem Vergleich. Für entgangenen Nutzen hatte Lanzenhain 76.026 Gulden verlangt, wobei die Rückerstattung von Pfändungswerten und Prozeßkosten nicht einbegriffen war. Durch den Vergleich ging etwa 1/3 der Koppelhut in Lanzenhainer Besitz. Die Entschädigungssumme, die Herbstein zu zahlen hatte, wurde auf 6.200 Gulden festgesetzt. Von der 275 Mitglieder zählenden Bürgerschaft unterschrieben 200 den verlangten Schuldschein, der eine Zahlung der 6200 Gulden in sechs Raten vorsah. Bemerkenswert ist, daß nur acht von diesen nicht imstande waren, ihren Namen zu schreiben, für die damalige Zeit ein ganz beachtliches Zeichen.

Seit der Zugehörigkeit der Stadt Herbstein zu Hessen Darmstadt 1810 und auch seit der Gebietsreform von 1971 haben die historischen Grenzen nur noch untergeordnete Bedeutung, zumal viele Grenzführungen im Laufe der Zeit vereinfacht worden sind.

Trotzdem gibt es sie noch die steinernen Dokumente entlang der alten Grenze. Bei einem Grenzrundgang im Jahre 1998 wurden bis zu 150 Steine gezählt, die in den unterschiedlichsten Positionen zu finden sind. Am zahlreichsten sind sie in den Buchenwäldern Richtung Eichenrod zu finden, sowie im Bereich der Burgfriede Richtung Lanzenhain. Dazwischen liegt das Münchenhain, die als Herbsteiner Flur weit in das Lanzenhainer Gebiet hineinreicht. Besonders gezackt gestaltet sich die ehemalige Grenze im Gebiet der Koppelhuthe - ein Ergebnis der Jahrhunderte langen Grenzstreitigkeiten. Eine größere Anzahl von Grenzsteinen in Reih und Glied findet man auch in den Waldgebieten am Steimel. Manche liegen um oder sind abgebrochen.

Es fällt auf, dass Steine in offener Feldflur (Weiden, Wiesen und Äcker) fast völlig verschwunden sind - teilweise eine Folge der zunehmenden Industrialisierung der landwirtschaftlichen Arbeiten. Interessant ist, dass man die Grenze in vielen Abschnitten durch die vorgefundene Landschafts- und Bewuchsformation noch erahnen kann: meist besteht ein etwa ein Meter breiter wilder Heckenknick, Lesesteinwall, Weg oder Bachlauf. Und tatsächlich lehnen sich die ältesten Grenzen hauptsächlich an Wasserläufe. Wald- und Wiesenränder und Bergkuppen. Heute gilt es, die verbliebenen Grenzsteine auf ihrem alten Ort zu sichern und als Kleindenkmale in die Denkmaltopographie des Vogelsbergkreises mit aufzunehmen: denn sie sind Zeugen der geschichtlichen Entwicklung der Stadt Herbstein.

 

Felsentour Herbstein:

Felsbrocken in allen Größen sind das Leitthema dieser Tour: zu Basalt erstarrte Lava -Zeugnis des lange erloschenen Vulkans. Der Weg erschließt drei große Basaltdurchbrüche. Dazwischen gibt es liebliche Wiesenlandschaften, kleine Seen und schöne Ausblicke sowie geschichtsträchtige Grenzsteine am Wegesrand. Viele naturbelassene Wege sowie Feldwege kennzeichnen diese Tour, die mit 300 Höhenmetern leicht zu laufen ist. Eine Übersichtskarte hängt am Kolping-Feriendorf.

Die Wanderung zu besonderen Gesteinsformationen führt zunächst um die Schalksbachteiche herum und dannnach Westen durch den  „Heiligenwald“ und - flankiert von Lesesteinwällen und Gehölzriegeln -  durch den lieblichen Seifengrund weiter im Süden.

Hier kann man eine Abkürzung gehen: Am Waldrand des „Hochholz“ zweigt ein Feldweg nach links ab. Auf diesem gelangt man nach etwa 600 Metern auf den Höhenweg hinter dem Birkenhof. Über diese kleine Spange läßt sich der Weg für Kurzwanderer in zwei kleinere Runden teilen und entsprechend in zwei Etappen (12,8 und 7,6 Kilometer) laufen.

Im harmonischen Wechsel von Wald- und Wiesenlandschaften geht es dann zum „Diebstein" (570 Meter), der höchsten Stelle der Tour, westlich von Lanzenhain. Der Pfad verläuft unterhalb der eindrucksvollen Felsenformation.

 

Von da aus führt ein Feldweg quer durch Lanzenhain, einem typischen Vogelsbergdorf, mit liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern und einem Bach mitten im Ortskern. Östlich von Lanzenhain geht es dann in einen Buchenmischwald, durchsetzt von Basaltblöcken. Stellenweise ein richtiger Urwald, in dem auch umgestürzte Bäume ihre letzte Ruhe finden, langsam mit Pflanzen überwuchern und seltenen Tier- und Pflanzenarten Nahrung bieten. In seinem Zentrum befindet sich der „Burgfrieden“, direkt östlich von Lanzenhain, eine weitere mächtige Basaltformation, umgeben von einem Basalt-Blockmeer.

Der Rückweg führt zunächst zur Wolfsmühle im Norden, durch eine kleinräumige Wiesenlandschaft. Auf der Landstraße geht es ein Stück nach Osten und dann wieder nach Norden, vorbei an einem Teich, durch eine lange Allee erhabener alter Linden und über Wege mit herrlichen Aussichten auf die charakteristische Silhouette von Herbstein, das auf einem ehemaligen Vulkanschlot thront.

Ein Erlebnis ist die Querung eines quirligen Wiesenbaches, dem Eichhölzchen-Wasser im Aspertzer Grund. Nach der Schneeschmelze braucht man für die Furt lange Beine, oder man muss ein Weilchen nach einer guten Übergangsstelle Ausschau halten.

Das letzte Highlight ist der Basaltdurchbruch „Felsenruhe“ (Auf der Karte als „ND“ gekennzeichnet). Er bildet eine riesige Stufe im Wald. Der Basalt ist hier in kompakten großen Felsen erstarrt, die durch die Erosion abgeschliffen und gerundet wurden. Dann geht es über den Grenzweg wieder zum Ausgangsort am Kolping-Feriendorf.

 

Wanderung nach Westen:

Durch die lang gezogene Lanzenhainer Straße (Richtung Westen) geht es hinunter zur westlich vorbeiführenden Kreisstraße, weiter einige hundert Meter links entlang. Rechts geht man dann zwischen die Bäume einer Lindenallee. Leicht bergan in Richtung Eichenrod führend, entfernt sich dieses Spalier spitzwinklig von der Straße, endend an einem Weiher. Jetzt biegt man rechts ab und läuft auf einem etwas aufgeweichten Weg kurz hinan. Oben trifft man auf die Ziffer 3, der sich nach links angeschlossen wird. Erst marschieren wir noch zwischen Feld und Wald, dann dringt man ganz in den Forst ein.

Ohne größeren Richtungswechsel kommen wir zu einer Wegekreuzung. Hier tauschen wir, weiter geradeaus verbleibend, die 3 gegen die Ziffer 4. Diese geleitet, nach Rechts-links-Bogen, bergan wieder zum Wald hinaus. Wir folgen dann nicht mehr deren Rechtsabzweig, sondern gehen weiter geradeaus den Wiesenhang hinauf. Oben hält man sich rechts und nimmt für die nächsten Kilometer das blaue Kreuz auf. Auch wenn dieses gut markiert ist, beachte man einige abrupte Wendungen: Am Ende des linker Hand verlaufenden Waldstücks rechts, leicht bergab und bald links, wieder bergan und an einer frei stehenden Eiche rechts.

Mit sanftem Gefälle wird man hinunter zum Naturschutzgebiet Schalksbach-Teiche geführt. Mit der neuen Markierung weißes Kreuz auf schwarzem Grund laufen wir über eine dammartige Aufschüttung und halten uns am anderen Ufer rechts. Gleich darauf heißt es links in ein Fichtenwäldchen schlüpfen, erneut links und schließlich halb rechts den Hang hinauf. Oben stößt man auf ein Kapellchen, das wir geradeaus passieren. Auf befestigtem Pfad kommt man hinunter zum Thermalbad. Hinauf nach Herbstein weist ab Parkplatz die birkengesäumte „Straße der Ehe” den Weg (Elvira Klein, Rhein-Main, Seite 106).

 

Hopfmannsfeld (nordwestlich von Herbstein)

Auf der Straße von Herbstein nach Lauterbach noch südlich des Schalksbachs und vor dem Bahnhof und nahe an der ehemaligen Bahntrasse steht der Herbsteiner Galgen aus dem Jahre 1707. Am Bahnhof fährt man nach Westen nach Hopfmannsfeld. Von der Landestraße fährt man nach rechts auf die Kreisstraße (der Wegweiser ist nur klein und unscheinbar, kein großes gelbes Schild).

Hopfmannsfeld, 1276 Holzmannesvuelt, Ortslage: 469 Meter NN, Lage der Flur: 470 - 530 Meter NN, Einwohnerzahl 2002: 348 Einwohner, Hopfmannsfeld ist der Hauptort des ehemaligen Gerichts gleichen Namens, das später mit dem Gericht Engelrod vereinigt wurde.

Hopfmannsfeld leitet sich ab von Holzmannsveld - der Ort, wo der Holzmann (Holzbauer, auch Holzkünstler) wohnt. Es handelt sich hierbei wahrscheinlich um den Siedlungsplatz von Rodungsarbeitern des Klosters Hersfeld.

Im Jahre 1276 (erste urkundliche Erwähnung von Hopfmannsfeld) verpfändete die Gräfin Hedwig von Ziegenhain ihre Güter zu Hopfmannsfeld an Friedrich von Schlitz. Kurz danach kam die Vogtei über die Gerichte Hopfmannsfeld und Engelrod, an die Grafen von Orlamünde und 1287 käuflich an Gerlach Herrn von Breuberg. Das Gericht Hopfmannsfeld umfasste die Orte Dirlammen, Frischborn, Allmenrod, Blitzenrod, Ober- und Niedersickendorf. Ausgegangene Orte: Breinten, Wilhelmsrode und Woffenrod.

 

Das Steinkreuz in der Schitzgasse:

Im Ort ist rechts an der Straße „Im Hag“ ein Feldkreuz mit einer Hinweistafel. Geradeaus geht es nach Dirlammen, von wo man nach Meiches kommt (wenn man nach dort einen Abstecher machen will). Das Steinkreuz war lange Jahre nicht zu sehen, weil das damalige Wiegenhaus davor gebaut wurde. Beim Straßenbau verschwand das Wiegenhaus und das Steinkreuz wurde wieder sichtbar. Ein Arm des Sühnekreuzes ist vor langer Zeit abgebrochen und soll in der Nähe des Kreuzes gelegen haben. Verschiedene Einwohner behaupten, der fehlende Arm des Kreuzes sei beim Straßenbau an der Einmündung der Schlitzgasse im Straßenuntergrund verschwunden.

 

Die Geschichte vom Kesselgehännesje

Nach langen, langen Kriegszeiten wusste niemand mehr den genauen Verlauf der Herbsteiner Gemarkungsgrenze gegen Hopfmannsfeld und Frischborn zu. Um den Streit mit diesen Gemeinden ein Ende zu bereiten, holte man den ältesten Mann der Umgegend, einen alten Kesselflicker aus Hopfmannsfeld, das sogenannte Kesselgehännesje. Der aber gab den Grenzverlauf zu Gunsten seiner Gemeinde und zum Nachteil von Herbstein an. Für diese falsche Aussage muss seine Seele büßen. Ruhelos reitet er des Nachts auf einem Pferd der Grenze entlang. Mit Hundegebell, Peitschenknallen und Trompetenblasen zieht er dahin. Er wird von den Leuten, die ihn gesehen haben, geschildert als ein altes Männchen mit aschfahlem Gesicht und einem Plüschkäppchen auf dem Kopf. Auf dem Rücken trägt er einen Kessel. In der rechten Hand hat er einen Stock. Zur Mittagszeit und zur Abendzeit schleppt er einen Grenzstein durch das Geröll. In der hohlen Eiche am Butzelweg hält er sich auf. Tatsächlich sind die Grenzsteine nirgends so nahe an der Stadt Herbstein als auf der Nordseite.

 

Gericht und Galgen:

Man fährt die Straße nach links in Richtung Eichenrod und biegt dann rechts in den Galgenweg. Dieser ist zwar ab Ortsausgang für den allgemeinen Fahrzeugverkehr gesperrt, aber er führt zum Galgen und nach Hörgenau.

Hopfmannsfeld war bereits im 13. Jahrhundert Hersfelder Landgerichtsort. Es behielt den Gerichtssitz auch unter der Herrschaft der Riedesel zu Eisenbach, wurde aber im Jahr 1736 dem Gericht Engelrod unterstellt. Auch danach dürfte in Hopfmannsfeld noch Recht gesprochen worden sein, denn die ehemalige Gerichtsstube befand sich in einem Haus, das erst im Jahr 1768 erbaut wurde.

In einer alten Urkunde wird das Hopfmannsfelder Gericht als „Halßgericht“ bezeichnet, was bedeutet, daß dort auch Leibes- und Lebensstrafen ausgesprochen wurden. Zu dieser Zeit dürfte der Gerichtsplatz außerhalb des Ortes gewesen sein, vielleicht wie im Nachbargericht Engelrod, auch unter einer alten „Lieen“ (Linde) und als Galgen wird wohl der starke Ast eines Baumes oder ein Holzgerüst gedient haben.

Warum man zum beginnenden 18. Jahrhundert einen steinerenen Galgen errichtete, ist unklar. Vielleicht war es eine Modeerscheinung. vielleicht richtete man sich auch nur auf eine regere Benutzung des Geräts ein, da das Bandenunwesen in dieser Zeit auch im Vogelsberg stark zunahm.

Das Gericht Hopfmannsfeld wird schon im 13. Jahrhundert als Hersfelder Landgericht erwähnt, ihm gehörten zwölf Orte an. Das Hopfmannsfelder Gericht wurde 1736 dem Gericht Engelrod zugeteilt. Das in Hopfmannsfeld als das „Gerichtshaus“ bekannte „Scheiche-Haus“ wurde 1768 erbaut. Man kann davon ausgehen, dass in Hopfmannsfeld auch nach der Auflösung des selbständigen Gerichts noch Gerichtstage gehalten wurden - als Außenstellen des Gerichts Engelrod. Jedes Halsgericht hatte als Zeichen seiner Strafgewalt einen Galgen aufzuweisen. Der Galgen ist im Jahre 1707 erbaut worden. Er wurde wahrscheinlich zur Abschreckung erbaut und um weithin sichtbar die Gerichtsbarkeit anzuzeigen.

Die Riedesel haben, so scheint es zumindest, während des 18. Jahrhunderts als damalige Landesherren die Halsgerichtsbarkeit zentral nach Lauterbach verlegt. Somit sind auch mündliche Überlieferungen wahrscheinlich, daß an dem neuen Sandsteingalgen nahe Hopfmannsfeld nie ein Urteil vollstreckt wurde. Spätere unruhige Zeiten hat die Richtstätte überstanden, auch die des Jahres 1848, als revolutionäre Studenten den Lauterbacher Galgen zerstörten, auch das Ansinnen der Hopfmannsfelder im Jahr 1891, die Sandsteine zum Bau von Grabenschleusen zur Minderung des Hochwassers zu nutzen: das Kreisamt bestand damals auf Erhaltung der Überreste, da von „historischem Wert“. Lediglich der hölzerne Querbalken war mit der Zeit morsch geworden und heruntergefallen. Eine Hopfmannsfelderin nahm die Reste mit nach Hause und nutzte sie als Brennholz.

 

Warum der Hopfmannsfelder Galgen gebaut wurde: Hopfmannsfeld besaß zwar sein eigenes Gericht aber keinen Galgen um die Verurteilten Verbrecher ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Wenn nun aber einer zum Tode durch Erhängen verurteilt war, blieb den Hopfmannsfeldern nichts anderes übrig als die Stockhäuser um die Benutzung ihres Galgen zu bitten. Noch heute stehen die Steinsäulen des Stockhäuser Galgens zwischen Rixfeld und Herbstein.

Eines Tages nun hatten die Hopfmannsfelder einen Dieb gefangen und in eine kleine Zelle beim Dorfbackhaus gesperrt. Noch am selben Abend versammelten sich der Bürgermeister Suppes und die Schöffen unter der Gerichtslinde zur feierlichen Gerichtssitzung. Und der Dieb wurde einstimmig zum Tode verurteilt. Als man auch diesen Verurteilten nun wieder in Stockhausen hängen lassen wollte, stieß man auf ernste Schwierigkeiten dergestalt, dass die Stockhäuser nämlich nicht weniger als 100 Gulden Benutzungsgebühr für ihren Galgen verlangten. Es wundert wohl nicht, dass der Bürgermeister Suppes ziemlich erschrak, als er die Forderung der Stockhäuser vernahm; denn für diesen Betrag konnte man ja selbst einen Galgen errichten. Auch blieben alle Verhandlungen mit den Stockhäusern über eine niedrigere Gebühr erfolglos.

So verstrich die Zeit und die Unterbringung und Verpflegung des Delinquenten kostete die Gemeinde eine gehörige Summe Geldes. So kamen der Bürgermeister und die Männer des Ortes zusammen um zu beraten was zu tun sei. Man redete hin und her und die Meinungen gingen mehr und mehr auseinander, ihr einen meinten man solle den Stockhäusern die 100 Gulden zahlen, um die Sache endlich hinter sich zu bringen. Andere aber waren so erbost über den hohen Betrag, dass für die Errichtung eines eigenen Galgens eintraten.

Da ergriff der allseits geachtete Scheiche Hannes das Wort und stellte folgenden Antrag: „Ei zem Donnerkeil. ich meen, woas brauche mir daene igebildete Stockhaiser die honnert Gulde i de Rache se schmeiße, an woas brauche mir ens die Erwet an Mih se mache en naue Galche se baue - wer waeß, wonn dae ferdich is? Ich menn, mir gaewe dem Galcheyuchel die honnert Gulde an de soll sich haenge losse, bu e well - an mir sei die Erwet lous."

Die anderen Männer beratschlagten kurz und man war sich schnell einig, dass dieser Vorschlag gar nicht so übel sei und schließlich einstimmig angenommen wurde. Ein Schöffe überbrachte dem Gefangenen diese Nachricht und man gab ihm Bedenkzeit bis zum nächsten Tag.

Das ganze Ortsgericht war erleichtert, als der Dieb diesen Verschlag annahm. Schmunzelnd steckte er die 100 Gulden ein und zog pfeifend davon. Bis zum heutigen Tag konnte nicht geklärt werden, wann und wo er sich hat hängen lassen.

Wenn der Wind pfeift, sich dreht und wendet und ständig aus einer anderen Richtung bläst, wenn Vollmond ist und die Sterne klar blinken, wenn der Winter mit dem Frühling streitet, dann sollte man die Hopfmannsfelder Galgensäulen meiden. Es raschelt und raunt dann in den Büschen, es zieht aus allen Ecken und man bekommt eine Gänsehaut. Will man jetzt wegrennen, sind Beine und Füße schwer wie Vogelsberger Basalt. Man steht starr vor Angst und wartet auf das, was da noch alles kommen wird.

Die Hopfmannsfelder aber bauten kurze Zeit später ihren eigenen Galgen im Galgenfeld – „ANO 1707“, wie auf der rechten der beiden Sandsteinsäulen zu lesen ist - genau eineinhalb Meter vor der Hörgenauer Gemarkungsgrenze. Wie ein solcher Galgen erbaut wurde, ist allgemein überliefert: Alle erwachsenen Personen des Gerichtsbezirkes mußten sich an der „ehrlosen“ bzw. „unehrlichen“ Arbeit des Galgenbauens beteiligen. Steinmetze übernahmen das Herstellen der Säulen. Zimmerleute lieferten den Querbalken. Schreiner die Leitern und die restliche Bevölkerung war zu Handdiensten eingeteilt. Keinem konnte deshalb nach Fertigstellung des Galgens vorgeworfen werden, daß nur er an der „unehrenhaften“ Arbeit beteiligt gewesen sei.

 

An allen Orten im Vogelsberg, an denen früher Gerichtsstätten waren oder Galgen standen, ist es heute noch nicht geheuer, so sagt man. Ein Mann ist spät abends im Schächental bei Schlitz zu sehen, der mit den Füßen nicht auf dem Boden stehen kann. Am Galgenstrauch zwischen Bobenhausen und Ober Seibertenrod geistert es immer noch. Dort wurden Strassenräuber und Spitzbuben gehängt: nahe Freiensteinau übrigens auf dem Galgenfeld. All diese alten Gemarkungsnamen - auch Schächenäcker oder Galgenhecken - deuten auf ehemalige Richtstätten hin und alle haben etwas gemeinsam: Sie liegen immer dicht an der Grenze zur Nachbargemeinde. Es könnte sein, daß man dadurch umherziehendes Diebs- und Raubgesindel schon weit entfernt vom Ort abschrecken, aber auch wohl den unseligen Platz so weit wie möglich vom eigenen Ort entfernt haben wollte, denn die Delinquenten ließ man oft bis zum „Verfaulen“ an der Richtstätte baumeln.

So ist die folgende Geschichte fast glaubhaft: Ein Schneiderlein wurde verurteilt und aufgeknüpft. Freunde banden es unbemerkt los, bevor der Tod richtig zupacken konnte und verhalfen ihm zur Flucht. Als Schöffen. Richter und Henker am nächsten Tag den leeren Strick sahen, glaubten sie, das Leichtgewicht sei vom Wind über die Grenze geweht worden.

 

Eine Hinrichtung entwickelte sich oft zu einem großen Schauspiel. So hatte ein riedeselscher Leutnant im Mai des Jahres 1772 bei Reichlos einen Landstreicher gefangen und in Ketten nach Lauterbach geschafft. Man wies ihm acht Einbrüche nach und verurteilte ihn deshalb zum Tode. Mit Rücksicht auf die Herrschaft sollte er aber nicht am Galgen zu Tode kommen, vielmehr wurde er zum Schwertstreich begnadigt! Das geschah dann auch mit viel Spektakel. Der katholische Probst von Blankenau war sogar mit einem Pfaffen und Diener per Pferd angereist, und der evangelische Pfarrer Lauterbachs verstand es, den Delinquenten zum Übertritt vom katholischen zum protestantischen Glauben zu bewegen, daß man „an seiner Seligkeit zu zweiffeln eben nicht Ursach hatte“. Zum Richtplatz marschierte dann viel Volk, allen voran der Verurteilte, und gleich hinter ihm der Probst. Mit einem letzten Gebet und dem Segen des Pfarrers verabschiedete man schließlich den Delinquenten.

Im Heiligenwald bei Engelrod hatte man im Sommer des Jahres 1772 sieben Banditen gefangen. Auch sie wurden nach Lauterbach gebracht und gaben freiwillig - ohne auf die Folter gespannt zu werden - 34 Diebstähle zu. Die Anführerin, ein 56 Jahre altes Weib, sollte am Galgen enden, ein Mann mit dem Schwert bekannt werden, doch die Frau wurde auch in diesem Fall zur milderen Todesart begnadigt.

Die übrigen Diebe mußten aus erzieherischen Gründen den Exekutionen zusehen, bevor sie selbst ihre Strafen bekamen; einer von ihnen auf einem öffentlichen Platz dreimal hintereinander fünfzig Prügel. Geholfen hat angeblich beides nicht viel.

Übrigens richtete man sich in Lauterbach auf eine rege Benutzung des Galgens ein und ersetzte im Oktober 1772 die uralte Holzkonstruktion am Schlitzer Pfad durch eine wesentlich stabilere aus Stein.

 „Die kleinen Diebe hängt man auf

Die Großen läßt man laufen.

Wär umgekehrt der Welten Lauf

Würd ich mehr Strick verkaufen.“

Heinrich  Süßel, Seilermeister (Werbeschild in Schotten).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Waldensberg

Die Gründung Waldensbergs begann 1699, als eine kleine Delegation der Waldenser anreiste, um die Möglichkeit einer Ansiedlung zu prüfen. Mit dem Jahr 1699 begann eine vielschichtige Entwicklung, durch die die Grafschaft Ysenburg einen besonderen Ruf als Freistätte religiös verfolgter Minderheiten erhielt. Die Bevölkerungsverluste durch den 30jährigen Krieg waren noch lange nicht aufgeholt, und die Hugenotten galten als wirtschaftlich aktive Schicht. Die Erwartungen richteten, sich auf Handwerker und Kaufleute, die bäuerlichen Waldenser waren dagegen schwieriger unterzubringen.

Schon 1688 waren mit der ersten Flüchtlingswelle Waldenser ins Gebiet der Grafschaft Hanau gelangt; dort ergab sich aber keine Möglichkeit für eine Ansiedlung. Wenn auch der erste Versuch scheiterte, so hatte man in der Grafschaft die Vertriebenen als „bescheidene, aufrichtige, fromme und wackere Leute“ kennengelernt. Zehn Jahre später, mit der zweiten großen. Auswanderungswelle, sollte bei Wächtersbach eine waldensische Siedlung entstehen.

Der Wächtersbacher Graf Ferdinand Maximilian I.. (1662‑1703) hatte auf einer Bildungsreise auch den Hof des Sonnenkönigs besucht und sich danach einige Monate an der hugenottischen Akademie in Angers aufgehalten. Anschließend weilte er noch in den Niederlanden und in England, kannte folglich die Brennpunkte des politischen Geschehens der folgenden Jahre aus eigener Anschauung.

Seit 1687 verwaltete Ferdinand Maximilian den ihm zugefallenen Wächtersbacher Stammteil. Der Wächtersbacher Graf hatte angedeutet, er könne wohl einhundert Familien „bey den Weyerhoff und dort herum noch wüst liegende Güter setzen“. Anfang Juli 1699 reisten vier Deputierte der Waldenser in die kleine Residenz, besichtigten die Örtlichkeiten und zeigten „ziemlichen Lusten“, etwa 70 Familien bei Wächtersbach anzusiedeln.

Pieter Valkenier, Sonderbeauftragter der Niederlande für die waldensischen Angelegenheiten, war derjenige, der sich um die Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge kümmerte. In Graf Ferdinand Maximilian traf er auf einen Partner, der wußte, was, er für sein. Engagement fordern konnte. Der Graf wollte den Flüchtlingen „dasjenige landt, so vor dem BüdingerWalt zwischen Leysenwalt und dem Weyerhof liegt und annoch vacant ist, assigniren lassen.“

Obwohl inzwischen die Grundsatzfrage für Wächtersbach gefallen war, beanspruchte, die Klärung noch strittiger Fragen noch viele Wochen. Der Graf forderte eine Gegenleistung der Schutzmacht Niederlande für die Aufnahme der Waldenser: Sein Sohn, der 1692 geborene Graf Ferdinand Maximilian II., sollte einen Posten in der Armee erhalten. Er wußte genau, daß er nur diese Gelegenheit hatte, an einen der begehrten Offiziersränge zu kommen. Das Versprechen wurde auch eingehalten.

Ende August erreichten 300 Waldenser aus Mentoules und Usseaux ihre künftige Heimat. Sie wurden zunächst in Nachbardörfern untergebracht, bis die Kolonie eingemessen und Baracken gebaut worden waren. Die Bewohner der Dörfer begegneten den „bösen Franzosen“ vor ihrer Haustür zunächst mit Skepsis. Ihren Gottesdienst hielten die Waldenser in der Spielberger Kirche, wo am 30. August mit Anne Bonnet die erste Beerdigung vermerkt wurde. Bis Ende 1699 forderten die Strapazen der Reise 23 weitere Menschenleben.

Doch die eigentlichen Schwierigkeiten begannen erst. Die Flüchtlingskolonie sollte auf der dem Wetter ausgesetzten Hochfläche angelegt werden, obwohl die Waldenser wünschten, ihr Dorf in einem kleinen Tal am Eintritt des Büdinger Waldes zu bauen. Möglicherweise fürchteten die gräflichen Behörden Holzfrevel und Wilderei. Eine Hauptschwierigkeit bildete die Wasserversorgung. Trinkwasser mußte aus dem entfernten Leisenwalder Born geholt werden. Die zugesagte Landzuteilung gestaltete sich schleppend und sorgte für Unzufriedenheit. Von den versprochenen 25 Morgen konnte noch keine Rede sein, jede Familie hatte nur einen halben Morgen erhalten. In Abständen kamen dann weitere Stücke hinzu, darunter auch Äcker‑ und Weideland vom Weiherhof (nördlich von Wittgenborn).

 

Allerdings war auch dieser Bruchteil nur schwer zu bearbeiten, denn es fehlte den Waldensern an allem auch an Kenntnissen. Die Bergbauern waren im Umgang mit Zugvieh, Gespannen und Gerätschaften nicht geübt. Die Bestellung der Felder verzögerte sich und noch im Frühjahr 1700 machten die Waldenser keine Anstalten, ihre Felder urbar zu machen, sie pochten auf die Erfüllung der vertraglichen Vereinbarungen.

Am 28. April 1700 beriefen sie eine Versammlung in Spielberg ein; es zeichnete sich ab, daß ein Großteil der Waldenser wieder abziehen wollte. Es war ein Zustand der Lähmung eingetreten. Für Wächtersbacher Verwaltung lag das Problem darin, daß nur Boden abgegeben werden konnte, der frei war, und vor neuen Waldrodungen schreckte der zurück.

Mitte des Jahres zogen 204 Personen wieder aus „Waldensberg“, wie die Kolonie mittlerweile genannt wurde, ab. Aber 157 Männer, Frauen und Kinder hatten sich zum Bleiben entschlossen, meist kleine Familien oder Ledige, die hofften, mit dem wenigen Land auszukommen. An zusätzliche Einkünfte durch das Flachshecheln oder Wollspinnen war kaum zu denken, denn für den Verkauf im Wandergewerbe lag der Ort zu weit abseits.

Reichtümer waren kaum zu erwerben, doch die Waldenser hielten nun zäh an ihrer neuen Heimat fest. Eine Schule gab es zwar schon 1703. Die erste Kirche jedoch wurde erst im Jahr 1739 fertiggestellt. Fleiß und Zähigkeit der Bewohner führten doch noch zu einer Verbesserung der Existenzgrundlagen, etwa durch Saisonarbeiten und die im 18. Jahrhundert blühende Strumpfweberei.

Die französischen Namen von einst sind heute eingedeutscht. So wohnt Ortsvorsteher Thomas Wittmann in der Bonnetstraße, gesprochen wie geschrieben. Auch die wenigen Nachnamen, die sich bis heute in Waldensberg gehalten haben ‑ Piston, Talmon, Guiliomon, Salomon und Parandiere ‑ haben heute eine deutsche Endung.

Waldensberg unterscheidet sich erst auf den zweiten Blick von allen anderen Dörfern der Umgebung. Sind die übrigen Ortsdurchfahrten kurvig, findet man in Waldensberg eine schnurgerade Hauptstraße vor, von der links und rechts ebenso gerade die Nebenstraßen abgehen. Waldensberg war eine bewußt angelegte und geplante Flüchtlingssiedlung im Gegensatz zu den Haufendörfern, die im Laufe von Jahrhunderten entstanden.

Auf der Waldensberger Kirchturmspitze findet sich statt des erwarteten Wetterhahns oder Kreuzes eine fliegende Taube, im Gotteshaus selbst ist das Waldenser‑Symhol angebracht. Dennoch unterscheiden sich die Gottesdienste in Waldensberg nicht von denen der Nachbarorte. Nur der Kirchenvorstand besteht aus zwölf statt aus sechs Personen.

Waldensberg hat im Jahr seines 300. Bestehens 425 Einwohner, eine Gaststätte ‑ die „Waldenser‑ Schenke“, einen eigenen Bäcker, einen Metzger, ein Lebensmittelgeschäft und bis vor einem halben Jahr gab es sogar noch eine Poststelle, ungewöhnlich für ein solch kleines Dorf. Die ursprünglich bäuerlich geprägte Siedlung kann heute nur noch einen einzigen Haupterwerbslandwirt vorweisen, daneben gibt es noch ein paar „Feierabendbauern“.

Der Sportgemeinschaft Waldensberg  steht ein Sportplatz zur Verfügung, Sportheim und Dorfgemeinschaftshaus sind in einem Gebäude untergebracht. Fast jeder Waldensberger ist in mehreren Vereinen engagiert. So gibt es die Freiwillige Feuerwehr, die Wanderfreunde, eine Laienspielgruppe, die Waldjugend‑ den Angelverein und den Frauenchor.

Pfarrer August Grefe, dem Vorgänger des heutigen Pfarrers Hansjörg Haags, ist es zu verdanken, daß sich die Waldensberger auf ihre Wurzeln besinnen. Pfarrer Grefe knüpfte Kontakte in das Tal, aus dem die ursprünglichen Bewohner Waldensbergs flüchteten. Heute besteht eine Partnerschaft mit dem Ort Bobbio Pellice, etwa 60 Kilometer westlich von Turin gelegen; eine Abordnung der italienischen Waldensergemeinde wird zu den Festlichkeiten im August erwartet. Diese Partnerschaft ist ganz wichtig, weil die Leute hier sehen, daß die Waldenser zum Teil heute noch diskriminiert werden. „Bis 1984 mußten die evangelischen Kinder in Italien am katholischen Religionsunterricht teilnehmen“, berichtet Pfarrer Haag.

 

Ein Stück Rückbesinnung auf die alten Traditionen stellen auch die Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten im August dar: So werden im Haus der Conna Bopp zur Zeit Waldensertrachten gefertigt. Die Vorlagen stammen aus Besuchen im Clusontal, die Pfarrer Grefe schon Ende der 50er Jahre organisierte.

Weil Waldensberg bei Kriegsende massiv zerstört wurde, gibt es heute kaum noch Zeugnisse der Ortsgründung; kein Haus, keine Scheune, die die 300 Jahre überdauert hätte. Lediglich auf dem Friedhof wird der Geschichtsinteressierte fündig, denn dort gibt es noch alte Grabsteine.

Die Kirche in Waldensberg ist ein Langbau (ehemals Pfarrhaus), der aus Basaltsteinen hergestellt wurde und direkt an der Hauptstraße liegt. Auffällig ist die Taube auf der Kirchturmspitze anstelle des üblichen Hahnes gemeinsam mit dem Hugenottenkreuz, dem Zeichen aller französischen Glaubensflüchtlinge. Das Gotteshaus wurde am 2. April 1945 während der Kämpfe zwischen deutschen und amerikanischen Truppen zerstört und in der Zeit von 1947 bis 1949 wieder aufgebaut. Die Kirche wurde beim Wiederaufbau durch einen Anbau erweitert und am 28. August 1949 aus Anlaß der 250‑Jahrfeier der Gemeinde eingeweiht. Die Innenausstattung des Gotteshauses ist sehr bescheiden, der Altar in Waldensberg ist ein Eichentisch aus der Kirche in Wittgenborn. Rechts neben dem Altar in einer Mauernische befinden sich Tafeln mit Daten aus der Geschichte der Kirche, so: „Gründung 1699, verbrannt 1945, aufgebaut 1949. Soli deo gloria”. Im Jahre 1978 wurde durch den Orgelbauer Bernhard Schmidt, Gelnhausen, eine Orgel eingebaut. Vor der Kirche steht eine Bronzetafel, die auf den Ursprung der Gemeinde hinweist.

Am Bubenrain bei Waldensberg: Naturschutzgebiete in Hessen, Band I, Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau, Seite 161.

 

Brachttal:

Das faszinierende an Brachttal ist seine Mittelgebirgslandschaft. Bedingt durch die Lage der sechs Ortsteile – „drei Ortsteile auf dem Berg“ und „drei Ortstelle im Tal der Bracht“ ‑ kommt die landschaftliche Vielfalt sehr zur Geltung. Brachttal verfügt über eine gute Infrastruktur, eine Keramikfabrik von Weltruf, eine Vielzahl von Mittel‑ und Kleinbetrieben, aber auch Land‑ und Forstwirtschaft. Der Ort zählt mit seinen sechs Ortsteilen rund 5.000 Einwohner. Der Ortsteil Neuenschmidten wurde 1529 erstmals urkundlich erwähnt; der Name „Eisenhammer“ erinnert an die Zeit der Eisenerzgewinnung (um 1700). Sehenswert sind die Pyramideneichen, Rathaus mit Brunnenplatz Jagdschloss, Kirchen, Gerichtslinde, die Keramikfabrik mit Werksmuseum und das historische Brachttal-Museum. Das Lindenhof Keramikmuseum in Streitberg ist in d er Lindenstraße 2, nördlich der nord-süd verlaufenden Wetterauer Straße.

 

Um 800  Erste urkundlicher Erwähnung der Bracht und ihrer Anwohner mit dem Namen „brahtaha“.

Um 900  Erstmalige Erwähnung des Ortsteils Hellstein als Ellenstein und Elentenstein.

1276  Erste Erwähnung Schlierbachs              

1291  Erste Erwähnung Udenhains                 

1323  Erste Erwähnung Hellsteins                    

1365  Erste Erwähnung Spielbergs                  

1377  Erste Erwähnung Streitbergs                  

1489  Erste Erwähnung Neuenschmidtens

1953  Das Rathaus in Schlierbach wird gebaut. Der An‑ und Umbau erfolgt 1984.

1957  Schulverband der Gemeinden Schlierbach, Hellstein und Neuenschmidten

1970  Zusammenschluß der Ortsteile Schlierbach, Hellstein und Neuenschmidten unter dem Namen „Brachttal“.

1971  Aufnahme der Ortsteile Spielberg und Streitberg.

1974  Eingemeindung des letzten Ortsteils Udenhain.

 

Radtour:

Den Bahnhof Wächtersbach  verlässt man am Hintereingang, hält sich nach den Silos von „Kinzig‑Beton“ links und erreicht an der Honda‑Niederlassung den Hessenradweg R3. Auf dem R3 geradeaus (Richtung Osten) zur B 276, neben der Bundesstraße verläuft ein Radweg. Wenn man erst noch durch Wächtersbach fahren will, hält man sich vom Haupteingang des Bahnhofs kommend rechts, nach 300 Metern links in die Brückenstraße, dem Radwegschild nach Brachttal folgen. Nach der Brückenstraße weiter auf der Schlierbacher Straße und an deren Ende (bei den Zeugen Jehovas) halbrechts auf einem landwirtschaftlichen Weg, der die Bundesstraße unterquert. Nach der Unterführung links auf den R3. Bis zum Schwimmbad auf dem R3 neben der Bundesstraße und nach dem Schwimmbad neben der Landstraße nach Neudorf. Beim ersten Haus von Neudorf halblinks in die Neue Straße, das Radwegschild nach Brachttal führt aus dem Ort.

Bei Punkt 1 nach dem Sportplatz fährt man rechtsversetzt weiter geradeaus, am Ortsende (Punkt 2) von Weilers muß man rechts in Richtung Dorf abbiegen und kurz vor Schlierbach weist bei Punkt 3 nur ein Fahrradwegsymbol darauf hin, daß rechts abzubiegen ist. Der Radweg führt zur Keramikfabrik. Das Museum mit den Raritäten der „Wächtersbacher Jugendstilkeramik“ ist zur Zeit geschlossen. An der Fabrik fährt man weiter geradeaus durch die Kleinbahnstraße und biegt rechts in die Struthstraße. Der anschließende Wirtschaftsweg führt nach Hellstein. In Hellstein sieht man den Hinweis auf die Gaststätte „Alte Schmiede“. Auf der Hauptstraße kommt man an der renovierten „Alten Schule“ vorbei, nach der Brücke über den Reichenbach muss man links in die Sandwerkstraße abbiegen.

Die anschließende Forststraße bringt die ersten Steigungen, sie verläuft oberhalb des Bachlaufs und endet auf der Höhe des Birsteiner Schlosses an der Bundesstraße. Wer das Schloß besuchen will, stellt die Räder am besten bei dem Abenteuerspielplatz ab und läuft zu Fuß hoch zum Schloßeingang.

Zur Weiterfahrt biegt man auf Höhe des Abenteuer‑Spielplatzes von der Bundesstraße rechts auf die Straße nach Schlüchtern/Steinau (Schild) ab. Die Landstraße teilt sich, man muß sich rechts in Richtung Untersotzbach halten. Steil geht es bergauf, am Parkplatz 50 Meter weiter die sehenswerten alten Linden, links in einen Wirtschaftsweg biegen. Nach 300 Metern beim nächsten Wirtschaftsweg (Punkt 4) rechts, er führt nach Obersotzbach.

Im Wiesengrund nimmt man die Spur des Wanderzeichens rotes V auf, biegt mit ihm links in die Hauptstraße und gleich wieder nach rechts, dem Schild zur „Schönen Aussicht“ folgen. Die Gaststätte liegt am Ortsausgang. Wenn man ab der „Schönen Aussicht“ weiter dem roten V nachfährt, kommt man direkt zum Waschweiher; der Weg ist etwas holprig. Schöner fährt es sich, wenn man nicht unmittelbar bei der „Schönen Aussicht“, sondern erst 50 Meter später links abbiegt. Der asphaltierte Wirtschaftsweg verläuft oberhalb des Waschweihers. Auf beiden Routen kommt man zum Weiler Schöndorf.

Nach dem letzten Haus schwenkt man links auf den Wirtschaftsweg. Die anschließende Forststraße, in die man am Waldrand rechts einbiegt, führt abwärts ins Salztal. Das „V“ ist selten zu sehen; der Weg führt steil bergab und ist recht holprig. Auch der nächste Abzweig im Tal ist schwer zu finden. Bei einem Wegedreieck (Punkt 5) biegt man rechts auf einen asphaltierten Wirtschaftsweg, der zur Hilpertsmühle führt.

Der Weg ist mit einer blauen 7 markiert; die erste „7“ ist von Laub bedeckt. Nach der Hilpertsmühle kommt die Baiersmühle. Die 7 wird verlassen, der Wirtschaftsweg führt zur Landstraße Kerbersdorf – Romsthal. Dort rechts, bergab auf der Landstraße und an der nächsten Kreuzung in Romsthal rechts (Schild Birstein). Romsthal geht über in Eckardroth, dort links, dem Schild nach Wahlert folgen. Wahlert wird durchquert; an der Gaststätte Salzmühle geradeaus und dem Lauf der Salz bis nach Bad Soden folgen.

 

 

Direkt an der Salz liegen in Bad Soden die „Fuhrmannschänke“ und das „Alte Kurhaus“. Wer etwas für seinen Rücken tun will, läßt die Fahrt mit einem Besuch Therma‑Sol‑Bad ausklingen; unser Weg führt direkt daran vorbei. Mit Blick auf das Kurzentrum überquert man die Salz und fährt am linken Ufer weiter. Hinter dem Parkplatz erreicht man die Straße nach Salmünster. Rechts vom Parkplatz stößt man auch auf den Hessenradweg R 3, auf dem man nach Wächtersbach zurückfahren kann. Zum Bahnhof fährt man auf dem linksseitigen Radweg nach Salmünster. Bei der griechischen Gaststätte biegt man links zum Bahnhof.

 

Wanderung: An Bracht und Salz

Wenn man an Wächtersbach nicht interessiert ist, verläßt man den Bahnhof am Hintereingang, hält sich nach den Silos von „Kinzig‑Beton“ links und erreicht an der Honda‑Niederlassung den Hessenradweg R3. Auf dem R3 geradeaus (Richtung Osten) zur 13276 neben der Bundesstraße verläuft ein Radweg. Wenn man durch Wächtersbach fahren will: Vom Bahnhof (Haupteingang) kommend rechts, nach 300 m links die Brückenstraße, dem Radwegschild nach Brachttal folgen. Nach der Brückenstraße weiter auf der Schlierbacher Straße und am Ende der Schlierbacher Straße (bei den Zeugen Jehovas) halbrechts auf einem landwirtschaftlichen Weg, der die Bundesstraße unterquert. Nach der Unterführung links auf den R3.

Bis zum Schwimmbad auf dem R3 neben der Bundesstraße und nach dem Schwimmbad neben der Landstraße nach Neudorf (2,4 km). Beim ersten Haus von Neudorf halblinks in die Neue Straße, das Radwegschild nach Brachttal führt aus dem Ort.

Nördlich von Wächtersbach nach dem Sportplatz fährt man rechtsversetzt weiter geradeaus. Am Ortsende (4,7 km) von Weilers muß man rechts in Richtung Dorf abbiegen. und kurz vor Schlierbach weist (7 km) nur ein Fahrradwegsymbol darauf hin, daß rechts abzubiegen ist. Der Radweg führt zur Keramikfabrik. Das Museum mit den Raritäten der Wächtersbacher Jugendstilkeramik ist zurzeit geschlossen. An der Fabrik fährt man weiter geradeaus durch die Kleinbahnstraße und biegt rechts in die Struthstraße (7,9 km). Der anschließende Wirtschaftsweg führt nach Hellstein.

In Hellstein sieht man den Hinweis auf die Gaststätte „.Alte Schmiede“. Auf der Hauptstraße kommt man an der renovierten Alten Schule vorbei, nach der Brücke über den Reichenbach (9,7 km) muß man links in die Sandwerkstraße abbiegen. Die anschließende Forststraße bringt die ersten Steigungen. sie verläuft oberhalb des Bachlaufs und endet auf der Höhe des Birsteiner Schlosses an der Bundesstraße (13,2 km). Wer das Schloß besuchen will, stellt die Räder am besten bei dem Abenteuerspielplatz (13,5 km) ab und läuft zu Fuß hoch zum Schloßeingang.

Zur Weiterfahrt biegt man auf Höhe des Abenteuerspielplatzes von der Bundesstraße rechts au[ die Straße nach Schlüchtern/Steinau (Schild) ab. Die Landstraße teilt sich, man muß sich rechts in Richtung Untersotzbach halten. Steil geht es bergauf, am Parkplatz (14,7 km: 50 Meter weiter die sehenswerten alten Linden) links in einen Wirtschaftsweg biegen. Nach 300 Metern beim nächsten Wirtschaftsweg rechts. Er führt nach Obersotzbach. Im Wiesengrund nimmt man die Spur des Wanderzeichens „rotes V“ auf. biegt mit ihm links in die Hauptstraße und gleich wieder nach rechts, dem Schild zur „Schönen Aussicht“ (16 km) folgend. Die Gaststätte liegt am Ortsausgang.

Wenn man ab der „Schönen Aussicht“ weiter dem „roten V“ folgt, kommt man direkt zum Waschweiher (17,8 km); der Weg ist etwas holprig. Schöner fährt es sich, wenn man nicht unmittelbar bei der „Schönen Aussicht“, sondern erst 50 Meter später links abbiegt. Der asphaltierte Wirtschaftsweg verläuft oberhalb des Waschweihers.

Auf beiden Routen kommt man zum Weiler Schönhof (18,8 km). Nach dem letzten Haus ‑ immer noch mit dem „V“ ‑ schwenkt man links auf den Wirtschaftsweg, die anschließende Forststraße, in die man am Waldrand (19,2 km) rechts einbiegt, führt abwärts ins Salztal. Das „V“ ist selten zu sehen, der Weg führt steil bergab und ist recht holprig.

Auch der nächste Abzweig im Tal ist nicht einfach zu finden. Bei einem Wegedreieck (20,4 km) biegt man rechts auf einen asphaltierten Wirtschaftsweg, der zur Hilpertsmühle führt. Der Weg ist mit einer „blauen T“ markiert; die erste „7“ ist von Laub bedeckt.

Nach der Hilpertsmühle (20,7 km) kommt die Baiersmühle (21,4 km). Die „7“ wird verlassen, der Wirtschaftsweg führt zur Landstraße Kerbersdorf ‑ Romsthal (23,1 km). Dort rechts, bergab auf der Landstraße und an der nächsten Kreuzung in Romsthal rechts (Schild Birstein). Romsthal geht über in Eckardroth (24,9 km), dort links, dem Schild nach Wahlert folgen. Wahlert wird durchquert, an der Gaststätte „Salzmühle“ (25,7 km) geradeaus und dem Lauf der Salz bis nach Bad Soden folgen. Direkt an der Salz liegen in Bad Soden die „Fuhrmannschänke“ und das „Alte Kurhaus“.

Wer etwas für seinen Rücken tun will, läßt die Fahrt mit einem Besuch des Therma-Sol-Bades in Bad Soden‑Salmünster ausklingen: unser Weg führt direkt daran vorbei. Mit Blick auf das Kurzentrum überquert man die Salz (29,5 km) und fährt am linken Ufer weiter. Hinter dem Parkplatz erreicht man die Straße nach Salmünster.

Rechts vom Parkplatz stößt man auch auf den Hessenradweg R 3, auf dem man nach Wächtersbach zurückfahren kann. Zum Bahnhof fährt man auf dem linksseitigen Radweg nach Salmünster. Bei der griechischen Gaststätte biegt man links zum Bahnhof (31,2 km) ein.

Schlierbach: siehe Kinzigtal

 

Hellstein:

Hellstein wurde um 900 erstmals urkundlich genannt. Die evangelische Kirche von Hellstein war früher eine alte Kapelle, deren Turm im Jahre 1768 durch einen Blitz zerstört wurde. Eine Reparatur war daher nötig. Die Kirche mußte später wegen Baufälligkeit geschlossen werden und erst im Jahre 1844 nach langen Verhandlungen bis auf den Chor abgebrochen und mit einem erheblichen Kostenaufwand zu ihrer jetzigen Gestalt erweitert werden. Das Gotteshaus ist ein Langhaus. Die Fenster weisen romanische Formen auf. Im Juli 1969 wurde das Gotteshaus erneut vom Blitz getroffen. Dabei wurde ein Balken herausgerissen. Ein auf der Kirche aufgesetzter vierkantiger Glockenstuhl wird durch ein Kreuz und einen Wetterhahn gekrönt. Im Kircheninneren befinden sich zwei Emporen. Links vor dem Altar steht die neuerrichtete Kanzel. Der Altar wurde aus Sandstein hergestellt. Eine Orgel der Firma Ratzmann, Gelnhausen, steht hinter dem Altar auf einer in hellen Farben gehaltenen Orgelempore mit einem sehr schönen Orgelprospekt. Bedauerlicherweise wurde die Orgel durch einen früheren Pfarrer in den schon an sich kleinen Chorraum gestellt. Das Gotteshaus wurde im Jahre 1966 innen renoviert und soll demnächst auch außen instand gesetzt werden. Die Sandsteinecken an der Kirche sollen wieder sichtbar gemacht werden.

Gegenüber dem alten Schulhaus stand eine Pyramideneiche, die von Unbekannten angezündet wurde und lichterloh in Flammen stand.

 

Udenhain:

Udenhain wurde 1325 erstmals urkundlich genannt. Die evangelische Kirche in Udenhain, deren Chor im 15. Jahrhundert erbaut und 1829 neu hergestellt wurde, ist eine alte Wehrkirche, die mit einer dicken Mauer umgeben ist. Bereits 1375 wurde jedoch eine Kapelle erwähnt. Der Haupteingang führt vom Westen durch einen vierkantigen Wehrturm mit Spitzhelm und dem Rest einer Pechnase. Auf beiden Seiten des Gotteshauses sind heute noch die zugemauerten Türen zur ehemaligen Sakristei und einem Nebeneingang zu sehen. Der schlichte Baustil war im Laufe der Zeit durch Farbe und Meißel in seiner Einfachheit verfälscht worden. Durch einen Dachstuhlbrand hatte die Kirche gelitten und somit wurde eine Renovierung notwendig. Der Altarraum wurde weiß getüncht und erhielt einen neuen Altar. Die Vorarbeiten hierzu ließen alte Wappen und Kreuze unter dem Verputz hervortreten, die nun als einziger Wandschmuck den Altarraum zieren.

Der Chorraum wird durch ein wunderbar ausgemaltes Kreuzgewölbe geschlossen. In ihm steht der aus Sandstein hergestellte Altar, links hinter ihm eine alte holzgeschnitzte Kanzel Auf der gleichen Seite befindet sich in der Außenwand das Sakramentshäuschen mit den Wappen der Stifter der Kirche.

In der rechten Wand ist eine Öffnung zum Ausschütten des Taufwassers noch sehr gut erhalten. Das Schnitzwerk des alten Gestühls wurde beibehalten. Die Orgel wurde überholt. Sie ist die Arbeit der Firma H. Möller, Rotenburg a.d.Fulda. Auch die beiden Doppelemporen sind in der alten Form belassen worden.

In unmittelbarer Nahe des Eingangs befindet sich die unter Naturschutz stehende Gerichtslinde. Bereits zweimal wurde ein Brandanschlag auf das Udenhainer Wahrzeichen verübt, die Jahrhunderte alte Gerichtslinde an der Martinskirche. Der unter Denkmalschutz stehende Baum ist stark beschädigt worden. Der alte Baum steht weithin sichtbar auf einem Hochplateau rund fünf Meter seitlich des Haupteingangs der Martinskirehe, einer alten Wehrkirche. Mit ihrer Höhe von 31 Metern ragt die Linde über den Kirchturm hinaus. Auch ihr Umfang ist stattlich: 6,4 Meter mißt der Stamm. Das Alter schätzt sie auf 200 bis 400 Jahre. Der Baum ist teilweise hohl und mit Eisenstangen stabilisiert.

 

Untersotzbach:

Das spätgotische Kirchlein (1488 erbaut) in Birstein‑Untersotzbach (Main-Kinzig‑Kreis) ist reich geschmückt mit bäuerlicher Malerei. Den Altarraum zieren Bilder aus dem Neuen Testament, an den Emporen reihen sich Geschichten aus dem Alten Testament ‑ mit einer Ausnahme: dem Pfingstgeschehen direkt über der Eingangstür. Bemerkenswert: Der gemalte Raum mit einer Tür in der Mitte entspricht dem Kirchenraum, in dem der Betrachter selbst steht. Hier abgebildet: Jakobs Traum (1. Mose 28, 10‑15).

 

Brachttal-Spielberg:

Die im Jahre 1727 erbaute evangelische Kirche steht in der Mitte des Ortes am Abzweig nach Eisenhammer. Sie ist ein langgestreckter Saalbau (Bruchstein) mit flacher Decke und Bogenfenstern sowie einem kleinem Dachreiter in der Mitte der Kirche. Die Eingangstür wird von einem Ysenburgischen‑Allianzwappen bekrönt. Auch an der Tür der Langseite ist ein Wappen. Im Innern befinden sich an drei Seiten Emporen und die Kanzel. Im Gotteshaus wurde 1978 ein Taufstein des Fürsten zu Ysenburg und Büdingen aufgestellt. Eine Orgel der Firma Wilhelm Ratzmann, Gelnhausen, ziert die Kirche.

Das Gebäude des früheren Gerichts Spielberg liegt an der rechts abbiegenden Straße nach Eisenhammer. Das Gericht wird um 1170/90 zum ersten Mal erwähnt. Es ist entstanden aus einem Forsthof im Reichswald und wurde mehrfach erweitert und 1624 zerstört. Erhalten ist ein ein Meter hoher Turmstumpf.

Das Gebäude wurde in den vergangenen Jahren von Grund auf restauriert und dient der Gemeinde heute als „Brachttal-Museum“ (Schulwaldstraße 10). Das Museum hat sich auf die Schwerpunkte „Wächtersbacher Keramik“, „Landwirtschaftliche Gerätschaften“, „Schuster‑ und Wagnerwerkstatt“ sowie ein Modell der „Vogelsberger Südbahn“ spezialisiert.

 Brachttal-Spielberg:

Die im Jahre 1727 erbaute evangelische Kirche steht in der Mitte des Ortes am Abzweig nach Eisenhammer. Sie ist ein langgestreckter Saalbau (Bruchstein) mit flacher Decke und Bogenfenstern sowie einem kleinem Dachreiter in der Mitte der Kirche. Die Eingangstür wird von einem Ysenburgischen‑Allianzwappen bekrönt. Auch an der Tür der Langseite ist ein Wappen. Im Innern befinden sich an drei Seiten Emporen und die Kanzel. Im Gotteshaus wurde 1978 ein Taufstein des Fürsten zu Ysenburg und Büdingen aufgestellt. Eine Orgel der Firma Wilhelm Ratzmann, Gelnhausen, ziert die Kirche.

 

Das Gebäude des früheren Gerichts Spielberg liegt an der rechts abbiegenden Straße nach Eisenhammer. Das Gericht wird um 1170/90 zum ersten Mal erwähnt. Es ist entstanden aus einem Forsthof im Reichswald und wurde mehrfach erweitert und 1624 zerstört. Erhalten ist ein ein Meter hoher Turmstumpf.

Das Gebäude wurde in den vergangenen Jahren von Grund auf restauriert und dient der Gemeinde heute als „Brachttal-Museum“ (Schulwaldstraße 10). Das Museum hat sich auf die Schwerpunkte „Wächtersbacher Keramik“, „Landwirtschaftliche Gerätschaften“, „Schuster‑ und Wagnerwerkstatt“ sowie ein Modell der „Vogelsberger Südbahn“ spezialisiert.

Freiensteinau

Im südlichen Zipfel des Vogelsbergkreises entstand die Großgemeinde aus zwölf Dörfern mit etwa 3.500 Einwohnern. Ungewöhnlich für ein Vogelsbergdorf mit rund 400 Einwohnern sind seine zahlreichen großen und kleinen Gasthöfe.

Umgeben von der Vogelsberger Seenplatte und weitläufigen Wäldern findet sich hier eine heilklimatisch günstige Mittelgebirgslandschaft. Gesundheitsbewussten Besuchern bietet die Großgemeinde eine Vielzahl an Aktivitäten wie Schwimmen, Segeln, Surfen, Angeln, Wassertreten, Kneipp-Anlage, Kegelbahnen und vieles mehr.

Beim Wandern auf markierten Wanderwegen kann man die noch unberührte Natur genießen. Beliebte Ausflugsziele sind die sechs Naturschutzgebiete, der unter Naturschutz gestellte Ober-Mooser See mit seinen vielfältigen und seltenen Vogelarten und das Naturschutz-Informations-Zentrum. Zusätzlich bieten sich noch zahlreiche Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten in der gesamten Großgemeinde Freiensteinau sowie in der Umgebung an.

Sehenswert ist auch die Kirche (Am Kirchberg). Sie wurde erbaut 1721-24 als Saalkirche mit rechteckigem Grundriss, Flachdecke und Emporendecke. Sie ist geschmückt mit Stuck und hat mittelalterliche Wandmalereien von 1380.

 

 

 

Nieder-Moos

Die Kirche in NiederMoos kann man nur erreichen, wenn man in die Metzloser Straße nach Osten einfährt und dann in die Mittelgasse einbiegt. Die Kirche hat 900 Sitzplätze für das ganze Kirchspiel. Der Altar steht auf der Seite, weil man nachträglich versuchte, eine runde Kirche zu bauen. Die Orgel aus der Zeit um 1800 ist eine der bedeutendsten Denkmalsorgeln in Deutschlands, die einzige Barockorgel Hessens, die klanglich wie äußerlich seit ihrer Aufstellung vor 200 Jahren unverändert blieb. Hier finden die Nieder-Mooser Orgelkonzerte statt.

Ober-Moos hat eine sehr schöne Bruchsteinkirche.

In dem neuen, großflächigen Reitsportzentrum in Nieder-Moos können alle Pferdebegeisterten dem touristischen und auch therapeutischen Reitsport nachgehen

 

Seenplatte:

Zur Mooser Seenplatte gehören der Nieder-Mooser-See, der Ober-Mooser-See, der Reichloser Teich (südlich von Gunzenau und Reichlos) und der idyllisch im Wald versteckte Rothenbachteich nördlich der Straße nach Bermuthshain. Hier gibt es einen rauschenden Gebirgsbach, Felsformationen und Felsengalerien, Waldpfade und auch eine Allee aus mächtigen Linden.

Der Fischbesatz verweist auf die Ursprünge der Mooser Seenplatte. Haben sie auch alle dank der unbebauten Uferzonen mit einem dichten Schilf-, Baum- und Strauchbewuchs den Charakter von natürlichen Gewässern angenommen, angelegt wurden sie im 17. Jahrhundert von Mönchen des Klosters Fulda zur Zucht der Fastenspeise. Ein großes Moorgelände, wie es früher typisch war für den Vogelsberg, wurde dafür umgewandelt.

 

Nieder-Mooser-See:

Das Dorf Nieder-Moos ist überregional als abwechslungsreicher Ferien- und Erholungsort bekannt. Am  Niedermooser See mit Campingplatz herrscht überschäumende Freizeitaktivität.

Aber man achtet auf gewisse Regeln. Trotz seiner Größe von gut 30 Hektar dürfen nur etwa 40 Surfer gleichzeitig den See befahren. Wie den Badegästen ist es auch ihnen nur an einer Stelle - im Bereich des Campingplatzes - erlaubt zu wassern. Wer zuerst kommt, segelt zuerst. Mit diesen Beschränkungen sollen die großflächigen Flachwasserzonen am West- und Nordufer geschützt werden.

Im Westen haben zudem die Angler ihr Revier. Wer mit eigener Rute und einem Jahresschein ausgestattet ist, darf in dem fischreichen Gewässer auf einen großen Fang hoffen: Karpfen, Schleie, Hechte, Aale, Barsche, Rotaugen, Zander und Forellen beißen hier an. Bis zu sechs Edelfische dürfen pro Tag und Person gefangen werden.

Man kann den See auch von der Südseite her – von der Straße nach Ober-Moos aus - anfahren. Dazu dient ein kleiner Parkplatz und etwas weiter westlich einFeldweg.

 

Ober-Mooser-See:

Der Ober-Mooser See (südlich der Straße nach Bermuthshain)entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte ein Ökotop für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Besonders die Wasser- und Uferflächen des Sees ziehen viele Vögel an. Bislang wurden hier über 100 Brut- und Gastvogelarten beobachtet. Daher wurde das Gebiet bereits 1975 zum Naturschutzgebiet und vom Naturschutzbund Hessen angekauft

Vor allem die große ornithologische Vielfalt an dem gut einsehbaren Ober-Mooser See zieht die Vogelkundler und -schützer an. Sie umstehen zum Höhepunkt der Brutzeit im Frühsommer bewaffnet mit Feldstechern und Aufzeichnungsgeräten das Gewässer und registrieren jede Bewegung im Schilf. Mehr noch achten sie darauf, daß kein Unbefugter die Spazierwege verläßt oder mit (verbotenen) Wassersportarten die Gehege aufstört.

Mit etwas Geduld entdeckt der Kenner bald mehr als majestätisch übers Wasser segelnde Schwäne. Auch Bleßrallen und Teichrallen, Stock-, Reiher- und Tafelenten können in beachtlicher Zahl beobachtet werden. Für die schmucken Reiher- und Tafelenten ist das Teichgebiet eines der wichtigsten Brutplätze in Hessen. Auch die Entenvielfalt steht weitgehend einzigartig da: Krick-, Löffel-, Spieß-, Knäk-, Pfeif- und Schnatterenten wurden ebenso gezählt wie die sehr seltenen Kolben-, Berg- und Moorenten.

Von den gefiederten Taucherarten stellt der Schwarzhalstaucher eine besondere Rarität dar, der nach Jahrzehnten der Abwesenheit erst in den letzten Jahren wieder als Brutvogel an den See zurückgekehrt ist.

Die Röhrichtgürtel der Teiche bieten ferner Sumpf- und Teichrohrsängern sowie Rohrammern Brutgelegenheiten. In den angrenzenden Wiesenflächen sind weitere gefährdete Vogelarten zu Hause. Dort nisten unter anderen Bekassine, Braunkehlchen und mitunter auch Schafstelze und Kiebitz und der Eisvogel.

Der Fischreichtum zieht weitere seltene Vogelarten an: Graureiher, Kormorane und den weltweit gefährdeten Fischadler. Regelmäßig stellt sich auch der Schwarzmilan ein, der in den angrenzenden Waldungen ebenso brütet wie der Schwarzstorch. Nach mehr als 100 Jahren Abwesenheit wurde diese Storchenart wieder im Vogelsberg gesichtet.

Eine unschätzbare Bedeutung hat die Mooser Seenplatte auch als „Trittstein“ für die Zugvögel auf ihrem Weg nach Süden oder Norden. Besonders die extrem seltenen Watvögel (Limikolen), von denen schon bis zu 13 Arten gleichzeitig auftraten, wissen die in Mitteleuropa kaum anzutreffende sogenannte Teichbodengesellschaft zu schätzen. Sie entwickelt sich nur bei abgesenktem Wasserstand auf den freiliegenden Uferschlammbereichen im Spätsommer und Herbst. Der Vielfalt der Fauna steht die der Flora kaum nach, sie bedingen einander. Bei Untersuchungen in den achtziger Jahren wurden für den Bereich des Naturschutzgebietes Obermoos allein 275 Farne und Blütenpflanzen nachgewiesen.

Im Großen und Ganzen hat sich der Kompromiß bewährt, mit der unterschiedlichen Nutzung beider Gewässer einen Ausgleich zwischen den Interessen erholungsuchender Menschen sowie der bedrohten Tier- und Pflanzenwelt herzustellen. Dennoch ist der Obermooser See weder völlig unzugänglich noch sein Nachbar überall frei zugänglich.

 

Gunzenau (nördlich von Freiensteinau): Alte Kirche (geöffnet). Reichloser Teich südlich.

 

Salz (westlich von Freiensteinau):

Salz ist ein Ortsteil von Freiensteinau im Vogelsberg, dicht an der Grenze zum Main‑Kinzig-Kreis. Es verdankt seinen Namen dem gleichnamigen Bach, der durch Salzvorkommen an seinem Lauf schwach salziges Wasser führt. Eben dieses Bächlein hat den Ortsteil von Freiensteinau weit über die regionalen Grenzen hinaus berühmt‑berüchtigt gemacht. Denn der Müllermeister oder auch „Vogelsberger Rebell“ Heinrich Muth, der noch heute 90‑jährig in der Speckmühle (südlich von Salz) wohnt, kämpfte einen 20 Jahre währenden Kampf wie David gegen Goliath ‑ und siegte schließlich.

Die Stadt Frankfurt hatte ihm buchstäblich das Wasser, sein Lebenselement, abgegraben; der Mühlbach drohte auszutrocknen. Schon vor der Jahrhundertwende hatte die Mainmetropole den Wasserwert des Quellgebiets im Vogelsberg erkannt und kaufte vorausschauend Grundstücke von den Bauern der Gegend für immerhin eine Goldmark pro Quadratmeter auf, um das Wasserreservoir für die Städter zu nutzen.

Gegen diese Austrocknung hatte der gebürtige Salzer, den viele zunächst für einen ausgemachten Spinner hielten, mit immer mehr Mitstreitern demonstriert. Schon 1972 protestiert der „Speckmüller“ mit Flugblättern gegen das drohende Leerpumpen des Vogelsbergs und hatte sich schließlich mit Schläue und Zähigkeit gegen den großmächtigen Wasserverband Kinzig durchgesetzt. Das Mühlrad dreht sich immer noch.

„Eine jahrzehntelange Auseinandersetzung, die mich viel Freizeit und auch Geld gekostet hat ‑ aber es hat sich gelohnt“, resümierte der Müller im April 1992 stolz anläßlich der Ausweisung des Naturschutzgebietes „Bruchwiesen bei Salz“. Denn dank dieser Schutzfunktion wurde das knapp 22 Hektar große Gebiet als Wassergewinnungszone tabu ‑ Grund genug für eine ausgelassene Feier im Dorf des erfolgreichen Rebells.

Der damalige Frankfurter Stadtrat Tom Koenigs räumte bei der offiziellen Feierstunde ein, daß im betreffenden Gebiet Salzer Bruchwiesen von den großstädtischen Wasserbeschaffern in der Vergangenheit heftig gesündigt worden sei. Der Speckmüller ist auch im hohen Alter noch stolz darauf, der Obrigkeit Paroli geboten zu haben.

Der Landgasthof Dorfschänke in Salz wirbt denn auch mit Vogelsberger Spezialitäten, einem fortschrittlich ausgestatteten Tagungsraum für Seminare, zwei modernen Kegelbahnen und nicht zuletzt mit der reizvollen Umgebung. „...wilde Bäche bahnen sich ihren Weg durch das Basaltgestein“, heißt es im Hochglanzprospekt. Inhaber Gerhard Muth lacht auf die Frage nach seinem bekannten Namensvetter Heinrich: „Natürlich Verwandtschaft“, sagt er stolz.

 

 

Romrod:

Die Burg wurde  von den Landgrafen von Hessen zum Schloß  erklärt und zur Residenz gemacht. Seit 1996 ist hier die deutsche Stiftung Denkmalschutz untergebracht. Sie führt Kurse für Handwerker und angehende Architekten in den alten Handwerkstechniken durch. Auch ein Hotel ist jetzt vorhanden.

Im Hof hat man im Jahre 2002 Holzhäuser aus dem 12. Jahrhundert entdeckt, mit einem Reisigweg und Gebrauchsgegenständen.

Kirtof (östlich von Homberg/Ohm, nicht in Rundfahrten durch den Vogelsberg).

 

Kirtof

Wahlen

Die älteste urkundliche Überlieferung von Wahlen stammt aus einem Ältestenverhör des Erzbischofs vom Mainz im Jahre 1297. Es wurden die älteren Einwohner wegen der Waldrechte befragt. Daraus ergab sich, dass drei Fünftel des Wahlener Waldes dem Ritter Konrad von Wahlen gehörten, ein Fünftel gehörte dem Erzbischof und eins stand den Herren von Romrod zu. Die Herren von Wahlen waren Burgmannen in mainzischen Diensten Amöneburg, Waffensand und Neustadt. Volpert von Wahlen, der letzte bekannte Wahlener Ritter, gab 1387 sein Burglehen zu Waffensand an Mainz zurück, wahrscheinlich nachdem der hessische Landgraf die Burg zerstört hatte. Er erhielt dafür einen Hof in Mardorf bei Amöneburg. Sicherlich Vorteile genoß Wahlen aus seiner günstigen Lage an der sogenannten "Alten Straße", der früheren Gemündener Straße, auf der schon die Grafen von Ziegenhain das Geleitrecht und Zollregal ausübten. Möglicherweise sind auch schon die Römer auf ihrem Rachefeldzug gegen die Chatten kurz nach der Zeitwende hier vorbeigekommen. Im Walde nach Lehrbach fand man laut alten Akten ein Stück römische Straße in deren Bauweise. Zweimal kommt das Wort "Römer" in Flurbezeichnungen vor und vor kurzem wurde eine sehr alte römische Münze in einem Hausgarten gefunden. Ein weiterer sehr alter Weg zieht von Amöneburg herüber über die Kirschbrücke, über die Kirchenstumpfschneise an der Wüstung Volkhartshain vorbei durch Wahlen und weiter durch den Eisenberg in Richtung Bernsburg- Fischbach-Heidelbach/ Holzburg, an die Peripherie des einstigen Einflußgebietes von Amöneburg Im 17. Jahrhundert gab es in Wahlen eine große Pest- Epidemie, der mehr als ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel. Die Bestattung der Toten mußte teilweise in Massengräbern erfolgen. Eine Kirche besaß Wahlen offenbar schon seit dem Jahre 1207. In der neuen Kirche hat man einen Stein mit dieser Jahreszahl eingemauert. Die alte Kirche stand früher mitten im Dorf von dem Friedhof umgeben. Wegen des ungünstigen Untergrundes verlangte das Oberamt einen Neubau oberhalb des Dorfes, wo die Kirche heute steht. Deswegen kam es zum Volksaufstand und die Behörde musste Soldaten entsenden. Als auch das noch nicht half, wurden Dragoner einquartiert, und die enstehenden Kosten kühlten den Vokszorn schnell ab. Im Jahre 1780 wurde die neue Kirche geweiht. Sie ist ein bauliches Kleinod und steht unter Denkmalschutz. Der weitere Weg der Ortschaft Wahlen verläuft parallel dem der anderen Eußergerichtsdörfern.

 

Die „Heiligen Drei“ von Wahlen

Nirgendwo in unserer Region wird das Bestreben der frühchristlichen Kirche, heidnischer Glaubensvorstellungen, Sitten und Bräuche in sich aufzunehmen, so deutlich dokumentiert wie in Wahlen. In der Ortsmitte ist ein fast kugelrunder Basaltstein von etwa zwei Metern Durchmesser sorgfältig in eine Mauer eingefügt, seit Menschengedenken, und aus dem Stein springt nachts ein schwarzer Hund heraus und droht den unartigen Kindern, heißt es im Dorf. Der Stein ist leider durch einen künstlerischen Aufsatz etwas verunstaltet. Die Mauer ist die Umfassungsmauer des alten, darüber gelegenen Friedhofs. Die dazugehörige mittelalterliche Kirche ist verschwunden. Sie musste 1753 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Neben dem großen sind noch zwei kleine ebenfalls runde Stein in die Mauer eingesetzt. Zu welchen vorchristlichen Kultplatz die „Drei“ gehörten. Wissen wir nicht.

Ist es Zufall, dass sie in 2700 Meter Luftlinie vom Breitenstein und seiner Eiche entfernt im christlichen Kultplatz einen neue und hoffentlich dauerhafte Bleibe fanden? Diese Frage sollte jeder Leser selbst beantworten

 

Kirtorf-Gleimenhain

Die Hofanlage Neustädter Straße 5 wurde um 1753 erbaut als Vierseithof mit geschlossenem Innenhof in Fachwerkbauweise. Der Erwerb des Anwesens durch Beate Remagen um 1980

war verbunden mit den Gedanken, naturnah zu wohnen und durch großzügigen Raum mehr Möglichkeiten der persönlichen und künstlerischen Entfaltung zu haben. Die vollkommen unrestaurierte Fachwerkhofanlage aus dem 18. Jahrhundert lag inmitten eines kleinen oberhessischen Dorfes. Die Gebäude befanden sich im Zustand der (damaligen) vorherigen Jahrhundertwende, es gab z.B. außer einem Wasserhahn in der Küche - mit Abfluss frei in den Garten - keinerlei sanitäre Einrichtungen.

„Das ist ja ein Lebenswerk!“, sagten die Verwandten, und ihre erschrockenen Gesichter brachten zum Ausdruck „Das schafft Ihr nie!“ Mit viel Vorstellungskraft entwarfen die neuen  Besitzer ihre Vision, wie sie leben, wohnen und arbeiten wollten, alles an diesem Platz. Das bedeutete, alle Werke wurden ausgiebigst besprochen und diskutiert, mancher Kompromiss musste gefunden werden. Und immer wieder war der Fortgang abhängig von den finanziellen Mitteln. Hilfe bot da die Idee, „Recycling“-Materialien einzusetzen. Mit dem kostenlosen Abtrag eines anderen alten Fachwerkgebäudes konnten so viele Materialien für das Anwesen wiederverwendet und nicht zuletzt vor der Vernichtung gerettet werden. Das Bauen mit ökologischen Materialien, z.B. mit Lehm, und weitere Erfahrungen ließen eine Leidenschaft entstehen, aus der heute mit entsprechenden Zusatzausbildungen sogar eine Profession geworden ist.

Die Eigentümer bemühten uns selbst, das Anwesen unter Denkmalschutz stellen zu lassen, da sie die steuerlichen Vorteile nutzen wollten. Es gab viele Stimmen, die davon abrieten, aber ein unkomplizierter Umgang und ermutigende Gespräche mit den zuständigen Denkmalbehörden in den ganzen Jahren haben sie das nie bereuen lassen.

So entstand über viele Jahre, mit viel Durchhaltevermögen und gegen alle Widerstände, der Platz, den sie ihn sich einst so vorgestellt hatten, eine Hofanlage ökologisch restauriert, ein Wohnhaus, in dem sie sich wohlfühlen, ausgebaute Nebengebäude, in denen kulturelle und sonstige Begegnungen stattfinden können - ein Traum, der zur Wirklichkeit wurde und tatsächlich zum Lebenswerk wurde.

 

Kirtorf-Lehrbach

Die Burgruine (Kemenate) in der Hauptstraße (Park) wurde erbaut im 14. Jahrhundert als Wasserburg, Teile der Ringmauer und das Wohnhaus (Kemenate) sind erhalten.

 

 

Lauterbach

Ein bisschen wie aus der Spielzeugkiste wirkt dieses zauberhafte Fachwerkstädtchen. Vor allem am Oberen und Unteren Graben reiht sich ein schmuckes Häuschen ans andere. Wenn auch der baulichen Harmonie des einst ungewöhnlich malerischen Marktes unschöne Wunden zugefügt wurden, ist Lauterbach noch immer eine sehenswerte Stadt. Es gibt vor allem viele Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Es gibt ein Burgschloß. Das ehemalige barocke Stadtschloss Hohhaus am Berliner Platz westlich des Marktplatzes mit seinem feinst verzierten Rokokosaal gibt dem Heimatmuseum ein angemessenes Ambiente. Besonders gut vertreten sind handwerkliche Produkte der letzten 500 Jahre: Möbel, Fayencen, Porzellan und Glaswaren. Aus der einstigen Pfarrkirche stammt der Flügelaltar, der im späten 15. Jahrhundert entstand. Auch in der benachbarten Stadtmühle von 1628 wurden die Sammlungen des Lauterbacher Museums untergebracht.

Die spätbarocke Stadtkirche ist ungewöhnlich reich ausgestattet. Die evangelische Stadtkirche wurde im 18. Jahrhundert anstelle einer älteren, baufälligen Vorgängerin gebaut. Sie gilt als schönstes Beispiel spätbarocker Kirchenarchitektur in Hessen und enthält eine vornehme Ausstattung, zu der vor allem die prachtvolle Rokoko-Orgel zählt. Viele der interessanten Grabmäler sind weit älter als das Gebäude.

Der Ankerturm steht unterhalb des Marktplatzes, sein oberes, achteckiges Geschoß ist in Fachwerk ausgeführt. Auch Reste der alten Wehrmauern stehen noch. Etwas abseits, im längsten Fachwerkhaus Hessens, sind heute die Musikschule und das Gehörlosenzentrum untergebracht.

Ziemlich einmalig ist Lauterbachs älteste Brücke: Auf vom Wasser umspülten Trittsteinen kann der flache Lauf der Lauter trockenen Fußes überquert werden.

Und auf einen schusseligen Strumpfwirker, der einst Hals über Kopf die Stadt verließ, geht das Lied „In Lauterbach hab’ ich mein Strumpf verlor’n“ zurück.

 

Fünf Kilometer südlich von Lauterbach an der Straße nach Friedberg und Herbstein erhebt sich das mächtige Schloß Eisenbach über dem Lautertal. Ein hübscher Wanderweg führt hin. Um einen länglichen Innenhof gruppiert sich die Kernburg aus dem 13. Jahrhundert samt zahlreichen Anbauten, die 300 Jahre später dazukamen. Ein stattlicher Park schließt sich an. Leider können nur der schöne Innenhof und der Park besichtigt werden. Das Schloß wird nach wie vor von den Herren zu Riedesel bewohnt. Dieser Familie gehörten auch Schloß Sickendorf am Ostrand von Sickendorf (westlich von Lauterbach), das von einem Ehepaar gekauft wurde und die Lauterbacher Schlösser. Ihr #Wappen zeigt zwei Eselsköfe, die Riedgras fressen.

 

Schlitz

Wenn man vom Westen kommt, kann man im Bereich der Ringmauerstraße parken. Man kann aber auch noch ein Stück weiter fahren in die Günthersgasse. An deren Anfang ist links das Hospital. Nach rechts geht es dann hoch in die Brauhausstraße. An deren Anfang steht rechts das Rot-Schilling -Haus, etwas weiter oben steht geradeaus das Niedertor und rechts das Brauerreihaus als Eingang zur Auerhahnbrauerei. Nach der Rechtskurve kann man in der Straße parken oder auf einem kleinen Parkplatz ziemlich oben rechts. Von dort geht man steil die Straße „Auf der Wacht“ hoch und betritt am ehemaligen Obertor die Altstadt. Hier  ist links an einem Haus eine Übersichtstafel mit den Sehenswürdigkeiten von Schlitz.

Das knapp 10.000 Einwohner zählende Städtchen zeigt eine der malerischsten Gesamt­silhouetten, die man in Deutschland zu sehen be­kommt. Die kleine Bergstadt Schlitz ist eine wunderhübsche Residenz, die durch die Entschlußkraft und die Baulust der Herren von Schlitz seit 1116 kontinuierlich Gestalt annahm. Seit 1317 trägt das Grafengeschlecht den Zunamen „von Görtz“. Die vier Stadtburgen gehörten alle den Herren von Schlitz.

Der eindrucksvolle Burgenring umschließt vier Stadtburgen, die Kirche, den Marktplatz und wenige Wohnbauten. Um 1400 kam zur Verstärkung die Stadtbefestigung als Wehr- und Stützmauer hinzu. Besonders an der Westseite ist die Stadtmauer noch auf einer längeren Strecke erhalten. Die Plätze, an denen ehemals das Ober- und das Niedertor standen, bilden noch heute die einzigen Stadtzugänge.

Wie im Bilderbuch drängeln sich die alterskrummen Fachwerkhäuser um den Marktplatz mit dem kleinen St. Georgsbrunnen. Dazu gehört auch das malerisch verbaute Rathaus aus Spätgotik und Frühbarock. Die Pfarrkirche mit den interessanten Grabsteinen ist ebenfalls ein verschachtelter Bau aus vielen Jahrhunderten. Die Stadt ist eine traditionelle Leineweberstadt und hat heute noch fünf Webereien.

Die Geschichte der Stadt Schlitz beginnt urkundlich im Jahre 812, als auf dem Hügel Slitese eine kleine romanische Säulenbasilika (heute Westteil der Stadtkirche) geweiht wird. Im Zuge der Christianisierung gelangten Schlitz und das Schlitzerland unter die Herrschaft der Abtei Fulda. Vögte verwalteten das Gebiet und übten die Gerichtsbarkeit aus. Diese Ministeralen waren im Schlitzer Gebiet die Herren von Schlitz, die seit 1116 belegt sind.

Kurz nach 1300 führt dies Geschlecht den ungeklärten Beinahmen „von Görtz“. Von mehreren Linie der Ganerben sind heute alle ausgestorben bis auf die Hallenburglinie derer „von Schlitz genannt von Görtz“.

Die Stadt Schlitz liegt am gleichnamigen Fluß, im Mittelalter „Slitisa“ oder „Slitise“ genannt ( = wie ein Schlitten dahingleitendes Wasser). Neben frühmittelalterlichen Quartieren außerhalb und unterhalb des Burghügels umfaßt die Siedlung auf der Höhe Kirche und Marktplatz

Mit den benachbarten Häusern sowie vier Burgen oder Schlösser. Sie war und ist von einer starken Wehrmauer umgeben. Schlitz wird 1418 als (Burg-) Flecken mit eigener Gerichtsbarkeit  bezeichnet und 1439 „Stadt“ genannt.

Das mit dem Stadtrecht verbundene Marktrecht führte zu einer grundlegenden Veränderung der Baufluchten im Innenstadtbereich. Aus den ehemaligen Befestigungsanlagen wurden im Verlauf des 16. Jahrhunderts Wohnburgen, bei deren Ausbau Stadtmauer, Wehrgänge, Zwinger und Wallgraben teilweise wegfielen.

Die Reformation wird ab 1546 eingeführt. Nach dem 30-järigen Krieg setzte eine rege Bautätigkeit ein, deren Ergebnisse heute maßgeblich das Bild der Schlitzer Innenstadt und ihrer beiden Vorstädte bestimmen. Jahre 1726 erlangte die Herrschaft Schlitz die Reichsunmittelbarkeit, aber 1806 wird sie dem Großherzogtum Hessen zugeordnet. Die 1200 Jahre alte Geschichte von Schlitz ist wesentlich vom Miteinander  und auch vom Gegeneinander ihrer Bürger und Herren geprägt. Schlitz geht 1971 im Rahmen der hessischen Gebietsreform in den Vogelsbergkreis über, im Rahmender Gebietsreform schließen sich Schlitz und 16 Gemeinden des Schlitzerlandes freiwillig und durch Gesetz zur Großgemeinde Schlitz zusammen.

Seit alters her besteht in  Schlitz die Leineweberei, deren Erzeugnisse damals wie heute begehrt sind. Heute gilt das zusätzlich für die Produkte der Schlitzer Kornbrennerei.

 

Obertor:

Mit Wagen und Gespann konnte man nur hier in die Stadt kommen. Die ausgedehnte Obertoranalage war ursprünglich mit einer Zugbrücke versehen.

 

Hohes Haus (links):

Die Herrenschänke der Vorderburg aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Mit ihr war ein in der Nähe liegendes Brauhaus verbunden.

 

Benderhaus:

Das Haus wurde ursprünglich als Fruchtboden und Speicherraum der Schlitzer Herrschaft um 1600 errichtet. Im Keller befand sich früher eine Faßbenderei, die dem Gebäude den Namen gab.

 

Vorderburg:

Am höchsten ragt die zweiflüge­lige Vorderburg mit dem vierkantigen Mittelturm und den geschwungenen Renaissance‑Giebeln empor. Sie wurde erbaut im 12. Jahrhundert als Wohnturm (Unterbau vor 1181). Später wurde sie erweitert durch einen gotischen Ostflügel. Um 1600 wurde die ganze Burg überbaut und um den Westflügel erweitert. Die Schmal- und Rückseiten haben Renaissance-Giebel

Die Turmhaube aus dem 16. Jahrhundert erhielt 1950 ein aus 26 Glocken bestehendes Läutewerk, gestiftet von Graf Otto Hartmann von Schlitz. Es soll der internationalen Verständigung dienen. Jeweils um 15 und 17 Uhr erklingen Volkslieder der verschiedenen Nationen im wöchentliche Wechsel.

Die Vorderburg enthält einige Ämtern. Den Wohnungen Festsaal der Stadt, die Graf Görtz­ische Verwaltung und das  das Schlitzer Heimatmuseum. Dort sind - neben Waffen und Töpfereierzeugnissen ‑ auch Geräte zur Herstellung des seit dem 15. Jahrhundert bekannten „Schlitzer Leinens“ sowie Trachten aus diesem Stoff zu sehen. Die Schlitzer Trachten sind die schönsten in Hessen. Beim Schlitzer Heimat‑ und Trachtenfest, das in jedem Jahr mit ungerader Zahl am zweiten Wochenende im Juli gefeiert wird, kann man sich davon überzeugen. In dem Gebäude gibt es auch und den.

Im Hof steht ein Brunnen aus der Zeit um 1600. Der Schachtbrunnen mit hölzernem Brunnenhaus  und hölzernem Räderwerk war einst über 50 Meter tief. Das Brunnenhäuschen wurde von Professor Bodo Eckhardt im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. (einem Freund es Schlitzer Grafen Emil) für den Ausbau der Hochkönigsburg im Elsaß kopiert. Ein Nebengebäude ist als Hotel ausgebaut.

 

Stadtmauer:

Der Schlitzer Burgenring war mit einer starken Mauer umgeben. Sie war mit Wehrgängen und Bastionen versehen. Ein mit Wasser gefüllter Wallgraben umschloß die äußere Mauer des Burgenrings, der teilweise noch mit einem Zwinger umgeben war (Teile dieses schmalen Zwischenraums zwischen äußerer und innerer Mauer sind noch erhalten).

 

Evangelisches Pfarrhaus:

Das evangelische Pfarrhaus wurde erbaut im Jahre 1610 von Pfarrherr Christian Schellenberg. Es steht mit seiner Westseite auf der Stadtmauer. Die alte Pfarrscheune von 1647 wurde 1926/27 zum Gemeindehaus ausgebaut und 1977 zum evangelischen Gemeindezentrum umgebaut. Die mit einer Rundbank versehene Linde auf dem  Platz zwischen Oberpfarrhaus  und Kirche wurde 1884 zum 400 Geburtstag des Reformators Dr. Martin Luther gepflanzt.

 

Die Evangelische Kirche:

Die Kirche St. Margareten wurde von dem Fuldaer Abt Ratgar als dreischiffige Säulenbasilika erbaut und am 20. September 812 vom Mainzer Erzbischof Richolf geweiht. Die Kirche in Schlitz ist eine der ältesten steinernen Sakralbauten, die außerhalb der unmittelbaren Fuldaer Klosterbezirks errichtet wurden. Der fast 30 Meter hohe Spitzhelm des Turms ist ein beachtliches Werk des 17. Jahrhunderts. Die südliche Vorhalle der Kirche erhielt 1557 einen Renaissancegiebel, welcher im Giebelfeld ein Bekenntnis zum protestantischen Glauben enthält. 

An der Kirche steht ein Gedenkstein von 1917 zur Erinnerung an die Einführung der Reformation im Jahre 1546 durch Junker Werner von Schlitz genannt Görtz und Pfarrer Heinrich Repa

 

Hinterburg:

Die Hinterburg wird bereits 1493 erwähnt und war ursprünglich Teil der Stadtbefestigung. Der jetzige dreigeschossige Bau wurde von 1561 bis 1565 errichtet und 1647 umgebaut. Der in reinem Renaissancestil errichtete Baukörper  wird durch prachtvolle Giebel und einem Treppenturm mit achteckigem Fachwerkaufbau geschmückt. Den Fachwerkaufbau krönt eine „welsche Haube!“.

Im Zuge mehrerer Umbauten wurde eine katholische Kapelle mit sehenswerter, von den Münchener Werkstätten geschaffenen Mosaikwand angebaut. Seit 1950 ist in der Hinter­burg die Stiftung  Graf Görtzisches Alten- und Pflegeheim untergebracht, die von Graf Otto Hartmann von Schlitz und seiner Frau Marta gegründet wurde.

Der Wohnbau der Hinterburg wurde 1553 mit einem rückwärtigen Treppenturm erbaut. Vom Dachstuhl aus führte eine Holzbrücke zum Hinterturm. Das Fachwerkgeschoß wurde 1653 aufgesetzt. Früher diente das Gebäude als Dienstwohnung gräflicher Beamter - vor allem des gräflichen Forstmeisters -  und als Renterei. Heute gehört es zur Stiftung Graf Görtzisiches Alten- und Pflegeheim.

Als älte­ster Bauteil erhebt sich der romanische Bergfried aus dem 14. Jahrhundert mit einer  Höhe von 36 Metern. Er hatte ursprünglich einen spätgotischen Abschluß. Seit dem 17. Jahrhundert trug er eine barocke Schieferhaube. Er wurde 1906/07 nach altem Vorbild mit einer Steinhaube versehen. Der Turm enthält drei Verliese und war Turmgefängnis der gräflichen Landesherrschaft.

Man sieht dem runden Turm nicht an, daß er einen modernen Fahrstuhl enthält, mit dem man hinauffahren kann, um in die Runde zu blicken. Er ist täglich geöffnet im April und Mai von 10-12 und 13-18 Uhr, von Juni bis August von 10-12 und 13-19 Uhr und  im September und Oktober von 10-12 und 13-18 Uhr.  In der Adventszeit erstrahlt der Turm als „größte Kerze der Welt“ (eingetragen im Guiness-Buch der Rekorde).

 

Schachtenburg:

Ein zweiflügeliges Fachwerkgebäude. Das Südhaus wurde 1557 erbaut von Dietrich von Schachten (nach anderer Angabe von Elisabeth Schachten, der Witwe des hessischen Kriegsrats Wilhelm von Schachten, Tochter des Junker Werner von Schlitz). Das Steinportal vereinigt Spätgotik mit Renaissance-Elementen und geheimnisvollen Symbolen und zeigt eine Steinmaske (den „Breilecker“). Ein Sandsteinrelief trägt die Wappen derer von Schlitz und derer von Schachten. Das Nordhaus ist aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Gebäude war bis 1894 Sitz des Großherzoglichen Hessischen Amtsgerichts. Heute ist es Teil des Graf Görtzischen Alters- und Pflegeheims.

 

Ehemaliges Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“:

Östlich des Aufgangs vom Niedertor steht das frühere Stadtwirtshaus. Es mußte seit dem frühen 17. Jahrhundert von den Schlitzer Bürger­brauern im Braulosverfahren mit Bier versorgt werden. Im Jahre 1631 soll dort der kaiserliche General Tilly dort übernachtet haben, als seine Truppen die Burg Herzberg bei Breitenbach belagerten. Im Jahre 17864 ging das Haus in Privathand über und wurde später Schildwirtshaus „Zum Schwarzen Adler“. In den Jahren 1869 bis 1882 diente es als Posthalterei.

 

Rathaus:

Das Rathaus ist ein Steinbau des 16. Jahrhunderts in spätgotischen Formen in seinem älteren unverputzten Teil. Dach und Haubendachreiter sind von 1757. Seit 1994 ist durch die Verbindung von fünf historischen Häusern eine neue Rathauszeile entstanden.  Drei Bogenportale und ein aus dem Jahre 1757 stammender Dachreiter mit Laterne und doppelter Haube heben das Gebäude aus der Menge der übrigen Häuser hervor. Am Rathaus sind zwei Gedenktafeln angebracht, die an die Aufnahme von 2500 Heimatvertriebenen im Schlitzer Land nach dem Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung der Juden aus der Stadt Schlitz in den Jahren 1933-39 erinnern.

Im Rathaus befindet sich das Büro des Bürgermeisters. Im historischen Sitzungssaal, der mit den Wappen einheimischer Schlitzer Bürgerfamilien geschmückt ist, werden heute die standesamtlichen Eheschließungen vollzogen. Ein Fahnenband über der Ein­gangstür  mahnt die Schlitzer Ratsherren mit dem Spruch „Suchet der Stadt Bestes“.

 

Marktbrunnen:

Der Schöpfbrunnen diente der Wasserversorgung der Innenstadt. An seinem oberen Rand hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Steintrog wurde in seiner jetzigen Form im 16. Jahrhundert erstellt. Die Brunnenfigur St. Georg wurde 1930 errichtet und heißt im Volksmund „Bornschorsch“. Damit hat sich die Familie des Färbereibesitzers Schmidt ein Denkmal in ihrer Heimatstadt gesetzt.

 

Ottoburg:

Der doppelgeschossiger Bau aus dem Frühbarock mit zwei halbrunden Ecktürmen ist in zwei Bauabschnitten entstanden. Der nördliche Eckturm ist Teil der ehemaligen Stadtbefestigung. Ab 1653 wurde das Schloß umgebaut und erweitert. Das Gebäude steht auf der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die Stadtmauer ist im Keller des Gebäudes noch gut zu erkennen. Dort befindet sich auch eine steinerne Gedenktafel, die Otto Hartmann von Schlitz als Erbauer der Burg im Jahre 1653 nennt. Aus der Ottoburger Linie der Herren von Schlitz stammt Georg Heinrich von Görtz, Minister Karls des XII. von Schweden; er starb 1719 in Stockholm. Von 1955 bis 1990 war die Burg eine Jugendherberge, heute ist sie in Privatbesitz.

 

Das Hospital (Günthersgasse):

Es  wurde 1547 von den Brüdern Werner und Friedrich von Schlitz als Armen - und Siechen­haus gestiftet. Im Jahre 1810 wurde es wegen Baufälligkeit der Gebäude erneuert und mit einem Krankenhaus versehen.  Die Straßenfront ist ein Zeugnis klassizistischen Fachwerkbaus. Das Hospital Schlitzerland wurde seit 1864 von den Diakonissen des Darmstädter  Elisabethenstifts betreut. Es ist seit 1972 dem Eichhof-Medizinischen Zentrum in Lauterbach angeschlossen.

 

Rot-Schilling-Haus:

Etwas weiter westlich in der Günthersgasse am Eingang der Brauhausstraße steht auf der rechten Seite das Rot-Schilling-Haus. Es wurde um 1772 zusammen mit dem gegenüberliegenden Gebäude und einer Schmie­de erbaut. Die Schmiede wurde bei der Neuführung der Straße abgebrochen. Die Angehörigen der Familie Schilling gehörten als Leineweber und Handelsleute zu den begütertsten Bürgern der Stadt.

 

Niedertor:

Am Eingang der Brauhaustraße steht geradeaus das Niedertor.  Es war der südliche Eingang zum Burgenring. Das Tor war bis etwa 1600 durch zwei starke Söller gesichert, die den Zwinger begrenzten, den Burgenring in seinem Südteil umschloß. Der jetzt vorhandene Sandsteinbogen wurde 1930 errichtet.

 

Brauereihaus:

Etwas weiter links steht das Brauereihaus. Es wurde 1788 erbaut und stellt eine Torbau mit Fachwerk und offenen Steinarkaden dar. Er bildet die historische Einfahrt zur „Auerhahnbrauerei“, die 1585 im Schlitzer Stadtteil Sandlofs gegründet wurde. Daran schließt sich Richtung Westen die Brauerei an.

 

Auerhahn-Brauerei:

Im 17. Jahrhundert besaßen die verschiedenen Zweige der Schlitzer Ganerbenschaft eigene Baustätten. Nachdem 1720 alle Familienzweige bis auf die Hallenburger Linie erloschen waren und der Besitz wieder in einer Hand vereinigt war, ließ Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz im Jahre 1725 eine neue Zentralbrauerei auf dem Gelände unterhalb der Schachtenburg bauen. Der Türsturzstein am Eingang in die sogenannten „Tenne“ zeigt seine Anfangsbuchstaben und das Baujahr.

 

Judenschule:

Am Ende der Günthersgasse und am Beginn der Herrengartenstraße steht rechts die „Judenschule“. Sie wurde 1830 als Kurmittel- und Badehaus errichtet („Ludwigsbad“). Im Jahre 1899 erwarb Samuel Cahn das Haus und richtete nach Gründung der Schlitzer jüdischen Religionsgemeinde im Jahre 1900 dar eine bescheidene Synagoge und Judenschule ein.

 

Falls man sich die Günthersgasse nicht erspart hat, geht man diese jetzt wieder zurück und nach rechts in den Steinweg , wo auf der linken Seite der Park des Schlosses Hallenberg ist.

Wenn man erst sein Auto holen will, fährt man nach rechts über die Straße „Ringmauer“ in die Günthersgasse und dann links.

 

Hallenburg:.

Ursprünglich handelte es sich dabei um ein befestigtes Hofgut, das im 16. Jahrhundert ausgebaut wurde. Im Jahre 1708 wurde die Burg nach den zeitgenössischen Komfort- und Repräsentationsbedürfnissen von Remy de la Fosse, dem bedeutenden Barockbaumeister, in ihre gefällige Form gebracht.

Leider wurden 1755 wesentliche Teile des stattlichen barocken Schloßbau durch einen Brand zerstört. Ein Neubau stand an, den Graf Carl Heinrich (1752 -1826) ab 1802 klassi­zistisch umgestalten ließ: Das ursprünglich zweigeschossige Gebäude mit Mansarddach wurde durch ein drittes Geschoß verändert und die Gartenfront erhielt ein Mittelrisalit und eine Freitreppe. Zudem wurde der barocke Garten der Mode gemäß anglisiert.

Bis 1954 blieb das Schloß Hallenburg in gräflichem Besitz, dann wurde es der Stadt übereignet, die das Gebäude fortan als Gymnasium nutzte, was freilich gravierende bauliche Eingriffe mit sich brachte. Nur der Gartensaal und das Musikzimmer (Tapetenzimmer) blieben unverändert, weil die Statik der Räume für Klassenzimmer unzureichend war. Der überwiegende Teil der zauberhaften Ausstattung des Schlosses wurde mit der neuen Nutzung leider zerstört. Nach der Verlegung der Schule stand das Gebäude einige Zeit leer. Dann beschloß die Landesregierung in den 90iger Jahren, das Schloß Hallenburg als Landesmusikakademie umzunutzen.

Von vorrangigem Interesse ist die verbliebene Innenausstattung, die im Wesentlichen aus dieser Umbauphase stammt. Dazu gehört auch das Tapetenzimmer, das seine berühmte chinesische Tapete erhielt durch den Weltreisenden Carl Heinrich, der die Kunst um 1820 mitgebracht hatte (nach anderer Angabe hat Graf Georg die Tapete aus Kanton mitgebracht). Die Tapete zeigt eine Landschaftsmalerei auf insgesamt sechs großen, papierenen Tapetenbahnen. Diese Tapete stellte durchaus eine Sensation dar und fand in den Anekdoten „Heimat“ der Gräfin von Schlitz (1822 -1889) enthusiastisch Erwähnung: „Der Urgroßvater schaffte dem Saal eine schöne und würdige Ausschmückung durch die chinesische Tapete, die wir alle so lieben. Auf gelblichem Grund sind sehr naturgetreu, in reicher Abwechslung und in niemals sich wiederholender Zeichnung eine Fülle von blühenden Bäumen, Vögeln und Schmetterlingen zu sehen. Die Tapete ist Handmalerei, Aquarell, überaus fein und geschmackvoll gemalt.“

Gemalte chinesische Dekors waren Ende in den Schlössern des 18. Jahrhunderts große Mode. Untersuchungen und Vergleiche mit ähnlichen chinesischen Tapeten der Zeit führen zu der berechtigten Vermutung, daß die gelobten Bögen aus Londoner Werkstätten kamen, in denen Chinesen gewissermaßen im „Teamwork“ arbeiteten, wobei jeder für bestimmte Details zuständig war. Erfreulich ist vor allem, daß sich die Ausstattung in der Hallenburg noch an ihrem ursprünglichen Platz befindet. Dem Umstand, daß das bemalte Papier direkt auf die Wand geklebt wurde (was keineswegs üblich war) ist es zu verdanken, daß sie seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ihren Platz nicht gewechselt hat.

Die restauratorischen Voruntersuchungen zeigten die starken Schäden, die durch die mangelnde Pflege und den unsachgemäßen Umgang mit der Kostbarkeit entstanden waren. Vandalismus verletzte nicht nur die Tapete, einzelne Motive waren einfach herausgeschnitten worden. Gleichzeitig verschandelten Wasserränder das Papier, das stark gedunkelt war. Die Schadenskartierung zeigte zu dem Schimmelbefall, ungeschaute Übermalungen und häßliche Gipsausbesserungen. Partiell hatte sich die Tapete auch vom Untergrund gehoben

Hier gab es nur eine Möglichkeit der Rettung: trockenes, mechanisches Ablösen der Tapete. Sie wurde mit der Makulaturschicht vom Lehmputz in ganzen Bahnen abgenommen. In einem auf Papierrestauration spezialisierten Atelier wurden die Panneaux sodann sensibel bearbeitet. Nach einer Grundreinigung führte man die Retuschen der Fehlstellen in der Manier des Pointillismus aus, wobei große Fehlstellen malerisch auf chinesischem Papier ergänzt wurden. Um das Zerfließen der Tusche zu verhindern, tränkte man das Papier vorab mit Alaun. Zu guterletzt wurden die Bahnen komplett zum Schutz mit einer Gelatinelösung übersprüht.

In Anbetracht der neuen Nutzung des Schlosses als Landesmusikakademie, bei der mit starkem Publikumsverkehr zu rechnen ist, hat man die Bahnen auf dickes Japanpapier gespannt und sie in Holzrahmen an der Wand befestigt. Auf diese Weise ist die kunstvolle handgearbeitete Wandbekleidung leichter zu pflegen und partiell nach Bedarf abzunehmen.

 

Umgebung von Schlitz:

Über Hutzdorf, Queck, Rimbach kommt man nach Ober-Wegfurth. Dann fährt man rechts ab und nach vor dem Ort Unter-Schwarz links ab in Richtung Norden.

Man kommt zum Richthof.  Er wurde 1784 als Jagdschloß der Schlitzer Grafen erbaut und war im 19. Jahrhundert Gästehaus. Kaiser Wilhelm war hier zu Besuch bei Graf Emil von Schlitz. Es gibt auch ein Musikzimmer von 1930. Die Gebäude dienen heute einer Lebensgemeinschaft für Behinderte.

Im Schloßpark  wurde die „Schlitzerländer Tierfreiheit“ eingerichtet. In diesem weitläufigen Tierpark haben die Tiere (Bären, Dam‑, Rot‑ und Schwarzwild sowie Hängebauchschweine und andere lustige Exoten) große Gehege, in denen sie sich artgemäß bewegen können. Die „Tierfreiheit“ ist das ganze Jahr hindurch tagsüber geöffnet.

 

Fraurombach (östlich von Schlitz):

Die Evangelische Kirche (Hinter der Linde 6) ist erbaut im 12. Jahrhundert als Dorfkirche im romanischen Stil und enthält Heraklius-Wandmalereien von 1330.

 

Hartershausen (südlich von Schlitz an der Straße nach Fulda):

Die Evangelische Nikolaikirche mit Dachreiter (Großenlüderer Weg 4) ist 1282 im spätgotischen Stil erbaut. Das Kruzifix ist aus dem Ende 15. Jahrhundert, der spätgotische Taufstein ist von 1507, die Orgel von 1684 von Joh. Chr. Hart, die Emporen von 1702.

 

 

Wenn man vom Westen kommt, kann man im Bereich der Ringmauerstraße parken. Man kann aber auch noch ein Stück weiter fahren und über die Schulstraße in die Günthersgasse fahren und dann rechts hoch in die Brauhausstraße. Von dort geht man steil die Straße „Auf der Wacht“ hoch und betritt am ehemaligen Obertor die Altstadt. Hier  ist links an einem Haus eine Übersichtstafel mit den Sehenswürdigkeiten von Schlitz.

Das knapp 10.000 Einwohner zählende Städtchen zeigt eine der malerischsten Gesamt­silhouetten, die man in Deutschland zu sehen be­kommt. Die kleine Bergstadt Schlitz ist eine wunderhübsche Residenz, die durch die Entschlußkraft und die Baulust der Herren von Schlitz seit 1116 kontinuierlich Gestalt annahm. Seit 1317 trägt das Grafengeschlecht den Zunamen „von Görtz“. Die vier Stadtburgen gehörten alle den Herren von Schlitz.

Der eindrucksvolle Burgenring umschließt vier Stadtburgen, die Kirche, den Marktplatz und wenige Wohnbauten. Um 1400 kam zur Verstärkung die Stadtbefestigung als Wehr- und Stützmauer hinzu. Besonders an der Westseite ist die Stadtmauer noch auf einer längeren Strecke erhalten. Die Plätze, an denen ehemals das Ober- und das Niedertor standen, bilden noch heute die einzigen Stadtzugänge.

Wie im Bilderbuch drängeln sich die alterskrummen Fachwerkhäuser um den Marktplatz mit dem kleinen St. Georgsbrunnen. Dazu gehört auch das malerisch verbaute Rathaus aus Spätgotik und Frühbarock. Die Pfarrkirche mit den interessanten Grabsteinen ist ebenfalls ein verschachtelter Bau aus vielen Jahrhunderten. Die Stadt ist eine traditionelle Leineweberstadt und hat heute noch fünf Webereien.

Die Geschichte der Stadt Schlitz beginnt urkundlich im Jahre 812, als auf dem Hügel Slitese eine kleine romanische Säulenbasilika (heute Westteil der Stadtkirche) geweiht wird. Im Zuge der Christianisierung gelangten Schlitz und das Schlitzerland unter die Herrschaft der Abtei Fulda. Vögte verwalteten das Gebiet und übten die Gerichtsbarkeit aus. Diese Ministeralen waren im Schlitzer Gebiet die Herren von Schlitz, die seit 1116 belegt sind.

Kurz nach 1300 führt dies Geschlecht den ungeklärten Beinahmen „von Görtz“. Von mehreren Linie der Ganerben sind heute alle ausgestorben bis auf die Hallenburglinie derer „von Schlitz genannt von Görtz“.

Die Stadt Schlitz liegt am gleichnamigen Fluß, im Mittelalter „Slitisa“ oder „Slitise“ genannt ( = wi e ein Schlitten dahingleitendes Wasser). Neben frühmittelalterlichen Quartieren außerhalb und unterhalb des Burghügels umfaßt die Siedlung auf der Höhe Kirche und Marktplatz

Mit den benachbarten Häusern sowie vier Burgen oder Schlösser. Sie war und ist von einer starken Wehrmauer umgeben. Schlitz wird 1418 als (Burg-) Flecken mit eigener Gerichtsbarkeit  bezeichnet und 1439 „Stadt“ genannt.

Das mit dem Stadtrecht verbundene Marktrecht führte zu einer grundlegenden Veränderung der Baufluchten im Innenstadtbereich. Aus den ehemaligen Befestigungsanlagen wurden im Verlauf des 16. Jahrhunderts Wohnburgen, bei deren Ausbau Stadtmauer, Wehrgänge, Zwinger und Wallgraben teilweise wegfielen.

Die Reformation wird ab 1546 eingeführt. Nach dem 30-järigen Krieg setzte eine rege Bautätigkeit ein, deren Ergebnisse heute maßgeblich das Bild der Schlitzer Innenstadt und ihrer beiden Vorstädte bestimmen. Jahre 1726 erlangte die Herrschaft Schlitz die Reichsunmittelbarkeit, aber 1806 wird sie dem Großherzogtum Hessen zugeordnet. Die 1200 Jahre alte Geschichte von Schlitz ist wesentlich vom Miteinander  und auch vom Gegeneinander ihrer Bürger und Herren geprägt. Schlitz geht 1971 im Rahmen der hessischen Gebietsreform in den Vogelsbergkreis über, im Rahmender Gebietsreform schließen sich Schlitz und 16 Gemeinden des Schlitzerlandes freiwillig und durch Gesetz zur Großgemeinde Schlitz zusammen.

Seit alters her besteht in  Schlitz die Leineweberei, deren Erzeugnisse damals wie heute begehrt sind. Heute gilt das zusätzlich für die Produkte der Schlitzer Kornbrennerei.

 

 

Obertor:

Mit Wagen und Gespann konnte man nur hier in die Stadt kommen. Die ausgedehnte Obertoranalage war ursprünglich mit einer Zugbrücke versehen.

 

Hohes Haus (links):

Die Herrenschänke der Vorderburg aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Mit ihr war ein in der Nähe liegendes Brauhaus verbunden.

 

Benderhaus:

Das Haus wurde ursprünglich als Fruchtboden und Speicherraum der Schlitzer Herrschaft um 1600 errichtet. Im Keller befand sich früher eine Faßbenderei, die dem Gebäude den Namen gab.

 

Vorderburg:

Am höchsten ragt die zweiflüge­lige Vorderburg mit dem vierkantigen Mittelturm und den geschwungenen Renaissance‑Giebeln empor. Sie wurde erbaut im 12. Jahrhundert als Wohnturm (Unterbau vor 1181). Später wurde sie erweitert durch einen gotischen Ostflügel. Um 1600 wurde die ganze Burg überbaut und um den Westflügel erweitert. Die Schmal- und Rückseiten haben Renaissance-Giebel

Die Turmhaube aus dem 16. Jahrhundert erhielt 1950 ein aus 26 Glocken bestehendes Läutewerk, gestiftet von Graf Otto Hartmann von Schlitz. Es soll der internationalen Verständigung dienen. Jeweils um 15 und 17 Uhr erklingen Volkslieder der verschiedenen Nationen im wöchentliche Wechsel.

Die Vorderburg enthält einige Ämtern. Den Wohnungen Festsaal der Stadt, die Graf Görtz­ische Verwaltung und das  das Schlitzer Heimatmuseum. Dort sind - neben Waffen und Töpfereierzeugnissen ‑ auch Geräte zur Herstellung des seit dem 15. Jahrhundert bekannten „Schlitzer Leinens“ sowie Trachten aus diesem Stoff zu sehen. Die Schlitzer Trachten sind die schönsten in Hessen. Beim Schlitzer Heimat‑ und Trachtenfest, das in jedem Jahr mit ungerader Zahl am zweiten Wochenende im Juli gefeiert wird, kann man sich davon überzeugen. In dem Gebäude gibt es auch und den.

Im Hof steht ein Brunnen aus der Zeit um 1600. Der Schachtbrunnen mit hölzernem Brunnenhaus  und hölzernem Räderwerk war einst über 50 Meter tief. Das Brunnenhäuschen wurde von Professor Bodo Eckhardt im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. (einem Freund es Schlitzer Grafen Emil) für den Ausbau der Hochkönigsburg im Elsaß kopiert. Ein Nebengebäude ist als Hotel ausgebaut.

 

Stadtmauer:

Der Schlitzer Burgenring war mit einer starken Mauer umgeben. Sie war mit Wehrgängen und Bastionen versehen. Ein mit Wasser gefüllter Wallgraben umschloß die äußere Mauer des Burgenrings, der teilweise noch mit einem Zwinger umgeben war (Teile dieses schmalen Zwischenraums zwischen äußerer und innerer Mauer sind noch erhalten).

 

Evangelisches Pfarrhaus:

Das evangelische Pfarrhaus wurde erbaut im Jahre 1610 von Pfarrherr Christian Schellenberg. Es steht mit seiner Westseite auf der Stadtmauer. Die alte Pfarrscheune von 1647 wurde 1926/27 zum Gemeindehaus ausgebaut und 1977 zum evangelischen Gemeindezentrum umgebaut. Die mit einer Rundbank versehene Linde auf dem  Platz zwischen Oberpfarrhaus  und Kirche wurde 1884 zum 400 Geburtstag des Reformators Dr. Martin Luther gepflanzt.

 

Die Evangelische Kirche:

Die Kirche St. Margareten wurde von dem Fuldaer Abt Ratgar als dreischiffige Säulenbasilika erbaut und am 20. September 812 vom Mainzer Erzbischof Richolf geweiht. Die Kirche in Schlitz ist eine der ältesten steinernen Sakralbauten, die außerhalb der unmittelbaren Fuldaer Klosterbezirks errichtet wurden. Der fast 30 Meter hohe Spitzhelm des Turms ist ein beachtliches Werk des 17. Jahrhunderts. Die südliche Vorhalle der Kirche erhielt 1557 einen Renaissancegiebel, welcher im Giebelfeld ein Bekenntnis zum protestantischen Glauben enthält. 

An der Kirche steht ein Gedenkstein von 1917 zur Erinnerung an die Einführung der Reformation im Jahre 1546 durch Junker Werner von Schlitz genannt Görtz und Pfarrer Heinrich Repa

 

Hinterburg:

Die Hinterburg wird bereits 1493 erwähnt und war ursprünglich Teil der Stadtbefestigung. Der jetzige dreigeschossige Bau wurde von 1561 bis 1565 errichtet und 1647 umgebaut. Der in reinem Renaissancestil errichtete Baukörper  wird durch prachtvolle Giebel und einem Treppenturm mit achteckigem Fachwerkaufbau geschmückt. Den Fachwerkaufbau krönt eine „welsche Haube!“.

Im Zuge mehrerer Umbauten wurde eine katholische Kapelle mit sehenswerter, von den Münchener Werkstätten geschaffenen Mosaikwand angebaut. Seit 1950 ist in der Hinter­burg die Stiftung  Graf Görtzisches Alten- und Pflegeheim untergebracht, die von Graf Otto Hartmann von Schlitz und seiner Frau Marta gegründet wurde.

Der Wohnbau der Hinterburg wurde 1553 mit einem rückwärtigen Treppenturm erbaut. Vom Dachstuhl aus führte eine Holzbrücke zum Hinterturm. Das Fachwerkgeschoß wurde 1653 aufgesetzt. Früher diente das Gebäude als Dienstwohnung gräflicher Beamter - vor allem des gräflichen Forstmeisters -  und als Renterei. Heute gehört es zur Stiftung Graf Görtzisiches Alten- und Pflegeheim.

Als älte­ster Bauteil erhebt sich der romanische Bergfried aus dem 14. Jahrhundert mit einer  Höhe von 36 Metern. Er hatte ursprünglich einen spätgotischen Abschluß. Seit dem 17. Jahrhundert trug er eine barocke Schieferhaube. Er wurde 1906/07 nach altem Vorbild mit einer Steinhaube versehen. Der Turm enthält drei Verliese und war Turmgefängnis der gräflichen Landesherrschaft.

Man sieht dem runden Turm nicht an, daß er einen modernen Fahrstuhl enthält, mit dem man hinauffahren kann, um in die Runde zu blicken. Er ist täglich geöffnet im April und Mai von 10-12 und 13-18 Uhr, von Juni bis August von 10-12 und 13-19 Uhr und  im September und Oktober von 10-12 und 13-18 Uhr.  In der Adventszeit erstrahlt der Turm als „größte Kerze der Welt“ (eingetragen im Guiness-Buch der Rekorde).

 

Schachtenburg:

Ein zweiflügeliges Fachwerkgebäude. Das Südhaus wurde 1557 erbaut von Dietrich von Schachten (nach anderer Angabe von Elisabeth Schachten, der Witwe des hessischen Kriegsrats Wilhelm von Schachten, Tochter des Junker Werner von Schlitz). Das Steinportal vereinigt Spätgotik mit Renaissance-Elementen und geheimnisvollen Symbolen und zeigt eine Steinmaske (den „Breilecker“). Ein Sandsteinrelief trägt die Wappen derer von Schlitz und derer von Schachten. Das Nordhaus ist aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Gebäude war bis 1894 Sitz des Großherzoglichen Hessischen Amtsgerichts. Heute ist es Teil des Graf Görtzischen Alters- und Pflegeheims.

 

Ehemaliges Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“:

Östlich des Aufgangs vom Niedertor steht das frühere Stadtwirtshaus. Es mußte seit dem frühen 17. Jahrhundert von den Schlitzer Bürger­brauern im Braulosverfahren mit Bier versorgt werden. Im Jahre 1631 soll dort der kaiserliche General Tilly dort übernachtet haben, als seine Truppen die Burg Herzberg bei Breitenbach belagerten. Im Jahre 17864 ging das Haus in Privathand über und wurde später Schildwirtshaus „Zum Schwarzen Adler“. In den Jahren 1869 bis 1882 diente es als Posthalterei.

 

Rathaus:

Das Rathaus ist ein Steinbau des 16. Jahrhunderts in spätgotischen Formen in seinem älteren unverputzten Teil. Dach und Haubendachreiter sind von 1757. Seit 1994 ist durch die Verbindung von fünf historischen Häusern eine neue Rathauszeile entstanden.  Drei Bogenportale und ein aus dem Jahre 1757 stammender Dachreiter mit Laterne und doppelter Haube heben das Gebäude aus der Menge der übrigen Häuser hervor. Am Rathaus sind zwei Gedenktafeln angebracht, die an die Aufnahme von 2500 Heimatvertriebenen im Schlitzer Land nach dem Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung der Juden aus der Stadt Schlitz in den Jahren 1933-39 erinnern.

Im Rathaus befindet sich das Büro des Bürgermeisters. Im historischen Sitzungssaal, der mit den Wappen einheimischer Schlitzer Bürgerfamilien geschmückt ist, werden heute die standesamtlichen Eheschließungen vollzogen. Ein Fahnenband über der Ein­gangstür  mahnt die Schlitzer Ratsherren mit dem Spruch „Suchet der Stadt Bestes“.

 

Marktbrunnen:

Der Schöpfbrunnen diente der Wasserversorgung der Innenstadt. An seinem oberen Rand hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Steintrog wurde in seiner jetzigen Form im 16. Jahrhundert erstellt. Die Brunnenfigur St. Georg wurde 1930 errichtet und heißt im Volksmund „Bornschorsch“. Damit hat sich die Familie des Färbereibesitzers Schmidt ein Denkmal in ihrer Heimatstadt gesetzt.

 

Ottoburg:

Der doppelgeschossiger Bau aus dem Frühbarock mit zwei halbrunden Ecktürmen ist in zwei Bauabschnitten entstanden. Der nördliche Eckturm ist Teil der ehemaligen Stadtbefestigung. Ab 1653 wurde das Schloß umgebaut und erweitert. Das Gebäude steht auf der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die Stadtmauer ist im Keller des Gebäudes noch gut zu erkennen. Dort befindet sich auch eine steinerne Gedenktafel, die Otto Hartmann von Schlitz als Erbauer der Burg im Jahre 1653 nennt. Aus der Ottoburger Linie der Herren von Schlitz stammt Georg Heinrich von Görtz, Minister Karls des XII. von Schweden; er starb 1719 in Stockholm. Von 1955 bis 1990 war die Burg eine Jugendherberge, heute ist sie in Privatbesitz.

 

Das Hospital (Günthersgasse):

Es  wurde 1547 von den Brüdern Werner und Friedrich von Schlitz als Armen - und Siechen­haus gestiftet. Im Jahre 1810 wurde es wegen Baufälligkeit der Gebäude erneuert und mit einem Krankenhaus versehen.  Die Straßenfront ist ein Zeugnis klassizistischen Fachwerkbaus. Das Hospital Schlitzerland wurde seit 1864 von den Diakonissen des Darmstädter  Elisabethenstifts betreut. Es ist seit 1972 dem Eichhof-Medizinischen Zentrum in Lauterbach angeschlossen.

 

Rot-Schilling-Haus:

Etwas weiter westlich in der Günthersgasse am Eingang der Brauhausstraße steht auf der rechten Seite das Rot-Schilling-Haus. Es wurde um 1772 zusammen mit dem gegenüberliegenden Gebäude und einer Schmie­de erbaut. Die Schmiede wurde bei der Neuführung der Straße abgebrochen. Die Angehörigen der Familie Schilling gehörten als Leineweber und Handelsleute zu den begütertsten Bürgern der Stadt.

 

Niedertor:

Am Eingang der Brauhaustraße steht geradeaus das Niedertor.  Es war der südliche Eingang zum Burgenring. Das Tor war bis etwa 1600 durch zwei starke Söller gesichert, die den Zwinger begrenzten, den Burgenring in seinem Südteil umschloß. Der jetzt vorhandene Sandsteinbogen wurde 1930 errichtet.

 

Brauereihaus:

Etwas weiter links steht das Brauereihaus. Es wurde 1788 erbaut und stellt eine Torbau mit Fachwerk und offenen Steinarkaden dar. Er bildet die historische Einfahrt zur „Auerhahnbrauerei“, die 1585 im Schlitzer Stadtteil Sandlofs gegründet wurde. Daran schließt sich Richtung Westen die Brauerei an.

 

Auerhahn-Brauerei:

Im 17. Jahrhundert besaßen die verschiedenen Zweige der Schlitzer Ganerbenschaft eigene Baustätten. Nachdem 1720 alle Familienzweige bis auf die Hallenburger Linie erloschen waren und der Besitz wieder in einer Hand vereinigt war, ließ Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz im Jahre 1725 eine neue Zentralbrauerei auf dem Gelände unterhalb der Schachtenburg bauen. Der Türsturzstein am Eingang in die sogenannten „Tenne“ zeigt seine Anfangsbuchstaben und das Baujahr.

 

Judenschule:

Am Ende der Günthersgasse und am Beginn der Herrengartenstraße steht rechts die „Judenschule“. Sie wurde 1830 als Kurmittel- und Badehaus errichtet („Ludwigsbad“). Im Jahre 1899 erwarb Samuel Cahn das Haus und richtete nach Gründung der Schlitzer jüdischen Religionsgemeinde im Jahre 1900 dar eine bescheidene Synagoge und Judenschule ein.

 

Falls man sich die Günthersgasse nicht erspart hat, geht man diese jetzt wieder zurück und nach rechts in den Steinweg , wo auf der linken Seite der Park des Schlosses Hallenberg ist.

Wenn man erst sein Auto holen will, fährt man nach rechts über die Straße „Ringmauer“ in die Günthersgasse und dann links.

 

Hallenburg:.

Ursprünglich handelte es sich dabei um ein befestigtes Hofgut, das im 16. Jahrhundert ausgebaut wurde. Im Jahre 1708 wurde die Burg nach den zeitgenössischen Komfort- und Repräsentationsbedürfnissen von Remy de la Fosse, dem bedeutenden Barockbaumeister, in ihre gefällige Form gebracht.

Leider wurden 1755 wesentliche Teile des stattlichen barocken Schloßbau durch einen Brand zerstört. Ein Neubau stand an, den Graf Carl Heinrich (1752 -1826) ab 1802 klassi­zistisch umgestalten ließ: Das ursprünglich zweigeschossige Gebäude mit Mansarddach wurde durch ein drittes Geschoß verändert und die Gartenfront erhielt ein Mittelrisalit und eine Freitreppe. Zudem wurde der barocke Garten der Mode gemäß anglisiert.

Bis 1954 blieb das Schloß Hallenburg in gräflichem Besitz, dann wurde es der Stadt übereignet, die das Gebäude fortan als Gymnasium nutzte, was freilich gravierende bauliche Eingriffe mit sich brachte. Nur der Gartensaal und das Musikzimmer (Tapetenzimmer) blieben unverändert, weil die Statik der Räume für Klassenzimmer unzureichend war. Der überwiegende Teil der zauberhaften Ausstattung des Schlosses wurde mit der neuen Nutzung leider zerstört. Nach der Verlegung der Schule stand das Gebäude einige Zeit leer. Dann beschloß die Landesregierung in den 90iger Jahren, das Schloß Hallenburg als Landesmusikakademie umzunutzen.

Von vorrangigem Interesse ist die verbliebene Innenausstattung, die im Wesentlichen aus dieser Umbauphase stammt. Dazu gehört auch das Tapetenzimmer, das seine berühmte chinesische Tapete erhielt durch den Weltreisenden Carl Heinrich, der die Kunst um 1820 mitgebracht hatte (nach anderer Angabe hat Graf Georg die Tapete aus Kanton mitgebracht). Die Tapete zeigt eine Landschaftsmalerei auf insgesamt sechs großen, papierenen Tapetenbahnen. Diese Tapete stellte durchaus eine Sensation dar und fand in den Anekdoten „Heimat“ der Gräfin von Schlitz (1822 -1889) enthusiastisch Erwähnung: „Der Urgroßvater schaffte dem Saal eine schöne und würdige Ausschmückung durch die chinesische Tapete, die wir alle so lieben. Auf gelblichem Grund sind sehr naturgetreu, in reicher Abwechslung und in niemals sich wiederholender Zeichnung eine Fülle von blühenden Bäumen, Vögeln und Schmetterlingen zu sehen. Die Tapete ist Handmalerei, Aquarell, überaus fein und geschmackvoll gemalt.“

Gemalte chinesische Dekors waren Ende in den Schlössern des 18. Jahrhunderts große Mode. Untersuchungen und Vergleiche mit ähnlichen chinesischen Tapeten der Zeit führen zu der berechtigten Vermutung, daß die gelobten Bögen aus Londoner Werkstätten kamen, in denen Chinesen gewissermaßen im „Teamwork“ arbeiteten, wobei jeder für bestimmte Details zuständig war. Erfreulich ist vor allem, daß sich die Ausstattung in der Hallenburg noch an ihrem ursprünglichen Platz befindet. Dem Umstand, daß das bemalte Papier direkt auf die Wand geklebt wurde (was keineswegs üblich war) ist es zu verdanken, daß sie seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ihren Platz nicht gewechselt hat.

Die restauratorischen Voruntersuchungen zeigten die starken Schäden, die durch die mangelnde Pflege und den unsachgemäßen Umgang mit der Kostbarkeit entstanden waren. Vandalismus verletzte nicht nur die Tapete, einzelne Motive waren einfach herausgeschnitten worden. Gleichzeitig verschandelten Wasserränder das Papier, das stark gedunkelt war. Die Schadenskartierung zeigte zu dem Schimmelbefall, ungeschaute Übermalungen und häßliche Gipsausbesserungen. Partiell hatte sich die Tapete auch vom Untergrund gehoben

Hier gab es nur eine Möglichkeit der Rettung: trockenes, mechanisches Ablösen der Tapete. Sie wurde mit der Makulaturschicht vom Lehmputz in ganzen Bahnen abgenommen. In einem auf Papierrestauration spezialisierten Atelier wurden die Panneaux sodann sensibel bearbeitet. Nach einer Grundreinigung führte man die Retuschen der Fehlstellen in der Manier des Pointillismus aus, wobei große Fehlstellen malerisch auf chinesischem Papier ergänzt wurden. Um das Zerfließen der Tusche zu verhindern, tränkte man das Papier vorab mit Alaun. Zu guterletzt wurden die Bahnen komplett zum Schutz mit einer Gelatinelösung übersprüht.

In Anbetracht der neuen Nutzung des Schlosses als Landesmusikakademie, bei der mit starkem Publikumsverkehr zu rechnen ist, hat man die Bahnen auf dickes Japanpapier gespannt und sie in Holzrahmen an der Wand befestigt. Auf diese Weise ist die kunstvolle handgearbeitete Wandbekleidung leichter zu pflegen und partiell nach Bedarf abzunehmen.

 

Umgebung von Schlitz:

Über Hutzdorf, Queck, Rimbach kommt man nach Ober-Wegfurth. Dann fährt man rechts ab und nach vor dem Ort Unter-Schwarz links ab in Richtung Norden.

Man kommt zum Richthof.  Er wurde 1784 als Jagdschloß der Schlitzer Grafen erbaut und war im 19. Jahrhundert Gästehaus. Kaiser Wilhelm war hier zu Besuch bei Graf Emil von Schlitz. Es gibt auch ein Musikzimmer von 1930. Die Gebäude dienen heute einer Lebensgemeinschaft für Behinderte.

Im Schloßpark  wurde die „Schlitzerländer Tierfreiheit“ eingerichtet. In diesem weitläufigen Tierpark haben die Tiere (Bären, Dam‑, Rot‑ und Schwarzwild sowie Hängebauchschweine und andere lustige Exoten) große Gehege, in denen sie sich artgemäß bewegen können. Die „Tierfreiheit“ ist das ganze Jahr hindurch tagsüber geöffnet.

 

Fraurombach (östlich von Schlitz):

Die Evangelische Kirche (Hinter der Linde 6) ist erbaut im 12. Jahrhundert als Dorfkirche im romanischen Stil und enthält Heraklius-Wandmalereien von 1330.

 

Hartershausen (südlich von Schlitz an der Straße nach Fulda):

Die Evangelische Nikolaikirche mit Dachreiter (Großenlüderer Weg 4) ist 1282 im spätgotischen Stil erbaut. Das Kruzifix ist aus dem Ende 15. Jahrhundert, der spätgotische Taufstein ist von 1507, die Orgel von 1684 von Joh. Chr. Hart, die Emporen von 1702.

 

 

Großen-Lüder

Der Kalk macht’s. Er ist Geschäftsgrundlage für einen großen Abbaubetrieb, dessen Gebäude, eingehüllt von weißen Staubwolken, hoch über dem Ort das Entree von Großenlüder, westlich von Fulda, bilden. Und er ist auch im wahren Wortsinne Basis für die Flora dieses Landstrichs. Nadelhölzer und Heidelbeere mögen es  eher sauer.

Der Weg hinaus aus Großenlüder, das wir per Bahn oder Auto über die B 254 erreichen können, führt unter eben dieser Bundesstraße hindurch. Auf einem gut befestigten Weg, der nur leicht ansteigt, kommen wir zügig voran. Nach etwa zwei Kilometern wird der Wald dichter. Buchen und Eichen weichen, der Laubwald zieht sich zurück. Wir kommen in den Gieseler Forst, einen der größten zusammenhängenden Waldgebiete im Kreis Fulda, bekannt für intakte Wildpopulation und reiche Heidelbeer‑Vorkommen. Beim Gieseler Heidelbeer‑Fest mit Königin und Beer‑Heinz muß sich der Mann mit zusammengebundenen Händen möglichst  schnell durch einen großen runden Heidelbeerkuchen zu einem eingebackenen Fünfmarkstück durchessen.

Die Rast wird gemacht an der an der 350 Meter hoch gelegenen Herrgottseiche. Noch ist der Blick nach Westen frei. Das wird sich bald ändern. Wir starten wieder und erreichen nach gut zwei Kilometern den Fuß des Finkenbergs. In den Zeiten des Kalten Kriegs und großer Militär‑Präsenz der Amerikaner befand sich hier, streng abgeschirmt, ein US‑Waffen‑Depot. Was alles tief im Berg deponiert und versteckt war, darüber kursierten einst die wildesten Geschichten. Heute interessiert sich niemand mehr dafür. Auch wir nicht. Wir wundern uns nur über die toll ausgebaute Zufahrtstraße, die wir trotzdem rechts liegen lassen. Wir wollen weiter in Richtung Kaisereiche. Leicht fällt der Weg ab, von Weitem verkündet ab und zu Motorenlärm, dass wir uns nach mehr als einstündigem Marsch wieder der Zivilisation nähern. Die Kaisereiche lassen wir rechts liegen, kerzengerade geht es auf die Landesstraße L 3139 zu, die Oberrode und Kleinlüder verbindet. Schon sind wir drüber, und der Forst mit sandigem Boden hat uns wieder.

Wir folgen dem Weg und zweigen nach etwa zwei Kilometern an einer verhältnismäßig großen Kreuzung wieder nach rechts ab. Dieser Weg führt unweigerlich nach Kleinheiligkreuz. Ein kleines Kirchlein, heute noch Wallfahrtsort, malerisch in einen Wiesenwinkel gebaut. Ein kleines Gasthaus mit Wild‑Spezialitäten auf der Karte. Verlockend der Freisitz trotz Blicks auf den alten Friedhof. Wir bleiben standhaft. Mittagstisch ist in der Hessenmühle geplant. Und die liegt schon in Sichtweite vor uns.

Der Familienbetrieb ist längst kein Geheimtip mehr. Aus der einst spartanisch eingerichteten Gaststube ist ein auf alle Bedürfnisse abgestellter Gasthof geworden. Wanderer sind ebenso willkommen wie feine Gesellschaften. Die Karte bietet alles ‑ von deftiger Hausmannskost bis fast zur Haute cuisine.

Rippchen mit Kraut erscheinen uns heute angebracht. Wir essen, trinken eine preiswerte Halbe. Kalorien tanken. Denn die letzte Etappe ist recht beschwerlich.

Hinter den hauseigenen Fischteichen schlängelt sich am Waldsaum ein Weg, der über die Geißbuche und am Fuß des Sieberzer Berges bis vor die Tore von Hosenfeld führt. Über einen asphaltierten Feldweg erreichen wir nach acht Kilometern den Ort. Hier wartet das Lokal für den Ausklang. Im Gasthaus Brähler gibt es große Portionen, reelle Preise, Wasser für den Hund und, wenn es gerade Samstag ist, ein paar Fetzen Bundesliga im Fernsehen.     

 

Klein-Lüder:

Am östlichen Ausgang von Klein-Lüder geht eine geteerte Straße ab nach der Wallfahrtskirche Kleinheiligkreuz. Vor der Hessenmühle geht es links ab zu der Kirche. Diese wurde 1692 erbaut an der Kreuzung zweier damaliger Straßen. Die Kirche hat einen Hochaltar, eine Schnitzplastik von Bonifatius und Nepomuk und mit Bildern gestaltete Kreuzwegstationen.

Bei der Kirche ist der Jagdhof, eine Gaststätte. Hinter der Kirche sind ein Spielplatz und ein kleiner Friedhof. Unterhalb der Kirche ist ein Gatter mit Haustieren.

 

Stockhausen

Hier gibt es ein barockes Schloß mit romantischem Park.

 

Flieden

Im Jahre 806 wurde Flieden in Fuldaer Klosterurkunden erstmals erwähnt. Im Hochmittelalter war der Ort sowohl Gerichts- und Verwaltungsort als auch Pfarrort für das Fliedetal. Im Jahre 1972 entstand die Großgemeinde Buchenrod, Höf und Haid, Magdlos, Rückers, Schweben, Stork und Flieden mit insgesamt rund 9.000 Einwohnern. Sehenswert in Flieden sind die Barockkirche und der Freizeitpark mit Teich.

Das Hüttnergut Lenzis (Ringweg 5,) ist ein seit 1553 nachgewiesenes kleinbäuerliches Anwesen. Der heutige Bau ist um 1800 entstanden und enthält  eine heimatkundliche Sammlung.