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Frankfurt I

 

 

Ausflugsziele Frankfurt

 

 

Allgemeines

 

Wissenswertes über Frankfurt: 

In Urkunden taucht der Name Frankfurt zuerst im Jahre 794 auf, als Karl der Große hier seinen Reichstag abhielt. Grabungsfunde im Dom ergaben, daß zwischen 650 und 720 nach Christi Geburt ein Merowinger‑Fürst sein Töchterchen in Frankfurt zu Grabe trug ‑ in einer Kirche, die rund 100 Jahre älter als das Gotteshaus, in dem Karl der Große 794 seine Kirchensynode in Frankfurt abhielt. Seither gilt diese Synode als Geburtsjahr des Ortes an der Furt der Franken im Main.

Im Jahre 876 wurde Frankfurt Hauptstadt des Ostfränkischen Reiches. Mehrere Jahrhunderte war es Wahl- und Krönungsstätte der deutschen Könige, die gleichzeitig Kaiser waren. Im Jahre 1152 wurde der erste König in Frankfurt gewählt (Friedrich I., Barbarossa). Im Jahre 1356 bestimmte Kaiser Karl IV. Frankfurt durch ein Reichsgrundgesetz, die sogenannte „Goldene Bulle“, zur ständigen Wohlstadt für die deutschen Königswahlen.

Von 1815 bis 1866 war Frankfurt Sitz des deutschen Bundestages, 1848 fand hier erste deutsche Nationalversammlung statt.

 

Aus den Trümmern der im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörten traditionsreichen Messestadt ist eine Großstadt mit zwei Gesichtern gewachsen. Da ist zum einen das Banken-Frankfurt mit seiner glänzenden Hochhauskulisse, Sitz der wichtigsten deutschen Börse, deutscher Großbanken sowie der Europäischen Zentralbank. Und zum anderen das alte Frankfurt, an einigen Ecken, noch zu spüren, unter anderem in den Vorstädten. Wie aus Trotz gegen eine Übermacht der Moderne wurden am Römerberg noch in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts Fachwerkhäuser nach alten Plänen wieder aufgebaut. Dies spiegelt das Hin- und Hergerissensein der Frankfurter zwischen Weltstadtbürger und Kleinstädter wider. Im Übrigen ist Frankfurt mit seinen 644.000 Einwohnern Deutschlands fünftgrößte Stadt. Und keine andere lebt so sehr von der Dienstleistung: 87 Prozent der Arbeitsplätze liegen in diesem Sektor.

 

 

Ortsbezeichnungen und Straßennamen

Vor 100 Jahren glaubte man tatsächlich, die Anhöhe, auf der sich der Poelzig‑Bau, das IG‑Farben-Hochhaus, erhebt, sei einmal ein feuerspeiender Berg gewesen. Als „Affenstein-Vulkan“ findet er sich in der Literatur. Seinen Namen leitet man von einem „Ave-Stein“ her, einem Marien‑Bildstock, der dort oben gestanden haben soll. Gräbt man hier oder im benachbarten Grüneburgpark, so stößt man tatsächlich auf Basaltlava. Nicht aber auf einen Vulkanschlot. Vielmehr floss die Basaltschmelze im entfernten Vogelsberg während der Tertiärzeit vor Millionen Jahren aus, und die flüssige Lava streckte ihre glühenden Zungen bis nach Frankfurt.

So entstand auch der Basalt von Bockenheim, auf den noch die „Basaltstraße“ hinweist. Schon die Römer bauten davon ab, und noch vor 100 Jahren waren sieben Basaltsteinbrüche in Betrieb. Sie lieferten Quadersteine, Treppenstufen, Mühl‑ und Pflastersteine, Brunnen‑ und Gesimssteine, Tröge, Säulen und Fasslager. Aus der „Großen Steinkaute“ zwischen Basalt‑ und Marburger Straße war nach dem Abbau ein Teich entstanden, den man aber wieder verfüllte. Noch heute steht Basalt bei der Mühlgasse, Kurfürstenstraße und am Westbahnhof im Untergrund an. Kleinere Basalt‑Steinbrüche waren bei Bonames, Kalbach und Eschersheim in Betrieb.

Auch beim Park Louisa gibt es Vogelsberg‑Lava. In der „Schwarzen Steinkaut“ wurde der Basalt zwischen dem „Schwarzsteinkautweg“ und der „Mörfelder Landstraße“ gebrochen. Während das Gestein der vielen „normalen“ Frankfurter Steinbrüche ganz hell war wie der Kalkstein der „weißen Steinkaut“ bei der Körner‑Eiche im Stadtwald, war es hier blauschwarz.

Von den vielen alten Lehm‑ und Tongruben zeugen Straßennamen wie „Lettigkautweg“ und „Lehmkautstraße“, und im Höchster „Ziegelfeld“ wurde Lehm von den Römern in einer Zentralziegelei verarbeitet. Transportgünstig an Main und Nidda gelegen, war der Betrieb geeignet, das ganze obergermanische Heer mit Ziegelsteinen zu versorgen.

Am „Sandberg“ Sachsenhausens wurde natürlich Sand gegraben, und die Straße „Zum Bergwerk“ in Kalbach weist auf eine nahe gelegene Braunkohlengrube hin, die ab etwa 1816 in Betrieb war, ähnlich wie eine Anlage bei Ginnheim, deren Schächte beim heutigen Sankt‑Markus‑Krankenhaus in die Tiefe reichten. Hier wurde

Zwischen 1881 und 1884 aus zwei Flözen Kohle hoch gebracht und zu Hausbrand genutzt.

 

Viele Namen erinnern an Quellen und Brunnen, die ja lebenswichtig waren, heute aber meist vergessen sind. So wird Bornheim auf mehrere kleine Quellen zurück geführt, die am Hang Untergrund austraten. Ob sich Seckbach von jenem Sickwasser ableitete, das vom Lohrberg herabkam, erscheint jedoch recht fraglich. Der Berger „Rebenborn“ entsprang im Westen des heutigen Stadtteils Bergen im freien Feld und gab einer Straße den Namen, wie auch der „Römerbrunnen“ in Harheim und viele andere. So geht die Straße „Am Weimarfloß“ auf den Ginnheimer „Weimarbrunnen“ zurück, der sein Wasser ehemals zur Nidda fließen ließ. Der „Reversbrunnenweg“ in Sachsenhausen soll auf den „Bärsborn“ zurückgehen. Der speiste die künstlich angelegten Fischteiche des Seehofs. Im Jahre 1842 kaufte die Stadt diesen Hof mitsamt einer Mühle, um das reichlich fließende Quellwasser zu nutzen. Auch der „Bergesgrundweg“, vielleicht ursprünglich „Börnchesgrundweg“ mag auf Quellen beim Seehof hinweisen.

 

Die „Pfingstbrunnenstraße“ erinnert an eine Quelle, die am Fuße des „Johannisberges“ entsprang und deren Wasser nach den Dammwiesen abfloss, und „Am Leonhardsbrunn“ geht auf einen Brunnen zurück, der jetzt am Westrand des Palmengartens zu suchen ist. Der „Volgersbrunnenweg“ ist nach einem Brunnen am „Riederspieß“ im Riederwald benannt, der wiederum den Namen des Geologen Otto Volger trägt. Dieser war Dozent am Museum Senckenberg und gründete 1859 das Freie Deutsche Hochstift zur Pflege von Wissenschaft und Volksbildung. Persönlich setzte er sich für den Erhalt von Goethes Vaterhaus ein und war bestrebt, alle in Frankfurt vorkommenden Gesteine, Mineralien und Fossilien im Museum zu präsentieren.

Andere Frankfurter Straßennamen zeugen von jenen Bächen, die ehemals im Stadtgebiet flossen. dann aber zur Füllung des die Stadt umgebenden Stadtgrabens herangezogen wurden. Später verbannte man sie, weil sie oben störten, in Kanäle. Entlang der „Elkenbachstraße“ floss der gleichnamige Bach. Seine Quelle war das Gebiet Hallgarten‑/ Rotlint‑/ Böttgerstraße; ein Zufluss kam vermutlich auch aus dem Günthersburgpark. Dort war auch die Quelle eines anderen Gewässers, das im Verlauf der heutigen Saalburgallee Richtung Ostpark floss. Beide erklären, warum die Günthersburg, die in der Mitte des heutigen Parks lag, auch „Bornburg“ hieß. Der Elkenbach mündete beim Bethmannpark in den Stadtgraben.

 

Die „Leerbachstraße“ geht auf den „Löhe- oder Leierbach“ zurück. Seine Quelle ist unterhalb des Grüneburgweges zu lokalisieren. Auch dieses Flüsschen musste zur Speisung des Stadtgrabens, unweit der Stelle der Alten Oper, herhalten. Der „Marbachweg“ ist benannt nach jenem Bach, der eine alte Gemarkungsgrenze markierte. Seine Quelle lag bei den heutigen Rundfunkgebäuden an der Bertramstraße, das Wasser füllte den Wehrgraben des Kühhornshofes, benannt nach Berhard Kuhorn aus dem 16. Jahrhundert. Ab dem Dornbusch folgte der Marbach dem nach ihm benannten Weg, danach der Wilhelm‑Epstein‑Straße bis zur Niddaaue.

Die ehemaligen Seitenarme des Mains hinterließen im Stadtgebiet vielerorts Torfmoor, so das viel genannte Braubachmoor, das sich unter anderem bei Bau des Museums für Moderne Kunst wieder in Erinnerung brachte. In Bohrungen am Danziger Platz fand sich der Torf des „Metzgerbruchs, an der Hanauer Landstraße der des „Riederbruchs“ und in der „Mühlbruchstraße“ das Torfmoor des gleichnamigen Bruchs. Zwischen Messegelänc und Opelkreisel stößt man auf torfige Rinnen des ehemaligen „Dammgrabens“. Dieser stand über das „Gele Loch“ sowie das Gebiet der heutigen Varrentrappstraße in Verbindung mit den Wassergraben, welche die Kettenhöfe am Kettenhofweg umgaben. Von diesen Höfen aus zog der Flussarm zum ehemaligen „Rüstersee“ etwa bei der heutigen „Rüsterstraße“. Er wird um 1700 als fischreiches, aber unheimliches Gewässer geschildert, das längst zugeschüttet ist.

 

 

Frankfurt: Wasserhäuschen                                                                          18.07.09

Wenn Andrea Hüller gegen sechs Uhr morgens ihren fast 100 Jahre alten Kiosk im Frankfurter Osthafen öffnet, hat sie schon jede Menge Arbeit hinter sich. Brötchen schmieren, Kaffee kochen, die ersten Würstchen warm machen und die süßen Stückchen vom Bäcker ins Körbchen räumen - das sind nur einige der ersten Aufgaben ihres Arbeitstages. „Je nach Jahreszeit stehe ich zwischen halb drei und vier Uhr morgens auf im Sommer fällt das frühe Aufstehen natürlich leichter. Da ich meine Arbeit sehr mag, komme ich aber ganz gut aus dem Bett“, erzählt Hüller, die das wohl älteste der rund 300 Frankfurter Wasserhäuschen betreibt.

Der Imbiss, der laut Recherchen der 43-Jährigen im September 1912 seine Konzession erhielt und damit nicht mehr lange auf seinen 100. Geburtstag warten muss, strahlt einen ganz eigenen Charme aus. Am westlichen Ende des Osthafens gelegen, macht ihn die isolierte Lage sowohl für Andrea Hüller als auch für ihre Kunden zu etwas Besonderem. Die gelernte pharmazeutisch-technische Assistentin sagt: „Es gibt hier fast kein Durchgangspublikum, die meisten meiner Kunden sind Stammkunden. Ich betreibe sozusagen einen Kiosk mit Familienanschluss und weiß einfach, wer seinen Kaffee wie trinkt und wer welche Zigarettenmarke raucht.“ Da müssten „die Jungs“, wie Hüller ihre Kunden fast liebevoll nennt, gar nicht viel sagen. Nur wenige Frauen sind unter ihren Kunden, denn „weibliche Lastwagenfahrer sind noch relativ selten.“

Übernommen hat Hüller den Kiosk mit der offiziellen Bezeichnung „Jöst Nummer 1“ im Juli 1995 gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann. „Das war für uns etwas völlig Neues und Fremdes, aber wir haben uns ganz spontan dazu entschieden. Über 100 Ecken hörten wir, dass die Vorbesitzer sich zur Ruhe setzen wollten“, erinnert sie sich. Wenn sie ihren Imbiss auch selbst meist nur „das Häuschen“ nennt, so verbirgt sich hinter „Jöst Nummer 1“ doch eine kleine Geschichte der Wasserhäuschen in Frankfurt. „Die meisten Frankfurter Trinkhallen gehörten seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Firma Jöst, bis sie dann in den 70er Jahren an die Henninger Brauerei verkauft wurden“, erzählt Hüller. Zur Versorgung der Arbeiter im vor dem Ersten Weltkrieg entstandenen Osthafen eröffnete Jöst den kleinen Kiosk am Fuße der Honsellbrücke. Und obwohl nachträglich neben anderen kleinen Veränderungen ein Lagerraum angebaut wurde, ahnt man das stolze Alter des „Häuschens“ auf den ersten Blick. Entsprechend sorgsam hegt und pflegt die aus Bad Sooden-Allendorf stammende Hüller ihren Kiosk. „Ich putze jeden Tag nach Feierabend durch“, sagt sie stolz. Was in ihrem „Häuschen“ noch original ist, kann sie aber nicht genau sagen. Hinter den Kacheln in der kleinen Kochnische befänden sich zwar noch die Originalwände, aber davon abgesehen sei „immer mal wieder ein Regalbrett2 hinzugekommen.

Ob sie ihren Job, der ihr „jeden Tag ähnliche Handgriffe und dennoch sehr viel Abwechslung“ bringt, bis zur Rente ausüben wird, kann Andrea Hüller nicht absehen. „Die ersten Zipperlein machen sich bemerkbar, denn die Arbeit ist körperlich anstrengend und ich stehe den ganzen Tag“, sagt sie. In der Tat: Einen Stuhl oder Hocker sucht man in dem kleinen Verkaufsraum vergeblich. Auch Reichtümer könne man mit dem „Häuschen“ nicht anhäufen.

Die Kunden aber müssen auf fast nichts verzichten. Von Schokoriegeln über Zeitungen und Zigaretten bis hin zu Donuts, Croissants und Plunderstückchen ist alles im Angebot, was das Herz begehrt. Beliefert wird Hüller von Bäcker und Metzger, fast alles andere kauft sie selbst ein. Und auch das geht manchmal ganz schön auf den Rücken, denn: „Wenn ich einkaufe, dann richtig.“

 

 

Kurzer Rundgang Frankfurt

Buslinie 25 bis Endstation Enkheim, ab zwei Personen Gruppenfahrkarte (Tageskarte), U-Bahn U 7 bis Hautwache.

 

Die Hauptwache ist ein anmutiges Barockgebäude im Herzen der Innenstadt. Sie wurde 1729 als Wachlokal der Stadtwache und Gefängnis für Prominente erbaut. Der Wiederaufbau erfolgte 1951 bzw. 1968, heute beherbergt das Gebäude ein Café. Unter dem Platz ist ein dreigeschossiger Tiefbahnhof mit Geschäfts-, S-Bahn- und U-Bahn-Ebene, der 1968 in Betrieb genommen wurde.

Die Katharinenkirche an der Südseite der Hauptwache wurde zwischen 1678 und 1681 erbaut; in diesem protestantischen Gotteshaus wurde Goethe getauft und konfirmiert. Bemerkenswert ist das Turmportal mit der Inschrift darüber. Außen am Chor befindet sich ein Steinrelief „Maria mit dem Kinde in der Mondsichel“, an der Nordseite Grabplatte des Heinrich Volrat von Stolberg-Königstein (gestorben 1641) mit 32 Familienwappen.

 

Zum Goethehaus kommt man, wenn man in Richtung Kaiserstraße geht. Nach rechts blickt man zum Roßmarkt (einst Pferdemarkt) mit dem Gutenbergdenkmal; es zeigt Gutenberg mit seinen beiden Gehilfen Fust und Schöffer. Nach links biegt man ab in die Straße „Am Salzhaus“, von der rechts der „Große Hirschgraben“ abbiegt, in dem das Goethehaus steht (Nr. 23), das Geburtshaus des bedeutendsten deutschen Dichters (1749‑1832). Ursprünglich standen hier zwei Häuser aus spätgotischer Zeit Ende des 16. Jahrhunderts, die 1755 umgebaut wurden von Goethes Vater, dem wohlhabenden Kaiserlichen Rat Johan Caspar Goethe. Das Gebäude durch Bomben zerstört, aber in ursprünglicher Form rekonstruiert. Die Einrichtung ist teilweise noch original von der Ratsherrenfamilie, denn sie war ausgelagert. Über dem Eingang ist ein Stein mit dem Wappen der Familie Goethe und Textor (Goethes Mutter) zu sehen. Im Hause wird alle drei Jahre der Goethepreis verliehen (50.000 DM). Die Straßen mit der Bezeichnung „-graben“ sind etwa identisch mit der Grenze der Altstadt nach der ersten („staufischen“) Stadterweiterung. Am Hirschgraben hielt einst der Rat der Freien Stadt Hirsche.

Über die Berliner Straße kommt man zum Karmeliterkloster, das ab 1246 erbaut wurde. Der Kirchenbau erfolgte von 1310 bis 1510, im Jahre 1474 wurde die Kirche spätgotisch umgebaut, die Annakapelle wurde1494 geweiht. Die Klostergebäude wurden 1460 bis  1520 spätgotisch erneuert. Im gotischen Kreuzgang sind Reste von Fresken (1514-23) zu sehen mit dem Zyklus „Geburt und Leiden Christi“ von Jörg Rathgeb, die nach Kriegsschäden konserviert wurden. Das Kloster wurde 1806 aufgehoben.

Durch die Bethmannstraße mit dem Bethmannhof  (ältestes privates, überwiegend noch im Besitz der Gründerfamilie befindliches Frankfurter Bankhaus), kommt man zur Paulskirche. In diesem klassizistischen Rundbau (Baubeginn 1789, Ende 1833) tagte 1848/49 die Nationalversammlung, das erste deutsche Parlament. Im Jahre 1944 ausgebrannt und 1948 wieder aufgebaut ist die Paulskirche heute eine bedeutende Feier‑ und Ausstellungsstätte.

 

Über die „Neue Kräme“ in Richtung Norden kommt man zum Liebfrauenberg mit den spätbarocken Patrizierhäuser „Zum Grimmvogel“ und  „Zum Paradies“. Dieses war im 14. Jahrhundert im Besitz des Siegfried von Marburg zum Paradies; als Adelssitz wurde  1775 ein barocker Neubau errichtet.

Die Liebfrauenkirche wurde im Jahre 1308 gestiftet und im 15. Jahrhundert erweitert. Im Jahre 1944 ist die Kirche ausgebrannt und wurde wieder aufgebaut. Der Turm wurde auf der Stadtmauer (Staufenmauer) errichtet. Bemerkenswert ist das innere Südportal. Verbunden mit der Kirche ist das einzige Kloster der Stadt (Kapuziner). Vor der Kirche steht der Liebfrauenbrunnen mit zwei Flußgöttern und einem Obelisk (um 1770).

 

Durch die Töngesgasse geht es zur Staufenmauer, ein Rest der Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert. Durch die Lange Straße mit dem Hospital zum Heiligen Geist kommt man zum Allerheiligen Tor Straße, das allerdings nicht mehr steht. Dort ist  das ehemalige Dominikanerkloster von 1233, wo Meister Ekkehard gelebt haben soll und in dem heute einevangelisches Gemeindezentrum untergebracht ist.

Gegenüber im Keller des Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke befindet sich das Jüdische Museum „Judengasse“, dahinter der alte Judenfriedhof mit alten Grabsteinen mit jüdischen Schriftzeichen (die ältesten Steine aus dem 13. Jahrhundert), ein Mahnmal aus Grabsteinen und eine Friedhofsmauer mit Gedenksteinen für die ermordeten Frankfurter Juden.

Nach Süden geht es zur Obermainbrücke mit dem klassizistischen Säulenportikus, den Resten der einstigen Stadtbibliothek von 1825. Er steht in dem fünf Kilometer langen Anlagenring. Er war ursprünglich der Gürtel vor den Bastionen und Wällen, die um 1630 als dritter Entwicklungsabschnitt um die Altstadt gelegt wurden. Die Befestigungen wurden 1805 geschleift und durch Guiollett in Anlagen umgewandelt.

In Sachsenhausen steht jenseits der Brücke gleich links das Deutschordenshaus auf gotischen Grundmauern (1709-15) und die Deutschordenkirche (1309 geweiht, gotisch mit Barocktürmchen, im Innern kunstvolle Schnitzereien). Das Deutschordenhaus wurde im Krieg zerstört, ist aber wieder aufgebaut und heute Zentrum des katholischen Gemeindelebens. Rechts am Mainufer steht die Dreikönigskirche

 

Alte Brücke: Nach der Sage soll Kaiser Karl der Große auf der Flucht vor den Sachsen an den Main gekommnen sein, aber wegen Nebel nicht die Furt über den Fluß gefunden haben. Aber eine weiße Hirschkuh hat ihn den Weg durch den Nebel gezeigt, so daß er sich in Sicherheit bringen konnte. Seitdem soll der Ort den Namen „Frankfurt“ erhalten haben.

Die Brücke wurde nach 1200 erstmals erwähnt. Einst war sie mit zwei Mühlen verbunden, deren eine sich an der Stelle befand, wo heute noch eine Treppe hinab zur Maininsel führt. Die erste Brücke wurde 1914-26 durch einen Neubau ersetzt. Auf der Brücke steht ein kunstvolles, schmiedeeisernes Kruzifix mit dem „Brickegickel“ (= Brückenhahn, 1967, eine Nachbildung). Damit hat es folgende Bewandtnis: Beim Bau der Alten Brücke Anfang des 14. Jahrhunderts hatte der Baumeister ‑ sein Name ist nicht überliefert ‑ ein nicht geringes Problem mit dem Zeitplan. Das Bauwerk würde ‑ das schien unabwendbar ‑ erst mit reichlich Verspätung vollendet werden können. Den absehbaren Arger mit den Stadtoberen wollte sich der Brückenbauer ersparen, und so ging er einen Pakt mit dem Teufel ein.

Der versprach ihm, die Brücke quasi über Nacht fertig zu stellen, verlangte freilich als Gegenleistung die Seele des ersten Lebewesens, das von Hibbdebach nach Dribbdebach oder umgekehrt marschieren würde. Nach altem Brauch wäre dies der Meister höchst selbst gewesen, jedoch ersann der gute Mann eine List: Er trieb beim Jungferngang einen altersschwachen Hahn vor sich her ‑ und mit dessen Seele mußte der Teufel vorlieb nehmen. So war es, oder so ähnlich. Jedenfalls erklärt die Geschichte am besten die Existenz des „Brickegickels“, der vermutlich seit Beginn des 15. Jahrhunderts auf einer Stange über dem Brückengeländer thront. Allein: Der Gickel von heute ist nicht 700, er ist gerade mal sieben Jahre alt. Und vermutlich ist er bereits der fünfte Nachfolger seines Urahnen.

Der erste Hahn ist der Überlieferung zu Folge im Jahr 1434 in den Main geplumpst und ward nicht mehr gesehen. Seine Nachfolger wurden während des Dreißigjährigen Krieg entweder zur Zielscheibe für die Flinten der Schweden oder versanken samt der Brücke in den Fluten des Mains. Als Einzige hat die wahrscheinlich vierte Gickel‑Fassung von 1750 die Kriegswirren - wenn auch leicht ramponiert ‑ überstanden. Der Hahn kann heute im Historischen Museum bestaunt werden.

Nummer fünf schließlich wurde 1992 Opfer eines schnöden Diebstahls. Zwei Jahre mußte die Brücke danach ohne ihr Wahrzeichen auskommen, bis sich ein Mann namens Helmut Gärtner, scheidender Ortsvorsteher, erbarmte und Geld für Hahn Nummer sechs spendete. Der Bildhauer Edwin Hueller arbeitete ohne Entgelt, und so konnte der jüngste Sproß aus der Gickel‑Dynastie im September 1994 der Brücke übergeben werde: Er ist aus Bronze und mit Gold überzogen ‑ und wie es scheint gegen Diebstahl gesichert. Auf der Alten Brücke steht seit neuestem eine Nachbildung des alten Brückenhauses, heute eine Kunsthalle.

 

Am Main findet auf Sachsenhäuser Seite nicht nur der Flohmarkt statt, sondern hier ist auch der Hauptteil der Frankfurter Museen zu finden, das „Museumsufer“:  Städel’sches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Museum für Kunsthandwerk, Deutsches Architekturmuseum, Deutsches Filmmuseum, Liebighaus, Museum für Völkerkunde, Jüdisches Museum, Bundespostmuseum. Weitere Museen in Frankfurt sind Naturmuseum Senckenberg, Historisches Museum und Münzkabinett, Kommunale Galerie im Leinwandhaus, Holzhausen‑Schlößchen, Kindermuseum, Struwwelpeter‑ Museum, Heinrich‑Hoffmann-Museum, Stoltze‑Museum, Frankfurter Brauerei‑Museum, Ikonen‑Museum, Museum für Moderne Kunst.

 

Am Main entlang nach Westen kommt man zur Straße „Zum Pfarrturm“, durch die man zum Dom geht. Vor dem Dom ist der archäologische Garten.

Nur wenige Schritte entfernt vom Dom steht das Leinwandhaus. An der Fassade erinnert eine Frankfurter Normal‑Elle an die ursprüngliche Bestimmung dieses Gebäudes. Ende des 14. Jahrhunderts errichtet, diente es lange Zeit dem Messehandel mit Stoffen, war später abwechselnd Schuldgefängnis, Zollverwaltung und Gericht und brannte 1944 ab. Im Jahre 1983 fast originalgetreu wieder aufgebaut, gehört es heute mit seinem markanten Giebeldach zu den schönsten Gebäuden in der Stadt und bietet Raum für die Kommunale Galerie, die vorwiegend Werke Frankfurter Künstler ausstellt und das Fotografie-Forum der Stadt Frankfurt.

 

In Richtung Römerberg kommt man auf der Nordseite zum „Steinernen Haus“ am Alten Markt. Es wurde im Jahre 1464 nach Art einer oberitalienischen Stadtburg errichtet wurde. Einst war es Sitz der aus dem Rheinland stammenden jetzt erloschenen Kaufmannsfamilie von Melem. Im Jahre 1962 wurde es verändert wieder aufgebaut und dient heute dem Frankfurter Kunstverein für seine Ausstellungen. Frankfurter Bürger riefen ihn 1829 ins Leben. damit er „anregend auf den Kunstsinn und ermunternd auf die Künstler wirken“ solle. Zu sehen sind hier Einzelausstellungen und in den letzten Jahren zunehmend Foto‑Ausstellungen. Häufig bietet der Kunstverein zwei oder mehrere Ausstellungen zugleich oder aufeinander folgende gleicher Thematik, um Vergleiche zu ermöglichen

 

Der Römerberg markiert den historischen Mittelpunkt der Stadt, er war Kristallisationspunkt Frankfurter Geschichte. Sein östlicher Teil wurde bereits etwa 475 v. Chr. von den Kelten bewohnt. Später besiedelten ihn die Römer, Alemannen und Franken. Oberhalb des Römerbergs, auf dem Domhügel, stand einst die karolingische Kaiserpfalz; mit ihr begann im 3. Jahrhundert die Besiedelung jenes Orts, der Frankfurt genannt wird. Um die Pfalzanlage herum ließen sich Bauern und Handwerker nieder, die in Diensten des Kaiserhofes standen. Aus der Siedlung am Rande der Pfalz war dann allmählich eine Bürgergemeinde entstanden, und der Platz am Fuße des Domhügels, der Römerberg, wurde zum Zentrum der heranwachsenden Stadt.

Die ersten Bauten stammen aus dem 8. Jahrhundert und werden den Karolingern zugeschrieben. Die Staufer errichteten vier Jahrhunderte später eine Königsburg. Der heutige Römerberg diente ihnen als öffentlicher Versammlungsort, Gerichts‑ und Turnierplatz. Seinen heutigen Namen erhielt der Römerberg erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts, als das Haus „Zum Römer“ Rathaus wurde.

Seinen Namen hat der Römerberg vom Haus „Römer“ auf der Westseite des Platzes. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatte der Frankfurter Rat das Gebäude für die Stadt erworben und zum Rathaus umbauen lassen. Vordem hieß der Römerberg schlicht „auf dem Berge“, doch wurde nunmehr der Name „Römerberg“ heimisch. Für den östlichen Hügel hatte sich auch der Name „Samstagsberg“ eingebürgert, nach dem Markt, der dort allwöchentlich am Samstag abgehalten wurde.

Über die Jahrhunderte hinweg hatte der Platz immer wieder sein Aussehen verändert, jedes Zeitalter hatte ihm etwas hinzugefügt. Über viele Generationen hinweg erst war der Römerberg geworden, wie ihn Fotografien und Zeichnungen aus der Vorkriegszeit zeigen. Mit dem historischen Wiederaufbau der sechs Gebäude auf der östlichen Seite des Platzes, zusammen mit dem stattlichen Fachwerkbau des Hauses „Schwarzer Stern“ hinter der Nikolaikirche, hat sich der Römerberg seinem früheren Erscheinungsbild aus der Vorkriegszeit wieder angenähert. Frankfurts Altstadtzentrum bietet sich nun wieder als rundum geschlossener Platz dar, die dreifache Staffelgiebelreihe des Römers hat wieder ihr ebenso charakteristisches Pendant in der sechsgiebeligen Reihe der Bürgerhäuser auf der gegenüberliegenden Seite.

Der Römerberg hat auch Kuriositäten zu bieten, die nicht gleich auf den ersten Blick ins Auge springen. Mitten auf dem Platz, östlich vom Gerechtigkeitsbrunnen, beschreibt die dreifache Reihe größerer Pflastersteine einen weiten Kreisbogen. Der Kreis markiert den Umfang eines mittelalterlichen Rundturms, dessen Fundament bei Grabungen entdeckt worden war. Das Turmfragment aus dem 13. Jahrhundert hat einen äußeren Durchmesser von fast zweiundzwanzig Metern, und die Mauerstärke beträgt mehr als sechs Meter. Einige Schritte weiter, knapp drei Meter vor der Nordwestecke der Nikolaikirche, ist eine Metallscheibe in das Pflaster eingelassen. Die Scheibe kennzeichnet den „Viertürmepunkt“, von dem aus vier Frankfurter Kirchtürme zu sehen sind: die Türme der Nikolaikirche, des Doms, der Liebfrauenkirche und der Paulskirche.

An der Ostseite des Römerbergs wurde die historische Häusertzeile rekonstruiert (siehe Ordner „Frankfurt, Innenstadt“. Daneben steht die neue „Schirn Kunsthalle Frankfurt“ ‑ ein alter Name, ein neuer Inhalt. „Schirne“ nannte man früher in Frankfurt die kleinen offenen Metzgerladen in der Altstadt. An ihre Stelle ist seit Februar 1986 das multifunktionale Kulturzentrum getreten, dessen Herzstück die große zentrale Ausstellungshalle bildet. Hier konnten seither bereits bedeutende Präsentationen gezeigt werden. Neben der langgestreckten Galerie und anschließenden Kabinetten umfaßt die Schirn noch Räume für die Junge Deutsche Philharmonie, die Jugendmusikschule und die Informations‑ und Hausnotruf‑Zentrale des „Frankfurter Verbandes für Alten und Behindertenhilfe“.

 

Auf seiner Westseite des Römerbergs steht der Römer, das traditionsreiche Wahrzeichen Frankfurts.

 

Direkt südlich vom Frankfurter Römer, Limpurgergasse 2, funkeln heimische Tropfen im Glas: Produkte vom Weingut der Stadt Frankfurt, gepflückt am Lohrberg und in Hochheim.

Die östliche Seite des Römerbergs wird durch originalgetreu rekonstruierte Gebäude begrenzt. Die vor einigen Jahren wieder aufgebauten Häuser mit Namen wie „Großer Engel“, „Goldener Greif“ und „Schwarzer Stern“ beherbergen Geschäfte, Wohnungen und Restaurants. Südlich davon steht die neue „Schirn Kunsthalle Frankfurt“ mit ihren großzügig ausgestatteten Ausstellungsräumen und das Haus „Zum Schwarzen Bären“.

 

Auf der Südseite des Platzes befindet sich die ehemalige Ratskapelle, die im 13. Jahrhundert erbaute Nikolaikirche (1264 erwähnt) mit ihrem 40stimmigen Glockenspiel. Der schlanke frühgotische Bau war ursprünglich königliche Hofkapelle und ab dem 14 Jahrhundert des städtischen Rates Die Empore vor dem Kirchendach wurde1467 angebaut. Bemerkenswert sind die Tympanons mit dem Heiligem Nikolaus in der Westwand und Südwand und die kunstvolle Grabplatte des Reichsschultheißen Siegfried von Marburg zum Paradies (gestorben 1386) im Innern; er vollendete die Entwicklung Frankfurts zur Freien Reichsstadt. Ergreifend im Innern ist die Sandsteinfigur, die Christus als Schmerzensmann zeigt. Vom Turm des heute evangelischen Gotteshauses ertönt um 9.05, 12.05 und 17.05 Uhr ein Glockenspiel.

 

 

Hinter der Kirche steht das Historische Museum mit Münzkabinett und Kindermuseum. Rechts davon das „Haus Wertheim“, 1383 erwähnt, ein Fachwerkbau der Spätrenaissance um 1600. Es ist das einzig erhalte mittelalterliches Fachwerkhaus in Frankfurt und überstand - wie auch die Nikolaikirche - die Bomben von 1944.

Zum Main hin wird der Römerberg durch den Rententurm (1455) abgeschlossen  Der Turm bildet eine Einheit mit dem an der Stelle der staufischen Reichsburg aus dem 12. Jahrhundert errichteten Bernusbau (1717) und Burnitzbau (1842). Der Saalhofbau mit der Saalhofkapelle (um 1175) ist das älteste erhaltene Bauwerk Frankfurts, er gehörte zur ehemals staufischen Reichsburg. Bemerkenswert sind die Kapitelle in der Kapelle.

Am Eiserner Steg von 1868 befinden sich Hochwassermarken und die Darstellung eines Schweins, das die Juden verspotten sollte. Am Mainufer rechts liegt die St. Leonhardskirche, eine schön erhaltene fünfschiffige Hallenkirche mit spätromanischen Türmen aus dem 13. Jahrhundert (Leonhard ist der Schutzpatron der Viehherden). Bemerkenswert ist das Tympanon vom Engelbertusportal (um 1220). Im Inneren Kapitelle, hängendes Gewölbe, ein Schlußstein im Salvatorchörlein (um 1510). Der Baugrund war ein Geschenk des Kaisers Friedrich II. (Hohenstaufe) an die ihm treue Stadt.

Man kann hier noch ein Stück am Main entlang gehen und dann zur Hauptwache zurückkehren bzw. vom Römerberg mit der U 4 zur Konstablerwache fahren und dort in die U 7 umsteigen. Man kann aber auch noch einen zweiten Teil des Rundgangs anschließen, der allerdings relativ weit ist.

 

Am Main entlang kommt man am Jüdischen Museum vorbei zur Untermainbrücke, geht in die Neue Mainzer Gasse und kommt zum Willy-Brandt-Platz, dem Theaterplatz mit Schauspiel und Oper und dem Hochhaus der Europäischen Zentralbank. Durch den Anlagenring mit den Denkmälern für Goethe (1884, mit Figuren aus seinen Werken auf dem Sockel), Schiller (1864), Heine,  Beethoven, Guiollett (Schöpfer der Anlagen) kommt man am Marshalbrunnen vorbei zur Alten Oper mit Neurenaissance‑Fassade von 1873 bis 1880. Im Giebelfeld stehen die Worte „Dem Wahren, Schönen, Guten“. Im Krieg ausgebrannt wurde die Alte Oper zum Teil von Bürgerspenden als Konzerthaus wieder aufgebaut. Davor steht der Lucae‑Brunnen.

 

Vom Opernplatz geht man entweder durch die Hochstraße (rechts das Stadtbad Mitte, links das Nebbiensche Gartenhäuschen, um 1810) zum Eschenheimer Turm oder über Frankfurts Schlemmerparadies Große Bockenheimer Straße („Freßgaß“) zur Börse. Ihre Ursprünge gehen bis auf das Jahr 1585 zurück, das heutige Haus wurde 1879 eröffnet. Besichtigung während der Börsenzeiten (Besuchergalerie) montags bis freitags 11.00 und 12.15 Uhr. Das nächste Ziel ist der Eschenheimer Turm, das markanteste der erhaltenen Tore (1428 oder 1462-68) der alten Stadtbefestigung. In die Wetterfahne ist eine „9“ hineingeschossen, von einem Angeklagten, der sich dadurch freikaufen konnte.

 

Von hier kann man schon zurück zur Hauptwache gehen. Durch die Große Eschenheimer Straße kommt man zum Portal zum Ehrenhof des Palais Thurn und Taxis, in französischem Frühbarock erbaut von 1727 bis1741: Kurzfristig 1737 bis 1748 Residenz des „Reichspostmeisters“  Das Tor führte einst zum „Bundespalais“ (1816 bis 1866 residierte hier der Deutsche Bundestag)..

 

Man kann aber auch durch die Bleichstraße zum Petersfriedhof mit der Peterskirche. Seit 1826 ist hier allerdings kein Friedhof mehr, aber eine Reihe Gräber ist noch erhalten: die Grabplatte des bekannten Malers, Kupferstechers und Verlegers Merian (gestorben 1687), eine Kreuzigungsgruppe von Backoffen und die Grabstätte der Familie Bethmann und der Eltern Goethes.

Durch die Alte Gasse kommt man zur Konstabler Wache und zur Zeil. Diese war einst Viehmarkt, an der nördlichen Häuserzeile standen einst Hotels, Schmieden und Adelspaläste, heute Großkaufhäuser. Über die Zeil geht es nach Westen zurück zur Hauptwache.

 

 

 

Geschichte

Um 4000 v. Chr.      Steinzeitsiedlungen (Osthafen, Praunheim)

Um 500 v. Chr.        Kelten besiedeln das Gebiet

Um 83 n. Chr.          Eroberung durch die Römer (Kaiser Domitian)

Um 260 n. Chr.        Die Römer geben das Gebiet (Nida) wieder auf

Bis 500 n. Chr.         Völkerwanderung und Besiedlung durch die Alemannen

Ab 500                     Eingliederung in das Frankenreich (Merowinger)

754                           Der Leichenzug des Bonifatius

794                           Der Name Frankfurt wird zum ersten Mal erwähnt.

                                 Kaiser Karl beruft ein Konzil in seine Pfalz

Um 850                     Bau der Salvatorkirche, der Vorläuferin des Doms

941                            Versöhnung Ottos des Gr. mit seinem Bruder Heinrich           

Um 1150                   Bau der Staufenmauer

1152                          Erste Frankfurter Kaiserwahl in Frankfurt: Friedrich Barbarossa

1333                          Die große Stadterweiterung

1349                          Gegenkönig  Günther von von Schwarzburg stirbt in Frankfurt

1356                          Karl IV. erläßt die Goldene Bulle

1372                          Freie Reichsstadt und Erwerb des Stadtwaldes

1389                          Niederlage in der Schlacht bei Kronberg

1400 – 1425              Bau des Eschenheimer Turmes

1405                          Das Haus „Zum Römer“ wird Rathaus

1415 – 1514              Bau des Domturmes

1462                          Die Juden beziehen die Judengasse

1552                          Belagerung durch protestantische Fürsten

1554                          Niederländische Reformierte ziehen ein

1562                          Erste Frankfurter Kaiserkrönung: Kaiser Maximilian II.

 

 

 
Römer

Zehn Militärlager in Heddernheim und Praunheim:

Im Norden von Frankfurt, rund 6 Kilometer nördlich des mains, zwischen den Vororten Heddernheim und Praunheim, erstreckt sich das römische Gebiet mit seinen vielfältigen militärischen Lagern, dem später ummauerten vicus Nida und den Gräberfeldern. Bei dem Gelände handelt es sich um eine Zunge der Mittelterrasse, die sich nördlich der ehemals windungsreichen Nidda um 10-15 meter über dem Fluß erhebt, jedoch keine ebenmäßige Fläche bietet; der höchste Punkt liegt in der Nähe des W-Tores des Alenkastells (A). Die Gesamtlänge des von den Römern in Anspruch genommenen Platzes beträgt in der Richtung Südwest-Nordost rund 2,6 Kilometer. Heute ist das Gebiet vor allem durch die Nordweststadt nahezu vollkommen überbaut und die Nidda begradigt, so daß man Pläne in der älteren Literatur (Wolff 1915) ansehen muß, um von der antiken Topographie eine Vorstellung zu bekommen.

Mindestens zehn Lager im Areal von Heddernheim und Praunheim bezeugen, daß dieser Platz ein strategisch wichtiger Punkt für die Eroberung der Wetterau war. Die meisten der Lager waren nur kurzfristig belegt und hinterließen kaum Scherbenmaterial, so daß die genaue Aufschlüsselung ihres Neben- und Nacheinanders nicht möglich ist. Die Ausgrabungen der älteren wie der neueren Forscher waren zudem aus verschiedenen Gründen eingeschränkt, und es konnten nur wenige Lager ihrem Umfang nach, keines davon in seiner gesamten Fläche, untersucht werden. Bis auf das Lager B dürften jedoch alle in die Okkupationszeit gehören und sich auf die Kriegszüge in vespasianischer und domitianischer Zeit beziehen, zumal die meisten ein Areal einnehmen, durch das später römische Straßen liefen. Anhaltspunkte für ein Marschlager aus augusteischer Zeit gibt es nicht. G. Wolff war vor dem 1. Weltkrieg der maßgebende Forscher für die militärischen Bauten in Heddernheim und Praunheim.

Das Lager B wurde 1933-1936 ausgegraben. Es ist ein symmetrischer Annex (Anbau) an der Ostseite des Alenkastells (A). Ein Spitzgraben umschloß ein Areal von 80 x 292 Meter; beide Graben-enden im Norden und Süden knickten beim Einlaufen in den äußeren Kastellgraben des Alenkastells stumpfwinklig ab, so daß ihre Rücksichtnahme auf das bestehende Alenkastell außer Zweifel steht. An der Ost-Seite, am Ende der Straße, die als Verlängerung der via principalis des Alenkastells angelegt war, befand sich das einzige Tor: ein Holzbau mit zwei Durchgängen. Von den Innenbauten wurden im Nord-Teil mehrere Reihen großer Pfosten festgestellt, die als 45-50 Meter langer Magazinbau interpretiert werden. Der Süd-Teil wurde nicht untersucht. Die von Wolff erwähnten Funde zeigen an, daß dieses Lager wahrscheinlich parallel zur letzten Phase des Alenkastells bestanden hat und jedenfalls gleichzeitig mit diesem (nach 103 nChr) aufgegeben wurde. Demnach ist das Lager B das jüngste aller Lager ohne steinerne Umwehrung von Heddernheim-Praunheim.

 

Untersuchungen von 1931-1908 förderten das Lager C nördlich des Alenkastells (A) zutage. An eine 420 Meter lange SüdSeite schloß sich rechtwinklig die 280 Meter lange West-Seite mit einem Tor bei 180 Meter nördlich der Südwest-Ecke. Die Merkwürdigkeit dieser Anlage besteht darin, daß sich an der Innenseite des West-Tores ein weiterer, kleinerer Spitzgraben anschloß und durch seinen schrägen Verlauf zur Südost-Ecke nunmehr ein dreieckiges Lager von etwa 4 Hektar bildete. Die erfolglose Suche nach dem ursprünglichen Rechteck und die unsymmetrische West-Seite gaben bald zu der Vermutung Anlaß, daß hier ein provisorisches bzw. reduziertes Lager vorliege, in dem eine Truppe nur kurzfristig untergebracht war. Die Befestigung selbst war nicht besonders stark. Das 8,60 Meter B-Tor im Westen hatte einen vorgelegten Spitzgraben (tutulus) von 16,50 Meter Länge. Da dieses dreieckige (oder auch ursprünglich rechteckige?) Lager auf die Trassenführung der römische Straßen nach Okarben, zur Saalburg und nach Nordwesten noch gar keinen Bezug nimmt, diese vielmehr alle drei durch sein Areal hindurchgeführt hätten, dürfte es in der frühesten Zeit der Okkupation entstanden sein. Seine Südwest-Ecke wurde denn auch vom Straßenbett der Saalburgstraße und sein West-Tor vom flavisch-trajanischen Gräberfeld an der Feldbergstraße überlagert. Der auch in neuerer Zeit mehrfach geschnittene südliche Spitzgraben enthielt keine Funde.

Das seit 1910 erforschte Lager D zeigte sich infolge seiner Unregelmäßigkeiten nicht weniger problematisch als das soeben besprochene, und wahrscheinlich besteht sogar ein Zusammenhang zwischen beiden. Westlich des Alenkastells (A) wurden vom Lager D die West-Seite, die Südwest-Ecke und ein Stück der Südseite mit Tor ermittelt. Während der südliche Graben (Länge 130 Meter) dann im äußeren Kastellgraben des Alenkastells verschwand, wurde die West-Seite (Länge fast 500 Mewter) mit Unterbrechungen bis zu ihrer Einmündung in den westlichen Graben der Anlage C verfolgt. Die Unregelmäßigkeiten bestehen in einem richtungsändernden leichten Knick der West-Seite und in der Einmündung in ein anderes Grabensystem. Wolff zog die Schlußfolgerung, daß das Lager D zum Zwecke der Erbauung des Alenkastells und gewissermaßen um dieses herum errichtet war. Jedenfalls muß Lager D einerseits zeitlich vor dem Alenkastell bestanden haben, dessen erster Ausbau schon unter Kaiser Vespasian erfolgte, und andererseits etwas später als Lager C angelegt worden sein, in dessen West-Graben es einmündet. An dieser Stelle ist eine schnelle Abfolge der Lager augenscheinlich. Von Wallpalisade oder Torbau wurden keine Spuren gefunden. Die Toröffnung an der Süd-Seite war 6,50 Meter breit.

Im Zusammenhang mit dem Lager C hat Wolff zwei Spitzgrabenprofile erwähnt, die er ein Stück nordöstlich von diesem in zwei Ziegeleien beobachtet hatte (E), vielleicht ein weiteres Lager.

Gündel fand 1925-1926 die Nordwest-Ecke des kleinen Lagers F auf dem Gelände des Christlichen Friedhofs in Heddernheim. Nach Gündels Berechnung handelt es sich um eine fast quadratische Umwehrung von 100-110 Meter Seitenlänge. Die Scherben aus Spitzgraben und Palisadengräbchen wurden bei ihrer Auffindung als domitianisch angesprochen; die Errichtung des Lagers ist jedenfalls in flavische Zeit zu setzen.

Während der Baumaßnahmen in der Nordwest-Stadt in den sechziger Jahren konnte ein west-ost fluchtender Spitzgraben über 260 Meter verfolgt werden; wahrscheinlich die Nord-Seite eines großen Lagers G. Er quert die heutige Ernst-Kahn-Straße in ihrem nördlichen Teil und verläuft fast parallel zur späteren nördlichen Vicusumwehrung in etwa 80 Meter Entfernung von dieser. Die westliche Begrenzung ist mutmaßlich ein Spitzgraben, der in der Baugrube Ernst-Kahn-Straße 16 beobachtet wurde. Der zugehörige Spitzgraben im Süden könnte der sein, der 1961 gefunden wurde: In 160 Meter Entfernung zum nördlichen Graben verläuft er in gleicher West-Ost-Richtung durch den nördlichen Teil des Hauses Ernst-Kahn-Straße 118. Die Begrenzung der Ost-Seite ist unbekannt. Das so umrissene Lager hätte, wenn die Rekonstruktion stimmt, mehr als 4 Hektar Fläche umfaßt. Es könnte nur in frühflavischer Zeit bestanden haben, nämlich noch ehe das Lagerdorf, die ältere Straße nach Mainz und die Saalburgstraße errichtet wurden. Auch die Überschneidung mit dem Erdlager D spricht für kurzfristiges Bestehen. Tor-Anlagen oder sonstige Spuren der Umwehrung wurden nicht bekannt.

Die Profile von zwei zusammengehörigen Spitzgräben wurden 1929 in einem Wasserleitungsgraben des Grünen Weges (heute Bernadottestr.) gefunden; die Stelle befindet sich etwas östlich der Straßenflucht Am Alten Schloß und rund 200 Meter entfernt von der Nordwest-Ecke der Vicusbefestigung (H). Wahrscheinlich dehnte sich das Lager noch nördlich der Bernadottestraße aus. Wir zählen unter Vorbehalt hierzu einen wahrscheinlich in gleicher Richtung (Nordwest-Südost) laufenden Graben, der Im Weimel 14 beobachtet wurde; er lag so dicht neben der Vicusbefestigung, daß ein zweiter Spitzgraben in dieser untergegangen wäre. Die Entfernung beider Fluchten beträgt rund 140 Meter. In beiden Fällen wurden Scherben des 1. Jahrhunderts notiert.

In der Baugrube der Häuser In der Römerstadt 182–188, etwa 102 Meter westlich der Vicusbefestigung, wurde 1963 ein Nord-Süd verlaufender Spitzgraben über 14 Meter verfolgt (J).

Im Jahre 1929 wurde in der Baugrube des Hauses Alt-Praunheim 53 die SüdEcke eines Spitzgrabens registriert (K), der keinerlei Funde enthielt.

Das Praunheimer Lager L konnte 1905 in Ziegeleigruben nördlich der Heerstraße (früher Elisabethenstraße) - heute der Bereich zwischen Schönberger Weg und Stierstädter Straße und westlich etwas darüber hinaus wenigstens in seinen Ausmaßen (270 x 340 m) vollständig erfaßt werden. Da das Lager dem Straßenzug der römischen Straße nach Hofheim und Mainz parallel angelegt war, konnte es nur gleichzeitig mit dieser Straße oder später errichtet worden sein. Wahrscheinlich ist diese wichtige Straße von den Römern schon in flavischer Zeit benutzt worden. Aus dem Praunheimer Lager gibt es keine datierenden Funde.

 

Alenkastell:

Wohl als einziges der römische Militärlager von Heddernheim-Praunheim wurde das Alenkastell A von vornherein als langfristiges Standquartier für eine Truppe erbaut. Wegen seines späteren Ausbaus in Stein wird in den Publikationen allgemein die Bezeichnung »Steinkastell« verwendet. Wolff entdeckte das Kastell 1896 und hat in den folgenden Jahren vor allem seinen Umfang, die Umwehrung und einen Teil des Stabsgebäudes (principia) untersucht. Ausgrabungen von Gündel in den zwanziger Jahren betrafen Bauten der späteren Vicuszeit innerhalb des Kastellgeländes. Erst U. Fischer führte 1957-1959 und 1963 im nördlichen Teil des Alenkastells systematische Flächengrabungen durch. Inzwischen ist das gesamte Areal überbaut und im Gelände nicht mehr kenntlich.

Offenbar genauso wie bei dem Steinkastell in Hofheim haben nacheinander drei Kastellbauten bzw. -umbauten an der Stelle des Heddernheimer Alenkastells gestanden. Nach Umfang und Grundriß wahrscheinlich übereinstimmend mit dem späteren Steinkastell hatten die beiden früheren an Toren und Umwehrung Holztürme (ausgegraben quadratische Ecktürme von sieben Meter Seitenlänge) und eine Mauer aus Rasensoden. Beide Holz-Erde-Kastelle waren schon von den zwei Spitzgräben geschützt, die später auch zum Steinkastell gehörten. Der innere der Wallgräben mußte vor den Toren mittels Brücken überquert werden.

Das erste der Holz-Erde-Kastelle wurde noch unter Kaiser Vespasian (etwa 75-79 nChr) errichtet, das zweite wahrscheinlich zwischen dem Chattenkrieg Domitians (83-85 nChr) und dem Saturninusaufstand (88-89 nChr) und das Steinkastell daran anschließend; dessen Ende hängt mit der Verlegung der Garnison an den Limes zusammen und ist in die Jahre zwischen 103-111 nChr zu setzen. Diese Abfolge war aus den übereinandergelagerten Spuren der Mannschaftsbaracken abzulesen, die klar drei Bauphasen erkennen ließen. Die Baracken des zweiten Kastells sind durch Feuer zugrundegegangen.

Das Steinkastell ist in seinem Grundriß am besten ermittelt worden. Es bildete ein abgerundetes Rechteck (186 x 282 Meter) mit 30 Türmen und vier von Türmen flankierten Toren, das Ausfallstor (porta praetoria) nach Süden zur Nidda hin orientiert. Das Nord-Tor hatte nur einen Durchgang, die übrigen waren durch Pfeiler in zwei Durchgänge geteilt. Die Kastellmauer aus Basaltbruchsteinen war nach außen mit Sandsteinquadern verblendet.

Unsere Kenntnis von der Innenbebauung ist unvollständig. In älterer Zeit wurde der westliche Teil des Stabsgebäudes (principia) ausgegraben, das sich im Zentrum des Kastells nördlich der Ost-West-Achse (via principalis) wie üblich um einen Hof gruppierte; auch hier existierte ein Vorgängerbau in Holz. Die Grabungsschnitte von Fischer waren im rückwärtigen Teil des Lagers (retentura), zwischen Nord-Tor und Stabsgebäude, angelegt und erfaßten außer den erwarteten Mannschaftsbaracken hinter der Umwehrung Teile von Werkstätten (wahrscheinlich einer Schmiede) und Teile einer Anlage, die wohl als Barackenhof mit großem Wasserbecken (Tiefe 1,50 Meter in römischer Zeit) zu ergänzen ist. Bronzebeschläge von Pferdegeschirr aus den Schichten des Wasserbeckens deuten auf die Verwendung desselben als Tränke bzw. auf die Reiterbesatzung des Kastells. Der Barackenhof überlagerte nördlich des Stabsgebäudes die Hauptstraße zum Nord-Tor (via decumana) und ist in die letzte Phase des Kastells datiert.

Als Besatzung des rund 5 Hektar umfassenden Alenkastells kommt in erster Linie die Ala I Flavia gemina, also eine Reitereinheit, in Betracht, von der eine Weih- und eine Grabinschrift sowie weitere Fragmente von Reitergrabsteinen gefunden wurden. Ferner sind vor allem durch Grabinschriften die Cohors IV Vindelicorum und die Cohors XXXII voluntariorum civium Romanorum für Heddernheim belegt. Da die neuere Forschung der Meinung ist, daß die genannte Reitereinheit nicht 1.000, sondern 500 Mann umfaßte, werden wohl zwei der Truppenkörper gemeinsam im Kastell untergebracht worden sein. Außerdem kann während der Kastellzeit ein Truppenwechsel stattgefunden haben. Es ist im übrigen nicht erwiesen, daß im östlich anschließenden Lager B auch Truppen untergebracht waren; möglicherweise diente dieser Annex nur als Schutz für Magazinbauten.

Die Verbindungen der Heddernheimer Garnison zu ihren Nachbarkastellen waren selbstverständlich durch die vom römische Militär angelegten Straßen gewährleistet. In den Richtungen nach Mainz und Okarben gab es hierbei Straßenverlegungen gegenüber den anfangs benutzten Straßen, und allmählich entwickelte sich der Platz unmittelbar vor dem West-Tor des Alenkastells (porta principalis dextra) zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt. Von hier aus liefen erstens die Straße nach Westen über Hofheim und Kastel nach Mainz (wobei es auf Heddernheimer und Praunheimer Boden eine ältere, dem Gelände angepaßte nördliche Straßenführung und eine jüngere, das Gefälle in Kauf nehmende gab) und zweitens die Straßen nach Norden, die – nach und nach entstanden – schließlich eine dreifache Gabelung vor dem Nord-Tor der späteren Vicusumwehrung bildeten; geradeaus führte eine zum Saalburgkastell, in Nord-Ost-Richtung eine über Okarben zur Mitte der Wetterau und in Nord-West-Richtung eine, deren Endziel noch unsicher ist. Einen Weg zur Wetterau gab es auch zum Ost-Tor des Alenkastells bzw. des Lagers B hinaus und einen weiteren zum Süd-Tor hinaus über die Nidda nach Frankfurt. Daneben wurde sicher die schiffbare Nidda genutzt, allerdings vornehmlich für Warentransporte.

 

Dem Alenkastell zuzurechnen sind zwei steinerne Kastellbäder, das ältere etwa 100 Meter westlich  des Kastells und 70 Meter südlich der älteren Straße nach Mainz (heute West-Teil des Christlichen Friedhofs), das jüngere 60 Meter südlich des Kastells und etwa 30 Meter östlich der nach Süden führenden Kastellstraße (heute die Grundstücke der Häuser An der Ringmauer 108–118). Die Datierung beider Anlagen beruht auf Ziegelstempeln, von denen im westlichne Kastellbad nur solche der 14. Legion, im Süden solche der 14. und 22. Legion gefunden wurden; danach muß das westliche Bad um 90 nChr vom südlichen Bad abgelöst worden sein. Ursächlich mag dies mit einer Zerstörung während der 2. Chattenkriege 89/90 zusammenhängen, da am westlichen Bad Brandschutt wie bei den zweiten Mannschaftsbaracken beobachtet wurde. Von beiden Kastellbädern ist die Gesamtanlage nicht mehr zu rekonstruieren.

 

Nida, Hauptort der Civitas Taunensium:

Im heutigen Gelände sind nur noch an zwei Stellen Überreste der römischen Siedlung zu sehen:

1. ein Stück des Walles der Ost-Umwehrung vor dem Haus Am Forum 29

2. zwei Töpferöfen von der Töpfersiedlung vor dem Nord-Tor, 1972 gefunden und an Ort und Stelle konserviert; das einsehbare Schutzhaus am  Erich-Ollenhauer-Ring, südlich der Titusstraße. Führungen nur nach Vereinbarung.

Zur Geschichte: Westlich des Alenkastells, entlang den beiden Straßen nach Mainz und der Saalburgstraße, entwickelte sich zunächst ein Lagerdorf. Seine Fachwerkhäuser erstreckten sich nach Westen über die Grenze der späteren Vicusumwehrung hinaus, an der älteren Straße sogar bis zur Fundstelle der römische Villa in Praunheim – 350 Meter entfernt von der Stadtmauer – und dem dort beginnenden älteren Praunheimer Gräberfeld. Novus vicus hieß der Teil der Siedlung, der an der späteren, südlichen Straße nach Mainz (platea novi via.) noch vor dem Abzug des Militärs erbaut wurde. Von der älteren Straße nach Westen ist der antike Name platea praetoria überliefert, der sich allerdings auf das spätere Unterkunftshaus (praetorium) der Stadt Nida bezieht. Für die Ausdehnung des Lagerdorfes behielt die ältere Straße ihre Bedeutung, obwohl dort Brandschichten aus der Kastellzeit die Vernichtung auch von Lagerdorfbauten anzeigen.

Ein exakter Plan mit allen Bauten des Lagerdorfes wird sich nicht rekonstruieren lassen. Einmal haben die nachfolgenden Bauten des Vicus vielfach die Spuren der älteren zerstört, zum anderen ist die Unvollkommenheit der Berichterstattung - auch für den Vicus Nida - hauptsächlich durch die hektische Bebauung des Geländes in den sechziger Jahren (Bau der neuen Nordwest-Stadt) begründet.

Wahrscheinlich recht früh begannen Töpfer ihr Handwerk im Lagerdorf auszuüben; Öfen aus dem letzten Viertel des 1. Jahrhundert nChr sind vor allem im südlichen Teil des Vicus festgestellt worden. Besonderes Interesse verdient hierbei die Wetterauer Ware, deren rotüberzogene und rotgefleckte oder marmorierte Gefäße anfangs speziell für das Militär angefertigt wurden.

Mit dem Abzug der Garnison um 110 nChr änderte sich die Situation des Lagerdorfes gravierend. Offenbar Hand in Hand mit der Verlegung der Truppen an den Limes richteten die Römer nun auch die Zivilverwaltung ein. Bei der Aufteilung der nordmainischen Region in zwei Civitates wurde der Vicus von Heddernheim zum Hauptort des Ostens, der Civitas Taunensium, bestimmt; Hauptort der westlich angrenzenden Civitas mattiacorum wurde Wiesbaden (Aquae mattiacorum).

Das genaue Jahr für die Erhebung der Hauptorte kennen wir nicht, doch dürfte es in den letzten Regierungsjahren des Kaisers Trajan (vor 117 nChr) oder in den ersten des Kaisers Hadrian (117–120 nChr) gelegen haben. Wahrscheinlich hatte sich zu dieser Zeit auch schon der Ortsname Nida herausgebildet, der sich vom alten Flußnamen der Nidda herleitete. Belegt ist dieser Name auf einem Meilenstein in Friedberg (»10 Leugen von Nida«), auf zwei Weiheinschriften aus Kastel und seit 1961 auch durch eine Bauinschrift am Ort, eine Dendrophoren-Inschrift. Auf dieser werden der Vicus Nida und die Vicani Nidenses ausdrücklich genannt, außerdem die Dendrophoren des Ortes MED ... (Dieburg), Hauptort der südlich angrenzenden Civitas Auderiensium.

Die gänzlich neuen Funktionen, die nun dem Vicus Nida zufielen, veränderten ihn vor allem in baulicher Hinsicht; Nida wurde praktisch eine Stadt. Während die Hauptstraßen mit ihrem Treffpunkt vor dem ehemaligen Kastelltor beibehalten wurden und das spitzwinklige Dreieck zwischen den beiden westlichen Straßen als Marktplatz (forum) seine Bedeutung erhielt, fügte man nun weitere Straßen hinzu, um der wachsenden Bevölkerung Platz zu bieten, und bemühte sich um die Errichtung der notwendigen öffentlichen Gebäude. Auch das Gelände des Alenkastells wurde allmählich bebaut. Die Straßen waren mit Kies befestigt und haben im Laufe der Zeit eine mehrfache Erneuerung erfahren (bei der platea praetoria waren die Kieslagen bis zu 0,70 Meter und bei der Saalburgstraße bis zu 1,50 Meter mächtig); begleitende Abflußgräbchen gab es nur innerhalb der Stadt an den Hauptstraßen, die bis zu 10 Meter Breite hatten, die jüngeren Nebenstraßen waren mit 4 Meter Breite ohne Abflußgräbchen angelegt.

Als Verwaltungszentrum der Civitas war Nida Sitz der Behörden. Auch hier war die oberste Behörde ein Ratsherrenkollegium (ordo decurionum), eine Art »kleiner Senat«, aus dessen Mitte jährlich zwei Bürgermeister (duoviri) gewählt wurden. Von Inschriften kennen wir den Namen eines duumvir aus Nida, Licinius Tugnatius Publius, und die Namen von sieben Decurionen: Dativius Victor, Caius Paternius Postuminus, Quietius Amandus, Caius Sedatius Stephanus, Stephanius maximus, Tertinius Catullinus und ein gewisser Firmus. Außerdem wird ein Aedil genannt, der die Gewerbeaufsicht führte: murius Victor. Leider sind die vorauszusetzenden Verwaltungsgebäude (Rathaus usw.) nicht bekannt. Die Nord-Seite des dreieckigen Marktplatzes, die auf dem Plan von 1938 noch frei erscheint, ist nach der Mitte des 2. Jahrhunderts wahrscheinlich nur mit privaten Häusern bebaut gewesen. So kommt eigentlich nur das Gelände des Alenkastells in Frage, um derartige Bauten zu lokalisieren. In der Tat gab es an der Stelle der ehemaligen Principia ein späteres Gebäude, und nordwestlich davon wurden beim Straßenbau 1973 Reste von starken Mauern mit Apsiden beobachtet, möglicherweise sind auch einige Gebäude, die F. Gündel 1927 im Süd-West-Teil des Alenkastells ausgegraben und nicht mehr publiziert hat, hier hinzuzurechnen.

Eines der gut ausgegrabenen öffentlichen Gebäude ist das große Unterkunftshaus (praetorium), dem im Osten ein Hof mit Wandelhalle (palaestra) und die östlichen Thermen angeschlossen waren. Die Bedeutung, die diesem Komplex beigemessen wurde, erweist allein schon seine Lage direkt südlich der zentralen Straßenkreuzung (heute West-Teil des Christlichen Friedhofes und Rosa-Luxemburg-Straße). Hier konnten vor allem Bürger der Civitas oder Soldaten aus den Limeskastellen, die in Nida Geschäfte erledigen oder eines der vielen Heiligtümer besuchen wollten, bequem untergebracht werden. Das Hotel (43 x 70 Meter) hatte im Erdgeschoß einschließlich Eingangshalle und Flure 62 Räume, die um einen langgestreckten Säulenhof gruppiert waren; es war mutmaßlich zweigeschossig. Im Süden schloß sich ein großer Hof von trapezförmigem Grundriß an, der der Unterbringung von Wagen und Zugtieren diente (Stall in der Südwest-Ecke). Zur Straße hin war Praetorium und Palaestra ein einheitlicher überdachter Säulengang (porticus) vorgelagert.

Die östlichne Thermen von Nida (36 Meter Breite, 64 Meter Länge) waren großzügig ausgestattet. Schon die Eingangssituation im Norden fällt durch ihre säulengeschmückte Fassade - gefunden wurde der obere Teil einer 5-6 Meter langen Rotsandsteinsäule mit einem Schaft von 49 Zentimeterm Durchmesser - und eine geräumige Vorhalle (6 x 24 Meter) auf. Quadratische Ziegelplättchen, farbiger Wandverputz, Gesimsfragmente und profilierte Sandsteinstücke zeugen von der ehemaligen Einrichtung. Die üblichen Baderäume richten sich nach einem streng axial angelegten mitteltrakt, der nacheinander einen Teil der Eingangshalle, einen Hof, das Kaltbad (frigidarium), den Warmluftraum (tepidarium) und das Warmbad (caldarium) enthält; es schließen sich an den Seiten die Umkleideräume, das Kaltwasserbecken, Latrinen mit Wasserspülung, das Schwitzbad (sudatorium) und die Warmwasserbecken an.

Diese Thermen waren allerdings so sehr auf das Praetorium bezogen, daß die Nidenser sich eine zweite und größere Badeanlage unmittelbar an der West-Seite des Marktplatzes erbauten, die W-Thermen. Hier war die Palaestra ein Innenhof (13,6 x 20,4 Meter), und es gab neben dem Frigidarium jeweils zwei Räume für Tepidarium, Caldarium und Sudatorium. Insgesamt hatte die Anlage eine Ausdehnung von 45 x 68 Meter und steht daher hinter den Thermen anderer Provinzstädte nicht zurück. Von der einstigen Ausstattung waren nur wenige Einzelheiten erhalten: roter Außenputz – jedenfalls in der Sockelzone – und bemalter Verputz innen, profilierte Verputzleisten, weißtonige Bodenfliesen, Sandsteinsäulen. Der Boden der Palaestra bestand aus weißem Kalk‑Estrich, in einer Ecke des Hofes fand sich der gemauerte Unterbau für einen runden Sockel (Durchmesser 1,35 Meter) bzw. eine Statue. Verschiedentlich wurde an- und umgebaut, doch bestanden die Thermen bis zum Ende von Nida.

Ein hölzernes Szenentheater im südlichen Areal von Nida ist in seiner Größenordnung das einzige seiner Art, das auf rechtsrheinischem Boden gefunden wurde. Es bot etwa 1.000 bis 1.500 Personen Platz. Sein gemauerter Zugang lag im Westen, die 16 Meter breite, halbrunde Zuschauerrampe (cacea) umschloß einen Zuschauerraum (orchestra) von 54 Meter Durchmesser; die hölzerne Bühne, von der noch 5 Schwellenbalken gefunden wurden, hatte eine Ausdehnung von 10 x 26 Meterund eine Versenkung in ihrem 0 Teil. Einige Funde aus Heddernheim, wie z. B. Fragmente von tönernen Masken oder die Terrakottafigur eines Soldaten mit Schauspielermaske im Arm, lassen sich leicht mit Aufführungen im Theater verbinden. Die Ausgräber datierten 1929 den Bau pauschal in die Kastellzeit von Nida. Da die Forschung aber heute den Abzug des Militärs früher ansetzt als damals, ist zu erwägen, ob das Holztheater nicht auch in die Frühzeit des neu errichteten Hauptortes der Civitas gehören könnte. Sicher scheint nur, daß es nach der Mitte des 2. Jahrhunderts nicht mehr bestanden hat. Ob es für die Bewohner der Civitas Taunensium in ihrem Hauptort ein Amphitheater gab, ist nach wie vor ungeklärt. Im Nordwesten des Vicus, wo dergleichen vermutet wurde, hat sich bei den Beobachtungen der sechziger Jahre kein Hinweis darauf ergeben. möglicherweise gab es aber eine Arena außerhalb der Stadtmauer, z. B. in Praunheim, wo 1962 nahe dem alten Nidda-Ufer Strukturen gefunden wurden, die damit zusammenhängen könnten.

Die Stadthäuser von Nida waren von unter schiedlicher Form. Woelcke registrierte an der Süd-Seite der platea novi vici mindestens vier langgestreckte Hausbauten mit der schmalen Front zur Straße, die jedoch keineswegs streng in einer Flucht ausgerichtet waren. Ähnliche Beobachtungen machte Fischer auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes, wo die Steinkeller der städtischen Periode nördlich der platea praetoria ziemlich dicht gereiht, aber nicht immer exakt parallel zueinander lagen. Vereinzelt gab es recht ansehnliche Hauskomplexe, von denen auf dem Plan von 1938 nur das Peristylhaus S des Praetoriums eingetragen ist. Ähnliche Häuser wurden z. B. am Ostrand der Stadt und im Norden des Vicus gefunden, von dem nördlichen war noch der Steinkeller mit seinem Bogeneingang recht gut erhalten.

Den kompletten Grundriß eines kleineren Hauses kennen wir seit den Flächengrabungen von Fischer: Es lag nördlich des Alenkastells, erbaut über den ehemaligen Spitzgräben desselben und mit seiner Vorhalle nach Norden zu einem Kiesweg geöffnet. Außer der wahrscheinlich geteilten Vorhalle besaß es sechs gleichmäßige Räume von je 16 Quadratmetern und einen Steinkeller im hintersten Teil. Der Keller enthielt überwiegend Schutt des 3. Jahrhunderts, doch dürfte das Haus (9,50 x 17 Meter) schon im Laufe des 2. Jahrhundert. entstanden sein.

Ein sehr interessantes städtisches Anwesen wurde um 1910 ausgegraben; es handelt sich um die Bebauung der Straßenecke südlich der platea praetoria und westlich der kurzen Nord-Süd-Straße, die am West-Rand des Forums die beiden Hauptstraßen verbindet. Deutlich sind drei verschiedene Trakte zu unterscheiden: ein schmaler Bauteil (54 Meter Länge, 8 Meter Breite) entlang der platea praetoria enthielt wahrscheinlich verschiedene Läden, daran schlossen sich nach Süden ein Haus mit Eingang von der Seitenstraße bzw. mit Blick zum Forum und ein größerer Hof hinter diesem.

Der Hof (18 x 23 Meter enthielt unterkellerte Gebäude und gewerbliche Anlagen (Eisenverarbeitung) und stand wahrscheinlich in Beziehung zu den Läden an der Hauptstraße. Das Wohnhaus an der Ost-Seite (10 x 20 Meter) zeichnet sich vor allem durch eine pfeiler- und säulengeschmückte Fassade und eine Toreinfahrt mit zwei verschiedenen Durchgängen (1,4 und 2 Meter Breite) aus. In einem seiner beiden Keller wurden Massen von Terra-Sigillata-Gefäßen gefunden. Starke Mauern lassen beim Wohnhaus wie beim Ladentrakt auf obere Stockwerke schließen; der Zusammenhang aller Bauteile und die exponierte Lage am Forum deuten auf einen vermögenden Besitzer.

Fraglos entwickelte sich Nida auch zum Handels- bzw. Einkaufszentrum der Civitas. Hafenanlagen an der Nidda mit Anlegerampen auf beiden Ufern und mehreren Lagerhallen auf der Stadtseite bezeugen dies ebenso wie Funde der verschiedensten Waren, die entweder durch Handel oder durch Eigenproduktion den Nidensern zum Verdienst verhalfen. Welcher Wirtschaftszweig der Stadt am meisten einbrachte - möglich wäre z. B. Handel mit Getreide, Wein, Öl, Parfümerien, Textilien oder Sklaven - wissen wir nicht. Für den Archäologen drängen sich drei Erwerbszweige durch gehäufte Bodenfunde ins Blickfeld: Töpfereien, Beinschnitzereien und metallverarbeitende Betriebe. Dies ist jedoch eine mehr zufällige Auswahl der einstigen Handelsgüter, da Keramik, Horn und Metalle im Boden am längsten überdauern.

Getöpfert wurde in Nida vom Bestehen des Lagerdorfes bis zum Ende der Stadt; trotz unsystematischer Ausgrabungen sind mehr als 90 Töpferöfen bekannt geworden, schätzungsweise gab es mindestens 150. Ihre Verteilung läßt zwei Zentren erkennen: das frühere lag im Süden des Vicus, südlich einer Häuserzeile an der platea novi rici (Gebiet der heutigen Mithrasstraße), und das spätere im Norden zu beiden Seiten der Saalburgstraße, außerhalb der Stadtumwehrung (heute südöstlich des Nordwest-Zentrums und Rosa-Luxemburg-Straße). Daneben gab es vereinzelte Töpferöfen im Stadtgebiet, die zu verschiedenen Zeiten aufgegeben wurden.

Außer den einfachen Gefäßen aller Art sind es vor allem Tafelgeschirre, die in der gesamten Wetterau gekauft wurden: die Wetterauer Ware in der Frühzeit und Firniswaren, besonders variantenreiche Faltenbecher , im 2. und 3. Jahrhundert. Die rotbemalte Wetterauer Ware mit ihren vielfältigen Zierelementen - darunter figürliche Bemalung! - wurde seit flavischer Zeit produziert und erreicht in der 1. Hälfte des 2. Jahrhundert ihren technischen Höhepunkt. Ihre hierzulande exotischen

Gefäßformen verraten die Herkunft aus Ländern mit griechisch beeinflußter Kultur oder aus Italien selbst. Während jedoch ganz ähnliche Erzeugnisse auch von Fundstellen in anderen Provinzen - überwiegend von solchen, wo römisches Militär stationiert war - bekannt wurden, gibt es z. B. die rotbemalten Lampen mit ihren Griffaufsätzen in Form von Weinblättern oder Büsten nur im Rheinmain-Gebiet. Ein Teil der Wetterauer Ware stammt aus den Töpfereien von Frankfurt a. M.-Nied, doch belegen Fehlbrände und Model, daß sie auch in Nida hergestellt wurde.

Nicht nur Töpfer, auch Bronze- und Silberschmiede haben sich in Nida Konkurrenz gemacht; wahrscheinlich waren die Werkstätten, deren Schmelztiegel, Gußformen und Werkzeuge gefunden wurden, jeweils mit Läden verbunden. Analysen zufolge handelte es sich meistens um Altmetall, das wieder eingeschmolzen wurde. Halbfabrikate und Gußformen belegen bis jetzt nur die Produktion kleinteiliger Bronzen wie Fibeln, Fingerringe, Armreifen u. ä.

Als Mittelpunkt religiöser Kulte hatte Nida mit Sicherheit eine stattliche Reihe von Tempeln auf-zuweisen, jedoch sind nur vier der unterirdisch angelegten Mithräen und das Versammlungshaus der Dendrophoren im römische Stadtplan festgelegt. Die Mithräen I und II, entdeckt im Jahre 1826, lagen im Nordwesten des Vicus an einer der später erbauten Ost-West verlaufenden Nebenstraßen. Das Mithräum III lag ebenfalls an einer Ost-West-laufenden Nebenstraße, aber im Süden des Vicus, westlich des Hofes des Praetoriums; es wurde vor 1894 ausgegraben. Von allen drei Heiligtümern sind die meisten Funde heute in den Museen von Wiesbaden und Frankfurt. Das Mithräum IV, 1928 leer aufgefunden, hatte seinen Platz südwestlich des ehemaligen Holztheaters, also noch weiter vom Stadtzentrum entfernt, und mußte dann sichtlich wegen des Baues der südlichen Stadtmauer aufgegeben werden. Ein 5. Mithräum ist aufgrund weiterer Funde vorauszusetzen. Ebenso dürfen wir annehmen, daß ein Heiligtum für Jupiter Dolichenus existiert hat.

Das Versammlungshaus der Kultdiener der großen Göttermutter lag im Westen des Vicus, wahrscheinlich direkt an der platea praetoria. Ob hier auch ein Tempel für den Kult der Göttin Kybele gestanden hat, ist nicht bekannt, es ist aber wahrscheinlich. Gefunden wurde 1961 ein kleiner Keller (1,70 x 2,40 Meter), von dem nur zwei Seiten gemauert waren. Die Füllung des Kellers enthielt außer der zerbrochenen Inschrifttafel einen einfachen Sandsteinaltar und eine Reihe von Kleinfunden, darunter eine Münze des Kaisers Gallienus mit dem Prägejahr 258 nChr. Die Dendrophoreninschrift lautet in der Übersetzung wie folgt:

«Zum Heil des Kaisers. Die Dendrophoren und Priester des Kaiserkultes mit Sitz in Med . . . und Nida haben das Versammlungshaus aus eigenen Mitteln errichtet. Das Grundstück wurde ihnen von den Bürgern von Nida zugewiesen.« Die Dendrophoren von Nida, die zugleich den Kaiserkult betreuten, haben sich also mit ihren Kollegen von med . . . (Dieburg) zusammengetan, um sich ein Versammlungshaus zu bauen. Die Bürger von Nida jedoch hatten das Recht, die Grundstücke zuzuweisen. So zeigt uns die Bauinschrift mehrere Aspekte des römische Alltags einer kleinen Provinzstadt.

Der Friede in der obergermanischen Provinz war nicht von Dauer. Aus dem Jahr 162 nChr wird ein Überfall der Chatten gemeldet, und zwei Münzschätze von Nida, die um 139 nChr bzw. etwas später enden, mögen hiermit oder mit einem ähnlichen Ereignis aus diesen Jahren in Zusammenhang stehen. Kaiser Marc Aurel (161–180 nChr) hatte übrigens angeordnet, daß Städte, die eine Umwehrung bauen wollten, hierfür um Erlaubnis nachsuchen müßten. Gewiß war dies eine Maßnahme, um während der Markomannenkriege eine Panik in der Bevölkerung zu vermeiden. Nida bekam also erst zu Beginn des 3. Jahrhundert, als die Bedrohung durch Germaneneinfälle sehr viel akuter geworden war, eine Stadtbefestigung. Dieser fielen im Westen, Osten und Süden ganze Wohnviertel oder einzelne Bauten zum Opfer; die ursprünglich weitgestreute Besiedlung des Vicus wird hier-durch noch augenfälliger. Nur die Töpfereien vor dem Nord-Tor blieben außerhalb der Umwehrung bestehen.

Die Befestigung bestand aus einem einheitlichen System: Von außen nach innen folgten ein Graben (ca. 7 Meter breit), ein Wallabsatz (1,10 Meter breit), eine Steinmauer (2 Meter breit), ein Wall (ca. 7 Meter Breite) und eine breite Grabenmulde, die als Materialgraben anzusehen ist. Außerdem wissen wir seit den Ausgrabungen von Fischer, daß zumindest an der Nord-Seite dem Ganzen noch ein breites Annäherungshindernis vorgesetzt war: in einem Streifen, 11–35 Meter von der Mauer entfernt, ordneten sich große Pfähle in 11 Reihen, abwechselnd längs- und quergestellt. Die Stadtmauer selbst zeigte sich bei Ausgrabungen ausgeplündert von Steinen wie die meisten Bauten von Nida; sie bestand ursprünglich im Kern aus Basaltbruch und hatte nach außen eine Verblendung durch rotverfugte Sandsteinquader. Von ihren mächtigen Zinnendecksteinen wurden einige im Spitzgraben gefunden. Der Umriß der Befestigung war ein unregelmäßiges Vieleck mit mindestens 7 turmbewehrten Toren (fraglich ist ein zweites Tor an der Nord-Seite), außerdem waren Ecken mit Türmen verstärkt. Die Maße des ummauerten Areals betragen etwa 600 x 900 Meter. In jedem Fall konnte das befestigte Nida noch Schutzsuchende aus dem Umland aufnehmen.

Im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Sicherung der Stadt steht wahrscheinlich ein Bau des 3. Jahrhundert, der den Archäologen noch einige Rätsel aufgibt: der vierschiffige Hallenbau südlich des Forums. Zwischen fünf ca. 60 Meter langen Mauern lagen 4 große Hallen (9,50 m bzw. 10,50 Meter breit), die in ihrem vorderen Teil Holzeinbauten und Holzkeller, in ihrem rückwärtigen Teil wahrscheinlich überwiegend Ställe enthielten. Da viele Funde eindeutig militärischen Charakter haben – u. a. wurden hier drei der berühmten Helme aus Nida-Heddernheim geborgen – ist es naheliegend, hier die Kaserne einer berittenen Truppe zu vermuten. Dem widersprechen allerdings Form und Größe des Gebäudes, das zumindest in seinem vorderen Teil ein Obergeschoß besaß. möglicherweise wurden aber auch die ursprünglich für andere Zwecke erbauten Hallen in einer Notsituation als Truppenunterkunft benutzt. Nida wurde jedenfalls erst 259/260 nChr aufgegeben, dies beweist nicht zuletzt die umfangreiche Reihe der Münzfunde (rund 3500 Stück), die mit 14 aus-gegrabenen Münzen des Kaisers Gallienus endet. Die Gräberfelder von Nida verteilen sich hauptsächlich entlang den fünf Ausfallstraßen im Westen und im Norden des Vicus; ein kleineres Gräberfeld ist außerdem nördlich der Nordwest-Ecke der Stadtmauer beobachtet worden. Entsprechend der Reihenfolge im Straßenbau lagen die ältesten Gräber und die Soldatenbestattungen an der älteren Wegführung nach Mainz (älteres Praunheimer Gräberfeld). Aber auch die Belegung des Gräberfeldes an der Straße in Nord-West-Richtung begann schon im 1. Jahrhundert. An der römische Straße nach Okarben gab es außer Bestattungen nahe der Straßengabelung ein ummauertes Gräberfeld, das ein Stück entfernt angelegt war (heute Bereich der Tiberiusstraße) und Gräber des 2. und 3. Jahrhundert enthielt. Am schlechtesten informiert sind wir über die Gräber entlang der römischen Saalburgstraße. An Grabsteinen sind insgesamt nur zwei Dutzend bekannt geworden, darunter Familiengrabsteine und Teile von Pfeilergrabmälern. Ein besonderer Fund wurde 1965 im Gräberfeld an der Okarbener Straße geborgen: das Grab eines Malers. Neben der üblichen Grabkeramik war hier eine Malerausstattung (großer Doppelhenkelkrug und 29 Farbtöpfe) mitgegeben worden; Analysen der noch erhaltenen Farben (Pigmente) ergaben, daß dem Maler vier künstliche Grundfarben (Eisenrot, Kupferblau, Blei-weiß und Bleirot) zur Verfügung standen.

 

Zentren des Handels, Handwerks und vielfältigen Gewerbes waren die stadt- und dorfartigen Siedlungen, die vici; die landwirtschaftliche Produktion war dagegen den Gutshöfen (villae rusticae) vorbehalten. Neben den vom Militär geprägten Kastelldörfern und kleinen, dorfartigen Ansiedlungen kam in unserer Region vor allem dem römischen Nida (heute Frankfurt am Main-Heddernheim) große Bedeutung zu. Als Hauptort der Civitas Taunensium (Abb. 25) war der Ort seit Beginn des 2. Jahrhunderts nChr Mittelpunkt des kommunalpolitischen, kulturellen und religiösen Lebens. Wie in ähnlichen Fällen entwickelte sich auch Nida aus einem Kastellvicus und wuchs nach Abkommandierung der Garnison um 110 nChr zu einer blühenden Kleinstadt heran.

Hier war der Amtssitz der von den freien Bürgern gewählten Ratsherren der Civitas, dem ordo decurionum, die wiederum die beiden Bürgermeister, die duoviri, wählten; einige sind aus Inschriften namentlich bekannt. Hinzu kamen weitere öffentliche Ämter, wie das der aediles, die die öffentlichen Einrichtungen verwalteten, und das der quaestores, die für die Finanzen der Civitas zuständig waren. Nida wurde so zum Verwaltungszentrum der Wetterau. Die öffentlichen Ämter waren meist mit einem hohen privaten finanziellen Aufwand verbunden, so daß sie in der Regel von der Oberschicht der Civitas besetzt waren.

Aufgrund der rasant durchgeführten neuzeitlichen Überbauung des antiken Nida nach dem Zweiten Weltkrieg konnten nur wenige Areale archäologisch umfassend untersucht werden. Viele Beobachtungen gehen daher auf ältere Grabungen zurück (Abb. 26). Leider weiß man nicht, wo in Nida die Verwaltungs- und Gerichtsgebäude standen; sie werden in der Nähe des Marktplatzes (forum) vermutet, wo man sie in antiker Zeit gewöhnlich errichtet hat. Auch fehlen konkrete Hinweise für den Standort der Tempelanlagen. Stätten des Mithraskultes beispielsweise sind nur deshalb erhalten geblieben, weil Teile der Anlage unterirdisch angelegt waren.

Außerordentlich gut ist man dagegen über eine Herberge und die danebenliegenden Ostthermen informiert. Um einen langgestreckten Säulenhof im Innern gruppierten sich im Erdgeschoß 62 Räume, wobei ein zweites Stockwerk mit weiteren Räumen angenommen wird. Von dort konnte man direkt in die weitläufige Bade- und Sportanlage gelangen, die mit über 2000 Quadratmeter Platz für viele Gäste bot.

Die Stadthäuser in Nida waren weitgehend nach dem gleichen Schema wie die der Kastellvici gebaut. Einige Parzellen mit Wohnbebauung konnten ausgegraben werden. Im Vorderteil der langgestreckten Gebäude befanden sich Tavernen, verschiedenste Läden und kleine Werkstätten. Darunter lagen meist Keller mit dem Lichtschacht zur Straße hin, die genügend Lagermöglichkeit boten. Im hinteren Gebäudeteil und in der ersten Etage wohnten die Geschäftsinhaber; sicherlich gab es auch eine große Zahl an Mietwohnungen.

In den römischen Siedlungen lebte ein vielschichtiges Völkergemisch ganz unterschiedlicher Kultur und Religion. Wie sich die Bevölkerung zusammensetzte, wissen wir nicht genau. Aus Nida sind Einwohner italischer, gallischer, germanischer und sogar nordafrikanischer Abstammung durch Inschriften bekannt.

Vor den Toren der Stadt lagen an den Ausfallstraßen die Friedhöfe. Es sind bisher elf Gräberfelder unterschiedlicher Belegungszeit nachgewiesen, von denen einige bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ergraben wurden. Besonders gut erhaltene Fundstücke in der Ausstellung des Frankfurter Museums für Vor- und Frühgeschichte stammen aus diesen Friedhöfen.

Durch ihre Lage an der Nidda mit dem wichtigen Hafen erlebte die Stadt im Verlauf des 2. Jahrhunderts nChr eine wirtschaftliche Blüte. Anziehungspunkte waren vor allem die regelmäßig abgehaltenen Märkte und Jahrmärkte, zu denen aus der Umgebung Kaufleute, Handwerker, Landwirte und sicher auch Soldaten in die Stadt strömten.

Als zu Beginn des 3. Jahrhunderts die Gebiete rechts des Rheins sowohl wirtschaftlich als auch politisch in eine Krise gerieten, entschloß man sich zum Bau einer Stadtbefestigung, 2.750 Meter lang, 2 Meter breit und wohl 6 Meter hoch, in Abständen mit Türmen und acht Toren versehen sowie durch Wall und Graben gesichert (Abb. 27). Spätestens mit dem Niedergang des römischen Reichsgebietes rechts des Rheins um 260/270 nChr konnte auch diese Umwehrung den Einwohnern von Nida keinen Schutz mehr bieten.

 

Gigantensäule:

Eine Besonderheit der Provinz Obergermanien stellen die „Jupitergigantensäulen“ dar. Es handelt dabei um mehrteilige, 4 bis 5 Meter hohe Steindenkmäler, die in der Regel die wichtigsten römischen Götter abbilden. Charakteristisch die so genannten „Viergöttersteine“ und eben die oberste Bekrönung mit dem Hauptgott Jupiter, der einen Giganten nieder reitet. In dieser Art der Darstellung werden sowohl römische, als auch einheimische religiöse Vorstellungen plastisch abgebildet und verknüpft. Sie stellen in ihrer Art eine Spezialität für unser Gebiet dar.

Der Hauptort der  römischen Provinz  (Nida) liegt heute im Stadtgebiet von Frankfurt am Main in den Gemarkungen Heddernheim und Praunheim. Seit Jahren finden hier Ausgrabungen im Rahmen der archäologischen Denkmalpflege statt. Im Dezember 2003 konnte das Frankfurter Denkmalamt in einem Brunnen  gleich  zwei  vollständige Jupiter-Gigantensäulen bergen. Dieser Befund kann als Sensation bezeichnet werden, da nicht nur die einzelnen Elemente der Säulen vollständig vorhanden sind, sondern auch die Qualität der Steinmetzarbeiten herausragend ist. Gleichzeitig wirft der Fund ein bezeichnendes Licht auf die Vorgänge in der römischen Stadt im 3. Jahrhundert nach Christus.

Als öffentlicher religiöser und auch durchaus kostspieliger Ausdruck einer in der Regel privaten Stiftung belegen die Inschriften neben dem Namen des Stifters häufig auch seine soziale Stellung und das Datum der Aufstellung, was diesen Steindenkmälern besonderen  Wert verleiht. Während auf einer der Säulen lediglich die Weiheformeln für Jupiter und seine Frau Juno eingemeißelt wurden, kann aufgrund der umfangreicheren  Inschrift  der anderen Säule hier das Aufstellungsjahr 228 nach Christus genannt  werden. Die  Restaurierung und  die  wissenschaftliche Aufarbeitung der Neufunde stehen jetzt an erster Stelle

 

Domhügel mit archäologischem Garten:

Das Gebiet zwischen Römer (Rathaus) und Dom im Zentrum der Altstadt Frankfurts bildete die Keimzelle der heutigen Stadt. Wer vor dem Turm des Dorns steht, wird unschwer erkennen, daß das Gelände sowohl nach Süden um Main als auch nach Norden zur Braubachstraße hin abfällt. Der Dom steht auf dem Rücken eines flachen Hügels, der im Osten an der Fahrgasse beginnt und im W ungefähr bis zum Gerechtigkeitsbrunnen vor dem Römer reicht. Im Altertum bildete die Anhöhe eine Insel, die im Süden vom Main, im Norden durch einen bis zu 90 Meter breiten Altarm des Flusses, die Braubach (»Bruchbach«), begrenzt war. Im Osten, jenseits der Fahrgasse, dehnte sich das sumpfige Fischerfeld aus. Ein schmaler Seitenarm der Braubach zog zwischen Römer und Gerechtigkeitsbrunnen nach Süden zum Fahrtor und mündete dort in den Main. Er grenzte die kleine Insel im Westen ab.

Die heutige Oberfläche des Römerbergs läßt den Verlauf des ehemaligen Gewässers noch ein wenig erkennen. Auf der Höhe der »Dominsel« lagen breite Kalkfelsen dicht unter dem Wasserspiegel des Mains. Sie erlaubten das Überschreiten des Flusses und bildeten die Furt, nach der die Stadt im frühen Mittelalter ihren Namen erhielt. Diese Furt und der Schutz, den die Insellage bot, schufen günstige Voraussetzungen für die Besiedlung des Domhügels in mehreren Epochen der vorgeschichtlichen Zeit. Sie haben auch die Römer veranlaßt, hier schon im 1. Jahrhundert nChr einen Militärposten zu errichten.

Die ersten Spuren römische Bautätigkeit fand A. Hammeran 1889. Weitere Funde machte Ch. L. Thomas 1895–1897. Sie bildeten die Grundlage für die Annahme eines »Kastells Frankfurt a. M. und die Veröffentlichung der Ausgrabungen und Funde durch G. Wolff im Limeswerk ORL (1915). Drei Jahrzehnte später wurde die Altstadt durch den furchtbaren Bombenangriff im März 1944 vollständig zerstört. Das aber bot die Möglichkeit neuer archäologischer Ausgrabungen. Sie wurden mit Unterbrechungen in den Jahren 1953–1973 vom Museum für Vor- und Frühgeschichte ausgeführt (H. J. Hundt, U. Fischer, O. Stamm). Diese Untersuchungen waren technisch äußerst schwierig, weil die Menschen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadt die antiken Baureste und Bodenschichten durch unzählige Eingriffe - Fundamente, Keller, Ver- und Entsorgungsleitungen - gestört, ja geradezu zerfetzt hatten. So brachten die Ergebnisse der neuen Ausgrabungen zwar außerordentliche Fortschritte unserer Kenntnis der Anfänge Frankfurts im frühen Mittelalter durch die Entdeckung der karolingischen Pfalz. Für die römische Epoche blieben indessen manche Fragen offen, sie werden sich vielleicht nie beantworten lassen.

Die kürzlich abgeschlossene, gründliche Bearbeitung der römische Ausgrabungsfunde ergab, daß einige Keramikscherben aus der Spätzeit der Regierung des Kaisers Augustus stammen dürften. Obgleich keine Baureste aus dieser Zeit entdeckt worden sind, könnte der Fund von einem kleinen Militärposten aus der Zeit der ersten römische Okkupation unter Augustus herrühren. Im Jahre 16 nChr räumten die Römer das Untermaingebiet. Auf dem Domhügel siedelten sich nun Germanen an. Dort kam germanische Keramik des 1. Jahrhundert nChr zutage, die dem rhein-wesergermanischen Formenkreis angehört. man nimmt an, daß sie in den Händen einer chattischen Bevölkerung war.

In den 7oiger Jahren des 1. Jahrhundert nChr kam der Frankfurter Raum während der Regierung Kaiser Vespasians wieder in den römischen Machtbereich. Auf dem Domhügel wurde eine römische Truppenabteilung stationiert. Sie errichtete einen kleinen Thermenbau, von dem aber nur der runde Schwitzraum und der Abwasserkanal 2 erhalten blieben. Der Boden des Kanals war mit Ziegeln der 14. Legion ausgelegt. Von den übrigen Bauwerken der Einheit – etwa den Unterkünften – wurde nichts gefunden. Wahrscheinlich ist das Kastell, das man voraussetzen möchte, während des Saturninusaufstandes im Winter 88!89 zerstört worden, ebenso der Thermenbau 3. Jedenfalls entstand bald nach dem Aufstand ein neues Badegebäude 4. Die sielen Ziegel mit Truppenstempeln aus dem Bad zeigen, daß es ein militärisches Bauwerk war. Es hatte ungefähr die gleiche Größe wie die Kastellbäder der kleinen Numeruskastelle im Odenwald. Die Besatzung des Domhügels war daher eine kleine Einheit, deren Stärke wie bei den Numeri am Odenwaldlimes etwa 150 Mann betragen haben wird. Das zugehörige Kastell kann 0,6 Hektar Fläche besessen haben; es wurde im Bereich des Dorns auf der Ost-Hälfte des Domhügels vermutet, konnte dort aber nicht nachgewiesen werden. Aus der Zeit nach 89 stammt auch Bau 5, der unvollständig erhalten war und daher schwer zu deuten ist. Außerdem wird Bau 6 in die Jahre bald nach 89 datiert. Er wird als Wasserverteilungsbecken gedeutet; solche Bauwerke bildeten die Endpunkte von Wasserleitungen. Oft waren die Verteilungsbecken mit architektonischem Zierat versehen und den Nymphen geweiht, so daß man Bau 6 auch als Nymphäum bezeichnet hat.

Nach der Gründung der Civitas Taunensium unter Kaiser Trajan ging der Frankfurter Raum in die Zivilverwaltung der Civitas über. Der Militärstützpunkt auf der Dominsel verlor seine Bedeutung und wurde aufgegeben. Immerhin hatten die römische Militärs den Stützpunkt mehrere Jahrzehnte lang zur Sicherung der Furt und zur Überwachung der germanischen Bevölkerung aufrechterhalten. Die geringe Stärke der Besatzung weist allerdings darauf hin, daß der spätere Stadtkern von Frankfurt damals nicht zu den bedeutenderen Plätzen wie etwa Ffm.-Heddernheim oder Friedberg gezählt wurde.

Auf den Militärstützpunkt folgte eine zivile Besiedlung. Zu ihr gehören die Baureste 7–10. Die Umfassungsmauer 9–10 entspricht den üblichen Hofmauern der römische Gutshöfe. Bau 8 war ein Wohnhaus und kann das Herrenhaus eines römische Gutshofs (villa rustica) gewesen sein. Seine mauern enthielten Abbruchschutt aus den Militärbauten, darunter zahlreiche gestempelte Ziegel. Der Nord-Ost-Teil war als Badetrakt ausgebaut. Die kurzen Mauerstümpfe, die erhalten blieben, geben jedoch kein klares Bild der ursprünglichen Raumaufteilung. Einige Mauerfugen und übereinanderliegende Fußbodenestriche rühren von einem Umbau her, der gegen Ende des 2. Jahrhundert stattgefunden haben könnte. Bei dieser Gelegenheit ist die Süd-Front des Gebäudes zurückgesetzt worden. Bei Bau 7 war der westlichen Teil mit Hypokausten versehen, er war demnach wohl auch ein Wohnhaus.

Die Deutung der Baureste als römische Gutshof ist naheliegend, sie ist wegen der starken Zerstörung aber nicht letztlich beweisbar. Die Nähe des Flusses und der Furt können der Niederlassung besondere Funktionen gebracht haben, etwa als Stapelplatz für die nähere Umgebung.

Der Fall des Limes 259/60 hat der römische Niederlassung auf dem Domhügel ein Ende bereitet. Die Römer zogen sich auf den Rhein zurück. Auf dem Domhügel tritt etwa einige Jahrzehnte nach dem Limesfall handgemachte Keramik alamannischen Charakters auf. Zusammen mit den alamannischen Gefäßscherben kamen Funde römische Herkunft zutage, Scherben von spätrömische Terra Sigillata, anderer Keramik und Glasgefäßen, aber auch Münzen, deren späteste unter Constantius II. zwischen 351 und 361 geprägt worden ist. Sie deuten auf wirtschaftliche Beziehungen zwischen den Alamannen und dem nahen Römerreich hin. Wie auf dem Ebel sind auch auf dem Domhügel die noch aufrechtstehenden römische Ruinen weiterbenutzt worden. In Gebäude 8 beobachtete man nachträglich eingezogene, schmale Grundmauern, die in gleicher Technik wie auf dem Ebel ausgeführt waren. In der ehemaligen Wobelinsgasse wurde eine kleine Grubenhütte ausgegraben (Bau 11), deren Wände aus lehmgebundenen Bruchsteinen bestanden.

Im Gegensatz zu den meisten alamannischen Siedlungsplätzen des Umlandes läßt sich auf dem Frankfurter Domhügel eine kontinuierliche Besiedlung bis in die Zeit der fränkischen Landnahme um 500 nachweisen. Teile der Gebäude 7 und 8 scheinen noch in die baulichen Strukturen des merowingischen Königshofs einbezogen worden zu sein. Dieser war der Vorgänger der karolingischen Pfalz, von der die Entwicklung zur mittelalterlichen Stadt Frankfurt ihren Ausgang nahm.

Unmittelbar vor dem Dom liegen im «Historischen Garten« einige römische Gebäudereste frei und können besichtigt werden. Deutlich erkennbar ist vor allem der runde Schwitzraum des ersten Militärbades Bau 3; vom anderen Thermengebäude 4 sind kurze Mauerstümpfe zu sehen. Die über-sichtlichen Erläuterungstafeln erleichtern das Verständnis der zunächst verwirrend anmutenden Mauerreste.    

 

Praunheim:

Im Ort gab es ein römisches Gräberfeld aus der Niederlassung Nida (nördlich und südlich der früheren Elisabethenstraße, heute Heerstraße). An der Stelle des Dorfes Praunheim entwickelte sich auch an der Römerstraße nach Westen das vicus canabarum, des Weinkellerdorf. Eine villa rustica mit großem Wirtschaftsgebäude und Weinkeller wurde auf der Praunheiemr Seite gegenüber dem nördlichen Westtor von Nida aufgedeckt.

Zwischen Ludwig-Landmann-Straße und der Nidda , südlich der Praunheimer Hohl (in Höhe der Ebelfeldschule) war eine römische Ansiedlung, die im 4. Jahrhundert von den Alamannen genutzt wurde.

 

Güntersburgpark:

Etwa 100 Meter westlich des Güntersburgparks, wo die Böttgerstraße in die Hartmann-Ibach-Straße mündet, lag ein römisicher Gutshof.

 

Höchst:

Beim Haus  Bolongaro-Straße 152 wurden zwei Verteidigungsgräben gefunden, auch westlich der Justinuskirche. Kurz vor der Niddabrücke, in der Straße „Im Ziegelfeld“, war eine römische Ziegelei, von der man die Produkte gut über die Nidda transportieren konnte.

 

 

Urkunden staufischer Herrscher

Zur Römerzeit war Frankfurt eine Ansiedlung, zur Zeit der Karolinger ein Königshof. In den 116 Jahren nach 1138 aber, als die staufischen Herrscher regierten, entwickelte sich die Bürgerstadt. Sehen kann man von damals nur noch Urkunden. 35 sind jetzt als Buch erschienen und spannend zu lesen.

Tief unter der Berliner Straße, im Herzen der Stadt, lagert Frankfurts älteste Überlieferung. Die wertvollsten Dokumente bewahren die Archivare oben drüber, weggeschlossen in der so genannten Privilegienkammer des Karmeliterklosters. Von der Bedeutung her auf dem ersten Rang, grafisch auf das Feinste verziert: das Messe‑Privileg, ganze viereinhalb Zeilen lang. Friedrich, von Gottes Gnade der Römer Kaiser hat es im Juli 1240 gegeben: „Es ist Unser Wunsch ( ... ) daß Wir alle, die zur Messe nach Frankfurt kommen, auch Einzelpersonen, in Unseren und des Reiches besonderen Schutz nehmen (... ).“.

Das Originalpergament, so wird in dem neuen Studienband erklärt, ist nur achteinhalb Zentimeter hoch und 21,5 Zentimeter breit. Und unten dran hängt das Siegel des Kaisers aus Wachs.

Es handele sich bei derlei Dokumenten, so Dieter Rebentisch, der frühere Direktor des Instituts für Stadtgeschichte/Stadtarchivs, im Original um mehrfach verschlüsselte Botschaften. Zum Einen handgeschrieben, zum Zweiten in einem umgangssprachlichen Lateinisch abgefaßt. Erstmals sind sie jetzt ins Deutsche übersetzt, kommentiert und politisch eingeordnet ‑ das Verdienst der Historikerin Ingrid Bartholomäi, die seit 1994, dem 1200‑Jahr‑Jubiläum der Stadt, ehrenamtlich für die „Gesellschaft für Frankfurter Geschichte“ an der Arbeit

So wird nun zum Hausgebrauch überliefert, in welchen Worten Friedrich II. durch die Gunst göttlicher Gnade der Römer König 1219 am Platz der heutigen St. Leonhardskirche auf Ersuchen aller Unserer treuen Bürger von Frankfurt und auch für Unser Seelenheil diesen Bürgern ein Grundstück zum Bauen schenkte und bestimmte: Auf dieser Hofstatt soll eine Kapelle gebaut werden.

Von da an die Entwicklung zu verfolgen, sagte Herausgeber Dieter Rebentisch am Mittwoch im Römer bei der Vorstellung, sei Zweck des neuen Bands. Es lasse sich nachvollziehen, wie die Bürger sich Recht für Recht erkauft, erstritten, erkämpft haben. Auch der Autorin war es ein Anliegen, zu zeigen, was alles nötig war, um die Stadt Stadt werden zu lassen. Denn die Verleihung eines Stadtrechtes hat es hier nicht gegeben.

 

Martin Luther

Stärkung konnte er gebrauchen, der gute Luther. Körperliche wie seelische. Es ging ihm nicht gut, als er in jenen April‑Tagen des Jahres 1521 in Frankfurt eintraf. Gegen Mittag des 14. April erreichte der Reformator aus Wittenberg ‑ in das Gewand der Augustinermönche gehüllt und von einer jubelnden Menge begleitet ‑ den Kornmarkt und kehrte dort in der Herberge „Zum Strauß“ (heute Buchgasse 11) ein. So jedenfalls steht es im Frankfurter Kirchenkalender.

Kaum hatte Luther sein Quartier bezogen, traf eine Lieferung Malvasierwein ein, die für den berühmten Gast bestimmt war Als Absenderin gab sich Katharina Froschin, die Witwe des Patriziers Gilbrecht Holzhausen, zu erkennen. Sie kam dann auch selbst, um den geweissagten Bringer einer neuen Zeit zu sehen. Ebenso erschienen Hamman von Holzhausen, Philipp Fürstenberger und Wilhelm Nesen, der Leiter der Gelehrtenschule.

Ja, die Frankfurter bewiesen schon zu Luthers Zeiten ihm Offenheit für neue Trends. Wo es was Neues gab, da wollte man nicht hintanstehen. So war die Reichsstadt am Main eine der ersten, in der die Reformation in Gottesdiensten und Pfarreranstellungen in die Tat umgesetzt wurde. Schon 1522, ein Jahr nach Luthers denkwürdigem Auftritt beim Reichstag zu Worms, erlaubte der Rat der Stadt die erste evangelische Predigt. Sie wurde in der Barfüßerkirche (heute Katharinenkirche) gehalten. Drei Jahre später stellte die Stadt zwei evangelische Prädikanten ein, 1528 gab es (wiederum in der Barfüßerkirche) das erste Abendmahl und 1531 wurde eine Abendmahlsordnung verabschiedet. Schon seltsam: Exakt 470 Jahre danach, beim Evangelischen Kirchentag 2001 in Frankfurt, feierten Katholiken und Protestanten auf dem Römerberg gemeinsam Fronleichnam. Freilich ist an ein gemeinsames Abendmahl noch lange nicht zu denken.

Zurück zu Luther. Der Aufenthalt im „Strauß“ und die aufmunternden Worte der Frankfurter Fans müssen dem angeschlagenen Mann gut getan haben. In einem Brief an seinen Vertrauten Spalatin, den Hofprediger am sächsischen Hof, schrieb er: „Wir wollen nach Worms kommen allen Pforten der Hölle und Fürsten der Luft zum Trutz“. Dies tue er, „obwohl ihn der Satan doch mehr als eine Krankheit zu hindern gesucht“. Wie wir heute wissen, waren die Mühen des Satans nicht von Erfolg gekrönt, Luther konnte am 15. April nach Worms weiterreisen und dort vor dem Kaiser den Satz: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ aussprechen. Auf der Rückreise, am 27. April, stieg er erneut im „Strauß“ ab.

Die Aufgeschlossenheit Frankfurts brachte es mit sich, daß sich die Stars der Reformations‑Szene in den Mauern der Reichsstadt quasi die Klinke in die Hand gaben. So lag gegenüber der Gastwirtschaft „Zum Strauß“ eine Herberge namens „Zum Falken“. Lisa von Rückingen, der Witwe des Patriziers Hans Bromm, gehörte der Laden. Und dort beliebte Luthers Mitstreiter und Gegenspieler, Jean Calvin (1509‑1564), bei seinen Frankfurt‑Besuchen zu nächtigen. Calvin pflegte Kontakt zum Rat der Stadt, hatte allerdings mit seinen Bemühungen, den „reformierten“ Glauben in Frankfurt durchzusetzen, nicht den gewünschten Erfolg. Reformierte Gottesdienste calvinistischer Prägung waren bis ins 18. Jahrhundert hinein untersagt, nur in Bockenheim ‑ damals vor der Toren der Stadt ‑ gab es welche.

Sogar einen Reformator aus Schottland, John Knox (1505‑1572), verschlug es nach Frankfurt. Er hatte 1554, als die ebenso katholische wie blutrünstige Maria Stuart den schottischen Thron bestieg, aus dem Königreich fliehen müssen und war in Genf gelandet. Dort erhielt er einen Brief aus Frankfurt mit der Bitte, Pastor der englischen Flüchtlingsgemeinde zu werden. So wirkte Knox von November 1554 bis März 1555 als Pfarrer an der Weißfrauenkirche (die Kirche wurde 1944 zerstört und in den 50er Jahren neu errichtet). Er wohnte im Haus des Patriziers Claus Bromm an der Zeil. Schon im März 1555 kehrte Knox freilich der Stadt wieder den Rücken, nachdem es in der Gemeinde Streit über die Gottesdienst‑Liturgie gegeben hatte. Knox’ calvinistisch‑strenger Ansatz behagte seinen Landsleuten nicht, die es eher feierlich mochten. Knox hakte die Geschichte als „The Troubles at Frankfurt“ ab.

Die Flüchtlinge aus England blieben bis 1559, dem Jahr der Thronbesteigung von Elisabeth I.. Als Dank an Frankfurt schenkten die Heimkehrer der Stadt einen Goldpokal („The English Monument“), der heute im Historischen Museum zu besichtigen ist.

Auch Martin Bucer, der „Vater der Konfirmation“, hinterließ seine Spuren in Frankfurt. Auf ihn geht die Übernahme der Straßburger Kirchenordnung in Frankfurt zurück. Unter anderem 1536 weilte er in den Mauein der Stadt.

Zur gleichen Zeit hielt sich ein weiterer Wegbereiter der Reformation, Philipp Melanchthon, in der Stadt auf. Der hatte in Wittenberg an der Seite Luthers Ablaßhandel und andere Mißstände der katholischen Kirche angeprangert. Für den Rat der Stadt Frankfurt war der humanistische Professor als Berater in religiösen Fragen tätig. Dreimal traf er sich in Frankfurt mit Calvin. Außerdem suchte er den Kontakt zum humanistisch orientierten Frankfurter Stadtadel. Er gründete die Lateinschule, das heutige Lessinggymnasium an der Fürstenbergerstraße. Vor dem Eingang der Schule erinnert eine Skulptur an Melanchthon. Nach ihm ist zudem die evangelische Kirchengemeinde in Fechenheim‑Süd benannt.

 

Wie Frankfurt von der französischen Besatzung profitierte

Es ist der Neujahrstag 1759., als französische Truppen Frankfurt besetzen. Bereits seit 1756 währte die Auseinandersetzung zwischen Preußen und dem Reich, die später als der „Siebenjährige Krieg“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Frankfurts Loyalität als Freie Reichsstadt galt selbstverständlich dem Kaiser, und so kam sie ihren militärischen Verpflichtungen ihm gegenüber auch nach - freilich ohne sich dabei durch übergroßen Enthusiasmus auszuzeichnen.

Ein Großteil der Bevölkerung war nämlich preußisch gesinnt, weswegen die Franzosen als kaiserliche Verbündete schon länger erwogen hatten, sich der strategisch bedeutenden Stadt am Main lieber vorsorglich zu bemächtigen. Und so geschah es. In der Empörung über diese Annexion - und als nichts anderes empfand man diesen „Freundschaftsbesuch“ - waren sich in Frankfurt alle vollkommen einig.

Schließlich musste man nicht nur kostenlose Quartiere für die Soldaten bereitstellen: Nach der Schlacht bei Bergen vom 13. April 1759, in der die französischen Truppen die preußischen zurückschlugen, wurde Frankfurt zudem in ein riesiges Lazarett verwandelt - mit nicht unbeträchtlichen gesundheitlichen Folgen für die Einwohner.

Goethes Vater Johann Caspar, ein großer Bewunderer des Preußenkönigs Friedrich des Großen, traf die französische Besatzung ins Mark: Er musste für zwei Jahre einige Zimmer seines Hauses ausgerechnet für den ranghöchsten französischen Offizier räumen, den Stadtkommandanten Graf Francois de Thoranc. Sohn Johann Wolfgang Goethe wusste die Kunstsinnigkeit Thorancs zu schätzen, nachzulesen in „Dichtung und Wahrheit“. Johann Wolfgang Goethe verdankte ihm die erste eindringliche Begegnung mit französischer Kultur. Durch die im Tross der Soldateska mitgereiste Schauspieltruppe lernte er die Tragödien von Corneille und Racine sowie die Komödien von Moliere kennen.

Überhaupt hatte die bis zum Ende des Kriegs dauernde Okkupation für die Frankfurter nicht nur negative Auswirkungen - ganz im Gegenteil. Angeregt durch die oftmals deutlich weltläufigeren Besatzer wurde die städtische Infrastruktur enorm verbessert: So wurde etwa die Nummerierung der Häuser eingeführt. Frankfurts Häuser waren vorher nur durch ihre Namen zu unterscheiden gewesen. Bei gleichen oder ähnlichen Bezeichnungen hatte das häufig zu Verwechslungen geführt und die Zustellung der Post massiv behindert. Aus dem gleichen Grund wurden auch die Straßen beschildert.

Vor der französischen Besetzung waren zudem nur wenige Hauptstraßen befestigt gewesen: Nun intensivierte man nun auch die Bepflasterung der Wege, die zuvor den überwiegenden Teil des Jahres bessere Schlammlöcher gewesen waren und ein Vorwärtskommen sehr erschwert hatten.

Die wichtigste Neuerung war allerdings die Installation der ersten Stadtbeleuchtung in den Jahren 1761 und 1762. Rüböllampen wurden an einem Seil aufgehängt, das von zwei Masten zu beiden Seiten der Straße gehalten wurde. Diese Lampen spendeten ein aus heutiger Sicht spärliches Licht. Damals wurde es jedoch als ausgesprochen grell empfunden. Die bis 1783 in Frankfurt und Sachsenhausen aufgestellten 604 Laternen sorgten jedenfalls für einen starken Rückgang der Kriminalität, weil sie „lichtscheues Gesindel“ vertrieben. Für die Wartung der Öllampen - also das An- und Ausmachen, Befüllen, Reinigen und Reparieren - waren städtische Lampenfüller zuständig.

Im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte liegt heute noch ein Kalender, der die Brenndauer der Laternen exakt verzeichnet. Da die Straßenbeleuchtung eine teure Angelegenheit war, wurden dabei auch die Mondphasen berücksichtigt. Außerdem wurde flugs eine neue Steuer erhoben, das so genannte „Lichtergeld“. Und als besonders drakonische Strafe für die mutwillige Zerstörung der Beleuchtungskörper wurde „Spießrutenlaufen“ festgesetzt - eine Prügelstrafe mit oft tödlichem Ausgang.

 

Rosa Luxemburg

Nach Verkündung des Urteils, das sie in ihrer Ablehnung gegen den Militarismus erwartungsgemäß stärkte, ging sie in den Palmengarten. Aus dem Gefängnis in Wronke/Posen schrieb sie am 1. Juni 1917 an Sonja Liebknecht: „Die Orchideen überhaupt kenne ich gut; in dem wundervollen Gewächshaus in Frankfurt am Main ... habe ich sie damals nach meinem Prozeß, wo ich das Jahr gekriegt habe, mehrere age fleißig studiert. Ich finde, sie haben in ihrer leichten Grazie und den phantastischen, unnatürlichen Formen etwas so Raffiniertes, Dekadentes. Sie wirken auf mich wie die zierlichen gepuderten Marquisen des Rokoko. Ich bewundere sie mit einem inneren Widerstreben und einer gewissen Unruhe, wie meiner Natur überhaupt alles Dekadente und Perverse zuwider ist.

Viel mehr Freude habe ich z. B. an dem einfachen Löwenzahn, der so viel Sonne in seiner Farbe hat und so ganz wie ich dem Sonnenschein sich voll und dankbar öffnet, beim geringsten Schatten aber wieder scheu verschließt.“

Außer Orchideen fand Rosalie Luxemburg unter anderem auch das Weltbild des Frankfurter Staatsanwalts Hoffmann pervers. Der klagte sie am 20. Februar 1914 vor der 2. Strafkammer des hiesigen Landgerichts wegen der „Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und gegen Anordnungen der Obrigkeit“ an. Er sah die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse unter Kaiser Wilhelm II. anders als die berühmte wie berüchtigte Sozialdemokratin, die sich in ihrer deutschen Wahlheimat Rosa Luxemburg nannte.

Am 26. September 1913 sprach die gebürtige Russisch‑Polin (1871) in der Basaltstraße 23 in Bockenheim.

Der Reporter der Parteizeitung Volksstimme notierte für die Ausgabe des nächsten Tages: „Zu einer überaus machtvollen und prächtigen Kundgebung gestaltete sich die Versammlung... mit der Genossin Dr. Luxemburg als Referentin. Kurz nach 7 Uhr schon setzte eine wahre Völkerwanderung über den mit gärtnerischen Anlagen geschmückten Hessenplatz nach dem Parteilokal, der Liederhalle, ein. Auch bürgerliche Frauenrechtlerinnen kamen, um im Saal rechtzeitig ein Plätzchen zu finden. Die Versammlung war aber auch sonst von bürgerlichen Elementen stark durchsetzt. Um 8 Uhr herrschte ein unheimliches Gedränge im Saal, so daß auch die nur vereinzelt aufgestellten Tische entfernt werden mußten.

Kopf an Kopf steht die Menge; pyramidenartig schiebt sie sich an den Seitenwänden empor. Die zum Garten führenden Türen und Fenster müssen auch noch geöffnet werden. Im Garten postieren sich die „Wetterfesten“, um die Rednerin zu hören. Nur mit Mühe gelingt es, der Referentin bei ihrer Ankunft gegen 9 Uhr eine Gasse zu bahnen.“

Zwei Stunden lang sprach Rosa Luxemburg vom Gegensatz zwischen herrschender Klasse und Arbeiterklasse, von der Untragbarkeit des monarchischen Systems, von der heiligen, weil einzig menschengerechten Idee der sozialistischen Gesellschaft und verdammte den Militarismus als Movens der Politik. Im September 1913 war der Balkan längst Pulverfaß und Völkerkerker. In Nordafrika rasselten Europas Großmächte mit den Säbeln. Diplomaten bemühten sich emsig, den Weltkrieg zu verhindern. In der Liederhalle sagte Rosa Luxemburg: „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffe gegen unsere französischen oder anderen ausländischen Brüder zu erheben, so sagen wir: Nein, das tun wir nicht.“

Unter den Zuhörern in Bockenheim war der Schreiner Henrici, im Nebenerwerb ein freier Mitarbeiter der Polizei und des Regierungspräsidenten in Wiesbaden, welcher Preußens Innenminister zum obersten Dienstherrn hatte. Henrici machte sich am Abend des 26. Septembers 1913 zunächst Notizen, dann stenographierte er ganze Sätze mit. Darauf stützte sich der Prozeß, den Luxemburg‑Biographen den Zusatz „Frankfurter“ geben. Henrici war der erste Zeuge in der Verhandlung am 20. Februar 1914. Er sagte, er habe die inkriminierten Sätze wörtlich aufgeschrieben. Er habe den Artikel in der „Frankfurter Warte“ geschrieben, den ein ihm Bekannter an Staatsanwalt Hoffmann geschickt und so den Prozeß in Gang gebracht habe. Henrici outete sich als Spitzel und Denunziant.

Im Plädoyer sagte Staatsanwalt Hoffmann über den Liederhalle‑Abend, ein großer Teil der Anwesenden bestand aus „Reservisten und Landwehrmännern“, was er zuvor bloß für wahrscheinlich gehalten hatte. Woher er das wußte, sagte er nicht, jedoch, daß Rosa Luxemburg in ihrer Rede den Offiziersmord, den Vorgesetztenmord, überhaupt den „Mord an ihren bürgerlichen Gegnern empfohlen“ habe. Ob es zur Tat kam oder nicht, „spielt aber bei der Schuldfrage gar keine Rolle. Notwendig aber ist ein Kontakt zwischen der Aufforderung und den Aufgeforderten. Dieser Kontakt war vorhanden.“  Hoffmann forderte ein Jahr Gefängnis und sofortige Verhaftung wegen Fluchtgefahr.

Rosa Luxemburg konterte in einem ellenlangen Schlußwort, die Sozialdemokratie wolle Kriege und Militarismus keineswegs durch Tötung von Offizieren verhindern. Hinter Kriegen ‑ freilich nur solchen zur Verteidigung! ‑ müsse die Mehrheit der Bevölkerung stehen. Sei das nicht der Fall, seien sie abzulehnen, sei Verweigerung der einzig gangbare Weg. Was Hoffmann ihr vorwerfe, entspringe seiner Sozialisation und Geisteswelt, ergo „will mich der Staatsanwalt ... eigentlich für seine Gedanken nicht die meinigen abstrafen.“ Das Gericht folgt dem Staatsanwalt.

Rosa Luxemburg („ein Sozialdemokrat flieht nicht“) blieb zunächst auf freiem Fuß. Erst am 15. Februar 1915 mußte sie in Berlin in Schutzhaft. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs blieb sie beinah ununterbrochen in Haft. Im Mai 1919 wird sie zusammen mit Karl Liebknecht von Freikorpssoldaten ermordet.

Ihr Verteidiger Paul Levi schrieb am 26. Oktober 1929 in der Volksstimme: „So war dieser Prozeß vielleicht die erste deutsche Mobilmachungsmaßnahme auf moralischem oder, besser gesagt, auf unmoralischem Gebiet.... auch ... auf juristischem Gebiete.“

 

Bilder: Die Abbildung links zeigt eine Karikatur zu Rosa Luxemburgs Frankfurter Prozeß. Sie erschien am 25. Juli 1914 in der Satirezeitschrift „Der Wahre Jacob“ unter dem Titel „Der Militarismus auf der Anklagebank“. Oben zu sehen ist die Gedenktafel am Galli‑Theater. Sie wurde Ende der 80er Jahre angebracht. Die PDS möchte eine neue Tafel mit dem Zitat der Sätze, auf die der Prozeß gründete: „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffe gegen unsere französischen oder anderen ausländischen Brüder zu erheben, so sagen wir: Nein, das tun wir nicht!

Rosa Luxemburg mit ihrem Ehemann Gustav Lübeck - eine Scheinehe, die die gebürtige Polin einging, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen.

 

 

 Johann Wolfgang von Goethe: Auf Goethes Spuren

Wer kennt es nicht, das Gedicht von Frankfurts größtem Sohn, der den Frühling besingt: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, Durch des Frühlings holden, belebenden Blick, Im Tale grünet Hoffnungsglück; der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in rauhe Berge zurück.“

Was die Stadt aus Budget-Gründen streicht, können ihre Bürger in Eigenregie trotzdem nachvollziehen: Goethes Osterspaziergang. Ein Picknickkorb - oder Rucksack - ist schnell gepackt, um auf Goethes Spuren den berühmten Osterspaziergang nachzuvollziehen. Auch wenn das offizielle Programm mit Theater-Mimen, Kleinkunst und historischen Szenen - zuletzt auf zweijährigen Turnus zusammengestrichen - mittlerweile wegen der Ebbe in der Römer Kasse ganz entfällt.

„Am 28ten August 1749, mittags mit dem Glockenschlag zwölf, kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt. Die Konstellation war günstig....“. So schildert Johann Wolfgang Goethe die eigene Geburt in Dichtung und Wahrheit. Auch wenn Goethe später ein gespaltenes Verhältnis zu seiner Geburtsstadt entwickelte, war sie doch prägend für seine Kindheit und Jugend. Hier zog er durch die Straßen der Altstadt und erlebte die Vorbereitungen und Aufregung anläßlich der Königswahlen und Kaiserkrönungen, die später auch Eingang in sein Werk fanden.

In Frankfurt war es auch, wo er als junger Mann den Prozeß um Susanna Margareta Brandt miterlebte. Ihr Schicksal hat ihn tief bewegt. Jahre später setzte er der jungen Kindsmörderin mit dem Gretchen in seinem berühmtesten Werk, dem Faust, ein Denkmal. Häufig waren es „Frankfurter Erlebnisse“, die die Motive seiner Werke bestimmten. Ein wenig Atmosphäre aus dieser Zeit läßt sich auch heute noch bei einem Spaziergang durch Frankfurts Straßen oder am Main entlang einfangen.

Goethe-Liebhaber - und solche, die es werden wollen - beginnen ihre Besichtigung auf den Spuren des großen Sohns der Stadt am besten im Geburtshaus des Dichters. Am Großen Hirschgraben 23-25 läßt sich dem Werden des Johann Wolfgang Goethe trefflich nachspüren. Den Grundstein für das Haus in seiner jetzigen Form durfte Johann Wolfgang im Alter von etwa fünf Jahren selber legen, als sein Vater die beiden ererbten Häuser zu einem großbürgerlichen Anwesen verbinden und umbauen ließ. Das Haus vermittelt einem lebhaft, wie die gehobenen Stände - zu denen gehörten die Goethes - um die Mitte des 18. Jahrhunderts lebten. Am alten Herd in der Küche im Erdgeschoß sieht man Goethes Mutter - Frau Aja gilt als begeisterte Köchin - förmlich noch hantieren. Im ersten Stock befinden sich die Repräsentationsräume des Hauses, die wegen der Tapete mit chinesischen Motiven „Peking“ genannt wurden.

Diese Zimmer mußten die Goethes während der Besetzung Frankfurts durch französische Truppen (1759-1761) dem Kommandanten der Franzosen, Graf Thorane, überlassen. Der kleine Johann Wolfgang und der französische Befehlshaber schlossen Freundschaft, von ihm lernte der junge Goethe nicht nur ein wenig Französisch, er entdeckte auch das Mal- und Zeichentalent des jungen Bürgersohnes. Im Gemäldezimmer der zweiten Etage hangen Werke Frankfurter Künstler die Goethes Vater besonders geschätzt und gesammelt hat. Porträts von Goethes Eltern bringen dem Betrachter Goethes Charakteristik näher: „Vom Vater hab ich die Statur, Des Lebens ernstes Führen, Vom Mütterchen die Frohnatur und Lust zu fabulieren.“ Direkt mit dem Goethe-Haus verbunden ist das Goethe-Museum mit seiner umfangreichen Sammlung von Gemälden und Dokumenten aus Goethes Leben und Zeit.

 

Gerbermühle:

Nach dem Goethe-Haus ist die Gerbermühle am Main wohl der Ort in Frankfurt, der am stärksten mit Goethe verknüpft ist. Das 1311 zum ersten Mal erwähnte Hofgut hatte ursprünglich fünf Gebäude. Ab 1656 bestand auf dem Oberräder Ufergelände die Farbmühle, 30 Jahre später war der Name Gerbermühle gebräuchlich. Die Gerbermühle gehörte zum erzbischöflich-mainzischen Hofgut des Münzenberger-Alt Stralenberger Lehens.

Ab 1755 ist belegt, daß da draußen auch eine Gastwirtschaft betrieben wurde. Im Jahre 1785 hatte Johann Jacob Willemer die Gerbermühle gepachtet und als Sommerhaus eingerichtet, so wie viele Frankfurter damals aus den Mauern in die Natur strebten. Er hatte das Anwesen als Sommersitz gepachtet, zunächst auf 20 Jahre, 1790 verlängerte er den Pachtvertrag auf Lebenszeit.

Goethe kannte die Gerbermühle bereits von 1774, als sie eine Gaststätte war. Im Sommer 1814 und 1815 weilte er zur Kur in Wiesbaden und besuchte auch in Frankfurt befreundete Familien. Im Jahre 1814 weilte er dort bei Willemers, 1815 wohnte er dort sogar mehrere Tage - zur Zeit seines 66. Geburtstages. Hier begegnete der 65-jährige Goethe der jungen Marianne von Willemer und verliebte sich in sie. Aus Zuneigung entwickelte sich tiefe Liebe. Hatem und Suleika, wie Goethe und Marianne Willemer sich in ihren Briefen nannten, haben sich im „West-Östlichen Diwan“ verewigt.

Das heutige Gebäude ist zwar nicht mehr die alte Gerbermühle mit dem Goethezimmer, das 1904 vom Pächter eingerichtet worden war. Aber als Goethestätte und Ausflugsziel übt es noch immer seinen Reiz aus. Bis vor kurzem war in der Gerbermühle ein beliebtes Ausflugslokal untergebracht, das wegen Umbau und Renovierung vorläufig geschlossen bleibt. Trotzdem kann man am Mainufer wunderbar promenieren und ein romantisches Picknick auf dem Gras anrichten.

Für die Traditionsadresse Gerbermühle ist 2003 ein neuer volkstümlicher Entwurf vorhanden: Jochem Jourdan ist der Baukünstler, dem es zu gelingen scheint, alle Parteien in diesem komplizierten Streitfall hinter sich zu bringen. Er sieht die Rekonstruktion der historischen Raumfolgen vor, die sich um einen Mühlenhof gruppierten. Danach stünden künftig mindestens vier Gebäude um jenen Mühlenhof:

Einmal (zur Nutzung als Lokal) der Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert, dessen Gestalt heute nicht mehr erkennbar ist,

Das ursprünglich klassizistische in den 50er Jahren rekonstruierte Hauptgebäude, das Goethe erlebt hat

Als drittes Bauteil wird ein Neubau dort erwähnt, wo sich heute auf dem Grundstück eine Ansammlung von Hütten befindet. Jener Trakt würde einmal als Küche dienen, zum anderen bis zu 20 Gästezimmer aufnehmen. Letztlich habe Jochem Jourdan an der zur Stadt gerichteten Seite des Gebäudekomplexes „eine Art biedermeierlicher Wintergarten vorgeschlagen“.

Das 1311 zum ersten Mal erwähnte Hofgut hatte ursprünglich fünf Gebäude. Ab 1656 bestand auf dem Oberräder Ufergelände die Farbmühle, 30 Jahre später war der Name Gerbermühle gebräuchlich. Ab1755 ist belegt, daß da draußen auch eine Gastwirtschaft betrieben wurde. Im Jahre 1785 hatte der Bankier Johann Jakob Willemer das Anwesen als Sommersitz gepachtet, zunächst auf 20 Jahre, 1790 verlängerte er den Pachtvertrag auf Lebenszeit.

Fünf Wochen im Sommer des Jahres 1815 haben dann nach dem Urteil des Stadthistorikers Wolfgang Klötzer die Gerbermühle als eine der wenigen Goethestätten, die wir besitzen, gleichsam für alle Zeit geweiht. Dahin hatte sich Goethe, der längst in Weimar lebte, von den Willemers einladen lassen. Ihn und die 29 Jahre alte Frau Geheimrätin Willemer hatte eine leidenschaftliche Liebe zueinander erfaßt.

So schrieb die Gerbermühle Literaturgeschichte, denn die „allerschönste Zeit“, als die der Dichter die Wochen bei Willemers später bezeichnete, ist vier Jahre später in die Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ eingegangen.

 

Hier begegnete Goethe der jungen Frau Willemer. Es ist ungewiß, wann die Gerbermühle errichtet wurde. Im Jahr 1311 wird sie bereits urkundlich erwähnt. Über 20 Pächter sind nachweisbar, bevor das Haus im Jahr 1688 von einem Rotgerber für sein Handwerk genutzt wurde. Daher der Name „Gerbermühle“, der bis heute erhalten geblieben ist. Im Jahre 1785 hat eine Erbengemeinschaft, zu der auch Justinian von Holzhausen gehörte, die Mühle für 20 Jahre an den Frankfurter Bankier Johann Jacob von Willemer verpachtet, was bald in „auf Lebenszeit“ verlängert wurde. Dieser hat sie zu einem Sommersitz umgebaut und hier, weit vor den Toren der Stadt, die warme Jahreszeit mit seiner Familie verbracht. Goethe war Marianne von Willemer bereits am Willemer-Häuschen begegnet.

Auf der Gerbermühle wurden frohe Feste gefeiert. besonders am 28. August anläßlich Goethes Geburtstag. Marianne sang bei solchen Gelegenheiten mit ihrer prächtigen Stimme Goethelieder voller Hingebung. Daß Goethe nach langer Entfremdung von seiner Vaterstadt im Jahr 1814 in auffallend guter Stimmung in Frankfurt wohnte - angetan von der romantischen Gerbermühle und ihrer charmanten „Müllerin“, war fast wie die Rückkehr eines verlorenen Sohnes. Des Dichters oft abfällige Bemerkungen aus seiner Jugendzeit über die Stadt am Main und ihre Bewohner wichen nun einer anerkennenden wohlwollenden Beurteilung. Die Gerbermühle hat ihren Anteil an dieser Wandlung, die in dem Lob gipfelt:

„Wenn mich jemand früge, wo ich mir den Platz meiner Wiege bequemer, meiner bürgerlichen Gesinnung gemäßer oder meiner poetischen Ansicht entsprechender denke, so könnte ich keine liebere Stadt als Frankfurt nennen.“ Das schrieb Goethe am 19. Oktober 1824 an eine ehemalige Frankfurter Bürgerin: an Bettina von Arnim, geborene Brentano. Der Dichter hat sich hier so wohl gefühlt, daß sein Wort aus dem Faust „hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein“ hier seinen Ursprung gehabt haben könnte.

Die Gerbermühle dient heute gastronomischen Zwecken. Im Inneren erinnert so gut wie nichts mehr an Goethes Aufenthalt. Hier hat zur rechten Zeit ein Otto Volger gefehlt, um es zurückzukaufen und als Gedenkstätte zu erhalten. Weder die Stadt noch die zuständigen Instanzen haben sich ernstlich darum bemüht.

                                              

Kern des Ensembles war eine spätmittelalterliche Mühle. Das Anwesen ist 1830 nach Willemers Tod in Bedeutungslosigkeit verfallen. Erst im 20. Jahrhundert ist es als Ausflugslokal wieder entdeckt worden. Es war bei einem Bombenangriff 1944 zerstört worden. In den fünfziger Jahren wurde es wieder aufgebaut. In den letzten Jahren wurde es durch einen Hotelneubau ergänzt. An der östlichen Flanke ragten noch einige ausgebrannte Trümmer des Altbaus heraus. Dieser Teil sollte abgerissen werden. Eine Bauuntersuchung erbrachte, daß im Trümmerteil stattliche Reste der turmartigen gotischen Mühle steckten. Mittlerweile wurden diese Reste im Turmschaft zwischen dem Gebäude der Gerbermühle und dem Hotelneubau konserviert. Der Turmschaft wurde aufgestockt mit einer Passerelle zum Hotelneubau mit modernen Elementen (Fenster, Erker). Das Haus aus den fünfziger Jahren ist aufgefrischt worden, zum Beispiel mit grünen Fensterrahmen und mit einer lebhaften Dachlandschaft mit Gauben versehen worden.

 

Im Inneren der Gaststätte ist auf dem Fussboden eine Steinplatte eingelassen, die das Datum 28.8.1815 trägt zur Erinnerung an die Feier von Goethes Geburtstag im Jahr 1815. Draußen befindet sich ein mittelalterlicher Bildstock mit einer Pietà aus dem 16. Jahrhundert. Im benachbarten Turmschaft sind unter Glas auf dem Fussboden die Reste der ehemaligen Mühle, zum Beispiel des Mühlsteins konserviert worden. Im ersten Stock ist eine neuangefertigte Goethebüste aufgestellt worden, eine Herme auf einem vierkantigen, sich nach unten verjüngendem hohen Sockel.

Im Goethejahr 1999, dem 250. Geburtstag des Dichters, hat man hier am Mainufer drei Gingkobäume gepflanzt. Durch den Gingkobaum am Petrihäuschen im Brentanopark wurde Goethe zu seinem Gedicht „Gingko biloba“ angeregt. Außerdem hat man drei Hinweise auf den Goethewanderweg mit einem Bild von ihm angebracht.

 

Willemer-Häuschen:

Auf dem Sachsenhäuser Mühlberg am Hühnerweg, der heute eine bevorzugte Villengegend ist, hatte der Bankier Johann Jacob Willemer im Jahre 1809 ein kleines, kurz zuvor erbautes klassizistisches Gartenhaus erworben. Es war ursprünglich als Unterstand in den weitläufigen Weinbergen des Herrn von Willemer gedacht.

Im Jahre 1810 ließ er 1810 ein turmartiges klassizistisches Gartenhäuschen erbauen, achteckig und mit geschiefertem Fachwerk, in ehemals aussichtsreicher Lage. Das Willemer-Häuschen ist eine Stätte der Begegnung Goethes mit Marianne von Willemer. Es gehört zu den ruhigeren verborgenen Goethestätten. Die Stunden in diesem Gartenhäuschen behielt Goethe in beglückender Erinnerung. Am Willemerhäuschen war der Funke der Sympathie zwischen der 30-jährigen jungen Frau und dem fünfundsechzigjährigen Dichter übergesprungen. Vorahnend hatte dieser schon bei seiner Ankunft im Rhein-Main-Gebiet gedichtet: „So sollst Du, muntrer Greis Dich nicht betrüben, sind gleich die Haare weiß, doch wirst Du lieben.“

Goethe hat während seiner Aufenthalte im Rhein-Main-Gebiet im Sommer 1814 und 1815, als er zur Kur in Wiesbaden weilte, befreundete Familien im Rheingau und in Frankfurt besucht, so auch die Familie Willemer. Dabei lernte er die österreichische Schauspielerin Marianne Jung kennen. Marianne kam 1798 mit einer fahrenden Schauspieltruppe nach Frankfurt, wo sie am Nationaltheater in verschiedenen Rollen auftrat. Willemer, der zur Oberdirektion des Nationaltheaters gehörte, war von Marianne so fasziniert, daß der zweimalige Witwer die 16-Jährige im Jahre 1800 als Pflegetochter in sein Haus aufnahm und ihr zusammen mit seinen Kindern eine gute und vielseitige Ausbildung zuteil werden ließ. Im Jahre 1814 heiratete er sie.

Goethe bezeichnete die Wochen, die er im Herbst 1814 und 1815 zum letzten Male in der Heimat verbrachte, als die „allerschönste Zeit“. Für Marianne war die Begegnung mit Goethe der Höhepunkt ihres Lebens. Nicht nur die Aufenthalte in Willemers Stadthaus und die Tage auf der Gerbermühle, sondern vor allem die Stunden im Gartenhäuschen auf dem Mühlberg behielt Goethe in „beglückender Erinnerung“.

Hier kamen sich Goethe und Marianne erstmals romantisch näher. Hier sprang der Funke der Sympathie vom damals 65-jährigen Dichter auf die 30-jährige junge Frau über. Diesen Tag hat Goethe noch nach Jahren nicht ohne stille Feier vorübergehen lassen. So sandte er am 18. Oktober 1823 ein Lorbeer- und Myrthenreis an die ferne Freundin, begleitet von einem Vierzeiler:

Myrth‘ und Lorbeer hatten sich verbunden,

mögen sie vielleicht getrennt erscheinen.

Wollen sie, gedenkend seliger Stunden

hoffnungsvoll sich abermal vereinen.

Am 18. Oktober 1814 hatte er hier im Kreise der Willemers die Feier des ersten Jahrestages der Befreiungsschlacht bei Leipzig erlebt und mit Marianne die Leuchtfeuer auf den Bergen beobachtet. Was dort in der Nacht des 18. Oktober 1814 geschah, als Goethe und Marianne von Willemer von dort die rings auf den Höhen entzündeten Freudenfeuer zum Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig betrachteten, bleibt der Fantasie überlassen. Jedenfalls scheint die Bankiersgattin seit diesem Tag die Muse und Mit-Autorin Goethes.

Im Jahre 1815 wohnte Goethe vom 12. August bis 17. September. bei den Willemers, sowohl in der Gerbermühle als auch in der Stadtwohnung der Willemers „Zum Roten Männchen“. Als er am 18. September nach Heidelberg aufgebrochen war, reiste Marianne ihm nach. Sie erkundeten zusammen Heidelberg. Nach dem Tod von Goethes Frau Christiane 1816 bricht Goethe am 20. Juli zu seiner Dritten Rhein-Main-Reise auf. Da die Achse am Reisewagen brach, mußte er die Reise abbrechen. Auch 1817 reiste er nicht nach Frankfurt.

Schon kurz nach der Feier seines 66. Geburtstags im Jahr 1815 schickte Goethe ein Gingkoblatt auf die Gerbermühle als Sinnbild der ruhigen Freundschaft. Auch das berühmte Gedicht dazu entstand in jenen schweren Tagen des Rückzugs und der Trennung. Am 26.Oktober 1815 schreibt Goethe in Erinnerung an jenen gemeinsamen Aufenthalt im Gartenhäuschen aus Weimar folgendes:

„Am 18. fuhr ich mit Freund Mayer auf unsere Hügel, um die Feuer, welche auf Thüringens Höhen, zwar nicht so reichlich und prächtig als am Main, aber doch ganz anständig und fröhlich brannten, im Ganzen zu überschauen; da vergegenwärtigte ich mir die Freunde und die über Frankfurts Panorama so zierlich aufpunktierten Flämmchen, und zwar um so mehr als es gerade Vollmond war, vor dessen Angesicht Liebende sich jedes Mal in unverbrüchlicher Neigung gestärkt fühlen sollen.“

Die Begegnung zwischen Goethe und Marianne war für beide ein beglückendes Erlebnis, das sich in Gedichten beider im Buch „Suleika“ des „West-östlichen Diwans“ widerspiegelte. Diese letzten Aufenthalte in der Stadt, in der er geboren wurde und aufwuchs, empfand Goethe als „allerschönste Zeit“. Eine ungebrochene Liebe wurde es vor allem deshalb, weil ein dichterischer Zauber sie verklärte. Einige Verse, die Goethe für Marianne geschrieben hatte, beantwortete diese mit so innigen kunstvollen eigenen Gedichten, daß Goethe diese später im west-östlichen Divan unter seine eigenen Schöpfungen mischte, um Marianne damit zu ehren.

Im Jahre 1902 richtete das Freie Deutsche Hochstift das nun im städtischen Besitz befindliche Häuschen mit Möbeln und Erinnerungsgegenständen ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde es durch Bomben zerstört. Der Bezirksverein Sachsenhausen, das Freie Deutsche Hochstift und die Stadt Frankfurt führten seit 1962 gemeinsam den Wiederaufbau durch. Es wurde ausgestattet mit Möbeln aus dem frühen 19. Jahrhundert, dem Waschtisch Mariannes und mit Fotos ausgestattet am 18. Oktober 1964 anläßlich der 159. Wiederkehr der Begegnung Goethes mit Marianne von Willemer wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Gartenhäuschen ist sonntags von 11 - 16 Uhr geöffnet, aber nur von Mitte April bis Mitte Oktober. In den beiden achteckigen Räumen im 1. und 2. Stock befindet sich ein dunkelbrauner Waschtisch, der Marianne von Willemer gehörte. Die übrigen Möbel gehörten früher nicht zur Ausstattung des Häuschens und stammen aus dem 19. Jahrhundert. Außerdem kann man noch Photographien von Bildern und Handschriften betrachten, die sich auf Marianne, Goethe und das Häuschen beziehen, so zum Beispiel. eine Photographie der alten Frau von Willemer, zwei Frankfurter Ansichten mit eigenhändigen Versen von ihr und zwei Briefe Goethes an sie. Goethe soll beim Abschied von Marianne im Oktober 1814 an einen Pfosten des Häuschens folgendes geschrieben haben: „Ich besänft‘ge mein Herz; mit süßer Hoffnung ihm schmeichelnd, eng ist das Leben fürwahr, aber die Hoffnung ist weit.“

 

Der Goethetempel:

Der Goethetempel befindet sich ein paar Schritte hinter dem Willemerhäuschen innerhalb der Seniorenresidenz Mühlberg an der Begrenzungsmauer auf der zur Straße abgewandten Seite. Es handelt sich hier um einen Rundbau des Spätklassizismus um 1830 mit Säulenportal und flankierenden Treppenläufen. Der Tempel steht im ehemaligen Garten des Landguts Engelbach-Bansa, einst inmitten von Weingärten auf dem Mühlberg. Dieser am oberen Ende des Mittelwegs errichtete Freundschaftstempel erinnert an die Begegnung von Sophia Bansa-Streiberg mit Goethe anläßlich eines Besuches bei den Willemers in der Gerbermühle.

 

Goetheruhe:

Im Jahre 1861 hatte der Frankfurter Lokaldichter Karl Heinrich Ehrt die Anregung gegeben, an der Stelle, wo Goethe auf seinen Spaziergängen zur Gerbermühle und nach Offenbach rastete, für die Frankfurter Bürger ein Ruhe- und Aussichtsplätzchen zu errichten. (Andere allerdings sagen: „Natürlich kannte Goethe weder die kleine, nach ihm benannte Erhebung noch den Turm.“). Von der Forstbehörde wurden etliche Bänke und ein Steintisch dort aufgestellt. Die Stelle hieß damals „Hexeneck“.

„Dort oben am Weg an des Waldes Rand

winkt freundlich ein Plätzchen noch heute.

Schön ward es verherrlicht durch kunstreiche Hand.

Es sei von der Stadt ‚Goethes Ruhe‘ genannt

als Denkmal vergänglicher Freude.“

Ehrt hatte von der befreundeten Familie Dubois erfahren, daß der junge Goethe im Dubois‘chen Gartenhaus auf dem Sachsenhäuser Berg häufig zu Gast war und von dort aus gern zum Hexeneck spazierte und die Aussicht auf Frankfurt genoß. Dieser Aussichtspunkt erfreute sich bei den Frankfurtern immer größerer Beliebtheit, so daß sich der Frankfurter Verschönerungsverein im Jahre 1871 entschloß, die Goethe-Ruh durch Aufwurf eines künstlichen, mit Felsblöcken malerisch bekleideten Hügels „als freien Aussichtspunkt zur Geltung zu bringen sowie durch einen auf der Höhe errichteten einfachen Tempel zu einem der köstlichsten Aussichtspunkte der näheren Umgebung umzuschaffen.“ Am 8. Mai 1871 wurde die neue Goethe-Ruhe eingeweiht.

Im Jahre 1877 wurde durch den Frankfurter Verkehrs- und Verschönerungsverein auf der Goetheruhe ein 22 Meter hoher hölzerner Aussichtsturm erbaut, finanziert vom Verein selbst, von der Stadt (als Holzlieferant) und aus Spenden Frankfurter Bürger. Dieser war jedoch 1920 so baufällig, daß er abgerissen werden mußte. An der Goetheruh gelangt man über etwa zehn Stufen zum Standpunkt des ersten Goetheturms hinauf.

Die Goetheruh erfuhr im Goethejahr 1999 - Goethes 250. Geburtstag - eine Neugestaltung. Der schottische Künstler Jan Hamilton Finlay wurde gebeten, ein Kunstwerk zu entwickeln. Von Finlay und dem englischen Steinmetz Nicholas Sloan wurde eine liegende kannelierte dorische Sandsteinsäule auf einer Plinthe und ohne Kapitell geschaffen. Auf ihr ist eine leicht veränderte Inschrift eines Zitats aus Goethes Faust II angebracht: „Arkadien, ein Königreich in Spartas Nachbarschaft“. In der Auseinandersetzung Finlays mit Goethe und dem Ort entstehen vielfältige neue und alte Bezüge zur Antike.

 

Goethe-Turm:

Der Goetheturm ist der höchste Punkt des Sachsenhäuser Berges am Rande des Frankfurter Stadtwaldes, 147 Meter über NN und 54 Meter über dem Main gelegen. Es handelt sich hier um den höchsten Holzturm Deutschlands. Er ist 43,3 Meter hoch und wurde auf einem soliden Betonfundament errichtet.

Angesichts des bevorstehenden Goethejahres 1932 wünschte die Frankfurter Bürgerschaft -allen voran der Bezirksverein Sachsenhausen - die Errichtung eines neuen Turms. Dank einer großzügigen Stiftung Gustavs Gersts konnte 1931 ein neuer Goetheturm errichtet werden. Dazu wurden 171 Kubikmeter Holz aus dem Frankfurter Stadtwald verwendet: 120 - 160 Jahre alte Kiefern für die Eckpfeiler, Buchen- und Eichenhölzer für Belag und Verschalungen. Der neue Turm wurde 150 Meter neben der Stätte des alten errichtet.

Der Name des großzügigen Spenders von 32.000 Reichsmark wurde erst nach seinem Tode 1948 in der Emigration in New York bekannt: Großkaufmann Kommerzienrat Gustav Gerst, Sohn jüdischer Eltern, 1871 in Bamberg geboren, der nach seiner Heirat mit der Tochter des Warenhausbesitzers Tietz in Berlin 1919 nach Frankfurt gekommen war. Er verlor bald sein Herz an die Stadt am Main. Bis zu seiner Flucht in der NS-Zeit lebte der reiche Kaufmann in der Niederräder Landstraße 10.

Er knüpfte allerdings mehrere Bedingungen an seine Spende:

1. wollte er niemals genannt werden und

2. sollte man dafür sorgen, daß der neue Goetheturm 200 Jahre hält.

Am 23. November 1931 wurde der neue Goetheturm mit einer äußerst schlichten Feier eingeweiht. Die Fertigstellung erfolgte nachzweijähriger Bauzeit. Mit regelmäßigem Nachziehen der Schrauben und Bolzen und mit einer Neuimprägnierung des Holzes alle 8 bis 10 Jahre sorgt das städtische Forstamt für die Erfüllung dieses Wunsches des Spenders und auch der vielen Frankfurter Spaziergänger. Im September 1988 wurde der Goetheturm für einige Wochen geschlossen, da sich in insgesamt vier Baumstämmen von 10 bis 12 Meter Länge der Specht eingenistet hatte. Die beschädigten Baumstämme mußten ausgetauscht werden. Im April 1989 wurde der Turm mit Holzschutzmitteln imprägniert. Der Vereinsring Sachsenhausen veranstaltet hier alljährlich im Mai das Goetheturmfest. Unterhalb des Goetheturms befindet sich die Gaststätte „Goetheruh“ die etwa 1950 erbaut wurde.

Der Goetheturm ist von April bis Ende Oktober geöffnet, und zwar von 10 Uhr - 18.30 Uhr. Über 196 Stufen gelangt man nach oben. Diese sind alle liebevoll mit Teeröl imprägniert. Nach jedem Treppenabsatz gibt es Sitzgelegenheiten. Bereits nach 99 Stufen hat man einen schönen Blick auf Sachsenhausen und die ganze City (dabei fällt auf, wie klein sich der Dom in der Nachbarschaft der Hochhäuser ausnimmt). Ab der 100. Stufe wird es windig. Von ganz oben auf der 40 Quadratmeter großen Aussichts-Plattform hat man eine weite Rundsicht auf den Frankfurter Stadtwald und bei klarem Wetter auf den Taunus, Vogelsberg, Spessart und Odenwald. Der Goetheturm ist 2014 wieder saniert worden.

Neben dem Turm ist ein beliebtes Ausflugslokal entstanden, die „Goetheruhe“, deren Innenräume nach Goethes Farbenlehre ausgemalt sind.

 

Städelsches Kunstinstitut, Dürerstraße 2: Goethe in der Campagna

Goethes italienische Reise von 1786 bis 1788 war eine der wichtigsten Ereignisse in seinem Leben. Sie hat ihn aus einer Krise herausgerissen und zu neuem Schaffen angeregt. Im Lande hatte er einen kundigen Führer gefunden, den Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, der schon seit 1783 in Rom lebte. Die Idee, Goethe zu malen, kam ihm auf gemeinsamen Wanderungen. Eine erste Skizze zum Gemälde von Tischbein selbst stammt aus Goethes Sammlung. Tischbein hat lang an dem Bild gemalt, denn es war noch nicht fertig als Goethe wieder in Deutschland und Tischbein bereits in Neapel war. Wahrscheinlich hat es der Maler 1799 unvollendet in Neapel zurückgelassen, denn ähnlich anspruchsvolle Bilder sind sonst signiert, datiert oder noch mit dem Entstehungsort versehen.

Wohl in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts gelangte das Bild in den Besitz der Familie Rothschild und wurde nach Frankfurt gebracht. Im Jahre 1887 hatte es Freifrau Salomon von Rothschild (Paris) dem Städel schenkt, wo es lange an hervorragender Stelle gehangen hat. Zum Gemälde selbst schreibt Tischbein am 9. Dezember 1786 an Lavater: „Ich habe sein Porträt angefangen und werde es in Lebensgröße machen, wie er auf den Ruinen sitzet und über das Schicksal der menschlichen Werke nachdenket.“

Bemerkenswert ist die Größe des Bildes: 164 x 206 Zentimeter. Man sieht hier einen Reisenden mit Hut und Mantel vor den Überresten der Antike, ein Bild wie es in Rom im 18. Jahrhundert auch von anderen Malern gemalt wurde: Die eigenartige Haltung, halb sitzend, halb liegend finden wir bei antiken Flußgöttern. Der im Freien lagernde Mensch ist eine antikische Figur. Vor den Albanerbergen sind die Zeugen der Antike dargestellt: Obelisk, Relief, Kapitelle, Grabmal der Caecilia Metella und Aquädukte in der Campagna. Alles ist in verhältnismäßig blassen Farben und matter Modellierung gegeben: der weiß-gelbe Mantel, die rotbraunen Steinblöcke, das hellgraue Relief, das graue Kapitellstück und der leicht bewölkte graublaue Himmel.

1. Man sieht den Dichter auf einem umgestürzten in Trümmern gegangenen Obelisken ruhen. Hieroglyphen geben zu erkennen, daß er aus dem höchsten Altertum ägyptischer Kunst ist.

2. Das Relief stammt aus der besten Zeit griechischer Kunst, welches die Erkennung der Iphigenie und ihres Bruders Orest mit Pilades vorstellt.

3. Die gebrochene Säule, deren Kapitell ionisch-korinthisch ist, ist ein Werk aus der römischen Kaiserzeit.

4. In der Feme sieht man die Campagna di Roma mit den an der Strada appia zerstreuten Grabmälern. Außerdem sieht man das durch Cicero und Lucullus so berühmte Tusculum. Darüber erhebt sich der Berg Albano, zu dessen Fuß die beiden Seen Albano und Nemi liegen.

Es ist Goethes schönstes Bild, „da die Idee glücklich ist.“ Hier ist der Dichter als Reisender auf der wohl wichtigsten Station seines Wanderlebens dargestellt. „In Italien war er das erste Mal unbedingt glücklich“, so schrieb er an Herder Anfang Juni 1788.

 

Petersfriedhof:

Zwischen Bleichstraße und Stephanstraße befindet sich in der Innenstadt der Petersfriedhof. Ein Fremder namens Comnenis bestimmte 1452 zur Anlage des Friedhofs sein Haus und seinen Garten. Durch Schenkungen und Ankauf in der Folge erhielt der Peterskirchhof seine jetzige bzw. spätere Ausdehnung. Der Peterskirchhof war über 300 Jahre der wichtigste Begräbnisplatz der Frankfurter. Die alte Peterskirche stand Ecke Schäfergasse/ Alte Gasse und wurde 1419 geweiht. Der Friedhof wurde von 1454 bis 1828 belegt. Seit der Reformation war er vornehmlich protestantischer Begräbnisplatz. Neben Goethes Eltern ruhen hier zum Beispiel Simon Moritz von Bethmann und Matthäus Merian d. J.. Im Jahre 1828 wurde er zum Zeitpunkt der Eröffnung des Hauptfriedhofs geschlossen. Im Jahre 1892 wurde die heutige neugotische Peterskirche errichtet. Im Jahre 1896 erfolgte der Abriss der alten Peterskirche. Hier sind die Grabstätten von Goethes Vater Johann Caspar Goethe (1710-1782) und Goethes Großvater Georg Walther.

Dr. Johann Caspar Goethe wurde geboren am 29. Juli 1710 und ist gestorben am 27. September 1782. Am 2. Juli 1909, vormittags von 10 bis 11 Uhr, hat man hier die Ruhestätte von Goethes Vater festgestellt. Der am 25. September 1782 verstorbene Kaiserliche Rat wurde am 27. September 1782  „Auf dem alten Kirchhof im Waltherschen Epitaph“ beigesetzt. Der Erwerber der Waltherschen Grabstätte ist der 1704 verstorbenen Schneidermeister Georg Walther, dessen Tochter Cornelia in zweiter Ehe mit dem Schneidermeister Friedrich Georg Goethe, dem Vater von Johann Caspar Goethe vermählt war. Georg Walther erwarb die Grabstätte am 30. August 1673.

Nach der Schließung des Peterskirchhofs 1828 hatte ein Unternehmer 1851 an der Brönnerstraße das Haus Nr. 24 mit der Rückfront nach dem Gräberfeld hin gebaut, auf dem Johann Caspar Goethe zur letzten Ruhe gebettet worden war. Vielleicht hatte man während dieser Bauarbeiten den Begräbnisplatz zerstört oder man hatte ihn schon vorher vergessen.

Die Grabstätte seines Vaters war also 1851 verloren gegangen. Das Freie Deutsche Hochstift suchte nach den Gräbern von Goethes Eltern. Nach restloser Auswertung des Nachlasses von Goethe in Weimar wurde 1909 eine Notiz entdeckt, aus der hervorging, dass sein Vater nicht im Textorgrab beigesetzt wurde, sondern im Grab seiner Vorfahren Walther, das auf der anderen Seite des Friedhofs liegt, an der Mauer zur Brönnerstraße.

Mit Hilfe zuverlässigen Urkundenmaterials konnte man ihn wieder auffinden. In einem Verzeichnis der Grabstätten auf dem Petersfriedhof im Frankfurter Stadtarchiv konnte man die Stelle ermitteln, an der Johann Caspar Goethe begraben ist. Auch der Grabstein, der einst das Grab der Familie Walther schmückte, ist leider in zerbrochenem Zustand aufgefunden worden. Man hat ihn wiederhergestellt und hier an seinen alten Standort zurückgebracht. Die Grabstätte wurde 1954 restauriert und trägt die Aufschrift: „Hier ruht Goethes Vater.“

Johann Caspar Goethe, der Sohn des tüchtigen und wohlhabenden Schneidermeisters und späteren erfolgreichen Gasthofbesitzers „Zum Weidenhof“ hatte eine vorzügliche Ausbildung auf dem Casimirianum in Coburg erhalten, dann in Leipzig Jura studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar praktiziert und 1738 in Gießen promoviert. Er hat Italien, Frankreich und Holland gesehen und noch 20 Jahre später seine italienischen Reiseeindrücke in der Sprache des Landes niedergeschrieben.

Mit 31 Jahren kehrte er in die Vaterstadt zurück, aufs Trefflichste für die Diplomatenlaufbahn vorbereitet und erhielt dank guter Beziehungen von Karl VII. den Charakter eines kaiserlichen Rates. Mit dem Tode des Wittelsbachers schwanden 1745 alle seine Hoffnungen, zumal ihm der Stiefbruder als Ratsherr den Zugang zu einem Amt in der städtischen Verwaltung versperrte. Er widmete sein ganzes Leben der wissenschaftlichen Arbeit, seinen Sammlungen und einem Kunstmäzenatentum, das ihn in der Förderung nicht anerkannter Zeitgenossen als ungewöhnlichen Mann ausweist.

Er war streng, in seiner Haushalts- und Lebensführung genau, aber keineswegs kleinlich und eng. Er war ein vielseitig interessierter Mensch mit persönlichen Ansichten, gesellig und mit vorbildlichem Eifer auf die Erziehung seiner Kinder bedacht. Er hat seinem Sohn viel mehr auf den Lebensweg mitgegeben, als gemeinhin anerkannt wird. Um 1779 kamen die ersten Schlaganfälle, denen er drei Jahre später erlag.

 

Wegen einer Friedhofsverkleinerung wurde Goethes Mutter  (1731-1808) im alten Erbgrab der Textors und Lindheimers begraben. Es liegt heute abseits gleich am Anfang der Stephanstraße rechts auf dem heutigen Liebfrauenschulhof, dessen Gelände früher zum Peterskirchhof gehörte.

 

Catherina Elisabeth Goethe, geboren am 19. Februar 1731 fand hier ihre letzte Ruhestätte nach ihrem Tode am 13. Dezember 1808 im Textorschen Familiengrab. Doch nicht immer war die letzte Ruhestätte dieser größten Frankfurterin Schulgelände. Als man sie 1808 unter großer Anteilnahme zu Grabe trug, gab man ihr einen Platz auf dem großen Friedhof vor der alten Peterskirche an der Pforte nach Friedberg.

 

Die Bronzetafel und die liegenden Grabplatten für die Textors und für Frau Aja waren bis zum Krieg von einem Tempelchen in klassizistischer Form überdacht. Dach und Säulen des Tempelchens stürzten während des Krieges auf die Gräber. Nach der Kriegszerstörung schmücken Pfeiler in halbkreisförmiger Anordnung ohne Überdachung das Grab von Goethes Mutter.

Im Jahre 1954 wurde die Grabstätte restauriert. Die Halbkreisanordnung der Säulen wurde beibehalten, wobei es keine runden Sandsteinsäulen mehr gibt, sondern Pfeiler von rechteckigem Querschnitt. Kein Dach schließt mehr die Grabstätten von Himmel und Sonne ab, wie auch der seitliche Zugang zu ihnen nicht mehr durch Gitter versperrt ist. Die aufrecht an der Wand stehende Bronzeplatte in barocker Steinfassung für den Nürnberger Bürger Hans Körner ist während der Nachkriegswirren gestohlen worden. Die viergeteilte tafelförmige Wandplatte konnte dank noch vorhandener Zeichnungen und Photos rekonstruiert werden. Der Frankfurter Bildhauer Emil Hub wurde mit dieser Aufgabe betraut, die der damals 78-jährige Künstler mit großem Geschick löste.

Die Grabplatte trägt die Inschrift: „Hier ruht Goethes Mutter“.

Catherina Elisabeth Goethe, die Tochter des höchsten reichsstädtischen Beamten, des Schultheißen Textor, heiratete 17-jährig den 2 Jahrzehnte älteren Kaiserlichen Rat Johann Caspar Goethe; 18-jährig gebar sie ihm Johann Wolfgang und im Jahr darauf Cornelia. Ab 1782 war die fünfzigjährige Witwe. Goethe hatte eine junge, stattliche Mutter, die sich nicht nur durch hervorragende Hausfrauentugenden, sondern durch einen hellen, wachen Geist und eine angeborene Heiterkeit des Gemüts auszeichnete. Die selbstbewusste Frau gab sich nicht als Dame, sondern als die gute Seele eines großen Kreises junger, froher Menschen voll von Gedanken und Einfällen.

Goethes Mutter, Catarina Elisabeth Textor, „Frau Aja“, war die Tochter des Frankfurter Stadtschultheißen Johann Wolfgang Textor und ungemein selbstbewußt. Vieles hatte der Dichter dem Wesen und den erzieherischen Fähigkeiten seiner Mutter zu danken, die seine Begabung pflegte und ihm in seinen jungen Jahren den Verkehr mit ihm geistesverwandten Menschen erleichterte. Sie war durch die Lauterkeit ihres Charakters, durch ihren jeder Engherzigkeit abholden freien Geist, durch ihre Klugheit, Selbstsicherheit und große Herzenswärme das Vorbild einer deutschen Frau und Mutter. Bis zuletzt war ihr die frohe Natur eigen geblieben und sie konnte von sich sagen: „Ich habe die Gnade von Gott, dass noch keine Menschenseele missvergnügt von mir weggegangen ist, wes Standes, Alters und Geschlechts sie auch gewesen ist.“

 

Die alte Peterskirche, die Ecke Schäfergasse/Alte Gasse stand und 1419 geweiht wurde, ging auf die Stiftung einer Kapelle durch den Ratsherrn Peter Apotheker für die Bewohner der Neustadt zurück. Nachdem Nikolaus von Kues sie 1452 zu einer weitgehend eigenständigen Pfarrkirche geweiht hatte, entstand um sie ein Friedhof, der - mehrmals erweitert - seit der Reformation vornehmlich protestantischer Begräbnisplatz war.

Mit der Eröffnung des Hauptfriedhofs 1828 wurde der Petersfriedhof geschlossen. Im Jahre 1896 riß man die alte Peterskirche ab, eine einschiffige Kirche mit Dachreiter über dem Chor und zwei Kapellen, von denen die eine als Erbbegräbnis der Familie Glauburg gedient hatte. In den Jahren 1892 bis 1895 war an der Bleichstraße die neugotische Peterskirche gebaut worden. Die im Jahre 1904 trassierte Stephanstraße schließlich trennte den südlichen Teil des Friedhofs ab. Dennoch haben sich Grabsteine des 16. Jahrhunderts, die alle gleich groß sind und deren Größe von den Schwibbögen der Mauer bestimmt werden, ebenso erhalten wie üppige Barocksteine, die vor der Mauer stehen und über sie hinausragen. Es ist allerdings schwierig, heute die Namen zu entziffern. Wir begegnen aber noch einigen von bedeutenden Frankfurtern - du Fay, de Neufville, Merian. Hier ist Prinz Carl von Hessen-Philippsthal begraben, der an den Wunden starb, die er bei der Befreiung Frankfurts am 2. Dezember 1792 erhalten hatte.

An der Mauer zum ehemaligen Postscheckamt befindet sich das Grab von Simon Moritz von Bethmann, dem „Bürger von Frankfurt“, der 1826 starb. An der Stephanstraße steht eine Kopie der 1511 aufgestellten Kreuzigungsgruppe von Hans Backoffen (Original im Historischen Museum).

Auf dem Peterskirchhof, dem schon 1828 aufgegebene Gräberfeld nahe dem Eschenheimer Turm, liegt ganz Frankfurt begraben. Mit 90.000 gestifteten Mark ließ die Stadt das barocke Sandstein-Grabmal der Kaufmannsfamilie du Fay restaurieren. Die du Fays kamen als Glaubensflüchtlinge im Jahr 1560 aus den Niederlanden nach Frankfurt und wurden sehr vermögend. Die Familie handelte erst mit Woll- und Seidenwaren und zog dann ein Kommissions-, Speditions- und Bankgeschäft auf. Die Frankfurter Niederländische Gemeinde hat zur gespendeten Summe von der Commerzbank-Stiftung Geld dazu gegeben.

„Die Arbeit am Grabmal du Fay soll nur einer von vielen Schritten sein, die Reste des Peterskirchhofs wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen“, wie es Kulturdezernent Hans Bernhard Nordhoff ausdrückte. Die CDU- Fraktion im Römer wünscht laut einem Antrag, daß Frankfurt mit weiterem Einsatz für den alten Friedhof das Heimatgefühl stärkt und die regionale Identität unterstreiche.

Der CDU-Stadtverordnete und Historiker Bernd Heidenreich war vor Ort und macht sich dafür stark, daß als Nächstes die Gräber von Simon Moritz von Bethmann, Johann Friedrich Städel, Johann Georg Schweitzer von Wiederhold, Heinrich Dominicus von Heyden und Jacob Heinrich Rühle von Lilienstern auf dem Peterskirchhof restauriert werden.

Einige der verwitterten Grabtafeln sind schon gerichtet, im kommenden Jahr 2004 folgt die Sanierung der Friedhofsmauer an der Stephanstraße. Der Magistrat hat bereits 30.000 Euro bereit gestellt. Die Jesusfigur am „Pestkreuz“ vor dem Eingang soll wieder vollständige Beine bekommen.

Einer der sich für die von 1452 bis 1828 genutzte Ruhestätte richtig ins Zeug legt, ist Björn Wissenbach, Volontär im Historischen Museum. Er verfaßt seine Doktorarbeit über den Friedhof. Wissenbach stellt auch eine kleine Ausstellung zusammen, die von Mitte Februar bis April des kommenden Jahres im Historischen Museum am Römerberg zu sehen sein wird.

Auf Entdeckungstour schickt der Historiker jetzt Hobbyfotografen: Wer will, kann sich an einem Fotowettbewerb beteiligen; gesucht sind Fotos, die die Atmosphäre des historischen Kirchhofs einfangen. Björn Wissenbach hat noch mehr Ideen, um die Wertschätzung für die Anlage unter der Peterskirche wieder zu gewinnen. Den hinteren Teil möchte er mit einer Mauer abteilen. Dann könnten dort Grabplatten aufgestellt werden, die bislang noch im Depot lagern. Damit die Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können, sammelt Edith Welker von der Historisch-Archäologischen Gesellschaft Spenden. Sie hofft, daß sich noch weitere Nachkommen auf dem Peterskirchhof bestatteter Familien am Erhalt beteiligen werden. Insgesamt werden für alle guten Absichten wohl noch zehn Jahre ins Land gehen.

Einige der verwitterten Grabtafeln sind schon gerichtet, im kommenden Jahr 2004 folgt die Sanierung der Friedhofsmauer an der Stephanstraße. Der Magistrat hat bereits 30.000 Euro bereit gestellt. Die Jesusfigur am „Pestkreuz“ vor dem Eingang soll wieder vollständige Beine bekommen.

Einer der sich für die von 1452 bis 1828 genutzte Ruhestätte richtig ins Zeug legt, ist Björn Wissenbach, Volontär im Historischen Museum. Er verfaßt seine Doktorarbeit über den Friedhof. Wissenbach stellt auch eine kleine Ausstellung zusammen, die von Mitte Februar bis April des kommenden Jahres im Historischen Museum am Römerberg zu sehen sein wird.

Auf Entdeckungstour schickt der Historiker jetzt Hobbyfotografen: Wer will, kann sich an einem Fotowettbewerb beteiligen; gesucht sind Fotos, die die Atmosphäre des historischen Kirchhofs einfangen. Björn Wissenbach hat noch mehr Ideen, um die Wertschätzung für die Anlage unter der Peterskirche wieder zu gewinnen. Den hinteren Teil möchte er mit einer Mauer abteilen. Dann könnten dort Grabplatten aufgestellt werden, die bislang noch im Depot lagern. Damit die Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können, sammelt Edith Welker von der Historisch-Archäologischen Gesellschaft Spenden. Sie hofft, daß sich noch weitere Nachkommen auf dem Peterskirchhof bestatteter Familien am Erhalt beteiligen werden. Insgesamt werden für alle guten Absichten wohl noch zehn Jahre ins Land gehen.

 

Katharinenkirche:

Hier wurde Goethe getauft und konfirmiert.

 

Hauptwache:

Gedenktafel „Haus zum Goldenen Brunnen“ nahe Hauptwache. Hier stand bis 1895 das „Haus zum Goldenen Brunnen“, in dem Catherina Elisabeth Goethe, die Mutter des Dichters, von 1795 - 1808 wohnte, als sie aus dem Goethehaus ausgezogen war. Goethes Mutter litt nicht unter Langeweile, als sie vom Fenster ihres Alterssitzes zur Katherinenpforte hinüberschaute und daran dachte, ihren Sohn im fernen Weimar mit einem Körbchen Leckereien zu erfreuen.

 

Zeil:

Die neue Zeil war damals zu einem Bilderbuch feinster Hotelpaläste gediehen. Die damalige Regierung förderte Kunst und Künstler. Goethes Mutter, Frau Aja, begrüßte entzückt die Gärten, wahre Schmuckstücke, die entstanden, als die alten Wälle und Bastionen fielen. Die ganze Stadt umzog ein Park, eine Neuerung, die sie dem Rat kaum zugetraut hätte. Es „sey Feery“, so schrieb sie, „unsere alten Perücken hätten so was bis an den Jüngsten Tag nicht zuwegen gebracht“.

 

Sandgasse:

An der Katharinenpforte (westlich der Kirche) und dann links kommt man in die Sandgasse. Hier ist eine Gedenktafel, weil im Hof des Hauses um 1700 Haus und Werkstatt des Schneidermeisters Friedrich Georg Goethe war. Dieser war der Großvater väterlicherseits und ihm verdankt die Familie Goethe ihren Reichtum.

Friedrich Georg Goethe wurde 1657 in Artern in Thüringen geboren. Er nannte sich Fridericus Georg Goethe bei seiner Bitte um Aufnahme ins Bürgerrecht im Jahre 1686. Er war verheiratet mit Cornelia Goethe. Durch diese Ehe gelangte er in den Besitz des Gasthofes zum „Weidenhof“ auf der Zeil, einem der größten Gasthöfe der Stadt. Dazu gehörten ausgedehnte Weinberge. Der erfolgreiche Gastwirt und Weinhändler hinterließ bei seinem Tod 90.000 Gulden Barvermögen. Nach heutigen Maßstäben war er mehrfacher Millionär. Er starb im Jahr 1730.

 

Goethe-Haus, Großer Hirschgraben 23

Das Goethe-Haus in der Altstadt von Frankfurt am Main war bis 1795 der Wohnsitz der Familie Goethe. Johann Wolfgang Goethe wurde 1749 hier im Großen Hirschgraben in Frankfurt geboren. Sein elterliches Haus bestand damals aus zwei verbundenen Fachwerkhäusern, die die Familie Goethe 1733 erworben hatte. Erst 1755 ließ sein Vater, Johann Caspar Goethe, hier einen repräsentativen, vierstöckigen Bau im Stil des Spätbarocks errichten. Hier lebte Johann Wolfgang Goethe bis 1765; seine Jugendjahre hat er in Dichtung und Wahrheit beschrieben. Im Jahre 1795 verkaufte die Familie das Haus.

Die Goethefamilie war auch Gastgeber währen der Kaiserkrönungen: Bei der Wahl 1764 wohnten der Nürnberger Gesandte Baron von Königsthal sowie Mitglieder der kurpfälzischen Gesandtschaft bei Familie Goethe, die ihre Häuser im Stil des Rokoko hatte modernisieren lassen. Das Treppengeländer wurde dabei der kurz vorher eingebauten Kaisertreppe im Römer nachempfunden. Goethes Mutter Catherina Elisabeth, genannt Frau Aja, sah einer weiteren Einquartierung 1790 jedoch mit Unbehagen entgegen. „Bei mir waren die Quartierherren noch nicht. Ich traue mich deswegen nicht vor die Thür, denn wenn sie mich abwesend fänden, so nähmen sie vielleicht das ganze Haus ...“. Doch die Kinder des Prinzen Karl von Mecklenburg-Strelitz, die zur Gesandtschaft Kurbraunschweigs bzw. Kurhannovers gehörten, erwiesen sich als angenehme Gäste. Zum Klavierspiel der späteren preußischen Königin Luise „waltze“ Frau Aja mit deren Bruder Prinz Georg. „Hernach mußte ich ihnen von den früheren Krönungen erzählen“, erinnerte sich Goethes Mutter 1806. Ein Zitat von Aja Goethe vom 11. Mai 1790; „im Juli ist die erste Auffahrt zur Wahl - das gibt ein großes Spektakel - Mein Hauß wird von oben bis unten vollgestopft.“

Am 22. März 1944 wurde das Goethe-Haus durch Bombentreffer völlig zerstört. Schon 1947 begann der originalgetreue Wiederaufbau durch den Architekten Theo Kellner. Die Stiftung Freies Deutsches Hochstift erhielt hierfür eine Spende von der Philipp Holzmann AG über 300.000 Mark. Nur ein Teil der Einrichtung stammt von der Familie Goethe selbst, aber die vielen ausgelagerten Schätze an Möbeln, Kunst- und Gebrauchsgegenständen, Büchern, Bildern und Handschriften konnten in das Geburtshaus heimkehren.

Das Goethe-Haus ist durch Initiative des Geologen Otto Volger im Besitz der Stiftung Freies Deutsches Hochstift, die auch das mit dem Goethe-Haus verbundene Goethe-Museum betreibt. Jährlich wird das Goethe-Haus von etwa 130.000 Besuchern besichtigt.

Es ist fester Bestandteil der Alt-Frankfurter Erzählungen, daß „echte Frankfurter“ sich nicht für das Goethe-Haus interessieren; so gibt es den Witz vom sterbenden Frankfurter, der auf dem Totenbett noch ein Stoßgebet zum Himmel schickt: „Liewer Gott, lass misch noch leewe – isch geh derr aach ins Geede-Haus!“ (Lieber Gott, laß mich noch leben – ich gehe dir auch ins Goethe-Haus) (Wikipedia).

Zum Goethehausgehört das Goethemuseum, in dem eine verkleinerte Kopie des Tischbeingemäldes „Goethe in der Campagne“ zu betrachten ist. Das Original hängt im Städelschen Kunstinstitut, Dürerstraße 2.

 

Goethestraße:

Die Goethestraße gilt als exzentrische große Schwester der Zeil als eine Grande Dame unter Frankfurts Straßen. Die Frankfurter finden die Ausstattung der Läden und die Preise manchmal ein bißchen übertrieben. Dies ist der Tribut, den auch die unprätentiösen Frankfurter zollen müssen auf dem Weg zur Weltstadt.

Zum Shopping ist die Goethestraße die exklusivste Einkaufsmeile der Stadt. Hier findet man internationale Mode von Kenzo, Montana, Laura Ashley, van Laack, Jil Sander und anderen Designern, außerdem edle Lederwaren von Louis Vutton und wertvolle Juwelen von Cartier und Tiffany. Selbst an exklusive Baby- und Kindermode hat man hier gedacht. Nirgendwo sonst sind auf so kleinem Raum so viele große Namen aus dem Reich der Nobelmarken vertreten.

 

Römerberg:

Der Römerberg war für ihn ein angenehmer Spazierplatz. Der Weg durch die Neue Kräme war immer „aufheiternd und ergötzlich“. Die Häuser zum Römer und das sich rückwärts anschließende Haus zum Goldenen Schwan wurden 1405 vom sparsamen Rat der Stadt erworben und zum Rathaus umgebaut. Im Laufe der Jahrhunderte erwarb die Stadt die Nachbarhäuser noch dazu, so die Häuser Alt-Limpurg, Löwenstein, Frauenstein und das Salzhaus. Die große Uhr im Haus zum Römer stammt aus dem Jahr 1454.

Als Frankfurt 1356 mit der „Goldenen Bulle“ zur Wahlstadt der deutschen Könige und Kaiser bestimmt worden war, bedurfte die Stadtverwaltung auch repräsentativerer Räume. So erhielten beim Umbau zum Rathaus der heutige Kaisersaal, das später als Kurfürstenzimmer in die Geschichte eingegangene Ratszimmer und die Amtsstuben der beiden Bürgermeister ihren Platz in den Obergeschossen.

Im Jahre 1411 ist ein großer Festsaal eingerichtet worden, der zunächst Römersaal genannt wurde. Als 1562 erstmals eine Kaiserkrönung in Frankfurt stattfand, wurde der Römersaal zum Kaisersaal umbenannt. Er wurde zum würdigen Rahmen für historische Ereignisse. Es fanden darin die Krönungsbankette für die zehn in Frankfurt gekrönten deutschen Kaiser statt.

Anläßlich der Feiern zur Krönung von Kaiser Matthias erhielt der Kaisersaal 1612 mit der gewölbten Holzdecke sowie den unterschiedlich hohen Fenstern seine endgültige Architektur. 1711 hat man in den Nischen Herrscherbüsten angebracht, indem man Brustbilder mit Beischriften auf die Mauer gemalt hat. Im Jahre 1741 entstand im Vorfeld der Krönung von Kaiser Karl VII. die vielgerühmte barocke Kaisertreppe, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Erhalten blieb nur das barocke Portal zwischen den Häusern Römer und Löwenstein.

In den unteren gewölbeähnlichen Hallen des Römer verlor er sich gar zu gerne. Goethe hat sich als Knabe die Gunst des Schließers im Römer verschafft, um die „neue, heitere, in Fresco gemalte Kaisertreppe hinaufsteigen zu dürfen“. Er verschaffte sich Eintritt in das große, höchst einfache Sessionszimmer des Rates. Bei der Krönung Kaiser Joseph II. im Jahre 1764 hat Goethe auch den Krönungsfeierlichkeiten im Kaisersaal beigewohnt. Das Kapitel zu den Krönungsfeierlichkeiten kann in Dichtung und Wahrheit 1. Teil 5. Buch nachgelesen werden.

Das Pfeifergericht: Ab 1380 bis 1802 fand alljährlich zur Herbstmesse im heutigen Kaisersaal Anfang September das mittelalterliche Spektakel des Pfeifergerichts statt. Unter den Neugierigen befand sich auch der junge Goethe um die altertümliche Zeremonie zu bestaunen. Es zogen Abgesandte aus Worms, Nürnberg und Alt-Bamberg nacheinander mit drei Pfeifern vor das Frankfurter Schöffengericht, um die einst vom Kaiser gewährte Zollfreiheit zu erneuern. Sie brachten folgende symbolische Geschenke mit: Pfeffer in einem Holzbecher, Handschuhe. ein Stäbchen, Geldstücke und für Worms zusätzlich einen alten Biberhut. Zum Pfeifergericht schrieb Goethe folgendes: „uf einmal meldet eine wunderliche Musik gleichsam die Ankunft voriger Jahrhunderte. Es sind drei Pfeifer, deren einer eine alte Schalmei, der andere einen Baß, der dritte einen Pommer oder Hoboe bläst“.

In den Jahren 1838 - 1853 hat man zur Erinnerung an die alte Reichherrlichkeit die Büsten durch 52 in die Wände eingelassene Gemälde der Kaiser, die von 768 bis 1806 das Heilige Römische Reich deutscher Nation regiert haben, ersetzt. Goethe hat also den Kaisersaal in seiner heutigen Gestalt nicht mehr erlebt.

Der Gebäudekomplex des Römers wurde 1944 durch Bomben zerstört und teilweise in vereinfachter Form wieder aufgebaut, wobei die frühere Fünf-Giebel-Front wieder entstanden ist.

 

Höfe:

Was die Aufmerksamkeit des Kindes am meisten an sich zog, waren die vielen kleinen Städte in der Stadt , die Festungen in der Festung, die ummauerten Klosterbezirke und die mehr oder minder burgartigen Räume, zum Beispiel der Nürnberger Hof. Nichts architektonisch Erhebendes war damals in Frankfurt zu sehen. Alles deutete auf eine vergangene sehr unruhige Zeit. Eine gewisse Neigung zum Altertümlichen setzte sich bei ihm fest beim Anblick von Pforten, Türmen. Mauern, Brücken. Wällen und Gräben.

 

Mainbrücke:

Während seiner Frankfurter Zeit spazierte Goethe am liebsten auf der großen Mainbrücke, der jetzigen Alten Brücke. Der schöne Fluß auf- und abwärts zog seine Blicke auf sich und es war ihm eine „erfreuliche Empfindung“. Gewöhnlich wurde dann durch Sachsenhausen spaziert und die Überfahrt für einen Kreuzer gar behaglich genossen.

 

Goetheplatz und Goethedenkmal:

Die Stadtallee wurde 1849 an Goethes 100. Geburtstag in „Goetheplatz“ umbenannt. Hier steht seit 2007 wieder das Goethe-Denkmal. Es ist eine Schöpfung von Ludwig Schwanthaler aus dem Jahr 1844. Die Reliefs am Sockel des Denkmals zeigen Gestalten aus Goethes Werken sowie allegorische Figuren der Wissenschaft, der dramatischen und lyrischen Dichtkunst. Das Monument stand von 1977 bis 2007 in der Gallus-Anlage etwa auf halbem Weg zwischen Hauptbahnhof und Hauptwache, unweit der Europäischen Zentralbank und der Städtischen Bühnen, wo die Kaiserstraße auf die Gallusanlage stößt. Dort ist jetzt eine moderne Skulptur aufgestellt.

Die CDU hat den Antrag gestellt, das Goethe-Denkmal aus dem Gebüsch des Anlagenrings zu holen und wieder auf seinen angestammten Platz zu stellen. Am Beispiel Goetheplatz scheint auf, daß Frankfurt in den Bombennächten des Jahres 1944 nicht nur sein Gesicht, sondern auch seine Identität verloren hat. Man sollte sich einmal überlegen, welche inneren Verbindungslinien zu Goethe in Frankfurt, wo des Dichters runde Geburtstage regelmäßig am Goethedenkmal groß gefeiert wurden, denn wirklich noch bestehen. Der Bindungsverlust, war man sich einig, hat auch mit dem Verlust von solchen Ritualen wie eben der gemeinschaftlichen öffentlichen Feier von Goethes Ehrentagen zu tun. Ohne Goethes Standbild ist es nichts mehr. Und dieser Mißstand gilt auch für das Denkmal für Schiller, das ebenfalls in der Wallanlage gelandet ist.

Nur solange das tonnenschwere Goethe-Denkmal auf dem Goetheplatz stand, hat Frankfurt „mit dem Platz gelebt“. Die Lösung für den Ort, mit dem alle so unzufrieden sind, hörte sich am Ende ziemlich einfach an: „Man nehme den Merkurbrunnen von der Messe und den Goethe von der Europäischen Zentralbank, nehme Kies dazu und pflanze vier Linden hinein.“ Gleiches könne ohne weiteres Friedrich Schiller angedeihen, dessen Standbild früher dort aufragte, wo sich heute hinter dem kleinen Wachengebäude der Hauptwache das riesige Loch zur B-Ebene auftut.

Schillerdenkmal:

In der Taunusanlage nördlich der Stelle, wo einmal das Goethedenkmal stand, steht das Schillerdenkmal. Zu Schillers 100. Geburtstag im Jahr 1859 wünschte sich die Frankfurter Bürgerschaft ein Abbild des Dichters in Bronze. Der Frankfurter Bildhauer Johannes Dielmann hatte bereits ein Gipsmodell dazu entworfen und es auf dem Römerberg als Aufbau über dem Justitiabrunnen unter großem Zuspruch gezeigt.

Der Entwurf erhielt beim Wettbewerb den ersten Preis und wurde bald realisiert. Der Senat der Freien Stadt Frankfurt erteilte am 8. Mai 1860 die Bewilligung zur Errichtung des Monuments. Beauftragt wurde die Gießerei F. von Miller in München. Das Denkmal wurde am 9. Mai 1864 an der Hauptwache aufgestellt und später auf den Rathenauplatz versetzt. Im Mai 1955 zu Schillers 150. Todestag erhielt es seinen jetzigen Standort in der Taunusanlage. Die überlebensgroße Bronzestatue von Schiller steht auf einem Syenitblock aus dem Fichtelgebirge. Die Figur trägt einen bodenlangen Umhang, einen Lorbeerkranz und die beiden Schriftstellersymbole in seinen Händen, den Griffel und das Buch.

Goethe bezeichnet sein Bekanntwerden mit Schiller als das größte Ereignis in seinem Leben. Im Jahre 1794 schlossen die beiden großen Dichter den Bund fürs Leben. In einem Brief vom 23. August 1794 hatte Schiller begeistert die Goethische Poesie gepriesen. Goethe war Schillers leuchtendes Vorbild und er wollte unbedingt von ihm beachtet werden. Ein Problem dabei war die falsche Anschauung Goethes, der in Schiller einen Stürmer und Dränger sah, den Verfasser der „Räuber“, den Vertreter einer Richtung, von der sich Goethe längst abgewandt hatte. Schiller näherte sich aber noch vor der Freundschaft mit Goethe sehr dessen Kunstrichtung. Goethe und Schiller hatten eine gemeinsame Richtung. Den Glauben an die Göttlichkeit der Kunst und die Erziehung der Menschheit zu höchster Kulturstufe durch die Kunst. Goethe war Realist, Schiller war Idealist. Schillers Denken und Dichten wurde durch die Philosophie beeinflußt, Goethes von den Naturwissenschaften.

 

Haus für Goethe:

Weiter die Taunusanlage kommt man kurz vor ihrem Ende auf der linken Seite gegenüber dem Beethovendenkmal zum „Haus für Goethe“. Bei dieser begehbaren Architekturskulptur aus Kunststein handelt es sich um „ein Haus für Goethe“, geschaffen von dem spanischen Bildhauer Eduardo Chilida. Diese ist über 3,5 Meter hoch, 5 Meter lang und 3 Meter breit und befindet sich hier unterhalb des Beethovendenkmals seit 1986. Sie wurde von der Bürgervereinigung „Schöneres Frankfurt“ gestiftet. Wenn man die Skulptur von verschiedenen Seiten betrachtet, entsteht immer wieder ein anderes Bild von ihr. Vermutlich sollte Goethes Vielfalt damit zum Ausdruck gebracht werden.

 

Marshall-Brunnen:

Der Marshall-Brunnen in der Bockenheimer Anlage wurde 1963 in Erinnerung an den amerikanischen Außenminister G.C. Marshall enthüllt, dem Initiator des Marshallplans, der verhindert hat,  daß aus Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ein Kartoffelacker geworden ist. Die drei bronzenen Frauenfiguren wurden in Anlehnung an die drei Grazien der Kaiserpfalzszene in Goethes Faust II geschaffen. Deren Zitate sind hier in Stein gemeißelt:

Aglaia: „Anmut bringen wir ins Leben, leget Anmut in das Geben“.

Hegemone: „Leget Anmut ins Empfangen, lieblich ist's den Wunsch erlangen“.

Euphrosyne:  „Und in stiller Tage Schranken, höchst anmutig sei das Danken“.

Geben, Nehmen und Danken sollen also damit symbolisiert werden. Auf zwei Gedenksteinen ist einmal ein Hinweis auf George Marshall angebracht, auf dem anderen sind die Zitate aus Faust II aufgeführt.

 

Alte Oper:

Am 28. August 1981, Goethes 232. Geburtstag, wurde die als Konzert- und Kongreßzentrum wiederhergestellte Alte Oper eingeweiht. An der Fassade oben rechts neben dem Balkon befindet sich eine Statue von Goethe, die 1880 von Gustav Herold geschaffen wurde. Auch die Inschrift:  „Dem Wahren, Schönen, Guten“ stammt von Goethe. Die Anregung dazu geht auf den Goetheforscher Theodor Creizenach zurück. Das Zitat selbst stammt aus Goethes Epilog zu Schillers Glocke. Dort heißt es in Zeile 30: „Indessen schritt sein Geist gewaltig fort, ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen“ (Gedichte: Bd. 1).

 

Palmengarten:

Im Palmengarten hält man sich rechts, bis man zum Goethegarten gelangt. Dieser ist eine neue Attraktion im Palmengarten. Er wurde mit Unterstützung der Allianz Umweltstiftung im Jubiläumsjahr 1999 zu Goethes 250. Geburtstag an Pfingsten hier im Palmengarten für den Dichter und Naturwissenschaftler Johann Wolfgang von Goethe angelegt. Gestaltet wurde er von Künstlern aus Berlin. Der Garten befindet sich neben dem Tropicarium auf einer ehemaligen Streuobstwiese, die der Familie Goethe gehörte.

Ein Zitat Goethes zu den Naturwissenschaften zu Eckermann 1831: „Die Natur ergibt sich nicht einem jeden. Sie erweist sich vielmehr gegen viele wie ein neckisches junges Mädchen, das uns durch tausend Reize anlockt, aber in dem Augenblick, wo wir es zu fassen und zu besitzen glauben, unseren Armen entschlüpft.“

Die Familien Textor und Goethe gehörten zu den Bürgern, die im 17. und 18. Jahrhundert vor den Toren der Stadt Weinberge, Gemüse und Obstplantagen angelegt hatten. Dazu gehörte eine „Baumwiese“, die der Vater Johann Caspar Goethe erworben hatte, wo er mit seinem Sohn Wolfgang mehr als 1.000 Obstbäume gepflanzt hatte.

Diese im 18. Jahrhundert von Goethes Mutter praktisch genutzte Stelle wurde 1999 als dauerhafte Erinnerungsstätte an den Pflanzenliebhaber Goethe und seine Mutter neu gestaltet. Hier wird durch Zitate aus Goethes Werk an den Dichter erinnert. Goethe hatte nicht nur wissenschaftliches Interesse an Pflanzen, sondern konnte einem Garten schon früh erholsame und kulinarische Aspekte abgewinnen. Wenn er der väterlichen Erziehung zu entfliehen suchte, trieb es ihn zum großelterlichen Haus mit dem so herrlichen Garten.

Hierzu berichtet er in Dichtung und Wahrheit folgendes:  „Vor diesen didaktischen und pädagogischen Bedrängnissen flüchteten wir gewöhnlich zu den Großeltern. Ihre Wohnung lag auf der Friedberger Gasse und schien ehemals eine Burg gewesen zu sein: denn wenn man herankam, sah man nichts als ein großes Tor mit Zinnen, welches zu beiden Seiten an zwei Nachbarhäuser stieß. Trat man hinein, so gelangte man durch einen schmalen Gang endlich in einen ziemlich breiten Hof, umgeben von ungleichen Gebäuden, welche nunmehr alle zu einer Wohnung vereinigt waren. Gewöhnlich eilten wir sogleich in den Garten, der sich ansehnlich lang und breit hinter den Gebäuden hin erstreckte und sehr gut unterhalten war, die Gänge meistens mit Rebgeländer eingefaßt, ein Teil des Raums den Küchengewächsen, ein andrer den Blumen gewidmet, die vom Frühjahr bis in den Herbst in reichlicher Abwechslung die Rabatten sowie die Beete schmückten. Die lange, gegen Mittag gerichtete Mauer war zu wohlgezogenen Spalier-Pfirsichbäumen genützt, von denen uns die verbotenen Früchte den Sommer über gar appetitlich entgegenreiften. Doch vermieden wir lieber diese Seite, weil wir unsere Genäschigkeit hier nicht befriedigen durften und wandten uns zu der entgegengesetzten, wo eine unabsehbare Reihe Johannes- und Stachelbeerbüsche unserer Gierigkeit eine Folge von Ernten bis in den Herbst eröffnete.“

Man sieht hier eine Skulptur von Goethes Mutter mit ihrem Sohn. Der Garten ist in zwei Ebenen angelegt. Er besteht aus zwei ineinandergreifenden Rechtecken, die mit Pfeilern in unterschiedlichen Farben geschmückt sind, auf denen Goethetexte eingeschnitten sind. Der zweigeteilte Garten greift die Doppelbegabung Goethes auf. In der Mitte der oberen Ebene befindet sich in einem Rechteck eine kunstvoll mit Gingko-Blättern aus Cortenstahl in brauner Farbe gestaltete Fläche. Die Pfeiler sind mit unterschiedlichen Vielecken mit teilweise abgerundeten Ecken in unterschiedlichen Farben, in die ebenfalls Goethetexte eingeschnitten sind, überdacht. Damit sollen Wolken dargestellt werden.

Jeder Pfeiler ist in der Textverteilung unterschiedlich gestaltet, die Buchstaben sind unterschiedlich groß. Zwei Pfeiler in der oberen Ebene sind mit Texten aus Goethes „Westöstlichem Divan“ versehen, zum Beispiel mit dem Gedicht Gingko Biloba. Der dritte, eine japanische Säule trägt einen Text von Faust I:  „Das also war des Pudels Kern!“

Auf der zweiten Ebene befindet sich ein Brunnen aus Metall. Er soll ein Sinnbild von Verbindung und Scheidung sein, in der Mitte mit einer kreisrunden Fläche, die alles verbindet, und mit Lücken, die die vier Quader voneinander scheiden.

Die fünf Pfeiler auf der unteren Ebene sind unterschiedlichen Themen gewidmet:

Pfeiler 1: Lebensweisheiten aus acht verschiedenen Werken

Pfeiler 2: Der Liebe gewidmet

Pfeiler 3: Über Bäume und das Unerforschliche

Pfeiler 4: Der Natur gewidmet

Pfeiler 5: Über das Alter

Die Texte auf den Pfeilern können dem im Palmengarten erhältlichen Faltblatt über den Goethe-Garten, „Ein Projekt der Allianz Umweltstiftung und des Palmengartens zu Ehren des Frankfurter Bürgers Johann Wolfgang von Goethe“ entnommen werden.

 

Universität:

An der Bockenheimer Warte läuft m an über den ehemaligen Campus Bockenheim auf das Jügelhaus aus rotem Sandstein zu. Das Jügelhaus ist das ehemaliges Hörsaalgebäude auf dem Campus Bockenheim mit prächtiger Aula der Johann Wolfgang Goethe-Universität, das diesen Namen seit 1932 (seit Goethes 100. Todesjahr) trägt. Es handelt sich um eine ,,Stiftungsuniversität“, die ohne staatliche Finanzen aus Mitteln privater Stiftungen Frankfurter Bürger als einzige dieser Art auf deutschem Boden errichtet wurde.

Das Jügelhaus wurde 1906 aus den Mitteln der Karl Christian Jügelschen Stiftung errichtet und zwar im Neubarockstil mit Rokoko-Elementen. Im Jahre 1912 wurde die Universität in Betrieb genommen. Die scherenschnittartigen Portraits stellen Immanuel Kant, Johann Wolfgang von Goethe und Alexander von Humboldt dar. Lateinische Aufschriften: „Mens agitat molem und Dies diem docet“. Wenn man vor dem Jügelhaus links einbiegt und dann gleich wieder rechts weiterläuft, gelangt man zum Senckenbergmuseum.

 

Senckenbergmuseum:

Dieses Naturmuseum und Forschungsinstitut ist eines der größten Naturkundemuseen in Europa. Mit 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und über 5000 zum Teil einzigartigen Exponaten ist es das größte und wertvollste in Deutschland. Dieses Gebäude an der Senckenberganlage im Neubarockstil wurde 1906 errichtet. Der erste Museumsbau von 1821 befand sich am Eschenheimer Tor.

Johann Christian Senckenberg (1707 - 1772), Arzt und Naturwissenschaftler, hat 1763 sein gesamtes Vermögen zu einer Stiftung verwandt (zwei Drittel für die medizinnaturwissenschaftliche Forschung, ein Drittel für das Bürgerhospital). Im Jahre 1815 hatte Goethe zur Gründung der Senckenbergischen Gesellschaft aufgerufen, um die naturwissenschaftlichen Stiftungseinrichtungen des Arztes Dr. Johann Christian Senckenberg vor dem Verfall durch die napoleonischen Kriege zu retten. Die naturforschende Gesellschaft wurde 1817 von 32 Frankfurter Bürgern gegründet, darunter S.M. von Bethmann und Goethes Vetter Dr. Melber.

Wenn man im Museum am Eingang die Treppe hinunter geht, gelangt man rechts in einen kleinen Raum, der Aufschluß gibt über die Entstehung des Museums.

Die 32 Frankfurter Bürger, die 1817 die Senckenbergsche Naturforschende Gesellschaft gegründet haben, haben ihre naturkundlichen Sammlungen in einem Museum Seckenbergianum vereinigt.

An der Balustrade im zweiten Stock befindet sich eine Goethebüste, die von Kaiserin Auguste Viktoria im Jahr 1907 gestiftet wurde. Rechts davon befindet sich eine Tafel mit Goethes Aufruf (dem eigentlichen Gründer der Gesellschaft) und den 32 Stiftern. Auf der Tafel links von der Büste sind die 27 Erhalter des Werks aufgeführt.

 

Rödelheim:

Mit der U 7 fährt man bis zur Haltestelle Industriehof, steigt dort um in den Bus Nr. 34 Richtung Mönchhofstraße bis zur Haltestelle Alt-Rödelheim (Petrihaus). Wenn man aussteigt sieht man den Brentanopark hinter der Brücke auf der linken Seite. Das Petrihaus befindet sich links vor der Brücke. Man gelangt dorthin, indem m an in die Straße Alt-Rödelheim einbiegt6, bei nächster Gelegenheit gleich wieder rechts einbiegt und am Ende des Weges nochmals rechts einbiegt.

 

Brentanopark (Eine verborgene Goethestätte ):

 Rödelheim war einst ein idyllisches Dorf, in das die Frankfurter an schönen Tagen pilgerten, um der Landluft näher zu sein. Sie fühlten sich angezogen von der anmutigen Lage, dem Schloß der Grafen von Solms und seinem Park, der allen offenstand. Der Brentanopark ist 1785 als Garten des preußischen Hofrats Basse entstanden. Hier am Eingang weist eine Tafel darauf hin, daß Georg Brentano, der von 1775 - 1851 gelebt hat, in 40-jähriger Lebensarbeit durch mehr als 100 Ankäufe den einstmals 13 Hektar großen Park geschaffen hat. Der berühmteste Besucher in Rödelheim war Johann Wolfgang von Goethe, der hier 1814 einen „unanständig lustigen Mittag“ verbrachte und dem „herrlichen Sonnenuntergang hinter dem Taunusgebirge“ beiwohnte.

Die Familie Brentano ist eine aus Italien stammende Frankfurter Kaufmannsfamilie. Im Jahre 1808 erwarb Georg Brentano, ein Bruder von Clemens und Bettine Brentano, das Landhaus nebst Garten, eine im Empirestil gehaltene Villa des anfangs erfolgreichen, dann nach Amerika ausgewanderten Tuchhändlers Hofrat Detmar Basse, das 1785 von ihm erbaut wurde. Goethe soll an der Gestaltung des Hauses beteiligt gewesen sein, als er 1792 in Frankfurt weilte.

Am 15. März 1808 schrieb nämlich Bettina Brentano an Goethe: „Du mußt es kennen, da Du selbst den Plan dazu gemacht und mit Basse, der jetzt in Amerika wohnt, den Bau besorgtest.“

Georg Brentano soll nach dem Urteil von Goethes Mutter „schön wie der Herzog von Mailand“ gewesen sein. Er war ein guter Kaufmann, der abzuwägen und zu planen verstand. Er erweiterte den Park durch ein jenseits des Mühlgrabens gelegenes, reizvoll von den Windungen der Nidda umflossenes Wiesengelände. Er ließ viele seltene Bäume pflanzen, pittoreske Baumgruppen anlegen und aufwendige Blumenrabatten dekorieren und ergänzte das Ganze durch ein Ensemble außergewöhnlicher Bauwerke.

Er schuf den einzigen englischen Landschaftspark in unmittelbarer Umgebung Frankfurts. Im hinteren Teils des Parks waren ein Seerosenteich  mit Goldfischen, ein Gehege mit Rehen, ein Irrgarten, ein Weiher, eine in den Boden eingelassene Sonnenuhr und ein künstlich aufgeschütteter Aussichtshügel untergebracht. Auf der Niddainsel hatte Georg Brentano 1834 ein Heckentheater anlegen lassen, das im Stil eines halbrunden antiken Theaters errichtet worden ist. Im Jahre 1851 ging der Besitz auf seinen Sohn Ludwig über, von diesem auf Marie von Stumpf-Brentano, die 1895/97 das Bassesche Haus abreißen und einen größeren Neubau errichten ließ, in dem einige Zimmer wie zu Goethes Zeiten eingerichtet waren. Im Jahre 1919 zog ihr Sohn Clemens von Stumpf-Brentano mit seinen fünf Kindern ein. Durch die Inflation der zwanziger Jahre wurde das Vermögen der Familie entwertet. Nach vorübergehender teilweiser Vermietung des Hauses und Verpachtung des Parks, verkaufte sie 1926 den gesamten Besitz an die Stadt Frankfurt, zu der Rödelheim seit 1910 gehörte. Im Jahr 1929 wurde der Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gleichzeitig durch die Regulierung der Nidda das Brentanobad eingerichtet. Seit 1986 steht er unter Denkmalschutz. Das Brentano`sche Haus wurde ebenfalls im Zweiten Weltkrieg zerstört und die Ruinen wurden 1957 abgetragen. Erhalten ist das Küchengebäude. Geblieben sind die im englischen Stil gestalteten Parks mit ihren alten Bäumen.

 

„Goethetempel“:

Im Brentanopark bewahrt außer dem Petrihaus auf dem gegenüberliegenden Niddaufer der klassizistische sogenannte „Goethetempel“ die Erinnerung an das abwechslungsreiche gesellschaftliche Leben, das Georg Brentano dort führte. Haus und Garten sahen viele Gäste: Gesandte, Gelehrte, Künstler und Literaten. Auch Goethe war dort 1814 zu Gast als er im Rhein-Main-Gebiet weilte. Der Maler Ludwig Emil Grimm beschrieb liebevoll das Landgut und im Park gestand Marianne von Willemer Hermann Grimm, einem Sohn von Wilhelm Grimm, daß sie einige Gedichte in Goethes „West-östlichem Divan“ verfaßt habe.

Das Badehaus wurde oft fälschlicherweise im Volksmund „Goethetempelchen“ genannt, weil man es lange für den geselligen Mittelpunkt des Anwesens und damit auch für einen Aufenthaltsort Goethes hielt. Die Rolle des Dichters kann sich aber höchstens auf eine Beteiligung am Entwurf des Gebäudes beschränkt haben. Mit seinem von dorischen Säulen flankierten Portal hatte es Hofrat Basse als Voliere gedient. Georg Brentano machte daraus ein luxuriöses Bad mit einer im Boden halbversenkten Wanne aus Carrara-Marmor. Die Wände waren mit weißen Stoffen drapiert, in den Nischen luden Sofas zum Ausruhen ein. Durch ein Spiegelfenster konnte man die dahinter liegende Taubenvoliere öffnen und die handzahmen Vögel hereinlocken. Für die Badenden wurde der Raum mit Rosenblättern bestreut. Im Jahre 1999 erfolgte anläßlich Goethes 250. Geburtstags eine umfassende Sanierung des original erhaltenen Gebäudes.                 

Am Ufer des Mühlgrabens stand die sogenannte „Ludwigsruh“ oder „Ludwigslust“, ein einfaches Fischerhaus, das Georg Brentano 1828 erworben hatte. Er hat es ähnlich wie das Petrihaus mit einem Treppenaufgang ausgestattet und mit einer umlaufenden Holzveranda versehen. Es diente seinem Sohn Ludwig als Studentenbude. In den Jahren 1930/31 wurde ein Pavillon in modernen Bauhausformen errichtet. Nach einem Entwurf von E. Kaufmann wurde er als Unterstandhalle mit Botanik-Unterrichtsraum vor radial angelegtem Schülerarbeitsgarten realisiert. Er ist Sitz des Rödelheimer Geschichtsvereins. Man sieht eine der Sandsteinsphingen, die vor dem Portal des „musikalischen Gewächshauses“ lagerten.

Das „musikalische Gewächshaus“ stand schräg gegenüber. Es handelte sich um ein großes Treibhaus mit seltensten Pflanzen, in seiner Mitte war ein schöner Salon, indem ein Flügel stand. Es fanden dort Gesellschaften und Konzerte statt, bei denen Goethe berühmter Gast war, ebenso Fürst Pückler während seiner Kur in Wiesbaden 1814/15. Zwischen kostbaren Pflanzen spielte der Hausherr virtuos auf der Flöte, am Flügel von seinen Nichten begleitet. Das musikalische Gewächshaus wurde 1926 abgerissen. Dabei wurden viele liebenswerte Details von Georg Brentanos Schöpfung unwiederbringlich vernichtet. Anstelle der brentanoschen Gärtnerei und Fasanerie und des Gewächshauses, an das an zwei Seiten gläserne Flügel als Verbindung an den heute noch vorhandenen Rosenlaubengang angebaut waren, wurde der Schülerarbeitsgarten angelegt als fächerförmige Rosenlaubengang Der original erhaltene Laubengang ist mit historischen Rosensorten neu bepflanzt worden. Durch den Laubengang gelangt man zum ehemaligen Goldfischteich. Dahinter befindet sich als Sandkasten innerhalb des Spielplatzes der ummauerte Teich, der von zwei Sandsteinlöwen bewacht wird.

Der Rückweg führt vorbei an einer weiteren Sphinx durch den radial angelegten Garten mit Hecken und Springbrunnen (Rosengarten). Danach hinter der Brücke links befindet sich ein Gedenkstein, der an die 1938 gewaltsam zerstörte Synagoge erinnert und an die jüdische Gemeinde.

                       

Petrihaus:

Das Petrihaus wurde um 1720 als Fachwerkhaus errichtet. Im Jahre 1819 erwarb es der Kaufmann und Bankier Georg Brentano vom Rödelheimer Bäckermeister Johannes Petri für 1.150 Gulden und baute es 1820 zum klassizistischen Schweizerhaus um. Georg Brentano nutzte das Haus als sein persönliches Refugium und richtete sich im ersten Stock einen Salon, ein Arbeitszimmer und einen Schlafraum ein. Das Petrihaus steht unter Denkmalschutz und wurde 2003 vollständig restauriert. Dabei wurde im ersten Stock ein Brentanomuseum eingerichtet. Das Untergeschoß wird für öffentliche und private Veranstaltungen genutzt. Das Brentanomuseum ist von Februar bis November. am letzten Sonntag des Monats von 14 - 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Der Gingkobaum neben dem Petrihaus am Niddawehr soll Goethe zum Gingko-Gedicht („Gingko biloba“) angeregt haben (im West-östlichen Diwan). Dieser Gingko biloba wurde um 1750 gepflanzt. Er ist der älteste Gingkobaum in Deutschland.

In den Besuch kann man auch den Solmser Schloßpark auf der rechten Straßenseite mit einbeziehen (siehe auch Dateien „Frankfurt, Norden“).

 

Altstadt Frankfurt-Höchst:

Als junger Mann reiste Goethe häufig in Begleitung seiner Freunde mit dem Marktschiff nach Höchst, um in einen der zahlreichen Gasthöfe des Höchster Schloßplatzes einzukehren oder die Höchster Porzellan-Manufaktur zu besuchen. Noch heute bietet sich die Altstadt von Höchst wie zu Goethes Zeiten dar. Alles ist wie früher: Die traditionsreichen Gasthäuser, die wehrhafte Befestigungsanlage am Mainufer, das Schloß aus dem 16. Jahrhundert, die romanische Justinuskirche aus dem 8. Jahrhundert und auch die Höchster Porzellan-Manufaktur.

 

Goethe und der Wein:

Es war der Wein, der Johann Wolfgang Goethe ins Leben holte, glaubt man den Schilderungen von Bettina Brentano. Nach einer schwierigen Geburt war es ein Bad in erhitztem Wein, das die Lebensgeister des Neugeborenen weckte. Und der Wein begleitete Deutschlands Dichterfürsten ein Leben lang. Goethe war ein exquisiter Weinkenner und -genießer. Er trank reichlich - etwa zwei Liter am Tag sollen es gewesen sein - und verwandte in späteren Jahren einen guten Teil seines Einkommens für den Kauf erlesener Sorten.

Aber er war kein Säufer. Vielmehr diente der Wein als Stimulanzmittel für das Schreiben und fand ebenso als Motiv Eingang in Gedichte und Prosa. Kein anderer deutscher Dichter hat zum Lob des Weins so schöne Verse geschrieben. Dokumente, die hierüber Aufschluß geben, existieren reichlich. Schließlich ist Goethes Leben ein sehr gut belegtes Leben. Man weiß zum Beispiel aus Briefen und Kellerberichten, daß Goethe schon zum zweiten Frühstück, zum Mittagessen und abends Wein trank.

Daß der Dichter ein Kenner des Weins war, ist auch biographisch begründet. Denn nach dem lebenserweckenden Bad im Wein begleitete dessen Duft Goethe ebenfalls in seiner Kindheit. Das Haus am Hirschgraben kaufte die Familie allein wegen des großen Kellers, um dort den wertvollen Weinbesitz zu lagern. Denn die Weine, die als „alte Herren“ bezeichnet wurden, begründeten den Wohlstand der Familie.

Außerdem war die Stadt Frankfurt am Main im 18. Jahrhundert nicht nur Umschlagsplatz für Wein, sondern auch Weinanbaugebiet. Zur Weinlese wurde stets ein großes Fest gefeiert, an das Goethe viele lebhafte Erinnerungen hatte.

Besonders schätzte Frankfurts berühmtester Sohn den „Eilfer“, einen Wein des Jahrgangs 1811. Damals war es aufgrund einer klimatischen Katastrophe bereits im April so heiß, daß es zwei Weinernten gab. Der Wein dieses Jahres war ein besonders starker Wein.

 

Dieser Wein, der heute den Namen „Goethe-Wein“ trägt, läßt sich noch immer genießen, zum Beispiel auf Schloß Vollrads im Rheingau. Im Jahre 1814 verbrachte Goethe eine Woche im Haus der Brentanos. Noch heute können die beiden möblierten Zimmer, die er dort bewohnte, besichtigt werden. Über seine Eindrücke von diesem irdischen Paradies hat er sich oft und viel ausgelassen (Siehe dazu das Buch von Dr. Heiner Boehncke und Dr. Joachim Seng. „Will keiner trinken? Keiner lachen? Goethe und der Wein“, das Mitte September 2014  im Insel-Verlag erscheint).

 

 

 

 

Personen

 

Schopenhauer:

Seit dem Beschluß, am Kopf der Bubis-Brücke die Stadtbibliothek wieder zu errichten, geistert unverhofft das Andenken an Arthur Schopenhauer (1788-1860) durch die Stadt. Der Philosoph lebte an der Schönen Aussicht am Kopf der Alten Brücke, nur ein paar Schritte entfernt.

Das Bild der Altstadt ist ins Gerede gekommen. Was dort im Krieg verbrannte, hatte im Kern 800 Jahre

Bestand. Die Bauten der Nachkriegsjahrzehnte dagegen werden nach Einschätzung des Frankfurt-Planers Albert Speer von Bürgern und Besuchern als häßlich empfunden. Die Debatte nimmt ihren Lauf. Da kommt das vielbesungene, verlorene Schopenhauer-Haus in den Blick, das 1805 gebaut wurde, 1944 ausbrannte, über ein Jahrzehnt als Ruine herumstand und seit 1956 abgetragen ist.

„Es war das größte klassizistische Bürgerhaus im Fischerfeldviertel und wurde deswegen geschätzt“, meldete sich der Stadthistoriker Björn Wissenbach zu Wort. Wenn die Stadtbibliothek als Hülle für das Literaturhaus wieder entsteht, hätte dieser Altstadt-Experte die Anregung, auch diese Erinnerung wieder aufleben zu lassen: „Es kam in mir die Frage auf, ob es nicht sinnvoll und wünschenswert ist, auch an den Wiederaufbau des Schopenhauerhauses zu denken.“

Ein Nachkriegstrakt mit einem grünen Kachelsockel und „Bistro Salvatore“ mit ein paar Stühlen findet sich heute am Platz, wo der schwerhörige Schopenhauer („Parterre, rechts, Glastür, stark schellen!“) mit seinem Pudel zu Hause war. Gelb-braun die Putzfassade, ein Teil der Fenster blind und eingestaubt, der Hauseingang wegen des brüllenden Autoverkehrs am Fluß auf die Rückseite verlegt. Rechts daneben ist seit den Tagen der Zerstörung Brachland. Vor langer Zeit hat man Richtung Fluß Bretterzäune aufgerichtet, alle möglichen Reklame-Versprechen kleben davor. Lauter Götterbäume sind in die Höhe geschossen. Ebenso wie die Spekulationen über die Grundstücksgeschichte. Die „Frankfurter Biographie“ (Waldemar Kramer Verlag) ging dabei ebenso in die Irre wie der Geschichtsmagister Björn Wissenbach.

Laut „Biographie“ sei „Schopenhauers Sterbewohnung auf dem Trümmergrundstück  zulokalisieren.“ Damit wären die ungenutzten Adressen der ureigene Ort für eine Schopenhauer Gedenkstätte gewesen. Der Historiker Michael Fleiter im Institut für Stadtgeschichte  könnte für eine solche Idee „Leute  mobilisieren und auch Sponsoren finden.“ Zumal das Haus Schöne Aussicht 16, in dem Schopenhauer 1860 starb, auch architektonisch etwas Besonderes war. Es stammte aus der Werkstatt der legendären Stadtbaumeister-Familie Hess. Vater Johann Georg Christian Hess hatte es gebaut - und zwar 18 Jahre bevor sein Sohn Johann Friedrich Christian Hess die klassizistische Stadtbibliothek mit dem Portikus errichtete.

Frankfurt wollte 1938 an der Schönen Aussicht 16 ein Schopenhauer-Museum aufmachen; der Weltkrieg kam aber dazwischen. „Altstadtvater“ Fried Lübbecke wohnte zu jener Zeit an der Adresse. Wie das hochherrschaftliche Gebäude mit seinem Säulen-Vestibül und der geschwungenen Freitreppe im Bombenhagel des 22. März 1944 „der Untergang ereilte“, hat Fried Lübbecke von der Alten Brücke aus beobachtet. Dorthin hatte er sich gerettet, zwischen allerlei Mobiliar. Das, überliefert Lübbecke (1883-1965) in einer Schrift „Abschied vom Schopenhauerhause“, hatten Mitbewohner „aus Schopenhauers Wohnung im Erdgeschoß hergeschleppt - Schopenhauers Sterbesofa, Schopenhauers Schreibtischstuhl. Die Gegenstände sind in einem kleinen Schopenhauer-Archiv unter dem Dach des Literaturhauses untergekommen.

An der Schönen Aussicht aber bewegt sich nichts. Warum eigentlich? „Die drei Parzellen seien wegen der Gespräche mit verschiedenen Investoren liegen geblieben“, antwortet ein Mitglied der Wiesbadener Erbengemeinschaft, in deren Eigentum sie stehen. „Es komme jetzt etwas in Gang“. Denn bei der Stadt wird die ewige Baulücke moniert: „Wir möchten, daß da gebaut wird“, sagt Dieter von Lüpke im Planungsamt.

Die Gelegenheit ist günstig, am Main einen weiteren Anziehungspunkt zu schaffen. Es treffen sich dort gerade einige Linien der Stadtentwicklung. Nicht nur, weil man über das heutige Bild der Altstadt spricht. Es ist das Literaturhaus, das die neue Hülle der alten Stadtbibliothek künftig füllen wird. Damit sieht sich das Schopenhauer-Archiv als Untermieter in der Bockenheimer Landstraße 102 zwar nicht hinauskomplimentiert; „es sei denn, der Vermieter hätte andere Pläne“. Doch auf längere Sicht wird die Institution an einem anderen Ort der Stadt eine neue Verbindung eingehen müssen.

 

Im Juli 1833, also vor genau 170 Jahren, ist der Dr. phil. habil. Arthur Schopenhauer aus Berlin nach Frankfurt gezogen. Auf dem Deckel eines Rechnungsbuchs hat der damals 45 Jahre alte Privatgelehrte fest gehalten, warum: „Gesundes Klima. Schöne Gegend. Annehmlichkeiten großer Städte. Abwechslung großer Städte. Besseres Lesezimmer. Das Naturhistorische Museum. Besseres Schauspiel, Oper und Concerte. Mehr Engländer. Bessere Kaffeehäuser Kein schlechtes Wasser Die Senckenbergische Bibliothek. Keine Überschwemmungen. Weniger beobachtet. Die Freundlichkeit des Platzes und seiner ganzen Umgebung ( . .) Ein geschickter Zahnarzt und weniger schlechte Arzte. Keine so unerträgliche Hitze im Sommer.“

Arthur Schopenhauer war ein Einzelgänger, in Frankfurt galt er nach Einschätzung von Chronisten als „verkannter Nobody“. Wie er gestikulierend im Selbstgespräch mit seinem Pudel am Mainufer spazierte, hat unter anderem der Lokaldichter Friedrich Stoltze bespöttelt. Der Tagesablauf des Philosophen, der sich hier 1836 nach langem Schweigen mit seinem Werk „Über den Willen in der Natur“ wieder zu Wort meldete, war streng geregelt: Morgens die Arbeit am Schreibtisch, Flöte spielen regelmäßig vor dem Mittagessen. Die Mahlzeiten hat Arthur Schopenhauer nach der Überlieferung seiner Biographen stets in Gasthäusern eingenommen. Aus dem „Englischen Hof“ am Roßmarkt hält sich bis heute die Anekdote, sein außerordentlicher Appetit habe manches Mal Aufmerksamkeit erregt. „Herr Doktor, Sie essen ja wirklich für zehn“, soll ein Tischnachbar zu ihm gesagt haben. „Ja, freilich“, habe er entgegnet, „aber ich denke auch für zehn!“ Mit 55 Jahren bezog der Philosoph, der bis dahin fast immer als möblierter Herr zur Untermiete gewohnt hatte, am Mainufer, an der Schönen Aussicht Nummer 17, eine eigene Wohnung, die er dann 16 Jahre lang behielt. Als das „Schopenhauer-Haus“ aber ist die Nachbaradresse in die Geschichte eingegangen, das riesige Palais Schöne Aussicht 16, sein Sterbehaus. Im Krieg ist es ausgebrannt, später abgebrochen worden. Zum Umzug hatte sich Junggeselle Arthur Schopenhauer entschlossen, weil es an der Nummer 17 dauernd Ärger wegen des Pudels gab, den er abgöttisch geliebt haben soll. 15 Monate später, nach monatelangen Atmungsbeschwerden „mit starkem Herzklopfen im Gehen“ starb Schopenhauer am 21, September 1860 in der Schönen Aussicht Nummer 16 auf seinem Sofa.                

Bild: Die heutige Adresse Schöne Aussicht 16 stimmt nicht ganz mit der Lage des Vorgänger-Baus überein. Doch brach liegende Nachbargrundstücke ließen genug Raum für einen Schopenhauer-Neubau.

 

Heinrich Heine:

„Ihr Handelsherren. Behaltet euer Geld. Ein Denkmal hat sich Goethe selbst gesetzt.

In Windeln war er einst euch nah; doch jetzt trennt euch von Goethe eine ganze Welt.“

Also schrieb der Lyriker und umstrittene Deutschland-Kritiker Heinrich Heine (1797-1856) zur Diskussion um die Aufstellung eines Goethedenkmals in Frankfurt.

Ein Vers, der auch ein Licht auf Heines ablehnende Haltung zu Denkmälern im allgemeinen wirft, sein eigenes inbegriffen.

Hat ihm aber nix genützt: Ab 1908 wurde in Frankfurt auch über ein Heine-Denkmal diskutiert. Und damit ging der Knatsch los. Da kursierten alsbald Flugblätter folgenden Inhalts: „Bürger Frankfurts! Jüdischer Größenwahn will deutseh-christliches Empfinden in den Staub zwingen und unsere alte Kaiserstadt, von deren deutscher Vergangenheit noch tausend Erinnerungen reden, soll mit dem Bückeburg-Heine-Denkmal beehrt werden, das andere Städte mit Entrüstung abgewiesen haben...“.

In der Ablehnung des Monuments manifestierte sich auch der Antisemitismus der Kaiserzeit gegenüber dem Juden Heine, aber vor allem waren den „Patrioten“ Heines Angriffe auf Monarchie, Hohenzollern und Preußen ein Dorn im Auge. Da half es auch nichts, daß die Befürworter des Denkmals - unter ihnen der (jüdische) langjährige Intendant des Schauspiels, Emil Claar - taktischerweise nur „dem Dichter“ und nicht dem politischen Satiriker Heine huldigen wollten.

 

Warum gerade Frankfurt? Leitartikler fanden schnell die böse Antwort: Frankfurt am Main, die alte Krönungsstadt Kaiser deutscher Nation, wird  längst nicht mehr in statistischem Sinne als deutsche Stadt gerechnet. Sonst gilt sie als „neues Jerusalem“. „Eine Manifestation des Judentums also, obwohl Heine sich auch als dessen Kritiker betätigt hat?

Seine besondere Beziehung zu Frankfurt jedenfalls kann nicht die Ursache gewesen sein. Die begann 1815. Da hatte der Vater den 18-Jährigen einer Bank als Volontär angedient, was Heine aber nur drei Wochen durchhielt. Seine Karriere endete als kaufmännischer Lehrling bei einem Kolonialwarenhändler, wo er eigener Bekundung nach vier Wochen lang „studierte, wie Muskatnüsse aussehen“. Man attestierte ihm, daß er kein „Talent zum Erwerb“ habe. Als „ungeratener Junge“ kehrte er in seine Heimatstadt Düsseldorf zurück. Erst 1827 kam er wieder für ein paar Tage nach Frankfurt, auf der Durchreise nach München. 1831 schließlich wohnte er kurz im Gasthaus „Zum Schwan“ im Steinweg - eben dort, wo 40 Jahre später der Friedensschluß im deutsch-französischen Krieg unterzeichnet werden sollte. Fürderhin beschränkte sich Heines Beziehung zu Frankfurt auf den Briefwechsel mit seinem Freund Ludwig Börne.

Nach schier endlosem Hickhack war es am 13. Dezember 1913 soweit: Nachdem man den bedeutenden Berliner Bildhauer Georg Kolbe beauftragt hatte, konnte das Werk von Oberbürgermeister Georg Kolbe in Anwesenheit von 2000 Gästen in Friedberger Anlage feierlich enthüllt, den. Kolbes Figurengruppe, ein sitzendes Mädchen und ein mit ausgebreiteten men schreitender Jüngling, sollen „Rhythmus von Heines Sprache“ symbolisieren. Am Sockel prangt eine Gedenkkette für den „Dichter“ Heine.

Damit freilich war die Geschichte lange nicht zu Ende. Nach den Verbal-Antisemiten kamen die Brutal-Antisemiten. Am 27. April 1933 wurde das Den1 vom Sockel gestürzt. Da Kolbes Kunst durchaus dem nationalsozialistischen Menschenbild entsprach, überlebte Werk die Nazizeit. Ohne Gedenkplatte stand es im Garten des Städel als „Frühlingslied“. Seit 1947 hat es - wieder mit Heine-Gedenkplakette - seinen Platz an der Taunusanlage. Dem „erwerbsuntalentierten“ Dichter und Satiriker hätte  es sicher gefallen, daß sein Monument umgeben ist von Bank-Hochhäusern.

 

Frankfurt prägte den Spötter Heine. Schlüssel des Dichters zur Stadt am Main liegt in der Judengasse, dem damaligen jüdischen Getto.

Nur drei Mal war Heinrich Heine in Frankfurt. Doch die Aufenthalte haben Leben und Denken des berühmten Dichters wesentlich geprägt. Erstmals kam Harry - wie der jüdische Heinrich Heine vor seiner christlichen Taufe hieß - 1815 im Alter von knapp 18 Jahren zusammen mit seinem Vater nach Frankfurt. Der gab ihn in die Lehre bei einem Bankier mit dem Namen Veitel Rindskopf. Dort hielt es Harry aber „höchstens drei Wochen” aus, bevor er zurück ins heimische Düsseldorf floh. Er hatte kein Talent „zum Erwerb”, stellte er fest.

Heine entschied sich letztlich für die Literatur. Daran sollte auch die anschließende Banklehre in Hamburg und das Jurastudium nichts ändern. Schon beim ersten Mal in Frankfurt war er dem wortgewaltigen Publizisten Ludwig Börne kurz begegnet, den er 1827 bei seinem zweiten Besuch traf. Zu diesem Zeitpunkt war Heine, der inzwischen Heinrich hieß, bereits mit seinen Gedichten und Reisebildern bekannt geworden. Börne sollte ein enger Freund werden - beide rechneten erst Jahre später gnadenlos in ihren Schriften miteinander ab.

1831 kam Heinrich nochmals in die Handelsstadt Frankfurt, die er schon früher wegen ihres „Krämergeistes” verspottet hatte. Er war auf der Durchreise nach Paris, wo er bis zu seinem Tod wohnen sollte. Der scharfzüngige Heine machte seinem Ruf erneut alle Ehre. Zu den damals hochgelobten Promenaden auf den geschleiften Wallanlagen in Frankfurt meinte Heine ironisch: „Der Umgang um die Stadt ist jedenfalls interessanter als der Umgang in der Stadt.”

Den Schlüssel für die Beziehung Heines zu Frankfurt liefert aber wohl dessen nicht einfaches Verhältnis zu seinem Judentum. In Frankfurt lernte er schon früh das jüdische Getto kennen - es war zum Zeitpunkt seiner Einrichtung im 15. Jahrhundert das erste in Deutschland. Den zwiespältigen Charakter des Gettos, das zur Zufluchtsstätte für Juden aus ganz Deutschland wurde, schildert Heine in seinem Roman „Der Rabbi von Bacharach”.

„Es ist praktisch ein Versuch, seine jüdische Vergangenheit literarisch zu bewältigen”, sagt der Historiker Fritz Backhaus vom Jüdischen Museum in Frankfurt. Der Roman blieb für immer Fragment. Bezeichnenderweise stoppte Heine die Arbeit an der Novelle, als er sich taufen ließ.

In Paris setzte sich Heines Verbindung zu Frankfurt indirekt fort: Der Dichter hatte dort engen Kontakt zur jüdischen Bankiersfamilie Rothschild, die aus der Frankfurter Judengasse stammte. Die Stadt Frankfurt ließ sich trotz mancher Schmähung in ihrer Wertschätzung für den bis weit ins 20. Jahrhundert umstrittenen Dichters nicht beirren. Eine von der „Frankfurter Zeitung” initiierte Stiftung sorgte seit 1897 auf dem Montmartre-Friedhof in Paris für die Pflege von Heines Grab, wie die Historikerin Sabine Hock berichtet.        

Als erste Stadt Deutschlands errichtete das auf seine liberale Tradition stolze Frankfurt auch ein Heine-Denkmal - es wurde zum 116. Geburtstag des Dichters am 13. Dezember 1913 enthüllt. Der Berliner Bildhauer Georg Kolbe schuf ein für die säbelrasselnde Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ungewöhnlich anmutendes Ensemble aus zwei Bronzefiguren - einem schreitenden Jüngling und einem davor sitzenden Mädchen. Es sollte den Rhythmus von Heines Lyrik symbolisieren. Das „dem Dichter Heine” gewidmete Denkmal, durch Spenden Frankfurter Bürger finanziert, wurde im gesamten Deutschen Reich angefeindet. Drei Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das Denkmal am 27. April 1933 gestürzt. Die Bronzefiguren überlebten als „Frühlingslied von Kolbe” an anderer Stelle - ohne die Heine-Plakette. Seit dem Jahr 1947 steht das Denkmal wieder mit dem Hinweis „Heinrich Heine” im Frankfurter Anlagenring - für den der Dichter doch einst nur Spott übrig hatte.      

 

Luther:

Stärkung konnte er gebrauchen, der gute Luther. Körperliche wie seelische. Es ging ihm nicht gut, als er in jenen April-Tagen des Jahres 1521 in Frankfurt eintraf. Gegen Mittag des 14. April erreichte der Reformator aus Wittenberg – in das Gewand der Augustinermönche gehüllt und von einer jubelnden Menge begleitet – den Kornmarkt und kehrte dort in der Herberge „Zum Strauß“ (heute Buchgasse 11) ein. So jedenfalls steht es im Frankfurter Kirchenkalender.

Kaum hatte Luther sein Quartier bezogen, traf eine Lieferung Malvasierwein ein, die für den berühmten Gast bestimmt war Als Absenderin gab sich Katharina Froschin, die Witwe des Patriziers Gilbrecht Holzhausen, zu erkennen. Sie kam dann auch selbst, um den geweissagten Bringer einer neuen Zeit zu sehen. Ebenso erschienen Hamman von Holzhausen, Philipp Fürstenberger und Wilhelm Nesen, der Leiter der Gelehrtenschule.

Ja, die Frankfurter bewiesen schon zu Luthers Zeiten ihm Offenheit für neue Trends. Wo es was Neues gab, da wollte man nicht hintanstehen. So war die Reichsstadt am Main eine der ersten, in der die Reformation in Gottesdiensten und Pfarreranstellungen in die Tat umgesetzt wurde. Schon 1522, ein Jahr nach Luthers denkwürdigem Auftritt beim Reichstag zu Worms, erlaubte der Rat der Stadt die erste evangelische Predigt. Sie wurde in der Barfüßerkirche (heute Katharinenkirche) gehalten. Drei Jahre später stellte die Stadt zwei evangelische Prädikanten ein, 1528 gab es (wiederum in der Barfüßerkirche) das erste Abendmahl und 1531 wurde eine Abendmahlsordnung verabschiedet. Schon seltsam: Exakt 470 Jahre danach, beim Evangelischen Kirchentag 2001 in Frankfurt, feierten Katholiken und Protestanten auf dem Römerberg gemeinsam Fronleichnam. Freilich ist an ein gemeinsames Abendmahl noch lange nicht zu denken.

Zurück zu Luther. Der Aufenthalt im „Strauß“ und die aufmunternden Worte der Frankfurter Fans müssen dem angeschlagenen Mann gut getan haben. In einem Brief an seinen Vertrauten Spalatin, den Hofprediger am sächsischen Hof, schrieb er: „Wir wollen nach Worms kommen allen Pforten der Hölle und Fürsten der Luft zum Trutz“. Dies tue er, „obwohl ihn der Satan doch mehr als eine Krankheit zu hindern gesucht“. Wie wir heute wissen, waren die Mühen des Satans nicht von Erfolg gekrönt, Luther konnte am 15. April nach Worms weiterreisen und dort vor dem Kaiser den Satz: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ aussprechen. Auf der Rückreise, am 27. April, stieg er erneut im „Strauß“ ab.

Die Aufgeschlossenheit Frankfurts brachte es mit sich, daß sich die Stars der Reformations-Szene in den Mauern der Reichsstadt quasi die Klinke in die Hand gaben. So lag gegenüber der Gastwirtschaft „Zum Strauß“ eine Herberge namens „Zum Falken“. Lisa von Rückingen, der Witwe des Patriziers Hans Bromm, gehörte der Laden. Und dort beliebte Luthers Mitstreiter und Gegenspieler, Jean Calvin (1509-1564), bei seinen Frankfurt-Besuchen zu nächtigen. Calvin pflegte Kontakt zum Rat der Stadt, hatte allerdings mit seinen Bemühungen, den „reformierten“ Glauben in Frankfurt durchzusetzen, nicht den gewünschten Erfolg. Reformierte Gottesdienste calvinistischer Prägung waren bis ins 18. Jahrhundert hinein untersagt, nur in Bockenheim – damals vor der Toren der Stadt – gab es welche.

Sogar einen Reformator aus Schottland, John Knox (1505-1572), verschlug es nach Frankfurt. Er hatte 1554, als die ebenso katholische wie blutrünstige Maria Stuart den schottischen Thron bestieg, aus dem Königreich fliehen müssen und war in Genf gelandet. Dort erhielt er einen Brief aus Frankfurt mit der Bitte, Pastor der englischen Flüchtlingsgemeinde zu werden. So wirkte Knox von November 1554 bis März 1555 als Pfarrer an der Weißfrauenkirche (die Kirche wurde 1944 zerstört und in den 50er Jahren neu errichtet). Er wohnte im Haus des Patriziers Claus Bromm an der Zeil. Schon im März 1555 kehrte Knox freilich der Stadt wieder den Rücken, nachdem es in der Gemeinde Streit über die Gottesdienst-Liturgie gegeben hatte. Knox’ calvinistisch-strenger Ansatz behagte seinen Landsleuten nicht, die es eher feierlich mochten. Knox hakte die Geschichte als „The Troubles at Frankfurt“ ab.

Die Flüchtlinge aus England blieben bis 1559, dem Jahr der Thronbesteigung von Elisabeth I.. Als Dank an Frankfurt schenkten die Heimkehrer der Stadt einen Goldpokal („The English Monument“), der heute im Historischen Museum zu besichtigen ist.

Auch Martin Bucer, der „Vater der Konfirmation“, hinterließ seine Spuren in Frankfurt. Auf ihn geht die Übernahme der Straßburger Kirchenordnung in Frankfurt zurück. Unter anderem 1536 weilte er in den Mauein der Stadt.

Zur gleichen Zeit hielt sich ein weiterer Wegbereiter der Reformation, Philipp Melanchthon, in der Stadt auf. Der hatte in Wittenberg an der Seite Luthers Ablaßhandel und andere Mißstände der katholischen Kirche angeprangert. Für den Rat der Stadt Frankfurt war der humanistische Professor als Berater in religiösen Fragen tätig. Dreimal traf er sich in Frankfurt mit Calvin. Außerdem suchte er den Kontakt zum humanistisch orientierten Frankfurter Stadtadel. Er gründete die Lateinschule, das heutige Lessinggymnasium an der Fürstenbergerstraße. Vor dem Eingang der Schule erinnert eine Skulptur an Melanchthon. Nach ihm ist zudem die evangelische Kirchengemeinde in Fechenheim-Süd benannt.

 

Johann Christian Senckenberg:

Dramatischer kann der Tod eines Mäzens der Wissenschaft kaum sein: Als der Frankfurter Arzt Johann Christian Senckenberg im November 1772 die Baustelle des von ihm finanzierten „Anatomischen Theaters“ besichtigte, fiel er vom Gerüst und starb an den Folgen eines Schädelbruchs. So wurde er selbst der erste Mensch, dessen Leiche im noch unfertigen Bau des Hörsaals für Leichensektionen geöffnet wurde. Heute vor 300 Jahren wurde Senckenberg geboren.

„Senckenbergs Lebenswerk wirkt bis heute fort“, berichtet Senckenberg-Biograf Thomas Bauer. Sein 223 Seiten starkes Buch erscheint im Frankfurter Societäts-Verlag und gibt es bereits in den Buchhandlungen. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Einrichtungen in Frankfurt sind entweder direkt von Senckenberg gegründet oder später nach ihm benannt worden. Dazu zählen ein Krankenhaus, der Botanische Garten, das Naturkundemuseum und die Universitäts-Bibliothek. Bauer findet: „Für Frankfurt ist Senckenberg bedeutender als Goethe.“

Senckenberg spürte als Arzt die Defizite der Medizin zu jener Zeit nicht nur in seiner täglichen Arbeit. Er erlitt sie auch in seiner eigenen Familie: Dreimal wurde er Witwer, seine beiden einzigen Kinder starben kurz nach der Geburt. Im Nachhinein betrachtet müsste man fast sagen „zum Glück”, denn so hatte er keine Erben und entschied sich 1763, sein gesamtes privates Vermögen in Höhe von 95 000 Gulden in eine Stiftung zu stecken. Das Geld hatte er größtenteils von seiner ersten Frau geerbt, einer reichen Juweliers-Tochter. 

Mit dem Kapitalstock finanzierte Senckenberg zum einen ein Hospital, in dem Arme kostenlos behandelt wurden. Zwei Drittel des Geldes sollten zur „Förderung der Heilkunde” verwendet werden. Zu diesem Zweck gründete er eine ganze Reihe wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen, die bis heute bestehen: Ein medizinisches Institut, einen botanischen Garten, eine Bibliothek, eine naturhistorische Sammlung, ein chemisches Laboratorium und schließlich das Anatomische Theater. in dem er selbst den Tod fand.

Die Senckenbergischen Forschungsinstitute bildeten den Grundstock der 1914 gegründeten Frankfurter Universität. Daß die Hochschule nach Goethe und nicht nach Senckenberg benannt wurde, findet Bauer ein bißchen ungerecht. In Frankfurt wird der Name Senckenberg am meisten mit einer Institution in Verbindung gebracht, die nur mittelbar auf ihn zurückgeht: Das Senckenberg-Museum. Deutschlands größtes Naturkundemuseum, wurde erst nachträglich als Würdigung seiner Verdienste nach ihm benannt.

Dabei war der Arztsohn ein Spätzünder. Erst mit 23 begann er in Halle das Medizinstudium, das er dann nicht beenden konnte, weil er sich mit Kollegen in theologische Auseinandersetzungen verstrickte.

 

 

Frankfurt Innenstadt

 

Alte Stadtbibliothek:

Ein Auswahlgremium hat für die Rekonstruktion der alten Stadtbibliothek den Vorschlag von Christoph Mäckler ausgesucht. Erstens, weil der Architekt sich an das historische Bild des Baus hält, zweitens weil die von ihm erdachte Raumfolge überzeugte. Der Plan, das wurde gestern deutlich, könnte aber die Kunsthalle Portikus heimatlos machen.

Mäckler will für das Literaturhaus in den neuen Altbau, der nach dem Versprechen der Initiatoren eines Bürgervereins „Alte Stadtbibliothek“ bis 2005 stehen soll, nicht nur eine Gastronomie, sondern zwei Säle einpassen. Einer davon, der Lesesaal in der Beletage, hätte das Zeug dazu der, „kleine Kaisersaal der Stadt zu werden“, sagte Martin Wentz bei der Vorstellung der Entwürfe. Den ehemaligen Planungsdezernenten läßt das Bild des nach dem Krieg bis auf den Portikus abgetragenen Bibliotheksbaus von Stadtbaumeister J. W. C. Hess nicht ruhen: „Er ist Teil des Gedächtnisses des Stadt.“ Wentz rechnete es Christoph Mäckler hoch an, daß dieser auch Vestibül und Treppenhaus des klassizistischen Prachtbaus am Main wieder so wie ursprünglich herstellen wolle. Die Verbindung von Gestern und Heute habe der Entwurf auf hervorragende Weise erreicht - um so mehr, als der Originalbau ja ein Haus für Wenige gewesen sei, der nun zur Nutzung für Lesungen, Ausstellungen und Veranstaltungen zu einem Haus für Viele zu gestalten sei.

Weitere neun Frankfurter Büros haben sich um diese Aufgabe beworben, für die die Hertie-Stiftung und Landesbank Hessen-Thüringen (in Mark gerechnet) 13,5 Millionen ausgeben wollen. Allen merkt man mehr oder weniger deutlich an, daß sie versuchen, zur zerstörten Geschichte in Distanz zu treten. OB Petra Roth, die einem beratenden Beirat vorsaß, erinnerte daran, daß ja die historisierende Wiedererstellung erwünsche sei. Man rechnet sogar mit Relikten und Trümmern des 1944 von Bomben getroffenen Hauses, mit denen beim Abbruch der Keller verfüllt worden sei. Möglicherweise finden sich da unten auch noch Reste des riesigen Goethe-Standbilds, das im Vestibül stand.

Neben Mäckler hatten Jo Franzke, Jürgen Engel, Ernst Ulrich Scheffler, Zvonko Turkali, Marie-Theres Deutsch, Daniel Güth, Stefan Forster, Schneider + Schumacher sowie Jourdan und Müller, fast durchweg bekannte und renommierte Frankfurter Architekten, ihre Entwürfe ins Rennen geschickt. Martin Wentz und auch Rüdiger Volhard als Kopfe des Bürgervereins lobten ausdrücklich die Qualität der Ausarbeitungen. Meist sei aber das Raumprogramm nicht schlüssig angelegt gewesen.

Die Architektin Marie-Theres Deutsch, das wurde gelobt, hat vorgeschlagen, auch das frühere Obermaintor östlich der Bibliothek wieder zu errichten, und darin die Kunsthalle Portikus unterzubringen. Diese „Kunstkiste“ muß weichen, sobald im nächsten Sommer die Bauarbeiten losgehen. Oberbürgermeisterin Roth erwartet, daß dann erst einmal eine Zeit des „Portikus on the Road“ folge. Auch Baudezernent Franz Zimmermann rechnet mit einer Zwischenzeit, ehe der Neubau für die Kunst auf der Maininsel stehe - falls er gebaut wird. Die Idee mit dem Obermaintor, einst eine Zollstation, kam an. Martin Wentz ließ durchblicken, daß man auch diesen kleinen Arkadenbau rekonstruieren könne: Es war ein Ensemble.

Wie die alte Stadtbibliothek, das hob unter anderen Bernd Lunkewitz hervor, wird auch deren Nachbau von Bürgern vorangetrieben. Wenn er steht, geht er in den Besitz der Stadt. Der Immobilienkaufmann und Verleger Lunkewitz sieht sich heute bestätigt: Er war der eigentliche Stifter der Idee. Für Petra Roth macht Frankfurt mit diesem Projekt den ersten Schritt in ein neues Ostend; in sieben Jahren wird der Stadtteil die gleiche Bedeutung haben wie das Westend. Roth würde am liebsten auch den Vorplatz Richtung Brücke wieder herstellen lassen. Ähnliches gilt für die Rückseite: Da steht das Schwestern-Hochhaus von 1974, dem alle wünschen, daß seine Lebensdauer am Ende ist (Lunkewitz).

 

Nur noch ein trauriger Säulenvorbau hat nach dem Zweiten Weltkrieg daran erinnert, dass Frankfurt einmal direkt am Main eine der prächtigsten Stadtbibliotheken Deutschlands besaß. Das klassizistische Bauwerk von 1825, das 1944 den Bomben zum Opfer fiel, erstrahlt nach dem Wiederaufbau dank der Initiative eines Bürgervereins im neuen Glanz. Der Verein erhielt jetzt in Anwesenheit von Altbundespräsident Roman Herzog symbolisch den Schlüssel. Morgen darf dann das Literaturhaus einziehen: Der Umzug vom großbürgerlichen Westend in das bisher eher kleinbürgerliche Ostend ist Frankfurt erneut ein großes Fest wert.

Die Alte Stadtbibliothek, erbaut von Stadtbaurat Johann Christian Hess, war Anfang des 19. Jahrhunderts das Prunkstück der eleganten Promenade am nördlichen Mainufer an der „Schönen Aussicht“. Beim Wiederaufbau unter dem viel beschäftigten Frankfurter Architekten Christoph Mäckler wurde Wert auf den Erhalt der alten Substanz gelegt, was in Frankfurt sonst nicht unbedingt der Fall ist. Fassade und Außenmauern wurden originalgetreu aufgebaut, im Innern des großzügigen Baus sind allerdings Decken und tragende Wände aus Beton.

Über sieben Millionen Euro hat der Wiederaufbau der Stadtbibliothek gekostet, den vor allem die Hertie-Stiftung und zu einem  kleineren Teil die Landesbank Hessen-Thüringen finanziert haben. Der Verein hat außerdem Privatspenden eingetrieben.

Mit dem Prachtbau gewinne die Stadt einen Teil ihrer historischen Identität zurück, meint der frühere Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz, der zu den maßgeblichen Initiatoren des Projekts gehört.

Nach den Zerstörungen des Kriegs habe Frankfurt mit der anschließenden Kahlschlagpolitik in seinem historischen Zentrum „einen erheblichen Teil seines Stadt-Gedächtnisses ausgelöscht“, beklagt Wentz.

Einige Gebäude wie die alte Oper hat die Stadt inzwischen zurückerhalten. Die Stadtbibliothek ist auch nicht nur eine nostalgische Rekonstruktion vergangener Zeiten- wie etwa der Wiederaufbau der Fachwerkzeile auf dem Römerberg in den 80iger Jahren - geworden. Dafür sorgt schon der einmalige und für Frankfurt dennoch typische Kontrast an der „Schönen Aussicht“. Denn überragt wird die Alte Stadtbibliothek von einem hässlichen Betonklotz aus der Nachkriegszeit, dem Schwesternhochhaus des angrenzenden Heilig-Geist-Hospitals. „Die Schöne und das Scheusal“ hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ treffend den Anblick der beiden ungleichen Gebäude genannt. Gerne sähe der Magistrat, dass das Hochhaus abgerissen wird. Doch dann müßte das Krankenhaus entsprechend entschädigt werden, was die Stadt zu teuer käme.

Ohnehin hat das Frankfurter Ostend, die derzeitige Boom-Ecke Frankfurts, einiges an Stil-Mix zu bieten. Entlang der Hanauer Landstraße mit ihren neu renovierten Fabrikhallen und Kontorhäusern wechseln sich Szene-Lokale, Werbeagenturen und Autohäuser ab. Auf dem Areal der geräumten Großmarkthalle im Ostend wird in den kommenden Jahren der Neubau der Europäischen Zentralbank entstehen. Vom Umzug des Literaturhauses, das bisher in einer von der Stadt angemieteten Gründerzeitvilla beheimatet war, erhofft sich Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) einen zusätzlichen Schub für den lange vernachlässigten Osten.

Bei der Eröffnung der repräsentativen Stadtbibliothek am Samstag wollen renommierte Frankfurter Schriftsteller wie Robert Gernhardt, Martin Mosebach und Wilhelm Genazino ihre persönlichen literarischen Spaziergänge durch die Stadt schildern.

 

Portikus an der alten Brücke:

Es ist vollbracht: Der Portikus auf der Maininsel ist fertig. Am 5. April 2006 eröffnet Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) gemeinsam mit dem Rektor der Städelschule, Daniel Birnbaum, die Kunstgalerie. Bis zuletzt hatten Anwohner und Umweltschützer vergeblich gegen den Bau auf der Maininsel protestiert. Hatten vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht und vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof geklagt, hatten Unterschriften gesammelt und mit allen Mitteln versucht, einen Baustopp zu erwirken, als Römerpolitiker und Kunstschaffende längst das Richtfest feierten.

Ausgerichtet aber haben die Kritiker des Projekts nichts: Der Portikus steht., 28 Meter ist er hoch und bietet mehr als 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Im Mai präsentieren dort der argentinische Bildhauer Tomas Saraceno und die slowenische Künstlerin Marietica Potrc als erste ihre Werke.

Eine Insel der Kunst mitten im Main hat der Architekt Christoph Mäckler mit seinem Bauwerk geschaffen. Dabei war lange Zeit unklar, ob es den Portikus auf der Maininsel tatsächlich geben würde. Im Jahre 2002 hatte Mäckler seine Pläne ins Gespräch gebracht, als die Stadt nach einer neuen Bleibe für die Kunstgalerie im alten Portikus suchte. Der Container, in dem die Galerie damals untergebracht war, sollte abgerissen werden, um dort die alte Stadtbibliothek wieder aufzubauen.

Im Dezember 2002 beschloss der Magistrat, die Entwürfe Mäcklers umzusetzen und die neue Galerie auf der Maininsel zu errichten. Vorgesehen war ein Hauptgebäude – der Portikus – auf der westlichen Seite der Brücke sowie ein Turm auf der östlichen Seite, in dem Platz für ein Restaurant und ein Brückenmuseum sein sollte.

Ein Investor schien rasch gefunden: Im März 2003 unterzeichnete die Stadt Frankfurt den Vertrag mit Geldgeber Ardi Goldman. Der allerdings sprang wenige Monate später wieder ab.

Die Stiftung Giersch übernahm das Projekt. Die Verhandlungen zwischen dem neuen Investor und der Stadt Frankfurt allerdings zogen sich wegen Bedenken des Stiftungsgründers, Carlo Giersch, immer wieder in die Länge. Grund für das Zögern des Investors waren unter anderem Proteste von Naturschützern, Ortsbeirat und der Bürgerinitiative „Rettet die Maininsel”.

Sie sahen in dem Vorhaben eine Gefahr für Vögel, die auf der Maininsel brüten. Außerdem, so die Portikus-Gegner, sei das Gelände im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen und dürfe deshalb nicht bebaut werden. Gleichzeitig sprachen sich die Ruderer des Frankfurter Rudervereins 1865 gegen die Bebauung der Insel aus, die sie als Bootsanlegestelle nutzen.

Erst im Februar 2005 war alles besiegelt. Die Stiftung Giersch verpflichtete sich, den Portikus für 1,5 Millionen Euro zu finanzieren, nicht aber den Turm auf der anderen Seite der Brücke. Die Stadt Frankfurt mietet im Gegenzug das Gebäude für 65.000 Euro pro Jahr.

Ende März vergangenen Jahres begannen die Bauarbeiten begleitet von Protesten der Naturschützer. Die Klage dreier Bürger vor dem Frankfurter Landgericht und vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel wegen Verstoßes gegen das Naturschutz- und Baurecht scheiterte im Jahr 2005.

 

Grindbrunnen:

Der Traum vom Kurort Frankfurt Reste des Grindbrunnens sind noch vorhanden, der Magistrat sieht aber kein denkmalpflegerisches Interesse. Bad Frankfurt? Die Furcht, diese Stadt könnte wahren Ruhm verschlafen, will und will nicht vergehen. Erst recht, seit der Magistrat einer erneuten Eingabe der Bürgerschaft, „den historischen Grindbrunnen zu erhalten“, jetzt eine Absage erteilt hat. Die Sache ist um so anrüchiger, als der Brunnenstock noch existiert: Samt Schale und Pumpenschwengel findet er sich hinter der verrammelten Tür des abbruchreifen China-Restaurants im Nizza. Just am Platz der legendären Heilwasser-Trinkhalle, die dort 1963 geschlossen wurde.

Seit 720 Jahren geht die Geschichte. Im Jahre 1283, das haben zwei SPD-Frauen aus dem Ortsbeirat Innenstadt nachgelesen, wird der Grindbrunnen in Verbindung mit dem Gutleuthof erstmals erwähne. Die beiden bringen das Schwefelwasser, das bis heute aus den Innenstadt- Baustellen stinkt, in Verbindung mit einem Quellenzug, der im Osten Frankfurts beginnt, sich durch das Stadtgebiet fortsetzt und parallel zum Main beziehungsweise zum Taunus nach Westen ziehe.

So richtig sprudelte das Interesse am Grindbrunnen nach den Recherchen des Instituts für Stadtgeschichte aber erst ab 1872, als man sich hier klar wurde, welch einträgliches Geschäft die Vermarktung des Wassers sein könnte. Ein „Verein zur Förderung des öffentlichen Verkehrs“ setzte im Mai 1873 die Eröffnung einer Trinkhalle im späteren Westhafen durch und

ließ, wie Chef-Archivar Konrad Schneider ermittelte, durch den hierfür bekannten Chemiker Remigius Fresenius eine Analyse des Wassers vornehmen. Dabei kam heraus, daß Frankfurt „eine starke Schwefelquelle mit erheblichem Kochsalzgehalt und bestimmten mineralischen Beimischungen“ besitzt.

Kaum war die Zapfstelle am Mainufer schön überdacht und mit Pflanzen und Bäumen umstellt, wollte die Stadt auf dem Heilwasser trächtigen Boden ein Becken für den Westhafen bauen. Darum ließ das Tiefbauamt 1888 den Grindbrunnen unter eine Gusseisenhalle am Untermainkai (Nizza) verlegen. Der Ort ist bis heute unvergessen: Dort hielten Großmütter ihre Enkel bis in die 1960er Jahre an, das Schwefelwasser ausführlich zu gurgeln. Eine Unsitte für viele, die vorbeikamen. Doch seit den 30er Jahren, so Archivar Konrad Schneider, war ein deutliches Interesse an den örtlichen Mineralbrunnen erwache. Speziell Nazi-Oberbürgermeister Friedrich Krebs ist da als treibende Kraft in Erinnerung. Er schrieb auf, „daß das Grindbrunnenwasser in erheblichem Maße zu Kurzwecken gebraucht und auch verordnet wurde“. Tatsächlich ging Frankfurt damals als Kurort in die Annalen ein.

Noch die 1945 gegründete Frankfurter Rundschau empfahl in ihrer Ausgabe vom 5. April 1949 „eine häusliche Badekur“ mit dem Schwefelwasser. Erst als die Quelle um 1960 schwarzgrau und trüb wurde und die Analyse Colibakterien ergab, war es aus mit dem Traum vom Heilbad: Die Trinkhalle wurde geschlossen.

Doch die Erinnerung will nicht vergehen. Neben den Ortsbeiräten ist es der Historiker Björn Wissenbach, der den Grindbrunnen, dessen Schüttung 1905 bei 13.000 Litern pro 24 Stunden lag, am Kochen hält. Die Magistrats-Aussage vom September, es gebe „beim bevorstehenden Abbruch des Nizza-Lokals kein denkmalpflegerisches Interesse an der Erhaltung des Brunnens“, läßt sich unterdessen nicht halten. Laut Liegenschaftsamt ist der Verbleib der Brunnenrelikte sogar Bestandteil des Vertrags mit der Metzler-Bank, die bekanntlich unter dem schönen Namen „Mainlust“ das neue Nizza-Restaurant bauen will.

Um die negativen Schwingungen umzudrehen, die der Magistrat gegen die Angelegenheit Grindbrunnen in Bewegung gesetzt hat, haben die Ortsbeiräte jetzt in „Dichtung und Wahrheit“, der Frankfurter Hausbibel, geblättert. Goethe sagt, so zitieren sie: „An dem rechten Ufer des Mains unterwärts, etwa eine halbe Stunde vom Thor, quillt ein Schwefelbrunnen, sauber eingefaßt und mit uralten Linden umgeben. Nicht weit davon steht der Hof zu den guten Leuten, ehemals ein um dieser Quelle willens erbautes Hospital“. Vielleicht hilft das ja.

 

St. Leonhard:

St. Leonhard, vom Jahr 1219 an erbaut und am Mainkai gelegen, gilt als eine der bedeutendsten Kirchen Frankfurts und als deren schönste. Vor der bevorstehenden Sanierung von St. Leonhard hat das Denkmalamt herausgefunden, daß die älteste noch bestehende Kirche der Stadt in spätromanischer und frühgotischer Zeit eine offene Vorhalle besaß. Erst jetzt ist entdeckt worden, daß die Nordwand der Kirche nicht so einheitlich ist, wie sie scheint. Durch den steinernen Bogen, der nun wie in die Wand eingelassen wirkt, seien die Kirchengänger in Vor-Renaissance-Zeiten, vor dem 16. Jahrhundert, wohl in eine offene Vorhalle gelangt. Die Wand ist nachträglich errichtet worden. Das erklärt den guten Zustand des Jakobs- und des Engelbertusportals im Kircheninnern: Sie sind der Witterung nicht direkt ausgesetzt gewesen.

Herausgefunden haben die Denkmalpfleger das bei Ausgrabungen um einen Strebenpfeiler, die die Sanierung vorbereiten und Aufschluß geben sollen über die Statik des Baus. Dabei zeigte sich, daß die Fundamentierung des Pfeilers viel tiefer reicht und aus einer anderen Zeit stammt als die der Nordwand. Die beiden Fundamente für einen Strebenpfeilers und für der Unterbau der Nordwand der Kirche stammen aus unterschiedlichen Zeiten und die Nordwand ist erst nachträglich eingezogen worden.

Schon zuvor bekannt war, was die Grabungen ebenfalls offenbaren: Daß das Niveau des Bodens um 90 Zentimeter angehoben wurde, wohl aus Hochwasserschutzgründen und vermutlich im 17. oder 18. Jahrhundert. Die Vorhalle war also höher, als der Steinbogen in der Nordwand vermuten läßt. Man fand auch das Grab eines Kindes, das acht- bis zehnjährig gestorben sein dürfte. Demnach hat der Friedhof von St. Leonhard nördlich davon gelegen - nachdem die Vorhalle zugemacht wurde.

Der Schaffrath-Fensterzyklus ist komplett: Kurz bevor der Frankfurter Bürger Oswald Meyer Ende August im Alter von 87 Jahren starb, hinterließ er der katholischen Kirche eine Spende von 50.000 Euro. Diese Spende nutzte Stadtdekan Raban Tilman zur Finanzierung des 9 mal 1,90 Meter großen Fensters über der Orgelempore und einer kleineren Rosette, beides gestaltet von Professor Ludwig Schaffrath aus Aachen, der 1990 mit der Neugestaltung der Fenster in der spätgotischen Patrizierkirche am Main begann.

Damit beeindruckte Tilman die Stadt Frankfurt so sehr, daß diese die Kosten in Höhe von    38.000 Euro für den Einbau übernahm. Offiziell ist die St. Leonhardskirche als Dotationskirche Eigentum der Stadt. Folglich ist eigentlich die Stadt für alles zuständig, was mit dem Außengebäude zu tun hat. Die Kirche kümmert sich normalerweise nur um das bewegliche Inventar, machte aber im Fall der Schaffrath-Fenster eine Ausnahme, nicht zuletzt um die Stadt Frankfurt zur dringend fälligen Gebäuderenovierung zu motivieren. Die soll nun ab 2003 in Angriff genommen werden, vier Jahre dauern und laut Gerhard Landmann, Referent von Stadtkämmerer Horst Hemzal, nicht unter drei Millionen Euro« kosten.

Das neue große Schaffrath-Fenster verweist in vier Kreisformen auf die zeit als „ewigen Advent“ und verbindet die Zeit der Menschen mit der ewigen Zeit. Gerade für das Westfenster, das in den Kirchen mit dem Sonnenuntergang das Ende der Welt symbolisiere, sei diese Symbolsprache besonders passend, erklärte August Heuser, Leiter des Dommuseums und Autor des Buchs Banken, Plätze, Musentempel Kunstgänge in Frankfurt.

 

Karmeliterkloster:

Zartfarbig wie ein Gobelin bedecken seit bald 500 Jahren die Wandmalereien des Jörg Ratgeb 150 laufende Meter Wand des Kreuzgangs im Karmeliterkloster, einem entrückten Ort mitten in Frankfurt. Bezahlt von Stiftern der damals schon schwer reichen Stadt hat der Württemberger, ein Zeitgenosse von Martin Luther und Albrecht Dürer, ab 1514 sieben Jahre lang den Karmelitern die nackten Wände ihres gerade fertig gestellten repräsentativen Gehäuses geschmückt. Das war eine Leistung, die vor Jörg Ratgeb diesseits der Alpen keiner geschafft hat. Sein insgesamt 540 Quadratmeter großes Panorama in Kasein-Tempera bildet von der Erschaffung der Welt bis zum Jüngsten Gericht die ganze biblische Heilsgeschichte ab.

„Wie ein moderner Comic“ erscheint Evelyn Brockhoff vom Institut für Stadtgeschichte das, was da auf den Wänden, von Textbändern begleitet, erzählt wird. „Für die Menschen des Mittelalters sprachen diese Mauern für sich. Heute tut Evelyn Brockhoff, deren Institut im Kloster seinen Sitz hat, „alles für den Ratgeb“. Denn die Geschichte erschließt sich nicht mehr ohne Mühen, das Spektakuläre des Orts bleibt für viele unentdeckt. Auch darum ist die Überlieferung der vom Zahn der Zeit bedrohten Wandmalereien zu einem Ringen mit den Gegebenheiten geworden. Per Postkarte verkaufen sich die Motive in alle Welt, in Frankfurt brauchen sie noch viele Freunde.

Eie Reihe der Wandbilder ist großenteils kopiert in schwarz-weißen Abzeichnungen des

Historienmalers Otto Donner von Richter. Der hatte ab 1882 dafür gesorgt, daß Ratgebs Bilder, selbst wenn sie im Original zerstört oder verblaßt sind, nie ganz verloren gehen können.                 

Christi Geburt: Die Weihnachtsgeschichte, wie sie seit dem frühen 16. Jahrhundert an den Wänden im Kreuzgang des Karmeliterklosters überliefert ist, links „Christi Geburt“, rechts „Die Anbetung der Könige“. In der Mitte ist die Abzeichnung zu sehen, die der Historienmaler Donner von Richter 1882 angefertigt hat. Schon damals waren die Bilder des Jörg Ratgeb gefährdet; mal wurden Durchbrüche in die Wände geschlagen, dann wieder Tiere davor gehalten.                  

Kindermord: In Bethlehem ist der Kindermord befohlen, Soldaten richten ein Massaker an. Maria und Josef sind mit dem Christuskind per Esel auf der Flucht. Diese von Jörg Ratgeb um 1515 gemalte Szene aus dem Kreuzgang des Karmeliterklosters gehört zu den beliebtesten Motiven des Bilder-Zyklus. Das Geschehen rechts ist betitelt „Christus zerstört die heidnischen Götzenbilder“ und illustriert die Macht des geborenen Messias.

Taufe Christi: Christliche Heilsgeschichte aus dem Kreuzgang des Karmeliterklosters. Jörg Ratgeb hat die „Taufe Christi im Jordan“ eingefügt in die Szenen „Abschied Christi von seinen Eltern“ sowie „Christi Verklärung“. Alles ist eingebettet in das Panorama einer großräumigen Gebirgslandschaft. „Diese Malereien im nördlichen Teil des Kreuzgangs, von dem auch das Motiv auf der rechten Seite stammt, sind infolge der ab 1866 für die einquartierten preußischen Truppen erfolgten Umbauten des Klosters größtenteils verloren“, heißt es in dem Führer, den das Institut für Stadtgeschichte herausgegeben hat. Damals waren die Wandbilder übertüncht worden. Erst Otto Donner von Richter, dessen schwarz-weiße Abzeichnung hier zu sehen ist, hatte 1882 unter dem Putz die Wandbilder wieder entdeckt. „Jörg Ratgebs Namen kannte man damals nicht mehr“, berichtet der Kloster-Führer. Der Entdecker dokumentierte den Zyklus in einem großen Mappenwerk.

 

Durch die Limpurger Gasse kommt man ins „Römerhöfchen“ mit dem Treppenturm von 1627. Der „Lange Franz“ ist der Turm des Rathausneubaus aus dem Anfang des20. Jahrhunderts, nach Oberbürgermeister Franz Adickes benannt.

 

Römer:

Der Römer bestand ursprünglich aus elf Häusern, die größtenteils im 14. Jahrhundert erbaut worden sind. Keines davon war als Rathaus vorgesehen; alle Gebäude entstanden als Bürgerhäuser. Heute sind es noch acht. Ab 1405 erwarb der Rat der Stadt Frankfurt die Häusergruppe und funktionierte sie zum Ratssitz um. Nach dem Umbau zum Frankfurter Rathaus mit der charakteristische Fünfgiebelfassade setzte sich nach und nach für den ganzen Komplex die Bezeichnung „Römer“ durch.

Die Bezeichnung „Römer“ trägt streng genommen nur ein Haus zu Recht: der dominierende spätgotische Mittelbau mit dem Wappenbalkon und den Kaiserstatuen. Im 14. Jahrhundert logierten hier italienische Kaufleute, um die Messe zu besuchen. Auf dem Platz vor dem Gebäude, der nach diesen Römern benannt wurde, boten sie außerdem in der herbstlichen Jahreszeit ihre Waren feil.

Seine drei gotischen Staffelgiebel wurden zum markanten Wahrzeichen für die gesamte Stadt. Sie bestehen aus den drei ineinandergefügten Häusern „Alt Limpurg“ (auch: „Haus Laderam“), „Römer“ und „Löwenstein“, die zwei Häuser im Norden heißen „Frauenstein“ und „Salzhaus“. Der Römer diente zunächst nicht nur dem Rat der Stadt als Domizil, sondern öffnete seine Hallen auch für Messen und Handelsgeschäfte. Später wurde das Rathaus um weitere neun Häuser ergänzt. Vor dem Hauptportal des Römers wurde 1562 der Gerechtigkeitsbrunnen mit der Justitia erbaut. Der Balkon und die vier Kaiserstatuen wurden erst vor 1900 angebracht.

An der Dreigiebelfassade des Rathauses Römer ganz links hat der Bildhauer Franz Krüger 1897/98 die Stadtgöttin „Francofurtia“ dargestellt. Dort, wo die Limpurger Gasse einmündet, stützt sich die Dame rechts auf das Schwert der Gerechtigkeit und balanciert auf der Linken den Turm des Kaiserdoms, als Symbol von Macht und Größe.

Weitere Darstellungen dieser Stadtgöttin finden sich am Paulsplatz, auf halber Höhe, über dem Eingang zur Kämmerei. Als steinerne Fassadenfigur hält sie Gesetzbuch und Urkundenrolle vor sich. Am Gutenbergdenkmal (Roßmarkt) ragt zu Füßen der Schicksalsgöttin das Stadtwappen auf; über dieses hebt sie Kaiserkrone und Schwert. In einem Kartenspiel von 1862 hat sie der ehemalige Stadtarchivdirektor Wolfgang Klötzer als „Caro As vor der Mainfront“ gefunden. In Silber bewahrt sie das Historische Museum, hoch auf einer Säule einen Lorbeerkranz schwenkend. In der Karikatur zeigte sich Francofurtia als Mahnerin, die auf das Loch im städtischen Finanztopf deutet. Dargestellt von einer Schauspielerin, hat man sie im 19. Jahrhundert bei Festzügen leibhaftig auf Prunkwagen herumgefahren. Vor dem 1. Weltkrieg zog die Schutzpatronin, umkränzt von Frankfurter Würstchen, als Werbemarke in die Welt. Die Frau mit ihrer Mauerkrone repräsentierte diese Stadt - und stand damit „in einer 2000jährigen Traditionslinie“ (Klötzer). Wie die Göttin Roma für Rom oder Antverpia für Antwerpen, Athena für Athen. Die Neue Sachlichkeit hat Francofurtia in den 1920er Jahren zum Ornament verfremdet. Im Kulturbruch und Werteverlust durch den Zweiten Weltkrieg geriet die Stolze in Vergessenheit.

 

Kaisersaal

Um einen würdigen Rahmen für Kaiserwahlen zu bilden, mußten auch repräsentative Räumlichkeiten geschaffen werden. So entstand im ersten Obergeschoß ein großer Festsaal, der zum Ort von Reichstagen und Krönungsmahlen werden sollte. Deshalb wurde im Haus „Zum Römer“ 1411 ein großer Festsaal eingeweiht, der sich zunächst schlicht „Römersaal“ nannte. Hier fanden Ratssitzungen und die Beratungen zur Kaiserwahl statt. Zur Wahl selbst ging man in die Wahlkapelle des Domes, und hier entschieden vier weltliche und drei geistliche Kurfürsten, wer neuer Kaiser wurde. Als 1562 erstmals auch die Kaiserkrönung in Frankfurt vorgenommen und gefeiert wurde, änderte sich auch der Name: der Römersaal hieß fortan „Kaisersaal“.

Mit dem Festmahl anläßlich der Wahl und Krönung von Kaiser Maximilian II. begann ein Wandel, der den Kaisersaal über die Jahrhunderte hinweg zu einem würdigen Rahmen für historische Ereignisse machte. Zunächst schmückte nur eine gewölbte Decke den Saal. Die in die Wände eingelassenen Bilder der 52 Kaiser, die 768-1806 das Deutsche Reich regiert haben, sind 1838-1853 zur Erinnerung an die alte Reichsherrlichkeit von damals führenden Malern wie Rethel, Steinle, Veith, Waldmüller u.a. gemalt worden als Ersatz für die im Jahre 1710 aufgestellten Portratbüsten. Das Krönungsmahl im Jahre 1792 für Franz II., der bald darauf von Napoleon zur Abdankung gezwungen wurde, bedeutete den Schlußpunkt für die Tradition der Kaiserwahlen in Frankfurt. Der Kaisersaal war danach bis 1825 ein Magazin der städtischen Bibliothek. Doch drei Jahre später diente er bereits wieder als Frankfurts repräsentativster Raum seiner traditionellen Bestimmung als Festsaal.

Der Ursprung des Kaisersaals in seiner heutigen Form geht auf die Jahre 1830 bis 1853 zurück. Damals machte das Städtische Kunstinstitut unter Philipp Veit den Vorschlag, den Kaisersaal mit den Porträts aller Herrscher des Heiligen Römischen Reiches deuscher Nation auszugestalten. Der Frankfurter Magistrat stimmte zu und warb um finanzielle Unterstützung. Er erhielt sie vom Österreichischen Kaiserhaus ebenso wie von Frankfurter Bürgerfamilien.

So konnten die 52 eindrucksvollen Kaiserporträts entstehen, die auch heute noch den Kaisersaal schmücken. Sie sind ein unvergleichliches Dokument des idealisierenden und historisierenden Zeitgeschmacks gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Obwohl der Römer 1944 durch Bomben zerstört wurde, blieben die 52 Gemälde erhalten. Sie waren vorher ausgelagert worden. Nach dem Wiederaufbau des Römers erhielten sie ihren alten Platz in den gotischen Nischen des Kaisersaales.

 

Kaiserkrönung

Immer wenn eine Kaiserkrönung zu feiern war, verstanden es die Frankfurter, ein großartiges Fest daraus zu machen. Natürlich wollte sich keiner das Schauspiel entgehen lassen. Wer es sich leisten konnte, verschaffte sich einen „Tribünenplatz“ an einem der Fenster, die von den Römerberghäusern auf den Platz zeigten. Die Hausbesitzer ließen sich die gute Aussicht vergolden. Pro Haus 5.000 Gulden (etwa 40.000 DM) waren keine Seltenheit. Aber auch das Volk kam auf seine Kosten: Ein prächtiger Ochse - gefüllt mit Hühnern, Spanferkeln und Würsten - wurde am Spieß gebraten und von der Allgemeinheit verzehrt. Weißer und roter Wein floß aus einem Brunnen. Hafer, Münzen und auch Weißbrot wurden von den kaiserlichen Oberbeamten an die Menge verteilt. Zwar mußte jeder hart kämpfen, um seinen Anteil an den kaiserlichen Gaben zu ergattern, doch um so größer war die Freude über den Erfolg. Noch Monate und Jahre lang zehrten die Frankfurter von „ihrer“ Kaiserkrönung - in den schönsten Erinnerungen und lustigsten Anekdoten.

Kaiserkrönungen in Frankfurt: 1562 Maximilian II., 1612 Matthias, 1619 Ferdinand III., 1658 Leopold I.., 1711 Karl VI., 1742 Karl VII., 1745 Franz I., 1764 Joseph II., 1790 Leopold II., 1792 Franz II.

Reichsinsignien waren Krone, Zepter und Reichsapfel. Die Reichsinsignien sind auf verschiedenen Kaiserportröts im Kaisersaal zu sehen. Die Originale befinden sich heute in der Wiener Schatzkammer.

Empfängt die Stadt Frankfurt offiziellen Besuch, steht auch heute noch der Kaisersaal im Mittelpunkt festlicher Zeremonien. Die Gäste tragen sich dort in das Goldene Buch der Stadt ein und stehen im Mittelpunkt von Empfangen, die für sie gegeben werden.

Südlich des Römers steht ein Brunnen von 1776.

 

 

Südlich des Mains steht der knapp 50 Jahre alte Turm der evangelischen Dankeskirche, Am Goldsteinpark 1 b. Der wäre wirklich nichts Besonderes, würde unter dem Dach nicht eine Glocke aus dem Jahre 1702 hängen. Nach dem ältesten Exemplar der Frankfurter Läute- Geschichte, das schon für Goethe, als der noch im Hirschgraben wohnte, im Viertelstunden-Takt geschlagen hat. Diese und eine weitere Glocke wurden 1941 aus dem Römer-Türmchen nach Hamburg gebracht, um sie für Kriegszwecke einzuschmelzen.

Doch sie kamen zurück. Das Römer-Türmchen war aber noch kriegsbeschädigt. Und deshalb fand sie zunächst im Turm der Goldsteiner St. Johanniskirche eine Bleibe, ehe sie 1972 ins Historische Museum umzog. Seit November 2000 kann sie wieder in dem Türmchen über dem Römer-Mittelbau die Stunde schlagen.

Kräftig dabei mitgeholfen hat Walter Pinger, mittlerweile in Nied ansässig. Er gibt nicht eher Ruhe, bis jede Glocke an dem Platz ist, wo sie hingehört. Doch bei der Suche nach der zweiten, eben jener Viertelstundenschlag-Glocke, kam Pinger nicht weiter. Bis der Hessische Rundfunk im Radio das Geläut der Goldsteiner Glocken über den Sender schickte und in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen wurde, die älteste Glocke stamme aus dem Jahre 1702 und hänge im Turm der Dankeskirche. Diese Information hat Pinger sogleich an maßgebliche Leute im Römer weitergegeben, darunter auch an Kirchendezernent Horst Hemzal. Man möge doch bitte schön dafür sorgen, daß die 148-Kilo-Glocke in das Römer-Türmchen zurückkehrt, damit dort wieder Klang- Harmonie einkehre. Dagegen hat auch Pfarrerin Karin Faller von der Dankes-Gemeinde nichts einzuwenden, zumal die Glocke der Stadt gehört. Doch die Lücke müsse natürlich wieder geschlossen, das Geläut mit einer neuen Glocke komplettiert werden.

Pinger kann sich erlauben, über öffentliches Geld zu reden, denn der Pensionär hat aus seiner Privatschatulle schon einiges zum Glockengenuß beigesteuert. Nicht zuletzt seiner Spendenfreudigkeit ist es zu verdanken, daß man das Große Stadtgeläut wieder in voller Klangfülle hören kann. Dazu tragen die vier Glocken im Dachreiter der Karmeliterkirche bei, für die Pinger jahrelang gekämpft hat.

 

Es ist schon eine Weile her, dass die Stadt Frankfurt ihr Wahrzeichen saniert hat. Um 1950 ist der Gebäudekomplex, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, in vereinfachter Form erneuert worden. In den siebziger Jahren gab es lediglich einen neuen Farbanstrich - jetzt steht dem Naturstein der Römerfassaden die Restaurierung bevor. Eine Bestandsaufnahme des Hochbauamts im Jahre 2004 habe ergeben, dass der Unterputz an den Bauten vollständig erneuert werden muß. Es ist auch eingeplant, statische Mängel an der Brüstung des Balkons zu beheben.

Untersuchungen des Denkmalamtes haben ergeben, dass die verputzten Flächen oberhalb der Erdgeschosse von etwa 1897 bis 1944 in Weiß gehalten waren. Der scheidende Denkmalamtsleiter Volker Rödel schlägt deshalb vor. Diese Flächen des Häuserensembles auch wieder weiß zu streichen. Mit Blick auf die umstehenden Gebäude am Römerberg sei das auch eine ästhetisch ansprechende Lösung. Eine zwingende Vorgabe sei sein Vorschlag nicht, sagt Rödel: „Ich bin da ziemlich leidenschaftslos.“ In jedem Fall würden aber die Sandsteinflächen in Höhe der Erdgeschosse, das sei knapp die Hälfte der Fassaden, ihre jetzige rotbraune Farbe behalten.

Ebenfalls saniert werden die rechterhand angrenzenden Fassaden des Hauses Frauenstein und des Salzhauses (Ecke Braubachstraße). Beide Gebäude hätten noch den Verputz aus der Wiederaufbauzeit der fünfziger Jahre. Und der sei besonders sanierungsbedürftig. Das Salzhaus und das Haus Frauenstein sind gotische Bauten aus dem 15. Jahrhundert, die um 1900 substantiell erneuert wurden. Im Zweiten Weltkrieg sind sie weitgehend den alliierten Bombenangriffen zum Opfer gefallen. Lediglich die steinernen Erdgeschosse sind noch im Original erhalten geblieben.

 

Im Hochbauamt hält man sich zur Entscheidung über die Farbe noch bedeckt. Eine Einschätzung, in welche Richtung der Trend geht, ist dort nicht zu bekommen. „Es gibt zwei Varianten bezüglich der Farbe“, sagt Gerhard Altmeyer, Fachbereichsleiter für Bauunterhaltung. „Aber entschieden ist da noch nichts.“ Hochbauamt und Denkmalamt würden die Frage mit der Koordinationsgruppe des Magistrates beraten.

Theoretisch könnte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) allein entscheiden, ob der Römer künftig halb weiß sein soll. Roth lege aber Wert darauf, diese weit ausstrahlende Entscheidung im Einvernehmen mit dem hauptamtlichen Magistrat zu fassen, erklärt Felix Semmelroth, Roths persönlicher Referent, auf Anfrage. Das Thema komme bei der Sitzung der Koordinationsgruppe am nächsten Dienstag mit Sicherheit auf die Tagesordnung. Ebenfalls saniert werden die rechterhand angrenzenden Fassaden des Hauses Frauenstein und des Salzhauses (Ecke Braubachstraße). Beide Gebäude hätte noch den Verputz aus der Wiederaufbauzeit der fünfziger Jahre, sagt Experte Robert Sommer. Und der sei besonders sanierungsbedürftig.

Das Salzhaus und das Haus Frauenstein sind gotische Bauten aus dem 15. Jahrhundert, die um 1900 substantiell erneuert wurden. Im Zweiten Weltkrieg sind sie weitgehend den alliierten Bombenangriffen zum Opfer gefallen. Lediglich die steinernen Erdgeschosse sind noch im Original erhalten geblieben.

Die Stadt rechnet mit Kosten in Höhe von 660.000 Euro für die Sanierung der Außenhaut des Römers und der angrenzenden Fassaden. Zeitlich schätzt Sommer den Aufwand auf etwa sechs Monate; Beginn im April oder Mai des kommenden Jahres. Die Ausschreibung der Arbeiten werde in den nächsten Wochen erfolgen.

 

Römerberg Ostzeile:

Lediglich bei den Kaiserwahlen und Kaiserkrönungen stand auch das Häusersextett am Samstagsberg mit im Zentrum des Geschehens, wenn es als Zuschauertribüne für das reichspolitische Zeremoniell diente. Für den Logenplatz mußte allerdings bei den Hauseigentümern teuer bezahlt werden .

„Großer Engel“ heißt das nördliche Eckgebäude mit dem Erkerturm und den reichen Schnitzfiguren gegenüber der Bürgerinformation und Auskunftsstelle Römer. Der Nachbar heißt „Goldener Greif“, gefolgt vom „Wilden Mann“ und vom Haus „Klein Dachsberg/Schlüssel“. Den Abschluß auf der Südseite bilden die Häuser „Großer Laubenberg“ und „Kleiner Laubenberg“.

Der viergeschossige Fachwerkbau hinter der Nikolaikirche heißt „Schwarzer Stern“. Da für den historischen Wiederaufbau der Gebäude keine alten Pläne vorlagen, mußte das Architektenbüro Dr. Schirmacher die neuen Planzeichnungen in akribischer Kleinarbeit nach alten Fotografien und Zeichnungen gestalten. Die Fachwerke der - bis auf den „Schwarzen Stern“ - einst außen verschieferten Häuser wurden jeweils im Stil jener Zeit entworfen, in der die einzelnen Gebäude errichtet worden waren. Veränderungen der Fassaden, wie sie im Laufe der Zeit vorgenommen worden waren, wurden in den Wiederaufbau miteinbezogen.                   

Das Fachwerkgruppe der Häuser wurde nach den Regeln tradierter Zimmermannskunst Balken für Balken angefertigt und zusammengefügt; teilweise konnten dabei Holzbalken aus alten abgebrochen Häusern verwendet werden. Der von den Steinmetzen sorgsam handbearbeitete Sandstein der Erdeschosse stammt aus den Vogesen und aus Steinbrüchen in der Gegend von Miltenberg und Wertheim. Für die Dächer wurde Schiefer aus dem Elsaß, dem Sauerland und dem Hunsrück verwendet. Besondere Kunstfertigkeit erforderten die geschnitzten und in Stein gehauenen Schmuckteile, die Zierfiguren und Knaggen, wie sie vor allem der „Engel“ und der „Schwarze Stern“ zeigen.

 

Großer Engel

Das eindrucksvollste Gebäude der Häuserzeile am östlichen Römerberg ist wohl der „Große Engel“. Das Gebäude besteht genaugenommen, wie auch an der Fachwerkkonstruktion zu erkennen, aus zwei Häusern unter einem Dach. Erst im 16. Jahrhundert war der hintere „Kleine Engel“ an der Rapunzelgasse mit dem „Vorderen“ oder „Großen Engel“ auf der dem Römerberg zugewandten Seite vereinigt worden. Eine Inschrift auf der Eckkonsole unterhalb des ersten Obergeschosses auf der Seite der Rapunzelgasse verkündet: „DIS.HAVS.SDEHED.NGOTES HAND.ZVM.KLEIN.ENGEL.IST.ES. GENANT'“.

Ein Haus „Engel“ wird erstmals im 13. Jahrhundert genannt. Seinen Namen hat es vermutlich von einem seiner ersten Besitzer, von einem Mann namens „Angelus“. Im 16. Jahrhundert schließlich ließ die damalige „Engel“-Besitzerin Anna Niklas, Witwe des Spitalmeisters Steinmetz, für ihre beiden Schwiegersöhne Hilarius Harpf und Siegfried Deublinger die beiden „Engel“-Häuser aufstocken und unter einem gemeinsamen Dachstuhl vereinigen.

Aus dieser Zeit stammen wohl die zahlreichen Schnitzfiguren, Ornamente und Inschriften an dem Gebäude: Den Eckbalken am Rapunzelgäßchen ziert ein geschnitztes Pärchen in paradiesischer Gewandung: Adam und Eva unter dem Apfelbaum, in dessen Krone sich die Schlange ringelt; Adam beißt gerade in den fatalen Apfel. Jahrhundertelang war an dem nackten Paar offenbar kein Anstoß genommen worden; erst Ende des vorigen Jahrhunderts erregten Adam und Eva. am „Engel“ ob ihrer Freizügigkeit Ärgernis: der Hausbesitzer ließ das paradiesische Paar entfernen. Allein der Apfelbaum blieb weiterhin sichtbar. Frankfurts Lokalpoet Friedrich Stoltze bespottete diesen Akt in gereimter Form: „Der arme Adam, samt seim Dämche / im allerdiefste Neglischee; / es blieb nur steh’ ihr Eppelbäämche, / dem sagte se betriebt Adschee.“ In den Holzbalken, der das erste auskragende Fachwerkgeschoß trägt, ist eine lateinische Inschrift eingeschnitzt, beginnend in der Mitte der Nordseite. Es ist eine Bibelstelle aus den Sprüchen Salomos (in Übersetzung): „Diese sechs Dinge haßt der HERR, diese sieben sind ihm ein Greuel: stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen, ein Herz, das arge Ränke schmiedet, Füße, die behende sind, Schaden zu tun, ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und weder Hader zwischen Brüdern anrichtet“.

Das zweite Fachwerkgeschoß wird auf seiner Nord- und Westseite durch figurengeschmückte Holzkangge abgestützt. Die Knaggen auf der Nordseite zeigen einen auf Arkebuse und Säbel bewaffneten Soldaten über einem Dämon und eine Bauersfrau mit einem Korb in der Hand und einem Vogel auf dem Kopf. Das Knaggenbündel an der Ecke zum Römerberg stellt einen Bauern, der sich auf einen Stock stützt, einen geflügelten Engel und einen wilden Mann mit Keule dar. Die drei Knaggen am Erker auf der Westseite zeigen bocksfüßige Teufelchen. In den nordwestlichen Eckbalken sind neben anderen ornamentalen Darstellungen zwei Harfen eingeschnitzt: vielleicht eine Anspielung auf Hilarius Harpf, den Schwiegersohn der Erbauerin Anna Niklas.

Für den Wiederaufbau des „Engel“ wurden fast dreihundert Eichen verwendet; die Knaggen und Zierteile wurden aus dem Holz eines Fachwerkhauses aus der Nähe von Hersfeld geschnitzt, das selbst etwa 300 Jahre alt gewesen ist.

Besonderes Einfühlungsvermögen und viel Fingerspitzengefühl erforderte die Rekonstruktion dieser Figuren und Ornamente: Da sie nach Fotovorlagen angefertigt werden mußten, hatten Holzschnitzer die nicht allein die Unschärfe der Vorlagen, sondern auch allerlei perspektivische Verzerrungen und Verzeichnungen mit einzukalkulieren und bei den Nachbildungen zu berücksichtigen. Die einzelnen Figuren wurden zunächst als Modell in Gips oder Ton angefertigt und dann in das alte Eichenholz übertragen.

Ein besonderes Schmuckstück ist die hölzerne Erkerkonsole an der Vorderseite des „Großen Engel“. Getragen durch sechs profilierte Holzstreben, wird die Konsole auf dem unteren Gesims durch Löwentatzen, die in Akanthusblätter auslaufen, gestützt; oben enden die Streben in dämonischen Masken. Im Hauptfeld des Erkersockels steht ein Engel mit einem verschlungenen Schriftband in den ausgebreiteten Armen. Die Kartusche über dem Engel enthält den Bibelspruch: „BEATI OES QUI TIMENT DNM PSAL 127“ (Selig sind alle, die den Herrn fürchten, Psalm 127). Zu Füßen der Engelsfigur sind zwei Wappen eingeschnitzt. Der linke Wappenschild zeigt drei Kleeblätter: das Wappen der Familie der Erbauerin Anna Niklas geborene Burckhardt; das rechte Wappen enthält drei Hämmer: eine Referenz an Anna Niklas’ verstorbenen Mann Hans Niklas, genannt Steinmetz. In der Kartusche unter der Erkerkonsole die Zahl 1562: es ist das Jahr, in dem der „Große Engel“ umgebaut worden war.

 

Vom Greif zum Laubenberg

Unscheinbarer als der „Große Engel“ präsentieren sich dessen Nachbarn zur Rechten: der „Goldene Greif“ mit seinem geschweiften Mansarddach und der „Wilde Mann“, der dem Römerberg seine Traufseite zuwendet. Bekannt ist der „Golden Greif“ seit dem 13. Jahrhundert als „Haus Schieferstein“. Wohl im 18. Jahrhundert wurde seine Fassade gründlich verändert.

Der „Wilde Mann“ wird erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. Um 1800 wurde das Gebäude umgebaut oder auch ganz abgebrochen und an seiner Stelle ein Neubau errichtet. Beim jetzigen Wiederaufbau erhielten der „Wilde Mann“ und der „Goldene Greif“ als einzige der sechs Häuser am Samstagsberg eine Putzfassade.

Das nächste der Gebäude in der Häuserreihe, Haus „Klein Dachsberg/Schlüssel“, ist wie der „Engel“ ein Doppelgebäude unter einem Dach, was sowohl an der Gestaltung des sandsteinernen Sockelgeschosses als auch an den Formen des Fachwerks darüber noch erkennbar ist. Nach der Brunnenrolle von 1541 bildete das Gebäude damals eine einzige Behausung; im 17. Jahrhundert wohl wurde das Anwesen geteilt. Im Innern des ersten Obergeschosses hatten sich vor dem Krieg Wandmalereien des Malers Christian Georg Schütz d.Ä. befunden.

Die beiden südlichen Gebäude der östlichen Römerbergzeile tragen den Namen „Laubenberg“: das Eckhaus heißt „Kleiner Laubenberg“, während das Nachbarhaus „Groß Laubenberg“ genannt wird. „Groß Laubenberg“ ist das kleinste aus der Zeile am Samstagsberg; kurioserweise überragt der „Kleine Laubenberg“ den „Großen“ um nahezu ein Stockwerk, zudem ist der „Große Laubenberg“ um rund die Hälfte schmäler als sein „Kleiner“ Nachbar.

„Groß Laubenberg“ ist wohl in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbaut worden. Das Erdgeschoß des Gebäudes war im vorigen Jahrhundert verändert, die Fenster im Obergeschoß waren vergrößert worden. Bis zur Zerstörung 1944 befand sich im Erdgeschoß von „Groß Laubenberg“ eine Gaststätte, die den Namen „Zum Standesämtchen“ führte. Der „Kleine Laubenberg“ daneben wurde im Jahr 1541 erbaut - das Knaggenbündel an der Südwestecke unterhalb des zweiten Obergeschosses trägt das Baujahr. Bisweilen hieß der „Kleine Laubenberg“ auch „Garküche“; so führt etwa der Katasterplan von 1876 das Eckhaus am Samstagsberg unter dem Namen „Kleine Garküche, ehem. Kl. Laubenberg“. Vor seiner Zerstörung beherbergte „Klein Laubenberg“ im Erdgeschoß die Weinstube von Carl Heyland. Die Gaststätte im neuen „Kleinen Laubenberg“ hat den Namen des gastronomischen Vorkriegsnachbarn übernommen und heißt nunmehr „Standesämtchen“.

 

Schwarzer Stern

Das Haus „Zum schwarzen Stern“ schräg hinter der Nikolaikirche zählte schon vor der Zerstörung zu den interessantesten Fachwerkkonstruktionen Frankfurts. Das stattliche Gebäude mit den drei weit auskragenden Fachwerkgeschossen auf dem mit kunstvoller Bauplastik versehenen sandsteinernen Sockelgeschoß und den beiden Zwerchhäusern mit den geschweiften Giebeln schließt den südöstlichen Römerberg optisch ab.

Der repräsentative Bau war zu Beginn des 17. Jahrhunderts von der Frankfurter Patrizierfamilie Voelcker errichtet worden. Schon zuvor stand an seiner Stelle ein Gebäude mit dem Namen „Schwarzer Stern“, „gelegen by S. Niklaskirchen“. Durch seine auskragenden Fachwerkgeschosse vergrößert der „Schwarze Stern“ seine Nutzfläche im obersten Stockwerk auf nahezu das Eineinhalbfache der Grundflache im Erdgeschoß.

Bei den Kaiserkrönungen pflegten die Voelckers, ebenso wie die anderen Römerbergbewohner, aus dem günstigen Standort ihrer Behausung Kapital zu schlagen; sie vermieteten die zahlreichen Fensterplätze ihres Hauses an auswärtige und einheimische Gäste. Doch fanden die Eigentümer des „Schwarzen Stern“ auch andere Mittel und Wege, ihren Nebenverdienst zu erhöhen: sie ließen außerdem die Füllungen aus dem Fachwerk der Außenfassade schlagen und Teile des Daches abheben, um zusätzlich zahlende Gäste unterzubringen.

Das sandsteinerne Erdgeschoß gliedert sich auf seiner Längsseite in eine Arkade mit vier Rundbogenfenstern auf dem Portal; sie setzt sich auf der westlichen Schmalseite fort. Die Arkade, mit Schmuckmotiven verziert, ruht auf nach innen ausgebuchteten Sandsteinpfeilern. Die Pfeilernischen schließen oben in einer Muschel ab, in der jeweils eine kleine steinerne Maske sitzt. Auch die Schlußsteine der Rundbögen sind mit Steinmasken geschmückt. Der Überhang des ersten Fachwerkgeschosses, das sich über den Sockel vorschiebt, wird von steinernen Konsolen in der Gestalt von gebückten Wichtelmännern mit einer dämonischen Fratze darüber abgestützt.

Für das Fachwerk der Außenfassade wurden alte Eichenbalken verwendet, die aus einer zweihundert Jahre alten Scheune aus dem Elsaß stammen. Die Brüstungen der drei Obergeschosse zeigen unterschiedliche Fachwerkformen: Rauten im ersten Stock, mit Andreaskreuzen durchbrochene Kreise im zweiten Geschoß; im obersten Stockwerk sind es „Feuerböcke“. Die beiden Zwerchhäuser auf der Traufseite des Daches wurden wieder verschiefert, ebenso der Westgiebel des Gebäudes.

Der von den Frankfurter Architekten Heinrici und Geiger gestaltete neue „Schwarze Stern“ bildet, wie schon sein Vorgänger, mit den dahinterliegenden Anschlußbauten im Innern eine bauliche Einheit. Im Erdgeschoß wurde wieder eine Gaststätte errichtet, die wie das Haus selbst „Schwarzer Stern“ heißt. Das erste Obergeschoß des Gebäudekomplexes beherbergt ein Cafe und das originalgetreu rekonstruierte „Hochzeitszimmer“, In dem auf der Rückseite anschließenden neuen Gebäudeteil hat der Frankfurter Presseclub sein Domizil.

 

Dom:

Der Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme, gründete um 850 auf dem Römerberg die Salvatorkirche. Der Legende nach  bewegte ein Versprechen Ludwigs des Bayern die Stadt zum Dombau. Als der Bayer und Frankfurt-Freund am 20. Oktober 1314 zum deutschen König gewählt war, kam hier umgehend der Grundstein für die Kathedrale in den Boden. Denn Königskandidat Ludwig hatte den Frankfurtern in einem Streit um den Thron zugesichert, im Fall seiner Erhebung solle die Stadt am Main künftig Austragungsort der Königswahlen sein.

Kein Ort in der kleinen Stadt war geeignet für derlei Gepränge. Da konnte die alte Kirche nicht mehr ausreichen.

Als die Salvatorkirche abgerissen wurde, benutzte man die Fundamente der alten Basilika, um die riesigen Strebepfeiler des jetzigen Domes darauf aufzubauen. Dies ist auch der Grund, warum das Längsschiff des Domes etwas gedrängt, ja im Verhältnis zu den Querschiffen zu kurz erscheint.

In der „Goldenen Bulle“, dem Reichsgrundgesetz von 1356, wurde er zur Wahlkirche der deutschen Kaiser bestimmt. Und ein Jahrhundert später, ehe noch das große Werk des Kirchenbaus geschafft war, wollte man weiter auftrumpfen. Also legten die Vorfahren nicht nur die alten Kirchtürme, sondern auch angrenzend ihr altes Rathaus um. Um Platz zu schaffen für jenen 95-Meter-Turm, mit dem fortan für jedermann, der sich auf den Landstraßen näherte, Frankfurt schon von weitem markiert sein sollte. Einen der „monumentalsten im Reich“ nennen die Denkmalschützer den Kirchturm zu jener Zeit.

Und wie bei so vielen Vorhaben in Frankfurt beteiligte sich die ganze Bürgerschaft mit materiellen und finanziellen Spenden am Bau. Am 6. Juni 1415, so der historische Abriß, hatten sich vor dem Langhaus der dem heiligen Bartholomäus geweihten Stiftskirche mit dem ältesten Schöffen Gerbrecht von Glauburg und den Mitgliedern von Rat und Stift die angesehensten Bürger nebst vielem Volke zusammengefunden, um auf einem sicheren Rost aus 141 Eichenpfählen den Grundstein für das Jahrhundertbauwerk zu plazieren.

 

 

Um Menschen, die sprichwörtlich wissen, „wo Barthel den Most holt“, braucht sich keiner Sorgen zu machen. Sie sind schlau und können sich selbst helfen. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es dieses Sprichwort in Deutschland. Mit „Barthel“ ist der Heilige Bartholomäus gemeint, der Schutzpatron der Stadt Frankfurt. Sein Tag wird jedes Jahr am 24. August gefeiert. Der Apostel und Märtyrer ist nicht nur Patron mehrerer Städte, sondern auch für den Schutz vieler Arbeiter zuständig wie Schneider; Bäcker; Metzger und Winzer. Außerdem soll er bei Hautkrankheiten und Nervenleiden helfen, besonders bei Zuckungen.

Hilfe hätte Bartholomäus zum Ende seines Lebens selbst auch bitter nötig gehabt, dann wäre sein Tod vielleicht nicht so schrecklich gewesen. Nach der Legende wurde dem weit gereisten Mann in Armenien nach einer Intrige bei lebendigem Leib die Haut abgezogen, dann wurde er geköpft. Daher trägt der Apostel auf Gemälden häufig seinen abgetrennten Kopf oder die abgezogene Haut in der Hand.

Nach dem Mord soll seine Leiche in einem Sarg ins Meer geworfen worden sein, der bei Sizilien strandete. Dort erschien Bartholomäus angeblich einem Mönch, der die Knochen aufsammelte und fortbrachte. Über Umwege gelangten sie mehrere hundert Jahre später zu Kaiser Otto II., der die Gebeine im Jahr 983 nach Rom brachte. Die Hirnschale kam im 13. Jahrhundert in den Frankfurter Kaiserdom, wo sie bis heute als Reliquie aufbewahrt wird.

Warum der heilige Bartholomäus sprichwörtlich „den Most holt“, weiß heute niemand mehr genau. Sehr wahrscheinlich hängt dies mit seinem Feiertag am 24. August zusammen. Wer bereits so früh im Jahr trinkbaren Most bekommt, muß schlau sein. Der Heilige ist bis heute aber nicht nur in dem Sprichwort präsent, sondern auch im Bauernkalender. Danach ist schönes Wetter am Bartholomäustag vor allem für den Weinbau immens wichtig. „Regen an St. Bartholomä tut den Reben bitter weh“, heißt es zum Beispiel. Und auch das Wetter der folgenden Monate entscheidet sich laut Bauernkalender am 24. August: „So das Wetter zu Bartholomäus ist, daran sich der Winter mißt.“

 

Den Autoren eines Faltblattes über den Dom erscheint das Vorhaben, zu dem der Baumeister Madern Gerthener beauftragt wurde, rückblickend sogar als „Vorsatz, die Wolken anzukratzen". Der gebürtige Frankfurter und gelernte Steinmetz Gerthener, laut Frankfurt-Biographie „einer der wohlhabenden und angesehenen Bürger der Stadt“, errichtete den Bau, unterstützt von einer Hand voll Steinmetzen und einigen Maurern, nach eigenem Entwurf. Wie beim Freiburger Münster wurde der Turm vor die volle Breite des Langhauses der neuen Kathedrale gestellt, für die erst im 18. Jahrhundert aus Ehrerbietung der Name „Dom“ gebräuchlich wurde. Zwischen 1562 und 1792 fanden hier die Kaiserkrönungen statt. Seitdem erhielt er den Namen „Kaiserdom“.

 

 

 

Der Bau

Der Dom, wie er heute steht, ist im wesentlichen ein Werk des 14. und 15. Jahrhunderts.

Zu der Legende paßt aber daß die Frankfurter umgehend nach der Wahl Ludwigs den östlichen Teil der 1239 dem Bartholomäus geweihten Kirche mit Chor Kapellen und Doppelturmanlage abbrachen, um den Bau eines größeren und schöneren Gotteshauses beginnen zu können, für dessen Chor der Grundstein am 14. Mai 1315 versetzt wurde. Auf die Einwölbung des spätgotischen Chores 1338 folgte 1346-1353 der Bau des nördlichen, 1352-1353 des südlichen Querschiffes, bis 1410 zog sich die Vollendung der drei mittleren Querhausjoche hin. Doch statt nun mit Geduld das große Werk kontinuierlich nach Westen hin voranzutreiben, zeigten sich Frankfurts Bürger sprunghaft. Das Hauptschiff der Kirche blieb wie es war, man wollte ein Zeichen setzen, und sammelte für einer alles überragenden Turm. Am 7. Juni 1414 einigten sich Rat und Kapitel über den Kauf des alten Rathauses, um dieses zusammen mit den beiden baufälligen karolingischen Westtürmen anschließend abzutragen.

Damit war der Platz geschaffen für einen Turm, der als einer der monumentalsten im Reich fast für ein halbes Jahrtausend das Bild der Stadt bestimmen sollte. Wie bei so vielen Vorhaben in Frankfurt beteiligte sich die ganze Bürgerschaft mit materiellen und finanziellen Spenden am Bau des Turmes, zu dessen erstem Werkmeister also Architekten, Madern Gerthener berufen wurde. Er war kein Unbekannter in der Stadt, 1387 führt ihn das Einwohnerverzeichnis ebenso wie seinen Vater als Steinmetz, wohl beide in den folgenden Jahren an der Mainbrücke tätig, ab 1404 taucht sein Name in den Rechnungsbüchern der Bauhütte der Bartholomäusstiftskirche auf, womit sich überhaupt erstmals der Name eines Baumeisters mit der Kirche verband, denn die der Vorgängerbauten sind nicht überliefert.

Gerthener baute, unterstützt von einer Handvoll Steinmetzen und einigen Maurern, nach eigenem Entwurf von dem sich der originale mittelalterliche Aufriß noch erhalten hat. An die Stelle der im Kern noch karolingischen Doppelturmanlage hatte Gerthener einen die Westfassade zierenden monumentalen Frontturm geplant, wie ihn das Freiburger Münster seit dem 13. Jahrhundert besaß. Über quadratischem Grundriß türmen sich drei in der Höhe und der Form unterschiedliche Geschosse, deren untere Schwere sich, ausgehend von den nach dem unteren Fünftel ansetzenden Eckfialen, mit zunehmender Höhe in filigranes Spitzenwerk auflöst, welches das über der Galerie in etwa 40 Meter Höhe beginnende Oktogon umhüllt. Nach nur acht Jahren reger Tätigkeit spannte sich 1423 in gleicher Höhe wie im Mittelschiff der Kirche das erste Gewölbe über dem Erdgeschoß des Tunnes. Mitten in den Arbeiten am folgenden Geschoß, die wegen der knapper werdenden Baugelder bereits langsamer vorangingen, starb Madern Gerthener 1430/1431, worauf der Bau sich nur noch stockend voranschleppte, jedoch die Werkmeister in rascher Folge wechselten. Erst Jörg Östreicher, der sechste Nachfolger Gertheners, konnte durch 1472 endlich den Schlußstein im Gewölbe des zweiten Stockwerkes versetzen. Danach wurde für ein Jahrhundert die Baustelle gänzlich stillgelegt.

Ab 1483 leitete der bereits seit 1480 am Turm tätige Hans von Ingelheim nach eigenem, gegenüber Gertheners Riß etwas in der Höhe gestreckten Entwurf, die Arbeiten am Oktogon, unterstützt von Hans von Lich, der als Polier bis zu fünf Steinmetze beaufsichtigte. Als Hans von Ingelheim 1491 seinen Abschied nahm, war der Turm auf fast 60 Meter hochgewachsen, doch Geldmangel verzögerte erneut den Baufortschritt. Nach einer Zwischenzeit, eher geprägt von der Diskussion über einen veränderten Turmabschluß als von der Tätigkeit der Steinmetzen, übernahm 1499 Jakob von Ettlingen als zwölfter und letzter Werkmeister mit nur noch drei Gehilfen die Baustelle, nachdem sich die Bauherrschaft auf eine Vollendung des Turmes nach dem Plan des Hans von Ingelheim geeinigt hatte. 1508 war das innere Gewölbe der Kuppel über der Türmerstube vollendet, 1508 schloß sich endlich die äußere Kuppel nach mehrfachem Baustillstand, mit dem Abbau des Gerüstes wurden nach einhundert Jahren alle Tätigkeiten am Turm eingestellt. Für die nächsten dreieinhalb Jahrhunderte galt nun der Turm als vollendet, wenngleich ihm noch die krönende Laterne fehlte. Erst 1848 erhielt die Kuppel einen laternenähnlichen Aufsatz, mit dem Feuersignale gegeben werden sollten, vom Volksmund spöttisch „Reichslaterne“ genannt.

 

Turm:

Gerthener legte den Grundriß quadratisch an und ließ laut seiner im Historischen Museum bewahrten Bauzeichnung darüber drei in Höhe und Form unterschiedliche Bauabschnitte wachsen: Je höher, desto filigraner wollte der in seinem sechsten Lebensjahrzehnt stehende Meister den aufragenden Bau gestalten.

Nach nur acht Jahren hatten die Handwerker das untere Turmgeschoß fertig und die Höhe des Kirchenmittelschiffs erreicht. Da wurde das Baugeld knapp und das Tempo langsamer. Madern Gerthener ging auf die Siebzig und starb 1430 „mitten in den Arbeiten am folgenden Geschoß“. Worauf sich der Bau „nur noch stockend voran schleppte“.

Sechs Nachfolger hat die Aufgabe verschlissen, ehe 1472 der zweite Bauabschnitt fertig war. Und damit, also fast 60 Jahre nach Baubeginn, war erst mal Schluß: Für ein Jahrzehnt ruhte der Turmbau zu Frankfurt. Im Jahre 1483 ging es weiter, 1491 war der Bau fast 60 Meter hoch. Und wieder hatte man an der Finanzierung zu knapsen. Da diskutierte die Stadt über einen veränderten Turmabschluss.

Der letzte (und zwölfte) Werkmeister, der bemüht war, im Herzen der Stadt Höhe zu gewinnen, war ab 1499 Jakob von Ettlingen. Im Jahre 1514 wurde das Dach geschlossen und das Gerüst abgebaut: Da stand der Kirchturm von St. Bartholomäus mit einer Kuppel da und ohne die einmal entworfene filigrane Spitze. Und so überragte der Pfarrturm die Stadt 350 Jahre lang - als ein Zeitzeichen, an dem sich alte Frankfurt-Ansichten einordnen lassen. Im Jahre 1848 suchte man durch einen vergleichsweise winzigen Aufsatz unter einer Art Zwiebeltürmchen diesem Bauwerk einen Abschluß zu geben - und erntete den Hohn des Volksmunds, der die Erfindung als „Reichslaterne“ verspottete.

Der legendäre Dorn-Brand von 1867, als von einer Gaststättenküche der Fahrgasse das Feuer auf St. Bartholomäus übersprang, trug letztlich dazu bei, das Werk Madern Gertheners zu vollenden: Der Königliche Baurat Franz Joseph Denzinger aus Regensburg wurde als Dombaumeister berufen und erneuerte den Turm, in dem die Glocken teilweise geschmolzen waren, bis 1890 nach mittelalterlichem Plan mit gotischer Spitze.

Deren derzeitige Verhüllung, fast bis runter zur Domuhr, kennzeichnet die vierte größere Sanierung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In den 40er und zwei Mal in den 70er Jahren war schon Erneuerungsbedarf. Diesmal ist nach den Ausführungen des Hochbauamts auf vier Faltblatt-Seiten eindeutig die unzulängliche Baupflege und Bauunterhaltung der letzten Jahrzehnte" schuld am millionenschweren Aufwand. Und obwohl zwischen den Zeilen durchscheint, daß das frühere Ausbessern von Löchern mit Kunststein das Schadensbild verschlimmert hat, endet die Bestandaufnahme mit der Feststellung, daß „eine Vielzahl der plastischen Zierteile ( ... ) aus Kostengründen durch seriell gefertigte Teile aus Steinersatzmaterial ausgetauscht“ werde.

 

Geschichte

Am Abend des 3. April 1833 stürmen rund 50 Studenten, Handwerker und geflohene polnische Freiheitskämpfer die Hauptwache und die Konstablerwache. Sie überwältigten die überraschten Besatzungen, befreiten politische Gefangene aus der Konstablerwache und forderten die Schaulustigen auf, sich der Erhebung anzuschließen. Ihre Tat war gedacht als Beginn der Revolution in Deutschland. Eine Stunde später hatten Frankfurter Truppen beide Gebäude wieder in ihre Gewalt gebracht und den Aufstand niedergeschlagen. Neun Tote auf beiden Seiten und insgesamt 24 Verletzte vermelden die Akten, ohne die heimlich beiseite geschafften Toten und Verwundeten der Aufrührer.

Friedrich Stoltze war zur dieser Zeit 16 Jahre alt. Viele der Freiheitsmänner kannte der junge Wirtssohn als Gäste seines Vaters im Gasthaus „Zum Rebstock“. Zum 50. Jahrestag des Wachensturms hat der Dichter in seiner Zeitschrift „Frankfurter Latern“ einen Bericht über die Ereignisse veröffentlicht und dabei überraschenderweise einem Mann ein Denkmal gesetzt, der auf Seiten der staatlichen Gewalt stand: dem Polizeidiener Bayer (den Stoltze abweichend „Beyer“ schreibt).

Frankfurts Erster Bürgermeister, von Guaita, war am Morgen vor der Erhebung gewarnt worden. Neben anderen Vorsichtsmaßnahmen, schreibt Stoltze, schickte er den „Rottmeister Beyer“ am Abend als Wachposten auf den Domturm. Dort stand der Polizist mit dem Türmer und horchte in die Nacht hinaus. Doch nichts geschah.

„Stuß“, beschwerte sich Bayer, „den sauere Gang da die dreihunnert Truppe eruff hätte merr unser Herrn sparn könne! Awer, nadirlich, ihen Bääschmalz kost’s net!“ Kaum hatte er das gesagt, waren von unten Schüsse zu hören. Der Wachensturm hatte begonnen, und schon rumpelten auch sechs bewaffnete Aufständische unter lautem Geschrei den Domturm herauf, um die Sturmglocke zu läuten. Um den Revolutionären nicht in die Hände zu fallen, kraxelte der um sein Leben fürchtende Bayer auf die Domkuppel und legte sich dort platt auf den Bauch. Keine Sekunde zu früh, denn schon standen die sechs Männer mit geschwärzten Gesichtern vor dem Türmer und forderten die Schlüssel zum Glockenhaus.

„Gewalt geht vor Rech“ antwortete der und führte den Trupp in seine Stube, um den Schlüssel herauszugeben. Auf dem Weg dorthin fanden sie Bayers Polizeihut, den jener in der Eile verloren hatte. Minuten später hatten die Aufrührer den Polizisten auf der Domkuppel entdeckt und in die Stube gezerrt. „Allez! Vorwärts! Du sollst Storm läute. Mucks Dich, un De fliehst enunner uff en Weckmark“, drohten sie dem verängstigten Gesetzeshüter und stumpten ihn ins Glockenhaus, wo er anfing, aus Leibeskräften Sturm zu lauten“.

Inzwischen war die Revolte jedoch niedergeschlagen. Die Aufständischen waren tot, verwundet, festgenommen oder hatten sich bei Freunden versteckt. Der Polizeidiener Bayer indes stand noch immer, wie ihm die Aufrührer eingeschärft hatten, im Glockenturm und läutete. Oberst von Schiller, Kommandeur des Frankfurter Linienbataillons, ließ nun den Dom umstellen, dann stürmten 20 Mann mit gefälltem Bajonett den Turm hinauf. Oben hämmerten sie mit ihren Gewehrkolben gegen die Tür des Glockenhauses. „Aufgemacht!“ brüllten sie. Bayer, aus Furcht, es seien die mit seiner Leistung unzufriedenen Aufrührer, zog mit letzter Kraft am Glockenseil, da zertrümmerten schon Äxte die Tür und die Soldaten stürmten herein. Sie fanden „den ihnen allen wohlbekannten Rottmeister Beyer, halbtot, aber immer noch am Seil der Sturmglocke zupfend“. Seit dieser Zeit, schließt Stoltze seine Erzählung, hieß der Polizeidiener Bayer in der Stadt nur noch „Der Glöckner“.

Eine hübsche Geschichte, die Frankfurts zweitgrößter Dichter da, ausgeschmückt mit viel Dialog in Frankfurter Mundart, erzählt. Doch hat sie sich wohl etwas anders zugetragen, zumindest wenn wir der Zusammenstellung der gerichtlichen Untersuchungs-Resultate in Betreff der Meuterei zu Frankfurt a. M. glauben dürfen. Demnach wurde der Polizeidiener Bayer an fraglichem Abend tatsächlich zur Wache eingeteilt, jedoch nicht auf dem Turm, sondern im Hof der Domkirche. Dort sollte er mit einem Kollegen „verdächtige Leute, welche etwa in den Pfarrturm gehen wollten, zurückweisen und im Weigerungs-Falle arretieren“.

Laut Gerichtsakten stürmten gegen 10 Uhr abends zwölf bis 16 Aufrührer in die Wohnung des 73-jährigen Kirchenbuchführers Balser und forderten ihn drohend auf, sie zur Sturmglocke zu führen. Als der Mann sich hartnäckig weigerte, nahmen sie Laterne und Axt, um sich den Weg zu bahnen.

Erst im Hof trafen die Männer auf Bayer. Sie zwangen ihn, mit auf den Turm zu steigen, in der Annahme, er wisse, wie es zur Glocke gehe. Auf dem Weg hinauf muß es dem Polizeidiener gelungen sein, den Aufrührern zu entkommen, denn er konnte sich auf der Turmspitze verstecken. Da der Türmer zu dieser Zeit gar nicht da war, mußte dessen Frau die Aufständischen zum Glockenhaus führen. Dort läuteten zunächst die Meuterer, später dann auf deren Befehl die Frau die Sturmglocke. Die Akten sagen nicht, wo sich Bayer zu dieser Zeit befand.

Auf den Polizisten Bayer wird in den Gerichtsakten nur am Rande eingegangen. Warum Stoltze gerade ihn in den Mittelpunkt seiner Erinnerungen an die Ereignisse des 3. April 1833 rückt, warum er mit wahrer Leidenschaft eine Unterhaltung zwischen Bayer und dem Türmer erfindet, die sich in jener Nacht überhaupt nicht getroffen haben, und warum der als Revolutionsfreund bekannte Dichter mit seinen Erinnerungen einem Polizeimeister ein Denkmal setzt und nicht einem der ihm politisch doch naher stehenden Freiheitsmänner - wir wissen es nicht. Wir wissen nur, daß wir dem Dichter und Fabulierer Friedrich Stoltze als Historiker in Zukunft füglich mißtrauen wollen.

 

Der Brand:

Kein Bauwerk hat ewigen Bestand. In der Nacht vom 14. auf den 15. August 1867, am Vorabend des Besuchs des preußischen Königs Wilhelm I. in dem vor Jahresfrist von seinen Truppen annektierten Frankfurt, brach in der Fahrgasse ein Feuer aus, das nach kurzer Zeit auch auf die Dächer der seit 1734 als Dom bezeichneten Stifts- und Pfarrkirche St. Bartholomäus übersprang. Nur eine Stunde widerstand der hölzerne Dachstuhl den gierig zehrenden Flammen, auch das Innere des Turmes blieb nicht verschont, die Glockenstühle mitsamt den teilweise geschmolzenen Glocken stützten in die Tiefe. Die Wahl- und Krönungsstätte so vieler Könige und Kaiser des deutschen Reiches bot einen jämmerlichen Anblick. Doch der Schadensbericht der umgehend eingesetzten technischen Kommission vermeldete tröstend, „dass der alte treue Freund Frankfurts, der schöne majestätische Turm, der so manches Jahrhundert die Geschicke der altehrwürdigen Stadt

an sich vorüberziehen sah, nicht abgetragen zu werden braucht, sondern Kunde geben soll unseren Kindern und Kindeskindern von der Grösse des bürgerlichen Gemeinsinns, der ihn erstehen liess.“

Nach den Ergebnissen des Kommissionsberichtes und der Gutachten der Dombaumeister Denzinger (Regensburg), Schmidt (Wien) und Voigtel (Köln) entschloß sich die Stadtregierung zu einem über die Wiederherstellung hinausgehenden Umbau des Domes, der sich, was den Turm betraf, an dem Aufriß von Madern Gerthener orientierte. Von der königlich bayerischen Regierung aus dem Staatsdienst beurlaubt, trat Franz Joseph Denzinger (1821-1894) im Jahre 1869 sein Amt als Dombaumeister in Frankfurt an, um in den mehr als zehn Jahren Tätigkeit am Main (bis Anfang 1880) der Kirche mit dem in der Höhe dem Querhaus angeglichenen Langhaus und Gestaltung des Turmes nach mittelalterlichem Plan ihr heutiges Aussehen zu geben. Turm und Gewölbe des Mittelschiffs sind nach dem Dombrand vom 15. August 1867 neu aufgebaut worden unter Leitung des Dombaumeisters Denzinger.

Die prachtvolle innere Ausmalung verdankt der Frankfurter Dom dem altbekannten Künstler Edward von Steinle. Die Glasfenster sind zum größten Teil ebenfalls von ihm entworfen und von dem Frankfurter Glasmaler Linnemann gebrannt. Die Altäre, größtenteils Meisterwerke, verdankt Frankfurt seinem 1890 verstorbenen Stadtpfarrer Ernst Franz August Münzenberger; unermüdlich war dieser hervorragende Kunstkenner tätig, um seinem geliebten Gotteshause Prachtwerke zu schenken.

 

Die Schäden:

Während die Luftangriffe im März 1944 der Kirche selbst schweren Schaden zufügten, kam der Turm einigermaßen glimpflich davon. Ende der 1950er Jahre beherrschte er die Innenstadt erneut in alter Pracht. Im Moment freilich zeigt sich der Turm etwas verfremdet mit seiner, an die bekannten Objekte von Christo Javachef erinnernden Verpackung.

Doch dies hat seinen guten Grund. Obwohl die letzten zwischen 1972 und 1977 durchgeführten Sanierungsmaßnahmen am Westturm des Domes erst ein Vierteljahrhundert zurücklagen, traten in den letzten Jahren bereits erneut erhebliche Schäden am Domturm auf. Steinteile verschiedener Größe hatten sich gelöst und waren aus großer Höhe abgestürzt. Ein Blitzeinschlag in die Große Kreuzblume an der Turmspitze im Jahr 1997 war dann für die Stadt Frankfurt am Main als Eigentümerin des Domes Anlaß  zu sofortigen Handeln. Vorbereitungen für umfangreiche Sanierungsarbeiten am etwa 95 Meter hohen Domturm wurden eingeleitet.

Auf Grund des Schadensbildes und der Verkehrsgefährdung durch herabstürzende Teile werden die Sanierungsarbeiten in drei Bauabschnitten von oben nach unten erfolgen. Neben der natürlichen Verwitterung ist die Schadensursache vor allein in einer unzulänglichen Baupflege und Bauunterhaltung der letzten Jahrzehnte zu suchen, aus der sich die nun umfangreichen Sanierungsarbeiten ergeben.

Zu deren Vorbereitung sind detailgenaue Planunterlagen erforderlich, wobei jedoch auf keine vorhandenen Pläne, die heutigem Standard entsprechen, zurückgegriffen werden kann. Die letzten Plätze waren durch den Dombaumeister Franz Joseph von Denzinger im Rahmen des Wiederaufbaues des Domturms 1869-1880 worden. Um ein genaues Schadensprofil erstellen zu können, bedarf es maßhaltiger Pläne, in denen selbst noch der Fugenschnitt des Steins ablesbar sein muß. Bei einem so gewaltigen Bauwerk, wie es der Domturm darstellt, war deshalb als Grundlage für solche Plätze ein Aufmaß von Hand mit Bandmaß von vornherein ausgeschlossen, hier konnte nur mit der modernen Methode der Photogrammetrie, einer optischen Mehrpunkmessung mittels Spezialkameras gearbeitet werden. Aus den dabei gewonnenen Daten entstehen nach ihrer Entzerrung die Planzeichnungen, für die im Falle des Turmes der Maßstab 1:50 gewählt wurde.

Die erforderlichen Aufnahmen hierzu wurden vorher mittels eines Helikopters und eines 90-Meter-Hubsteigers am Bauwerk erfaßt. Nach Eintragung der Schäden in die Zeichnungen bilden diese die Grundlage der Restaurierungsarbeiten und dienen der Überprüfung späterer Veränderungen am Bauwerk. Mitarbeiter eines Labors für Steingutachten trugen die unterschiedlichen Schadensbefunde in differenzierter Form als Schadenskartierunng in die Bestandspläne ein.

 

Die Maßnahmen:

Naturstein ist nicht Naturstein. Das 1869-1880 eingebaute hochwertige Steinmaterial zeigt an den Oberflächen nur geringe Abwitterung, von ebensolcher Langlebigkeit muß der neu zu versetzende Sandstein in den geschädigten Bereichen sein. Seine physikalischen Eigenschaften, Festigkeit und Wasseraufnahme, sollten dem des historischen Materials entsprechen. Die hohe Qualität der noch vorhandenen gotischen Oberflächenbearbeitung dient den Steinmetzen als Vorbild für die neu zu schaffenden Zierteile.

Gravierendere Schäden, wie Schalen-Bildungen, finden sich zumeist in den vor Schlagregen und Wind geschützten Bereichen von Fenster- und Türstützen, an Gewänden und Gesimsen. In diesen Fällen wird das geschädigte Material durch farblich passende Neuteile (Vierungen) aus einem in seinen Eigenschaften vergleichbaren Mainsandstein ersetzt. Dagegen erhalten Bereiche mit lediglich entfestigten, absandenden Oberflächen eine konservatorische Behandlung mit lösungsmittelfreier in der Mischung speziell auf den Stein eingestellter Kieselsäure zur Wiederherstellung der ursprünglichen Festigkeit.

Große Sandsteinflächen sind von einer dichten Kruste aus Schmutz- und Rußpartikeln bedeckt oder von einem intensiven biologischen Bewuchs, wie Algen, überzogen. Da Wasser allein nicht ausreicht, diese Schichten zu entfernen, wurden Versuche mit Zuschlagstoffen vorgenommen. Mit Glaspudermehl wurde der optisch beste Reinigungseffekt erzielt, bei gleich zeitiger Schonung der Steinoberfläche. Die Kreuzblume auf der Turmspitze, etwa einen Meter hoch und eineinhalb Meter breit, stellt ein großartiges Beispiel der Steinmetzkunst des 19. Jahrhunderts dar. Die Instandsetzung und Erhaltung der Kreuzblume mit einer dem Original entsprechenden Qualität stellt eine besondere Herausforderung innerhalb der Sanierungsarbeiten dar. Bei den Restaurierungsarbeiten der 1970er Jahre wurden viele plastische Schmuckelemente - Krabben, Fialspitzen und Kreuzblumen - aus Sandstein durch Abgüsse aus Steinersatzmaterial erneuert, deren Oberfläche größtenteils absandet und deren Standfestigkeit wegen unzulänglicher Befestigung nicht mehr gewährleistet ist, sogar Absturzgefahr droht. Alle diese Teile werden aus rotem Mainsandstein neu hergestellt. Gleiches gilt auch für die flächigen Steinersatzantragungen. Die komplizierte Sanierung der Fassaden des Domturmes ist in drei Bauabschnitte unterteilt, deren erster mit der Gerüststellung im Bereich der Turmspitze in etwa 66 Meter Höhe im Mai 2001 begonnen wurde, seit November 2001 arbeiten die Steinmetze in schwindelnder Höhe und in etwa 4 - 5 Jahren wird die Maßnahme abgeschlossen sein.

 

 

 

Rundgang durch den Dom

Zur Besichtigung des Domes begeben wir uns durch die östliche Türe im Kreuzgang und beginnen an dem alten, schmiedeeisernen Tor unter der Orgel.

Hoch oben in den Gurt oder Trennungsbogen der drei Mittelschiffe ist das dreifache Amt Christi wiedergegeben, das Lehr-, Priester- und Hirtenamt. Die fünf bemalten Felder des Deckengewölbes versinnbildlichen die fünf Erdteile mit den in diesen vorkommenden Tieren.

 

Gehen wir nach rechts, so sehen wir über den Beichtstühlen im südlichen Mittelschiff zwei Bilder, die mit dem Bußgericht in Verbindung stehen: die Aufnahme des reuigen Schächers ins Paradies und die Aufnahme des verlorenen Sohnes. Rechts anschließend kommen wir in die Scheidskapelle, die ihren Namen von ihrem Stifter Nikolaus Scheid 1487 trägt. Sehr schön sind die Bilder Steinles, an den Pfeilern die sieben „Werke der Barmherzigkeit“. Die Fenster der Südwand sind älteren Datums. Das Fenster der Westwand zeigt ein Madonnenbild mit den früheren Stadtpfarrern von Frankfurt, Beda Weber und Eugen Theodor Thissen.

 

Im südlichen Querschiff, in das uns jetzt unser Rundgang führt, stehen verschiedene wertvolle

Altäre, sowie das Sakramentshäuschen; letzteres ist ein schönes Werk des 15. Jahrhunderts, ganz aus Terrakotta gearbeitet.

Der äußerste Altar ist ein Barockaltar aus dem 17. Jahrhundert, die Anbetung der heiligen drei Könige, von Brandl in Prag. Links vom Sakramentshäuschen steht der Herz-Jesu-Altar aus dem Jahre 1505 aus der schwäbischen Schule.

Der Madonnenbaldachin ist ein Meisterwerk aus dem 15. Jahrhundert, ebenfalls ganz aus Terrakotta hergestellt. Die Madonna unter dem Baldachin ist eine flämische Figur, Maria mit der flämischen Haube, aus dem 16. Jahrhundert in Holz geschnitzt. Die Fenster der Ostwand zeigen uns die „Himmelfahrt Christi“, „Christus und Maria auf dem Himmelsthron'“, „die Apokalypse des hl. Johannes“.

Das Bild über dem Südportal versinnbildlicht das hl. römische Reich deutscher Nation, d. h. Kaiser und Papst mit ihren Würdenträgern beten zu einer Gottheit, der hl. Dreifaltigkeit. Das Fenster zeigt uns die erste deutsche Kaiserkrönung Karls des Grossen von Papst Leo III. im Jahre 800. Links vom Südportal steht das Grabmal des 1691 verstorbenen Bischofs von Worms, Karl von Frankenstein; rechts als Gegenstück das Grabmal des 1518 gestorbenen Frankfurter Ratsherrn Andreas Hirde. Die Grabmäler der Westwand: Johann Adam von Nentwig (gestorben 1718); Reichsschultheiß Bartholomäus Haller von Hallerstein zum Ziegelstein (gestorben 1551); Marschall Graf de Lameth (gestorben 1761).

 

An der Westwand sehen wir Bilder aus der Frankfurter Profangeschichte. Zunächst das Konzil von Frankfurt 794 unter Karl dem Grossen, auf dem der Adoptianismus und der Bilderstreit verurteilt wurden. Ferner der Fußfall Heinrichs vor seinem Bruder Otto, die Versöhnungsszene aus der Weihnachtsnacht 941. Sodann der hl. Bernhard von Clairvaux auf den Schultern Kaiser Konrads III., der den Heiligen, nachdem dieser 1147 zum Kreuzzug gepredigt hatte, durch die Volksmenge zum Kloster Haina trägt. Als viertes Bild die Bestattung Günthers von Schwarzburg 1349, des Gegenkönigs Karls IV. Schließlich die Bußpredigt des italienischen Mönches Capistran. Der Grabstein rechts erinnert an den Stiftskantor und Kanonikus Heinrich von Rhein (gestorben 1527). In den südlichen und nördlichen Querschiffen hängen die Wappen alter Patrizierfamilien.

 

Die Fenster an dieser Südwand zeigen links: Friedrich II. (1215-1250), den ersten in Frankfurt gewählten Kaiser; Karl IV., (1347-1378), Erlasser der Goldenen Bulle, die im Historischen Museum aufbewahrt wird; Maximilian II., (1564-1576),den ersten in Frankfurt gekrönten Kaiser; in der Mitte die zehn im Dom gewählten und gekrönten Herrscher; rechts die drei hier in Frankfurt gestorbenen Kaiser: Ludwig der Deutsche (804-876), Ludwig der II. (gestorben 882) und Günther von Schwarzburg (gestorben 1349).

 

Links vom Madonnenbild kommen wir zur Grabkapelle. Das heilige Grab zeigt uns den Leichnam des Heilandes, dahinter die Frauen mit den Salbgefäßen. Hinter den Säulen des Aufbaues stehen noch zwei Figuren in Lebensgröße, Josef von Arimathia und Nikodemus, die beiden, die den Heiland vom Kreuz herabnahmen. Das Grab selbst ist eine Schöpfung aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Im Antependium sind die drei schlafenden Wächter wiedergegeben. Links oben an der Wand befindet sich ein Magdalenenbild, das einzige Bild, das Steinle persönlich ganz ausgemalt hat. Es folgt dann der Marien Altar, ein Werk schwäbischer bzw. bayerischer Kunst aus dem 15. Jahrhundert ganz aus Holz geschnitzt.

 

Bevor wir das Chor betreten, kurz eine Bemerkung. Früh er war das Chor durch einen großen Lettner abgetrennt. Als im Jahre 1743 das Chor erhöht wurde, wurde der Lettner abgerissen Vor diesem Lettner war der Krönungsaltar und Krönungsthron aufgebaut. Das Chor selbst war für die Sänger reserviert.

Den Triumphbogen des Chores schmückt nach der Außenseite die Wiederkunft des Erlösers und nach der Innenseite der Einzug der Seligen. Die alten Fresken stammen aus einer Stiftung Franks von Ingelheim vom Jahre 1407 und stellen das Leben des hl. Bartholomäus, des Patrones des Domes dar. Im Jahre 1764 wurden alle diese Bilder übertüncht. Als sie 1827 wieder freigelegt wurden, blieben nur die jetzt noch erhaltenen Reste übrig.

Die Chorgestühle sind eine Stiftung des Frankfurter Probstes und späteren Erzbischofs von Mainz, Kuno von Falkenstein aus dem Jahre 1352. Besonders interessant sind die Chorstuhlwangen mit ihren schönen Schnitzereien, links Karl der Dicke mit einem kleinen Relief der Salvatorkirche, die hl. Agnes und Katharina; rechts der hl. Bartholomäus, das Falkensteinische Wappen, sowie eine Kreuzigungsgruppe. Vorn  rechts im Chor steht das Grabmal König Günthers von Schwarzburg (gestorben 1349). Der Hochaltar ist ein Werk des 15. Jahrhunderts, Das Sakramentshäuschen, eine Stiftung Ingelheims (1442), ist ebenfalls, wie das im Südschiff, aus Terrakotta. Die Ministrantenfigur ist aus Sandstein.

Die Fenster des Chores: Links: Geburt, Tod und Krönung Mariae; in der Mitte: Geburt, Tod und Auferstehung Christi; rechts: Berufung, Martyrium und Aufnahme des Apostels Bartholomäus in den Himmel.

Rechts die Eingangstür führt zu der historisch berühmten Wahlkapelle. In der goldenen Bulle von 1356 wird sie das erste Mal erwähnt. Hier in dieser Kapelle fanden sich die Kurfürsten zusammen, um unter dem Schutze des Allerheiligsten und unter der Erleuchtung des hl. Geistes den neuen Herrscher des Reiches zu wählen. Im Ganzen wurden in diesen Hallen seit 1356 16 Kaiser gewählt und zehn davon gekrönt. Die Ausmalung sowie die Fenster sind neu. Berühmt sind die prachtvollen Linnemann’schen Fenster. Sie stellen dar: über dem Altar  den Schwur des Neugewählten; rechts die Verkündigung des Neugewählten; Verlesung der Goldenen Bulle; Ankleidung mit Pontifikalgewändern; Auszug zur Krönung. Das Gewölbe mit seinen schönen Schlußsteinen blieb beim Dombrand unversehrt. Vorn links an der Seitenwand finden wir eine, ergreifende Darstellung des jüngsten Gerichts. Die beiden Pfeilerbilder zeigen uns die Patrone des Domes, den hl. Bartholomäus und Karl den Grossen. Darunter steht die Jahreszahl 1519.

Der Altar ist ein altes Triptychon aus dem 15. Jahrhundert mit Leidensszenen des Heilands. Die alten Stühle sind die Kurfürstenstühle aus der Wahl. Gegenüber der Wahlkapelle befindet sich der Eingang zur Sakristei Näheres über deren Besichtigung, sowie die Besichtigung der Paramentenkammer und des Domschatzes erfrage man an der Kasse.

 

Gehen wir zurück durch das Chor, so sei besonders noch das große Gemälde links oben an der Chorwand erwähnt, ein Original des holländischen Malers A. van Dyk, die Beweinung Christi. Es ist ein Geschenk der Familie Franz Brentano.

Rechts vom Chor, im nördlichen Querschiff, steht zunächst der Apostelaltar aus der sächsischen Schule vom Jahre 1523. Daran anschließend die Maria-Schlaf-Kapelle. Der Altar, eine Stiftung Ulrichs von Werstadt, ist ganz aus Stein gearbeitet und stellt den Tod Mariens dar, umgeben vom Apostelkolleg. Der gotische Aufbau ist ganz aus Terrakotta. Der Altar soll das Werk eines Schülers von Adam Kraft sein (1480). Beachtenswert ist auch das schöne Fenster in dieser Kapelle, der dreifache Rosenkranz.

Wenden wir unseren Blick rückwärts, so sehen wir die Orgel, ein modernes Werk von Walker & Co. aus Ludwigsburg, das 1891 aufgestellt wurde. Sie ist in ihrem äußeren Bau von Linnemann entworfen und unter Leitung des nunmehr in den Ruhestand getretenen Domkapellmeisters Hartmann errichtet. 4000 Pfeifen mit 3 Manualen und 75 Registern etc. etc. umfaßt das Werk. Die beiden letzten Altäre aus dem 16. Jahrhundert sind noch zu erwähnen. Zunächst der Mutter-Anna-Altar mit dem schönen Abendmahl in der Predella. Man beachte die verkehrte Perspektive, ein typisches Zeichen jener Zeit. Auf den Flügeln, die neu aufgesetzt sind, sehen wir links Johannes Janssen, den berühmten Geschichtsschreiber des Werkes „Die Geschichte des Deutschen Volkes“, und Ernst Franz August Münzenberger, den Kunstkenner und Stadtpfarrer, beide mit ihren Namenspatronen. Schließlich der Sippe-Altar, die ganze Verwandtschaft Marias; die alten Flügel zeigen links die Verklärung Christi auf Tabor und rechts den Mannaregen in der Wüste.

Die Fenster versinnbildlichen eine Verspottungsszene, Anbetung der hl. Drei Könige und den Stammbaum Jesse. An der Westwand stehen links die Grabmäler der Familien von Holzhausen (gestorben 1371 und 1383). Ferner die Grabsteine Heilmanns von Praunheim und des Ritters Rudolf von Sachsenhausen (gestorben 1370). Die Wandgemälde stammen wieder aus der Frankfurter Geschichte. Wahlkonklave unter Albrecht Achill 1486, der krank ins Konklave getragen verzichtet. Dann die erste Kaiserkrönung Maximilian II. 1562 in Frankfurt a. M. und als letztes, der Auszug des neu gekrönten Kaisers zur weltlichen Feier nach dem Römer. Ganz rechts über dem Heizungsschacht sei noch das große Steinle’sche Bild des hl Christophorus erwähnt. Die mächtige Figur ist 18 Meter hoch. Ferner die prachtvolle Rosette über dem Nordportal, die acht Seligkeiten darstellend. Darüber die vier Figuren, welche die vier Kardinaltugenden verkörpern.

 

Bevor wir den Dom verlassen, beachten wir die zwei großen Bilder über der Ausgangstüre: das Patronatsbild (in der Mitte der hl. Bartholomäus, der Hauptpatron des Domes; ihm zunächst links die hl. Elisabeth von Thüringen und rechts der hl. Bonifazius, die Patrone Deutschlands; außen links der hl. Georg und rechts die hl. Hildegard von Bingen, die Patrone der Diözese Limburg), ferner ein Armenseelenbild.

Im Kreuzgang sehen wir sodann einige alte Grabsteine. So neben der Türe den des im Jahre 1442 verstorbenen Johanniterordensherrn Swalbach; ferner einen hellroten Sandstein des Domscholasters Ludwig von Hagn (gestorben 1654), sodann den seiner 1761 verstorbenen Frau M. Dorothea Voigt und des 1717 verstorbenen Joh. Laur. Reissenbach. Nur die Ostseite des Kreuzgangs weist noch die Reste alter Malereien auf. Die übrigen Teile sind neu. Im Kreuzgang steht ein alter Barockaltar, das Martyrium des hl. Bartholomäus darstellend. Die schrägen Seitenwände links und rechts der Turmtüre zeigen Reste alter Fresken, Adam und Eva bei der Arbeit und den Sündenfall darstellend.

 

Die Eingangstüre führt zur Turmhalle. Der Turm ist 95 Meter hoch und in seinem Inneren befinden sich neun Glocken im Gesamtgewicht von rund 473 Zentner (Dieser abgetrennte Raum ist, dies sei hier besonders bemerkt, nur für die Gläubigen zum Beten bestimmt). An der Westwand steht die prachtvolle „Heller’sche Kreuzigungsgruppe“ aus dem Jahre, 1509, ein Werk des berühmten Bildhauermeisters Hanns Backoffen in Mainz. Seit 1919 steht diese ganz aus grauem Tuff gearbeitete Gruppe an dieser prachtvollen Stelle des Domes und gewährt vom Chor aus gesehen, ein ergreifendes Stimmungsbild. Früher befand sie sich draußen vor der Sakristei an der Stelle, wo jetzt die sehr gut gelungene Kopie des Frankfurter Bildhauermeisters Jess steht. Hinter der runden Konsekrationsplakette im Kreuzesstamm des Heilandes befindet sich ein Reliquiar, das ein Stückchen vom hl. Kreuz, sowie einige andere Reliquien enthält. Darunter sind die Wappen der Stifter, der Patrizierfamilie Heller.

 

Das Fenster der Westwand ist ein Geschenk Kaiser Wilhelms I. nach dem Dornbrand. Das Fenster der Südwand stellt den Schöpfungsbericht (das sogen. Sechstagewerk) dar. Die Fresken behandeln an der Nordwand die Paradieses Szenen, an der Südwand „die klugen und törichten Jungfrauen“ und an der Westwand die Einhornjagd, ein Symbol der Reinheit und Unschuld im Schosse Mariens von Hunden, d. h. vom Laster gehetzt.

 

Den Orgeldurchgang zieren vier Bilder: Durchgang der Bundeslade durch den Jordan, die Tempelreinigung, Moses vor dem brennenden Dornbusch, der 12jährige Jesus im Tempel.

Das Nordportal von außen ziert eine schöne Gruppe des Apostelkollegs, mit seinem Führer

und Meister, dem Heiland. Aber nur die Madonnenfigur zwischen den Türen ist alt. Dem Nordportal entsprechend ist das Südportal, das ebenfalls mit einer schönen Figurenordnung geschmückt ist, in der Mitte bekrönt von dem Gekreuzigten.

 

Dom-Museum

Seit Juni 1987 besitzt St. Bartholomäus, der ehrwürdige „Kaiserdom“, sein eigenes Museum. Mit ihm kam der alte Kreuzgang von 1348, der lange Zeit nur als eine Art Abstellkammer gedient hatte, endlich wieder zu Ehren. Mit Recht. denn hier lebten und meditierten einst nicht nur die Priester des Bartholomäus-Stifts, das 1000 Jahre lang zum Dom gehörte, sondern hierher zogen auch die neugewählten Herrscher des Reichs zu ihrer Krönung ein.

Im wiederhergerichteten Kreuzgang und dem überdachten Hof erlauben die Domschätze, in chronologischer Reihenfolge aufgebaut und ergänzt durch Repliken von Urkunden und Bauzeichnungen sowie Modellen, einen besinnlichen Gang durch die Geschichte dieses historischen Bauwerks. Dabei soll die dreifache Bedeutung des Frankfurter Doms deutlich werden: als Wahl- und Krönungsstätte der deutschen Herrscher, als Stiftskirche und als Pfarrkirche bis in die Gegenwart.

Natürlich bietet das Dommuseum ausschließlich sakrale Schätze. Darunter sind von besonderer Bedeutung die wertvollen liturgischen Gewänder aus Brokat oder Seide mit Silber und Gold durchwirkt, die heute noch bei besonderen Anlässen getragen werden. Es gibt kostbare goldene Kelche und Monstranzen, Meßbücher und frühe Bibeldrucke, Altargerät, Gefäße für Öl, Wasser und Weihrauch. Eine silberne Büste des Hl. Bartholomäus, des Namenspatrons des Domes, von 1727 gehört zu den wichtigsten Stücken. Eindrucksvoll ist auch die Nachbildung der Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

 

Archäologischer Garten:

Südlich des Doms steht das Leinwandhaus. Auf dem Domhügel Frankfurts, im Zentrum der ehemaligen Altstadt zwischen Dom im Osten und Römer im Westen, liegt der „Archäologische Garten“, der älteste Teil Frankfurts. Hier wurde 1953 mit Ausgrabungen begonnen, bei denen Überreste der römischen Siedlung,  Fundamente der karolingischen Königspfalz und mittelalterliche Bebauung freigelegt. Nach ersten Untersuchungen seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bot erst die Zerstörung der Altstadt 1944 die Gelegenheit zu größeren Grabungen. Sie wurden im wesentlichen von 1953 bis 1973 und mit Unterbrechungen bis 1976 vom Museum für Vor- und Frühgeschichte (H.-J. Hundt, D. Baatz, U. Fischer, O. Stamm) unter schwierigen Bedingungen durchgeführt (siehe Übersichtsplan der Altstadtgrabungen).

In den Jahren 1972 und 1973 wurde im Rahmen der Wiederbebauung des Gebiets zwischen Römer und Dom das heutige Areal des „Archäologischen Gartens“ erneut freigelegt. Er zeigt ausschnittsweise die konservierten Ergebnisse der Grabungen. Große Teile der Baureste mußten allerdings dem U-Bahn- und Tiefgaragen-Bau sowie dem neuen Technischen Rathaus weichen. Eine Renovierung wurde 1987 nach den Baumaßnahmen der historischen „Ostzeile“ und der Kunsthalle Schirn notwendig. Dies nahm man zum Anlaß, die für viele verwirrenden Fundamentreste didaktisch zu veranschaulichen.

Jetzt erkennt man die römischen Baureste an den niedrigen Mauern (etwa 50 cm hoch) mit rötlich eingefärbtem Boden, die karolingischen an den hohen Mauern (etwa 170 cm hoch) mit Granitbruchsteinboden in der Königshalle und die hoch- und spätmittelalterlichen Bauten an mittelhohen Mauern (etwa 100 cm hoch; Ausnahme: Keller des 15. Jahrhunderts Nr. 14 und Mauer nordöstlich davon) [die angegebenen Nummern beziehen sich auf den Plan des „Archäologischen Gartens“]. Zusätzlich wurden nördlich der Anlage, vor dem Technischen Rathaus neben der Wendeltreppe, und in der Königshalle ein Bronzegußmodell des „Archäologischen Gartens“ mit Erläuterungen im Maßstab 1: 100 aufgestellt; dazu kommt ein Rekonstruktionsmodell der karolingischen Pfalzanlage ebenfalls in der Königshalle, das in diesem Heft in zwei Ansichten wiedergegeben ist.

 

Die römischen Anlagen

Inselartig vom Main und von Mainarmen sowie von Sumpfland umgeben, bot der Domhügel im Altertum Schutz vor dem alljährlichen Hochwasser. Gleichzeitig führte hier die Furt durch den Main, die der Siedlung im Frühmittelalter ihren Namen gab, So wurde seit der Mittleren Steinzeit im 8. Jahrtausend v. Chr. diese Anhöhe immer wieder von Menschen aufgesucht. Doch erst ab römischer Zeit ist eine kontinuierliche Besiedlung nachzuweisen. Die Untersuchungen Jürgen Wahls ergaben bereits für augusteische Zeit Spuren römischer Präsenz. Um 75 n. Chr., unter Kaiser Vespasian, wurde hier ein Militärstützpunkt angelegt. Die militärische Anlage als einer der Vorposten des Mainzer Legionslagers diente wohl zur Überwachung der germanischen Bevölkerung und zur Sicherung der Mainfurt und des Verkehrs auf dem Fluß.

Als Zeugnisse dieses Militärstützpunktes kann man im „Archäologischen Garten“ Reste zweier Badeanlagen erkennen, wie sie für römische Militäranlagen üblich sind (vgl. den Plan). Im Südwesten der Freianlage liegen die Fundamente eines runden Schwitzbades (Sudatorium: Nr. 1), von dem aus ein Kanal (Nr. 2) im Bogen südostwärts führte.

Ein zweiter Thermenbau mit Heiß- (Caldarium: Nr. 4), Lauwarm- (Tepidarium) und Kaltbad (Frigidarium) entstand nach den Zerstörungen während des Saturninus-Aufstandes 88/89 n. Chr. etwas weiter östlich. Die Ziegelpfeiler der Unterbodenheizung (Hypokaustum) wurden im „Archäologischen Garten“ im Betonguß nachempfunden.

Ein vielfach vermutetes, zu den Badeanlagen gehörendes römisches Kastell konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Es lag wohl auf dem Ostteil des Domhügels, etwa unter dem Dom oder in seiner Nähe. Man nimmt eine Besatzung von 100-150 Mann an. Dagegen hat man vom Kastellvicus. dem Lagerdorf, Reste aufwendig ausgestatteter Wohnräume und kleinerer Wirtschaftsgebäude aufgedeckt.

Unter Kaiser Traian, etwa gegen 110 n. Chr., als der Frankfurter Raum unter Zivilverwaltung gelangte (Civitas Taunensium mit Verwaltungshauptstadt Nida-Heddernheim), wurde der Militärstützpunkt aufgegeben. Die Badeanlagen wurden abgebrochen. Nördlich des „Archäologischen Gartens“ am Hühnermarkt (unter dem heutigen Technischen Rathaus) entstanden Zivilgebäude, darunter Wohnhäuser mit Bodenheizung. In ihnen war Schutt aus den vorangegangenen Militärbauten verbaut worden. Die große Umfassungsmauer im Süden und Westen legt nahe, daß es sich bei diesen Gebäuderesten um ein römisches Landgut (villa rustica) handelte (vgl. den Übersichtsplan der Altstadtgrabungen).

 

Alamannisch-fränkische Besiedlung

Nachdem die Alamannen, ein germanischer Stammesverbund aus Innergermanien, 259/260 n. Chr. den römischen Grenzwall (Limes) rechts des Rheins überrannt und die Römer auf die Rheinlinie zurückgedrängt hatten. nahmen sie auch vom Domhügel Besitz. Die römischen Gebäude, wie das Wohnhaus der villa rustica, wurden weiterbenutzt und zum Teil umgebaut, Funde und Befunde, wie einfache handgemachte Keramik und schlichte Grubenhäuser, verraten eine kontinuierliche Besiedlung bis in die Zeit der fränkischen Landnahme etwa ab 500 n. Chr. In dieser Zeit dürfte auch der heutige Name „Frankfurt“ aufgekommen sein.

Hier auf dem Domhügel wurde ein fränkischer Königshof errichtet, dessen Ausmaße und Gestalt nicht mehr rekonstruierbar sind. Zu ihm dürften Holz- und wohl auch Steinbauten gehört haben. Die Toten bestattete man auf nahegelegenen Friedhöfen in der heutigen Reineckstraße, wo fränkische Gräber des 6. und 7. Jahrhunderts aufgedeckt wurden.

 

Die karolingische Kaiserpfalz

Im Jahre 793/794 n. Chr. wird Frankfurt am Main erstmals schriftlich erwähnt, als Karl der Große „in villa Franconovurd“ Synode und Reichsversammlung einberief. Die streng westöstlich ausgerichtete Pfalzanlage dürfte jedoch erst von Ludwig dem Frommen (814-840) errichtet worden sein, denn 822 tagt er hier nach einem Kurzaufenthalt 815 erstmals wieder, und zwar in „neuerrichteten Gebäuden“. Nun stieg Frankfurt zum Zentralort im ostfränkischen Reich auf.

Die erhaltenen Mauerreste sind aus Basalt- und Sandsteinquadern mit weißlichem, heiß eingegossenem betonhartem Mörtel gefertigt worden. An statisch bedeutsamen Punkten wurden römische Spolien verwendet (z. B. Ecken von Nr. 6 und Nr. 7). Zentral im „Archäologischen Garten“ liegt die große Königshalle der Pfalz (aula regia), die als zweischiffiger Versammlungsraum diente. Sie mißt 26,50 x 12,20 Meter. Die Mauerreste wurden auf eine einheitliche Höhe ergänzt, jedoch bleiben die ergänzten Teile im Mauerwerk erkennbar. Das heutige Fußbodenniveau liegt etwa 50-80 Zentimeter unter dem karolingischen, was am Fundamentschuh noch deutlich sichtbar ist. Im Nord- und Südwesten sind die Ansätze zweier Vorhallen (porticus) erkennbar; in der Ostmauer befand sich vermutlich eine große Eingangstür. In der Westmauer (nördlicher Teil) waren im Mittelalter horizontale Kragsteine für Deckenbalken eingesetzt worden.

Der mächtige Mittelpfeiler (Nr. 8) zeigt an. daß das Gebäude mindestens zweistöckig war (siehe das Modell).

Westlich der Königshalle wurden Fundamentreste von Anbauten aufgedeckt (Nr. 13), die wohl königliche Wohnräume waren. Im Osten hingegen konnte man - teilweise in den römischen Bädern - Fundamente freilegen (Nr. 9- 11), die als Reste von Zwischen- und Verbindungsbauten zur Pfalzkapelle gedeutet wurden. Sie stammen zum Teil wohl aus späteren Bauphasen, jedoch kann ihr ursprüngliches Aussehen nur vermutet und nicht im einzelnen rekonstruiert werden.

Die erste Pfalzkapelle, in der bereits Karl der Große 794 das Osterfest begangen hatte, wurde unter Ludwig dem Deutschen mit der Salvatorkirche überbaut (Einweihung 852). Sie befand sich unmittelbar unter dem heutigen Dom, war dreischiffig mit Querbau und wohl drei halbrunden Apsiden und hatte westlich zwei runde Glockentürme, die zur Empore führten (siehe die Abbildungen des Modells und den Übersichtsplan der Altstadtgrabungen).

 

Haus am Dom:

Ein bisschen stolz waren die Leute von der Katholischen Kirche schon, als sie zur Baustellenbegehung luden. „Die Bebauung der Altstadt beginnt hier”, sagte der Sprecher des Bistums Limburg, Michael Wittekind. In der Tat: Während in der Stadt noch heftig über die Vor- und Nachteile historisierender Bauweise gestritten wird, setzt das Haus am Dom direkt neben dem Technischen Rathaus ein erstes Zeichen. Und das erinnert stark an das, was früher war: Auf das Gebäude des alten Zollhauses hat Architekt Jochem Jourdan eine spitze Dachkon

struktion gesetzt. Nachdem die Zimmerleute ihr Werk verrichtet haben, ist die neue alte Anmutung bereits gut zu erkennen.

Jourdan schwärmte bei der gestrigen Begehung von der „Zwiesprache” zwischen dem Haus am Dom und dem Dom selbst sowie dem Steinernen Haus. Was an der Dachkonstruktion liege. Der Bau lasse zu, dass „das Historische im Neuen erlebt wird”. Bei der Gestaltung der Außenfassade und dem Innenausbau habe man sich, so Jourdan, „um Authentizität bemüht“.

An den Langbau des alten Zollamts hat der Architekt zum historischen Garten hin einen ähnlich geformten Kopfbau gestellt, der in Betonbauweise errichtet wird. Verbunden werden die beiden Baukörper mit einem gläsernen Foyer. Mit dem Kopfbau erhält der Domplatz vor dem Haupteingang „eine neue Fassung`, wie Jourdan sagte. Die Blickachse zwischen Römerberg und dem Dom-Eingang bleibe erhalten. Für einen besseren Blick sorgt auch die bereits erfolgte Verlegung der Einfahrt zum Parkhaus Römer, die nun unter dem Haus am Dom hindurchführt. Dadurch entsteht vor dem Dom ein neuer Platz. Jourdan hatte seinen ursprünglichen Wettbewerbsentwurf, der für den Kopfbau eine rote Klinkerfassade vorsah, überarbeiten müssen. Der Entwurf hatte bei Vertretern der Stadt zum Teil Entsetzen ausgelöst.

Festsaal mit viel Glas

Der nun farblich an das Gesamtensemble angepasste Kopfbau soll das Schmuckstück des Hauses am Dom werden. Dort will die Katholische Kirche in einem Festsaal mitviel Glas Foren und Debatten zu aktuell Themen veranstalten. „Etwa einmal im Monat wollen wir aktuelle Fragen erörtern”, sagte der Leiter des Hauses, Joachim Valentin. So sei unter anderem auch daran gedacht, den Saal mit seinen 200 Plätzen für Foren zum interreligiösen Dialog zu nutzen. Fachtagungen „auf Universitäts-Niveau” seien dort ebenso denkbar wie Theateraufführungen oder Performances, so Valentin. Bis zur Fertigstellung des Hauses im Herbst 2006 hat der habilitierte Theologe Valentin ein Büro im Haus der Volksarbeit bezogen.

Im dem neuen Zentrum wolle man ein Konzept realisieren, das bislang einzigartig sei, betonte Bistums-Dezernent Eckard Nordhofen. „Die Kernidee ist ein integriertes Konzept von Akademie und Erwachsenenbildung.” Die renommierte katholische Akademie Rabanus Maurus wird in das Haus am Dom integriert. Ebenso kommen dort das Dommuseum (unter dem alten Saal

des Zollhauses), die katholische Medienarbeit, die Verwaltung der Domgemeinde samt Stadtdekan Raban Tilmann, das Amt für Religionspädagogik sowie das Büro der deutschen Bischofskonferenz unter. Im Parterre des Kopfbaus ist ein Bistro vorgesehen, für das noch ein Betreiber gesucht wird.

Den Saal des alten Zollhauses wird das Museum für Moderne Kunst (MMK) als Mieter für Ausstellungen nutzen. Auch hier seien Kooperationen mit dem Dommuseum vorstellbar, meinte Dezernent Nordhofen. Das Nutzungsrecht für das MMK war Bedingung der Stadt beim Verkauf des Gebäudes. Für Kauf sowie Um- und Neubau investiert das Bistum 20 Millionen Euro. Die jährlichen Betriebskosten werden auf 500.000 Euro geschätzt. Unklar ist noch, ob und wie das Dachgeschoss des Hauses genutzt werden soll.

 

„Zitate der Geschichte“                                                                                         13.08.2008

Neuaufbau der Altstadt: Frankfurter Planer auf der fieberhaften Suche nach Spolien

Frankfurt. Mit dem beschlossenen Neuaufbau der Altstadt zwischen Römer und Kaiserdom hat Frankfurt seine große Geschichte neu entdeckt - und plötzlich werden jahrhundertealte Trümmer wieder interessant. Die Relikte von Häusern, die 1944 dem alliierten Bombenhagel und der städtischen Abriss-Wut nach dem Krieg zum Opfer fielen, werden derzeit systematisch erfasst. Bei der Suche nach den Spolien, wie die Bauteile genannt werden, hat die Stadt einen öffentlichen Aufruf gestartet. Darunter sind zum Teil höchst dekorative Buntsand-Steine mit Masken oder Ornamenten. Bei der bis 2013 geplanten Neugestaltung der Altstadt könnten sie wiederverwendet werden.

„Spolien können in der modernen Architektur so etwas wie Zitate der Geschichte sein“, sagt der Frankfurter Architekt Dietrich-Wilhelm Dreysse zu dieser Form des Recyclings. Sein Büro dokumentiert derzeit im Auftrag der Stadt alle Teile, die in städtischen Depots lagern. Das Planungsamt will bis Ende August über die Auftragsmodalitäten entscheiden. Sollte aus rechtlichen Gründen eine europaweite Ausschreibung notwendig sein, dann könne sich das Großvorhaben um mindestens ein Jahr verzögern, sagte gestern ein Sprecher des Amts, Mark Gellert.

An der Stelle des aus dem Jahr 1972 stammenden Technischen Rathauses sollen nach dem im vergangenen Jahr getroffenen Beschluss des Römer-Parlaments sechs Fachwerkhäuser nachgebaut werden. In die übrigen Bauten, die sich am kleinteiligen Grundriss der Altstadt orientieren sollen, könnten die Spolien integriert werden. Auch das Historische Museum will bei seinem geplanten Neubau auf dem Römerberg Spolien verwenden. Fein säuberlich hat das Architektenbüro inzwischen alle306 Originalbauteile sortiert und vermessen, die von früheren Bürgerhäusern aus verschiedenen Epochen stammen. 232 sind aus Stein, zum Beispiel aus Rot- oder Buntsandstein. Darunter sind künstlerisch gestaltete Schlusssteine von Fenstern und Türen, die mit Masken. Blumen oder Wappen versehen waren. Sehr eindrucksvoll sind auch die Kragsteine: Diese bildeten den oberen Abschluss der Erdgeschossfassaden der Häuser, und auf denen die auskragenden Holzkonstruktionen der Obergeschosse - die Überhänge - auflagen.

43 der Spolien sind aus Metall, dazu gehören zum Beispiel schmiedeeiserne Fenstergitter. Die hölzernen Spolien - es sind genau 26 - sind eher selten. Darunter ist ein Eckpfosten eines Obergeschosses der „Goldenen Waage“, des einst prächtigsten Renaissance-Hauses der Altstadt. Die meisten Spolien werden derzeit in einer alten Frankfurter Industriehalle aufbewahrt. Einige sind in der U-Bahnhoftreppe auf dem Römerberg in die Wände eingelassen worden. Manche der Spolien haben so eine Größe, dass sie nicht einmal mit einem Gabelstapler bewegt werden können.

300 Spolien, das klingt zunächst nach viel, ist aber nicht viel, wie Dreysse sagt. Es sind nur Beigaben für den Bau der neuen Häuser - mehr nicht. Er hofft darauf, dass sich nach dem vor wenigen Wochen gestarteten öffentlichen Aufruf jetzt auch noch Privatbürger melden. Schließlich sind nach dem Krieg nicht wenige dekorative Trümmer aus der Altstadt in private Gärten abtransportiert worden. Interessierten Bürgern wurden damals Spolien sogar nach Gewicht verkauft, berichtet Dreysse. So ging das steinerne Erdgeschoss der „Goldenen Waage“, das als bedeutendstes Spolien-Ensemble der einstigen Altstadt galt, in den Besitz eines Privatmannes im südhessischen Götzenhain über. Ganze Arbeit hat auch die kommunale Trümmer-Verwertungs-Gesellschaft geleistet, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Altstadt-Reste beseitigen und zu neuen Bausteinen formen ließ. „Im Endeffekt steckt in vielen Neubauten dieser Zeit auch ein Stückchen Altstadt“, sagt Dreysse.

Für das Denken der Stadtplaner nach 1945, die nach dem Ende der Nazi-Zeit auch mit der alten Baukultur nichts mehr zu tun haben wollten, hat er Verständnis. Den Brüchen im Stadtbild müsse auch Rechnung getragen werden. Deshalb ist der Architektur-Professor auch kein Fan des Wiederaufbaus von Fachwerkhäusern. Im Jahr 1961 hatte die Stadtregierung noch ganz anders gedacht. Damals gab der Magistrat 14 Sandstein-Spolien des nach dem Krieg bis auf die Fassade abgebrochenen Thurn-und-Taxis-Palais zur „Verschrottung“ ab. Immerhin waren die Spolien vorher noch für die Nachwelt dokumentiert worden. Ironie der Geschichte: Derzeit wird das Palais am Eschenheimer Tor, im dem einst im 19. Jahrhundert der Deutsche Bundestag residiert hatte, wiederaufgebaut. Original dabei ist dabei nur noch die Fassade.

 

Historisches Museum:

Seine „kostbarste Urkunde“, so Direktor Rainer Koch am Mittwoch, rückt das Historische Museum jetzt in das wohlwollendste Licht. Das große Altstadtmodell der Brüder Treuner hat man prominent plaziert und auf einen neuen Sockel gehoben. Die Altstadt im Mittelpunkt:  Aus allen erreichbaren Quellen ließ das Museum zudem einen virtuellen Spaziergang durch das Fachwerk-Ensemble produzieren, das nach 600 Jahren fast ungestörter Existenz 1944 in vier Bombennächten niedergebrannt ist

„Eng waren die Gassen, die Häuser feucht“, schreibt Altstadtbewohner Paul Müller in seinen Erinnerungen. „Kaum ein Sonnenstrahl war zu sehen und doch sind für mich die ersten zehn Jahre meines Lebens ein Stück besonnte Vergangenheit geblieben.“ In dem uralten Frankfurt, das umgrenzt war von einem Mauer- und Grabensystem, war das Quartier mit das älteste; nur der Dombezirk war älter. Östlich des Citronengäßchens war der Große Kornmarkt, an der westlichen Seite liefen parallel die Rotkreuzgasse, die Rosengasse, der Große Hirschgraben.

Am Großen Hirschgraben, mit dem Goethehaus, endeten nach 29 Jahren Säge- und Klebearbeit die Bemühungen der Brüder Hermann und Robert Treuner um ein originalgetreues Abbild des verzweigten und verästelten historischen Stadtkerns In „oft spektakulärer, weil halsbrecherischer Weise“, so die Frankfurter Biographie, hatten die gelernten Modellbauer, die mit ihren Eltern 1879 in die Graubengasse gezogen waren, an der Wirklichkeit Maß genommen.

Eine Wirklichkeit, die im Modell bis ins kleinste Detail, bis zum letzten Fensterladen, überliefert ist. !Unser Haus“, beschreibt Paul Müller das ihm unvergeßliche Bild des alten Frankfurt, „war die nach dem Citronengäßchen gelegene Hinterfront eines größeren Gebäudekomplexes, dessen Vorderfront an der Westseite des Großen Kornmarktes, lag ( ... ) Über unseren Hof konnte man durch einen langen, finsteren Gang zum Ausgang Kornmarkt gelangen...“.

Erst 1955, als die Frankfurter Altstadt schon elf Jahre zertrümmert und in die Geschichte eingegangen war, hat der Modellbauer Hermann Treuner Schluß gemacht mit dem geschwisterlichen Lebensprojekt. Zumal sein Bruder Robert, der von der Geschichtsschreibung als der eigentliche Initiator der Fummelarbeit angesehen wird, schon 1948 gestorben war.

Ihr Altstadtmodell, für das sie 1926 den Auftrag vom Historischen Museum bekommen hatten, sollte eigentlich 9,5 Meter lang und fünf Meter breit werden; die wollten den ganzen Innenstadtbereich darstellen, streicht Museumspädagoge Wolf von Wolzogen heraus. So wie die Arbeit jetzt im alten Teil des Historischen Museums, verglast bis zur Decke, zu überschauen ist, mißt sie 4,5 auf 1,7 Meter. Im Gegensatz zum Original hat das Abbild den Krieg, ausgelagert im Bunker, überstanden. In den neuen Museumsräumen, dem früheren „Kleinen Steinsaal“, ist der Detailstudie das Modell der zerstörten Altstadt beigestellt, das zwischen Main und Hauptwache eine noch wüste Trümmerlandschaft zeigt, als es der Wirklichkeit nach 1944 tatsächlich entsprach.

Denn das Frankfurter Hochbauamt, sagte Direktor Rainer Koch zur Eröffnung der neuen Abteilung, ließ im Jahr 1946 „einiges mehr an Ruinen“ abbilden, „als wirklich zu verifizieren. War“. Man wollte, auch im Bewußtsein der ungesunden Dichte des zerstörten Gassengefüges, den modernen, lichten Aufbau der inneren Stadt durchsetzen - als Zeichen des Aufbruchs und der Erneuerung.

Die Erinnerung aber läßt die Stadt bis heute nicht los. Diesen Eindruck kann man auch wieder an Nachgeborenen wie dem Historiker und Architektur-Diplomanden Björn Wissenbach festmachen. Wissenbach hat für das Museum mit rastlosem Engagement aus Fotos die DVD-Dokumentation über die Altstadt zusammengeschnitten, die jetzt permanent hinter den beiden Altstadt-Modellen läuft - ein beeindruckendes Filmdokumente, wie Koch urteilte.

Wissenbach macht Frankfurt-Führungen und erzählt dabei den Niedergang wie einen Katastrophenfilm: Die Festung Frankfurt wurde jahrhundertelang nie erobert, nie geplündert und gebrandschatzt. Erst 1944. „Da macht es paff - und die Leute haben plötzlich einen Durchblick vom Main bis zur Zeil.“

Die Eröffnung der neuen Abteilung „Historische Topographie“ sollte für das Museum ein großer Schritt zum Neuaufbau der Dauerausstellung werden. Man sieht sie auch als Ouvertüre zum 125-Jahr-Jubiläum, welches das 1878 gegründete Haus im Juni 2003 begeht. Zehn Millionen Euro sind für Umbau und neue Konzeption, für die Vervollständigung des Rundgangs über das Jahr 1815 hinaus, vorgesehen und sollten schrittweise aus dem Haushalt abgerufen werden können. Doch jetzt, berichtet Rainer Koch, sind die Mittel für 2003 wieder aus der Investitionsliste herausgefallen“.

Ohne weiteren Umbau aber liegt die neue Abteilung, zu der aus Richtung Eingang Römerberg ein überdachter Zugang geschaffen werden soll, abgenabelt jenseits des Innenhofs. „So kriegen Sie den Rundgang nicht hin“, ist sich Hausherr Koch im Klaren. Auch inhaltliche Zusammenhange sind bisher nicht hergestellt. Die archäologischen Zeugnisse der Altstadtgrabung nach dem Krieg finden sich im Altbau eine Treppe tiefer, im modrigen, hochwassergefährdeten Keller, ohne Wegweiser hinter einer schwer gängigen Tür.

„Warten bis zu den nächsten Haushaltsgesprächen“, gibt der Direktor als Marschrichtung aus. Derzeit wisse er nicht einmal, wie er das nötige Aufsichtspersonal bezahlen könne. Immerhin steht im Hof ein Laufband, das zum 30 Jahre alten Neubau aufragt. Die Sanierung des Dachs über der Graphischen Sammlung hat begonnen; gerade ruht sie aber wieder

 

 

Paulskirche:

 „Die neue lutherische Hauptkirche gibt leider viel zu denken. Sie ist als Gebäude nicht verwerflich, ob sie gleich im allermodernsten Sinne gebaut ist. Allein. da kein Platz in der Stadt weder wirklich noch denkbar ist, auf dem sie eigentlich stehen könnte und sollte, so hat man wohl den größten Fehler begangen, daß man zu einem solchen Platz eine solche Form wählte.“ Johann Wolfgang von Goethe schrieb es in seine Reisenotizen, als er im Jahre 1797, von Weimar kommend, auf dem Weg in die Schweiz seine Heimatstadt besuchte. Die Paulskirche – um diese handelt es sich – war damals bereits seit acht Jahren im Bau. Als sie 1833 endlich eingeweiht wurde, war Goethe schon ein Jahr tot. Der allermodernste Sinn, den der Dichter nicht verwerflich fand, war der klassizistische Stil. Inmitten einer engen gotischen Altstadt hatte man damit begonnen, ein hochmodernes Gotteshaus in ovaler Form zu bauen.

Am 18. Mai 1848 zogen die Abgeordneten der Nationalversammlung in das Gotteshaus ein. Es wurde zum Schauplatz des ersten demokratisch gewählten Parlaments auf deutschem Boden. In einem Vortrag zum Thema „Frankfurt als deutsche Hauptstadt” auf dem Rechtshistorikertag 1986 sagte der Frankfurter Professor Lothar Gall: „Die Entscheidung, das deutsche Parlament, die konstituierende Nationalversammlung, nach Frankfurt einzuberufen, zielt schließlich und nicht zuletzt auf den Gedanken, das deutsche Parlament praktisch wie symbolisch unter den Schutz einer freien Bürgergemeinde zu stellen, ihm damit sozusagen das Strukturprinzip für sein Werk, die Errichtung einer neuen politischen und sozialen Ordnung aus dem Geist des liberalen Bürgertums, auch noch einmal von hier aus mitzugeben. – So ist Frankfurt im Frühjahr 1848 effektiv zur deutschen Hauptstadt geworden.“

Am 18. März 1944 wurde die Paulskirche bei einem Luftangriff von Phosphorbomben getroffen und brannte völlig aus. Knapp zwei Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. am 17. März 1947. wurde der Grundstein für den Wiederaufbau gelegt. In der Urkunde. die eingemauert wurde, heißt es: „..Heute beginnen wir mit dem Wiederaufbau der Paulskirche. Sie wurde zerstört, weil wir die sittlichen Gesetze mißachteten. Mögen unsere Nachkommen sich selbst überwinden und über die Grenzen hinaus allen Völkern die Hand zur Eintracht reichen. Das ist unser Wunsch und unser Vermächtnis. – Magistrat und Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt am Main."

Als „Haus aller Deutschen” bezeichnete der damalige Oberbürgermeister Walter Kolb die Paulskirche. Der Stadt Frankfurt ist es aufgegeben, auch in Zukunft dieses Haus zu schützen und zu bewahren.

 

Die evangelische Stadtkirche

Die Paulskirche war von Anfang an wie kein anderes Gebäude eng mit historischen Ereignissen in der Stadt verbunden. Sie sollte lutherische Hauptkirche sein in einer Stadt. in der sich schon zu Luthers Zeiten ein großer Teil der Bevölkerung zur Reformation bekannte, deren Dom aber — bis auf ein kurzes Intermezzo — katholisch geblieben war. Ursprünglich standen an dieser Stelle Kirche und Kloster der ..Barfüßer". der unbeschuhten Franziskaner, die ihren Besitz bereits 1529 verließen und dem Magistrat übergaben. Dieser richtete im Kloster eine Lateinschule ein. Münze und Stadtbibliothek fanden hier ihren Platz. In der Kirche wurde den lutherischen Gläubigen zum ersten Mal der Kelch zum Abendmahl gereicht. Sie wurde zur evangelischen Hauptkirche.

Kirche und Kloster. in ihren frühesten Bauteilen aus dem Jahr 1270 stammend. wurden immer baufälliger. Stadt und Kirchengemeinde

beschlossen 1786. die alten Gebäude abzureißen und eine neue Kirche zu bauen. Der Stadtbaumeister Johann Andreas Liebhardt verfertigte die ersten Skizzen und erklärte: „Meines Erachtens ist die ovale Form die einzig mögliche und geeignete. den Platz bei Erreichung eines hellen Kirchengebäudes auszunutzen." Sein Nachfolger Christian Georg Hess. der die Pläne ausarbeitete, entschied sich auch für die ovale Form: „….Der Hauptabsicht. den Prediger von jedem Platz aus zu sehen und zu verstehen. wird kein Hindernis in den Weg gelegt.“ So erhielt der klassizistische Bau seine typische und unverwechselbare Form.

Schon während der langen Bauzeit waren es politische Ereignisse, die auf die Arbeiten einwirkten. 1789 wurde mit dem Bau begonnen. 1796 waren die Dacharbeiten abgeschlossen. Ein Jahr später war kein Geld mehr da. Frankfurt wurde zwischen 1759 und 1806 fünfmal von französischen Truppen besetzt und mußte Kriegskontributionen von 11.756.267 Gulden bezahlen. Zwischen 1806 und 1813 war die Stadt ein Großfürstentum von Napoleons Gnaden. Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg regierte. Die Paulskirche schien vergessen. Die Stadt vermietete den Raum als Versorgungslager für französische Truppen. eine Zeitlang wurden hier die Ballons der Madame Blanchard öffentlich ausgestellt. Erst im Jahr 1829 konnte die Arbeit am Neubau fortgesetzt werden. Nach dem Tod von Stadtbaumeister Hiess übernahm sein Sohn Friedrich Christian die Bauleitung. Am 9. Juni 1833 wurde die Paulskirche eingeweiht. Pfarrer Anton Kirchner. Verfasser der ..Ansichten von Frankfurt am Main", hielt die erste Predigt. Ein 40 Meter langer und 30 Meter breiter Rundbau stand in Frankfurts Altstadt. Der Saal war 30 Meter hoch und wurde von einer flachen Volutenkuppel unter dem mächtigen mansardenähnlichen Dach überwölbt. Der Hauptturm mit eine Säulenlaterne und dem Kreuz war 55 Meter hoch. Im Innern gruppierten sich zu ebener Erde 500 Sitzplätze, die Empore bot 1200 Personen Platz.

 

Quelle der deutschen Politik

Im gleichen Jahr 1833, in dem die Paulskirche eingeweiht wurde. kam es auch zum „Frankfurter Wachensturm“, einem Versuch. den damaligen Bundestag zu stürzen. Dieses Gremium war das beratende Organ der Fürsten. die im Deutschen Bund zusammengeschlossen waren. Es tagte seit 1815 regelmäßig im Palais Thurn und Taxis zu Frankfurt. 35 deutsche Staaten und vier freie Städte. darunter Frankfurt. hatten sich im Bund zusammengeschlossen. Die Erwartung. Fürsten und Diplomaten würden sich zu einem monarchistischen Reformstaat hin orientieren. erfüllten sich nicht. Beim Frankfurter Wachensturm entlud sich der Zorn gegen Unterdrückung und Unfreiheit. Der Versuch. politische Gefangene zu befreien. mißlang. Weitere Repressionen waren die Folge. Der Wachensturm war ein Teil jenes „Vormärz“, mit dem sich die Märzrevolution 1848 ankündigte.

Einen „Frühlingssturm“ nannten später Historiker die Ereignisse des Jahres 1848. die über ganz Europa hinwegbrausten. Am 22. Februar wurde in Frankreich die Republik ausgerufen. Die Revolution erfaßte fast ganz Europa: Frankreich. Deutschland. Italien. Polen. Ungarn. die tschechischen Länder. Deutsche Demokraten - in Baden Friedrich Daniel Bassermann, in Darmstadt Heinrich von Gagern. in Offenburg Friedrich Hecker. in Mannheim Gustav von Struve - forderten eine Nationalversammlung. In Wien trat Fürst Metternich zurück, die Berliner gingen auf die Barrikaden und besetzten das Palais des geflohenen Kronprinzen, in München dankte König Ludwig I. ab. Auch der Bundestag in Frankfurt lenkte ein, gab die Zensur preis und nahm die deutschen Farben schwarz-rotgold an.

In Heidelberg kamen zunächst 51 Vertreter einer antifeudalen Opposition zusammen. in Frankfurt formierte sich ein Kreis von 574 Demokraten zu einem Vorparlament. Der Kaisersaal im Römer erwies sich sehr bald als zu klein. das Vorparlament zog in die Paulskirche.

Am 1. April beschlossen die Abgeordneten. eine verfassungsgebende Nationalversammlung nach Frankfurt einzuberufen. Wahlen wurden ausgeschrieben. zu deren Bedingungen es gehörte, daß „jeder volljährige und selbständige Staatsbürger wahlberechtigt und wählbar sei“.

 

Ein geschichtliches Datum

Am 18. Mai 1848 hatte die Stadt Frankfurt ihr Festgewand angelegt. Girlanden und schwarz-rot-goldene Fahnen schmückten die Straßen. Journalisten. Diplomaten, politische Beobachter und Schaulustige waren aus allen deutschen Ländern gekommen. Um vier Uhr nachmittags läuteten die Glocken. Kanonen schossen Salut, die Frankfurter Bürgerwehr bahnte den Abgeordneten den Weg vom Römer zur Paulskirche. Die Wände der Rotunde im Innern der Kirche waren mit grünem Tuch verkleidet und mit den Farben Schwarz. Rot und Gold verziert. Am Eröffnungstag hatten sich erst 384 Abgeordnete eingefunden, doch füllten rund 2000 Personen den Raum. Die Zuschauer drängten sich auf der Galerie.

Alterspräsident Lang eröffnete die konstituierende Versammlung. Er sagte: „Dies ist eine Versammlung. wie sie Deutschland noch nie gesehen ... deren Beruf es ist. ein bedeutendes Stück Weltgeschichte zu machen, einen Abschnitt in unserer Zeit. die, so Gott will. segenbringend von der fernsten Zukunft begrüßt wird.“ Zum ersten Parlamentspräsidenten wurde Heinrich von Gagern gewählt.

 

Die Abgeordneten

Heinrich von Gagern war eine der profiliertesten Persönlichkeiten in der Nationalversammlung. der im Laufe des einjährigen Bestehens insgesamt 799 Abgeordnete angehörten. Er kam aus dem Staatsdienst n Hessen-Darmstadt. Am 15. Dezember 1848 wurde er in Frankfurt zum Reichsministerpräsidenten ernannt. Ein halbes Jahr später legte er das Amt nieder. Nach dem Scheitern des Paulskirchenparlaments war er von 1862 bis 1866 Gesandter von Hessen-Darmstadt in Wien.

Der Dichter und Literaturprofessor Ernst Moritz Arndt war fast 80 Jahre alt, als er in die Paulskirche einzog. Die Versammlung ehrte ihn für sein Wirken im deutschen Interesse und sprach ihren Dank für das ..Was ist des Deutschen Vaterland?" aus. Nicht weniger bekannt war der Dichter Ludwig Uhland, Professor für Literatur in seiner Geburtsstadt Tübingen. In seinen Forschungen befaßte er sich mit mittelalterlicher Literatur und dem deutschen Volkslied. Auch der Patriot Friedrich Ludwig Jahn, noch heute als ..Turnvater" bekannt, gehörte zu den Abgeordneten.

Als maßgebliche Politiker zogen neben anderen Friedrich Daniel Bassermann und Friedrich Dahlmann in das Parlament ein. Bassermann war in Mannheim zunächst Drogist. dann Buchhändler, in dessen Verlag die „Deutsche Zeitung“ erschien. Dahlmann war Professor für Staatswissenschaften in Göttingen, als er 1837 mit sechs Kollegen gegen den Verfassungsbruch des Königs von Hannover protestierte. Zu den „Göttinger Sieben“ gehörten auch die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm.

Friedrich Hecker war Anhänger eines radikaldemokratischen Programms, das er gemeinsam mit Gustav von Struve in Baden mit Gewalt durchsetzen wollte. Sie scheiterten und fuhren beide nach Nordamerika. Hecker wurde Farmer, Struve beteiligte sich am Bürgerkrieg und kehrte dann nach Deutschland zurück. Der Abgeordnete Robert Blum, Herausgeber des „Staatslexikons für das deutsche Volk“, gehörte der Linken in der Nationalversammlung an. In Wien unterstützte er Ende 1848 die revolutionäre Bewegung und wurde am 9. November standrechtlich erschossen.

 

Die Grundrechte

In 99 Sitzungen debattierten die Abgeordneten des Paulskirchenparlaments über die Grundrechte des deutschen Volkes und versuchten, eine demokratische Regierungsform zu schaffen. Einen Monat nach seiner Konstituierung beschloß das Parlament. ein monarchistisches Oberhaupt zu berufen. Am 12. Juli begrüßten die Frankfurter den Erzherzog Johann von Habsburg, einen Onkel des österreichischen Kaisers Ferdinand I., als „Reichsverweser“ in ihrer Stadt. Als ihre wichtigste Aufgabe sah die Nationalversammlung die Verabschiedung der  „Grundrechte des deutschen Volkes" an. Das Parlament konnte sich an der amerika nischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der Deklaration der französischen Konstituierenden Versammlung 1789 an der Schwelle der großen Revolution orientieren. In 59 Artikeln wurden das Staatsbürgerrecht. das Recht der freien wirtschaftlichen Betätigung, die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, die bürgerlichen Freiheiten wie Presse-. Versammlungs- und Vereinigungsrecht, das Recht der freien Religionsausübung und andere festgelegt. Als hundert Jahre      später der Parlamentarische Rat das  „Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland“ ausarbeitete,     war es kein Zufall. daß die Grundrechte dem Sinn nach und zum Teil im Wortlaut denen von 1848 glichen.

 

Das Scheitern des ersten Parlamentes

Die Krise der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zeichnete sich schon im September 1848 ab, als die Nachricht über den preußisch-dänischen Waffenstillstand von Malmö eintraf. Mit diesem Vertrag hatte die preußische Regierung die revolutionäre Bewegung in Schleswig-Holstein gegenüber Dänemark preisgegeben. Die Zentralgewalt in Frankfurt wurde nicht informiert. Ein Zechen, daß den deutschen Großmächten an einem einheitlichen Nationalstaat nichts gelegen war. Fürst von Leiningen, ein Halbbruder der britischen Königin Victoria, trat zurück. Heinrich von Gagern wurde sein Nachfolger.

Wieder wurden Unruhen aus ganz Deutschland gemeldet. In Chemnitz. Köln. Berlin und Südbaden gärte es. In Frankfurt trafen sich am 17. September 20.000 Demokraten auf der Pfingstweide. Sie wandten sich auch gegen die Abgeordneten in der Paulskirche. weil diese keine klare Stellung bezogen. Einen Tag später begann der Aufstand

Frankfurt hatte seine „zweite Revolution“. Preußische, österreichische und hessen-darmstädtische Truppen zogen auf. Auf der Bornheimer Heide gab es Tote. Die Abgeordneten Felix Fürst Lichnowski und Hans von Auerswald wurden von Aufständischen ermordet.

In der Paulskirche kam es zu Zerwürfnissen über Fragen der groß           deutschen (mit Österreich) oder kleindeutschen Lösung .Heinrich von Gagern setzte im März 1849 die kleindeutsche Lösung durch. Die Nationalversammlung wählte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum Kaiser. Dieser lehnte ab. Die preußische Regierung weigerte sich, die Reichsverfassung

anzuerkennen. Bayern und Hannover folgten.           .

Im Mai 1849 verließ ein großer Teil

der Abgeordneten das Parlament in der Paulskirche, einige von ihnen wollten die Arbeit in Stuttgart fortsetzen. Es wurde von der württembergischen Regierung verboten. Am 18. Juni 1849 beendete württembergisches Militär gewaltsam die Arbeit einer deutschen           Nationalversammlung, die ein Jahr vorher mit soviel Stolz und Hoffnung in der Frankfurter Paulskirchebegonnen hatte. Am 24. Oktober 1849 übernahm die evangelische Gemeinde die Paulskirche wieder       als Gotteshaus. Sie blieb es bis zur Zerstörung 1944.

 

Der Wiederaufbau

Am 11. April 1946 - erst seit einem knappen Jahr schwiegen die Waffen. Frankfurts Innenstadt war fast völlig zerstört und es gab noch keine gewählte Stadtverordnetenversammlung - teilte der Oberbürgermeister Kurt Blaum dem Bürgerrat mit, es bestehe die Absicht, die Paulskirche bis zur Jahrhundertfeier der deutschen Nationalversammlung von 1848 wiederherzustellen. Man wolle der demokratischen Entwicklung Deutschlands gedenken und die politische Einheit des Landes manifestieren. Damals kam auch schon der Gedanke auf, das Gebäude könne in Zukunft ein deutsches Parlament aufnehmen. Am 20. Januar 1947 - inzwischen gab es ein gewähltes Stadtparlament - sandte Oberbürgermeister Walter Kolb einen Aufruf an alle Städte und Gemeinden in ganz Deutschland, auch an Firmen und Privatpersonen. mit der Bitte um Spenden für den Wiederaufbau der Paulskirche in Frankfurt. Der Erfolg war überwältigend: Fast zwei Millionen Reichsmark waren in Aussicht gestellt. Die Sozialistische Einheitspartei in Ostberlin überwies 10.000 Mark, von der Regierung des Landes Sachsen kamen 100000 Mark.           

Geld- und Sachspenden trafen aus westlichen und östlichen Besatzungszonen ein. Städte und Kreise sandten Baumaterialien. wie sie in ihren Bereichen gewonnen und gefertigt wurden, aber Kisten mit Wein von der Mosel oder die 2000 Zigarren aus Bad Orb waren ebenso willkommen.

Die Stadt Frankfurt schrieb einen Ideenwettbewerb für die Entwürfe zur Wiederherstellung der Paulskirche aus. Der erste Preis ging an den Architekten Gottlieb Schaupp.

Nach Auffassung des Preisgerichts sollte die durch Kriegseinwirkung    freigelegte ursprünglich Raumdimension erhalten bleiben. Der Innenraum sollte zeitgemäß gestaltet,

auf ein historische Kopie verzichtet werden. Diese Auffassung vertrat auch Professor Rudolf Schwarz aus Köln, mit dem der Frankfurter Baudirektor Blanck Kontakt aufgenommen hatte. Er galt als einer der hervorragendsten Vertreter des modernen Kirchenbaus und war damals als Generalplaner für die Stadt Köln tätig. Schwarz sagte nach einem Vortrag 1947 über die Diskussion mit den Denkmalpflegern, die das Haus historisch genau wiederhergestellt haben wollten: „Wir widersetzten uns. So schön war das Bauwerk noch niemals gewesen, und wir erreichten. daß es so blieb.“

Die Architekten Schaupp und Schwarz bildeten eine Planungsgemeinschaft. an der auch Johannes Krahn beteiligt war. Es blieb nicht mehr viel Zeit. In seinem 1960 erschienenen Buch „Kirchenbau - Welt vor der Schwelle“ kam Rudolf Schwarz noch einmal auf die Intentionen zur Neugestaltung der Paulskirche in den Jahren 1947 und 1948 zurück. Er schrieb: „Die alte Paulskirche war wie viele klassizistische Bauten groß in der Form, aber dürftig in den Einzelheiten. Der Innenraum war durch eine kleinliche Empore um seine Größe gebracht und auch noch mit einer Stoffdecke abgehängt.“

Zur neuen inneren Gestaltung des Raumes schrieb Schwarz: „Wir vertieften den Boden des Bauwerks legten in ein Tiefgeschoß die nötigen Nebenräume und darüber eine ganz niedrige Wandelhalle mit einem Kranz schwerer Tragsäulen aus Marmor. Aus der Wandelhalle steigt man aus zwei mit der Rundung der Wand geschwungenen Treppen in den hohen Saal hinauf. Das Erlebnis dieses Aufstiegs aus dem Dunkel und Drückenden ist

stark. „Wir dachten uns etwas dabei.“ Und: „Wir hielten den Bau in einer fast mönchischen Strenge. Der Raum ist schneeweiß gestrichen und enthält nur das sehr einfache

Gestühl. das Rednerpult, die Regierungsempore und eine Orgel.“

Die Rundmauer des Kirchenbaus blieb in ihrer ursprünglichen Gestalt   erhalten, überdeckt wurde sie von einer Holzdecke, deren Wirkung in der sorgsamen Konstruktion lag.            Ein leichter Abschluß. wie es damals hieß. der sich fast schwerelos dem Mauerwerk auflegte. Der Bau wurde schlicht und schmucklos gestaltet. Marmor für die Sprechstellen und die Regierungsempore verwandt. Eine räumliche Gliederung war an den Leuchtkörpern zu

erkennen. die von der Decke bis nahe an den Boden reichten. Kirche oder Versammlungsort? Diese Frage galt es zu klären. Die Evangelische Stadtsynode wies darauf hin. daß laut Dotationsurkunde der Wiederaufbau zwar auf Kosten der Stadt zu geschehen habe, daß sich daraus aber keine Rechte hinsichtlich der weltlichen Nutzung ergeben würden. Nach der Jahrhundertfeier sollte das Gebäude ausschließlich Gottesdiensten und kirchlichen Feiern vorbehalten bleiben. Erst am 12. Mai 1948, kurz vor der Neueröffnung. kam es zu einer Vereinbarung: Der Stadt wurde das Recht zur Nutzung vorerst für zehn Jahre eingeräumt. dafür verpflichtete sie sich. die beschädigte Nikolaikirche am Römerberg wiederherzustellen und sie dem Synodalverband des Landes Hessen zur Verfügung zu stellen.

 

Goethepreis und Friedenspreis

Am 18. Mai 1948 versammelten sich die Festgäste. die aus ganz Deutschland und dem Ausland gekommen waren. im Römer. um gemeinsam zur Paulskirche zu gehen. Die Frankfurter standen dichtgedrängt am Straßenrand. Staffettenläufer brachten Grüße aus anderen Städten. Das Bild glich dem. das vom Einzug der Abgeordneten zur ersten deutschen Nationalversammlung hundert Jahre vorher überliefert war.

Fritz von Unruh war der Festredner. Der Dichter hatte nach 16 Jahren der Emigration zum ersten Mal wieder deutschen Boden betreten. Er schilderte die Geschichte Deutschlands und Europas in den vergangenen hundert Jahren und sprach die Hoffnung aus, die Paulskirche möge eine „Zelle der Einigung und Kraft“ sein.

In diesem Jahr 1948 erhielt Fritz von Unruh den Goethepreis der Stadt Frankfurt, der nunmehr regelmäßig in der Paulskirche verliehen wird. Gestiftet wurde dieser Preis 1927, als erster nahm ihn Stefan George entgegen. Im Jahr 1949 erhielt Thomas Mann den Goethepreis, 1976 Ingmar Bergmann, 1982 Ernst Jünger, 1985 Golo Mann. Die ersten feierlichen Akte dieser Art dokumentierten die neue Bedeutung der Paulskirche für die Stadt Frankfurt. Sie sollte die bedeutendste und ehrenvollste Tagungs- und Verkündigungsstätte

der Bundesrepublik Deutschland sein. In Frankfurt wurde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gestiftet, den 1950 als erster Max Tau erhielt. Seitdem verleiht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Preis alljährlich zu Buchmesse. Der Paul Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter- Preis wird in der Paulskirche verliehen. ebenso der Theodor-Adorno-Preis.

Die offizielle Gedenkstunde zum Volkstrauertag und die Gedenkfeier zur Wiederkehr des 20. Juli 1944 gehören zu den regelmäßigen Veranstaltungen im Haus. Hinzu kam im Lauf der Jahre eine Reihe von wichtigen Ausstellungen, so die der Hessischen Ministerien für Landentwicklung, Umweltschutz, Gesundheitswesen, Wissenschaft. Forschung und Kunst. Außerdem Ausstellungen des Bundesverbandes Bildender Künstler und die Weihnachtsmärkte des Frankfurter Berufsverbandes Bildender Künstler. Der Gedanke, daß die Paulskirche als Ort festlicher Anlässe in die aktuelle Bundespolitik integriert werden könnte, mußte aufgegeben werden, als Bonn zur provisorischen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland erklärt wurde. Um so wichtiger war es, daß hier Gäste aus aller Welt zu festlichen Veranstaltungen zusammenkamen, die über den politischen Alltag hinausragten. Ein solcher Anlaß war der Besuch des amerikanischen

Präsidenten John F. Kennedy am 26. Juni 1963.

Ausdrücklich ist festgelegt, daß die Paulskirche nicht für Veranstaltungen zur Verfügung steht, die kommerziellen oder antikirchlichen Charakter haben. Auch Veranstaltungen politischer Art werden nur in Ausnahmefällen genehmigt. Der Architekt Rudolf Schwarz hatte es einmal so formuliert: „Der Bau dient heute geistigen Dingen von hohem Rang. und er ist von einer solch nüchternen Strenge, daß darin kein unwahres Wort möglich sein sollte.“

 

Die „neue” Paulskirche

Am 9. September 1986 beschloß der Magistrat der Stadt Frankfurt den Umbau und die Sanierung der Paulskirche. Ein Spendenaufruf an Bürger und Firmen blieb nicht ohne Gehör. Zuschüsse von der Bundesregierung gab es nicht. Die Kosten betrugen mehr als 23 Millionen Mark.

Maria Schwarz, Witwe des Kirchenbaumeisters Rudolf Schwarz, und der Berliner Architekt Klaus Wever übernahmen die Leitung der Erneuerungsarbeiten. Die Hauptarbeit der Erneuerung geschah im Verborgenen. Die technischen Einrichtungen, die für ein solches Haus notwendig sind, waren veraltet. Erkennbare Veränderungen sind das Geläut, die Fenster, die Orgel. der weiße Akustikputz, der Fahnenschmuck und die renovierte Bestuhlung. Schließlich das Rundgemälde von Johannes Grützke. das im Jahr 1990 vollendet ist.

Seit Weihnachten 1987 hat das „Große Stadtgeläut“, das als einmalig in der Bundesrepublik gilt, einen neuen Klang. Die Glocken der Paulskirche läuten mit. Nach den Zerstörungen des vergangenen Krieges waren drei Glocken übrig geblieben. Die „Lutherglocke“ verbrannte und wurde von der Frankfurter Bildhauerin Franziska Lenz Gerharz neu gestaltet. Neu hinzu kam die ..Stadtglocke" mit 3690 Kilogramm. Sie ist der Erinnerung an die Toten und die Zerstörung der Stadt gewidmet. Mit 8590 Kilogramm ist die „Bürgerglocke“ die zweitgrößte im Stadtgeläut.            Für die Neugestaltung der Fenster         in der Paulskirche wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich zehn Glasmaler von internationalem Rang beteiligten. Wilhelm Buschulte aus Unna erhielt den ersten Preis. Das Preisgericht: „Die Aufgabe der Integration in den Raum, die Bescheidung in die Architektur und das Herstellen einer kostbaren Transparenz der Fenster ist gelungen.“

Die neue Orgel ist beherrschendes Element im Plenarsaal der Paulskirche. Das Instrument ist ganz in Weiß gehalten wie der acht Zentimeter dicke Akustikputz an den Wänden, den es in dieser Art zum ersten Mal in der Bundesrepublik gibt. Er läßt das gesprochene Wort

deutlicher werden, dient vor allem aber auch musikalischen Darbietungen. Die neue Orgel knüpft in ihrem von Professor Reinhard Menger entworfenen Klangbild an die ursprüngliche Tradition der Paulskirche an. Belebendes Element im Saal sind die Fahnen der Bundesrepublik und ihrer elf Länder. Sie sind in der modernen Jacquard-Technik gewebt.

Neun namhafte Künstler in der Bundesrepublik, der DDR und Osterreich wurden gebeten. Entwürfe für ein Wandbild, das sich um den ovalen Kern der Wandelhalle ziehen soll, einzureichen. Den Auftrag erhielt Johannes Grötzke aus Berlin. Sein Wandbild zeigt nach der Fertigstellung schwarzgekleidete Abgeordnete auf dem Weg in die Paulskirche. Porträts historischer, aber auch zeitgenössischer Personen sind zu erkennen. Vor diesem Zug sind Szenen dargestellt, die einen direkten Bezug zur Aufgabe der Volksvertreter oder zur Idee von Demokratie und Freiheit haben. Spielende Kinder als Hinweis auf die „Unvereinbarkeit mancher Geister im Parlament“: eine Familienszene „Mutter mit zwei Kindern“, zwei Arbeiter die ein Schaf scheren, die Kaiserkrone wird dem preußischen König angeboten. daneben ist ein Ringkampf dargestellt, Schweine brechen aus einem Pferch aus als Sinnbilder für eine „wehrlose Zucht ohne Ordnung“,  ein pflügender Bauer mit Tochter, ein Schmied mit Tochter, Abgeordnete tragen einen Sarg.

 

Zeugen der Demokratie

Zwei Tafeln zu beiden des Eingangs zur Paulskirche sind Zeugen dafür, wie sich die Stadt Frankfurt mitten im Kaiserreich zur demokratischen Vergangenheit bekannte: „Hier tagte das deutsche Vorparlament vom 31. März bis zum 3. April 1848 und die Deutsche Nationalversammlung vom 18. Mai 1848 bis zum 30. Mai 1849.“ Und:. „Zum fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des ersten Deutschen Parlaments wurden diese Gedenktafeln von der Stadt Frankfurt am Main gestiftet.“

Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom Stein (1757-1831) galt als ein Erneuerer Deutschlands nach dem Sturz Napoleons 1813. Die Stadt Frankfurt verlieh ihm am 4. Februar 1817 das Ehrenbürgerrecht. Seinem Wirken verdankte Frankfurt die Wiederherstellung seiner Selbständigkeit. An seinem 100. Todestag wurde an der Ostseite der Paulskirche eine Gedenktafel enthüllt. 1950 wurde sie von dem Oberurseler Bildhauer Harold Winter erneuert.

Am 25. Todestag von Friedrich Ebert wurde das Denkmal an der Außenwand der Paulskirche enthüllt: Ein stehender Jüngling, der die Hand zum Schwur erhebt. Professor Richard Scheibe hat ihn als Symbol für den Aufbruch der Nation geschaffen. Das Porträt-Relief für Theodor Heuss (1884-1963) hat der Bildhauer Knud Christian Knudsen entworfen. Er schuf auch das Relief von Georg August Zinn, der von 1950 bis 1969 Ministerpräsident des Landes Hessen war.

Auch er war Ehrenbürger der Stadt        Frankfurt: John Fitzgerald Kennedy, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, geboren am 29. Mai 1917, ermordet am 22. November 1963, sprach am 25. Juni 1963 in der Paulskirche zum deutschen Volk und der Welt: „Niemand soll von dieser unserer atlantischen Generation sagen, wir hätten Ideale und Visionen der Vergangenheit, Zielstreben und Entschlossenheit unseren Gegnern überlassen.“ So steht es am Porträt-Relief des ermordeten Präsidenten, das der Frankfurter Bildhauer Georg Krämer geschaffen hat.

Eines Mannes. der im 17. Jahrhundert zwanzig Jahre lang ein Stück Frankfurter Geschichte mitgeprägt hat, wird an der Paulskirche gedacht: Johann Jacob Spener wirkte von 1666 bis 1686 an der Barfüßerkirche. die bis 1786 an dieser Stelle stand. Er schrieb die „Pia Desideria“ und gilt als Vater des Pietismus. Er war Senior der Lutherischen Pfarrer in Frankfurt

und Gründer des ersten Armen-. Waisen- und Arbeitshauses. „Seid einig!“ kündet auf einem Schild die symbolische Statue Geschichte, die auf der Spitze des Obelisks aus weißem Kelkheimer Sandstein steht.

Das Einheitsdenkmal, vom Architekten Hessemer und Bild hauer Kaufmann entworfen wurde im Oktober 1903 auf dem Platz vor der Paulskirche aufgebaut. Auch dieses Werk soll Erinnerung sein an die Vorkämpfer für Einheit und Freiheit. Die Reliefs an der Basis des Denkmals zeigen folgende Szenen: „Abschied des Jünglings vom Vater“, „Schmieden der Waffe“ und  „Bereit zum Kampfe“. Die flankierenden Bronzefiguren fehlen seit der Metallbeschlagnahme des Jahres 1942.

Ein Mahnmal ganz anderer Art steht an der Rückseite der Paulskirche nach der Berliner Straße zu. Professor Hans Wimmer aus München hat nach einem von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb dieses  „Mahnmal für die Opfer des Naziterrors“ geschaffen. Es wurde am 24. Oktober 1964 enthüllt. Die überlebensgroße. gefesselte und kniende Gestalt stellt die Unterdrückung des Menschen und sein Sichauflehnen dar. Am Sockel sind 53 Namen von Konzentrations‑ und Vernichtungslagern eingemeißelt. Nach zweijähriger Renovierungsarbeit wurde die Paulskirche am September 1988 wieder eröffnet.

 

Goethe-Haus, Großer Hirschgraben 23 in Frankfurt

Das Goethe-Haus in der Altstadt von Frankfurt am Main war bis 1795 der Wohnsitz der Familie Goethe. Johann Wolfgang Goethe wurde 1749 hier im Großen Hirschgraben in Frankfurt geboren. Sein elterliches Haus bestand damals aus zwei verbundenen Fachwerkhäusern, die die Familie Goethe 1733 erworben hatte. Erst 1755 ließ sein Vater, Johann Caspar Goethe, hier einen repräsentativen, vierstöckigen Bau im Stil des Spätbarock errichten. Hier lebte Johann Wolfgang Goethe bis 1765; seine Jugendjahre hat er in Dichtung und Wahrheit beschrieben. Im Jahre 1795 verkaufte die Familie das Haus.

Am 22. März 1944 wurde das Goethe-Haus durch Bombentreffer völlig zerstört. Schon 1947 begann der originalgetreue Wiederaufbau durch den Architekten Theo Kellner. Die Stiftung Freies Deutsches Hochstift erhielt hierfür eine Spende von der Philipp Holzmann AG über 300.000 Mark. Nur ein Teil der Einrichtung stammt von der Familie Goethe selbst, aber die vielen ausgelagerten Schätze an Möbeln, Kunst- und Gebrauchsgegenständen, Büchern, Bildern und Handschriften konnten in das Geburtshaus heimkehren.

Das Goethe-Haus ist durch Initiative des Geologen Otto Volger im Besitz der Stiftung Freies Deutsches Hochstift, die auch das mit dem Goethe-Haus verbundene Goethe-Museum betreibt. Jährlich wird das Goethe-Haus von etwa 130.000 Besuchern besichtigt.

Es ist fester Bestandteil der Alt-Frankfurter Erzählungen, dass „echte Frankfurter“ sich nicht für das Goethe-Haus interessieren; so gibt es den Witz vom sterbenden Frankfurter, der auf dem Totenbett noch ein Stoßgebet zum Himmel schickt: „Liewer Gott, lass misch noch leewe – isch geh derr aach ins Geede-Haus!“ (Lieber Gott, lass mich noch leben – ich gehe dir auch ins Goethe-Haus) (Wikipedia).

 

Katharinenkirche:

 

Hauptwache:

Die Hauptwache, bekanntestes Gebäude der Frankfurter Innenstadt, hat schon so einiges erlebt. Das Barockgebäude war im 18. Jahrhundert die wichtigste Polizeistation der Freien Reichsstadt. Gebaut wurde es 1729 vom damaligen Stadtbaumeister Johann Jakob Samheimer. Im Verlies der Hauptwache saß einst auch der legendäre Räuber „Schinderhannes“ ein. Weit über die Stadt hinaus wurde das Gebäude am 3. April 1833 bekannt, als 50 Burschenschaftler die Wache stürmten.

Der Aufstand, der ein Signal zur Errichtung einer Republik setzen sollte, scheiterte kläglich. Die Hauptwache, seit 1903 in ein Café umgewandelt, brannte 1944 im Bombenhagel aus. Nach dem Krieg wurde das Gebäude 1954 neu eröffnet, bevor es 1967 wegen des Baus der U-Bahn komplett abgetragen wurde. Um wenige Meter versetzt wurde dann die Hauptwache in saniertem Zustand ein Jahr später neu aufgebaut. Das prunkvolle Giebelrelief erstrahlt seitdem in neuem Glanz.

An der Frankfurter Hauptwache schlägt heute das Herz Frankfurts. Am 19. Februar 2009 beginnt nun ein neues Kapitel: Der Platz um den fast 300 Jahre alten Bau wird für den Autoverkehr dichtgemacht. Frankfurts schwarz-grüne Regierung will damit das Herz der Stadt an die Fußgänger zurückgeben. Sie können künftig von der Konstabler Wache über die Einkaufsstraße Zeil und die Hauptwache zu Goethe- und Rathenauplatz sowie Rossmarkt flanieren. Diese Plätze wurden gerade neu gestaltet.

Für Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Grüne) wird damit ein lang gehegter Traum wahr. Seine Partei forderte seit Jahren eine autofreie Hauptwache, war jedoch stets am Widerstand der CDU gescheitert. Schließlich gab es einen politischen Tauschhandel. Die Grünen stimmten einem unterirdischen Parkhaus am Goetheplatz zu. Und die Union unterstützte nicht mehr länger die Lobby aus Autofahrern und Einzelhändlern, die um ihre Kundschaft fürchteten. Deren Front ist ohnehin abgebröckelt, da gerade die großen Kaufhäuser an der Zeil auf die Attraktivität einer fast durchgehenden Fußgängerzone von der Alten Oper bis zur Konstablerwache setzen.

„Die Fußgänger haben im besten Sinne die Oberhand gewonnen“, freut sich Sikorski. 50.000 Passanten werden täglich an der Hauptwache gezählt - von den täglich einst 18.000 Fahrzeugen sind dort zuletzt noch etwa 8.000 übriggeblieben, die sich dann entlang der Hauptwache in Richtung Eschenheimer Tor im Norden schlängelten. Etwa die Hälfte sei dabei nicht zum Einkaufen in die Innenstadt gekommen, sondern habe eine Abkürzung in Richtung Norden gesucht, berichtet Sikorski.

Mit der autofreien Hauptwache erhält Frankfurt auch einen neuen Platz zurück - mit neuen Perspektiven. Seit Jahren gibt es Überlegungen, an der Hauptwache das hässliche Loch hinunter zur B- Ebene - einer unterirdischen Einkaufspassage mit Übergang zu U- und S-Bahn - verschwinden zu lassen.

Wenige Meter von der Hauptwache entfernt wird außerdem am 26. Februar das „Palais Quartier“ eröffnet. Den Anfang des fast eine Milliarde Euro teuren Geschäfts- und Hotelprojekts zwischen Zeil und Eschenheimer Tor macht noch Endes dieses Monats das Einkaufszentrum „.My Zeil“. Eine großzügige Tiefgarage wird für Fahrzeuge vom Eschenheimer Tor aus zugänglich sein. 8000 Plätze in Parkhäusern biete Frankfurt in der Innenstadt, sagt Sikorski. Bundesweit sei dies einmalig.

An die Sperrung der Hauptwache müssen sich die Autofahrer aber wohl erst gewöhnen. „Die ersten Tage wird es strubbelig werden“, meint auch Sikorski auf gut hessisch. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat sich schon warnend zu Wort gemeldet. Es sei fraglich, ob das umliegende Straßennetz den zusätzlichen Verkehr aufnehmen könne. „Dauerstaus werden die Folge sein“, meint die Kammer.

Sikorski sieht dagegen die fußgängerfreundliche Hauptwache als „ersten Schritt2 auf dem Weg zur weiteren Verkehrsberuhigung in Frankfurt. Da hat er weniger die vielen Pendler im Visier, sondern die Einheimischen. Vor allem für Wege unter drei Kilometern sollten diese verstärkt das Rad oder ihre eigenen Füße nutzen. Mittelfristig schwebt dem Verkehrsdezernenten vor, die beiden Ost-West-Achsen - die Berliner Straße zwischen Zeil und Main und das nördliche Mainufer - von Autos zu befreien. Dafür würde er gerne den Theatertunnel (Berliner Straße) verlängern und zusätzlich entlang des Mains einen neuen bauen lassen. Eine erste Machbarkeitsstudie - auch zur Kostenfrage - soll in Auftrag gegeben werden. Eine Abkehr von der „autogerechten Stadt“  in Frankfurt hat vor wenigen Tagen auch der renommierte Stadtplaner Albert Speer gefordert. Bei der Vorstellung einer von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) angeregten Zukunftsstudie machte das Büro des weltweit operierenden Planers auch konkrete Vorschläge, zum Beispiel die Einrichtung eines speziellen Fußwegenetzes und Fahrrad-Expressrouten. Andere Städte - Speer nannte die Schweizer Finanzmetropole Zürich - seien Frankfurt in dieser Hinsicht um Jahre voraus.

 

Palais Thurn und Taxis:

Höfische Unfreiheit war den Frankfurtern immer suspekt. Auch deshalb ist das Palais der Fürstenfamilie Thurn und Taxis an der Eschenheimer Gasse, sagenhafter Ort deutscher Geschichte, in der Bürgerstadt immer ein „Fremdling“ geblieben. Daß sich Anselm Franz Fürst von Thurn und Taxis 1724 nur durch einen Trick an das weitläufige Grundstück „Zum Weißen Hof“ in der Gasse gebracht hatte, hing ihm und seiner Familie nach. Der Erbgeneraloberpostmeister brauchte das Land, um Residenz und zugleich Generaldirektion der Reichspost zu bauen. Weil im protestantischen Frankfurt ein so mächtiger, dazu noch katholischer Adliger nicht erwünscht war, mußte der Weinhändler Georg Friedrich Lind das Haus in der heutigen Großen Eschenheimer Straße als Strohmann für den Fürsten kaufen.

Es stand kaiserlicher Befehl dahinter: Die Post-Zentrale war nach Frankfurt zu verlegen, weil da ohnehin alle Postlinien sich kreuzten. Und obwohl der Frankfurter Rat sein Projekt durch allerlei Vorschriften und Verzögerungen zu verhindern suchte, konnte der Fürst den Bau nach dem Entwurf des fast 80 Jahre alten Robert de Cotte, Hofbaumeister bei Louis XV. („premier architecte du roi“) schließlich durchsetzen.

Bis 1741 hatte Frankfurt sein Schloß mit 140 Zimmern, eine barocke Dreiflügelanlage mit heraustretenden Eckpavillons und einem von toskanischen Säulen gerahmten Laufgang, das einzige repräsentative Gebäude der Bürgerstadt. Die barocken Stuckarbeiten, die Putten und Engelsköpfchen stammten von dem Mannheimer Bildhauer Paul Egell, den ovalen Kuppelsaal hatte der italienische Wanderkünstler Luca Antonio Colomba, unter anderem mit den Porträts von Fürst und Fürstin, ausgemalt. Der Hof (die „Cour d'Honneur“) war groß genug, um mehrere zweispännige Equipagen zugleich darin vorfahren zu lassen. Der Garten reichte bis zur Stiftstraße und zur Zeil. Der Gipfel des Luxuslebens aber war eigentlich das „Badtstübchen“ im Keller, in das die Dienerschaft aus dem Küchenhof das Wasser zu pumpen hatte.

Der trickreiche Fürst Anselm Franz hat nur seine beiden letzten Lebensjahre, 1737-1739, im noch unfertigen Palast verbringen können. Nach seinem Tod war sein Sohn Alexander Ferdinand Fürst

der Familienvorstand. Er hat im Schloß an der Eschenheimer Gasse 160 Diener beschäftigt und ein eigenes Orchester unterhalten. Seine Hofhaltung war ungeheuerlich: Laut einem überlieferten „Etat“ hat Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis, seines Zeichens Generaloberpostmeister und Kaiserlicher Kämmerer, 1744 eine Viertelmillion Gulden für Familie, Haus und Keller, Hofmarschall, Kammerherren, Pagen und Lakaien ausgegeben.

Chronist Fried Lübbecke berichtet: „Täglich versammelten sich fünfundzwanzig Gäste zur Mittagstafel. Sie war ebenso gut beschickt wie lang ausgedehnt. Eigene Musiker sorgten für eine edle Unterhaltung; das Abendessen dehnte sich oft bis tief in die Nacht aus, worauf man sich in den Gassen der alten Stadt, keineswegs zum Vergnügen der schlummernden Reichstädter, recht geräuschvoll ‚motion’ machte.“

Der Frankfurter Rat versuchte, per Erlaß einzugreifen. Dem „Hochgedachten Herrn Fürsten“ führte man vor Augen, daß „gegen Dero Fürstliches Hauß, Hofstatt und Bediente überall ein solcher Religions-Haß sich vermercken lasse, daß sogar einige Unserer Schutz-Angehörigen mit öffentlichen Insulten und Schmähungen, ja auch mit höchststraffbaren Bedrohungen gegen Dero Erb-Printzens Person bereits auszubrechen die Verwegenheit gehabt haben soll“.

Das Thurn und Taxis-Palais wurde von der fürstlichen Familie nur, wenige Jahre bewohnt. Schon  1748 schon hatte es mit dem Gepränge ein Ende: Das Schloß muß nach und nach zu einem leeren Rahmen geworden sein. Denn der Generaloberpostmeister Alexander Ferdinand wurde von Kaiser Franz I. zum Prinzipalkommissar ernannt und der Familiensitz samt Generaldirektion der Thurn und Taxis’schen Post nach Regensburg verlegt. Die Prunkmöbel, die Lüster, Standuhren und Teppiche, die Holzvertäfelungen und Marmorkamine, das gesamte Inventar wurde bis 1788 in die Regensburger Residenz geschafft. Im zurück gebliebenen Palais haben fortan Könige anläßlich ihrer Krönung genächtigt. Der Repräsentationsbau wurde zum Wohn- und Amtssitz der jeweiligen Regenten, wie etwa Kaiser Leopold II., der 1790 dort mit Gefolge einzog.

Dem unter Napoleon zum höchsten deutschen Fürsten und Frankfurter Souverän aufgestiegenen Carl von Dalberg wurde das Frankfurter Schloß 1806 übergeben; laut Lehensurkunde „überlassen Fürstliche Gnaden der Herr Fürst von Thurn und Taxis den Genuß des Ihnen eigentümlichen Palais in Frankfurt ( ... ) zur Residenz Sr. Hoheit des Herrn Fürsten Primas.“ Jährlich 12.000 Gulden waren demnach für den Genuss des eben benannten Palais abzutragen. Die „fahrende Postwagenexpedition“ wurde während dieser Zeit aus dem Palais entferne, wie der Vertrag sicherstellte. Noch vor der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig (Oktober 1813) legte Dalberg seine großherzogliche Würde nieder und räumte Schloß und Stadt.

Drei Jahre später wird das Palais Thurn und Taxis bis 1866 zum Sitz der neuen Bundesversammlung, zum Tagungsort der Gesandten des Deutschen Bundes. Das „Bundespalais“ gilt als Treibhaus, in dem Intrigen üppig wucherten. Der Gesandte Otto von Bismarck (Zitat: „Frankfurt ist gräßlich langweilig“) würde „den alten Fuchsbau gern ausräuchern“. Der Zustand der herrschaftlichen Räume erschien anhand einer Zeichnung aus dem Jahr 1861 aufgrund der Dauerbenutzung „trostlos“.

Seitdem 1866 die Preußen die Stadt besetzt hatten, hatte das Palais „stille Tage“. Im Jahr 1891 mietete sich die Oberpostdirektion ein, deren Platzbedarf auf der Zeil wuchs und wuchs. Sie machte drinnen Schalter auf. Für die Hauptpost, einen Gründerzeit-Prachtbau, der an der Zeil hochgezogen wurde, fielen auf dem dahinter liegenden Thurn- und Taxis-Grundstück Stallgebäude und Reithalle. Im Jahre 1905 kaufte die Stadt das Palais zum Zweck seiner Bewahrung vor der rüden Behandlung durch die Post. Denn eine Bürgerinitiative hatte heftig gegen die Verunstaltung der Räume durch Briefträgerabfertigung, postalische Rechnungsstellen und Büros opponiert.

Ab 1908 stand die Aufschrift „Museum der Völker“ draußen am Barockportal; der Vorläufer des heutigen Museums der Weltkulturen erfreute sich Jahrzehnte lang  starken Besuches. Doch alle Anekdoten und Pläne, Hoffnungen und Wünsche, die sich um das Frankfurter Schloß rankten, alle Erinnerungen, wurden unter den Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstört. Der heftige Angriff vom 22. März 1944 gab dem Barockbau den Rest, 1944 hat die Stadt das Trümmergrundstück zurück an die Post verkauft, , die wegen 3,8 Millionen Mark zusätzlicher Kosten den Neubau einer Rekonstruktion vorzog. Im Jahre 1948 wurde die Ruine abgebrochen.

Der damalige Landeskonservator konnte den Portalbau retten und den Wiederaufbau der zum großen Teil zerstörten beiden Pavillons entlang der Großen Eschenheimer Straße durchsetzen.

Aber schon die Toranlage war eine Rekonstruktion, sie war schon einmal ganz auseinander gebaut. Sie sollte zunächst nicht erhalten bleiben, aber nach alten Plänen, die in Regensburg gefunden wurden, wieder aufgerichtet werden.

 

Die Telekom verkaufte ehemalige Thurn- und Taxis- Grundstück an MAB. Werner Pfaff sollte es in ihrem Auftrag vermarkten. Er kündigte an, man werde dem halben Dutzend Architekten „die Pflicht und die Kür“ abverlangen. Die Kür solle aus einem Vorschlag bestehen, wie man das Palais wiederkommen lassen kann.

Als Kompensation für die größere Investition, sagte Pfaff am Freitag, könnte das geplante Hochhaus auf dem Grundstück dann einige Etagen höher werden: „Wir brauchen ja einen finanziellen Ausgleich. Ein Stadtschloß kostet ja viel mehr als ein normales Gebäude.“

Werner Pfaff sammelt seit Wochen Ansichten und Beschreibungen des barocken Fürstensitzes, von dem an der Großen Eschenheimer Straße heute noch die beiden denkmalgeschützten Torhäuser Zeugnis geben. Im Moment forscht er nach dem Modell der riesigen dreiflügeligen Anlage, das auch 1994 in der 1200-Jahr-Ausstellung der Stadt zu sehen war.

Nach Angaben der Investoren von MAB soll das kopierte Palais zwei Meter kürzer als das zerstörte Originalgebäude, künftig zum Ort vielfältiger Veranstaltungen oder aber Teil des Hotels werden, das in einen der Türme dahinter einziehen werde.

Um dort außer dem Palais eine Tiefgarage, ein Hochhaus-Ensemble und eine Ladengalerie zu errichten, muss nach Auskunft der genehmigenden Behörden eine fünf bis siebengeschossige „Spundkonstruktion“ in die Tiefe gesenkt werden.

Es hat sich gezeigt, dass Portal und Pavillons nach den Bombenschäden aus Industriesandstein wieder aufgerichtet worden sind: „Nur was man außen sieht, ist alt.“ Auch der Figurenschmuck auf der Toranlage, Wappen, Vasen, Putten, Löwe, ist kopiert; die Originalplastiken werden im Historischen Museum bewahrt.

 

Börse:

Der Mann an der Mittelfassade der Alten Börse könnte auch die Titelseite eines Männermagazins zieren. Eines jener Hochglanzheftchen, das für Fitness und den besten Sex wirbt. Der Oberkörper strotzt vor Muskeln, nur ein dünnes Tüchlein verhüllt sein Gemächte. Lediglich die Accessoires des Mannes sind andere als in den Muskel-Magazinen: Statt einer Hantel trägt er einen Heroldsstab, an seinen Riemchen-Sandalen und am Helm pappen Flügel. Der schöne Jüngling nämlich stellt den römischen Gott Merkur dar. Als im Jahr 1879, nach viereinhalb Jahren Bauzeit, das Gebäude am Börsenplatz eröffnet wurde, hatten Frankfurter Künstler auch sechs 2,70 Meter hohe Figuren aus Tuff- und Sandstein geschaffen. Sie stehen für die wichtigsten Wirtschaftszweige des 19. Jahrhunderts. Merkur, zweite Figur von links und Werk von Anton Karl Rumpf, ist der römische Gott des Handels.

Sein Name stammt von dem lateinischen Wort „merx“ für Ware. Der analoge Gott zu Merkur war bei den Griechen „Hermes“, sagt Klaus Bringmann, emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Uni Frankfurt, allerdings hat sich seine Bedeutung bei den Römern auf den Handel verengt. Da er auch als Götterbote unterwegs war, trägt er Flügelhelm und Flügelschuhe. Einen Teil der Geschichte dieses Gottes haben die Börsen-Bauherren wohl übersehen: Ikonografisch war er im 19. Jahrhundert nur noch der Gott des Handels, sagt Volker Rödel, der Chef des Frankfurter Denkmalamtes, aber er war auch der Gott der Diebe. Bringmann interpretiert das als Mahnung: „Handel und Betrug hängen auch irgendwie zusammen.“

Antike Vorbilder von Bauten leuchten zu lassen, war in Frankfurt übrigens en vogue. Auch auf dem „Dreikaiserbau“, Kaiserstraße 3-5a, steht Merkur. „Eigentlich sollten dort Kaiserbüsten stehen, nun sieht man dort Götter“, sagt Volker Rödel. Auch Bringmann weiß: „Selbst vor der Messe steht Merkur.“ Auch dort solle er wohl nicht den Gott der Diebe darstellen - sondern nur den Gott des Handels.

 

 

Petersfriedhof:

Die alte Peterskirche, die Ecke Schäfergasse/Alte Gasse stand und 1419 geweiht wurde, ging auf die Stiftung einer Kapelle durch den Ratsherrn Peter Apotheker für die Bewohner der Neustadt zurück. Nachdem Nikolaus von Kues sie 1452 zu einer weitgehend eigenständigen Pfarrkirche geweiht hatte, entstand um sie ein Friedhof, der -  mehrmals erweitert - seit der Reformation vornehmlich protestantischer Begräbnisplatz war.

Mit der Eröffnung des Hauptfriedhofs 1828 wurde der Petersfriedhof geschlossen. Im Jahre 1896 riß man die alte Peterskirche ab, eine einschiffige Kirche mit Dachreiter über dem Chor und zwei Kapellen, von denen die eine als Erbbegräbnis der Familie Glauburg gedient hatte. In den Jahren 1892 bis 1895 war an der Bleichstraße die neugotische Peterskirche gebaut worden. Die im Jahre 1904 trassierte Stephanstraße schließlich trennte den südlichen Teil des Friedhofs ab. Dennoch haben sich Grabsteine des 16. Jahrhunderts, die alle gleich groß sind und deren Größe von den Schwibbögen der Mauer bestimmt werden, ebenso erhalten wie üppige Barocksteine, die vor der Mauer stehen und über sie hinausragen. Es ist allerdings schwierig, heute die Namen zu entziffern. Wir  begegnen aber noch einigen von bedeutenden Frankfurtern - du Fay, de Neufville, Merian. Hier ist Prinz Carl von Hessen-Philippsthal begraben, der an den Wunden starb, die er bei der Befreiung Frankfurts am 2. Dezember 1792 erhalten hatte.

An der Mauer zum ehemaligen Postscheckamt befindet sich das Grab von Simon Moritz von Bethmann, dem „Bürger von Frankfurt“, der 1826 starb. Auch die Grabstätte von Goethes Vater Johann Caspar Goethe und dessen Großvater Georg Walther ist erhalten, ebenso die von Goethes Mutter, Frau Aja, die im alten Erbgrab der Textors und Lindheimers begraben wurde, das heute abseits auf dem Schulhof der Liebfrauenschule liegt siehe auch „Goethe“). An der Stephanstraße steht eine Kopie der 1511 aufgestellten Kreuzigungsgruppe von Hans Backoffen (Original im Historischen Museum).

Auf dem Peterskirchhof, dem schon 1828 aufgegebene Gräberfeld nahe dem Eschenheimer Turm, liegt ganz Frankfurt begraben. Mit 90.000 gestifteten Mark ließ die Stadt das barocke Sandstein-Grabmal der Kaufmannsfamilie du Fay restaurieren. Die du Fays kamen als Glaubensflüchtlinge im Jahr 1560 aus den Niederlanden nach Frankfurt und wurden sehr vermögend.  Die Familie handelte erst mit Woll-und Seidenwaren und zog dann ein Kommissions-, Speditions- und Bankgeschäft auf. Die Frankfurter Niederländische Gemeinde hat zur gespendeten Summe von der Commerzbank-Stiftung Geld dazu gegeben.

„Die Arbeit am Grabmal du Fay soll nur einer von vielen Schritten sein, die Reste des Peterskirchhofs wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen“, wie es Kulturdezernent Hans Bernhard Nordhoff ausdrückte. Die CDU- Fraktion im Römer wünscht laut einem Antrag, daß Frankfurt mit weiterem Einsatz für den alten Friedhof das Heimatgefühl stärkt und die regionale Identität unterstreiche.

Der CDU-Stadtverordnete und Historiker Bernd Heidenreich war vor Ort und macht sich dafür stark, daß als Nächstes die Gräber von Simon Moritz von Bethmann, Johann Friedrich Städel, Johann Georg Schweitzer von Wiederhold, Heinrich Dominicus von Heyden und Jacob Heinrich Rühle von Lilienstern auf dem Peterskirchhof restauriert werden.

Einige der verwitterten Grabtafeln sind schon gerichtet, im kommenden Jahr 2004 folgt die Sanierung der Friedhofsmauer an der Stephanstraße. Der Magistrat hat bereits 30.000 Euro bereit gestellt. Die Jesusfigur am „Pestkreuz“ vor dem Eingang soll wieder vollständige Beine bekommen.

Einer der sich für die von 1452 bis 1828 genutzte Ruhestätte richtig ins Zeug legt, ist Björn Wissenbach, Volontär im Historischen Museum. Er verfaßt seine Doktorarbeit über den Friedhof. Wissenbach stellt auch eine kleine Ausstellung zusammen, die von Mitte Februar bis April des kommenden Jahres im Historischen Museum am Römerberg zu sehen sein wird.

Auf Entdeckungstour schickt der Historiker jetzt Hobbyfotografen: Wer will, kann sich an einem Fotowettbewerb beteiligen; gesucht sind Fotos, die die Atmosphäre des historischen Kirchhofs einfangen. Björn Wissenbach hat noch mehr Ideen, um die Wertschätzung für die Anlage unter der Peterskirche wieder zu gewinnen. Den hinteren Teil möchte er mit einer Mauer abteilen. Dann könnten dort Grabplatten aufgestellt werden, die bislang noch im Depot lagern. Damit die Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können, sammelt Edith Welker von der Historisch-Archäologischen Gesellschaft Spenden. Sie hofft, daß sich noch weitere Nachkommen auf dem Peterskirchhof bestatteter Familien am Erhalt beteiligen werden. Insgesamt werden für alle guten Absichten wohl noch zehn Jahre ins Land gehen.

Einige der verwitterten Grabtafeln sind schon gerichtet, im kommenden Jahr 2004 folgt die Sanierung der Friedhofsmauer an der Stephanstraße. Der Magistrat hat bereits 30.000 Euro bereit gestellt. Die Jesusfigur am „Pestkreuz“ vor dem Eingang soll wieder vollständige Beine bekommen.

Einer der sich für die von 1452 bis 1828 genutzte Ruhestätte richtig ins Zeug legt, ist Björn Wissenbach, Volontär im Historischen Museum. Er verfaßt seine Doktorarbeit über den Friedhof. Wissenbach stellt auch eine kleine Ausstellung zusammen, die von Mitte Februar bis April des kommenden Jahres im Historischen Museum am Römerberg zu sehen sein wird.

Auf Entdeckungstour schickt der Historiker jetzt Hobbyfotografen: Wer will, kann sich an einem Fotowettbewerb beteiligen; gesucht sind Fotos, die die Atmosphäre des historischen Kirchhofs einfangen. Björn Wissenbach hat noch mehr Ideen, um die Wertschätzung für die Anlage unter der Peterskirche wieder zu gewinnen. Den hinteren Teil möchte er mit einer Mauer abteilen. Dann könnten dort Grabplatten aufgestellt werden, die bislang noch im Depot lagern. Damit die Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können, sammelt Edith Welker von der Historisch-Archäologischen Gesellschaft Spenden. Sie hofft, daß sich noch weitere Nachkommen auf dem Peterskirchhof bestatteter Familien am Erhalt beteiligen werden. Insgesamt werden für alle guten Absichten wohl noch zehn Jahre ins Land gehen.

 

Uhrtürmchen:

In Frankfurt gibt es zwei Uhrtürmchen, das Bornheimer und das beim Zoo. Man kann sie leicht verwechseln, denn wer sich „am Uhrtürmchen“ verabredete, wartete vielleicht eine Stunde lang in Bornheim auf den Partner, der sich gleichzeitig am Zoo vergeblich die Beine in den Bauch stand.

Am Bornheimer Uhrturm auf der Berger Straße, da ist was los. Und das war auch schon nach 1877 so, als Bornheim in die Großstadt eingemeindet worden war und Zeichen setzen mußte. „Das Suggerieren von Urbanität“ nennt der frühere Frankfurter Stadtkonservator Heinz Schomann die unterschwellige Absicht. Im Jahre 1894 war es auch in der Friedberger Anlage nahe dem Zoo so weit: Die Verschönerungsinitiative namens „Ostend Verein“ brachte das zweite aus der Geschichte erhaltene Uhrtürmchen in die Stadt und schuf damit einen Lieblingstreffpunkt junger Mädchen mit weißen Schürzen, die sich unter der Uhr sammelten, um die außen herum stehende Jungs in halblangen Hosen und Matrosenblusen nicht aus den Augen zu verlieren.

Allzu groß ist die Entfernung zwischen beiden Uhrtürmen nicht, was die Verwechslungsgefahr erhöht. Das schlanke Uhrtürmchen mit dem Ritter obendrauf wurde im Lauf der Jahrzehnte auch mehrmals versetzt und findet sich seit langem von Auto-Fahrspuren eingeschnürt, was die Bedeutung mindert.

Solche Uhrtürmchen waren zu ihrer Zeit das übliche Straßenmobiliar, wie Kunsthistoriker Schomann beschreibt, ganz einfach, weil nicht jeder eine Armbanduhr trug und doch wissen sollte, wann es Zeit ist, heim zu gehen. Deshalb gab es auch in Frankfurt noch mehr davon - als das beeindruckendste ist das „Manskopfsche Uhrtürmchen“ in Erinnerung, das trug einen Engel über dem Uhrgehäuse, stand mitten auf der Kreuzung Gallusanlage-Kaiserstraße und wurde 1926 als Verkehrshindernis abgebrochen und weggeschmissen. Damals war man modern und Nippes war einem so zuwider, wie Omas Blümchen-Porzellantassen.

Heute preisen Investoren wie die Neubaus zwischen Zeil und Zoo dessen „herausgehobene Lage am Uhrtürmchen“. Und lösen Verwechslungen aus. Was aber keine Entschuldigung sein soll.             

 

Synagoge in der Friedberger Anlage:

Vor fast genau 100 Jahren begann im Ostend, an der Friedberger Anlage, ein großes Werk: Die Israelitische Religionsgesellschaft Frankfurt rief zum Baustart der neuen Synagoge. Am 21. November 1905 wurde der Grundstein gelegt. Bei der Einweihung am 29. August 1907 waren die Medien voll des Lobs. Die Synagoge besitze, schrieb etwa die Jewish Communities Series, „a great poetic charm”, großen poetischen Charme.

Das Sakralgebäude mit Vorhof, flankiert von zweigeschossigen Flügelbauten, war mit 1600 Plätzen Frankfurts größte Synagoge, eine der stattlichsten in ganz Deutschland und für Jahrhunderte gebaut. Doch 33 Jahre nach der Grundsteinlegung wurde sie in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als der Nazi-Mob überall im Land wütete, zerstört. Ein Hochbunker, 1942 auf dem Fundament errichtet, sollte jede Spur der Synagoge verwischen. Ohne die Initiative 9. November wäre sie vermutlich halb vergessen und das Mahnmal vor dem Bunker überwuchert. Doch ein großes Synagogen-Foto an der Fassade erinnert heute, was einst hier stand. Das Grün ist gepflegt. Und das Erdgeschoss des Bunkers beherbergt ein Geschichtsbüro - betrieben von der Initiative 9. November und dem Jüdischen Museum - sowie die Ausstellung „Ostend - Blick in ein jüdisches Viertel”. Hinter den Bunker wurden jüngst Kellerteile der Synagoge frei gelegt.

Geschichtsbüro und Ausstellung gelangten gegen allerhand Hindernisse in den Bunker. Die Initiative entstand aus einem Erinnerungsprojekt 1988, zum 50. Jahrestag des faschistischen Novemberpogroms. Damals hatte Oberbürgermeister Wolfram Brück eine Gedenkveranstaltung im Bunker verweigert: Der Tag sei besser „still” zu verbringen. Statt dessen wurde die Initiative an jenem 9. November laut. Vor dem Bunker verlas sie aus dem „Deportationsbuch” von Adolf Diamant die Namen der aus Frankfurt deportierten Juden. Die Verlesung jeden Samstag wurde bis zum Sommer 1989 fortgesetzt. „Da war man erst beim Buchstaben M angekommen”, sagt Scheunemann. Beharrlich verfolgte die Initiative die Öffnung des Bunkers. Ein Symposium im Jahr 1993 bestärkte sie, dort einen „Lern-. und Begegnungsort” einzurichten.

Konkret wurde das Projekt, als die Branddirektion am 9. November 2002 den Mietvertrag zur Erdgeschoss-Nutzung unterschrieb. 2003 eröffnete die Ausstellung, zunehmend kommen Juden, die ihre Heimat besuchen. Bilder, Dias, Interviews auf Band und Computer-Präsentation zeichnen ein lebendiges Bild des jüdischen Viertels, das ihre Ex-Bewohner tief berührt.

„Es schließt sich ein Kreis”, sagte ein Besucher, der einst als Junge in der Synagoge saß. Für ihre Arbeit erhielt die Initiative 2004 den mit 5000 Euro dotierten Preis der Bundesstiftung „Bündnis für Demokratie und Toleranz”. Ein Dokumentationszentrum will die Initiative 9. November bald auch aufbauen. Im Frühjahr 2006 ist ein Symposium zur Nutzung des gesamten Bunkers geplant.

 

Alte Oper:

Die Alte Oper ist für die Frankfurter ein Haus zum Herzeigen. Ziemlich alle Betrachter aber müßten passen, sollten sie die vielen Skulpturen und Figuren erklären, die an der Fassade oder auf den Giebeln stehen. Dichter und Komponisten, Grazien und Götter, Genien oder Musen jede Menge dort oben. Aber keine der Plastiken hat eine so wechselvolle Geschichte wie die Panther Quadriga auf dem            niedrigeren Giebel - eine Stufe über dem Balkon, aber eine Etage unter dem geflügelten Pferd Pegasus an des Gebäudes Spitze.

60 Jahre lang, zwischen 1902 und 19, hat sich die vier Meter hohe Muse Erato samt Panthern und Streitwagen vom Giebel des alten Schauspielhauses über den Theaterplatz erhoben. Dann hat die Stadt, so jedenfalls ist es in den Annalen vermerkt, die Kupferblech-Gruppe einem Schrotthändler gegeben. Denn man wollte am Platz des alten Schauspielhauses samt Kuppel und Zinnen die moderne Glasfront der Theater-Doppelanlage bauen und hatte genug von Schmuck und Symbolik. So blieb es bis 1974; über die Jahre überwinterte einer

der Panther, eine Blumenschale auf dem Kopf in einem Nieder-Eschbacher Vorgarten; seine Artgenossen lagerten nicht weit davon in einem Geräteschuppen. Muse und Wagen fand man auf einem Autofriedhof.

„Danach aber“, so erinnert sich der ehemalige Konservator Heinz Schomann, „erwies sich die Muse als Siegerin“. Man wollte wieder wer sein und knüpfte an die   stolzen Seiten der Vergangenheit an. Unter den Augen des damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann hievte ein Kran im September 1976 die vom Altmetallhändler für 15,000 Mark zurückgekaufte Gruppe auf die rekonstruierte Alte Oper. Von da oben wird die Muse der Liebesdichtung mit ihren Panthern den um sie herum wachsenden Hochhaustürmen weiter entgegenjagen - als streitbares Gegenbild.               

Madame Butterfly entleibte sich, und in der Nacht darauf sank die Oper unterm Bombenhagel in Trümmer. Das war in der Nacht zum 23. März 1944. Bis das Gebäude am 28. August 1981 wieder eröffnet werden konnte, hatten die Frankfurter die gesamte Bandbreite der darstellenden Kunst, vom Drama bis zur Burleske, leibhaftig durchlebt.

Oberbürgermeister Kurt Blaum legt dem Bürgerratsausschuss Skizzen für den Bau eines provisorischen Konzertsaales in der Opernhaus-Ruine vor. Doch die Not regiert: In den Straßen häufen sich die Trümmer, es herrschen Hunger und Wohnungsnot. Drei Jahre später will der Magistrat die Ruine abreißen und Platz schaffen für Verkehrskreisel und Parkplatz. Worauf der CDU-Stadtverordnete Max Flesch-Thebesius ein Gutachten über den Gebäudezustand beantragt. Als das Gutachten der Firma Holzmann im Januar 1950 ergibt, dass das Gemäuer standsicher ist und wieder aufgebaut werden könne, geschehen merkwürdige Dinge. Eine Firma beginnt, Eisenträger aus der Ruine herauszubrechen. Man rechnet mit 400 Tonnen Schrott. Raub vom Magistrat genehmigt, melden am 21. Juli 1950 die Zeitungen.

Von nun an geben die Frankfurter keine Ruhe. Eine Idee gebiert die andere, die Stadtvater werden als pietätlose Gesellen diffamiert. Insbesondere die Sozialdemokraten, die den sozialen Problemen Vorrang einräumen. Im Januar 1953 richtet Blaum ein Spendenkonto „Frankfurter Opernhaus“ ein. Kurz darauf übergibt Flesch-Thebesius, inzwischen Motor der Bürgernitiative „Rettet das Opernhaus“, OB Walter Kolb einen Scheck über 155.000 Mark. Dafür wird die Ruine gesichert. Man träumt von einem Festsaal und einem Schauspielhaus mit 750 Plätzen. Im Oktober 1958 ist der SPD-Oberbürgermeister Werner Bockelmann weich geklopft - „er scheint geneigt, dem Willen der Bevölkerung nachzugeben“, jubiliert eine Zeitung, und die CDU-Fraktion glaubt, der Wiederaufbau des Opernhauses sei in greifbare Nähe gerückt.

Zehn Jahre später. Die Ruine, der eine robuste Gesundheit bescheinigt worden war, bröselt. Die „Aktionsgemeinschaft Opernhaus“, an der Spitze der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Fritz Dietz, hat acht Millionen Mark an Spenden in der Hinterhand, beantragt bei der Stadt die Erlaubnis zur erneuten Sicherung des Relikts. Während SPD-Ortsvereine von ihrer Mehrheit im Römer verlangen, sich ausdrücklich jeder Ausgabe für den Wiederaufbau oder eine Ersatzlösung zu verweigern, gibt die AG das Kleckern auf und fangt an zu klotzen. Der FDP-Stadtverordnete Heinz Herbert Karry startet mm Telefon-Schnorren: „Sagen Sie 100 Mark und ich häng auf“. Eine Sammelaktion von beispielloser Tragweite beginnt. Der Beginn der Sicherungsarbeiten wird am 5. Oktober 1968 zum Volksfest. Mit Georg Solti, Lia Wöhr, Ivan Rebroff - und OB Willi Brundert (SPD). Zwei Wochen später ist Kommunalwahl.

Ernst zu nehmende Pläne sprechen von einem Konzerthaus, mit Restaurant und Tiefgarage. Kostenpunkt: 30 Millionen Mark. Im Juni 1969 gibt die Stadt den äußeren Widerstand auf, bringt die Mehrfachnutzung ins Gespräch und gründet eine zehnköpfige Arbeitsgruppe. Natürlich wird gestritten: ob man eine „Kongress- und Konzerthalle“ oder eine „Konzert- und Kongreßhalle“ will. Im September 1970 bringt der neue Kulturdezernent Hilmar Hoffmann ein völlig anderes Konzept ein. In einem FR-Interview visioniert er die Alte Oper zum Kommunikationszentrum für alle Frankfurter. Der Sinkkasten soll rein, die Jazz-Szene, das Kommunale Kino. Der AG-Chef Dietz ist verschreckt: Er droht, die Spenden zurückzugeben. Die Oper solle kein Haus in Plüsch und Gold werden - aber keinesfalls ein Beatschuppen oder Haschkeller.

Gleiches Bild wie zuvor. Man kommt mit immer neuen Ideen, verzettelt sich, plant und plant um, die Kosten sind auf 70 Millionen geklettert, eine baureife Planung wird für das Landtagswahljahr 1975 erwartet Drei Wochen vor der Wahl bewilligt das Land Hessen 1,5 Millionen Mark aus Konjunkturfördermitteln. Im September 1976 feiern die Frankfurter und ihr OB Rudi Arndt (SPD) den Baubeginn. Im März 1977 ist Kommunalwahl.

Epilog. Die SPD hat die Wahl verloren. Unter OB Walter Wallmann (CDU) kippt die neue Mehrheit das Raumprogramm. Kein Sinkkasten, kein Kommunales Kino mehr, nur noch Kongresse und Konzerte. Während des Bauens wird wieder umgeplant, was auch Verwerfungen für den parallel laufenden U-Bahn-Bau bringt. Der Generalmanager Ulrich Schwab erfindet für die Nutzung die Kultur treibende Eierlegende Wollmilchsau, von Oper über Musical bis zur phänomenalen Fastnachtshochburg. Die geschätzten Kosten haben 105 Millionen erreicht. Nicht gerechnet die Innenausstattung, für die CDU-Kämmerer Ernst Gerhardt nur das Beste vom Besten bestellen lässt. Sein Argument  lautet: Der von Arndt geleitete Magistrat hat ausreichende Rücklagen hinterlassen, die es der Stadt gestatten, sich auch einmal Extravaganzen zu erlauben. Das  städtische Revisionsamt wird später ein vernichtendes Urteil über diese Art der Bauausführung fällen. Sie lässt die Kosten auf 200 Millionen anschwellen. Wie anders kann dieses Haus am 28. August 1981 eröffnet werden als mit Mahlers Achter „Sinfonie der Tausend“?

 

Überliefert von der Eröffnung der alten Oper sind vor allem die Worte prominenter Männer. Seine Majestät Kaiser Wilhelm I. soll, als er bei der Einweihung der Oper das prunkvolle Treppenhaus betrat, zum Intendanten Emil Claar gesagt haben: „Das könnte ich mir in Berlin nicht erlauben.“ So geschehen am 20. Oktober 1880. Und wenig später spottete Frankfints Volksdichter Friedrich Stoltze über den Schriftzug am Hauptportal des Prunkbaus:

„Dem Wahre, Scheene, Gute, die Beijerschaft muss blute, Dem Scheene, Gute, Wahre, Der Magistrat sollt spare. Dem Wahre, Gute, Scheene, merr muss sich dran gewöhne.“

Doch tatsächlich hatte das erstarkende Großbürgertum zur Zeit des Kaiserreiches gerne gespendet - für ein Symbol seiner wirtschaftlichen und politischen Kraft. Als Oberbürgermeister Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein am 14. Dezember 1869 in der Stadtverordnetenversammlung die Bürgerschaft zum Engagement aufrief, verpflichteten sich 67 Bürger, ihren Beitrag zu leisten. 750.000 Mark an Spenden kamen zunächst für die Oper zusammen, später erhöhte sich die Summe auf 800.000 Mark.

 

Nach und nach musste die Stadt weitere 5,4 Millionen Mark bewilligen - schließlich durfte keine teure Bauruine stehen bleiben. So stimmten die Stadtverordneten immer wieder zu - trotz heftigen Grummelns. Die jährlichen Folgekosten lagen bei seinerzeit immensen 80.000 Mark. Für die Oper musste der Andrae’sche Garten weichen, ein Eingriff in geschütztes Grün im Stadtinneren - auch das kommt einem im 21. Jahrhundert noch vertraut vor. 1872 begann der Architektenwettbewerb, den schließlich der Berliner Architekt Richard Lucae für sich entschied.

Frankfurts langjähriger Denkmalpfleger Heinz Schomann urteilte über dessen Entwurf, er habe „die italienische Hochrenaissance zu monumentaler Dimension gesteigert“. Die zeitgenössischen Kritiker ließen sich weniger zurückhaltend über den fürchterlichen mythologischen, allegorischen Skulpturensalat der Fassade aus. Stoltze nannte eine Gruppenplastik „Apollo in der Badebütt“. Und doch: Bei der Eröffnung der Oper 1880 strömten die Bürger nur so - von Schwarzmarktpreisen bis 100 Mark für ein Billett war die Rede. Zur Eröffnung wurde Mozarts „Don Juan“ gegeben.

Zum ersten Intendanten bestimmte man Emil Claar, der bis 1900 blieb. Erster leitender Kapellmeister war Otto Dessog der in Wien gearbeitet hatte.

Nicht einmal der 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 vermochte den Spielbetrieb ernsthaft zu beeinträchtigen - nur gelegentlich gab es Fliegeralarm, der von der Bühne ausgelöst wurde. Der Zweite Weltkrieg brachte das Ende. Ein erster Bombenangriff am 29. Januar 1944 verursachte solche Zerstörungen, dass an Aufführungen nicht mehr zu denken war. In der Nacht vom 22. auf den 23. März 1944 ging das Opernhaus durch Brandbomben vollständig in Flammen auf

 

Der Marshall-Brunnen an der Alten Oper:

Am 16. Oktober 1959 stirbt in Washington im Alter von 78 Jahren George Catlett Marshall, ehemaliger Generalstabschef, Außenminister und Verteidigungsminister der USA, 1953 zusammen mit Albert Schweitzer Friedensnobelpreisträger. Und Initiator des „Marshall-Plans“, mit dessen 13 Milliarden Dollar die nach dem Zweiten Weltkrieg danieder liegenden Völker Europas wirtschaftlich wieder auf die Beine gestellt wurden. Auch der Verursacher der ganzen Misere, Deutschland.

Die Wirtschaftswunder-Metropole Frankfurt erinnert sich mit Dankbarkeit an den großen US- Politiker, und so beschließt die Stadtverwaltung im Dezember 1962, Marshall ein Denkmal zu setzten. Als erste Stadt der Welt natürlich, alles andere wäre un-frankfurterisch. Gesagt, fast schon getan. Sechs namhafte deutsche Künstler reichen Entwürfe ein, darunter der renommierte Münchner Kunstprofessor Toni Stadler, der prompt auch den ersten Preis bekommt - für einen Brunnen, geziert von drei nicht naturalistisch gestalteten Frauenkörpern, Grazien darstellend. Aufgestellt werden soll das Kunstwerk, dessen Kosten von 552.000 Mark weitgehend Spenden aus der Wirtschaft finanzieren - den Rest schießt die Stadt zu - in Sichtweite der Opernruine in der Taunusanlage, unweit jener Stelle, an der noch bis kurz vor Kriegsende das Denkmal Kaiser Wilhelms I. gestanden hatte.

Am 27. Oktober 1963 ist es dann soweit: Zur Eröffnung des Brunnen-Denkmals einschließlich Gedenkfeier in der Paulskirche kommt jede Menge Politikprominenz. Ehrengäste sind General Marshalls Witwe Katherine und ihre Tochter, Mrs. J. Winn. Bundeskanzler Ludwig Erhard, der gerade den greisen Konrad Adenauer abgelöst hat, Vizekanzler Erich Mende, Außenminister Gerhard Schröder und Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel kommen aus Bonn.

Frankfurts Oberbürgermeister Werner Bockelmann und sein Stellvertreter, Burgermeister Rudi Menzer, sind natürlich dabei, und die US-Delegation wird von Außenminister Dean Rusk angeführt. Sein Präsident, John F. Kennedy, der erst im Juni dieses Jahres bei seinem Deutschlandbesuch in der Paulskirche gesprochen hatte, hat ihm Grüße aufgetragen. Weniger als vier Wochen später wird Kennedy ermordet ... Mitglied der US-Delegation ist auch ein Senator, der noch nicht wissen kann, daß er ein gutes Jahr später US-Vizepräsident sein wird: Hubert Humphrey.

Auch Tausende von Frankfurtern sind an diesem fast winterkalten Sonntag auf den Beinen, um dem Spektakel beizuwohnen. Die Promis können sie ganz  gut erkennen, aber von der eigentlichen Brunnen-Enthüllung sehen sie nicht viel, weil die beiden Ehrenkompanien von US-Army und Bundeswehr die Sicht weitgehend versperren. Und das ist vielleicht auch besser. So dauert es nämlich Stunden, bis sich das deutsche Kunstverständnis zum ersten Male äußert: Der Brunnen schäumt zum Himmel. Die Waffen des wehrhaften Widerstandes gegen die „entartete“ Kunst des Professors aus München sind in jedem ordentlichen Haushalt zu finden: Waschmittel und Spülmittel.

Wenn der Blick auf die drei Grazien im Brunnen gerade mal nicht durch Seifenschaum getrübt ist, prallen die Meinungen über das Kunstwerk aufeinander. „Das sollen Grazien sein? Die sind ja scheußlich!“. „Es gab einmal eine Zeit, ja zu der man ein solches Machwerk eingeschmolzen hätte!“ - Aber auch: „Ich finde diesen Brunnen wunderbar, er ist nur zu schade für die Öffentlichkeit!“

Und immer wieder Schaumattacken Am 26. August 1964 wird nach vorausgegangenen Wasserfärbeattentaten, erstmals auch Ölfarbe verwendet, die nur mühsam zu entfernen ist. Längst liegt freilich die Vermutung nahe, daß es sich hier nicht mehr um kunstfeindliche Überzeugten, sondern um Dumme-Jungen-Streiche handelt.

Und 1970 ist er dann ganz weg, der Brunnen. Nicht als Folge eines Anschlags, sondern des S- und U-Bahnbahnbaus rund um den Opernplatz. Die drei Grazien verschwinden im Städel, aber sie kommen wieder: Am 25. Mai 1984 wird der Marshall-Brunnen samt dazu gehöriger Gedenktafeln abermals aufgestellt an seinen alten Platz. Die Grazien - die nun keinen mehr aufregen - sind unverändert, der Brunnen freilich nicht. Statt der 50 kleinen Quellen im Rand, die vorher die Brunnenschale gefüllt haben, gibt es jetzt nur noch eine kleine Hauptfontäne, das Wasser fließt ab.

 

 

Goetheplatz:

Unter dem Goetheplatz soll eine kommunale Tiefgarage errichtet werden. Doch im Jahr 2002 schlagen die städtischen Planer und Immobilienfachleute vor, zum Teil auf der Decke des Parkhauses eine Häuserzeile zu errichten, die den Goetheplatz vom Roßmarkt trennen würde.

Die Ideen knüpfen an die Bebauung an, die vor dem Zweiten Weltkrieg den öffentlichen Raum zwischen der Biebergasse und dem Roßmarkt gegliedert hatten. In den 20er Jahren trug die Fläche zwischen Biebergasse und Steinweg den Namen Theaterplatz, südlich schloß sich dann der Goetheplatz an, über den man zum Roßmarkt gelangte. Den Goetheplatz begrenzte im Osten eine schmale Häuserzeile, die von Nord nach Süd vom Steinweg zum Roßmarkt führte. Die Töpfergasse trennte damals diese Gebäude von den großen Blocks zum Roßmarkt hin.

Jetzt schlagen die städtischen Planer freilich keine Hauserzeile von Nord nach Süd vor, sondern eine, die von West nach Ost führen würde. Die Berufung auf das historische Vorbild ist also zweifelhaft. Diese neuen Gebäude sollten laut Zimmermann in der nördlichen Bauflucht der Junghofstraße stehen und östlich der Börsenstraße ansetzen. Zwischen Goetheplatz und Roßmarkt konnte die Hauserzeile eine Trennung schaffen, aber zugleich die Platzräume neu fassen.

Dem Amtsleiter Gangel schweben als Nutzung Büros mit Läden im Erdgeschoß der Häuser vor. Er behauptet: Wohnen ist an dieser Stelle schwer durchzusetzen wegen der Lärmbelastung des Verkehrs auf der

nahen Börsenstraße. Uli Baier, Sprecher der Grünen im Planungsausschuß, hält persönlich die neue bauliche Fassung des Platzes für keine schlechte Idee. In jedem Fall sollten jetzt die statischen Voraussetzungen geschaffen werden, die neue städtische Tiefgarage mit Häusern zu überbauen.

 

Hospital „Zum Heiligen Geist“:

Damit steht die Stiftung aus den Anfangen des 13. Jahrhunderts in ihrer eigenen Tradition der Mildtätigkeit. Wann diese Stiftung gegründet wurde, kann nicht genau datiert werden, aber sie selbst hat sich für das Jahr 1208 entschieden. Unmittelbar nach dem Tod des geistigen und tatkräftigen Initiators der  „Hospitalbewegung“, des Italieners Guido von Montpellier, wurde in Wien das erste Hospital „Zum heiligen Geist“ auf dem Boden des deutschen Römischen Reiches errichtet, viele folgten. Es war die hochmittelalterliche Zeit des enormen geistigen Umbruchs und über Handelsstraßen und Handelszentren breiteten sich auch die religiös-sozialen Ideen über Grenzen hinweg schnell aus.

Da war es nur noch eine Frage der Zeit wann sich auch in Frankfurt Frauen und Männer zu einem Orden des heiligen Geistes zusammenschließen würden, um Pilger, fahrende Leute und Durchziehende zu beherbergen und Kranke aufzunehmen und sie zu pflegen. Seit 1215 jedenfalls ist der Platz am Main nachweisbar, man brauchte das Wasser für die Hygiene. Herberge und Hospital standen dort bis zum Abriß im Jahr 1839, als die neue Krankenanstalt am östlichen Anlagenring ihre Türen öffnete. Das Hospital zum heiligen Geist in der Langen Straße war nun nach neues ten medizinischen und technischen Erkenntnissen und Möglichkeiten ausgestattet und wurde zu einem Anziehungspunkt fachlicher Interessen aus ganz Europa.

Weil aber die Zuwendung zu kranken und Armen unter wahrer Aufopferung der eigenen Bedürfnisse nicht jedermann Sache war, gut betuchte Bürger aber ihr Seelenheil retten und Gutes tun wollten, wuchs die Stiftung zum heiligen Geist vor allem in den Anfängen über Legate in Form von Ländereien, Höfen und Häusern zu beträchtlicher Größe an. Diese legten nicht nur die solide finanzielle Grundlage für alles Handeln in allen politischen Höhen und Tiefen der Jahrhunderte, sondern landwirtschaftliche Betriebe im Taunus bestritten zum Beispiel in Notzeiten auch die gesamte Ernährung des Hospitals und anderer Einrichtungen, die folgten. „Wir haben Wiesen, Wälder und den Wasserstollen, der Königstein noch immer beliefert“, erzählt Twelker und weist mit Nachdruck darauf hin, daß die Stiftung nur einmal vom Grundsatz „Grund und Boden darf nicht veräußert werden“ abgewichen ist, als die Stadt Gelände am Osthafen von ihr kaufte und das Geld in der Inflation prompt flöten ging. Die jährliche Ausschüttung der Stiftung kommt heute vor allem der Anschaffung moderner Geräte zugute, steht aber auch für Maßnahmen zur Verfügung, die über die üblichen pauschalen Fördermittel nicht abgedeckt werden können.

Die Entwicklung von Krankenhäusern zu Gesundheitszentren läßt sich an dem zweiten stiftungseigenen Krankenhaus Nordwest mit 605 Betten absehen. Im Jahre 1963 am Rande der Nordweststadt auf die Wiese gestellt, erweitert und immer wieder modernisiert, hat es über international anerkannte Erfolge in Lehre, Diagnostik und Therapie eine weit über Frankfurt und die Landesgrenzen hinausgehende Bedeutung.

Die 1994 eröffnete onkologische Tagesklinik zum Beispiel war Modellprojekt für Hessen. Sie steht, wie andere medizinische Bereiche auch, in enger Kooperation mit Hausärzten und schließt eine Lücke in der Behandlung von schwer krebskranken Patienten. Und Angehörige, die in unmittelbarer Nahe ihrer Kranken bleiben möchten, können im Hotel auf dem Klinikgelände zu erträglichem Preis übernachten. Der gesamte Service-Bereich untersteht seit zwei Jahren ebenfalls der Stiftung, eine Maßnahme, die sich rechnet.

Gutes Management hat die Stiftung Hospital zum heiligen Geist schon über die Jahrhunderte gebracht und die einstige Idee immer mehr auf professionelle Füße gestellt.

Die Zuwendung zum Menschen, aus religiöser Quelle in die Tat umgesetzt, ist und bleibt der Stiftungsauftrag. Doch der braucht auch die irdischen Mittel und Wege.

 

Stadtbibliothek:

Städelschul-Rektor Daniel Birnbaum sagte am Dienstag, er werde zurücktreten falls das der Schule angegliederte Ausstellungsgebäude ersatzlos entfalle. Im Mai 199 überlegte der damalige Planungsdezernent Martin Wentz, die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadtbibliothek von 1825 von privaten Geldgebern wieder errichten zu lassen. Nördlich der Ignatz-Bubis-Brücke unter der Anschrift „Schöne Aussicht  2“ steht von dem alten Bauwerk nur noch die Säulenreihe des Portikus, hinter der in einem Container die Ausstellungsfläche angegliedert ist. Wentz schlug 1999 als ein Stück Stadtreparatur ein „Haus der Begegnung“ nach den alten Plänen der Stadtbibliothek vor, das damals 13,5 Millionen Mark kosten sollte. Später gab es dazu einen Grundsatzbeschluß der Stadtverordnetenversammlung, doch die Kommune wollte für das Projekt kein Geld geben.

Jetzt bekundet die finanziell sehr gut ausgestattete Hertie-Stiftung in Frankfurt Interesse, den Hauptteil der Investitionen zu übernehmen. Stiftungs-Sprecherin Marlies Mosiek-Urbahn: Nach Gesprächen zwischen der Oberbürgermeisterin und dem Stiftungsvorstand prüfen wir die Sache sehr aufgeschlossen. Die Hertie-Stiftung wolle im Frankfurter Stadtbild sichtbar werden. Der Beschluß des Stiftungsvorstandes stehe jedoch noch aus.

2,5 Millionen Euro zu den nötigen Investitionskosten möchte die Landesbank Hessen- Thüringen beisteuern. Dieses Geld gilt zugleich als Ablösesumme: Nach dem städtischen Rahmenplan Bankenviertel war das Kreditinstitut verpflichtet, im Sockel seines Main-Towers an der Neuen Mainzer Straße und auf seinen Grundstücken zwischen Junghofstraße, Neuer Mainzer Straße und Neuer Rothofstraße 25.000 Quadratmeter für Beherbergungsbetriebe zu reservieren. Doch dazu kam es nie. Der Säulenrest des Portikus würde in das neue Gebäude integriert, das im Römer als Eingangstor zum Viertel der Europäischen Zentralbank gewertet wird. Die Europäische Zentralbank möchte aufs Gelände der Großmarkthalle an der Sonnemannstraße umziehen.

Freilich: Es gibt offene Fragen. Um dem neuen Gebäude eine Zweckbestimmung zu geben, wird überlegt, das städtische Literaturhaus von der Bockenheimer Landstraße 102 dorthin umziehen zu lassen. Allerdings reicht der Mietvertrag der Einrichtung im Westend bis zum Jahre 2007. Für den Ausstellungsraum des Portikus ist kein neues Domizil in Sicht.

 

Provisorium hinter Säulen:

Der damalige Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess lieferte die Pläne für die Bibliothek, die in den Jahren 1820 bis 1825 gebaut wurde. Das Haus zerstörten Brandbomben, die bei mehreren Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges 1944 fielen. Es überdauerten nur die Säulen des Eingangs, eben der Portikus.

Wentz will mit der Rekonstruktion des Gebäudes Krieg und Zerstörung kritisch reflektieren~. Die neue bauliche Lösung soll auch an diese Vergangenheit erinnern. Fünf Architekturbüros will man um Entwürfe bitten. Äußere Kontur und Gliederung der Geschosse orientieren sich dabei an den Plänen des Stadtbaumeisters Hess. Die Außenmaße des zweigeschossigen Gebäudes betrügen demnach 46,7 mal 18,5 Meter. Es gäbe weder Keller noch Tiefgarage.

Vage blieb bis heute die Zweckbestimmung des Hauses. Die erste Absicht von Wentz, das Fritz-Bauer-Institut in ein „Haus der Begegnung“ einziehen zu lassen, zerschlug sich. Das Institut, das die nationalsozialistische Gewaltherrschaft kritisch aufarbeitet, fand mit dem früheren IG-Farben-Gebäude einen anderen Ort.

Mit der neuen Bebauung auf dem städtischen Portikus-Gelände verfolgt Wentz aber auch städtebauliche Ziele. Wallanlagen und Mainufer sollen enger verknüpft, das neue Haus vom Grün der Wallanlagen umgeben werden. Der große Straßenknoten vor dem Portikus soll schrumpfen. Schon1999 beschäftigten sich private Investoren mit dem Plan, ein luxuriöses Hotel dort zu errichten, das sich weitgehend an den alten Maßen der alten Staatbibliothek orientieren sollte. Sie präsentierten Pläne für ein luxuriöses Hotel der Spitzenklasse mit 125 Zimmern und Suiten. Es sollte sich zum Main hin auf zwei Stockwerke beschränken, zu den Wallanlagen hin „etwas höher ausfallen“. In Verhandlungen mit dem Direktorium des „Heilig-Geist-Hospitals“ wurde sogar ins Auge gefaßt, einen Abriß des Hochhauses hinter dem Portikus zu erreichen, in dem vor allem Krankenschwestern und Pfleger wohnen. Doch da die Oberbürgerbürgermeisterin eine kulturelle Nutzung favorisiert, beschied Hemzal die Investitoren abschlägig. Das Minimal-Ziel  des Städel-Direktors Birnbaum ist: „Ein neues Provisorium muß her!“ Entweder die Stadt müsse einen Ausstellungsraum in einem vorhandenen Gebäude oder aber einen Neubau finanzieren. Allerdings sei die besondere Atmosphäre des Portikus gerade im Provisorischen begründet.

Drei Jahre nach ersten entsprechenden Überlegungen hat die Frankfurter Stadtregierung am im April 2002 den Weg freigemacht für den Wiederaufbau der historischen Stadtbibliothek am nördlichen Mainufer. Die formale Bau- und Finanzierungsvorlage soll am 19. April beschlossen werden. In das neue Gebäude soll 2005 das städtische Literaturhaus umziehen, das in der Villa Bockenheimer Landstraße 102 untergebracht ist. Die Idee der Rekonstruktion hatte 1999 der damalige Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) aufgebracht.

Die 1825 errichtete Stadtbibliothek war den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen. Für den Wiederaufbau nördlich der Ignatz-Bubis-Brücke, der sich an alten Planen des damaligen Stadtbaurates Johann Friedrich Christian Hess orientiert, sind Kosten von knapp sieben Millionen Euro veranschlagt. Das Projekt wird privat finanziert: 2,5 Millionen Euro kommen von der Hessisch-Thüringischen Landesbank, den Löwenanteil steuert die Hertie-Stiftung bei.

Wie Semmelroth sagte, nimmt der Neubau das städtische Literaturhaus auf, das 2005 von der Bockenheimer Landstraße umziehen soll. Das Literaturhaus war 1991 eröffnet worden. Schon damals wurde die hohe Miete kritisiert. Sie liegt heute nach Angaben der Leiterin Gazetti bei 340.000 Euro im Jahr für rund 300 Quadratmeter. Dieses Geld könne jetzt dem Programm zugute kommen. Die Fläche im künftigen Haus am Portikus werde wesentlich großer sein: Wir können dann mehr Räume für Ausstellungen nutzen. Gazzetti machte deutlich, daß sie auf größere städtische Unterstützung hofft.

Der Magistrat gab eine Garantie-Erklärung dafür ab, daß die Kunsthalle Portikus der Städelschule an anderer Stelle wieder erstehe. Bis Baubeginn Mitte 2003 will die Kommune einen Ersatzstandort definieren. Nordhoff verhandelt mit Städelschul-Rektor Daniel Birnbaum. Der soll Offerten verworfen haben, zuletzt einen Parkplatz am Main.

Der Einsatz der Spender wurde in einer Pressekonferenz mit sieben Millionen Euro beziffert. Diese Summe dürfe nicht überschritten werden, wofür ein Controlling" sorgen solle. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, ordnete das Engagement dem Stiftungsziel der „Volksbildung“ zu. Auch um 1825, als Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess nach neun Jahren Bauzeit den Prachtbau für die Bücherschätze der Stadt fertig stellte, sei es die Absicht gewesen, ein „Haus der Bücher und der Bildung“ zu schaffen.

Im Magistratsbeschluß ist von einem grundsätzlich historischen Wiederaufbau der Alten Stadtbibliothek „in ihrer ursprünglichen Dimension von 1825“ die Rede. Bauliche Details solle ein einfaches architektonisches Gutachterverfahren festlegen und ein Fachbeirat erörtern, dem auch Stadtverordnete angehören. Roth zog sogar die Parallele zur diskutierten Wiederherstellung des Berliner Stadtschlosses. An der Schönen Aussicht sei nicht an eine detailgetreue Rekonstruktion des hervorragenden Bibliotheksgebäudes gedacht. Vestibül und Treppenhaus sollen wieder erstehen an. Die Maße der „Nutzungsräume“ werden im Gutachterverfahren festgelegt. Auch der Vorplatz, ehemals ein Rondell mit Lessing-Büste (1885), ist einbezogen.

 

 

 

 

 

Alte Brücke:

Mit einem Höchstmaß an historischem Bezug soll die sanierungsbedürftige Alte Brücke umgebaut werden. Dazu wird das 70 Meter lange Mittelteil im Jahre 2003 abgebrochen. Die neue Alte Brücke wird an den Seiten um einen Meter breiter, damit auch Fußgänger und Radler Platz haben.

Die Alte Brücke ist die Brücke Frankfurts. Die Frankfurter haben eine besondere emotionale Beziehung dazu.

Die Diskussion um eine „Flanierbrücke“ im Jahre 1999 wollte dem ältesten Brückenbauwerk der Stadt wieder den Wert eines „Erlebnisraums“ zu geben, der Museumsufer und Kulturmeile Braubachstraße verbinden könnte.

Laut Beschluss des jetzigen Magistrats soll es bei den fünf Fahrspuren zu je drei Metern Breite bleiben. Die beiden fehlenden Brückenbögen in der Mitte, die 1945 von der Wehrmacht gesprengt worden waren, könnten in der Fahrrinne nicht rekonstruiert werden. Aber die Sandstein-Kopfelemente werden saniert und um die fehlenden Brüstungen ergänzt.

Zwei Fußgängerstege sollen nun in den Brückenquerschnitt integriert werden; das Bauwerk wird damit 22,5 Meter breit. Statt der Betonsperren, die heute vor dem Absturz schützen, werden künftig Geländer mit Stahlseilen angebracht. Im Blickpunkt des Entwurfs steht, in Erinnerung an die frühere Brückenmühle, ein Türmchen auf der Maininsel, das ein privater Investor zahlt. Unten solle die Rudergesellschaft ihre Räume behalten, oben stelle man sich etwa ein Aussichts-Café vor. Der Turm wird von der Brücke aus nur durch einen Steg zugänglich sein. Das Inselleben des Vogelschutzgebiets wird nicht berührt.

 

Städel:

Als Goethe im August und September 1815 auf einer seiner später in „Am Rhein, Main und Neckar“ beschriebenen Reisen in seiner Heimatstadt weilt, besucht er auch die zwei renommierten Frankfurter Johann Friedrich Städel und Ludwig Daniel Jassoy.

Beim ersteren bewundert Goethe im Haus am Roßmarkt wieder einmal die Kunstschätze, deren unübersehbare Anzahl so wie ihr unschätzbarer Wert den öfter wiederkehrenden Kunstfreund in Erstaunen setze. Beim anderen, einem begeisterten Hobby-Blumenzüchter, findet er im Garten des Sachsenhäuser Anwesens „Freude und Aufmunterung“.

Städel und Jassoy sind zwei Namen, die bald für fast zwölf Jahre das juristische Deutschland beschäftigen sollen. Am 2. Dezember 1816 nämlich stirbt der 88-jährige Johann Friedrich Städel. Der Junggeselle hinterläßt nicht nur jene von Goethe gerühmte umfangreiche Kunstsammlung - 500 Gemälde, 2000 Graphiken -, der ehemalige Gewürzgroßhändler und Bankier hat auch ein Privatvermögen von rund 1,3 Millionen Gulden angehäuft - nach heutigem Wert etwa 80 Millionen Mark.

In seinem Testament von 1815 hat Städel bestimmt, daß sein Erbe dazu verwandt werden soll, den Bürgern seiner Heimatstadt nicht nur eine Galerie zu bescheren, sondern auch eine Schule, an der Kindern „unbemittelter dahier verbürgerter Eltern ohne Unterschied des Geschlechts und der Religion“ unentgeltlich Kunstunterricht zuteil wird.

So weit, so gut, kein Problem, oder? Die als Testamentsverwalter ernannten fünf Administratoren begeben sich auf die Suche nach einem geeigneten Haus - und dann sind die kulturellen Träume erst einmal ausgeträumt. Städels Vater Johann Daniel nämlich war ein echter „Eingeplackter“ (ebenso wie Goethes väterlicher Großvater): Durch die Heirat mit der Frankfurterin Maria Dorothea Petzel hatte sich der Straßburger um 1720 Frankfurter Bürgerrecht erworben. So tauchten nun plötzlich französische Verwandte auf Cousin Ludwig Sigismund Städel in Paris und die Cousinen Catharine Sidonie Burguburu und Charlotte Salome Lasplace in Straßburg. Die drei reichen im September 1817 beim Frankfurter Stadtgericht Klage ein, wollen als natürliche Erben anerkannt werden.

Als Rechtsbeistand nehmen sie sich den 49-jährigen Ludwig Daniel Jassoy. Der ist nicht nur Blumenzüchter, sondern einer der anerkanntesten Juristen der Stadt. Er war Vertreter Frankfurts beim Wiener KoKongreß815 und hat für die von der Franzosenherrschaft befreite Freie Reichsstadt den Entwurf einer Verfassung erarbeitet. Seinen Ruf als streitbaren Anwalt, den ein Chronist nicht von ungefähr den „Mephistopheles des Wiener Kongresses“ genannt hat, kann er bald beweisen.

Der Prozeß um das Städel-Erbe geht in den nächsten Jahren vom Frankfurter Stadtgericht zum Appelationsgericht und zurück und beschäftigt nicht weniger als sechsmal das Operappelationsgericht in Lübeck, damals die für die Freie Reichsstadt zuständige höchste juristische Instanz. Darüber hinaus werden Gutsachten eingeholt, unter anderem bei den juristischen Fakultäten der Universitäten Bonn, Halle-Wittenberg, Jena, Landshut und Tübingen. Der langjährige Rechtsstreit - was Wunder - gebiert einen ganzen Aktenberg, der heute im Frankfurter Stadtarchiv lagert.

1822 stöhnt einer der Lübecker Richter, dass Jassoys  Sucht, die Schriftsätze zu vervielfältigen und eine große Zahl von Bogen mit dem unnützesten gehaltlosesten Geschwätz zu füllen, um nur recht viel zu verdienen, die Lektüre der Akte höchst ermüdend mache.

Aber letztlich geht Jassoys Taktik auf. Städel hatte sein Vermögen „einem noch zu gründenden Institute“ vermacht - ein Fehler. Jassoy argumentiert knallhart: Etwas, das noch gar nicht existiert, kann auch nicht erben! Um den Streit zu verkürzen - Ludwig Sigismund Städel ist inzwischen gestorben, sein Erbe hat die Klage übernommen schlägt Jassoy schließlich im Oktober 1827 einen Vergleich vor, der ein Jahr später von allen Beteiligten akzeptiert ist: Die drei Erben bekommen pro Nase das erkleckliche Sümmchen von 111.000Gulden (heute knapp sieben Millionen Mark) und verzichten dafür auf weitere Ansprüche. Das Städelsche Institut ist damit gerettet.

Die Gesetzeslücke, die Jassoy aufgetan hat, wird erst anno 1896 mit der Herausgabe des Bürgerlichen Gesetzbuches geschlossen: Paragraf 84 - der „Städel-Paragraf“- regelt, daß auch noch nicht existierende juristische Personen erbberechtigt sind.

Ludwig Daniel Jassoy, sechsfacher Vater und stadtbekannter Bonvivant, kann den Ruhm eines der bekanntesten Juristen Deutschlands nur noch ein paar Jahre genießen: 1831 stirbt er 63jährig. Vom Einkommen aus dem Städel-Prozess ist da nichts mehr übrig, im Gegenteil: Der Jurist hinterläßt so viel Schulden, daß seine Witwe Amalie das Sachsenhäuser Anwesen mitsamt den Treibhäusern und dem Garten, den Goethe bewundert hat, verkaufen muß. In „Unvergängliche Vergangenheit - Erinnerungen einer alten Frankfurterin“ schreibt die 80jährige Sophie Eckardt-Jassoy im Jahre 1949 über ihren Urgroßvater: Das Verschwenden, die Freude am Theater, an schönen Frauen und nicht zuletzt an guter Küche ist ihm vererbt.. Es ist eben immer kostspielig, Liebhaber zu sein, ob es sich um Frauen, Blumen, Bücher, Bilder oder sonst was handelt“.

 

Schauspielhaus:

Beim insolventen Unternehmen Philipp Holzmann in Neu-Isenburg kann man nicht länger auf die beiden Bronzen Acht geben. Jene Schwäne  schienen dem Verwalter wahrscheinlich Restteile der „Alten Oper“ zu sein. Der Mann lag damit falsch, aber nur knapp daneben: Denn die Alte Oper schmückt sich ja seit ihrer Rekonstruktion bereits mit der Panter-Quadriga vom früheren, 1902 erbauten Schauspielhaus. Der Streitwagen der Muse Victoria war im Juni 1972 bei einem Schrotthändler gefunden worden. Dazu erstmals die beiden Schwäne, die ursprünglich über dem Stadttheater-Portal, auf zwei Turmaufbauten rechts und links von Victoria, ihre Hälse reckten. Im Schatten der pompösen Panter-Quadriga waren die Wasservögel 1972 erneut in Vergessenheit geraten.

Derzeit wendet man sich in der Stadt, die in den Nachkriegsjahrzehnten historische Bauten als unangemessene, sinnlos gewordene Hüllen ablegte, wieder mehr der traditionellen Formensprache zu. Da entspricht dem Engagement der Holzmänner für die beiden Schwanenfiguren, die vor 100 Jahren als Sinnbild der Dichter am Theaterplatz auf den Sockel gehoben wurden, das Interesse des Liegenschafts-Amtsleiters. Alfred Gangel, Herr über  städtische Bauten und Plätze, weiß, welche Mühen und Millionen es kosten wird, etwa das ebenfalls in den 50er Jahren entblätterte Palmengarten-Gesellschaftshaus wieder hochherrschaftlich auszuschmücken. Das Gleiche gilt für den Vorplatz der Städtischen Bühnen, den heutigen Willy-Brandt-Platz, der ebenfalls seit Jahren seiner Verschönerung harrt.

Aus der Vergangenheit aufgetauchte Symbolik wird der Stadt also gerade jetzt nur zupass kommen: Amtsleiter Alfred Gangel hat sich bei Philipp Holzmann in Neu-Isenburg bereits gemeldet: „Wir schaffen die Schwäne erst mal in die Naxos-Halle“, kündigt er an, „dann schauen wir in Ruhe, was wir damit machen.“ Die Eigentumsfrage wird als klar angesehen.

Geschichte wiederholt sich eben doch. Im Jahre 1902, als alle Kämpfe über den Bau des riesigen neuen, reich geschmückten Theater-Kuppelbaus mitten in der Untermainanlage ausgefochten waren, lobte die hiesige veröffentlichte Meinung das „neue, anmutige und malerische Musenheim“. Die Figuren, die auf Giebeln, Kuppeln und Zinnen aufgerichtet waren, hatte zum Teil der hier ansässige italienische Bildhauer Augusto Varnesi (1866-1941) geschaffen.

Der Entwurf zum Gebäude mit über 1100 Plätzen stammte vom Königlichen Baurat Christian Heinrich Seeling, dem Architekten auch mehrerer Berliner Theaterbauten. Nachdem es 1944 durch Bomben beschädigt worden war, wurde es bis Weihnachten 1951 wieder aufgerichtet und mit „Wagners Meistersingern“ als  „Großes Haus“ neu eröffnet.

Aber 1961-1963, zehn Jahre später, schlug man die alte Fassade ab und ersetzte sie durch eine 120 Meter lang~ Glasfassade. Das beauftragte Unternehmen war Philipp Holzmann, wie am Gehspitz Werkplatz-Leiter Christoph Huwe rekonstruiert. Die Bauleute hätten den Fassadenschmuck eingelagert - irgendwann, nachdem ein Verkauf oder das Einschmelzen nicht zu Stande kam. Unterdessen war an der kargen Front der Theater-Doppelanlage manch Intendant um mehr Bildhaftigkeit bemüht. Vielleicht gibt es ja einen Weg zurück für die Schwäne.

 

 

Gutleutkaserne:

Nach dem Einmarsch der Preußen 1866 und der darauf folgenden Annektion der Stadt zog die preußische Militärverwaltung um die Stadt einen Kordon von Polizei-, Infanterie- und Kavalleriekasernen, um befürchtete Aufstände im Keim ersticken zu können. Die Infanteriekaserne entstand südlich der Gleise der damals noch nicht zusammengefassten Main-Weser- und Main-Taunus-Bahnhöfe, die spätere Zusammenlegung (1888) zu einem Zentralbahnhof war jedoch schon vorgesehen. Geplant und entworfen von der Preußischen Oberbaudirektion in Berlin, Garnisons- und Bauinspektor F. Bruhn, ausgeführt 1877-79 von A. C. Zacharias, setzt sich die Anlage in Habitus und Material völlig von hessischen oder Frankfurter Bautraditionen ab. Im Entwurf ein preußischer Funktionsbau, ist dieser Kasernentypus in Variationen mehrfach ausgeführt worden. Auf einem Areal von 42.600 Quadratmeter entstanden so drei Kasernen, ein Arresthaus, ein Exerzierhaus, Ställe für 28 Offizierspferde und Mannschafts- und Offizierslatrinen.

Die Anlage wurde 1979 gegen den Widerstand der Denkmalfachbehörde abgebrochen, die Erhaltung des städtebaulich wichtigen Kopfbaus zur Gutleutstraße konnte schließlich als Kompromiss erreicht werden. Das Charakteristische der Kaserne sind die vier Gelenktürme, in denen die Treppenhäuser liegen. In der äußeren Erscheinung quadratisch, scheinen sie mit ihren oktogonalen Eckbetonungen sowohl dem Florentiner Campanile des Giotto als auch den Türmen der Kathedrale von Laon entlehnt. Überhaupt folgt die gestalterische Idee historischen Vorbildern, etwa oberitalienischen Talburgen des 14. und 15. Jahrhunderts, wie z.B. dem Castello Sforzesco in Mailand.

Durch die intensive Nutzung des Militärs war die Bausubstanz stark heruntergekommen. Das Mauerwerk in Hartbrandziegeln mit Hausteinteilen in rotem Mainsandstein hatte stark durch Verrußung durch den nahe gelegenen Hauptbahnhof gelitten. Durch die Reinigung wurden die schon mürben Mörtelfugen weiter geöffnet. Sie wurden, entsprechend dem Original, mit rot eingefärbtem Mörtel neu gefugt. Die noch vorhandenen, gut erhaltenen Eichenfenster aus der Ursprungszeit konnten nicht erhalten werden, da das Bundeskriminalamt wegen der Polizeinutzung auf durchschusssicheren Fenstern bestand. Es gelang jedoch, die Fenster als Verbundfenster nahezu zu kopieren. Dem Wunsch der Nutzer nach Sonnenschutz wurde durch blauweiß gestreifte Markisen abgeholfen, die dem Bau eine heitere Note verleihen und den militärischen Eindruck mildern.

Das Ergebnis zeigt: die Auseinandersetzung um die Erhaltung wenigstens des Kopfbaus hat sich gelohnt. In dem sozial und stadtplanerisch vernachlässigten Viertel, das von Bauten des späten 19. Jahrhunderts geprägt ist, hatte die Restaurierung der Gutleutkaserne auch eine Hoffnungsfunktion für die Bevölkerung. Auf dem Areal der abgebrochenen hinteren Kasernenbauten haben sich die aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangenen Neubauten des Finanzamtes dem Maßstab des 1984-89 renovierten Kopfbaues der Gutleutkaserne unterordnen müssen. Die Gutleutkaserne legt weiterhin beredtes Zeugnis ab von der Phase des schmerzlichen Verlustes der Souveränität der Stadt Frankfurt und von dem Wiederaufstieg von der preußischen Provinzstadt zur Banken-. Börsen- und Handelsmetropole des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In ihrer restaurierten Gestalt ist sie zum Wahrzeichen des Aufschwunges eines vernachlässigten Stadtteils geworden.

Das einzige bedeutende Interieur war in Form des ehemaligen Betsaals erhalten, der Raum, in dem die verschiedenen Konfessionen ihre Gottesdienste abhielten und Feiern stattfanden. Auch dieser Raum \war infolge der Hygienevorstellungen besonders der US - Militärs immer wieder überpinselt worden. Unter mehr als einem Dutzend Öl- und Dispersionsanstrichen fanden sich jedoch aussagefähige Reste der ursprünglichen Fassung in Leimfarbentechnik. Die Neufassung wieder in Leimfarbentechnik wurde wi4eder auf der Basis der Befunde rekonstruiert. Reste von heraldischen Motiven der Bogenfriese in der Durchfahrt wurden freigelegt, gefestigt und schonend retuschiert. Die Wandflächen wurden nach freiem Entwurf marmoriert, da kein Befund festzustellen war.

 

Festhalle:

Es ist ein Gebäude der Superlative mit höchst wechselvoller Geschichte: Das Frankfurter IG-Farben-Haus, das heute 75 Jahre alt wird, wurde 1930 als hochmoderne Zentrale für eine der damals größten Firmen der Welt gebaut. Wenige Jahre später kooperierte der Chemiekonzern eng mit den Nazis. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten die Amerikaner den Bau zu ihrem Hauptquartier. Diese schlossen nach mehreren linksterroristischen Anschlägen in den 70er Jahren das Gebäude fürs Publikum. 2001 zog nach dem Abzug des US-Militärs die Goethe-Universität ein.

Baumeister des mit ockergelbem Travertin-Stein verkleideten Stahlskelett-Gebäudes, das im früheren Park der Bankiers-Familie Rothschild errichtet wurde, war Hans Poelzig. Nach dem Berliner Architekten (1869 bis 1936), der als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit” bei den Nazis mißliebig wurde, wird das IG-Farben-Haus auch Poelzig-Bau genannt. Denn das im Hauptteil leicht geschwungene Gebäude hat Maßstäbe in der Architektur gesetzt: Trotz seiner Größe besticht es mit schlichter Eleganz. Poelzig sollte für die IG Farben (Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG), zu der sich damals die sechs großen Chemiefirmen Deutschlands zusammengeschlossen hatten, ein „eisernes und steinernes Sinnbild deutscher kaufmännischer und wissenschaftlicher Arbeitskraft” bauen. Dafür hat er auf einer Länge von 255 Metern einen Bau mit sechs Flügeln errichtet, die die Gründungsfirmen der IG-arben symbolisieren. Mit 36 Metern Höhe hat der großzügige Bau sieben Stockwerke mit 2000 Fenstern und 2,5 Kilometer langen Korridoren. Mit sechs Personen- und acht Umlaufaufzügen galt das Haus, das für 1600 Mitarbeiter geplant war, als das modernste Bürogebäude Europas.

Nach der Machtergreifung der Nazis hielt sich die IG-Farben anfangs noch mit Rücksicht auf zahlreiche jüdische Vorstandsmitglieder zurück. Doch nach der „innerbetrieblichen Arisierung” wurde die IG Farben zu einem der wichtigsten Rüstungskonzerne, der an der Ausbeutung und Ermordung tausender Zwangsarbeiter beteiligt war. Die IG-Farben Tochter Degesch entwickelte das Giftgas Zyklon B, das für den industriellen Massenmord an den europäischen Juden in den Vernichtungslagern benutzt wurde.

Die schweren Luftangriffe der Alliierten auf Frankfurt überstand das Gebäude 1943/44 fast unversehrt. Als die Amerikaner im März 1945 Frankfurt besetzten. übernahmen sie sofort das Gelände. Der Oberkommandierende der US-Streitkräfte und spätere US-Präsident, Dwight D. Eisenhower, richtete sein Dienstzimmer im ersten Stock des IG-Farben-Hauses ein. Hier gründete er mit der „Proklamation Nr. 2“die Länder Bayern, Württemberg-Baden und Groß-Hessen. Hier erhielt auch der Parlamentarische Rat den Auftrag, das deutsche Grundgesetz zu erarbeiten.

50 Jahre lang residierte das amerikanische Militär im „Farben-Building”. Im Zuge der Reorganisation ihrer Truppen nach der deutschen Wiedervereinigung übergaben sie 1995 das Gebäude an die Bundesrepublik, die es für 148 Millionen Mark (rund 75 Millionen Euro) an das Land Hessen verkaufte. Nach einer Grund- Sanierung des Gebäudes zog die Goethe-Universität 2001 mit ihren ersten Instituten ein.

Bis heute wird darüber diskutiert, ob das Gebäude nun IG-Farben-Haus oder Poelzig Bau genannt werden sollte. Die ,.IG-Farbenfraktion" führt ins Feld, dass mit der Erinnerung an den Bauherrn auch die nationalsozialistische Vergangenheit des Gebäudes deutlich gemacht wird. Immer wieder taucht auch das Gerücht auf, daß die Amerikaner das Bauwerk im Zweiter Weltkrieg bewusst nicht bombardierten um später dort ihr Hauptquartier zu er richten. Es gibt jedoch keine Hinweise da für, dass dies der historischen Wahrheit entspricht.

Bis 2015 sollen auf dem Park-Gelände mit einigen Neubauten ein großer Campus für die gesamte Goethe-Uni entstehen. Damit schließt sich der Kreis: Denn die Familie von Frankfurts bekanntestem Sohn, nach dem die Hochschule benannt wurde, besaß im 18. Jahrhundert dort ein Gärtchen.

Festhalle

Die Messe lässt ein Frankfurter Wahrzeichen in neuem Glanz erstehen: Die historische Fassade der denkmalgeschützten Festhalle wird zum 100. Geburtstag 2009 rekonstruiert. Der Kuppelbau ist 2009 ein Schauplatz des Deutschen Turnfests, zu dem 100 000 Teilnehmer erwartet werden.

Als der Marburger Architekt Friedrich von Thiersch Anfang des 19. Jahrhunderts die Pläne für den damals größten Kuppelbau Europas zeichnete, war das der Versuch, die wirtschaftliche Macht des Bürgertums mit der politischen Vorherrschaft von Kaiserreich und Adel zu versöhnen. Heute begründet Messe-Sprecher Jens Schreiber die Initiative seines Unternehmens so: „Die Festhalle soll wieder in alter Schönheit glänzen - so, wie ältere Bürger sie noch kennen”.

Der Zweite Weltkrieg hatte auch die Festhalle nicht verschont: Am 24. und 25. August 1942 zerstörten Brandbomben britischer Flugzeuge sie fast völlig. Auch die vier Türme des Kuppelbaus wurden damals »weggebombt", so beschreibt es Architektin Susanne Huldisch vom namhaften Büro Albert Speer in Frankfurt. Die Architekten haben von der Messe den Auftrag für „die äußere Rekonstruktion der alten Fassade” erhalten, die Kosten beziffert Schreiber vage auf „einen Millionenbetrag”.

Vorbereitungen sind im Gange, die städtische Frankfurter Aufbau AG (FAAG) schloss eine Vorstudie ab. Architekten vom Büro Speer suchten im Archiv der Technischen Universität München nach den alten Bauplänen von Thiersch - und wurden auch fündig.

Es bedarf dieser alten Entwürfe - denn nach dem Krieg war die Festhalle nur in vereinfachter Form wiederaufgebaut worden. Die ersten frei gewählten Stadtverordneten der Nachkriegszeit hatten damals geurteilt, Schulen und soziale Einrichtungen sollten Vorrang haben. Im Römer entschied 1945 die Stimme des kranken SPD-Stadtverordneten Benno Halberstadt, der in den Plenarsaal getragen wurde.

Klar ist schon jetzt: Die große Kuppel wird neu mit Kupfer gedeckt, das „einen zarten Blaustich” (Huldisch) aufweist. Die vorgebaute Rotunde und die vier Türme des Gebäudes werden ebenso wie die Fassade nach den alten Plänen rekonstruiert - in enger Abstimmung mit der Landesdenkmalbehörde. So sollen die Bürger auch wieder den historistischen Zierrat zu sehen bekommen, den von Thiersch für die Fassade entworfen hatte, Steinmetzarbeiten wie etwa stilisierte Laternen.

Von März bis September 2006 sind die Arbeiten am Außenbild der Festhalle derzeit geplant. Im Inneren will die Messe vor allem die Eingangs-Rotunde sanieren. Messe-Sprecher Schreiber enttäuscht Hoffungen für die Lösung eines immer wieder beklagten Problems: „Für die Akustik machen wir nichts". Schon 1908, als der Kuppelbau noch gar nicht fertiggestellt war, hatte er ein Deutsches Turnfest beherbergt - der Kaiser war zur Eröffnung gekommen. Zu Pfingsten 2009 steht wieder ein Turnfest an. 100 000 Teilnehmer und weitere Hunderttausende von Besuchern aus ganz Deutschland werden erwartet.

Welche Sportarten in der Festhalle zu sehen sein werden, ist noch offen, so Ralph Klinkenborg, Sprecher von Bürgermeister und Sportdezernent Achim Vandreike (SPD). Auch Messegelände und Rebstock sind Schauplätze des Turnfests. Die Festhalle aber soll dann wieder Aushängeschild sein.  

 

Die Hohe Straße, diesen alten Handelsweg von Frankfurt nach Leipzig, kann man noch heute im Stadtbild Frankfurts aufspüren. Sie verläuft auf der Wasserscheide zwischen Main und Nidda. Heute sind das Teile der Oeser-Straße in Nied. Wenn man lange genug buddelt, findet man sogar noch Steine der alten Straße tief im Boden. Hinter der Bundesbank kommt sie als Diebsgrundweg zum Vorschein. Den Diebsgrund haben die Bundesbänkler natürlich schnell umbenannt.

 

 

 

RUNDFAHRT:  Bockenheim - Rödelheim

 

Die Anfahrt erfolgt über die Seckbacher Landstraße/Burgstraße oder über die Enkheimer/ Berger Straße oder über Ratsweg/Wittelsbacher Allee. Auf jeden Fall fährt man auf dem Anlagenring nach Nordwesten in die Rothschildallee (nicht bis zum Nibelungenplatz). Dann biegt man nach links ab in die Rohrbachstraße und Glauburgstraße und dann - leicht versetzt - in die Fürstenbergerstraße. Hier liegt gleich rechts das Holzhausenschlößchen, eine Wasserburg in einem schönen Park.

 

 

Holzhausenschlößchen:

Am Rande der grünen Insel des oberen Oeder Wegs steht einsam, ohne erkennbare Funktion, ein schönes Tor: Sandsteinpfosten im Louis-Seize-Stil, die beiden größeren von antikisierenden Vasen bekrönt, halten schmiedeeiserne Flügel. Bei näherem Betrachten sehen wir, daß das Tor in der Achse der Kastanienallee liegt, die geradewegs auf das Holzhausenschlößchen zuführt, also das Einfahrtstor zu dieser ehemaligen „Holzhausen-Oede“ war. Im Jahre 1910 wurde es in der Originalform vom Ende des 18. Jahrhunderts erneuert.

Die Holzhausen-Oede war einer von vielen befestigten Gutshöfen der Frankfurter Gemarkung. Im Jahre 1398 wird sie erstmals genannt. Aus dem Besitz der Familie Lichtenstein kam sie durch Heirat 1474/1503 an die Familie Holzhausen, eines der ältesten und angesehensten Patriziergeschlechter der Stadt. Einer der bedeutendsten Vertreter war Hamman von Holzhausen, der in Frankfurt der Reformation den Weg ebnete. Sein Sohn Justinian, Wittenberger Student, machte die Oede zu einer Stätte kultivierter Geselligkeit, wo man sich zu humanistischen Symposien traf, und er baute dort ein Sommerhaus. Obwohl Justinian, damals Frankfurter Feldzeugmeister, sein Schlößchen zusätzlich sicherte, wurde es 1552 zerstört. Sein Sohn Achilles ließ es 1571 wieder herrichten.

In den Jahren 1727 bis 1729 entstand auf den Fundamenten der Wasserburg unter Hieronymus von Holzhausen nach Plänen des landgräflichhessischen Hofbaumeisters Louis Remy de la Fosse ein barockes Schlößchen. Im 19. Jahrhundert ständiger Wohnsitz der Familie Holzhausen, hat es sich bis heute als ein besonderes Schmuckstück Frankfurts erhalten. Seit dem Zweiten Weltkrieg war es bis vor kurzem  Domizil des Frankfurter Museums für Vor- und Frühgeschichte.

Im Jahre 1910 ging das ganze Gelände an die Stadt über mit der Bedingung, den 1790 angelegten Park als öffentliche Anlage den Bürgern zugänglich zu machen, den Rest für Wohnbauten zu nutzen. So kam es, daß das Tor vereinsamte. Der Park mit seinem Weiher rund ums Schlößchen wurde eine kleine, aber schöne Oase im Nordend. Spazierwege, Spielwiesen und Kinderspielplatz bieten vielfältige Erholung. Die Westfaleneiche erinnert an Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein, dem Frankfurt seine Souveränität 1816 bis 1866 verdankte, und eine Tafel vor der Brücke zum Schlößchen gedenkt Friedrich Fröbels, des Hauslehrers der Familie Holzhausen 18ß6 bis 1808.

Sie sind so etwas wie die Buddenbrooks von Frankfurt - einem Ortsfremden könnte man vielleicht auf diese Weise einen ersten Eindruck davon vermitteln, welchen Stellenwert die Holzhausen in Frankfurt, haben, denn kaum eine Familiengeschichte ist wohl so eng mit der ihrer Stadt verwoben, in der sie Generation für Generation lebte. Derer 23 zählt nunmehr das Geschlecht der Holzhausen - von Heinrich, der 1243 nach Frankfurt eingewandert war, bis zu den jüngst geborenen Familienmitgliedern.

Ein für die Frankfurter Stadtgeschichte nach wie vor bedeutsamer Holzhausen war Adolph Freiherr von Holzhausen (1866 bis 1923). Er gründete 1916 die Holzhausen-Stiftung, die seither in dem Wasserschlößchen im Holzhausenpark untergebracht ist. Er blieb nach mehr als 20 Generationen der letzte Vertreter seines Geschlechts in Frankfurt, der österreichische Zweig lebt bis heute.

„Wir haben den Holzhausen nun einen festen Platz im Wasserschlößchen eingeräumt“, sagt Clemens Greve, Geschäftsführer der Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen, und weist den Weg in die Dauerausstellung „Die Familie von Holzhausen“, die jetzt offiziell eröffnet wurde.

An einer Seite des Raums im Erdgeschoß zeigt eine Stammtafel die Holzhausen-Geschichte; diejenigen, die ein Amt als Frankfurter Ratsmitglied, Schöffe, Bürgermeister oder Stadtschultheiß bekleideten, sind hervorgehoben. Keine Familie stellte zum Beispiel so viele Bürgermeister „mehr als 70“, sagt Greve.

Außerdem klärt die Tafel über das Heiratsverhalten der Holzhausen auf; Gattinnen und Gatten stammten zumeist aus anderen Frankfurter Patrizierfamilien und sind durch entsprechende Wappenembleme gekennzeichnet (Limpurger- und Frauensteinerwappen).

Einigen Familienmitgliedern widmet die Dauerausstellung zudem eine gesonderte Hinweistafel mit Porträtgemälde sowie ausführlichen Erläuterungen zu Leben und Werk. Die Originale sind im Städel zu sehen. „Wir können sie hier aus Versicherungsgründen leider nur als Kopien zeigen", erklärt Greve. Hamman von Holzhausen ist beispielsweise zu sehen, der 1520 die erste Lateinschule in Frankfurt - die „Mutter“ der künftigen Gymnasien - gründete und damit deutliche Position für die damalige Luthersche Reformation bekundete. Oder Hammans Sohn Justinian von Holzhausen, der gemeinsam mit seiner Gattin Anna von Fürstenberg in Öl dargestellt ist. Justinian war ebenso ein Schüler Luthers und verteidigte als Obristhauptmann die Stadt erfolgreich während der Belagerung von 1552.

Auf einer weiteren Tafel sind schließlich Verse aufgeführt, die Jacob Micyllus, einstiger Rektor der Frankfurter Lateinschule, verfaßte: Seht dies gastliche Haus, ringsum das Wasser der Quelle, und in friedlicher Ruh Wiesen und Waldung umher Und das Ölgemälde von Hans Thoma „Holzhausen-Oed (1880) läßt dazu einen plastischen Eindruck von der Zeit entstehen, als man von der Lersnerstraße noch unverstellten Blicks auf das Holzhausenschlößchen sehen konnte.

„Die kleine, aber feine Ausstellung will, den Frankfurtern ihre berühmten Söhne und Töchter näherbringen“, sagt Clemens Greve, „und der Geschichte Gesichter geben“. Wenn aus der heute jüngsten Generation Eltern werden, will er die Stammtafel entsprechend ergänzen und wieder auf den neuesten Stand« bringen.

Kontakt: Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen, Justinianstraße 5, Tel. 557791. Weitere Informationen, auch über das Veranstaltungsprogramm, gibt es im Internet unter www.holzhausenschloesschen.de.

 

Holzhausen-Schule:

Das Gebiet der Holzhausen- Schule vor 1928: Zum Nord-Eingang der Holzhausen-Schule führt eine kleine baumbestandene Allee. Sie  heißt heute „Lübecker Strasse“ - früher war dies der „Affensteiner Weg“ und führte zum „Affenstein“.  Vermutlich gab es hier früher einen Felsen oder eine Steingruppe, in der Nähe befand sich die „Steinkaut“, ein Steinbruch - Eines ist aber sicher :  Es hat hier mit Sicherheit KEINE Affen gegeben !

Der Name  könnte sich aus „Avestein“ entwickelt haben - ein Gebets-Stein an dem das „Ave Maria“ gebetet wurde. Schon die alten Römer zogen von der Römerstadt Nida (bei Heddernheim) an die Frankfurter Main-Furt durch das Gebiet des Affensteins. Diese direkte Verbindung war eine der ersten gepflasterten Stein-Strassen in Frankfurt - heute sind leider keine sichtbaren Spuren dieses Weges zu finden.

Die Gegend um die heutige Holzhausen - Schule gehörte im Mittelalter zu einem bedeutendem Frankfurter Gutshof, der der Familie „von Holzhausen“ gehörte. Früher, so weiß man aus alten Urkunden,  wurden auf dem Affenstein Wein, Korn und Kartoffeln angebaut und Schafe geweidet.

Vor den Toren der Stadt Frankfurt gab es viele solche Guthöfe, die die Bürger mit Lebensmitteln versorgte. Der „Holzhausen-Hof“  oder wie man auch sagte, die „Holzhausen-Öde“ lag also mitten „im Grünen“ der Stadt. Auf dem alten Plan von 1887 sind fast noch  keine  Häuser zu sehen. Für die Frankfurter lag der Affenstein damals weit draußen im Feld vor der Stadt. Auf einem alten Plan der Stadt von 1552, dem Faber’schen Belagerungs-Plan, haben Landsknechte Ihr Lager am Affenstein errichtet.

 An der Eschersheimer Landstrasse wurde 1874 das Diakonissen-Haus gebaut. Ursprünglich war hier nur ein einzelnes Schwestern-Haus, heute ist es ein modernes, leistungsfähiges Krankenhaus.

Zehn Jahre zuvor - 1864 - war die Städtische Irrenanstalt "Anstalt für Irre und Epileptische" aus der Altstadt vor die Tore Frankfurts gezogen. Der Affenstein wurde berühmt durch die Frankfurter "Irren-Anstalt" und Ihren Direktor Heinrich Hoffmann, dem Erfinder des „Struwwelpeters“. Der Nervenarzt Heinrich Hoffmann war sehr fortschrittlich, er behandelte Geistes - Kranke als Kranke. Er sperrte sie nicht weg - in Innenhöfen konnten sich die Patienten frei bewegen. Vorher waren diese kranken Menschen als arbeitsscheu, vom Teufel besessen oder als kriminell angesehen worden. Auch Dr. Alzheimer hat hier seine ersten Beobachtungen gemacht. Nach seinen Forschungen wurde die „Alzheimer-Krankheit“ benannt - eine Geisteskrankheit, die das Gedächtnis zerstört und die erkrankten Menschen hilflos macht.

Der „Affensteiner Felsenkeller“ war  eine Gartenwirtschaft - die ersten Frankfurter Fußball-Spieler trafen sich nach Ihrem Spiel auf der "Hundswiese" (an der heutigen Miquel-Allee) dann  wurde das Ausflugs-Lokal wurde zum Bau der Hansa-Allee 1928 abgerissen.

Ebenso verlegte man - als die Holzhausen-Schule gebaut wurde - das „Irrenschloß“ dann nach Niederrad ins neue Universitäts- Krankenhaus. Gleich nebenan wurde 1928-1931 das „IG -Farben Verwaltungsgebäude“ gebaut, nach dem Krieg war dort die amerikanische Militär-Verwaltung. Da hieß das Gebäude „Abrams Building“, benannt nach dem General Creighton W. Abrams. Heute ist die Frankfurter Universität dort eingezogen und das Gebäude wird, nach ihrem Architekten Hans , „Poelzig Bau“ genannt.

In Frankfurt erinnert ein altes Sprichwort an den historischen Affenstein : „Du bringst mich noch uff de Affestaa“ oder  „Du bringst mich noch auf den Affenstein !“: sagte man, wenn man sich über jemand geärgert hat.... es bedeutet : Du machst mich noch verrückt ! (Gunther Haarstark   M.A. - Schüler an der Holzhausenschule 1965 - 1968   -   Frankfurt/Main,  Juni  2004).  

 

Goethe-Universität:

Im weiteren Verlauf der Straße kommt man an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Goethe-Universität vorbei, die im ehemaligen IG-Farben-Haus untergebracht sind. Während man in der Goethe-Universität noch diskutiert, ob der Prachtbau auf dem neuen Campus Westend wirklich auf Dauer den Namen IG-Farben-Haus tragen soll, stellt sich die Hochschule entschlossen der Historie des Gebäudes. Auf fünf Stockwerken des von Hans Poelzig entworfenen Baus ist eine Dauerausstellung über die Geschichte des Areals zu sehen: „Von der Grüneburg zum Campus Westend“. Zentraler Teil der Ausstellung ist die Verstrickung des IG Farben-Konzerns in die Verbrechen der Nationalsozialisten.

Selbstzufrieden teilt BASF-Direktor Otto Ambros am 12. April 1941 den Vorstandskollegen in der IG Farben-Zentrale in Frankfurt mit, wie segensreich sich unsere neue Freundschaft mit der SS auswirkt. Das kann man sagen. Seit Februar 1941 sind die ausgemergelten Insassen des KZ Auschwitz Tag für Tag daran, den Profit der IG Farben zu mehren. Unter dramatischen Umständen arbeiten die von Hunger, Krankheiten und grausamen Haftbedingungen gepeinigten Männer am Bau einer Buna-Fabrik.

In der Nähe des Konzentrationslagers will die IG Farben eine neue Produktionsstätte hochziehen und an der Stelle des Dorfes Monowitz plant der Konzern sogar sein eigenes Arbeitslager. Später - „nach dem Endsieg“ - will das Unternehmen hier Benzin und synthetisch Kautschuk produzieren und seine Monopolstellung in Osteuropa zementieren. Dafür schaffen sich die Häftlinge aus dem benachbarten Konzentrationslager buchstäblich zu Tode. In Zehn-Stunden-Schichten malochen die entkräfteten Lagerinsassen. Drei Reichsmark pro Tag und Arbeitskraft erhalten die neuen Freunde von der SS. Da stimmte eben die Chemie, wie Uni- Vizepräsidentin Brita Rang sarkastisch anmerkte. 25.000 Häftlinge sterben auf der Baustelle oder werden als arbeitsunfähig ausgemustert und ermordet.

 

Unter der Überschrift „IG Auschwitz“ zeigt eine große Bildtafel den entlarvenden Brief von Ambros, flankiert von der deutschen und englischen Beschreibung der Umstande des Baus dieser Fabrik. Wenige Meter weiter ist auf demselben Gang ausführlich zu lesen, wie die zu den IG Farben gehörenden Behringwerke in Marburg für ihre Fleckfieber-Forschung rund tausend Häftlinge aus dem KZ Buchenwald mißbrauchten, ihnen infiziertes Blut injizierten, um Reaktionen und Präparate zu testen.

Die Verstrickung des Chemiekonzerns in die Nazi-Verbrechen, das Zusammenwirken der Profiteure mit den Mördern ist das zentrale Kapitel der Ausstellung. Diese Text- und Bildtafeln finden sich im ersten Stock, links und rechts des monumentalen Aufgangs und stellen das Herzstück der Schau dar.

Wer sich die Geschichte des Areals vom Anfang der Grüneburg über die Fusion der IG Farben bis zum Hauptquartier der US-Army und dem Happy End mit dem Einzug der Uni auf einem der schönsten Hochschulgelände der Republik zu Gemüte führen will, muß allerdings mit dem Paternoster in den fünften Stock fahren. Dort beginnt und endet die Schau, die dem ausdauernden Besucher ebenso etwas bietet wie flüchtigen Uni-Passanten oder strebsamen Seminaristen, die sich in eine der Episoden vertiefen wollen.

So beginnt die Ausstellung im Seminar für Griechische und Römische Geschichte im fünften Stock des 250 Meter langen, geschwungenen Gebäudes. Hier hängt Delkeskamps berühmter Plan von den Wiesen, Ackern und Obstgärten vor den Toren der Stadt - mit der Grüneburg der Rothschilds und dem „Irrenschloß“ des innovativen Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann. Hier hatte die Familie Goethe zeitweise ihre Obstgärten, der Juwelier Matthias Riese ließ sieben Kühe weiden und später warf der aufstrebende Chemiekonzern IG Farben seinen begehrlichen Blick auf diese Fläche vor den Toren der Stadt.

Gerade aus sechs namhaften Chemieunternehmen fusioniert, suchte der Vorstand eine repräsentative Bleibe, wo künftig der „Rat der Götter“ tagen konnte. So nannte man auf den Fluren ehrfürchtig die hohen Herren im Vorstand des Unternehmens. Schnell, schnell sollte alles gehen. Deshalb nahm der Vorstand davon Abstand, in der Gutleutstraße, wie ursprünglich geplant, ein Hochhaus empor zu ziehen. Das Unternehmen fürchtete den Widerstand der Nachbarn und sich daraus ergebende Verzögerungen. So entschied man nach einem Wettbewerb zügig für einen Entwurf des Architekten, Malers und Bühnenbildners Hans Poelzig. Die Ausstellung zeigt auch die vielfältigen Talente dieses expressionistischen Künstlers, der unter anderem die Ausstattung für den Film „Der Golem“ entworfen hatte.

Und auch die IG Farben zeigten sich unmittelbar nach ihrer Fusion in einem anderen Licht als in der späteren Nazizeit. Damals, 1927, war aus sechs Chemieunternehmen ein schlagkräftiger Konzern entstanden. Für die 2000 Angestellten in der modernen Verwaltungszentrale bauten die Konzernlenker einen eigenen Stadtteil mit Wohnvierteln längs der Miquel- und der Hansaallee. Auch der BASF-Direktor Ambros begegnet uns in der Ausstellung wieder. Als einer der Angeklagten im Nürnberger Prozeß, das Paßbild eines Verbrechers, der sich ein Namensschild vor die Brust hält.

 

Es ist ein Gebäude der Superlative mit höchst wechselvoller Geschichte: Das Frankfurter IG-Farben-Haus, das heute 75 Jahre alt wird, wurde 1930 als hochmoderne Zentrale für eine der damals größten Firmen der Welt gebaut. Wenige Jahre später kooperierte der Chemiekonzern eng mit den Nazis. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten die Amerikaner den Bau zu ihrem Hauptquartier. Diese schlossen nach mehreren linksterroristischen Anschlägen in den 70er Jahren das Gebäude fürs Publikum. 2001 zog nach dem Abzug des US-Militärs die Goethe-Universität ein.

Baumeister des mit ockergelbem Travertin-Stein verkleideten Stahlskelett-Gebäudes, das im früheren Park der Bankiers-Familie Rothschild errichtet wurde, war Hans Poelzig. Nach dem Berliner Architekten (1869 bis 1936), der als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit” bei den Nazis mißliebig wurde, wird das IG-Farben-Haus auch Poelzig-Bau genannt. Denn das im Hauptteil leicht geschwungene Gebäude hat Maßstäbe in der Architektur gesetzt: Trotz seiner Größe besticht es mit schlichter Eleganz. Poelzig sollte für die IG Farben (Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG), zu der sich damals die sechs großen Chemiefirmen Deutschlands zusammengeschlossen hatten, ein „eisernes und steinernes Sinnbild deutscher kaufmännischer und wissenschaftlicher Arbeitskraft” bauen. Dafür hat er auf einer Länge von 255 Metern einen Bau mit sechs Flügeln errichtet, die die Gründungsfirmen der IG-arben symbolisieren. Mit 36 Metern Höhe hat der großzügige Bau sieben Stockwerke mit 2000 Fenstern und 2,5 Kilometer langen Korridoren. Mit sechs Personen- und acht Umlaufaufzügen galt das Haus, das für 1600 Mitarbeiter geplant war, als das modernste Bürogebäude Europas.

Nach der Machtergreifung der Nazis hielt sich die IG-Farben anfangs noch mit Rücksicht auf zahlreiche jüdische Vorstandsmitglieder zurück. Doch nach der „innerbetrieblichen Arisierung” wurde die IG Farben zu einem der wichtigsten Rüstungskonzerne, der an der Ausbeutung und Ermordung tausender Zwangsarbeiter beteiligt war. Die IG-Farben Tochter Degesch entwickelte das Giftgas Zyklon B, das für den industriellen Massenmord an den europäischen Juden in den Vernichtungslagern benutzt wurde.

Die schweren Luftangriffe der Alliierten auf Frankfurt überstand das Gebäude 1943/44 fast unversehrt. Als die Amerikaner im März 1945 Frankfurt besetzten. übernahmen sie sofort das Gelände. Der Oberkommandierende der US-Streitkräfte und spätere US-Präsident, Dwight D. Eisenhower, richtete sein Dienstzimmer im ersten Stock des IG-Farben-Hauses ein. Hier gründete er mit der „Proklamation Nr. 2“die Länder Bayern, Württemberg-Baden und Groß-Hessen. Hier erhielt auch der Parlamentarische Rat den Auftrag, das deutsche Grundgesetz zu erarbeiten.

50 Jahre lang residierte das amerikanische Militär im „Farben-Building”. Im Zuge der Reorganisation ihrer Truppen nach der deutschen Wiedervereinigung übergaben sie 1995 das Gebäude an die Bundesrepublik, die es für 148 Millionen Mark (rund 75 Millionen Euro) an das Land Hessen verkaufte. Nach einer Grund- Sanierung des Gebäudes zog die Goethe-Universität 2001 mit ihren ersten Instituten ein.

Bis heute wird darüber diskutiert, ob das Gebäude nun IG-Farben-Haus oder Poelzig Bau genannt werden sollte. Die ,.IG-Farbenfraktion" führt ins Feld, dass mit der Erinnerung an den Bauherrn auch die nationalsozialistische Vergangenheit des Gebäudes deutlich gemacht wird. Immer wieder taucht auch das Gerücht auf, daß die Amerikaner das Bauwerk im Zweiter Weltkrieg bewusst nicht bombardierten um später dort ihr Hauptquartier zu er richten. Es gibt jedoch keine Hinweise da für, dass dies der historischen Wahrheit entspricht.

Bis 2015 sollen auf dem Park-Gelände mit einigen Neubauten ein großer Campus für die gesamte Goethe-Uni entstehen. Damit schließt sich der Kreis: Denn die Familie von Frankfurts bekanntestem Sohn, nach dem die Hochschule benannt wurde, besaß im 18. Jahrhundert dort ein Gärtchen.

 

Als im Jahre 2008 an die Universität eine Bibliothek angebaut werden sollte, stieß man auf den Rest eines mittelalterlichen Turms, der wahrscheinlich als Kühlkeller genutzt wurde und deshalb mit einem Hügel Erde umgeben war. Hier war ja einmal die psychiatrische Anstalt des Doktor Hoffmann („Struwwelpeter“), an der auch Alzheimer wirkte. Diese Anstalt nutzte den alten Turm als Kühlkeller. Bei dem Turm handelt es sich um den „Affenstein“, eine Warte in dem äußeren Befestigungsring von Frankfurt, der die Lücke zwischen Friedberger Warte und Bockenheimer Warte schließt.

 

Palmengarten:

Der Grüneburgweg stößt auf den Palmengarten, in dem man noch eine alte „Ruhbank“ finden kann, also einen historischen Rastplatz für alle die, die einst schwere Lasten zu tragen hatten: Marktfrauen, Wäscheträgerinnen, Weinbergsarbeiter. Nach rechts geht es geht es in die Siesmayer Straße und zum Botanischen Institut mit dem Botanischen Garten.

 

Im Palmengarten gibt es tatsächlich noch vier alte Grenzsteine - allerdings liegt nur einer „in situ“ (an der ursprünglichen Stelle) - bei einem ist die Seite HH (Hessen-Hanau) und F (Frankfurt) verdreht worden, so daß der Palmengarten nun auf Bockenheimer Gebiet stehen würde!

 

Man kommt in die elegante Frauenlobstraße. Links zweigt die Straße „Am Leonhardsbrunnen“ ab, die an den Brunnen erinnert, der an der Frankfurter Landwehr für die Äcker an der Leonhardskirche sprudelte und heute den Weiher im Palmengarten speist. Nach rechts geht noch der „Diebsgrundweg“ ab, der auf den „tiefen Grund“ hinweist, durch den die Straße von Höchst über den Bertramshof zur Berger Warte und auf die Hohe Straße führte.

Vom Diebsgrundweg könnte man schon weiter nach Norden fahren. Man biegt aber vor der Autobahn rechts ab und dann wieder nach links (nicht geradeaus und nach rechts) auf die Brücke über den südlichen Arm der Miquelallee und in den Grüneburgpark.

 

Stalburger Oede:

Von der Eckenheimer Landstraße geht nach links die Stalburgstraße ab. Sie erinnert an die „Stalburger Oede“ oder Odenburg, dessen Hautgebäude von einem Wassergraben umgeben war.

 

 

Westend-Campus: Spekulation um den Affenstein (von Claudia Michels)

Wie befreit steht er plötzlich da. Ein runder, trutziger Turm, den Fuß noch in dem Erdloch, aus dem man ihn säuberlich herausgeschält hat. Um ihn herum türmen sich Erdhaufen, Steinhügel, Asphaltplacken, Sandberge; daneben liegt eine Wüste aus weißen Porzellanscherben. Als hätte der Turm, der in einem völlig zugewachsenen Hügel verborgen war, all das bei seinem Erscheinen zur Seite gesprengt.

Dieser Fund nahe der Hansaallee, wo der Westend-Campus, die neue Universität, gebaut wird, ist für Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel eine Sensation. Die Archäologin hat den Trutzigen, dem sie bei der Routine-Grabung zur Vorbereitung der Neubauten auf die Spur kam, als den Affenstein identifiziert: einen mittelalterlichen Wehrturm des 13./14. Jahrhunderts, einen Teil der Frankfurter Landwehr, 6,50 Meter hoch.

Man befindet sich dort hinter dem IG-Farben-Gebäude, westlich der Eschersheimer Landstraße, auf der Gemarkung des Affensteiner Felds. Mindestens seit 100 Jahren, berichtet Hampel, hätten Frankfurter Stadthistoriker die Frage nicht klären können, worauf der Name eigentlich zurückgeht.

Im Schutzgürtel, den die existierenden oder bekannten Wehrtürme Galluswarte, Bockenheimer Warte, Friedberger Warte, Bornheimer Warte und Rieder Warte (im Riederhof) weit vor der Stadt markierten, klaffte für sie eine Lücke. Denn "auch die Eschersheimer Landstraße brauchte Schutz" im Mittelalter, etwa gegen die Taunusritter.

Betrachte man die Topographie, so sei die Lage des zum Vorschein gekommenen Gemäuers „perfekt als Wartstation gewählt“, hat Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel in ihr Gutachten geschrieben. Denn für sie ist eindeutig: „Es handelt sich um ein hochrangiges Kulturdenkmal, das erhalten werden muss.“

Damit gehe sie konform mit dem Landesdenkmalamt für Denkmalpflege und dem Denkmalbeirat. Das Verfahren, den Bruchstein-Turm als Kulturdenkmal zu schützen, ist eingeleitet. Die Expertin glaubt, die Universität habe „eine Landmarke“ gewonnen. Das dort geplante Gebäude lasse sich ohne weiteres umplanen: „Ich dachte, dass die sich freuen.“

Doch die Universitäts-Archäologen haben Zweifel an der Bedeutung des „turmähnlichen Befunds“, wie sie in einem Gutachten für die Uni-Bauabteilung schreiben. Das Bauwerk, auf das sich „in den uns zugänglichen älteren Karten „kein Hinweis finde, liege doch „in erheblicher Entfernung von der Landwehr“. Auch sei „die Ansprache des (Grund-)Mauerwerks als mittelalterlich“ nicht fundiert. Dass es sich gar „um den Affenstein selbst handelt“, sei „reine Spekulation“. Die Denkmalschützer indes handeln kraft Amtes: „Das Denkmal ist erhaltungspflichtig“, sagt Hampel - und „diese Erhaltungspflicht besteht für jedermann, auch für die Universität.“

 

 Holzhausen Oede:

Nördlich des Eschenheimer Turms verläuft der Oederweg. Er erinnert an den Holzhäuser Hof, einen mit massiven Steinbauten ausgestatteten und von Äckern und Wiesen reichlich umgebenen Komplex. Diesen besaß das Geschlecht von d er Oede, das 1480 aber ausst6arb.. Das Gut gelangte an das Adelsgeschlecht von Holzhausen. Bei der Belagerung von Frankfurt im Jahre  1552 wurde der Hof in Brand gesteckt, doch Achilles von Holzhausen baute ihn 1571 wieder auf und versah ihn mit seinem Wappen und einer Inschrift über die Geschichte des Hofes. In den Jahren 1635/36 wurden schwere Verwüstungen auf dem Hof angerichtet..

 

Niedenau:

Zwischen dem Bockenheimer Tor und dem kleinen Kettenhof befand sich im 15. Jahrhundert auf einer Wiese ein befestigter Bau, der als „das Haus zu Niedenau im Galgenfelde“, aber auch als „Eidenau“ bezeichnet wurde. Er war mit einem Wassergraben umgeben , 1147 wurde daneben ein Brunnen gebohrt.

 

Kettenhof:

Südlich der Bockenheimer Landstraße liegt der Kettenhofweg. Der Name kommt vom Geschlecht der Köthen, die schon 1393 hier ein „Kotenhus“ hatten. Der Hof war sehr geräumig und umfaßte neben mehreren Gebäuden auch Scheunen und Stallungen. Hinter dem Hof befand sich ein breiter Wassergraben, in dessen  Mitte sich der „steinerne Stock“ befand, das alte Gebäude, das mit Schießlöchern versehen war und mit dem Hof durch eine steinernen Brücke mit mehreren Bögen verbunden war.

 

Grüneburgpark:

Im heutigen Grüneburgpark stand die Grüneburg. Über die Geschichte des Hofes gibt es nur wenige Nachrichten. Er muß aber wohl vom Bethmannshof unterschieden werden. Die Baumwiesen am Ginnheimer Weg wurden 1795 von Peter Bethmann-Metzler angekauft und zum Park der Grüneburg gezogen. Goethes Großvater hatte sie im Jahre 1714 erworben. Als Goethe 1797 mehrere Wochen in Frankfurt weilte, stattete er seinen Freunden auf der Grüneburg einen Besuch ab. Im Park ist auch der letzte Wohnsitz Friedrich Stoltzes, des Frankfurter Lokaldichters.

Bethmannshof: Im 14. Jahrhundert stand beim „Bockenheimer Holz“ ein Hof, der 1344 Conrad von Glauburg gehörte. Später besaß den von einem Wassergraben umgebenen Hof Jacob Gerthner, der ihn 1377 an Johann von Glauburg verkaufte. Von 1370 bis 1427 ließ Frankfurt die Landwehr errichten, die aus zwei breiten tiefen Gräben und einem Erdwall dazwischen bestand. Dennoch wurde 1433 der Schöffe Glauburg von umherziehenden Soldaten abgefangen und Lösegeld erpreßt. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war der Hof im Besitz der Frau von Bethmann-Metzler.

Schon Goethe berichtet 1797 dem Herzog von Weimar vom Besitz „Zur grünen Burg“ der Familie Bethmann-Metzler. Er liegt auf einer sanften Anhöhe, von der aus man die Stadt Frankfurt und nach hinten den Niddagrund bis an die Berge übersehen kann. Nachdem die Grüneburg 1837 an die Rothschilds übergegangen war, begann die eigentliche Gestaltung des riesigen Geländes. Der heutige Park umfaßt etwa 30 Hektar und wurde 180/93 von Vater und Sohn Siesmayer gestaltet. Die Gebäude im Park wurden in Zweiten Weltkrieg zerstört, doch der Baumbestand blieb weitgehend erhalten.

Am östlichen Rand des Parks steht das 1964 hierher verpflanzte klassizistische oktogonale Gartenhaus, das ursprünglich  1820 durch Friedrich Rumpf am Schönhof in Bockenheim erbaut worden war. Etwas weiter nördlich steht die griechisch-orthodoxe Kirche und noch etwas weiter nördlich - schon an der Miquelallee - die altkatholische und die anglikanische Kirche. Zwischen diesen steht der zinnenbekrönte Rapunzelturm, der als Wasser- und Aussichtsturm am oberen Rand des Parks erbaut wurde.

 

Der Koreanische  Garten im Grüneburgpark wird jetzt endlich eröffnet. Nach Angaben von Klaus Klemp vom Amt für Wissenschaft und Kunst werden Arbeiter in den kommenden Tagen den Zaun rund um das Gelände entfernen, der Besuchern den Zutritt zu der Grünanlage augenblicklich noch versperrt.

Weil an einigen Stellen des rund 5000 Quadratmeter großen Areals noch nachgebessert werden musste, hatte die Bauaufsicht das Gelände nicht vorher freigegeben. „Damit beispielsweise niemand über Brüstungen stürzt, mussten die Höhen angepasst werden”, weiß Klemp. Die Kosten für diese zusätzlichen Arbeiten trägt seinen Angaben zu Folge Südkorea.

Offiziell war der Garten zwar schon Mitte Dezember 2005 eröffnet worden, doch erst im kommenden Monat wird er mit einem Fest nun der Öffentlichkeit übergeben. Und dazu wird es am Sonntag, 21. Mai 2006, ein Veranstaltungsprogramm geben. Nach Angaben von Klemp wird zurzeit noch am Programm gefeilt. Dieses sieht von 11 bis 17 Uhr mehrere Lesungen südkoreanischer Autoren sowie Live-Musik vor. Eventuell gibt es an diesem Tag auch Führungen.

Mitte Dezember vergangenen Jahres war der Koreanische Garten durch eine Schenkungsurkunde der Republik Südkorea in den Besitz der Stadt Frankfurt übergegangen. Südkorea war Ende Oktober 2005 Gastland der Buchmesse und hat deshalb für rund eine Million Euro den für das Land typischen Garten mit Pavillons und Teichen in der dem Projekt gearbeitet. Es soll dazu Verlängerung der August-Siebert -Straße beitragen. 20 koreanische Landschaftsgärtner haben an dem Projekt gearbeitet.

 

St. Nikolauskirche: An Alter und an Bekanntheit steht die Kirche des Heiligen Nikolaus der Frankfurter russisch-orthodoxen Kirchengemeinde den Kapellen im Kurpark von Bad Homburg, auf dem Neroberg in Wiesbaden und in Darmstadt gewiß um einiges nach. Dennoch ist die weiße Kirche am Rande des verkehrsreichen Kreisels am Industriehof mit ihrem offenen Glockenturm und dem Zwiebelturm, auf dem ein goldenes Kreuz leuchtet, ein ganz besonderes Bauwerk, ein kostbares Gotteshaus, eine Heimat für alle die, die nach den Weltkriegen und in den sechziger Jahren die Sowjetunion verließen.

Im Jahre 1945 hatten sich russische Flüchtlinge, entlassene Kriegsgefangene und ehemalige „Ostarbeiter“ in der Ruine der Ostlandschule versammelt und die erste orthodoxe Gemeinde Frankfurts gegründet. Die Gottesdienste fanden anfangs in Bad Homburg statt. Seit 1950 traf man sich zum Gottesdienst in einer von einem nordhessischen Flüchtlingslager hierher transportierten Holzkirche, die zu Ehren der Auferstehung Christi in der Häberlinstraße in Eschersheim auf einem von der Emmausgemeinde zur Verfügung gestellten Gelände errichtet wurde. Im folgenden Jahr wurde Erzpriester Leonid Graf Ignatiew das geistliche Oberhaupt, 1974 sein Sohn Dimitri sein Nachfolger. Die Liturgie des Gottesdienstes, der im Stehen stattfindet und zwischen zwei und drei Stunden dauert, wird in Kirchenslawisch zelebriert, einmal im Monat auf Deutsch. Die Gemeinde in Frankfurt gehört zur Diözese Berlin und Deutschland als Teil der russisch-orthodoxen Kirche im Exil, deren Oberhaupt in New York residiert. Rund 400 Mitglieder zählt heute die russischorthodoxe Gemeinde.

Nach knapp zweijähriger Bauzeit konnte Ostern 1967 die Kirche des Heiligen Nikolaus in Hausen geweiht werden. Durch großen Einsatz der Gemeinde, durch viele Freunde der Kirche, durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt, die evangelische und katholische Kirche war ihr Bau zustande gekommen. Das Gotteshaus hatte der Frankfurter Architekt W. Drevermann im altrussischen Stil nach dem Vorbild von Pskow aus dem 15. Jahrhundert entworfen. Nach orthodoxer Tradition ist der Altarraum durch eine lkonostase abgeschlossen, deren „Königspforte“ nur der Priester öffnen und durchschreiten darf. In zwölfjähriger Arbeit malte der in Frankfurt lebende lkonenmaler Adam Russek den Innenraum der Kirche mit traditionellen christlichen Motiven im strengen Stil der Schule von Nowgorod aus.

 

Am Nordende des Grüneburgparks überquert man die Autobahn (Miquelallee) und kommt in den Miquelpark, der sich vor dem 210 Meter langen Gebäude der Bundesbank hinzieht. Am Ende des Parks steht man schon  am Fuß des 333 Meter hohen Fernmeldeturms „Europaturm“. Vom Turm fährt man wieder halb rechts und dann noch einmal ganz rechts (geradeaus ist der „Diebsgrundweg“) zu einem Weg, der an der Autobahn entlang führt. Über die Ginnheimer Landstraße fährt man nach Norden und biegt hinter dem Friedhof links ab in die Wilhelm-Epstein-Straße. Man kreuzt die S-Bahn und kommt nach rechts über die Straße „Am Ginnheimer Wäldchen“ in den Volkspark Niddatal, das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau. Aber erst kann man nochj einen Abstecher machen nach Alt-Ginnheim. Dazu fährt man nach rechts in die Woogstraße

 

Ginnheim:

Ginnheim wurde bereits 772 urkundlich erwähnt. Im Jahre 1478 kaufte es Hanau vom Kloster Seligenstadt. Im Jahre 1910 wurde Ginnheim nach Frankfurt eingemeindet. Die Bethlehem-Kirche wurde 1699-1670 erbaut.

 

Volkspark Niddatal:

An der Bahn entlang, vorbei an Sportanlagen, Kleingärten, schmalen Grünstreifen, unter der Autobahn durch - von Bockenheim aus erschließt sich der Reiz des Volksparks Niddatal zunächst nur schwer. Wer zu früh die Lust verliert, wird ihn womöglich nie mehr entdecken. Nur wer weiterläuft, immer weiter Richtung Norden oder Westen, wird irgendwann aus einem Wäldchen treten und vor Staunen innehalten. Vorausgesetzt, daß gerade Sommer ist. Denn nur im Sommer ist dieser Park wirklich reizend. Zugereiste, die hier zum ersten Mal im Winter Erholung und Auslauf suchen, schrecken zuweilen zurück vor der spröden Leere des Winterparks. Wenn Sommer ist und das Gras hüfthoch steht, wenn sich der Blick öffnet Richtung Altkönig und Feldberg - dann kommt der Städter ins Träumen und denkt sich aufs Land; als sei der Park kein Stadtpark, sondern irgendeine Wiese ganz in der Nähe von da, wo Heidi herkommt. Daß hier noch vor zwölf Jahren die umstrittene Bundesgartenschau das einstige Ackerland in ein gigantisches Blumenbeet mit Rasen verwandelt hat, ist heute nur noch an den so genannten Bastionen zu erkennen, über die sich der Neu-Frankfurter wundert - in die Landschaft gestreute Säulen, Pavillons, gepflasterte Flächen mit Mäuerchen. Sie galten als Kennpunkte der Bundesgartenschau 1989. Im Osten sind sie aus Sandstein, im Westen aus Granit.

Beim Spaziergang durch die mit 400 Linden bestückte Allee nahe der U-Bahn-Station Niddapark sieht man zahlreiche malträtierte Stämme: Da schlagen Leute mit irgendwas gegen die Bäume. In die Wunden dringen Schädlinge ein, und dann geht der Baum kaputt. Solche Bäume sind auf Dauer nicht zu halten.

Vogelexperte Ingolf Grabow vom Naturschutzbund (NaBu) sieht den Menschen im Vordergrund. Und für den sei auf dem Gelände der in den 80er Jahren heftig kritisierten und umkämpften Bundesgartenschau ein wunderbarer Freizeitpark entstanden. Die Frankfurter sind eingeladen, sich an Äpfeln, Kirschen, Birnen und Pflaumen zu bedienen, die auf den Streuobstwiesen im Park wachsen. Ein Park, in dem der Mensch vor allem darf. Er darf Brombeeren pflücken. Er darf Nüsse sammeln. Er darf sogar hie und da einen Trampelpfad in die Wiesen hineinlaufen, die ein Landwirt aus Niedererlenbach bis zu viermal im Jahr mäht. Das ist doch ganz in Ordnung so, sagt Grabow: Man will doch nicht immer nur auf den Wegen laufen.

Nervös würde er nur, wenn zu viele Hunde im von ihm und den Kollegen vom Naturschutzbund gepflegten Nachtigallenwäldchen« am Niddaufer herumstöbern und die im niedrigen Gebüsch brütenden Vögel stören würden. Eine aus trockenen Zweigen aufgeschichtete so genannte Benjeshecke verhindert das inzwischen aber weitgehend, so daß Grabow auch hier zufrieden lächelt.

Der in den vergangenen zwölf Jahren entstandene Park ist die Frucht natürlicher Sukzession: Außer den Wegeverbindungen, die von der Bundesgartenschau übrig blieben, haben die Gartenplaner nicht eingegriffen. Der künstlich angelegte Bach im ehemaligen Wooggraben mußte allerdings verschwinden: Von ihm kündet in besonders feuchten Wochen nur noch das ein oder andere von Weiden malerisch umstandene Wasserloch. Es wuchsen Wäldchen, in denen umgefallene Bäume auch mal liegen bleiben dürfen, um Vögeln und Käfern wertvollen Lebensraum zu bieten. Holunder, Hagebutte, Wildrose und Haselnuß schossen hoch - ein kostenloses Angebot an die Bürger.

Er kommt ins Schwärmen, wenn er die Vorzüge des Volksparks beschreibt: „die malerisch abschweifenden Wege, die romantischen Nischen und dann wieder die weiten Flächen, die den Blick in die Ferne zulassen“. Ein wichtiger Kaltluftspender für die im Sommer brütende Stadt sei der Park sowieso. Nur die im Überfluß wachsenden Brombeeren sind ein Problem. So sieht es jedenfalls der für die Pflege des Parks zuständige Holger Alt. Denn wo die Gärtner vom Grünflächenamt nicht aufpassen, wuchert das dornige Gestrüpp in Windeseile riesige Flächen zu. Sobald die Brutzeit vorbei ist, wird sie deshalb zurückgeschnitten, damit die Wege noch begangen werden können und die Wiesen Wiesen bleiben: „Glatthaferrasen“, heißt diese Wiesenart offiziell.

Nur so hat auch der auf der Hausener Seite von der Buga übrig gebliebene Wildstaudengarten eine Chance: Hier gedeiht der gelblich blühende Frauenmantel, daran zu erkennen, daß Wasser und Tau anmutig von seinen Blättern perlt. Hier blüht knallgelber Goldfelberich, lila Natternkopf, pinkfarbener Blutweiderich, mal pink, mal lila blühender Storchschnabel, Kuckuckslichtnelke, Schachtelhalm, Königskerze, Kronwicke, Habichtskraut, Nachtkerze und Wolfsmilch.

Zurück im Ginnheimer Wäldchen machen die Experten auf die wunderschönen, 100 Jahre alten Kopfweiden aufmerksam, auf prächtige Hainbuchen und Eichen und führen schließlich zu der imposanten ausgehöhlten Weide am südlichen Waldsaum, nahe des Wooggrabens, aus der in Schulterhöhe kräftig grüne Äste ragen. Ein Kuriosum zum Schluß der gut zwei Stunden währenden Runde durch den Park: Auf einem ehemaligen Busparkplatz am nordöstlichen Rand des Niddaparks, ist eine so genannte Magerfläche entstanden, weil nach der Buga hier nicht mehr genug Erde aufgebracht wurde. Die Fläche wird der natürlichen Sukzession überlassen - hier wächst, was eben wächst: Fingerkraut, Goldfelberich, Kreuzkraut, Wildrosen, Liguster und zahlreiche Gräser. Derzeit bestimmt die hellgelbe Blüte der Nachtkerze das Bild, das der Spaziergänger im Geiste mitträgt, wenn er sich anschließend zum Ebbelwei in den nahe gelegenen Gartenlokalen niederläßt.

 

Den Volkspark Niddatal kann man auf verschiedenen Wegen durchqueren. Man kann ihn nach Nordwest verlassen und ab der Praunheimer Brücke die Nidda abwärts fahren. Man kann ich aber auch in Richtung Südwesten verlassen an der Unterquerung der Autobahn durch die Praunheimer Landstraße. Von dort führt ein schmaler Pfad (nördlich) an der Autobahn entlang zur Nidda.

Zwischen Praunheim und Hausen wurde die Nidda 1926 begradigt. Die nordwestlichen Vororte wurden 1910 eingemeindet. Hat man die Autobahn unterquert, so schieben sich links die Häuser von Alt-Hausen bis an den Fluß heran. Auch das Freibad Hausen liegt auf dieser Seite.

Südlich des Freibades liegt die russisch-orthodoxe St. Nikolauskirche.

 

Hier ist man schon an der Ludwig-Landmann-Straße, von der aus man das Brentanobad umrundet, das schönste Freibad Frankfurts. Man kann aber auch schon vor der Ludwig-Landmann-Straße die Nidda überqueren und dann wieder über die Flußgasse in den Park kommen.

 

Rödelheim:

Schon die Römer hatten hier eine Niederlassung. Die Gründung des Ortes wird Radilo zugeschrieben. Frank von Cronberg erbaute eine Burg, die schon 1276 von den Ganerben dem König Rudolf als Reichsburg übergeben wurde.. An der Burg hatte aber auch Frankfurt Besitz, so daß es oft zu Streitigkeiten gab, denen die Burg schließlich zum Opfer fiel.

Rödelheim war Sitz einer Zentmark des Niddagaues, die Gemeinde wurde von freien Einwohnern gebildet, deren Richter der Zentgraf war. In den Angelegenheiten des Gaues sprach der vom König ernannte Gaugraf Recht. Die Gerichtslinde stand an der Ostseite des alten Schlosses, das im heutigen Solmspark stand.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stand auf dem Friedhof die Lucaskirche auf den Grundmauern einer früheren Kapelle. Vor dem Rödelheimer Schloß  wurde 1356 eine neue Kapelle zu Ehren des Hl. Cyriacus gebaut, der wahrscheinlich der Reichsburg als Schloßkapelle diente. Sie wurde Pfarrkirche, nachdem nach dem Tode Franks von Cronberg durch Heirat und Erbschaft der Ort an Cuno von Solms gefallen war. In dieser evangelischen Kirche liegt vor dem Altar der kunstvoll in Bronze gegossene Grabstein der Katharina von Ysenburg, die Frau Franks des Alten von Cronberg.

Das erste Adelsgeschlecht in Rödelheim waren die Keppler. Aber 1305 verlieh Kaiser Albrecht das Lehen an Ulrich von Hanau. Im Jahre 1344 öffnete Gerlach von Rödelheim dem Erzbischof von Mainz seinen Teil der Burg, 1389 Wilhelm von Rödelheim seinen Teil der Stadt Frankfurt. Im Jahre 1391 kündigte Graf Otto zu Solms der Stadt Frankfurt den Krieg an, das in der Schlacht zu Kronberg unterlag. Doch 1404 öffnete Edelknecht Marquard von Rödelheim den halben Teil seines Anteils für Frankfurt. Im Jahre 1441 wurde der Rat zu Frankfurt Ganerbe des Schlosses und fertigte darüber den „Rödelheimer Burgfrieden“ aus.

Aber 1442 wurde Frank von Cronberg vom Kaiser mit der Burg als Reichslehen beliehen. Ritter Frank baute aber 1446 ein neues Schloß unter Verwendung der Steine der alten Burg, sehr zum Ärger der Mitbesitzer. Frank von Cronberg und seie Frau Catharina von Ysenburg verkauften schließlich ein Zehntel der neuen Burg an Frankfurt.

Im Dezember 1569 kam ein Vertrag zustande, durch den die Stadt alle ihre Rechte an Schloß, Gericht und Dorf Rödelheim an die Grafen von Solms abtrat. Im Jahre 1632 wurden Drei Linien gebildet: Solms-Rödelheim ging nach Assenheim, die Rödelheimer Linie nannte sich fortan Grafen von Rödelheim. Im Jahre 1806 kam Rödelheim an das Großherzogtum Hessen, 1866 wurde es Preußen einverleibt und 1909 wurde es nach Frankfurt eingemeindet.

 

Rödelheim war einst ein idyllisches Dorf, in das die Frankfurter an schönen Tagen pilgerten, um der Landluft näher zu sein, wo sie sogar während des Sommers wohnten und sich Landhäuser mieteten oder erbauten. Sie fühlten sich angezogen von der anmutigen Lage. Sie schätzen die guten Mahlzeiten in den Gasthöfen, die Nidda, die Taunushöhen im Hintergrund, die Geselligkeit der Einwohner.

 

Das Wöhlerhaus (Assenheimer Straße 15) wurde. um 1700 als barockes Fachwerkhaus mit massivem Erdgeschoss erbaut, seit 2006 erfolgt  die Sanierung durch das Wohnprojekt Assenland.

In diesem anmutig gelegenen Ort erwarb 1808 Georg Brentano (1775-1851), ein Bruder von Clemens und Bettine Brentano, das Landhaus nebst Garten. Es gehörte dem anfangs erfolgreichen preußischen Hofrat und Tuchhändler Friedrich Wilhelm Basse, der 1770 hier einen Privatgarten im Dorf Rödelheim anlegen ließ. Er ist aber dann nach einem Mißerfolg seines Geschäfts nach Amerika ausgewandert.

Georg Brentano erweiterte den Park durch ein jenseits des Mühlgrabens gelegenes, reizvoll von den Windungen der Nidda umflossenes Wiesengelände auf rund 13 Hektar. Innerhalb von 40 Jahren kaufte er nach und nach mehr als 100 Äcker und Wiesen an. Brentano wollte sein „Gartenreich“ formen. Es ähnelte den englischen Parkanlagen, die vom Geiste der Romantik durchweht und fast regellos waren: Gartengebäude befanden sich über das gesamte Gelände verstreut als Ruinen, gotische Häuser oder als karge Einsiedeleien aufgemacht - für romantische Schwärmer eine Oase.

Im Jahre 1808 erwarb Brentano das Basse’sche Haus - in dem einige Zimmer wie zu Goethes Zeiten eingerichtet waren. Haus und Garten sahen viele Gäste: Gesandte, Gelehrte, Künstler und Literaten. Bei der Neu-Gestaltung des Hauses soll Goethe beteiligt gewesen sein, als er 1792 in Frankfurt weilte. Am 15. März 1808 schrieb nämlich Bettine Brentano an Goethe: „Du mußt es kennen, da Du selbst den Plan dazu gemacht und mit Basse, der jetzt in Amerika wohnt, den Bau besorgtest!“ Auch Goethe war dort 1814 zu Gast, als er im Rhein-Main-Gebiet weilte.

Der Maler Ludwig Emil Grimm beschrieb liebevoll das Landgut, und im Park gestand Marianne von Willemer Hermann Grimm, daß sie einige Gedichte des west-östlichen Divan verfaßt habe. Das große Haus im Empirestil, umgeben von Laubengängen, Gartenhäusern Bad- und Gästehäusern wurde zum Mittelpunkt romantischer Geselligkeit. Das Haus wurde nach seinem Neubau 1897 im Zweiten Weltkrieg zerstört und später abgerissen.

Wie Gerbermühle und Willemerhäuschen im Süden gehört auch der Goethetempel im Bretanopark in Rödelheim zu den verborgenen Frankfurter Goethestätten. Goethe war vermutlich auch am Entwurf des mit dorischen Säulen geschmückten so genannten Goethetempels beteiligt. Das fälschlicherweise als Goethetempel bezeichnete Badehaus, das 1999 saniert wurde, diente Hofrat Basse als Voliere und wurde von Georg Brentano in ein luxuriöses Bad umgewandelt.

Ab und an wohnte Brentano im Petrihäuschen am jenseitigen Nidda-Ufer, oberhalb des Wehres.

Das klassizistische Häuschen sieht aus wie ein Ferienhaus und ist mustergültig wieder hergerichtet worden (liegt allerdings heute auf dem Gelände des Städtischen Betriebshofs). Das Petrihaus wurde 1820 zum klassizistischen Schweizerhaus umgebaut. Das ursprünglich von Georg Brentano als persönliches Refugium genutzte Haus – er machte es sich dort heimelig mit einer Bibliothek und einem Salon - beherbergt nach seiner Sanierung im Jahr 2003 im ersten Stock das Brentanomuseum.

Neben dem Haus steht ein Ginkgo biloba, ein mehr als 200 Jahre alter Exot aus China. Der hohe, noch leicht sommergrüne Baum trägt langstielige, breit- keilförmige Blüten. Goethe bewog der seltene Baum, seine Verse im „West-Östlichen Diwan“ zu schmieden: „Dieses Baum’s Blatt, der von Osten meinem Garten anvertraut, gibt geheimen Sinn zu kosten, wie’s den Wissenden erbaut.“

Es gab auch ein „musikalisches Gewächshaus“, ein Treibhaus für die seltensten Pflanzen, in dem Gesellschaften und Konzerte stattfanden. Dort war Goethe zu Gast, der 1814 die befreundete Familie Brentano besuchte. Als 1926, in Folge der Inflation, der gesamte Besitz an die Stadt Frankfurt verkauft wurde, riss man das musikalische Gewächshaus ab.

Im Jahre 1929 wurde der Park der Öffentlichkeit zugängig gemacht und man richtete mit der Niddaregulierung das Brentanobad ein.

Vom Reichtum der Familie Brentano ist nicht viel geblieben. „Dabei hinterließ ich meinen Erben eine Million Gulden“, sagte Schauspieler Wolfgang Kaus vom Frankfurter Volkstheater im Jahre 2002, der zur Vorstellung der neuen Gartenanlage in die Rolle des einstigen Hausherren Georg Brentano schlüpfte. Im blauen Gehrock erinnerte Brentano/Kaus an die im Doppelsinn reiche Geschichte der Frankfurter Kaufmannsdynastie, die eigentlich vom Comer See an den Main kam und hier 1750 Bürgerrecht erwarb. Das ehemalige Haus des Bäckers Petri ließ Georg Brentano von 1808 an im Stil eines „Schweizerhauses“ umgestalten - sein Rückzugsort vor dem Trubel der großen Familie und des geschäftigen Handelshauses.

Als tüchtiger Geschäftsmann zeigte sich auch Brentanos „Erbe“ Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG und seit dessen Gründung Vorsitzender des Fördervereins. „Als vorsichtige Kaufleute geben wir kein Geld aus, das wir nicht vorher eingenommen haben“, dankte Bender zwei Sponsoren. Das Bauunternehmen Bilfinger Berger, seit 1999 im Förderverein, gestaltete den Zugangsweg zum Petrihaus und schuf zwei kleine Freiluft-Bühnen. Die Bitburger Brauerei spendierte die Möbel für den Garten, der auch gastronomisch genutzt werden kann.

„Mehr aus Versehen“ sei Bilfinger Berger dazu gekommen, sich für das Petrihaus zu engagieren, so Hans Helmut Schetter vom Vorstand des Bauunternehmens. Da Frankfurt aber „einer der wichtigsten Standorte“ für Bilfinger sei, habe man sich gern für das „handwerkliche Kleinod“ engagiert.

Sind Haus und Garten inzwischen restauriert und angelegt, so fehlt dem Förderverein noch Geld für das geplante kleine Museum. „Etwa 40.000 Euro brauchen wir noch für die Ausstattung“, sagte Geschäftsführer Manfred Englert der FR. Zur Ausstattung gehört auch der Computer für die geplante Station, an der sich Besucher des Hauses demnächst multimedial über die Familie und ihre Glanzzeit informieren können. Die Brentanos brachten nicht nur Kaufleute, sondern mit Clemens Brentano und Bettina von Arnim zwei wichtige Dichter der Romantik hervor. Die Software für die Medienstation ist inzwischen fertig.

Sylvia Rumscheidt vom Vorstand des Fördervereins würde die Museumsräume im ersten Stock gern wieder mit Möbeln wie zu Brentanos Lebzeiten ausstatten: „Weißbirke und rote Polster“, ganz wie die Schweizer Nationalfarben eben. Zwar hat der Förderverein laut Englert für das Mobiliar 7500 Euro zurückgelegt: Es ist aber schwieriger als gedacht, auf dem Antiquitätenmarkt etwas passendes zu finden. Dennoch wolle man sich Zeit lassen.

Um Geld in die Vereinskasse zu bringen, vermietet der Förderverein das Petrihaus inzwischen auch für private Veranstaltungen. Am Sonntag, 8. September, können die Besucher beim Tag des offenen Denkmals neben der Medienstation auch dieses Angebot prüfen. Nähere Informationen im Internet unter www.petrihaus.de

Am südlichen Ausgang des Parks steht rechts noch unscheinbar das Brentano’sche Gartenhaus, das auch oft von Goethe besucht wurde. Im Jahre 1851 ging der Besitz auf Brentanos Sohn Ludwig über, von diesem auf Marie von Stumpf-Brentano, die 1895/97 das Basse’sche Haus abreißen und einen größeren Neubau errichten ließ, in dem einige Zimmer wie zu Goethes Zeiten eingerichtet waren. Das Brentano'sche Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Ruine später abgetragen. Das runde Gebäude in der Mitte des Parks (Sitz des Heimat- und Geschichtsvereins) ist modern.

Geblieben sind die im englischen Stil gestalteten Parks mit ihren alten Bäumen. Zwischen den Rasenflächen mit Prachtexemplaren alter Bäume (vorwiegend Eichen, aber auch Exoten). Hier sind viele Eichen, Rosen oder Eichhörnchen beheimatet. Die Amerikanische Roteiche gehört zu den Exoten. Auch das Blätterkleid der Sumpf-Eiche in der Nähe des Pavillons schillert grün, gelb, violett. Die sogenannte „Stiel-Eiche“ amerikanischer Art ragt gut 30 Meter in Höhe. Der knapp sieben Meter breite Baum stellt seine Artgenossen vor Ort mit einem Alter von mehr als 500 Jahren weit in den Schatten. Die Eiche war schon heimisch, bevor der Basse  hier seinen Garten anlegen ließ. Auch der Amberbaum läßt Blätter. Sein rauher Stamm und seine wulstigen Korkleisten gleichen doch Krallen. Bei Einbruch der Dunkelheit sehe das aus, als wollten sie nach jemandem schnappen.

Um die alte Hängebuche ranken sich allerhand Sagen: „Hier haben sich die kleinen Grafen vor ihren Kindermädchen versteckt.“ Weil sich die Buche dermaßen hängen läßt, reichen Äste bis auf den Boden und erschweren den Blick. ins Innere. Abends wirke das gespenstisch. Nun umgibt ein Holzzaun den Stamm der Buche, weil er etwas wacklig auf den Beinen ist. Heute ziert auch ein Rosengarten den Park.

Der Park war über hundert Jahre Landsitz der Brentanos. Im Jahr 1926 kaufte die Stadt das Landhaus, 1929 wurde der Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gleichzeitig durch die Regulierung der Nidda das Brentanobad eingerichtet. Dadurch wurde der einst 13 Hektar große Park wesentlich verkleinert. Heute ist er noch gut vier Hektar groß.

 

Über die Straße „Auf der Insel“ kommt man in den 1879 entstandenen Schloßpark der Grafen Solms zu Rödelheim-Assenheim. Hier stand die Rödelheimer Wasserburg, das spätere Schloß Franks von Cronberg, das schließlich Solms’scher Besitz wurde. Die Burg stammt aus dem zwölften Jahrhundert und war von Wassergräben umgeben. Später bewohnten es die Grafen zu Solms. Im Jahre 1943 zerstörten Bomben die Burg. Die spärlichen Überreste mußten ein Jahrzehnt später endgültig einem Rasen weichen. Man hat aber wieder  den äußeren Mauerverlauf des Solmser Schlosses gepflastert.

Seit 1986 steht der Park unter Denkmalschutz. Er stand schon immer allen offen. Am Eingang links steht ein Stein, der an die Ersterwähnung Rödelheims im Jahre 788 erinnert. Die auch links gelegene Evangelische Cyriakuskirche (Auf der Insel 5), wurde im Jahre 1364 (andere Angabe 1356) gestiftet von Katharina von Isenburg, In den Jahren 1463-67 wurde sie erweitert und war Kapelle der Burg Radilenheim. Sie hat einen hochgotischer Chorraum und mittelalterliche Epitaphien. In den 50iger Jahren entstand sie neu.

 

Neben einer jungen Hängebuche erinnert Stein an die Synagoge, die hier 1938 von den Nazis zerstört wurde. Übrigens hat sich unweit des Wasserturms südlich der Eschborner Landstraße der alte jüdische Friedhof mit dem Grab des Verlegers und Gelehrten Wolf Heidenheim erhalten (in der Wolf-Heidenheim-Straße).

An der Südspitze der Insel überquert man den Mühlkanal und kommt über die Rebstöcker Weg auf den Biegweg. Dieser trifft wieder auf die Ludwig-Landmann-Straße, die man nach links ein Stück hochfährt, um nach rechts in die Rödelheimer Landstraße einzubiegen (Man kann auch direkt von der Straße „Auf der Insel“ in die Rödelheimer Landstraße fahren). An ihrem Ende überquert man die S-Bahn und kommt nach Bockenheim.

 

Bockenheim:

An der Einmündung der Rödelheimer Landstraße in die Schloßstraße liegt links das Herrenhaus des Schönhofs, ein 1818 neu gebautes barockes Hofgut. Von hier aus fährt man nach Süden machen in den Bernus-Park. Dieser ist eine kleine Oase zwischen dem Lärm der Straße und der Schiene. Ein kleiner Teich mit einer Steinbrücke, die Bogenmauer eines Gartentempels - das sind die Reste einer barocken Schloßanlage. An der einst schönsten Straße Bockenheims, der Schnellgasse, wie bis 1822 die Schloßstraße hieß, lagen Gutshöfe, die schon im 18. Jahrhundert, als Bockenheim ein beliebter Sommeraufenthalt geworden war, zu Landsitzen umgestaltet wurden. Eines dieser Güter erwarb 1753 die Prinzessin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau, die jüngste Tochter des „alten Dessauer“, des Generals Friedrichs des Großen. Wegen ihrer nicht standesgemäßen Liebe zu einem Bürgerlichen im Alter von 20 Jahren aus ihrer Heimat verbannt, konnte sie dank ihrer Apanage den Besitz in Bockenheim erwerben.

Es entstand ein großer landwirtschaftlicher Betrieb, auch eine Seidenraupenzucht. Im Jahre 1771 baute die Prinzessin das Gut zu einem Schloß aus, vor allem für ihre Kunstsammlung. Das Schloß stand mit der Schmalseite zur Straße, ein Wirtschaftshof mit Remisen und Stallungen und eine Orangerie schlossen sich an. Henriette Amalie starb 1793. Gemäß ihrem Testament kam ihre Sammlung bedürftigen Personen zugute, vom Amalienstift in Dessau betreut. Das Schloß wurde verkauft. Nach verschiedenen Besitzern erwarb es schließlich die Familie Bernus als Landsitz. Bekannt wurde diese Familie durch die „Friedrich-Alexander-Bernus-Stiftung“ von 1874 und durch Emil Moritz von Bernus, der 1883 die Christuskirche im rasch wachsenden Westend und 1903 die Immanuelkirche im Nordend stiftete. Ein Abstecher zum alten Friedhof an der Solmsstraße westlich des Westbahnhofs ist aber wohl doch etwas zu weit.

Man verläßt den Bernuspark an der Kindertagesstätte, kommt in die Werrastraße und biegt nach links in die Kurfürstenstraße ab. Sie führt wieder über die Schloßstraße zum Kurfürstenplatz von 1868. Auf ihm steht der neobarocke Monumentalbrunnen von 1913/14, rechts ist die katholische Elisabethkirche. Damit ist man bei einem Rundgang durch Alt-Bockenheim. In der Rhomerstraße kommt man am Rhomerplatz vorbei und kommt zur Leipziger Straße. Diese fährt man ein Stück links hoch. Die renovierte Villa Delkeskamp in dieser Straße ist allerdings nicht besonders gezeichnet, das einzige alte Haus ist die Bock-Apotheke an der Westseite.

Am oberen Ende der Schloßstraße biegt man rechts ab in die Grempstraße  und kommt zum Kirchplatz  mit der Jakobskirche aus dem 14. Jahrhundert. Östlich der Kirche steht das Grempsche Haus, ein Renaissance-Wohnhaus mit oktogonalem Treppenturm, Adelshof der Familie Gremp von Freudenstein, etwa 1582-93 errichtet.

Urkundlich wird der Ort Bockenheim schon 767 genannt. Von den zwölf Wildhubenern des Wildbannes Dreieich wohnt einer in Bockenheim. Im Jahre 1819 wurde Bockenheim zur Stadt erhoben. Im Jahre 1895 wurde es nach Frankfurt eingemeindet. Ein Schloß aber, auf das die breite Schloßstraße weist, wird man heute in Bockenheim vergebens suchen, denn es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Auch das klassizistische Passavantsche Haus, ein Landhaus von 1829, ist nicht zu finden.

Weiter geht es ein kurzes Stück in die Ginnheimer Straße, dann rechts in die Florastraße. Am Hessenplatz geht es links in die Marburger Straße, dann rechts in die Falkstraße und wieder nach links in die Juliusstraße. Rechts sieht man die Markuskirche mit dem hohen Turm. Nach rechts geht es in die Sophienstraße. Dort ist gleich auf der Ostseite vor der Beckmann-Schule der alte jüdische Friedhof, der aber nicht zugänglich ist.

Über die Sophienstraße kommt man zum Palmengarten und zur Bockenheimer Warte. Von hier kann man dann über die Bockenheimer Landstraße und die Innenstadt zurückfahren. Wenn man bis zum Palmengarten mit dem Auto gefahren ist, dann hat man hier wieder den Ausgangspunkt am Grüneburgpark erreicht.

 

Westendsynagoge:

Man erreicht die Synagoge von der U-Bahn-Station Westend, in dem man zum Ausgang Feuerbachstraße geht und sich dort nach Norden wendet. Das jüdischen Gemeindehaus mit Kindergarten, Schule und Jugend- und Altenclub in der Westendstraße 31 dagegen erreicht man, wenn man von der U-Bahn-Station nach Süden geht, über den Westendplatz und dann von Westen her zum Haupteingang des Gemeindehauses.

Ein majestätischer Muschelkalk-Bau und Blickfang weithin ist die Westend-Synagoge, Freiherr-vom-Stein- Straße 30. Man sieht in einen in einen Hof, der von Säulengängen umstellt ist. Der durch Sicherheitsleute bewachte Eingang ist allerdings etwas weiter links vom eigentlichen Eingang.

Errichtet wurde sie 1910 nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Franz Roeckle, der ägyptisch-assyrische Stilformen mit Elementen des Jugendstils vereinte. Ein „Akkord von Blau und Gelb“ und „wuchtig breite Ornamentlinien, deren Blau durch ein lichtes Grün vertieft wird und deren Braun in Gold aufstrahlt“ (wie es zu ihrer Einweihung hieß) bestimmten das Innere. Hoch wölbt sich die Kuppel als Sinnbild des Himmels, umgeben von  vier Seitenschiffen mit Tonnengewölben.

Die Synagoge Freiherr-vom-Stein-Straße (ursprünglich Königsteiner Straße), die seit 1929 offiziell Westendsynagoge heißt, wurde am 28. September 1910 in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Adickes eingeweiht.

Sie war errichtet worden als Heimstatt für die Vertreter eines liberalen Gottesdienstes, für die inzwischen ins Westend gezogenen religiös-liberalen Mitglieder der Israelitischen Gemeinde. Reformgottesdienst fand auch in der Hauptsynagoge in der Börnestraße statt. Am Börneplatz stand die konservative Gemeindesynagoge, in der Friedberger Anlage die orthodoxe Synagoge der Israelischen Religionsgesellschaft.

Wie in ganz Deutschland gingen auch in Frankfurt in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938, angezündet von den Nationalsozialisten, die Synagogen unter. Allein die Westendsynagoge brannte lediglich im Innern. Unter den Nazis wurde sie als Kulissenlager für das Opernhaus mißbraucht und später, während der Kriegsjahre, als Möbellager „fliegergeschädigter Volksgenossen“. Als einzige der Frankfurter Synagogen überstand die Westendsynagoge Hitlers Faschismus.

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Architekten Max Kemper, Werner Hebebrand und den Maler Hans Leistikow veränderten das Innere im Stil der damaligen Zeit und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erheblich. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen von 1980 bis 1984 umfaßten neben der technischen und sanitären Einrichtung vor alle die Sanierung der Kuppel und die Dächer, die wieder mit „Mönch-Nonnen-Ziegeln“ gedeckt wurden. Dazu kamen die Reinigung und Imprägnierung der Fassaden, so daß der Muschelkalk seine ursprüngliche Struktur und Farbe erhielt. Die Ausmalung gibt wieder den Zustand von 1910 wieder, den man nach dem weiß und ockerfarbenen Anstrich von 1950 bei der Renovierung 1985 wieder entdeckt hat.

So konnte die Synagoge wiederhergestellt und am 7. September 1950 neu geweiht werden - nicht nur als religiöses Zentrum der neuen jüdischen Gemeinde in Frankfurt, sondern auch wie nur weniges sonst als Bewahrer der Erinnerung an die Frankfurter Juden vor ihrer gewaltsamen Vernichtung.

Die Westend-Synagoge ist ein Zentrum des jüdischen Lebens. Im Hochzeitssaal backen Kinder Mazzot. Im Kiddusch-Raum erhalten Jungen an ihrem dritten Geburtstag den ersten Haarschnitt. Und im Zentrum der Synagoge mit ihren zirka 800 Sitzplätzen versammeln sich die Gläubigen. Vor einem Mosaik-Hintergrund aus Davidstern-Mustern thront der Aron hakodesch (Schrein, in dem die Torarollen aufbewahrt werden). Die Raummitte nimmt der Almemor (Pult zur Toralesung, auch Bimah) ein.

 

Die Gründung der Frankfurter jüdischen Gemeinde geht auf das Jahr 1150 zurück. Nach bescheidenen Anfängen blühte sie ab 1550 zu einem Zentrum jüdischen Lebens von europäischem Rang auf. Gleichberechtigt ab 1864, nahmen die jüdischen Frankfurter regen Anteil in Wirtschaft und Kultur, Wissenschaft und Politik. Nachdem die Juden 1864 die völlige staatsbürgerliche Gleichstellung erhalten hatten, leisteten sie im wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Bereich unendlich viel für die Stadt. Mit 30.000 Mitgliedern bildeten sie vor 1933 die zweitstärkste jüdische Gemeinschaft in Deutschland.

In der Gemeinde setzten sich Reformer durch, weshalb die streng Orthodoxen austraten und ihre eigene, die „Israelitische Religionsgesellschaft“ mit der Synagoge an der Friedberger Anlage bildeten. Liberal ging es dagegen in der Westend-Synagoge zu. Der modernisierte Gottesdienst wurde zumeist in deutscher Sprache gehalten.

Rund 29.000 jüdische Bürger lebten 1933 in Frankfurt, als Hitlers Schreckensregime begann. Als es 1945 in Trümmern lag, gründete sich die jüdische Gemeinde Frankfurt neu - mit etwa 500 Mitgliedern. Lange Zeit gelang es nicht, einen regelmäßigen Minjan, also mit mindestens zehn jüdischen Männern, in der Westend-Syngoge einzurichten. Dr. Isaak Emil Lichtigfeld, Frankfurter Rabbiner von 1954 bis 1967, hatte außerdem Mühe, bei den wenigen Gottesdiensten zu hohen Feiertagen die gebotene Andachtsstille zu schaffen. Religiöse Disziplin ließ zu wünschen übrig.

Zu diesen Altmitgliedern der Gemeinde sind heute viele neue Gemeindeglieder aus der ehemaligen Sowjetunion gekommen. Die jüdische Gemeinde Frankfurt zählt zirka 7000 Mitglieder. Sie müssen erst noch integriert werden. Es gibt eine Gottesdienstordnung, in der die hebräischen Texte in Lautschrift und Übersetzung wiedergegeben sind. Die Gemeinde ist aber heute orthodox, hat jedoch auch eine liberale Gruppe und eine ganz strenge, die während des Gottesdienstes in einem extra Raum vorne rechts zusammenkommt.

In der jüdischen Grundschule wird vom ersten Tag auch Hebräisch als Fremdsprache gelehrt. Die Schule hat 300 Schüler, davon 20 Prozent nichtjüdische Kinder. Sie soll in das Philantropin in der Lindenstraße umziehen und zu einer Vollschule aufgestockt werden.

 

 

RUNDFAHRT: Eschersheim - Heddernheim - Niederursel

 

 

Eschersheim:

Beginn ist am Bahnhof Eschersheim. Hinter dem Bahnhof Escherheim steht die Eschersheimer Kirche (ohne Denkmalhinweis und Erläuterungen). Nach Süden geht es zur U-Bahnhaltestelle „Weißer Stein“. Doch dort ist nur eine Anlage mit einem Brunnen und einigen „weißen“ Steinen.

Noch weiter südlich in der Eschersheimer Landstraße, wo die Straße „Am Lindenbaum“ auf diese trifft, steht das Wahrzeichen von Eschersheim, der Stolz der Eschersheimer der mächtige, alte Lindenbaum. Einen solchen Baum - 20 Meter hoch, etwa fünf Meter Stammumfang - gibt es im Frankfurter Raum weit und breit nicht mehr. Sorgsam gepflegt, grünt und blüht er Jahr für Jahr. Die Untergrund-Bahn macht sogar einen leichten Bogen seinetwegen, und nach ihm ist eine ihrer Stationen benannt.

Die Eschersheimer Linde stand einst mitten in der Feldmark, also weit weg vom Dorf Eschersheim. Sie war keine Gerichtslinde, sie fand keine Erwähnung in Urkunden und Protokollen. Vielleicht galt sie als Landmarke oder Richtzeichen, nach der die Bauern die Lage ihrer Äcker bezeichneten. Der Eschersheimer Lindenbaum ist nicht so alt, wie man vermutet. Er dürfte Ende des 17. Jahrhunderts gepflanzt worden sein oder sich selbst gesät haben. Im freien Feld werden Linden oft über 1000 Jahre alt. Der Platz der Eschersheimer Linde ist nicht so günstig, aber der Baum kann schon bis 900 Jahre alt werden. Eine einst sehr viel größere und wohl auch ältere Schwester am Weißen Stein stürzte - nur noch aus einem Stamm bestehend - 1923 bei einem Sturm krachend zusammen.

Die baumpflegerischen Maßnahmen am Eschersheimer Lindenbaum, der 1937 den Ehrentitel Naturdenkmal erhielt, beschränkten sich im vorigen Jahrhundert aufs Zusammenbinden der Äste, damit ihr Gewicht den Stamm nicht spalte, und aufs - zum Teil radikale - Beschneiden der Krone. In den 20er Jahren richtete Gartenbaudirektor Bromme eine Untergrundbewässerung         ein. Der zunehmende Verkehr, die Asphaltierung der Straße bis an den Geh- und Radwege, der Schulneubau bedrängten den Baum so, daß 1955 baumchirurgische Maßnahmen notwendig waren: Mehr als 50 Faullöcher wurden ausgeschnitten, dürre Stämmlinge abgenommen, die vielen Öffnungen mit Betonscheinplomben versehen.

Knapp 20 Jahre später waren erneut Pflegemaßnahmen notwendig. Eine Spezialfirma aus Bayern führte diese nach neuesten Erkenntnissen durch. Die Zahl der Plomben wurde verringert, die von faulem Holz befreiten Stellen mit Balsam bestrichen, Faulstellen trockengelegt, Belüftungs- und Entwässerungsdochte in den Wurzelraum eingesetzt - damit die Linde noch für viele Generationen das Wahrzeichen Eschersheims, der Stolz der Eschersheimer und eine Frankfurter Sehenswürdigkeit bleibt.

Wenn man die Straße „Am Lindenbaum“ durch die doppelte Lindenallee nach Osten fährt kommt man am alten Wasserturm vorbei. Nach rechts geht es in die Kirchhainer Straße und dann links in die Ziegenhainer Straße. Von dort geht es rechts in die Albert-Schweitzer-Siedlung und in die zweite Straße rechts, die über die Jean-Monnet-Straße führt zur Sigmund-Freud-Straße. Diese führt über die Gießener Straße in die Weinstraße mit der Kreuzkirche in Preungesheim.

 

Preungesheim:

Die Kreuzkirche in Preungesheim birgt ein Geheimnis. Neben der Kreuzkirche fand man nicht nur einen Friedhof mit Gräbern aus dem frühen Mittelalter, sondern unter dem Boden des trutzigen Kirchturms und im Rasen auch die Überreste einer gewaltigen Kirche. Mehrere Skelette fanden sich tief unter der Erde, ein Kind darunter. Die beiden Bestattungen aus dem Turm will man einer DNA-Analyse unterziehen.

Die gut erhaltenen Fundamente, die sie in und vor der Kirche gefunden haben, markieren ein riesiges Kirchenschiff. Im bis zu tausend Jahre alten Mauerwerk  ist draußen der Sockel einer dicken runden Säule erkennbar, die ihre Entsprechung in einer Säule im Kirchenraum hat.

Hier stand schon ganz früh ein riesiger, 14 Meter breiter Kirchenbau, der vermutlich zu Beginn des 12. Jahrhunderts gebaut wurde. Er war dreischiffig angelegt. Anhand der gut erhaltenen Grundmauern aus dem 11./12. und 14./15. Jahrhundert läßt sich ein für jene Zeit ausladendes Seitenschiff nachzeichnen: Die Kirche faßte mehrere hundert Personen.

Doch die Kreuzkirche, deren Bau vorher im 12. Jahrhundert angenommen worden war, ist aus einer steinernen Saalkirche des 9./10. Jahrhunderts hervorgegangen. Ihre Größe wurde später vervierfacht, dann wieder reduziert. Sie hat noch romanische Teile wie die kleinen Fenster am Westgiebel, wo man auch einen alten Eingang freigelegt hat.

In der späten Karolingerzeit, als Kirchen nur der König oder Kaiser errichten lassen durfte, stand eine große, reiche Pfarrkirche im Dörfchen, zu Zeiten also, da Preungesheim nicht mehr als ein kleiner Flecken war. Nach Einschätzung des Denkmalamtes hatte diese Kirche eine zentrale Bedeutung für die Region. Doch mit wachsender Erkenntnis wird die Geschichte des Gebäudes und damit des einstigen Bauerndorfs eher undurchsichtiger. Das Rätsel lautet: Was war es, das Preungesheim einmal zu einem so bedeutenden Ort machte?

Bodendenkmalpflegerin Andrea Hampel wagte die Verbindung vom alten Preungesheimer Kirchenbau zum Frankfurter Dom. So viel Größe hätte niemand vom 772 erstmals erwähnten Dorf Preungesheim erwartet. „Die Herren von Preungesheim waren unbedeutend“, äußerte die Expertin. Als mögliche Bauherren kommen für sie die Herren von Münzenberg- Falkenstein in Betracht, denen jene Ritter von Preungesheim als Ministeriale (Dienstmannen) unterstanden.

Der heutige Kirchenbau von 1716-1742 ist schon der fünfte oder sechste Bau na dieser Stelle.

Zu Beginn der Geschichtsforschung in der Dorfkirche, als 1997 eine mittelalterliche Wandmalerei von 1250 von herausragender Qualität auf der Empore hinter der Orgel zum Vorschein kam, hatte der frühere Stadtkonservator Heinz Schomann noch die These vertreten, die Kirche könne Teil der vermißten Preungesheimer Burg gewesen sein, auf der man sich jene Ritter vorstellt. Diese These, sagte Hampel gestern, hat sich pulverisiert.

Neben der Kirche steht das Deutschordenshaus, den der Orden besaß in Preungesheim etwa ein Drittel der Gemarkung. Der Verwaltungshof wurde 1760 unter Verwendung alter Steine erbaut. Später wurde er Pfarrhaus. Der Orden war im evangelischen Dorf der Grafschaft Hanau noch lange einflußreich. Im Turm war sogar eine katholische Kapelle für die Ritter eingerichtet. Das ganze Gelände ist von schönen Kastanienbäumen geprägt.

Man fährt dann wieder zur Gießener Straße und nach Süden. Man kommt vorbei am alten Gemeindeamt, das 1993 restauriert wurde und in dessen Hof Steine behauen wurden für den Straßenbau (links). Weiter links in der Straße steht das Gefängnis. Schließlich kommt man zum Haus Nummer 87 auf der rechten Seite, vor dem der alte Bildstocks teht.

Eckenheim

Der verwitterte Bildstock, der vor dem Haus Nr. 87 an der Gießener Straße in Eckenheim steht, gehört zu einem Rastplatz, auf dem sich einst die nach Frankfurt auf den Markt ziehenden Landbewohner ausruhten und zum Gebet verweilten. Bis 1956 stand er etwas weiter vorn am Rande des Straßengrabens hart an der Grenze zu Preungesheim. Durch Regen, Wind und Luftverschmutzung sind die Skulpturen des Bildstocks verwittert. Auch die Jahreszahl 1516 und die Buchstaben E. H., was auf Eckenheim, aber auch auf einen Stifter hinweisen könnte, sind kaum mehr zu erkennen. Der Bildstock war anstelle eines schon 1383 erwähnten Kreuzes errichtet worden, das dem benachbarten Flurstück den Namen „die Kreuzäcker“ gegeben hatte.

Neben dem Opferstock befanden sich bis Ende der zwanziger Jahre noch zwei Basaltblöcke. „On de drei Staa“, sagten daher die Bewohner zu dieser Stelle; im Straßennamen „An den drei Steinen“ lebt diese Bezeichnung fort. Diese Steinblöcke stammten von einer Ruhebank, die mit unterschiedlich hohen Quersteinen zum Sitzen und zum Abstellen der Mahnen und Kietzen diente. Auch Eisenringe zum Festbinden von Trag- und Zugtieren befanden sich an dieser Ruhbank.

Im Frankfurter Raum begegnen uns noch heute mehrere solcher uralten „Ruhebänke“, also historische Rastplätze für alle die, die einst schwere Lasten zu tragen hatten: Marktfrauen, Wäscheträgerinnen, Weinbergsarbeiter. Wir finden solche Ruhebänke am Heiligenstock an der Friedberger Landstraße, an der Kennedyallee (Forsthausstraße), am Berger Hang, im Palmengarten, früher auch vor Sprendlingen an der Frankfurter Straße und an der Straße Bad Homburg- Saalburg.

Zuletzt kommt man noch zum Hauptfriedhof, dessen Eingang aber in der Ecken­heimer Landstraße ist.

  

Hauptfriedhof:

Auf den Grundmauern einer römischen Villa Rustica ruht der Hauptfriedhof. Er löste den alten Petersfriedhof im Stadtgebiet ab, wo unhaltbare hygienische Zustände herrschten: Nach mehr als 370 Jahren Belegung stank es dort an dem hoffnungslos überfüllten Gottesacker ganz erbärmlich.

Auf 70 Hektar wurde er 1826 bis 1828 nach dem Entwurf des erst 31jährige Architekt Friedrich Rumpf (1797-1872) angelegt. Er hatte so manches repräsentative klassizistische Stadtpalais vorzuweisen, unter anderem das der Familie Rothschild. Er entwarf den Portikus (heute das „Alte Portal“) mit den vier gigantischen weißen Säulen und die Arkadenreihe mit 57 Gruften als letzte Ruhestätte bedeutender und wohlhabender Bürger am damals jenseitigen Ende der Begräbnisstätte. Sie sollte den Übergang bilden zu dem zeitgleich angelegten jüdischen Friedhof.

Der Friedhof sollte nicht als düsteren Todesacker angelegt werden  - für die gebildeten, privilegierten Schichten, die nicht in dicht gesetzte Reihengräber gebettet werden wollten, war die Barockzeit mit ihren Sensenmännern und ablaufenden Sanduhren vorüber. Man huldigte der Aufklärung, schwärmte für die Antike und „Englische Gärten“. Hier sollten die großen Persönlichkeiten der Stadt das Äquivalent zu dem Platz finden, der ihnen im Leben zustand. Rinz ist es zu verdanken, daß sich der heutige Hauptfriedhof als einer der größten städtischen Parks präsentieren kann.

 

Die Anlage des „Neuen Friedhofs” in Frankfurt erinnert an den Idealplan, den der Augsburger Architekt J. M. Voit 1825 publizierte. Sein Standardwerk „Über die Anlegung und Umwandlung der Gottesäcker in heitere Ruhegärten der Abgeschiedenen” weist etliche Übereinstimmungen mit dem Frankfurter Gottesacker auf, der 1828 nach Plänen des Stadtgärtners Rinz eingerichtet wurde: Der langgestreckte, eingefriedete Begräbnisplatz ist durch Achsen gegliedert und schließt mit einer Grufthalle ab.

Der Friedhof sollte fortan ein heiterer Ruhegarten sein, nicht mehr, wie bisher, eine Stätte der Versammlung, des Spiels und des Handels. Die Bepflanzung richtete sich dabei vor allem nach hygienischen Gesichtspunkten: Sie sollte die Luftzirkulation nicht hemmen. Insofern wurden auch nur die Ränder des Friedhofs mit Bäumen bepflanzt, und die Rundwege von niedrigen Büschen begleitet. Neben dem ungehinderten Spiel der Winde galt nämlich die Reinigung der Luft von „mephistischen Dünsten”, den giftigen Leichengasen, als lebensnotwendig.

Auch der Weg, der von der Stadt zum Portal führt, wurde gärtnerisch angelegt: Er war mit einer doppelten Reihe Ulmen gesäumt und mit Kies bestreut. Über die Beliebtheit des Friedhofs zum Spaziergehen waren sich die Zeitgenossen einig, aber auch Fremde betreten die Anlage häufig, „weil sie rühmlich in der Reihe des vielen Merkwürdigen und Sehenswerthen steht, das Frankfurt aufzuweisen hat”. Der Friedhof war mithin nicht nur ein Ort der Hygiene, sondern auch der Gesundheitspflege im Sinne des Arztes Wilhelm Hufeland, der Spaziergänge „zur Verlängerung des Lebensweges denkender Menschen” ausdrücklich empfahl.

Anläßlich seiner Erweiterung nach Norden erhielt der Begräbnisplatz mehrere Friedhofsbauten „in architektonisch wirkungsvoller Form”. Allen voran beeindruckte das Neue Portal und die Trauerhalle, die nach schwärmerischen Aussagen der Zeitgenossen nicht nur den spätklassizistischen „Alten Teil” aufs vortrefflichste ergänzte, sondern ihn auch zu den schönsten Anlagen des Kaiserreichs machten. Wie in den Städten längst üblich, waren für diese Bauten „architektonische” Wettbewerbe ausgeschrieben worden. Den 1. Preis erhielt der Entwurf Nr. 57 mit dem Kennwort „Auferstehung II” des renommierten Architekturbüros H. Reinhardt & Süßenguth. Der Entwurf zeichnete sich „durch eine außerordentlich straffe und wirkungsvolle Zusammenfassung der Baumassen” aus und gehörte zu den wenigen im Wettbewerb, die der Parkanlage, dem Ort der ewigen Ruhe, Vorrang vor den Bauten einräumten, ohne dabei die notwendige repräsentative Wirkung der Einsegnungshalle zu vernachlässigen. Denn, so das Motto: „Kurz ist der Schmerz, doch ewig währt die Freude”.

Das 1909 errichtete Bauwerk ist vorwiegend in neoklassizistischen Formen erdacht und zeigt die Anlehnung an ravennatische Bauten der Spätantike. Der formalen Qualität des Äußeren entspricht die noble, durch die Brüder Linnemann geprägte dekorative Ausstattung, die über-wiegend im Jugendstil gehalten ist.

Dass der Parkfriedhof vor allem ein Ort der Lebenden ist, zeigt der Hauptfriedhof in Frankfurt aufs Schönste. Das Erscheinungsbild gleicht in weiten Teilen einem romantischen Gedächtnisgarten und birgt dazu unzählige berühmte Persönlichkeiten: vom Philosophen Arthur Schopenhauer über Karoline von Günderode und Heinrich Hoffmann bis zur Volksschauspielerin Liesel Christ.

Der Schöpfer der Gartenanlagen des Hauptfriedhofs ist Stadtgärtner Sebastian Rinz (17821861). Es sollte kein düsterer Todesacker werden. Für die gebildeten, privilegierten Schichten, die nicht in dicht gesetzte Reihengräber gebettet werden wollten, war die Barockzeit mit ihren Sensenmännern und ablaufenden Sanduhren vorüber. Man huldigte der Aufklärung, schwärmte für die Antike und „Englische Gärten“. Hier sollten die großen Persönlichkeiten der Stadt das Äquivalent zu dem Platz finden, der ihnen im Leben zustand.

Rinz gestaltete den Hauptfriedhof im Stil eines englischen Parks. Ihm ist es zu verdanken, daß sich der heutige Hauptfriedhof als einer der größten städtischen Parks präsentieren kann.

Der Hauptfriedhof Frankfurt wirkt wie ein urwüchsiger Park: Zedern, Ahorn, Buchen, Kiefern, Birken, Wacholder und Buchsbaum, Efeu natürlich und Farnbüschel. Hauptwege, die mit inzwischen bröckeligem Asphalt bestrichen sind, einst mit Splitt bestreute Seitenwege, über die buchstäblich Gras gewachsen ist, Trampelfade mit dicker Nadelauflage. Dichtes Laub, das die Sonnenstrahlen in Licht-Tupfen aufbricht und Lichtungen, die angesichts des distinguierten Dämmers rundum geradezu ordinär lebendig wirken. Dazwischen uralte Gräber, die unter Denkmalschutz stehen und vereinzelt neuere, in die nach Ablauf der Ruhefrist Nachmieter eingezogen sind.

Auf 5,5 Hektar (für damals gut 40.000 Einwohner) wurde der Friedhof von 1826 bis 1828 angelegt. Am  1. Juli 1828 wurde der Neue Friedhof eingeweiht. Die erste Bestattung war die verwitwete niederländische Adelige Maria Catharina Alewyn geborene Trip, die beim Besuch in Frankfurt mit 52 Jahren im Gasthaus „Zum Schwan" im Steinweg jäh dahingerafft worden war.

Von der verwitweten niederländischen Adeligen Maria Catharina Alewyn, die es beim Besuch in Frankfurt jäh dahinraffte und deren Bestattung am 1. Juli 1828 die Einweihung des neuen Friedhofs nebst seiner modernen Nebengebäude bedeutete, blieb keine Erinnerung - ebenso wenig wie von den ungezählten „kleinen“ Leuten, deren Ruhefrist nach wenigen Jahrzehnten ablief.

Friedrich Rumpf  hat in einer Zeichnung festgehalten, wie damals ein Leichenzug aussah: Da schreiten an der Spitze des Leichenzuges, meist hinter einem von sechs Pferden gezogenen Leichenwagen, drei Männer in Frack und Zweispitz, die „Leichenbitter“. Danach Mädchen, die aus Körben Blumen und Blätter streuen, und verschleierte Klageweiber und Leichenfrauen. Bei besonderen Begräbnissen folgen dem Sarg vor der Trauergemeinde auch noch Musikanten und Fackelträger.

Gleichzeitig wurde östlich der Gruften  an der Rat-Beil-Straße auch ein jüdischer Friedhof eingerichtet. Die erste Beisetzung fand allerdings erst im Oktober 1828 statt. Und wieder war es ein Auswärtiger: ein Metzgermeister aus Offenbach. Es gibt nur einen Zugang von der Rat-Beil-Straße aus, der aber nicht öffentlich zugänglich ist

  

Ein Zaddik wird verehrt

Schlichtes Grab in Frankfurt zieht fromme Juden aus aller Welt an

Schwarz gekleidete Männer mit Hüten. Bärten und Schläfenlocken gehören auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Frankfurt zum Alltag. Die streng religiösen Juden aus aller Welt pilgern zu einem unscheinbaren Grab im Feld Q2 der Anlage. Dort beten sie, zünden Kerzen an und hinterlassen kleine Zettel mit ihren Wünschen. „Sie kommen täglich, und zwar 24 Stunden, einzeln oder mit Bussen“, sagt Friedhofsverwalter Majer Szanckower. Ihr Ziel ist das Grab des 1921 gestorbenen Rabbiners Israel von Stolin, der im Chassidismus - einer orthodoxen Glaubensrichtung des Judentums - als Weiser und großer Meister verehrt wird.

Obwohl er aus Osteuropa stammte und nur kurze Zeit am Main lebte, heißt er unter Chassiden heutzutage nur „Der Frankfurter“. „Das ist sein Markenzeichen, und dafür ist er unter Chassiden in aller Welt bekannt“, sagt Szanckower, der auf dem Friedhofsgelände wohnt und die internationalen Besucher deshalb auch nach Feierabend zu sehen bekommt. Viele klingeln bei ihm und bitten um Einlass zum Friedhof, wenn sie sehen, dass die Pforten spät abends oder am Wochenende geschlossen sind.

Große chassidische Gemeinden gibt es heute außer in Israel noch in London, Antwerpen, Paris und in den großen Städten der Vereinigten Staaten. Viele Chassiden legen auf ihrem Weg von New York nach Tel Aviv einen Zwischenstopp in Frankfurt ein, um das Grab zu besuchen. „Das ist ein Muss für sie“, sagt Szanckower. Außer nach Frankfurt pilgern viele von ihnen auch zu Rabbiner-Gräbern auf Jüdischen Friedhöfen in Michelstadt im Odenwald, in Worms und in Mainz.

Geboren wurde Israel Perlon, wie Israel von Stolin bürgerlich hieß, 1869 in dem Städtchen Stolin im heutigen Weißrussland. Er stammte aus einer berühmten Rabbiner-Dynastie des Chassidismus. Ein wesentliches Kennzeichen dieser im 18. Jahrhundert entstandenen volkstümlichen Bewegung innerhalb des Judentums ist die Fröhlichkeit der Gläubigen. Sie tanzen gerne, weil sie glauben, in der Begeisterung kämen sie Gott besonders nah.

„Der Frankfurter“ war zu Lebzeiten einer der sogenannten „Gerechten“ (Zaddik), die im Chassidismus verehrt werden und von denen es nach Überzeugung der Gläubigen auf der Erde immer nur 36 zur selben Zeit geben kann. Einem Zaddik wird eine herausragende moralische Lebensführung und Weisheit nachgesagt. Er gilt als Mittler zwischen den Menschen und Gott, der Wunder vollbringen kann. Am Grab des Rabbiners zu beten und ähnlich wie an der Klagemauer in Jerusalem Wünsche auf kleinen Zetteln zu hinterlassen, bedeute für Gläubige. „an höchster Stelle meine persönlichen Probleme vorzutragen“, sagt Szanckower.

 

Hintergrund: Chassidismus setzt auf religiöses Gefühl

Der aus Polen und Russland kommende Chassidismus setzt im Judentum vor allem auf das religiöse Gefühl. Einer der ersten Führer der „Zaddikim“ war der Rabbi Israel Baal-schem tov (etwa 1700 bis 1760), der sich vor allem den Armen und Ungebildeten im Volk widmete. Anders als die christliche Mystik, die die Zurückgezogenheit und das Insichgekehrtsein proklamiert, ist für die Chassiden die religiöse Verwirklichung in der Gemeinschaft wichtig. His-

torisch gesehen entstand der Chassidismus als Reaktion auf Pogrome der Kosaken, denen im 17. Jahrhundert zahlreiche jüdische Gemeinden in Osteuropa zum Opfer fielen. Die Chassiden rekrutierten sich aus den ärmsten Klassen. Sie waren eher antikapitalistisch orientiert, da das Judentum in Osteuropa kaum vom Kapitalismus erfasst war. Der größte Teil der Chassidim hatte deshalb auch keinen festen Beruf. Nur wenige waren Kaufleute und Handwerker. In Frankfurt gab es vor Beginn des Nazi-Holocausts nur eine sehr kleine Minderheit chassidischer Juden. In Berlin waren sie durch die Nähe zu Osteuropa stärker vertreten. Heute sind die Chassiden vor allem in Israel und den USA noch einflussreich.

 

 

Als am  1. Juli 1828 der Neue Friedhof- eingeweiht wurde, hatten die Frankfurter noch eine gute Strecke. Weg zurückzulegen. 20 Wegminuten - soll heißen: zu Fuß - jenseits der Stadttore an der Eckenheimer Landstraße im Grünen lag das Areal.

Der „Neue Friedhof“ wurde rasch belegt und wuchs abschnittweise nach Norden. Das Jahr 1829, das erste komplette Jahr des neuen Friedhofs, verzeichnete 936 Beerdigungen. Erst 1857 wurde die Zahl von jährlich 1.000 Bestattungen überschritten. Im Jahre 1891 waren es schon siebzehndreiviertel Hektar, 1912 gut 24 Hektar. Im Juli 1912 wurde nördlich des Neuen Friedhofs die monumentale Trauerhalle nebst Krematorium eröffnet. Der Jugendstil hielt Einzug.

Der Alte Jüdische Friedhof direkt im Anschluß an den „Neuen“, wurde zeitgleich angelegt. Die erste Beisetzung fand allerdings erst im Oktober 1828 statt. Und wieder war es ein Auswärtiger: ein Metzgermeister aus Offenbach.                

Der „Neue Friedhof“ wurde rasch belegt und wuchs abschnittweise nach Norden. Nach 1857 wurden pro Jahr mehr als 1.000 Bestattungen gezählt. 84 Jahre später, am 4. Juli 1912, wurde nördlich des Neuen Friedhofs die monumentale Trauerhalle nebst Krematorium eröffnet. Der Jugendstil hielt Einzug.

Aus den ursprünglich 5,5 Hektar (für damals gut 40.000 Einwohner) sind inzwischen rund 80 geworden, etwa 68.000 Verstorbene sind hier beigesetzt.

Der Rat der Stadt ging mit der Zeit und beauftragte den erst 31-jährigen Architekten

Vor allem anfangs des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof immer mehr erweitert, das „Neue Portal“ wurde errichtet. Der Friedhof dehnte sich immer mehr nach Norden Richtung Eckenheim und später auch nach Osten aus. Im Jahre 1927 war er rund 41,5 Hektar groß. Im Jahre 1929 entstand an der Eckenheimer Landstraße auch ein neuer jüdischer Friedhof, der wiederum einen eigenen Eingang hat. Inzwischen ist der Friedhof rund 70 Hektar groß. Seit Eröffnung wurden hier mehr als 400.000 Verstorbene begraben oder eingeäschert. Der Friedhof hat 68.000 Grabstellen. Es sind pro Jahr rund 2.500 Beerdigungen. Das im Krieg schwer beschädigte Alte Portal wurde 1953 wieder hergestellt, ebenso die Gruftenhalle und das Portal des an den Neuen (christlichen) Friedhof angrenzenden (alten) Jüdischen Friedhofs.

Heute müssen sich mehr als 400.000 seit damals Begrabene oder Eingeäscherte rund 70 Hektar teilen. So groß nämlich ist der Friedhof heute nach mehreren Erweiterungen. Im Jahre 1891 waren es schon siebzehndreiviertel Hektar, 1912 gut 24 und 1927 rund 41,5 Hektar. Je größer die Stadt wurde (1800 waren es 400.00 Einwohner gewesen), um so mehr Menschen mußten unter die Erde gebracht werden. Das Jahr 1829, das erste komplette Jahr des Neuen Friedhofs, verzeichnete 936 Beerdigungen. Erst 1857 wurde die Zahl von jährlich 1000 Bestattungen überschritten. Heute sind es pro Jahr rund 2500 Beerdigungen.

 

Bei einem Besuch des Friedhofs kann man in der Eckenheimer Landstraße entlang der Friedhofsmauer kostenlos parken. Dann geht man durch das Alte Portal, an dem auch das Garten- und Friedhofsamt untergebracht ist. Hier kann ein Rundgang beginnen.

Ein Spaziergang durch die alten Gewanne ergänzt das Lesen dicker Bücher zur Stadtgeschichte. Schopenhauer und Adorno, Ricarda Huch und der „Struwwelpeter"- Hoffmann samt seinem „Paulinchen“, Alois Alzheimer, Friedrich Stoltze oder Liesel Christ, NS-Opfer, Kriegsgefallene und Domherren, Industrielle wie Adolf von Brüning oder Mouson und ganze Bankiers-Dynastien, Oberbürgermeister und Wissenschaftler sind hier verewigt.

Der älteste Friedhofsteil liegt im Süden. Dort an der alten Mauer mit der Frankfurt-typischen „Kreuz- Reihung“ läßt die Pflege zu wünschen übrig, abgesehen von Diebstählen - das Holzhausen und  das Glauburg-Wappen sind verschwunden. Das älteste Kreuz von 1828 mit dem Namen „Anna Gertraude Buchke“ steht versteckt zwischen Bäumen. Der älteste Baum und ein Naturdenkmal ist eine 400-jährige Buche.

Man geht zunächst nach links an der Mauer entlang. Ein Wegweiser weist nach links zum Schopenhauergrab (Arthur Schopenhauer,1788-1860). Das Grab ist mit einer einfachen Grabplatte am Boden deckt. Das Grab ist schon fast an der ursprünglichen Mauer, an der man jetzt nach rechts entlang geht.

Hier soll das Grab des Arztes Heinrich Hofmann (1809-1894) sein. Ganz in der Nähe des StruwwelpeterAutors liegt die 15jährige Frankfurterin Paulinchen Schmidt (1840-1856), die das Vorbild für sein „Paulinchen“ abgab. Die Tochter eines mit Hoffmann befreundeten Arztes hatte als Vierjährige tatsächlich durch das Spielen mit Zündhölzern einen Zimmerbrand ausgelöst, ihn im Gegensatz zur Bildgeschichte aber überlebt. Gestorben ist sie an Schwindsucht.

Entlang der Mauer kommt man zum Grab der Familie Neckermann und zu einer Grabstelle, an der der Leichen gedacht wird, die der Universität zur Verfügung gestellt wurden. Schließlich kommt man zu den 57 Gruften auf der rechten Seite. Wenn man dann noch ein ganzes Stück an der Mauer weiter geht, trifft man auf das Grab des Arztes Alois Alzheimer und seiner Frau.

Zurück geht man auf der anderen Seite der Mauer. Dort trifft man auf eine erst wenige Jahre alte Begräbnisstätte für tot geborene Kinder mit Teddybärchen und Windmühlen in den Bodendeckern. Das Grab erinnert daran, daß Sterben und Leid keine Geißel allein der Vergangenheit darstellt. Neu ist das Grab von Willi Berking, der Leiter des Tanzorchesters des Hessischen Rundfunks. Auf beiden Seiten der Mauer finden sich auch Gräber katholischer Geistlicher.

Verspielte Putten umflattern das Porträt des Hugo Kessler, gestorben im September 1905, wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag. „Meinem geliebten einzigen Sohne“ verrät die Schrift. Das Halbrelief des jungen Mannes schwebt, umrankt von gemeißelten Rosenbuketts, am Marmor-Obelisk weit über Augenhöhe. Unerreichbar für das Frauenporträt nebenan, dicht überm Erdboden, halb überwölbt von einem trauernden Engel, den Blick zu Hugo Kessler erhoben: Auguste Ferdinanda Kessler - die Mutter? Die Frau starb 1909 im Alter von 47 Jahren.

Ein unbekannter Meister dagegen applizierte einen neugierigen Salamander auf den glatten Schaft einer abgebrochenen Säule, die auf dem Grab des Patrick James Ford steht. Geboren 1946 in Appleton/Wisconsin, gestorben 1989 in Frankfurt. Für Uneingeweihte rätselhaft ist der Grabstein eines 2001 verstorbenen Chemikers: Die kleine, weiße Pyramide ist an drei Seiten geschmückt mit Hieroglyphen, Keilschrift und arabisch anmutenden Zeichen. Auch für Analphabeten verständlich dagegen der Propeller am Stein für des 1941 ums Leben gekommenen Fluglehrers der Luftwaffe.

Im alten Friedhofsteil tauchen ausländische Namen als Besonderheiten auf - etwa auf dem Gedenkstein des Constantin Savvas, Professor der Universität Athen, verstorben 1929. Im neuen Teil sind italienische, spanische, slawische und asiatische Namen zunehmend präsent, und zuweilen haben deutsche Familien deren Beispiel übernommen, Fotos der Verstorbenen an den Grabstein oder das Holzkreuz zu hängen.

 

Um weitere Gräber zu finden, braucht man sicher einen Führer. Ein Spaziergang durch die alten Gewanne ergänzt das Lesen dicker Bücher zur Stadtgeschichte. Hier finden sich die Gräber der Dichterin Ricarda Huch und des Dichters Friedrich Stoltze, des Oberbürgermeisters Franz Adickes und des letzten Bürgermeisters der freien Stadt Frankfurt Carl Constantin Victor Fellner (1807-1866), der sich an seinem 59. Geburtstag daheim im Garten an der Ost-Zeil erhängte, und das Grab des Oberbürgermeisters nach dem Zweiten Weltkrieg Walter Kolb.

Hier liegen begaben Soziologe Theodor Adorno, der Komponist Eduard Goltermann (18241898), die Volksschauspielerin Liesel Christ (1995), der Kabarettist Matthias Beltz 2002), Industrielle wie Adolf von Brüning oder Mouson und ganze Bankiers-Dynastien. Auch die Schöpfer des Friedhofs, Rumpf und Rinz, liegen heute noch in Ehrengräbern. Dazu kommen NS-Opfer, Kriegsgefallene und Domherren.

Wenn man wieder an der westlichen Mauer angekommen ist, geht man nach Norden. Rechts liegt als Sinnbild mittlerweile leerer Prachtentfaltung das Sandstein-Mausoleum, das Friedrich Maximilian Hessemer für die Gemahlin des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen erbaut hat, Gräfin Emilie Reichenbach-Lessonitz, geborene Ortlepp. Ein Obelisk auf der rechten Seite erinnert an die Opfer der Revolution von 1848.

Dann kommt man an die Eckenheimer Mauer, die aber heute vielfach durchbrochen ist. Man kommt vorbei an teils restaurierten, teils verfallenden Grabmalen, an von Spinnweben umsponnenen Büsten, unleserlich verwitterten Steintafeln und großen wie unspektakulären Namen.

Schließlich gelangt man zur Trauerhalle mit angeschlossenem Krematorium am „Neuen Portal“. Östlich liegt eine große Wiese, von der strahlenförmig Wege ausgehen mit so schönen Namen wie Lebensbaumweg oder Lindenweg oder Christusdornweg. Der Friedhof erstreckt sich von hier noch weit nach Norden bis zum Marbachweg. Man kann mit einem kleinenBus sich zu den Gräbern fahren lassen.

In den 70er/80er Jahren wurden viele Denkmäler zerstört, und zwar von Amts wegen als Folge der seit 1970 geltenden Liege-Frist. Da waren uralte Ruhestätten auf einmal „abgelaufen“ und wurden beseitigt. Zum Beispiel das Grab des Rittmeisters Adolph von Holzhausen. Daraufhin ist das Grab 1997 wieder hergestellt worden; seither pflege es eine Genossenschaft der Friedhofsgärtner. Wer nicht in den illustren Kreis der Ehrengrab-Berechtigten gehört, dessen Ruhestätte wird 20 Jahre nach der letzten Belegung geräumt. Freilich nur das Grab selbst. Die Gebeine bleiben im Boden, die neuen Beisetzungen finden darüber statt.

Dicht ans moderne Lebensgefühl kommt die „Schließfachanlage“ für Urnen, nahe dem Gräberfeld der Kriegstoten und Nazi-Opfer. Pro Steinelement vier Etagen, jeweils drei bis acht Elemente stehen nebeneinander - chronologisch wie geschmacklich weit entfernt von dem Urnenmäuerchen des Frankfurter Vereins für Feuerbestattung, das unter Denkmalschutz steht.

 

Der Hauptfriedhof Frankfurt ist Ruhestatt, Park und historischer Ort. Das älteste Kreuz von 1828 mit dem Namen „Anna Gertraude Buchke“ steht versteckt zwischen Bäumen. Der älteste Baum und Naturdenkmal ist eine 400-jährige Buche. Auf den über 60.000 Gräbern stehen Namen, die zu Frankfurt gehören wie der Main: Die Dichterin Ricarda Huch, der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860), der Dichter Friedrich Stoltze, die Oberbürgermeister Franz Adickes und Walter Kolb, die Ärzte Alois Alzheimer und Heinrich Hofmann (1809- 1894), der Soziologe Theodor Adorno. Im Jahre 1995 wurde die Volksschauspielerin Liesel Christ bestattet, im Jahre 2002 der Kabarettist Matthias Beltz. Unweit von seinem Gartengrab schimmert des Gans’schen Mausoleum durchs Grün.

Die Grabstatt des letzten Bürgermeisters der freien Stadt Frankfurt - Carl Constantin Victor Fellner (1807-1866), der sich an seinem 59. Geburtstag daheim im Garten an der Ost-Zeil erhängte - ist total verkrautet. Die Wand-Platte am Grab des Komponisten Eduard Goltermann (18241898) liegt zerbrochen am Boden.

Unweit des Struwwelpeter-Autors liegt die 15jährige Frankfurterin Paulinchen Schmidt (1840-1856),  die das Vorbild für sein „Paulinchen“ abgab. Die Tochter eines mit Hoffmann befreundeten Arztes hatte als Vierjährige tatsächlich durch das Spielen mit Zündhölzern einen Zimmerbrand ausgelöst, ihn im Gegensatz zur Bildgeschichte aber überlebt. Gestorben ist sie an Schwindsucht.

Wer nicht in den illustren Kreis der Ehrengrab-Berechtigten gehört, dessen Ruhestätte wird 20 Jahre nach der letzten Belegung geräumt. Freilich nur das Grab selbst. Die Gebeine bleiben im Boden, die neuen Beisetzungen finden darüber statt. In den 70er/80er Jahren wurden viele Denkmäler zerstört, und zwar von Amts wegen als Folge der seit 1970 geltenden Liege-Frist. Da waren uralte Ruhestätten auf einmal „abgelaufen“ und wurden beseitigt. Zum Beispiel das Grab des Rittmeisters Adolph von Holzhausen. Daraufhin ist das Grab 1997 wieder hergestellt worden; seither pflege es eine Genossenschaft der Friedhofsgärtner.

„Was macht denn Karl Valentin hier?“ zuckt es durchs Gehirn, als auf einem mannshohen Naturstein das Porträtmedaillon mit dem Profil eines Mannes ins Auge fällt. Pardon, Herr Professor Dr. phil. Theodor Petersen, auf dem Hauptfriedhof wohnhaft seit 1918. Seine liebende Schwester, die laut Inschrift das Grabmal errichten ließ, konnte das natürlich nicht ahnen - aber die Ähnlichkeit ist verblüffend. Ein paar Schritte weiter entsteht angesichts der Inschrift eines schlichten Steinkreuzes im Kopf der Anfang eines Romans. Was hat bloß den Johann Philipp Valentin, geboren am 15. Februar1805 in Frankfurt am Main, bewogen, sich auf hohe See zu begeben? Überlebt hat er das Abenteuer nicht: Er starb am 17. August 1851 auf dem Schiffe während der Fahrt nach dem „Cap der guten Hoffnung“. Die Tafel hält lediglich das Andenken aufrecht. Bestattet ist hier Anna Maria Valentin, geboren 24. Mai 1812 am „Cap der guten Hoffnung“, gestorben 1855 in Frankfurt am Main. Wann und wie mögen sich Wege der beiden gekreuzt haben? In welcher Beziehung standen sie wohl? Welches Schicksal stand dahinter? Fernreisen waren damals ja noch kein Massendelikt.

Mitten im ältesten Teil des Friedhofs mit seinen Engeln, Säulen, Tempel-Fassaden, Obelisken und Steinamphoren, an der Sandsteinmauer, die sich genüßlich abschreiten läßt wie der Saal einer Gemäldegalerie, bricht die Gegenwart ein. Die erst wenige Jahre alte Begräbnisstätte für tot geborene Kinder mit Teddybärchen und Windmühlen in den Bodendeckern erinnert inmitten der Kulturhistorie, daß Sterben und Leid keine Geißel allein der Vergangenheit darstellt.

Dennoch: Die mit dem Verlust eines geliebten Menschen verbundenen Gefühle wurden deutlicher dargestellt, der Nachwelt konserviert.

Verspielte Putten umflattern das Porträt des Hugo Kessler, gestorben im September 1905, wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag. „Meinem geliebten einzigen Sohne“ verrät die Schrift. Das Halbrelief des jungen Mannes schwebt, umrankt von gemeißelten Rosenbuketts, am Marmor-Obelisk weit über Augenhöhe. Unerreichbar für das Frauenporträt nebenan, dicht überm Erdboden, halb überwölbt von einem trauernden Engel, den Blick zu Hugo Kessler erhoben: Auguste Ferdinanda Kessler - die Mutter? Die Frau starb 1909 im Alter von 47 Jahren.

Unweit davon erhebt sich als Sinnbild mittlerweile leerer Prachtentfaltung das Sandstein- Mausoleum, das Friedrich Maximilian Hessemer für die Gemahlin des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen erbaut hat, Gräfin Emilie Reichenbach-Lessonitz, geborene Ortlepp.

 

 

Ein unbekannter Meister dagegen applizierte einen neugierigen Salamander auf den glatten Schaft einer abgebrochenen Säule, die auf dem Grab des Patrick James Ford steht. Geboren 1946 in Appleton/Wisconsin, gestorben 1989 in Frankfurt. Für Uneingeweihte rätselhaft in der Aussage wie der Grabstein eines 2001 verstorbenen Chemikers. Die kleine, weiße Pyramide ist an drei Seiten geschmückt mit Hieroglyphen, Keilschrift und arabisch anmutenden Zeichen. Auch für Analphabeten verständlich dagegen der Propeller am Stein für des 1941 ums Leben gekommenen Fluglehrers der Luftwaffe.

Der Atem der Geschichte weht Spaziergänger an, wenn sie sich auf den „Gruftenweg“ begeben - eventuell auch der Fahrtwind eines Radlers, der sich eine autofreie, landschaftlich schöne Nord-Süd-Verbindung ausgewählt hat. Diese Zeitgenossen gehören zu den unerwünschten Begleiterscheinungen des Park-Friedhofs, der durchaus Zugeständnisse macht an die Bedürfnisse der Besucher. An Wegkreuzungen stehen Brunnenbecken mit Wasserzapfsäulen und minimalistischen Metallgestängen, die mit grünen Plastik-Gießkannen behängt sind. Hier treffen sich die Stamm-Besucher zum Plausch.

Bänke stehen in lauschigen Ecken. Auf einer sitzen an diesem Vormittag Ingo Andree und Frau Edith, Ex-Frankfurter, die es nach Bad Harzburg verschlagen hat und die bei jedem Besuch in Frankfurt auf den Hauptfriedhof kommen. Nicht nur, um das Grab des Vaters zu pflegen, wie Ingo Andree beteuert: Das ist hier ein einmaliger Park - und das mitten in der Stadt. Und trotzdem anders als andere Parks. Die Vorstellung, daß hier Leute „auf Decken liegen und Kofferradios“ aufdrehen, wäre ihm ein Graus.

Dicht ans moderne Lebensgefühl kommt die „Schließfachanlage“ für Urnen, nahe dem Gräberfeld der Kriegstoten und Nazi-Opfer. Pro Steinelement vier Etagen, jeweils drei bis acht Elemente stehen nebeneinander - chronologisch wie geschmacklich weit entfernt von dem Urnenmäuerchen des Frankfurter Vereins für Feuerbestattung, das unter Denkmalschutz steht.

Mit dem Verlassen des Kernbezirks mit den alten, vertrauten, vornehmen Namen rückt die Gegenwart stärker ins Bewußtsein. Rasenmäher, Autolärm, Flugzeuge bestimmen hinterm Vogelgezwitscher wieder die Wahrnehmung. Die Bäume werden jünger, die noch unbelegten Wildwuchs-Flächen größer, und die Phalanx von dicht an dicht belegten Reihengräbern mit ihrem bunten, frischen Blumenschmuck entsprechen der Relation zwischen großbürgerlichem Palais und Wohnblock am Stadtrand.

Im alten Friedhofsteil tauchen ausländische Namen als Besonderheiten auf - etwa auf dem Gedenkstein des Constantin Savvas, Professor der Universität Athen, verstorben 1929. Im neuen Teil sind italienische, spanische, slawische und asiatische Namen zunehmend präsent, und zuweilen haben deutsche Familien deren Beispiel übernommen, Fotos der Verstorbenen an den Grabstein oder das Holzkreuz zu hängen.

 

Paulinchen verbrannte jämmerlich im Struwwelpeter. Das Grab ihrer Namensgeberin Pauline Schmidt auf dem Frankfurter Hauptfriedhof wird noch heute immer wieder von Blumen geschmückt. Besucher legen sie auf das Efeu vor dem schlichten Kreuz. Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof gibt es aber weit mehr Grabstätten. die einen Besuch lohnen. Dazu gehören vor allem die 209 Ehrengräber, Ruhestätten bekannter Persönlichkeiten wie Theodor Adorno oder Alois Alzheimer. Daneben stehen rund 1200 Grabstätten unter Denkmalschutz.

Bei seiner Eröffnung im Jahr 1828 lag der Hauptfriedhof 20 Gehminuten außerhalb der Stadt, heute haben ihn die Häuser längst eingekreist. Mit seinen rund 70 Hektar Fläche ist er Beerdigungsstätte und Park zugleich. Jetzt, im Herbst, haben Winterpflanzen wie Erika die Blumen auf den Gräbern verdrängt. Rote und gelbe Blätter färben Wege und Grabplatten bunt, das feuchte Moos auf den verwitterten Kreuzen leuchtet sattgrün. Das alles schafft eine romantisch-morbide Atmosphäre. Es lohnt sich, im Herbst auf Spurensuche zu gehen. „Wir hatten sogar schon Japaner hier, die nach Paulinchens Grab gefragt haben“, sagt Sibylle Mersinger vom Grünflächenamt der Stadt. Irgendjemand hat ein kleines goldenes Engelchen an ihr Kreuz gelegt.

Die Ruhestätte des Philosophen Arthur Schopenhauer ist deutlich imposanter. Eine Hecke rahmt die weitläufige Fläche mit der schlichten Grabplatte ein. Auch hier hat ein Unbekannter Blumen zurückgelassen. An der Mauer zur Eckenheimer Landstraße ist der Philosoph und Soziologe Adorno begraben. an der Mauer zum Alten Jüdischen Friedhof der Arzt Alois Alzheimer, Zwergmispeln mit roten Beeren bedecken sein Grab.

Ein „Wegweiser zu den Grabstätten bekannter Persönlichkeiten auf Frankfurter Friedhöfen“ kann bei der Genossenschaft der Friedhofsgärtner: Eckenheimer Landstraße 192, 60320 Frankfurt, zum Preis von 3,50 Euro gekauft werden.

 

 

 

 

Der Rückweg entlang der „Eckenheimer Mauer“ führt vorbei an teils restaurierten, teils verfallenden Grabmalen, an von Spinnweben umsponnenen Büsten, unleserlich verwitterten Steintafeln und großen wie unspektakulären Namen. Und bevor das „Alte Portal“ die Besucher wieder in die Gegenwart entläßt, hat sich der Eindruck über den Ausflug in die ersten drei Viertel von 175 Jahren Stadtgeschichte zu einem einzigen Wort verdichtet: Würde.

 

Bertramshof:

Die Übergänge über die Landwehr wurden durch Warten oder Schläge befestigt. Zwischen dem Eisernen Schlag an der Grenze nach Eschersheim und der Friedberger Warte lag der Berrtamshof. Die befestigten Höfe rund um Frankfurt sollten den Landwirtschaft betreibenden Bewohnern Schutz vor Angreifern bieten und waren mit Gräben und einer Zugbrücke versehen. Im 14. Jahrhundert wurde er nach einem adligen Geschlecht Knoblauchshof genannt. Später ging der Hof in den Besitz des Geschlechtes der Betram und von Kühorn über, die aus Württemberg stammten. Der Kühornshof war ringsum von einem Graben mit fließendem Wasser umgeben, über den nur ein Aufzugbrücke den Zugang gestattete. Doch die Mauer war wohl schon 1476 stark zerstört, als die neue Landwehr dicht hinter dem Hof angelegt wurde. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts standen hier aber die Reste eines alten Tores mit Schießscharten. Links von der Brücke befand sich ein Brunnen und bei diesem ein steinerner Tisch mit Bänken..

Der Name „Dornbusch“ kommt von einer Dornenhecke, die einen Teil d er Stadtbefestigung war.

 

Güntersburg:

Südöstlich des Hauptfriedhofs liegt der Güntersburgpark. Hier besaß im Jah1306 Rulmann Weiß von Limburg einen befestigten Hof. Im Jahre 1323 war er Bürgermeister und 1327 Schultheiß. Der Hof war mit einem Wassergraben umgeben und die beidenEingänte waren mit Zugbrücken versehen.

Etwa 100 Meter westlich des Güntersburgparks, wo die Böttgerstraße in die Hartmann-Ibach-Straße mündet, lag ein römischer Gutshof.

 

Es gibt einen alternativen Rückweg: Über den Marbachweg kommt man über die Autobahn A 661 und nach rechts über die Friedberger Landstraße. Jetzt kann man am Huthpark vorbei weiterfahren aber auch durch das Gelände der Blumengroßmarkthalle auf einen Trampelpfad entlang der Autobahn und dann auf eine Radweg zur Heinz-Herbert-Karry-Straße. Von dort geht es durch Seckbach und Enkheim weiter.

 

Schule im Philanthropin (Hebelstraße westlich der Friedberger Landstraße)

Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt hat gestern wieder eine Schule im historischen Philanthropin eröffnet. In der I. E. Lichtigfeld Schule werden rund 400 Kinder - jüdische und nichtjüdische - unterrichtet. Die Ganztagsschule hat einen Gymnasialzweig. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Salomon Korn, sagte, die Jüdische Gemeinde übergebe das Philanthropin nach umfangreicher Sanierung wieder seiner ursprünglichen Bestimmung. Hier sollten jüdische Kultur, Tradition und Wissen im humanistischen Gedanken gelehrt werden. Philanthropin heißt „Stätte der Menschlichkeit”.

Das Philanthropin war 1804 von der Israelitischen Gemeinde Frankfurts als „Schul-und Erziehungsanstalt für arme jüdische Kinder” gegründet worden. Die einst größte jüdische Schule Deutschlands stand von 1811 an auch nicht-jüdischen Kindern offen. „Philanthropin” heißt „Stätte der Menschlichkeit“. Von 1819 an wurde die Schule von der Israelistischen Gemeinde Frankfurts finanziert.

Im Jahre 1908 zog die Schule in das neu errichtete Gebäude im Nordend. Die Nationalsozialisten schlossen die Schule und richteten dort ein Reservelazarett ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Jüdische Gemeinde das Haus zurück, verkaufte es aber 1979 an die Stadt, um mit dem Erlös das Gemeindezentrum zu finanzieren.

25 Jahre später kaufte die zweitgrößte Jüdische Gemeinde in Deutschland das Philanthropin von der Stadt zurück, um die jüdische Schule dort unterzubringen, weil die bisherigen Räume im Gemeindezentrum zu klein geworden waren. Mit Beginn des Schuljahrs 2006/2007 und nach umfangreicher Sanierung werden rund 400 jüdische und nichtjüdische Kinder in der „I. E. Lichtigfeld-Schule im Philanthropin” unterrichtet.

Im Jahre 1979 verkaufte sie es an die Stadt, um mit dem Erlös ihr neues Gemeindezentrum finanzieren zu können. 25 Jahre später kaufte die zweitgrößte Jüdische Gemeinde in Deutschland das Philanthropin von der Stadt zurück, um die jüdische Schule dort unterzubringen, weil die bisherigen Räume im Gemeindezentrum zu klein geworden waren. Mit Beginn des Schuljahrs 2006/2007 und nach umfangreicher Sanierung werden rund 400 jüdische und nichtjüdische Kinder in der „I. E. Lichtigfeld-Schule im Philanthropin” unterrichtet (Oktober 2006).     

           

Die Lichtigfeld Schule war in den vergangenen 20 Jahren im Jüdischen Gemeindezentrum in Frankfurt untergebracht. Weil es dort zu eng geworden war, hatte die Gemeinde sich entschlossen, 2004 das Philanthropin von der Stadt zurückzukaufen. Mit Unterstützung von Stadt Frankfurt und Land Hessen wurde in den vergangenen zwei Jahren der Umbau bewältigt, dessen Kosten mit zwölf Millionen Euro veranschlagt waren. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) würdigte den Mut des Gemeindevorstands, sich für die Schule im Philanthropin zu entscheiden. Die Vergangenheit, die Nazi-Zeit dürfe es nicht unmöglich machen, mit Offenheit etwas Neues zu schaffen. Die Schule sei ein Symbol für alle jüdischen Gemeinden in Hessen. Es sei wichtig zu wissen, „dass wir an einem historischen Ort sind und zu wissen, dass man in einer ganz normalen Schule ist”.

Der Schuldezernent der Jüdischen Gemeinde Dieter Graumann - wie Korn Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland - sagte, bei dem Entschluss, das Philanthropin wieder als Schule zu nutzen, habe es in der Gemeinde viele Kritiker gegeben. „Einige davon sitzen auch hier.” Durch den Umzug ins Philanthropin könne die Schule jetzt noch mehr nichtjüdische Schüler aufnehmen. Das biete die Chance für ein „Zusammenleben im Kleinen”. Schulleiterin Alexa Brum meinte, die jungen Menschen sollten in der Schule „zu traditionsbewussten, selbstbewussten Juden und selbstbewussten Bürgern” werden. „Die Mitgestaltung des Schullebens und die Übernahme von Verantwortung müssen selbstverständlich sein.”

 

 

Rundfahrt : Heddernheim - Niederursel – Nordwest - Praunheim

 

Autobahn 66 auf alten Pfaden

Eine andere Römerstraße, die Elisabethenstraße, die von Mainz nach Hofheim und bis Marburg verlief, ist heute eine der am meisten befahrenen Straßen in Hessen - die A 66. Das Teilstück vom Krifteler Kreuz bis nach Eschborn verläuft genau auf der historischen Trasse. Sie endet in Heddernheim auf dem alten Marktplatz.

  

Heddernheim:

Wenn man von Eschersheim kommt, fährt man nicht über die ganze Maybachbrücke, sondern geht schon rechts hinunter und dann in die Straße „Alt Heddernheim“. Heddernheim entstand zur Zeit der fränkischen Landnahme um 500 n. Chr. unweit der bedeutenden römischen Siedlung Nida. Im Jahre 802 wird es als „Phetternheim“ erstmals urkundlich genannt. Vom 12. Jahrhundert bis 1803 gehörte zu Kurmainz (danach bis 1866 zu Nassau, dann zu Preußen und seit 1910 zu Frankfurt). Lehensträger waren die Herren von Praunheim und ihre Erben, die Herren von Riedt.

Ihr Schloß steht in der Straße „Alt-Heddernheim“ (rechts). Philipp Wilhelm von Riedt, kurfürstlicher Geheimrat, Obrist, General und Gouverneur der Festung Mainz, erbaute es 1740. Der Haupttrakt - mit gut erhaltenem Wappen an der Längsseite - steht noch. Nach Philipp Wilhelm von Riedts Tod 1764 kam das Schloß an die Herren von Breidbach, die später nassauische Beamte wurden. Der Herzog von Nassau kam selbst oft zu Empfängen ins Schloß. Seit 1878 beherbergte das Schloß ein Damenstift, heute befinden sich eine Kindertagesstätte und Wohnungen darin.

In der Grünanlage auf der gegenüberliegenden Seite gleich rechts steht ein Pumpenbrunnen. Er besteht aus einem schweren Sandsteinquader, den eine Kugel krönt, so wie sie sich auch mit anderen am Schloßeingang wiederfindet. Er wurde zur selben Zeit wie die sogenannte „Gemaa-Bumb“, die Gemeindepumpe, errichtet.

Diese steht links in der Straße vor dem Haus Nr. 47. Ein schlichter klassizistischer Sandsteinpfeiler auf würfelförmigem Sockel mit Becken wird von einer Platte mit Kugel bekrönt. Die seitlichen, jedoch verschieden hoch angebrachten Schwengel, ermöglichten auch Kindern zu pumpen. Es war die erste öffentliche Pumpe, der Schaft trägt die Jahreszahl 1839.

Die Errichtung des Brunnens in diesem Jahr gab Veranlassung zum ersten Fastnachtszug in Heddernheim. Dies berichtet uns eine Tafel am Brunnen, die 1950 angebracht wurde und dem damaligen Gemeinderat aus Dankbarkeit beim 111jährigen Jubiläum der Heddemer Fassenacht von den Heddemer Käwwern gewidmet wurde. Die „Gemaa-Bumb“ ist bis heute das Symbol der Heddernheimer Fassenacht und Ausgangspunkt des traditionellen Fastnachtszuges am Fastnachtsdienstag.

Nach rechts fährt man dann durch die Diezstraße und links in die Wörbachstraße und wieder rechts in die Straße „In der Römerstadt“. Nach dem Linksknick geht es kurz hinter der Haltestelle „Habelstraße“ an den Kleingärten links in einen Fußweg, der an der Stützmauer unterhalb der Straße „An der Ringmauer“ entlang führt. Zwischen der zweiten und dritten Bastion steht der Römerbrunnen bzw. ein unscheinbarer Brunnenrand.

Hier war der Südteil der römischen Stadt „Nida“. Auf der fruchtbaren Lößterrasse rechts der Nidda war nach den Chattenkriegen 83/84 n. Chr. unter Kaiser Domitian an strategisch günstiger Lage und an der Heerstraße von Mainz in die Wetterau ein Kastell entstanden. Vor seinen Toren bildete sich bald ein Lagerdorf. Als die Verteidigungslinie auf den Taunuskamm und die Garnison auf die Saalburg verlegt worden waren, blieb Nida wichtiger Etappenort, der mit der Saalburg durch eine schnurgerade Straße verbunden war. Nida stieg bald zum Marktflecken und Verwaltungsmittelpunkt des Wetteraugebietes auf - mit Tempel und Thermen, mit Forum und Amphitheater. Nach dem Einfall der Alemannen wurde Nida um 260 aufgegeben. Die Mauern verfielen, die Steine wurden anderweitig verwendet. Nur wenige Spuren des römischen Nida haben sich an Ort und Stelle erhalten wie der Römerbrunnen (und die römischen Töpferöfen am Rande des Nordwest- Zentrums).

Der Römerbrunnen gehörte zu einer römischen Villa (Landhaus). Auf den Fundamenten dieser Villa erbaute 1584 Philipp Wolf von Praunheim - Lehnsträger des Erzbischofs von Mainz, des Landesherrn von Heddernheim - das „neue Schloß“ und Hofgut „Philippseck“. Er war der letzte Sproß der Linie der Klettenberger. Der Brunnen der römischen Villa wurde auch der Brunnen des Schlosses, was ihn damals vor der Zerstörung bewahrte. Das Schloß und die zugehörige Mühle wurden 1631 von den Schweden zerstört, aber der Brunnen blieb.

Westlich des Brunnens liegt heute die „Römerstadt“, eine Siedlung, die in den Jahren 1927 bis 1929 durch Ernst May im Stil des neuen Bauens als Trabantenstadt im Grünen erstellt wurde.

Mit den Siedlungen Praunheim und Westhausen entstanden so in den zwanziger Jahren 3 850 Wohnungen „fern vom Häusermeer der Großstadt, umgeben vom Grün der Anlagen und Gärten, die engste Beziehungen zwischen Mensch und Natur innerhalb der Großstadt” ermöglichen sollten, wie es damals optimistisch hieß.

Nach rechts kann man einen Abstecher machen durch die Ernst-Kahn-Straße und eine Unterführung zum Nordwestzentrum. An der Südostseite, in Büschen versteckt, ist ein kleines Haus mit römischen Töpferöfen, die man durch die Fenster sehen kann. Man hat vor der römischen Ansiedlung Nida 106 Töpferöfen gefunden, etwa 150 werden insgesamt vermutet. Die Siedlung bestand seit 75 nach Christus. Seit 110 war sie als „civitas taunensium“ Hauptort des Verwaltungsbezirks Wetterau.

Auch im weiteren Verlauf der  Straße stehen schon Hinweistafeln auf das römische „Nida“. Am Friedhof stand das „praetorium“, ein Unterkunftshaus mit 100 Zimmern. Hier war das Zentrum der Römerstadt, den Nordteil bedeckt ein Teil der Nordweststadt. In Höhe der Brücke über die Rosa-Luxemburg-Straße stand ein Ehrenbogen. Am Ende der Straße ist man in Praunheim.

 

Praunheim:

Im Jahre 1910 war Praunheim nach Frankfurt eingemeindet worden.

Im Ort gab es ein römisches Gräberfeld aus der Niederlassung Nida (nördlich und südlich der früheren Elisabethenstraße, heute Heerstraße). An der Stelle des Dorfes Praunheim entwickelte sich auch an der Römerstraße nach Westen das vicus canabarum, des Weinkellerdorf. Eine villa rustica mit großem Wirtschaftsgebäude und Weinkeller wurde auf der Praunheiemr Seite gegenüber dem nördlichen Westtor von Nida aufgedeckt.

Zwischen Ludwig-Landmann-Straße und der Nidda , südlich der Praunheimer Hohl (in Höhe der Ebelfeldschule) war eine römische Ansiedlung, die im 4. Jahrhundert von den Alamannen genutzt wurde.

 

Dicht vor dem Westtor und dem Osttor von Nida lagen die Klettenburg, die den Grafen von Solms-Rödelheim gehörte, und die Burg Philippseck, die den Herren von Praunheim gehörte.

Nach Verfall der Römerstadt bildete sich westlich der Klettenburg der Ort Praunheim und östlich von Philippseck bildete sich das Dorf  Hetterenheim (Heddernheim), die 1132 urkundlich erwähnt werden

In dem aus einem fränkischen Königsgut hervorgegangenen Dorf saßen die Ritter von Praunheim, die 1222 erstmals vorkommen und über Jahrhunderte den königlichen Schultheiß in Frankfurt stellten. Trotz des fast erdrückenden Neubaurings ist neben der evangelischen Auferstehungskirche, 1770 anstelle einer Vorgängerin erbaut, der dörfliche Kern Praunheims mit seinen engen Gassen, schmalgiebeligen Fachwerkhäusern erhalten geblieben.

Um dieses Quartier zu umrunden geht man an der Kirche vorbei die Graebestraße hinauf, links in die Straße Alt-Praunheim mit ihren nur wenige Zentimeter breiten Bürgersteigen, vollzieht den Abwärtsbogen und hat dabei nochmals Gelegenheit zum Einkehren bei selbstgekeltertem Apfelwein. Südwärts schließt sich ein Altarm der Nidda mit seinen urwüchsigen alten Bäumen und Sträuchern an. Die Vegetation läßt hier erahnen, wie die einst unbegradigte Nidda einmal am gesamten Lauf ausgesehen haben muß. Mit großem Aufwand wird der Fluß an vielen Stellen sogar wieder „naturnah” rückgebaut. Über den Praunheimer Weg geht es dann weiter nach Niederursel. Dabei kann man auch einen Bogen nach rechts durch den Martin-Luther-King-Park machen und über den Eduard-Bernstein-Weg nach Niederursel fahren.

 

Niederursel:

Man biegt links ab in den Weißkirchener Weg und dann nach rechts in den  Kirchgartenweg. Dort stehen prachtvolle Fachwerkhäuser. Am Ende steht rechts das „Frankfurter Rathaus“, ein barockes Fachwerkhaus von 1716. Im Jahre 1714 war nämlich der Ort geteilt worden, die eine Hälfte kam zu Frankfurt, das daraufhin sein Rathaus baute. Im Jahre 1910 wurde Niederursel nach Frankfurt eingemeindet. Der ganze Ortskern zeichnet sich durch  reizvolle Fachwerkhäuser aus.

Nach links kommt man zur Gustav-Adolf-Kirche. Größe und Baustil der Kirche wollen eigentlich nicht so recht in den alten Ortskern passen, sprengen aber doch keineswegs den dörflichen Maßstab. Die schon 1402 erwähnte frühere St. Georgskapelle bereitete den Niederurselern stets viel Kummer. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts war sie baufällig, darüber hinaus auch viel zu klein. So nahm man den Bau einer neuen Kirche in Angriff. Am Ostersonntag 1927 fand der letzte Gottesdienst in der alten Georgskapelle statt, am folgenden Tag begann man sie abzubrechen und ein neues Gotteshaus zu bauen.

Die neue Kirche (Gustav-Adolf-Kirche) wurde nach den Plänen des Architekten Martin Elsässer, eines Mitarbeiters von Ernst May, erbaut. Bautechnik und Planung waren revolutionär. Die Kirche ist ein Zentralbau mit einem gleichschenkeligen Achteck als Grundriß und wurde einschließlich Dach aus Beton gegossen. Die wichtigsten Teile der alten Kirche - das Kruzifix und die in Holz geschnitzten Schriftbänder von 1613 - wurden in die neue Taufkapelle integriert.

Beim Neubau der Kirche baute man einige alte Architekturteile von 1851 verlegten Kirchhof in die Kirchhofsmauer ein. An der Ecke zum Kirchgartenweg befindet sich eine Tür mit einer eisernen Kette und mit der im Türsturz eingemeißelten Jahreszahl 1600, die in ein dunkles Loch führt. Es handelt sich dabei um den „Gehorsam“, das Ortsgefängnis von Niederursel, genauer: um die Gefängnistür und die Prangerkette, an die die Verbrecher zum Gespött des Volkes angekettet wurden. An der Nordseite der Kirchhofsmauer baute man ein: Den Grabstein des Zigeuners Johannes Demulin von 1669, eine Grabplatte, einen Türsturz mit romanischem Kreuz und das Gewände eines Dreipaßfensters.

Nördlich der Kirche ist eine Dorfschmiede von 1929. In der Obermühlstraße steht die Trockenscheune der 1695 erbauten Untermühle. Über den Dorfwiesenweg kommt man nach rechts zum Oberurseler Weg. Von dort kann man nach links einen Abstecher machen (nicht auf der modernen Straße, sondern auf dem schmalen Weg daneben) zu Schilasmühle, Papiermühle, Hohe Mühle, zum jüdischen Friedhof  und zur Krebsmühle (Antike Möbel, „Der schönste Laden Frankfurts“). Im Oberurseler Weg nach rechts ist noch ein jüdischer Friedhof.

Wieder im Ort biegt man rechts in die Spielersgasse (Spielsgasse) ein mit den Reste der alten Urselbachbrücke. Am Urselbach entlang fährt man zur Untermühle, dann aber wioeder nach links ind en Krautgartenweg und diesen immer entlang unterhalb des Chemischen Instituts zum Bonifatiusbrunnen (siehe Kalbach). Durch die Straße „Zur Krutzenkirche“ geht es rechts in die Olof-Palme-Straße. Dort liegt das Naturschutzgebiet Riedwiesen.

 

 

Die Riedwiesen bei Niederursel

Mitten im Grüngürtel schneidet der landschaftsuntypische Müllberg, der aus dem hochbelasteten Erdreich und dem Bauschutt der Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM), früher Heddernheimer Kupferwerke, besteht. Er ist heute eine Beule ins Naturschutzgebiet Riedwiesen. Und obendrauf die Autos, Platz ist für 750 Stück in Baumwipfelhöhe. Die Dämme, die den Parkplatz einfassen,

Die VDM verarbeitete damals - unter Einsatz von Kriegsgefangenen - für Luftfahrt und Rüstungsindustrie Kupfer und Aluminium. Bis in die 70er Jahre hinein, wurden hier nur Fabrikabfälle gelagert. Als die VDM Anfang der 80er Jahre abgerissen wurde, landeten auch die 100.000 Kubikmeter Bauschutt hier und der Berg wuchs auf 15 Meter Höhe an.

Bodenproben auf dem ehemaligen Fabrikgelände ergaben, daß der Boden mit Schwermetallen, Dioxinen und Chlorkohlenwasserstoff verseucht ist - bei letzterem liegt der gemessene Wert vieltausendfach über dem zugelassenen Grenzwert. Als die versuchte Bodenreinigung scheiterte, wurde die Deponie Ende der 90er noch einmal geöffnet, um hier 250.000 Tonnen Erdaushub abzuladen. Dadurch wurde sie noch einmal um zehn auf 25 Meter erhöht und obendrein erweitert. Um hier einen Ausgleich zu schaffen, setzten die Naturschutzverbände durch, daß die Hinteren Riedäcker, die sich nördlich an das Naturschutzgebiet anschließen, aufgeforstet werden.

 

Der Müllberg bietet gleichwohl einen guten Überblick über das 20,5 Hektar große Naturschutzgebiet östlich von Niederursel. Direkt am Fuß des Hügels ist auf der Gemarkung „In den dürren Gärten“ ein Birkenwäldchen entstanden. Zur Nidda hin sind Wiesen erhalten, 5,2 Hektar, die der Botaniker Frischwiesen nennt, und die regelmäßig von Landwirt Thomas Huttendorfer aus Kalbach gemäht werden. Die Riedwiesen sind der letzte Rest der alten Niddaauen, die noch im vergangenen Jahrhundert als 600 Meter breiter Streifen kilometerlang rechts und links der Nidda einen Tummelplatz für die in Auwäldern typischen Tier- und Pflanzenarten boten.

Von einem Auwald war hier schon 1945 nichts mehr zu sehen. Ein Luftbild  beweist, daß die Nidda-Begradigung Anfang des Jahrhunderts „erfolgreich“ verhinderte, daß der Fluß regelmäßig über die Ufer trat. Aus feuchten Wäldern waren Frischwiesen entstanden, die mit Entwässerungsgräben für Landwirte als Grünland nutzbar gemacht wurden. Eine Reihe von Bombentrichtern, deren Verursacher offensichtlich die VDM verfehlt hatten, zeigt das 57 Jahre alte Bild inmitten einer baumlosen Graslandschaft. Als die Fläche 1983 unter Schutz gestellt wurde, war schon - ein weiteres Luftbild aus dem Jahr 1985 macht das deutlich - von alleine ein kleiner Wald entstanden.

Inmitten mehrerer Hektar weniger interessanter Frischwiesen sind nur noch Reste der klassischen und selten gewordenen Feuchtwiesen zu finden, auf denen der Botaniker sehr vereinzelt das für diesen Lebensraum typische Pfeifengras gefunden hat. Hier finden sich auch noch Weiden und Röhrichte. Schilf, Rohrglanzgras und Riesenschwaden. Weiß blüht das Mädesüß. Interessant für den Pflanzenfreund ist die feuchte Übergangszone zwischen Wald und Wiese. Wo der Landwirt nicht mäht, lugen Blüten des pinkfarbenen Sumpfstorchschnabel hervor, der auf Feuchtwiesenbrachen gedeiht, gleich neben dem lilafarbenen Wiesenstorchschnabel.

Aus den meisten einstigen Feuchtwiesen ist jedoch längst ein Wald geworden. In den ehemaligen Bombentrichtern hat sich Wasser gesammelt - Tümpel sind entstanden, in denen sich Grünfrosch, Erdkröte, Teichmolch und Grasfrosch zu Hause fühlen. Silberweiden wachsen haushoch empor. Hier sieht es ein bißchen aus, wie in einem klassischen Auenwald, dessen Charakterbaum die Silberweide ist.

Eine typische Auenpflanze ist die Brennessel, die vom Stickstoff lebt. Früher sei dieser reichlich entstanden, wenn der Fluß über die Ufer trat, dabei Blätter und Äste mit sich führte und die organische Fracht einfach liegen ließ. Wenn sie sich im Sommer zersetzte entstand reichlich Stickstoff für die Nesseln.

Die von den Landwirten in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gezogenen Entwässerungsgräben sind noch immer da. Aus den Entwässerungsgräben hat Ingolf Grabow in den vergangenen Jahren in mühevoller Arbeit mit seinen Schützlingen aus den Praunheimer Werkstätten, wo er im Brotberuf tätig ist, Bewässerungsgräben gemacht: Das Wasser, das aus Bornfloß- und Bonifatiusquelle am Riedberg und aus dem Mertonviertel ins Gebiet fließt, soll hier so lange wie möglich gehalten werden. Liebevoll haben Grabow und seine Leute kubikmeterweise Wackersteine angeschleppt und mit ihnen sechs naturnahe Sohlrampen angelegt, die dafür sorgen, daß sich das Wasser staut und nur langsam zur Nidda abfließt. Kleinstlebewesen und Fische können trotzdem passieren.

Schon ist der Grundwasserspiegel wieder gestiegen, doch Naturschützer Ingolf Grabow vom Naturschutzbund Nabu, der der offiziell eingesetzte Betreuer des benachbarten Naturschutzgebiets Riedwiesen ist. Er kämpft vor allem für den Lebensraum gefährdeter Vogelarten wie Wasserralle, Grünspecht, Habicht, Teichrohrsänger, Pirol, Sperber und Beutelmeise: Wenn der Riedberg wie geplant bebaut werde, könne die soeben wieder geöffnete Bornfloßquelle, die 60.000 Kubikmeter Wasser ins Gebiet bringt, schwächer werden. Als Ausgleich soll das Regenwasser vom Riedberg hierher geleitet werden - kalkuliert sind 27.300 Kubikmeter.

Über die Olof-Palme-Straße und die Hesse-Straße kommt man in die Dillenburger Straße und damit wieder an den Ausgangspunk der Rundfahrt.

Die Rückfahrt benutzt eine alternative Strecke: Halblinks biegt man in den Grüneburgweg ein. Weiter geht es über Fichardstraße, Hermannstraße, Koselstraße, Friedberger Platz, Bornheimer Landstraße zur Berger Straße. Hier kann man weiter fahren über die U-Bahn-Station Höhenstraße, Arnsburger Straße, Bürgerhaus, Bornheimer Landwehr, Wittelsbacher Allee, Saalburg Allee und Ratsweg.

Man kann aber auch geradeaus fahren zum Sandweg. Rechts-links geht es weiter in die Wingertstraße, links ein Stück die Wittelbacherallee hinauf und dann wieder rechts in die Habsburger Allee. An ihrem Ende geht es links den Röderbergwerk hinauf und den Carl-Heicke-Weg hinab zur Ostparkstraße. Dann fährt man am östlichen Rand durch den Ostpark bis zur Eisenbahn, Dort gibt es einen Weg nach links unter dem Ratswegkreisel hindurch. Durch die Riederspießstraße kommt man in die Kirchenallee. Rechts liegen die Sportplätze und der Abenteuerspielplatz. Geradeaus geht es durch den Riederwald. Alle Straßen haben Durchgänge zur Straße „Am Erlenbruch“.

 

 

Schön finde ich, dass die Trasse der alten Römerstraße am Riedberg nicht bebaut werden soll, sondern dass da ein Grünstreifen bleibt. Man sieht daran schon, dass man heute sorgsamer mit den Überbleibseln früherer Zeiten umgeht als noch vor 20 Jahren.

 

 

RUNDFAHRT: Frankfurts nördlichste Dörfer

Hier liegen Orte mitten in Feldern und Wiesen, die - zumindest im Kern - ihren dörflichen Charakter bewahrt haben. Harheim, Kalbach, Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach heißt der späte Zuwachs, den die Großstadt nach hinlänglichem Werben noch in den siebziger Jahren vereinnahmen durfte. Die Gebietsreform tat das ihre, um Zögerlichen wie beispielsweise Harheim die Entscheidung abzunehmen. Gemeinden, die nach den Richtlinien des Landes Hessen wenige Einwohner hatten, konnten danach nicht selbständig bleiben. Da halfen auch keine hochbeladenen Mistwagen mehr und auch keine dampfenden Jauchefässer der Bauern vor ihrem Rathaus, die Zwangsehe zu verhindern, die Eingemeindung wurde im Hessischen Landtag beschlossen.

Bis Ende der achtziger Jahre konnten Spaziergänger, die von Bad Vilbel am Erlenbach entlang zwischen ausgedehnten Feldern nach Nieder-Erlenbach und Harheim liefen, leicht den Eindruck gewinnen, weit weg von der Großstadt in ländlicher Abgeschiedenheit zu sein. Seit der Fertigstellung der Umgehungsstraße B 3a im Niddatal und Erlenbachtal hat sich durch die Trassenführung, Brückenbauten und neu angelegte Wege das Gesamtbild. zumindest im Flußbereich, doch etwas verschoben. Weiter draußen allerdings ist noch der topographische Wetterau-Charakter unverändert erhalten geblieben.

 

Ausgangspunkt ist Bad Vilbel. Man fährt über Bergen nach Bad Vilbel. Dort die Hauptstraße entlang und links unter den Schienen hindurch auf die Homburger Straße. Nach links biegt man in die Straße Sportfeld und in die Huizener Straße ab. Dort ist das Berufsbildungszentrum, wo man allerdings nur am Wochenende parken kann. Weiter geht es mit dem Fahrrad.

Am Ende des Schul- und Sportgeländes trifft man auf die Mündung des Erlenbachs, der  von der Taunushöhe unterhalb des Sandplackens herunterkommt. Dort biegt man rechts ab und kommt über die Bundesstraße 3a. Der Weg wechselt links-rechts über den Erlenbach und führt auf die Straße „Mühlengrund“ (anders als auf der Karte).

 

Massenheim

siehe Bad Vilbel

 

 

Nieder-Erlenbach:

Nieder-Erlenbach  wird erreicht in der Bornstraße. Nach rechts biegt dann die „Alte Fahrt“ ab.

Ein kleines Gäßchen auf der rechten Seite ist gekennzeichnet durch das Schild „Zur Charlottenburg“. Dort fährt man hin und findet ein großes Haupthaus und zwei ebenso große Nebengebäude um einen großen Hof vor. Es handelt sich um das ehemalige von Lersnersche Schloß mit einem Park.

Nördlich liegt die Evangelische Kirche mit ihrem schlanken spätgotischen Westturm, dessen Schießscharten die einstige Wehrhaftigkeit nicht verleugnen können Im Jahre 1715 wurde sie renoviert. Schräg gegen über im Haus Nummer 27 steht das ehemalige Pfarrhaus von 1748, im Auftrag des Rates der Stadt Frankfurt errichtet.

Geradeaus kommt man auf ein altes Gebäude, das wohl schon mit zur ehemaligen Wasserburg der Herren von Glauburg gehört. Das Gelände ist rundherum mit einer hohen Mauer umgeben, aber völlig belegt von den Gebäuden der Anna-Schmidt-Schule. Rechts auf dem Schulhof steht das Herrenhaus mit verschiefertem Fachwerkobergeschoß aus dem 17. Jahrhundert mit einem Wappen.

An der Ecke zur Oberen Burgstraße steht die Bäckerei Treutel, ein großes Fachwerkhaus mit einer Torfahrt in der Oberen Burgstraße. Diese schöne alte Straße fährt man entlang und dann rechts herum in die Straße Alt-Erlenbach. Rechts ist das Rasthaus mit dem „Erlenbacher Schuh“, einem alten Längenmaß, daneben die Gaststätte „Alte Scheune“. Man fährt die Straße weiter und biegt am Ende links ab über die Homburger Straße zum  Aussiedlerhof „Auf der Steinritz“.

Den betonierten Feldweg muß man weiter fahren, weil die ursprünglich weiter südlich gelegene alte Römerstraße überackert ist. Auch der „Kästenbaum“ ist nicht erreichbar, sondern steht inmitten der Felder. Am Ende des ausgebauten Weges biegt man nach links ab und kommt zu dem Aussiedlerhof „Taunusblick“.

Noch gibt es in Frankfurt rund 95 Landwirte, die mit 4.000 Hektar fast ein Sechstel des Stadtgebiets bewirtschaften. 90 Prozent der fruchtbaren Lößböden werden ackerbaulich genutzt, das heißt, es gibt wenig Weiden und Wiesen, weil die Frankfurter Landwirte kaum noch Tiere halten. Jedes Jahr geben ein paar Betriebe auf. Die 7landwirtschaftlichen Flächen sind ungeheuer wichtig für den Grüngürtel. Nur die Landwirte pflegen die riesigen Flächen, aber leider kaum ökologisch. Gab es 1992 noch keinen Biobauern, zählt das Umweltamt heute fünf ökologisch wirtschaftende Betriebe. Im Jahre 1991 wurde für städtische Flächen ein Herbizidverbot ausgesprochen. Es mußte nach dem Protest der Landwirte zurückgenommen werden. Es gilt aber weiterhin, wenn ein neuer Pächter eine städtische Fläche übernimmt. Inzwischen setzt die Stadt jedoch mehr auf die Kooperation mit den Landwirten. So gibt es seit zehn Jahren eine gemeinsame Arbeitsgruppe zum Thema umweltgerechte Landwirtschaft in Frankfurt.

Es empfiehlt sich dann, die Nieder-Erlenbacher Straße weiter zu fahren bis nach Nieder-Eschbach, denn die Feldwege weiter nördlich sind zu anstrengend.

 

Nieder-Eschbach:

Nieder-Eschbach liegt am Eschbach. Am Ortseingang fährt man – von der Nieder-Eschbacher Straße her kommend -  links um die Karl-Bieber-Höhe herum hinunter zur Straße „Am Sprudel“. Man biegt rechts ein und fährt dann links über die Brücke in die Glockenstraße. Dort trifft man auf die Kirche. Sie wurde 1617-18 (Jahreszahl am Turm 1617) nach Entwurf des Hanauers Konrad Roßbach unter Verwendung spätgotischer Architekturreste hinter mittelalterlichem Frontturm errichtet. Der Innenraum wurde1765-66 von dem Hanauer Baumeister Ludwig Hermann gestaltet. Vor der Kirche steht ein Dreimärker von 1786.

Nach links geht es in die Hauptstraße. Links steht ein altes Fachwerkhaus mit Wohnanlage. Man fährt geradeaus weiter in die Lehensgasse (Am Lehenweg), dann links und wieder rechts in den Kirschwiesenweg. Kurz vor dem Ende biegt man nach rechts in die Weimarer Straße in und dann wieder links in den Nieder-Eschbacher Stadtweg. Von diesem biegt nach rechts die Steinerne Straße ab, auf der man jetzt weiter fährt.. Diese Straße wurde schnurgerade von den Römern anlegt als Verbindung zwischen Wiesbaden-Mainz, über die Niddabrücke zu den Kastellen Okarben, Friedberg und Echzell und zu in der Wetterau unterhaltenen Gutshöfen. Die Steinerne Straße, wie sie auch heute noch heißt, wurde später als Handelsstraße weiter benutzt, und ab 1231 zogen von hier die Wallfahrten nach Marburg zum Grab der Hl. Elisabeth. Die Straße führt heute an der U-Bahn-Linie entlang. Nach einem Linksschlenker um eine Anlage kommt man zur Station Bonames-Mitte.

 

Kalbach:

Am Rande der Nidda-Aue bei Kalbach liegt eine legendenumrankte historische Stätte: die Bonifatiusquelle. Ein Steinkreuz und ein Gedenkstein, Bäume und Sträucher umgeben sie. Sie ist gelegentlich das Ziel von Prozessionen.

Im Alter von etwa 80 Jahren war Winfried-Bonifatius, der in England geborene „Apostel der Deutschen“, der Missionar der Friesen und Hessen, seit 746 Bischof von Mainz, in Sorge um sein Werk noch einmal nach Friesland gezogen. Er wurde dort am 5. Juni 754 ermordet. Seinen Leichnam überführte man rhein- und mainaufwärts bis Hochheim und durch die Wetterau nach Fulda ins Lieblingskloster des Bonifatius. Der Leichenzug benutzte im Main- Nidda- Gebiet die römische Militärstraße (Elisabethenstraße) und gelangte am Abend des ersten Tages in die Nähe von Kalbach, wo das Nachtlager eingerichtet wurde. Am anderen Morgen, so erzählt es die Sage, entsprang dort eine Quelle, die willkommene Stärkung vor dem Weiterzug in der sommerlichen Hitze bot.

In frommer Erinnerung daran schenkte Walprahte aus dem Niddagau noch im 8. Jahrhundert dem Kloster Fulda eine Hofstatt in der Gemarkung Kalbach, eine Hufe und dazu den Acker, auf dem der Leichenzug geruht hatte und die Quelle entsprungen war. Das Kloster Fulda errichtete dort ein Kreuz und dabei eine Kirche, die „Krutzenkirche“ (Auch an anderen Rastplätzen des Leichenzugs - so bei Sossenheim - waren Kreuze oder Kapellen errichtet worden).

Im Jahre 1256 wird diese Kirche erstmals erwähnt. Sie entwickelte sich zu einer vielbesuchten Wallfahrtskirche und zur Pfarrkirche für umliegende Gemeinden. Auch ein Benediktinerkloster wurde hier erbaut (laut Gedenkstein). Nahebei stand der Galgen des Landgerichts Stulen bzw. Königstein. Die Krutzenkirche verfiel seit der Reformationszeit, um 1600 verschwanden alle brauchbaren Reste.

In den letzten Jahren interessierten sich die Archäologen für das Gebiet, in dem sie sich befindet. Die Flurnamen „Kreuzerfeld“ und „Am Galgen“ weisen auf eine bedeutsame Vergangenheit dieser Stätte. Ausgrabungen seit 1983 brachten die Grundmauern der romanischen Krutzenkirche (um 1050), Fundamentreste von zwei Altären, Pfostenspuren einer Empore und Grabstätten zutage. Man fand auch Reste eines Brunnenheiligtums aus dem 10./11. Jahrhundert, Pfostengruben einer Holzkirche um 800 und die Hofstatt eines freien Grundherrn aus dem 7. Jahrhundert.

Von der Bonifatiusquelle führt ein betonierte Weg (am Anfang derzeit weggebaggert) nach Kalbach. Er heißt Bonifatiusweg und trifft auf die Talstraße (wenn man von Bonames zur Bonifatiusquelle will, kommt man über die Straße „Unterer Kalbacher Weg“ auf die Talstraße, aber der Weg ist doch ziemlich weit, eine Verbindung mit der Tour Heddernheim ist sinnvoller).

Im langgestreckten Kalbach ist nicht viel zu sehen außer der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius, einer barocken Saalkirche, die 1765 geweiht wurde und eine Innenausstattung aus dem 17. und 18. Jahrhundert hat. Man fährt am Kreuz die Straße geradeaus weiter (nicht rechts herum) in die Straße „An der Bergstraße“. Diese führt ins Feld mit einer schönen Aussicht nach Frankfurt und zum Taunus. Nach links biegt man dann ab zu dem Reiterhof auf der Höhe. Wenn man sich den Weg über Kalbach ersparen will, fährt man gleich an der Bonifatiusquelle hoch und dann links zu diesem Reiterhof.

Nach Westen geht es weiter, rechts liegt die Niederlassung der Ruhrgas, links die Gebäude der naturwissenschaftlichen Fakultäten der Frankfurter Universität. Dahinter geht es links-rechts in die Kreuzerhohl Richtung Niederusel.

Bonames:

Bonames ist einer der ältesten Frankfurter Stadtteile. Es scheint schon eine römische Niederlassung gewesen zu sein, denn der Name könnte von „bona mansio“ (gute Poststation) herkommen. Urkundlich erwähnt ist der Ort zuerst in der Mitte des 11. Jahrhunderts bei einem Tausch mit dem Kloster Fulda. Das Hochstift Fulda legte wohl Wert auf den Besitz des Hofgutes Bonames, weil in der Nähe die Krutzenkirche stand, wo man mit dem Leichnam des Bonifatius rastete. Eine Pfarrei hat schon 1297 bestanden, die Kirche lag bei der Burg und wurde 1476 neu erbaut. Im Ort gab es auch eine Beginenklause, die ursprünglich bei der alten Kirche lag.

Im 12. Jahrhundert kam Bonames in den Besitz eines Rittergeschlechtes. Johann Faut von Bonames räumte der Stadt Frankfurt ein Vorkaufsrecht ein, das diese auch in Anspruch nahm, als der Ritter verschuldet starb. Die Befestigungsanlage wurde 1413 um den ganzen Ort gezogen mit einer Oberpforte und einer Unterpforte an der Nidda. Im Schmalkaldischen Krieg wurde der Ort 1546von den Kaiserlichen  zerstört. Im Jahre 1579 brach ein großer Brand aus. Im Jahre 1632 besetzte Gustav Adolf den Ort. Die Burg wurde zwar noch einmal aufgebaut, aber 1834 auf Abbruch versteigert.

Man fährt links die Homburger Straße hinunter. Rechts liegt das Gasthaus „Zur Goldenen Gerste“. Etwas weiter unterhalb liegt links die Kirche. Hier ist schon im 13. Jahrhundert eine außerhalb der Ortsbefestigung gelegene Kirche nachweisbar. An ihrer Stelle ging 1476-78 die spätgotische Pfarrkirche hervor. Ab 1642 wurde die heutige barocke Saalkirche mit barocker Innenausstattung errichtet.

Unterhalb  der Kirche geht ein kleine Sackgasse nach links. Sie ermöglicht einen Blick auf das Metzler’sche Landhaus. In diesem Gebiet stand einst der mittelalterliche Saalhof von Bonames. Dann wurde dort Anfang des 18. Jahrhunderts ein barockes Gutshaus unter Einbeziehung des südöstlichen Eckturms der spätgotischen Ortsbefestigung errichtet (Jahreszahl 1784 über der Eingangstür unten an der südwestlichen Ecke). Der jetzige Bau wurde durch Umbau in repräsentativen Formen des Klassizismus um 1830 inmitten eines von Sebastian Rine angelegten Parks oberhalb des ehemaligen Flußlaufs der Nidda errichtet.

Weiter unten steht das Gasthaus „Zum Einhorn“. Wo die drei Straßen Alt-Bonames, Homburger Landstraße und Burghof zusammentreffen, steht in der Homburger Landstraße die alte Schmiede Westerfeld.

 

Etwas weiter unten geht es auf einer Brücke über den Altarm  der Nidda, der den früheren Verlauf der Nidda markiert. Er ist erst 2002 wieder durchgängig gemacht worden. Eine 15 bis 20 Meter lange Rampe wurde gebaut, die den Wasserspiegel senkt, den Fluß staut und so das Wasser in den Altarm drückt.

Beim Niddaausbau 1961/62 hatten die Planer die Bonameser Niddaschleife einfach abschneiden lassen, um den Lauf des Flusses zu verkürzen, so daß ein unverbundener westlicher und östlicher Altarm der Nidda entstanden. Jetzt, im Jahre 2002, sollen die beiden Altarme wieder miteinander verbunden und an die Nidda angeschlossen werden. Der Magistrat bittet in einem aktuellen Vorgang um die Zustimmung der Stadtverordneten zu der Baumaßnahme, die rund 1,46 Millionen Euro kosten soll. Finanziert wird sie allerdings aus vorweggenommenen naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgaben für das Neubaugebiet Bonames-Ost.

Der 1961/62 entstandene Altarm wurde damals rund um die Bonameser Niddabrücke auf einer Länge von 320 Metern mit Aushubmaterial aus der Nidda verfällt, so daß die Brücke trockengelegt und der östliche vom westlichen Altarm getrennt wurde. Schon 1996 wurde der westliche Altarm unter der Brücke hindurch um rund 80 Meter verlängert, so das die malerische alte Steinbrücke nun wieder eine Wasserfläche überspannt statt - wie jahrelang - verwildertes Brachland.

Im zweiten Bauabschnitt, der noch in diesem Jahr beginnen soll, werden die beiden Altarme wieder miteinander verbunden. Damit diese wieder ständig von Wasser durchströmt werden, soll in der Nidda eine 15 bis 20 Meter lange Rampe gebaut werden, die den Wasserspiegel im Fluß senkt, diesen staut und so das Wasser in den Altarm drückt.

Davon erhoffen sich die Fachleute vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung, daß die Wasserqualität in den zu Stillgewässern mutierten Altarmen künftig wieder besser wird. Auch soll die Verlandung der Altarms aufgehalten werden. Zwar kommen an den von Weiden, Erlen, Eschen und vor allem auch Ulmen bewachsenen Altarmen Tier- und Pflanzenarten vor, die im Niddatal selten geworden sind. Die Isolation des Biotops ist aus Sicht der Experten allerdings problematisch. Mit der Öffnung zur naturnah ausgebauten Nidda sollen die Lebensräume wieder aneinander angedockt werden. Der heute monoton strukturierte Altarm werde dadurch künftig wesentlich reicher ausgestattet sein. Nicht ganz unwesentlich für die Stadtentwässerung ist auch der erhoffte Hochwasserschutz durch die Anbindung der alten Niddaschleife.                    

Man biegt gleich hinter der Brücke nach links in den Nordpark und wechselt dann nach Norden über den Altarm. Der komplett von schillernd grünen Wasserlinsen überzogene Wasserspiegel bildet zusammen mit den Baumkronen einen grünen Tunnel. Aber trotz des Reizes, den sie ausüben, sind die Altarme artenärmer als die renaturierten Abschnitte der Nidda. Auch die Gewässerqualität ist im Fluß besser als in den nährstoffreichen Altarmen, in denen die Wasserlinsen, wenn sie absterben, dem Wasser Sauerstoff entziehen und damit den Tieren Probleme bereiten, die schon unter der Dunkelheit zu leiden haben, für die der dicke Linsenteppich sorgt.

Die heutige Nidda wurde in diesem Abschnitt schon renaturiert. Sie war einmal ein wilder Fluß: Noch zu Anfang des Jahrhunderts überflutete sie regelmäßig die Aue zwischen Bonames, Harheim und Berkersheim. Die Landwirtschaft brauchte aber Flächen, für Siedlungen mußte Bauland her: Man mußte diesen Fluß bändigen. Ernst Mays in den 20ern und 30ern gebauten Siedlungen in Heddernheim sind überhaupt erst möglich geworden, weil der Fluß zwischen Niddamündung und Eschersheimer Wehr zuvor in ein ausgebaggertes Bett gezwungen wurde. Die Böschungen waren mit Rasen bewachsen, und kein Busch durfte hoch kommen.

Der zweite Abschnitt des sogenannten Nidda-Ausbaus in den 60er und 70er Jahren zwischen Eschersheimer Wehr und der Mündung der Horloff war gerade abgeschlossen, als der Zeitgeist Anfang der 80er Jahre allmählich wieder zurückruderte - weg vom Kanal, hin zur geschwungenen Flußlandschaft. Das Pilotprojekt „Nidda- Renaturierung“ war alsbald geboren und ein langer Streit mit den Landwirten vor Ort begann. Denn die waren nicht gewillt, sich auch nur von einem Quadratmeter zu trennen.

Nach dem Planfeststellungsverfahren konnte es 1993 endlich losgehen. Seitdem hat die Stadtentwässerung hier 100.000 Kubikmeter Material aus den Böschungen geholt, um künstliche Auen anzulegen, die zwischen Bonames und Harheim in verschiedenen Stadien des Bewuchses bewundert werden können: als wilder Wald am Berkersheimer Bogen, als Sandstrand mit kargem Pionierkraut, als buschiges Grün.

Vom Altarm geht es im Zickzack hoch auf den Hang. Der bequemere Weg führt links um das Sportplatzgelände herum, der kürzere rechts. Auf alle Fälle kommt man auf einen Weg, der nach Norden führt. Aber kurz vor der Fahrstraße biegt man rechts ab und dann wieder links auf einen betonierten Wirtschaftsweg, der in den Ort hinein führt,

 

 

Harheim:

Harheim wurde 786 erstmals erwähnt. Unter den Karolingern war es Königsgut. Nachher waren die Erzbischöfe von Fulda und Mainz die Eigentümer, bis es dann an Nassau und Hessen-Darmstadt kam. Das Dorf war eine in sich gerundete Anlage, von einem Haingraben, Wall und Hecke umgeben. Daran hat sich über Jahrhunderte nichts geändert,  unter welchen Herren der Ort auch immer stand.

Gleich links am Eschbach lädt die urige Dorfgaststätte „Zum Goldenen Löwen” zur Einkehr. Seitlich am Gebäudegeviert vorbei, bringt die Straße Alt Harheim, gesäumt von giebelseitig stehenden kleinen Häuschen, einst eine in sich gerundete Dorfanlage, zum Marktplatz.

Wieder zur Brücke zurück, quert man die Nidda und läuft rechts weitet; nun mit Blick auf Berkersheim hinauf. Am ersten links abzweigenden Weg, unübersehbar an der hohen vierstämmigen Linde, biegen wir links ein, unterqueren die Gleise, gehen die Straße Im Wiesengarten hinan und weiter deren Fortsetzung Am Herrenhof.

Fast am Ende findet man, etwas versteckt, den Eingang zur evangelisch-lutherischen Michaelskirche. Eine kleine Kostbarkeit im „Bauernbarock”. Die Hanauer hatten 1545 die lutherische Reformation eingeführt, dann, 1595, das reformierte Bekenntnis nach dem Motto „Cuius regio, eius religio”. Als durch Erbteilung 1639 ein Teil von Berkersheim an das Geschlecht der Schelme von Bergen fiel, nahmen diese den lutherischen Glauben an, was den Bau der Michaelskirche zur Folge hatte. Sie selbst lebten im „Höfchen”, Untergasse 13, wovon noch Teile sichtbar sind. Über die spitzgiebeligen Häuser in der Straße sagt man, sie seien von reformierten, die mit abgeplattetem Giebel von lutherischen Einwohnern erbaut worden.

Die Straße „Am Herrenhof“ mündet in eine Kreuzung. Links die Gastwirtschaft „Zum Lemp”, bekannt als dörfliche Einkehr seit fünf Generationen. Oberhalb von ihr beginnt die Straße Am Honigberg, der wir bis zum Ortsende folgen, und setzen dort aus der Kurve geradeaus Am Hohlacker unseren fort. Mit freier Sicht über das Niddatal, Wetterau und Taunus kommen wir schließlich auf dem alten Berkersheimer Weg zum Bad Vilbeler Südbahnhof zurück (Rhein-Main, 167)..

 

Von der Spitzenstraße biegt man nach links in die Philipp-Schnell-Straße. Kurz hinter der katholischen Jakobuskirche biegt man links ab in die Straße Alt-Harheim. Am Anfang steht ein Platz mit einem Kruzifix und modernen Häusern. Am anderen Ende der Straße stand am Eschbach das Untertor. Nach links geht es in eine Anlage, die frühere Bleiche des Ortes, in dem es viele Weber gab. Es folgt wein Kreuz aus dem 18. Jahrhundert, an dem an Fronleichnam die Prozession Halt macht. Der Ort ist offenbar mehrheitlich katholisch (Die evangelische Kirche von 1561 ist in der Straße Am Wetterhahn im Norden des Ortes).

Von der früheren Untermühle sind keine Reste mehr zu sehen. Aber wenn man über den Steg in Richtung Bürgerhaus geht, ist rechts eine ganz kleine Kapelle von 1763 und dabei ein Sühnekreuz und eine Sammlung alter Grenzsteine.

Auf der anderen Seite des Eschbachs fährt man durch die Straße „In den Schafgärten“ wieder zurück auf die Hauptstraße, die jetzt „Maßborner Straße“ heißt. Auf ihr fährt man ein Stück links und dann nach rechts in die Keltenstraße. Dort geht es geradeaus auf dem Fußweg zum Römerbrunnen. Dieser ist ein kleines, in Stein gefaßtes Rinnsaal in einer kleinen Anlage, von monumentalen Steinen eingerahmt. Die Katholiken nennen die Quelle „Jakobusbrunnen“ und feiern dort Feste. Man fährt durch die Anlage und unterhalb der Gärten bis zum Harheimer Stadtweg. Nach links kommt man zur Niddabrücke, wo der Eschbach in die Nidda mündet.

Von der Brücke aus kann man sehen, daß ein natürlicher Fluß nicht gleichmäßig fließt wie ein Kanal, sondern mal träge dahin schwappt und mal hurtig über flache Kiesel strömt. Wenn die Fließgeschwindigkeit klein ist, bleibt Schlamm liegen, ist sie groß, nur große Brocken. In schnell fließenden Bächen leben andere Tierarten als in trägen Gewässern. Um die unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten auf relativ kleinem Raum hinzukriegen, haben die Ingenieure eine große Betonnase geschleift, die an der Mündung des Eschbachs zuvor jahrzehntelang regulierend in die Mitte des Flusses ragte.

Das Kleingetier, das hier wieder einen Lebensraum gefunden hat, filtert die Dreckstoffe aus dem Wasser. Die Gewässergüte im 90 Kilometer langen Fluß, von denen 18 Kilometer auf Frankfurter Gemarkung liegen, hat sich deutlich verbessert in den vergangenen 20 Jahren.

Die Brücke befindet sich im Berkersheimer Bogen. Hier, wo früher eine Böschung kahl in den gezähmten Fluß fiel, ist in weniger als zehn Jahren ein zehn Meter hoher Wald aus Weiden und Erlen entstanden. Im Jahre 1997 bescheinigten Umweltexperten bei einer ökologischen Bewertung ein gelungenes Projekt: mehr Arten, eine höhere Artendichte und Artenmischung.

Die höhere Strukturvielfalt des Ufers hat in kürzester Zeit zu mehr Artenvielfalt geführt: Typische Ufer- und Wasserarten wie Teichrose, Pfeilkraut, Kamm-Laichkraut, Igelkolben und Sumpfkresse sind wieder heimisch geworden. Und auch die so genannte Pioniervegetation, die zuvor in dieser Ausdehnung und Vielfalt an der Nidda nicht vorkam, hat auf den zeitweise überschwemmten Schlammboden wieder Räume bekommen: Schwarzfrüchtiger Zweizahn, Spießblättrige Melde, Wasserpfeffer und Gift-Hahnenfuß.

Auch die Zoologen werten die begonnene Renaturierung als Erfolg: sie zählten 52 Vogelarten. Erfreulich sei die Sichtung eines Teichrohrsänger-Brutpaars, der in Röhrichten siedelt und deshalb erst an der umgebauten Nidda einen Lebensraum findet. Auch die gefährdeten Arten Kuckuck, Feldschwirl und Dorngrasmücke wurden gesichtet. Der Rückgang des anpassungsfähigen Rotauges läßt auf eine verbesserte Wasserqualität schließen.

Aber: Die durch das Eschersheimer Wehr bedingte Stauung des Flusses habe zur Folge, daß das Artenspektrum der Fischfauna und der am Gewässerboden lebenden Insekten für einen Fluß untypisch ist, weil strömungsliebende Arten weitgehend fehlten. Die Artenzusammensetzung erinnert an ein Stillgewässer.

Eines der Ergebnisse der Arbeitsgruppe ist das Uferrandstreifen-Programm: 30.000 Mark stehen jährlich zur Verfügung, um Landwirte zu verlocken, am Niddaufer auf Ackerbau mit Einsatz von chemischen Mitteln zu verzichten und statt dessen auf extensive Wiesennutzung umzusteigen. Auf das Prinzip positive Verstärkung statt Verbot setzt auch das Förderprogramm für Pflege und Neupflanzung von Streuobstwiesen (Frankfurt I, Seite 82; Frankfurt II, Seite 62).

 

Zwischen Harheim und Nieder-Eschbach  direkt am Nieder-Eschbacher Stadtweg befindet sich eine Furt über den Eschbach. Sie liegt da, wo die römische Steinstraße den Eschbach querte. Diese Steinstraße führte ab dem ersten Jahrhundert n. Chr. von Mainz-Kastel zu den römischen Limeskastellen in Okarben und Echzell in der Wetterau. Der Sage nach benutzte ein riesiger Leichenzug im Juli 754 die Eschbachfurt bei der Überführung der Gebeine des Heiligen Bonifatius von Mainz nach Fulda. Die Furt ist heute von beiden Seiten zugänglich und wird von Landwirten, Pferden und Badelustigen gleichermaßen genutzt.

 

Berkersheim:

Berkersheim ist der kleinste Stadtteil in Frankfurts Nordosten. Für die Heimatforscher besteht kein Zweifel, daß der Gemeindenamen an einen „prächtigen Jüngling”, Berthgisil, erinnert. Von ihm heißt es, er habe sich Ende des 8. Jahrhunderts im Niddagau verirrt. Ihm gefiel die Landschaft so sehr, daß er blieb und sich auf einer kleinen Anhöhe über der Nidda niederließ. Die Wohnstätte nannte er nach sich selbst: Berchgisisheim. Offiziell erscheint der Name erstmals 795 im Lorscher Codex. Das heißt, der bereits in prähistorischer Zeit besiedelte Flecken kann auf über 1200 Jahre überlieferter Geschichte zurückblicken.

Obrigkeitsherren gab es in dieser langen Zeit viele: die Falkensteiner, die Schelme von Bergen, der Deutschherrenorden und schließlich über drei Jahrhunderte die Grafen von Hanau. Darüber hinaus hatten die Kirche, niederer Adel und reiche Frankfurter Familien in Berkersheim Besitz. Der Ort war von jeher landwirtschaftlich geprägt. Trotz Eingemeindung nach Frankfurt 1910 und dem Anstieg der Einwohnerzahl von 400 auf mehr als 2 000 wirkt er noch immer dörflich. Das macht seinen Reiz aus.

Hier wird Berkersheim in eine Niddawanderung eingebunden. Ausgangsort ist der Südbahnhof Bad Vilbel. Vom Bahnsteig aus quert man die Fußgängerbrücke, nimmt nach links den Treppenabgang zum Querweg, folgt diesem rechts zum Niddasteg und setzt drüben links, flußabwärts den Weg fort. Hier darf die Nidda, gesäumt von alten Bäumen, ihre Schleifen ziehen. Im Biotopbereich der Erlenbachmündung ist ein kleiner Schlenker notwendig, nach rechts zur Schutzhütte, dort links, an der nächsten Wegekreuzung abermals links kommen wir wieder ganz nahe an die Nidda. Die B 3 wird unterquert. Sportplätze werden sichtbar, dahinter taucht aus einer Senke Harheim auf, historisches Pendant zu Berkersheim, bemüht, seinen eigenständigen Charakter zu wahren. Vor der Niddabrücke rechts lohnt sich ein Abstecher in den Ort (Rhein-Main, 167).

Die Verzahnung von Landwirtschaft und Kulturlandschaft ist kaum besser zu sehen als in Berkersheim, dem kleinen Dorf, das schon 795 urkundlich erwähnt wurde. Zu seiner reformierten Kirche erhielt es 1690 noch eine lutherische Kirche. Erst 1910 wurde es von der großen Stadt Frankfurt eingemeindet. Wer hier auf der Höhe durch die Felder streift, mag sich fühlen wie auf dem Lande und hat doch die Türme der Stadt ständig im Blick. Wenn die Berkersheimer gerade in Laune sind, zeigt sich eins der rund 200 hier beheimateten Pferde vor der Kulisse der Stadt.

Volker Illig, der einzige Vollerwerbsbauer in Berkersheim,  baut 24 Hektar Weizen an, zwölf Hektar Zuckerrüben, ein bißchen Hafer, Kartoffeln und Luzerne. Er nutzt immerhin acht seiner 50 Hektar als Grünland, den größten Teil davon als Streuobstwiesen, zur Freude der Grüngürtelprojektgruppe, die diesen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten auf so vielen Flächen wie möglich erhalten will. Nur neun Hektar gehören der Familie, der Rest ist von der Stadt gepachtet.

Berkersheim erstreckt sich auf dem Hang. Man bleibt aber auf dem nördlichen Niddaufer. Der Uferweg ist asphaltiert, wird entsprechend von Fahrradfahrern frequentiert. Buschwerk und Bäume säumen gelegentlich das Ufer. Links schweift der Blick bis zu den Taunushöhen. Der Weg knickt vor dem Erlenbach nach links ab und nach rechts geht es dann wieder in die Huizenstraße und zum Berufsbildungszentrum

  

Autofahrt durch den Norden Frankfurts:

In Bad Vilbel nach Norden, unter der Eisenbahn hindurch in die Homburger Straße. In Massenheim Abstecher nach links in die Hainstraße zur Kirche. Weiter nach Nieder-Erlenbach. Rechts ab (nicht: Alt-Erlenbach) in den Erlenbacher Stadtweg und gleich rechts in die „Hohe Brück“, links „Alte Fahrt“ und rechts „Obere Burgstraße“ ins Ortszentrum. Wieder zurück und auf der Straße „Alt-Erlenbach“ weiter. Nach links geht es in die Nieder-Eschbacher Straße, nach Nieder-Eschbach, durch den Ort hindurch und links in die Homburger Landstraße nach Bonames (geradeaus fahren, nicht nach rechts dem Wegweiser „Frankfurt“ folgen). Parken auf dem Parkplatz links hinter dem Bahnübergang, nachdem man erst um den ganzen Platz herumgefahren ist. Zu Fuß die Homburger Straße weiter (Rechtsknick) und über die Straße „Alt-Bonames“ zurück.

Vom Parkplatz dem Wegweiser „Kalbach“ folgen durch den oberen Kalbacher Weg nach Kalbach, am Ortseingang links in die Bonifatiusstraße (auch wenn diese für Autos gesperrt ist) zum Bonifatiusbrunnen. Dort nach unten fahren und rechts an der U-Bahn entlang, rechts in die Dillenburger Straße und  an deren Ende links-rechts zum Nordwestzentrum (Rosa-Luxemburg-Straße geht nicht, aber eventuell Alternativstrecke: Lurgi Allee, links Emil-von-Behring-Straße direkt zur Niederurseler Straße). Am Nordrand des Rings um das Nord-West-Zentrum in den Hammarskjöld-Ring, links in die Nierderurseler Straße und rechts nach Alt-Niederursel und in das Ortszentrum.

Nach Süden weiter auf dem Praunheimer Weg nach Praunheim und dem Wegweiser „NordWest-Zentrum“ folgend in die Straße „Steckborn“. Am Nord-West-Zentrum rechts ind ie „Emil-Kahn-Straße“ und nach links in die Straße „In der Römerstadt“. Am Ende nach rechts und dann nach links in die Straße „Alt Heddernheim“. Am Ende links in die Dillgasse, wieder links in die Brühlsgasse und rechts in die Nassauer Straße, Dann wieder rechts  und in Richtung „Innenstadt“ rechts an der Maybach-Brücke vorbei.

Die Eschersheimer Landstraße nach Süden (Weißer Stein, Lindenbaum). Das Linksabbiegen ist erst wieder in der Hügelstraße möglich (aber mit einem Rechtsbogen).. Nach links in die Jean-Monnet-Straße (Siegmund-Freud-Straße geht schlecht wegen Einbahnstraßenregelung), bis unter der Autobahn hindurch, nach rechts in die Homburger Landstraße. Wieder unter der Autobahn hindurch und nach rechts in die Gießener Straße. Dann links in die Weinstraße in den Ortskern von Preungesheim. Nach rechts wieder in die Homburger Landstraße (unten rechts Bildstock) und gerade zur Friedberger Warte. Dort Geradeaus-Spur Richtung Bad Vilbel.

 

 

Westen

 

Mögliche Autofahrt nach Höchst:

Autobahn bis Ludwig-Landmann-Straße und rechts ab in den Rödelheimer Parkweg nach Rödelheim.. Dort rechts ab durch die Straße „Auf der Insel“ und Lorscher Straße. Nach links in die Eschborner Straße, wieder links in die Straße „Am Seedamm“ und nach rechts über „Gaugrafenstraße“ und „Westerbachstraße“ nach Sossenheim. Auf der Kurmainzer Straße nach Höchst. Am Ende dieser Straße nach rechts , dann wieder links in die Zuckschwerdtstraße, unter der Bahn hindurch und geradeaus zum Bolongaropalast. Mainabwärts liegen Justinuskirche und Schloß. Rückfahrt über die Mainzer Landstraße.

 

Höchst:

Ludwig Erhard legte im Frankfurter Westen den Grundstein für seine „Soziale Marktwirtschaft“, Gustav Weißkopf, dem noch vor den Gebrüdern Wright der erste Motorflug gelang, ging in Höchst zur Schule. Und gleich drei Nobelpreisträger, nämlich Robert Koch. Paul Ehrlich und Emil von Behring, sind eng mit Hoechst und Höchst verbunden.

 

Die Justinuskirche steht an einer „hohen Stelle“ am Main, wo aus einem römischen Kastell eine fränkische Fischer- und Bauernsiedlung hervorging.  Hier ließ seit 830 Erzbischof Otgar von Mainz (826-847) zu Ehren des Heiligen Justinus Confessor eine Kirche bauen für den aus Rom mitgebrachten Leib des heiligen Justinus. Damit erwarb der Erzbischof auch das Herrschaftsrechte in Höchst, das er bis 1802 innehatte.

Die karolingische Säulenbasilika mit wunderbaren Kapitellen, gehört zu den ältesten noch weitgehend erhaltenen karolingischen Kirchen in Deutschland und ist sogar in den Rang eines europäischen Kulturdenkmals erhoben worden. Sie ist die älteste Stadtkirche Frankfurts und Frankfurts ältestes erhaltenes Bauwerk überhaupt. Zu vermuten ist, daß die 849 urkundlich erwähnte „villa Hohstedi“, also der Weiler Höchst, sich erst durch die Ansiedlung der Kirche zu einem regelrechten Dorf entwickelt hat.

Die Kirche bietet einen nahezu einmaligen Anblick, meint doch der Betrachter, sie stünde auf der Stadtmauer (sie steht natürlich dahinter). Imposant wirkt sie vom Schwanheimer Ufer aus betrachtet. Da thront sie hoch über dem Main und ist seit Jahrhunderten das Höchst-Erkennungszeichen für die Schiffahrt.

Vom Jahr 1090 an gehörte die Justinuskirche den Benediktinern von Sankt Alban, eine Propstei entstand, die Justinuskirche wurde Kloster- und Pfarrkirche. Im Jahre 1419 ging das Höchster Kloster in das Eigentum des Erzbischofs Johann II. von Nassau über, 1441 wurden es dem Antoniterorden übergeben, der nun mit seinem Konvent von Roßdorf bei Hanau nach Höchst übersiedelte.

Weitere Bedeutung gewinnt die Justinuskirche dadurch, daß sie vom Tag ihrer Gründung bis zum 20. Jahrhundert immer Pfarrkirche war. Baumeister aus zwölf Jahrhunderten haben in der Kirche Spuren hinterlassen. Mehr als 30 Generationen haben ihre Auffassung von gottgefälliger Kirchenkunst kundgetan: Erzbischöfe, aber auch Mönchorden wie die Benediktiner und - über viele Jahrhunderte hinweg - die Antoniter.

Die Antoniter blieben bis zur Aufhebung des Klosters 1802 in Höchst. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde insbesondere die Inneneinrichtung verändert. Das heutige Bild der Kirche ist geprägt von zwei umfangreichen Arbeiten zur Restaurierung der Kirche. Nach einer Grabung, bei der die karolingischen Apsiden wieder aufgefunden wurden, wurden zwischen 1930 und 1932 Fundamente, Mauern und Dächer auf Staatskosten gründlich erneuert. Von 1982 bis 1988 bemühte man sich um die Restaurierung sowie Teilrekonstruktion der Innenausstattung.

Probleme machen die Wand rechts vom Chor steht deutlich schief. Das Problem ist der Untergrund, denn sie steht ja auf der alten Stadtmauer. Und dann die Figur, die auf dem Sockel des Heiligen Carolus steht, aber eindeutig eine Frau, vermutlich Maria Magdalena ist. Die passende Figur wurde einmal samt falschem Sockel versehentlich der evangelischen Kirche geschenkt.

Ein bißchen gruselig ist das, was durch mündliche Überlieferungen noch erhalten ist oder zufällig entdeckt wurde: Geheimgänge gab es unter der Kirche, die zum Höchster Schloß führten, aber in den 30er Jahren zugeschüttet wurden. Alte Höchster erinnern sich noch daran. Und dann die mysteriöse Quelle, die sich unter der Kirche befindet. Vermutet wird sie unter dem Chor. Aber es gibt auch im Kirchenschiff ein Bodenstück, das sich immer ein bißchen dunkler verfärbt als die Umgebung.

Unter einer Bodenplatte im Altarraum  fand man ganz viele Knochen. Über viele Jahrhunderte weg wurden die hochgestellten, vermögenden Verstorbenen unter der Kirche zur letzten Ruhe gebettet. Ein Grab von Philipp von Reiffenberg (1548) ist unter anderem noch erhalten. Merkwürdige Salzausblühungen an den karolingischen Säulen ließen um die Standfestigkeit Säulen fürchten. Doch es handelt sich um wenig aggressive organische Verbindungen. Sie steigen aber auf aus den Gebeinen der Begrabenen.

Bei den Grabungen seit 1999 wurde nachgewiesen, dass nicht nur das Fundament, sondern auch Mauern und Säulen der Kirche um etwa 850 entstanden sind. Auch hatte man keine Hinweise auf Reste eines ältern Kirchengebäudes gefunden. Widerlegt werden konnte dadurch die These einiger Zweifler, dass der heutige Kirchenbau erst im 11. Jahrhundert auf den Grundmauern eines Vorgängerbaues errichtet worden sei.

Am Hauptportal am Justinusplatz wachen der Heilige Paulus von Theben und Antonius Abbas. Die wirken mit ihren eingedrückten Nasen, denen Jahrhunderte Saures gegeben haben, weniger ehrfurchtsgebietend, sondern viel mehr wie lädierte Boxchamps. Dann tritt man durch die zweiflüglige schwere Tür aus Holz und Eisen, schaut und schaut, fühlt sich gleich gut aufgehoben in der kleinen Justinuskirche in Höchst und hat doch den hartnäckigen Gedanken: Hier ist doch was ganz verkehrt. Den gotischen Chor erdrückt ein barocker Hochaltar, die beeindruckende Arkadenreihe des karolingischen Langhauses mit den korinthischen Säulenkapitellen werden von Gips-Heiligenfiguren betrachtet. Ein spätgotischer Seitenaltar muß sich arrangieren mit einer eher verspielt gestalteten gewaltigen Orgel aus dem 18. Jahrhundert, getragen von Säulchen, die wiederum von ihren etwa 1000 Jahre älteren mittelalterlichen wuchtigen Brüdern beinahe lächerlich gemacht werden.

Doch bildet dieses Sammelsurium von Baustilen merkwürdigerweise doch eine harmonische Einheit, als hätte das Haus alle Widersprüche miteinander verschmolzen und daraus einen neuen Geist geschaffen. Schmuck des Kircheninneren aus karolingischer Zeit bilden die Säulen mit korinthischen Kapitellen und Kämpfern, die in Deutschland zu den berühmtesten Stücken aus dem 9. Jahrhunderts gehören. Der Kreuzaltar, ein gemalter Flügelaltar und ein rund 700 Jahre alter Taufstein sind weitere sehenswerte Kunstwerke. Beliebt sind auch die Spekulationen über den Künstler, der den Seitenaltar schuf. Da haben nämlich einige Kunstexperten Parallelen zum Isenheimer Altar von Grünewald, gesehen. Der Künstler könnte immerhin aus dieser Schule kommen.

 

Das Alte Rathaus (Allmeygang 8) wurde 1593-95 erbaut als repräsentativer Putzbau mit Treppengiebeln auf L-förmigem Grundriss unter Einbeziehung des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus.

 

 

Das Schloß steht auf den Resten einer Burg. Kaiser Karl IV. (1347-1378) hatte die Bedeutung von Höchst recht schnell erkannt und der Ansiedlung 1355 die Stadtrechte verliehen. Ihr Entstehen hat die Stadt dem Mainzer Kurfürsten zu verdanken, der hier eine Zollstätte plante und mit dem Bau der Burg begann. Im Jahre 1389 wurde Höchst das Recht zugestanden, Münzen zu prägen. Die Höchster Golddukaten sind heute begehrenswerte Sammelobjekte. Diese Einnahmequelle war den benachbarten Frankfurtern allerdings ein Dorn im Auge: Im Jahre 1396 brannten sie Burg und Teile der Stadt nieder.

Über einem römischen Kastell errichteten die Grafen von Nüring eine Turmburg. Als Zollburg der Mainzer Erzbischöfe wurde im 12. Jahrhundert eine Burg errichtet. Reste von Buckelquadern lassen auf einen Erweiterungsbau in staufischer Zeit (um 1200) schließen, der 1396 durch Frankfurt zerstört wurde. Ab 1352 stand hier aus strategischen Gründen eine Wasserburg des Erzbistums Mainz, vor allem durch Erzbischof Johannes von Nassau. Der Bau mußte 1408 nach einem kaiserlichen Verbot zunächst eingestellt werden. Erst unter Dieter von Ysenburg (1475-1482) wurde er weitergeführt. Im Jahre 1546 wurden im Verlauf des Schmalkaldischen Krieges Stadt und Schloß gebrandschatzt.

Von 1580 bis 1600 verlieh Erzbischof Wolfgang von Dalberg dem ausgebauten Schloß den Glanz der Renaissance. Es ist das einzige Schloß in der Stadt Frankfurt. Wahrzeichen von Höchst ist der 45 Meter hohe Turm. Das Neue Schloß entstand im 16. Jahrhundert außerhalb des Burggrabens als einer der Höchster Adelshöfe. Später diente es dem Kurfürsten und Erzbischof von Mainz als Quartier bei seinen Besuchen. . Der schlanke Bergfried stammt aus dem 14. Jahrhundert, der Rechteck-Wohnbau entstand Ende des 16. Jahrhunderts.

Im Januar 1635 ließ der protestantische Feldherr Herzog August von Sachsen-Weimar die ehemals vierflüglige Anlage bis auf den nordwestlichen Teil das Schloß niederbrennen, auch in diesem Fall wird die Stadt Frankfurt als Anstifterin vermutet. Es blieben leider nur der Turm mit angrenzenden Gebäudeteilen sowie das repräsentative Torhaus übrig. Etwa von 1770 an wurden die noch hoch aufragenden Trümmer abgetragen und zu einem großen Teil als Baumaterial für den Bolongaropalast verwendet. Nur wenig beschädigte Bauten des heutigen Museums und des Turms wurden notdürftig wieder instand gesetzt.

Das nach Gründung der Chemiewerke (zunächst Meister, Lucius und Brüning) sich rasch entwickelnde Höchst wollte im Schloß zeitweise ein Rathaus errichten, auch eine katholische Kirche auf der Schloßterrasse war im Gespräch. Die Witwe von Johann Adolf Brüning, Clara, erwarb Ende des 19. Jahrhunderts zunächst das neue, 1908 auch das alte Schloß. Ihr Sohn Ernst Rüdiger plante sogar einen bombastischen Wiederaufbau in der Architektur des späten Historismus. Dazu ist es allerdings nie gekommen.

Von 1945 an richtete der amerikanische Sender AFN (American Forces Network) sein Studio im neuen Schloß ein, das alte diente als Unterkunft für die Mitarbeiter. Noch heute kommen viele US-Touristen nach Höchst, um sich an die alten Zeiten zu erinnern. Seit 1966 hat dann die ehemalige Hoechst AG altes und neues Schloß übernommen. Sie baute das Neue Schloß zum exklusiven und oftmals scharf bewachten Gästehaus des Vorstands aus.

Erst als Infraserv als Hoechst-Nachfolgerin die beiden Schlösser übernommen hatte, öffnete sich auch das neue Schloß für die Allgemeinheit. Für Feierlichkeiten aller Arten wurde das ehemalige Gästehaus mit repräsentativen Räumen, aber auch mit leicht verstaubtem Herrenzimmer-Charme vermietet. Mit steigendem Erfolg. Den Unterhalt des Gebäudes aus diesen Einnahmen zu erwirtschaften, erscheint aber aussichtslos.

Anfang 2002 hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beide Teile des Schlosses und den Ochsenturm zum Jahresbeginn von dem Nachfolge-Unternehmen der ehemaligen Hoechst AG übernommen.

Die Stiftung hat beide Teile des Schlosses und den Ochsenturm zum Jahresbeginn von dem Nachfolge-Unternehmen der ehemaligen Hoechst AG übernommen. Als zukünftige Nutzung ist ein Porzellanzentrum von überregionaler Bedeutung im Gespräch. Gottfried Kiesow, ehemals Hessischer Landeskonservator und jetzt Vorstandsvorsitzender der Stiftung, sieht darin einen Auftrag. „Wir hatten mit Hoechst einen Partner, der das Schloß sanierte und erhielt. Das muß jetzt die Stiftung übernehmen - und dabei auch an die Leistung des Unternehmens erinnern.“ Kiesow und Kreuziger äußerten sich zufrieden darüber, daß Schloß wie Park weiter allen Bürgern offen stehen und auch das Schloßfest wie gewohnt im Sommer unter dem Turm gefeiert werden kann. Zur finanziellen Seite der Übernahme machten sie keinerlei Angaben.

 

Als zukünftige Nutzung ist ein Porzellanzentrum von überregionaler Bedeutung im Gespräch. Im Alten Schloß sind das Museum für Höchster Geschichte und das Industriemuseum mit Beständen zur Geschichte der ehemaligen Hoechst AG untergebracht. Mit der Höchst Service Gastronomie (HSG) als Pächter ist das Neue Schloß heute mit Tagungsräumen und Gastronomie allen Bürgern zugänglich. Lauschige Gartenanlagen auf dem Gelände von neuem und altem Schloß in Höchst sollen auch künftig der Öffentlichkeit zugänglich sein.   

Gänzlich unerwartet lösten sich bei einem Gewittersturm im August 1994 schwere Steinbrocken aus dem oberen Turmbereich und fielen auf das Dach des Museums und in den Schlosshof. Schuld war der Einsatz bauphysikalisch ungeeigneter Baustoffe, die bei Sanierungsmaßnahmen Anfang der 70er Jahre Verwendung fanden. Auch die Rekonstruktions- und Instandsetzungsarbeiten der vergangenen Jahrhunderte konnten bestenfalls als Flickwerk bezeichnet werden.

Um die Zukunft dieses wunderschönen Renaissanceschlosses zu sichern, war die Zeit, halbe Sachen zu machen, endgültig vorbei. Die Höchster Schlossanlage sollte jedoch in ihrer roten Farbfassung nicht wiederhergestellt werden. In Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege sollte die historische Farbigkeit aus dem 16. Jahrhundert: weißer Kalkputz, rote Natursteinbauteile, grüne Fenstersprossen wiedergewonnen werden.

Eine besondere Aufgabe bedeutete das Konservieren der Stuckdecke im Tonnengewölbe der Tordurchfahrt mit Kalkstuckmörtel, holzgebranntem Marmorsumpfkalk und Kalkkaseinlasur. Die farbliche Retusche der Deckenprofile legte das Landesamt für Denkmalpflege mit einer blauen Pigmentierung mit geringem Leinölzusatz fest. Das Torhaus bekam ebenfalls eine weiß-graue Farbfassung. Am Portal des alten Höchster Schlosses steht eine Figur des heiligen Martin. Fenstergewände und Profile sowie Fenster und Türgewände des Schlossgebäudes einen Anstrich mit rötlicher Siliconharzlasur. Basen und Kapitelle wurden nach der Grundierung mit Blattgold versehen.

 

Der Schloßplatz mit dem Schloß, dem Zolltor und den schmucken Fachwerkhäusern bildet ein sehenswertes Ensemble. Durch das große Tor des Zollturms zogen einst nicht nur die Zollknechte, sondern es passierten auch die Reisenden die Mauer, wenn sie auf dem Wasserweg von Mainz nach Frankfurt in Höchst Mittagsrast einlegten.

Unmittelbar neben dem Zollturm befand sich damals die Wirtschaft „Zum Karpfen“. Vornehme Leute speisten im „Karpfen“: Albrecht Dürer (1520), die Familie Mozart und auch Goethe, der von einem Fenster des „Karpfen“ das Höchster Schloß zeichnete und dort vom Modelleur der Porzellanmanufaktur, Johann Peter Melchior, porträtiert wurde. Das einst aus Holz, Schilf und Lehm gebaute barocke Fachwerkhaus zum Karpfen diente später nicht mehr als Gasthaus. Im Jahre 1973 mußte es abgerissen werden, da es brüchig geworden war. Man erstellte es wieder neu in Eisenbeton und Mauersteinen mit Aussparungen, verzierte es mit Fachwerk und richtete moderne Wohnungen ein. Aus etwa 200 Schieferplatten schuf Dachdeckermeister Walter Schwab aus Frankfurt den überlebensgroßen Karpfen und die Schieferrosetten.

 

Die Höchster Altstadt, die im Zweiten Weltkrieg nur wenig beschädigt wurde, drang immer mehr als ein einmaliges Schmuckstück Frankfurts ins Bewußtsein vieler und wurde ein Vorbild für Stadtsanierung. Rund 300 farbenprächtige Fachwerkhäuser fügen sich an der Nordseite des Schloßplatzes und am Burggraben zu einem geschlossenen Stadtbild. Kopfsteinpflaster und historischen Vorbildern nachempfundene Laternen erinnern ebenso an längst verflossene Zeiten, wie die kleinen Häuschen mit blumengeschmückten Fenstern, niedrigen Türen und rustikalen Fensterläden. Sehenswert sind Ochsentor, Maintor, Altes Rathaus, Greiffenclausches Haus, Kronberger Haus, Antoniterkloster, Haus zum Anker und natürlich die niedlichen Fachwerkhäuschen der Höchster Altstadt.

 

Die Höchster Porzellanmanufaktur, die zweitälteste Manufaktur in Deutschland überhaupt, residiert im Dalberger Haus, das um 1586 erbaut wurde. Höchst stellte neben Meißen und Wien die dritte europäische Porzellan-Manufaktur. Gegründet von Adam Friedrich von Löwenfink aus Meißen, den Frankfurtern Johann Christoph Göltz und dessen Schwiegersohn Johann Felican Claus, begann die Produktion des „weißen Goldes“ in der Zehntscheuer. Die Manufaktur entwickelte sich rasch zu einem Betrieb, dessen Erzeugnisse sich durchaus mit Meißner Porzellan messen konnten.

Meisterwerke aus der Höchster Manufaktur sind unter anderem im Höchster Schloß zu sehen. Präsentiert werden sie auch im Bolongaropalast, die neuen Kreationen sind im Dalberg-Haus käuflich zu erwerben. Und in der Porzellan-Manufaktur in der Palleskestraße können Besucher unmittelbar dabei sein, wenn die Rohmasse gegossen und gebrannt wird.

Seit mehr als 1400 Jahren gilt für gehobene Tischkultur Porzellan als das einzige Material, aus dem die Träume sein dürfen. Schon Könige, Kaiser und andere Edelleute ließen gern das zerbrechliche, weiße, manchmal sogar fast transparent wie Glas wirkende Geschirr auftragen oder plazierten kunstvolle Fayencen aus Porzellan in ihren Gemächern, Boudoirs oder Salons. Das kostete sie ein Vermögen, denn Porzellan zählte lange Zeit zu den wohl wertvollsten Importartikeln vom anderen Ende der Welt, aus China. Dort schmückten die federleichten, aber extrem festen Tassen, Teller, Schüsseln und anderes mehr schon seit dem siebten Jahrhundert die noblen Häuser und deren Tafeln. Findige Chinesen entdeckten nämlich früh die Zauberformel aus Kaolin, Feldspat und Quarz, die bei rund 1000 Grad Hitze zu dem weißen Gold schmolzen.

Über die Seidenstraße und andere Wege brachten die Händler die immer heißer begehrte Ware nach Europa. Und so erzielte Porzellan Preise wie Gold - und ließ viele Einflussreiche nach Möglichkeiten suchen, wie man von den Importen unabhängig werden und zu einer Selbstversorgung gelangen könne. Aber erst nach vielen Versuchen und über 1000 Jahre nach seiner ersten Entdeckung in Fernost gelang es dann zwei Deutschen hierzulande, genauer gesagt in Meißen, das Geheimnis der Porzellanherstellung zu lüften. Es dauerte nochmals gut ein Vierteljahrhundert, bis Mitarbeiter der ersten und berühmtesten Manufaktur auf deutschem Boden vom Elbeufer ins Land zogen, um dort weitere Produktionsstätten zu gründen. Mit kirchlichem Privileg aus Mainz entstand so auch 1746 die Höchster Porzellan Manufaktur. Bis heute hat sie sich trotz der wechselvollen Entwicklungen des Gesamtmarktes behaupten können.

Zum Erfolg beigetragen haben dürfte, dass sie die kunsthandwerkliche Erfahrung ihrer Mitarbeiter nicht nur für die Herstellung künstlerisch bemerkenswerter Kostbarkeiten einsetzt, sondern in großem Umfang individuell gestaltetes und dekoriertes Gebrauchsporzellan der Spitzenklasse produziert.

Zu ihren Kunden zählen von Vermögenden mit dem Wunsch nach einem hauseigenen Porzellan über anspruchsvolle Hotels, gesellschaftliche Treffpunkte bis hin zu einer Vielzahl ganz normaler Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich einfach an schönem Porzellan erfreuen können und es zu schätzen wissen.

 

Zentraler Porzellan-Ort aber ist das Kronberger Haus in der Bolongarostraße mit drei Abteilungen mit rund 1500 Höchster Fayencen und Porzellanen. In dieser Zweigstelle des Historischen Museums - nur ein paar Schritte von der Manufaktur entfernt - befindet sich eine faszinierende Sammlung wertvoller Geschirrteile, Tischschmucks und unterschiedlichster Fayencen aus mehreren Jahrhunderten. Unter den Kostbarkeiten, die Vitrinen, Glasschränke und Anrichten schmücken, finden sich bekannte Höchster Figuren wie zum Beispiel die „Türkenkapelle”, der „Chinesische Kaiser”, aber auch komplett gedeckte Speise- und Dessert-Tische des 18. Jahrhunderts. Im Kronberger Haus gibt.

Dort sind die berühmtesten Werke aus der Werkstatt von Porzellankünstlern wie Johann Peter Melchior zu sehen. Zu verdanken ist dies auch großmütigen Stiftern. Die Anzahl der Exponate wird sich nun noch einmal um die Hälfte vermehren. Denn die ehemalige Hoechst AG, vertreten durch die Nachfolgegesellschaft Histocom, wird ihre eigenen wertvollen Bestände an Porzellan dem Museum als Leihgabe überantworten. Das bestätigte gestern der Histocom-Chef Wolfgang Metternich.

Hinzu kommen weitere Stücke, die das Historische Museum der Höchster Dependance überläßt, wie Kustodin Patricia Stahl berichtet. Eine große Privatsammlung war einmal 1910 von der Stadt Frankfurt unter erheblichen Kosten angekauft worden - auch um sie vor einem Verkauf an ein Berliner Museum zu retten. Zum Teil hatten schöne Stücke aber im Depot geschlummert, weil sich keine adäquaten Ausstellungsmöglichkeiten boten.

Das Erdgeschoß des Kronberger Hauses wird nun seit geraumer Zeit umgebaut. Dort sollen sämtliche neuen Stücke, darunter repräsentatives Tafelgeschirr, aber auch die besonders beliebten Figurinen, in neuen Vitrinen präsentiert werden. Zudem sei man derzeit noch in Verhandlungen mit weiteren privaten Eigentümern, die ebenfalls ihre Schätze dem Museum überlassen wollen.

 

Den Bolongaropalast erkundet man am besten von der Mainufer-Seite aus. Man geht durch das schmale schmiedeeiserne Tor, überwindet die ersten steilen Stufen am Pavillon, läßt dann das kleine, wasserspeiende Ungeheuer links liegen, steigt schließlich gemessen den geschwungenen Treppenflügel im Park empor und läßt dabei den Bolongaropalast ganz langsam vor sich empor wachsen: Symmetrisch, zweiflügelig, eine Fassade aus weißem und rotem Sandstein. geschwungene Fensterbögen, ein von Säulen getragener Balkon mit kleinen Skulpturen, der sich über die ganze Breite des Zentralbaus erstreckt.

Keiner mit blauern Blut in den Adern, aber immerhin ein „Schnupftabak-König“ hat den Palast errichtet. Erbauer ist der italienische Großkaufmann Joseph Maria Marcus Bolongaro (1712-19), der so gerne ein echter Frankfurter geworden wäre, dessen Sympathien aber nie erwidert wurden.

Im 18. Jahrhundert ließen sich die Brüder Bolongaro aus Stresa in Höchst nieder - nachdem ihnen der Frankfurter Rat den Einzug in die Stadt verwehrt hatte. Der eine Tabakfabrikant, der andere Bankier, erhielten sie und ihre Familien 1722 den Bürgerbrief.

 

Daraufhin bauten sie den Bolongaro-Palast, dem man auch heute noch seine Bewunderung nicht versagen kann. Das barocke Gebäude ist ein steinerner Zeuge Höchster Geschichte, der zu ihm gehörende Park eine Kostbarkeit.

Nach einer etwas bösartigen Legende soll Joseph Bolongaro auf Frankfurter Messen mit dressierten Murmeltieren aufgetreten sein und so den Grundstock für seinen späteren Reichtum gelegt haben. Wahr ist, dass er einer alten Kaufmannsfamilie aus Stresa am Lago Maggiore entstammte und mit seinen Brüdern Jakob Philipp und Franz Maria unter dem Namen „Gebrüder Bolongaro“ ein florierendes Unternehmen mit Stützpunkten in Amsterdam, Leipzig, Würzburg und eben Frankfurt aufbaute. Man handelte mit Tee, Kaffee, Südweinen und Gewürzen, der Schwerpunkt aber lag auf dem Tabak, der Joseph Bolongaro seinen „Titel“ verlieh, nämlich „Schnupftabak-König“.

Wo die Kaufleute in ihren Anfangszeiten in Frankfurt wohnten, ist heute nicht mehr bekannt. Im Jahre 1756 jedenfalls erwarben die Fratelli Bolongaro das palastartige barocke Gebäude „Zum Wölffchen“ in der Töngesgasse. Neben dem repräsentativen Vorderhaus gab es einige Nebengebäude, in denen die Geschäftsräume und vermutlich auch eine kleine Tabakfabrik untergebracht waren.

Zum europaweit bedeutendsten Kaufmann seiner Branche hatte es Joseph Bolongaro gebracht. Da liegt eigentlich die Vermutung nahe, dass die Bolongaros von der Stadt Frankfurt mit offenen Armen aufgenommen wurden. Das aber war nun ganz und gar nicht der Fall. Seit 1737 stellten die Gebrüder unzählige Anträge an den Magistrat, um wenigstens Bürger auf Lebenszeit (Beisassen) mit allen Rechten (uneingeschränkte Handelstätigkeit) und Pflichten zu werden - vergeblich. Die Konkurrenz für den einheimischen Handel sollte abgewehrt werden, zudem waren die römisch- katholischen Italiener der protestantisch geprägten Stadt nicht geheuer.

Erst als sich bedeutende Persönlichkeiten für sie verwandten (darunter sollen auch die Töchter Kaiser Karls VII. gewesen sein), gab der Magistrat - vorerst - nach. Die Querelen waren aber damit noch lange nicht beendet.

Mit dem Tod Franz Bolongaros im Jahr 1754 begann eine langer Streit um dessen Hinterlassenschaft. Er hatte in seinem Testament einige Legate für die italienische Verwandtschaft vorgesehen. Das brachte die Stadt auf, weil ihr dadurch ein Teil der Nachlasssteuer entging. Zum großen Eklat kam es dann 1770/71, als Jakob Bolongaro die Absicht hatte, sich ganz aus dem Geschäft zurückzuziehen. Er bat um die Aufnahme seines Schwiegersohns Peter Anton Bolongaro-Creveni als Bürger, der Magistrat lehnte nicht ab, sondern erklärte, dass er künftige Petitionen dieser Art ignorieren werde. Einen letzten verzweifelten Versuch starteten die Bolongaros doch noch. Sie ließen die Stadt über einen Vermittler wissen, dass man bereit sei, eine enorme Summe zu zahlen, falls es zu einer gütlichen Einigung kommen könnte - ohne Erfolg.

Das Maß war für die Bolongaros voll. Sie sahen sich nach neuen Standorten um und liefen sozusagen direkt in die offene Arme des Mainzer Kurfürsten Emmerich Josef Freiherr von Breidbach zu Bürresheim, des damaligen Herren von Höchst. Der plante gerade eine Höchster Neustadt (oder Emmerich-Josef-Stadt), bot de Kaufleuten nicht nur ein 12.000 Quadratmeter großes Filetgrundstück zu einem sehr guten Preis sowie preiswertes Baumaterial von der damaligen Schloßruine an, sondern auch den Bürgerbrief, die Befreiung von allen Steuern für 20 Jahre und die beliebige Wahl weiterer Wohn und Firmensitze. Als kleine Gegenleistung sollten die Bolongaros die Werbetrommel für das Neustadtprojekt rühren.

Aus Letzterem ist nie etwas geworden. Dafür aber wurde das Hauptgebäude des Bolongaropalasts innerhalb von nur drei Jahren (1772-75) geradezu in Rekordzeit fertiggestellt. Die Angaben über die Baukosten schwanken zwischen einer knappen Million und zwei Millionen Gulden. Architekt war mit großer Wahrscheinlichkeit Josef Schneuder.

Zu dem dreizügigen Barockbau gehören lauschige Gartenpavillons. In der Tradition der barocken Residenzschlösser wurde der Bolongaropalast mit seiner lieblichen Gartenanlage und den Puderzucker-Pavillons errichtet. Aber der Palast war aber nie fürstliche Residenz, sondern stets Wohn-, Geschäftshaus und sogar in seinen Seitenflügeln Mietshaus für die Angestellten und Arbeiter. Lange wurde es aber nicht als solches genutzt.

Joseph Bolongaro starb 1779 kinderlos und vererbte sein riesiges Vermögen (nach heutigen Maßstäben war er Milliardär) an seine beiden Neffen. Böse Ironie des Schicksals: Anhand dieser Summen erkannte plötzlich die Stadt Frankfurt, welche gewaltigen Einnahmen an Steuern und Zöllen ihr durch die Ablehnung der Familie Bolongaro entgangen waren. Den Nachfahren wurden Bürgerrechte zuerkannt, sie zogen nach Frankfurt, behielten den Palast aber als Handelshaus.

Nachdem Joseph Bolongaros Witwe Anna 1792 gestorben war, kümmerten sich die Nachfahren kaum mehr um den mehr und mehr verwahrlosenden Palast. Er diente mal als Lagerhalle, mal als Militärquartier. Der Palast bot einst Napoleon eine standesgemäße Unterkunft der hier auf seiner Flucht zum letzten Mal auf rechtsrheinischem Gebiet übernachtete. Anschließend bezog Marschall Blücher im gleichen Haus sein Hauptquartier.

. Das Gebäude wurde parzelliert, vermietet und immer mehr zerstört, bis sich die damalige Stadt Höchst Anfang des 20. Jahrhunderts zum Kauf entschloß. Die letzten umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden zwischen 1980 bis 1987 vorgenommen. Heute hält dort der Frankfurter Oberbürgermeister seine Sprechstunden ab. Im Palast residiert die Höchster Verwaltungsstelle, die Schönheiten der einstigen Repräsentationsräume der Bolongaros, ihre Fresken, Stuckdecken, kunstvolle Spiegel und Gemälde sind für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. An die Familie selbst und ihre Geschichte erinnert nichts mehr. Nur wer etwas genauer hinschaut, kann in den Palast-Balkonen das „FB“ der „Fratelli Bolongaro“ entdecken.

 

 

Der Reiz der alten Stadt geht nicht zuletzt vom Main aus, zu dessen Ufern sich Höchst allerdings recht zugeknöpft gibt: 300 Meter lang und dicht geschlossen ist auch heute noch die Mauer zur Flußseite hin. Im Osten begrenzt sie der Turm an der Mainmühle (Mainberg 2), in spätgotischer Wehrturrn am östlichen Rand der Höchster Stadtbefestigung. im Westen steht der wuchtige Ochsenturm, während in der Mitte das Maintor mit seinen Spitzbogen und dem gotischen Schmuckfries Einlaß gewährt.

Beim Haus Bolongaro-Straße 152 finden sich römische Spuren: Hier wurden zwei Verteidigungsgräben gefunden (auch westlich der Justinuskirche). Kurz vor der Niddabrücke  in der östlichen Bolongarostraße, in der Straße „Im Ziegelfeld“ (nach Norden abgehend), war eine römische Ziegelei, von der man die Produkte gut über die Nidda transportieren konnte.

 

Das Fachwerkhaus  Bolongarostraße 167 hat ein sehr seltenes Zierfachwerk aus der Zeit der Renaissance, das nach Meinung von Experten in seiner besonderen Art einmalig in Frankfurt ist. Die Stilelemente - unter anderem Schnitzereien, die schmiedeeiserne Beschläge imitieren, halbplastische Köpfe als Konsolen für den für die Renaissance typischen Fenstererker, die Fachwerkzierform mit einem zentralen Dekor in Sonnenform - ließen den Schluß zu, daß das Haus kurz nach dem großen Brand in Höchst (1586) als Renaissance-Fachwerkgebäude errichtet wurde. Eine begüterte Familie wird als ursprüngliche Eigentümerin vermutet. Im Laufe der Jahrhunderte sind offenbar einige Umbauten vorgenommen worden. Die schönen Schnitzereien der Fachwerkfassade aber sind zum größten Teil erhalten geblieben. Ein großes Glück für das Haus ist es wohl auch, daß der Eigentümer zur Familie Habl gehört, die in diesem Haus ein im weiten Umkreis bekanntes Malergeschäft betreibt. Andreas Habl, Malermeister, hat selbst sogar schon im Denkmalschutz gearbeitet.

 

Die Mainfähre ist die letzte im Stadtgebiet von Frankfurt verkehrende Fähre. Bevor der Main in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kanalisiert wurde, gab es nahe dieser Stelle auch eine Furt durch den Main. Nachgewiesen ist die Höchster Fähre seit 1623, im 19. Jahrhundert betrieb man eine Seilfähre, wobei die schräggestellte Fähre durch die Wasserkraft an einem Seil über den Main gezogen wurde. Bis 1992 bediente noch eine Autofähre den Verkehr, heute werden Personen und Radfahrer übergesetzt  (Frankfurt I, Seite 61).

 

Eingemeindung

Das stolze Höchst, das die große Nachbarin gerne links liegen ließ, einst den Handelsschiffen auf dem Weg nach Frankfurt erheblichen Zoll abknöpfte, sich unerschrocken in Kriege gegen die Nachbarschaft warf, unter den kurmainzischen Erzbischöfen florierend Handel betrieb und mit Hilfe des Chemiekonzerns einen Namen mit Weltgeltung errang: Dieses stolze Höchst verlor am 1. April 1928 mit dem Inkrafttreten des Eingemeindungsvertrags seine Selbstständigkeit.

Druck, zu einer Gebietsreform zu gelangen, hatte die damalige preußische Regierung ausgeübt. Aus Kostengründen verfolgte man in den 20er Jahren das Zusammenlegen von Städten und Gemeinden zu größeren Verwaltungseinheiten. Auch, um einer drohenden Zwangseingemeindung per Gesetz zuvorzukommen, entschlossen sich die damaligen Höchster Stadtväter, die im Bolongaropalast tagten, die Verhandlungen mit der Nachbarstadt Frankfurt aufzunehmen.

Eine große Rolle spielten bei den Überlegungen die Finanzen. Denn die damaligen Farbwerke, die Lebensader von Höchst und seiner Umgebung, war 1925 dem Zusammenschluss IG Farbenindustrie beigetreten. Die nahm ihren Sitz bekanntlich in Frankfurt. Ein reichlicher Teil der Gewerbesteuer floss nun nicht mehr nach Höchst, sondern eben in die Nachbarschaft. Stetige Einbußen waren absehbar. Eine Aufstellung der Stadtverwaltung von 1927 weist nach der IG-Farben-Gründung eine Minderung bei der Gewerbesteuer um ein Drittel, bei der Gewerbekapitalsteuer um fast 50 Prozent aus. Die lange gehegte Vision von einem Groß- Höchst war damit endgültig begraben. Und da Griesheim, Schwanheim und Sossenheim bereits von Frankfurt geködert worden waren - auch da ging es ums Geld, da Frankfurt diesen Gemeinden seit Jahren immer wieder mit Überbrückungsdarlehen ausgeholfen hatte - verlor Höchst jegliche Ausdehnungsmöglichkeiten.

All diese Überlegungen führten schließlich dazu, dass der Höchster Bürgermeister Bruno Müller mit einer Frankfurter Delegation im Sommer 1927 „schweren Herzens“ Eingemeindungsverhandlungen aufnahm. Oberbürgermeister Frankfurts war damals Ludwig Landmann. Überliefert ist, dass die Verhandlungen „mit großer Zähigkeit“ geführt wurden. Fest entschlossen waren die Höchster, die Sonderstellung von Höchst als Bezirkszentrum und Sitz der K4reisverwaltung Höchst, die auch einen Teil des Main-Taunus-Kreises umfasste, zu bewahren.

Am härtesten wurde allerdings nach Überlieferungen ums Geld, also um die Steuern, gerungen. Außerordentlich günstige Bedingungen konnten die Höchster sich schließlich sichern. Dazu gehörte Gebührenfreiheit für 20 Jahre für die Müllabfuhr, während gleichzeitig die günstigeren Tarife für Gas, Wasser und Strom sowie die bessere Beamtenbesoldung übernommen wurden. Verankert wurden außerdem unter anderem ein Hallenbad, eine Brücke über den Main und eine Straßenbahnlinie nach Sindlingen. Am 5. Januar 1928 beschlossen die Höchsten und Frankfurter Stadtverordneten den Vertrag, der knapp drei Monate später in Kraft trat. Nach 573 Jahren der Gültigkeit seines Stadtrechts war Höchst nur noch ein Frankfurter Stadtteil von vielen.

Frankfurt hatte durch die Eingemeindung durchaus an Größe gewonnen. Die Gemarkungsfläche wuchs um 44 Prozent auf einen Gesamtumfang von 19.462 Hektar. Nur Köln und Berlin erstreckten sich damals  über eine größere Fläche. Inklusive der 72 595 Neubürger lebten nun rund 548.500 Menschen in der Stadt. Und als nach dem Zweiten Weltkrieg nach Zerschlagung der IG Farben Hoechst komplett nach Höchst zurückzog, hatte Frankfurt den eindeutig besten Schnitt gemacht. Es hatte den wohl größten Gewerbesteuerzahler eingemeindet.

 

Wehre an der Nidda

Die Wehre an der Nidda sollen umgebaut werden. Das Höchster Wehr soll mit einem sogenannten „Umleitungsgerinne“ ausgestattet, in Sossenheim sollen die Altarme wieder angeschlossen werden, damit Fische und Kleingetier wieder flußaufwärts wandern können.

Wenn alle sechs Wehre umgebaut sind, stehen den Tieren, die vom Main kommen, wieder 90 Kilometer Nidda und damit auch 300 Kilometer Bäche zur Verfügung. Ein voller Erfolg, wenn irgendwann der erste im Rhein ausgesetzte Lachs in der Wetterau gesichtet würde.

 

Nied: Selzerbrunnen

„Frankfurt könnte, wenn auch in bescheidenem Umfange, auch Badestadt sein“, schrieb eine Zeitung im Jahr 1921. Ein Kurhaus in der Mainmetropole, flanierende Kurgäste, Trink- und Wandelhallen, heilkräftige Wasser und Klänge eines Kurorchesters sind heute nur schwer vorstellbar. Sie waren aber damals gar nicht so abwegig angesichts der Heilquellen, die es im Stadtgebiet gab - und zum Teil noch gibt. Die so nahe gelegenen Taunusbäder waren natürlich große Anziehungspunkte, so daß Frankfurt nicht konkurrieren konnte.

Allerdings fand doch am Grindbrunnen im Nizza, einer Schwefelquelle mit Kochsalzgehalt, früher einmal ein regelrechter Kurbetrieb statt. Für kurze Zeit erfreute sich auch das Riedhofer Wasser aus der „Schwarzen Steinkaut“ im 18. Jahrhundert Beliebtheit. Begehrt war auch das Wasser des Faulbrunnens in Sossenheim. Noch immer gern getrunken wird das Wasser des Königsbrünnchens im Stadtwald.           

In Nied gibt es zwei solcher Heilbrunnen: den „Faulbrunnen“ in der Eisenbahnersiedlung in einer Senke schräg gegenüber der Einmündung des Faulbrunnenwegs in den Brunnenpfad und den Selzerbrunnen. Dieser liegt im Wald, wo die Straße „Am Selzerbrunnen“ auf die Straße „Vorm Wald“ trifft. Er ist in Stein gefaßt. Eine Wiese umgibt ihn, nahebei befinden sich ein Kinderspiel platz und ein Ballspielplatz.

Das Wasser des Selzerbrunnens entspringt aus einer tertiären Schicht in einer Tiefe von 38 Metern. Im Jahre 1885 trieb man ein Eisenrohr in diese Schicht hinein, oben wurde ein Kupferrohr eingelassen. Nach einem Gutachten des Darmstädter Professors Sonne aus dem Jahre 1905 liefert der Selzerbrunnen ein Mineralwasser, das neben dem Schwefel verschiedenen Salze, zum Beispiel Natriumbikarbonat, enthält.

Die Nieder sind überzeugt, regelmäßiger Genuß sei sehr bekömmlich. Bei einem Überschuß an Magensäure und anderen Verdauungsstörungen könne, nach Meinung der Ärzte, das Wasser lindernd wirken. Der Brunnen machte allerdings den Niedern oft Sorgen , da das Wasser verunreinigt war. Im Jahre 1968 kam einmal unklärbar brennbarer Schaum heraus.

Nach dem Genuß des Wassers sollte sich ein Gang durch den Nieder Wald, einem 70 Hektar großen Auenwald oder entlang der Nidda mit ihren Altarmen anschließen.

 

 Von der Sulzbach-Einmündung der Nidda bis zur Wörthspitze:

An der Wörthspitze in Höchst, wo die Nidda in den Main fließt, wird sie träge wie der Mississippi. „Hier beginnt die Stauwurzel”, sagt Jens Wyrwa. Die eineinhalbstündige Führung mit Wyrwa beginnt am Höchster Strandbad. In der Nähe fließt der Sulzbach in die Nidda. Ein Stück des Bettes ist renaturiert, ein weiteres noch kanalisiert: Welchen Unterschied das macht, kann Wyrwa anschaulich erklären. Zudem steht das dortige Wehr vor seinem Rückbau - als erstes der Nidda-Wehre. Das Projekt, das zurzeit ausgeschrieben ist, stellt Wyrwa anhand der Pläne vor und erläutert, wie die Nidda vor der Kanalisierung von 1928 bis 1932 aussah. Mit Rücksicht auf den Hochwasserschutz wird nicht ganz auf Wehre verzichtet. Der Rückbau sieht ein schräges Wehr vor, „damit auch die Fischwanderung flussaufwärts wieder möglich wird”, so Wyrwa. Bis ins 19. Jahrhundert sei der Lachs in Schwärmen den Main hoch gewandert. Nachdem die Wasserqualität zum Laichen wieder einigermaßen geeignet ist, bilden Wehre ein großes Hindernis auf dem Weg zurück zu intakten Naturkreisläufen.

Beim Stichwort Wasserqualität ist Wyrwa in seinem Element. Die Fauna zum Beispiel verrate viel über den Wasserzustand: So lebt der Rollegel „in schwach strömenden, organisch kritisch verschmutzten Gewässern der Güteklasse II bis III - also wie im Main`. Dagegen komme die Große Steinfliegenlarve in reinem, sauerstoffreichem Wasser vor.

Doch allein die gute biologische Wasserqualität bringe noch keine Lebens-Vielfalt an den Fluss: Größere Zusammenhänge erfasse die „Gewässer-Struktur-Güte: Sie zeigt welche Lebensmöglichkeiten für höhere Organismen - etwa Enten, Vögel - bestehen”.

Als Maschinenbau-Ingenieur, hat sich Wyrwa auf die „Wissenschaft des Wassers” spezialisiert und gehört, „ein bisschen zu der Fraktion, die das Simulationsverfahren geschaffen hat”. Das heißt, Strömungen werden realitätsnah simuliert, unter Beachtung von Uferbewuchs und Flussbett, „das ist das Neue”, so Wyrwa. Seine Doktorarbeit schrieb er über den „Transport von Sedimenten, also Schlick, im Fluss”. Von den Meteorologen, die aus Luftströmungen das Wetter lesen, hat Wyrwa „viel übernommen” für die auf Wasserläufe angewandte „Turbulenz-Modellierung”. Die habe aber bei den Flugzeugbauern „eine größere Gemeinde”. Der 42-jährige Ingenieur ist Mitbegründer der »Sommerakademie", die gerade zum zweiten Mal ein Seminarprogramm von und für arbeitslose Wissenschaftler aufgelegt hat.

 

 

Süden

 

Sachsenhausen: Dribb de Bach

Sachsenhausens Anfänge  liegen im Dunkeln.. Vielleicht hat hier wirklich Karl der Große schon vor 800 n. Chr. besiegte Sachsen angesiedelt. Niemand weiß es, und auch der Name ist kein Beweis dafür. Der Ort wird erst viel später, im Jahre 1097, zum erstenmal erwähnt. Die Straßennamen erzählen seine Geschichte. Die Dreieichstraße verkündet, daß die Siedlung einst aus dem gewaltigen Königsforst herausgerodet wurde. Die Große und die Kleine Rittergasse (und einige andere, wie z. B. die Frankensteiner Straße) erinnern an etwas, was man hier gar nicht vermutet, daß nämlich in sehr frühen Zeiten mitten im alten Sachsenhausen mehrere stattliche Ritterhöfe und Ritterburgen lagen, die nach und nach verschwanden. Ihre Herren waren die Nachkömmlinge vornehmer königlicher Beamter, die schon mit der karolingischen Pfalz, also vor mehr als tausend Jahren, an den Main gekommen waren.

In Adolf Stoltzes „Alt-Frankfurt“, dem so beliebten heimischen Mundartstück, spielt eine biedere Sachsenhäuser Gemüsefrau, eine „Hockin“, die Hauptrolle. Diese Frau Funk hat einer profunden Erkenntnis über Sachsenhausen die klassische Formulierung gegeben; sie ist längst sprichwörtlich geworden. Als sie nämlich der hochgestochenen Frau Spezereiladenbesitzerin Euphrosine Muffel „uff e aastennig Weis“ die Meinung sagt, ruft sie ihr zu: „Lass' Se sich doch gesacht sein - jeder Sachsehäuser is e Frankforder, awwer e Frankforder noch lang kaa Sachsehäuser!“ Wacker gesprochen, Frau Funk! Und historisch vollkommen richtig gesehen! Denn Sachsenhausen war immer ein Teil von Frankfurt. Es war nicht etwa ein selbständiger Ort, der irgendwann eingemeindet wurde. Sachsenhausen war und ist ein Stück Frankfurt! Aber Frankfurt ist nicht Sachsenhausen!

Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein bestand das eigentliche Frankfurt zu sechs Siebentel aus einer Stadt nördlich des Mains und zu einem Siebentel aus einem Dorf südlich des Mains, eben Sachsenhausen (auch Oberrad und Niederrad waren Dörfer, aber sie kamen erst 1900 zu Frankfurt).

Ein Dorf! Nördlich des Mains gab es Kaiserkrönungen und Messen und Bürgeradel und Großkaufleute und Getto und Gymnasium und Manufakturen und Theater und Mode, alles, was zu einer früh groß gewordenen Stadt gehörte. Südlich des Mains gab es nichts davon. Durch Jahrhunderte - so hat der Sachsenhausen-Forscher Alexander Dietz herausgefunden - gab es in

Sachsenhausen auch keinen Arzt, keinen Apotheker, keinen Advokaten, keinen Bankier, keinen Juwelier, keinen Buchhändler und keinen Buchdrucker. Wenn man einen von ihnen haben wollte, dann mußte man eben über die Alte Brücke!

Sachsenhausen war ein großes und stattliches Dorf. Aber wie winzig war es im Vergleich zum heutigen Sachsenhausen! Fast vier Kilometer weit zieht es sich heute den Main entlang zwischen dem Städtischen Krankenhaus im Westen und dem Schlachthof im Osten. Das alte Sachsenhausen hingegen brauchte kaum 500 Meter Uferstrecke, vom Eisernen Steg bis zur Obermainbrücke.

Dieses alte dörfliche Sachsenhausen existierte bis weit in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Im Westen und Süden war es von der heutigen Schulstraße, der Wallstraße und dem Neuen Wall begrenzt. Die Namen dieser beiden letzten Straßen verraten bereits, was hier früher einmal gewesen ist. Im Osten reichte das Dorf Sachsenhausen ungefähr bis zur heutigen Dreieichstraße, die ja an der Obermainbrücke beginnt. Es ist genau das Gebiet, das man heute noch Alt-Sachsenhausen nennt.

Die einzige Brücke war die Alte Brücke. Die Straße, die von ihr nach Süden führt, hieß dementsprechend „seit ewig Zeiten“ die Brückenstraße (oder Brückengasse). Sie teilte das Dorf Sachsenhausen in zwei annähernd gleich große Teile. Den östlichen Teil nannten die Sachsenhäuser Oberhausen, den westlichen Unterhausen. Und das waren auch wieder zwei kleine Welten für sich; denn in Oberhausen wohnten vorzugsweise die Gärtner und Weingärtner, in Unterhausen die Fischer und Schiffer. Beide machten mehr als zwei Drittel der Bevölkerung aus.

Früher bevölkerten die Fischer beide Ufer des Mains und ganze Straßen. Heute ist es nur noch ein Nebenberuf für eine Handvoll Männer. Immerhin, man kann auch heute noch in Sachsenhäuser Gastwirtschaften den berühmten Mainaal verspeisen. Sachsenhausen hat die älteste Zunft im weiten Umkreis, eben die Fischer. Die „Fischwaydt“. 1951 feierte sie mit einer kleinen Verspätung ihr tausendjähriges Bestehen.

Sachsenhausen war also kein Dorf von Ackerbauern, es war, wenn man von den Handwerkern absieht, die hier natürlich auch lebten (vor allem die Gerber in der Löhergasse!), zur einen Hälfte ein Winzer- und zur anderen Hälfte ein Fischerdorf. Die einen ernteten in den Weingärten auf dem Sachsenhäuser Berg, die anderen in den Fluten des Mains.

Der „Sachsenhäuser“ galt als herzhafter Wein, ein Naturbursche. Überall am Berg wuchsen die Reben. Das war noch vor achtzig, neunzig Jahren so. Die billigen Weine von außerhalb zwangen dann die Sachsenhäuser Hecker, sich auf Gemüse und Obst umzustellen; die Weingärten verschwanden. „Hecker“ hießen die Weingärtner, weil sie so viel mit der Hacke im Weinberg arbeiteten. Daher stammt auch der Name „Hecken-Wirtschaft“. Im Übrigen lebten die Sachsenhäuser vollkommen für sich. Auch über die Brücke gingen sie meistens nur, wenn sie hinüber mußten. Oder wenn sie eine unwiderstehliche Neugierde „nach Frankfurt“ trieb. Zum Beispiel im Oktober 1844, als das Goethe-Monument enthüllt wurde: „Wu will aarr dann hü?“ „A ich will emol dem Gidie sei Munement oogucke!“ „Wem sä Munement?“ „A dem Gidie sans!“ „War iß dann des?“

„Gottverdammich! A der Gidie, der Verschmächer!“ So erzählt es Sachsenhausens Stoltze, der Paul Quilling.

Es gibt die hübsche Geschichte von einem vornehmen Engländer, der vor Jahr und Tag Frankfurt besuchte. Er hatte davon gehört, daß gegenüber, am anderen Ufer des Mains, „dribb de Bach“, auch noch ein wichtiges Stück Frankfurt liege, genannt Sachsenhausen, und daß seine Bewohner wegen ihrer Grobheit berühmt seien. Er wollte sich gern selbst davon überzeugen und ging deshalb mit einem Lohndiener auf den Alten Markt zwischen Dom und Römerberg. Man hatte ihm gesagt, daß dort die Sachsenhäuser Gemüsefrauen ihre Stände hätten. Der Lord spazierte auf dem Markt auf und ab und spitzte die Ohren. Schließlich wandte er sich an seinen Begleiter: „O no - ich hören nichts!“ Der Mann antwortete: „Ei, dann stoße Se mal der Fraa dort den Korb mit Blumekohl um!“ Der Lord tat wie geheißen und stieß mit seinem Fuß den Korb um. Was er in den nächsten zehn Minuten zu hören bekam, begeisterte ihn so, daß er es mit einem Goldstück belohnte und, begleitet von den Segenswünschen der Gemüsefrauen, hochbefriedigt von dannen schritt.

Die „direkte und kräftige“ Sprache der Sachsenhäuser wurde schon in frühen Zeiten sprichwörtlich, und es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß ihr Ruf bis an ferne Gestade drang. Denn in älteren Reisebeschreibungen findet man die Sachsenhäuser Grobheit häufig unter die Frankfurter Spezialitäten und „Sehenswürdigkeiten“ eingereiht. Die Frankfurter selbst haben die Tatsache niemals verheimlicht. „Es is e Sachsenhäusern, die hat e Privileg uff e bees Maul“, heißt es in Adolf Stoltzes historischem Drama „Vinzenz Fettmilch“. Warum sollten sie es auch vertuschen? Im Grunde ihres Herzens waren sie ja stolz darauf.

Und kein alter Frankfurter vergaß jemals das Bild, das der Markt zwischen Dom und Römerberg bot und das einer von ihnen (Dr. C. Schenck) folgendermaßen beschrieben hat: „Da saßen die originellen Gestalten der Hockerinnen, umgeben von ihren gefüllten Körben, unter weiten Schirmen, in beständigem lautem Gespräch miteinander. Die mit Kaffee gefüllten großen Untertassen balancierten die würdigen Frauen auf allen fünf Fingerspitzen. Es herrschte ein solcher Lärm, daß man meinte, diese Leute wären ununterbrochen in Zank und Streit...“. Aber es klang nur so. Es war eben ihre Art, miteinander zu verkehren. Sie waren Gegner einer leisen oder undeutlichen Aussprache und der feinsinnigen Umschreibung.

Kostproben von ihren Unterhaltungen hat schon Sauerwein 1838 mit seinem kleinen Theaterstückchen „Der Gemüsmarkt“ aufbewahrt. (Die Geyern: „No, es gibt aach noch orndliche

Menner in Sachsehause“. Die Ditzelin: „De sein awwer dinn genug gesiet. Mer sieht wenig Mannsleut, die nett finf oder sechs Leidenschafte hawe, im Maul die Tuwackspfeif, in der linke Hand die Kreuz- und Schippedam, in der rechte Hand des Schoppeglas, uf der Schulter die Flint, unnerm Stuhl der Jagdhund un uf dem Buckel en Wasserstanhusar met em Kind“, wobei erläuternd daraufhingewiesen sei, daß mit dem „Wasserstanhusar“ eine Köchin oder jedenfalls eine Person gemeint ist, die sich „sundags nochmittags om Wasserstau fresiert“.

Mit dieser Sachsenhäuser Grobheit geht es einem wie mit den Nüssen. Die Schale besagt gar nichts über den Kern. Die Sachsenhäuser galten allemal als aufrichtige, gutmütige Menschen. Außerdem hatte ihre Grobheit natürlich ihre Gründe. Unter allen freien Bürgern der Freien Reichsstadt fühlten sich die Sachsenhäuser stets als die freiesten. Es ist die Freiheit jenes

Mannes, der niemand etwas schuldig ist, der ein gutes Gewissen hat und der das, was er besitzt, mühsam Stein für Stein erworben hat.

So ein Fluß kann Welten trennen! Drüben, auf der Frankfurter Seite, herrschten Handel und Wandel und Wohlstand. Im alten Sachsenhausen aber war das karge Leben daheim. Die Sachsenhäuser haben sich ihr Brot immer im Schweiße ihres Angesichts verdienen müssen, als Weingärtner, als Gemüsebauern, als Fischer, als kleine Handwerker. Wenn man sein Leben lang schuften muß, geht manche Tünche verloren...Es wäre jedoch ein gewaltiger Irrtum, anzunehmen, die Sachsenhäuser Grobheit wäre das Wichtigste oder vielleicht gar das einzige, was von den Sachsenhäusern zu rühmen und zu berichten ist. Weit gefehlt! Sachsenhausen ist eine Welt für sich. Auch sie steckt voller Merkwürdigkeiten.

 

Sachsenhausen hat den berühmtesten aller Spaziergänge. Den Osterspaziergang im »Faust«. Als ihn der fünfzigjährige Goethe in Weimar schrieb, stand ihm seine Vaterstadt Frankfurt vor Augen, genauer Sachsenhausen. Die Szene spielt vor dem Tore. Ein Handwerksbursche: „Wir geh'n hinaus aufs Jägerhaus“. Damit war das Oberforsthaus gemeint. Andere Burschen: „Wir aber wollen nach der Mühle wandern“. Es ist die Gerbermühle. Handwerksbursche: „Ich rat' Euch, nach dem Wasserhof zu geh'n“. Der alte Wasserhof- oder Strahlenberger Hof liegt unweit der Gerbermühle. Ein vierter: „Nach Burgdorf kommt herauf!“ Man vermutet dahinter Oberrad. Der spazieren gehende Bürger, der den Frieden lobt und feststellt: „Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten...“, der dachte an den Main. Und Faust schließlich, zu seinem Famulus Wagner gewendet: „Kehre dich um, von diesen Hohen nach der Stadt zurückzusehen! Aus dem hohlen, finstern Tor dringt ein buntes Gewimmel hervor...“, der stand in diesem Augenblick auf dem Sachsenhäuser Berg und sah zurück zum Affentor.

Sachsenhausen hat auch sonst seinen festen Platz in der Weltliteratur. Im „Götz von Berlichingen“ kommt es vor, im ersten Akt, im Rededuell zwischen dem spöttischen Liebetraut und dem Doktor beider Rechte Olearius. Bevor der Bamberger Bischof den Disput abbiegt, läßt Goethe den Liebetraut geschwind noch sagen: „Gegen Frankfurt liegt ein Ding über, heißt Sachsenhausen...“. Wahrscheinlich spielt er damit auf die Herkunft des Dr. Olearius an.

 

Apfelwein:

Sachsenhausen - jeder weiß es - ist der berühmteste Äpfelweinort der Welt. Wer einen noch berühmteren weiß, möge ihn ungeniert nennen. Der „Rebesaft vom Äppelbaam“ ist allerdings nicht so alt, wie uns Adolf Stoltze weismachen möchte, der dessen Geburtsstunde nämlich auf jenen Augenblick zurückführt, in dem sich Karl der Große aus Versehen einmal auf den Reichsapfel setzte. Nein, der Äpfelwein ist jünger. Aber er hat in einem kaum vorstellbaren Maße an dem Rufe Frankfurts mitgewirkt. Und er hat der Stadt etwas beschert, was ihr erhalten bleiben möge, solange sie existiert - echte Volksschenken

 

Kaiserlei:

Der „ Kaiserlei“ heißt so,  weil hier ein Felsen im Main stand, ein Ley wie bei der Loreley. Bis dahin durften die Frankfurter zum Fischen fahren, zum Felsen des Kaisers, der so um 1850 gesprengt wurde (Gunther Haarstark)

Die Kaiserlei-Autobahn zwischen Offenbach und Frankfurt etwa hat man in den 60er Jahren noch über einen riesigen Kelten-Grabhügel gebaut. Der war größer als der vom Glauberg, wo man die bekannte Statue eines Keltenfürsten gefunden hat. 3500 Jahre war der Hügel alt, 900 Jahre in Benutzung. Jetzt ist da nur noch Asphalt. Heute würde man die Autobahn sicher drum herum bauen und aus dem Hügel eine richtige Touristen-Attraktion machen (Gunther Haarstark).

 

Straßenbahn von Frankfurt nach Offenbach:

Die durch Mark und Bein zu spürende Fahrt brachte ihr 1884 den Spitznamen „Knochenmühle“ ein. Doch 125 Jahre später feiern Frankfurter und Offenbacher stolz die Straßenbahn, die beide Städte seit dem 18. Februar 1884 verbindet. Bei der Jungfernfahrt vor 125 Jahren war sie die erste elektrische Straßenbahn Deutschlands im Linienbetrieb. Und trotz des Spotts hat die Verbindung gehalten: Zwischen Frankfurt und der Offenbacher Stadtgrenze fahren noch heute an jedem Arbeitstag 30.000 Menschen mit der Straßenbahn - heute ist es die Linie 16.

Möglichkeiten neuer Technik erkannt

Als „herausragende technische Innovation“ bezeichnet der Leiter des Siemens Archiv in München, Frank Wittendorfer, die historische Bahn im Rückblick. Akten des Konzerns erzählen ihre Geschichte: Während Werner von Siemens in Berlin über Versuchsstrecken nicht hinauskam, erkannte ein Offenbacher Konsortium die Möglichkeiten seiner neuen Technik. Zuvor hatte der Frankfurter Magistrat Dampfbetrieb auf der Strecke abgelehnt, weil sich der mit dem anderen Verkehr nicht vertrage. Mancher mutmaßte aber, vor allem Villenbesitzer an der Trasse hätten den Ruß gefürchtet.

Die Luft blieb rein, als die von „Siemens & Halske“ hergestellte Bahn am 18. Februar 1884 gegen 11.30 Uhr erstmals abfuhr. Zunächst ging die Strecke von Frankfurt „Alte Brücke“ bis Oberrad in Betrieb. Am 10. April folgte der Abschnitt von Oberrad bis Offenbach Mathildenplatz. Mit 6,7 Kilometern war es damals die längste Straßenbahnstrecke der Welt. 20 Minuten waren die holprigen Zweiachser unterwegs. Der Strom kam aus einem in der Mitte der Strecke errichteten Kraftwerk. Die Höchstgeschwindigkeit der Bahn war amtlich auf zwölf Stundenkilometer festgelegt - technisch hätte sie ein Drittel flotter sein können. Doch das galt als zu gefährlich.

Später gab es dann eher Klagen über Verspätungen. Anhänger sprangen aus dem Gleis oder die Stromversorgung riss ab. Dennoch zählte die Bahn fast eine Million Fahrgäste im Jahr. Triebwagen und Anhänger fassten je 30 Menschen. Betreiber war die private Frankfurt-Offenbacher Trambahngesellschaft, die 1906 anteilig von beiden Städten übernommen wurde. Diese stellten anschließend die Spurweite von einem Meter auf die so genannte Normalspur von 1435 Millimeter um. Im Jahre 1996 wurde der Offenbacher Teil der Strecke schließlich stillgelegt, zum Kummer der Straßenbahnfans. Seither endet die auf der historischen Route fahrende Linie 16 an der Stadtgrenze.

Ein Originalwagen steht im Frankfurter Verkehrsmuseum Schwanheim, wo am Mittwoch, 22. April, die Verkehrsbetriebe beider Städte zum Festakt bitten. Der Bürger-Arbeitskreis „125 Jahre elektrische Straßenbahn“ erinnert im Depot Oberrad mit einer Feier an „die Geburtsstunde des öffentlichen Nahverkehrs“. Gäste können, wenn sie wollen, mit der Linie 16 anrei-

sen.   

 

Fläschenburg:

Zwischen Oberrad und Offenbach lag die stark befestigte Fläschenburg. Doch im Jahre 1490 wurde vom Bischof von Mainz der Turm zerstört und der Graben verwüstet, weil dort ein Geistlicher beraubt worden war.

 

Sankt Georgen:

Die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen im Stadtteil Oberrad. Zur Hochschule gehört ein Park von 8,3 Hektar, in dem nach aktuellen Daten (31. August 2004) 1050 verschiedene Bäume und Sträucher beheimatet sind. Jedes Exemplar ist mit einem Schildchen versehen, das über seinen Namen (lat.-deutsch), sein Herkunftsland sowie das Datum seines Zuganges Auskunft gibt. Viele der Bäume und Sträucher, die seit vielen Jahren im Park im wahrsten Sinne des Wortes „Fuß gefaßt“ haben, dürften hier aufgrund der gegebenen klimatischen und Bodenverhältnisse nicht einmal wachsen geschweige denn Früchte bringen und sich weiter vermehren.

Es war oder ist jedoch niemals das Ziel der Besitzer gewesen, besonders viele „Exoten“ zu präsentieren. Der interessierte Besucher darf aber staunen über die vielen verschiedenen Exemplare  an  Eichen, Ahornen, Eschen usw., die ein Laie, der ja wohl stets zuerst nach den Blättern schaut, niemals erkennen würde, weil sie ausschließlich an den Früchten zu identifizieren sind.

Inzwischen wurde ein Areal angelegt, in dem chinesisch-japanische Gehölze zusammengefaßt werden, ein anderes für amerikanische. Der Höhepunkt des Parks ist jedoch eine Blutbuche, die bereits 1840 gepflanzt wurde und jetzt Mittelpunkt einer eigenen Dokumentation werden soll.

Geschichte der Eigentümer von Sankt Georgen: Im Jahre 1780 wurde das Landgut, das aus Ackerland, Obst- und Weingärten bestand, von Johann Jakob Hollweg, der verheiratet war mit Susanne Elisabeth Bethmann, erworben. Als Bethmann-Hollweg war er Teilhaber der Bethmann-Bank. Sein Urenkel war Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg unter Kaiser Wilhelm II.

1803 wurde das Landgut an den trierischen Geheimrat und kurfürstlichen Hofbankier Heinrich Mühlhens verkauft. Dieser Landsitz war der Ort vieler gesellschaftlicher Begegnungen. So fand man dort u.a. Freiherr Karl vom Stein als häufigen Gast und Moritz August von Hollweg, der 1820 zum preußischen Kultusminister ernannt wurde und dem Marianne von Willemer einen wehmütigen poetischen Nachruf widmete. 1824 trat Heinrich Mühlhens, durch den Tod seiner Gattin vereinsamt, das Gut an seine älteste Töchter, Marianne, die Gattin des Barons Karl Ludwig von Leonhardi, ab. Um ihre zehn Kinder zu versorgen, verkauften die Leonhardis 1840 das Gut für 34.900 Gulden.

Im Jahre 1840 wurde der neue Eigentümer Johann Georg Konrad von Samt George; er galt als Abkömmling einer hochadeligen Familie aus der Languedoc in Frankreich. Ermittlungen im Stadtarchiv ergaben allerdings, dass der erste nachweisbare Ahne mit Vornamen „Ambrosius“ als waschechter Hesse von 1537- 1597 in Treysa im Bezirk Kassel als „Badstüber“, also Dentist und Heilpraktiker, beheimatet gewesen war.

Johann Georg von Saint George bewährte sich seit 1800 als Angestellter des Bankhauses Bethmann und erlangte durch seine Heirat mit Maria Louise Bethmann-Hollweg das Frankfurter Bürgerrecht und gleichzeitig gesellschaftliches Ansehen. Um seinen aristokratischen Stil zu vervollständigen, entschloss er sich 1843, sein Landgut durch Zukauf von Ländereien zu einer herrschaftlichen Besitzung, die nach ihm benannt wurde, zu verhelfen. Für die Umwandlung des bäuerlichen Ziergartens in einen Park nach englischem Muster hatte er Sebastian Rinz verpflichtet, den Gartendirektor von Frankfurt, der den Anlagenring in Frankfurt geschaffen hat.

Samt Georges älteste Tochter Katharina vergrößerte 1863 das Anwesen nach dem Tode ihres Gatten, des Bankherren Peter Carl Grunelius. Nach ihm ist die Grunelius-Schule und eine Straße in Oberrad benannt. Andreas Weber, ein Enkel von Sebastian Rinz und wie dieser Gartenbaudirektor von Frankfurt, beriet Katharina Grunelius bei der Ausweitung des Parks.

Im Jahre 1892, nach dem Tode seiner Mutter, ließ Moritz Eduard von Grunelius einen Wintergarten, die spätere „Glashalle“ errichten. Moritz Eduard von Grunelius war verheiratet mit der Baronin Olga von Bethmann, einer Enkelin des Staatsrates. Damit steht am Anfang wie am Ende wieder der Name Bethmann.

Am 25. Oktober 1926 wurde die bisherige „Villa Grunelius“, als ,,Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen“ durch Bischof Dr. Augustinus Kilian von Limburg eröffnet und den Jesuiten übertragen zur Ausbildung der Priester der Diözese Limburg. 1950 kamen die jungen Jesuiten zur Ausbildung dazu. 1970 wurden die beiden Ausbildungsgänge für die Priester der Bistümer Limburg, Osnabrück und Hildesheim (und später auch das Erzbistum Hamburg)  und die der Jesuiten zusammengelegt. Seit 1974 können auch Nicht-Jesuiten im kirchlichen Recht promovieren. Seit 1980 besteht die staatliche Anerkennung als wissenschaftliche Hochschule, seit 1982 hat Sankt Georgen staatliches Promotionsrecht in Theologie, seit 1983 staatliches Lizenziatsrecht. Seit 2000 hat Sankt Georgen auch staatliches Habilitationsrecht. Es dozieren 26 Professoren, davon 24 Jesuiten; ca. 160 Studierende im Grundstudium, ca. 100 im Aufbaustudium (Lizenziat ca. 30, Promotion ca. 70), ca. 150 Gasthörer. Bibliothek: ca. 390.000 Bände. Der Park öffnet nur einmal jährlich zum Sommerfest seine Pforten für alle Besucher.

 

Gerbermühle:

Wenn Goethe in diesen Tagen seinen berühmten Osterspaziergang unternehmen würde, hätte er seine helle Freude: Denn der Umbau der Gerbermühle, in der der Dichterfürst 1815 nicht nur seinen 66. Geburtstag feierte, sondern auch viele schöne Stunden mit der Bankiersgattin Marianne von Willemer verbrachte, nimmt langsam Formen an. Und es lässt sich bereits ahnen, dass hier ein besonderes Restaurant und Hotel entsteht.

Wir versuchen den Bogen zwischen Klassik und Moderne zu schlagen", sagt Kai Petry, Geschäftsführer der Eigentümer-Gesellschaft, der Werner Kindermann angehört. Ende vergangenen Jahres trennte sich dieser vom ursprünglichen Pächter Ulrich Mlcoch und betreibt die Mühle jetzt in eigener Regie. „Einerseits wollen wir der Geschichte dieses Gebäudes gerecht werden, andererseits wird das Ganze nicht altbacken oder plüschig.” So passt der Neubau, in dem das Hotel untergebracht ist, architektonisch zum historischen Teil, der saniert wurde. Dort befinden sich das Restaurant samt Wintergarten, die Beletage mit Salon und zwei kleinen Sitzungszimmern sowie im obersten Stock einige der insgesamt 19 Hotelzimmer. Verbunden werden alter und neuer Bau durch eine verglaste Empfangshalle. „Der geschichtsträchtigste Teil ist der Turm, der bis ins 13. Jahrhundert zurückgeht.” Dort soll ein kleiner Saal für 30 Personen entstehen, der mit Naturstein belassen ist.

Goethe begegnet den Gästen in der Gerbermühle auf Schritt und Tritt. So werden die Hotelzimmer nach Zeitgenossen oder Künstlern benannt, die Einfluss auf den Dichterfürsten ausgeübt haben oder in einer persönlichen Verbindungen zu ihm standen. Schiller, Brentano und Bettina von Arnim gehören dazu. „Dabei belassen wir es nicht bei den Namen, sondern diese Persönlichkeiten finden sich in Wort und Bild auch in den jeweiligen Zimmern wieder”, erklärt Kai Petry.

Auf der Speisekarte des Restaurants mit seinen rund 60 Plätzen sind hochwertige deutsche Gerichte zu finden, aber auch italienische und französische. „Damit erinnern wir an Goethes Reisen.” Praktisch, dass der neue Küchenchef Mathieu Henninger aus Frankreich stammt. Vor dem Restaurant befinden sich ein Wintergarten mit 35 und eine Terrasse mit 60 Plätzen. Auch der beliebte Biergarten, der bereits im vergangenen Sommer provisorisch betrieben wurde, bleibt erhalten. „Der wird allerdings nicht einheit‑

lich gestaltet. Es gibt weiterhin die langen Holzbänke und -tische, aber auch die Möglichkeit, sich auf richtige Stühle oder Rundbänke um die Bäume herum zu setzen.” Beim Essen setzen die Betreiber hier vor allem auf Frankfurter Küche zu moderaten Preisen, „wie es sich für einen Biergarten gehört”.

Bei der Gestaltung sind sich Kai Petry und Werner Kindermann einig, was bei Ulrich Mlcoch, der einst auch das Frankfurter Haus in Neu-Isenburg führte, nicht der Fall war. „Es bestanden unterschiedliche Vorstellungen über das Konzept”, weiß Kai Petry. „Deshalb haben er und Werner Kindermann im Einvernehmen beschlossen, getrennte Wege zu gehen.” Für einen reibungslosen Ablauf sollen Direktor Marzellus Keizers und Stellvertreterin Janka Krauzpaul sorgen.

Ob den Frankfurtern die neue Gerbermühle gefällt, können sie im Sommer 2006 selbst entscheiden. »Wir möchten Ende Juni, Anfang Juli eröffnen." Kai Petry hofft natürlich, dass die Gäste dann mit Goethe übereinstimmen: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.”

 

Wie sich hier Goethe einst verliebte

Die Gerbermühle hat längst Geschichte geschrieben Ursprünglich wurde sie als Lehn gut im 14. Jahrhundert errichtet Um 1520 wurde sie zur Mühle umgebaut, die von 1690 an als Gerberei diente. Der Bankier Jakob von Willemer erwarb das Gebäude 1785 und funktionierte sie zu einem Sommersitz um. Im 19. Jahrhundert schaute oft de mit der Familie gut befreundet Johann Wolfgang von Goethe vorbei und feierte hier sogar seinen 66. Geburtstag.

Der Dichterfiirst lernte bei seinen Besuchen auch die Ziehtochter und spätere Gattin Jakob von Willemers, Marianne, kennen, mit der ihn eine innige Beziehung verband. Hier verbrachten die beiden viel Zeit zusammen und arbeiteten auch künstlerisch zusammen. Die zwei Sitzungszimmer, die sich im historischen ?du er nun sanierten Gerbermühle befinden, sind deshalb nach Marianne und Goethe benannt, Einrichtungsgegenstände aus dem Biedermeier erinnern an die damalige Zeit.

1904 wurde das Gebäude von der Stadt übernommen und als Gaststätte betrieben. Die Bomben im Zweiten Weltkrieg zerstörten 1944 weite Teile der Gerbermühle, die erst 1970 wieder aufgebaut und erneut als Ausflugsgaststätte betrieben wurde.

2001 erwarb Werner Kindermann das Ensemble. Der Umbau drohte aber zu scheitern, denn die Stadt war mit den ursprünglichen Plänen des Architekturbüros Albert Speer & Partner nicht zufrieden, da sie einen Teilabriss des historischen Gebäudes vorsahen. Kindermann beauftragte dann den Frankfurter Architekten Jochem Jourdan. Nach seinen Plänen wird die Gerbermühle jetzt umgebaut.

 

Die vor den Toren Frankfurts am Main gelegene Gerbermühle gehört zu den schönsten und traditionsreichsten Orten der Stadt. Dort hatte der alte Goethe im Jahr 1815 bei einer Geburtstagsfeier die Bankiersgattin Marianne von Willemer kennengelernt. Die Romanze ging durch die gemeinsam verfassten Verse für den „West-Östlichen Diwan“ in die Weltliteratur ein. Kein Wunder also, dass die Frankfurter mit Ungeduld ein Ende der dreijährigen Sanierung des Ausflugslokals herbeisehnten. Am Donnerstagabend, dem 19. Juli 2007, wurde nun der über 500 Menschen fassende Sommergarten unter den alten Kastanien wiederöffnet. Ende August wird dann an der historischen Stelle ein Hotel im Landhausstil seinen Betrieb aufnehmen.

„Die Gerbermühle soll bundesweit zu einer Adresse werden”, sagt der Pächter, der junge Hotelier Alex Urseanu. Das klingt kühn, scheint aber keineswegs anmaßend. Der 36-jährige Urseanu und sein Kompagnon Micky Rosen haben bereits mit zwei Frankfurter Stadt-Hotels im Designerstil für Furore gesorgt. „Hotels sollen wieder ein Ort sein, wo sich die Gesellschaft in Frankfurt trifft”, sagt der 40 Jahre alte Rosen.

Über zehn Millionen Euro sind in die neue Gerbermühle geflossen. Das Wohnen im schicken Landhotel hat seinen Preis. Die 19 Zimmer starten bei 180 Euro und reichen bis 600 Euro in den Suiten. Neben dem Restaurantangebot von gutbürgerlich bis erstklassig soll der Sommergarten mit Äppelwoi und Frankfurter Spezialitäten jedoch Bewährtes bieten. „Wir wollen den Frankfurtern ihr Ausflugslokal zurückgeben”, versichert Rosen.

Von dort aus hat man einen der schönsten Blicke auf die Frankfurter Skyline. Goethe würde seine alte Heimatstadt, die er selbst als oft zu eng empfand, von der Gerbermühle nicht wiedererkennen. Das Lokal selbst ist mit seinem angrenzenden lauschigen Park und dem träge dahinfließenden Main immer noch einer der romantischsten Ecken der Stadt geblieben. Für viele Frankfurter hat deshalb Goethes Gedicht auf die Mühle nicht an Gültigkeit verloren: „Von der Ilme bis zum Rheine, mahlen manche Mühlen, Doch die Gerbermühl’ am Main, Ist's worauf ich ziele.”

Die beiden Betreiber der Gerbermühle wollen weg von der Anonymität der Ketten-Hotels, die den Markt in Frankfurt beherrschen. Die von ihnen gepflegte Mischung aus Tradition und Design soll nun auch in der Gerbermühle funktionieren. Den Gast erwartet ein Stil-Mix aus braunen Ledersofas und Lampen aus Hirschgeweih. Und im Eingang grüßt eine Büste von Goethe. Ein „Spagat”, wie Rosen einräumt. Von der Architektur her wirkt die Sanierung der Gerbermühle gelungen. Die renommierten Frankfurter Architekten Müller & Jourdan haben für den Eigentümer Werner Kindermann ein Ensemble geschaffen, das harmonisch Altes und Neues verbindet. Es setzt sich einmal aus dem biedermeierlich gehaltenen Landhaus des Bankiers Willemer zusammen, das im Zweiten Weltkrieg ausbrannte und danach wiederaufgebaut worden war. Erhalten blieb in der Bel-Etage des Landhauses auch die Original-Sandsteintreppe mit dem spätbarocken Geländer. „Über diese Treppe ist auch Goethe in das später ihm gewidmete Zimmer gegangen“, sagt Architekt Jochen Jourdan.

Daneben steht der alte Mühlenturm, in dem Mauerwerk einer früheren Eisenschmiede aus dem 13. Jahrhundert freigelegt wurde. Die Architekten gaben dem Turm - wie einst vor dem Krieg - sein gotisches Satteldach zurück. Der Hotel-Neubau wiederum ist mit dem Turm durch eine gläserne Halle verbunden - als Eingang für Hotel und Restaurant.

Die Unterschiede im dreiteiligen Ensemble werden durch Farbe und Material deutlich gemacht. So erhielt der Mühlenturm mit seinem steilen Giebel ein Schieferdach. Die drei Gebäudeteile sind durch die Farben gelb, grau und rostrot auf die jeweiligen historischen Epochen abgestimmt, in denen sie entstanden.

 

Stralenberger Hof:

Auf dem Weg nach Oberrad lag der befestigte Stralenberger Hof. Eine große Wasserfläche umgab ihn, weshalb er auf Wasserhof genannt wurde. Erbauer ist Herr von Stralenberg, der nach Frankfurt kam und 1353 Clara Knoblauch heiratete. Bei dem Hof war ein auch Wäldchen.

 

Mühlberg:

Durch die Siemensstraße und die Offenbacher Landstraße kommt man zum Mühlberg. Dieser war ein Lieblingsaufenthalt der alten Frankfurter. Friedrich Stoltze hat den Mühlberg einmal besungen:     

      Der leiht im Frankfurter Gebiet

      un wenn er aach net alpegliht,

      un net bis in die Wolke steiht,

      geschieht des aus Bescheidenheit.

In der Straße „Auf dem Mühlberg“ bauten die wohlhabenden Frankfurter früher vor den Mauern der Stadt große stattliche Gartenhäuser. Ein Prachtstück hiervon blieb in Sachsenhausen am Mühlberg erhalten, 1782 ließ es sich der Handelsmann Kleig bauen. Heute ist es natürlich ständig bewohnt. Auf dem Mühlbergsteht auch die katholische Herz-Marien-Kirche mit einer Chorwand aus buntem Glas.

 

 

Willemer-Häuschen:

In der Mariannenstraße steht das Willemer-Häuschen. Im Jahre 1809 hatte der Bankier Johann Jacob Willemer ein kleines, kurz zuvor erbautes klassizistisches Gartenhaus erworben. Von dem Gartenhäuschen steht unverändert nur noch der Stumpf. Man will es wieder aufbauen.

Im Jahre 1810 ließ er ein turmartiges Gartenhäuschen erbauen, achteckig und mit geschiefertem Fachwerk. Der 65jährige Goethe war hier, am 18. Oktober 1814, und schaute mit seiner „Suleika“, der jungen Frau Marianne Willemer, hinaus in die Nacht, auf die vielen Freudenfeuer ringsum, die zum Jahrestag der Leipziger Niederlage Napoleons brannten. Marianne Jung war eine junge österreichische Tänzerin, die im Haus des Bankiers Johann Jacob Willemer zusammen mit dessen Töchtern aus erster Ehe erzogen worden war und 1814 Willemers Frau wurde.

Die Begegnung zwischen Goethe und Marianne war für beide ein beglückendes Erlebnis, das sich in Gedichten beider im Buch „Suleika“ des „West-östlichen Diwans“ widerspiegelte. Jedenfalls scheint die Bankiersgattin seit diesem Tag die Muse und Mit-Autorin Goethes gewesen zu sein. Diese letzten Aufenthalte in der Stadt, in der er geboren wurde und aufwuchs, empfand Goethe als „allerschönste Zeit“.

Im Jahre 1902 richtete das Freie Deutsche Hochstift das nun im städtischen Besitz befindliche Häuschen mit Möbeln und Erinnerungsgegenständen ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört, doch konnte es bald restauriert, mit Möbeln aus dem frühen 19. Jahrhundert, dem Waschtisch Mariannes und mit Fotos ausgestattet und am 18. Oktober 1964 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Von Mitte April bis Mitte Oktober stehen jeweils sonntags zwischen 11 und 16 Uhr seine Türen offen.

Hühnerweg: Noch so ein kleines Haus ist die Nummer 48.

 

Willemergarten: Sachsenhausen war auch einmal eine Theaterstadt! Gleich an drei Stellen konnte man nach dem Kriege Theater genießen - der Willemergarten verwandelte sich in eine winzige private Freilichtbühne, auf der engagementlose Schauspieler Goethes „Freier“ aufführten. In der Gastwirtschaft Heymann (am Lokalbahnhof) erklang Frankfurter Gebabbel, die Mundartbühne hatte dort ein Domizil gefunden. Am Oppenheimer Platz, in der betagten Turnhalle des TV Sachsenhausen, war das Schauspiel in ein Notquartier der Städtischen Bühnen eingezogen.

 

Frankensteiner Hof:

Über den Hühnerweg und die Darmstädter Landstraße geht man wieder zum Mainufer. Am Deutschherrenufer an der Obermainbrücke stand der „Frankensteiner Hof“. Die Adresse „Große Rittergasse 103“ erinnert dort ‑ hinter dem Haus der Jugend ‑ noch an die Zeit der großen Adelshöfe von Sachsenhausen. Das Lehnsgut der Familie Frankenstein grenzte seit dem Mittelalter an das Deutschordenshaus. Im Jahr 1831 ging es mit 140 Morgen Land und Weinbergen in städtischen Besitz über, wie in der Sachsenhausen‑Chronik von Reinhold Brückl nachzulesen ist.

Die trutzige Hofanlage wurde nach dem Bericht des Stadthistorikers Wolfgang Klötzer erst durch die Bomben des letzten Krieges zerstöre. Seit 1957 ist die Adresse mit zwei dreigeschossigen Verwaltungs‑ und Betriebsgebäuden sowie zwei Nebengebäuden bebaut. Damals wurde angrenzend auch der Kuhhirtenturm wieder rekonstruiert.

Bis vor wenigen Jahren hatte das Stadtentwässerungsamt in den schlichten gelben Bauten der 50er Jahre seinen Sitz. Derzeit sind die Etagen vorübergehend von Künstlern umgebaut und eingerichtet. Das wird ein letzter Auftritt der Bauten sein. Vorgaben zu Abriß oder Erhalt der vorhandenen Bausubstanz werden von der Stadt nicht gemacht, teilten die Auslober den Bewerbern mit.

Daß die Zukunft des Areals Frankensteiner Hof nicht allem von Interesse des Liegenschaftsamts bestimmt wird, die Quadratmeter lukrativ zu verkaufen, hat dem Vernehmen nach die Architektenkammer angestoßen: Die haben einen Architekten‑Wettbewerb verlangt. Die Fachleute sehen das Grundstück am Rand des verkommenen Apfelweinviertels als ganz wichtigen Ort, von dem eine Initialzündung für das Quartier ausgehen könnte. Der verstellte Zugang nach Alt‑Sachsenhausen muß frei gelegt werden.

Das Maß der künftigen baulichen Nutzung muß nur nach den Bestimmungen des Paragraphen 34 Bundesbaugesetz ausgerichtet sein, also nach den Bauten, die in der Umgebung stehen. Genutzt werden soll der Neubau zur Hälfte durch wohnverträgliches Gewerbe (keine Gastronomie), zur anderen Hälfte zum Wohnen. Im Erdgeschoß sollen 500 Quadratmeter für eine öffentliche, kulturelle Einrichtung vorbehalten werden.

Vom Plan des Kulturamts, auch Künstler‑Ateliers einzupassen, ist in der Ausschreibung nichts erwähnt. Als die Idee ruchbar wurde, ist ein Teil der Bewerber abgesprungen, weil sich das nicht verträgt mit hochwertigem Wohnraum. Caspar Schön, der von der Stadt mit der Sanierungsberatung für Alt‑Sachsenhausen beauftragte Architekt, sieht auch anderes am historischen Ort für unverträglich an, beispielsweise einen abgeriegelten Verwaltungsbau. Das eine oder andere kleine Lädchen würde sich Schön an der Adresse wünschen ‑ daß man mal von den vielen Theken hier weg komme.

Im Moment aber, auch das hat für Irritationen gesorgt, bereitet Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel auf dem Areal Frankensteiner Hof das Feld für eine Zwischennutzung durch Institutionen der Sozialverwaltung. Nur für zwei Jahre, wie er versichert Denn: Bis am Frankensteiner Hof gebaut wird, gehen sicher noch drei Jahre ins Land. Großer Aufwand, mageres Ergebnis: Der Frankensteiner Hof an der Großen Rittergasse soll wieder für Behörden eingerichtet werden. Ungeachtet des im Herbst 2002 entschiedenen Investoren‑Wettbewerbs zum Umbau in Wohnungen, Läden und Ateliers wird die Stadt die Gebäude behalten.

Die Umgestaltung des geschichtsträchtigen Areals war als Signal für die Aufwertung des Apfelweinviertels von Alt Sachsenhausen gedacht und unter Architekten und Bauherren ausgelobt. Jetzt präferiert Liegenschaft‑Amtsleiter Alfred Gangel für das städtische Areal, wo früher das Stadtentwässerungsamt saß, „Sanierung im Bestand“. Gangel will das Bürgeramt und das Sozialrathaus Sachsenhausen dort hinter dem Haus der Jugend unterbringen, die platzen aus allen Nähten. Es wäre für ihn eine bleibende Lösung. Sozialdezernent Franz Frey habe dringenden Bedarf angemeldet. Einige Dienststellen sind schon in den Frankensteiner Hof eingezogen.

Wie kürzlich bereits im Planungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung deutlich wurde, konnte oder wollte die Stadt den Frankensteiner Hof nicht verkaufen. Planungsdezernent Edwin Schwarz teilte dem Ausschuss mit, der Verkauf sei gescheitert. Liegenschaftsamtsleiter Gangel bezeichnete jetzt die Kaufgebote der ausgesuchten Investoren als einen Witz: Für zwei Millionen Euro sollten wir das Gelände hergeben. Dann nutzen wir es lieber selbst. Um Übernahme in Erbpacht und Bebauung des 3.500 Quadratmeter großen Grundstücks des historischen Adelshofs hatten sich ursprünglich 25 Bietergemeinschaften von Nah und Fern beworben. Eine Jury hatte am Ende des Wettbewerbs zwei zweite und einen dritten Preis vergeben. Die Gebote hatten dem Vernehmen nach zwischen 1,7 und 2,2 Millionen Euro gelegen.

Nach den Vorgaben eines der zweiten Preisträger, der Gemeinschaft Jo Franzke/ Ardi Goldman, peilen jetzt die Behörden den Umbau an. Im Ausschuss hatte der Planer Dierk Hausmann die Meinung vertreten, damit werde der Wettbewerbs‑Entwurf nicht verbaut. Wenn sich später Investoren fänden, könne man die Nutzung des Behördenbaus durch Wohnungen ergänzen. Der Architekt Jo Franzke hatte in seinem preisgekrönten Entwurf vorgeschlagen, vom Bestand der schlichten Fünfziger-Jahre‑Bauten einen Riegel im Innenhof abzubrechen und durch ein Turmhaus mit Büros zu ersetzen. Ein zweiter Turm, errichtet an der Großen Rittergasse, wäre zum Wohnen vorgesehen gewesen. Die Jury hatte an dem Konzept die neuen grünen Höfe gelobt und geurteilt, die Nutzung der Erdgeschosse mit Gewerbeflächen und Ateliers lasse eine Belebung Alt‑Sachsenhausens erwarten.

Alfred Gangel hebt hervor, dass auch ohne Verkauf und aufwendige Neubauten die geforderte kulturelle Nutzung im Frankensteiner Hof zu gewinnen sei. Denn die Künstlergruppe „raumpool“ ist (mietfrei) in einen Trakt des Hofs eingezogen: Wenn die ein ordentliches Programm auflegen, können sie auch drin bleiben.

Der Ritter-Brunnen stand einst an der Stelle des Klappergass-Brunnens. Es ist der einzige Brunnen, der nicht aus Sandstein ist und erst in den 60er Jahren gebaut wurde. Sein historischer Vorläufer musste wegen baulicher Veränderungen abgetragen werden. Bildhauer Georg Krämer hat die neue Variante geschaffen. Momentan ist er eingelagert, aber wenn der Frankensteiner Hof erst mal fertig ist, soll er dort auf dem Außengelände einen Standort bekommen.

 

Große Rittergasse:

Durch die Frankensteiner Straße geht man nach Südwesten in die Große Rittergasse. Nach Osten zur Dreieichstraße hin steht der Hirsch-Brunnen, er wandert um wenige Meter und erhält eine Schönheitskur. An der Einmündung der Frankensteiner Straße steht der Heiliger-Georg-Brunnen, den Bildhauermeister Rainer Knußmann aus rotem Sandstein geschaffen hat. Die nordöstliche Ecke dieses Platzes heißt „Knippelhof“. So etwas wie die beiden alterskrummen, schiefergedeckten Häuschen um den winzigen Hof mit dem Baum neben dem Tor gibt es in Frankfurt nicht mehr. So sah Sachsenhausen aus, als Kolumbus bestimmt noch nicht lange tot war. Die Häuser Nummer 100, 106 und 108 sind niedlich klein, aber zum Teil ziemlich verbaut.

Am westlichen Ende der Großen Rittergasse steht der Kuhhirtenturm, der einzige von den neun Türmen der alten Sachsenhäuser Befestigung. Der Turm hatte seinen Namen nach einem früheren Bewohner, der sich einer anderen Beschäftigung, dem Kühehüten, hingab. Der Turm wurde im Mittelalter auch „Elefant“ genannt. Der gotische Wehrturm ist um 1490 entstanden. Er hatte eine seitliche Pforte zum Mainufer. Es ist ein viergeschossiger Turm auf rechteckigem Grundriß mit Eckquaderung unter steilem Walmdach.  Die Türmerstube im Fachwerkgeschoß ist mit Mannfiguren versehen.

Der Turm wurde 1943 von Bomben stark beschädigt und 1957 wieder aufgebaut. Heute gehört der Turm zur Jugendherberge (er steht ja - wenn man vom Main aus die Häuserfront sieht - zwischen Frankensteiner Hof und Deutschordenshaus). Hier wohnte Paul Hindemith in den Jahren 1923-27, der 1923 dort seine Oper „Cardillac“ und die Komposition „Marienleben“ komponierte.

Es gab auch einen Sauhirtenturm; er steht nicht mehr. Neben dem Kuhhirtenturm steht noch der Fleischerbrunnen, ein klassizistischer Pumpenbrunnen, der um 1820 auf dem Fünffingerplatz in der Frankfurter Altstadt aufgestellt wurde. Aber von ihm müssen sich die Sachsenhäuser bald verabschieden. Inzwischen ist ihm auch die Putte gestohlen worden, so dass nur noch die Stele übrig ist, die abgebaut und zunächst einmal verwahrt werden soll.

 

 Paradiesgasse:

Nach links geht es dann in die Paradiesgasse. Hier steht gleich links hinter der (geschlossenen)  Gaststätte „Marco Polo“ mit einer Ritterfassade (früher: „Zum Paradiesäppelche“) der „gotische Turm“ (erst wenn man an der Gaststätte vorbei ist, kann man ihn sehen, man sieht ihn aber besonders gut von der Kleinen Rittergasse aus). Er ist einer der wenigen Wohntürme nördlich der Alpen und der letzte Rest einer Burg des Herrn von Gottschalk. Im Keller des gotischen Turms vergnügte sich der Troß des Kaisers bei den Kaiserkrönungen. Der Turm war allerdings stark baufällig, zwei Wände waren gänzlich eingestürzt. Jetzt ist er wieder restauriert, oben allerdings mit einem Backsteinkranz umgeben. Nach den Vorschlägen der Stadt soll der Turm zu Ateliers ausgestaltet werden.

Etwas weiter südlich ist dann der Paradiesplatz, der gerade (2009) umgestaltet wird. Dabei wird auch der Paradiesbrunnen saniert, leicht versetzt und beleuchtet. Am Eingang zur Paradiesgasse soll der Bäcker-Brunnen aufgestellt werden. Er steht zurzeit im Hof der Jugendherberge südlich des Frankensteiner Hofs und ist nur durch ein Tor zu sehen. Man möchte ihn gerne öffentlicher machen. Dafür würde die dortige Litfasssäule leicht versetzt.

 

Klappergasse:

An der Elisabethenstraße biegt man nach links in die kleine Rittergasse ein. Die Häuser 11 bis 23  bilden ein Plätzchen zum Verlieben. Nach rechts geht es in die Klappergasse. Hier ist die Firma Dauth‑Schneider. Inhaber Rainer Klein: „Wir keltern noch alles auf unserem eigenen Hof. Das ist eine alte Tradition“. Dauth‑Schneider hat einen großen Keller. Klein kann tatsächlich den fürs ganze Jahr benötigten Äpfelwein selbst lagern. Auch Manfred Wagner vom „Klaane Sachsehäuser“, gleich daneben, verweist auf die Tradition, die seine Wirtschaft hat. „Das Selbstkeltern wird zwar immer schwieriger, aber wir bleiben dabei“. Schwierig ‑ damit meinen die Wirte vor allem, daß es nicht einfach ist, Personal zu finden für eine Tätigkeit, die zwar keine Knochenarbeit ist, aber dennoch anstrengt. Gekeltert nämlich wird bei jedem Wetter. „Früher“, erinnert sich einer etwas wehmütig, „kamen die Leute zuverlässig zur Arbeit, egal, ob’s regnete, stürmte oder sonst was. Heute melden sie sich gleich beim ersten Regentröpfchen mit irgendeinem Zipperlein krank“.

Zu den Selbstkelterern gehört das „Lorsbacher Tal. Dort wird nur noch wenig Ebbelwoi auf dem eigenen Hof gekeltert, „ein bißchen Siesser, ein bißchen Rauscher“, wie Wirt Wolfgang Schlagmüller erzählt. Den eigentlichen Apfelwein (aus Äpfeln eigener Wahl, versteht sich) läßt er hingegen in der Kelterei Grillmayer in Nieder-Erlenbach herstellen, ‑ auf einer vollautomatischen Anlage, „wo man nur noch einen Mann, zum Entfernen des Tresters braucht“. Ist das nicht ein Stilbruch für ein altehrwürdiges Ebbelwoi‑Lokal? Wolfgang Schlagmüller findet das nicht. „Wir kriegen den ganz frisch in unseren Keller geliefert, bauen ihn in unseren eigenen Fässern und Tanks aus. Das ist unser eigener Ebbelwei, wie man ihn nur bei uns bekommt“.

Auf seinem ursprünglichen Platz vor dem „Gorjel Schwenker“ am Hintereingang des Lorsbacher Thales steht der Artischockenbrunnen, der die vergangenen Jahrzehnte ein wenig beachtetes Dasein an der Willemerschule fristete. Jetzt steht wieder an. Am Klappergass-Brunnen, der auch Hainer-Hintergass-Brunnen heißt, steht noch links in einer Einbuchtung zwischen den Häusern. Er stand an der jetzigen Stelle des Artischockenbrunnens und soll in die Kleine Rittergasse wandern. Zudem will man den Platz um sie herum umgestalten, damit sie künftig besser zur Geltung kommt. Auch die Technik muss überarbeitet werden, damit Frau Rauscher wieder problemlos spucken kann.

Sachsenhausen ist der Schauplatz des einzigen populären Frankfurter Karnevalsliedes:

      „Fraa Rauscher aus der Klappergass‘, die hott e Beul am Ei,

      ob des vom Rauscher, ob's vom Alte kimmt, des klärt die Bolizei...“.

 „Rauscher“ und „Alter“ sind zugleich auch die Namen für den Apfelwein in verschiedenen Stufen seiner Wandlung vom „Süßen“ zum alkoholischen Getränk. Es ist also eine doppelte Doppeldeutigkeit. Die Häuschen Nr. 15 und Nr. 4 in der Klappergase sind niedlich klein.

 

Weitere Apfelweinlokale in Sachsenhausen sind die „Drei Steuber“ (für manchen ein Geheimtip) und der „Wagner“ in der Schweizer Straße, eine traditionsreiche Adresse. Auch hier räumt der Geschäftsführer freimütig ein, daß man auf Fremdlieferungen angewiesen ist: „Wir haben gar nicht die Lagerkapazität für das ganze Jahr“. Daß derzeit gekeltert wird, ist für ihn gleichwohl keine „Schau“. Der Siesse müsse schließlich „frisch auf den Tisch“ kommen, deshalb stelle man ihn auch selbst her. Wenn dann der eigene Schoppen zu Ende geht, bezieht man Nachschub aus dem Hintertaunus. „Da probieren wir natürlich“, sagt der Geschäftsführer, „und nur wenn das Stöffche schmeckt, greifen wir zu. Das ist keine Massenware“.

Doch viel versuchen, das Äppelwoi‑Sachsenhausen in ein Bier‑Viertel umzufunktionieren, im Verbund mit Hamburger‑ und Kebab‑Freaks (nichts gegen einen guten Döner!). Die Bier mafia aus dem Süden hat ganze Arbeit geleistet. Es gibt schon alte Frankfurter, die die „Strauß‑Wirtschaft“ für einen hessischen Ableger der bayerischen Staatskanzlei halten! So weit sind wir.

Seitdem 16. Jahrhundert scheint sich dann der Apfelwein auf breiter Front durchgesetzt zu haben. Der Grund: in den ausgedehnten Weinanbaugebieten um Frankfurt war es mehrfach infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse zu Mißernten gekommen.

Das heutige Apfelwein‑Viertel Sachsenhausen hat dabei die ältesten Traditionen. Dort saßen die meisten Gärtner und Küfer, die den Apfelwein zunächst nur für sich selbst, später dann zum Ausschank herstellten. Es dauerte auch nicht lange, bis das Verzapfen des Weins besteuert wurde.

Ab Anfang des 18. Jahrhunderts durften die sogenannten „Heckenwirte“ (die früheren Weingärtner) mit offizieller Erlaubnis Apfelwein ausschenken und fanden anscheinend soviel Zuspruch, daß allein in Sachsenhausen um die Mitte des Jahrhunderts pro Jahr rund eine Million Liter verzapft wurden. Nach und nach entstanden auch in anderen Stadtteilen die typischen Apfelwein‑Gärten, wie sie noch heute zu finden sind.

 

Dreieichstraße:

In der Dreieichstraße ist das „Eichkatzerl“, das vor wenigen Jahren mit der Tochter des damaligen Inhabers die erste Frankfurter Apfelweinkönigin stellte. Man macht man kein Geheimnis daraus, daß man das Stöffche aus dem Spessart bezieht, aber eben im eigenen Keller ausbaut. „Wir haben zwar noch die Kelteranlage“, sagt der heutige Wirt Helmut Böhm, „und könnten sofort wieder anfangen“. Aber beim Blick ins Lokal stellt man fest: Die Leute kommen auch ohne diese „Schau“.

 

Affentorplatz:

Über die Willemerstraße kommt man zum Affentorplatz, heute ein Kinderspielplatz. Hinter dem östlichen der beiden Eingangshäuser ist ein kleiner Platz, auf dem der Affenbrunnen steht. Der Name des Platzes kommt allerdings nicht von „Affen“, sondern von den „Auen“, die hier begannen. Über die Darmstädter  Landstraße geht man nach Norden in  die Elisabethstraße. Nach links geht das Fritschengäßchen ab, die Hausnummer 8 ist ein bildschönes Haus, das um 1720 gebaut wurde.

 

Deutschordenshaus:

Rechts liegt das Deutschordenshaus. Seit über sieben Jahrhunderten, mit einer langen Unterbrechung allerdings, hatte sich in Sachsenhausen der Deutsche Orden niedergelassen - jene mächtigen, für die deutsche Geschichte so wichtigen Ordensritter, deren Ordensburg die Marienburg in Ostpreußen war und die auf ihren weißen Umhängen ein großes schwarzes Kreuz trugen. Und noch tragen! Es war für viele eine Überraschung, als sie vor kurzem auf dem Umweg über Sachsenhausen erfuhren, daß der Deutsche Orden noch heute existiert, und zwar in Wien (seit 1805). Er ist inzwischen ein rein geistlicher Orden geworden. Das gesamte Gebiet, über das sich der alte Orden einst erstreckte, und es reichte über halb Europa, war in Kommenden unterteilt. Eine dieser Kommenden richtete der Orden im Jahre 1221 in Sachsenhausen ein, das Deutschordenshaus an Mainufer und Brückenstraße. Im alten Sachsenhausen muß es ganz zentral gelegen haben. Ein deutscher Kaiser hatte Kloster, Spital und Kirche damals dem Deutschen Orden geschenkt. Die Kirche ist die älteste in Sachsenhausen. Es war schon ein Stück großes mittelalterliches Leben, das auf diese Weise in das abgeschlossene Dorf Sachsenhausen kam. Viele Kaiser gingen hier ein und aus. Von Ludwig dem Bayern heißt es, daß er 38mal in der Sachsenhäuser Kommende logiert habe. Im Jahre 1805 löste Napoleon den Orden auf und machte den österreichischen Kaiser zu seinem neuen Eigentümer. Auch das Sachsenhäuser Ordenshaus wurde österreichisch. Im Jahre 1881 ging es in den Besitz der katholischen Gemeinden Hessens über. Bis 1959! Dann erwarb es wieder der alte Eigentümer, der Deutsche Orden. Nach über 150 Jahren kehrte er an die Ufer des Mains zurück.

Vieles von dem Besitz ist zerstört. Man wird ihn wiederaufbauen. An einem der erhalten gebliebenen Trakte im weiten leeren Hof steht ein schmales Fachwerkhaus. Es trägt die Jahreszahl 1565. Im winzigen Gärtchen des Pfarrhauses gleich nebenan entdeckt man unter einem Schieferdächlein eine Säule aus rotem Sandstein. Sie ist alles, was von dem ersten Kirchlein übrigblieb, das vor 700 Jahren hier stand. Die Säule gehört zu den ältesten steinernen Zeugen in ganz Frankfurt. Die heutige Kirche wurde 1309 geweiht. Man hat ihrem Dach jetzt wieder ein Türmchen aufgesetzt. Ein helles Barocktürmchen. Man sieht dem Türmchen von weitem an, daß sein Herr nicht in Sachsenhausen und nicht in Frankfurt wohnt, sondern in Österreich, dem Land mit dem berühmten Barock und den schönen alten gelben Bauten. Hier grüßen sich Main und Donau, Frankfurt und Wien, die beiden berühmten Kaiserstädte.

Deutschordenskirche: Das wertvolle Altarbild (von Piazetta) nahmen 1796 nahmen es französische Revolutionssoldaten mit, als General Kleber die Stadt besetzt hatte. Im Jahre 1844 entdeckte es Stadtinspektor Passavant zufällig bei einem Besuch in der Gemäldegalerie von Lilie. Frankfurt wandte sich an den Wiener Hof; aber dort lehnte man ab, das Bild von den Franzosen herauszufordern. So wird es wahrscheinlich noch in Lilie hängen.

Ulrichstein: Vor der Deutschordenskirche stand der Ulrichstein am Ausgang der Färberstraße. Das war ein Turmstumpf am Sachsenhäuser Mainufer. Im Dreißigjährigen Krieg war der Turm bei einem Geschützduell zwischen Schweden und Kaiserlichen zusammengeschossen worden. Aber selbst der Stumpf steht heute nicht mehr. Er wurde nicht ein Opfer des letzten Krieges, nein, ein Stadtbaurat ließ ihn schon 1930 niederreißen, wie es heißt, gegen den Wunsch des damaligen Oberbürgermeisters Landmann. Er brauchte Platz für die neue Uferstraße.

Man geht weiter durch die Dreikönigstraße, die einige unversehrte Häuser und Höfchen hat.  Das Haus Nr. 3 in der Bäckergasse südlich der Dreikönigstraße ist das kleinste in Sachsenhausen.

 

Dreikönigskirche:

Sachsenhausen hat Frankfurts älteste evangelische Gemeinde. Und sicher den einzigen Pfarrer in der Geschichte der Stadt, der am Altar überfallen wurde. Das war 1524 in der alten, damals noch katholischen Dreikönigskirche (um 1340 er baut, um 1880 neu gebaut). Drei Sachsenhäuser verkleideten sich als Frauen und fielen in der Kirche über den unbeliebten Kaplan Jakob Selzer her; sie verwundeten ihn, und mit Mühe entkam der Kaplan in einem Boot über den Main. Bald darauf, 1531, führte der frühere Barfüßermönch Petrus Kamberger in der Dreikönigskirche den lutherischen Gottesdienst ein, zwei Jahre vor dem übrigen Frankfurt.

 

 

Städel:

Im Erdgeschoß befinden sich Buchhandlung, Bibliothek, Café und die Graphische Sammlung.

Im ersten Stock sind Werke aus dem 19. und 20 Jahrhundert zu sehen: Thoma, Leibl, Böcklin, Feuerbach, aber auch Monet, Renoir und Manet. Dazu Kirchner, Marc und Macke, Picasso, Klee und vor allem Max Beckmann (Hauptbahnhof). Es gibt links ein Caspar-David-Friedrich-Kabinett und den Goethe-Saal mit dem berühmten Bild „Goethe in der Campagna“

Im zweiten Stock kommt man zuerst in den Kuppelsaal mit Werken aus dem 20. Jahrhundert.

Nach links geht es in den Hans Holbein-Saal mit dem „Dominikaner Altar“ (aus der Frankfurter Dominikanerkirche, dahinter der Stefan Lochner-Saal (mit dem „Apostelmartyrium“), links davon der Jan van Eyck-Saal mit „Lucca Madonna“. Vom Kuppelssal nach rechts geht es in die Säle mit Bildern von Tiepolo, Rubens, Rembrandt und Vermeer.

Ein nur sehr kleines Bild ist die „Venus“ von Lucas Cranach. Weiter ragen heraus Botticellis „Weibliches Idealbildnis“ und Albrecht Altdorfers „Anbetung der Könige“. Außerdem sind in diesem Stockwerk viele Werke der christlichen Kunst zu sehen. In den Räumen finden sich auch Skulpturen von Lehmbruck, Rodin und Barlach und anderen. Das Museum ist geöffnet ab 10 Uhr (Montag geschlossen).

Die „Deutsche Venus“ von Lukas Cranach verschwand 1959 geheimnisvoll aus der Städel-Galerie. Ebenso geheimnisvoll tauchte sie im Jahr darauf in einem Münchener Schließfach wieder auf und kehrte ins Städel zurück.

 

Sandhof:

Südlich der Universitätskliniken lag der Sandhof. In einem Wald wurde hier 1539 der befestigte und von einem Wassergraben eingeschlossene Sandhof erbaut. Er gehörte dem Deutschen Orden und lag zwischen dem Königsbach und Niederrad. Nach einem Protest der Stadt Frankfurt durfte er aber nicht stark befestigt werden und vor allem keine Mauer haben. Nach der erfolglosen Belagerung Frankfurts im Jahre 1552 wurde auch der Sandhof verbrannt. Den wieder aufgebauten Hof schenkte Gustav Adolf von Schweden 1633 mitsamt Äckern, Wiesen und Waldungen an die Herren von Holzhausen. Aber nach dem Frieden von Münster mußte der Hof wieder an den Deutschen Orden zurückgegeben werden.

 

Henninger Turm:

 Um in dieser Gegend zu bleiben - Sachsenhausen besitzt das höchste Bauwerk Frankfurts. Durch ein halbes Jahrtausend war es der Turm des Domes. Dann für ein, zwei Jahre der neue Gasometer am Osthafen. Jetzt ist es mit seinen 120 Metern der Getreidesilo einer Brauerei am Hainerweg. Damit hat Sachsenhausen zugleich das höchstgelegene Restaurant weit und breit erhalten, außerdem die weiteste Fernsicht, das einzige drehbare Haus in Frankfurt, den längsten Lift, die höchste Treppe (an der Außenfront) und das Haus mit den wenigsten Fenstern im Vergleich zu seiner Größe.

 Seit 2016 steht dort der neue Henninger Turm.

 

Sachsenhäuser Warte:

Sie schützten einst das Stadtgebiet, Jahrhunderte lang kündeten sie, an welcher Stelle Frankfurts Territorium begann: die vier Warten mit ihren unübersehbaren Türmen ‑ die Bockenheimer Warte, die Galluswarte, die Friedberger Warte und die Sachsenhäuser Warte. Das Stadtgebiet hat sich erweitert, die Warten haben sich verändert, sie dienen als Gaststätte oder als Entlüftung der städtischen Kanalisation. Aber sie haben sich als wichtige Zeugen der Vergangenheit erhalten. Räuberische Überfälle benachbarter Ritter auf Kaufmannszüge und auf die städtischen Gehöfte, im besonderen die Niederlage Frankfurts in der Schlacht bei Eschborn 1389 gegen die Taunusritter, hatten 1393 zum Beschluß des Rates geführt, das Stadtgebiet durch eine „Landwehr“, von Gräben, Hecken und Warten zu sichern. Sie führte bis zu 2,5 Kilometer vor der Stadtmauer meist entlang der Gemarkungsgrenze.

Knapp 20 Jahre später begann man sie zu verstärken. An den Hauptstraßen wurden anstelle von Holztürmen steinerne gotische Warten errichtet: kleine Burgen mit Wehrhof, Mannschaftsgebäuden, Waffenlager, Brunnen und zylindrischen, 25 Meter hohen Türmen. Als erste entstand die Galluswarte (1414). Es folgten die Bockenheimer Warte (1434/35), gegen massive Einsprüche benachbarter Herren 1471 die Sachsenhäuser oder Isenburger Warte (als Ersatz für eine steinerne Warte am Mühlberg von 1414) und schließlich die Friedberger Warte (1476).

Nachdem sich 1552 die militärische Unzulänglichkeit der Warten gezeigt hatte, dienten sie fortan nur noch als Beobachtungsposten und Sammelstelle für den Verkehr. Im Innenhof der Sachsenhäuser Warte aber wurde 1767 anstelle des baufälligen Wächterhauses durch Johann Andreas Liebhardt ein barockes Gebäude errichtet: Der linke Teil diente als Wohnung für den Förster, der rechte für den Wartmann, der vorspringende Mittelteil für die Geleitsherren, die dort bis 1802 die Nürnberger Kaufleute zu Beginn einer jeden Messe empfingen.

Von der Sachsenhäuser Warte sah man einst über die Wein‑ und Obstgärten mit ihren Sommer‑ und Landhäusern auf die gesamte Stadt hinab. Hochhäuser haben heute den Blick verstellt. Aber die Sachsenhäuser Warte ist noch immer einen Besuch wert. Man kann im Rest des ehemaligen Barockhauses oder im Hof einkehren. Man kann sich auch nur beim Anblick des Bauwerks in die Vergangenheit zurückversetzt fühlen. Nahebei liegt der Südfriedhof (1868 angelegt). Gegenüber erstreckt sich rund um den zur Jahrhundertwende gebauten Hochbehälter der Park, der nach dem Bildhauer Fritz Böhle benannt ist, dessen 1910 nach eigenem Entwurf gebautes romantisch‑skurriles Haus noch steht.

 

Neben dem Friedhof: Katholische Kirche Sankt Wendel, ein kühner Bau aus Natursteinen.

 

Goethe-Turm:

Die Goetheruhe liegt am höchsten Punkt des Frankfurter Stadtwaldes auf dem Sachsenhäuser Berg  Dort errichtete 1867 der Frankfurter Verschönerungsverein einen 22 Meter hohen, hölzernen Aussichtsturm. Natürlich kannte Goethe weder die kleine, nach ihm benannte Erhebung noch den Turm. Als der Turm nach dem Ersten Weltkrieg wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, forderten die Frankfurter einen neuen Goetheturm. Im November 1931, kurz vor Beginn des Goethejahres, wurde der „neue“, noch heute aktuelle Goetheturm eingeweiht. Er lieg 147 Meter über dem Meeresspiegel und ist mit seinen 43 Metern Höhe der höchste hölzerne Aussichtsturm Deutschlands. Neben dem Turm ist ein beliebtes Ausflugslokal entstanden, die „Goetheruhe“, deren Innenräume nach Goethes Farbenlehre ausgemalt sind.

 

Babenhäuser Landstraße: Neben Hamburg die erste Moschee in Westdeutschland, mit zwei schlanken Minarettchen.

 

 

Niederrad:

Carl-von-Weinberg-Park. Am Rande Niederrads und des Stadtwaldes liegt ein gepflegter Waldpark, der nicht nur vielfältige Erholung bietet, sondern auch an eine Frankfurter Familie, an ihre Bedeutung für die Stadt und an ihren wohltätigen Gemeinsinn erinnert. Er gehörte zur Villa Waldfried Carl von Weinbergs. Wo diese Villa stand, befindet sich nur noch eine Wiesenfläche. Erhalten blieben das ehemalige Pförtnerhaus und außerhalb des Parks die Gärtnerei, ein Wirtschaftshof und andere Nebenhäuser. Eine Büste im Park erinnert an den Bauherrn.

Der Kaufmann Carl Weinberg, 1861 in Frankfurt am Main geboren, wurde 1892 Teilhaber der väterlichen Firma “Leopold Cassella & Comp.”, die man 1894 mit der von seinem Onkel Leo Gans an der Mainkur gegründeten „Frankfurter Anilinfarbenfabrik“ zusammenlegte. Leo Gans, Carl Weinberg und dessen ein Jahr älterer Bruder Arthur, der Physik und Chemie studiert hatte, führten die Cassella zu Weltruhm. Anerkennung fanden die Brüder Weinberg in der Nobilitierung und in zahlreichen anderen Ehrungen (Ehrenbürgerrecht für Arthur von Weinberg). Im Jahre 1925 gelang es ihnen und anderen Industriellen, die deutschen chemischen Werke zur I.G. Farbenindustrie zusammenzuschließen, die ihren Verwaltungssitz in Frankfurt erhielt.

Im Jahre 1898 hatten sich Carl von Weinberg und seine aus einer vornehmen englischen Familie stammenden Frau Mary auf Schwanheimer Gemarkung die Villa Waldfried von den Architekten Bäppler und Kaufmann im englischen Landhausstil erbauen lassen. Eine Fülle von Kunstwerken schmückte die Räume. Ein Teil des Gartens war im römischen Stil gestaltet; der Florentinerbrunnen von dort steht heute neben dem Nebbienschen Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage. Arthur und Carl von Weinberg und ihre Ehefrauen gaben zahlreichen wissenschaftlichen Institutionen (so der Universität) reiche Zuwendungen und schufen viele soziale Einrichtungen. Weit über Frankfurt hinaus bekannt wurden die Weinbergs durch die Gründung des Gestüts Waldfried. Auch die Anlage des Golfplatzes und des ehemaligen Poloplatzes gehen auf sie zurück.

In der nationalsozialistischen Zeit widerfuhr Arthur und Carl von Weinberg, die jüdischer Abstammung waren, großes Leid. Im Jahre 1939 verließen sie Frankfurt. Arthur von Weinberg wurde mit dem ersten Transport von München ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er im März 1943 starb, Carl von Weinberg starb im selben Monat in Italien. Wie die Villa Waldfried, so wurde auch das Haus Arthur von Weinbergs, Haus Buchenrode in Niederrad, an das heute ein Gedenksteine erinnert, ein Opfer der Bomben.

 

Forsthausstraße:

Im Frankfurter Raum begegnen uns noch heute mehrere solcher uralten „Ruhebänke“, also historische Rastplätze für alle die, die einst schwere Lasten zu tragen hatten: Marktfrauen, Wäscheträgerinnen, Weinbergsarbeiter. Wir finden solche Ruhebänke an der Kennedyallee (Forsthausstraße),

 

 

Stadtwald:

I.  Zwischen Autobahn 661 und Darmstädter Eisenbahn

Die Sachsenhäuser Warte im Süden Frankfurts verschwindend heute klein vor den Hochhaustürmen. Aber sie war über fünf Jahrhunderte unübersehbarer Mittelpunkt und die Spitze des 147 Meter hohen Sachsenhäuser Bergs. Der Standort, vortrefflich vom Rat gewählt, hart an der Grenze zur Grafschaft Hanau, ließ niemanden unbesehen hinunter in die Reichsstadt gelangen. Angreifer konnten schon von weitern ausgemacht werden. Der Bau der Warte war neben der Friedberger, Bockenheimer und Galgen‑(Gallus‑)Warte zur Verstärkung der Landwehren notwendig geworden. Die Doppelgräben mit dazwischen ineinander verflochtenen Buchenhecken weit außerhalb des Mauerrings reichten allein nicht mehr aus, den Versuchen der Fürsten rundum standzuhalten, die neuerworbenen Freiheiten der Städte niederzuschlagen. Die Sachsenhäuser Warte steht noch immer außerhalb am Stadtrand. Wo früher Obst‑ und Weinbau betrieben wurde, die Bauern ihre Felder bestellten, findet man auch heute noch alte Baumbestände, Wiesenraine und Schrebergärten, und nicht zuletzt beginnt hier der Stadtwald, der einstige Reichsforst Dreieich.

Wenig bekannt dürfte das Kleinod Boehlepark südwestlich der Warte sein. Der Park ist benannt nach dem Frankfurter Maler und Bildhauer Fritz Boehle (1873‑1916), der sich nebenan 1910 sein Wohnhaus mit Atelier baute. Hier steht das Wasserwerk Süd 1, erbaut in den Jahren 1900 bis 1902 mit kunstvollen Sandsteinarbeiten an den drei Kammereingängen, Lichthöfen und Wustraden. Der Hochbehälter mit einem Speichervolumen von rund 30.000 Kubikmetern ist unverändert im Betrieb.

Südlich des Parks geht es weiter durch das 1. Wartegäßchen und durch ein Kleingartengebiet.

Am Ende der geteerten Strecke biegt man links ab und fährt dann wieder rechts in den Lerchesbergring in eine Villengegend. Am Bischofweg geht es dann rechts hinunter bis fast zu den Eisenbahnschienen am Bahnhof Loiusa. Links liegt die Apfelweingaststätte „Zur Buchscheer“. Als Adam Theobald 1876 seine Geschäftsidee verwirklichte und südlich von Frankfurt in der Gemarkung Buchscheer ein Lokal mit eigener Apfelweinkelterei eröffnete, hatte er als Kundschaft keineswegs die Städter im Sinn. Vor 125 Jahren waren es nicht die Ausflügler, die sich auf den Weg machten, um in die Buchscheer einzukehren. Felder, Wälder und Wiesen umrahmten damals die Gastwirtschaft. Feld‑ und Waldarbeiter gehörten zu den Besuchern. Auch die in der nahe gelegenen Pferdewechselstation rastenden Kutscher tranken dort ihren Ebbelwei. Angeblich soll sogar Napoleon dort die Pferde gewechselt haben. Christian und Robert Theobald bewirten in fünfter Generation das Lokal.

Die Bezeichnung „Buchscheer“ leitet sich ab aus Buche und „Scheer“, auf Mittelhochdeutsch „Mäh- und Weideland“. Gewiß hat sich vieles verändert seit der Gründung der Kelterei und Apfelweinwirtschaft „Zur Buchscheer“. Es wurde um und angebaut. Und nachdem eine Brandbombe 1944 das Gebäude bis auf die Grundmauern zerstöre, eröffnete das Lokal mit der postalischen Adresse Schwarzsteinkautweg 17 erst wieder 1955 die Türen. An die Regel, ausschließlich Selbstgekelterten zu servieren, halten sich die Nachfahren von Adam Theobald. Etliche Zigtausend Liter Wein lagern im Gewölbekeller und in Kühlräumen hinter dem Lokal in Sachsenhausen.

Hinter dem Lokal läuft der Königsbach, der einzige natürliche Wasserlauf, der den Stadtwald durchfließt. Man fährt aber vor der Gaststätte links in den Ziegelhüttenweg. Es geht über den Königsbach. Man hält sich links und kommt unter der Eisenbahn hindurch geradeaus in den Königswiesenpfad.

Unmittelbar nach der Eisenbahnunterführung beginnt der „Schäfersteinpfad“. Die  Informationstafel ist allerdings nicht mehr vorhanden. Der erste Stein steht links, der zweite kurz dahinter auf der rechten Seite. Danach geht die hier markierte Grenze mit einem Trampfelpfad in den Wald.

Namen wie Königsforst, Königsbach, Königsbrunnen und Königsbrünnlein erinnern an den ehemaligen königlichen Reichswald, den die  Frankfurter Stadtväter am 2. Juni 1372 von Kaiser Karl IV. für 8.800 Gulden erworben hatten. Es gab aber einen hundert Jahre währender Rechtsstreit zwischen der Freien Reichsstadt Frankfurt und dem Deutschherrnorden. Dieser war seit 1221 ansässig in der Stadt mit verbrieftem Eigentum und Weiderecht im Königsforst, dem heutigen Stadtwald. Die Stadt erhob aber auch Anspruch auf die Holzhecke, das Wald- und Wiesengelände des Ordens. Dieser legte jedoch größten Wert auf diesen Besitz als Weideland für seine Schafzucht. Die Kontrahenten einigten sich schließlich 1488, in annähernd der dritten Generation, mit einem Vergleich, wonach der Rat die Holzhecke käuflich erwarb und dem Deutschordenein ein bestimmtes Weidegebiet auswies, das mit Grenzsteinen gekennzeichnet wurde. In die Frankfurter Stadtgeschichte sind sie als „Schäfersteine“ eingegangen.

Bis auf einige wenige sind die ursprünglich 60 Schäferstein-Steine noch vorhanden. Sie sind durchnumeriert von 1 bis 49, verteilen sich auf einem östlichen und einem westlichen Strang. Die Wege selbst sind nicht markiert. Holzschilder weisen ein. An jedem Stein erwartet den Wanderer durchweg ein Erholungsplatz mit Bank. Um die Steine besser unterscheiden zu können, haben sie ein hölzernes Pendant mit eingebranntem Phantasienamen, vom Mauerblümchen zum Wilddieb, dem Scheppe, Otto I. und so weiter.

Eines haben alle Schäfersteine gemeinsam: das gemeißelte Ortskreuz auf der Weideseite und das F auf der Verbotsseite. Doch darauf, daß der Buchstabe ein F ist, muß man erst kommen, denn es ist spiegelverkehrt. Lange Zeit hat man es für ein gotisches F gehalten, dann aber herausgefunden, daß der Steinmetz des Lesens und Schreibens unkundig, sich des Fehlers nicht bewußt war (Eine vollständige Beschreibung des Schäfersteinweges findet sich in Frankfurt I, Seite 76).

Mit der Verpfändung des kaiserlichen Schultheißenamts war die Stadt in den Besitz des riesigen Forstes südlich der Stadt gekommen. Dadurch wurde sie zum größten kommunalen Waldbesitzer Deutschlands bis auf den heutigen Tag. Vorbildlich hat sich die Stadt seit dieser Zeit um den Bestand der Bäume gekümmert. Nur in Ausnahmefällen durfte abgeholzt werden. Schon Ende des 14. Jahrhunderts gab es erste Aufforstungsmaßnahmen. Die Eichen- und Bucheckernmast der Frankfurter Haustiere war genauestens reglementiert. Im Jahre 1729 begannen „reitende Förster“, dem nie zu verhindernden Wald‑ und Jagdmißbrauch Einhalt zu gebieten.

Wenn die Stoltzeschneise erreicht ist, biegt man links ab, kommt über den Bach und biegt dann scharf rechts ab. Man kommt zum Königsbrünnchen, der aber etwas unscheinbar etwa zehn Meter rechts vom Weg im Wald steht. Der gemauerte Königsbrunnen mit dem Wappen der Stadt Frankfurt und der Jahreszahl 1607 diente einst als Viehränke. Das Wasser läuft an der Seite in den Bach. Der Weg führt dann zur geteerten Oberschweinstiegschneise. Rechts geht es über die Straßenbahnschienen zum „StadtWaldHaus“ (auf der Landkarte noch „Waldschulheim Oberschweinstiege“).

Seit vielen Jahren konnten sich Spaziergänger im Stadtwald, die über den Erholungswert hinaus etwas über den Wald und seine ökologischen Zusammenhänge erfahren wollten und auf Waldlehrpfaden und vor allem in der vom Frankfurter Forstamt unterhaltenen Fasanerie durch Lehrschauen in einem dafür errichteten Blockhaus informieren. Auch ein kleines Wildgatter und Volieren gab es ergänzend. Von der Fasanenzucht, die nach dem Krieg zum biologischen Forstschutz ‑ Insektenvertilgung ‑ angelegt worden war, ist nur der Name geblieben. Auch der Anschauungsunterricht dort galt didaktisch und pädagogisch nicht mehr als zeitgemäß. Nach mehrjähriger Planung und Bauzeit wurde 1995 das neue forstlichökologische Informationszentrum, schlicht „StadtWaldHaus“ genannt, eröffnet.

 

Man steht man vor dem ungewöhnlichen, verspielt wirkenden Bauwerk, dessen gegeneinander versetzte, begrünte Pultdächer fast den Boden berühren. Aus der Mitte ragt ein Eichenstamm mit begehbarem Baumhaus über den Wipfeln hervor, Äste und Wurzeln verzweigen sich in dem von einem Miniaturbach durchflossenen, ganz aus Glas und Holz konstruierten „StadtWaldHaus“. Durch eine Baumstammtür gelangt man ins Innere.

Die Idee, die hinter dieser Bauweise steckt, läßt sich erahnen ‑ beim Besucher „Naturverständnis wecken durch Natur Erleben“, was die Themen der Dauerausstellung bestätigen und Antwort auf die Fragen geben soll: Was ist ein Baum? Wie wächst ein Baum? Baumgemeinschaft Wald, Holz, Werkstoff des Menschen; Stadtwald als Lebensgemeinschaft für Pflanzen und Tiere. Angesprochen sind alle Altersgruppen, Schulklassen, Vereine, Spaziergängen Es gibt die Möglichkeit des Mikroskopierens und „Forschens“ im Erlebnisraum, auf dem Bildschirm Programme abzurufen, bezüglich Umwelt, Wetter, Quizfragen zu beantworten. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Was gibt’s da schon zu sehen? Ein Bullauge, schlammig‑trübes Wasser. Ein paar Pflanzen. Das soll aufregend sein? Rainer Berg nickt. „Natürlich. Das ist mein Lieblingsplatz. Wie Fernsehen. Ich setz mich mit einer Tasse Kaffee hier hin und schaue. Das ist spannend und entspannend.“ Behauptet Berg, der Leiter des 1995 eingerichteten Stadtwaldhauses, wo man durch ein Bullauge unter Wasser in einen kleinen Teich schauen kann. Dabei ist da gar nichts zu sehen.

Oder doch? „Schauen Sie hin“, sagt Berg und deutet auf ein Tierchen, das sich irgendwie seltsam über Kopf zu bewegen scheint. Eine Wanze ‑ der Rückenschwimmen Das Pendant zum Wasserläufer.“ Räuberisch. „Der Wasserläufer grast sozusagen von oben, der Rückenschwimmer von unten die Wasseroberfläche nach Kleininsekten ab.“ Mit den Mundwerkzeugen können sie auch Menschen stechen. „Soll schmerzhaft wie ein Bienenstich sein“, sagt Berg. Er deutet auf den wegen der Reflexion silbern glänzenden Luftfilm, der den Körper der Wanze umgibt. „Deshalb haben die solche Mühe, nach unten zu schwimmen. Tun sie nix, hängen sie immer mit dem Bobbes an der Wasseroberfläche.“

Interessant. Doch mal näher hinschauen? Berg grinst und deutet auf tausende winzig kleine Punkte, von denen man denken könnte, sie seien die Staubkörner des eineinhalb Meter tiefen Teichs. Von wegen. Das sind Kleinkrebse. Die ernähren sich von Pflanzen. Kaum zu glauben.

Im Frühjahr, wenn die Kröten zum Ablaichen an ihr Geburtsgewässer zurückkehren, sehe man ein paar Wochen später hunderte Erdkrötenkaulquappen an der Scheibe. Aber die wenigsten werden erwachsen. Wäre ja auch schlimm. Man stelle sich vor: Hunderte fetter Erdkröten um den winzigen Teich. Man könnte ja keinen Schritt mehr gehen. Ist die krabbenartig aussehende Gelbbrandkäferlarve schuld am Kaulquappensterben? Sie gilt nämlich als extrem gefräßig und ernährt sich von Kaulquappen. Libellenlarven, Schnakenlarven, Eintagsfliegenlarven, Berg deutet hier hin und da hin und langsam, langsam kapiert man: Da ist jede Menge los im Teich.

Man muss ihn nur lesen können. Und Rainer Berg kann das. Räumt endlich auf mit der Mär, dass Libellen irgendwie gefährlich seien. „Die können gar nicht stechen.“ ‑ Wischt den Irrglauben vom Tisch, dass Eintagsfliegen nur einen Tag leben. „Die Fliege schon, aber die Larve dafür mehrere Monate.“ Ähnlich sei das Verhältnis bei den Libellen. Die erwachsene Libelle fliegt ein paar Wochen rund um den Teich, aber ihre Larve hält sich bis zu fünf Jahre im Wasser.“

Als die drei Zentimeter große Spitzschlammschnecke mit dem spitz zulaufenden Haus ihre gemächliche Reise über die Scheibe des Bullauges aufnimmt, ist das schon gar kein Ereignis mehr. Zu aufregend ist das Bild des übrigen Teichlebens, das Berg vor dem inneren Auge entstehen lässt.

Dass das Wasser auch für andere Lebewesen unersetzlich ist, die gar nicht im Teich leben, hat Berg diesen Sommer beobachten können: Wenn’s richtig heiß war, hockten da dutzende Bienen, aber auch Wespen und

Hornissen am Ufer und saugten Wasser. Die fliegen dann zu ihren Nestern, besprühen die Waben und zappeln mit den Flügeln, um Verdunstungskälte zu erzeugen.

„Oh schnell, schauen Sie.“ Fast ein wenig aufgeregt deutet Berg auf ein Libellenpaar, das wie ein Hubschrauber im Landeanflug über den Teich brummt: Das Männchen hält das Weibchen am Kopf fest und das Weibchen taucht sekundenkurz mit dem Hinterleib ins Wasser, um seine Eier abzulegen. Ein aufwendiges Manöver.

Natürlich muss der Teich gepflegt werden, denn die Pflanzen im Wasser vermehren sich stark, verbrauchen dabei Sauerstoff und gefährden damit das Gleichgewicht des Gewässers. Wenn zu viele Seerosen gedeihen, verdunkeln sie die Oberfläche, so dass die tiefer lebenden Pflanzen kein Licht mehr erreicht. Sie verfaulen und verbrauchen auch wieder Sauerstoff, sagt Berg. Deshalb muss ständig aufgeräumt werden. Die überschüssigen Rohrkolben, die sich am Ufer rasend schnell vermehren, müssen regelmäßig rausgeholt werden. Dumm sei nur, dass die sich mit ihren Wurzeln so energisch festhalten, „dass man mit den Händen ganz tief ansetzen muss, um sie herauszubekommen. Unsere Forstwirte in Ausbildung machen das regelmäßig und fallen ebenso regelmäßig ins Wasser“, sagt Berg schmunzelnd.

Sogar im Winter ist der kleine Teich am Stadtwaldhaus interessant, findet Berg. Es gibt kein Gewässer, wo man so leicht die Eisdicke bestimmen kann: 18 Zentimeter waren es im letzten Jahr. Und unter der Eisschicht sitzen dann die Rückenschwimmer und ziehen über hohle Halme Sauerstoff. Und Fische gibt’s gar nicht? Nein, die würden ja alles fressen.

Geöffnet ist das Ausstellungshaus montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr, samstags von 12 bis 18 Uhr (November bis März von 12 bis 16 Uhr), sonn‑ und feiertags von 10 bis 18 Uhr, im Winter von 10 bis 16 Uhr. Freitags ist es geschlossen.

 

Wenn man aber auf der Oberschweinstiegschneise nach links fährt, kommt man zum Jacobiweiher. Der geteerte Weg führt zum Gasthaus „Oberschweinstiege“. Man kann aber auch schon vorher abbiegen an dem Schild „Jacobiweiher 50 m“. Dieser von den Frankfurtern volkstümlich „Vierwaldstätter See“ genannte 5,6 Hektar große Teich wurde 1932 von Oberforstmeister Dr. Jacobi durch Anstauen des Luderbaches als Rückhaltebecken angelegt. Der Königs‑ oder Luderbach entspringt in der Nahe des Hofgutes Neuhof und mündet unterhalb der Friedensbrücke in den Main. In Zeiten des Hochwassers überschwemmte er immer wieder die Riedhofsiedlung. Seit seiner landschaftsverschönernden Bändigung reihen sich Bänke einladend entlang dem Ufer unter schattigen alten Weiden.

Im Jacobiweiher finden sich der nordamerikanische Sonnenbarsch, der Zwergwels, der Blaubandbärbling und die Rotwangenschmuckschildkröte. In den 70er Jahren war sie bei Aquarienfreunden beliebtes Tier, das jedoch schnell über seine ursprüngliche Fünfmarkstückgroße hinauswuchs und unzählige Aquarien zu sprengen drohte. Aus Sicht des Naturschutzes sind größere Fischarten in kleineren Gewässern wie den Weihern im Stadtwald, die nicht durch Sport‑ oder Berufsfischer bewirtschaftet werden, unerwünscht. Und schon gar in diesen Mengen und schon gar diese „Exoten“. Die nicht so heißen, weil sie aus besonders exotischen Breiten kämen, sondern weil sie im Frankfurter Stadtwald normalerweise nicht vorkommen, also standortfremd sind. Die  ausgesetzten großen Fische und Wasserschildkröten im Weiher machen den Amphibien, die hier, in dem alten Laubmischwald, einen idealen Lebensraum finden, das Leben schwer bis unmöglich.

Normalerweise müsste an so einem Weiher ein regelrechtes Quakkonzert zu hören sein. Aber da ist nichts! Die Frösche fehlen. Sie sind alle schon im Kaulquappenstadium aufgefressen von den großen Fischen, die hier gar nicht hingehören. Sogar der Nachwuchs der Erdkröte, der unappetitliche Bitterstoffe produziert und deshalb für viele Fische ungenießbar ist, ist verschwunden. Die nordamerikanischen Fischarten stören sich offenbar nicht an dem bitteren Geschmack. Ohne sie gäbe es hier wohl auch den seltenen Springfrosch, der als bedrohte Tierart auf der Roten Liste steht.

Am Jacobiweiher ist nur das Rufen der Enten zu hören ist, der Flügelschlag des Graureihers, tiefer im Wald auch der Gesang von Kleiber, Rotkehlchen oder Trauerschnäpper. Das Wasser im Jacobiweiher müßte im September abgelassen werden. Man müßte ihn abzufischen und drei Monate ruhen zu lassen. Begleitend könnte man dann an einigen Stellen das Ufer abflachen, damit sich Schilf und Röhricht bilden kann ‑ ein idealer Rückzugsraum für viele Frösche, aber auch Bedingung dafür, daß sich Haubentaucher, Blesshühner und Teichrohrsänger hier wieder ansiedeln könnten. Beispiele an anderen Orten zeigen, dass sich innerhalb weniger Jahre wieder große Populationen von Amphibien bilden. Auch Libellen hätten dann wieder eine Chance.

Dem Fisch darf man allerdings auch nicht den Garaus machen. Kleinere Fischarten wie Dreistachliger Stichling, Moderlieschen und Ukelei sind nämlich die bevorzugte Nahrung des Eisvogels, dessen durchdringendes Pfeifen deshalb an frühen Wintermorgen oft an den Bächen rund um den Jacobiweiher zu hören ist. Und auch Graureiher und Kormorane, die hier im Winter zu beobachten sind, fressen bevorzugt kleine Fische.

Nichts einzuwenden ist gegen einen Exoten, der sich in etwa neun Brutpaaren am Jacobiweiher angesiedelt hat: Die Mandarinente aus Ostasien stört nicht das sensible Gleichgewicht der Arten. Im Gegenteil, der extrem bunte, schön anzusehende Höhlenbrüter scheint besonders gut in den Stadtwald mit seinen vielen alten Laubbäumen zu passen, wo ‑ selten in Deutschland ‑ der Gesang aller Tieflandspechtarten nebeneinander zu hören ist, Grün‑, Mittel‑, Klein‑, Schwarz‑, Grau- und Buntspecht.

Die großen Höhlen, die der Schwarzspecht hinterlässt, nutzt die Mandarinente als Brutplatz. Werden die jungen Enten flügge, erleben sie gleich einen Schock. Aus der hoch am Baum gelegenen Schwarzspechthöhle plumpsen die noch flugunfähigen Jungtiere nämlich auf den Boden, wo sie, leicht wie sie sind, meist unbeschadet landen und dann ihrer Mutter hinterherwatscheln. Auch die aus China stammende Ente ist offenbar Opfer großer Raubfische, Hechte haben im vergangenen Jahr fast alle Jungen aufgefressen.

Entlang des sich nahezu idealtypisch dahinschlängelnden, von alten Erlen umstandenen Luderbachs sind am frühen Morgen rund 25 verschiedene Vogelarten zu hören. Hier gibt es eine sehr hohe Singvogeldichte mit mehr als 100 Brutpaaren auf zehn Hektar. Hier finden sich Sommergoldhähnchen, Gartenbaumläufer, Mönchsgrasmücke und Zaunkönig. Und wer den Blick aufmerksam zur Erde neigt, kann seltene Laufkäferarten wie den Kleinen Puppenräuber, ebenfalls eine gefährdete Rote‑Liste‑Art entdecken. Seinen Namen hat das zwei Zentimeter große Tier von dem von bevorzugten Nahrungsmittel: Er lebt auf Bäumen und ernährt sich von Schmetterlingsraupen.

 

Man fährt südlich um den See herum auf dem Weg unmittelbar am Ufer (auch wenn dort an einer Stelle das Schild „Mendelsohnweg“ steht). Am dem Ende des Sees heißt der Zulauf des Sees „Luderbach“. Der Name kommt daher, daß dieses Gebiet zur Zeit der Messen und vor allem bei Königswahlen für ein ganz bestimmtes „Gewerbe“ vorgesehen war und so mancher Goldgulden verschwand in dem Sparstrumpf der „gelüstigen Fräuleins“. Außerdem hatte die Stadt ihre liebe Not, die Fürstlichkeiten und ihr zahlreiches Gefolge in standesgemäßen Quartieren unterzubringen. Auch Klöster und vornehme Bürgerhäuser nahmen die Gäste nach strengem Protokoll auf. Fremde durften während der Wahlen in der Stadt nur mit einem kurfürstlichen Erlaubnisschein wohnen. Das Heer der, Neugierigen und Abenteurer biwakierte vor der Toren. Schausteller bauten ihre Buden auf, Akrobaten sorgten für Kurzweil.

Am Ende des Sees hält man sich etwas rechts und kommt nach einem Rechtsknick zu den Straßenbahnschienen. Nach deren Überquerung geht es gleich wieder links, unter der Autobahn hindurch zum Bahnhof „Stadtgrenze“ der Waldbahn.

Am Ortseingang von Neu-Isenburg steht links der historische Gasthof „Frankfurter Haus“ (seit 1704). Auf einem Reitweg östlich der Darmstädter Landstraße kommt man wieder unter der Autobahn hindurch. Nach rechts geht es dann in die Schillerschneise. Gleich rechts hinter dem Gatter steht die „Schillerruhe“, ein Denkmal. Man fährt weiter auf der Schillerschneise, Links stößt der Hainer Weg auf die Schneise. Man biegt jedoch erst an der Mörderbrunnenschneise nach links ab, ohne allerdings einen Brunnen zu finden, Nach Überquerung des Luderbaches geht es nach rechts auf die Beckerschneise. Am Försterwiesenweiher vorbei fährt man bis zur Schutzhütte. Dort geht es rechts ab am Kesselbruchweiher entlang. Bei schönem Wetter kann man am Ufer sehen, wie die dort lebenden Wasserschildkröten ein Sonnenbad nehmen und wie groß die Wasserschildkröte werden können.

Am Ende des Weihers geht es in spitzem Winkel auf die Kesselbruchschneise. Diese fährt man entlang bis kurz vor das Gatter, wo es links zum Lehrpfad und zum Vogelschutzgehölz „Grastränke“ geht. Vogelschutz war dem Rat der Stadt schon früh ein besonderes Anliegen. Laut Senatsdekret vom 14. August 1567 sollte keiner Feldhühner und „sunsten alle anderen Vögel, doch Spatzen ausgenommen, von Johannes Baptiste (8. März) bis auf Laurentii (13. August), es wäre mit Garnen, Leimruten oder wie es sunsten geschehen möcht, bei Straf zween Gulden fangen“.  Das Feld‑ und Forstpolizeigesetz von 1880 und das Vogelschutzgesetz von 1888 beendeten endgültig das Fangen und Töten von Amsel, Drossel, Fink Star. Die ersten Vogelschutzgehölze von Niederrad 1906/07 wurden 1964 vom Reservat „Grastränke“ nahe dem Monte Scherbelino abgelöst.

Die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Bundes für Vogelschutz und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald kümmern sich dort nicht nur um ornithologische Aufgaben. Anhand von Schautafeln, Herbarien, ausgestopften Tieren sowie Blumen, Gräsern und Blättern werden anschaulich die komplexen Vorgänge im „Ökosystem Wald“ demonstriert. Die „Grastränke“ ergänzt so ideal den am Hainerweg startenden Waldlehrpfad „Weilruh“. An 38 Stationen erhält man einen Einblick in Flora und Fauna des Frankfurter Stadtwalds und nebenbei in seine Geschichte.

Im späten Frühjahr herrscht in den Nistkästen und den Brutplätzen Hochbetrieb. Rund 50 verschiedene Arten, darunter Seltenheiten wie Wespenbussard, Kernbeißer und Heckenbraunelle, brüten in diesen Tagen oder füttern ihren Nachwuchs. An Wochenenden und Feiertagen dürfen Interessierte dabei zuschauen. In einem Blockhaus, in dessen Wände Nistkästen eingelassen sind, kann die Jungenaufzucht der Höhlenbrüter wie Meisen oder Trauerschnepper vom abgedunkelten Innenraum aus beobachtet werden. Die Arbeit der Grastränkehelfer hat mit dazu beigetragen, daß sich die Vogelpopulation im Stadtwald stabilisiert hat.

Der seltene Springfrosch an der ökologisch hochwertigen Grastränke mit einer rund tausendköpfigen Population vor, einer der größten in Südhessen. Hier können in kühlen, feuchten Märznächten auch Feuersalamander beobachtet werden, die zu den Bächen wandern, um hier ihre Larven im Wasser abzusetzen. Wasserfrösche, Libellen, Bergmolche, möglicherweise sogar der europaweit gefährdete Kammolch und die Ringelnatter finden sich hier. An der Grastränke wimmelt es nur so von eben geschlüpften Libellen wie der leuchtend roten frühen Adonislibelle oder der knallblauen Hufeisenazurjungfer. Die Grastränke ist an Sonn‑ und Feiertagen zwischen dem 1. April und dem 30. Oktober von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

 

Ein Abstecher zum „Monte Scherbelino“ und dem dortigen Weiher lohnt nicht, weil das fürhere Erholungsgelände wegen Bauarbeiten Gelände gesperrt ist. Man fährt über den Parkplatz und die Babenhäuser Straße, geht durch ein Gatter und kommt zu einer Schutzhütte. Dort geht es halbrechts auf den Steinweg (and er Gabelung rechts halten). Man kommt zum Maunzenweiher mit einer Schutzhütte.

„Minz und Maunz, die Katzen, erheben ihre Tatzen“ heißt es im Struwwelpeter. Der bekannte Frankfurter Dichter Dr. Heinrich Hoffmann hat wohl bei der Namensgebung an das „Maunzen“ der Wildkatzen im Stadtwald gedacht, das vermutlich dem Maunzenweiher seine Bezeichnung gab. Er war der erste, den  Oberforstmeister Dr. Jacobi 1931 als Waldsee anlegen ließ. Er entstand in einer Senke, in der früher Töpfer aus Oberrad Trichter angelegt hatten, um Letten (Lehm) zur Herstellung von irdenen Gefäßen zu gewinnen. Enten, Teichhühner und Zwergtaucher brüten auf den beiden künstlichen Inseln; Karpfen, Schleie und Zander lassen sich von den Spaziergängern füttern.

Am Ende des Maunzenweihers fährt man im rechten Winkel nach links auf den Wolfsweg.

(Ein Abstecher zum Buchrainweiher auf einem Weg entlang der vom Maunzenweiher aus sichtbaren Kleingärten lohnt nicht). Man kommt zum Waldfriedhof Oberrad und fährt links daran vorbei. Etwa hundert Meter geht es auf gutem Weg nach rechts und dann nach links auf den Sachsenhäuser Landwehrweg (nicht auf die Teerstraße). Dieser führt an den Fußballplätzen vorbei zum Waldspielplatz Scheerwald. Neben Fußball, Federball- und Handballplätzen, Rollerbahn, Tischtennishallen und Bocciafeldern bildet den Hauptanziehungspunkt ein 600 Quadratmeter großes Sprühfeld, in dem bei Sonneneinfall alle Regenbogenfarben aufleuchten. Das Wesentliche auf diesem Gelände ist aber die Minigolfanlage.

Weiter auf dem Weg kommt man zum Gelände am Goetheturm. Rechts ist die  „Goetheruhe“, ein Aussichtspunkt mit einer liegenden Säule und einem Goethezitat. Goethe weilte gerne im Gartenhaus von Frau Dubois auf dem Mühlberg. Sie überlieferte den Frankfurter Bürgern die Kunde vom Lieblingsplatz des Dichters, dem Hexeneck am Wendelsweg, Ziel seiner ausgedehnten Spaziergänge im Stadtwald. Als im Jahre 1860 der Heimatdichter Ehrt in Versen von dieser Stelle als „Goethes Ruhe“ sprach, spazierte die Frankfurter Bürgerschaft hinfort zur Goetheruhe.

Im Jahre 1867 errichtete man einen 22 Meter hohen Aussichtsturm und genoß den Blick über das Maintal und auf den Taunus. Ein zweiter, höherer Turm ersetzte im Goethejahr 1932 den wegen Baufälligkeit abgebrochenen ersten. Mit seinen 43 Metern und 196 Stufen ist er der höchste hölzerne Aussichtsturm Deutschlands. Er steht links vom Sachsenhäuser Landwehrweg. Heute ist hier ein Lieblingsplatz der Kinder, die sich im Spielpark zu Füßen des Turmes tummeln. Es ist einer der populärsten Spielparks Frankfurts. Populär wurde durch ihn auch ein Minister: Als 1955 der damalige Kultusminister Dr. Henning anläßlich der Einweihung die 25 Meter hohe Rutschbahn hinabglitt, konnte man am nächsten Tag das Bild vom „Minister‑Rutsch“ in der Presse entsprechend glossiert sehen.

 

 

Weiter geht es über den Sachsenhäuser Landwehrweg  zur Sachsenhäuser Warte. Oder man fährt weiter südlich über die Straße „Zum Goetheturm“ vorbei am Forsthaus Oberrad und an einer Moschee an der Babenhäuser Landstraße.

Anmerkung: Auf diesem Rundweg kommt man nicht zu den „Kaisertannen“ am Hainer Weg. Südlich der Bushaltestelle Hainerweg biegt das hölzerne Eichenblatt-Zeichen gleich nach rechts vom Hauptweg auf einen Saumpfad ab. Einer der ersten Haltepunkte ist an den „Kaisertannen“. In Wirklichkeit handelt es sich um naturgeschützte, fast 300 Jahre alte Kiefern. Sie erinnern an die Nürnberger „Tannensäher“, die 1421 auf dem sandigen Boden des Stadtwalds Kiefern heimisch machten. Heute bedecken sie gut 40 Prozent der Gesamtfläche. Abwechslung bringen Buchen, Roteichen, Bergahorn, Eschen, Lärchen, Robinien und die nur mit drei Prozent vertretene Fichte ins Gesamtbild  (Wochenende, Seite 138 und 152; Frankfurt II, Seite 65 und 71).

 

Grastränke

Der Ort ist verwunschen. Anders ist       es gar nicht denkbar Wenn das Tor unter dem prächtigen Rundbogen aus Holz ins Schloss gefallen ist, beginnt eine andere Welt. Nicht mal über grunzende Schweine oder lautstark saufende Kühe, die hier im vorletzten Jahrhundert wohl noch von den Bauern zur Tranke geführt wurden, würde man sich wundern. Die Grastranke, nahe der Babenhäuser Landstraße, nicht weit vom Monte Scherbelino, ist der einzige Naturweiher im Frankfurter Stadtwald. Seit ungefähr 500 Jahren gibt es den hier, sagt der in zahlreichen Naturschutzverbänden engagierte Norbert Disser, 76, der das Vogelschutzgebiet seit 38 Jahren betreut.

Eine Lehmschicht dichtet den Weiher nach unten ab. Normalerweise bedeckt die Wasserlinse, Indikator für ein stabiles Gewässer, großflächig das Gewässer. Wie eine Grasfläche wirkt dann der Weiher im Sonnenlicht und die Stille, die das unbewegte Wasser umgibt, macht es den Besuchern nur zu leicht, einmal innezuhalten. Auszusteigen aus dem hektischen Mahlstrom der Stadt. Neuerdings sind Algen im Wasser Anlass zur Sorge für Disser, der den Nitrateintrag vom Regen als Schuldigen für das Kippeln des Gewässers ausgemacht hat.

In den 50er Jahren hatte Disser zusammen mit anderen Vogelkundlern rund um den ersten Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte, Sebastian Pfeifer, im Oberräder Wald Vogel beringt und Vogelführungen gemacht. Aber als die den Autobahnzubringer bauten, hatte Vogelschutz dort keinen Sinn mehr. Viele Vögel fielen den Autos zum Opfer. Das Forstamt bot den Hobby‑Ornithologen 1962 die Grastränke als Ersatz an. Rund um den Weiher, in dem Berg‑, Kamin‑ und Fadenmolch ebenso wie der gefährdete Springfrosch zu Hause sind, fühlen sich zahlreiche Vogelarten wohl, darunter Zwergtaucher, Blässhuhn, Pirot, Eisvogel und das Grunfüßiges Teichhuhn. Zwar wurde hier später mit der Babenhäuser Landstraße auch eine Straße mehrspurig ausgebaut, aber damit mussten sich die Vogel‑Fans abfinden. Ersatz gab es nicht mehr.

Statt dessen begann die Gruppe um Norbert Disser, das Gelände um einen Waldlehrpfad zu erweitern. Schließlich stehen hier 450 Jahre alte Eichen, starke Buchen, die Schwarzkiefer und sogar noch einige Ulmen, deren Bestand der Ulmensplintkäfer vor Jahren im Stadtwald fast völlig vernichtet hat. Die haben hier überlebt, weil der Mischwald sie geschützt hat. In den 70er Jahren waren regelmäßig Schulklassen zu Gast, die hier eine Rundum-Information zur Natur erhielten.

Die mit liebe gestalteten Schaukästen mit Vogelpräparaten, die Infotafeln, die über Vogelarten, Rinde und Blattformen von Laubbäumen informieren, der Blütentisch mit frisch gepflückten Stengelchen der aktuell blühenden Wildpflanzen des Stadtwalds, die Schautafeln mit aufgesammelten Vogel‑, Wespen‑ und Hornissennestern, mit Präparaten von Hirschkäfern, Tag‑ und Nachtfaltern vermitteln noch heute ein umfassendes Bild des Pflanzen- und Tierlebens im Stadtwald.

Dass der Grundwasserspiegel so stark gestiegen ist, bereitet Disser Sorge: „Die Bäume sind zu Flachwurzlern geworden und sind sehr störanfällig.“ Vier Bäume sind in den vergangenen Wochen umgefallen. Was will man machen? So wird der Rundweg um den Weiher immer lichter. Das mag Sonnenhungrige erfreuen.

Disser erinnert sich dagegen wehmütig an die ersten Jahre an der Grastränke, „da war’s hier im Sommer dunkel unter dem dichten Laub. Bei Regen wurde man nicht nass. Waldsterben. „Die ersten Angsttriebe habe ich vor 20 Jahren gesehen!“

Disser und die sechs Naturfreunde, die sich außer ihm noch regelmäßig um die Grastränke kümmern, werden langsam mit dem Vogelschutzgebiet alt. „Ich würde mich ja gerne zurückziehen und die Jungen dranlassen!“ Aber es gibt keine Jun‑gen. Früher, in den 70ern, waren die Leute von der Grastränke noch eine Gruppe von 14 Freiwilligen. Da gab es auch noch einen hauptamtlichen Mitarbeiter des Forstamts, der gewährleistete, dass die Gras tränke jeden Tag geöffnet war. Als das zu teuer wurde, erklärte sich las ehrenamtliche  Grüppchen bereit, dafür zu sorgen, daß die Frankfurter wenigstens am Wochenende in die erschlossene Natur eintauchen konnten. Seit das Stadtwaldhaus vor ein paar Jahren eröffnet wurde, gehen die Besucherzahlen stark zurück, auch wenn es bei dem schönen Wetter an Ostern wieder mal richtig voll war. Jetzt ist nur noch sonntags geöffnet. Beim Blick ins gemütlich eingerichtete Blockhaus lässt sich leicht vorstellen, wie hier in früheren Jahrzehnten das Leben tobte. Heute ist nur das Ehepaar Disser da und die Wildpflanzenspezialistin Elisabethe Just. Ein bißchen einsam ist es.

 

II. Zwischen Darmstädter Eisenbahn und Autobahn

Waldschadenlehrpfad:

Die Funktionen des Waldes zugunsten von uns Menschen sind vielfältig. Am meisten schätzen wir als Großstädter wohl seinen Erholungswert, sehen ihn angesichts gefällter Bäume und Holzstapel auch als Rohstofflieferanten, vergessen aber leicht, daß der Wald vor Lärm und Bodenerosion schützt, Wassermengen schnell aufnimmt und speichert, lebensnotwendigen Sauerstoff produziert, starken Frost und große Hitze mildert, und schließlich in seinem Schutz vielfältiges Tier‑ und Pflanzenleben in Wechselbeziehung zueinander gedeiht.

Manch einer, der im Schatten (noch) dichten Laubdaches spazieren geht, meint, da alles um ihn herum schön grün ist, das mit dem Waldsterben sei maßlos übertrieben, Statistiken könne man nicht verallgemeinern. Seit 1984 wird im gesamten Bundesgebiet auf fest ausgewiesenen Flächen in einem Stichprobenraster die Entwicklung der Waldschäden kontrolliert. Im Frankfurter Stadtwald gibt es ebenfalls eine Probefläche. Dieses Projekt dient zwar vorrangig dem Arbeitsteam, bestehend aus Forstwissenschaftlern, Ökologen, Meteorologen, Pflanzenphysiologen und Chemikern dazu, Schäden am Waldökosystem zu ergründen, es wurde aber auch gleichzeitig als „Waldschadenslehrpfad“ der interessierten Bevölkerung zugänglich und verständlich gemacht.

Um die Schäden zu erkennen, sollte man den Blick hinauf zu den Baumkronen richten. Voll belaubt ‑ sind sie nicht geschädigt. Je schütterer die Belaubung, desto stärker die Schäden, absterben ist die zwangsläufige Folge. Das gilt nicht nur für Laub‑, sondern auch für Nadelbäume. Dabei galten Kiefer, Buche und Eiche bisher als widerstandsfähig. Wieweit sich das alles zum Schlechteren verändert hat, wird an 85 am Rand des Lehrpfades gekennzeichneten Bäumen deutlich. Bei keinem einzigen hat sich der Krankheitszustand zum Besseren verändert. Das hätte sich über diese Beispiele hinaus auch an vielen anderen demonstrieren lassen.

Gegenüber dem Bahnhof Sportfeld überqueren wir die  Flughafenstraße und werden ab der großen Tafel „Lehrpfad Waldschäden“ von Holztäfelchen mit den beiden Symbolen geschädigter Bäume nach rechts in die Vierherrnsteinschneise geleitet. Schon am ersten Pfosten wird das Fortschreiten der Schäden seit 1985 von der Stufe 0 bis Stufe 3 (absterbend oder bereits tot) deutlich. Von den 85 ausgewählten und auf diese Weise markierten Bäumen hat sich die Erkrankung seitdem nicht gebessert, 31 wurden zur Stufe 2 (geschädigt, krank), 29 zur Stufe 3 gezählt. Das war der Stand 1991. Und wie wird das nach der Schwammspinnerplage aussehen? Erst nach Bekämpfung und Beseitigung dieser Schäden kann

ein Fortschreiben der „Krankenblätter“ vorgenommen werden, die übrigens nicht nur direkt am Wegrand, manchmal auch ein paar Meter abseits und in Gruppen stehen.

Wir schwenken, längst bevor die Vierherrnsteinschneise auf die A 3 stößt, links in die Liefersteinschneise und kurz darauf rechts in die Steingrundschneise. An deren Ende treffen wir auf die Böschung der B 43 und wenden uns nach links auf den asphaltierten Weg. Über uns setzen die Flugriesen kurz hintereinander zur Landung auf dem nahen Flughafen an. Industrie‑ und Autoabgase verdichten sich zur Schadstoffkonzentration in der Atmosphäre. Der Wald zahlt den Preis mit Absterben. Auf der Versuchsfläche waren es bis 1991 knapp 50 Prozent, davon am stärksten betroffen die Altbestände.

Mit der Tiroler Schneise wenden wir uns von der Straße ab wieder auf festen Waldweg und schwenken vor den hier ganz in der Nähe konzentrierten Sportstätten, ‑schulen und ‑verbandssitzen in die Sperberschneise, die uns zum nahen Ausgangspunkt zurückleitet (Frankfurt I, Seite 58),

 

Schäfersteinpfad, westlicher Zweig

Im Jahre 1484 endete durch Vergleich ein hundertjähriger Rechtsstreit des Ritterordens mit der Stadt Frankfurt um Weiderechte im Stadtwald, den diese 1372 von Kaiser Karl IV als Lehen erworben hatte. Gegen Zahlung einer erklecklichen Summe erhielt die Stadt das Recht, in einem bestimmten Teil des Waldes ihre Schafe zu weiden, die damals als Grundlage der Tuchproduktion von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung waren. Zur Begrenzung des annähernd ovalen Weidegebietes wurden 60 durch einen Graben verbundene Grenzsteine aus Basalt gesetzt. Zum Frankfurter Weidegebiet zeigte das Deutschordenskreuz, zum Ordensgebiet das verkehrte F. Insgesamt 49 dieser Steine stehen heute noch und sind durch einen Wanderweg erschlossen.

Der südliche Abschnitt ist nicht begrenzt, der westliche beginnt am Bahnhof Neu‑Isenburg. Allgemein muß gesagt werden, daß der westliche Teil nicht ganz so in Schuß ist wie der östliche und mancher Ergänzung und Auffrischung bedürfte, besonders in Nähe der Straßenführungen.

Am Bahnhof Neu‑Isenburg nimmt die Bahnunterführung, den Treppenaufgang und biegt an der Informationstafel rechts in den Wald ein, nach etwa 200 Metern links, dort steht der Zöllner, Stein Nummer 22.

Der gerade Verlauf der Grenzsteine wird durch die Autobahn unterbrochen. In einem Bogen kommt man zur Unterführung, nach links wieder in den Kurs, unmittelbar neben der Autobahn. Der Weg knickt ab zur Otto-Fleck-Schneise, auf die man nach rechts einbiegt.

 

 

Von Stein Nummer 29 zu Stein 31 geht es kurz links, dann rechts und wieder links auf den Tiroler Weiher zu, der südlich umgangen wird auf die Mörfelder Landstraße zu.

Die Route des Schäfersteinpfads geht unter der Eisenbahnbrücke hindurch (die Fußgängerbrücke über die Straße bringt zum Waldstadion). Dann geht es rechts zunächst an den Schienen entlang, an der Barriere rechts und an den Tennisplätzen nach links querwaldein. Am Oberforsthaus östlich vorbei.

Mit Erreichen des Straßenkreuzes heißt es zunächst rechts entlang, dem Parkstreifen, an der Ampelregelung auf die linke Seite der Mörfelder Landstraße. Der an der Mörfelder Landstraße, gleich an der Einmündung des Schwarzsteinkautenweges in den Wald führende Weg ist das Ende des Schäfersteinpfades, der bald vom asphaltierten Weg rechts abzweigt. Bei den Sitzbänken steht links einer der Steine, die von einer weit zurück reichenden Geschichte erzählen: Auf der Vorderseite ist das etwas verwitterte Kreuz des Deutschen Ordens zu erkennen, der im Mittelalter einen Stützpunkt am Sachsenhäuser Mainufer unterhielt und größter Grundbesitzer im reichsstädtischen Gebiet war. Die Rückseite zeigt ein spiegelverkehrtes altes F, das für Frankfurt steht. Das spiegelverkehrte F wurde lange als „das Frankfurter gotische F” bezeichnet. Heute nimmt man an, daß ein Versehen des Lesens unkundiger Steinmetze vorliegt, die die F-Schablone verkehrt aufgelegt haben.

Man fährt nun nach rechts weiter, an der nächsten Gabelung links zur Bürgerwiese (davor rechts ein weiterer Grenzstein), an der der Pfad gleich wieder in den Wald führt und an zwei weiteren Schäfersteinen vorbei.

 

Auf dem Weg westlich der Mörfelder Landstraße nach wenigen Metern links ab nochmals in den Wald, wo sich die Steine 44 bis 49 aufreihen. Zwischen Kennedyallee und Mörfelder Landstraße geht es über die Bürgerwiese (rechts Hügelgräber) und dann nach links auf die Niederräder Landstraße. Dort steht der letzte Stein links an der Niederräder Landstraße (Frankfurt I, Seite 76).

 

 

Schwanheim:

Auf dem Weg nach Schwanheim fährt man mit dem Auto durch die Goldsteinsiedlung. Am besten fährt man auf dem südlichen Mainufer bis zur Lyoner Straße, in die man nach links einbiegt. And er ersten Kreuzung geht es nach rechts in die Goldsteinstraße. Die führt schließlich unter der Autobahn hindurch und dahinter gleich nach rechts in die Straße „Morgenzeile“-

Dort steht rechts das Haus Nummer 15 (große Hausnummer), ein schlichtes Häuschen mit einseitigem Schrägdach: Das ist ein typisches Goldstein-Haus, dessen Grundform sich über die Jahrzehnte hin weitgehend erhalten hat. Die Goldstein-Siedlung entstand aus einem seinerzeit beispielhaften Projekt „Zur Milderung der Arbeitslosigkeit durch Errichtung von Kleinsiedlerstellen”. Dafür hatte die Stadt Frankfurt 1932 Reichsmittel erhalten und stellte das freie Gelände zwischen Niederrad und dem vier Jahre zuvor eingemeindeten Schwanheim zur Verfügung. Hinzu kamen Baumaterial und standardisierte Pläne für einfache Häuschen ohne Unterkellerung und Wasseranschluß. Hiermit ausgerüstet sowie der Bereitschaft zu 3000 -4000 Stunden Eigenleistung - nach heutiger Rechnung etwa. zwei Arbeitsjahre - kamen hier um die 400 arbeitslose Siedler mit ihren Familien zu einem bescheidenen Eigenheim im Grünen.

Von dort fährt man wieder ein Stück zurück in den Libellenweg (die Goldsteinstraße ist Einbahnstraße), biegt nach links in den Tränkweg und rechts in die Straße „Am Goldsteinpark“ und vor der Kirche gleich wieder links. Es folgt das Altenzentrum, in dessen Nähe man parken sollte .

Am Altenzentrum geht man durch die Passage in den Innenhof. Dort steht das um 1860 erbaute spätklassizistische Herrenhaus. Dieses ist der letzte Rest des Hofgute Goldstein, das auf eine im 13. Jahrhundert erstmals erwähnte Wasserburg zurückgeht und auch der Siedlung den Namen gab.

Die Wasserburg  befand sich im Besitz des Frankfurter Patriziergeschlechts „Zum Goldstein“.

Sie wurde wahrscheinlich 1348 durch den Frankfurter Bürger Johann Goldstein erbaut. Der Hof besaß einen besonderen Schutz durch einen wasserführenden Doppelgraben und den separat auf einer kleinen Insel gelegenen Wohnturm. Der Frankfurter Rat erwarb den Hof 1397 bzw. 1400 von der Familie Goldstein, die 1466 ausstarb. Im Schmalkaldischen Krieg wurde der Hof  1552 beim Abzug der Kaiserlichen niedergebrannt. Er blieb bis ins 17. Jahrhundert eine Ruine.

Ein Hofgut mit ausgedehnten Ländereien bestand weiter. Frankfurt hat 1826 das linksmainische Goldsteiner Gebiet gegen Gelände bei Niederrad an Nassau ausgetauscht. Als der Hof nach 1849 erneuert wurde, planierte man die mittelalterlichen Baureste. Um 1860 entstand ein neues, spätklassizistisches Herrenhaus. Die neue Hofanlage folgte in ihrer oktogonalen Form dem von Salins de Montfort entworfenen Riedhof.

Der Hof nahm im 20. Jahrhundert noch einmal beachtlichen Aufschwung, bis der Bauboom der Nachkriegszeit die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens zunehmend unrentabel machte. Im Jahre 1976 wurde schließlich der größte Teil des Hofgutes Goldstein abgerissen. In den Baugruben kamen einige gotische Grundmauern zutage. Nur das Herrenhaus blieb stehen und an seiner Stelle die bereits erwähnte Alten-Wohnanlage errichtet. Das Herrenhaus erhielt nach umfassender Renovierung seine heutige Funktion als beliebter Alten-Treffpunkt. Hinter dem Herrenhaus befindet sich der baumreiche Goldsteinpark, den das Flußbett des ehemaligen Schwarzbachs durchzieht.

Wieder zurück auf der Straße geht man um den ehemaligen Luftschutzbunkers auf der linken Seite herum. And er Längsfront ist das Reliefbild einer Mutter mit Kindern aus dem Jahre 1941.  In dem Häuschen daneben ist heute das „Heimathaus Goldstein” untergebracht. Während des Krieges befand sich hier eine heimliche Seidenraupenzucht für die Fallschirmfabrikation.

In der Goldsteinstraße biegt man rechts ab in die Straße „Zur Waldau“, dann rechts in die Straßburger Straße und dann wieder links ab in die Straße „Am Försterpfad“, die um Waldfriedhof Goldstein führt. Westlich des Friedhofs steht das Forsthaus Goldstein (erbaut 1952).

Hier beginnt die Radtour.

Zuerst fährt man auf der Dammschneise nach Westen weiter und biegt dann rechts in den Harthweg ein. Kurz vor den Schienen geht es nach links in den 900 Meter lanngen Lehrpfad „Schwanheimer Eichen“. Er behandelt die Themen:

* Symbolkraft der Eiche.

*  Hute-Eiche (Die typisch gedrungene Gestalt der Eichen entstand dadurch, daß sie als Hut- und Fruchtbäume im lichten Wald standen, was das Dickenwachstum auf Kosten der Höhe förderte. Sie hießen folglich „Huteeichen“ und unter ihnen wuchs nur noch Gras, weil die gierigen Tiere neben Eicheln alles Grün, vor allem aber junge Sämlinge, auffraßen. Immerhin 600 bis 1200 Kilogramm Eicheln pro Hektar lieferte der Schwanheimer Hutewald.

* Kronberger Malerkolonie: Die Schwanheimer Alteichen sind schon lange ein fester Begriff und zogen speziell Maler des letzten Jahrhunderts an; am bekanntesten sind zwei Zeichnungen Ludwig Richters. Im 19. Jahrhundert sah der heutige Wald noch aus wie eine lichte Landschaft, wie ein Park. Es ist kaum zu glauben, daß es vor 100 Jahren hier noch so aussah, wie auf Fritz Ferdinand Wucherers Bild von 1899. Ein Schweinehirte lehnt da am Stamm einer mächtigen, knorrigen Eiche und der Blick reicht kilometerweit über plattes Grasland in die Ferne. Das im Holzrahmen schwenkbare Bild Wucherers lockt zum direkten Vergleich mit der Natur. Die Schweine, Ziegen und Schafen fraßen alles, was frisch und appetitlich war. Außer den nahrhaften Eicheln auch Pflanzentriebe: Neben den mächtigen Eichen kam nichts hoch. So entstand der vermeintliche Park. Ein Bild findet sich auch im Waldmuseum im Wildpark Alte Fasanerie bei Klein-Auheim. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Frankfurter Forstamt, den lichten Eichenwald mit Buchen, Ahorn und Kastanien aufzuforsten.

* Nahrungsquelle: (Hunderte Jahre lang haben die Bauern ihre Schweine von den Pferchen an Ober‑ und Unterschweinstiege morgens in den Wald getrieben und unter den mächtigen Eichenkronen gehütet)

* Stil-Eiche.

Bei der Stele „Stieleiche I“ geht der Weg an sich noch einmal links herum und dann wieder links in den Wald, aber dieses Stück lohnt sich nicht, man fährt besser geradeaus weiter Richtung Schwanheim, über die Schienen und zur Straßenbahnhaltestelle.

 

Am Ortseingang von Schwanheim liegt links das Stadtwerke-Verkehrsmuseum, das alte Straßenbahnzüge und eine sehr interessante Fotodokumentation zur ehemaligen Waldbahn beherbergt (Sa./ So. 10—18 Uhr). Vom früheren Waldbahnhof fuhr seit 1889 die mit Dampf betriebene Waldbahn nach Frankfurt. Genau hier ist das Verkehrsmuseum der Stadtwerke Frankfurt am Main untergebracht. Der Ausstellungstitel „Von der Pferdebahn bis zur Neuzeit“ verspricht nicht zu viel. Der älteste, noch von einem Pferd gezogene Wagen, stammt aus dem Jahr 1872. Und mit dem letzten Prototyp der weißroten Züge von heute wurde 1968 das U-Bahn-Zeitalter eingeläutet. Dazwischen liegen weitere Generationen robuster Wagen mit offenem Perron und Holzlattensitzen. Hinter dem Verkehrsmuseum liegt der Kobelt-Zoo (Tiergehege)

Nach rechts geht es in die Straße „Alt Schwanheim“ (Einbahnstraße). Man kommt am Lokal „Zehnthof“ auf der linken Seite vorbei. Ein stück weiter steht das bekannteste Schwanheimer Lokal, der „Frankfurter Hof”, unter Insidern nur als das „Seppche” bekannt: Die urgemütliche Abbelwoikneipe mit Gartenwirtschaft bietet nicht nur das weltberühmte Frankfurter Stöffche an, sondern auch gutes Essen - und im Sommer jeden Mittwochabend Blasmusik!

Gleich daneben steht der klassizistische Bau (um 1820/30) der Alten Schule, heute „Wilhelm-Kobelt-Haus” genannt, nach jenem bekannten Schwanheimer Arzt und Heimatforscher. Der rechte Seiteneingang führt ins das 1973 eröffnete Heimatmuseum, das leider nur sonntags von 10 - 12 Uhr geöffnet ist. An Wilhelm Kobelt erinnert auch die Kobelt-Ruhe an den Schwanheimer Wiesen östlich der Schwanheimer Bahnstraße. Ein Findling erinnert an den Schwanheimer Arzt, Naturwissenschaftler und Heimatforscher Dr. Wilhelm Kobelt (1840 -1916) und Frau. Er erforschte nicht nur die Spuren der Vergangenheit in der Schwanheimer Umgebung, sondern hatte die Gemeinde auch dazu bewogen, gemäß einer populären Idee der Zeit, hier eine „Walderholungsstätte” einzurichten. Mit offener Halle, Sitzbänken und Liegestühlen war sie bis nach dem Ersten Weltkrieg ein beliebter Treffpunkt der Schwanheimer. Ein Pumpbrunnen spendete Wasser, Blumenbeete blühten und die Skatfreunde hatten ihren eigenen Bezirk. Neben dem Heimatmuseum steht die ehemalige Kirche von 1687, ein Saalbau mit kleinem Haubendachreiter. An der Ecke zur Martinskirchstraße steht links das ehemalige Fachwerk-Rathaus.

Rechts geht es zur Martinuskirche. Die Schwanheimer Kirche wurde 1911 von Otto Christian Heinrich Bäppler gebaut. Der Frankfurter Architekt (geboren 1868 in Offenbach und verstorben 1922 in Oberursel) war nach seinem Studium in Offenbach ab 1900 in Frankfurt tätig. Da seit der Jahrhundertwende Wettbewerbe in Mode gekommen waren, bot sich den Architekten eine gute Gelegenheit, ihre Ideen zu präsentieren und zu verwirklichen. Prämierte Arbeiten wurden nämlich im Fachblatt „Deutsche Konkurrenzen” veröffentlicht – und auch Bäppler ist hierin mehrfach erwähnt.

Mit der Schwanheimer Kirche lehnte er sich stilistisch an leicht neoromanische Stilformen an.

Nach einer detaillierten restauratorischen Voruntersuchung des Kircheninneren konnten Mörtel- und Malschichten chronologisch erfaßt und den einzelnen Veränderungsphasen in der Geschichte des Gebäudes zugeordnet werden. Neben den aussagekräftigen Malerei-Freiegungen dienten zwei historische Schwarz-Weiß-Photographien dazu, mittels digitaler Bildbearbeitung originale Malereifriese zu identifizieren und zu präzisieren.

Die farbliche

Ausmalung von 1911 stellt sich als äußerst interessant dar. Die polychrome Farbfassung vermochte es, der großflächig angelegten architektonischen Gliederung des Kircheninnenraums eine feingliedrige optische Strukturierung und Aufteilung zu verleihen. Zentraler Blickfang ist dabei der Chorbereich, der sich nach oben zu einem markanten blauen Sternenhimmel öffnet. Auf kräftig blauem Hintergrund präsentiert er in Form und Anordnung deutlich differenzierte, vergoldete Sterne. Nach unten zur Chorwand hin ist der Sternenhimmel von einem Malereifries begrenzt. Um die in der Originalmalerei dargestellte Sternenkonstellation mit ihren exakten Sternplazierungen wieder sichtbar zu machen, wurde sie freigelegt und restauriert.

Am Chorbogen und an allen Fenstern wurden die Laibungen malerisch mit beigen Stein-Quadern und Fugenstrichen versehen. Das Kirchenschiff selbst wurde nach Befundvorgabe polychrom rekonstruiert. Ein umlaufendes Wellenband gliedert die Wandbereiche in Wandsockel und aufsteigende Wandfläche. Lebensgroße, musizierende Engel erhielten eine leichte polychrome Fassung; einschließlich Inkarnat und dezenter Vergoldung. Der Fußboden wurde entsprechend der Ausgestaltung zur Bauzeit mit Linoleum belegt.

 

Von der Martinuskirche fährt man aber wieder nach Westen an d er Mauritiuskirche vorbei in die Mauritiusstraße und nach links in die Geisenheimer Straße. Von dieser biegt man nach rechts ab und auf der Brücke über die Bundesstraße zum Kelsterbacher Weg. Wo auf der rechten Seite der Wald anfängt, steht - etwas verdeckt - eine Informationstafel zum Naturschutzgebiet Schwanheimer Dünen. Dort fährt man nach rechts den schmalen Weg weiter. Als Schwanheim 1928 nach Frankfurt eingemeindet wurde, erhielt es auch eine jahrmillionenalte Urlandschaft in Form von Dünen und Sumpfwald. Sie war Teil der 1800 Hektar großen Feld‑Wald‑Gemarkung, die Schwanheim der Stadt einbrachte. Vierzig, Jahre zuvor hatte die Waldbahn Stadt und Dorf einander näher rücken lassen. Am Weg liegen rechts einige Betonblöcke von der ehemaligen Lorenbahn, mit der Sand und Kies abtransportiert wurde.

Der Sand der Schwanheimer Dünen stammt aus dem Main. Er wurde während der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren aus dem Flußbett angeweht, und es entstand eine offene Dünenlandschaft, die allmählich von Eichen und Kiefern überwachsen wurde. Das Naturschutzgebiet, das wir heute wegen seiner Sandrasen, der Gewässer und den Streuobstwiesen schützen, ist eigentlich eine von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft. Hätte der Mensch nicht eingegriffen, wäre hier alles bewaldet. Auf dem Sandboden wächst allerdings kein dichter Buchenwald. Denn erst seit einigen Jahren sorgen Schafe dafür, daß auf den wertvollen Trockenrasenflächen keine Bäume hochkommen. Den lichten Wald, der die Dünen bis vor 200 Jahren vermutlich bedeckte, hat der Mensch im 19. Jahrhundert abgeholzt und Kirschbäume gepflanzt, die auf dem kargen Boden allerdings nicht gedeihen wollten. Aber das Gelände war wieder offen und wurde zur Schafhaltung genutzt, bis auch dieser Zweig menschlichen Wirtschaftens sich im Laufe des 20. Jahrhunderts nicht mehr rechnete und auf der Düne wieder wuchs, was wollte. Erst 1984 setzten sich die Naturschützer durch und erreichten, daß das Gebiet, das bedrohten Arten wichtigen Lebensraum gibt, unter Schutz gestellt wurde. Zehn beziehungsweise 11,4 Prozent der wenigen Hektar Grasnelken‑ und Silbergrasrasen, die es in Hessen noch gibt, sind in der Schwanheimer Düne zu finden.

Die Streuobstwiesen in der Schwanheimer Düne, eine der wenigen Binnendünen Europas, gelten als hervorragender Lebensraum für viele Vogelarten, aber auch rund um die Gewässer fühlen sich viele Vögel wohl. Deshalb sind in der Düne seltene Vogelarten wie Brachpieper, Heidelerche, Neuntöter, Uferschwalbe, Steinschmatzer und Wiedehopf zu finden. Die Experten gehen davon aus, daß hier das größte Nachtigallen‑Vorkommen Frankfurts zu finden ist. Neben Blindschleiche, Zauneidechse und Ringelnatter haben die Biologen hier zahlreiche Libellen‑ und Käfer-Arten gefunden, darunter die Rote-Liste‑Arten „Gemeine Winterlibelle“ und „Kleine Pechlibelle“ sowie die für Sanddünen typischen Schnecken „Heide‑ und Vielfraßschnecke“. In den Gewässern gibt es die Rote‑Liste‑Arten „Kreuz‑ und Wechselkröte“. Auch Seefrosch, Teichfrosch, Erdkröte und Teichmolch wurden registriert.

Unter Naturschutz steht die Düne seit 1984, sie ist 37,6 Hektar groß, soll aber auf rund 58,5 Hektar erweitert werden. Die Schmidt’sche Grube stünde dann nicht nur zur Hälfte, sondern komplett unter Naturschutz.     

 

 

Weiter geht es dann gerade aus auf dem Bohlenweg. Informationstafeln berichten von „Silbergras“: Der Sandboden am westlichen Ende Schwanheims ist eine echte Herausforderung an die Pflanzenwelt. An den Extremstellen, wo die Schwanheimer Düne so richtig sandig ist, finden die Experten im so genannten Silbergras‑Rasen im Prinzip nur noch drei Pflanzen: Silbergras, Sandbauernsenf und Frühlings‑Spark..

Echte Spezialisten, die mit den rauhen Bedingungen im Sand zurechtkommen, der trocken ist und nährstoffarm. Weil der Regen im Sandboden sehr schnell versickert, trocknet der Boden leicht aus und enthält deshalb sehr viel Luft. Weil Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, wie einen die Thermoskanne beim Teetrinken täglich lehrt, heizt sich die Düne im Sommer extrem auf: Nährstoffe halten sich im durchlässigen und beweglichen Sand ebenfalls kaum. So wird der Sandboden zum Extremstandort für Überlebenskünstler.