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Evangelien

 

 

Bibel für Einsteiger

 

Neues Testament

 

Die ältesten Schriften des Neuen Testaments sind die Briefe des Apostels Paulus. Erste 20 bis 50 Jahre danach begannen die vier Evangelisten, die Erzählungen über Jesus von Nazareth schriftlich festzuhalten, die in ihren Gemeinden bisher mündlich überliefert worden waren. Dennoch werden hier die Ereignisse in ihrer zeitlichen Reihenfolge dargestellt. Die vier Evangelien werden dabei in nur  e  i n e durchgängige Darstellung eingefügt. Dadurch geht zwar die Eigenart des einzelnen Evangelisten verloren, aber es kommen nicht so viele Wiederholungen vor.

Das Markusevangelium ist das älteste, etwa um das Jahr 70 entstanden. Es wird von den beiden anderen Evangelienschreibern Matthäus und Lukas verwendet, die etwa um 85 geschrieben haben. Beide haben aber auch noch je eigenes Material, das sie in ihre Darstellung einbinden. Das Johannesevangelium dagegen ist ein ganz eigener Entwurf, etwa um das Jahr 90 entstanden. Es nimmt die Sprache der Gnosis auf, einer damals weitverbreiteten religiösen Weltanschauung, die ein starker Konkurrent des Christentums war. Johannes übernimmt aber nicht die Ideologie der Gnosis, sondern grenzt sich deutlich von ihr ab und ist deshalb ein echtes „Evangelium“. Es gibt daneben auch noch weitere Evangelien, die aber kaum zuverlässige neue Nachrichten enthalten, sondern eher Irrlehren vertreten und deshalb nicht in das Neue Testament aufgenommen wurden.

Kernpunkt der Erzählungen von Jesus ist die Schilderung seines Leidens, Sterbens und Auferstehens. Vor allem die Auferstehung ist der Ausgangspunkt für den Glauben an Jesus. Doch man kann dieses Geschehen schlecht anschaulich machen. Deshalb hat man nach orientalischer Gewohnheit Geschichten erzählt, die die Glaubensaussage anschaulich machen sollen, aber nicht unbedingt  wirklich so passiert sind.

Im Vordergrund der Geschichten über Osten stand zunächst nur die Aussage: Jesus ist seinen Freunden wieder erschienen. Erst nachher hat man daraus gefolgert: Dann muß auch sein Grab leer gewesen sein! Der Evangelist Lukas hat dann den Vorgang zeitlich auseinander genommen und den endgültigen Abschied Jesu als „Himmelfahrt“ dargestellt und die Gabe des Heiligen Geistes und die Gründung der Kirche als „Pfingsten“ extra betont.

[Die Wiedergabe des Bibeltextes ist selbst erarbeitet. Für erfahrene Bibelleser werden hier einige häufige Übertragungen in moderne Ausdrücke zusammengestellt: Jünger = Anhänger; Menschensohn = Gottessohn; Knechte = Wachleute, seine Leute, Verwalter; Magd= Hausangestellte; Reich Gottes = Herrschaft Gottes; Sabbat=Feiertag; Schule= Bethaus; Volk = die Leute)

 

 

 

 

Der Ausgangspunkt des christlichen Glaubens


Die Auferstehung Jesu

[Auferstehung meint nicht, daß eine Leiche wieder belebt worden sei. Vielmehr wird dadurch der Glaube der Anhänger Jesu - damals wie heute - zum Ausdruck gebracht, daß es nach der Kreuzigung weiter ging und Jesus auf andere Art und Weise gegenwärtig ist].

 

Die Auferstehungserzählungen

Als der Feiertag herum war und der erste Tag der Woche anbrach, gingen Maria Magdalena und Maria (die Mutter des Jakobus)  und Salome, noch sehr früh, als die Sonne aufging, zum Grab. Sie wollten noch einmal nach Jesus sehen und seine Leiche noch nachträglich einsalben, wie es damals Brauch war.

Jetzt kamen ihnen aber doch ‚Bedenken und sie sprachen untereinander: „Wer rollt uns den Stein von der Tür des Grabes?“   Da geschah ein großes Erdbeben und ein Gottesbote des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein von der Tür und setzte sich darauf. Die Hüter aber erschraken vor Furcht und fielen wie tot um. Die Frauen sahen wieder hin und stellten auf einmal fest, daß der Stein abgewälzt war. Sie gingen hinein in das Grab, fanden aber den Leib Jesu nicht.

Als sie noch deswegen traurig waren, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. Die Frauen erschraken und schlugen ihre Angesichter nieder zur Erde. Die Männer aber sprachen zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier; er ist auferstanden. Hier seht ihr die Stelle, wo sie ihn hinlegten! Denkt doch daran, wie er euch sagte, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Gottessohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen!“ Da fielen ihnen seine Worte wieder ein. Die Gottesboten aber fuhren fort: „Gehet hin und sagt es seinen Anhängern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa, da werdet ihr ihn sehen, wie er gesagt hat!“

Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen angekommen, aber auch eine große Freude. Und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich. Nur den elf Anhängern sagten sie, was sie gesehen und gehört hatten (Mk 16/ Mt 28/Lk 24).

 

Abwehr des Verdachts, der Leichnam Jesu könnte gestohlen worden sein Als die Anhänger schon auf dem Weg nach Galiläa waren kamen einige von den Grabwächtern in die Stadt und verkündigten den Oberpriestern alles, was geschehen war. Diese kamen zusammen mit den Ältesten und hielten einen Rat und gaben den Soldaten einen Haufen Geld und sprachen: „Erzählt einfach, seine Anhänger kamen in der Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen. Und wenn es der Statthalter erfahren würde, wollen wir ihn zum Stilhalten bringen und dafür sorgen, daß ihr sicher seid. Sie nahmen das Geld und taten, wie es ihnen gesagt worden war. Daraus ist dann das Gerücht vom Diebstahl des Leichnams entstanden, das die Juden bis auf den heutigen Tag verbreiten (Mt 28,1-15).

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Zweifel der Anhänger:

Als die beiden Maria und Salome aber auf die Anhänger trafen, kamen denen die Worte der Frauen vor wie Märchen und sie glaubten ihnen nicht.  Petrus stand schließlich auf und lief zum Grabe und bückte sich hinein. Er sah die leinenen Tücher dort allein liegen. Da ging er still davon, denn er verstand nicht, wie das zugegangen sein sollte.

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, waren die Anhänger versammelt und die Türen verschlossen aus Furcht vor den Juden. Da trat Jesus mitten unter sie und spricht zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Dann zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Anhänger froh, daß sie ihren Herrn wieder  sahen.

Dann sagte Jesus zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: „Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ (Jh 20,19-23)

 

Die zwei Anhänger auf dem Weg nach Emmaus

Zwei der Anhänger gingen noch am Sontag  nach dem Dorf Emmaus, das von Jerusalem zwei Stunden Wegs weit entfernt ist. Sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten über Jesus. Wie sie noch so redeten und die Fragen untereinander besprachen, nahte sich Jesus zu ihnen und ging mit ihnen. Aber ihre Augen waren wie blind, so daß sie ihn nicht erkannten.

Jesus aber sprach zu ihnen: „Was sind das für Reden, die ihr auf dem Weg zwischen euch verhandelt? Warum seid ihr so traurig?“ Da antwortete Kleophas und sprach zu ihm: „Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen in der Stadt geschehen ist?“

Jesus sprach zu ihnen: „Was meinst du?“ Sie aber sprachen zu ihm: „Das von Jesus von Nazareth. Er war ein Prophet mächtig an Taten und Worten vor Gott und allem Volk. Aber unsre Oberpriester und die für das Volk Verantwortlichen haben ihn zum Tod verurteilen lassen, so daß er gekreuzigt wurde. Wir aber hofften, er würde Israel erlösen. Es ist heute schon der dritte Tag, daß das Alles geschehen ist. Auch einige Frauen von uns haben uns erschreckt: Sie

sind früh bei dem Grab gewesen, haben aber seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Gottesboten gesehen, die gesagt haben, daß er lebe. Es gingen auch einige von uns hin zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen sagten. Aber ihn sahen sie nicht!“

Da sprach er zu ihnen: „O ihr Dummköpfe, die ihr in eurer Meinung festgefahren seid! Warum glaubt ihr denn so schwerfällig, daß ihr dem nicht glaubt, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht Christus das alles leiden, um so zu seiner Herrlichkeit eingehen zu können?“

Und legte ihnen alle Schriften aus, in denen von ihm die Rede ist, von Mose bis zu den Propheten

Mittlerweile kamen sie nahe an das Dorf und wollten hineingehen. Er aber tat so, als wollte er weiter gehen. Aber sie nötigten ihn und sprachen: „Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt!“ Und er ging mit ihnen, um bei ihnen zu bleiben.

Als er aber mit ihnen am Tisch saß, nahm er das Brot, dankte zuerst, brach es dann und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Aber er verschwand vor ihnen in diesem Augenblick.

Sie aber sprachen untereinander: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift erklärte?“ Und sie standen sofort auf, kehrten wieder um nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren. Diese aber sprachen: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen!“ Sie aber erzählten ihnen ihrerseits, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen daran erkannt worden wäre an der Art, wie er das Brot brach (Lk 24, 13-34).

 

Spätere „Beweise“ für die Auferstehung:

Als die Anhänger über Jesus redeten, trat Jesus selbst mitten unter sie und sprach: „Friede sei mit euch!“ Sie erschraken aber und fürchteten sich, meinten, sie sähen einen Geist. Er aber  sprach zu ihnen: „Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Sehet meine Hände und meine Füße: ich bin‘s selber. Fühlet mich an und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe!“ Und als er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße.

Da sie aber immer noch nicht glaubten und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: „Habt ihr etwas zu essen?“ Sie legten ihm ein Stück von gebratenem Fisch und Honig vor. Und er nahm‘s und aß vor ihnen.

 Dann sagt er zu ihnen: „Ich habe es euch doch alles schon gesagt, als ich noch bei euch war: Es muß alles erfüllet werden, was von mir geschrieben ist im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen!“ So öffnete er ihnen das Verständnis, daß sie die Schrift verstanden, und er sprach zu ihnen: „So ist es doch geschrieben, daß Christus leiden mußte und auferstehen von den Toten am dritten Tage und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern, angefangen in Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen für das alles! Ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis ihr ausgestattet werdet mit der Kraft aus der Höhe!“

Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf in den Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder mit großer Freude zurück nach Jerusalem und waren immer im Tempel, priesen und lobten Gott. (Lk 24,50-52)

 

Die etwas andere  Darstellung im Johannesevangelium

Am ersten Tag der Woche kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab Jesu und sieht, daß der Stein vom Grabe weg war. Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Anhänger, den Jesus liebhatte (Johannes), und spricht zu ihnen: „Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grabe, und wir wissen nicht, wo sie ihn hin gelegt haben!“

Da gingen Petrus und der andere Anhänger hinaus zum Grab. Die zwei liefen miteinander um  die Wette, und der andere Anhänger lief schneller als Petrus und kam zuerst am Grab an. Er    guckt hinein und sieht die Leinen dort hingelegt; er ging aber nicht hinein.

Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und sieht die Leinen hingelegt. Das Schweißtuch aber, das Jesus um das Haupt gebunden war, war nicht zu den Leinen gelegt, sondern zusammengewickelt an einen besonderen Ort auf der Seite. Da ging auch der andere Anhänger hinein und er sah und glaubte alles. Denn sie kannten die Schrift noch nicht, daß Jesus von den Toten auferstehen müßte. Dann gingen die Anhänger wieder heim.

Maria aber stand vor dem Grab und weinte draußen. Dann sah sie aber doch in das Grab und sieht zwei Gottesboten  in weißen Kleidern sitzen, einen an der Seite des Kopfes und einen an den Füßen, wo sie den Leichnam hin gelegt hatten. Die Männer sprachen zu ihr: „Frau, was weinest du?“ Sie spricht zu ihnen: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hin gelegt haben!“

Uns als sie das sagte, wandte sie sich zurück und sieht Jesus stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Da spricht er zu ihr: „Frau, was weinst du? Wen suchst du?“ Sie meint es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: „Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo hast du ihn hin gelegt, so will ich ihn holen!“ Da spricht Jesus zu ihr: „Maria!“ Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: „Rabbuni“ (das heißt: „Meister“)!

Aber Jesus spricht zu ihr: „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott!“ Maria Magdalena kommt und verkündigt den Anhängern: „Ich habe den Herrn gesehen, und er hat zu mir gesprochen!“ (Joh 20).

 

Der ungläubige Thomas

Einer der zwölf Anhänger mit Namen Thomas aber war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

Als die andern Anhänger zu ihm sagten: „Wir haben den Herrn gesehen!“ da entgegnete er zu ihnen: „Wenn ich nicht die Wunden von den Nägeln in seinen Händen sehe und lege meinen Finger in diese Wunden und lege meine Hand in seine Seite, will ich es nicht glauben!“

Acht Tage später waren die Anhänger wieder in einem Haus zusammen und Thomas war bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, tritt mitten unter sie und spricht: „Friede sei mit euch!“  Danach spricht er zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche dein Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Da antwortete Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesus aber sagt zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,24-31).

 

Noch eine Auferstehungserzählung

Jesus offenbarte  sich noch einmal den Anhängern am Tiberias-See. Es waren beieinander Simon Petrus, Thomas der Zwilling, Nathanael von Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Anhänger. Simon Petrus spricht zu ihnen: „Ich will fischen gehen!“ Sie sprechen zu ihm: „So wollen wir mit dir gehen!“ Sie gingen hinaus und traten in das Schiff, aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber Morgen wurde, stand Jesus am Ufer; aber die Anhänger wußten nicht, daß es Jesus war. Jesus spricht zu ihnen: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Sie antworteten ihm: „Nein!“ Er aber sprach zu ihnen: „Werfet das Netz auf der rechten Seite des Schiffs, da werdet ihr etwas finden!“ Da warfen sie die Netze aus und konnten sie nicht mehr ziehen wegen der großen Menge der Fische, die sie gefangen hatten.

Da spricht der Anhänger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: „Es ist der Herr!“Als Simon Petrus hörte, daß es der Herr war, zog er sein Hemd an  und warf sich ins Meer. Die andern Anhänger aber kamen auf dem Schiff  und zogen das Netz mit den Fischen.

Als sie wieder ans Ufer traten, sahen sie eine Feuerstelle mit Kohlen und Fische darauf und Brot. Da spricht Jesus zu ihnen: „Bringt her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!“

Simon Petrus stieg wieder ins Boot und zog das Netz voll großer Fische auf das Land. Und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht.

Jetzt spricht Jesus zu ihnen: „Kommt und haltet das Mahl!“ Niemand aber unter den Anhängern wagte, ihn zu fragen: „Wer bist du?“ denn sie wußten, daß es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt es ihnen, ebenso auch die Fische.

Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: „Simon Jona, hast du mich lieber, als mich die anderen haben?“ Er spricht zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebhabe!“ Da spricht er zu ihm: „Weide meine Lämmer!“ Aber Jesus fragt noch einmal: „Simon Jona, hast du mich lieb?“ Er spricht zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebhabe!“ Spricht Jesus zu ihm: „Weide meine Schafe!“

Da spricht er zum drittenmal zu ihm: „Simon Jona, hast du mich lieb?“ Petrus wurde traurig, weil er zum drittenmal zu ihm sagte: „Hast du mich lieb?“ und sprach zu ihm: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich liebhabe!“ Spricht Jesus zu ihm: „Weide meine Schafe! Ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst angezogen und bist hingegangen, wohin du wolltest. Aber im Alter wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich anziehen und führen, wohin du nicht willst!“ (Das sagte er aber, um anzudeuten, mit welchem Tode Petrus einmal Gott preisen würde). Und da er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: „Folge mir nach!“

Petrus aber wandte sich um und sah den Anhänger folgen, den Jesus liebhatte, der auch an seiner Brust beim Abendessen gelegen hatte und gesagt hatte: „Herr, wer ist's, der dich verrät?“ Da Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: „Herr, was wird aus diesem werden?“

Jesus spricht zu ihm: „Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!“ Seitdem ging eine Rede aus unter den Brüdern: „Dieser Anhänger stirbt nicht!“ Aber Jesus sprach nicht zu ihm: „Er stirbt nicht“, sondern: „Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?“ Dies ist der Anhänger, der diese Dinge bezeugt und der dies geschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist. Es gibt noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn sie aber eins nach dem andern geschrieben werden sollten, würde die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären (Joh 21).

 

Die unterschiedlichen Erzählungen von der Auferstehung Jesu wollen nicht darstellen, wie es wirklich war, denn bei der Auferstehung war kein Mensch dabei. Sie entfalten aber in anschaulichen Erzählungen, was die „Ostererfahrung“ der Anhänger war und was im Glaubensbekenntnis ausgesprochen ist mit den Worten „am dritten Tag auferstanden von den Toten!“

 

 

Himmelfahrt

[Himmelfahrt bedeutet nicht, daß ein Mensch wie mit einer Rakete in die Luft geflogen wäre. Vielmehr bedeutet dieses Ereignis den endgültigen Abschied Jesu von der Erde. Weil er aber nicht mehr an Raum und Zeit gebunden ist, kann er jetzt Herrscher über die ganze Welt sein und seine Anhänger als seien Boten in die Welt schicken].

 

Himmelfahrt in Galiläa

Die elf Anhänger Jesu gingen nach Galiläa auf einen Berg, wie es Jesus ihnen befohlen hatte.

Als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Deshalb geht hin und macht zu Jüngern alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,  und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ (Mt 28,16-20).

 

Himmelfahrt in Jerusalem

Jesus hatte sich nach seinem Leiden noch lebendig gezeigt durch verschiedene Erscheinungen und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen von der Herrschaft Gottes. Eines Tages versammelte er dann seine auserwählten Anhänger und befahl ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, auf die Kraft aus der Höhe.

Er sagte: „Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen!“

Bald darauf führte er die Anhänger hinaus auf den Ölberg. Die zusammengekommen waren, fragten ihn: „Herr, wirst du noch in dieser Zeit das Israel wieder aufrichten?“ Er aber sprach zu ihnen: „Es steht euch nicht zu, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater seiner Macht vorbehalten hat. Aber: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde

Als er das aber gesagt hatte, hob die Hände auf und segnete sie. Und als er  sie segnete, verließ er sie und fuhr auf in den Himmel. Er wurde immer mehr hochgehoben und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

Als sie ihm nachsahen, wie er in den Himmel fuhr, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern, die sagten: „Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet in den Himmel? Dieser Jesus, der von euch ist weggenommen worden in den Himmel, wird so wiederkommen, wie ihr ihn in den Himmel habt fahren gesehen!“

Da wandten sie um nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen und lobten Gott. Dann wählten sie einen Ersatzmann für Judas, der Jesus ja verraten hatte.

Sie waren ja nur noch elf Männer, nämlich Petrus und Jakobus, Johannes und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus (Sohn des Alphäus) und Simon Zelotes und Judas (Sohn des Jakobus). Ihr Wortführer war Petrus. Er schlug vor einen Mann zu wählen, der so wie sie die ganze Zeit über mit Jesus zusammen war und ein Zeuge seiner Auferstehung war. Dafür kamen Joseph Just und Matthias in Frage.

Sie beteten: „Her, der du alle Herzen kennst, zeige uns an, wen du erwählt hast von diesen zweien, damit einer empfange dieses Amt!“ Dann warfen sie das Los über sie, und das Los fiel auf Matthias; und er ward zugeordnet zu den elf engeren Anhängern Jesu, die man jetzt „Apostel“ nannte (Lk 24,50-53/Apg 1).

 

 

Pfingsten

[Nachdem Jesus nicht mehr leibhaftig unter seinen Jüngern war, sollte es nach seinem Willen dennoch weitergehen mit seiner Sache. Er hatte ihnen ja versprochen, er werde ihnen die Kraft Gottes schicken, die man „Heiliger Geist“ nennt. Dieser würde ihnen die Kraft geben, unerschrocken von Jesus zu reden und sie auch fest zusammenfügen zu einer neuen Gemeinschaft, aus der die Kirche erwuchs].

 

Die Verleihung des Heiligen Geistes Als das Pfingstfest begann, waren alle Anhänger Jesu wieder einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Es erschienen ihnen Zungen wie aus Feuer, und irgend etwas setzte sich auf einen jeden unter ihnen und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit anderen Sprachen, je nachdem, wie der Geist es ihnen gab auszusprechen.

Als man das hörte, kam die Menge zusammen und wurden bestürzt; denn es hörte ein jeder, daß sie mit seiner Sprache redeten. In Jerusalem wohnten ja allerhand gottesfürchtige Männer aus aller Herren Länder, die dort im Zentrum des jüdischen Glaubens ihren Lebensabend verbringen wollten. Sie entsetzten sich aber alle, wunderten sich und sprachen untereinander: „Sind nicht alle diese, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeder seine Muttersprache?“

Es waren nämlich Parther und Meder und Elamiter, Leute aus  Mesopotamien, aber auch aus Judäa und Kappadozien, Pontus und Asien. Sie kamen aus Phrygien und Pamphylien, Ägypten und Lybien. Es waren Ausländer von Rom, Juden und Mitläufer der jüdischen Religion, Kreter und Araber. Sie alle hörten sie in ihrer Sprache von den großen Taten Gottes reden.

Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre und sprachen einer zum anderen: Was wird daraus noch werden?   Die andern aber spotteten nur und sprachen: „Sie sind voll süßen Weins!“

Da trat Petrus auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: „Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnt. Das sei euch kundgetan, und laßt meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr annehmt, zumal es erst um neun Uhr am Morgen ist!“

Petrus zitiert den Propheten Joel und sagt, daß jetzt das geschieht, was der Prophet vorausgesagt hat mit den Worten: „Es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da ich will meinen Geist auf alle Menschen ausgießen; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Erscheinungen sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben; und auf meine Männer und Frauen will ich in denselben Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben im Himmel und Zeichen unten auf Erden: Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll sich verkehren in Finsternis und der Mond in Blut, ehe denn der große und offenbare Tag des Herrn kommt. Und wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll selig werden.“

Petrus erläutert weiter: „Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, wurde von Gott mit Taten und Wundern und Zeichen ausgewiesen, die Gott durch ihn tat unter euch. Aber ihr habt ihn genommen durch die Hände der Ungläubigen und ihn angeheftet ans Kreuz und erwürgt. Den hat Gott auferweckt und aufgelöst die Schmerzen des Todes, dem es nicht möglich war, ihn festzuhalten!“

Weiter fährt Petrus fort: „Ihr Männer, liebe Brüder, laßt mich frei reden zu euch von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. Weil er ein Prophet war und wußte, daß ihm Gott verheißen hatte mit einem Eide, daß ein Nachkomme sollte auf seinem Stuhl sitzen, hat er geredet von der Auferstehung Christi, daß er nicht dem Tode gelassen werde und sein Fleisch die Verwesung nicht sehen würde!“

Schließlich faßt Petrus zusammen: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen. Nun ist er durch Gott erhöht und hat den Heiligen Geist vom Vater empfangen. Diesen hat er jetzt auf uns ausgegossen. Das ist es, was ihr jetzt seht und hört! So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zu einem Herrn und Christus gemacht hat!“

Als sie das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie fragten Petrus und die andern Apostel: „Ihr Männer, was sollen wir tun?“ Petrus sprach zu ihnen: „Ändert euer Leben und es lasse sich ein jeder taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden. Dann  werdet ihr auch die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn diese Verheißung gilt euch und euren Kindern und allen, die ferne sind, die Gott aber herbeirufen wird!“

Mit vielen anderen Worten bezeugte er alles noch einmal und ermahnte sie: „Laßt euch erretten aus dieser verkehrten Menschheit!“ Die nun sein Wort gern annahmen, ließen sich taufen. Und es wurden an dem Tage ungefähr dreitausend Menschen zur Gemeinde hinzugetan. Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet (Apostelgeschichte 2).

 

 

Das Leiden Jesu (seine „Passion“)

 

[Wenn Jesus aber auferstanden ist und in  seiner Gemeinde gegenwärtig ist, dann muß man sich auch daran erinnern, was denn vor seiner Auferstehung war. Zuerst stellte man deshalb die Erzählungen von seinem Leiden und Sterben zusammen. Hier wird auch noch nach Jahrzehnten festgehalten, was wirklich so passiert ist. Die Passionserzählungen geben am ehesten die historischen Tatsachen wieder].

 

Einzug Jesu in Jerusalem   

Nachdem Jesus sich entschlossen hatte, von Galiläa in die Hauptstadt Jerusalem zu gehen, um auch dort seine Botschaft zu verbreiten, kam er an den Ölberg und sprach

Zu zwei seiner Anhänger: „Geht hin in Das Dorf, das vor euch liegt, und ihr werdet gleich eine Eselin angebunden finden und ihr Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn jemand etwas zu euch sagen wird, dann sprecht: „Der Herr braucht sie. Dann wird er sie euch gleich lassen!“

Die Anhänger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und setzten Jesus darauf. Er zog den Ölberg herab und der ganze Haufe seiner Anhänger fing an, fröhlich Gott zu loben mit lauter Stimme wegen all der Taten, die sie gesehen hatten.

Viele Leute kamen mit Palmenzweigen dem Zug entgegen und breiteten die Kleider auf den Weg. Die andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die vorne und nachfolgte, schrie: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“ Einige der Frommen im Volk sprachen zu ihm: „Meister, strafe doch deine Anhänger!“ Er antwortete: „Ich sage euch: Wo diese schweigen werden, so werden die Steine schreien!“

Als er näher kam, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach: „Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Einwohner eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten. Sie werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, weil du nicht erkannt hast die Zeit, in der Gott dir begegnet ist [So geschah es bei der Belagerung Jerusalems im Jahre 70].

Als Jesus in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: „Wer ist der?“ Die Leute aber sagten: „Das ist der Jesus, der Prophet von Nazareth in Galiläa!“ Die Frommen aber sprachen untereinander: „Ihr seht, daß ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach!

Und Jesus ging in den Tempel Gottes hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stühle der Taubenkrämer    und ließ nicht zu, das jemand etwas durch den Tempel trüge. Jesus sprach zu ihnen: „Es steht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen. Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht!“

Das wurde den Schriftgelehrten und Oberpriester gesagt, und sie überlegten, wie sie ihn umbrächten. . Aber sie fanden nichts, was sie ihm antun könnten, denn die Leute hingen ihm an und hörten ihn und wunderten sich über seine Lehre.

Und Jesus lehrte täglich im Tempel. Und es gingen Blinde und Lahme zu ihm in den Tempel, und er heilte sie. Als aber die Oberpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrieen und sagten: „Hosianna dem Sohn Davids!“ wurden sie entrüstet und sprachen zu ihm: „Hörst du auch, was diese sagen?“

Jesus sprach zu ihnen: „Ja! Habt ihr nie gelesen: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob zugerichtet?“ Er ließ sie da und ging zur Stadt hinaus zum Dorf Bethanien und blieb dort.

Als er aber am Morgen wieder in die Stadt ging, hungerte ihn. Er sah einen Feigenbaum am Weg und ging hin, fand aber nichts daran als nur Blätter, denn es war noch nicht die Zeit für die Feigen. Jesus sprach zu dem Baum: „Jetzt wachse auf dir niemals mehr eine Frucht!“ Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle. Als das die Jünger sahen, wunderten sie sich und sprachen: „Wie ist der Feigenbaum so bald verdorrt?“  Jesus aber antwortete: „Ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein so etwas mit dem Feigenbaum tun: Wenn ihr sagen werdet zu diesem Berge: ‚Hebe dich auf und wirf dich ins Meer!‘ so wird es geschehen. Wer nicht zweifelt in seinem Herzen, sondern glaubt, daß es geschehen würde, was er sagt, so wird es ihm geschehen, was er sagt. Und alles, was ihr bittet im Gebet, werdet ihr empfangen, wenn ihr glaubt!“ (Mt 21,1-22; (Mk 11, 1-26; Lk 19, 1-47; Joh 12,12-19).

 

Das Johannesevangelium beschreibt die Tempelreinigung wie folgt:  Danach zog Jesus hinab nach Kapernaum, er, seine Mutter, seine Brüder und seine Anhänger; aber sie blieben nicht lange dort. Das Passahfest der Juden („Ostern“) war aber nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel Leute sitzen, die Ochsen, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler. Jesus machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um und sprach zu denen, die die Tauben anboten: „Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus!“ Seine Anhänger aber dachten daran, daß geschrieben steht: „Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen!“

Da antworteten nun die Juden und sprachen zu ihm: „Was zeigst du uns für ein Zeichen, daß du so etwas tun darfst?“ Jesus antwortete ihnen: „Brecht diesen Tempel ab, und am dritten Tag will ich ihn wieder aufrichten!“ Da sprachen die Juden: „Dieser Tempel ist in 46 Jahren erbaut, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?“ (Er redete aber von dem Tempel seines Leibes. Als er nun auferstanden war von den Toten, dachten seine Anhänger daran, daß er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und der Rede, die Jesus gesagt hatte.)

Als Jesus in Jerusalem war am Passahfest, glaubten viele an ihn, weil sie die Zeichen sahen, die er tat. Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und hatte es nicht nötig, daß ein Mensch für ihn spräche, denn er wußte wohl, was im Menschen war (Joh 2,12-25).

 

Jesus lehrt im Tempel

Als Jesus in den Tempel kam und zu  lehren anfing, traten zu ihm die Oberpriester und die Ältesten im Volk und sprachen: „Aus welcher Macht tust du das? Und wer hat dir die Macht gegeben?“ Jesus aber antwortete: „Ich will euch auch eine Frage stellen. Wenn ihr mir darauf antworten könnt, will ich euch auch sagen, aus welcher Macht ich das tue: ‚Woher war die Taufe des Johannes? War sie vom Himmel oder von den Menschen?“Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: „Sagen wir, sie sei vom Himmel gewesen, so wird er zu uns sagen: Warum glaubtet ihr ihm denn nicht? Sagen wir aber, sie sei von Menschen gewesen, so müssen wir uns vor dem Volk fürchten; denn sie halten alle Johannes für einen Propheten. Und sie antworteten Jesu: „Wir wissen es nicht!“ Da sprach er zu ihnen: „So sage ich euch auch nicht, aus welcher Macht ich das tue!“

Und Jesus fuhr fort: Was meint ihr aber zu folgendem Vorgang? Ein Mann hatte zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: „Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberg“. Er antwortete aber: „Ich will es nicht tun!“. Aber danach bedauerte er es und er ging hin! Da ging der Mann zum andern Sohn und sagte das Gleiche. Er antwortete aber und sprach: „Herr, ja!“ – und ging nicht hin. Wer von den zweien hat den Willen des Vaters getan? Sie sprachen zu ihm: „Der erste!“ Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen als ihr! Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, aber ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr's wohl saht, seid ihr dennoch nicht umgekehrt, daß ihr ihm danach auch geglaubt hätte!

Jesus fährt fort mit einem anderen Gleichnis: Es war ein Hausbesitzer, der pflanzte einen Weinberg und setzte einen Zaun darum und  eine Kelter und errichtete einen Turm und übergab ihn den Weingärtnern und zog über Land. Als nun die Erntezeit herbeikam, sandte er seine Leute zu den Weingärtnern, daß sie seine Früchte abholten. Da nahmen die Weingärtner seine Leute: einen schlugen sie, den andern töteten sie, den dritten steinigten sie. Daraufhin sandte er andere Leute, mehr als die ersten waren; und sie taten ihnen das Gleiche. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: „Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen!“

Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: „Das ist der Erbe; kommt laßt uns ihn töten und sein Erbe an uns bringen!“ Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinberges kommen wird, was wird er diesen Weingärtnern tun? Sie sprachen zu ihm: „Er wird die Bösewichte umbringen und seinen Weinberg anderen Weingärtnern überlasen, die ihm die Früchte zur rechten Zeit geben.

Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Der Herrn hat das so gemacht, und es ist wunderbar vor unseren Augen“? Deshalb sage ich euch: „Die Herrschaft Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben werden, das seine Früchte bringt. Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen aber er fällt, den wird er zermalmen.

Als die Oberpriester und Frommen seine Gleichnisse hörten, verstanden sie, daß er von ihnen redete. Und versuchten, ihn zu greifen. Aber sie fürchteten sich vor dem Volk, denn es hielt ihn für einen Propheten (Mt 21,23-46; Mk 11,27-33; Lk 20,1-8).

 

 

Todesbeschluß über Jesus

Als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: „Ihr wißt, daß nach zwei Tagen das Osterfest sein wird. Dann wird der Gottessohn ausgeliefert werden, daß er gekreuzigt werde!“ Da versammelten sich die Oberpriester und Schriftgelehrten und die Ältesten im Volk im Palast des Oberpriesters mit Namen Kaiphas und berieten darüber, wie sie Jesus mit List ergriffen und töteten. Sie sprachen aber: „Ja nicht zum Fest, damit nicht ein Aufruhr komme im Volk!“ (MK 14,1-2; Mt 26,1-5; Lk 2,1-2).

 

Salbung

Als Jesus im Dorf Bethanien war im Hause Simons, des Aussätzigen, und am Tisch saß, da trat eine Frau an ihn heran, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und köstlichem Duftöl aus der Wurzel der indischen Nardepflanze. Sie zerbrach das Glas und goß das Duftwasser auf Jesu Kopf.

 Als das seine Anhänger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: „Wozu diese Vergeudung? Man hätte das Wasser für mehr als dreihundert Groschen verkaufen können und es den Armen geben. Und sie  murrten über die Frau.

Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: „Laßt sie mit Frieden! Weshalb macht ihr der Frau ein schlechtes Gewissen. Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat schon vorweggenommen, daß mein Leib gesalbt wird zu meinem Begräbnis. Ich sage euch: „Wo dies Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man erzählen, was sie jetzt getan hat, und an sie erinnern!“ (Mk 14,1-9; Mt 16,6-13).

 

Das Johannesevangelium setzt bei dieser Erzählung einige andere Akzente: Sechs Tage vor dem Passahfest kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, den er auferweckt hatte von den Toten. Dort machten sie ihm ein Abendessen. Martha bediente am Tisch und Lazarus war einer unter denen, die mit ihm am Tisch saßen. Da nahm Maria ein Pfund Salbe von ungefälschter, köstlicher Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber wurde voll vom Geruch der Salbe.

 Da sprach einer seiner Anhänger, Judas Ischariot, Sohn des Simon, der ihn später verriet: „Warum hat man diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Geldstücke und den Armen gegeben?“Das sagte er aber nicht, weil er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb und trug den Geldbeutel mit dem, was gegeben wurde.

Da sprach Jesus: „Laß sie in Frieden! Das hat sie aufgehoben für den Tag meines Begräbnisses. Denn Arme habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer.

Da erfuhren viele Leute, daß Jesus dort war. Und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern damit sie auch Lazarus sähen, den er von den Toten auferweckt hatte. Aber die Oberpriester trachteten danach, daß sie auch Lazarus töteten, denn um seinetwillen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus (Joh 12,1-11)

 

Verrat des Judas

Judas Ischariot, einer von den Zwölfen, ging zu den Oberpriestern, um Jesus zu verraten. Er sprach: „Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten!“ Als sie das hörten, wurden sie froh und versprachen, ihm dreißig Silberstücke zu geben. Von da an suchte Judas eine Gelegenheit, wie er Jesus ohne Aufhebens ausliefern könnte (Mk 14,10-11; Mt 26,14-35; Lk 22,1-6).

 

Letzte Mahlzeit

Am ersten Tage des jüdischen Osterfestes, an dem man das Osterlamm opferte, sprachen Jesu Anhänger zu ihm: „Wo sollen wir hingehen und das Essen des Osterlamms vorzubereiten?“

Er sandte Petrus und Johannes und sprach zu ihnen: „Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser, folgt ihm nach in das Haus, in das  hineingeht. Sprecht zu ihm: ‚Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Osterfest halten mit meinen Anhängern!“ Er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen und für alles bereit ist; dort richtet alles für uns zu. Die Anhänger taten wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Osterlamm zu.

 Am Abend setzte er sich zu Tische mit den Zwölfen. Und als sie zu Tische saßen und aßen, sprach Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir ißt, wird mich verraten!“ Da wurden sie traurig und sagten zu ihm, einer nach dem anderen: „Bin ich's?“ und ein anderer: „Bin ich's?“

Er antwortete und sprach zu ihnen: „Einer aus den Zwölfen, der mit der Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. Es ist zwar schon von dem Gottessohn gesagt, daß er hingehen muß, weh aber dem Menschen, durch den der Gottessohn verraten wird. Es wäre für diesen Menschen besser, daß er nie geboren wäre!“ Da fragte Judas, der ihn verriet: „Bin ich es, Lehrer?“ Er sprach zu ihm: „Du sagst es!“ (Wo hier das Wort „Gottessohn“ angegeben ist, steht im Original „Menschensohn“. Aber damit soll nicht gesagt sein, daß Jesus ein Mensch war, sondern im Gegenteil, diese traditionelle Bezeichnung bei den Juden bezeichnet eine göttliche Gestalt. Dieser Bezeichnung wird im Folgenden immer mit „Gottessohn“ wiedergegeben).

Dann sprach Jesus zu ihnen: „Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich jetzt nicht mehr davon essen werde, bis daß das alles erfüllt wird im Reich Gottes!“ Dann spricht er die bekannten Worte, die hier wiedergegeben, wie sie heute in der Kirche gebräuchlich sind, unter Verwendung des Wortlauts im 1. Korintherbrief):

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach es  und gab es seinen Jüngern sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, gab ihnen den und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr‘s trinket, zu meinem Gedächtnis.

Dann fügte er noch hinzu: „Wahrlich, ich sage euch, daß ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis auf den Tag, da ich's neu trinke in dem Reich Gottes!“

 

In diesem Augenblick erhob sich ein Zank unter ihnen, wer unter ihnen der Größte sei. Jesus aber sprach zu ihnen: „Die weltlichen Könige Herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.

 Denn wer ist größer: „Der zu Tische sitzt oder der bedient? Ist's nicht so, daß der zu Tische sitzt der Größere ist? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr aber seid es, die ihr beharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich geben, wie mir es mein Vater gegeben hat, daß ihr essen und trinken sollt an meinem Tische in meinem Reich und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Volksstämme Israels“.

Zu Petrus sprach er besonders: „Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehrt, daß er euch möchte sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dich einst bekehrst, so stärke deine Brüder!“ Petrus sprach aber zu ihm: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen!“ Jesus aber sprach: „Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest!“

Jesus sagte noch zu ihnen: „So oft ich euch ausgesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt?“ Sie sprachen: „Niemals!“ Da sprach er zu ihnen: „Aber jetzt gilt: Wer einen Beutel hat, der nehme ihn, ebenso die die Tasche. Wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: „Es muß noch das auch vollendet werden an mir, was geschrieben steht: ‚Er ist unter die Übeltäter gerechnet.“ Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende!“ Sie sprachen aber: „Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter!“ Er aber sprach zu ihnen: „Es ist genug!“

 

Und als sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg östlich von Jerusalem. Und Jesus sprach zu ihnen: „Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern; denn es steht geschrieben: ‚Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen“. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen nach Galiläa!“

Petrus aber sagte zu ihm: „Und wenn sie sich alle ärgerten, so wollte doch ich mich nicht ärgern!“ Aber Jesus sprach zu ihm: „Ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen!“ Er aber redete noch weiter: „Auch wenn ich mit dir auch sterben müßte, wollte ich dich doch nicht verleugnen!“ Das Gleiche sagten auch alle anderen (Mk 14,10-31; Mt 26,17-35; Lk 22,7-38).

 

 Jesu Gebet im Garten Gethsemane

Sie kamen zu einem Hof mit Namen „Gethsemane“. Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Setzt euch hier, damit ich hingehe und bete. Betet auch ihr, damit ihr nicht in Versuchung fallt!!“ Und er nahm Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an, zu zittern und zu zagen und sprach zu ihnen: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht!“

Er riß sich von ihnen einen Steinwurf weit weg, fiel nieder auf sein Angesicht und betete  und sprach: „Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“Da erschien ihm ein Bote vom Himmel und stärkte ihn. Er rang mit dem Tode und betete heftiger. Sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.

Als er aber zu seinen Jüngern kam, fand er sie schlafend und sprach zu Petrus: „Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung (Versuchung) fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach!“

Dann ging er wieder hin und betete und sprach dieselben Worte: „Mein Vater, ist es nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, aber ich trinke ihn, es geschehe dein Wille!“ Als er wieder kam, fand wer sie abermals schlafend; denn ihre Augen waren voll Schlafs, und sie wußten nicht, was sie ihm antworteten.

Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum drittenmal und redete dieselben Worte.

Als er zum drittenmal kam, sprach er zu ihnen: „Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Gottessohn wird überantwortet in die Hände der Sünder. Steht auf, laßt uns gehen. Siehe, der mich verrät, ist nahe!“ (Mk 14,32-42;Mt 26,36-46; Lk 22,39-46).

 

Gefangenahme Jesu

Und als er noch redete, da kam Judas, einer der Zwölf, und mit ihm eine große Schar, mit Schwertern und mit Stangen bewaffnet, geschickt von den Oberpriestern und Ältesten des Volks. Der Verräter hatte ihnen aber ein Zeichen gegeben und gesagt: „Den ich küssen werde, der ist es, den greift!“ Er kam, trat zu Jesus und sprach zu ihm: „Gegrüßet seist du, Rabbi!“(Lehrer) und küßte ihn. Jesus aber sprach zu ihm: „Mein Freund, warum bist du gekommen?  Judas, verrätst du den Gottessohn mit einem Kuß?“

Jesus wußte alles, was ihm widerfahren sollte. Deshalb sprach er zu ihnen: „Wen suchet ihr?“ Sie antworteten ihm: „Jesus von Nazareth!“ Jesus spricht zu ihnen: „Ich bin es! Aber wenn ihr mich sucht, so laßt diese gehen!“

 

Als seine Anhänger aber sahen,  was jetzt geschehen, sprachen sie zu ihm: „Herr, sollen wir mit dem Schwert drein schlagen?“ Und schon schlug einer von ihnen auf den Wachmann des Oberpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Jesus aber antwortete und sprach: „Stecke dein Schwert an seinen Ort! denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Oder meinst du, daß ich nicht meinen Vater bitten könnte, daß er mir zuschickte mehr als zwölf Legionen Gottesboten? Wie soll aber dann die Schrift erfüllt werden? Es muß alles so gehen. Laßt sie doch machen!“ Und er berührte sein Ohr und heilte ihn.

Dann sprach Jesus zu den Scharen: „Ihr seid ausgegangen wie zu einem Mörder, mit Schwertern und Stangen, mich zu fangen. Aber ich habe doch täglich bei euch gesessen und habe gelehrt im Tempel, und ihr habt mich nicht gegriffen. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis!“

Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesus und griffen ihn. Da verließen ihn die Jünger und flohen. Es war auch ein junger Man dabei, der folgte ihm nach, der war nur mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut. Als die Wachleute ihn griffen, ließ er die Leinwand fahren und floh nackt von ihnen  (Mk 14, 43-52; Mt 26,47-56; Lk 22,47-53; Jh 18,1-1).

 

Verhör durch den Oberpriester

 Die aber Jesus gegriffen hatten, führten ihn zum Haus des Oberpriester Kaiphas, wo sich die Schriftgelehrten und Ältesten versammelt hatten. Kaiphas war es, der den Juden geraten hatte, es wäre gut, daß e i n Mensch umgebracht würde anstatt des Volks.

Petrus aber folgte ihnen nach in  einiger Entfernung bis hinein in Palast des Oberpriesters. Er setzte sich zu den Wachleuten und wärmte sich beim Schein des Feuers, und wollte sehen, worauf alles hinauslaufen würde

Die Oberpriester aber und die Ältesten und der ganze Rat suchten eine falsche An­klage gegen Jesus, damit sie ihn töten könnten. Aber sie fanden nichts. Viele machten zwar falsche Aussagen gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. Zuletzt traten dann zwei falsche Zeugen auf und sprachen: „Wir haben gehört, daß er sagte: Ich kann den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen anderen bauen, der nicht mit Händen gemacht sei!“

Da stand der Oberpriester auf und sprach zu ihm: „Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich aussagen?“  Aber Jesus schwieg still. Da sagte der Hohepriester zu ihm: „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn Gottes!“

Jesus aber sprach: „Du sagst es. Ich bin es; und ihr werdet sehen den Gottessohn sitzen zur rechten Hand der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels!“ (in einem der Evangelien ist die Antwort Jesu wiedergegeben mit „Das sagst du!“ Das könnte so aussehen, als wolle Jesus die Frage des Oberpriesters verneinen. Aber hier soll wohl eher ein wenig ein Geheimnis um alles gemacht werden, Jesus hat sich in Wirklichkeit eindeutig zu seiner Gottessohnschaft bekannt).

Da zerriß der Hohepriester seinen Rock und sprach: „Was brauchen wir weiter Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was meint ihr?“ Sie aber verdammten ihn alle und sagten, daß er des Todes schuldig wäre.

Einige fingen an, auf ihn zu spucken und sein Gesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: „Weissage uns, Christus, wer ist es, der dich schlug?“ Und die Wachleute schlugen ihn ins Angesicht.

 

Jesus aber sprach zu ihnen: „Sage ich es euch, so glaubt ihr es nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht und laßt mich doch nicht los. Aber von nun an wird der Gottessohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes!“ Da sprachen sie alle: „Bist du denn Gottes Sohn?“ Er aber sprach zu ihnen: „Ihr sagt es, denn ich bin es!“ (Mk 14, 53-65; Mt 26,57-68; Lk 22,66-71; Jh 18,12-14, 19-24).

 

Verleugnung des Petrus

Die Wachleute zündeten mitten im Hof ein Feuer an und setzten sich zusammen. Petrus setzte sich unter sie. Da kam eine von den Hausangestellten des Oberpriesters. Als sie sah Petrus sah, wie er sich wärmte, schaute sie ihn an und sprach: „Du warst doch auch mit Jesus von Nazareth!“ Er leugnete aber und sprach: „Ich kenne ihn nicht, weiß auch nicht, was du sagst!“

Als er aber zur Tür hinausging, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: „Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth!“ Und er leugnete abermals und schwur dazu: „Ich kenne den Menschen nicht!“ Und nach einer Weile traten die hinzu, die dastanden, und sprachen zu Petrus: „Du bist doch auch einer von denen; denn deine Sprache verrät dich, du bist ein Galiläer!“ Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: „Ich kenne diesen Menschen nicht!“

Und als er noch redete, krähte der Hahn. Und Jesus drehte sich um und sah Petrus an. Da dachte Petrus an die Worte Jesu, als er zu ihm sagte: „Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen“, und ging hinaus und weinte bitterlich (Mk 14,66-72; Mt 26,69-75; Lk 22, 54-62; Jh 18,15-18.25-27).

 

Verhör durch den Statthalter Pilatus

Am Morgen hielten die Oberpriester einen Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem  ganzen Hohen Rat, damit sie ihn töteten. Als Judas sah, daß Jesus zum Tode verdammt war, reute  ihn alles, und brachte die dreißig Silberstücke wieder den Oberpriestern und den Ältesten und sprach: „Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe!“ Sie sprachen: „Was geht uns das an? Sieh du zu, wie du damit fertig wirst!“ Judas warf die Silberlinge in den Tempel, machte sich davon, ging hin und erhängte sich selbst. Aber die Obernpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: „Es taugt nicht, daß wir sie in den Opferkasten legen, denn es ist Blutgeld!“ Sie hielten einen Rat und kauften den Töpfersacker zum Begräbnis der Pilger. Daher ist dieser Acker genannt der „Blutacker“ bis auf den heutigen Tag.

Die Oberpriester und der Hohe Rat banden Jesus und führten ihn vor das Richthaus. Aber  sie gingen nicht in das Richthaus, damit sie nicht unrein würden, sondern am Ostermahl teilnehmen könnten.  Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: „Was habt ihr für eine Klage gegen diesen Menschen?“ Sie antworteten ihm: „Wäre er nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht übergeben!“ Da sprach Pilatus zu ihnen: „So nehmet ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz!“ Da sprachen die Juden zu ihm: „Wir dürfen niemand töten!“

Da ging Pilatus wieder hinein ins Richthaus und rief Jesus und sprach zu ihm: „Bist du der Juden König?“ Jesus antwortete: „Redest du das von dir selbst, oder haben es dir andere von mir gesagt?“  Pilatus antwortete: „Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Oberpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan?“

Jesus antwortete: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Leute würden kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dieser Welt!“ Da sprach Pilatus zu ihm: „So bist du dennoch ein König?“

Jesus antwortete: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme!“ Da spricht Pilatus zu ihm: „Was ist Wahrheit?“

Dan  fragte der Statthalter: „Bist du der Juden König?“ Jesus aber sprach zu ihm: „Du sagst es!“ Die Oberpriester und Ältesten klagten ihn an: „Dieser wendet das Volk ab und verbietet, dem Kaiser die Steuer zu geben, und spricht, er sei ein König“ Aber Jesus antwortete nicht. Da sprach Pilatus zu ihm: „Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen?“ Aber Jesus antwortete ihm nicht auf ein Wort, so daß der Statthalter sich verwunderte.

Pilatus sprach zu den Oberpriestern und zum Volk: „Ich finde keine Ursache, weshalb man diesem Menschen verurteilen könnte!“ Sie aber blieben dabei und sprachen: „Er hat das Volk aufgestachelt damit, daß er gelehrt hat hin und her im ganzen jüdischen Land, in Galiläa hat er angefangen und jetzt ist er bis hierher gekommen!“ Als aber Pilatus „Galiläa“ hörte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre. Und als er vernahm, daß Jesus unter die Herrschaft des Herodes gehörte, übersandte er ihn an Herodes, der  in diesen Tagen auch zu Jerusalem war.

Da aber Herodes Jesus sah, ward er sehr froh; denn er hätte ihn längst gern gesehen, denn er hatte viel von ihm gehört, und hoffte, er würde ein Wunderzeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei. Aber Jesus antwortete ihm nichts. Die Oberpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Herodes seine Leute verachteten und verspotteten ihn, legte ihm ein weißes Kleid an und sandten ihn wieder zu Pilatus. Seit dem  Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander, vorher waren sie einander feind.

Da ihn die Oberpriester und ihre Wachleute sahen, schrieen sie und sprachen: „Kreuzige! Kreuzige!“ Pilatus spricht zu ihnen: „Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm!“ Die Juden antworteten ihm: „Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht!“ Als Pilatus das Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesus: „Woher bist du?“  Aber Jesus gab ihm keine Antwort.

Da sprach Pilatus zu ihm: „Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben?“ Jesus antwortete: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre; deshalb hat der größere Sünde, der mich dir überantwortet hat!“

Von da an überlegte Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: „Läßt du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum König macht, der ist gegen den Kaiser!“ Da Pilatus das Wort hörte, führte er Jesus heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die „Hochpflaster“ heißt.

Es war aber der Rüsttag vor Ostern, gegen Mittag. Und er spricht zu den Juden: „Seht, das ist euer König!“ Sie schrieen aber: „Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn!“ Spricht Pilatus zu ihnen: „Soll ich euren König kreuzigen?“ Die Oberpriester antworteten: „Wir haben keinen König außer dem Kaiser!“

Wieder bei Pilatus zogen sie ihm einen Purpurmantel um und setzten ihm eine Dornenkrone auf. Pilatus führt Jesus hinaus, stellt ihn vor die Juden und spricht zu ihnen: „Seht, welch ein Mensch! Ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennt, daß ich keine Schuld an ihm finde!  Ich habe aber eine Gewohnheit, daß ich zum Osterfest euch einen Gefangenen loszugebe!“

Er hatte aber zu der Zeit einen besonderen Gefangenen, der hieß Barabbas. Dieser war gefangen genommen worden mit anderen Aufrührern und hatte im Aufruhr einen Mord begangen.

Da sprach Pilatus zu ihnen: „Welchen soll ich euch losgeben? Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei Christus? Wollt ihr, daß ich euch den König der Juden losgebe?“ Denn er wußte wohl, daß sie ihn aus Neid ihm überstellt  hatten. Da schrieen sie wieder allesamt und sprachen: „Nicht diesen, sondern Barabbas!“

Als Pilatus auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau eine Botschaft zu ihm und ließ ihm sagen: „Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten. Ich habe im Traum heute viel erlitten seinetwegen!“ Aber die Oberpriester stachelten das Volk an, daß er ihnen viel lieber den Barabbas losgäbe, daß sie um Barabbas bitten sollten und Jesus umgebracht werden sollte.  Pilatus sprach zu ihnen: „Was soll ich denn machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei Christus?“ Sie sprachen alle: „Laß ihn kreuzigen!“ Der Statthalter sagte: „Was hat er denn Böses getan?“ Sie schrieen aber noch mehr: „Laß ihn kreuzigen!“

Pilatus sagte: „Ich habe ihn vor euch verhört und finde keine Sache, deren ihr ihn beschuldiget.  Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt, und man hat nichts gegen ihn vorgebracht, das des Todes wert sei. Deshalb will ich ihn züchtigen und loslassen!“ Da schrie der ganze Haufe und sprach: „Hinweg mit diesem und gib uns Barabbas los!“

Da rief ihnen Pilatus abermals zu und wollte Jesus loslassen. Sie riefen aber: „Kreuzige, kreuzige ihn!“ Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: „Was hat denn dieser Böses getan? Ich finde kein todeswürdiges Vergehen an ihm. Deshalb will ich ihn züchtigen und loslassen!“ Aber sie lagen ihm in den Ohren mit großem Geschrei und forderten, daß er gekreuzigt würde. Und ihr Geschrei und das der Oberpriester nahm überhand.

Als Pilatus sah, daß er nichts ausrichten konnte, sondern daß ein viel größer Getümmel entstand, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: „Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten, sehet ihr zu!“ Da antwortete das ganze Volk und sprach: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“

Schließlich fällte Pilatus das Urteil, daß ihrer Bitte entsprochen werden sollte, und ließ den los, der um Aufruhrs und Mordes willen ins Gefängnis geworfen worden war, um den sie gebeten hatten. Er gab ihnen Barabbas los und geißelte Jesus und übergab ihn, daß er gekreuzigt würde (Mk 15,1-15; Mt 27,1-26; Lk 23,1; Jh 18,28-40 und 19,4-15).

 

Verspottung Jesu

Da ließ Pilatus Jesus geißeln. Die Soldaten  aber führten Jesus hinein in das Richthaus und riefen zusammen die ganze Schar. Sie flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf seinen Kopf  und legten ihm einen Purpurmantel an und sprachen: „Sei gegrüßt, lieber Judenkönig!“ und gaben ihm Backpfeifen und schlugen ihm das Haupt mit einem Rohr, spuckten ihn an und fielen auf die Knie und taten so, als beteten sie  ihn an. Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur aus und zogen seine eigenen Kleider an und führten ihn hinaus, daß sie ihn kreuzigten. Sie deckten ihm den Kopf ab und schlugen ihn ins Gesicht und fragten ihn: „Rate, wer ist es, der dich schlug?“ Und viele Spöttereien sagten sie gegen ihn (Mk 15,16-20; Mt 27, 27-31; Lk 22, 63-65; Jh 19,1-3).

 

Kreuzigung Jesu

Als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen mit Namen Simon von Kyrene, der vom Felde kam. Den zwangen sie und legten das Kreuz auf ihn, daß er es Jesu nachtrüge. Es folgte ihnen aber nach eine große Volksmenge und Frauen, die beklagten und beweinten ihn.

Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: „Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: ‚Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäugt haben!‘ Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: ‚Fallt über uns!‘ und zu den Hügeln: ‚Decket uns!‘ Denn so man das tut am grünen Holz, was will am dürren werden?“

 Und sie brachten ihn zum Hügel „Golgatha“, das ist übersetzt „Schädelstätte“. Es wurden aber auch zwei andere Übeltäter hingeführt, daß sie mit ihm hingerichtet würden. Dort kreuzigten sie ihn, die zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber ließ eine Tafel  auf das Kreuz setzen, auf der in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache geschrieben stand: „Jesus von Nazareth, der König der Juden!“ Diese Überschrift lasen viele Juden; denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt ward, war nahe bei der Stadt. Da sprachen die Oberpriester zu Pilatus: „Schreibe nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern daß er gesagt habe: ‚Ich bin der König der Juden!“ Pilatus aber antwortete: „Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben“

Die Soldaten gaben Jesus Essig zu trinken mit Galle vermischt. Aber als er es schmeckte, wollte er nicht trinken. Sie machten vier Teile, für jeden Soldaten  ein Teil, dazu auch den Rock (Der Rock aber war ungenäht, von obenan gewirkt durch und durch). Dann losten aus, was jeder von ihnen bekäme. Jesus aber sprach: „Vater, vergib ihnen sie wissen nicht, was sie tun!“

Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: „Der du den Tempel Gottes zerbrichst und baust ihn in drei Tagen, hilf dir selber! Bist du Gottes Sohn, so steig herab von Kreuz!“ So sprachen auch die  Obernpriester, Schriftgelehrten und Ältesten und spotteten über ihn  samt den und sprachen: „Andern hat er geholfen, und kann sich selber nicht helfen. Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz, so wollen wir ihm glauben. Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Lust hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn!“

Einer der Übeltäter, die mit gehenkt wurden, spottete auch über Jesus: „Bist du Christus, so hilf dir selber und uns!“ Da antwortete der andere, rügte ihn und sprach: „Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sterben hier zu recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Unredliches getan. Er sprach zu Jesu: „Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und Jesus sprach zu ihm: „Ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“

Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, des Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: „Frau, das ist dein Sohn!“ Danach spricht er zu dem Jünger: „Siehe, das ist deine Mutter!“ Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Nach dem Mittag kam eine Finsternis über das ganze Land bis etwa drei Stunden später. Dann rief Jesus laut und sprach: „Eli, Eli lamah asaphtani?“ das heißt übersetzt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Hier zitiert Jesus den Psalm 22, der aber in der Folge von einem starken Gottvertrauen zeugt).

Einige Umstehende sprachen, als sie das hörten:  „Siehe er ruft den Elia“. Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und tränkte ihn und sprach: „Halt, laßt sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme!“

Als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllt würde, spricht er: „Mich dürstet!“ Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um eine Isop-Pflanze  und hielten es ihm hin an den Mund.   

Jesus rief laut und sprach: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Als er den Essig genommen hatte, sprach er: „Es ist vollbracht!“ und schrie laut und neigte das Haupt und verschied.

Und  die Sonne verlor ihren Schein und der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von oben bis unten. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, die Gräber taten sich auf. Der Hauptmann und die bei ihm waren und Jesus bewachten, als sie das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sehr. Und der Hauptmann, der ihm gegenüber stand und sah, daß er mit solchem Geschrei verschied, sprach: „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“

Das Volk, das dabei war und zusah, da sie sahen, was da geschah, schlugen sich an ihre Brust und wandten sich wieder um.

Es waren auch Frauen da, die von ferne alles sahen. Unter ihnen waren Maria Magdalena und Maria, Jakobus des Kleinen und des Joses Mutter, und Salome, die waren ihm nachgefolgt von Galiläa und hatten ihn versorgt, und viele andere, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

Weil es aber der Rüsttag war und die Leichname nicht den Feiertag über am Kreuze blieben sollten, baten die Juden Pilatus, daß den Gekreuzigten die Beine gebrochen und sie abgenommen würden.

Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus (Mk 15,21-41; Mt 27,32-56); Lk  23, 26-55; Jh 19,16- 37).

 

Beerdigung Jesu

Jesus mußte schnell beerdigt werden, weil es der Rüsttag war, der Tag vor dem jüdischen Feiertag (Sabbat). Am Abend kam Joseph von Arimathia, ein reicher Mann und ehrbarer Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete. Er war ein frommer Mann und hatte nicht in den Beschluß des Hohen Rats und den Handel mit Pilatus eingewilligt

Der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Er machte es heimlich aus Furcht vor den Juden. Pilatus verwunderte sich, daß Jesus schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben wäre. Und als der Hauptmann alles bestätigte, gab er Joseph den Leichnam.

Joseph kaufte eine Leinwand, nahm Jesus vom Kreuz ab und wickelte ihn in die Leinwand und legte ihn in ein Grab. Es war sein eigenes Grab, das er in einen Fels hatte hauen lassen und das noch nie benutzt worden war.

Bald darauf kamen einige Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, darunter Maria Magdalena und Maria, des Joses Mutter. Sie beschauten das Grab und wie sein Leib hingelegt wurde. Dann rollte Joseph den großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon. Die Frauen kehrten um und bereiteten Gewürze und Salben. Und den Sabbat über waren sie still nach der Vorschrift des Gesetzes

Am nächsten Tag kamen alle Oberpriester und Frommen zu Pilatus und sprachen: „Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, als er noch lebte: ‚Ich will nach drei Tagen auferstehen‘. Deshalb befiehl, daß man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Anhänger kommen und stehlen ihn und sagen dem Volk: ‚Er ist auferstanden von den Toten‘, und dadurch der letzte Betrug ärger werde als der erste. Pilatus sprach zu ihnen: „Da habt ihr die Hüter; gehet hin und bewacht das Grab, so gut ihr könnt!“Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Wächtern und versiegelten den Stein (Mk 15,42-47; Mt 27,57-66; Lk 23,50-56; Jh 19,38-42).

 

Seit wann ist Jesus Gottes Sohn?

[Mit der Zeit überlegte man sich, daß Jesus nicht erst mit seiner Auferstehung der Sohn Gottes wurde, sondern schon immer der Sohn war. Zunächst ging man dabei zurück bis zur Erzählung von der „Verklärung“ Jesu. Aber dann überlegte man, daß man früher einsetzen müßte: bei der Taufe, dann bei der Geburt und schließlich (bei Johannes) schon bei der Erschaffung der Welt].

 

1. Die „Verklärung“ Jesu:

Jesus sprach zu seinen Anhängern: „Ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis daß sie die Herrschaft Gottes mit seiner Kraft kommen sehen!“ Nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus, Jakobus und Johannes für sich allein und führte sie auf einen hohen Berg. Dort wurde er verklärt vor ihnen: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie der Schnee, wie sie kein Färber auf der Erde so weiß machen kann. Und es erschienen Mose und Elia, die redeten mit ihm

Da sprach Petrus zu Jesus: „Meister, hier ist gut sein. Laß uns drei Hütten machen: dir eine, Mose eine und Elia eine!“ Er wußte aber nicht, was er da redete; sie waren alle bestürzt.

Als Petrus noch so redete, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und eine Stimme aus der Wolke sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!“ Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.  Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ Als sie aber ihre Augen wieder hochhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

 

Als sie aber vom Berg herab gingen, befahl ihnen Jesus: „Ihr dürft von dieser Erscheinung niemand etwas sagen, bis der Gottessohn auferstanden ist von den Toten!“ Die Anhänger dachten noch über dieses Wort nach und fragten sich untereinander: „Wie ist das mit dem Auferstehen von den Toten?“ Und sie fragten Jesus: „Die Schriftgelehrten sagen doch, daß Elia erst vor der Auferstehung kommen muß!“ Jesus antwortete: „Elia soll ja zuvor kommen und alles wieder zurechtbringen; dazu soll der Gottessohn viel leiden und verachtet werden, wie geschrieben steht. Aber ich sage euch auch: Elia ist ja schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt und haben mit ihm gemacht, was sie wollten, wie es in den alten Schriften vorausgesagt wurde. So wird auch der Gottessohn leiden müssen von ihnen!“Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte (Mk 9,1-13; Mt 17,1-13; Lk 9,29-36).

 

2. Die Taufe Jesu:

Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Es war im fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes ein Viertelfürst in Galiläa und sein Bruder Philippus ein Viertelfürst in Ituräa und in der Gegend Trachonitis und Lysanias ein Viertelfürst zu Abilene, als Hannas und Kaiphas Oberpriester waren.

Zu der Zeit kam Johannes, der Sohn des Zacharias, und predigte in der Wüste in der Gegend um den Jordan. Er hatte ein Gewand aus Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Lenden. Er aß Heuschrecken und Honig von wilden Bienen.

Er wurde angesehen als der Vorbereiter des Retters, den schon der Prophet Jesaja vorausgesagt hatte: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste, der sagt: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige richtig!

Alle Täler sollen aufgefüllt werden, und alle Berge und Hügel erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und jedermann wird den Heiland Gottes sehen!“

Johannes erhielt den Befehl Gottes, die Menschen zur Umkehr aufzufordern, damit sie Vergebung Sünden erlangen und zum äußeren Zeichen dafür die Taufe empfangen. Er sprach: „Ändert euer Leben, denn die Herrschaft Gottes ist nahe herbeigekommen!“ Und es gingen zu ihm hinaus die Menschen aus dem ganzen jüdischen Land und die von Jerusalem. Sie bekannten alle ihre Sünden und ließen sich von Johannes im Jordan taufen.

Johannes aber sprach zu ihnen: „Ihr Otternbrut, wer hat euch denn gesagt, daß ihr dem zukünftigen Zorn Gottes entrinnen werdet? Seht zu, daß ihr eure Umkehr auch wirkliche Frucht bringt. Nehmt euch nicht vor, zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken! Die Axt ist schon den Bäumen an die Wurzel gelegt, Jeder Baum, der  nicht eine gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen!“

 

Einige Leute fragten ihn daraufhin: „Was sollen wir denn tun?“ Er antwortete  ihnen: „Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat. Und wer Speise hat, der mache es genauso!“ Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: „Meister, was sollen denn wir tun?“ Er sprach zu ihnen: „Fordert nicht mehr, denn gesetzlich festgelegt ist!“ Da fragten ihn auch die Soldaten: „Was sollen denn wir tun?“ Und er sprach zu ihnen: „Tut niemand Gewalt oder Unrecht an und seid zufrieden mit eurem Sold!“

Da wurden sie Leute fast wahnsinnig und dachten in ihren Herzen, Johannes könnte der verheißene Retter, der Christus, sein. Da antwortete Johannes: „Ich taufe euch nur mit Wasser zur Umkehr. Aber nach mir kommt ein Stärkerer, für den bin ich nicht wert genug, daß ich seine Schuhe trage. Der wird euch mit dem Geist Gottes und mit Feuer taufen. Aber er hat seine Wurfschaufel schon in der Hand: Er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln. Aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer!“

Schließlich kam Jesus aus Galiläa zu Johannes an den Jordan, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wehrte ab und sprach: „Du kommst zu mir? Es müßte doch umgedreht sein, nämlich daß ich von dir getauft würde!“ Jesus aber antwortete: „Laß es heute gut sein! Es gehört sich für uns, daß wir alle Gerechtigkeit erfüllen!“ Da ließ Johannes es schließlich zu.

Als Jesus getauft war und er wieder herauf stieg aus dem Wasser, da tat sich der Himmel auf über ihm. Und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über ihn kommen. Und eine Stimme vom Himmel herab sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ Und Jesus war, als er sein Wirken anfing, ungefähr dreißig Jahre alt. Herodes aber, der Viertelfürst, den Johannes kritisiert hatte wegen der Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen all des Übels, das er tat, ließ bald darauf  Johannes gefangen setzen (Mk 1,1-12; Mt 3; Lk 3).

 

Das Johannesevangelium beschreibt die Taufe Jesu wie folgt: Am  anderen Tag sieht Johannes Jesus zu ihm kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Dieser ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher denn ich. Und ich kannte ihn nicht. Aber ich bin ich gekommen, um mit Wasser zu taufen, damit er bekannt würde in Israel!“ Und Johannes bezeugte: „Ich sah, daß der Geist Gottes herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir:

Auf wen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist es, der mit dem heiligen Geist tauft. Und ich sah es und bezeugte, daß dieser Gottes Sohn ist (Joh 1,29-34).

 

Versuchung Jesu:

Daraufhin wurde Jesus vom Geist Gottes vom Jordan in die Wüste geführt, damit er vom Teufel versucht würde. Er aß nichts in diesen Tagen, aber nach vierzig Tagen hungerte ihn. In diesem Augenblick trat der Versucher zu ihm und sprach: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden!“ Jesus aber antwortete: „In der Bibel steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das durch den Mund Gottes geht!“

Da führte ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: „Bist du Gottes Sohn, so laß dich hier hinunter. Denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln befehlen, daß sie dich bewahren und auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt“,  Da sprach Jesus zu ihm: „Wiederum steht aber auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen!“

Da führte ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: „Das alles will ich dir geben, alle Macht und Herrlichkeit, wenn du niederfällst und mich anbetest!“  Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst allein Gott anbeten und ihm allein dienen!“   Da verließ ihn der Teufel; und die Engel traten zu ihm und dienten ihm (Mk 1,12-15; Mt 4, 1-11; Lk 4,1-14).

 

3. Die Geburt Jesu:

Lukas schreibt: Es haben schon viele versucht, Bericht zu geben von den Geschichten, die sich unter uns zugetragen haben. Mitgeteilt haben uns das diejenigen, die von Anfang alles selbst gesehen haben und „Diener des Worts“ gewesen sind. Nachdem ich alles von Anbeginn fleißig erfragte, habe ich es für gut angesehen, daß ich es dir, mein guter Theophilus, der Reihe nach schriebe, damit du die sichere Grundlage der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist.

Als Herodes König von Judäa war, lebte ein Priester mit Namen Zacharias aus der Priesterklasse Abia. Seine Frau Elisabeth gehörte zu der religiösen Gruppe der „Töchter Aarons“. Sie waren alle beide fromm vor Gott und lebten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn. Aber sie hatten kein Kind, denn Elisabeth war unfruchtbar, und waren beide hochbetagt.

Als er wieder einmal an der Reihe war, das Priesteramt auszuüben und Brandopfer durchzuführen, ging er in den Tempel des Herrn. Eine große Menge Leute war draußen und betete zurzeit des Brandopfers. Da erschien ihm der Bote des Herrn  rechts vom Räucheraltar. Als Zacharias ihn sah, erschrak er und Furcht kam in ihm hoch.

Aber der Bote sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht, Zacharias! denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn zur Welt bringen, dem sollst du den Namen Johannes geben. Und du wirst deshalb Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird noch im Mutterleibe erfüllt werden mit dem Geist Gottes. Und er wird der viele Israeliten zu Gott  bekehren. Und er wird vor dem Retter her gehen im Geist und Kraft des Elia, um zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungläubigen zu der Klugheit der Gerechten, um dem Herrn ein vorbereitetes Volk zu übergeben!“

 

Zacharias sprach zu dem Engel: „Woran soll ich erkennen, daß das alles eintrifft? Denn ich bin alt und meine Frau ist betagt!“  Der Bote antwortete ihm: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht. Ich bin gesandt, mit dir zu reden und dir dieses zu verkündigen. Du wirst verstummen und nicht reden können bis auf den Tag, da dies alles geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit!“

Das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, daß er so lange im Tempel ausblieb. Als er herausging, konnte er nicht mit ihnen reden. Da merkten sie, daß er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm. Und als seine Amtszeit vorüber war, ging er heim in sein Haus.

Nach den Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und lebte fünf Monate sehr zurückgezogen und sprach: „Das hat mir der Herr getan, als er mich angesehen hat, damit er die Schmach unter den Menschen von mir nähme!“

 

Im sechsten Monat wurde der Gottesbote Gabriel von Gott gesandt in Stadt Nazareth in Galiläa, zu einer jungen Frau, die verlobt war mit Joseph aus der Familie Davids;  und die junge Frau hieß Maria. Der Bote Gottes kam zu ihr hinein und sprach: „Sei gegrüßt, du Anmutige! Der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Frauen!“

Als sie ihn sah, erschrak sie über seine Rede und dachte: „Welch ein Gruß ist das?“ Aber der Bote Gottes  sprach zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria! du hast Gnade bei Gott gefunden. Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den sollst du Jesus nennen. Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vorfahren David geben. Und er wird ein König sein über Israel auf ewig und seine Herrschaft wird kein Ende haben!“

Da sprach Maria zu dem BotenGottes: „Wie soll das möglich sein, weil ich doch nie etwas mit einem Mann hatte?“ Der Bote Gottes antwortete ihr: „Der Geist Gottes wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.  Auch deine Freundin Elisabeth ist schwanger mit einem Sohn, obwohl sie doch schon so alt ist und man von ihr sagt, daß sie unfruchtbar sei. Aber sie ist jetzt schon im sechsten Monat. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich!“  Maria aber sprach: „Ich bin die Dienerin des Herrn, mir geschehe, wie du gesagt hast!“ Da verließ sie der Bote Gottes.

 

In diesen Tagen ging Maria eilends auf das Gebirge in die Stadt Juda  und kam in das Haus des Zacharias und grüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Und Elisabeth wurde vom Geist Gottes erfüllt und rief laut: „Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Wie kommt das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Bauch. Glücklich zu preisen bist du, die du geglaubt hast! denn es wird alles vollendet werden, was dir von dem Herrn gesagt ist!“ Maria aber sprach:

„Mein ganzes Inneres macht Gott groß,

und mein Geist freut sich über Gott, meinen Heiland.

Denn er hat die Niedrigkeit seiner Dienerin angesehen.

Von nun an werden mich alle Kindeskinder selig preisen;

denn er hat große Dinge an mir getan,

der mächtig ist und dessen Name heilig ist.

Und seine Barmherzigkeit dauert immer gegenüber denen,

die ihn fürchten.

Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut,

die hochmütig sind in ihrem Herzen.

Er stößt die Gewaltigen vom Thron und hebt die Niedrigen hoch.

Die Hungrigen sättigt er mit Gütern und läßt die Reichen leer.

Er erinnert sich an seine Barmherzigkeit und hilft Israel wieder auf,

wie er schon geredet hat zu unseren Vorfahren,

Abraham und seinen Nachkommen für ewig!“

Und Maria blieb drei Monate bei Elisabeth. Danach kehrte sie wieder heim. Als der Geburtstermin herangekommen war, brachte Elisabeth einen Sohn zur Welt. Als ihre Nachbarn und Freunde hörten, daß der Herr eine so große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, da freuten sie sich mit ihr.

Am achten Tag wollten sie das Kind in die jüdische Gemeinde aufnehmen durch die Beschneidung und hießen den Sohn nach seinem Vater Zacharias. Aber seine Mutter widersprach: „Nein, er soll Johannes heißen!“ Sie aber sprachen zu ihr: „Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt!“ Da winkten sie seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Der forderte ein Täfelchen und schrieb: „Er heißt Johannes!“ Und sie wunderten sich alle. Aber in dem Augenblick wurden sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott. Es kam aber eine Furcht über alle Nachbarn. Und die ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle, die es hörten, nahmen es sich zu Herzen und sprachen: „Was, meinst du, wird wohl aus dem Kindl werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm!“

 

Sein Vater Zacharias aber wurde vom Geist Gottes erfüllt und weissagte:

„Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Haus seines Dieners David.

So hat er schon vor langer Zeit geredet durch den Mund des Propheten:

daß er uns errettete von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit zeigte unsern Vätern und dachte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Urvater Abraham.

Er wollte uns alles geben, damit wir - erlöst aus der Hand unserer Feinde - ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, wie sie ihm gefällt.  

Und du, Kind, wirst ein Prophet des Höchsten heißen.

Du wirst vor dem Herrn her gehen, damit du seinen Weg vorbereitest und

seinem Volk zur Erkenntnis des Heils hilfst durch die Vergebung ihrer Sünden und durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch den uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe.

Er soll denen erscheinen, die sitzen in der Finsternis und im Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens!“

Und das Kind wuchs und wurde stark im Geist. Schließlich war er in der Wüste, bis er vor das Volk Israel hervortreten sollte (Lk 1).

 

Matthäus schreibt: Dies ist das Buch von der Geburt Jesu Christi, der ein Nachkomme Davids und Abrahams ist [Jetzt folgt bei Matthäus ein angeblicher Stammbaum Jesu, der mit Abraham beginnt und vor allem nachweisen will, daß Jesus ein Nachkomme des Königs David war. Lukas hat einen anderen Stammbaum Jesu erst nach der Taufe und führt die Linie von Jesus bis zu Adam].

Die Geburt Jesu geschah wie folgt: Als seine Mutter Maria mit Joseph verheiratet war, stellte sich heraus, daß sie schwanger war vom Geist Gottes, ehe Joseph sie in sein Haus geholt hatte. Joseph war aber ehrenhaft und wollte sie nicht in Schande bringen, dachte aber daran, sie heimlich zu verlassen.

Als er aber so dachte, da erschien ihm ein Bote Gottes im Traum und sprach: „Joseph, du Nachkomme Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das in ihr heranwächst, das ist vom Geist Gottes. Sie wird einen Sohn zur Welt bringen, den sollst du Jesus nennen, d.h. er wird ein Helfer sein, der sein Volk retten wird von seinen Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, wenn er spricht: „Siehe, eine junge Frau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihn Immanuel heißen, das heißt: Gott mit uns!“

Als nun Joseph aus dem Schlaf erwachte, tat er, wie ihm Bote Gottes befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Aber er hatte keinen Geschlechtsverkehr mehr mit ihr, bis sie ihren ersten Sohn zur Welt brachte. Und er gab ihm den Namen „Jesus“ (Mt 1).

[Die Vorstellung von der „Jungfrauengeburt“ war ein Bild der antiken Zeit, das immer dann verwendet wurde, wenn man eine Person als besonders herausragend kennzeichnen wollte, zum Beispiel Könige. So muß man das auch bei Jesus verstehen. Aber biologisch gesehen ist er entstanden wie jeder andere Mensch auch, Joseph ist sein leiblicher Vater. Aber das tut seiner Besonderheit keinen Abbruch, er ist auch Gottes Sohn, wenn Maria keine „Jungfrau“ war](Mt 1).

 

Lukas schreibt: Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt zur Steuerschätzung herangezogen würde. Diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, als Kyrenius Statthalter von Syrien war. Jeder ging in seine Geburtsstadt, daß er sich einschreiben ließe.

Da machte sich auch auf Joseph aus der Stadt Nazareth in Galiläa, nach Bethlehem, der Stadt Davids im jüdischen Land, weil er aus der Familie Davids war, damit er sich schätzen ließe mit seiner Frau Maria, die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Es waren aber auch Hirten in dieser Gegend auf dem Feld bei den Hürden, die hüteten in der  Nacht ihre Herde.

Da trat der Bote Gottes zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen!“ Zugleich war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“

Und als die Boten Gottes von ihnen zum Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: „Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat!“ Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kind gesagt war. Und alle, die es hörten, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten und wie n zu ihnen gesagt war (Lk 2,1-20).

 

 

 

Die Weisen aus dem Osten:

Als Jesus geboren wurde zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem im jüdischen Land, da kamen die Weisen aus dem Osten nach Jerusalem und sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Osten und sind gekommen, ihn anzubeten!“ Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Herodes versammelte alle Oberpriester und Schriftgelehrten aus dem Volk und erforschte von ihnen, wo der „Christus“ sollte geboren werden.

Sie sagten ihm: „In Bethlehem im jüdischen Land! Denn es steht geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas. Denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei!“

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und versuchte eifrig, von ihnen zu erfahren, wann der Stern erschienen wäre. Dann wies er sie nach Bethlehem und sprach: „Geht hin und forscht fleißig nach dem Kind. Und wenn ihr es findet, so sagt es mir, damit ich auch komme und es anbete!“

Als die Weisen nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Osten gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er oben über dem Stall stand, wo das Kind war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kind mit seiner Mutter Maria, und fielen nieder und beteten es an. Dann taten sie ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe [Weihrauch ist ein Harz, Myrrhe eine Pflanze]. Aber Gott befahl den Weisen im Traum, daß sie nicht wieder zu Herodes gehen sollten. Und sie zogen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land.

[Es folgt nun die Geschichte vom „Kindermord in Bethlehem“. Diese ist aber unhistorisch und soll nur erklären, weshalb Joseph und seine Familie nach Ägypten kamen, damit sich das Bibelwort erfüllen sollte, daß der Sohn Gottes aus Ägypten gerufen werden sollte, so wie schon das Volk Israel aus Ägypten ausgezogen war].

Als die Weisen weggezogen waren, da erschien der Bote Gottes dem Joseph im Traum und sprach: „Steh auf und nimm das Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten und bleib dort, bis ich es dir sage!“ Da stand er auf und nahm das Kind und seine Mutter und floh in der Nacht nach Ägypten. Er blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen!“

Als Herodes gestorben war, da erschien der Bote Gottes dem Joseph im Traum in Ägypten und sprach: „Stehe auf und zieh hin in das Land Israel!“ So ging er und wohnte in der Stadt Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: „Er soll Nazarener heißen!“ (Mt 2).

 

Aufnahme Jesu in die Gemeinde:

Als  acht Tage um waren, sollte das Kind in die jüdische Gemeinde aufgenommen werden durch die Beschneidung, da wurde ihm der Name „Jesus“ gegeben. Dieser Name war genannt worden von dem Boten Gottes, als er noch im Mutterleibe war.

Als die Tage der Reinigung nach den Vorschriften des Mose kamen, brachten sie das Kind nach Jerusalem, daß sie es (symbolisch) Gott übergaben und das vorgeschriebene Tieropfer leisteten.

Es war aber ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon. Dieser war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Geist Gottes war in ihm. Er hatte eine erhalten vom Geist Gottes, er würde  nicht sterben, ehe er nicht zuvor den Christus des Herrn gesehen hätte.

Er kam auf Anregung des Geistes in den Tempel. Als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, daß sie für ihn das täten, was man nach dem Gesetz, zu tun pflegt, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

Herr, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;

denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,

den du bereitest hast vor allen Völkern,

ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel.

Sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von dem Kind geredet wurde.

Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria: „Dieser wird eingesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden!“

Es war dort aber auch eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, die war hoch betagt und hatte sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt. Sie war jetzt eine Witwe im Alter von vierundachtzig Jahren. Die kam niemals mehr vom Tempel fort und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu in derselben Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung in Jerusalem warteten.

Als die Eltern alles vollendet hatten, wie es das Gesetz des Herrn vorschrieb, kehrten sie wieder nach Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und wurde stark im Geist und voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm (Lk 2,21-40).

 

4.  Der Anfang des Johannesevangeliums:

[Hier ist das Ende der theologischen Überlegungen erreicht. Jesus muß schon von Anfang der Welt an der Sohn Gottes gewesen sein. Wenn Johannes hier in der Sprache der Gnosis von dem „Wort“ (logos) spricht, dann meint er damit Jesus].

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.

Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam, daß er von dem Licht zeugte, damit sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.

Jesus war das wahrhaftige Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.  Es war in der Welt, und die Welt ist durch es gemacht, aber die Welt kannte es nicht. Jesus kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben.

Diese sind nicht aus Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes entstanden, sondern von Gott geboren. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

 

 

 

 

 

 

Das Leben Jesu, seine Predigt und sein Wirken

 

[Neben den Daten über Geburt und Tod Jesu sammelte man dann aber auch die Erzählungen von seinen „Wundern“, stellte seine einprägsamen Worte in „Reden“ zusammen und hielt seine „Gleichnisse“ fest.

 

Der zwölfjährige Jesus im Tempel:

Die Eltern Jesu gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Osterfest. Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie zum Fest hinauf nach Jerusalem, wie sie es gewohnt waren. Als die Festtage um waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb das Kind Jesus in Jerusalem. Seine Eltern merkten es nicht, denn sie meinten, er wäre unter ihren Gefährten. Sie kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Freunden und Bekannten. Als sie ihn aber nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den (Glaubens-) Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte und alle, die ihm zuhörten, wunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.

Als die Eltern ihn sahen, entsetzten sie sich. Seine Mutter aber sprach zu ihm: „Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!“.

Er aber sprach zu ihnen: „Weshalb habt ihr mich gesucht? Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?“ Aber sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Dann ging er aber mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und ordnete sich ihnen unter. Aber seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen (Lk 2,41-52).

 

Berufung der ersten Anhänger:

Als Jesus hörte, daß Johannes gefangen war, zog er nach Galiläa. Er ging aber nicht nach Nazareth, sondern wohnte zu Kapernaum am See Genezareth. Die Kunde von ihm erscholl bald in alle umliegenden Orte. Er predigte die frohe Botschaft vom Reich Gottes und sprach: „Die Zeit ist erfüllt und die Herrschaft  Gottes ist herbeigekommen. Ändert euer Leben und glaubt an die frohe Botschaft Gottes!“

Als Jesus am See Genezareth entlang ging, sah er zwei Brüder: Simon, der später Petrus genannt wurde, und sein Bruder Andreas. Die warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Jesus aber sprach zu ihnen: „Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!“ Und sofort verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.

Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus und seinen Bruder Johannes, die die Netze im Schiff flickten. Auch sie rief er, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern im Schiff und folgten ihm nach (Mk 1,16-20; Mt 4,12-25).

 

Berufung des Petrus:

Als Jesus am See Genezareth predigte, sah er zwei Schiffe am See stehen, die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze.  Da trat er in eines der Schiffe, das Simon gehörte, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande wegführte. Und er setzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiff.

Als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: „Fahre in die Mitte des Sees und werft eure Netze aus, daß ihr einen Fang macht!“ Simon antwortete: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen, aber auf dein Wort hin will ich das Netz auswerfen!“ Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß.

Sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff waren, daß sie kämen und ihnen beim Ziehen helfen. Die kamen auch und füllten beide Schiffe voll, so daß sie fast sanken. Als Simon Petrus das sah, fiel er vor Jesus auf die Knie und sprach: „Herr, gehe von mir weg! Ich bin ein sündiger Mensch“ Denn er und auch alle, die mit ihm waren, hatten einen fürchterlichen Schrecken bekommen, wegen dieses Fischzugs, den sie miteinander gemacht hatten. Jesus aber sprach zu Simon: „Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du Menschen fangen!" Und sie führten die Schiffe ans Land und verließen alles und folgten Jesus nach (Lk 5, 1-11)

 

Berufung des Levi (Matthäus):

Danach ging Jesus weiter und sah einen Zöllner mit Namen Levi, der auch Matthäus genannt wurde, an der Zollstation sitzen und sprach zu ihm: „Folge mir nach!“ Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach.

Zunächst aber richtete Levi ein großes Mahl zu in seinem Haus, und viele Zöllner und andere saßen mit ihm am Tisch. Als die Schriftgelehrten und Frommen sahen, daß er mit den Zöllnern und Sündern aß, sprachen sie zu seinen Anhängern: „Warum ißt und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern?“ Als Jesus das hörte, sprach er zu ihnen: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zur Umkehr zu rufen, und nicht die Gerechten!“ (Mk 2,13-17; Mt 9, 10-13).

Schließlich berief Jesus einen engeren Anhängerkreis von zwölf Männern. Ihre Namen waren: Simon (genannt Petrus) und Andreas (sein Bruder), Jakobus (Sohn des Zebedäus) und Johannes (sein Bruder), Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus (der Zöllner), Jakobus (der Sohn des Alphäus), Lebbäus (mit dem Zunamen Thaddäus), Simon von Kana und Judas Ischariot, der Jesus dann später verriet.

Diese zwölf Männer sandte Jesus und befahl ihnen: „Geht nicht auf die Straße der Andersgläubigen und zieht nicht in die Städte der Samariter. Sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Volk Israel. Geht aber und predigt: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Macht die Kranken gesund, reinigt die Hautkranken, weckt die Toten auf, treibt die Teufel aus!“

Dann fuhr Jesus fort: „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es auch. Ihr sollt nicht Gold oder Silber oder Erz in euren Gürteln haben, auch keine Tasche auf der Fahrt, auch nicht zwei Gewänder, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert. Wo ihr aber in eine Stadt oder ein Dorf geht, da erkundigt euch, ob jemand darin ist, der es wert ist. Bei dem bleibt, bis ihr von davon zieht. Wo ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es. Und wenn es das Haus wert ist, wird euer Friede auf sie kommen. Ist es aber nicht wert, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden. Und wo euch jemand nicht annehmen wird und  eure Rede nicht hören will, dann geht heraus aus dem Haus oder der Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. Ich sage euch: Dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen am Jüngsten Gericht als dieser Stadt!“

Jesus sagt aber auch ehrlich: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Deshalb seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. Hütet euch vor den Menschen, denn sie werden euch vor ihre Rathäuser zerren und werden euch geißeln in ihren Bethäusern. Man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen, damit herauskommt, wie sie und die Andersgläubigen sind. Wenn sie euch aber vor Gericht stellen werden, so sorgt nicht, wie oder was ihr reden sollt, denn es soll euch in dieser Stunde eingegeben werden, was ihr reden sollt. Denn ihr seid es dann nicht, die reden, sondern eures der Geist Gottes ist es, der durch euch redet.

Es wird aber ein Bruder den andern zum Tod überantworten und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen die Eltern und ihnen zum Tode helfen. Und ihr müßt gehaßt werden von jedermann um meines Namens willen. Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig.

Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, dann flieht in eine andere. Ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis der Gottes Sohn kommt. Der Anhänger ist nicht über seinen Meister und der Diener nicht über den Herrn. Es ist für den Anhänger genug, daß es ihm geht wie seinem Meister und dem Diener so wie seinem Herrn. Haben sie schon den Hausvater „Teufel“ geheißen, wie viel mehr werden sie seine Mitbewohner so heißen! So fürchtet euch denn nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, das es nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen werde. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht, und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern!“

Schließlich sagt Jesus dann noch: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht können töten. Fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt keiner von denen auf die Erde ohne euren Vater. Auch eure Haare auf dem Kopf sind alle gezählt. So fürchtet euch nicht, ihr seid besser als viele Sperlinge. Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen aufzustacheln gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert: Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird es verlieren. Und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.

Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt im Namen eines Propheten, der wird den Lohn eines Propheten empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt im Namen eines Gerechten, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen. Und wer einen von diesen Geringsten nur mit einem Becher kalten Wassers tränkt in eines Jüngers Namen, das wird ihm nicht unbelohnt bleiben [Hier werden schon Erfahrungen der späteren christlichen Gemeinde verarbeitet](Mk 3,14-18; Mk 6.7-13; Mt 10; Lk 6,1-19).

 

Das Johannesevangelium kennt weitere Berufungen: Am anderen Tag stand Johannes abermals und mit zwei seiner Anhänger zusammen. Und als er Jesus kommen sah, sprach er: „Siehe, das ist Gottes Lamm!“ Und die zwei Anhänger hörten ihn reden und folgten Jesu nach. Jesus aber wandte sich um und sah, wie sie hinter ihm hergingen, und sprach zu ihnen: „Was suchet ihr?“ Sie aber sprachen zu ihm: „Meister, wo bist du untergebracht?“ Er sprach zu ihnen: „Kommt und seht es!“ Sie kamen und sahen es und blieben den Tag bei ihm.

Einer von de zweien, die von Johannes hörten und Jesus nachfolgten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Der findet am ersten seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: „Wir haben den Messias gefunden!“ (das heißt übersetzt „der Gesalbte“), und führte ihn zu Jesus. Da ihn Jesus sah, sprach er: „Du bist Simon, Jonas Sohn. Du sollst Kephas („Fels“) heißen.

Am anderen Tag wollte Jesus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: „Folge mir nach!“ Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus. Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: „Wir haben den gefunden, von dem Moses und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josephs Sohn von Nazareth. Aber Nathanael sprach zu ihm: „Was kann von Nazareth Gutes kommen?“ Philippus spricht zu ihm: „Komm und sieh es!“ Jesus sah Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: „Siehe, ein rechter Israeliter, an dem kein Falsch ist!“

Nathanael spricht zu ihm: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete: „Ehe denn dich Philippus rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich!“ Nathanael antwortete: „Meister, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!“ Jesus antwortete ihm: „Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum. Du wirst noch Größeres als das sehen!“ Und er spricht zu ihm: „Ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Boten Gottes hinauf und herab fahren auf den Gottessohn (Joh 1,35-51).

 

Erste Heilungen:

Jesus kam nach Kapernaum und lehrte am Feiertag. Die Leute wunderten sich über seine Lehre; denn seine Rede war gewaltig, denn er lehrte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten. Es war aber ein Mensch im Bethaus, der war besessen von einem unsauberen Teufel. Der schrie laut: „Halt, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen uns zu verderben. Ich weiß wer du bist: der Heilige Gottes!“ Und Jesus bedrohte ihn: „Verstumme und fahre aus von ihm!“ Und der Teufel warf ihn mitten unter die Leute und fuhr von ihm aus und schrie laut und tat ihm keinen Schaden. Und es kam eine Furcht über sie alle, und redeten miteinander und sprachen: „Was ist das für ein Ding? Er gebietet mit Macht und Gewalt den unsauberen Geistern, und sie fahren aus!“

Jesus stand auf und kam in Simons Haus. Und Simons Schwiegermutter hatte ein schweres Fieber. Sie erzählen ihm von ihr und baten ihn für sie. Da trat er zu ihr und richtete sie auf und hielt sie an der Hand und befahl dem Fieber zu weichen, und es verließ sie. Und sofort stand sie auf und bediente sie. Als die Sonne untergegangen war, brachten alle, die Kranke mit mancherlei Krankheiten hatten, diese zu ihm. Und er legte auf einen jeden die Hände und machte sie gesund. Es fuhren auch die Teufel aus von vielen und schrieen: „Du bist Christus, der Sohn Gottes!“ Und er bedrohte sie und ließ sie nicht reden; denn sie wußten, daß er der Christus war.

Da es aber Tag ward, ging er hinaus an eine wüste Stätte. Die Leute suchten ihn und kamen zu ihm und hielten ihn auf, daß er nicht von ihnen ginge. Er sprach aber zu ihnen: „Ich muß auch andern Städten die frohe Botschaft verkündigen von der Herrschaft Gottes, denn dazu bin ich gesandt. Und er predigte in den Bethäusern Galiläas (Mt 8,14-17; Mt 13,53-58; Lk 4,31-44).

Dann ging Jesus umher im ganzen galiläischen Land, lehrte in den Bethäusern und predigte die frohe Botschaft von der Herrschaft Gottes und heilte allerhand Seuchen und Krankheit im Volk. Und sie brachten zu ihm allerhand Kranke,  die Besessenen, die Mondsüchtigen und die Gichtbrüchigen, und er machte sie alle gesund. Und es folgten ihm viele Leute aus Galiläa, aus den Zehn-Städten, von Jerusalem, aus dem jüdischen Lande und von jenseits des Jordans

 

In Nazareth: 

Als Jesus nach Nazareth kam, wo er aufgewachsen war, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen, schickten einen zu ihm und ließen ihn rufen, sie wollten mit ihm reden. Die Leute saßen um ihn.

Da sprach einer zu ihm: „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden!“ Er aber reckte die Hand aus über seine Anhänger und sprach zu dem, der es ihm ansagte: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Siehe da, das ist meine Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mein Bruder, Schwester und Mutter (Mt 12, 46-50; Mk 3,20-35).

 Am Feiertag ging er in das Bethaus, wie er es gewohnt war. Als er aufstand und vorlesen wollte, wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht: „Der Geist des Herrn ist bei mir, weil er mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, zu verkündigen die frohe Botschaft den Armen, zu heilen die ein zerstoßenes Herz haben, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen, und den Blinden, daß sie wieder sehen können und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, und zu verkünden das angenehme Jahr des Herrn!“

Als er die Rolle zusammenrollte, gab er sie dem Helfer und setzte sich. Und aller Augen, die im Bethaus waren, sahen auf ihn. Da fing er an, zu ihnen zu sagen: „Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!“

Alle lobten ihn und wunderten sich über die aufmunternden Worte aus seinem Mund und sprachen: „Woher kommt denn so etwas?  Und was ist für eine Weisheit, die ihm gegeben ist, und welche Taten, die durch seine Hände geschehen? Ist das nicht der Sohn Josephs und Marias, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich an ihm.

Er sprach zu ihnen: „Ihr werdet freilich zu mir das Sprichwort sagen: Arzt, hilf dir selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört, die in Kapernaum geschehen sind! Tu das auch hier in deiner Vaterstadt!“

Er sprach aber: „Kein Prophet ist angesehen in seinem Vaterland. Aber ich sage euch: Es waren viele Witwen in Israel zu Elias Zeiten, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und als eine große Teuerung war im ganzen Land. Aber zu keiner wurde Elia gesandt als allein nach Sarepta zu einer Witwe. Und viele Aussätzige waren in Israel zu Zeiten des Propheten Elisa. Aber keiner wurde von seiner Hautkrankheit gereinigt als allein Naeman aus Syrien!“  Er wunderte sich über ihren Unglauben, und er konnte dort nicht eine einzige Wohltat tun.

Als sie das hörten, wurden sie alle voll Zorns, die im Bethaus waren, und standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn auf einen Hügel des Berges, darauf ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen. Aber er ging mitten durch sie hinweg   (Mk 6,1-6; Lk 4, 15-30).

 

 

 

 

 

 

Die Verkündigung Jesu

 

Die „Bergpredigt“:

[Unter diesem Namen sind verschiedene Aussprüche Jeu zusammengefaßt worden. Die entsprechenden Aussprüche bei Lukas werden als „Feldrede“ bezeichnet. Daraus schließt man, daß hier als Quelle eine frühere Sammlung von Jesusworten vorlag, die Matthäus und Lukas außer dem Markusevangelium benutzen. Das heißt aber nicht, daß Jesu wirklich einmal eine solche kompakte „Rede“ gehalten hat]

 

Seligpreisungen:

Glücklich zu preisen sind, die arm an Glauben sind, denn ihnen gehört Gott.

Glücklich zu preisen sind, die Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.

Glücklich zu preisen sind, die hungert und dürstet, denn sie sollen satt werden.

 Glücklich zu preisen sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Glücklich zu preisen sind die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.

Glücklich zu preisen sind  die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Glücklich zu preisen sind, die wegen der Gerechtigkeit verfolgt werden, denn das Reich Gottes gehört ihnen.

Glücklich zu preisen seid ihr, die ihr hier weint, denn ihr werdet lachen Glücklich zu preisen seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Böses gegen euch, wenn sie dabei lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch bei Gott wohl belohnt werden. Denn so haben sie auch verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

 

Licht der Welt:

Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz fad wird, womit soll man salzen? Es ist in Zukunft zu nichts nütze, als daß man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Meßbecher oder unter eine Bank, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind. Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar werde, auch nichts Heimliches, das nicht kund werde und an den Tag komme. Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Das Auge ist des Leibes Leuchte. Wenn nun dein Auge hell ist, so ist dein ganzer Leib licht; so aber dein Auge ein Schelm ist, so ist auch dein Leib finster. So schaue darauf, daß nicht das Licht in dir Finsternis sei. Wenn nun dein Leib ganz licht ist, daß er kein Stück von Finsternis hat, so wird er ganz licht sein, wie wenn ein Licht mit hellem Blitz dich erleuchtet (Mk 4,21-25; Lk 8,16-18; Lk 11,33-36)

 

Das bessere Gesetz:

Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch: Bis Himmel und Erde zergehen, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein I-Punkt vom Gesetz, bis daß das alles geschehe. Wer nun eins von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Reich Gottes. Wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Reich Gottes. Ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Frommen, so werdet ihr nicht in die Herrschaft Gottes kommen.

Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: „Du sollst nicht töten. Wer aber tötet, der soll vor Gericht kommen!“ Ich aber sage euch: „Wer mit seinem Mitmenschen zürnt, der wird schon vor Gericht gestellt. Wer aber zu seinem Mitmenschen Racha sagt, der kommt vor den Rat. Wer aber sagt: Du Narr! der kommt ins höllische Feuer!“

Deshalb, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und es fällt dir dort ein, daß dein Mitmensch etwas gegen dich habe, so laß vor deine Gabe dem Altar und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Mitmenschen, und dann komm und opfere deine Gabe.

 

Sei deinem Widersacher bald zu willen, während du noch bei ihm auf dem Wege bist, damit  dich der Widersacher nicht einst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Gerichtsdiener und du wirst in den Kerker geworfen. Ich sage dir: „Du wirst nicht dort herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlt hast!“

Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen!“ Ich aber sage euch: „Wer eine Frau ansieht und sie begehrt, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.  Es ist auch gesagt: „Wer sich von seiner Frau scheiden will, der soll ihr einen Scheidebrief geben!“ Ich aber sage euch: „Wer sich von seiner Frau scheidet (es sei denn, sie habe Ehebruch begangen), der macht, daß sie die Ehe bricht. Und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe!“

Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf' es von dir. Es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verderbe, aber nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.  Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verderbe, aber nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.

Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: „Du sollst keinen falschen Eid leisten und sollst Gott deinen Eid halten!“ Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt. Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören, denn du vermagst nicht ein einziges Haar schwarz oder weiß zu machen. Eure Rede aber sei: „Ja, ja; nein, nein!“ Was darüber ist, das ist vom Übel.

 

Feindesliebe:

Ihr habt gehört, daß gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern wenn dir jemand einen Schlag gibt auf deinen rechten Backen, dem biete auch den andern hin. Wenn jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel. Wenn dich jemand drängt eine Meile zu gehen, so gehe mit ihm zwei.  Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der von dir etwas borgen will. Wer dir das deine nimmt, da fordere es nicht wieder. Tut wohl und leiht aus, ohne etwas dafür zu erhoffen, so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein, denn er ist gütig über die Undankbaren und Bösen.

Ihr habt gehört, daß gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ Ich aber sage euch: „Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vater im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Dasselbe tun doch auch die Betrüger! Und die Sünder lieben auch ihre Liebhaber! Und wenn ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich tut, was tut ihr Besonderes? Tun das nicht auch die Betrüger! Wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, so tut auch ihnen. Deshalb sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

 

Spenden:

Habt acht auf eure Spenden, daß ihr die nicht gebt, um von den Leuten gesehen zu werden, sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du Spenden gibst, sollst du das nicht vor dir herposaunen lassen, wie die Täuscher tun in den Bethäusern und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden.

 

Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin! Wenn du Spenden gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit deine Spende verborgen bleibt. Und dein Vater im Himmel, der in das Verborgene sieht, wird dir das vergelten öffentlich.

 

Beten:

Wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Täuscher, die gerne da stehen und beten in den Bethäusern und an den Ecken auf den Gassen, damit sie von den Leuten gesehen werden. Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin! Wenn du betest, so gehe in dein Zimmer und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen: Und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir das vergelten öffentlich.

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Andersgläubigen, denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen. Ihr sollt euch ihnen nicht gleichstellen. Euer Vater weiß, was ihr braucht, ehe ihr ihn bittet. Deshalb sollt ihr so beten:

Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein sind das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Denn wenn ihr den Menschen ihre Fehler vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben.

 

Dann erläutert Jesus: Wer unter euch ginge um Mitternacht zu einem Freund und spräche zu ihm: „Lieber Freund, leihe mir drei Brote, denn es ist mein Freund zu mir gekommen von der Straße, und ich habe nichts, was ich ihm vorlege!“ Und der drinnen würde antworten: „Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen, und meine Kinder sind bei mir im Zimmer. Ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben!“

Ich sage euch: „Wenn er auch nicht aufsteht und gibt ihm, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, wieviel er braucht. Und ich sage euch auch: „Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan! Denn wer da bittet, der nimmt, und wer da sucht, der findet, und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater ums Brot, der ihm einen Stein dafür biete? Und wenn  er um einen Fisch bittet, der ihm eine Schlange für den Fisch biete?

Oder wenn er um ein Ei bittet, der ihm einen Skorpion dafür biete? Wenn ihr, die ihr arg seid, könnt euren Kindern doch gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den göttlichen Geist geben denen, die ihn bitten! (Lk 11,1-13).

 

Fasten:

Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen wie die Täuscher, denn sie verstellen ihr Angesicht, damit sie vor den Leuten gut erscheinen mit ihrem Fasten. Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin! Wenn du aber fastest, so salbe deinen Kopf und wasche dein Gesicht, damit du nicht gut erscheinest vor den Leuten mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der verborgen ist. Und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir das vergelten öffentlich.

 

 

 

 

Schätze:

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und die Diebe nachgraben und sie stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.

 

Auge:

Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn dein Auge rein ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Ist aber dein Auge böse, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn aber das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!

 

Sorgen:

Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld. Deshalb sage ich euch: Sorgt nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Körper, was ihr anziehen werdet. Das Leben ist mehr als die Speise, und der Leib mehr als die Kleidung. Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht. Sie haben auch keinen Keller und keine Scheune. Aber Gott ernährt sie doch.

Seid ihr denn nicht viel mehr als die Vögel? Wer ist unter euch, der seiner Lebenslänge ein Stückchen  hinzufügen möge, auch wenn er sich darum sorgt? Wenn ihr schon dieses Geringste nicht könnt, warum sorgt ihr euch um das andere?

Und warum sorgt ihr für die Kleidung? Seht die Lilien auf dem Feld, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie keinen Stoff! Ich sage euch, daß auch der König Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht so bekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.

Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld, das doch heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, derartig kleidet, sollte er das nicht viel mehr mit euch tun, ihr Kleingläubigen? Deshalb fragt auch ihr nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und macht euch keine Unruhe. Nach dem allem trachten auch die Andersgläubigen in der Welt. Aber euer himmlischer Vater weiß wohl, daß ihr das alles braucht.

Strebt zuerst die Herrschaft Gottes und seine Gerechtigkeit an, so wird euch das alles zufallen. Deshalb sorgt nicht für den andern Morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe. Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es eurem Vater, euch die Herrschaft  zu geben. Verkauft, was ihr habt, und spendet es anderen. Macht euch Beutel, die nicht veralten, einen Schatz im Himmel, der niemals abnimmt, wo kein Dieb drankommt und den keine Motten fressen.  Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein (Parallele in Lk 12,22-34).

 

Nicht richten:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebe, so wird euch vergeben. Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch gemessen werden.

Was siehst du den Splitter im Auge deines Mitmenschen und bemerkst nicht den Balken in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen zu deinem Mitmenschen: „Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen!“ und siehe ein Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach siehe zu, wie du den Splitter aus dem Auge des Anderen ziehst!

Gebt, so wird euch gegeben. Dann wird man ein voll, gedrückt, gerüttelt und überfließend Maß in euren Schoß geben. Denn eben mit dem Maß, mit dem ihr meßt, wird man euch wieder messen.

Er sagte ihnen ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg zeigen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Schüler steht nicht über seinem Meister; erst wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen.

Es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt.  Jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn man liest nicht Feigen von den Dornen und liest nicht Trauben von den Hecken. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz seines Herzens. Wem aber das Herz voll ist, des geht der Mund über.  Was ruft ihr mich aber „Herr, Herr“, und tut nicht, was ich euch sage?

 

Weherufe:

Wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin.

Wehe euch, die ihr voll seid, denn euch wird hungern.

Weh euch, die ihr hier lachet, denn ihr werdet weinen und heulen.

Weh euch, wenn euch jedermann nach dem Munde redet!

Das Gleiche taten eure Väter den falschen Propheten auch.

Bitten:

Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn wer bittet, der empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan. Wer ist unter euch, der, wenn ihn sein Sohn bittet ums Brot, ihm einen Stein biete? Oder wenn er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? Wenn also ihr, die ihr doch arg seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!  Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten.

 

Enge Pforte:

Geht ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg zur Verdammnis ist breit, und es sind viele, die darauf gehen. Aber die Pforte ist eng und der Weg zum Leben ist schmal, und wenige sind es, die ihn finden.

 

Falsche Propheten:

Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Ein jeder guter Baum bringt gute Früchte, aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte.

Ein guter Baum kann keine bösen Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum aber, der keine guten Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

 

Den Willen Gottes tun:

Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! ins Reich Gottes kommen, sondern die den Willen meines Vaters im Himmel tun. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: „Ich habe euch noch nie erkannt, weicht alle von mir, ihr Übeltäter!“

 

Hausbau:

Wer diese meine Rede hört und tut danach, den vergleiche ich einem klugen Mann, der tief grub und den Grund des Hauses auf den Fels legte. Als nun ein Platzregen fiel und ein Gewässer kam und die Winde wehten und an das Haus stießen, fiel es doch nicht um, denn es war auf einen Felsen gegründet.

Wer aber diese meine Rede hört und tut sie nicht, der ist einem törichten Manne gleich, der sein Haus auf den Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und ein Gewässer kam und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es um, erlitt einen großen Riß und tat einen großen Fall.

Als Jesus diese Rede vollendet hatte, entsetzte sich das Volk über seine Lehre, denn er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten  (Mt 5-7; Lk 6, 20-49).

 

 

 

 

Heilungen

[Jesus hatte sicherlich eine Gabe, Krankheiten zu heilen, vor allem wenn sie auf seelischen Störungen beruhten. Aber das muß nicht heißen, daß jede Krankenheilung sich wirklich so ereignet hat. Doch durch solche Erzählungen soll gezeigt werden, daß Jesus der Herr auch über die Krankheit ist].

 

Heilung des Gichtkranken:

Als Jesus in Kapernaum war, sprach es sich herum, daß er im Hause war. Da versammelten sich bald viele - und weil nicht genug Platz war auch draußen vor der Tür - und er sagte ihnen das Wort Gottes.

Da kamen vier Männer zu ihm, die trugen einen Gichtkranken auf einer Trage herbei. Aber wegen der vielen Leute fanden sie keine Stelle, wo sie ihn hineinbrächten. Da stiegen sie auf das flache Dach, deckten es auf und ließen den Kranken mit der Trage durch die Ziegel hernieder mitten vor Jesus. Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtkranken: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“

Es waren aber einige Schriftgelehrte da, die dachten in ihrem Herzen: „Wie kann dieser eine solche Gotteslästerung aussprechen? Wer kann Sünden vergeben als allein Gott? Dieser lästert Gott!“ Als Jesus ihre Gedanken merkte, antwortete er: „Was denkt ihr in euren Herzen? Was  ist leichter: zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und gehe umher? Aber ihr sollt erkennen, daß der Gottessohn die Macht hat, Sünden zu vergeben!“

Und damit sprach er zu dem Gichtkranken: „Ich sage dir, stehe auf, nimm deine Trage und gehe heim!“  Sogleich stand er auf, nahm seine Trage und ging hinaus vor allen, so daß sie sich entsetzten und Gott priesen, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Sie sprachen: „Wir haben so seltsame Dinge noch nie gesehen!“ (Mk 2,1-12; Mt 9,1-8: Lk 5, 18-26).

 

Heilung eines Hautkranken:

Ein Aussätziger kam und bat ihn: „Herr, wenn du willst, kannst du mich wohl reinigen!“ Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: „Ich will es tun, sei gereinigt!“ Sofort wurde er von der Hautkrankheit geheilt. Jesus sprach zu ihm: „Sage es niemand, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat!“ (Mt 8, 2-4; Lk 5,12-17).

 

Heilung einer Frau mit Blutungen:

Eine Frau hatte zwölf Jahre Blutungen gehabt und hatte all ihr Vermögen an die Ärzte gewandt, und konnte von niemand geheilt werden. Die trat von hinten an Jesus heran und rührte den Saum seines Gewandes an. Denn sie hatte sich überlegt: Wenn ich nur sein Gewand anrühre, werde ich gesund.  Da drehte sich Jesus um und fragte: „Wer hat mich angerührt?“ Als sie aber alle leugneten, sprach Petrus und die mit ihm waren: „Meister, das Volk drängt und drückt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt?“ Jesus aber sprach: „Es hat mich jemand angerührt, denn ich fühle, daß eine Kraft von mir gegangen ist!“ Als die Frau sah, daß es nicht mehr verborgen war, kam sie zitternd und fiel vor Jesus nieder und verkündete vor allem Volk, weshalb sie ihn angerührt hatte und wie sie sogleich gesund geworden war. Jesus sah die Frau an und sprach: „Sei getrost, meine Tochter; dein Glaube hat dir geholfen. Gehe hin mit Frieden!“ Und die Frau wurde gesund in dieser Stunde (Mk 5,24-34; Mt 9,20-26; Lk 8,43-48).

 

Heilung der Tochter des Jairus:

Es kam ein Mann mit Namen Jairus, der ein Leiter des Bethauses war, und fiel Jesu vor die Füßen und bat ihn, er möge in sein Haus kommen. Er hatte nämlich eine einzige Tochter von zwölf Jahren, die lag in den letzten Zügen.

Als er noch redete, kam einer von seinen Leuten und sprach zu ihm: „Deine Tochter ist gestorben, bemühe den Meister nicht!“ Als Jesus das aber hörte, antwortete er ihm: „Fürchte dich nicht, glaube nur, so wird sie gesund!“

Als er aber in das Haus des Leiters kam, ließ er niemand hineingehen außer Petrus und Jakobus und Johannes und dem Vater und der Mutter des Kindes.

Als er die Pfeifer und das Getümmel der Leute sah, sprach er zu ihnen: „Geht weg, denn das Mädchen ist nicht tot, sondern es schläft. Weint nicht, sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft!“ Sie lachten über ihn, denn sie wußten wohl, daß sie gestorben war. Als aber die Leute hinausge­trieben waren, ging er hinein und ergriff das Mädchen bei der Hand und rief „ Kind, stehe auf!“   Ihr Leben kam wieder, und sie stand sofort. Und er befahl, man sollte ihr zu essen geben. Die Eltern entsetzten sich. Jesus aber gebot ihnen, daß sie niemand sagten, was geschehen war. Dennoch erscholl das Gerücht im ganzen Land (Mk 5,21-23.35-43; Mt 9, 18-19.23-26; Lk 8,40-42. 49-56).

 

Heilung eines Geisteskranken:

Sie kamen jenseits des Sees Genezareth in die Gegend der Stadt Gadara.  Als Jesus aus dem Schiff trat, lief ihm sofort aus dem Gräberfeld ein geistig verwirrter Mensch entgegen. Niemand konnte ihn zähmen, niemand konnte ihn binden, auch nicht mit Ketten, denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen, und hatte die Ketten abgerissen und die Fesseln zerrieben. Er zog keine Kleider an und blieb in keinem Hause, sondern war allezeit - Tag und Nacht - auf den Bergen und in den Gräbern, schrie und schlug sich mit Steinen.

Als er aber Jesus von ferne sah, lief er hin und fiel vor ihm nieder, schrie laut: „Was habe ich mit dir zu tun, o Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, daß du mich nicht quälst!“ denn Jesus hatte zu ihm gesagt:“ „Fahre heraus dem Menschen, du unsauberer Geist!“ Und er fragte ihn: „Wie heißt du?“ Er antwortete und sprach: „Legion heiße ich, denn wir sind viele!“Und er bat ihn sehr, daß er sie nicht aus der Gegend triebe und sie nicht in die Tiefe fahren lasse.

 

 

Es war aber dort an den Bergen eine große Herde Schweine auf der Weide. Da baten ihn alle Teufel: „Laß uns in die Schweine fahren!“ Jesus erlaubte es ihnen sofort.

Da fuhren die unsauberen Geister aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich von dem Abhang in den See, wo sie ertranken. Die Schweinehirten aber flohen und verkündeten alles in der Stadt und auf dem Lande. Und viele gingen hinaus, um zu sehen, was dort geschehen war. Sie kamen zu Jesus und sahen den, der von den Teufeln besessen war. Er saß jetzt da und war bekleidet und vernünftig. Und sie fürchteten sich.

Die aber alles gesehen hatten, sagten ihnen, was dem Besessenen widerfahren war, und das von den Schweinen. Sie baten ihn, daß er aus ihrer Gegend wegzöge, denn es war eine große Furcht über sie gekommen. Als Jesus in das Schiff trat, sagte ihm der Geheilte, daß er bei ihm bleiben möchte. Aber Jesus ließ es nicht zu, sondern sprach zu ihm: „Gehe hin in dein Haus und zu den Deinen und verkünde ihnen, wie große Wohltat dir der Herr getan und sich deiner erbarmt hat!“ Er ging hin und fing an, auszurufen in den zehn Städten, wie große Wohltat ihm Jesus getan hatte. Und jedermann wunderte sich (Mk 5,1-20; Mt 8,28-34; Lk 8,26-39).

 

Heilung eines Stummen:

Sie da brachten zu Jesus einen Menschen, der war stumm und geistesgestört. Als aber der  Teufel ausgetrieben war, redete der Stumme. Das Volk wunderte sich und sprach: „So etwas ist noch nie in Israel gesehen worden!“ Aber die Frommen sprachen: „Er treibt die Teufel aus durch den Obersten der Teufel!“ (Mt 9,32-34)

 

Heilung eines Mondsüchtigen:

Ein Mensch trat zu Jesus und fiel ihm zu Füßen und sprach: „Herr, erbarme dich über meinen Sohn, denn er ist mondsüchtig und hat ein schweres Leiden: Er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser. Ich habe ihn zu deinen Anhängern gebracht, und sie konnten ihm nicht helfen!“ Jesus aber antwortete: „O du ungläubige und verkehrte Art, wie lange soll ich noch bei euch sein? Wie lange soll ich euch dulden? Bringt ihn hierher!“ Jesus bedrohte ihn, und der Teufel fuhr aus von ihm, und der Knabe wurde gesund in der gleichen Stunde.

Da traten seine Anhänger zu ihm  und sprachen: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“ Jesus antwortete: „Wegen eures Unglaubens. Denn ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von hier nach dort! so wird er sich heben, und euch wird nichts unmöglich sein. Aber diese Art fährt nicht anders aus als durch Beten und Fasten (Mt 17,14-21).

[Lukas hat das Wort vom [Senfkorn in einem anderen Zusammenhang: Die Anhänger sprachen zum Herrn: „Stärke uns den Glauben!“ Der Herr aber sprach: „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn und sagt zu diesem Maulbeerbaum: ‚Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!‘ so wird er euch gehorsam sein (Lk 17,6)].

 

Heilung eines Epileptikers:

Jesus kam zu seinen Jüngern und sah viele Leute um sie und Schriftgelehrte, die sich mit ihnen stritten.  Als alle ihn sahen, entsetzten sie sich, liefen herzu und grüßten ihn. Jesus fragte die Schriftgelehrten: „Was streitet ihr euch mit ihnen?“ Einer von den Leuten antwortete: „Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, da reißt er ihn, und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und verdorrt. Ich habe mit deinen Anhängern geredet, damit sie ihn austrieben, aber sie können es nicht!“

 

Jesus antwortete ihm: „O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch tragen? Bringet ihn her zu mir!“ Und sie brachten ihn her zu ihm. Und sofort, als ihn der Geist sah, riß er ihn um und er fiel auf die Erde und wälzte sich und Schaum trat vor seinen Mund.

Jesus fragte seinen Vater: „Wie lange widerfährt ihm das schon?“ Er sprach: „Von Kind auf.  Und oft hat er ihn in Feuer und Wasser geworfen, damit er ihn umbrächte. Kannst du aber was, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Wenn du könntest glauben! Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt!“ Sogleich schrie der Vater des Kindes und weinte und sprach: „Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben!“

Als nun Jesus sah, daß die Leute herbeiliefen, bedrohte er den unsauberen Geist und sprach zu ihm: „Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir, daß du von ihm ausfährst und fährst in Zukunft nicht in ihn!“

 Da schrie er und riß ihn sehr und fuhr aus. Es schien, als wäre der Sohn tot, so daß auch viele sagten: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn an der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. Es entsetzten sich aber alle über die Herrlichkeit Gottes.

Als er heimkam, fragten ihn seine Jünger: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“ Er sprach: „Diese Art kann mit nichts ausfahren als durch Beten und Fasten (Mk 9,14-28: Lk 9,37-45).

[Die Frage nach dem Unglauben erscheint in zwei verschiedenen Heilungsgeschichten. Das zeigt, daß im Laufe der Zeit die Erinnerung verblaßte und die Rede Jesu unterschiedlich eingeordnet wurde. Das ändert aber nichts daran, daß diese Worte tatsächlich von Jesus gesprochen wurden].  

 

Hauptmann von Kapernaum:

Als Jesus nach Kapernaum hinein ging, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn: „Herr, mein Untergebener, der mir sehr viel wert ist, liegt zu Hause und hat Gicht und hat große Qual!“

Jesus sprach zu ihm: „Ich will kommen und ihn gesund machen!“ Der Hauptmann antwortete: „Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst, aber sprich nur ein Wort, so wird mein Untergebener gesund. Denn ich bin ein Mensch, meinen Vorgesetzen untergeben, und habe wiederum unter mir Soldaten. Und wenn ich zu einem sage: Gehe hin! so geht er; und zum andern: Komm her! so kommt er; und zu meinem Untergebenen: Tu das! so tut er es!“

Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: „Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden! Aber ich sage euch auch: Viele werden kommen vom Osten und vom Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Reich der Himmel sitzen. Aber die Kinder des Reiches werden ausgestoßen in die Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappen!“

Und zu dem Hauptmann Jesus sprach: „Gehe hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast!“ Und sein Untergebener wurde gesund in der gleichen Stunde (Mt 8,5-13; bei Lukas (Lk 7,1-10) wird noch vorgeschaltet, daß die Ältesten der Juden die Bitte vorbringen und sich für den Hauptmann einsetzen, weil er das Volk der Juden lieb hat und das Bethaus für sie hat bauen lassen

 

Heilung der Syrerin:

Eine griechische Frau aus Syrophönizien hatte von Jesus gehört. Ihre Tochter war geistig behindert. Sie kam und fiel vor Jesus nieder und sie bat ihn: „Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt!“ Er antwortete ihr aber kein Wort. Da traten zu ihm seine Anhänger und  baten ihn: „Schick sie doch fort, denn sie schreit uns nach!“

Da antwortete er: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Volkes Israel!“ Die Frau kam aber und fiel erneut vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!“

Jesus aber sprach zu ihr: „Laß zuvor die Kinder satt werden, denn es ist nicht fein, daß man das Brot der Kinder nehme und werfe es vor die Hunde!“ Sie antwortete aber: „Ja, Herr. Aber doch essen die Hunde von den Brotkrumen,  die von ihrer Herren Tisch fallen!“ Jesus sprach zu ihr: „O Frau, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst. Um dieses Wortes willen gehe hin; der Teufel ist von deiner Tochter ausgefahren!“ Und sie ging hin in ihr Haus und fand, daß der Teufel ausgefahren war und die Tochter lag auf dem Bett ((Mt 15,21-31; Mk 7,25-30).

 

Heilung eines Taubstummen:

Am See Genezareth, mitten in das Gebiet der zehn Städte, brachten sie einen Tauben, der auch stumm war, zu ihm und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte.

Jesus nahm ihn besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte und rührte seine Zunge an und sah auf zum Himmel, seufzte und sprach zu ihm: „Hephatha!“ das heißt „Tu dich auf!“ Sogleich taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge war los, und er redete wieder  richtig .Aber Jesusverbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: „Er hat alles wohl gemacht: Die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend (Mk 7,31-37).

 

Heilung eines Blinden:

Jesus kam nach Bethsaida. Die Leute  brachten einen Blinden zu ihm und baten ihn, daß er ihn anrührte. Er nahm den Blinden an der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf. Dort spuckte er in seine Augen und legte seine Hände auf ihn und fragte ihn, ob er etwas sähe?

Der Mann sah auf und sprach: „Ich sehe Menschen gehen, als sähe ich Bäume!“ Danach legte Jesus abermals die Hände auf die Augen des Mannes und forderte ihn auf, noch einmal zu sehen: Jetzt wurde er wieder zurechtgebracht, so daß er alles scharf sehen konnte. Jesus schickte ihn heim und sprach: „Geh nicht hinein in das Dorf und sage es auch niemand drinnen (Mk 8,22-26)

 

Heilung zweier Blinder:

Zwei Blinde folgten Jesus, die schrieen: „Ach, du Nachkomme Davids, erbarme dich unser!“ Und als er heimkam, traten die Blinden zu ihm. Jesus sprach zu ihnen: „Glaubt ihr, daß ich euch das tun kann, was ihr wollt?“ Da sprachen sie zu ihm: „Herr, ja!“ Da rührte er ihre Augen an und sprach: „Euch geschehe, wie ihr geglaubt habt!“ Und ihre Augen wurden geöffnet. Aber Jesus bedrohte sie: „Seht zu, daß es niemand erfahre!“ Aber sie gingen aus und machten ihn bekannt im ganzen Lande (Mt 9,27-31).

 

Heilung zweier anderer Blinder:

Als sie von Jericho auszogen, folgte ihm viel Volks nach. Da saßen zwei Blinde am Weg. Als sie hörten, daß Jesus vorüberging, schrieen sie und sprachen: „Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!“ Aber die Leute bedrohten sie, daß sie schweigen sollten. Aber sie schrieen noch mehr und sprachen: „Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!“ Jesus aber stand still und rief sie: „Was wollt ihr, daß ich euch tun soll?“ Sie sprachen zu ihm: „Herr, daß unsere Augen aufgetan werden!“ Jesus hatte Mitleid mit ihnen, sie jammerten ihn,  und er rührte ihre Augen an. Sogleich wurden ihre Augen wieder sehend, und sie folgten ihm nach (Mt 20,29-34; bei Lk 18,1-43 ist es nur ein Blinder).

Heilung des blinden Bartimäus:

Als Jesus und seine Anhänger und viele andere Leute aus Jericho gingen, da saß ein Blinder am Weg und bettelte. Es war Bartimäus, der Sohn des Timäus. Als er hörte, daß Jesus von Nazareth vorbeiging, fing er an zu schreien: „Jesus, du Nachkomme Davids, erbarme dich meiner!“ Viele bedrohten ihn, er sollte stillschweigen. Er aber schrie viel mehr: „Du Nachkomme Davids, erbarme dich meiner!“ Jesus stand still und ließ ihn rufen. Sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: „Sei getrost! Stehe auf, er ruft dich!“ Er warf sein Gewand von sich, stand auf und kam zu Jesus. Jesus antwortete: „Was willst du, daß ich dir tun soll?“ Der Blinde sprach zu ihm: „Meister, daß ich sehend werde!“ Jesus sprach zu ihm: „Gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen!“ Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Weg (Mk 10, 46-52).

 

Junger Mann in Nain:

Als Jesus in eine Stadt mit Namen Nain ging und viele seiner Anhänger und viele andere Leute gingen mit ihm. Als er aber nahe an das Stadttor kam, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war. Sie war eine Witwe, und viele Leute aus der Stadt gingen mit ihr.

Als sie Jesus sah, tat sie ihm leid, und er sprach zu ihr: „Weine nicht!“ Und er trat hinzu und rührte den Sarg an. Die Träger hielten an. Jesus sprach: „Junge, ich sage dir, stehe auf!“ Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden. Und Jesus gab ihn seiner Mutter. Sie begannen sich alle zu fürchten und sie priesen Gott und sprachen: „Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk besucht!“ (Lk 7,1-17).

 

Zusammenfassung:

Jesus entwich mit seinen Anhängern an den See Genezareth. Viele Leute folgten ihm nach aus Galiläa und aus Judäa und von Jerusalem und aus Idumäa und von jenseits des Jordans, und aus der Gegend von Tyrus und Sidon. Es war eine große Menge, die seine Taten hörten, und sie kamen zu ihm. Und er sprach zu seinen Anhängern daß sie ihm ein Boot bereit hielten wegen der Leute, daß sie ihn nicht drängten.   Denn er heilte viele von ihnen, ihn überfielen alle, die geplagt waren, damit sie ihn anrührten. Und wenn ihn die unsauberen Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder, schrieen: „Du bist Gottes Sohn!“ Aber er bedrohte sie hart, daß sie ihn nicht öffentlich machten. Dann ging er auf einen Berg und rief zu sich, wen er wollte, und sie gingen hin zu ihm (Mk 3,7-13).

 

 

 

 

 

 

Naturwunder

[Aus den Heilungen hat man geschlossen, daß Jesus auch der Herr über die Natur sein müsse.  Außerdem war er als der Sohn Gottes ja auch der Schöpfer. Diese Glaubensaussage soll durch solche Geschichten untermalt werden, aber das muß nicht heißen, daß jede Geschichte sich tatsächlich zu ereignet hat]

 

 

Stillung des Seesturms:

Jesus trat in ein Schiff, und seine Anhänger folgten ihm. Da erhob sich ein großes Ungestüm im Meer, so daß auch das Boot mit Wellen bedeckt wurde. Jesus aber schlief hinten auf dem Schiff auf einem Kissen. Die Anhänger traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: „Herr, hilf uns, wir verderben!“ Da sagte er zu ihnen: „Ihr Kleingläubigen, warum fürchtet ihr euch so? Habt ihr keinen Glauben?“ Und er stand auf und bedrohte den Wind und das Wasser. Da wurde es ganz stille. Die Menschen aber wunderten sich und sprachen: „Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam sind?“ (Mt 8,23-27; Mk 4,35-41; Lk 8,22-25).

 

Gang auf dem See:

Als Jesus wieder einmal am See Genezareth war, trieb er seine Anhänger an, daß sie in das Boot träten und vor ihm hinüberführen nach der Stadt Bethsaida. Er selbst aber stieg allein auf einen Berg, um zu beten. Die Anhänger waren mit dem Boot schon mitten auf dem See. Sie litten Not wegen der Wellen, denn der Wind blies ihnen entgegen.

Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer und wollte an ihnen vorübergehen. Als ihn die Jünger auf dem See gehen sahen, erschraken sie und sprachen: „Es ist ein Gespenst! und sie schrieen vor Furcht!“ Jesus aber redete sogleich mit ihnen: „Seid getrost! Ich bin es doch, fürchtet euch nicht!“

 Petrus aber antwortete ihm: „Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser!“ Jesus sprach: „Komm her!“ Petrus trat aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, damit er zu Jesu käme. Dann sah er aber einen starken Wind, erschrak er und fing an zu sinken und schrie: „Herr, hilf mir!“ Jesus reckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: „O du Kleingläubiger, warum zweifeltest du?“ Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich.

Die aber im Schiff waren entsetzten sich aber und verwunderten sich über die Maßen. Sie kamen und fielen vor Jesus nieder und sprachen: „Du bist wahrhaftig der Sohn Gottes!“ Dann fuhren sie mit dem Boot über den See und kamen in das Land Genezareth (Mt 14, 23-36; Mk 6,45-56).

 

Speisung der Fünftausend:

Jesus und seine Anhänger fuhren mit seinen mit einem Boot an eine einsame Stelle. Die Leute sahen sie wegfahren und liefen zu Fuß um den See herum und kamen ihnen zuvor. Als Jesus ausstieg und die große Menge sah, taten sie ihm leid, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten hatten.

Als nun der Tag fast um war, traten seine Anhänger zu ihm und sprachen: „Dies ist eine Wüste, und die Nacht fällt herein. Entlasse die Leute, damit sie hin in die Dörfer und Märkte gehen und kaufen sich Brot, denn sie haben nichts zu essen!“

Jesus taten die Leute leid, denn sie hatten schon drei Tage bei ihm ausgeharrt und hatten nichts zu essen. Wenn er sie ohne Essen heim gehen ließe, würden sie auf dem Weg verhungern,  denn einige waren von fern gekommen.

Deshalb  sagte er zu seinen Anhängern: „Das ist gar nicht nötig, daß sie hingehen. Gebt ihr ihnen zu essen!“ Sie sprachen zu ihm: „Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste? Sollen wir denn hingehen und Brot kaufen und ihnen zu essen geben?“

Er aber sprach zu ihnen: „Wieviele Brote habt ihr? Geht hin und seht!“ Als sie es erfragt hatten, sprachen sie: „Fünf Brote und zwei Fische!“ Er sprach: „Bringt sie mir her!“ Dann befahl er ihnen, daß sie sich alle lagerten, tischweise, auf das grüne Gras.

Jesus er nahm die sieben Brote, sah auf zum Himmel und dankte und brach sie und gab sie seinen Anhängern, damit sie die Brote den Leuten vorlegten. Die Jünger gaben sie dem Volk.

Und die zwei Fische teilte er in gleicher Weise unter sie alle. Sie aßen alle und wurden satt. Schließlich hoben sie die Brocken auf, zwölf Körbe voll, dazu auch noch etwas von den Fischen.   Die aber gegessen hatten waren, waren etwa fünftausend Mann, ohne Frauen und Kinder (Mt 14, 14-22; Mt 15,32-39; Mk 6,35-44; Mk 8, 1-10; Lk 9,10-17)

 

Das Johannesevangelium beschreibt die Speisung der Fünftausend wie folgt: Jesus fuhr davon über den See an der Stadt Tiberias in Galiläa. Es zogen ihm viele Leute nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Anhängern. Das jüdische Paasahfest war nahe. Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: „Wo kaufen wir Brot, daß diese zu essen haben?“ (Das sagte er aber, um Philippus zu versuchen; denn er wußte wohl, was er tun wollte). Philippus antwortete ihm: „Für zweihundert Geldstücke Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeder unter ihnen ein wenig nehme!“

Da spricht zu ihm Andreas, der Bruder des Simon Petrus: „Es ist ein Junge hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das unter so viele?“ Jesus aber sprach: Macht, daß die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich an die fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Anhängern, und diese gaben sie denen, die, die sich gelagert hatten. So machten sie es auch mit von den Fischen und gaben ihnen  soviel sie wollten.

Als sie aber satt waren, sprach Jesus zu seinen Anhängern: „Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt!“ Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die übrig geblieben waren von denen, die gespeist worden waren.

Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: „Das ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll!“ Als Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn ergreifen, damit ihn zum König machten, entwich er abermals auf den Berg, er selbst allein (Joh 6,1-16).

 

Zusammenfassung:

Jesus ging umher in alle Städte und Märkte, lehrte in den Bethäusern und predigte die frohe Botschaft von der Herrschaft Gottes und heilte allerlei Seuche und allerlei Krankheit im Volk.

Und als er das Volk sah, jammerte ihn dasselbe, denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Anhängern: „Die Ernte ist groß, aber die Arbeiter sind wenige. Deshalb bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende (Mk 6,29; Mt 9,35-38).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wende im Wirken Jesu

 

Johannes der Täufer:

Als Johannes im Gefängnis von den Taten Jesu hörte, sandte er zwei seiner Jünger und ließ ihm sagen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Jesus antwortete: „Geht hin und sagt Johannes, was ihr seht und hört: Blinde sehen und Lahmen gehen, Aussätzigen werden rein und Taube hören, Toten stehen auf und den Armen wird die  frohe Botschaft gepredigt, und selig ist, der sich nicht an mir ärgert!“

Als die wieder gingen, sprach Jesus zu den Leuten von Johannes: „Was wolltet ihr sehen, als ihr hinausgegangen seid in die Wüste? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt? Oder wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Seht, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige. Oder wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, er ist mehr ist als ein Prophet. Von  steht geschrieben: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll! Ich sage euch: Unter allen Geborenen sind gibt es keinen, der größer ist als Johannes der Täufer. Aber der Kleinste in der Herrschaft Gottes ist aber größer als er!“

Dann fuhr Jesus fort: „Von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher leidet die Herrschaft Gottes Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen sie an sich. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis zu Johannes. Wenn ihr es glauben wollt: Er ist der wiedergekommene Elia! Wer Ohren hat, zu hören, der höre! Mit wem soll ich aber diese Generation vergleichen? Sie ist den Kindern gleich, die am Markt sitzen und rufen ihren Kameraden zu: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen. Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht. Aber sie sagen: Er hat den Teufel! Der Gottessohn ist gekommen, ißt und trinkt. Da sagen sie: Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer, der Freund der Zöllner und der Sünder! So muß die Weisheit sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern!“(Mt 11,1-19; Lk 7, 18-35).

 

Das Johannesevangelium schreibt von Johannes dem Täufer: Johannes sagte von Jesus: „Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen außerdem dem einzigen Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündet!“

Dies ist die Aussage des Johannes, als die Juden sandten Priester und Gottesdiensthelfer von Jerusalem, daß sie ihn fragten: „Wer bist du?“ Und er leugnete nicht und bekannte: „Ich bin nicht Christus!“ Sie fragten ihn: „Wer denn? Bist du Elia?“ Er sprach: „Ich bin es nicht!“ „ Bist du der Prophet?“ Und er antwortete: „Nein!“ Da sprachen sie zu ihm: „Wer bist du denn? Damit wir denen Antwort geben, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?“ Er sprach: „Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn! wie der Prophet Jesaja gesagt hat!“

Die gesandt waren von den Frommen fragten ihn: „Warum taufst du denn, wenn du nicht Christus bist noch Elia noch der Prophet?“ Johannes antwortete ihnen: „Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der ist es, der nach mir kommen wird, der vor mir gewesen ist, gegenüber dem ich es nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse!“ Dies geschah jenseits des Jordans, wo Johannes taufte (Joh 1, 15-28).

 

 

Tod Johannes des Täufers:

Eines Tages hörte der Viertelfürst Herodes von Jesus. Einige meinten: „Er ist Elia!“ Andere aber sagten: „Er ist ein Prophet oder einer von den Propheten!“ Als das aber Herodes hörte, sprach er zu seinen Leuten: „Das ist Johannes der Täufer, den ich enthauptet habe. Er ist von den Toten auferstanden, deshalb tut er solche Taten!“

Herodes hatte Johannes gegriffen und in das Gefängnis geworfen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: „Es ist nicht recht, daß du sie als Frau hast!“ Deshalb stellte Herodias ihm nach und wollte ihn töten konnte es aber nicht. Herodes aber fürchtete Johannes; denn er wußte, daß er ein frommer und heiliger Mann war. Deshalb verwahrte er ihn nur und gehorchte ihm in vielen Sachen und hörte ihn ganz gern.

Als Herodes aber den Jahrestag seines Regierungsantritts mit einem Abendessen für die Obersten und Hauptleute und Vornehmsten in Galiläa beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel Herodes sehr gut. Deshalb versprach er ihr mit einem Eid, er wollte ihr geben, was sie fordern würde, bis zur Hälfte seines Königreichs.

Und wie sie vorher von ihrer Mutter angestiftet worden war, sprach sie: „Gib mir jetzt sofort auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers!“ Da wurde der König traurig. Doch wegen des Eides und wegen denen, die mit ihm zu Tische saßen, befahl er, es ihr zu geben. Er schickte den Henker hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. Und sein Kopf wurde hergetragen in einer Schüssel und dem Mädchen gegeben. Und sie brachte ihn ihrer Mutter.

Da kamen die Anhänger des Johannes und nahmen seinen Körper und begruben ihn. Dann gingen sie und verkündeten es Jesus. Als Jesus das hörte, ging er von dort auf einem Schiff in eine Wüste (Mk 6,14-28; Mt 14,1-13; Lk 9,7-9).

 

Bekenntnis des Petrus in Cäsarea:

Jesus ging aus mit seinen Anhängern in die Märkte der Stadt Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte er seine Jünger: „Wer sagen die Leute, daß ich sei?“ Sie antworteten: „Sie sagen du seist Johannes der Täufer; einige sagen, du seist Elia; einige, du seist einer der Propheten!“ Er sprach zu ihnen: „Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin?“ Da antwortete Petrus: „Du bist Christus, der Gesalbte!“

Jesus antwortete: „Glücklich zu preisen bist du, Simon, Sohn des Jona. Denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir des Himmelsreichs Schlüssel geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein!“ Aber er bedrohte sie, daß sie niemand etwas über ihn sagen sollten, daß er, der Christus wäre (Mt 16,13-20; Mk 8,27-30; Lk 9,18-21).

Das Johannesevangelium schildert den Vorgang wie folgt: Jesus sprach zu den zwölf engsten Anhängern: „Wollt ihr auch weggehen?“ Da antwortete ihm Simon Petrus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Jesus antwortete ihnen: „Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Aber einer von euch ist ein Teufel!“ Er redete aber von dem Judas Ischariot, Simons Sohn. Der verriet ihn hernach, und war einer der Zwölf (Joh 6,66 -71).

 

 

 

 

Aussendung der siebzig Anhänger:

Eines Tages wählte Jesus siebzig weitere Anhänger aus und sandte sie je zwei und zwei vor ihm her in alle Städte und Orte, wo er hinkommen wollte, und sprach zu ihnen: „Die Ernte ist groß, es sind aber wenige Arbeiter. Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in seine Ernte. Geht hin, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. Tragt keinen Beutel noch Tasche noch Schuhe. Es soll auch keiner zwei Gewänder haben. Und grüßt niemand auf der Straße. Wo ihr in ein Haus kommt, da sprecht zuerst: Friede sei in diesem Hause! Wenn dort ein Anhänger des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm beruhen; wenn aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.     

In dem Haus aber bleibt, eßt und trinkt, was sie haben, denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Ihr sollt nicht von einem Haus zum anderen gehen. Und wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, da eßt, was euch vorgetragen wird, und heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Die Herrschaft Gottes ist nahe zu euch gekommen.  Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, wo sie euch nicht aufnehmen, da geht heraus auf ihre Gassen und sprecht: Auch den Staub, der sich an uns gehängt hat von eurer Stadt, schlagen wir ab auf euch. Doch ihr sollt wissen, daß euch die Herrschaft Gottes nahe gewesen ist. Ich sage euch aber: Es wird Sodom erträglicher gehen an jenem Tage als dieser Stadt.

Weh dir Stadt Chorazin! Weh dir Stadt Bethsaida! Denn wären solche Taten zu Tyrus oder Sidon geschehen, die bei euch geschehen sind, sie hätten beizeiten im Sack und in der Asche gesessen und wären umgekehrt. Doch es wird Tyrus und Sidon im Gericht erträglicher gehen als euch.  Und du, Stadt Kapernaum, die du bis an den Himmel erhoben bist, du wirst in die Hölle hinunter gestoßen werden. Wer euch hört, der hört mich. Wer euch verachtet, der verachtet mich. Wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat!“

Die Siebzig aber kamen wieder zurück mit Freuden und sprachen: „Herr, es sind uns auch die Teufel gefügig in deinem Namen!“ Da sprach noch zu ihnen: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie ein Blitz. Ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione. Ich habe euch Macht gegeben über alle Gewalt des Feindes. Nichts wird euch mehr beschädigen. Doch darüber freut euch nicht, daß euch die Geister gefügig sind. Freut euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Im gleichen Augenblick freute sich Jesus im Geist und sprach: „Ich preise dich, Vater und Herr des Himmels und der Erde, daß du das alles verborgen hast den Weisen und Klugen, und hast es offenbart den Unmündigen. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Es ist mir alles übergeben von meinem Vater. Und niemand weiß, wer der Sohn ist  oder wer der Vater ist. Nur der Vater und der Sohn wissen es  und wem der Sohn es offenbaren will!“.

Dann wandte er sich zu seinen Anhängern und sprach sie besonders an: „Selig sind die Augen, die da sehen, was ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und hören, was ihr höre, und haben es nicht gehört! Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: Ich will euch er­quicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir. Denn ich bin sanftmütig und von Herzen de­mütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht (Mt 11,20-30; Lk 9,1-6;

Lk 10,1-24).

 

 

 

Hochzeit zu Kana:   Am dritten Tag wurde eine Hochzeit in Kana in Galiläa gehalten. Die Mutter Jesu war auch da. Jesus und seine Anhänger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Als es an Wein fehlte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr!“ Jesus spricht zu ihr: „Frau, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“ Seine Mutter spricht zu den Angestellten: „Was er euch sagt, das tut!“

Es waren aber dort sechs steinerne Wasserkrüge entsprechend den jüdischen Reinigungs­vorschriften, und es gingen in jeden zwanzig oder dreißig Liter. Jesus spricht zu ihnen: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“ Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: „Schöpft nun und bringt es dem Leiter des Essens!“ Und sie brachten es. Als aber der Leiter den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, woher er kam, ruft er den Bräutigam und spricht zu ihm: „Jeder gibt zum ersten guten Wein, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren… Du hast den guten Wein bisher behalten!“ Das ist das erste Wunder („Zeichen“), das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und machte seine Herrlichkeit offenbar. Und seine Anhänger glaubten an ihn (Joh 2,1-11).

 

Heilung des Sohns des königlichen Angestellten:   

Nach zwei Tagen zog Jesus nach Galiläa. Denn Jesus selber machte die Feststellung, daß ein Prophet daheim nichts gilt. Als er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, die alles gesehen hatten, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte, denn sie waren auch zum Fest gekommen. Und Jesus kam erneut nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte.

Dort war ein Angestellter des Königs, dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Dieser hörte, daß Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinabkäme und seinem Sohn helfe, denn der war todkrank. Jesus sprach zu ihm: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht!“

Der Vater sprach zu ihm: „Herr, komm hinab, ehe mein Kind stirbt!“ Jesus spricht zu ihm: „Gehe hin, dein Sohn lebt!“ Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und als er hinabging, begegneten ihm seine Leute und teilten ihm mit: „Dein Kind lebt!“

Da erfragte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit dem Sohn geworden war. Sie sprachen zu ihm: „Gestern, etwa eine Stunde nach Mittag, verließ ihn das Fieber!“ Da merkte der Vater, daß es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: „Dein Sohn lebt!“ Und er wurde gläubig mit seiner ganzen Familie. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam (Joh 4,43-54).

 

Heilung am Teich Bethesda

Es war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. Es ist aber in Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der heißt auf Hebräisch „Bethesda“ und hat fünf Hallen. In dem lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdorrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte. Von Zeit zu Zeit kam nämlich ein Bote Gottes in den Teich und bewegte das Wasser. Wer nun zuerst hineinstieg, nachdem das Wasser bewegt war, wurde er gesund, ganz gleich mit welcher Krankheit er behaftet war.

Es war aber dort ein Mensch, der achtunddreißig Jahre lang krank gelegen hatte.

Als Jesus ihn liegen sah und vernahm, daß er so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: „Willst du gesund werden?“ Der Kranke antwortete ihm: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich lasse, wenn das Wasser sich bewegt.  Wenn ich komme, so steigt ein anderer vor mir hinein!“ Jesus spricht zu ihm: „Steh auf, nimm deine Liege und geh hin!“ Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm seine  Liege und ging hin.

Es war aber an diesem Tag der Feiertag („Sabbat“). Da sprachen die Juden zu dem, der geheilt worden war: „Es ist heute Feiertag. Da gehört es sich nicht, die Liege zu tragen!“ Er antwortete ihnen: „Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm dein Bett und gehe hin!“ Da fragten sie ihn: „Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und gehe hin!? Der aber geheilt worden war, wußte nicht, wer es war, denn Jesus war entflohen, weil so viele Leute an dem Ort waren.

Danach fand Jesus ihn im Tempel und sprach zu ihm: „Siehe zu, du bist gesund geworden. Sündige in Zukunft nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre!“ Der Mensch ging hin und verkündete es den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe.

Deshalb verfolgten die Juden Jesus undversuchten ihn zu töten, weil er so etwas getan hatte am Feiertag.   Jesus aber antwortete ihnen: „Mein Vater wirkt bisher, und ich wirke auch!“ Deshalb strebten die Juden immer mehr danach, daß sie ihn töteten, weil er nicht allein den Feiertag brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte sich damit selbst Gott gleich (Joh, 5,1-18).

 

Gang auf dem See:  

Am Abend gingen die Anhänger hinab an das Meer und traten in das Boot und kamen über den See nach Kapernaum. Es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen. Und der See wurde stürmisch von einem großen Wind.

Als sie nun eine gewisse Strecke gerudert hatten, sahen sie Jesus auf dem See gehen und nahe zum Boot kommen; und sie fürchteten sich. Er aber sprach zu ihnen: „Ich bin es, fürchtet euch nicht!“ Da wollten sie ihn in das Boot nehmen. Aber kurz darauf war das Boot am Land, wo sie hin fuhren (Joh 6,16-21).

 

Heilung eines Blindgeborenen:

Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und seine Anhänger fragten ihn und sprachen: „Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist?“ Jesus antwortete: „ Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern er ist krank, damit die ist Werke Gottes offenbar würden an ihm. Ich muß wirken die Werke dessen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist, denn es kommt die Nacht, in der niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt!“

Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde und machte einen Brei aus dem Speichel und schmierte ihn auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: „Geh hin zu dem Teich Siloah und wasche dich!“ Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder. Die Nachbarn und die ihn zuvor gesehen hatten, daß er ein Bettler war, sprachen: „Ist das nicht der, der dasaß und bettelte?“ Einige sprachen: „Er ist' es!“ Einige aber: „Er ist ihm ähnlich!“ Er selbst aber sprach: „Ich bin es!“.

Da sprachen sie zu ihm: „Wie wurden deine Augen wieder geöffnet?“ Er antwortete: „Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und schmierte ihn auf meine Augen und sprach: Gehe hin zu dem Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und wurde sehend!“ Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist er?“ Er sprach: „Ich weiß es nicht!“

Da führten sie den, der bisher blind war, zu den Frommen. Es war aber Feiertag, als Jesus den Brei machte und dem Blinden die Augen öffnete. Jetzt fragten ihn auch die Frommen, wie er sehend geworden wäre. Er aber sprach zu ihnen: „Brei legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend!“ Da sprachen einige der Frommen: „Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Feiertag nicht einhält!“ Die andern aber sprachen: „Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?“

Und es kam ein Streit unter ihnen auf. Sie sprachen wieder zu dem Blinden: „Was sagst du von ihm, weil er deine Augen aufgetan hat?“ Er aber sprach: „Er ist ein Prophet!“  Die Juden glaubten aber nicht, daß er blind gewesen und sehend geworden wäre. Sie riefen die Eltern und fragten sie: „Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, er sei blind geboren? Wie kommt es denn nun, daß er sehend geworden ist?“ Seine Eltern antworteten ihnen: „Wir wissen, daß dieser unser Sohn ist und daß er blind geboren ist.  Wie er aber nun sehend geworden ist, wissen wir nicht: Oder wer ihm hat seine Augen aufgetan, wissen wir auch nicht. Er ist alt genug, fragt ihn, laßt ihn selbst für sich reden!“

So sprachen seine Eltern, denn sie fürchteten sich vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon darüber geeinigt, daß ausgestoßen („gebannt“) würde, wer Jesus als den  Christus anerkennt. Deshalb sprachen seine Eltern: „Er ist alt genug, frage ihn selbst!“ Da riefen sie erneut den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: „Gib Gott die Ehre! Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist!“ Er antwortete aber: „Ob er ein Sünder ist, das weiß ich nicht. Aber eins weiß ich wohl, daß ich blind war und bin nun sehend!“

Da sprachen sie wieder zu ihm: „Was hat er mit dir gemacht? Wie tat er deine Augen auf?“ Er antwortete ihnen: „Ich habe es euch doch gesagt. Habt ihr es nicht gehört? Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt ihr auch seine Anhänger werden?“

Da schimpften sie ihn und sprachen: „Du bist sein Anhänger .Wir aber sind Anhänger des Mose. Wir wissen, daß Gott mit Mose geredet hat. Woher aber dieser ist, wissen wir nicht!“

Der Mensch antwortete ihnen: „Das wundert mich doch, daß ihr nicht wißt, woher er ist, und er hat meine Augen aufgetan. Wir wissen aber, daß Gott die Sünder nicht hört. Aber wenn jemand gläubig ist und tut Gottes Willen, den hört er. Vom Beginn der Welt hat man nicht gehört, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan habe. Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun!“

Sie antworteten: „Du bist ganz in Sünde geboren und willst uns belehren?“ Und sie stießen ihn hinaus. Jesus erfuhr, daß sie ihn ausgestoßen hatten. Und als er ihn fand, sprach er zu ihm: „Glaubst du an den Sohn Gottes? Er antwortete: „Herr, wer ist es, damit ich an ihn glaube!“

Jesus sprach zu ihm: „Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es!“ Er aber sprach: „Herr, ich glaube!“ Und er betete ihn an.

Jesus sprach: „Ich bin zum Gericht auf diese Welt gekommen, damit die, die nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, sollen blind werden!“ Das hörten einige der Frommen, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: „Sind wir denn auch blind?“ Jesus sprach zu ihnen: Wärt ihr nur blind, so hättet ihr keine Sünde. Wenn ihr aber sprecht: ‚Wir sind sehend‘ bleibt eure Sünde (Joh 9,1-49).

 

Auferweckung des Lazarus:

Einer mit Namen Lazarus lag krank in Bethanien, in dem Dorf Marias und ihrer Schwester Martha (Maria war die, die Jesus gesalbt hat mit Salbe und seine Füße getrocknet mit ihrem Haar). Da schickten die Schwestern Botschaft zu Jesus und ließen ihm sagen: „Herr, siehe, der den du liebhast, liegt krank darnieder!“ Als Jesus das hörte, sprach er: „Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch geehrt werde!“

Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Lazarus. Als er nun hörte, daß er krank war, blieb er dennoch zwei Tage an dem Ort, wo er war. Danach spricht er zu seinen Anhängern: „Laßt uns wieder nach Judäa ziehen!“ Seine Anhänger sprachen zu ihm: „Meister, damals wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dahin ziehen?“

Jesus antwortete: „Hat nicht der Tag zwölf Stunden? Wer am Tag umhergeht, der stößt sich nicht, denn er sieht das Licht dieser Welt. Wer aber nachts umhergeht, der stößt sich, denn es ist kein Licht in ihm!“

Danach spricht er zu ihnen: „Lazarus, unser Freund, schläft. Aber ich gehe hin, daß ich ihn auferwecke!“ Da sprachen seine Anhänger: „Herr, wenn er schläft, so wird es besser mit ihm!“ Jesus aber hatte von seinem Tod gesprochen. Sie aber meinten, er redete vom leiblichen Schlaf. Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: „Lazarus ist gestorben. Aber ich bin froh, daß ich nicht da gewesen bin, und zwar um euretwillen, damit ihr glaubt. Aber laßt uns zu ihm ziehen!“ Da sprach Thomas, der „Zwilling“ genannt wird, zu den Anhängern: „Laßt uns mit ziehen, daß wir mit ihm sterben!“

Da kam Jesus und fand Lazarus, der schon vier Tage im Grabe gelegen hatte. Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, etwa fünf Kilometer. Und viele Juden waren zu Martha und Maria gekommen, sie zu trösten wegen ihres Bruders. Als Martha nun hörte, daß Jesus kommt, geht sie ihm entgegen. Maria aber blieb daheim sitzen. Da sprach Martha zu Jesus: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben! Aber ich weiß auch, daß dir Gott geben wird, was du von ihm bittest!“

Jesus spricht zu ihr: „Dein Bruder soll auferstehen!“ Martha spricht zu ihm: „Ich weiß wohl, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am Letzen Tag!“ Jesus spricht zu ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird niemals sterben. Glaubst du das?“

Sie spricht zu ihm: „Herr, ja, ich glaube, daß du bist der Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist!“Und als sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: „Der Meister ist da und ruft dich!“ Als diese das hörte, stand sie eilend auf und kam zu ihm.  Als die Juden, die bei ihr im Haus waren und sie trösteten, sahen, daß Maria eilend aufstand und hinausging, folgten sie ihr nach und sprachen: „Sie geht zum Grabe, damit sie dort weine!“

Als nun Maria zu Jesus kam und sah ihn, fiel sie zu seinen Füßen und sprach zu ihm: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben!“ Als Jesus sie und die Leute, die mit ihr gekommen waren, weinen sah, wurde er zornig und betrübt und sprach: „Wo habt ihr ihn hingelegt?“ Sie sprachen zu ihm: „Herr, komm und sieh es!“ Und Jesus fing an zu weinen über. Da sprachen die Juden: „Siehe, wie hat er ihn so liebgehabt!“

Einige aber unter ihnen sprachen: „Konnte nicht der, der den Blinden die Augen aufgetan hat, auch machen, daß dieser nicht stirbt?“ Da wurde Jesus erneut zornig und kam zum Grab. Das war aber eine Höhle, und ein Stein war darauf gelegt. Jesus sprach: „Hebt den Stein hoch!“ Da spricht zu ihm Martha, die Schwester des Verstorbenen: „Herr, er stinkt schon, denn er hat schon vier Tage gelegen!“ Jesus spricht zu ihr: „Habe ich dir nicht gesagt, wenn glauben würdest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen?!“

Da hoben sie den Stein ab, wo der Verstorbene lag. Jesus aber hob seine Augen empor und sprach: „Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. Doch ich weiß, daß du mich immer erhörst. Aber wegen der Menschen, die hier herumstehen, sage ich es, damit sie glauben, daß du mich gesandt hast!“ Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen und sein Angesicht verhüllt mit dem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: „Löst ihm die Binden auf und laßt ihn gehen!“  Viele von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn (Joh 11,1-45).

 

 

Lehr- und Streitgespräche

 

Fasten:

Die Jünger des Johannes kamen zu Jesus und sprachen: „Warum fasten wir und die Frommen so viel, und deine Jünger essen und trinken?“ Jesus sprach zu ihnen: „Ihr könnt nicht die Hochzeitleute zum Fasten treiben, solange der Bräutigam bei ihnen ist. Es wird aber die Zeit kommen, in der der Bräutigam von ihnen genommen wird, dann werden sie fasten! Niemand flickt auch ein altes Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch, denn der Lappen reißt doch wieder vom Kleid, und der Riß wird ärger. Der neue Lappen reimt sich nicht auf das alte Kleid. Man füllt auch nicht Most in alte Schläuche, sonst zerreißen die Schläuche und der Most wird verschüttet. Sondern man füllt Most in neue Schläuche, so werden sie beide miteinander erhalten (Mk 2,18-22; Mt 9,9. 14-17; Lk 5,27-39).

 

Ährenausrupfen am Feiertag:

Als Jesus am Feiertrag durch die Saat ging, fingen seine Jünger an, im Gehen Ähren auszurupfen; sie rieben sie mit den Händen und aßen sie. Und die Frommen sprachen zu ihm: „Siehe mal, was deine Jünger am Feiertag tun, das ist nicht recht?“ Er aber sprach zu ihnen: „Habt ihr nie gelesen was David tat, als er in Not war und ihn und die, die bei ihm waren, hungerte? Da ging er in das Haus Gottes zur Zeit des Oberpriesters Abjathar und aß die Schaubrote, die niemand durfte essen als die Priester, und er gab sie auch denen, die bei ihm waren? Habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie auch die Priester im Tempel den Feiertag brechen und sind doch ohne Schuld?   Ich sage euch aber, daß hier der ist, der auch größer ist als der Tempel. Wenn ihr aber wüßtet, was das bedeutet: Ich habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer! hättet ihr die Unschuldigen nicht verdammt!“ Dann sagte er noch zu ihnen: „Der Feiertag ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Feiertags willen. So ist der Gottessohn auch ein Herr des Feiertags (Mk 2,18-28; Mt 12,1-8; Lk 6,1-5).

 

Heilung am Feiertag:

An einem andern Feiertag ging Jesus in das Bethaus und lehrte. Da war ein Mensch, dessen rechte Hand war gelähmt. Aber die Schriftgelehrten und die Frommen lauerten darauf, ob er auch am Feiertag heilen würde, damit sie eine Anklage gegen ihn fänden. Jesus aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Menschen mit der dürren Hand: „Stehe auf und tritt hervor!“ Und er stand auf und trat dahin.

Da sprach Jesus zu ihnen: „Ich frage euch: Was darf man an den Feiertagen tun, Gutes oder Böses, das Leben erhalten oder verderben?“  Er sah sie alle umher an und sprach zu dem Menschen: „Strecke deine Hand aus!“ Er tat es. Da wurde seine Hand wieder zurechtge­bracht und so gesund wie die andere. Die Gegner aber wurden ganz unsinnig und beredeten sich miteinander, was sie ihm tun wollten. Die Frommen gingen hinaus und hielten einen Rat mit den Leuten des Herodes, wie sie ihn umbrächten (Mt 12,9-13; Mk 3,1-6; Lk 6,6-11).

 

Weitere Heilung am Feiertag:

Eine Frau war da, das hatte schon achtzehn Jahre eine Krankheit: Sie war krumm und konnte nicht gut aufstehen. Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: „Frau, sei los von deiner Krankheit!“ Er legte die Hände auf sie, und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.  Da wurde der Leiter des Bethauses unwillig, weil Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: „Sechs Tage soll  man arbeiten. An denen kommt und laßt euch heilen, und nicht am Feiertag!“

Da antwortete Jesus ihm: „Du Heuchler! Macht nicht jeder von euch auch  am Feiertag seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Sollte da nicht diese Frau am Feiertag gelöst werden von dieser Fessel, die der Satan gebunden hat nun schon achtzehn Jahre?“ Als er das sagte, mußten sich alle schämen, die gegen ihn gewesen waren: Und alle Leute freuten sich über alle herrlichen Taten, die von Jesus geschahen waren.

(Lk 13,10-17).

 

Der Oberteufel Beelzebub:

Ein Geistesgestörter wurde zu Jesus gebracht, der ward blind und stumm. Er heilte ihn, so daß der Blinde und Stumme redete und sah: Als der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und die Leute wunderten sich. Die Frommen unter ihnen sprachen aber: „Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel!“ Jesus erkannte aber ihre Gedanken und sprach zu ihnen: „Jedes Reich, das mit sich selbst uneins wird, das wird wüst. Und jede Stadt oder jedes Haus, das  mit sich selbst uneins wird, kann nicht bestehen. Wenn nun ein Satan den andern austreibt, so muß er mit sich selbst uneins sein. Wie kann denn sein Reich bestehen?

Wenn ich aber die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben eure Kinder die Teufel aus? Deshalb werden sie eure Richter sein. Wenn ich aber die Teufel durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja die Herrschaft Gottes schon zu euch gekommen!“.

Wenn ein stark Gewappneter seinen Palast bewahrt, so bleibt das seine im Frieden. Wie kann jemand in das Haus eines Starken gehen und ihm seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet und dann ihm sein Haus ausraubt? Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilt den Raub aus.

Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so wandelt er durch dürre Stätten, sucht Ruhe .Aber wenn er sie nicht findet, so spricht er: „Ich will wieder umkehren in mein Haus, aus dem ich gegangen bin!“ Und wenn er kommt, so findet er es gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind als er selbst. Und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da, und es wird hernach mit demselben Menschen ärger als zuvor.

Setzt entweder einen guten Baum, so wird die Frucht gut. Oder setzt einen faulen Baum, so wird die Frucht faul. Denn an der Frucht erkennt man den Baum. Ihr Otternbrut, wie könnt ihr Gutes reden, obwohl ihr böse seid? Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens. Und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben im letzten Gericht von einem jeden unnützen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich. Und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Die Leute aber drangen herzu. Da sagte er: „Dies ist eine böse Art. Sie begehrt ein Zeichen, und es wird ihr kein Zeichen gegeben denn nur das Zeichen des Propheten Jona. Die Leute von Ninive werden auftreten vor dem Gericht mit diesen hier und werden sie verdammen. Denn sie kehrten um nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Wie Jona ein Zeichen war den Leuten von Ninive, so wird der Gottessohn sein für diese Gattung. Die Königin aus dem Süden wird auftreten vor dem Gericht mit diesen Leuten und wird sie verdammen. Denn sie kam vom Ende der Welt, um die Weisheit Salomos zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.

Jesus fuhr fort: Alle Sünde und Schmähung wird den Menschen vergeben. Aber die Schmähung den Geist Gottes wird den Menschen nicht vergeben. Wer etwas redet gegen den Gottessohn, dem wird es vergeben. Aber wer etwas redet gegen den Geist Gottes, dem wird es nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.

Als  er das noch redete, erhob ein Frau in der Menge die Stimme und sprach zu ihm: „Selig ist der Bauch, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast!“ Er aber sprach: „Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren!“ (Mt 12,22-30.38-45; Mk 3,22-27; Lk 11,14-32).

 

Zusätze zum Gesetz:

Schriftgelehrte und Fromme von Jerusalem kamen zu Jesus. Sie sahen einige seiner Anhänger mit ungewaschenen Händen das Brot essen. Die Frommen und alle Juden essen aber nicht, ohne vorher die Hände gewaschen zu haben, um so die Zusätze der Alten zum Gesetz einzuhalten.

Sie sprachen: „Warum übertreten deine Anhänger die Zusätze zum Gesetz?  Sie waschen ihre Hände nicht, ehe sie Brot essen!“ Er antwortete: „Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Zusätze zu den Geboten willen? Gott hat geboten: Du sollst Vater und Mutter ehren, wer Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben! Ihr aber lehrt: Wer zum Vater oder Mutter spricht: Ich habe es Gott gegeben, was dir sollte von mir zu kommen! der tut wohl.  Damit ist es möglich, daß niemand mehr seinen Vater oder seine Mutter ehrt. Somit habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Zusätze willen.

Ihr Heuchler, wohl fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen: Dies Volk naht sich zu mir mit seinem Mund und ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir; aber vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts denn Menschengebote sind!“ Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihm: „Hört zu und begreift es! Was zum Mund hineingeht, das verunreinigt den Menschen nicht; sondern was zum Munde herausgeht, das verunreinigt den Menschen!“

 Da traten seine Anhänger zu ihm und sprachen: „Weißt du auch, daß sich die Pharisäer ärgerten, als sie das Wort hörten?“ Er antwortete: „Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht pflanzte, die werden ausgerottet. Laßt sie fahren! Sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube!“
Da sprach Petrus zu ihm: „Deute uns dieses Gleichnis!“ Jesus sprach zu ihnen: „Versteht ihr denn gar nicht? Merkt ihr noch nicht, daß alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird durch den natürlichen Gang ausgeworfen? Was aber aus dem Mund herausgeht, das kommt aus dem Herzen, und das verunreinigt den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken: Mord, Ehebruch, Hurerei, Diebstahl, Lüge, Schmähung, böse Gedanken, Geiz, List, Gotteslästerung, Hoch­mut, Unvernunft. Das sind Stücke, die den Menschen verunreinigen. Aber mit ungewaschenen Händen essen verunreinigt den Menschen nicht!“ (Mt 15,1-20; Mk 7,1-24).

 

Ehe:

Ein Frommer trat zu Jesus, versuchten ihn und sprach zu ihm: „Ist es  recht, daß sich ein Mann scheide von seiner Frau aus irgendeiner Ursache?“ Er antwortete aber und sprach zu ihnen: „Habt ihr nicht gelesen, daß Gott den Menschen als Mann und Frau gemacht hat und sprach: Deshalb wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und werden die zwei ein Körper sein? So sind sie nun nicht zwei, sondern ein Körper. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!“

Da sprachen sie: „Warum hat denn Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben und sich von der Frau zu scheiden? Er sprach zu ihnen: „Mose hat euch die Scheidung nur erlaubt

wegen der Härteeures Herzens  Am Anfang aber ist es nicht also gewesen. Ich sage aber euch: Wer sich von seiner Frau scheidet und heiratet eine andere, der bricht die Ehe: Wer eine Geschiedene heiratet, der bricht auch die Ehe! Und wenn eine Frau sich scheidet von ihrem Manne und heiratet einen anderen, die bricht ihre Ehe!“ Da sprachen die Jünger zu ihm: „Wenn das Verhältnis eines Mannes mit seiner Frau so sein soll, dann ist es nicht gut, eine Ehe einzugehen!“ Er sprach zu ihnen: „Dieses Wort begreift nicht jeder, sondern nur der, dem es gegeben ist!“ (Mt 19,1-12; Mk 10,1-12).

 

Steuermünze:

Die Oberpriester und Schriftgelehrten trachteten danach, wie sie die Hände an ihn legten. Aber sie fürchteten sich vor den Leuten. Aber sie stellten ihm nach und sandten Fallensteller aus, die sich stellen sollten, als wären sie fromm, damit sie ihn in der Rede fingen, damit sie ihn dann den Behörden und Gewalt des römischen Statthalters überantworten könnten. Sie kamen und sprachen zu ihm: „Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und fragst nach niemand, denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht. Ist es recht, daß man dem Kaiser Steuer zahle oder nicht? Sollen wir ihn geben oder nicht geben?“

Jesus merkte aber ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: „Was wollt ihr mich aufs Glatteis führen? Bringet mir eine Münze, damit ich sie sehe!“ Und sie brachten ihm. Da sprach er: „Wem gehört das Bild und die Überschrift?“ Sie sprachen zu ihm: „Dem Kaisers!“ Da antwortete Jesus: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser ist, und gebt „Gott, was Gottes ist! Und sie verwunderten sich über ihn. Sie konnten sein Wort nicht tadeln vor den Leuten und wunderten sich über seine Antwort und schwiegen still (Mt 12,13-17;Lk 20, 19-26).

 

Als sie einmal nach Kapernaum kamen, gingen die Steuererheber zu Petrus und sprachen: „Pflegt euer Meister nicht die Steuer zu bezahlen? Petrus sprach: „Ja!“ Und als er heimkam, kam ihm Jesus zuvor und sprach: „Was meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden den Zoll oder die Steuer? Von Ihren Kindern oder von den Fremden?“ Da sprach zu ihm Petrus: „Von den Fremden!“ Jesus sprach zu ihm: „So sind die Kinder frei!“ Damit wir sie aber nicht ärgern, so gehe hin an das Meer und wirf die Angel, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm. Und wenn du seinen Mund aufmachst, wirst du eine Stater-Münze finden. Die nimm und gib sie den Steuererhebern für mich und dich (Mt 17,24-27).

 

Auferstehung:

Da traten die Sadduzäer zu ihm, die der Ansicht sind, es gäbe keine Auferstehung. Die fragten ihn und sprachen: „Meister, Mose hat uns geschrieben: Wenn ein Bruder stirbt und hinterläßt eine Frau, aber keine Kinder, so soll sein Bruder seine Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun sind sieben Brüder gewesen. Der erste nahm eine Frau und starb und hinterließ keine Nachkommen. Der andere nahm sie und starb und hinterließ auch keine Nachkommen. Es heirateten sie alle sieben und hinterließen keine Nachkommen. Zuletzt nach allen starb auch die Frau. Wenn sie nun auferstehen, wessen Frau wird sie dann sein, denn sieben haben sie zur Frau gehabt?“

 

Da antwortete Jesus: „Ihr irrt, weil ihr nichts wisset von der Schrift noch von der Kraft Gottes. Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten. Die aber würdig sein werden, in die Welt Gottes zu gelangen und zur Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen. Sie können in Zukunft nicht sterben, sondern sie sind wie die Boten Gottes im Himmel. Habt ihr nicht gelesen im Buch des Mose von den Toten, daß sie auferstehen werden? Da sagte doch Gott bei dem Busch zu ihm: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs! Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen Gott, denn sie leben ihm alle.  Da antworteten einige der Schriftgelehrten: „Meister, du hast recht gesagt!“ Und sie wagten ihn nichts mehr zu fragen (Mk 12,18-27;Lk 20,27-44).

 

Lehrstreitigkeiten

Da hielten die Frommen einen Rat, wie sie ihm in seiner Rede eine Falle stellten. Sie sandten zu ihm ihre Anhänger samt den Leuten des Herodes. Und sie sprachen: „Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und du fragst nach niemand; denn du beachtest nicht das Ansehen der Menschen. Deshalb sage uns, was meinst du: Ist es recht, daß man dem Kaiser die Steuer gebe oder nicht?“ Jesus merkte ihre Hinterlist und sprach er: „Ihr Heuchler, was wollt ihr mich hereinlegen? Zeigt mir die Steuermünze!“ Sie reichten ihm einen Groschen. Da sprach er zu ihnen: „Wen zeigt das Bild und wessen Aufschrift ist darauf?“ Sie sprachen zu ihm: „Das Bild des Kaisers!“ Da sprach er zu ihnen: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaisers gehört, und gebt Gott, was Gottes gehört!“ Als sie das hörten, wunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon.

Am gleichen Tage kamen zu ihm die Anhänger der Glaubensrichtung der Sadduzäer, die die Meinung vertreten, es gäbe keine Auferstehung, und fragten ihn: „Meister, Mose hat gesagt: Wenn einer stirbt und hat keine Kinder, so soll sein Bruder die Frau heiraten und für Nachkommen seines Bruders sorgen. Nun sind aber bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste heiratete und starb; und weil er keine Nachkommen hatte, ließ er seine Frau seinem Bruder. Ebenso war es auch mit dem zweiten und dem dritten bis zum siebten. Zuletzt nach allen starb auch die Frau. Wenn nun die Auferstehung kommt, wessen Frau wird sie dann sein von den sieben? Sie haben sie ja alle gehabt!“

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: „Ihr irrt und kennt weder die Schrift noch die Kraft Gottes. Bei der Auferstehung werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie die Boten Gottes im Himmel. Habt ihr nicht gelesen von der Auferstehung der  Toten, was euch gesagt ist von Gott, der nicht ein Gott der Toten ist, sondern ein Gott der Lebendigen. Als das Volk das hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre (Mt 22,15-33).

 

 Vornehmstes Gebot:

Einer  der Schriftgelehrten trat zu Jesus, wollte ihn hereinlegen und fragte ihn: „Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz?“ Jesus aber antwortete ihm: „Das vornehmste Gebot vor allen anderen Geboten ist das: ‚Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einziger Gott; und du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und von allen deinen Kräften!‘ Das ist das vornehmste Gebot. Und  das andere ist ihm gleich: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘. Es ist kein anderes Gebot größer als diese!“

Der Schriftgelehrte sprach zu ihm: „Meister, du hast wirklich recht geredet, denn es ist ein Gott und es gibt keinen anderen außer ihm. Und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüte, von ganzer Seele, und von allen Kräften, und lieben seinen Nächsten wie sich selbst, das ist mehr als Brandopfer und alle Opfer!“

Als Jesus aber sah, daß er vernünftig antwortete, sprach er zu ihm: „Du bist nicht ferne von dem Reich Gottes!“Und es wagte ihn niemand weiter zu fragen. (Mt 22,34-40; Mk 12,28-34; Lk10,25-28)

 

Reden gegen die Schriftgelehrten und die Frommen:

Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern und sprach: Auf  dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Frommen. Was sie euch sagen, daß ihr es einhalten sollt, das haltet alles ein und tut es. Aber nach ihren Taten sollt ihr nicht tun: Sie sagen es wohl, tun es aber nicht. Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf den Hals; aber sie selbst wollen diese nicht mit einem Finger anregen. Alle ihre Werke aber tun sie, daß sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Merkzettel breit und die Säume an ihren Kleidern groß. Sie sitzen gern obenan am Tisch und im Bethaus und haben es gern, daß sie gegrüßt werden auf dem Markt und von den Menschen „Rabbi“  (Meister) genannt werden.

Aber  i h r sollt euch nicht „Rabbi“ nennen lassen; denn: Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder. Ihr sollt auch niemand „Vater“ heißen auf der Erde, denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Und ihr sollt euch nicht „Meister“ nennen lassen, denn einer ist euer Meister, Christus. Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Denn: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.

 

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Frommen, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen Ihr kommt nicht hinein, und die hinein wollen, laßt ihr nicht hin­eingehen.

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Frommen, ihr Heuchler, die ihr der Witwen Häuser auffreßt und schützt dabei lange Gebete vor! Dafür werdet ihr umzog mehr Verdammnis empfangen.

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Frommen, ihr Heuchler, die ihr verzehntet Minze, Dill und Kümmel  und allerlei Kohl, laßt aber außer Acht das Schwerste im Gesetz, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen. 

Wehe euch Frommen, daß ihr gerne obenan sitzt in den Schulen und wollt gegrüßt sein auf dem Markte.

 

Da antwortete einer von den Schriftgelehrten und sprach zu ihm: „Meister, mit deinen Worten schmähst du uns auch!“ Er aber sprach: „Wehe auch euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit uner­träglichen Lasten, und ihr rührt sie nicht mit einem Finger an.

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Frommen, ihr Heuchler, die auf Land und Wasser umherzieht, damit ihr einen Anwärter auf das Judentum gewinnt. Und wenn er es geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt schlimmer als ihr seid!

 

Wehe euch, ihr verblendeten Leiter, die ihr sagt: „Wer beim Tempel schwört, das ist nichts; wer aber schwört beim Gold am Tempel, das bindet den Schwörenden!“

Ihr Narren und Blinden! Was ist größer: das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? Oder: „Wer schwört bei dem Altar, das ist nichts; wer aber schwört beim Opfer, das darauf ist, das bindet den Schwörenden!“ Ihr Narren und Blinden! Was ist größer: das Opfer oder der Altar, der das Opfer heiligt? Deshalb: Wer schwört beim Altar, der schwört bei demselben und bei allem, was darauf ist. Und wer schwört beim Tempel, der schwört bei demselben und bei dem, der darin wohnt. Und wer schwört beim Himmel, der schwört bei dem Stuhl Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

 

Ihr verblendeten Leiter, die ihr Mücken seiht und Kamele verschluckt! Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Frommen, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln von außen rein haltet, innen aber sind sie voll Raub und Fraß! Du blinder Frommer, reinige zuerst das Inwendige an Becher und Schüssel, auf das auch das Auswendige rein werde!

 

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Frommen, ihr Heuchler, die ihr gleich seid den übertünchten Gräbern, die von außen hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!  Die Leute laufen darüber und wissen es nicht! So auch ihr: Von außen erscheint ihr den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Frommen, ihr Heuchler, ihr die die Gräber der Propheten baut und schmücket die Gräber der Gerechten und sprecht: „Hätten wir in den Zeiten unsrer Väter gelebt, wären wir nicht mit ihnen schuld sein am Tod der Propheten!“ Aber ihr bezeugt selbst, daß ihr die Kinder derer seid, die die Propheten getötet haben.  Wohlan, erfüllt auch ihr das Maß eurer Väter! Ihr Schlangen und Otternbrut,  wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?

Deshalb sende ich zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte. Von denen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in ihren Bethäusern und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der anderen; damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Zacharias, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen dem Tempel und dem Altar. Ich sage euch, das alles wird über diese Generation kom­men.

 

Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küken unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus soll euch wüst gelassen werden. Denn ich sage euch: „Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Mt 23,1-39):

 

Als er aber das alles zu ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und Frommen an, hart auf ihn zu dringen und ihm mit mancherlei Fragen zuzusetzen, und lauerten ihm und suchten, ob sie etwas erjagen könnten aus seinem Munde, daß sie eine Sache gegen ihn hätten (Lk 11,37-53).

 

Warnung vor den Frommen:

Die Frommen und die Sadduzäer (jüdische Sekte) traten zu Jesus, versuchten ihn und forderten, daß er sie ein Zeichen vom Himmel sehen ließe. Aber er antwortete und sprach: „Am Abend sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot; und morgens sprecht ihr: Es wird heute Gewitter geben, denn der Himmel ist rot und trübe. Ihr Heuchler! Über die Gestalt des Himmels könnt ihr urteilen. Könnt ihr denn nicht auch über die Zeichen dieser Zeit urteilen?

Als seine Anhänger über den See gefahren waren, hatten sie vergessen, Brot mit sich zu nehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Frommen und der Sadduzäer!“ Da dachten sie nach und sprachen: „Das wird es sein, daß wir nicht Brot mit uns genommen haben!“ Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: „Ihr Kleingläubigen, was macht ihr euch Kummer, daß ihr nicht Brot mit euch genommen habt? Denkt ihr nicht an die fünf Brote unter die fünftausend und wie viel Körbe ihr da aufhobt?

Warum versteht ihr denn nicht, daß ich euch nicht sage vom Brot, wenn ich sage: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!“ Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie sich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brots, sondern vor der Lehre der Frommen und Sadduzäer (Mt 16, 1-12; vgl. auch Lk 12,1).

 

Warnung vor den Schriftgelehrten:

Als Jesus im Tempel lehrte sprach er: „Was ist eure Meinung über den Gesalbten Gottes, den Christus? Wessen  Sohn ist er? Die Schriftgelehrten sagen, Christus sei Davids Nachkomme? David aber spricht durch den heiligen Geist: „Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege! Da heißt ihn ja David seinen Herrn. Weshalb ist er denn sein Sohn?“ Und viel Volks hörte ihn gern. Aber niemand konnte ihm ein Wort antworten, und es wagte von dem Tage an auch niemand mehr, ihn zu fragen

Weiter sprach Jesus: „Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Kleidern gehen und lassen sich gern auf dem Markt grüßen und sitzen gern obenan in den

Bethäusern  und oben am Tisch beim Gastmahl. Sie fressen die Häuser der Witwen und wenden langes Gebet vor. Diese werden umzog mehr Verdammnis empfangen Mt 22,15-46; Mk 12, 35-40; Lk 20,45-47).

 

Gleichnisse

 

Vom Sämann:

Jesus ging aus dem Haus und setzte sich an das Meer. Da eilten viele Leute aus den Städten zu ihm und versammelten sich bei ihm, so daß er in das Schiff trat und sich dort setzte, und die Menge stand am Ufer. Er redete zu ihnen durch Gleichnisse und sprach:

„Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg, und ward zertreten und die Vögel kamen und fraßen es auf.

Einiges fiel in das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte. Es ging bald auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, verwelkte die Saat, und weil sie keine Wurzel hatte, wurde sie dürre.

Einiges fiel unter die Dornen, aber die Dornen wuchsen auf und erstickten und es brachte keine Frucht. Einiges fiel auf gutes Land und trug Frucht, die zunahm und wuchs, einiges hundertfach, einiges sechzigfach, einiges dreißigfach. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

[In dem eigentlichen Gleichnis geht es um das Schicksal des Samens und es wird gesagt: Auch wenn viel verloren geht, bringt doch noch genügend Frucht. In der späteren Auslegung - hier dargestellt als Frage der Anhänger an Jesus - ist jedoch das vierfache Ackerfeld im Blick, also die Menschen, die das Wort Gottes hören]

Als Jesus allein war, traten die Anhänger zu ihm und sprachen: „Warum redest du zu ihnen durch Gleichnisse?“ Jesus antwortete: „Euch ist es geschenkt, daß ihr das Geheimnis der Gottesherrschaft versteht; denen draußen aber ist es nicht gegeben, die erfahren das alles nur durch Gleichnisse. Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen durch Gleichnisse.

Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mit hörenden Ohren hören sie nicht; denn sie verstehen es nicht. Denn das Herz dieser Leute ist verstockt, und ihre Ohren hören nicht gut und ihre Augen schlummern, damit sie nicht einst mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, damit ich ihnen doch helfe und ihnen ihre Sünden vergeben werden.

Aber selig sind eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören. Ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt, das zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört! Aber wenn ihr dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr denn die andern alle verstehen?“

Und Jesus fuhr fort: „So will ich euch nun dieses Gleichnis vom Sämann erklären: Der Sämann sät das Wort. Mit denen am Weg sind die gemeint, bei denen das Wort gesät wird und sie es gehört haben, aber dann kommt bald der Teufel und nimmt das Wort wieder weg, das in ihr Herz gesät war, damit sie nicht glauben und selig werden. Bei denen aufs Steinige gesät ist, die nehmen das Wort gleich mit Freuden auf, wenn sie es gehört haben, aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; eine Zeitlang glauben sie, aber wenn sich um des Wortes willen Trübsal oder Verfolgung erhebt, so ärgern sie sich bald. Bei denen unter die Dornen gesät ist, das sind die, die das Wort hören, aber die Sorge dieser Welt und der Betrug des Reichtums erstickt das Wort und es bleibt ohne Frucht.

Wenn aber auf das gute Land gesät ist, damit sind die gemeint, die das Wort hören nehmen es an und bringen Frucht und behalten es in einem feinen, guten Herzen, einige dreißigfach, einige sechzigfach und einige hundertfach (Mt 13, 1-23; Mk 4,1-20; Lk 8,4-15).

 

Unkraut unter dem Weizen:

Jesus legte ihnen aber noch ein ähnliches Gleichnis vor und sprach: „Die Gottesherrschaft gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Als nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Angestellten zu dem Eigentümer und sprachen: „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?“ Er sprach zu ihnen: „Das hat der Feind getan!“ Da sagten die Angestellten: „Willst du, daß wir hingehen und das Unkraut ausjäten?“ Er sprach: „Nein, damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. Laßt beides miteinander wachsen bis zur Ernte. Und wenn die Erntezeit gekommen ist,  will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune!“

Jesus entließ die Leute und kam heim. Da traten seine Anhänger zu ihm und sprachen: „Deute uns das Geheimnis vom Unkraut auf dem Acker!“ Er antwortete: „Der Gottessohn ist es, der den guten Samen sät. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder der Gottesherrschaft. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. So wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird es auch am Ende dieser Welt gehen: Der Gottessohn wird seine Boten senden, und sie werden sammeln aus seinem Herrschaftsgebiet alle, die Ärger machen und Unrecht tun. Und werden sie in den Feuerofen werfen, da wird sein Heulen und Zähneklappen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Herrschaft. Wer Ohren hat zu hören, der höre! (Mt 13,24-30 und 36-43)

 

Von der selbstwachsenden Saat:

Jesus sprach: „Mit der Herrschaft Gottes verhält es sich wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf Nacht und Tag. Aber der Same geht auf und wächst, ohne daß er es weiß. Denn die Erde bringt von selbst alles hervor, zuerst das Gras, danach die Ähren, danach den vollen Weizen in den Ähren.

Wenn die Erde aber die Frucht gebracht hat, so schickt er bald die Schnitter mit der Sichel hin, denn die Ernte ist da!“ (Mk 4,26-29).

 

Schatz im Acker und kostbare Perle und Fischnetz:

Die Gottesherrschaft ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und versteckte. Dann ging er hin voller Freude und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Die Gottesherrschaft ist auch gleich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und als er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Die Gottesherrschaft ist aber auch gleich einem Netz, das ins Meer geworfen ist, um damit allerlei Fische zu fangen. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, setzen sich und sortieren die guten alle in ein Gefäß zusammen, aber die faulen werfen sie weg.

So wird es auch am Ende der Welt gehen: Die BotenGottes werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten trennen und die Bösen in den Feuerofen werfen, da wird Heulen und Zähneklappen sein (Mt 13,44-52).

 

Vom Senfkorn:

Dann legte Jesus legte  ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: „Womit können wir die Herrschaft Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis können wir es im Voraus abbilden? Die Gottesherrschaft ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und säte es auf seinen Acker. Wenn es gesät wird aufs Land, so ist es das kleinste unter allen Samen auf der Erde. Aber wenn es gesät ist, so nimmt es zu und ist die größte unter den Stauden und wird wie ein Baum, so daß die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen.

Bei einer anderen Gelegenheit sprach Jesus: „Womit soll ich die Herrschaft Gottes vergleichen? Sie ist einem Sauerteig gleich, den eine Frau nahm und mischte ihn unter das Mehl, bis daß es ganz sauer wurde.

Durch viele solche Gleichnisse sagte Jesus ihnen das Wort. Und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen. Aber er legte sie seinen Anhängern aus (Mt 13,31-35; Mk 4,30-34; Lk 13,18-21).

 

Barmherziger Samariter:

Ein Schriftgelehrter stand auf, versuchte ihn und sprach: „Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben gewinne?“ Jesus sprach zu ihm: „Wie steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?“ Er antwortete: „Du sollst Gott, deinen Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Du hast richtig geantwortet. Tue das, so wirst du leben!“

Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“ Da antwortete Jesus mit einer Gleichniserzählung: „Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Mörder. Die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig zog aber ein Priester dieselbe Straße hinab. Aber als er den Überfallenen sah, ging er auf der anderen Straßenseite vorüber. Ebenso auch ein Gottesdiensthelfer: Als er zu der Stelle kam und sah ihn, ging er vorüber.

Ein Samariter kam aber auch auf der Reise dahin [eigentlich „Samaritaner“. Die Angehörigen dieses Volks wurden von den Juden verachtet, weil sei sich nach ihrer Meinung vom rechten Glauben abgewandt hatten]. Als der Samariter den Überfallenen sah, hatte er Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß Öl und Wein hinein und hob ihn auf sein Tier.

Er führte ihn in die Herberge und pflegte ihn. Am anderen Tag reiste er ab und zog heraus zwei Geldstücke und gab sie dem Wirt und sprach zu ihm: Pflege ihn; und wenn es mehr kostet, will ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme!“

Damit beendete Jesus seine Erzählung. Aber er fragte den Schriftgelehrten: „Was meinst du, wer unter diesen Dreien ist der Nächste gewesen für den, der unter die Mörder gefallen war?“ Er antwortete: „Der die Barmherzigkeit an ihn tat!“ Da sprach Jesus zu ihm: „So gehe hin und tue das Gleiche!“ (Lk 10,25-37).

 

Reicher Kornbauer:

Einer aus der Menge sprach zu Jesus: „Meister, sage meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe teile!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch eingesetzt?“ Dann fuhr er fort: „Seht zu und hütet euch vor dem Geiz, denn niemand lebt davon, daß er viele Güter hat!“ Schließlich erzählte er noch ein Gleichnis: „Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte wohl getragen. Und er mich sich selber und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wo ich meine Früchte hin sammle. Und er sprach zu sich selbst: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin alles sammeln, was mir gewachsen ist, und alle meine anderen Güter. Und ich will sagen zu mir selber: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre. Habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! diese Nacht wird man dein Leben von dir fordern. Und wem wir dann das gehören, was du vorbereitet hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott!“ (Lk 12,13-21).

 

Verlorenes Schaf:

Es nahten sich Jesus allerhand Steuereinnehmer und Sünder, um ihn zu hören. Aber die Frommen und Schriftgelehrten murrten: „Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen!“ Jesu aber sagte ihnen ein Gleichnis: „Wer ist unter euch, der hundert Schafe hat und wenn sich eins davon verirrt:  Läßt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte, bis er es findet? Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die nicht verirrt sind. Er legt es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der umkehrt, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die nicht umzukehren brauchen. So ist es auch bei eurem Vater im Himmel nicht der Wille, daß jemand von diesen Kleinen verloren geht (Mt 18,1-14; Lk 15,1-7).).

 

Verlorener Groschen:

Oder welche Frau gibt es, die zehn Geldstücke hat, und wenn sie einen davon verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: „Freut euch mit mir; denn ich habe mein Geldstück gefunden, das ich verloren hatte!“ So, sage ich euch auch, wird Freude sein vor den Boten Gottes über einen Sünder, der sein Leben ändert (Lk 15,8-10).

 

Verlorener Sohn:

Weiter sprach Jesus: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngste von ihnen sprach zu dem Vater: „Gib mir den Teil der Güter, den ich einmal erben werde!“ Und er teilte den Söhnen das Gut. Nicht lange danach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land.

Dort brachte er sein Gut durch mit Ausschweifungen. Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über das ganze Land, und er fing an Not zu leiden. Da ging er hin und hängte sich an einen Bürger des Landes. Der schickte ihn auf seinen Acker, die Schweine zu hüten. Er versuchte, seinen Bauch füllen mit Schweinefutter, aber sie gaben es ihm nicht.

Da ging er in sich und sprach: „Wie viel Aushilfen hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin in Zukunft nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Aber mache mich zu einem deiner Aushilfen!“

Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und der Sohn tat ihm leid. Er lief hin und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir: Ich bin nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße!“ Aber der Vater sprach zu seinen Angestellten: „Bringt das beste Kleid heraus und zieht es ihm an, und gebt ihm einen Fingerring an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringt ein gemästet Kalb her und schlachtet es: Laßt uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein.

Der älteste Sohn aber war auf dem Feld. Und als er nahe zum Haus kam, hörte er das Singen und Tanzen, und er rief einen der Angestellten zu sich und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: „Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat!“ Da wurde der ältere Sohn zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn herein.

Er aber antwortete dem Vater: „Sieh, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten. Und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber ist dieser dein Sohn gekommen, der sein Erbteil  mit Huren verschlungen hat, und da  hast du ihm ein gemästetes Kalb geschlachtet!“ Der Vater aber sprach zu ihm: „Mein Sohn, du bist allezeit bei mir gewesen, und alles, was mein ist, das ist auch dein. Du solltest aber fröhlich und gutes Muts sein. Denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wieder gefunden worden (Lk 15, 11-32).

 

Der untreue Verwalter:

Jesus sprach zu seinen Anhängern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter, der wurde von verdächtigt, er  hätte seine Güter durchgebracht. Er forderte ihn vor sich und sprach zu ihm: „Was höre ich da von dir? Lege Rechnung ab von deiner Verwaltung, denn du kannst in Zukunft nicht mehr Verwalter sein!“ Der Verwalter sprach bei sich selbst: „Was soll ich tun? Mein Auftraggeber nimmt das Amt von mir. Graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Aber ich weiß wohl, was ich tun werde, wenn ich nun abgesetzt werde, daß sie mich später in ihre Häuser aufnehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Arbeitgebers und sprach zu dem ersten: „Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?“ Er sprach: „Hundert Tonnen Öl!“ Und er sprach zu ihm: „Nimm deinen Schuldschein, setze dich und schreibe schnell fünfzig!“ Danach sprach er zu dem andern: „Du aber, wie viel bist du schuldig?“ Er sprach: „Hundert Sack Weizen!“ Und er sprach zu ihm: „Nimm deinen Schuldschein und schreibe achtzig!“ Und Jesus lobte den untreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind untereinander klüger als die Kinder des Lichts.

Jesus fuhr fort: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Geld, damit sie - wenn es euch schlecht geht - euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu, und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. Wenn ihr nun in Geldsachen nicht treu seid, wer will euch das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu seid, wer wird euch geben, was unser ist? Kein Diener kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld.

Das alles hörten die Frommen auch und waren geldgierig und spotteten über Jesus. Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich selbst rechtfertigen vor den Menschen. Aber Gott kennt eure Herzen, denn was hoch ist unter den Menschen, das ist vor Gott ein Greuel. Die alten Schriften reichen bis zu Johannes. Seit der Zeit aber wird die Herrschaft Gottes durch die frohe Botschaft gepredigt, und jedermann drängt sich mit Gewalt hinein. Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde vergehen, als daß ein Zipfel vom Gesetz falle. Wer sich von seiner Frau scheidet und eine andere heiratet, der bricht die Ehe. Und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht auch die Ehe (Lk 16, 1-18).

 

Die bittende Witwe:

Jesus sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man allezeit beten und nicht nachlässig werden solle, und sprach: „Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in dieser Stadt, die kam zu ihm und sprach: ‚Rette mich von meinem Gegner!‘ Aber er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Zwar scheue ich mich nicht vor Gott noch vor einem Menschen, aber weil mir diese Witwe mir so viel Mühe macht, will ich sie retten, damit sie nicht zuletzt komme und betäube mich!“ Der Herr sprach: „Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte aber Gott nicht auch seine Auserwählten retten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er alles hinauszögern? Ich sage euch: Er wird sie erretten in Kürze. Doch wenn der Gottessohn kommen wird, meinst du, daß er auch Glauben finden werde auf der Erde?“ (Lk 18,1-8).

 

 

Besondere Begegnungen

 

Reicher junger Mann:

Als Jesus hinausgegangen war auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm und fragte ihn: „Guter Meister, was soll ich tun, daß ich das ewige Leben erreiche?“ Aber Jesus sprach zu ihm: „Warum bezeichnest du mich als gut? Niemand ist gut als Gott allein! Wenn du aber das ewige Leben erreichen willst, so halte die Gebote Gottes ein!“  Da sprach er zu ihm: „Welche von den Geboten soll ich denn einhalten?“ Jesus sprach: „Du sollst nicht töten! Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsche Aussagen machen! Ehre Vater und Mutter! und: Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst!“

Der junge Mann aber antwortete: „Meister, das habe ich alles eingehalten von meiner Jugend an! Was fehlt mir noch?“ Jesus sah ihn an und liebte ihn und sprach zu ihm: „Eins fehlt dir noch: Willst du vollkommen sein, dann gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Dann wirst du einen Schatz im Himmel haben. Und dann komm, gehe mit mir und sei auch bereit mit mir zu leiden!“ Der junge Mann aber wurde unmutig über diese Rede und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.

Jesus aber sprach zu seinen Anhängern: „Ich kann euch nur sagen: Die Reichen werden schwer in die ewige Herrschaft Gottes kommen. Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als daß ein Reicher zu Gott kommt!“ Die Jünger entsetzten sich über seine Rede und sprachen: „Wer kann denn da noch zu Gott kommen?“Aber Jesus antwortete: „Bei den Menschen ist es unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich.  Denn alle Dinge sind möglich bei Gott

Da antwortete Petrus: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Welchen Lohn kriegen wir dafür?! Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet im ewigen Leben, wenn der Gottessohn auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit sitzen wird, auch auf zwölf Stühlen sitzen und richten die zwölf Volksstämme Israels. Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker um meinetwillen verläßt, der wird alles hundertfach wieder erhalten und das ewige Leben erreichen! Aber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein (Mk 10,17-27; Mt 19,16-30; Lk 18,18-27).

 

Salbung:

Einer der Frommen bat Jesus, daß er mit ihm äße. Und Jesus ging hinein in das Haus des Frommen und setzte sich zu Tisch. Es war aber eine Frau in der Stadt, die war eine Hure. Als sie hörte, daß er Jesus Tische saß im Haus des Frommen, brachte sie ein Glas mit Salbe und trat hinter Jesus und weinte und fing an, seine Füße zu bedecken mit Tränen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und sie küßte seine Füße und salbte sie mit Salbe.

Als das der Fromme sah, der Jesus eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst: „Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer und welch eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin!“ Jesus sprach zu ihm: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen!“ Er sprach: „Meister, sage es nur!“ Jesus stellte ihm nun eine Frage: „Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Geldstücke schuldig, der andere fünfzig.

Weil sie aber kein Geld hatten, um zu bezahlen, schenkte er' es beiden. Sage mir nun, wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?“ Simon antwortete: „Ich denke, dem er am meisten geschenkt hat!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Du hast richtig gerichtet!“

Und er wandte sich zu der Frau  und sprach zu Simon: „Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen. Aber du hast mir kein Wasser gegeben für meine Füße. Diese aber hat meine Füße mit Tränen bedeckt und mit den Haaren ihres Hauptes getrocknet. Du hast mir keinen Willkommenskuß gegeben. Diese aber hat nicht aufgehört, meine Füße zu küssen, nachdem sie hereingekommen war. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt. Sie aber hat meine Füße mit Salbe gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebt! Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig!“

Und zu der Frau sprach er: „Dir sind deine Sünden vergeben!“ Da fingen die an, die mit am Tische saßen, und sprachen zu sich selbst: „Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt?“ Er aber sprach zu der Frau: „Dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin mit Frieden!“ (Lk 7,36-50, vgl. auch Passionsgeschichte Mk 14,3-9; Mt 26, 6-13).

 

Spende der Witwe:

Jesus setzte sich gegenüber dem Gotteskasten hin und schaute, wie die Leute Geld einlegten in den Gotteskasten. Viele Reiche legten ihre Gabe in den Gotteskasten. Es kam aber auch eine arme Witwe und legte zwei ganz kleine Geldstücke ein. Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: „Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die eingelegt haben.

Sie haben alle von ihrem Überfluß etwas eingelegt als „Opfer für Gott“. Diese aber hat trotz ihrer Armut alles eingelegt, was sie noch zum Lebensunterhalt hatte!“ (Mk 12,41-44; Lk 21,1-4).

 

Kinder:

Es wurden Kinder zu Jesus gebracht, daß er die Hände auf sie legte und für sie betete. Die Anhänger aber fuhren sie an. die sie trugen.  Da das aber Jesus sah, wurde  er unwillig,  rief sie zu sich und sprach zu ihnen: „Laßt die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn sie gehören zur Herrschaft Gottes.  Ich kann euch nur sagen: Wer die Herrschaft Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen!“ Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie legte die Hände auf sie (Mt 19,13-15; Mk 10,13-16; Lk 18,15-17).

 

Die zehn Hautkranken:  

Als Jesus nach Jerusalem reiste, zog er mitten durch Samarien und Galiläa. Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn hautkranke Männer. Die standen weit abseits und riefen mit lauter Stimme: „Jesus, lieber Meister, erbarme dich über uns!“ Als Jesus sie sah, sprach er zu ihnen: „Geht hin und zeigt euch den Priestern!“ Und als sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber von ihnen, als er sah, daß er geheilt war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber fragte: „Sind nicht zehn Männer gesund geworden? Wo sind denn die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, als dieser Fremde. Und er sprach zu ihm: „Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen!“ (Lk 17,11-19).

 

Der Steuererheber Zachäus: 

Jesus zog hinein nach Jericho und ging durch die Stadt. Da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein hochrangiger Steuererheber und war reich. Er versuchte Jesus zu sehen, um sich selbst ein Urteil zu bilden, wer er wäre, aber er konnte es nicht wegen der Leute, denn er war klein von Person. Deshalb lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, damit er Jesus sehen könne, denn dort sollte er durchkommen.

Als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und bemerkte ihn und sprach zu ihm: „Zachäus, steig schnell herunter; denn ich muß heute in deinem Haus einkehren!“ Zachäus stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freude. Als die anderen das sahen, murrten sie alle, weil Jesus bei einem Sünder einkehrte.

 Zachäus aber trat heran und sprach zu dem Herrn: „Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, das gebe ich ihm vierfach wieder!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Heute ist diesem Hause Segen widerfahren, zumal er auch Abrahams Sohn ist. Denn der Gottessohn ist gekommen, zu suchen und glückselig zu machen, das verloren ist (Lk 19,1-10).

 

Nikodemus:                         

Es war aber ein Mensch unter den Frommen mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden. Der in der Nacht kam zu Jesus und sprach zu ihm: „Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist, denn niemand kann die Wunder tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm!“ Jesus antwortete ihm: „Ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er die Herrschaft Gottes nicht sehen!“ Nikodemus spricht zu ihm: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er wieder in seiner Mutter Bauch gehen und geboren werden?“

Jesus antwortete: „Ich sage dir: Es sei denn daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in die Herrschaft Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müßt von neuem geboren werden! Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl. Aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist auch ein jeder, der aus dem Geist geboren ist!“

Nikodemus antwortete ihm: „Wie kann so etwas zugehen?“ Jesus antwortete: „Bist du ein Meister in Israel und weißt das nicht? Ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fährt in den Himmel als der vom Himmel herunter gekommen ist, nämlich der Gottessohn, der im Himmel ist. Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hat, so muß der Gottessohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet!“

Jesus fährt dann fort: „Wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Arges tut, der haßt das Licht und kommt nicht an das Licht, damit seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan!“

Danach kamen Jesus und seine Anhänger in das jüdische Land und tauschte sich mit ihnen aus mit ihnen und taufte. Johannes aber taufte auch noch, und die Leute kamen dahin und ließen sich taufen, denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis gebracht worden.

Da kam eine Frage unter den Anhängern des Johannes auf, die sich mit den Juden über die Reinigung stritten. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: „Meister, der bei dir war auf der anderen Seite des Jordans, der tauft und jedermann kommt zu ihm!“ Johannes antwortete und sprach: „Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht gegeben wird vom Himmel. Ihr selbst seid meine Zeugen, daß ich gesagt habe, ich sei nicht Christus bin, sondern vor ihm her gesandt bin. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam, der Freund aber des Bräutigams steht und hört ihm zu und freut sich sehr über des Bräutigams Stimme.

Diese meine Freude ist nun erfüllt. Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen. Der von oben kommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über alle und bezeugt, was er gesehen und gehört hat. Aber sein Zeugnis nimmt niemand an. Wer es aber annimmt, der besiegelt, daß Gott wahrhaftig sei. Denn wen Gott gesandt hat, der redet Gottes Worte, denn Gott gibt den Geist nicht  mäßig. Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm (Joh 3,1-36).

 

 

 

 

Gespräch am Brunnen:

Als Jesus erfuhr, daß die Frommen erfahren hatten, daß Jesus mehr Anhänger gewann und taufte als Johannes, verließ er das Land Judäa und zog wieder nach Galiläa. Dazu mußte er durch Samaria reisen. So kam er in eine Stadt Samarias, die heißt Sichar, nahe bei dem Feld, das der Erzvater Jakob seinem Sohn Joseph gab. Dort war Jakobs Brunnen. Weil Jesus müde war von der Reise, setzte er sich auf den Brunnen; und es war um die Mittagsstunde.

Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ (denn seine Anhänger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise kauften). Da spricht die samaritische Frau zu ihm: „Wie bittest du von mir, etwas zu trinken zu bekommen, wo du ein Jude bist, und ich eine samaritische Frau? (denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern).

Jesus antwortete ihr: „Wenn du doch erkennen würdest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken! Du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser!“ Da spricht die Frau zu ihm: „Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn lebendiges Wasser? Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh!“

Jesus antwortete: „Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. Sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt!“

 Da spricht die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und ich nicht immer wieder herkommen müsse, um zu schöpfen!“ Jesus spricht zu ihr: „Gehe hin, rufe deinen Mann und komm her!“ Die Frau aber antwortete: „Ich habe keinen Mann!“ Jesus spricht zu ihr: „Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann! Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann. Da hast du recht gesagt!“ Die Frau spricht zu ihm: „Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten soll!“ [Die Samaritaner hatten fast den gleichen Glauben wie die Jude, hatten ihr Heiligtum aber auf dem nahe gelegenen Berg Garizim].

Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet. Wir wissen aber, was wir anbeten, denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit. Denn der Vater will es haben, daß sie ihn so anbeten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten!“ Da spricht die Frau zu ihm: „Ich weiß, daß der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn der kommen wird, dann wird er es uns alles verkündigen!“ Jesus spricht zu ihr: „Ich bin es doch, der mit dir redet, ich bin der Messias!“ In dem Augenblick kamen seine Anhänger. Sie wunderten sich, daß er mit der Frau redete. Doch sprach niemand: „Was fragst du?“oder: „Was redest du mit ihr?“

Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging hin in die Stadt und spricht zu den Leuten: „Kommt, seht einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei!“ Da gingen sie aus der Stadt und kamen zu ihm.

Unterdessen ermahnten ihn die Anhänger und sprachen: „Meister, iß!“ Er aber sprach zu ihnen: „Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wißt!“ Da sprachen die Anhänger untereinander: „Hat ihm jemand zu essen gebracht?“ Jesus spricht zu ihnen: „Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. Sagt ihr nicht: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte?

Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen hoch und seht in das Feld, denn es ist schon weiß zur Ernte. Und wer schneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit sich miteinander freuen, der sät und der schneidet. Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser sät, der andere schneidet. Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen!“

Es glaubten aber an Jesus viele der Samariter aus der Stadt wegen der Rede der Frau, die  bezeugte: „Er hat mir gesagt alles, was ich getan habe Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, daß er bei ihnen bliebe, und er blieb zwei Tage da.  Und viel mehr glaubten um seines Wortes willen und sprachen zu der Frau: „Wir glauben jetzt nicht mehr wegen deiner Rede. Wir haben selber gehört und erkannt, daß dieser ist wahrlich der Christus, der Welt Heiland!“ (Joh 4,1-42).

 

Jesus und die Ehebrecherin:

Jesus ging an den Ölberg. Frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und viele Leute kamen zu ihm. Er setzte sich und lehrte sie. Aber die Schriftgelehrten und Frommen brachten eine Frau zu ihm, die beim Ehebruch ergriffen wurde, und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: „Meister, diese Frau wurde auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?“ Das sprachen sie aber, um ihn aufs Glatteis zu führen, damit sie einen Grund gegen ihn hätten. Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!“ Und er bückte sich wieder nieder und schrieb auf die Erde.

Als sie aber das hörten, gingen sie hinaus, von ihrem Gewissen überführt, einer nach dem andern, von den Ältesten bis zu den Geringsten. Jesus wurde allein gelassen und die Frau stand noch  in der Mitte. Jesus aber richtete sich auf. Und als er niemand sah als die Frau, sprach er zu ihr: „Frau, wo sind sie, deine Ankläger? Hat dich niemand verdammt?“ Sie aber sprach: „Herr, niemand!“ Jesus aber sprach: „So verdamme ich dich auch nicht. Gehe hin und sündige künftig nicht mehr! (Joh 8,1-11).

 

 

 

Die Anhänger Jesu:

 

Rangstreit:

Auf dem Weg nach Kapernaum tuschelten die Anhänger untereinander. Als sie zuhause waren, fragte Jesus sie: „Was habt ihr da verhandelt auf dem Weg?“ Sie aber schwiegen, denn sie hatten miteinander auf dem Wege darüber gesprochen, wer der Größte unter ihnen wäre und wer wohl der Größte sein wird in der Herrschaft Gottes?“ Da sprach er zu ihnen: „Wenn der Erste sein will, der soll der Letzte sein vor allen und der Diener aller anderen!“ Und er nahm ein Kind und stellte es mitten unter sie und drückte es und sprach zu ihnen: „Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat!“

Dann fuhr er fort: „Ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht die Herrschaft Gottes kommen. Wer sich selbst klein macht wie dies Kind, der ist der Größte in der Herrschaft Gottes. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer der Kleinste ist unter euch allen, der wird groß sein.

Wer eines von diesen Kleinen ärgert, die an mich glauben, für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, wo es am tiefsten ist!“

Das Stichwort „ärgern“ bringt ihn dazu, noch weiter fortzufahren: „Wehe der Welt wegen der Ärgernisse, die es in ihr gibt! Es muß ja Ärgernis kommen. Doch wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt! Wenn dich aber deine Hand oder dein Fuß ärgert, so haue sie ab und wirf ihn von dir. Es ist für dich besser, daß du lahm oder als Krüppel zum Leben hineingehst, als wenn du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das höllische Feuer geworfen.

Und wenn dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirf es von dir. Es ist für dich besser, daß du einäugig zum Leben hineingehest, als wenn du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen. Seht zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit in das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn der Gottessohn ist gekommen, selig zu machen, das verloren ist!“ (Mt 18,1-11; Mk 9,33-37; Lk 9,46-50, auch Lk 17,1-2).

 

Gegen Unduldsamkeit:

 Das Gespräch geht aber noch weiter. Johannes fragte: „Meister, wir sahen einen, der trieb die Teufel aus in deinem Namen. Wir wollten ihm das verbieten, denn er ist nicht dein Anhänger und folgt dir nicht wie wir. Aber Jesus sprach zu ihm: „Verwehrt ihm das nicht. Es gibt niemand, der in meinem Namen eine Tat tut und dann übel von mir redet. Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer aber in meinem Namen euch einen Becher Wasser gibt, weil ihr zu Christus gehört, das wird ihm nicht ohne Lohn bleiben!“ (Lk 9, 49-51).

 

Lohn der Nachfolge:

 Da sagte Petrus zu ihm: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was für einen Lohn werden wir dafür haben?“ Jesus antwortete: „Ich sage euch in der Tat: Es ist niemand, der wenn er Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kind oder Äcker verläßt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach  alles wieder empfange: Jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen, und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.  Viele aber werden die Letzten sein, die die Ersten sind, und die Ersten sein, die die Letzten sind!“ (Mt 19,27-30; Mk 10, 38-41).

 

Noch als sie schon auf dem Weg nach Jerusalem waren und Jesus wieder einmal von seinem Tod gesprochen hatte, da baten ihn Jakobus und Johannes: „Meister, wir wollen, daß du uns tust, was wir dich bitten werden!“ Er sprach zu ihnen: „Was wollt ihr, denn, daß ich euch tue?“ Sie sprachen zu ihm: „Gib uns, daß wir in deiner Herrlichkeit einer an deiner rechten Seite und einer an deiner linken Seite sitzen!“ Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Giftbecher („Kelch“) trinken, den ich trinke, und euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?“ Sie sprachen zu ihm: „Ja, das können wir wohl!“ Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde, aber an meiner Rechten zu sitzen und zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern da gehören die hin, die von Gott dafür bestimmt sind!“

 

 

Als das die zehn anderen hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: „Ihr wißt, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Mächtigen unter ihnen haben Gewalt. Aber so soll es unter euch nicht sein. Sondern wer groß werden will unter euch, der soll euer Diener sein.

Und wer unter euch der Vornehmste werden will, der soll der Diener aller sein. Denn auch der Gottessohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung für viele (Mk 10,32-45).

 

Mahnung zum furchtlosen Bekennen:

Ich sage euch aber, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen die den Leib töten, und danach nichts mehr tun können. Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der auch die Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch. Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Pfennige? Dennoch ist vor Gott nicht einer von ihnen vergessen. Aber auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt. Deshalb fürchtet euch nicht, ihr seid besser als viele Sperlinge.

Ich aber sage euch: Wer mich bekennt vor den Menschen, den wird auch der Gottessohn  bekennen vor den Boten Gottes. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Boten Gottes. Und wer ein Wort gegen den Gottessohn redet, dem soll es vergeben werden. Wer aber den Geist Gottes lästert, dem soll es nicht vergeben werden.

Wenn sie euch aber führen werden in ihre Bethäuser und vor die Behörden  und vor die Gewaltigen, so sorgt nicht, wie oder was ihr antworten oder was ihr sagen sollt. Denn der Geist Gottes wird euch in der gleichen Stunde lehren, was ihr sagen sollt (Lk 12,1-12).

 

Mutter und Brüder:

Jesu Mutter und seine Brüder wollen zu ihm und konnten nicht zu ihm kommen wegen der vielen Leute. Da wurde ihm gemeldet: „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen!“ Er aber antwortete: „eine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun. (Lk 8,19-21),

 

Maria und Martha:

In einem Dorf war eine Frau mit Namen Martha, die nahm Jesus auf in ihr Haus. Sie hatte eine Schwester, die hieß Maria. Die setzte sich zu Jesus und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Aber dann trat sie doch  hinzu und sprach: „Herr, fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester allein dienen läßt? Sage ihr doch, daß sie auch mit angreift!“ Jesus aber antwortete: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins  aber ist not. Maria hat das gute Teil erwähl. Das soll nicht von ihr genommen werden (Lk 10,38-42).

 

Unnütze Diener:  

Wer ist unter euch, der einen Angestellten hat, der ihm pflügt oder das Vieh weidet, wenn er heimkommt vom Felde, sagt er ihm nicht gleich: ‚Gehe gleich hin und setz dich zu Tisch?‘

 Ist es nicht also, daß er zu ihm sagt: ‚Bereit mir das Abendessen zu, zieh dich entsprechend an und diene mir, bis ich esse und trinke; danach kannst auch du essen und trinken?‘ Dankt er auch dem Angestellten, weil er getan hat, was ihm befohlen war? Ich meine es nicht. So ist es auch bei euch: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: ‚Wir sind unnütze Diener, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren (Lk 17,7-10).

   Leidensweg Jesu („Passion“)

 

Erste Leidensankündigung:

Dann fing er an, sie zu lehren: „Der Gottessohn muß viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Oberpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen!“ Er redete das Wort frei und offen. Da nahm Petrus ihn zu sich und fing an, ihm zu wehren: „Herr, schone dich, das widerfahre dir nur nicht!“

Jesus aber wandte sich um und sah seine Anhänger an und bedrohte Petrus: „Gehe hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist!“ Dann rief er die Leute und seine Anhänger zu sich und sprach zu ihnen: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben will behalten, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es behalten. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele rette? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und verkehrten Geschlecht, dessen wird sich auch der Gottessohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den göttlichen Boten.  Ich sage euch aber, daß einige von denen, die hier stehen, den Tod nicht schmecken werden, bis daß sie die Herrschaft Gottes sehen!“( Mt 16,21-23; Mk 8,31-38; Lk 9,22-28)

 

Zweite Leidensankündigung:

Sie wanderten durch Galiläa. Jesus wollte nicht, daß es jemand wissen sollte. Er lehrte aber seine Jünger und sprach zu ihnen: „Der Gottessohn wird überantwortet werden in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er am dritten Tage auferstehen. Die Anhänger verstanden das Wort nicht, und fürchteten sich, ihn zu fragen. sie wurden sehr betrübt (Mt 17,22-23; Mk 9,30-32; Lk 9,43-45).

 

Dritte Leidensankündigung:

Jesus zog hinauf nach Jerusalem und nahm zu sich die zwölf Anhänger besonders und sprach zu ihnen: „Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten vom Gottessohn. Er wird den Oberpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden. Sie werden ihn verdammen zum Tode und werden ihn überantworten den Ungläubigen, die ihn verspotten, schmähen, anspucken, geißeln und kreuzigen werden. Aber am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber verstanden das alles nicht, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie wußten nicht, was das Gesagte bedeuten sollte (Mt 20,17-19; Mk 10,32-34; Lk 18,31-34).

 

Die Söhne des Zebedäus:

Da trat zu Jesus die Mutter des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und bat etwas von ihm. Jesus fragte sie: „Was willst du?“ Sie sprach zu ihm: „Laß diese meine zwei Söhne sitzen in deiner Herrschaft, einen rechts von dir und den andern links von dir!“ Aber Jesus antwortete: „Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Giftbecher (‚Kelch‘) trinken, den ich trinken werde, und euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?“ Sie sprachen zu ihm: „Ja, das können wir!“ Jesus sprach zu ihnen: „Meinen Kelch sollt ihr zwar trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, sollt ihr getauft werden. 

Aber es steht mir nicht zu, die Plätze links und rechts von mir zu vergeben, sondern dorthin kommen die, die mein  Vater dafür vorgesehen hat!“

Als das die zehn anderen hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: „Ihr wißt, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Obersten haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch. Sondern, so jemand unter euch mächtig sein will, der sei euer Diener; und wer der Vornehmste sein will, der sei euer Knecht. Der Gottessohn ist ja auch nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele!“ (Mt 20,17-28).

 

Aufbruch nach Jerusalem:

Jesus sandte Boten vor sich her, daß sie ihm eine Übernachtungsmöglichkeit bestellten. Die gingen und kamen in ein Dorf der Samariter. Aber sie nahmen ihn nicht an, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als das aber seine Anhänger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: „Herr, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elia es tat!“ Jesus aber wandte sich um und bedrohte sie und sprach: „Wißt ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Der Gottessohn ist nicht gekommen, Menschenleben zu verderben, sondern zu erhalten (Lk 9, 51-57).

 

Vom Ernst der Nachfolge

Sie gingen in einen anderen Markt. Als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu Jesus: „Ich will dir folgen, wo du hin gehst!“  Jesus sprach zu ihm: „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester. Aber der Gottessohn weiß nicht, wo er den Kopf  hinlegen soll!“

Und Jesus sprach zu einem andern: „Folge mir nach!“ Der sprach aber: „Herr, erlaube mir, daß ich vorher hingehe und meinen Vater begrabe!“ Aber Jesus sprach zu ihm: „Laß die Toten ihre Toten begraben. Gehe du aber hin und verkündige die Herrschaft Gottes!“

Und ein anderer sprach: „Herr, ich will dir nachfolgen. Aber erlaube mir vorher, daß ich eine Abschiedsfeier mache mit denen, die in meinem Haus sind!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geeignet für die Herrschaft Gottes (Mt 8,18-22; Lk 9,58-62).

 

Die Galiläer:

Es waren zu der Zeit einige Leute dabei, die erzählten Jesus von den Galiläern, deren Blut der römische Statthalter Pilatus mit ihrem Opfer vermischt hatte. Jesus antwortete ihnen: „Meint ihr, daß diese Galiläer mehr als alle anderen Galiläer Sünder gewesen sind, weil sie das erlitten haben?   Ich sage: Nein, sondern wenn ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle ebenso umkommen. Oder meine ihr, daß die achtzehn Leute, auf die der Turm von Siloah fiel und erschlug sie, seien schuldig gewesen mehr als alle Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage: Nein, sondern wenn ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle ebenso umkommen (Lk 13,1-5)

 

Klageruf über Jerusalem:

Es kamen etliche Fromme und sprachen zu ihm: „Gehe fort und zieh davon, denn der König Herodes will dich töten!“ Er aber sprach zu ihnen: „Gehe hin und saget diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Teufel aus und mache gesund heut und morgen, und am dritten Tage werde ich ein Ende nehmen. Doch muß ich heute und morgen und am Tage danach wandern; denn es geht nicht, daß ein Prophet umkomme außerhalb von Jerusalem!“

Und dann fuhr er fort: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigest, die zu dir gesandt werden, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Jungen unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Seht, euer Haus soll euch wüst werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich nicht sehen, bis ihr sagen werdet: Gelobt ist, der da kommt im Namen des Herrn (Lk 13,31-35)

 

Gleichnisse Jesu 

[Die Gleichnisse Jesu wurden schon einmal als eigenes Thema dargestellt. Aber an dieser Stelle werden - wie im Neuen Testament auch - weitere Gleichnisse eingefügt, die das Ende der Welt im Blick haben und zum letzten Vermächtnis Jesu gehören].

 

Gleichnis von der Hochzeit:

Jesus redete abermals durch Gleichnisse und sprach: Mit der Herrschaft Gottes ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Und er sandte seine Diener aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen. Aber sie wollten nicht kommen. Da sandte er andere Diener aus und sprach: „Sagt den Gästen: Ich habe die Mahlzeit vorbereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!“ Aber sie verachteten die Einladung und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Tätigkeit. Einige ergriffen seine Diener, verhöhnten sie und töteten sie. Da das der König hörte, ward er zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.

Dann sprach er zu seinen Dienern: „Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren es nicht wert. Deshalb geht auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet!“ Und die Diener gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute, und die Tische wurden alle voll.

Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen. Dabei sah er einen Menschen, der war nicht gekleidet, wie es sich für eine Hochzeit gehört. Er sprach zu ihm: „Freundchen, wie bist du hereingekommen und hast doch nicht wie für eine Hochzeit angezogen?“Er aber konnte nichts darauf antworten. Da sprach der König zu seinen Dienern: „Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! da wird sein Heulen und Zähneklappen!“ Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt (Mt 22,1-14).

 

Gleichnis von den klugen und die törichten Jungfrauen:

Die Herrschaft Gottes wird gleich sein zehn Brautjungfern, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.  Die klugen aber nahmen außer ihren Lampen auch Öl in ihren Gefäßen mit. Als nun der Bräutigam sich verspätete, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

Um Mitternacht aber erhob sich ein Geschrei: „Der Bräutigam kommt; geht hinaus, ihm entgegen!“ Da standen diese Brautjungfern alle auf und schmückten ihre Lampen. Die törichten aber sprachen zu den klugen: „Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen!“ Da antworteten die klugen und sprachen: „Das kommt nicht in Frage, damit nicht weder wir noch ihr nichts habt. Geht aber hin zu den Kaufleuten und kauft für euch selbst“ Als sie aber hingingen, um zu kaufen, kam der Bräutigam. Und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die anderen Brautjungfern und sprachen: „Herr, Herr, tu uns auf!“ Er antwortete aber: „Ich kann euch nur sagen: Ich kenne euch nicht!“ Deshalb wachet; denn ihr wißt weder Tag noch Stunde, in der der Gottessohn kommen wird (Mt 25,1-13).

 

Gleichnis von den drei Verwaltern:

Mit der Herrschaft Gottes ist es so wie mit einem Menschen, der über Land zog, rief seine Mitarbeiter und übergab ihnen seine Güter. Einem gab er fünf Zentner Gold, dem andern zwei, dem dritten einen, einem jedem nach seinen Fähigkeiten, und zog bald hinweg. Da ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, nutzte sie zum Handeln und gewann weitere fünf Zentner. Ebenso machte es auch der, der zwei Zentner empfangen hatte, und gewann auch zwei andere Zentner. Der aber nur einen empfangen hatte, ging hin und machte eine Grube in die Erde und versteckte dort das Geld seines Herrn.

Nach langer Zeit kam der Herr dieser Mitarbeiter und hielt Rechenschaft mit ihnen. Da trat der heran, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte andere fünf Zentner dazu und sprach: „Herr, du hast mir fünf Zentner gegeben; siehe da, ich habe damit andere fünf Zentner gewonnen!“ Da sprach sein Herr zu ihm: „Ei, du frommer und getreuer Mann, du bist treu gewesen, als du das wenige verwaltet hast, ich will dich über viel einsetzen. Gehe ein zu deines Herrn Freude!“

Da trat auch heran, der zwei Zentner erhalten hatte, und sprach: „Herr, du hast mir zwei Zentner gegeben; siehe da, ich habe mit ihnen zwei andere gewonnen!“ Sein Herr sprach zu ihm: „Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist treu gewesen, als du das wenige verwaltet hast, ich will dich über viel einsetzen. Gehe ein zu deines Herrn Freude!“

Da trat auch heran, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: „Herr, ich wußte, das du ein harter Mann bist: du schneidest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht gestreut hast. Deshalb fürchtete ich mich, ging hin und versteckte deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine!“ Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du Schelm und fauler Mensch! Wenn du wußtest, daß ich schneide, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht gestreut habe? So solltest du doch mein Geld auf die Bank gebracht haben: Und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wieder an mich genommen mit Zinsen. Deshalb nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird alles in Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Mitarbeiter werft hinaus in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappen (Mt 25,14-30).  

 

Gleichnis vom großen Weltgericht:

Wenn der Gottessohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und mit ihm alle heiligen Engel, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und es werden vor ihm alle Völker der Welt versammelt werden. Und er wird sie voneinander trennen, so wie ein Hirte die Schafe von den Böcken trennt. Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken.

 Oder er wird handeln wie ein König und zu denen zu seiner Rechten sagen: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ihr dürft mit hinein in die Herrschaft Gottes, die vom Beginn der Welt an für euch vorbereitet ist! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen!“

Dann werden ihm die Gerechten antworten: „Wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist? oder durstig und haben dich getränkt? Wann haben wir dich als einen Gast gesehen und beherbergt? oder nackt und dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir gekommen?“ 

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“

Aber zu denen zur Linken wird er sagen: „Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das vorbereitet ist für den Teufel und seine Leute! Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht!“

 Da werden sie ihm antworten: „Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder als einen Gast oder nackt oder krank oder gefangen und haben dir nicht geholfen?“ Dann wird er ihnen antworten: „Ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan!“ Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben (Mt 25,31-46).

 

Vergebung („Schalksknecht“):

Jesus sprach: „Sündigt dein Mitmensch an dir, so gehe hin und kritisiere ihn unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du einen Freund gewonnen. Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit man für jede Sache zwei oder drei Zeugen hat. Hört er die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er die Gemeinde nicht, so sehe  ihn wie einen Zöllner oder Andersgläubigen an!“

Dann fuhr er fort: „Ich sage euch: „Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein! Weiter sage ich euch: wo zwei unter euch eins werden, worum sie bitten wollen, das soll ihnen von meinem Vater im Himmel gegeben werden. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!“

 Da trat Petrus zu ihm und sprach: „Herr, wie oft muß ich denn meinem Mitmenschen, der an mir sündigt, vergeben? Ist es genug, wenn ich ihm siebenmal in der gleichen Sache vergebe?“

Jesus sprach zu ihm: „Ich sage dir: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal!“

Dann fügte er noch ein Gleichnis hinzu: „Mit der Herrschaft Gottes verhält es sich wie mit einem König, der mit seinen Verwaltern abrechnen wollte.  Und als er mit der Abrechnung anfing, kam einer vor ihn, der war ihm zehntausend Pfund schuldig.

Weil er nicht bezahlen konnte, ließ der Herr ihn und seine Frau und seine Kinder und alle seine Habe verkaufen und bezahlen. Da fiel der Verwalter nieder und bat ihn: „Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen!“ Da tat dem Herrn der Verwalter leid und er ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch.

Da ging derselbe Verwalter hinaus und fand einen seiner Mitarbeiter, der war ihm hundert Groschen schuldig. Und er griff ihn an und würgte ihn und sprach: „Bezahle mir, was du mir schuldig bist!“ Da fiel sein Mitarbeiternieder und bat ihn: „Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen!“ Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er bezahlte, was er schuldig war.

Als aber die anderen Verwalter das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und erzählten ihrem Herrn alles, was sich begeben hatte.

 Da forderte sein Herr den unbarmherzigen Verwalter vor sich und sprach zu ihm: „Du Schelm, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest. Solltest du dich da nicht auch erbarmen über deinen Arbeitskollegen, wie ich mich über dich erbarmt habe?“ Und sein Herr wurde sehr zornig und überantwortete ihn den Gefängnisaufsehern, bis er alles bezahlte, was er ihm schuldig war. So wird euch mein himmlischer Vater auch tun, wenn ihr nicht jeder seinem Mitmenschen seine Fehler vergibt von ganzem Herzen (Mt 18,15-35).

 

Die untreuen Weingärtner:

Jesus redete zu seinen Anhängern durch Gleichnisse: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und baute einen Zaun darum und grub eine Kelter in den Boden und baute einen Turm und übergab ihn den Weingärtnern und zog über Land.

Als die Zeit kam, sandte er einen Angestellten zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil von der Frucht des Weinbergs nähme. Sie nahmen ihn aber und schlugen ihn und ließen ihn leer von sich gehen. Da sandte er ihnen noch einmal einen anderen Angestellten. Dem zerwarfen sie den Kopf mit Steinen und ließen ihn gedemütigt von sich. Noch einmal sandte er einen andern, aber den töteten sie. Und noch viele andere sandte er zu ihnen, aber einige schlugen sie, einige töteten sie.

Da hatte er noch einen einzigen Sohn, der war ihm lieb. Den sandte er zuletzt auch zu ihnen und sprach: „Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen!“ Aber die Weingärtner sprachen untereinander: „Das ist der Erbe. Kommt, laßt uns ihn töten, so wird das Erbe uns gehören!“ Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg.  Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. Habt ihr auch nicht gelesen diese Schrift: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Von dem Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbar vor unseren Augen“?

Aber sie überlegten, wie sie Jesus ergriffen, fürchteten sich aber doch vor den Leuten. Denn sie verstanden, daß er sie mit diesem Gleichnis gemeint hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon. (Mk 12,1-12)

 

Arbeiter im Weinberg:

Noch ein Gleichnis erzählte Jesus: Die Gottesherrschaft  ist gleich einem Unternehmer, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten für seinen Weinberg. Als er mit den Arbeitern eins wurde, einen Fünfziger Tagelohn zu zahlen, sandte er sie in seinen Weinberg.

Um neun Uhr ging er wieder aus und sah andere auf dem Markte untätig herumstehen, und sprach zu ihnen: „Geht ihr auch hin in den Weinberg. Ich will euch geben, was üblich ist!“ Und sie gingen hin. Dann ging er noch einmal aus um zwölf Uhr und mittags um drei Uhr und tat ebenso.

Schließlich ging er noch einmal um fünf Uhr nachmittags aus und fand andere untätig stehen und sprach zu ihnen: „Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?“ Sie sprachen zu ihm: „Es hat uns niemand angeworben!“ Er sprach zu ihnen: „Geht ihr auch hin in den Weinberg, und was üblich ist, wird euch bezahlt!“

Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Buchhalter: „Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den Letzten und gehe bis vor zu den Er­sten!“ Da kamen, die um fünf Uhr verpflichtet worden waren, und jeder empfing seinen Fünfziger.

Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen. Aber sie erhielten auch jeder  seinen Fünfziger. Als sie den empfingen, murrten sie gegen den Unternehmer und sprachen: „Diese haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie gleich behandelt wie uns, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben!“

 Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: „Mein Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Hast du dich nicht mit mir geeinigt auf einen Fünfziger? Nimm, was dein ist, und gehe hin! Ich will aber diesem letzten ebensoviel geben wie dir. Oder habe ich nicht die Macht, mit dem Meinen das zu tun, was ich will? Guckst du deshalb schief, weil ich so gütig bin?“ So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt (Mt 20,1-16).

(Lukas hat das Wort von den Ersten und Letzten in einem anderen Zusammenhang:

Wenn der Hausherr erst aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat, da werdet ihr dann draußen zu stehen und an die Tür klopfen und sagen: „Herr, Herr, tu uns auf!“Und er wird antworten und zu euch sagen: „Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid?“ Da werdet ihr dann sagen: „Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf den Gassen hast du uns gelehrt!“ Aber er wird sagen: „Ich sage euch doch: Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid. Weicht alle von mir, ihr Übeltäter!“ Da wird dann sein Heulen und Zähneklappen, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten in der Herrschaft Gottes sehen werdet, ihr aber seid hin­ausgestoßen. Es werden kommen von Osten und Westen, von Norden und Süden  die zu Tische sitzen werden in der Herrschaft Gottes. Die Letzten werden die Ersten sein, und die Ersten werden die Letzten sein. (Lk 13,18-27)

 

Gleichnis von den Weingärtnern:

Jesus sagte den Leuten Volk dieses Gleichnis: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und übergab ihn den Weingärtnern aus und zog eine gute Zeit über Land. Nach einiger Zeit sandte er einen Angestellten zu den Weingärtnern, daß sie ihm gäben von der Frucht des Weinberges. Aber die Weingärtner schlugen ihn mit Peitschen ihn und ließen ihn leer von sich. Aber er sandte er noch einen anderen Angestellten. Sie aber schlugen den auch und höhnten ihn und ließen ihn leer von sich. Darüber hinaus sandte er den dritten: Sie aber verwundeten den auch und stießen ihn hinaus.

Da sprach der Herr des Weinberges: „Was soll ich tun? Ich will meinen lieben Sohn senden; vielleicht, wenn sie den sehen, werden sie sich scheuen!“ Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, dachten sie bei sich selbst: „Das ist der Erbe! Kommt, laßt uns ihn töten, daß das Erbe uns gehört!“ Und sie stießen ihn hinaus vor den Weinberg und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinberges ihnen tun? Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und seinen Weinberg anderen geben.

Als sie das hörten, sprachen sie: „Das komme nur ja nicht!“ Er aber sah sie an und sprach: „Was meint denn das, was geschrieben steht: ‚Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden‘? Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen, auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen (Lk 20, 9-18)

 

Gleichnis von den anvertrauten Geldern: 

Jesus sagte ein Gleichnis, weil sie nahe bei Jerusalem war und meinten, die Gottesherrschaft  sollte bald aufgedeckt werden. Er sprach: Ein edler Mann zog in ein fernes Land, damit er ein Reich erobere und dann wiederkäme. Er bestellte zehn seiner Angestellten, gab jedem einen Geldbetrag und sprach zu ihnen: „Treibt damit Handel, bis ich wiederkomme!“ Als er wiederkam, nachdem er das Reich erobert hatte, bestellte er die Angestellten, denen er das Geld gegeben hatte, damit er erführe, was ein jeder erhandelt hätte.

Da trat der erste herzu und sprach: „Herr, dein Geld hat den zehnfachen Wert erworben!“

Und er sprach zu ihm: „Gut, du musterhafter Angestellter. Weil du im Geringsten treu gewesen bist, sollst du Macht haben über zehn Städte. Der andere kam und sprach: „Herr, dein Geld hat den fünffachen Wert erlangt!“ Zu dem sprach er: „Du sollst herrschen über fünf Städte!“

Und der dritte kam und sprach: „Herr, siehe da, hier ist dein Pfund, das ich habe im Taschentuch behalten habe. Ich fürchtete mich vor dir, denn du bist ein harter Mann: Du nimmst, was du nicht hingelegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast!“

 

Er sprach zu ihm: „Aus deinem eigenen Mund richte ich dich, du Schelm. Wenn du wußtest, daß ich ein harter Mann bin, und nehme, was ich nicht hingelegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe, warum hast du denn mein Geld nicht auf die Bank gegeben? Und wenn ich gekommen wäre, hätte ich es mit Zinsen gefordert!“ Und er sprach zu denen, die dabeistanden: „Nehmt das Geld von ihm und gebt es dem, der den zehnfachen Betrag erworben hat!“

Sie sprachen zu ihm: „Herr, hat er doch schon soviel Geld!“  Er aber sprach: „Wer da hat, dem wird gegeben werden. Von dem aber, der nichts hat, wird auch das genommen werden, was er hat!“ Und als Jesus das sagte, zog er fort und reiste hinauf nach Jerusalem (Lk 19,11-28).

 

Reicher Mann und armer Lazarus:

Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein armer Mann mit Namen Lazarus, der lag vor der Tür des Reichen voller Geschwüre und wollte sich gern sättigen von den Krümeln, die vom Tisch des Reichen fielen. Doch es kamen nur die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als aber der Arme starb, wurde er von den Boten Gottes getragen in Abrahams Schoß [Abraham ist ein Stammvater des Volkes Israel].

Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen hoch und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß sitzen. Und er rief: „Vater Abraham, erbarme dich über mich und sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge, denn ich leide Qual in dieser Flamme!“

Abraham aber sprach: „Bedenke, ein Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben. Lazarus dagegen hat Böses empfangen. Nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeinigt.  Darüber hinaus ist zwischen uns und euch eine große Kluft. Wenn die von hier zu euch hinabfahren wollten, könnten sie nicht, und auch nicht von dort zu uns herüberfahren!“

Da sprach er: „So bitte ich dich, Vater, daß du ihn in meines Vaters Haus sendest. Denn ich habe noch fünf Brüder, damit er ihnen alles erzähle, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen!“

 Abraham sprach zu ihm: „Sie haben die Bücher des Mose und die Propheten. Laß sie diese hören!“ Er aber sprach: „Nein, Vater Abraham! Wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie ihr Leben ändern!“ Er sprach zu ihm: „Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstünde (Lk 16,1-31).

 

Wachet:

Von dem Tag und der Stunde des Endes der Welt weiß niemand, auch die Boten im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.  Seht zu, wachet und betet, denn ihr wißt nicht, wann es Zeit ist.

Ihr müßt es machen wie ein Mensch, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Untergebenen die Macht, einem jeden seine eigene Aufgabe, und dem Türhüter befahl er, er sollte wachen.

So wacht nun, denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob er kommt am Abend oder zur Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder erst am Morgen, damit er nicht schnell komme und finde euch schlafend. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet! (Mk 12,41-44).

 

 

Der wachsame Untergebene:

Macht den Gürtel um den Bauch und laßt eure Lichter brennen und seid den Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten und aufpassen, wann er von der Hochzeit aufbrechen wird, wenn er kommt und anklopft. Glücklich zu preisen sind die Untergebenen, die der Herr wach findet, wenn  er kommt. Ich sage euch: Er wird die Schürze umbinden und wird sie an den Tisch setzen und vor ihnen gehen und ihnen dienen. Und wenn er kommt in der zweiten Wache und in der dritten Wache und wird es so finden: glücklich zu preisen sind diese Untergebenen.  Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüßte, in welcher Stunde der Dieb käme, so wachte er und ließe nicht in sein Haus einbrechen. Deshalb seid ihr auch bereit, denn der Gottessohn wird kommen zu einer Stunde, wo ihr es nicht meint (Lk 12,35-40).

 

Der treue Verwalter:

Petrus sprach zu ihm: „Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns oder auch zu allen?“ Jesus sprach: „Es ist großartig, wenn ein Verwalter treu und klug ist, den der Herr über seine Untergebenen eingesetzt hat, damit er ihnen zur rechten Zeit den Lohn gebe! Selig ist der Untergebene, den sein Herr so zu tun findet, wenn er kommt. Ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.

Wenn aber der Verwalter in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr läßt sich Zeit zu kommen, und fängt an, die anderen Untergebenen zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen, dann wird der Herr kommen an dem Tage, wo er nicht damit rechnet, und zu einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn in Stücke hauen lassen und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen. Der Verwalter aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht vorbereitet und  auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge leiden müssen. Der es aber nicht weiß, hat aber getan, was der Schläge wert ist, wird wenig Schläge erleiden. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen. Und wem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern.

Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden. Ich wollte nichts lieber, als daß es schon brennte! Aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe. Wie ist mir so bange, bis diese Taufe vollendet wird! Meint ihr, daß ich hergekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Uneinigkeit. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei, und zwei gegen drei. Der Vater wird sein gegen den Sohn, und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter, und die Tochter gegen die Mutter; die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter, und die Schwiegertochter gegen die Schwie­germutter!“

Dann sprach er zu den Leuten: „Wenn ihr eine Wolke aufgehen seht am Abend, dann sprecht ihr sofort: Es kommt ein Regen, und es geschieht so. Und wenn den Südwind wehen seht, dann sprecht ihr: Es wird heiß werden, und es geschieht so. Ihr Heuchler! Die Gestalt der Erde und des Himmels könnt ihr prüfen. Warum prüft ihr aber diese Zeit nicht? Warum richtet ihr nicht von euch selber, was recht ist? Wenn du aber mit deinem Widersacher vor den Fürsten gehst, so mühe auf dem Weg, daß du ihn noch los wirst, damit er nicht etwa dich vor den Richter ziehe, und der Richter werfe dich ins Gefängnis. Ich sage dir: Du wirst dort nicht herauskommen, bis du den allerletzten Heller bezahlt hast (Lk 12,41-59).

 

Gleichnis vom Feigenbaum:

Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg. Und er kam und suchte Frucht darauf, und fand sie nicht. Da sprach er zu dem Weingärtner: „Siehe, ich bin nun drei Jahre lang alle Jahre gekommen und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum, und finde sie nicht. Haue ihn ab! Was hindert er das Land?“ Er aber antwortete: „Herr, laß ihn noch dies Jahr, damit ich um ihn herum grabe und ihn dünge, ob er nicht doch Frucht bringen wolle. wenn nicht, so haue ihn danach ab (Lk 13,6-9).

 

 

 

 

 

 

Das Johannesevangelium

 

[Das Johannesevangelium unterscheidet in vielen Punkten von den drei anderen Evangelien, obwohl es auch viele Geschichten mit diesen gemeinsam hat. Vor allem benutzt es eine ganz andere Sprache, die den Formulierungen ähnlich ist, die eine damals weit verbreitete Weltanschauung verwendet, nämlich die „Gnosis“. Diese war zeitweise eine ziemliche Gefahr für das Christentum. Deshalb versucht das Johannesevangelium dieser Weltanschauung das Wasser abzugraben und mit einer ähnlichen Sprache die Menschen zu gewinnen, die damit sympathisierten. Besonders wird das deutlich bei den Stellen, die nur das Johannesevangelium hat. Diese werden hier im Zusammenhang wiedergegeben].

 

Der Sohn Gottes macht lebendig:  

Jesus sprach: „Ich sage euch: Der Sohn kann nichts aus sich selber tun, sondern nur das, was er den Vater tun sieht. Denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn. Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

Ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören. Und die sie hören werden, die werden leben. Denn wie der Vater hat das Leben in ihm selber, also hat er dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in ihm selber, und hat ihm Macht gegeben, auch das Gericht zu halten, weil er der Gottessohn ist.

Wundert euch nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat. Wenn ich mich nur selbst bezeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. Ein anderer ist es aber, der von mir zeugt. Und ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt.

Ihr schicktet zu Johannes, und er zeugte von der Wahrheit. Ich aber nehme nicht Zeugnis von Menschen, sondern so etwas sage ich, damit ihr selig werdet. Johannes war ein brennend und scheinend Licht. Ihr aber wolltet eine kleine Weile fröhlich sein in seinem Licht. Ich aber habe ein größeres Zeugnis, als das Zeugnis des Johannes. Denn die Werke, die mir der Vater gegeben hat, daß ich sie vollende, eben diese Werke, die ich tue, zeugen von mir, daß mich der Vater gesandt hat. Und der Vater, der mich gesandt hat, der hat von mir gezeugt. Ihr habt nie weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnen, denn ihr glaubt dem nicht, den er gesandt hat.

Sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr hättet das ewige Leben darin. Und sie ist es, die von mir zeugt. Ihr wollt nicht zu mir kommen, daß ihr das Leben haben könntet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen. Aber ich kenne euch, daß ihr nicht die Liebe Gottes in euch habt. Ich bin gekommen im Namen meines Vaters, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommen wird, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben! Ihr ehrt euch doch nur gegenseitig, aber die Ehre, die allein von Gott kommt, sucht ihr nicht.

Ihr sollt nicht meinen, daß ich euch vor dem Vater verklagen werde. Verklagen wird euch Mose, auf den ihr doch so hofft. Wenn ihr Mose glaubtet, dann würdet ihr auch mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben? (Joh 5,1-47).

 

Das Brot des Lebens:   

Am anderen Tag sahen die Leute, die diesseits des Sees standen, daß kein anderes Boot da war als das eine, in das seine Anhänger getreten waren. Und sie sahen auch, daß Jesus nicht mit seinen Anhängern in das Schiff getreten war, sondern allein seine Anhänger waren weggefahren. Es kamen aber andere Schiffe von Tiberias nahe zu der Stelle, wo sie sie das Brot gegessen hatten. Als nun die Leute sahen, daß Jesus nicht da war noch seine Anhänger, stiegen sie auch in Boote und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus.

Als sie ihn fanden auf der anderen Seite des Sees, sprachen sie zu ihm: „Meister, wann bist du hergekommen?“ Jesus antwortete ihnen und sprach: „Ich sage euch: Ihr sucht mich nicht deshalb, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und seid satt geworden. Verschafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt in das ewige Leben, das euch der Gottessohn geben wird, denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters.

Da sprachen sie zu ihm: „Was sollen wir tun, daß wir Gottes Werke tun?“ Jesus antwortete ihnen: „Das ist Gottes Werk, daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat!“ Da sprachen sie zu ihm: „Was tust du denn für ein Zeichen, damit wir es sehen und dir glauben? Was wirkst du?

Unsere Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht: Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen!“ Da sprach Jesus zu ihnen: „Ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben!“

Da sprachen sie zu ihm: „Herr, gib uns allezeit solches Brot!“ Jesus aber sprach zu ihnen: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird niemals mehr dürsten. Aber ich habe es euch gesagt, daß ihr mich gesehen habt, und glaubt doch nicht. Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat.

Das ist aber der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich es auferwecke am Letzten Tag. Denn das ist der Wille dessen, der mich gesandt hat: Wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.

 Da murrten die Juden darüber, daß er sagte, er sei das Brot vom Himmel, und sprachen: „Ist dieser nicht Jesus, Josephs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie spricht er denn: Ich bin vom Himmel gekommen?“ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Murrt nicht untereinander. Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.

Es steht geschrieben in den Propheten: ‚Sie werden alle von Gott gelehrt sein‘. Wer es nun hört vom Vater und lernt es, der kommt zu mir. Nicht daß jemand den Vater gesehen habe, außer dem, der vom Vater ist, der hat den Vater gesehen!“

Dann fährt Jesus fort: „Ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben Manna [Frucht eines Strauchs] gegessen in der Wüste und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit nicht sterbe, wer davon ißt. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt!“

Da zankten die Juden untereinander und sprachen: „Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ Jesus sprach zu ihnen: „Ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Gottessohns und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch ißt und trinkt mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Wer mein Fleisch ißt und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch leben um meinetwillen, wer mich ißt.

Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht so  wie bei euren Vorfahren: Die haben Manna gegessen und sind gestorben. Wer dies Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit!“ Das sagte er im Bethaus, als er lehrte in Kapernaum (Joh 6, 22-59).

 

Trennung unter den Jüngern:

Viele seiner Anhänger, die das hörten, sprachen: „Das ist eine harte Rede. Wer kann sie hören?“ Da Jesus aber selber merkte, daß seine Anhänger darüber murrten, sprach er zu ihnen: „Ärgert euch das?  Wie wird es da erst sein, wenn ihr den Gottessohn auffahren sehen werdet dahin, wo er zuvor war? Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind einige unter euch, die glauben nicht!“ Und er sprach: „Deshalb habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn ihm von meinem Vater gegeben!“ Von dem an wandten sich viele seiner Anhänger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm (Joh 6,60-65).

 

Jesus auf dem Laubhüttenfest:

Jesus zog umher in Galiläa, denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil ihm die Juden nach dem Leben trachteten. Das jüdische Laubhüttenfest war nahe. Da sprachen seine Brüder zu ihm: „Mach dich auf und geh nach Judäa, damit auch deine Anhänger deine Werke sehen. Niemand tut etwas im Verborgenen und will doch öffentlich sein. Tust du das, so enthülle dich vor der Welt, denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.

Da spricht Jesus zu ihnen: „Meine Zeit ist noch nicht hier; eure Zeit aber ist immer. Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber haßt sie, denn ich sage von ihr, daß ihre Werke böse sind. Geht ihr hinauf auf dieses Fest. Ich will noch nicht hinaufgehen auf dieses Fest, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt!“ Als er aber das zu ihnen gesagt hatte, blieb er in Galiläa.

Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren, da ging er auch hinauf zu dem Fest, nicht offen, sondern heimlich. Da suchten ihn die Juden am Fest und sprachen: „Wo ist der?“ Und es war ein großes Gemurmel unter dem Volk. Einige sprachen: „Er ist fromm!“ Die andern aber sprachen: „Nein, er verführt das Volk!“ Niemand aber redete frei von ihm aus Furcht vor den Juden.

Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. Und die Juden wunderten sich und sprachen: „Wie kann dieser die heiligen Schriften auslegen, wo er sie doch nicht gelernt hat?“ Jesus antwortete ihnen: „Meine Lehre ist nicht mein, sondern dem, der mich gesandt hat.  Wenn jemand seinen Willen tut, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede. Wer von sich selbst redet, der sucht seine eigene Ehre. Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und ist keine Ungerechtigkeit an ihm. Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben? Aber niemand unter euch tut das Gesetz. Warum sucht ihr mich zu töten?“

Das Volk antwortete: „Du hast den Teufel! Wer versucht dich zu töten?“ Jesus antwortete: „Ein einziges Werk habe ich getan, und es wundert euch alle. Mose hat euch deshalb die Beschneidung gegeben, nicht daß sie von Mose kommt, sondern von den Vätern, und ihr beschneidet den Menschen am Feiertag. Wenn ein Mensch die Beschneidung annimmt am Sabbat, damit nicht das Gesetz Mose gebrochen werde, warum seid ihr denn zornig über mich, daß ich den ganzen Menschen am Feiertag gesund gemacht habe? Richtet nicht nach dem Ansehen, sondern richtet ein rechtes Gericht!“

Da sprachen einige aus Jerusalem: „Ist das nicht der, den sie zu töten versuchten? Und siehe zu, er redet frei, und sie sagen nichts. Erkennen unsere Oberen nun gewiß, daß er gewiß der Christus ist? Doch wir wissen, woher dieser ist. Wenn aber Christus kommen wird, dann wird niemand wissen, woher er ist!“

Da rief Jesus im Tempel: „Ja, ihr kennt mich und wißt, woher ich bin. Von mir selbst bin ich nicht gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. Ich kenne ihn aber, denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt!“ Da suchten sie ihn zu greifen. Aber niemand legte die Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. Aber viele vom Volk glaubten an ihn und sprachen: „Wenn Christus kommen wird, wird er auch mehr Zeichen tun, als dieser tut?“

Und es kam vor die Frommen, daß das Volk so etwas von ihm murmelte. Da sandten die Frommen und Oberpriester Leute aus, daß sie ihn griffen. Da sprach Jesus zu ihnen: „Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen, und nicht finden. Und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen!“

Da sprachen die Juden untereinander: „Wo soll dieser hingehen, daß wir ihn nicht finden sollen? Will er zu den Zerstreuten unter den Griechen gehen und die Griechen lehren? Was ist das für eine Rede, daß er sagte: Ihr werdet mich suchen, und nicht finden, und wo ich bin, da könnet ihr nicht hin kommen?“

Aber am letzten Tage des Festes, der am herrlichsten war, trat Jesus auf, rief und sprach: „Wen dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!“ Das sagte er aber von dem Geist, den empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist Gottes war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Viele nun vom Volk, die diese Rede hörten, sprachen: „Dieser ist wahrhaftig der Prophet!“ Andere sprachen: „Er ist der Christus!“ Einige aber sprachen: „Soll Christus aus Galiläa kommen? Sagt nicht die Schrift: als Nachkomme Davids und aus dem Dörfchen Bethlehem, wo David war, soll der Christus kommen?“ So gab es einen Streit unter den Leuten über ihn. Einige wollten ihn greifen, aber niemand legte die Hand an ihn.

Die Angestellten kamen zu den Oberpriestern und Frommen. Diese sprachen zu ihnen: „Warum habt ihr ihn nicht gebracht?“ Die Angestellten antworteten: „Es hat nie ein Mensch so geredet wie dieser Mensch!“ Da antworteten ihnen die Frommen: „Seid ihr auch verführt? Glaubt auch irgendein Oberer oder Frommer an ihn? Das Volk, das nichts vom Gesetz weiß, ist verflucht!“

 Da spricht zu ihnen Nikodemus, der in der Nacht zu ihm kam, der einer unter ihnen war: „Richtet unser Gesetz auch einen Menschen, ehe man ihn verhört und erkennt, was er tut?“ Sie antworteten ihm: „Bist du auch ein Galiläer? Forsche und siehe, aus Galiläa steht kein Prophet auf!“ Daraufhin ging jeder heim (Joh 7,1-52).

 

Jesus über sich selbst:

Jesus redete abermals zu ihnen und sprach: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wir das Licht des Lebens haben!“ Da sprachen die Frommen zu ihm: „Du bezeugst nur dich selbst, aber dein Zeugnis ist nicht wahr!“ Jesus antwortete zu ihnen: „Selbstwenn ich nur mich selbst bezeugen würde, so ist mein Zeugnis wahr, denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wißt nicht, woher ich komme und wohin ich gehe. Ihr richtet nach dem äußeren Anschein, ich richte niemand. Wenn ich aber richte, so ist mein Gericht recht, denn ich bin nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, daß zweier Menschen Zeugnis wahr sei. Ich bin es, der ich mich selbst bezeuge. Und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von mir!“

Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist dein Vater?“ Jesus antwortete: „Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Wenn ihr mich kennen würdet, so würde ihr auch meinen Vater kennen!“ Diese Worte redete Jesus an dem Gotteskasten, als er lehrte im Tempel. Und niemand ergriff ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

Da sprach Jesus erneut zu ihnen: „Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wo ich hin gehe, da könnt ihr nicht hin kommen!“ Da sprachen die Juden: „Will er sich denn selbst töten, weil er spricht: Wohin ich gehe, da könnt ihr nicht hin kommen?“ Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr seid von untenher, ich bin von obenher. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. So habe ich euch gesagt, daß ihr sterben werdet in euren Sünden. Denn wenn ihr nicht glaubt, daß ich es sei, so werdet ihr sterben in euren Sünden!“

 Da sprachen sie zu ihm: „Wer bist du denn?“  Jesus sprach zu ihnen: „Was rede ich noch mit euch? Ich habe viel über euch zu reden und zu richten. Aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig. Und was ich von ihm gehört habe, das rede ich vor der Welt!“ Sie verstanden aber nicht, daß zu ihnen über den Vater sprach. Da sprach Jesus zu ihnen: „Wenn ihr den Gottessohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin und nichts von mir selber tue, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Der Vater läßt mich nicht allein, denn ich tue stets, was ihm gefällt. Als er dieses redete, glaubten viele an ihn.

 

 

 

 

Die Wahrheit macht frei:

Jesus sprach zu den Juden, die an ihn glaubten: „Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Anhänger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!“ Da antworteten sie ihm: „Wir sind Abrahams Nachkommen, sind niemals jemandem untertan gewesen. Wie sprichst du denn: Ihr sollt frei werden?“ Jesus antwortete ihnen: „Ich sage euch: „Wer Sünde tut, der ist Diener der Sünde. Der Diener bleibt nicht ewig im Hause. Der Sohn aber bleibt ewiglich. Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.  Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Nachkommen seid. Aber ihr versucht mich zu töten, denn meine Rede verfängt nicht bei euch. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe. Deshalb tut auch ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt!“

Sie antworteten ihm: „Abraham ist unser Vater!“ Spricht Jesus zu ihnen: „Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke. Nun aber versucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. Ihr tut eures Vaters Werke!“ Da sprachen sie zu ihm: „Wir sind nicht unehelich geboren, wir haben einen Vater, nämlich Gott!“

Jesus sprach zu ihnen: „Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich. Denn ich bin ausgegangen und komme von Gott, ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum kennt ihr denn meine Sprache nicht? Denn ihr könnt ja mein Wort nicht hören.  Euer Vater ist der Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und ein Vater der Lüge. Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubt ihr mir nicht

Wer unter euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte. Darum hört ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott!“ Da antworteten die Juden: „Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast den Teufel?“ Jesus antwortete: „Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr gebt mir nicht die Ehre. Ich suche nicht meine Ehre. Es ist aber einer, der sie sucht, und richtet. Ich sage euch: Wenn jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit!“

Da sprachen die Juden zu ihm: „Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: Wenn jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken in Ewigkeit. Bist du denn mehr als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?“ Jesus antwortete:
Wenn ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt, von dem ihr sprecht, er sei euer Gott. Aber ihr kennt ihn nicht, ich aber kenne ihn. Wenn ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, so wie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, wurde froh, als er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich!“ Da sprachen die Juden zu ihm: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?“ Jesus sprach zu ihnen: „Ich sage euch: Ehe Abraham ward, bin ich gewesen!“ Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus (Joh 8,31-59).

 

Der gute Hirte:

Jesus sprach: „Ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Wer aber zur Tür hineingeht, der ist ein Hirte der Schafe.

Dem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme, und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie aus. Und wenn er seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen hin, und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm, denn sie kennen die Stimme des Fremden nicht!“ Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen. Sie verstanden aber nicht, was er da zu ihnen sagte.

Da sprach Jesus wieder zu ihnen: „Ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Mörder; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hindurchgeht, der wird glücklich zu preisen sein und wird ein und aus gehen und Weide finden. Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, würgen und umzubringen. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und vollen Unterhalt haben sollen.

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für seine Schafe. Der Hilfsarbeiter aber, der nicht Hirte ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht, und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Hilfsarbeiter aber flieht,  denn er ist nur gemietet und achtet die Schafe nicht. Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall. Diese muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden. Darum liebt mich mein Vater, daß ich mein Leben lasse, damit ich es wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es aus eigenem Willen. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Dieses Gebot habe ich empfangen von meinem Vater!“ Da entstand erneut eine Zwietracht unter den Juden über diese Worte. Viele unter ihnen sprachen: „Er hat den Teufel und ist unsinnig. Was höret ihr ihm zu?“ Die andern sprachen: „Das sind nicht Worte eines Besessenen. Kann denn der Teufel auch die Augen der Blinden auftun?“ (Joh 11,1-22)

 

Feindschaft der Juden:

Es war das Fest der Tempelweihe ein Jerusalem und es war Winter. Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos umher. Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen?“ Bist du der Christus, so sage es uns frei heraus!“ Jesus antwortete ihnen: „Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir. Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht meine Schafe, wie ich euch gesagt habe. Denn meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins

Da hoben die Juden erneut Steine auf, um ihn zu steinigen. Jesus antwortete ihnen: „Viel gute Werke habe ich euch gezeigt von meinem Vater. Wegen welcher Tat von diesen Taten steinigt ihr mich?“ Die Juden antworteten ihm: „Um einer guten Tat willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen und daß du ein Mensch bist und machst dich selbst zu Gott!“ Jesus antwortete ihnen: „Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: ‚Ich habe gesagt: Ihr seid Götter‘? Wenn er die Götter nennt, denen das Wort Gottes gesagt wurde - und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden - sprecht ihr denn zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: ‚Du lästerst Gott‘, weil ich sage: ‚Ich bin Gottes Sohn?‘

Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubt ihr mir nicht. Tue ich sie aber, glaubt doch wenigstens den Werken, wenn ihr schon nicht glauben wollt, damit ihr erkennt und glaubt, daß der Vater in mir ist und ich in ihm!“ Sie versuchten erneut ihn zu greifen, aber er entging ihnen aus ihren Händen und zog wieder an den Ort jenseits des Jordans, wo Johannes früher getauft hatte, und blieb dort. Und viele kamen zu ihm und sprachen: „Johannes tat kein Zeichen. Aber alles, was Johannes von Jesus gesagt hat, das ist wahr. Und es glaubten dort viele an ihn (Joh 11,23-42).

 

Todesbeschluß über Jesus:

Einige aber von ihnen gingen hin zu den Frommen und sagten ihnen, was Jesus mit Lazarus getan hatte. Da versammelten die Oberpriester und die Frommen einen Rat und sprachen: „Was können wir tun? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn gewähren, so werden sie alle an ihn glauben. Dann kommen aber die Römer und nehmen uns Land und Leute!“

Einer aber unter ihnen, Kaiphas, der in diesem Jahr Oberpriester war, sprach zu ihnen: „Ihr wißt nichts, bedenket auch nichts: Es ist besser für uns, wenn ein Mensch stirbt für das Volk, als daß das ganze Volk verderbe!“ Von dem Tag an beratschlagten sie, wie sie ihn töteten.

Jesus aber ging nicht mehr frei unter den Juden umher, sondern ging von dort in eine Gegend nahe bei der Wüste, in die Stadt Ephrem, und blieb dort mit seinen Anhängern. Es war aber nahe das Passahfest der Juden. Und es gingen viele aus der Gegend hinauf nach Jerusalem vor dem Fest, damit sie sich reinigten. Da standen sie und fragten nach Jesus und redeten miteinander im Tempel: „Meint ihr, daß er nicht kommt auf das Fest?“ Es hatten aber die Oberpriester und Frommen einen Befehl ausgehen lassen: Wenn jemand wüßte, wo Jesus wäre, sollte er es anzeigen, damit sie ihn griffen (Joh 11,46-57).

 

Vor der Verherrlichung:

Es waren auch einige griechisch sprechende Ausländer hinaufgekommen nach Jerusalem, daß um auf dem Fest Gott anzubeten. Die traten zu Philippus aus Bethsaida in Galiläa und baten ihn: „Herr, wir wollten Jesus gern sehen!“ Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagten es Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Zeit ist gekommen, daß der Gottessohn verherrlicht werde! Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, dann bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, so bringt es viele Früchte. Wer sein Leben liebhat, der wird es verlieren. Und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird es erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach. Und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Jetzt ist meine Seele betrübt. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in die Welt gekommen. Vater verherrliche deinen Namen!“

Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn verherrlicht und will ihn erneut verherrlichen!“ Da sprachen die Leute, die dabei standen und zuhörten: „Es donnerte!“ Die andern sprachen: „Es redete ein Bote Gottes mit ihm!“ Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Jetzt geht das Gericht über die Welt, nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Aber ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen (Das sagte er, um anzudeuten, welches Todes er sterben würde)

Da antwortete ihm das Volk: „Wir haben gehört im Gesetz, daß der Christus ewig bleibe. Wie sagst du denn: Der Gottessohn muß erhöht werden‘? Wer ist dieser Gottessohn?“ Da sprach Jesus zu ihnen: „Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Seid unterwegs, solange ihr das Licht habt, daß euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis geht, der weiß nicht, wo er hingeht. Glaubt an das Licht, solange ihr es habt, damit ihr des Lichtes Kinder seid (Joh 12,20-36).

 

Unglaube und Glaube:

Jesus und ging weg und verbarg sich vor den Leuten. Und obwohl er solche Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie doch nicht an ihn, damit erfüllt werde der Spruch des Propheten Jesaja: ‚Herr, wer glaubt unserm Predigen? Und wem ist der Arm des Herrn offenbart?  Sie konnten auch deshalb nicht glauben, weil Jesaja an anderer Stelle sagte: ‚Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, daß sie mit den Augen nicht sehen noch mit dem Herzen vernehmen und sich bekehren und ich ihnen hülfe.“ So redete Jesaja, als er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm. Doch auch viele der Obersten glaubten an ihn. Aber wegen der Frommen bekannten sie sich nicht dazu, damit sie nicht geächtet würden. Denn sie hatten lieber die Ehre bei den Menschen als die Ehre bei Gott!“

Jesus aber rief: „Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin gekommen in die Welt ein Licht, damit wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. Und wer meine Worte hört und glaubt nicht, den werde ich nicht richten. Denn ich bin nicht gekommen, die Welt zu richten, sondern sie so zu machen, wie Gott sie will. Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter. Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Letzen Tag. Denn ich habe nicht von mir selber geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll. Und ich weiß, daß sein Gebot ist das ewige Leben. Deshalb, was ich rede, das rede ich so, wie mir der Vater gesagt hat (Joh 12,36-50).

 

Fußwaschung:

Vor dem Passahfest erkannte Jesus, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater: Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas Ischariot, Simons Sohn, ins Herz gegeben hatte, daß er ihn verriete, und Jesus wußte, daß ihm der Vater alles in seine Hände gegeben und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging: Da stand er vom Abendessenauf, legte seine Gewänder ab und nahm eine Schürze und band sie sich um.  Danach goß er Wasser in ein Becken und fing an, den Anhängern die Füße zu waschen und trocknete sie mit der Schürze, die er umgebunden hatte.

Da kam er zu Simon Petrus. Der fragte ihn: „Herr, willst du mir meine Füße waschen?“ Jesus antwortete ihm: „Was ich tue, das weißt du jetzt nicht, du wirst es aber danach erfahren!“

Da sprach Petrus zu ihm: „Niemals sollst du meine Füße waschen!“ Jesus antwortete ihm: „Werde ich dich nicht waschen, so hast du nichts Gemeinsames mit mir!“ Da spricht zu ihm Simon Petrus: „Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!“

Da spricht Jesus zu ihm: „Wer gewaschen ist, braucht nichts weiter als die Füße zu waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein - aber nicht alle (Denn er kannte seinen Verräter wohl. Deshalb sprach er: Ihr seid nicht alle rein).

Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er wieder seine Gewänder und setzte sich wieder nieder und sprach erneut zu ihnen: „Wißt ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr und habt Recht damit, denn ich bin es auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen.

Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Ich sage euch: Der Diener ist nicht größer als sein Herr, noch der Gesandte („Apostel“) größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr das wißt, seid ihr glücklich zu preisen, wenn ihr es tut. Ich spreche nicht von euch allen. Ich weiß, wen ich erwählt habe. Aber es muß die Schrift erfüllt werden: ‚Der mein Brot ißt, der tritt mich mit Füßen‘. Ich sage es auch schon jetzt, ehe es geschieht, damit wenn es geschehen ist, ihr glaubt, daß ich es bin. Ich sage euch: „Wer den aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf. Wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat (Joh 13,1-20).

 

Verrat des Judas:

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er innerlich betrübt und sprach: „Ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten!“ Da sahen sich die Anhänger untereinander an, und sie hatten Angst, von wem er wohl redete. Einer unter seinen Anhängern, der direkt neben Jesus am Tische saß, den Jesus liebhatte. Dem winkte Simon Petrus, daß er rauskriegen sollte, wer es wäre, von dem er das sagte. Der Anhänger neben Jesus sprach zu ihm: „Herr, wer ist es?“ Jesus antwortete: „Der ist es, mit dem ich den Bissen in die Schüssel eintauche und den ich ihn dann gebe!“ Und er tauchte den Bissen ein und gab ihn Judas Ischariot, Simons Sohn.

Nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: „Was du tust, das tue bald!“ Es wußte aber niemand am Tisch, weshalb er ihm das sagte. Einige meinten, weil Judas den Geldbeutel hatte, hätte Jesus zu ihm gesprochen: „Kaufe was wir zum Fest brauchen oder daß er den Armen etwas gäbe!“ Als Judas nun den Bissen genommen hatte, ging er bald hinaus. Und es war Nacht (Joh 13,21-30).

 

 

Abschiedsreden Jesu:

 

Die Verherrlichung:

Als Jesus hinausgegangen war, spricht er: „Nun ist der Gottessohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. Ist aber Gott verherrlicht in ihm, so wird ihn auch Gott verherrlichen in sich selbst und wird ihn bald verherrlichen. Liebe Kinder, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen. Wie ich zu den Juden sagte: ‚Wo ich hin gehe, da könnt ihr nicht hin kommen‘, sage ich jetzt auch euch. Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt. Da­ran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Anhänger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt (Joh 13,31-35).

 

Ankündigung der Verleugnung des Petrus:

 Da spricht Simon Petrus zu ihm: „Herr, wo gehst du hin?“ Jesus antwortete ihm: „Wo ich hin gehe, kannst du mir diesmal nicht folgen, aber du wirst mir später folgen!“ Petrus spricht zu ihm: „Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen!“ Jesus antwortete ihm: „Würdest du dein Leben für mich lassen? Ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast (Joh 13,36-38).

 

Jesus geht zum Vater:

Jesus sprach: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich dann zu euch sagen: ‚Ich gehe hin, die Stätte für euch vorzubereiten‘.

Und wenn ich hingehe, für euch die Stätte vorzubereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hin gehe, das wißt ihr, und den Weg kennt ihr auch!“ Da spricht zu ihm Thomas: „Herr, wir wissen nicht, wo du hin gehst. Und wie können wir den Weg wissen?“ Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich kennen würdet, so würdet ihr auch meinen Vater kennen. Aber von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen!

Da spricht zu ihm Philippus: „Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns!“ Jesus spricht zu ihm: „So lange bin ich schon bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater. Wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnt, der tut die Werke.

Glaubt mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist. Wenn ihr das aber nicht glaubt, so glaubt mir doch um der Taten willen, die ich getan habe. Ich sage euch: „Wer an mich glaubt, der wird die Taten auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater geehrt werde in dem Sohn. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun (Joh 14,1-14).

 

Verheißung des Geistes Gottes:

„Liebt ihr mich, so haltet ihr meine Gebote. Und ich will den Vater bitten, er solle euch einen andern Tröster geben, der ewig bei euch bleibt, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr aber kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu euch.

Es ist nur noch eine kurze Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn. Ich lebe, und ihr sollt auch leben. An dem Tag werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote kennt und hält sie, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren!“

 Da spricht zu ihm Judas (der andere, nicht der Ischariot): „Herr, was ist es, daß du dich für uns willst enthüllen und nicht der Welt?“ Jesus antwortete ihm: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer mich aber nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Dieses habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Geist Gottes, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern an all das, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,15-26).

Der Friede:

„Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: ‚Ich gehe hin und komme wieder zu euch!‘. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: ‚Ich gehe zum Vater‘, denn der Vater ist größer als ich. Ich habe es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es dann geschehen wird. Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt, aber er hat keine Macht über mich. Aber damit die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe und ich so tue, wie mir der Vater geboten hat: Steht auf und laßt uns von hier weggehen“ (Joh 14,27-31).

 

Der Weinstock:

„Ich bin der rechte Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen. Und jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, damit sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht aus sich selber bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so könnt ihr es auch nicht, es sei denn, ihr bleibt in mir.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen.  Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch zu teil werden Darin wird mein Vater geehrt, daß ihr viel Frucht bringt und werdet meine Anhänger“  (Joh 15,1-8).

 

Bleibt in der Liebe:

„Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. So rede ich zu euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.

Ich sage künftig nicht, daß ihr Diener seid, denn ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid. Denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, das habe ich euch kundgetan. Ihr habt mich nicht erwählt, sondern ich habe euch erwählt und festgelegt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er es euch gebe. Das gebiete ich euch, daß ihr euch untereinander liebt“ (Joh 15, 9-17).

 

Der Haß der Welt:

„Wenn euch die Welt haßt, so wißt, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wärt ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählt, deshalb haßt euch die Welt. Denkt an mein Wort, das ich euch gesagt habe: ‚Der Diener ist nicht größer denn sein Herr‘. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen. Haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen, denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde. Nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen. Wer mich haßt, der haßt auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde, Nun aber haben sie es gesehen und hassen doch beide, mich und den Vater. Doch so wird erfüllt der Spruch, der in ihrem Gesetz geschrieben ist: ‚Sie hassen mich ohne Ursache‘. Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen für mich. Und ihr werdet auch meine Zeugen sein, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen

Das alles habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bannfluch tun. Es kommt aber die Zeit, da wird der meinen, der euch tötet, er tue Gott einen Dienst dabei. Und das werden sie euch auch deshalb tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen.

Dieses habe ich so zu euch geredet, damit ihr daran denkt,  wenn die Zeit kommen wird, daß ich es euch gesagt habe. So etwas aber habe ich von Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch“ (Joh 15,18 - Joh 16,4).

 

Wirken des Geistes Gottes:

 Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, Aber niemand unter euch fragt mich: „Wo gehst du hin?“ Sondern weil ich so etwas geredet habe, ist euer Herz voll Trauer geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht: Über die Sünde, weil sie nicht glauben an mich; über die Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich künftig nicht sehet; über das Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkünden. Dieser wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er es nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Deshalb habe ich euch gesagt: „Er wird es von dem Meinen nehmen und euch verkünden“ (Joh 16,5-15).

 

Jesu Weggang und Wiederkommen:.

„Noch eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich nicht sehen. Noch eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater!“ Da sprachen einige unter seinen Anhängern unter­einander: „Was bedeutet das, was er sagt zu uns: In kurzer Zeit werdet ihr mich nicht sehen, und in kurzer Zeit werdet ihr mich sehen, und: Ich gehe zum Vater? Wir wissen nicht, was er redet!“

Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: „ Ihr sprecht darüber, daß ich gesagt habe, ihr werdet mich nicht sehen und ihr werdet mich sehen. Ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden.

Wenn eine Frau ein Kind bekommt, so ist sie traurig, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst wegen der Freude, daß der Mensch in die Welt geboren ist. Ihr habt auch nun Traurigkeit. Aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Ich sage euch: Wenn den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei.

Bisher habe ich zu euch durch Sprichwörter geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwörter mit euch reden werde, sondern ich werde euch frei heraus verkünden von meinem Vater. An dem Tag werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will, denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt. Aber ich verlasse auch die Welt und gehe zum Vater.

Da sprechen seine Anhänger zu ihm: „Siehe, nun redest du frei heraus und sagst kein Sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und es nicht nötig hast, daß dich jemand fragt. Deshalb glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist!“ Jesus antwortete ihnen: „Jetzt glaubt ihr?

Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, daß ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein laßt. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Das alles habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16, 16-33).

 

Gebet für die Anhänger („Hohepriesterliches Gebet)“:

Jesus  hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: „Vater, die Stunde ist da, daß du deinen Sohn verherrlichst, damit dein Sohn dich auch verherrliche, so wie du ihm Macht gegeben hast über alle Welt, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich erkennen, der du allein wahrer Gott bist, und den erkennen, den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich verherrlicht auf der Erde und vollendet das Werk, das du mir aufgetragen hast, daß ich es tun sollte. Und nun verherrliche du mich, Vater, mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen öffentlich gemacht vor den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. Nun wissen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben. Und sie haben es angenommen und tatsächlich erkannt und glauben, daß du mich gesandt hast.

Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. Alles, was mein ist, das ist dein. Und was dein ist, das ist mein. Und ich bin in ihnen verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt. Sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien so wie wir.

Während ich bei ihnen war in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben hast, die habe ich bewahrt, und ist keiner von ihnen verloren, außer dem Sohn des Verderbens [gemeint ist Judas, der Jesus verriet], damit die Schrift erfüllet würde.

Nun aber komme ich zu dir und rede solches in der Welt, damit sie meine Freude vollkommen in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt haßte sie. Denn sie sind nicht von der Welt, wie ich denn auch nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nimmst, sondern daß du sie bewahrst vor dem Übel. Sie sind nicht von der Welt, so wie ich auch nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit. So wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt sind in der Wahrheit.

Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien, so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir. Damit auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, du hast mich gesandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und liebst sie, gleichwie du mich liebst.

Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir sind, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. Denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht. Ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und will ihn kundtun, damit die Liebe, damit du mich liebst, sei in ihnen und ich in ihnen (Joh 17,1-26).