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Mosebücher

 

 

Bibel für Einsteiger

 

Altes Testament 

 

[Das „Alte Testament“ ist die Urkunde des ersten („alten“) Bundes Gottes mit dem Volk Israel, das wir als „Juden“ kennen und das jetzt im Staat Israel wieder eine Heimat gefunden hat. Erzählt wird im Wesentlichen die Geschichte dieses Volkes, die allerdings aus dem Gesichtspunkt des Glaubens betrachtet wird. Aus dem Volk der Juden ging Jesus von Nazareth hervor, der den ursprünglichen Glauben seines Volkes wieder herstellen und auch weiter entwickeln wollte. Die Christen erkannten in ihm Retter („Messias“), der den Juden verheißen worden war, und verehrten ihn als Sohn Gottes. Die Wurzeln des Christentums liegen also im Alten Testament, aber dieses wurde überboten durch das Neue Testament, den neuen Bund, den Gott mit allen Menschen in Jesus Christus schloß.

Die Auswahl und Anordnung der Schriften wurde bis zum Jahr 350 endgültig festgelegt und zusammen mit dem Neuen Testament zur christlichen Bibel. Voraussetzung der Gegenüberstellung von altem und neuem Bund waren die Übereinstimmung des Gottes Israels mit dem Vater Jesu Christi und die unverbrüchliche Geltung seiner Segenszusage an Abraham, er werde der Vater vieler Völker werden, die Jesus Christus erfüllt hat. Die Bezeichnung „alt“ wurde oft mit einer Abwertung des Judentums verbunden („veraltet“ oder „überholt“). Deshalb nennen manche christliche Theologen und Kirchen das Alte Testament heute auch „Erstes Testament“ oder „Hebräische Bibel“.

Die ältesten Überlieferungen sind in den Büchern („Pentateuch“) gesammelt, die dem Mose zugeschrieben werden. Sie erzählen von der Schöpfung der Welt und Urgeschichte der Menschheit bis zur Befreiung und Einwanderung des Volkes Israel in Kanaan. Dabei hat man Sagenkränze, Ortsgründungserzählungen, Stammesüberlieferungen und Gesetzessammlungen verwandt. Es ist also nicht alles wirklich so passiert, wie es heute in den Büchern erscheint. Es geht nur um die Aussage, daß Gott sich ein Volk erwählt hat, es aus Ägypten herausgeführt und einen Bund mit ihm geschlossen hat.

Die Einzelquellen wurden wohl schon in der Königszeit (ab 1000 vCh), besonders aber ab der Zeit der Verbannung (587 vCh), zu größeren Einheiten verbunden:

* Erzväter-Erzählungen (Genesis 12-47)

* Auszug aus Ägypten, Wüstenwanderung und Bundesschluß am Sinai (Exodus)

* Besiedlung des Landes  (Teile des 4. Buchs Moses, Josua und Richter)

* „Urgeschichten“ (Gen 1-11)

* Gesetzessammlungen (Teile des 2. und 4. Buchs und das gesamte 3. und 5. Buch)

Hinzu kamen seit der Königszeit Überlieferungen über die politische Geschichte Israels, die im und nach der Verbannung zu größeren Einheiten wie dem „Deuteronomischen Geschichtswerk“ verbunden wurden: Dazu gehören die Bücher Samuel, Könige und Chronik.

Seit dem 9. Jahrhundert vCh wurden außerdem prophetische Traditionen gesammelt und später entweder in die Geschichtswerke über die Königszeit integriert (Samuel, Nathan, Elia, Elisa) oder zu eigenen prophetischen Einzelbüchern zusammengestellt (von Jesaja bis Maleachi).

Seit der Regierungszeit Salomos im 10. Jahrhundert vCh, besonders aber ab dem 6. Jahrhundert vCh, entstanden liturgische, poetische und weisheitliche Schriften: Gebete  wie die Psalmen, Spruchweisheit wie die Sprichwörter oder die Liebesgedichte des „Hohenlieds“ und nachdenkliche  Weisheitsliteratur wie die Bücher Kohelet und Hiob. Einige Schriften entstanden nach der Rückkehr eines Teils der verbannten Juden 539 vCh (Esra, Nehemia, Ester, Ruth). Von der seit der Makkabäerzeit (etwa 170 vCh) entstandenen apokalyptischen Literatur wurde nur das Buch Daniel in die Bibel aufgenommen].

 

 

Die fünf  Bücher Moses

 

Der griechische Ausdruck für die fünf Bücher Moses ist „Pentateuch“ („Fünfgefäß“, nach

den Krügen, in denen Schriftrollen aufbewahrt wurden, denn deren Umfang bestimmte auch seine Einteilung in fünf „Bücher“). Diese bilden gemeinsam als „Tora“ den ersten Hauptteil der der hebräischen Bibel, bzw. des christlichen Altes Testaments.

 

Der deutsche Name folgt der jüdischen und christlichen Tradition, daß alle Bücher von Mose verfaßt sind. Die Ereignisse von der Schöpfung bis zur Landverteilung in Kanaan gelten als direkte Offenbarung Gottes an Mose. Der Bericht über den Tod des Mose wäre dann seinem Nachfolger Josua zuzuschreiben. Diese Sichtweise wird heute nur noch von orthodoxen Juden sowie einem Teil der Christen (hauptsächlich aus dem sogenannten evangelikalen und/oder fundamentalistischen Spektrum) vertreten.

Heute nehmen die meisten Forscher an, daß der Pentateuch nach dem babylonischen Exil etwa 440 vCh fertiggestellt wurde. Er wird auf Priester in Israel zurückgeführt, die vor allem am Jerusalemer Tempel wirkten. Seine ältesten und lange Zeit mündlich überlieferten Stoffe reichen jedoch bis 1500 vCh zurück. Ab etwa 250 vCh aus dem Althebräischen in die griechische (Septuaginta) und aramäische Sprache (Targum) übersetzt).

 

Die frühe Forschung beobachtete im gesamten Pentateuch verschiedene Unstimmigkeiten (Spannungen) und Dopplungen (Dubletten), so zum Beispiel:

* Zwei Berichte von der Erschaffung der Welt und des Menschen mit zum Teil widersprüchlichen Aussagen: durch das reine Schöpferwort in Gen 1, als Mann durch ein Töpferwerk Gottes, als Frau aus der Rippe des Mannes in Gen 2.

* Zwei Versionen von der Dauer der Sintflut, vom Bau der Arche und der Rettung der Tiere in Gen 6-8.

* Dreifache Rettung der Stammutter Sara bzw. Rebecca in Gen 12, 20 und 26.

* Mehrfache Namenserklärung für das Heiligtum in Bethel in Gen 12, 28 und 35.

* Der ständige Wechsel der Gottesbezeichnung zwischen „Elohim“ und „Jahwe“. Daraus schloß man auf zwei verschiedene Verfasser der Schöpfungserzählungen in Gen 1,1 - 2,4 (Gottestitel „Elohim”) und Gen 2,5 - 3,24 (Gottesname „Jahwe“). Daraus entwickelten sich nacheinander folgende Hypothesen:

  • Ältere Urkundenhypothese (Quellenhypothese):                                                          Unterscheidung eines vormosaischen „Elohisten“ und eines nachmosaischen „Jahwisten“ („Jehowist“) oder drei Quellen mit zwei Elohisten, die von der Schöpfung durchgehend bis zur Landnahme reichen.
  • Fragmentenhypothese:                                                                                          Zahlreiche, ehedem selbständige Erzählkränzen, die erst nach und nach zu einer Gesamterzählung zusammengearbeitet wurden. Ein Erzählkranz ist eine in sich geschlossene Gruppe von Episoden zu einem bestimmten Thema oder einer bestimmten Person, wie etwa die Erzählungen um den Stammvater Abraham oder die Sintflut.
  • Ergänzungshypothese:                                                                                            Als eine Art Verbindung aus Urkunden- und Fragmentenhypothese entwickelte sich die Ergänzungshypothese (Grundschrifthypothese). Danach bestand die Genesis zunächst aus einer einzigen elohistischen Grundschrift, in die ein jahwistischer Redaktor nach und nach einzelne, sich im Umlauf befindliche Erzählkränze einarbeitete.
  • Neuere Urkundenhypothese („Vierquellentheorie“):                                         Der „Hexateuch“ (Pentateuch und Buch Josua sind aus mehreren fortlaufenden, literarischen Quellen zusammengesetzt. Diese lassen sich anhand verschiedener Merkmale wie Wahl der Gottesbezeichnung, bestimmtem Vorzugsvokabular oder der theologischen Ausrichtung unterscheiden.

Der Forscher Julius Wellhausen unterschied vier Quellen:

*  Jahwist (J), aus der Zeit um 950 vCh (Zeit Salomos).

*  Elohist (E), aus der Zeit um 800 vCh (Zeit der Reichsteilung).

*  Priesterschrift (P), aus der Zeit um 550 vCh (Zeit des babylonischen Exils).

*  (Ur-)Deuteronomium (D), aus dem 7. Jahrhundert vCh.

In die jahwistische Quellenschrift (J) arbeitete ein Redaktor (RJE) aus der Zeit unmittelbar nach dem Untergang des Nordreiches Israel im Jahre 722 vCh die elohistische Quelle (E) ein und schuf so das „Jahwistische Geschichtswerk“ (JE). Dieses wurde dann in nachexilischer Zeit wiederum in die Priesterschrift eingearbeitet. Schließlich wurde von einem weiteren Redaktor (nach Wellhausen möglicherweise Esra) das Deuteronomium als eigene Größe hinzugefügt und so entstand der Pentateuch in seiner heutigen Gestalt.

  • Aktuelle Forschung:                                                                                                              Bei J und E handelt es sich nach Ansicht der neueren Forschung seit Beginn der 1970er Jahre insofern nicht um Quellen, da sie die Kriterien einer eigenständigen Quelle (sinnvoller Anfang, sinnvolles Ende, durchlaufender Erzählfaden und erkennbare Gesamtkonzeption) nicht erfüllen. Daher geht die aktuelle Forschung meist nur noch von einer wirklichen Quelle innerhalb des Pentateuch aus, der Priesterschrift. Allein die Priesterschrift besitzt einen von der Erschaffung der Welt bis zur Landnahme reichenden, durchgehenden Erzählfaden. Sie zeichnet sich durch eine klar erkennbare theologische Linie und wiederkehrende Formulierungen aus.                                     Alle anderen Texte, die zuvor J oder E zugewiesen wurden, werden heute in der Regel zu jüngeren Redaktionen gerechnet oder als ältere Einzeltraditionen angesehen. Die Mehrzahl der neueren exegetischen Entwürfe. spricht bei diesen Texten daher einfach von vor- oder nicht-priesterschriftlichen Texten. Auch das Deuteronomium kann strenggenommen nicht als Quelle betrachtet werden, da es keinen gesamten Geschichtsverlauf erzählt. Die Figur des Mose als Mittel gesehen, um sekundär ganz verschiedene, ursprünglich selbständig überlieferte Traditionskomplexe miteinander zu verbinden: den Exodus Israels aus Ägypten, den Zug durch die Wüste, die Sinaioffenbarung und den Beginn der Landnahme.

 

Der Pentateuch ist thematisch in drei Hauptteile gegliedert:

* 1. Buch Mose: Urgeschichte und Erzväter-Erzählungen. Sie behandeln noch nicht die Gesamtgeschichte Israels, sondern seine Vorgeschichte, die mit der Schöpfung der Welt und Berufung verschiedener Stammväter beginnt. Sie enthalten viele Mythen, Legenden und Namenserklärungen, in denen sich historische Erinnerungen nomadischer Sippen an die vorstaatliche Frühzeit der Israeliten verbergen.

* 2. bis 4. Buch Mose: Diese Bücher stellen die eigentliche Heilsgeschichte des Volkes Israel vom Auszug aus Ägypten und Offenbarung der Zehn Gebote Gottes am Sinai bis zur „Landnahme“ Kanaans dar.

* 5. Buch Mose: Dieses enthält nun keine Geschichtserzählungen mehr, sondern nur noch Mose zugeschriebene Reden und Gesetze, die überwiegend schon bekannte Toragebote aus der Sinaitradition übernehmen, aber auch leicht verändern und kommentieren.

 

Die drei Hauptteile durchziehen sieben große Themenkreise, die schon in sehr frühen Glaubensbekenntnissen Gesamtisraels als Stationen einer Heilsgeschichte aneinandergereiht wurden (Dtn 26,5-9):

1. Ein umherirrender Aramäer war mein Vater (Erzvätergeschichten)

2. Er zog nach Ägypten und wurde dort ein großes Volk (Josephserzählung)

3. Gott führte uns heraus aus Ägypten unter großen Schrecken und Wundern (Auszug)

4. Gott brachte uns an diesen Ort (Zug durch die Wüste)

5. Gott gab uns dieses Land, in dem Milch und Honig fließt (Eroberung Kanaans).

6. Bund am Sinai

7. Urgeschichte.

Diese Reihung umgreift eine Geschichtsperiode von gut 500 Jahren von den nomadischen Anfängen Israels bis zur Besiedelung des fruchtbaren Landes Kanaan. Die Themenkomplexe Sinaibund und Urgeschichte fehlen in den alten Glaubensbekenntnissen Israels, da ihr Einbau in den Pentateuch relativ spät erfolgte. Kristallisationskern und ordnendes Zentrum der Überlieferung ist das Thema der Befreiung aus der Sklaverei, mit der Gott sich erstmals unter seinem Namen offenbart und Israel zu seinem Bundesvolk erwählt (Ex 3).

Zu den in der „Weisung“ (Tora) enthaltenen in sich geschlossenen Gesetzeswerken zählt man

Die Zehn Gebote (den Dekalog Ex 20 und Dtn 5), das Bundesbuch (Ex 21-23), das Priestergesetz (Ex 25 - Num 10 und in Numeri verstreute Nachträge), darin eingefügt das Heiligkeitsgesetz (Lev 17-26), und schließlich das deuteronomische Gesetz (Dtn 12-26).

 

 

Mose-Erzählungen

Das zweite Buch Mose (Exodus)

[Das 2. Buch Mose heißt im Lateinischen „Exodus“ („Auszug“). Es handelt vom Auszug der Israeliten aus Ägypten unter der Führung des Mose auf dem Weg in das gelobte Land Kanaan. Zentrales Thema des Buches ist der Bund Gottes mit dem Volk Israel. Mehrfach findet sich das Motiv des oder der zweifelnden Menschen, der Abfall von Gott, die Rückkehr zu Gott und die Bestrafung oder Vergebung durch Gott mit Erneuerung oder Bestätigung des geschlossenen Bundes. Gleichzeitig ist die Rolle des Volks Israel in der Beziehung zu seinem „Jahwe“(JHWH) genannten Gott von Bedeutung.

Das Buch setzt mit der Geburt Moses ein und beschreibt aufkommende Konflikte zwischen Israeliten und Ägyptern. Der Auszug kann erst beginnen, nachdem Ägypten von den Zehn Plagen heimgesucht ist. Die folgende Flucht führt durch das trockenfallende Rote Meer in die Wüste des Sinai, wo Gott am Berg Sinai die Zehn Gebote offenbart. Es folgt der Bund Gottes mit dem Volk Israel, bei dem die Rolle Aarons, des älteren Bruders Moses, an Bedeutung gewinnt. Es werden die Bundesgesetze aufgestellt, die das Volk Israel unter eine Priesterschaft stellen. Als Zeichen dieses Bundes werden die Bundeslade, ein Holzkasten mit Steintafeln darin, auf denen die Zehn Gebote eingeschrieben sind, und ein transportabler Zelt-Tempel vom Troß als Heiligtum mitgeführt. Das Tempelzelt, dessen Konstruktion sehr detailliert beschrieben wird, stellt die erste Form des israelitischen Tempels dar.

Letztlich gibt das 2. Buch Mose die Rechtfertigung für den Anspruch des jüdischen Volkes auf sein Land. Gleichzeitig führt die jüdische Religion viele ihrer grundlegenden Glaubensinhalte auf Offenbarungen Gottes zurück, die im 2. Buch Mose zu finden sind. Im Christentum gilt der Auszug aus Ägypten als wichtigstes Bild für den Abschied von der Sklaverei der Sünden, der unter der Führung Christi möglich wird].

 

Die Israeliten in Ägypten und Mose Geburt und Auftrag (Kapitel 1-4)

In Ägypten gab es eine Gruppe von Menschen, aus denen später das Volk Israel wurde, die aber damals noch Hebräer genannt wurden. Ihre Zahl wuchs aber immer mehr an, weil sie viele Kinder hatten, so daß das Land voll von ihnen wurde. Deshalb sprach der König von Ägypten („Pharao“): „Die Hebräer sind viel und mehr und stärker als wir. Deshalb wollen wir mit List niederhalten, damit sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch auf die Seite unserer Feinde schlagen und gegen uns streiten und das Land verlassen!“

Deshalb setzte man besondere Aufseher über sie ein, die sie mit Zwangsarbeit bedrücken sollten: Sie  bauten dem Pharao die Städte Pithon und Ramses als Vorratsstädte. Aber je mehr sie das Volk unterdrückten, desto mehr mehrte es sich und breitete sich aus. Und es kam sie ein Grauen an vor den Hebräern.

Die Ägypter zwangen die Hebräer unbarmherzig zum Dienst. Sie machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit allerlei Frondienst auf dem Feld und mit allerlei Arbeit, die sie ihnen auflegten mit Unbarmherzigkeit.

Und der König in Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen: „Wenn ihr den hebräischen Frauen helft, und bei der Geburt seht, daß es ein Sohn ist, so tötet ihn. Ist es aber eine Tochter, so laßt sie leben!“ Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben.

Da rief der König in Ägypten die Hebammen und sprach zu ihnen: „Warum tut ihr das, daß ihr die Kinder leben laßt?“ Die Hebammen antworteten Pharao: „Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen; ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren!“Darum tat Gott den Hebammen Gutes. Und das Volk vermehrte sich und wurde sehr stark (Ex 1,1-21, am Anfang gekürzt).

 

Geburt des Mose:

Da gebot der Pharao seinem Volk und sprach: „Alle Söhne, die geboren werden, werft ins Wasser, aber alle Töchter laßt leben. Da wurde einem Ehepaar aus dem Stamm Levi ein Kind geboren. Als die Mutter sah, daß ein feines Kind war, verbarg sie den Sohn drei Monate. Aber als sie ihn nicht länger verbergen konnte, machte sie ein Kästchen aus Rohr und verklebte es mit Erdharz und Pech und legte das Kind hinein und legte ihn in das Schilf am Ufer des Nils.

Seine Schwester aber stand etwas entfernt, weil sie erfahren wollte, wie es ihm gehen würde. Da ging die Tochter des Pharao das Ufer hinab und wollte im Wasser baden. Ihre Freundinnen gingen am Ufer hin und her. Als die Königstochter das Kästchen im Schilf sah, sandte sie ihre Dienerin hin und ließ es holen. Als sie da Kästchen auftat, sah sie das Kind. Da weinte der Junge. Er jammerte sie, und sie sprach: „Es ist eines der hebräischen Kinder!“ Da sprach die Schwester des Jungen zu der Tochter des Pharao: „Soll ich hingehen und eine der hebräischen Frauen rufen, die gerade stillt, damit sie für dich das Kind stille?“ Die Tochter des Pharao sprach zu ihr: „Geh hin!“ Das Mädchen ging hin und rief die Mutter des Kindes. Da sprach die Tochter des Pharao zu ihr: „Nimm in das Kind und stille es für mich. Ich will es dir lohnen!“ Die Frau nahm das Kind und stillte es. Als das Kind groß war, brachte die Mutter es zu der Tochter des Pharao, und es wurde ihr Sohn, und sie hieß ihn „Mose“, denn sie sprach: „Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen!“ (Ex 1,22- 2,10).

 

Flucht des Mose:

Als Mose groß geworden war, ging er aus zu seinen Landsleuten. Er sah ihren Frondienst und wie ein Ägypter einen seiner hebräischen Landsleute schlug. Da schaute er sich nach allen Seiten um, und als er sah, daß kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn in den Sand.

Am andern Tag ging er wieder hinaus und sah zwei hebräische Männer miteinander streiten und sprach zu dem, der im Unrecht war: „Warum schlägst du deinen Mitmenschen?“ Er aber sprach: „Wer hat dich zum Aufseher oder Richter über uns eingesetzt? Willst du mich auch umbringen, wie du den Ägypter um gebracht hast?“ Da fürchtete sich Mose und sprach: „Wie ist das bekannt geworden?“ Es kam auch vor den Pharao. Der trachtete nun danach, Mose zu töten. Aber Mose floh vor dem Pharao und hielt sich auf im Lande Midian und wohnte bei einem Brunnen.

Der Priester aber von Midian hatte sieben Töchter. Die kamen, um Wasser zu schöpfen an dem Brunnen, und füllten die Rinnen, um die Schafe ihres Vaters zu tränken. Da kamen die Hirten und stießen sie weg. Aber Mose stand auf und half ihnen und tränkte ihre Schafe.

Als sie zu ihrem Vater kamen, sprach er: „Warum seid ihr heute so bald gekommen?“

Sie sprachen: Ein ägyptischer Mann stand uns bei gegen die Hirten und schöpfte für uns und tränkte die Schafe. Er sprach zu seinen Töchtern: „Wo ist er? Warum habt ihr den Mann draußen? Ladet ihn doch ein, mit uns zu essen!“

Mose willigte ein, bei dem Mann zu bleiben. Und er gab Mose seine Tochter Zippora zur Frau. Sie gebar einen Sohn. Mose hieß ihn „Gersom“, denn er sprach: „Ich bin ein Fremdling geworden im fremden Lande.“ Lange Zeit aber danach starb der König in Ägypten. Aber die Hebräer seufzten weiter wegen ihrer Arbeit und schrieen, und ihr Schreien über ihre Sklaverei kam vor Gott. Und Gott erhörte ihr Wehklagen und gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Und Gott sah auf die Hebräer und nahm sich ihrer an  (Ex 2,11-25).

 

Berufung des Mose:

Mose hütete die Schafe seines Schwiegervaters und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. Und der Bote des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, daß der Busch mit Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Er sprach: „Ich will hingehen und die  seltsame Erscheinung ansehen, warum der Busch nicht verbrennt!“

Da  rief ihm Gott aus dem Busch und sprach: „Mose, Mose!“ Er antwortete: „Hier bin ich!“

Gott sprach: „Komm nicht näher. Ziehe aber deine Schuhe von deinen Füßen, denn die Stelle, auf der du stehst, ist ein heiliges Land!“ Und er sprach weiter: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs!“ Und Mose verhüllte sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

Und der Herr sprach: „Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und habe ihr Geschrei über ihre Unterdrücker gehört und habe ihr Leiden erkannt und bin niedergefahren, daß ich sie errette von der Hand der Ägypter und sie führe heraus aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Land der Kanaanäer, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter.

Ich will dich zum Pharao senden, daß du mein Volk aus Ägypten herausführst.

Mose aber sprach zu Gott: „Wer bin ich, daß ich zum Pharao gehe und führe die Hebräer aus Ägypten?“ Gott sprach: „Ich will mit dir sein. Und das soll dir ein Zeichen sein, daß ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berg!“

Mose sprach zu Gott: „Siehe, wenn ich zu den Hebräern komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mir sagen werden: Wie heißt sein Name? was soll ich ihnen sagen?“

Gott sprach zu Mose: „ICH WERDE SEIN, DER ICH SEIN WERDE. So sollst du den Hebräern sagen: ICH WERDE SEIN hat mich zu euch gesandt! Darum so gehe hin und versammle die Ältesten de Hebräer und sprich zu ihnen: Der Herr, euer Väter Gott, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, und hat gesagt: Ich habe mich eurer angenommen, und gesehen, was euch in Ägypten widerfahren ist, und habe gesagt: Ich will euch aus dem Elend Ägyptens führen in das Land der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter, in das Land, in dem Milch und Honig fließt!“

Gott verspricht auch daß sie auf Mose hören werden. Danach sollst er mit den Ältesten der Hebräer zum König in Ägypten hineingehen und zu ihm sagen: „Der Herr, der Hebräer Gott, ist uns erschienen. Laß uns nun drei Tagereisen in die Wüste gehen, damit wir unserm Gott opfern!“

Gott sagt aber zu Mose: „Aber ich weiß, daß euch der König in Ägypten nicht ziehen lassen wird, er werde denn gezwungen durch eine starke Hand. Daher werde ich meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit an den Wundern, die ich darin tun werde. Danach wird er euch ziehen lassen. Auch will ich diesem Volk Gnade geben bei den Ägyptern: Wenn ihr auszieht, werdet ihr nicht leer ausziehen, sondern jede Frau soll sich von ihrer Nachbarin silberne und goldene Gefäße und Kleider geben lassen. Die sollt ihr euren Söhnen und Töchtern anlegen und von den Ägyptern als Beute nehmen.

 Mose antwortete: „Siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören, sondern werden sagen: Der Herr ist dir nicht erschienen!“ Der Herr sprach zu ihm: „Was hast du da in deiner Hand?“ Er sprach: „Einen Stab!“ Gott sprach: „Wirf ihn vor dir auf die Erde!“ Er warf ihn von sich, da wurde er zur Schlange, und Mose floh vor ihr. Aber der Herr sprach zu ihm: „Strecke deine Hand aus und packe sie bei dem Schwanz!“ Da streckte er seine Hand aus und ergriff sie, und sie wurde zum Stab in seiner Hand. Gott sprach: „Darum werden sie glauben, daß dir erschienen ist der Herr, der Gott ihrer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs!“

Nach zwei weiteren Wunderzeichen har Mose nur noch ein Bedenken: „Ach mein Herr, ich bin von jeher nicht wohl beredt gewesen, auch jetzt nicht, wo du mit deinem Diener geredet hast, denn ich habe eine schwere Sprache und eine schwere Zunge!“ Der Herr sprach zu ihm: „Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen? Oder wer hat den Stummen oder Tauben oder Sehenden oder Blinden gemacht?

Habe nicht ich es getan, der Herr? So geh nun hin: Ich will mit deinem Munde sein und dich lehren, was du sagen sollst!“ Mose sprach aber: „Mein Herr, sende, wen du senden willst, nur nicht mich!“ Da wurde der Herr sehr zornig über Mose und sprach: „Weiß ich denn nicht, daß dein Bruder Aaron aus dem Stamm Levi sehr redegewandt ist? Er wird dir entgegen kommen. Und wenn er dich sieht, wird er sich von Herzen freuen. Du sollst zu ihm reden und die Worte in seinen Mund legen. Und ich will mit deinem und seinem Munde sein und euch lehren, was ihr tun sollt. Er soll für dich zum Volk reden, er soll dein Mund sein, und du sollst für ihn wie Gott sein. Und diesen Stab nimm in deine Hand, mit dem du die Zeichen tun sollst!“ (Ex 3,1 - 417).

 

Rückkehr des Mose nach Ägypten:

Mose ging hin und kam wieder zu seinem Schwiegervater, und sprach zu ihm: „Laß mich doch gehen, daß ich wieder zu meinen Landsleuten komme, die in Ägypten sind, und sehe, ob sie noch leben!“ Der Schwiegervater sprach zu ihm: „Gehe hin mit Frieden“. Der Herr sprach zu Mose: „Geh hin und zieh wieder nach Ägypten, denn die Leute sind tot, die dir nach dem Leben trachteten!“ Also nahm Mose seine Frau und seine Söhne und setzte sie auf einem Esel und zog wieder nach Ägyptenland und nahm den Stab Gottes in seine Hand.

Und der Herr sprach zu Mose: Siehe zu, wenn du wieder nach Ägypten kommst, daß du alle Wunder tust vor dem Pharao, die ich dir in deine Hand gegeben habe. Aber ich will sein Herz hart machen, daß er das Volk nicht ziehen lassen wird. Doch du sollst zu ihm sagen: „So sagt der Herr: Das Volk der Hebräer ist mein erstgeborener Sohn. Ich gebiete dir, daß du meinen Sohn ziehen läßt, daß er mir diene. Wenn du dich aber weigern solltest, so werde ich deinen erstgeborenen Sohn töten!“

Aaron ging hin Mose in die Wüste und begegnete ihm am Berge Gottes und küßte ihn. Und Mose sagte Aaron alle Worte, die der Herrn mit ihm geredet hatte. Und sie gingen hin und versammelten alle Ältesten der Hebräer. Und Aaron redete alle Worte, die der Herr mit Mose geredet hatte. Und das Volk glaubte. Und als sie hörten, daß sich der Herr der Hebräer annagenommen hatte und ihr Elend angesehen hätte, neigten sie sich und beteten an (Ex 4,18-31).

 

Mose und Aaron vor dem Pharao: Die Zehn Plagen (Kapitel 5-13)

 

Noch härte Unterdrückung der Hebräer:

Danach gingen Mose und Aaron hinein und sprachen zu Pharao: „So sagt der Herr, der Gott der Hebräer: Laß mein Volk ziehen, daß es mir ein Fest halte in der Wüste!“ Der Pharao antwortete: „Wer ist der Herr, des Stimme ich hören müßte und Israel ziehen lasse? Ich weiß nichts von dem Herrn, will auch die Hebräer nicht ziehen lassen!“ Sie sprachen: „Der Gott der Hebräer hat uns gerufen. So laß uns nun hinziehen drei Tagereisen in die Wüste und unserm Gott opfern, damit er uns nicht schlage mit Pest oder Schwert!“ Da sprach der König in Ägypten zu ihnen: „Mose und Aaron, warum wollt ihr das Volk von seiner Arbeit frei machen? Geht hin an eure Dienste!“

Weiter sprach der Pharao für sich: „Siehe, sie sind schon mehr als die Einheimischen, und ihr wollt sie noch feiern lasse?“ Am gleichen Tag befahl er den Vögten und ihren Aufsehern:

„Ihr sollt dem Volk nicht mehr Strohhäcksel geben, um wie  bisher Ziegel zu machen. Laßt sie selbst hingehen, und Stroh dafür zusammenlesen. Aber die Zahl der Ziegel, die sie bisher gemacht haben, sollt ihr ihnen dennoch aufdrücken. und nichts nachlassen, denn sie sind faul. Darum schreien sie: Wir wollen hinziehen und unserm Gott opfern! Man drücke die Leute mit Arbeit, daß sie zu schaffen haben und sich nicht um falsche Reden kümmern!“

Da gingen die Vögte und ihre Aufseher hin und sprachen zum Volk: „So spricht der Pharao: Man wird euch kein Häcksel geben. Geht ihr selbst hin und sammelt euch Häcksel, wo ihr es findet. Aber von eurer Arbeit soll euch nichts erlassen werden.

Da zerstreute sich das Volk ins ganze Land Ägypten, umStro0h zu sammeln, damit sie Häcksel hätten. Die Vögte trieben sie an und sprachen: „Erfüllt euer Tagwerk, sowie vorher, als ihr Stroh hattet!“ Und die Vertrauensleute der Hebräer, die die Vögte des Pharao über sie gesetzt hatten, wurden geschlagen, und es wurde zu ihnen gesagt: „Warum habt ihr nicht auch heute

euer festgesetztes Tagwerk geschafft wie bisher?“

Da gingen die Vertrauensleute der Hebräer Israel hinein zum Pharao und schrien: „Warum verfährst du so  mit deinen Sklaven? Man gibt den Arbeitern kein Häcksel, und sie sollen die Ziegel machen, die uns vorgeschrieben sind. Deine Diener werden geschlagen, und du versündigst dich an deinem Volk!“

Der Pharao aber sprach: „Ihr seid Faulenzer, Faulenzer seid ihr. Darum sprecht ihr: Wir wollen hinziehen und dem Herrn opfern. So geht nun hin und leistet eure Arbeit. Häcksel soll man euch nicht geben, aber die Anzahl der Ziegel sollt ihr schaffen. Da sahen die Vertrauensleute der Hebräer, daß es mit ihnen übel stand, weil man sagte: Ihr sollt das Tagwerk an Ziegeln nicht vermindern.

Als sie vom Pharao gingen, begegneten sie Mose und Aaron und traten ihnen entgegen und sprachen zu ihnen: „Der Herr richte seine Augen gegen euch und straf es, daß ihr uns vor dem Pharao und seinen Großen in Verruf gebracht habt und habt ihnen so das Schwert in die Hände gegeben, uns zu töten!“

Mose kam wieder zu dem Herrn und sprach: „Herr, warum tust du so übel an diesem Volk? Warum hast du mich hierher gesandt? Denn seitdem  ich hineingegangen bin zum Pharao, um mit ihm zu reden in deinem Namen, hat er das Volk noch härter geplagt, und du hast dein Volk nicht errettet!“ Der Herr sprach zu Mose: „Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao antun werde. Denn durch eine starke Hand gezwungen muß er sie lassen ziehen und sie sogar

aus seinem Land von sich treiben!“ (Ex 5, 1 - 6,1).

 

[In Ex 6,2-13 wird noch einmal die Beauftragung des Mose geschildert, die von einer anderen Verfasser stammt. In Ex 2,14-30 folgt eine Aufzählung der Vorfahren Moses und Aarons. In den Kapiteln 7 bis 11werden dann die „ägyptischen Plagen“ geschildert, durch die der Pharao gezwungen werden soll, die Hebräer doch ziehen zu lassen. Diese haben sich jedoch nicht wirklich aus diesem Anlaß ereignet, hier wird nur das Wissen von solchen möglichen Plagen in die Erzählung von Auszug aus Ägypten eingebaut. Die Plagen im Einzelnen sind:

1. Das Nilwasser wird zu Blut

2. Frösche wimmeln im Land

3. Mücken plagen Mensch und Tier

4. Stechfliegen plagen Mensch und Tier

5. Eine Seuche rafft das Vieh dahin

6. Bei Mensch und Vieh brechen Geschwüre auf

7. Hagelstürme verwüsten das Land

8. Heuschrecken fressen das Land kahl

9. Drei Tage herrscht Dunkelheit im Land

10. Obwohl von den immer bedrohlicher werdenden Plagen erschrocken, gewährt der Pharao den Auszug der Israeliten nicht. Die Hebräer werden im übrigen von den Plagen verschont. Erst die letzte, zehnte Plage, der Tod aller männlichen Erstgeborenen der Ägypter, überzeugt den Pharao, die Israeliten ziehen zu lassen].

Einsetzung des Passahfestes:

Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägypten: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm sollt ihr die Monates des Jahres zählen. Sagt der ganzen Gemeinde: „Am zehnten Tage dieses Monats nehme jedes Familienoberhaupt ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Haus für ein Lamm zu wenig Bewohner sind, so nehme er es mit seinem nächsten Nachbarn zusammen, bis sie so viel sind, daß sie das Lamm aufessen können. Ihr sollt aber ein Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier und ein Jahr alt. Ihr sollt es aufheben bis zum vierzehnten Tag des Monats. Dann soll jede Gruppe im ganzen Volk es gegen Abend schlachten.

Ihr sollt von seinem Blut nehmen und damit beide Pfosten der Tür und die obere Schwelle an den Häusern bestreichen. In derselben Nacht sollt ihr das am Feuer gebratene Fleisch essen und ungesäuertes Brot mit bitteren Kräutern. Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und Innereien. Und ihr sollt nichts davon übriglassen bis zum Morgen, sondern wenn etwas  übrigbleibt

sollt ihr es mit Feuer verbrennen.

Ihr sollt es aber so essen: Um eure Lenden sollt ihr den Gürtel gelegt haben und eure Schuhe an den Füßen haben und den Stab in euren Händen. Ihr sollt es essen wie Menschen, die davon­eilen. Das ist des Herrn Passah. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägypten gehen und alle Erstgeborenen töten in Ägypten, unter den Menschen und unter dem Vieh, und will Strafgericht halten über alle Göttern der Ägypter - ich, der Herr.

Dann soll das Blut soll ein Zeichen sein an alle euren Häusern: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen und die Plage wird euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägypten bestrafe. Ihr sollt diesen Tag zum Gedenktag machen und sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Sieben Tage sollt ihr ungesäuertes Brot essen, und zwar vom Abend des vierzehnten Tags

bis zum Abend des einundzwanzigsten Tags des Monats, so daß man sieben Tage keinen Sauerteig in euren Häusern finde

Schon am ersten Tag sollt ihr den Sauerteig aus euren Häusern tun. Wer gesäuertes Brot ißt vom ersten Tage an bis auf den siebenten, der soll ausgerottet werden aus Israel. Am ersten und am siebten Tag soll heilige Versammlung sein. Keine Arbeit sollt ihr dann tun, nur was jeder zur Speise braucht, das allein dürft ihr für euch zubereiten. Haltet das Gebot der ungesäuerten Brote. Denn an diesem Tag habe ich eure Schar aus Ägypten geführt. Darum sollt ihr diesen Tag einhalten, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung!“ [Hier leicht gekürzt].

Und Mose rief alle Ältesten zusammen und sprach zu ihnen: „Sucht euch Schafe aus und nehmt sie für eure Familien und schlachtet das Passahlamm. Nehmt einen Büschel Isop und taucht in das Blut in dem Becken und bestreicht damit die obere Schwelle und die zwei Pfosten. Und kein Mensch gehe aus seiner Haustür heraus bis zum Morgen. Denn der Herr wird umhergehen und die Ägypter töten. Aber wenn er das Blut sehen wird an der oberen Schwelle und den zwei Pfosten, wird er an der Tür vorübergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen. Und wenn ihr in das Land kommt, das euch der Herr geben wird,  so behaltet diesen Brauch bei. Wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was habt ihr da für einen Brauch? Dann sollt ihr sagen: Es ist das Passahopfer des Herrn, der an unserem Volk vorüber ging in Ägypten, als er die Ägypter tötete und unsere Häuser rettete!“

Da verneigte sich das Volk und betete an. Und sie gingen hin und taten, wie der Herr Mose und Aaron geboten hatte. Um Mitternacht tötete der Herr alle Erstgeborenen in Ägypten von dem ersten Sohn des Pharao bis zu dem ersten Sohn des Gefangenen im Gefängnis und alle Erstgeborenen des Viehs. Da standen der Pharao auf und alle seine Großen und alle Ägypter, und es war ein großes Geschrei in Ägypten, denn es war kein Haus, darin nicht ein Toter war. Der Herr rief Moses und Aaron in der Nacht zu sich und sprach: „Macht euch auf und zieht los. Geht hin und dient dem Herrn, wie ihr gesagt habt. Nehmt auch eure Schafe und Rinder mit, wie ihr gesagt habt. Geht hin und bittet auch um Segen für mich (Ex 12,1-32)

 

Auszug der Hebräer:

Die Ägypter aber drängten das Volk und trieben es eilend aus dem Land, denn sie sprachen: „Wir sind alle des Todes!“ Und das Volk trug den rohen Teig, ehe er durchsäuert war, ihre Backschüsseln in ihre Mäntel gewickelt auf ihren Schultern. Sie hatten getan, wie Mose gesagt hatte, und von den Ägyptern silberne und goldene Geräte und Kleider gefordert. Gott hatte auch gemacht, daß die Ägypter ihnen gegenüber willig waren, und so nahmen sie alles von den Ägyptern zur Beute. So zogen die Hebräer aus von Ramses nach Sukkoth, sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Frauen und Kinder. Es zog auch mit ihnen viel fremdes Volk, dazu Schafe und Rinder, sehr viel Vieh.

[Diese Zahlen wurden in der Vergangenheit unkritisch als historische Begebenheit akzeptiert. Archäologische Hinweise auf derartig große Bevölkerungsbewegungen im Sinaigebiet oder eine Einwanderung nach Kanaan liegen aber nicht vor. In Kanaan lebten zu jener Zeit nur 50.000 bis 100.000 Menschen. Viele Forscher gehen daher von einer viel kleineren Auswanderung aus, die auch noch gar nicht alle zwölf Stämme umfaßte. Auch wenn nur etwa 400 Personen die Rettung am Meer und den Bundesschluß erlebt haben sollten, so ist dieses Ereignis dennoch die Grundlage des Glaubens des ganzen späteren Volkes Israel].

Die Zeit aber, in der die Hebräer in Ägypten gewohnt haben, sind vierhundertunddreißig Jahre. Als diese um waren, ging das ganze Heer des Herrn an diesem Tag aus Ägyptenland. Eine Für den Herrn war das eine Nacht des Wachens, um sie aus Ägypten zu führen. Deshalb soll auch das Volk diese Nacht zu Ehren des Herrn wachen, sie und ihre Nachkommen.

 

Der Herr sprach zu Mose und Aaron: „Dies ist die Ordnung, das Passah zu halten. Kein Ausländer soll davon essen. Aber wer ein gekaufter Sklave ist, den beschneide man, und dann darf er davon essen. Aber kein Unbeschnittener soll davon essen. Wenn ein Fremder bei dir wohnt und dem Herrn das Passah halten will, der beschneide alles, was männlich ist. Dann trete er herbei, daß er das Passah halte, und sei wie ein Angehöriger des Volkes. Denn es gilt einerlei Ordnung für die Angehörigen unsres Volks und die Fremden, die unter euch wohnen. Alle Mitglieder des Volks taten, wie der Herr Mose und Aaron hatte geboten. So führte der Herr auf einen Tag die Kinder Israel aus Ägypten mit ihrem Heer (Ex 12,33-51, am Schluß gekürzt).

 

Verfolgung der Israeliten und Durchquerung des Roten Meeres (Kapitel 13-15)

 

Heiligung der Erstgeburt und Fest der ungesäuerten Brote:

Der Herr redete mit Mose: „Stelle mir alle Erstgeborenen zur Verfügung („heilige mir“). Denn alles, was zuerst den Mutterschoß durchbricht bricht, bei Mensch und Vieh, das ist mein. Wenn dich dann der Herr ins Land der Kanaaniter gebracht hat, dann sollst du dem Herrn alles aussondern, was den Mutterschoß durchbricht.

Alle männlichen Erstgeborenen unter dem Vieh gehören dem Herrn. Die Erstgeborenen vom Esel sollst du auslösen mit einem Schaf. Beim Menschen aber sollst du alle Erstgebornen unter deinen Söhnen auslösen.

Und wenn dich heute oder morgen dein Kind wird fragen: „Was bedeutet das?“ sollst du ihm sagen: „Der Herr hat uns mit mächtiger Hand aus der Sklaverei in Ägypten geführt. Und weil der Pharao hart war, uns loszulassen, erschlug der Herr alle Erstgebornen in Ägypten. Darum opfere ich dem Herrn alles Männliche, was geboren wird, aber die Erstgeburt meiner Söhne löse ich aus. Das soll dir ein Zeichen auf deiner Hand sein und ein Merkzeichen zwischen deinen Augen, denn der Herr hat uns mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt!“

Auch das Fest der ungesäuerten Brote befahl Gott dem Volk: „Wenn dich der Herr in das Land der Kanaanäer bringen wird, so sollst du den Brauch halten in dem Monat. SiebenTage sollst du ungesäuertes Brot essen, und am siebten Tag ist das Fest des Herrn. Ihr sollt  euren Söhnen sagen: Das halten wir deswegen ein, weil Gott so viel an uns getan hat, als wir aus Ägypten zogen. Das soll dir ein Zeichen auf deiner Hand sein und ein Merkzeichen zwischen deinen Augen, denn der Herr hat uns mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt (Ex 13, 1-16, gekürzt).

 

Die Wolken- und Feuersäule:

Als nun der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte sie Gott nicht auf der Straße durch das Land der Philister, die an sich der nächste war. Denn Gott dachte, das Volk würde es bereuen, wenn sie Kämpfe vor sich  sähen, und sie könnten wieder nach Ägypten umkehren. Darum ließ es das Volk einen Umweg machen und führte es durch die Wüste zum Schilfmeer. Das Volk zog wohlgeordnet aus Ägypten.

Mose nahm die Gebeine Josephs mit, denn dieser hatte dem Volk einen Eid abgenommen und gesprochen: „Gott wird sich eurer annehmen, dann führt meine Gebeine von hier mit euch fort!“ So zogen sie aus von Sukkoth und lagerten sich in Etham am Rand der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her, um sie den rechten Weg zu führen, tagsüber in einer Wolkensäule und nachts in einer Feuersäule, damit sie, Tag und Nacht wandern konnten.  Die Wolkensäule wich niemals von dem Volk bei Tag noch die Feuersäule in der Nacht (Ex 13,17-22).

 

Der Durchzug durch das Schilfmeer:

Als es dem König von Ägypten angesagt wurde, daß das Volk geflohen war, wurde sein Herz und das Herz seiner Großen verwandelt und sie sprachen: „Warum haben wir das getan und haben das Volk ziehen lassen, so sie uns nicht mehr dienen?“ Er spannte seinen Wagen an und nahm sein Kriegsvolk mit sich. Er nahm sechshundert auserlesene Wagen und was sonst von Wagen in Ägypten war, mit Kämpfern auf jedem Wagen. Die Ägypter jagten ihnen nach mit Rossen und Wagen und ihren Männern und mit dem ganzen Heer des Pharao und holten sie ein, als sie sich gelagert hatten am Meer bei Pihachiroth.

Als der Pharao nahe heran kam, hoben die Kinder Israel ihre Augen auf, und sahen, daß die Ägypter hinter ihnen her zogen. Da fürchteten sie sich sehr und schrieen zu dem Herrn und sprachen zu Mose: „Waren nicht genug Gräber in Ägypten, daß du uns wegführen mußtest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, daß du uns aus Ägypten geführt hast? Haben wir es dir nicht schon in Ägypten gesagt: Laß uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern dienen als in der Wüste sterben!“

 

 

Aber Mose sprach zum Volk: „Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet still sein!“

Der Herr sprach zu Mose: „Was schreist du zu mir? Sage dem Volk, daß sie weiterziehen. Du aber hebe deinen Stab auf und recke deine Hand aus über das Meer und teile es mitten durch, so daß das Volk auf dem Trockenen mitten hindurch geht! Siehe, ich will das Herz der Ägypter hart machen, daß sie hinter euch herziehen. So will ich meine Herrlichkeit erweisen an dem Pharao und an aller seiner Macht, an seinen Wagen und Männern. Die Ägypter sollen gewahr werden, daß ich der Herr bin, wenn ich meine Herrlichkeit erweise an dem Pharao und an seinen Wagen und an seinen Männern!“

Die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer des Volkes. Dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, so daß sich die ganze Nacht die Heere nicht näher kamen.

Als nun Mose seine Hand über das Meer ausreckte, ließ es der Herr zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich. Und das Volk ging mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser stand wie Mauern zur Rechten und zur Linken.

Die Ägypter folgten ihnen nach und zogen hinein, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer, mitten ins Meer. Als nun die Zeit der Morgenwache kam, schaute der Herr auf das Heer der Ägypter aus der Feuersäule und der Wolke und brachte einen Schrecken über ihr Heer und hemmte die Räder ihrer Wagen und machte, daß sie nur schwer vorwärts kamen. Da sprachen die Ägypter: „Laßt uns fliehen vor diesem Volk, denn der Herr streitet für sie gegen die Ägypter!“

Aber der Herr sprach zu Mose: „Recke deine Hand aus über das Meer, daß das Wasser wieder komme und herfalle über die Ägypter!“ Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen dem Meer entgegen. So stürzte der Herr sie mitten ins Meer. Das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Männer, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, so daß nicht einer von ihnen übrigblieb.

So rettete an diesem Tag der Herr das Volk aus der Hand der Ägypter. Und sie sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen, und die mächtige Hand, mit der der Herr an den Ägyptern gehandelt hatte. Und das Volk fürchtete den Herrn, und sie glaubten ihm und seinem Diener Mose (Ex 14, leicht gekürzt)

Da sang Mose und das Volk dem Herrn dies Lied: „Ich will dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan: Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt!“ (Ex 15). [Das Lied geht noch weiter, aber das ist wohl eine spätere Erweiterung, ebenso wie die Bemerkung, daß auch Miriam und die Frauen das gleiche Lied gesungen hätten].

[Der Durchzug durchs Meer wird von verschiedenen Quellen unterschiedlich erzählt. Spektakulär ist natürlich die Lesart mit der Teilung des Wassers. Ursprünglich dürfte jedoch doch sein, daß Gott aus der Wolken- und Feuersäule die Ägypter erschreckte und sie in Verwirrung brachte, so daß sie die Verfolgung aufgaben. Man muß auch nicht annehmen, daß sich der Durchzug am tiefen Meer (dem  Roten Meer) ereignete. Er war wohl mehr im Bereich des heutigen Suezkanals mit seinen großen Seen und Schilfgürteln].

 

 

 

 

 

Durch die Wüste (Kapitel 16-18)

Mose ließ das Volk vom Schilfmeer hinaus ziehen zur Wüste Sur. Sie wanderten drei Tage in der Wüste und  fanden kein Wasser. Dann kamen sie nach Mara, aber sie konnten das Wasser nicht trinken, denn es war sehr bitter (daher hieß man den Ort „Mara“).

Da murrte das Volk gegen Mose und sprach: „Was sollen wir trinken?“ Mose schrie zu dem Herrn, und der Herr zeigte ihm ein Holz. Das warf er ins Wasser, da wurde es süß. Zum Volk sprach er: „Wirst du der Stimme deines Gottes gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und seine Gebote beachten,, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe, denn ich bin der Herr, dein Arzt!“ Und sie kamen nach Elim. Da waren zwölf Wasserbrunnen und siebzig Palmbäume, und sie lagerten sich dort am Wasser (Ex 185, 22-27).

 

Speisung mit Wachteln und Manna:

Von Elim zogen sie aus am fünfzehnten Tag des zweiten Monats, nachdem sie aus Ägypten gezogen waren,  in die Wüste Sin zwischen Elim und Sinai. Da murrte das Volk gegen Mose: „Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des Herrn Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot in Fülle zu essen. Denn ihr habt uns herausgeführt in diese Wüste, daß ihr uns Hungers sterben laßt!“

Da sprach der Herr zu Mose: „Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag braucht, damit ich es prüfe, ob es nach meinen Gesetzen lebt oder nicht. Am sechsten Tag aber werden sie doppelt so viel sammeln, damit sie am siebten Tag ausruhen können!“

Am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau um rings um das Lager Als der Tau weg war, siehe, da lag etwas in der Wüste, rund und klein wie der Reif auf der Erde. Mose aber sprach zu ihnen: „Das ist das Brot, das euch der Herr zu essen gegeben hat. Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, je einen Krug für jeden Familienangehörigen!“

Da sammelte das Volk alles ein. Mose aber sprach zu ihnen: „Niemand lasse etwas übrig bis zum nächsten Morgen!“ Aber sie gehorchten Mose nicht: Einige ließen davon übrig bis morgen. Da wuchsen Würmer darin und es fing an zu stinken. Und Mose ward zornig auf sie. So sammelten sie jeden Morgen, soviel ein jeder zum Essen brauchte. Wenn aber die Sonne heiß schien, dann zerschmolz es.

Am sechsten Tag sammelten sie doppelt soviel Brot. Mose sprach zu ihnen: „Morgen ist der Feiertag des Herrn. Was ihr backen wollt, das backt, Was aber übrig ist, das hebt auf bis morgen!“ Da wurde es nicht stinkend und es war auch kein Wurm darin. Dennoch gingen am siebenten Tag einige hinaus, um zu sammeln, fanden aber nichts. So feierte das Volk am siebten Tag. Sie aßen aber die Speise vierzig Jahre, bis sie zu dem Lande kamen, wo sie wohnen sollten (Ex 16, stark gekürzt).

 

In Massa und Meriba:

Als sie weiter zogen und sich in Raphidim lagerten, da hatte das Volk kein Wasser zu trinken. Sie grollten mit Mose und sprachen: „Gib uns Wasser, daß wir trinken!“ Mose sprach zu ihnen: „Was zankt ihr mit mir? Warum versucht ihr den Herrn?“ Da murrten sie wieder gegen Mose und sprachen: „Warum hast du uns aus Ägypten ziehen lassen, damit du uns mit unsren Kindern und unserem Vieh vor Durst sterben ließest?“

Mose schrie zum Herrn: „Was soll ich mit dem Volk tun? Es fehlt nicht viel und sie werden mich noch steinigen!“

 

Der Herr sprach zu ihm: „Tritt hin vor das Volk und nimm einige von den Ältesten mit dir und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Nil schlugst, und gehe hin. Ich will dort stehen vor dir stehen auf einem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, daß das Volk trinke!“ Und Mose tat so vor den Ältesten. Da floß Wasser aus dem Felsen (Ex 17,1-7).

 

Sieg über die Amalekiter:

Da kamen die Amalekiter und kämpften gegen das Volk. Mose sprach zu Josua: „Wähle uns Männer aus und kämpfe gegen die Amalekiter. Morgen will ich oben auf dem Hügel stehen mit dem Stab Gottes in meiner Hand!“ Josua tat, wie Mose ihm sagte, und kämpfte gegen die Amalekiter. Mose aber und Aaron und Hur gingen auf die Höhe des Hügels. Und wenn Mose seine Hand emporhielt, siegte sein Volk. Wenn er aber seine Hand sinken ließ, siegten die Amalekiter. Darum nahmen sie einen Stein und legten ihn hin, damit er sich darauf setzte. Aaron aber und Hur stützten ihm seine Hände, auf jeder Seite einer. So blieben seine Hände erhoben, bis die Sonne unterging. Und Josua überwältigte die Amalekiter durch die Schärfe des Schwerts  (Ex 17, gekürzt).

 

Besuch des Schwiegervaters:

Als Moses Schwiegervater hörte, was Gott mit Mose und seinem Volk getan hatte, nahm er die Frau des Mose mit ihren zwei Söhnen. Als sie in die Wüste kamen an den Berg Gottes, gab er Mose Nachricht. Da ging Mose hinaus ihm entgegen und neigte sich vor ihm und küßte ihn. Und als sie sich untereinander begrüßt hatten, gingen sie in das Zelt.

Da erzählte Mose seinem Schwiegervater alles, was der Herr dem Pharao und den Ägyptern getan hatte, und alle die Mühsal, die ihnen auf den Wege begegnet war, und daß sie der Herr errettet hätte. Der Schwiegervater aber freute sich über all das Gute, das der Herr dem Volk getan hatte, daß er sie errettet hatte aus der Hand der Ägypter. Er sprach: „Gelobt sei der Herr, der euch errettet hat aus der Hand der Ägypter und des Pharao. Nun weiß ich, daß der Herr größer ist als alle Götter, denn er hat das Volk aus der Hand der Ägypter errettet, weil sie hochmütig an ihnen gehandelt haben!“ Er brachte Gott ein Brandopfer und Schlachtopfer dar. Da kamen Aaron und alle Ältesten, mit dem Schwiegervater des Mose das Mahl zu halten vor Gott (Ex 18,1-12, gekürzt).

 

Einsetzung von Schiedsmännern:

Am anderen Morgen setzte sich Mose, um Recht zu sprechen im Volk. Das Volk stand um Mose her vom Morgen bis zum Abend. Als aber sein Schwiegervater das alles sah, sprach er: „Warum sitzt du allein, und alles Volk steht um dich her vom Morgen bis zum Abend?“ Mose antwortete ihm: „Das Volk kommt zu mir, um Gott um Rat zu fragen. Wenn sie einen Streitfall haben, kommen sie zu mir, damit ich entscheide zwischen dem einem und dem anderen und ihnen erläutere die Satzungen Gottes und seine Weisungen!“

Sein Schwiegervater sprach zu ihm: „Es ist nicht gut, was du tust. Du machst dich zu müde, dazu auch das Volk, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer, du kannst e allein nicht ausrichten. Aber höre auf mich, ich will dir raten, und Gott wird mit dir sein. Vertritt du das Volk vor Gott und bringe ihre Anliegen vor Gott und erläutere ihnen die Satzungen und Weisungen und lehre sie  den Weg, den sie gehen sollen, und die Werke, die sie tun sollen. Sieh dich unter dem ganzen Volk um nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahrhaftig sind und dem ungerechten Geiz feind sind.

Die setze über sie, einige über tausend Leute, einige über hundert Leute, einige über fünfzig Leute und einige über zehn Leute. Sie sollen das Volk im Regelfall richten. Nur wenn eine größere Sache ist, sollen sie diese vor dich bringen!“ Mose gehorchte dem Wort seines Schwiegervaters und tat alles, was er sagte: Er erwählte redliche Leute aus dem ganzen Volk und machte sie zu Vorgesetzen über das Volk. Daraufhin ließ Mose seinen Schwiegervater in sein Land ziehen (Ex 18, gekürzt).

 

Am Sinai: Die Zehn Gebote und die Bundesgesetze (Kapitel 19-23)

 

Ankunft am Sinai:

Im dritten Monat nach dem Ausgang der Kinder Israel aus Ägypten kamen sie in die Wüste Sinai und lagerten sich gegenüber dem Berg. Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berg: „So sollst du sagen dem Volk verkündigen: Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern getan habe, und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe und habe euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern, denn die ganze Erde ist mein. Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein!“

Mose kam und rief die Ältesten im Volk zusammen und legte ihnen alle diese Worte vor, die der Herr geboten hatte. Und alles Volk antwortete einstimmig und sprach: „Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun!“ Mose sagte die Worte des Volkes dem Herrn wieder. Da sprach der Herr zu Mose: „Siehe, ich will zu dir kommen in einer dicken Wolke, damit dieses Volk es höre, wenn ich mit dir rede, und dir für immer glaube!“ Und Mose verkündigte dem Herrn die Rede des Volks. Der Herr sprach zu Mose: „Bereite sie heute und morgen auf Gott vor: Sie sollen ihre Kleider waschen und bereit sein für den dritten Tag. Denn am dritten Tag wird der Herr vor allem Volk herabfahren auf den Berg Sinai. Und zieh eine Grenze  um das Volk und sprich zu ihnen: Hütet euch, auf den Berg zu steigen oder seinen Fuß anzurühren. Denn wer den Berg anrührt, soll des Todes sterben.

 Keine Hand soll den Berg anrühren. Wer es doch tut, der soll gesteinigt oder erschossen werden, es sei ein Tier oder ein Mensch. Wenn aber das Widderhorn lange tönen wird, dann soll man auf den Berg steigen!“ Mose stieg vom Berg zum Volk und bereitete sie vor und sie wuschen ihre Gewänder. Er sprach zu ihnen: „Seid bereit für den dritten Tag, und keiner rühre eine Frau an!“

Als nun der dritte Tag kam und es Morgen wurde, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und es war eine dicke Wolke auf dem Berg und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und es trat unten an den Berg. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr herab auf den Berg fuhr im Feuer Und der Rauch steig auf wie ein Rauch vom Schmelzofen und der ganze Berg bebte sehr. Der Ton der Posaune wurde immer stärker.

Als nun der Herr auf den Berg Sinai herabgekommen war, rief er Mose hinauf auf den Gipfel des Berges, und Mose stieg hinauf. Da sprach der Herr zu ihm: „Steig hinab und verwarne das Volk, daß sie nicht durchbrechen zum Herrn, um ihn zu sehen. Auch die Priester, die sonst sich dem Herrn nähern, sollen sich entsprechend vorbereiten, daß der Herr sie nicht zerschmettere!“ (Ex 19, leicht gekürzt).

 

 

 

 

 

 

Die zehn Gebote:

Und Gott redete alle diese Worte:

  • Ich bin der Herr, dein Gott, der  ich dich aus der Sklaverei in Ägypten geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Abbild machen, weder von dem, was oben im Himmel noch unten auf der Erde noch im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der Herr, bin ein eifriger Gott, der die Missetat der Väter straft bis in das dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen. Ich tue aber Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich liebhaben und meine Gebote halten.
  • Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.
  • Beachte den Feiertag, daß Du ihn für Gott nutzt. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Feiertag des Herrn. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn oder deine Tochter oder dein Mitarbeiter oder deine Mitarbeiterin, auch nicht dein Vieh oder der Fremde, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was drinnen ist. Aber er ruhte am siebten Tage. Darum segnete der Herr den Feiertag und bestimmte ihn für sich.
  • Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das dir der Herr gibt.
  • Du sollst nicht töten.
  • Du sollst nicht ehebrechen.
  • Du sollst nicht stehlen (= keinen Menschen stehlen und versklaven).
  • Du sollst kein falsch Zeugnis reden gegen deinen Mitmenschen.
  • Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
  • Du sollst nicht begehren deines Mitmenschen Frau, Angestellte, Ochs oder Esel, noch alles, was dein Mitmensch hat.

Das ganze Volk sah den Donner und Blitz und den Ton der Posaune und den Berg rauchen. Als sie aber das sahen, flohen sie blieben in der Ferne stehen und sprachen zu Mose: „Rede du mit uns, wir wollen gehorchen. Aber laß Gott nicht mit uns reden, wir könnten sonst sterben. Mose aber sprach zum Volk: „Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, euch zu versuchte, damit ihr vor Augen habt, wie er zu fürchten ist und ihr nicht sündigt!“

Der Herr sprach zu ihm: „So sollst du dem Volk sagen: Ihr habt gesehen, daß ich mit euch vom Himmel geredet habe. Darum sollt ihr euch keine anderen Götter neben mir machen, weder silberne noch goldene Götter. Mache mir einen Altar von Erde, darauf du dein Brandopfer und Dankopfer, deine Schafe und Rinder opferst. An jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen.  Und wenn du mir einen steinernen Altar machen willst, sollst du ihn nicht von behauenen Steinen bauen,  und wenn mit deinem Eisen darüber kommst, so wirst du ihn entweihen. Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, daß nicht deine Blöße aufgedeckt werde vor ihm (Ex20, 1-26).

[Jetzt folgen Rechtsordnungen, die aber im Grunde die Verhältnisse der späteren Zeit widerspiegeln: Rechte der hebräischen Sklaven, Vergehen gegen Leib und Leben, Ersatzleistungen, todeswürdige Vergehen, Rechtsschutz für die Schwachen, Gerechtigkeit und Nächstenliebe, Sabbatjahr und Sabbat („Sechs Jahre sollst du dein Land einsäen und seine Früchte einsammeln, aber im siebten Jahr sollst du es ruhen und liegen lassen“), die drei großen Jahresfeste (Fest der ungesäuerten Brote, Fest der ersten Ernte, Fest der Herbstlese, Mahnungen und Verheißungen für die Zukunft (Ex 21-23)].

 

Die Steintafeln der Gebote, die Bundeslade, Priesterstand und Altaropfer (Kapitel 24-31)

 

Der Bundesschluß am Sinai:

Gott sprach zu Mose: „Steig herauf zum Herrn, du und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels, und betet an von ferne. Aber zunächst sollst du allein dich dem Herrn nahen. Lasse jene nicht herannahen, und das Volk komme auch nicht mit dir herauf!“

Da schrieb Mose alle Worte des Herrn nieder und machte sich früh am Morgen auf und baute einen Altar unten am Berg mit zwölf Säulen entsprechend den zwölf Stämmen, und sandte junge Männer hin, daß sie Brandopfer darauf opferten und Dankopfer dem Herrn von jungen Stieren. Mose nahm die Hälfte des Bluts und tat es in ein Becken, die andere Hälfte sprengte er auf den Altar.

 Und nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes. Und als sie sprachen: „Alles, was der Herr gesagt hat, das wollen wir tun und gehorchen!“ Da nahm Mose das Blut und besprengte das Volk damit und sprach: „Sehet, das ist das Blut des Bundes, den der Herr mit euch geschlossen hat auf Grund aller dieser Worte. Da stiegen Mose und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels hinauf und sahen den Gott Israels. Unter seinen Füßen war es wie eine Fläche von Saphir und wie der Himmels, wenn er klar ist. Gott reckte seine Hand nicht aus gegen die Ältesten von Israel und tat ihnen nichts. Und da sie Gott geschaut hatten, aßen und tranken sie [Hier scheint noch etwas durch von einer älteren Überlieferung, daß der Bund nicht allein mit Mose geschlossen wurde, sondern mit den Ältesten als den Vertretern des Volks, die den Bund mit einer Mahlzeit beschließen. Dies ist die Entstehung des Volkes „Israel“, so daß dieser Name von jetzt an auch verwendet wird] (Ex 24,1-11, ausgelassen 12-18)

 

Die Bundeslade:

Gott sprach zu Mose: „Mache eine Lade aus Akazienholz, fast zwei Meter lang und 75 Zentimeter breit und hoch. Überziehe sie inwendig und auswendig mit Gold, und mache einen goldenen Kranz an ihr ringsherum. Gieße vier goldene Ringe und mache sie an ihre vier Ecken und mache Stangen von Akazienholz und überziehe sie mit Gold und stecke sie in die Ringe an den Seiten der Lade, daß man sie damit trage. Du sollst auch einen Gnadenthron machen aus feinem Gold in gleicher Größe wie die Lade. Dann sollst du zwei Gestalten („Cherubim“) machen von getriebenem Gold, so daß eine Gestalt an dem einen Ende, der andere an dem andern Ende ist. Die Gestalten sollen ihr Flügel nach oben ausbreiten, daß sie mit ihren Flügeln den Gnadenthron bedecken und ihre Gesichter sollen auf den Gnadenthron sehen. Der Gnadenthron soll oben auf die Lade kommen und in die Lade soll das Gesetz gelegt werden, das ich dir geben werde. Dort will ich dir begegnen, und von dem Gnadenthron aus, zwischen den zwei Gestalten, will ich alles mit dir reden, was ich dir gebieten will für die das Volk!“ (Ex 25,10-22).

 

Die Schaffung der Stiftshütte:

Gott sprach zu Mose: „Du sollst eine Wohnung du machen für die Bundeslade. Nimm dazu Bretter aus Akazienholz. Darüber spanne Teppiche aus gezwirnter, weißer Leinwand, gut acht Meter lang und gut einen Meter breit. Je fünf Teppiche sollen zu einem Stück zusammengefügt sein. Mit Schleifen und fünfzig goldene Haken sollen die Stücke zusammengeheftet werden zu einer Wohnung. Die Decke sollst du aus Ziegenhaar machen, die an den Seiten überhängt.

Die vierzig Füße sollen aus Silber sein. Der Vorhang soll aus blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter weißer Leinwand sein; den sollst  hängen an vier Säulen von Akazienholz, die mit Gold überzogen sind und goldene Haken und vier silberne Füße haben. Die Bundeslade soll innen hinter den Vorhang gesetzt werden, als eine Scheidewand sei zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten.  Und sollst den Gnadenthron setzen auf die Bundeslade im Allerheiligsten (Ex 26, stark gekürzt, die Stiftshütte war also eher ein Zelt, in dem man die Bundeslade mitführte).

 

[Es folgen jetzt in Ex 25 bis 31 lange Ausführungen über Gaben für die Stiftshütte, Tisch für die Schaubrote, Leuchter,  Brandopferaltar, Vorhof, Öl für die Leuchter, Kleidung der Priester, Weihe der Priester, Weihe des Altars, tägliche Opfer, Räucheraltar, Steuer für das Heiligtum, kupfernes Becken, Salböl, Räucherwerk. Kunsthandwerker für die Stiftshütte, Feiertag].

 

Das goldene „Kalb“:

 

Das goldene Stierbild:

Als der Herr ausgeredet hatte mit Mose auf dem Berge Sinai, gab er ihm zwei Tafeln des Gesetzes, die waren beschrieben von dem Finger Gottes.  Als aber das Volk sah, daß Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berg herabkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: „Auf, mache uns Götter, die vor uns her gehen! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägypten geführt hat!“ Aaron sprach zu ihnen: „Reißt die goldenen Ohrenringe an den Ohren eurer Frauen und Kinder  ab und bringt sie zu mir!“

Da rissen alle ihre goldenen Ohrenringe von ihren Ohren und brachten sie zu Aaron.

Er  nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Stierbild (eigentlich nur ein Kalb). Und sie sprachen: „Das sind deine Götter, die dich aus Ägypten geführt haben!“ Als das Aaron sah, baute er einen Altar vor ihm und ließ ausrufen und sprach: „Morgen ist des Herrn Fest“. Und sie standen früh am Morgen auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer dar. Danach setzte sich das Volk, zu essen und zu trinken, und standen auf, um ihre Lust zu treiben nach dem Vorbild der anderen Völker (Ex 31,18 - 32,6).

[Hier wird angespielt auf die beiden Heiligtümer, die später im Nordreich in Bethel errichtet wurden und die natürlich vom Südreich abgelehnt wurden. Die Ereignisse der damaligen Zeit verlegte man in die Wüstenzeit, um sie als falschen Gottesdienst zu entlarven. Dike Stierbilder wurden dabei nach den Vorbildern der anderen Völker geformt. Aber man betete nicht den Stier an, sondern stellte sich vor, der Gott des Volkes Israel stehe unsichtbar auf den Stieren. Man wollte den eigenen Gott verehren, wollte aber dazu etwas Sichtbares vor Augen haben, vermischte dabei aber den Glauben mit den Anschauungen der anderen Völker, die andere Götter verehrten. Der Gott vom Sinai ist aber ein unsichtbarer Gott].

 

Fürbitte des Mose:

Der Herr aber sprach zu Mose: „Steig hinab, denn dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast, hat schändlich gehandelt. Sie sind schnell von dem Weg abgewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben es angebetet und ihm geopfert und gesagt: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten geführt haben. Laß mich, daß mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge!“

 

Mose aber flehte vor dem Herrn und sprach: „Ach Herr, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägypten geführt hast? Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, daß er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte vom Erdboden? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und bereue das Unheil, das du über dein Volk bringen willst. Gedenke an deine Diener Abraham, Isaak und Israel, denen du selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen vermehren wie die Sterne am Himmel, und alles Land, das ich euch verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen auf ewig!“ Da reute den Herrn das Unheil, das er an dem Volk zu tun vorhatte (Ex 32,7-14).

 

Die Strafe für den Abfall:

Mose wandte sich und stieg vom Berg herab und hatte die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand. Diese waren beschrieben auf beiden Seiten. Gott hatte sie selbst gemacht und selber die Schrift eingegraben. Als nun Josua das Geschrei des Volks hörte, sprach er zu Mose: „Es ist ein Kriegsgeschrei im Lager!“ Mose antwortete: „Es ist nicht kein Geschrei wie bei einemSieg oder einer Niederlage, sondern ich höre ein Geschrei wie beim Tanz!“ Als er aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein Zorn und er warf die Tafeln aus seiner Hand und zerbrach sie unten am Berge. Er nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und ließ es im Feuer zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und zerstreute es aufs Wasser und gab es den Israeliten zu trinken.

Dann sprach er zu Aaron: „Was hat dir das Volk getan, daß du eine so große Sünde über sie gebracht hast?“ Aaron sprach: „Mein Herr lasse seinen Zorn nicht entbrennen. Du weißt, daß dies Volk böse ist. Sie sprachen zu mir: Mache uns Götter, die vor uns her gehen, denn wir wissen nicht, wie es diesem Manne Mose geht, der uns aus Ägypten geführt hat.

Ich sprach zu ihnen: Wer Gold hat, der reiße es ab und gebe es mir. Und ich warf es ins Feuer. Da ist das Kalb daraus geworden!“

Als nun Mose sah, daß das Volk zuchtlos geworden war, trat er an das Tor des Lagers und sprach: „Her zu mir, wer zu dem Herrn gehört!“ Da sammelten sich zu ihm alle vom Stamm Levi. Und er sprach zu ihnen: „So spricht der Herr, der Gott Israels: Ein jeder gürte sein Schwert um seine Lenden und gehe durch das Lager, von einem Tor zum andern, und erschlage seinen Bruder, Freund und Mitmenschen!“ Die Kinder Leviten taten, wie ihnen Mose gesagt hatte. An diesem Tag fielen vom Volk dreitausend Mann. Da sprach Mose: „Füllt heute eure Hände zum Dienst für den Herrn, den jeder ist gegen seinem Sohn und Bruder gewesen, damit euch heute Segen gegeben werde!“

Am Morgen sprach Mose zum Volk: „Ihr habt eine große Sünde getan, Nun will ich hinaufsteigen zu dem Herrn, ob ich vielleicht Vergebung erwirken kann für eure Sünde!“ Als nun Mose wieder zum Herrn kam, sprach er: „Ach, das Volk hat eine große Sünde getan, und sie haben sich goldene Götter gemacht. Aber nun vergib ihnen ihre Sünde. Wenn nicht, so tilge mich auch aus deinem Buch, das du geschrieben hast!“

Der Herr sprach zu Mose: „Ich will den aus meinem Buch tilgen, der an mir sündigt.  So gehe nun hin und führe das Volk, wohin ich dir gesagt habe. Siehe, mein Bote soll vor dir her gehen. Ich werde ihre Sünde wohl strafen, wenn meine Zeit kommt!“ So strafte der Herr das Volk, weil sie das Kalb gemacht hatten,

 

 

Der Herr sprach zu Mose: „Zieht los, du und das Volk, in das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob versprochen habe. Ich will vor dir einen Boten her senden und die Einheimischen vertreiben und will dich bringen in das Land, in dem Milch und Honig fließt. Ich selbst aber will nicht mit dir hinziehen, denn du bist ein halsstarriges Volk, ich würde dich unterwegs vertilgen!“

Und der Herr sprach zu Mose: „Sage zu den Israeliten: Ihr seid ein halsstarriges Volk. Wenn ich nur einen Augenblick mit euch zöge, würde ich euch vertilgen. Und nun lege deinen Schmuck ab, dann will ich sehen, was ich dir tun soll!“ Also legten die Israeliten ihren Schmuck ab am Berg Horeb (Ex 32,15 - 33,6).

 

Das heilige Zelt:

Mose aber nahm die Stiftshütte und schlug sie draußen auf, ferne vom Lager, und hieß sie „Stiftshütte“. Und wer den Herrn fragen wollte, mußte herausgehen zur Hütte des Stifts vor das Lager. Und wenn Mose hinausging zu der Hütte, dann stand alles Volk auf und jede trat in die Tür seines Zeltes und sahen ihm nach, bis er zu der Stiftshütte kam. Und wenn Mose in die Stiftshütte kam, dann kam die Wolkensäule hernieder und stand in der Tür der Stiftshütte und redete mit Mose. Und alles Volk sah die Wolkensäule in der Tür der Stiftshütte stehen, und sie standen auf und verneigten sich. Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet. Dann kehrte er wieder zum Lager zurück. Aber Josua wich nicht aus der Stiftshütte.

 

Mose will die Herrlichkeit des Herrn sehen:

 Und Mose sprach zu dem Herrn: „Siehe, du sprichst zu mir: Führe das Volk hinauf! und läßt mich nicht wissen, wen du mit mir senden willst, wo du doch gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, und du hast Gnade vor meinen Augen gefunden. Habe ich nun Gnade vor deinen Augen gefunden, so laß mich deinen Weg wissen, damit ich dich erkenne und Gnade vor deinen Augen finde. Und siehe doch, daß dies Volk dein Volk ist!“

Gott sprach: „Mein Angesicht soll vorangehen, ich will dich zur Ruhe leiten!“ Mose aber sprach zu ihm: „Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.

Denn woran soll erkannt werden, daß ich und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden haben, außer wenn du mit uns gehst?“

Der Herr sprach zu Mose: „Auch was du jetzt gesagt hast, will ich auch tun. Denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen!“ Mose aber sprach: „Dann laß mich deine Herrlichkeit sehen!“ Gott sprach: „Ich will vor deinem Angesicht alle meine Güte vorübergehen lassen und will dir kundtun den Namen des Herrn, nämlich ‚Wem ich aber gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich‘!“

Dan sprach Gott weiter: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. Aber es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen.

Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun. Dann darfst du hinter mir hersehen. Aber mein Angesicht kann man nicht sehen!“ (Ex 33,12-23).

 

 

 

 

Neue Gesetzestafeln:

Und der Herr sprach zu Mose: „Haue dir zwei steinerne Tafeln zu, wie die ersten waren, daß ich die Worte darauf schreibe, die auf den ersten Tafeln standen, die du zerbrochen hast. Und sei morgen bereit, daß du früh auf den Berg Sinai steigst und dort zu mir trittst auf dem Gipfel des Bergs. Laß aber niemand mit dir hinaufsteigen. Es soll auch niemand gesehen werde auf dem ganzen Berg. Auch kein Schaf oder Rind laß weiden in Richtung auf  diesen Berg hin!“

Mose hieb zwei steinerne Tafeln, wie die ersten waren, und stand am Morgen früh auf und stieg auf den Berg Sinai und nahm die zwei steinernen Tafeln in seine Hand.

Da kam der Herr hernieder in einer Wolke und Mose trat zu ihm und rief aus den Namen des Herrn. Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und Mose rief: „Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue! An Tausenden bewahrt er die Gnade und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde. Aber ungestraft läßt er niemand, sondern straft die Missetat der Väter an den Kindern und Kindeskindern bis in die dritte und vierte Generation!“

Mose neigte sich eilend zur Erde und betete an und sprach: „Herr, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so gehe der Herr in unsrer Mitte, denn es ist ein halsstarriges Volk. Und vergib uns unsere Missetat und Sünde und laß uns dein Erbbesitz sein!“

Gott sprach: „Siehe, ich will einen Bund schließen. Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie nicht geschehen sind in allen Landen und unter allen Völkern. Und das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll das Werk des Herrn sehen, denn wunderbar wird sein, was ich bei dir tun werde. Halte, was ich dir heute gebiete. Siehe, ich will vor dir ausstoßen die Einheimischen. Hüte dich, daß einen Bund zu machen mit den Einwohnern des Landes, in das du hineinkommst, damit sie dir nicht ein Fallstrick werden. Sondern ihre Altäre sollst du umstürzen und ihre Steinmale zerbrechen und ihre heiligen Pfähle umhauen. Denn du sollst keinen andern Gott anbeten. Denn der Herr heißt ein Eiferer; ein eifernder Gott ist er!“

Als nun Mose vom Berge Sinai herab ging, hatte er die zwei Gesetzestafeln in seiner Hand und wußte nicht, daß die Haut seines Angesichts glänzte davon, weil er mit Gott geredet hatte.

Als Aaron und alle Israeliten sahen, daß die Haut seines Angesichts glänzte, fürchteten sie sich, zu ihm zu nahen. Da rief sie Mose, und sie wandten sich wieder zu ihm und er redete mit ihnen.

Danach nahten sich alle Israeliten zu ihm. Und er gebot ihnen alles, was der Herr mit ihm geredet hatte auf dem Berg Sinai. Als er dies alles mit ihnen geredet hatte, legte er eine Decke auf sein Angesicht. Und wenn er hineinging vor den Herrn, mit ihm zu reden, tat er die Decke ab, bis er wieder herausging. Und wenn er herauskam und redete mit den Kindern Israel, was ihm geboten war, dann sahen dann die Israeliten, wie die Haut seines Angesichtes glänzte. Dann tat er wieder die Decke auf sein Angesicht, bis er wieder hineinging, mit ihm zu reden.

(Ex 31,18- 34,35, Vers 15-28 ausgelassen).

 

Errichten der Bundeslade und des Zelttempels (Kapitel 35-40)

[Jetzt folgen noch einmal Bestimmungen über die Stiftshütte, im Wesentlichen übereinstimmend mit dem schon vorher Beschriebenen. Am Schluß geht es um die Aufrichtung und Einweihung der Stiftshütte (Ex 35-40)].

 

 

 

 

Das dritte Buch Mose (Leviticus)

Das 3. Buch Mose ist als Geschichts- und Gottesdienstbuch entworfen. Es heißt in der lateinischen Übersetzung „ Levitikon bzw. Leviticus“ („Leviten-Buch“). Hier finden sich die Opfergesetze, die Einführung des Priesterdienstes, Reinheitsvorschriften, der Große Versöhnungstag (Jom Kippur) und Gesetze für Alltag und Gottesdienst des Judentums.

Das Buch beginnt mit Vorschriften zum Darbringen unterschiedlichster Opfer (Brandopfer, Speiseopfer, Dankopfer, Sühneopfer, Wiedergutmachungsopfer und weitere Opfer), die von den Priestern, Aaron und seinen Nachkommen, durchgeführt werden (Lev 1-7).

Mit der Weihe Aarons und seiner Söhne zum Priester wird der Priesterstand der Israeliten begründet. Nadab und Abihu, zwei Söhne Aarons, begehen einen schweren Verstoß gegen die Opfervorschriften, und werden von Gott getötet. Dann werden die Pflichten der Priester beschrieben (Lev 8-10).

Vorschriften zum Verzehr erlaubter Tierarten werden gegeben. Darauf folgen Angaben über die rituelle Reinheit von Menschen in verschiedenen Situationen (Geburt, Menstruation, Geschlechtsverkehr, Krankheit)(Lev 13-15).

 

Das alljährliche Fest zur Sündenvergebung aller Israeliten („Jom Kippur“) wird eingesetzt. Die Vertreibung des Sündenbocks bildet dabei den Ursprung des jüdischen Versöhnungstages. Er ist heute noch der höchste Feiertag in Israel. Deshalb wird hier das ganze Kapitel von der Einsetzung wiedergegeben:

Der Herr redete mit Mose: „Sage deinem Bruder Aaron, daß er nicht zu jeder Zeit in das Heiligtum gehe hinter den Vorhang vor dem Gnadenthron, damit er nicht sterbe, denn ich will in einer Wolke erscheinen auf dem Gnadenthron. Er soll hineingehen mit einem jungen Stier für ein Sündopfer und mit einem Widder zum Brandopfer. Er soll das heilige leinene Gewand anlegen und leinene Beinkleider sollen seien Blöße bedecken und er soll sich mit einem leinenen Gürtel gürten und den leinenen Kopfbund umbinden, denn das sind die heiligen Gewänder. Er soll seinen Leib mit Wasser abwaschen und die Gewänder anlegen. Dann soll von der Gemeinde zwei Ziegenböcke entgegennehmen für das Sündopfer und einen Widder zum Brandopfer. Aaron selber soll eine Stier als sein Sündopfer herbeibringen, damit er für sich und seine Familie die Sühne leiste.

Dann soll er die zwei Böcke nehmen und vor den Herrn stellen an der Tür der Stiftshütte und soll das Los werfen über die zwei Böcke: ein Los für den Herrn, das andere für den Asasel (einen fremden Gott). Den Bock, auf den das Los des Herrn fällt, soll er zum Sündopfer opfern. Aber den Bock, auf den das Los für Asasel fällt, soll er lebendig vor den Herrn stellen, daß er über ihm die Sühne vollziehe und ihn zu Asasel in die Wüste schicke.

Dann soll er denn den Stier seines Sündopfers herbeibringen und sich und seine Familie entsühnen und soll ihn schlachten und soll eine Pfanne voll Glut vom Altar nehmen und beide Hände voll zerstoßenen Räucherwerks und es hinein hinter den Vorhang bringen und das Räucherwerk aufs Feuer tun vor dem Herrn, daß die Wolke vom Räucherwerk den GnadenThron bedecke, damit er nicht sterbe.

Er soll von dem Blut des Stiers nehmen und es mit seinem Finger gegen den Gnadenstuhl sprengen. Vor den Gnadenthron aber soll er siebenmal mit seinem Finger von dem Blut sprengen.

 

Danach soll er den Bock  als Sündopfer des Volks schlachten und sein Blut hineinbringen hinter den Vorhang und soll mit seinem Blut tun, wie er mit dem Blut des Stiers getan hat, und etwas davon auch gegen den GnadenThron und vor den Gnadenthron sprengen. So soll er das Heiligtum entsühnen wegen der Verunreinigungen der Israeliten und wegen ihrer Übertretungen, mit denen sie sich verunreinigt haben So soll er es auch tun mit der Stiftshütte, die bei ihnen ist inmitten ihrer Unreinheit.

Kein Mensch soll in der Stiftshütte sein, wenn er hineingeht, Sühne zu leisten im Heiligtum, bis er herauskommt. So soll er Sühne schaffen für seien Familie die ganze Gemeinde Israel.

Er soll herausgehen zum Altar, der vor dem Herrn steht, und ihn entsühnen und soll vom Blut des Stiers vom Blut des Bocks nehmen und es ringsum auf die Hörner des Altars streichen und soll vom Blut mit seinem Finger siebenmal darauf sprengen und ihn reinigen und heiligen von den Verunreinigen der Israeliten.

Wenn er so die Entsühnung des Heiligtums, der Stiftshütte und des Altars vollbracht hat, dann soll er den lebendigen Bock herbeibringen. Er soll seine beiden Hände auf den Kopf des Bocks legen und über ihm bekennen alle Missetat der Israeliten und alle ihre Übertretungen, und soll sie dem Bock auf den Kopf  legen und ihn durch einen Mann, der bereit steht, in die Wüste bringen lassen, damit der Bock alle ihre Missetat auf sich nehme und in die Wildnis trage und man lasse ihn in die Wüste.

Aaron aber soll in die Stiftshütte gehen und die leinenen Gewänder ausziehen und sie dort lassen. Er soll sich mit Wasser abwaschen an heiliger Stätte und seine eigenen Gewänder anziehen und wieder herausgehen und sein Brandopfer und das Brandopfer des Volkes darbringen und sich und das Volk entsühnen und das Fett vom Sündopfer auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen. Der Mann aber, der den Bock für Asasel hinausgeführt hat, soll seine Gewänder waschen und sich mit Wasser abwaschen und erst danach ins Lager kommen.

Den jungenStier und den Bock zum Sündopfer, deren Blut in das Heiligtum zur Entsühnung gebracht wurde, soll man hinausschaffen vor das Lager und Fell, Fleisch und Mist mit Feuer verbrennen. Und der sie verbrennt, soll seine Gewänder waschen und seinen Leib mit Wasser abwaschen und erst danach ins Lager kommen.

Auch soll euch dies eine ewige Ordnung sein: Am zehnten Tag des siebenten Monats sollt ihr fasten und keine Arbeit tun, weder ein Einheimischer noch ein Fremder unter euch. 0Denn an diesem Tage geschieht eure Entsühnung, daß ihr gereinigt werdet: Von allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem Herrn. Das soll euch eine ewige Ordnung sein, daß ihr die Israeliten einmal im Jahr von allen ihren Sünden entsühnt werden (Lev 16).

 

Weiter geht es mit Vorschriften zur heiligen Lebensweise. Die geheiligte Lebensweise wird zuerst durch den rechten Umgang mit dem Blut von Speise- und Opfertieren erreicht. Dies ist grundlegend, da nach jüdischer Lehre das Blut die Seele ist.

Ein zweiter Regelkomplex betrifft Heiratsverbote zwischen Verwandten sowie Vorschriften zum Sexualverhalten: Inzest, Geschlechtsverkehr während der weiblichen Regel, Analverkehr zwischen Männern sowie der Geschlechtsverkehr zwischen Mensch und Tier werden streng untersagt. Die Strafe beim Übertreten dieser Regeln ist in der Regel die Todesstrafe.

Es folgt eine Reihe von Gesetzen zum Zusammenleben der Menschen. Man findet Anklänge an die Zehn Gebote und den Satz: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Lev 19,18 ).

Besondere Regeln gelten für das Verhalten von Priestern, sowohl im Alltagsleben als auch in ihrer religiösen Rolle. Daneben gibt es spezielle religiöse Festtage: Der Sabbat als letzter (siebter) Tag jeder Woche, Jom Kippur und das Laubhüttenfest. Es folgen Vorschriften zum Tempelritus und Strafmaßnahmen – hieraus auch die Festlegung der Todesstrafe durch Steinigung für Gotteslästerung oder der Ausspruch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (Lev 24,20)  – sowie Bestimmungen zum Sabbatjahr, Jubeljahr und zur Möglichkeit der Sklaverei.

Abschließend gibt es eine Verheißung und Verfluchung Gottes. Diese wurde später oft zur Grundlage für Strafpredigten, woher der Ausdruck „jemandem die Leviten lesen“ kommt. Den Schluß bilden Bestimmungen zu Gelübden (Lev 17–27).

 

 

 

Das vierte Buch Mose (Numeri)

 

Das 4. Buch Mose wird auch „Numeri „(„Zahlen“) genannt. Davon ist gleich am Anfang die Rede. Zu Beginn des Buches werden die Stämme der Israeliten aufgezählt und eine Volkszählung beschrieben, in der alle Männer ab 20 Jahren aufgeführt werden – es sind 603.550 Männer (sicherlich eine weit übertriebene Zahl). Die Leviten werden nicht dazugezählt, da sie als Träger und Hüter des Heiligen Zeltes und der Bundeslade für Verteidigung und Kriegsführung nicht zur Verfügung stehen. Ihre Aufgabe ausführlich beschrieben. Die Lager und Marschordnung werden ebenfalls festgeschrieben (Num 1-4).

Im weiteren Verlauf des Buches werden verschiedene Gesetze beschrieben: Es wird beschrieben, was Aussatz ist, und daß Aussätzige das Lager zu verlassen haben. Es wird beschrieben, wie bei Diebstahl und Verdacht auf Ehebruch gehandelt werden soll. Vorschriften, wie Priester und andere Menschen sich Gott weihen können, werden beschrieben, und der priesterliche Segen (Num 5–6). Dieser lautet:

Der Herr redete mit Mose und sprach: „Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr zu den Israeliten sagen, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israel legen, daß ich sie segne!“ (Num 6,22-27).

Nun kehrt das Buch von den gesetzlichen Vorschriften zu der Handlung um Mose und das Volk Israel zurück. Es werden die Einweihung des Heiligtums sowie die Geschenke zur Einweihung (Gold, Silber und Opfertiere) beschrieben. Das Licht im Heiligtum wird beschrieben und die Weihung der Leviten zum Dienst, sowie weitere Vorschriften zum Pessachfest (Num 7-9).

Der Zug durch die Wüste beginnt damit, daß Gott Signaltrompeten herstellen läßt und ihre Verwendung vor schreibt. Die Marschordnung wird beschrieben, und das Volk zieht los.

Nach einiger Zeit fängt das Volk an zu klagen, daß sie kein Fleisch bekämen. Gott schickt ihnen nach einer Beschwerden des Mose Fleisch (Wachteln), an dem jedoch viele Israeliten sterben. Das Volk zieht weiter (Parallele zu Ex 16). Mirjam, Moses Schwester, lehnt sich gegen ihren Bruder auf, weil er eine Ägypterin geheiratet hat. Dafür wird sie mit Aussatz bestraft, der jedoch nach einer Woche abheilt. Danach erst wandert das Volk weiter (Num 10-12).

Es bleibt aber vierzig Jahre in der Wüste, vor allem in der Oase Kadesch im heutigen Grenzgebiet zwischen Israel und Ägypten. Kundschafter werden nach Kanaan ausgesandt. Sie berichten von einem reichen Land, das jedoch von einem starken Volk bewohnt wird: Die Kundschafter kamen zu Mose und Aaron und zu der ganzen Gemeinde der Israeliten in die Wüste Pharan nach Kadesch und brachten ihnen  und der ganzen Gemeinde die Kunde, wie es stünde, und ließen sie die Früchte des Landes sehen und erzählten ihnen: „Wir sind in das Land gekommen, dahin ihr uns gesandt habt: Es fließen wirklich Milch und Honig darin, und dies ist seine Früchte. Aber stark ist das  Volk, das darin wohnt, die Städte sind sehr befestigt und sehr stark!“ (Num 13,26-29).

Das Volk Israel weigert sich weiterzuziehen und Gott will sie dafür strafen. Nur durch das Eingreifen des Mose wird das Volk verschont, doch werden die Menschen des Volkes das gelobte Land nicht sehen, sondern erst ihre Nachkommen. So zieht das Volk vierzig Jahre lang durch die Wüste, und diejenigen, die schon vorher nach Kanaan wollen, werden von den dortigen Bewohnern verjagt. Die Opfervorschriften für das Land Kanaan werden noch ergänzt, und die Menschen werden noch einmal ermahnt, Gottes Gebote zu beachten (Num 13-15).

Korach, einer der Leviten, zettelt einen Aufstand an und bringt das Volk auf seine Seite. Er  fragt Mose, warum nur er und nicht alle heilig seien. Auch andere Männer zweifeln die Herrscherposition des Mose an. Mose fordert sie auf, ein Opfer zu bringen. Gott hat vor, die Israeliten für ihren Aufstand zu töten, doch wieder greift Mose ein. So läßt Gott nur eine Spalte im Erdboden öffnen, und Korach und seine engsten Anhänger stürzen hinein. Der Rest des Volkes opfert aus Angst vor dieser Strafe. Doch dann werfen sie Aaron und Mose vor, die Bestraften umgebracht zu haben. Aaron und Mose versöhnen das Volk mit einem Rauchopfer, doch viele Menschen sterben unter Gottes Zorn. Mit einem Zeichen bestätigt Gott Aarons Priesteramt (Num 16-17).

Noch einmal betont Gott Aaron gegenüber die Bedeutung seines Priesteramtes und erläutert noch einmal den Lohn, den die Priester und Leviten bei jedem Opfer erhalten und der ihr Überleben sichert. Die Herstellung des Reinigungswassers wird erläutert (es wird genutzt, um Menschen wieder rein zu machen, die durch Berührung eines Toten unrein geworden sind) (Num 18-19).

Aaron und Mose klagen, weil der Herr sie in eine Wüste geführt hat, in der sie noch nicht einmal Wasser finden (Parallele zu Ex 17). Gott ist enttäuscht von Mose und Aaron, läßt aber Wasser aus einem Stein sprudeln. Doch Gott straft Aaron für seine Zweifel und tötet ihn, sein Nachfolger wird Eleasar.

Da Moses und Aaron gegen Ende der Wanderung durch die Wildnis versäumten, Jahwe zu heiligen, als er Israel bei Kadesch durch ein Wunder mit Wasser versorgte, durften auch sie nicht in das Land der Verheißung einziehen (Num 20,1-13).

Den Israeliten wird versagt, durch das Land der Edomiter zu ziehen. Der König von Arad greift sie sogar an, als sie in sein Gebiet kommen, seine Armee und seine Städte werden jedoch von den Israeliten zerstört. Bei der weiteren Wanderung durch die Wüste klagen die Menschen wieder und werden von Schlangen gestraft, die Gott ihnen schickt.

Das Volk wurde verdrossen auf dem Weg  und redete gegen Gott und gegen Mose: „Warum hast du uns aus Ägypten geführt, daß wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise!“ Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk. Die bissen das Volk, sodaß viele Israeliten starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen: „Wir haben gesündigt, daß wir gegen dich geredet haben. Bitte den Herrn, daß er die Schlangen von uns nehme!“ Mose bat für das Volk.

Da sprach der Herr zu Mose: „Mache dir eine Schlange aus Erz und richte sie an einer Stange auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben!“ Da machte Mose eine kupferne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biß, so sah er die kupferne Schlange an und blieb leben (Num 21,4-9).

Auch der Amoriterkönig läßt die Israeliten nicht durch sein Land ziehen, sondern greift sie an. Die Israeliten besiegen sie aber in einer Schlacht und nehmen die Städte ein. Auch Og, der König von Basan, tritt ihnen mit seinem Heer entgegen und wird von ihnen besiegt (Num 20-21).

 

Es folgt die Geschichte von Bileam. Weil diese auch im Neuen Testament erwähnt wird, wird sie hier wiedergegeben:

Die Moabiter und Midianiter verbünden sich unter Balak, um die Israeliten aufzuhalten. Doch Gott befiehlt Bileam, der Israel im Auftrag der beiden Völker verfluchen soll, es nicht zu verfluchen, und hält seine Eselin auf. Bileam opfert Gott, doch seine Verbündeten verlangen weiterhin, daß er die Israeliten verflucht, doch statt dessen segnet er sie dreimal (Num 22-24).

 

Die Israeliten lagerten sich gegenüber von Jericho. Die Moabiter fürchteten sich sehr vor dem Volk, das so groß war, sie sprachen zu den Ältesten der Midianiter: „Nun wird dieser Haufen alles auffressen, was um uns ist, wie ein Rind das Gras auf dem Feld auffrißt!“ Balak, der König der Moabiter, sandte Boten zu Bileam und ließ ihm sagen: „Siehe, es ist ein Volk aus Ägypten gezogen, das bedeckt das Angesicht der Erde und lagert mir gegenüber. So komm nun und verfluche mir das Volk, vielleicht kann ich es dann schlagen und aus dem Land vertreiben. Denn ich weiß, wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht!“

Die Ältesten der Moabiter und der Midianiter gingen hin und hatten den Lohn für den Wahrsager in ihren Händen und kamen zu Bileam und sagten ihm die Worte Balaks. Er sprach zu ihnen: „Bleibt hier über Nacht, dann will ich euch sagen, wie mir der Herr sagen wird!“  Gott aber sprach zu Bileam: „Geh nicht mit ihnen, verfluche das Volk auch nicht, denn es ist gesegnet!“ Am Morgen stand Bileam auf und sprach zu den Fürsten Balaks: „Geht hin in euer Land,  denn der Herr will es nicht gestatten, daß ich mit euch ziehe!“ Die Fürsten der Moabiter kamen zu Balak und sprachen: „Bileam weigert sich, mit uns zu ziehen!“

Da sandte Balak noch größere und mächtigere Fürsten, als jene waren. Als die zu Bileam kamen, sprachen sie zu ihm: „So läßt dir Balak sagen: Wehre dich doch nicht, zu mir zu ziehen, denn ich will dich hoch ehren, und was du mir sagst, das will ich tun. Komm doch und verfluche mir dieses Volk!“ Bileam antwortete und sprach zu den Dienern Balaks: „Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht das Wort des Herrn, meines Gottes übertreten, weder im Kleinen noch im Großen. Aber bleibt doch auch diese Nacht hier, daß ich erfahre, was der Herr weiter mit mir reden werde!“ Da kam Gott in der Nacht zu Bileam und sprach zu ihm: „Sind die Männer gekommen, dich zu rufen, so mache dich auf und zieh mit ihnen. Doch du sollst das tun, was ich dir sagen werde!“ 

Da stand Bileam am Morgen auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Fürsten der Moabiter. Aber der Zorn Gottes ergrimmte doch, als er hinzog. Und der Bote des Herrn trat ihm in den Weg, um ihm zu widerstehen.

Die Eselin sah den Boten des Herrn im Wege stehen und ein bloßes Schwert in seiner Hand. Da wich sie vom Weg ab und ging auf dem Felde. Bileam aber schlug sie, um sie wieder auf den Weg zu bringen.

Da trat der Bote des Herrn auf den Pfad zwischen den Weinbergen, wo auf beiden Seiten Mauern waren. Als die Eselin den Boten des Herrn sah, drängte sie sich an die Mauer und klemmte Bileam den Fuß an der Mauer. Aber er schlug sie noch mehr. Da ging der Bote des Herrn weiter und trat an eine enge Stelle, wo weder rechts noch links kein Platz mehr war zum Ausweichen. Die Eselin sah den Boten des Herrn, fiel auf ihre Knie. Da entbrannte der Zorn Bileams, und er schlug die Eselin mit dem Stecken.

Da öffnete der Herr der Eselin den Mund, und sie sprach zu Bileam: „Was habe ich dir getan, daß du mich nun dreimal geschlagen hast?“ Bileam sprach zur Eselin: „Weil du mich verhöhnst! Wenn ich jetzt ein Schwert in der Hand hätte, ich wollte dich töten!“ Die Eselin sprach zu Bileam: „Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist von jeher bis auf diesen Tag? War es meine Art, es so mit dir zu treiben?“ Bileam sprach: „Nein!“ Da öffnete der Herr dem Bileam die Augen, daß er den Boten des Herrn im Wege stehen sah und ein bloßes Schwert in seiner Hand, und er neigte sich und fiel nieder auf  sein Gesicht.

Und der Bote des Herrn sprach zu ihm: „Warum hast du deine Eselin dreimal geschlagen? Siehe, ich bin ausgegangen, daß ich dir widerstehe. Denn dein Weg ist verkehrt. Aber die Eselin hat mich gesehen und ist dreimal ausgewichen. Wenn sie nicht vor mir ausgewichen wäre, dann hätte ich dich jetzt getötet, aber die Eselin am Leben gelassen!“

Da sprach Bileam zu dem Boten des Herrn: „Ich habe gesündigt, denn ich habe es nicht gewußt, daß du mir entgegenstandest auf dem Weg. Aber nun, wenn es dir nicht gefällt, will ich wieder umkehren!“ Der Bote des Herrn sprach zu ihm: „Ziehe hin mit den Männern. Aber du sollst nichts anderes reden, als was ich dir sagen werde!“ So zog Bileam mit den Fürsten Balaks.

Als Balak hörte, daß Bileam kam, zog er aus ihm entgegen und sprach zu ihm: „Habe ich nicht zu dir gesandt und dich rufen lassen? Warum bist du denn nicht zu mir gekommen? Meinst du ich könnte dich nicht ehren?“ Bileam antwortete ihm: „Siehe, ich bin zu dir gekommen. Aber wie kann ich etwas anderes reden, als was mir Gott in den Mund gibt? Nur das kann ich reden!“ So zog Bileam mit Balak.

Und Bileam sprach zu Balak: „Baue mir hier sieben Altäre und schaffe mir her sieben junge Stiere und sieben Widder!“ Balak tat, wie ihm Bileam sagte, und beide opferten je auf einem Altar einen Stier und einen Widder.

Und Bileam sprach zu Balak: „Aus Syrien hast du mich holen lassen mit dem Auftrag: Komm, verfluche mir Jakob! Komm, verwünsche Israel! Wie soll ich fluchen, dem Gott nicht flucht? Wie soll ich verwünschen, den der Herr nicht verwünscht? Denn von der Höhe der Felsen sehe ich ihn, und von den Hügeln schaue ich ihn! Wer kann zählen den Staub Jakobs, auch nur den vierten Teil Israels?“ Da sprach Balak zu Bileam: „Was tust du an mir? Ich habe dich holen lassen, um meinen Feinden zu fluchen, und du segnest sie!“ Er antwortete: „Muß ich nicht das halten und reden, was mir der Herr in den Mund gibt?“

Balak sprach zu ihm: „Komm doch mit mir an einen andern Ort, von wo du nur das Ende des Volks siehst und es nicht ganz siehst, und fluche ihm dort!“ Er führte ihn auf einen freien Platz auf der Höhe Pisga und baute sieben Altäre und opferte je auf einem Altar einen Stier und einen Widder. Balak sprach zu ihm: „Was hat der Herr gesagt?“

Bileam sprach: „Stehe auf, Balak, und höre! Gott ist nicht ein Mensch, daß er lüge, noch ein Menschenkind, daß ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten? Siehe, zu segnen bin ich hergebracht. Er segnet, und ich kann es nicht wenden. Man sieht kein Unheil in Jakob und kein Verderben in Israel. Der Herr, sein Gott, ist bei ihm und es jauchzt ihm wie einem König entgegen. Gott hat sie aus Ägypten geführt. Es ist kein Zauberer in Jakob und kein Wahrsager in Israel. Zur rechten Zeit wird Jakob und Israel gesagt, welche Wunder Gott tut. Siehe, das Volk wird aufstehen wie ein junger Löwe Es wird sich nicht legen, bis es den Raub verzehrt und das Blut der Erschlagenen getrunken hat!“

Da sprach Balak zu Bileam: Du sollst es weder fluchen noch es segnen!“ Bileam antwortete und sprach zu Balak: „Habe ich dir nicht gesagt, ich würde alles tun,  was der Herr reden würde?“ Als nun Bileam sah, daß es dem Herrn gefiel, Israel zu segnen, ging er nicht mehr auf Zeichendeutung aus, sondern richtete sein Gesicht aus zur der Wüste. Er hob seine Augen auf und sah Israel, wie sie lagerten nach ihren Stämmen.

Und der Geist Gottes kam auf ihn, und er begann seinem Spruch: „Es sagt Bileam, es sagt der Mann, dem die Augen geöffnet sind, es sagt der Hörer göttlicher Rede, der die Offenbarung des Allmächtigen sieht, dem die Augen geöffnet werden, wenn er niederkniet: Wie fein sind deine Zelte, Jakob, und deine Wohnungen, Israel: Wie die sich ausbreitenden Täler,  wie die Gärten an den Wassern, wie vom Herrn gepflanzten Aloebäume,  wie die Zedern an den Wassern. Seine Eimer fließen von Wasser über, und seine Saat hat Wasser in Fülle. Er hat sich niedergelegt wie ein Löwe, wer will ihn aufjagen? Gesegnet sei, der dich segnet, und verflucht, der dir flucht!“

Da entbrannte Balaks Zorn gegen Bileam und er schlug die Hände zusammen und sprach zu ihm: „Ich habe dich gerufen, daß du meinen Feinden fluchen solltest. Aber du hast sie nun dreimal gesegnet. Geh  nun weg in dein Land. Ich dachte, ich wollte dich ehren, aber der Herr hat dir die Ehre verwehrt.

Bileam antwortete ihm: „Habe ich nicht auch zu deinen Boten gesagt: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch an des Herrn Wort nicht vorüber. Sondern was der Herr reden würde, das würde ich auch reden? So komm, ich will dir verkünden, was dies Volk deinem Volk tun wird zur letzten Zeit!“

Und er hob an seinen Spruch und sprach: „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen und wird zerschmettern die Schläfen der Moabiter. Edom wird er einnehmen, und Seir wird seinen Feinden unterworfen sein. Israel aber wird den Sieg haben. Aus Jakob wird der Herrscher kommen und umbringen, was übrig ist von den Städten!“ Und Bileam machte sich auf und zog hin und kam wieder in sein Land, und auch Balak zog seinen Weg (Num 22-25, gekürzt).

 

Viele der Israeliten wurden von den Moabitern zu den Opferfesten ihrer Götter eingeladen, wo das Volk vor deren Göttern niederfällt, zum Beispiel vor dem Baal von Peor. Mose befahl, alle Verehrer Baal-Peors zu töten. Als ein Israelit sogar eine Midianiterin mitbrachte und der Priester Pinchas beide tötete, soll er dadurch den Zorn des Gottes Israels abgewendet haben. Dann erst war die Seuche beendet, an der 24.000 Israeliten starben. Gott befiehlt eine zweite Volkszählung, bei der 601.730 Männer ab 20 Jahren gezählt werden. Außerdem gibt es 23.000 männliche Leviten. Bei der Volkszählung fällt auf, daß außer Mose nur noch Kaleb und Josua leben, die auch bei der ersten Zählung dabei waren (Num 25-26).

Gott legt eine Erbreihenfolge fest: Sind keine Söhne vorhanden, so erben die Töchter, ansonsten die Onkel oder anderen leibliche Verwandte. Da auch Mose nicht nach Kanaan darf, wird Josua als sein Nachfolger bestimmt und geweiht. Es wurde ihm aber nicht die ganze Würde des Moses übertragen, sondern nur so viel, wie nötig war, damit das Volk ihn respektierte. Statt sich wie Moses mit Gott direkt verständigen zu können, mußte sich Josua an den Oberpriester wenden, dem Wahrsagehölzer anvertraut worden waren, durch die Gottes Wille ermittelt werden konnte (Num 27,18-23). Es werden noch einmal die Opferregelungen beschrieben. Die Gelübde von Frauen sind ebenso gültig wie die der Männer, wenn ihr Vater oder Mann keinen Einspruch erhebt (Num 27-30).

Die Midianiter werden angegriffen und geschlagen. Danach befiehlt Mose, alle zu töten, lediglich Jungfrauen werden gefangengenommen. Die Beute der Schlacht wird auf die Stämme verteilt, und die Heerführer opfern Gott zum Dank für diesen Sieg, bei dem kein Israelit ums Leben gekommen ist. Danach enthält das Buch rituelle Vorschriften über die Reinigung von Waffen und Gerät nach einem Völkermord (Num 31).

Die Stämme Ruben und Gad und der halbe Stamm Manasse wollen im gerade eroberten Ostjordanland bleiben, doch sie versprechen, gemeinsam mit dem Volk Israel um weitere Gebiete zu kämpfen. Das Volk zieht weiter durch die Wüste. Auf dieser Reise stirbt Aaron auf dem Berg Hor. Gott befiehlt den Israeliten, das Volk der Kanaaniter zu vertreiben und ihre Götterstatuen zu zerstören. Die Ausdehnung des Landes wird genau beschrieben, und per Los sollen die Gebiete aufgeteilt werden. In den Levitenstädten sollen Menschen, die unabsichtlich jemanden getötet haben, Unterschlupf erhalten, bis ihr Fall vor Gericht entschieden wird.  Jeder andere Mord soll mit dem Todesurteil bestraft werden. Am Ende des vierten Buches Mose wird festgelegt, daß Grundstücke nur innerhalb eines Stammes vererbt werden dürfen (Num 32-36).

 

 

Das fünfte Buch Mose (Deuteronomium)

 

[Das 5. Buch Mose stellt in mancher Hinsicht eine Zusammenfassung des 2. bis 4. Buches dar, geht aber in seinen Lehren auch darüber hinaus. Die Bezeichnung „Deuteronomium“ („zweite Gesetzgebung“) entstammt der lateinischen Bibelübersetzung.

Das Deuteronomium hat im Wesentlichen zwei Ziele:

* Im Glaubensbekenntnis („Sch'ma Israel“) wird die Ausschließlichkeit der Jahwe-Verehrung (Monotheismus) gefordert.

* Das Grundgebot des Deuteronomium verlangt die Zentralisation des Kultes am Tempel in Jerusalem.

* Zusätzlich werden noch Gebote erlassen in folgenden Bereichen: Abgabe des Zehnten, Erlaßjahr (Jubeljahr)und Asyl und Asylstädte

Das 5. Buch Mose setzt sich mit Ausnahme des Schlusses in Stil, Methode und Ausdrucksweise derart von den übrigen Büchern der Tora ab, daß sein Ursprung einer eigenständigen Schule zugeschrieben wird. Insbesondere die Tatsache, daß im Buch selbst von einem eigenständigen Gesetz gesprochen wird, spricht für eine Entstehung, die getrennt von den vier vorhergehenden Büchern anzusetzen ist. Auch die Gesetze zeigen einige Unterschiede, und die Rolle der Priesterschaft (Aaroniten) gegenüber der des Stammes Levi (Leviten) wird abweichend dargestellt.

 

Die Entstehung nach Mose wird nach biblischen Quellen folgendermaßen begründet: Am Ende des 2. Buch der Könige wird von religiösen Reformen unter König Josia berichtet. Während dieser Periode findet der Hohepriester Hilkia bei Umbauarbeiten im Tempel eine Schriftrolle der Tora. Insbesondere die zentrale Rolle Jerusalems im jüdischen Kultus, die von Josias Reformen betont wurde, ist in den Mosebüchern nur im 5. Buch Mose zu finden (nicht namentlich, sondern als „der Ort, den der Herr erwählen wird“). Hiernach wird Jerusalem Zentrum des Kultus, und die Lesung des Buches durch den König ist Teil der Pilgerfahrt am Laubhüttenfest.

Eine spätere Entstehung zur Untermauerung der politischen und religiösen Reformen ist wahr­scheinlicher. Demnach wäre sie unter Federführung einer königstreuen, in religiösen Dingen den Vorstellungen des Staates zuneigenden Partei der Priesterschaft unter Berücksichtigung der vorhandenen Traditionen entstanden (und von den Schreibern auch nicht als „Fälschung“, sondern als Formalisierung ihres Ritus verstanden worden).

Aus dem Vergleich mit prophetischen Büchern der hebräischen Bibel schließen Forscher (Gustav Hölscher), das 5. Buch Mose sei in frühnachexilischer Zeit verfaßt worden. Die Quellen, die die Schreiber bei der Abfassung der uns heute bekannten Form des Buches verwendet haben, sind jedoch zweifellos sehr viel älter].

 

Das 5. Buch Mose besteht im Wesentlichen aus drei Ausführungen, die Mose kurz vor seinem Tode an die Israeliten richtete. Der Inhalt des Buchs wird hier nur knapp zusammengefaßt:

 

Die Rede des Mose:

Das Buch beginnt mit einer sehr genauen Anleitung von Ort und Zeit, zu der Mose das Gesetz niedergeschrieben und seinem Volk vorgetragen haben soll: Im vierzigsten Jahr seit dem Auszug aus Ägypten, im elften Monat, am ersten Tag des Monats, jenseits des Jordan, in der Wüste Araba.

Dann erzählt Mose, wie Gott das Volk aufgefordert hatte, nun den Jordan zu überschreiten und das Land Kanaan, das Gott seinem Volk als Besitz versprochen hat, zu erobern und zu bevölkern. Er erwähnt noch einmal eine der Grundlagen des Gesetzes, das durch ihn vermittelt wurde: Die Ältesten und Richter unter dem Volk sollen ihre Entscheidungen ohne Ansehen der Person fällen, sowohl für Israeliten als auch für Fremde.

Weil aber das Volk Gott nicht vertrauen wollte und vor den Amoritern Angst hatten, wurde Gott zornig und schwor: Kein einziger von diesen Männern soll das prächtige Land sehen, das ich euren Vätern versprochen habe! So sollte das Volk Israel vierzig Jahre durch die Wüste ziehen, bis von der Generation, die damals zusammen mit Mose aus Ägypten ausgezogen war, keiner mehr lebte, außer Kaleb und Josua. Auch Mose sollte das gelobte Land nicht mehr betreten können.

Es folgt ein Rückblick auf die Reise des Volkes durch die Wüste, an deren Ende die Eroberung des Ostjordanlandes folgt. Die unterworfenen Völker werden auf Geheiß Gottes dem Untergang geweiht. Es folgen Anweisungen zur Eroberung des Westjordanlandes, des heutigen Israel. Mose darf vom Gipfel des Berges Nebo ins gelobte Land hinübersehen. Er selbst wird es nicht mehr betreten dürfen, Josua wird das Volk im Krieg führen.

Als Abschluß der Rede des Mose folgt im vierten Kapitel eine erneute Mahnung, die Rechtsvorschriften des Gesetzes zu halten. Dazu gehört ganz besonders, keine Götter von den besiegten Völkern anzubeten oder sich sonstige Götzenbilder zu machen. Mose trägt dem Volk auch auf, die Zehn Gebote, die ihm der Herr übergeben hat, an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

Sollte das Volk die Vorschriften übertreten, droht der Herr mit schweren Strafen bis hin zur Vertreibung aus dem Land Israel. Der erste Teil des Buches endet mit der Liste der Asylstädte im Ostjordanland (Dtn 1,1 - 4,43).

 

Die Verkündigung des Gesetzes:

Der zweite Teil des Buches enthält nun konkrete Rechtsvorschriften, die Mose dem Volk vorgelegt hat. Die Form der Verkündigung ist die eines Bundesschlusses, das heißt einer freiwilligen Verpflichtung auf das Gesetz durch das Volk. Damit soll das Gesetz ein Vertrag zwischen Gott und seinem Volk werden und nicht nur eine von Gott bestimmte weltfremde Vorschrift.

Zunächst folgt eine Wiederholung der Zehn Gebote. Dieser Abschnitt ist, bis auf eine etwas andere Formulierung beim Feiertagsgebot, weitgehend identisch mit der Übergabe der Gebote in Ex 20. Es folgt ein Einschub der erzählt, wie das Volk Mose als seinen Mittler bei Gott einsetzt, da es sich am Horeb dafür gefürchtet hatte, selbst Gott gegenüberzutreten. So soll Mose den Israeliten das Gebot, das der Herr ihm auf dem Horeb gibt, verkünden.

Die eigentliche Verkündigung der Vorschriften beginnt mit einem Abschnitt, der verlangt das Gesetz auf dem Herzen geschrieben und um das Handgelenk gebunden zu haben. Gott wird danach erneut ganz deutlich als der einzige Gott Israels herausgehoben und an die Zeichen erinnert, die in Ägypten geschehen sind, weil der Pharao Mose nicht glauben wollte.

In Kapitel 7 wird dem Volk Israel deutlich gemacht, daß die fremden Völker vernichtet werden müssen. Es ist verboten, sich mit den geschlagenen Völkern einzulassen oder gar ihre Söhne und Töchter den eigenen zu geben.

Es folgt ein Rückblick auf die Verkündigung der Zehn Gebote am Horeb. Um nicht der Versuchung der fremden Götter zu verfallen, ist es auch notwendig, die Altäre und Kultstätten dieser Gottheiten zu zerstören. Für den Gott der Israeliten wird es nur eine Kultstätte geben, die er bestimmen wird. Dies wird zunächst noch das Zelt sein, das das Volk auf der Reise begleitet hat, später wird der Tempel des Herrn auf dem Zion in Jerusalem erbaut werden. Nur dort dürfen dem Herrn Schlachtopfer dargebracht werden. Das Schlachten und verzehren von Tieren ist jedoch überall gestattet, verboten ist hingegen der Verzehr des Blutes getöteter Tiere - damals vermutete man im Blut die Lebenskraft und damit die Seele der Tiere, weshalb andere Kulturen ebendieses Blut während der Opferung tranken. Schlacht- und Brandopfer und die restlichen Abgaben, die den Zehnten ausmachen, sowie die Erstlinge von allem Vieh, sollen zum Zelt des Herrn gebracht werden.

Anstiftung zum Abfall von Gott und zur Anbetung von fremden Gottheiten wird mit Steinigen des Verführers bestraft. Sollte eine ganze Stadt vom Herrn abfallen, wird sie gnadenlos vernichtet.

Dann kommen Speisevorschriften, besonders darüber, welche Tiere verzehrt werden dürfen und welche nicht. Heute ist nicht mehr direkt nachvollziehbar, daß Tiere gegessen werden dürfen, die gespaltene Klauen haben und Wiederkäuer sind. Fische und Vögel dürfen im Allgemeinen auch verspeist werden, die meisten fleischfressenden Vögel jedoch nicht. Der Verzehr von Aas und von Aasfressern ist auf jeden Fall verboten.

Der Zehnte Teil der Ernte des Jahres gehört Gott und den Leviten, die den Dienst am Altar verrichten. Jedes siebte Jahr ist ein Erlaßjahr, in dem alle Schulden erlassen werden. Auch sollen Arme mit Pfandleihen oder Almosen unterstützt werden, wenn es nötig ist. Nach den Bestimmungen für das Wochenfest und das Laubhüttenfest folgen Vorschriften zum rechten Gerichtsverfahren. So soll jemand nur zum Tod verurteilt werden können, wenn mindestens zwei Zeugen gegen ihn auftreten.

Weitere Gesetze finden sich fast unverändert auch in modernen Rechtsstaaten: Grenzverrückung und die Verwendung von zweierlei Gewichten ist verboten, genauso wie eine falsche Aussage vor Gericht, von Menschenraub versteht sich das von selbst.

Kapitel 20 enthält die sogenannten Kriegsgesetze. Der Abschnitt beginnt erneut mit der Bekräftigung, daß der Herr mit seinem Volk in den Krieg ziehen wird und sich dieses daher nicht vor größeren und stärkeren Feinden fürchten soll. Das Aufgebot zum Krieg gilt grundsätzlich allen Männern des Volkes; ausgenommen sind Männer, die gerade ein Haus gebaut, einen Weinberg angelegt, oder sich gerade verlobt aber noch nicht geheiratet haben. Diese dürfen nach Hause zurückkehren. Nicht zum Kampf antreten soll auch einer, der sich fürchtet. Wieder wird das Volk ermahnt, die aktuellen Einwohner des Landes Kanaan keinesfalls zu verschonen und der Vernichtung zu weihen. Die Einwohner von weiter entfernten Städten dürfen hingegen versklavt und ihre Frauen geheiratet werden.

Die folgenden Abschnitte enthalten in kurzer Form wieder Gesetze des täglichen Lebens: Gefundenes Gut soll zurückgegeben werden. Hatte ein Landsmann einen Unfall mit dem Ochsenkarren, soll ihm beigestanden werden. Männer sollen keine Frauenkleider tragen und umgekehrt. An Dachterrassen sollen Geländer angebracht werden. Am Gewand sollen Quasten getragen werden.

Das Buch enthält einige sehr ins Einzelne gehende Gesetze zum Ehebruch. Grundsätzlich wird dieser mit dem Tod beider Beteiligter bestraft. Wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, soll er sterben, sie darf am Leben bleiben, wenn nicht nachgewiesen werden kann, daß sie hätte um Hilfe rufen können. Beschuldigt einer seine Frau, nicht jungfräulich in die Ehe gekommen zu sein, sollen die Eltern der Frau als Beweisstück für das Gegenteil ihr Hochzeitskleid vorlegen.

Weitere Gesetze bestimmen die Bedingungen für die Aufnahme in die Versammlung des Herrn, die Reinheit des Heerlagers, ein Verbot zur Auslieferung von Flüchtlingen und die sakrale Prostitution. Dazu ein Verbot, von Brüdern Zinsen zu verlangen oder gewisse lebenswichtige Dinge wie Mühlsteine als Pfand zu nehmen. Der Lohn eines Tagelöhners soll noch vor dem Sonnenuntergang bezahlt werden. Die sogenannte Sippenhaft ist verboten und an Acker im Weinberg soll keine Nachlese gehalten werden - diese Früchte sind für die Armen bestimmt (Dtn 4,44 - 28,68).

 

Die letzten Verfügungen des Mose:

Mose sagt: Der Herr wird dem Volk Glück geben, wenn sie ihm gehorchen und seine Gebote halten, denn „es ist das Wort gar nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, daß du es tust. Siehe ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse,

der ich dir heute gebiete, daß du den Herrn, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte haltest und leben mögest und gemehrt werdest und dich der Herr, dein Gott, segne in dem Lande, in das du einziehst!“

Mose wußte, daß er sehr alt war und den Jordan nicht mehr überschreiten werde. Aber er rief Josua und sprach zu ihm vor den Augen des ganzen Israel: „Sei getrost und unverzagt. Denn du wirst dies Volk in das Land bringen, das der Herr ihren Vätern geschworen hat ihnen zu geben, und du wirst es unter sie austeilen. Der Herr aber, der selber vor euch her geht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun noch dich verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht.“ Dann wird gesagt, daß Mose die Worte dieses Gesetzes aufgeschrieben hatte in ein Buch und dieses den  Leviten übergeben hat. Sie sollen es neben die Bundeslade legen (wo es dann später zur Zeit des Königs Josua „gefunden“ wird) (Dtn 28,69 - 32,52).

Es folgen drei kurze Anhänge:

1. Das Moselied, das Mose auf Gottes Anweisung verfaß hat (Dtn 32).

2. Segenssprüche über jeden der Stämme Israels (Dtn 33).

3. Der Bericht von Moses Tod (32:48-52) und Beisetzung (Dtn 34):

 

Mose ging auf den Berg Nebo, gegenüber von Jericho. Und der Herr zeigte ihm das ganze Land und sprach zu ihm: „Dies ist das Land, das ich den Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs zugesagt habe. Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen!“ So starb Mose, der Diener des Herrn, dort im Lande der Moabiter. Gott begrub ihn im Tal im Lande der Moabiter, und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag.

Mose war hundertundzwanzig Jahre alt, als er starb.

Josua aber, ward erfüllt mit dem Geist der Weisheit, denn Mose hatte seine Hände auf ihn gelegt. Und die Israeliten gehorchten ihm und taten, wie der Herr dem Mose geboten hatte.

Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den Gott angesehen hätte von Angesicht zu Angesicht. Im Buch Josua wird die Geschichte des Volkes Israel nach der Überquerung des Jordan weitergeführt.

 

 

 

 

 

Das erste Buch Mose (Genesis) 

[Das 1. Buch Mose handelt von Gottes Schöpfung, die auf den Menschen zielt, ihm dient und ihm anvertraut ist. Dann wird zunächst eine Frühgeschichte der Menschheit erzählt (über Adam und Eva, Kain und Abel, Noah), die mit der Völkertafel endet. Es folgt die Frühgeschichte des Volkes Israel, beginnend mit der Berufung des Erzvaters Abraham. Die Lebens- und Familiengeschichten der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob stellen den Ursprung der Israeliten, ihrer Gesetze, Bräuche und religiösen Vorstellungen unter dem Aspekt der göttlichen Erwählung und des Bundes mit Israel bis zum Tod Josefs in Ägypten dar.

An sich müßte man sich jetzt dem weiteren Verlauf der Landnahme des Volkes Israel zuwenden, denn erst danach kam die Frage auf: Ist nicht der Gott, den wir in unserer Geschichte erfahren haben, auch der Herr der ganzen Welt und sogar ihr Schöpfer? Erst als das Volk Israel seßhaft geworden war, überlegte man sich, daß Gott ja auch der Schöpfer der ganzen Welt sein müsse. Sie hatten ihn erfahren als den Gott, der ihnen in der Geschichte beigestanden hatte. Er hatte sie vor den Ägyptern errettet, hatte mit ihnen einen Bund geschlossen und ihnen das Land gegeben.

Er sollte aber nicht  nur der Gott dieses Volkes sein, sondern der Gott aller Völker. Deshalb mußte er auch der Schöpfer der Welt sein. Das war er schon immer, aber die Israeliten haben es erst jetzt erkannt. Deshalb dachten sie sich die Schöpfungserzählungen aus, um in anschaulichen Bildern den Glauben an diesen Gott zu umschreiben. Sie beschreiben nicht „Schöpfungsgeschichte“, so als wäre das alles wortwörtlich so passiert, sondern es handelt sich um ein Glaubensbekenntnis in erzählerischer Form.

Außerdem kam es ja zur Begegnung mit den orientalischen Großmächten und ihren Göttergeschichten von der Erschaffung der Welt. Deshalb stellte Israel sein Werden in den größeren Rahmen der Erschaffung der Welt. Die Urgeschichte am Anfang der Bibel ist also der letzte Themenkomplex, der dem Pentateuch zugewachsen ist.

Diesen durchzieht ein Spannungsbogen von der Verheißung zur Erfüllung, bezogen besonders auf das Stichwort des „Landes“, das Gott durch Unterscheidung von Himmel und Urflut schuf (Gen 1,1-12), um es Mose kurz vor seinem Tod als Erbe Israels zu zeigen (Dtn 34,1-4). Da aber die fünf Bücher Mose eine Einheit sind, wird jetzt erst das erste Buch besprochen.

Die Erzählungen vom Anfang der Welt enden mit der großen Katastrophe, daß die Völker unterschiedliche Sprachen haben und über die ganze Welt verstreut werden. Gott aber greift sich einen einzelnen Menschen heraus, den Abraham, und beginnt mit ihm etwas Neues. Weil Abraham ein Mensch nach seiner Vorstellung war, hoffte er daß er mit ihm mehr Erfolg haben werde. Aus Abraham erwuchs ein großes Volk, das aber auch nicht dem Willen Gottes gehorsam war. Es blieben immer nur Einzelne, die nach dem Willen Gottes lebten.

[Als das Volk im Land Kanaan seßhaft geworden war, erinnerte es sich daran, daß dieses Land ja schon den Vorvätern von Gott versprochen worden war. Diese „Erzväter“ Abraham, Isaak und Jakob verkörpern aber ursprünglich die Anführer je eines Volksstamms, der dann im Volk Israel aufging. In den Erzählungen wurden sie dann als Vater, Sohn und Enkel verknüpft. Aus der Stammesgeschichte wurde eine Familiengeschichte.

Die Erzählungen von den „Erzvätern“ Abraham, Isaak und Jakob wollen nachweisen, daß die Einnahme des Landes Kanaan (die heutigen Wohnstätten der Israelis und der Palästinenser) gerechtfertigt war, weil dieses Land schon den Erzvätern von Gott versprochen worden war und diese dort schon gelebt hatten. Man sah auch schon in ihrem Leben den Gott Israels am Werk. Aber an sich setzte sich das spätere Volk Israel zusammen aus Gruppen, die sich auf einen (vielleicht mythischen) Erzvater zurückführten, aus den Stämmen aus dem Ostjordanland und aus der kleinen Gruppe, die aus Ägypten gekommen war und den Durchzug durchs Meer und den Bundesschluß am Sinai erfahren hatte und deren Glaube dann von den anderen übernommen wurde.

Inhaltlich gibt es einige direkte Hinweise zur Datierung des Textes: Kamele wurden im 12. oder 11. vorchristlichen Jahrhundert domestiziert, und die ältesten Hinweise auf Kamelkarawanen im Nahen Osten stammen aus dem 7. Jahrhundert. Der Bezug auf israelitische Könige deutet auf eine Entstehung nach dem 10. vorchristlichen Jahrhundert hin. Erste Ansiedlungen der Philister gibt es seit dem 13. Jahrhundert, und erste Städte im 7. Jahrhundert. Mit der Datierung der Patriarchen auf die Zeit zwischen dem 25. und dem 16. vorchristlichen Jahrhundert (je nach Lehrmeinung) ergibt sich eine Entstehung von einigen Jahrhunderten nach den (mutmaßlichen) Ereignissen].

 

 

 

 

Abrahamerzählungen

 

[Als das Volk im Land Kanaan seßhaft geworden war, wollt es sich  seiner Wurzeln vergewissern. Es erinnerte es sich daran, daß dieses Land ja schon den Vorvätern von Gott versprochen worden war. Diese ganze Volksgruppe wurde symbolisch zusammengefaßt in den Figuren der „Erzväter“. Abraham, Isaak und Jakob verkörpern aber ursprünglich die Anführer je eines Volksstamms, der dann im Volk Israel aufging. In den Erzählungen wurden sie dann als Vater, Sohn und Enkel verknüpft: Aus der Stammesgeschichte wurde eine Familiengeschichte].

 

Abram und Sarai:

Der Herr sprach zu Abram: „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will. Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Generationen auf Erden!

Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog. Er nahm seine Frau Sarai und Lot, den Sohn seines Bruders, mit aller ihrer Habe, und die Leute, die sie erworben hatten in Haran. Sie zogen aus, zu reisen in das Land Kanaan. Als sie dort angekommen waren, zog Abram durch bis an die Stätte bei Sichem und an den Hain More. Es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande.

Da erschien der Herr dem Abram und sprach: „Dies Land will ich deinen Nachkommen geben!“ Und Abram baute dort einen Altar für den Herrn, der ihm erschienen war.

Danach brach er von dort auf ins Gebirge öst der Stadt Bethel und schlug sein Zelt auf, so daß er Bethel im Westen und Ai im Osten hatte, und baute dort dem Herrn einen Altar und rief den Namen des Herrn an (Gen 12,1-9).

 

Abram und Sarai in Ägypten:

Danach zog Abram weiter in den Süden. Es kam aber eine Hungersnot in das Land. Da zog Abram hinab nach Ägypten, um dort als ein Fremder zu leben, denn der Hunger war groß im Land. Als er aber nahe an Ägypten kam, sprach er zu seiner Frau: „Ich weiß, daß du ein schönes Gesicht hast. Wenn dich nun die Ägypter sehen werden, so werden sie sagen: Das ist seine Frau! Und werden mich töten und dich leben lassen. Sage doch, du seist meine Schwester, damit es mir wohl gehe und ich am Leben bleibe!“

Als Abram nun nach Ägypten kam, sahen die Ägypter die, daß seine Frau sehr schön war. Die Großen des Pharao sahen sie und priesen sie vor ihm. Da wurde sie in das Haus des Pharao gebracht. Der Pharao tat Abram Gutes wegen seiner Frau: Er bekam Schafe, Rinder, Esel, Sklaven und Sklavinnen, Eselinnen und Kamele. Aber der Herr plagte den Pharao mit großen Plagen und sein Haus wegen Sarai.

Da rief Pharao Abram zu sich und sprach zu ihm: „Warum hast du mir das getan? Warum sagtest du mir nicht, daß sie deine Frau ist? Warum sprachst du denn, sie wäre deine Schwester? So daß ich sie zu meiner Frau nehmen wollte. Da hast du deine Frau, nimm sie und ziehe hin!“ Und der Pharao bestellte Leute, daß sie Abram geleiteten und seine Frau und alles, was er hatte (Gen 12,10-20).

 

Abram und Lot trennen sich:

Lot zog auch mit Abram ins Südland. Abram aber war sehr reich an Vieh, Silber und Gold. Er zog immer weiter vom Südland bis nach Bethel, an die Stätte, wo zuerst sein Zelt war, zwischen Bethel und Ai, wo er zuvor den Altar gemacht hatte. Dort rief er den Namen des Herrn an. Lot aber, hatte auch Schafe und Rinder und Zelte. Deshalb konnte das Land es nicht verkraften, daß sie beieinander wohnten, denn ihre Habe war groß.

Es gab immer Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Da sprach Abram zu Lot: „Laß doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten, denn wir sind doch verwandt Steht dir nicht alles Land offen? Trenne dich doch von mir. Willst du auf die linke Seite, so gehe ich auf die rechte Seite, oder wenn du auf die rechte willst, dann gehe ich auf die linke!“

Da hob Lot sein Augen auf und besah die ganze Gegend am Jordan. Denn ehe der Herr Sodom und Gomorra vernichtete, war die  Gegend wasserreich, wie ein Garten des Herrn, wie Ägypten. Da wählte Lot die ganze Gegend am Jordan und zog nach Osten. So trennte sich ein Verwandter von dem andern: Abram wohnte im Lande Kanaan und Lot in den Städten der Jordangegend. Und Lot zog mit seinen Zelten bis nach Sodom. Aber die Leute zu Sodom waren böse und sündigten sehr gegen den Herrn (Gen 13,1-13).

 

Erneute Verheißung an Abram:

Als Lot sich von Abram getrennt hatte, sprach der Herr zu Abram: „Hebe dein Augen auf und siehe von der Stätte an, wo du wohnst, nach Norden, Süden,  Osten und Westen. Denn alles Land, das du siehst, will ich dir geben und deinen Nachkommen für alle Zeit. Ich will deine Nachkommen machen wie den Staub auf der Erde. Wenn ein Mensch den Staub auf der Erde zählen kann, dann wird er auch deine Nachkommen zählen können. Darum so mache dich auf und ziehe durch das Land in die Länge und Breite, denn dir will ich es geben. Do zog Abram weiter mit seinem Zelt und wohnte im Hain Mamre, der bei Hebron ist, und baute dort dem Herrn einen Altar (Gen 13,14-18).

 

Abram rettet Lot:

Es gab einen Aufstand gegen den König von Sodom, und sie kamen alle zusammen im Tal Siddim, wo jetzt das Salzmeer ist. Die Könige von Sodom und Gomorra wurden in die Flucht geschlagen und fielen in Erdharzgruben hinein, und was übrigblieb, floh auf das Gebirge.

Die Feinde auch Lot mit sich mit all seiner Habe. Das meldete einer, der entronnen war, dem Abram. Da rüstete Abram seine Leute aus und jagte ihnen nach bis nach Dan. Nachts fiel er über sie her und schlug sie und verjagte sie und brachte Lot und seine Familie wieder zurück.

Als er zurück kam, gingen ihm entgegen der König von Sodom und Melchisedek, der König von Salem und Priester Gottes des Höchsten. Dieser trug Brot und Wein heraus und segnete ihn und sprach: „Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat!“ (Gen 14, gekürzt).

 

Gott verheißt Abram einen Sohn:

Nach diesen Geschichten hörte Abram das Wort des Herrn: „Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn“ Abram aber sprach: „Herr, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder und mein Diener Elieser von Damaskus wird mein Haus besitzen.

Da sprach der Herr sprach zu ihm: „Er soll nicht dein Erbe sein, sondern der von deinem Leib kommen wird, der soll dein Erbe sein!“ Er befahl ihm hinaus zu gehen und sprach: „Sieh in den Himmel und zähle die Sterne. Kannst du sie zählen? So zahlreich sollen deine Nachkommen werden!“ Und Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.

Gott sprach zu ihm: „Ich bin der Herr, der dich von Ur in Chaldäa ausgeführt hat, damit ich dir dies Land zum Besitz gebe!“ Abram aber sprach: „Herr, woran soll ich merken, daß ich es besitzen werde?“ Er sprach zu ihm: Bringe mir eine dreijährige Kuh und eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen Widder und eine Turteltaube und eine andere Taube!“ Abram brachte ihm das alles und zerteilte es in der Mitte und legte je einen Teil dem andern gegen­über, nur die Vögel zerteilte er nicht.

Als nun die Sonne am Untergehen war, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram. Schrecken und große Finsternis überfiel ihn. Da sprach Gott zu Abram: „Das sollst du wissen, daß deine Nachkommen werden fremd sein in einem Lande, das nicht ihnen ist. Dort wird man sie zwingen vierhundert Jahre zu dienen. Aber ich will das Volk strafen, dem sie dienen müssen. Danach sollen sie ausziehen aus dem Land mit großem Gut. Und du sollst fahren zu deinen Vätern mit Frieden und in gutem Alter begraben werden. Sie aber sollen nach vier Menschenaltern wieder hierher kommen!“[Anspielung auf den Aufenthalt in Ägypten].

Als nun die Sonne untergegangen und es finster geworden war, siehe, da war ein rauchender Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Tierhälften hin [Anspielung auf den Bundesschluß am Sinai].  An dem Tage machte der Herr einen Bund mit Abram und sprach: „Deinen Nachkommen will ich dies Land geben, von dem Wasser Ägyptens bis an den große Strom Euphrat!“ (Gen 15).

 

Hagar und Ismael:

Doch Sarai gebar Abram kein Kind. Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Und sie sprach zu Abram: „Siehe, der Herr hat mich unfruchtbar gemacht. Gehe doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme!“ Abram gehorchte Sarai und sie gab ihm Hagar zur Frau, nachdem sie zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatten. Hagar wurde schwanger. Als sie nun sah, daß sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering.

Da sprach Sarai zu Abram: „Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben. Nun aber wo sie schwanger geworden ist, bin ich gering in ihren Augen!“ Abram aber sprach zu Sarai: „Siehe, deine Magd ist unter deiner Gewalt, tue mit ihr, wie es dir gefällt!“

Als Sarai nun Hagar wollte demütigen, floh sie von ihr. Aber der Bote des Herrn fand sie bei einer Quelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach Sur. Der sprach zu ihr: „Hagar, wo kommst du her, und wo willst du hin?“ Sie sprach: „Ich bin von meiner Herrin Sarai geflohen!“ Der Bote des Herrn sprach zu ihr: „Kehr wieder um zu deiner Herrin, und füge dich unter ihre Hand. Ich will deine Nachkommen so vermehren, daß sie wegen der großen Menge nicht gezählt werden können. Du wirst einen Sohn gebären, den sollst du Ismael heißen, denn der Herr hat dein Elend erhört. Er wird ein wilder Mensch sein: Seine Hand gegen jedermann und jedermanns Hand gegen ihn, und er wird wohnen allen seinen Brüder zum Trotz!“

Hagar hieß den Namen des Herrn, der mit ihr redete: „Du bist ein Gott, der  mich sieht“. Denn sie sprach: „Gewiß habe ich hier den gesehen, der mich angesehen hat!“ Darum nannte man den Brunnen „Brunnen des Lebendigen, der mich ansieht“. Und Hagar gebar einen Sohn. Abram nannte den Sohn, den ihm Hagar gebar, „Ismael“. Er war sechsundachtzig Jahre alt, als ihm Hagar den Ismael gebar (Gen 16).

 

Ewiger Bund und neue Namen:

Als Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: „Ich bin der allmächtige Gott. Lebe vor mir und sei fromm. Ich will meinen Bund zwischen mir und dir aschließen und ich will dich über alle Maßen vermehren!“ Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: „Siehe, ich habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. Darum sollst du nicht mehr „Abram“ heißen, sondern „Abraham“ soll dein Name sein, denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker. Ich will dich sehr fruchtbar machen und will aus dir Völker machen, und auch Könige sollen von dir kommen. Ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinen Nachkommen, daß es ein ewiger Bund sei, so daß ich dein Gott sei und deiner Nachkommen Gott!“

Und Gott sprach weiter: „Ich will dir und deinen Nachkommen das Land geben als ewigen Besitz, das ganze Land Kanaan, in dem du ein Fremder bist, und ich will ihr Gott sein. So halte nun meinen Bund, du und deine Nachkommen von Generation zu Generation. Das ist aber mein Bund, den ihr halten sollt: Alles Männliche unter euch soll beschnitten werden. Eure Vorhaut sollt ihr beschneiden. Das soll ein Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. Jeder Junge soll beschnitten werden, wenn er acht Tage alt ist. Beschnitten werden sollen auch die Kinder der Angestellten. So soll mein Bund an eurem Fleisch zu einem ewigen Bund werden. Wenn ein Mann nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, der soll ausgerottet werden aus seinem Volk, weil er meinen Bund gebrochen hat (Ex 17,1-14).

 

Verheißung Isaaks:

Gott sprach abermals zu Abraham: Du sollst deine Frau Sarai nicht mehr „Sarai“ heißen, sondern „Sara“ soll ihr Name sein. Denn ich will sie segnen, und auch von ihr will ich dir einen Sohn geben. Denn ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker.  Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte, und sprach in seinem Herzen: „Soll mir, im Alter von hundert Jahren ein Kind geboren werden, und Sara gebären, die neunzig Jahre alt ist?

Abraham sprach zu Gott: „Ach, daß Ismael möchte leben bleiben!“ Da sprach Gott: „Nein, deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären, den sollst du „Isaak“ nennen, denn mit ihm will ich meinen ewigen Bund aufrichten und mit seinen Nachkommen. Aber wegen Ismael habe ich dich auch erhört. Siehe, ich habe ihn gesegnet und will ihn fruchtbar machen und über alle Maßen vermehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich will ihn zum großen Volk machen. Aber meinen Bund will ich aufrichten mit Isaak, den dir Sara gebären soll um diese Zeit im nächsten Jahr!“

Da nahm Abraham seinen Sohn Ismael und alle Sklaven (die im Haus geborenen und die gekauften) und alles, was männlich war in seinem Haus, und beschnitt ihre Vorhaut an eben diesem Tag, wie ihm Gott gesagt hatte. Abraham war neunundneunzig Jahre alt, als er seine Vorhaut beschnitt.  Sein Sohn Ismael war dreizehn Jahre alt, als seine Vorhaut beschnitten wurde (Ex 17, 15-27).

 

Der Herr bei Abraham im Hain Mamre:

Der Herr erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seine s Zeltes und neigte sich nieder zur Erde und sprach: „Herr, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so gehe nicht an deinem Diener vorüber. Man soll euch ein wenig Wasser bringen und eure Füße waschen, und laßt euch nieder unter dem Baum. Ich will einen Bissen Brot bringen, daß ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weitergehen. Denn darum seid ihr zu eurem Diener gekommen!“ Sie sprachen: „Tue, wie du gesagt hast!“   

Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: „Eile und menge drei Maß feinstes Mehl, knete und backe Kuchen!“ Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab es dem Sklaven. Der eilte und bereitete es zu. Abraham trug auf Butter und Milch und Fleisch von dem Kalb, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.

Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist deine Frau Sara?“ Er antwortete: „Drinnen im Zelt!“ Da sprach einer der Männer: „Ich will wieder zu dir kommen in einem Jahr. Dann soll deine Frau Sara einen Sohn haben!“ Das hörte Sara hinter der Tür des Zelts und lachte vor sich hin und sprach: „Nun ich alt bin, soll ich noch Liebe machen, und mein Mann ist auch alt?“

Da sprach der Mann zu Abraham: „Warum lacht Sara und spricht: Meinst du, das es wahr werde, daß ich noch gebären werde, wo  ich doch alt bin? Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen in einem Jahr, dann  soll Sara einen Sohn haben!“ Da leugnete Sara und sprach: „Ich habe nicht gelacht!“denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: „Es ist nicht so, du hast gelacht!“ (Gen 18,1-15).

 

Fürbitte für Sodom:

Da brachen die Männer auf und wandten sich nach Sodom. Abraham ging mit ihnen, um sie zu geleiteten. Da sprach der Herr: „Wie könnte ich Abraham verbergen, was ich tue, zumal er ein großes und mächtiges Volk soll werden, und alle Völker auf der Erde in ihm gesegnet werden sollen? Denn dazu habe ich ihn bestimmt, daß er seinen Kindern und seinen Nachkommen befehle, daß sie des Herrn Wege halten und tun, was recht und gut ist, damit der Herr auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat!“

Und der Herr sprach: „Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, daß ihre Sünden sehr schwer sind. Darum will ich hinab fahren und sehen, ob sie alles getan haben, was das Gerücht besagt, das vor mich gekommen ist, oder ob es nicht so sei, damit ich es genau wisse!“

Die Männer wandten ihr Angesicht und gingen nach Sodom. Abraham aber blieb stehen vor dem Herrn und trat zu ihm und sprach: „Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein. Wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären? Das sei ferne von dir, daß du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, so daß der Gerechte gleich behandelt wird wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten?“

Der Herr sprach: „Finde ich fünfzig Gerechte in der Stadt Sodom, so will ich um ihrer willen dem ganzen Ort vergeben!“ Abraham antwortete und sprach: „Ach siehe, ich habe es gewagt mit dem Herrn zu reden, obwohl ich Erde und Asche bin. Es könnten vielleicht fünf weniger den fünfzig Gerechte darin sein. Wolltest du dann die ganze Stadt verderben um der fünf willen?“ Er sprach: „Finde ich darin fünfundvierzig, so will ich sie nicht verderben!“ Abraham fuhr fort mit ihm zu reden und sprach: „Man könnte vielleicht nur vierzig Gerechte darin finden!“ Er aber sprach: „Ich will ihnen nichts tun um der vierzig willen!“ Abraham sprach: „Zürne nicht, Herr, daß ich noch mehr rede. Man könnte vielleicht dreißig darin finden!“ Er aber sprach: „Finde ich dreißig Gerechte darin, so will ich ihnen nichts tun!“

Abraham sprach: „Ach siehe, ich habe es gewagt, mit dem Herrn zu reden. Man möchte vielleicht zwanzig Gerechte darin finden!“ Gott antwortete: „Ich will sie nicht verderben um der zwanzig willen!“ Abraham sprach noch einmal: „Ach zürne nicht, Herr, daß ich nur noch einmal rede. Man könnte vielleicht zehn darin finden!“ Er aber sprach: „Ich will sie nicht verderben um der zehn willen!“ Der Herr ging hin, als er mit Abraham ausgeredet hatte, und Abraham kehrte wieder um an seinen Ort (Gen 18, 16-33).

 

Untergang von Sodom und Gomorra:

Zwei Gottesboten kamen gegen Abend nach Sodom. Lot aber saß in Sodom unter dem Tor. Als er sie sah, stand er auf, ihnen entgegen, und neigte sich bis zur Erde und sprach: „Liebe Herren, kehrt doch ein im Haus eures Dieners und bleibt über Nacht. Laßt euch die Füße waschen und steht morgens früh auf und zieht eure Straße!“ Aber sie sprachen: „Nein, sondern wir wollen über Nacht im Freien bleiben!“ 

Da nötigte er sie sehr, und sie kehrten bei ihm ein und kamen in sein Haus. Er machte ihnen ein Mahl und backte ungesäuerte Kuchen, und sie aßen. Aber ehe sie sich zum Schlafen legten, kamen die Männer der Stadt Sodom und umringten das ganze Haus, jung und alt, das ganze Volk aus allen Ecken der Stadt, und riefen Lot heraus und sprachen zu ihm: „Wo sind die Männer, die diese Nacht zu dir gekommen sind? Führe sie heraus zu uns, damit wir mit ihnen Geschlechtsverkehr haben können!“

Lot ging heraus zu ihnen vor die Tür und schloß die Tür hinter sich zu und sprach: „Ach, liebe Nachbarn, tut nichts so Übles! Ich habe zwei Töchter, die haben es noch mit keinem Mann gehabt. Die will ich euch herausgeben, und tut mit ihnen, was euch gefällt. Aber diesen Männern tut nichts, denn darum sind sie unter den Schatten meines Daches gekommen!“ Sie aber sprachen: „Weg mit dir!“

Und sie sprachen auch: „Du bist der einzige Fremde hier und willst das Sagen haben? Wohlan, wir wollen dich noch übler plagen als jene!“ Sie drangen hart auf Lot. Doch als sie hinzu liefen und die Tür aufbrechen wollten, griffen die Gäste hinaus und zogen Lot hinein zu sich ins Haus und schlossen die Tür zu. Aber die Männer vor der Tür wurden mit Blindheit geschlagen, klein und groß, so daß sie es aufgaben, die Tür zu finden.

Die Gäste sprachen zu Lot: „Hast du noch irgend hier einen Schwiegersohn und Söhne und Töchter, und wer sonst noch zu dir gehört in der Stadt, den führe weg von dieser Stätte. Denn wir werden diese Stätte verderben, weil ihr Geschrei groß ist vor dem Herrn. Der hat uns gesandt, sie zu verderben!“ Da ging Lot hinaus und redete mit den Männern, die seine Töchter heiraten sollten: „Macht euch auf und geht aus diesem Ort, denn der Herr wird diese Stadt verderben!“ Aber das war ihnen lächerlich.

Als nun die Morgenröte aufging, drängelten die Boten und sprachen: „Mache dich auf, nimm deine Frau und deine zwei Töchter, damit du nicht auch umkommst in der Missetat dieser Stadt!“ Als er aber zögerte, ergriffen die Männer ihn und seine Frau und seine zwei Töchter bei der Hand, weil der Herr ihn verschonen wollte, und führten ihn hinaus und ließen ihn erst draußen vor der Stadt wieder los. Als sie ihn hatten hinausgebracht, sprach der eine: „Rette dein Leben und sieh nicht hinter dich, bleib auch nicht stehen in dieser ganzen Gegend. Rette dich auf das Gebirge, daß du nicht umkommst!“

Aber Lot sprach zu ihm: „Ach nein, Herr! Dein Diener hat Gnade gefunden vor deinen Augen und du hast deine Barmherzigkeit groß gemacht, als du mich am Leben erhalten hast. Ich kann mich nicht auf das Gebirge retten, denn es könnte mich dort ein Unheil  ereilen, so daß ich stürbe. Es ist aber eine kleine Stadt nahe, dahin will ich mich retten, daß ich am Leben bleibe!“

Da sprach der Bote zu ihm: „Siehe, ich habe auch in dieser Sache dir nachgegeben, daß ich diese kleine Stadt nicht zerstöre, von der du geredet hast. Eile und rette dich dahin, denn ich kann nichts tun, bis daß du dort hineinkommst!“ Daher ist diese Stadt genannt „Zoar“. Die Sonne war schon aufgegangen, als Lot nach Zoar kam.

Da ließ der Herr Schwefel und Feuer von Himmel herab regnen auf Sodom und Gomorra und vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Land gewachsen war. Aber Lots Frau sah hinter sich und wurde zur Salzsäule. Abraham aber machte sich früh am Morgen auf an den Ort, wo er vor dem Herrn gestanden hatte, und wandte sein Gesicht in Richtung Sodom und Gomorra und alles Land der Gegend und schaute. Siehe, da ging Rauch auf vom Lande wie ein Rauch vom Ofen [Mit dieser Erzählung wird erklärt, weshalb Sodom und Gomorra nur noch eine Ruinenstäte war, Zoar aber weiter bestand; außerdem wird begründet, weshalb eine Felsformation wie eine Frau aussah].

Lot zog aus Zoar und blieb auf dem Gebirge mit seinen beiden Töchtern, denn er fürchtete sich, in Zoar zu bleiben; und so blieb er in einer Höhle mit seinen beiden Töchtern. Da sprach die ältere Tochter zu der jüngeren: „Unser Vater ist alt, und ist kein Mann mehr auf der Erde, der uns schwängern könnte. So laß uns unserm Vater Wein zu trinken geben und bei ihm schlafen, daß wir uns Nachkommen verschaffen von unserm Vater!“ Also gaben sie ihrem Vater Wein zu trinken in derselben Nacht. Dann ging die erste hinein und legte sich zu ihrem Vater. Er aber merkte es nicht, weder als sie sich hinlegte noch als sie aufstand.

Am Morgen sprach die ältere zu der jüngeren: „Ich habe gestern bei meinem Vater gelegen. Laß uns ihm diese Nacht auch Wein zu trinken geben, daß du hineingehst und legst dich zu ihm, daß wir uns Nachkommen von unserm Vater verschaffen!“

So gaben sie ihrem Vater diese Nacht auch Wein zu trinken. Und die jüngere machte sich auf und legte sich zu ihm. Und er wurde es nicht gewahr, weder als sie sich hinlegte noch als sie aufstand. So wurden beide Töchter Lots schwanger von ihrem Vater. Die ältere gebar einen Sohn, den nannte sie „Moab“. Von dem kommen die Moabiter her bis auf den heutigen Tag. Die jüngere gebar auch einen Sohn, den hieß sie „Ben-Ammi“. Von dem kommen die Kinder Ammon bis auf den heutigen Tag [Hier wird erklärt, daß die zwei Völker im Grunde mit Israel verwandt sind. Daß weder Lot noch seine Töchter bestraft werden, zeigt wie gnädig Gott in diesem Fall ist. Indirekt wird dabei klar, wie schlimm die Vergehen der Sodomiter - die hiernach benannten Sodomie - angesehen worden sein müssen] (Gen 19).

 

Abraham und Sara bei Abimelech:

Abraham aber zog von dort ins das Südland und wohnte zwischen Kadesch und Schur und ward ein Fremder in Gerar. Er sprach aber von seiner Frau Sara, sie sei seine Schwester. Da sandte Abimelech, der König zu Gerar, zu ihr hin und ließ sie holen. Aber Gott kam zu Abimelech im Traum und sprach zu ihm: „Du bist des Todes wegen der Frau, die du genommen hast, den sie ist eine Ehefrau!“

Abimelech aber hatte sie nicht berührt und sprach: „Herr, willst du denn auch ein gerechtes Volk umbringen? Hat er nicht zu mir gesagt, sie sei seine Schwester? Und sie hat auch gesagt, daß er ihr Bruder sei. Ich habe das doch getan mit gutem Gewissen und unschuldigen Händen!“Gott sprach zu ihm im Traum: „Ich weiß auch, daß du das mit gutem Gewissen getan hast. Darum habe ich dich auch davor behütet, daß du gegen mich sündigtest, und habe es nicht zugelassen, daß du sie berührtest. So gib nun dem Mann seine Frau wieder, denn er ist ein Prophet. Und laß ihn für dich bitten, so wirst du am Leben bleiben. Wenn du sie aber nicht zurück gibst, so wisse, daß du des Todes sterben mußt und alles, was dein ist!“

Da stand Abimelech früh am Morgen auf und rief alle seine Diener und sagte ihnen dieses alles; und die Männer fürchteten sich sehr.

Abimelech rief auch Abraham und sprach zu ihm: „Warum hast du uns das getan? Was habe ich an dir gesündigt, daß du so eine große Sünde auf mich und mein Reich bringen wolltest? Du hast mit mir gehandelt, wie man nicht handeln soll.

Abraham sprach: „Ich dachte, vielleicht ist keine Gottesfurcht an diesem Ort, und sie werden mich wegen meiner Frau umbringen. Sie ist wahrhaftig meine Schwester, denn sie ist meines Vaters Tochter, aber nicht meiner Mutter Tochter. So ist sie meine Frau geworden. Als mich aber Gott aus meines Vaters Hause wandern hieß, sprach ich zu ihr: Die Liebe tu an mir, daß du sagst, ich sei dein Bruder, wo wir auch hinkommen!“

Da nahm Abimelech Schafe und Rinder, Sklaven und Sklavinnen und gab sie Abraham und gab ihm seine Frau Sara wieder und sprach: „Siehe da, mein Land steht dir offen, wohne, wo es dir gefällt!“

Und zu Sara sprach: „Ich habe deinem Bruder tausend Silberlinge gegeben. Das soll wie eine Decke vor den Augen aller sein, die bei dir sind, zu deinem Wohl!“ Damit war ihr Recht verschafft.

Abraham aber betete zu Gott. Da heilte Gott Abimelech und seine Frau und seine Sklavinnen, so daß sie wieder Kinder gebären, denn der Herr hatte zuvor wegen Sara alle Mütter des Hauses Abimelech hart verschlossen (Gen 20).

 

Isaaks Geburt:

Der Herr tat mit Sara, wie er geredet hatte: Sie wurde schwanger und gebar Abraham in seinem Alter einen Sohn, um die Zeit, von der ihm Gott geredet hatte. Und Abraham hieß seinen Sohn „Isaak“ und beschnitt ihn am achten Tage, wie ihm Gott geboten hatte. Hundert Jahre war Abraham alt, als ihm sein Sohn Isaak geboren wurde. Und Sara sprach: „Gott hat mich zur Lachnummer gemacht, denn wer es hören wird, der wird über mich lachen. Und wer durfte von Abraham sagen, daß Sara Kinder stille? Und doch habe ich ihm einen Sohn geboren in seinem Alter!“ Das Kind wuchs heran. Abraham machte ein großes Mahl an dem Tag, als Isaak entwöhnt wurde.

Als Sara den Sohn der Ägypterin Hagar sah, wie er ein Spötter war, und sprach sie zu Abraham: „Treibe diese Sklavin aus mit ihrem Sohn, der Sohn dieser Sklavin soll nicht erben mit meinem Sohn Isaak!“ Das Wort mißfiel Abraham aber wegen seines Sohnes. Aber Gott sprach zu ihm: „Rege dich nicht auf wegen der Sklavin und ihrem Sohn. Gehorche in allem was dir Sara gesagt hat, denn nur nach Isaak sollen deine Nachkommen genannt werden. Aber ich will auch den Sohn der Sklavin zum Volk machen, weil er dein Sohn ist!“

Da stand Abraham Morgen früh auf und nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser und legte es Hagar auf ihre Schulter, dazu gab er ihr den Sohn und schickte sie fort. Da zog sie hin und ging in der Wüste umher bei Beer-Seba.

Als nun das Wasser in dem Schlauch ausgegangen war, warf sie den Jungen unter einen Strauch und ging hin und setzte sich gegenüber,  einen Bogenschuß weit entfernt. Denn sie sprach: „Ich kann das Sterben des Kindes nicht ansehen!“ Und sie setzte sich gegenüber und weinte mit lauter Stimme.

Da erhörte Gott die Stimme des Kindes. Und der Bote Gottes rief vom Himmel und sprach zu ihr: „Was ist dir Hagar? Fürchte dich nicht, denn Gott hat erhört die Stimme des Jungen, der dort liegt. Steh auf, nimm den Jungen und führe ihn an deiner Hand, denn ich will ihn zum großen Volk machen!“ Gott öffnete ihr die Augen, daß sie einen Wasserbrunnen sah. Da ging sie hin und füllte den Schlauch mit Wasser und tränkte den Jungen.

Und Gott war mit dem Jungen. Er wuchs heran und wohnte in der Wüste und wurde ein guter Schütze. Und seine Mutter gab ihm eine Frau aus Ägypten [Erneut wird die enge Verwandt­schaft Israels mit den Wüstenvölkern begründet](Gen 21,1-21).

 

Abrahams Bund mit Abimelech:

Zu der Zeit redete Abimelech zusammen mit seinem Feldhauptmann Pichol mit Abraham und sprach: „Gott ist mit dir in allem, das du tust. So schwöre mir nun bei Gott, daß du mir und meinen Kindern und meinen Enkeln keine Untreue erweisen wirst, sondern an mir und an dem Land, in dem du ein Fremder bist, die Barmherzigkeit tun wirst, die ich an dir getan habe!“ Da sprach Abraham: „Ich will schwören!“ Aber Abraham stellte Abimelech zur Rede wegen des Wasserbrunnens, den Abime­lechs Leute mit Gewalt genommen hatten.

 

Da antwortete Abimelech: „Ich habe es nicht gewußt und weiß auch nicht, wer das getan hat. Weder hast du es mir gesagt noch habe ich es gehört bis heute!“ Da nahm Abraham Schafe und Rinder und gab sie Abimelech. Und sie schlossen beide einen Bund miteinander.

Aber Abraham stellt sieben Lämmer beiseite. Da sprach Abimelech zu Abraham: „Was sollen die sieben Lämmer, die du besonders gestellt hast?“ Er antwortete: „Sieben Lämmer sollst du von meiner Hand nehmen, damit sie mir zum Zeugnis seien, daß ich diesen Brunnen gegraben habe!“ Daher heißt die Stätte Beer-Seba, weil sie beide miteinander da geschworen haben. Abi­melech und Pichol machten sich auf und zogen wieder in das Land der Philister. Abraham aber pflanzte Bäume in Beer-Seba und rief dort den Namen des Herrn, des ewigen Gottes, an. Aber er blieb ein Fremder im Land der Philister eine lange Zeit (Gen 21, 22-34).

 

Abrahams Versuchung bei Isaaks Opferung:

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: „Abraham!“ Und er antwortete: „Hier bin ich!“ Und Gott sprach: „Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und gehe hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde!“ Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm zwei Diener mit sich und seinen Sohn Isaak. Er spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte.

Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stelle von ferne. Da sprach er zu seinen Dienern: „Bleibt ihr hier mit dem Esel! Ich und der Junge wollen dorthin gehen. Und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen!“ Und Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und Messer in seine Hand, und die beiden gingen miteinander.

 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: „Mein Vater!“ Abraham antwortete: „Hier bin ich mein Sohn!“ Und Isaak sprach: „Siehe, hier ist Feuer und Holz. Wo ist aber das Schaf zum Brandopfer?“ Abraham antwortete: „Mein Sohn, Gott wird sich schon ein Schaf aussuchen zum Brandopfer!“ So gingen beide miteinander.

Als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf. Dann fesselte er seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz. Dann reckte seine Hand aus und faßte das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.

Da rief ihm der Bote des Herrn vom Himmel und sprach: „Abraham! Abraham!“ Er antwortete: „Hier bin ich!“ Der Bote sprach: „Lege deine Hand nicht an den Jungen und tue ihm nichts. Denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest und hättest deinen einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen!“

Da hob Abraham sein Augen auf und sah einen Widder hinter sich mit seinen Hörnern in der Hecke hängen. Er ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an der Stelle seines Sohnes. Und Abraham hieß die Stätte: „Der Herr sieht!“ Daher man noch heutzutage sagt: „Auf dem Berge, wo der Herr sieht!“

Der Bote des Herrn rief Abraham abermals vom Himmel und sprach: „Ich habe bei mir selbst geschworen: Weil du das getan hast und hättest deinen einzigen Sohnes nicht verschont, will ich deine Nachkommen segnen und vermehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meers. Deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde einnehmen. Und durch deine Familie sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorcht hast!“

So kehrte Abraham wieder zu seinen Dienern und sie machten sich auf und zogen miteinander nach Beer-Seba und er wohnte dort [Hier wird begründet, daß man vom Menschenopfer zum Tieropfer übergehen soll] (Gen 22).

 

Sara stirbt und Abraham erwirbt ein Erbbegräbnis:

 Sara ward hundertsiebenundzwanzig Jahre alt und starb in Hebron im Lande Kanaan. Da kam Abraham, daß er sie beklagte und beweinte. Danach stand er auf von seiner Toten und redete mit den Hethitern und sprach: „Ich bin ein Fremder und Einwohner bei euch. Gebt mir ein Erbbegräbnis bei euch, daß ich meine Toten hinaustrage und begrabe!“

Da antworteten die Hethiter und sprachen zu ihm: „Höre uns, lieber Herr! Du bist ein Fürst Gottes unter uns. Begrabe deine Toten in unsern vornehmsten Gräbern. Kein Mensch unter uns wird dir wehren, daß du in seinem Grabe deine Toten begräbst!“ Da stand Abraham auf und verneigte sich vor dem Volk des Landes.

Abraham sprach: „Bittet für mich Ephron, daß er mir gebe seine Höhle in Machpela, die am Ende seines Ackers liegt. Er gebe sie mir als Erbbegräbnis für Geld, soviel sie wert ist!“ Da antwortete Ephron: „Nein, mein Herr! Ich schenke dir den Acker und dazu die Höhle darin und übergebe ihn dir vor den Augen meines Volks, um deine Tote zu begraben!“ Da verneigte sich Abraham vor dem Volk und redete mit Ephron: „Wenn du mir ihn lassen willst, so bitte ich, nimm von mir das Geld für den Acker, so will ich dort meine Tote begraben!“ Ephron antwortete Abraham und sprach zu ihm: „Mein Herr, höre mich doch! Das Feld ist vierhundert Gramm Silber wert. Was ist das aber zwischen mir und dir? Begrabe nur deine Tote!“

Abraham gehorchte Ephron und wog ihm die Summe ab, nach dem Gewicht, das beim Kauf gang und gäbe war.

So wurde Ephrons" Acker östlich von Mamre, auf dem die Höhle ist,  Abraham zum Eigentum bestätigt,  mit der Höhle darin und mit allen Bäumen auf dem Acker umher, vor den Augen der Hethiter und aller, die beim Tor seiner Stadt versammelt waren. Danach begrub Abraham seine Frau Sara in der Höhle des Ackers östlich von Mamre. So wurden Abraham der Acker und die Höhle zum Erbbegräbnis von den Kindern Hethitern bestätigt [Diese Höhle war gewissermaßen der Anfang der Inbesitznahme des Landes durch das spätere Volk Israel] (Gen 23).

 

 

Isaakerzählungen

 

Rebekka wird Isaaks Frau:

Abraham wurde alt und hochbetagt, und der Herr hatte ihn gesegnet in jeder Hinsicht. a sprach er zu dem ältesten Diener seines Hauses, der allen seinen Gütern vorstand: „Lege deine Hand unter meine Hüfte und schwöre mir bei dem Herrn, daß du meinem Sohn keine Frau nimmst von den Töchtern der Kanaaniter, unter denen ich wohne, sondern daß du ziehst in mein Vaterland und zu meiner Verwandtschaft und nimmst meinem Sohn Isaak eine Frau. Der Mann sprach: „ Wenn mir aber das Mädchen nicht folgen will in dies Land, soll ich dann deinen Sohn zurückbringen in jenes Land, aus dem du ausgezogen bist?“

Abraham sprach zu ihm: „Davor hüte dich, daß du meinen Sohn nicht wieder dahin bringst. Der Gott des Himmels, der mich aus meinem Vaterhaus weggenommen hat und von meiner Heimat, der zu mir geredet hat und mir auch geschworen hat: Dies Land will ich deinen Nach­ kommen geben, der wird seine Boten vor dir her senden, daß du meinem Sohn dort eine Frau nimmst. Wenn aber Das Mädchen dir nicht folgen will, so bist du von dem Eid frei. Aber brin­ge meinen Sohn nicht wieder dorthin!“

Da legte der Diener seine Hand unter die Hüfte Abrahams, und schwor ihm alles. Also nahm der Diener zehn Kamele seines Herrn und zog hin und hatte mit sich allerlei Güter und machte sich auf und zog nach Mesopotamien zu der Stadt Nahors.

Da ließ er die Kamele sich lagern draußen vor der Stadt bei einem Wasserbrunnen, abends um die Zeit, wenn die Frauen für gewöhnlich herausgehen und Wasser zu schöpfen. Er sprach: „Herr, du Gott meines Herrn Abraham, begegne mir heute und tue Barmherzigkeit an meinem Herrn Abraham! Siehe, ich stehe hier bei dem Wasserbrunnen, und die Töchter der Leute in dieser Stadt werden herauskommen, Wasser zu schöpfen. Wenn nun eine Mädchen kommt, zu der ich spreche: Neige deinen Krug, und laß mich trinken! und sie sprechen wird: Trinke, ich will deine Kamele auch tränken! das sei die, die du deinem Diener Isaak beschert hast, und daran werde ich erkennen, daß du Barmherzigkeit an meinem Herrn getan hast“!“   

Ehe er noch ausgeredet hatte, kam Rebekka heraus, die Tochter seines Vetters  Bethuel, und trug einen Krug auf ihrer Achsel. Das Mädchen war eine sehr schön von Angesicht und sie hatte es noch mit keinem Mann gehabt. Die stieg hinab zum Brunnen und füllte den Krug und stieg herauf. Da lief ihr der Diener entgegen und sprach: „Laß mich ein wenig Wasser aus deinem Krug trinken!“Sie sprach: „Trinke, mein Herr!“ Sie ließ eilend den Krug hernieder auf ihre Hand und gab ihm zu trinken.

Als sie ihm zu trinken gegeben hatte, sprach sie: „Ich will deinen Kamelen auch schöpfen, bis sie alle getrunken haben!“ Sie eilte und goß den Krug aus in die Tränke und lief abermals zum Brunnen, zu schöpfen, und schöpfte für alle seine Kamele. Der Mann aber betrachtete sie und schwieg still. Er wollte warten, bis er erkannt hätte, ob der Herr Gnade zu seiner Reise gegeben hätte oder nicht.

Als nun die Kamele alle getrunken hatten, nahm er einen goldenen Stirnreif, sechs Gramm schwer, und zwei goldene Armreigen für ihre Hände, hundertzwanzig Gramm schwer, und sprach: „Wessen Tochter bist du? Sage mir doch: Haben wir Raum in deines Vaters Haus, um dort zu übernachten?“

Sie sprach zu ihm: „Ich bin Bethuels Tochter. Es ist auch viel Stroh und Futter bei uns und Raum genug, zu übernachten!“ Da neigte sich der Mann und betete den Herrn an und sprach: „Gelobt sei der Herr, der Gott meines Herrn Abraham, der seine Barmherzigkeit und seine Treue nicht hat weichen lassen von meinem Herrn. Denn der Herr hat mich geradewegs zum Haus des Bruders meines Herrn geführt!“

Das Mädchen lief und berichtete alles im Haus seiner Mutter.

Rebekka aber hatte einen Bruder, der hieß Laban. Dieser lief zu dem Mann draußen bei dem Brunnen. Und als er den Stirnreif und die Armreifen an den Händen seiner Schwester sah und hörte die Worte Rebekkas, kam er zu dem Mann, der bei den Kamelen am Brunnen stand. Er sprach: „Komm herein, du Gesegneter des Herrn! Warum stehst du draußen? Ich habe das Haus vorbereitet und für die Kamele auch Raum geschaffen!“ So führte er den Mann ins Haus und zäumte die Kamele ab und gab ihnen Stroh und Futter und Wasser, um seine Füße und die Füße seiner Männer zu waschen, und setzte ihnen Essen vor.

Er sprach aber: „Ich will nicht essen, ehe ich nicht zuvor meine Sache vorgebracht habe!“ Sie antworteten: „Sage an!“ Er sprach: „Ich bin Abrahams Diener. Gott der Herr hat meinen Herrn reichlich gesegnet, so daß er groß geworden ist, und hat ihm Schafe und Ochsen, Silber und Gold, Sklaven und Sklavinnen, Kamele und Esel gegeben. Dazu hat Frau Sara meinem Herrn einen Sohn geboren, obwohl beide schon alt waren. Dem hat er alles gegeben, was er hat. Und mein Herr hat einen Eid von mir genommen und gesagt: Du sollst meinem Sohn keine Frau nehmen von den Töchtern der Kanaaniter, in deren Land ich wohne, sondern ziehe hin zu meiner Verwandtschaft, dort nimm meinem Sohn eine Frau!“

Dann stellt er die Frage: „Seid ihr nun die, so an meinem Herrn Freundschaft und Treue beweisen wollen, so sagt es mir. Wenn aber nicht, so sagt es mir auch, daß ich mich wende zur Rechten oder zur Linken!“

Da antworteten Laban und Bethuel und sprachen: „Das kommt vom Herrn! Darum können wir nichts gegen dich reden, weder Böses noch Gutes. Da ist Rebekka, nimm sie und zieh hin, daß sie die Frau des Sohnes deines Herrn sei, wie der Herr geredet hat!“

 Als Abrahams Diener diese Worte hörte, neigte er sich vor dem Herrn zur Erde und zog silberne und goldene Kleinode und Kleider hervor und gab sie Rebekka Auch ihrem Bruder und der Mutter gab er kostbare Geschenke. Dann aß und trank er mit den Männern, die mit ihm waren, und blieb über Nacht da.
Am Morgen aber stand er auf und sprach: „Laß mich ziehen zu meinem Herrn!“ Aber Rebekkas Bruder und ihre Mutter sprachen: „Laß doch das Mädchen einen Tag oder zehn bei uns bleiben, danach sollst du ziehen!“ Da sprach er zu ihnen: „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Laßt mich, daß ich zu meinem Herrn ziehe!“

Da sprachen sie: „Laßt uns das Mädchen rufen und fragen, was sie dazu sagt!“ Sie riefen Rebekka und sprachen zu ihr: „Willst du mit diesem Mann ziehen?“ Sie antwortete: „Ja, ich will es!“ So ließen sie Rebekka mit Abrahams Diener und seinen Leuten ziehen. Sie segneten Rebekka und sprachen zu ihr: „Du bist unsre Schwester! Wachse in vieltausendmal tausend, und dein Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde besitzen!“ Da machte sich Rebekka auf mit ihren Gehilfinnen, und setzten sich auf die Kamele und zogen dem Mann nach.

Isaak aber war zum „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ gezogen und wohnte im Südland. Dort war er ausgegangen, um gegen Abend auf dem Feld den zu beten. Da hob er seine Augen auf und sah, daß Kamele daherkamen. Auch Rebekka hob ihre Augen auf und sah Isaak. Da stieg sie eilend vom Kamel und sprach zu dem Diener: „Wer ist der Mann auf dem Feld?“ Der Knecht sprach: „Das ist mein Herr!“ Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich. Der Diener aber erzählte Isaak alles, was er ausgerichtet hatte. Da führte sie Isaak in das Zelt seiner Mutter Sara und nahm die Rebekka. Sie wurde seine Frau und er gewann sie lieb. So wurde Isaak getröstet über den Tod seiner Mutter (Gen 24, gekürzt um die Wiederholung).

 

Abrahams Tod:

Abraham heiratete noch einmal und hatte mit seiner Frau Ketura noch sechs Söhne, die dann wiederum Nachkommen hatten. Aber all sein Vermögen gab Isaak. Den Kindern seiner Nebenfrauen gab er Geschenke und ließ sie noch zu Lebzeiten Isaaks nach Osten ziehen. Abraham wurde schließlich hundertfünfundsiebzig Jahre alt. Als er alt und lebenssatt war, starb er in einem guten Alter und kehrte heim zu seinen Vätern. Seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn in der Höhle von Machpela auf dem Acker Ephrons, die gegenüber von Mamre liegt, auf dem Felde, das Abraham von den Hethitern gekauft hatte. Dort ist Abraham begraben mit seiner Frau Sara. Nach dem Tod Abrahams segnete Gott dessen Sohn Isaak. Der wohnte bei dem „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ [Wieder wird großer Wert gelegt auf das Erbbegräbnis und den Wohnort Isaaks, um deutlich zu machen, daß schon die Vorväter einen Teil des Landes besaßen. Die Altersangaben darf man nicht zu wörtlich nehmen. Es folgt noch eine Liste der Nachkommen Ismaels und ihrer Wohnorte (Gen 15,1-18).

 

 

 

Esaus und Jakobs Geburt und Verkauf des Erstgeburtsrechts:

Isaak aber war vierzig Jahre alt, da er Rebekka zur Frau nahm. Als er sechzig Jahre alt war,

bat er den Herrn für seine Frau, denn sie war unfruchtbar. Und der Herr ließ sich erbitten, und Rebekka wurde schwanger. Die Kinder aber stießen sich miteinander in ihrem Bauch. Da sprach sie: „Wenn es mir so ergehen soll, warum bin ich schwanger geworden?“ Und sie fing an, den Herrn zu befragen. Der Herr sprach zu ihr: „Zwei Völker sind in deinem Bauch, und zweierlei Volk wird aus deinem Bauch kommen. Aber ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen!“

Als nun die Zeit kam, daß sie gebären sollte, da waren Zwillinge in ihrem Bauch. Der erste, der herauskam, war rötlich, ganz rauh wie ein Fell; den nannten sie „ Esau“. Danach kam sein Bruder heraus, der hielt mit seiner Hand die Ferse des Esau; den hießen sie „Jakob“. Als nun die Jungen groß wurden, wurde Esau ein Jäger und streifte auf dem Feld umher, Jakob aber war ein häuslicher Mann und blieb bei den Zelten. Isaak aber hatte Esau lieb und aß gern von seinem Wildfleisch. Rebekka aber hatte Jakob lieb (

Als Jakob ein Gericht kochte, kam Esau vom Feld und war müde und sprach zu Jakob: „Laß mich essen von dem roten Gericht, denn ich bin müde!“ Aber Jakob sprach: „Verkaufe mir heute dein Erstgeburtsrecht!“ Esau antwortete: „Siehe, ich muß doch sterben; was soll mir da die Erstgeburt?“ Jakob sprach: „So schwöre mir heute!“ Und Esau schwur ihm und verkaufte Jakob sein Erstgeburtsrecht. Da gab ihm Jakob Brot und das Linsengericht, und er aß und trank und stand auf und ging davon. Also verachtete Esau sein Recht (Gen 25,19-34).

 

Isaak und Rebekka in Gerar:

Es kam aber eine Teuerung ins Land wie zu Abrahams Zeiten. Da zog Isaak zu dem Philisterkönig Abimelech nach Gerar. Da erschien ihm der Herr und sprach: „Zieh nicht hinab nach Ägypten, sondern bleibe in dem Land, das ich dir sage. Sei ein Fremder in diesem Land, und ich will mit dir sein und dich segnen. Denn dir und deinen Nachkommen will ich alle diese Länder geben und will meinen Eid bestätigen, den ich deinem Vater Abraham geschworen habe, und will deine Nachkommen vermehren wie die Sterne am Himmel und will deinen Nachkommen alle diese Länder geben. Und durch deine Nachkommen sollen alle Völker auf der Erde gesegnet werden, weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist und hat gehalten meine Rechte und Gebote, meine Weisungen und Gesetze!“ So wohnte Isaak weiter in Gerar.

Und wenn die Leute in diesem Ort nach seiner Frau fragten, dann sprach er: „Sie ist meine Schwester!“ Denn er fürchtete sich zu sagen, daß sie seine Frau ist, denn sie könnten ihn sonst töten wegen Rebekka, denn sie war schön von Angesicht.

Als er nun eine Zeitlang da war, sah der König Abimelech durchs Fenster und wurde gewahr, daß Isaak Liebe machte mit seiner Frau Rebekka. Da rief Abimelech den Isaak und sprach: „Das ist doch deine Frau. Weshalb hast du denn gesagt: Sie ist meine Schwester?“ Isaak antwortete ihm: „Ich dachte, ich müßte vielleicht sterben müssen um ihretwillen!“ Abimelech sprach: „Warum hast du das getan? Es wäre leicht geschehen, daß jemand vom Volk mit deiner Frau geschlafen hätte, und du hättest so eine Schuld auf uns gebracht!“ Da befahl Abimelech allem Volk und sprach: „Wer diesen Mann oder seine Frau antastet, der soll des Todes sterben.

Isaak säte in dem Land und erntete desselben Jahres hundertfach, denn der Herr segnete ihn.

Er wurde ein reicher Mann und nahm immer mehr zu, bis er sehr reich wurde, so daß er viel Gut hatte an kleinem und großem Vieh und eine große Dienerschaft. Darum beneideten ihn die Philister und verstopften alle Brunnen, die schon die Leute seine Vaters gegraben hatten und verfüllten sie mit Erde, so daß auch Abimelech zu ihm sprach: „Zieh von uns, denn du bist uns zu mächtig geworden!“

Da zog Isaak fort und schlug sein Zelt auf im Tal von Gerar und wohnte dort. Er ließ die Wasserbrunnen wieder aufgraben, die sein Vater Abraham hatte graben lassen, die aber nach Abrahams Tod die Philister verstopft hatten, und nannte sie mit demselben Namen, mit denen sie sein Vater genannt hatte. Auch seine Leute gruben und fanden dort eine Quelle mit lebendigem Wassers

Aber die Hirten von Gerar zankten mit den Hirten Isaaks und sprachen: „Das Wasser ist unser!“ Da gruben sie einen andern Brunnen. Darüber stritten die Philister auch. Da machte er sich fort und grub einen andern Brunnen. Darüber stritten sie dann nicht mehr. Darum nannte Isaak den Brunnen „Rehoboth“ und sprach: „Nun hat uns der Herr Raum gemacht und wir können wachsen lassen im Lande!“ Danach zog Isaak weiter nach Beer-Seba.

Der Herr aber erschien ihm in derselben Nacht und sprach: „Ich bin der Gott deines Vaters Abraham. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir und will dich segnen und deine Nachkommen vermehren um meines Dieners Abrahams willen! Da baute Issak dort einen Altar und reif an den Namen des Herrn und richtete dort sein Zelt auf, und seine Diener gruben dort einen Brunnen.

Da Abimelech kam zu ihm von Gerar mit seinem Freund Ahussat und seinem Feldhauptmann Pichol. Isaak sprach zu ihnen: „Warum kommt ihr zu mir? Ihr haßt mich doch und habt mich von euch getrieben!“ Sie sprachen: „Wir sehen mit sehenden Augen, daß der Herr mit dir ist. Darum sprachen wir: Es soll ein Eid zwischen uns und dir sein, und wir wollen einen Bund mit dir schließen, daß du uns keinen Schaden tust, so wie wir dich nicht angetastet haben und dich mit Frieden haben ziehen lassen. Du bist ja doch der Gesegnete des Herrn!“

Da machte Issak ihnen ein Mahl, und sie aßen und tranken. Früh am Morgen standen sie auf und einer schwor dem anderen. Und Isaak ließ sie gehen, und sie zogen von ihm mit Frieden. Am gleichen Tag aber kamen Isaaks Leute und sagten ihm an von dem Brunnen, den sie gegraben hatten: „Wir haben Wasser gefunden!“ Isaak nannte den Brunnen „Seba“ (=Schwur). Deshalb heißt die Stadt bis auf den heutigen Tag  „Beer-Seba“ (=Schwurbrunnen). Als Esau vierzig Jahre alt war, nahm er die zwei Hethiterfrauen Judit und Basmath zur Frau. Aber beide brachten Isaak und Rebekka viel Herzeleid (Gen 26,1-35).

 

 

 

Jakobserzählungen

 

Jakob erschleicht sich den Erstgeburtssegen:

Als Isaak alt war geworden und seine Augen schwach geworden waren zum Sehen, rief er seinen älteren Sohn Esau und sprach zu ihm: „Mein Sohn!“ Er aber antwortete ihm: „Hier bin ich!“ Und Issak  sprach: „Siehe, ich bin alt geworden und weiß nicht, wann ich sterben werde. So nimm nun Köcher und Bogen und geh aufs Feld und jage mir ein Wild. Dann mache mir ein Essen, wie ich es gern habe, und bringe es mir herein zum Essen esse, damit ich dich segne, ehe ich sterbe!“ Rebekka aber hörte diese Worte, die Isaak zu seinem Sohn Esau sagte. Und Esau ging hin aufs Feld, daß er ein Wild jagte und heimbrächte.

Da sprach Rebekka zu Jakob, ihrem Sohn: „Siehe, ich habe deinen Vater mit deinem Bruder Esau reden gehört, wie er sagte: Bring mir ein Wild und mache mir ein Essen, daß ich es esse und dich segne vor dem Herrn, ehe ich sterbe!“

 

 

Rebekka fuhr fort: „So höre nun, mein Sohn, was ich dich heiße. Geh hin zur Herde und hole mir zwei gute Böcklein, daß ich deinem Vater ein Essen davon mache, wie er es gern hat. Das sollst du deinem Vater hineintragen, daß er es esse und dich segne vor seinem Tod!“

Jakob aber sprach zu seiner Mutter Rebekka: „Mein Bruder Esau hatte eine rauhe Haut, und ich bin glatt. Wenn mich nun mein Vater mich betastet und merkt, daß ich ihn betrügen wollte, dann bringt er über mich einen Fluch und nicht einen Segen!“

Da sprach seine Mutter zu ihm: „Der Fluch sei auf mir, mein Sohn. Gehorche nur meiner Stimme, gehe und hole mir!“ Da ging er hin und holt das Fleisch und brachte es seiner Mutter. Da machte seine Mutter ein Essen, wie es sein Vater gern hatte. Dann nahm sie die kostbaren Gewänder Esaus und zog sie ihrem jüngeren Sohn Jakob an. Aber die Felle von den Böcklein legte sie um seine Hände um den Hals, wo er glatt war.

Dann gab sie das Essen in Jakobs Hand und er ging hinein zu seinem Vater und sprach: „Mein Vater!“ Er antwortete: „Hier bin ich. Wer bist du, mein Sohn?“ Jakob sprach zu seinem Vater: Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn. Ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Steh auf, setz dich und iß von meinem Wild, damit du mich segnest!“ Isaak aber sprach zu seinem Sohn: „Mein Sohn, wie hast du so bald etwas gefunden?“ Er antwortete: „Der Herr, dein Gott, bescherte es mir!“

Da sprach Isaak zu Jakob: „Tritt herzu, mein Sohn, daß ich dich betaste, ob du mein Sohn Esau bist oder nicht!“ So trat Jakob zu seinem Vater Isaak. Als er ihn betastet hatte, sprach er: „Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände!“ Er erkannte ihn nicht, denn seine Hände waren rauh wie die seines Bruders Esau. Und Issak segnete ihn und sprach: „Bist du mein Sohn Esau?“ Er antwortete: „Ja, ich bin es!“ Da sprach Isaak: „So bringe mir her, mein Sohn, zu essen von deinem Wildbraten, daß ich dich segne!“ Da brachte er ihm das Essen, und er aß. Jakob trug ihm auch Wein hinein, und er trank.

Da sprach Isaak zu ihm: „Komm her und küsse mich, mein Sohn!“ Er trat hinzu und küßte ihn. Da roch er den Geruch seiner Gewänder und segnete ihn und sprach: „Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie ein Geruch des Feldes, das der Herr gesegnet hat. Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle. Völker müssen dir dienen, und Leute müssen dir zu Fuße fallen. Sei ein Herr über deine Brüder, und deine Geschwister sollen dir zu Füßen fallen. Verflucht sei, wer dir flucht. Gesegnet sei, wer dich segnet!“

Als nun Isaak den Segen über Jakob vollendet hatte, und Jakob kaum hinausgegangen war von seinem Vater Isaak, da kam sein Bruder Esau von seiner Jagd. Er machte auch ein Essen und trug e hinein zu seinem Vater und sprach zu ihm: „Steh auf, mein Vater, und iß von dem Wildbraten deines Sohnes, damit du mich segnest!“

Da antwortete ihm Isaak: „Wer bist du?“ Er sprach: „Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn!“

Da entsetzte sich Isaak über die Maßen sehr und sprach: „Wer ist denn der Jäger, der mir etwas zu essen gebracht hat, und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und habe ihn gesegnet? Er wird auch gesegnet bleiben!“

Als Esau diese Rede seines Vaters hörte, schrie er laut und wurde über die Maßen sehr betrübt und sprach zu seinem Vater: „Segne mich auch, mein Vater! Er aber sprach: „Dein Bruder ist gekommen mit List und hat deinen Segen weggenommen!“ Da sprach er: „Er heißt mit Recht „Jakob“ (=der Hinterlistige), denn er hat mich nun zweimal überlistet. Mein Erstgeburtsrecht hat er genommen, und nun nimmt er auch meinen Segen. Hast du mir denn keinen Segen aufgehoben?“

 

Isaak antwortete ihm: „Ich habe ihn zu Herrn über dich eingesetzt, und alle seine Brüder habe ich zu seinen Sklaven gemacht, mit Korn und Wein habe ich ihn versehen. Was soll ich nun dir noch tun, mein Sohn?“ Esau sprach zu seinem Vater: „Hast du denn nur einen Segen, mein Vater? Segne mich auch, mein Vater!“ Und er erhob seine Stimme und weinte. Da antwortete Isaak ihm: „Siehe da, du wirst wohnen ohne Fettigkeit der Erde und ohne Tau des Himmels.

Von deinem Schwerte wirst du dich nähren und deinem Bruder sollst du dienen.  Aber es wird geschehen, daß du einmal sein Joch von deinem Hals reißen wirst Gen 27,1-40)[Im Hintergrund steht hier der Gegensatz zwischen dem Jäger und dem seßhaften Bauern. Der Segen des Vaters bezieht es sich aber dennoch nicht auf den vermeintlichen Jäger, sondern auf die Fruchtbarkeit des Feldes. Esau aber wird dennoch zum Stammvater der Edomiter, die aber mehr Jäger und  Nomaden bleiben].

 

Jakobs Flucht nach Haran:.

Esau war Jakob natürlich böse wegen des Segens, mit dem ihn sein Vater gesegnet hatte. Er sprach in seinem Herzen: „Es wird die Zeit bald kommen, da man um meinen Vater Leid tragen muß. Dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen!“ Da wurden Rebekka diese Worte ihres Sohnes Esau gesagt. Und sie schickte hin und ließ ihren jüngeren Sohn Jakob rufen und sprach zu ihm: „Dein Bruder Esau droht dir, daß er dich umbringen will. Aber höre auf mich, mein Sohn: Mach dich auf und flieh zu meinem Bruder Laban nach Haran und bleib eine Weile bei ihm, bis sich der Ärger deines Bruders legt und bis sich sein Zorn gegen dich von dir wendet und er vergißt, was du ihm angetan hast. Dann will ich dir Nachricht geben und dich von dort holen lassen. Warum sollte ich euch beide verlieren an einem  Tag?“

Rebekka sprach zu Isaak: „Die Hethiterinnen nehmen mir die Lust zum Leben. Wenn Jakob sich eine Frau nimmt von den Töchtern des Landes, was soll mir das Leben?“ Da rief Isaak seinen Sohn Jakob und segnete ihn und befahl ihm: „Nimm keine Frau von den Töchtern Kanaans, sondern mache dich auf und ziehe nach Mesopotamien zum Hause Bethuels, und nimm dir dort eine Frau von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter! Und der allmächtige Gott segne dich und mache dich frucht­bar und vermehre dich, damit du ein Haufe von Völkern wirst. Ich gebe dir den Segen Abrahams, dir und deinen Nachkommen, daß du das Land besitzt, in dem du ein Fremder bist, das Gott aber schon Abraham gegeben hat!“ So entließ Isaak den Jakob ab, daß er nach Mesopotamien zog zu Laban. Als nun Esau sah, daß Isaak die Töchter Kanaans nicht gerne in seiner Familie sah, ging er hin zu Ismael und nahm noch die Tochter Ismaels, des Sohnes Abrahams, zur Frau (Gen 27,41- 28,9).

 

Jakob schaut die Himmelsleiter:

Jakob zog aus von Beer-Seba und reiste nach Haran. Da kam an einen Ort, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn unter seinen Kopf und legte sich an dem Ort schlafen. Er träumte und sah eine Leiter auf der Erde stehen, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Boten Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der Herr stand oben drauf und sprach: „Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nach­kommen geben. Deine Nachkommen sollen werden wie der Staub auf der Erde, und du sollst ausgebreitet werden nach Westen und Osten, nach Norden und Süden. Und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Menschen auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hin ziehst, und will dich wieder her­bringen in dies Land. Denn ich will dich nicht lassen, bis daß ich alles tue, was ich dir zugesagt habe!“

Als nun Jakob aus seinem Schlaf aufwachte, sprach er: „Der Herr ist in der Tat an diesem Ort, und ich wußte es nicht!“ Er fürchtete sich und sprach: „Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels!“

Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er unter seinen Kopf gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goß Öl oben drauf und nannte die Stätte „Bethel“ („Haus Gottes“, vorher aber hieß die Stadt Lus).

Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: „Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Weg, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Gewänder anzuziehen und mich in Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der Herr mein Gott sein. Dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Steinmal, soll ein Gotteshaus werden. Und von allem, was du mir gibst, will ich dir den zehnten Teil geben (Gen 28,10-22).

 

Jakob dient um Lea und Rahel:

Da machte sich Jakob auf den Weg und ging in das Land, das im Osten liegt. Das sah er einen Brunnen auf dem Feld, und drei Herden Schafe lagen dabei. Denn von dem Brunnen pflegten sie die Herden zu tränken. Aber ein großer Stein lag vor dem Loch des Brunnens. Dort pflegten die Hirten ihre Herden alle zu versammeln und den Stein gemeinsam von dem Brunnenloch zu wälzen und die Schafe zu tränken; dann taten sie den Stein wieder vor das Loch an seine Stelle.

Jakob sprach zu ihnen: „Liebe Leute, wo seid ihr her?“ Sie antworteten: „Wir sind von Haran!“ Er sprach zu ihnen: „Kennt ihr auch Laban, den Sohn Nahors?“ Sie antworteten: „Wir kennen ihn wohl!“ Er sprach: „Geht es ihm auch wohl?“ Sie antworteten: „Es geht ihm wohl. Siehe, da kommt seine Tochter Rahel mit den Schafen!“ Er sprach: „Es ist noch mitten am Tag und es ist noch nicht die Zeit, das Vieh einzutreiben. Tränkt doch die Schafe und geht hin und weidet sie!“ Sie antworteten: „Wir können nicht, bis alle Herden zusammengebracht werden und wir den Stein von des Brunnens Loch wälzen und so die Schafe tränken!“

Als er noch mit ihnen redete, kam Rahel mit den Schafen ihres Vaters. Als aber Jakob Rahel sah, die Tochter des Bruders seiner Mutter, und die Schafe Labans, trat er hinzu und wälzte den Stein von dem Loch des Brunnens und tränkte die Schafe Labans. Und er küßte Rahel und weinte laut und sagte ihr, daß er der Bruder ihres Vaters wäre und Rebekkas Sohn. Da lief sie und sagte es ihrem Vater an. Als aber Laban von Jakob hörte lief er ihm entgegen und herzte und küßte ihn und führte ihn in sein Haus. Da erzählte er dem Laban alles, was sich begeben hatte. Da sprach Laban zu ihm: „Fürwahr, du bist von meinem Gebein und von meinem Fleisch!“

Als Jakob einen Monat lang bei ihm gewesen war, sprach Laban zu Jakob: „Zwar bist du mein Verwandter, aber solltest du mir deshalb umsonst dienen? Sag mir, was dein Lohn sein soll?“ Laban aber hatte zwei Töchter: die ältere hieß Lea und die jüngere Rahel. Aber Lea hatte ein blödes Gesicht, Rahel dagegen war hübsch und schön.

Jakob gewann die Rahel lieb und sprach: „Ich will dir sieben Jahre dienen um Rahel zu erlangen, deine jüngere Tochter!“ Laban antwortete: „Es ist besser, ich gebe sie dir als einem andern. Bleibe bei mir!“ Also diente Jakob sieben Jahre für Rahel, und sie schienen ihn, als wären es einzelne Tage, so lieb hatte er sie.

Dann sprach Jakob zu Laban: „Gib mir nun meine Frau, denn die Zeit ist hier, daß ich zu ihr gehe!“ Da lud Laban alle Leute des Orts und machte ein Hochzeitsmahl. Am Abend aber nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu ihm und er schlief mit ihr.

 

Am Morgen aber, siehe, da war es Lea. Und er sprach zu Laban: „Warum hast du mir das getan? Habe ich dir nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich denn betrogen?“ Laban antwortete: „Es ist nicht Sitte in unserm Land, daß man die jüngere weggebe vor der älteren. Halte mit dieser die Hochzeitswoche aus, dann will ich dir diese auch geben um den Dienst, den du bei mir noch weitere sieben Jahre leisten sollst!“ Jakob tat so und hielt die Woche aus. Dann gab ihm Laban seine Tochter Rahel zur Frau. Also schlief er auch mit Rahel und hatte Rahel lieber als Lea. Aber diente Laban weitere sieben Jahre (Gen 29,1-30).

 

Jakobs Kinder:

Als aber der Herr sah, daß Lea ungeliebt war, machte er sie fruchtbar, Rahel aber war unfruchtbar. Lea wurde schwanger und gebar einen Sohn, den sie „Ruben“ hieß und sprach: „Der Herr hat angesehen mein Elend, nun wird mich mein Mann liebhaben!“ Sie wurde abermals schwanger und gebar einen Sohn und sprach: „Der Herr hat gehört, daß ich ungeliebt bin, und hat mir diesen auch gegeben. Und sie hieß ihn „Simeon“. Sie  wurde abermals schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Nun wird mein Mann mir doch zugetan sein, denn ich habe ihm drei Söhne geboren. Darum hieß sie ihn „Levi“. Dann wurde sie zum vierten Mal schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Nun will ich dem Herrn danken. Darum hieß sie ihn „Juda“. Damit hörte sie auf, Kinder zu gebären.

Als Rahel sah, daß sie Jakob keine Kinder schenken konnte, beneidete sie ihre Schwester und sprach zu Jakob: „Schaffe mir Kinder, wenn nicht, so sterbe ich!“ Jakob aber wurde sehr zornig auf Rahel und sprach: „Bin ich doch nicht Gott, der dir keine Kinder geben will!“ Sie aber sprach: „Siehe, da ist meine Gehilfin Bilha. Gehe zu ihr, daß sie auf meinem Schoß gebäre und ich doch durch sie zu Kindern komme!“ Sie gab ihm Bilha zur Frau, und Jakob ging zu ihr. So wurde Bilha schwanger und gebar Jakob einen Sohn. Da sprach Rahel: „Gott hat mir Recht verschafft  und mich erhört und mir einen Sohn gegeben!“ Darum hieß sie ihn „Dan“. Bilha wurde noch einmal schwanger und gebar Jakob den andern Sohn. Da sprach Rahel: „Über alle Maßen habe ich gekämpft mit meiner Schwester und ich habe gesiegt!“ Und sie nannte den Sohn „Naphthali“.

Als Lea aufgehört hatte zu gebären, nahm sie ihre Gehilfin Silpa und gab sie Jakob zur Frau. So gebar Silpa einen Sohn für Jakob. Da sprach Lea: „Glück zu!“ Und nannte den Sohn  „Gad“.  Danach gebar Silpa einen weiteren Sohn für Jakob. Da sprach Lea: „Wohl mir! Denn mich werden selig preisen die Töchter!“ Und sie nannte den Sohn „Asser“.

Ruben ging aus zur Zeit der Weizenernte und fand Liebesäpfel auf dem Feld und brachte sie heim seiner Mutter Lea. Da sprach Rahel zu Lea: „Gib mir von den Liebesäpfeln deines Sohnes!“ Sie antwortete: „Hast du nicht genug, daß du mir meinen Mann genommen hast, und willst auch die Liebesäpfel meines Sohnes nehmen?“ Rahel sprach: „Wohlan, laß ihn diese Nacht bei dir schlafen für die Liebesäpfel deines Sohnes!“

Als nun Jakob am Abend vom Feld kam, ging ihm Lea hinaus entgegen und sprach: „Zu mir sollst du kommen, denn ich habe dich erkauft um die Liebesäpfel meines Sohnes!“ Und er schlief die Nacht bei ihr. Gott erhörte Lea, und sie wurde schwanger und gebar Jakob den fünften Sohn und sprach: „Gott hat es mir gelohnt, daß ich meine Gehilfin meinem Mann gegeben habe!“ Und nannte den Sohn „Issaschar“. Lea wurde noch einmal schwanger und gebar Jakob den sechsten Sohn und sprach: „Gott hat mich reich beschenkt. Nun wird mein Mann doch bei mir bleiben, denn ich habe ihm sechs Söhne geboren!“ Und nannte den Sohn „Sebulon“.  Danach gebar sie eine Tochter, die nannte sie „Dina“.

Gott dachte aber auch an Rahel und erhörte sie und machte sie auch fruchtbar. Da wurde sie schwanger und gebar einen Sohn und sprach: „Gott hat meine Schmach von mir genommen!“ Sie nannte den Sohn „Joseph“ und sprach: „Der Herr wolle mir noch einen Sohn dazugeben!“

(Gen 29,1- 30,24).

 

Jakob kommt zu Reichtum:

Als Rahel den Joseph geboren hatte, sprach Jakob zu Laban: „Laß mich ziehen und reisen an meinen Ort in mein Land. Gib mir meine Frauen und meine Kinder, um die ich dir gedient habe, daß ich fort ziehe, denn du weißt, wie ich dir gedient habe!“ Laban sprach zu ihm: „Laß mich Gnade vor deinen Augen finden. Ich spüre, daß mich der Herr segnet um deinetwillen. Bestimme den Lohn, den ich dir geben soll!“ Er aber sprach zu ihm: „Du weißt, wie ich dir gedient habe und was aus deinem Vieh geworden ist unter mir. Du hattest wenig, ehe ich her kam. N es zu einer großen Menge geworden, und der Herr hat dich gesegnet auf jedem meiner Schritte. Und nun, wann soll ich auch für mein Haus sorgen?“

Er aber sprach: „Was soll ich dir denn geben?“ Jakob sprach: „Du sollst mir gar nichts geben. Sondern wenn du mir tun willst, was ich dir sage, so will ich wiederum deine Schafe weiden und hüten. Ich will heute durch alle deine Herden gehen und aussondern alle gefleckten und bunten Schafe und alle schwarzen Schafe und die bunten und gefleckten Ziegen. Was nun bunt und gefleckt sein wird, das soll mein Lohn sein. So wird meine Redlichkeit zeugen heute oder morgen, wenn du kommst wegen meines Lohnes, den ich  von dir nehmen soll. Was nicht gefleckt oder bunt unter den Ziegen und nicht schwarz sein wird unter den Lämmern, das sei ein Diebstahl, wenn es sich bei mir findet!“ Da sprach Laban zu ihm: „Es sei, wie du gesagt hast!“

An jenem Tag sonderte Laban die sprenkligen und bunten Böcke und alle gefleckten und bunten Ziegen aus, wo nur etwas Weißes daran war, und alles, was schwarz war unter den Lämmern, und gab sie in die Hand seiner Kinder.

Dann hielt er einen Abstand von drei Tagereisen zwischen sich und Jakob. Jakob aber weidete die übrigen Herden Labans.

Jakob aber nahm Stäbe von grünen Pappelbäumen, Mandelbäumen und Platanen und schälte weiße Streifen daran, so daß an den Stäben das Weiß bloß wurde. Dann legte er die Stäbe, die er geschält hatte, in die Tränkrinnen, wo die Herden hinkommen mußten, um zu trinken.

Wenn sie zu trinken kämen, sollten sie dort Nachwuchs empfangen. So empfingen die Herden über den Stäben und brachten Sprenklinge, Gefleckte und Bunte hervor.

Da sonderte Jakob die Lämmer aus und machte sich eigene Herden, die tat er nicht zu den Herden Labans und machte sich eine eigene Herde, die tat er nicht zu der Herde Labans.

Wenn aber die Brunftzeit der kräftigen Tiere war, legte er die Stäbe in die Rinnen vor die Augen der Herde, daß sie über den Stäben empfingen. Wenn aber die Tiere schwächlich waren, legte er sie nicht hinein. So wurden Laban die schwächlichen Tiere zugeteilt, aber die Kräftigen dem Jakob. Daher wurde der Mann über die Maßen reich, so daß er viele Schafe, Sklavinnen und Sklaven, Kamele und Esel hatte (Gen 30,25-43).

 

 

 

 

 

Jakobs Flucht und Vertrag mit Laban:

Es kamen vor Jakob die Reden der Kinder Labans, daß sie sprachen: „Jakob hat alles Gut unsers Vaters an sich gebracht, und von unsers Vaters Gut hat er solchen Reichtum zuwege gebracht!“ Jakob sah an das Angesicht Labans und es war nicht gegen ihn wie zuvor. Der Herr sprach zu Jakob: „Ziehe wieder in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft. Ich will mit dir sein!“

Da sandte Jakob Boten hin und ließ Rahel und Lea rufen aufs Feld zu seiner Herde und sprach zu ihnen: „Ich sehe eures Vaters Angesicht, daß es nicht gegen mich ist zuvor. Aber der Gott meines Vaters ist mit mir gewesen. Ihr wißt, daß ich aus allen meinen Kräften eurem Vater gedient habe. Aber er hat mich getäuscht und nun zehnmal meinen Lohn verändert. Aber Gott hat es ihm nicht gestattet, daß er mir Schaden täte.  Wenn er sprach: Die bunten Rinder sollen dein Lohn sein, so trug die ganze Herde bunte. Wenn er aber sprach: Die sprenkligen sollen dein Lohn sein, so trug die ganze Herde sprenklige. So hat Gott die Güter eures Vaters ihm entwunden und mir gegeben. Ich bin der Gott zu Bethel, wo du den Stein gesalbt hast und mir dort ein Gelübde getan. Nun mach dich auf und zieh aus diesem Land und zieh wieder in das Land deiner Verwandten!“(gekürzt).

Da antworteten ihm Rahel und Lea: „Wir haben doch keinen Anteil mehr noch ein Erbteil in unsers Vaters Haus. Haben wir doch gegolten wie die Fremden, denn er hat uns verkauft und unseren Kaufpreis verzehrt. Der ganze Reichtum den Gott unserem Vater entzogen hat, gehört uns und unseren Kindern. Alles nun, was Gott dir gesagt hat, das tue!“

So machte sich Jakob auf und lud seine Kinder und Frauen auf Kamele und führte weg all sein Vieh und alle seine Habe, die er in Mesopotamien erworben hatte, um zu seinem Vater Isaak zu kommen ins Land Kanaan. Laban aber war gegangen, sein Herde zu scheren. Und Rahel stahl den Hausgott ihres Vaters. Jakob täuschte Laban dadurch, daß er ihm nicht sagte, daß er abziehen wollte. Also flohen er und alles, was sein war. Er machte sich auf und fuhr über den Euphrat und richtete seinen Weg nach dem Gebirge Gilead.

Am dritten Tag wurde Laban angesagt, daß Jakob geflohen wäre. Da nahm er seine Brüder zu sich und jagte ihm sieben Tagereisen weit nach und erreichte ihn auf dem Berge Gilead. Gott kam im Traum des Nachts zu Laban und sprach zu ihm: „Hüte dich, daß du mit Jakob nicht anders redest als freundlich!“

Laban holte Jakob ein. Jakob aber hatte sein Zelt aufgeschlagen auf dem Gebirge. Laban und seine Brüdern schlugen ihre Zelte auch auf dem Gebirge Gilead. Da sprach Laban zu Jakob: „Was hast du getan, daß du mich getäuscht hast und hast meine Töchter entführt, als wenn sie im Krieg gefangen worden wären? Warum bist du heimlich geflohen und hast mich hintergangen und hast es mir nicht angesagt, daß ich dich geleitet hätte mit Freuden, mit Singen mit Pauken und Harfen? Du hast mich nicht einmal meine Enkel und Töchter küssen lassen. Du hast töricht gehandelt. Ich hätte wohl so viel Macht, daß ich euch Böses antun könnte. Aber eures Vaters Gott hat diese Nacht zu mir gesagt: Hüte dich, mit Jakob anders zu reden als freundlich! Und wenn du schon weggezogen bist und sehntest dich so sehr nach deines Vaters Haus, warum hast du mir meinen Hausgott gestohlen?“

Jakob antwortete und sprach zu Laban: „Ich fürchtete mich und dachte, du würdest deine Töchter von mir reißen. Bei wem du aber deinen Gott findest, der sterbe. Hier vor unsern Brüder suche das Deine bei mir und nimm es hin!“ Jakob wußte aber nicht, daß Rahel den Gott gestohlen hatte.

 

 

Da ging Laban in die Zelte Jakobs und Leas und der beiden Gehilfinnen, fand aber nichts. Dann ging er in das Zelt Rahels. Rahel aber hatte den Gott unter den Kamelsattel gelegt und sich darauf gesetzt. Laban aber betastete das ganze Zelt und fand nichts. Da sprach sie zu ihrem Vater: „Mein Herr, zürne mir nicht, denn ich kann nicht aufstehen vor dir, denn es geht mir nach Weise der Frauen und ich habe meine Regel!“ So fand Laban den Gott  nicht, wie sehr er auch suchte.

Jakob wurde zornig und schalt Laban und sprach zu ihm: „Was habe ich dir Übles getan oder gesündigt, daß du so hitzig hinter mir her bist? Du hast allen meinen Haus­rat betastet. Was hast du von deinem Hausrat gefunden? Lege das dar vor meinen und deinen Brüdern, daß sie zwischen uns beiden richten. Zwanzig Jahre bin ich bei dir gewesen, deine Schafe und Ziegen haben keine Fehlgeburt gehabt. Die Widder deiner Herde habe ich nie gegessen. Was die wilden Tiere zerrissen, brachte ich dir nicht, ich mußte es ersetzen. Du fordertest es von mir, es mochte mir am Tag oder in der Nacht gestohlen sein. Am Tag kam ich vor Hitze um und in der Nacht vor Frost, und kein Schlaf kam in meine Augen. So habe ich diese zwanzig Jahre in deinem Hause gedient, vierzehn um deine Töchter und sechs um deine Herde, und du hast mir meinen Lohn zehnmal verändert. Wenn nicht der Gott meiner Väter auf meiner Seite gewesen wäre, du hättest mich leer ziehen lassen. Aber Gott hat mein Elend und meine Mühe angesehen und hat diese Nacht ein gerechtes Urteil gesprochen!“

Laban antwortete und sprach zu Jakob: „Die Töchter sind meine Töchter, und die Kinder sind meine Kinder, und die Herden sind meine Herden, und alles, was du siehst, ist mein. Was kann ich heute meinen Töchtern oder ihren Kindern tun, die sie geboren haben? So komm nun und laß uns einen Bund schließen, ich und du, der ein Zeuge sei zwischen mir und dir!“ Da nahm Jakob einen Stein und richtete ihn auf zu einem Steinmal.

Laban aber sprach zu seinen Brüdern: „Lest Steine auf!“ Und sie nahmen Steine und machten einen Haufen und aßen auf dem Steinhaufen. Da sprach Laban: „Der Haufe sei heute Zeuge zwischen mir und dir!“ Daher heißt man ihn „Gilead“ (= Steinhaufe des Zeugnisses) und „Mizpa“ (= Spähort), denn er sprach: „Der Herr wache als Späher über mir und dir, wenn wir voneinander gegangen sind, daß du meine Töchter nicht unterdrückst oder andere Frauen dazu nimmst über meine Töchter hinaus. Es ist kein Mensch hier bei uns. Aber Gott ist der Zeuge zwischen mir und dir!“

Laban sprach weiter zu Jakob: „Siehe, das ist der Haufen und das ist das Steinmal, das ich aufgerichtet habe zwischen mir und dir. Dieser Haufen sei Zeuge und das Steinmal sei auch Zeuge, daß ich nicht an diesem Haufen vorüberziehe zu dir hin oder du in böser Absicht vorüberziehst zu mir hin über diesen Haufen und dies Mal hinaus. Der Gott Abrahams und der Gott Nahors, der Gott ihres Vaters, sei Richter zwischen uns!“

Jakob schwor ihm beim Gott seines Vaters Isaak. Und er opferte auf dem Gebirge und lud seine Verwandten zum Essen. Und als sie gegessen hatten, blieben sie auf dem Gebirge über Nacht. Am Morgen aber stand Laban früh auf, küßte seine Enkel und Töchter und segnete sie und zog hin und kam wieder an seinen Ort (Gen 31,1 c- 32,1).

 

Jakob rüstet sich zur Begegnung mit Esau:

Jakob zog seinen Weg und schickte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau in das Land Seir, in das Gebiet von Edom, und befahl ihnen und sprach: „So sprecht zu meinem Herrn Esau: Dein Knecht Jakob läßt dir sagen: Ich bin bisher bei Laban lange in der Fremde gewesen und habe Rinder und Esel, Schafe, Sklaven und Sklavinnen.

Ich habe Boten zu dir gesandt, meinem Herrn, um dir das alles zu sagen, damit ich Gnade vor deinen Augen fände!“ Die Boten kamen wieder zu Jakob und sprachen: „Wir kamen zu deinem Bruder Esau, aber er zieht dir auch entgegen mit vierhundert Mann!“

Da fürchtete sich Jakob sehr, und ihm wurde bange. Deshalb teilte er das Volk, das bei ihm war, und die Schafe und die Rinder und die Kamele in zwei Heere und sprach: „Wenn Esau kommt auf das eine Lager kommt und macht es nieder, so wird das andere entrinnen!“ Weiter sprach Jakob: „Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, der du zu mir gesagt hast: Zieh wieder in dein Land und zu deiner Verwandtschaft, ich will dir wohltun!

Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Diener getan hast. Denn ich hatte nicht mehr als diesen Stab, als ich über den Jordan ging, und nun sind aus mir zwei Lager geworden. Errette mich von der Hand meines Bruders Esau. Denn ich fürchte mich vor ihm, daß er komme und schlage mich und die Mütter samt den Kindern. Du hast gesagt: Ich will dir wohltun und deine Nachkommen machen wie den Sand am Meer, den man wegen der Menge nicht zählen kann!“

Er blieb die Nacht da und nahm von seinem Vermögen ein Geschenk für seinen Bruder Esau: zweihundert Ziegen, zwanzig Böcke, zweihundert Schafe, zwanzig Widder und dreißig säugende Kamele mit ihren Füllen, vierzig Kühe, zehn junge Stiere, zwanzig Eselinnen mit zehn Jungeseln. Er gab sie in die Hand seiner Leute, je eine Herde für sich, und sprach zu ihnen: „Geht vor mir hin und laßt Raum zwischen einer Herde und der andern!“

Er gebot dem ersten und sprach: „Wenn dir mein Bruder Esau begegnet und dich fragt, wem du gehörst und wo du willst hin und wem das gehört, was du vor dir hertreibst, dann sollst du sagen: Es gehört deinem Diener Jakob zu, der sendet das seinem Herrn Esau als Geschenk und zieht hinter uns her!“

Ebenso gebot er auch dem andern und dem dritten und allen, die den Herden nachgingen, und sprach: „Wie ich euch gesagt habe, so sagt zu Esau, wenn ihr ihm begegnet. Und sagt auf alle Fälle: Siehe, dein Diener Jakob ist hinter uns!“ Denn er gedachte: Ich will ihn versöhnen mit dem Geschenk, das vor mir her geht. Danach will ich ihn sehen, vielleicht wird er mich annehmen. So ging das Geschenk vor ihm her. Er  aber blieb diese Nacht im Lager (Gen 32,2-22).

 

Jakobs Kampf am Jabbok:

Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine zwei Frauen und die zwei Gehilfinnen und seine elf Kinder und zog an die Furt des Flusses Jabbok. Er nahm sie und führte sie über das Wasser, so daß hinüberkam, was er hatte. Er aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Als der aber sah, daß er Jakob nicht überwinden konnte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte. Da wurde das Gelenk der Hüfte Jakobs bei dem Ringen mit ihm verrenkt.

Der Mann sprach: „Laß mich gehen, denn die Morgenröte bricht an!“ Aber Jakob antwortete: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“ Der andere sprach: „Wie heißt du?“ „Er antwortete: „Jakob!“ Da sprach der Mann: „Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel, denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen!“.

Jakob fragte ihn: „Sage doch, wie heißt du?“ Er aber sprach: „Warum fragst du, wie ich heiße?“ Aber er segnete ihn dort. Und Jakob nannte die Stätte „Pniel“, denn er sprach: „Ich habe Gott von Angesicht gesehen und doch wurde mein Leben gerettet!“.

 

Als er an Pniel vorüberkam, ging ihm die Sonne auf. Jakob aber hinkte an seiner Hüfte. Daher essen die Israeliten bis heute  nicht das Muskelstück auf dem Gelenk der Hüfte, weil der Fremde auf den Muskel der Hüfte Jakobs geschlagen hatte (Gen 32,23-33)[Bei dieser mysteriösen Geschichte ist nicht recht deutlich, ob Jakob mit einem Menschen ringt oder mit einem Gottesboten oder mit Gott selbst. Ursprünglich war wohl der örtliche Gott am Jabbock gemeint. Der neue Namen „Israel“ bedeutet soviel wie „der mit Gott ringt“, Wiederholung in Gen 35,9-15)].

 

Jakobs Versöhnung mit Esau:

Jakob hob seine Augen auf und sah seinen Bruder Esau kommen mit vierhundert Mann. Er verteilte seine Kinder auf Lea und Rahel und auf die beiden Nebenfrauen. Er stellte die Nebenfrauen mit ihren Kindern vornean und Lea mit ihren Kindern dahinter und Rahel mit Joseph zuletzt. Er selber ging vor ihnen her und neigte sich siebenmal zur Erde, bis er zu seinem Bruder kam.

Esau aber lief ihm entgegen und umarmte ihn und fiel ihm um den Hals und küßte ihn, und sie weinten. Dann hob Esau seine Augen auf und sah die Frauen mit den Kindern und sprach: „Wer sind diese bei dir?“ Jakob antwortete: „Es sind Kinder, die Gott deinem Diener Jakob beschert hat!   Die Nebenfrauen traten herzu mit ihren Kindern und verneigten sich vor Esau. Lea trat auch herzu mit ihren Kindern und verneigte sich vor ihm. Danach traten Joseph und Rahel herzu und verneigten sich auch vor ihm.

Esau sprach: „Was willst du mit all den Herden, denen ich begegnet bin?“ Er antwortete: „Daß ich Gnade fände vor meinem Herrn!“ Esau sprach: „Ich habe genug, mein Bruder, behalte was du hast!“  Jakob antwortete: „Ach, nein! Habe ich Gnade gefunden vor dir, so nimm mein Geschenk von meiner Hand, denn ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich angesehen. Nimm doch diese Segensgabe von mir an, die ich zu dir gebracht habe, denn Gott hat sie mir beschert, und ich habe von allem genug!“ So nötigte er ihn, daß er es annahm.

Esau sprach: „Laß uns aufbrechen und fortziehen, ich will mit dir ziehen!“ Jakob aber sprach zu ihm: „Mein Herr weiß, daß ich zarte Kinder bei mir habe, dazu säugende Schafe und Kühe.
Wenn sie auch nur einen Tag zu viel getrieben würden, würde mir die ganze Herde sterben. Mein Herr ziehe vor seinem Diener hin. Ich will das Vieh gemächlich hinterher treiben, je nachdem wie das Vieh und die Kinder gehen können, bis ich komme zu meinem Herrn nach Seir!“ Esau sprach: „Aber ich will doch einige von meinen Leuten bei dir lassen!“ Jakob antwortete: „Ist das denn nötig? Laß mich nur Gnade vor meinem Herrn Esau finden!“ Also zog Esau an jenem Tag wieder seines Wegs nach Seir.

Jakob zog nach Sukkoth und baute sich ein Haus und machte seinem Vieh Hütten. Daher heißt die Stätte „Sukkoth“(= Hütten). Danach zog er wohlbehalten zu der Stadt Sichem im Lande Kanaan und lagerte vor der Stadt. Das Land, wo er sein Zelt aufgeschlagen hatte, kaufte er von den Söhnen Hemors für hundert Geldstücke. Er errichtete dort einen Altar und nannte ihn „Gott ist der Gott Israels (Gen 33)

 

Die Schandtat an Dina:

Sichem, der Sohn Hemors, hatte Jakobs Tochter Dina vergewaltigt, wollte sie aber heiraten. Jakob tut zunächst so, als wolle er darauf eingehen, wenn nur alles Männliche in der Stadt sich beschneiden lasse. Die Einheimischen gehen auch darauf ein.

 

 

Aber als sie am dritten Tag noch Schmerzen haben, nehmen die zwei Söhne Jakobs, Simeon und Levi, jeder sein Schwert und gehen kühn in die Stadt und töten alles, was männlich ist, und holen ihre Schwester Dina heraus (Gen 34, ganz stark gekürzt).

 

Gott segnet Jakob in Bethel:

Gott sprach zu Jakob: „Mache dich auf und ziehe nach Bethel und wohne dort und mache dort einen Altar für den Gott, der dir erschien, als du flohst vor deinem Bruder Esau!“ Da sprach Jakob zu seiner Familie und zu allen, die mit ihm waren: „Tut von euch die fremden Götter, die unter euch sind, und reinigt euch und wechselt eure Kleider und laßt uns aufbrechen und nach Bethel ziehen, damit ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und ist mit mir gewesen auf dem Weg, den ich gezogen bin!“ Da gaben sie ihm alle fremden Götter, die in ihren Händen waren, und ihre Ohrenspangen; und er vergrub sie unter einer Eiche, die neben Sichem stand.

Dann brachen sie auf. Es kam aber ein Gottesschrecken über die Städte, die um sie her lagen, daß sie den Söhnen Jakobs nicht nachjagten. So kam Jakob nach Lus im Lande Kanaan, das heute Bethel heißt, mit all dem Volk, das mit ihm war, und baute dort einen Altar und hieß die Stätte Beth-El, weil Gott  ihm dort offenbart hatte, als er floh vor seinem Bruder. Gott erschien Jakob abermals und segnete ihn und sprach zu ihm: „Ich bin der allmächtige Gott. Sei fruchtbar und mehre dich. Ein Volk und viele Völker sollen von dir kommen, und Könige sollen von dir abstammen. Und das Land, das ich Abraham und Isaak gegeben habe, will ich dir geben und will es deinen Nachkommen geben!“

Dann  fuhr Gott auf von ihm an der Stätte, wo er mit ihm geredet hatte. Jakob aber richtete ein Steinmal auf an der Stätte, wo er mit ihm geredet hatte, und goß ein Trankopfer darauf und begoß es mit Öl. Und Jakob nannte die Stätte, wo Gott mit ihm geredet hatte, „Bethel“ (Gen 35,1-15).

 

Benjamins Geburt und Rahels Tod:

Sie brachen auf von Bethel. Als es da noch ein Stück Wegs war bis Ephratha, da kamen bei Rahel die Wehen. Als ihr aber die Geburt sehr schwer wurde, sagte die Hebamme zu ihr: „Fürchte dich nicht, denn aus diesmal wirst du einen Sohn haben!“ Als ihr aber das Leben ausging und sie sterben mußte, hieß sie das Kind „Ben-Oni“(= Sohn meines Unglücks). Aber sein Vater hieß ihn „Ben-Jamin“(= Sohn des Glücks). So starb Rahel und wurde begraben an dem Wege nach Ephratha, das nun Bethlehem heißt. Und Jakob richtete ein Steinmal auf über ihrem Grab, das ist das Grabmal Rahels bis auf den heutigen Tag [Auslassung].

So hatte Jakob zwölf Söhne:

Die Söhne Leas: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar und Sebulon. 

Die Söhne Rahel: Joseph und Benjamin.

Die Söhne Bilhas (Rahels Gehilfin): Dan und Naphthali.

Die Söhne Silpas (Leas Gehilfin): Gad und Asser.

Dann kam Jakob zu seinem Vater Isaak nach Hebron, wo Abraham und Isaak als Fremde gewesen sind. Isaak ward hundertundachtzig Jahre alt und starb und wurde versammelt zu seinen Vätern, alt und lebenssatt. Seine Söhne Esau und Jakob begruben ihn (Gen 35,16-29).

Es folgen das Register der Nachkommen Esaus, des Stammvaters der Edomiter. Es folgen die Namen ihrer Könige (Gen 36).

 

 

Josephserzählung

 

[Die „Josephsgeschichte“ ist eine Novelle, die die Erzählungen von Jakob und seinen Söhnen dazu benutzt, die Erzväter mit dem Aufenthalt in Ägypten zu verbinden, also zu erklären, weshalb „Israeliten“ auf einmal in Ägypten waren. Aber historisch gesehen war es eher so, daß irgendwelche „Hebräer“ aus der Wüste nach Ägypten eingesickert waren und dort als billige Arbeitskräfte ausgenutzt wurden. Sie waren noch kein „Volk“, sondern eher eine soziale Schicht. Ein Teil von ihnen brach dann aus Ägypten aus und floh in die Wüste. Erst durch die Rettung am Meer und den Bundesschluß am Sinai wurden sie zu einem Volk, dem „Volk Israel“].

 

Josephs Träume:

Dies ist die Geschichte der Familie Jakobs, der m Lande Kanaan wohnte, in dem sein Vater ein Fremder gewesen war: Joseph war siebzehn Jahre alt und war ein Hirte bei den Schafen. Er war Gehilfe bei den Söhnen Bilhas und Silpas und brachte vor ihren Vater, wenn etwas Schlechtes über sie geredet wurde. Jakob aber hatte Joseph lieber als alle seine Kinder, weil er ihn im Alter gezeugt hatte. So machte er ihm zum Beispiel einen bunten Rock. Als nun seine Brüder sahen, daß ihr Vater ihn lieber hatte als alle seine Brüder, wurden sie gegenüber Joseph feindlich gesinnt und konnten ihm kein freundliches Wort sagen.

Dazu hatte Joseph einmal einen Traum und erzählte seinen Brüdern davon. Da wurden sie ihm noch mehr feind. Denn er sprach zu ihnen: „Hört doch, was ichgeträumt habe: Wir banden Garben auf dem Felde, und meine Garbe richtete sich auf und stand, und eure Garben umher neigten sich vor meiner Garbe!“ Da sprachen seine Brüder zu ihm: „Willst du unser König werden und über uns herrschen?“ Und sie wurden ihm noch mehr feind wegen seines Traumes und seiner Rede.

Er hatte aber noch einen andern Traum, den erzählte er seinen Brüdern und sprach: „Ich habe noch einen Traum gehabt: Die Sonne und der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir!“ Als er das seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, schalt ihn sein Vater und sprach zu ihm: „Was ist das für ein Traum, den du geträumt hast? Sollen ich und deine Mutter und deine Brüder kommen und vor dir niederfallen?“ Seine Brüder wurden neidisch auf ihn. Aber sein Vater behielt diese Worte im Gedächtnis (Gen 37,1-11)

 

Joseph wird verkauft:

Als nun die Brüder hingegangen waren, das Vieh ihres Vaters in Sichem zu weiden, sprach Jakob zu Joseph: „Hüten nicht deine Brüder das Vieh in Sichem? Komm, ich will dich zu ihnen senden!“ Er aber sprach: „Hier bin ich!“ Der Vater sprach: „Geh hin und sieh nach, ob es gut steht um deine Brüder und um das Vieh, und sage mir dann, wie es steht!“ Und er sandte ihn aus dem Tal von Hebron und er kam nach Sichem.

Da fand ihn ein Mann, als er auf dem Feld umherirrte. Derr fragte ihn: „Wen suchst du?“

Er antwortete: „Ich suche meine Brüder. Sage mir doch, wo sie hüten!“ Der Mann sprach: „Sie sind weiter gezogen. Aber ich hörte, daß sie sagten: Laßt uns nach Dothan gehen!“ Da zog Joseph seinen Brüdern nach und fand sie in Dothan.

 Als diese ihn in der Ferne sahen, überlegten sie einen Plan, wie sie ihn töten könnten, und sprachen untereinander: „Seht, der Träumer kommt daher. So kommt nun und laßt uns ihn töten und in eine Grube werfen und sagen, ein böses Tier habe ihn gefressen. Dann wird man sehen, was seine Träume wert sind!“ Als das Ruben hörte, wollte er ihn aus ihren Händen erretten, und sprach: „Laßt uns ihn nicht töten. Vergießt nicht Blut, sondern werft ihn in die Grube hier in der Wüste, aber legt die Hand nicht an ihn!“ Er wollte ihn aber aus ihrer Hand erretten und ihn seinem Vater wiederbringen.

Als nun Joseph zu seinen Brüdern kam, zogen sie ihm seinen bunten Rock aus und nahmen ihn und warfen ihn in die Grube (aber die Grube war leer und kein Wasser darin). Dann setzten sie sich nieder, um zu essen. Als sie aber ihre Augen auf oben sahen sie eine Karawane von Ismaelitern von Gilead kommen. Die trugen kostbares Harz, Balsam und Myrrhe und zogen hinab nach Ägypten.

Da sprach Juda zu seinen Brüdern: „Was hilft es uns, wenn wir unseren Bruder töten und sein Blut verbergen? Kommt, laßt uns ihn den Ismaeliten verkaufen, damit sich unsere Hände nicht an ihm vergreifen. Denn er ist unser Bruder, unser Fleisch und Blut!“ Sie gehorchten Juda. Als die midianitischen Kaufleute vorüberkamen, zogen sie ihn aus der Grube heraus und verkauften ihn um zwanzig Geldstücke. Die Ismaeliten brachten ihn nach Ägypten. Als nun Ruben wieder zur Grube kam und Joseph nicht darin fand, zerriß er sein Gewand und kam wieder zu seinen Brüdern und sprach: „Der Knabe ist nicht da! Wo soll ich hin?“

Da nahmen sie Josephs Rock und schlachteten einen Ziegenbock und tauchten den Rock ins Blut und ließen den bunten Rock zu ihrem Vater bringen und sagen: „Diesen haben wir gefunden. Sieh, ob es deines Sohnes Rock ist oder nicht!“ Jakob erkannte ihn und sprach: „Es ist der Rock meines Sohnes. Ein reißendes Tier hat Joseph zerrissen!“  Und Jakob zerriß seine Gewänder und legte ein grobes Tuch um seine Lenden und trug Leid um seinen Sohn lange Zeit.

Alle seine Söhne und Töchter kamen, ihn zu trösten. Aber er wollte sich nicht trösten lassen und sprach: „Ich werde mit Leid hinunterfahren zu den Toten, zu meinem Sohn. Und sein Vater beweinte ihn. Aber die Midianiter verkauften ihn in Ägypten dem Potiphar, dem Kämmerer des Pharao und Oberster der Leibwache (Gen 37,12-36).

Eingeschoben ist nun die Erzählung von Juda, dessen Sohn Onan sich weigert, die Frau seines verstorbenen Bruders Ger zu heiraten, wie es nach damaliger Sitte seine Pflicht war, damit der Bruder doch noch Nachkommen habe. Weil er aber wußte, daß die Kinder nicht seine Kinder sein würden, ließ er seinen Samen auf die Erde fallen. Wegen dieses Ungehorsams wurde er von Gott getötet. Thamar aber, die Witwe, verkleidet sich und biete sich ihrem Schwiegervater in einer anderen Stadt an. Der schläft auch mit ihr und läßt seinen Ring als Pfand zurück. Als er Thamar aber als Hure verbrennen will, zeigt sie ihm den Ring und wird deshalb verschont. Sie bringt Zwillinge zur Welt (Gen 38).

 

Joseph in Potiphars Haus:

Gott war mit Joseph, daß er ein Mann wurde, dem alles glückte. Auch sein ägyptischer Herr sah, daß Gott mit ihm war, denn alles, was er tat, ließ der Herr in seiner Hand glücken. So  fand er Gnade vor Potiphar und wurde sein Diener. Der setzte ihn ein über sein Haus, und all sein Vermögen legte er in seine Hände. Von der Zeit an segnete Gott das Haus des Ägypters um Josephs willen. Der Segen Gottes war in allem, was er hatte, zu Hause und auf dem Feld.

Darum ließ er alles unter Josephs Händen und kümmerte sich um nichts außer um das, was er aß und trank.

Joseph war schön und hübsch von Angesicht. So kam es, daß die Frau seines Herrn ihre Augen auf Joseph warf und sprach: „Schlafe mit mir!“ Er weigerte sich aber und sprach zu ihr: „Siehe, mein Herr kümmert sich um nichts, was im Hause ist, und alles, was er hat, das hat er in meine Hände gelegt. Er ist in diesem Haus nicht größer als ich und hat mir nichts vorenthalten außer dir, weil du seine Frau bist.

Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen?“ Sie bedrängte  Joseph mit solchen Worten täglich. Aber er gehorchte ihr nicht, daß er sich zu ihr legte und bei ihr wäre.

Eines Tages, als Joseph zu seiner Arbeit in das Haus ging und kein Mensch von den Mitarbeitern des Hauses dabei war, das sie erwischte die Frau ihn bei seinem Gewand und sprach: „Schlafe bei mir!“ Aber er ließ das Gewand in ihrer Hand und floh und lief zum Haus hinaus.

Als sie nun sah, daß er sein Gewand in ihrer Hand ließ und hinaus floh, rief sie die Mitarbeiter im Haus und sprach zu ihnen: „Seht, er hat uns den hebräischen Mann hereingebracht, daß er seinen Mutwillen mit uns treibe. Er kam zu mir herein und wollte mit mir schlafen. Ich rief aber mit lauter Stimme. Als er hörte, daß ich ein Geschrei machte und rief, da ließ er sein Gewand bei mir und lief hinaus!“ Und sie legte sein Gewand neben sich, bis sein Herr heimkam und sagte zu ihm die gleichen Worte und sprach: „Der hebräische Sklave, den du uns hereingebracht hast, kam zu mir herein und wollte seinen Mutwillen mit mir treiben. Als ich aber ein Geschrei machte und rief, da ließ er sein Gewand bei mir und floh hinaus!“ Als sein Herr die Rede seiner Frau hörte, wurde er sehr zornig und er nahm ihn und steckte ihn ins Gefängnis, in dem die Gefangenen des Königs lagen.

So lag Joseph dort im Gefängnis. Aber Gott war mit ihm und neigte die Herzen zu ihm und ließ ihn Gnade finden vor dem Aufseher über das Gefängnis: Dieser vertraute ihm alle Gefangenen an, und was dort geschah, das mußte durch Joseph geschehen. Der Amtmann des Gefängnisses kümmerte sich um nichts. Aber der Herr war mit Joseph, und was er tat, dazu gab der Herr Glück (Gen 39).

 

Joseph legt Träume aus:

Eines Tages versündigten sich der Mundschenk des Königs in Ägypten und der Bäcker an ihrem Herrn, so daß dieser sie in das Gefängnis steckte, in dem Joseph lag. Beide aber, der Mundschenk und der Bäcker, hatten in einer Nacht einen eigenen Traum. Als Joseph am Morgen zu ihnen hereinkam und sah, daß sie traurig waren, fragte er sie: „Warum seid ihr heute so traurig?“ Sie antworteten: „Wir haben geträumt, aber wir haben niemand, der uns die Träume auslegt!“ Joseph sprach: „Auslegen ist allein Sache Gottes. Doch erzählt mir einmal eure Träume!“

Da erzählte der Mundschenk seinen Traum und sprach zu Joseph: „Ich träumte, daß ein Weinstock vor mir wäre, der hatte drei Reben. Der grünte, wuchs und blühte, und seine Trauben wurden reif.  Ich hatte den Becher des Pharao in meiner Hand und nahm die Beeren und zerdrückte sie in den Becher und gab den Becher dem Pharao in die Hand!“

Joseph sprach zu ihm: „Das ist die Deutung des Traums: Drei Reben sind drei Tage. Nach drei Tagen wird der Pharao dich wieder an dein Amt einsetzen, damit du ihm den Becher in die Hand gibst wie vorher, als du sein Mundschenk warst. Aber denke an mich, wenn es dir wohl geht, und tue Barmherzigkeit an mir, daß du dem Pharao von mir erzählst und er mich aus diesem Haus bringt. Denn ich bin aus dem Land der Hebräer heimlich gestohlen worden. Aber hier habe ich nichts getan, weshalb sie mich ins Gefängnis stecken dürfen!“

Als der Bäcker sah, daß die Deutung gut war, sprach er zu Joseph: „Ich habe geträumt, ich trug drei weiße Körbe auf meinem Kopf. Im obersten Korb waren allerlei gebackene Speisen für den Pharao. Aber die Vögel fraßen aus dem Korb auf meinem Kopf!“ Joseph antwortete: „Das ist die Deutung des Traums. Drei Körbe sind drei Tage, Nach drei Tagen wird dir Pharao dich an den Galgen hängen, und die Vögel werden dein Fleisch essen!“

Am dritten Tag feierte der Pharao seinen Geburtstag. Da machte er eine Mahlzeit für alle seine Großen. Dabei setzte den Mundschenk wieder in sein Amt, daß er den Becher reiche in Pharaos Hand. Aber den Bäcker ließ er henken, wie ihnen Joseph gedeutet hatte. Aber der Mundschenk  dachte nicht mehr an Joseph, sondern vergaß ihn (Gen 40).

 

Joseph deutet die Träume des Pharao:

Zwei Jahre später hatte der Pharao einen Traum: Er stand am Nil und aus dem Wasser stiegen sieben schöne, fette Kühe, die auf der Weide im Gras gingen. Danach sah er andere sieben Kühe aus dem Wasser aufsteigen, die waren häßlich und mager und traten neben die Kühe an das Ufer am Wasser. Aber die häßlichen und mageren fraßen die sieben schönen, fetten Kühe.

Da erwachte der Pharao. Aber er schlief wieder ein, und ihn träumte erneut: Sieben Ähren wuchsen an einem Halm, voll und dick. Danach gingen sieben dünne Ähren auf, die wurden vom Ostwind versengt.  Aber die sieben mageren Ähren verschlangen die sieben dicken und vollen Ähren. Da erwachte der Pharao und merkte, daß es ein Traum war. Am Morgen war er traurig und er schickte Boten aus und ließ alle Wahrsager und alle Weisen in Ägypten rufen und erzählte ihnen seine Träume. Aber da war keiner, der sie dem Pharao deuten konnte.

Da redete der Mundschenk zum Pharao und sprach: „Ich muß heute an meine Sünden denken. Als der Pharao zornig wurde über mich und den Bäcker und uns ins Gefängnis legte, da träumte uns beiden in einer Nacht. Da war bei uns ein hebräischer Jüngling, der Diener des Gefängnisaufsehers, dem erzählten wir alles. Der deutete uns unsere Träume, einem jeden seinen Traum. Und wie er uns den Traum deutete, so ist es uns ergangen, denn ich bin wieder in mein Amt eingesetzt, aber jener ist gehenkt worden!“

Da sandte der Pharao hin und ließ Joseph rufen. Sie ließen ihn eilend aus dem Gefängnis. E ließ sich die Haare schneiden und zog andere Gewänder an und kam hinein zu dem Pharao. Da sprach der Pharao zu ihm: „Ich habe geträumt, aber es ist niemand da, der den Traum deuten kann. Ich habe aber gehört, daß man von dir sagt, wenn du einen Traum hörst, so kannst du ihn deuten!“ Joseph antwortete dem Pharao: „Das steht mir nicht zu. Aber Gott wird jedoch dem Pharao Gutes verkünden!“

Der Pharao sprach zu Joseph: „Ich träumte, ich stand am Ufer des Nils und sah aus dem Wasser sieben schöne, fette Kühe steigen, die gingen auf der Weide im Grase. Aber nach ihnen sah ich andere sieben sehr häßliche und magere Kühe heraussteigen. Ich habe in ganz Ägyptenland nicht so häßliche gesehen. Und die sieben mageren und häßlichen Kühe fraßen auf die sieben fetten Kühe. Als sie die fetten Kühe gefressen hatten, merkte man es ihnen nicht an, daß sie die gefressen hatten, und sie waren häßlich wie vorher. Da wachte ich auf. Und ich hatte noch einmal einen Traum: Ich sah sieben Ähren auf einem Halm wachsen, voll und dick. Danach gingen sieben dürre Ähren auf, dünn und versengt. Und die sieben dünnen Ähren verschlangen die sieben dicken Ähren. Ich habe das den Wahrsagern gesagt, aber die können es mir nicht deuten!“

Joseph antwortete dem Pharao: „Beide Träume des Pharao haben die gleiche Bedeutung. Dadurch verkündet Gott dem Pharao, was er vorhat. Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre, und die sieben guten Ähren sind auch die sieben Jahre. Die sieben mageren und häßlichen Kühe, die nach jenen aufgestiegen sind, das sind sieben Jahre, und die sieben mageren und versengten Ähren sind sieben Jahre teure Zeit. Siehe, sieben reiche Jahre werden kommen in ganz Ägypten.

Aber danach werden sieben Jahre des Hungers kommen, so daß man vergessen wird alle Fülle in Ägypten, und der Hunger wird das Land verzehren, so daß man nichts wissen wird von der Fülle im Lande vor der Hungersnot, die danach kommt, denn sie wird sehr schwer sein. Daß aber der Pharao zweimal geträumt hat, das bedeutet, daß Gott das gewiß und eilend tun wird!“

Joseph hat auch gleich einen Vorschlag: „Nun sehe der Pharao nach einem verständigen und weisen Mann, den er über Ägypten einsetze, und sorge dafür, daß er Amtleute verordne im Land und nehme in den sieben reichen Jahren eine Steuer von einem Fünftel ein und lasse seine Leute den ganzen Ertrag der kommenden guten Jahre sammeln, daß sie Getreide als Vorrat in den Kornhäusern des  Pharao aufschütten und es verwahren, damit für die Nahrung gesorgt sei für das Land in den sieben Jahren des Hungers, die über Ägypten kommen werden, und das Land nicht vor Hunger verderbe!“ (Gen 41,1-36).

 

Josephs Aufstieg:

Die Rede gefiel Pharao und allen seinen Großen gut. Er sprach zu seinen Großen: „Wie könnten wir einen solchen Mann finden, in dem der Geist Gottes ist wie in diesem?“ Er sprach zu Joseph: „Weil dir Gott das alles kundgetan hat, ist keiner so verständig und weise wie du. Deshalb sollst du meine Regierung leiten, und deinem Wort soll all mein Volk gehorsam sein, nur um den Thron will ich höher sein als du: Ich setze dich ein über ganz Ägypten!“ Er tat seinen Ring von seiner Hand und gab ihn Joseph an seine Hand und kleidete ihn mit köstlicher Leinwand und legte ihm eine goldene Kette um den Hals und ließ ihn auf seinem zweiten Wagen fahren und ließ vor ihm her ausrufen: „Der ist der Vater des Landes!“ Weiter sprach er zu Joseph: „Ich bin der Pharao, aber ohne deinen Willen soll niemand seine Hand und Fuß regen in ganz Ägypten!“ Er gab ihm Asnath zur Frau, die Tochter des Priesters zu On. Joseph war dreißig Jahre alt, als er vor dem König in Ägypten stand. Dann ging er los und zog durch ganz Ägypten.

Das Land trug in den sieben reichen Jahren im Übermaß. Joseph sammelte die ganze Ernte der sieben Jahre, als im Land Ägypten Überfluß war. Was an Getreide auf dem Felde rings um jede Stadt umher wuchs, das tat er hinein. So schüttete Joseph das Getreide auf, über die Maßen viel wie Sand am Meer, so daß er schließlich aufhörte es zu zählen, denn man konnte es nicht zählen.

Joseph wurden zwei Söhne geboren. Den ersten nannte er Manasse, weil Gott ihn all sein Unglück und sein ganzes Vaterhaus hat vergessen lassen. Den anderen nannte er Ephraim, weil Gott ihn hat wachsen lassen in dem Land seines Elends.

Als nun die sieben reichen Jahre um waren in Ägypten, da fingen an die sieben Hungerjahre zu kommen, von denen Joseph gesagt hatte. Als nun ganz Ägypten auch Hunger litt, schrie das Volk zum Pharao um Brot. Aber der Pharao sprach zu den Ägyptern: „Geht hin zu Joseph. Was euch der sagt, das tut!“ Als nun im ganzen Land eine Hungersnot war, tat Joseph alle Kornhäuser auf und verkaufte den Ägyptern das Getreide. Denn der Hunger wurde je länger, je größer im Land. Und alle Welt kam nach Ägypten, um bei Joseph zu kaufen, denn der Hunger war groß in allen Ländern (Gen 41, 37-57).

 

Erste Reise der Söhne Jakobs:

Als aber Jakob sah, daß Getreide in Ägypten zu haben war, sprach er zu seinen Söhnen: „Was seht ihr euch lange an? Siehe, ich höre, es sei in Ägypten Getreide zu haben. Zieht hinab und kauft uns Getreide, daß wir leben und nicht sterben!“ Also zogen zehn der Brüder Josephs hinab, daß sie in Ägypten Getreide kauften.

Aber den kleinen Benjamin ließ Jakob nicht mit seinen Brüdern ziehen, denn er sprach: „Es könnte ihm ein Unfall zustoßen!“ So kamen die Söhne Jakobs, um Getreide zu kaufen, mit all den anderen, die mit ihnen zogen, denn es gab im ganzen Land Kanaan eine Hungersnot. Aber Joseph war der Herrscher im Land und verkaufte allen Leuten im Land das Getreide. Als nun seine Brüder kamen, fielen sie vor ihm nieder zur Erde auf ihr Antlitz. Er sah sie an und erkannte sie, aber er verhielt sich fremd gegen sie und redete hart mit ihnen und sprach zu ihnen: „Woher kommt ihr?“ Sie sprachen: „Aus dem Land Kanaan, um Getreide zu kaufen!“ Er erkannte sie, aber sie kannten ihn nicht.

Da dachte Joseph an die Träume, die er von ihnen geträumt hatte, und sprach zu ihnen: „Ihr seid Spione und seid gekommen, um zu sehen, wo das Land offen ist!“ Sie antworteten ihm: „Nein, mein Herr, deine Diener sind gekommen, um Getreide zu kaufen. Wir sind alle die Söhne eines einigen Mannes. Wir sind redlich, und deine Diener sind nie Spione gewesen!“ Er aber sprach zu ihnen: „Nein, sondern ihr seid gekommen, um zu sehen, wo das Land offen ist!“ Sie antworteten ihm: „Wir, deine Diener, sind zwölf Brüder, die Söhne eines Mannes im Land Kanaan. Der jüngste ist noch bei unserm Vater, und einer ist nicht mehr vorhanden.

Joseph sprach zu ihnen: „Es ist, wie ich euch gesagt habe: Kundschafter seid ihr. Daran will ich euch prüfen: So wahr der Pharao lebt! Ihr werdet nicht von hier wegkommen, wenn nicht euer jüngster Bruder herkommt. Sendet einen von euch hin, der euren Bruder hole. Ihr aber sollt so langegefangen sein. So will ich eure Rede prüfen, ob ihr die Wahrheit sagt oder nicht. Wenn nicht, so seid ihr Spione!“

Und er ließ sie drei Tage lang beisammen in Gewahrsam nehmen. Am dritten Tag aber sprach er zu ihnen: „Wollt ihr leben, so tut wie ich euch sagte, denn ich fürchte Gott. Seid ihr redlich, so laßt einen eurer Brüder gefangen in eurem Gefängnis liegen. Ihr aber zieht hin und bringt heim, was ihr gekauft habt für den Hunger. Und bringt euren jüngsten Bruder zu mir, so will ich euren Worten glauben, daß ihr nicht sterben müßt!“ Sie gingen darauf ein.

Untereinander aber sprachen sie: „Das haben wir an unserm Bruder verschuldet. Wir sahen seine Angst, als er uns anflehte, aber wir wollten ihn nicht erhören. Darum kommt nun dieser Kummer über uns!“ Ruben antwortete zu ihnen: Sagte ich es euch nicht, als ich sprach: Versündigt euch nicht an dem Jungen! Doch ihr wolltet nicht hören? Nun wird sein Blut gefordert!“ Sie wußten aber nicht, daß Joseph sieverstand, denn er redete mit ihnen über einen Dolmetscher. Und er wandte sich von ihnen ab und weinte. Als er sich wieder zu ihnen wandte und mit ihnen redete, nahm er Simeon aus ihrer Mitte und ließ ihn binden vor ihren Augen!“

Dann gab Joseph den Befehl, ihre Säcke mit Getreide zu füllen und ihnen ihr Geld wiederzugeben, einem jeden in seinen Sack, dazu auch Verpflegung auf den Weg. Und so tat man ihnen . Sie luden ihre Ware auf ihre Esel und zogen von davon.

Als aber einer seinen Sack auftat in der Herberge, daß er seinem Esel Futter gäbe, bemerkte er sein Geld, das oben im Sack lag, und sprach zu seinen Brüdern: „Mein Geld ist wieder da, in meinem Sack ist es!“  Da sackte ihnen ihr Herz in die Hose, und sie erschraken untereinander und sprachen: „Warum hat Gott uns das getan?“

Als sie nun heimkamen zu ihrem Vater Jakob ins Land Kanaan, sagten sie ihm alles, was ihnen begegnet war, und sprachen: „Der Mann, der in Ägypten der Herr ist, redete hart mit uns und hielt uns für Spione. Er wollte daran merken, ob wir redlich sind, wenn wir den jüngsten Bruder zu ihm bringen.

 

 

 

Da sprach ihr Vater Jakob zu ihnen: „Ihr beraubt mich meiner Kinder! Joseph ist nicht mehr vorhanden, Simeon ist nicht mehr vorhanden, Benjamin wollt ihr auch mitnehmen. Das ist zu viel für mich!“ Ruben antwortete seinem Vater und sprach: „Wenn ich dir ihn nicht wieder­bringe, so töte meine zwei Söhne. Gib ihn nur in meine Hand, ich will ihn dir wiederbringen!"

Jakob sprach: „Mein Sohn soll nicht mit euch hinab ziehen, denn sein Bruder ist tot, und er ist allein übriggeblieben. Wenn ihm ein Unfall auf dem Weg begegnete, den ihr reiset, würdet ihr meine grauen Haare mit Herzeleid zu den Toten bringen (Gen 42, am Schluß gekürzt).

 

Zweite Reise der Söhne Jakobs:

Die Hungersnot drückte aber weiter das Land. Und als verzehrt war, was sie an Getreide aus Ägypten mitgebracht hatten, sprach ihr Vater zu ihnen: „Zieht wieder hin und kauft uns ein wenig Getreide!“ Da antwortete ihm Juda und sprach: „Der Mann schärfte uns hart ein: Ihr sollt mein Angesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder mit euch. Willst du nun unseren Bruder mit uns senden, so wollen wir hinab ziehen und dir zu essen kaufen. Willst du ihn aber nicht sendest, so ziehen wir auch nicht hinab!“

Jakob sprach: „Warum habt ihr mir das angetan, daß ihr dem Mann sagtet, daß ihr noch einen Bruder habt?“Sie antworteten: „Der Mann forschte so genau nach uns und unsrer Verwandtschaft und sprach: Lebt euer Vater noch? Habt ihr auch noch einen Bruder? Da sagten wir ihm, wie er uns fragte. Wie konnten wir wissen, daß er sagen würde: Bringt euren Bruder mit herab?“

Da sprach Juda zu seinem Vater: „Laß den Jungen mit mir ziehen, daß wir uns aufmachen und reisen und leben und nicht sterben, wir und du und unsre Kinder. Ich will Bürge für ihn sein, von meinen Händen sollst du ihn fordern. Wenn ich dir ihn nicht wiederbringe und vor deine Augen stelle, so will ich mein Leben lang die Schuld tragen. Denn wenn wir nicht gezögert hätten, wären wir wohl schon zweimal wiedergekommen!“

Da sprach Jakob zu ihnen: „Wenn es denn sein muß, so tut es und nehmt von den besten Früchten des Landes in eure Säcke und bringt dem Manne Geschenke hinab: ein wenig Balsam und Honig, Würze und Myrrhe, Nüsse und Mandeln. Nehmt auch anderes Geld mit euch. Und das Geld, das ihr oben in euren Säcken wieder gefunden habt, das bringt auch wieder hin. Vielleicht ist da ein Irrtum geschehen. Dazu nehmt euren Bruder, macht euch auf und kommt wieder zu dem Mann. Aber der allmächtige Gott gebe euch Barmherzigkeit vor dem Manne, daß er mit euch euren andern Bruder und Benjamin ziehen lasse. Ich aber muß sein wie einer, der seiner Kinder ganz und gar beraubt ist!“

Da nahmen sie diese Geschenke und das doppelte Geld mit sich, dazu Benjamin. Dann machten sich auf, zogen nach Ägypten und traten vor Joseph. Als Joseph sie sah mit Benjamin, sprach zu seinem Verwalter: „Führe diese Männer ins Haus und schlachte und bereite alles zu, denn sie sollen zu Mittag mit mir essen!“

Der Mann tat, wie ihm Joseph gesagt hatte, und führte die Männer in Josephs Haus. Sie fürchteten sich aber, als sie in Josephs Haus geführt wurden und sprachen: „Wir sind hereingeführt worden wegen des Geldes, das wir beim erstemal in unsern Säcken wiedergefunden haben. Man will auf uns eindringen und ein Urteil über uns fällen und uns zu Sklaven machen und uns die Esel nehmen!“

Darum traten sie zu Josephs Verwalter und redeten mit ihm vor der Haustür und spra­chen: „Mein Herr, wir sind das vorige Mal herabgezogen, um Getreide zu kaufen, und als wir in die Herberge kamen und unsere Säcke auftaten, siehe, da war das Geld eines jeden von uns oben in seinem Sack mit vollem Gewicht.

Darum haben wir es wieder mit uns gebracht und haben auch anderes Geld mit uns hergebracht, um Getreide zu kaufen. Wir wissen aber nicht, wer uns unser Geld in unsre Säcke gesteckt hat!“

Der Mann sprach: „Seid guten Muts, fürchtet euch nicht. Euer Gott hat euch einen Schatz in eure Säcke gegeben. Euer Geld habe ich erhalten. Und er führte Simeon zu ihnen heraus und brachte sie in Josephs Haus, gab ihnen Wasser zum Füße waschen, und gab ihren Eseln Futter.

Sie aber bereiteten das Geschenk vor, bis Joseph am Mittag kommen sollte, denn sie hatten gehört, daß sie dort essen sollten. Als nun Joseph zum Hause hineinging, brachten sie ihm das Geschenk in ihren Händen ins Haus und fielen vor ihm nieder zur Erde. Er aber grüßte sie freundlich und sprach: „Geht es eurem alten Vater gut? Lebt er noch?“ Sie antworteten: „Es geht unserem Vater gut und er lebt noch!“ Da verneigten sie sich und fielen vor ihm nieder.

Joseph hob seine Augen auf und sah seinen Bruder Benjamin  und sprach: „Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr mir sagtet?“ Und zu Benjamin sprach er: „Gott sei dir gnädig, mein Sohn!“ Joseph eilte hinaus, denn sein Herz  brannte in ihm wegen seines Bruders, und er suchte etwas, wo er weinen könne, und ging in seine Kammer und weinte dort.

Als er sein Gesicht gewaschen hatte, ging er heraus und hielt sich zurück und sprach: „Legt die Speisen auf!“ Man trug Joseph extra etwas auf und den Brüdern extra und auch den Ägyptern, die mit ihm aßen, denn die Ägypter dürfen nicht mit den Hebräern essen, denn das ist ein Greuel für sie. Man setzte die Brüder gegenüber von Joseph, und zwar dem Alter nach, den Erstgeborenen ganz oben und den Jüngsten ganz unten. Darüber wunderten sie sich untereinander. Und man trug ihnen Essen auf von Josephs Tisch, aber dem Benjamin erhielt fünfmal mehr als die andern. Und sie tranken und wurden fröhlich mit Joseph (Gen 43).

 

 Josephs Brüder sind in Angst: 

Joseph befahl seinem Verwalter: „Fülle den Männern ihre Säcke mit Getreide, soviel sie fortbringen können, und lege jedem sein Geld oben in seinen Sack. Meinen silbernen Becher aber lege oben in den Sack des Jüngsten mit dem Geld für das Getreide!“ Der Mann tat, wie ihm Joseph gesagt hatte. Am Morgens, als es hell wurde, ließen sie die Männer mit ihren Eseln ziehen.

Als sie aber zur Stadt hinaus waren und noch nicht weit gekommen waren, sprach Joseph zu seinem Verwalter: „Auf jage den Männern nach! Und wenn du sie erreichst, so sprich zu ihnen: Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten? Warum habt ihr den silbernen Becher gestohlen? Ist das nicht der, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er weissagt? Ihr habt Böses getan!“

Als er sie einholte, redete er mit ihnen diese Worte. Sie antworteten ihm: „Warum redet mein Herr solche Worte? Es sei ferne von deinen Dienern, so etwas zu tun. Das Geld, das wir oben in unsern Säcken fanden, haben wir wiedergebracht zu dir aus dem Lande Kanaan. Und wie sollten wir denn aus deines Herrn Hause Silber und Gold gestohlen haben? Bei welchem er gefunden wird unter deinen Dienern, der sei des Todes. Darüber hinaus wollen auch wir unseres Herrn Sklaven sein!“

Er sprach: „Ja, es sei, wie ihr geredet habt. Bei welchem er gefunden wird, der sei mein Sklave, ihr aber sollt frei sein!“ Sie legten eilends ein jeder seinen Sack ab auf die Erde, und jeder machte seinen Sack auf. Der Verwalter suchte und fing beim Ältesten an bis zu dem Jüngsten. Da fand sich der Becher in Benjamins Sack. Da zerrissen sie ihre Kleider und jeder belud seinen Esel und sie zogen wieder in die Stadt.

Juda ging mit seinen Brüdern in Josephs Haus, wo er noch war. Sie fielen vor ihm nieder auf die Erde. Joseph aber sprach zu ihnen: „Wie habt ihr das tun können? Wußtet ihr nicht, daß ein Mann wie ich weissagen kann?“ Juda sprach: „Was sollen wir meinem Herrn sagen, oder wie sollen wir reden, und womit können wir uns rechtfertigen? Gott hat die Missetat deiner Diener gefunden. Siehe da, wir und der, bei dem der Becher gefunden wurde, sind meines Herrn Sklaven!“

Joseph aber sprach: „Das sei ferne von mir, solches zu tun! Der Mann, bei dem der Becher gefunden ist, soll mein Sklave sein. Ihr aber zieht hinauf mit Frieden zu eurem Vater!“  Da trat Juda zu ihm und sprach: „Mein Herr, laß deinen Diener ein Wort reden vor den Ohren meines Herrn, und dein Zorn ergrimme nicht über deinen Diener, denn du bist wie der Pharao.

Mein Herr fragte seine Diener und sprach: Habt ihr auch einen Vater oder Bruder? Da antworteten wir: Wir haben einen Vater, der ist alt, und einen jungen Knaben, der noch in seinem Alter geboren wurde. Aber sein Bruder ist tot. Er ist allein übriggeblieben als Kind seiner Mutter, und sein Vater hat ihn lieb. Wenn ich nun heimkäme zu meinem Vater, und der Junge wäre nicht bei uns, an dem er so hängt, so wird er sterben. Ich bin Bürge geworden für den Jungen und habe zu meinem Vater gesprochen: Bringe ich ihn dir nicht wieder, so will ich mein Leben lang die Schuld tragen. Darum laß deinen Diener hier bleiben an der Stelle des Jungen als Sklave meines Herrn und laß den Jungen mit seinen Brüdern hinaufziehen (Gen 44, am Schluß gekürzt).

 

Joseph gibt sich zu erkennen:

Da konnte Joseph nicht länger an sich halten vor allen, die um ihn her standen. Er rief: „Laßt jedermann hinausgehen!“ Kein Mensch stand bei ihm, als sich Joseph seinen Brüdern zu erkennen gab. Und er weinte laut, daß es die Ägypter und die Leute des Pharao hörten, und sprach zu seinen Brüdern: „Ich bin Joseph. Lebt mein Vater noch?“ Aber seine Brüder konnten ihm nicht antworten, so erschraken sie vor seinem Angesicht.

Er sprach zu seinen Brüdern: „Tretet her zu mir!“ Und sie traten herzu. Er sprach: „Ich bin Joseph euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Macht euch keine Sorgen und denkt nicht, daß ich deshalb zürne, daß ihr mich hierher verkauft habt. Denn um euer Leben zu retten hat mich Gott vor euch her gesandt. Denn es sind jetzt zwei Jahre, daß Hunger im Land ist. Es sind aber noch fünf Jahre, daß kein Pflügen und Ernten sein wird.  Aber Gott hat mich vor euch her gesandt, daß er euch übriglasse auf der Erde und euer Leben erhalte zu einer großen Errettung. Ihr habt mich nicht her gesandt, sondern Gott, der hat mich zum Vater über den Pharao eingesetzt und zum Herrn über all sein Haus und zum Herrscher in ganz Ägypten!“

Dann fährt Joseph fort: „Eilt nun und zieht hinauf zu meinem Vater und sagt ihm: Das läßt dir dein Sohn Joseph sagen: Gott hat mich zum Herrn über ganz Ägypten eingesetzt. Komm herab zu mir, säume nicht! Du sollst im Lande Gosen wohnen und nahe bei mir sein, du und deine Kinder und deine Kindeskinder, dein kleines und dein großes Vieh und alles, was du hast. Ich will dich dort versorgen. Denn es sind noch fünf Jahre der Hungersnot, damit du nicht verarmst mit deiner Familie und allem, was du hast. Siehe, eure Augen sehen es und die Augen meines Bruders Benjamin, daß ich leibhaftig mit euch rede. Verkündet meinem Vater alle meine Herrlichkeit in Ägypten und alles, was ihr gesehen habt. Eilt und kommt herab mit meinem Vater nach hierher!“

Und er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte, und Benjamin weinte auch an seinem Halse. Er küßte alle seine Brüder und weinte an ihrer Brust. Danach redeten seine Brüder mit ihm.

 

Als das Gerücht kam in das Haus des Pharao, daß Josephs Brüder gekommen wären, gefiel es dem Pharao wohl und allen seinen Großen. Pharao sprach zu Joseph: „Sage deinen Brüdern: Macht es so, beladet eure Tiere, zieht hin. Und wenn ihr kommt ins Land Kanaan, so nehmt euren Vater und alle die Euren und kommt zu mir. Ich will euch das Beste geben in Ägypten daß ihr essen sollt das Fett des Landes. Gebiete ihnen: Nehmt Wagen für eure Kinder und Frauen und bringt euren Vater mit und kommt. Seht euren Hausrat nicht an, sondern das Beste des ganzen Landes Ägypten soll euer sein.

Die Söhne Jakobs taten so. Und Joseph gab ihnen Wagen nach dem Befehl des Pharao und Verpflegung auf den Weg und gab, einem jeden ein Festgewand; aber Benjamin gab er dreihundert Geldstücke und fünf Festgewänder. Seinem Vater sandte er zehn Esel, mit dem Besten  aus Ägypten beladen, und zehn Eselinnen mit Getreide und Brot und Verpflegung für seinen Vater auf den Weg. Damit entließ er seine Brüder, und sie zogen hin. Er sprach zu ihnen: „Zankt nicht auf dem Weg!“

  So zogen sie hinauf von Ägypten und kamen in das Land Kanaan zu ihrem Vater Jakob und verkündeten ihm: „Joseph lebt noch und ist Herr über ganz Ägypten!“ Aber Jakobs Herz blieb kalt, denn er glaubte ihnen nicht. Da sagten sie ihm alle Worte Josephs, die er zu ihnen gesagt hatte. Und als er die Wagen sah, die ihm Joseph gesandt hatte, um ihn zu holen, wurde der Geist Jakob doch lebendig. Er sprach: „Mir ist es genug, daß mein Sohn noch lebt. Ich will hin und ihn sehen, ehe ich sterbe (Gen 45).

 

Jakobs Reise nach Ägypten:

Jakob zog hin mit allem, was er hatte. Als er nach Beer-Seba kam, opferte er dem Gott seines Vaters Isaak. -Und Gott sprach zu ihm in der Nacht im Traum: „Jakob, Jakob!“ Er sprach: Hier bin ich!“ Und er sprach: „Ich bin Gott, der Gott deines Vaters. Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinab zuziehen, denn dort will ich dich zum großen Volk machen. Ich will mit dir hinab nach Ägypten ziehen und will dich auch wieder heraufführen. Und Joseph soll dir mit seinen Händen die Augen zudrücken!“

  Da machte sich Jakob auf von Beer-Seba. Die Söhne habenihren Vater, ihre Kinder und Frauen auf den Wagen, die Pharao gesandt hatte, um ihn zu holen, und nahmen ihr Vieh und ihre Habe, die sie im Lande Kanaan erworben hatten, und kamen so nach Ägypten, Jakob und seine ganze Familie mit ihm, seine Söhne und seine Kindessöhne, seine Töchter und seine Kindestöchter, die brachte er mit sich nach Ägypten, insgesamt 70 Personen ohne die Frauen (es folgt eine Aufzählung der Namen).

Jakob sandte Juda vor sich hin zu Joseph, daß dieser ihm das Land Gosen anwiese. Als sie nach Gosen in das Land Gosen kamen, spannte Joseph seinen Wagen an und zog hinauf, seinem Vater Israel entgegen. Und als er ihn sah, fiel er ihm um den Hals und weinte lange an seinem Hals.

Da sprach Jakob zu Joseph: „Ich will nun gerne sterben, nachdem ich dein Angesicht gesehen habe, daß du noch lebst!“ Joseph sprach zu seinen Brüdern und zur Familie seines Vaters: „Ich will hinaufziehen und dem Pharao sagen: Meine Brüder und die Familie meines Vaters sind zu mir gekommen aus dem Lande Kanaan. Es sind Viehhirten, die ihr kleines und großes Vieh und alles, was sie haben, mitgebracht haben.  Wenn euch nun Pharao rufen wird und fragen: Was ist euer Gewerbe? dann sollt ihr sagen: Deine Diener sind Leute, die mit Vieh umgehen, von unsrer Jugend auf bis hierher, wir und unsre Väter. Dann dürft ihr wohnen im Lande Gosen, denn alle Viehhirten sind den Ägyptern ein Greuel (Gen 46).

 

 

 

Jakob vor dem Pharao:

Da kam Joseph und sagte es dem Pharao an und sprach: „Mein Vater und meine Brüder, ihr kleines und großes Vieh und alles, was sie haben, sind aus dem Lande Kanaan gekommen. Jetzt sind sie im Land Gosen!“ Dann nahm er fünf  seiner Brüder und stellte sie vor den Pharao. Da sprach Pharao zu seinen Brüdern: „Was ist euer Gewerbe?“ Sie antworteten: „Deine Diener sind Viehhirten, wir und unsere Väter. Wir sind gekommen, bei euch zu wohnen im Land. Denn deine Diener haben keine Weide für ihr Vieh, so hart drückt die Hungersnot das Land Kanaan. So laß doch nun deine Diener im Lande Gosen wohnen!“

Der Pharao sprach zu Joseph: „Es ist dein Vater und es sind deine Brüder, die sind zu dir gekommen. Das Land Ägypten steht dir offen. Laß sie am besten Ort des Landes wohnen, laß sie im Lande Gosen wohnen. Und wenn du weißt, daß Leute unter ihnen sind, die tüchtig sind, so setze sie ein über mein Vieh!“

Joseph brachte auch seinen Vater Jakob hinein und stellte ihn vor den Pharao. Und Jakob segnete den Pharao. Der Pharao aber fragte Jakob: „Wie alt bist du?“ Jakob sprach: „Die Zeit meiner Wanderschaft ist hundertdreißig Jahre. Wenig und böse ist die Zeit meines Lebens und reicht nicht heran die Zeit meiner Väter auf ihrer Wanderschaft!“ Jakob segnete den Pharao nochmals und ging heraus von ihm.

Joseph schaffte seinem Vater und seinen Brüdern Wohnung und gab ihnen Besitz in Ägypten, am besten Ort des Landes, im Lande Ramses, wie Pharao geboten hatte. Und er versorgte seinen Vater und seine Brüder und die ganze Familie seines Vaters mit Brot, einem jeden nach der Zahl seiner Kinder [Aus antiken Quellen ist bekannt, daß „Hebräer“ am Bau der Städte Pithom und Ramses beteiligt waren] (Gen 47,1-12).

 

Die Ägypter verkaufen alles dem Pharao:

Es war aber kein Brot im ganzen Land; denn die Hungersnot war sehr schwer, so daß Ägypten und Kanaan verschmachteten vor Hunger. Joseph brachte alles Geld zusammen, das in Ägypten und Kanaan gefunden wurde, für das Getreide, das sie kauften. Und Joseph tat alles Geld in das Haus des Pharao. Als nun das Geld knapp wurde, kamen alle Ägypter zu Joseph und sprachen: „Schaffe uns Brot! Warum läßt du uns vor dir sterben, weil wir ohne Geld sind?“ Joseph sprach: „Schafft euer Vieh her, so will ich euch Brot dafür geben, weil ihr ohne Geld seid!“

 Da brachten sie Joseph ihr Vieh. Er gab ihnen Brot als Gegenleistung für ihre Pferde, Schafe, Rinder und Esel. So ernährte er sie das Jahr hindurch mit Brot für all ihr Vieh. Als das Jahr um war, kamen sie zu ihm im zweiten Jahr und sprachen zu ihm: „Wir wollen unserm Herrn nicht verbergen, daß nicht nur das Geld, sondern auch alles Vieh schon unserem Herrn gehört. Es ist nichts mehr übrig als unsere Leiber und unser Feld. Warum läßt du uns vor dir sterben? Kaufe uns und unser Land ums Brot, damit wir und unser Land leibeigen seien dem Pharao. Gib uns Korn zur Saat, damit wir leben und nicht sterben und das Feld nicht wüst werde!“ So kaufte Joseph dem Pharao das ganze Ägypten. Denn die Ägypter verkauften ein jeder seinen Acker, weil die Hungersnot schwer auf ihnen lag. Und so wurde das Land das Eigentum des Pharao: Er machte das Volk leibeigen von einem Ende Ägyptens bis ans andere. Ausgenommen war nur das Feld der Priester, das kaufte er nicht, denn es war vom Pharao für die Priester bestimmt, daß sie sich davon ernähren sollten; darum brauchten sie ihr Feld nicht zu verkaufen.

Da sprach Joseph zu dem Volk: „Siehe, ich habe heute euch und euer Feld gekauft für den Pharao. Siehe, da habt ihr Korn zur Saat, und nun besät das Feld. Aber von der Ernte sollt ihr ein Fünftel dem Pharao geben: vier Teile sollen euer sein, um das Feld zu besäen und zu eurer Speise und für eure Familien und eure Kinder!“

Sie sprachen: „Du hast uns am Leben erhalten. Laß uns nur Gnade finden vor dir, unserem Herrn, dann wollen wir dem Pharao gerne leibeigen sein!“ So machte es Joseph zum Gesetz bis auf diesen Tag, daß ein Fünftel vom Ertrag des Feldes dem Pharao zu geben ist, ausgenommen das Feld der Priester (Gen 37,13-26) [Hier spiegeln sich die sozialen Verhältnisse in Ägypten, während im späteren Israel das Land nur Gott gehörte und an sich nicht verkauft werden durfte].

 

Jakobs letzter Wunsch:

So wohnte Jakob in Ägypten im Lande Gosen. Sie hatten das Land inne und wuchsen und vermehrten sich sehr. Jakob lebte siebzehn Jahre in Ägypten, so daß sein ganzes Alter hundertsiebenundvierzig Jahre war. Als nun die Zeit herbeikam, daß Jakob sterben sollte, rief er seinen Sohn Joseph und sprach zu ihm: „Habe ich Gnade vor dir gefunden, so lege deine Hand unter meine Hüfte und schwöre mir, daß du mir die Liebe und Treue antust und begräbst mich nicht in Ägypten, sondern ich will liegen bei meinen Vätern, und du sollst mich aus Ägypten führen und in ihrem Begräbnis begraben!“ Er sprach: „Ich will tun, wie du gesagt hast!“  Jakob aber sprach: „So schwöre mir“ Und er schwur es ihm. Da neigte sich Jakob anbetend über das Kopfende des Bettes (Gen 47,27-31).

 

Jakobs Segen über seine Söhne:

Danach wurde Joseph gesagt: „Siehe, dein Vater ist krank!“ Und er nahm mit sich seine beiden Söhne, Manasse und Ephraim. Da wurde es Jakob angesagt: „Siehe, dein Sohn Joseph kommt zu dir!“ Da machte sich Jakob stark und setzte sich auf im Bett und sprach zu Joseph: „Der allmächtige Gott erschien mir zu Lus im Lande Kanaan und segnete mich und sprach zu mir: Siehe, ich will dich wachsen lassen und mehren und will dich zu einer Menge von Völkern machen und will dies Land zu eigen geben deinen Nachkommen für alle Zeit. So sollen nun deine zwei Söhne Ephraim und Manasse, die dir geboren wurden in Ägypten, mein sein gleich wie Ruben und Simeon. Die du aber nach ihnen zeugest, sollen dein sein und genannt werden nach dem Namen ihrer Brüder in ihrem Erbteil. Als ich aus Mesopotamien kam, starb mir Rahel im Lande Kanaan auf dem Weg bei Ephrath. Ich begrub sie dort an dem Weg nach Ephrath, das nun Bethlehem heißt!“

Jakob sah die Söhne Josephs an und sprach: „Wer sind die?“ Joseph antwortete seinem Vater: „Es sind meine Söhne, die mir Gott hier gegeben hat!“ Er sprach: „Bringe sie her zu mir, daß ich sie segne!“ Denn die Augen Jakobs waren schwach geworden vor Alter, und er konnte nicht gut sehen. Joseph er brachte die Söhne zu ihm. Er aber küßte sie und herzte sie und sprach zu Joseph: „Siehe, ich habe dein Angesicht gesehen, was ich nicht gedacht hätte, und siehe, Gott hat mich auch deine Söhne sehen lassen!

Joseph nahm sie von seinem Schoß und verneigte sich vor ihm zur Erde. Dann nahm Joseph beide, Ephraim an seine rechte Hand gegenüber Jakobs linker Hand und Manasse an seine linke Hand gegenüber Jakobs rechter Hand, und brachte sie zu ihm. Aber Jakob streckte seine rechte Hand aus und legte sie auf das Haupt Ephraims und seine linke Hand auf Manasses Haupt und kreuzte seine Hände, obwohl Manasse der Erstgeborene war.

Jakob segnete Joseph und sprach: „Der Gott, vor dem meine Väter, Abraham und Isaak, ihr  Leben geführt haben, der Gott, der mein Hirte gewesen ist mein Leben lang bis auf diesen Tag, der segne diese Jungen, daß durch sie der Namenmeiner Väter Abraham und Isaak fortlebe, daß sie wachsen und viel werden auf der Erde!“

 

Als aber Joseph sah, daß sein Vater die rechte Hand auf Ephraims Haupt legte, mißfiel es ihm, und er faßte seines Vaters Hand, daß er sie von Ephraim Haupt auf Manasses Haupt wendete, und sprach zu ihm: „Nicht so, mein Vater; dieser ist der Erstgeborene, lege deine rechte Hand auf sein Haupt!“  Aber sein Vater weigerte sich und sprach: „Ich weiß wohl, mein Sohn, ich weiß wohl. Dieser soll auch ein Volk werden und wird groß sein. Aber sein jüngerer Bruder wird größer als er werden, und seine Nachkommen werden ein großes Volk werden!“ So segnete er sie an diesem Tag und sprach: „Wer in Israel will jemand segnen, der sage: Gott mache dich wie Ephraim und Manasse!“ So zog er Ephraim dem Manasse vor.

Und Jakob sprach zu Joseph: „Siehe, ich sterbe. Aber Gott wird mit euch sein und wird euch wiederbringen in das Land eurer Väter.  Ich gebe dir ein Stück Land vor deinen Brüdern, das ich mit Schwert und Bogen aus der Hand der Amoriter genommen habe [Hier spiegelt sich eine gewisse Rivalität zwischen den späteren Stämmen Ephraim und Manasse, die zusammen das „Haus Joseph“ bilden].

Jako rief auch seine anderen „Söhne und sprach: Versammelt euch, daß ich euch verkündige, was euch begegnen wird in künftigen Zeiten!“ Alle zwölf Stämme Israels wurden gesegnet mit einem besonderen Segen (Jetzt folgen Segenssprüche für jeden Stamm, die aber viele bisher unbekannte Einzelheiten nennen und eine eigene Sammlung darstellen) (Gen 48,1 - 49,28, Kapitel 49 sehr stark gekürzt).

 

Jakobs Tod und Bestattung:

Jakob sprach: „Ich werde versammelt zu meinem Volk. Begrabt mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Acker des Hethiters Ephrons, in der Höhle Machpela, die gegenüber von Mamre liegt, im Lande Kanaan, die Abraham kaufte zum Erbbegräbnis. Dort  haben sie Abraham und seine Frau Sara begraben. Dort sie auch Isaak begraben und seine Frau Rebekka. Dort habe ich auch Lea begraben!“ Als Jakob dies  Gebot an seine Kinder vollendet hatte, tat er seine Füße zusammen auf dem Bett und verschied und wurde versammelt zu seinen Vätern

Da warf sich Joseph über seines Vaters Angesicht und weinte über ihn und küßte ihn. Dann befahl er den Ärzten, daß sie seinen Vater zum Begräbnis salbten. Und die Ärzte salbten Jakob, bis vierzig Tage um waren, denn so lange dauern die Tage die Salbung. Auch die Ägypter beweinten ihn siebzig Tage.

Als nun die Trauertage um waren, redete Joseph mit den Leuten des Pharao und sprach: „Habe ich Gnade vor euch gefunden, so redet mit Pharao und sprecht: Mein Vater hat einen Eid von mir genommen und gesagt: Begrabe mich in meinem Grabe, das ich mir im Lande Kanaan gegraben habe. So will ich nun hinaufziehen und meinen Vater begraben und wiederkommen!“ Der Pharao sprach: „Zieh hinauf und begrabe deinen Vater, wie du ihm geschworen hast!“

So zog Joseph hinauf, seinen Vater zu begraben. Und es zogen mit ihm alle Großen des Pharao, die Ältesten seines Hofstaats und alle Ältesten des Landes Ägypten, dazu die Helfer Josephs und seine Brüder und die Helfer seines Vaters. Nur ihre Kinder, Schafe und Ochsen ließen sie im Lande Gosen.

Es zogen mit ihm hinauf Wagen und Gespanne, ein sehr großes Heer. Als sie nun jenseits des Jordans kamen, da hielten sie eine sehr große und feierliche Klage. Joseph hielt sieben Tage Totenklage über seinen Vater. Jakobs Söhne taten, wie er ihnen befohlen hatte, und führten ihn ins Land Kanaan und begruben ihn in der Höhle Machpela, die Abraham kauft hatte mit dem Acker zum Erbbegräbnis von dem Hethiter Ephron, gegenüber von Mamre. Als sie ihn nun begraben hatten, zog Joseph mit seinen Brüdern wieder nach Ägypten und mit allen, die mit ihm hinaufgezogen waren, seinen Vater zu begraben (Gen 49, 29 - 50,14).

 

Josephs Tod:

Die Brüder aber Josephs fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: „Joseph könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben!“ Darum ließen sie ihm sagen: „Dein Vater befahl vor seinem Tod und sprach: So sollt ihr Joseph sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, daß sie so übel an dir getan haben. So vergib doch nun diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters!“ Aber Joseph weinte, als sie das mit ihm redeten. Seine Brüder gingen hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: „Siehe, wir sind deine Diener!“

Joseph sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht. Stehe ich denn an Gottes Stelle?  Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen. Aber Gott gedachte es gut zu machen, um das zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. So fürchtet euch nun nicht: Ich will euch versorgen und eure Kinder!“ Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen. So wohnte Joseph in Ägypten mit seines Vaters Haus und lebte hundertundzehn Jahre und sah Ephraims Kinder bis ins dritte Glied. Als dann Manasses Sohn Machir auch Söhne geboren wurden, wurden sie dem Stamm Josephs zugerechnet.

Eines Tages sprach Joseph zu seinen Brüdern: „Ich sterbe, und Gott wird euch begegnen und aus diesem Lande führen in das Land, das er Abraham, Isaak und Jakob zu geben geschworen hat!“ Darum nahm er einen Eid von den Brüdern und sprach: „Wenn euch Gott heimführen wird, so führt meine Gebeine mit euch!“ So starb Joseph, als er hundertundzehn Jahre alt war. Und sie salbten ihn und legten ihn in einen Sarg in Ägypten (Gen 50,15-26).

 

 

 

 

Erzählungen vom Anfang der Welt

 

[Die letzte Stufe der Glaubensentwicklung Israels war dann, daß man auch noch hinter die Erzväter zurückgehen wollte. Hier stellte sich dann die Frage nach dem Ursprung der Welt. Der Gott, den man bisher in der Geschichte als Helfer erlebt hatte, der mußte auch der Schöpfer der Welt sein. Diesen Glaubenssatz hat man dann in anschauliche Geschichten verpackt, in denen das „Wissen“ der damaligen Zeit verwendet wurde.

Die Bibel enthält im Buch Genesis zwei Schöpfungsberichte, die von unterschiedlichen Autorengruppen in unterschiedlichen Zeiten verfaßt wurden. Der ältere wurde wohl vor etwa 3000 Jahren von dem so genannten Jahwisten geschaffen, der zweite im 6. Jahrhundert vCh von Priestern während des babylonischen Exils. . Beide biblischen Schöpfungsberichte wollen bestimmte Aussagen über die Beschaffenheit der Welt und des Menschen machen und wurden deshalb beide – ohne Rücksicht auf die offensichtlichen Widersprüche – von späteren Bearbeitern hintereinander an den Anfang der Bibel gestellt.

Die erste Schöpfungserzählung knüpft an Weltentstehungsmythen in Israels antiker Umwelt (vor allem das babylonische Gilgamesch-Epos) an, grenzt sich aber auch deutlich gegen mythische Vorstellungen (zum Beispiel die Sterngötter Babyloniens) ab. Das kleine Israel war ja  umgeben von den großen Kulturvölkern der Babylonier und Ägypter, die unter anderem auch die Gestirne und die Elemente als Götter verehrten. Im Gegensatz zu den verbreiteten Ansichten der meisten polytheistischen Religionen jener Zeit, wonach diese durch göttliche Zeugungen entstanden, lehrt die Bibel, daß alles durch das Wort Gottes erschaffen wurde.

Die Erzählung läßt Gott das Licht, die Himmelsfeste, die bewohnbare Erde, darauf die Gestirne, Pflanzen, verschiedene Tierarten und schließlich den Menschen in sechs Tagen erschaffen, mit einem folgenden siebenten Tag der Ruhe. Die Darstellung entspricht nicht den modernen naturwissenschaftlichen Theorien über die Entstehung des Universums, der Erde, der Lebewesen und des Menschen, also den Theorien vom Urknall und von der Entstehung der Galaxien, Sonnensysteme und Planeten einschließlich der Erde. Dazu kommen die Theorien von der Evolution, der Erdgeschichte, in der Geologie und der Paläontologie.

Die biblischen Schöpfungserzählungen sind jedoch nicht als „naturwissenschaftliche“ Abhandlungen zu verstehen und wollen gar kein „historisches“ Bild der Weltentstehung abliefern. Aus diesem Grunde sind Schöpfungsgeschichte und Naturwissenschaft grundsätzlich unvergleichbar. Heute gehen viele Christen davon aus, daß die Schöpfungserzählungen keine naturwissenschaftlichen Theorien aufstellen wollten, sondern die Absicht hätten, theologische Aussagen über Gott, den Menschen und die Welt zu machen. Die Schöpfungserzählungen sind nicht als naturwissenschaftliche Beschreibung zu verstehen, sondern als Beschreibung der Aufgaben des Menschen in seiner Welt, die ihm nicht gehört.

Das Licht wurde vor der Sonne geschaffen. Die Entstehung der Pflanzen erfolgt vor der Schöpfung der Gestirne. Die Sonne und andere Gestirne werden nicht als Quelle des Lichts angesehen. Die unmittelbare Anschauung legt ja auch nahe, daß das Licht nicht bloß von der Sonne kommt, denn tagsüber ist der ganze „Himmel“ hell, selbst wenn die Sonne gar nicht sichtbar ist. Die beiden größten Gestirne (Sonne und Mond) sind nur „zur Beherrschung“ von Tag und Nacht gemacht. Bei den Babyloniern war die Erschaffung von Sonne, Mond und Sternen der erste Schritt der Schöpfung. Aber Israel sagt: Die traten erst am vierten Tag auf, und sie sind keine Götter, sondern Geschöpfe Gottes und sie bestimmen nur über Tag und Nacht und über den Kalender.

Die Quelle des Lichts vor der Entstehung der Himmelskörper ist dabei nicht das Thema, ebensowenig wie die Quelle der Existenz Gottes selbst. Gott ist da. Er setzt den Anfang von Welt und Zeit. Die Vorgeschichte der Welt schmilzt in den kurzen Satz „Die Erde war wüst und leer “ zusammen („Tohuwabohu“).

In Abgrenzung zu der Vielgötterwelt der Babylonier wird die Einzigartigkeit Gottes Jahwe herausgestellt, der Herr über die gesamte Schöpfung ist. In der babylonischen Verbannung wollte man der Versuchung der scheinbar siegreichen Religion Babylons mit seinen prunkvollen Festen widerstehen und so einen Zusammenhalt für das Volk finden und festigen.

 

Die Schöpfung:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht „Tag“ und die Finsternis „Nacht“. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Und Gott sprach: „Es werde eine feste Wand zwischen den Wassern, und die da scheide zwischen den Wassern!“ Da machte Gott die feste Wand und schied das Wasser unter der Wand von dem Wasser über der Wand. Und es geschah so. Und Gott nannte die Wand „Himmel“. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Und Gott sprach: „Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, daß man das Trockene sehe!“ Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene „Erde“, und die Sammlung der Wasser nannte er „Meer“. Und Gott sah, daß es gut war.

Und Gott sprach: „Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und frucht­bare Bäume auf der Erde, die ein jeder nach seiner Art Frucht tragen, in denen ihr Same ist!“ Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut und fruchtbare Bäume. Und Gott sah, daß es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

Und Gott sprach: „Es werden Lichter am Himmel, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre, und seien Lichter am Himmels, daß sie scheinen auf Erden. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, daß es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.

Und Gott sprach: „Es wimmle das Wasser von lebendigen Tieren, und Vögel sollen fliegen auf der Erde unter dem Himmel. Und Gott schuf große Wale („Walfische“ als Symbol für Meeresungeheuer) und allerlei Tiere, von denen es im Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und allerlei Vögel, ein jedes nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war. Und Gott segnete sie und sprach: „Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde  Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

Und Gott sprach: „Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Würmer und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Würmer im Erdboden nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.

Und Gott sprach: „Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alle Würmer, die auf der Erde kriechen!“

Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn. Und er schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“

[Dieser Herrschaftsauftrag an den Menschen über die Natur wird oft mißverstanden. Das klingt für in der Demokratie aufgewachsene Menschen nach „tyrannisieren“. In der altorientalischen Literatur bedeutet „herrschen“ auch immer „behüten“ oder „in Ordnung“ halten. Der Mensch wird also als eine Art „Gärtner“ in den Garten Eden eingesetzt].

 

Und Gott sprach weiter: „Ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen und alle fruchtbaren Bäume zu eurer Speise. Auch allen Tieren auf der Erde und allen Vögeln unter dem Himmel und allen Würmern habe  alles grünes Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so. Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

So wurden vollendet Himmel und Erde und alles andere. Und so vollendete Gott am siebten Tag seine Werke, die er gemacht hatte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er machte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm geruht hatte von allen seinen Werken. So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden (Gen 1,1- 2,4).

 

 

Die zweite Schöpfungserzählung:

[Die Erzählung vom Garten Eden gibt eine andere Lesart der Schöpfung wieder. Eine Übereinstimmung mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung der Arten ist dabei selbstverständlich nicht zu erkennen. Die Erzählung ist allein theologisch begreifbar: Gott formt den Menschen aus Erde des Ackerbodens. Das heißt: Der Mensch ist aus demselben Stoff erschaffen wie seine Umwelt. Er ist kein Gott, er hat sich nicht selbst gemacht, er ist begrenzt. Alle Menschen entstammen der Erde, jenseits aller Geschichte, Kasten, Rassen und Kultur.

Aber der Grundstoff Erde wird aber erst richtig zum Menschen, indem ihm Gott seinen Atem (= seinen Geist) in die Nase bläst. Gott tritt also mit dem Menschen in seine Schöpfung hinein. In ihm berühren sich Himmel und Erde. Dann versucht Gott, dem Menschen einen passenden Gefährten zu schaffen. Von den Tieren kann niemand die Ansprüche des Menschen erfüllen. Damit findet eine Abgrenzung zum Tierkult der heidnischen Umgebung Israels statt. Das Tier wird unter den Menschen gestellt. Gott wendet nun eine List an, versetzt Adam in den Schlaf und entnimmt ihm eine Rippe. Aus dieser Rippe formt Gott eine Frau namens Eva. Dabei wird klar, Mann und Frau sind wesensgleich. Das war in der damaligen orientalischen Welt eine kleine Revolution.

Dieser von Gott geschaffene Mensch kann sich auch in einer freien Entscheidung gegen Gott stellen. Das wird mit dem Begriff „Sünde“ umschrieben. Der Mensch will mehr vom Leben, mehr Freiheit, mehr Lust. Er entwickelt eine wahre Gier, setzt sich hinweg über die gottgegebenen Gesetze der Natur, über jegliche vorgegebene Ordnung und hält allein sich für das Maß aller Dinge.

Diese theologische Aussage wird mit der Erzählung vom Sündenfall gemacht. Die Schlange war dabei ein heiliges Tier in dem blühenden Kult der Kanaaniter. Sie wurde hochaufgerichtet dargestellt und stand für Fruchtbarkeit und Leben. Sie wird in die Schöpfungserzählung zurückverlegt, in ihr schimmert die Religion der Bewohner Kanaan mit durch. Wer sich der Schlange zuwendet, verfällt dem Verderben, wie die ersten Menschen im Paradies.

Die Schlange verspricht den beiden einen noch größeren Reiz. Sie sollen vom Baum der Erkenntnis eine Frucht essen. Der Baum ist in den auch damals schon staubtrockenen Gebieten des Orients ein Bild für Wasser, Schatten, Leben schlechthin. An diesem Lebensbaum wachsen Früchte, die für die Beiden, die nun schon im Paradies leben, eine noch größere Machtsteigerung bedeuten. Vielleicht endlich gleich sein wie Gott. Das Ende der Geschichte ist bekannt. Sie fühlen sich nach dem Sündenfall „arom“ (nackt, arm, unwissend ohnmächtig geworden). Die Schlange hatte ihnen aber versprochen, daß sie „arum“ das heißt. klug, wissend, mächtig werden.

Gott verstößt nun Adam und Eva aus dem Paradiesgarten mit dem Erkenntnisbaum. Sie werden bestraft, die Kräfte der Natur stellen sich von nun an gegen den Menschen. Alles was sie tun ist endlich und oft nur unter Qualen und Mühen erreichbar. Leid und Schmerz haben nun ihren Platz im Menschenleben gefunden. Gleichzeitig verflucht Gott die Schlange, die fortan als Symbol für das Böse dienen wird].

 

Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. Alle Sträucher auf dem Feld waren noch nicht auf der Erde, und alles Kraut auf dem Feld war noch nicht gewachsen, denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden. Und es war kein Mensch, der das Land bebaute. Aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da  machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker, uns blies ihm ein den Atem des Lebens seine Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin.

Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (Es folgt nun eine Schilderung der vier Paradiesströme, die den Reichtum an Wasser darstellen).

Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten. Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen darfst du nicht essen, denn an dem  Tag, an dem du davon ißt, wirst du des Todes sterben!“

Und Gott der Herr sprach: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, ich will ihm eine Partnerin machen, die um ihn sei und zu ihm paßt. Und Gott der Herr machte aus Erde alle Tiere auf dem Feld und alle Vögel unter dem Himmel und brachte er sie zu dem Menschen, daß er sähe, wie er sie nennte; denn der wie Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen.

Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Feld seinen Namen.

Aber für den Menschen wurde keine Partnerin gefunden, die um ihn wäre. Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloß die Stätte zu mit Fleisch. Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

Da sprach der Mensch: „Das sind doch Knochen aus meine Knochen und das ist doch Fleisch von meinem Fleisch. Man wird sie „Männin“ nennen, weil sie vom Mann genommen ist  [Im Hebräischen liegt hier ein Wortspiel vor, denn „isch“ heißt der Mann und „ischah“ heißt die Frau]. Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und sie werden sein ein Fleisch. und sie waren beide nackt, der Mensch und seien Partnerin, und schämten sich nicht Gen 2,4-25).

 

Der Anfang der Sünde:

Die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Feld, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu der Frau: „Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?“ Da sprach die Frau zu der Schlange: „Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten. Aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Eßt nicht davon, rührt sie auch nicht an, daß ihr nicht sterbt!“

Da sprach die Schlange zur Frau: „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben. Sondern Gott weiß: An dem Tag, an dem ihr davon eßt, werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist!“ Die Frau sah, daß von dem Baum gut zu essen wäre und daß er eine Lust  für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß. Da wurden ihnen beide Augen aufgetan, und sie bemerkten, daß sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen.

Da hörten sie Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten. Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: „Wo bist du?“ Er sprach: „Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich!“ Gott sprach: „Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir verbot, davon zu essen?“ Da sprach Adam: „Die Frau, das du mir als Partnerin gegeben hast, gab mir von dem Baum, und ich aß!“ Da sprach Gott der Herr zur Frau: „Warum hast du das getan?“ Die Frau sprach: „Die Schlange betrog mich, so daß ich aß!“

Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: „Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und vor allen Tieren auf dem Feld. Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Dieser soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen!“

Zur Frau sprach er: „Ich will dir viel Mühsal verschaffen, wenn du schwanger wirst. Du sollst unter Mühen die Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein!“ Zu Adam sprach er: „Weil du der Stimme deiner Frau gehorcht hast und hast gegessen von dem Baum, von dem ich dir gesagt hatte: Du sollst nicht davon essen! Verflucht sei der Acker um deinetwillen. Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Feld essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden!“ Und Adam nannte seine Frau „Eva“, denn sie wurde die Mutter aller Lebenden. Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an.

Und Gott der Herr sprach: „Siehe, der Mensch ist geworden wie ich und weiß, was gut und böse ist. Aber er soll nicht seine Hand ausstrecken und auch noch eine Frucht  abbrechen von dem Baum des Lebens und davon essen und in Ewigkeit leben!“ Deshalb wies ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, daß er die Erde bebaute, von der er genommen ist. Er trieb die Menschen hinaus und ließ lagern vor den Garten Eden die Gottesboten („Cherubim“) mit dem flammenden Schwert, um zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens (Gen 3).

 

Kain erschlägt seinen Bruder Abel:

Adam machte Liebe mit seiner Frau Eva und sie wurde schwanger und gebar den Kain und sprach: „Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des Herrn!“ Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann. Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn Opfer von den Früchten des Feldes. Und Abel brachte auch von den Erstgeborenen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an.

Da wurde Kain sehr zornig und er senkte finster seinen Blick. Da sprach der Herr zu Kain: „Warum bist du zornig? Und warum senkst du deinen Blick? Ist es nicht also: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen. Du aber herrsche über sie“

Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: „Laß uns aufs Feld gehen!“ Als sie auf dem Feld waren, hob Kain seine Hand gegen seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der Herr zu Kain: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Er sprach: „Ich weiß nicht! Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ Gott aber sprach: „Was hast du getan? Die Stimme des Bluts deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan hat und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir in Zukunft seinen Ertrag nicht geben. Unruhig und flüchtig sollst du sein auf Erden!“

Kain aber sprach zu dem Herrn: „Meine Strafe ist zu schwer, als daß sie tragen könnte. Du treibst mich heute von dem Acker, und ich muß mich vor deinem Angesicht verbergen und muß unruhig und flüchtig sein auf der Erde. Es wird mir so ergehen, daß mich totschlägt, wer mich findet!“ Aber der Herr sprach zu ihm: „Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfach gerächt werden!“ Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, daß ihn niemand erschlüge, wer ihn fände.

So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herrn und wohnte im Lande Nod, im Osten jenseits von Eden. Kain machte Liebe mit seiner Frau. Sie wurde schwanger und gebar den Henoch. Und er baute eine Stadt, die nannte er nach dem Namen seines Sohnes Henoch (Der Ursprung der weiteren Menschen bleibt unklar. Es folgen nun die Namen der Nachkommen Henochs). Adam machte noch einmal Liebe mit seiner Frau und sie gebar einen Sohn, den hieß sie Seth, denn Gott hat mir, sprach sie, einen andern Sohn gegeben für Abel, den Kain getötet hat (Gen 4).

(Es folgen nun die Nachkommen Adams bis zu Noah und seinen Söhnen Sem, Ham und Japhet, den Stammvätern der Semiten, Hamiten und Japhetiten, Gen 5).

 

Gottessöhne und Menschentöchter:

Als sich aber die Menschen auf der Erde sich zu vermehren begannen und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Göttersöhne nach den Töchtern der Menschen, wie sie schön waren, und nahmen zu Frauen, welche sie wollten. Da sprach der Gott Herr: „Mein Geist soll nicht immer im Menschen wirken. Ich will ihnen hundertundzwanzig Jahre als Lebenszeit geben!“ Zu der Zeit und auch später noch, als die Göttersöhne mit den Töchtern der Menschen Kinder hatten, wurden daraus die Riesen auf der Erde, die hochberühmten Helden der Vorzeit (Gen 6,1-4)[Hier ist in der Bibel ein Stück alter Religion enthalten, mit vielen Göttern, die sich mit den Menschen vermischen wie in der griechischen Religion. Dies wird im Folgenden angesehen als Wachsen der Bosheit der Menschen].

 

Ankündigung der großen Flut („Sintflut“):

Als aber der Herr sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf der Erde und alles Dichten und Trachten ihres Herzens ständig nur böse war, da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: „Ich will die Menschen, die ich gemacht habe, von der Erde vertilgen, vom Menschen an bis zum Vieh und bis zu den Würmern und bis zu den Vögeln unter dem Himmel. Denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe!“

Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn. Er war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten und lebte mit Gott. Aber die Erde war verderbt vor Gottes Augen und voller Frevel. Da sah Gott auf die Erde, und siehe, sie war verderbt, denn alle Menschen hatten ihren Weg verderbt auf der Erde. Da sprach Gott zu Noah: „Ich habe das Ende aller Menschen beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel. Ich will sie verderben zusammen mit der Erde. Du aber mache dir einen Kasten von Tannenholz („Arche“) und mache Kammern hinein und bestreiche ihn mit Pech innen und außen. Er soll hundertfünfzig Meter lang sein, fünfundzwanzig Meter breit und fünfzehn Meter hoch. Ein Fenster sollst du oben drauf machen, fünfzig Zentimeter groß. Die Tür sollst du mitten an die Seite setzen. Er soll drei Boden haben: einen unten, den andern in der Mitte, den dritten in der Höhe!“

Gott begründet seinen Befehl: „Ich will eine große Wasserflut kommen lassen auf die Erde, um alle Menschen unter dem Himmel zu verderben. Alles, was auf der Erde ist, soll untergehen. Aber mit dir will ich meinen Bund schließen. Du sollst in den Kasten gehen mit deinen Söhnen, mit deiner Frau und mit den Frauen deiner Söhne. Und du sollst in den Kasten allerlei Tiere tun, je ein Paar, männlich und weiblich, daß sie leben bleiben bei dir, Vögel, Vieh und Würmer. Und du sollst dir von jeder Speise etwas mitnehmen und sollst sie bei dir sammeln, daß sie dir und ihnen zur Nahrung dienen!“  Und Noah tat alles, was ihm Gott gebot (Gen 6,5-22, leicht gekürzt).

 

 

 

Die große Flut:

Der Herr sprach zu Noah: „Gehe in die Arche, du und deine ganze Familie, denn ich habe gesehen, daß du gerecht bist vor mir. Von allen reinen Tieren nimm zu dir je sieben und sieben, das Männchen und sein Weibchen, von den unreinen Tieren aber nur je ein Paar. Ebenso von den Vögeln unter dem Himmel je sieben und sieben, um das Leben zu erhalten auf der ganzen Erde. Denn von heute an in sieben Tage will ich auf die Erde regnen lassen, vierzig Tage und vierzig Nächte, und alles Lebendige vom Erdboden vertilgen, das ich gemacht habe!“

Noah tat alles, was ihm der Herr gebot. Er ging in den Kasten vor dem Wasser der Sintflut mit seinen Söhnen, seiner Frau und den Frauen seiner Söhne. Von dem reinen Vieh und von dem unreinen, von den Vögeln und von allen Würmern gingen paarweise zu ihm in die Arche, wie ihm Gott geboten hatte. Und der Herr schloß hinter ihm zu.

Als die sieben Tage vergangen waren, kam das Wasser der großen Flut auf die Erde. Noah war im sechshundertsten Jahre alt, am siebzehnten Tage des zweiten Monats, als alle Brunnen der großen Tiefe aufbrachen und sich die Fenster des Himmels auftaten, und es kam ein Regen auf die Erde vierzig Tage und vierzig Nächte lang. Die Wasser wuchsen und hoben die Arche und trugen ihn empor über die Erde. Das Wasser wuchs so sehr auf der Erde, daß alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden. Siebeneinhalb Meter hoch ging das Gewässer über die Berge.

Da gingen alle Lebewesen unter,  Vögel, Vieh, Tiere, alles was sich regt auf der Erde, und alle Menschen. Allein Noah blieb übrig und was mit ihm in der Arche war. Das Gewässer stand auf der Erde hundertundfünfzig Tage (Gen 7, gekürzt).

[Es mag sein, daß diese Erzählung auf eine tatsächlich stattgefundene Naturkatastrophe zurückgeht, zum Beispiel das Vollaufen des Schwarzen Meeres, verbunden mit viel Regen. Allerdings gab es keine weltweite Überschwemmung. Die Erzählung ist auch in den Mythen anderer Völker überliefert und wurde möglicherweise von den Sumerern übernommen und als Erzählung über den Bund Gottes mit dem Menschen umformuliert].

 

Das Ende der großen Flut:

Da dachte Gott an Noah und an alle Tiere und ließ einen Wind auf die Erde kommen. Die Wasser fielen wieder und die Brunnen der Tiefe wurden verstopft samt den Fenstern des Himmels. Der Regen ließ nach und das Gewässer verlief sich von der Erde immer mehr und nahm ab nach hundertfünfzig Tagen. Am siebzehnten Tage des siebenten Monats ließ sich die Arche nieder auf das Gebirge Ararat. Es nahm aber das Wasser immer mehr ab bis zum zehnten Monat, an dessen erstem Tag die Spitzen der Berge hervorsahen.

Nach vierzig Tagen tat Noah das Fenster auf an seiner Arche und ließ einen Raben ausfliegen. Der flog immer hin und wieder her, bis das Gewässer vertrocknete auf der Erde. Danach ließ er eine Taube ausfliegen, um zu erfahren, ob das Wasser sich verlaufen hätte auf der Erde.

Da aber die Taube nichts fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm in die Arche, denn das Wasser war noch auf dem ganzen Erdboden. Da streckte er die Hand heraus und nahm sie zu sich in die Arche. Er wartete noch weitere sieben Tage ab und ließ abermals eine Taube fliegen. Die kam am Abend wieder und hatte ein Ölblatt abgebrochen und trug es in ihrem Schnabel.

 

 

Da merkte Noah, daß die Wasser sich verlaufen hatten auf der Erde. Aber er wartete noch weiter sieben Tage ab und ließ eine Taube ausfliegen; die kam nicht wieder zu ihm. Da tat Noah das Dach von der Arche ab und sah, daß der Erdboden trocken war.

Da redete Gott mit Noah und sprach: „Gehe aus der Arche, du und deine Frau, deine Söhne und die Frauen deiner Söhne. Auch alle Tiere, die bei dir sind, sollen mit dir herausgehen, daß sie sich regen auf der Erde und fruchtbar seien und sich mehren auf der Erde!“ Also ging Noah heraus mit allen anderen. Er baute dem Herrn einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allem reinen Geflügel und opferte Brandopfer auf dem Altar. Der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: „Ich will in Zukunft nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen. Denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht!“ (Gen 8, gekürzt, weil hier zwei verschiedene Erzählungen ineinander gearbeitet wurden, erkennbar an dem Raben und der Taube).

 

Gottes Bund mit Noah:

Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: „Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt die Erde. Furcht und Schrecken vor euch komme über alle Tiere auf der Erde und über alle Vögel unter dem Himmel, über alles, was auf dem Erdboden kriecht, und über alle Fische im Meer: In eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise. Wie das grüne Kraut habe ich es euch alles gegeben!“ [Am Beginn der Schöpfung durften die Menschen nur vegetarisch leben, jetzt werden ihnen auch die Tiere als Nahrung gegeben].

Gott macht allerdings eine Ausnahme: „Nur eßt das Fleisch nicht mit seinem Blut, in dem das Leben ist. Auch will ich euer eigenes Blut rächen und will es von allen Tieren fordern und will des Menschen Leben fordern von an einem jedem Menschen. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden, denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.  Seid fruchtbar und vermehrt euch und regt euch auf Erden, damit ihr viel darauf werdet!“

Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen: „Siehe, ich schließe mit euch einen Bund und mit euren Nachkommen nach euch und mit allen Tieren bei euch, die aus der Arche gegangen sind. Ich schließe meinen Bund mit euch, daß in Zukunft kein Lebewesen mehr verderbt werden soll mit dem Wasser der großen Flut. Es soll in Zukunft überhaupt keine große Flut mehr kommen, die die Erde verderbe!“

 Und Gott sprach: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich gemacht habe zwischen mir und euch und allen Lebewesen bei euch hinfort auf ewig: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken. Dieser Regenbogen soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

Wenn es kommt, daß ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Dann will ich denken an meinen Bund zwischen mir und euch, daß in Zukunft keine Sintflut komme, die alle Lebewesen verderbe. Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, daß ich ihn ansehe und denke an den ewigen Bund zwischen Gott und allen Lebewesen, die auf der Erde sind!“.

Noah aber, der Ackermann, pflanzte als erster einen Weinberg. Und als er von dem Wein trank, wurde er betrunken und lag im Zelt aufgedeckt. Als nun Ham, der Vater Kanaans, seines Vaters Blöße sah, sagte er es seinen beiden Brüdern draußen. Da nahmen Sem und Japheth ein Kleid und legten es auf ihrer beider Schultern und gingen rücklings hinzu und deckten des Vaters Blöße zu; ihr Angesicht war dabei abgewandt, daß sie ihres Vater Blöße nicht sahen.

Als nun Noah erwachte von seinem Rausch und erfuhr, was ihm sein jüngster Sohn angetan hatte, sprach er: „Verflucht sei Kanaan und sei unter seinen Brüdern ein Sklave aller Sklaven!“ Dann sprach er weiter: Gelobt sei der Herr, der Gott Sems. Aber Kanaan sei sein Sklave! Gott breite Japheth aus, und lasse ihn wohnen in den Zelten Sems. Aber Kanaan sei sein Sklave!“ Noah aber lebte nach der Sintflut noch dreihundertfünfzig Jahre, so daß er neunhundertundfünfzig Jahre wurde und starb (Gen 9).

[Jetzt folgt die sogenannte Völkertafel, eine lange Liste mit den Namen der Stammväter verschiedener Völker des Mittelmeerraumes von Noah an. Darin kommen auch die Namen verschiedener Städte und Länder wie Ägypten, Kanaan und Babel vor. Diese Personifizierung der Städtenamen bildet die damalige hebräische Denkweise ab, wonach auch Orte und nicht nur Völker einen Stammvater haben. Es wird auch Nimrod erwähnt, der der Erste war, der Macht gewann auf der Erde. Er war ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn. Daher spricht man: „Das ist ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod!“ Der Anfang seines Reiches war Babel. Von dort ist er gekommen nach Assur und baute Ninive und andere große Städte, Gen 10].

 

Der Turmbau zu Babel:

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als die Menschen nun nach Osten zogen, fanden sie ein ebenes Land im Lande Sinear, und wohnten dort. Da sprachen sie untereinander: „Wohlauf, laß uns Ziegel streichen und brennen!“ Sie nahmen Ziegel als Steine und Erdharz zu Mörtel, und sprachen: „Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen!“ Denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder.

Da fuhr Gott der Herr hernieder, um die Stadt und den Turm zu sehen, die die Menschen bauten. Er sprach: „Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen. Das ist aber nur der Anfang ihres Tuns. Sie werden nicht ablassen von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Laßt uns herniederfahren und ihre Sprache verwirren, daß keiner die Sprache des andern verstehe!“ So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, daß sie aufhören mußten die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name „Babel“, weil der Herr dort verwirrt hatte die Sprache aller Länder und sie von dort zerstreut hatte in alle Länder (Gen 11,1-9).

[Den Turm zu Babel hat es wirklich gegeben, nämlich als etwa 90 Meter hoher Stufenturm in Babylon mit einem Tempel für den dortigen obersten Gott oben drauf. Er war aber zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft schon zerstört. Die Erzählung vom Turmbau will eine Erklärung dafür geben: Die Menschen rebellierten gegen Gott und dieser antwortet mit der Sprachverwirrung und der Zerstreuung der Völker].

(Es folgen nun die Nachkommen Sems bis zu Tharah, dem Vater Abrams, Nahors und Harans. Sie führen hin zu den Erzvätererzählungen, die schon oben vorgestellt wurden. Deshalb geht es jetzt weiter mit den Erzählungen von der Landnahme und der Festigung des Staatswesens).