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Apostelgeschichte und Paulus

 

 

Die frühe Geschichte der Kirche:

 

Die Apostelgeschichte des Lukas

[Die Apostelgeschichte beschreibt den Anfang der Kirche, das Wirken des Petrus und vor allem des Paulus. Sie ist verfaßt von Lukas, der die frohe Botschaft geschrieben hat; sie ist deshalb noch etwas jünger als dieses. Streckenweise erweckt der Verfasser den Eindruck, er sei ein Begleiter des Paulus und deshalb Augenzeuge gewesen, das ist aber unwahrscheinlich. Dennoch werden sicherlich verläßliche Nachrichten verwendet. Aber das Buch ist auch geschrieben in der Absicht, den christlichen Glauben zu fördern. Dabei fließen natürlich auch seine persönlichen Vorstellungen mit ein. Wenn man also Paulus kennenlernen will, verläßt man sich lieber auf seine eigenen Briefe, nicht auf die Ansichten einer späteren Zeit. Vom jetzt an wird der Ausdruck „Apostel“ gebraucht. Dieser meint zunächst die zwölf engsten Anhänger Jesu, die immer mit ihm zusammenwaren. Aber es kommt dann als Sonderfall auch noch Paulus dazu, der besonders zu diesem Amt berufen wurde].

 

Die erste Gemeinde in Jerusalem:

Es geschahen viel Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle Gläubigen waren beieinander und hielten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften ihre Güter und Habe und teilten sie je unter alle, je nach dem, wie  jeder es nötig hatte. Und sie waren einmütig täglich und stets beieinander im Tempel. Sie feierten das Abendmahl hin und her in Häusern, nahmen die Speise und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen und waren angesehen beim ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich hinzu zu der Gemeinde, die da gläubig wurden (Apg 2,43-47).

 

Heilung eines Lahmen durch Petrus und Johannes:

Petrus und Johannes gingen miteinander hinauf in den Tempel, mittags gen drei Uhr, wenn man zu beten pflegt. Dort war ein Mann, der war lahm vom Mutterleib an: Der ließ sich tragen, und sie setzten ihn täglich vor die „Schöne Tür“ des Tempels, daß er eine Gabe bettelte von denen, die in den Tempel gingen.

Als er nun Petrus und Johannes sah, daß sie zum Tempel hineingehen wollten, bat er um eine Gabe. Petrus aber sah ihn an und sprach: „Sieh uns an!“ Und er sah sie an, wartete, daß er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: „Gold und Silber habe ich nicht. Was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und gehe!“ Und er ergriff ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sofort standen seine Schenkel und Knöchel fest. Er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, ging umher und sprang und lobte Gott. Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben. Sie kannten ihn auch, daß er es war, der gesessen hatte vor der schönen Tür des Tempels, und sie wunderten und entsetzten sich über das, was ihm widerfahren war.

Als aber dieser Lahme, der nun gesund war, sich zu Petrus und Johannes hielt, liefen alle Leute zu ihnen in die Halle Salomos und wunderten sich.

Als Petrus das sah, sagte er zu den Leuten: „Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber, oder was seht ihr auf uns, als hätten wir diesen wieder zum Gehen gebracht durch unsere eigene Kraft oder unser eigenes Verdienst? Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Diener Jesus verherrlicht, den ihr verleugnet und überantwortet habt dem Pilatus, der aber entschied, ihn loszulassen. Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, euch einen Mörder zu schenken. Aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Doch den hat Gott auferweckt von den Toten. Dafür sind wir die Zeugen.

Und durch den Glauben an seinen Namen hat diesen Mann, den ihr seht und kennt, sein Name stark gemacht. Und der Glaube an ihn hat diesem diese augenscheinliche Gesundheit gegeben!“

Dann fährt Petrus fort: „Nun, liebe Brüder, ich weiß, daß ihr es durch Unwissenheit getan habt wie auch eure Oberen. Gott aber hat alles so erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten vorher verkündet hat, nämlich daß der Christus leiden sollte. So ändert  nun euer Leben und bekehrt euch, daß eure Sünden vernichtet werden, damit da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesicht des Herrn, wenn er senden wird den, der euch jetzt gepredigt wird, Jesus Christus, der den Himmel einnehmen muß bis auf die Zeit, wenn wiedergebracht wird alles, was Gott geredet hat durch den Mund aller seiner heiligen Propheten vom Anbeginn der Welt an. Alle Propheten von Samuel an und danach, die haben diese Tage angekündigt. Ihr seid Kinder der Propheten und des Bundes, den Gott gemacht hat mit euren Vätern. Für euch hat Gott zuerst seinen Diener Jesus auferweckt und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, damit ein jeder sich bekehre von seiner Bosheit“ (Apg 3).

 

Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat:

Als aber Petrus und Johannes zum Volk redeten, traten zu ihnen die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer, die es verdroß, daß sie die Leute lehrten und verkündeten am Beispiel Jesu die Auferstehung von den Toten (Denn sie waren Gegner des Glaubens an die Auferstehung). Sie legten die Hände an sie und setzten sie gefangen bis zum nächsten Morgen. Aber viele unter denen, die dem Wort zuhörten, wurden gläubig. Und die Zahl der Männer wuchs auf ungefähr fünftausend.

Als es nun Morgen wurde, versammelten sich ihre Oberen und Ältesten und Schriftgelehrten in Jerusalem, der Oberpriester Hannas und Kaiphas und Johannes und Alexander und wer alles zu den Oberpriestern gehörte. Die stellten die Apostel vor sich und fragten sie: „Aus welcher Vollmacht oder in welchem Namen habt ihr das getan?“

 Petrus sprach voll des Heiligen Geistes zu ihnen: „Ihr Oberen des Volkes und ihr Ältesten von Israel. Wir sollen heute gerichtet werden wegen dieser Wohltat an dem kranken Menschen, durch die er geheilt wurde. Aber euch und Leuten in Israel sei kundgegeben, daß in dem Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat, steht dieser hier vor euch gesund. Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der zum Eckstein geworden ist. Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollen!"

Sie sahen aber an die Freudigkeit des Petrus und Johannes und wunderten sich, denn sie waren gewiß, daß es ungelehrte Leute und Laien waren. Sie kannten sie aber als die, die mit Jesus gewesen waren. Sie sahen aber den Menschen, der geheilt worden war, bei ihnen stehen und hatten nichts dagegen zu reden.

Da befahlen sie den Aposteln, aus dem Rat hinauszugehen, und verhandelten miteinander und sprachen: „Was sollen wir diesen Menschen tun? Denn das offenbare Zeichen, das durch sie geschehen ist, das ist allen bekannt, die in Jerusalem wohnen, und wir können es nicht leugnen. Aber damit es nicht weiter einreiße unter das Volk, laßt uns sie ernst bedrohen, daß sie in Zukunft keinem Menschen von diesem Namen sagen.

Und sie riefen sie und geboten ihnen, daß sie sich in keiner Weise mehr hören ließen noch lehrten in dem Namen Jesu. Petrus aber und Johannes antworteten ihnen: „Richtet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, daß wir euch mehr gehorchen als Gott.

Wir können es ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehört haben!“ Aber sie drohten ihnen und ließen sie gehen und fanden nicht, wie sie sie peinigten, wegen der Leute, denn sie lobten alle Gott wegen des Geschehenen. Denn der Mensch war über vierzig Jahre alt, an dem dies Zeichen der Gesundheit geschehen war (Apg 4,1-22). Die christliche Gemeinde aber betete, daß auch in Zukunft das Wort Gottes gepredigt wird und Zeichen und Wunder geschehen (Apg 4, 23-31, gekürzt).

 

Gütergemeinschaft:

 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele. Keiner sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und es war eine große Gnade bei ihnen allen.

Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte. Wer Äcker oder Häuser hatte, der verkaufte sie und brachte das Geld und legte es vor die Füße der Apostel. Und man gab jedem, was er  nötig hatte. So tat es auch Joses Barnabas, ein Gottesdiensthelfer aus Zypern, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es vor die Füße der Apostel (Apg 4,32-37).

 

Ein unehrliches Ehepaar („Ananias und Saphira“):

Ein Mann mit Namen Ananias und seine Frau Saphira verkauften ihr Gut. Der Mann zweigte aber mit Wissen seiner Frau etwas von dem Geld ab und brachte den anderen Teil und legte ihn vor die Füße der Apostel. Petrus aber sprach: „Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den Geist Gottes angelogen hast und etwas vom Gelde des Ackers entwendet hast? Du hättest ihn doch behalten können, denn du hattest ihn ja. Und daß er verkauft wurde, war auch in deiner Gewalt. Warum hast du dir denn so etwas in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott!“  Als Ananias aber diese Worte hörte, fiel er nieder und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies hörten. Es standen einige junge Männer auf und taten ihn beiseite und trugen ihn hinaus und begruben ihn.

Nach einer Weile, etwa drei Stunden später, kam seine Frau hinein, wußte aber nicht, was geschehen war. Petrus fragte sie: „Sag mir: Habt ihr den Acker so teuer verkauft?“ Sie sprach: „Ja, so teuer!“ Petrus aber sprach zu ihr: „Warum habt ihr euch denn untereinander abgesprochen, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Tür und werden auch dich hinaustragen!“ Und alsbald fiel sie vor seine Füße und gab den Geist auf. Da kamen die Jünglinge und fanden sie tot, trugen sie hinaus und begruben sie neben ihren Mann. Und es kam eine große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, die das hörten (Apg 5, 1-11).

 

Die Apostel vor dem Hohen Rat:

Es geschahen aber viele Zeichen und Wunder im Volk durch die Hände der Apostel. Es kamen immer mehr dazu, die an den Herrn glaubten (Apg 5,12-16, gekürzt). Der Oberpriester aber und alle von der Gruppe der Sadduzäer wurden voll Eifer und legten die Hände an die Apostel und warfen sie in das Stadt-Gefängnis. Aber der Bote des Herrn machte in der Nacht die Türen des Gefängnisses auf und führte sie heraus und sprach: „Geht hin und tretet auf und redet im Tempel alle Worte dieses Lebens zu den Leuten!“

Als sie das gehört hatten, gingen sie früh in den Tempel und lehrten. Der Oberpriester aber und die mit ihm waren kamen und riefen den Rat und alle Ältesten des Volkes Israel zusammen und sandten hin zum Gefängnis, sie zu holen.

Die Diener aber kamen hin und fanden sie nicht im Gefängnis, kamen wieder und meldeten: „Das Gefängnis fanden wir sorgfältig verschlossen und die Wächter standen außen stehen vor den Türen. Aber als wir aufschlossen, fanden wir niemand im Gefängnis!“

Als der Oberpriester und der Hauptmann des Tempels und andere Oberpriester diese Rede hörten, wurden sie darüber bestürzt, was doch das werden sollte. Da kam einer, der sagte ihnen: „Die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel lehren das Volk.

Da ging hin der Hauptmann mit den Dienern und holten sie, aber nicht mit Gewalt, denn sie fürchteten sich vor den Leuten, daß diese sie steinigen würden.

Als sie die Apostel brachten, stellten sie sie vor den Rat. Und der Oberpriester fragte sie und sprach: „Haben wir euch nicht ernsthaft geboten, daß ihr nicht lehren sollt im Namen dieses Jesus? Ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses Menschen über uns führen.

Petrus und die Apostel aber antwortete: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr erwürgt habt und an das Holz gehängt. Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zu einem Fürsten und Heiland, um Israel Umkehr und Vergebung der Sünden zu geben. Und wir sind seine Zeugen für diese Worte und der  Geist Gotte, den Gott gegeben hat denen, die ihm gehorchen!“ Als sie das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie planten, sie zu töten (Apg 5, 17-33)

 

Der Rat des Gamaliel:

Da stand im Rat der fromme Schriftgelehrte  Gamaliel auf, der von allem Volk verehrt wurde, und er befahl, die Apostel ein wenig hinauszuschicken. Dann sprach er zu ihnen: „Ihr Männer von Israel, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Menschen tun wollt. Vor einiger Zeit stand Theudas auf und gab vor, er wäre etwas, und es hingen ihm eine Zahl Männer an, ungefähr vierhundert. Aber er ist erschlagen, und alle, die ihm zufielen, sind zerstreut und zunichte gemacht geworden. Danach stand Judas aus Galiläa auf in den Tagen der Volkszählung und brachte viele Leute dazu, daß sie aufständisch wurden und ihm nachfolgten; aber der ist auch umgekommen, und alle, die ihm zufielen sind zerstreut. Und nun sage ich euch: Laßt ab von diesen Menschen und laßt sie fahren! Ist der Rat oder das Werk von den Menschen, so wird es untergehen. Ist es aber von Gott, so könnt ihr es nicht dämpfen, damit ihr nichtangesehen werdet als solche, die gegen Gott streiten wollen!“

Da ließen sie sich überzeugen und riefen die Apostel, peitschten sie und befahlen ihnen, sie sollten nicht im Namen Jesu reden, und ließen sie gehen. Sie gingen aber fröhlich weg aus dem Rat, weil sie würdig gewesen waren, um Jesu Namens willen Schmach zu erleiden, und hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hin und her in Häusern zu lehren und zu predigen die frohe Botschaft von Jesus Christus (Apg 5,34-42).

 

Einsetzung der Armenbetreuer („Diakone“):

In den Tagen aber, als die Gemeindeglieder immer mehr wurden, erhob sich ein Murmeln unter den griechisch Sprechenden gegen die hebräisch Sprechenden, ihre Witwen würden übersehen bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Gemeindeglieder  zusammen und sprachen: „Es taugt nichts, wenn wir das Wort Gottes vernachlässigen und bei Tische bedienen. Darum, ihr lieben Brüder, seht unter euch nach sieben Männern, die einen guten Ruf haben und voll Gottesgeist und voller Weisheit sind, die wir berufen für diese notwendige Aufgabe. Wir aber wollen festhalten am Gebet und an der Predigt des Wortes!“

Diese Rede gefiel der ganzen Menge wohl. Und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Gottesgeistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judenfreund von Antiochien. Diese stellten sie vor die Apostel und beteten und legten die Hände auf sie. Und der Glaube nahm zu, und die Zahl der Gemeindeglieder ward sehr groß zu Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Anhänger des neuen Glaubens (Apg 6,1-7).

 

Rede des Stephanus:

Stephanus aber, voll Glaubens und Kräfte, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen einige auf von der Philosophenschule der Libertiner und der Kyrener und der Alexandriner und derer, die aus Kilikien und Asien waren, und diskutierten mit Stephanus. Aber  sie vermochten nicht der Weisheit und dem Geiste zu widerstehen, aus dem er redete. Da stifteten sie einige Männer an, die sprachen: „Wir haben gehört, wie er Lästerworte redete gegen Mose und gegen Gott!“ Und sie erregten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten und traten herzu und rissen ihn hin und führten ihn vor den Rat und stellten falsche Zeugen auf, die sprachen: „Dieser Mensch hört nicht auf, Lästerworte zu reden gegen diese heilige Stätte und das Gesetz. Denn wir haben gehört, wie er  sagte: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Mose gegeben hat!“ Alle im Rat sahen aber, daß sein Gesicht wie das eines Gottesboten war. Da sprach der Oberpriester: „Ist das wirklich so?“

Stephanus antwortete mit einer langen Rede, in der er die ganze Geschichte des Volkes Israel aufrollte. Zunächst beschreibt er die Zeit der „Erzväter“: Liebe Brüder und Väter, hört zu. Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er noch in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: „Geh aus deinem Land und von deinen Freunden und zieh in ein Land, das ich dir zeigen will.“ Da ging er aus dem Land der Chaldäer und wohnte in Haran. Sein Vater starb dort und er brachte ihn herüber in dies Land, in dem ihr nun wohnt. Aber er gab ihm dort keinen erblichen Besitz, auch nicht einen Fuß breit. Doch er verhieß ihm, er werde ihm schon noch Besitz geben und er werde ihn besitzen und seine Nachkommen nach ihm, obwohl er noch kein Kind hatte. Aber Gott sprach: „Deine Nachkommen werden Fremdlinge sein in einem fremden Land, und sie werden sie zu Sklaven machen und übel behandeln vierhundert Jahre. Aber das Volk, dem sie dienen werden, will ich richten. Und danach werden sie ausziehen und mir dienen an dieser Stätte!“ Und er gab Abraham den Bund der Beschneidung. Er zeugte Isaak und beschnitt ihn am achten Tage, und Isaak zeugte den Jakob, und Jakob zeugte die zwölf Stammväter der Stämme Israels.

Dann beschreibt Stephanus die Zeit in Ägypten: Die Stammväter waren neidisch auf Joseph und verkauften ihn nach Ägypten. Doch Gott war mit ihm und errettete ihn aus aller seiner Trübsal und gab ihm Gnade und Weisheit vor dem König („Pharao“) in Ägypten. Der setzte ihn zum Fürsten über Ägypten über seinen ganzen Hofstaat. Es kam aber eine Notzeit über das ganze Land Ägypten und Kanaan und große Trübsal, und unsere Väter fanden keine Nahrung. Jakob aber hörte, daß in Ägypten Getreide wäre, und sandte seine Söhne aus zum Erstenmal. Aber beim zweiten Mal gab sich Joseph seinen Brüdern er erkennen und dem König wurde Josephs Herkunft klar. Joseph aber ließ seinen Vater Jakob holen und seine ganze Freundschaft, fünfundsiebzig Menschen. Jakob zog hinab nach Ägypten. Dort starben er und seine Söhne und sie sind herübergebracht nach Sichem und in das Grab gelegt, das Abraham gekauft hatte gegen Geld von den Kindern Hemor in Sichem.

 

Dann geht es weiter mit Mose: Weil nun die Zeit der Verheißung nahte, die Gott dem Abraham gegeben hatte, wuchs das Volk und vermehrte sich in Ägypten, bis ein anderer König aufkam, der nichts wußte von Joseph. Dieser war voll Falschheit gegenüber mit unserer Familie und behandelte unsre Väter übel und befahl, daß man die kleinen Kinder aussetzen mußte, damit sie nicht am Leben blieben. In dieser Zeit wurde Moses geboren, und war ein feines Kind vor Gott und wurde drei Monate ernährt in seines Vaters Haus. Als er aber ausgesetzt wurde, nahm ihn die Tochter Pharaos auf und zog ihn auf wie ihr eigener Sohn. Moses wurde gelehrt in aller Weisheit der Ägypter und war mächtig in Werken und Worten. Als  er aber vierzig Jahre alt ward, wollte er nach seinen Landsleuten sehen, den Kindern Israels. Da sah er einen Mann Unrecht erleiden. Dem stand er bei und rächte den, dem das Leid geschah, und erschlug den Ägypter. Er meinte aber, seine Landsleute sollten es verstehen, daß Gott durch ihn ihnen Erlösung gäbe, aber sie verstanden es nicht. Am andern Tag kam er wieder zu seinen Landsleuten, als sie miteinander stritten, und verhandelte mit ihnen, daß sie Frieden finden, und sprach: „Liebe Männer, ihr seid Brüder, warum tut einer dem andern Unrecht?“ Der aber das Unrecht tat, stieß in von sich und sprach: „Wer hat dich über uns zum Obersten und Richter eingesetzt? Willst du mich auch töten, wie du gestern den Ägypter getötet hast?“

Stephanus schildert dann das weitere Schicksal des Mose und wie ihm die Gebote Gottes gegeben wurden: Mose aber floh wegen dieser Rede und wurde ein Fremder im Land Midian. Dort zeugte er zwei Söhne. Nach vierzig Jahren erschien ihm am Berg Sinai in der Wüste der Bote des Herrn in einer Feuerflamme im Busch. Als das Mose sah, wunderte er sich über die Erscheinung. Als er aber näher hinging, um zu schauen, ertönte die Stimme des Herrn: „Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs!“ Mose aber zitterte und wagte nicht hinzuschauen. Aber der Herr sprach zu ihm: „Zieh die Schuhe von deinen Füßen, denn die Stelle, wo du stehst, ist heiliges Land! Ich habe wohl gesehen das Leiden meines Volkes, das in Ägypten ist, und habe ihr Seufzen gehört und bin herabgekommen, sie zu erretten. Und nun komm her, ich will dich nach Ägypten senden. Diesen Mose sandte Gott zu einem Führer und Erlöser durch den Boten, der ihm erschien im Busch. Er führte sie heraus und tat Wunder und Zeichen in Ägypten, im Roten Meer und in der Wüste vierzig Jahre. Er ist der Mose, der in der Wüste mitten zwischen dem Boten Gottes, der mit ihm redete auf dem Berge Sinai, und unsern Vorfahren stand. Dieser empfing lebendige Worte [gemeint sind die Tafeln mit den Zehn Geboten], die er uns geben sollte.

Schließlich beschreibt Stephanus noch den Ungehorsam des Volks bis zu seiner Zeit: Eure Vorfahren wollten aber Gott nicht gehorsam werden, sondern stießen ihn von sich und wandten sich um mit ihren Herzen nach Ägypten und sprachen zu Aaron: „Mach uns Götter, die vor uns her gehen, denn wir wissen nicht, was diesem Mose widerfahren ist, der uns aus dem Land Ägypten geführt hat. Und sie machten ein Kalb zu der Zeit und brachten dem Götzen Opfer und freuten sich über die Werke ihrer Hände. Aber Gott wandte sich und gab sie dahin, weil sie dienten dem Heer des Himmels. Unsre Vorfahren hatten die Stiftshütte in der Wüste, wie ihnen der verordnet hatte, der zu Mose redete, daß er sie machen sollte nach dem Vorbilde, das er gesehen hatte. Unsere Vorfahren nahmen sie auch an und brachten sie mit Josua in das Land, das die Andersgläubigen innehatten, die Gott ausstieß vor dem Angesicht unsrer Vorfahren bis zur Zeit Davids. 

Dieser fand Gnade bei Gott und bat, daß er eine Wohnung suchen dürfe für den Gott Jakobs.

 

Salomo aber baute ihm ein Haus. Doch  der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Ihr Halsstarrigen und Ungläubigen an Herzen und Ohren, ihr widerstrebt immer wieder dem Geist Gottes, wie eure Väter, so seid auch ihr. Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die schon vorher die Zukunft dieses gerechten Jesus ankündigten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid. Ihr habt das Gesetz empfangen durch Gottes Gebote, und habt es nicht gehalten!“ (Apg 6,8 - 7,53).

 

Tod des Stephanus:

Als die Zuhörer das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie bissen die Zähne zusammen.

Stephanus aber war voll Gottesgeistes, sah auf zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und wie Jesus rechts neben Gott stand  und sprach: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Gottessohn zur Rechten Gottes stehen!“ Sie schrieen aber laut und hielten sich ihre Ohren zu und stürmten alle zusammen auf ihn ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und warfen Steine auf ihn. Die Zeugen legten dabei ihre Gewänder ab vor den Füßen eines jungen Mannes, der hieß Saulus. Sie warfen weiter Steine auf  Stephanus. Der rief Gott an: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ Er kniete nieder und schrie laut: „Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht!“ Und als er das gesagt hatte, starb er (-8,1). Saulus aber empfand Genugtuung über den Tod des Stephanus. Zu der Zeit begann eine große Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem. Und sie zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien, ausgenommen die Apostel. Gottesfürchtige Männer bestatteten Stephanus und hielten eine große Klage über ihn. Saulus aber beunruhigte die Gemeinde weiter, ging hin und her in die Häuser und zog hervor Männer und Frauen und übergab sie ins Gefängnis (Apg 7,54- 8,4).

 

Der Zauberer Simon:

Die Christen, die zerstreut wurden, gingen herum und predigten das Wort. Philippus aber kam hinab in eine Stadt in Samarien und predigte ihnen von Christus. Die Leute aber hörten fleißig zu, was Philippus sagte. Sie sahen auch die Zeichen, die er tat, denn die unsauberen Geister fuhren aus vielen Besessenen mit großem Geschrei, auch viele Gichtkranke und Lahme wurden gesund gemacht. Es entstand eine große Freude in jener Stadt.

Dort gab es auch einen Mann mit Namen Simon, der in der Stadt Zauberei trieb und bezauberte das samaritische Volk und gab vor, er wäre etwas Großes. Und sie sahen alle auf ihn, klein und groß, und sprachen: „Der ist die große Kraft Gottes!“

Sie hingen ihm aber deshalb an, weil er sie lange Zeit mit seiner Zauberei bezaubert hatte.

Als sie aber den Predigten des Philippus von der Herrschaft Gottes und von Jesus Christus glaubten, ließen sich Männer und Frauen taufen. Da wurde auch Simon gläubig und ließ sich taufen und hielt sich zu Philippus. Und als er die Zeichen und Taten sah, die da geschahen, wunderte er sich.

Als die Apostel in Jerusalem hörten, daß Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Als diese hinabkamen nach Samaria, beteten sie über ihnen, daß sie den Geist Gottes empfingen, denn er war noch auf keinen von ihnen gekommen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen Jesu Christi. Deshalb legten sie die Hände auf sie, und sie empfingen den Geist Gottes.

Als aber Simon sah, daß der Geist Gottes gegeben wurde, wenn die Apostel die Hände auflegten, bot er ihnen Geld an und sprach: „Gebt mir auch die Macht, daß jeder den Gottesgeist empfängt, dem ich die Hände auflege!

Petrus aber sprach zu ihm: „Du solltest verdammt werdest mit deinem Geld, weil daß du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt! Du wirst weder Teil noch Anrecht haben an diesem Wort, denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott. Darum bereue diese deine Bosheit und bitte Gott, ob er dir die Falschheit deines Herzens vergibt. Denn ich sehe, du bist voll bitterer Galle und verstrickt mit Ungerechtigkeit!“

Da antwortete Simon: „Bittet ihr den Herrn für mich, daß nichts von dem über mich komme, was ihr gesagt habt. Als sie aber das Wort des Herrn bezeugt und geredet hatten, wandten sich wieder um nach Jerusalem und predigten die frohe Botschaft  in vielen samaritischen Dörfern (Apg 8,5-25).

 

Der Finanzminister aus Afrika:

Der Bote des Herrn redete zu Philippus: „Steh auf und gehe nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem durch die Wüste hinabgeht nach Gaza!“ Und er stand auf und ging hin. Dort zog ein Mann aus Afrika wieder heim, ein Finanzminister der Königin Kandake in Äthiopien, der Herr über ihre ganze Schatzkammer. Er war gekommen nach Jerusalem, um Gott anzubeten. Jetzt zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.

Der Geist Gottes aber sprach zu Philippus: „Geh hinzu und halte dich an diesen Wagen!“ Da lief Philippus hin und hörte, daß er den Propheten Jesaja las, und sprach: „Verstehst du auch, was du liest?“ Er aber sprach: „Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet?“ Und er bat Philippus, daß er einsteige und sich zu ihm setze.

Der Mann las aber gerade die Stelle aus Jesaja, wo es heißt: „Er ist wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird. Und still wie ein Lamm vor seinem Scherer, hat er seinen Mund nicht aufgetan. Wegen seiner Niedrigkeit wurde ihm gerechtes Gericht verweigert. Wer wird noch von ihm reden, denn sein Leben ist von der Erde weggenommen!“

Da fragte der Finanzminister: „Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anders?“ Philippus aber tat seinen Mund auf, ging von dieser Schrift aus und predigte ihm die frohe Botschaft von Jesus. Und als sie auf der Straße weiter zogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Finanzminister sprach: „Sieh, da ist Wasser, was spricht dagegen, daß ich mich taufen lasse?“

Philippus aber sprach: „Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so kann es wohl sein!“ Er antwortete: „Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist!“ Und er hieß den Wagen halten, und beide stiegen hinab in das Wasser, Philippus und der Minister, und er taufte ihn. Als sie aber heraufstiegen aus dem Wasser, rückte der Geist des Herrn Philippus hinweg, und der Minister sah ihn nicht mehr. Er zog aber fröhlich auf seiner Straße weiter. Philippus aber wurde gefunden in Asdod und ging umher und predigte allen Städten die frohe Botschaft, bis er nach Cäsarea kam.

 

Bekehrung des Saulus:

Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Anhänger des Herrn und ging zum Oberpriester und bat ihn um Vollmachten für die Bethäuser in Damaskus, damit er dort Männer und Frauen, die der neuen Lehre (dem „Weg“) anhingen, festnähme und gebunden führte nach Jerusalem. Als er aber auf dem Weg war und nahe an Damaskus kam, leuchtete um ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Er aber sprach: „Herr, wer bist du?“ Der Herr sprach: „Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und gehe in die Stadt. Dort wird man dir sagen, was du tun sollst!“ Seine Gefährten aber standen da und waren erstarrt, denn sie hörten die Stimme, sahen aber niemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde. Aber als er seine Augen auftat, sah er niemand. Sie nahmen ihn an der Hand und führten ihn nach Damaskus, Er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.

Es war aber ein Christ in Damaskus mit Namen Ananias. Zu dem sprach der Herr in einer Erscheinung: „Ananias!“ Er sprach: „Hier bin ich, Herr!“ Der Herr sprach zu ihm: „Steh auf und geh in die „Gerade Gasse“ und frage im Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saul von Tarsus. Dieser betet und hat in einer Erscheinung gesehen, wie ein Mann mit Namen Ananias zu ihm hineinkommt und die Hand auf ihn legt, damit er wieder sehend werde!“

Ananias antwortete: „Herr, ich habe von vielen Seiten über diesen Mann gehört, wieviel Übles er deinen Gläubigen getan hat in Jerusalem. Und auch hier hat er Vollmacht von den Oberpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen!“

Der Herr sprach zu ihm: „Geh hin, denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, daß er meinen Namen trage vor die Andersgläubigen und vor Könige und vor die Kindern Israels. Ich will ihm schon zeigen wieviel er leiden muß um meines Namens willen!“ 

Und Ananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: „Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, der dir erschienen ist auf dem Weg, als du her kamst, damit du wieder sehend und mit dem Geist Gottes erfüllt wirst!“ Und alsbald fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er wurde wieder sehend. Er stand auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich.

Paulus aber war eine Zeitlang bei den Christen in Damaskus. Und bald predigte er Christus in den Bethäusern, daß er der Gottes Sohn sei. Sie entsetzten sich aber alle, die es hörten, und sprachen: „Ist das nicht der, der in Jerusalem beunruhigte alle, die diesen Namen anrufen, und ist darum hergekommen, daß er sie gefangen führe zu den Obernpriestern?“

Paulus aber gewann immer mehr an Kraft und trieb die Juden in die Enge, die in Damaskus wohnten, und bewies, daß Jesus ist der Christus. Nach vielen Tagen hielten die Juden einen Rat zusammen, um ihn zu töten. Aber es wurde Paulus gemeldet, daß sie ihm nachstellten. Sie wachten aber Tag und Nacht an den Toren, daß sie ihn töteten.

Da nahmen ihn die Christen bei der Nacht, brachten ihn durch die Mauer und ließen ihn in einem Korb hinab. Da aber Paulus nach Jerusalem kam, versuchte er, sich den Christen anzuschließen. Sie fürchteten sich alle vor ihm und glaubten nicht, daß er ein Christ wäre. Barnabas aber nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf der Straße den Herrn gesehen und er mit ihm geredet und wie er zu Damaskus den Namen „Jesus“ frei gepredigt hätte. Und er war bei ihnen und ging aus und ein in Jerusalem und predigte den Namen des Herrn Jesus frei und offen. Er diskutierte auch mit den griechisch sprechenden Leuten, aber sie stellten ihm nach, daß sie ihn töteten. Als das die Glaubensbrüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn nach Tarsus.

 

Auferweckung der Tabea:

Als Petrus überall umherzog,  kam er auch zu den Christen in Lydda. Dort fand er einen Mann mit Namen Äneas, der hatte acht Jahre lang auf dem Bett gelegen und war gichtkrank. Petrus sprach zu ihm: „Äneas, Jesus Christus macht dich gesund! Steh auf und mach dir selber das Bett!“ Und sofort stand er auf. Und es sahen ihn alle, die in Lydda und in Saron wohnten, und bekehrten sich zu dem Herrn.

 

In Joppe aber war eine Christin mit Namen Tabea, die tat viele gute Werke und gab Spenden. Aber eines Tages wurde sie krank ward und starb. Da wuschen sie die Verstorbene und legten sie in das Oberstockwerk. Joppe ist aber nahe bei Lydda. Als die Gemeindeglieder in Joppe hörten, daß Petrus in Lydda war, sandten sie zwei Männer zu ihm und baten ihn, daß er es sich nicht nehmen lasse, zu ihnen zu kommen. Petrus aber stand auf und kam mit ihnen. Und als er hingekommen war, führten sie ihn hinauf ins Oberstockwerk. Es traten zu ihm alle Witwen, weinten und zeigten ihm die Röcke und Kleider, die Tabea machte, als sie noch bei ihnen war. Als Petrus sie alle hinausgetrieben hatte, kniete er nieder, betete und wandte sich zu dem Leichnam und sprach: „Tabea, stehe auf!“ Und sie tat ihre Augen auf, und da sie Petrus sah, setzte sie sich wieder. Er aber gab ihr die Hand und richtete sie auf und rief die Gemeindeglieder  und die Witwen und stellte sie lebendig vor sie. Und der Vorgang wurde bekannt in ganz Joppe, und viele kamen zum Glauben an den Herrn. Und Petrus blieb lange Zeit in Joppe bei einem Simon, der ein Gerber war  (Apg 9, 32-41).

 

Der Geist Gottes wird auch den Nichtjuden gegeben:

In Cäsarea wohnte ein Hauptmann Kornelius von der italischen Kohorte. Der war gläubig mit seiner ganzen Familie, und gab den Leuten viele Beihilfen und betete immer zu Gott. Der sah gegen drei Uhr nachmittags einen Boten Gottes  zu sich hereingehen, der zu ihm sprach: „Kornelius!“ Er sah ihn an, erschrak und sprach: „Herr, was ist?“ Er aber sprach zu ihm: „Deine Gebete und deine Gaben sind vor Gott gekommen. Und nun sende Männer nach Joppe und verlange Simon, Petrus,  der zur Besuch ist bei einem Gerber Simon, dessen Haus am Meer liegt. Der wird dir sagen, was du tun sollst. Als der Engel, der mit Kornelius redete, weggegangen war, rief er zwei seiner privaten Diener und einen gläubigen Soldaten von denen, die ihm aufwarteten, und erzählte ihnen alles und sandte sie nach Joppe.

Am anderen Tag, als sie auf dem Weg waren und nahe zur Stadt kamen, stieg Petrus gegen Mittag hinauf auf das Dach, um zu beten. Als er hungrig wurde, wollte er essen. Als sie ihm aber alles zubereiteten, geriet er in eine Erregung und sah den Himmel aufgetan und ein Gefäß zu ihm kommen. Es war wie ein großes leinenes Tuch mit vier Zipfeln, das wurde niedergelassen auf die Erde. Darin waren allerlei vierfüßige Tiere und wilde Tiere und Würmer und Vögel des Himmels. Und es geschah eine Stimme zu ihm: „Steh auf, Petrus, schlachte und iß!“

Petrus aber sprach: „O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Unanständiges oder Unreines gegessen!“ Aber die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: „Was Gott gereinigt hat, das mache du nicht unrein!“ Das alles geschah dreimal. Dann wurde das Gefäß wieder aufgenommen in den Himmel.

Als aber Petrus sich noch Gedanken machte, was die Erscheinung zu bedeuten habe, die er gesehen hatte, da fragten die Männer, die Kornelius gesandt hatte, nach dem Haus Simons. Sie standen an der Tür, riefen und forschten, ob Simon Petrus dort zu Besuch wäre. Als aber Petrus noch  nachsann über die Erscheinung, sprach der Geist Gottes zu ihm: „Siehe, drei Männer suchen dich. Stehe auf, steig hinab und zieh mit ihnen und zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt!“

Da stieg Petrus hinab zu den Männern, die von Kornelius zu ihm gesandt waren, und sprach: „Ich bin der, den ihr sucht. Worum geht es, warum seid ihr hier?“ Sie aber sprachen: „Hauptmann Kornelius, ein frommer und gläubiger Mann und gut angesehen bei dem ganzen Volk der Juden, hat einen Befehl empfangen von einem Boten Gottes, daß er dich in sein Haus sollte holen lassen und Worte von dir hören!“ Da rief er sie hinein und nahm sie auf.

Am anderen Tag zog Petrus aus mit ihnen, und einige Gemeindeglieder von Joppe gingen mit ihm. Sie kamen sie nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und Freunde. Zusammengerufen. Und als Petrus hineinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel vor seinen Füßen nieder und betete ihn an. Petrus aber richtete ihn auf und sprach: „Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch!“

Und als er das Nötige mit ihm besprochen hatte, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren. Er sprach zu ihnen: „Ihr wißt, daß es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, zu einem Fremden zu kommen. Aber Gott hat mir gezeigt, keinen Menschen als gewöhnlich oder unrein zu bezeichnen. Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich angefordert wurde. So frage ich euch nun: Warum habt ihr mich rufen lassen?“

Kornelius sprach: „Ich habe vier Tage gefastet, bis zu dieser Stunde. Und um drei Uhr nachmittags betete ich in meinem Haus. Da stand ein Mann vor mir in einem hellen Kleid und sprach: „Kornelius, dein Gebet ist erhört, und Gott hat deine guten Gaben zur Kenntnis genommen. So schicke nun Boten nach Joppe und laß einen gewissen Simon Petrus herrufen, der zu Gast ist im Haus des Gerbers Simon am Meer. Der wird, wenn er kommt, mit dir reden. Da sandte ich sofort jemand zu dir, und du hast wohl getan, daß du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott versammelt, um alles zu hören, was dir von Gott befohlen ist!“

Petrus aber sprach: „Nun erfahre ich in Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansieht. Sondern es ist ihm jeder angenehm, der ihn fürchtet und recht tut, egal in welchem Volk. Ihr kennt die Botschaft, die Gott zum Volk Israel gesandt hat, und daß er hat den Frieden verkündigen lassen durch Jesus Christus. Diese Botschaft ist durch das ganze jüdische Land geschehen, angefangen in Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte: Wie Gott diesen Jesus von Nazareth gekrönt hat mit dem göttlichen Geist und Kraft. Der ist umhergezogen und hat wohl getan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältigt waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie getötet und an ein Holz gehängt. Den hat Gott aber auferweckt am dritten Tag und ihn lassen erkennbar werden, nicht allen Leuten, sondern uns, den im voraus von Gott erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten.  Und er hat uns aufgetragen, zu predigen den Leuten und zu bezeugen, daß er ist von Gott zum Richter der Lebenden und der Toten eingesetzt. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch ihn alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen!“

Als Petrus noch diese Worte redete, fiel der  Geist Gottes auf alle, die dem Wort zuhörten. Aber die Gläubigen mit jüdischer Herkunft, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des Geistes Gottes ausgegossen wurde, denn sie hörten, daß sie mit verzückt redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: „Kann man da noch das Wasser verweigern, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben wie wir?“ Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn Da baten sie ihn, daß er noch einige Tage dabliebe (Apg 10).

 

Rechtfertigung des Petrus in Jerusalem:

Es kam aber vor die Apostel und die anderen Gemeindeglieder im jüdischen Land, daß auch die Nichtjuden Gottes Wort angenommen hätten. Als Petrus hinaufkam nach Jerusalem, zankten mit ihm, die jüdischer Abstammung waren, und sprachen: „Du bist hineingegangen zu den Männern, die nicht Juden sind, und hast mit ihnen gegessen!“

Petrus aber fing an und erzählte ihnen alles nacheinander alles, was ihm in d er Stadt Joppe widerfahren war und wie der Geist Gottes auf die gefallen war, die keine Juden waren.

Und er stellt die Frage: „Wenn  nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie uns, an den Herrn Jesus Christus zu glauben, wer war ich, daß ich Gott wehren konnte?“ Als sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott und sprachen: „So hat Gott auch den Andersgläubigen die Umkehr gegeben zum Leben!“

Die aber zerstreut waren bei der Verfolgung des Stephanus, gingen umher bis nach Phönizien und Zypern und Antiochien und redeten das Wort von Jesus Christus allein zu den Juden. Männer von Zypern und Kyrene aber kamen nach Antiochien und redeten auch zu den griechisch sprechenden Menschen predigten die frohe Botschaft vom Herrn Jesus. Gott war mit ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zu dem Herrn.

Das kam aber vor die Ohren der Gemeinde in Jerusalem. Sie sandten Barnabas nach Antiochien. Als er hingekommen war und sah die Gnade Gottes, wurde er froh und ermahnte sie alle, daß sie mit festem Herzen an dem Herrn bleiben wollten. Denn er war ein frommer Mann, voll Gottesgeistes und Glaubens. Und es wurde eine große Menge dem Herrn zugetan.

Barnabas zog dann nach Tarsus, um Paulus zu suchen. Als er ihn fand, führte er ihn nach Antiochien. Und sie blieben ein ganzes Jahr bei der Gemeinde und lehrten viele Menschen. Daher wurden die Christen zuerst in Antiochien „Christen“ genannt.

In diesen Tagen kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochien. Einer unter ihnen mit Namen Agabus stand auf und sagte durch den Geist eine große Hungersnot voraus, die kommen sollte über den ganzen Kreis der Erde (Sie trat dann auch unter dem Kaiser Klaudius ein). Unter den Christen beschloß deshalb ein jeder, eine Hilfssendung zu schicken an die Glaubensbrüder in Judäa, je nachdem er vermochte. Sie schickten alles zu den Ältesten durch die Hand Barnabas und Paulus (Apg 11).

 

Befreiung des Petrus:

Der König Herodes legte die Hände an einige von der Gemeinde, um sie zu peinigen.  Er ließ Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert töten. Und als er sah, daß das den Juden gefiel, fing er auch Petrus. Es waren aber gerade die Tage der ungesäuerten Brote. Er steckte Petrus  ins Gefängnis und gab ihn in die Obhut von vier Gruppen zu je vier Soldaten, die ihn bewachen sollten. Er hatte vor, ihn nach Ostern der Öffentlichkeit vorzustellen. Petrus wurde als im Gefängnis gefangen gehalten, aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Als Herodes ihn am nächsten Tag der Öffentlichkeit vorstellen wollte, schlief Petrus in der Nacht zwischen zwei Soldaten, gebunden mit zwei Ketten, und Wächter vor der Tür bewachten das Gefängnis.

Da kam ein Bote Gottes daher, und ein Licht schien in der Zelle. Er schlug Petrus an die Seite und weckte ihn und sprach: „Steh schnell auf!“ Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Bote sprach zu ihm: „Zieh dich an, auch die Schuhe!“ Petrus tat es. Und der Bote sprach zu ihm: „Wirf deinen Mantel um und folge mir nach!“ Petrus ging hinaus und folgte ihm und wußte nicht, ob das  wirklich ist, was da durch  den Boten geschieht, sondern es kam ihm vor, er habe eine Erscheinung.

Sie gingen aber durch die erste und andere Wache und kamen zu der eisernen Tür, die zur Stadt hinausführt. Diese tat sich von selber vor ihnen auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Gasse entlang. Aber in diesem Augenblick verschwand der Bote. Als Petrus zu sich selber kam, sprach er: „Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Boten gesandt hat und mich errettet hat aus der Hand des Herodes und vor allen Erwartungen der Juden!“

Als er sich besann, kam er vor das Haus Marias, der Mutter des Johannes, der mit dem Zunamen Markus hieß. Dort waren viele beieinander und beteten. Als aber Petrus an die kleine Tür des Tores klopfte, kam das Hausmädchen Rhode heraus, um zu horchen, wer draußen ist.

Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, machte sie vor lauter Freude das Tor nicht auf, sondern lief hinein und rief ihnen zu, Petrus stünde vor dem Tor.

Sie aber sprachen zu ihr: „Du bist verrückt!“Sie aber bestand darauf, es wäre so. Sie sprachen: „Es ist nur sein Doppelgänger!“ Petrus klopfte weiter an. Als sie aber aufmachten, sahen sie ihn und entsetzten sich. Er aber winkte ihnen mit der Hand, zu schweigen, und erzählte ihnen, wie ihn der Herr aus dem Gefängnis geführt hatte, und sprach: „Sagt dies Jakobus und den Brüdern!“ Und er ging hinaus und zog an einen andern Ort.

Als  es aber Tag wurde, war eine nicht kleine Bestürzung unter den Soldaten, und sie fragten sich, wie das wohl mit Petrus gegangen wäre. Als Herodes aber Petrus anforderte und nicht fand, ließ die Wächter verhören und befahl dann, sie wegführen.

Dann zog er von Judäa hinab nach Cäsarea und hielt sich dort auf. Denn er hatte vor, wider die von Tyrus und Sidon Krieg zu führen. Sie aber kamen einträchtig zu ihm und überredeten des Königs Minister Blastus und baten um Frieden, weil ihre Länder sich ernähren mußten von dem Land des Königs.

Aber an einem bestimmten Tag zog Herodes das königliche Kleid an, setzte sich auf den Richtstuhl und hielt eine Rede zu ihnen. Das Volk aber rief: „Das ist Gottes Stimme und nicht die eines Menschen!“ In diesem Augenblick schlug ihn der Bote Gottes, weil er Gott nicht die Ehre gab (und sich selber „Gott“ nennen ließ). Er wurde von den Würmern gefressen und gab den Geist auf.

Das Wort Gottes aber wuchs und mehrte sich. Nachdem Barnabas und Paulus die Hilfssendung  überreicht hatten, gingen sie wieder von Jerusalem weg und nahmen Johannes Markus mit sich (Apg 12).

 

ERSTE  MISSIONSREISE:

In der Gemeinde Antiochien gab es Propheten und Lehrer, zu denen sprach der Geist Gottes, als sie beim Fasten waren: „Wählt Barnabas und Paulus aus für eine Aufgabe, zu der ich sie berufen habe!“ Da fasteten sie noch einmal und beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie gehen. Sie kamen zuerst nach Zypern und verkündeten das Wort Gottes in den Bethäusern der Juden.

Als sie die Insel durchzogen bis zu der Stadt Paphos, fanden sie einen Zauberer und falschen Propheten, einen Juden mit Namen hieß Bar-Jesus. Der war bei dem Statthalter Sergius Paulus, einem verständigen Mann. Der rief Barnabas und Paulus zu sich und wollte das Wort Gottes hören.

Da hängte sich der Zauberer hinein und wollte den Statthalter vom Glauben abhalten. Paulus aber sah ihn an und sprach: „Du Kind des Teufels, Feind aller Gerechtigkeit, du hörst nicht auf, Menschen vom rechten Wege des Herrn abzuwenden. Aber jetzt kommt die Hand des Herrn kommt über dich, und du sollst blind sein und die Sonne eine Zeitlang nicht sehen!“ Von dem Augenblick an fielen Dunkelheit und Finsternis auf ihn, und er ging umher und suchte Menschen, die ihn führten. Als der Statthalter die Geschichte sah, glaubte er und wunderte sich über die Lehre des Herrn.

In Antiochien im Lande Pisidien hielt Paulus eine Predigt, die auf die Juden ausgerichtet war. Er schilderte noch einmal die ganze Geschichte des Volkes Israel mit Gott und das Schicksal Jesu, in dem sich  die Verheißungen Gottes erfüllt haben.

Er schließt mit den Worten: „Wer aber an diesen glaubt, der ist gerecht!“ Als die Juden aus dem Bethaus gingen, baten die Andersgläubigen, daß sie am nächsten Feiertag auch ihnen die Worte Gottes sagten.

Am folgenden Feiertag aber kam fast die ganze Stadt zusammen, um das Wort Gottes zu hören. Als aber die Juden die große Menge sahen, wurden sie neidisch  und widersprachen dem, was Paulus sagte, widersprachen ihm und spotteten über ihn. Paulus und Barnabas sprachen frei und öffentlich: „Euch mußte zuerst das Wort Gottes gesagt werden. Wenn ihr es aber von euch stoßt und euch selbst nicht für wert haltet, das ewige Leben zu erlangen, dann wenden wir uns zu den Andersgläubigen. Da das aber die Andersgläubigen hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des Herrn und wurden gläubig.

Und das Wort des Herrn wurde durch die ganze Gegend ausgebreitet. Aber die Juden bewegten die Obersten der Stadt und erweckten eine Verfolgung über Paulus und Barnabas und stießen sie aus ihren Grenzen hinaus. Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen über sie und kamen nach Ikonion. Die Christen aber wurden voll Freude und Gottesgeistes (Apg 13, gekürzt).

Der weitere Weg führte sie durch Städte des Landes Lykaonien. In Lystra, heilten sie einen Mann, der von Kind an lahm war. Da meinten die Leute: „Die Götter sind den Menschen gleich geworden und zu uns herniedergekommen!“ Sie hielten Barnabas für Jupiter und Paulus für Merkur, dieweil er das Wort führte. Schließlich kam der Priester des Jupiter aus dem Tempel vor der Stadt und brachte Ochsen und Kränze vor das Tor und wollte dort zusammen mit dem Volk den Göttern opfern.

Als das die Apostel Barnabas und Paulus hörten, zerrissen sie ihre Kleider und sprangen unter die Menge, schrieen und sprachen: „Ihr Männer, was macht ihr da? Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr!“ Und dann hält er eine Predigt, die auf Nicht-Juden zugeschnitten ist: „Wir  predigen euch die frohe Botschaft von Jesus Christus, daß ihr euch bekehren sollt von diesen falschen Göttern zu dem lebendigen Gott, der hat Himmel und Erde und das Meer und alles, was in ihnen ist, gemacht hat. In den vergangenen Zeiten hat er alle Andersgläubigen ihre eigenen Wege gehen lassen. Und doch hat er sein Dasein nicht verborgen: Er hat uns viel Gutes getan und vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben und unsere Herzen erfüllt mit Speise und Freude!“ Als sie das sagten, konnten sie kaum die Menge abhalten, ihnen zu opfern.

Dann kamen aber Juden von Antiochien und Ikonion dorthin und stimmten die Menschen wieder um und steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus und meinten, er wäre gestorben. Als ihn aber seine Anhänger umringten, stand er auf und ging in die Stadt. Und am andern Tag ging er hinaus nach Derbe. Dann zogen durch Pisidien und kamen nach Pamphylien und fuhren dann wieder mit dem Schiff zurück nach Antiochien, von wo sie ausgesandt worden waren durch die Gnade Gottes zu der Aufgabe, die sie ausgerichtet hatten. Als sie aber hinkamen, versammelten sie die Gemeinde und verkündigten, wieviel Gott mit ihnen getan hatte und wie er den Andersgläubigen die Tür des Glaubens aufgetan hätte. Sie blieben eine gewisse Zeit bei der Gemeinde (Apg 13 und 14, gekürzt).

 

Apostelversammlung in Jerusalem:

Es kamen einige herab von Judäa und lehrten die Christen: „Wenn ihr euch nicht beschneiden laßt nach der Art des Mose, so könnt ihr nicht zu Gott kommen!“ Als sich nun ein Aufruhr erhob und Paulus und Barnabas einen nicht geringen Streit mit ihnen hatten, beschlossen sie, daß Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen hinaufzögen nach Jerusalem zu den Aposteln und Ältesten, um diese Frage zu klären.

Sie wurden von der Gemeinde geleitet und zogen durch Phönizien und Samarien und erzählten die Bekehrung der Andersgläubigen und machten allen Mitchristen eine große Freude.

Als sie aber hinkamen nach Jerusalem, wurden sie empfangen von der Gemeinde und von den Aposteln und von den Ältesten. Und sie erzählten, wieviel Gott mit ihnen getan hatte. Da traten auf einige von der Sekte der Frommen, die Christen geworden waren, und sprachen: „Man muß sie beschneiden und ihnen befehlen,  das Gesetz des Mose zu halten!“

Die Apostel und die Ältesten kamen aber zusammen, um über diese Rede sich zu beraten. Als  man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: „Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wißt, das Gott mich lange vor dieser Zeit unter uns erwählt hat, daß durch meinen Mund die Andersgläubigen die frohe Botschaft hörten und glaubten.  Und Gott, der die Herzen kennt, war Zeuge für sie und gab ihnen den Geist Gottes so wie uns auch und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen und reinigte ihre Herzen durch den Glauben. Weshalb versucht ihr denn nun Gott, indem ihr das Joch des Gesetzes um Hälse der Mitchristen legt, das weder unsre Väter noch wir haben können tragen? Sondern wir glauben, durch die Zuwendung des Herrn Jesu Christi glückselig zu werden, in gleicher Weise wie auch sie!“

Da schwieg die ganze Menge still und hörte Paulus und Barnabas zu, die erzählten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Andersgläubigen.

Danach, als sie geschwiegen hatten, antwortete Jakobus und sprach: „Ihr Männer, liebe Brüder, höret mir zu! Simon hat erzählt, wie Gott zum ersten Mal die Andersgläubigen besucht hat und aus ihnen ein Volk für seinen Namen angenommen hat. Darum meine ich, daß man denen, die sich von einem anderen Glauben zu Gott bekehren, nicht Unruhe mache, sondern schreibe ihnen, daß sie sich nur enthalten von Unsauberkeit durch falsche Götter und von Hurerei und vom Erstickten und vom Blut.  Denn Mose hat seit langen Zeiten in allen Städten Menschen, die ihn predigen, und seien Schriften werden alle Feiertrage  in den Bethäusern gelesen!“

Da schien es den Aposteln und Ältesten und der ganzen Gemeinde gut zu sein, aus ihnen Männer zu erwählen und nach Antiochien zu senden. Das waren außer Paulus und Barnabas noch Judas Barsabas und Silas, die Lehrer waren unter den Mitchristen.

Und sie gaben ihnen eine Schrift in ihre Hand mit folgendem Wortlaut: „Wir, die Apostel und Ältesten und Brüder, wünschen Heil den Brüdern aus den Andersgläubigen, die in Antiochien und Syrien und Kilikien sind. Weil wir gehört haben, daß einige von den Unseren ausgegangen sind und haben euch mit Lehren irregemacht und eure Seelen zerrüttet und sagen, ihr sollt euch beschneiden lassen und das Gesetz halten. Aber das haben wir nicht befohlen. Es schien uns gut, die wir einträchtig versammelt waren, Männer zu erwählen und zu euch zu senden mit unsern liebsten Barnabas und Paulus, Männer, die ihr Leben eingesetzt haben für den Namen unsers Herrn Jesus Christus. So haben wir Judas und Silas gesandt, die auch mit Worten dasselbe verkündigen werden. Denn es gefällt dem Geist Gottes und uns, euch keine Lasten mehr aufzulegen als nur diese nötigen Stücke: Daß ihr euch fernhaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von der Hurerei. Wenn ihr euch vor diesem hütet, tut ihr recht. Seid gegrüßt!“

Sie wurden fortgeschickt und kamen nach Antiochien und versammelten die Menge und überantworteten den Brief. Da sie den lasen, wurden sie wegen des Zuspruchs froh. Judas und Silas, die auch Propheten waren, ermahnten die Brüder mit vielen Reden und stärkten sie.

Nachdem Paulus und Barnabas eine Zeitlang geblieben waren, wurden sie von den Mitchristen mit Frieden verabschiedet, um wieder zu den Aposteln zu gehen. Silas aber gefiel es da zu bleiben. Paulus aber und Barnabas hielten sich in Antiochien auf, lehrten und predigten Wort des Herrn zusammen mit vielen andern (Apg 15,1-35).

 

ZWEITE  MISSIONSREISE:

Nach einer Reihe von Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: „Laß uns wieder ziehen und nach unsern Mitchristen sehen durch alle Städte, in welchen wir das Wort des Herrn verkündet haben, wie sie sich verhalten. Barnabas aber gab Rat, Johannes Markus mit zu nehmen.

Paulus aber hielt es nicht für angebracht, einen mit sich zu nehmen, der sie in Pamphylien verlassen hatte und nicht mit ihnen gezogen war, das Werk auszuführen. Und sie gerieten scharf aneinander, so daß sie sich trennten: Barnabas nahm Markus zu sich und fuhr mit dem Schiff  nach Zypern. Paulus aber wählte Silas und zog hin, von den Mitchristen der Gnade Gottes anbefohlen. Er zog durch Syrien und Kilikien und stärkte die Gemeinden (Apg 15,36-41).

Er kam auch nach Derbe und Lystra. Als sie aber durch Phrygien und das Land Galatien zogen, wurde ihnen von dem Geist Gottes gewehrt, das Wort Gottes zu reden in der Provinz Asien. Sie zogen an Mysien vorüber und kamen hinab nach Troas. Und Paulus hatte eine Erscheinung in der Nacht. Das war ein Mann aus Mazedonien, der stand und bat ihn: „Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“

Daraufhin  trachteten wir alsbald, nach Mazedonien zu reisen, und wir waren gewiß, daß uns der Herr dahin berufen hätte, ihnen die frohe Botschaft zu predigen [Hier taucht zum ersten Mal das „wir‘“ auf, das den Anschein erweckt, als sei der Verfasser der Apostelgeschichte oder sein Berichterstatter ein Augenzeuge gewesen].

Da fuhren wir aus Troas weg und kamen geradewegs nach Samothrazien und den anderen Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das die Hauptstadt von Mazedonien ist und eine Freie Stadt. Wir blieben einige Tage in dieser Stadt.

 

In Philippi: Lydia und der Gefängnisaufseher

Am Feiertag gingen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, wo man zu beten pflegte, und setzten uns und redeten zu den Frauen, die da zusammengekommen waren. Dabei hörte eine gläubige jüdische Frau zu, die Purpurhändlerin Lydia. Dieser tat der Herr das Herz auf, daß sie darauf achtete, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber und ihre Familie getauft wurden, bat sie uns: Wenn ihr anerkennt, daß ich gläubig bin an den Herrn, dann kommt in mein Haus und bleibt dort!“ Und sie nötigte uns.

Als wir zum Gebet gingen, begegnete uns eine Hausangestellte, die hatte einen Wahrsagergeist und brachte ihren Herren viel Gewinn ein mit Wahrsagen. Diese lief allezeit Paulus und uns nach und schrie: „Diese Menschen sind die Diener Gottes des Allerhöchsten, die euch den Weg zum ewigen Leben verkündigen!“ Das tat sie manchen Tag. Paulus aber tat das wehe, und er wandte sich um und sprach zu dem Geist: „Ich gebiete dir in dem Namen Jesu Christi, daß du von ihr ausfährst!“ Und er fuhr aus zu in der gleichen Stunde.

Als aber die Herren sahen, daß die Hoffnung auf Gewinn ausgefahren war, nahmen sie Paulus und Silas und zogen sie auf den Markt vor die Obersten der Stadt und führten sie zu den Hauptleuten und sprachen: „Diese Menschen machen unsere Stadt irre. Sie sind Juden und verkünden den Glauben auf eine Weise, wie es sich nicht gehört, daß wir sie annehmen oder tun, weil wir Römer sind!“ Die Menge wurde erregt gegen sie. Und die Hauptleute ließen ihnen die Kleider abreißen und befahlen, sie auszupeitschen.

Als sie sie wohl ausgepeitscht hatten, warfen sie sie ins Gefängnis und befahlen dem Gefängnisaufseher, daß er sie wohl bewachte. Weil er diesen Befehl erhalten hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und schraubte ihre Füße zwischen zwei Balken fest.

Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. Schnell aber geschah ein großes Erdbeben, so daß sich die Grundfesten des Gefängnisses bewegten. Und sogleich wurden alle Türen aufgetan und aller Fesseln gingen los. Als aber der Gefängnisaufseher aus dem Schlaf fuhr und sah die Türen des Gefängnisses aufgetan, zog er das Schwert heraus und wollte sich selbst umbringen, denn er meinte, die Gefangenen wären geflohen. Paulus rief aber laut: „Tu dir nichts Übles, denn wir sind alle hier!“ Der Aufseher forderte ein Licht und sprang in das Gefängnis hinein.

Da fing er an zu zittern und fiel Paulus und Silas zu den Füßen und führte sie heraus und sprach: „Liebe Herren, was soll ich tun, daß ich glückselig werde?“ Sie sprachen: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und deine Familie glückselig!“ Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Haus waren. Und der Aufseher nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab: Und er ließ sich und alle die Seinen alsbald taufen. Und er führte sie in sein Haus und deckte ihnen einen Tisch und freute sich mit seiner ganzen Familie, daß er an Gott gläubig geworden war.

Als es Tag ward, sandten die Hauptleute die Stadtdiener und sprachen: „Laß die Menschen gehen!“ Der Aufseher sagte es Paulus weiter: „Die Hauptleute haben Leute her gesandt, die sagen, daß ihr los sein sollt. Nun zieht aus und geht hin mit Frieden!“ „Paulus aber sprach zu ihnen: Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffentlich ausgepeitscht, wo wir doch das römische Bürgerrecht haben, und sie haben uns ins Gefängnis geworfen, und sollten uns nun heimlich hinausstoßen? So geht das nicht, sondern laßt sie selbst kommen und uns hinausführen!“ Die Stadtdiener verkündeten diese Worte den Hauptleuten. Und sie fürchteten sich, als sie hörten, daß sie Römer wären, und sie kamen und redeten ihnen zu, führten sie heraus und baten sie, daß sie auszögen aus der Stadt. Da gingen sie aus dem Gefängnis und gingen noch zu Lydia. Und als sie die Brüder gesehen und ihnen zugesprochen hatten, zogen sie hinaus (Apg 16, teilweise gekürzt).

 

In Athen:

Über  Thessalonich und Beröa kamen Paulus, Silas und Timotheus nach Athen. Paulus aber wurde zornig, als  er die Stadt sah, denn sie war voller Götzenbilder. Er redete aber alle Tage zu den Juden und ihren Anhängern im Bethaus und auch auf dem Markt zu denen, die sich einfanden. Einige Philosophen von den Epikuräern und Stoikern stritten mit ihm. Und einige sprachen: „Was will dieser Schwätzer sagen?“ Einige aber sagten: „Es sieht aus, als wolle er neue Götter verkündigen!“

Sie nahmen ihn aber und führten ihn auf den Gerichtsplatz und sprachen: „Können wir auch erfahren, was das für eine neue Lehre sei, die du lehrst? Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren. So wollten wir gern wissen, was das sei!“ (Alle Athener, auch die Ausländer und Gäste, waren ausgerichtet auf nichts anderes, als auf etwas Neues zu sagen oder zu hören).

Paulus aber stand mitten auf dem Gerichtsplatz und predigte zu ihnen, wie man zu Gebildeten spricht: „Ihr Männer von Athen, ich sehe, daß ihr in jeder Hinsicht gar sehr die Götter fürchtet. Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe eure Gottesdienste gesehen und fand einen Altar, darauf war geschrieben: ‚Dem unbekannten Gott‘. Nun verkündige ich euch denselben, dem ihr unwissend einen Gottesdienst gewidmet habt.

Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was drinnen ist, der ist ein Herr ist des Himmels und der Erde. Abner er wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Er läßt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er der jemanden nötig hätte, wo er doch selber jedem überall Leben und Atem  gibt.

Er hat gemacht, daß von einem Menschen alle Menschen auf dem ganzen Erdboden abstammen und hat bestimmt, wie lange und wie weit sie wohnen sollen. Sie sollen den Herrn suchen, ob sie doch ihn fühlen und finden möchten. Und in der Tat: Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. So haben ja auch einige Dichter bei euch gesagt haben: ‚Wir sind von seiner Art‘. Wenn wir nun von göttlicher Art sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, die durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht sind. Gott hat zwar die Zeit der Unwissenheit übersehen. Nun aber gebietet er allen Menschen an allen Enden, ihr Leben zu ändern, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er richten will den ganzen Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat. Er hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat!“

Als sie das von der  Auferstehung der Toten hörten, da spotteten einige. Andere aber sprachen: „Wir wollen dich darüber noch ein anderes Mal hören!“ So ging Paulus von ihnen. Einige Männer aber hingen ihm an und wurden gläubig. Einer von ihnen war Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen (Apg 17, am Anfang gekürzt)).

 

In Korinth:

Paulus ging weg von Athen und kam nach Korinth. Er wohnte bei dem Juden Aquila und seiner Frau Priscilla, die wegen der Judenverfolgung durch Kaiser Klaudius aus Rom vertrieben worden waren. Paulus arbeitete bei ihm, denn sie hatten das gleiche Handwerk, nämlich Zeltmacher. An den Feiertagen lehrte er immer Juden und Griechen in den Bethäusern.

Vor allem den Juden bezeugte er, daß Jesus der Christus sei. Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach: „Euer Blut sei über euer Haupt! Rein gehe ich von nun an zu den Andersgläubigen!“ Viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen. In der Nacht sprach aber der Herr durch eine Erscheinung zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt!“ Paulus blieb ein Jahr und sechs Monate dort und lehrte das Wort Gottes.

Als Gallion Statthalter war in Achaja, empörten sich die Juden alle miteinander gegen Paulus und führten ihn vor den Richtstuhl und sprachen: „Dieser überredet die Leute, Gott anders zu dienen als in unserem Glaubensgesetz gesagt ist!“ Als Paulus schon den Mund auftun wollte, sprach Gallion zu den Juden: „Wenn es ein Frevel oder ein Vergehen wäre, liebe Juden, würde ich euch gern anhören. Weil es aber eine Frage ist von der Lehre und von den Worten und von dem Gesetz unter euch, so seht ihr selber zu. Ich gedenke darüber nicht Richter zu sein!“

Und er trieb sie von dem Richtstuhl.

Über Ephesus und Cäsarea ging Paulus hinauf nach Jerusalem und grüßte die Gemeinde und zog hinab nach Antiochien (Apg 18,1-22, gekürzt).

 

 

 

 

 

DRITTE MISSIONSREISE:

Nach einiger Zeit reiste Paulus weiter und durchwanderte nacheinander das galatische Land und Phrygien und stärkte alle Mitchristen. Es kam aber nach Ephesus ein Jude mit Namen Apollos, von Geburt aus Alexandrien, ein beredter Mann und mächtig in der Kenntnis der Heiligen Schrift. Dieser war unterwiesen im Weg des Herrn und redete mit brennendem Geist und lehrte mit Fleiß von dem Herrn. Er wußte aber allein von der Taufe des Johannes. Dieser fing an, frei zu predigen im Bethaus. Als ihn aber Aquila und Priscilla hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer aus. Als er aber nach Achaja reisen wollte, schrieben die Mitchristen einen Brief und ermahnten die Christen dort, daß sie ihn aufnähmen. Und als er dahin gekommen war, half er denen, die gläubig durch die Gnade geworden waren. Denn er überzeugte ständig die Juden und erwies öffentlich durch die Schrift, daß Jesus der Christus sei (Apg 18, 23-28).

 

In Ephesus:

Paulus kam nach Ephesus und fand einige Christen. Zu denen sprach er: „Habt ihr den Geist Gottes empfangen, als ihr gläubig wurdet?“ Sie sprachen zu ihm: „Wir haben nie gehört, daß es einen göttlichen Geist gibt!“ Und er sprach zu ihnen: „Worauf seid ihr getauft?“ Sie sprachen: „Auf die Taufe des Johannes!“

Paulus aber sprach: „Johannes hat getauft mit der Taufe der Umkehr des Lebens und sagte dem Volk, daß sie glauben sollten an den, der nach ihm kommen sollte, das heißt an Jesus, und daß er der Christus sei!“ Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der Geist Gottes auf sie, und sie redeten in Zungensprache und weissagten. Insgesamt waren es zwölf Männer.

Zwei Jahre lang hörten alle, die in der Provinz Asien wohnten, das Wort des Herrn Jesus, Juden und Griechen, und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände Paulus.

Es wohnte aber in Ephesus ein Goldschmied Demetrius, der machte silberne Tempel der Diana und verschaffte diesem Handwerk einen nicht geringen Gewinn. Er versammelte die Goldschmiede und ihre Helfer und sprach: „Liebe Männer, ihr wißt, daß wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben. Aber ihr seht und hört, daß nicht allein in Ephesus sondern auch in fast der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viele Leute zum Abfall von unserem Glauben verführt, sie überredet und spricht: ‚Es gibt keine Götter, die von Händen gemacht sind‘ Das wird nicht allein dazu führen, daß unser Gewerbe nichts mehr gilt, sondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden, und es wird ihre göttliche Majestät untergehen, der doch ganz Asien und der Weltkreis Anbetung zeigt!!“

 Als sie das hörten, wurden sie voll Zorns und schrieen: „Groß ist die Diana der Epheser!“ Und die ganze Stadt war voll Getümmels. Sie stürmten alle zusammen zum Theater und ergriffen Gajus und Aristarchus aus Mazedonien, die Gefährten des Paulus. Als aber Paulus unter die Menge gehen wollte, ließen es die anderen Christen nicht zu. Auch einige der Obersten in der Provinz Asien, die gute Freunde des Paulus waren, sandten zu ihm und ermahnten ihn, daß er sich nicht begäbe zum Theater. Einige schrieen so, andere etwas anderes, und die Versammlung wurde irre, und die meisten wußten nicht, warum sie zusammengekommen waren.

Einige aus der Menge zogen Alexander hervor, als ihn die Juden hervorstießen. Alexander aber winkte mit der Hand und wollte sich vor dem Volk verantworten. Als sie aber merkten, daß er ein Jude war, schrieen sie alle wie mit einer Stimme etwa zwei Stunden lang: „Groß ist die Diana der Epheser!“

Als aber der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er: „Ihr Männer von Ephesus, welcher Mensch weiß nicht, daß die Stadt Ephesus eine Pflegerin der großen Göttin Diana und des himmlischen Bildes ist? Weil dem nicht widersprochen werden kann, so sollt ihr stille sein und nichts Unbedachtes tun. Ihr habt diese Menschen hergeführt, die weder Tempelräuber noch Lästerer eurer Göttin sind. Haben aber Demetrius und die anderen von seinem Handwerk einen Anspruch gegen jemand, so kann man Gericht halten und es sind Richter da. Laßt sie sich untereinander verklagen. Wollt ihr aber noch etwas darüber hinaus, so mag man es ausfechten in einer ordentlichen Versammlung. Denn wir stehen in der Gefahr, daß wir wegen dieser heutigen Sache wegen Aufruhr verklagt werden, obwohl doch keine Sache vorhanden ist, womit wir einen solchen Aufruhrs entschuldigen könnten!“ Und als er das gesagt hatte, ließ er die Versammlung gehen (Apg 19, am Anfang gekürzt).

 

Abschied von Ephesus:

Paulus reiste dann weiter nach Mazedonien und blieb drei Monate in Griechenland. Weil ihm aber die Juden nachstellten, als er nach Syrien wollte fahren, beschloß er wieder umzukehren durch Mazedonien. Wir aber fuhren mit dem Schiff nach den Ostertagen von Philippi und kamen zu ihnen nach Troas und blieben dort sieben Tage. Als  Paulus im Gottesdienst predigte und die Rede sich hinzog bis gegen Mitternacht, da saß ein junger Mann in einem Fenster und sank in tiefen Schlaf, weil Paulus so lange redete. Er fiel hinunter vom dritten Stockwerk und wurde tot aufgehoben. Paulus aber ging hinab und legte sich auf ihn, umfing ihn und sprach: „Macht kein Getümmel, denn es ist noch Leben in ihm!“ Paulus ging ruhig wieder hinauf, setzte den Gottesdienst fort, aß und redete viel mit ihnen bis der Tag anbrach. Sie brachten aber den Jungen lebendig und wurden nicht wenig getröstet.

Das nächste Ziel mit dem Schiff war Milet. Paulus wollte nicht noch nach Ephesus gehen, denn er wollte zu Pfingsten in Jerusalem zu sein, wenn es ihm möglich wäre. Er bestellte aber die Ältesten der Gemeinde zu sich.  Als die zu ihm kamen, sprach er zu ihnen: „Ihr wißt, ich bin allezeit bei euch gewesen von dem Tage an, als ich in die Provinz Asien gekommen bin.

Ich habe dem Herrn gedient mit aller Demut und mit viel Tränen und Schwierigkeiten, die mir widerfahren von den Juden sind, die mir nachstellten. Aber ich habe euch alles gelehrt, öffentlich und privat, und habe den Glauben an unsern Herrn Jesus Christus bezeugt. Aber jetzt fahre ich  -  im Geiste gebunden - nach Jerusalem. Ich weiß nicht, was mir dort begegnen wird,

Fesseln und Trübsal warten dort auf mich. Aber das beeindruckt mich alles nicht. Ich halte mein Leben auch nicht selbst für so teuer. Ich will meinen Lauf mit Freuden vollenden, und das Amt, das ich empfangen habe von dem Herrn Jesus, zu bezeugen die frohe Botschaft von der Gnade Gottes!“

Dann fährt er fort: „Ich weiß, daß ihr mich nicht mehr sehen werdet, ihr alle, bei denen ich durchgekommen bin und gepredigt habe die Herrschaft Gottes. Darum bezeuge ich euch an diesem heutigen Tage, daß ich nichts versäumt habe. Denn ich habe euch nichts vorenthalten, daß ich nicht verkündigt hätte den ganzen Ratschluß Gottes.  So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, unter die euch der Geist Gottes zu (Gemeinde-) Bischöfen eingesetzt hat, zu weiden die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat. Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied unter euch greuliche Wölfe werden kommen, die die Herde nicht verschonen werden. Auch aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Lehren reden, die Christen an sich zu ziehen. Darum seid wach und denkt daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht, einen jeden mit Tränen zu ermahnen.

Und nun, liebe Brüder, ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und das Erbe zu geben unter allen, die geheiligt werden. Ich habe kein Silber noch Gold noch Kleid von euch begehrt, denn ihr wißt selber, daß mir diese Hände zu meinem Unterhalt gedient haben und derer, die mit mir gewesen sind. Ich habe es euch alles gezeigt, daß man so arbeiten muß und die Schwachen aufnehmen und denken an das Wort des Herrn Jesus, daß er gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen!“

Und als er das gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Sie weinten aber alle viel und sie fielen Paulus um den Hals und küßten ihn, am allermeisten betrübt über das Wort, das er sagte, sie würden ihn nicht mehr sehen. Und geleiteten ihn in das Schiff (Apg 20, am Anfang gekürzt).

 

Gefangennahme des Paulus:

Über und an Zypern vorbei kamen wir nach Tyrus. Die Mitchristen sagten, er sollte nicht hinauf nach Jerusalem ziehen. Aber wir fuhren mit dem Schiff bis Cäsarea. Da reiste herab aus Judäa der Prophet Agabus, mit Namen und kam zu uns. Der nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Hände und Füße und sprach: Das sagt der Geist Gottes: „Den Mann, dem der Gürtel gehört, werden die Juden binden zu Jerusalem und überantworten in die Hände der Andersgläubigen!“

Als wir das hörten, baten wir und die anderen an dem Ort, daß er nicht hinauf nach Jerusalem zöge. Paulus aber antwortete: „Was macht ihr, daß ihr weinet und brecht mir mein Herz? Denn ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben in Jerusalem um des Namens des Herrn Jesu willen!“ Da er sich nicht überreden ließ, schwiegen wir und sprachen: „Des Herrn Wille geschehe!“

Nach einigen Tagen machten wir uns fertig und zogen hinauf nach Jerusalem. Als wir nach Jerusalem kamen, nahmen uns die Christen gern auf. Am anderen Tag aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und es kamen die Ältesten alle dahin. Und als er sie gegrüßt hatte, erzählte er eines nach dem andern, was Gott getan hatte unter den Andersgläubigen.

Als sie aber das hörten, lobten sie den Herrn und sprachen zu ihm: „Bruder, du siehst, wieviel tausend Juden sind, die gläubig geworden sind. Es ist aber berichtet worden, daß du alle Andersgläubigen lehrst, von Mose abzufallen. So tu nun dies, was wir dir sagen: Wir haben hier vier Männer, die haben ein Gelübde auf sich genommen. Die nimm zu dir und reinige dich mit ihnen und bezahle die Kosten dafür, daß sie ihre Haare schneiden. Dann werden alle vernehmen, daß es nicht so sei, wie es gegen dich berichtet wird, sondern daß du das Gesetz hältst!“

Da nahm Paulus die Männer zu sich und reinigte sich am andern Tag religiös mit ihnen und ging in den Tempel und ließ sich sehen, wie er aushielte die Tage, an denen er sich heiligte, bis daß für einen jeden unter ihnen das Opfer gebracht wurde. Als aber die sieben Tage fast um waren, sahen ihn die Juden aus der Provinz Asien im Tempel und erregten das ganze Volk, legten die Hände an ihn und schrieen: „Ihr Männer von Israel, helft! Das ist der Mensch, der alle Menschen an allen Enden lehrt gegen dieses Volk, gegen das Gesetz und gegen diese Stätte. Dazu hat er auch Griechen in den Tempel geführt und diese heilige Stätte entweiht (denn sie hatten mit ihm in der Stadt den Epheser Trophimus gesehen und meinten Paulus hätte ihn in den Tempel geführt).

Und die ganze Stadt wurde erregt und es geschah ein Zulauf der Menge. Sie griffen aber Paulus und zogen ihn zum Tempel hinaus, und alsbald wurden die Türen zugeschlossen. Als sie ihn aber töten wollten, kam das Geschrei hinauf vor den obersten Hauptmann der römischen Schar, daß das ganze Jerusalem in Aufruhr sei.

Der nahm sofort die Krieger und Hauptleute zu sich und lief unter die Menge. Als sie aber den Hauptmann und die Krieger sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen.

Als aber der Hauptmann nahe herankam, nahm er Paulus an sich und hieß ihn mit zwei Ketten zu fesseln und fragte, wer er wäre und was er getan hätte. Einer aber rief dies, der andere das in der Menge. Da der Hauptmann aber nichts Gewisses erfahren konnte wegen des Getümmels, ließ er ihn in das Lager führen. Und als er an die Stufen kam, mußten ihn die Krieger tragen wegen der Gewalt des Volks. Denn es folgten viele Leute nach und schrien: „Weg mit ihm!“ (Apg 21,1-39)

 

Paulus rechtfertigt sich vor der Menge:

Als aber Paulus ins Lager geführt wurde, sprach er zu dem Hauptmann: „Darf ich mit dir reden?“ Er aber sprach: „Kannst du Griechisch? Bist du nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen einen Aufruhr gemacht hat und führte viertausend Meuchelmörder in die Wüste hinaus?“ Paulus aber sprach: „Ich bin ein jüdischer Mann von Tarsus, ein Bürger einer namhaften Stadt in Kilikien. Ich bitte dich, erlaube mir, zu reden zu dem Volk!“ 

Als er es ihm erlaubte, trat Paulus auf die Stufen und winkte dem Volk mit der Hand. Als nun eine große Stille wurde, redete er zu ihnen auf Hebräisch und sprach: „Ihr Männer, liebe Brüder und Väter, hört meine Rechtfertigung an euch. Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsus in Kilikien und erzogen in dieser Stadt zu den Füßen Gamaliels, gelehrt mit allem Fleiß im väterlichen Gesetz. Ich war ein Eiferer um Gott, so wie ihr heute alle seid, und habe diese Lehre verfolgt bis an den Tod. Ich band sie und überantwortete sie ins Gefängnis, Männer und Frauen. Der Oberpriester und alle Ältesten geben Zeugnis dafür, daß ich von ihnen Briefe annahm und reiste nach Damaskus, damit ich alle Anhänger der neuen Lehre, die dort waren, gebunden nach Jerusalem führte, damit sie bestraft würden.

Als ich aber nahe an Damaskus kam, um den Mittag, umleuchtete mich schnell ein großes Licht vom Himmel und ich fiel zum Erdboden und hörte eine Stimme, die sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Ich antwortete aber: Herr, wer bist du? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst!“

Und dann erzählt Paulus die ganze Geschichte, wie er zum Christen geworden war. Und in Jerusalem sprach Gott zu ihm: „Gehe hin, denn ich will dich ferne unter die Andersgläubigen senden!“ Bis zu diesem Wort hörten sie ihm zu. Aber jetzt erhoben sie ihre Stimme und sprachen: „Weg mit einem solchem von der Erde! Denn er darf nicht mehr leben!“ Als sie aber schrieen und ihre Kleider abwarfen und den Staub in die Luft warfen, hieß ihn der Hauptmann ins Lager führen und sagte, daß man ihn auspeitschen und befragen sollte, damit er erführe, weshalb sie so über ihn riefen.

Als man ihn aber mit Riemen anband, sprach Paulus zu dem Hauptmann der dabeistand: „Ist es auch recht bei euch, einen römischen Bürger ohne Urteil und Recht zu geißeln?“ Als das der Unterhauptmann hörte, ging er zum Oberhauptmann und meldete ihm: „Was willst du machen? Dieser Mensch ist römisch!“ Da kam zu ihm der Oberhauptmann und sprach zu ihm: „Sage mir, bist du römisch?“ Er aber sprach: „Ja!“ Und der Oberhauptmann antwortete: „Ich habe dies Bürgerrecht nur mit einer großen Summe Geldzuwege gebracht!“ Paulus aber sprach: „Ich bin aber auch römisch geboren!“

Da traten sofort von ihm weg, die ihn befragen sollten. Und der Oberhauptmann fürchtete sich, als er vernahm, daß er römisch war, und er ihn gebunden hatte. Am anderen Tag wollte er genau erkunden, warum er von den Juden verklagt wurde, und löste ihn von den Banden und hieß die Oberpriester und ihren ganzen Rat kommen und führte Paulus vor und stellte ihn unter sie (Apg 21,40 -Apg 22,30, gekürzt).

 

Mordanschlag gegen Paulus:

Paulus aber sah den Rat an und sprach: „Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe mit allem guten Gewissen gewandelt vor Gott bis auf diesen Tag!“ Der Oberpriester Ananias aber befahl denen, die um ihn standen, daß sie ihm aufs Maul schlügen. Da sprach Paulus zu ihm: „Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand! Du sitzt auf dem Richterstuhl, um mich zu richten nach dem Gesetz, und heißt mich schlagen gegen das Gesetz? Die aber umherstanden sprachen: „Schiltst du den Oberpriester Gottes?“ Und Paulus sprach: „Liebe Brüder, ich wußte nicht, daß er der Oberpriester ist. Denn es steht geschrieben: Dem Obersten deines Volkes sollst du nicht fluchen!“

Da aber Paulus wußte, daß ein Teil Sadduzäer war und der andere Teil Pharisäer (die Gruppe der Frommen), rief er im Rat: „Ihr Männer, liebe Brüder, ich bin ein Pharisäer Sohn und eines Pharisäers. Ich werde angeklagt wegen der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten!“

Als er aber das sagte, geschah ein Aufruhr unter den Pharisäern und Sadduzäern, und die Menge spaltete sich (denn die Sadduzäer sagen, es gäbe keine Auferstehung noch Engel noch Geist, die Pharisäer aber bekennen beides).

Es entstand aber ein großes Geschrei. Und die Schriftgelehrten von der Seite der Pharisäer standen auf, stritten und sprachen: „Wir finden nichts Arges an diesem Menschen. Hat aber ein Geist oder ein Gottesbote mit ihm geredet, so können wir mit Gott nicht streiten!“ Als aber der Aufruhr groß ward, machte sich der oberste Hauptmann Sorgen, sie könnten Paulus zerreißen. Er hieß die Krieger hinabgehen und ihn von ihnen reißen und in das Lager führen. Am anderen Tag aber in der Nacht stand der Herr bei ihm und sprach: „Sei getrost, Paulus! Denn wie du von mir zu Jerusalem gezeugt hast, also mußt du auch in Rom zeugen!“

Als es aber Tag ward, taten sich einige Juden zusammen und verschworen sich, weder zu essen noch zu trinken, bis sie Paulus getötet hätten. Es waren aber mehr als vierzig, die einen solchen Bund machten. Sie traten zu den Obernpriestern und Ältesten und sprachen: „Wir haben uns hart verschworen, nichts zu essen, bis wir Paulus getötet haben. So melde dem Oberhauptmann und dem Rat, daß er ihn morgen zu euch führe, als wolltet ihr ihn besser verhören. Wir aber sind bereit, ihn zu töten, ehe er denn vor euch kommt!“

Als aber der Neffe des Paulus von dem Anschlag hörte, kam er in das Lager und verkündete es Paulus. Paulus aber rief zu sich einen von den Unterhauptleuten und sprach: „ Führe diesen jungen Mann zu dem Oberhauptmann, denn er hat ihm etwas zu sagen!“ Der nahm ihn und führte ihn zum Oberhauptmann und sprach: „Der gebundene Paulus rief mich zu sich und bat mich, diesen jungen Mann zu dir zu führen, der dir etwas zu sagen habe!“ Da nahm ihn der Oberhauptmann bei der Hand und ging mit ihm an einen besonderen Ort und fragte ihn: „Was ist es, das du mir zu sagen hast?“

Er aber sprach: „Die Juden sind eins geworden, dich zu bitten, daß du morgen Paulus vor den Hohen Rat bringen läßt, als wollten sie ihn besser verhören. Du aber traue ihnen nicht, denn es lauern auf ihn mehr als vierzig Männer unter ihnen, die haben sich verschworen, weder zu essen noch zu trinken, bis sie Paulus töten. Sie stehen jetzt bereit; und sind jetzt bereit und warten auf deine Zusage!“ Da ließ der Oberhauptmann den jungen Mann von sich und gebot ihm, daß er niemand sagte, daß er ihm solches eröffnet hätte. Er rief zu sich zwei Unterhauptleute und sprach: „Rüstet zweihundert Krieger und siebzig Reiter und zweihundert Schützen, damit sie um drei Uhr in der Nacht ach Cäsarea ziehen. Richtet die Tiere her, setzt Paulus drauf und bringt ihn geschützt zu dem Statthalter Felix!“

Und er schrieb einen Brief an den Statthalter, den sie ihm übergaben, als sie ihm Paulus vorstellten. Dem sagte er, daß er ihn verhören werde, wenn seine Ankläger auch da sind (Apg 23, gekürzt).

 

Paulus vor dem Statthalter Felix:

Nach fünf Tagen zog der Oberpriester Ananias mit den Ältesten und mit dem Redner Tertullus hinab. Sie erschienen vor dem Statthalter gegen Paulus. Nach Aufforderung fing Tertullus an, Paulus anzuklagen: „Wir nehmen in jeder Hinsicht mit aller Dankbarkeit an, allerteuerster Felix, daß wir im großen Frieden leben unter dir und viel Wohltaten diesem Volk widerfahren durch dein Fürsorge. Ich will dich aber nicht zu lange aufhalten und bitte dich, du wolltest uns kurz anhören in deiner Güte. Wir haben gefunden, daß dieser Mann schädlich ist und Aufruhr erregt unter allen Juden auf dem ganzen Erdboden. Er ist einer der Vornehmsten der Sekte der Nazarener, 6der auch versucht hat, den Tempel zu entweihen. Den haben wir ergriffen und wollten ihn gerichtet haben nach unserem Gesetz. Aber Lysias, der Hauptmann, kam dazu und führte ihn mit großer Gewalt aus unseren Händen und befahl, daß seine Ankläger zu dir kommen. Von dem kannst du - wenn du es erforschen willst - alles erkunden, weshalb wir ihn verklagen!“ Die anderen Juden aber äußerten sich auch dazu und sprachen, es verhielte sich alles so.

Paulus aber antwortete, als ihm der Landpfleger winkte zu reden: „Obwohl ich weiß, daß du in diesem Volk nun viele Jahre ein Richter bist, will ich doch unerschrocken mich verantworten. Denn du kannst erkennen, daß es nicht mehr als zwölf Tage sind, daß ich hinauf nach Jerusalem gekommen bin, um anzubeten. Auch haben sie mich nicht gefunden, daß ich im Tempel mit jemandem redete oder einen Aufruhr machte im Volk noch in den Bethäusern noch in der Stadt. Sie können mir auch nichts beweisen, dessen sie mich anklagen. Das bekenne ich dir aber, daß ich nach diesem Glauben, den sie eine Sekte heißen, diene dem Gott meiner Väter und daß ich glaube allem, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten.  Und ich habe die Hoffnung zu Gott, auf die auch sie selbst warten, nämlich, daß es zukünftig gebe die Auferstehung der Toten, der Gerechten und der Ungerechten. Dabei übe ich mich aber, ein unverletztes Gewissen zu haben in jeder Hinsicht, gegen Gott und die Menschen. Aber nach vielen Jahren bin ich gekommen und habe meinem Volk eine Liebesgabe gebracht. Außerdem fanden sie mich, daß ich mich gereinigt hatte im Tempel, ohne allen Lärm und Getümmel. Es waren aber einige Juden aus der Provinz Asien, die sollten hier sein vor dir und mich verklagen, wenn sie etwas gegen mich hätten.  Oder laß diese selbst sagen, ob sie etwas Unrechtes an mir gefunden haben, während ich vor dem Rat stand, ausgenommen das einzige Wortes, als ich unter ihnen stand und rief: Wegen die Auferstehung der Toten werde ich von euch heute angeklagt!“

Felix aber zögerte die Sache hinaus, als er das hörte, zog er sie hin, denn er wußte gar wohl um diese religiöse Gruppe und sprach: „Wenn Lysias, der Hauptmann, herabkommt, so will ich eure Sache erkunden!“ Er befahl aber dem Unterhauptmann, Paulus zu behalten und ihn Ruhe lassen und daß er niemand von den Seinen wehrte, ihm zu dienen oder zu ihm zu kommen.

Nach einigen Tagen aber kam Felix mit seiner Frau Drusilla, die eine Jüdin war, und forderte Paulus vor sich und hörte ihn über den Glauben an Christus. Als aber Paulus redete von der Gerechtigkeit und von der Keuschheit und von dem zukünftigen Gericht, erschrak Felix und antwortete: „Gehe hin für dieses Mal. Wenn ich eine passende Zeit habe, will ich dich herrufen lassen!“ Er hoffte aber nebenbei, daß ihm von Paulus Geld gegeben werden sollte, daß er ihn losgäbe, weil er ihn auch oft anfordern ließ und sich mit ihm besprach.

Als aber zwei Jahre um waren, wurde Porcius Festus sein Nachfolger. Felix aber wollte den Juden eine Gunst erzeigen und ließ Paulus gefangen  zurück (Apg 24, leicht gekürzt).

 

Paulus vor dem Statthalter Festus und dem König Agrippa:

Als Festus ins Land gekommen war, zog er nach drei Tagen hinauf von Cäsarea nach Jerusalem. Da erschienen vor ihm die Vornehmsten der Juden und traten gegen Paulus auf und ermahnten ihn und baten um die Gunst, daß er ihn fordern ließe nach Jerusalem. Sie stellten ihm aber nach, damit sie ihn unterwegs umbrächten. Da antwortete Festus, Paulus würde ja gefangen gehalten in Cäsarea. Aber er würde in kurzem wieder dahin ziehen. Die unter euch, die es können, laßt mit hinab ziehen und den Mann verklagen, wenn etwas an ihm ist. Nach mehr als zehn Tagen zog er hinab nach Cäsarea. Am Tag setzte er sich auf den Richtstuhl und ließ Paulus holen.

Als Paulus aber vor den Statthalter kam, stellten sich um ihn herum die Juden, die von Jerusalem herabgekommen waren, und brachten viele und schwere Klagen gegen Paulus auf, die sie aber nicht beweisen konnten, weil er sich verteidigt hatte „ Ich habe mich weder am Gesetz der Juden noch am Tempel noch am Kaiser versündigt!“

Festus aber wollte den Juden eine Gunst erzeigen und antwortete Paulus: „Willst du hinauf nach Jerusalem und dich dort vor mir über diese Sache richten lassen?“ Paulus aber sprach: „Ich stehe vor dem Gericht des Kaisers, da will ich mich richten lassen. Den Juden habe ich kein Leid getan, wie auch du aufs beste weißt. Habe ich aber jemand Leid getan und des Todes wert gehandelt, so weigere ich mich nicht, zu sterben. Ist aber nichts an dem, dessen sie mich verklagen, so kann mich niemand ihnen übergeben. Ich berufe mich auf den Kaiser!“ Da besprach sich Festus mit dem Rat und antwortete: „Auf den Kaiser hast du dich berufen, zum Kaiser sollst du ziehen!“

Nach einigen Tagen kamen der König Agrippa und seine Frau Bernice nach Cäsarea, um Festus zu begrüßen. Agrippa wollte den Gefangenen gerne kennenlernen. Am andern Tag kamen Agrippa und Bernice mit großem Gepränge und gingen in das Richthaus mit den Hauptleuten und vornehmsten Männern der Stadt. Als Festus es befahl, wurde Paulus gebracht. Und Festus sprach: „Lieber König Agrippa und alle ihr Männer, die ihr mit uns hier seid, da seht ihr den, um den mich die ganze Menge der Juden angegangen hat, zu Jerusalem und auch hier, und schrieen, er solle nicht länger leben. Aber als ich vernahm, daß er nichts getan hatte, das des Todes wert sei, und er sich selber auf den Kaiser berief, habe ich beschlossen, ihn nach Rom zu senden. Etwas Gewisses aber habe ich nicht über ihn, das ich meinem Herrn schreibe. Darum habe ich ihn vor euch bringen lassen, vor allem aber vor dich, König Agrippa, damit ich nach dem Verhör etwas habe, das ich schreibe. Denn es scheint mir ein ungeschicktes Ding zu sein, einen Gefangenen schicken und keine Beschuldigung gegen ihn anzuzeigen.

Agrippa sprach zu Paulus: „Es ist dir erlaubt, für dich zu reden!“ Da reckte Paulus die Hand aus und verantwortete sich: „Es ist mir sehr lieb, König Agrippa, daß ich mich heute vor dir verantworten soll wegen all der Dinge, wegen denen ich von den Juden beschuldigt werde, vor allem weil du alle Sitten und Fragen der Juden kennst. Darum bitte ich dich, du wollest mich geduldig hören. Alle Juden wissen, daß ich mein Leben von Jugend auf unter diesem Volk in Jerusalem zugebracht habe. Ich bin ein ganz Frommer gewesen und gehörte zur strengsten Sekte unseres Glaubens.

Und nun stehe ich da und werde angeklagt wegen der Hoffnung auf die Verheißung auf die Auferstehung. Warum wird das für unglaublich von euch gehalten, daß Gott Tote auferweckt?

Zwar meinte ich auch selber, ich müßte viel tun gegen den Namen Jesus von Nazareth. Ich habe viele Christen ins Gefängnis gebracht und verfolgte sie auch bis in die fremden Städte.

Als ich aber nach Damaskus reiste, sah ich mitten am Tag auf dem Weg ein Licht vom Himmel, heller als der Sonne Glanz, das mich und die mit mir waren umleuchtete. Als wir aber alle zur Erde niederfielen, hörte ich eine Stimme zu mir reden, die sprach auf Hebräisch: „Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es wird dir schwer sein, dich gegen den Stachel zu wehren!“

 Ich aber sprach: „Herr, wer bist du?“ Er sprach: „Ich bin Jesus, den du verfolgst. Aber stehe auf und tritt auf deine Füße, denn ich bin dir erschienen, damit ich dich einsetze zum Diener und Zeugen dessen, was du gesehen hast und das ich dir noch will erscheinen lassen. Daher verkündigte ich zuerst denen in Damaskus und Jerusalem und dann im ganzen jüdischen Land und auch den Andersgläubigen, daß sie ihr Leben änderten und sich bekehrten zu Gott und zeigten durch Taten, daß sie sich geändert haben. Deshalb haben mich die Juden im Tempel gegriffen und versuchten, mich zu töten. Aber durch Hilfe Gottes ist es mir gelungen und ich stehe bis auf diesen Tag und zeuge beiden, dem Kleinen und Großen. Und ich sage nichts, was nicht auch  die Propheten und Mose gesagt haben, daß Christus leiden sollte und der erste sein in der Auferstehung von den Toten und verkündigen ein Licht dem Volk und den Andersgläubigen!“

Als er sich so verantwortete, sprach Festus mit lauter Stimme: „Paulus, du rast! Das große Wissen macht dich rasend!“ Er aber sprach: „Mein teurer Festus, ich rase nicht, sondern rede wahre und vernünftige Worte. Denn der König, zu dem ich so freimütig rede, weiß sehr wohl, was ich meine. Denn ich stelle fest, daß ihm nichts verborgen ist, denn es ist nicht im Winkel geschehen. Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, daß du glaubst!“

Agrippa aber sprach zu Paulus: „Es fehlt nicht viel und du überredest mich, daß ich ein Christ werde!“ Paulus aber sprach: „Ich wünschte vor Gott - ob es nun an viel oder an wenig fehlt -  daß nicht allein du, sondern alle, die mich heute hören, solche Menschen würden wie ich!“

Als Paulus das gesagt hatte, standen der Statthalter und der König und Bernice auf und alle, die mit ihnen saßen, und gingen beiseite, redeten miteinander und sprachen: „Dieser Mensch hat nichts getan, das des Todes oder der Fesseln wert sei!“ Agrippa aber sprach zu Festus: „Dieser Mensch hätte losgegeben werden können, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte (Apg 25-26, in der Mitte gekürzt).

 

Fahrt nach Rom:

Weil es also beschlossen war, daß wir mit dem Schiff nach Italien fahren sollten, übergaben sie Paulus und einige andere Gefangene dem Unterhauptmann Julius, von der  „kaiserlichen“ Schar. Wir fuhren nach Sidon und von dort an Zypern vorbei, weil uns die Winde entgegen waren. Wir kamen nach Myra in Lyzien. Dort fand der Unterhauptmann ein Schiff von Alexandrien, das fuhr nach Italien, und ließ uns darauf übersteigen. An Kreta vorbei kamen wir nahe an die Stadt Lasäa.

Paulus warnte, daß die Schiffahrt wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit zu gefährlich sei. Aber der Unterhauptmann glaubte dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte. Sie wollten in Phönix überwintern, einem Hafen in Kreta, der nach Südwest und Nordwesten offen ist. Als aber der Südwind wehte, meinten sie, sie könnten nun ihr Vorhaben ausführen, und fuhren näher an Kreta heran. Nicht lange danach aber erhob sich eine Windsbraut, die man Nordost nennt. Und als das Schiff ergriffen wurde und konnte sich nicht gegen den Wind richten, gaben wir es auf und trieben nur noch dahin.

Wir kamen aber an eine Insel, die heißt Klauda. Da konnten wir kaum das Beiboot ergreifen. Wir zogen es herauf  und umspannten das Schiff mit Seilen, denn wir fürchteten, es könnte in die Bucht Große Syrte geraten. Wir ließen die Segel herunter und fuhren so dahin. Als wir in ein großes Unwetter gerieten, warfen sie am nächsten Tag Ladung über Bord. Und am dritten Tag warfen wir mit unseren Händen das Schiffsgerät hinaus.

Weil aber an vielen Tagen weder Sonne noch Gestirn erschien und ein großes Unwetter uns bedrängte, war alle Hoffnung auf Rettung unsres Lebens dahin. Weil man aber lange nicht gegessen hatte, trat Paulus mitten unter sie und sprach: „Liebe Männer, wenn man auf mich gehört hätte und wir nicht von Kreta aufgebrochen wären, dann wäre uns dieses Leid und dieser Schadens erspart geblieben. Aber nun ermahne ich euch, daß ihr unverzagt seid. Denn keiner von uns wird umkommen, nur das Schiff. Denn in dieser Nacht hat bei mir gestanden der Bote des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus! Du mußt vor den Kaiser gestellt werden. Und  Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir auf dem Schiff sind. Darum, liebe Männer, seid unverzagt. Denn ich glaube Gott, es wird alles so geschehen, wie mir gesagt ist. Wir müssen aber an eine Insel heranfahren!“

Als aber die vierzehnte Nacht kam, daß wir im Adria-Meer fuhren, um die Mitternacht, meinten die Schiffsleute, sie kämen an Land. Und sie warfen ein Bleilot aus und stellten fest, daß das Meer dort 3,40 Meter tief war. Nach kurzer Zeit senkten sie es abermals ab und maßen 2,50 Meter. Da fürchteten sie sich, sie würden an Klippen anstoßen, und warfen hinten vom Schiffe vier Anker und wünschten, daß es Tag würde. Als aber die Schiffsleute aus dem Schiff fliehen wollten und das Beiboot ins Meer niederließen und vor gaben, sie wollten die Anker vorn aus dem Schiffe lassen, sprach Paulus zu dem Unterhauptmann und zu den Kriegern: „Wenn diese nicht im Schiff bleiben, dann könnt ihr nicht am Leben bleiben!“ Da hieben die Krieger die Stricke ab und ließen das Beiboot fallen.

Als es anfing hell zu werden, ermahnte sie Paulus alle, daß sie Speise nähmen, und sprach: „Es ist heute der vierzehnte Tag, daß ihr wartet und hungrig geblieben seid und habt nichts zu euch genommen. Darum ermahne ich euch, Speise zu nehmen, euch zu sättigen, denn es wird keinem von euch ein Haar von dem Haupt fallen!“ Und als er das gesagt hatte, nahm er das Brot, dankte Gott vor ihnen allen und brach es auseinander und fing an zu essen. Da wurden sie alle guten Muts und nahmen auch Speise zu sich. Insgesamt waren  im Schiff zweihundertsechsundsiebzig Menschen zusammen. Als sie satt geworden waren, erleichterten sie das Schiff und warfen das Getreide ins Meer.

Als es aber Tag wurde, kannten sie das Land nicht. Sie bemerkten aber eine Bucht mit einem flachen Ufer. Dorthin wollten sie das Schiff nach Möglichkeit treiben. Sie hieben die Anker ab und ließen sie dem Meer, lösten die Stricke der Steuerruder und richteten das Segel nach dem Wind und versuchten, ans Ufer zu kommen.

Und als wir auf eine Sandbank fuhren, stieß das Schiff an und das Vorderteil blieb unbeweglich feststehen,  aber das Hinterteil zerbrach von der Gewalt der Wellen.

 Die Krieger aber hatten vor, die Gefangenen zu töten, damit nicht jemand fortschwimmt und entflieht.  Aber der Unterhauptmann wollte Paulus am Leben erhalten und wehrte ihrem Vorhaben und befahl den Schwimmern, sich zuerst in das Meer zu lassen und an das Land zu entrinnen. Die andern aber schwammen zum Teil auf Brettern, zum Teil auf den Trümmern des Schiffes. Und so geschah es, daß sie alle ans Land kamen und gerettet wurden.

 

 

Und als wir gerettet waren, erfuhren wir, daß die Insel Malta hieß. Die Leute dort waren aber sehr freundlich, zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle auf wegen des Regens, der über uns gekommen war, und wegen der Kälte. Als aber Paulus einen Haufen Reisig zusammenraffte, und legte sie aufs Feuer, kam eine Schlange von der Hitze hervor und fuhr Paulus an seine Hand. Als aber die Leute das Tier an seiner Hand hängen sahen, sprachen sie untereinander: „Dieser Mensch muß ein Mörder sein, den die Rache nicht leben läßt, wenn er auch dem Meer entgangen ist!“ Er aber schlenkerte das Tier ins Feuer, und ihm geschah nichts Übles.

Sie aber warteten darauf, daß er anschwellen würde oder tot umfallen. Als sie aber lange warteten und sahen, daß ihm nichts Ungeheures widerfuhr, wurden sie anderen Sinnes und sprachen, er wäre ein Gott.

In dieser Gegend aber hatte der Oberste der Insel, mit Namen Publius, ein Landgut. Der nahm uns auf und herbergte uns drei Tage freundlich. Als aber der Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr darniederlag, ging Paulus hinein und betete und legte die Hand auf ihn und machte ihn gesund. Als das geschah, kamen auch die andern auf der Insel herbei, die Krankheiten hatten, und ließen sich gesund machen. Und sie taten uns große Ehre. Und als wir auszogen, luden sie auf, was uns not war.

Nach drei Monaten aber fuhren wir aus in einem Schiffe von Alexandrien, das bei der Insel überwintert hatte und das Zeichen der Zwillinge führte. Als wir nach Syrakus kamen, blieben wir drei Tage da. Als der Südwind sich erhob, kamen wir nach Puteoli. Da fanden wir Christen und wurden von ihnen gebeten, daß wir sieben Tage dablieben. Dann kamen wir nach Rom.

Als die Mitchristen von uns hörten, gingen sie uns entgegen bis nach  Forum Appii und Tres Tabernae. Als Paulus sie sah, dankte er Gott und gewann Zuversicht.

Als wir aber nach Rom kamen, übergab der Unterhauptmann die Gefangenen dem obersten Hauptmann. Aber Paulus wurde erlaubt, sich aufzuhalten, wo er wollte, aber mit einem Krieger, der auf ihn aufpaßte.

Nach drei Tagen rief Paulus die Vornehmsten der Juden zusammen. Als sie zusammenkamen, sprach er zu ihnen: „Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe nichts getan gegen unser Volk noch gegen väterliche Sitten, und bin doch gefangen übergeben worden in die Hände der Römer.

Als sie mich verhört hatten, wollten sie mich losgeben, weil nichts an mir war, was des Todes würdig wäre.  Als aber die Juden dagegen redeten, wurde ich genötigt, mich auf den Kaiser zu berufen. Aber ich klage mein Volk nicht. Deswegen habe ich euch gebeten, daß ich euch sehen und sprechen möchte, denn wegen der Hoffnung Israels bin ich mit dieser Kette gefangen!“

Sie aber sprachen zu ihm: „Wir haben wegen dir keine schriftliche Nachricht empfangen aus Judäa noch ist einer gekommen, der von dir etwas Arges verkündet oder gesagt hätte. Doch wir wollen von dir hören, was du denkst, denn von dieser Sekte ist uns bekannt, daß ihr an allen Enden widersprochen wird!“

Als sie einen bestimmten Tag mit ihm ausgemacht hatten, kamen viele zu ihm in die Herberge, denen er die Herrschaft Gottes auslegte und bezeugte. Er legte ihnen vom frühen Morgen an bis an den Abend das Gesetz des Mose und die Propheten aus im Hinblick auf Jesus, der sie erfüllt habe. Einige stimmten dem zu, was er sagte, einige aber glaubten nicht. Da sie aber untereinander uneins waren, gingen sie weg, als Paulus aus dem Propheten Jesaja zitierte, daß das Volk zwar mit den Ohren hört, aber die Wahrheit nicht erkennt.

Paulus aber blieb zwei Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm auf alle, die zu ihm kamen. Er predigte die Herrschaft Gottes und lehrte ungehindert und offenherzig von dem Herrn Jesus  [Sowohl Paulus als auch Petrus sind wahrscheinlich bei einer Christenverfolgung in Rom umgebracht worden] (Apg 27 und 28).

Die Briefe des Paulus

 

[Paulusbriefe werden jene Briefe des Neuen Testaments genannt, die nach traditioneller Auffassung vom Apostel Paulus selber stammen. Unbestritten trifft das zu auf die Briefe an die 

Römer, Korinther, Galater, Thessalonicher und die „Gefangenschaftsbriefe“, die Paulus als Gefangener (in Rom, Caesarea oder Ephesus) an die Philipper und an Philemon geschrieben hat. Aus diesen „echten“ Briefen kann man die Anschauungen des Paulus entnehmen. Wenn man diese mit den anderen Briefen vergleicht, die auch unter dem Namen des Paulus überliefert wurden, bemerkt man Unterschiede, die an einer Urheberschaft des Paulus zweifeln lassen. Das gilt für die Briefe an die Kolosser und Epheser, die auch als Briefe aus der Gefangenschaft auftreten, und die „Pastoralbriefe“ an Timotheus und Titus.

Die (echten) Paulusbriefe sind älter als die Evangelien und die Apostelgeschichte, etwa ab dem Jahre 50 verfaßt. In ihnen formt Paulus die Botschaft Jesu um in eine Theologie, in deren Mitte die Rechtfertigungslehre steht, also die Aussage, daß kein Mensch sich selber wegen seines Lebens vor Gott recht­fertigen kann, sondern auf die Vergebung Gottes angewiesen ist].

 

 

 

 

1. Brief an die Thessalonicher

 

[Der 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher ist eines der frühesten erhaltenen schriftlichen Dokumente des Christentums. Empfänger ist die von Paulus gegründete Gemeinde in Thessalonich (heute Saloniki in Griechenland), die hauptsächlich aus Heidenchristen besteht. Paulus hat seinen Brief wahrscheinlich um das Jahr 50 in Korinth geschrieben].

 

Der vorbildliche Glaube der Gemeinde:

Paulus und Silvanus und Timotheus an die Gemeinde in Thessalonich, in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Wir danken Gott allezeit für euch alle und denken an euch unaufhörlich im Gebet. Wir denken an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unseren Herr Jesus Christus.  Denn, von Gott geliebte Mitchristen, wir wissen, wie ihr auserwählt seid. Unser Evangelium ist bei euch gewesen nicht allein in Form des Wortes, sondern auch in der Kraft und in dem Geist Gottes und in großer Gewißheit. Ihr wißt ja auch, in welcher Weise wir  unter euch gewesen sind. Ihr seid unsre Nachfolger und Nachfolger des Herrn geworden und habt das Wort Gottes unter viel Verdruß mit Freuden im Geist Gottes, aufgenommen. So seid ihr ein Vorbild allen Gläubigen in Mazedonien und Achaja geworden

Von euch ist ausgegangen das Wort des Herrn, nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist auch euer Glaube an Gott bekannt geworden. Es ist für uns gar nicht nötig, darüber etwas zu sagen. Denn sie selbst berichten von euch, welchen Anfang wir bei euch gehabt haben und wie ihr von den falschen Göttern zu Gott bekehrt wurdet, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn erlöst (1. Thess 1).

 

Das Wirken des Apostels bei der Gründung der Gemeinde:

Ihr wißt auch, liebe Brüder, von unserm Angang bei euch, daß er nicht vergeblich gewesen ist. Obwohl wir vorher gelitten hatten und geschmäht wurden in Philippi, sagten wir freimütig bei euch die frohe Botschaft Gottes mit großen Kämpfen.

Unsere Predigt kam nicht aus Irrtum noch aus Unreinigkeit oder mit List, sondern wir sind

Menschen, die von Gott wert geachtet wurden, ihnen die frohe Botschaft anzuvertrauen. Deshalb reden wir, nicht, als wollten wir den Menschen gefallen, sondern Gott, der unser Herz prüft. Wir sind nie mit Schmeichelworten umgegangen, wie ihr wißt, noch mit versteckter Habsucht, dafür ist Gott der Zeuge. Wir haben auch nicht Ehre gesucht von den Leuten, weder von euch noch von andern. Wir hätten uns auch wichtig machen können als Christi Apostel. Aber wir sind mütterlich gewesen bei euch, gleichwie eine Mutter ihr Kind pflegt. Wir hatten Herzenslust an euch und waren willig, euch nicht allein die frohe Botschaft Gottes mitzuteilen, sondern auch unser Leben, weil wir euch liebgewonnen haben.

Liebe Brüder, ihr denkt sich noch an unsere Arbeit und unsere Mühe. Denn wir arbeiteten Tag und Nacht, damit wir niemand unter euch zur Last fielen. Aber wir predigten unter euch die frohe Botschaft Gottes. Ihr und Gott seid Zeugen dafür, wie heilig und gerecht und tadellos wir bei euch  gewesen sind.

Ihr wißt, daß wir einen jeden unter euch ermahnt und getröstet haben wie ein Vater seine Kinder, und daß wir euch beschworen haben, daß ihr würdig vor Gott leben sollt, der euch berufen hat zu seiner Herrschaft und zu seiner Herrlichkeit  (1,Thess 2,1-12).

 

Die Aufnahme des Evangeliums in der Gemeinde:

Darum danken wir auch Gott unaufhörlich, weil ihr das Wort göttlicher Predigt nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern  als Gottes Wort, das es ja auch in Wahrheit ist, die auch wirkt in euch, die ihr glaubt.

Ihr seid Nachfolger der Gemeinden Gottes in Judäa in Christus Jesus geworden, weil ihr dasselbe erlitten habt von euren Landsleuten wie jene von den Juden, die auch den Herrn Jesus getötet haben und ihre eigenen Propheten. Sie haben uns verfolgt und gefallen Gott nicht und sind allen Menschen zuwider. Sie wehren uns, den Andersgläubigen zu predigen, damit die nicht selig werden. So machen sie ihre Sünden in jeder Hinsicht voll, denn der Zorn ist schon über sie gekommen zum Ende hin.

 Wir aber, liebe Brüder, haben eine Weile keinen persönlichen Kontakt  mit euch gehabt, aber

im Herzen waren wir bei euch. Deshalb haben wir uns umso mehr geeilt, euch zu sehen mit großem Verlangen. Darum haben wir zweimal zu euch kommen wollen, aber Satan hat uns gehindert. Denn wer ist unsre Hoffnung oder Freude oder Krone des Ruhms? Seid nicht auch ihr es vor unserm Herrn Jesus Christus, wenn er kommt? Ihr seid ja unsre Ehre und Freude (1. Thess 2,13-20).

 

Die Sendung des Timotheus:

Darum haben wir es nicht weiter ertragen wollen und haben beschlossen, daß wir in Athen allein zurückbleiben, und haben Timotheus gesandt, unsern Bruder und Diener Gottes und unsern Gehilfen im Evangelium Christi. Er soll euch zu stärken und zu ermahnen in eurem Glauben, damit nicht jemand weich würde in diesen scheren Zeiten. Denn ihr wißt selbst, daß wir dazu bestimmt sind.

 

 

Als wir bei euch waren, sagten wir es euch zuvor, wir würden Kummer haben müssen. Ihr wißt, daß das auch geschehen ist. Darum habe ich es auch nicht länger ertragen und Timotheus ausgesandt, damit  ich etwas von euren Glauben erführe, ob euch vielleicht der Versucher versucht hätte und unsre Arbeit vergeblich würde.

Nun aber ist Timotheus zu uns zurück gekommen und hat uns erzählt von eurem Glauben und eurer Liebe, und daß ihr allezeit mit guter Erinnerung an uns denkt und euch verlangt, uns zu sehen, wie auch wir uns nach euch sehnen.

Darum  haben wir, liebe Brüder, an euch Trost gefunden in aller unsrer Traurigkeit und Not durch euren Glauben. Denn nun sind wir lebendig, wenn ihr fest steht zum Herrn.  Denn welchen Dank können wir Gott zurückgeben für alle diese Freude, die wir an euch haben vor unserm Gott? Wir bitten Tag und Nacht gar sehr, daß wir euch persönlich sehen mögen und zurechtbringen, was an eurem Glauben mangelt.

Gott, unser Vater, und unser Herr Jesus Christus schicken unsern Weg zu euch. Euch aber lasse der Herr immer vollkommener werden und die Liebe voll werden untereinander und gegen jedermann, daß eure Herzen gestärkt werden und untadelig seien in der Heiligkeit vor Gott und unserm Vater, wenn unser Herrn Jesus Christus kommt samt allen seinen Heiligen (1. Thess 3).

 

Ermahnung zur Heiligung:

 Weiter, liebe Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem Herrn Jesus, daß ihr immer vollkommener werdet. Denn ihr wißt, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, und daß ihr meidet die Hurerei und ein jeder unter euch seine eigene Frau gewinnen suche in Heiligung und Ehrbarkeit nicht in der Begierde und Lust wie die Ungläubigen, die von Gott nichts wissen. Und daß niemand zu weit gehe und übervorteile seinen Bruder im Handel, denn der Herr ist der Rächer für das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Wer dies nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Geist in euch gegeben hat.

Von der brüderlichen Liebe aber muß ich euch nichts  schreiben, denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben. Und das tut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Mazedonien sind. Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder, daß ihr noch vollkommener werdet. Ringt danach, daß ihr stille seid und das Eure schafft und arbeitet mit euren eigenen Händen, wie wir euch geboten haben, damit ihr ehrbar euer Leben führt gegen die, die draußen sind, und nichts weiter braucht (1. Thess 4,1-12).

 

Von der Auferstehung der Toten:

Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über, die gestorben sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch alle, die gestorben sind, durch Jesus mit ihm führen. Denn das sagen wir euch als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft  des Herrn, werden keinen Vorteil haben gegenüber denen, die gestorben sind. Denn der Herr selbst wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herunter kommen vom Himmel. Dann werden die Toten in Christus zuerst auferstehen. Danach wir, die wir leben und übrig bleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in die Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden so allezeit bei dem Herrn sein. So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander.

[Hier übernimmt Paulus das Weltbild und die Vorstellungen seiner Zeit, um den Glauben an die Auferstehung etwas anschaulicher zu machen].

Es ist aber nicht notwendig, daß ich euch etwas schreibe über die genau Zeit und Stunde, in der das geschehen wird. Denn ihr selbst wißt, daß der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Denn sie werden sagen: Es ist Friede, es gibt keine Gefahr!“ Dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie der Schmerz eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen (1. Thess 4,13- 5,3).

 

Leben im Licht:

Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß euch der Tag Gottes wie ein Dieb ergreife. Ihr seid alle Kinder des Lichtes und Kinder des Tags; wir sind nicht von der Nacht oder von der Finsternis. So laßt uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern laßt uns wachen und nüchtern sein.  Denn wer schläft, der schläft in der Nacht, und wer betrunken ist, der ist in der Nacht betrunken. Wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern sein, angezogen mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das  Heil.

 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern daß  wir die Seligkeit besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns alle gestorben ist, damit wir mit ihm leben sollen, ganz gleich ob wir wachen oder schlafen. Darum ermahnt euch untereinander und baut einer den andern auf, wie ihr ja auch tut (1.Thess 5, 4-11).

 

Ermahnungen und Grüße:

Wir bitten euch aber, liebe Brüder, daß ihr die anerkennt, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch ermahnen. Habt sie besonders lieb um ihres Werks willen und seid friedlich mit ihnen. Wir ermahnen aber euch, liebe Brüder, ermahnt die Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.  Seht zu, daß keiner Böses mit Bösem jemand vergilt, sondern jagt immer dem Guten nach, untereinander und gegen jedermann. Seid zu jeder Zeit fröhlich, betet ohne Unterlaß, seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Den Geist dämpfet nicht, die Weissagung verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Meidet allen bösen Schein.

Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich bis zur Ankunft unsers Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft, er wird es auch tun. Liebe Brüder, betet für uns. Grüßt alle Mitchristen mit dem heiligen Kuß. Ich beschwöre euch bei dem Herrn, daß ihr diesen Brief vorlesen laßt  vor allen Christen der Gemeinde. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch! Amen (1. Thess 5, 12-28. Weil es sich hier um einen der ersten Briefe des Paulus handelt, wurde er hier mit nur ganz geringen Kürzungen wiedergegeben).

 

 

 

Galaterbrief

 

[Die Galater waren ein keltischer Volksstamm, der bei Ankara in der heutigen Türkei ansässig war. Die römische Provinz Galatien reichte aber über die Landschaft Galatien hinaus und umfaßte auch die Landstriche Phrygien, Pisidien, und Lykaonien, die Paulus auf der  ersten Missionsreise besuchte. Der Brief könnte schon zwischen der ersten und zweiten Missionsreise um 48 oder während der zweiten Missionsreise auf dem Weg nach Korinth Anfang des Jahres 50 geschrieben worden sein.

Der Galaterbrief ist der am schärfsten formulierte Brief, der uns von Paulus erhalten ist. Anlaß des Briefs war eine alarmierende Nachricht, daß Irrlehrer in den galatischen Gemeinden von den früheren Nichtjuden („Heiden“) die Beschneidung und Einhaltung der jüdischen  Zere­monialgesetze forderten und so einen Kompromiß zwischen der freien Gnade Gottes und dem Gesetz des Mose suchten.

Der Galaterbrief ist eine scharfe Auseinandersetzung mit der Behauptung, daß der Weg zum Heil sich auf etwas anderes gründen könne als das Werk von Jesus am Kreuz von Golgatha. Hier formuliert Paulus erstmals seine Rechtfertigungslehre, die er im Römerbrief systematisch ausgestalten sollte.

Der Galaterbrief ist auch eine ausgezeichnete autobiographische Quelle, da Paulus hier über die wichtigsten Stationen auf seinem Weg als Christ berichtet].

 

Einleitung:

Hier schreibt Paulus, ein Gesandter („Apostel“) nicht von Menschen, sondern von Jesus Christus und Gott, an die Gemeinden in Galatien: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserm Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns errettete von dieser gegenwärtigen, argen Welt nach dem Willen Gottes und unseres Vaters, dem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Gal 1,1-5)

 

Berufung des Paulus zum Apostel:

Mich wundert, daß ihr euch so bald abwenden laßt von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, und  euch abwenden laßt zu einem anderen Evangelium („frohe Botschaft“). Es gibt aber kein anderes Evangelium außer bei denen, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. Wenn ich aber oder ein Bote vom Himmel euch ein anderes Evangelium predigen würde, der sei verflucht! Wie wir jetzt gesagt haben, so sagen wir noch einmal: Wenn jemand euch das Evangelium anders predigt, als ihr das von mir empfangen habt, der sei verflucht! Predige ich denn Menschen oder Gott zu Gefallen? Oder habe ich  vor, Menschen gefällig zu sein? Wenn ich den Menschen gefällig wäre, so wäre ich nicht der Diener Christi.

Ich gebe euch aber kund, daß das Evangelium, das von mir gepredigt ist, nicht menschlich ist.

Denn ich habe es von keinem Menschen empfangen noch gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi. Denn ihr habt ja gehört von meinem früheren Leben im Judentum, wie ich über die Maßen die Gemeinde Gottes verfolgte und zu zerstören versuchte.

Ich wuchs im Judentum über viele meiner Gefährten hinaus und eiferte über die Maßen um das väterliche Gesetz. Dann aber gefiel es Gott wohl - der mich schon von meiner Mutter Leib an berufen hat durch seine Gnade  -  seinen Sohn in mir zu offenbaren, daß ich ihn verkünden sollte unter den Heiden. Aber ich besprach mich darüber nicht mit Fleisch und Blut und kam auch nicht nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren. Vielmehr zog ich hin nach Arabien und kam wiederum nach Damaskus. Erst nach drei Jahren kam ich nach Jerusalem, um Petrus zu treffen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Von den anderen Aposteln aber sah ich keinen außer Jakobus, dem Bruder des Herrn. Danach kam ich in die Länder Syrien und Kilikien.

Die christlichen Gemeinden in Judäa kannten mich nicht von Angesicht. Sie hatten nur gehört, daß der frühere Verfolger jetzt den christlichen Glauben predigt, den er vorher zu zerstören versuchte. Und sie priesen Gott wegen mir.

Erst vierzehn Jahre später zog ich ein zweites Mal hinauf nach Jerusalem mit Barnabas und Titus. Ich redete mit ihnen über das Evangelium, das ich predige unter den Heiden.

Vor allem aber sprach ich mit denen, die Ansehen in der Gemeinde hatten, damit ich mich nicht vergeblich abmühe oder abgemüht hätte. Auch der Grieche Titus, der mit mir war, wurde nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen,

Es hatten sich aber einige falsche Mitchristen bei uns eingeschlichen. Die wollten unsre Freiheit auskundschaften, die wir durch Christus Jesus haben, und wollten uns gefangennehmen. Wir aber unterwarfen uns ihnen nicht eine Stunde, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch Bestand habe

Die angesehenen Leute in der Gemeinde, Jakobus und Petrus und Johannes, die als „Säulen“ der Gemeinde angesehen wurden, haben mich nichts anderes gelehrt. An sich liegt mir ja nichts an den Angesehenen, denn Gott achtet das Ansehen der Menschen nicht. Aber als sie sahen, daß mir das Evangelium an die Heiden anvertraut war so wie dem Petrus das Evangelium an die Juden, gaben sie mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, daß wir unter die Heiden, sie aber unter die Juden gingen. Nur sollten wir an die  Armen in Jerusalem denken und sie unterstützen. Das habe ich auch versucht, fleißig zu tun (Gal 1,6 - 2,10).

  

Konflikt zwischen Paulus und Petrus in Antiochia

Als  aber Petrus nach Antiochien kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn es gab Grund zur Klage gegen ihn. Denn anfangs, ehe einige Abgesandte  von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden. Als aber die Abgesandten kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus den Juden fürchtete. Und mit ihm heuchelten die andern Juden-Christen, so daß auch Barnabas verführt wurde, mit ihnen zu heucheln.

Als ich sah, daß sie nicht richtig lebten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich vor allen öffentlich zu Petrus: „Wenn du als geborener Jude heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du denn die Heiden, jüdisch zu leben? Wir sind von Natur Juden und nicht Sünder aus den Heiden. Aber wir wissen, daß der Mensch nicht gerecht („vor Gott richtig“) wird durch die Einhaltung der Vorschriften (Werke“) des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. Deshalb glauben wir auch an Christus Jesus, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch die Werke des Gesetzes, denn dadurch wird kein Mensch gerecht.

Wenn wir aber, die wir  durch Christus gerecht zu werden versuchen, selbst als Sünder beurteilt würden, so wäre Christus ja ein Sündendiener. Das sei ferne! Wenn ich aber das, was ich zerbrochen habe, wiederum aufbaue, so mache ich mich selbst zu einem Übertreter. Ich bin aber durch das Gesetz für das Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe: Ich bin mit Christus gekreuzigt, und lebe aber doch. Doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich hingegeben hat. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes, denn wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben (Gal 2,11-21)

 

Erlösung nicht aus dem Gesetz , sondern aus dem Glauben:

O ihr unverständigen Galater, wer hat euch verzaubert, daß ihr der Wahrheit nicht gehorcht? Euch wurde doch Christus Jesus vor die Augen gemalt war, als wäre er unter euch gekreuzigt!

Das will ich allein von euch lernen: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben? Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr es denn nun im Fleisch vollenden? Habt ihr denn so viel umsonst erlitten? Der euch nun den Geist reicht und tut solche Taten unter euch, tut er es durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?

So hat doch Abraham Gott geglaubt und es ist ihm gerechnet worden zur Gerechtigkeit. Erkennt doch: Die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder! Die Schrift aber hat es vorausgesehen, daß Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht; Darum sagte sie schon dem Abraham: „In dir sollen alle Heiden gesegnet werden!“ So werden nun die Glaubenden gesegnet zusammen mit dem gläubigen Abraham.

Denn die mit den Werken des Gesetzes umgehen, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: „Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in alle dem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er es tue!“[Wenn jemand sich dem Gesetz verschreibt, dann muß er es auch voll und ganz erfüllen]. Daß aber durch das Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar, denn „Der Gerechte wird seines Glaubens leben!“ Das Gesetz aber ist nicht des Glaubens, sondern „Der Mensch, der es tut, wird dadurch leben!“ Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, als er ein Fluch wurde für uns, weil er  an das Holz gehängt wurde. Damit aber ist der Segen Abrahams unter die Heiden gekommen in Christus Jesus und wir haben so den verheißenen Geist empfangen durch den Glauben.

 Liebe Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Man verwirft doch das Testament eines Menschen nicht, wenn es bestätigt ist, und tut auch nichts dazu. Nun ist aber die Verheißung Abraham und seinen Nachkommen zugesagt. Es heißt nicht „durch seine Nachkommen“, als wären es viele, sondern „durch seinen Nachkommen“, und das ist Christus.

Ich sage aber dazu: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt ist auf Christus, wird nicht aufgehoben. Die Verheißung kann gar nicht durch das Gesetz aufhören, das doch erst vierhundertdreißig Jahre danach gegeben worden ist. Denn wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es dem Abraham durch Verheißung frei geschenkt.

 Was soll denn das Gesetz? Es ist erst dazugekommen um der Sünden willen, bis der wahre Nachkomme kommt,  dem die Verheißung gilt. Das Gesetz ist verordnet von bösen Geistern durch die Hand des Mittlers. Ist denn das Gesetz gegen Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das lebendig machen könnte, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetz. Aber die Schrift hat alles beschlossen unter die Sünde, damit die Verheißung käme durch den Glauben an Jesus Christus, der gegeben ist denen, die glauben.

Ehe der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und wurden verschlossen für den Glauben, der offenbart werden sollte. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden. Wenn aber nun der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus.

Denn wieviele von euch auf Christus getauft sind, die haben Christus angezogen. Hier ist weder Jude noch Grieche, hier ist weder Sklave noch Freier, hier ist weder Mann noch Frau. Denn ihr seid alle einer in Christus Jesus. Gehört ihr aber Christus, so seid ihr ja Abrahams Nachkommen und nach der Verheißung Erben (Gal 3 ).

 

Befreiung vom Gesetz durch Christus:

Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, so ist zwischen ihm und einem Sklaven kein Unterschied, obwohl er der Herr aller Güter ist. Er ist vielmehr unter den Vormündern und Pflegern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat. So waren auch wir unmündig undgefangen unter den äußerlichen Satzungen. Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die unter dem Gesetz erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.

Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreit: „Abba, lieber Vater!“ Also gibt es hier nun keine Sklaven mehr, sondern lauter Kinder. Sind sie aber Kinder, so sind sie auch Erben Gottes durch Christus.

Aber in der Zeit, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind. Nun ihr aber Gott erkannt habt - ja vielmehr von Gott erkannt seid - wie wendet ihr euch denn wiederum zu den schwachen und dürftigen Satzungen zu, denen ihr von neuem an dienen wollt? Ihr achtet auf Tage und Monate und Feste und Jahre. Ich fürchte, daß ich vielleicht umsonst an euch gearbeitet habe. Seid doch wie ich, denn ich bin wie ihr.

Liebe Brüder, ich bitte euch. Ihr habt mir kein Leid getan. Denn ihr wißt, daß ich euch beim ersten Mal in Schwachheit des Leibes das Evangelium gepredigt habe. Und meine Anfechtungen, die ich leide an meinem Leib, habt ihr nicht verachtet noch verschmäht. Sondern wie einen Boten Gottes nahmt ihr mich auf, ja wie Jesus Christus.

Wie wart ihr damals so selig! Ich bin euer Zeuge, daß  ihr eure Augen ausgerissen hättet und mir gegeben. Bin ich denn dadurch euer Feind geworden, daß ich euch die Wahrheit vorhalte?

Sie eifern um euch nicht fein, sondern sie wollen euch nur von mir abwenden, damit ihr nur um sie eifert. Eifrig umworben zu werden ist gut, wenn es immer im Guten geschieht und nicht allein, wenn ich bei euch anwesend bin.

Meine lieben Kinder, die ich euch abermals mit Ängsten zur Welt bringe, bis Christus in euch Gestalt gewinne. Ich wollte, daß ich jetzt bei euch wäre und meine Stimme wandeln könnte, denn ich bin irre an euch.

Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Habt ihr das Gesetz nicht gehört? Denn es steht geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte: einen von der Nebenfrau, den andern von der Ehefrau. Der von der Nebenfrau war, ist nach dem Fleisch geboren. Der aber von der Ehefrau ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten etwas: Es gibt zwei Testamente: eins vom Berge Sinai, das zur Knechtschaft führt. Das ist wie bei der Nebenfrau Hagar, denn „Hagar“ heißt in Arabien der Berg Sinai. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter. Wir aber, liebe Brüder, sind Isaaks Nachkommen und Kinder der Verheißung.

Aber schon damals verfolgte der nach dem Fleisch Geborene den, der nach dem Geist geboren war. So ist es auch jetzt. Aber die Schrift spricht: „Stoß die Nebenfrau  hinaus mit ihrem Sohn, denn der Sohn der Nebenfrau soll nicht erben mit dem Sohn der Freien!“ So sind wir nun, liebe Brüder, nicht Kinder der Nebenfrau, sondern der Freien (Gal 4).

 

Aufruf zur rechten Freiheit:

So bestehet nun in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasset euch nicht wiederum in das Joch der Sklaverei fangen. Ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden laßt, so nützt euch Christus nichts. Ich bezeuge erneut einem jeden, der sich beschneiden läßt, daß er dann das ganze Gesetz tun muß. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Wir aber warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muß.

Denn in Christus Jesus gilt weder beschnitten noch unbeschnitten sein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist. Ihr seid fein gelaufen. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? Eine solche Überredung ist nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.

Ich habe das Vertrauen zu euch in dem Herrn, ihr werdet nicht anders gesinnt sein. Wer euch aber irremacht, der wird sein Urteil tragen müssen, er sei, wer er wolle. Ich aber, liebe Brüder, wenn ich die Beschneidung noch predige, warum leide ich denn Verfolgung? So hätte ja das Ärgernis des Kreuzes aufgehört. Sie sollen sich doch lieber gleich kastrieren lassen, die euch verstören!

Liebe Brüder! Ihr aber seid zur Freiheit berufen! Allein seht zu, daß ihr durch die Freiheit dem Fleisch nicht Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn alle Gesetze werden in einem Wort erfüllt, in dem: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Wenn ihr euch aber untereinander beißt und freßt, so seht zu, daß ihr nicht untereinander verzehrt werdet Gal 5,1-15).

 

Ermahnungen und Warnungen:

 Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen.

Denn das Fleisch streitet gegen den Geist, und der Geist gegen das Fleisch. Diese sind gegeneinander, damit ihr nicht tut, was ihr wollt. Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.

Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, wie zum Beispiel Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwie­tracht, Spaltungen, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen, von welchen ich euch zuvor gesagt und sage es noch einmal voraus: Die so etwas tun, werden das die Herrschaft Gottes nicht erben.

Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Gegen solche ist das Gesetz nicht. Die aber Christus angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden.

Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln. Laßt uns nicht nach eitler Ehre gierig sein, einander nicht reizen und nicht neiden.

Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einem Fehler überfahren würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist ihr, die ihr geistlich seid. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versucht wirst. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Wenn aber jemand sich einbildet, er sei etwas und ist doch nichts, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk. Und dann wird er an sich selber Ruhm haben und nicht an einem andern, denn ein jeder wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird im Wort Gottes, der teile dem allerlei Gutes, der ihn unterrichtet.

Irrt euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.

Laßt uns aber Gutes tun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. So laßt uns Gutes tun an jedermann, solange wir noch Zeit haben, allermeist aber an Gefährten des Glaubens.

Seht, mit wie vielen Worten ich euch geschrieben habe mit eigener Hand!

Die sich wollen angenehm machen nach dem Fleisch, die zwingen euch zur Beschneidung, nur damit sie nicht mit dem Kreuz Christi verfolgt werden [als Anhänger Christi verfolgt werden]. Denn auch sie selbst, die sich beschneiden lassen, halten das Gesetz nicht, sondern sie wollen, daß ihr euch beschneiden laßt, damit sie sich rühmen können, sie hätten euch gewonnen.

 

 

Das sei ferne von mir, mich selbst zu rühmen. Ich rühme allein das Kreuz unsers Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern nur eine neue Kreatur. Und die nach dieser Regel leben, über die sei Friede und Barmherzigkeit und über das Israel Gottes.

In Zukunft mache mir niemand weiter Mühe, denn ich trage die Wundmale des Herrn Jesus an meinem Leib [Paulus erwähnt immer wieder seine Krankheit. Hier sieht es so aus, als sei er ein Stigmatiker gewesen, einer also, der dort offene Wunden hat, wo auch Jesus bei der Kreuzigung verletzt wurde]. Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, liebe Brüder! Amen (Gal 5,16 - 6,10).

 

 

1.  Korintherbrief

 

 [Korinth war 44 vor Christus durch Cäsar als Kolonie für seine Veteranen neu gegründet worden. Seit 27 vor Christus war die Stadt Hauptstadt der senatorischen Provinz Achaia und Sitz des Statthalters. Sie lag verkehrstechnisch sehr günstig an einer Landenge und hatte zwei Häfen, die sie zu einer wirtschaftlichen Drehscheibe zwischen Asien und Rom machten. Handel, Finanzgeschäfte und handwerkliche Produktion bestimmten das Leben der griechischen Hafenstadt.

Die kulturelle, religiöse und soziale Vielfalt der Stadt spiegelte sich auch in der christlichen Gemeinde wider. Die Mehrzahl der Gemeindeglieder waren ehemalige Andersgläubige („Heiden“). Daneben hat es auch Judenchristen gegeben. Ein großer Teil der Gemeinde gehörte zu den sozial benachteiligten Schichten, aber nicht zu den ganz Armen. Es gab in der Gemeinde auch Angehörige der Oberschicht, die dann entsprechend die Räumlichkeiten für die Gemeindeversammlungen zur Verfügung stellen konnten.

Die Gemeinde in Korinth wurde von Paulus selbst gegründet, und zwar während eines achtzehnmonatigen Aufenthalters in der Stadt. Der erste Korintherbrief ist Teil eines längeren Briefverkehrs, den Paulus mit der Gemeinde in Korinth geführt hat. Nach der Abreise des Paulus entstanden in der korinthischen Gemeinde erhebliche Probleme. Während seines dreijährigen Aufenthaltes in Ephesus muß Paulus für einige Tage nach Korinth übergesetzt haben, um diese Mißbräuche in Ordnung zu bringen. Der erste und zweite Korintherbrief entstanden gegen Ende seines dritten Jahres in Ephesus, doch will Paulus der Gemeinde einen dritten Besuch abstatten.

 

Nach seiner Rückkehr schrieb Paulus seinen ersten Brief, der verloren gegangen ist (was wir den 1. Korintherbrief nennen, ist in Wirklichkeit der zweite; unser 2. Korintherbrief ist eigentlich der dritte). Die Berichte einiger Mitglieder einer bekannten Familie und häufige Berichte anderer Reisender  beweisen, daß die Probleme allen Anstrengungen des Paulus zum Trotz weiterhin bestanden. Nach kurzer Zeit erhielt er eine Antwort auf seinen ersten Brief. Diese enthielt erneute Anfragen der Korinther. Daraufhin schreibt Paulus im Frühjahr 54 in Ephesus einen weiteren Brief (den 1. Korintherbrief),  um auf diese Fragen einzugehen und auch um über sich selbst zu berichten (auch der Galaterbrief, Philemonbrief und Philipperbrief sind in Ephesus geschrieben).

Die lebendige Gemeinde hatte mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen: Ehe und Ehelosigkeit, Jungfrauen, Götzenopferfleisch, Geistesgaben, Kollekte für Jerusalem und das Verhältnis zu Apollos. Außerdem hat Paulus auch Informationen, daß es Parteiungen in der Gemeinde gibt.  Er weiß von einem Fall von Blutschande, von Prozessen zwischen Gemeindegliedern vor weltlichen Gerichten, Umgang mit Prostituierten, Mißstände beim Herrenmahl und die Praxis der stellvertretenden Taufe.

Den ersten Korintherbrief schrieb Paulus in einer Art pastoralem Eifer. Er sah, daß in seinen Augen eine Menge in Korinth schief lief, und machte sich daran, die wichtigsten Themen ausführlich abzuhandeln. Heraus kam ein sehr praxisorientiertes, kaum mit theologischen Grundsatzgedanken angereichertes Schreiben. Die meisten Gemeindeglieder in Korinth waren wenig begeistert von der Autorität, die Paulus dabei für sich in Anspruch nahm. Viele hat der Brief regelrecht erschüttert.

 Nur einige Verse zur Rolle der Frau, die zum Rest des Briefs im Widerspruch stehen, gelten manchen Forschern als spätere Zusätze].

 

Der Segen der frohen Botschaft in Korinth:

Paulus, berufen zum Apostel des Jesus Christus durch den Willen Gottes, und Bruder Sosthenes, an die Gemeinde zu Korinth.   Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus, daß ihr durch ihn an allen Stücken reich gemacht seid, an aller Lehre und in aller Erkenntnis. Denn  Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn.

Ich ermahne euch aber, liebe Mitchristen, daß ihr immer einerlei Rede führt und laßt keine Spaltungen unter euch sein. Denn ich habe erfahren, daß Zank unter euch ist. Der eine spricht: „Ich bin paulisch!“ Der andere: „Ich bin apollisch!“ Der dritte: „Ich bin kephisch!“ (Anhänger des Petrus). Der vierte: „Ich bin christisch!“ Ist Christus denn zertrennt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft?

Ich danke Gott, daß ich niemand unter euch getauft habe außer Krispus und Gajus, damit keiner sagen könnte, ich hätte auf meinen Namen getauft. Ich habe aber auch noch getauft die Familie des Stephanas. Denn Christus hat mich nicht zum Taufen gesandt, sondern die frohe Botschaft zu predigen, nicht mit klugen Worten, damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde  (1. Kor 1,1-17).

 

Die Weisheit der Welt:

Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden. Uns aber, die wir selig werden ist es eine Gotteskraft. Weil die Welt durch ihre Weisheit die Weisheit Gottes nicht erkannte, gefiel es Gott, durch törichte Predigt die zu retten, die daran glauben. Die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit. Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit. Denen aber, die berufen sind, seien es Juden oder Griechen, predigen wir Christus als göttliche Kraft und göttliche Weisheit. Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind; und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.

Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zu Schanden mache. Aber was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zu Schanden mache, was stark ist. Das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Fleisch vor ihm rühme (1. Kor 1,17-31).

 

Die Predigt des Paulus vom Kreuz:

Als ich zu euch kam, da kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, um euch die göttliche Predigt zu verkündigen. Denn ich hielt mich nicht für einen, der etwas weiß außer  den gekreuzigten Jesus Christus.

Und ich war bei euch mit Schwachheit und mit Furcht und mit großem Zittern. Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern als Beweis des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit bestehe, sondern auf Gottes Kraft.

Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen, nicht eine Weisheit dieser Welt, sondern wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, die Gott verordnet hat vor der Welt zu unsrer Herrlichkeit, die keiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat, sonst hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.

Uns aber hat es Gott enthüllt durch seinen Geist, denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes, denn ihm ist alles eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn man muß dazu geistlich ausgerichtet sein. Wir aber haben Christi Sinn (1. Kor 2).

 

Der Auftrag der Lehrer im Glauben:

Liebe Mitchristen, ich konnte nicht mit euch reden wie mit Geistlichen, sondern wie mit Fleischlichen, wie mit jungen Kindern im Glauben an Christus. Milch habe ich euch zu trinken gegeben, und nicht Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Ihr könnt es auch jetzt noch nicht, weil ihr noch fleischlich seid. Denn wenn Eifer und Zank und Zwietracht unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und lebt nach menschlicher Weise?

Ihr sagt: „Ich bin ein Anhänger des Paulus!“ Der andere sagt:“ich bin ein Anhänger des Apollos!“ Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollos? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. Aber es ist weder der etwas, der  pflanzt, noch der begießt,  sondern Gott ist es, der das Gedeihen gibt. Wer aber pflanzt und begießt, die sind einer wie der andere. Ein jeder aber wird seinen Lohn empfangen entsprechend seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerwerk und Gottes Bau.

Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister. Ein anderer baut darauf. Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, nämlich Jesus Christus. Wenn das Werk bleibt, das er darauf gebaut hat, so wird er seinen Lohn empfangen. Wird aber das Werk eines Menschen verbrennen, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird selig werden.

Wißt ihr nicht, daß ihr der Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig, ihr aber seid der Tempel Gottes. Niemand betrüge sich selbst. Wer unter euch meint, weise zu sein, der werde ein Narr in dieser Welt.  Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott.

 Darum rühme sich niemand eines Menschen. Es ist alles euer: Sei es nun Paulus oder Apollos, sei es Petrus oder die Welt, sei es das Leben oder der Tod, sei es das Gegenwärtige oder das Zukünftige: Alles ist euer. Ihr aber gehört Christus, Christus aber gehört zu Gott. Dafür halte uns jedermann: für Christi Diener und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Man sucht aber nichts an den Verwaltern, als daß sie treu sind.  Mir ist es ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Tage, auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt.

 

Der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht wird bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren. Dann wird einem jeden Lob von Gott widerfahren  (1. Kor 3,1-4,6).

 

Gegen die Selbstüberschätzung der Korinther:

Was hast du aber, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich denn, als ob du es nicht empfangen hättest? Ihr seid schon satt geworden, ihr seid schon reich geworden, ihr herrscht ohne uns! Ich habe den Eindruck, Gott habe uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, als dem Tode übergeben. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Menschen. Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus. Wo wir schwach sind, seid ihr stark. Ihr seid herrlich, wo wir verachtet sind.

Bis zu dieser Stunde leiden wir Hunger und Durst und sind nackt und werden geschlagen und haben keine sichere Zufluchtsstätte. Wir arbeiten und wirken mit unsern eigenen Händen. Wenn man uns schilt, so segnen wir, wenn man uns verfolgt, so dulden wir es, man lästert uns, aber wir flehen für die anderen. Wir sind stets wie der Abschaum der Welt und der Kehrricht aller Leute.

Das alles schreibe ich nicht, um euch zu beschämen, sondern ich ermahne euch als meine lieben Kinder. Denn wenn ihr auch zehntausend Zuchtmeister hättet, so habt ihr doch nicht viele Väter, denn ich habe euch gezeugt durch die frohe Botschaft. Darum ermahne ich euch: Seid meine Nachfolger! Aus diesem Grund habe ich auch Timotheus zu euch gesandt, daß er euch erinnere an meine Wege, die in Christus sind

Es machen einige von sich reden mit der Behauptung, ich würde nicht zu euch kommen.

Ich werde aber gar bald zu euch kommen, wenn der Herr es will, um kennenzulernen nicht die Worte der Aufgeblasenen, sondern die Kraft. Denn das Reich Gottes besteht nicht aus Worten, sondern in Kraft. Was wollt ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen oder mit Liebe und sanftmütigem Geist? (1.Kor 4,6-21).

 

Ausschluß der Unmoralischen aus der Gemeinde:

Man spricht allgemein von euch, daß es Hurerei unter euch gibt, und eine solche Hurerei, die nicht einmal die Heiden kennen: daß nämlich einer die Frau seines Vaters habe. Ich habe schon einen Entschluß gefaßt über den, der das getan hat: Im Namen unsers Herrn Jesus Christus über gebe ich ihn in eurer Versammlung dem Satan zum Verderben. Euer Ruhm ist nicht gut. Wißt ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig sauer macht? Darum fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig werdet. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, der für uns geopfert wurde. Darum laßt uns Ostern feiern nicht im alten Sauerteig, sondern im Süßteig der Ehrlichkeit und der Wahrheit.

Ich habe euch geschrieben in dem Brief, daß ihr nichts sollt zu schaffen haben mit den Hurern. Das meine ich aber nicht auf die Hurer in dieser Welt oder die Geizigen oder die Räuber,  sonst müßtet ihr die Welt räumen. Ihr sollt nur nichts mit dem zu schaffen haben, die sich als Christ bezeichnet und ist ein Hurer oder ein Geiziger oder ein Trunkenbold oder ein Räuber. Denn was gehen mich die draußen an, daß ich sie richten sollte? Ihr richtet doch die, die drinnen sind? Gott aber wird, die draußen sind, richten. Tut euch von selbst hinaus, wer da böse ist (1. Kor 5).

 

 

 

Rechtssachen unter Christen:

Wie darf jemand unter euch, der einen Rechtsstreit mit einem andern hat, streiten vor den Ungerechten und nicht vor den Christen? Wißt ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt von euch gerichtet werden soll, seid ihr denn nicht gut genug, geringere Sachen zu richten? So nehmt die, die bei der Gemeinde nichts gelten, und setzt sie zu Richtern ein. Euch zur Schande muß ich es sagen: Ist denn gar kein Weiser unter euch, auch nicht einer, der richten könnte zwischen Christ und Christ? Dagegen höre ich: Ein Christ hadert mit dem andern, dazu noch vor den Ungläubigen.

Es ist schon ein Mangel unter euch, daß ihr miteinander rechtet. Warum laßt ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum laßt ihr euch nicht lieber übervorteilen? Aber ihr tut Unrecht und übervorteilt den anderen, und das an den Mitchristen! Wißt ihr nicht, daß die Ungerechten nicht in die Herrschaft Gottes kommen werden? Laßt euch nicht verführen! Ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unsers Gottes. Mir ist alles erlaubt, es gehört sich aber nicht alles. Mir ist alles erlaubt, es soll mich aber nichts gefangen nehmen.

Der Leib gehört nicht der Hurerei, sondern dem Herrn. Wißt ihr nicht, daß eure Leiber die Glieder Christi sind? Sollte ich nun die Glieder Christi nehmen und Hurenglieder daraus machen? Das sei ferne!  Wißt ihr nicht: Wer an der Hure hängt, der ist ein Leib mit ihr? Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm. Flieht vor der Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außerhalb seines Leibes. Wer aber hurt, der sündigt an seinem eigenen Leib.

Wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Geistes Gottes ist. Ihr habt ihn von Gott, und gehört nicht euch selbst. Denn ihr seid teuer erkauft. Darum preist Gott an eurem Leib und in eurem Geiste, die beide Gott gehören (1. Kor 6).

 

Ehe und Ehelosigkeit:

Auf eure Frage antworte ich: Es ist gut für den Menschen, daß er keine Frau berühre. Aber weil es sonst Hurerei gäbe, habe ein jeder seine eigene Frau und jede Frau ihren eigenen Mann.  Der Mann leiste der Frau die eheliche Pflicht, ebenso die Frau dem Mann. Entziehe sich nicht einer dem andern, es sei denn eine Zeitlang in gegenseitiger Übereinkunft, damit ihr zum Fasten und Beten Zeit habt. Aber dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt. Das sage ich aber als Erlaubnis und nicht als Gebot.

Ich wollte aber lieber, alle Menschen wären unverheiratet wie ich. Aber jeder hat seine eigene Gabe von Gott, der eine so, der andere so. Ich sage den Ledigen und Witwen: Es ist gut für sie, wenn sie auch bleiben wie ich. Wenn sie sich aber nicht enthalten wollen, so laß sie heiraten. Das ist besser, als unter der Begierde zu leiden.

Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, daß sich die Frau nicht scheide von dem Mann. Wenn sie sich aber scheidet, soll sie ohne Ehe bleiben oder sich mit dem Mann versöhne. Auch soll der Mann die Frau nicht von sich lassen und sich von ihr scheiden.

Den andern aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Christ eine ungläubige Frau hat, und sie läßt es sich gefallen, bei ihm zu wohnen, der scheide er sich nicht von ihr. Und wenn eine Frau einen ungläubigen Mann hat, und er läßt es sich gefallen, bei ihr zu wohnen, so scheide sie sich nicht von ihm. Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Mann. Sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig. Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so laß ihn scheiden. Der Christ ist nicht gefangen in solchen Fällen. Zum Frieden hat uns Gott berufen.

Von den jungen Frauen aber habe ich kein Gebot des Herrn, ich sage aber meine Meinung: Wenn eine junge Frau heiratet, sündigt sie nicht. Doch sie wird vielleicht leibliche Beschwerden haben, davor hätte ich euch gern verschont. Das sage ich aber, liebe Mitchristen: Die Zeit ist kurz. Weiter ist das meine Meinung: Die Frauen haben sollten sich verhalten, als hätten sie keine. Und die weinen, als weinten sie nicht. Und die sich freuen, als freuten sie sich nicht. Und die kaufen, als besäßen sie es nicht. Und die diese Welt gebrauchen, daß sie diese nicht mißbrauchen. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.

Ich wollte aber, daß ihr ohne Sorge sein könnt. Wer ledig ist, der sorgt sich um die Sache Gottes und wie er dem Herrn gefalle. Wer aber heiratet, der sorgt sich um das, was der Welt angehört und wie er der Frau gefalle. Eine Frau, die nicht heiratet, sorgt sich um die Sache des Herrn, daß sie heilig sei am Leib und auch am Geist.

Wenn aber jemand meint, es werde nicht gut gehen mit seiner jungen Tochter, weil sie im heiratsfähigen Alter ist, so tue er, was er will, er sündigt nicht, er lasse sie heiraten. Wenn einer aber sich fest vornimmt und aus freiem Willen beschließt in seinem Herzen, unverheiratet zu bleiben, der tut wohl. Wer heiratet, der tut wohl. Wer aber nicht heiratet, der tut besser.

Eine Frau ist gebunden durch das Gesetz, solange ihr Mann lebt. Wenn aber ihr Mann stirbt, ist sie frei, zu heiraten, wen sie will, nur, daß es im Herrn geschehe. Nach meiner Meinung ist es aber besser, wenn sie unverheiratet bleibt (1. Kor 7, 1-17 und 25-40).

Ist jemand beschnitten berufen worden, der bleibe bei der Beschneidung. Ist jemand aber unbeschnitten berufen worden, der lasse sich nicht beschneiden. Beschnitten sein ist nichts, und unbeschnitten sein ist nichts, sondern Gottes Gebote halten. Jeder bleibe in dem Beruf, in den er berufen ist. Bist du als Sklave berufen, sorge dich nicht. Aber wenn du frei werden kannst, so greife viel lieber zu. Denn wer als Sklave berufen ist in dem Herrn, der ist ein Freigelassener des Herrn. Ebenso: Wer als Freier berufen ist, der ist ein Sklave Christi. Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht Sklaven der Menschen. Jeder bleibe in dem,  wozu er berufen wurde (1. Kor 7,18-24).

 

Vom Essen des Götzenopferfleisches:

In der Frage, ob wir Fleisch essen dürfen, das von der Opferung in Tempeln der Andersgläubigen stammt, so wissen wir doch, daß es keine Götzen in der Welt gibt und daß kein andrer Gott ist als der eine. Und obwohl man von „Göttern“ spricht, so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und nur einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.

Einige machen sich noch ein Gewissen, wenn sie Fleisch essen, das aus den Tempeln der Andersgläubigen stammt. Sie meinen, dadurch werde ihr Gewissen befleckt. Aber das liegt nur daran, weil es so schwach ist.  Aber die Speise fördert uns vor Gott nicht: Wenn wir jenes Fleisch essen, so werden wir darum nicht besser sein. Essen wir es aber nicht, so werden wir darum nicht weniger sein.

Seht aber zu, daß diese eure Freiheit nicht gerate zum Anstoß für die Schwachen! Denn wenn dich jemand zu Tische sitzen sähe im Götzenhause, wird er dann nicht -  obwohl er im Gewissen schwach ist - ermutigt, das Götzenopfer zu essen? Und so wird wegen deiner besseren Erkenntnis der schwache Mitchrist Schaden erleiden. Wenn ihr so ihr schwaches Gewissen schlagt, so sündigt ihr an Christus. Darum: Wenn das Essen des Fleischs meinen Mitchristen ärgert, würde ich niemals Fleisch essen, damit ich meinen Mitchristen nicht ärgere (1. Kor 8).

 

 

Vorbild des Paulus im Verzichten:

Bin ich nicht ein Apostel? Bin ich nicht frei? Habe ich nicht unsern Herrn Jesus Christus gesehen? Seid ihr nicht mein Werk in dem Herrn? Bin ich andern nicht ein Apostel, so bin ich doch euer Apostel; denn das Siegel meines Apostelamts seid ihr in dem Herrn. So antworte ich, wenn man mich fragt: Haben wir nicht Macht zu essen und zu trinken? Haben wir nicht auch Macht, eine Frau mit umherzuführen wie die andern Apostel und des Herrn Brüder und Petrus?   Oder haben allein ich und Barnabas die Macht, nicht zu arbeiten? Wer pflanzt einen Weinberg, und ißt nicht von seiner Frucht? Oder wer weidet eine Herde, und nährt sich nicht von der Milch der Herde? Wer pflügt, der soll auf Hoffnung pflügen. Und wer drischt, der soll auf Hoffnung dreschen, damit er seinen Teil empfange. Wenn wir euch das Geistliche säen, ist es doch keine große Sache, wenn wir euer Leibliches ernten?

Aber wir haben diese Macht nicht gebraucht, sondern ertragen allerlei, daß wir nicht der frohen Botschaft Christi ein Hindernis machen. Wißt ihr nicht, daß schon zur Zeit des alten Bundes die Priester aßen von dem, was auf dem Altar lag? So hat auch der Herr befohlen, daß die Prediger der frohen Botschaft  sich von denen versorgen lassen sollen, die die Botschaft gehört haben.

Ich aber habe das alles nicht gebraucht. Ich schreibe nicht deshalb davon, damit es mit mir ebenso gehalten werden sollte. Es wäre mir lieber, ich stürbe, als daß mir jemand meinen Ruhm sollte zunichte machen. Denn daß ich die frohe Botschaft predige, darf ich mich nicht rühmen, denn ich muß es tun. Und wehe mir, wenn ich die Botschaft  nicht predigte!

Tue ich es gern, so wird es mir gelohnt. Tue ich es aber ungern, so ist mir doch die Aufgabe befohlen. Was ist denn nun mein Lohn? Daß ich predige die frohe Botschaft Christi und tue das frei und umsonst, damit ich nicht meine Freiheit mißbrauche.

Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Diener gemacht, damit ich viele von ihnen gewinne. Den Juden bin ich geworden wie ein Jude, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden wie unter dem Gesetz, damit ich die gewinne, die unter dem Gesetz sind.

Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden, damit  ich die gewinne, die ohne Gesetz sind,.

Den Schwachen bin ich geworden wie ein Schwacher, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin jedermann allerlei geworden, damit ich auf alle Weise einige selig mache. Das tue ich aber um der frohen Botschaft willen.

Wißt ihr nicht: In der Kampfbahn laufen alle, aber nur einer erlangt den Siegeskranz? Lauft so, daß ihr ihn erringt! Jeder Kämpfer aber verzichtet auf alles andere, nur um einen vergänglichen Kranz zu empfangen. Wir aber kämpfen darum, einen unvergänglichen Kranz zu empfangen. Ich laufe aber nicht ins Ungewisse; ich fechte nicht als einer, der in die Luft schlägt, sondern ich härte meinen Leib ab und zähme ihn, damit nicht den andern predige und selbst verwerflich werde (1. Kor 9).

 

Das warnende Beispiel Israels:

Ich will euch aber, liebe Mitchristen, nicht vorenthalten, daß unsre Väter sind alle unter der Wolke gewesen und sind alle durchs Meer gegangen und sind alle auf Mose getauft mit der Wolke und dem Meer und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken.

Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden niedergeschlagen in der Wüste. Das ist aber uns zum Vorbild geschehen, damit wir nicht Lust gewinnen zum Bösen, so wie jene Lust hatten. Fallt nicht von Gott ab, wie es einige von ihnen taten.

Laßt uns  auch nicht Hurerei treiben, wie einige unter jenen Hurerei trieben. Laßt  uns auch Christus nicht versuchen, wie einige von jenen Gott versuchten und wurden von Schlangen umgebracht. Murrt auch nicht, wie einige von jenen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber. Das alles widerfuhr jenen zum Vorbild. Es ist aber uns zur Warnung geschrieben, auf die das Ende der Welt zukommt.

Darum: Wer meint, er stünde fest, der mag zusehen, daß er nicht hinfalle. Es ist euch noch keine andere als menschliche Versuchung begegnet. Aber Gott ist treu, der euch nicht über euer Können versuchen läßt, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es ertragen könnt (1. Kor 10,1-13).

 

Abendmahl und Götterdienst:

Darum, meine Liebsten, flieht von der falschen Aberglauben! Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist es. So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Doch ich sage: Was die Andersgläubigen opfern, das opfern sie den Teufeln und nicht Gott. Aber ich will nicht, daß ihr in der Gemeinschaft der Teufel sein sollt. Ihr könnt nicht gleichzeitig den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Teufel. Ihr könnt nicht zugleich teilhaben am Tisch des Herrn und am Tisch der Teufel. Oder wollen wir dem Herrn trotzen? Sind wir stärker als er?

Mir ist zwar alles erlaubt, aber es gehört sich nicht alles. Mir ist zwar alles erlaubt, aber es ist  nicht alles aufbauend. Niemand suche das Seine, sondern ein jeder nur, was Anliegendes andern ist. Alles, was auf dem Fleischmarkt angeboten wird, das eßt, und forscht nicht weiter nach, damit ihr das Gewissen verschont.

Wenn aber jemand von den Ungläubigen euch einlädt und ihr hingehen wollt, so eßt alles, was euch vorgelegt wird, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen verschont.

Wenn aber jemand ausdrücklich zu euch sagt: „Das ist Götzenopfer!“ dann eßt nicht, um dessen willen, der auch das sagte, damit ihr das Gewissen verschont. Ich meine aber nicht dein Gewissen, sondern das des andern. Denn warum sollte ich meine Freiheit einschränken lassen vom Gewissen eines andern?

Wenn ich das Fleisch mit Dank an Gott genieße, was sollte ich denn angeklagt werden wegen dem, dafür ich danke? Wenn ihr eßt oder trinkt oder was ihr auch sonst tut, tut es alles zu Gottes Ehre. Gebt kein Ärgernis weder den Juden noch den Griechen noch der Gemeinde Gottes. So versuche ich ja auch jedermann zu Gefallen zu leben und suche nicht, was mir, sondern was vielen zugute kommt, damit sie gerettet werden (1. Kor 10, 14-33).

 

Frauen im Gottesdienst:

Ich lasse euch aber wissen, daß Christus das Haupt eines jeden Mannes ist. Der Mann aber ist das Haupt der Frau. Jeder Mann, der betet oder weissagt und hat dabei etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt. Eine Frau aber, die betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt, denn das ist so wie wenn es geschoren wäre. Wenn sie sich nicht bedecken will, so schneide man ihr das Haar ab. Weil es sich aber nicht gehört, daß eine Frau geschorenes Haar habe, dann laßt sie das Haupt bedecken. Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, zumal er Gottes Bild und Ehre ist. Die Frau aber ist des Mannes Ehre. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann.

 

 

Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen. Darum soll die Frau einen Schleier („ Macht“) auf dem Haupt haben, um der bösen Geister willen. Doch ist weder der Mann ohne die Frau etwas, noch das die Frau ohne den Mann.

Denn wie die Frau am Anfang der Welt aus dem Mann geschaffen wurde, so kommt auch der Mann durch die Frau  bei der Geburt.

Urteilt selbst, ob es sich gehört, daß eine Frau unbedeckt vor Gott bete. Oder lehrt euch auch nicht die Natur, daß es eine Unehre für einen Mann ist, wenn er das Haar lang wachsen läßt, der Frau aber eine Ehre, wenn sie langes Haar hat? Das Haar ist ihr zur Decke gegeben.

Wenn aber jemand unter euch Lust zum Zanken hat, der wisse, daß wir diese Art nicht bei uns haben, die Gemeinden Gottes auch nicht (1. Kor 11, 1-16. Dies ist der Abschnitt, der vielleicht nicht von Paulus stammt).

 

Unsitten beim Abendmahl:

Ich muß aber dies befehlen: Ich kann es nicht loben, daß ihr nicht zum Guten, sondern auf schlimme Weise zusammenkommt. Als erstes höre ich, es seien Spaltungen unter euch, wenn ihr zusammenkommt in der Gemeinde, und zum Teil glaube ich es auch. Denn es müssen Parteien unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch deutlich werden. Wenn ihr zusammenkommt, so hält man da nicht des Herrn Abendmahl.

Wenn man das Abendmahl halten will, dann nimmt ein jeder seine eigene Mahlzeit vorweg, und einer ist hungrig, der andere ist betrunken. Habt ihr aber nicht Häuser, in denen ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht.

Ich habe es vom Herrn empfangen, was ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus in der Nacht als er verraten wurde, nahm er das Brot, dankte und brach es und sprach: Nehmt und eßt, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird. Das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das der neue Bund in meinem Blut. Das tut, so oft ihr es trinkt, zu meinem Gedächtnis.

Denn so oft ihr von diesem Brot eßt und von diesem Kelch trinkt, sollt ihr den Tod des Herrn verkünden, bis daß er kommt. Wer nun unwürdig von diesem Brot ißt oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt es sich selber zum Gericht, weil er nicht unterscheidet den Leib des Herrn.

Darum, meine lieben Mitchristen, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so warte einer auf den anderen. Hungert aber jemand, der esse daheim, damit ihr nicht euch zum Gericht zusammenkommt. Das andere will ich ordnen, wenn ich komme. (1. Kor 11, 17-34).

 

Viele Gaben - ein Geist:

Über die geistlichen Gaben aber will ich euch, liebe Mitchristen, nicht im Ungewissen lassen. Ihr wißt, daß ihr Andersgläubige gewesen seid und seid hingegangen zu den stummen Götzen. Darum tue ich euch kund, daß niemand Jesus verflucht, der durch den Geist Gottes redet. Und niemand kann Jesus einen Herrn heißen außer durch den heiligen Geist.

Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Ämter, aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allem.

In einem jeden zeigen sich die Gaben des Geistes zum allgemeinen Nutzen.

Einem wird gegeben durch den Geist, von der Weisheit zu reden. Dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden nach demselben Geist. Einem andern wird der der Glaube gegeben in demselben Geist. Einem andern wird die Gabe gegeben, gesund zu machen in demselben Geist. Einem anderen wird gegeben, Wunder zu tun, einem anderen Weissagung, einem anderen, Geister zu unterscheiden, einem anderen die Zungenrede, einem andern, die Zungenrede auszulegen. Dies alles aber bewirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeden sein Teil zu, je nachdem er will (1. Kor 12,1-11)[Die Zungenrede war eine Erscheinung im antiken Gottesdienst, bei der Menschen in unverständlichen Sprachen und in voller Verzückung sprachen und als Sprachrohr Gottes gelten wollten].

 

Viele Glieder - ein Leib:

Denn wie ein Leib ist und hat doch viele Glieder. Alle Glieder aber des Leibes sind doch ein Leib, obwohl sie viel sind. So ist auch Christus. Denn wir sind auch durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und wir sind alle mit einem Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn aber der Fuß spräche: „Ich bin keine Hand, darum bin ich nicht ein Glied des Leibes!“ sollte er deshalb nicht ein Glied des Leibes sein? Und wenn das Ohr spräche: „Ich bin kein Auge, darum bin ich nicht ein Glied des Leibes!“ sollte es deshalb nicht ein Glied des Leibes sein? Wenn der ganze Leib ein Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch? Nun hat aber Gott jedes Glied am Leibe bestimmt, wie er gewollt hat. Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib? Nun sind es aber viele Glieder, aber der Leib ist einer. Es kann das Auge nicht sagen zur Hand: „Ich brauche dich nicht!“ oder das Haupt zu den Füßen: „Ich brauche euch nicht!“

Sondern vielmehr: Die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, sind die nötigsten. Und die uns am wenigsten ehrbar zu sein scheinen, denen legen wir am meisten Ehre bei. Und die uns übel anstehen, die schmückt man am meisten. Denn die uns wohl anstehen, die brauchen das alles nicht.

Aber Gott hat den Leib so vermengt und dem geringen Glied am meisten Ehre gegeben, damit nicht eine Spaltung im Leibe sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit. Und wenn so ein Glied herrlich gehalten wird, so freuen sich alle Glieder mit.

Ihr seid aber der Leib Christi und seine Glieder, ein jeder nach seinem Anteil. Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt zuerst die Apostel, dann die Propheten, als dritte die Lehrer, danach die Wundertäter, danach die Heiler, Helfer, Leiter und Zungenredner. Sind sie alle Apostel? Sind sie alle Propheten? Sind sie alle Lehrer? Sind sie alle Wundertäter? Haben sie alle die Gaben, gesund zu machen? Reden sie alle in Zungenrede? Können sie alle auslegen? Strebt aber nach den besten Gaben! Und ich will euch einen noch köstlicheren Weg zeigen (1. Kor 12, 12-31).

 

Das „hohe Lied der Liebe“:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte keine Liebe, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzte, und hätte keine Liebe, so wäre ich nichts.

Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, und hätte keine Liebe, so wäre es mir nichts nütze.

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht, sie stellt sich nicht ungehobelt, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber über die Wahrheit. Sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals, wo doch die Weissagungen aufhören werden und die Zungenreden aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird.

Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge. Als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindisch war.

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise, dann aber werde ich erkennen, so wie ich erkannt bin.  Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen (1. Kor 13).

 

Das Weissagen und das Zungenreden:

Strebt nach der Liebe! Müht euch um die geistlichen Gaben, am meisten aber, daß ihr weissagen könnt! Denn der Zungenredner redet nicht für Menschen, sondern für Gott, denn ihm hört niemand zu, im Geist aber redet er die Geheimnisse. Wer aber weissagt, der redet den Menschen zur Besserung und zur Ermahnung und zur Tröstung.

Wer mit Zungen redet, der bessert sich selbst, wer aber weissagt, der bessert die Gemeinde.

Ich wollte, daß ihr alle mit Zungen reden könntet, aber viel mehr, daß ihr weissagt. Denn wer  weissagt, ist größer, als der mit Zungen redet, es sei denn, daß er seine Rede auch auslege, damit die Gemeinde davon gebessert werde.

Nun aber, liebe Brüder, wenn ich zu euch käme und redete mit Zungen, was wäre es euch nütze, wenn ich nicht mit euch redete entweder durch Offenbarung oder durch Erkenntnis oder durch Weissagung oder durch Lehre? Wenn ihr mit Zungen redet und ihr nicht eine deutliche Rede von euch gebt, wie kann man wissen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden.

Es gibt manche Art von Stimmen in der Welt, und von denen ist keine undeutlich. Wenn ich nun nicht die Bedeutung der Stimme weiß, werde ich unverständlich sein für den, der redet, und umgedreht wird der, der redet, mir unverständlich sein. Also trachtet auch ihr danach, daß ihr alles reichlich habt, auf daß ihr die Gemeinde bessert. Darum, wer mit Zungen redet, der bete so, daß er es auch auslege.

 Wenn du nur segnest im Geist, wie soll der Nichtfachmann „Amen“ sagen auf deine Danksagung, wenn er nicht weiß, was du sagst?   Du sagst eine schöne Danksagung, aber der andere wird nicht davon gebessert. Ich danke meinem Gott, daß ich mehr mit Zungen rede als ihr alle. Aber ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinem Sinn, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte mit Zungen.

Darum sind die Zungen zum Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern den Ungläubigen. Die Weissagung aber dient nicht den Ungläubigen, sondern den Gläubigen. Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkäme an einen Ort und redeten alle mit Zungen, es kämen aber hinein Laien oder Ungläubige, würden sie nicht sagen, ihr seid unsinnig?

Wenn sie aber alle weissagen und es käme dann ein Ungläubiger oder Laie hinein, der würde von ihnen allen gestraft und von allen gerichtet und so würde das Verborgene seines Herzens offenbar, und er würde fallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, daß Gott wahrhaftig in euch ist.

Wie ist es denn nun, liebe Mitchristen? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder Psalmen oder eine Lehre oder Zungenrede oder Offenbarung oder einet Auslegung. Laßt alles geschehen zur Förderung der Gemeinde!

Wenn jemand mit Zungen redet, so seien es immer zwei oder meistens drei Personen, und einer rede abwechselnd mit dem anderen; und einer lege alles aus. Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde, rede aber mit sich selber und Gott.

Weissager aber lasset zwei oder drei reden. Wenn aber eine Offenbarung geschieht einem andern, der gerade sitzt, so schweige der erste. Ihr könnt wohl alle weissagen, einer nach dem andern, damit sie alle lernen und alle ermahnt werden.

Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.

Wie in allen christlichen Gemeinden laßt eure Frauen schweigen in der Gemeinde, denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt.  Wollen sie etwas lernen, so laßt sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Frauen nicht gut an, in der Gemeinde zu reden.

Wenn sich jemand für einen Propheten hält er sei ein Prophet oder ein vom Geist Erfüllter, der erkenne, was ich euch schreibe, denn es sind des Herrn Gebote. Ist aber jemand unwissend, der sei unwissend. Darum, liebe Mitchristen, müht euch um das Weissagen und wehrt nicht, mit Zungen zu reden. Laßt alles ehrbar und ordentlich zugehen (1.Kor 14).

 

Gewißheit der Auferstehung:

Liebe Mitchristen, ich erinnere euch an die frohe Botschaft, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie ja auch angenommen und steht fest in ihr. Dadurch werdet ihr auch selig werden, wenn ihr es behalten habt, wie ich es euch verkündet habe, sonst  hättet ihr umsonst geglaubt.

Denn ich habe euch vor allem das gegeben, was ich empfangen habe: Christus ist gestorben für unsre Sünden, wie es die heilige Schrift vorausgesagt hat. Er ist begraben worden und am dritten Tag  auferstanden, wie es die heilige Schrift vorausgesagt hat.

Er ist gesehen worden von Petrus, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Christen auf einmal, von denen noch viele leben, einige aber sind gestorben. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.

Zuletzt ist er auch von mir, einer frühen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber: Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und Gottes Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe vielmehr gearbeitet als sie alle (nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist). So predigen wir, und so habt ihr auch geglaubt.

Wenn aber gepredigt wird, daß Christus von den Toten auferstanden sei, wie sagen denn einige unter euch, es gäbe keine Auferstehung der Toten? Wenn es die Auferstehung der Toten nicht gibt,  dann ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.

Wir würden aber auch als falsche Zeugen Gottes angesehen, daß wir gegen Gott ausgesagt hätten, er hätte Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, dann seid ihr noch in euren Sünden. Dann sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren.

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun ist aber Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen, zumal durch einen Menschen der Tod und durch einen Menschen die Auferstehung der Toten kommt. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.

Jeder wird aber der Reihe nach auferweckt: der Erste ist Christus. Danach kommen die, die Christus angehören, wenn er kommen wird. Danach kommt das Ende, wenn Christus die Herrschaft an Gott überantworten wird, wenn er aufheben wird alle Herrschaft und alle Obrigkeit und Gewalt. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod.

Wenn er aber sagt, daß ihm alles untertan sei, so ist ausgenommen, der ihm alles untergetan hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles untergetan hat, auf daß Gott sei alles in allen.

Was machen sonst, die sich taufen lassen für die Toten, wenn die Toten nicht auferstehen? Warum lassen sie sich taufen anstelle der Toten?

Ich sterbe täglich. Habe ich nur um menschlicher Dinge willen in Ephesus mit wilden Tieren gefochten, was hilft es mir? Wenn die Toten nicht auferstehen, dann „laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!“ Laßt euch nicht verführen! Böse Geschwätze verderben gute Sitten. Werdet doch einmal recht nüchtern und sündigt nicht! Denn einige wissen nichts von Gott. Das sage ich euch zur Schande.

Mancher sagt: „Wie werden die Toten auferstehen, und mit welchem Leib werden sie kommen?“ Du Narr: was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn vorher. Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, etwa Weizen oder ein anderes. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, und einem jedem Samen seinen eigenen Leib.

Nicht alles Fleisch ist einerlei Fleisch, sondern Menschen haben ein anderes Fleisch als das Vieh, ein anderes die Fische, ein anderes die Vögel. Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper. Aber die himmlischen Körper haben eine andere Herrlichkeit und eine andere die irdischen. Eine andere Klarheit hat die Sonne, eine andere Klarheit hat der Mond, eine andere Klarheit haben die Sterne, denn ein Stern übertrifft den andern an Klarheit. So ist es auch mit der  Auferstehung der Toten.

Es wird gesät verweslich, und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Unehre, und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferstehen ein geistlicher Leib.

Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, erst danach kommt der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch, der andere Mensch ist der Herr vom Himmel. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch das Bild des himmlischen tragen.

Das sage ich aber, liebe Mitchristen, daß Fleisch und Blut die Herrschaft Gottes nicht erben können. Auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche.  Ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, und zwar plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune.

Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

Denn dies Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. Wenn aber das Verwesliche wird anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Aber der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.

Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesus Christus!

Darum, meine lieben Mitchristen, seid fest, unbeweglich, und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, zumal ihr wißt, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. (1. Kor 15).

 

Geldsammlung, Reisepläne, Grüße:

Was die Geldsammlung für die Gemeinde in Jerusalem angeht, so macht es doch auch, wie ich es für die Gemeinden in Galatien angeordnet habe. An jedem ersten Tag der Woche lege jeder für sich selbst etwas zurück und sammle, was ihn gut scheint, damit nicht, wenn ich komme, dann allererst die Steuer zu sammeln sei. Wenn ich aber gekommen bin, so will die von euch Ausgewählten mit Briefen losschicken, damit sie eure Gabe hinbringen nach Jerusalem. Wenn ich aber hinreise, sollen sie mit mir reisen.

Ich will aber zu euch kommen, wenn ich durch Mazedonien gezogen bin. Ich will vielleicht auch überwintern. Ich will nicht nur einmal kurz vorbeischauen, sondern ich hoffe, ich werde etliche Zeit bei euch bleiben, wenn es der Herr zuläßt. Ich werde bis Pfingsten in Ephesus bleiben, denn mir ist eine große Tür aufgetan, die viel Frucht wirkt.

Wenn Timotheus kommt, so seht zu, daß er ohne Furcht bei euch ist. Geleitet ihn im Frieden, daß er zu mir komme. Wacht, steht im Glauben, seid männlich und seid stark! Alle eure Dinge laßt in der Liebe geschehen!

Ich ermahne euch aber, liebe Mitchristen: Ihr kennt die Familie des Stephanas, die die ersten Christen in Achaja gewesen sind, daß auch ihr ihnen untertan seid.  Ich freue mich über die Ankunft des Stephanas und Fortunatus und Achaikus, denn wo ich euch entbehren mußte, das haben sie mir ersetzt. Sie haben meinen und euren Geist erfrischt. Erkennet solche Leute an!

Es grüßen euch die Gemeinden in der Provinz Asien. Es grüßen euch sehr Aquila und Priscilla samt der Gemeinde in ihrem Haus. Es grüßen euch alle Christen. Grüße euch untereinander mit dem heiligen Kuß. Ich, Paulus, grüße euch mit meiner eigenen Handschrift.

Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht liebhat, der sei verdammt. Unser Herr kommt! („Maranatha!“). Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit euch! Meine Liebe sei mit euch allen in Christus Jesus! Amen (1. Kor 16).

 

 

2. Korintherbrief

 

[Der zweite Brief ist vermutlich im Jahr 56 geschrieben, und zwar in Makedonien auf der letzten Reise des Paulus von Ephesus nach Korinth unterwegs. Paulus geht auf den geplanten Besuch nur äußerst kurz ein. Es muß Ärger gegeben haben („Kummer“, wie Paulus schreibt). Er sieht deswegen erst einmal von einem weiteren Besuch absah. Aber auch damit stieß er auf wenig Gegenliebe.

Die mit seiner Gemeindeleitung nicht zurecht kamen, bezichtigten ihn nun, ein Papiertiger zu sein, der nur dann zu voller Größe aufläuft, wenn er in sicherer Distanz zum Ort des Geschehens ist. Mittlerweile scheinen sich die Fronten jedoch ein wenig beruhigt zu haben.

Von Titus erfährt Paulus, daß etlichen dort der Streit mittlerweile Leid tut und sie einiges daran setzen, Paulus in der Gemeinde zu rechtfertigen. So faßt er Mut und beschließt einen dritten Besuch in der Hafenstadt, den er mit dem vorliegenden 2. Korintherbrief ankündigt und vorbereitet.

Im zweiten Brief verzichtet Paulus vollständig darauf, sich in die inneren Angelegenheiten der Gemeinde von Korinth einzumischen. Nur zwischen den Zeilen läßt sich ahnen, was in der Zwischenzeit passiert ist. Der 1. Korintherbrief hat eine deutlich anti-paulinische Stimmung in Korinth geschürt. Paulus  trat damals recht ruppig auf und hatte keine Probleme damit, Leute aus der Gemeinde auszuschließen, die seiner Meinung nach deutlich den Rahmen der Gemeinde überschritten hatten. Zwar haben Teile der Gemeinde sich von diesem Gegner distanziert, insgesamt aber hat Paulus sich dabei offensichtlich jedoch nicht durchsetzen können. Und so lenkt er ein: Die meisten haben ihn ja bestraft, und damit soll es gut sein. Damit ist der Zweck meines Briefes ja erfüllt gewesen. Paulus sagt: „Vergebt ihm nun, ermutigt ihn und zeigt ihm eure Liebe!“

Gemeint ist wieder der schon im ersten Brief genannte junge Mann, der mit seiner Schwiegermutter geschlafen und dies auch noch mit der christlichen Freiheit gerechtfertigt hatte. Doch zeigt der ganze Brief, wie stark die anti-paulinische Stimmung in Korinth noch immer sein muß. Er ist ein reines Verteidigungsschreiben.

Seine aktuelle Hauptaufgabe ist die Kollekte für die Gemeinde in Jerusalem. Deshalb fängt er in der durchaus noch nicht entspannten Situation gleich wieder vom Geld an, weil er unter dem Druck steht, auch in Korinth die Kollekte einzusammeln. Immer wieder im Diktat merkt er, daß seine Argumente ziemlich töricht und nicht mehr im Einklang mit seiner eigenen Lehre sind. Nirgendwo sonst in seinen Briefen schreibt er, daß bestimmte Positionen nur seine eigene Meinung sind, und nicht das, was Jesus eigentlich wollte. Und immer wieder bezichtigt er sich selbst, in seiner Argumentation töricht zu sein. Nur in diesem Zusammenhang ist nachvollziehbar, daß er plötzlich eine Stufenleiter des Glaubens erwähnt: in vielen Dingen sei er noch heiliger als die anderen, würde noch mehr für Christus leiden und sei enger mit ihm verbunden. Aber er weiß: Freilich ist solches Eigenlob im Grunde Unsinn.

Einige Ausleger finden in dem heute vorliegenden 2. Korintherbrief verschiedene Briefe, die dann von Paulus-Schülern zu einem zusammenhängenden Text kombiniert worden sind. In diesem Fall ist die Situation für jeden Teilbriefgesondert zu bestimmen. Das könnte dann so aussehen:

Brief A: Der verlorengegangene erste Brief an die Korinther

Brief B: Der 1. Korintherbrief unsrer Bibel

Brief C: Verteidigungsbrief: (2. Kor 2,14 – 7,4):

Ausgangspunkt dafür ist der von Paulus ins Auge gefaßte Plan, einen längeren Besuch in Korinth abzustatten. Dieser Plan wurde nicht ausgeführt, weil die Position des Paulus in Korinth in Zweifel gezogen wird. Er sieht sich daher zu einer Verteidigung veranlaßt. Paulus hat damit freilich nicht sein Ziel erreicht, sein apostolische Autorität wieder herzustellen und sich mit der Gemeinde zu versöhnen. Es hat im Gegenteil den Anschein, als hätten die Gegner den Brief gegen den Apostel verwendet.

Brief D: Tränenbrief (2. Kor 10-13)

Es könnte nun so gewesen sein, daß inzwischen neue Gegner sind in Korinth aufgetaucht sind und in der Gemeinde mit ihrer Verkündigung und ihrem Auftreten Eindruck gemacht haben.

So hat Paulus sich entgegen seinem früheren Plan zu einem schnellen Zwischenbesuch entschlossen. Er wählt den Seeweg, ohne den zeitraubenden Umweg über Makedonien. Dieser Zwischenbesuch aber ist erschütternd verlaufen. Er hat die Gemeinde in völligem Aufruhr gegen ihn vorgefunden. Einer aus ihrer Mitte hat ihm schweres Unrecht zugefügt, und der Apostel hat Korinth wieder verlassen müssen, ohne die Gemeinde zurückgewonnen und zur Ordnung gebracht zu haben. In dieser Lage diktiert Paulus in Ephesus den sogenannten „Tränenbrief“. Den Tränenbrief hat Titus von Ephesus nach Korinth überbracht. Paulus wartet gespannt auf die Antwort aus Korinth und reist Titus auf dem Landweg nach Makedonien entgegen.

Brief E: Versöhnungsbrief (2. Kor 1,1 – 2,13  und 7,5–16):

Titus bringt schließlich die gute Nachricht, daß die Gemeinde eingelenkt und den Schuldigen bestraft hat. In seiner Freude über diese Wendung der Dinge schreibt Paulus vermutlich einen erneuten Brief, den sogenannten „Versöhnungsbrief“.

Brief F und G: Kollektenbriefe (2. Kor. 8 und 9):

In Makedonien konnte Paulus dann länger verweilen, nachdem der Konflikt mit der Gemeinde in Korinth in seinem Sinn beigelegt worden war. Diese Zeit nützte er zur Förderung seines Kollektenprojekts in den Gemeinden Makedoniens.

Hier wird jedoch der Brief so behandelt, wie er in seiner heutigen Form vorliegt].

 

Gruß und Dank:

Paulus, ein Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Bruder Timotheus der Gemeinde Gottes zu Korinth samt allen Heiligen in ganz Achaja: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unsrer Trübsal, daß auch wir trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, damit wir getröstet werden von Gott.

Denn wie wir viel haben vom Leiden Christi, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Wenn wir aber Trübsal oder Trost haben, so geschieht das euch zugute. Ist es Trübsal, so geschieht es euch zum Trost, der sich erweist, wenn ihr leidet mit Geduld, so wie wir auch leiden. Ist es Trost, so geschieht auch das euch zu Trost und Heil. Und wir haben die feste Hoffnung für euch, weil wir wissen, daß ihr auch Trost erhalten werdet, so wie ihr am Leiden beteiligt sein.

Denn wir wollen euch, liebe Mitchristen, nicht vorenthalten unsre Trübsal, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, als wir über die Maßen beschwert waren und über unsre Kräfte, so daß wir am Leben verzagten und für uns beschlossen hatten, wir müßten sterben. Das geschah aber darum, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzen sollten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, der uns von einem solchen Tod erlöst hat und noch täglich erlöst, und wir hoffen auch, er werde uns auch in Zukunft erlösen, auch durch die Hilfe eurer Fürbitte für uns, damit wegen uns für die uns gegebene Gabe  durch viele Personen viel Dank geschehe (2.Kor 1,1-11).

 

Paulus rechtfertigt den Aufschub seines Besuchs

Ich dachte zunächst zu euch zu kommen, damit ihr noch einmal eine Wohltat empfinget. Von euch wollte ich nach Mazedonien reisen und dann wieder aus Mazedonien zu euch kommen und von euch geleitet werden nach Judäa. Bin ich aber leichtfertig gewesen, als ich so etwas dachte? Oder ist mein Vorhaben nur menschlich? Das ist nicht so, sondern bei mir ist ein Ja ein Ja, und ein Nein ist ein Nein.

Ich rufe aber Gott an zum Zeugen, daß ich euch verschont habe dadurch, daß ich nicht wieder nach Korinth gekommen bin. Nicht daß wir Herren seien über euren Glauben, sondern wir sind Helfer eurer Freude, denn ihr stehet im Glauben.

Ich wollte aber nicht erneut in Traurigkeit zu euch kommen. Denn wenn ich euch traurig mache, wer ist dann da, der mich fröhlich macht, wenn nicht der, der von mir betrübt wurde?

Und das habe ich euch geschrieben, damit ich nicht, wenn ich käme, über die traurig sein müßte, über welche ich mich eigentlich freuen sollte. Habe ich doch zu euch allen das Vertrauen, daß meine Freude euer aller Freude ist. Denn ich schrieb euch in großem Kummer und in Herzensangst mit vielen Tränen, damit ihr nicht betrübt werdet, sondern damit ihr die Liebe erkennt, die ich ganz besonders zu euch habe.

Der aber diesen Kummer angerichtet hat, der hat nicht mich betrübt, sondern zum Teil auch euch alle. Es ist aber genug, daß dieser von vielen so gestraft ist, daß ihr nun ihm desto mehr vergebt und ihn tröstet, damit er nicht in allzu große Traurigkeit versinke. Darum ermahne ich euch, daß ihr Liebe an ihm beweist. Wem ihr aber etwas vergebt, dem vergebe ich auch. Denn wenn ich etwas jemandem vergebe, das vergebe ich an der Stelle Christi, damit wir nicht übervorteilt werden vom Satan.

Als ich nach Troas kam hatte ich keine Ruhe, weil ich Titus nicht fand. Deshalb verabschiedete ich mich bald und fuhr nach Mazedonien.

Aber Gott sei gedankt, der uns allezeit den Sieg gibt in Christus und offenbart hat durch uns den Wohlgeruch seiner Erkenntnis an allen Orten!

Denn wir sind Gott ein guter Geruch Christi unter denen, die selig werden, und unter denen, die verloren werden: Diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Wir sind nicht wie die vielen, die das Wort Gottes verfälschen, sondern wie man aus Ehrlichkeit und aus Gott muß, so reden wir vor Gott in Christus (2. Kor 1,12 - 2,17).

 

Die Quelle des apostolischen Auftrags des Paulus:

Fangen wir denn erneut an, uns selbst zu preisen? Oder brauchen wir - wie andere -  Empfehlungsbriefe an euch oder Empfehlungsbriefe von euch? Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, der erkannt und gelesen wird von allen Menschen. Es ist allen klar geworden, daß ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst vorbereitet, und nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht in steinerne Tafeln, sondern in fleischerne Tafeln des Herzens.

Ein solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind aus uns selber, etwas zu erdenken von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, das ist von Gott,

der auch uns tüchtig gemacht hat zum Dienst des Neuen Bundes, nicht des Buchstaben, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.

Wenn aber schon das Amt, das mit Buchstaben und in die Steine gehauen war und doch nur tötet, Herrlichkeit hatte, so daß die Kinder Israel nicht das Angesicht Mose ansehen konnten um des Leuchtens seines Angesichtes, die doch aufhört, wie sollte nicht viel mehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben!

Denn wenn das Amt, das die Verdammnis predigt, Klarheit hat, wie viel mehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit predigt, eine  überschwengliche Klarheit. Die Herrlichkeit dort ist nicht als eine Herrlichkeit anzusehen im Vergleich zu der überschwenglichen Klarheit. Denn wenn schon das Herrlichkeit hatte, das aufhört, wie viel mehr wird das Herrlichkeit haben, das bleibt.

Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht und tun nicht wie Mose, der die Decke vor sein Gesicht hing, damit die Kinder Israel nicht ansehen konnten, was sowieso aufhört. Aber ihre Sinne sind verstockt. Denn bis auf den heutigen Tag bleibt diese Decke unaufgedeckt über dem Alten Testament, wenn sie es lesen, weil das Alte Testament mit Christus aufhört.

Aber bis auf den heutigen Tag, wenn Mose gelesen wird, hängt die Decke vor ihrem Herzen. Wenn Israel sich aber bekehrte zu dem Herrn, so würde die Decke weggetan.

Denn der Herr ist der Geist. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Nun aber spiegelt sich in uns allen die Herrlichkeit des Herrn mit aufgedecktem Angesicht, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Klarheit zu der andern, v0on dem Herrn, der der Geist ist.

Weil wir nun ein solches Amt haben, so werden wir nicht müde, sondern meiden auch heimliche Schande und gehen nicht mit Schalkheit um, fälschen auch nicht Gottes Wort. Vielmehr weisen wir uns aus mit der Offenlegung der Wahrheit vor aller Menschen Gewissen im Angesicht Gottes. Ist nun unsere Botschaft verdeckt, so ist sie denen verdeckt, die verloren werden, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, daß sie das helle Licht der Botschaft von der Herrlichkeit Christi nicht sehen. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, daß er der Herr sei.

Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi (2. Kor 3,1 - 4,6).

 

Die Leidensgemeinschaft mit Christus

Wir haben aber diesen Schatz in irdischen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft von Gott kommt und nicht von uns. Wir haben überall Trübsal, aber wir ängsten uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um, und tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserm Leib, auf daß auch das Leben des Herrn Jesus an unserm Leib bemerkbar werde.

Denn wir, die wir leben, werden immer in den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleisch. Darum ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch.

 Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, so reden wir auch und wissen, daß der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird auch uns auferwecken durch Jesus und wird uns vor sich stellen mit euch. Denn das geschieht alles um euretwillen, damit die überschwengliche Gnade - durch vieler Danksagen - Gott reichlich preise.

Darum werden wir nicht müde: Wenn auch unser äußerlicher Mensch verfällt, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag erneuert. Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig (2. Kor 4,7-18).

 

Die Sehnsucht nach der himmlischen Heimat:

 Wir wissen aber: Wenn unser irdisches Haus dieser Hütte zerbrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbauet, ein Haus im Himmel, das nicht mit Händen gemacht ist, sondern das ewig ist.

Darum seufzen wir auch und sehnen uns auch nach dem Haus, das vom Himmel ist, und uns verlangt, daß wir damit überkleidet werden, damit wir nicht bloß erfunden werden.

Denn solange wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet sein wollen, sondern überkleidet werden, damit das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben.

Der uns aber dazu vorbereitet hat, das ist Gott, der uns als Pfand den Geist gegeben hat.  So sind wir denn alle Zeit getrost und wissen, daß wir ferne vom Herrn leben, solange wir im Leib wohnen, denn wir leben im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben noch viel mehr Lust, außerhalb des Leibes zu leben und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum bemühen wir uns auch, wir sind daheim oder unterwegs, daß wir ihm wohl gefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, damit ein jeder empfange, wie er in seinem Leben gehandelt hat, es sei gut oder böse (2. Kor 5, 1-15).

 

Die Botschaft von der Versöhnung

Darum kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch. Und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden! Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Jesus Christus und das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Stelle, denn Gott ermahnt durch uns. So bitten wir nun an Christi Stelle: Laßt euch versöhnen mit Gott. Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt (2. Kor 5,16-21. Ausgelassen wurden Vers 11-15).

 

Bewährung des Paulus in seinem Dienst:

Wir ermahnen euch aber als unsere Mithelfer, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt. Denn er sprich in Jesaja 49: „Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhört und habe dir am Tag des Heils geholfen!“ Seht, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils!

Und wir geben niemand irgendein Ärgernis, damit unser Amt nicht verlästert werde, sondern in allen Dingen beweisen wir uns als die Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte.

Wir sind Verführer, und doch wahrhaftig. Wir sind Unbekannte, und doch bekannt. Wir sind Sterbende, und siehe, wir leben. Wir sind die Gestraften und werden doch nicht getötet. Wir sind Traurige, aber allezeit fröhlich. Wir sind Arme, die aber doch viele reich machen. Wir haben nichts und haben doch alles (2.Kor 6,1-10).

   

Versöhnung mit den Korinthern

O ihr Korinther! Unser Mund hat sich zu euch aufgetan, unser Herz ist weit. Ihr habt keinen engen Raum in uns. Aber eng ist es in euren Herzen. Ich rede mit euch als mit meinen Kindern, daß ihr euch mir gegenüber wie Kinder verhaltet.

 

 

Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes gemeinsam mit den Götzen?

Ihr aber seid der Tempel des lebendigen Gottes. Denn Gott spricht: „Ich will unter ihnen wohnen und unter ihnen leben und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein!“ (3. Mose 26,11-12). Darum geht weg von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt kein Unreines an, dann will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige Herr.

Weil wir nun solche Verheißungen haben, meine Liebsten, so laßt uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes. Gebt uns Raum in euren Herzen: Wir haben niemand Leid getan, wir haben niemand verletzt, wir haben niemand übervorteilt! Ich sage euch das nicht, um euch zu verdammen, denn ich habe schon vorhin gesagt, daß ihr in unsern Herzen seid, mit zu sterben und mit zu leben. Ich rede mit großer Zuversicht zu euch. Ich rühme viel an euch. Ich bin erfüllt mit Trost. Ich bin überschwenglich in Freude und in aller unsrer Trübsal.

Denn als wir nach Mazedonien kamen, hatten wir keine Ruhe, sondern wir waren immerzu in Trübsal: auswendig Streit, inwendig Furcht. Aber Gott, der die Geringen tröstet, der tröstete auch uns durch die Ankunft des Titus. Dabei war es nicht nur seine Ankunft, sondern auch der Trost, mit dem er getröstet war durch euch, als er uns berichtete von eurem Verlangen, eurem Weinen, eurem Eifer um mich, so daß ich mich noch mehr freute.

Denn daß ich euch durch den Brief traurig gemacht habe, reut mich nicht. Und auch wenn es mich reute, weil ich sehe, daß der Brief euch vielleicht eine Weile betrübt hat, so freue ich mich doch nun, nicht darüber, daß ihr betrübt worden, sondern daß ihr betrübt worden seid zur Änderung. Denn ihr seid im Sinne Gottes betrübt worden, damit ihr von uns ja keinen Schaden in irgendeiner Sache nehmt. Denn die göttliche Traurigkeit wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemand reut, die Traurigkeit der Welt aber wirkt den Tod. Seht, weil ihr im Sinne Gottes betrübt worden seid, welchen Fleiß hat das in euch gewirkt, dazu Verantwortung, Zorn, Furcht, Verlangen, Eifer, Rache! Ihr habt euch bewiesen in allen Stücken, daß ihr rein seid in der Sache.

Mein Schreiben  ist doch nicht geschehen um dessen willen, der beleidigt hat, auch nicht um dessen willen, der beleidigt ist, sondern deshalb, daß euer Fleiß gegen uns deutlich sein würde vor Gott. Deshalb sind wir getröstet worden, daß ihr getröstet seid. Überschwenglicher aber haben wir uns noch gefreut über die Freude des Titus, denn sein Geist ist ermuntert durch euch alle.

Denn was ich ihm gegenüber von euch gerühmt habe, darin bin ich nicht enttäuscht worden. Denn wie alles wahr ist, was ich von euch geredet habe, also ist auch unser Rühmen vor Titus wahr geworden. Und er ist überaus herzlich wohl gegen euch gesinnt, wenn er denkt an euer aller Gehorsam, wie ihr ihn mit Furcht und Zittern habt aufgenommen. Ich freue mich, daß ich über euch nur Gutes erfahren habe (2. Kor 6,11 - 7,16).

 

Bitte um Kollekte für die Gemeinde in Jerusalem:

Ich teile euch mit, daß die Gemeinden in Mazedonien reichlich gegeben haben für die Gemeinde in Jerusalem. Deshalb müht auch ihr euch, in dieser Wohltat reich zu sein. Im vorigen Jahr habt ihr damit angefangen. Nun aber vollbringt auch die Tat. So diene euer Überfluß ihrem Mangel in dieser teuren Zeit.

Wir haben großer Zuversicht, sei es nun in Hinsicht auf Titus oder die Boten der Gemeinden, daß ihr nun zeigt den Beweis eurer Liebe und unsers Rühmens auch öffentlich vor den Gemeinden! (2. Kor 8, stark gekürzt).

 

Denn es ist für mich nicht notwendig, von einem solchen Liebeswerk, das den Christen in Jerusalem geschieht, euch zu schreiben. Denn ich kenne euren guten Willen, ihn rühme ich bei denen aus Mazedonien und sage: Achaja ist schon voriges Jahr bereit gewesen, und euer Beispiel hat viele gereizt.

Ich habe aber diese Brüder darum gesandt, daß nicht unser Rühmen von euch zunichte würde in dem Punkt, und daß ihr bereit seid, gleichwie ich von euch gesagt habe. damit nicht, wenn die aus Mazedonien mit mir kämen und euch nicht bereit fänden, wir bzw. ihr zu Schanden würden mit solchem Rühmen. So habe ich es nun für nötig angesehen, die Mitchristen zu ermahnen, daß sie voranzögen zu euch, diesen zuvor verheißenen Segen umzusetzen.

Ich meine aber das: Wer kärglich sät, der wird auch kärglich ernten, und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder nach seinem Willen, nicht mit Unwillen oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

Gott aber kann machen, daß alle Gnade unter euch reichlich sei, daß ihr in allen Dingen reichlich habt und reich seid zu allerlei guten Werken. Der aber Samen reicht dem Säemann, der wird auch das Brot reichen zur Speise und wird vermehren euren Samen und wachsen lassen das Gewächs eurer Gerechtigkeit, damit ihr reich seid in allen Dingen.

Denn die Spendensammlung hilft nicht allein beim Mangel der Christen, sondern bringt noch viel mehr, weil viele Gott danken für diesen unsern treuen Dienst und preisen Gott wegen eurem Bekenntnis zur frohen Botschaft Christi und wegen eurer Dankesgabe an sie und an alle,. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!  (2. Kor 9).

 

Verteidigung des Apostels:

Ich ermahne euch durch die Sanftmütigkeit und Freundlichkeit Christi. Angeblich bin in eurer Gegenwart zahm, abwesend aber dreist gegen euch. Ich bitte aber darum, daß man mich nicht zwinge, in eurer Gegenwart dreist zu handeln. Ich möchte nicht die Kühnheit zu anwenden, die man mir zuschreibt, gegen einige, die mein Leben für fleischlich halten. Denn obwohl wir im Fleisch leben, so streiten wir doch nicht nach der Weise des Fleisches.

Denn die Waffen unsrer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu zerstören Befestigungen. Wir zerstören damit alle Anschläge und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes. Wir nehmen alle Gedanken unter den Gehorsam Christi gefangen. Wir sind bereit, allen Ungehorsam zu rächen, wenn euer Gehorsam vollkommen ist.

Seht, was vor Augen liegt! Verläßt sich jemand darauf, daß er Christus angehöre, der bedenke bei sich, daß auch wir Christus angehören. gleichwie er Christus angehört.

Und wenn ich mich noch weiter rühmte meiner Vollmacht, die mir der Herr gegeben hat, euch zu bessern, und nicht zu verderben, so würde ich nicht zu Schanden werden.

Das sage ich aber, daß ihr nicht meint, ich hätte euch erschrecken wollen mit Briefen. Denn die Briefe, sprecht ihr, sind schwer und stark, aber wenn er selbst anwesend ist, dann ist er schwach und die Rede ohne Gewicht. Wer so redet, der bedenke, daß ich in meinem Tun so sein werde, wenn ich da bin, wie ich aus der Ferne mit Worten in den Briefen bin.

 

 

Denn ich wage mich nicht unter die zu rechnen oder zu zählen, die sich selbst loben. Aber weil sie sich nur an sich selbst messen und mit sich vergleichen, verstehen sie nichts. Wir aber rühmen uns nicht über das Maß hinaus, sondern nur nach dem Maß, wie Gott uns zugemessen hat das Arbeitsfeld, nämlich auch bis zu euch zu gelangen.

Denn ich maße mir nicht zuviel an, als wäre ich nicht zu euch gelangt, denn ich bin ja auch zu euch gekommen mit der Botschaft Christi. Ich rühme mich aber nicht über das Maß hinaus, ich rühme mich nicht fremder Arbeit. Sondern ich habe die Hoffnung, daß wenn nun euer Glaube in euch wächst, daß wir nach dem Maß unsrer eigenen Arbeit mehr als genug zu Ehren kommen.

Denn ich will die frohe Botschaft auch denen predigen, die jenseits von euch wohnen, und mich nicht rühmen mit dem, was auf einem fremden Arbeitsfeld schon vollbracht ist. Wer sich aber rühmt, der rühme sich des Herrn. Denn einer ist nicht deshalb tüchtig, wenn er sich selbst lobt, sondern weil ihn der Herr lobt. (2. Kor 10)

 

Ehrlichkeit des Apostels und Unehrlichkeit seiner Gegner:

Ich bin der Meinung, daß ich nicht weniger bin als die „hohen“ Apostel. Und wenn ich auch ungeschickt bin der Rede, so bin ich das doch nicht in der Erkenntnis, die wir in jeder Weise bei euch bekannt gemacht haben. Oder habe ich gesündigt, als ich mich erniedrigt habe, damit ihr erhöht würdet? Denn ich habe euch die frohe Botschaft Gottes umsonst verkündet, aber andere Gemeinden habe ich beraubt und Lohn von ihnen genommen, damit ich euch predigte. Und als ich bei euch war und Mangel hatte, fiel ich niemand zur Last. Denn meinen Mangel füllten die Christen, die aus Mazedonien kamen.

Was ich aber tue und tun will, das will ich auch in Zukunft tun, damit ich denen keinen Grund gebe , die eine Ursache suchen, sich rühmen zu können, daß sie seien wie wir. Denn solche falsche Apostel und arglistigen Arbeiter verstellen sich, als wären sie Christi Apostel (2. Kor 1, 1-15, gekürzt).

 

Die Leiden des Apostels:

Ich sage erneut: Niemand meine, ich sei töricht. Wenn aber doch, so haltet mich für einen Törichten, damit ich mich auch ein wenig rühme. Was ich jetzt rede, das rede ich nicht im Namen des Herrn, sondern in der Torheit, weil wir in das Rühmen gekommen sind. Weil viele sich rühmen nach dem Fleisch, will ich mich auch rühmen. Denn ihr ertragt gern die Narren, weil ihr klug seid. Ihr ertragt, wenn euch jemand zu Sklaven macht, wenn euch jemand schindet, wenn euch jemand gefangennimmt, wenn jemand euch trotzt, wenn euch jemand ins Gesicht schlägt.

Zu meiner Schande muß ich sagen, dazu wären wir zu schwach. Was aber einen kühn macht -  ich rede in Torheit! - darauf bin ich auch kühn. Sie sind Hebräer? Ich auch! Sie sind Israeliten? Ich auch! Sie sind Abrahams Nachkommen? Ich auch!

Sie sind Helfer Christi? Ich rede töricht: Ich bin es noch mehr: Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, bin öfter gefangen, oft in Todesnöten gewesen;

Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Schläge weniger einen. Ich bin dreimal gegeißelt und einmal gesteinigt worden und habe dreimal Schiffbruch erlitten. Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch die Flüsse, in Gefahr durch die Mörder, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter den falschen „Brüdern“, in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße.

Dazu kommt noch, was sich sonst zuträgt, nämlich, daß ich täglich angesprochen werde und trage Sorge für alle Gemeinden. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? Wenn ich mich schon rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi weiß, daß ich nicht lüge. In Damaskus sperrte der Statthalter des Königs Aretas die Stadt ab und wollte mich greifen, aber ich wurde in einem Korb zum Fenster hinaus durch die Mauer niedergelassen und entrann aus seinen Händen (2. Kor 11,16-33).

 

Die Offenbarungen des Herrn:

Das Rühmen nützt mir ja nichts. Doch ich will kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christus, der wurde vor vierzehn Jahren entrückt bis in den dritten Himmel. Derselbe Mensch wurde entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann. Diesen will ich rühmen, mich selbst aber will ich mich nichts rühmen, nur meine Schwachheit. Doch wenn ich mich rühmen wollte, täte ich dabei nicht töricht, denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich lasse das aber sein, damit nicht jemand mich höher achte, als er an mir sieht oder von mir hört.

Und damit ich nicht überheblich werde wegen der hohen Offenbarung, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Helfer, der mich mit Fäusten schlägt, damit ich nicht übermütig werde. Deshalb habe ich dreimal zum Herrn gefleht, daß er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: „Gib dich zufrieden mit meiner Gnade, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Muts in Schwachheiten, in Mißhandlungen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten, um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark [Paulus spielt hier an auf eine Krankheit, aber man weiß nicht, um welche Krankheit es sich handelt] (2. Kor 12, 1-10).

 

Die Liebe des Apostels zu seiner Gemeinde:

 Ich bin ein Narr geworden während des Rühmens. Dazu habt ihr mich gezwungen. Denn ich sollte von euch gelobt werden, zumal ich nichts weniger bin, als die „hohen“ Apostel sind, obwohl ich nichts bin. Denn es sind ja die Zeichen eines Apostels unter euch geschehen mit aller Geduld, mit Zeichen und mit Wundern und mit Taten. Worin seid ihr zu kurz gekommen gegen über den andern Gemeinden, außer daß ich selbst euch nicht zur Last gefallen bin? Vergebt mir diese Sünde!

Ich bin bereit, zum drittenmal zu euch zu kommen, und will euch nicht zur Last fallen. Denn ich suche nicht das Eure, sondern euch. Denn es sollen nicht die Kinder den Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern den Kindern. Ich aber will sehr gern hingeben und hingegeben werden für eure Seelen, obwohl ich euch gar sehr liebe, und doch weniger geliebt werde.

So sei es also: Ich habe euch nicht beschwert. Oder bin ich tückisch gewesen oder habe ich euch mit Hinterlist gefangen. Habe ich aber etwa jemand übervorteilt durch einen von denen, die ich zu euch gesandt habe? Ich habe Titus ermahnt und mit ihm gesandt einen Mitchristen. Hat euch etwa Titus übervorteilt? Sind wir nicht in einem Geist gewandelt? Sind wir nicht in einerlei Fußtapfen gegangen? (2. Kor 12,11-18).

 

Baldiges Kommen des Apostels:

Meint nicht, wir würden uns vor euch verantworten? Wir reden in Christus vor Gott. Aber das alles geschieht, meine Liebsten, euch zur Besserung. Denn ich fürchte, daß ich euch nicht finde, wie ich will, wenn ich komme, und ihr mich auch nicht findet.

Ich fürchte, daß mein Gott mich demütigt bei euch und ich müsse Leid tragen über viele, die zuvor gesündigt und nicht Buße getan haben für die Unreinigkeit und Hurerei und Unzucht, die sie getrieben haben. Wenn ich noch einmal komme, dann will ich niemand schonen.

Und wenn wir auch schwach sind, so leben wir doch in der Kraft Gottes unter euch. Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Ich hoffe aber, ihr erkennt, daß wir nicht untüchtig sind.   Ich bitte aber Gott, daß ihr nichts Übles tut. Wir freuen uns aber, wenn wir schwach sind, und ihr mächtig seid. Und dasselbe wünschen wir auch, nämlich eure Vollkommenheit. Deshalb schreibe ich auch dieses in Abwesenheit, damit ich nicht, wenn ich gegenwärtig bin, Schärfe brauchen müsse nach der Macht, die mir der Herr gegeben hat, um zu bessern und nicht zu verderben.

Zuletzt, liebe Mitchristen, freut euch, seid vollkommen, tröstet euch, habt einerlei Sinn, seid friedsam! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuß. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Gottesgeistes sei mit euch allen!  Amen (2. Kor 12,19 - 13,13).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Römerbrief

[Der Brief wurde wahrscheinlich in Korinth geschrieben, als er bei dem Korinther Gaius wohnte. Phoibe aus Kenchreai (Röm 16,1) brachte den Brief wahrscheinlich nach Rom. Er wurde offensichtlich verfaßt, nachdem die Sammlung für Jerusalem abgeschlossen war und Paulus kurz vor seiner Abreise nach Jerusalem stand, also den Jahren zwischen 56 bis 58.

Das Christentum hatte in Rom zunächst unter den vielen Juden Anhänger gefunden. Doch zur Zeit des Römerbriefs waren Christen in den jüdischen Bethäusern schon nicht mehr geduldet und die Kirche bestand aus Judenchristen und Heidenchristen. Im Ablauf des Briefes wechselt Paulus die Ansprechpartner: Zum Teil scheint er sich an die Judenchristen, dann an Heidenchristen und manchmal auch an die ganze Gemeinde zu richten. Die Gemeinde muß schon eine beachtliche Größe erreicht haben und sie war auf mehrere Hausgemeinden verteilt.

Der Römerbrief hatte eine kirchengeschichtliche Wirkung wie kein anderes biblisches Buch. So hatte Martin Luther während der Lektüre des Römerbriefs (genauer: beim Studium von Röm 1,16 und17) die Erkenntnis, daß allein Gottes Gnade den Menschen vor Gott gerecht sein läßt, was später zentrales Element der Reformation wurde. Luther schätzte den Brief als so zentral ein, daß man – selbst wenn man kein anderes biblisches Buch kennt – Christus gezeigt bekommt und alles erfährt, was wichtig ist.

Übersicht:

Kapitel 1-4: Das zentrale Thema des Briefes ist das die frohe Botschaft von Jesus Christus. Paulus zeigt, daß alle Menschen schuldig sind und für ihre Sünden gegenüber Gott verantwortlich. Nur durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi kann die Menschheit Erlösung erlangen. Gott ist deshalb gerechter Richter und gleichzeitig derjenige, der gerecht macht. Als Antwort auf Gottes freie, souveräne und gnädige rettende Tat, können wir durch den Glauben gerechtfertigt werden. Paulus benutzt das Beispiel Abrahams, um zu zeigen, daß die Menschheit durch den Glauben und nicht durch Werke vor Gott gerecht gemacht wird].

Kapitel 5-8: Hier versucht Paulus seine Leser zu überzeugen, daß sie ihrer Hoffnung auf Erlösung versichert sein können, und daß die Gläubigen von der Knechtschaft der Sünde und der Beherrschung durch das Gesetz befreit sind.

Kapitel 9-11: Hier behandelt Paulus die Treue Gottes zum Volk Israel: Gott steht treu zu seinen Verheißungen, aber nicht alle, die aus Israel stammen, sind Israel (9,6b). Paulus betont die Freiheit Gottes in der Wahl derer, die er rettet, und derer, die er nicht rettet, aber schließt das Thema mit der Verheißung, daß wenn die Heiden in voller Zahl das Heil erlangt haben auch ganz Israel gerettet werden wird (11,25f.).

Kapitel 12-16: Hier beschäftigt sich Paulus damit, wie das die frohe Botschaft die Gläubigen verwandelt, und geht auf das Verhalten ein, das aus dieser Verwandlung folgt. In diesem Teil spricht Paulus auch die Spannungen zwischen denen, die die jüdischen Traditionen befolgen, und denen, die dies nicht tun, an. Die abschließenden Verse enthalten eine Beschreibung seiner Reisepläne und persönliche Grüße. Ein Drittel der namentlich Angesprochenen sind Frauen. Ein Anzeichen für die wichtige Rolle, die Frauen in der frühen Kirche Roms spielten].

 

Paulus stellt sich vor:

Paulus, ein Diener Jesu Christi, berufen zum Apostel, ausgesondert, zu predigen die frohe Botschaft Gottes, die er schon vorher verheißen hat durch seine Propheten in der heiligen Schrift, von seinem Sohn, der geboren ist aus den Nachkommen Davids und eingesetzt als ein Sohn Gottes nach dem Geist Gottes, seit er auferstanden ist von den Toten, Jesus Christus, unser Herr, durch den wir haben empfangen Gnade und Apostelamt, unter allen Heiden den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter seinem Namen, unter denen auch ihr seid, die berufen sind von Jesus Christus, an alle in Rom, den Liebsten Gottes und berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Als erstes danke ich meinem Gott durch Jesus Christus wegen euch allen, daß man von eurem Glauben in aller Welt erzählt. Denn Gott ist mein Zeuge, dem ich diene in meinem Geist an der Botschaft von seinem Sohn, daß ich ohne Unterlaß an euch denke und immer in meinem Gebet flehe, daß es einmal möglich wird, daß ich durch Gottes Willen zu euch käme. Denn mich verlangt, euch zu sehen, damit ich euch etwas mitteile von der geistlichen Gabe, um euch zu stärken; das heißt, daß ich mit euch getröstet würde durch euren und meinen Glauben, den wir untereinander haben.

Ich will euch aber nicht vorenthalten, liebe Mitchristen, daß ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen, daß ich auch unter euch Frucht schaffte wie unter andern Ungläubigen. Aber bisher bin ich daran gehindert worden. Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Unweisen. Darum - soweit es an mir liegt - bin ich gewillt, auch euch zu Rom das Evangelium zu predigen.

Denn ich schäme mich wegen der frohen Botschaft von Christus nicht. Denn sie ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden in erster Linie, aber auch die Griechen.

Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die kommt aus Glauben in Glauben, wie denn geschrieben steht: „Der Gerechte wird seines Glaubens leben!“ (Röm 1,1-17)

 

Die Gottlosigkeit der Andersgläubigen:

Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit gefangenhalten. Denn was man von Gott weiß, ist unter ihnen erkennbar, denn Gott hat es ihnen offenbart, damit Gottes unsichtbares Wesen (seine ewige Kraft und Gottheit) , gesehen wird an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt. So haben sie keine Entschuldigung, weil sie wußten, daß es einen Gott gibt, und haben ihn nicht als einen Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern haben ihre Gedanken dem Nichtigen zugewandt,  und ihr unverständiges Herz ist verfinstert.

Weil sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild, das  gleich ist dem eines vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere. Darum hat sie auch Gott dahingegeben in die Gelüste ihrer Herzen, in Unreinigkeit, zu schänden ihre eigenen Leiber an sich selbst. Sie haben Gottes Wahrheit verwandelt in die Lüge und haben geehrt und dem Geschöpfe mehr gedient als dem Schöpfer, der da gelobt ist in Ewigkeit. Amen.

Darum hat sie auch Gott dahingegeben in schändliche Lüste: Ihre Frauen haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen. Auch die Männer haben den natürlichen Umgang mit der Frau  verlassen und sind aneinander entbrannt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben. Abner sie haben den Lohn ihrer Verirrung (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen.

Wie sie es für nichts geachtet haben, daß sie Gott erkannten, hat Gott sie auch dahingegeben in ihren verkehrten Sinn und zu tun, was nicht taugt. Sie sind voll alles Ungerechten, Hurerei, Schalkheit, Geizes, Bosheit, voll Neides, Mordes, Haders, List, Tücke, Ohrenbläser, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hoffärtig, ruhmredig, auf Böses sinnend, den Eltern ungehorsam, Unvernünftige, Treulose, Lieblose, unversöhnlich, unbarmherzig. Sie wissen, daß des Todes würdig sind, die so etwa tun, und tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun (Röm 1,18-32).

  

Die Schuld der Juden:

Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der da richtet. Denn worin du einen andern richtest, verdammst du dich selbst, zumal du eben dasselbe tust, was du richtest. Denn wir wissen, daß Gottes Urteil richtig ist über die, die so etwas tun. Denkst du aber, o Mensch, der du dasselbe tust, daß du dem Urteil Gottes entrinnen werdest? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit? Weißt du nicht, daß dich Gottes Güte zur Umkehr anleitet?

Du aber nach deinem unzugänglichen und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst den Zorn auf den Tag des Zornes und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden geben wird nach seinen Werken: Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken nach dem ewigen Leben trachten. Ungnade und Zorn aber über die,  die zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, aber dann der Ungerechtigkeit gehorchen.

Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die Böses tun, vor allem über die Juden, aber auch über die Griechen. Preis aber und Ehre und Friede all denen, die Gutes tun, vor allem den Juden und auch den Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.

Die ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verloren werden. Und die unter dem Gesetz gesündigt haben, die werden durch das Gesetz verurteilt werden, zumal vor Gott nicht die gerecht sind, die das Gesetz hören, sondern die das Gesetz tun.

Denn die Andersgläubigen, die das Gesetz nicht haben, aber doch von Natur des Gesetzes Werk tun, sind sich selbst ein Gesetz, und sie beweisen, daß das Werk des Gesetzes ist in ihren Herzen geschrieben, zumal ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen. So wird es sein an dem, an dem Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird, wie es meine Botschaft besagt (Röm 2,1-16)

 

Gesetz und Beschneidung:

Siehe, du bist ein Jude und verläßt dich aufs Gesetz und rühmest dich Gottes  und kennst seinen Willen. Und weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, prüfst du, was als Bestes zu tun sei,  und nimmst dir heraus, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind, ein Erzieher der Törichten, ein Lehrer der Einfältigen. Du hast im Gesetz vor Augen, was zu wissen und was recht ist. Nun lehrst du andere, aber lehrst dich selber nicht. Du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst. Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe. Du verabscheust die Götzen, und beraubst ihre Tempel. Du rühmst dich des Gesetzes, und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes.

Die Beschneidung ist wohl nützlich, wenn du das Gesetz hältst. Hältst du das Gesetz aber nicht, so bist du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden. Wenn nun der Unbeschnittene das Gesetz hält, meinst du nicht, daß dann der Unbeschnittene wie ein Beschnittener angesehen wird? So wird der, der von Natur unbeschnitten ist und das Gesetz einhält, dich richten, der du unter dem Buchstaben und der Beschneidung bist und das Gesetz übertrittst.

Denn nicht der ist ein Jude, der auswendig ein Jude ist. Es ist auch nicht das eine Beschneidung, die auswendig am Fleisch geschieht. Sondern das ist ein Jude, der inwendig verborgen ein Jude ist. Die Beschneidung des Herzens ist eine Beschneidung, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Wenn ein solcher Mensch gelobt wird, dann kommt das nicht von den Menschen, sondern von Gott (Röm 2, 17-29).

 

Alle Menschen sind schuldig vor Gott:

Was haben denn die Juden für Vorteil, oder was nützt die Beschneidung? In der Tat sehr viel. Zum ersten: Ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat. Daß aber einige nicht daran glauben, was macht das aus? Sollte ihr Unglaube Gottes Glauben aufheben? Das kann nicht sein! Es bleibe vielmehr so, daß Gott sei wahrhaftig und alle Menschen Lügner.  Ist es aber so, daß unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit preist, was wollen wir sagen? Ist denn Gott nicht ungerecht, wenn er darüber zürnt? (Ich rede so auf Menschenweise). Das kann nicht sein! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? Denn wenn die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird, warum sollte ich dann noch als Sünder gerichtet werden. Sollten wir es dann nicht vielmehr so tun, wie wir bezichtigt werden und wie einige sprechen, daß wir sagen würden: „Laßt uns Übles tun, damit Gutes herauskomme?“ Deren Verdammnis ist ganz recht.

Was sagen wir denn nun? Haben wir einen Vorteil? Gar keinen. Denn wir haben schon oben bewiesen, daß beide, Juden und Griechen, alle unter der Sünde sind.

So steht es schon in den alten Schriften geschrieben: „Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist kein Verständiger, keiner der nach Gott fragt.

Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer!“ Wir wissen aber: Was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit der Mund aller verstopft werde und alle Welt Gott schuldig sei. Kein Fleisch kann durch des Gesetzes Werke vor ihm gerecht sein. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde (Röm 3,1-20).

 

Allein durch den Glauben:

 Nun ist aber ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart und bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich spreche aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen Gläubigen. Denn es ist kein hier Unterschied: Sie sind allemal Sünder und entbehren des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist. Diesen hat  Gott für den Glauben hingestellt zu einem Sühneopfer in seinem Blut, damit Gott gewähre die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt. Denn er hat die Sünde vergangener Zeiten getragen in göttlicher Geduld, damit er in unseren Zeiten die Gerechtigkeit gewähre, die vor ihm gilt, damit er allein gerecht sei und gerecht mache den, der an Jesus glaubt.

Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Durch der Werke Gesetz? Nein, sondern durch des Glaubens Gesetz. So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Oder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Andersgläubigen? Ja freilich, auch der Andersgläubigen Gott. Denn es ist ein einziger Gott, der gerecht macht die Beschnittenen aus dem Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben. Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das kann nicht sein, sondern wir richten das Gesetz auf (Röm 3, 21-31)

[Dieser Abschnitt brachte Martin zusammen mit Röm 1,17 Luther zu seiner reformatorischen Erkenntnis, daß allein der Glaube einen Menschen vor Gott gerecht machen kann, nicht seine guten Werke. Das Wort „allein“ steht dabei nicht im griechischen Urtext, aber Luther rechtfertigt in einer Abhandlung mit vielen Beispielen, daß  man im Deutschen dieses Wort einfügen muß, um den Sinn des Gemeinten zutreffen].

 

Das Beispiel Abrahams:

Was sagen wir denn, was unser Vorfahren Abraham erlangt habe? Das sagen wir: Ist Abraham durch die Werke gerecht, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor Gott. Was sagt denn die heilige Schrift? „Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit angerechnet worden!“Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus Pflicht. Dem aber, der glaubt an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube angerechnet zur Gerechtigkeit.

Schon im Psalm heißt es: „Glückselig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht zurechnet!“

Gilt diese Seligkeit nun den Beschnittenen oder auch den Unbeschnittenen? Als Abraham sein Glaube zur Gerechtigkeit zugerechnet wurde, war er da beschnitten oder  unbeschnitten? Er war unbeschnitten. Das Zeichen der Beschneidung empfing er als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er schon hatte, als er noch nicht beschnitten war. So sollte er der Vater aller Glaubenden werden, die nicht beschnitten sind, damit auch ihnen das angerechnet zur Gerechtigkeit werde und damit er auch würde ein Vater der Beschneidung für die, die nicht nur beschnitten sind, sondern auch leben in den Fußtapfen des Glaubens.

Denn die Verheißung, daß er der Erbe der Welt sein sollte, ist nicht durchs Gesetz für Abraham oder seine Nachkommen gegeben worden, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens. Denn wo die durch das Gesetz die Erben sind, so ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist abgetan, Denn das Gesetz richtet nur Zorn an, denn wo das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung.

Deshalb muß die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, damit sie aus Gnaden sei und die Verheißung fest bleibe für alle Nachkommen, nicht dem allein, der unter dem Gesetz ist, sondern auch dem, der des Glaubens Abrahams ist. Er hat Gott geglaubt, der lebendig macht die Toten und ruft dem, was nicht ist, daß es sei.

Und er hat geglaubt auf Hoffnung, als nichts zu hoffen war, damit er würde ein Vater vieler Völker. Und er wurde nicht schwach im Glauben, sah auch nicht seinem eigenen Leib an, der schon abgestorben war (weil er schon fast hundertjährig war), auch nicht den abgestorbenen Leib der Sara. Er zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern er wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wußte ganz gewiß, daß Gott auch tut, was er verheißt.

Darum ist es ihm nach den alten Schriften auch zur Gerechtigkeit angerechnet worden. Das ist aber nicht geschrieben allein um seinetwillen, sondern auch um unsertwillen. Es soll uns zugerechnet werden, wenn wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten, der um unsrer Sünden willen dahingegeben ist und um unsrer Gerechtigkeit willen auferweckt wurde (Röm 4).

 

Frieden mit Gott:

Wenn wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der traurigen Dinge, weil wir wissen, daß diese Geduld bringen, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Geist Gottes, der uns gegeben ist.

Denn Christus ist für uns Gottlose gestorben zu der Zeit, als wir noch schwach waren.

Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen, aber um des Guten willen wird vielleicht jemand sterben. Darum erweist Gott seine Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. So werden wir auch durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir durch sein Blut gerecht geworden sind.  Denn wenn wir mit Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, wieviel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, wenn wir nun versöhnt sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir nun die Versöhnung empfangen haben (Röm 5,1-11).

 

Adam und Christus:

Wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist auch der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. Denn die Sünde war wohl in der Welt, ehe das Gesetz kam. Aber wo kein Gesetz ist, da wird die Sünde nicht zugerechnet.

Doch herrschte der Tod von Adam an bis auf Moses auch über die, die nicht gesündigt haben mit der gleichen Übertretung wie Adam. Aber es verhält sich nicht mit der Gabe wie mit der Sünde.

Denn wenn an der Sünde eines Menschen viele gestorben sind, so ist viel mehr wird Gottes Gnade und Gabe reichlich widerfahren vielen Menschen durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus.

Und die Gabe ist nicht so gekommen, wie durch einen Sünder alles Verderben. Denn das Urteil ist hat aus Sünde des einen zur Verdammnis geführt. Die Gabe aber hilft auch aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit. Denn wenn um des einen Sünde willen der Tod geherrscht hat durch den einen, wieviel mehr werden die, die die Fülle der Gnade und der Gabe zur Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch einen, durch Jesus Christus.

Wie nun durch die Sünde des einen Menschen Adam die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des einen Menschen Jesus die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen. Denn wie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen viele zu Gerechten.

Das Gesetz aber ist dazwischen gekommen, damit die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden. Und das aus dem Grund: Wie die Sünde geherrscht hat zum Tod, so herrsche auch die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unsern Herrn (Röm 5, 12-21).

 

Neues Leben:

Was wollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? Das kann nicht sein! Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind? Wißt ihr nicht, daß alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit wie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so sollen auch wir in einem neuen Leben sein. Wenn wir aber in ihn eingepflanzt werden zu gleichem Tod, so werden wir ihm auch in seiner Auferstehung gleich sein, weil wir wissen, daß unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, da­mit der sündige Leib aufhöre und wir in Zukunft der Sünde nicht mehr dienen.

Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt und frei von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, und wissen, daß Christus, von den Toten auferweckt, nicht wieder stirbt und der Tod wird in Zukunft  nicht mehr über ihn herrschen. Denn wenn er gestorben ist, dann ist er für die Sünde gestorben ein für allemal. Wenn er aber lebt, das lebt er für Gott. Also haltet auch ihr euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid und lebt für Gott in Christus Jesus, unserm Herrn.

So laßt nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib und seinen Lüsten nicht Gehorsam leisten. Gebt auch nicht der Sünde eure Glieder als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott, wie Menschen, die aus den Toten lebendig sind. Stellt eure Glieder zur Verfügung für Gott als Waffen der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, zumal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.

Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter der dem Gesetz sind, sondern unter der Gnade? Das kann nicht sein!  Wißt ihr nicht: Bei wem ihr euch als Sklaven in Gehorsam begebt, dessen Sklaven seid ihr, es sei der Sünde zum Tod oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? Gott sei aber gedankt, daß ihr Sklaven der Sünde gewesen seid, aber nun von Herzen gehorsam geworden seid dem Vorbild der Lehre, welcher ihr ergeben seid. Wenn ihr nun ihr frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Diener der Gerechtigkeit geworden.

Ich muß menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen. Wie ihr eure Glieder zum Dienst der Unreinigkeit zur Verfügung gestellt habt und von einer Ungerechtigkeit zur andern, so begebt nun auch eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, damit sie heilig werden. Denn als ihr der Sünde Sklaven wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Ein Frucht, derer ihr euch jetzt schämt, denn ihr Ende ist der Tod. Wenn ihr nun aber seid frei geworden von der Sünde und Gottes Diener, habt ihr eure Frucht, damit ihr heilig werdet. Das Ende ist dann das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünde Sold, aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn (Röm 6).

 

Das Gesetz:

Wißt ihr nicht, daß das Gesetz herrscht über den Menschen solange er lebt? Denn eine Frau, die unter dem Manne ist, die ist an ihn gebunden durch das Gesetz, solange der Mann lebt. Wenn aber der Mann stirbt, so ist sie los vom Gesetz, das den Mann betrifft. Wenn sie sich nun einen andern Mann hingibt, solange der Mann lebt, wird sie eine Ehebrecherin genannt. Wenn aber der Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz und ist nicht mehr eine Ehebrecherin, wenn sie sich einem andern Mann zuwendet.

So seid auch ihr durch den Leib Christi getötet für das Gesetz. Nun gehört ihr einem anderen, nämlich dem, der von den Toten auferweckt ist, damit ihr Gott Frucht bringt. Denn als wir im Fleisch waren, da waren die sündigen Lüste kräftig in unsern Gliedern, um dem Tod seine Frucht zu bringen. Nun aber sind wir vom Gesetz los und dem abgestorben, das uns gefangen hielt, so daß wir dienen sollen im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens.

Was wollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das kann nicht sein! Aber die Sünde erkannte ich nicht, außer durch das Gesetz. Denn ich wußte nichts von der Lust, wenn das Gesetz nicht hätte gesagt: „Begehre nichts!“ Die Sünde nahm Ursache am Gebot und erregte in mir allerlei Lust, denn ohne das Gesetz war die Sünde tot. Ich aber lebte vorher ohne Gesetz. Als aber das Gebot kam, wurde die Sünde wieder lebendig. Ich aber starb. Und es stellte sich heraus, daß das Gebot bei mir zum Tode führte, wo es mir doch zum Leben gegeben war. Denn die Sünde nahm Anlaß am Gebot und betrog mich und tötete mich durch dasselbe Gebot. Das Gesetz ist ja heilig, und das Gebot ist heilig, recht und gut.

Was gut ist, kann mir nicht zum Tod werden.

Aber damit die Sünde erst so richtig erscheine, wie sie Sünde ist, hat sie mir durch das Gute den Tod gewirkt, damit die Sünde überaus sündig würde durchs Gebot. Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist. Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will, sondern, was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, daß das Gesetz gut ist. So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.  Denn ich weiß, daß in meinem Fleisch nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht. Aber das Böse, das ich nicht will, das tue ich. So ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

So finde ich, der ich das Gute tun will, ein Gesetz, daß mir nur das Böse anhängt. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und nimmt mich gefangen in das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leib dieses Todes? Ich danke Gott durch Jesus Christus, unserm Herrn. So diene ich nun mit dem Gemüte dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleische dem Gesetz der Sünde (Röm 7).

 

Die Überwindung des Gesetzes:

So gibt es nun keine Verdammnis an denen, die in Christus Jesus sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war, das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert wird, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist.

Denn die fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt, die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt. Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. Denn fleischlich gesinnt sein ist wie eine Feindschaft gegen Gott, zumal das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. So nun aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird auch derselbe, der Christus von den Toten auferweckt hat, eure sterblichen Leiber lebendig machen, weil sein Geist in euch wohnt. So sind wir nun nicht Schuldner gegenüber dem Fleisch, so daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen. Wenn ihr aber durch den Geist die Geschäfte des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.

Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen sklavischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: „Abba, lieber Vater!“ Derselbe Geist gibt Zeugnis unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn  wir mit leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Denn ich bin der Meinung, daß die Leiden dieser Zeit der Herrlichkeit nicht wert sind, die an uns enthüllt werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenlegung der Kinder Gottes. Die Kreatur ist ja der Vergänglichkeit unterworfen ohne ihren Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat, aber im Blick auf eine Hoffnung. Denn auch die Kreatur wird frei werden vom Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnt sich mit uns und ängstet sich noch immer.

Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben als erste die Gabe des Geistes, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf die Erlösung unsers Leibes. Denn wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung, denn wie kann man auf das hoffen, das man sieht? Wenn wir aber auf etwas hoffen, das wir nicht sehen, so warten wir doch darauf in Geduld.

Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es sich gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, was der  Geist vorhat, denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefällt.

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach Gottes Plan berufen sind. Denn die er zuvor ausgesucht hat, die hat er auch dazu bestimmt, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber bestimmt hat, die hat er auch berufen. Dier er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht und die hat er auch herrlich gemacht.

Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag gegen uns sein? Er hat auch seinen eigenen Sohnes nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben. Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?

Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn (Röm 8).

 

Gottes Weg mit Israel:

Ich habe große Traurigkeit in meinem Herzen wegen meiner Landsleute. Ihnen gehören doch auch die Kindschaft und der Bund mit Gott. Aus ihnen kommt doch der irdische Christus her. Aber es sind nicht die Gottes Kinder, die nach dem Fleisch die Kinder sind; sondern die Kinder der Verheißung werden zu den Nachkommen gerechnet. Denn Gott spricht schon zu Mose: „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich!“So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. So erbarmt er sich nun, über den er will, und macht den abweisend, den er will.

Vielleicht  sagt ihr nun zu mir: Was beschuldigt er uns denn? Wer kann seinem Willen widerstehen? Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, daß du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? Hat nicht ein Töpfer die Macht, aus einem Klumpen ein Gefäß zu machen zur Ehre und das andere zur Unehre?

Obwohl Gott seinen Zorn zeigen wollte und kundtun seine Macht, hat er mit großer Geduld getragen die Gefäße des Zorns, die zugerichtet sind zur Verdammnis, damit er kundtäte den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er berufen hat,  nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Andersgläubigen.

Die Andersgläubigen, die nicht nach der Gerechtigkeit getrachtet haben, die haben Gerechtigkeit erlangt, die aus dem Glauben kommt. Israel aber hat dem Gesetz der Gerechtigkeit nachgetrachtet, und hat das Gesetz der Gerechtigkeit nicht erreicht. Warum das? Weil sie es nicht aus dem Glauben, sondern aus den Werken des Gesetzes suchen.

Liebe Mitchristen, meines Herzens Wunsch ist es - und ich flehe auch zu Gott für Israel - daß sie selig werden. Denn ich bezeuge ihnen, daß sie eifern um Gott, aber mit Unverstand. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachten, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und sind also der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan. Denn Christus ist des Gesetzes Ende. Wer an den glaubt, der ist gerecht.

 

Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr sei, und glaubst in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du selig.  Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und wenn man mit dem Mund bekennt, so wird man selig. Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber aus dem Wort Gottes. Ich sage aber: Haben sie es nicht hören können? Es ist ja in alle Lande ausgegangen der Ruf Gottes. Hat es Israel nicht erkannt?

Hat vielleicht Gott sein Volk verstoßen? Das kann nicht sein! Denn ich bin auch ein Israelit aus dem Volksstamm Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor auserwählt hat. Wenn es aber aus Gnade geschieht, so ist es nicht aus Verdienst der Werke, sonst würde Gnade nicht Gnade sein.

Wie denn nun? Was Israel sucht, das erlangte es nicht. Die Auserwählten aber erlangten es. Die andern sind unzugänglich („verstockt“). Aber aus ihrem Fall ist den Andersgläubigen das Heil widerfahren, damit Israel ihnen nacheifern sollte. Ich möchte die, die meine Landsleute sind, zum Nacheifern reizen und einige von ihnen selig machen.

Euch aber sage ich: Wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig. Wenn aber nun einige von den Zweigen herausgebrochen sind und ein wilder Ölbaum unter sie gepfropft wurde und nun Anteil an der Wurzel und dem Saft im Ölbaum hat, so rühme dich nicht ge­gen­über den Zweigen. Rühmst du dich aber als ehemaliger Andersgläubiger ihnen gegenüber, so sollst du wissen, daß du nicht die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich.

Nun sprichst du: Die Zweige sind herausgebrochen, damit ich hineingepfropft werde. Das stimmt in gewisser Hinsicht schon: Sie sind ausgebrochen um ihres Unglaubens willen. Du aber stehst nur durch den Glauben anders da. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich. Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er vielleicht dich auch nicht verschonen.

Darum schau an die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte aber an dir, sofern du an der Güte bleibst. Sonst wirst du auch abgehauen werden, und  jene, die nicht bleiben im Unglauben, werden wieder eingepfropft werden. Gott kann sie wohl wieder einpfropfen.

Ich will euch, liebe Mitchristen, dieses Geheimnis nicht vorenthalten: Blindheit ist Israel zum Teil widerfahren, so lange, bis die Masse der Andersgläubigen in die Herrschaft Gottes hin­ein­gegangen ist und dann das ganze Israel selig werde. Sie sind zwar im Vergleich zu euch Feinde, aber nach Gottes Wahl sind sie Geliebte um der Väter willen. Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht reuen.

Denn wie auch ihr einst nicht habt geglaubt an Gott, nun aber wegen ihrs Unglaubens Barmherzigkeit erlangt habt, so haben auch jene jetzt nicht an die Barmherzigkeit glauben wollen, die euch widerfahren ist, damit sie auch Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle beschlossen unter den Unglauben, damit er sich aller erbarme.

O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind sein Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm vorher etwas gegeben, damit ihm etwas wiedervergolten wird? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen (Röm 9-11, gekürzt, vor allem die Zitate aus dem Alten Testament wurden weggelassen).

 

 

Das christliche Leben:

Ich ermahne euch nun, liebe Mitchristen, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber t zum Opfer gebt, das lebendig und heilig und Gott zum Wohlgefallen ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille ist. Denn ich sage jedermann unter euch durch die Gnade, die mir gegeben ist, daß niemand mehr  von sich hält es sich zu halten gehört, sondern daß er von sich bescheiden denke, ein jeder je nach dem, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.

Denn wie wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, und haben manche Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist.  Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so nehme er das Amt wahr. Lehrt jemand, so kümmere er sich um die Lehre. Ermahnt jemand, so kümmere er sich um das Ermahnen. Gibt jemand, so gebe er mit reinem Sinn. Regiert jemand, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er es mit Lust

(Röm 12,1-8)

 

Herzliche Gemeinschaft:

Die Liebe sei nicht falsch. Haßt das Arge, hängt dem Guten an. Die menschliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Hochachtung zuvor. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dienet dem Herrn (oder andere Überlieferung: „Schickt euch in die Zeit“). Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Nehmt andere gern bei euch auf. Segnet, die euch verfolgen, segnet und flucht nicht. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.

Seid euch untereinander einig. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Bemüht euch um Anständigkeit gegen jedermann. Wenn es möglich ist, so habt mit allen Menschen Frieden, soviel euch möglich ist. Rächt euch nicht selber, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. Wenn dein Feind Hunger hat, so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12,9-21).

 

Die Regierenden:

Jeder sei der Staatsgewalt gehorsam, die Macht über ihn hat. Denn es ist keine Staatsgewalt ohne von Gott. Wo aber eine solche Gewalt ist, die ist von Gott eingesetzt. Wer sich der Staatsgewalt widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung. Die aber Widerstand leisten, werden über sich ein Urteil empfangen.

Denn die Gewaltigen sind nicht bei den guten Werken zu fürchten, sondern bei den bösen. Willst du dich aber nicht fürchten willst vor der Staatsgewalt, so tue Gutes, so wirst du Lob von ihr haben. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Wohl. Tust du aber Böses, so fürchte dich, denn der Staat trägt das Schwert nicht umsonst. Die Staatsgewalt ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut.

Darum ist es notwendig, gehorsam zu sein, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen. Deshalb müßt ihr ja auch Steuer geben, denn die Staatsdiener sind Gottes Diener, die ständig auf diesen Dienst bedacht sind. So gebt nun jedermann, was ihr schuldig seid: Steuer, wem die Steuer zusteht,  Zoll, wem der Zoll zusteht, Furcht, wem die Furcht zusteht, Ehre, wem die Ehre zusteht (Röm 13,1-7).

Die Liebe:

Seid niemand etwas schuldig, außer daß ihr euch untereinander liebt. Denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was in den Geboten gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch Zeugnis geben, du sollst keine Begierde nach irgend etwas haben!“ und was es noch anderen Geboten gibt, das wird in diesen Worten zusammengefaßt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Denn die Liebe tut dem Mitmenschen nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung (Röm 13,8-10).

 

De r Tag des Herrn:

Wir wissen, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, zumal unser Heil jetzt näher ist, als damals, als wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So laßt uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. Laßt uns ehrbar wandeln, wie man das am Tag macht, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und Unzucht, nicht in Hader und Neid. Sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und kümmert euch um euren Leib, doch so, daß ihr seinen Begierden verfallt (Röm 13,11-14).

 

Die Schwachen und Starken im Glauben:

Den Schwachen im Glauben nehmt auf und verwirrt die Gewissen nicht. Der Eine glaubt, er dürfe alles essen. Wer aber schwach ist, der ißt Kraut. Wer Fleisch ißt, der verachte den nicht, der es nicht ißt. Und wer kein Fleisch ißt, der richte den nicht, der es ißt, denn Gott hat auch ihn aufgenommen. Wer bist du, daß du Untergebenen eines Fremden richtest? Er steht oder fällt nach dem Urteil seines Dienstherrn. Er kann aber sehr wohl auch aufgerichtet werden, denn Gott kann ihn wohl aufrichten.

Einer hält einen Tag höher als den andern, der andere aber hält alle Tage gleich. Ein jeder sei in seiner Meinung gewiß. Wer etwas auf die Tage hält, der tut es für den Herrn. Und wer nichts darauf hält, der tut es auch für den Herrn. Wer ißt, der ißt für den Herrn, denn er dankt Gott. Wer nicht ißt, der ißt für den Herrn nicht und dankt Gott.

Denn keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, ob wir nun leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, daß er über Tote und Lebendige der Herr sei.

Du aber, was richtest du deinen Mitmenschen? Oder, du anderer, was verachtest du deinen Mitmenschen? Wir werden alle vor den Richtstuhl Christi gestellt werden. So wird nun ein jeder für sich selbst vor Gott Rechenschaft geben.  Darum laßt uns nicht mehr einer den andern richten, sondern richtet es vielmehr so ein, daß niemand seinem Mitmenschen einen Anstoß oder Ärgernis darstelle.

Ich weiß und bin gewiß in dem Herrn Jesus, daß nichts von selbst unrein ist. Es ist nur unrein für den, der es für unrein ansieht. Wenn aber dein Bruder wegen deines Essens betrübt wird, so lebst du schon nicht mehr nach der Liebe. Bringe den nicht mit deinem Essen ins Verderben, um dessen Willen Christus gestorben ist.

Darum müht euch, daß das Gute an euch schlecht gemacht wird. Denn die Herrschaft Gottes besteht nicht in Essen und Trinken, sondern in Gerechtigkeit und Friede und Freude im Geiste Gottes. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und den Menschen etwas wert. Darum laßt uns dem nachstreben, was dem Frieden und zur Besserung untereinander dient.  Zerstöre nicht wegen des Essens das Werk Gottes. Es ist zwar alles rein. Aber es ist nicht gut, wenn einer etwas ißt und hat dabei Gewissensbisse.

Es ist besser, wenn du dann kein Fleisch ißt und keinen Wein trinkst und tust nichts, woran sich dein Mitchrist stößt oder ärgert oder schwach wird. Hast du den starken Glauben, so habe ihn für dich vor Gott. Selig ist, der sich selbst kein Gewissen macht bei dem, was er für Recht hält. Wer aber darüber zweifelt, und ißt doch, der ist verdammt, denn es kommt nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glauben kommt, das ist Sünde

Wir aber, die wir stark sind, sollen die Schwäche der Schwachen tragen und nicht gefallen an uns selber haben. Es lebe ein jeder unter uns so, daß er seinem Nächsten gefalle zum Guten und zur Besserung. Denn auch Christus hatte nicht an sich selber Gefallen. Was aber früher geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift eine Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnt seid untereinander nach dem Vorbild Jesu Christi, damit  ihr einmütig mit einem Munde lobt Gott und den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie uns Christus angenommen hat zum Lob Gottes.

Denn ich sage: Jesus Christus ist ein Diener gewesen der Juden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, zu bestätigen die Verheißungen, die den Vätern gegeben wurden. Die Andersgläubigen aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen. Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Geistes Gottes (Röm 14,1 -15,13).

 

Reisepläne:

Ich weiß aber gar wohl von euch, liebe Mitchristen, daß ihr selber erfüllt seid mit Erkenntnis und daß ihr euch untereinander ermahnen könnt. Ich habe es aber dennoch gewagt und euch etwas schreiben wollen, um euch zu erinnern kraft der Gnade, die mir von Gott gegeben ist,

daß ich sein ein Diener Christi unter den Andersgläubigen soll. Ich will wie ein Priester verwalten die frohe Botschaft  Gottes, damit die Andersgläubigen ein Opfer werden, das Gott angenehm ist und geheiligt durch den Geist Gottes.

Darum kann ich mich rühmen in Jesus Christus, daß ich Gott diene.  Denn ich würde nicht wagen, von etwas zu reden, das Christus nicht durch mich gewirkt hat, um die Andersgläubigen zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk, durch Kraft der Zeichen und Wunder und durch Kraft des Geistes Gottes, so daß ich von Jerusalem an und bis Illyrien alles mit der frohen Botschaft Christi erfüllt habe. Dabei habe ich besonders meine Ehre dareingesetzt, die frohe Botschaft zu predigen, wo der Name Christi nicht bekannt war, damit ich nicht auf einen fremden Grund baute. Das ist auch die Ursache, warum ich so viele Male gehindert worden bin, zu euch zu kommen. Jetzt aber habe ich keinen Raum habe in diesen Ländern, habe aber Verlangen, zu euch zu kommen.

So will ich zu euch kommen, wenn ich reisen werde nach Spanien. Denn ich hoffe, daß ich dabei bei euch durchreisen und euch sehen werde und von euch dorthin geleitet werden möge, aber so doch, daß ich mich zuvor ein wenig an euch erfreue. Nun aber fahre ich hin nach Jerusalem, um den dortigen Christen zu dienen.

Denn die aus Mazedonien und Achaja haben willig eine gemeinsame Geldsammlung gemacht für die Armen Christen in Jerusalem.

Sie haben es willig getan, und sie sind auch deren Schuldner. Denn wenn die ehemals Andersgläubigen Anteil erhalten haben an  ihren geistlichen Gütern, ist es nur recht und billig, daß sie ihnen auch in leiblichen Gütern dienen.

Wenn ich aber dieses ausgerichtet und ihnen diesen Ertrag überantwortet habe, will ich durch euch nach Spanien ziehen. Ich weiß aber, wenn ich zu euch komme, daß ich mit vollem Segen der Botschaft Christi kommen werde.

Ich ermahne euch aber durch unsern Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes, daß ihr mir helft, für mich zu kämpfen mit Beten zu Gott, damit ich errettet werde vor den Ungläubigen in Judäa, und daß mein Dienst, den ich für Jerusalem tue, angenehm werde den Christen, damit ich mit Freuden zu euch komme durch den Willen Gottes und mich mit euch erfreue. Der Gott aber des Friedens sei mit euch allen! Amen (Röm 15,14-33)

 

Empfehlung der Phöbe und Grüße:

Ich befehle euch aber unsere Schwester Phöbe an, die im Dienste der Gemeinde in Kenchreä ist, daß ihr sie aufnehme in dem Herrn, wie es sich gehört für Christen, und leistet ihr Beistand in allem Geschäfte, in denen sie euch braucht, denn sie hat auch viel geholfen, auch mir selbst. Grüßt Priscilla und Aquila, meine Helfer in Christus Jesus.

Auch grüßt die Gemeinde in ihrem Haus [Es folgt nun eine lange Reihe von Namen von Personen, die Paulus in Rom kennt]. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuß. Es grüßen euch die Gemeinden Christi.

Ich ermahne euch aber, daß ihr achtet auf die, die Zertrennung und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt. Weicht von ihnen, denn diese dienen nicht dem Herrn Jesus Christus, sondern ihrem Bauch, und durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie unschuldige Herzen.

Denn euer Gehorsam ist bei jedermann kund geworden. Deshalb freue ich mich über euch. Ich will aber, daß ihr weise seid zum Guten und unvermengt mit dem Bösen. Der Gott des Friedens zertrete in kurzem den Satan unter eure Füße. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch!

Es grüßen euch mein Gehilfe Timotheus und Luzius und Jason und Sosipater, meine Freunde. Ich, Tertius, der ich diesen Brief geschrieben habe, grüße euch in dem Herrn. Es grüßt euch Gajus, mein Gastgeber und der der ganzen Gemeinde. Es grüßen euch der Stadtkämmerer Erastus  und Quartus.  Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus sei mit euch allen! Amen.

Dem aber, der euch stärken kann durch mein Evangelium und die Predigt von Jesus Christus, durch die das Geheimnis offengelegt wurdet, das von der Welt her verschwiegen gewesen ist, demselben Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen (Röm 16)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Philipperbrief:

[Die heutige Stadt Philippi hieß zu der Zeit des Paulus Colonia Augusta Julia Philippensis. Sie wurde von Philipp von Mazedonien angelegt und stand seit etwa 167 vor Christus unter römischer Herrschaft. Sie war eine sogenannte Versorgungskolonie für die Ansiedlung entlassener Söldner  und wurde  nach 31 vor Christus durch Kaiser Augustus  neu gegründet. Paulus gründete in Philippi die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden. Im ersten Thessalonicher schreibt Paulus, daß er in Philippi gelitten hatte und mißhandelt worden war und Zwangsarbeit leisten mußte].

 

Dank und Fürbitte für die Gemeinde:

Paulus und Timotheus, diener Jesu Christi, allen Heiligen in Christus Jesus in Philippi. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Ich danke meinem Gott, so oft ich an euch denke, für eure Gemeinschaft an der frohen Botschaft vom ersten Tage an bis heute. Ich bin deshalb guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi.

Es ist recht, daß ich so von euch denke. Denn ich habe euch in meinem Herzen in diesem meinem Gefängnis, in dem ich die frohe Botschaft verantworte und bekräftige. Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund. Darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntnis und Erfahrung, damit ihr prüft, was das Beste sei, damit ihr seid rein und unanstößig auf den Tag Christi, erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus geschaffen wird in euch zur Ehre und Lobe Gottes.

 

Das Leiden des Paulus ist ein Gewinn:

Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder: Mein Schicksal ist nur zur Förderung der frohen Botschaft geraten, denn daß ich meine Fesseln für Christus trage, ist bekannt geworden

in dem ganzen Gefängnis und bei allen andern. Viele Mitchristen  haben aus meinen Fesseln Zuversicht gewonnen und sind umso mutiger geworden, das Wort Gottes  ohne Scheu zu reden. Einige predigen zwar Christus um des Neides und Haders willen, einige aber aus guter Meinung.   Einige aber aus Liebe; denn sie wissen, daß ich hier liege, weil ich die frohe Botschaft verkündet habe und mich dafür verantworten muß. Jene verkündigen Christus aus Zank und nicht ehrlich; denn sie wollen mir in meiner Gefangenschaft eine Trübsal zuwenden. Was macht es aber? Wenn nur Christus verkündet wird auf allerlei Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich doch darüber und will mich auch freuen. Denn ich weiß, daß mir dies zum Heil dienen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi. Ich warte sehnlich und hoffe, daß ich in keinem Punkt scheitere, sondern daß mit aller Freudigkeit Christus hoch gepriesen werde an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.

Wenn aber das Leben im Fleisch dazu dient, mehr Frucht zu schaffen, so weiß ich nicht, was ich wählen soll. Beides setzt mir hart zu: Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre. Aber es ist nötiger, um euretwillen im Fleisch bleiben. Und in guter Gewißheit weiß ich, daß ich bleiben und bei euch allen sein werde, euch zur Förderung und Freude im Glauben, damit ihr euch um meinetwillen sehr rühmen könnt in Christus Jesus, wenn ich wieder zu euch kommen werde.

Lebt nur würdig der frohen Botschaft Christi, damit wenn ich komme und sehe euch oder in der Ferne von euch höre, ihr steht zusammen in einem Geist und einer Seele und mit uns kämpft für den Glauben und euch in keiner Hinsicht erschrecken laßt von den Widersachern, was für sie ein Anzeichen der Verdammnis ist, euch aber ein Zeichen der Seligkeit, und das von Gott. Denn euch ist die Gnade gegeben, um Christi willen beides zu tun: Daß ihr nicht allein an ihn glaubt, sondern auch um seinetwillen leidet und habt denselben Kampf, den ihr an mir gesehen habt und nun von mir hört (Phil 1).

 

Leben nach dem Vorbild Christi (der Christushymnus):

Wenn nun bei euch Ermahnung in Christus ist und Trost der Liebe und Gemeinschaft des Geistes und herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude vollkommen, indem  ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einhellig seid. Nichts tut aus Zank oder um eitler Ehre willen, sondern durch Demut achte einer den andern höher als sich selbst. Jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was Sache des andern ist. Jeder sei gesinnt, wie es sich im Bereich des Christus gehört und wie Jesus Christus auch war:

Christus war zwar in göttlicher Gestalt, hielt es aber nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern sah von sich selbst ab und nahm die Gestalt eines Sklaven an und wurde wie ein anderer Mensch und in den Bewegungen wie ein Mensch angesehen.

Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters                                                                                                          (Phil 2,1-11).

 

Gott schafft das menschliche Heil:

Meine Liebsten, die ihr immer gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern auch noch viel mehr in meiner Abwesenheit: Müht euch, daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist es, der in euch beides wirkt, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel, damit ihr ohne Tadel seid und rein und Gottes Kinder, ohne Strafe  mitten unter dem verderbten und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt, damit ihr festhaltet an dem Wort des Lebens, mir zu einem Ruhm am Tag Christi, der ich nicht vergeblich gelaufen oder vergeblich gearbeitet habe. Und wenn ich auch geopfert werde bei dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens, so freue ich mich und freue mich mit euch allen. Darüber sollt ihr euch auch freuen und sollt euch mit mir freuen.

Ich hoffe aber in dem Herrn Jesus, daß ich Timotheus bald zu euch senden werde, damit ich auch erfreut werde, wenn ich erfahre, wie es um euch steht. Ich vertraue aber auf den Herrn, daß auch ich selbst bald kommen werde. Ich hielt es für nötig, Epaphroditus zu euch zu senden, der mein Gehilfe und Mitstreiter ist. Er war todkrank, aber Gott hat sich über ihn erbarmt, aber auch über mich, damit ich nicht eine Traurigkeit nach der andern hätte  (Phil 2,12-30, am Schluß gekürzt).

 

Warnung für Rückfall in das Gesetz:

Weiter, liebe Mitchristen, freut euch in dem Herrn! Daß ich euch immer wieder dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch nur umso gewisser. Hütet euch vor den Hunden, vor den bösen Arbeitern, vor der Beschneidung!

Denn wir sind die richtige Beschneidung, die wir Gott im Geiste dienen und rühmen uns an Christus Jesus und verlassen uns nicht auf Fleisch, obwohl ich auch Manches habe, daß ich mich des Fleisches rühmen könnte. Wenn ein anderer meint, er könnte sich Fleisches rühmen, ich könnte es viel mehr: Ich bin am achten Tag beschnitten worden, einer aus dem Volk Israel, aus der Sippe Benjamin, ein Hebräer von Hebräern und nach dem Gesetz ein Frommer („Pharisäer“). Ich war ein eifriger Verfolger der Gemeinde, untadelig nach der Gerechtigkeit im Gesetz.

Aber was mir zunächst Gewinn war, das habe ich um Christi willen als Schaden angesehen. Ja, ich achte es noch immer alles für einen Schaden im Vergleich zu der übergroßen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen habe ich alles als einen Schaden gerechnet, und achte es für Kot, nur damit ich Christus gewinne. Ich möchte angesehen werden als einer, der seine Gerechtigkeit nicht aus dem Gesetz, sondern durch den Glauben an Christus Jesus hat, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, damit man ihn erkennen kann und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, damit ich seinem Tode ähnlich werde und gelange zur Auferstehung der Toten (Phil 3,1-11).

 

Das Ziel des christlichen Glaubens:

 Es ist nicht so, daß ich es schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei. Ich jage ihm aber nach, damit ich es auch ergreifen möge, nachdem ich von Christus Jesus ergriffen bin. Ich schätze mich selbst noch nicht so ein, daß ich es schon ergriffen hätte. Eines aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vorne ist, und jage nach dem vorher gesteckten Ziel, nach dem Kleinod der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Wer nun unter uns vollkommen ist, die laßt uns so gesinnt sein. Und solltet ihr etwas anderes denken, so wird euch Gott das auch noch offenbaren. Was wir schon erreicht haben, danach laßt uns auch leben. Folgt mir, liebe Mitchristen, und seht auf die, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.

Denn viele leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist die Verdammnis, denen der Bauch ihr Gott ist, und deren Ehre ist ihre Schande, denn sie sind irdisch gesinnt. Unser Wandel aber ist im Himmel, von wo wir auch warten auf den Heiland Jesus Christus, den Herrn. Er wird unseren schwachen Leib verherrlichen, daß er gleich werde seinem verklärten Leibe nach der Wirkung seiner Kraft, mit der er sich alle Dinge untertänig machen kann (Phil 3, 12-21).

 

Mahnung zur Einigkeit:

Also, meine lieben und ersehnten Mitchristen, meine Freude und meine Krone, steht fest in dem Herrn. Freut euch in dem Herrn allezeit! Und abermals sage ich: Freut euch! Eure Freundlichkeit laßt kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!  Sorget nichts! Sondern in allen Dingen laßt eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. 7Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!

Weiter, liebe Mitchristen, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohllautet, etwa eine Tugend oder ein Lob, dem denkt nach! Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut. Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein (Phil 4,1-9).

 

 

 

 

Paulus bedankt sich bei den Philippern für ihre Gabe:

 Ich bin aber hoch erfreut in dem Herrn, daß ihr wieder Kraft habt, für mich zu sorgen, obwohl ihr ja allezeit dafür gesorgt habt, aber die Zeit hat es nicht wollen leiden. Ich sage ich das, weil ich Mangel hätte, denn ich habe gelernt, mich mit dem zu begnügen, was ich habe. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein. Ich bin in allen Dingen und bei allen geschickt, sowohl satt zu sein und zu hungern als auch, übrig zu haben und Mangel zu leiden. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.

Doch ihr habt wohl getan, daß ihr euch meiner Probleme angenommen habt. Ihr von Philippi wißt, daß von Anfang an keine Gemeinde alles mit mir geteilt hat im Geben und Nehmen als ihr allein. Denn auch nach Thessalonich sandtet ihr etwas für meinen Bedarf einmal und danach noch einmal. Ich suche nicht das Geschenk, sondern ich suche die Frucht, daß sie reichlich euch angerechnet werde. Denn ich habe alles und habe im Überfluß. Ich habe die Fülle, als ich durch Epaphroditus empfing was von euch kam.

Mein Gott aber fülle aus all euren Mangel nach seinem Reichtum in der Herrlichkeit in Christus Jesus.  Gott aber, unserem Vater, sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Grüßt alle Christen in Christus Jesus. Es grüßen euch die Christen, die bei mir sind. Es grüßen euch alle Heiligen, besonders  aber die aus dem Haus des Kaisers. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch allen! Amen (Phil 4,10-23, leicht gekürzt).

 

 

 

 

Philemonbrief:

[Der Brief wurde von Paulus wahrscheinlich in Ephesus geschrieben, wo er um 56 in Haft (Hausarrest) war. In Ephesus hatte Paulus den entlaufenen Sklaven Onesimus kennengelernt, den er nun mit diesem Brief zu Philemon nach Kolossä schickt. Paulus fordert seinen Glaubensbruder und Mitarbeiter Philemon auf, daß er seinen davongelaufenen Sklaven Onesimus freundlich aufnehmen und in ihm fortan den geliebten Mitchristen sehen soll, da Onesimus Christ sei. Zudem gibt Paulus seiner Hoffnung Ausdruck, daß er bald aus der Gefangenschaft entlassen werde und bittet Philemon, eine Unterkunft für ihn vorzubereiten.

Nach der in der Auslegungsgeschichte vorherrschenden Meinung verlangt Paulus von Philemon jedoch nicht, daß er den Sklavenstand des Onesimus aufheben soll. Diese Auslegung wurde bis in die jüngste Vergangenheit in den USA als Rechtfertigung der Sklaverei verwandt. Andere lesen den Philemonbrief als rhetorisch geschicktes Schreiben des Paulus, das nicht nur an den Sklavenhalter Philemon gerichtet ist, sondern an die ganze Gemeinde, und dessen Inhalt es Philemon unmöglich macht, Onesimus weiter als Sklaven zu behandeln].

 

Paulus, der Gefangene Jesu Christi, und Timotheus, der Mitchrist, an Philemon, dem Lieben und unserm Gehilfen, und Appia, der Lieben, und Archippus, unserm Streitgenossen, und der Gemeinde in deinem Haus. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Ich danke meinem Gott und denke an dich allezeit in meinem Gebet, nachdem ich gehört habe von der Liebe und dem Glauben, die du hast an den Herrn Jesus und gegen alle Heiligen, damit der Glaube, den wir miteinander haben, in dir kräftig werde durch Erkenntnis alles des Guten, das ihr habt in Christus Jesus.

Wir haben aber große Freude und Trost durch deine Liebe, denn die Herzen der Heiligen sind erquickt durch dich, lieber Bruder.  Obwohl ich habe die Freiheit in Christus habe, dir zu gebieten, was sich für dich gehört, so will ich dich doch um der Liebe willen nur ermahnen, so wie ich bin, nämlich ein alter Mann und nun auch ein Gefangener für Jesus Christus. So ermahne ich dich im Bezug auf Onesimus, meinen Sohnes, den ich gezeugt habe in meiner Gefangenschaft, der dir früher unnütz war, nun aber dir und mir wohl nütze ist. Den habe ich zurückgesandt und damit mein eigenes Herz. Denn ich wollte ihn gern bei mir behalten, daß er mir an deiner Stelle  diente in der Gefangenschaft.

Aber ohne deinen Willen wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht erzwungen wäre, sondern freiwillig. Vielleicht aber ist er darum eine Zeitlang von dir gekommen, daß du ihn ewig wieder hättest, jetzt nicht mehr als einen Sklaven, sondern als einen lieben Mitchristen, besonders für mich, viel mehr aber für dich, beides, ein Mitchrist nach dem Fleisch und in dem Herrn. Wenn du nun mich für deinen Freund hältst, so wollest du ihn aufnehmen wie mich selbst. Wenn er dir aber einen Schaden getan hat oder etwas schuldig ist, das rechne mir zu.

 

Ich, Paulus, habe es geschrieben mit meiner Hand: Ich will es bezahlen. Ich schweige davon, daß du an sich selbst an mir schuldig bist. Ja,  gönne mir, daß ich mich an dir erfreue in dem Herrn, erquicke mein Herz in dem Herrn.

Ich habe in Zuversicht auf deinen Gehorsam dir geschrieben, und ich weiß, du wirst mehr tun, als ich sage. Außerdem bereite mir die Herberge vor, denn ich hoffe, daß ich durch euer Gebet euch geschenkt werde. Es grüßen dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christus Jesus, und meine Helfer Markus, Aristarchus, Demas, Lukas. Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist! Amen.

 

 

Angebliche Briefe des Paulus

 

Epheserbrief

 

[Paulus war drei Jahre in Ephesus gewesen und Gründer der dortigen christlichen Gemeinde.

Das biblische Buch erweckt den Anschein, es sei ein Rundschreiben des Paulus aus seiner ersten Gefangenschaft in Rom an die Gemeinde in Ephesus, geschrieben um das Jahr 60 - 62.

Der Text ist aber eher eine in Briefform gefaßte Predigt. Die Verfasserschaft des Paulus ist unwahrscheinlich. Hier liegt schon eine gefestigte Gemeindeform mit sich nun klarer herausbildenden Amtsstrukturen vor].

 

Loblied auf den Heilsplan Gottes:

Paulus, ein Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, den Christen in Ephesus und Gläubigen an Christus Jesus: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christus. Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Grund der Welt gelegt war, daß wir heilig und unsträflich sein sollten vor ihm. In seiner Liebe hat er uns dazu bestimmt, daß wir seine Kinder sein sollen durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade, durch die er uns begnadet hat in dem Geliebten.

In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassendurch allerlei Weisheit und Klugheit. Er hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluß, den er sich vorgenommen hatte in ihm, damit er ausgeführt würde, wenn die Zeit erfüllt ist, auf daß alle Dinge im Himmel und auf Erden zusammengefaßt würden in Christus.

Durch ihn sind wir auch zum Erbteil gekommen, die wir zuvor bestimmt hat nach dem Vorsatz dessen, der alle Dinge wirkt nach dem Rat seines Willens, damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.

In ihm seid auch ihr, die ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, die frohe Botschaft von eurer Seligkeit. In ihm seid ihr als Glaubende versiegelt worden seid mit dem Geist der Verheißung. Dieser ist das Pfand unsers Erbes zu unsrer Erlösung, daß wir sein Eigentum würden zu Lob seiner Herrlichkeit (Eph 1,1-14).

 

Gebet um Erkenntnis der Herrlichkeit Christi

Darum höre ich nicht auf - nachdem ich gehört habe von dem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen bei euch -  zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, damit der Gott unsers Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.

Er erleuchtete die Augen eures Herzens, daß ihr erkennen mögt, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid und welchen Reichtum an Herrlichkeit er den Christen gegeben hat, und die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, die er in Christus wirken ließ, als er ihn von den Toten auferweckt hat und im Himmel an seine rechte Seite gesetzt hat über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein auf dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Er hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn eingesetzt zum Haupt der Gemeinde über alle, die sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt (Eph 1,15-23)[Bis  hierher ist der Brief an sich ein einziger Satz].

 

Das neue Leben als Geschenk der Gnade:

Auch ihr wart tot durch Übertretungen und Sünden,  in denen ihr einstgelebt habt nach dem Lauf dieser Welt. Ihr habt euch gerichtet nach dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der in dieser Zeit an den Kindern des Unglaubens wirkt. Unter ihm haben auch wir alle früher gelebt in den Lüsten unsers Fleisches und taten nach dem Willen des Fleisches und der Sinne und waren auch Kinder des Zorns von Natur aus, wie auch die andern.  Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat uns mit Christus lebendig gemacht (denn aus Gnade seid ihr selig geworden).

Er hat es getan aus seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, die  wir tot waren in den Sünden. Er hat uns mit ihm auferweckt und mit ihm in das himmlische Wesen gesetzt in Christus Jesu, damit er erzeigte in den zukünftigen Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott uns vorbereitet hat, daß wir darin leben sollen (Eph 2,1-10)

 

 

Die Einheit von Juden und Heiden in Christus

Darum denkt daran, daß ihr früher Andersgläubige wart und die „Unbeschnittenen“ genannt wurdet von den Juden. Damals wart ihr ohne Christus, ausgeschlossen vom Bürgerrecht in Israel und fremd den Verheißungen. Deshalb hattet ihr keine Hoffnung  und wart ohne Gott in der Welt. In Christus Jesus aber seid ihr, die ihr früher ferne gewesen, nahe geworden durch das Blut Christi.

Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines hat gemacht und hat abgebrochen den Zaun, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft. Das geschah, indem er in seinem Fleisch hat das Gesetz mit seinen Geboten abgetan, um aus zwei Menschen einen neuen Menschen in ihm selber zu schaffen und Frieden zu machen.

Er wollte beide versöhnen mit Gott in einem Leibe durch das Kreuz, an dem er die Feindschaft getötet hat. Er ist gekommen, hat verkündet in der frohen Botschaft den Frieden euch, die ihr ferne wart, und denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir den Zugang alle beide in einem Geiste zum Vater.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremde, sondern Bürger mit den anderen Christen und Gottes Mitbewohner, erbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten. Jesus Christus ist der Eckstein, auf dem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Mit ihm werdet auch ihr mit erbaut werden zu einer Wohnung Gottes im Geist (Eph 2,11-22).

 

Das Amt des Apostels für die Andersgläubigen:

Mir, dem allergeringsten unter allen Christen, ist diese Gnade gegeben, unter den Andersgläubigen zu verkünden den unausforschlichen Reichtum Christi und ans Licht zu bringen, wie Gott seinen geheimen Ratschluß ausführt, der von Beginn der Welt an bestand. Auf diese Weise soll jetzt an der Gemeinde den Mächtigen und Gewalten in dem Himmel die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt werden. Diesen seit Ewigkeit bestehenden Plan hat Gott ausgeführt in Christus Jesus, unserm Herrn, durch den wir Freudigkeit und Zugang haben in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn. Darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet wegen meiner Bedrängnis, die ich für euch leide, die aber für euch eine Ehre ist.

Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unsers Herrn Jesus Christus, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, daß Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen und ihr durch die Liebe eingewurzelt und gegründet werdet, damit ihr begreift mit allen Heiligen, was die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe sei, auch erkennen die Liebe Christi, die doch alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde, die in Christus Jesus ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen (Eph 3,8-21, ohne Vers 1-7).

 

Die Einheit im Geist und die Vielfalt der Gaben:

So ermahne ich euch nun, ein Gefangener in dem Herrn, daß ihr lebt, wie es sich gehört  eurer entsprechend der Berufung, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, mit Geduld, und vertragt einer den andern in der Liebe, und seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, einerlei Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und unser aller Vater, der über euch allen ist und durch euch alle und in euch allen. Einem jeden aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi.

Er hat einige zu Aposteln eingesetzt, einige aber zu Propheten, einige zu Evangelisten, einige zu Hirten und Lehrern, daß die Heiligen zugerichtet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hinkommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur Reife des Mannesalters, zum vollen Maß der Fülle Christi. Dadurch sollen wir nicht mehr Unmündige sein und uns bewegen und umhertreiben lassen von jedem Wind der Lehre durch Bosheit der Menschen und Täuscherei, womit sie uns beschleichen und uns verführen.

Laßt uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch eins dem andern hilft, wie es jeder vermag und macht, daß der Leib wächst und sich selbst auferbaut in der Liebe (Eph 4,1-16).

 

Der alte und der neue Mensch:

So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, daß ihr nicht mehr lebt wie die Andersgläubigen in der Nichtigkeit ihres Sinnes, deren Verstand verfinstert ist, und die entfremdet sind von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist. In ihrem Gewissen sind sie stumpf geworden  und ergeben sich der Unzucht und treiben jede Unreinigkeit und Habgier.

Ihr aber habt Christus nicht so gelernt, denn ihr habt nichts anderes von ihm gehört und seid nicht anders über ihn belehrt, denn in Jesus ist die Wahrheit. So legt nun von euch ab den alten Menschen mit seinem vorigen erhalten, der durch trügerische sich verderbt. Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Zürnt ihr, so sündiget nicht Laßt die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.  Gebt auch nicht Raum dem Lästermaul. Wer gestohlen hat der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, damit er etwas habe, das er dem Bedürftigen geben kann. Laßt kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern was gut ist und das Nützliche fördert, das redet, damit es Segen bringe denen, die es hören.

Und betrübt nicht den Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung.

Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung sei ferne von euch samt aller Bosheit.

Seid aber untereinander freundlich, herzlich und vergebt einer dem andern, wie Gott euch auch vergeben hat in Christus (Eph 4,17-24).

 

Das Leben im Licht:

So seid nun Gottes Nachfolger als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie Christus uns geliebt hat und sich selbst hingegeben für uns als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit oder Geiz laßt nicht von euch gesagt werden, wie den Christen zusteht, auch nicht schändliche Worte und närrische  Dinge oder Scherze, die sich nicht gehören für euch, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Habsüchtiger - also ein Götzendiener - Anteil haben wird an der Herrschaft Christi und Gottes.

Laßt euch von niemand verführen mit vergeblichen Worten, denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mittäter.

Denn ihr wart früher Finsternis, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Lebt wie die Kinder des Lichts, die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit,

Prüft, was dem Herrn wohl gefällt, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, straft sie aber vielmehr. Denn was heimlich von ihnen geschieht, das ist schändlich, wenn man noch darüber spricht. Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Licht gestraft wird; denn alles, was offenbar ist, das ist Licht.

 So seht nun zu, wie ihr vorsichtig euer Leben führt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen, und kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was des Herrn Wille ist.  Und sauft euch nicht voll Wein, der ein unordentliches Wesen zur Folge hat, sondern werdet voll Geistes: Redet untereinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers Herrn Jesus Christus. Seid euch untereinander untergeben in der Furcht Gottes (Eph 5,1-20).

 

Über die christliche Familienordnung („christliche Haustafel“):

Die Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen, so wie sich Christus unterordnen. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde, die er mit seinem Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde Christus untergeben ist, so sollen auch die Frauen in allen Dingen ihren Männern untergeben sein.

Aber es gilt auch umgekehrt:  Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie gegeben, damit er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie für sich selbst hinstellte als eine Gemeinde, die herrlich ist, die weder einen Flecken noch einen Runzel oder sonst etwas hat, sondern die heilig sei und unsträflich ist

So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt es und pflegt es, wie auch der Herr die Gemeinde. Denn wir sind die Glieder seines Leibes. Das Geheimnis ist groß. Ich spreche aber von Christus und der Gemeinde. Jeder von euch habe lieb seine Frau so wie sich selbst. Die Frau aber fürchte den Mann [Hier schlagen die antiken Anschauungen durch, aber wie im Folgenden auch werden dann doch beide Seiten ermahnt].

Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn, denn das ist recht. Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung zum Herrn.

Ihr Diener, seid gehorsam euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, so wie ihr Christus gehorsam seid, nicht weil es eure Dienstpflicht ist, um den Menschen zu gefallen, sondern als die Diener Christi, damit ihr diesen Willen Gottes tut von Herzen, mit gutem Willen. Tut euren Dienst mit gutem Willen, um dem Herrn zu dienen und nicht den Menschen,

Und wißt: Je nachdem, was ein jeder Gutes tun wird, das wird er von dem Herrn empfangen, er sei ein Sklave oder ein Freier. Und ihr Herren, tut auch dasselbe gegen sie und lasset das Drohen. Wißt, daß auch euer Herr im Himmel ist und es gibt bei ihm kein Ansehen der Person (Eph 5,22 - 6,9).

 

Aufruf zum Kampf  („Die geistliche Waffenrüstung“):

Zuletzt, meine Mitchristen, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels.

Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.

Deshalb ergreift den Harnisch Gottes, damit ihr an dem bösen Tage Widerstand leisten könnt und alles wohl ausrichten und das Feld behalten mögt. So steht nun, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angezogen mit dem Panzer der Gerechtigkeit und an den Beinen gestiefelt, als einer der fertig ist, zu treiben die frohe Botschaft des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichtes, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, was das Wort Gottes ist.

Und betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wacht dazu für alle Heiligen und fleht andauernd für mich, damit mir gegeben werde das Wort mit freudigem Auftun meines Mundes, daß ich möge kundmachen das Geheimnis der frohen Botschaft, dessen Bote ich bin in der Kette, damit ich darin freudig handeln möge und reden, wie es sich gebührt.

Damit ihr aber auch wißt, wie es um mich steht und was ich schaffe, wird euch das alles Tychikus mitteilen, mein lieber Bruder und getreuer Diener in dem Herrn,

den ich gesandt habe zu euch darum, daß ihr erfahrt, wie es um mich steht, und daß er eure Herzen tröste. Friede sei den Mitchristen und Liebe mit Glauben von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Gnade sei mit euch allen, die da liebhaben unsern Herrn Jesus Christus für und für! Amen (Eph 6,10-23).

 

 

 

 

 

 

 

 

Kolosserbrief

 

[Ausleger vertreten die Meinung, der Kolosserbrief stamme nicht von Paulus selbst, sondern von Timotheus oder einem anderen Paulusschüler. Allerdings steht ganz am Ende des Briefes

ein eigenhändiger Gruß. Doch dieser und auch die Erwähnung vieler Bekannter könnte auch der Versuch sein, den Brief als „echt“ erscheinen zu lassen. Doch entscheidend ist gar nicht so sehr der Verfasser, sondern der Inhalt des Briefs. Weil dieser echt christlich ist, wurde dieser Brief wie auch die anderen „unechten“ Paulusbriefe in die Sammlung der neutestamentlichen Schriften aufgenommen.

Empfänger ist die Gemeinde in Kolossai, einer Kleinstadt 170 Kilometer östlich von Ephesus mit bedeutender jüdischer Minderheit, die Paulus aber persönlich nicht kennt. Allerdings wurde  Kolossai irgendwann zwischen 70 -100 nach Christus von einem Erdbeben zerstört. Der Wirkungsbereich des Kolosserbriefes ist deshalb wohl auf das kleinasiatische Missionsgebiet des Paulus zu erweitern.

Wahrscheinlich wurden die frühchristlichen Gemeinden Kleinasiens durch esoterische Irrlehren bedroht, vor der nun Paulus die Christen in Kolossä warnt. Diese Irrlehrer verkündeten wohl die Verehrung von Engelsmächten und minderten durch ihre Lehre die Bedeutung von Jesus als Heilsbringer  Den asketischen Reinheitsforderungen der Ketzer hält der Autor die volle Anteilhabe an der „Fülle der Gottheit“ in Jesus Christus durch die Taufe entgegen].

 

Dank und Fürbitte:

Paulus, ein Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Bruder Timotheus, an die Heiligen zu Kolossä und den gläubigen Christen in Christus. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Wir danken Gott und dem Vater unsers Herrn Jesu Christi und beten allezeit für euch, nachdem wir gehört haben von eurem Glauben an Christus Jesus und von der Liebe zu allen Heiligen.

Deshalb hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, damit ihr erfüllt werdet mit Erkenntnis seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Einsicht, damit ihr würdig dem Herrn zu allem Gefallen wandelt und fruchtbar seid in allen guten Werken.

Ihr sollt dem Vater Dank sagen, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht, der uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, an dem wir die Erlösung durch sein Blut haben, die Vergebung der Sünden, der ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Lebewesen (Kol 1,1-14, gekürzt).

 

In Christus haben wir alles („Christushymnus“)“

Durch Christus ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten: Es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.

 Er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang und der Erstgeborene von den Toten, damit er in allen Dingen den Vorrang habe.

Denn es hat Gott gefallen, daß in ihm alle Fülle wohnen sollte und alles durch ihn versöhnt würde zu ihm selbst, es sei auf Erden oder im Himmel, damit er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz, durch sich selbst.

Und euch, die ihr früher Fremde und Feinde wart durch die Vernunft in bösen Werken hat er nun versöhnt mit dem Leib seines Fleisches durch den Tod, damit er euch heilig und unsträflich hinstellte und ohne Tadel vor ihm selbst. Wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest und nicht weicht von der Hoffnung der frohen Botschaft, die ihr gehört habt, die gepredigt ist unter allen Lebewesen, die unter dem Himmel sind, deren Diener ich, Paulus, geworden bin (Kol 1,15-23).

 

Das Amt des Apostels:

Nun freue ich mich in meinem Leiden, das ich für euch leide. Ich halte ich  an meinem Leib aus, was noch fehlt an den Kümmernissen in Christus, seinem Leib zugut, also seiner Gemeinde zugut, deren Diener ich geworden bin nach dem göttlichen Predigtamt, das mir gegeben ist unter euch, daß ich das Wort Gottes reichlich predigen soll, nämlich das Geheimnis, das verborgen gewesen ist von der Welt her und von den Zeiten her. Nun aber ist es enthüllt seinen Heiligen. Ihnen wollte Gott kundtun, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden sei, nämlich Christus in euch, der die Hoffnung der Herrlichkeit ist. Den verkünden wir und ermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen mit aller Weisheit, damit wir darstellen einen jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus. Daran arbeite und ringe ich auch, nach der Wirkung dessen, der in mir kräftig wirkt.

Ich lasse euch aber wissen, welch einen Kampf ich habe um euch und um die zu Laodizea und alle, die mich noch nicht persönlich gesehen haben, damit ihre Herzen gestärkt und zusammengefügt werden in der Liebe und zu allem Reichtum des vollen Verständnisses, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist.

In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Ich rede aber davon, damit euch niemand betrüge mit unvernünftigen Reden.

Denn wenn ich auch nach dem Fleisch nicht da bin, so bin ich doch im Geist bei euch, freue mich und sehe eure Ordnung und euren festen Glauben an Christus. Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt in ihm und seid verwurzelt und erbaut in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt seid, und seid reichlich dankbar  (Kol 1,24 - 2,7).

 

Warnung vor Irrlehrern:

Seht zu, daß euch niemand einfange durch die Philosophie und leere Verführung, gegründet auf die Lehre der Menschen und die Elemente der Welt, und nicht auf Christus. Denn in Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid vollkommen in ihm, der das Haupt ist aller Reiche und Gewalten.

In ihm seid ihr auch beschnitten mit der Beschneidung Christi durch Ablegung des sündigen Leibes im Fleisch, indem ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe. In Ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt, der ihn auferweckt hat von den Toten. Er hat euch auch mit ihm lebendig gemacht, als ihr tot wart in den Sünden. Er hat uns geschenkt alle Sünden. Er hat getilgt den Schuldbrief, der gegen uns war und durch Satzungen gegen uns stand, und hat ihn aus der Mitte getan und an das Kreuz geheftet. Er hat die Reichen und Gewaltigen ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumphzug aus ihnen gemacht in Christus.

So laßt nun niemand euch ein Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate. Das ist nur der Schatten von dem, das zukünftig sein soll, aber leibhaftig ist er in Christus. Laßt euch von niemand das Ziel verrücken, der nach eigener Wahl einhergeht in falscher Demut und Verehrung der Engel, und sich mit seinen Gesichtern rühmt und ist ohne Ursache aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn

und hält sich nicht an das Haupt, aus dem der ganze Leib durch Gelenke und Bänder gestützt und zusammengehalten wird und so wächst zur göttlichen Größe.

Wenn ihr denn nun abgestorben seid mit Christus den Elementen der Welt, was laßt ihr euch denn gefangen nehmen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt?  Sie sagen: „Du sollst das nicht angreifen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren!“

Das alles soll sich doch unter den Händen verzehren, es sind Gebote und Lehren der Menschen, die nur einen Schein der Weisheit haben durch selbst erwählte Frömmigkeit und Demut und dadurch, daß sie den Leib nicht schonen, nicht aus Ehrfurcht, sondern um den GelLüsten des  Fleisches zu dienen (Kol 2,8-23)

 

Das himmlische Ziel:

Seid ihr nun mit Christusauferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus auf der rechten Seite Gottes sitzt. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich sichtbar machen wird, dann werdet ihr auch sichtbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.

So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Unzucht, Unreinigkeit, schändliche Lust, böse Begierde und die Habsucht, wegen deren der Zorn Gottes kommt über die Kinder des Unglaubens. Darin habt ihr ja auch gelebt. Nun aber legt alles ab von euch: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde. Belügt euch nicht untereinander.

Zieht den alten Menschen mit seinen Werken aus und zieht den neuen an, der da erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbilde dessen, der ihn geschaffen hat. Da gibt es nicht mehr Griechen, Juden, Beschnittene, Unbeschnittene, Nichtgriechen, Sklaven oder Freie, sondern alles und in allen Christus.

So zieht nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld. Einer  vertrage sich mit dem anderen und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern. So wie Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leib. Und seid dankbar! Laßt das Wort Christi reichlich unter euch wohnen in aller Weisheit. Lehrt und vermahnt euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern und singt dem Herrn in eurem Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des Herrn Jesus, und dankt Gott und dem Vater durch ihn (Kol 3,1-17).

 

Ermahnungen zum Leben in der Familie („christliche Haustafel“):

Ihr Frauen, seid euren Männern untergeben in dem Herrn, wie es sich gehört. Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in allen Dingen, denn das gefällt dem Herrn. Ihr Väter, macht eure Kinder nicht bitter, damit sie nicht scheu werden. Ihr Diener, seid in allen Dingen euren leiblichen Herren gehorsam, nicht um den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfalt des Herzens und mit Gottesfurcht.

Alles, was ihr tut, das tut von Herzen für den Herrn und nicht den Menschen, und wißt, daß ihr zum Lohn  das Erbe von dem Herrn empfangen werdet. Ihr dient dem Herrn Christus! Wer aber Unrecht tut, der wird empfangen, was er unrecht getan hat, und dabei gilt kein Ansehen der Person. Ihr Herren, was recht und billig ist, das erweist den Sklaven, und bedenkt, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt (Kol 3,18 - 4,1).

 

Letzte Ermahnungen und Grüße:

Haltet fest am Gebet und wacht in ihm mit Danksagung. Und betet zugleich auch für uns, damit Gott uns eine Tür des Wortes auftue, zu reden das Geheimnis Christi, an das ich auch gebunden bin, damit ich es öffentlich mache, wie es mir zu sagen gebührt. Lebt weise gegen die, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzt, damit ihr wißt, wie ihr einem jeden antworten sollt.

Wie es um mich steht, wird euch Tychikus berichten, der liebe Bruder und getreue Diener und Mitarbeiter in dem Herrn. Ihn habe ich zu euch gesandt, daß er erfahre, wie es sich mit euch verhält, und daß er eure Herzen ermahne. Er kommt mit Onesimus, dem getreuen und lieben Mitchristen, der einer den euren ist. Alles, wie es hier steht, werden sie euch kundtun.

Es grüßen euch alle Mitarbeiter an der Herrschaft Gottes, die mir ein Trost geworden sind. Grüßt die Christen in Laodizea und den Nymphas und die Gemeinde in seinem Haus. Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so sorgt dafür, daß er auch in der Gemeinde in Laodizea gelesen werde und daß ihr den von Laodizea lest. Mein Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Denkt an meine Gefangenschaft! Die Gnade sei mit euch! Amen (Kol 4,2-17, am Schluß gekürzt).

 

 

 

2. Thessalonicherbrief

 

[Der Brief ist nicht von Paulus. Den Nachweis der literarischen Abhängigkeit des zweiten Briefs an die Thessalonicher vom ersten ist schon lange geführt. Der zweite Thessalonicher­brief orientiert sich in Form und Inhalt stark am ersten Thessalonicherbrief. Unterschiede betreffen vor allem die Danksagung, die um das Thema der Bedrängnis der Gemeinde und das vergeltende Gerichtshandeln Gottes erweitert wurde, sowie den Abschnitt 2,1-12. Dieser Teil weist erhebliche Unterschiede zur paulinischen Theologie auf. Neu ist die Gestalt eines endzeitlichen Widersachers, der jedoch von einer (nicht näher benannten) Macht zurückgehalten wird. Der Verfasser beschreibt eine Art „endzeitlichen Fahrplan“, der sich teilweise beobachten läßt. Dennoch wird der Heilsplan Gottes nicht einfach als offenbar beschrieben, es gibt immer noch das „Geheimnis der Bosheit“.

Umstritten ist die Frage, wie der Verfasser selbst sein Verhältnis zum ersten Thessalonicher­brief sieht: Wollte er mit einer veränderten Vorstellung vom Ende der Welt die Fehlinterpretationen des ersten Thessalonicherbriefs „korrigieren“ oder diesen gar verdrängen mit dem Anspruch, der eigentliche „Thessalonicherbrief“ zu sein?]

 

Danksagung und Fürbitte:

Paulus und Silvanus und Timotheus, an die Gemeinde in Thessalonich in Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Wir müssen Gott allezeit danken für euch, liebe Mitchristen, wie es sich gehört. Denn euer Glaube wächst sehr, und die Liebe eines jeden unter euch allen nimmt zu gegeneinander, so daß wir uns euer rühmen unter den Gemeinden Gottes über eure Geduld und euren Glauben in allen Verfolgungen und allem Kummer, den ihr duldet.

Es ist recht bei Gott, denen das Leid zu vergelten, die euch Leid antun. Euch aber, die ihr Leid erduldet, wird mit uns Ruhe zuteil, wenn nun der Herr Jesus enthüllt werden wird mit Feuerflammen vom Himmel mitsamt den Boten seiner Kraft

Es ist recht, Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht erkennen, und über die, die nicht der frohen Botschaft unsers Herrn Jesus Christus gehorsam sind. Sie werden strafen erfahren, das ewige Verderben, fern von dem Angesicht des Herrn und von seiner herrlichen Macht, wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine bei seinen Heiligen und wunderbar bei allen Gläubigen. Denn was wir euch bezeugt haben, das habt ihr geglaubt (2.Thess 1,1-12, gekürzt).

 

Der „Mensch der Bosheit“:

Was nun das Kommen unseres Herrn Jesus Christus angeht und unsere Vereinigung mit ihm bitten wir euch, liebe Mitchristen, daß ihr euch nicht so bald wanken machen laßt in eurem Sinn noch erschrecken, weder durch eine Erkenntnis im Geist noch durch ein Wort noch durch einen Brief, der vorgibt, von uns gesandt zu sein und angibt, daß der Tag Christi schon da sei.

Laßt euch von niemand verführen in keinerlei Weise. Denn der Herr kommt nicht, es sei denn, daß vorher der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der der Widersacher ist und sich über alles erhebt, was Gott oder Gottesdienst heißt, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt wie ein Gott und gibt sich aus, er sei tatsächlich ein Gott.

Erinnert ihr euch nicht daran, daß ich euch so etwas sagte, als ich noch bei euch war? Und ihr wißt, was ihn aufhält, bis er enthüllt werde zu seiner Zeit. Denn es regt sich bereits das Geheimnis der Bosheit, nur muß der erst hinweggetan werden, der es jetzt aufhält.

Dann wird der Boshafte enthüllt werden, den der Herr umbringen wird mit einem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. Denn der Boshafte wird auftreten in der Macht des Satans mit allerhand lügnerischen Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben zu ihrer Rettung. Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit (2.Thess 2,1-12).

 

Mahnung zum Festhalten der Lehre:

Wir aber müssen Gott allezeit danken für euch, daß euch Gott von Anfang zur Seligkeit erwählt hat, in der Heiligung durch den Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu er euch berufen hat durch unsere Botschaft zum herrlichen Eigentum unseres Herrn Jesus Christus.

 So stehet nun fest, liebe Mitchristen, und haltet an der Lehre, in der ihr gelehrt seid, es sei durch unser Wort oder Brief. Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns hat geliebt und uns gegeben einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung durch Gnade, der ermahne eure Herzen und stärke euch in allerlei Lehre und gutem Werk.

Weiter, liebe Mitchristen, betet für uns, daß das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch, und daß wir erlöst werden von den unverständigen und argen Menschen. Denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist treu. Der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen. Wir aber haben das Vertrauen zu euch in dem Herrn, daß ihr tut und tun werdet, was wir euch gebieten. Der Herr aber richte eure Herzen zu der Liebe Gottes und zu der Geduld Christi (2.Thess 2,13-3,5),

 

Warnung vor Arbeitsscheu:

Wir gebieten euch aber, liebe Mitchristen, in dem Namen unsers Herrn Jesus Christus, daß ihr euch zurückzieht von jedem Mitchristen, der unordentlich lebt und nicht nach der Lehre, die er von uns empfangen hat. Denn ihr wißt, wie ihr uns nachfolgen sollt. Denn wir sind nicht unordentlich unter euch gewesen, haben auch nicht umsonst von jemand das Brot genommen, sondern mit Arbeit und Mühe Tag und Nacht haben wir gewirkt, daß wir nicht jemand unter euch zur Last fielen. Nicht, daß wir dazu nicht das Recht hätten, aber wir wollten euch ein Vorbild geben, uns nachzufolgen. Und als wir bei euch waren, befahlen wir euch: Wenn jemand nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen! [Dieser Satz wird immer wieder von Politikern zur Diskriminierung Arbeitsloser aufgegriffen. Doch er richtet sich eindeutig gegen die, die nicht arbeiten wollen, und nicht gegen die, die nicht arbeiten können].

Denn wir hören, daß einige unter euch unordentlich leben und arbeiten nichts, sondern treiben unnütze Dinge. Diesen gebieten wir und ermahnen sie durch unsern Herrn Jesus Christus, daß sie mit stillem Wesen arbeiten und ihr eigenes Brot essen.

Ihr aber, liebe Mitchristen, werdet nicht verdrossen Gutes zu tun. Wenn aber jemand nicht unserm Wort gehorsam ist, den zeigt an durch einen Brief, und habt nichts mit ihm zu schaffen, damit er schamrot werde, doch haltet ihn nicht für einen Feind, sondern ermahnt ihn als einen Mitchristen. Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden in jeder Hinsicht und auf allerlei Weise. Der Herr sei mit euch allen! Der Gruß mit meiner, des Paulus, eigener Hand. Das ist das Zeichen in allen Briefen, so schreibe ich.  Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch allen! Amen (2.Thess 3,6-18).

 

Pastoralbriefe

 

[„Pastoralbriefe“ nennt man die drei Briefe, die nicht an ganze Gemeinden geschrieben wurden, sondern an Einzelpersonen gerichtet sind, nämlich die Leiter von Gemeinden, also der Erste und Zweite Timotheusbrief und der Titusbrief. Die Briefe geben an, von Paulus von Tarsus verfaßt zu sein. Aber sie wurden von einem der Schüler des Paulus in dessen Namen verfaßt.

Die drei Briefe weisen erhebliche Unterschiede auf: Beispielsweise vermeidet Titus den Gebrauch des Titels „Herr“, ersetzt ihn durch „Retter“, während 1.Tim „Herr“ nur jeweils dreimal in Kapitel 1 und 6 und fast nur mit Jesus und Gott in Beziehung gesetzt gebraucht. Oder: Titus vermeidet jedes Gebet, während der erste Timotheusbrief und der  zweite Timotheus­brief  zahlreiche Aufrufe zum Gebet, Gebete und Doxologien bieten. Oder: Beide Timotheusbriefe sehen Paulus als Lehrer, als Ur- oder Vorbild für Glaube und Ethik sowie als Übermittler von Tradition für eine Kette von Überlieferern. Sie unterweisen Timotheus auch sonst durch das Benennen von menschlichen Vorbildern und Negativbeispielen. All dies entfällt in Titus vollständig. Auch die in den Timotheusbriefen geschätzten alttestamentlichen Schriften spielen in Titus praktisch keine Rolle. Es stellt sich also die Frage, ob die Briefe von drei verschiedene Verfassern zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben wurden  oder schreibt ein und derselbe Verfasser drei verschiedene Briefe für unterschiedliche Adressaten?

 

Argumente gegen die Echtheit der Pastoralbriefe:

1. Die andere Sprache und der andere Stil passen nicht zu dem Sprachstil der unbestritten echten Gemeindebriefe des Paulus.

2. Die Orts-, Zeit- und Personenangaben passen nicht zu der uns bekannten Chronologie des Lebens und Wirkens des Paulus.

3. Die in den Pastoralbriefen angeschriebenen Gemeinden sind geschichtlich erkennbar weiter in Richtung Amtskirche entwickelt als zu der Zeit des Apostels.

4. Die in den Briefen bekämpften Irrlehrer passen eher zu den Gruppen des zweiten Jahrhunderts als zu den Gegnern, die in apostolischer Zeit auftraten. Sie werden in den Pastoralbriefen weniger mit Argumenten als eher polemisch und somit anders bekämpft als es der Apostel Paulus tat.

5. Die theologische Lehre in den Briefen und die von daher entworfene Ethik stehen nicht im Einklang mit der Lehre und Ethik des Paulus.

 

Dagegen wird aber angeführt:

1. Sprachstiluntersuchungen kommen zu dem Ergebnis, daß der zweite Timotheusbrief stilistisch meist sogar näher an den Römerbrief, Philipperbrief oder Galaterbrief herankommt als etwa der erste Korintherbrief; man darf die „Pastoralbriefe“ nicht wie nur einen Brief behandeln. Sie haben auch den damals unbedingt erforderlich üblichen Sprachstil aus dem Anlaß, den ein Vorgesetzter gegenüber seinen bevollmächtigten Delegierten zu verwenden hatte.

2. Die drei Briefe an Mitarbeiter des Apostels lassen sich innerhalb der uns bekannten Wirkungszeit des Apostels Paulus unterbringen. Vor allem längere Zwischenreise einschließlich Überwinterung bietet für den ersten Timotheusbrief und Titus eine gute Datierungsmöglichkeit. Der zweite Timotheusbrief paßt in die erste oder in eine uns unbekannte zweite Gefangenschaft des Apostels in Rom.

3. Die „Pastoralbriefe“ gehen keineswegs polemischer oder anders mit Gegnern um als der „echte“ Paulus. Es ist aber nicht verwunderlich, daß in Mitarbeiterschreiben ein anderer Blickwinkel auf die Gegner zu finden ist.

Außerdem muß geschulten Mitarbeitern gegenüber nicht ausführlich theologisch argumentiert werden, weil diese nicht wie angefochtene Gemeinden zwischen Paulus und anderen Meinungen hin und hergerissen sind. Ihnen gegenüber wird Theologie nicht entfaltet, sondern als erlernt vorausgesetzt. Außerdem zeigen neuere Vergleiche, daß die in den Pastoralbriefen attackierten Gegner den Gegnern sehr ähnlich sind, die in den allgemein als echt geltenden Paulusbriefen bekämpft werden.

4. Alle ihre Angaben zu Gemeinde und Gemeindeleitung weisen nicht in eine spätere Zeit sind nur anders als in Gemeindebriefen, weil sie für Mitarbeiter geschriebene Anleitungen

sind. Der zweite Timotheusbrief hat noch weniger Interesse an entwickelter Gemeinde und deren Leitung als etwa Philipper 1,1 und 3,17ff oder 1.Kor 16,15-18. Und der Titusbrief und der erste Timotheusbrief haben kein Interesse, die Gemeinde ausdrücklich den Leitern „unterzuordnen“.  Solche Organisation setzt etwa Phil 1,1 als längst abgeschlossen schon voraus. Sie liegt zeitlich vor den Gemeindebriefen, in denen Paulus bereits organisierte Gemeinden anschreibt.

5. Es ist umstritten, was theologisch in den Pastoralbriefen nicht „paulinisch“ ist und ob die Ethik in ihnen nicht doch mit der des Paulus vereinbar ist. Die Pastoralbriefe fordern auf Grund erloschener Naherwartung der Wiederkehr Christi keine „bürgerliche“ Anpassung an die Gesellschaft, sondern entwerfen ganz im Sinne der „echten“ Paulusbriefe eine Ethik, die nicht abstoßend, sondern einladend auf die Nichtchristen wirken sollte und die zweitens dazu führt, die Gesellschaft durch den Glauben der Christen aktiv und positiv verändert wird, wie es schon Jesus in der Bergpredigt ganz ähnlich fordert. Im Philipperbrief etwa wird auch kaum mehr Naherwartung erkennbar als in „den“ Pastoralbriefen.

Bei diesen Argumenten für eine Verfasserschaft des Paulus hat man jedoch den Eindruck, als werde vor allem die evangelikale Richtung der Auslegung herangezogen. Diese will unbedingt jede Aussage der Bibel als „Gottes Wort“ festhalten; und ein Brief, der nicht von Paulus stammt, könnte dann nicht Gottes Wort sein. Aber selbstverständlich können auch andere Verfasser Gottes Wort unverfälscht wiedergeben. Eine Aussage ist nicht christlich, weil sie von Paulus stammt, sondern weil sie mit dem Gesamtzeugnis der Bibel und vor allem mit Jesus übereinstimmt].

 

 

1. Timotheusbrief:

 

Gegen die falschen Gesetzesprediger:

Paulus, ein Apostel Jesu Christi nach dem Befehl Gottes, unsers Heilandes, und des Herrn Jesu Christi, der unsre Hoffnung ist, an  Timotheus, meinen rechtschaffenen Sohn im Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn Jesus Christus!

Du weißt, daß ich dich ermahnt habe, in Ephesus zu bleiben, als ich nach Mazedonien zog, und einigen zu befehlen, daß sie nicht anders lehrten, und nicht acht hätten auf die Fabeln und Geschlechtsregister, die kein Ende haben und mehr Fragen aufbringen als Gehorsam gegen  Gottes Ratschluß  im Glauben. Denn die Hauptsumme des Gebotes ist Liebe von reinem Herzen und von gutem Gewissen und von ungefärbtem Glauben. Aber einige sind davon abgeirrt und haben sich hingewandt zu unnützem Geschwätz. Sie wollen die Meister der Schrift sein, und verstehen nicht, was sie sagen oder was sie behaupten.

 

 

Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, wenn es jemand recht gebraucht. Dem Gerechten ist kein Gesetz gegeben, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern, den Hurern, den Knabenschändern, den Menschenhändlern, den Lügnern, den Meineidigen und wenn noch etwas der heilsamen Lehre zuwider ist (1. Tim 1,1-11).

 

Lobpreis der göttlichen Barmherzigkeit:

Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und treu geachtet hat und eingesetzt in das Amt, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war. Aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan im Unglauben. Es ist aber umso reicher gewesen die Gnade unsers Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewiß wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin.

Mir ist darum Barmherzigkeit widerfahren, damit vor allem an mir Jesus Christus zeigte alle Geduld, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.

Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren und allein Weisen, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.

Diese Botschaft befehle ich dir  an, mein Sohn Timotheus, nach den früheren Weissagungen über dich, damit du in ihrer Kraft eine gute Ritterschaft übest und hast den Glauben und gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und am Glauben Schiffbruch erlitten haben. Unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich habe dem Satan übergeben, daß sie gezüchtigt werden und nicht mehr zu lästern (1. Tim 1,12-20).

 

Das Gebet der Gemeinde:

Ich ermahne ich euch nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für alle Regierung, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit. Denn das ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland. Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung. Dafür bin ich eingesetzt als Prediger und Apostel, als Lehrer der Andersgläubigen  im Glauben und in der Wahrheit (1.Tim 2,1-7).

 

Verhalten im Gottesdienst:

So will ich nun, daß die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel. Ebenso sollen die Frauen in anständigem Kleid sich schmücken mit Scham und Zucht, nicht mit Zöpfen oder Gold oder Perlen oder köstlicher Kleidung, sondern, wie es sich für Frauen gehört, die Gottseligkeit bekunden wollen, durch gute Werke. Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau aber gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt. Die Frau aber wurde verführt und ist der Übertretung verfallen. Sie wird aber selig werden durch Kinderkriegen, wenn sie bleibt im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung samt der Zucht (1.Tim 2,8-15)[Hier zeigt sich wieder einmal die damals übliche Einstellung, die aber nicht christlich ist].

 

 

Die Dienste in der Gemeinde:

Das ist sicherlich wahr: Wer ein Leitu8ngsamt in der Gemeinde („Bischof“) begehrt, der begehrt ein köstliches Werk. Es soll aber ein Bischof ohne Strafe sein, der Mann nur einer Frau, nüchtern, mäßig, sittlich, gastfrei, geschickt zur Lehre,  nicht ein Weinsäufer, nicht raufen, nicht streitsüchtig, sondern milde, nicht zänkisch, nicht geldgierig. Er soll seinem eigenen Haus wohl vorstehen, gehorsame Kinder haben (wenn jemand seinem eigenen Hause nicht vorzustehen weiß, wie wird er die Gemeinde Gottes versorgen?). Er sollte kein Neuling sein, damit er sich nicht aufblase und dem Urteil des Teufels verfalle. Er muß aber auch einen guten Ruf bei denen haben, die draußen sind, damit er nicht geschmäht werde und falle in des Teufels Strick.

Ebenso sollen auch die Mitarbeiter der Gemeindeleiter („  Diakone“) ehrbar sein, nicht zweizüngig, nicht Weinsäufer, nicht schändlichen Gewinn suchen, sondern Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen haben. Man prüfe sie vorher und danach lasse man sie dienen, wenn sie ohne Fehler sind.

Ebenso sollen auch ihre Frauen ehrbar sein, nicht Lästerinnen, nüchtern, treu in allen Dingen.

Der Diakon soll der Man nur einer Frau sein, und beide sollen ihren Kindern und Familien wohl vorstehen. Die aber ihre Arbeit gut machen, die erwerben sich selbst eine gutes Ansehen und eine große Freudigkeit im Glauben an Christus Jesus.

Dies schreibe ich dir und hoffe, bald zu dir zu kommen. Wenn es aber noch dauert, sollst du wissen, wie du leben sollst in der Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit. Bekanntlich ist  das gottselige Geheimnis groß: Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Boten Gottes, gepredigt den Heiden, geglaubt von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit (1.Tim 3).

 

Falsche Enthaltsamkeit:

Der Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten Zeiten einige vom Glauben abfallen werden und den verführerischen Geistern und Lehren der Teufel anhängen durch diejenigen, die  heucheln und Lügen reden und ein Brandmal in ihrem Gewissen haben. Sie verlangen, nicht zu heiraten und bestimmte Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat, um sie  mit Danksagung zu nehmen, für die Gläubigen und die, die die Wahrheit erkennen. Denn alle Schöpfung Gottes ist gut, und nichts ist verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird, denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet (1.Tim 4,1-5).

 

Der Dienst des Timotheus:

Wenn du den Mitchristen das vorhältst, so wirst du ein guter Diener Jesu Christi sein, auferzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, bei der du immer gewesen bist.

Aber enthalte dich der ungeistlichen Altweiberfabeln, übe dich selbst aber in der Gottesfurcht.   Denn die leibliche Übung ist wenig nützlich; aber die Gottesfurcht ist zu allen Dingen nützlich und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.  Das ist gewiß wahr und ein teuer wertes Wort. Denn dafür arbeiten und kämpfen wir, weil wir auf den lebendigen Gott gehofft haben, der der Heiland aller Menschen ist, vor allem der Glaubenden. Dies gebiete und lehre.

Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild den Gläubigen im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit. Fahre fort mit Lesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich komme.

Laß nicht außer acht die Gabe, die dir gegeben ist durch die Weissagung mit Handauflegung der Ältesten. Dies laß deine Sorge sein, gehe damit um, auf daß dein Wachstum in allen Dingen sichtbar sei. Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre. Beharre in diesen Stücken. Denn wo du solches tust, wirst du dich selbst selig machen und die dich hören (1. Tim 46-16).

 

Vom Leben  in der Gemeinde:

Einen alten Menschen schelte nicht, sondern ermahne ihn wie ein Vater, die Jungen aber wie ein Bruder, die alten Frauen wie eine Mutter, die jungen wie eine Schwester mit aller Keuschheit. Ehre die Witwen, die rechte Witwen sind.  Wenn aber eine Witwe Enkel oder Kinder hat, die sollen zuerst lernen, im eigenen Haus göttlich zu leben und sich den Eltern dankbar zu erweisen, denn das ist wohl getan und angenehm vor Gott. Das ist aber die rechte Witwe, die einsam ist, die ihre Hoffnung auf Gott stellt und bleibt am Gebet und Flehen Tag und Nacht. Die aber in ihren Lüsten lebt, die ist lebendig tot. Befehle ihnen, daß sie untadelig seien. Wenn aber jemand die Seinen, vor allem seine Familienmitglieder, nicht versorgt, der hat den Glauben verleugnet und ist ärger als ein Andersgläubiger.

Laß keine Witwe zu einem Amt auserwählt werden unter sechzig Jahren, und nur eine, die die Frau nur eines Mannes gewesen ist, und die den Ruf hat, gute Werke getan zu haben: Wenn sie Kinder aufgezogen hat, wenn sie gastfreundlich gewesen ist, wenn sie die Füße der Mit­christen gewaschen hat, wenn sie den Trauernden geholfen hat, wenn sie in allem dem guten Werk nachgekommen ist.

Junge Witwen aber weise ab, denn wenn sie ihrer Begierde nachgeben gegen das Gebot Christi, dann sollen sie heiraten und empfangen dann das Urteil, daß sie die erste Treue gebrochen haben. Daneben lernen sie Faulheit, wenn sie umlaufen durch die Häuser; sie sind aber nicht nur faul sondern auch geschwätzig und vorwitzig und reden, was nicht sein soll.

Deshalb will ich nun, daß die jungen Witwen heiraten, Kinder kriegen, haushalten und dem Widersacher keine Ursache geben zu lästern, denn es haben sich schon einige umgewandt zum Satan. Wenn aber einer gläubigen Frau Witwen anbefohlen sind, die versorge sie und lasse sie nicht der  Gemeinde zur Last werden, damit die  rechten Witwen genug haben (1.Tim 5,1-16).

 

Von den Vorstehern der Gemeinde:

Die Ältesten, die gut der Gemeinde vorstehen, die halte man doppelter Ehre wert, vor allem die arbeiten im Wort und in der Lehre. Denn es spricht die Schrift: „Du sollst dem Ochsen, der drischt nicht das Maul verbinden,“ und „Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert!“

Nimm keine Klage an gegen einen Ältesten ohne zwei oder drei Zeugen. Die sündigen, die strafe vor allen, damit sich auch die andern fürchten. Ich bezeuge vor Gott und dem Herrn Jesus Christus und den auserwählten Gottesboten, daß du das alles beachtest ohne eigenes Gutdünken und nichts tust nach Gunst. Die Hände lege niemand zu bald auf. Habe nicht Anteil an fremden Sünden. Halte dich selber keusch. Trinke nicht noch mehr Wasser, sondern auch ein wenig Wein um deines Magens willen und weil du oft krank bist.

Die Sünden einiger Menschen sind sichtbar und gehen ihnen ins Gericht voran, bei einigen aber werden sie erst danach sichtbar. Ebenso sind auch die guten Werke einiger Menschen sichtbar, und die andern bleiben auch nicht verborgen (1.Tim 5,17-25)

 

 

Von den Sklaven:

Die Sklaven, die unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre wert halten, damit nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werden. Die aber gläubige Herren haben, sollen sie nicht verachten, weil sie Mitchristen sind. Sie sollen vielmehr gehorsam sein, weil sie gläubig und geliebt sind und sich um Wohltun bemühen. Dies lehre und ermahne. (1.Tim 6,1-2).

 

Mahnung an Timotheus:

Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unsers Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die gemäß ist der Gottesfurcht, der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern hat die Seuche der Fragen und Wortkriege, aus der entspringen Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänke von Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die meinen, Frömmigkeit sei ein Gewerbe. Halte dich von diesen fern!

Wer gottesfürchtig ist und läßt sich an allem genügen, der ist ein großer Gewinn.

Denn wir haben nichts in die Welt gebracht, darum werden wir auch nichts hinausbringen.  Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so laßt uns genug daran haben. Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke und viel törichte und schädliche Lüste, die die Menschen versenken ins Verderben und in die Verdammnis. Denn Habsucht ist eine Wurzel alles Übels. Aber danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgefallen und machen sich selbst viel Schmerzen.

Aber du, Gottesmensch, fliehe vor solchen Dingen! Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottssfurcht, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens und ergreife das ewige Leben, zu dem du auch berufen bist und bekannt hast ein gutes Bekenntnis vor vielen Zeugen. Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christus Jesus, daß du das Gebot hältst ohne Flecken, untadelig, bis zur Erscheinung unsers Herrn Jesus Christus,  die uns zeigen wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der in einem Licht wohnt, zu dem niemand vordringen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen wird. Dem sei Ehre und ewige Herrschaft! Amen (1. Tim 6, 3-16)

 

Warnung vor den Reichen:

Den Reichen in dieser Welt gebiete, daß sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf den lebendigen Gott, der uns alles reichlich gibt, um es zu genießen. Sie sollen Gutes tun, reich werden an guten Werken, gern geben, behilflich sein und

sich selbst einen guten Grund legen für die Zukunft bei Gott, damit sie ergreifen das wahre Leben. Timotheus, bewahre, was dir vertraut ist, und meide die ungeistlichen, losen Geschwätze und das Gezänke der fälschlich sogenannten „Erkenntnis“ („Gnosis“), zu der sich einige bekennen und irren ab vom Glauben. Die Gnade sei mit dir! Amen(1. Tim 6,17-21).

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Timotheusbrief:

 

Furchtloses Bekennen:

Ich erinnere dich, daß du erweckst die Gabe Gottes, die in dir ist durch das Auflegung meiner Hände. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium wie ich. Ich schäme mich des Leidens nicht. Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiß, er kann mir bewahren, was mir anvertraut ist, bis an jenen Tag. Halte an dem Vorbilde der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus (2. Tim 1).

 

Gegen die Leidensscheu:

So sei nun stark, mein Sohn, durch die Gnade in Christus Jesus. Und was du von mir gehört hast durch viele Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren. Leide mit als ein guter Streiter Jesu Christi. Und: Wenn jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten. Das ist gewiß wahr: Sterben wir mit, so werden wir auch mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; glauben wir nicht, so bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen (2.Tim 2,1-13).

 

Warnung vor unnützem Wortgezänk:

Hüte dich vor dem ungeistlichen, losen Geschwätzes, denn es hilft viel zum ungöttlichen Wesen, denn ihr Wort frißt um sich wie der Krebs. Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die seinen! und: Es trete ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennt. In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und etliche zu Ehren, etliche aber zu Unehren. Wenn nun jemand sich reinigt von solchen Leuten, der wird ein geheiligtes Gefäß sein zu Ehren, dem Hausherrn brauchbar und zu allem guten Werk bereitet.

Fliehe vor den die Lüsten der Jugend. Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen von reinem Herzen. Aber der törichten und unnützen Fragen enthalte dich, denn du weißt, daß sie nur Zank hervorbringen (2. Tim 2, 14-26, gekürzt)

 

Der Glaube lebt  in der Verfolgung:

Das sollst du aber wissen, daß in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen. Denn es werden Menschen sein, die viel von sich halten, geldgierig, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ungeistlich und so weiter. Sie erwecken den Anschein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie. Solche meide Du aber bist nachgefolgt meiner Lehre, meiner Weise, meiner Meinung, meinem Glauben, meiner Langmut, meiner Liebe, meiner Geduld, meinen Verfolgungen, meinen Leiden.

Alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden. Mit den bösen Menschen aber und verführerischen wird es je länger, je ärger: Sie verführen und werden verführt. Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und dir vertraut ist, zumal du weißt, von wem du gelernt hast. Und weil du von Kind auf die heilige Schrift kennst, kann sie dich unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.

Denn alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit ein Mensch Gottes vollkommen sei und auch zu allem guten Werk geschickt.

Predige das Wort, stehe dazu, es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeit. Strafe, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, in der sie die heilsame Lehre nicht leiden werden, sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken. Du aber sei nüchtern allenthalben, leide willig, zu leiden, tue das Werk eines Predigers der frohen Botschaft, richte dein Amt redlich aus.

Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. In Zukunft ist mir beigelegt der Kranz der Gerechtigkeit, den mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben ((2. Tim 3,1  - 4,8, gekürzt).

 

Schluß:

Bemühe dich, bald zu mir zu kommen. Denn Demas hat mich verlassen und hat diese Welt liebgewonnen und ist nach Thessalonich gezogen. Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. Es sei ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, damit durch mich die Predigt bestätigt würde und alle Andersgläubigen sie hörten. Der Herr aber wird mich erlösen von allem Übel und mir helfen zu seiner himmlischen Herrschaft. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen (2.Tim 4,9-22, gekürzt)

 

 

 

Titusbrief

 

Ich ließ dich in Kreta, daß du solltest vollenden, was noch fehlt, und in den Städte hin und her Gemeindeleiter einzusetzen, die einen guten Ruf haben [Anforderungen wie in 1 Tim 3,1-7]. Denn es gibt viel freche und unnütze Schwätzer und Verführer, besonders die aus den Juden. Denen muß man das Maul stopfen, die da ganze Familien verwirren und lehren, was nicht taugt, um schändlichen Gewinns willen. Ihr eigener Prophet hat gesagt: „Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche!“ [Hier wird die bekannte falsche Aussage zitiert -  die aber auf eine höhere Wahrheit hinweist - in der ein Kreter behauptet, alle Kreter seien Lügner].

Um der Sache willen strafe sie scharf, damit sie gesund seien im Glauben und nicht achten auf die jüdischen Fabeln und Gebote von Menschen, die sich von der Wahrheit abwenden. Den Reinen ist alles rein. Den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist ihr Sinn sowohl als ihr Gewissen.

[Nach einer Ermahnung an die verschiedenen Altersgruppen und soziale Schichten in der Gemeinde, sie sollen sich ihren Rollen entsprechend verhalten, schreibt der Verfasser des Titu­s­briefs:] Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, daß wir das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste verleugnen sollen, und züchtig, gerecht und gottesfürchtig leben in dieser Welt und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes, Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk als Eigentum, das fleißig wäre zu guten Werken (Tit 2).

 

Erinnere sie, daß sie den Regierenden untertan und gehorsam seien und zu allem guten Werk bereit seien, niemand lästern, nicht hadern, gelinde seien, alle Sanftmütigkeit beweisen gegen alle Menschen. Denn wir waren einst auch unweise, ungehorsam, verirrt, dienten den Begierden und mancherlei Wollüsten, und wandelten in Bosheit und Neid, waren verhaßt und haßten uns untereinander.

Als aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes, rettete er uns, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung durch den Geist Gottes, den er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesus Christus, unseren Heiland, damit wir durch dessen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Die Gnade sei mit euch allen! Amen (Tit 3)..